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Molekularer Mechanismus der anaeroben Ammoniumoxidation gefunden
Die anaerobe Ammoniumoxidation (Anammox) ist ein wichtiger
Stoffwechselweg im Stickstoffkreislauf, der erst in den 1980er Jahren
entdeckt wurde. Derzeit schätzen die Wissenschaftler, dass etwa 50% des
Stickstoffs in der Atmosphäre durch diesen Prozess gebildet wird. Eine
Gruppe spezialisierter Bakterien führt die Anammox-Reaktion aus, aber
lange tappten die Forscher im Dunklen wie diese Bakterien Ammonium zu
Stickstoff unter Ausschluss von Sauerstoff umsetzen. Nun, 25 Jahre nach
ihrer Entdeckung, haben sie den molekularen Mechanismus von Anammox
endlich entschlüsselt. Dr. Marc Strous, seit 2 Jahren am
Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen, ist einer der
Projektleiter.
Anammox-Bakterien besitzen eine Organelle und sind dahingehend sehr
ungewöhnlich, da Organellen gewöhnlich nur bei Eukaryonten vorkommen. In
dieser speziellen Organelle, dem so genannten „Anamoxosom", findet die
Anammox-Reaktion statt. Die Membran des Anammoxosoms schützt die Zellen
vermutlich vor den hochreaktiven Zwischenprodukten der Anammox-Reaktion.
Diese Zwischenprodukte könnten Hydrazin und Hydroxylamin sein, wie
Mikrobiologen vor vielen Jahren vorgeschlagen haben. Dies war eine sehr
aufregende Möglichkeit, denn niemand hatte bisher zeigen können, dass
Hydrazin, ein sehr starkes Reduktionsmittel, das auch als
Raketentreibstoff verwendet wird, als Substrat in biologischen Systemen
vorkommt. Diese frühen Experimente waren jedoch sehr einfach und konnten
viele Fragen nicht beantworten.
Es war ein schwieriges Unterfangen, den Stoffwechselweg experimentell nachzuweisen. Der Projektleiter Marc Strous vom Max-Planck-Institut in Bremen sagt: „Die Anammox-Organismen sind schwierig zu kultivieren, denn sie teilen sich nur alle zwei Wochen. Deshalb mussten wir eine Technik entwickeln, die zur Kultivierung von so langsam wachsenden Mikroorganismen geeignet ist. Selbst nach 20jährigen Bemühungen können wir die Organismen nur in Bioreaktoren kultivieren und das auch nicht in Reinkultur." Für die Kultivierung der Anammox-Bakterien verwenden die Forscher die neueste Entwicklung auf dem Gebiet der Bioreaktortechnologie: einen Membran-Bioreaktor. In dieser Art Reaktor wachsen die Zellen in einer Suspension anstatt in Oberflächen-Biofilmen, und relativ wenige andere Organismen verunreinigen die Kultur. Dies war für die Aufreinigung von Proteinen günstig, die für den experimentellen Teil notwendig war, denn Proteine lassen sich wegen des Schleims, den die Biofilme bilden, nicht gut aus Biofilmen aufreinigen.
Um das Rätsel um den Anammox-Stoffwechselweg zu lösen, konnten die
Forscher auf die Genom-Sequenz des bekanntesten Anammox-Bakteriums,
Kuenenia stuttgartiensis, zurückgreifen. Dies half ihnen zu erkennen,
welche Enzyme an der Reaktion beteiligt sein könnten. So konnten sie
beispielsweise voraussagen, dass möglicherweise Stickoxid anstelle von
Hydroxylamin das Vorgängermolekül von Hydrazin sei. Mit einer Reihe
weiterer hochmoderner molekularbiologischer Methoden konnten die
Wissenschaftler dem Anammox-Stoffwechselweg auf die Spur zu kommen und
die Rolle von Hydrazin und Stickoxid endlich nachweisen.
„Wir haben einen großen Schritt getan, den Stickstoffkreislauf besser zu
verstehen. Jetzt wissen wir endlich, aus was der Stickstoff in der
Luft, die wir atmen, gebildet wird: Raketentreibstoff und Stickoxid!"
fasst Marc Strous die Studie zusammen. Die Entdeckung, dass Stickoxid
sowohl bei Anammox als auch bei der Denitrifikation eine wichtige Rolle
spielt, lässt die Entwicklung des Stickstoffkreislaufs in der
Erdgeschichte in einem neuen Licht erscheinen. Marc Strous erklärt: „In
der frühen Entwicklung der Erde hat sich Stickoxid durch vulkanische
Aktivität in der Atmosphäre angesammelt. Stickoxid war also vermutlich
einer der ersten Elektronenakzeptoren auf der Welt und hat dafür
gesorgt, dass sich die mikrobiellen Stoffwechselwege Anammox und
Denitrifikation entwickeln konnten
Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie




