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Spatenstich für Aktivkohleadsorptionsanlage
Umweltministerin Tanja Gönner hat den Startschuss für den Bau einer Aktivkohleadsorptionsanlage des Zweckverbands Kläranlage Böblingen-Sindelfingen auf dem Klärwerk I in Böblingen/Sindelfingen (Kreis Böblingen) gegeben. Die Wasserqualität der Schwippe wird sich durch den Bau der Aktivkohleadsorptionsanlage deutlich verbessern, so Umweltministerin Gönner. Das Ziel der Förderung mit einem Zuschuss aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) mit rund 2,3 Mio. Euro sei es, innovativen Techniken eine Chance zu geben und neue Wege zu gehen. Die EU-Fördermittel sind sehr gut angelegtes Geld, so Gönner. Die Behandlung mit Aktivkohle zur Entfernung von Arzneimittelrückständen und hormonwirksamen Stoffen sei ein völlig neuartiges Verfahrenskonzept, das als Leuchtturmprojekt von der Europäischen Union bezuschusst werde.
Das gereinigte Abwasser aus der Kläranlage fließe in die Schwippe. Bei hohen Kläranlagenabflüssen beträgt die Wassermenge aus der Kläranlage häufig mehr als das Vierfache des natürlichen Abflusses der Schwippe, erklärte Gönner. Die Kläranlage habe die gesetzten Anforderungen eingehalten, aber bei diesem Missverhältnis der Wassermengen habe die Gewässerqualität der Schwippe dennoch gelitten. Die Gewässerqualität wird von der Reinigungsleistung der Kläranlage geprägt. Mit Hilfe der innovativen Aktivkohleadsorption wird diese dann deutlich verbessert werden, freute sich Gönner.
Der Zweckverband ist erfreulicherweise selbst aktiv geworden, um die Gewässergüte der Schwippe und der Würm erheblich zu verbessern und hat sich schon 2004 für den Bau einer Flockungsfiltration als weiterer Reinigungsstufe mit einem Kostenaufwand von fast 11 Millionen entschieden, erklärte die Umweltministerin. Mit deren Inbetriebnahme im Jahr 2007 würden die noch im Ablauf der Nachklärung enthaltenen Partikel und die daran gebundenen Schadstoffe herausgefiltert. Damit wird das für das Pflanzenwachstum im Gewässer mitverantwortliche Phosphat wesentlich reduziert, so Gönner.
Trotz dieser zusätzlichen Reinigungsstufe seien im gereinigten Abwasser nach einer mechanisch-biologischen Abwasserreinigung immer noch Mikroverunreinigungen enthalten, die auch die Flockungsfiltration passieren. Es geht dabei insbesondere um Arzneimittelrückstände und Hormone, erklärte die Umweltministerin. Diese im Abwasser enthaltenen Stoffe können über die Kläranlagenabläufe in die Gewässer und damit potentiell wieder in den Nahrungskreislauf gelangen. Durch die Aktivkohleadsorption könnten diese Stoffe weitgehend aus dem Abwasser entfernt und im Klärschlamm gebunden werden. Deshalb hat der Zweckverband mit dem Bau der zusätzlichen Aktivkohleadsorptionsanlage die richtige Entscheidung getroffen, lobte die Umweltministerin. Die rund 4,7 Mio. Euro Investitionskosten seien für den Gewässerschutz, für die Lebewesen in der Schwippe, gut angelegtes Geld. Das Projekt ist auch ein wichtiger Schritt, um die praxisnahe Anwendung von Aktivkohle in der kommunalen Abwasserbehandlung zu erproben und damit den Eintrag von anthropogenen Spurenstoffen in die Gewässer, in dieser Kläranlage und bei weiteren Kläranlagen, zu verringern.
Information für die Medien:
Das Klärwerk gehört mit einer Ausbaugröße von 250.000 EW
(Einwohnergleichwerten) zu den zehn größten Kläranlagen in
Baden-Württemberg. Die jährlich behandelte Abwassermenge beläuft sich
auf mehr als 16.000.000 Kubikmeter. Bei Regenwetter beträgt der Zufluss
2000 Liter pro Sekunde oder täglich bis zu 180.000 Kubikmeter.
Quelle: Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr Baden-Württemberg




