Klärwerk.info - Wegweiser

Übersicht

Willkommen bei klaerwerk.info. Produkte suchen können Sie ganz einfach, indem Sie das gesuchte Produkt wie z.B. Pumpen  in das Feld „Produktsuche“ eingeben und dann die Enter-Taste drücken. Übersichtlich werden alle gelisteten Lieferanten angezeigt, die das Produkt führen, alle Artikel in www.Klärwerk.info, die sich mit dem Produkt beschäftigen sowie alle Fortbildungsveranstaltungen mit diesem Thema.

Ansonsten finden Sie alle Artikel geordnet in Sachgebiete. Klaerwerk.info bietet eine umfassende Fülle von Informationen und Links, die man täglich braucht. Damit Sie wissen, wo Sie was finden, nachfolgend eine Übersicht über die einzelnen Sachgebiete:

A. Aktuelles

Hier finden Sie alle aktuellen Meldungen chronologisch geordnet. Suchen Sie frühere Meldungen, so sehen Sie in den Sachgebieten nach oder geben rechts oben einen Suchbegriff in das Suchen-Feld ein.

1)      Tägliche Meldungen

B. Forum

1)      Fragen und Antworten

Das Forum steht allen Nutzern zur Verfügung. Hier können Sie alle Beiträge lesen, selbst Beiträge erstellen oder auf Beiträge antworten

C. Fachwissen

Hier schreiben Praktiker für Praktiker. Haben Sie auch etwas Interessantes zu berichten, so schreiben Sie uns an Kontakt@Klaerwerk.info .

1)     Abwasserreinigung
2)      Energie- und E-Technik
3)      Kanal- und Entwässerung
4)      Maschinentechnik
5)      Labor
6)      Schlammbehandlung
7)      Gaserzeugung und BHKW
8)      Aus Bund Ländern und EU
         a) Vom Bund
         b) Aus der EU und aller Welt
         c) Aus den einzelnen Bundesländern (geordnet nach Bundesländer)
9)      Recht und Gesetze
         a) Beiträge zum Umweltgesetzbuch
         b) Beiträge zur Wasserrahmenrichtlinie (WWRL)
         c) Beiträge zum Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)
10)    Neue Fachliteratur
         a) Neue Bücher
         b) CD/ DVD's
         c) Downloads
         d) Fachzeitschriften
         e) Lexika und Wörterbücher
11)  Tipps und Tricks

D. Berufliches

Der zweite Schwerpunkt von Klärwerk.info. Hier finden Sie alles für Arbeitnehmer und Vorgesetzte und was Sie persönlich angeht.

1)      Arbeitssicherheit
         a) Unfallverhütungsvorschriften- Regeln und Information
         b) Formulare und Erlaubnisscheine
         c) Gesetze und Verordnungen zur Arbeitssicherheit
         d) Umsetzung der Betriebssicherheitsverordnung
         e) Unterweisungshilfen
         f ) Hilfen zur Gefährdungsbeurteilung
         g) Ex-Schutz auf Kläranlagen
2)
      Tarif- und Arbeitsrecht
         a) Tarifrecht, Tarifvertrag, Gehaltsrechner und mehr
         b) Mitarbeitergespräche, Mitarbeiterbeurteilung
         c) Leistungsorientierte Bezahlung
         d) Tabelle TVöD (West)
         e) Arbeitszeugnisse
3)      Aus- und Weiterbildung
         a) Ansprechpartner
4)      Azubiseite
         a) Ausbildungshilfen für Ausbilder und "Azubis"
         b) Musterkläranlage
         c)  Prüfungsaufgaben
         d) Übungsaufgaben
         e) Informationen für Auszubildende
         f)  UT-Ausbildertreffen Fachkraft für Abwassertechnik
         g) Formeln, PSE und weitere Hilfen
5)      Meisterschüler
         a) Informationen für Meisterschüler
         b) Prüfungsaufgaben
6)        Offene Stellen

E. DWA-Infos

1)      Klärwerksnachbarschaften
         a) Kläranlagennachbarschaften in Bayern
         b) Kläranlagennachbarschaften in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
         c) Kläranlagennachbarschaften in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland
2)      DWA-Informationen
         a) DWA Arbeitsblätter
         b) KA-Betriebs-Infos
         c) Mitgliederrundbriefe aus den Landesverbänden
         d) Meldungen der DWA

F. Kläranlagen

1)      Links zu Kläranlagen und Abwasserverbänden
2)      Kläranlagen - Videos
3)      Meldungen von den Kläranlagen

G. Nützliches

1)      Wetter und Hochwasser
2)      Firmennachrichten
3)      Verbandsnachrichten        
4)      Nützliche Links
         a) Umweltschutzorganisationen
         b) Fachzeitschriften, Lexika und Wörterbücher
         c) Behörden
         d) Berufsverbände und Vereinigungen
         e) Fachinformationen
         f) Gesetze und Verordnungen
5)      Meldungen aus der Wissenschaft
6)      Meldungen aus aller Welt
7)      Allgemeine Meldungen und Berichte

H. Fortbildungsdatenbank

1)      Fortbildungen
2)      Fortbildungen in Österreich
3)      Fortbildungen in der Schweiz
4)      Messen und Tagungen

I. Produktsuche/ Lieferanten

J. Kontakt

1)      Impressum
2)      Über Uns
3)      Kontakt

25.07.2017 02:44

Klärwerk.info / Ablage / Tägliche Meldungen 2009

Tägliche Meldungen 2009

Übersicht über alle News und Zugang zum Archiv
Alle Meldungen 2007
Alle Meldungen 2008

Dezember 2009

Umwelt und Forschung 
Gesellschaft 
Gesundheit   
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Umwelt und Forschung
31.12.2009
Anzeiger für saubere Gewässer: Die Froschlaichalge wird Alge des Jahres 2010 
27.12.2009
Bonner Forscher setzen Zugspitz-Gipfel unter Strom 
22.12.2009
Internationales Symposium "Auen und Hochwasser" in Ingolstadt 
19.12.2009
Wider den wilden Wurzelwuchs: Kanäle umweltschonend bauen 
16.12.2009
Desertec: Wirtschaftliche Dynamik und politische Stabilität durch Solarkraft? 
12.12.2009
Nutzung von Biomasse: Chancen und Perspektiven 
09.12.2009
Sauberes Wasser in Vietnam mit Wittener Konzepten
05.12.2009
Tag des Bodens: Mehr als nur Dreck unter unseren Füßen 
03.12.2009
Trinkwasserangebot genügt höchsten Ansprüchen 
02.12.2009
So geht es der Umwelt in Deutschland - das Umweltbundesamt macht Kassensturz 
01.12.2009
Rettungsringe für den Golfstrom?
- Klimawandel liefert vermehrt salzreiches Wasser aus dem Indischen Ozean -
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Gesellschaft
21.12.2009
Time Magazine kürt Computer-Algorithmus für Packprobleme zu einer der 50 wichtigsten Erfindungen 2009
13.12.2009
Wie Star Trek die Welt veränderte - Weihnachtsvorlesung an der FH KL 
10.12.2009
UDE: Wie man fährt, so zahlt man seine KFZ-Versicherung 
04.12.2009
Stabile Entwicklung der Arbeitsmarktzahlen im November 
01.12.2009
Tatort Küche 
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Gesundheit
29.12.2009
Helfen Sie mit, die Ursachen des Typ-1-Diabetes während der Pubertät herauszufinden! 
23.12.2009
Auch Plätzchen können Kopfschmerzen verursachen - Deutliche Gewichtszunahme kann Kopfschmerz auslösen 
18.12.2009
Neue Influenza: Ständige Impfkommission aktualisiert Impfempfehlungen 
14.12.2009
Braune Fettzellen lassen Fettpölsterchen schmelzen 
11.12.2009
Lesebrille adieu ! 
06.12.2009
Wurzelbehandlung aus einem Guss 
01.12.2009
Eisentherapie kann vielen Herzkranken helfen 
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November 2009

Umwelt und Forschung
Gesellschaft
Gesundheit  
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Umwelt und Forschung
30.11.2009
Mit „Spannung" erwartet: Das BattG-Melderegister geht online 
28.11.2009
Solarforscher Prof. Eicke Weber: Sonne ist Stromquelle der Zukunft 
25.11.2009
Weiterer Ausbau der bioliq®-Pilotanlage am KIT 
21.11.2009
Koblenzer Biennale der Gewässerkundler 
21.11.2009
Studie: Wie viel Wasser hat das Meer? 
18.11.2009
Neues internationales Netzwerk zur Klimapolitik 
16.11.2009
Sächsische Wasserforscher stellen erste Ergebnisse ihrer gemeinsamen
internationalen Forschungen vor

14.11.2009
Veränderungen der belebten Umwelt: Gesundheitsrisiken für Mensch und Tier 
06.11.2009
Deutscher Strom- und Gasverbrauch ist gesunken 
03.11.2009
Schadet zu viel feiern der Umwelt? 
01.11.2009
Praxisforum Membrantechnik 
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Gesellschaft 
28.11.2009
Auch der Besuch der betrieblichen Weihnachtsfeier ist unfallversichert  
25.11.2009
Hasso-Plattner-Institut bekommt zum 10. Geburtstag eigene HPI-Primzahl geschenkt 
18.11.2009
Gene lernen aus Stress - Frühgeburtliche Traumata haben lebenslange Wirkung auf Gedächtnisleistung, Emotion und Antrieb 
16.11.2009
Wirtschaftskrise verändert das Wertesystem der Bundesbürger 
14.11.2009
Esperanto für TV, PC und Co. 
06.11.2009
Neue Mindestlöhne treten in Kraft 
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Gesundheit
28.11.2009
Dunkle Schokolade ist gesund - Mediziner haben den Zusammenhang zwischen Magnesium im Blut und Zahnfleischentzündungen untersucht 
25.11.2009
Schweinegrippe: UKM-Geburtsexperte empfiehlt Schwangeren individuelle Beratung zur Impfung 
21.11.2009
Passivrauchbelastung in der Gastronomie 
18.11.2009
Warum erkrankt der gesunde Mensch? 
16.11.2009
Ein Drittel aller Erwerbstätigen klagt über psychische Belastungen 
14.11.2009
Infektionsprävention in Krankenhäusern 
06.11.2009
Tipps zur betrieblichen Pandemieplanung 
03.11.2009
CO2-Speicherung: Gefahr für Trinkwasser im Raum Flensburg? 
01.11.2009
Was ist chronische Herzschwäche? 
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Oktober 2009

Umwelt und Forschung 
Gesellschaft 
Gesundheit 
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Umwelt und Forschung
29.10.2009
Neu: Kartendienst zur Luftqualität 
26.10.2009
Experten erklären Klimawandel 
26.10.2009
Die Vereinten Nationen - gemeinsam für ein weltweites Chemikalienmanagement 
23.10.2009
Nanotechnik für Mensch und Umwelt - Chancen fördern und Risiken mindern 
23.10.2009
Klimaschutz mit Sicherheitsmarge 
23.10.2009
Kosten für Strom aus erneuerbaren Energien steigen 
21.10.2009
Beschäftigungsmotor Klimaschutz 
21.10.2009
Hightech fürs Fahrrad 
21.10.2009
Neues vom Wasser 
18.10.2009
Gas- und Stromverbrauch weiter rückläufig 
16.10.2009
Wettbewerb "Erfindergeist contra Wasserpest" erbrachte spannende Ideen, aber bislang nicht die erhoffte Allzweckwaffe 
12.10.2009
Europäische Chemikalienpolitik 
09.10.2009
Kleine Flüsse, große Wirkung: neue Wasserkraftanlage feiert Weltpremiere 
07.10.2009
Tunnel lösen Entsorgungsprobleme 
04.10.2009
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin stellt Film zur Produktsicherheit vor 
04.10.2009
Materialien für die Energieversorgung - Und: Warum Energiesparlampen gar nicht so schlecht sind 
01.10.2009
Foto- und Ideenwettbewerb: Die Energie der einfachen Ideen 
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Gesellschaft  
29.10.2009
Interesse an Wasch- und Reinigungsmitteln mit EU-Umweltzeichen wächst 
18.10.2009
DGNR: Warum Angstschweiß Menschen zum Fürchten bringt 
16.10.2009
Warum Amerikaner keine Klima-Appelle hören wollen 
12.10.2009
Fahrerinnen klassischer Automobile: Frauen, die das Original lieben 
07.10.2009
Jetzt Wetterpatenschaft für 2010 sichern - Meteorologen der Freien Universität Berlin vergeben Namen für Hochs und Tiefs 2010 
01.10.2009
Maßgeschneiderte Arbeitszeitmodelle für Ältere 
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Gesundheit
29.10.2009
Zahl der Arbeitsunfälle im ersten Halbjahr 2009 stark gesunken 
26.10.2009
HIV-Schutz aus Pflanzen 
18.10.2009
Fit durch Wii und Co? Sportmediziner untersuchen den Trainingseffekt interaktiver Videospielkonsolen 
16.10.2009
Experten warnen Sportler: Kein Schmerzmittel vorab, nicht zu viel Wasser 
12.10.2009
Schweinegrippe-Impfung für Rheumapatienten: Ja oder Nein? 
09.10.2009
Implantatgetragener Zahnersatz: Keine Belege für Zusatznutzen gegenüber konventionellen Prothesen 
09.10.2009
Für und wider den Heißhunger - Wie ein wenig bekanntes Hormon das Körpergewicht beeinflusst 
07.10.2009
Warum wir häufiger Tango tanzen sollten 
04.10.2009
Nur vergesslich oder schon dement? 
01.10.2009
Blutdrucksenker im Vergleich: Nutzen der Diuretika ist am besten belegt 
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September 2009

Umwelt und Forschung  
Gesellschaft
Gesundheit  
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Umwelt und Forschung
28.09.2009
"Meeresenergien" und "Stromnetze und intelligente elektrische Systeme" 
26.09.2009
Wenn die Weltmeere ersticken 
26.09.2009
Unsichtbare Spuren im Wasser - Die mathematische Entschlüsselung eines faszinierenden Sinnesorgans: 
23.09.2009
Ziegelsteine aus dem Klärwerk 
21.09.2009
Pestizide - Belastung und Wirkung in Gewässern jetzt einfacher nachweisbar 
18.09.2009
Schirm gegen Schwermetalle 
14.09.2009
Mit Leichtigkeit Energie sparen 
14.09.2009
Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie 
11.09.2009
Klimaschutz: Atomkraft ist keine Alternative 
08.09.2009
Chemikalien: Öffentliche Kommentierung zu besorgniserregenden Stoffen eröffnet 
08.09.2009 
Von Insekten lernen - Startschuss für neue Projektgruppe »Bio-Ressourcen« 
05.09.2009
Aber bitte energieeffizient! 
05.09.2009
Aufschwung für Methanol? 
02.09.2009
Strom und Wärme vor Ort erzeugen 
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Gesellschaft 
23.09.2009
Mannheimer Forscher laden ein zu www.wahlumfrage2009.de 
21.09.2009
Fast jeder zweite Beschäftigte geht krank zur Arbeit 
18.09.2009
"Analog-Käse" - Brauchen wir strengere Gesetze?
11.09.2009 
Die Deutschen - ein Volk von Neidern? 
08.09.2009
Premium-Informationen für Autofahrer 
05.09.2009
Gutes Aussehen keine Garantie für guten Umsatz 
02.09.2009
Die erstaunliche Wirkung von Cannabis auf die Morphin-Abhängigkeit 
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Gesundheit
28.09.2009
Impfen gegen Zuckerkrankheit - Pre-POINT-Studie: Insulin kann möglicherweise Typ-1-Diabetes vorbeugen 
26.09.2009
Rapsöl macht Babynahrung gesünder 
23.09.2009
Plötzlicher Herztod bei Sportlern - wer ist gefährdet? 
21.09.2009
Ist Rheuma erblich? Lebensstil und Gene beeinflussen Rheuma gleichermaßen 
18.09.2009
Molekularer Schutzmechanismus gegen Alterung entdeckt 
14.09.2009
Den Ursachen des Tinnitus auf der Spur 
11.09.2009 
Ursprung der Milch-Verträglichkeit bei Erwachsenen liegt in Südosteuropa 
02.09.2009
Sind weiche oder harte Zahnbürsten besser? 
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August 2009

Umwelt und Forschung 
Gesellschaft 
Gesundheit 
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Umwelt und Forschung
30.08.2009
EWE-Forschungszentrum eröffnet - Energiekonzern fördert Spitzenforschung in Oldenburg 
27.08.2009
Erster Turm aus lebenden Bäumen - Baubotaniker der Uni Stuttgart erfolgreich 
27.08.2009
Wasser-Recycling gegen die Trockenheit 
24.08.2009
Membranbioreaktoren entlasten Abwassermanagement 
24.08.2009
Meeresboden unter Druck 
21.08.2009
Die Wirkung kosmischer Strahlung im Weltall 
21.08.2009
Wie gesund ist die Ostsee? 
17.08.2009
Kluge Köpfe für große Aufgaben im Umwelt- und Klimaschutz gesucht 
17.08.2009
Energieeffiziente Kläranlagen 
14.08.2009
Umweltinformatik-Spezialisten aus aller Welt kommen zur EnviroInfo 2009 nach Berlin 
14.08.2009
Wasser marsch - ohne Frost und ohne Rost 
12.08.2009
Emissionshandel für den Luftverkehr 
12.08.2009
REACH und Kunststoffrecycling 
10.08.2009
Energieeffizienz bei Elektromotoren 
08.08.2009 
Hamsterkäufe von Glühlampen unsinnig 
08.08.2009 
Meeresschutz: Blinden Passagieren geht es an den Kragen 
05.08.2009
Chemikalien: Umweltbundesamt schlägt fünf Anthracenöle für EU-weite Zulassungspflicht vor 
03.08.2009
Wasser kennt Grenzen - Zustand der Flüsse in Ost und West unterscheidet sich stark 
03.08.2009
Sorge der Bürger um den Erhalt unserer Umwelt 
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Gesellschaft
14.08.2009
Unsicherheit spornt Fußballer an 
12.08.2009
Studie zeigt: Gut gewollt ist noch längst nicht gut getan 
05.08.2009
Auch Minijobber müssen zur gesetzlichen Unfallversicherung angemeldet werden 
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Gesundheit
30.08.2009
"Rheuma-Video" offenbart Entzündungsherde frühzeitig 
30.08.2009
Hitze und Herz: Nicht nur genug, auch das richtige trinken 
27.08.2009
Wasserhaus bald auch in Namibia-Interesse an Potsdamer Uni-Projekt 
24.08.2009
Neues Portal zur Gefährdungsbeurteilung eröffnet 
21.08.2009
Krebs: Starker Gewichtsverlust verhindert Heilung 
17.08.2009
Biomarker identifizieren Patienten mit Alzheimer-Risiko 
10.08.2009
Wer Rind- und Schweinefleisch grillt, spielt mit dem Feuer - Endogene Dickdarmkarzinogene auf 11. IDE-Workshop diskutiert 
10.08.2009
Eine professionelle Zahnreinigung alle drei Monate ist effektiv 
08.08.2009
Nur geringe Unterschiede bei ESL-Milch - Wissenschaftler des Max Rubner-Instituts untersuchen Milch 
05.08.2009
Zu wenig Magensäurebildung führt zu Osteoporose 
03.08.2009
Die Heinzelmännchen der Trinkwasserversorgung 
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Juli 2009

Umwelt und Forschung   
Gesellschaft   
Gesundheit  
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Umwelt und Forschung
28.07.2009
Strom aus Abwärme - Freiburg ist Vorreiter in der Thermoelektrik 
20.07.2009
Wasser nur im Doppelpack mit Energie 
18.07.2009
Neuerscheinung: Flechten - Überlebenskünstler und Umweltzeiger 
14.07.2009
Designerdiesel aus Altfett - Geschäftsidee belegt 4ten Platz im Gründerwettbewerb 
14.07.2009
Per- und polyfluorierte Chemikalien: Einträge vermeiden - Umwelt schützen 
10.07.2009
Warum sind Kieselalgen so erfolgreich? 
10.07.2009 
Mini-Kunststoffkugeln statt Chemie: Kläranlagen umweltschonend sauber 
08.07.2009
Sauberes Wasser - ganz ohne Chemikalieneinsatz 
04.07.2009
Per- und polyfluorierte Chemikalien: Einträge vermeiden - Umwelt schützen 
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Gesellschaft 
29.07.2009
Gut gefedert auf die Mountainbike-Piste 
18.07.2009
Ingenieurmangel: Warum viele junge Menschen den Lockruf aus Wirtschaft und Hochschulen überhören 
14.07.2009
Urtümliche Pflanze birgt genetische Überraschungen 
10.07.2009 
Ehemalige Abgeordnete sind Politiker im Unruhestand 
08.07.2009 
Böden als Archive vergangener Kulturen 
04.07.2009
Der Siebenschläfer: Cleverer Familienplaner statt Wetterprophet 
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Gesundheit   
30.07.2009
Kochsalzreduktion kann den Blutdruck senken  
20.07.2009
Der Himmel voller Pilze 
20.07.2009
Rückenschmerzen: Bloß nicht ins Bett! 
18.07.2009
Gute Hygienestandards bei Minisalamis - Wissenschaftler des Max Rubner-Instituts belegen hygienische Qualität 
08.07.2009 
Australische Studie belegt: Bestimmte Honigsorten effektiver als Antibiotika 
04.07.2009
Frauen erklären Kopfschmerzen anders als Männer 
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Juni 2009

Umwelt und Forschung  
Gesellschaft  
Gesundheit 
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Umwelt und Forschung 
29.06.2009
Neue Methode zur Grundwasserüberwachung - Wie erreichen innovative Konzepte und Technologien den Markt? 
26.06.2009
Nationale Klimapolitik: UBA plädiert für mehr Mut zum Handeln 
26.06.2009
Zuviel Feinstaub in deutschen Innenstädten 
26.06.2009
Fraunhofer Know-how für die ökologische Musterstadt Masdar City 
24.06.2009
Drei Länder gemeinsam für mehr Schutz der natürlichen Ressourcen 
21.06.2009
E.ON gefährdet flächendeckend Geothermiepotenziale; Untersuchungen für CO2-Endlager in Schleswig-Holstein beantragt 
18.06.2009
Waldbericht der Bundesregierung: Zustand des deutschen Waldes ist besorgniserregend 
18.06.2009
Trinkwasser aus Luftfeuchtigkeit 
15.06.2009
Die großen Tierwanderungen verschwinden zunehmend 
15.06.2009
Wissenschaftler aus aller Welt fordern: Das Thema Versauerung der Meere muss auf die Tagesordnung von Kopenhagen gesetzt werden 
12.06.2009
Marktchance: Abwärme nutzen 
12.06.2009
Neun Kommunen für hervorragende Klimaschutzprojekte ausgezeichnet 
10.06.2009
Schadstoffe in meiner Nachbarschaft 
10.06.2009
Umweltfreundliche Flugzeuge 
07.06.2009
Wie steht es um den Umweltschutz in Deutschland? 
04.06.2009
Schnelle Auskunft beim Chemieunfall 
04.06.2009
Massenwanderung des Distelfalters - ein seltenes Phänomen 
02.06.2009
Neues Verfahren ermöglicht Gesamtrisikokarten für Hochwassergebiete 
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Gesellschaft   
29.06.2009
Neuer Leitfaden zur umweltfreundlichen Beschaffung von Notebooks 
24.06.2009
Jobsuche im Internet 
21.06.2009
Deutsche lieben ihre Sprache 
18.06.2009
Aktuelle Studie bestätigt Faszination der Deutschen für Obama 
11.06.2009
Einfach weitermachen ... RUB-Studie: Stress fördert gewohnheitsbasiertes Verhalten 
04.06.2009
Wenn Krebse durch die Wasserleitung krabbeln 
02.06.2009
Wie funktioniert das Gehirn bei einer Panikstörung? 
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Gesundheit  
29.06.2009
DEGUM: Ultraschall verbessert Früherkennung bei Brustkrebs 
24.06.2009
Kupfer gegen Keime: Erwartungen wurden übertroffen 
21.06.2009
Warum es regnet: Wie Aerosole das Wetter beeinflussen 
15.06.2009
Hormone beschleunigen Gelenkverschleiß 
12.06.2009
Malaria: Neues vom Erreger 
07.06.2009
Arbeiten im Freien: Mit heiler Haut davonkommen 
07.06.2009
Asiatische Kampfkunst erhöht Schmerzschwellen - Studie untersucht, wie Abhärtungstraining auf Schmerzempfindung wirkt 
02.06.2009
Zahn-Implantate: Patienten sollten sich vor einer Behandlung gut über Möglichkeiten und Grenzen informieren 
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Mai 2009

Umwelt und Forschung 
Gesellschaft 
Gesundheit
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Umwelt und Forschung 
29.05.2009
Kleinwasserkraft - Potentiale für die Energie von morgen 
26.05.2009
ACHEMA 2009 vermittelt Aufbruchstimmung : Zufriedene Gesichter am Ende des Weltgipfels der chemischen Technik 
26.05.2009
Hochwasser begünstigt die Vielfalt - Schnecken der Auen überleben Extremflut 
24.05.2009
Saubere Energie aus Biomasse 
21.05.2009
Schilf ist als Brennstoff geeignet 
21.05.2009
Sinkende Küsten in der südlichen Ostsee: Küstenforscher präsentieren ihre Ergebnisse 
18.05.2009
Grundwasser - eine oft unterschätzte Georessource 
16.05.2009
Mit Biomasse Ressourcen sparen 
13.05.2009
Flockungshilfsmittel aus Stärke - Technisch ebenbürtig, finanziell interessant 
11.05.2009
Stromfressende Kühl- und Gefriergeräte sowie Waschmaschinen sollen vom Markt verschwinden 
11.05.2009
Erneuerbare Energien: ThyssenKrupp Nirosta liefert Material für eine der größten Biogasanlagen der Welt 
08.05.2009
Fernsehgeräte sollen künftig sparsamer werden 
06.05.2009
Neuerscheinung: Wasserversorgung im Umbruch. Der Bevölkerungsrückgang und seine Folgen für die öffentliche Wasserwirtschaft
04.05.2009
KLIFWA untersucht Auswirkungen von Klimaänderungen auf die Wasserressourcen in Niedersachsen 
04.05.2009
Zertifizierung von Biokraftstoffen kann Umweltgefahren nur teilweise ausschließen 
01.05.2009
Heizen mit "grüner" Kohle als alternativem Energieträger 
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Gesellschaft  
29.05.2009
Treue Männer bringen keine Blumen 
13.05.2009
Blauer Engel mit neuen Vorgaben für Reifen  
08.05.2009
Gesetzliche Unfallversicherung: Persönlich Budgets werden noch selten in Anspruch genommen 
06.05.2009
Neue umfangreiche Studie zeigt: Intelligenz macht erfolgreich
01.05.2009
Warum "Der Struwwelpeter" bis heute ein Besteller ist 
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Gesundheit 
29.05.2009
Auch Sportmuffel können dem Herzinfarkt entgehen 
24.05.2009
Welt Hypertonie Tag warnt vor zu hohem Salzkonsum
24.05.2009
In sechs Minuten vom Glas ins Hirn 
21.05.2009
Vitaminpräparate steigern Diabetes-Risiko 
18.05.2009
Salz und Bluthochdruck - Forscher werfen neues Licht auf dieses Rätsel 
18.05.2009
Wer lange arbeitet, schläft schlechter - Lange Arbeitszeiten wirken sich auf die Gesundheit aus 
16.05.2009
Schröpfen: Klinische Wirksamkeit erstmals belegt 
16.05.2009
Krebsrisiko aus Grill und Pfanne 
13.05.2009
Mikroalbuminurietest nun auch im Vorsorgepaket der gesetzlichen Kassen enthalten 
11.05.2009
Fantastische Fähigkeit: Der Unterschied zwischen Fiktion und Realität stellt für das menschliche Gehirn kein Problem dar 
08.05.2009
Lärm: Die Belastung fängt im Kindesalter an 
06.05.2009
Arsen und Selen in Lebensmitteln - eine unterschätzte Gefahr? 
04.05.2009
Hoher Salzkonsum begünstigt Bluthochdruck! 
01.05.2009
Beereninhaltsstoffe könnten vor M. Parkinson schützen 
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April 2009

Umwelt und Forschung
Gesellschaft
Gesundheit 
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Umwelt und Forschung 
30.04.2009
Forschungsprojekt Extremsturmfluten: Wir wirken sich Sturmfluten auf Sylt und in Hamburg aus? 
26.04.2009
Biomasse statt Erdöl - 50 Millionen Euro für einzigartiges Forschungszentrum am Chemiestandort Leuna 
22.04.2009
Kohlenstoff-Nanoröhren und die Umwelt 
19.04.2009
Das Elektroauto als Stromspeicher 
17.04.2009
Biomasse statt Erdöl - 50 Millionen Euro für einzigartiges Forschungszentrum am Chemiestandort Leuna 
15.04.2009
Abwassertechnik für Hanoi - Versuchsanlage in Darmstadt wird am 30. März eingeweiht 
15.04.2009
Georessource Wasser im Globalen Wandel: acatech startet Projekt zur Zukunft der Wasserversorgung 
11.04.2009
Denn entscheidend ist, was hinten rauskommt: Fischkot "lernt" schwimmen 
06.04.2009
Forschung für eine sichere Wasserversorgung 
06.04.2009
Forscher empfehlen eine ökonomische Sichtweise auf internationale Wasserkonflikte- Untersuchungen zu grenzüberschreitenden Flüssen 
03.04.2009
Vom neuen Wert des Wassers: Marode Abwasserkanäle durch innovative Infrastrukturen ersetzten 
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Gesellschaft
30.04.2009
"Der Schlingel hat die Welt erobert - ganz friedlich, ohne Blutvergießen" 
26.04.2009
Niederlagen vermeiden 
22.04.2009
Elektronische Unterschrift 
19.04.2009
Alarmanlage im Hirn: Fehler können vom Gehirn bereits erkannt werden, bevor sie geschehen sind 
17.04.2009
Die Belastung durch Einkommensteuer und Sozialabgaben 
11.04.2009
Die Belastung durch Einkommensteuer und Sozialabgaben 
03.04.2009
Rachsucht zahlt sich nicht aus 
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Gesundheit 
30.04.2009
Erstes Hohenheimer Ernährungsgespräch: Unzureichende Vitamin-D-Versorgung in Deutschland - Experten sehen Handlungsbedarf 
26.04.2009
Besser lernen auf dem "Schaukelstuhl" 
22.04.2009
Warum das Herz links schlägt 
19.04.2009
Start der Aktion "Wir gegen Viren" - Richtiges Händewaschen schützt 
17.04.2009
Osteoporose: Schuld sind nicht allein die Wechseljahre 
15.04.2009
Herzinfarkt-Risiko als Erblast: Frühzeitig gegensteuern! 
11.04.2009
Nach neuer Studienlage: Diskussion um PSA-Screening geht weiter 
06.04.2009
Herpesgefahr durch Textilien? 
03.04.2009
Fetter Fisch kann vor Darmkrebs schützen 
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März 2009

Umwelt und Forschung 
Gesellschaft  
Gesundheit
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Umwelt und Forschung
31.03.2009
Die Wetter-Profiler 
28.03.2009
Insel Mainau macht Besucher zu Entdeckern - Forschungsexpedition zum Thema Wasser vom 03.7. bis 31.08.2009 
25.03.2009
Für "Nobelpreis für Umweltschutz" 100 Vorschläge auf dem Tisch 
22.03.2009
Moschus belastet die Kläranlagen 
19.03.2009
Darwins Zeitmaschine 
13.03.2009
Chemikalien leasen - Umwelt entlasten 
13.03.2009
Wie der Stickstoff aus dem Meer entkommt 
11.03.2009
Überleben in der Eiszeit - Stuttgarter Zoologen testen Bärtierchen auf Kältetoleranz 
07.03.2009
Wieviel Schutz vor Hochwasser? 
05.03.2009
Entwicklungen auf dem Gebiet der Kleinkläranlagen 
01.03.2009
Nicht jeder Brennstoff darf in den Kamin- oder Kachelofen 
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Gesellschaft 
28.03.2009
Verkehr: Autos als Staumelder 
22.03.2009
Was Frauen aus dem Beruf drängt 
19.03.2009
Warum die Giraffe nicht wie ein Dackel laufen kann 
11.03.2009
Tödliche Arbeitsunfälle auf historischem Tiefstand 
07.03.2009
Umweltfreundlichere Autoklimaanlagen müssen jetzt kommen 
05.03.2009
Wie Hyänen ihren sozialen Status "vererben" 
01.03.2009
Schuhsohlen und Klebefolien nach Vorbild des Geckos 
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Gesundheit 
31.03.2009
Wie "tickt" der Mensch? 
28.03.2009
Ausgewählte Fragen und Antworten zu Glycidamid in Lebensmitteln 
25.03.2009
Umwelthormone im Mineralwasser 
22.03.2009
Neue Information für Menschen mit Diabetes 
19.03.2009
Akupunktur hilft bei Heuschnupfen 
13.03.2009
Cholesterinspiegel - wie hoch darf er wirklich sein? 
11.03.2009
Der weiße Hautkrebs ist auf dem Vormarsch 
07.03.2009
DGE: Bluthochdruck oft durch Hormonstörung verursacht 
05.03.2009
Nach den tollen Tagen wieder an die Ernährung denken! Studie: Olivenöl und Gemüse schützen auch vor geistigem Abbau im Alter 
01.03.2009
Parodontitis und Herzinfarkt: Zusammenhang genetisch belegbar 
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Februar 2009

Umwelt und Forschung
Gesellschaft   
Gesundheit 
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Umwelt und Forschung 
26.02.2009
Wird der Golfstrom zu süß? - Kieler Meeresforscher untersuchen Klimasignale in der Karibik 
26.02.2009
Reform mit Folgen: Die Umweltverwaltung ist geschwächt 
21.02.2009
RFIDs funken durch Metall 
21.02.2009
Strom aus Stroh 
18.02.2009
Prozessgas: nicht lange fackeln 
16.02.2009
Neues Fraunhofer-Institut für Windenergie 
14.02.2009
Das Umweltgesetzbuch als erstes Opfer des Vorwahlkampfes 
14.02.2009
Naturschutz-Kleinod wechselt Besitzer: Prora (Rügen) erste DBU-Naturerbe-Fläche 
11.02.2009
ACHEMA 2009 bleibt auf Erfolgskurs 
09.02.2009
Wann lohnt die Deich-Sanierung? - Software zur Prognose von Deichversagen 
07.02.2009
Wirtschaft, Politik und Umweltorganisationen fordern Umdenken beim Einsatz von Papier 
07.02.2009
Verbraucherfreundliche CO2-Kennzeichnung für neue Pkw muss endlich kommen 
06.02.2009
Umweltforschungsplan 2009 ab sofort online 
04.02.2009
Abwasser und Ressourcenschutz: die DBU auf der Terratec 2009 
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Gesellschaft  
18.02.2009
Wenn der Arbeitgeber kündigt: Nur jeder achte klagt 
16.02.2009
Betriebliche Weiterbildung: Fachübergreifende Kompetenzen werden immer wichtiger 
11.02.2009
Ein Treffer kommt selten allein - Das Hot Hand Phänomen als evolutionäre Anpassung an Umweltmuster 
09.02.2009
Ötzis letzte Tage - Gletschermann wurde möglicherweise zweimal attackiert 
06.02.2009
Von Benjamin Blümchen zum begleiteten Fahren: Wie Kinder den Autokauf der Eltern beeinflussen 
04.02.2009
Mehr Überblick für Autofahrer 
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Gesundheit  
26.02.2009
Wie das Ohr zwischen Lärm und Flüstern unterscheidet 
21.02.2009
Neue Ansätze zur Vererbung von Herzinfarkt gefunden 
18.02.2009
Das Gen, das die Lebensuhr zurückdreht 
16.02.2009
Forschungsgruppe fordert Erstattung von Akupunktur bei Kopfschmerzen 
14.02.2009
Auslösern von Panikattacken auf der Spur 
06.02.2009
Gefahr Hepatitis B: Gemeinsam Handeln 
04.02.2009
Zitronenmelisse hält Herpes-Viren in der Zellkultur in Schach 
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Januar 2009

Umwelt und Forschung  
Gesellschaft  
Gesundheit    
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Umwelt und Forschung
26.01.2009
Luftqualität 2008: Grenzwerte für Feinstaub weiterhin überschritten 
18.01.2009
Umweltfreundliche Beschaffung spart bares Geld 
18.01.2009
Umweltschutz wird als Wirtschaftsfaktor immer wichtiger 
09.01.2009
Roboter inspiziert Windkraftanlagen 
07.01.2009
Bienen stoppen Raupen 
07.01.2009
Wasserversorgung trotz Klimawandel sichern 
05.01.2009
Misteln zeigen verborgene Belastungen in Böden 
03.01.2009
Kristallklarer Durchblick bei der Kalkbildung 
01.01.2009
Wärmepumpenanlagen - Fachtagung stellt Betriebsergebnisse aus der Praxis vor 
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Gesellschaft
27.01.2009
Arbeit gestalten, geistige Fitness erhalten 
20.01.2009
So alt wie man sich fühlt - Senioren fühlen sich 13 Jahre jünger als es ihrem Lebensalter entspricht 
15.01.2009
Tarifliche Ausbildungsvergütungen 2008: Anstieg im Osten etwas stärker als im Westen 
09.01.2009
Das Element Uran im Trinkwasser, im Kernkraftwerk und beim Nobelpreiskomitee 
05.01.2009
Fenchel: Arzneipflanze des Jahres 2009 
01.01.2009
Stigmatisierung wegen Arbeitslosigkeit hemmt den Wiedereinstieg in den Beruf 
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Gesundheit  
27.01.2009
Diabetes kann Ursache für Magen-Darm-Beschwerden sein 
20.01.2009
Milch ist nicht gleich Milch - das Max Rubner-Institut informiert über die Unterschiede 
15.01.2009
Höchste Zeit für die Grippe-Schutzimpfung 
09.01.2009
Sensor in Arterie misst Blutdruck 
03.01.2009
Besser laufen mit dem Sportschuh ohne Hacke 
01.01.2009
Was Sonnenschutzmittel mit Hormonen zu tun haben 


Neuer Leitfaden zur umweltfreundlichen Beschaffung von Notebooks

Beschaffungs-Portal „ITK-Beschaffung.de" nun auch in Englisch und Französisch

Die öffentliche Ausschreibung und der Einkauf umweltfreundlicher Notebooks wird für Wirtschaft und Verwaltung einfacher. Der Hightech-Verband BITKOM, das Umweltbundesamt (UBA) und das Beschaffungsamt des Bundesministeriums des Inneren (BeschA) haben hierzu einen neuen Leitfaden „Empfehlungen für die umweltfreundliche Beschaffung von Notebooks" veröffentlicht. „Die Broschüre ist eine verlässliche und verständliche Hilfe für die Einkäufer der öffentlichen Hand und gibt auch privaten Unternehmen Tipps beim Einkauf umwelt-freundlicher Notebooks", sagte Martin Jetter, Mitglied des BITKOM-Präsidiums. Notebooks werden immer beliebter: Nach BITKOM-Berechnungen werden in Deutschland in diesem Jahr 7,2 Millionen Geräte verkauft, 26 Prozent mehr als 2008. Heute entfallen 62 Prozent der verkauften PCs auf Notebooks und 38 Prozent auf Tischrechner (so genannte Desktop-PCs). Vor drei Jahren war das Verhältnis noch umgekehrt.

In dem Leitfaden werden unter anderem Beschaffungskriterien in den Bereichen Energieverbrauch, Materialeigenschaften und Geräuschemissionen bei Notebooks vorgeschlagen sowie praxisnah dargestellt und erläutert. Der ab Juli 2009 gültige Energieeffizienz-Standard „Energy Star 5.0" ist dabei bereits berücksichtigt. „Die Beschaffung energiesparender Notebooks durch die öffentliche Hand trägt aktiv zum Klimaschutz bei. Außerdem lässt sich so Energie sparen und damit auch Steuergelder", sagte der Vizepräsident des Umweltbundesamtes Dr. Thomas Holzmann. Notebooks verbrauchen grundsätzlich weniger Energie und Material im Vergleich zu Desktops. Die öffentliche Verwaltung wird 2009 nach BITKOM-Schätzungen für Computer, Software und Dienstleistungen rund um IT und Kommunikation über 18 Milliarden Euro ausgeben. Dabei entfällt ein Großteil auf Software (vier Milliarden Euro) und Hardware wie Computer (2,3 Milliarden Euro). „Die öffentliche Hand hat eine Einkaufsmacht, die sie noch stärker für umweltfreundliche Produkte einsetzen sollte", so Holzmann.

Die Publikation wurde im Rahmen der Online-Plattform „ITK-Beschaffung.de" erstellt. Das Projekt von BITKOM, UBA, BeschA und dem IT-Amt der Bundeswehr bietet öffentlichen Auftraggebern Hilfe bei der Ausschreibung und dem Einkauf von ITK-Produkten. Diese Vorgänge sind oft komplex, schließlich müssen viele rechtliche Vorgaben und Ansprüche an Umweltschutz und Vergaberecht erfüllt werden. Das Online-Angebot ist mittlerweile in Deutsch, Englisch (www.ICT-procurement.org) und Französisch abrufbar und wird laufend erweitert. Demnächst wird in einer aktualisierten Version des schon erschienenen „Leitfaden für die umweltfreundliche Beschaffung von Desktops" ebenfalls der neue Standard „Energy Star 5.0"-aufgenommen. „Für die Einkäufer der öffentlichen Hand ist das Internet-Portal zur ITK-Beschaffung eine große Erleichterung", sagte Klaus-Peter Tiedtke, Direktor des Beschaffungsamtes. "Das Portal fördert den Wettbewerb und die Transparenz. Dadurch können wir einen größere Anzahl von Angeboten auf unsere Ausschreibungen erzielen und sorgt so für Einsparungen. Wir können das Geld der Steuerzahler effizienter einsetzen und haben juristische Sicherheit", so Tiedtke.

Der Leitfaden zur Beschaffung umweltfreundlicher Notebooks kann unter http://www.itk-beschaffung.de/index.php?id=4 kostenlos heruntergeladen werden 

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Neue Methode zur Grundwasserüberwachung - Wie erreichen innovative Konzepte und Technologien den Markt?

Tilo Arnhold, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Leipzig. Die Überwachung von Wasserressourcen kann in Zukunft effektiver und sicherer erfolgen. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und der Universität Stockholm entwickelten dazu ein neues Berechnungsverfahren, das es erlaubt, von einzelnen Kontrollbrunnen besser auf den gesamten Wasserkörper im Untergrund zu schließen. Das Monitoring von Schadstofffahnen und die Vorhersage ihres Verhaltens sind entscheidend für ein effektives Management von Grundwasserverunreinigungen, schreiben die Forscher im Fachblatt "Water Resources Research".
Durch das neue Rechenverfahren ist es nun möglich, die Qualität des Grundwassers und mögliche Umweltbeeinträchtigungen einzuschätzen. Immerhin stammen drei Viertel des Trinkwassers in Deutschland aus dem Grundwasser. "Früher musste dazu aufwendig an vielen Stellen gebohrt und unzählige Wasserproben ausgewertet werden", erläutert Prof. Georg Teutsch vom UFZ. "Das neue Verfahren wird die Überwachung von Schadstofffahnen im Grundwasser, wie sie unter vielen ehemaligen Industriestandorten existieren, wesentlich vereinfachen." Seit 2000 arbeiten die Forscher an dem Verfahren im Rahmen des Forschungsprogrammes SAFIRA II, das an verschiedenen Standorten in Deutschland neue technische Methoden zur Untersuchung und Sanierung von großflächigen Schadstoffverunreinigungen - so genannte Megasites - untersucht. Geplant ist, die neuen Formeln in eine Software zu integrieren, damit sie künftig von Behörden und Ingenieurbüros genutzt werden können. Dabei werden die Wissenschaftler von einem Kompetenzzentrum unterstützt, das den Wissenstransfer aus der Forschung in die Praxis fördert. Das Terra-, Aqua- und Sanierungskompetenzzentrum Leipzig (TASK) hat sich die Förderung einer effizienten Verwertung von Forschungsprodukten im Bereich Boden, Grundwasser und Flächenrevitalisierung zum Ziel gesetzt.

Um aus Ideen wie dieser schneller marktreife Produkte zu machen treffen sich am 23. und 24. Juni Experten aus Forschung, Verwaltung und Technik auf dem 1. TASK-Symposium in Leipzig. Die TASK-Initiative wird von Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Hightech-Strategie der Bundesregierung unterstützt und steht unter der Leitung des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Außerdem wird in Leipzig das Konzept und Vorgehen der TASK-Initiative für den Eintritt von Produkten im nationalen und internationalen Markt vorgestellt. Die Unterstützungsmaßnahmen von TASK laufen derzeit in den Bereichen Sickerwasserprognose, Erkundungsmethoden für großflächige Bodenverunreinigungen, Natural Attenuation und geophysikalische Untersuchungsmethoden. Eine Fachausstellung informiert über innovative Ergebnisse und Produkte aus den Bereichen Monitoring-, Erkundungs- und Sanierungstechnologien.
Tilo Arnhold

Publikation:
Bayer-Raich, M., Jarsjö, J., Teutsch, G. (2009):
Breakthrough of attenuating contaminant plumes in pumping wells: Analytical model and implications for integral pumping tests
Water Resour. Res. 45, W02413
http://dx.doi.org/10.1029/2007WR006075

Weitere fachliche Informationen:
Martin Bittens
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235- 1682
http://www.ufz.de/index.php?de=17038
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1269
http://www.ufz.de/index.php?de=12869

Weiterführende Links:
1. TASK Symposium und Produktmesse
http://www.task.ufz.de/index.php?de=17954

SAFIRA-II-Projekt:
http://www.ufz.de/index.php?de=13244

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weitreichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
http://www.ufz.de
Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,4 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).
http://www.helmholtz.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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DEGUM: Ultraschall verbessert Früherkennung bei Brustkrebs

Medizin - Kommunikation, Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

DEGUM empfiehlt Sonografie
Brustkrebs: Ultraschall verbessert Früherkennung

Hamburg - Die Ultraschalluntersuchung der weiblichen Brust verbessert bei Frauen mit dichtem Gewebe die Früherkennung von Brustkrebs. Bei einer solchen Mammasonografie liegt die Erkennungsrate, das zeigen Studien, bei bis zu 88 Prozent. Die Karzinom-Nachweisquote bei der röntgenologischen Mammografie hingegen liegt bei 56 Prozent. Die Ultraschalluntersuchung der weiblichen Brust durch den Frauenarzt muss deshalb Bestandteil der Brustkrebsfrüherkennung bleiben, fordern Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
Frauen zwischen 50 und 69 Jahren haben heute im Rahmen von Reihenuntersuchungen Anspruch auf eine Röntgenuntersuchung der Brust. "Die Mammasonografie ist dennoch als gleich- und nicht nachrangige Methode zur Mammografie zu betrachten", betont Professor Dr. med. Eberhard Merz, Frankfurt, vom Vorstand der DEGUM. Ohne Zweifel stelle das Mammografie-Screening einen großen Fortschritt in der Frühdiagnostik des Brustkrebses dar, so der Frauenarzt. "Es darf aber nicht der Eindruck entstehen, als löse die Röntgenuntersuchung allein das Problem der Brustkrebsfrüherkennung", setzt Merz hinzu.

Ein Drittel aller Brustkrebserkrankungen treten vor dem 50. Lebensjahr auf, ein Fünftel nach dem 69. Lebensjahr. Diese Frauen seien auch künftig auf die Ultraschalluntersuchung angewiesen sein, welche viele Frauenärzte zusammen mit der Tastuntersuchung anbieten. "Gynäkologen sind in der Krebsvorsorge ein primärer Ansprechpartner für die Frauen: Oft betreuen sie ihre Patientinnen über lange Jahre", sagt der Experte. Auffällige Tastbefunde könnten mit Hilfe moderner Ultraschallgeräte, wie sie in der Schwangerenbetreuung zum Einsatz kommen, gezielt abgeklärt werden.

Die Mammasonografie spüre aber auch nicht-tastbare Tumore auf. Bei Frauen mit einer hohen Brustdichte im Röntgenbild - unter den Frauen europäischer Herkunft sind dies mehr als die Hälfte - hat der Brustultraschall nach Einschätzung von Merz sogar eindeutige Vorteile gegenüber der Mammografie: "Mit leistungsstarken Geräten werden viele Tumore entdeckt, die bei der Mammografie nicht erkennbar sind." Medizinischer Ultraschall biete sich deshalb auch zur Abklärung unklarer Befunde an. In einer aktuellen Studie entdeckt die Sonografie 15 Prozent der mammografisch nicht erkannten Tumoren in der Brust. Weitere Einsatzgebiete sieht der Experte in der Nachsorge der Krebspatienten. Die Ultraschalluntersuchung könne hier eingesetzt werden, um Narben in der Brust oder vergrößerte Lymphknoten in der Achselhöhle zu beurteilen oder um das Gewebe um Brustimplantate zu prüfen.

Voraussetzung für den Erfolg der Sonografie ist laut Merz neben einer guten technischen Ausstattung auch die Erfahrung der Ärzte. Die DEGUM zertifiziert deshalb Mediziner nach einem 3-Stufen-Konzept. Sie stellt damit sicher, dass die Untersuchung von kundigen Ärzten durchgeführt wird. Merz: "Wir betrachten die Ultraschalluntersuchung durch den Frauenarzt insgesamt als eine sinnvolle Ergänzung zur Mammografie durch den Radiologen und befürworten eine interdisziplinäre Zusammenarbeit auf hohem Niveau zum Wohle unserer Patientinnen." Frauen rät er, ihren Arzt nach seinem DEGUM-Zertifikat zu fragen.

Ihr Kontakt für Rückfragen:
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
Pressestelle
Silke Jakobi
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-163
Fax: 0711 8931-167
jakobi@medizinkommunikation.org

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Nationale Klimapolitik: UBA plädiert für mehr Mut zum Handeln

Neues Hintergrundpapier zum Start der Green Week

Um weitreichende Folgen des Klimawandels zu vermeiden, muss Deutschland bisher ungenutzte Potentiale zur Senkung der klimaschädlichen Treibhausgase erkennen und konsequent in Emissionsminderungen umsetzen. „Wir müssen mutiger werden, um uns und unsere Umwelt langfristig vor den Folgen der Klimaänderung zu schützen", sagt Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des Umweltbundesamtes (UBA). Diese Botschaft samt einer Bestandsaufnahme der deutschen Klimaschutzpolitik vermittelt auch das neue UBA- Hintergrundpapier „Klimaschutz konkret: Mut zum Handeln", das anlässlich der am 23. Juni 2009 in Brüssel startenden Green Week veröffentlicht wird. Die Green Week ist die jährlich stattfindende, größte Umweltkonferenz der Europäischen Union (EU) mit rund 3.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus EU-Institutionen, Wirtschaft, Nichtregierungsorganisationen, Verwaltung und Wissenschaft. Sie steht in diesem Jahr unter dem Motto „Climate Change - Act and Adapt".

Das Hintergrundpapier gibt einen Überblick über die jüngsten Reformen in der Klimaschutzpolitik der Bundesregierung, analysiert mögliche Hindernisse für eine erfolgreiche Umsetzung und benennt Lösungsvorschläge. Das UBA plädiert für mutiges Handeln zum Schutz des Klimas: Bisher unzureichend erschlossene Möglichkeiten für den Klimaschutz - etwa bei der energetischen Sanierung des Gebäudebestandes, bei der Umsetzung umweltgerechter Mobilitätskonzepte oder einer emissionsärmeren Bereitstellung von Strom und Wärme - müssen erschlossen werden. So braucht Deutschland zum Beispiel ein Energiesystem, das den Verbraucherinnen und Verbrauchern einen hohen Anteil erneuerbarer Energien zur Verfügung stellen kann. Die Energieeinsparverordnung, welche Höchstwerte für den Energieverbrauch von Gebäuden festlegt, darf nicht nur auf dem Papier stehen, sondern muss wirksam umgesetzt werden. Die technischen Möglichkeiten für eine Senkung des durchschnittlichen Ausstoßes an Kohlendioxid der Neuwagenflotte auf 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer (g CO2/km) im Jahr 2020 sind vorhanden. Deshalb sollte dieser Grenzwert auch EU-Gesetz werden. Schließlich profitiert von einem solchen Strukturwandel der Energiebereitstellung und des Energieverbrauchs nicht nur die Umwelt; Unternehmen sowie Endverbraucherinnen und -verbraucher können so ihren Energieverbrauch deutlich senken und damit mittelfristig Kosten sparen.

Noch steigen die globalen Treibhausgasemissionen weiter an. Um untragbare Folgen für Mensch und Umwelt zu vermeiden, müssen wir - so der Internationale Klimarat, ein Gremium renommierter Klimaforscher - die Erderwärmung weltweit auf 2 Grad gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzen. Um diese kritische Zwei-Grad-Schwelle nicht zu überschreiten, müssen alle Staaten weltweit ihre Treibhausgasemissionen so bald und so stark wie möglich verringern: Bis zum Jahr 2020 muss das Wachstum der Emissionen gestoppt sein. 2050 darf der weltweite Ausstoß an Treibhausgasen nur noch halb so groß sein wie im Jahr 1990.

Das Hintergrundpapier „Klimaschutz konkret: Mut zum Handeln" steht im Internet unter http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3809.pdf zum Download zur Verfügung.

(Quelle: Umweltbundesamt)

(nach oben)


Zuviel Feinstaub in deutschen Innenstädten

Weitere Maßnahmen zur Emissionsminderung nötig

Die gesundheitsschädliche Feinstaubbelastung in deutschen Innenstädten ist weiterhin zu hoch. In sechs Städten - darunter Stuttgart und München - ist der Grenzwert (Tagesmittelwert) von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m3) bereits jetzt an mehr als den zulässigen 35 Tagen pro Jahr überschritten. Weitere zehn Städte in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Thüringen, Hessen und Sachsen stehen kurz vor der Grenzwertüberschreitung. Ein Grund dafür ist das Wetter zu Beginn dieses Jahres: windschwache Hochdruckwetterlagen, die häufiger auftraten als in den Jahren 2007 und 2008, behinderten den Abtrans­port der Luftschadstoffe.

„Wir müssen die Feinstaubbelastung dringend senken, damit die Menschen - gerade in den Innenstädten - gesunde, saubere Luft atmen können", sagt Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des Umweltbundesamtes (UBA). „Möglichkeiten, die Feinstaubemissionen zu senken, gibt es. Sie müssen nun schleunigst Wirklichkeit werden."

Der Straßenverkehr ist eine wichtige Emissionsquelle für Feinstaub. Hier gilt es anzusetzen:

- Würden in Umweltzonen nur noch Kraftfahrzeuge mit grüner Plakette - also Fahrzeuge der Schadstoffgruppe EURO 4 und besser - fahren, ließen sich bis zu 18 Überschreitungstage pro Jahr vermeiden.

- Ein Tempolimit von 30 Kilometer pro Stunde auf den betroffenen Hauptverkehrsstraßen innerhalb der Städte ließe 10 Überschreitungstage weniger im Jahr als bei Tempo 50 erwarten.

Die Nachrüstung leichter Nutzfahrzeuge der Schadstoffklassen EURO 3 und schlechter mit Dieselrußfiltern sollte die obigen Maßnahmen ergänzen. Betroffen sind bis zu 300.000 leichte Nutzfahrzeuge in Deutschland. Die Länder, die für die Einhaltung der Luftqualitätsanforderungen verantwortlich sind, könnten für Förderprogramme auf Gelder aus dem EU-Strukturfonds zugreifen.

Nicht nur der Verkehr ist für die hohe Feinstaubbelastung verantwortlich. Auch andere Quellen sind relevant - beispielsweise die Holzheizungen und Kamine in privaten Haushalten und im Kleingewerbe. So genannte Kleinfeuerungsanlagen sind nach dem Straßenverkehr der zweitgrößte Verursacher des Feinstaubes. Um hier Emissionsminderungen zu erreichen, muss es anspruchsvolle Grenzwerte für diese Heizungen geben. Die geplante Novellierung der „Verordnung über kleine und mitt­lere Feuerungsanlagen" sieht dies vor. Wichtig ist, dass auch Altanlagen ihre Emissionen senken müssen. Nach einer angemessenen Übergangsfrist sollte auch für sie ein anspruchsvoller Staubgrenzwert gelten. Um diesen einzuhalten, haben die Betreiber zwei Möglichkeiten: Sie können die Anlage mit einem Filter zur Feinstaubminderung nachrüsten oder die alte Anlage durch eine neue ersetzen. Für eine Reihe von Anlagen plant das Bundesumweltministerium (BMU) Ausnahmen - beispielsweise für Anlagen, die die einzige Heizmöglichkeit einer Wohneinheit sind, sowie für solche Anlagen, die vorrangig zum Kochen dienen.

Die hohe Feinstaubbelastung in den Städten entsteht nicht nur aus den Emissionen vor Ort. Ein bedeutender Anteil des Feinstaubes, der sich in der Atmosphäre auch aus den Vorläufersubstanzen Schwefel- und Stickstoffoxiden bildet, kommt von weit her in unsere Ballungsräume. Hier sind europäische Lösungen gefragt: Eine deutliche Minderung der Emissionen aus großen Industrieanlagen - wie etwa Kraftwerken - ist erforderlich. Die Europäische Union überarbeitet derzeit die Vor­schriften für diese Industrieanlagen. Dabei sind es vor allem Anlagen in Osteuropa, die einen großen Sanierungsbedarf haben. Deutschland setzt sich für anspruchsvolle Grenzwerte für Staub selbst und für die Vorläufersubstanzen ein und wird profitieren: Mittelfristig könnte die Belastung, die aus dem Ausland nach Deutschland kommt, deutlich abnehmen.

Das aktuelle UBA-Hintergrundpapier „Feinstaubbelastung in Deutschland" steht unter Verfügung unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/mysql_medien.php?anfrage=Kennummer&Suchwort=3565.

Aktuelle Luftqualitätsdaten finden Sie im Internet unter http://www.env-it.de/umweltbundesamt/luftdaten/index.html 

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Fraunhofer Know-how für die ökologische Musterstadt Masdar City

Die Stadt der Zukunft wächst derzeit am Rande von Abu Dhabi: Masdar City soll ausschließlich mit regenerativen Energien versorgt werden und weder Kohlendioxid noch Müll erzeugen. An der Entwicklung neuer Technologien für Planung und Realisierung der ökologischen Musterstadt, sind Fraunhofer-Forscher beteiligt.

Am 21. Juni 2009 unterzeichneten die Fraunhofer-Gesellschaft und die Abu Dhabi Future Energy Company als Repräsentantin des Masdar City Projekts ein Kooperationsabkommen über eine strategische Partnerschaft. Ziel der Zusammenarbeit zwischen Fraunhofer, der größten europäischen Einrichtung für angewandte Forschung, und der ökologischen Zukunftsstadt Masdar City im Emirat Abu Dhabi ist zunächst die Gründung einer gemeinsamen Projektgruppe. Langfristig wollen beide Partner bei der nachhaltigen Stadtentwicklung und Gebäudeplanung eng zusammenarbeiten. Beteiligt an der Kooperation sind die Fraunhofer-Institute für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, für Bauphysik IBP sowie für Solare Energiesysteme ISE.

»Die Verknüpfung von angewandter Forschung und Nachhaltigkeit ist eine Stärke unserer Institute«, so Fraunhofer-Präsident Prof. Hans-Jörg Bullinger. »Es bietet sich daher an, Fraunhofer Know-how in das einmalige ökologische Zukunftsprojekt Masdar City einzubringen. Daher freue ich mich sehr über diese strategische Kooperation. Die Zusammenarbeit ist ein Meilenstein für die Entwicklung zukunftsfähiger Lösungen zur Bewältigung der globalen Herausforderungen.«

»Wir wollen die Entwicklung innovativer nachhaltiger Technologien beschleunigen und sie global verfügbar machen«, sagt Masdar CEO Dr. Sultan Al Jaber. »Es ist unsere Überzeugung, dass weltweite Zusammenarbeit notwendig ist, um dieses Ziel zu erreichen. Unsere Partnerschaft mit MIT, DLR, Imperial College und dem Tokyo Institute of Technology beweisen dies. Auch die Kooperation mit der Fraunhofer-Gesellschaft wird die Schlüsselrolle Masdars bei der Entwicklung von erneuerbaren Energien in Abu Dhabi stärken, indem wir Innovation und Vermarktung nachhaltiger Technologien kontinuierlich vorantreiben.«

Masdar City wird etwa 30 Kilometer östlich der Hauptstadt Abu Dhabi auf einer Fläche von sechs Quadratkilometern errichtet und ist für rund 50.000 Einwohner geplant. Das als CO2-neutrale Stadt geplante Vorhaben soll vollständig durch erneuerbare Energien versorgt werden, durch konsequentes Recycling nahezu abfallfrei sein, einen signifikant reduzierten Wasserverbrauch aufweisen und dank eines unterirdischen Verkehrssystems autofreie Straßen haben.

In einem ersten Schritt entsenden die beteiligten Institute je einen Vertreter und bilden eine Projektgruppe in Masdar. Ihr Aufgabe ist es, Projekte zu akquirieren sowie die Gründung eines Centers vorzubereiten. Auch die Möglichkeit, später ein gemeinsames Institut für nachhaltigen Städtebau zu gründen, soll geprüft werden. Eine enge Zusammenarbeit mit dem im Aufbau befindlichen Masdar Institute of Science and Technology wird angestrebt.

Angestoßen wurde die strategische Kooperation durch bereits bestehende Kontakte und laufende Projekte besonders des Fraunhofer- Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg. »Um die notwendige Umstellung unserer Energieversorgung auf erneuerbare Energien voranzutreiben braucht es ehrgeizige Beispiele. Dieses weltweit beispielgebende Konzept für nachhaltigen Städtebau wird globale Ausstrahlung haben, und wir freuen uns auf die Gelegenheit, dazu einen wesentlichen Beitrag zu liefern«, so Institutsleiter Prof. Eicke R. Weber, der stellvertretend für die Fraunhofer-Gesellschaft das Memorandum of Understanding vor Ort unterzeichnete.

Das Fraunhofer ISE arbeitet derzeit an ersten Projekten mit Masdar auf dem Gebiet der solaren Klimatisierung sowie der solarthermischen Prozesswärmeerzeugung. Mit den Firmen Mirroxx, Concentrix Solar und Solar Spring sind bereits drei Spin-off Firmen des Instituts in Masdar aktiv geworden oder haben Kontakte. Die Solarenergie mit ihren unterschiedlichsten Anwendungsbereichen ist ein zentraler Teil der Kooperation.

Eine ebenso wichtige Rolle spielen energieeffiziente Gebäude, nachhaltige Rohstoffe, Trinkwasseraufbreitungstechnologien, intelligente Stromversorgungskonzepte, Elektromobilität, Architektur und Engineering Simulation sowie Sustainable Behavior. Auch Design-Projekte, die auf Virtual Reality basieren, sind geplant. Planer, Nutzer und Besucher können die geplante Zero-Carbon-City bereits im Planungsstadium mittels einer Virtual Reality Software des IAO gemeinsam entwickeln und erleben. Komplexe Planungsprozesse werden effizient unterstützt und erlauben Kunden und Besuchern, die Stadt mittels beeindruckender Echtzeit-Computergrafik zu erleben.

Parallel dazu werden Forscher vom IBP, die Erfahrung mit Bauen in extremen Klimazonen haben, Möglichkeiten aufzeigen, wie sich die Behaglichkeit und Energieeffizienz in den geplanten Gebäuden steigern lässt.

Beratung, Machbarkeitsstudien und Testcenter werden den Auftakt der Zusammenarbeit von Fraunhofer und Masdar City bilden. Die deutsche Industrie, die in vielen relevanten Bereichen die weltweite Marktführerschaft besitzt, wird in das Projekt miteinbezogen.

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft )

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Drei Länder gemeinsam für mehr Schutz der natürlichen Ressourcen

Die Umweltministerien und -ämter Deutschlands, Österreichs und der Schweiz vertiefen ihre Zusammenarbeit. Der Wissensaustausch zu Strategien der nachhaltigen Ressourcennutzung mit abfallwirtschaftlichem Schwerpunkt soll intensiviert werden. Am 23. und 24. Juni 2009 findet die erste gemeinsame Fachtagung „Re-source 2009" unter dem Titel „Ressourcen- und Recyclingstrategien - Von der Idee zum Handeln" statt. Sie zeigt den Entwicklungsstand, Hemmnisse sowie Potenziale bei der Steigerung der Ressourceneffizienz auf. Die im Vergleich zum vergangenen Jahr stark gesunkenen, aber volatilen Preise für Primärrohstoffe wie Kupfererz, aber auch für Sekundärrohstoffe wie Stahlschrott können nicht darüber hinwegtäuschen: „Mit dem Anziehen der Weltkonjunktur und der damit verbundenen Rohstoffnachfrage in Staaten wie China, Indien, Brasilien oder Russland werden Ressourcenknappheiten bei Metallen und Mineralien wieder offen zu Tage treten", erklärte heute der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller, anlässlich der Eröffnung der Fachtagung „Re-source 2009" in Berlin.

Die mit dem Abbau und der Aufbereitung der Rohstoffe verbundenen Umweltbelastungen wie Flächenverbrauch, Grundwasserverunreinigungen und Luftverschmutzung werden bei steigender Nachfrage verstärkt ins Augenmerk der Weltöffentlichkeit rücken. Dazu gehören auch die daraus entstehenden sozialen Probleme, wie niedrige Arbeitssicherheitsstandards, Lohndumping und Gesundheitsrisiken in den Entwicklungsländern. In vielen Entwicklungsländern erfolgen der Rohstoffabbau und das Recycling unter niedrigsten ökologischen und sozialen Standards. Gleichzeitig mangelt es den ökologisch innovativen Recyclinganlagen westlicher Industriestaaten häufig an Material zur Verwertung. „Angesichts der Knappheit der Ressourcen stehen wir vor der großen Herausforderung, die enormen Effizienzpotentiale zu erschließen", sagte Müller.

In den letzten Jahren wurden europaweit verstärkt Klimaschutzmaßnahmen angegangen. Nun ist es an der Zeit, das Augenmerk auch auf eine nachhaltige Material- und Ressourcenbewirt-schaftung zu richten. Deutschland, Österreich und die Schweiz mit ihren fortschrittlichen Technologien bei Produktion und Verwertung und mit ihren Strategien zum nachhaltigen Konsum, können eine Vorreiterrolle einnehmen, wenn es darum geht, Ressourcen effizienter zu nutzen und ihren Verbrauch zu verringern. „Weil natürliche Ressourcen begrenzt verfügbar sind, müssen sie effizient bewirtschaftet werden. Nachhaltige Rohstoff- und Ressourcenpolitik ist ohne staatliche Regulierung der Märkte nicht machbar. Die Wirtschaftskreisläufe und Güterströme sind heute global. Ein koordiniertes Vorgehen der Staaten hat große Priorität, damit keine Marktverzerrungen und Wettbewerbsnachteile entstehen", sagte Bruno Oberle, Direktor des schweizerischen Bundesamts für Umwelt in seiner Eröffnungsrede.

Die „Re-source 2009" dient dem fachlichen Dialog zur nachhaltigen Ressourcennutzung und soll Beiträge zur Entwicklung von Konzepten mit abfallwirtschaftlichem Schwerpunkt liefern. Jedes Land setzt dabei auch eigene Akzente:

Die vom deutschen Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt eingebrachten Themen reichen vom Recycling strategisch wichtiger Metalle aus dem Elektronikschrott bis hin zur Nutzung von Sekundärrohstoffen aus dem Abriss von Gebäuden als anthropogene Lagerstätten („Urban Mining").

Mit seinem Rohstoffplan setzt Österreich einen wichtigen Schritt, Konflikte durch konkurrenzierende Flächennutzungsansprüche zu bereinigen. Der Rohstoffplan sichert die Verfügbarkeit von Rohstoffen für künftige Generationen. Die österreichische Abfallvermeidungs- und -verwertungsstrategie unterstützt Effizienzsteigerungen und verstärkt den Trend zur Bereitstellung von Sekundär-Rohstoffen. Dies schont nicht nur die Ressourcen, sondern entlastet auch die Umwelt. „Eine Steigerung der Ressourceneffizienz ist aus ökologischen und ökonomischen Gründen immens wichtig. Für die Entlastung der Umwelt sind gemeinsame Standards bei der Aufarbeitung von Abfällen notwendig, deren Einhaltung national und international kontrolliert wird. Weiter ist es uns ein Anliegen, die Öffentlichkeit und die Konsumentinnen und Konsumenten stärker zu sensibilisieren und zu einem effizienteren Umgang mit Energie und Rohstoffen zu ermutigen", betonte DDr. Reinhard Mang, Generalsekretär des österreichischen Umweltministeriums.

Das schweizerische Bundesamt für Umwelt ist seit Jahren aktiv im Bereich nachhaltiger Konsum und Labels. Es anerkennt und fördert die ökologischen Beurteilungsmethoden von Produkten und setzt sich für deren Anwendung ein. Aus diesem Grund betreut die Schweiz den Themenblock zu Nachhaltigen Produktions- und Konsummustern und ihre Auswirkungen auf die Materialströme.

Ansprechpartner für die Medien:

Deutschland: Bundesumweltministerium, Pressestelle, Tel +49-(0)3018-305-2015
Umweltbundesamt, Pressestelle, Tel. +49 (0) 340 2103 2122

Österreich: Lebensministerium, Pressestelle, Dr. Gerhard Popp, Stubenring 1, 1012 Wien,
Tel.: +43/1 /711 00 -6703

Schweiz: Bundesamt für Umwelt, Mediendienst, Tel. +41 (0) 31 322 90 00

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Jobsuche im Internet

Miriam Riemann, Presse- und Informationsstelle
Fachhochschule Osnabrück

Prof. Dr. Carsten Steinert von der Fachhochschule Osnabrück erforscht wie Jobbörsen im Internet genutzt werden und wie zufrieden die Nutzer mit den Angeboten sind.
Monster, FAZjob.net, stepstone - drei von etwa Hunderten von Jobbörsen, die ihre Leistungen im Internet anbieten. Bei der Stellensuche sind diese Dienste inzwischen sehr gefragt. Aber welche Jobbörse führt den Arbeitssuchenden wirklich schnell zum Ziel? Das hat Prof. Dr. Carsten Steinert in einer Onlineumfrage gemeinsam mit der Profilo rating GmbH und Crosswater Systems Ltd. untersucht. An der Umfrage haben sich dabei mehr als 3.000 User beteiligt.

Jobbörsen funktionieren wie der Stellenmarkt in einer Zeitung. Hier können potenzielle Arbeitgeber ihre Stellen ausschreiben. Jobsuchmaschinen hingegen durchsuchen das Internet nach Stellenangeboten, das funktioniert ähnlich wie bei Google. Die Ergebnisse der Untersuchung unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Steinert zeigen, dass Jobbörsen mit einem Anteil von 63% deutlich stärker genutzt werden als Jobsuchmaschinen. Auch die Zufriedenheit der Nutzer wurde allgemein positiver bewertet. Auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 4 (überhaupt nicht zufrieden) erreichten Jobsuchmaschinen eine Durchschnittsnote von 2,1 und Jobbörsen eine 1,9. Bei der Qualität der Suchergebnisse und der Treffergenauigkeit schneiden die bewerteten Jobbörsen mit 2,1 eher durchschnittlich ab.

Bei der Frage wer die Jobbörsen überwiegend zur Stellensuche nutzt, ergab sich dass die Altersgruppe von 31-50 Jahren mit 53,8% besonders stark vertreten ist. Das Nutzerverhalten ist sehr unterschiedlich: Mehr als zwei Drittel der Teilnehmer geben an, dass sie in Jobbörsen und Jobsuchmaschinen aktiv nach Stellenanzeigen recherchieren, während 33% der Jobsuchenden eher auf eine passive Suchstrategie vertrauen; sie nutzen überwiegend Bewerberdatenbanken oder lassen sich über neue Jobangebote per E-Mail informieren. Andere Funktionen wie Gehaltsanalysen, Bewerbungsunterlagen-Check und Informationen zu Arbeitgebern und Branchen werden weniger nachgefragt.

Die Mehrzahl der Befragten (58,7%) bevorzugt die Bewerbung via E-Mail, mit Lebenslauf und Zeugnissen im Anhang. Die klassische Bewerbung in Papierform bevorzugen rund 20%. Ein Drittel aller Umfrageteilnehmer empfindet es als lästig, Online-Bewerbungsformulare auszufüllen. Rund 20% der Kandidaten geben an, dass ein vorgeschaltetes Online-Bewebungsformular oder -Assessmentcenter sie gegebenfalls von einer Bewerbung abhält.

Interessierte Arbeitgeber und Betreiber von Jobbörsen können die Umfrage-Ergebnisse per Online-Recherche im Abonnement buchen und erhalten dadurch auch Einblick in die Ergebnisse jeder bewerteten Jobbörse. Ein halbjährlicher Ergebnisbericht wird ebenfalls bereitgestellt. Nähere Informationen unter http://www.crosspro-research.com

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Kupfer gegen Keime: Erwartungen wurden übertroffen

Jens Oliver Bonnet, Konzernbereich Unternehmenskommunikation/Pressestelle
Asklepios Kliniken Hamburg GmbH

Asklepios Klinik in Hamburg setzte spezielle Türklinken und Lichtschalter gegen Antibiotika-resistente Bakterien ein - Patienten profitieren 

Türgriffe und Lichtschalter aus Kupfer sind ein wirksames, zusätzliches Mittel um die Verbreitung von gefährlichen Keimen in Krankenhäusern zu stoppen. Das ist das Ergebnis eines weltweit beachteten Feldversuchs in der Asklepios Klinik Wandsbek in Hamburg. Dabei wurden jeweils über mehrere Monate hinweg im Sommer 2008 und im Winter 2008/2009 zwei Krankenhausstationen mit Türgriffen, Türplatten und Lichtschaltern aus speziellen Kupferlegierungen ausgestattet.
Die benachbarten Bereiche behielten für den Forschungszweck ihre herkömmlichen Griffe und Schalter aus Aluminium, Edelstahl oder Plastik. Unabhängige Wissenschaftler der Universität Halle-Wittenberg haben regelmäßig Proben genommen und die Anzahl der Keime auf den verschiedenen Kontaktflächen verglichen. Der gewünschte Effekt trat dabei insbesondere bei den Türklinken auf. So ließ sich unter Alltagsbedingungen nachweisen, dass die Zahl der Antiobiotika-resistenten Bakterien (MRSA) um ein Drittel verringert wurde. Auch die Neubesiedlung der Kupfer-Türgriffe und Kupfer-Schalter durch Keime wurde erheblich vermindert. Dies hatte einen unmittelbaren Nutzen für die Patienten: Auf den mit Kupferkliniken ausgestatten Stationen gab es im Untersuchungszeitraum einen erfreulichen Trend zu niedrigeren Infektionsraten bei Patienten, der allerdings in größeren Studien noch genauer untersucht werden muss.

Erwartungen wurden übertroffen
"Die jetzt erzielten Ergebnisse, eine Reduzierung der Keime um mehr als ein Drittel, machen Hoffnung. Kontaktflächen wie Griffe und Schalter aus Kupfer können damit eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Hygienemaßnahmen wie der Händedesinfektion sein", sagt Professor Dr. med. Jörg Braun, Chefarzt der I. Medizinischen Abteilung der Asklepios Klinik Wandsbek. Positiv zu bewerten sei auch der Trend zum Rückgang der so genannten nosokomialen Übertragung, also der im Krankenhaus erworbenen Infektionen. "Dieser klinische Effekt hat meine Erwartung übertroffen", so Professor Braun. Auch die Bewertung durch Professor Dr. Dietrich H. Nies, Direktor des Instituts für Biologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Spezialist für Biometallstoffwechsel, fällt positiv aus: "Auf den Kupferoberflächen fanden sich im Vergleich zu den Kontrolloberflächen, also den herkömmlichen Türgriffen, Türplatten und Lichtschaltern, nur 63 Prozent der Keime. Außerdem hat sich in der Praxis gezeigt, dass Kupfer die Neubesiedlung der Oberflächen mit Keimen wesentlich reduziert."

Der Feldversuch "Antimikrobielle Kupfer-Oberflächen"¬ - jeweils 16 Wochen lang im Sommer und im Winter - wurde gemeinsam von Medizinern der Asklepios Klinik Wandsbek und Wissenschaftlern der Universität Halle-Wittenberg vorbereitet und durchgeführt. Unterstützt wurde das Projekt vom Deutschen Kupferinstitut (DKI). Vorausgegangen waren viel versprechende Laboruntersuchungen, die eine signifikante Wirksamkeit spezieller Kupferlegierungen im Kampf gegen Keime auch im klinischen Alltag erwarten ließen. Die aktuellen Forschungen schließen dabei eine wissenschaftliche Lücke, die schon sehr lange existiert: "Die Menschheit hat Jahrtausende lange positive Erfahrung mit der hygienischen Wirkung von Kupfer", sagt Dr.-Ing. Anton Klassert, Geschäftsführer Deutsches Kupferinstitut (DKI). Jetzt würden diese Erfahrungen wissenschaftlich belegt. "Es ist für mich faszinierend zu sehen, was nach den Vorversuchen in Japan und England seit 2008 in Hamburg an Forschung stattgefunden hat", so Dr. Klassert. Diese Dynamik halte an: "Aktuell startet das US-Verteidigungsministerium ein groß angelegtes Forschungsprojekt in den Intensivstationen von drei Kliniken in New York City und Charleston, South Carolina," sagt Dr. Klassert, der zugleich Leiter des europäischen Kupferkompetenzzentrums "Antimikrobielle Eigenschaften" ist.

Manchmal kann Altbewährtes auch innovativ sein: Kupfer galt schon in der griechischen Antike als stark antimikrobiell. Diese Fähigkeit spielt jetzt beim Kampf gegen gefährliche Krankenhauskeime eine zentrale Rolle. Denn die Keime werden nicht nur von Hand zu Hand, sondern in vielen Fällen auch über das Berühren von Klinken und Schaltern übertragen. Die größte Gefahr geht dabei von Antibiotika-resistenten Bakterien (MRSA) aus, an denen in Kliniken und Pflegeheimen weltweit zunehmend Patienten erkranken.

Weltweit wird mit Hochdruck geforscht
Der Feldversuch in der Asklepios Klinik Wandsbek steht im Kontext weltweit mit Hochdruck betriebener Forschung. Auch Wissenschaftler in England, Japan, Südafrika, Chile und den USA testen derzeit diverse Kupferlegierungen an den unterschiedlichsten Einsatzorten, um die am besten geeignete Legierung und Einsatzgebiete zu ermitteln. Unter Laborbedingungen ist bereits bewiesen, das Oberflächen aus Kupfer unter innerhalb kürzester Zeit bis zu 99 Prozent der Keime eliminieren können. Zwar gehört die häufige Händedesinfektion bei Medizinern und Pflegepersonal zum Alltag, doch das genügt auch trotz größter Vorsichtsmaßnahmen und Hygieneregelungen nicht immer. Gerade geschwächte Patienten müssen besonders vor gefährlichen Krankenhauskeimen geschützt werden. "Der Kampf gegen hochresistente Erreger ist mit den bisherigen Mitteln wie dem Einsatz immer neuer Antibiotika und intensiver Desinfektionsmaßnahmen nicht zu gewinnen. Wir müssen neue Wege gehen, um das Gefahrenpotential für unsere Patienten zu reduzieren", so Professor Braun von der Asklepios Klinik Wandsbek.

Klassische Hygienemaßnahmen reichen nicht aus, die weitere Ausbreitung von MRSA zu stoppen. Oberflächen aus Kupferlegierungen können einen wesentlichen Beitrag zur Krankenhaushygiene leisten.

Jahr für Jahr 50.000 Tote in Europa, 100.000 in den USA

Nach seriösen Schätzungen treten allein in deutschen Krankenhäusern jährlich mehr als eine halbe Million so genannter nosokomialer - also in der Klinik erworbener - Infektionen auf. Europaweit sind es nach Angaben des Europäischen Zentrums für Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) europaweit drei Millionen Fälle, wovon 50.000 tödlich verlaufen. In den USA verursachen Krankenhausinfektionen nach Einschätzung der Infectious Diseases Society jährlich sogar 100.000 Todesfälle - bei zwei Millionen Infektionen. Eine besonders große Gefahr geht dabei von Antibiotika-resistenten Keimen wie MRSA aus (MRSA steht für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus).

Neben der zum Teil lebensbedrohlichen Gefahr für die Patienten kommt noch ein enormer wirtschaftlicher Schaden hinzu, der allein in Deutschland in die Milliarden gehen dürfte. Für die USA gibt es eine Einschätzung des Centers for Disease Control (CDC), wonach nosokomiale Infektionen Kosten von mehr als 4,5 Milliarden US-Dollar anrichten. In Großbritannien schätzt der National Health Service (NHS) die zusätzlichen Kosten auf eine Milliarde Pfund jährlich. Patienten, die sich in der Klinik mit MRSA infizieren, liegen nach Schätzungen im Durchschnitt bis zu vier Tage länger im Krankenbett und verursachen Mehrkosten von 4.000 Euro, in Einzelfällen sogar bis zu 20.000 Euro. Zu den häufigsten Komplikationen geschwächter Patienten nach einer MRSA-Infektion zählen Wundinfektionen, Lungenentzündungen, Blutvergiftungen und Harnwegsinfektionen

Foto- und Filmmaterial sowie die Powerpoint-Präsentationen der Vortragenden
zum Thema "Kupfer & Keime" stehen auf Nachfrage zur Verfügung.

Ingrid Keller
Deutsches Kupferinstitut
Tel.: +49 (211) 47 96 314
E-Mail: ikeller@kupferinstitut.de
Weitere Informationen:
http://www.asklepios.com
http://www.kupferinstitut.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Deutsche lieben ihre Sprache

Dr. Annette Trabold, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Deutsche Sprache

Die große Mehrheit der Deutschen empfindet Liebe und Stolz für die deutsche Sprache. Das ist das Ergebnis einer deutschlandweiten, repräsentativen Studie zu Spracheinstellungen in Deutschland, die das Mannheimer Institut für Deutsche Sprache (IDS) und der Lehrstuhl Sozialpsychologie der Universität Mannheim heute in Berlin veröffentlichten. Über 2.000 Menschen in Deutschland, darunter auch Nicht-Muttersprachler, wurden nach ihren Gefühlen gefragt, die sie für die deutsche Sprache empfinden. Sie bewerteten Dialekte und fremdsprachige Akzente, äußerten sich zur Entwicklung des Deutschen und machten Angaben zu ihrem Mediengebrauch. Förderer der Studie ist die Volkswagenstiftung.
Eines der wichtigsten Ergebnisse der in ihrer Komplexität einzigartigen Studie ist die große Verbundenheit der Deutschen mit ihrer Sprache. 87% aller Befragten geben an, dass ihnen die deutsche Sprache gut bis sehr gut gefällt. Sie empfinden Stolz (56%) und Liebe (47%) für ihre Sprache und beschreiben sie als schön, anziehend, logisch, aber auch schwierig. Während 1997/1998 nur 13% aller Deutschen erklärten, ein großes Interesse an der Pflege der deutschen Sprache zu haben, sind es heute 35%.

- Norddeutscher Dialekt am sympathischsten:
Mehr als die Hälfte aller Deutschen, nämlich 60%, sprechen einen Dialekt. Die meisten Dialektsprecher leben im Süden bzw. Südwesten Deutschlands und im Ostteil Berlins: Im Saarland sind es 94%, in Bayern und in Baden-Württemberg jeweils 86%, in Rheinland-Pfalz 75%. Mit 83% gehört auch der Ostteil Berlins zu einem der Gebiete mit dem höchsten Anteil an Dialektsprechern. Das Vorurteil, Dialekte seien ein Zeichen von niedrigem sozialen Status, konnte die Studie widerlegen: Es zeigte sich kein Zusammenhang zwischen Dialektkompetenz und Bildungsgrad.
Am sympathischsten wird der norddeutsche Dialekt empfunden (24%), gefolgt von Bairisch (20%) und Alemannisch (13%). Nur eine Minderheit (9%) gibt an, keinen Dialekt zu mögen, und immerhin fast ein Drittel der Befragten findet keinen der deutschen Dialekte unsympathisch.

- Französischer Akzent am beliebtesten:
Fremdsprachigen Akzenten stehen die Deutschen eher positiv gegenüber. Fast die Hälfte aller Teilnehmer der Studie (48%) erklären, dass es keinen Akzent gibt, der ihnen unsympathisch ist. Nur ein Fünftel findet keinen Akzent sympathisch. In der Riege der positiv bewerteten Akzente schneidet der französische mit 36% eindeutig am besten ab. Deutsch mit einem italienischen Akzent wird von 21% der Befragten als sympathisch bewertet.

- Verständigung mit Einwanderern wird häufig als schwierig empfunden:
Ein großer Teil der deutschen Bevölkerung (43%) empfindet die Verständigung mit Einwanderern als schwierig oder sogar sehr schwierig. Dass Einwanderer in bestimmten Lebensbereichen überwiegend ihre Muttersprache sprechen, bewerten 44% der Befragten ebenfalls als schlecht oder sehr schlecht.

- Mehrheit der Deutschen betrachtet die Entwicklung der deutschen Sprache mit gemischten Gefühlen und Sorge:
Waren es 1997/1998 noch 53% der Deutschen, denen Veränderungen in der deutschen Sprache auffielen, so sind es heute 84%. Als Ursachen des Wandels werden der Einfluss durch fremde Sprachen (28%), und hier vor allem des Englischen (21%), wahrgenommen, die (neue) Rechtschreibung (25%), die Sprache der Jugend (15%), mangelnde Sprachsorgfalt, unangemessenes Sprechen und Schreiben (12%) sowie Veränderungen in der Grammatik. Die Hauptverantwortung an der Veränderung der deutschen Sprache wird mit 37% den Medien zugeschrieben.

Die Mehrheit der Befragten betrachtet die Entwicklung der deutschen Sprache mit gemischten Gefühlen oder sogar mit Sorge. Auf die Frage, ob die Veränderung der deutschen Sprache positiv oder negativ zu bewerten sei, antwortet mehr als die Hälfte der Befragten (53%) unentschieden. 30% sind der Ansicht, die Entwicklung sei "eher besorgniserregend" oder "sehr besorgniserregend". 16% der in Deutschland lebenden Bevölkerung findet die Veränderungen "eher erfreulich" bzw. "sehr erfreulich". Einwanderer bewerten die Entwicklung der deutschen Sprache deutlich positiver als Muttersprachler.
Fast alle Befragten halten es für wichtig bis sehr wichtig, dass man sich beim Sprechen (92%) und Schreiben (95%) sorgfältig ausdrückt und die Rechtschreibregeln beachtet. Einwanderer messen der Sorgfalt beim Sprechen eine noch größere Bedeutung bei.

- Schule und Politik sollten mehr für die deutsche Sprache tun:
78% der Deutschen sind der Meinung, dass mehr für die deutsche Sprache getan werden sollte. Ein Gesetz zum Schutz der deutschen Sprache lehnt die Mehrheit (58%) dennoch ab.
Vor allem von Lehrern, Schulen und Jugendeinrichtungen wird erwartet, dass sie sich stärker um die Sprache kümmern sollten (73%). An zweiter Stelle wird die Politik genannt (39%), an dritter Stelle die Eltern (28%).

- Lesen im Internet hemmt das Interesse an Büchern nicht:
Knapp die Hälfte der Befragten liest mindestens einmal pro Woche deutsche Bücher (49%) und deutsche Beiträge im Internet (45%). Noch mehr Befragte lesen regelmäßig deutsche Zeitungen oder Zeitschriften: 70% tun dies täglich, 21% einmal pro Woche. Während Frauen häufiger Bücher lesen als Männer, verfolgen Männer häufiger Beiträge im Internet.
Menschen, die häufig im Internet lesen, zeigen insgesamt ein intensiveres Leseverhalten. Sie nutzen häufiger deutsche Wörterbücher und lesen häufiger Bücher, Zeitungen und Zeitschriften. Hinweise darauf, dass der Internetkonsum dazu führt, dass weniger Bücher gelesen werden, finden sich in der Studie nicht.

Das Institut für Deutsche Sprache http://www.ids-mannheim.de ist die zentrale außeruniversitäre Einrichtung zur Erforschung und Dokumentation der deutschen Sprache in ihrem gegenwärtigen Gebrauch und in ihrer neueren Geschichte. Das IDS ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Näheres unter: http://www.leibniz-gemeinschaft.de.

Kontakte:
Institut für Deutsche Sprache
http://www.ids-mannheim.de
Prof. Dr. Ludwig M. Eichinger
Telefon 0621 / 1581 125

Lehrstuhl Sozialpsychologie der
Universität Mannheim
http://www.uni-mannheim.de
Prof. Dr. Dagmar Stahlberg
Telefon 0621/ 181 2039

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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E.ON gefährdet flächendeckend Geothermiepotenziale; Untersuchungen für CO2-Endlager in Schleswig-Holstein beantragt

Nicola Moczek, Pressestelle
Geothermische Vereinigung e.V. - Bundesverband Geothermie

Im Elbe-Weser-Dreieck in den Landkreisen Wesermarsch und Cuxhaven hat die E.ON Gas Storage GmbH (EGS), Moltkestraße 76, 45138 Essen, beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Clausthal-Zellerfeld (LBEG) insgesamt vier Anträge auf Erteilung einer Erlaubnis gem. §7 Bundesberggesetz (BBergG) zur Aufsuchung von Sole gestellt. Die Erlaubnis soll zunächst für fünf Jahre befristet gelten. Die Nordsee-Zeitung vom 10.06.2009 spricht sogar von Anträgen beim LBEG für geologische Untersuchungen in 17 Landkreisen im Wesergebiet.

Der Deutsche Bundestag wird über das im Entwurf vorliegende CCS-Gesetz möglicherweise in dieser Woche entscheiden. Dazu Hartmut Gaßner, Präsident des GtV - Bundesverbandes Geothermie: "E.ON zeigt keinen Respekt vor dem Gesetzgeber. LBEG sollte den Versuch der Gesetzumgehung zurückweisen."

Wie vom GtV-Bundesverband Geothermie in den vergangenen Wochen wiederholt hervorgehoben, zielen die großen Energieversorgungsunternehmen auf weitflächige Untersuchungsräume für CO2-Ablagerungen ab, die die Geothermienutzung ausschließen werden.

Hartmut Gaßner: "Wenn E.ON-Vertreter tatsächlich behaupten sollten, Geothermie sei nur in Oberflächen-Schichten bis 200 m Tiefe sinnvoll, dann arbeiten sie mit Fehlinformationen. Der Deutsche Bundestag muss die Geothermie durch ein Gesetz wirksam schützen und den Vorrang der Erneuerbaren Energien absichern!"


Hintergrund:
Die EGS plant, in den genannten Bereichen den Untergrund auf seine Eignung für die "dauerhafte Einlagerung" von CO2 zu erkunden. Damit eine Erlaubnis gem. §7 BBergG erteilt werden kann, muss der Antrag u. a. ein entsprechendes Arbeitsprogramm enthalten, aus dem hervorgeht, welche Arbeiten in den benannten fünf Jahren ausgeführt werden sollen. Das LBEG hat als zuständige Bergbehörde für die Länder Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen die durch die EGS vorgelegten Arbeitsprogramme als "angemessen" beurteilt, so dass die Erteilung der Erlaubnis im beantragten Umfang befürwortet werden könne.

Derzeit diskutiert der Deutsche Bundestag eine Gesetzesvorlage zur Einspeicherung von CO2 aus Kohlekraftwerken (CCS-Gesetz). Der Ausgang ist offen. Die EGS greift einer Beschlussfassung vor, in dem sie bereits jetzt Aufsuchungserlaubnisse nach BBergG stellt und so versucht, vollendete Tatsachen zu schaffen.

Geologisch betrachtet gehört die Region, wie ein großer Teil der niedersächsischen Landesfläche zum Norddeutschen Becken. Dieses zeichnet sich u. a. durch das großflächige Vorkommen salzhaltiger Thermalwasserlagerstätten in tiefliegenden, porösen Sandsteinschichten aus. Bei dem salzhaltigen Thermalwasser handelt es sich um die in den Anträgen genannte Sole. Thermalwasseraquifere eignen sich hervorragend für die Erschließung von geothermischer Wärme. Sie gelten aber auch als eine der wichtigsten Formationen für die Endlagerung von CO2.

Unseres Erachtens darf das LBEG die beantragte Erlaubnis gar nicht erteilen. Schon der Antrag auf Erteilung einer bergrechtlichen Erlaubnis zur Aufsuchung von Sole ist unzulässig, weil die Erkundung offensichtlich nicht der Versorgung mit Sole dient, sondern einer Kohlendioxidablagerung. Hierfür müssen die die rechtlichen Voraussetzungen erst noch vom Gesetzgeber geschaffen werden.

Folgen:
In den beantragten Erschließungsgebieten könnte das geothermische Potenzial nicht erschlossen werden. Die Erlaubnis ist zwar zunächst für fünf Jahre beantragt, sie kann jedoch verlängert werden und bei erfolgter Einleitung von CO2 in die Aquifere für alle Zeiten tiefe Geothermienutzungen ausschließen, Den betroffenen Regionen würde letztendlich für immer die Möglichkeit genommen, die geothermischen Ressourcen in ihrem Untergrund zu nutzen. Auch ein späteres Durchteufen der Lagerstätten, um z. B. in tieferen Schichten Wärmetauschflächen für petrothermale (Heiz)Kraftwerke zu schaffen, verbietet sich dann aus Sicherheitsgründen. Ein enormes regeneratives Energiepotenzial ginge für alle Zeiten verloren. Die betroffenen Kommunen und Landkreise würden in Hinsicht auf diesen Bodenschatz quasi enteignet. Und das zugunsten von vergleichsweise kurzlebigen Kraftwerksprojekten in weit entfernten Gebieten, aus denen das CO2 erst mit Pipelines herangeschafft werden müsste. Dabei hat der Bundestag mit der Novelle des EEG zum 01.01.2009 mit einer speziellen Einspeisevergütung für petrothermale Systeme gerade erst die Voraussetzungen geschaffen, solche Anlagen unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu errichten, nachdem nach zwei Jahrzehnte dauernden, intensiven Forschungsanstrengungen dafür die technischen Voraussetzungen geschaffen worden sind.

Auf den Nutzungskonflikt zwischen Geothermie und CO2-Einlagerung hat in den vergangenen Tagen auch das Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) verwiesen. In der Nordsee-Zeitung vom 10.06.2009 behauptete EGS-Projektleiter Dr. Klaus Peter Röttgen dagegen, "aus technischen und wirtschaftlichen Gründen sei Geothermie nur in Oberflächen-Schichten bis 200 Metern Tiefe sinnvoll." Das ist natürlich grober Unsinn. Oberflächennahe geothermische Systeme in Verbindung mit Wärmepumpen sind nur eine der vielen Optionen geothermischer Nutzungen.

Was tun?
Landkreise und Kommunen haben zwei Möglichkeiten, diesen Bestrebungen entgegenzutreten: Sie können gegen die Erteilung der Erlaubnisse beim LBEG protestieren. Schon im Vorfeld können sie sich über regionale Planungsträger dafür einsetzen, dass die Möglichkeit der Geothermienutzung durch Festsetzung von Vorrang- und Vorbehaltsgebieten in Raumordnungsplänen gesichert wird.

Nachfragen an Hartmut Gaßner
Präsident GtV-Bundesverband Geothermie
hartmut.gassner@geothermie.de, Tel.: 030 7261026-0

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Warum es regnet: Wie Aerosole das Wetter beeinflussen

Barbara Abrell, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Der Chemiker als Klimaforscher: Am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz befasst sich Professor Meinrat Andreae mit den Auswirkungen von Aerosolen. Dass die winzigen Schmutzpartikelchen das Klima beeinflussen, weiß man bereits - unklar war bisher jedoch wie. Im Interview erklärt der Mainzer Wissenschaftler, warum es so knifflig ist, diese Frage zu beantworten.
Herr Professor Andrae, Sie befassen sich mit Auswirkungen von Aerosolen - den winzigen Schmutzpartikelchen, die von Autos, Kraftwerken und Heizungen in die Luft geblasen werden. Aerosole beeinflussen unser Klima - so viel ist schon klar - allerdings weiß man nicht genau wie. Wo liegt das Problem?

Andreae: Es hat vielleicht einfach damit zu tun, dass Aerosole aus vielen Komponenten bestehen. Da gibt es zum Beispiel schwarze Partikel, Rußpartikel, die sich ganz anders verhalten, als zum Beispiel farblose Partikel wie Sulfataerosole, Schwefelsäureteilchen, die aus der Verbrennung von fossilen Brennstoffen entstehen können. Das heißt: Aerosole können das Klima in vielfacher und zum Teil gegensätzlicher Weise beeinflussen. Die Aerosole fangen an, mit den Mechanismen, die den Niederschlag erzeugen - also all dem, was in den Wolken vor sich geht - zu wechselwirken, das heißt die Aerosole sind beteiligt bei der Bildung von Wolkentröpfchen, sie entscheiden mit darüber, ob aus Wolkentröpfchen Regentropfen werden.

Wie wollen Klimaforscher wie Sie damit eigentlich zu konkreten Vorhersagen kommen?

Andreae: Die einzige Weise, wie wir wirklich zu Vorhersagen kommen können, ist, dass wir diese ganzen komplexen und wechselwirkenden Prozesse verstehen lernen und dann das Verständnis dieser Wechselwirkungen in Klimamodelle, in Wolkenmodelle einbauen und daraus die Nettoauswirkungen zunehmender Aerosolbelastung abschätzen können.

Die Auswirkung von Aerosolen lässt sich also schwer berechnen - und dabei geht es nicht nur um den Unterschied, ob es nun schwarze oder farblose Partikelchen sind. Da spielen auch noch andere Eigenschaften eine größere Rolle - welche sind das?

Andreae: Die Aerosole sind wie gesagt nicht eine Art von Teilchen, sondern ein Gemisch von vielen Arten von Teilchen. Da gibt es zum Beispiel natürliche Aerosole wie den Wüstenstaub oder das Meersalzaerosol. Das sind oft große Teilchen, die wiederum ganz andere Wirkungen auf Wolken haben, als das, was wir hauptsächlich aus den Industrieemissionen erzeugen - also eher kleine Teilchen, die aber am Wesentlichsten beteiligt sind bei der Bildung von Wolkentröpfchen.

Diese kleinen Aerosolteilchen - etwa in der Größenordnung von 0,1 Mikrometer Durchmesser - sind die wichtigsten Teilchen bei der Bildung von Wolken. Die stellen die Wolkenkondensationskeime dar. Wenn wir einmal den Extremfall annehmen, wenn es eine Atmosphäre gäbe, die gar keine Aerosole enthielte, so könnte sich in dieser Atmosphäre niemals Regen bilden, weil Wasserdampf eigentlich nie aus der Gasphase kondensiert. Wenn es nun ganz wenige Aerosole gibt, dann muss der Wasserdampf, wenn er eine Wolke bildet, sich an diesen sehr wenigen Teilchen kondensieren - diese müssen deswegen auch relativ groß werden und fangen deswegen sehr schnell an, aus der Atmosphäre zu fallen, das heißt, es regnet sehr schnell und aus relativ wenigen großen Tropfen ab. Wenn wir nun eine Wolke, um beim anderen Extrem zu bleiben, mit sehr, sehr vielen Tropfen versorgen, dann müssen diese Tröpfchen, weil sie sich die Menge Wasser teilen müssen, sehr klein sein. Das Problem dabei ist, dass sich diese vielen kleinen Tröpfchen niemals zu dem relativ großen Regentropfen zusammenfinden können, der dann auch fällt. Diese Wolke kann nicht regnen. Und nun stellt es sich heraus, dass es gerade in dem Zwischenbereich, in dem mittleren Bereich zwischen sehr hohen und sehr niedrigen Konzentrationen, einen optimalen Bereich gibt, aus dem die Wolke das Maximum an Niederschlag und auch das Maximum an Energie beim Aufstieg der Wolke herausholen kann.

Aerosole können auch ohne Wolken das Klima beeinflussen - was passiert denn da?

Andreae: Wenn Aerosole sich in der Atmosphäre befinden, dann haben sie zunächst einmal einen ganz einfachen Effekt, der auch ohne Wolken passiert, nämlich, dass sie Licht, das von der Sonne auf die Erde einstrahlt, wieder in den Weltraum zurückstreuen, das heißt, es kommt weniger Energie an der Erdoberfläche an. Wenn weniger Energie an der Erdoberfläche ankommt, dann steht auch weniger Energie dazu zur Verfügung, Luft mit Auftrieb zu versorgen - also Wolken zu erzeugen. Die Existenz von Aerosolen in der Atmosphäre hat also einen Sonnenschirmeffekt, der die Bildung von Wolken verzögern oder verringern kann.

Zu diesem kommt nun der Effekt, dass, wenn eine Wolke zu viele Tröpfchen hat, also zu viele Aerosolteilchen da sind, die zur Bildung sehr vieler kleiner Tröpfchen führen, dass diese Wolke es auch schwer hat, Wolkentröpfchen zur Kollision miteinander zu bringen, die dann zur Bildung der relativ großen Regentropfen führt.

Ihr Institut hat sich mit dem Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und dem Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena sowie dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung zur Partnerschaft Erdsystemforschung zusammengeschlossen. Alle diese Institute sind auch mit einem gemeinsamen Beitrag im Wissenschaftszug "Expedition Zukunft" vertreten. Warum gibt es diese Partnerschaft?

Andreae: Das Erdsystem ist zu groß, um an einem Institut alles erforschen zu können. Es geht beim Erdsystem um das Wechselwirken der menschlichen Komponente des Systems mit den natürlichen Komponenten - also den Vegetationen auf den Kontinenten, der Zirkulation der Vegetation in den Ozeanen, dem Eis auf der Erde - sowohl in Antarctica, in Grönland und den Gletschern. Es geht auch um die Atmosphäre, in der sich sowohl das, was wir als Klima bezeichnen, also die wetterbezogenen als auch viele chemische Prozesse abspielen. Alle diese Zusammenhänge sind viel zu groß und viel zu komplex, um sie mit den Mitteln eines Max-Planck-Instituts erforschen zu können.

Herzlichen Dank für das Interview!

Das Gespräch führte Birgit Fenzel

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Prof. Meinrat Andreae
Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz
Tel.: +49 6131 305 - 420
Fax: +49 6131 305 - 487
E-Mail: biogeo@mpch-mainz.mpg.de
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/podcasts/scienceExpress/index.html - Dieses Interview im O-Ton

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Waldbericht der Bundesregierung: Zustand des deutschen Waldes ist besorgniserregend

Weitere Reduzierung der Schadstoffeinträge erforderlich

Die Bundesregierung veröffentlichte am 10. Juni 2009 den Waldbericht. Dieser benennt Ursachen für den immer noch sehr schlechten Waldzustand und zeigt Gegenmaßnahmen auf. Die Waldzustandserhebung in Deutschland zeigt: Nach wie vor sind mehr als zwei Drittel der Waldbäume geschädigt, 26 Prozent sogar stark. Mehr als die Hälfte der Eichen weist starke Kronenverlichtungen auf. Das ist ein neuer Höchststand. Verantwortlich für den schlechten Zustand der Wälder sind verschiedene Gründe, wobei die vom Menschen verursachten Luftverunreinigungen - und hier vor allem Stickstoffverbindungen - einen besonders großen Anteil haben. Die integrierte Strategie zur Minderung der Stickstoffemissionen des Umweltbundesamtes (UBA) stellt Maßnahmen zur Verringerung der landwirtschaftlichen Stickstoffemissionen - wie etwa den sparsamen Einsatz stickstoffhaltiger Handelsdünger und stickstoffoptimierte Fütterung - als besonders wirkungsvoll und kosteneffizient heraus. Sie haben zudem deutliche Synergien: Neben dem Wald profitieren auch Gewässer und Klima.

Der Waldbericht der Bundesregierung stellt die Notwendigkeit der Minderung der Luftverunreinigungen dar, insbesondere der Freisetzung von Stickstoffverbindungen, die den Zustand der Wälder negativ beeinflussen. Stickstoffverbindungen stören durch einseitige Überdüngung und Säurebildung das Nährstoffgleichgewicht in Pflanzen und Böden. Waldbäume werden dadurch anfälliger gegenüber anderen Belastungsfaktoren wie etwa klimatische Einflüsse oder Schädlingsbefall. Darüber hinaus sind Stickstoffoxide aus Industrie und Verkehr Vorläuferstoffe für bodennahes Ozon, das zu direkten Blatt- oder Nadelschäden bei Waldbäumen und Wildpflanzen führt und ihre Vitalität mindert.

Wälder bedecken rund ein Drittel der Landfläche Deutschlands. Sie vollbringen für den Menschen unverzichtbare Dienstleistungen. Zu diesen gehören neben der Holzproduktion unter anderem auch die Wasserspeicherung und -filterung, der Schutz vor Hochwasser und Bodenerosion, der klimatische Ausgleich, die Funktion als Lebensraum für Pflanzen und Tiere sowie als Raum für Erholung und Inspiration für den Menschen. Es droht die Gefahr, dass der Wald durch die Schadstoffeinträge seinen vielfältigen wichtigen Funktionen langfristig nicht mehr gerecht werden kann.

Zum Schutz der Ökosysteme verpflichtete sich Deutschland im Rahmen der Genfer Luftreinhaltekonvention und der EU-Richtlinie über nationale Emissionsobergrenzen, den Ausstoß von Luftverunreinigungen bis 2010 deutlich zu reduzieren. Diese Ziele werden in Bezug auf Stickstoffverbindungen durch die bisher ergriffenen Maßnahmen voraussichtlich nicht erreicht. Daher hat das UBA eine integrierte Strategie zur Minderung der Stickstoffemissionen erstellt. Diese Strategie weist deutliche Synergieeffekte und somit vielfältigen Nutzen auch für andere Ökosysteme aus. Besonders hohe Emissionsminderungspotenziale bei gleichzeitiger Kosteneffizienz geeigneter Maßnahmen bestehen in der Landwirtschaft. Sie ist für mehr als die Hälfte aller Stickstoffemissionen verantwortlich. Aber auch Maßnahmen im Verkehrssektor - wie die Ausweitung der LKW-Maut auf alle LKW über 3,5 t und alle Fernstraßen und eine zügige Einführung schwerer Nutzfahrzeuge, die die EURO-VI-Norm erfüllen - sowie weitere Emissionsminderungen bei der Stromproduktion in Großfeuerungsanlagen, tragen zu verringerten Einträgen gasförmiger und gelöster Stickstoffverbindungen in die Ökosysteme bei. Von solchen Maßnahmen profitieren nicht nur die deutschen Wälder, sondern auch unsere Binnen- und Küstengewässer sowie das Klima.

Den Waldbericht der Bundesregierung 2009 finden Sie hier: Vollversion

Die Stickstoffemissionsminderungsstrategie des Umweltbundesamtes finden Sie unter: http://www.umweltbundesamt.de/luft/downloads/emissionen/stickstoffemissionsminderungsstrategie.pdf

Weitere Informationen zu Wirkungen von Luftverunreinigungen erhalten Sie hier: http://www.umweltbundesamt.de/luft/eintraege-wirkungen/effekt.htm

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Aktuelle Studie bestätigt Faszination der Deutschen für Obama

Kristina Grimmer, Kommunikation und Marketing
UMC POTSDAM - University of Management and Communication (FH)

Der amerikanische Präsident Barack Obama war am 05. Juni zu Gast in Deutschland. Seine Faszination hat nicht nachgelassen und begeistert die Deutschen weiterhin. Die aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts A&B Framework in Kooperation mit der UMC Potsdam - University of Management and Communication (FH) zeigt, dass die große Begeisterung für die Person Obama nicht primär durch seine politische Programmatik erzeugt wird, sondern viel mehr durch seine menschlichen Werte und Handlungen, die die Deutschen beeindrucken und faszinieren.
Für Deutsche wirkt Obama wie die Neuinszenierung des amerikanischen Traums, der als glaubwürdige Geschichte zwar Bewunderung erfährt, aber mit gebührender Distanz eher 'aus der Ferne' beobachtet wird. Das 'Obama-Gefühl' der Deutschen reicht von euphorischer Schwärmerei bis hin zum nachdenklichen Innehalten. Die stärkste Wirkung entsteht immer dann, wenn Obama durch unscheinbare und 'einfach-menschliche' Gesten Performance und Menschlichkeit miteinander verbindet. Er berührt die Menschen tief, dass der geniale Redner Obama nicht nur ein Übermensch von beeindruckender Professionalität und Entschlossenheit ist, sondern auch ein Mensch, der seine Schwächen nicht verschweigt, Fehler zugibt und im Auftritt menschlich bleibt. Obama wird dadurch zu einer Inspiration für die persönliche Lebensführung des Einzelnen - aber nicht zu einem politischen Vorbild. Auch vor dem Hintergrund der Geschichte schreckt die Deutschen eine derartige Zentrierung aller Kräfte auf eine Person ab. Das austarierte Parteiensystem bietet mehr Sicherheit als die entschiedene Ausrichtung auf Wandel.

Die Studie wurde im Zeitraum Januar bis Mai 2009 durchgeführt. Insgesamt wurden 70 Deutsche in zweistündigen tiefenpsychologischen Explorationen für die Untersuchung befragt. Unter Leitung von Denise Sindermann von A&B Framework erstellten sieben UMC-Studierende des B.A.-Studienganges Wirtschaftspsychologie Erlebnisprotokolle und führten Tiefeninterviews durch.

Der dreijährige praxisnahe B.A.-Studiengang Wirtschaftspsychologie wird seit 2006 von der UMC Potsdam (FH) angeboten. Bundesweit einzigartig wurde nach dem morphologischen Ansatz auf einer tiefenpsychologischen Basis und in einer kulturpsychologischen Perspektive konzipiert. Der B.A.-Studiengang Wirtschaftspsychologie startet jährlich im September am Campus Potsdam der UMC Potsdam (FH).

Ansprechpartner

Ansprechpartner für die Studie
Thomas Strätling, Geschäftsführer A&B Framework
Tel.: (030) 308 816 40
Fax: (01805) 223 285
E-Mail: t.straetling@a-b-framework.de

Ansprechpartner für den Studiengang
Kristina Grimmer, Assistenz Marketing & Kommunikation
Tel.: (030) 275 603 29
Fax: (030) 275 603 30
E-Mail: k.grimmer@umc-potsdam.de
Weitere Informationen:
http://www.umc-potsdam.de/presse/361--aktuelle-studie-bestaetigt-faszination-der... -
Link zur Pressemeldung
http://www.a-b-framework.de/ - Weitere Infos zu A&B Framework
http://www.a-b-framework.de/de/download/presse/details/pm_02-06-2009_obama.html -
Weitere Infos zur Studie
http://www.umc-potsdam.de/studium/bachelor-studium/ba-wirtschaftspsychologie.htm... -
Weitere Infos zum B.A. Wirtschaftspsychologie

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Trinkwasser aus Luftfeuchtigkeit

Dr. Janine Drexler, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

Kein Pflänzchen weit und breit - dafür ist es in der Wüste zu trocken. Doch in der Luft ist Wasser enthalten. Forscher haben nun einen Weg gefunden, aus der Luftfeuchtigkeit Trinkwasser zu gewinnen. Das System basiert nur auf regenerativer Energie und ist daher autark.
Risse ziehen sich durch den ausgedörrten Wüstenboden - die karge Landschaft ist geprägt von Wassermangel. Doch selbst dort, wo es an Seen, Flüssen und Grundwasser mangelt, sind in der Luft erhebliche Wassermengen gespeichert: In der Negev-Wüste in Israel beispielsweise beträgt die relative Luftfeuchtigkeit im Jahresmittel 64 Prozent - in jedem Kubikmeter Luft befinden sich 11,5 Milliliter Wasser.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart haben gemeinsam mit ihren Kollegen von der Firma Logos Innovationen einen Weg gefunden, diese Luftfeuchtigkeit autark und dezentral in trinkbares Wasser umzuwandeln. "Der Prozess, den wir entwickelt haben, basiert ausschließlich auf regenerativen Energiequellen wie einfachen thermischen Sonnenkollektoren und Photovoltaikzellen, was diese Methode vollständig energieautark macht. Sie funktioniert also auch in Gegenden, in denen es keine elektrische Infrastruktur gibt", sagt Siegfried Egner, Abteilungsleiter am IGB. Das Prinzip: Hygroskopische Salzsole - also Salzlösung, die Feuchtigkeit aufsaugt - rinnt an einer turmförmigen Anlage hinunter und nimmt Wasser aus der Luft auf. Anschließend wird sie in einen Behälter gepumpt, der in einigen Metern Höhe steht und in dem Vakuum herrscht. Energie aus Sonnenkollektoren erwärmt die Sole, die durch das aufgenommene Wasser verdünnt ist. Der Siedepunkt liegt aufgrund des Vakuums niedriger als bei normalem Luftdruck. Diesen Effekt kennt man aus den Bergen: Da der Luftdruck auf dem Gipfel geringer ist als im Tal, kocht Wasser bereits bei Temperaturen deutlich unter 100 Grad Celsius. Das verdampfte, salzfreie Wasser kondensiert über eine Destillationsbrücke und läuft über ein vollständig gefülltes Rohr kontrolliert nach unten ab, wobei die Schwerkraft dieser Wassersäule kontinuierlich das Vakuum erzeugt - eine Vakuumpumpe ist nicht nötig. Die wieder konzentrierte Salzsole fließt erneut an der Turmoberfläche hinunter, um Luftfeuchtigkeit aufzunehmen.

"Das Konzept eignet sich für verschiedene Größenordnungen: Es sind sowohl Einzelpersonenanlagen denkbar als auch Anlagen, die ganze Hotels mit Wasser versorgen", sagt Egner. Für beide Komponenten, die Aufnahme der Luftfeuchtigkeit und die Vakuumverdampfung, gibt es Prototypen. In Laborversuchen haben die Forscher das Zusammenspiel der beiden Komponenten bereits getestet. In einem weiteren Schritt wollen die Forscher eine Demonstrationsanlage entwickeln.
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2009/06/Mediendienst062009Th...

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Hormone beschleunigen Gelenkverschleiß

Medizin - Kommunikation, Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Regenstauf - Übergewichtige schaden ihren Hüft- und Kniegelenken nicht nur durch die überflüssigen Pfunde, die darauf lasten. Nach neueren Untersuchungen tragen auch vom Fettgewebe abgesonderten Hormone zur Zerstörung des Gelenkknorpels bei. Gelingt es, diese Zusammenhänge weiter zu erforschen, könnten optimierte Therapien den häufig vorkommenden Gelenkverschleiß reduzieren, so die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE).
Viele Menschen, die eine neue Hüfte oder ein künstliches Kniegelenk benötigen, sind übergewichtig. "Nach einer britischen Untersuchung sind ein Viertel aller Gelenkersatzoperationen an der Hüfte und zwei Drittel der Operationen am Kniegelenk auf Übergewicht und Fettleibigkeit in der Bevölkerung zurückzuführen", berichtet DGE-Pressesprecher Professor Dr. med. Helmut Schatz, Bochum: Es läge nahe, dies auf die Überbeanspruchung der Gelenke durch das hohe Gewicht zurückzuführen. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass Hormone dabei ebenfalls eine Rolle spielen.

Fettzellen im menschlichen Körper bilden das Hormon Leptin. Seine wichtigste Aufgabe ist die Regulierung des Körpergewichts. Bei Übergewichtigen ist die Menge dieses Hormons besonders hoch. Noch höher als im Blut ist die Leptin-Konzentration in der Gelenkflüssigkeit. Das Hormon beeinflusst außerdem das Immunsystem. Experten vermuten, dass es im Gelenk eine schleichende Entzündungsreaktion verursachen und die Zellen angreifen kann, die den Gelenkknorpel bilden und erhalten.

"Nach heutigem Kenntnisstand müssen wir davon ausgehen, dass Leptin den durch Übergewicht ausgelösten Gelenkschaden beschleunigt", erläutert Professor Schatz. Möglicherweise ist noch ein zweites Hormon beteiligt: Resistin wird - wie Leptin - in den Fettzellen gebildet, ist bei Gelenkverschleiß in den Gelenken vermehrt nachweisbar und mobilisiert Entzündungszellen.

Die Beteiligung der beiden Hormone am Gelenkverschleiß könnte für die Therapie neue Perspektiven eröffnen. Ein zukünftiger Ansatz wäre beispielsweise, die entzündungsfördernde Wirkung von Leptin und Resistin medikamentös zu hemmen und damit die Gelenke vor verstärktem Verschleiß zu schützen.

Quelle:
A. Anandacoomarasamy et al.;
Obesity and the musculoskeletal system;
Current Opinion in rheumatology 2009, 21; 71-77
DOI: 10.1097/BOR.Ob013e32831bc0d7

Kontakt für Journalisten:
Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie
Beate Schweizer
Pf 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931 295, Fax: 0711 8931 167
Schweizer@medizinkommunikation.org
Weitere Informationen:
http://www.endokrinologie.net Deutsche Gesellschschaft für Endokrinologie im Internet

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Die großen Tierwanderungen verschwinden zunehmend

Dipl.-Biol. Dagmar Andres-Brümmer, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 e.V.

Ob Gnus in der Serengeti oder Karibus in Nordamerika - viele Tiere legen auf ihren jährlichen Wanderungen riesige Distanzen zurück. Sie wandern, um bessere Nahrungsgebiete zu besuchen, dem Schnee zu entkommen oder optimale Regionen für die Geburt der Kälber aufzusuchen. In einem jetzt in Endangered Species Research veröffentlichten Paper kommen Wissenschaftler nach der Auswertung von Daten zu 24 Migrationen von Landsäugetieren zu dem Schluss, dass diese Wanderungen zunehmend verschwinden bzw. kleiner werden.
Rund 2.000 Kilometer läuft ein Gnu während einer Rundwanderung durch die Serengeti, doch die Gnus sind nicht die einzigen, die riesigen Strecken zurücklegen, weltweit gibt - oder vielmehr gab - es große Wanderungen von Tieren. Dennoch wissen wir bei den großen Landsäugetieren erstaunlich wenig über die Migrationen. Viele Wissenschaftler jedenfalls, die sich mit dem Thema beschäftigen, sind in großer Sorge darüber, dass wandernden Tieren zunehmend ihre Routen abgeschnitten werden.

Grant Hopcraft und Simon Thirgood von der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt haben sich gemeinsam mit Erstautor Grant Harris (American Museum of Natural History), Joel Berger (Wildlife Conservation Society) und Joris Cromsigt (Mammal Research Institute, Polish Academy of Sciences) die verfügbaren Daten zu den Wanderungen großer landlebender Säugetierarten betrachtet. Ihr Ergebnis ist erschreckend: außer den Gnus in der Serengeti, den Weißohr-Kobs im Südsudan und den Karibus in Nordamerika haben alle Migrationen signifikant abgenommen, viele sind ganz verschwunden.

Von 24 Arten bzw. Unterarten weiß man, dass sie wandern bzw. in der Vergangenheit gewandert sind. Allesamt sind Huftiere. Sechs dieser Wanderungen -Springbock, Weißschwanzgnu, Blessbock, Kulan, Säbelantilope und Quagga - sind mittlerweile verschwunden, im Falles des Quaggas inklusive der Art selbst. Für viele andere weiß man relativ wenig über die zurückgelegten Distanzen, Populationsgrößen und Routen. Neun große Wanderungen finden in Afrika statt, die der Gnus in der Serengeti ist die einzige auf dem Kontinent die sich in einem Schutzgebiet befindet. Sechs Migrationen gibt es noch in Eurasien und vier in Nordamerika. In Südamerika und in Australien gibt es keine großen Wanderungen von Landsäugetieren.

Große Strecken zurückzulegen ist energieaufwändig und muss sich für eine Art lohnen. Harris und seine Kollegen haben vier Faktoren als treibende Kräfte identifiziert. Da wäre zunächst die Verfügbarkeit von Futter und von Wasser. Aber auch traditionelle Gebietsnutzung ist ein Argument für Tiere zu wandern, ebenso wie die Schneetiefe. Die Tiere wandern aus Regionen mit schlechter Nahrungsverfügbarkeit in Gebiete wo das Futter nahrhaft, gut zugänglich und ausreichend vorhanden ist. Die meisten Wanderer suchen nach frischem Gras. Und ob frisches Gras sprießt, hängt davon ab, ob es feucht genug ist - in der afrikanischen Savanne beispielsweise nach Regenfällen, in den Steppen Eurasiens oder der Tundra Nordamerikas etwa nach der Schneeschmelze. Für die Wanderer in Nordamerika und Eurasien, die Bisons, Elche oder Karibus, stellt die Schneetiefe einen entscheidenden Faktor für die Wanderung da, der sie zwingt, in tiefere Lagen oder niedrigere Breiten zu ziehen.

Zwei Hauptgründe gibt es, warum die eindrucksvollen Migrationen gerade zunehmend von unserem Planeten verschwinden. Zum einen hören Tiere auf zu wandern, wenn ihre Bestandszahlen schrumpfen, zum anderen wird den Migrationen vermehrt der Weg abgeschnitten, indem die Zuggebiete verbaut, landwirtschaftlich genutzt, mit Zäunen versehen und besiedelt werden. Daher appellieren die Autoren, die Zugrouten der Wanderer zu sichern und das Bewusstsein vor Ort zu stärken, wenn wir nicht weitere diese spektakulräen Ereignisse im Tierreich verlieren wollen.

G. Harris, S.Thirgood, J.G.C. Hopcraft, J.P.G.M. Cromsigt, J. Berger, (2009):
Global decline in aggregated migrations of large terrestrial mammals. Endang Species Res; Vol. 7: 55-76.

Die dem Paper zugrundeliegende Forschungsarbeit wurde unterstützt durch die John D. and Catherine T. MacArthur Foundation, Zoologische Gesellschaft Frankfurt, die Wildlife Conservation Society und das Marie Curie Transfer of Knowledge project BIORESC.
Weitere Informationen:
http://www.int-res.com/abstracts/esr/v7/n1/p55-76/ - online Zugang zum ARtikel auf Engangerend Species Research

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wissenschaftler aus aller Welt fordern: Das Thema Versauerung der Meere muss auf die Tagesordnung von Kopenhagen gesetzt werden

Prof. Dr. Jutta Schnitzer-Ungefug, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina

Die Versauerung der Meere, eine der wichtigsten Herausforderungen des Klimawandels, wird auf der Tagesordnung der UN-Konferenz von Kopenhagen eventuell fehlen, warnen Akademien der Wissenschaften aus aller Welt. Es ist zu erwarten, dass die Versauerung der Meere einen massiven Abbau unserer Korallenriffe und dramatische Veränderungen in der Zusammensetzung der Artenvielfalt unserer Meere verursachen sowie die Nahrungsmittelproduktion für und den Lebensunterhalt von Millionen von Menschen beeinflussen werden.
Diese Warnung wurde in einer gemeinsamen Erklärung von 70 Mitgliedsakademien des InterAcademy Panel (des Internationalen Akademie-Ausschusses, IAP) publiziert, dem die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina - Nationale Akademie der Wissenschaften angehört.

Martin Rees, Präsident der Royal Society London, sagte: "Jeder weiß, dass die wachsende CO2-Konzentration in der Atmosphäre zur Klimaveränderung führt. Aber es gibt noch einen anderen Umwelt-Effekt - die Versauerung der Meere -, dem keine hohe politische Aufmerksamkeit zuteil wurde. Falls der CO2-Ausstoß der Erde bis zum Jahr 2050 nicht um mindestens 50 Prozent und um mehr noch danach reduziert wird, könnten wir uns einer Unterwasser-Katastrophe mit unumkehrbaren Veränderungen in der Zusammensetzung unserer Artenvielfalt gegenübersehen. Die Folgen werden weltweit zu spüren sein: Bedrohung der Nahrungsmittelsicherung, Reduzierung des Küstenschutzes und Zerstörung derjenigen örtlichen Wirtschaften, die wahrscheinlich am wenigsten in der Lage sind, diese Folgen zu ertragen. Kopenhagen muss diese sehr reale und ernste Bedrohung thematisieren."

Die Erklärung ruft die führenden Persönlichkeiten der Welt auf, die direkte Bedrohung, welche den Meeren durch den steigenden CO2-Ausstoß in der Atmosphäre erwächst, und dessen tiefe Auswirkung auf die Umwelt und auf die Gesellschaft explizit anzuerkennen. Die Erklärung betont, dass die Versauerung der Meere unumkehrbar ist, und konstatiert, mit Bezug auf aktuelle Emissionsprognosen, dass alle Korallenriffe und polaren Ökosysteme im Jahr 2050 oder gar früher ernsthaft betroffen sein werden.

Diese Erklärung wurde während der UNFCCC*-Konferenz herausgegeben, die vom 1. bis zum 12. Juni 2009 in Bonn stattfindet und die schließlich die Verhandlungen von Kopenhagen gestalten wird, in denen eine Übereinkunft über CO2-Reduktionsziele erreicht werden muss, die notwendig sind, um gefährliche Klimaveränderungen zu vermeiden.

* UNFCCC = United Nations Framework Convention on Climate Change (Klima-Rahmenkonvention der Vereinten Nationen)

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Malaria: Neues vom Erreger

Robert Emmerich, Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Mit einer klebrigen Hülle aus Proteinen umgibt sich der Malaria-Erreger in einer bestimmten Phase seiner Vermehrung. Das haben Wissenschaftlerinnen vom Zentrum für Infektionsforschung der Uni Würzburg herausgefunden. Die neue Erkenntnis könnte für die Entwicklung von Impfstoffen bedeutsam sein.
Der Malaria-Erreger Plasmodium falciparum ist ein Parasit, der nur aus einer einzigen Zelle besteht. Durch den Stich der Anopheles-Mücke wird er auf den Menschen übertragen. In dessen Körper befällt er die roten Blutkörperchen, ernährt sich von ihnen - und bringt den Menschen in Lebensgefahr.

Seine sexuelle Vermehrung erledigt der Parasit in den Mücken: Wenn die einen infizierten Menschen stechen, nehmen sie mit seinem Blut auch den Erreger in ihren Darm auf. Die Plasmodien reifen dort zu unterschiedlich großen Geschlechtszellen heran, die im Prinzip mit den Ei- und Samenzellen des Menschen vergleichbar sind: Sie verschmelzen miteinander, verlassen den Darm und wandern in die Speicheldrüsen der Mücke. Sticht die erneut einen Menschen, infiziert sie ihn und der Kreislauf hat sich geschlossen.

Proteinhülle umgibt Geschlechtszellen des Erregers

Ein Würzburger Forschungsteam um Gabriele Pradel und Nina Simon hat nun nachgewiesen: Der Erreger bringt kurz vor der Entstehung seiner Geschlechtszellen sechs spezielle Proteine hervor, die sich untereinander zu größeren Komplexen zusammenlagern. Diese Proteinhaufen finden sich später ausschließlich auf der Oberfläche seiner "Eizellen" wieder und bilden dort eine klebrige Hülle. Publiziert ist diese Entdeckung im Journal of Biological Chemistry.

Warum das ein spannendes Ergebnis ist? "Möglicherweise dient die klebrige Hülle dazu, die 'Samenzellen' festzuhalten. Denkbar ist aber auch, dass die 'Eizelle' sich damit gegen aggressive Substanzen schützt, die im Darm der Mücken vorkommen", mutmaßt Gabriele Pradel.

Plausibel wäre ein Schutzmechanismus. Denn im Mückendarm leben die Malaria-Erreger anfangs im Schutz der roten Blutkörperchen des Menschen. Diese platzen aber auf, sobald die Geschlechtszellen reif sind - von diesem Moment an könnte ein neuer Schutzschirm sinnvoll sein.

Neues Angriffsziel für Impfstoffe gefunden?

Eventuell ist die klebrige Hülle ein wunder Punkt des Malaria-Erregers. Denn falls sie für seine Fortpflanzung absolut notwendig ist, eignet sie sich als Angriffsziel für so genannte transmissionsblockierende Impfstoffe. Doch zuerst einmal muss Gabriele Pradel mit ihrem Team herausfinden, wozu die Hülle wirklich gut ist. Das kann einige Jahre dauern.

Neue Arzneimittel und Impfstoffe gegen die Malaria sind dringend nötig: Schätzungsweise ein bis drei Millionen Menschen sterben pro Jahr weltweit an dieser Infektion. Gegen die verfügbaren Medikamente werden die Erreger zunehmend unempfindlich, ein möglicher Impfstoff befindet sich derzeit in der klinischen Erprobung. Frühere Impfstoff-Kandidaten hatten sich allesamt als wirkungslos erwiesen.

Mückenzucht brachte Forschungserfolg

Die Entwicklung des Malaria-Erregers in der Anopheles-Mücke analysiert die Würzburger Forschungsgruppe in einem gesicherten Labor. Dort werden die Mücken gezüchtet, von den Eiern über die Larven und Puppen bis zu den erwachsenen Insekten. Für die Experimente nehmen die Wissenschaftler Mücken aus der Zucht heraus und lassen sie Menschenblut saugen, das zuvor mit Plasmodien versetzt wurde.

Die Zucht der Anopheles-Mücken im so genannten Insektarium ist der ganze Stolz von Gabriele Pradel: "Diese Forschungsmöglichkeit gibt es in Deutschland sonst nur noch in Hamburg und Heidelberg." Selten ist sie auch weltweit: Nur insgesamt rund zehn Labors verfügen darüber.

Gabriele Pradel: Zur Person

Die Mikrobiologin Gabriele Pradel leitet seit 2005 am Würzburger Zentrum für Infektionsforschung eine Nachwuchsgruppe. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert ihre Arbeit im Rahmen des Emmy-Noether-Programms.

Kontakt: PD Dr. Gabriele Pradel, T (0931) 31-2174, gabriele.pradel@uni-wuerzburg.de

"Sexual Stage Adhesion Proteins Form Multi-protein Complexes in the Malaria Parasite Plasmodium falciparum", Nina Simon, Sabrina M. Scholz, Cristina K. Moreira, Thomas J. Templeton, Andrea Kuehn, Marie-Adrienne Dude, and Gabriele Pradel. The Journal of Biological Chemistry, Vol. 284, Issue 21, 14537-14546, MAY 22, 2009. DOI 10.1074/jbc.M808472200

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Marktchance: Abwärme nutzen

Holger Kock, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

Ungenutzte Abwärme wie die Körpertemperatur lässt sich mit thermoelektrischen Generatoren in elektrischen Strom verwandeln. Das erhöht die Effizienz von Prozessen und ermöglicht energieautarke Systeme. Beides verspricht große Marktchancen. Mehr als 400 Experten diskutieren darüber in Freiburg (Brg.) vom 26. bis 30. Juli 2009 auf der 28th International Conference on Thermoelectrics.
Mehr als 60 Prozent der insgesamt verbrauchten fossilen Primärenergie verpuffen laut einer Studie des Lawrence Livermore National Laboratory ungenutzt als Wärmeenergie. Thermoelektrische Generatoren (TE-Generatoren) sind in der Lage, den als Wärme verlorenen Energieanteil z.B. in Feuerungsanlagen, in industriellen Prozessen und besonders im Automobil zumindest teilweise zu verwerten und in elektrischen Strom umzuwandeln. Dass dies funktioniert, beweisen TE-Generatoren im Weltraum, wo sie schon seit Jahrzehnten als äußerst zuverlässige Energielieferanten für Sonden und Satelliten arbeiten - emissionslos, geräuschlos und vibrationsfrei.

Energieautarke Systeme
Kommerziell erhältliche thermoelektrisch betriebene Uhren zeigen, dass bereits die Differenz zwischen Körper- und Raumtemperatur zum Betrieb elektronischer Geräte mit niedrigem Verbrauch ausreicht. Mit solch geringen Temperaturgefällen, ganz gleich aus welcher Quelle sie stammen, können TE-Generatoren beispielsweise die Stromversorgung autarker Sensornetzwerke gewährleisten. So sollen sie zukünftig Batterien oder Akkus, deren Laufzeiten für viele Sensortypen nicht ausreichen, überflüssig machen. Die erzeugte Energie reicht völlig aus, um nicht nur den Sensor zu betreiben, sondern auch drahtlos Messdaten zu übertragen. Netzunabhängige Sensorsysteme sind vielfältig einsetzbar: Body Sensor Networks und medizinische Sensoren könnten zukünftig kabellos bestimmte Körperfunktionen überwachen; Sensoren übernehmen die Steuerung von Servicefunktionen im Transportwesen oder melden Materialermüdung, beispielsweise bei Flugzeugen. Eine Studie der Unternehmensberatung Frost & Sullivan ("Advances in Energy Harvesting Technologies", Sept. 2007) geht von einer führenden Rolle der Thermoelektrik in der energieautarken Sensorik aus.

Beste Marktchancen
Die Industrie hat das Potenzial der Thermoelektrik als wichtige Technologie für höhere Energieeffizienz längst entdeckt. Bei einer weiteren Verbesserung der thermoelektrischen Materialien ist mit einer Verzehnfachung des heutigen Marktes zu rechnen. Nicht zuletzt deshalb investieren vor allem Länder wie die USA, China und Japan derzeit massiv in die Forschung. Neue nanotechnologische Ansätze haben in den vergangenen Jahren zu einer deutlichen Verbesserung in der Materialgüte geführt. Als führende Nation bei den erneuerbaren Energien unternimmt auch Deutschland große Anstrengungen, um weiterhin vorne mitzuspielen: Beispielsweise wurden am Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM in Freiburg erstmalig miniaturisierte, Wafer-basierte Dünnschicht-Thermoelektrik-Generatoren entwickelt, die die Firma Micropelt jetzt vermarktet.

Konferenz in Freiburg
Als Zeichen der Wertschätzung durch die internationale Thermoelektrik-Community treffen sich Experten aus aller Welt in diesem Jahr in Freiburg zur weltweit wichtigsten Thermoelektrik-Veranstaltung. Über 400 Experten aus Industrie und Forschung diskutieren vom 26. bis 30. Juli 2009 auf der 28th International Conference on Thermoelectrics, tauschen Forschungsergebnisse aus und erörtern gemeinsam die Marktchancen der Technologie. Weitere Informationen unter http://www.ict2009.its.org

Hintergrund:
Das Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM entwickelt und realisiert optische Sensor- und Belichtungssysteme sowie funktionale Materialien. Bei den Systemen sind Optik, Mechanik, Elektronik und Software ideal aufeinander abgestimmt. Die Lösungen sind besonders robust ausgelegt und jeweils individuell auf die Bedingungen am Einsatzort zugeschnitten. Auf dem Gebiet der Thermoelektrik ist das Institut international mitführend in Materialforschung, Simulation und Aufbau von Systemen.
Weitere Informationen:
http://www.ipm.fraunhofer.de - Fraunhofer IPM in Freiburg
http://www.ict2009.its.org - Homepage der Konferenz

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Neun Kommunen für hervorragende Klimaschutzprojekte ausgezeichnet

Sybille Wenke-Thiem, Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Urbanistik

Bundeswettbewerb: Preise in Höhe von 10.000 bis 50.000 Euro werden wieder in Klimaschutz investiert
Berlin/Köln Die Sieger des vom Bundesumweltministerium (BMU) gemeinsam mit der "Servicestelle: Kommunaler Klimaschutz" beim Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) initiierten Bundeswettbewerbs "Kommunaler Klimaschutz 2009" wurden heute in Berlin bekannt gegeben. Mit dem Wettbewerb werden Kommunen und Regionen ausgezeichnet, die im Klimaschutz besonders vorbildliche Maßnahmen, Strategien oder Aktionen realisiert haben. Die von Staatssekretär Matthias Machnig vom BMU überreichten Preise gingen an:

Kategorie 1 "Innovative technische und/oder bauliche Maßnahmen für den Klimaschutz in kommunalen Gebäuden und Einrichtungen"
- Gemeinde Vetschau/Spreewald (Brandenburg) für ihre Solarsporthalle
- Stadt Marburg (Hessen) für den Neubau der Kinderkrippe Marbach
- Stadt Mülheim an der Ruhr (Nordrhein-Westfalen) für die Verwandlung eines Wohnblocks der 60er Jahre zum Technischen Rathaus

Kategorie 2 "Innovative und vorbildliche Strategien zur Umsetzung des kommunalen Klimaschutzes"
- Stadt Wilhelmshaven und Landkreis Friesland (Niedersachsen) für die "Wärmeschutzpartner Wilhelmshaven - Friesland"
- Landeshauptstadt München (Bayern) für das Bündnis "München für Klimaschutz"
- Gemeinde Morbach (Rheinland-Pfalz) für "Mit Energie Zukunft gestalten: Der Morbacher Weg zur energieautarken Kommune"

Kategorie 3 "Erfolgreich umgesetzte, innovative Aktionen zur Beteiligung und Motivation der Bevölkerung bei der Realisierung von Klimaschutzmaßnahmen"
- Kreis Unna (Nordrhein-Westfalen) für das Projekt "mobil&Job- Betriebliches Mobilitätsmanagement"
- Stadt Augsburg (Bayern) für die Kampagne "e+haus"
- Stadt Tübingen (Baden-Württemberg) für die Kampagne "Tübingen macht blau"

Die Preisträger der ersten Kategorie (hier gab es 81 Bewerbungen) erhalten jeweils ein Preisgeld von 50.000 Euro, in der zweiten Kategorie (79 Bewerbungen) gibt es jeweils 10.000 Euro und in der dritten Kategorie (61 Bewerbungen) jeweils 20.000 Euro. Die Preisgelder sind wieder in Klimaschutzprojekte zu investieren.

Staatssekretär Machnig freute sich über die große Resonanz auf den Wettbewerb. Die 221 eingegangenen Bewerbungen zeigten, dass die Kommunen viele Antworten auf die Frage nach erfolgreichen Projekten anzubieten hatten. Machnig: "In den Kommunen gibt es ein enormes Einsparpotenzial bei Energieverbrauch und CO2-Emissionen. Ob in privaten Haushalten, in der Wirtschaft oder in öffentlichen Gebäuden wie Rathäusern und Schulen - wer heute in Klimaschutz investiert, senkt dauerhaft seine Energiekosten." Für die Kommunen sei Klimaschutz aber auch ein wichtiges Instrument der regionalen Wirtschaftsförderung. Die Sensibilisierung der Verbraucher/innen für mehr Klimaschutz fördere Investitionen in der Region genauso wie die energetische Modernisierung der kommunalen Infrastruktur, führte Machnig weiter aus. Das komme der heimischen Wirtschaft direkt zugute und sichere Arbeitsplätze gerade in konjunkturschwachen Zeiten.

Die Preisverleihung fand im Rahmen der heutigen Konferenz "Kommunaler Klimaschutz - Ideen - Impulse - Innovationen" statt, ausgerichtet vom Bundesumweltministerium und der "Servicestelle: Kommunaler Klimaschutz" beim Difu in Kooperation mit den kommunalen Spitzenverbänden.

Die Projekte der Gewinner im Einzelnen:

Stadt Vetschau: "Solarsporthalle Vetschau"
Die Solarsporthalle Vetschau verbindet auf beispielhafte Weise einen außergewöhnlich niedrigen Energieverbrauch mit einer beachtlichen Energiegewinnung durch eine Photovoltaikanlage. Neben ihrem innovativen Gebäudestandard in Passivbauweise verfügt die Sporthalle über ein energieeffizientes Versorgungskonzept.

Stadt Marburg: "Neubau der Kinderkrippe Marbach"
Beim Neubau der Kinderkrippe Marbach ist eine vorbildliche Kombination von hoher Energieeffizienz und der Nutzung erneuerbarer Energien gelungen. Zum einen erfüllt das Gebäude alle Kriterien, die an ein Gebäude mit Passivhausstandard gestellt werden, zum anderen wird die Solarenergie zur Heizungsunterstützung genutzt und der verbleibende Restwärmebedarf wird durch Biomasse gedeckt.

Stadt Mülheim an der Ruhr: "Verwandlung - vom Wohnblock der 60er zum Technischen Rathaus"
Der Umbau und die energetische Sanierung eines Wohnblocks zum Technischen Rathaus stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass Hochhausbauten der 1960er und 1970er Jahre ökologisch, ökonomisch und städtebaulich einer nachhaltigen Nutzung zugeführt werden können. Durch die energetische Sanierung und Optimierung werden in erheblichem Maße schädliche CO2-Emissionen eingespart.

Stadt Wilhelmshaven und Landkreis Friesland: "Wärmeschutzpartner Wilhelmshaven-Friesland"
Die regionale Gemeinschaftsinitiative ist eine gelungene interkommunale Kooperation, die eine Vielzahl verschiedener Akteure einbindet. Durch kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit und individuelle Beratung wird ein wichtiger Beitrag zur Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit bei der energetischen Modernisierung bestehender Wohngebäude erbracht. Die strategische Vorgehensweise wird kontinuierlich überprüft, weiterentwickelt und optimiert.

Landeshauptstadt München: Bündnis "München für Klimaschutz"
Mit dem im Jahr 2007 gegründeten Bündnis von wichtigen lokalen Akteuren aus Verwaltung, Verbänden, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Institutionen und Medien ist es gelungen, ein Netzwerk aufzubauen, das neue Ideen und Umsetzungsstrategien für den Klimaschutz entwickelt und größtmögliche CO2-Reduktionspotenziale für den Großraum München wirtschaftlich effizient zu erschließen vermag.

Gemeinde Morbach: "Mit Energie Zukunft gestalten: Der Morbacher Weg zur energie-autarken Kommune"
Um das Ziel der Energie-Autarkie bis 2020 zu erreichen, setzt Morbach auf eine komplexe Strategie, die auf den drei Bausteinen Leitbild, Energielandschaft und Energietourismus aufbaut. Darüber hinaus werden zahlreiche lokale Akteure aus den unterschiedlichsten Disziplinen konsequent in die Planung und Umsetzung der vielfältigen Maßnahmen einbezogen.

Kreis Unna: "mobil&Job - Betriebliches Mobilitätsmanagement"
Mit der innovativen und vorbildlichen Initiative "mobil&Job" bietet der Kreis Unternehmen und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen kostenlosen und individuellen Service zur Stärkung einer klimafreundlichen Mobilität.

Stadt Augsburg: "e+haus - Gebäude energetisch modernisieren"
Mit ihrer Initiative hält die Stadt für private Hausbesitzer ein umfassendes und kostenloses Informations- und Beratungsangebot bereit. Die Einbindung von zahlreichen regionalen Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen sorgt für Neutralität und hohe Fachkompetenz.

Stadt Tübingen: "Tübingen macht blau - 10% weniger CO2 bis 2010"
Mit ihrer umfangreichen Klimaschutzkampagne verfolgt die Stadt konsequent ihr ambitioniertes Klimaschutzziel. Auf sehr originelle und informative Weise werden die Tübinger Bürgerinnen und Bürger ebenso nachdrücklich wie kontinuierlich zum Umdenken und zu klimaschützenden und energieeffizienten Verhaltensänderungen ermuntert.

Weitere Informationen zu den ausgezeichneten Projekten, zum Wettbewerb sowie Fotos von der Veranstaltung unter www.kommunaler-klimaschutz.de.
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Kurzinfo: "Servicestelle: Kommunaler Klimaschutz"
Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) hat 2008 eine umfassende Klimaschutzinitiative mit dem Ziel gestartet, die Potenziale für den Klimaschutz durch die Steigerung der Energieeffizienz und der Nutzung regenerativer Energien kostengünstig zu realisieren. Außerdem sollen zukunftsweisende Klimaschutztechnologien und innovative Ideen durch Modellprojekte unterstützt und verbreitet werden. Dazu wurden umfangreiche Förderprogramme aufgelegt. Die Kommunen gehören zu den zentralen Zielgruppen der Initiative, denn hier wird aufgrund der räumlichen Konzentration und unterschiedlichen Nutzungen (Wohnen, Gewerbe und Industrie, Verkehr, Freizeit) ein großer Teil klimarelevanter Emissionen erzeugt. Im Sommer 2008 wurde daher (gefördert durch das BMU) eine übergeordnete "Servicestelle: Kommunaler Klimaschutz" beim Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) eingerichtet. Sie dient als Service- und Beratungseinrichtung für Kommunen und bietet zugleich einen Wegweiser durch die verschiedenen Förderbausteine.

Die Arbeit der bundesweit agierenden Servicestelle umfasst folgende Aufgaben:
- Öffentlichkeitsarbeit zum Förderprogramm, insbesondere bei der Zielgruppe Kommunen
- Vorbereitung und Durchführung der Wettbewerbe "Kommunaler Klimaschutz"
- Beratungs- und Serviceleistungen zum kommunalen Klimaschutz

Kontakt:
Anna Hogrewe-Fuchs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Servicestelle: Kommunaler Klimaschutz
Deutsches Institut für Urbanistik (Difu)
Lindenallee 11, 50968 Köln
Telefon: 0221/340308-16, Telefax: 0221/340308-28
E-Mail: hogrewe-fuchs@difu.de, kontakt@kommunaler-klimaschutz.de
Internet: www.kommunaler-klimaschutz.de, www.difu.de

Kurzinfo: Deutsches Institut für Urbanistik
Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu), Berlin, ist als größtes Stadtforschungsinstitut im deutschsprachigen Raum die Forschungs-, Fortbildungs- und Informationseinrichtung für Städte, Kommunalverbände und Planungsgemeinschaften. Ob Stadt- und Regionalentwicklung, Wirtschaftspolitik, Städtebau, Soziale Themen, Umwelt, Verkehr, Kultur, Recht, Verwaltungsthemen oder Kommunalfinanzen: Das 1973 gegründete unabhängige Institut bearbeitet ein umfangreiches Themenspektrum und beschäftigt sich auf wissenschaftlicher Ebene mit allen Aufgaben- und Problemstellungen, die die Kommunen heute und in Zukunft zu bewältigen haben. Grundlage des Handelns des als GmbH geführten Instituts ist die Gemeinnützigkeit. Der Verein für Kommunalwissenschaften e.V. (VfK) ist alleiniger Gesellschafter der GmbH.
Weitere Informationen:
http://www.kommunaler-klimaschutz.de
http://www.difu.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Einfach weitermachen ... RUB-Studie: Stress fördert gewohnheitsbasiertes Verhalten

Dr. Josef König, Pressestelle
Ruhr-Universität Bochum

RUB-Forscher berichten im Journal of Neuroscience

Unter Stress spulen wir Gewohntes ab ? egal ob es sinnvoll ist oder nicht. Zielgerichtetes Lernen hingegen wird durch Stress behindert. Das haben Bochumer Kognitionspsychologen um Dr. Lars Schwabe in einer Studie herausgefunden, die in der aktuellen Ausgabe des Journal of Neuroscience veröffentlicht ist. Versuchspersonen, die unter Stress gelernt hatten, welcher Klick wahrscheinlich eine Belohnung mit Saft oder Kakao auslöst, klickten später weiter auf das Symbol, obwohl sie keinen Saft oder Kakao mehr wollten. Lerner ohne Stressbelastung vermieden hingegen die entsprechenden Symbole.
Außerdem waren sie sich des Gelernten eher bewusst als die Gestressten.

Essen weil es schmeckt oder weil man es immer macht um halb eins

Die Fähigkeit zu lernen, dass wir unseren Hunger beseitigen können, indem wir mittags in ein Restaurant oder die Mensa gehen, um dort zu essen, ist für unser Leben von zentraler Bedeutung. Derartige Lernprozesse können durch zielgerichtete oder durch gewohnheitsbasierte, habituelle Prozesse gesteuert werden. Beispielsweise könnten wir zielgerichtet in die Mensa gehen, weil uns das Essen dort so gut schmeckt und unser Hunger dort am Besten gestillt wird. Oder aber wir könnten mittags in die Mensa gehen, weil wir dies nun mal jeden Tag um halb eins tun, ganz egal ob wir hungrig sind oder nicht. Was bestimmt, welcher der beiden Prozesse unser Lernverhalten kontrolliert. Gibt es eine Möglichkeit, die Nutzung dieser zielgerichteten oder habituellen Prozesse beim Lernen zu beeinflussen Basierend auf früheren Arbeiten, die zeigten, dass Stress einen Einfluss darauf hat, welche Lernstrategie wir zur Aufgabenbearbeitung verwenden, vermuteten die Bochumer Forscher Dr. Lars Schwabe und Prof. Dr. Oliver Wolf, dass Stress möglicherweise auch die Nutzung zielgerichteter und habitueller Prozesse beim Lernen reguliert.

Stressreaktion bleibt lange messbar

Um diese Hypothese zu prüfen, ersannen die Forscher einen komplexen Versuchsablauf. Sie teilten freiwillige Versuchspersonen zunächst zufällig in zwei Gruppen ein. Die eine Gruppe musste zu Beginn eine Stresssituation durchstehen: Sie musste ihre Hand in Eiswasser halten, währenddessen in eine Kamera blicken, die ihre Mimik aufzeichnete, und sich dabei von einem unfreundlichen Versuchsleiter kritisch beäugen lassen. Die andere Gruppe hielt die Hand einfach in warmes Wasser. Messungen von Blutdruck, Erregung und dem Spiegel des Stresshormons Cortisol belegten, dass die erste Gruppe eine deutliche Stressreaktion zeigte. 20 Minuten danach begann der Test. Blutdruck und Erregung normalisieren sich schnell wieder, der Cortisolspiegel bleibt aber bis etwa 60 Minuten nach dem Stressereignis erhöht, erläutert Dr. Schwabe.

Klick wird mit Kakao belohnt

Das Experiment bestand aus zwei Durchgängen: Im ersten Durchgang wurden die Probanden mit verschiedenen Formpaaren auf einem Monitor konfrontiert, die sie anklicken konnten. Der Klick auf bestimmte Formen hatte mit einer hohen Wahrscheinlichkeit die Gabe von kleinen Mengen Orangensaft oder Kakao zur Folge, den die Versuchspersonen, die vorher gefastet hatten, gerne haben wollten. Alternativ wurden Wasser oder Pfefferminztee verabreicht. Die Getränke wurden über Schläuche gegeben, welche die Probanden wie Strohhalme im Mund hielten. Schnell hatten die Versuchspersonen sich gemerkt, welcher Klick wahrscheinlich Saft oder Kakao versprach. Nach dieser ersten Phase durften die Versuchspersonen entweder so viele Orangen oder so viel Schokoladenpudding essen wie sie wollten. Auf diese Weise wurde, wie die subjektiven Einschätzungen der Probanden bestätigten, ihre Lust auf Orangensaft bzw. Kakao reduziert?, erklärt Dr. Schwabe. Diese Getränke wurden sozusagen entwertet.

Zweite Phase: Kakao oder Saft sind unbeliebt

Danach startete der zweite Testdurchgang. Dabei wurden den Versuchspersonen erneut die aus der Lernphase bekannten Reizpaare präsentiert, erneut sollten sie sich jeweils für einen der beiden Reize entscheiden. Keiner hatte mehr Lust auf Kakao oder Organgensaft. Wer zielgerichtet gelernt hatte, musste also tunlichst die Klicks auf die Symbole vermeiden, die mit hoher Wahrscheinlichkeit eines dieser Getränke bedeuteten. Nicht gestresste Probanden verhielten sich auch genauso. Die vor dem Lernen gestressten Probanden hingegen blieben beim einmal eingeschliffenen Verhaltensmuster: Sie machten auch weiterhin jeweils den Klick, der zum entwerteten? Getränk führte obwohl sie es, wie sie selbst angaben, nicht mehr mochten. Ihr Verhalten war also offenbar gewohnheitsbasiert und vom Wert des Verhaltensergebnisses unabhängig, fasst Dr. Schwabe zusammen.

Folgen von Stress in der Schule

Die Implikationen der aktuellen Studie gehen weit über die Frage des Mensabesuches bei Hunger hinaus, so Schwabe. Sie deuten auf mögliche Folgen von Stress in Lernumgebungen wie der Schule oder dem Arbeitsplatz hin.? Zudem könnten sie zu einem besseren Verständnis der Entstehung und Aufrechterhaltung von Zwangsstörungen oder Substanzabhängigkeiten beitragen, die maßgeblich durch festgefahrene, vom eigentlichen Ziel losgelöste Verhaltensgewohnheiten gekennzeichnet sind, schätzen die Forscher. Die Studie wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG; SCHW 1357/2-1) gefördert.

Titelaufnahme

Lars Schwabe and Oliver T. Wolf: Stress Prompts Habit Behavior in Humans. In: Journal of Neuroscience, Stress Prompts Habit Behavior in Humans, J. Neurosci. 2009 29: 7191-7198; doi:10.1523/JNEUROSCI.0979-09.2009

Weitere Informationen

Dr. Lars Schwabe, Kognitive Psychologie, Ruhr-University Bochum, Germany, Tel.: 0234/32-29324, Fax: 0234/32-14308, E-Mail: Lars.Schwabe@rub.de, Homepage: http://www.cog.psy.ruhr-uni-bochum.de/larss.html

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Schadstoffe in meiner Nachbarschaft

Neues Register gibt Bürgerinnen und Bürgern schnelle Auskunft

Wie viel Kohlendioxid bläst der Industriebetrieb in der Nachbarschaft in die Luft? Welche Schwermetalle leitet er in Flüsse ein? Und in welche Länder exportiert der Betrieb seine Abfälle? Wer aus privatem oder beruflichem Interesse Informationen über Freisetzungen von Schadstoffen sucht, findet diese ab sofort im neuen Schadstoffregister PRTR-Deutschland (Pollutant Release and Transfer Register). Der Zugriff erfolgt online unter www.prtr.bund.de und ist für alle Nutzerinnen und Nutzer völlig kostenlos.

Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium (BMU), Michael Müller, schaltete das neue Umweltinformationsportal heute in Berlin frei: „Das neue PRTR-Portal wird einen bedeutenden Beitrag zu mehr Transparenz bei Umweltinformationen für die Öffentlichkeit schaffen. Nie war der Blick hinter die Werkstore bequemer als heute." Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des Umweltbundesamtes (UBA) sagte: „Bürgerinnen und Bürger können mit wenigen Mausklicks kostenlos und uneingeschränkt Informationen zu Schadstofffreisetzungen und Abfällen aus großen Industriebetrieben erhalten. Ab Ende September sind mit der Eröffnung der EU Register dann auch endlich internationale Vergleiche von Maßnahmen zu Emissionsminderung möglich". Der Beauftrage der Bundesregierung für Informationstechnik und Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, Dr. Hans-Bernhard Beus, lobte das elektronische PRTR als eines der erfolgreichsten E-Government 2.0 Projekte im Handlungsfeld Prozessketten: „Die frühe Einbeziehung der Wirtschaft und die konsequente Umsetzung von Anforderungen an die Datensicherheit sind nur zwei Aspekte, die das elektronische PRTR umsetzt. Das PRTR gehört seit 2008 zu den Leuchtturm-Projekten der neuen IT-Strategie der Bundesregierung und wird durch das BMI bzw. die Bundesregierung auch finanziell gefördert."

Für das neue Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregister PRTR berichten über 4.000 Unternehmen ab sofort jährlich ihre Daten zu Schadstoffemissionen in Luft, Wasser und Boden sowie über den Verbleib des Abfalls und des Abwassers. Verpflichtet dazu sind große Industriebetriebe und andere Organisationen, etwa aus der Energiewirtschaft, der chemischen Industrie, aber auch die Intensivtierhaltungen und große Kläranlagen. Die berichtspflichtigen Unternehmen übermitteln jährlich ihre Daten online in der neuen Erfassungssoftware BUBE-Online (Betriebliche Umweltdatenbericht­erstattung) an die zuständigen Behörden. Die Länder prüfen diese Daten, leiten sie an das UBA weiter, das die Informationen aufbereitet und in der neuen Internetplattform www.prtr.bund.de aktualisiert.

Der Aufbau und Betrieb des Schadstoffregisters basiert auf einem internationalen Abkommen der UN-Wirtschaftskommission für Europa (UN-ECE), das Deutschland und 35 weiteren Staaten unterzeichnet haben, sowie der EU-Verordnung über die Schaffung eines Europäischen Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregisters (E-PRTR-Verordnung) vom 18. Januar 2006. Deutschland hat diese Verordnung mit dem Gesetz zur Ausführung des Protokolls über Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregister vom 21. Mai 2003 sowie zur Durchführung der Verordnung (EG) Nr. 166/2006 (SchadRegProtAG) am 6. Juni 2007 in nationales Recht umgesetzt.

Weitere Informationen unter www.prtr.bund.de.

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Umweltfreundliche Flugzeuge

Schadstoffe und Lärm extrem reduzieren -­ daran arbeiten Fraunhofer-Wissenschaftler im europäischen Projekt »Clean Sky«. Das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF koordiniert die Beiträge aller Fraunhofer-Institute in der Joint Technology Initiative (JTI), die mit 1,6 Milliarden Euro das größte europäische Projekt für Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Luftfahrt in Europa ist. Auf der Paris Air Show vom 15. bis 21. Juni präsentieren sechs Institute ihre Ergebnisse in Halle 5 / Stand C6.

»Das Fliegen wird mit zunehmender Globalisierung für die Menschen immer wichtiger. Die Fraunhofer-Gesellschaft will ihren Beitrag leisten, damit die Luftfahrt trotz steigendem Aufkommens umweltfreundlicher wird«, sagt Professor Holger Hanselka, Leiter des LBF und Mitglied im Governing Board, dem Steuerungsgremium des JTI »Clean Sky«. Ziel des Projekts: Bis 2020 sollen die CO2-Emissionen um 50 Prozent, die Stickoxidemissionen um 80 Prozent, die Lärmbelastung um 50 Prozent gesenkt und ein nachhaltiger Lebenszyklus für alle Komponenten des Luftverkehrs eingeführt werden. Forscher am LBF arbeiten zum Beispiel an einem intelligenten Frühwarn- und Monitoringsystem, das Tragflächen und andere Komponenten in Leichtbauweise sicherer macht. Es basiert auf optischen Fasern und piezokeramischen Patches. Das Besondere an den Arbeiten am LBF ist die enge Verzahnung von experimentellen und numerischen Prüfverfahren. Das erhöht die Sicherheit der Bauteile und verkürzt gleichzeitig die Entwicklungszeiten.

Eine einzigartige Testeinrichtung ist die »Flight Test Facility« des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik IBP. Hier lässt sich die original Fluggastkabine eines Passagierjets unterschiedlichen Druck- und Raumklimaverhältnissen aussetzen, und so das Wohlbefinden von bis zu 80 Testpassagieren gleichzeitig analysieren. Das IBP untersucht auch, wie man Fluglärm reduzieren und die Energieeffizienz steigern kann. Gemeinsam mit Herstellern verbessern die Forscher das Kabinenklima. Sie analysieren Luftqualität, Hygiene, thermische Behaglichkeit, Akustik, Beleuchtung und suchen nach Lösungen, um Wärme- und Feuchtigkeitstransport in der Rumpfhülle zu verbessern.

Fortschritte bei Materialien und ihren Verbindungen sind ein Schwerpunkt anderer Fraunhofer-Institute. Forscher am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM haben Klebetechniken für Flugzeughersteller entwickelt, die beständigere und sicherere Verbindungen ermöglichen als bisherige Verfahren. In der Fraunhofer-Einrichtung für Elektronische Nanosysteme ENAS arbeiten Wissenschaftler an Mikro- und Nanotechnologien, um Smart Systems, komplexe Sensoren, in Bauteile zu integrieren. Faserverbundwerkstoffe sind leichter als herkömmliches Material und dabei gleichzeitig belastbarer. Experten am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT ist es gelungen, mit dem Verbundwerkstoffsystem Sheet-Moulding-Compound besonders widerstandsfähige Leichtbaulösungen zu entwickeln. Aufgrund der geringen Dichte, der Temperatur- und Chemikalienbeständigkeit bei gleichzeitiger Formstabilität halten sie mechanischen, chemischen und thermischen Einflüssen stand.

Ein unentbehrliches Hilfsmittel zur Beschleunigung von Entwicklungsprozessen ist die Simulation von Materialien und Bauteilen. Das Fraunhofer-Institut für Grafische Datenverarbeitung IGD ermöglicht die visuelle Darstellung komplexer aerodynamischer Verhältnisse an den Tragflächenkanten.

Vom 15. bis 21. Juni zeigen die beteiligten Fraunhofer-Institute auf der Paris Air Show ihre Innovationen in Halle 5 / Stand C6.

Über Clean Sky - www.cleansky.eu
Die Joint Technology Initiative »Clean Sky« ist eine Partnerschaft der Industrie, vertreten durch Unternehmen des Luftfahrtsektors (AgustaWestland, Airbus, Alenia, Dassault Aviation, EADS-CASA, Eurocopter, Fraunhofer-Gesellschaft, Liebherr, Thales, Rolls-Royce, SAAB und Safran) und der Europäischen Union. Dem Projekt steht für die Laufzeit von 2007 bis 2014 ein Haushalt von 1,6 Mrd. Euro zur Verfügung. 800 Mio. Euro kommen aus dem 7. EU-Forschungsrahmenprogramm, die andere Hälfte leisten die beteiligten Partner als Eigenanteil.

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Wie steht es um den Umweltschutz in Deutschland?

Martin Ittershagen, Pressestelle
Umweltbundesamt (UBA)

Umwelt-Kernindikatoren ab sofort aktualisiert im Internet
Wie entwickelt sich der Umweltschutz in Deutschland? Das gerade aktualisierte Umwelt-Kernindikatorensystem (KIS) des Umweltbundesamtes (UBA) gibt Antwort darauf. Mehr als 50 Indikatoren beschreiben den Zustand der Umwelt und zeigen, wo die Umweltpolitik erfolgreich und wo noch mehr zu tun ist: Gute Noten erhält Deutschland für das Jahr 2008 beim Klimaschutz und beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Zudem ist die Energie- und Ressourcenproduktivität gestiegen. "Auf diesen Erfolgen dürfen wir uns aber nicht ausruhen", sagt UBA-Vizepräsident Dr. Thomas Holzmann.

So muss Deutschland - trotz der verbesserten Energie- und Rohstoffproduktivität - den absoluten Energie- und Rohstoffverbrauch weiter senken, der Verkehrssektor muss nachhaltiger werden und auch bei der Luftreinhaltung sind die Erfolge für das Erreichen eines hohen Niveaus zum Schutz der Gesundheit und zum Erhalt der biologischen Vielfalt noch mit weiteren großen Anstrengungen verbunden. Auch bei der Verringerung der Flächeninanspruchnahme und dem Ausbau des ökologischen Landbaus hat Deutschland seine Ziele noch nicht erreicht.
Hier einige konkrete Ergebnisse für eine erfreuliche Entwicklung des Umweltschutzes:
- Die Treibhausgasemissionen gingen von 1990 bis 2008 um 23,3 Prozent zurück. Das Minderungsziel für Deutschland bis zum Jahr 2012 von 21 Prozent, bezogen auf das Jahr 1990, ist somit bereits vorfristig erreicht.
- Der Beitrag der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zur gesamten Strombereitstellung betrug 2008 rund 14,8 Prozent. Das Ziel für 2010 von 12,5 Prozent ist somit übertroffen.
- Die Energieproduktivität erhöhte sich von 1990 bis 2008 um 40,7 Prozent. Hier sind weitere Anstrengungen notwendig, um das Ziel der Verdoppelung im Jahr 2020 gegenüber dem Jahr 1990 zu erreichen.
- Die Rohstoffproduktivität stieg zwischen 1994 und 2007 um 35,4 Prozent - bei einem rückläufigen Materialeinsatz um minus 9,7 Prozent und einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes um 22,3 Prozent. Die Entwicklung des Indikators ist positiv, aber das Tempo reicht für das gesetzte Ziel der Verdopplung gegenüber 1994 noch nicht aus.
- Gegenüber 1990 sank der Luftschadstoffindex der Emissionen bis 2007 um 56 Prozent auf 44 Prozent. Das Ziel der Bundesregierung liegt bei 30 Prozent bis zum Jahr 2010. Auch hier sind noch weitere Maßnahmen erforderlich, um das avisierte Ziel zu erreichen.
Besondere Anstrengungen sind weiterhin in diesen Bereichen erforderlich:
- Von 1999 bis 2006 sank die Transportintensität des Personenverkehrs auf 95,6 Prozent. Die Transportintensität des Güterverkehrs stieg dagegen auf 114 Prozent. Das Tempo der Entkoppelung von Personentransportintensität und Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt, BIP) ist noch zu gering. Bei der Gütertransportintensität findet sogar - im Hinblick auf das Ziel - eine gegenläufige Entwicklung statt.
- 2007 werden in Deutschland 5,1 Prozent der Anbaufläche nach den Prinzipien des ökologischen Landbaus bewirtschaftet. Das 20-Prozent-Ziel der Bundesregierung ist noch in weiter Ferne.
- Seit 1991 gingen die Stickstoffüberschüsse auf landwirtschaftlich genutzten Flächen um insgesamt 20 Prozent zurück. Angesichts eines Überschusses von immer noch über 100 Kilogramm pro Hektar reicht die bisherige Stickstoffeffizienz nicht aus, um das Ziel von 80 Kilogramm pro Hektar bis 2010 zu erreichen.
- Die tägliche Flächeninanspruchnahme für Siedlungen und Verkehr ist im Zeitraum von 1992 bis 2007 von 120 Hektar pro Tag auf knapp unter 100 Hektar pro Tag zurückgegangen. Bis 2020 soll der Zuwachs der Siedlungs- und Verkehrsfläche auf 30 Hektar pro Tag sinken. Von diesem Ziel der deutschen Nachhaltigkeitsstrategie sind wir noch weit entfernt.
- Die Artenvielfalt und Landschaftsqualität hat sich in den vergangenen zehn Jahren kaum verändert und beträgt immer noch 70 Prozent des Ziels der Bundesregierung für 2015. Das Ziel ist ohne erhebliche zusätzliche Anstrengungen von Bund, Ländern und Kommunen in möglichst allen Politikfeldern nicht erreichbar.
Umweltindikatoren sind ein wichtiges Instrument für eine Erfolgskontrolle der Umweltpolitik. Bei der Sammlung der Daten arbeitet das UBA eng mit anderen Bundesbehörden zusammen - etwa dem Bundesamt für Naturschutz, dem Bundesamt für Strahlenschutz sowie dem Statistischen Bundesamt.
Mit der Aktualisierung des Indikatorensystems gestaltete das UBA gleichzeitig auch den Internetauftritt der "Daten zur Umwelt - Umweltzustand in Deutschland" übersichtlicher und nutzerfreundlicher. Neue Funktionen ermöglichen den Nutzerinnen und Nutzern, Querverweise zu Hintergrundinformationen, zu verwandten Umweltthemen sowie zu weiterführenden Links und Literaturhinweisen zu erhalten.
Das Umwelt-Kernindikatorensystem des UBA finden Sie unter www.umweltbundesamt.de/daten-zur-umwelt/umwelt-kernindikatoren.
Die "Daten zur Umwelt" stehen unter www.umweltbundesamt.de/daten-zur-umwelt
zur Verfügung. 

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Arbeiten im Freien: Mit heiler Haut davonkommen

Jörg Feldmann, Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Jetzt lockt die Sonne wieder Menschen in Straßencafés oder an die Badeseen. Doch ihre wärmende Strahlung hat zwei Gesichter. Die anregende und wohltuende Wirkung eines Sonnenbads verkehrt sich schnell ins Gegenteil, wenn die Haut zu lange der Sonne ausgesetzt wird. Den anschließenden Sonnenbrand vergisst sie nie. Besonders gefährdet sind rund zweieinhalb Millionen Beschäftigte in Deutschland, die sich berufsbedingt häufig acht Stunden oder länger der prallen Sommersonne aussetzen müssen. An sie richtet sich die Broschüre "Licht und Schatten - Schutz vor Sonnenstrahlung für Beschäftigte im Freien", die die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitmedizin (BAuA) veröffentlicht hat.
Insbesondere sind Beschäftigte in der Baubranche, der Land- und Forstwirtschaft aber auch im Dienstleistungsbereich wie Gebäudereiniger, Schornsteinfeger oder Erzieherinnen durch die Sommersonne gefährdet. Schließlich können langjährige, intensive Einwirkungen ihrer ultravioletten Strahlungsanteile zu Hautkrebs führen.

In Deutschland gibt es rund 140.000 Hautkrebsneuerkrankungen pro Jahr mit ansteigender Tendenz. Nach Expertenmeinung verursacht hauptsächlich die UV-Belastung durch zunehmenden Aufenthalt im Freien diese Entwicklung. Darum ist es besonders wichtig, das Risiko durch die UV-Strahlung abzuschätzen und geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Ein Blick auf den Himmel gibt erste Anhaltspunkte über die Sonneneinstrahlung, sichere Informationen stellt das deutsche UV-Messnetz (BfS/DWD/UBA) zur Verfügung. Unter der Adresse www.bfs.de befindet sich der UV-Index mit Erläuterungen im Internet. Eine potenzielle Gefährdung besteht ab Stufe drei oder höher. Anhand der UV-Karte für Deutschland lässt sich die aktuelle Gefährdung ermitteln. Bei gleichbleibender Wetterlage sind gute Prognosen für die nächsten Tage möglich.

Ist die Gefahr erkannt, sollte sie durch entsprechende Schutzmaßnahmen gebannt werden. Bereits die Römer setzten Sonnensegel beim Straßenbau ein, um sich vor gleißender Sonne zu schützen. Heute lassen sich beispielsweise auch Baugerüste durch Abdeckungen verschatten. Sonnenschirme oder Überdachungen erfüllen ihren Zweck nicht nur am Strand. An manchen Arbeitsplätzen im Freien wie Verkaufständen oder Montagestellen beim Bau lassen sich feste Unterstellmöglichkeiten einrichten. Bei Fahrzeugen wie Bussen, Bahnen, Traktoren oder Gabelstaplern sollte darauf geachtet werden, dass ihre Fenster die UV-Strahlung absorbieren.

Lassen die Verhältnisse vor Ort keine technischen Schutzmaßnahmen zu, kann auch geschickte Organisation das Risiko eines Sonnenbrandes verringern: Den Arbeitsablauf möglichst so gestalten, dass viele Tätigkeiten im Schatten durchgeführt werden können. Grundsätzlich sollte darauf geachtet werden, dass die Einwirkungsdauer der Sonneneinstrahlung kurz bleibt. Einschränkungen für Arbeiten in der prallen Sonne gelten vor allem für die Mittagszeit. In den vier Stunden um den Sonnenhöchststand erreicht uns rund die Hälfte der täglichen UV-Strahlung. Auch Erzieherinnen sollten den Sonnenschutz bei der Planung ihres Tagesprogramms in der Kindertagesstätte berücksichtigen.

Zwar schreit das heiße Wetter nach weniger Kleidung, doch Kleidung bietet Schutz gegen die gefährliche Strahlung. Deshalb sollte sie den Körper gut bedecken. Mittlerweile gibt es Textilien, in denen man nicht so leicht ins Schwitzen kommt. Auch sollte der Kopf behütet werden. Hier schützen alle Arten von Kopfbedeckungen am besten mit Schirm wie beispielsweise der breitkrempige Hut der Zimmermannstracht. Sonnenschutzcremes sollten nicht nur einen hohen Lichtschutzfaktor aufweisen, sondern einen wasserfesten Schutzfilm bilden. Der hält sich länger auf nass geschwitzter Haut. Zu guter Letzt sehen Sonnenbrillen nicht nur "cool" aus. Auch die Hornhaut des Auges kann sich bei gleißender Helligkeit eine Entzündung zuziehen. Sonnenbrillen beugen einer solchen "Schneeblindheit" vor und schützen auch vor chronischen Schädigungen wie dem grauen Star. Darüber hinaus verhindern sie Blendungen, die zu Unfällen führen können.

Die Wahl der geeigneten Maßnahmen in der richtigen Reihenfolge, technisch, organisatorisch und persönlich, schafft Arbeitsbedingungen, bei denen niemand seine Haut zu Markte tragen muss.

Weitere Informationen und Tipps enthält die Broschüre "Licht und Schatten - Schutz vor Sonnenstrahlung für Beschäftigte im Freien" der BAuA. Sie kann in kleinen Mengen kostenlos über das Informationszentrum der BAuA bezogen werden. Telefon 0231.90 71 20 71, Fax 0231.90 71 20 70, E-Mail info-zentrum@baua.bund.de.
Weitere Informationen:
http://www.baua.de/nn_5846/sid_B2A9C0111B851FFCCA14E8367C63DADE/de/Publikationen... Link zur Broschüre "Licht und Schatten - Schutz vor Sonnenstrahlung für Beschäftigte im Freien" im PDF-Format (1,1 MB)

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Asiatische Kampfkunst erhöht Schmerzschwellen - Studie untersucht, wie Abhärtungstraining auf Schmerzempfindung wirkt

Rita Wilp, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft

In vielen asiatischen Kampfkünsten gehört es traditionell zum Training dazu, sich Schmerzen zuzufügen, um auf Dauer gegen Schmerzen abgehärtet zu sein. Wissenschaftler der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Münster haben jetzt experimentell untersucht, wie sich dieses sogenannte Abhärtungstraining auf die Schmerzempfindung auswirkt. In einer Pilotstudie befragten sie dazu über 100 Sportler in Deutschland, die asiatische Kampfkünste ausüben.
"Dabei gab die Mehrheit an, dass sich durch die Abhärtungsübungen sowohl die Schmerzintensität als auch die affektive Bewertung von Schmerzen verändern würde. So berichteten viele Sportler, dass der Schmerz zwar noch gespürt, die Ausübung des Sports aber nicht mehr beeinträchtigt wird," sagte Prof. Dr. Dr. Stefan Evers, Vizepräsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und Leiter der Studie. Es könne also sein, dass die Aktivierung schmerzhemmender Systeme durch Zufügung von Schmerzen langfristig auch zu einer positiven Beeinflussung von Kopfschmerzen führt.

Bei Probanden, die regelmäßig Kung Fu betreiben, untersuchten die Wissenschaftler dann im Verlauf solcher Abhärtungsübungen, wie sich Schmerzschwellen verändern. Dabei fanden sie heraus, dass nicht nur die Schmerzschwellen am Körper durch das Training ansteigen - dies bedeutet, dass ein Reiz immer stärker werden muss, um denselben Schmerz zu erzeugen - sondern, dass auch die Schmerzschwellen im Gesicht ansteigen, obwohl das Gesicht bei den Übungen gar nicht berührt worden ist. Die Gesichtsregion wird vom Nervus trigeminus versorgt, der auch für Kopfschmerzen verantwortlich ist. Die Abhärtungsübungen, die in dieser Studie ausschließlich an den Armen und Beinen durchgeführt worden waren, führten also auch dazu, dass die Schmerzempfindung bei Kopfschmerzen nachließ.

Es soll nun systematisch untersucht werden, ob eine kontrollierte Aktivierung der Schmerzhemmung auch langfristig therapeutisch in der Kopfschmerztherapie genutzt werden kann.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. med. Dr. phil. Stefan Evers
1. Vizepräsident der DMKG
Klinik und Poliklinik für Neurologie Universitätsklinikum Münster
Albert-Schweitzer-Str. 33, 48129 Münster
Tel. 0251/8348196, Fax 0251/8348181
E-Mail everss@uni-muenster.de

Generalsekretär und Pressesprecher DMKG
Prof. Dr. Dipl.-Psych. Peter Kropp
Institut für Medizinische Psychologie im Zentrum für Nervenheilkunde
an der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock
Gehlsheimer Str. 20, D-18147 Rostock
Telefon +49 381 4949530/31
E-Mail peter.kropp@med.uni-rostock.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Schnelle Auskunft beim Chemieunfall

Martin Ittershagen, Pressestelle
Umweltbundesamt (UBA)

Gemeinsamer Stoffdatenpool von Bund und Ländern künftig auch für Bürgerinnen und Bürger zugänglich
Aktuelle, schnelle und verlässliche Informationen über chemische Stoffe und ihre Wirkungen auf die Umwelt sind wichtig - für den Umweltschutz und die Gefahrenabwehr durch Feuerwehr oder Polizei. Seit 1995 gibt es dafür den "Gemeinsamen Stoffdatenpool Bund/Länder", kurz GSBL. Ab sofort sind die Daten zu rund 400.000 chemischen Stoffen noch besser aufbereitet und für alle Bürgerinnen und Bürger im Internet verfügbar.

Am 28. Mai 2009 gaben Bund und Länder als Partner des GSBL den Startschuss zum neuen Online-Auftritt der Anwendung. Acht Länder und der Bund betreiben die Rechercheanwendung zu Stoffinformationen zentral. Die Daten sind über das Internet an jedem Ort mit Netzanschluss zugänglich. Bürgerinnen und Bürger haben künftig direkten und kostenlosen Zugriff auf den GSBL.
Der GSBL ist die größte und wichtigste Stoffdatenbank in Deutschland. Zu den rund 400.000 Stoffen sind in 480 Merkmalen die Stoffeigenschaften und rechtlichen Regelungen abgebildet. Dargestellt werden die Informationen als Faktendaten, wie Messwerte und beschreibt Maßnahmen - etwa für Havarien. Sowohl Experten als auch Laien erhalten die Stoffbeschreibungen in der für sie verständlichen Form. Zugangsberechtigt zur Gesamtanwendung sind alle staatlichen und kommunalen Behörden der beteiligten Partner. Für die breite Öffentlichkeit existiert eine Public-Use-Version, mit der die Daten online über das neue Portal recherchiert werden können.
Die Kooperation zwischen Bund und Ländern im GSBL hat lange Tradition: Schon seit 1995 pflegen Bund und Länder die Stoffdaten im gemeinsamen Daten-Pool. Seit 1998 gibt es eine Vereinbarung zur Rechercheanwendung. Umweltbehörden nutzen den GSBL für die Gewerbeaufsicht, den Arbeitsschutz oder bei der Entsorgung gefährlicher Stoffe. Die Wissenschaft schätzt die qualitativ hochwertige und aktuelle Zusammenstellung relevanter Information. Auch zur Gefahrenabwehr ist der GSBL seit Jahren über seine Gefahrstoff-Schnellauskunft (GSA) ein wichtiges Informationsinstrument, etwa bei Katastrophen, Unfällen und Havarien mit gefährlichen Stoffen. Ersteinsatzkräfte, wie Feuerwehr und Polizei, sind wichtige Institutionen, die den GSBL nutzen.
Mehr Informationen unter www.gsbl.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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TUB: Wenn Krebse durch die Wasserleitung krabbeln

Dr. Kristina R. Zerges, Presse- und Informationsreferat
Technische Universität Berlin

TU-Wissenschaftler erforschen, wie Trinkwasserleitungen von Asselbefall gereinigt werden können
Der Vorfall in Brieselang ist Mitte Februar durch die Medien aufgegriffen worden: Große Teile des Trinkwassernetzes der brandenburgischen Gemeinde sind unter anderem von Asseln befallen. Die bis zu 18 Millimeter langen Tiere gehören zu den Krebsen und stellen nicht nur ein ästhetisches Problem dar. Denn Wasserasseln (Asellus aquaticus) ernähren sich von organischen Stoffen, die sich als Biofilm an den Wänden von Trinkwasserleitungen festsetzen. Und das, was die Tiere zu sich nehmen, scheiden sie dort auch wieder aus. In Brieselang werden derzeit die Rohre mit einer innovativen Methode gereinigt, die von PD Dr. Günter Gunkel an der Technischen Universität Berlin, Fachgebiet Wasserreinhaltung, und der Firma Scheideler Verfahrenstechnik entwickelt wurde.

"Wasserasseln findet man in vielen Trinkwasserleitungen. Besonders dort, wo Oberflächenwasser zur Trinkwassergewinnung genutzt wird", erläutert der Wissenschaftler. Die Tiere, die aussehen wie zu kurz geratene Tausendfüßler, krallen sich mit ihren Gliedmaßen in den Belägen der Wasserröhre fest und sind nicht einfach auszuspülen. Außerdem seien sie unempfindlich gegen Ozon und Chlor, berichtet Gunkel. In Trinkwassersystemen verbiete sich ohnehin der Einsatz von giftigen Substanzen. "Hygienische Probleme entstehen durch den Kot der Tiere oder tote Asseln", sagt der Fachmann.

Im Rahmen des Programmes "Pro Inno II" der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" e.V. (AiF) finanzierte das Bundeswirtschaftsministerium von 2006 bis 2008 das Projekt "Entwicklung eines Verfahren zur Elimination von Wasserasseln und anderen Invertebraten (wirbellose Tiere) in Trinkwasserleitungen", das Gunkel gemeinsam mit der Firma Scheideler Verfahrenstechnik GmbH bearbeitete. Die Lösung des Problems klingt simpel: "Wir betäuben die Asseln mit in Wasser gelöstem Kohlendioxid (CO2). So können sie sich nicht mehr in den Rohren festhalten und ausgespült werden", erläutert der Limnologe. Nach umfangreichen Tests unter Laborbedingungen baute die Firma Scheideler einen transportablen CO2-Durchflussreaktor und einen "Niedrig-Druck-Hoch-Durchsatz-Filter", mit dem die betäubten Asseln aus dem Trinkwasser herausgefiltert werden können. "Das Verfahren wurde dann in mehreren norddeutschen Gemeinden erfolgreich getestet und wird bis Ende Mai auch in Brieselang angewendet", berichtet Gunkel. Eine Vergiftungsgefahr für die Verbraucher bestehe nicht, das CO2-haltige Spülwasser ist einem kohlen-säurehaltigen Mineralwasser vergleichbar und wird nach der Behandlung wieder ausgespült.

Derzeit arbeitet der Wissenschaftler am Antrag für ein Folgeprojekt, das in Kürze eingereicht werden soll. Gemeinsam mit der Technischen Universität Dresden und zwei mittelständischen Unternehmen will das Team von der TU Berlin dann weitere Daten erheben und ein neues mobiles Probeentnahme- und Messsystem entwickeln, mit dem die Wasserversorger direkt am Hydranten den Befall ihrer Leitungen mit Wasserasseln und anderen Organismen problemlos nachweisen und quantifizieren können.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: PD Dr. Günter Gunkel, TU Berlin, Fachgebiet Wasserreinhaltung, Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin, Tel.: 030/314-25847, E-Mail: guenter.gunkel@tu-berlin.de, Internet: www.wrh.tu-berlin.de

Weiterführende Links:
Scheideler Verfahrenstechnik: www.scheideler.com
Limno-Plan GrB: www.limnoplan.de/pdf/studie_web.pdf

Die Medieninformation und Fotos zum Download:
www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Massenwanderung des Distelfalters - ein seltenes Phänomen

Tilo Arnhold, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Leipzig/Halle (Saale). Seit Tagen häufen sich beim Tagfalter-Monitoring Deutschland und an anderen Stellen Meldungen zu außergewöhnlich zahlreichen Beobachtungen von Distelfaltern. Zuerst in Südwestdeutschland, später auch im Osten und Norden des Landes wurde dieses Massenphänomen wahrgenommen.
Der Distelfalter (mit wissenschaftlichem Namen Vanessa cardui) ist ein Wanderfalter, der jedes Jahr erneut in Deutschland einfliegt. Die hiesigen Winter sind zu streng, als dass Raupen, Puppen oder erwachsene Tiere überleben könnten. Die Tatsache, dass die Tiere - aus Nordafrika und dem Mittelmeerraum kommend - die Alpen überqueren, um zu uns zu gelangen, weist sie als exzellente und ausdauernde Flieger aus. Ein Teil von ihnen zieht sogar bis nach Nordschweden und Finnland. Auch Großbritannien und Irland werden problemlos erreicht.
Im Jahr 2008 gab es kaum Distelfalterbeobachtungen in Deutschland (http://www.tagfalter-monitoring.de/). Ganz anders hingegen die aktuelle Situation in diesem Jahr: An vielen Orten in Deutschland und auch Frankreich wurden Ströme von Faltern beobachtet, die in schnellem, gerichtetem Flug nach Norden oder Osten unterwegs waren. Beobachter fühlen sich an das Verhalten von Zugvögeln erinnert; eine Kommunikation zwischen den Tieren wie in einem Vogelschwarm gibt es dabei allerdings nicht.
Bei science4you.org, wo neben der Datenbank des Tagfalter-Monitorings Deutschland auch das Online-Meldeportal der Deutschen Forschungszentrale für Schmetterlingswanderungen (DFZS) geführt wird, sind in diesem Jahr schon 300 Sichtungen mit jeweils mehr als 25 Distelfaltern erfasst worden. Bei 98 Meldungen wurden sogar jeweils mehr als 100 Falter beobachtet und immerhin 15 Meldungen beziehen sich auf mehr als 1000 Tiere an einem Ort innerhalb eines Tages. Alleine 11 der letzt genannten Meldungen stammen vom 17.5.2009 aus Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen.
Die ersten Anzeichen für die anstehende Einwanderungswelle wurden bereits Ende März bis Mitte April diesen Jahres aus Spanien und Jordanien vermeldet. Die ersten Distelfalter kamen am 7.5.2009 in Bayern und Baden-Württemberg an, ab dem 10.5. auch in größeren Individuenzahlen. Hessen wurde um den 13.5. erreicht, das Saarland und Rheinland-Pfalz 1-2 Tage später. Am 17.5. dann die ersten größeren Falterzahlen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie die Beobachtung größerer Wanderzüge in Süddeutschland und Österreich. Am 18.5. erreichte der Strom Niedersachsen und am 19.5. Nordrhein-Westfalen. Von diesem Datum stammt auch die erste Meldung aus Stralsund an der Ostsee.

Was bedeutet eine solche Hochgeschwindigkeits-Invasion einer Art auf breiter Front für die Artenvielfalt und die Situation der Schmetterlinge in Mitteleuropa? Der Distelfalter gilt als Langstreckenwanderer schlechthin und ist aufgrund dieser hohen Mobilität nahezu überall auf der Welt zu finden. So faszinierend das Phänomen der Massenwanderungen beim Distelfalter und weiteren Arten auch ist, gibt es dennoch viele unbeantwortete Fragen. Dies soll sich ändern und gerade Laien können sich hier aktiv an der Forschung beteiligen. Über das Wanderfalter-Monitoring von science4you (http://www.science4you.org/) kann jedermann beobachtete Distelfalter melden. Ergänzende Angaben zum Erhaltungszustand und der Wanderrichtung der Tiere sind sehr nützlich, um Verhaltensmuster besser zu verstehen und Rückschlüsse auf die genaue Herkunft der Falter zu ziehen. Daraus ergeben sich Aussagen zu Klimawirkungen und zum Zustand der Lebensräume der Raupen südlich der Alpen, nicht aber zu unseren heimischen Habitaten.
Betrachtet man ausschließlich die Situation in Deutschland, so gilt das Jahr 2008 für die große Mehrzahl der Arten als relativ schlechtes Falterjahr und normalerweise häufige Spezies wie der Kleine Fuchs, der Admiral oder eben auch der Distelfalter waren kaum anzutreffen. Die Schmetterlingsarmut löste bei den Freiwilligen, die sich am Tagfalter-Monitoring Deutschland beteiligen, aber auch bei vielen Laien Besorgnis aus. Als eine wesentliche Ursache dafür wurde das extrem trockene Frühjahr 2008 ausgemacht. Die Raupen fanden einfach keine Nahrung und konnten sich nicht gut entwickeln. Je spezifischer dabei die Ansprüche einer Art an ihren Lebensraum sind, speziell an die Raupenfraß-Pflanzen, desto stärker können sie durch Klima- oder Landnutzungswandel in ihrem Bestand gefährdet sein. Ein Übriges taten die vorausgegangenen Winter, in denen richtige Kälteperioden fehlten. Zahlreiche Arten überwintern als Puppen und benötigen kalte, frostige Perioden. Ist es zu warm und feucht, so werden die Puppen anfällig für Parasiten oder verschimmeln schlicht.
Somit erklären sich die für Insekten typischen, meist zyklischen Entwicklungen von "schlechten" Jahren im Wechsel mit individuenreichen Vorkommen. Mit Projekten wie dem Tagfalter-Monitoring ist es möglich, den Trend der Bestandsentwicklung über Jahre und Jahrzehnte hinweg zu verfolgen. Am Ende lässt sich dokumentieren, ob das Auftreten einzelner Arten noch im Rahmen der "normalen" Fluktuation liegt oder ob es einen langfristigen Trend zur Abnahme oder auch Zunahme einer Art gibt. Koordiniert wird dieses Langzeitbeobachtungsprojekt vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und der Gesellschaft für Schmetterlingsschutz (GfS).
Spannend ist es für die Beobachter in diesem Jahr, die weitere Entwicklung des Distelfalters, aber auch anderer Arten, mitzuverfolgen: Werden sich die geschwächten Bestände des Kleinen Fuchses wieder erholen oder registrieren wir gerade einen generellen Rückgang dieser Art, die doch eigentlich in jedem Garten anzutreffen war? Konnten Arten wie der Trauermantel, der es kühl und feucht bevorzugt, von dem letzten kalten Winter profitieren? Werden sich die Nachfahren der eingewanderten Distelfalter bei uns gut entwickeln können und werden wir dann zum Ende des Sommers wieder einen Massenflug dieser nächsten Generation zurück Richtung Süden beobachten?

Antworten auf diese Fragen werden die Zahlen geben, die seit April von Schmetterlingsfreunden auch in diesem Jahr bundesweit erhoben werden. Für sie heißt es nun wieder einmal pro Woche: Raus auf die festgelegten Beobachtungsstrecken und Schmetterlinge zählen.

Weitere fachliche Informationen:
Elisabeth Kühn, Dr. Reinart Feldmann
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0345-558-5263, 0341-235-1228
http://www.ufz.de/index.php?de=10387
oder über
Doris Böhme / Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1269
E-mail: presse@ufz.de

Weiterführende Links:
http://www.tagfalter-monitoring.de/
Infos zum Tagfaltermonitoring

http://www.science4you.org/
Die Online-Community für Naturbeobachtung

http://www.science4you.org/platform/monitoring/dfzs/dfzs/index.do
Deutsche Forschungszentrale für Schmetterlingswanderungen - DFZS

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Zahn-Implantate: Patienten sollten sich vor einer Behandlung gut über Möglichkeiten und Grenzen informieren

Dipl. Biol. Barbara Ritzert, Pro Science Communications
Deutsche Gesellschaft für Implantologie im Zahn-, Mund- und Kieferbereich e. V.

Ab sofort können sich Patientinnen und Patienten, die sich für Zahn-Implantate interessieren in einem unabhängigen Patientenportal über Möglichkeiten und Grenzen der Implantologie informieren. Das Web-Angebot wurde von der gemeinnützigen Deutschen Gesellschaft für Implantologie e.V. entwickelt, der größten wissenschaftlichen Fachgesellschaft Europas auf ihrem Gebiet. in der DGI arbeiten Wissenschaftler und Praktiker zusammenarbeiten, um die wissenschaftlichen Standards und Methoden in der Implantologie weiterzuentwickeln.
Die modernen Strategien in der Implantologie und ihre rasante Entwicklung erfordern gut ausgebildete Zahnärzte. Doch leider gibt es auch unseriöse Angebote und Geschäftemacherei. Darum ist es wichtig, dass sich Patienten gut über die Möglichkeiten der Behandlung und über die Qualifikation Ihres Arztes informieren, erklären Experten der Deutschen Gesellschaft für Implantologie. In einem neuen wissenschaftsbasierten Patientenportal der Gesellschaft können sich Patientinnen und Patienten nun über Zahn-Implantate informieren und nach Experten in ihrer Region suchen.

Wenn Zahnärzte, die bislang keine Implantate gesetzt haben, auf diesem Gebiet ohne gründliche Ausbildung aktiv werden, kann es geschehen, dass sie bei der Behandlung Risiken eingehen, die anschließend Probleme verursachen. Weder moderne Implantatsysteme noch eine hochgerüstete technische Ausstattung der Praxis können Erfahrung und Training ersetzen: Von ungeübten Händen können auch angeblich "idiotensichere" Implantat-Systeme falsch angewendet werden. Marktschreierische Angebote aus rein kommerziellen Gründen kommen hinzu.

Darum hat die Deutsche Gesellschaft für Implantologie, mit über 6500 Mitgliedern die größte wissenschaftliche Fachgesellschaft Europas auf ihrem Gebiet, bereits vor über zehn Jahren ein umfangreiches Ausbildungsangebot entwickelt. Mehr als 3000 Zahnärztinnen und Zahnärzte haben das Curriculum Implantologie durchlaufen, mehrere hundert besuchen jährlich die Kurse im Continuum, in dem fortgeschrittene Techniken vermittelt werden, und fast 200 Zahnmediziner haben den DGI-Studiengang zum Master of Science in Oral Implantology aufgenommen bzw. bereits abgeschlossen. "Dadurch sorgen wir dafür, dass Zahnärzte, die implantieren wollen, eine berufsbegleitende qualifizierte Ausbildung absolvieren können", sagt Prof. Dr. Günter Dhom, Präsident der DGI.

Transparenz dient dem Patientenschutz

Auf dem Gebiet der zahnmedizinischen Fortbildung gibt es Ausbildungsangebote von verschiedenen Anbietern mit deutlichen qualitativen Unterschieden. Für Patienten ist diese Titelflut intransparent: Nicht jede Urkunde, die in einem Wartezimmer hängt, ist ein Garant dafür, dass der Implantologe sein Metier wirklich beherrscht. So verleiht beispielsweise ein privater Anbieter den Teilnehmern eines Wochenendkurses einen "Tätigkeitsschwerpunkt Implantologie", ohne dass dieser den Nachweis erbringen muss, schon jemals ein Implantat gesetzt zu haben.

Auf ihrem neuen Patientenportal listet die DGI?darum nicht nur ihre Mitglieder auf, sondern informiert auch darüber, welche Qualifikation diese haben und welche Anforderungen dazu erfüllt sein müssen.

Pressekontakt: DGI-Pressestelle
ProScience Communications - Die Agentur für Wissenschaftskommunikation GmbH
Dipl. Biol. Barbara Ritzert · Andechser Weg 17 · 82343 Pöcking/Starnberger See
Fon: 08157 9397-0 · Fax: 08157 9397-97 · E-mail: presse@dgi-ev.de
Weitere Informationen:
http://www.zahnimplantate-infoportal.de/

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wie funktioniert das Gehirn bei einer Panikstörung?

Barbara Abrell, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) erlaubt Einblicke
Patienten mit einer Panikstörung erleben ohne erkennbaren Auslöser wiederholt Zustände massiver Angst, die oft von Herzrasen, Atemnot und Übelkeit begleitet werden. Tatsächlich werden diese Sinneseindrücke durch Fehlleistungen des Gehirns ausgelöst. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie untersuchten nun mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) Hirnregionen, die an der Verarbeitung emotionaler Information beteiligt sind. Im Vergleich zu gesunden Probanden zeigen Patienten mit einer remittierten Panikstörung eine verstärkte Aktivierung des Mandelkerns, einer Hirnregion, die für die Auslösung einer Furchtreaktion die Schlüsselrolle spielt. Interessanterweise tritt diese Überaktivität parallel mit einer verminderten Aktivierung des zingulären und präfrontalen Kortex auf. Panikattacken entstehen offensichtlich dadurch, dass diese höheren Steuerregionen ihre kontrollierende Funktion bei der Gefahreneinschätzung nicht ausreichend wahrnehmen können. (PLoS ONE, Online-Vorabpublikation 20. Mai 2009)

Bei der Panikstörung kommt es zum schlagartigen Ausbrechen von intensiven Angstgefühlen, ohne dass eine objektive Gefahr erkennbar ist. Die Angst kann sich zu Todesangst steigern und von zahlreichen körperlichen Symptomen wie Herzrasen, Atemnot, Schweißausbrüchen oder Übelkeit begleitet sein. Die Erkrankung tritt bei ein bis vier Prozent der Bevölkerung auf, wobei der Krankheitsausbruch meistens zwischen 20 und 40 Jahren liegt. Die Patienten sind häufig schwer beeinträchtigt. Zu den Symptomen der Panikstörung treten häufig Vermeidungsreaktionen, wie Agoraphobie - der Angst vor offenen Plätzen - mit Rückzugsverhalten und depressiven Reaktionen hinzu. In Extremfällen sind Patienten nicht mehr in der Lage, ihre Wohnung zu verlassen.

Bis heute sind die eigentlichen Ursachen der Panikstörung weitgehend unbekannt. Wegen der starken vegetativen körperlichen Reaktionen während der Panikattacke stand bisher ein neuronales Netzwerk im Gehirn im Zentrum des Interesses, das für die Erkennung der emotionalen Bedeutung eines Reizes und der Entstehung eines erregten Zustands verantwortlich ist. Dieses Netzwerk umfasst vor allem den Mandelkern und den vorderen zingulären Kortex.

n der aktuellen Studie untersuchten Dr. Sämann und seine Mitarbeiter mittels fMRT, inwieweit sich bei Patienten mit Panikstörung die Verarbeitung emotionaler Reize von gesunden Kontrollpersonen unterscheidet. Hierbei wurde Wert darauf gelegt, dass die Patienten im Zeitraum vor der Untersuchung frei von Panikattacken waren.

Während der zirka 20-minütigen Untersuchung wurden Bilder von Gesichtern gezeigt, die entweder mit einem passenden oder unpassenden Begriff kombiniert waren (siehe Abbildung 1). Die Testpersonen sollten per Tastendruck angeben, ob Text und Bild übereinstimmten oder nicht. Dabei waren sie angewiesen, vorwiegend auf den Gesichtsausdruck zu achten und soweit wie möglich den Wortgehalt zu ignorieren.

Eine leichte Irritation durch widersprüchliche Bild/Wort-Paare ist bei solchen Experimenten ein bekanntes Phänomen, das sich in einer verlangsamten Antwort niederschlägt. Patienten zeigen dieses Phänomen jedoch stärker als Gesunde. Außerdem treten bei Patienten deutliche Unterschiede in der Hirnaktivierung auf: Sie verringerten dann die Aktivität der Kontrollregionen im präfrontalen Kortex und reagierten mit einer Mehraktivierung des Mandelkerns, wenn ein widersprüchliches Bild/Wort-Paar vorausging. Je größer die Mehraktivierung ausfiel, desto stärker verzögerte sich die Antwort des Patienten - einer von mehreren Hinweisen, dass diese Erregung des Gehirns keine erfolgreiche Kompensation, sondern eher eine Fehlleistung darstellt. Interessanterweise zeigte sich ein gegensätzliches Bild beim Patienten, wenn ein übereinstimmendes Bild/Wort-Paar vorausging. Dann war die Aktivität der Kontrollregionen eher stärker als bei Gesunden.

Diese veränderten Aktivierungsmuster deuten auf eine instabile Reaktion derjenigen Hirnregionen hin, die normalerweise die Reaktion des Furchtsystems auf emotionale Reize regulieren. Die neuen Erkenntnisse helfen zu erklären, warum pharmakologische Substanzen, die vor allem mittelfristig die Reaktion limbischer und präfrontaler Hirnregionen beeinflussen, wie beispielsweise Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer, bei der Panikstörung erfolgreich Wirkung zeigen.

Originalveröffentlichung:

Natalya Chechko, Renate Wehrle, Angelika Erhardt, Florian Holsboer, Michael Czisch, Philipp G. Sämann
Unstable prefrontal response to emotional conflict and activation of lower limbic structures and brainstem in remitted panic disorder
PLoS ONE (2009), 1-15, Online-Vorabpublikation 20. Mai 2009

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Barbara Meyer, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München
Tel.: +49 89 30622-616
Fax: +49 89 30622-348
E-Mail: bmeyer@mpipsykl.mpg.de
Weitere Informationen:
http://213.155.73.172/tvsender/stations/mpg/index.asp?VideoNr=481&player=2 - Video zum Thema

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Neues Verfahren ermöglicht Gesamtrisikokarten für Hochwassergebiete

Tilo Arnhold, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Leipzig. Hochwasserrisikokarten können künftig nicht nur ökonomische sondern auch soziale und ökologische Risiken aufzeigen. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg haben dazu ein Verfahren entwickelt, das auf regionaler Ebene erlaubt, verschiedenste Kriterien in diese Karten einfließen zu lassen. Bisher wurden in der Regel nur Werte berücksichtigt, die in Euro und Cent beziffert werden konnten. Immaterielle Werte blieben so jedoch unberücksichtigt.
Eine neue EU-Hochwasser-Richtlinie fordert von allen Mitgliedsstaaten, entsprechende Risikokarten bis 2013 zu erstellen und zu veröffentlichen. Damit sollen Planer und Anwohner von Flüssen die Möglichkeit haben, sich auf potentielle Gefahren vorzubereiten und Vorsorge treffen zu können.

Das neue Verfahren wurde am Beispiel des Elbzuflusses Mulde erarbeitet. Für die Vereinigte Mulde in Sachsen wurden dabei neben den sonst üblichen ökonomischen Hochwasserschäden auch soziale und ökologische Risiken dargestellt. Damit sei es möglich, die Sichtweise von verschiedensten Interessengruppen zu visualisieren. Diese Diskussionsgrundlage könne helfen, eine allgemein akzeptierte Lösung zu finden, so die Forscher. "Eine Visualisierung der einzelnen Effekte von Überflutungen kann dazu beigetragen, einen Konsens zwischen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und ökologischen Interessen zu schaffen", erzählt Dr. Volker Meyer vom UFZ. "Es ist nun einmal schwierig, alle möglichen Effekte in Geld auszudrücken. Unser Ansatz ermöglicht es, alle Auswirkungen trotzdem gemeinsam darzustellen und ist damit eine gute Basis für Verhandlungen." Mit welchen Gewicht welche Effekte hierbei eingehen, ist letztlich eine Frage, die die Betroffenen untereinander diskutieren müssen, um einen allgemein akzeptierten Konsens beim Hochwasserschutz zu erreichen. "Kochbuchlösungen gibt es nun mal im Hochwasserschutz nicht", ergänzt Dr. Dagmar Haase vom UFZ. "Unser Verfahren kann dazu beitragen, dass schwächere, aber trotzdem stark betroffene Gruppen gleichberechtigt mit am Verhandlungstisch sitzen."

Bisher wurden vor allem ökologische Risiken bei der Bewertung kaum berücksichtigt. Als Beispiel nennen die Forscher neben der Verunreinigung durch Schadstoffe auch das Risiko der Eutrophierung von wertvollen Naturflächen: Durch Flusswasser können nährstoffarme Standorte gefährdet werden, auf denen speziell angepasste Arten nach einer Überflutung und der damit verbundenen Düngung des Bodes plötzlich Konkurrenz durch andere Arten bekommen. "Oder zum Beispiel der Spitzahorn. Diese Baumart hat eine ganz geringe Flutresistenz von ungefähr elf Tagen. Wenn diese überschritten ist, dann fallen die Bäume wirklich um - zum Leidwesen der Förster und Waldbesitzer", erklärt Dagmar Haase. Auch soziale Risiken können mit dem Verfahren dargestellt werden, so z.B. die Anzahl der Betroffenen Einwohner aber auch durch Hochwasser Einrichtungen wie Krankenhäuser, Kindergärten oder Altenheime die durch Hochwasser besonders verwundbar sind.

Risikoanalysen gehen oft von den aktuellen Verhältnissen aus und schreiben diese einfach fort. Im Zuge des Klimawandels werden die Häufigkeit von Fluten und auch deren Stärke zunehmen. Das, was heute beispielsweise noch als 200jähriges Ereignis gilt, könnte künftig statistisch bereits alle 150 Jahre oder noch häufiger auftreten. Hier sehen die Wissenschaftler ebenfalls einen Vorteil des Softwaretools FLOODCALC, das innerhalb des Projektes entwickelt wurde, denn dessen Parameter können angepasst werden. Das neue Verfahren kann damit auch die Anpassung in Flusseinzugsgebieten an den Klimawandel unterstützen. Trotz aller Fortschritte legen die Wissenschaftler jedoch Wert darauf, dass die Unsicherheiten bei der Analyse von Hochwasserrisiken nach wie vor sehr groß seien. Trotz Verbesserungen solle man nicht suggerieren, dass es jemals die perfekte Abschätzung des Risikos gäbe.
Das Verfahren wird derzeit in mehreren Projekten weiterentwickelt: Zum einen wird der Ansatz im Rahmen einer Diplomarbeit auf die Stadt Leipzig übertragen. Zum anderen sollen innerhalb des Projektes RISK MAP Möglichkeiten einer stärkeren Einbeziehung lokaler Interessengruppen bei der Erstellung von Risikokarten untersucht werden.
Tilo Arnhold

Publikationen:
Meyer, V., Scheuer, S., Haase, D. (2009):
A multicriteria approach for flood risk mapping exemplified at the Mulde river, Germany
Natural Hazards 48 (1), 17-39
http://dx.doi.org/10.1007/s11069-008-9244-4
Die Untersuchung wurde von der Europäischen Union im Rahmen des Projektes FLOODsite gefördert.

Christine Kubal, Dagmar Haase (2009):
Hochwasserrisiko in Leipzig.
Statistischer Quartalsbericht 1/2009. Stadt Leipzig, Amt für Statistik und Wahlen

Weitere fachliche Informationen:
Dr. Volker Meyer, Dr. Dagmar Haase
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1641, -1950
http://www.ufz.de/index.php?de=4715
http://www.ufz.de/index.php?en=4576
und
Dipl.-Geogr. Sebastian Scheuer
Institut für Geowissenschaften
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Telefon: 0345-55-26023
http://www.geo.uni-halle.de/geofern/mitglieder/scheuer/
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1269
E-mail: presse@ufz.de

Weiterführende Links:
EU-Forschungsprojekt FLOODSite
http://www.floodsite.net/
FLOOD-ERA - Flood risk management strategies in European Member States:
http://www.ufz.de/index.php?de=14504

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Treue Männer bringen keine Blumen

Barbara Abrell, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Von extremer Untreue zu absoluter Treue ist nur ein minimaler evolutionärer Prozess nötig, wie Ornithologen an Australiens Staffelschwänzen belegen konnten
Diese Singvogelgattung ist berüchtigt für außereheliche Partnerschaften: Obwohl sie anscheinend in harmonischen Paarbeziehungen leben, sind die meisten Nachkommen von anderen Männchen. Inmitten dieser Gattung haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell und der Universität Freiburg nun einen sehr treuen Vertreter gefunden, den Purpurkopf-Staffelschwanz. Die bei Männchen anderer Staffelschwanzarten zahlreichen Anpassungen fürs Fremdgehen sind bei dieser Art verloren gegangen. Die Forscher zeigten, dass nahverwandte Arten mit ähnlicher Lebensweise sich stark in dem Grad der Partnertreue unterscheiden können. Bislang wurden Gründe für außereheliche Partnerschaften unter anderem durch die unterschiedlichen Lebensweisen der verschiedenen Arten erklärt (BMC Ecology, Online- Veröffentlichung vom 19. Mai 2009).

Staffelschwänze sind bunte und charismatische australische Singvögel. Obwohl sie so klein sind wie ein Zaunkönig, sind sie langlebig. Sie leben in Paaren, die ein gemeinsames Revier verteidigen und zusammen ihre Jungen großziehen. Die Staffelschwänze gelten daher wie die meisten Vogelarten als sozial monogam.

Alle der bisher untersuchten Staffelschwanzarten sind allerdings für ihre Untreue berüchtigt. In fast jeder Brut dieser Arten finden sich Nachkommen, die außerhalb des Paarbundes gezeugt wurden. Aber nicht nur die Weibchen sind notorische Fremdgeher, bei den Männchen finden sich zahlreiche Anpassungen in Morphologie und Verhalten, die mit außerehelichem Paarungsverhalten assoziiert sind. Ihre Reproduktionsorgane haben sich stark vergrößert und die Männchen können mehrmals pro Tag dabei beobachtet werden, wie sie ihr Territorium und ihre Partnerin verlassen. Dann bezirzen sie andere Weibchen in der Umgebung, oft mit Hilfe einer Blume.

Sjouke Anne Kingma und seine Kollegen vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und der Universität Freiburg haben nun herausgefunden, dass bei Purpurkopf-Staffelschwänzen so gut wie keine außereheliche Vaterschaft auftritt. Dazu haben die Forscher von einer in Westaustralien lebenden Population Proben von 227 Nachkommen aus 104 Nestern genommen und genetische Vaterschaftsanalysen durchgeführt. Bei alle außer 10 Nachkommen war der Vater auch der soziale Partner der Weibchen.

Besonders erstaunte die Wissenschaftler, dass den Männchen der Purpurkopf-Staffelschwänze Anpassungen in Morphologie oder Verhalten fehlten, die bei den promiskuitiven nahen Verwandten stark ausgeprägt sind. So mausern sich zum Beispiel die untreuen Staffelschwanzarten zur Brutzeit in ein buntes Federkleid. Im Gegensatz dazu bekommen die Purpurkopf-Staffelschwänze nur ein paar bunte Federn. Auch sind die Reproduktionsorgane der Purpurkopf-Staffelschwänze viel kleiner als bei anderen Staffelschwanzarten, was ein Hinweis für eine geringe Paarungskonkurrenz zwischen Männchen ist. Und während die Liebhaber bei der Partnerwerbung Blütenblätter präsentieren, haben die Freilandforscher in über 300 Beobachtungsstunden ein solches Verhalten bei den treuen Gatten der Purpurkopf-Staffelschwänze nicht beobachtet.

"Wir waren überrascht von der weiblichen Treue und der drastischen Reduzierung des Wettbewerbs zwischen den Männchen," so Kingma. Denn in Bezug auf die Brutbiologie und Ökologie finden sich nur geringe Unterschiede zwischen der treuen und den untreuen Staffelschwanzarten. Die Forscher schlussfolgern, dass sich Paarungssysteme in der Entwicklungsgeschichte schneller ändern können, als bisher angenommen. "Die nahe Verwandtschaft dieser Arten impliziert, dass diese Anpassungen in nur einem Ereignis im Artbildungsprozess verloren gingen", sagt der Wissenschaftler. Sogar ein so hoch entwickeltes Paarungssystem wie das der Purpurkopf-Staffelschwänze könnte also in relativ kurzer stammesgeschichtlicher Zeit verschwinden, ohne klare assoziierte Änderungen in anderen biologischen Aspekten. Dies habe auch Auswirkungen auf das Verständnis der verschiedenen Paarungssysteme: "Wenn die Unterschiede zwischen den Arten weder durch Abstammung, noch durch das Sozialsystem und ökologische Faktoren zu erklären sind, könnte das ein Grund dafür sein, warum wir noch weit vom Verständnis der evolutionären Grundlagen für außerehelichen Vaterschaften entfernt sind", erklärt der Ornithologe.

Originalveröffentlichung:

Sjouke A. Kingma, Michelle L. Hall, Gernot Segelbacher and Anne Peters
Radical loss of an extreme extra-pair mating system.
BMC Ecology, Online-Veröffentlichung vom 19. Mai 2009

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Sjouke Kingma, Behavioural Ecology of Sexual Signals Group
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Radolfzell
Tel.: Zurzeit in Australien, + 8 h Zeitunterschied zu Deutschland: Tel: +61 (0)2-6125687
E-Mail: kingma@orn.mpg.de

Anne Peters, Behavioural Ecology of Sexual Signals Group
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Radolfzell
Tel.: in Radolfzell: +49 7732-150153, zurzeit in Australien, + 8 h Zeitunterschied zu Deutschland: +61 (0)2-61251028
E-Mail: peters@orn.mpg.de
Weitere Informationen:
http://www.biomedcentral.com/bmcecol/

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Auch Sportmuffel können dem Herzinfarkt entgehen

Anne Bolsmann, Kommunikation
Universitätsklinikum Essen

Mehr Bewegung und weniger Kalorien: Forscher am Universitätsklinikum Essen haben jetzt ergründet, warum diese einfache Formel den Körper vor Herzinfarkten schützen kann.
Der demographische Wandel stellt unsere Gesellschaft vor neue Herausforderungen: Dank der verbesserten medizinischen Versorgung wird die Menschheit in der westlichen Welt immer älter. Mit steigendem Alter potenziert sich jedoch auch die Gefahr, einen schweren Herzinfarkt zu erleiden. Ein natürlicher Schutzmechanismus, den das Herz in sich trägt, geht nach und nach verloren. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Dieser Verlust der "Kardioprotektion", wie die angeborene Herzschutzfunktion in der Medizin genannt wird, lässt sich rückgängig machen - und zwar mit einem ganz einfachen Rezept: Viel Bewegung und kalorienreduziertes Essen bringen die Herzmuskeln wieder auf Trab.

Natürlich gelten sportliche Betätigungen und bewusste Ernährung schon seit langer Zeit als Hausrezept für ein langes Leben ohne Herzinfarkt. Doch jetzt sind Forscher am Universitätsklinikum Essen dem Mechanismus, der dahinter steckt, auf der Spur.

Den Umbauprozessen der Muskelzellen auf der Spur

"Zellbestandteile, insbesondere die Mitochondrien, verändern sich mit dem Alter, deshalb kann es verstärkt zu Veränderungen im Erbgut und der Funktion von Herzmuskelzellen kommen", erklärt Privatdozentin Dr. Kerstin Böngler vom Universitätsklinikum Essen, die für ihre Untersuchungen der Mitochondrienfunktion beim Herzinfarkt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. In den Zellen entstehen freie Radikale, die wiederum die DNA und Proteine beschädigen und dadurch zu Zellveränderungen und in letzter Instanz auch zum Zelltod führen können. "Dadurch wird das Herz stark geschädigt und verliert seinen Schutz vor Herzinfarkten", so Böngler. "Es sind ganz bestimmte Proteine, die mit dem Alter verloren gehen und für den Verlust des Schutzes vor dem Herzinfarkt verantwortlich sind. Andere Proteine wiederum sind nicht betroffen", ergänzt Professor Dr. Gerd Heusch, Direktor der Pathophysiologie am Essener Uniklinikum. Die Wissenschaftler haben untersucht, welche Signalmoleküle das Herz vor dem Infarkt schützen. In den Mittelpunkt stellten sie dabei die so genannte Ischämische Präkonditionierung, die die Wucht eines Herzinfarktes im Vorfeld abfedern kann. Für diese Präkonditionierung wird die Durchblutung der Herzmuskulatur kurzzeitig unterbrochen, dadurch werden Prozesse in den Muskelzellen in Gang gesetzt, die das Herz vor ähnlichen Reizen schützen. Kommt es dann zu einem richtigen Herzinfarkt, sind dessen Auswirkungen deutlich geringer. Bei älteren Menschen nimmt dieser Schutzmechanismus jedoch stetig ab, eine Ischämische Präkonditionierung wirkt dann nicht mehr so effektiv - mehr Gewebe stirbt ab, weil das Herz weniger geschützt ist.

Weniger Kalorien und mehr Sport = der Herzschutz
wird wieder hergestellt

Die Essener Forscher haben jedoch nicht nur dieses Phänomen beobachtet, sondern verfolgen nun auch das Ziel, den Verlust des Herzschutzmechanismus umzukehren. Eine deutliche Drosselung der Kalorienzufuhr und moderate körperliche Bewegung können dem Trend entgegenwirken.

Regelmäßige körperliche Betätigung führt dazu, dass mehr Antioxidantien gebildet werden, die freie Radikale in den Zellen abfangen können. Zudem wird erreicht, dass sich die Proteine wieder stabilisieren und dem Zelltod entgegengewirkt wird. Im Modellversuch mit Tieren stellte sich heraus, dass der körpereigene Herzschutz durch sportliche Betätigung teilweise wiederhergestellt werden kann, das Ergebnis lässt sich noch weiter verbessern, indem man Sport und eine Kalorienreduktion miteinander kombiniert. Auch die Kalorienreduktion verbessert die Funktion der Mitochondrien auf molekularer Ebene. "Die gute Nachricht dabei ist, dass schon leichte körperliche Betätigung ausreicht, um den maximalen Effekt zu erzielen", sagt PD Dr. Kerstin Böngler, die auch Couch-Potatoes Hoffnung macht: "Die positive Wirkung von mehr Bewegung lässt sich auch im höheren Alter noch erreichen, selbst wenn man vorher nie Sport gemacht hat", erklärt sie.

Mehr Informationen zu diesem Thema erhalten Sie bei:
Privatdozentin Dr. Kerstin Böngler
Institut für Pathophysiologie
Universitätsklinikum Essen
Hufelandstraße 55
45147 Essen
Tel. 0201/723-4486
E-Mail: kerstin.boengler@uk-essen.de

Prof. Dr. Dr. h.c. Gerd Heusch
Direktor des Instituts für Pathophysiologie
Universitätsklinikum Essen
Tel. 0201/723-4480
E-Mail: gerd.heusch@uk-essen.de
Weitere Informationen:
http://www.uk-essen.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Kleinwasserkraft - Potentiale für die Energie von morgen

Dr. Ulrich Marsch, Zentrale Presse & Kommunikation
Technische Universität München

Einladung zum Pressegespräch in der Versuchsanstalt für Wasserbau und Wasserwirtschaft der TU München in Obernach
Wasser erzeugt "saubere Energie". Wasserkraft ist CO2-neutral und um die potentielle Energie des Wassers in Strom umzuwandeln, müssen weder Rohstoffe verschwendet noch Schadstoffe freigesetzt werden. Die guten Standorte für Wasserkraft mit großen Abflüssen un/oder Fallhöhen sind in Deutschland weitestgehend erschlossen. "Doch das Potential von Wasserkraft ist noch lange nicht ausgeschöpft," sagt Professor Peter Rutschmann, Ordinarius für Wasserbau und Wasserwirtschaft an der Technischen Universität München, "Insbesondere für die Kleinwasserkraft gibt es noch Potentiale, die nicht nur energetisch, sondern auch ökologisch interessant sind." Daher forscht die TUM gemeinsam mit Deutschlands größtem Wasserkraftbetreiber E.ON Wasserkraft GmbH an Kleinwasserkraftwerken, um in Zukunft auch ungünstigere Standorte zur Energieerzeugung nutzen zu können.

In Bayern gibt es an vielen Flüssen historische Wehre, natürliche Stufen oder Überfälle. Ist die Fallhöhe etwas mehr als ein Meter hoch, könnte hier Strom erzeugt werden. Doch um die Energiepotentiale von solch kleineren Flüssen effektiv zu nutzen, braucht es innovative Konzepte. Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit der Wasserbauingenieure steht die Entwicklung einer effektiven Turbinentechnologie, die die Umwelt möglichst nicht beeinflusst und sich gleichzeitig unauffällig in die Landschaft integrieren lässt. In der Versuchsanstalt Obernach am Walchensee wird anhand von Fallstudien und Modellversuchen untersucht, wie Wasserkraft am effektivsten genutzt werden kann. Mit im Boot ist auch die E.ON Was-serkraft: "Im Eckpunktepapier zum Ausbau der Wasserkraft in Bayern haben wir uns gemeinsam mit der Staatsregierung das Ziel gesetzt, die Stromerzeugung aus Wasserkraft in Bayern um 10% zu erhöhen. Als Unternehmen haben wir daher ein großes Interesse an neuen Technologien, die umweltverträglich und wirtschaftlich auch kleinere Potentiale zur Energiegewinnung nutzen können", kommentiert Dr. Dominik Godde, Technischer Geschäftsführer der E.ON Wasserkraft.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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ACHEMA 2009 vermittelt Aufbruchstimmung : Zufriedene Gesichter am Ende des Weltgipfels der chemischen Technik

Dr. Kathrin Rübberdt, Öffentlichkeitsarbeit
DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.

· Stabile Besucher- und Ausstellerzahlen
· Internationaler als je zuvor
· Positive Stimmung und der Blick nach vorne

Chemie und Anlagenbau richten den Blick nach vorne: Das ist das Fazit der ACHEMA 2009, die am Freitag in Frankfurt zu Ende gegangen ist. Mehr als 173.000 Besucher aus der ganzen Welt besuchten an fünf Tagen die 3.767 Aussteller in den Hallen des Messegeländes, um sich über die neuesten Produkte und Technologien aus chemischer Technik, Biotechnologie, Umweltschutz und angrenzenden Branchen zu informieren. Auf 134.000 m² stellten Firmen, Institute und Forschungseinrichtungen ihre Neuentwicklungen aus chemischer Technik, Pharma- und Lebensmitteltechnik, Biotechnologie und verwandten Branchen aus. Vom Dichtungsring bis zum vollständigen Raffineriekonzept war alles zu finden, was Entwicklungsingenieure und Anlagenplaner brauchen. Dabei war die 29. ACHEMA sowohl von Aussteller- als auch Besucherseite internationaler als je zuvor: 46,6 % der Aussteller und 28 % der Besucher kamen aus dem Ausland.
Aussteller und Organisatoren waren mit dem Verlauf der Veranstaltung hoch zufrieden. "Aussteller und Besucher haben Präsenz gezeigt und damit ein Signal über die ACHEMA hinaus gesetzt: Unsere Branchen wollen anpacken und die Krise hinter sich lassen", sagte Prof. Dr. Gerhard Kreysa, Geschäftsführer der DECHEMA e.V.
Nicht nur die Zahlen stimmten: Auch die Qualität der Gespräche und Kontakte wurde von den Ausstellern einhellig gelobt. Von Krisenstimmung war an den Ständen und in den Hallen wenig zu spüren - "es warten alle darauf, dass jemand den Startknopf drückt und es wieder losgeht", beschrieb ein Aussteller die Grundstimmung. Erfahrungsgemäß münden etwa die Hälfte der Kontakte auf der ACHEMA in eine weitere Zusammenarbeit.
Wichtigstes Thema in diesem Jahr war die Prozesseffizienz, also der sparsame Einsatz von Energie und Rohstoffen. Aber auch biotechnologische Verfahren und der Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen bildeten einen Schwerpunkt. Viele Aussteller zeigten neue Komponenten für die Mikroverfahrenstechnik, während im Kongress die Nanotechnologie und die ionischen Flüssigkeiten breiten Raum einnahmen.
Auch der ACHEMA-Kongress war gut besucht: Die über 900 Vorträge lockten Wissenschaftler und Entwickler in die Vortragssäle, wo sie neue Forschungsergebnisse diskutieren konnten, die in naher Zukunft in die Anwendung überführt werden. In vier Plenarvorträgen und vier Podiumsdiskussionen wurden aktuelle Themen von allgemeiner Bedeutung behandelt. Besonderes Interesse fand die Podiumsdiskussion unter Beteiligung von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel und BASF-Vorstand Stefan Marcinowski zum Thema "Grüne Gentechnik".
Mit dem Schließen der Hallen am Freitagabend hat für die Veranstalter der nächste Countdown begonnen: Am 1. Juni 2010 beginnt in Beijing / VR China die achte AchemAsia, die wichtigste Veranstaltung der Ausrüsterbranchen für die Prozessindustrie in Asien.
Weitere Informationen:
http://www.achema.de - Weitere Informationen und Bildmaterial zum Download
http://www.dechema.de - Weitere Veranstaltungen der DECHEMA
 
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Hochwasser begünstigt die Vielfalt - Schnecken der Auen überleben Extremflut

Tilo Arnhold, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Dessau-Roßlau/Leipzig. Das Extremhochwasser 2002 hat an der Elbe für keinen Rückgang der Schneckenpopulationen in den Auen gesorgt. Im Gegensatz dazu wurden bei Laufkäfern und anderen Gliederfüßern drastische Verluste verzeichnet. Die Flut habe jedoch für eine Verschiebung des Artenspektrums zu eher Wasser liebenden Arten gesorgt, schreiben die Forscher im Fachblatt "Hydrobiologia". Insgesamt wurden für die Studie über 46.000 Tiere von 56 verschiedenen Schneckenarten ausgewertet, die die Forscher über einen Zeitraum von sechs Jahren in den Elbauen bei Dessau gesammelt hatten.
Für die Untersuchung wurden Schneckenaufsammlungen im Biosphärenreservat Mittelelbe vor und nach dem Elbehochwasser 2002 ausgewertet. 36 der Probeflächen lagen bei Steckby und 12 weitere bei Wörlitz. Alle Flächen sind Auenwiesen, die saisonal von der Elbe überschwemmt und nicht intensiv bewirtschaftet werden. Im August 2002 waren sie von der höchsten jemals registrierten Elbeflut betroffen und standen über zwei Wochen unter Wasser. "Unsere Untersuchungen haben ergeben, dass in den Schneckengemeinschaften aller Teilgebiete Wasser liebende Arten zunahmen, die typischen Landschnecken aber zugleich erhalten blieben", erklärt Dr. Christiane Ilg vom UFZ. Eine besonders große Vielfalt fanden die Forscher dabei in nur zeitweise mit Wasser gefüllten Senken und Flutrinnen vor. Darunter befand sich auch die Ufer-Laubschnecke (Pseudotrichia rubiginosa), die charakteristisch für die wechselnden Bedingungen in Auenwiesen und -wäldern ist. Durch das Verschwinden ihrer natürlichen Lebensräume wird diese Art inzwischen als "stark bedroht" auf der Roten Liste in Deutschland eingestuft. "Fluten und Trockenphasen regulieren die Veränderungen in den Populationen der Auenschnecken", ergänzt Dr. Francis Foeckler von der ÖKON GmbH. "Sie spielen deshalb eine wichtige Rolle für die große Vielfalt an Schnecken, die wir gewöhnlich in diesen Ökosystemen vorfinden."
Mollusken bewegen sich bekanntermaßen vergleichsweise langsam. Deshalb können sie verloren gegangene Lebensräume auch nur sehr langsam wiederbesiedeln. Verglichen mit anderen Artengruppen zeigen Schnecken eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Fluten. Trotzdem könnten häufigere Fluten, wie sie im Zuge des Klimawandels vorhergesagt werden, dazu führen, dass die Zahl und Artenvielfalt der Schnecken in den Auen langfristig zurückgeht, fürchten die Wissenschaftler.
Auch wenn Landschnecken nicht schwimmen können, so sind sie trotzdem in der Lage, sich auf schwimmende Objekte wie Zweige zu retten, stromabwärts zu treiben und anschließend neue Lebensräume zu erschließen. Viele Schneckenarten nutzen die feuchte Umgebung nach einer Flut, um mehr Nachkommen als sonst zu produzieren, was innerhalb kurzer Zeit zur Wiederherstellung der alten Populationsgröße führt. Das könnte erklären, weshalb die Schneckenpopulationen nicht ernsthaft von der Elbe-Flut 2002 betroffen waren.

Das Roßlauer Oberluch ist am 12. Mai 2009 als ein "Ausgewählter Ort im Land der Ideen" ausgezeichnet worden. Dabei handelt es sich um die erste großflächig umgesetzte Deichrückverlegung an der Mittleren Elbe. Durch diese Verlegung ist seit 2006 eine 140 Hektar große Altaue wieder an das Hochwassergeschehen angebunden. Das Projekt in Roßlau hat Modellcharakter für ganz Deutschland. Entlang der Mittleren Elbe sind derzeit 15 Deichrückverlegungen mit einer Gesamtfläche von etwa 2.600 Hektar geplant. Das Hochwasser im Frühjahr 2009 sorgte zum ersten Mal seit der Deichöffnung dafür, dass die Auenwiesen im Rückdeichungsgebiet der Stadt Dessau-Roßlau überflutet wurden. Dieses Renaturierungsprojekt im UNESCO-Biosphärenreservat Mittelelbe verbessert nicht nur den Hochwasserschutz. Es bietet auch der Forschung eine bisher einmalige Möglichkeit, die Auswirkungen auf Natur und Mensch zu untersuchen. Dazu wurde eine Forschungsplattform innerhalb des TERENO-Observatoriums Mitteldeutschland der Helmholtz-Gemeinschaft eingerichtet. Über 40 Wissenschaftler des Helmholz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und vieler anderer Institute arbeiten hier gemeinsam, um das Wissen über Ökologie, Funktionen und Wirkungen von Renaturierungsmaßnahmen in Auen zu verbessern.
Tilo Arnhold

Publikation:
Ilg, C., Foeckler, F., Deichner, O. & K. Henle (2009): Extreme flood events favour floodplain mollusc diversity. Hydrobiologia 621: 63-73.
http://dx.doi.org/10.1007/s10750-008-9632-5
Die Untersuchungen wurden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) gefördert sowie vom Biosphärenreservat Mittelelbe/Sachsen-Anhalt unterstützt.

Weitere fachliche Informationen:
Dr. Christiane Ilg, PD Dr. Klaus Henle
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1643, -1270
http://www.ufz.de/index.php?de=10468
http://www.ufz.de/index.php?de=1868
Dr. Francis Foeckler, Dipl.-Biol. Oskar Deichner
ÖKON Ges. für Landschaftsökologie, Gewässerbiologie und Umweltplanung mbH
Telefon: 09473-951740
http://www.biodiv.de/index.php?L=0&id=63
http://www.oekon.com/
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1269
E-mail: presse@ufz.de

Weiterführende Links:
Deichrückverlegung und Auenrenaturierung im Roßlauer Oberluch - Biosphärenreservat Mittelelbe:
http://www.ufz.de/index.php?de=11135
Interdisziplinäre Forschungsplattform für Auenökologie Mittelelbe:
http://www.ufz.de/index.php?de=10816
HABEX - Auenhabitate nach Extremhochwasserereignissen am Beispiel der Mittleren Elbe:
http://www.ufz.de/index.php?de=5542
Robustes Indikationssystem für ökologische Veränderungen in Auen (RIVA):
http://www.ufz.de/index.php?de=1770
Vegetation von Extremhochwasser kaum betroffen (Pressemitteilung vom 24. September 2008):
http://www.ufz.de/index.php?de=17211

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weitreichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
http://www.ufz.de
Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,4 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).
http://www.helmholtz.de
Das Biosphärenreservat Mittelelbe umfasst den sachsen-anhaltischen und mit rund 126.000 Hektar größten Teilbereich des länderübergreifenden Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe und repräsentiert damit gleichzeitig Deutschlands größtes Auenschutzgebiet. Es erstreckt es sich über den gesamten Elbelauf in Sachsen-Anhalt mit einer Länge von 303 Flusskilometern. Neben der Elbe selbst gehören auch ihre angrenzenden Auengebiete und die Mündungen der Elbe-Zuflüsse Schwarze Elster, Mulde, Saale, Havel und Aland dazu. Sechs Landkreise und zwei kreisfreie Städte, Dessau-Roßlau und Magdeburg, werden vom Biosphärenreservat Mittelelbe tangiert. Das Biosphärenreservat Mittelelbe begeht in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen.
http://www.mittelelbe.com
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=18102

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Saubere Energie aus Biomasse

Dr. Elisabeth Zuber-Knost, Stabsabteilung Presse, Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

Experten gehen davon aus, dass auch mittelfristig der größte Teil des weltweiten Energiebedarfs durch den Einsatz chemischer Energieträger gedeckt werden muss. Das bedeutet: Der Einsatz von Brennstoffen mit niedrigem Heizwert, wie Biomassen, Abfälle oder Ölsande, wird angesichts begrenzter Ressourcen zunehmen. Eine Aufgabe der Forschung ist, diese minderwertigen Brennstoffe mit hohem Wirkungsgrad klimafreundlich in Nutzenergie zu verwandeln. Über die Erzeugung von hochwertigen Brennstoffen aus Biomasse diskutierten Experten der Internationalen Energieagentur am KIT.
Die Bioenergy Task 33 ist eine Sektion der Internationalen Energieagentur (International Energy Agency, IEA), die sich mit der thermischen Vergasung von Biomasse in Hochtemperaturprozessen befasst. Die durch den Prozess erzeugten, hochwertigen Gase lassen sich entweder zur Erzeugung von Strom und Wärme im Kraftwerk oder zur Gewinnung von hochwertigen Kraftstoffen und Chemieroh-stoffen nutzen. Ziel der Bioenergy Task 33 der IEA ist es, technologische Hindernisse in diesem Bereich der Forschung zu überwinden, den Einsatz neuer Technologien im Markt zu beschleunigen und den Informationsaustausch zwischen Industrie und Forschung innerhalb der Mitgliedsländer zu intensivieren. Beim Treffen vom 13. bis 15. Mai diskutierten 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 10 Mitgliedstaaten am Campus Nord des KIT auf dem Gelände des Forschungszentrums über verschiedene technische Verfahren auf diesem Gebiet und berichteten über die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern. Das Ergebnis der Diskussion ist die Ausrichtung der Task und die Festlegung der Arbeitsschwerpunkte für die kommenden drei Jahre. Auf dem Programm stand auch eine Besichtigung der Forschungseinrichtungen für die energetische Nutzung fossiler und biogener Brennstoffe am Campus Nord (Energy Lab).

Weitere 20 Experten aus Wissenschaft und Industrie trafen sich zu einem Workshop, bei dem es speziell um die Produktion von Synthesegas aus Biomasse ging. Den Abschluss der Veranstaltung bildet heute eine Exkursion zu den Forschungslaboratorien des Industriepartners Lurgi GmbH in Frankfurt.

"Die Herausforderung bei der Erzeugung von Synthesegas liegt darin, die Hochtemperaturprozesse energieeffizient, schadstoffarm und klimaverträglich zu gestalten - und das trotz minderwertiger Brennstoffe und teilweise hohem Schadstoffanteil in den Ausgangsstoffen", so Gastgeber Professor Thomas Kolb vom Institut für Technische Chemie am KIT.

Ein Beispiel für die Gewinnung von Kraft- und Chemierohstoffen aus den Sythesegasen aus Biomasse ist das am Forschungszentrum Karlsruhe entwickelte bioliq®-Verfahren. "Hier können wir ein sehr erfolgversprechendes Konzept anbieten, weil die Kombination aus dezentraler Biomassevorbehandlung und zentraler Gaserzeugung und Synthese dem regional verteilten Aufkommen an Biomasse gerecht wird und somit wirtschaftliche Anlagengrößen realisiert werden können", so Kolb.

Das mehrstufige bioliq®-Verfahren ermöglicht es, aus Stroh und anderen land- und forstwirtschaftlichen Einsatzstoffen vollsynthetischen Diesel- oder Ottokraftstoff herzustellen, dessen Qualität über dem anderer Biokraftstoffe und selbst der Mineralölprodukte liegt.
Hier wird Biomasse in einem ersten Schritt dezentral durch Schnellpyrolyse in einen pumpfähigen Brennstoff umgewandelt. In der nachfolgenden Vergaserstufe wird das Zwischenprodukt in Synthesegas umgewandelt. Das Verfahren wird derzeit im Pilotmaßstab (1 Tonne Durchsatz pro Stunde) auf dem Gelände des Forschungs-zentrums Karlsruhe am KIT realisiert.

Ein anderer Weg ist, das bei der Vergasung von Biomasse erzeugte Brenngas in einem Kombikraftwerk mit Gasturbine einzusetzen und hier hohe energetische Wirkungsgrade zu erreichen." Neben den hohen Wirkungsgraden bietet die Vergasungstechnik zusätzlich die Möglichkeit Kohlendioxid (CO2) effizient aus dem Kraftwerksprozess auszuschleusen", so Kolb. Wie dies technisch und wirtschaftlich möglich ist, auch darum ging es bei dem dreitägigen Treffen der IEA-Sektion.

Die Internationale Energieagentur (IEA) wurde 1973 von 16 Industrienationen während der ersten Ölkrise gegründet. Sie ist eine zwischenstaatliche Organisation für die Politikberatung in Energiefragen und hat heute 28 Mitgliedstaaten. Ihre Arbeitsgebiete sind die Klimapolitik, die Reform des Energiemarktes sowie die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energietechnologie, speziell mit Ländern, die Hauptproduzenten von Brennstoffen sind oder einen stark wachsenden Energiebedarf haben, wie China, Indien, Russland und die OPEC-Staaten.

In der Energieforschung ist das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine der europaweit führenden Einrichtungen: Das KIT-Zentrum Energie vereint grundlegende und angewandte Forschung zu allen relevanten Energieformen für Industrie, Haushalt, Dienstleistungen und Mobilität. In die ganzheitliche Betrachtung des Energiekreislaufs sind Umwandlungsprozesse und Energieeffizienz mit einbezogen. Das KIT-Zentrum Energie verbindet exzellente technik- und naturwissenschaftliche Kompetenzen mit wirtschafts-, geistes- und sozialwissenschaftlichem sowie rechtswissenschaftlichem Fachwissen. Die Arbeit des KIT-Zentrums Energie gliedert sich in sieben Topics: Energieumwandlung, erneuerbare Energien, Energiespeicherung und Energieverteilung, effiziente Energienutzung, Fusionstechnologie, Kernenergie und Sicherheit sowie Energiesystemanalyse.

Im Karlsruher Institut für Technologie schließen sich das Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft und die Universität Karlsruhe zusammen. Damit entsteht eine Einrichtung international herausragender Forschung und Lehre in den Natur- und Ingenieurwissenschaften. Im KIT arbeiten insgesamt 8000 Beschäftigte mit einem jährlichen Budget von 700 Millionen Euro. Das KIT baut auf das Wissensdreieck Forschung - Lehre - Innovation. Es setzt neue Maßstäbe in der Nachwuchsförderung und zieht Spitzenwissenschaftler aus aller Welt an. Für die Wirtschaft fungiert das KIT als wichtiger Innovationspartner.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Welt Hypertonie Tag warnt vor zu hohem Salzkonsum

Joachim Leiblein, Geschäftsstelle
Deutsche Hochdruckliga

Salz, die weiße Gefahr?
Der Welt Hypertonie Tag macht auf Risikofaktoren für Bluthochdruck aufmerksam und hebt in diesem Jahr den begünstigenden Einfluss von hohem Salzkonsum auf die Entstehung von Bluthochdruck hervor. Der 17. Mai steht unter dem Motto "Versalzen Sie sich nicht Ihre Gesundheit!"

Bluthochdruck (Hypertonie) ist die Volkskrankheit Nr.1 - die Zahl der Betroffenen nimmt in einem besorgniserregenden Maße stetig zu. Mindestens 30 Millionen Menschen sind in Deutschland bereits betroffen. Man geht davon aus, dass bei den über 60-Jährigen jeder zweite hyperton ist, also einen zu hohen Bluthochdruck hat.

Die Folgen von Bluthochdruck sind gravierend, denn die Erkrankung geht mit einem deutlich erhöhten Risiko einher, gefährliche (kardio-)vaskuläre Krankheiten (Herzinfarkt, Schlaganfall, Retinopathie, Demenz) zu erleiden. So werden derzeit in Deutschland pro Jahr rund 200.000 Schlaganfälle registriert, von denen 90.000 tödlich verlaufen. Wenn man bedenkt, dass 40% dieser Schlaganfälle (und der daraus resultierenden Todesfälle) durch eine korrekte Blutdruckeinstellung verhindert werden könnte, wird deutlich, wie wichtig die Prävention sowie eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung von Bluthochdruck sind.

Leider ist die Dunkelziffer der Hypertonie nach wie vor sehr hoch, da sie normalerweise ohne Symptome verläuft. Der hohe Bluthochdruck wird daher oftmals gar nicht bemerkt. Über die Hälfte der Patienten ist nicht diagnostiziert und nur jeder dritte diagnostizierte Patient wird auch behandelt.

Die Ursachen der essentiellen Hypertonie sind zwar multifaktoriell und nicht endgültig geklärt, aber bestimmte Risikofaktoren sind bekannt und könnten gut beeinflusst werden. Dazu gehört neben dem Rauchen und dem Übergewicht auch die salzreiche Kost. Was den wenigsten Menschen bekannt ist: Ein hoher Salzkonsum stellt einen Risikofaktor dar und kann zu Bluthochdruck führen. Das ist besonders problematisch, da wir oft unwissentlich "verstecktes" Salz zu uns nehmen - und zwar via Konserven, Fertiggerichte oder Fastfood-Essen. Der durchschnittliche pro Kopf-Salzkonsum ist fast doppelt so hoch wie empfohlen. Nach Angaben der Welt Hypertonie Liga könnten weltweit 2,5 Millionen Todesfälle jährlich vermieden werden, wenn die Menschen ihren Salzkonsum auf max. 6 g pro Tag halbieren würden.
Weitere Informationen:
http://www.hochdruckliga.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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In sechs Minuten vom Glas ins Hirn

Dr. Annette Tuffs, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Heidelberg

Heidelberger Wissenschaftler weisen erstmals rasche, aber reversible Veränderungen durch Alkohol in den Gehirnzellen von Menschen nach
Schon ein Gläschen kann rasch zu Kopf steigen. Diese Alltagsweisheit haben Heidelberger Wissenschaftler genauer untersucht: Bereits sechs Minuten nach dem Konsum einer Alkoholmenge, die ungefähr drei Gläsern Bier oder zwei Gläsern Wein und damit einem Blutalkoholgehalt von 0,5 bis 0,6 Promille entspricht, zeigten sich erste Veränderungen in den Gehirnzellen, wie Heidelberger Wissenschaftler erstmals mit Hilfe der Magnetresonanzspektroskopie (MRS) nachgewiesen haben. Bislang waren dazu nur Daten aus Tierversuchen verfügbar. Die Ergebnisse der Studie sind in der Zeitschrift "Journal of Cerebral Blood Flow and Metabolism" veröffentlicht worden.

Stoffwechsel der Gehirnzellen wird beeinflusst

Das Gehirn springt rasch auf den Alkohol an: "Unsere Studie liefert erste Hinweise darauf, dass das Gehirn umschaltet und statt Glukose ein Abbauprodukt des Alkohols zur Energiegewinnung nutzt", erklärt Dr. Armin Biller von der Arbeitsgruppe Cerebraler Metabolismus, Abteilung für Neuroradiologie des Heidelberger Universitätsklinikums (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Martin Bendszus). Die schädliche Wirkung setzt ebenfalls rasch ein. Während des Experiments nahm die Konzentration von Stoffen, denen zellschützende Effekte zugeschrieben werden, wie Kreatin (Energiestoffwechsel) und Aspartat, mit zunehmender Alkoholkonzentration ab. Cholin, ein Bestandteil der Zellwände, war ebenfalls erniedrigt. "Das weist möglicherweise darauf hin, dass sich sogar die Zellwände unter Alkoholeinfluss in ihrer Zusammensetzung ändern", so Dr. Armin Biller.

Ist jeglicher Alkoholkonsum schädlich für das Gehirn? "Die Verschiebungen im Hirnstoffwechsel nach moderatem Alkoholkonsum gesunder Menschen sind vollständig reversibel, wie unsere Kontroll-Untersuchungen am Folgetag gezeigt haben", so Dr. Armin Biller. "Wir vermuten jedoch, dass die Fähigkeit des Gehirns, sich von den Alkoholwirkungen zu erholen mit zunehmendem Alkoholgenuss abnimmt bzw. erlischt. Möglicherweise sind die akuten Effekte, wie wir sie in unserer Studie nachweisen konnten die Grundlage für die dauerhaften Schäden am Gehirn, wie sie bekanntermaßen bei alkoholabhängigen Menschen auftreten. Diese Frage muss noch in künftigen Studien geklärt werden."

Trinken für die Forschung / Keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen

An dem Alkoholversuch nahmen acht männliche und sieben weibliche Versuchspersonen teil. Während sie im Kernspintomographen lagen, tranken sie durch einen langen Strohhalm die definierte Menge an Alkohol. Ziel war ein Blutalkoholgehalt von 0,5 bis 0,6 Promille - also ein Wert, der die Verkehrstüchtigkeit einschränkt, aber keinen schweren Rausch auslöst. Bei der folgenden Magnetresonanzspektroskopie wurden Atomkerne des Hirngewebes durch einen Hochfrequenzimpuls angeregt und das während der Rückkehr in den Grundzustand ausgesendete Signal empfangen. Dieses Signal kann hinsichtlich seiner spektralen Beschaffenheit analysiert werden und erlaubt Rückschlüsse auf den Gehalt diverser Stoffwechselprodukte im untersuchten Hirngewebe. Unterschiedliche Ergebnisse zwischen männlichen und weiblichen Versuchsteilnehmern konnten in dieser Studie nicht nachgewiesen werden - das Gehirn der weiblichen und männlichen Probanden reagierte gleichermaßen auf den Alkoholkonsum.

Welche Substanzen verursachen den "Kater"?

In weiteren Studien untersuchen die Wissenschaftler nun zum einen, was sich beim so genannten "Kater" im Gehirn abspielt - mit Hilfe der Magnetresonanzspektroskopie lässt sich möglicherweise herausfinden, welche Inhaltsstoffe in alkoholischen Getränken den berühmten "hangover" auslösen. Zum anderen wird der Energiestoffwechsel des Gehirns unter Alkoholeinfluss mit der sogenannten Phosphorspektroskopie kernspintomographisch untersucht.

Weitere Informationen im Internet:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/index.php?id=853&L=de

Literatur:
Armin Biller, Andreas Bartsch, György Homola, Laszlo Solymosi, Martin Bendszus. The Effect of Ethanol on Human Brain Metabolites Longitudinally Characterized by Proton MR-Spectroscopy, Journal of Cerebral Blood Flow and Metabolism 2009, in press.

Ansprechpartner:
Dr. Armin Biller
Abteilung für Neuroradiologie
Universitätsklinikum Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 400
69120 Heidelberg
Tel.: 06221/56 38 38 3
E-Mail: armin_biller@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)

www.klinikum.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Schilf ist als Brennstoff geeignet

Jan Meßerschmidt, Presse- und Informationsstelle
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

In einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projekt konnte nachgewiesen werden, dass Niedermoor-Biomasse grundsätzlich als Brennstoff genutzt werden kann. Allein in Mecklenburg-Vorpommern kommen mehr als 50.000 Hektar als Paludikultur (Sumpfkultur)-Flächen zur Gewinnung von Energie-Biomasse in Frage. Auf der Abschlussveranstaltung des Projektes am 18. Mai 2009 werden die Ergebnisse der Untersuchung vorgestellt.
Im Nordosten Deutschlands existieren ausgedehnte Niedermoorflächen, die zu über 95 % entwässert sind. Somit wird die Torfmineralisation gefördert und große Mengen des Klimagases CO2 werden freigesetzt. Rund 30 % der gesamten Treibhausgas-Emissionen der deutschen Landwirtschaft bzw. 4 % der Gesamt-Treibhausgas-Emissionen Deutschlands werden durch die Entwässerung und landwirtschaftliche Nutzung von Moorflächen verursacht. Das Projekt "ENIM - Energiebiomasse aus Niedermooren" erforscht die Möglichkeit einer Nutzung von Mooren nach Wiedervernässung. Die als Paludikultur [palus (lat.): Sumpf] bezeichnete nasse, standortgerechte Bewirtschaftung vereinbart Moor- sowie Klimaschutz mit einer landwirtschaftlichen Wertschöpfung.

Das 2007 bis 2009 von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Projekt umfasst folgende Aspekte:
- landtechnische und agrarökonomische Fragen der Gewinnung von Niedermoor-Biomasse
- Charakterisierung der Brennstoffeigenschaften von Schilf und Rohrglanzgras
- Verbrennungsversuche im Labor
- versuchsweiser Dauereinsatz in verschiedenen Mischungsverhältnissen mit Holz im Blockheizkraftwerk Friedland
- Bewirtschaftung nasser Niedermoore aus Sicht von Naturschutz und Landwirtschaft.

Die Abschlussveranstaltung des ENIM-Projektes richtet sich an landwirtschaftliche Betriebe mit hohem Biomasseanfall aus Niedermooren und/oder hohem Wärmebedarf (Schweinezucht, Aquakultur usw.), Unternehmen mit großem Wärmebedarf (zum Beispiel Gartenbau, Kleinindustrie), Kommunen und öffentliche Einrichtungen, die in eine CO2-neutrale Wärmeversorgung aus regionaler Biomasse investieren wollen sowie Naturschutzvertreter, die eine sinnvolle Verwertung von Landschaftspflegematerial suchen.

Neben der Vorstellung der Projektergebnisse werden externe Referenten über praxisrelevante Fragen wie Brennstoffeigenschaften halmgutartiger Biomasse, Technologien und Anlagenalternativen sowie Finanzierungsmöglichkeiten informieren. Erfahrungen aus Fallbeispielen veranschaulichen Potentiale und mögliche Schwierigkeiten der Verbrennung von halmgutartiger Biomasse.

"Heizen mit Schilf - Möglichkeiten dezentraler Wärmeenergieversorgung"
18. Mai 2009, 09:30 - 16:30 Uhr
Internationales Begegnungszentrum "Felix-Hausdorff"
Bahnhofstraße 2/3, 17489 Greifswald

Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Dr. Wendelin Wichtmann
Geschäftsführung
Institut für dauerhaft umweltgerechte Entwicklung von Naturräumen der Erde (DUENE) e.V.
c/o Institut für Botanik und Landschaftsökologie
Grimmer Straße 88, 17487 Greifswald
Telefon 03834 86-4143
Telefax 03834 86-4107
docuu@gmx.de
Weitere Informationen:
http://duene.botanik.uni-greifswald.de/ - Veranstaltungsprogramm
http://paludiculture.botanik.uni-greifswald.de/ - Paludikultur-Konzept

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Sinkende Küsten in der südlichen Ostsee: Küstenforscher präsentieren ihre Ergebnisse

Dr. Barbara Hentzsch, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Vom 14. - 15. Mai 2009 findet am Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde der Abschluss-Workshop zum DFG-Projekt SINCOS - Sinkende Küsten statt.
In dem seit 2002 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Projekt "Sinking Coasts - Geosphere, Ecosphere and Anthroposphere of the Holocene Southern Baltic Sea" haben Geowissenschaftler, Biologen, Klimaforscher und Archäologen Hand in Hand gearbeitet, um die Auswirkungen von Klimaveränderungen und Bewegungen der Erdkruste auf das Küstensystem der südlichen Ostsee herauszufinden. In dem Abschluss-Workshop im IOW, am 14./15. Mai, werden die wesentlichen Ergebnisse vorgestellt.

Es ist gelungen, die Küstenänderungen im Gebiet der südwestlichen Ostsee als komplexen Prozess von nacheiszeitlicher Landsenkung, klimatisch bedingtem Meeresspiegelanstieg und Sedimentdynamik auf der geologischen Zeitskala zu erklären und zu beschreiben. Damit ist es heute möglich, sowohl die Zeit seit dem Beginn der Geschichte der Ostsee als Brackwassermeer vor etwa 8.000 Jahren zu rekonstruieren als auch Zukunftsprojektionen für die nächsten Jahrzehnte zu entwerfen.

Mit Hilfe der im Rahmen von SINCOS erarbeiteten neotektonischen Karten lassen sich in Kombination mit Meeresspiegelanstiegsdaten aus Klimamodellen Gefahrenzonen für Überflutungen erkennen.

Sedimenttransportmodelle erlauben die Beschreibung der Küstenerosion im regionalen Maßstab. Entsprechende Modellrechnungen und Karten liegen für den Küstenbereich Mecklenburg-Vorpommerns und in speziellen Szenarien für die Wismarer Bucht und die Halbinsel Darss-Zingst vor.
Wegen der hohen ökologischen und sozio-ökonomischen Relevanz der Küstenänderungen, sind in die Modellbildung von Beginn an auf der einen Seite botanische und zoologische Daten, auf der anderen Seite archäologische Untersuchungen eingegangen. Die Kooperation mit Ur- und Frühgeschichtlern führte zur Entdeckung neuer meso-neolithischer Siedlungsplätze vor der Küste Westmecklenburgs. Die Auswertung der Artefakte lieferte neben den archäologischen Befunden wertvolle Hinweise zum Anstieg des Meeresspiegels im Holozän, dadurch konnten paläo-geographischen Modellrechungen untermauert werden.

Die folgenden Einrichtungen waren an SINCOS beteiligt: Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, Archäologisches Landesmuseum Schleswig-Holstein, Landesamt für Umwelt, Natur und Geologie, Mecklenburg-Vorpommern, Römisch-Germanische Kommission Frankfurt a. M., Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung, Leibniz-Institut für angewandte Geophysik, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald: Institut für Botanik und Landschaftsökologie; Institut für Geographie und Geologie; Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte, Christian-Albrecht-Universität Kiel: Zoologisches Institut; Institut für Ur- und Frühgeschichte, TU-Dresden: Institut für Geodäsie, GKSS Forschungszentrum Geesthacht.

Sprecher des Konsortiums ist Prof. Dr. Jan Harff, Leibniz-Institut für Ostseeforschung.

Kontakt:
Prof. Dr. Jan Harff, Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, Seestr. 15, D-18119 Rostock, Tel.: 0381 5197 350 (351)
Weitere Informationen:
http://www.sincos.org

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Vitaminpräparate steigern Diabetes-Risiko

Manuela Heberer, Referat Öffentlichkeitsarbeit
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Wissenschaftler der Universitäten Jena und Leipzig erforschen Wirkung von Antioxidantien
(Jena) Bewegung ist gesund. Und wer seinem Körper daneben noch mehr Gutes tun will, versorgt ihn zusätzlich mit Vitaminpräparaten. Das stärkt die Abwehrkräfte und erhöht die Lebenserwartung, so die weit verbreitete Meinung. Fehlanzeige, wie Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena jetzt gemeinsam mit Kollegen der Universität Leipzig, dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam und der Harvard Medical School in Boston herausgefunden haben. "Die gesundheitsfördernde Wirkung von körperlicher Bewegung wird durch die Einnahme von sogenannten Antioxidantien in Form von Vitamin C und E sogar unterdrückt", fasst Prof. Dr. Michael Ristow vom Jenaer Institut für Ernährungswissenschaften das Ergebnis zusammen.

Antioxidantien fungieren als Radikalfänger. Das bedeutet, dass sie schädigende Sauerstoffradikale, wie sie bei der Zellatmung in den Mitochondrien und somit bei Ausdauersport jeder Art entstehen, unschädlich machen können. "Es ist jedoch so, dass die durch Sport kurzfristig vermehrt gebildeten freien Radikale jedoch selbst die körpereigene Abwehr gegen reaktive Sauerstoffspezies erst in Gang setzen", erläutert Prof. Ristow das von ihm entwickelte Prinzip der Mitohormesis. "Freie Radikale wirken langfristig wie ein Impfstoff gegen oxidativen Stress. Antioxidatien unterdrücken die körpereigene Produktion von freien Radikalen - und damit diesen Impfeffekt."

Die Forscher haben jetzt festgestellt, dass freie Radikale (reactive oxygen species, kurz: ROS) sogar den Blutzuckerstoffwechsel verbessern und damit möglicherweise das Diabetes-Risiko senken können. In der Studie, bei der 39 junge Männer über vier Wochen lang ein Sportprogramm durchliefen und parallel verschiedene Parameter wie Genexpression und Blutinhaltsstoffe gemessen wurden, testeten die Jenaer Wissenschaftler den Einfluss von Antioxidantien auf den Bewegungseffekt. Ihre Ergebnisse sind in der heute erschienenen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)" veröffentlicht worden.

"Durch körperliche Bewegung werden die Mitochondrien stärker aktiviert und damit die Produktion der ROS angekurbelt", so Projektleiter Ristow. Parallel dazu haben die Wissenschaftler einen Anstieg der Expression von Genen gemessen, die regulierend auf die Insulinempfindlichkeit wirken - allerdings nur bei denjenigen, die keine Vitaminpräparate eingenommen hatten. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die durch Bewegung gebildeten ROS einer Insulin-Resistenz entgegenwirken", konstatiert der Inhaber des Lehrstuhls für Humanernährung der Universität Jena. "Das bedeutet", so Ristow weiter, "dass zeitweiliger oxidativer Stress durchaus eine wichtige Rolle bei der Verhinderung von Typ-2-Diabetes mellitus spielen kann." Ein Effekt, der jedoch durch die Einnahme von Vitamin C und E zunichte gemacht werde. "Wir müssen sogar davon ausgehen, dass Antioxidantien das Diabetes-Risiko eventuell erhöhen, indem sie die Bildung von ROS verhindern", so der Ernährungswissenschaftler.

Für Menschen, die gesundheitsbewusst leben, besteht allerdings kein Grund zur Sorge. Der gesundheitsfördernde Effekt von frischem Obst und Gemüse bleibe unbestritten und wesentlich sei: Vitamintabletten könnten den Verzehr von Obst und Gemüse keinesfalls ersetzen - denn diese wären offenbar gesund, obwohl sie Antioxidatien enthielten.

Originalpublikation:
Ristow, M., Zarse, K., Oberbach, A., Klöting, N., Birringer, M., Kiehntopf, M., Stumvoll, M., Kahn, C. R., Blüher, M.: Antioxidants Prevent Health-Promoting Effects of Physical Exercise in Humans. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS), early edition:
http://www.pnas.org/papbyrecent.shtml
Für Vorabdruck (nur für Presse), bitte pnasnews@nas.edu kontaktieren.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Michael Ristow
Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Str. 29, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949630
E-Mail: mristow@mristow.org
Download von Photomaterial etc: www.humanernaehrung.de

oder

Prof. Dr. med. Matthias Blüher
Universität Leipzig, Innere Medizin III
Philipp-Rosenthal-Str. 27
04103 Leipzig
E-Mail: bluma@medizin.uni-leipzig.de

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Grundwasser - eine oft unterschätzte Georessource

Jan Meßerschmidt, Presse- und Informationsstelle
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

In Deutschland wird Trinkwasser zu über 90 % aus Grundwasser (einschließlich Quellwasser und Uferfiltrat) gewonnen. Den Verbrauchern ist das jedoch kaum bewusst; Wasser kommt nun mal aus dem Wasserhahn, so wie Strom aus der Steckdose. Doch wie selbstverständliche ist sauberes Grundwasser? Während eines internationalen Workshops am 15. Mai 2009 diskutieren Hydrogeologen über verschiedene Aspekte dieser Fragestellung. Der Workshop findet von 09.00 Uhr bis ca. 12.40 Uhr im Konzilsaal im Hauptgebäude der Universität Greifswald statt.
Wenn über Umweltbelastungen gesprochen wird, dann sind üblicherweise Ökosysteme gemeint, d. h. Flora, Fauna und deren Lebensräume an Land und in den Oberflächengewässern - eben die sichtbare Welt. Das, was sich unter unseren Füßen im Untergrund befindet, und noch mehr das Grundwasser als das Wasser in den Hohlräumen der Gesteine, bleibt häufig unsichtbar, entzieht sich somit oft der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die Hydrogeologie beschäftigt sich intensiv mit der Frage nach unseren Grundwasserressourcen. Zunehmend erkennen auch politische Entscheidungsträger das Problem.

Im Jahre 1991 hat die Haager Konferenz der Umweltminister festgestellt: "Grundwasser ist ein natürlicher Rohstoff von sowohl ökologischem als auch ökonomischem Wert und von entscheidender Bedeutung für ein umweltgerechtes Leben, für die Gesundheit, für die Landwirtschaft und den Erhalt der Ökosysteme." Und die EU-Wasserrahmenrichtlinie erwartet ebenfalls für das Grundwasser einen mengenmäßigen und qualitativen guten Zustand.

Grundsätzlich muss Grundwasser als eine erneuerbare und daher gesicherte sowie aufgrund seiner durch geologische Deckschichten gegebenen Geschütztheit gute Trinkwasserressource angesehen werden. Allerdings ist sie in bestimmten Regionen gefährdet, sei es weil Raubbau an ihr getrieben wird oder aber Schadstoffe durch menschliche Aktivitäten hinein gelangen. Bewässerungen in trockenen Gebieten führen zu Boden- und Grundwasserversalzung, mit der zunehmenden Urbanisierung gelangen bislang unbekannte Stoffe, wie etwa Arzneimittel, ins Grundwasser. Und wie verhält sich der Mechanismus der Grundwasserneubildung bei fortschreitendem Klimawandel? Was ist zu befürchten, wenn Ländergrenzen überschreitende Grundwasserreservoire zu politischen und möglicherweise ideologischen Diskussionen führen? Wie kann in von Wasserknappheit gefährdeten Regionen Grundwasser so bewirtschaftet werden, dass weder die Menge noch die Qualität leidet?

Weitere Informationen
Hydrogeologen, sind Geologen, die sich mit der Wechselwirkung von Wasser und Gestein befassen. Sie bewegen sich zwischen Wasserwirtschaftern und Wasserbauingenieuren, haben aber vor allem dabei die Erdkruste im Blick, die Speicher und Schutzschild des wichtigsten Lebensmittels und der zugleich wichtigsten Georessource bildet.

Ansprechpartnerin an der Universität Greifswald
Prof. Dr. Maria-Theresia Schafmeister
Lehrstuhl für Angewandte Geologie/Hydrogeologie
Institut für Geographie und Geologie
Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 17a, 17487 Greifswald
Telefon 03834 86-4590/-4592
Telefax 03834 86-4572
schaf@uni-greifswald.de
Weitere Informationen:
http://www.uni-greifswald.de/~geo/_Neue-Seite-2007/Geologie/Geologie.html - Lehrstuhl für Angewandte Geologie/Hydrogeologie

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Salz und Bluthochdruck - Forscher werfen neues Licht auf dieses Rätsel

Barbara Bachtler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch

Seit Menschengedenken gilt hoher Salzkonsum als Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen. Dennoch ist es nach wie vor ein Rätsel, wieso zuviel Salzaufnahme zu Bluthochdruck führen kann. Jetzt ist es Forschern der Universität Erlangen, des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und der Universität Regensburg mit Forschern in Helsinki, Finnland, und Wien, Österreich, gelungen, neues Licht auf die Verbindung zwischen Salzkonsum, Wasserhaushalt und Blutdruckregulation zu werfen. In der Haut von Laborratten haben sie einen neuen Salzspeicher im Körper entdeckt. Ist dieser Speicherprozess gestört, bekommen die Tiere Bluthochdruck (Nature Medicine, doi: 10.1038/nm.1960)*.
Ohne Salz (Natriumchlorid) können weder Mensch noch Tier leben. Pflanzenfressende Tiere (Herbivoren) riskieren ihr Leben, um an Salz zu kommen. Fleischfressende Tiere fressen Herbivoren, und decken auf diese Weise unter anderem ihren Salzbedarf.

Salz reguliert den Wasserhaushalt des Körpers. Es wird vom Magen-Darm-Trakt aufgenommen, das meiste davon scheiden die Nieren wieder aus. Jedoch speichert der Körper Salz in den Zellen und in den Bereichen zwischen den Zellen, dem Interstitium.

Dr. Jens Titze aus Erlangen und Forscher aus Berlin, unter ihnen Dr. Dominik N. Müller, Dr. Wolfgang Derer sowie Professor Friedrich C. Luft vom Experimental and Clinical Research Center des MDC, konnten jetzt zeigen, dass sich Salz im Interstitium der Haut von Laborratten ablagert, wenn ihre Nahrung einen hohen Salzanteil hat. Dieser Speicherprozess wird von weißen Blutzellen, den Makrophagen gesteuert.

In diesen Blutzellen entdeckten die Forscher einen Genschalter, TonEBP (tonicity-responsible enhancer binding protein) genannt. Dieser Genschalter wird bei sehr salzhaltiger Nahrung in den Makrophagen angedreht. TonEBP wiederum schaltet ein Gen an (VEGF-C- vascular endothelial growth factor C), das die Bildung von Gefäßen im lymphatischen System reguliert. Das Lymphgefäßsystem spielt nicht nur bei der Körperabwehr eine wichtige Rolle, sondern auch beim Flüssigkeitstransport und für den Blutkreislauf.

Geht die Zahl der Makrophagen zurück, oder fehlt die Bindestelle für das VEGF-C-Gen, können die Tiere schlechter Salz aus der Haut mobilisieren. Sie bekommen Bluthochdruck, stellten die Forscher fest. Noch aber ist dieser Prozess und seine Bedeutung für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beim Menschen nicht vollständig verstanden.

Macrophages regulate salt-dependent volume and blood pressure by a vascular endothelial growth factor-C-dependent buffering mechanism

Agnes Machnik1, Wolfgang Neuhofer2, Jonathan Jantsch1,3, Anke Dahlmann1, Tuomas Tammela4, Katharina Machura5, Joon-Keun Park6, Franz-Xaver Beck2, Dominik N Müller7, Wolfgang Derer8, Jennifer Goss1, Agata Ziomber1, Peter Dietsch9, Hubertus Wagner10, Nico van Rooijen11, Armin Kurtz5, Karl F Hilgers1, Kari Alitalo4, Kai-Uwe Eckardt1, Friedrich C Luft7,8, Dontscho Kerjaschki12 & Jens Titze1

1Department of Nephrology and Hypertension, and Nikolaus Fiebiger Centre for Molecular Medicine, University Clinic and Friedrich Alexander University of Erlangen-Nuremberg, Germany. 2Department of Physiology, University of Munich, Munich, Germany. 3Institute of Clinical Microbiology, Immunology and Hygiene, University Clinic of Erlangen, Germany. 4Molecular/Cancer Biology Laboratory, Biomedicum Helsinki, Helsinki, Finland. 5Institute of Physiology, University Regensburg, Regensburg, Germany. 6Division of Nephrology, Department of Medicine, Hannover Medical School, Germany. 7Max Delbrück Center for Molecular Medicine and Experimental and Clinical Research Center, Medical Faculty of the Charité, Berlin, Germany. 8HELIOS Klinikum Berlin-Brandenburg, Berlin, Germany. 9Institute of Biochemistry, Charité Campus Benjamin Franklin, Berlin, Germany. 10Department of Safety and Quality of Meat, Max Rubner-Institute, Kulmbach, Germany. 11Department of Molecular Cell Biology, Vrije Universiteit Medical Center, Amsterdam, The Netherlands. 12Department of Pathology, Medical University Vienna, Vienna, Austria.

Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de/

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wer lange arbeitet, schläft schlechter - Lange Arbeitszeiten wirken sich auf die Gesundheit aus

Jörg Feldmann, Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Der Anteil von Beschäftigten, die über Schlafstörungen klagen, nimmt mit der Dauer der geleisteten Arbeitszeit zu. Ingesamt steigt das Risiko gesundheitlicher Beeinträchtigungen bei langen Arbeitszeiten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Bei der Auswertung vier unabhängiger Befragungen ließ sich ein direkter Zusammenhang zwischen der Dauer der geleisteten Arbeitsstunden und dem Auftreten gesundheitlicher Beschwerden wie Schlafstörungen, Rückenschmerzen und Herzbeschwerden nachweisen. Faktoren wie Schichtarbeit, variable Arbeitszeiten und Arbeitsschwere wirken sich verstärkend aus.
Die Arbeitszeiten in Deutschland werden immer flexibler. Darüber hinaus verzeichnete das Statistische Bundesamt 2007 einen Höchststand der Anteile für Schicht-, Abend- und Nachtarbeit sowie die für die Arbeit an Wochenenden und Feiertagen seit Beginn der Erhebungen. Seit längerem vermuten Arbeitswissenschaftler einen Zusammenhang zwischen langen Arbeitszeiten und gesundheitlichen Beschwerden. Die BAuA führte deshalb eine systematische Untersuchung durch, die sich auf eine große Stichprobe stützt. Dabei bildeten die dritte und vierte europäische Umfrage über die Arbeitsbedingungen (2000 und 2005), die Befragung "Was ist gute Arbeit?" (2004) und die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung (2006) die Datenbasis. Damit flossen die Daten von insgesamt über 50.000 Befragten in die Untersuchung ein.

Die jetzt veröffentlichte Studie zeigt beispielhaft den Zusammenhang zwischen der wöchentlichen Arbeitsdauer und drei gesundheitlichen Symptomen - Schlafstörungen, Rückenschmerzen und Herzbeschwerden - auf. Trotz unterschiedlichen Beschwerdeniveaus, das auf unterschiedliche Fragestellungen in den deutschen und europäischen Befragungen zurückgeführt wird, lassen sich in allen vier Datensätzen gleiche Strukturen in Form eines nahezu linearen Anstiegs der Beschwerdehäufigkeit erkennen, der von der Dauer der Arbeitszeit abhängt.

Besonders deutlich machen dies die beiden untersuchten Umfragen aus Deutschland. Hier klagt nur jeder zehnte Befragte in Teilzeit (weniger als 19 Wochenarbeitsstunden) über Schlafstörungen, bei Beschäftigten in Vollzeit (zwischen 35 und 44 Wochenarbeitsstunden) ist es bereit jeder Fünfte. Im Bereich der Beschäftigten mit deutlich überlangen Arbeitszeiten von mehr als 60 Stunden pro Woche leidet nach eigenen Angaben sogar etwa jeder vierte unter Schlafbeschwerden. Faktoren wie Schichtarbeit, variable Arbeitszeiten, Arbeit an Wochenenden oder schlechte Planbarkeit der Arbeitszeit wirken sich verstärkend auf gesundheitliche Beeinträchtigungen aus.

Für die meisten gesundheitlichen Beeinträchtigungen lassen sich in allen vier Studien ähnliche Zusammenhänge finden. Ausnahmen bilden Beschwerden wie Husten, Erkältung oder Allergien, die erwartungsgemäß wenig von der Arbeitsdauer abhängen.

Die Ergebnisse der vier untersuchten Stichproben stützen sich gegenseitig und sichern sich damit ab. Damit steht gesichert fest, dass längere Arbeitszeiten das Risiko gesundheitlicher Beeinträchtigung erhöhen. Die negativen Auswirkungen langer täglicher und wöchentlicher Arbeitszeiten auf das Unfallrisiko sind bereits seit einiger Zeit bekannt. In Diskussionen um Arbeitszeitverlängerungen sollte deshalb nicht nur auf die wirtschaftliche Komponente geschaut, sondern auch deren gesundheitlichen und sozialen Effekte berücksichtigt werden.
Weitere Informationen:
http://www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/artikel20.html Zum Artikel "Lange Arbeitszeiten und Gesundheit" auf der Homepage der BAuA.

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news313135

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Mit Biomasse Ressourcen sparen

Anna-Kristina Wassilew, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF

Die klassische Biomasse wird knapp. Was bisher in der Land- und Forstwirtschaft als Abfall im besten Fall kompostiert wurde, kann zukünftig wertvolle Dienste leisten. Experten aus Sachsen-Anhalt und dem spanischen Valencia wollen gemeinsam erforschen, wie man Biomassereste gewinnbringend verwerten kann. Das Vorhaben wird mit 4 Mio. Euro von der EU gefördert.
In Sachsen-Anhalt sind es überwiegend Reste und Abfälle aus der Landschaftspflege. In Valencia dagegen fällt jede Menge Biomasse aus der Bewirtschaftung von Oliven- oder Orangenhainen an. Doch die Pflanzenreste bergen enormes Potenzial. Leider ist eine standardisierte und kostengünstige Verwertung dieser vielfältigen Reste für die Industrie schwierig. Natürlich lässt sich mit den ständig nachwachsenden Rohstoffen hervorragend auf umweltfreundliche Weise Energie gewinnen. Die sofortige energetische Nutzung ist sicher einträglich. Deutlich nachhaltiger ist allerdings die stoffliche Verwertung, also beispielsweise in die Verarbeitung in der Möbelindustrie.

Dafür entwickeln die Forscher am Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF gemeinsam mit ihren internationalen Projektpartnern neue Prozesse und Technologien. So arbeiten die Magdeburger Wissenschaftler beispielsweise an klugen Konzepten für die Biomasselogistik. Denn: Die industrielle Nutzung verlangt Sortierung der unterschiedlichen Pflanzenreste. Sortierung setzt Identifikation voraus. Keine einfache Aufgabe, von der sich jeder Gärtner mit einem Blick auf seinen Komposthaufen überzeugen kann: Unglaublich, wie viele verschiedene Pflanzenreste dort zu finden sind. In der Zukunftsvision der Fraunhofer-Forscher könnten Resthölzer mit RFID-Bändern ausgerüstet oder bei der Landschaftspflege anfallender Grünschnitt mit luminiszenten Nanopartikeln angereichert werden. Mit der Bestimmung der genauen Biomasse ließe sich nun entscheiden, was damit geschehen soll. Äste und Zweige beispielsweise können tonnenweise zu Hackschnitzeln verarbeitet oder bei einem Möbelhersteller zu Spanplatten gepresst werden, auch der Einsatz als Dämmstoff oder als Zusatz in Betonbauteilen ist denkbar. Dementsprechend lässt sich die Logistikkette organisieren und überwachen: Von der Ernte, über die Lagerung und den Transport bis zum endgültigen Ort der Verwertung.

Petra Wernicke, Sachsen-Anhalts Ministerin für Landwirtschaft und Umwelt ist von dem Vorhaben begeistert: "Bedenkt man die Mengen an ungenutzter Biomasse in Parkanlagen, auf Feldern und in Wäldern, wartet hier enormes Potenzial auf uns. Diese Chancen müssen wir nutzen. So lassen sich einerseits Ressourcen einsparen und andererseits die Umwelt schonen. Die Zukunft liegt in der systematischen Nutzung der regenerativen Energien."
Weitere Informationen:
http://www.iff.fraunhofer.de/ Homepage des Instituts

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Schröpfen: Klinische Wirksamkeit erstmals belegt

Frederik Betsch, Pressestelle
Karl und Veronica Carstens-Stiftung

Eine gemeinsame Studie des Lehrstuhls für Naturheilkunde der Universität Duisburg Essen und der Karl und Veronica Carstens-Stiftung zeigt erstmals die Wirksamkeit des blutigen Schröpfens beim Karpaltunnel-Syndrom.
Rund zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden unter nächtlichem Ruheschmerz der Hand, Taubheitsgefühlen und Kribbeln in Daumen, Mittel- und Zeigefinger (Brachialgie). Häufig diagnostiziert ist ein Karpaltunnel-Syndrom, welches in vielen Fällen mit Nackenschmerzen und Verspannungen im Schulterbereich assoziiert ist.

Die Forschergruppe um Professor Andreas Michalsen (vormals leitender Oberarzt in Essen, jetzt Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin) hat sich die kürzlich entdeckte Verbindung zur Schulter zunutze gemacht. In einer randomisierten kontrollierten Therapiestudie, die nun im "Journal of Pain" veröffentlicht wurde, sind 52 Brachialgie-Patienten in zwei Gruppen unterteilt worden. Bei einer Gruppe wurde eine einmalige blutige Schröpfbehandlung im Schulterbereich durchgeführt, die Kontrollgruppe wurde mit einem Wärme spendenden Ingwersack behandelt.

Nach sieben Tagen Beobachtungszeit gingen die Beschwerden der Schröpfgruppe um 60 Prozent zurück, in der Kontrollgruppe lediglich um 23 Prozent. Neben verringerten Schmerzen in der Hand berichteten die Patienten über weniger Taubheits- und Kribbelgefühle, verringerte Nackenschmerzen und eine Verbesserung der funktionellen Beweglichkeit und physischen Lebensqualität.

Die Erwartungen an den Erfolg der Therapie waren in beiden Gruppen gleich hoch, ein Indiz dafür, dass die Schröpfbehandlung über reine Placeboeffekte hinausgeht. Ernste Nebenwirkungen wurden in keiner der Gruppen beobachtet. Die Schröpfbehandlung wurde von den Patienten gut vertragen und nicht als schmerzhaft empfunden. Ungeklärt bleibt, ob die positiven Effekte über einen längeren Zeitraum anhalten.

Professor Michalsen erklärt sich den Wirkmechanismus wie folgt: "Die Behandlung basiert vermutlich auf dem Prinzip der aus der Anatomie bekannten Reflexzonen. Das Schröpfen fördert die Durchblutung und muskuläre Spannungslösung in einem bestimmten Areal, in dieser Studie im Schulterdreieck. Dies wiederum hat günstige reflektorische Effekte auf den betroffenen Nerv."

Der Karpaltunnel (Handwurzelkanal) ist eine kleine Vertiefung am Handgelenk. Durch diese wird, neben verschiedenen Sehnen, ein Nerv geführt, der vor allem die ersten drei Finger der Hand versorgt. Ist diese Leiterbahn verengt, entsteht Druck auf den Nerv, die Reizweiterleitung funktioniert nicht mehr störungsfrei und es kommt zu Missempfindungen, wie Kribbeln, Taubheit und Schmerzen. Neben einer mechanischen Überbeanspruchung der Hand können Verspannungen des Bindegewebes im Schulterdreieck Auslöser für eine Verengung des Karpaltunnels sein.

Die konventionelle Behandlung des Karpaltunnel-Syndroms besteht im Anlegen von Handgelenksschienen, der Gabe von oralen Entzündungshemmern oder der lokalen Injektion von Cortisonpräparaten. Helfen diese Interventionen nicht, wird meist ein operativer Eingriff empfohlen.

Beim blutigen Schröpfen werden die Schröpfköpfe an Hautstellen angesetzt, die zuvor mit einer kleinen Kanüle oder Lanzette eingeritzt wurden.

Die Ergebnisse aus Essen bestätigen eine Pilotstudie aus dem Jahre 2006. Die Studie wurde ebenfalls von der Carstens-Stiftung gefördert und in Zusammenarbeit mit der Charité Berlin und dem Evangelischen Krankenhaus Rüdersdorf durchgeführt.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Andreas Michalsen
Immanuel Krankenhaus Berlin
Stiftungsprofessur für klinische Naturheilkunde der Charité/Berlin
Königstrasse 63
14109 Berlin
E-Mail: a.michalsen@immanuel.de
Tel.: 030 80505 691

Rainer Lüdtke
Karl und Veronica Carstens-Stiftung
Referat: Biometrie in der Komplementärmedizin
Am Deimelsberg 36
45276 Essen
E-Mail: r.luedtke@carstens-stiftung.de
Tel: 0201 56305 16
Weitere Informationen:
http://www.carstens-stiftung.de Webseite der Karl und Veronica Carstens-Stiftung
http://www.immanuel.de/einrichtungen/berlin-wannsee/fachabteilungen/innere-mediz... Naturheilkundezentrum am Immanuel Krankenhaus Berlin
http://www.uni-duisburg-essen.de/naturheilkunde/ Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Duisburg Essen

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Krebsrisiko aus Grill und Pfanne

Dr. Stefanie Seltmann, Stabsabteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum

Rechtzeitig zum Start der Grillsaison bestätigen Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum die Warnung: Finger weg von scharf angebratenen Steaks und angekohlten Würstchen, denn die beim Grillen oder Braten entstehenden heterozyklischen aromatischen Amine steigern erheblich das Risiko, bestimmte Gewebeveränderungen im Dickdarm zu entwickeln. Diese als Adenome bezeichneten Polypen sind häufig Vorstufen für Dickdarmkrebs.
Ob auf dem Grill oder in der Pfanne: Werden Fleisch, Fleischprodukte oder Fisch starker Hitze ausgesetzt, löst dies eine Vielzahl chemischer Reaktionen aus. Dabei entstehen Substanzen, die nichts Gutes verheißen: polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe oder die heterozyklischen aromatischen Amine, die sich vor allem dann bilden, wenn Fleisch und Fisch lange scharf angebraten oder gegrillt werden.

Heterozyklische aromatische Amine stehen schon lange im Verdacht, die Entstehung von Adenomen im Darm zu fördern - zu Recht, wie Dr. Sabine Rohrmann und Kollegen aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum mit einer aktuellen Untersuchung bestätigen.

Die Wissenschaftler ermittelten für 4484 Studienteilnehmer die Menge des als "PhIP" bezeichneten wichtigsten Vertreters dieser Substanzklasse in der Ernährung. Die Teilnehmer wurden anhand ihrer PhIP-Aufnahme in vier Gruppen eingeteilt. In der Gruppe mit der höchsten PhIP-Zufuhr beobachteten die Wissenschaftler etwa 50 Prozent mehr Dickdarmadenome als bei den Personen, deren Nahrung die geringste Menge dieser Substanz enthielt. Dies betraf vor allem Gewebeveränderungen im untersten Darmabschnitt.

"Das um 50 Prozent höhere Risiko für Dickdarmadenome in der Gruppe mit der höchsten PhIP-Zufuhr lässt sich nicht allein durch einen generell höheren Fleischkonsum erklären", sagt Sabine Rohrmann. Die Wissenschaftler beobachteten einen klaren Zusammenhang zwischen der Vorliebe für stark Gebratenes und der Häufigkeit von Adenomen, was die Rolle der heterozyklischen aromatischen Amine bei der Krebsentstehung bestätigt. Sabine Rohrmann folgert aus ihren Ergebnissen: "Vorsicht beim Grillen und Braten - lieber Schmorgerichte oder andere Zubereitungsarten wählen, die mit geringerer Hitze auskommen." Gerade beim Grillen ist außerdem zu bedenken, dass heterozyklische aromatische Amine nur ein Teil des Giftcocktails sind, der in Fleisch und Würstchen entstehen kann.

Die Untersuchung war Teil der europaweiten EPIC-Studie zu Ernährungsfaktoren und Krebs. EPIC-Teilnehmer hatten zu Beginn der Studie in einem detaillierten Fragebogen Auskünfte zu ihren Ernährungsgewohnheiten gegeben. Unter den Heidelberger Teilnehmern wurde anhand von Abbildungen zusätzlich der bevorzugte Bräunungsgrad von gegrilltem oder gebratenem Fleisch und Fisch ermittelt. Aus diesen Angaben berechneten die Forscher die Menge der mit der Nahrung aufgenommenen heterozyklischen aromatischen Amine. In die aktuelle Risikoanalyse wurden diejenigen 4482 Heidelberger EPIC-Teilnehmer einbezogen, in deren Darm entweder ein Adenom festgestellt worden war oder bei denen dagegen eine solche Gewebeveränderung durch eine Darmspiegelung sicher ausgeschlossen werden konnte.

Rund eine halbe Million Studienteilnehmer aus zehn europäischen Ländern geben seit 1992 im Rahmen von "EPIC" (European Investigation into Cancer and Nutrition) Auskunft über ihre Ernährungsgewohnheiten und Lebensumstände. Diese Daten werden auf ihren Zusammenhang mit dem Auftreten neuer Krebsfälle bei den Teilnehmern untersucht. Die beiden EPIC-Studienzentren in Deutschland sind das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg sowie das Deutsche Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke.

Sabine Rohrmann, Silke Hermann und Jakob Linseisen: Heterocyclic aromatic amine intake increases colorectal adenoma risk: findings from a prospective European cohort study
American Journal of Clinical Nutrition 2009; Band 89 Seite 1418-1424, DOI:10.3945/ajcn.2008.26658

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland und Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. Über 2.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, davon 850 Wissenschaftler, erforschen die Mechanismen der Krebsentstehung und arbeiten an der Erfassung von Krebsrisikofaktoren. Sie liefern die Grundlagen für die Entwicklung neuer Ansätze in der Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen. Daneben klären die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert.
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Blauer Engel mit neuen Vorgaben für Reifen

Besseres Bremsverhalten bei Nässe, sparsamer und leiser

Der Blaue Engel für lärmarme und Kraftstoff sparende Reifen geht jetzt mit neuen und ambitionierten Vorgaben für Umwelt, Gesundheit und Wirtschaftlichkeit an den Start und greift damit den ab 2012 geltenden EU-Grenzwerten vor. Die Vergabegrundlage des Blauen Engel verlangt den Reifen einiges ab: Sie müssen lärmarm sein und wenig Kraftstoff verbrauchen, was auch dem Geldbeutel der Autofahrer zugute kommt. Zudem müssen die mit dem Blauen Engel ausgezeichneten Reifen dafür sorgen, dass das Fahrzeug beim Bremsen auf nasser Fahrbahn rasch zum Stehen kommt. Auch der Gesundheitsschutz spielt eine große Rolle: Beim Beschleunigen, Fahren und Bremsen reiben sich die Reifen „auf" - es entsteht Staub, der so genannte Abrieb. Um die schädlichen Wirkungen des Abriebs zu verringern, sollten die Reifen so geschaffen sein, dass sie möglichst wenig davon erzeugen. Außerdem sollte der Abrieb so wenig gesundheitsschädigende Stoffe wie möglich enthalten - etwa Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die in großen Mengen Krebs verursachen können. Es gibt noch einen Vorteil: Ein Reifen mit wenig Abrieb hält länger.

Ab dem Jahr 2012 gelten für Reifen in Europa neue gesetzliche Anforderungen an den Rollwiderstand, das Bremsverhalten bei Nässe und strengere Grenzwerte für das Rollgeräusch. Der Blaue Engel greift diese Entwicklung vorzeitig auf - und geht noch darüber hinaus. Denn schon jetzt müssen die Anwärter für das Umweltzeichen im Durchschnitt einen 20 Prozent geringeren Rollwiderstand und eine um 25 Prozent bessere Verzögerung auf nasser Fahrbahn aufweisen als die neuen EU-Grenzwerte es für 2012 vorsehen. Außerdem dürfen die Rollgeräusche Blauer Engel-Reifen - egal in welcher Breite - nicht lauter als 70 Dezibel (dB(A)) sein.

„Die neuen EU-Grenzwerte für den Rollwiderstand bei PKW-Reifen sind wenig ambitioniert. Der Blaue Engel legt hier einen strengeren Maßstab an", sagt Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des Umweltbundesamtes (UBA). „Dieser Unterschied kann leicht 5 Prozent weniger Kraftstoffverbrauch ausmachen. Umgerechnet bedeutet dies für den durchschnittlichen Autofahrer um etwa 50 Euro geringere Kraftstoffkosten im Jahr oder etwa 250 Euro für ein ganzes Reifenleben", so Holzmann.

Umweltfreundliche, sichere und sparsame Reifen, die all diese Anforderungen erfüllen, gibt es bereits zu kaufen. Das Problem ist allerdings, dass man sie oft schwer erkennen kann. Hier will der Blaue Engel den Kundinnen und Kunden helfen. „Ich hoffe, die Reifenhersteller setzen künftig verstärkt auf den Gesundheits- und Umweltschutz ", betont der UBA-Vizepräsident.

Reifenhersteller, die das Umweltzeichen für lärmarme und Kraftstoff sparende Reifen nutzen möchten, können beim RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung e. V. einen Antrag stellen.

Informationen zur Antragstellung erhalten Sie unter http://www.ral-umwelt.de/index.php?id=244.

Alles rund um den Blauen Engel finden Sie unter http://www.blauer-engel.de .

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Flockungshilfsmittel aus Stärke - Technisch ebenbürtig, finanziell interessant

Dr. Torsten Gabriel, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Stärkebasierte Flockungshilfsmittel sind gegenüber herkömmlichen Mitteln technisch mindestens gleichwertig und kostenmäßig deutlich überlegen. Diese sehr erfreulichen Resultate erzielten die Universität Hamburg und das Clausthaler Umwelttechnik-Institut in einem gemeinsamen Forschungsprojekt an der Hamburger Hafenschlick-Aufarbeitungsanlage METHA III, das durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz über dessen Projektträger, die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR), gefördert wurde.
Fest-Flüssig-Trennprozesse spielen bei der Aufbereitung von Abwässern und Schlämmen, die bei industriellen Prozessen z.B. in der Nahrungsmittelherstellung, der Metall- und Papierindustrie oder der kosmetischen und pharmazeutischen Industrie entstehen und entsorgt werden müssen, eine große Rolle. Das ist auch bei der Hafenschlick-Aufbereitungsanlage METHA III der Hamburg Port Authority der Fall, die die Wasserstraßen des Hamburger Hafens regelmäßig ausgebaggert. Dort werden Sand und Schlick bislang noch mit Flockungsmitteln aus synthetischen Polymeren entwässert.

In dem abgeschlossenen Forschungsprojekt zeigten nun 4 Partner eine höchst interessante Alternative auf: Die Firma Emsland Stärke GmbH stellte verschiedene Stärkederivate bereit, die an der Universität Hamburg im Laborversuch getestet wurden. Als Versuchsmaterial lieferte die Hamburg Port Authority dazu Original-Hafenschlick und stellte Platz für vor-Ort-Versuche zur Verfügung. Die Cutec GmbH schließlich entwickelte einen Flockungsreaktor, um die Flockengrößenverteilung gezielt zu beeinflussen und zu optimieren.

Im Ergebnis stellte sich die Verwendung von kationischer Stärke in der ersten Stufe der Anlage als besonders günstig heraus, da verglichen mit dem sonst verwendeten synthetischen Polymer nur ca. die Hälfte des Materials benötigt wird. Aufgrund des starken Preisvorteils der Stärke ist deren Einsatz auch in nachfolgenden Prozessabschnitten, die einen höheren Materialeinsatz erfordern, zumindest kostenneutral. Die stärkebasierten Flockungshilfsmittel zeigten sich darüber hinaus auch hinsichtlich der Anwendungseigenschaften als den synthetischen Polymeren ebenbürtig oder sogar überlegen. Als großer Vorteil erwies sich dabei u.a. die gute Lagerfähigkeit und Stabilität der Stärkeprodukte

Die jährlich eingesetzten Flockungshilfsmittel verursachen einen Großteil der Betriebskosten der Hamburger Hafenschlick-Aufbereitungsanlage. Der Einsatz von Stärke-Flockungsmitteln eröffnet somit erhebliche Einsparpotentiale. Die viel versprechenden Ergebnisse stellen zudem eine Grundlage für Überlegungen zu weiteren Einsatzbereichen von Flockungs- und Flockungshilfsmitteln aus nachwachsenden Rohstoffen dar.

Die Abschlussberichte zu den beiden Teilprojekten (22018505, 22015605) stehen Ihnen unter www.fnr.de/Projekte zur Verfügung.
Nr. 621

VON: NICOLE PAUL
Weitere Informationen:
http://www.fnr.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Mikroalbuminurietest nun auch im Vorsorgepaket der gesetzlichen Kassen enthalten

Dr. Bettina Albers, Pressearbeit
Gesellschaft für Nephrologie e.V. (GfN)

Mit dem Mikroalbuminurietest ist nun ein sensitiver Test zur Früherkennung von nachlassender Nierenfunktion im Vorsorgeangebot enthalten
Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN / www.nierengesellschaft.de ) gibt bekannt, dass der Mikroalbuminurie-Test, ein effektiver und sensitiver Test zur Früherkennung von nachlassender Nierenfunktion, nun auch im Vorsorgeangebot der gesetzlichen Kassen enthalten ist und von Hausärzten deutschlandweit bei den kassenärztlichen Vereinigungen abgerechnet werden kann (Ziffer 32135).

Damit ist ein Meilenstein in der Vorsorge von Nierenerkrankungen erreicht, für den sich die Fachgesellschaft seit langem eingesetzt hat.

Bislang war nur der weniger sensitive "Albuminurie-Test" in den Vorsorgepakten ("35+Check-Up") enthalten, der lediglich einen Albuminuriewert von >200 mg/Liter erfasst. "Das kann man kaum als echte Früherkennung werten, denn schon 10-fach niedrigere Albuminverluste im Urin weisen auf einen beginnenden Nierenschaden hin. Und gerade in der Frühphase der Nierenschädigung haben wir Nephrologen noch echten Handlungsspielraum und können einer weiteren Nierenschädigung meist effektiv begegnen und so eine terminale Niereninsuffizienz oftmals ganz abwenden", erläutert Prof. Dr. Jan Galle (Lüdenscheid), Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie. Der nun abrechenbare Mikroalbuminurietest erfasst bereits einen Albuminuriewert von 20-200 mg/Liter und ist damit bis um den Faktor 10 sensibler. "Damit ist eine vernünftige Früherkennung möglich", so Galle.

Albumin ist ein Eiweiß, das von den Nieren eigentlich zurückgehalten werden sollte. Ist viel von diesem Eiweiß im Urin enthalten, zeigt das an, dass die Filterfunktion der Nieren nicht mehr richtig funktioniert, weist also eine Nierenschädigung nach. Um eine Nierenschädigung frühzeitig zu diagnostizieren, ist daher dieser sensible Test - es handelt sich ebenfalls um einen einfachen Urin-Streifentest - notwendig.

Eine Alternative bot bis dato nur die direkte Albuminbestimmung aus dem Sammelurin, welche erstattet wurde, aber sehr viel aufwändiger ist als ein Streifentest. Sie kam daher kaum routinemäßig zur Früherkennung zum Einsatz, sondern wurde in erster Linie zur Abklärung bei einem konkreten Verdacht auf eine chronische Nierenerkrankung durchgeführt.

Mit dem Mikroalbuminurie-Streifentest ist nun eine unkomplizierte, routinemäßige Früherkennung beim Hausarzt möglich, die sicher und zuverlässig ist und weder mit Risiken noch Schmerzen oder Zusatzkosten für den Patienten verbunden ist.

Wie notwendig eine verbesserte Früherkennung ist, zeigt die immer noch steigende Inzidenz von chronischen Nierenerkrankungen in unserer Gesellschaft, die im engen Zusammenhang mit den im letzten Jahrzehnt dramatisch gestiegenen Diabetes- und Hypertonieerkrankungen steht. "Das Problem ist nach wie vor, dass Nierenerkrankungen viel zu spät entdeckt und behandelt werden - mit dramatischen Folgen sowohl für die Betroffenen als auch für das Gesundheitsbudget", kommentiert Galle. "Früh erkannte Nierenerkrankungen können unter nephrologischer Betreuung zum Stillstand gebracht bzw. kann ihr Fortschreiten deutlich verlangsamt werden. Wir hoffen daher, dass die Hausärzte den nun auch abrechenbaren Mikroalbuminurie-Test im Rahmen der Vorsorge routinemäßig bei ihren Patienten durchführen und Patienten mit auffälligen Befunden an einen Nephrologen überweisen."

Patienten über 35 Jahre sollten den Mikroalbuminurie-Test alle zwei Jahre durchführen lassen, Risikopatienten (Diabetiker, Hypertoniker, auch ältere Menschen) mindestsens jährlich, so lautet die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie.

 

Für weitere Informationen oder Interviewanfragen an Prof. Galle wenden Sie sich bitte an die DGfN Pressestelle:

Dr. Bettina Albers

albersconcept | Jakobstrasse 38 | 99423 Weimar

Tel. 03643/ 776423 | Fax 03643/ 776452
Weitere Informationen:
http://www.nierengesellschaft.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Stromfressende Kühl- und Gefriergeräte sowie Waschmaschinen sollen vom Markt verschwinden

EU-Parlament entscheidet morgen über neue Anforderungen für sparsamere Haushaltsgeräte

Das EU-Parlament entscheidet voraussichtlich am morgigen Mittwoch über verschärfte Anforderungen an die Energieeffizienz von Kühl- und Gefriergeräten und Waschmaschinen. Folgt das Parlament den Beschlussvorschlägen der EU-Mitgliedstaaten von Ende März, wären in allen EU-Mitgliedstaaten Waschmaschinen sowie Kühl- und Gefriergeräte mit einer Energieeffizienzklasse schlechter als A ab Juli 2010 von der Vermarktung ausgeschlossen. Eine zweite Stufe verbietet ab 1. Juli 2012 Kühl- und Gefriergeräte, die der Effizienz der bisherigen Klasse A entsprechen. Waschmaschinen mit der bisherigen Energieeffizienzklasse A dürften in der zweiten Stufe ab 1. Juli 2013 zu einem erheblichen Teil nicht mehr in den Handel kommen. „Ich begrüße die Entwürfe sehr. Bis zum Jahr 2020 lassen sich mit deren Umsetzung und neuen Kennzeichen zum Energieverbrauch 7,5 Milliarden Kilowattstunden Energie gegenüber dem erwarteten Verbrauch einsparen. Das entspricht knapp zwei Kraftwerken mit einer Leistung von 800 Megawatt. Damit würden wir 3,8 Millionen Tonnen Kohlendioxid in der EU sparen", sagt Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des Umweltbundesamtes (UBA).

Neben den Anforderungen an die Energieeffizienz liegen dem EU-Parlament weitere Entwürfe zur Aktualisierung der Kennzeichen zum Energieverbrauch vor, über die Anfang Mai beraten wird. Demnach sollen bei diesen Haushaltsgeräten die bisherigen Klassen A bis G bestehen bleiben und die Effizienzklasse A nach oben erweitert werden: unterschiedlich nach Produktgruppe zum Beispiel mit A minus 10, 20, 40, 60 oder 80 Prozent (A-x%).

Ob ein Energieetikett, bei dem die meisten aufgeführten Klassen gar nicht mehr im Verkauf sind, Verbraucherinnen und Verbraucher nach wie vor gut informiert und zur Entscheidung für besonders effiziente Geräte bewegen wird, ist fraglich. Aus Sicht des Umweltbundesamtes ist eine regelmäßige Neuordnung der Klassen sinnvoller, als neue Klassen hinzuzufügen. „Falls das EU-Parlament den Vorschlag zur Kennzeichnung ablehnt, wäre das die richtige Schlussfolgerung", so Holzmann.

Im Hintergrundpapier „Neue Ökodesign-Anforderungen und Energieverbrauchskennzeichnung für Kühl- und Gefriergeräte sowie Waschmaschinen" finden Sie weiterführende Informationen: http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/mysql_medien.php?anfrage=Kennummer&Suchwort=3618

Eine Presseinformation zu den geplanten Anforderungen für Fernsehgeräte finden Sie unter: http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/2009/pd09-021_fernsehgeraete_sollen_kuenftig_sparsamer_werden.htm

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Erneuerbare Energien: ThyssenKrupp Nirosta liefert Material für eine der größten Biogasanlagen der Welt

Erik Walner, Öffentlichkeitsarbeit und Vorstandsbüro
ThyssenKrupp Stainless AG

Eine der größten Biogasanlagen der Welt entsteht derzeit in Sachsen-Anhalt. Im August sollen die ersten Aggregate in Betrieb gehen. Der 13 Hektar große Biogas-Park wird in der
8000-Einwohner-Stadt Könnern bei Halle von der Firma WELtec BioPower errichtet. Besonderheit dieses umweltschonenden Projekts ist die innovative Gasaufbereitung, die eine Direkteinspeisung in das Erdgasnetz ermöglicht. Das Herz einer Biogasanlage ist der sogenannte Fermenter, in dem die biologischen Abläufe stattfinden. Da die bei der Entstehung sehr aggressive Gaszusammensetzung viele Werkstoffe angreift, setzt WELtec BioPower im Bereich Behälter und Einbauten auf nichtrostenden Edelstahl. Das Material für die Kernelemente der umweltschonenden Anlage, die 16 Fermenter, lieferte die ThyssenKrupp Nirosta.

Natur trifft Technologie: Rund 120.000 Tonnen Gülle und Mais, von 30 Landwirten aus der Umgebung angeliefert, wird der neue Biogas-Park nach der vollständigen Inbetriebnahme im Jahr 2009 verarbeiten. Dabei kommen spezielle Bakterien zum Einsatz. Daraus entstehen rund 30 Millionen Kubikmeter Bio-Rohgas pro Jahr. Dies wird in einem innovativen Verfahren zu ca. 15 Millionen Kubikmetern Biomethan aufbereitet und dann in das Erdgasnetz eingespeist. Genug Heizwärme, um etwa 10.000 Haushalte ein Jahr lang zu versorgen. So wird die im Methan gespeicherte Energie optimal genutzt. Bei der Biomethangewinnung wird zudem CO2-neutral gearbeitet, was die Umwelt zusätzlich schont. Der andere Teil des Biogases wird energetisch umgewandelt und daraus Strom gewonnen.

Die zentralen Elemente der Anlage sind die 16 Fermenter (lat. Fermentum = Sauerteig). Diese riesigen Behälter sind 6,30 Meter hoch und haben einen Durchmesser von 25 Metern. Bei der Biogasherstellung entstehen stets auch unerwünschte Bestandteile wie Schwefel oder Ammoniak. "Diese Zusätze sind sehr korrosiv. An das Material für die Fermenter werden daher höchste Ansprüche gestellt. Aus diesem Grund setzen wir bei unseren Anlagen ganzheitlich auf Edelstahl", erklärt Hajo Schierhold, Leiter Vertrieb und Marketing WELtec BioPower. "Vergleichbare Lösungen aus Beton oder emaillebeschichteten Blechen sind entweder zu korrosionsanfällig oder wesentlich teurer."

Exklusiver Edelstahl-Zulieferer der WELtec BioPower ist die ThyssenKrupp Nirosta. In den vergangenen zwei Jahren wurden insgesamt rund 1.500 Tonnen Material für verschiedene Projekte des Anlagenbauers aus Vechta geliefert. Dabei handelt es sich je nach Beanspruchung um unterschiedliche Edelstahl-Güten, z. B. für die Behälterwände im Bereich der Flüssigkeit oder der Gasphase. "Den Großteil der Lieferung machen Bleche unseres auf den Anwendungsfall otpimierten Standardwerkstoffs Nirosta 4301 aus", berichtet Martin Stöckl vom Vertrieb der ThyssenKrupp Nirosta. "Besonders wichtig für WELtec BioPower ist der kaltverfestigte Zustand 2H. Mit dieser Ausführungsart können dünnere Bleche beim Bau der Fermenter verwendet werden und das bei gleichbleibender Stabilität. Dies bringt auch eine deutliche Kostenersparnis mit sich." Ein weiterer Vorteil: die äußerst glatte Oberfläche. "Der Nirosta 4301 2H gibt aggressiven Bestandteilen durch die verdichtete Oberfläche keine Angriffsmöglichkeit", so Schierhold. "Bakterien finden keinen Halt, um sich festzusetzen und einzunisten. Korrosion wird so direkt im Keim erstickt. Ein wichtiger Faktor für Langlebigkeit und Effizienz", betont der Vertriebs-Chef von WELtec BioPower.

Die Zahl umweltschonender Biogasanlagen wird im Zuge des neuen Erneuerbare Energien Gesetzes, das am 1. Januar 2009 in Kraft getreten ist, weiter steigen. So rechnet der Fachverband Biogas in diesem Jahr mit einem Zuwachs von weiteren 780 Biogasanlagen mit einer elektrischen Leistung von mindestens 200 Megawatt. Insgesamt wären dann 4.780 Anlagen in Betrieb, die drei Millionen Haushalte rund um die Uhr mit Strom versorgen könnten.

Die ThyssenKrupp Nirosta GmbH, das größte Einzelunternehmen der ThyssenKrupp Stainless, gehört zu den weltweit führenden Herstellern von nichtrostenden Edelstahl-Flacherzeugnissen mit Werken in Krefeld, Bochum, Düsseldorf-Benrath und Dillenburg. Im Geschäftsjahr 2007/08 erwirtschafteten die rund 4700 Mitarbeiter einen Umsatz von etwa 3,2 Milliarden Euro.
Die WELtec BioPower GmbH wurde 2001 durch ihre Muttergesellschaften Stallkamp und WEDA gegründet. Seitdem plant und produziert das Unternehmen aus Vechta Biogas-Komplettanlagen aus Edelstahl und ist in diesem Bereich einer der Weltmarktführer: Mit rund 50 Mitarbeitern wurden bereits mehr als 200 Anlagen in Europa, den USA, Japan und auf Zypern realisiert.

ThyssenKrupp Stainless AG
Erik Walner
Leiter Unternehmenskommunikation
Tel.: +49 203 52 - 45130, Fax: - 45132
E-Mail: erik.walner@thyssenkrupp.com

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Fantastische Fähigkeit: Der Unterschied zwischen Fiktion und Realität stellt für das menschliche Gehirn kein Problem dar

Barbara Abrell, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Viele Wege führen nach Rom. Wer das im echten Leben noch nicht erfahren hat, kann es in der Fiktion leicht nachholen, braucht dazu beispielsweise nur einmal die Abenteuer der wohl prominentesten Gallier der Comicgeschichte zu lesen. Ein Asterix-Heft zur Hand nehmen, und die Reise durch das römische Reich - mit Blick über die Schultern der beiden Fantasiehelden - kann losgehen. Denn Menschen besitzen die Fähigkeit, durch die Aufnahme von Inhalten aus den Medien problemlos in fiktive Welten einzutauchen und - als ob diese Befähigung noch nicht genug wäre - dabei den Bezug zur Realität nicht zu verlieren. (PLoS ONE, 11. März 2009)
Durch Filme, Romane und Computerspiele sind Menschen in der Lage, fließend in fiktive Welten einzutauchen. Wie ein Forscherteam vom Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften jetzt herausgefunden hat, sind sie sich dabei ihres "kognitiven Trips" nach Fantasialand stets bewusst und können die Realität ohne Probleme von der Fiktion trennen. Wie das menschliche Gehirn diesen Spagat zwischen Realität und Fiktion schafft, konnten die Wissenschaftler bereits in einer ersten Studie zu diesem Thema aufdecken: Es war ihnen gelungen zu zeigen, dass für das Lesen von realen und fiktiven Inhalten verschiedene Regionen im menschlichen Gehirn - genau gesagt der anteriore mediale präfrontale und der posteriore cinguläre Cortex - aktiv werden.

Reale Inhalte lösten bei den Untersuchungen Aktivitäten in den Gehirnbereichen aus, die auch gefragt sind, wenn der Gebrauch des autobiographischen Gedächtnisses oder selbstreferenzielle Prozesse anstehen. Fiktive Inhalte wurden dagegen in anderen Hirnregionen verarbeitet. Diese Entdeckung begründete die Vermutung der Forscher, dass für die kognitive Verarbeitung realer Inhalte folglich persönlich relevante Erfahrungen und Kenntnisse der jeweiligen Versuchspersonen eine Rolle spielten, da diese schließlich in denselben Gehirnregionen verarbeitet wurden.

Von dieser Annahme ausgehend, wollten die Max-Planck-Wissenschaftler mit einer Folgestudie herausfinden, ob die persönliche Relevanz realer Personen oder fiktiver Charaktere für Menschen tatsächlich eine Rolle spielt.

Dafür stellten sie zunächst drei verschiedene Gruppen mit Versuchsteilnehmern zusammen, wodurch sie automatisch gewährleisten konnten, dass die persönliche Relevanz der realen und fiktiven Figuren für die Probanden verschieden war. Anschließend mussten alle Teilnehmer Sätze lesen, die entweder von fiktiven Figuren wie Cinderella oder aber realen Personen erzählten, wobei die realen Personen wiederum bekannte, wie beispielsweise der amerikanische Präsident, waren oder aber Freunde und Familienmitglieder der Probanden. Wie Anna Abraham, leitende Wissenschaftlerin der Studie, erklärt, "hat sich dabei gezeigt, dass Familienmitglieder oder Freunde, zu denen eine persönliche Bindung besteht, eine hohe Relevanz bei den Versuchsteilnehmern genossen haben. Reale, bekannte Personen dagegen mussten schon deutlich an Wichtigkeit einbüßen - von den fiktiven Charakteren ganz zu schweigen."

Wie von den Forschern erwartet, verringerte sich das Aktivierungspotenzial in den verarbeitenden Hirnregionen, je unpersönlicher die Personen in den Szenarien für die Versuchsteilnehmer wurden."Diese Entdeckung, dass sich die Aktivitäten der Gehirnregionen spontan an dem Verhältnis von Stimulus und persönlicher Relevanz der Figuren für die Versuchsteilnehmer ausrichten, ist folgerichtig und nährt die Vermutung, dass eben diese persönliche Relevanz für die Unterscheidung von Realität und Fantasie eine Schlüsselrolle spielt", betont Anna Abraham. "So liegt es nahe, dass die Tiefe des persönlichen Bezugs zu realen oder fiktiven Figuren Einfluss nimmt auf Wahrnehmungs- und Speicherungsprozesse. Dadurch ist das Gehirn wiederum in der Lage zu unterscheiden, was real und was fiktiv ist."

Originalveröffentlichung:

Abraham A, von Cramon DY
Reality = Relevance? Insights from Spontaneous Modulations of the Brain's Default Network when Telling Apart Reality from Fiction
PLoS ONE 11. März 2009, doi:10.1371/journal.pone.0004741

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Anna Abraham
Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Leipzig
Tel.: +49 341 9940-132
E-Mail: abraham@cbs.mpg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Lärm: Die Belastung fängt im Kindesalter an

UBA-Studie identifiziert Verkehr und Freizeitaktivitäten als häufige Lärmquellen

Der Alltag gibt den Kindern permanent etwas auf die Ohren. Untersuchungen des Umweltbundesamtes (UBA) zur Lärmexposition und zu Lärmwirkungen bei 1.084 Kindern im Alter von acht bis 14 Jahren zeigen: Jedes achte Kind weist eine auffällige Minderung der Hörfähigkeit auf. Jedes sechste Kind wohnt an stark befahrenen Haupt- oder Durchgangsstraßen, wobei bei fast zwei Dritteln davon das Kinderzimmer zur Straße ausgerichtet ist. Letztere Gruppe hatte andeutungsweise im Mittel einen leicht erhöhten Blutdruck. Jedes sechste der 11- bis 14-jährigen Kinder fühlt sich tags und jedes zwölfte nachts durch Straßenverkehrslärm belästigt. Kinder aus Familien mit niedrigem Sozialstatus sind insgesamt stärker betroffen. „Wir sollten uns bewusst werden, dass wir in einer zu lauten Welt leben. Lärm ist ein Stressfaktor für Erwachsene wie auch für Kinder. Hohe Schallpegel führen zu Gehörschäden, die sich über das gesamte Leben hinweg summieren. Deshalb müssen wir besonders Kinder und Jugendliche vor Lärm schützen", sagte Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des UBA.

Die Daten stammen aus dem Kinder-Umwelt-Survey, einer vom UBA zwischen 2003 bis 2006 durchgeführten repräsentativen Studie zur Umweltbelastung der Kinder in Deutschland. Dazu wurde im Teilprojekt „Lärm" ein „Screening-Hörtest" bei den Kindern gemacht und der Blutdruck gemessen. Hinzu kamen Befragungen nach potenziell Gehör gefährdenden Freizeitgewohnheiten, Gehörsymptomen und der Belästigung durch Umweltlärm. Mit Hilfe des Fragebogens und einer kurzzeitigen orientierenden Schallpegelmessung bestimmten die UBA-Fachleute die Belastung der Wohnung durch Straßenverkehrslärm. Die Erhebungen liefern in erster Linie eine Zustandsbeschreibung der Belastungssituation der Kinder auf äußere und verhaltensbedingte Lärmexpositionen und potenzielle Lärmwirkungen.

Die Ergebnisse sind nun differenziert nach Alter, Geschlecht, sozialer Schichtzugehörigkeit, Migrantenstatus, Größe der Gemeinde und Gebietszugehörigkeit (Ost- und Westdeutschland) ausgewertet worden. Demnach weisen 12,8 Prozent der Kinder bei hohen und mittleren Tönen (Frequenzbereich 1-6 kHz) eine auffällige Hörminderung von mehr als 20 Dezibel (dB) auf mindestens einem Ohr auf. Betrachtet man nur die Tonhöhen, bei denen sich lärmbedingte Hörverluste vornehmlich zeigen (Frequenzbereich 4-6 kHz), so sind es 10,6 Prozent. Jungen hören bei diesen Testtönen schlechter als Mädchen. 11,4 Prozent der Kinder berichten über vorübergehende Ohrgeräusche (Tinnitus) nach dem Hören lauter Musik. Ein direkter Zusammenhang zwischen den Fragebogenangaben zur Benutzung von Musikabspielgeräten mit Kopfhörern (etwa MP3-Player) und der Hörfähigkeit wurde bei den noch jungen Kindern jedoch nicht festgestellt. 44,6 Prozent der 8- bis 10-Jährigen und 70,3 Prozent der 11- bis 14-Jährigen hören Musik mit solchen Geräten. Bei letzterer Altersgruppe beträgt die durchschnittliche Hördauer eine halbe Stunde pro Tag; fünf Prozent von ihnen hören immerhin täglich mindestens zwei Stunden Musik über Kopfhörer. 23,5 Prozent der Gerätebenutzer geben an, die Musik laut zu hören, wobei 11,4 Prozent von ihnen den Lautstärkeregler immer am oberen Anschlag haben. Kinder mit niedrigem Sozialstatus benutzen die Geräte länger und hören lauter.

16,5 Prozent der Kinder wohnen an stark befahrenen Haupt- oder Durchgangsstraßen. Bei Familien mit niedrigem Sozialstatus ist das häufiger der Fall. Insgesamt ist das Kinderzimmer bei rund der Hälfte der Kinder (47,7 Prozent) zur Straße hin ausgerichtet; bei Kindern mit Wohnungen an lauten Straßen jedoch häufiger (61 Prozent). Von den 8- bis 10-Jährigen fühlen sich 7,3 Prozent tags und 6,8 Prozent nachts durch Straßenverkehrslärm belästigt. Bei den 11- bis 14-Jährigen liegen die Anteile etwas höher (16,4 und 7,9 Prozent). Im Vergleich zu repräsentativen Untersuchungen bei Erwachsenen sind die Kinder insgesamt jedoch weniger durch Straßenverkehrslärm belästigt. Der Kinder-Umwelt-Survey (KUS) ist ein Teilprojekt des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) des Robert Koch-Instituts.

Der Bericht "Kinder-Umwelt-Survey 2003/06 (KUS). Lärm, Daten- und Materialiensammlung - Deskription und Zusammenhangsanalysen" zum Download:

http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/mysql_medien.php?anfrage=Kennummer&Suchwort=3617.

Weitere Informationen zum Kinder-Umwelt-Survey:

http://www.umweltbundesamt.de/gesundheit/survey/us03/uprog.htm

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Fernsehgeräte sollen künftig sparsamer werden

Anforderungen an die Effizienz und neue Kennzeichnung können Energieverbrauch senken

Fernsehgeräte sollen künftig weniger Energie verbrauchen. Wie viel genau, könnten die Bürgerinnen und Bürger an einer neuen Energieverbrauchskennzeichnung erkennen. Dies beschlossen die EU-Mitgliedstaaten Ende März im Regelungsausschuss für Ökodesign und Energieverbrauchskennzeichnung in Brüssel. Die Zustimmungen des EU-Parlaments und des Rates dazu stehen noch aus. Träten die Regelungen in Kraft, ließen sich im Jahr 2020 - im Vergleich zum Trend - 43 Terawattstunden (TWh) Energie sparen. Das entspricht dem Betrieb von elf Kraftwerken mit einer Leistung von 800 Megawatt und dem Ausstoß von 17,2 Millionen Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxids.

Nach Zustimmung des EU-Parlaments und der Rates, wird die Ökodesign-Verordnung ab dem zwanzigsten Tag nach ihrer Veröffentlichung im Amtsblatt der EU gelten. Gemäß den neuen Anforderungen dürfen ein Jahr nach Inkrafttreten alle Fernsehgeräte - je nach Bildschirmgröße - im Betrieb eine bestimmte Leistungsaufnahme nicht überschreiten. Zum Beispiel ist dann die Leistungsaufnahme eines Gerätes mit Standardbildschirm und einer Bildschirmdiagonale von 74 Zentimetern (29 Zoll) bei hochauflösenden Geräten mit 145 Watt und bei anderen, nicht-hochauflösenden Geräten mit 133 Watt begrenzt. Das entspricht bei einem täglichen Betrieb von etwa vier Stunden einem Jahresenergieverbrauch von rund 210 und 195 Kilowattstunden (kWh). Bei einer Bildschirmdiagonale von 107 Zentimetern (42 Zoll) liegen die Grenzen bei 283 und 256 Watt, was einem Jahresenergieverbrauch von rund 415 und 375 kWh entspricht.

Die Anforderungen würden sich ab April 2012 nochmals verschärfen. Neu wäre auch, dass ab dem 7. Januar 2010 Fernsehgeräte im Bereitschaftszustand (Standby) nicht mehr als 1 Watt verbrauchen dürfen, bei zusätzlicher Informationsanzeige höchstens 2 Watt und im Aus-Zustand 1 Watt, denn manche Geräte verbrauchen auch Energie, obwohl sie ausgeschaltet sind. Zwei Jahre nach Inkrafttreten der Verordnung würde dann eine Begrenzung im Bereitschaftszustand von 0,5 Watt, bei zusätzlicher Informationsanzeige von 1 Watt sowie im Aus-Zustand von 0,3 Watt gelten.

Wichtig ist die Regelung zum Energieverbrauch, weil - laut einer Studie des Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration (IZM) - die Bürgerinnen und Bürger sich auch weiterhin mit Zweit- und Drittgeräten ausstatten und zudem immer größere Fernseher kaufen werden. Das lässt den Energieverbrauch erheblich steigen. Zum Vergleich: Ein durchschnittliches Röhrenfernsehgerät mit einer Bildschirmdiagonale von 74 Zentimetern (29 Zoll) verbraucht pro Jahr etwa 210 kWh, ein LCD-Fernseher (Flachbildschirm mit Flüssigkristallanzeige) mit 81 Zentimetern (32 Zoll) 230 kWh und ein Plasmafernsehgerät mit einer Diagonale von 107 Zentimetern (42 Zoll) sogar 500 kWh (Stand 2007). Hingegen benötigen die derzeit besten Kühl- und Gefriergeräte - in Abhängigkeit vom Volumen - nur um die 200 kWh oder sogar weniger. Prognosen zeigen, dass der Energieverbrauch der Fernsehgeräte in der EU von etwa 60 Milliarden kWh im Jahr 2007, das sind 60 TWh, auf etwa 132 TWh im Jahr 2020 ansteigen dürfte. Unter Berücksichtung der erzielbaren Einsparung von 43 TWh würde der Stromverbrauch von Fernsehgeräten im Jahr 2020 mit 89 TWh aber immer noch deutlich über dem Verbrauch von 2007 liegen.

Sollten EU-Parlament und Rat auch der neuen Energieverbrauchskennzeichnung für Fernsehgeräte zustimmen, wäre erstmalig eine Vergleichbarkeit der Energieverbräuche verschiedener Fernsehgeräte gewährleistet. Vorraussetzung ist, dass die EU-Mitgliedstaaten die Richtlinie nach ihrem Inkrafttreten in ihr jeweiliges nationales Recht umsetzen. Der neue Vorschlag zur Energieverbrauchskennzeichnung funktioniert ähnlich der für Haushaltsgeräte bekannten Einteilung in die Energieeffizienzklassen A bis G. Die bei Kühlgeräten eingeführten Klassen A+ und A++ soll es in Zukunft generell für alle Produktgruppen nicht mehr geben. Stattdessen kommen Klassen von A minus x Prozent (%) zum Einsatz. Bei Fernsehgeräten sind dies A-20 %, A-40 %, A-60 % und A-80 %. Diese werden gestaffelt eingeführt und weisen die jeweils effizientesten Geräte auf dem Markt aus. Auch zeigt ein sprachneutrales Symbol auf der Energieverbrauchskennzeichnung den Verbraucherinnen und Verbrauchern auf einen Blick, ob das Gerät einen Ausschalter besitzt oder nicht. Die Kennzeichnung soll die Nachfrage nach sparsameren Fernsehgeräten - ähnlich wie bei der weißen Ware - weiter steigern. Verbraucherinnen und Verbraucher haben nun die Möglichkeit, aus der Fülle der Geräte mit gleichen oder ähnlichen Parametern die besonders energieeffizienten besser zu erkennen.

Allerdings ist die Kennzeichnung kein dynamisches System in dem Sinn, dass eine Neuzuordnung der Effizienzklassen nach der Marktentwicklung möglich ist. Vielmehr ist es so, dass die neue Kennzeichnung die Zuordnung des Energieverbrauchs des Fernsehgerätes im Betriebszustand - ausgedrückt als Energieeffizienzindex - zu den Effizienzklassen festlegt. Aus Sicht des Umweltbundesamtes ist eine regelmäßig - in Abhängigkeit von der Entwicklung der Energieeffizienz - vorzunehmende Neuzuordnung des Energieeffizienzindex, welchen die besten Geräte erreichen, zur Effizienzklasse A sinnvoller, um eine eindeutige Anpassung an den technischen Fortschritt zu garantieren.

Alle verfügbaren Dokumente zu den Effizienzanforderungen und zur neuen Energieverbrauchskennzeichnung für Fernsehgeräte finden Sie unter www.ebpg.bam.de/de/produktgruppen/index.htm.

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Gesetzliche Unfallversicherung: Persönlich Budgets werden noch selten in Anspruch genommen

Stefan Boltz, Pressestelle
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung - DGUV

Seit Anfang 2008 können rehabilitationsbedürftige Menschen ihre Teilhabeleistungen statt als Sachleistung als Geldleistung beanspruchen, mit der sie selbstständig die Sachleistung kaufen können. Sinn und Zweck des Persönlichen Budgets ist ein Mehr an Selbstbestimmung.
Bislang machen nur wenige Menschen von dieser Option Gebrauch. Ein Forschungsprojekt soll jetzt die Ursachen klären.

Im Jahr 2008 ist mehr als 900 Versicherten der gesetzlichen Unfallversicherung ein Persönliches Budget genehmigt worden. Das geht aus Zahlen der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen hervor, die deren Spitzenverband, der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) vorliegen. "Die Zahl der Persönlichen Budgets steigt, insgesamt ist es aber nach wie vor selten", sagt DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Breuer. "Wir wollen daher untersuchen, welche Hindernisse es für die Beantragung gibt und ob wir hier zusätzliche Hilfestellung geben können."

Seit Anfang 2008 können rehabilitationsbedürftige Menschen ihre Teilhabeleistungen statt als Sachleistung als Geldleistung beanspruchen, mit der sie selbstständig die Sachleistung kaufen können. Sinn und Zweck des Persönlichen Budgets ist ein Mehr an Selbstbestimmung. Ob und wann das Persönliche Budget geeignet ist, hängt von der Art der Leistung und den Umständen des Einzelfalls ab. Die Qualität der Leistung und die Versorgung dürfen nicht leiden, auch dürfen keine höheren Kosten entstehen.

"Die Unfallversicherung steht dem Persönlichen Budget positiv gegenüber", so Dr. Breuer. "Denn es ist seit jeher unsere Aufgabe, die Teilhabe nach Arbeits-, Schul- und Wegeunfällen und Berufskrankheiten zu fördern und ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen." Allerdings gehe der Verband davon aus, dass sich gerade bei Versicherten, die bereits seit Jahren Leistungen der Unfallversicherung erhalten, vieles eingespielt habe. "Die Versicherten kommen daher vielleicht nicht auf die Idee, ein Persönliches Budget zu beantragen."

Daher beteiligt sich die DGUV am Programm der Bundesregierung zur Strukturverstärkung und Verbreitung Persönlicher Budgets mit dem Forschungsprojekt "Pro-Budget". Das Projekt wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert.

Untersucht wird, welche Umstände die Beantragung Persönlicher Budgets fördern oder hindern. Gleichzeitig sollen geeignete Unterstützungsmöglichkeiten entwickelt werden, die bei der Beantragung und auch dem selbständigen Management Persönlicher Budgets helfen. In der ersten Phase sollen durch einen Arbeits- oder Wegeunfall schwerstverletzte Menschen, die bereits im Leistungsbezug der Unfallversicherung stehen, aufgesucht, informiert und individuell zum Persönlichen Budget beraten werden. In der zweiten Phase sollen diejenigen, die ein Persönliches Budget beantragt und genutzt haben, zu ihren Erfahrungen hierzu befragt werden.

Damit bei diesem Projekt die Interessen der betroffenen Menschen ausreichend wahrgenommen werden, steht dem Projektteam eine Vertreterin des Sozialverbandes VdK e. V. Deutschland beratend zur Seite. Die wissenschaftliche Begleitung wird durch die Hochschule Bonn-Rhein-Sieg sichergestellt. Erste Zwischenergebnisse werden für April 2010 erwartet.

Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)
Pressestelle
Stefan Boltz
Tel.: 030 288763-768
Fax: 030 288763-771
E-Mail: presse@dguv.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Neue umfangreiche Studie zeigt: Intelligenz macht erfolgreich

Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Allgemeine Intelligenz ist wichtige Voraussetzung für eine hohe Arbeitsleistung und beruflichen Erfolg - dies hat der Bonner Psychologe Jochen Kramer in einer sogenannten Metaanalyse herausgefunden. 244 Studien aus Deutschland in den letzten achtzig Jahren hat er dafür nach den neuesten Methoden ausgewertet. Deutsche Personalchefs interessieren sich bisher wenig für die Intelligenz ihrer Mitarbeiter. In den USA sind Intelligenztests als Einstellungskriterium dagegen schon lange anerkannte Praxis.
Schon vor zwanzig Jahren zeigte eine amerikanische Studie: Im Vergleich mit anderen Auswahlverfahren zeigen Intelligenztests in den USA die größte Vorhersagekraft für späteren beruflichen Erfolg eines Mitarbeiters. Derartige Tests gehören daher schon lange zum amerikanischen Bewerberalltag. In Deutschland jedoch sind sie als Einstellungskriterium verpönt. Personalchefs zweifeln an ihrer Aussagekraft und sehen auch die schlechte Akzeptanz bei den Bewerbern als Gegenargument. Zudem bewirke unser dreigliedriges Schulsystem schon eine Vorsortierung der zukünftigen Bewerber nach Intelligenz und mache somit solche Tests überflüssig. Doch stimmt das? Dieser Frage ist der Psychologe Jochen Kramer vom Lehrstuhl für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie der Universität Bonn in seiner Dissertation auf den Grund gegangen.

Fünf Jahre lang hat Kramer dafür alles verfügbare Datenmaterial zusammengetragen. Dabei berücksichtigte er auch unveröffentlichte Studien. Denn: "Nur wenn mir nichts durch die Lappen geht, kann ich das genauest mögliche Ergebnis erreichen", betont er. 244 deutsche Studien hat er am Ende gesammelt, katalogisiert, bewertet und in einer sogenannten Metaanalyse zusammengefasst. Darunter waren auch solche, die keinen Zusammenhang zwischen Intelligenz und beruflichem Erfolg ergeben hatten. "Insgesamt ist der Zusammenhang aber positiv", ist sich der Arbeitspsychologe sicher. "Je intelligenter ein Mitarbeiter ist, desto eher liefert er gute Arbeit und ist beruflich erfolgreich."

Genauere Aussagen macht die Analyse zu vier Teilbereichen des beruflichen Erfolges: Arbeitsleistung, berufliche Lernleistung sowie - zum ersten Mal in einer deutschen Metaanalyse - Einkommen und berufliche Laufbahn. "Dazu hatten in den Studien zum Beispiel Vorgesetzte die Arbeitsleistung ihrer Angestellten beurteilt", erklärt Kramer. "Außerdem hatten die Wissenschaftler mit Hilfe von Ausbildungs- und Weiterbildungsbewertungen die sogenannte berufliche Lernleistung der Testpersonen dokumentiert." Ergebnis: Mit einer Wahrscheinlichkeit von gut 80 Prozent erbringen Mitarbeiter eine hohe Arbeits- oder Lernleistung, wenn sie unter Berücksichtigung ihrer Intelligenz ausgewählt wurden - im Vergleich zu 50 Prozent bei reiner Zufallsauswahl. Die Chancen der ausgewählten Bewerber, Karriere zu machen und ein hohes Einkommen zu erzielen, liegen unter Berücksichtigung der Intelligenz bei knapp 70 Prozent. "Gerade für unterschiedlich komplexe Berufe sind bei diesen Werten jedoch Schwankungen zu erwarten", relativiert Kramer. "Zudem wurden in den Studien vor allem Büro-, Industrie- und Handwerksberufe untersucht. Inwieweit Intelligenz bei Berufen wichtig ist, die durch den Umgang mit Menschen geprägt sind, muss noch untersucht werden."

"Intelligenz, also die mentalen Fähigkeiten eines Menschen, wurde in den Tests der Studien auf drei Bereiche eingegrenzt: Zahlen und Rechnen, den sprachlichen Teil der Intelligenz und das räumliche Vorstellungsvermögen, die sogenannte figurale Intelligenz", erklärt der Forscher. "Sie zeigen, wie schnell, wie merkfähig, wie kreativ die Bewerber in den Bereichen sind und ob sie Probleme lösen können." Damit eine Studie in der Bonner Analyse berücksichtigt wurde, mussten in ihr mehrere dieser Disziplinen getestet worden sein. Grundannahme ist nämlich: Im Berufsleben ist allgemeine Intelligenz wichtig statt nur spezifische mentale Fähigkeiten.

Da allgemeine Intelligenz nicht allein ausschlaggebend ist, interessiert den Bonner Wissenschaftler nun, welche anderen Fähigkeiten noch eine Rolle spielen. Wie viel Anteil haben zum Beispiel Motivation, Gewissenhaftigkeit, emotionale Intelligenz oder soziale Kompetenzen? Schon jetzt weiß er aber: "Als Personalchef würde ich mir auf jeden Fall ein Bild von der allgemeinen Intelligenz meines zukünftigen Mitarbeiters verschaffen. Davon profitiert schließlich auch der Arbeitnehmer: Denn nur wer eine Aufgabe hat, die zu seinen Fähigkeiten passt, wird damit zufrieden."

Kontakt:
Dr. des. Jochen Kramer
Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie
Institut für Psychologie der Universität Bonn
Tel. 0228 / 73-4371
E-Mail: jochen.kramer@uni-bonn.de

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news310621

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Neuerscheinung: Wasserversorgung im Umbruch. Der Bevölkerungsrückgang und seine Folgen für die öffentliche Wasserwirtschaft

Birgit Kullmann, Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für sozial-ökologische Forschung ISOE

Alexandra Lux zeigt in ihrer aktuellen Publikation wie demographische Schrumpfung und der anhaltende Trend zum sparsamen Wasserverbrauch zunehmend zu Problemen in der öffentlichen Wasserversorgung führen.
Durch den steten Rückgang der Geburtenzahlen und die Erhöhung der Lebenserwartung ist für die nächsten Jahrzehnte in Deutschland und Europa mit sinkenden Bevölkerungszahlen und einer demografischen Alterung zu rechnen.
Diese Veränderungen werden mehr oder weniger schwer in alle zentralen Gesellschaftsbereiche eingreifen. Wohnungen werden leer stehen und technische und soziale Infrastrukturen, wie Hallenbäder, Schulen oder der öffentliche Personennahverkehr werden nicht mehr ausgelastet sein.
Gleiches gilt für die Wasserversorgung, allerdings bieten sich im Wassersektor Lösungen wie etwa die Ausdünnung des Leistungsangebotes oder die Schließung von Einrichtungen nicht an. Denn es ist gesellschaftlich nicht wünschenswert, Leitungswasser in der Qualität oder der Verfügbarkeit zu reduzieren und beispielsweise auf wöchentliche Wasserlieferungen durch Tankwagen umzusteigen.

Die Folgen demographischer Schrumpfungsprozesse für die öffentliche Wasserversorgung sind in den letzten Jahren immer mehr ins Zentrum wissenschaftlicher Untersuchungen und auch in den Blick kommunaler Entscheidungsträger gerückt. Welche Anpassungsprobleme ergeben sich für die öffentliche Wasserversorgung, wenn demographischer Wandel und siedlungsstrukturelle Veränderungen mit dem anhaltenden Trend zum sparsameren Umgang mit Wasser ineinander greifen?
Dieser Frage geht Lux in ihrem, im Campus Verlag erschienen Buch nach und kommt zu dem Schluss, dass für die Zukunft die zentrale Herausforderung in der Veränderlichkeit und Anpassungsfähigkeit von technischen Systemen und des Infrastrukturmanagements liegen. Doch gibt es dafür keine allgemeingültige Blaupause. Denn die Probleme unterscheiden sich je nach Organisationsstruktur in der lokalen Wasserversorgung, wirtschaftlicher und politischer Situation in Versorgungsunternehmen und Kommune sowie der zukünftigen Entwicklung der Wassernachfrage. Differenzierte und lokal angepasste Entwicklungsmuster sind also notwendig. Darum werden im vorliegenden Buch abschließend mögliche Wege zur Entwicklung von zukünftigen Anpassungsmaßnahmen diskutiert.

Das Buch ist im Buchhandel zum Preis von 34,90 Euro erhältlich
Onlinebestellung: http://www.campus.de/isbn/9783593388892
Bibliographische Angaben:
Alexandra Lux (2009): Wasserversorgung im Umbrauch. Der Bevölkerungsrückgang und seine Folgen für die öffentliche Wasserwirtschaft. Campus Forschung, Bd. 938. Campus Verlag: Frankfurt am Main/New York
ISBN 978-3-593-38889-2

Kontakt:
Dr. Alexandra Lux
Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE)
Hamburger Allee 45
60486 Frankfurt
Tel.: 069/7076919-27
E-Mail: lux@isoe.de

Das vorliegende Buch ist die Druckfassung der im Frühjahr 2008 an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg angenommenen Dissertation von Alexand-ra Lux. Lux war eingebunden in die am Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) verankerte Nachwuchsgrupppe "Demographic Trends, Needs and Supply Systems". An dem grundlagenorientierten Projekt sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen natur- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen beteiligt (Biologie, Geographie, Ökonomie, Soziologie, Politologie). Sie analysieren gemeinsam die Bedeutung demographischer Veränderungen für krisenhafte Entwicklungen der Wasser- und Nahrungsversorgung. Die empirische Basis bilden Fallstudien in ausgewählten Industrie- und Entwicklungsländern. Das Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) und der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Förderschwerpunkts "Sozial-ökologische Forschung" gefördert. Die Ergebnisse dieser Arbeiten sind veröffentlicht in dem bei Campus erschienen Sammelband: Diana Hummel (Hg.) (2008): Population Dynamics and Supply Systems. A Transdisciplinary Approach. Campus Verlag Frankfurt am Main/New York. ISBN 978-3-38545-7

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Arsen und Selen in Lebensmitteln - eine unterschätzte Gefahr?

Dr. Ernst Guggolz, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Arsenverbindungen wirken krebserregend, beim Spurenelement Selen verschwimmt die Grenze zwischen Gut und Böse: Es gilt als essenziell, aber in erhöhter Dosis greift es in die DNA-Reparatur ein. Die richtige Balance zwischen Über- und Unterversorgung ist hier entscheidend. Bisher sind Arsen und Selen noch zu wenig erforscht, berichten die "Nachrichten aus der Chemie". Wie schädlich sind Arsenverbindungen in Sushi und nützen selenhaltige Nahrungsmittelergänzungskapseln wirklich?
Für Arsen im Trinkwasser existieren in Deutschland strikte Grenzwerte - für Arsen in Lebensmitteln nicht. Anorganisches Arsen reichert sich beispielsweise in Reis an und erzeugt in höheren Konzentrationen Krebs. Im Gegensatz dazu galten organische Arsenverbindungen in Fisch und Meeresfrüchten bislang als unbedenklich. Diese Hypothese stellen Wissenschaftler jetzt in Frage: In den letzten fünf Jahren hat man Arsenverbindungen in Lebensmitteln entdeckt, von denen niemand weiß, wie der Körper sie verarbeitet. Einige der Abbauprodukte beispielsweise verändern das genetische Material in Zellen.

Selen ist reich vorhanden in Paranüssen und Vollkornbrot. Ernährungsspezialisten wissen noch nicht genau, wie viel Selen in der Nahrung eigentlich zu viel ist: Über die optimale Versorgung gibt es lediglich Schätzungen. Das Spurenelement stand im Ruf, vor Krebs und Herzkreislaufkrankheiten zu schützen - eine klinische Studie dazu wurde jedoch abgebrochen, da die Teilnehmer vermehrt Typ-II-Diabetes entwickelten. Die Substanz greift zudem in den Zinkhaushalt von Zellen ein und beeinflusst DNA-Reparaturprozesse, indem sie etwa die verantwortlichen Enzyme hemmt. Selenhaltige Nahrungsergänzungspräparate sind daher "eher kritisch zu beurteilen", schreiben die Wissenschaftlerinnen Tanja Schwerdtle und Andrea Hartwig.

In der Märzausgabe der "Nachrichten aus der Chemie" fassen Schwerdtle und Hartwig den Stand der Forschung zu Selen und Arsen in Lebensmitteln zusammen. Die PDF-Datei des Artikels gibt es bei der Redaktion der "Nachrichten aus der Chemie" unter nachrichten@gdch.de.

Nahezu 80.000 anspruchsvolle Chemiker und Chemikerinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Lehre informieren sich mit den "Nachrichten aus der Chemie" über Entwicklungen in der Chemie, in angrenzenden Wissenschaften sowie über gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte. Kennzeichen der Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker sind das breite Spektrum der Berichte, das einmalige Informationsangebot an Personalien, Veranstaltungs- und Fortbildungsterminen sowie der große Stellenmarkt.
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de/nachrichten "Nachrichten aus der Chemie"
http://www.gdch.de/taetigkeiten/nch/jg2009/h03_09.htm Das Märzheft der "Nachrichten aus der Chemie"

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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KLIFWA untersucht Auswirkungen von Klimaänderungen auf die Wasserressourcen in Niedersachsen

Dr. Stefanie Beier, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz Universität Hannover

Ministerium fördert Projekt mit mehr als 1,5 Millionen Euro
Hochwasserrisiko, Trockenheit und Gewässerbelastung: Der Klimawandel beeinflusst weltweit Wasserressourcen und -qualität - auch in Deutschland. Mit den Auswirkungen der Klimaänderungen auf den regionalen Wasserhaushalt in Niedersachsen befasst sich zurzeit ein Projekt am Institut für Wasserwirtschaft, Hydrologie und landwirtschaftlichen Wasserbau der Leibniz Universität Hannover. Das auf fünf Jahre angelegte Forschungsvorhaben "Auswirkungen von Klimaänderungen auf Wasserdargebot, Hochwasserrisiko und Gewässerbelastung in Niedersachsen" (KLIFWA) ist Teil des kürzlich gestarteten Forschungsverbundes KLIFF, der sich mit der Klimafolgenforschung befasst. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur fördert das Teilprojekt mit mehr als 1,5 Millionen Euro.

Das Team unter Leitung von Prof. Uwe Haberlandt untersucht in Zusammenarbeit mit anderen Instituten der Leibniz Universität Hannover sowie Instituten der TU Braunschweig, der Georg-August-Universität Göttingen, dem Ingenieurbüro Prof. Hartung und Partner, den Harzwasserwerken und dem Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz die regionalen und lokalen Folgen des Klimawandels auf die Wasserressourcen in Niedersachsen. Untersuchungsgebiet ist das Aller-Leine-Einzugsgebiet, dessen rund 15.000 Quadratkilometer große Fläche auch einen Großteil der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg umfasst.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler befassen sich unter anderem mit der Frage, ob die Gefahr von Überschwemmungen steigt und ob es im Sommer häufiger Niedrigwasser geben wird. Dafür führen sie eine integrierte Analyse für die Bereiche Wasserverfügbarkeit, Hochwasserrisiko und Gewässerbelastung durch. Außerdem wenden sie Simulationsmodelle an und entwickeln sie weiter. Dabei gehen sie in drei Schritten vor. Zunächst analysiert das Team den Ist-Zustand und die bisherigen Veränderungen. Dann wollen die Forscherinnen und Forscher eine Prognose der Auswirkungen zukünftiger Klimaänderungen erstellen und einen Katalog möglicher Anpassungsstrategien entwickeln, die die Folgen des Klimawandels abmildern könnten, wie etwa eine veränderte Wasserbewirtschaftung.

Genaue Vorhersagen sind in diesem Bereich nur schwer zu erstellen, daher wollen die Beteiligten vor allem aufzeigen, welche Trends sich abzeichnen und welche Bandbreite der Entwicklung nach heutigem Forschungsstand am wahrscheinlichsten ist. Besondere Beachtung findet die Häufigkeit von extremen Ereignissen wie Hochwasser oder lang anhaltender Hitze mit Niedrigwasser.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Hoher Salzkonsum begünstigt Bluthochdruck!

Joachim Leiblein, Geschäftsstelle
Deutsche Hochdruckliga

Der Welt Hypertonie Tag macht auf Risikofaktoren für Bluthochdruck aufmerksam und unterstreicht in diesem Jahr den Zusammenhang zwischen Salzkonsum und Bluthochdruck. Der 17. Mai steht unter dem Motto "Versalzen Sie sich nicht Ihre Gesundheit!"
Bluthochdruck (Hypertonie) ist die Volkskrankheit Nr.1 - die Zahl der Betroffenen nimmt in einem besorgniserregenden Maße stetig zu. Mindestens 30 Millionen Menschen sind in Deutschland bereits betroffen. Man geht davon aus, dass bei den über 60-Jährigen jeder zweite hyperton ist, also einen zu hohen Bluthochdruck hat.

Die Folgen von Bluthochdruck sind gravierend, denn die Erkrankung geht mit einem deutlich erhöhten Risiko einher, gefährliche (kardio-)vaskuläre Krankheiten (Herzinfarkt, Schlaganfall, Retinopathie, Demenz) zu erleiden. So werden derzeit in Deutschland pro Jahr rund 200.000 Schlaganfälle registriert, von denen 90.000 tödlich verlaufen. Wenn man bedenkt, dass 40% dieser Schlaganfälle (und der daraus resultierenden Todesfällen) durch eine korrekte Blutdruckeinstellung verhindert werden könnte, wird deutlich, wie wichtig die Prävention sowie eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung von Bluthochdruck sind.

Leider ist die Dunkelziffer der Hypertonie nach wie vor sehr hoch, da sie normalerweise ohne Symptome verläuft. Der hohe Bluthochdruck wird daher oftmals gar nicht bemerkt. Über die Hälfte der Patienten ist nicht diagnostiziert und nur jeder dritte diagnostizierte Patient wird auch behandelt.

Auch die Prävention von Bluthochdruck steckt noch in den Kinderschuhen.
Zwar sind die Ursachen der essentiellen Hypertonie multifaktoriell und nicht endgültig geklärt, aber bestimmte Risikofaktoren sind bekannt und könnten gut beeinflusst werden. Dazu gehört neben dem Rauchen und dem Übergewicht auch die salzreiche Kost. Was den wenigsten Menschen bekannt ist: Ein hoher Salzkonsum stellt einen Risikofaktor dar und kann zu Bluthochdruck führen. Das ist besonders problematisch, da wir oft unwissentlich "verstecktes" Salz zu uns nehmen - und zwar via Konserven, Fertiggerichte oder Fastfood-Essen. Der durchschnittliche pro Kopf-Salzkonsum ist fast doppelt so hoch wie empfohlen. Nach Angaben der Welt Hypertonie Liga könnten weltweit 2,5 Millionen Todesfälle jährlich vermieden werden, wenn die Menschen ihren Salzkonsum auf max. 6 g pro Tag halbieren würden.

Der Welt Hypertonie Tag 2009 möchte darauf aufmerksam machen und das Bewusstsein für die Erkrankung Bluthochdruck schärfen. Das Motto des internationalen Aktionstages lautet: "Versalzen Sie sich nicht Ihre Gesundheit!"

Die Erkrankung Bluthochdruck stellt eine wachsende Gefahr für unsere Gesellschaft dar und ist bereits jetzt die Haupttodesursache in den westlichen Industrienationen. Bluthochdruck steht daher in diesem Jahr auch im Mittelpunkt des Internistenkongresses der Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. in Wiesbaden unter der Kongresspräsidentschaft von Prof. Dr. med. Rainer E. Kolloch (Bielefeld). Im Rahmen der Kongresspressekonferenz am 20.04.2009 werden die verschiedenen Aspekte der Hypertonie beleuchtet und Präventionsmaßnahmen dargestellt. Prof. Dr. med. Joachim Hoyer (Marburg), Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga e.V. und der Deutschen Hypertonie Gesellschaft, wird auf der Pressekonferenz zur "weißen Gefahr" sprechen - sein dringender Appell lautet: "Weniger Salz für alle!"

Durch konsequente Präventionsmaßnahmen können Bluthochdruck und die daraus resultierenden schweren Folgeerkrankungen vermieden werden.
Am Welt Hypertonie Tag, am 17. Mai 2009, werden deutschlandweit zahlreiche Veranstaltungen und kostenlose Blutdruckmess-Aktionen durchgeführt, zu denen die Deutsche Hochdruckliga aufgerufen hat (Liste unter www.hochdruckliga.de ). Zudem hat die Hochdruckliga einen Informationsflyer zum Thema "Salz und Bluthochdruck" erstellt, der ebenfalls online eingesehen und angefordert werden kann.

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Helfen Sie uns, die wichtige Präventionsbotschaft des Welt Hypertonie Tages publik zu machen. Sollten Sie noch weitere Informationen oder einen Interviewpartner benötigen, wenden Sie sich bitte an:

Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL®
Deutsche Hypertonie Gesellschaft
Berliner Str. 46
69120 Heidelberg
Tel. 06221/ 58855-0
Fax 06221/ 58855-25
hochdruckliga@t-online.de
Weitere Informationen:
http://www.hochdruckliga.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Zertifizierung von Biokraftstoffen kann Umweltgefahren nur teilweise ausschließen

Tilo Arnhold, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Leipzig. Das geplante Zertifizierungssystem für Biomasse kann die nachhaltige Produktion von importierten nachwachsenden Rohstoffen nur begrenzt sicherstellen. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in einer Untersuchung zu den Nachhaltigkeitsanforderungen der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der Europäischen Union, die im Dezember 2008 vom Europäischen Parlament verabschiedet wurde. Die Richtlinie stellt Kriterien für die Nachhaltigkeit von Biomasse auf, die als Biokraftstoffe oder andere flüssige Brennstoffe eingesetzt werden.
Die Anforderungen der EU-Richtlinie gelten sowohl für in der EU produzierte als auch für importierte Biomasse und haben die Einsparung von Treibhausgasemissionen, den Schutz von Flächen mit anerkanntem hohen Wert für die biologische Vielfalt sowie den Schutz von Flächen mit hohem Kohlenstoffbestand und Torfflächen zum Gegenstand. Darüber hinaus gelten Anforderungen an die landwirtschaftliche Bewirtschaftung für in der EU angebaute nachwachsende Rohstoffe. Die Produktion von Biosprit ist aufgrund ihrer ökologischen Auswirkungen umstritten, zum Beispiel wegen der Abholzung von Regenwald für den Anbau von Palmöl. Durch die Kriterien kann zwar sichergestellt werden, dass auf der gerade bewirtschafteten Fläche kein ökologisch wertvoller Bestand zerstört wurde. Weicht aber dafür beispielsweise die Produktion von Nahrungsmitteln in sensible Räume aus, so bietet das rechtliche Instrumentarium der Richtlinie dagegen keine Handhabe. Die Untersuchung wird auf dem 14. Leipziger Umweltrechtlichen Symposion am 23. und 24. April 2009 vorgestellt. Dort werden voraussichtlich etwa 100 Juristen die Rechtsfragen der Nutzung Erneuerbarer Energien diskutieren.

Für das Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um mindestens 20 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren, will die EU fossile Energieträger teilweise durch Erneuerbare Energien ersetzen und die Energieeffizienz in weiten Bereichen verbessern. Deshalb soll bis zum Jahr 2020 der Anteil Erneuerbarer Energien am Gesamtenergiemix der Gemeinschaft von bisher 7 auf 20 Prozent erhöht werden. Auf die Bundesrepublik Deutschland entfällt gemäß der Verteilungsentscheidung in der jüngst beschlossenen EU-Richtlinie für Erneuerbare Energien ein Anteil von 18 Prozent. Unabhängig davon sieht z.B. das nationale Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) vor, den Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromversorgung in Deutschland bis 2020 auf mindestens 30 Prozent zu steigern und danach kontinuierlich weiter zu erhöhen. Die Auswirkungen dieser ehrgeizigen Ziele werden zurzeit in Wissenschaft und Politik heftig diskutiert, denn die Nutzung Erneuerbarer Energien ist nicht nur mit positiven Umweltauswirkungen, sondern auch mit negativen verbunden. Als Beispiele gelten unter anderen der "Landschaftsverbrauch" bei der Windenergie, die weitere Intensivierung der Landnutzung durch Bioenergieproduktion oder der Eingriff in Gewässerstrukturen zwecks Ausbaus der Wasserkraft.
Die neue EU-Richtlinie zu Erneuerbaren Energien sieht für den Anbau von Biomasse in Europa und weltweit Kriterien vor - so zum Beispiel für die Treibhausgasminderungsbilanz und für den Schutz erhaltenswerter Flächen. In ihrer aktuellen Untersuchung kommen die UFZ-Forscher zu dem Schluss, dass der Import von Biokraftstoffen und anderen flüssigen Biobrennstoffen problematisch sei, denn geschriebenes Recht und Wirklichkeit könnten in Entwicklungs- und Schwellenländern weit auseinanderklaffen. Dass nun die Förderfähigkeit von Biomasse sowie deren Anrechnungsfähigkeit auf die Quoten für den Einsatz Erneuerbarer Energien an bestimmte Voraussetzungen geknüpft wird, begrüßen die Forscher. "Die Richtlinie sieht allerdings keine sozialen Kriterien vor, sondern lediglich Berichtspflichten der Kommission hinsichtlich der sozialen Tragbarkeit einer erhöhten Nachfrage nach Biokraftstoffen in der EU und in Drittländern. Andere Probleme, wie indirekte Landnutzungsänderungen oder steigende Nahrungsmittelpreise sind durch Kriterien nicht erfassbar", erläutert Dr. Grit Ludwig vom UFZ. "Insgesamt ist daher beim Einsatz von Biomasse als Energieträger Augenmaß erforderlich. Biomasse sollte zudem dort am stärksten gefördert werden, wo dies am effektivsten ist, nämlich bei der stationären Nutzung für die Strom- und Wärmeerzeugung."

Am 23. und 24. April 2009 findet im Plenarsaal des Neuen Rathauses der Stadt Leipzig das 14. Umweltrechtliches Symposion statt, das dem Thema "Klimaschutz durch Erneuerbare Energien" gewidmet ist. Im Zentrum des ersten Tagungstages werden die raumbezogenen Aspekte der Nutzung Erneuerbarer Energien stehen. Dabei geht es um Steuerungsmöglichkeiten unterschiedlicher Akteure, aber auch um einzelne Energieträgern (Wind; Biomasse; Geothermie). Am zweiten Tag werden in einem Podiumsgespräch Strategien und Handlungsmöglichkeiten für den Klimaschutz aus der Sicht unterschiedlicher Akteure diskutiert. Das Symposion wird veranstaltet von der Universität Leipzig und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) - im Zusammenwirken mit der Leipziger Vereinigung für Umwelt- und Planungsrecht, dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, der Stadt Leipzig und der Akademie der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt in Tharandt.
Tilo Arnhold

Weitere fachliche Informationen:
Dr. Grit Ludwig
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1693
http://www.ufz.de/index.php?de=17131
und
Prof. Dr. Wolfgang Köck
Universität Leipzig / Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-9735-109 bzw. 0341-235-1232
http://www.uni-leipzig.de/umweltrecht/institut/koeck/
http://www.ufz.de/index.php?de=1777
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635
E-mail: presse@ufz.de

Weiterführende Links:
Klimaschutz durch Erneuerbare Energien -
Programm des 14. Umweltrechtlichen Symposions des Instituts für Umwelt- und Planungsrecht der Universität Leipzig in Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ:
http://www.ufz.de/?de=15870

Richtlinie zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen (EE-RL):
http://ec.europa.eu/climateaction/key_documents/index_de.htm

OECD- Studie zu den ökonomischen Effekten der Biokraftstoffförderung:
http://www.oecd.org/document/29/0,3343,de_34968570_35008930_41014493_1_1_1_1,00....

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,4 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=17986

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Warum "Der Struwwelpeter" bis heute ein Besteller ist

Ulrike Jaspers, Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

FRANKFURT. Kein Bilderbuch der Welt weist eine solch internationale Karriere auf wie "Der Struwwelpeter" von Heinrich Hoffmann. In seinen Lebenserinnerung schreibt der Frankfurter Arzt und Autor, dessen 200. Geburtstag in diesem Sommer in Frankfurt gefeiert wird: "Der Schlingel hat sich die Welt erobert, ganz friedlich, ohne Blutvergießen.." Prof. Hans-Heino Ewers, Direktor des Instituts für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität, beleuchtet in der soeben erschienenen Ausgabe von "Forschung Frankfurt", wie die Geschichten dieses Klassikers zu einem populären Mythos geworden sind und welche vielfältigen Interpretationen sie zulassen.
Auch Erwachsene werden von diesem einzigartigen Werk angezogen, das inzwischen in über 40 Sprachen und 50 Mundartversionen vorliegt, seine phänomenale Wirkungsgeschichte beschäftigt Medizin- und Literaturhistoriker, Erziehungswissenschaftler und Psychoanalytiker, wie auch die jüngste Ausgabe des Frankfurter Wissenschaftsmagazins zeigt.

Hoffmanns Blick auf Kinder aus seiner ärztlichen Perspektive hebt sich von der Verniedlichung der Kindheit im Biedermeier deutlich ab. Dazu Ewers: "Für Hoffmann waren undisziplinierte, unbeherrschte, triebgesteuerte, kurz: unartige Kinder etwas völlig Normales. Kinder deshalb zu bewundern oder gar zu Revoluzzern zu erklären, lag Hoffmann dabei gänzlich fern; man musste ihnen im Gegenteil beibringen, mit den eigenen impulsiven Regungen, mit ihren Aggressionen, ihrer Leichtsinnigkeit und Unvorsichtigkeit fertig zu werden - und zwar um des eigenen Überlebens willen." Ewers ist der Auffassung, dass die Struwwelpeter-Geschichten nicht im eigentlichen Sinn moralisch sind, sie wollen vielmehr höchst elementare Verhaltensmaßregeln bieten und tun dies, indem sie warnen und sehr drastisch abschrecken.

Denn - so glaubte Hoffmann - nur so könnten die kindlichen Leser wirklich "frappiert" werden. Dabei greift er zeitgenössische Veränderungen des Alltagslebens auf, die neue Gefahrenquellen für Kinder bedeuteten. So wurde vermutlich die Paulinchen-Geschichte durch die Schwefelstreichhölzer inspiriert, die ab 1834 in Darmstadt produziert wurden und verheerender Brände verursachten. Doch werden die eher vordergründigen Erziehungsabsichten nicht auch durch die Lust an der dargestellten Ungezogenheit konterkariert und durch die karikaturistische Gestaltung dem Ernst moralischer Belehrung enthoben? Der Literaturwissenschaftler Ewers sieht in dieser Interpretation des Augsburger Literaturdidaktikers Kaspar Spinner ein der vielfältigen Wirkungspotenziale, die dieser Kinderbuchklassiker hervorruft.

Inzwischen gibt es verschiedene politische Struwwelpetriaden, die bekannteste ist die von Friedrich Karl Wächter von 1970. Ewers sieht bereits im Hoffmann'schen Original vielfältige Bezüge auf die politischen Verhältnisse der Entstehungszeit, des Vormärz und der 1848er-Revolution. Ist "Der Struwwelpeter" womöglich ein verkapptes politisches Traktat in Wort und Bild? Ist der Titelheld etwa als die Karikatur eines radikalen Achtundvierzigers zu lesen, von denen Hoffmann sich ein Stück weit distanzierte? Geht es in der Geschichte vom wilden Jäger, dem Hasen und dem Hasenkind um das Verhältnis von Adel, Bourgeoisie und Proletariat? Mit seinem satirischen "Handbüchlein für Wühler", 1848 unter dem Pseudonym "Peter Struwwel, Demagog" veröffentlicht, hat sich Hoffmann selber unter die Verfasser politischer Struwwelpetriaden begeben und damit nachträglich den verborgenen politischen Gehalt des Originals bekräftigt.

Informationen: Prof. Hans-Heino Ewers, Institut für Jugendbuchforschung, Campus Westend, Tel. (069) 798 32997 oder - 32995, ewers@em.uni-frankfurt.de
Weitere Informationen:
Forschung Frankfurt 1/2009 im Internet: www.muk.uni-frankfurt.de/Publikationen/FFFM/2009/index.html

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Heizen mit "grüner" Kohle als alternativem Energieträger

Franz-Georg Elpers, Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

DBU unterstützt Entwicklung von pflanzlicher Kohle - Projekte auf Hannover Messe ausgestellt
Hannover. Fossile Energiequellen wie Gas, Öl und Kohle neigen sich dem Ende zu. Erneuerbare Energien erleben deshalb einen regelrechten Boom. Eine Alternative zu Solarzellen, Windkrafträdern und Co. könnte in Nischen Pflanzenkohle werden, die die energetischen Eigenschaften von Braunkohle hat. Zwei Projekte der sogenannten Inkohlung werden am Gemeinschaftsstand der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) auf der Hannover Messe vorgestellt. Vom 20. bis 24. April in Halle 002/Stand D62 präsentiert die DBU insgesamt neun innovative Projekte, die sich durch Klimaschutz und wirkungsvollen Energieeinsatz in industriellen Prozessen auszeichnen. Die größte Investitionsgütermesse der Welt wird von Bundespräsident Horst Köhler eröffnet. Sie steht unter dem Leitmotiv des wirkungsvollen Einsatzes von Energie in der Wirtschaft.

Die hessische Firma Willi Schlitt entwickelt eine Pflanzenkohle, die am Ende die energetischen Eigenschaften von Braunkohle haben soll und zu Briketts gepresst werden kann. In einem Kessel wird unter starkem Druck und hohen Temperaturen aus einem Brei von Pflanzenreststoffen wie Grünschnitt oder Stroh "grüne" Kohle produziert (Hydrothermale Carbonisierung, HTC, oder Inkohlung). Und das in wenigen Stunden. "Innerhalb kurzer Zeit wird ein Energieträger hergestellt, dessen Entstehung in der Natur eigentlich 50.000 bis 50 Millionen Jahre dauert", sagt Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der DBU. Die "grüne" Kohle habe mehrere Vorteile, so Brickwedde. "Überflüssiger Biomüll findet Verwendung, gleichzeitig wird eine Kohle produziert, die weniger umweltschädliche Stoffe enthält und Ressourcen schont." Das Projekt, an dessen Ende die wirtschaftliche Umsetzung stehen soll, fördert die DBU mit rund 404.000 Euro.

"Wir können anderthalb Tonnen Biomasse am Tag verarbeiten", sagt Rainer Schlitt, Geschäftsführer der Willi Schlitt GmbH. Automatisch werde die Anlage mit Biomasse beschickt und später auch die Kohle entnommen und aufbereitet. Nahezu der gesamte in der rohen Biomasse enthaltene Kohlenstoff sei später auch in der Pflanzenkohle enthalten. Brickwedde: "Schadstoffe könnten am Ende in der Kohle weniger enthalten sein. Das verringert die Luftbelastung."

Ob auch aus Abfällen der Bio-Tonne Naturkohle hergestellt werden kann, wird in einer Machbarkeitsstudie der Hochschule Ostwestfalen-Lippe untersucht. Das Projekt unterstützt die DBU mit mehr als 138.000 Euro. Die Wissenschaftler hätten gezeigt, dass gerade wässrige organische Abfälle wie aus der Biotonne sehr gut für die Inkohlung geeignet seien, so Brickwedde. "Damit lässt sich nicht nur ein heizwertreicher Brennstoff herstellen. Bei geschickter Prozessführung ist auch zu erwarten, dass die Energiebilanz insgesamt günstiger ausfällt als bei bisherigen Verfahren", weiß Prof. Dr. Hans-Günter Ramke.

Als alleiniger Förderer unterstützt Europas größte Umweltstiftung Projekte zur Herstellung alternativer Brennstoffe aus Biomasse mit der Inkohlung. "Somit eröffnet sich ein interessante umweltfreundliche Verwertungsmöglichkeit bisher nicht genutzter Bioabfälle und landwirtschaftlicher Reststoffe in der energetischen und stofflichen Nutzung", sagt Brickwedde. Weitere Projektpartner am DBU-Stand auf der Hannover Messe sind Airmatic (Hemer), Bauer Anlagen (Weißbach), Mirroxx/PSE (Freiburg), PYTEC (Lüneburg), vibro-tec (Unna), die Friedrich-Schiller-Universität Jena sowie Pentagal-Chemie und Maschinenbau (Bochum). Eine aktuelle Sonderveröffentlichung der DBU gibt im Vorfeld der Hannover Messe einen Überblick über neue Technologien in der Energieeffizienz und im Klimaschutz und ist auf www.dbu.de/publikationen kostenlos erhältlich.

Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel28724_335.html

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Beereninhaltsstoffe könnten vor M. Parkinson schützen

Dr./M.A. Rudolf F. Dietze, Referat II/2, Pressestelle
Universität Regensburg

Beeren enthalten in hohen Konzentrationen rote und blaue Farbstoffe, die so genannten Anthocyane. Ihnen werden zahlreiche gesundheitsfördernde Effekte zugeschrieben. Regensburger Wissenschaftler konnten jetzt zeigen, dass neben den bereits bekannten Schutzmechanismen auch weitere Schutzfunktionen für Zellen von Anthocyanen übernommen werden.

Wie Mitarbeiter vom Lehrstuhl für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universität Regensburg in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Pharmacological Research berichten, fungieren die Farbstoffe gleichzeitig als Hemmstoffe von zwei Enzymen, die für den Gehirnstoffwechsel eine wichtige Rolle spielen. In Experimenten an insgesamt 25 verschiedenen Beereninhaltsstoffen fanden sich mehrere Farbstoffe, die eine hemmende Wirkung auf die Monoaminooxidasen (MAO) A und B entfalteten.

MAO-Hemmstoffe zählen seit langem zu den bewährten Medikamenten in der Behandlung von M. Parkinson und von Depressionen. Zwar erreichten die Beerenwirkstoffe nicht die Effektstärke von handelsüblichen Arzneimitteln, doch es ist vorstellbar, dass ihre Einnahme mit der Nahrung gesundheitliche Vorteile bietet. MAO A und B wirken in den Mitochondrien, den Energiekraftwerken der Zelle. Eine Hemmung des Enzyms führt zum verlangsamten Abbau verschiedener Neurotransmitter wie Noradrenalin, Dopamin und Serotonin sowie einiger Hormone wie beispielsweise Adrenalin. Im Gehirnstoffwechsel stehen dann vermehrt Neurotransmitter zur Signalübertragung bereit.

Gegenwärtig ist noch unklar, welche Menge Beeren täglich zu essen ist, um eine messbare Hemmung von MAO A und B in der Praxis herbeizuführen. Besonders reich an Anthocyanen sind Heidelbeeren und Holunderbeeren, die davon je zwischen 600 und 1400mg pro 100g enthalten. Zu den übrigen Nahrungsquellen mit hohem Anthocyananteil zählen Weintrauben, Kirschen und Rotkohl bzw. Blaukraut.

Mehr Informationen unter:
http://www.sciencedirect.com/science/journal/10436618

Ansprechpartner für Medienvertreter:
Andrea Dreiseitel
Universität Regensburg
Lehrstuhl für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie
Andrea.Dreiseitel@klinik.uni-regensburg.de
Tel. 0941-944-8957

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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"Der Schlingel hat die Welt erobert - ganz friedlich, ohne Blutvergießen"

Dr. Anne Hardy, Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Frankfurter Literaturwissenschaftler erklärt, warum "Der Struwwelpeter" bis heute ein Besteller ist
FRANKFURT. Kein Bilderbuch der Welt weist eine solch internationale Karriere auf wie "Der Struwwelpeter" von Heinrich Hoffmann. In seinen Lebenserinnerung schreibt der Frankfurter Arzt und Autor, dessen 200. Geburtstag in diesem Sommer in Frankfurt gefeiert wird: "Der Schlingel hat sich die Welt erobert, ganz friedlich, ohne Blutvergießen, und die bösen Buben sind weiter auf der Welt herumgekommen als ich." Prof. Hans-Heino Ewers, Direktor des Instituts für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität, beleuchtet in der soeben erschienenen Ausgabe von "Forschung Frankfurt", wie die Geschichten dieses Klassikers zu einem populären Mythos geworden sind und welche vielfältigen Interpretationen sie zulassen. Auch Erwachsene werden von diesem einzigartigen Werk angezogen, das inzwischen in über 40 Sprachen und 50 Mundartversionen vorliegt, seine phänomenale Wirkungsgeschichte beschäftigt Medizin- und Literaturhistoriker, Erziehungswissenschaftler und Psychoanalytiker, wie auch die jüngste Ausgabe des Frankfurter Wissenschaftsmagazins zeigt.

Hoffmanns Blick auf Kinder aus seiner ärztlichen Perspektive hebt sich von der Verniedlichung der Kindheit im Biedermeier deutlich ab. Dazu Ewers: "Für Hoffmann waren undisziplinierte, unbeherrschte, triebgesteuerte, kurz: unartige Kinder etwas völlig Normales. Kinder deshalb zu bewundern oder gar zu Revoluzzern zu erklären, lag Hoffmann dabei gänzlich fern; man musste ihnen im Gegenteil beibringen, mit den eigenen impulsiven Regungen, mit ihren Aggressionen, ihrer Leichtsinnigkeit und Unvorsichtigkeit fertig zu werden - und zwar um des eigenen Überlebens willen." Ewers ist der Auffassung, dass die Struwwelpeter-Geschichten nicht im eigentlichen Sinn moralisch sind, sie wollen vielmehr höchst elementare Verhaltensmaßregeln bieten und tun dies, indem sie warnen und sehr drastisch abschrecken.

Denn - so glaubte Hoffmann - nur so könnten die kindlichen Leser wirklich "frappiert" werden. Dabei greift er zeitgenössische Veränderungen des Alltagslebens auf, die neue Gefahrenquellen für Kinder bedeuteten. So wurde vermutlich die Paulinchen-Geschichte durch die Schwefelstreichhölzer inspiriert, die ab 1834 in Darmstadt produziert wurden und verheerender Brände verursachten. Doch werden die eher vordergründigen Erziehungsabsichten nicht auch durch die Lust an der dargestellten Ungezogenheit konterkariert und durch die karikaturistische Gestaltung dem Ernst moralischer Belehrung enthoben? Der Literaturwissenschaftler Ewers sieht in dieser Interpretation des Augsburger Literaturdidaktikers Kaspar Spinner ein der vielfältigen Wirkungspotenziale, die dieser Kinderbuchklassiker hervorruft.

Inzwischen gibt es verschiedene politische Struwwelpetriaden, die bekannteste ist die von Friedrich Karl Wächter von 1970. Ewers sieht bereits im Hoffmann'schen Original vielfältige Bezüge auf die politischen Verhältnisse der Entstehungszeit, des Vormärz und der 1848er-Revolution. Ist "Der Struwwelpeter" womöglich ein verkapptes politisches Traktat in Wort und Bild? Ist der Titelheld etwa als die Karikatur eines radikalen Achtundvierzigers zu lesen, von denen Hoffmann sich ein Stück weit distanzierte? Geht es in der Geschichte vom wilden Jäger, dem Hasen und dem Hasenkind um das Verhältnis von Adel, Bourgeoisie und Proletariat? Mit seinem satirischen "Handbüchlein für Wühler", 1848 unter dem Pseudonym "Peter Struwwel, Demagog" veröffentlicht, hat sich Hoffmann selber unter die Verfasser politischer Struwwelpetriaden begeben und damit nachträglich den verborgenen politischen Gehalt des Originals bekräftigt.

Weitere Beitrag in "Frankfurt Frankfurt" 1/2009, die sich mit Struwwelpeter und seinen Folgen beschäftigen:

- Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber, Psychoanalyikterin, Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts: Der Struwwelpeter: Eine Fundgrube unbewusster Wünsche und Ängste von Kindern
- Prof. Dr. Helmut Siefert, Medizinhistoriker, Goethe-Universität: Heinrich Hoffmann und das Frankfurter "Irrenschloss"
- Prof. Dr. Frank-Olaf Radtke und Prof. Dr. Micha Brumlik, Interview mit den beiden Erziehungswissenschaftlern, Goethe-Universität: Eltern und Kinder unter permanentem Erwartungsdruck - Warum Ratgeber-Bücher Hochkonjunktur haben

Informationen: Prof. Hans-Heino, Institut für Jugendbuchforschung, Campus Westend, Tel. (069) 798 32997 oder - 32995, ewers@em.uni-frankfurt.de

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt am Main. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit über 50 seit 2000 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigte sie sich als eine der forschungsstärksten Hochschulen.

Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Ulrike Jaspers, Referentin für Wissenschaftskommunikation Telefon (069) 798 - 2 32 66, Telefax (069) 798 - 2 85 30, E-Mail jaspers@ltg.uni-frankfurt.de
Internet: www.uni-frankfurt.de
Weitere Informationen:
http://www.muk.uni-frankfurt.de/Publikationen/FFFM/2009/index.html

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Forschungsprojekt Extremsturmfluten: Wir wirken sich Sturmfluten auf Sylt und in Hamburg aus?

Ulrike Rolf, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig

Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer Hamburg
Sturmfluten haben in der Vergangenheit immer wieder zu Schäden entlang der deutschen Küsten geführt. Es ist damit zu rechnen, dass durch klimabedingte Veränderungen, die Gefahr durch Sturmfluten deutlich ansteigen wird. Um mögliche Folgen der Zunahme extremer Sturmfluten hinsichtlich der Häufigkeit, Intensität und Dauer für den Hochwasser- und Küstenschutz abschätzen und um mögliche Katastrophen abwenden zu können, arbeiten Wissenschaftlern aus mehreren Universitäten und Einrichtungen unter anderem die Technische Universität Braunschweig an diesen Herausforderungen.

Küsten- und Flussmündungsgebiete sind vorrangig gefährdet, aber sind auch bevorzugte Siedlungs- und Wirtschaftsräume, deshalb ist es dringend erforderlich den veränderten Sturmflutverhältnissen vorausschauend und präventiv zu begegnen. Mit den Ergebnissen wollen die Forscher nicht nur vorhandene Wissenslücken hinsichtlich extremer Sturmflutereignisse schließen, sondern auch die Hochwasserrisiken an offenen Küsten und in Großstädten in einem Flussmündungsgebiet bewerten können. Dies wird konkret am Beispiel von Sylt und Hamburg untersucht.

Wissenschaftler der Universitäten Braunschweig, Hamburg-Harburg und Siegen sowie des Landesbetriebs für Straßen, Brücken und Gewässer Hamburg untersuchen seit Ende 2008 in einem Verbundprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter der Leitung von Prof. Hocine Oumeraci des Leichtweiß-Instituts für Wasserbau der TU Braunschweig das Auftreten und die Auswirkungen extremer Sturmfluten.

Die Laufzeit des mit 1,2 Mio. Euro geförderten Forschungsvorhabens beträgt 45 Monate. In Teilprojekte wird das Risiko von extremen Sturmflutereignissen aus unterschiedlichen Blickwinkeln untersucht:

o Extreme Sturmfluten
o Belastung, Bruch und Bruchentwicklung von Hochwasserschutzwerken
o Schadensermittlung und -bewertung
o Risikoanalyse, Risikobewertung und Empfehlungen für die Risikobeherrschung

Um die Forschungsergebnisse verstärkt in der Praxis umsetzen zu können, sind auch kooperative Partner eingebunden, wie der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein, Hamburg Port Authority und der Landesbetrieb Straßen, Brücken, Gewässer Hamburg.

Kontakt
Dr. Andreas Kortenhaus
Leichtweiß-Institut für Wasserbau
Abteilung Hydromechanik und Küsteningenieurwesen
Tel.: 0531/391-3181
E-Mail: a.kortenhaus@tu-braunschweig.de
Weitere Informationen:
http://www.xtremrisk.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Erstes Hohenheimer Ernährungsgespräch: Unzureichende Vitamin-D-Versorgung in Deutschland - Experten sehen Handlungsbedarf

Florian Klebs, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hohenheim

Digitale Pressemappe unter http://www.uni-hohenheim.de/presse

PRESSEFOTOS unter http://www.uni-hohenheim.de
Kinder aus sozial schwachen Familien, Ältere und Menschen mit Migrationshintergrund sind besonders betroffen - aber auch die Gesamtbevölkerung leidet generell an einer bundesweiten Vitamin-D-Unterversorgung, die nicht weiter ignoriert werden darf. So das Fazit einer Expertenrunde von Forschungseinrichtungen, die vergangenen Freitag zum ersten Hohenheimer Ernährungsgespräch an der Universität Hohenheim zusammenkam. Ziel der Hohenheimer Ernährungsgespräche ist es, ausgewiesene Fachvertreter zusammen zu führen, um aktuelle Themen der Ernährung in kompetenten, glaubwürdigen und unabhängigen Analysen zu beleuchten. Gastgeber der halbjährlichen Diskussionsrunde ist Prof. Dr. med. Hans K. Biesalski, Direktor des Instituts für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaft der Universität Hohenheim.

"Nach derzeitigen Erkenntnissen sollte der Vitamin-D-Spiegel höher liegen, als früher gedacht und gemessen daran sind die Werte in der deutschen Bevölkerung generell zu gering - vor allem im Winter", so die Problemanalyse von Dr. Birte Hintzpeter als Vertreterin des Robert-Koch-Instituts in Berlin. Besonders betroffen seien ältere Frauen sowie Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, bei denen die Spiegel sogar im Sommer zu niedrig seien.

Ursache für die unzureichende Versorgung ist die schlechte Verfügbarkeit des Mikronährstoffes: Unter den Nahrungsmittel bildet vor allem fetter Fisch die einzige nennenswerte Vitamin-D-Quelle. Daneben bildet der Körper Vitamin D größtenteils selbst durch Sonneneinstrahlung in der Haut.

Als nördliches Land mit natürlich geringer Sonnenzufuhr sei Deutschland von einer Unterversorgung deshalb besonders betroffen. Dieser verschärfe sich bei Personengruppen mit eingeschränkter Mobilität oder generell schlechter Ernährungsversorgung - was kürzlich erst durch die Nationale Verzehrstudie bestätigt worden sei, so Prof. Dr. med. Biesalski von der Universität Hohenheim.

Von Abwehrschwäche bis erhöhter Sterblichkeit: Unterversorgung mit vielfältigen Auswirkungen

Die Auswirkungen sind vielfältig: "Es mehren sich die Hinweise, dass eine defizitäre Vitamin D-Versorgung bei Personen mittleren und höheren Alters mit einer erhöhten Sterblichkeit einhergeht", zitierte PD Dr. Armin Zittermann vom Herz- und Diabeteszentrum NRW, die jüngste Forschung. Außerdem verdichte sich die Datenlage, dass eine inadäquate Vitamin D-Versorgung in jungen Jahren das Auftreten bestimmter chronischer Erkrankungen wie multipler Sklerose und Typ I Diabetes begünstigen könne.

Eine weitere wichtige Personengruppe mit Vitamin-D-Bedarf seien Krebspatienten , erläuterte Prof. Dr. med. Jörg Spitz von der Gesellschaft für Medizinische Information und Prävention in Wiesbaden: "In der Onkologie bewirkt Vitamin D eine Unterdrückung des Tumorwachstums - einschließlich der Metastasen. So wird zum Beispiel das Risiko für ein Karzinom der weiblichen Brustdrüse oder des Dickdarms reduziert."

Ebenso benötige das Immunsystem einen ausreichenden Spiegel von Vitamin D im Blut. Schon in der vorgeburtlichen Entwicklung führe eine Vitamin-D-Unterversorgung in späteren Jahren zu überschießenden Abwehrreaktionen und vermehrten Allergien. Andererseits regt Vitamin D in den Zellen die Produktion von körpereigener Antibiotika an. Letztendlich schütze Vitamin D die Nervenzellen vor Erkrankungen.

Expertenrunde sieht Handlungsbedarf

Angesichts der diskutierten Auswirkungen sah die Expertenrunde Handlungsbedarf in Politik und bei den Fachgesellschaften. Notwendig seien Präventionsstrategien, die die Vitamin-D-Versorgung erhöhten, wie auch die derzeitige Zufuhrempfehlung zu überarbeiten.

Dass es bei einem derartig vielseitigen Problemkomplex keine einfachen Antworten gäbe, betonte Gastgeber Prof. Dr. med. Biesalski in seinem Beitrag "Prävention als Risiko". Was nütze es - so seine kritische Frage - als Gegenmaßnahme ausgiebige Sonnenbäder zu empfehlen, wenn sich diese dann in einer erhöhten Haut-Krebs-Rate niederschlügen.

Hintergrund: Hohenheimer Ernährungsgespräche

Es gibt kaum einen Menschen, der zum Thema Ernährung nicht eine Meinung hat. Doch in Grundsatzdebatten und oft vordergründigen Diskussionen über Übergewicht bis zum Ruf nach Gesetzesregelungen wird eines meist übersehen: Dass es tatsächlich Risikogruppen gibt, die allgemein schlecht ernährt sind oder an Unterversorgung von einzelnen wichtigen Mikronährstoffen leiden. Um sachlich korrekte und unabhängige Informationen zum Thema Ernährung verständlich aufzubereiten, wollen die "Hohenheimer Ernährungsgespräche" künftig ausgewiesene Fachvertreter zusammenführen, die fachlich kompetent, erfahren, glaubwürdig und unabhängig sind. Veranstaltungsort ist die Universität Hohenheim, die mit ihrem ganzheitlichen Forschungskonzept der Agrar- und Ernährungswissenschaften im Rahmen der Food-Chain eine bundesweit einzigartige Kompetenz aufweisen kann. Auftaktthema der voraussichtlich halbjährlich stattfindenden Runde bildet die Diskussion über die Ergebnisse der Nationalen Verzehrstudie 2009, und eines ihrer Teilergebnisse, das unter anderem Defizite in der Vitamin-D-Aufnahme der Gesamtbevölkerung aufzeigt.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Niederlagen vermeiden

Brigitte Nussbaum, Presse- und Informationsstelle
Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Drei-Punkte-Regel im Fußball zeigt nicht die erhoffte Wirkung
Die Sportpsychologen Prof. Dr. Bernd Strauß, PD Dr. Norbert Hagemann und Florian Loffing vom Institut für Sportwissenschaft der WWU Münster zeigen in einer Analyse der Spielergebnisse der ersten Fußballbundesliga über 44 Saisons von 1963/64 bis 2006/2007, dass die Einführung der Drei-Punkte-Regel in der ersten Liga nicht zu den ursprünglich erhofften positiven Wirkungen führt. Die Studie ist aktuell in der renommierten Zeitschrift "Sportwissenschaft", die im Heidelberger Springer Verlag verlegt wird, erschienen.

Die FIFA hatte allen ihren Mitgliedsverbänden vorgeschrieben, spätestens zur Saison 1995/96 die so genannte Drei-Punkte-Regel einzuführen. Das bedeutet, dass der Sieger einer Fußballpartie drei Punkte erhält (vorher zwei Punkte). Die Punktevergabe für Unentschieden (ein Punkt) wurde nicht geändert. Ziel war es, ein offensiveres und attraktiveres Spiel zu fördern. Der Anreiz, ein Spiel für sich zu entscheiden, sollte höher sein als sich mit einem Unentschieden zu begnügen. Damit sollte eigentlich der Anteil der Unentschieden im Fußball nach der Einführung der Drei-Punkte-Regel deutlich sinken oder auch die Anzahl der geschossenen Tore deutlich steigen - würde man einer solchen ökonomischen Argumentation folgen. Nun ist Fußball aber nicht nur Ökonomie, sondern auch Psychologie.

Es hat in den vergangenen Jahren einige nationale und internationale empirische Studien gegeben, die bereits früh Zweifel an den positiven Effekten der Drei-Punkte-Regel aufkommen ließen. Demgegenüber standen und stehen aber auch Studien, die zu einer positiveren Bewertung kommen. Bernd Strauß und seine Co-Autoren vom Institut für Sportwissenschaft haben nun in ihrer aktuellen Studie die Ergebnisse von 13.406 Spielen analysiert. Sie ermitteln unter anderem dass es vor der Einführung einen Anteil an Unentschieden von 25,89 Prozent und danach unter der Drei-Punkte-Regel 26,23 Prozent Unentschieden gegeben hat. Wenn man beispielsweise nur die torlosen Unentschieden betrachtet - als typischen Ausdruck eines besonders defensiven Spiels - ergibt sich kein anderes Bild. Auch hier ist kein relevanter Unterschied erkennbar: 6,37 Prozent vorher zu 7,08 Prozent torloser Spiele nachher.

Der erhofften Wirkungen der Drei-Punkte Regel bleiben in der ersten Bundesliga aus. Praktisch bedeutsame Veränderungen - jedenfalls für die Ergebnisse - sind damit nicht verbunden. Prof. Bernd Strauß: "Man darf nicht vergessen, dass es beim Fußball aus sportpsychologischer Sicht nicht nur um den Gewinn, sondern Trainern und Spielern insbesondere auch um die Vermeidung von Niederlagen geht - allemal in einem so öffentlichen Mediensport wie Fußball. Ein Beispiel: Trainer werden typischerweise nicht nach einer Serie von Unentschieden entlassen, wohl aber nach einer Serie von Niederlagen. Und an dem Prinzip, Niederlagen zu vermeiden, hat sich nichts geändert, ob nun mit oder ohne Drei-Punkte-Regel".

Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/Sportpsychologie/ Arbeitsbereich Sportpsychologie der WWU Münster

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Biomasse statt Erdöl - 50 Millionen Euro für einzigartiges Forschungszentrum am Chemiestandort Leuna

Marion Horn, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

Stroh, Holz, Mikroalgen und viele weitere nachwachsende Rohstoffe können Erdöl ersetzen. Das Land Sachsen-Anhalt, der Bund und die Fraunhofer-Gesellschaft planen ein Forschungszentrum in Leuna, das Unternehmen ermöglichen soll, chemisch-biotechnologische Verfahren vom Labor in die technische Anwendung zu bringen.
Die Minister für Finanzen sowie Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen-Anhalt, Jens Bullerjahn und Dr. Reiner Haseloff, sowie Prof. Dr. Marion Schick, Vorstand Personal und Recht der Fraunhofer-Gesellschaft, haben heute in der Lutherstadt Wittenberg den Aufbau des Chemisch-Biotechnologischen Prozesszentrums CBP angekündigt. Am Chemiestandort Leuna im mitteldeutschen Chemiedreieck sollen das CBP und eine Fraunhofer-Projektgruppe entstehen.

Das begehrte Mineralöl ist Ausgangsstoff für viele Produkte wie Kunststoffe, Lacke, Waschmittel, Klebstoffe oder Kosmetik. Weltweit arbeiten Chemieunternehmen daran, den Rohstoff Erdöl durch nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen. Schon heute werden viele Produkte aus Biomasse hergestellt. Dazu sind ausgefeilte Verfahren notwendig. Viele Inhaltsstoffe der Pflanzen müssen beispielsweise durch Enzyme chemisch verändert werden, bevor sie sich für eine Weiterverarbeitung eignen. Die Pflanzenstoffe müssen jedoch in konstanter Qualität und zu günstigen Preisen verfügbar sein, um im industriellen Maßstab als Rohstoffquelle dienen zu können. Neue Verfahren sollen dabei ohne Lebens- und Futtermittel auskommen.

"Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe in industriellen Dimensionen ist selbst für große Unternehmen ein erheblicher finanzieller und technologischer Kraftakt. Viele kleine und mittlere Unternehmen scheitern, obwohl sie im Labor bereits attraktive Produkte erfolgreich entwickelt haben. Mit der Schaffung des CBP unterstützen wir daher gezielt diesen kritischen Schritt auf dem Weg in die industrielle Anwendung innovativer Produkte und Verfahren unter Nutzung der industriellen Biotechnologie. Dadurch stärken wir nicht nur die regionale Kompetenz und schaffen die Grundlage für neue Arbeitplätze in der Region, sondern setzen auch ein Zeichen mit nationaler Signalwirkung", erläuterte Haseloff die herausragende Bedeutung des CBP für das Land Sachsen-Anhalt.

"Das neue Chemisch-Biotechnologische Prozesszentrum CBP schließt die Lücke zwischen Labor und industrieller Umsetzung", bestätigt Marion Schick. "Das Zentrum in Leuna soll allen Kooperationspartnern für Forschung und Entwicklung zur Verfügung stehen. Die neue Projektgruppe ist eng mit den Fraunhofer-Instituten vernetzt und kann auf die Kompetenzen der Fraunhofer-Kolleginnen und Kollegen zurückgreifen."

Wissenschaftler der Fraunhofer-Institute für Grenzflächen und Bioverfahrenstechnik IGB und für Chemische Technologie ICT planen das CPB gemeinsam mit der InfraLeuna GmbH, der Standortbetreibergesellschaft des Chemiestandorts Leuna. Mit diesem sehr flexibel einsetzbaren Bioraffineriekonzept bieten sich neue Möglichkeiten, um in Zukunft biologische Rohstoffe verarbeiten zu können und nach Bedarf Öle, Fette, Cellulose, stärke- oder zuckerhaltige Rohstoffe als Ausgangsstoffe für Produkte zu gewinnen. Durch das Engagement sollen neue, hochwertige Arbeitsplätze geschaffen und die Ansiedlung von Biotechnologiefirmen gefördert werden. Nach der Aufbauphase werden ca. 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am CBP tätig sein.

"Als klassischer Chemiestandort sind unsere produzierenden Unternehmen bisher weitgehend von fossilen Rohstoffen abhängig. Mit regenerativen Rohstoffen können wir sowohl diese Abhängigkeit als auch CO2-Emmissionen weiter reduzieren. Das CBP ist ein wichtiger erster Schritt in diese Richtung" sagt Andreas Hiltermann, Geschäftsführer der InfraLeuna GmbH.

Sachsen-Anhalt wird an der Gesamtinvestition von derzeit geplanten 50 Millionen Euro einen Anteil von 20,1 Mio Euro sowie die Anschubfinanzierung der Projektgruppe beitragen. Die restlichen Mittel sollen durch das Engagement der Industrie, mittels Bundeszuwendungen der Fraunhofer-Gesellschaft und im Rahmen mehrerer konkreter Forschungsprojekte mit Unterstützung unterschiedlicher Bundesministerien aufgebracht werden. Erste Projekte sollen von den Bundesministerien für Bildung und Forschung (BMBF), für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) finanziert werden. Die Fraunhofer-Gesellschaft plant, sich mit 9,6 Mio Euro aus der Grundfinanzierung des BMBF zu beteiligen.

Finanzminister Jens Bullerjahn erklärte in seinem Statement, dass es in der jetzigen Finanzkrise besonders notwendig sei, die zur Verfügung stehenden öffentlichen Mittel strategisch so einzusetzen, dass zukunftsfähige Strukturen weiter gefördert und gefestigt werden. "Das CBP verbindet nachhaltige Rohstoffnutzung, moderne Biotechnologie und Chemie. Damit gehört es zu den Vorhaben, die den Standort Leuna und damit den mitteldeutschen Raum strukturell weiter voranbringen"

Gegenwärtig planen 23 Industrieunternehmen sowie 15 Universitäten und Forschungseinrichtungen ihre Beteiligung an den Projekten. Ihr Ziel ist es, die Prozesse vom Rohstoff über den Biokatalysator und der Skalierung der benötigten Verfahren zum gewünschten Produkt und in die industrielle Umsetzung zu bringen. "Wir möchten nun die im Labor entwickelten Verfahren und Prozesse in Größenordungen testen, die für die Industrie relevant sind. Dazu benötigen wir die Infrastruktur und Anlagen", erklärt Professor Thomas Hirth vom Fraunhofer-IGB. Sobald der Fraunhofer-Senat und der Bund-Länder-Ausschuss zugestimmt haben, kann die Forschungsarbeit losgehen.

Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2009/04/Presseinformation03A...

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Besser lernen auf dem "Schaukelstuhl"

Gerhild Sieber, Presse- und Informationszentrum
Universität des Saarlandes

Neue Kid-Check-Studie: Schüler arbeiten konzentrierter und ausdauernder auf Stühlen mit beweglichen Sitzflächen und Rückenlehnen

Schulstühle, die sich stufenlos in der Höhe verstellen lassen und mit beweglicher Sitzfläche und Rückenlehne ausgestattet sind, verbessern die Durchblutung von Körper und Gehirn. Das steigert die Leistungsfähigkeit. Die Schüler arbeiten ausdauernder und konzentrierter. Zu diesem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Studie des interdisziplinären Kid-Check-Projekts an der Universität des Saarlandes sowie der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung in Wiesbaden.
Herkömmliche Schulmöbel hingegen leisten Haltungsschäden Vorschub, beeinträchtigen durch eine ungünstige Sitzposition die Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff und mindern dadurch das Denkvermögen der Kinder.

Die Forscher untersuchten im Laufe eines Schultages an 20 Mädchen und Jungen einer achten Klasse des Gymnasiums am Krebsberg in Neunkirchen (Saarland), wie sich verschiedene Stühle auf die Durchblutung auswirken. Dazu setzten die Wissenschaftler eine speziell für medizinische Zwecke entwickelte, hochempfindliche Wärmebildkamera ein. Diese kann Temperaturunterschiede des Körpers auf hundertstel Grad genau bestimmen.

Zu Beginn des Unterrichts wurde mit Hilfe der thermografischen Fotos die Rumpf-Temperatur (Brustbereich und Rücken) der im Durchschnitt 14 Jahre alten Schüler gemessen. Die Raumtemperatur lag bei 23 Grad Celsius, die Hauttemperatur der untersuchten Jugendlichen schwankte zwischen 34,5 und 33,3 Grad. Danach absolvierten die Schüler auf ihren herkömmlichen und unbeweglichen Holzstühlen eine Unterrichtsstunde mit Lesen, Schreiben und Zuhören. Nach diesen 45 Minuten maßen die Wissenschaftler erneut die Temperatur des Oberkörpers. "Die Ergebnisse zeigen, dass bei den meisten Testpersonen in der klassischen, unbewegten Sitzhaltung die Oberkörper-Temperatur abgefallen ist", erläutert der Leiter der Studie, Dr. Oliver Ludwig, vom Sportwissenschaftlichen Institut der Universität des Saarlandes.

In den Pausen zwischen den Unterrichtsstunden mussten sich die Mädchen und Jungen ruhig verhalten. Sie durften nicht laufen und nicht toben, damit sich ihre Temperatur durch die körperliche Aktivität nicht erhöhte. In den nächsten beiden Schulstunden nahm die Hälfte der Schüler auf stufenlos höhenverstellbaren Roll-Drehstühlen mit beweglichen Sitzflächen und Lehnen Platz. Die übrigen Schüler nutzten weiterhin die herkömmlichen Stühle. Nach dieser Unterrichtsstunde war bei den Schülern auf den beweglichen Stühlen die Hauttemperatur wieder angestiegen, teilweise sogar über den Ausgangswert zu Beginn des Unterrichtes. "Bei der Gruppe auf den herkömmlichen Stühlen war das nicht der Fall", berichtet Oliver Ludwig.

Die höhere Temperatur der Jugendlichen auf den beweglichen Stühlen ist darauf zurückzuführen, dass die Haut beziehungsweise die darunter liegende Muskulatur stärker durchblutet wurde. "Auf den beweglichen Stühlen werden die Schüler nicht in eine passive Sitzposition gezwungen, sondern sind ständig, wenn auch kaum merklich, in Bewegung. Das aktiviert die Muskeln und regt die Durchblutung an", erklärt Dr. Dieter Breithecker, Leiter der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung. "Dieses aktive Sitzen verhindert, dass die Kinder dauerhaft eine nach vorn gebeugte Haltung einnehmen, die die Durchblutung hemmt", sagt der Bewegungswissenschaftler.

Dass durch ungeeignete Schulmöbel die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigt wird, kritisiert auch Professor Dr. Eduard Schmitt von der Orthopädischen Universitätsklinik in Homburg. Er ist der medizinische Leiter der Aktion Kid-Check. "Oft sitzen Kinder mit ganz unterschiedlicher Körpergröße auf den gleichen Stühlen. Sind die Schulmöbel zu klein, nehmen die Schüler eine gebückte Arbeitsposition ein, bei der sich der Oberkörper nach vorn neigt", erklärt Schmitt. In dieser ungünstigen Sitzhaltung hängen Schultern und Kopf nach unten, es bildet sich ein Rundrücken. Viele Mädchen und Jungen sitzen in der Schule und danach bei den Hausaufgaben und vorm Computer acht bis zwölf Stunden am Tag in gebückter Haltung. Dadurch droht der Rundrücken zu einem nicht mehr behebbaren Haltungsschaden zu werden. "Bei Kindern wachsen die Wirbelkörper noch und reagieren sehr empfindlich auf einseitige Belastung", erläutert Eduard Schmitt. "Sitzt ein Kind dauerhaft nach vorne gebeugt, werden vorwiegend die vorderen Abschnitte der Wirbelkörper belastet. Dadurch wird ihr Wachstum an dieser Stelle frühzeitig gestoppt, hinten wachsen die Wirbel jedoch weiter. Die Wirbel werden keilförmig, es entwickelt sich zunehmend ein Rundrücken. Diese Haltungsschwäche wird schließlich zu einem Haltungsschaden, der nicht mehr zu beheben ist", warnt der Experte.

Die Ergebnisse der Wärmebilduntersuchung lassen den Schluss zu, dass diese gebückte Körperhaltung auch zu einer mangelhaften Durchblutung der Rumpfmuskulatur führt.
In der Rundrückenposition üben die an der Wirbelsäule aufgehängten Rippen einen erhöhten Druck auf das Brustbein aus, das dadurch Richtung Lunge gepresst wird. "Der verkleinerte Umfang des Brustkorbs behindert die Atmung", sagt Eduard Schmitt, "die Muskulatur wird weniger durchblutet, und das Gehirn wird schlechter mit Sauerstoff versorgt. Konzentration und Leistungsfähigkeit lassen nach."

Die herkömmlichen, unbeweglichen Schulstühle mit ihren geraden Sitzflächen und Sitzmulden ermöglichen den Kindern nur eine Sitzhaltung, bei der die Oberschenkel ständig in rechtem oder kleinerem Winkel zum Rumpf stehen. In dieser Position dreht der hintere Teil des Beckens um fast 30 Grad nach unten und zieht dadurch die Wirbelsäule in eine Rundrückenhaltung. Das Kind sitzt auffällig krumm. Stühle mit unbeweglicher Sitzfläche und fester Lehne werden aus der Überlegung heraus gebaut, dass sie den Rücken stützen und die Wirbelsäule entlasten. Doch kein Mensch kann über längere Zeit unbewegt in einer Sitzposition verharren. "Fünf- bis neunjährige Kinder können höchstens zehn Minuten lang still sitzen", erklärt Dieter Breithecker. "Bei Zehn- bis Zwölfjährigen sind es 15 Minuten, bei 13- bis 18-Jährigen allenfalls 25 Minuten." Dann beginnen die Schüler, hin und her zu rutschen und kippeln mit ihren Stühlen. Dabei bewegen die Kinder auch Füße und Beine. Medizinisch gesehen ist das sogar notwendig, denn die angespannte Beinmuskulatur unterstützt die Venen dabei, das Blut wieder nach oben zum Herzen zu pumpen. Der Körper und insbesondere das Gehirn werden folglich besser durchblutet. "Damit ist konzentriertes Arbeiten länger möglich", sagt Dieter Breithecker.

Will ein Schüler am Schreibtisch arbeiten, neigt er den Oberkörper etwas nach vorne. Sitzt er auf einem Stuhl mit beweglicher Sitzfläche, kippt diese durch die Gewichtsverlagerung um bis zu sieben Grad nach vorn. Bildlich gesprochen, sitzt das Kind leicht abschüssig. "Es entsteht ein Sitzkeileffekt", erläutert Dieter Breithecker. "Das ist ausdrücklich erwünscht, weil ein geöffneter Sitzwinkel nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen die Haltung am besten ausbalanciert." Die Wirbelsäule behält ihre natürliche Krümmung bei und wird entlastet, der Oberkörper bleibt aufgerichtet, was mehr Platz für die inneren Organe schafft. Eine tiefere Atmung mit besserer Blutzirkulation und Sauerstoffversorgung wird unterstützt. "Die natürlichen Bewegungsimpulse der Kinder werden nicht mehr gebremst, sondern gefördert, und ein aktives Sitzen mit rhythmischer Be- und Entlastung des Körpers ist gewährleistet", betont Oliver Ludwig.

Obwohl wissenschaftlich geklärt ist, dass Schulstühle mit beweglichen Sitzflächen und Lehnen gesünder als starre Stühle sind, stehen aus finanziellen Gründen in den meisten Schulen noch immer die unbeweglichen Stühle. Sie kosten nur halb so viel (rund 45 Euro) wie "Dynamikstühle".

Professor Eduard Schmitt betont, dass auch die meisten Schultische zu wünschen übrig lassen. "Optimal sind höhenverstellbare Tische mit neigbarer Platte." Lässt sich der Tisch weder in der Neigung noch in der Höhe verstellen, müssen viele Kinder die Schultern hochziehen, um die Arme auflegen zu können. Zum Schreiben winkeln die Schüler ihre Arme meist weit ab und neigen den Kopf tief über den Tisch. "Eine solche Haltung führt schnell zu Muskelverspannungen vor allem im Nackenbereich", erklärt Schmitt. In der Folge können sogar Spannungskopfschmerzen und Fehlstellungen der Halswirbelsäule auftreten. "Eine zumindest im vorderen Teil schräg- und höhenverstellbare Arbeitsplatte fördert eine aufrechte Sitzhaltung und reduziert somit die belastende Nickhaltung deutlich", informiert Schmitt.

Sitzkissen und Sitzbälle sind keine bewährten Schulmöbel, weil sie zu einem instabilen Sitzen mit viel zu weiten Bewegungen nach allen Seiten hin führen. Schon nach kurzer Sitzdauer - fünf Minuten können bereits genug sein - treten Verspannungen in der Bein- und Rückenmuskulatur auf. Unterer Rücken, Schultergürtel und Kopfregion sind besonders betroffen. Die muskuläre Verspannung belastet zudem Wirbelsäule und Bandscheiben. Auf einem Sitzball die Balance zu halten, erfordert hohe Aufmerksamkeit und Konzentration, wodurch der Körper schnell ermüdet und eine nach vorn gekrümmte "Schonhaltung" einnimmt.

Beim Projekt Kid-Check erforschen Orthopäden, Neurologen, Humanbiologen, Sportwissenschaftler und Physiotherapeuten der Universität des Saarlandes sowie Experten der Hochwaldklinik für Orthopädie in Weiskirchen die Ursache von Haltungsschwächen und -schäden im Kindes- und Jugendalter. Zudem entwickeln die Wissenschaftler Programme, um dem Haltungsverfall vorzubeugen und Defizite auszugleichen. Medienpartner des Kid-Check ist die Saarbrücker Zeitung.

Das Projekt im Internet: http://www.kidcheck.de

Ansprechpartner:
Dr. Oliver Ludwig: (01 70) 4 96 11 70
Prof. Dr. Eduard Schmitt: (0 68 41) 1 62 45 03,
E-Mail: oredsc@uniklinikum-saarland.de

Fotos in Druckqualität stehen Ihnen auf unserer Mediendatenbank zur Verfügung:

http://www.uni-saarland.de/mediadb/presse/PM112_Schulstuhl-Studie-Bild1.jpg
Wissenschaftler der Universität des Saarlandes und der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung (Wiesbaden) haben in einer achten Klasse des Gymnasiums am Krebsberg in Neunkirchen (Saarland) untersucht, wie sich verschiedene Schulstühle auf die Konzentration und Leistungsfähigkeit der Mädchen und Jungen auswirken.

http://www.uni-saarland.de/mediadb/presse/PM112_Schulstuhl-Studie-Bild2.jpg
Mit einer medizinischen Wärmebildkamera misst Dr. Oliver Ludwig, wie sich die Oberkörper-Temperatur von Schülern verändert, wenn sie nicht auf klassischen, starren Stühlen, sondern auf Schulstühlen mit beweglicher Sitzfläche und Rückenlehne unterrichtet werden.

http://www.uni-saarland.de/mediadb/presse/PM112_Schulstuhl-Studie-Bild3.jpg
Die Wärmebildaufnahmen zeigen, dass der Oberkörper auf herkömmlichen, unbeweglichen Schulstühlen (links) weniger gut durchblutet wird als auf Dynamikstühlen mit neigbarer Sitzfläche.

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Eine wissenschaftliche Studie des Kid-Check-Projekts an der Universität des Saarlandes belegt, dass höhenverstellbare Schulstühle mit beweglicher Sitzfläche und Lehne eine aufrechte, rückenschonende Sitzhaltung ermöglichen und eine bessere Durchblutung von Körper und Gehirn bewirken.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Elektronische Unterschrift

Dipl.-Ing. Stefan Schmidt, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML

Neue Softwarelösung macht Warenübergabe sicherer

Jeder kennt es: Ware wird über Internet bestellt, vom Paketzusteller geliefert und an der Haustür gegen Unterschrift übergeben. Klappt meist, ist aber rechtlich nicht gesichert, weil dabei der Empfänger nicht zuverlässig identifiziert wird. Ein neuartiges Verfahren schafft Abhilfe. Entwickelt haben es die beiden Dortmunder Fraunhofer-Institute für Materialfluss und Logistik IML und für Software und Systemtechnik ISST gemeinsam mit den Firmen LinogistiX, IdentCom und LogAgency.
Die neue Software mit dem Namen ePOD (Electronic Proof of Delivery at Point of Delivery) reduziert die erforderlichen Belege und damit Transport- und Archivierungskosten ebenso wie die Verkehrshaftung. Das neuartige Instrument unterstützt elektronisch die Warenübergabeprozesse in der Logistik, wie beispielsweise zwischen Kurier-Express-Paketdienstleitern (KEP) und Endkunden.

Heute wird die rechtmäßig durchgeführte Übergabe einer Warensendung im Allgemeinen durch die Unterschrift des Empfängers auf einem Formular dokumentiert. Damit bestätigt dieser, die aufgelistete Ware erhalten zu haben. In der KEP-Branche erfolgt dies in der Regel elektronisch durch die Unterschrift des Empfängers auf dem druckempfindlichen Display eines mobilen elektronischen Erfassungsgeräts. Dabei wird häufig die auf der Ware aufgebrachte Identifikationsnummer (Barcode) von dem Erfassungsgerät eingelesen und der Unterschrift zugeordnet.

"Hierbei besteht allerdings ein Mangel an Rechtssicherheit", erklärt Andreas Trautmann, Geschäftsführer des jungen Unternehmens LinogistiX, ein Anbieter von Open-Source-Softwarelösungen für die Logistik. "Eine Unterschrift über einen elektronischen Stift bietet im Sinne des Deutschen Gesetzes zur elektronischen Signatur keine rechtsgültige Authentifizierung, da nicht überprüft wird, ob der Name wirklich zu dem Unterzeichnenden gehört." Zwar lassen sich die elektronisch abgelegten Belege reproduzieren und werden von Gerichten allgemein als Übergabedokument anerkannt. Die reproduzierte, vorher mit einem mobilen Gerät elektronisch erfasste Unterschrift findet demgegenüber keine gerichtliche Anerkennung.

"Diese Unsicherheit führt seitens des Versenders zu finanziellen Risiken durch Fälschungen und Missbrauch" sagt Trautmann. "Beim Versand zwischen Unternehmen sind diese Risiken deutlich höher als beim Versand an Privatempfänger". Nicht vernachlässigt werden dürften zudem die Prozesskosten durch die Erstellung, Erfassung, Sammlung und Archivierung von Belegen, insbesondere für die Sendungsverfolgung.

Lösungsansatz ePOD

Das neue Verfahren ePOD soll dieses Defizit bei der Authentifizierung beheben und gleichzeitig zu einer Senkung der Prozesskosten bei steigender Prozessqualität beitragen. In Deutschland regelt das Bürgerliche Gesetzbuch mit dem Signaturgesetz die rechtlichen Anforderungen. Eine Signatur muss über eine sichere Signaturerstellungseinheit erstellt werden, so dass ein Duplizieren oder Auslesen des privaten Schlüssels nicht möglich ist.

"Bei der Entwicklung von ePOD orientierten wir uns an der weltweit möglichen Bargeldauszahlung an Geldautomaten ohne Unterschrift", berichtet Fraunhofer-Mitarbeiter Ulrich Franzke. "Es ist lediglich eine Bankkarte und die dazu gehörende PIN-Nummer notwendig." Das Verfahren ist rechtlich anerkannt. Statt eines "Abliefernachweises"" mit Empfängerunterschrift, werden die Transaktionsdaten erfasst und gespeichert und können vom Geldinstitut bei Bedarf herangezogen werden.

Analog dazu wird die Warenübergabe per ePOD gestaltet. Der Nutzer erhält eine Identifikationskarte mit einem Chip darauf, auf dem die Identifikationsdaten gespeichert sind, und ein Kartenlesegerät. Bestellt nun beispielsweise ein Endverbraucher über das Internet in einem eShop einen Artikel, wird die Bestellung mittels der Karte und des mobilen Erfassungsgerätes digital signiert. Die Authentifizierung gegenüber dem Betreiber des eShops erfolgt über ein Trust Center. Nach erfolgreicher Authentifizierung erfolgt die Freigabe der Sendung und Beauftragung des KEP-Dienstleisters, ebenfalls gesichert und authentifiziert. Dieser transportiert die Sendung zum Kunden und übergibt sie. Abschließend muss sich der Kunde mit seiner elektronischen Signatur erneut identifizieren. Dazu ist ein mobiles Erfassungsgerät notwendig, das die vom Empfänger genutzte Signaturkarte lesen kann. Optional könnten auch mittels einer GPS-Funktion im Gerät die exakten Übergabeparameter festgehalten werden. Identität und Übergabekoordinaten werden verschlüsselt per Funk an das ID-Trust-Center geschickt, das wiederum die Registrierung der ID-Karte und die Übereinstimmung der Daten prüft und bestätigt.

"Neben der gesicherten Warenübergabe in der gesamten Wertschöpfungskette ermöglicht der Einsatz von ePOD eine direkte Anbindung an das Warenwirtschaftssystem des Versenders und schafft damit mehr Transparenz"sagt Franzke. Das System bietet außerdem eine verlässliche Möglichkeit, die auf die Auslieferung folgenden administrativen Prozessschritte automatisch abzuwickeln, ohne dass es manueller Plausibilitätsüberprüfungen bedarf. Das steigert die Servicequalität.

Software per Internet

Bei der ePOD-Lösung wird die Software mitsamt allen dazugehörigen Diensten als Service über das Internet angeboten. Dadurch lässt sich diese Anwendung gut in bereits bestehende Softwareumgebungen einpassen, was die Integration auch kleiner und mittelständischer Betriebe in globale Versandprozesse ermöglicht. Dies gilt vor allem dann, wenn es sich um eine vollständige Lösung handelt, die bis auf einen Web Browser keine weiteren Softwareinstallation auf dem Computer des Anwenders erfordert und nur dem Bedarf entsprechend über das Internet abgerufen wird. Die erfassten Informationen werden echtzeitnah über das Internet übertragen und auf zentralen Servern verarbeitet. Lückenlose Versandverfolgung über das Internet, bargeldloses Bezahlen bei Versandübergabe, automatische Rechnungslegung mit elektronischer Rechnungsübertragung und vereinfachtes Retourenhandling sind denkbare Zusatznutzen.

Ausblick

"Realistisch ist, dass KEP-Unternehmen sich in Zukunft nur noch um die maximal fünf Prozent problematischen Auslieferungen kümmern", meint Andreas Trautmann, dessen Unternehmen Linogistix die neue Software am Markt anbietet. "Die restlichen Auslieferungen könnten mittels ePOD abgewickelt werden und wären damit verwaltungsmäßig abgeschlossen." Distributionsunternehmen könnten dadurch zukünftig fast ganz auf das Sammeln, Übertragen und Archivieren der Auslieferdaten verzichten. Ähnlich wie am Geldautomaten werden ausschließlich die Transaktionsdaten vom ID-Trust-Center oder, falls gewünscht, ebenfalls vom KEP-Unternehmen registriert. Das Nachnahmegeschäft könnte gleichermaßen auf diesem Wege abgewickelt werden, falls es mittels eines vom ID-Trust freigegeben Geldtransaktionsdatensatzes möglich ist, direkt bei der Bank eine Buchung auf Bonität zu prüfen und durchzuführen. (RFN)

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Kohlenstoff-Nanoröhren und die Umwelt

Dr. Christine Bohnet, Öffentlichkeitsarbeit
Forschungszentrum Dresden - Rossendorf e.V.

Kohlenstoff-Nanoröhren wecken einerseits Hoffnungen auf innovative Anwendungen von der Technik bis hin zur Medizin und versprechen damit auch ein erhebliches wirtschaftliches Potenzial. Andererseits muss noch viel genauer erforscht werden, inwiefern sie Umwelt und Gesundheit belasten könnten. Dafür plädieren Radiochemiker vom Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD). Sie haben nachgewiesen, dass Kohlenstoff-Nanoröhren sogenannte Kolloide bilden, also quasi wasserlöslich sind. Dadurch können sie sich in der Umwelt verteilen und dabei Schwermetalle wie Uran binden. Die Forschungsergebnisse wurden vor kurzem in der Fachzeitschrift "Environmental Pollution" veröffentlicht.
Kohlenstoff-Nanoröhren haben in den vergangenen 15 Jahren eine steile Karriere gemacht, auch wenn Anwendungen bisher noch begrenzt sind. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass sie neben ihren günstigen mechanischen und elektrischen Eigenschaften aber auch abträgliche Merkmale haben. Auf einen Aspekt, der bisher noch wenig bedacht worden ist, weisen nun Forscher des Forschungszentrums Dresden-Rossendorf hin. "Wenn sich Produkte, die Kohlenstoff-Nanoröhren enthalten, in Zukunft ausbreiten, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Röhren bei Herstellung, Gebrauch oder Entsorgung in die Umwelt gelangen, sich dort weiter verteilen und auf ihrem Weg Schadstoffe wie z.B. Schwermetalle binden", sagt Dr. Harald Zänker, Wissenschaftler am FZD.

Ein wichtiger Weg, auf dem Kohlenstoff-Nanoröhren in die Umwelt gelangen könnten, ist der über das Wasser. In ihrem Originalzustand sind die hauchdünnen Kohlenstoff-Fäden mit einem Durchmesser von weniger als 50 Nanometern (1 Nanometer = 1 Millionstel Millimeter) zunächst kaum wasserlöslich. Auf den ersten Blick sollten sie also nicht im Grundwasser, Seen o.ä. mobil sein, sondern sich schnell absetzen oder abscheiden. Wenn sich jedoch ihre Oberflächenstruktur verändert, können sie kolloidhaltige Lösungen bilden. Die Veränderung der Oberflächenstruktur kann während der Produktion der Röhren gezielt herbeigeführt oder, wenn sie einmal in die Umwelt freigesetzt worden sind, durch natürliche Prozesse ausgelöst werden.

In einer kolloidhaltigen Lösung ist - anders als bei echten wasserlöslichen Stoffen - der scheinbar gelöste Stoff in Form feiner Partikel im Lösungsmittel verteilt. Diese Partikel sind immer noch viel größer als die Moleküle eines gelösten Stoffes in einer echten Lösung. In Umweltgewässern könnten Kohlenstoff-Nanoröhren in Form von Kolloiden überall hin transportiert werden. Seit kurzem weiß man auch, dass die Röhren sogar Zellwände durchdringen können. Sie könnten also theoretisch auch in tierische und menschliche Zellen vordringen. Die Oberflächenveränderung von Kohlenstoff-Nanoröhren bewirkt noch einen weiteren Aspekt: Sie erhöht ihre Neigung, Schwermetalle anzulagern.

Die Rossendorfer Wissenschaftler haben sowohl Kohlenstoff-Nanoröhren im Originalzustand als auch mit oxidierenden Säuren (z.B. Salpeter- oder Schwefelsäure) veränderte Röhren untersucht. Sie stellten fest, dass Lösungen mit behandelten Kohlenstoff-Nanoröhren Licht stärker streuen. "Das ist ein Indiz dafür, dass sie Kolloide gebildet haben, die sich nicht absetzen", sagt Dr. Harald Zänker. Die FZD-Wissenschaftler wiesen erstmals nach, dass sich das Schwermetall Uran, das in geringsten Mengen überall in der Umwelt und damit auch im Wasser vorkommt, besonders an die Oberfläche behandelter Kohlenstoff-Nanoröhren anlagert. Sie stellten eine um eine Zehnerpotenz höhere Aufnahmekapazität für Uran als bei unbehandelten Kohlenstoff-Nanoröhren fest. "Es ist deshalb plausibel anzunehmen, dass Kohlenstoff-Nanoröhren, wenn sie in die Umwelt gelangen, den Transport von Uran in Umweltwässern und sogar in biologischen Systemen beeinflussen können. Die möglichen Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit hat man bisher generell zu wenig bedacht", so Dr. Harald Zänker.

Andererseits legt die Bindungsfähigkeit von Uran und anderen Schwermetallen aber auch nahe, Kohlenstoff-Nanoröhren zur Entfernung von Schwermetallen aus Wässern einzusetzen. Eine wirtschaftliche Alternative zu klassischen Reinigungsmitteln stellen sie bisher aber noch nicht dar, sagt Dr. Zänker. "Letztendlich ist es wichtig, das Verhalten von Kohlenstoff-Nanoröhren in Wässern in Zukunft weiter zu untersuchen", so der Wissenschaftler. "Erst dann kann man die positiven und negativen Effekte der Kohlenstoff-Nanoröhren besser abwägen."

Veröffentlichung:
A. Schierz, H. Zänker: Aqueous suspensions of carbon nanotubes: surface oxidation, colloidal stability and uranium sorption, Environmental Pollution 157, 1088 - 1094 (2009). DOI:10.1016/j.envpol.2008.09.045

Weitere Informationen:
Dr. Harald Zänker
Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD)
Institut für Radiochemie
Tel.: 0351 260 - 3209
Email: h.zaenker@fzd.de

Pressekontakt:
Dr. Christine Bohnet
Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD)
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bautzner Landstr. 128, 01328 Dresden
Tel.: 0351 260 - 2450 oder 0160 969 288 56
Email : presse@fzd.de

Information:
Das Forschungszentrum Dresden-Rossendorf (FZD) hat das Ziel, strategisch und langfristig ausgerichtete Spitzenforschung in politisch und gesellschaftlich relevanten Forschungsthemen wie Energie, Gesundheit und Schlüsseltechnologien zu leisten. Folgende Fragestellungen stehen dabei im Mittelpunkt:
- Wie verhält sich Materie unter dem Einfluss hoher Felder und in winzigen Dimensionen?
- Wie können Tumorerkrankungen frühzeitig erkannt und wirksam behandelt werden?
- Wie schützt man Mensch und Umwelt vor technischen Risiken?
Diese Fragestellungen werden in strategischen Kooperationen mit Forschungs- und Industriepartnern bearbeitet. Ein weiterer Schwerpunkt ist der Betrieb von sechs einmaligen Großgeräten, die auch externen Nutzern zur Verfügung stehen.

Das FZD wird von Bund und Land gefördert und beschäftigt rund 750 Personen. Bei der Auswahl neuer Mitarbeiter stehen Qualität und Internationalität an erster Stelle. Die Ausbildung von wissenschaftlichem und technischem Nachwuchs erfolgt auf hohem Niveau und in enger Zusammenarbeit mit den Hochschulen. Auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf achtet das FZD in besonderem Maße.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Warum das Herz links schlägt

Gunnar Bartsch, Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Bei allen Wirbeltieren - und damit auch beim Menschen - schlägt das Herz im Normalfall auf der linken Körperseite. Warum das so ist, wird noch nicht bis ins letzte Detail verstanden. Würzburger Entwicklungsbiologen sind der Lösung dieses Rätsels jetzt einen entscheidenden Schritt näher gekommen.
Wenn aus einer befruchteten Eizelle während der Embryonalentwicklung ein lebensfähiger Organismus heranwachsen soll, müssen die Zellen unter anderem wissen, wo links und wo rechts ist, damit die Organe am Ende in der richtigen Form am richtigen Ort landen. So entwickelt sich beispielsweise bei allen Wirbeltieren das Herz aus einem zunächst schlauchförmigen Gebilde, das bereits kurz nach seiner Entstehung eine Krümmung zur rechten Körperseite aufweist. Diese erste Asymmetrie hat zur Folge, dass am Ende - nach einer ganzen Reihe weiterer Drehungen - die Herzspitze zur linken Körperseite weist.

Wie der Körper rechts von links unterscheidet

Wie schafft es der Organismus, rechts von links zu unterscheiden? Und welche Prozesse sind dafür verantwortlich, dass beispielsweise das Herz im Normalfall links schlägt? Dieser Frage sind der Würzburger Entwicklungsbiologe Professor Thomas Brand und sein Mitarbeiter Dr. Jan Schlüter nachgegangen. Über ihr Ergebnis berichtet die aktuelle Online-Ausgabe der Proceedings of the National Academy of Sciences PNAS. Die beiden Forscher konnten an Hühnerembryonen einen Signalweg charakterisieren, der an der asymmetrischen Entwicklung des Herzens beteiligt ist.

"Bislang lautete die vorherrschende Meinung, dass ein bestimmter Signalweg für die linksseitige Entwicklung der Organe verantwortlich ist, der auf der rechten Seite gehemmt werden muss, damit sich eine Asymmetrie ausbilden kann", sagt Thomas Brand. Wie die beiden Entwicklungsbiologen nun zeigen, trifft diese Vorstellung nicht zu: "Wir konnten am Hühnerembryo nachweisen, dass es auch auf der rechten Seite einen eigenständigen Signalweg gibt", so Brand.

Asymmetrie ist die Regel, nicht die Ausnahme

Asymmetrie im Körper: Ist das nicht die Ausnahme von der Regel, die gerade mal Herz, Leber und Milz betrifft, während der überwiegende Teil quasi spiegelbildlich aufgebaut ist? "Überhaupt nicht", sagt Brand. Im Prinzip sei der ganze Körper asymmetrisch aufgebaut; damit er dennoch so symmetrisch aussehe, müssten während der Embryonalentwicklung etliche Signalkaskaden aktiv werden.

Mechanismen, die an der Recht-Links-Ausprägung beteiligt sind, haben Brand und Schlüter während ihrer Arbeit intensiv untersucht. Einer davon ist die asymmetrische Produktion von Ionenpumpen. "Dadurch kommt es zu einer ungleichen Verteilung von elektrischer Ladung auf der rechten und linken Körperseite, die den Zellen anscheinend die Richtung vorgibt", erklärt Brand. Eine Blockade dieser Ionenpumpen hatte bei den Experimenten der Entwicklungsbiologen eine zufällige Verteilung der Zellen im Herzen zur Folge, die Vorstufen der Herzkranzgefäße sind: Manchmal saßen sie, wie es normal ist, auf der rechten Seite; manchmal landeten sie links. In anderen Fällen siedelten sie sich auf beiden Seiten an; bisweilen fehlten sie völlig.

Tote Zellen geben die Richtung vor

"Dieser Effekt spielt also ebenfalls eine wichtige Rolle für die Seitenorientierung der Organe", sagt Thomas Brand. Als alleinige Erklärung für das "linksgelagerte Herz" reiche er jedoch nicht aus. Gleiches gelte für einen zweiten Mechanismus: den programmierten Zelltod. "In diesem Fall sorgt der Organismus dafür, dass entlang der Mittellinie des Embryos Zellen absterben, und dadurch die Grenze zwischen der linken und rechten Körperseite markiert wird", erklärt Brand. Verhinderten die Wissenschaftler diesen Zelltod, siedelten sich die Zellen ebenfalls dem Zufallsprinzip gehorchend im Herzen an.

FGF8: So lautet der Name des Signalfaktors, der nach den Erkenntnissen von Brand und Schlüter für die rechtsseitige Entwicklung des Hühnerherzens verantwortlich ist. Ihre Schlussfolgerung lautet deshalb: "Die Modelle für die Rechts-Links- Entwicklung müssen erweitert werden." Die Tatsache, dass auch andere Wirbeltiere, wie zum Beispiel der südafrikanische Krallenfrosch oder das Flussneunauge, auf vergleichbare Weise Herzen bilden, spräche dafür, dass dieser Aspekt der Recht-Links-Asymmetrie stammesgeschichtlich sehr alt ist.

Weitere Forschung notwendig

Ob er auch für Säugetiere und damit für den Menschen eine Bedeutung hat, ist unklar. Immerhin: "Mutationen für FGF8 rufen in Mäusen Herzmissbildungen hervor. Möglicherweise hat dieser Signalweg also sogar eine Bedeutung für die ganz am Anfang der Entwicklung stehende rechtsgerichtete Herzkrümmung", so Thomas Brand. Schwerpunkt seiner weiteren Forschungen werde es deshalb sein, die Zielgene dieses Signalwegs zu identifizieren, um diesen Aspekt der Herzentwicklung molekular besser zu verstehen.

Jan Schlueter und Thomas Brand (2009). A right-sided pathway involving FGF8/Snai1 controls asymmetric development of the proepicardium in the chick embryo. Proc Natl Acad Sci U. S. A. Early Edition (EE) the week of April 6, 2009. www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.0811944106

Kontakt: Prof. Dr. Thomas Brand, Tel. (0931) 31-84259, E-Mail: thomas.brand@uni-wuerzburg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Das Elektroauto als Stromspeicher

Mit Elektroautos Energie speichern und sie in Abhängigkeit variabler Stromtarife im Tagesablauf wieder ins Netz zurückspeisen? Fraunhofer-Forscher arbeiten an dieser Vision. Auf der Hannover Messe vom 20. bis 24. April können Interessierte eine Modelllandschaft besichtigen und so die Idee und die aktuelle Forschung auf diesem Gebiet nachvollziehen (Halle 13, Stand E20).

Null Uhr: Kräftige Böen treiben die Windräder an - sie produzieren mehr Energie, als gebraucht wird, die Strompreise sinken. Das Elektroauto in der Garage beginnt automatisch damit, die Batterie aufzuladen und so die günstigen Strompreise zu nutzen. Neun Uhr: Das Auto steht in der Tiefgarage des Büros, der Akkustand ist auf dem Weg zur Arbeit etwas gesunken. Da der Wind abflaut und der Energiebedarf aufgrund der Tageszeit zunimmt, steigen die Preise. Das Auto speist einen gewissen Teil der gespeicherten Energie ins Netz zurück und der Besitzer bekommt dafür einen finanziellen Ausgleich. Dabei verbleibt je nach Wunsch genügend Energie in der Batterie, so dass der Besitzer auf dem Weg nach Hause noch einige Abstecher machen kann, etwa zum Supermarkt.

Das Elektro- oder Hybridauto als Energiespeicher für regenerative Energien - diese Vision wollen Forscher der Fraunhofer-Allianz Energie zur Realität werden lassen. Weiterhin arbeiten die Wissenschaftler an einer Software, die den Lade- und Entladevorgang intelligent steuert: Bei niedrigen Energiepreisen lädt sie die Batterie auf, bei hohen Preisen speist sie Energie ins Netz zurück. Die Forscher berücksichtigen dabei auch die Gewohnheiten des Fahrers: Wie weit ist es bis ins Büro? Fährt er den direkten Weg oder macht er üblicherweise noch Besorgungen? Wie weit möchte er die Batterie bei einer hohen Vergütung entladen? Auch auf spontane Bedürfnisse soll das System eingehen: Steht eine weite Strecke an, etwa eine Urlaubsreise, wird die Batterie auch bei hohem Strompreis nicht entladen - die Batterie muss voll sein, wenn es losgeht. Flottenversuche, an denen Fraunhofer-Institute als Teilprojektpartner beteiligt sind, gibt es bereits.

Für die Abrechnung gibt es verschiedene Ansätze: Ein Zähler im Fahrzeug könnte den Stromfluss speichern und die Daten in bestimmten Abständen an den Energieanbieter senden. Dieser Zähler könnte auch Identifikations- und Authentifizierungsfunktionen übernehmen, indem er die Kundennummer des Fahrzeughalters und Spezifikationen des Netzanschlusspunktes übermittelt.

Auf der Hannover Messe vom 20. bis 24. April präsentieren die Forscher ihre Vision anhand eines Modells: Ein ferngesteuertes Auto steht vor der Haustür, fährt zum Büro und zum Supermarkt. Leuchtdioden zeigen an, welche Energien momentan zur Verfügung stehen - Wind, Solarstrom oder konventionelle Energie - und ein Monitor verrät die Energiepreise, abhängig von Wind, Sonne und tageszeitbedingter Nachfrage. Auch der Füllstand der Batterie und die Strommenge, die das Auto aktuell bezieht, zeigt der Aufbau an.

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Alarmanlage im Hirn: Fehler können vom Gehirn bereits erkannt werden, bevor sie geschehen sind

Barbara Abrell, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Greift ein Pianist daneben, hat sein Gehirn den Fehler bereits registriert - lange bevor der falsche Ton erklingt. Das haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Kognitions-und Neurowissenschaften in Leipzig und des Instituts für Psychologie der Universität Sussex (GB) jetzt herausgefunden. Wahrscheinlich geschieht dies, so vermuten die Wissenschaftler, indem das Hirn schon früh Vorhersagen darüber macht, welches Ergebnis eine Handlung bewirken wird. Steht die Vorhersage dabei im Widerspruch zum eigentlichen Handlungsziel, kann das Gehirn den Fehler bereits entdecken, bevor er überhaupt produziert worden ist. (Plos One, 1. April 2009)
Kaum eine Tätigkeit fordert das Hirn so sehr wie das Spielen eines Instruments. Die Liste der Handlungen, die etwa beim Klavierspielen gleichzeitig und in hohem Tempo gesteuert und überwacht werden müssen, ist lang: "Ein Pianist muss wissen, welche Note als nächste wie gespielt werden soll, die entsprechenden Bewegungen müssen geplant und ausgeführt werden. Parallel dazu wird ständig die Richtigkeit des Klangs überprüft", erklärt Clemens Maidhof, einer der beteiligten Wissenschaftler.

Das Fehlerüberwachungssystem des Hirns haben die Forscher bei Pianisten während des Klavierspielens untersucht. Die Testpersonen waren professionelle Musiker mit jahrzehntelanger Erfahrung. Für das Experiment mussten sie ihre Kunst unter ungewöhnlichen Bedingungen ausüben: Aus dem Gedächtnis sollten sie wieder und wieder verschiedene Tonfolgen beidhändig reproduzieren, die ihnen zuvor vom Band vorgespielt worden waren. Um Ablenkungen vorzubeugen, wurden ihnen zudem die Augen verbunden. Ihre Hirnaktivität beim Spielen wurde dabei mithilfe der Elektroenzephalographie (EEG) überwacht. Bei dieser Technik werden Schwankungen der elektrischen Potenziale im Hirn durch Elektroden an der Kopfhaut aufgezeichnet. "Die Reaktionen auf verschiedene Einflüsse lassen sich so bis auf die Millisekunde genau verfolgen. So konnten wir ganz genau feststellen, wie das Hirn auf einen Fehler reagiert - und vor allem, wann", sagt Clemens Maidhof.

Unterlief den Musikern ein Fehler, führte das zu einem Anstieg im EEG, und zwar bis zu 100 Millisekunden bevor eine falsche Taste gedrückt worden war und die Pianisten den falschen Ton gehört haben konnten. Das Hirn schien den Fehler schon eine zehntel Sekunde, bevor er geschehen ist, zu erkennen. Die falschen Tasten wurden zudem leiser und mit Verzögerung angeschlagen. Auch die zweite Hand, die zur gleichen Zeit die richtige Taste spielte, wies diese Verzögerung auf. "Möglicherweise spiegelt sich darin ein Versuch, den Fehler noch zu vermeiden", vermuten die Wissenschaftler.

Die Grundlage dieser frühen Fehlerkennung sind wahrscheinlich neuronale Mechanismen, die, schon während eine bestimmte Bewegung initiiert wird, eine Vorhersage über das zu erwartende Resultat dieser Bewegung treffen. Ein Widerspruch zwischen dieser Vorhersage und dem eigentlichen Handlungsziel führt dann zur schnellen Entdeckung des Fehlers.

Originalveröffentlichung:

Clemens Maidhof, Martina Rieger, Wolfgang Prinz, Stefan Koelsch
Nobody Is Perfect: ERP Effects Prior to Performance Errors in Musicians Indicate Fast Monitoring Processes
PLoS ONE, 1. April 2009

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Clemens Maidhof
Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Leipzig
Tel.: +49 341 9940-2285
E-Mail: maidhof@cbs.mpg.de

PD Dr. Stefan Koelsch
Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Leipzig
Tel.: +49 341 9940-132
E-Mail: koelsch@cbs.mpg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Start der Aktion "Wir gegen Viren" - Richtiges Händewaschen schützt

Susanne Glasmacher, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Robert Koch-Institut

Gemeinsame Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts, des Bundesministeriums für Gesundheit und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Viren sind überall, wo Menschen sind. Sie können beispielsweise beim Husten, Niesen oder Sprechen ausgestoßen und eingeatmet werden oder an den Händen haften und weitergegeben werden. Erkältungen, Magen-Darm-Infekte, aber auch lebensgefährliche Erkrankungen (wie z.B. Grippe) können durch Viren verursacht werden. Um den Infektionsschutz im Alltag zu verbessern, starten das Robert Koch-Institut (RKI) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit die Aktion "Wir gegen Viren".

Zum Start der Aktion erklärt Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt: "Infektionsschutz lebt davon, dass möglichst viele mitmachen. Die Prävention von Infektionskrankheiten kann verbessert werden, wenn jeder im Alltag eigentlich ganz einfache Regeln befolgt, zum Beispiel die richtige Händehygiene. Die Aktion macht darauf aufmerksam, was es zu beachten gilt - und zwar das ganze Jahr über, nicht nur zur Grippezeit."

Die Aktion "Wir gegen Viren" stellt die Verhaltensweisen vor, mit denen man sich und andere besser vor Ansteckung schützen kann. Erster Schwerpunkt der Aktion ist das Händewaschen als zentrale Hygiene-Maßnahme im Alltag. "Im Rahmen der Begleitforschung hat sich gezeigt," erklärt Prof. Dr. Jörg Hacker, Präsident des Robert Koch-Instituts, "dass die Motivation zum Händewaschen steigt, wenn den Menschen klar ist, wie schnell Viren durch Hände übertragen werden können. Deswegen haben wir die Händehygiene in einem Videospot thematisiert."

Weitere persönliche Schutzmaßnahmen erläutert die Broschüre "Selbstverteidigung gegen Viren - Neun Techniken, sich und andere zu schützen" sowie die neue Internetseite http://www.wir-gegen-viren.de. Die Broschüre kann über die BZgA kostenlos angefordert werden. "Jeder kann durch persönliche Hygiene dazu beitragen, das Ansteckungsrisiko für Erkältungen, Grippe und Magen-Darm-Infekte für sich und andere zu reduzieren", betont Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Zur Händehygiene:
Die Krankheitserreger können von den Händen leicht auf die Schleimhäute von Augen, Nase und Mund übergehen. Die Hände sollten daher regelmäßig gewaschen werden. Richtiges Händewaschen heißt beispielsweise, dass die Seife zwischen 20 und 30 Sekunden verrieben wird, auch zwischen den Fingern. Studien zeigen, dass regelmäßiges Händewaschen das Risiko von Atemwegs- oder Durchfallerkrankungen deutlich verringert. "Händewaschen ist sehr wichtig, aber allein nicht ausreichend," erklärt Prof. Jörg Hacker. "Weitere persönliche Schutzmaßnahmen, etwa hygienisches Husten, sollten hinzukommen. Sie sollen in zukünftigen Aktionen im Mittelpunkt stehen."

Die Materialien sind kostenlos zu erhalten.
Broschüre: BZgA, 51101 Köln, Fax 0221-8992257, E-Mail order@bzga.de
TV-Spot: RKI, IBBS, Nordufer 20, 13353 Berlin, Fax 030-18754-3705, E-Mail ibbs@rki.de

Weitere Informationen finden Sie unter:

http://www.bmg.bund.de
http://www.rki.de
http://www.bzga.de
http://www.wir-gegen-viren.de

***************************

Herausgeber
Robert Koch-Institut
Nordufer 20
D-13353 Berlin
http://www.rki.de

Das Robert Koch-Institut ist
ein Bundesinstitut im
Geschäftsbereich des
Bundesministeriums für Gesundheit

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Biomasse statt Erdöl - 50 Millionen Euro für einzigartiges Forschungszentrum am Chemiestandort Leuna

Marion Horn, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

Stroh, Holz, Mikroalgen und viele weitere nachwachsende Rohstoffe können Erdöl ersetzen. Das Land Sachsen-Anhalt, der Bund und die Fraunhofer-Gesellschaft planen ein Forschungszentrum in Leuna, das Unternehmen ermöglichen soll, chemisch-biotechnologische Verfahren vom Labor in die technische Anwendung zu bringen.
Die Minister für Finanzen sowie Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen-Anhalt, Jens Bullerjahn und Dr. Reiner Haseloff, sowie Prof. Dr. Marion Schick, Vorstand Personal und Recht der Fraunhofer-Gesellschaft, haben heute in der Lutherstadt Wittenberg den Aufbau des Chemisch-Biotechnologischen Prozesszentrums CBP angekündigt. Am Chemiestandort Leuna im mitteldeutschen Chemiedreieck sollen das CBP und eine Fraunhofer-Projektgruppe entstehen.

Das begehrte Mineralöl ist Ausgangsstoff für viele Produkte wie Kunststoffe, Lacke, Waschmittel, Klebstoffe oder Kosmetik. Weltweit arbeiten Chemieunternehmen daran, den Rohstoff Erdöl durch nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen. Schon heute werden viele Produkte aus Biomasse hergestellt. Dazu sind ausgefeilte Verfahren notwendig. Viele Inhaltsstoffe der Pflanzen müssen beispielsweise durch Enzyme chemisch verändert werden, bevor sie sich für eine Weiterverarbeitung eignen. Die Pflanzenstoffe müssen jedoch in konstanter Qualität und zu günstigen Preisen verfügbar sein, um im industriellen Maßstab als Rohstoffquelle dienen zu können. Neue Verfahren sollen dabei ohne Lebens- und Futtermittel auskommen.

"Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe in industriellen Dimensionen ist selbst für große Unternehmen ein erheblicher finanzieller und technologischer Kraftakt. Viele kleine und mittlere Unternehmen scheitern, obwohl sie im Labor bereits attraktive Produkte erfolgreich entwickelt haben. Mit der Schaffung des CBP unterstützen wir daher gezielt diesen kritischen Schritt auf dem Weg in die industrielle Anwendung innovativer Produkte und Verfahren unter Nutzung der industriellen Biotechnologie. Dadurch stärken wir nicht nur die regionale Kompetenz und schaffen die Grundlage für neue Arbeitplätze in der Region, sondern setzen auch ein Zeichen mit nationaler Signalwirkung", erläuterte Haseloff die herausragende Bedeutung des CBP für das Land Sachsen-Anhalt.

"Das neue Chemisch-Biotechnologische Prozesszentrum CBP schließt die Lücke zwischen Labor und industrieller Umsetzung", bestätigt Marion Schick. "Das Zentrum in Leuna soll allen Kooperationspartnern für Forschung und Entwicklung zur Verfügung stehen. Die neue Projektgruppe ist eng mit den Fraunhofer-Instituten vernetzt und kann auf die Kompetenzen der Fraunhofer-Kolleginnen und Kollegen zurückgreifen."

Wissenschaftler der Fraunhofer-Institute für Grenzflächen und Bioverfahrenstechnik IGB und für Chemische Technologie ICT planen das CPB gemeinsam mit der InfraLeuna GmbH, der Standortbetreibergesellschaft des Chemiestandorts Leuna. Mit diesem sehr flexibel einsetzbaren Bioraffineriekonzept bieten sich neue Möglichkeiten, um in Zukunft biologische Rohstoffe verarbeiten zu können und nach Bedarf Öle, Fette, Cellulose, stärke- oder zuckerhaltige Rohstoffe als Ausgangsstoffe für Produkte zu gewinnen. Durch das Engagement sollen neue, hochwertige Arbeitsplätze geschaffen und die Ansiedlung von Biotechnologiefirmen gefördert werden. Nach der Aufbauphase werden ca. 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am CBP tätig sein.

"Als klassischer Chemiestandort sind unsere produzierenden Unternehmen bisher weitgehend von fossilen Rohstoffen abhängig. Mit regenerativen Rohstoffen können wir sowohl diese Abhängigkeit als auch CO2-Emmissionen weiter reduzieren. Das CBP ist ein wichtiger erster Schritt in diese Richtung" sagt Andreas Hiltermann, Geschäftsführer der InfraLeuna GmbH.

Sachsen-Anhalt wird an der Gesamtinvestition von derzeit geplanten 50 Millionen Euro einen Anteil von 20,1 Mio Euro sowie die Anschubfinanzierung der Projektgruppe beitragen. Die restlichen Mittel sollen durch das Engagement der Industrie, mittels Bundeszuwendungen der Fraunhofer-Gesellschaft und im Rahmen mehrerer konkreter Forschungsprojekte mit Unterstützung unterschiedlicher Bundesministerien aufgebracht werden. Erste Projekte sollen von den Bundesministerien für Bildung und Forschung (BMBF), für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) und für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) finanziert werden. Die Fraunhofer-Gesellschaft plant, sich mit 9,6 Mio Euro aus der Grundfinanzierung des BMBF zu beteiligen.

Finanzminister Jens Bullerjahn erklärte in seinem Statement, dass es in der jetzigen Finanzkrise besonders notwendig sei, die zur Verfügung stehenden öffentlichen Mittel strategisch so einzusetzen, dass zukunftsfähige Strukturen weiter gefördert und gefestigt werden. "Das CBP verbindet nachhaltige Rohstoffnutzung, moderne Biotechnologie und Chemie. Damit gehört es zu den Vorhaben, die den Standort Leuna und damit den mitteldeutschen Raum strukturell weiter voranbringen"

Gegenwärtig planen 23 Industrieunternehmen sowie 15 Universitäten und Forschungseinrichtungen ihre Beteiligung an den Projekten. Ihr Ziel ist es, die Prozesse vom Rohstoff über den Biokatalysator und der Skalierung der benötigten Verfahren zum gewünschten Produkt und in die industrielle Umsetzung zu bringen. "Wir möchten nun die im Labor entwickelten Verfahren und Prozesse in Größenordungen testen, die für die Industrie relevant sind. Dazu benötigen wir die Infrastruktur und Anlagen", erklärt Professor Thomas Hirth vom Fraunhofer-IGB. Sobald der Fraunhofer-Senat und der Bund-Länder-Ausschuss zugestimmt haben, kann die Forschungsarbeit losgehen.
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2009/04/Presseinformation03A...

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Die Belastung durch Einkommensteuer und Sozialabgaben

Dr. Clemens Esser, Geschäftsstelle
Institut "Finanzen und Steuern" e.V.

Die Abgabenbelastung insbesondere von Arbeitnehmern liegt aufgrund von "heimlichen Steuererhöhungen" und Sozialabgaben nach wie vor auf hohem Niveau.
Bereits wenige Jahre nach der letzten größeren Steuersenkung - sie fand 2005 statt - steht der Einkommensteuertarif wieder auf der politischen Agenda. Das Institut "Finanzen und Steuern" e.V. (Bonn) untersucht in seiner aktuellen IFSt-Schrift Nr. 454, inwieweit hier Handlungsbedarf besteht. Als Grundlage dient die langfristige Entwicklung der Steuer- und Abgabenbelastung. Dabei zeigt sich: Die Abgabenbelastung bewegt sich nach wie vor auf hohem Niveau, auch wenn sich der langfristige Anstieg in letzter Zeit abgeschwächt hat. Hinsichtlich der Belastung von Arbeitnehmern liegt Deutschland im internationalen Vergleich in der Spitzengruppe.

Auf Grund der Intransparenz wird die Tarifwirklichkeit in der Öffentlichkeit häufig falsch eingeschätzt. Faktisch fielen die Entlastungen beim Einkommensteuertarif in den letzten Jahren vor allem für mittlere Einkommen deutlich niedriger aus, als die Entwicklung der Tarifeckwerte annehmen lässt.

Ein Ärgernis ist insbesondere der 1990 abgeschaffte, aber mittlerweile wieder deutlich ausgeprägte "Mittelstandsbauch" im Einkommensteuertarif. Dieser geht maßgeblich auf die über die Jahre aufsummierten "heimlichen" Steuererhöhungen zurück. Unter Einbeziehung der "heimlichen" Steuererhöhungen ist für viele Steuerzahler mit mittleren Einkommen gegenüber 1990 sogar ein Anstieg der Grenzbelastung zu konstatieren; selbst bei der Durchschnittsbelastung ergibt sich für bestimmte Einkommensgruppen eine Mehrbelastung gegenüber 1990 - trotz mehrfacher Senkung des Einkommensteuertarifs durch den Gesetzgeber.

Das Institut "Finanzen und Steuern" fordert, "heimliche" Steuererhöhungen zukünftig systematisch zu vermeiden. Die im Rahmen des Konjunkturpakets II beschlossenen Steuersenkungen sind insoweit nur ein marginaler Schritt, aber immerhin in die richtige Richtung.

Außerdem sollte wieder eine echte "synthetische", d.h. für alle Einkommensteuerarten gleiche Einkommensteuer angestrebt werden, nachdem die Tarifstruktur des Einkommensteuerrechts in den letzten Jahren durch Sonderregelungen zunehmend "zerfasert" wurde.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Osteoporose: Schuld sind nicht allein die Wechseljahre

Brigitte Nussbaum, Presse- und Informationsstelle
Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Internationales Forscherteam entdeckte neue Erklärungen für die Entstehung der Volkskrankheit: Eiweiße steuern Reifungsprozess der Knochenfresszellen
Etwa jeder zehnte Deutsche bekommt sie buchstäblich am eigenen Leib zu spüren: Osteoporose, im Volksmund auch Knochenschwund genannt. Betroffen sind vor allem Frauen jenseits des 50. Lebensjahres, denn ein Mangel beim Hormon Östrogen ist eine zentrale Ursache für die Erkrankung. "Aber nicht die einzige", sagt Prof. Thomas Pap, Direktor des Instituts für Experimentelle Muskuloskeletale Medizin der Universität Münster. "Entscheidend dafür, dass niedrige Hormonspiegel in den Wechseljahren zur vermehrten Bildung von Knochenfresszellen und damit zum Knochenverlust führen, ist die erhöhte Empfindlichkeit dieser Zellen gegenüber Reifungssignalen von außen." Wie diese Empfindlichkeit reguliert wird, hat jetzt ein österreichisch-deutsches Wissenschaftlerteam unter der Leitung des Wiener Professors Kurt Redlich herausgefunden und in der aktuellen Ausgabe von "Nature Medicine", einem der weltweit renommiertesten biomedizinischen Fachjournale, veröffentlicht [Ausgabe vom 29.03.]. Ebenso wie sein münsterscher Forscherkollege Dr. Richard Stange ist Pap Mitautor der Studie, die neue Erklärungen für die Entstehung von Osteoporose liefert und zugleich neue Wege zu ihrer Behandlung aufzeigt.

Aufgrund ihrer großen Verbreitung gilt Osteoporose als Volkskrankheit. Sie ist deshalb besonders heimtückisch, weil Patienten sie zunächst nicht spüren und die Diagnose zumeist erst dann erst gestellt wird, wenn es bereits zu Knochenbrüchen kommt. Der wichtigste Befund des an der Medizinischen Universität Wien angesiedelten sowie von den Universitäten Münster und Regensburg unterstützten Forschungsprojektes: Bei Patienten mit Osteoporose wird die Reifung der Knochenfresszellen, so genannter Osteoklasten, wesentlich dadurch bestimmt, dass diese Zellen empfindlicher für Signale sind, die ihre Reifung auslösen. Die Zellen haben Eiweiße auf ihrer Oberfläche, die wie Antennen funktionieren und entsprechende Signale empfangen können. Das wichtigste dieser Eiweiße heißt RANK. Es steuert ganz zentral die Entstehung von Osteoklasten im Knochen und trägt damit unmittelbar zum Knochenabbau bei - gerade auch bei Osteoporose. Wird umgekehrt RANK nicht oder nur gering gebildet, sind also die "Antennen" der Zellen nicht ausgefahren, kommt es trotz niedriger Hormonspiegel und der damit verbundenen Veränderungen nicht zur Bildung der Knochenfresszellen.

Die jetzt veröffentlichte Arbeit des internationalen Forscherteams zeigt einen bisher unbekannten, aber offenbar zentralen Weg, über den RANK gebildet und somit das Ausfahren der "Antennen" reguliert wird: Die Wissenschaftler konnten erstmals nachweisen, dass ein bestimmtes Signaleiweiß, nämlich CCR2, zumindest in Mäusen an der Bildung von RANK zentral beteiligt ist und dass ein Fehlen von CCR2 die Tiere nachhaltig vor Osteoporose schützt.

Laut den Autoren der Studie helfen diese Ergebnisse nicht nur, die Osteoporose besser zu verstehen, sondern bieten auch einen Ansatz für die Entwicklung neuer und innovativer Therapieformen für die Volkskrankheit. Fortschritte in diesem Bereich seien dringend notwendig, wie Prof. Pap betont: Bei jährlich allein 120.000 Schenkelhalsbrüchen in Deutschland und Gesamtkosten von etwa 20.000 Euro pro Patient entstehe durch die Osteoporose nicht nur persönliches Leid, sondern auch ein Aufwand in Milliardenhöhe für die Gesellschaft.

Literaturangabe:
Binder Nikolaus B., Niederreiter Birgit, Hoffmann Oskar, Stange Richard, Pap Thomas, Stulnig Thomas M., Mack Matthias, Erben Reinhold G., Smolen Josef S., Redlich Kurt: Estrogen-dependent and C-C chemokine receptor-2-dependent pathways determine osteoclast behavior in osteoporosis. In: Nature Medicine, 2009, March 29; doi:10.1038/nm1945
Weitere Informationen:
http://campus.uni-muenster.de/1083.0.html Homepage Prof. Pap

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Herzinfarkt-Risiko als Erblast: Frühzeitig gegensteuern!

Pierre König, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

In Infarkt-Familien ist Kontrolle von Risikofaktoren besonders wichtig
Es kommt immer wieder vor, dass Herzinfarkte familiär gehäuft auftreten. In diesen Familien ist die Gefährdung durch die koronare Herzkrankheit und den Herzinfarkt zu einem wesentlichen Teil vererbt. Wie wahrscheinlich es zu dem gefürchteten Ereignis kommt, hängt dabei sowohl von genetischen Faktoren als auch von anderen - teilweise sehr gut beeinflussbaren - Risikofaktoren ab. Gerade Menschen, in deren Familien ein Herzinfarkt bereits gehäuft aufgetreten ist, sollten diese Risikofaktoren deshalb besonders aufmerksam kontrollieren, wie die Deutsche Herzstiftung empfiehlt.

Wissenschaftler vermuten, dass bisher unbekannte genetische Faktoren etwa die Hälfte des persönlichen Herzinfarkt-Risikos ausmachen. "Weltweit wird intensiv daran gearbeitet, Risiko-Gene für den Herzinfarkt aufzuspüren, um Menschen mit einem sehr hohen Infarktrisiko frühzeitig schützen zu können", sagt Prof. Dr. med. Christian Hengstenberg, Kardiologe im Universitätsklinikum Regensburg und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Forscher sind Risiko-Genen auf der Spur

In einer von der Deutschen Herzstiftung bzw. der Deutschen Stiftung für Herzforschung unterstützten mehrjährigen Herzinfarkt-Familienstudie konnten die Forscher um Christian Hengstenberg durch aufwendige Analysen Genregionen finden, in denen mit hoher Wahrscheinlichkeit Herzinfarkt-Gene liegen. Nicht zuletzt aufgrund der Ergebnisse dieser Studie gilt es mittlerweile als wissenschaftlich gesichert, dass blutsverwandte Familienmitglieder mit Herzinfarkt eine wichtige Bedeutung für das eigene Infarktrisiko haben.

Weiterführende Langzeit-Untersuchungen (auch sie werden u.a. von der Deutschen Herzstiftung gefördert) haben nun das Ziel, einzelne spezielle Herzinfarkt-Gene zu identifizieren und deren Auswirkungen auf den Stoffwechsel zu untersuchen. "Wir nehmen an", so der Kardiologe, "dass es verschiedene genetische Faktoren in mehreren Genen sind, die im Zusammenspiel mit den anderen Risikofaktoren für die Entstehung des Herzinfarkts und der ihm vorausgehenden koronaren Herzerkrankung verantwortlich sind."

Personen, in deren Familien Herzinfarkte bereits gehäuft aufgetreten sind, neigen nicht selten dazu, ein solches Ereignis auch für sich selbst als schicksalhaft vorherzusehen. "Resignation ist hier jedoch völlig fehl am Platz", betont Prof. Hengstenberg. "Vielmehr sollten gerade Menschen, die in eine Herzinfarktfamilie hineingeboren sind, so früh wie möglich ihre anderen Risikofaktoren erkennen und beeinflussen." So lohnt es sich für sie besonders, nicht zu rauchen, sich gesund zu ernähren, auf ausreichend Bewegung und ein normales Körpergewicht zu achten und Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Fettstoffwechselstörungen konsequent behandeln zu lassen.

Ausführlicher Bericht zum Thema Vererbung und Herzinfarkt in der Zeitschrift "Herz heute" 1/2009. Das Heft ist kostenlos erhältlich bei: Deutsche Herzstiftung e.V., Stichwort "Herzinfarkt-Familien", Vogtstr. 50, 60322 Frankfurt am Main, Tel. 069 955128-0, E-Mail: info@herzstiftung.de.

4/2009
Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle
Dr. Klaus Fleck / Pierre König
Tel. 069/95 51 28-140
Fax: 069/95 51 28-345
E-Mail: koenig@herzstiftung.de
Weitere Informationen:
http://www.herzstiftung.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Abwassertechnik für Hanoi - Versuchsanlage in Darmstadt wird am 30. März eingeweiht

Jörg Feuck, Kommunikation
Technische Universität Darmstadt

In einem internationalen Kooperationsprojekt hat die Technische Universität Darmstadt eine Pilotanlage zur Abwasserbehandlung errichtet, die als Pilotanlage für ein System zur Abwasserbehandlung für die vietnamesische Hauptstadt Hanoi dienen soll.
Die Versuchsanlage wird vom Parlamentarischen Staatssekretär am Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Andreas Storm in Anwesenheit des Technischen Vorstands der HSE, Dr. Ulrich Wawrzik, und des Vizepräsidenten der TU Darmstadt, Prof. Dr. Reiner Anderl, am Montag, den 30. März 2009, ab 10.00 Uhr in Darmstadt-Eberstadt feierlich eingeweiht.

Die Versuchsanlage auf dem Versuchsgelände der TU Darmstadt im HSE-Klärwerk Süd wurde im Rahmen des interdisziplinären Kooperationsprojekts der Technischen Universität Darmstadt, der Hanoi University of Civil Engineering und der Passavant Roediger GmbH konzipiert. Ziel des vom BMBF geförderten Verbundvorhabens ist es, am Beispiel eines Teilgebietes von Hanoi eine Lösung zu entwickeln, die zur Sanierung bestehender Wasserver- und Entsorgungsstrukturen beiträgt und gleichzeitig den Bau von angepassten und integrierten Infrastruktursystemen in Neubaugebieten Hanois ermöglicht.

Medientermin:
Montag, den 30. März 2009, HSE-Klärwerk Süd, Pfungstädter Straße 196, 64297 Darmstadt-Eberstadt

Programm:
10.00 Uhr Sektempfang
10.30 Uhr Grußworte
11.30 Uhr Einweihung durch Staatssekretär Storm
12.00 Uhr Büffet und Möglichkeit zur Besichtigung weiterer Versuchanlagen

Weitere Informationen:
http://www.semizentral.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Georessource Wasser im Globalen Wandel: acatech startet Projekt zur Zukunft der Wasserversorgung

Jann Gerrit Ohlendorf, Geschäftsstelle München
acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Häufige Trockenheiten in Brandenburg, mehr Überschwemmungen im Alpenvorland: Es ist absehbar, dass sich die Klimadynamik auch auf den Wasserhaushalt in Deutschland auswirken wird. Vom Menschen verursachte, natürliche und sozioökonomische Faktoren werden die Georessource Wasser beeinflussen - auch in Deutschland. Bislang wurden diese Größen getrennt betrachtet, Prognosen führen deshalb zu widersprüchlichen Ergebnissen. acatech -Deutsche Akademie der Technikwissenschaften stellt ein Projekt vor, das die komplexen Einflussgrößen zu einem Gesamtbild zusammenfügen soll.
"Es ist naiv zu glauben, dass der Globale Wandel an Deutschlands Grenzen halt machen wird, und die Wasserversorgung unverändert gut bleibt, ohne dass wir etwas tun", sagt acatech Präsident und Projektleiter Reinhard Hüttl. "Doch wir wissen noch zu wenig darüber, wie die vielen Einflussgrößen zusammenspielen: Wir kennen die Mosaiksteine, aber noch nicht das Mosaik."

Ebenso wichtig wie Prognosen über die zukünftige Wasserverteilung ist die Frage, was diese Prognosen für die Wassernutzung bedeuten: Wie muss sich die Wasserwirtschaft in den betroffenen Regionen anpassen? Was sind Wassertechnologien der Zukunft? Welchen Einfluss haben mittelbare aber auswirkungsstarke Entwicklungen wie der demographische Wandel oder der Wandel der Landwirtschaft durch den Anbau von Energiepflanzen?

Drei Themenschwerpunkte hat sich das Projekt vorgenommen:

Klimawandel und Wasserhaushalt

Hier wird untersucht, wie sich die aktuelle Klimadynamik auf die Wasserbilanz und die Gewässergüte auswirken wird. Auch die Folgen für die Ökologie werden hier Thema sein. Im Zentrum der Untersuchungen werden "sensitive Bereiche" in Deutschland stehen, also Räume die einem Wasserdefizit oder einem Wasserüberschuss entgegensehen. Ein Raum mit potenziellem Wasserdefizit ist die Region Brandenburg. Hier kommen weitere Faktoren hinzu, beispielsweise der demographische Wandel (Bevölkerungsabnahme) oder der Wandel der Landwirtschaft durch den Anbau von Energiepflanzen. Räume mit potenziellem Wasserüberschuss sind dagegen das nordwestdeutsche Tiefland, die deutschen Mittelgebirge und die Voralpenregion.

Nutzung ländlicher und urbaner Räume

Die Projektgruppe wird Bewirtschaftungsszenarien für die jeweiligen Bezugsräume evaluieren. Bislang wurden solche Szenarien nur von einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen erstellt, doch ein Gesamtbild fehlt, das der Komplexität der diversen Eintragspfade und Stoffumsätze und den Auswirkungen des Globalen Wandels (Klima, Demographie, nachwachsende Rohstoffe) gerecht wird. Ein solches Gesamtbild ist aber nötig, denn Industrie, Land- und Forstwirtschaft sowie Siedlungen beeinflussen den Wasserhaushalt und die Qualität des Wassers. Wenn sich die Ressource Wasser wandelt, dann müssen sich diese Beanspruchungen an den Wasserhaushalt anpassen.

Wassermanagement

Wie kann auch in Zukunft die Versorgung mit sauberem Wasser gesichert werden? Das fragt die Projektgruppe und untersucht insbesondere die Aspekte Wassernutzung und -technologie, Nutzungskonflikte und Prozesse des Stoffumsatzes. Auch bei diesem Thema prägen technische, ökonomische und ökologische Einflüsse die Anforderungen an das Wassermanagement. Die Projektgruppe wird die unterschiedlichen Einflüsse auf die Wasserbewirtschaftung integriert betrachten. Die Projektgruppe möchte als Ergebnis Strategien zur nachhaltigen Lösung von Nutzungskonflikten sowie Anpassungsstrategien an veränderliche Bedingungen vorlegen.

Über acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften
acatech - DEUTSCHE AKADEMIE DER TECHNIKWISSENSCHAFTEN vertritt die Interessen der deutschen Technikwissenschaften im In- und Ausland in selbstbestimmter, unabhängiger und gemeinwohlorientierter Weise. Als Arbeitsakademie berät acatech Politik und Gesellschaft in technikwissenschaftlichen und technologiepolitischen Zukunftsfragen auf dem besten Stand des Wissens. Darüber hinaus hat es sich acatech zum Ziel gesetzt, den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu unterstützen und den technikwissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern.

Zu den Mitgliedern der Akademie zählen herausragende Wissenschaftler aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. acatech finanziert sich durch eine institutionelle Förderung von Bund und Ländern sowie durch Spenden und projektbezogene Drittmittel. Um die Akzeptanz des technischen Fortschritts in Deutschland zu fördern und das Potenzial zukunftsweisender Technologien für Wirtschaft und Gesellschaft deutlich zu machen, veranstaltet acatech Symposien, Foren, Podiumsdiskussionen und Workshops. Mit Studien, Empfehlungen und Stellungnahmen wendet sich acatech an die Öffentlichkeit.

acatech, dessen Name für die Verbindung von Academia und Technik steht, besteht aus drei Organen: Die Mitglieder der Akademie sind in der Mitgliederversammlung organisiert; das Präsidium, das von den Mitgliedern und Senatoren der Akademie bestimmt wird, lenkt die Arbeit; ein Senat mit namhaften Persönlichkeiten vor allem aus der Industrie, aus der Wissenschaft und aus der Politik berät acatech in Fragen der strategischen Ausrichtung und sorgt für den Austausch mit der Wirtschaft und anderen Wissenschaftsorganisationen in Deutschland.

Präsidenten von acatech sind Prof. Dr.-Ing. Joachim Milberg und Professor Dr. Reinhard Hüttl; den Vorsitz des Senats hat Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Roman Herzog inne. Die Geschäftsstelle von acatech befindet sich in München; zudem ist acatech mit einem Hauptstadtbüro in Berlin vertreten. Auf internationaler Ebene wirkt acatech mit im European Council of Applied Sciences, Technologies and Engineering (Euro-CASE) und im International Council of Academies of Engineering and Technological Sciences (CAETS).

Kontakt und weitere Pressematerialien:
Jann Gerrit Ohlendorf
Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit acatech
Residenz München
Hofgartenstraße 2
80539 München
Tel. +49(0)89/5 20 30 940
mob.+49(0)/176 23 88 61 65
Fax +49(0)89/5 20 30 99
ohlendorf@acatech.de
Weitere Informationen unter www.acatech.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Die Belastung durch Einkommensteuer und Sozialabgaben

Dr. Clemens Esser, Geschäftsstelle
Institut "Finanzen und Steuern" e.V.

Die Abgabenbelastung insbesondere von Arbeitnehmern liegt aufgrund von "heimlichen Steuererhöhungen" und Sozialabgaben nach wie vor auf hohem Niveau.
Bereits wenige Jahre nach der letzten größeren Steuersenkung - sie fand 2005 statt - steht der Einkommensteuertarif wieder auf der politischen Agenda. Das Institut "Finanzen und Steuern" e.V. (Bonn) untersucht in seiner aktuellen IFSt-Schrift Nr. 454, inwieweit hier Handlungsbedarf besteht. Als Grundlage dient die langfristige Entwicklung der Steuer- und Abgabenbelastung. Dabei zeigt sich: Die Abgabenbelastung bewegt sich nach wie vor auf hohem Niveau, auch wenn sich der langfristige Anstieg in letzter Zeit abgeschwächt hat. Hinsichtlich der Belastung von Arbeitnehmern liegt Deutschland im internationalen Vergleich in der Spitzengruppe.

Auf Grund der Intransparenz wird die Tarifwirklichkeit in der Öffentlichkeit häufig falsch eingeschätzt. Faktisch fielen die Entlastungen beim Einkommensteuertarif in den letzten Jahren vor allem für mittlere Einkommen deutlich niedriger aus, als die Entwicklung der Tarifeckwerte annehmen lässt.

Ein Ärgernis ist insbesondere der 1990 abgeschaffte, aber mittlerweile wieder deutlich ausgeprägte "Mittelstandsbauch" im Einkommensteuertarif. Dieser geht maßgeblich auf die über die Jahre aufsummierten "heimlichen" Steuererhöhungen zurück. Unter Einbeziehung der "heimlichen" Steuererhöhungen ist für viele Steuerzahler mit mittleren Einkommen gegenüber 1990 sogar ein Anstieg der Grenzbelastung zu konstatieren; selbst bei der Durchschnittsbelastung ergibt sich für bestimmte Einkommensgruppen eine Mehrbelastung gegenüber 1990 - trotz mehrfacher Senkung des Einkommensteuertarifs durch den Gesetzgeber.

Das Institut "Finanzen und Steuern" fordert, "heimliche" Steuererhöhungen zukünftig systematisch zu vermeiden. Die im Rahmen des Konjunkturpakets II beschlossenen Steuersenkungen sind insoweit nur ein marginaler Schritt, aber immerhin in die richtige Richtung.

Außerdem sollte wieder eine echte "synthetische", d.h. für alle Einkommensteuerarten gleiche Einkommensteuer angestrebt werden, nachdem die Tarifstruktur des Einkommensteuerrechts in den letzten Jahren durch Sonderregelungen zunehmend "zerfasert" wurde.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Nach neuer Studienlage: Diskussion um PSA-Screening geht weiter

Bettina-Cathrin Wahlers, Pressestelle der DGU
Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.

DGU-Präsident Professor Manfred Wirth mit aktueller Bewertung

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) geht davon aus, dass die Bestimmung des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) auch nach aktueller Studienlage eine unverzichtbare Maßnahme zur Früherkennung des Prostatakarzinoms bleibt.
Die jüngst im New England Journal of Medicine bzw. auf dem Europäischen Urologen-Kongress in Stockholm präsentierten Zwischenergebnisse von zwei randomisierten Studien zum PSA-Screening aus Europa (ERSPC - Studie) und den USA (PLCO - Screeningstudie) haben zu unterschiedlichen Zwischenergebnissen geführt. Während in den USA bei den 76 000 getesteten Männern im Alter von 55 bis 74 Jahren auch durch regelmäßiges Screening keine Reduzierung der Todesrate erreicht wurde, sank die Sterblichkeitsrate an Prostatakrebs bei den Teilnehmern der in sieben europäischen Ländern durchgeführten größeren Studie mit 182 000 Personen um 20 Prozent.
"In Deutschland sterben jährlich noch immer ca. 11 000 Männer an Prostatakrebs", sagt Professor Dr. Manfred Wirth, Präsident der DGU. "Eine Reduzierung um 20 Prozent bedeutet definitiv gerettete Leben pro Jahr."
Eine Erklärung der unterschiedlichen Ergebnisse der beiden Studien könne möglicherweise darin liegen, dass die eigentlich zur Kontrollgruppe gehörenden Probanden der US-Studie sich in nicht unerheblichem Umfang doch mittels PSA haben testen lassen. Dies mag damit zusammenhängen, so Professor Wirth, dass der PSA-Test in den USA so verbreitet ist, dass selbst Studienteilnehmer, die eigentlich auf den Test verzichten wollten, sich dafür entschieden haben. Bestätigt wird diese Vermutung durch die viel größere Europäische Studie. Werden die Probanden, die in der Kontrollgruppe waren und sich testen ließen der Testgruppe zugeordnet, so wurde die Sterblichkeit sogar um 27 Prozent reduziert.
Professor Wirth betont: "Eines haben die Resultate gezeigt: Solange es noch keine ausreichend validierten anderen Alternativverfahren für die Früherkennung von Prostatakarzinomen gibt, ist es nicht angezeigt, auf PSA-Bestimmungen zu verzichten. Vielleicht ergeben sich aus zwei anderen groß angelegten Studien in den USA und Großbritannien noch weitere Erkenntnisse." Damit sei aber erst in einigen Jahren zu rechnen, so der DGU-Präsident. Man werde selbstverständlich auch sonstige Weiterentwicklungen auf dem Gebiet der Früherkennung genauestens verfolgen. "Letztlich geht es jedem Mediziner darum, Patienten die bestmögliche Versorgung zukommen zu lassen."
Um das von Kritikern oft angeführte Risiko der "Übertherapie" von vornherein zu begrenzen, hat die DGU eine S3 Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie des Prostatakarzinoms auf den Weg gebracht, die im Herbst diesen Jahres veröffentlicht wird. Darin wird insbesondere auch noch einmal auf das Erfordernis verwiesen, dass die Entscheidung über die konkrete Behandlung eines Prostatakarzinoms erst nach ausführlicher Beratung des Patienten über sämtliche Vor- und Nachteile der zur Verfügung stehenden Therapieoptionen getroffen wird.

Weitere Informationen:
DGU-Pressestelle
Bettina-Cathrin Wahlers
Sabine Martina Glimm
Stremelkamp 17, 21149 Hamburg
Tel.: (040) 79 14 05 60, Fax: (040) 79 12 00 27, Mobil: 0170 48 27 287
Mail: info@wahlers-pr.de, Internet: www.urologenportal.de
Weitere Informationen:
http://www.urologenportal.de/944.html Stellungnahme der DGU

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Denn entscheidend ist, was hinten rauskommt: Fischkot "lernt" schwimmen

Franz-Georg Elpers, Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

DBU fördert umweltschonende Aquakultur in Kreislaufanlagen mit 350.000 Euro
Langenargen. Der Fischkonsum steigt stetig an. Weltweit sind 75 Prozent der natürlichen Bestände überfischt, teilweise erschöpft. Deshalb wird die kontrollierte Fischzucht in sogenannter Aquakultur und insbesondere die umweltschonende Produktion in geschlossenen, Wasser sparenden Kreislaufanlagen immer bedeutender. Doch die vollständige Reinigung und Aufbereitung des Wassers ist technisch schwierig. Die Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg will jetzt gemeinsam mit der Zordel Fischhandels-GmbH (Neuenbürg) und der Fischzucht Peter Störk (Bad Saulgau) ein spezielles Futtermittel entwickeln, nach dessen Aufnahme die Fische schwimmfähigen, festen Kot erzeugen, der sich leicht von der Wasseroberfläche abschöpfen lässt. "So könnte bereits über die Fütterung eine aufwändige Entsorgung vermieden und die umweltfreundliche Fischerzeugung verbessert werden", sagt Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Sie fördert das Projekt mit 350.000 Euro.

"Nicht nur der zunehmende Wildfischfang, sondern auch die traditionelle Fischzucht birgt Gefahren für das Ökosystem", so Brickwedde: "Durch das vermehrte Vorkommen von stickstoff- und phosphathaltigem Fischkot kann es in den Gewässern zu einer Überdüngung und damit langfristig zu Umweltschäden kommen." Die Fischerzeugung in Kreislaufanlagen biete den entscheidenden Vorteil, dass das Wasser in einem geschlossenen System zirkuliere und die nährstoffreichen Fäkalien nicht in offenes Gewässer gelangten. Diese bislang wenig eingesetzte Technologie sei deshalb deutlich umweltverträglicher und gerade im Hinblick auf eine steigende Nachfrage zukunftsweisend.

"Die sichere und nahezu vollständige Entfernung der Ausscheidungsstoffe aus dem Kreislaufsystem ist allerdings eine echte technische Herausforderung", erläutert Dr. Alexander Brinker von der Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg. "Die feinen Fischkotpartikel verteilen sich gleichmäßig im gesamten Wasser und lassen sich nur bedingt und mit großem Energieaufwand herausfiltern." Eine unzureichende Filterung wiederum wirke sich negativ auf die Wasserqualität und auf die Gesundheit der Fische aus. "Im schlimmsten Fall gerät das gesamte Kreislaufsystem aus dem Gleichgewicht, und der Betrieb der Anlage lässt sich aus Sicherheitsgründen nicht mehr aufrecht erhalten", führt Brinker aus.

Brinker: "Gelingt es nun, den Fischkot durch spezielles Futter fester und leichter zu machen, so dass er sich an der Wasseroberfläche sammelt, kann er von dort ohne großen technischen Aufwand mechanisch abgetragen werden. In den hauseigenen Versuchsanlagen testen wir derzeit verschiedene neuartige Futtermischungen. Der erfolgsversprechende Ansatz soll sich dann unter kommerziellen Bedingungen in der Fischzucht Störk bewähren, wobei ein neues, von der Firma Zordel konstruiertes Gerät zum Abschöpfen der Fäkalien verwendet werden wird. Ein zielführendes, verbessertes Fütterungsmanagement wäre ein wegweisender Schritt in Richtung einer nachhaltigen Aquakultur. Der Verbraucher kann dann auch in Zukunft guten Gewissens an der Fischtheke zugreifen."
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel28684_106.html

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Herpesgefahr durch Textilien?

Rose-Marie Riedl, Unternehmenskommunikation und Forschungsmarketing
Hohenstein Institute

Hohenstein Institute untersuchen textile Infektionswege

BÖNNIGHEIM (hö/hm) Lippenherpes ist allseits unbeliebt, aber weit verbreitet: Er zählt in Deutschland zu den häufigsten Erkrankungen der Haut. Neben den bekannten Übertragungswegen der Herpeserreger durch den Speichel sowie der Verbreitung der Viren über Schmierinfektionen mit den Händen nach Aufkratzen der Lippenbläschen, legen aktuelle Untersuchungen des Instituts für Hygiene und Biotechnologie (IHB) an den Hohenstein Instituten einen weiteren möglichen Infektionsweg nahe - über Herpes-kontaminierte Textilien.

Mit Hilfe molekularbiologischer Analytik ist es den Hohensteiner Wissenschaftlern gelungen, die starke Haftung von Herpes-simplex-Viren (HSV 1, siehe Bild 1) an Textilien nachzuweisen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass eine Ansteckung beispielsweise also auch über Handtücher, Servietten sowie Geschirr- und Reinigungstücher erfolgen könnte, mit denen sich zuvor ein Herpes-Infizierter abgetrocknet hat.

Im Rahmen des Haftungsversuchs am IHB wurden kleine Textillappen direkt mit Viruspartikeln aus einer HSV 1-Suspension kontaminiert. Wie sich herausstellte, waren die Herpesviren auch noch nach 48 Stunden bei Raumtemperatur auf dem Textil vorhanden. Aufgrund von Untersuchungen, die von einer Dauerhaftigkeit von Herpes-simplex-Viren über acht Wochen auf harten Oberflächen berichten (Mahl und Sadler, 1975), kann man daraus schließen, dass sich vermutlich auch auf dem Textil infektiöse Partikel befanden.

Selbst nach einer 40°C-Wäsche mit einer haushaltsüblichen Maschine unter Verwendung von Haushaltswaschmittel lies sich die Virus-DNA auf den Läppchen nachweisen. Dies unterstreicht die hohe Anhaftung der Herpesviren am Textil, unabhängig davon, ob es sich dabei um infektiöse Partikel handelt oder nicht. Allerdings ist eine Ansteckung mit Herpes durch Textilien nach dem Waschgang aufgrund der empfindlichen Hüllmembran des Virus eher unwahrscheinlich, da diese im Hinblick auf die Infektiosität der Erreger eine wichtige Rolle spielt. Dennoch kann eine Infektionsgefahr anhand dieser ersten Ergebnisse nicht restlos ausgeschlossen werden.

Bei den an den Hohenstein Instituten nun etablierten molekularbiologischen Techniken des IHB erfolgt der Nachweis des Herpes-Erregers anhand seiner Nukleinsäure (DNA) durch eine spezifische Enzymreaktion. Dazu sind zwei Schritte notwendig: Zunächst wird die DNA aus den temperaturanfälligen HSV-Partikeln durch einen einfachen Hitzeschritt gewonnen, welcher die Virushülle aufbricht und die Nukleinsäure zugänglich macht. Anschließend wird bei der so genannten Polymerase-Kettenreaktion (PCR) dann ein definierter DNA-Abschnitt selektiv vermehrt. Dieser spezifische Virus-DNA-Abschnitt ist danach anhand seiner bestimmten Länge nachweisbar (siehe Bild 2).

Ziel der Wissenschaftler am Institut für Hygiene und Biotechnologie ist es, die erarbeiteten molekularbiologischen Techniken künftig neben der Forschung an Viren auch für verbraucherorientierte Dienstleistungen einzusetzen. Die erforderliche Genehmigung für gentechnische Arbeiten der Sicherheitsstufe 1 wurde dem IHB durch das Regierungspräsidium Tübingen erteilt. Die neue Forschungsdisziplin an den Hohenstein Instituten ermöglicht beispielsweise ein umfassendes Screening zur Haftung von unterschiedlichen Viren auf Textilien, um das Übertragungspotenzial durch Bekleidung und Textilprodukte genauer zu untersuchen. Die Erkenntnisse aus der Molekularbiologie könnten in Zukunft dann in die Entwicklung neuer Materialien einfließen, welche die Haftung und Verschleppung human- und tierpathogener Viren verhindern.

Weitere Informationen:
http://www.hohenstein.de/content/content1.asp?hohenstein=33-0-0-623-2009

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Forschung für eine sichere Wasserversorgung

Thomas Gazlig, Kommunikation und Medien
Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren

Am Sonntag, den 22. März, erinnert der internationale Weltwassertag daran, dass sauberes Süßwasser auf unserem Planeten zur knappen Ressource geworden ist. Auch Dürren und Hochwasser richten in einer dicht besiedelten Welt mehr Schaden an als je zuvor.
Im Forschungsbereich Erde und Umwelt arbeiten Helmholtz-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler an Lösungen für diese Probleme. Gemeinsam mit Partnern aus anderen Ländern und in multidisziplinären Teams nehmen sie dabei die biologischen Aspekte genauso wie die ökonomischen und rechtlichen Randbedingungen unter die Lupe. "Ziel dieser Forschung ist nicht nur, die Zusammenhänge besser zu verstehen, sondern auch konkrete Empfehlungen für eine nachhaltige Nutzung der Ressource Wasser zu entwickeln", sagt Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Präsident der Helmholtz-Gemeinschaft.

Wir haben für Sie eine Auswahl an Forschungsprojekten aus Helmholtz-Zentren zu Themen wie Wassermanagement, Gewässerreinhaltung, Hochwasserschutz und Klimaforschung zusammengestellt. Ausführlichere Informationen, Kontaktadressen, Bildmaterial und weiterführende Links finden sie in der virtuellen Pressemappe unter dieser Adresse:

http://www.helmholtz.de/weltwassertag2009-pressemappe

WASSERMANAGEMENT

Nachhaltige Wasserversorgung für Brasilia und andere Regionen
Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung - UFZ haben ein deutsch-brasilianisches Projekt gestartet, um Systemlösungen für Wasserprobleme in Lateinamerika, Osteuropa, Zentralasien, Südostasien und den Mittleren Osten zu entwickeln.

GOODWATER ITN: Fachkräfte für umweltverträgliches Grundwassermanagement
In dem EU-Programm 'Goodwater Initial Training Network' (ITN) werden Fachkräfte auf dem Gebiet der Grundwasserforschung und -verwaltung ausgebildet. Das Helmholtz Zentrum München ist federführend an diesem Projekt beteiligt.

Projekt: Wasser 2050 - Chancen für die deutsche Wasserwirtschaft
Ein Konsortium aus Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, Institut für sozial-ökologische Forschung und Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung untersucht, wie Wassertechnologie hilft und welchen Beitrag die deutsche Wirtschaft leisten kann.

Wasser in Zentralasien - Von Klimawandel bis Wassermanagement
Das Forschungsnetzwerk "Water in Central Asia" (CAWa) soll ein grenzüberschreitendes Wasserressourcenmanagement in fünf zentralasiatischen Staaten erarbeiten und zentralasiatische Fachkräfte weiterbilden. Am CAWA-Konsortium sind die Helmholtz-Zentren AWI und DLR beteiligt, die Federführung hat das Helmholtz-Zentrum Potsdam -Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ.

Knappes Wasser effizient nutzen: Projekt SMART
Experten des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung entwickeln ein nachhaltiges Wassermanagement für das Grenzgebiet zwischen Jordanien, Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten, um die Trinkwasserversorgung zu sichern.

GEWÄSSERREINHALTUNG / SCHADSTOFFBELASTUNG

"Hot spots" für den Abbau von Schadstoffen im Grundwasser
Grundwasserökologen des Helmholtz-Zentrums München haben so genannte "hot spots" im Grundwasser nachgewiesen, in denen der Abbau von Schadstoffen durch mikrobiotische Prozesse besonders effizient ist.

Die Elbe im Wandel
Neben Hochwasserereignissen könnten in Zukunft auch niedrigere Wasserstände im Einzugsgebiet der Elbe häufiger auftreten, was zum Anstieg von Schadstoffkonzentrationen führen würde, zeigt eine UFZ-Studie.

Trinkwasser des Gaza-Streifens stark mit Nitrat belastet
90 Prozent der Wasserproben im Gazastreifen weisen Nitratkonzentrationen auf, die zwei bis achtmal höher waren als der empfohlene Grenzwert, zeigten Wissenschaftler der Universität Heidelberg und des UFZ.

Neues Testverfahren zur Grundwassersanierung mittels Pflanzenkläranlagen
Am Rande der alten Raffinerie Leuna wird seit 2007 eine Pilotanlage zur Sanierung des belasteten Grundwassers betrieben, in der UFZ-Wissenschaftler verschiedene naturnahe Verfahren in der Praxis testen.

HOCHWASSER

Hochwasserschadensdatenbank HOWAS 21 online
Mit der Hochwasserschadensdatenbank HOWAS 21 wurde von Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum eine Datengrundlage für Hochwasserschäden geschaffen.

Neues Informationssystem für den Hochwasserschutz in Bitterfeld
Ein internetgestütztes Entscheidungshilfesystem des UFZ ermöglicht jetzt bessere Vorhersagen, wie hoch das Wasser nach einem Deichbruch steht. Zusätzlich gibt das System Auskunft über Schadstoffbelastungen durch das Hochwasser.

Flächenversiegelung & Grundwasser
Durch die zunehmende Versiegelung steigt das Hochwasserrisiko, belegen Studien des UFZ.

KLIMAWANDEL UND WASSER

Regionale Folgen des Klimawandels
Für das Großvorhaben TERENO werden in Deutschland vier Observatorien eingerichtet, um die Auswirkungen des Klimawandels auf lokale Ökosysteme sowie die wirtschaftlichen Konsequenzen zu erforschen. Sechs Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft sind daran beteiligt.

Der Monsun Westafrikas und seine Folgen
Im internationalen Forschungsvorhaben AMMA (Afrikanische Monsun Multidisziplinäre Analyse) messen und modellieren Experten des Forschungszentrums Karlsruhe in Westafrika den Monsun, um Vorsorgemaßnahmen für die Trinkwasserversorgung, den Ackerbau und das Gesundheitswesen zu ermöglichen.

Neues Beobachtungs-System für die Nordsee
Mit dem Großprojekt COSYNA (Coastal Observation System for Northern and Arctic Seas) entsteht ein umfassendes Beobachtungs-System zur Erfassung, Vorhersage und wissenschaftlichen Analyse des aktuellen Zustandes des Küstenmeeres. Koordiniert wird das Projekt vom GKSS-Forschungszentrum Geesthacht.

Ozeanversauerung und die Folgen für Marine Ökosysteme
Emissionen des Treibhausgases Kohlendioxid verändern nicht nur die Atmosphäre sondern auch die Ozeane, mit potenziell dramatischen Auswirkungen auf die marine Lebewelt. Messdaten des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung belegen die zunehmende Versauerung der Weltmeere.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit fast 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,4 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

Weitere Informationen:
http://www.helmholtz.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Forscher empfehlen eine ökonomische Sichtweise auf internationale Wasserkonflikte- Untersuchungen zu grenzüberschreitenden Flüssen

Tilo Arnhold, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

In der Tschechischen Republik sind zwischen 1990 und 2004 etwa 500 Millionen Euro in öffentliche Kläranlagen investiert worden, in der Bundesrepublik sogar etwa 2,7 Milliarden Euro, wovon der Großteil in die Neuen Länder floss. Seitdem hat sich die Wasserqualität der Elbe deutlich verbessert.
In der Tschechischen Republik sind zwischen 1990 und 2004 etwa 500 Millionen Euro in öffentliche Kläranlagen investiert worden, in der Bundesrepublik sogar etwa 2,7 Milliarden Euro, wovon der Großteil in die Neuen Länder floss. Seitdem hat sich die Wasserqualität der Elbe deutlich verbessert.

Leipzig. Eine ökonomische Sichtweise könnte helfen, Kooperationsgewinne herbeizuführen und somit internationale Wasserkonflikte zu lösen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) bei der Analyse verschiedener Wasserkonflikte. Allerdings setze die Realisierung von Kooperationsgewinnen bei Problemen mit Wasserknappheit und Wasserverschmutzung eine Einigung über Nutzungsrechte voraus und bleibe daher anspruchsvoll, schreiben die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachblattes "Water Policy". Eine Einigung über Nutzungsrechte biete dann eine Verhandlungsbasis, um über Kompensationszahlungen die Situation aller Beteiligten zu verbessern.
Den beteiligten Politikern empfehlen die Forscher außerdem zu prüfen, ob es wasserbauliche Maßnahmen geben könnte, die sowohl für Oberlieger als auch für Unterlieger Vorteile bringen. So sei es beispielsweise bei den internationalen Verhandlungen zwischen Äthiopien, dem Sudan und Ägypten um den Blauen Nil nützlich, dass in jüngster Zeit der Schwerpunkt vom Teilen der Wassermengen auf gemeinsame Staudammprojekte zur Wasserkraftentwicklung und zum Hochwasserschutz gelenkt wurde.
Der UN-Weltwassertag findet seit 1993 jedes Jahr am 22. März statt. 2009 stehen unter dem Motto "geteiltes Wasser - geteilte Möglichkeiten" grenzüberschreitende Gewässer im Mittelpunkt. Weltweit gibt es 263 internationalen Fluss- und Seengebiete, die nationale Grenzen überschreiten und knapp die Hälfte der weltweiten Landfläche ausmachen

Klimawandel und Bevölkerungswachstum sorgen dafür, dass vielerorts die verfügbaren Wasserressourcen einer zunehmenden Verknappung und Verschmutzung ausgesetzt sind. Diese Entwicklungen betreffen laut UN-Umweltprogramm UNEP von 2002 auch die internationalen Flussgebiete. Das Völkerrecht sieht zwar in der "UN-Konvention über das Recht der nicht-schifffahrtlichen Nutzung internationaler Wasserläufe" von 1997 das Prinzip einer gerechten Wasseraufteilung vor. Allerdings gibt es im internationalen System keine Instanz, die die Wasserrechte von Staaten definiert. Deshalb müssen die Anrainerstaaten sich selbst darüber einigen. Eine Bestandsaufnahme hat ergeben, dass in knapp der Hälfte der 263 internationalen Flussgebiete bislang Verträge zur grenzüberschreitenden Wassernutzung unterzeichnet wurden. In etwa einem Viertel gibt es zwischenstaatliche Kommissionen.

Positives Beispiel Elbe
Innerhalb weniger Monate wurde der Vertrag über die Internationale Kommission zum Schutz der Elbe (IKSE) verhandelt und am 8. Oktober 1990 direkt im Anschluss an die deutsche Wiedervereinigung unterzeichnet. Zuvor waren die Verhandlungen zwischen der früheren BRD und DDR stets gescheitert. 1983 kam es zu ersten Verhandlungen, in denen die DDR Kompensationszahlungen für eine Minderung der Verschmutzung verlangte und somit eine klassische Oberanrainerposition vertrat. Darauf ging die Bundesrepublik nicht ein, da dies dem Verursacherprinzip widersprochen hätte. Bei einem zweiten Versuch machte die DDR-Führung die Verbesserung der Wasserqualität zusätzlich von einer Veränderung des Grenzverlaufs abhängig. Auch diese Forderung lehnte die Bundesrepublik ab. Sowohl die Tschechische Republik als Oberanrainer als auch die Bundesrepublik Deutschland als Unteranrainer haben nach 1990 stark in die Verbesserung der Wasserqualität investiert: So wurden in der Tschechischen Republik zwischen 1990 und 2004 etwa 500 Millionen Euro in öffentliche Kläranlagen investiert, in der Bundesrepublik sogar etwa 2,7 Milliarden Euro, wovon der Großteil in die Neuen Länder floss. "Insofern haben hier beide Staaten "kooperiert" und sind über eigennutzorientiertes Verhalten im engen Sinne hinausgegangen, indem sie das Verursacherprinzip und somit das Prinzip der eingeschränkten territorialen Souveränität anerkannt haben", erläutert Dr. Ines Dombrowsky vom UFZ. "Insgesamt zeigt dieses Beispiel, dass übergeordnete politische Interessen eine wichtige Rolle im Hinblick auf Konflikt und Kooperation spielen können." Anfang der 90er Jahre stand die Tschechische Republik kurz vor der Aufnahme der Beitrittsverhandlungen mit der EU und hatte daher ein großes Interesse an einer einvernehmlichen Lösung.

Negatives Beispiel: Jordan
Seit Anfang der 1950er Jahre spitzte sich die Frage der Wassernutzung zwischen Israel und Jordanien zu, da beide konkurrierende Wasserentwicklungsprojekte verfolgten. Der unterschiedliche Zugang zu Wasser zeigt sich auch im durchschnittlichen Pro-Kopf-Wasserverbrauch. 1994 lag dieser bei etwa 360 Kubikmetern in Israel und 220 in Jordanien. Im Rahmen des israelisch-jordanischen Friedensvertrages von 1994 wurden letztlich im Wesentlichen die israelischen Wassernutzungen festgeschrieben und Projekte zur Mobilisierung von zusätzlichem Wasser für Jordanien identifiziert. 1997 drohte Jordanien in einer Dürrekrise mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Daraufhin erklärte sich Israel bereit, für drei Jahre die Hälfte der ursprünglich geplanten 50 Millionen Kubikmeter pro Jahr aus dem See Genezareth zur Verfügung zu stellen und danach das zugesagte Wasser durch eine andere Lösung bereitzustellen. Da aber bislang keine Einigung über eine alternative Art der Bereitstellung erfolgt ist, wird dieser Transfer fortgesetzt. Allerdings ist Israel weiter daran interessiert, eine Alternative zu finden. "Auch das Beispiel Israel-Jordanien spiegelt somit das Spannungsverhältnis zwischen Konflikt und Kooperation wider. Grundsätzlich hat Israel eine typische Oberanrainerposition vertreten, während Jordanien eine gerechte und billige Nutzung im Sinne einer eingeschränkten territorialen Souveränität eingefordert hat", erklärt Ines Dombrowsky. "Tatsächlich ist es in diesem Fall zu keiner nennenswerten Umverteilung der Wassernutzungsrechte gekommen, wobei Israel auf erhöhten diplomatischen Druck hin aus seiner Sicht Zugeständnisse gemacht hat, die allerdings sogar hinter den vertraglichen Vereinbarungen zurückbleiben. Gleichzeitig ist es aber auch zu keiner effizienten Verhandlungslösung gekommen. Es ist zu vermuten, dass Seitenzahlungen in Jordanien innenpolitisch nicht vertretbar gewesen wären, da sie eine Sanktionierung der israelischen Position impliziert hätte." Eine erfolgreiche Kooperation an einem grenzüberschreitenden Fluss setzt also nicht nur eine ökonomische Sichtweise, sondern auch oft viel an politischem Willen voraus.
Tilo Arnhold

Weitere fachliche Informationen:
Dr. Ines Dombrowsky
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1846
http://www.ufz.de/index.php?de=1676
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1269
E-mail: presse@ufz.de

Publikationen:
Dombrowsky, Ines (2009):
Revisiting the potential for benefit-sharing in the management of trans-boundary rivers
Water Policy 11 (2), 125-140
http://dx.doi.org/10.2166/wp.2009.020

Dombrowsky, Ines (2008):
Konflikt und Kooperation an grenzüberschreitenden Flüssen
In: Franzke, J. (Hrsg.): Wasser. Zukunftsressource zwischen Menschenrecht und Wirtschaftsgut, Konflikt und Kooperation. Reihe Internationale Probleme und Perspektiven 17.
Brandenburgische Landeszentrale für Politische Bildung, Potsdam, S. 57-69
http://opus.kobv.de/ubp/volltexte/2008/2325/pdf/WT_57_2007_53_64.pdf

Dombrowsky, Ines (2008):
Institutional design and regime effectiveness in transboundary river management - the Elbe water quality regime
Hydrol.Earth.Syst.Sc. 12 (1), 223-238
http://www.hydrol-earth-syst-sci.net/12/223/2008

Dombrowsky, Ines (2008):
Integration in the Management of International Waters: Economic Perspectives on a Global Policy Discourse
Global Governance 14: 455-477.

Dombrowsky, Ines (2007):
Conflict, cooperation and institutions in international water management. An economic analysis
Edward Elgar, Cheltenham, 376 S.
http://www.e-elgar.co.uk/Bookentry_DESCRIPTION.lasso?id=12751

Dombrowsky, Ines (2003),
Water Accords in the Middle East Peace Process: Moving towards Co-operation? In Security and the Environment in the Mediterranean. Conceptualising Security and Environmental Conflicts, eds. Brauch, H., A. Marquina, M. Selim, P. Liotta and P. Rogers: 729-744. Berlin: Springer-Verlag.
http://www.ufz.de/data/Pub_Dombowsky26115896.pdf

Weiterführende Links:
Internationaler Weltwassertag der Vereinten Nationen:
http://www.unwater.org/worldwaterday/
UN-Dekade "Water for Life":
http://www.un.org/waterforlifedecade/
Internationale Wasserforschungsallianz Sachsen (IWAS): Management von Wasserressourcen in hydrologisch sensitiven Weltregionen:
http://www.iwas-sachsen.ufz.de/
Projekt Wasser 2050:
http://www.wasser2050.de/
NEWATER - New Approchaes to Adaptive Water Management under Uncertainty:
http://www.newater.info/
Governance und Institutionen - Akteure in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft (S.76-77)
In: UFZ-Magazin "Vernetzte Umweltforschung"
http://www.ufz.de/data/UFZ_XII_FT7_Governance_Inst4355.pdf

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert. Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 25.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=17822

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news306165

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Rachsucht zahlt sich nicht aus

Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Rachsucht zahlt sich nicht aus. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universitäten Bonn und Maastricht. Wer Unfairness vorzugsweise mit gleicher Münze heimzahlt, ist demnach im Schnitt häufiger arbeitslos als andere Menschen. Rachsüchtige haben zudem weniger Freunde und sind mit ihrem Leben unzufriedener. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe des Economic Journal erschienen.
Wir verhalten uns oft nach dem Motto "wie du mir, so ich dir": Für die Einladung zum Abendessen revanchieren wir uns mit einer Gegeneinladung; dem Freund, der uns beim Umzug half, schleppen ein paar Monate später wir die Möbel. Umgekehrt zahlen wir Gemeinheiten gerne mit gleicher Münze heim. Wissenschaftler sprechen auch von Reziprozität: Wer sich für freundliche Handlungen entsprechend revanchiert, verhält sich positiv reziprok. Wer sich bei Unfairness rächt, handelt negativ reziprok.

Positive und negative Reziprozität sind voneinander unabhängige Wesenszüge: Manche Menschen sind eher positiv reziprok, manche eher negativ; wieder andere sind beides. Die Forscher aus Bonn und Maastricht wollten herausfinden, welchen Einfluss diese Charakter-Eigenschaften auf Größen wie "Erfolg" oder "Lebenszufriedenheit" haben. Dazu griffen sie auf Daten des so genannten sozioökonomischen Panels zurück. Darin befragt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung jährlich rund 20.000 Personen in Deutschland zu verschiedenen Themen.

Die Bonner Forscher nutzten dieses Instrument, um etwas über die reziproken Einstellungen der Teilnehmer herauszufinden. Die Befragten sollten beispielsweise angeben, inwieweit sie sich für einen Gefallen revanchieren oder andererseits eine Beleidigung mit gleicher Münze heimzahlen würden. "Sowohl positive als auch negative Reziprozität sind in der deutschen Bevölkerung weit verbreitet", fasst Professor Dr. Armin Falk von der Universität Bonn die Resultate zusammen.

Positiv-reziproke Menschen leisten mehr Überstunden

Die Forscher setzten diese Daten dann zu anderen Umfrage-Ergebnissen in Beziehung. Dabei stießen sie auf mehrere interessante Korrelationen: "So leisten positiv-reziproke Menschen im Schnitt mehr Überstunden, allerdings nur dann, wenn sie ihr Gehalt als fair empfinden", erklärt Professor Dr. Thomas Dohmen von der Universität Maastricht. "Da sie für Leistungsanreize sehr empfänglich sind, verdienen sie zudem in der Regel mehr Geld."

Ganz anders rachsüchtige Personen: Bei ihnen geht die Gleichung "mehr Geld = höhere Arbeitsleistungen" nicht unbedingt auf. Auch Gehaltskürzungen sind kein probates Mittel, um negativ-reziproke Mitarbeiter auf Kurs zu bringen. Schließlich besteht dann die Gefahr, dass sie sich rächen - beispielsweise durch Arbeitsverweigerung oder Sabotage. "Anhand dieser theoretischen Erwägungen würde man daher erwarten, dass negativ-reziproke Mitarbeiter eher entlassen werden", erläutert Falk. "Eine Annahme, die sich mit unseren Resultaten deckt: Demnach sind negativ-reziproke Menschen signifikant häufiger arbeitslos."

Und auch in anderer Hinsicht ist Rachsucht kein empfehlenswertes Lebensmotto: Wer vorzugsweise nach der alttestamentarischen Devise "Auge um Auge, Zahn um Zahn" handelt, hat im Schnitt weniger Freunde - und ist mit seinem Leben deutlich unzufriedener.

Kontakt:
Professor Dr. Armin Falk
Institut für Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Universität Bonn
Telefon: 0228/73-9240
E-Mail: armin.falk@uni-bonn.de

Professor Dr. Thomas Dohmen
Universität Maastricht
Telefon: 0031/43 388 3647
E-Mail: t.dohmen@roa.unimaas.nl

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Fetter Fisch kann vor Darmkrebs schützen

Manuela Heberer, Referat Öffentlichkeitsarbeit
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Ernährungswissenschaftler der Uni Jena entdecken krebsvorbeugende Wirkung von Seefisch
Jena: Roh, gekocht, geräuchert oder gebraten - Lachs kommt in allen Variationen auf den Teller und gehört mittlerweile zu den beliebtesten Speisefischen weltweit. Doch er ist nicht nur schmackhaft, sondern auch gesund. Einige seiner Inhaltsstoffe besitzen sogar eine vorbeugende Wirkung gegen Krebs, wie Ernährungswissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena nun herausgefunden haben.

Innerhalb des EU-Projekts "SEAFOODplus", an dem rund 70 Partner aus 16 Nationen beteiligt waren, haben die Jenaer Ernährungstoxikologen und Lebensmittelchemiker in den letzten fünf Jahren untersucht, wie sich der Verzehr von Seefisch auf das Darmgewebe auswirkt. "Wir hatten die Vermutung, dass durch den regelmäßigen Verzehr von Fisch mit hohem Gehalt an ungesättigten Fettsäuren, wie Omega-3-Fettsäuren, das Risiko einer Krebserkrankung gesenkt werden kann", so PD Dr. Michael Glei vom Lehrstuhl für Ernährungstoxikologie. Um das zu überprüfen, werteten die Jenaer Forscher Gewebe von insgesamt 250 freiwilligen Testpersonen aus, die über ein halbes Jahr lang wöchentlich zwei Portionen Seefisch mit unterschiedlichem Fettgehalt verzehrt hatten. Aus dem entnommenen Gewebe isolierten sie die Darmzellen und untersuchten diese auf mögliche Veränderungen. "Unsere Ergebnisse haben gezeigt, dass durch den Verzehr der unterschiedlichen Fische keine Zell- und DNA-Schäden hervorgerufen wurden", so Glei. Damit kann eine toxische Wirkung der im verzehrten Fisch enthaltenen Stoffe weitgehend ausgeschlossen werden.

Bei der Untersuchung der RNA von rund 20.000 verschiedenen Genen fanden die Wissenschaftler jedoch Unterschiede zwischen den Testgruppen. "Gene, die für die Bildung von Enzymen verantwortlich sind, welche vor schädigenden und krebsauslösenden Substanzen schützen, waren nach dem Verzehr von Fisch zunehmend aktiviert", sagt Nina Habermann, die im Rahmen ihrer Promotion an dem Projekt mitgearbeitet hat. In Kooperation mit Partnern in Norwich und Wageningen fanden die Jenaer Forscher heraus, dass bei Testpersonen, die fettreichen Lachs gegessen hatten, diese Genaktivierung sogar wesentlich ausgeprägter war als bei denen, die mageren Dorsch verzehrt hatten. "Dies unterstützt unsere Annahme, dass die im Fisch enthaltenen Fettsäuren den Aufbau einer vor Krebs schützenden Barriere im Körper fördern", so Glei.

Weitere Hinweise fanden die Jenaer Wissenschaftler indem sie untersuchten, ob und wie unterschiedlich weit entwickelte Tumorzellen in vitro, also im Reagenzglas, auf Kontakt mit der wässrigen Phase von Stuhlproben der Testpersonen reagieren. "Bei Krebszellen in frühem Entwicklungsstadium konnten wir eine Hemmung des Zellwachstums beobachten", so Nina Habermann. Damit haben die Ernährungswissenschaftler einen weiteren Hinweis für eine krebsvorbeugende Wirkung von Fisch gefunden. Außerdem haben sie gezeigt, dass in vitro-Experimente zur Untersuchung des Einflusses verschiedener Lebensmittel auf die Darmgesundheit durchaus ein Ersatz für in vivo-Tests sein können. "Dadurch könnte bei Untersuchungen zur Lebensmittelwirksamkeit eventuell auf operative Verfahren bei den Testpersonen, wie in diesem Fall auf Darmbiopsien, verzichtet werden", so PD Dr. Michael Glei. "Das würde die Forschungsarbeit erheblich erleichtern."

Eines können die Jenaer Ernährungswissenschaftler schon jetzt sicher sagen: "Mindestens einmal in der Woche eine Portion fettreichen Seefisch zu essen, ist gesund." Zubereitungsmöglichkeiten gibt es jedenfalls reichlich.

Kontakt:
PD Dr. Michael Glei
Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Str. 25, 07743 Jena
Tel.: 03641/949671
E-Mail: michael.glei@uni-jena.de
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Vom neuen Wert des Wassers: Marode Abwasserkanäle durch innovative Infrastrukturen ersetzten

Birgit Kullmann, Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für sozial-ökologische Forschung ISOE

Forschungsverbund netWORKS entwickelt unter maßgeblicher Beteiligung
des Frankfurter Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE)
Lösungsmöglichkeiten für eine alternative Wasserver- und
Abwasserentsorgung. Abwasser ist technisch und ökonomisch eine
Ressource, aus der Energie und Nährstoffe, wie zum Beispiel Phosphor
zurück gewonnen werden können.

Zum Tag des Wassers am 22.03.09

Frankfurt a. Main: Die gute Nachricht lautet: Die Deutschen gehören zu den
sparsamsten Wasserverbrauchern in Europa. Nur auf durchschnittlich etwa
120 Liter pro Tag bringt es hier jeder Bewohner. Die schlechte Nachricht lautet:
Ausgerechnet der sparsame Umgang mit Wasser in Verbindung mit in vielen
Regionen sinkenden Bevölkerungszahlen, Überalterung und schrumpfenden
Industrien hat zur Folge, dass vielerorts die Leitungsnetze bereits jetzt nicht mehr
ausgelastet sind und die Wasserversorgungsleitungen mit frischem Wasser
durchspült werden müssen, um die Qualität des Trinkwassers zu erhalten.

In einigen Städten und Regionen sind schon jetzt Rück- und Umbaumaßnahmen
der überwiegend zentral organisierten Netze notwendig, die an die Grenzen des
betriebswirtschaftlich Machbaren gehen. Zudem gelten etwa 100.000 Kilometer
der rund 500.000 Kilometer öffentlicher Abwasserkanäle in Deutschland kurzfristig
als sanierungsbedürftig. Daher bieten die ohnehin notwendigen Investitionen die
große Chance, durch den Einsatz neuer Technologien und Systemalternativen
wie semi- und dezentrale Lösungen sukzessive zu flexibleren und nachhaltigen
Strukturen zu kommen und außerdem Energie sowie Nährstoffe (Nitrat und
Phosphat) aus Abwasser gewinnen zu können.

Ein kräftiger Zuschuss aus dem jüngst verabschiedeten Investitionsschwerpunkt
Infrastruktur des Konjunkturpakets II könnte helfen, Pilotanlagen für neuartigen
Wasserver- und -entsorgungssysteme zu installieren.
"Es ist uns völlig unverständlich, dass die Förderung von Innovationen in der
Wasserwirtschaft bisher nicht vorgesehen ist", sagt Thomas Kluge vom ISOE.
"Durch die Verbesserung der Wasser- und Abwasserinfrastruktur können
kurzfristig Aufträge für die Wirtschaft generiert werden und mit neuartiger Technik
kann schonender Ressourcengebrauch unterstützt werden. Das haben
Modellprojekte in kleineren Siedlungen bereits bewiesen."
Im Forschungsverbund netWORKS wird untersucht, welche Möglichkeiten
bestehen, die vorhandenen Wasserinfrastruktursysteme in größerem Maßstab
umzubauen. Gemeinsam mit sechs Kommunen in Deutschland entwickelt
NetWORKS im Rahmen des Projekts "Transformationsmanagement für eine
nachhaltige Wasserwirtschaft", das vom Bundesministeriums für Bildung und
Forschung (BMBF) gefördert wird, langfristig tragfähige Alternativkonzepte und
praxistaugliche Umwandlungsmöglichkeiten der stadttechnischen Systeme.
"Intelligente, in kommunaler Hand vorangetriebene Systemalternativen können
beispielgebend auch für andere Länder sein, denn die ungenügende Wasser-
qualität und der mangelnde Zugang zu Trinkwasser ist in vielen Regionen ein
enormes Problem", erläutert Thomas Kluge vom ISOE.
In Deutschland haben in den letzten Jahren eine Vielzahl innovativer Technologien
für die Wasserbewirtschaftung die erforderliche Funktions- und Marktreife erlangt.
Davon kann auch die Exportwirtschaft profitieren, denn diese Technologien werden
erhebliche Ausstrahlungskraft auch auf Länder in anderen Erdteilen zur Lösung
der Weltwasserkrise besitzen.

Weitere Informationen: http://www.isoe.de/projekte/wassertrans.htm

Kontakt:
PD Dr. Thomas Kluge (Koordination)
Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE)
Hamburger Allee 45
60486 Frankfurt
Tel.: 069/7076919-18
E-Mail: kluge@isoe.de

Zum Thema Wasser arbeitet das ISOE außerdem in den Projekten:

Wasser 2050 - Chancen für die deutsche Wasserwirtschaft
http://www.isoe.de/projekte/wasservis.htm
Cuve Waters - Integriertes Wasserressourcen-Management im nördlichen Namibia
http://www.isoe.de/projekte/cuvewaters.htm
Start1 - Strategien zum Umgang mit Arzneimittelwirkstoffen im Trinkwasser
http://www.isoe.de/projekte/start.htm

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Die Wetter-Profiler

Dr. Elisabeth Zuber-Knost, Stabsabteilung Presse, Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

Immer wieder wird auch Mitteleuropa von schweren Unwettern heimgesucht. Die Orkane Lothar und Kyrill forderten 1999 und 2007 viele Todesopfer und verursachten Schäden in Milliardenhöhe, beim Elbehochwasser 2002 mussten ganze Dörfer evakuiert werden. Eine bessere Vorhersage solcher Wettersituationen könnte die Öffentlichkeit frühzeitig warnen und die Dramatik des Geschehens reduzieren. Daran arbeitet PANDOWAE (Predictability ANd Dynamics Of Weather Systems in the Atlantic-European Sector), eine Forschergruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).
"Präzisere numerische Wettervorhersagen können die Bedrohung der Menschen durch extreme Wetterereignisse abmildern", sagt Sprecherin Professorin Sarah C. Jones vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung am Karlsruhe Institute of Technology (KIT). Dazu wollen die Forscherinnen und Forscher der Universitäten Karlsruhe, Mainz und Rostock sowie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen beitragen. Sie versuchen die Prozesse, die für extreme Wettersituationen verantwortlich sind, und die Faktoren, die deren Vorhersagbarkeit erschweren, besser zu verstehen. "Begreifen, wodurch Fehler entstehen - das ist unser Ziel", erklärt Jones. Ihre Erkenntnisse wollen sie in eine Verbesserung der Vorhersagemodelle einfließen lassen. Ihr Ansatz sei global, so die Sprecherin: "Was unser Wetter beeinflusst, kann auch im Pazifik entstehen". Den Forschern ist freilich klar, dass ein weltweites Datennetz immer Lücken hat - umso intensiver arbeiten sie an einem adaptiven Vorhersagesystem: Sie wollen prognostizieren können, wo mit welchen Methoden genauer gemessen werden muss, um exaktere Vorhersagen zu erzielen.

Die Forscher nehmen Wettersysteme in den Blick, die schwere Schäden verursachen können: europäische Sturmtiefs, Mittelmeerzyklonen, starke Gewitter mit Hagel und Sturm sowie tropische Wirbelstürme, die sich in außertropische Tiefdruckgebiete umwandeln. Beispiele sind der Wintersturm Kyrill, das Elbehochwasser oder auch Sturmfluten an der Nord- und Ostsee. "Diese Ereignisse sind bisher durch die numerische Wettervorhersage oft nur unzureichend erfasst worden", sagt Professor Volkmar Wirth vom Institut für Physik der Atmosphäre an der Universität Mainz - zum Teil reichten Daten nicht aus, zum Teil stellten Modelle die Daten nicht exakt genug dar. Um das zu ändern, werden die Forscher auf drei Gebieten aktiv: Sie untersuchen Rossby-Wellenzüge - Störungen in der Starkwindzone in etwa zehn Kilometer Höhe, die zu markanten Wettersituationen führen können. Ferner beleuchten sie Prozesse, die bei der Phasenänderung von Wasser - vor allem der Verdunstung und Kondensation - ablaufen und die Entstehung von Unwettern stark beeinflussen. Und sie optimieren Ensemblevorhersagen, bei denen sie viele Prognosen mit verschiedenen Anfangs- und Randbedingungen zusammenfassen: "So wollen wir Fehler und Lücken in den Daten ausgleichen und die Treffsicherheit der Vorhersage erhöhen", erklärt Dr. George Craig vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Oberpfaffenhofen. Ihre Erkenntnisse wollen sie für Vorhersagezentren wie den Deutschen Wetterdienst (DWD) nutzbar machen, mit dem sie eng kooperieren.

Das Vorhaben PANDOWAE ist auf sechs Jahre angelegt. Zur Gruppe gehören Forscherinnen und Forscher des KIT, der Universität Mainz, des DLR Oberpfaffenhofen und des Leibniz Instituts für Atmosphärenphysik (IAP) an der Universität Rostock, außerdem kooperiert sie eng mit der Universität Leeds und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. In der Gruppe beschäftigen sich die KIT-Wissenschaftler unter der Leitung von Professorin Jones und Professor Christoph Kottmeier mit dem Einfluss von tropischen Wirbelstürmen auf das europäische Wetter und mit Mittelmeerzyklonen. Die Mainzer Professoren Wirth und Heini Wernli wollen den Zusammenhang von Rossby-Wellenzügen und der Wärmezufuhr aufgrund der Kondensation von Wasserdampf mit der Entwicklung von Extremwetterereignissen herausfinden. Die IAP-Wissenschaftler um Dr. Dieter Peters untersuchen die Beziehung zwischen brechenden großräumigen Wellen und Stürmen. Und beim DLR forschen unter anderem Craig und Dr. Martin Weissmann an der Vorhersageverbesserung durch gezielte Beobachtungen und Ensembles. In den ersten drei Jahren stehen der Forschergruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) pro Jahr circa 500.000 Euro zur Verfügung.

PANDOWAE ist Teil des Forschungsprogramms THORPEX der Weltorganisation für Meteorologie (WMO). So trug die Gruppe 2008 zur Planung und Realisierung einer internationalen Messkampagne bei, welche die Verbesserung der Taifunvorhersage im Pazifik zum Ziel hatte. THORPEX will die Wettervorhersage von einem Tag bis zu zwei Wochen vor einem Ereignis optimieren - "im Zeitraum von einem bis drei Tagen sind die genaue Struktur und das Timing, danach die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses wichtig", sagt Jones.

Neben der Forschung zählt die Förderung von Nachwuchswissenschaftlern und -wissenschaftlerinnen zu den zentralen Anliegen von PANDOWAE. So tauschen sich junge Forscher bei Sommerschulen untereinander und mit erfahrenen Wissenschaftlern aus. Dabei kooperiert PANDOWAE mit dem Karlsruhe House of Young Scientists (KHYS).

Im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) schließen sich das Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft und die Universität Karlsruhe zusammen. Damit wird eine Einrichtung international herausragender Forschung und Lehre in den Natur- und Ingenieurwissenschaften aufgebaut. Im KIT arbeiten insgesamt 8000 Beschäftigte mit einem jährlichen Budget von 700 Millionen Euro. Das KIT baut auf das Wissensdreieck Forschung - Lehre - Innovation.

Die Karlsruher Einrichtung ist ein führendes europäisches Energieforschungszentrum und spielt in den Nanowissenschaften eine weltweit sichtbare Rolle. KIT setzt neue Maßstäbe in der Lehre und Nachwuchsförderung und zieht Spitzenwissenschaftler aus aller Welt an. Zudem ist das KIT ein führender Innovationspartner für die Wirtschaft.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: www.kit.edu

Das Foto kann in druckfähiger Qualität angefordert werden unter: presse@verwaltung.uni-karlsruhe.de oder +49 721 608-7414.

Weiterer Kontakt:

Klaus Rümmele
Stabsabteilung Presse,
Kommunikation und Marketing
(PKM)
Tel.: +49 721 608-8153
Fax: +49 721 608-5681
E-Mail: klaus.ruemmele@kit.edu

Nähere Informationen:
www.pandowae.de

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news305693

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wie "tickt" der Mensch?

Kerstin Endele, GB Unternehmenskommunikation
Charité-Universitätsmedizin Berlin

Charité-Forscher entdecken neues Gen für die innere Uhr
Ein Forscherteam der Charité - Universitätsmedizin Berlin hat jetzt einen neuen Regulator der inneren Uhr entdeckt. Diese prägt mit ihrem festen Takt von Wach- und Schlafphasen unseren gesamten biologischen Rhythmus. Doch welcher Mechanismus sorgt dafür, dass wir abends müde ins Bett gehen und morgens erholt aufwachen? Die Arbeitsgruppe um Prof. Achim Kramer vom Institut für Medizinische Immunologie sucht im menschlichen Gencode nach jenen Rädchen, die unseren eingebauten Taktgeber in Schwung halten. Erste Ergebnisse präsentiert das Team jetzt in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Genes & Development"*.

Die innere Uhr des Menschen liegt im Gehirn und orientiert sich über den Sehnerv am Einfall des Sonnenlichts. Aber auch unsere Gene beeinflussen den Tag-Nacht-Rhythmus. Bislang waren rund ein Dutzend Uhr-Gene bekannt, doch nun entdeckten die Forscher den Regulator Casein-Kinase 2. Dieses Gen, kurz CK2 genannt, kontrolliert die Aktivität einer bereits bekannten Schlüsselkomponente des natürlichen Uhrwerks, des Period 2. "Period 2 bestimmt, in welcher Phase eines Tages bestimmte biologische Prozesse ablaufen und macht uns somit zum Morgenmenschen oder Nachtschwärmer", sagt Prof. Kramer.

Bei der Suche nach den regulierenden Genen konzentrierten sich die Forscher zunächst auf jene Klasse von Genen, die für die Stabilität von Proteinen verantwortlich ist. Zur Untersuchung legten sie gezielt einzelne Gene in den Zellen still. Spielt das betroffene Gen eine Rolle, lassen sich direkt Auswirkungen auf den Takt beobachten. Um die Veränderungen genau messen zu können, pflanzten die Forscher den Zellen zuvor ein Enzym aus dem Leuchtkäfer Photinus pyralis ein. Dieses Enzym übersetzt die Aktivität der Gene in Helligkeit. Wie bei einem Pendel wechseln sich bei einem Taktzyklus Leucht- und Dunkelphasen ab. An der Intensität und Häufigkeit des Pendelschlags lässt sich die Aktivität der Uhr-Gene messen.

Das neu entdeckte Gen CK2 - ein alter Bekannter in anderen wichtigen Zellfunktionen, wie der Zellteilung und der Reparatur von DNA - fiel dabei besonders auf. Seine Ausschaltung verlängerte die Tagesdauer in den Zellen um rund zwei Stunden. Wurde es besonders aktiviert, beschleunigte sich die innere Uhr, so dass ein Tageszyklus nur noch 23 Stunden dauerte.

Inwieweit diese Ergebnisse für Patienten mit einer Störung der inneren Uhr - etwa durch Jetlag oder Schichtarbeit - von Bedeutung sind, bleibt abzuwarten. Indes gibt Prof. Kramer bereits die nächsten Ziele vor: "Unsere auf das gesamte Erbmaterial ausgeweitete Suche nach unentdeckten Rädchen im molekularen Uhrwerk läuft bereits auf Hochtouren."

*Achim Kramer et al.: A large-scale functional RNAi screen reveals a role for CK2 in the mammalian circadian clock. In: Genes & Development, Volume 23(6), March 2009, 708-718.

Kontakt:
Prof. Achim Kramer
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Campus Charité Mitte
Institut für Medizinische Immunologie
t: +49 30 450 524 263

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Verkehr: Autos als Staumelder

Gunnar Bartsch, Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Der Autoverkehr im Rhein-Main-Gebiet soll weiter zunehmen: Bis zum Jahr 2020 sei mit 5,9 Millionen Fahrten pro Tag zu rechnen, hat der Planungsverband Frankfurt/Rhein-Main vor kurzem mitgeteilt. Mit verstopften Straßen rund um die Bankenmetropole ist also weiterhin zu rechnen. Lässt sich das mit einem intelligenten Warnsystem verhindern? Mit einem System, bei dem die Fahrzeuge selbst miteinander kommunizieren? Ein Feldtest soll das klären; Psychologen von der Universität Würzburg sind daran beteiligt.
Ob Stau- oder Nebelwarnung: Ein gutes Verkehrsinformationssystem muss die Lage auf den Straßen möglichst schnell und kontinuierlich erfassen und verbreiten. Das ginge zum Beispiel, wenn man die Fahrzeuge selbst als mobile Messgeräte einsetzen würde. Sie könnten Informationen erfassen und sie per Funk weitergeben - direkt an andere Fahrzeuge oder stationäre Einheiten an ausgewählten Verkehrsknotenpunkten, die wiederum eine Verbindung zu den Verkehrsleitzentralen herstellen können.

Der Umweg über Polizei und Radiosender würde damit wegfallen, ein effektives Frühwarnsystem für mehr Fahr- und Verkehrssicherheit wäre geschaffen. Zudem gäbe es aktuellere und präzisere Informationen über die Verkehrlage, so dass in der Konsequenz der Verkehr besser geleitet und für alle erheblich sicherer gestaltet werden könnte: Das ist die Vision hinter dem Projekt SIM-TD ("Sichere intelligente Mobilität - Testfeld Deutschland").

Den Start des Projekts gaben drei Bundesministerien (Wirtschaft, Forschung, Verkehr) Ende 2008 bekannt. Als "weltweit größten Feldversuch zur Kommunikation zwischen Fahrzeugen und Verkehrsinfrastruktur" beschreibt es das SIM-TD-Konsortium in einer Pressemitteilung.

Feldversuch im Rhein-Main-Gebiet

Das Projekt soll in den kommenden vier Jahren auf Autobahnen, Bundesstraßen und Nebenstrecken im Großraum Frankfurt/Main verwirklicht werden. Mehrere hundert Testfahrzeuge werden dafür mit Kommunikationstechnik ausgestattet: Sensoren registrieren Geschwindigkeit, Bremshäufigkeit und weitere Werte, die einen Stau oder eine andere Gefahr anzeigen. Diese Informationen werden in den Fahrzeugen verarbeitet. Die daraus abgeleiteten Informationen wie zum Beispiel die Warnung vor dem Ende eines Staus geben die Fahrzeuge dann automatisch und brandaktuell weiter - mittels einer speziellen Funktechnologie, die auf dem bekannten WLAN aufbaut, sowie mittels UMTS-Technik.

Die Informationen fließen direkt an andere Fahrzeuge, die sich in Reichweite befinden. Außerdem gehen sie an stationäre Einheiten, etwa Schilderbrücken über der Autobahn. Von dort können die nachfolgenden Fahrer sofort vor einem Stau gewarnt werden, von dort laufen die Meldungen außerdem an die Verkehrszentralen weiter. Diese werten die Daten aus und übermitteln dann Warnungen oder Umleitungsrouten an Fahrzeuge, die in Richtung Stau unterwegs sind. Auf diese Weise soll jeder Fahrer individuelle Informationen über die Verkehrslage auf seiner Strecke bekommen können.

Die Partner und der Würzburger Part

Neben den Autoherstellern Audi, BMW, Daimler, Ford, Opel und Volkswagen sind auch die Zulieferer Bosch und Continental am Projekt beteiligt, außerdem die Deutsche Telekom, das hessische Landesamt für Straßen- und Verkehrswesen, die Stadt Frankfurt am Main sowie folgende Forschungseinrichtungen: Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, Fraunhofer-Gesellschaft, Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, die Technischen Universitäten Berlin und München sowie die Universität Würzburg. Die Uni Würzburg ist mit ihrem Interdisziplinären Zentrum für Verkehrswissenschaften (IZVW) beteiligt, das sein Know-how unter der Leitung von Professor Hans-Peter Krüger einbringt.

"Zum einen bereiten wir für den Feldversuch Experimente im Großraum von Frankfurt am Main vor", sagt der für das Projekt verantwortliche IZVW-Mitarbeiter Ingo Totzke. Wenn etwa ein Versuchsteilnehmer eine Stauwarnung mitsamt Anweisungen für eine Umleitung bekommt - wie nimmt er diesen Service an, wie reagiert er darauf, welche Auswirkungen hat das für die Fahrsicherheit? Vor allem dafür interessieren sich die Würzburger Verkehrspsychologen. Beobachtet werden die Reaktionen der Fahrer zum Beispiel per Videokamera oder von Beifahrern.

Zum anderen wollen die Mitarbeiter von Professor Krüger das beobachtete Verhalten nutzbar machen: Dazu werden sie in der Fahrsimulation des Würzburger Instituts für Verkehrswissenschaften zusätzlich umfangreiche Versuche durchführen, um das individuelle Fahrverhalten unter standardisierten, kontrollierten Rahmenbedingungen zu erfassen.

Die individuellen Reaktionen, die die Testfahrer zum Beispiel auf eine Stauwarnung hin zeigen, sollen anschließend in eine Verkehrssimulation eingebaut werden. Dabei kooperieren die Würzburger mit Kollegen von der Technischen Universität München: "Dort gibt es einen Verkehrsfluss-Simulator. Darin werden die Konsequenzen simuliert, die das Verhalten eines einzelnen Fahrers auf eine ganze Fahrzeugkolonne hat", erklärt Totzke.

Finanzierung

SIM-TD verfügt über ein Budget von 53 Millionen Euro. 30 Millionen davon stammen von öffentlichen Geldgebern, nämlich vom Bundeswirtschaftsministerium und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Zu den 53 Millionen kommen weitere öffentliche Mittel hinzu: Das Bundesverkehrsministerium und das Land Hessen steuern jeweils acht Millionen Euro bei. Die Würzburger Wissenschaftler können über rund 1,7 Millionen Euro verfügen.

Weitere Informationen

Über den Würzburger Projektteil: Ingo Totzke, T (0931) 31-2175, totzke@psychologie.uni-wuerzburg.de

Über das Gesamtprojekt: SIM-TD Projektleiter Dr. Christian Weiß, Daimler AG, T (07031) 4389550, christian.a.weiss@daimler.com

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Ausgewählte Fragen und Antworten zu Glycidamid in Lebensmitteln

Im Sommer 2008 wiesen Wissenschaftler der Technischen Universität München Glycidamid neben Acrylamid in Kartoffelchips nach. Glycidamid ist als Stoffwechselprodukt von Acrylamid bekannt. Das BfR hat die toxischen Eigenschaften bereits bei der Risikobewertung von Acrylamid berücksichtigt. Dennoch werden immer wieder Fragen zur Gefährlichkeit von Glycidamid an das BfR gerichtet. Die Antworten auf die häufigsten Fragen haben wir daher hier zusammengefasst.
Fragen

* Was ist Glycidamid?
http://www.bfr.bund.de/cd/28574
* Ist Glycidamid gesundheitsschädlich?
http://www.bfr.bund.de/cd/28575
* Gibt es einen Grenzwert für Glycidamid in Lebensmitteln?
http://www.bfr.bund.de/cd/28576
* Was können Verbraucher tun, um Glycidamid zu vermeiden?
http://www.bfr.bund.de/cd/28577
* Sollten Verbraucher bei der Zubereitung von Lebensmitteln eher gesättigte als ungesättigte Fettsäuren verwenden, um Glycidamid zu vermeiden?
http://www.bfr.bund.de/cd/28578

Dokumente:
* Ausgewählte Fragen und Antworten zu Glycidamid in Lebensmitteln (FAQ des BfR vom 17.03.2009)
http://www.bfr.bund.de/cm/276/ausgewaehlte_fragen_und_antworten_zu_glycidamid_in_lebensmitteln.pdf
* Besteht ein gesundheitliches Risiko durch Glycidamid in Lebensmitteln? (Stellungnahme Nr. 005/2009 des BfR vom 23.10.2008)
http://www.bfr.bund.de/cm/208/besteht_ein_gesundheitliches_risiko_durch_glycidamid_in_lebensmitteln.pdf

Externe Links:
* Was wir essen (AID-Homepage)
http://www.waswiressen.de/

 

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Insel Mainau macht Besucher zu Entdeckern - Forschungsexpedition zum Thema Wasser vom 03.7. bis 31.08.2009

Christian Rapp, Communication and Organisation
Kuratorium für die Tagungen der Nobelpreisträger in Lindau e.V.

Auf der Insel Mainau können Wissbegierige ab 3. Juli auf Entdeckungsreise gehen. In 20 Pavillons werden wissenschaftliche Experimente, Simulationen und spannende Exponate zum Thema Wasser ausgestellt. Insbesondere die jungen Besucher der Insel Mainau sollen für Wissenschaft und Forschung interessiert werden. Die Ausstellung findet aus Anlass des 100. Geburtstags von Graf Lennart Bernadotte statt, dem Spiritus Rector und Mitbegründer der Nobelpreisträgertagungen am Bodensee.
Insel Mainau macht Besucher zu Entdeckern
Forschungsexpedition zum Thema Wasser vom 03.7. bis 31.08.2009

Insel Mainau/Lindau, 12.03.2009. Auf der Insel Mainau können Wissbegierige ab 3. Juli auf Entdeckungsreise gehen. In 20 Pavillons werden wissenschaftliche Experimente, Simulationen und spannende Exponate zum Thema Wasser ausgestellt. Gezeigt werden unter anderem Exponate zum Tsunami-Frühwarnsystem für den Indischen Ozean und zur Beobachtung von Ozeanströmungen aus dem Weltall - und wie die Ergebnisse dieser Forschung unser Alltagsleben beeinflussen. Die Ausstellung mit dem Titel "Entdeckungen/Discoveries" ist ein Reiseziel in der "Forschungsexpedition Deutschland", dem Wissenschaftsjahr 2009, ausgerichtet vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, der Initiative Wissenschaft im Dialog gGmbH sowie der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, der Robert Bosch Stiftung und dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ausgerichtet.

"Der Sommer auf der Insel Mainau steht ganz im Zeichen von Wissenschaft und Forschung. Unter dem Motto "Entdecken, Deuten, Anwenden." wollen wir Fragen beantworten, neue Fragen aufwerfen und zum Nachdenken anregen.", erklärt Gräfin Bettina Bernadotte, Präsidentin des veranstaltenden Kuratoriums für die Tagungen der Nobelpreisträger und Geschäftsführerin der Mainau GmbH. "Die Ausstellung ist ein Beitrag zum notwendigen Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Sie richtet sich daher bewusst an ein breites Publikum."

Insbesondere die jungen Besucher der Insel Mainau sollen für Wissenschaft und Forschung interessiert werden. Mit eigens für sie geplanten Aktivitäten werden die Entdecker von morgen und übermorgen durch 'unbekanntes Terrain' geführt: Kreativität, Beharrlichkeit und Neugierde werden dabei mit Antworten belohnt, die zum Experimentieren anregen - ganz so wie bei jenen Forschern, die mit ihren Entdeckungen unser aller Leben verändert haben. Ein Lernparcours mit speziell ausgewählten Exponaten macht dabei auf spielerische Weise mit grundlegenden Gesetzmäßigkeiten der Natur vertraut, Kinder und Jugendliche sollen dabei Wissen erfahren und begreifen.

Die Ausstellung findet aus Anlass des 100. Geburtstags von Graf Lennart Bernadotte statt, dem Spiritus Rector und Mitbegründer der Nobelpreisträgertagungen am Bodensee. Seit deren Gründung hatte er sich für den wissenschaftlichen Dialog zwischen Generationen engagiert. So bringen die Tagungen seit Jahrzehnten hochtalentierte Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt mit Nobelpreisträgern zusammen. Die Veranstalter der Nobelpreisträgertagungen - das Kuratorium für die Tagungen der Nobelpreisträger in Lindau und die Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertreffen am Bodensee - organisieren die Ausstellung auf der Mainau, zusammen mit Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.

Die Ausstellung "Entdeckungen/Discoveries" ist eine dreijährige Reihe. In diesem Jahr steht das Thema "Wasser" im Mittelpunkt, im Sommer 2010 liegt der Fokus auf "Energie" und wenn die Besucher im Jahr 2011 ein letztes Mal auf Entdeckungsreise gehen, werden sie einen Sommer lang bahnbrechende Forschungen zum "System Erde" kennenlernen können.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Umwelthormone im Mineralwasser

Dr. Anne Hardy, Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Frankfurter Ökotoxikologen weisen östrogene Belastung in Deutschlands beliebtestem Getränk nach
FRANKFURT. Ob auf der Arbeit, beim Sport oder zu Hause: Mineralwasser ist aus unserem Leben nicht wegzudenken. Laut dem Verband Deutscher Mineralbrunnen (VDM) hat jeder Deutsche im vergangenen Jahr 138 Liter davon getrunken; die Branche glänzt mit stetig steigenden Absatzzahlen. Nun haben Frankfurter Forscher das Lieblingsgetränk der Deutschen genauer unter die Lupe genommen und wiesen nach: Mineralwasser ist mit Umwelthormonen belastet.

Im Rahmen eines vom Umweltbundesamt (UBA) geförderten Forschungsprojektes untersuchten die Biologen Mineralwasser auf dessen Belastung mit Umwelthormonen, sogenannten Endokrinen Disruptoren. "Wir wussten, dass Lebensmittel mit bestimmten Umwelthormonen kontaminiert sein können," erklärt Prof. Jörg Oehlmann, der das Projekt an der Goethe-Universität leitet. Ein prominentes Beispiel sei die Plastikkomponente Bisphenol A, eine östrogenartig wirkende Chemikalie, die aus Polycarbonat-Flaschen auslaugen und so ins Lebensmittel gelangen kann. "Allerdings haben wir es in der Realität nicht nur mit einer einzelnen Chemikalie, sondern mit einer Vielzahl von Umwelthormonen zu tun," so Oehlmann weiter. Um diese sogenannten Cocktaileffekte einzubeziehen, haben sich die Wissenschaftler nicht auf eine einzelne Substanz konzentriert, sondern haben die gesamte Hormonaktivität von Mineralwasser gemessen.

Martin Wagner führt das Forschungsprojekt im Rahmen seiner Doktorarbeit durch: "Mit einem genetisch veränderten Hefestamm haben wir zahlreiche Mineralwassermarken auf deren Östrogenaktivität untersucht. Enthält das Wasser Umwelthormone, die dem weiblichen Sexualhormon ähneln, können wir deren Bindung an den menschlichen Östrogenrezeptor messen und so Aussagen über die hormonelle Belastung des Mineralwassers treffen."

Die Ergebnisse ihrer Studie haben die Frankfurter Ökotoxikologen nun in der angesehenen Fachzeitschrift 'Environmental Science and Pollution Research' veröffentlicht. In zwölf der 20 untersuchten Mineralwassermarken konnten sie eine erhöhte Hormonaktivität nachweisen. "Zu Beginn unserer Arbeiten hatten wir nicht erwartet, eine so massive östrogene Kontamination in einem Lebensmittel vorzufinden, das strengen Kontrollen unterliegt," sagt Wagner. "Allerdings mussten wir feststellen, dass Mineralwasser hormonell betrachtet in etwa die Qualität von Kläranlagenabwasser aufweist."

Mit ihren Versuchen konnte das Frankfurter Forscherteam zudem belegen, dass zumindest ein Teil der Umwelthormone aus der Kunststoffverpackung stammt. "Wir haben Mineralwasser aus Glas- und Plastikflaschen verglichen und konnten zeigen, dass die östrogene Belastung in Wasser aus PET-Flaschen etwa doppelt so hoch ist, wie in Wasser aus Glasflaschen," so Wagner. Ein Grund dafür könnte das Auslaugen von Plastikadditiven, wie zum Beispiel Weichmachern, aus den PET-Flaschen sein. Dazu Oehlmann: "Wenn sich herausstellt, dass das Auslaugen von Endokrinen Disruptoren aus Kunststoffverpackungen ein generelles Phänomen ist, würde dies bedeuten, dass nahezu die gesamte Bandbreite unserer Lebensmittel hormonell belastet ist."

Noch können die Ökotoxikologen nicht abschätzen, ob die östrogene Kontamination des Mineralwassers ein gesundheitliches Risiko darstellt. Jörg Oehlmann: "Unsere Ergebnis belegen zwar, dass wir mit einer größeren Menge an Umwelthormonen in Kontakt kommen als bisher vermutet, allerdings wissen wir noch nichts über deren Aufnahme und Abbau im menschlichen Körper." Welche Substanzen genau für die hormonelle Belastung im Mineralwasser verantwortlich sind, ist noch nicht geklärt. Das Frankfurter Team arbeitet derzeit an deren Identifizierung.

Die zitierte Veröffentlichung ist unter folgendem Titel und Link verfügbar: Wagner, M. & Oehlmann, J. (2009): Endocrine disruptors in bottled mineral water: total estrogenic burden and migration from plastic bottles, Environmental Science and Pollution Research, Online First: http://dx.doi.org/10.1007/s11356-009-0107-7

Informationen Martin Wagner & Prof. Jörg Oehlmann, Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Siesmayerstr. 70, Tel: (069) 798-24900 /-24738, wagner@bio.uni-frankfurt.de / oehlmann@bio.uni-frankfurt.de

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt am Main. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit über 50 seit 2000 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigte sie sich als eine der forschungsstärksten Hochschulen.

Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Stephan M. Hübner, Pressereferent. Abteilung Marketing und Kommunikation, Senckenberganlage 31, 60325 Frankfurt am Main, Telefon (069) 798 - 23753, Telefax (069) 798 - 28530, E-Mail huebner@pvw.uni-frankfurt.de
Internet: www.uni-frankfurt.de
Weitere Informationen:
http://dx.doi.org/10.1007/s11356-009-0107-7

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Für "Nobelpreis für Umweltschutz" 100 Vorschläge auf dem Tisch

Franz-Georg Elpers, Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Deutscher Umweltpreis der DBU wird 2009 zum 17. Mal vergeben - Festakt am 25. Oktober in Augsburg
Osnabrück/Augsburg. Zum 17. Mal vergibt die unabhängige Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU, Osnabrück) in diesem Jahr ihren mit 500.000 Euro dotierten Deutschen Umweltpreis. Und das Interesse ist ungebrochen: 100 Preisträger-Vorschläge gingen bei der größten Umweltstiftung der Welt ein: "Für unseren 'Nobelpreis für Umweltschutz' haben uns wieder viele qualifizierte Vorschläge aus mittelständischen Unternehmen erreicht. Doch auch die Kandidaten aus Wissenschaft, Forschung und Naturschutz stehen dem in nichts nach", fasst DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde das Ergebnis zusammen. Europas höchstdotierter Umweltpreis wird am 25. Oktober in Augsburg an die neuen Preisträger überreicht.

Ob die Fraunho¬fer- oder Max-Planck-Gesellschaft, der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen, der Deutsche Naturschutzring oder andere an¬erkannte Umweltver¬bände, Arbeitgeberverbände, Gewerkschaf¬ten oder Medien: Sie alle hatten die Gelegenheit, ihre Favoriten für den Deut¬schen Um¬weltpreis 2009 zu benennen. Nach der Begutachtung durch die Geschäftsstelle der DBU prüft eine unabhängige Fachjury im Sommer alle eingegangenen Vor¬schläge, be¬vor das Ku¬ratorium der Stiftung im Herbst endgültig entschei¬det.

Mit der Vergabe des Preises Ende Oktober zeichnet die DBU "Einsatz und Leistungen aus, die entscheidend und in vorbildlicher Weise zum Schutz und zur Erhaltung der Funktionsfähigkeit der Umwelt beigetragen haben oder in Zukunft zu ei¬ner deutlichen Umweltentlastung beitragen werden", wie es die Leitlinien vorsehen. Die Auszeichnung soll Personen, Unternehmen und Organisationen "anstiften", Umweltprobleme rechtzeitig zu erkennen und schon im Vorfeld zu entschärfen. In den achtzehn Jahren ihres Bestehens hat die DBU über 7.200 Projekte zum Umweltschutz mit über 1,25 Milliarden Euro gefördert.

Im vergangenen Jahr überreichte zum fünften Mal Bundespräsident Horst Köhler den Deutschen Umweltpreis: Er ging in der Rostocker Stadthalle an Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Dekan der Donald Bren School für Umweltwissenschaft und -management der Universität Kalifornien (Santa Barbara), und Dr. Holger Zinke, Gründer des mittelständischen Biotech-Unternehmens BRAIN AG (Zwingenberg). Von Weizsäcker wurde geehrt, weil er seit Jahrzehnten hervorragende Überzeugungsarbeit weltweit für nachhaltiges Wirtschaften in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft leistete. Zinke, weil es ihm mit innovativer weißer Biotechnologie gelungen ist, neuartige Wirkstoffe aus der Natur mit großem Erfolg für die industrielle Produktion bereitzustellen und damit die Umwelt zu entlasten.

Zu den Trägern des Deutschen Umweltpreises gehören unter anderem der Hamburger Unternehmer Dr. Michael Otto (1997), der spätere Chemie-Nobelpreisträger Prof. Dr. Paul J. Crutzen (1994) und der ehemalige Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Prof. Dr. Klaus Töpfer (2002). Mit Sonderpreisen ausgezeichnet wurden der Tierfilmer Heinz Sielmann (2005) und die Naturschützerin Hannelore "Loki" Schmidt (2004).
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel28643_335.html

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Moschus belastet die Kläranlagen

Thomas von Salzen, Pressestelle
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Experten tagen zur Abwasserreinigung
Die Essener Tagungen sind ein wichtiges Forum für die internationale Fachwelt, das den Austausch über wissenschaftliche, wirtschaftliche und technologische Aspekte der Wasser- und Abfallwirtschaft ermöglicht und vom Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft und Siedlungsabfallwirtschaft der RWTH Aachen (ISA) veranstaltet wird.

Die 42. Essener Tagung findet vom 18. bis 20. März im Eurogress Aachen statt und bietet ein umfassendes Programm zum Thema "Mikroschadstoffe in der aquatischen Umwelt". Gewässerschutz, Energieoptimierung, administrative Belange und Managementstrategien gleichermaßen werden im Rahmen von Fachvorträgen namhafter Referenten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft thematisiert. Darüber hinaus haben die rund 900 erwarteten Tagungsteilnehmer die Möglichkeit, in einer begleitenden Fachausstellung (Technologieforum) neue Produkte und Dienstleistungen der Unternehmen kennen zu lernen. Ergänzt wird das Programm außerdem durch zwei Fachexkursionen zu Wasseraufbereitungsobjekten in der Region.

Weitere Einzelheiten und das vollständige Tagungsprogramm finden Sie unter www.essenertagung.de. Auskunft erteilt Dr. Verena Kölling unter der Rufnummer 0241 / 80-252 14 oder per E-Mail: et@isa.rwth-aachen.de

i. A. Isabella Florea
Weitere Informationen:
http://www.essenertagung.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Neue Information für Menschen mit Diabetes

Dr. Sylvia Sänger, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin

Die Patientenleitlinie "Netzhautkomplikationen bei Typ-2-Diabetes" ist seit dem 12. März 2009 online verfügbar. Unter der Adresse http://www.diabetes.versorgungsleitlinien.de (dort auf Netzhautkomplikationen klicken) können nicht nur Ärzte auf die an sie gerichtete Leitlinie zugreifen. Dieses ärztliche Wissen ist ab jetzt auch in einer laienverständlichen Version für Betroffene und Angehörige verfügbar. In der vergangenen vierwöchigen Konsultationsphase sind zahlreiche Rückmeldungen zum Konsultationsentwurf der Patientenleitlinie eingegangen, die bei der Überarbeitung für diese Fassung berücksichtigt wurden.
Auch ein gut eingestellter Diabetes kann schwere Folgeerkrankungen verursachen. Dazu gehören krankhafte Veränderungen der Netzhaut, die bis zur Erblindung führen können. Das Risiko zu erblinden ist bei Menschen mit Diabetes fünffach höher als in der Normalbevölkerung. Jährlich erblinden in Deutschland ungefähr 1700 Menschen als Folge ihrer Diabeteserkrankung. Eine qualitätsgesicherte Diagnostik und eine Behandlung auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse, kombiniert mit der Aufmerksamkeit der Betroffenen sich selbst gegenüber, kann das Risiko von Sehverschlechterungen oder Erblindung minimieren und zum Erhalt der Lebensqualität beitragen. Wie das praktisch umgesetzt werden kann, wird in der Patientenleitlinie "Netzhautkomplikationen bei Typ-2-Diabetes" erläutert.

Der Patientenratgeber "Netzhautkomplikationen bei Typ-2-Diabetes" gibt das Wissen aus der ärztlichen Leitlinie in verständlicher Form an Patienten weiter. Über die Verständlichkeit "wachen" die an der Erstellung beteiligten Patientenvertreter des Deutschen Diabetiker Bundes e.V., der Bundesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen e.V. (BAG SELBSTHILFE) und der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V. In Kürze wird diese Information durch eine barrierefreie Datei ergänzt, um auch Menschen mit schweren Sehbehinderungen dieses Wissen zugänglich zu machen. Im Rahmen der Reihe "Folgeerkrankungen bei Diabetes" wurde bereits eine Patientenleitlinie zu "Fußkomplikationen bei Typ-2-Diabetes" erstellt. Weitere Themen zu möglichen Komplikationen und zur Diagnostik und Therapie der Grunderkrankung Diabetes werden folgen.

Nationale VersorgungsLeitlinien und ihre zugehörigen PatientenLeitlinien sind Teil des Programms für Nationale VersorgungsLeitlinien. Träger dieses Programms sind die Bundesärztekammer, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Die Durchführung und Koordination erfolgt durch das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin.

Ansprechpartner:
Dr. Sylvia Sänger
Bereichsleitung Patienteninformation
Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ)
Gemeinsames Institut von BÄK und KBV
Wegelystraße 3 / Herbert-Lewin-Platz, 10623 Berlin
Tel: 030-4005-2520, Fax: 030-4005-2555
E-Mail: Saenger@azq.de
URL: www.azq.de
Weitere Informationen:
http://www.versorgungsleitlinien.de/themen/diabetes2/dm2_netzhaut/patienten/pdf/... - Direktlink zur Patientenleitlinie Netzhautkomplikationen
http://www.versorgungsleitlinien.de - Programm für Nationale VersorgungsLeiitlinien

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Was Frauen aus dem Beruf drängt

Dr. Paul Stoop, Informations- und Kommunikationsreferat
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH

Wiedereinstieg nach einer Pause hängt stark vom Arbeitsalltag ab
Wenn die Arbeitsbedingungen ungünstig sind, kehren viele Frauen nach einer Erwerbspause spät oder gar nicht in ihren Beruf zurück. Als besonders unattraktiv erweisen sich Berufe mit langen Arbeitszeiten (mehr als 46 Stunden pro Woche, z.B. Friseurinnen), mit einem körperlich anstrengenden oder mit einem monotonen Arbeitsalltag (z.B. Gebäudereinigerinnen). Schneller kehren Frauen in die Erwerbstätigkeit zurück, wenn sie aus Berufen mit flexiblen und meist selbstbestimmten Arbeitszeiten kommen - vor allem an Wochenenden und Feiertagen (z.B. Krankenschwestern, Stewardessen, Restaurantfachfrauen). Solche Arbeiten sind oft besser bezahlt und ermöglichen Frauen, die Kindererziehung mit dem Partner zu teilen. Das ist das Ergebnis der Studie "Berufsrückkehrerinnen: Die Potenziale nicht erwerbstätiger Frauen für den Arbeitsmarkt", die das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) für das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erarbeitet hat.

Damit hat der Beruf mit seinen spezifischen Arbeitsbedingungen und Anforderungen einen entscheidenden Einfluss auf die Dauer von Erwerbsunterbrechungen - neben anderen Faktoren wie dem Alter und der Ausbildung der Frauen oder der Wirtschaftslage.

Die durchschnittliche Unterbrechungsdauer liegt bei 110 Monaten. Besonders lange pausieren Friseurinnen (im Schnitt 169 Monate); die meisten kehren gar nicht in einen Job zurück. Verkaufs- und Vertriebssachbearbeiterinnen pausieren dagegen nur 56 Monate.

Die Studie zeigt jedoch auch, dass Frauen aus ökonomischen Gründen oft keine andere Wahl bleibt, als schnell in Berufe mit belastenden Arbeitsbedingungen zurückzukehren. Das wird deutlich an Berufen, in denen besonders häufig un- und angelernte Frauen oder viele geringfügig Beschäftigte arbeiten.

In der Studie wurden 111 Berufe von Frauen zwischen 25 und 60 Jahren untersucht, die ihre Erwerbstätigkeit aus verschiedenen Gründen (Familie, persönliche Gründe, Entlassung) unterbrochen haben.

Die Zusammenfassung der Studie ist online verfügbar:
http://www.wzb.eu/wzb/pdf/kurzfs.pdf

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Darwins Zeitmaschine

Dr. Anne Hardy, Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Welche Auswirkungen hatte die Überdüngung von Seen in den 1970/80er Jahren auf die dort lebende Fauna? Biologischer Archive geben die Antwort.
FRANKFURT. Heute sind viele mitteleuropäische Seen sauberer als in den 1970/80er-Jahren, als sie durch phosphathaltige Waschmittel und die Auswaschung phosphathaltigen Düngers aus den Feldern unbeabsichtigt stark gedüngt (eutrophiert) wurden. Diese Seen verloren ihre natürliche Artenvielfalt. Die Algen, darunter auch toxische Cyanobakterien, vermehrten sich rapide. Aufgrund der entstehenden Sauerstoffarmut kam es wiederholt zu Fischsterben. Dank konsequenter Ringkanalisationen und Abwasserbehandlungen haben inzwischen viele dieser Seen wieder ähnlich niedrige Phosphatwerte wie Anfang der 1950er-Jahre. Allerdings hat sich die Zusammensetzung der Arten während dieser Zeit durch evolutionäre Anpassungsprozesse verändert. Das berichten Wissenschaftler der Goethe-Universität in der aktuellen Ausgabe der 'Proceedings of the National Academy of Sciences'. Ihr Fazit: Das Rad der Evolution lässt sich nicht zurückdrehen; menschliche Eingriffe in Ökosysteme hinterlassen ihre Spuren, auch nachdem belastende Faktoren beseitigt worden sind.
Die Forscher machten sich in Zusammenarbeit mit Priv. Doz. Klaus Schwenk und Nora Brede für ihre Untersuchung 'biologische Archive' zunutze, nämlich die Dauereier einer Wasserfloh-Art der Gattung Daphnia. So wie Pflanzen Samen produzieren, können die zu den Krebsen zählenden Wasserflöhe Dauereier entwickeln. Sie ermöglichen es ihnen, in Trockenperioden oder Zeiten geringen Nahrungsangebots zu überleben. Ein Teil der Eier sinkt auf den Seegrund und bildet dort über Jahrzehnte ein biologisches Archiv. Gemeinsam mit Forschern der Universität Konstanz und des schweizerischen Wasserforschungs-Instituts Eawag gewannen die Frankfurter Forscher Bohrkerne vom Grund des Bodensees und des schweizerischen Greifensees. Sie entnahmen daraus bis zu 50 Jahre alte Dauereier, die sie im Labor wieder zum Leben erweckten. Mittels molekulargenetischer Analysen konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass Anfang des 20. Jahrhunderts in beiden Seen nur eine Wasserfloh-Art der Gattung Daphnia nennenswert vorkam (Daphnia hyalina). Im Laufe der Eutrophierungsphase wurde sie von einer zweiten Art (D. galeata) verdrängt. Während der 1970/80er-Jahre, der Phase stärkster Belastung, dominierte D. galeata sogar eindeutig. Während der Zeiten des Anstiegs (in den 1950/60er-Jahren) und des Rückgangs (in den 1980er-Jahren) traten zudem Mischlinge (interspezifische Hybriden) auf.
"Diese Ergebnisse belegen, dass anthropogene Veränderungen wie die Eutrophierung eine massive und nicht wieder voll umkehrbare Auswirkung auf Tierarten haben können", erläutert Projektleiter Schwenk. Zusätzlich dokumentieren sie, mit welcher Geschwindigkeit Evolutionsprozesse im Tierreich vonstatten gehen können: "In weniger als 50 Jahren hat sich die Genomstruktur einer Art messbar verändert", sagt Schwenk über das verblüffende Ergebnis seiner Studie. Auch im Vergleich zur Zeitskala der Erdgeschichte kurzfristige Eingriffe von einigen Jahrzehnten hinterlassen also in Ökosystemen ihre evolutionären Spuren.
Aufbauend auf dieser Erkenntnis werden Brede und das Frankfurter Team um Schwenk und Prof. Bruno Streit weiterführende Untersuchungen an biologischen Archiven nutzen, um die Reaktion von Organismen auf den globalen Klimawandel zu untersuchen. Ein Schwerpunkt der beginnenden Arbeiten im neu gegründeten LOEWE-Forschungszentrum Biodiversität und Klima (BiKF) in Frankfurt liegt darin, herauszufinden, wie und wie schnell sich Pflanzen und Tiere genetisch an die veränderten Temperaturbedingungen anpassen. Hierbei wird das Team auch auf andere, bislang unerforschte Archive zurückgreifen. Biologische Archive könnten somit einen wertvollen Beitrag dazu leisten, die vor 150 Jahren von Darwin beschriebenen Prozesse der Veränderung der Arten durch natürliche Selektion mit modernen Methoden zu analysieren und besser zu verstehen.

Brede, N., C. Sandrock, D. Straile, P. Spaak, T. Jankowski, B. Streit & K. Schwenk. 2009. The impact of human-made ecological changes on the genetic architecture of Daphnia species. Proceedings of the National Academy of Sciences USA.

Web link: www.pnas.org/content/early/recent (Der Artikel kann ab heute täglich im Bereich 'Earyl Edition' online gehen; er ist bereits in einer Vorabversion im Bereich 'reporters-only' der PNAS-Homepage abrufbar)

Informationen: Priv. Doz. Klaus Schwenk, Abteilung Ökologie & Evolution,
Institut für Ökologie, Evolution und Diversität, Tel: (069) 798-24775, k.schwenk@bio.uni-frankfurt.de

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt am Main. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit über 50 seit 2000 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigte sie sich als eine der forschungsstärksten Hochschulen.

Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Stephan M. Hübner, Pressereferent. Abteilung Marketing und Kommunikation, Senckenberganlage 31, 60325 Frankfurt am Main,
Telefon (069) 798 - 23753, Telefax (069) 798 - 28530,
E-Mail huebner@pvw.uni-frankfurt.de
Internet: www.uni-frankfurt.de
Weitere Informationen:
http://www.pnas.org/content/early/recent

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Akupunktur hilft bei Heuschnupfen

Kerstin Endele, GB Unternehmenskommunikation
Charité-Universitätsmedizin Berlin

Charité sucht Pollenallergiker für Akupunktur-Studie
Weshalb hilft Akupunktur bei Heuschnupfen? Das wollen Forscher der Charité - Universitätsmedizin Berlin zu Beginn der Allergiesaison in einer Studie herausfinden. Das Team um Prof. Stefan Willich und Privatdozent Dr. Benno Brinkhaus vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie am Campus Charité Mitte hat bereits in einer vorangegangenen Studie deutliche Hinweise erhalten, dass Akupunktur bei Heuschnupfen Beschwerden lindert.

Mehr als 5000 Pollenallergiker hatten an dieser Untersuchung teilgenommen, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift Annals of Allergy, Asthma & Immunology* veröffentlicht wurden. Die Teilnehmer litten unter typischen Heuschnupfen-Symptomen wie Niesanfällen, Augenentzündungen und Atembeschwerden. Akupunktur bessert bei bis zu 80 Prozent aller Patienten die Heuschnupfenbeschwerden, zusätzlich steigert sich die Lebensqualität der Patienten deutlich. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass Akupunktur in der Routineversorgung wirkt. "Uns hat besonders beeindruckt, dass sich bei Heuschnupfen ähnliche Ergebnisse zeigen wie bei chronischen Schmerzerkrankungen", sagt Prof. Willich.

Die aus der traditionellen chinesischen Medizin stammende Akupunktur findet weltweit immer größere Akzeptanz. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt sie bei rund 40 Krankheitsbildern, darunter auch Heuschnupfen. Klinisch aussagekräftige Studien fehlen für diese Erkrankung bisher jedoch weitgehend. Diese Lücke wollen die Forscher jetzt schließen.

Als nächstes planen sie, in einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützten Studie herauszufinden, ob wirklich die Akupunkturnadeln für die Besserung der Symptome verantwortlich sind oder doch eher die intensive Arzt-Patienten-Beziehung während der Therapie. Teilnehmen können Menschen im Alter zwischen 16 und 45 Jahren mit einer leichten oder mittelschweren Gräser- und Birkenpollenallergie, wenn sie sich bis Ende Mai anmelden. Informationen erhalten Interessierte unter 030 450 529 146.

* Brinkhaus, Willich et. al: Acupuncture in patients with allergic rhinitis: a pragmatic randomized trial. In: Annals of Allergy, Asthma & Immunology, Volume 101, November 2008, 535-543.

Kontakt:
PD Dr. Benno Brinkhaus
Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Campus Charité Mitte
t: +49 30 450 529 079

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Warum die Giraffe nicht wie ein Dackel laufen kann

Manuela Heberer, Referat Öffentlichkeitsarbeit
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Wissenschaftler der Universität Jena erforschen in EU-Projekt die menschliche Fortbewegung
Zuerst können sie nur einige Zentimeter vorwärts robben, dann beginnen sie zu krabbeln und irgendwann, nachdem sie sich zum ersten Mal selbstständig aufgerichtet haben, sind sie vor Begeisterung am Laufen kaum noch zu bändigen. "Die Art, wie Kinder laufen lernen, ist dem Übergang vom vierbeinigen zum zweibeinigen Gang im Laufe der Evolution des Menschen erstaunlich ähnlich", sagt Dr. André Seyfarth von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Zusammen mit einem internationalen Forscherteam will er herausfinden, wie sich der Übergang zur Zweibeinigkeit mechanisch abspielt. Dafür startet jetzt ein Kooperationsprojekt mit Kollegen aus der Schweiz, Belgien, Dänemark und Kanada, das die EU für die nächsten vier Jahre mit insgesamt 2,7 Millionen Euro fördert. 515.000 Euro davon erhält die Jenaer Arbeitsgruppe um Dr. Seyfarth.

Locomorph heißt das neue Projekt, zusammengesetzt aus den Wörtern Lokomotion und Morphologie. Dahinter verbirgt sich, wörtlich genommen, die Gestalt der Bewegung. Und genau das ist erklärtes Ziel von André Seyfarth: "Wir wollen begreifen, wie die mechanische und neuronale Kommunikation im bewegten Bein aussieht. Und zwar so genau, dass wir es nachstellen können." Geplant ist der Bau von modularen Laufrobotern, mit denen die Entwicklung von der vierbeinigen zur zweibeinigen Lokomotion nachgestellt werden kann. Doch bevor die Wissenschaftler diesen letzten der drei Projektteile verwirklichen können, stehen Bewegungsanalysen und die Entwicklung von Computermodellen an.

Im Jenaer Lauflabor starten dazu jetzt Untersuchungen, bei denen die Bewegung von Probanden auf dem Laufband eingehend erforscht wird. Dazu nutzen die Wissenschaftler auch speziell angepasste Orthesen. Die werden normalerweise eingesetzt, um eingeschränkt funktionstüchtige Körperteile zu unterstützen, zum Beispiel zur Gelenkstabilisierung nach Sportunfällen. "Unsere Orthesen haben wir in ihrer Mechanik so umgebaut", erklärt André Seyfarth, "dass wir von außen typische Bewegungsprogramme nachstellen können. Der Körper kann uns dann signalisieren, ob er das Programm als hilfreich oder störend empfindet." Dadurch erfahren die Forscher, ob es sich bereits um den natürlichen Zustand handelt oder ob sie weiter nach der richtigen Lösung suchen müssen. "Wir nutzen sozusagen einen umgekehrten Weg und versuchen die biologischen Zusammenhänge aufzuklären, indem wir die zugrunde liegenden Mechanismen identifizieren und dem Körper anbieten", so Seyfarth.

Parallel zu den Analysen der Jenaer Arbeitsgruppe machen die Kollegen in Belgien ähnliche Messungen mit Echsen, Primaten und Kindern. "Dadurch erhoffen wir uns ein möglichst genaues Bild der Bewegungsmuster beim Übergang vom vier- in den zweibeinigen Gang", so Seyfarth.

Anhand der Messdaten wollen die Wissenschaftler ein Computermodell entwickeln und anschließend in ein technisches System umsetzen. Dafür sollen im gerade vergrößerten Jenaer Laufrobotik-Labor verschiedene Laufroboter konstruiert werden, mit denen sich die Bewegungsmodelle darstellen und testen lassen. Der Vorteil eines technischen Systems liegt für Arbeitsgruppenleiter André Seyfarth auf der Hand: Man kann es anfassen, verändern und beobachten, welche Reaktion die Veränderung hervorruft. "Dadurch nähern wir uns Schritt für Schritt den exakten Abläufen bei der menschlichen Bewegung."

Ziel des Projekts ist es, mit Hilfe der Robotik ein Werkzeug zu schaffen, mit dem die Bewegungsmorphologie in verschiedenen menschlichen oder biologischen Entwicklungsstufen dargestellt und begreiflich gemacht werden kann. Dadurch wäre es möglich, für Patienten mit Bewegungsstörungen oder Beinamputationen individuelle Therapien oder Prothesen zu entwickeln, so Seyfarth. Schließlich habe jeder Mensch ein eigenes Gangbild. Den herkömmlichen Vergleich gestörter Bewegungsmuster mit einer Normkurve hält der Jenaer Wissenschaftler für ungünstig, weil dieser individuelle Bewegungseigenschaften des jeweiligen Körpers nicht abbildet. "Wenn man eine Giraffe zwingt, wie ein Dackel zu gehen, wird sie immer unglücklich sein, weil sie es einfach nicht realisieren kann", macht Seyfarth das Problem deutlich.

"In vier Jahren", so hofft er, "könnte durch neue Forschungsergebnisse eine bessere Grundlage dafür geschaffen sein, um bei der Behandlung von motorischen Störungen, z. B. nach einem Unfall, die individuellen morphologischen Voraussetzungen zur Fortbewegung der einzelnen Patienten besser berücksichtigen zu können."

Kontakt:
Dr. André Seyfarth
Institut für Sportwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Str. 23, 07743 Jena
Tel.: 03641/945730
E-Mail: Andre.Seyfarth[at]uni-jena.de
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Chemikalien leasen - Umwelt entlasten

UBA stellt Konzept für „Nachhaltige Chemie" vor

Unternehmen sollten künftig nicht mehr nur Autos und Computer leasen, sondern auch Chemikalien. Das schlägt das Umweltbundesamt (UBA) im Papier „Nachhaltige Chemie" vor. Die Idee ist einfach: Hersteller oder Importeure verkaufen nicht die Chemikalie - etwa ein Lösemittel zur Platinenherstellung - sondern bieten dem Käufer, dass die Funktion oder Dienstleistung der Chemikalie an - was die fach- und umweltgerechte Nutzung einschließt. Nach der Nutzung nimmt der Anbieter die ausgedienten Chemikalien zurück, bereitet sie auf oder entsorgt sie umweltgerecht. Beim Chemikalien-Leasing verdienen die Anbieter künftig an ihrem Know-how - und nicht wie bisher über die Menge der verkauften Chemikalien. UBA-Präsident Andreas Troge verspricht sich positive Effekte für Umwelt, die Schonung von Rohstoffen: .Gerade die überdurchschnittlich innovativen Chemieunternehmen in Deutschland haben gute Voraussetzungen für mehr Nachhaltigkeit beim Chemikalieneinsatz mittels Chemikalienleasing. Wer sich in Krisenzeiten mit Ressourcen schonenden Techniken gut aufstellt, hat bessere Chancen, im globalen Wettbewerb zu bestehen".

Neben dem Chemikalienleasing präsentiert das UBA im Papier „Nachhaltige Chemie" weitere Ideen für mehr Umwelt- und Ressourcenschutz in und mit der chemischen Industrie: etwa verbesserte metallorganische Katalysatortechniken, mit denen sich Polyethylen- und Polypropylen-Kunststoffe mit der gewünschten Stoßfestigkeit und Transparenz herstellen lassen. Die neue Verfahren verursachen weniger Nebenprodukte und sind material- sowie energiesparender als die herkömmliche Technik. Aus diesen Kunststoffen entstehen zum Beispiel Aufbewahrungsdosen für den Kühlschrank, Trinkwasserrohre, Kabelisolierungen oder Müllsäcke.

Ein anderes Beispiel ist die „Weiße Biotechnik": Sie ersetzt mit Bakterien, Hefen oder Schimmelpilzen traditionelle chemische Verfahren. Vitamin B2 und Vitamin C stammen bereits heute zu fast 100 Prozent aus biotechnologischer Herstellung . Weiße Biotechnik ist wesentlich energie- und emissionsärmer; außerdem kommen Melasse, Molke oder andere erneuerbare Rohstoffe als Nährmedien zum Einsatz. Die Weiße Biotechnik arbeitet mit Normaldruck und in etwa bei Raumtemperatur. Traditionelle chemische Prozesse brauchen dagegen hohen Druck und zum Teil hohe Temperaturen. Beides führt zu relative hohem Energieaufwand.

Mit dem Papier „Nachhaltige Chemie Positionen und Kriterien des Umweltbundesamtes" lädt das UBA Unternehmen und Wissenschaft zum Ideenaustausch ein - über Deutschland und Europa hinaus: „Chemikalien wirken global auf Umwelt und Gesundheit. Sie breiten sich über die Luft, das Wasser und den Handel rasch aus. Mehr Umweltschutz beim Umgang mit Chemikalien ist deshalb keine regionale, sondern eine globale Herausforderung.", sagt UBA-Präsident Troge.

Das Hintergrundpapier zur nachhaltigen Chemie steht unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/hintergrund/nachhaltige_chemie.pdf zur Verfügung.

Informationen zum UBA-Forschungsprojekt Chemikalienleasing und zu internationalen Aktivitäten stehen unter http://www.chemikalienleasing.de/

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Wie der Stickstoff aus dem Meer entkommt

Dr. Fanni Aspetsberger, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

Vorhersagen über die Rolle des Ozeans für das Weltklima sind auf ein tiefgreifendes Verständnis der Stoffkreisläufe im Meer angewiesen. Bei den Stickstoffverlusten lag man bisher falsch. Eine neue Studie deckt nun die komplexen Zusammenhänge in der Sauerstoffminimumzone des tropischen Südostpazifiks auf.
In Folge der globalen Erwärmung dehnen sich Regionen sauerstoffarmen Wassers - so genannte Sauerstoffminimumzonen - in den Weltmeeren immer weiter aus. Das hat weitreichende Auswirkungen auf den Lebensraum Meer und die Fischereiwirtschaft, da höhere Organismen diese Regionen meiden. Auch die globalen Kreisläufe von Kohlenstoff und Stickstoff sind eng mit Sauerstoffminimumzonen verknüpft. Ein detailliertes Verständnis dieser Kreisläufe ist daher unverzichtbar, um die Auswirkungen des fortschreitenden Klimawandels auf die Weltmeere und mögliche Rückkopplungen vorherzusagen. Eine im Fachjournal "PNAS" der Amerikanischen Akademie der Wissenschaften erschienene Studie unter der Leitung von Phyllis Lam vom Max-Planck-Insitut für Marine Mikrobiologie in Bremen bringt uns diesem Verständnis einen großen Schritt näher.

Die Forscher beschäftigten sich mit dem Stickstoffkreislauf im tropischen Südostpazifik rund um die peruanische Sauerstoffminimumzone. Diese Region ist eine von drei Meeresregionen, in denen Stickstoff aus dem Meerwasser entweicht. "Lange Zeit wurde dieser Verlust auf Denitrifizierung zurückgeführt. Dabei wird Nitrat in Luftstickstoff umgewandelt, der dann in die Atmosphäre entweichen kann", erklärt Lam. "Dieses Bild wandelt sich allerdings: Scheinbar sind so genannte Anammox-Bakterien für den Großteil des "verlorenen" Stickstoffs verantwortlich. Bisher war jedoch unklar, woher die Anammox-Bakterien die "Rohstoffe" für diese Umwandlung nehmen." Zudem ist im Untersuchungsgebiet keine Denitrifizierung messbar. Das stellt unser Verständnis vom eng verbundenen Kohlenstoffkreislauf in Frage - wenn es nicht die Denitrifizierung ist, welcher Prozess verantworte dann in sauerstoffarmen Wasserkörpern den Abbau organischen Materials?

Lams Erkenntnisse erschüttern bisherige Annahmen über den Stickstoffkreislauf in der peruanischen Sauerstoffminimumzone. Sowohl Experimente als auch molekulare Untersuchungen deuten darauf hin, dass mehrere Prozesse (mit Bezeichnungen, die den Laien durchaus fordern) beteiligt sind (Abb. 1): Der Großteil des Stickstoffs geht tatsächlich durch Anammox verloren. Dies ist unmittelbar an die Nitratreduktion und aerobe Ammoniakoxidation (den ersten Schritt der Nitrifizierung) als Quellen des NO2- gekoppelt. Das erforderliche NH4+ wiederum stammt aus der dissimilatorischen Nitratreduktion (DNRA) und Remineralisierung von organischem Material durch Nitratreduktion und vermutlich mikroaerobe Respiration. Die Bedeutung der einzelnen Prozesse variiert zwischen Küstenregionen und dem offenen Ozean ebenso wie in unterschiedlichen Tiefenschichten der Sauerstoffminimumzone. Zudem erstaunten die Forscher die hohen Umsatzraten der DNRA - bisher vermutete man, dass dieser Prozess im offenen Ozean keine Rolle spielt.

Mit ihren Erkenntnissen stürzen die Bremer Forscher die vorherrschende Meinung, dass Nitrat aus der Tiefsee für den gesamten Stickstoffverlust des Ozeans verantwortlich ist. Dessen Anteil betrug ersten Abschätzungen zufolge nur etwa die Hälfte, während die restlichen Verluste aus remineralisiertem Stickstoff - also solchem, der aus organischem Material stammte - erwuchsen.

Bisherige Berechnungen des Stickstoffverlusts, die sich alleine auf Messungen des Nitratdefizits berufen, unterschätzen den tatsächlichen Verlust aus dem Ozean also vermutlich substantiell - gerade wenn die Ergebnisse auf die anderen Sauerstoffminimumzonen der Welt übertragbar sind. "Insbesondere die Rolle des remineralisierten Stickstoffs muss überdacht werden", betont Lam. "Nur so werden verlässliche Vorhersagen über die zukünftige Rolle der Ozeane für das Weltklima möglich."

Hintergrund 1: Der Stickstoffkreislauf im Meer

Alles Leben auf der Erde hängt vom Stickstoff ab, denn er ist unverzichtbar für Zellbestandteile wie Proteine und die DNA. Die Organismen können jedoch nicht alle Verbindungen dieses Elements nutzen. Daher bestimmt im Ozean nur ein Teil der Stickstoffverbindungen die Produktivität des gesamten Ökosystems. Die Umwandlung einer Verbindung in eine andere übernehmen spezialisierte Mikroorganismen.

Im Ozean wird Stickstoff in Form von Ammonium (NH4+) hauptsächlich durch den Abbau organischer Verbindungen frei gesetzt. In einem zentralen Schritt, bekannt als Nitrifizierung, wird Ammonium in Nitrit (NO2-) und dann in Nitrat (NO3-) umgewandelt. Dieser Prozess verbraucht Sauerstoff. Das Nitrat wird anschließend ohne Sauerstoff in mehreren Zwischenschritten in gasförmigen elementaren Stickstoff (Luftstickstoff, N2) umgewandelt. Diese Reaktion nennt sich Denitrifizierung. Alle Umwandlungen werden durch Mikroorganismen vermittelt. Das N2 entweicht als Gas aus dem Meer. Vor ein paar Jahren entdeckten Forscher vom Bremer Max-Planck-Institut den Prozess der anaeroben Oxidation von Ammonium (ANAMMOX) im Meer. Unter sauerstofffreien Bedingungen wandeln Anammox-Bakterien Ammonium direkt mit Nitrit in gasförmigen Stickstoff (N2).

Hintergrund 2: Sauerstoffminimumzonen

Die Sauerstoffminimumzone ist eine Wasserschicht mit sehr geringem Sauerstoffgehalt, üblicherweise in 200 bis 1000 m Wassertiefe. Zwar machen die sauerstoffarmen Wassermassen nur etwa 0,1% des Meeresvolumens aus, dennoch sind sie für 20-40% des Stickstoffverlusts verantwortlich.

Hintergrund 3: Die Methoden

Lam und ihre Kollegen nutzten für ihre Analyse das stabile Isotop des Stickstoffs (15N). Das ermöglicht die detaillierte Untersuchung einzelner Stoffumwandlungen. Zudem analysierten sie die parallele Genexpression der anwesenden Organismen - wenn diese die zellinterne Maschinerie zum Bau der notwendigen Enzyme anwerfen.

Fanni Aspetsberger

Rückfragen an:
Dr. Phyllis Lam Tel. +49 (0)421 2028 644; plam@mpi-bremen.de
oder an die Pressesprecher:
Dr. Manfred Schlösser Tel. +49 (0)421 2028 704; mschloes@mpi-bremen.de
Dr. Fanni Aspetsberger Tel. +49 (0)421 2028 704; faspetsb@mpi-bremen.de

Originalartikel: Revising the Nitrogen Cycle in the Peruvian Oxygen Minimum Zone. Phyllis Lam, Gaute Lavik, Marlene M. Jensen, Jack van de Vossenberg, Markus Schmid, Dagmar Woebken, Dimitri Gutiérrez, Rudolf Amann, Mike S. M. Jetten and Marcel M. M. Kuypers. Proceedings of the National Academy of Sciences. DOI: 10.1073/pnas.0812444106

Beteiligte Institute:
Max Planck Institute for Marine Microbiology, Celsiusstrasse 1, D-28359 Bremen, Germany.
Microbiology, IWWR, Radboud University Nijmegen, Nijmegen, the Netherlands.
Dirección de Investigaciones Oceanográficas, Instituto del Mar del Perú, Esquina Gamarra y General Valle S/N Chucuito Callao, Peru.
Weitere Informationen:
http://www.mpi-bremen.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Cholesterinspiegel - wie hoch darf er wirklich sein?

Pierre König, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Herzstiftung: Grenzwerte hängen vom Gesamtrisiko des Patienten ab
Ungünstige Cholesterinwerte im Blut schaden den Blutgefäßen und erhöhen so die Gefahr für Herzinfarkte und andere Herz-Kreislauf-Krankheiten. Allerdings: Ein Gesamtcholesterin, das für den einen Patienten gerade noch akzeptabel ist, kann für einen anderen schon definitiv zu hoch sein. Welche Grenzwerte im Einzelfall gelten, sollte man mit seinem Arzt besprechen, wie die Deutsche Herzstiftung empfiehlt. Selbstverständlich sollte es sein, seine Cholesterinwerte überhaupt zu kennen.

"Ab wann mit einer deutlich erhöhten Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu rechnen ist, hängt vom individuellen Gesamtrisiko des Patienten für diese Krankheiten ab", erläutert Prof. Helmut Gohlke, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung und Chefarzt am Herz-Zentrum Bad Krozingen. So unterscheiden sich die empfohlenen Cholesterin-Obergrenzen für gesunde Menschen ohne Risikofaktoren erheblich von denen, die für Patienten mit Herz- oder Gefäßleiden als akzeptabel eingestuft werden.

Zuerst mit der Ernährung gegensteuern

Bei allen Menschen ohne Herzerkrankung sollte der erste Schritt zur Senkung eines erhöhten Cholesterinspiegels darin bestehen, die Ernährung umzustellen. Besonders vorteilhaft ist dabei die traditionelle Küche der Mittelmeerländer. Zu ihren wichtigsten Merkmalen gehören viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte, öfter Fisch statt Fleisch sowie als Fettlieferanten Olivenöl oder Rapsöl. "Wie eine aktuelle Studie mit mehr als 500.000 Personen klar belegen konnte", so Prof. Gohlke, "vermindert die mediterrane Küche nicht nur das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, sondern auch für Krebs, die Alzheimer- und die Parkinson-Erkrankung."

Wichtig und wirksam zur Verbesserung der Cholesterinwerte und Verminderung des Gesamtrisikos ist aber ebenso die Beeinflussung weiterer Risikofaktoren: Als wichtigste Einzelmaßnahme sollte Rauchen eingestellt werden. Übergewicht ist abzubauen, und es ist auf regelmäßige Bewegung zu achten. All dies wirkt sich nicht nur günstig auf den Fettstoffwechsel, sondern auch auf den Kohlehydratstoffwechsel und auf das Gesamtrisiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen aus.

Nach einem Herzinfarkt vermindert die Mittelmeerküche die Gefahr, dass es erneut zu einem Gefäßverschluss im Herzen kommt. Gerade Menschen mit Herz- und Gefäßkrankheiten oder einem hohen Risiko hierfür sollten zusätzlich zur Ernährungsumstellung versuchen, ihr gesamtes Risikoprofil zu verbessern. In der Regel ist bei ihnen auch die medikamentöse Behandlung mit einem Statin-Präparat sinnvoll, um den Cholesterinspiegel wirksam zu senken.

Ausführliche Informationen zum Thema enthält der aktuelle Sonderdruck der Deutschen Herzstiftung "Wie gefährlich ist Cholesterin? - Welche Chancen bietet die Cholesterinsenkung?", der gegen € 1,45 in Briefmarken bezogen werden kann bei: Deutsche Herzstiftung, Vogtstr. 50, 60322 Frankfurt am Main.

Folgende Obergrenzen für Gesamt- und LDL-Cholesterin sind akzeptabel:
Bei Gesunden ohne Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung: 240 mg/dl für das Gesamtcholesterin und 160 mg/dl für das LDL-Cholesterin.
Bei Gesunden mit Risikofaktoren (wie Herz- und Gefäßleiden bei Verwandten ersten Grades, Übergewicht, Bewegungsmangel, Nikotinkonsum oder erhöhtem Blutdruck): 200 mg/dl für das Gesamtcholesterin und 130 mg/dl für das LDL-Cholesterin.
Bei Herz-Kreislauf-Patienten (z.B. mit koronarer Herzkrankheit oder Herzinfarkt) und Diabetikern sollte ein Gesamtcholesterin von unter 150 mg/dl und ein LDL-Cholesterin von deutlich unter 100, möglichst sogar unter 70 mg/dl angestrebt werden.

Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle
Dr. Klaus Fleck / Pierre König
Tel. 069/95 51 28-140
Fax: 069/95 51 28-345
E-Mail: koenig@herzstiftung.de
Weitere Informationen:
http://www.herzstiftung.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Tödliche Arbeitsunfälle auf historischem Tiefstand

Jörg Feldmann, Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

2007 starben in Deutschland so wenig Beschäftigte durch Unfälle bei der Arbeit wie je zuvor. Insgesamt ereigneten sich 812 tödliche Arbeitsunfälle. Zugleich stieg die Anzahl der Beschäftigten auf rund 39, 7 Millionen. Damit geht auch ein leichter Anstieg der meldepflichtigen Arbeitsunfälle auf rund 1,1 Millionen (1.055.797) einher. Die Unfallquote je 1000 Vollarbeiter sank jedoch auf fast 28,1. Durch Arbeitsunfähigkeit fielen 2007 nach Schätzungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) insgesamt etwa 1,2 Millionen Erwerbsjahre aus. Damit verursachte Arbeitsunfähigkeit einen Produktionsausfall anhand der Lohnkosten von etwa 40 Milliarden Euro. Die deutsche Volkswirtschaft verlor deshalb durch ausfallende Arbeitsproduktivität rund 73 Milliarden Euro an Bruttowertschöpfung.

Mit dem Bericht zum Stand von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2007 (SUGA, früher Unfallverhütungsbericht Arbeit), den die BAuA jährlich im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) erstellt, liegen aktuelle Zahlen zum Arbeitsleben in Deutschland vor. Als klassische Indikatoren für die Güte von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit führt der Bericht die Unfallentwicklung und die Anzahl der Berufserkrankungen auf. Darüber hinaus lassen sich über das Erkrankungsgeschehen in spezifischen Branchen- oder Berufsbereichen und die Beschreibung der Arbeitsbelastungen vor Ort "kritische" Entwicklungen auf der betrieblichen Ebene frühzeitig erkennen.

2007 nahm die durchschnittliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit mit 11,8 Tagen leicht ab (2006: 12,0 Tage). Jedoch nahmen die Fälle je 100 Versicherte mit 103 (2006: 98 Fälle) leicht zu. Nach wie vor verursachen Muskel- und Skeletterkrankungen etwa jeden vierten Arbeitsunfähigkeitstag. Der Anteil von Verletzungen und Vergiftungen an den Arbeitsunfähigkeitstagen fiel um einen Prozentpunkt auf 13,8 Prozent. Nach wie vor lässt sich jeder elfte Arbeitsunfähigkeitstag auf psychische und Verhaltensstörungen zurückführen. Die durchschnittliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit steigt mit dem Alter kontinuierlich an. Demgegenüber verändert sich die Zahl der Arbeitsunfähigkeitsfälle zwischen dem 25. und dem 50. Lebensjahr kaum. Jüngere Beschäftigte sind jedoch wesentlich häufiger, aber dafür kürzer arbeitsunfähig.

Bezüglich der Arbeitszeiten macht sich die zunehmende Flexibilisierung bemerkbar. Die Anteile für Schicht-, Abend- und Nachtarbeit sowie die für die Arbeit an Wochenenden und Feiertagen erreichen einen Höchststand seit Beginn der Erhebungen. Fast jeder sechste Beschäftigte arbeitet regelmäßig oder ständig in Schichtarbeit (15,5 Prozent). Für jeden achten fällt Sonn- und Feiertagsarbeit an. An Samstagen beziehungsweise am Abend hat fast jeder vierte gearbeitet.

Überlange und flexible Arbeitszeiten kennzeichnen auch die Situation der rund 4,2 Millionen Selbstständigen in Deutschland (2007), mit denen sich der Schwerpunkt des SUGA 2007 befasst. Fast jeder zweite Selbstständige mit Beschäftigten (46,7 Prozent) investiert 60 und mehr Wochenstunden in sein Unternehmen. Bei Selbstständigen ohne Beschäftigte ist es immerhin fast jeder Dritte (30,7 Prozent). Auch deshalb können Selbstständige familiäre Interessen deutlich seltener in die Arbeitszeitplanung einbeziehen als abhängig Beschäftigte. Insgesamt liegt die Unfallquote Selbstständiger unter der von abhängig Beschäftigten (17,2 zu 27,9). Doch ergibt sich kein einheitliches Bild in den einzelnen Wirtschaftszweigen. So fällt die Quote in den Branchen "Steine und Erden" sowie "Feinmechanik und Elektrotechnik" bei Selbstständigen höher aus. Beim Bau beträgt ihre Unfallquote weniger als die Hälfte der Quote von abhängig Beschäftigten. Zudem macht der Bericht deutlich, dass fast doppelt soviel Männer ihr Geld als Selbstständige verdienen wie Frauen. Weitere Aussagen zum Unfallgeschehen, zur Arbeitssituation und zu Belastungen von Selbstständigen runden den Schwerpunkt ab.

Darüber hinaus enthält der SUGA 2007 Daten zu Kosten, Tätigkeiten und Personal der Unfallversicherungsträger und der Gewerbeaufsicht sowie einen Überblick über das Schülerunfallgeschehen.

Der SUGA 2007 kann kostenlos über das Informationszentrum der BAuA, Tel.: 0231.90 71 20 71, Fax: 0231.90 71 20 70, E-Mail: info-zentrum@baua.bund.de angefordert werden. Zum Herunterladen wird er als PDF-Datei auf der BAuA-Homepage http://www.baua.de/suga angeboten.
Weitere Informationen:
http://www.baua.de/suga Direkter Link zum Bericht zum Stand von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2007

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Überleben in der Eiszeit - Stuttgarter Zoologen testen Bärtierchen auf Kältetoleranz

Ursula Zitzler, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Stuttgart

Bärtierchen können in ausgetrocknetem Zustand die widrigsten Umweltbedingungen überstehen und haben auch schon die extremen Verhältnisse im Weltraum relativ unbeschadet überlebt. Jetzt haben der Zoologe Dr. Ralph Schill und seine Mitarbeiter am Biologischen Institut der Uni Stuttgart zusammen mit einem Kollegen von der British Antarctic Survey (BAS) in Cambridge die hartgesottenen Winzlinge auf eisige Temperaturen gekühlt. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Bärtierchen überhaupt erst bei minus 20 Grad gefrieren - und auch dann schaden die Eiskristalle ihren Körperzellen nicht. Für spätere Anwendungen beispielsweise in Biobanken sind die Erkenntnisse ein großer Schritt nach vorne. Sie wurden in der aktuellen Ausgabe in der renommierten Fachzeitschrift "Journal of Experimental Biology" veröffentlicht.*)
Die ersten warmen Sonnenstrahlen des Frühlings lassen die Natur wieder erwachen. Doch nicht alle Tiere haben die Eiseskälte der letzen Monate überlebt. Denn das Gefrieren von Zellen führt meist zu einer massiven Schädigung der Zellmembrane und Proteine. Viele Tiere können den Gefrierpunkt durch eine Einlagerung von Gefrierschutzsubstanzen hinauszögern, sterben aber dann, wenn die Temperaturen weiter fallen und gebildete Eiskristalle die Körperzellen zerstören. Nicht so die kleinen Bärtierchen: Sie besitzen die bemerkenswerte Fähigkeit, eisige Temperaturen und damit vollständiges Gefrieren zu überleben. Um dem dahinter stehenden "Trick" auf die Spur zu kommen, testeten die Wissenschaftler erstmals neun Bärtierchenarten aus verschiedenen Klimaregionen auf ihre Kältetoleranz. Hierzu wurden sie unter kontrollierten Bedingungen schrittweise auf -30 Grad Celsius abgekühlt und nach einer Weile wieder langsam auf Raumtemperatur gebracht. Es zeigte sich, dass bei sehr langsamen und sehr schnellen Abkühlungsraten die meisten Tiere überleben. Dies scheint daran zu liegen, dass sich die Tiere bei sehr langsamen Abkühlungsraten auf die heran nahenden Minustemperaturen und eine mögliche Eisbildung einstellen können. Bei schnellen Abkühlungsraten dagegen entstehen meist nur kleine Eiskristalle, so dass die hohe Überlebenschance hauptsächlich auf einem physikalischen Effekt beruht. Fast alle untersuchten Bärtierchenarten gefrieren erst bei Temperaturen um -20 Grad und tolerieren die Eiskristallbildung im Körper. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Bärtierchen aus den tropischen Regionen Afrikas, den gemäßigten Zonen Europas oder aus Alaska stammen.
Wie Bärtierchen in der Lage sind, die kleine Eiszeit unbeschadet zu überstehen, ist bislang unklar und soll in weiteren Studien herausgefunden werden. Schill und seine Projektpartner arbeiten im Rahmen des BMBF-Programms "Biotechnologie - Chancen nutzen und gestalten" seit über zwei Jahren daran, die Überlebensmechanismen der Bärtierchen besser zu verstehen. Ihr Ziel ist es, neue Methoden zu entwickeln, mit denen dann später einmal Zellen im biomedizinischen und Lebensmittelbereich, aber auch ganze Organismen zur Erhaltung der Biodiversität besser eingefroren und konserviert werden können.

*) Steffen Hengherr, Roger Worland, Andy Reuner, Franz Brümmer, and Ralph O. Schill: "Freeze tolerance, supercooling points and ice formation: comparative studies on the subzero temperature survival of limno-terrestrial tardigrades", Journal of Experimental Biology 2009; 212 802-807
http://jeb.biologists.org/cgi/content/abstract/212/6/802?etoc

Weitere Informationen bei Dr. Ralph O. Schill, Universität Stuttgart, Biologisches Institut, Zoologie, Tel. 0172/73 04 726, e-mail ralph.schill@bio.uni-stuttgart.de, http://www.funcrypta.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Der weiße Hautkrebs ist auf dem Vormarsch

Dr. Annette Tuffs, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Heidelberg

Vor allem ältere Menschen sind betroffen / Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Forschung vom 5. bis 7. März 2009 in Heidelberg
Der weiße Hautkrebs ist auf dem Vormarsch. Dies ist eines der Themen bei der 36. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Forschung, die vom 5. bis zum 7. März in Heidelberg stattfindet. Zur größten Wissenschaftstagung der Dermatologie im deutschsprachigen Raum werden 500 Wissenschaftler erwartet, die Innovationen präsentieren und diskutieren. Tagungsort ist die Neue Universität in der Grabengasse 3-5 in Heidelberg.

Ein besonderes Highlight ist der Gastvortrag des Heidelberger Nobelpreisträgers Professor Dr. med. Harald zur Hausen vom DKFZ. Er referiert über "Krebsvorbeugung durch Impfung - Chancen und Möglichkeiten."

Die Haut ist das Organ, das am häufigsten von bösartigen Krebserkrankungen befallen wird. Bei rechtzeitigem Erkennen bestehen sehr gute Heilungschancen, doch sterben jährlich rund 3.000 Patienten in Deutschland an Hautkrebs. Zusätzlich erkrankten daran erstmals 140.000 Menschen.

In der Öffentlichkeit bekannt, ist vor allem der schwarze Hautkrebs, das maligne Melanom, an dem etwa 15.000 Menschen in Deutschland leiden. Doch zweimal so häufig ist der weniger bekannte weiße Hautkrebs, das maligne Spinaliom, das sich aus den entarteten Zellen der mittleren Stachelzellschicht in der Haut entwickeln kann. Der häufigste Hauttumor ist das sogenannte Basaliom. Im Gegensatz zu diesem ausschließlich lokal wachsenden Tumor kann das Spinaliom Metastasen streuen.

Alter und Sonnenexposition sind Risikofaktoren

"Mit der steigenden Lebenserwartung wird der Stachelzellenkrebs in den letzten Jahren immer häufiger", erklärt Professor Dr. Alexander Enk, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Hautklinik Heidelberg. Betroffen sind vor allem ältere Menschen; das Durchschnittsalter liegt bei 70 Jahren. Die Tumoren treten oft an sonnenexponierten Körperregionen, im Gesicht - dort im Mundbereich und an der Nase - oder an den Armen, auf.

Der Zusammenhang zwischen Alter, weiteren Umweltfaktoren und der Entstehung von Krebs ist einer der Schwerpunkte der Heidelberger Tagung. So weiß man mittlerweile, dass Sonnenlicht zu Genmutationen und zu ungezügelter Vermehrung von Krebszellen führt. Rechtzeitige Entfernung des Tumors ist die beste Therapie. Mit Hilfe moderner molekularbiologischer Techniken arbeiten die Wissenschaftler daran, neue Strategien bei der Behandlung der bösartigen Tumoren zu entwickeln, die die bislang begrenzten Erfolge von Strahlen- und Chemotherapie übertreffen.

Journalisten sind herzlich eingeladen, an der Tagung teilzunehmen!

Information zur Tagung und Programm im Internet:
http://www.adf-online.de/wms/adf_public/kalender/tagung2009

Ansprechpartner:
Professor Dr. Alexander Enk
Ärztlicher Direktor der Universitäts-Hautklinik Heidelberg
Telefon: 06221 / 56 85 01 (Sekretariat)
E-Mail: alexander.enk@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Umweltfreundlichere Autoklimaanlagen müssen jetzt kommen

UBA-Präsident Troge appelliert an Autoindustrie mit klimafreundlicheren Autos in Serie zu gehen

Auf dem 79. Genfer Autosalon - vom 5. bis 15. März - weisen zahlreiche Minis, Hybrid- und Elektroautos auf den Trend der Zukunft: Weniger Emissionen und geringerer Verbrauch - die Automobilindustrie reagiert auf die Kundenwünsche. Vergeblich jedoch sucht der Kunde nach einem Pkw mit umweltfreundlicher Klimaanlage. Immerhin entweichen in Deutschland jährlich rund drei Millionen Tonnen Treibhausgase aus Pkw-Klimaanlagen.

„Die Industrie muss mit Hochdruck an der Serieneinführung der CO2-Klimaanlagen arbeiten, sie ist ein hervorragendes Beispiel für Klimaschutz mittels Innovation", sagt Prof. Dr. Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA). „Die Serieneinführung zu verzögern, bedeutete einen Verlust an Expertenwissen und Marktchancen. Das schwächt die internationale Position der europäischen Automobil- und Zulieferindustrie", so Troge.

In weniger als zwei Jahren, ab Januar 2011, müssen in Europa alle Klimaanlagen neuer Autotypen mit Kältemitteln arbeiten, die ein deutlich niedriges Treibhauspotential als die heutigen Kältemittel haben. Zwei Alternativen untersuchen die Automobilhersteller derzeit: Das natürliche Kältemittel CO2 (Kohlendioxid) und das synthetische Kältemittel R1234yf. Während das letzte bei einem Brand stark ätzende und giftige Flusssäure bilden kann, ist CO2 unbrennbar und nicht giftig. Zudem ist es vier Mal stärker treibhauswirksam als CO2.

Im Herbst 2007 gab der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) bekannt, dass die deutsche Automobilindustrie CO2 als neues Kältemittel einführen will. Der Verband bekräftigte dies im Herbst 2008.

„Eine vernünftige Entscheidung, der nun Taten folgen müssen. Die Technik für CO2-Klimaanlagen ist entwickelt, eine Leistung vor allem der mittelständischen Zulieferindustrie. Das Umweltbundesamt verfügt bereits über ein Fahrzeug mit CO2-Klimaanlage", so Troge.

CO2 ist das Kältemittel für Fahrzeuge der Zukunft: CO2‑Klimaanlagen kühlen nicht nur, sie können darüber hinaus in der kälteren Jahreszeit - im Gegensatz zu anderen Alternativen - effizient als Wärmepumpe dienen. Dies gilt besonders für Hybrid- oder Elektrofahrzeuge, die im Winter eine Zuheizung benötigen.

Weitere Informationen zum Thema Automobilklimaanlagen sind im Internet unter http://www.umweltbundesamt.de/klimaschutz/index.htm im Beitrag „Klimafreundliche Alternative: Autoklimaanlagen mit CO2"verfügbar.

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Wieviel Schutz vor Hochwasser?

Hochwasserschadensdatenbank HOWAS 21 online 

Dipl.Met. Franz Ossing, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Hochwasserschäden können auch in Deutschland Milliardenschäden verursachen. Mit der Hochwasserschadensdatenbank HOWAS 21 wurde von Wissenschaftlern des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ eine fundierte Datengrundlage zur Erforschung von Hochwasserschäden geschaffen. Diese Daten dienen zum besseren Verständnis der Entstehung von Hochwasserschäden und zur Beurteilung der Wirksamkeit von Vorsorgemaßnahmen.

Die Abschätzung ökonomischer Schäden ist eine wichtige Komponente bei Entscheidungen über Hochwasserschutzmaßnahmen auf der Basis von Kosten-Nutzen-Analysen. Im Vergleich zu anderen Bereichen der Hydrologie und Wasserwirtschaft gibt es allerdings nur wenige Daten über Hochwasserschäden in Deutschland. Daher bauten die Wissenschaftler des Potsdamer Helmholtz-Zentrums GFZ die Datenbank HOWAS 21 im Rahmen des BMBF-geförderten Programms "Risikomanagement extremer Hochwasserereignisse" (RIMAX) auf Basis wissenschaftlicher Ergebnisse auf.

HOWAS 21 ist eine objekt-spezifische Hochwasserschadensdatenbank für Deutschland. In dieser Fachnutzer- Datenbank werden Schadensfälle aus den Sektoren Privathaushalte, Gewerbe/Industrie, Landwirtschaft, Verkehrswege, Fließgewässer und Wasserbauliche Infrastruktur abgelegt. Bisher sind mehr als 2700 Schadensfälle aus dem Sektor Privathaushalte und mehr als 2000 Schadensfälle aus dem Sektor Gewerbe/Industrie in HOWAS 21 abrufbar.

Neben den aufgetretenen monetären Schäden z.B. an Gebäuden, Hausrat oder Betriebseinrichtung und auf Flächen sind in HOWAS 21 auch Daten zur Ereigniseinwirkung am Objekt, zum geschädigten Objekt selbst und zur Schadensminderung festgehalten. Jeder Schadensfall wird außerdem einem übergeordneten Hochwasserereignis und einer Erhebungskampagne (Metadaten) zugeordnet. Die Attribute in HOWAS 21 basieren auf Katalogen, die durch eine mehrstufige Experten-Befragung für jeden Sektor festgelegt wurden.

Die Datenbankentwicklung erfolgte in Kooperation mit der Vernetzungsplattform Naturkatastrophen NaDiNe (Natural Disasters Networking Platform), eine Aktivität des Helmholtz-Earth Observation Systems EOS. HOWAS 21 ist online verfügbar unter: http://nadine.helmholtz-eos.de/HOWAS21.html.

--
Franz Ossing
Helmholtz Centre Potsdam
GFZ German Research Centre for Geosciences
Deutsches GeoForschungsZentrum
- Public Relations -
Telegrafenberg
14473 Potsdam / Germany
e-mail: ossing@gfz-potsdam.de
Tel. ++49 (0)331-288 1040
Fax ++49 (0)331-288 1044
http://www.gfz-potsdam.de/

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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DGE: Bluthochdruck oft durch Hormonstörung verursacht

Medizin - Kommunikation, Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Gießen - Bei rund 15 Prozent der Menschen mit Bluthochdruck ist dieser Folge einer anderen Erkrankung - meist einer hormonellen Störung. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) empfiehlt, bei Hochdruckpatienten immer auch den Zustand der Hormone zu untersuchen. Sei der Auslöser erkannt, könnten Patienten gezielt therapiert oder sogar geheilt werden. Auf dem 52. Symposion der DGE vom 4. bis 7. März 2009 in Gießen diskutieren Experten hormonelle Ursachen von Bluthochdruck.
Etwa 25 Millionen Menschen in Deutschland sind von hohem Blutdruck betroffen. In etwa zehn Prozent der Fälle ist eine Überproduktion des Nebennierenhormons Aldosteron der Auslöser, das sogenannte Conn-Syndrom. Eine gezielte Diagnostik erfolgt heute noch viel zu selten, so die DGE - obwohl eine Screening-Untersuchung einfach durchzuführen wäre.

Bluthochdruck ist einer der bedeutendsten Risikofaktoren für Herzinfarkt und Schlaganfall. Mit einer angemessenen Behandlung der Hypertonie lassen sich langfristige Schäden an Organen und Gefäßen vermeiden. Wie Ärzte hormonell bedingten Bluthochdruck wirksam therapieren können, diskutieren die Hormonexperten im Rahmen einer Pressekonferenz am 4. März 2009 in Gießen.

Terminhinweis:
Mittwoch, 4. März 2009, 11.00 bis 12.30 Uhr: Pressekonferenz der DGE
Ort: Senatssaal der Justus-Liebig-Universität Gießen, Hauptgebäude, Ludwigstraße 23, 35390 Gießen

Ihre Themen und Referenten

Volkskrankheiten durch Hormonstörungen: Adipositas - Diabetes/Metabolisches Syndrom - Struma - Osteoporose - Hypertonie
Professor Dr. med. Reinhard G. Bretzel, Tagungspräsident, Gießen

Ist die Versorgung von Patienten mit Hormonerkrankungen in Deutschland gefährdet?
Dr. med. Ulrich Deuß, Köln

Sind Männer dick, weil sie zu wenig Testosteron haben?
Professor Dr. med. Christof Schöfl, Erlangen

Bluthochdruck - eine hormonelle Störung?
Professor Dr. med. Felix Beuschlein, München

Leitung: Professor Dr. med. Horst Harald Klein, Bochum

Weitere Termine:
52. Symposion der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
4. bis 7. März 2009, Kongresshalle, Berliner Platz 2, 35390 Gießen/Aula der Justus-Liebig-Universität Gießen, Ludwigstraße 23, 35390 Gießen

Freitag, 6. März 2009, 17.30 bis 19.00 Uhr: Symposium: Endokrine Hypertonie - Aktuelle Herausforderungen in Diagnostik und Therapie
Ort: Großer Saal, Kongresshalle, Berliner Platz 2, 35390 Gießen

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE)
Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: +49 (0)711 8931-552
Telefax: +49 (0)711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org
http://www.endokrinologie.net
http://www.giessen2009.de

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news302107

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Entwicklungen auf dem Gebiet der Kleinkläranlagen

Ralf-Peter Witzmann, Pressse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Lausitz (FH)

Mit großem Erfolg verteidigte Dipl.-Ing. Andrea Straub aus dem Fachbereich Architektur/ Bauingenieurwesen/ Versorgungstechnik der Hochschule Lausitz (FH) in Cottbus an der Fakultät für Umweltwissenschaften und Verfahrenstechnik der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus ihre Dissertation "Einfache Messmethoden zur Charakterisierung sowie Maßnahmen zur Erhöhung der Zuverlässigkeit und Leistungsfähigkeit biologischer Kleinkläranlagen".
Die Gutachter, Prof. Dr.-Ing. habil. Roland Koch von der BTU Cottbus sowie Prof. Dr.-Ing. Matthias Barjenbruch von der TU Berlin, waren sich mit den anwesenden Vertretern von Unternehmen und Kommunen darin einig, dass die Betriebsführung bestehender Anlagen wie auch die Konzeption der Anlagen durch diese Arbeit praktisch relevante sowie theoretisch begründete Impulse erhält.

Andrea Straub studierte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Verfahrenstechnik mit dem Studienschwerpunkt Umwelttechnik. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Studiengang Versorgungstechnik und bringt sich vielseitig in Lehre und Forschung sowie in die akademische Selbstverwaltung ein. Hauptfeld ihres wissenschaftlichen Engagements und ihrer Publikationen ist die Abfall- und Siedlungswasserwirtschaft.

Die Ergebnisse zu den Kleinkläranlagen haben ihr weit über die Region hinaus in Verbänden, öffentlichen Institutionen sowie bei Firmen eine bemerkenswerte Aufmerksamkeit und Anerkennung verschafft. Ausdruck dessen sind Anfragen zu Vorträgen, Veröffentlichungen und Gutachten. Mit Vorlesungsreihen an der BTU Cottbus und gemeinsamen Projekten hält sie seit mehreren Jahren eine für den Fachbereich Architektur/ Bauingenieurwesen/ Versorgungstechnik wichtige enge Partnerschaft in Lehre und Forschung und leistet einen beispielhaften Beitrag zur Bündelung der fachlichen Kompetenzen von BTU Cottbus und Hochschule Lausitz.

Der Studiengang Versorgungstechnik der Hochschule Lausitz registriert mit diesem Abschluss die zweite Promotion innerhalb eines Jahres.
Weitere Informationen:
http://www.hs-lausitz.de/versorgungstechnik.html - Internetseiten des Studiengangs Versorgungstechnik

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wie Hyänen ihren sozialen Status "vererben"

Gesine Wiemer, Pressestelle des Forschungsverbundes Berlin e.V.
Forschungsverbund Berlin e.V.

Soziales Ansehen und sozialer Status ist sowohl in der menschlichen Gesellschaft als auch bei hoch entwickelten Tiergesellschaften sehr wichtig, denn er erlaubt bevorzugten Zugang zu Ressourcen, ist entscheidend für das Überleben und führt zu erhöhtem reproduktivem Erfolg. Ein internationales Team von Wissenschaftlern des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin und der Universität Sheffield, Großbritannien, hat jetzt die Frage beantwortet, wie der soziale Status bei einer der sozialsten Säugetiergemeinschaften, den Tüpfelhyänen, von Eltern an ihre Nachkommen weitergegeben wird.
Die kürzlich in der online-Ausgabe der Fachzeitschrift Behavioral Ecology veröffentlichte Studie basiert auf seltenen Fällen von Adoption unter Hyänen in der Serengeti und dem Ngorongoro-Krater in Tansania. Die Forscher werteten Beobachtungen aus über 20 Jahren aus und wendeten die aktuellsten molekulargenetischen Methoden zum Nachweis der genetischen Mutterschaft an. Die Ergebnisse zeigten, dass der soziale Status an den Nachwuchs weitergegeben wird, indem die Mutter ihre Jungtiere bei Auseinandersetzungen mit anderen Weibchen unterstützt und die Jungen dabei 'lernen', welche anderen Gruppenmitglieder von ihrer Mutter - und damit auch von ihnen selbst - dominiert werden können.

"Jungtiere werden von den Adoptivmüttern kurz nach der Geburt adoptiert. Adoptierte Tüpfelhyänen hatten als erwachsene Tiere immer einen ähnlichen Rang wie die Adoptivmutter, meist waren sie nur gerade einen Rang tiefer gestellt als die Adoptivmutter. Im Gegensatz dazu bestand kein Zusammenhang zwischen dem Rang adoptierter Nachkommen und dem Rang der genetischen Mutter" sagt Dr. Marion East vom IZW. "Das zeigt, dass mütterliche Verhaltensunterstützung zur Weitergabe des sozialen Ranges führt."

Die Ergebnisse der Studie stehen im Widerspruch zu zwei anderen Ideen zur Weitergabe des sozialen Status bei Säugetiergesellschaften, die häufig diskutiert werden. Die erste dieser Ideen lautet, dass Mütter ihrem Nachwuchs Gene vererben könnten, die den Nachwuchs genauso wettbewerbsfähig machen wie die Mutter. eine zweite Idee besagt, dass der mütterliche soziale Status die Konzentration von mütterlichen Sexualhormonen (Testosteron) bestimmen könnte, die sie an den Fötus während der Schwangerschaft weitergibt. Das mütterliche Testosteron sollte also den noch ungeborenen Nachwuchs genauso wettbewerbsfähig machen könnte wie die Mutter. "Diese Hypothesen würden einen engen Zusammenhang zwischen dem Rang der adoptierten Jungtiere und ihrer genetischen Mutter vorhersagen. Aber in der Studie gab es für eine derartige Beziehung keine Anhaltspunkte" erklärt Dr. Oliver Höner vom IZW.

Die Studie zeigt, dass junge Tüpfelhyänen während des Heranwachsens aufgrund des Verhaltens ihrer Mutter bei Auseinandersetzungen mit anderen Gruppenmitgliedern erkennen und lernen, welche Mitglieder sie dominieren können. Wenn sie erwachsen sind, verteidigen sie die erlangte Rangposition. "Dies ist für die Jungtiere enorm wichtig, da in den hoch entwickelten Tiergesellschaften wie den Tüpfelhyänen sozialer Status für die eigene biologische Fitness, also das Überleben und den Fortpflanzungserfolg, wichtiger ist als Umweltfaktoren, Fressfeinde oder Krankheitserreger" erläutert Prof. Heribert Hofer vom IZW. Besonders profitieren die Nachkommen hochrangiger Mütter von der Weitergabe des sozialen Status - sie sind als Erwachsene ähnlich privilegiert wie ihre Mütter. Der in dieser Studie identifizierte Mechanismus der "Rangvererbung" über mütterliche Verhaltensunterstützung könnte auch bei anderen sozialen Arten wirken, denn das Phänomen der "Rangvererbung" wurde bereits bei vielen Säugetierarten, inklusive mehreren Primatenarten, beschrieben.

Publikation:

Behavioral Ecology 19

doi:10.1093/beheco/arp020

Informationen und Fotos:

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
im Forschungsverbund Berlin e.V.
Alfred-Kowalke-Str. 17
10315 Berlin
GERMANY
Dr Oliver Höner, 030 5168 516, hoener@izw-berlin.de
Dipl-Soz Steven Seet, 030 5168 108, seet@izw-berlin.de
Weitere Informationen:
http://www.izw-berlin.de
http://www.fv-berlin.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Nach den tollen Tagen wieder an die Ernährung denken! Studie: Olivenöl und Gemüse schützen auch vor geistigem Abbau im Alter

Frank A. Miltner, Pressestelle der DGN
Deutsche Gesellschaft für Neurologie

Wenn die närrischen Tagen des Karnevals vorüber sind, folgt der ausgelassenen Stimmung meist der Katzenjammer und der Vorsatz, seinen Körper wieder besser zu behandeln. Eine aktuelle amerikanische Studie bietet gute, neue Argumente für eine mediterrane Ernährung: Olivenöl, Gemüse & Co. wirken dem mit dem Alter einher gehenden Abbau der geistigen Leistungen entgegen und verzögern sogar den Ausbruch der Alzheimer-Erkrankung.
"Es handelt sich hier um eine wichtige Studie mit hoher Alltagsrelevanz", kommentiert Prof. Dr. Matthias Endres von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie die Arbeit. Bereits seit längerem ist bekannt, dass eine mediterrane Diät positive Effekte auf das Herz- und Kreislaufsystem hat.

Im Alter steigt das Risiko an Alzheimer zu erkranken. Eine Vorstufe (genannt: Mild cognitive impairment", kurz: MCI) bringt Vergesslichkeit, aber auch Einschränkungen der Aufmerksamkeit und der Körperkontrolle mit sich. Offenbar vermag die richtige Ernährung das Risiko zu senken, wie Ärzte um den Neurologen Nikolas Scarmeas vom Medical Center der Columbia University in New York feststellten. Als positiv erwies sich die so genannte mediterrane Diät, das bedeutet den Verzehr von Gemüse, Hülsenfrüchten, Obst, ungesättigten Fetten, zumeist Olivenöl, Fisch und den moderaten Konsum von Alkohol, sowie gleichzeitig den Verzicht auf tierische Fette und Fleisch.

"Diese Ergebnisse unterstützen die Annahme, dass eine mediterrane oder ähnliche Diät das Risiko beeinflusst, dass sich MCI manifestiert oder MCI zur Alzheimer-Erkrankung fortentwickelt", folgern die Ärzte um Nikolas Scarmeas. Alles in allem seien die positiven Effekte einer gesunden Ernährung auf MCI aber keinesfalls ausreichend untersucht, vor allem die möglichen biologischen Mechanismen, die der Schutzwirkung zu Grunde liegen.

"Auch wenn ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der mediterranen Diät und möglicher Demenzentwicklung hier nicht bewiesen wurde, handelt es sich doch um eine wichtige Studie mit hoher Alltagsrelevanz", meint Prof. Dr. Matthias Endres, Leiter des Centrum für Schlaganfallforschung und Direktor der Klinik für Neurologie an der Charité in Berlin. "Fest steht: Eine mediterrane Diät ist auf jeden Fall eine gute Empfehlung, um Herz und Hirn auf Dauer Gutes zu tun."

Weitere Details der Studie: Die Ergebnisse sind im renommierten Fachjournal "Archives of Neurology" [1] veröffentlicht. Die Forscher untersuchten 1875 Personen im durchschnittlichen Alter von 76,9 Jahren und ermittelten per Fragebogen auf einer Skala von Null bis Neun, ob sich diese wenig (null) oder stark (neun) an eine mediterrane Diät hielten. Nach einem Beobachtungszeitraum von 4,5 Jahren wiesen 275 der 1393 gesunden Freiwilligen Symptome der MCI auf. Das Risiko dafür korrelierte eindeutig mit der Ernährungsweise. Unter den 482 Patienten mit MCI erkrankten 106 nach 4,3 Jahren an Alzheimer. Wieder stand das Risiko in Zusammenhang mit der Ernährungsweise.

Quelle
[1] Nikolaos Scarmeas, MD; Yaakov Stern, PhD; Richard Mayeux, MD; Jennifer J. Manly, PhD; Nicole Schupf, PhD; Jose A. Luchsinger, MD: Mediterranean Diet and Mild Cognitive Impairment, Arch Neurol. 2009;66(2):216-225.

Fachlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Matthias Endres, Universitätsklinik für Neurologie, Klinikum Charité, 10098 Berlin, Tel.: 030-450 560102, Fax.: 030-450 560932.

Pressestelle der DGN:
c/o albertZWEI media GmbH, Frank A. Miltner, presse@dgn.org, Tel: 089-46148614.

Geschäftsstelle Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.:
Prof. Dr. med. Otto Busse, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin, Tel: 030-531437930, busse@dgn-berlin.
Weitere Informationen:
http://Abstract der Studie: http://archneur.ama-assn.org/cgi/content/abstract/66/2/216?etoc
http://Diese Pressemitteilung im Internet: http://www.dgn.org/pressemitteilung-23.02.2009.html

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Nicht jeder Brennstoff darf in den Kamin- oder Kachelofen

Verbrennen von Papierbriketts ist in kleinen Anlagen verboten

Auf den ersten Blick klingt es wie eine pfiffige Idee: Ein großer Discounter bietet im Internet-Handel eine Papier-Brikettpresse an. Doch die damit mühevoll hergestellten Briketts dürfen Verbraucherinnen und Verbraucher in sogenannten Kleinfeuerungsanlagen, beispielsweise in privaten Öfen und Heizkesseln, nicht verbrennen.

Welche Brennstoffe in Kaminöfen, Kachelöfen und ähnlichen Anlagen erlaubt sind, legt die „Verordnung über kleine und mittlere Feuerungsanlagen" (1.BImSchV) fest.

Es sind bei Anlagen mit festen Brennstoffen:

· Naturbelassenes Scheitholz,

· Holzbriketts und -Pellets und

· Braun- und Steinkohle.

Papierbriketts zählen also nicht, wie die einschlägige Werbung mit Slogans wie „Bares Geld sparen durch Heizen mit Altpapier" suggeriert zu den zulässigen Brennstoffen. Wer sie dennoch in seinem Ofen verbrennt, riskiert ein Bußgeld. Und weitere Schwierigkeiten sind möglich: Weil keine Anlage darauf ausgelegt ist, Papierbriketts zu verbrennen, sind weder hohe Emissionen noch andere Probleme - etwa die Verschmutzung der Anlage - auszuschließen. Altpapier gehört also nicht in die Heizung sondern in die Altpapiertonne.

Kamin- und Kachelöfen erfreuen sich seit einigen Jahren zunehmender Beliebtheit. Aber: Besonders bei nicht optimaler, unvollständiger Verbrennung und beim Einsatz falscher Brennstoffe stoßen diese Anlagen große Mengen gefährlicher Luftschadstoffe aus - zum Beispiel Feinstaub oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Es ist deshalb besonders wichtig, nur geeignete Brennstoffe zu nutzen und die Anlagen so zu betreiben wie die Bedienungsanleitung es vorsieht.

Wer das Klima schonen, die Umwelt schützen und seinen Nachbarinnen und Nachbarn nicht in die Quere kommen möchte, sollte - neben der Wahl des richtigen Brennstoffs - die folgenden Tipps beachten:

Alte Brenner raus: Auf moderne, emissionsarme Anlagentechnik setzen - zum Beispiel auf Pellet-Heizungen, die das Umweltzeichen „Blauer Engel" tragen.
Die Anlage richtig bedienen: Zügig anheizen und sich bei Menge und Art des Brennstoffes nach den Ratschlägen der Hersteller richten.
Die Anlage regelmäßig warten: Zumindest vor Beginn jeder Heizperiode sollte ein Fachbetrieb die Anlage gründlich inspizieren.

Alles Wissenswerte rund um Kamin- oder Kachelofen erläutert der Ratgeber „Heizen mit Holz" des Umweltbundesamtes (UBA). Er ist kostenlos erhältlich per Telefon (zum Ortstarif): 01888/305-3355, per Fax (zum Ortstarif): 01888/305-3356, per Email: uba@broschuerenversand.de oder per Internet: http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/dateien/3151.htm. Schriftliche Bestellungen an: Umweltbundesamt, c/o GVP Gemeinnützige Werkstätten Bonn, Postfach 30 03 61, 53183 Bonn.

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Parodontitis und Herzinfarkt: Zusammenhang genetisch belegbar

Susanne Schuck, Presse und Kommunikation
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Ein Zusammenhang zwischen aggressiver Parodontitis und Herzinfarkt ist in der Vergangenheit bereits beobachtet worden. Wissenschaftler der Universitäten Kiel, Dresden, Amsterdam und Bonn konnten nun auch dieselben Genveränderungen auf Chromosom 9 nachweisen, wie sie in der neusten Ausgabe der Fachzeitschrift PLoS Genetics berichten.
Der Erstautor, Dr. Arne Schaefer, vom Institut für Klinische Molekularbiologie der Universität Kiel sieht eindeutige Übereinstimmungen in der genetischen Veranlagung: "Wir haben die aggressive Form der Parodontitis untersucht, eine in sehr jungem Alter einsetzende, sehr heftig verlaufende, entzündliche Krankheitsform der Parodontose. Die mit diesem Krankheitsbild assoziierte genetische Variante ist identisch mit der von Patienten, die unter einer Erkrankung der Herzkranzgefäße leiden und bereits einen Herzinfarkt erlebt hatten."

Da es anzunehmen ist, dass es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen aggressiver Parodontitis und Herzinfarkt gibt, sei es an den Zahnärzten, die Parodontose ernst zu nehmen, frühzeitig zu diagnostizieren und zu behandeln. "Die aggressive Parodontitis hat sich immerhin als Vorbote einer Krankheit mit späterer möglicher Todesfolge erwiesen", mahnt Schaefer. Darüber hinaus könne das Wissen über das Herzinfarktrisiko Patienten mit Parodontose bewegen, die Risikofaktoren einzudämmen und sich um präventive Maßnahmen zu kümmern.

Aus der Arbeitsgruppe von Professor Stefan Schreiber vom Institut für Klinische Molekularbiologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UK S-H), Campus Kiel, war neben Arne Schaefer ebenfalls Gesa Richter beteiligt, die zu diesem Thema promoviert. Als Kardiologe fungiert Dr. Nour Eddine El Mokhtari vom Kieler Herzzentrum als wichtiger Partner in der Gruppe. Die zahnmedizinische Expertise kam von Dr. Birte Größner-Schreiber aus der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie des UK S-H, Dr. Barbara Noack, Technische Universität Dresden, sowie Professor Søren Jepsen von der Universität Bonn und Professor Bruno Loos, Freie Universität Amsterdam.

Kontakt:
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Institut für Klinische Molekularbiologie
Dr. Arne Schaefer
Tel. 0431/597-3882
a.schaefer@ikmb.uni-kiel.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Schuhsohlen und Klebefolien nach Vorbild des Geckos

Dr. Ernst Guggolz, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Er hängt an senkrechten Scheiben, und das ganz ohne Klebstoff - wie macht der Gecko das bloß? Können wir das Prinzip nachahmen? Die Februarausgabe der "Nachrichten aus der Chemie" nimmt die Struktur der Geckofüße unter die Lupe und zeigt, welche Hürden die Forscher beim Nachahmen überwinden müssen.
Ein Gecko könnte hundert Kilogramm wiegen und würde an einer steilen Wand nicht abrutschen - so stark haften seine Füße am Untergrund. Dennoch kann er sie innerhalb von Millisekunden wieder vom Boden lösen und weiterlaufen, ohne Rückstände zu hinterlassen. Das Geheimnis sind die feinen Härchen an seinen Füßen: Sie verzweigen sich bis auf Strukturen, die nur 200 Nanometer dick sind - das ist etwa tausend mal dünner als ein Menschenhaar. Die gesammelten Kräfte halten den Gecko an der Wand. Zugute kommt ihm dabei die Kontaktaufspaltung: Viele dünne Haare haften besser als ein dickes Haar mit der gleichen Kontaktfläche. Zudem sind die Härchen an den Geckofüßen so abgewinkelt, dass sie sich nicht miteinander verheddern.
Um Schuhsohlen und Klebefolien nach Vorbild des Geckos zu entwickeln, müssen Forscher feinstrukturierte Oberflächen herstellen. Dafür existieren bislang zwei Verfahren: Die Bottom-up-Methode lässt feinste Strukturen wachsen; die Top-down-Methode trägt Material ab, so dass kleinste Säulchen oder Stempel stehenbleiben. Über Vor- und Nachteile der beiden Verfahren berichten die Wissenschaftler Eduard Arzt und Elmar Kroner in der Februarausgabe der "Nachrichten aus der Chemie". Die PDF-Datei des Artikels gibt es bei der Redaktion der "Nachrichten aus der Chemie" unter nachrichten@gdch.de.
Nahezu 80.000 anspruchsvolle Chemiker und Chemikerinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Lehre informieren sich mit den "Nachrichten aus der Chemie" über Entwicklungen in der Chemie, in angrenzenden Wissenschaften sowie über gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte. Kennzeichen der Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker sind das breite Spektrum der Berichte, das einmalige Informationsangebot an Personalien, Veranstaltungs- und Fortbildungsterminen sowie der große Stellenmarkt.
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de/nachrichten "Nachrichten aus der Chemie"
http://www.gdch.de/taetigkeiten/nch/jg2009/h02_09.htm Das Februarheft der "Nachrichten aus der Chemie"

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wird der Golfstrom zu süß? - Kieler Meeresforscher untersuchen Klimasignale in der Karibik

Dr. Andreas Villwock, Pressestelle
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, Kiel

Können schmelzende Gletscher und heftige Niederschläge in Europa den Golfstrom schwächen? Dieser Frage wollen Kieler Meereswissenschaftler in den kommenden Wochen nachgehen. Dazu starten sie mit dem Forschungsschiff METEOR eine Expedition zur Wiege von "Europas Fernheizung" in der Karibik.
Salz ist ein wichtiger Treibstoff des Golfstroms. Erreicht das Wasser der Meeresströmung arktische Regionen und kühlt ab, ist es dank seines hohen Salzgehaltes deutlich schwerer als das Wasser der Umgebung. Dadurch sinkt das Golfstromwasser auf den Meeresgrund und fließt dort Richtung Äquator zurück. Ein riesiger Kreislauf entsteht, der ohne das Absinken des schweren, salzhaltigen Wassers zum Stillstand käme. Doch im Zuge der Klimaerwärmung gelangt immer mehr Süßwasser ins Meer, weil Gletscher abschmelzen und Niederschläge zunehmen. Wissenschaftler des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) wollen nun klären, ob diese Versüßung des Atlantikwassers ausreichen könnte, um den Wasserkreislauf zu schwächen. "Dazu müssen wir wissen, wie leistungsfähig die Salzküche des Golfstroms ist", erklärt Dr. Joachim Schönfeld vom IFM-GEOMAR. Diese Salzküche liegt am Ursprung des Stroms, in der Karibik. Dr. Schönfeld und seine Kieler Kollegen starten deshalb am 21. Februar eine fünfwöchige Expedition mit dem Forschungsschiff METEOR, die auf den Spuren des Golfstromsalzes von Colon in Panama durch den Golf von Mexiko bis zur Mündung des Orinoko in Venezuela führen wird.

Starke Sonneneinstrahlung lässt in dieser Region viel Wasser verdampfen. Das Wasser, das zwischen Florida und Kuba die Karibik als Golfstrom verlässt, ist deshalb viel salziger, als das Wasser, das im Süden in die Karibik hineinfließt. Gleichzeitig schwächen schon dort Flüsse wie der Orinoko und der Mississippi den späteren Strömungsmotor. Um die Bedeutung all dieser Faktoren für das Funktionieren von "Europas Fernheizung" besser einschätzen zu können, werden die Kieler Wissenschaftler entlang der Expeditionsroute Temperatur und Salzgehalt des Oberflächenwassers messen. Biologische Untersuchungen am Plankton und an Lebewesen vom Meeresboden sowie akustische Vermessungen des Meeresbodens lassen Einblicke in die Umweltbedingungen in der Karibik zu.

"Außerdem wollen wir untersuchen, wie sich die Einflüsse auf den Golfstrom seit der letzten Eiszeit verändert haben", erklärt Dr. Schönfeld. Dazu werden die Wissenschaftler auch Sedimentproben entlang der Route nehmen, an denen sie die Entwicklung der Umweltbedingungen seit mehreren tausend Jahren verfolgen können. "Nur wenn wir genau wissen, wie zuverlässig und unter welchen Bedingungen das salzreiche Wasser in der Karibik produziert wird, können wir vorhersagen, ab wann Süßwasser im Nordatlantik eine Gefahr für den Golfstrom ist", betont Dr. Schönfeld.

Hintergrundinformationen:
Die METEOR-Expedition mit der Nummer M 78/1 beginnt am 21. Februar 2009 im Hafen von Colon (Panama) und endet am 28. März 2009 im Hafen von Port of Spain (Trinidad and Tobago). Die Fahrtroute führt zunächst nach Norden in den Golf von Mexiko, an der Nordküste von Kuba entlang und zwischen Kuba und Haiti hindurch wieder nach Süden bis vor das Mündungsdelta des Orinoko. Dabei legt die METEOR rund 5200 Seemeilen zurück. Unter der wissenschaftlichen Fahrtleitung von Dr. Joachim Schönfeld (IFM-GEOMAR) sind neben Kieler Meereswissenschaftlern auch Forscher der Universität Tübingen, der Universität Erlangen und der Universität Hamburg sowie Wissenschaftler des National Oceanography Centre, Southampton (Grossbritannien), des Institute of Marine Affairs (Trinidad und Tobago), der Universidad de Oriente und des Instituto Oceanográfico de Venezuela (Venezuela) und der University of South Florida (USA) an Bord.
Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de
http://www.ifm-geomar.de/index.php?id=presse

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Reform mit Folgen: Die Umweltverwaltung ist geschwächt

Christiane Rathmann, Öffentlichkeit und Kommunikation
Öko-Institut e. V. - Institut für angewandte Ökologie

Öko-Institut untersucht Auswirkungen der Verwaltungsstrukturreformen in Baden-Württemberg, Niedersachsen und Hessen / Umweltrecht braucht starke Umsetzer

Eine funktionierende Umweltverwaltung ist essentiell, wenn gesetzliche Vorgaben im Umweltschutz effektiv umgesetzt werden sollen. In fast allen Bundesländern haben die Landesregierungen in den letzten Jahren allerdings umfassende Strukturreformen der Umweltverwaltungen durchgesetzt mit dem Ziel, Kosten zu sparen und das Verwaltungshandeln zu optimieren. Der damit einhergehende Personalabbau lässt sich in den Haushaltsbilanzen zurückverfolgen. Doch arbeiten die Verwaltungen jetzt auch effektiver, wie von der Politik versprochen? Eine Frage, die sich bisher nicht ohne weiteres beantworten ließ.

Im Auftrag der Stiftung Zukunftserbe hat das Öko-Institut daher beispielhaft untersucht, wie sich die Rahmenbedingungen für die Umweltverwaltungen durch die Strukturreformen verändert haben und wie Verwaltungsangehörige damit umgehen. Im Fokus waren die Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen.

"Die Wirksamkeit von Umweltgesetzen hängt ganz entscheidend davon ab, wie gut sie vollzogen werden. Dabei spielen die Umweltverwaltungen eine wichtige Rolle. Die wird allerdings häufig verkannt. Umweltverwaltungen sind der zentrale Akteur zwischen politischen Vorgaben, deren gesetzlicher Umsetzung und dem Vollzug dieser Gesetze", erläutert Falk Schulze, Umweltjurist am Öko-Institut. "Unsere Studie zeigt jedoch, dass die Umweltverwaltungen in den betrachteten Bundesländern durch die Strukturreformen zum Teil deutlich geschwächt worden sind."

So wurden in Baden-Württemberg zum Beispiel zahlreiche Aufgaben aus der Gewerbeaufsicht und dem Gewässerschutz auf die Kommunen verlagert, in Niedersachsen betraf es unter anderem die Ausweisung von Naturschutzgebieten. Das hat einerseits zu einer hohen Belastung der Landkreise und der kreisfreien Städte geführt. Andererseits haben sich bestehende Experten-Netzwerke aufgelöst. Dadurch ist nicht mehr gewährleistet, dass die Verwaltung Umweltstandards umfassend überwachen kann und Einbußen in der Umweltqualität sind zu befürchten. In Hessen ist eine sinnvolle Bündelung von Expertise in der Verwaltung dagegen noch gewährleistet. Der Grund: Dort haben die Regierungspräsidien als starke Mittelebene viele Zuständigkeiten behalten.

Dringender Handlungsbedarf besteht in allen drei Bundesländern im Hinblick auf die Personalpolitik. "Eine bessere personelle Ausstattung ist elementar, sowohl für die Motivation der MitarbeiterInnen als auch für die Umwelt", betont Franziska Wolff, Governance-Expertin am Öko-Institut. "Solange die Politik dieser Einsicht nicht nachkommt, sehen wir zumindest Möglichkeiten, das Los der Umweltverwaltungen - und mithin die Qualität ihrer Arbeit - zu verbessern".

So kann eine Priorisierung von Verwaltungsaufgaben nach einem schlüssigen Konzept die MitarbeiterInnen entlasten. Außerdem empfehlen die ExpertInnen, in denjenigen Bundesländern, in denen Zuständigkeiten auf die Kommunen verlagert wurden, regionale Kooperationen zwischen den Landkreisen einzugehen. "So könnten Fachkenntnisse genutzt und gleichzeitig Kosten gespart werden", sagt Falk Schulze.

Die WissenschaftlerInnen weisen zudem darauf hin, dass es den Reformprozessen in den betrachteten Bundesländern an einer konstruktiven und kritischen Evaluation mangelt. Aus diesem Grund werden wichtige Nachjustierungen nicht vorgenommen, obwohl sie sich oft mit geringem Aufwand realisieren ließen.

"Noch so strenge Umweltgesetze nützen uns nichts, wenn sie nicht umgesetzt werden. Die Umweltverwaltungen müssen deshalb gestärkt werden", fordert Franziska Wolff. "Wir haben dafür konkrete Vorschläge erarbeitet." Das Projektteam wird daher das Gespräch mit Landtagsabgeordneten und weiteren politischen Vertretern suchen, um die Untersuchungsergebnisse zu diskutieren und in den politischen Entscheidungsprozess einzubringen.

Die Studie "Umweltrecht ohne Umsetzer - Die Strukturreformen in den Umweltverwaltungen ausgewählter Bundesländer und ihre Herausforderungen" können Sie hier kostenlos aus dem Internet herunterladen: http://www.oeko.de/oekodoc/813/2008-256-de.pdf

Der daraus abgeleitete Handlungsbedarf und zusätzliche Handlungsempfehlungen sind in einem Policy-Paper zusammengefasst: http://www.oeko.de/oekodoc/811/2008-255-de.pdf

Ansprechpartner:

Falk Schulze, Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt; Institutsbereich Umweltrecht & Governance; Tel. 06151 / 81 91 - 15, f.schulze(at)oeko.de

Die Stiftung Zukunftserbe versteht sich als "Vordenkerin" zukunftsorientierter Lösungen und will gesellschaftliche Innovationen ankurbeln, die sich mit den strukturellen Problemen des 21. Jahrhunderts befassen. Vorrangige Ziele sind dabei die Förderung von Umweltschutz und einer nachhaltigen, zukunftsverträglichen Entwicklung. Die Stiftung Zukunftserbe wurde im Jahr 2000 vom Öko-Institut gegründet. http://www.zukunftserbe.de

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Interesse, Mitglied zu werden? Mehr unter http://www.oeko.de/mitmachen

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wie das Ohr zwischen Lärm und Flüstern unterscheidet

Dr. Katrin Weigmann, Bernstein Koordinationsstelle
Nationales Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience

Wissenschaftler aus Göttingen haben herausgefunden, welche zellulären Mechanismen der Verarbeitung unterschiedlicher Schallstärken zu Grunde liegen
(umg/bccn) Das menschliche Gehör ist in der Lage, ein immenses Lautstärkespektrum wahrzunehmen. Der Lärm eines startenden Jumbojets beispielsweise drückt eine Million Mal stärker auf unser Trommelfell, als das Summen einer Mücke. Dennoch können wir alle Lautstärken, die dazwischen liegen, nicht nur hören, sondern auch auseinanderhalten. Wie bringt es das Ohr fertig, eine so weite Palette von Lautstärken abzudecken? Göttinger Wissenschaftler am Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience haben sich unter der Leitung von Prof. Dr. Tobias Moser (Innenohr-Labor an der Universitätsmedizin Göttingen) den Mechanismus dahinter genauer angesehen. Das Geheimnis liegt offenbar darin, wie die kleinen Haarzellen im Innenohr Signale an die nachgeschalteten Nervenfasern weitergeben. Die Ergebnisse der Arbeit werden in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" veröffentlicht.

Das passiert im Ohr, wenn wir hören: Eine Schallwelle bringt zunächst das Trommelfell zum Schwingen - diese Bewegung wird als Druckwelle im Ohr weitergeleitet und setzt letztlich im Innenohr winzige Härchen auf so genannten Haarzellen in Bewegung. Die Haarzellen wandeln die Schwingungen der Härchen in Nervenimpulse um. Jede Haarzelle steht mit bis zu zwanzig nachgeschalteten Nervenfasern in Kontakt. Je nach Lautstärke aktiviert die Haarzelle eine unterschiedliche Anzahl dieser nachgeschalteten Nervenfasern. Die Übertragungseffizienz an den Kontaktstellen zwischen Haarzelle und Nervenfaser ist je nach Kontaktstelle unterschiedlich: Manche nachgeschalteten Zellen reagieren schon bei leisen Tönen, andere erst bei lauten.

Wie die Haarzellen dabei vorgehen, haben Professor Moser und seine Kollegen im Innenohr der Maus untersucht. Dabei konnten sie einen für Nervenzellen recht ungewöhnlichen Mechanismus aufdecken: Durch das Auslenken der Härchen einer Haarzelle verändert sich die elektrische Spannung über ihrer Zellmembran - und zwar umso mehr, je lauter das Signal ist. Diese Spannungsänderung öffnet spannungsgeregelte Kalziumkanäle, die sich an den Kontaktstellen zu den nachgeschalteten Nervenfasern befinden. Kalzium kann durch diese Kanäle ins Zellinnere strömen und verursacht die Signalübertragung von den Haarzellen auf nachgeschaltete Zellen. Die Arbeitsgruppe konnte zeigen: an den Kontaktstellen einer Haarzelle fließt verschieden viel Kalzium ein, obwohl alle Kalziumkanäle durch die gleiche Spannung gesteuert werden. "Diese Unterschiede zwischen den verschiedenen Kontaktstellen einer Haarzelle könnte erklären, warum an einigen Kontaktstellen bereits schwache Signale weitergeleitet werden, während andere Kontaktstellen erst bei stärkeren Signalen aktiv werden", sagt Prof. Dr. Tobias Moser.

Woher aber kommen diese Unterschiede in der einströmenden Kalziummenge? Mit ihren Experimenten konnten die Wissenschaftler zeigen, dass es zwei Gründe dafür gibt. Die Zahl der Kalziumkanäle ist von Kontaktstelle zu Kontaktstelle unterschiedlich. Außerdem reagieren die Kalziumkanäle in verschiedenen Kontaktstellen auch bei unterschiedlichen Membranspannungen. "Die Haarzelle stattet also ihre Kontaktstellen verschieden mit Kalziumkanälen aus, um nachgeschaltete Nervenfasern unterschiedlich stark zu aktivieren und so das gesamte Lautstärkespektrum abzudecken", erklären die Wissenschaftler das Ergebnis. Nun wollen die Wissenschaftler des Bernstein Zentrums die Mechanismen weiter untersuchen, die zu den Unterschieden in der Anzahl und dem Schaltverhalten der Kanäle führen.

Originalveröffentlichung:
Thomas Frank, Darina Khimich, Andreas Neef & Tobias Moser. Mechanisms contributing to synaptic Ca2+ signals and their heterogeneity in hair cells. PNAS, online veröffentlicht , 16-20.02.2009

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen
Prof. Dr. Tobias Moser
Abteilung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
InnerEarLab
37075 Göttingen
Telefon +49 (0)551 3922837
Email: tmoser@gwdg.de
Weitere Informationen:
http://www.innerearlab.uni-goettingen.de/
http://www.bccn-goettingen.de

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news301567

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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RFIDs funken durch Metall

Metall schirmt Strahlung gut ab - etwa die von RFID-Chips, kleinen Datenspeichern, die in verschiedene Gegenstände integriert werden und ihre Information an ein Lesegerät funken. Nun lassen sich RFID-Chips ihre Information auch entlocken, wenn sie in Metall stecken.

Bei der Fertigung kommt es auf höchste Genauigkeit an - oft zählen hundertstel Millimeter. Sind die Fräser oder Bohrer jedoch abgenutzt, ist es mit der Genauigkeit vorbei. Die Mitarbeiter müssen die Werkzeuge regelmäßig vermessen, bevor sie auf der Bearbeitungsmaschine zum Einsatz kommen. Um auch kleinste Abweichungen im Rundlauf erkennen zu können, rotieren die Werkzeuge dabei. Bisher ist die Vermessung Handarbeit. Die Bohrer müssen dabei mit einem passenden Adapter in eine Halterung, die Spindel, eingesetzt werden. Sowohl das Werkzeug als auch der Adapter sind mit einer Seriennummer versehen - diese und weitere Daten wie die Abmessungen werden per Hand abgetippt, wobei sich leicht Fehler einschleichen.

Künftig geht das einfacher: Forscher des Fraunhofer-Instituts für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS in Duisburg haben im Auftrag der Kelch & Links GmbH aus Schorndorf erstmalig eine Möglichkeit gefunden, RFID-Chips in die metallischen Werkzeuge zu integrieren. Auf Anfrage funken diese kleinen Datenspeicher die benötigten Informationen an ein Lesegerät außerhalb der metallischen Spindel, die das Werkzeug mit dem Adapter aufnimmt. Die Herausforderung dabei: Metall schirmt Strahlung gut ab - das weiß jeder, der einmal versucht hat, in einem Haus aus Stahlbeton mit dem Handy zu telefonieren. Dasselbe Problem tritt bei den RFID-Chips auf: Stecken sie in Gegenständen aus Metall, dringt ihre Information nicht bis zum Lesegerät durch. »Wir haben den Übertragungsweg unterteilt«, erklärt Dr. Gerd vom Bögel, Gruppenleiter am IMS. »Vom RFID-Chip, der sich im Adapter befindet, übertragen wir die Daten zunächst mit einem Kabel bis an die Grenzfläche zwischen Adapter und Spindel. Hier leiten zwei Antennenspulen die Daten drahtlos an die Spindel weiter - eine Spule befindet sich dabei im Einsatzmodul, die andere in der Spindel. Ebenso überbrücken wir die Grenzfläche zwischen der drehbaren Spindel und dem feststehenden Teil des Messgeräts drahtlos.«

Eine Kleinserie der RFID-Messgeräte ist bereits in Geräten der Kelch & Links GmbH bei ausgewählten Kunden in der Anwendung. Vom Bögel sieht auch weitere Einsatzbereiche: »Das Übertragungsprinzip lässt sich überall dort nutzen, wo Informationen über mehrere Strecken hinweg drahtlos übermittelt werden müssen - etwa in Roboterarmen, die drehbare Gelenke haben.«

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Strom aus Stroh

Forscher haben erstmals eine Biogasanlage entwickelt, die statt mit Lebensmittel-Rohstoffen nur mit Reststoffen betrieben wird - Reststoffe werden so zu Wertstoffen. Die Anlage erzeugt 30 Prozent mehr Biogas als bisherige. Eine Brennstoffzelle verstromt das Gas effizient.

»Mais gehört auf den Teller, nicht in Biogasanlagen«, solche Einwände werden immer öfter laut. Sie richten sich gegen die Vergärung von Lebensmitteln in Biogasanlagen, mit denen Strom und Wärme erzeugt werden. Gegner befürchten unter anderem, dass diese Energieerzeugung die Lebensmittelpreise nach oben treibt. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Keramische Technologien und Systeme IKTS in Dresden haben mit mehreren kleinen und mittelständischen Unternehmen erstmals eine Biogasanlage entwickelt, die gänzlich ohne lebensmitteltaugliche Rohstoffe auskommt. »In unserer Pilotanlage verwenden wir ausschließlich Reststoffe aus der Landwirtschaft, etwa Maisstroh, also die Maispflanze ohne Kolben. Wir erzeugen damit 30 Prozent mehr Biogas als in herkömmlichen Anlagen«, sagt Dr. Michael Stelter, Abteilungsleiter am IKTS. Bisher können Biogasanlagen nur einen gewissen Anteil an Reststoffen verarbeiten, da sich diese meist schlechter in Biogas umwandeln lassen als etwa reines Getreide oder Mais.

Ein weiterer Vorteil: Die Verweilzeit der sauer eingelagerten Reststoffe, der Silage, in der Anlage kann um 50 bis 70 Prozent reduziert werden. Üblicherweise gärt die Biomasse 80 Tage im Fermenter, wobei Biogas entsteht. Durch eine geeignete Vorbehandlung dauert dies in der neuen Anlage nur noch etwa 30 Tage. »Maisstroh enthält Zellulose, die nicht direkt vergoren werden kann. In unserer Anlage spalten Enzyme die Zellulose auf, bevor die Silage gärt«, erklärt Stelter.

Auch die Verstromung des Biogases haben die Forscher optimiert. Sie lenken das Gas in eine Hochtemperaturbrennstoffzelle, die einen elektrischen Wirkungsgrad von 40 bis 55 Prozent hat. Zum Vergleich: Der Gasmotor, den man hier üblicherweise einsetzt, erreicht nur einen Wirkungsgrad von durchschnittlich 38 Prozent. Die Brennstoffzelle arbeitet bei 850 Grad Celsius, die Wärme eignet sich zum Heizen oder lässt sich ins Nahwärmenetz einspeisen. Rechnet man den elektrischen und thermischen Wirkungsgrad zusammen, hat die Brennstoffzelle einen Gesamtwirkungsgrad von bis zu 85 Prozent. Der Gesamtwirkungsgrad des Verbrennungsmotors liegt meist bei etwa 38 Prozent, denn seine Wärme lässt sich nur schwer nutzen. Eine Pilotanlage mit 1,5 Kilowatt elektrischer Leistung, ausreichend für den Bedarf eines Einfamilienhauses, haben die Forscher bereits realisiert. Auf der Hannover-Messe vom 20. bis 24. April stellen die Forscher das Konzept der Anlage vor (Halle 13, Stand E20). In den folgenden Projektphasen wollen die Wissenschaftler die Biogasanlage mit den Industriepartnern schrittweise auf zwei Megawatt hochskalieren.

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Neue Ansätze zur Vererbung von Herzinfarkt gefunden

Michael van den Heuvel, Kommunikation
Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Einem internationalen Forscherteam, darunter Wissenschaftlern des Helmholtz Zentrums München, ist es gelungen, neue Genvarianten zu identifizieren, die mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko verbunden sind. Die gefundenen Gene und die zugrunde liegenden Mechanismen bieten völlig neue Ansätze, die Vererbungsmuster beim Herzinfarkt zu verstehen und Therapiemöglichkeiten zu entwickeln.
Ein wesentliches Ergebnis einer der Untersuchungen ist zudem, dass bei Menschen, die nicht nur einen, sondern mehrere der genetischen Marker in sich tragen, die Herzinfarktwahrscheinlichkeit mehr als verdoppelt ist. Mehrere Arbeiten dazu sind nun online in der renommierten Fachzeitschrift Nature Genetics publiziert worden.

Unter Koordination der Universität zu Lübeck ist es deutschen, europäischen und amerikanischen Kollegen in drei groß angelegten Studien gelungen, neue Gene für den Herzinfarkt zu entdecken. Das Helmholtz Zentrum München war mit seinen Instituten für Epidemiologie (Leitung: Prof. Dr. Dr. H. Erich Wichmann) und für Humangenetik (Leitung: Prof. Dr. Thomas Meitinger) beteiligt. Die Helmholtz-Wissenschaftler hatten bei Tausenden Patienten das gesamte menschliche Genom mit Hunderttausenden genetischer Marker abgesucht. Sie hatten sowohl Herzinfarkt-Patienten aus der KORA-Studie (Leitung: Dr. Christine Meisinger) als auch gesunde Kontrollen aus der Bevölkerung in die Studien eingebunden.

"Die Herausforderung für die Zukunft liegt für uns nun darin, das Wissen über vererbliche Faktoren und Lebensstilfaktoren zu integrieren, um eine wirkungsvolle Vorsorge für die Bevölkerung etablieren zu können", sagte Prof. Dr. Annette Peters, Arbeitsgruppenleiterin am Helmholtz Zentrum München.

Die erste der drei Arbeiten untersuchte eine Million genetischer Marker bei 1.200 Patienten mit Herzinfarkt und einer gleich großen Anzahl von gesunden Probanden. Die nachgeschalteten Kontrolluntersuchungen an weiteren 25.000 Patienten und gesunden Personen bestätigten den initialen Verdacht: Auf den Chromosomen 3 und 12 sitzen Gene, deren Varianten den Herzinfarkt verursachen können. Bei einem dieser Gene, dem so genannten MRAS-Gen, wird vermutet, dass es eine wichtige Rolle in der Gefäßbiologie einnimmt. Beim zweiten Gen, dem HNF1A-Gen, besteht eine enge Beziehung zum Cholesterinstoffwechsel.

Das besondere Element der zweiten Arbeit liegt darin, dass sie nicht nur einzelne genetische Marker bezüglich ihres Einflusses auf das Herzinfarktrisiko untersucht hat, sondern auch Haplotypen, also Kombinationen aus bis zu zehn benachbarten Markern. Damit lässt sich eine noch höhere Dichte der genetischen Information ableiten, als dies für einzelne Marker der Fall ist. So konnten die Wissenschaftler eine weitere Region, diesmal lokalisiert auf dem Chromosom 6, identifizieren, welche mit dem Herzinfarktrisiko vergesellschaftet ist. Das dort lokalisierte LPA-Gen reguliert die Konzentration eines bestimmten Lipoproteins - ein Partikel, das im Blut Fette wie beispielsweise das Lipoprotein (a) transportiert. Auch dieses Wissen lässt sich möglicherweise zukünftig für neue therapeutische Interventionen nutzen.

Die dritte Arbeit, die im Namen des Myocardial Infarction Genetics Consortium (MIGen) veröffentlicht wird, konnte drei weitere, bislang unbekannte Herzinfarktgene auf den Chromosomen 2, 6 und 21 identifizieren. Die Arbeit zeigt darüber hinaus, dass bei Menschen, die nicht nur einen, sondern mehrere der genetischen Marker in sich tragen, die Herzinfarktwahrscheinlichkeit mehr als verdoppelt ist. Je höher die Anzahl der jetzt identifizierten Krankheitsgene, umso höher war das Krankheitsrisiko. Dieses Wissen wird zukünftig helfen, das Herzinfarktrisiko zu bestimmen, um frühzeitig präventiv tätig zu werden.

Jedes Jahr sterben in Europa rund 750.000 Menschen an einem Herzinfarkt. Die zugrunde liegende Atherosklerose der Herzkranzarterien und der Herzinfarkt gehören damit in Deutschland zu den mit Abstand häufigsten Todesursachen. Neben traditionellen Risikofaktoren wie Alter, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, Zigarettenrauchen und Übergewicht spielen vererbbare Risikofaktoren eine erhebliche Rolle bei der Entstehung der Erkrankung.

Nun wurden neue bedeutsame Puzzlesteine in das nur unvollständig vorliegende Bild der Vererbung des Herzinfarktes gefunden. Die Befunde weisen daraufhin, dass es noch viele unentdeckte Mechanismen gibt, die zur Entstehung von Herzinfarkten beitragen können. Neue Mechanismen bedeuten aber auch neue Ansätze für die Prophylaxe und Behandlung des Herzinfarktes. Die Details herauszuarbeiten steht den Forschern nun bevor.

Originalpublikationen:

1) Erdmann J et al. Welcome Trust Case Control Consortium, Cardiogenics Consortium, Deloukas P, Thompson JR, Ziegler A, Samani NJ & Schunkert H. New susceptibility locus for coronary artery disease on chromosome 3q22.3. Nature Genetics (online publiziert; DOI: 10.1038/ng.307).

2) Trégouët DA et al. Genome-wide haplotype association study identifies the SLC22A3-LPAL2-LPA gene cluster as a risk locus for coronary artery disease. Nature Genetics (online publiziert; DOI: doi: 10.1038/ng.314).

3) MIGen Consortium. Genome-wide association of early-onset myocardial infarction with single nucleotide polymorphisms and copy number variants. Nature Genetics (online publiziert DOI: doi: 10.1038/ng.327).

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. Dr. H.-Erich Wichmann
Helmholtz Zentrum München, Institut für Epidemiologie
Tel. 089/3187-4066
e-Mail: wichmann@helmholtz-muenchen.de

Prof. Dr. Annette Peters
Helmholtz Zentrum München, Institut für Epidemiologie
Tel. 089/3187-4566
e-Mail: peters@helmholtz-muenchen.de

PD Dr. Christine Meisinger
Helmholtz Zentrum München, KORA-Studienzentrum
Tel. 0821/34642-50
e-Mail: christa.meisinger@helmholtz-muenchen.de

Weitere Informationen für Medienvertreter

Sven Winkler
Helmholtz Zentrum München, Pressestelle
Tel. 089/3187-3946
e-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wenn der Arbeitgeber kündigt: Nur jeder achte klagt

Rainer Jung, Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Wenn Arbeitgeber Arbeitsverhältnisse beenden, läuft das für sie zumeist relativ konfliktarm und ohne hohe Kosten ab, zeigt eine repräsentative Befragung im Auftrag des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. Nur 16 Prozent der vom Arbeitgeber Gekündigten erhalten eine Abfindung, lediglich gegen 12 Prozent der Kündigungen durch Arbeitgeber wird geklagt. Die Untersuchung bestätigt vorhergehende Forschungsergebnisse, wonach der Kündigungsschutz für Rechtsfrieden in den Arbeitsbeziehungen sorgt, ohne dem Arbeitsmarkt seine Dynamik zu nehmen.

Wie werden in Deutschland Arbeitsverhältnisse beendet? Wer kündigt und wie läuft das Verfahren? Gibt es Streit um Geld oder geht man eher friedlich auseinander? Antworten suchte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung erneut mit einer aktuellen Untersuchung. Die Untersuchung einer Forscherinnengruppe um die Arbeitsrechtlerin Prof. Dr. Heide Pfarr knüpft an mehrere große repräsentative Befragungen an: 2001 befragte das WSI erstmals Betroffene zur Beendigung ihrer Arbeitsverhältnisse. Personalleiter kamen 2003 in einer repräsentativen Befragung zur betrieblichen Personalpolitik zu Wort.

Als Folgeuntersuchung hat TNS Infratest Sozialforschung im Auftrag des WSI im Frühjahr 2008 rund 2.500 Personen befragt, die innerhalb des vergangenen Jahres ein Arbeitsverhältnis beendet hatten. Zentrale Erkenntnis: Die Befragungsergebnisse sind stabil. Und vor allem: Arbeitgeberkündigungen verlaufen nach wie vor weitgehend konfliktfrei. Lediglich bei einem geringen Teil der beendeten Arbeitsverhältnisse fließt eine Abfindung.

Kritiker des Kündigungsschutzgesetzes wollen die Schutzrechte für Arbeitnehmer weiter einschränken. Zuletzt lockerte der Gesetzgeber den Kündigungsschutz Ende 2004, indem er Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten davon ausnahm. Erklärtes Ziel waren mehr Rechtssicherheit, Transparenz und Flexibilität, um Hindernisse für Neueinstellungen abzubauen - allerdings ohne ersichtlichen Erfolg. Und zahlreiche empirische Studien aus den vergangenen zehn Jahren konnten keinen wesentlichen Einfluss des Kündigungsschutzes auf die Schaffung neuer Beschäftigung zeigen. Obwohl seitdem der Kündigungsschutz gelockert wurde, bestätigte die neue Untersuchung weitgehend die früheren Ergebnisse:

Arbeitnehmerkündigungen sind weiterhin der häufigste Grund, ein Arbeitsverhältnis zu beenden: Im Jahr 2001 gaben dies 39 Prozent der Befragten an, 2008 noch 31 Prozent. Arbeitgeberkündigungen nannten 2001 32 Prozent, in diesem Jahr 28 Prozent. Im Zeitvergleich gestiegen ist der Anteil einvernehmlicher Auflösungen und auslaufender Befristungen.

Kündigt der Arbeitgeber, kann der Betriebs- oder Personalrat dem widersprechen. Dies stärkt die Stellung des Gekündigten während eines möglichen Kündigungsschutzprozesses. Im Vergleich zu 2001 ist der Anteil der Widersprüche gestiegen, von 10 auf 18 Prozent.

Die Klagequote hat sich bei Arbeitgeberkündigungen kaum geändert: In der Untersuchung 2001 betrug sie 11 Prozent, 2008 ein Prozent mehr. Auch die WSI-Befragung der Personalleiter zur betrieblichen Personalpolitik brachte ein ähnliches Ergebnis: Hier ergab sich für die Jahre 1998 bis 2003 eine Klagequote von 15 Prozent.

Nur konstant zehn Prozent bekamen bei der Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses eine Abfindung. Unter allen vom Arbeitgeber Gekündigten erhielten lediglich 16 Prozent eine Abfindung. Hinter diesem Gesamtwert stehen natürlich verschiedene Konstellationen, in denen die Chance auf eine Abfindung unterschiedlich groß ist: Erfolgte die Kündigung im Rahmen eines Sozialplans, gab es in 61 Prozent der Fälle eine Abfindung. In der kleinen Gruppe derer, die gegen eine Kündigung geklagt haben, erhielten 57 Prozent eine Abfindung. Bei Kündigungen, für die kein Sozialplan bestand und gegen die nicht geklagt wurde, floss in sieben Prozent eine Abfindung.

"Trotz intensiver Diskussionen um den Kündigungsschutz und um Abfindungen sind die Klage- und Abfindungszahlen erstaunlich stabil", so die zusammenfassenden Ergebnisse der Studie. Die Gesetzesänderung im Jahr 2004 habe bei den betroffenen Kleinstbetrieben keinen Niederschlag in deren Einstellungs- oder Entlassungsverhalten gefunden.

Nur 10,5 Prozent der Personalleiter hatte in den vergangenen drei Jahren wegen des Kündigungsschutzgesetzes auf Kündigungen verzichtet, ergab auch eine repräsentative Befragung der Universität Hamburg 2007, gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung. Gut 16 Prozent der Befragten gab an, wegen des Gesetzes von Einstellungen abgesehen zu haben. "Im Vordergrund stehen bei Neueinstellungen und Entlassungen wirtschaftliche Erwägungen, nicht juristische Hemmnisse", resümierten seinerzeit die Leiter des Projekts, Prof. Dr. Ulrich Zachert und Prof. Dr. Florian Schramm.

"Die stabilen Daten über die Jahre belegen, dass der geltende Kündigungsschutz wirksame Verhaltenshinweise gibt und Rechtsfrieden herstellt", folgern nun WSI und TNS Infratest. Mit der Änderung des Kündigungsschutzgesetzes könne keine effektive Beschäftigungspolitik gemacht werden.
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/320_94295.html - PM mit Ansprechpartnern
http://www.boeckler.de/32014_93464.html - Artikel mit Infografiken im Böckler Impuls 19/2008
http://www.boeckler-boxen.de/2191.htm - Mehr Forschungsergebnisse zum Kündigungsschutz in einer "Böckler Box"

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Prozessgas: nicht lange fackeln

Rüdiger Mack, Stabsabteilung Kommunikation
Fachinformationszentrum Karlsruhe

Effiziente Nutzung des Nebenproduktes möglich
In vielen Industrieverfahren entsteht nebenbei Prozessgas. Es erscheint naheliegend und effizient, dieses Gas in den Betrieben thermisch zu nutzen und dadurch Erdgas zu ersetzen. In der Praxis werden die Gase bisher allerdings oft abgefackelt, denn die wechselnde Zusammensetzung und Verunreinigung durch Begleitstoffe erschwert die Nutzung. Das BINE-Projektinfo "Prozessgas - vom Nebenprodukt zum wertvollen Brennstoff" (13/08) zeigt Verfahren sowie Erfahrungen mit neuen Brennern für solche Schwachgase, die jetzt eine fast vollständige Verwendung ermöglichen.

Die Verbrennung von Prozessgasen stellt besondere Anforderungen an Anlagentechnik und Betriebsführung. In einem Forschungsprojekt wurden Brennertypen für unterschiedliche Gasarten entwickelt, die annähernd die Flammentemperaturwerte einer Erdgasverbrennung erreichen. Sie zeichnen sich durch hohe Betriebssicherheit und gutes Ausbrandverhalten aus und haben sich im industriellen Einsatz bereits bewährt. Ein neues dynamisches Mess- und Steuerungskonzept passt regelbare Industriebrenner genauer als bisher an schwankende Zusammensetzungen an und verbessert dadurch deren Wirkungsgrad.

Das neue BINE-Projektinfo "Prozessgas - vom Nebenprodukt zum wertvollen Brennstoff" (13/08) ist kostenfrei beim BINE Informationsdienst von FIZ Karlsruhe erhältlich - im Internet unter www.bine.info oder telefonisch unter 0228 - 92379-0.

Pressekontakt

BINE Informationsdienst
Uwe Milles
Tel. 0228/9 23 79-26
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Hinweis für Redaktionen

BINE ist ein Informationsdienst von FIZ Karlsruhe und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert. FIZ Karlsruhe ist Dienstleister und Servicepartner für das Informationsmanagement und den Wissenstransfer in Wissenschaft und Wirtschaft. Schwerpunkte sind die weltweit einzigartige Datenbankkollektion von STN International und die Entwicklung von e-Science-Lösungen. Weitere Informationen unter http://www.fiz-karlsruhe.de
Weitere Informationen:
http://www.bine.info/topnavigation/presse/pressemitteilung/prozessgas-nicht-lang... - Pressemitteilung und Downloadmöglichkeiten zum BINE-Projektinfo "Prozessgas - vom Nebenprodukt zum wertvollen Brennstoff" (13/08)
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(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Das Gen, das die Lebensuhr zurückdreht

Barbara Abrell, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Max-Planck-Forschern ist es gelungen, Körperzellen mit einem einzigen Faktor in pluripotente Zellen zu verwandeln
Früher war die Sache klar: Sobald ein Mensch geboren ist, gibt es kein Zurück. Ob Leber, Muskel oder Haut - keine Körperzelle, so schien es, kann je wieder etwas anderes werden als sie ist. Dieses Dogma freilich ist inzwischen widerlegt. Selbst ausgereifte Zellen, so weiß man heute, lassen sich in einen embryonalen Zustand zurückversetzen - wenn auch nur mithilfe krebsfördernder Gene und heikler genetischer Tricks. Forscher des Max-Planck-Instituts für molekulare Biomedizin in Münster haben jetzt jedoch entdeckt, dass es einfacher und risikoärmer geht als geahnt. Mit einem einzigen Gen konnten Wissenschaftler um Hans Schöler Zellen erwachsener Mäuse erfolgreich reprogrammieren. Damit ist es geglückt, induzierte pluripotente Stammzellen (iPS) ohne eingeschleuste Tumor-Gene zu erzeugen. Das macht die Zellen sicherer und könnte so ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur Entwicklung künftiger Stammzelltherapien sein. (Cell, Online-Vorab-Publikation, 6. Februar 2009)

Seit Jahren wird mit Hochdruck nach einer Methode gesucht, mit der sich ausgereifte Zellen so umprogrammieren lassen, dass sie sich wie embryonale Stammzellen verhalten. Denn diese sind pluripotent, das heißt, in der Lage, jeden der mehr als 200 Zelltypen des Körpers zu bilden. Mit diesen patienteneigenen, pluripotenten Stammzellen könnte ein Traum vieler Mediziner und Patienten in Erfüllung gehen: die Schaffung einer unerschöpflichen Quelle für körpereigene Ersatzgewebe zur Behandlung diverser Krankheiten wie Parkinson, Herzleiden oder Diabetes.

Vor gut zwei Jahren erregten japanische Forscher daher Aufsehen, als es ihnen als Ersten glückte, Hautzellen einer Maus in ihren embryonalen Urzustand zurückzuversetzen. Das Rezept wirkt einfach: Um die begehrten Multitalente zu erzeugen, hatte das Team um Shinya Yamanaka mithilfe von Viren aktive Zusatzkopien von lediglich vier normalerweise abgeschalteten Genen in die Zellen eingeschleust.

In Wirklichkeit steckte dahinter eine detektivische Meisterleistung. Schließlich wusste bis dahin niemand, ob und wenn ja mit welchen Faktoren sich eine Zelle überhaupt reprogrammieren lässt. Allein Yamanaka und seine Kollegen hatten 24 Kandidaten in allen erdenklichen Kombinationen getestet, bis sie die entscheidenden Faktoren - die Gene Oct4, Sox2, c-Myc und Kfl4 - dingfest gemacht hatten.

Vor gerade einmal einem halben Jahr gelang Mitarbeitern aus Hans Schölers Team ein weiterer Coup. Statt wie bisher vier, benötigten die Zellbiologen Jeong Beom Kim und Holm Zaehres nur noch zwei Faktoren. Bei der Entwicklung ihrer neuen Methode kam den Forschern neben Fleiß auch etwas Glück zur Hilfe: In einem anderen Projekt hatten Schöler und seine Mitarbeiter entdeckt, dass es im Gehirn erwachsener Mäuse Zellen gibt, die natürlicherweise drei der vier Faktoren aus dem Reprogrammier-Cocktail produzieren. In diesen neuralen Stammzellen, die als Nachschubquelle für verschiedene Nervenzelltypen dienen, sind die Gene Sox2, Klf4 und c-Myc von sich aus aktiv.

Genau diese Zellen sind es auch, mit denen Kim und Zaehres die Technik nun erneut vereinfacht haben. Wie sie herausfanden, genügt ein einziges Gen aus dem Cocktail, um die Lebensuhr in neuralen Stammzellen zurückzudrehen: der Transkriptionsfaktor Oct4.

Entscheidend dafür ist allerdings, dass man nicht nur sorgfältig arbeiten, sondern auch warten kann: Mit vier Faktoren, so zeigte sich, ist die Reprogrammierung bereits nach rund einer Woche erfolgreich abgeschlossen. Schleust man nur zwei Gene ein, dauert es mindestens 14 Tage. Hat man allein Oct4 als "Hebel", der die Zellen in Richtung "Neustart" schiebt, braucht der Vorgang drei bis vier Wochen.

Doch die Geduld zahlte sich aus. Diejenigen Zellen, bei denen der "Reset" allein mit Oct4 geklappt hatte, verfügten über die gleichen Fähigkeiten wie jene, die mit zwei oder vier Faktoren reprogrammiert wurden: Aus den 1-Faktor-iPS ließen sich ebenso gut wieder Herz-, Nerven- oder Keimzellen züchten, wie aus jenen iPS, die mit vier Faktoren in Multitalente verwandelt worden waren.

Dass ausgerechnet Oct4 - im Gegensatz zu allen anderen Faktoren - für einen kompletten Neustart ausreicht, ist für Schöler ein Déjà-vu: So hatte er bereits Ende der 80er-Jahre den Transkriptionsfaktor in Eizellen von Mäusen entdeckt. Schöler war es auch, dem es kurz darauf als Erstem gelang, das Oct4-Gen zu beschreiben. Schon damals zeichnete sich ab, dass der Faktor eine Schlüsselrolle in der Keimbahn spielt, erinnert sich Schöler. "Denn das Gen war nicht nur in Eizellen aktiv, sondern auch in frühen Embryonen und embryonalen Stammzellen und dann Keimzellen - all solchen Zellen also, die das Leben von einer Generation in die nächste tragen können und damit potenziell unsterblich sind." In allen Körperzellen dagegen war es stets abgeschaltet. Unklar war lange, ob diese Korrelation auf einer Ursache oder aber allein auf Zufall beruhte. Durch gezielte Experimente zeigte Schöler jedoch später, dass Oct4 für die Aufrechterhaltung der Pluripotenz von Zellen unerlässlich ist.

"Im Nachhinein sieht alles so naheliegend aus", sagt Schöler. Tatsächlich aber konnte bis vor Kurzem niemand wissen, ob sich ausgereifte Körperzellen in pluripotente Zellen verwandeln lassen. "Auch ich", gesteht Schöler, "hätte deshalb bis vor ein paar Jahren niemals versucht, einfach nur Oct4 auf Zellen zu geben und dann mehrere Wochen zu warten, was passiert." Fest steht für ihn aber etwas anderes: "Unser Vorteil war sicher, dass meine Mitarbeiter und ich sowohl embryonale als auch adulte Stammzellen erforschen. Ohne diese Verknüpfung hätten wir unsere jüngste Entdeckung sicher nicht so schnell gemacht."

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Martin Zenke (Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule, RWTH Aachen) und Bernd K. Fleischmann (Universität Bonn), wie Schöler Mitglieder im Kompetenznetzwerk Stammzellforschung NRW, waren an dieser Arbeit beteiligt. Das vom Land Nordrhein-Westfalen ins Leben gerufene Kompetenznetzwerk ermöglicht die Bündelung der Exzellenz auf dem Gebiet der Stammzellforschung.
Weitere Informationen:
http://www.zellux.net/ - Das Stammzellportal für Schüler und Lehrer"

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Neues Fraunhofer-Institut für Windenergie

Windenergie ist im Aufwind. Bis 2020 sollen in der EU 20 Prozent des Energieverbrauchs durch regenerative Energien gedeckt werden - so hat es der Europäische Rat im Dezember 2008 beschlossen. Windenergie hat dabei das größte Potenzial. Das neue Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES bietet Forschung und Entwicklung für die gesamte Wertschöpfungskette der Windenergie von der Materialentwicklung bis zur Netzintegration.

Der Ausbau der Windenergienutzung wird vor allem auf dem Meer erfolgen. Viele Anlagenhersteller haben deshalb ihre Produktion in Küstennähe verlagert. In ihrer Nähe, in Bremerhaven, befindet sich der Sitz des IWES. Im Laufe des Jahres 2009 wird das auf die Stromversorgung aus regenerativen Quellen spezialisierte Institut für Solare Energieversorgungssysteme ISET an der Universität Kassel in das IWES integriert. Wie alle Fraunhofer-Institute wird auch das neue Fraunhofer-Institut eng mit Hochschulen zusammenarbeiten: Neben der engen Verbindung zur Universität Kassel soll an der Universität Hannover und der Universität Oldenburg je eine Fraunhofer-Projektgruppe entstehen. Auch die Universität Bremen kooperiert mit dem IWES.

Der großen Bedeutung der Windenergie entsprechend engagieren sich sowohl der Bund als auch die Sitzländer stark für den Aufbau des IWES. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und das Land Bremen haben bereits die Vorgängereinrichtung des IWES, das Fraunhofer-Center für Windenergie und Meerestechnik CWMT, institutionell gefördert - unter anderem durch Baumaßnahmen in Höhe von 12,8 Mio Euro. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit BMU und das Land Bremen fördern derzeit den Aufbau des Rotorblattkompetenzzentrums als Teil des CWMT mit 12,6 Mio Euro. Weiterhin stellt das BMU in den Jahren 2009 bis 2013 Projektmittel in Höhe von 25 Mio Euro für das IWES in Aussicht. Der Bremer Senat fördert den weiteren Ausbau des IWES Bremerhaven in den Jahren bis 2014 mit 10 Mio Euro. Das Land Niedersachsen unterstützt nicht nur die Fraunhofer-Projektgruppen, sondern auch die kooperierenden Universitäten in Hannover und Oldenburg ebenfalls in zweistelliger Millionenhöhe. Den Übergang des Kasseler ISET in das IWES fördert Hessen mit 10,5 Mio Euro und will sich mittelfristig an den Kosten eines Neubaus in Kassel beteiligen.

Der wachsende Energiebedarf der Menschheit ist eine der größten Herausforderungen der Gegenwart: Gefragt sind Konzepte für die sichere und ökonomische Versorgung mit umwelt- und klimafreundlicher Energie. »Wir stellen uns den Herausforderungen, entwickeln Windkraftanlagen in der Leistungsklasse über 5 MW für den rauhen Offshore-Einsatz, arbeiten an robusten Stromnetzen und vielem mehr. Was wir heute in der Forschung erreichen, kann rasch umgesetzt werden und trägt dazu bei, die Spitzenstellung der deutschen Unternehmen auszubauen,« erklärt Professor Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft.

Schon heute ist Windenergie ein Wirtschaftsfaktor: Der weltweite Gesamtumsatz betrug 2007 15,4 Milliarden Euro. Deutsche Hersteller und Zulieferer hatten daran einen Anteil von 37 Prozent und sind Marktführer. Für das Jahr 2020 wird deutschen Unternehmen, die regenerative Energiequellen erschließen, ein Umsatz von 24 bis 30 Milliarden Euro prognostiziert. Nimmt man an, dass die Windkraft wie geplant zwei Drittel dieser Energie liefert, ergibt sich ein Umsatz von 16 bis 20 Milliarden Euro.

»Angesichts des rasant wachsenden Markts verschärft sich der weltweite Wettbewerb, der die Hersteller von Windenergieanlagen zwingt, ständig Innovationen zu entwickeln, um auf dem Markt konkurrenzfähig zu bleiben«, ergänzt Dr. Hans-Gerd Busmann, kommissarischer Leiter des IWES in Bremerhaven. »Vor allem im Offshore-Bereich ist der Innovationsdruck hoch: Die Anlagen müssen so geplant und gebaut werden, dass sie Jahre bis Jahrzehnte Wind, Wetter und Wellen trotzen.«

Hersteller und Betreiber von Windkraftanlagen finden am IWES kompetente Ansprechpartner: Bereits seit zwei Jahren entwickeln die Forscher Prüfverfahren für Windkraftanlagen: Das CWMT, das in dem neuen Fraunhofer-Institut IWES aufgegangen ist, hat sich auf überdimensionale Materialtests spezialisiert. Um Rotorblätter untersuchen zu können, wurde eine 85 Meter lange und 25 Meter hohe Halle eingerichtet. Dr. Arno van Wingerde vom IWES betont: »Unsere Prüfeinrichtung ist eine der größten der Welt. Das Interesse der Rotorblatthersteller an einer Nutzung des Prüfstandes ist enorm hoch.«

»Windkraft liefert den Löwenanteil der erneuerbaren Energie der nächsten Jahrzehnte. In Kombination mit den anderen erneuerbaren Energien, neuen Speichertechnologien und intelligenten Energiemanagementsystemen kann es uns gelingen, in 40 Jahren einen Großteil des Strombedarfs ökologisch zu erzeugen. Aber nur, wenn wir heute den Ausbau der Windkraft im Verbund mit der Solar-, Bio- und Meeresenergie massiv weiter entwickeln«, erklärt Prof. Jürgen Schmid, Leiter des ISET in Kassel.

Unter dem Dach des neuen Instituts werden künftig Experten verschiedener Disziplinen zusammenarbeiten: Die Ingenieure in Bremerhaven bringen ihre Erfahrungen mit Prüfung und Simulation von Materialien und Komponenten ein, während die Kasseler Forscher an elektrotechnischen Fragestellungen arbeiten. Eines ihrer Spezialgebiete ist die Integration von Windstrom in die Versorgungsnetze. »Die Gruppen ergänzen sich hervorragend«, resümiert Busmann. »Gemeinsam können wir ein Kompetenzzentrum bilden, das alle Dienstleistungen von Entwicklung und Bau der Komponenten bis hin zur Betriebssteuerung und zum sicheren Netzbetrieb anbietet.«

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Forschungsgruppe fordert Erstattung von Akupunktur bei Kopfschmerzen - Aktuelle Meta-Analysen belegen Wirksamkeit von Akupunktur

Prof. Dr. Albrecht Molsberger, Geschäftsstelle
Forschungsgruppe Akupunktur und Chinesische Medizin (FACM) e.V.

Die Auswertung der Daten von 6.700 Kopfschmerz-Patienten zeigt: Akupunktur hilft bei Spannungskopfschmerz und Migräne mindestens ebenso gut wie die schulmedizinische Standardtherapie. Zu dieser Einschätzung gelangen zwei aktuell veröffentlichte Meta-Analysen der internationalen Cochrane Collaboration. Cochrane Meta-Analysen genießen in der Fachwelt hohes Ansehen und sind die Grundlage für die Entwicklung von medizinischen Leitlinien.

"Die Cochrane Reviews zeigen, dass Akupunktur bei Spannungskopfschmerzen und Migräne sehr gut hilft und mindestens so gut belegt ist wie konventionelle medikamentöse Therapieverfahren und dies bei viel geringeren Nebenwirkungen und wahrscheinlich deutlich besserer Langzeitwirkung. Damit ist aus medizinischer Sicht der Weg für eine Erstattung der Akupunktur bei Kopfschmerzen frei", sagte Prof. Albrecht Molsberger, Vorsitzender der Forschungsgruppe Akupunktur, am Mittwoch in Grafing bei München. Die Forschungsgruppe setzt sich seit Jahren für die Akupunktur in Deutschland ein.
In Deutschland leiden rund zehn Millionen Menschen an behandlungsbedürftigen Kopfschmerzen. "Es kann nicht sein, dass Therapien, deren Wirksamkeit weniger gut belegt ist und die zudem starke Nebenwirkungen haben, von den Krankenversicherungen bezahlt werden und eine so gut belegte Therapie wie die Akupunktur für die Mehrheit der Patienten nicht erstattet wird", erklärte Molsberger. Die Behandlung mit Akupunktur nütze nicht nur dem Patienten, sondern sei wahrscheinlich langfristig ökonomischer als andere Therapieverfahren, da sie besonders lange wirksam sei.

Studien mit über 6.700 Patienten analysiert
Die Cochrane Collaboration hat 22 Studien bei 4400 Patienten zu Akupunktur bei Migräne ausgewertet. In einer weiteren Analyse wurden elf Studien bei 2300 Patienten mit Spannungskopfschmerzen untersucht.

Die Studien mussten mindestens acht Wochen dauern und über eine Kontrollgruppe verfügen, in der entweder eine medikamentöse Therapie, keine Behandlung, Scheinakupunktur oder andere nicht-medikamentöse Verfahren verglichen wurden. Einen wichtigen Anteil daran haben die gerac-Kopfschmerz-Studien (German Acupunture Trials) aus Deutschland, an der rund 1.200 Patienten mit Spannungskopfschmerz oder Migräne teilgenommen haben und die wesentlich durch die Forschungsgruppe mitgestaltet wurden.

Akupunktur hilft bei Spannungskopfschmerzen
Bei der Behandlung von Spannungskopfschmerzen zeigte sich, dass die Kombination Akupunktur plus Medikamente einer rein medikamentösen Therapie deutlich überlegen ist: Zu einer Reduktion der Kopfschmerztage um mindestens die Hälfte kam es bei 47 Prozent der Patienten mit Akupunktur, aber nur bei 16 Prozent mit alleiniger Schmerzmitteltherapie.

Weniger Migräneanfälle durch Akupunktur
Akupunktur beugt Migräneanfällen vor. Das zeigte die Auswertung von 22 Studien mit Migränepatienten. Bei jedem zweiten mit Akupunktur behandelten Patienten halbierte sich die Häufigkeit der Anfälle. Auch die Zahl der Kopfschmerztage sowie die Schmerzintensität war sowohl nach zwei als auch nach drei bis vier Monaten mit Akupunktur deutlich niedriger.
Bei Migräne wurde die Akupunktur auch mit der täglichen Einnahme von Betablockern oder Antiepileptika verglichen. Ergebnis: Elf Akupunktursitzungen wirken genauso gut wie Betablocker oder Antiepileptika, die der Patient über sechs Monate täglich einnehmen muss. "Damit ist die Akupunktur eine echte Alternative zur medikamentösen Prophylaxe und verbessert die Lebensqualität des Patienten", erklärte Molsberger.
Wurde jedoch Akupunktur (Verum) mit verschiedenen Schein-Akupunkturverfahren (Sham) bei Migräne verglichen, ergaben sich keine signifikanten Unterschiede: Die Zahl der Kopfschmerztage sank in beiden Gruppen ähnlich stark, die Anfallsfrequenz war ähnlich und auch der Gebrauch von Schmerzmitteln unterschied sich nicht signifikant in den beiden Gruppen. "Dass Verum- und Sham-Akupunktur keinen nennenswerten Unterschied zeigen, überrascht mich nicht. Bei den großen Akupunkturstudien wurde nicht die Qualität sondern die Wirksamkeit der Akupunktur untersucht. Aus meiner Erfahrung allerdings sind die Punktauswahl und Stimulationstechnik entscheidend für den optimalen Behandlungserfolg", erläuterte der Wissenschaftler.

Kopfschmerzen
Etwa zehn Millionen Menschen in Deutschland leiden an Migräne, wobei Frauen etwas häufiger betroffen sind als Männer. Etwa 20 bis 30 Prozent der Gesamtbevölkerung entwickeln im Laufe ihres Lebens einen häufigen episodischen Spannungskopfschmerz mit einer Kopfschmerzhäufigkeit von bis zu 180 Tagen pro Jahr.

Rund 3,7 Milliarden Schmerzmitteldosen werden jährlich in Deutschland konsumiert - der größere Teil davon wegen Kopfschmerzen. Allein durch den Konsum von sogenannten, oft frei verkäuflichen, nicht-steroidalen Analgetika wird aufgrund der Nebenwirkungen mit 1000 - 4000 Toten pro Jahr in Deutschland gerechnet.
Es wird vermutet, dass bis zu 40 Prozent der chronisch auftretenden Kopfschmerzen durch die häufige Einnahme von Schmerz- oder Migränemitteln ausgelöst werden, wobei die Einnahme immer mehr gesteigert wird.

Auf Grund ihrer Häufigkeit besitzt die Migräne eine nicht zu unterschätzende volkswirtschaftliche Bedeutung. Jährlich werden in Deutschland etwa 500 Mio. Euro von Patienten und Krankenversicherungen für die ärztliche und medikamentöse Behandlung der Migräne ausgegeben. Die durch Arbeitsausfall zusätzlich entstehenden indirekten Kosten werden auf über das 10-fache dieser Summe geschätzt.

Die Forschungsgruppe Akupunktur
Seit ihrer Gründung im Jahre 1988 zählt die Forschungsgruppe Akupunktur und Chinesische Medizin zu den großen medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland: Die GERAC-Studie als eine der größten wissenschaftlichen Studien wurde von der Forschungsgruppe Akupunktur maßgeblich gestaltet.

Neben der Forschung ist die Lehre zentrales Anliegen. Mehr als 3.000 Mediziner haben ihre Ausbildung bei der Forschungsgruppe absolviert und die Akupunktur erfolgreich in den Workflow ihrer Praxis integriert: Ärzte der Forschungsgruppe führen die meisten Akupunkturbehandlungen in Deutschland durch.

Weitere Informationen:
http://www.facm.de
http://www.gerac.de

Kontakt:
Forschungsgruppe Akupunktur
Sekretariat Gisela Kraus
Fon 08092 / 847 34
gisela.kraus@facm.de
Weitere Informationen:
http://www.akupunktur.info/start/43-aktuel-weiterlesen-version/152-pressemitteil...
Unsere Pressemitteilung im Internet

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Betriebliche Weiterbildung: Fachübergreifende Kompetenzen werden immer wichtiger

Andreas Pieper, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Der Stellenwert fachübergreifender Kompetenzen ("soft skills") in der betrieblichen Weiterbildung nimmt deutlich zu. Laut einer Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) steigt der Anteil der Unternehmen, die bei ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Sozialkompetenzen für besonders wichtig halten, von gegenwärtig 30 auf künftig 40 % an. Bei den personalen Kompetenzen ist ein Anstieg von 20 auf 26 % zu verzeichnen und bei den Methodenkompetenzen von 13 auf 19 %. Unangefochten auf Platz 1 stehen aber weiterhin die Fachkompetenzen mit gegenwärtig 77 %.
Ihre Bedeutung in der betrieblichen Weiterbildung wird jedoch nach Einschätzung der befragten Unternehmen in Zukunft leicht (auf 75 %) abnehmen. Veröffentlicht sind die Ergebnisse der BIBB-Studie in der neuesten Ausgabe des BIBB REPORT, Heft 7/2009. Erstmals wurden in der BIBB-Untersuchung auch Daten darüber erhoben, welche der in den Unternehmen angebotenen Lernformen in der betrieblichen Weiterbildung die fachübergreifenden Kompetenzen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am besten fördern. Demnach werden personale Kompetenzen nach Auffassung der Betriebe am stärksten durch "interne Lehrveranstaltungen" gefördert. Sozialkompetenzen lassen sich am stärksten durch "Job-Rotation" und/oder "Austauschprogramme" fördern, und zur Verbesserung der Methodenkompetenz schätzen die Unternehmen die Lernformen "Lern- und/oder Qualitätszirkel", "Job-Rotation" und "Unterweisung und/oder Einarbeitung" am meisten.

Die aktuellen Ergebnisse der mit finanzieller Unterstützung des Bundesbildungsministeriums durchgeführten nationalen Zusatzerhebung des BIBB unter mehr als 300 Unternehmen stärken frühere Erkenntnisse europäischer Studien über die betriebliche Weiterbildung in Unter¬nehmen (CVTS = Continuing Vocational Training Survey). Ein Vergleich der europäischen Haupterhebungen aus den Jahren 1999 und 2005 durch das BIBB bestätigt die zunehmende Bedeutung von "soft skills" in der betrieblichen Weiterbildung sowohl in Deutschland als auch in allen anderen west- und nordeuropäischen Ländern. So stieg der Anteil der Teilnahmestunden im Bereich "Persönlichkeitsentwicklung, Qualitätsmanagement, Arbeitstechniken, Kooperationstraining und Gesprächsführung" von 12 % auf 16 %. Gleich¬zeitig sank im selben Zeitraum die Teilnahme an Schulungen zum Thema "EDV, Informationstechnik und Computerbedienung" im europäischen Durchschnitt von 17 auf 11 %.

Die neueste Ausgabe des BIBB REPORT, Heft 7/2009, zur betrieblichen Weiterbildung in Deutschland kann im Internetangebot des BIBB kostenlos heruntergeladen werden unter http://www.bibb.de/bibbreport

Inhaltliche Auskünfte im BIBB erteilt:
Dick Moraal, Tel.: 0228 / 107-2602; E-Mail: moraal@bibb.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Auslösern von Panikattacken auf der Spur

Ute Missel, Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Die Angst zu sterben oder verrückt zu werden, kann eine Panik-Attacke auslösen. Plötzlich kommt es zu Atemnot, Herzrasen, Schweißausbruch oder anderen körperlichen Reaktionen. Sie verschwinden nach etwa 15 Minuten genauso schnell, wie sie ausgelöst wurden. Am Universitätsklinikum Erlangen wird seit September 2008 untersucht, was die Auslöser für die Panik-Attacken sind. Die Vermutung: Patienten mit Panikattacken haben eine starke Empfindlichkeit für CO2-Veränderungen im Gehirn. Jetzt werden betroffene Frauen zwischen 20 und 55 Jahren gesucht, um zu überprüfen, ob die Hypothese stimmt.
Etwa ein bis vier Prozent der Bevölkerung erkranken im Laufe ihres Lebens an einer Panikstörung. Eine Panikstörung zeichnet sich durch immer wiederkehrende und unerwartete Panikattacken mit intensiver Angst und körperlichen Angstsymptome aus, die mehrere Male innerhalb eines Monats auftreten. Hinzu kommt die Angst vor weiterer Panikattacken und den möglichen Folgen. Diese so genannte Erwartungsangst kann dazu führen, dass Betroffene beginnen, enge Räume, Menschenansammlungen oder weite Reisen zu vermeiden.

Die Psychosomatische und Psychotherapeutische Abteilung des Universitätsklinikums Erlangen (Leiterin: Prof. Dr. Martina de Zwaan) will mit ihrer Studie den Ursachen für die Panikstörung auf den Grund gehen. In Kooperation mit dem Institut für Physiologie (Direktor: Prof. Dr. Chris­tian Alzheimer) und der Neuroradiologischen Abteilung des Uni-Klinikums (Leiter: Prof. Dr. Arnd Dörfler) werden jetzt Patientinnen mit Panikstörung im Alter zwischen 20 und 55 Jahren gesucht. Die Patientinnen sollten derzeit möglichst keine Medikamente zur Behandlung der Panikstörung einnehmen. Nach einem psychologischen Test werden die Durchblutungsverhältnisse des Hirnstammes im Kernspintomographen von Panikpatientinnen und gesunden Vergleichspersonen während verschiedener Atemmanöver untersucht. Die Studie wird über die Erlanger Johannes und Frieda Marohn-Stiftung finanziert. Infos über Dr. Anja Deinzer, Tel.: 09131/85-45926 oder -34899.

CO2 -Veränderung im Gehirn könnte Panik-Attacke auslösen
Wissenschaftlicher Hintergrund der Untersuchung sind Hinweise, dass Patienten mit Panikattacken eine starke Empfindlichkeit für CO2-Veränderungen im Gehirn haben. Diese veränderte Empfindlichkeit könnte spezifisch für Patienten mit Panikattacken sein und sich von Patienten mit anderen Angsterkrankungen, Depressionen und vor allem von gesunden Probanden unterscheiden. CO2-Veränderungen im Gehirn lassen sich durch gezielte Atemmanöver, wie Luftanhalten und Hyperventilation hervorrufen. Die Studiengruppe möchte diese Atemmanöver im Kernspintomographen untersuchen. Seit 2008 verfügt die Neuroradiologische Abteilung des Uni-Klinikums über ein 3 Tesla-Kernspintomographiegerät der neusten Generation, das die Vorraussetzungen für die Darstellung des Hirnstammes erfüllt und damit erst die Grundlagenforschung in diesem aktuellen wissenschaftlichen Bereich ermöglicht hat.

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit 26.000 Studierenden, 550 Professorinnen und Professoren sowie 2000 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in engem Dialog mit Jura und Theologie sowie den Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Seit Mai 2008 trägt die Universität das Siegel "familiengerechte Hochschule".

Weitere Informationen für die Medien:

Dr. Anja Deinzer
Tel. 09131/8545926
Anja.Deinzer@uk-erlangen.de

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news299534

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Das Umweltgesetzbuch als erstes Opfer des Vorwahlkampfes

Christian Simon, Pressestelle
Sachverständigenrat für Umweltfragen

"Die historische Chance auf ein modernes und europakonformes Umweltrecht ist leichtfertig verspielt worden. Die Gründe, die gegen das UGB vorgebracht werden, sind fachlich nicht nachvollziehbar", erklärt Prof. Dr. Christian Calliess, Professor für öffentliches Recht an der FU Berlin und Mitglied des Sachverständigenrates für Umweltfragen.
Jetzt wäre die Bundeskanzlerin als Befürworterin des UGB gefordert.

"In dieser verfahrenen Situation, in der es um das irrationale Scheitern eines wichtigen und im Koalitionsvertrag vereinbarten Reformprojekts geht, müsste die Bundeskanzlerin von ihrer in der Verfassung ausdrücklich vorgesehenen Richtlinenkompetenz Gebrauch machen und dem UGB so zum Durchbruch verhelfen", meint Prof. Calliess.

Neben der integrierten Vorhabengenehmigung stehen nun auch die Errungenschaften des international vorbildlichen deutschen Naturschutzrechts zur Disposition.

Bedauerlich ist das Scheitern des UGB insbesondere, weil damit auf unabsehbare Zeit die Chance vertan wird, das historisch gewachsene und daher zersplitterte und unübersichtliche deutsche Umweltrecht zu systematisieren. Vor allem die geplante integrierte Vorhabengenehmigung hätte sowohl für die Wirtschaft als auch die Bürger weniger Bürokratie bedeutet, weil künftig nur noch eine Genehmigung von einer Behörde in einem Verfahren erteilt werden sollte. Die Qualität der Arbeit staatlicher Behörden hätte sich durch die Bündelung von Sachkompetenz in den Behörden verbessert. Und nicht zuletzt wäre mit der einheitlichen, integrierten Genehmigung den Vorgaben des auch für Deutschland verbindlichen europäischen Umweltrechts entsprochen worden.

Der bayerische Umweltminister Söder hatte nach Zeitungsberichten kritisiert, dass 10.000 neue landwirtschaftliche Vorhaben nunmehr genehmigungspflichtig geworden wären. Dabei ist für die genannten Anlagen und Projekte bereits jetzt eine Genehmigung erforderlich, die allerdings eine andere Bezeichnung trägt. Die Wortwahl suggeriert überdies, dass bereits bestehende Anlagen betroffen sein könnten, was jedoch nicht der Fall gewesen wäre. Ebenso irreführend ist es, wenn behauptet wird, 77.000 km Gewässerrandstreifen hätten allein in Bayern neu ausgewiesen werden müssen. An diesem Punkt sah das UGB nämlich ein Abweichungsrecht der Länder vor, die mithin auf eine Ausweisung ganz hätten verzichten können.

Nicht nachvollziehbar ist der Vorwurf, das UGB würde zu einer Monsterbürokratie führen. Dies hat der SRU schon in einem offenen Brief an die Bundeskanzlerin widerlegt. Der eigens zur Bekämpfung von Bürokratie ins Leben gerufene Normenkontrollrat der Bundesregierung und das Statistische Bundesamt hatten für die Unternehmen Effizienzgewinne in Höhe von fast 30 Mio. Euro jährlich errechnet, die sich mit der Einführung des UGB aus dem Abbau bürokratischer Informationspflichten ergeben würden. Selbst der dem UGB gegenüber kritisch eingestellte Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) rechnete mit einem Einsparpotenzial für die Wirtschaft durch das Gesetzbuch.

Die befürchtete Rechtsunsicherheit dagegen wird durch das Scheitern des UGB zunehmen. Zwar hätten die Länder in Zukunft in bestimmten Bereichen auch vom bundeseinheitlichen Umweltrecht abweichen können. Dazu werden sie nunmehr regelrecht eingeladen, wenn es das angestrebte einheitliche und transparente Umweltrecht nicht geben wird. Besonders verheerend könnte sich das im Naturschutz auswirken. Noch ist offen, ob und in welcher Form dem Bund die nach der Föderalismusreform erforderliche Vollregelung nunmehr gelingen wird. Zudem haben viele Bundesländer im Naturschutz Wünsche nach dem Abbau von Standards geäußert, die sie nunmehr leichter realisieren könnten.

Der SRU hat sich wiederholt in den letzten Monaten zum UGB geäußert, so insbesondere:

http://www.umweltrat.de/04presse/downlo04/hintgru/Offener_Brief_zum_UGB_2008.pdf

http://www.umweltrat.de/04presse/downlo04/hintgru/Brief_UGB_Naturschutz_2008_04....

http://www.umweltrat.de/02gutach/downlo02/umweltg/UG_2008.pdf, Kapitel 5.7

Der SRU berät die Bundesregierung seit 1972 in Fragen der Umweltpolitik. Die Zusammensetzung des Rates aus sieben Universitätsprofessorinnen und professoren verschiedener Fachdisziplinen gewährleistet eine wissenschaftlich unabhängige und umfassende Begutachtung, sowohl aus naturwissenschaftlich-technischer als auch aus ökonomischer, rechtlicher, politikwissenschaftlicher und ethischer Perspektive.

Der Rat besteht derzeit aus folgenden Mitgliedern:
Prof. Dr. Martin Faulstich (Vorsitzender), Technische Universität München
Prof. Dr. Heidi Foth (stellv. Vorsitzende), Universität Halle-Wittenberg
Prof. Dr. Christian Calliess, Freie Universität Berlin
Prof. Dr. Olav Hohmeyer, Universität Flensburg
Prof. Dr. Karin Holm-Müller, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Prof. Dr. Manfred Niekisch, Zoologischer Garten Frankfurt
Prof. Dr. Miranda Schreurs, Freie Universität Berlin

Weitere Informationen erhalten Sie beim Generalsekretär des SRU,
Dr. Christian Hey, Tel: 030/263696-0
Weitere Informationen:
http://www.umweltrat.de
http://www.umweltrat.de/04presse/downlo04/hintgru/Offener_Brief_zum_UGB_2008.pdf
http://www.umweltrat.de/04presse/downlo04/hintgru/Brief_UGB_Naturschutz_2008_04....
http://www.umweltrat.de/02gutach/downlo02/umweltg/UG_2008.pdf, Kapitel 5.7

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Naturschutz-Kleinod wechselt Besitzer: Prora (Rügen) erste DBU-Naturerbe-Fläche

Franz-Georg Elpers, Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Startschuss fiel 2001, als die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) ihren Stiftungszweck um die "Bewahrung und Wiederherstellung des Nationalen Naturerbes" erweiterte. Fortan war die Sicherung großer, unzerschnittener Lebensräume für Pflanze und Tier Top-Thema bei der DBU. Mit dem am 13. Mai 2008 mit der Bundesregierung geschlossenen Rahmenvertrag wurden im zweiten Schritt die Bedingungen für das Übertragen von 33 Naturschutzflächen des Bundes von nationaler Bedeutung in neun Bundesländern mit über 46.000 Hektar an die DBU bzw. ihre gemeinnützige "Tochter", die DBU Naturerbe GmbH, vereinbart. Jetzt steht der dritte wichtige Schritt an: Mit Prora und Stedar/Pulitz am Kleinen Jasmunder Bodden der Insel Rügen gehen rund 1.900 Hektar naturnaher Dünen, Heidemoore, attraktive Erlenbrüche und Uferröhrichte konkret in den Besitz der DBU Naturerbe GmbH über.

Am Montag, 16. Februar 2009,
um 14.30 Uhr im Salon II
des Arkona Strandhotels,
Strandpromenade 59, 18609 Ostseebad Binz auf Rügen,

wird die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben diese besonders wertvolle Naturschutzfläche offiziell übergeben. Aus den Händen von Karl Rolfes, Vorstand der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, wird der Generalsekretär der DBU, Dr. Fritz Brickwedde, in Anwesenheit auch des Umweltministers des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Till Backhaus, und der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Astrid Klug, die offizielle Urkunde erhalten und Einzelheiten zur Zukunft dieses Naturschutz-Kleinods vorstellen. Dazu sind Sie herzlich eingeladen. Im Anschluss findet bei Bedarf eine kurze (rund einstündige) Führung zu einigen besonders attraktiven Standorten dieser Fläche durch den Leiter der DBU-Abteilung Naturschutz, Prof. Dr. Werner Wahmhoff, statt (bitte an wetterfeste Kleidung denken). Aus organisatorischen Gründen sind wir für eine Anmeldung dankbar (Antwortfax: http://www.dbu.de/media/2701090401596c4c.pdf).

Kollegiale Grüße

Franz-Georg Elpers
- Pressesprecher -
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel28436_106.html

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Ein Treffer kommt selten allein - Das Hot Hand Phänomen als evolutionäre Anpassung an Umweltmuster

Dr. Petra Fox-Kuchenbecker, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Der Umgang mit statistischen Zahlen und Wahrscheinlichkeiten fällt den meisten Menschen sehr schwer. Im Gegensatz dazu ist der Glaube, Muster und Regelmäßigkeiten im Auftreten von Ereignissen zu erkennen, weit verbreitet - auch wenn diese bei genauerer Betrachtung oft rein zufällig sind.
Das auch als Hot Hand Phänomen bezeichnete Verhalten ist seit langem bekannt und wurde bisher als kognitive Fehlleistung angesehen. Wissenschaftler vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und der University of California, Los Angeles (UCLA), vertreten in einer jüngst in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Evolution and Human Behavior veröffentlichten Studie die These, dass das Hot Hand Phänomen vielmehr eine evolutionär erworbene Anpassung an bestehende Umweltmuster darstellt.

Ein Basketballspieler der bereits mehrere Körbe erzielt hat wird mit hoher Wahrscheinlichkeit weitere Körbe erzielen. An die Existenz der so genannten Hot Hand glauben Zuschauer und Spieler, wie Wissenschaftler bereits in den 1980iger Jahren nachweisen konnten. Bekannt ist dieses Phänomen aber nicht nur im Sport. Vom Pokerspieler bis zum Fondsverwalter - dem Glauben an die Glückssträhne können sich nur die wenigsten verschließen. Die Wissenschaft bewertete dieses scheinbar irrationale Verhalten denn auch als Misswahrnehmung und kognitive Fehlleistung. Der Psychologe Andreas Wilke, vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, sieht das ganz anders: "Bisherige Studien sind davon ausgegangen, dass es sich um eine kognitive Fehlleistung handelt und haben das Hot Hand Phänomen an evolutionär gesehen völlig jungen Verhaltensweisen wie zum Beispiel dem Basketballspiel untersucht. Wir gehen davon aus, dass der Glaube an Muster und Serienereignisse evolutionäre Wurzeln hat und einen Überlebensvorteil darstellte."

Wilke und sein kalifornischer Kollege H. Clark Barrett gingen in ihrer Studie von der Annahme aus, dass sich das Hot Hand Phänomen in Zusammenhang mit der Beschaffung lebensnotwendiger Ressourcen wie zum Beispiel Nahrung und Wasser, aber auch mit der Wahl des geeigneten Lebensraumes oder dem Auffinden von Sozialpartnern entwickelte. Zur Untersuchung ihrer Thesen setzten sie ein Computerspiel ein, das die schrittweise Suche von Gegenständen simulierte. Die Studienteilnehmerinnen und Teilnehmer mussten vor jedem Schritt Vorhersagen über das Vorkommen bzw. Ausbleiben unterschiedlicher Gegenstände machen. "Die Gegenstände wurden durch einen Computeralgorithmus rein zufällig auf dem Bildschirm verteilt. Bei der Auswahl der Gegenstände haben wir ganz bewusst sowohl in der Natur vorkommende als auch von Menschenhand geschaffene Ressourcen eingesetzt. Wir wollten sehen, ob es Unterschiede im Vorhersageverhalten bezüglich des Vorkommens von zum Beispiel Früchten oder Bushaltestellen gibt. In einem zweiten Experiment sollten unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer einen Münzwurf - Kopf oder Zahl - vorhersagen", erläutert Andreas Wilke.
An der Studie nahmen nicht nur kalifornische Studentinnen und Studenten teil, sondern auch junge Frauen und Männer der Shuar, einem südamerikanischen Indianervolk, das bis heute als Jäger und Sammler in Ecuador lebt.

Das Ergebnis war überraschend. Das Hot Hand Phänomen wurde sowohl bei den Studenten als auch bei den Shuar nachgewiesen. Beide Teilnehmergruppen zeigten einen höheren Grad des Hot Hand Phänomens für natürliche Ressourcen wie Früchte als für künstliche, moderne Gegenstände wie Parkplätze oder Bushaltestellen. Unterschiede zwischen den beiden Teilnehmergruppen gab es allerdings hinsichtlich des Vorhersageverhaltens von Münzwürfen. Hier zeigten die Shuar einen gleich hohen Grad des Hot Hand Phänomens für Münzwürfe wie für Früchte, wogegen die Studenten für Münzwürfe einen geringeren Hot Hand-Grad als für Früchte zeigten.
Andreas Wilke: "Die Ergebnisse zeigen, dass das Hot Hand Phänomen bei ganz unterschiedlichen Populationen kulturübergreifend vorhanden ist. Sie stützen damit unsere These, dass es sich um ein evolutionär erworbenes Verhaltensmuster handelt. Das Hot Hand Phänomen kann durch Erfahrung abgeschwächt werden: Selbst Studenten glauben beim Münzwurf, wenn auch in abgeschwächter Form, Muster und Serien zu erkennen. Den Shuar, die keine Vorerfahrung mit Münzwürfen haben, fehlt die korrigierende Erfahrung."
Wilke und Barrett gehen davon aus, dass sich das Hot Hand Phänomen als eine kognitive Anpassung an eine Umwelt entwickelte, in der Muster und Serien die Norm sind. Tier- und Pflanzenarten, aber auch Mineralien oder menschliche Lebensräume sind nicht gleichmäßig über die Erde verteilt, sondern treten zum Beispiel aufgrund gleicher Bedürfnisse oder saisonaler Besonderheiten an bestimmten Stellen gehäuft auf. Das Hot Hand Phänomen dient der adaptiven Entscheidungsfindung und erleichterte unseren Vorfahren das räumliche und zeitliche Auffinden lebensnotwendiger Ressourcen. "Nicht das Hot Hand Phänomen als solches, stellt die Fehlleistung dar", betont Andreas Wilke, "der Fehler entsteht erst durch die Anwendung auf zufällige Ereignisse wie beim Münzwurf."

Quelle:
Andreas Wilke, H. Clark Barrett, The Hot Hand Phenomenon as a Cognitive Adaptation to Clumped Resources. Evolution and Human Behavior
online seit 14. Januar 2009: www.ehbonline.org/inpress
Der Artikel ist vorgesehen zur Veröffentlichung in der gedruckten Ausgabe von Evolution and Human Behavior, Mai 2009.

Weitere Informationen:

MPI für Bildungsforschung
Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung wurde 1963 in Berlin gegründet und ist als interdisziplinäre Forschungseinrichtung dem Studium der menschlichen Entwicklung und Bildung gewidmet. Das Institut gehört zur Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., einer der führenden Organisationen für Grundlagenforschung in Europa.

Dr. phil. Andreas Wilke war von 2002-2005 Fellow der International Max Planck Research School on the Life Course (LIFE) am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.
Mehr: www.imprs-life.mpg.de

Kontakt:
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Forschungsbereich Adaptives Verhalten und Kognition, Berlin,
Derzeit: Konrad Lorenz Institute for Evolution and Cognition Research, Altenberg,
Dr. Andreas Wilke
E-Mail: wilke@ucla.edu

Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Petra Fox-Kuchenbecker
Telefon: 030-824 06 211
E-Mail: fox@mpib-berlin.mpg.de
Weitere Informationen:
http://www.mpib-berlin.mpg.de
http://www.mpg.de
http://www.imprs-life.mpg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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ACHEMA 2009 bleibt auf Erfolgskurs

Dr. Christine Dillmann, Öffentlichkeitsarbeit
DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.

- Interesse bei Ausstellern und Kongressteilnehmern ungebrochen,
- Trend zur Internationalisierung setzt sich fort,
- Starkes Interesse am Kongress

Die ACHEMA 2009 vom 11. bis 15. Mai in Frankfurt ist weiter auf Erfolgskurs. Die wirtschaftliche Situation hat bisher keine Auswirkungen auf die weltweite Leitveranstaltung der Prozessindustrie. "Wir rechnen damit, dass die ACHEMA 2009 sogar etwas größer wird als die ACHEMA 2006", sagte Prof. Dr. Gerhard Kreysa, Geschäftsführer der DECHEMA und Veranstalter der ACHEMA, anlässlich einer Presseveranstaltung am 27. Januar 2009 in Frankfurt. Das Ausstellerinteresse sei ungebrochen hoch. "Wir sehen eher das Bestreben, in solchen Zeiten eine Veranstaltung wie die ACHEMA gerade nicht zu verpassen." Als wichtigster internationaler Ausstellungskongress für die Ausrüster der Chemischen Industrie und aller stoffumwandelnden Industriezweige ist die ACHEMA die Plattform für neue Technologien und Produkte, aber auch für den weltweiten Austausch und den Aufbau neuer Geschäftsbeziehungen.

Bei den erwarteten rund 4.000 Ausstellern setzt sich der Trend zur Internationalisierung fort. Der aktuelle Buchungsstand der Ausstellungsfläche liegt nur noch 1,5 % unter dem Endstand der ACHEMA 2006, und es kommen täglich Neuanmeldungen dazu. Die Ausstellerliste kann tagesaktuell unter http://www.achema.de eingesehen werden.

Vielzahl von Treibern für Innovationen

Bei den Ausstellungsgruppen ergeben sich bisher keine auffälligen Verschiebungen. Der traditionell starke Bereich Pumpen, Kompressoren und Armaturen wächst mit 944 Anmeldungen (Stand: 28. Januar 2009) weiter, gefolgt von der Labor- und Analysentechnik (671 Aussteller), dem Anlagenbau (567 Aussteller) sowie den Ausstellungsgruppen Thermische Verfahren, Mechanische Verfahren, der Mess-, Regel- und Prozessleittechnik und der Pharma-, Verpackungs- und Lagertechnik. Auch 2009 ist die ACHEMA das Innovationsforum der Prozessindustrie. Energieeffizienz bleibt ein wichtiger Treiber, sowohl bei Komponenten als auch im Bereich Mess- und Regeltechnik. Natürlich spielt die Prozessintensivierung weiter eine große Rolle. Aber auch Themen wie Advanced Fluids und Mikroreaktionstechnik sind in der Praxis angekommen und lassen einige interessante Neuentwicklungen erwarten.

Trend zur Internationalisierung setzt sich fort

Der Auslandsanteil der Aussteller bei der ACHEMA wird sich 2009 im Vergleich zu 2006 erneut steigern: gegenüber 44 % im Jahr 2006 rechnen die Veranstalter in diesem Jahr mit einem Plus von 2%. Auffällig ist z.B. die wachsende Zahl der chinesischen Firmen. Waren 2006 noch 57 Firmen vertreten, liegen im Januar 2009 bereits 84 Anmeldungen aus China vor.

Starkes Interesse am Kongress

Auch für die Besucherzahlen sind die Erwartungen optimistisch. Das neue System für die Besucherkarten wird von den Ausstellern sehr stark in Anspruch genommen. "Über die Aussteller erreichen wir neue Zielgruppen", erklärt Kreysa. Und noch ein anderes Indiz deutet auf eine hohe Besucherresonanz: Denn diese korreliert erfahrungsgemäß mit den Vortragseinreichungen, und die Resonanz auf den Kongress war noch einmal deutlich größer als in der Vergangenheit. 925 Vorträge umfasst das Programm, das mit Themen wie weiße Biotechnologie, Advanced Fluids / Ionic Liquids, Microchemical Engineering, Prozessintensivierung und Energieerzeugung und -bereitstellung Themen aus dem Ausstellungsteil aufgreift, aber auch neue Trends präsentiert. "Die Themen aus dem Kongress von heute sehen Sie in der Ausstellung von morgen wieder", fasst Kreysa das Wechselspiel zwischen den beiden Säulen der ACHEMA zusammen. Neben den Hauptthemen beschäftigen sich spezielle Vortragsreihen mit aufkeimenden Forschungstrends wie den Mikroalgen.

Podiumsdiskussionen greifen Themen von gesellschaftlicher Relevanz auf

Vier Podiumsdiskussionen mit hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft widmen sich aktuellen Themen von gesellschaftlicher Relevanz: "Rohstoffe vom Acker - Hilfe durch grüne Gentechnik?", "Biosafety Regulations - how can we find a proper level?", "Hochschule von morgen - vom Reformstau zum Reformstress" und "Energieversorgung der Zukunft - Entscheidungsnot zwischen Dirigismus, Markt und Opportunismus" sind die Fragestellungen, mit denen sich unter anderem Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, Dr. Stefan Marcinowski, Mitglied des Vorstands der BASF, Prof. Dr. Ferdi Schüth, Direktor am MPI für Kohleforschung und Vizepräsident der DFG, Heather Sheeley, Health Protection Agency (GB), und weitere Experten beschäftigen werden.

Sonderschau "Chemie und Biotechnologie regenerativer Rohstoffe und Energieträger"

Die Sonderschau "Chemie und Biotechnologie regenerativer Rohstoffe und Energieträger" führt auf einer Sonderfläche Aussteller zusammen, die sich mit bereits etablierten Technologien, aber auch mit Verfahren im Entwicklungsstadium präsentieren. Verarbeitung nachwachsender Rohstoffe, Biopolymere, solarchemische Prozesse, Energiespeicherung und Photovoltaik sind hier unter anderem vertreten.

"Da es sich um ein Querschnittsthema handelt, das viele Aussteller in ihrem Portfolio mit abdecken, werden diese Themen aber nicht nur auf der Sonderschau eine Rolle spielen, sondern sich quer durch die Ausstellungsgruppen wiederfinden", prognostiziert Professor Kreysa. So berührt die Sonderschau auch die traditionellen ACHEMA-Querschnittsthemen Biotechnik und Umweltschutz, denen sich jeweils rund 1.000 Aussteller widmen.

Umfangreiche Informationsmöglichkeiten

Aussteller und Besucher können die Tage auf der ACHEMA ab sofort planen. Das Programm hält sowohl gedruckt als auch online unter http://www.achema.de alle wichtigen Informationen bereit.
Für PDAs und Mobiltelefone wird eine eigene Internetplattform unter http://pda.achema.de verfügbar sein.
Für die Recherche nach Ausstellern und Produkten bietet die Datenbank WOICE umfangreiche Möglichkeiten. Registrierte Benutzer können sich dort ganzjährig informieren; ab März bis zum Ende der ACHEMA wird die Datenbank unter http://www.woice.de für jedermann kostenfrei zugänglich sein.
Zum Beginn der ACHEMA erscheinen außerdem der Katalog und das Handbuch Neuentwicklungen. Für Kongressteilnehmer werden die Kurzfassungen der Vorträge auf CD-ROM zusammengestellt.

Partnering Conference Industrielle Biotechnologie

Auf der "Industrial Biotechnology Exhibition and Partnering Conference" am 12. und 13. Mai 2009 stellen nationale und internationale Forschungseinrichtungen und Unternehmen anwendungsnahe und -reife Produkte ebenso wie Dienstleistungen vor und haben die Möglichkeit, gezielt um Kooperationspartner zu werben.

ACHEMA wordwide Wirtschaftsforum

Das Wirtschaftsforum am 12. Mai beschäftigt sich mit dem hochaktuellen Thema "China`s energy strategy and perspectives". Am 13. Mai richtet sich der Blick auf "Sustainable chemical engineering made in France".

Bewährte Zusammenarbeit: NAMUR-Expertenrunden

Nach dem großen Erfolg 2006 bilden auch 2009 die NAMUR-Expertenrunden in Halle 10 einen festen Bestandteil des ACHEMA-Programms. Von Montagmittag bis Freitagmittag diskutieren Experten unter dem Motto "Automation im Dialog" aktuelle Themen der Mess-, Regel- und Automationstechnik.

Eine Chance für die Karriere: ACHEMA Recruitment Forum

Als weltweit größtes Branchentreffen ist die ACHEMA gleichzeitig die Gelegenheit für die direkte Kontaktaufnahme zwischen Ausstellern und Stellungssuchenden. Im ACHEMA Recruitment Forum finden beide zusammen; ab dem 31. März 2009 können Stellenangebote und -gesuche kostenlos unter http://www.achema.de/recruitmentforum geschaltet werden. In Halle 6.3 hält zusätzlich während der gesamten ACHEMA das jobvector-Forum umfangreiche Angebote und Informationen für Bewerber bereit.

Unter http://www.achema.de/presse finden Sie eine Übersicht der Pressetermine, aktuelle Trendberichte, Fotomaterial von der ACHEMA 2006 zum Download und weiteres Material.

Für Fragen und Informationen rund um die ACHEMA wenden Sie sich bitte an Dr. Kathrin Rübberdt, E-Mail ruebberdt@dechema.de, Telefon 069 / 7564 -277.

ACHEMA - Internationaler Ausstellungskongress für Chemische Technik, Umweltschutz und Biotechnologie findet seit 1920 im Dreijahres-Rhythmus in Frankfurt am Main statt. Etwa 4.000 Aussteller und 180.000 Besucher aus aller Welt nutzen diese internationale Leitveranstaltung für die Ausrüster der Chemischen Industrie und aller Branchen der stoffumwandelnden Industrie zum Erfahrungsaustausch und zur Knüpfung neue Kontakte.
Weitere Informationen:
http://www.achema.de - Informationen und Service für Aussteller, Besucher und Presse

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wann lohnt die Deich-Sanierung? - Software zur Prognose von Deichversagen

Ursula Zitzler, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Stuttgart

Hochwasserereignisse wie an der Elbe in den Jahren 2002 und 2006 oder zuletzt in weiten Teilen Großbritanniens haben gezeigt, dass es eine absolute Sicherheit gegen Überflutungen nicht gibt. Die Institute für Geotechnik und für Wasserbau der Uni Stuttgart haben jedoch ein Computerprogramm entwickelt, mit dem sich insbesondere an Mittelgebirgsflüssen die Wahrscheinlichkeit eines Deichversagens ermitteln lässt. Die Software mit dem Namen "PC-River" entstand im Rahmen des Förderprogramms RIMAX (Risikomanagement extremer Hochwas-serereignisse). Sie baut auf Erfahrungen bei der Analyse von Seedeichen in den Niederlanden auf.

Klassische Ansätze der Deichbemessung im Hochwasserschutz berücksichtigen Unsicherheiten bei den Eingangsdaten nicht. Das Programm der Stuttgarter Wissenschaftler dagegen erstellt eine Zuverlässigkeitsanalyse, die detaillierte Aussagen über das Schutzniveau eines Deiches (also über die Wahrscheinlichkeit, dass der Deich vor einem Hochwasser schützt) zulässt. Die Software verarbeitet zum einen Nutzerdaten wie die Höhe und Breite des Deiches, die Beschaffenheit des Untergrundes sowie die Wasserstände und Windstatistiken der Vergangenheit. Zum anderen können verschiedene Versagensmechanismen berücksichtigt werden: Das Überströmen des Deiches ebenso wie dessen innere Erosion durch Unterspülungen, die Erosion der Deckschicht oder Böschungsinstabilitäten. Aus diesen Werten errechnet die Software für jeden Deichabschnitt eine so genannte Versagenswahrscheinlichkeit. Diese drückt zum Beispiel aus, dass ein Deich statistisch einmal in 300 Jahren brechen kann. Durch eine Anbindung an gebräuchliche Programme der hydraulischen Berechnung von Hochwasserwellen kann die Software in der Praxis mit vertretbarem Aufwand angewendet werden. Das Verfahren erweist sich insbesondere bei der Verknüpfung mit Hochwasserschäden für nutzen-kosten-basierte Risikoanalysen als wertvoll.

Anhand einer Fallstudie an der Elbe in Sachsen wurde die Anwendbarkeit von PC-River belegt. Das dortige Hochwasser im Jahr 2002 bot die Möglichkeit, die Ergebnisse der Fallstudie mit der Deichbruchstatistik, die nach Versagensmechanismen unterscheidet, zu vergleichen. Dabei zeigte sich eine gute Übereinstimmung von berechneten und beobachteten Werten.

Um den Schutzgrad eines Deiches zu beurteilen, ermitteln die Stuttgarter Wissenschaftler in einem neuen Ansatz einen so genannten Zuverlässigkeitsbord. Der an das in der Praxis geläufige Freibordmaß angelehnte Wert berücksichtigt eine Sicherheitsreserve für die Unterspülung oder anderen Versagensmechanismen und rechnet diese in die Deichhöhe um. PC-River bietet ein Werkzeug, das es ermöglicht, bei knappen Budgets besonders dringende Maßnahmen zur Deich-verstärkungen zu identifizieren und zu priorisieren. Zudem lässt sich quantifizieren, ob das Geld für Sanierungsmaßnahmen in einem bestimmten Deichabschnitt effizient eingesetzt wird.

Ansprechpartner: Axel Möllmann, Institut für Geotechnik, Tel. 0711/685 63779,
e-mail: axel.moellmann@igs.uni-stuttgart.de,
Uwe Merkel, Institut für Wasserbau, Tel. 0711 / 685 60107, e-mail: uwe.merkel@iws.uni-stuttgart.de
Text und Bild unter http://www.uni-stuttgart.de/presse/mediendienst/6/

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Ötzis letzte Tage - Gletschermann wurde möglicherweise zweimal attackiert

Luise Dirscherl, Referat Kommunikation und Presse
Ludwig-Maximilians-Universität München

Es ist ein weiteres Kapitel in einem mehr als 5000 Jahre alten Mordfall: Neue Untersuchungen eines LMU-Forscherteams in Zusammenarbeit mit einem Bozener Kollegen rekonstruieren die Chronologie der Verletzungen, die sich der als Eismumie konservierte Gletschermann Ötzi in seinen letzten Tagen zugezogen hat. So überlebte er den Pfeilschuss in seinen Rücken tatsächlich nur für sehr kurze Zeit - wenige Minuten bis höchstens einige Stunden -, erlitt wohl kurz vor seinem Tod aber auch einen Schlag mit einem stumpfen Gegenstand auf den Rücken.
Die Schnittwunde an seiner Hand ist dagegen einige Tage älter. "Wir können jetzt erstmals Informationen über das Alter und den Zeitverlauf der Verletzungen liefern", berichtet Professor Andreas Nerlich, Leiter der Studie. "Damit ist klar, dass Ötzi mindestens zwei Verletzungsereignisse in seinen letzten Tagen erlebt hat, was möglicherweise auf zwei getrennte Attacken schließen lässt. Obwohl die Eismumie schon vielfach untersucht worden ist, gibt es immer noch neue Ergebnisse. Der Krimi um Ötzi bleibt spannend!" (Intensive Care Medicine online, Januar 2009)

Es ist die älteste Eismumie, die je gefunden wurde. Ötzi, der Mann aus der Jungsteinzeit, gibt der Wissenschaft vor allem auch mit seiner Ausrüstung wichtige Hinweise auf das Leben vor mehr als 5000 Jahren. Seine Kupferaxt etwa zeigte erstmals, dass die Metallverarbeitung zu dieser Zeit sehr viel weiter fortgeschritten war als bislang angenommen. Doch auch Ötzis Körper liefert zahlreiche Details zu seiner Ernährung, seinem Gesundheitszustand - und nicht zuletzt zu seiner Ermordung.

"Vor einiger Zeit schon haben wir eine tiefe Schnittwunde an Ötzis Hand nachgewiesen, die er für mindestens ein paar Tage überlebt haben muss", so Nerlich, Leiter des Instituts für Pathologie am Klinikum München-Bogenhausen und Mitglied der Medizinischen Fakultät der LMU. "Ein anderes Team hat etwa zeitgleich die Pfeilspitze in Ötzis linker Achsel gefunden. Der Pfeilschaft fehlt, es gibt aber eine Einschussstelle am Rücken." So gilt als wahrscheinlich, dass der Mann innerlich verblutet ist, weil eine Hauptschlagader getroffen wurde. Unklar waren aber das Alter und der genaue Zeitverlauf der Verletzungen.

Die fehlende Chronologie konnte Nerlich jetzt in Zusammenarbeit mit dem LMU-Forensiker Dr. Oliver Peschel und Dr. Eduard Egarter-Vigl, dem Leiter des Instituts für Pathologie in Bozen, rekonstruieren. Demnach hat Ötzi die Pfeilwunde tatsächlich nur um eine sehr kurze Zeitspanne, höchstens wenige Stunden, überdauert. Wenige Zentimeter unterhalb des Einschusslochs findet sich zudem eine kleine Verfärbung der Haut, die wahrscheinlich von einem Schlag mit einem stumpfen Gegenstand herrührt. In beiden Fällen konnten die Forscher mit neuen immunhistochemischen Nachweisverfahren nur kurz überlebte, jedoch eindeutig vitale Blutungen feststellen.

Über der Wirbelsäule befinden sich weitere Verfärbungen, die nicht mit einer Blutung verbunden sind. Sie sind vermutlich nach dem Tod des Mannes entstanden, etwa durch die Lagerung. "Ötzi hat den Pfeilschuss und den Schlag auf den Rücken nur kurz überlebt", fasst Nerlich zusammen. "Mindestens ein paar Tage vor seinem Tod hat er sich aber auch eine schwere Schnittwunde an der rechten Hand zugezogen. Im Laufe mehrerer Tage hat Ötzi also mindestens zwei Verletzungsereignisse erlitten - was auf zwei getrennte Attacken hindeuten könnte." (suwe)

Publikation:
"New evidence for Ötzi's final trauma",
Andreas G. Nerlich, Oliver Peschel, Eduard Egarter-Vigl
Intensive Care Medicine, online, Januar 2009

Ansprechpartner:
Professor Andreas G. Nerlich
Institut für Pathologie Klinikum München-Bogenhausen
Tel.: 089 / 9270 - 2310
Fax: 089 / 9270 - 2067
E-Mail: Andreas.Nerlich@extern.lrz-muenchen.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wirtschaft, Politik und Umweltorganisationen fordern Umdenken beim Einsatz von Papier

Mit Recyclingpapier lassen sich erhebliche Einsparpotenziale zum Schutz von Klima und natürlicher Ressourcen nutzen

Anlässlich der diesjährigen Paperworld in Frankfurt mit dem Motto „Green Office", fordern das Bundesumweltministerium (BMU), das Umweltbundesamt (UBA) und der Naturschutzbund Deutschland (NABU) zusammen mit der Wirtschaftsallianz der Initiative Pro Recyclingpapier (IPR) den verstärkten Einsatz von Recyclingpapier in der öffentlichen Verwaltung und in der Privatwirtschaft.

Trotz des viel beschworenen papierlosen Büros in einer digitalen Welt ist der Papierverbrauch in den letzten Jahren immer weiter gestiegen und damit der Verbrauch wertvoller natürlicher Ressourcen. Vielfach ist nicht bekannt, dass mit Recyclingpapier sehr umfassend und spürbar umweltgerechte Einspareffekte bewirkt werden. So lassen sich bei der Herstellung des Recyclingpapiers im Vergleich zu Frischfaserpapier jeweils rund 60 Prozent Energie und Wasser einsparen. Bereits der Einsatz von 1000 Blatt Recyclingpapier spart soviel Energie, wie 70 Computer mit Flachbildschirm für einen Arbeitstag benötigen.

„Bei unserer Vision, Deutschland zur ressourceneffizientesten Volkswirtschaft zu machen, weist Recyclingpapier wegen seiner vielfältigen Vorteile beispielhaft den Weg", so Sigmar Gabriel, Bundesumweltminister. Olaf Tschimpke, Präsident des NABU ergänzt: "Wir brauchen in Zukunft gesamtökologische Lösungsansätze, die sowohl im Sinne des Klima- und Ressourcenschutzes greifen, als auch zum Erhalt der biologischen Vielfalt beitragen. Durch sein intelligentes Produktdesign bereits am Anfang der Wertschöpfungskette wird Recyclingpapier diesem Anspruch in besonderer Weise gerecht".

Die höchsten umweltschutzbezogenen Standards garantiert der Blaue Engel für Recyclingpapier. „Papier mit dem Blauen Engel ist eindeutig die erste Wahl, da er umfassend den Umwelt- und Verbraucherschutz sichert. Er ist in seiner Aussagekraft deutlich von Siegeln zu unterscheiden wie dem FSC oder PEFC, die ausschließlich über die Bewirtschaftungsform der Wälder informieren", so Prof. Dr. Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes.


Weitere Informationen zum Blauen Engel unter: http://www.blauer-engel.de/index.php

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Verbraucherfreundliche CO2-Kennzeichnung für neue Pkw muss endlich kommen

Verbraucher brauchen bessere Informationen
Wie viel Kohlenstoffdioxid (CO2) ein Pkw ausstößt, ist den Käufern eines Neuwagens oft nicht ersichtlich. Das Umweltbundesamt (UBA) befürwortet daher neue Kennzeichnungen für Pkw, die den Verbrauch sowie CO2-Ausstoß auf den ersten Blick verständlich machen. „Gerade jetzt hat die Einführung einer verbraucherfreundlichen Kennzeichnung neuer Pkw größte Bedeutung. Die seitens der Bundesregierung beschlossenen Konjunkturpakete umfassen unter anderem eine zeitlich begrenzte Befreiung von der Kfz-Steuer für Neuwagen sowie eine Abwrackprämie für Altfahrzeuge und die Einführung einer CO2-bezogenen Kfz-Steuer ab Mitte 2009. Damit haben Autokäufer jetzt einen besonders großen Informationsbedarf in Hinblick auf effiziente Pkw", sagt UBA-Präsident Prof. Dr. Andreas Troge.

Die bisherige Kennzeichnung zum Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen neuer Pkw, die seit November 2004 in Deutschland Pflicht ist, beeinflusst die Entscheidung der Autokäufer bisher nur unwesentlich. Die Angabe der Verbrauchswerte in Liter pro 100 gefahrene Kilometer und des CO2-Ausstosses in Gramm pro Kilometer reicht nicht aus. Es fehlt eine verständliche und anschauliche Darstellung direkt am Fahrzeug mit Vergleichsangaben zu anderen Pkw, die der Einordnung dienen, wie effizient das Auto wirklich ist.

Um Anreize für den Kauf verbrauchsgünstiger und damit CO2-emissionsarmer Pkw zu verstärken, erarbeitete das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) eine verbraucherfreundliche und übersichtliche Kennzeichnung, deren Muster bereits für Glühlampen, Waschmaschinen und Kühlschränkegilt (siehe Abbildung). Das UBA befürwortet den Vorschlag und tritt dafür ein, diese Kennzeichnung sofort verbindlich zu machen.

Die Verordnung über Verbraucherinformationen zu Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen neuer Personenkraftwagen (EnVKV) finden Sie unter: http://bundesrecht.juris.de/pkw-envkv/index.html

Der Änderungsvorschlag vom BMWi zur EnVKV steht in folgendem Bericht unter: http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/gesamtbericht_iekp.pdf auf S. 6 und ab S. 54

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Gefahr Hepatitis B: Gemeinsam Handeln

Stefan Zorn, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Medizinische Hochschule Hannover

Vertreter der Hepatitis-B-Expertengruppe um Dr. med. Thomas Ulmer, Mitglied des Europäischen Parlamentes, und Professor Dr. med. Michael Manns, Vorsitzender der Deutschen Leberstiftung, haben heute in Heidelberg ihr gemeinsames Expertenpapier Empfehlungen für einen besseren Umgang mit Hepatitis B in Deutschland vorgestellt. Obwohl die Ausgangslage in Deutschland im internationalen Vergleich vorbildlich ist, konnten die Experten Handlungsfelder identifizieren, auf denen die Aktivitäten noch optimiert werden können.

"Ich habe die Empfehlungen für einen besseren Umgang mit Hepatitis B in Deutschland initiiert, um politischen Entscheidungsträgern in Bund, Ländern und Kommunen vielseitige Handlungsoptionen im Umgang mit der gefährlichen Viruserkrankung Hepatitis B aufzuzeigen", erklärte Dr. Thomas Ulmer auf einem Treffen zur erstmaligen Vorstellung des Expertenpapiers anlässlich der 25. Jahrestagung der German Association for the Study of the Liver (GASL). "Denn Schätzungen zufolge sind in Deutschland 400.000 - 500.000 Menschen chronisch mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert, das hundertmal ansteckender ist als HIV. Bleibt die Infektion unerkannt und somit unbehandelt, führt sie nicht selten zu Leberkrebs. Hepatitis B ist weltweit die zweitverbreiteteste Krebsursache nach Tabak. Ich sehe es daher als unseren politischen Auftrag an, auch dieser Krebsursache mit derselben Energie entgegenzutreten."

Professor Dr. med. Michael Manns fasste die Inhalte des Expertenpapiers zusammen: "Wir haben in der Expertengruppe vier Ziele im Umgang mit Hepatitis B identifiziert. Zuerst muss das Wissen über Hepatitis B und somit deren Prävention verbessert werden. Außerdem bedarf es einer stetigen Erhöhung der Impf- und Diagnoseraten, da derzeit nur etwa jeder Fünfte von seiner Erkrankung weiß. Daran schließen sich eine leitliniengerechte Behandlung sowie optimierte Betreuungs- und Beratungsangebote an, mit dem Ziel, die soziale Integration der Betroffenen zu fördern."

Ulmer und Manns zeigten sich sehr erfreut über die zahlreichen Unterstützer ihrer Arbeit. "Durch die Beteiligung der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung und der Initiatoren des Projektes 'Migranten für Migranten' (MiMi) wollten wir von Anfang an sicherstellen, dass wir alle Betroffenen auch über Sprachbarrieren hinweg, erreichen können", so Ulmer und Manns. Beide Experten rufen Vertreter der ärztlichen Selbstverwaltung und der gesundheitspolitischen Institutionen auf, die Empfehlungen umzusetzen und gemeinsam gegen Hepatitis B zu handeln.

Ansprechpartner:

Büro Dr. Thomas Ulmer MdEP
Carola Herter M.A.
Europäisches Parlament
Tel.: +32.2.28 37314
Fax: +32.2.28 49314
E-Mail: thomas.ulmer-assistant2@europarl.europa.eu

Medizinische Hochschule Hannover
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leitung: Stefan Zorn
Tel. +49 511 532-6771
Fax +49 511 532-3852
E-Mail: pressestelle@mh-hannover.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Umweltforschungsplan 2009 ab sofort online

Martin Ittershagen, Pressestelle
Umweltbundesamt (UBA)

Interessenbekundungen bis 27. Februar möglich
Das Umweltbundesamt (UBA) veröffentlicht ab sofort seine geplanten Projekte für den Umweltforschungsplan 2009 (UFOPLAN 2009) des Bundesumweltministeriums (BMU) auf seiner Internet-Seite. 86 Forschungsprojekte zu umweltrelevanten Themen, die im Jahr 2009 beginnen sollen, sind unter http://www.umweltbundesamt.de/service/ufoplan.htm aufgelistet. Neben dem Thema und der Kennzahl ist auch das betreuende Fachgebiet im UBA benannt.

Institutionen oder Unternehmen, die eines oder mehrere Forschungsprojekte bearbeiten möchten, können ihr Interesse bis Freitag, den 27. Februar 2009 anmelden beim Umweltbundesamt, Referat Z 6, Frau Drömer, Postfach 1406, 06813 Dessau-Roßlau.
Interessenten sollten angeben:
- die Forschungskennzahl,
- das Forschungsthema,
- die Fachgebietsnummer des Umweltbundesamtes,
- den Nachweis der fachlichen Kompetenz und Leistungsfähigkeit für das zu bearbeitende Forschungsthema, zum Beispiel Referenzen, Veröffentlichungen, einschlägige Arbeiten, sowie den Nachweis zur personellen und technischen Kapazität,
- die Darstellung eines inhaltlichen Eigeninteresses an der Durchführung des Projekts und gegebenenfalls die Höhe der finanziellen Eigenbeteiligung.
Wichtig: Um eine zügige Bearbeitung zu gewährleisten, bittet das UBA darum, Interessenbekundungen für jedes einzelne Vorhaben getrennt vorzulegen. Die zuständigen Fachgebiete des Amtes werten die Interessenbekundungen aus und berücksichtigen sie bei mehreren Interessenbekundungen in einem Wettbewerbsverfahren.
Die Aufnahme eines Projekts in den Umweltforschungsplan 2009 bedeutet noch nicht, dass das UBA dieses auch im Laufe des Jahres 2009 tatsächlich vergibt. Werden Interessenbekundungen nicht berücksichtigt, versendet das UBA keine Absage.  

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Von Benjamin Blümchen zum begleiteten Fahren: Wie Kinder den Autokauf der Eltern beeinflussen

Rudolf Haupt M.A., Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Niederrhein - Niederrhein University of Applied Sciences

Kinder und Jugendliche beeinflussen den Autokauf mehr, als die Industrie zu wissen scheint. Neben einem großen Platzangebot und höchstmöglicher Sicherheit wünschen sich Eltern zum Beispiel das Öffnen der Autotüren per Funk und ein Entertainment-Paket, um längere Autofahrten möglichst quengelfrei zu überstehen. Damit sich die Kinder bei ihren Freunden für das Aussehen der "Familienkutsche" nicht schämen müssen, werden sie insbesondere bei Farbwahl und Inneneinrichtung in die Kaufentscheidung einbezogen. Das fand das Kompetenzzentrum Frau und Auto der Hochschule Niederrhein in einer qualitativen Studie heraus. 13 Marketing-Studierende befragten in Fokusgruppen-Interviews 42 Mütter und Väter mit Kindern in drei Altersgruppen.

Es gibt in Deutschland 12,3 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern. "Das Marktpotenzial von Vätern und Müttern, die mit ihren Kindern mobil sein möchten, ist beachtlich", stellt Professorin Dr. Doris Kortus-Schultes fest, die Leiterin des Kompetenzzentrums. Mit der Geburt des ersten Kindes ändert sich nicht nur der eigene Fahrstil, sondern auch die generelle Denkweise. Das Verantwortungsgefühl wächst. Statt Lifestyle, schicke Felgen und stylische Formen wünschen sich Eltern in der Werbung mehr Realitätstreue und in den Autos mehr Anpassung an die Bedürfnisse von Familien - quer durch alle Altersgruppen. Bei den ganz Kleinen bis zu sieben Jahren gehören dazu etwa Seitenairbags auch auf den Rücksitzen, ein besonderer Kopfschutz, Anschnall-Warnsignale für alle Sitze und eine elektrische Kindersicherung. Die Sitzbezüge wünschen sie sich hell und trotzdem pflegeleicht.

Langeweile und die sich daraus ableitende Tendenz zum Streiten mit Geschwistern trüben den Fahrgenuss - für alle. Bei Eltern dagegen erprobt: gemeinsam Musik oder Geschichten hören, gemeinsam singen oder "Teekesselchen" spielen. Bei den größeren Kindern zwischen 8 und 12 Jahren steigen die Ansprüche an Unterhaltung: Sie wünschen sich im Fond Befestigungen und Anschlüsse für DVD-Player, Radios und Kopfhörer. Als Technik-Kids haben sie auch die Kindersicherungen schnell durchschaut, die deshalb intelligenter sein müssten, so die Eltern. Gemütliche, am Gurt zu befestigende Kissen ließen die Kinder bei langen Fahrten angenehmer schlafen. Besonders im Sommer sollte der Fonds besser zu belüften sein.

Im Alter ab 12 Jahren steigen dann noch einmal die Ansprüche an das "Mama-und-Papa-Mobil": Sportausrüstung, Musikinstrumente und Fahrräder sind zu transportieren. Und der Begriff "Sicherheit" bekommt eine neue Bedeutung, denn die 16- und 17-Jährigen stehen unmittelbar vor dem eigenen, vorerst noch begleiteten Fahren. Mehr als alle anderen Altersgruppen werden sie bei der Wahl des Autotyps in die Kaufentscheidung mit einbezogen. Denn es wird ja auch "ihr" erstes Auto.

Kontakt: Prof. Dr. Doris Kortus-Schultes, Tel. 0212-331800 u. 02161-1866313

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Abwasser und Ressourcenschutz: die DBU auf der Terratec 2009

Franz-Georg Elpers, Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Umweltmesse mit Top-Thema "effizienter Umgang mit Rohstoffen" - Stiftung mit vier Projekten vertreten
Leipzig. Eine der großen ökologischen Herausforderungen für die wachsende Erdbevölkerung ist der sparsame Umgang mit Ressourcen. Das ist auch das Top-Thema der Umweltfachmesse Terratec in Leipzig. Präsentiert werden aktuelle Entwicklungen in Umweltschutz und Wasserwirtschaft, die helfen, die Ressourcen-Probleme in den Griff zu bekommen. Mit vier Beispielen ist die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) vom 27. bis zum 29. Januar auf der elften Terratec vertreten. Am DBU-Gemeinschaftsstand in Halle 2.2 (Stand M 19) präsentieren die DBU-Projektpartner technische Neuheiten der Abwasseraufbereitung und Kreislaufwasseranlagen. Außerdem stellt die Stiftung ihr Stipendienprogramm für Mittel- und Osteuropa vor.

"Flüsse, Seen und Bäche werden auch heute noch in Teilen Europas als offene Kloaken missbraucht. Die oft mit Schadstoffen belasteten Gewässer können gefährliche Krankheiten verursachen und stellen für die Anwohner eine permanente Bedrohung dar", sagt Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der DBU. So auch im rumänischen Fofeldea (Siebenbürgen): Hier versickern Abwässer aus Haushalten unbehandelt oder werden über offene Gräben abgeleitet. Wassertoiletten gibt es kaum, so dass die "großen und kleinen Geschäfte" über ungedichtete Erdgruben in das Grundwasser gelangen. Das thüringische Fachbüro für Abwasserbehandlung Holzapfel erstellte mit Hilfe der DBU für den Ort ein nachhaltiges Sanitär- und Abwasserkonzept samt spezieller Trockentoilette. Diese trennt die Fäkalien und leiten sie in einen abgeschlossenen Kompostbehälter. Die Abwässer können nahezu vollständig verwertet und in den Naturkreislauf zurückgeführt werden. Die Abfälle der Anlage lassen sich sogar als Dünger und Biogas verwenden.

Auf Hilfe zur Selbsthilfe setzt die Ingenieurkammer Hessen und unterstützt Kollegen in Bulgarien dabei, Abwasser umweltfreundlich zu verwerten. In den dünn besiedelten Gebieten des Landes sind kostengünstige und dezentrale Abwasseranlagen ökologische Alternativen zu Großkläranlagen. Grundlagenwissen wie Planung, Bau, Betrieb, Finanzierung und Unterhaltung solcher Anlagen wird an Mitarbeiter bulgarischer Ingenieurkammern in Schulungen vermittelt.

Das Leipziger Unternehmen Busse entwickelte eine Biomembrantechnologie, die in kleinen Kläranlagen eingesetzt werden kann. Dünne Trennschichten, so genannte Membrane, helfen, kleine Partikel und Schwebstoffe aus dem Wasser zu filtern. Aber auch Stoffe aus dem mikroskopischen Bereich werden durch sie abgehalten. "Werden die Membrane zur Abwasserbehandlung eingesetzt, ist die hygienische Qualität des gereinigten Wassers sehr hoch", so Brickwedde. Es könne dann auch im Garten oder bei der Toilettenspülung wiederverwendet werden. "Der Trinkwasserverbrauch im Haushalt lässt sich so bis zu einem Drittel verringern."

Die Membrane verwendet das sächsische Unternehmen auch in einer Fischzuchtanlage und sorgt so für einen abwasserfreien Kreislauf. Eine Kombination aus verschiedenen Membranen sorgt dafür, dass die bei der Aufzucht von Brut und Setzlingen verwendeten Chemikalien und Antibiotika aus dem Wasser entfernt werden. Brickwedde: "Mit der neu erreichten Wasserqualität lässt sich sogar der vorbeugende Einsatz von Medikamenten verringern."

Mit einem Forschungsprojekt wird auch das DBU-Stipendiatenprogramm für Mittel- und Osteuropa auf der Terratec vorgestellt. Die rumänische Stipendiatin Diana-Tomina Artene arbeitet mit im europäischen Netzwerk "Aquaterre". Das Netzwerk erstellt eine Datenbank über die verfügbare Biomasse in Europa. Voraussichtlich 2010 werden die Daten in einem sogenannten "Weißbuch", einem Leitfaden für Biomasseproduktion und -nutzung, veröffentlicht.
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel28478_106.html

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Zitronenmelisse hält Herpes-Viren in der Zellkultur in Schach

Dr. Annette Tuffs, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Heidelberg

Heidelberger Wissenschaftler für Untersuchungen zur Wirksamkeit von Arzneipflanzen mit dem Sebastian-Kneipp-Preis 2008 ausgezeichnet
Schon die Kräutermedizin des Mittelalters setzte bei Entzündungen auf die Zitronenmelisse. Jetzt haben Wissenschaftler am Universitätsklinikum und der Universität Heidelberg nachgewiesen, dass sie das Herpesvirus, das bei rund 20 Prozent der Bevölkerung Entzündungen an der Lippe (Lippenherpes) hervorruft, im Reagenzglas in Schach halten kann. Die Wissenschaftler wurden dafür im November 2008 mit dem Sebastian-Kneipp-Preis 2008 ausgezeichnet. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis ging zu gleichen Teilen an das Forscherteam Privatdozent Dr. Paul Schnitzler, Abteilung Virologie des Hygiene-Instituts am Universitätsklinikum Heidelberg, und Professor Dr. Jürgen Reichling, Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie der Universität Heidelberg, und Professor Dr. Veronika Butterweck, University of Florida, USA, für ihre Untersuchung der angstlösenden Wirkung von Arzneipflanzen..

Seit acht Jahren überprüfen die Heidelberger Wissenschaftler die therapeutische Wirkung von Heilpflanzen, die in historischen Berichten überliefert ist: "Wir fanden heraus, dass Extrakte von Heilpflanzen in Zellkulturen effektiv die Infektion mit verschiedenen Bakterien, Herpesviren, Erkältungsviren und Hefepilzen eindämmen können", erklärt Professor Reichling. Als wirksam erwiesen sich ätherische Öle aus Kamille, Rosmarin, Pfefferminze, Manuka- und Teebaum sowie wässrige oder alkoholische Extrakte aus Melisse, Salbei oder Pfefferminze. Die Heidelberger Forscher identifizierten zudem die Inhaltsstoffe, die den Krankheitserreger entgegenwirken. Die Naturstoffe sind auch deshalb interessant, weil die Erreger in zunehmendem Maße resistent gegen Antibiotika oder Anti-Viren-Mittel werden.

Öl der Zitronenmelisse blockiert Befall der Zellen mit Herpesviren

Aktuell sind die Arbeiten zur Zitronenmelisse: Ihr Öl verringert die Infektion einer Zellkultur mit Herpes-Viren um mehr als 97 Prozent, indem es die Viren vor dem Befall der Zellen blockiert. Diese Ergebnisse wurden 2008 im Fachjournal "Phytomedicine" veröffentlicht. Da die Pflanzenöle gut in der Haut resorbiert werden, ist eine einfache äußerliche Anwendung denkbar. Außerdem wirken die Öle bereits in so geringen Konzentrationen, dass schädliche Nebenwirkungen für den Körper bisher selten beobachtet werden.

Erste klinische Tests, die von australischen Medizinern mit Teebaumöl durchgeführt werden, belegen den Nutzen der Salbentherapie. Allerdings steht der Beweis für die Wirksamkeit in einer klinischen Studie noch aus. Die Heidelberger Wissenschaftler sind mit den Ärzten des Universitätsklinikums Heidelberg nun im Gespräch, die Wirksamkeit der Zitronenmelisse klinisch zu testen.

Sebastian-Kneipp-Preis 2008 würdigt wissenschaftliche Untersuchungen von Heilpflanzen

Ziel des ganzheitlichen Therapiekonzeptes nach Sebastian Kneipp (1821 bis 1897) ist es, das körpereigene Abwehrsystem zu stärken und die Selbstheilungskräfte zu fördern. Die Kneipp-Therapie baut auf fünf Säulen auf: Bewegung, Ernährung, Ordnung, Wasser und Pflanzen. Zubereitungen aus Heilpflanzen werden dabei als unterstützende therapeutische Maßnahme eingesetzt. Die mit dem Kneipp-Preis ausgezeichneten Arbeiten tragen dazu bei, das therapeutische Wirkungsspektrum verschiedener Heilpflanzen genauer zu untersuchen und wissenschaftlich zu untermauern.

Ansprechpartner:
Privatdozent Dr. Paul Schnitzler
Abteilung für Virologie am Hygiene-Institut
des Universitätsklinikums Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 50 16
E-Mail: Paul.Schnitzler@med.uni-heidelberg.de

Literatur:

Schnitzler P., Schuhmacher A., Astani A., Reichling J. (2008) Melissa officinalis oil affects infectivity of enveloped herpesviruses.
Phytomedicine, 15, 734-40.

Schnitzler P., Koch C., Reichling J. (2007) Susceptibility of drug-resistant clinical HSV-1 strains to essential oils of ginger, thyme, hyssop and sandalwood.
Antimicrob. Agents Chemother., 51, 1859 - 1862.

Reichling J., Suschke U., Schneele J., Geiss H.K. (2006) Antibacterial activity and irritation potential of selected essential oil components - structure-activity relationship.
Nat. Prod. Comm. 11, 1003-1012.

Nolkemper S., Reichling J., Stintzing F.C., Carle R., Schnitzler P. (2006) Antiviral effect of aqueous extracts from species of the Lamiaceae family against herpes simplex virus type 1 and type 2 in vitro.
Planta Med. 72, 1378 - 1382.

Klinische Studie:

CF Carson et al.: Melaleuca alternifolia (tea tree) oil gel 6%) for the treatment of recurrent herpes labialis, J Antimicrob Chemother 2001; 48: 450 - 451

Information im Internet:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Schnitzler.6549.0.html

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg:
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Mehr Überblick für Autofahrer

Katharina Thehos, Pressestelle
Technische Universität Chemnitz

Interdisziplinäres Zentrum für Fahrerassistenzsysteme der TU Chemnitz entwickelt eine LED-Leiste, die Autofahrer bei kleinstmöglicher Ablenkung bestmöglich informiert
"In 500 Metern rechts abbiegen", tönt das Navigationsgerät, während im Autoradio Staus verlesen werden und der Bordcomputer vor Glatteis warnt. Hinweise zur Navigation und auf Verkehrszeichen, Nachrichten über Staus, Straßenverhältnisse und Ampelphasen, Unterstützung für einen Spurwechsel und Warnungen vor Fußgängern und Fahrradfahrern im toten Winkel oder am Straßenrand in der Dunkelheit - mit Hilfe von Bordcomputern, Navigationssystemen, Sensoren und Kameras können einem Autofahrer heute zahlreiche Informationen zur Verfügung stehen, die ihm zu einer sicheren Fahrt verhelfen sollen. Doch wie lassen sich all diese Daten darstellen, ohne dass der Fahrer vom Verkehrsgeschehen abgelenkt wird? Mit dieser Frage beschäftigen sich Wissenschaftler der Professuren Nachrichtentechnik, Arbeitswissenschaft sowie Allgemeine und Arbeitspsychologie im Interdisziplinären Zentrum für Fahrerassistenzsysteme (I-FAS) an der TU Chemnitz. Sie haben eine LED-Leiste entwickelt, die am unteren Rand der Frontscheibe angebracht wird und sich über den gesamten frontalen Sichtbereich des Fahrers ausdehnt.

"Bisher werden zur Präsentation visueller Hinweise und Warnungen meistens so genannte Head-Down-Displays eingesetzt, die in der Mittelkonsole, also neben dem Tachometer, integriert sind", erklärt Philipp Lindner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter unter Prof. Dr. Gerd Wanielik an der Professur für Nachrichtentechnik, und ergänzt: "Zunehmend werden auch Head-Up-Displays verwendet, bei denen Informationen auf die Frontscheibe projiziert werden." Diese lenken Studien zufolge den Fahrer weniger ab, sind jedoch technisch aufwändig und können bisher nur in einem kleinen Bereich des Fahrerblickfeldes dargestellt werden. Die Vorteile der neu entwickelten LED-Leiste: Sie deckt halbkreisförmig einen Blickbereich von rund 135 Grad ab und ermöglicht dadurch eine Darstellung von Warnhinweisen direkt an der Blickachse zwischen dem Auge des Fahrers und dem Ziel - etwa bei Nacht einem schwer erkennbaren Fußgänger am Straßenrand. Durch ihre Höhe von weniger als zehn Zentimetern werden keine wichtigen Informationen aus dem Verkehrsgeschehen verdeckt.

Die Leiste setzt sich aus neun Modulen zusammen, die jeweils mit 256 Leuchtdioden (LED) bestückt sind. Jede einzelne LED kann 27 Farben und Graustufen in acht Helligkeitsstufen darstellen. Warnhinweise werden in Form von Symbolen eingeblendet; mit der Suche nach den optimalen Symbolen und deren Darstellung beschäftigen sich die Forscher der Professur Arbeitswissenschaft unter Leitung von Prof. Dr. Birgit Spanner-Ulmer. In einer Laborstudie haben die Wissenschaftler des I-FAS unter der Leitung von Prof. Dr. Josef Krems, Professur für Allgemeine und Arbeitspsychologie, das System für die Warnung vor Fußgängern in der Dunkelheit getestet. Auf Basis der Ergebnisse verbessern sie derzeit das optische Design und überarbeiten die Darstellung in einigen Punkten - beispielsweise soll die Position eines Fußgängers durch die Anzeige der Fahrbahnbegrenzung besser abgelesen werden können und die Größe der dargestellten Symbole einen Hinweis auf die Entfernung von Personen zum Fahrzeug erlauben.

"Nach der videobasierten Untersuchung im Labor evaluieren wir die LED-Leiste im Fahrsimulator und im Feld", berichtet Lindner. Dafür steht den Wissenschaftlern vor allem das Versuchsfahrzeug carai der Professur Nachrichtentechnik zur Verfügung. "Um auch Daten über die Aufmerksamkeit des Fahrers mit den Informationen aus dem Fahrzeugumfeld zu fusionieren, setzen wir bei den Untersuchungen unter anderem ein Eye-Tracking-System ein", so Lindner. In dem Versuchsfahrzeug carai, einem VW Touran, arbeiten Bildverarbeitung, Laser- und Radartechnik gemeinsam an der Erfassung und Erkennung der Fahrzeugumgebung. Die Chemnitzer Forscher beteiligen sich mit diesem Fahrzeug auch an Projekten zur verlässlichen Registrierung von Personen im Fahrzeugumfeld. "Die neu entwickelte LED-Leiste stößt vor allem bei Fahrzeugfirmen auf Interesse, die selber in dieser Richtung forschen - beispielsweise Volkswagen und Volvo", berichtet Lindner.

Das Interdisziplinäre Zentrum für Fahrerassistenzsysteme im Internet: http://www.i-fas.de

Weitere Informationen erteilt Philipp Lindner, Telefon 0371 531-35148, E-Mail philipp.lindner@etit.tu-chemnitz.de.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Diabetes kann Ursache für Magen-Darm-Beschwerden sein

Beate Schweizer, Pressestelle
Deutsche Diabetes Gesellschaft

Bochum - Menschen mit Diabetes haben häufiger Magen-Darm-Probleme als Gesunde. Ursache ist oft eine "autonome Neuropathie" - eine Störung des Nervensystems, verursacht durch den Diabetes. Magen-Darm-Probleme sollten behandelt werden, wenn sie belasten und länger als vier Wochen auftreten. Für Menschen mit Diabetes ist dies besonders wichtig, so die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG): Die Störungen mindern nicht nur die Lebensqualität der Erkrankten, sondern können auch dazu führen, dass sich der Blutzucker schlecht einstellen lässt.
Wie Ärzte gastrointestinale Probleme ihrer Diabetes-Patienten diagnostizieren und erfolgreich therapieren können, ist eines der Themen in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Der Diabetologe". Funktionsstörungen des Magen-Darm-Traktes als Folge des Diabetes mellitus können in sämtlichen Bereichen auftreten. Typisch sind zum Beispiel Beweglichkeitsstörungen der Speiseröhre, die Schluckstörungen und Sodbrennen verursachen können. Auch Übelkeit, Bauchschmerzen oder Blähungen sind mögliche Folgen einer Neuropathie, wenn diese die Magenentleerung verlangsamt oder beschleunigt. Zudem leiden Menschen mit Diabetes gehäuft unter Verstopfungen und wiederkehrenden, oft nachts auftretenden Durchfällen.

Treten bei Diabetes-Patienten gastrointestinale Probleme auf, müssten zunächst organische Ursachen abgeklärt werden, betont PD Dr. med. Jutta Keller, Internistin am Israelitischen Krankenhaus in Hamburg, in ihrem Fachartikel. Bei Menschen mit Diabetes ist außerdem zu beachten, dass ein erhöhter Blutzuckerspiegel ebenfalls die Verdauungsfunktionen beeinträchtigen kann. Funktionsdiagnostische Methoden - beispielsweise ein spezieller Atemtest bei einer Störung der Magenentleerung - können auf eine Neuropathie als Ursache hinweisen.

Wichtig ist die Ursachenforschung bei Magen-Darm-Erkrankungen, um die geeignete Therapie zu finden. Ist die Neuropathie die Ursache, führt häufig eine verbesserte Einstellung der Blutzuckerwerte zu weniger Beschwerden. Allerdings ist eine gute Blutzuckereinstellung bei solchen Patienten besonders schwierig zu erreichen, weil die gastrointestinalen Störungen selbst die Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung und damit den Blutzuckerspiegel beeinflussen.

Quelle:
Keller, J.:
Gastroenterologische Probleme bei diabetischer Neuropathie
Der Diabetologe 2008, 8: 619-6128
DOI 10.1007/s11428-008-0260-5

Kontakt für Journalisten:
Pressestelle DDG
Beate Schweizer
Pf 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931 295, Fax: 0711 8931 167
Schweizer@medizinkommunikation.org
Weitere Informationen:
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Arbeit gestalten, geistige Fitness erhalten

Jörg Feldmann, Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Broschüre "Geistig fit im Beruf!" veröffentlicht

Der Verlust geistiger Leistungsfähigkeit im Alter ist selten ein unabwendbares Schicksal. Dies macht die INQA Broschüre "Geistig fit im Beruf" deutlich, die jetzt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) herausgegeben wurde. Auf der Grundlage aktueller Forschungsergebnisse räumt die Broschüre mit dem Vorurteil auf, ältere Beschäftigte seien weniger kreativ, lern- und geistig leistungsfähig als jüngere. Zugleich weist sie Wege auf, um das geistige Potenzial Älterer zu fördern und zu erhalten.
Die Zahl der älteren Beschäftigten in den Betrieben steigt auch in den nächsten Jahren weiter an. Gleichzeitig stellt die Arbeitswelt immer größere Anforderungen an die geistige Leistungsfähigkeit der Beschäftigten. Im Rahmen der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) förderte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales das "Programm zur Förderung und zum Erhalt intellektueller Fähigkeiten für ältere Arbeitnehmer (PFIFF)". Das von der BAuA wissenschaftlich begleitete Projekt hat das Ziel, Handlungsempfehlungen für eine alter(n)sgerechte Arbeitsgestaltung zu erarbeiten, die sich positiv auf die geistige Fitness Älterer auswirkt.

Die jetzt erschienene Broschüre vermittelt erste Ergebnisse des Projektes auf verständliche Weise, gibt Tipps und Handlungsanweisungen. Eine wesentliche Aussage besteht darin, die Arbeit so zu gestalten und zu organisieren, dass älter werdende Beschäftigte durch die berufliche Tätigkeit geistig hinreichend gefordert und damit auch gefördert werden. Monotone Arbeit, die den Menschen zum Maschinenanhängsel degradiert, lässt auch die grauen Zellen verkümmern. Hingegen regt anspruchsvolle und komplexe Arbeit an und kann dem Abbau geistiger Fähigkeiten vorbeugen. Die Broschüre zeigt Aspekte und Formen einer solchen Arbeitsorganisation auf.

Zu den anderen Faktoren, die die geistige Leistungsfähigkeit beeinflussen, gehören Stress, Bewegung, Ernährung und geistige Herausforderungen. Auch wenn eine gute Arbeitsorganisation Stresssituationen verringern kann, lassen sie sich nicht gänzlich ausschließen. Auch Angebote des betrieblichen Stressmanagements können dazu beitragen, negativen gesundheitlichen Folgen durch Stress entgegen zu wirken. Ein sportlich aktiver Lebensstil verbessert gerade im mittleren und höheren Alter das Gedächtnis und die geistige Leistungsfähigkeit, während er depressive Symptome vermindert. Dabei müssen keine olympischen Rekorde gebrochen werden. Regelmäßige und moderate sportliche Aktivitäten haben einen viel besseren Effekt. Eine abwechslungsreiche ausgewogene Ernährung verbessert die Chancen, geistig auf der Höhe zu bleiben. Dazu gehören reichlich Obst und Gemüse, aber auch fetter Fisch und Fleisch. Selbst Kaffee und ein bis zwei Gläser Rotwein wirken sich positiv aus.

Was für die Muskeln gilt, gilt auch für das Gehirn. Ohne Training, auch in Form von Lernen, lässt die geistige Leistung nach. Statt medialer Dauerberieselung aus dem TV sollte besser ab und zu ein Buch gelesen werden. Aber auch Spiele wie Scrabble, Bridge oder Memory helfen gegen das unfreiwillige Vergessen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Konzepte für Gehirntraining. Das PFIFF-Projekt arbeitet mit dem Mentalen Aktivierungstraining der Gesellschaft für Gehirntraining (GfG).

Darüber hinaus stellt die Broschüre noch das Workshop-Konzept des Projektes vor, mit dem die Ergebnisse Eingang in die betriebliche Praxis finden sollen.

Weitere Informationen befinden sich auf der Projekthomepage www.pfiffprojekt.de. Neben der GfG gehören das Institut für Arbeitsphysiologie an der Universität Dortmund, die Ruhr-Universität Bochum, ISE/eurom sowie die Adam Opel AG, Bochum zu den Projektpartnern.

Die in kleinen Mengen kostenlose Broschüre "Geistig fit im Beruf!" kann bezogen werden über das Informationszentrum der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Postfach 17 02 02, 44061 Dortmund, Telefon 231.90 71 20 71, Fax 0231.90 71 20 70, E-Mail: info-zentrum@baua.bund.de. Auf der INQA-Homepage befindet sich eine Version im PDF-Format (1 MB) zum Herunterladen.
Weitere Informationen:
http://www.inqa.de/Inqa/Navigation/Themen/demographischer-wandel,did=248248.html Link zur Broschüre "Geistig fit im Beruf!"
http://www.pfiffprojekt.de Link zur Homepage des Projekts "Programm zur Förderung und zum Erhalt intellektueller Fähigkeiten für ältere Arbeitnehmer (PFIFF)"

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Luftqualität 2008: Grenzwerte für Feinstaub weiterhin überschritten

Belastung wie im Vorjahr vergleichsweise niedrig - dennoch keine Entwarnung möglich

Die vorläufige Beurteilung des Umweltbundesamtes (UBA) zur Luftqualität des Jahres 2008 in Deutschland ergibt: Auch im Jahr 2008 traten Überschreitungen der geltenden Grenzwerte für die gesundheitsschädlichen Schadstoffe Feinstaub und Stickstoffdioxid (NO2) auf. An 19 der insgesamt 421 Messstationen überschritten die Feinstaubkonzentrationen öfter als an den zulässigen 35 Tagen den Wert von 50 Mikrogramm/Kubikmeter Luft (µg/m3). An der Messstation Stuttgart Neckartor wurde zudem der auf das Jahresmittel bezogene PM10-Grenzwert von 40 µg/m3 nicht eingehalten. PM10 (Particulate Matter) bezeichnet Staubteilchen, deren Durchmesser kleiner als 10 Mikrometer ist; 10 µm sind 10 Millionstel Meter.

Im Jahr 2008 war die Feinstaubbelastung - wie schon 2007 - vergleichsweise gering. „Dafür sorgte vor allem die günstige Wetterlage, bei der windschwache Hochdruckgebiete selten auftraten, Gewitter und Starkregen dafür aber umso häufiger waren", sagt Andreas Troge, Präsident des UBA. „Für eine generelle Entwarnung ist die Belastung an vielen Stellen noch viel zu hoch, trotz der positiven Tendenz. Wir müssen die Belastung weiter senken, um in gesunder Luft leben zu können", so Troge weiter.

An rund der Hälfte der verkehrsbelasteten Messstationen lagen auch die NO2-Jahresmittelwerte über dem ab 2010 einzuhaltenden Grenzwert von 40 µg/m3. Bliebe diese Belastung auch in den kommenden Jahren erhalten, so würde es im städtischen verkehrsnahen Bereich ab 2010 zu Überschreitungen des dann verbindlich einzuhaltenden NO2-Grenzwertes für das Jahresmittel kommen. NO2 entsteht bei Verbrennungsvorgängen in Industrie, Haushalten oder im Verkehr. Dieser Stoff ist für die Atemwege schädlich.

Die vorläufige Auswertung der Luftqualitätswerte des Jahres 2008, auch im Vergleich zu den Vorjahren, steht unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/mysql_medien.php?anfrage=Kennummer&Suchwort=3596 im Internet. Aktuelle Luftqualitätsdaten im Internet: http://www.env-it.de/umweltbundesamt/luftdaten/index.html

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Milch ist nicht gleich Milch - das Max Rubner-Institut informiert über die Unterschiede

Dr. Iris Lehmann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max Rubner-Institut - Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel

Rohmilch, Frischmilch, H-Milch, ESL-Milch - Milch gibt es in vielen Variationen. Von der Kuh bis in den Handel bestehen strenge Vorgaben und klar definierte qualitative Anforderungen für die Behandlung der Milch. Das Max Rubner-Institut informiert über die Unterschiede.
Rohmilch wird die Milch genannt, die der Landwirt gekühlt abgibt. Der Landwirt ist verpflichtet, an der Abgabestelle ein Schild mit dem Hinweis aufzuhängen "Rohmilch - vor dem Verzehr abkochen".

Vorzugsmilch kann man im Supermarkt als Rohmilch von einem einzelnen Bauernhof kaufen. Sowohl die Kühe als auch das betreuende Personal müssen regelmäßig untersucht werden. Die Milch muss höheren hygienischen Anforderungen genügen als solche, die in der Molkerei verarbeitet wird. Die Milch muss direkt im Milcherzeugerbetrieb abgefüllt und innerhalb von 24 Stunden verkauft werden. Vorzugsmilch darf in Stätten der Gemeinschaftsverpflegung nicht ausgegeben werden.

Um die Milch als ein vom Tier stammendes hochwertiges Lebensmittel unter hygienischen Gesichtspunkten sicher zu machen, wird sie in der Molkerei pasteurisiert, also wärmebehandelt. Dabei werden eventuell vorhandene Krankheitserreger abgetötet, hitzestabile Keime überleben allerdings. Um längere Haltbarkeit zu erzielen, hat man Verfahren entwickelt, bei denen eine bis zu vollständige Abtötung dieser Keime erreicht wird.

Kurzzeiterhitzte Milch ("Frischmilch") wird bei 72 bis 75° C für 15 bis 30 Sekunden in speziellen Milcherhitzern ("Pasteuren") indirekt wärmebehandelt und dann abgekühlt. Nach diesem Verfahren behandelte Milch hat ein Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) von bis zu 10 Tagen. Sie muss im Kühlschrank gelagert werden.

ESL - Milch (Extended Shelf Life: längere Haltbarkeit) stammt aus verschiedenen Verfahren: bei der indirekten Erhitzung strömt die Milch durch heiße metallene Röhren oder Platten. Die Zieltemperatur beträgt ca. 127° C für ein bis drei Sekunden. Bei der direkten Erhitzung wird diese Temperatur und Haltezeit über eine Dampfinfusion erreicht, wonach im nächsten Schritt der Wasserdampf wieder entzogen wird. Die Mikrofiltration und Kurzzeiterhitzung behandelt die Milch in zwei Phasen: die nach dem Separieren (Trennung der Milch in Rahm und Magermilch) vorhandene Magermilch wird in einer Mikrofiltrationsanlage mit einer keramischen Membran mit kleinsten Poren entkeimt. Der Rahm wird für ein bis vier Sekunden bei 104 bis 108° C wärmebehandelt (Standardverfahren für Sahne). Der vorgesehene Fettgehalt wird damit eingestellt und die Milch kurzzeiterhitzt und keimfrei abgefüllt. Nach der Wärmebehandlung wird jeweils sofort abgekühlt. Diese Milch muss im Kühlschrank gelagert werden und hat ein MHD von ca. drei Wochen.

H -Milch kann man ebenfalls mit indirekten und direkten Verfahren herstellen: hier wird die Milch für ein bis drei Sekunden bei 135 bis 150° C wärmebehandelt und dann sofort abgekühlt. Sie wird keimfrei abgefüllt. H-Milch hat ein MHD von bis zu drei Monaten, während der sie ungeöffnet bei Zimmertemperatur gelagert werden kann.

Alle genannten Milchen gibt es mit unterschiedlichen Fettgehalten, die, wenn nicht naturbelassen, nach dem Separieren eingestellt werden. Sind sie homogenisiert, so sind die Fettkügelchen - das Milchfett liegt natürlicherweise in Membranen verpackt vor - mit einem Homogenisator kleiner gemacht worden, damit sie nicht aufrahmen. ESL- und H-Milch werden immer homogenisiert.

Wird ein Lebensmittel erhitzt, kommt es zu Veränderungen. Bei Milch geht von den vorhandenen Vitaminen bei der Kurzzeiterhitzung ("Frischmilch") ein Anteil zwischen 0 und 5 Prozent verloren, bei der H- Milch sind es zwischen 0 und 20 Prozent. Die ESL-Milch liegt in dieser Hinsicht zwischen den beiden.
Beim Eiweiß werden bei der ESL- und der H-Milch ein Teil der Moleküle entfaltet, das heißt, in ihrer Struktur verändert. Die Milch wird dadurch etwas bekömmlicher. Bei der H-Milch gehen dadurch etwa drei Prozent des Eiweißes verloren, bei der ESL-Milch weniger. Das Milchfett, der Milchzucker (Lactose) und die Mineralstoffe (also auch das Calcium) bleiben praktisch unbeeinflusst. Die Milchen unterscheiden sich also hinsichtlich ihrer Nährstoffgehalte nicht wesentlich.

Natürlich führt auch das Kochen im eigenen Haushalt zu einer Veränderung der Milch. Es bleibt letztlich jedem Verbraucher selbst überlassen, sich die ihm am besten passende und schmeckende Milch auszusuchen.

Mit der Forschung rund um die Milch befasst sich innerhalb des Max Rubner-Instituts das Institut für Qualität und Sicherheit bei Milch und Fisch am Standort Kiel.
Weitere Informationen:
http://www.mri.bund.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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So alt wie man sich fühlt - Senioren fühlen sich 13 Jahre jünger als es ihrem Lebensalter entspricht

Dr. Petra Fox-Kuchenbecker, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Menschen über 70 Jahre fühlen sich durchschnittlich 13 Jahre jünger als es ihren Lebensjahren entspricht. Zu diesem Ergebnis kommt eine jüngst im Journal of Gerontology: Psychological Sciences veröffentlichte Studie, die von Forscherinnen des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Universität Michigan durchgeführt wurde. Die Studie untersucht Veränderungen der Selbstwahrnehmung des Alters und der Alterszufriedenheit über die Zeit an Daten der Berliner Altersstudie.
Während sich das Gefühl, 13 Jahre jünger zu sein, im Laufe der Studie nicht veränderte, nahm die Differenz zwischen Lebensalter und im Spiegel wahrgenommenen Alter sowie der Grad der Zufriedenheit der Studienteilnehmerinnen und Teilnehmer im Laufe des sechsjährigen Beobachtungszeitraums ab.

Gefühl, 13 Jahre jünger zu sein, hält an
Dass sich ältere Menschen in der Regel jünger fühlen, als es ihrem Lebensalter entspricht, konnte bereits in mehreren Studien aufgezeigt werden. Aber verändert sich die Alterseinschätzung im Laufe der Zeit? Und welche Faktoren können das gefühlte Alter beeinflussen? Zur Beantwortung dieser Fragen untersuchten die Psychologinnen sechs Jahre lang 516 Berliner Frauen und Männer im Alter von 70 bis 104 Jahren, die an der Berliner Altersstudie teilnahmen.
"Die Teilnehmer unserer Studie fühlten sich durchschnittlich 13 Jahre jünger als es ihrem Lebensalter entspricht. Das Überraschende für uns war, dass sich an dieser Einschätzung im Laufe des sechsjährigen Beobachtungszeitraums so gut wie nichts änderte", erläutert Anna Kleinspehn-Ammerlahn, die die Studie zusammen mit Dana Kotter-Grühn, beide am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, und Jacqui Smith, Universität Michigan, durchführte. Die nähere Untersuchung zeigte allerdings Unterschiede zwischen Personen unterschiedlichen Alters: So wurde beobachtet, dass ältere Studienteilnehmerinnen und Teilnehmer über die Zeit sogar ein vergleichsweise noch jüngeres gefühltes Alter berichteten als die Jüngeren. Die Veränderung des gefühlten Alters war aber nicht nur vom Lebensalter, sondern außerdem vom Gesundheitsstatus der Seniorinnen und Senioren abhängig.

Einschätzung des physischen Alters und der Alterszufriedenheit verändert sich über die Zeit
Die Psychologinnen wollten außerdem von den Studienteilnehmern wissen, wie alt sie sich fühlen, wenn Sie sich im Spiegel betrachten. Fühlten sich die Teilnehmer zu Beginn der Studie beim Blick in den Spiegel noch 10 Jahre jünger, lag die Differenz zum Lebensalter am Ende der Studie nur noch bei 7 Jahren. Allerdings konnte hier ein deutlicher Geschlechterunterschied beobachtet werden: Frauen fühlten sich im Vergleich vier Jahre älter als die männlichen Studienteilnehmer.
Geschlechtsabhängige Unterschiede wurden auch hinsichtlich der Zufriedenheit im Alter beobachtet. So gaben die männlichen Teilnehmer zu Beginn der Studie eine höhere Zufriedenheit mit ihrem Alter an als die weiblichen Studienteilnehmerinnen. Allerdings zeigten die Männer im Laufe des sechsjährigen Beobachtungszeitraums eine stärkere Abnahme der Zufriedenheit als die Frauen. Ein geringerer Grad der Zufriedenheit hing jedoch nicht nur mit dem Geschlecht, sondern auch mit dem Alter, dem Gesundheitszustand und der sozialen Schicht zusammen.

"Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang zwischen der Einschätzung, jünger zu sein und jünger auszusehen als es dem tatsächlichen Lebensalter entspricht, und der Lebenszufriedenheit im Alter", erläutert Kleinspehn-Ammerlahn. "Wir haben erste Hinweise darauf, dass die Selbsteinschätzung des Alters mit der verbleibenden Lebenserwartung zusammenhängt. Interessant ist auch die Frage, ob Menschen, die sich jünger fühlen, auch "jünger handeln" und jünger wahrgenommen werden. Diesen Zusammenhängen muss in weiteren Untersuchungen nachgegangen werden."

Quelle:
Anna Kleinspehn-Ammerlahn, Dana Kotter-Grühn, Jacqui Smith, Journal of Gerontology: Psychological Sciences: 377-385, Vol. 63B, No. 6 (2008).

Hintergrundinformationen:

MPI für Bildungsforschung
Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung wurde 1963 in Berlin gegründet und ist als interdisziplinäre Forschungseinrichtung dem Studium der menschlichen Entwicklung und Bildung gewidmet. Das Institut gehört zur Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., einer der führenden Organisationen für Grundlagenforschung in Europa.

Die Berliner Altersstudie
Die Berliner Altersstudie ist eine multidisziplinäre Untersuchung von Menschen im Alter von 70 bis über 100 Jahren, die im ehemaligen Westteil Berlins leben. In der Hauptstudie (1990-1993) wurde eine Kernstichprobe von 516 Personen in 14 Sitzungen hinsichtlich ihrer geistigen und körperlichen Gesundheit, ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit und psychischen Befindlichkeit sowie ihrer sozialen und ökonomischen Situation untersucht. Seitdem ist die Studie als Längsschnittstudie weitergeführt worden, indem überlebende Teilnehmer siebenmal nachuntersucht wurden.

Kontakt:
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Forschungsbereich Entwicklungspsychologie
Dr. Anna Kleinspehn-Ammerlahn
E-Mail: kleinspehn@mpib-berlin.mpg.de

Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Petra Fox-Kuchenbecker
Telefon: 030-824 06 211
E-Mail: fox@mpib-berlin.mpg.de
Weitere Informationen:
http://www.mpib-berlin.mpg.de
http://www.base-berlin.mpg.de
http://www.mpg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Umweltfreundliche Beschaffung spart bares Geld

Energie- und ressourcenschonende Produkte punkten in ökologischer und ökonomischer Hinsicht

Viele positive Beispiele zeigen inzwischen, dass eine umweltfreundliche Beschaffung sowohl ökologisch als auch ökonomisch von Vorteil ist. Dies belegt ein im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) durchgeführtes Forschungsvorhaben. Mit der Einbeziehung von Umweltschutzkriterien in Vergabeverfahren sind bedeutende Umweltentlastungen sowie erhebliche finanzielle Einsparungen möglich. „Die umweltfreundliche Beschaffung ist ein wichtiges Instrument für den Umweltschutz und spart bares Geld", sagt Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des UBA. Ein im Rahmen des Forschungsprojektes erstelltes Rechtsgutachten bestätigt, dass es bei Vergabeverfahren der öffentlichen Hand inzwischen keine rechtlichen Zweifel mehr an der grundsätzlichen Zulässigkeit der Berücksichtigung von Umweltkriterien gibt. Bislang diskutierte die deutsche Rechtswissenschaft das Thema „umweltfreundliche öffentliche Auftragsvergabe" eher kritisch unter dem Stichwort „vergabefremde Aspekte".

Das Forschungsprojekt mit dem Titel „Nationale Umsetzung der neuen EU-Beschaffungs-Richtlinien" ermittelte Umweltentlastungspotenziale für die Beschaffung ausgewählter Produkte, beispielsweise von Multifunktionsgeräten mit verschiedenen Funktionen wie Drucken, Scannen und Kopieren. Das Ergebnis: Mit der Anschaffung ressourcenschonender und energiesparender Geräte lassen sich die mit der Herstellung, Nutzung und Entsorgung dieser Geräte verbundenen Umweltbelastungen deutlich minimieren. So ist das Treibhauspotential für das Drucken von 1.000 Seiten bei einem Multifunktionsgerät mit dem Umweltzeichen Blauer Engel etwa um die Hälfte geringer als bei einem konventionellen Gerät. Geht man davon aus, dass ein Multifunktionsgerät etwa 50.000 Seiten pro Jahr druckt und eine Lebensdauer von fünf Jahren hat, spart ein Gerät mit dem Blauen Engel - im Vergleich zu einem nicht ausgezeichneten Gerät - circa 1.150 Kilogramm Kohlendioxid-Äquivalente.

Bezieht man alle Kosten, die im Lebenszyklus eines Produktes anfallen, mit ein, punkten umweltfreundliche Waren oft auch in wirtschaftlicher Hinsicht. So lassen sich etwa bei einem Multifunktionsgerät, das die Kriterien des Blauen Engels erfüllt, über die gesamte Lebensdauer von angenommenen fünf Jahren und bei 50.000 ausgegebenen Seiten pro Jahr knapp 830 Euro gegenüber der konventionellen Variante sparen. Diese Ersparnis setzt sich zusammen aus den geringeren Kosten für Strom, Toner sowie Papier, denn durch beidseitige Ausdrucke sinkt der Papierbedarf.

Um die umweltfreundliche Beschaffung in Behörden und Kommunen künftig zu erleichtern, wurden für die untersuchten Beispiele - Multifunktionsgeräte, Computer, Bewässerungsanlagen sowie Reinigungsmittel und Reinigungsdienstleistungen - auch Musterausschreibungen erarbeitet. Diese sollten die Vergabestellen, die für ein transparentes und diskriminierungsfreies Verfahren sorgen müssen, nun nutzen.

Das Rechtsgutachten und der Endbericht zum Forschungsvorhaben „Nationale Umsetzung der neuen EU-Beschaffungs-Richtlinien" stehen zum Download bereit: http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3661.pdf sowie http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3666.pdf.

Eine Ratgeberbroschüre mit dem Titel „Umweltfreundliche Beschaffung - ökologische und wirtschaftliche Potenziale rechtlich zulässig nutzen" finden Sie unter http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3687.pdf.

Die Musterausschreibungen sind auf der Seite www.beschaffung-info.de abrufbar. 

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Umweltschutz wird als Wirtschaftsfaktor immer wichtiger

Erster Umweltwirtschaftsbericht vorgelegt
Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt haben heute den ersten Umweltwirtschaftsbericht veröffentlicht. Die gemeinsame Publikation zeigt die enge Verknüpfung zwischen Ökologie und Ökonomie und die neue Rolle der Umweltpolitik. „Der Umweltwirtschaftsbericht hilft, die Diskussionen um das Verhältnis von Umwelt und Wirtschaft zu versachlichen. Angesichts der doppelten Herausforderung durch Wirtschafts- und Klimakrise brauchen wir gerade jetzt solide und klare Entscheidungsgrundlagen für eine ökologische Industriepolitik", so Bundesumweltminister Sigmar Gabriel.
Umweltschutz wird als Wirtschaftsfaktor immer wichtiger. Mehr als 5 Prozent der Industriegüterproduktion in Deutschland entfielen 2007 auf Umweltschutzgüter. Deutschland ist beim Handel mit Umweltschutzgütern Weltspitze. Das schlägt sich auch auf dem Arbeitsmarkt nieder: Die Umweltjobs boomen: Fast 1,8 Millionen Menschen finden in Deutschland hier Brot und Arbeit, mit weiter steigender Tendenz.

Der Bericht belegt, dass sich Umweltschutz auszahlt - gerade auch angesichts langfristig steigender Energie- und Rohstoffpreise sowie der großen Bedeutung der Energie- und Materialkosten im verarbeitenden Gewerbe. Umweltschutzanforderungen machen Unternehmen innovativer und damit fit für die Zukunft. Und Umweltschutz ist volkswirtschaftlich eine lohnende Investition. Denn er verringert Umweltschäden, deren Kosten die Gesellschaft ansonsten zu tragen hätte. So erreichen beispielsweise die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz vermiedenen Umweltschäden bereits heute die gleiche Größenordnung wie die zusätzlichen Kosten für die Volkswirtschaft. In rund zehn Jahren wird der Nutzen doppelt so groß sein wie die Zusatzkosten.

In den Märkten der Zukunft eröffnen sich für innovative Unternehmen gewaltige Chancen. Damit deutsche Unternehmen weltweit und dauerhaft erfolgreich sein können, müssen sie in ihren Unternehmensstrategien berücksichtigen, dass die Ökologie zur Ökonomie des 21. Jahrhunderts wird. Umweltpolitik ist heute auch Innovationspolitik, Investitionspolitik, Beschäftigungspolitik und vorausschauende Standortpolitik. „Umwelt und Wirtschaft sind kein Gegensatz - wer auf Dauer wirtschaftlich erfolgreich sein will, muss sich frühzeitig auf neue Herausforderungen wie den Klimaschutz und knapper werdende natürliche Ressourcen einstellen. Die Umweltpolitik muss diesen Prozess beschleunigen, indem sie Umweltinnovationen fördert und Wettbewerbsverzerrungen zu Lasten umweltfreundlicher Produkte und Techniken beseitigt", so der Präsident des Umweltbundesamtes, Andreas Troge.

Der „Umweltwirtschaftsbericht 2009" ist im Internet unter www.bmu.de oder auch www.uba.de zu finden.

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Höchste Zeit für die Grippe-Schutzimpfung

Susanne Glasmacher, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Robert Koch-Institut

In Deutschland hat die Grippewelle begonnen, früher als in den vergangenen Jahren. Eine Impfung ist jetzt in der Regel noch sinnvoll; sie wird insbesondere für Menschen über 60 Jahre, für chronisch Kranke und für Personen mit viel Kontakt zu anderen empfohlen. Bislang hat das am Robert Koch-Institut angesiedelte Nationale Referenzzentrum für Influenza vorwiegend eine Virusvariante (Subtyp) nachgewiesen, die in früheren Jahren häufig mit schwereren Krankheitsverläufen einherging und mehr Todesfälle (insbesondere bei älteren Menschen) verursachte. "Daher ist jetzt die Schutzimpfung vor allem für Ältere und Chronisch Kranke wichtig", betont Jörg Hacker, Präsident des Robert Koch-Instituts.

Der Impfschutz braucht zehn bis 14 Tage, bis er durch das körpereigene Immunsystem aufgebaut wird. Risikopatienten, die bereits erkrankt sind oder die Kontakt zu Influenzakranken hatten (zum Beispiel bei einem Ausbruch in einer Gemeinschaftseinrichtung), sollten frühzeitig ihren Arzt aufsuchen, der dann rasch die Diagnose stellen und je nach individueller Risikoeinschätzung auch antivirale Arzneimittel zur Therapie oder Prophylaxe verschreiben kann. Eine Infektion mit den jeden Winter zirkulierenden Influenzaviren bedeutet für Menschen mit Grundleiden, zum Beispiel Herzkreislaufkrankheiten oder chronischen Lungenerkrankungen, und für ältere Menschen (über 60 Jahre) eine erhöhte Gefährdung. Bei ihnen kommt es im Krankheitsverlauf häufiger zu Komplikationen, zum Beispiel bakteriellen Lungenentzündungen, die tödlich enden können. Der beste Zeitraum für die Impfung gegen Grippe, die durch Influenzaviren verursacht wird, ist Oktober und November.

Bei Influenzaviren unterscheidet man die Typen A, B und C. Influenzaviren vom Typ A werden in so genannte Subtypen untergeteilt. Die saisonalen Influenzaviren, die in den letzten Jahrzehnten in der menschlichen Bevölkerung zirkulieren, sind Viren der Subtypen A/H1N1 und A/H3N2 sowie des Typs B. Mit H und N werden die beiden wichtigsten Eiweiße der Virushülle Hämagglutinin und Neuraminidase abgekürzt.

Dominierender Subtyp der beginnenden Welle ist A/H3N2. In den ersten beiden Kalenderwochen (KW) 2009 wurden in 57 Rachen- oder Nasenabstrichen Influenzaviren nachgewiesen, 52 gehörten zum A/H3N2-Subtyp, zwei zu A/H1N1 und drei zum Typ B. Insgesamt sind 94 Proben untersucht worden. Auch die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen ist in den letzten Wochen stark gestiegen, vor allem in den nordwestlichen Landesteilen von Schleswig-Holstein bis Rheinland-Pfalz.

Die Influenza-Aktivität wird von der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) überwacht. Das RKI hat die wissenschaftliche Federführung. Das Überwachungs- oder Surveillance-System hat drei Schwerpunkte: zum einen melden Arztpraxen so genannte akute respiratorische Erkrankungen (Rachenentzündung, Lungenentzündung oder Bronchitis); diesen Teil koordiniert das Deutsche Grüne Kreuz. Hinzu kommt die virologische Diagnostik von Rachenabstrichen, durchgeführt vom Nationalen Referenzzentrum für Influenza. Dritte Säule sind die Meldedaten direkter Virus-Nachweise von Influenza, die beim RKI eingehen. Der direkte Nachweis von Influenza ist gemäß Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Die AGI informiert auf ihrer Internetseite mit einem Wochenbericht, der alle wichtigen Daten enthält; dort sind auch tagesaktuelle Informationen zu den Virus-Nachweisen und der Zahl der gemeldeten Influenzafälle abrufbar.

Weitere Informationen: http://www.rki.de/agi

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Herausgeber
Robert Koch-Institut
Nordufer 20
D-13353 Berlin
http://www.rki.de

Das Robert Koch-Institut ist
ein Bundesinstitut im
Geschäftsbereich des
Bundesministeriums für Gesundheit

Pressestelle
Susanne Glasmacher
(Pressesprecherin)
Günther Dettweiler
(stellv. Pressesprecher)
Claudia Paape
Heidi Golisch

Kontakt
Tel.: 030.18754-2239, -2562 und -2286
Fax: 030.18754 2265
E-Mail: presse@rki.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Tarifliche Ausbildungsvergütungen 2008: Anstieg im Osten etwas stärker als im Westen

Andreas Pieper, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

657 € brutto im Monat verdienten die Auszubildenden 2008 durchschnittlich in Westdeutschland. Die tariflichen Ausbildungsvergütungen erhöhten sich im Durchschnitt um 2,0 % und damit etwas weniger als im vorangegangenen Jahr mit 2,4 % (siehe Schaubild 1 in PDF-Datei unter http://www.bibb.de/dokumente/pdf/pressemitteilung_1_2009.pdf).
In Ostdeutschland stiegen die tariflichen Ausbildungsvergütungen 2008 um 2,9 % auf durchschnittlich 567 € im Monat - und somit etwa gleich stark wie im Jahr zuvor (2,8 %).

Der Abstand zum westlichen Tarifniveau hat sich nicht verändert: Wie im Vorjahr wurden auch 2008 im Osten 86 % der westlichen Vergütungshöhe erreicht. Für das gesamte Bundesgebiet lag der tarifliche Vergütungsdurchschnitt 2008 bei 642 € pro Monat und damit um 2,2 % über dem Vorjahreswert von 628 €. Zu diesen Ergebnissen kommt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in der Auswertung der tariflichen Ausbildungsvergütungen für das Jahr 2008.

Ermittelt wurden die durchschnittlichen Vergütungen für 185 Berufe in West- und 152 Berufe in Ostdeutschland. In diesen Berufen werden 89 % der Auszubildenden ausgebildet. Die in ungefähr 5 % der Tarifverträge vereinbarten erhöhten Beträge für Auszubildende ab 18 Jahren wurden jeweils eingerechnet.

Erhebliche Unterschiede in der Vergütungshöhe gibt es zwischen den Ausbildungsberufen (siehe Schaubild 2 in PDF-Datei unter http://www.bibb.de/dokumente/pdf/pressemitteilung_1_2009.pdf).
Die mit Abstand höchsten Ausbildungsvergütungen wurden in West- und Ostdeutschland im Beruf Binnenschiffer/Binnenschifferin mit jeweils 925 € pro Monat erzielt. Hohe Vergütungen sind seit langem auch in den Berufen des Bauhauptgewerbes (zum Beispiel Maurer/Maurerin) tariflich vereinbart: sie betrugen 2008 in Westdeutschland durchschnittlich 873 € und in Ostdeutschland 679 € pro Monat. Ebenfalls hoch waren die Vergütungen in West- und Ostdeutschland mit durchschnittlich jeweils 815 € im Beruf Kaufmann/Kauffrau für Versicherungen und Finanzen.

Eher niedrige Ausbildungsvergütungen wurden dagegen zum Beispiel in den Berufen Maler und Lackierer/Malerin und Lackiererin (West: 409 €, Ost: 376 €), Florist/Floristin (West: 424 €, Ost: 312 €), Friseur/Friseurin (West: 438 €, Ost: 269 €) und Bäcker/Bäckerin (West: 478 €, Ost: 390 €) gezahlt.

Bei den ermittelten berufsspezifischen Durchschnittswerten ist zu beachten, dass häufig auch im gleichen Beruf die tariflichen Ausbildungsvergütungen je nach Region und Wirtschaftszweig erheblich voneinander abweichen.
Zudem ist zu berücksichtigen, dass die tariflichen Ausbildungsvergütungen nur in der betrieblichen Ausbildung gelten. In der aus öffentlichen Mitteln finanzierten außerbetrieblichen Ausbildung erhalten die Auszubildenden in der Regel erheblich niedrigere Vergütungen, die hier nicht mit einbezogen sind.

Insgesamt verteilen sich die Ausbildungsvergütungen in den untersuchten Berufen im Jahr 2008 wie folgt: In Westdeutschland bewegten sich die Vergütungen für 55 % der Auszubildenden zwischen 500 und 749 €. Weniger als 500 € erhielten 10 % der Auszubildenden, wobei Vergütungen unter 400 € selten waren; 750 € und mehr gingen an 35 % der Auszubildenden. In Ostdeutschland waren für 38 % der Auszubildenden Vergütungen von 500 bis 749 € zu verzeichnen. Unter 500 € lagen die Vergütungen für 45 % der Auszubildenden, für 15 % sogar unter 400 €. 17 % der Auszubildenden erhielten eine Vergütung von 750 € und mehr.

Das BIBB errechnete auch die Vergütungsdurchschnitte für die weiblichen und männlichen Auszubildenden: Danach kamen in Westdeutschland die männlichen Auszubildenden auf durchschnittlich 672 €, die weiblichen auf 635 €. In Ostdeutschland betrug der Durchschnitt für männliche Auszubildende 577 € und für weibliche 548 €. Die abweichenden Vergütungsdurchschnitte erklären sich dadurch, dass junge Frauen häufiger in Berufen mit einer niedrigeren Ausbildungsvergütung anzutreffen sind als junge Männer.

Auch zwischen den Ausbildungsbereichen bestanden 2008 in West- und Ostdeutschland deutliche Unterschiede im Vergütungsniveau (siehe Schaubild 3 in PDF-Datei unter http://www.bibb.de/dokumente/pdf/pressemitteilung_1_2009.pdf). Überdurchschnittlich hohe Ausbildungsvergütungen wurden in Industrie und Handel (West: 730 €, Ost: 632 €) und im Öffentlichen Dienst (West: 724 €, Ost: 719 €) erreicht. Unter dem jeweiligen Gesamtdurchschnitt lagen dagegen die Vergütungen im Handwerk, bei den Freien Berufen und in der Landwirtschaft. Zu berücksichtigen ist hier allerdings, dass insbesondere in den Bereichen Industrie und Handel sowie Handwerk die Vergütungen in den einzelnen Berufen sehr stark differieren.

Bei allen Beträgen handelt es sich jeweils um die durchschnittlichen Vergütungen während der gesamten Ausbildungszeit. Für die einzelnen Ausbildungsjahre ergeben sich für 2008 folgende Werte:

o In Westdeutschland betrugen die Vergütungen im 1. Lehrjahr durchschnittlich 584 €, im zweiten 652 € und im dritten 728 € pro Monat.

o In Ostdeutschland beliefen sich die Ausbildungsvergütungen im 1. Lehrjahr auf durchschnittlich 503 €, im zweiten auf 570 € und im dritten auf 630 € pro Monat.

Weitere Informationen im Internetangebot des BIBB unter http://www.bibb.de/ausbildungsverguetung

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Roboter inspiziert Windkraftanlagen

Das Material von Windkraftanlagen muss starken Kräften standhalten. Gibt es Schäden an den Rotorblättern? Ein neuer Roboter überprüft die Anlagen genauer, als ein Mensch es könnte. Er erfasst jeden noch so kleinen Schaden - sogar unterhalb der Oberfläche.

Er kommt zuverlässig und er kommt allein. Flink und schnell zieht er sich am Seil nach oben. Meter für Meter, bis er die riesigen Rotorblätter der Windkraftanlage erreicht hat. Dann macht er sich an die Arbeit. Jeden Zentimeter Fläche auf den Rotorblättern nimmt er gründlich ins Visier, nichts entgeht ihm. Jeden Riss, jede Delamination im Material registriert er und leitet deren genaue Positionen weiter. Bei diesem Job ist er dem Menschen überlegen: der Roboter.

Die Forscher am Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF sind Experten in Sachen Roboter - egal ob für die Fassadenreinigung, die Inspektion von Abwasserkanälen oder als Assistenz des Menschen. Ihr neuester Helfer: RIWEA, der Prüfroboter für Rotorblätter von Windkraftanlagen. Die hauptsächlich aus glasfaserverstärktem Kunststoff hergestellten Rotorblätter müssen viel aushalten - Wind, Trägheitskräfte, Erosion. Bisher überprüfen Menschen die Windkraftanlagen regelmäßig. Kein leichtes Unterfangen, schließlich müssen die Techniker in luftiger Höhe große Flächen unter die Lupe nehmen - bis zu 60 Meter lang kann ein Rotorblatt sein. »Unser Roboter ist nicht nur ein guter Kletterer«, sagt Dr. Norbert Elkmann, Projektleiter am IFF. »Er ist mit einer Reihe von modernen Sensorsystemen ausgestattet. Damit kann er die Rotorblätter genau überprüfen.« Sind Risse auf der Fläche? Sind die Klebeverbindungen und die Laminierungen in Ordnung? Ist die Verbindung zum zentralen Steg beschädigt?

Das Inspektionssystem besteht aus drei Teilen: Ein Infrarotstrahler leitet Wärme auf die Oberfläche der Rotorblätter, eine hochauflösende Wärmekamera nimmt die Temperaturmuster auf und registriert so Fehler im Material. Zusätzlich ist ein Ultraschallsystem mit an Bord sowie eine hochauflösende Kamera. So kann der Roboter auch Schäden feststellen, die dem menschlichen Auge verborgen geblieben wären. Ein speziell entwickeltes Trägersystem sorgt dafür, dass der Inspektionsroboter sicher und präzise entlang der Rotorblattfläche geführt wird. »Das ist eine hochkomplexe Bühne mit 16 Freiheitsgraden, die sich selbstständig an Seilen hochziehen kann«, erklärt Elkmann. Der Vorteil des Systems: Es kann an jeder Windkraftanlage seinen Dienst verrichten - egal ob groß oder klein, zu Land oder Off-Shore. Der Roboter liefert immer ein genaues Zustandsprotokoll der Rotorblätter, ohne Menschen in Gefahr zu bringen und ohne Schäden zu übersehen.

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Das Element Uran im Trinkwasser, im Kernkraftwerk und beim Nobelpreiskomitee

Dr. Ernst Guggolz, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Dezember 1938: Otto Hahn entdeckt die Kernspaltung. Warum gingen Lise Meitner und Fritz Strassmann beim Nobelpreis 1944 leer aus? Die "Nachrichten aus der Chemie" blicken zurück. Außerdem blicken sie voraus auf die aktuelle Forschung zum Element Uran: auf die Gewinnung und Anreicherung sowie die Detektion bei der Trinkwasseranalyse. Ein neues Verfahren könnte hunderttausende Tonnen Uranabfälle zu Brennstoffen recyceln.
Im Jahr 1944 erhielt Otto Hahn den Nobelpreis für die Entdeckung der Kernspaltung. Lise Meitner und Fritz Strassmann, die lange zusammen mit Hahn geforscht haben, hätten nach Ansicht vieler Wissenschaftler die Auszeichnung ebenso verdient. Wie reagierten sie darauf, dass das Nobelkomitee sie überging? Der Wissenschaftsjournalist Reinhold Ellmer entführt den Leser der "Nachrichten aus der Chemie" in die Jahre vor und nach der nobelpreisgekürten Entdeckung. So soll Lise Meitner ihren Kollegen Hahn gefragt haben: "Was würdest Du sagen, wenn Du als mein langjähriger Mitarbeiter charakterisiert würdest?"

Bei der Anreicherung von Uran als Brennstoff für Kernreaktoren entstehen große Mengen abgereichertes Uran. Im Jahr 2005 lagerten allein in den USA etwa 700.000 Tonnen uranhaltiger Abfälle. Ihre Lagerung ist aufgrund ihrer starken Reaktivität problematisch. Für den Chemiker Florian Kraus könnte dieses unerwünschte uranhaltige Material demnächst der Rohstoff für Urannitrid sein. Dies lässt sich nicht nur einfacher lagern, sondern gilt auch als möglicher Brennstoff in der nächsten Generation von Kernkraftwerken.

Uran im Trinkwasser ist kein aktuelles Umweltproblem, sondern eine natürliche Erscheinung, verdeutlicht der Analytiker Günter Henze in der Dezemberausgabe der "Nachrichten aus der Chemie". Er beschreibt, wie Analytiker Uran quantitativ nachweisen. PDF-Dateien der Artikel gibt es bei der Redaktion der "Nachrichten aus der Chemie" unter nachrichten@gdch.de.

Nahezu 80.000 anspruchsvolle Chemiker und Chemikerinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Lehre informieren sich mit den "Nachrichten aus der Chemie" über Entwicklungen in der Chemie, in angrenzenden Wissenschaften sowie über gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte. Kennzeichen der Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker sind das breite Spektrum der Berichte, das einmalige Informationsangebot an Personalien, Veranstaltungs- und Fortbildungsterminen sowie der große Stellenmarkt.
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de/nachrichten "Nachrichten aus der Chemie"
http://www.gdch.de/taetigkeiten/nch/jg2008/h12_08.htm Das Dezemberheft der "Nachrichten aus der Chemie"

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Sensor in Arterie misst Blutdruck

Beate Koch, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

Bluthochdruck kann Ärzte und Patienten vor eine Geduldsprobe stellen: Oft muss der Blutdruck längere Zeit beobachtet werden, bis er sich einstellen lässt. Ein Drucksensor vereinfacht dies nun. Er wird in die Leistenschlagader eingeführt und überträgt die Daten drahtlos.
Strömt das Blut mit zu hohem Druck durch die Arterien, auch wenn der Mensch ruhig auf dem Sofa liegt, kann dies gefährlich sein: Beim Bluthochdruck pumpt das Herz ständig auf Hochtouren, was sowohl Herz- als auch Gefäßwände belastet. Medikamente sollen Abhilfe schaffen. Bei vielen Patienten lässt sich der Blutdruck dennoch nur schwer einstellen - er muss über einen längeren Zeitraum konsequent überwacht werden. Eine lästige Prozedur: Die Patienten tragen ein kleines Kästchen, in dem sich das Blutdruckmessgerät befindet, am Körper. Eine aufblasbare Manschette am Arm zeichnet die aktuellen Blutdruckwerte auf. Diese Manschette wird in regelmäßigen Abständen aufgepumpt und abgelassen, was die Patienten vor allem nachts belastet. Künftig soll dies einfacher sein: Ein winziges Implantat, das Fraunhofer-Forscher zusammen mit der Firma Dr. Osypka GmbH und weiteren Partnern im vom BMBF geförderten Projekt "Intravasales Monitoring System für Hypertoniker Hyper-IMS" entwickeln, könnte das bisherige Verfahren ersetzen.

"Ein Arzt führt den Drucksensor direkt in die Leistenschlagader ein", erklärt Abteilungsleiter Dr. Hoc Khiem Trieu vom Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS in Duisburg die Funktionsweise. "Der Sensor, der einschließlich Verkapselung einen Durchmesser von etwa einem Millimeter hat, misst den Blutdruck 30 mal pro Sekunde. Über ein flexibles Mikrokabel ist der Sensor mit einer Transpondereinheit verbunden, die ebenfalls in der Leiste unter der Haut liegt. Sie digitalisiert und codiert die Daten des Mikrosensors und übermittelt sie anschließend an das externe Lesegerät, das der Patient wie ein Handy am Gürtel tragen kann. Von dort können die Werte an eine Monitorstation übertragen werden, wo der Arzt sie auswertet." Da die Forscher spezielle Komponenten in CMOS-Technologie verwenden, braucht das System wenig Energie: Die Mikroimplantate können über Spulen drahtlos mit Energie versorgt werden.

Implantierbare Drucksensoren eignen sich auch für andere Anwendungen - etwa zur Überwachung von Patienten, die an Herzinsuffizienz leiden. Aktuell führen die Forscher erste klinische Tests durch.

Ansprechpartner:
Dr.-Ing. Hoc Khiem Trieu
Telefon 0203 3783 160
hoc.khiem.trieu@ims.fraunhofer.de

Dipl.-Ing. Martin van Ackeren
Telefon 0203 3783-130
Fax 0203 3783-266
martin.van.ackeren@ims.fraunhofer.de
Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS
Finkenstraße 61
47057 Duisburg
Weitere Informationen:
http://www.ims.fraunhofer.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Bienen stoppen Raupen

Robert Emmerich, Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Gefräßige Raupen können in Gärten und auf Feldern großen Schaden anrichten. Eine raffinierte Methode, um den hungrigen Tieren Einhalt zu gebieten, beschreiben Biologen von der Universität Würzburg in der neuen Ausgabe des Fachblatts "Current Biology".
Meist sind es dicke Schmetterlingsraupen, die sich an den Blättern von Kohl, Salat & Co. satt fressen. Aber auch die proteinreichen Raupen selbst sind begehrtes Futter. Unter anderem vor Faltenwespen müssen sie auf der Hut sein.

Das schaffen die Raupen mit feinsten Sinneshärchen: Sie registrieren damit die Luftbewegung, die beim Herannahen einer Wespe durch deren Flügelschlag entsteht. Die Raupen lassen sich dann auf den Boden fallen oder bleiben regungslos sitzen. So sind sie außer Gefahr - denn die Wespen jagen nur Beute, die sich bewegt.

Fliegende Bienen bringen Raupen in Dauerstress

Honigbienen haben in etwa die gleiche Körpergröße und Flügelschlagfrequenz wie Faltenwespen. Die Raupen können mit ihren einfachen Sinneshärchen nicht unterscheiden, ob sich eine gefährliche Wespe oder eine harmlose Honigbiene nähert. Kommen häufig Bienen in ihre Nähe, so bedeutet das für die Raupen ständigen Stress. Die Folge: Sie fressen bis zu 70 Prozent weniger Blattmasse als Raupen, die "bienenfrei" leben. Das haben Jürgen Tautz und Michael Rostás vom Biozentrum der Uni Würzburg gezeigt.

Die Experimente im Käfig

Die Forscher platzierten im Botanischen Garten zwei große Käfige, in denen Paprika und Sojabohnen wuchsen. Beide Käfige bestückten sie mit den Raupen eines Eulenfalters, der bei Gemüsebauern als extremer Schädling bekannt ist. In einem Käfig durften die Raupen ungestört fressen. In den anderen ließen die Forscher Honigbienen einfliegen, die dort eigens für sie platzierte Futterstellen besuchten. Der Flugverkehr störte die Raupen so sehr, dass sie bis zu zwei Drittel weniger Blätter vertilgten als die Raupen in dem anderen Käfig.

Geplant: Versuche im Bio-Landbau

Ob sich Gärtner und Landwirte diesen Effekt zunutze machen können, wollen die Würzburger Wissenschaftler im kommenden Frühjahr testen. "Wir suchen nach einem Bio-Hof, der dazu bereit ist, ein Gemüsefeld auf besondere Weise anzulegen - nämlich schön bunt mit Wildblumen garniert", sagt Jürgen Tautz. Die Blüten sollen vermehrt Bienen anlocken. Ob sich deren Treiben auch im Freiland ähnlich auf Raupen auswirkt wie im Käfig, das wollen die Würzburger Forscher dann genau überprüfen.

Jürgen Tautz und Michael Rostás: "Honeybee buzz attenuates plant damage by caterpillars", Current Biology 18 (24) pp. R1125 - R1126

Hinweis für Redaktionen / Journalisten: Die Originalarbeit können Sie als pdf-Datei bei der Pressestelle der Uni Würzburg bekommen (Robert Emmerich, presse@zv.uni-wuerzburg.de)

Weitere Informationen: Dr. Michael Rostás, Mobil (0151) 59255043, ab 7. Januar: T (0931) 888-6223, michael.rostas@botanik.uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Jürgen Tautz, ab 7. Januar T (0931) 888-4319, tautz@biozentrum.uni-wuerzburg.de
Weitere Informationen:
http://www.beegroup.de Homepage der Beegroup der Uni Würzburg
http://www.bot2.biozentrum.uni-wuerzburg.de/wissenschaftforschung/rostas/ Homepage von Michael Rostás

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wasserversorgung trotz Klimawandel sichern

Thomas von Salzen, Pressestelle
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

RWTH-Institut lädt zum 39. Internationalen Wasserbau-Symposium am 6. und 7. Januar 2009 in Aachen ein
Die Klimaänderungen werden sich in Zukunft nicht nur auf die Lufttemperaturen, sondern auch auf den Wasserhaushalt und damit auf die Wasserwirtschaft auswirken. Das Vorsorgeprinzip macht daher erforderlich, sich auch in diesem Zusammenhang rechtzeitig mit den Folgen eines Klimawandels auseinander zu setzen. Dies ist auch deswegen notwendig, weil die Lebensdauer von Wasserbauwerken und die Wirkungen wasserwirtschaftlicher Maßnahmen viele Jahrzehnte betragen und deren Funktionsfähigkeit gewährleistet sein muss. Das Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft (IWW) der RWTH Aachen hat daher das 39. Internationale Wasserbau-Symposium am 6. und 7. Januar 2009 unter das Generalthema "Wasserwirtschaft und Klimawandel - Fakten, Folgen und Aufgaben" gestellt.

Die Vertreter der Medien sind herzlich zu einem Pressegespräch anlässlich des Symposiums eingeladen. Es findet statt am 6. Januar, 12.45 Uhr, im Technologiezentrum am Europaplatz Aachen, Dennewartstraße 25/27 (Treffpunkt Tagungsbüro im Foyer).

Der erste Vortragsblock befasst sich mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die "Hydrologie". Im Rahmen des zweiten Vortragsblocks "Hochwasserschutz" werden dessen Aufgaben thematisiert, die sich aus veränderten hydrologischen Randbedingungen ergeben. Die Versorgung mit Trink- und Brauchwasser ist eine zentrale Aufgabe für die Wasserwirtschaft , sie ist Schwerpunkt des dritten Vortragsblocks. Im vierten Vortragsblock zum Thema "Wasserstraßen" sollen die Folgen globaler Klimaänderungen für die Schifffahrt aufgezeigt werden. Hierbei werden vor allem Änderungen in der Dauer und Häufigkeit von Niedrigwasserabflüssen von Bedeutung sein. Im fünften Vortragsblock sollen die Möglichkeiten der Wasserkraftnutzung diskutiert werden, die sich als regenerative Energiequelle anbietet.
Das vom IWW organisierte Symposium hat sich im Laufe der Jahrzehnte als ein intensiv genutzter Treff- und Informationspunkt etabliert. Es richtet sich vor allem an Ingenieurinnen und Ingenieure aus dem Wasserbau und der Wasserwirtschaft, es steht aber auch allen weiteren Interessierten offen. Auch in diesem Jahr werden wieder rund 400 Teilnehmer aus dem In- und Ausland erwartet.
Veranstaltungsort ist das Technologiezentrum Aachen (AGIT) am Europaplatz. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich, die Teilnahme ist kostenfrei. Dies ist unter anderem dank der Unterstützung durch das Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, durch den Verein der Freunde und Förderer der Aachener Hochschule proRWTH und durch den Förderverein des Instituts ermöglicht.

Ansprechpartner: Dipl.-Ing. Sina Roßner, Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft, Telefon 0241 / 80-25270, rossner@iww.rwth-aachen.de

i.V. Renate Kinny
Weitere Informationen:
http://www.iww.rwth-aachen.de/

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Fenchel: Arzneipflanze des Jahres 2009

Robert Emmerich, Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Der Fenchel spielt in der Kinderheilkunde eine überragende Rolle. So wie er sind auch andere Arzneipflanzen wegen ihrer milden Wirkung gerade für Kinder besonders gut geeignet. Darauf wollen Wissenschaftler der Universität Würzburg mit der Wahl des Fenchels zur Arzneipflanze des Jahres 2009 hinweisen.
Eltern wissen es aus Erfahrung: Wenn die Ernährung von Säuglingen umgestellt wird, treten unweigerlich Blähungen auf. Zur Linderung bekommen die Kinder dann Fencheltee oder andere Mittel, die Fenchel enthalten.

Damit ist Fenchel sehr häufig das erste Arzneimittel, mit dem der Mensch in seinem Leben in Kontakt kommt. Das ist in Europa so und auch in vielen anderen Regionen der Welt, etwa in Australien und China. Der Fenchel dürfte deshalb eine der bekanntesten Arzneipflanzen sein.

In der Medizin werden ausschließlich die Früchte des Fenchel verwendet, die umgangssprachlich auch als Samen bezeichnet werden. Der wirksame Inhaltstoff ist im Wesentlichen das ätherische Öl. Dieses sollte zu mindestens 60 Prozent aus dem süßlich schmeckenden trans-Anethol bestehen und auch das eher bittere Fenchon enthalten.

Die Wirkstoffe des Fenchel fördern die Beweglichkeit des Magen-Darmtraktes und sind in höherer Konzentration krampflösend. Für Anethol und Fenchon ist außerdem eine schleimlösende Wirkung nachgewiesen.

Fenchel wird medizinisch angewendet gegen unspezifische Verdauungsprobleme, wie etwa leichte krampfartige Magen-Darm-Beschwerden, Völlegefühl und Blähungen. Zum Einsatz kommt er auch bei Entzündungen von Hals und Rachen. Haben Kinder diese Beschwerden, bekommen sie oft Fenchelhonig.

Botanik und Geschichte

Fenchel gehört wie Anis, Kümmel und Liebstöckel zur Familie der Doldenblüter. Die Pflanze stammt aus dem Mittelmeergebiet und bevorzugt warme, feuchte, kalkhaltige Böden. Heute wird sie aus Bulgarien, Ungarn, Rumänien, Ägypten und China importiert.

Schon die frühen Hochkulturen in Ägypten oder China schätzten den Fenchel als Gemüse und Heilpflanze. In Deutschland schrieb erstmals Walahfrid Strabo, Abt des Klosters Reichenau, um das Jahr 840 über die Heilwirkungen der Pflanze: Mit Wein oder Ziegenmilch getrunken, soll der Fenchel die Blähungen des Magens lösen, eine allzu träge Verdauung verbessern und bei Husten hilfreich sein.

"Damit lag der Benediktinerabt erstaunlich nahe an den Anwendungen der modernen Phytotherapie", schreiben Franz-Christian Czygan, Johannes Gottfried Mayer und Ralf Windhaber vom Würzburger Studienkreis "Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde". Dieser kürt seit 1999 die Arzneipflanze des Jahres.

Der Studienkreis "Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde"

Dem Studienkreis gehören Medizinhistoriker, Ärzte, Apotheker und pharmazeutische Biologen an; zum Teil auch Studierende und die Dozenten der Seminare "Grundlagen der Phytotherapie" und "Phytotherapie und traditionelle Medizin".

Die jeweilige Arzneipflanze des Jahres soll eine interessante Kultur- und Medizingeschichte haben. Ihre Wirkung soll in gut belegten oder vielversprechenden pharmakologischen und klinischen Studien überprüft sein.

Die bislang gekürten Arzneipflanzen

Seit 1999 wurden folgende Gewächse zur Arzneipflanze des Jahres gewählt:

* 1999 Buchweizen
* 2001 Arnika
* 2002 Stechender Mäusedorn
* 2003 Artischocke
* 2004 Pfefferminze
* 2005 Arzneikürbis
* 2006 Thymian
* 2007 Hopfen
* 2008 Gemeine Rosskastanie

Weitere Informationen unter den Telefonnummern (0931) 888093 oder 83264 sowie per Mail an johannes.mayer@mail.uni-wuerzburg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Misteln zeigen verborgene Belastungen in Böden

Dipl.-Biol. Stefanie Hahn, Pressestelle
Julius Kühn-Institut

Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts weisen Zusammenhang zwischen Mistelvorkommen und Schwermetallbelastung nach
(Braunschweig) In England und den USA lädt der weihnachtliche Mistelzweig dazu ein, unter ihm Küsse zu tauschen. Finden sich Misteln jedoch anstatt am Türbalken in großen Mengen auf Bäumen, ist die Botschaft unter Umständen weniger froh. Wissenschaftler des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Braunschweig haben herausgefunden, dass der Halbschmarotzer anzeigt, ob Schwermetalle im Boden vorhanden sind.

Die Verbreitung der Misteln hängt von vielen Faktoren ab, wie dem Vorkommen ihrer Wirtsbäume, von Vogelarten, die Mistelbeeren fressen und verbreiten, vom Kleinklima und nicht zuletzt von der individuellen Widerstandsfähigkeit des Wirtsbaumes. Die Belastung von Böden mit Schwermetallen setzt die Widerstandsfähigkeit der Bäume herab. Die Forscher des JKI-Institutes für Pflanzenbau und Bodenkunde zeigen in einer umfangreichen und soeben abgeschlossenen Studie, dass vor allem Pappeln auf schwermetallbelasteten Böden deutlich stärker von Misteln besiedelt werden als z. B. Ahornbäume oder Linden.

"In der Region Goslar, in der durch die Bergbaugeschichte viele Standorte mit Blei, Kupfer und Zink belastet sind, waren auf gering belasteten Böden des Stadtgebietes 9%, auf hoch belasteten Böden hingegen 49% aller Pappeln Wirte für Misteln", berichtet Ewald Schnug. Nach Aussagen des Institutsleiters sind Schwarzpappeln häufiger betroffen als Pyramidenpappeln. Damit konnten die Wissenschaftler, die seit 2003 die Mistelthematik bearbeiten, bestätigen, dass eine vermehrte Verbreitung von Misteln auf erhöhte Schwermetallbelastungen in Böden hinweist. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse wollen die Wissenschaftler nun ein Verfahren zur Vorerkundung entwickeln. Mit Pappeln als Indikatoren und basierend auf der Verbreitungsdichte der Misteln sollen damit rasch Bodenbelastungen aufgespürt werden.

Ihr wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Dr. habil. Dr. h.c. Ewald Schnug
Institut für Pflanzenbau und Bodenkunde
am Julius Kühn-Institut (JKI) - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Bundesallee 50, 38116 Braunschweig
Tel.: 0531/ 596-2102
E-Mail: pb@jki.bund.de

Hintergrundinformationen zum Projekt:

Das Forschungsprojekt "Ein Beitrag zur Standortkunde der Laubholzmistel auf schwermetallbelasteten Böden" wurde seit Mitte 2003 bearbeitet und 2008 abgeschlossen. Aus ihm sind zwei Doktor- und eine Diplomarbeit hervorgegangen. Teilaspekte wurden in Kooperation mit dem HISCIA-Institut in Dornach und der Jacobs Universität Bremen bearbeitet.

Zwischenergebnisse sind 2006 im Sonderheft 301 der Landbauforschung Völkenrode erschienen: Ramm, H. (2006): Einfluss bodenchemischer Standortfaktoren auf Wachstum und pharmazeutische Qualität von Eichenmisteln (Viscum album auf Quercus robur und petreae). SH 301

In Kürze erscheint eine weitere Publikation in Landbauforschung - vTI Agriculture and Forestry Research: Sharma, Steckel, Koschinsky, Schnug (2009): Potential correlation of heavy metals in surface soils with infestation of Viscum album in poplar trees.

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news294943

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Besser laufen mit dem Sportschuh ohne Hacke

Norbert Doktor, Pressestelle
Hochschule Magdeburg-Stendal (FH)

Magdeburger Wissenschaftler helfen neuartigen Sportschuh zu entwickeln

Das KAT-Kompetenzzentrum Ingenieurwissenschaften/Nachwachsende Rohstoffe der Hochschule Magdeburg-Stendal ist Forschungspartner in einem EU-Projekt zur Entwicklung eines innovativen Sportschuhs. Drei Magdeburger Wissenschaftler prüfen seit September die mechanische Eignung neuer Verbundmaterialien für den etwas anderen Laufschuh. In knapp zwei Jahren soll der hackenlose Sportschuh mit geringem Gewicht, günstigem Preis und guter Ökobilanz marktreif sein.
Joggen ist gesund - meistens jedenfalls. Während die positiven Effekte für den Kreislauf, den Kalorienverbrauch und das allgemeine körperliche Wohlbefinden meist unbestritten sind, können Fehlbelastungen, harte Untergründe und ungeeignetes Schuhwerk auch Probleme verursachen: Schmerzen in Fuß- Knie- und Hüftgelenken bis hin zu Wirbelsäulenproblemen zwingen viele Freizeitsportler zur Aufgabe.

Adri Hartveld aus Newcastle under Lyme, selbst passionierter Läufer, kennt aus seiner 25-jährigen Berufspraxis als Physiotherapeut viele solcher Beispiele. Zahlreiche eigene Teilnahmen an nationalen und internationalen Laufwettbewerben nutzte er quasi "nebenbei" für systematische Beobachtungen der Laufszene in Europa. Die Erkenntnis: viele (Freizeit-) Sportler laufen mit einer zu harte Belastung der Ferse (so genannter "heel strike"), welche dann unmittelbar an die Gelenke weitergegeben wird und die beschriebenen Probleme verursachen kann.

Die Idee: Verhinderung des "heel strike" durch einen Schuh, der das harte Aufsetzen der Ferse auf den Boden verhindert - der hackenlose Sportschuh (heelless shoe) war in Gedanken fertig. Es folgten zahlreiche Überlegungen, wie die Idee praktisch in einen Laufschuh umgesetzt werden kann. Der erste Prototyp entstand in der eigenen Werkstatt. Zahlreiche Trainingskilometer, Gespräche mit anderen Sportlern, Medizinern und schließlich auch Materialwissenschaftlern ließen die Entscheidung reifen, aus der inzwischen schutzrechtlich gesicherten Idee ein marktfähiges Produkt zu entwickeln.

Der Hauptunterschied zu "gewöhnlichen" Sportschuhen liegt in einer besonderen Sohlenkonstruktion. Für deren Realisierung sind spezielle Materialien erforderlich. Über ein Technologieangebot des IRC INSSA wurde Adri Hartveld auf ein naturfaserverstärktes Verbundmaterial aufmerksam, eine Materialgruppe an der an der Hochschule Magdeburg-Stendal (FH) intensiv geforscht wird. Nach der Verarbeitung erster Materialproben wurde klar, dass solch ein Verbundmaterial potenziell für die Sohle geeignet ist. Gegenüber anderen Alternativen sind vor allem die mögliche Gewichtsersparnis, der günstige Preis und die gute Ökobilanz des Materials überzeugende Argumente.

Eine Technologie die von dem Unternehmen Zwartz, einem Hersteller von Naturfasergeweben und dem Ingenieurbüro KIEM entwickelt und angeboten wird, ermöglicht es Adri Hartveld kohlefaser- oder glasfaser-verstärkte Polymere durch Biopreg® , ein naturfasergewebeverstärktes Verbundmaterial zu ersetzen. Mit dem Biopreg®-Material besteht die potenzielle Möglichkeit Sohlen zu konstruieren, die besser, steifer, preisgünstiger und umweltfreundlicher sind, als dies mit marktüblichen naturfaserverstärkten Materialien (z. B. aus der Automobilindustrie) derzeit möglich ist. Ursache dafür ist die Verwendung orientierter Fasern in den Geweben.

Mit Hilfe eines erfahrenen Koordinators wurde ein Konsortium aus sechs KMU und fünf Forschungseinrichtungen zusammen geführt, in dem die gesamte Wertschöpfungskette des Produktes (von der Materialbereitstellung bis zur Vermarktung) abgebildet ist. Die Projektteilnehmer kommen aus Großbritannien, den Niederlanden, Spanien, Polen und Deutschland.

Innerhalb von zwei Jahren soll der neue Laufschuh bis zur Marktreife entwickelt werden. Das Projekt wird von der EU im Programm Forschung für kleine und mittlere Unternehmen (Research for SME) innerhalb des 7. Forschungsrahmenprogramms (HEELLESS 222468) gefördert.

Kontakt für Nachfragen der Medien:
Dr. Peter Gerth,
Tel.: 0391-886 44 67
peter.gerth@hs-magdeburg.de

Foto: Adri Hartveld
Weitere Informationen:
http://www.hs-magdeburg.de/forschung/kat/ - Informationen über "KAT"

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Kristallklarer Durchblick bei der Kalkbildung

Barbara Abrell, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

MPI für Kolloid- und Grenzflächenforschung/Denis Gebauer
Kalk kristallisiert anders als bislang gedacht - das ermöglicht die Entwicklung neuartiger Entkalker und hat auch Folgen für den Klimawandel
Sie wirkt im Schönen wie im Hässlichen: Die Kristallisation bestimmt die Form von Edelsteinen, bringt aber auch den Kalk in die Waschmaschine. Wie sie abläuft, schien längst geklärt. Doch Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Kolloid- und Grenzflächenforschung kratzen jetzt an der etablierten Theorie, die viele Phänomene kaum erklären kann. Die Forscher untersuchten die Kristallisation von Kalziumkarbonat, landläufig als Kalk bekannt. Dabei haben sie herausgefunden, dass sich anders als bislang angenommen auch in Wasser mit wenig gelöstem Kalziumkarbonat stabile Nanocluster bilden. Aus diesen winzigen Kalkteilchen entstehen schließlich die Ablagerungen, die irgendwann die Waschmaschine lahm legen. Unbekannt war bislang auch, dass die Struktur des kristallisierten Kalziumkarbonats davon abhängt, wie basisch die Lösung ist. Die neuen Erkenntnisse können helfen, dem Kalk in der Waschmaschine beizukommen, die Bildung der raffinierten Struktur von Biomineralien zu erklären - und verändern die Rolle der Weltmeere als Kohlendioxidspeicher. (Science, 19. Dezember 2008)

Kalziumkarbonat ist überall: Als Kreide hat es wohl jeder schon in der Hand gehabt oder als Ablagerung in der Waschmaschine verflucht. Marmor, Dolomit und viele Sedimente bestehen hauptsächlich daraus, und auch im Panzer von Krebsen, in Muschelschalen, Schneckenhäusern, Seeigeln sowie in Einzellern kommt Kalziumkarbonat vor. Diese Biomineralien besitzen Eigenschaften, die sie auch für technische Anwendungen unter anderem in der Medizin oder der Baustofftechnik interessant machen. So sind sie etwa besonders bruchfest, weil ihre Kristalle auf nanoskopischer Ebene ausgeklügelt strukturiert sind. Wie Lebewesen solche Strukturen produzieren, möchten Materialwissenschaftler gerne verstehen, um sie nachzuahmen.

Dazu haben die Forscher des Max-Planck-Instituts in Golm bei Potsdam nun einen Beitrag geleistet. Demnach entstehen Kalziumkarbonatkristalle anders als bislang gedacht: Sobald Kalzium- und Karbonat-Ionen in einer Lösung aufeinandertreffen, bilden sie stabile Nanocluster aus rund 70 Kalzium- und Karbonat-Ionen - und zwar auch in sehr weichem Wasser, einer verdünnten Lösung also, aus der sich normalerweise kein Kalk abscheidet. Steigt die Konzentration des gelösten Kalziumkarbonats, schließen sich die Cluster zusammen, und das Mineral kristallisiert.

Ordnung im frühen Stadium

"In welcher seiner drei wasserfreien Kristallstrukturen Kalziumkarbonat kristallisiert, entscheidet sich anscheinend bereits, wenn sich die Cluster bilden", sagt Helmut Cölfen, der die Arbeiten leitete: "Wir haben zudem beobachtet, dass die Kristallstruktur vom pH-Wert abhängt." Der pH-Wert gibt an, wie sauer oder basisch eine Lösung ist. Unter schwächer basischen Bedingungen bildet Kalziumkarbonat demnach Kalcit, seine stabilste kristalline Struktur. In stärker basischem Milieu entsteht dagegen Vaterit, eine nicht stabile kristalline Struktur.

"Unsere Ergebnisse legen nahe, dass der pH-Wert bereits beeinflusst, wie sich die Ionen in den gerade mal zwei Nanometer großen Clustern aneinanderlagern", erklärt Denis Gebauer, der an den Arbeiten maßgeblich beteiligt war. In diesem Stadium bilden sie zwar noch keine regelmäßige Kristallstrukturen, aber höchstwahrscheinlich ist die Ordnung des Kristalls dann bereits ansatzweise zu erkennen. Wenn die Cluster sich dann zu immer größeren Aggregaten zusammenlagern, kann diese Ordnung erhalten bleiben. So bildet sich zunächst eine amorphe Übergangsform, das heißt ein nicht-kristalliner Feststoff, der sich in einen Kristall umwandelt.

Lebewesen können besser eingreifen

Läuft die Kristallisation tatsächlich so ab, wäre leichter nachzuvollziehen, wie etwa die Muschel ihre Schale baut oder ein Seeigel seine Stacheln formt. Da schon die winzigen Cluster, mit denen die Kristallisation startet, stabil sind, bräuchten Lebewesen nur in diesem frühen Stadium einzugreifen, um die Struktur zu beeinflussen. Dazu könnten sie etwa den pH-Wert oder Biomoleküle nutzen.

Die bislang geltende Theorie der Kristallisation lässt dagegen kaum Spielraum in einem frühen Stadium zu beeinflussen, wie sich die Ionen in dem regelmäßigen Kristallgitter anordnen. Sie geht davon aus, dass sich die Ionen erst oberhalb einer bestimmten Konzentration zu Clustern zusammenballen. Erreichen diese Cluster nicht eine Mindestgröße, zerfallen sie wieder. Erst wenn sie die Größe des sogenannten kritischen Kristallkeims überschreiten, kann dieser Keim zu einem Kristall wachsen. Die Kristallstruktur ließe sich damit frühestens im kritischen Keim beeinflussen.

Ob auch andere Mineralien nach diesem Muster kristallisieren, haben die Golmer Forscher an Kalziumphosphat und Kalziumoxalat geprüft. Ersteres ist der Hauptbestandteil von Knochen und Zähnen, aus letzterem bestehen Nierensteine. Mit den Mineralien machten die Wissenschaftler denselben Test, wie auch mit Kalziumkarbonat. Tropfenweise fügten sie eine Lösung, die Kalzium-Ionen enthielt, zu einer Lösung mit dem jeweils anderen Bestandteil, also Karbonat-, Phosphat- oder Oxalat-Ionen. Mithilfe einer speziellen Elektrode haben sie dabei gemessen, wie viele der zugegebenen Kalzium-Ionen sich in der Lösung befinden. Tatsächlich standen auch in den Experimenten mit Kalziumphosphat und -oxalat viel weniger Ionen zur Verfügung als die Forscher zugetropft hatten - sie müssen daher wie beim Kalziumkarbonat in Clustern gebunden sein.

Konsequenzen für Technik und Klimawandel

Der neu vorgeschlagene Mechanismus der Kristallisation hat auch technische Konsequenzen: "Die stabilen Cluster bieten einen neuen Angriffspunkt, um Kalkablagerungen in Wasch- und Spülmaschinen, aber auch in der Industrie zu verhindern", sagt Helmut Cölfen. Dieses Problem verursacht in den Industrieländern jährlich Schäden von rund 50 Milliarden Dollar. Herkömmliche Entkalker fischen zum einen Kalzium-Ionen aus dem Wasser, zum anderen binden sie die ausgefällten, winzigen Kristalle und verhindern deren Wachstum. "Nun können neuartige Entkalker entwickelt werden, die verhindern, dass sich die Nanocluster zu größeren Strukturen zusammenfinden", so Cölfen: "Dieser Ansatz ist effektiver als die herkömmlichen."

Und auch für den Klimawandel haben die Erkenntnisse Folgen: Die Cluster binden Kohlendioxid als Karbonat. Bislang war nur bekannt, dass festes Kalziumkarbonat das Treibhausgas speichert. Da sich die nanoskopischen Cluster auch in den Weltmeeren bilden, halten sie dort mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre zurück als bislang für das feste Kalziumkarbonat angenommen. Das Problem ist allerdings: Die Ozeane versauern, weil sich ein erheblicher Teil des Kohlendioxids aus der Atmosphäre als Kohlensäure im Ozean löst. "Wenn dann der pH-Wert absinkt, kann weniger Karbonat in Clustern gebunden werden", sagt Helmut Cölfen. So kann schließlich weiteres Kohlendioxid freigesetzt werden, das wiederum in die Atmosphäre entweicht und die globale Heizung weiter aufdreht.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Stigmatisierung wegen Arbeitslosigkeit hemmt den Wiedereinstieg in den Beruf

Gunter Grittmann, Informationsdienste und Öffentlichkeitsarbeit
Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW)

Die Rezession bedeutet auch für viele Menschen in Deutschland den Verlust des Arbeitsplatzes. In Zeiten wirtschaftlicher Schwäche führen Arbeitgeber die Arbeitslosigkeit von Bewerbern jedoch vor allem auf die konjunkturelle Lage zurück, anstatt diese den Jobsuchenden negativ auszulegen. In der Hochkonjunktur ist das anders. Im Aufschwung neigen Arbeitgeber eher dazu, eine vermeintlich geringe Produktivität des Bewerbs als Ursache seiner Arbeitslosigkeit zu unterstellen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), die Stigmatisierungseffekte für männliche Arbeitslose untersucht.
Die Studie wertet Daten des Soziökonomischen Panel für Deutschland von 1991 bis 2004 aus. Mit Hilfe eines ökonometrischen Modells, in das die sozio-demographischen Daten von arbeitslosen und abhängig beschäftigten Männern im Alter von 26 bis 56 Jahren einfließen, gelingt es den ZEW-Wissenschaftlern, Stigmatisierungseffekte nachzuweisen. "Arbeitgeber schätzen die Wahrscheinlichkeit, bei guter Konjunktur arbeitslos zu sein, als gering ein. Dass ein Bewerber in Zeiten prosperierender Wirtschaft dennoch keine Stelle hat, wird ihm folglich als Zeichen geringer Leistungsfähigkeit ausgelegt. Damit verringern sich seine Chancen auf eine neue Anstellung", sagt Susanne Steffes, Arbeitsmarktexpertin am ZEW. "Ist die Konjunktur schlecht, wird die Arbeitslosigkeit dagegen eher auf die gesamtwirtschaftliche Situation zurückgeführt und weniger auf individuelle Eigenschaften."

Die Untersuchung gibt ferner über den Zeitpunkt Aufschluss, auf den Arbeitgeber abstellen, wenn sie die Arbeitslosigkeit eines Bewerbers beurteilen. Die Ergebnisse zeigen, dass nicht etwa die wirtschaftliche Lage in welcher der Jobsuchende tatsächlich arbeitslos wurde, für die Wahrnehmung der Arbeitgeber ausschlaggebend ist. Vielmehr berücksichtigen Arbeitgeber bei ihrer Einstellungsentscheidung die aktuelle konjunkturelle Lage. Das heißt in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit legen sie weniger Gewicht auf eine etwaige Arbeitslosigkeit des Jobsuchenden, selbst wenn dieser zu einer Boomphase arbeitslos wurde.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft) 

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Was Sonnenschutzmittel mit Hormonen zu tun haben

Claudia Leitenstorfer, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Konstanz

Dass Sonnenbaden gefährliche Konsequenzen haben kann, wissen die meisten. Trotzdem schwelt in der Schweiz eine Diskussion über unerwünschte Nebenwirkungen beim Einsatz von Sonnenschutzmitteln. Zum Beginn der Wintersaison könnte sie wiederaufflammen. "Im Gespräch" hat sich bei Daniel R. Dietrich, Inhaber des Lehrstuhls für Toxikologie an der Universität Konstanz, nach Details erkundigt.
Herr Professor Dietrich, was haben Sonnenschutzmittel mit Hormonen zu tun?

Sonnenschutzmittel können eine hormonähnliche Wirkung hervorrufen. Um diesen Effekt zu erklären, möchte ich weiter ausholen: Grundsätzlich gibt es zwei Gruppen von Hormonen, das (weibliche) Östrogen und das (männliche) Testosteron. Um diese zu "empfangen", haben die Botenstoffe des Körpers Rezeptoren. Letztere haben eine hohe Promiskuität, das heißt, sie paaren sich gerne mit jedem, auch mit östrogenähnlichen Partnern. In Sonnenschutzmitteln können östrogenähnliche Stoffe enthalten sein. Bei einer Bindung an die Rezeptoren können diese unter Umständen (bei extrem hohen Konzentrationen reiner Steroide aber NICHT UV-Schutz-Stoffe) zu einem unerwünschten Zeitpunkt bei Jungen eine so genannte Verweiblichung bewirken. Das macht die Herren der Schöpfung extrem nervös.

Was nachvollziehbar ist...

Schon. Nur: Bis das eintrifft und es zu einer echten Wirkung kommt, vergehen Lichtjahre.

Können Sie das genauer erklären?

Die Frage ist: Wie gut binden solche Sonnenmilchstoffe an die Rezeptoren? Die Antwort: Meistens tausend- bis zehntausendfach schwächer als Östrogen. Ein Nanogramm Östrogen kann in einer normalen Situation eine Reaktion auslösen. Auf die Sonnenmilch übertragen heißt das, es ist eine relativ große Konzentration erforderlich, von einem Milligramm bis zur Grammkonzentration. Niemand wird Sonnenmilch oder ähnliche Stoffe in Kilogrammmengen auf bestimmte Körperpartien auftragen. Um ein anderes Bild zu verwenden: Es gibt In-Vitro-Versuche, also Versuche an Zellen oder deren Bestandteilen, und In-Vivo-Versuche, also am ganzen Tier. Die Wirkungsweise von In-Vitro-Versuchen an Zell-Bestandteilen kann ich so verdeutlichen: Wenn ich einen Magneten nackt in die Hand nehme und in der Nähe ein eiserner Gegenstand ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich der Magnet bindet. Bei der ganzen Zelle ist die Situation vergleichbar mit einem Eisenstück und einem Magneten, der in eine dicke Plastikschicht eingepackt ist. Da ist es dann schon schwieriger. Wie stark und wie gut bindet der Magnet? Beim ganzen Tier ist es vergleichbar mit dem Magneten, der in einem Haus in eine riesige Menge Plastik eingepackt ist. Draußen auf der Straße ist der Nagel. Da wird es dann schnell ein bisschen zynisch.

Bei den Versuchen, deren Ergebnisse eine so kontroverse Diskussion über den Sinn von Sonnenschutzmitteln nach sich gezogen haben, wurde mit Tieren gearbeitet.

Die Damen und Herren haben mit haarlosen Rattenweibchen, die UV-Filter über die Haut aufnehmen, wenn sie in Olivenöl gebadet werden, gearbeitet. Das heißt, die Tiere haben eine relativ hohe Konzentration des Materials abgekriegt. Da konnte man dann tatsächlich leichte Veränderungen nach einem halben bis einem Jahr nachweisen. Trotzdem ist es so, dass weder Mäuse noch Ratten ein gutes Modell für den Menschen sind. Klar, dass Östrogen In-Vivo und auch In-Vitro wirkt. Doch ist das extrapolierbar auf den Menschen? Da braucht es schon eine sehr hohe Konzentration.

Verschiedene Institutionen wie die Schweizer Krebsliga bleiben trotz der Forschungsergebnisse, wonach die in Sonnenschutzmitteln enthaltenen Stoffe eine hormonähnliche Wirkung haben können, bei ihrer Empfehlung, dass man die Haut unbedingt vor der Sonne schützen soll.

Das Bundesamt für Risikobewertung in Berlin und auch das Bundesamt für Gesundheitswesen in der Schweiz stehen ebenfalls hinter dieser Empfehlung. Das Risiko einer hormonähnlichen Wirkung ist und bleibt minimal, besonders wenn man in Betracht zieht, dass es Melanome und Sonnenbrand sind, die große Risiken darstellen. Natürlich soll man sich auch so bekleiden, dass man keine große Hautfläche eincremen muss, und es gibt ja mittlerweile auch Kleidung, die Schutz vor UV-Strahlen bietet. Zudem ist es wichtig zu wissen, dass nicht in allen Sonnenschutzmitteln hormonähnliche Stoffe enthalten sind. Nehmen Sie Titanoxid oder ähnliche Stoffe. Die bieten einen echten Sonnenschutz, das heißt, sie verhindern eine Bräunung der Haut, indem sie die UV-Strahlung zum größten Teil reflektieren.

Welche Auswirkungen könnten die Sonnenschutzmittel mit östrogenähnlichen Stoffen auf Frauen haben?

Eigentlich keine.

Wie schätzen Sie das Risiko für Babys Kleinkinder und Kinder ein?

Babys und Kleinkinder sollten nicht der Sonne ausgesetzt werden, auch wenn die Haut von Babys und Kleinkindern nicht empfindlicher ist als die von Erwachsenen. Gehen die Stoffe leichter durch die Haut von Kindern als durch die von Erwachsenen, lautet die Frage. Die Situation ist nahezu identisch. Für alle gilt: Gegen UV-Strahlen sollte man sich unbedingt schützen. Alles ist eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Die meisten Menschen sind nicht jeden Tag acht Stunden in der Sonne. Nicht Theatralik ist bei diesem Thema gefragt, sondern eine gehörige Portion gesunder Menschenverstand.

Warum knallen sich noch immer so viele Menschen in die Sonne?

Wir haben eine wahnsinnige Perzeption. Die jungen gebräunten Banker sind in den Augen vieler erfolgreicher als diejenigen, die bleich sind und malochen wie die Teufel. Wir fahren noch immer auf Show ab.

Glauben Sie, dass die meisten Menschen bald umdenken?

In Australien und Neuseeland hat das Umdenken ganz klar stattgefunden - wahrscheinlich auch, weil die Zahl der Melanomfälle wesentlich präsenter ist. Das Oben-Ohne-Baden hat auch bei uns stark abgenommen. Ich denke, das hat weniger mit sexueller Pietät zu tun als mit dem Bewusstsein, dass empfindliche Stellen besser bedeckt sein sollten. Außerdem ist es so, dass die Leute häufiger zum Hautarzt bezüglich der Abklärung von Melanomen gehen.

Trotzdem sind noch immer manche Menschen verunsichert, was die möglichen Auswirkungen von hormonähnlichen Stoffen in Sonnencremes anbelangt.

Dermatologisch wäre es natürlich toll, wenn man andere Stoffe finden könnte, die gegen UV-Strahlung schützen. Doch wie gesagt: In dieser Diskussion ist der gesunde Menschenverstand gefragt. Bei Mädchen beginnt die Geschlechtsentwicklung ab sieben, acht, neun Jahren, bei Jungen so mit neun, zehn, elf Jahren. Die Frage ist: Was spielt eine tatsächliche Rolle für die Veränderung? Es ist die Ernährung. Habe ich eine fettreiche und hoch zuckerreiche Ernährung, führt das zu einer massiven Verfrühung der Geschlechtsreife. Das ist ein wesentlicher Risikofaktor. Lassen Sie mich noch einen Vergleich anführen. Wenn ich in die Berge zum Klettern gehe, mache ich mir eher Sorgen, ich könnte, weil nicht angeseilt, abstürzen und gleich zu Tode kommen, als dass ich nicht angeseilt bin, weil ich mir überlege, welche Probleme mir die Inhaltsstoffe des Seils in 50, 60 Jahren machen könnten. Es ist und bleibt, wie ich schon sagte, alles eine Frage der Verhältnismäßigkeit.

Zur Person

Daniel R. Dietrich ist seit Januar 1996 Professor für Toxikologie an der Universität Konstanz und Leiter der Arbeitsgruppe Umwelttoxikologie. Der Wissenschaftler hat Biologie (Limnologie/Toxikologie) an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich studiert. Der Titel seiner Doktorarbeit, die er am Institut für Toxikologie in Zürich geschrieben hat, lautete "Aluminium toxicitiy to salmonids at low pH". Von 1988 bis 1989 war er am selben Institut Forschungsassistent. Zwei Jahre lang - von 1989 - 1991 - war er Post-Doc bei den Glaxo Research Laboratories, North Carolina und an der Universität North Carolina am Lehrstuhl für Pathologie, molekulare Kanzerogenese und Toxikologie. Im Anschluss daran hat er bis 1995 die Arbeitsgruppe Ökotoxikologie am Institut für Toxikologie der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich und der Universität Zürich, geleitet. Der Wissenschaftler war bereits von Mai bis Dezember 1995 Gastprofessor an der Universität Pittsburgh, Department of Environmental and Occupational Health and Toxicology, Graduate School of Public Health und von Januar 1996 bis Dezember 2001 Leiter des EUREGIO Ecotoxicology Service Laboratory (EESL), Universität Konstanz.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft) 

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Wärmepumpenanlagen - Fachtagung stellt Betriebsergebnisse aus der Praxis vor

Anette Schober-Knitz, Pressestelle
Hochschule Biberach

Heizen und Kühlen von Gebäuden mit oberflächennahen geothermischen Energiequellen ist das traditionelle Kernthema des Geothermietages, der Ende November zum 5. Mal an der Hochschule Biberach stattfand. Neue gesetzliche Anforderungen an den Einsatz regenerativer Energien bei der Gebäudebeheizung haben die tatsächliche Effizienz und Energieeinsparung erdgekoppelter Wärmepumpenanlagen in den Fokus gerückt. Ein Schwerpunkt der Veranstaltung lag deshalb auf praktischen Betriebsergebnissen von ausgeführten Wärmepumpenanlagen, ergänzt um die Darstellung innovativer Gebäude- und Technologiekonzepte mit oberflächennaher Geothermie im In- und Ausland.
Die Hochschule Biberach bietet die Fachtagung in Kooperation mit der Bauakademie Biberach, der Energieagentur Biberach sowie der EnBW Regional AG in Biberach an, unterstützt wird sie vom Wirtschaftsministerium sowie der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg und der Geothermischen Vereinigung.
Der Eröffnungsvortrag von Alexander Knirsch (Transsolar, Stuttgart) entführte die Zuhörer nach Winnipeg, Kanada, wo der Verwaltungsneubau des Energieversorgers Manitoba Hydro derzeit in Betrieb geht. Eine besondere Herausforderung bei der Entwicklung des gebäudeklimatischen und energetischen Konzeptes dieses Hochhauses bestand in der Reaktion auf das extreme Außenklima, welches von kalten Wintern und heißen Sommern mit Temperaturen zwischen minus und plus 35 °C geprägt ist. Neben einer doppelschaligen Fassade, einer hybriden Lüftung sowie thermisch aktivierten Betondecken kommt bei dem Gebäude eine durch Gaskessel unterstützte Wärmepumpenanlage zum Einsatz, die im Sommer als Kältemaschine fungiert. Die zugehörige geothermische Quellenanlage umfasst 288 Erdwärmesonden mit einer Bohrtiefe von je 122 m, die auf 8000 m² Grundfläche größtenteils unter dem Gebäude angeordnet und auf eine geothermische Gesamtleistung von knapp 2 MW ausgelegt sind.

"Geothermie in Wasserschutzgebieten: Wasserrecht versus Klimaschutz" lautete der Titel des Vortrages von Dr. Erich Mands (UBeG, Wetzlar), in welchem er auf das Konfliktpotenzial zwischen Grundwasserschutz und Klimaschutz durch die derzeit heterogene Genehmigungspraxis für erdgekoppelte Wärmepumpenanlagen in der Bundesrepublik einging. Als großes Ziel nannte er die Vereinheitlichung der einschlägigen Landes- Leitfäden zu einem bundesweit geltenden Werk. Dieser Vortrag wurde intensiv und z. T. kontrovers diskutiert, da in einigen Punkten, z. B. hinsichtlich des optimalen Bohrlochdurchmessers, noch kein Konsens in der Fachwelt besteht.
Ergebnisse von Feldtests zur tatsächlich erreichten Energieeffizienz von Heizungswärmepumpen wurden in zwei Vorträgen vorgestellt. Peter Hubacher aus Engelburg (CH) berichtete, dass in der Schweiz inzwischen über 75 % aller neu gebauten Einfamilienhäuser mit einer Wärmepumpe ausgestattet werden. Die in der Schweizer FAWA-Studie gemessenen Jahresarbeitszahlen (Verhältnis von gelieferter Wärme zu Stromaufwand inkl. Pumpenstrom) betrugen für Luft-Wasser-Wärmepumpen im Durchschnitt 2,6, bei erdgekoppelten Wärmepumpenanlagen dagegen 3,4. Ähnliche, wenngleich etwas niedrigere Werte lieferte der wesentlich kleinere Feldtest am Oberrhein der Lokalen Agenda 21 in Lahr mit einer durchschnittlichen Jahresarbeitszahl von 3,1 für erdgekoppelte Wärmepumpenanlagen. Ebenso
wie sein Vorredner, verwies Rigobert Zimpfer (Ortenauer Energieagentur, Offenburg) auf die große Bedeutung der Qualitätssicherung derartiger Anlagen.

Über den Stand der Technik und aktuelle Projekte der direkten Nutzung oberflächennaher Geothermie mit Luft-Erdreichwärmeübertragern berichtete Volker Liebel (Rehau, Erlangen). Im Gegensatz zu Sole-Erdreichkollektoren dürfen Luft-Erdreichwärmeübertrager überbaut werden und sparen so Platz.
Dass bei dieser Anordnung auch bei Großanlagen ca. 50 % Heizenergie zur Lufterwärmung eingespart werden können, zeigen Betriebsergebnisse an einem Supermarkt in Polen.

Die Ergebnisse des Monitorings und der Betriebsoptimierung des Neubaus der Gebhard-Müller-Schule durch die Hochschule Biberach stellte Prof. Dr.-Ing. Roland Koenigsdorff vor. Die wissenschaftliche Begleitung des Gebäudes initiierte Verbesserungen im Anlagenbetrieb, durch die im dritten Betriebsjahr
30 % Primärenergie für die Raumkonditionierung gegenüber dem ersten Betriebsjahr eingespart werden konnten. Dies ist zum großen Teil auf die Optimierung des Betriebs der Wärmepumpe und des daran angeschlossenen Grundwasserbrunnens zurückzuführen. Dieses Projekt zeigt, dass neben einer entsprechenden Qualität von Planung und Ausführung auch die kontinuierliche Überwachung der Energieeffizienz von Geothermie- und Wärmepumpenanlagen wichtig ist.

Anlässlich der Fertigstellung des neuen Verwaltungsgebäudes des Regionalzentrums Oberschwaben der EnBW Regional AG in Biberach endete die Tagung mit einer Führung durch diesen Neubau. Das Gebäude wird bivalent mit einer Wärmepumpe und Gaskesseln beheizt. Die Wärmepumpe wird von einem aus 36 Erdwärmesonden bestehenden Sondenfeld geothermisch versorgt, welches im Sommer zur direkten Kühlung der Bürobereiche über thermoaktive Decken dient. In der begleitenden Fachausstellung präsentierten sich Unternehmen und Institutionen mit zusätzlichen Informationen und Angeboten zur oberflächennahen Geothermie. Eine CD mit den Vortragspräsentationen sowie dem Abschlussbericht des Monitoring-Projektes der Gebhard-Müller-Schule Biberach ist bei der Bauakademie Biberach erhältlich.

Mit rund 170 Teilnehmern erfreue sich der Biberacher Geothermietag weiterhin großem Zulauf, das Thema treffe die aktuellen Anforderungen in der Praxis, so Seminarleiter Prof. Koenigsdorff. Der 6. Biberacher Geothermietag ist für Ende 2009 geplant. Bereits im März (11. und 12. 3. 09) findet das 10.
Biberacher Forum Gebäudetechnik an der Hochschule Biberach statt, das u.a. das Thema Wärmepumpen aus gebäudetechnischer Sicht weiter vertiefen wird.

Text: Prof. Dr.-Ing. Roland Koenigsdorff
Weitere Informationen:
http://www.bauakademie-biberach.de
http://www.hochschule-biberach.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft) 

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