Klärwerk.info - Wegweiser

Übersicht

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A. Aktuelles

Hier finden Sie alle aktuellen Meldungen chronologisch geordnet. Suchen Sie frühere Meldungen, so sehen Sie in den Sachgebieten nach oder geben rechts oben einen Suchbegriff in das Suchen-Feld ein.

1)      Tägliche Meldungen

B. Forum

1)      Fragen und Antworten

Das Forum steht allen Nutzern zur Verfügung. Hier können Sie alle Beiträge lesen, selbst Beiträge erstellen oder auf Beiträge antworten

C. Fachwissen

Hier schreiben Praktiker für Praktiker. Haben Sie auch etwas Interessantes zu berichten, so schreiben Sie uns an Kontakt@Klaerwerk.info .

1)     Abwasserreinigung
2)      Energie- und E-Technik
3)      Kanal- und Entwässerung
4)      Maschinentechnik
5)      Labor
6)      Schlammbehandlung
7)      Gaserzeugung und BHKW
8)      Aus Bund Ländern und EU
         a) Vom Bund
         b) Aus der EU und aller Welt
         c) Aus den einzelnen Bundesländern (geordnet nach Bundesländer)
9)      Recht und Gesetze
         a) Beiträge zum Umweltgesetzbuch
         b) Beiträge zur Wasserrahmenrichtlinie (WWRL)
         c) Beiträge zum Energieeinspeisegesetz (EEG)
10)    Neue Fachliteratur
         a) Neue Bücher
         b) CD/ DVD's
         c) Downloads
         d) Fachzeitschriften
         e) Lexika und Wörterbücher
11)  Tipps und Tricks

D. Berufliches

Der zweite Schwerpunkt von Klärwerk.info. Hier finden Sie alles für Arbeitnehmer und Vorgesetzte und was Sie persönlich angeht.

1)      Arbeitssicherheit
         a) Unfallverhütungsvorschriften- Regeln und Information
         b) Formulare und Erlaubnisscheine
         c) Gesetze und Verordnungen zur Arbeitssicherheit
         d) Umsetzung der Betriebssicherheitsverordnung
         e) Unterweisungshilfen
         f ) Hilfen zur Gefährdungsbeurteilung
         g) Ex-Schutz auf Kläranlagen
2)
      Tarif- und Arbeitsrecht
         a) Tarifrecht, Tarifvertrag, Gehaltsrechner und mehr
         b) Mitarbeitergespräche, Mitarbeiterbeurteilung
         c) Leistungsorientierte Bezahlung
         d) Tabelle TVöD (West)
         e) Arbeitszeugnisse
3)      Aus- und Weiterbildung
         a) Ansprechpartner
4)      Azubiseite
         a) Ausbildungshilfen für Ausbilder und "Azubis"
         b) Musterkläranlage
         c)  Prüfungsaufgaben
         d) Übungsaufgaben
         e) Informationen für Auszubildende
         f)  UT-Ausbildertreffen Fachkraft für Abwassertechnik
         g) Formeln, PSE und weitere Hilfen
5)      Meisterschüler
         a) Informationen für Meisterschüler
         b) Prüfungsaufgaben
6)        Offene Stellen

E. DWA-Infos

1)      Klärwerksnachbarschaften
         a) Kläranlagennachbarschaften in Bayern
         b) Kläranlagennachbarschaften in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
         c) Kläranlagennachbarschaften in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland
2)      DWA-Informationen
         a) DWA Arbeitsblätter
         b) KA-Betriebs-Infos
         c) Mitgliederrundbriefe aus den Landesverbänden
         d) Meldungen der DWA

F. Kläranlagen

1)      Links zu Kläranlagen und Abwasserverbänden
2)      Kläranlagen - Videos
3)      Meldungen von den Kläranlagen

G. Nützliches

1)      Wetter und Hochwasser
2)      Firmennachrichten
3)        Verbandsnachrichten        
4)      Nützliche Links
         a) Umweltschutzorganisationen
         b) Fachzeitschriften, Lexika und Wörterbücher
         c) Behörden
         d) Berufsverbände und Vereinigungen
         e) Fachinformationen
         f) Gesetze und Verordnungen
5)      Meldungen aus der Wissenschaft
6)      Meldungen aus aller Welt
7)      Allgemeine Meldungen und Berichte

H. Fortbildungsdatenbank

1)      Fortbildungen
2)        Fortbildungen in Österreich
3)        Fortbildungen in der Schweiz
4)        Messen und Tagungen

I. Lieferantendatenbank

J. Kontakt

1)      Impressum
2)      Über Uns
3)      Kontakt

30.07.2010 19:52

Klärwerk.info / Aktuelles / Tägliche Meldungen

Tägliche Meldungen

Übersicht über alle News und Zugang zum Archiv
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Alle Meldungen 2008
Alle Meldungen 2009

Juli 2010

Umwelt und Forschung 
Gesellschaft 
Gesundheit   
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Umwelt und Forschung  
29.07.2010
Wie der erste Schritt das (wässrige) Ergebnis bestimmt 
26.07.2010
Bisphenol A - Massenchemikalie mit unerwünschten Nebenwirkungen 
22.07.2010
Fluorhaltige Feuerlöschschäume schützen - aber leider nicht die Umwelt 
19.07.2010
Biologische Reinigung bei schwermetall- und sulfathaltigen Industrie-Abwässern effektiv 
14.07.2010
Augen der Landschaft - Bedeutung von Kleingewässern im 21. Jahrhundert 
10.07.2010
Vom Treibhausgas zum Wertstoff: Neue Perspektiven für die Nutzung von CO2 
07.07.2010
Erneuerbare Energie durch Klär-/Biogasanlagen 
04.07.2010
Umweltskandal in Chile 
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Gesellschaft  
28.07.2010
Tödliche Welten: Drei, die Millionen Menschen das Leben retteten 
24.07.2010
Womit haben wir das verdient? Weniger Geld bei besseren Leistungen 
21.07.2010
Wann ist RFID am Ende? 
16.07.2010
Geld spielt eine Rolle: Auszubildende sind mit ihrer Vergütung oft unzufrieden - ein Viertel geht nebenbei jobben 
12.07.2010
UDE: Mehr Rentner über 65 erwerbstätig 
09.07.2010
Demografischer Wandel: Universität Göttingen berechnet Kostenentwicklung der Infrastruktur in Städten und Gemeinden 
06.07.2010
Heimisches Sofa statt Public Viewing: Studie untersucht, wie sich Deutschland auf die WM vorbereitet 
04.07.2010 
Spatzenlatz und Schnabelfarbe - die Statussymbole der Spatzen 
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Gesundheit  
30.07.2010
Ein gesunder Kopf auf einem gesunden Körper - Wie Jugendliche Kopfschmerzen und Migräne vorbeugen können 
27.07.2010
Nanosilber gehört nicht in Lebensmittel, Textilien und Kosmetika 
23.07.2010
Machen Umweltgifte den „Zappelphilipp" krank? 
20.07.2010
Vorhersagen über Therapieerfolg bei Tinnitus schon während der laufenden Therapie möglich 
15.07.2010
Sind Fette der Schlüssel zur Alzheimer Krankheit? 
11.07.2010
Blutzuckerteststreifen für Typ-2-Diabetiker: Unterzucker ist häufigster akuter Notfall 
08.07.2010
Übergewicht nicht immer von Nachteil 
05.07.2010
Die Illusion des Kaffee-Konsums: Koffein wirkt gegen Entzugseffekte - und kann Angst auslösen 
04.07.2010 
Cholesterinsenker begünstigt möglicherweise Arterienverkalkung - Studie der Uniklinik Köln im European Heart Journal 
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Juni 2010

Umwelt und Forschung
Gesellschaft  
Gesundheit  
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Umwelt und Forschung 
28.06.2010
Umweltbundesamt: Umweltschädliche Subventionen kosten 48 Milliarden Euro 
23.06.2010
Abwassertechnologien fürs Ausland: RUB-Forscher geben praktische Empfehlungen für den Export 
19.05.2010
Die faszinierende Welt des Seetangs 
16.05.2010
Wasser mit ultravioletten LEDs umweltfreundlich reinigen 
13.06.2010
Vulkanasche bringt Algen im Ozean zum Blühen 
10.06.2010
„Traum-Flanke für den Umweltschutz": Frauen-Fußball-WM 2011 wird klimafair 
07.06.2010
Vom Treibhausgas zum Wertstoff - Neue Perspektiven für die Nutzung von CO2 
04.06.2010
Wenn Rohstoffe nachwachsen und Kunststoffe gesät werden 
01.06.2010
Umweltschutz für Chinas Landwirte: Green WindowsTUM Technologie hilft Stickstoff sparen 
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Gesellschaft   
29.06.2010
„Voodoo im Strafraum" - Fußball und Magie in Afrika 
24.06.2010
Psychologie: Warum Menschen auf Risiko gehen 
21.06.2010
Angebot an offenen Stellen bleibt verhalten 
18.06.2010
Sollte Ballack wirklich für Reiseanbieter werben? Studie untersucht den Erfolg von Fußball-Nationalspielern innerhalb der Werbung 
15.06.2010
Vorgesetzte können Burnout am Arbeitsplatz deutlich reduzieren 
12.06.2010
Internetmüll, Spams und Werbeanrufe - wer schützt vor digitaler Belästigung? 
08.06.2010
Ab sofort auf http://www.weisse-liste.de: Unabhängige Gesundheitsinformationen für Patienten und Verbraucher 
06.06.2010
Entscheidender Schritt des Spinnvorgangs aufgeklärt: Wie spinnt die Spinne? 
03.06.2010
Richtig oder Falsch - Helfen einfache Faustregeln bei komplexen moralischen Entscheidungen? 
01.06.2010 
Tod durch Arsen 
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Gesundheit  
30.06.2010
Kinder mit Geschwister oder von Eltern mit Typ-1-Diabetes gesucht 
27.06.2010
Fußball: Fitness für Spielsportler - Hat Jogi Löw bald einen Ernährungsexperten im Team? 
25.06.2010
„Stärkt die Abwehrkräfte" und „Hilft beim Wachsen": Wer prüft solche Aussagen? 
22.06.2010
Wundersüßstoff Stevia: Forscher der Uni Hohenheim untersuchen Verbrauchererwartungen 
20.06.2010
Gesundheit der Mitarbeiter im Blick 
17.06.2010
Urologen warnen vor unseriöser Werbebroschüre 
14.06.2010
Nomadenvolk verblüfft mit Gesundheit trotz Mangelernährung 
11.06.2010
Übergewicht führt zu Bluthochdruck; Gewichtsverlust kann den Blutdruck normalisieren 
09.06.2010
Dem Geheimnis der Akupunktur auf der Spur 
05.06.2010
Teilnehmer gesucht: Neue Tinnitus-Studie an der Universität Göttingen 
02.06.2010
Genussraucher, Gelegenheitsraucher oder Kettenraucher - die Gene im Kopf geben den Takt vor 
01.06.2010
Zahnärzte helfen beim Rauchstopp 
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Mai 2010

Umwelt und Forschung  
Gesellschaft 
Gesundheit 
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Umwelt und Forschung 
31.05.2010
Die Zukunft der Energie auf der Insel Mainau erleben - Ausstellung „Entdeckungen 2010: Energie" wird feierlich eröffnet 
28.05.2010
Holz im Tank 
25.05.2010
Deutschlandweit größte Sammlung von ölabbauenden Mikroorganismen in Greifswald 
22.05.2010
Neuer Entsorgungshof an der Saar-Universität eingeweiht - bundesweites Vorbild 
18.05.2010
Abwasserreinigung mit Energie- und Düngemittelgewinn erfolgreich in Betrieb 
15.05.2010
Sauberes Wasser für Mega-Cities - EXPO 2010 in Shanghai: Bauingenieure der TU Darmstadt zeigen neue Ver- und Entsorgungslösungen 
13.05.2010
Einzigartige Neugründung auf dem Gebiet des Umweltrechtes 
10.05.2010
Mini-Wasserkraftwerk in der Armatur 
07.05.2010
Strom sparen mit verbessertem Matrix-Umrichter 
03.05.2010
Werden Europas Winter kälter? 
01.05.2010 Kohlenwasserstoffe besser abbauen 
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Gesellschaft  
29.05.2010
Vor dem Schmerz ist nicht gleich nach dem Schmerz 
26.05.2010
Rauchverbote führten nur zu geringen Umsatzeinbußen 
23.05.2010
Mehr Ungleichheit durch flexiblere Entlohnung 
20.05.2010
Betriebsräte können Beschäftigten und Unternehmen Vorteile bringen - Neue Studie fasst Forschungsstand zusammen 
17.05.2010
Hormonspray macht Männer sensibler 
12.05.2010
Wo bekommt man am wenigsten Spam? 
09.05.2010
Teilnehmer gesucht: Große Bevölkerungsstudie zum Glücksspielverhalten in Deutschland 
06.05.2010
Ende der Parkplatzsuche: Magnetfeldsensoren können Autos erkennen (Hannover Messe) 
04.05.2010
Warum Manager keine Atomphysiker werden können 
01.05.2010
Mit intelligenten Handys Massenpanik verhindern 
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Gesundheit
30.05.2010
Lachgas und Stickoxid aus dem Mund - Bakterielle Nitratatmung im menschlichen Zahnbelag 
27.05.2010
Wissenschaftler verbessern Arthritis-Behandlung 
24.05.2010
Fesseln für unbekannte Grippeviren 
21.05.2010
Grübeltherapie hilft gegen Depressionen: RUB-Psychologen testeten neue Behandlung 
19.05.2010
Männer verlieren mit den Jahren mehr "braunes" Fett als Frauen 
16.05.2010
Sauer macht dick 
14.05.2010
Süßigkeiten und Migräne - Was ist dran an den viel zitierten Auslösern für Migräne? 
11.05.2010
Gesunde Schale, weißer Kern 
08.05.2010
Langzeitstudie bestätigt: Schokolade kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken 
05.05.2010
Vergesslichkeit liegt auch im Blut 
02.05.2010
Neue Rückenschule bringt Vorteile 
01.05.2010
Wie ein Blitz: Mikrowellen-Plasmastrahler kommt in der Medizin zum Einsatz 
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April 2010

Umwelt und Forschung
Gesellschaft 
Gesundheit
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Umwelt und Forschung 
27.04.2010
Wie viel Schmutz verträgt die Spree? 
22.04.2010
Europa könnte bis 2050 komplett mit Strom aus Erneuerbaren Quellen versorgt werden 
19.04.2010
Wie aus Fäkalien blühende Landschaften werden 
16.04.2010
Erste Deutsch-Jordanische Forschungs- und Demonstrationsanlage für dezentrale Abwassertechnologien in Jordanien eröffnet 
14.04.2010
Neue Lockstrompumpe hilft Fischen flussaufwärts unbeschadet Wasserkraftwerke zu passieren 
08.04.2010
PROGRASS-Projekt: Biomasse-Demonstrationsanlage mit erhöhter Energieausbeute geht in Betrieb 
06.04.2010
Die Betten neu ausrichten? - Die Erdmagnetische Karte von Deutschland erscheint 
02.04.2010
Jetzt bewerben: Hermann-Schmidt-Preis 2010 zum Thema "Berufliche Bildung für Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung" 
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Gesellschaft
28.04.2010
UDE: Flexibler in Rente gehen - Altersteilzeit umgestalten 
25.04.2010
Ötzis Schönheitsgeheimnis - Gefriergetrocknet für 5300 Jahre 
21.04.2010
Krankenkassen: Kfz-Versicherung zum Vorbild nehmen 
17.04.2010
Temperatur und Druck sichtbar machen: umweltfreundlich und leicht abwaschbar 
12.04.2010
Mumien im "Nacktscanner" 
05.04.2010
Fähigkeit zur Gesichterkennung liegt in unseren Genen 
02.04.2010 
Elektro- und IT-Ingenieure: Weniger als zehn Bewerbungen und zwei Verträge in der Tasche 
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Gesundheit
26.04.2010
Konditionstraining statt Schonen: Trainingsmethoden für Rheumatiker 
23.04.2010
Internet-Selbsthilfetraining für Tinnitusbetroffene 
20.04.2010
Hormonerkrankungen durch Weichmacher 
18.04.2010
Rückenschmerzen: Besser behandelt und trotzdem noch Geld gespart 
15.04.2010
Hähnchen häufig mit Salmonellen und Campylobacter belastet 
13.04.2010
Lauert Fußpilz auch im Wäschekorb? 
10.04.2010
Wie gefährlich sind Luftschadstoffe wirklich? 
09.04.2010
Der Gesundheit zuliebe: Biomarker-Schnelltests verbessert 
07.04.2010
Weichmacher können Einfluss auf Fettstoffwechsel nehmen 
03.04.2010
Body-Mass-Index taugt nicht für die gesundheitliche Risikovorhersage 
02.04.2010
Wie man sich bettet, so denkt man 

März 2010

Umwelt und Forschung
Gesellschaft 
Gesundheit  
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Umwelt und Forschung 
28.03.2010
Ab sofort online: Regionaler Klimaatlas für Deutschland 
25.03.2010
Explosive Vulkane in der Tiefsee - Faszinierende 3-D-Bilder vom Meeresgrund zeigen Spuren bisher unbekannter Eruptionen 
21.03.2010
Nature Geoscience: Überraschung in der Tiefsee 
18.03.2010
Umweltforschung für Baden-Württemberg 
17.03.2010
Biogas ins Erdgasnetz: Studie zeigt Möglichkeiten und Potenziale auf 
15.03.2010
Gründung der Allianz für Umweltforschung AllEnvi in Frankreich 
12.03.2010
Uni Kassel: Sorptionsspeicheranlage könnte die Beheizung und Kühlung von Passiv- und Niedrigenergiehäusern bald revolutionieren 
09.03.2010
Spurenstoffe im Wasserkreislauf 
07.03.2010
Umweltschutz kraftvoll vorantreiben 
02.03.2010
Intelligente Stromzähler senken Strompreise - Professur für Datenbanken der TU Dresden forscht für billigeren Strom 
01.03.2010
Moore erfolgreich wiedervernässen 
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Gesellschaft
29.03.2010
Ein Magnetometer im Oberschnabel aller Vögel? 
27.03.2010
Erstmals untersucht: Nachhaltigkeitsmanagement in der öffentlichen Verwaltung 
22.03.2010
Noch 100 Tage bis zur Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika 
19.03.2010
Jedes zweite Parteibuch in der CDU, der SPD und der Linken gehört über 60-Jährigen 
16.03.2010
Der Seife auf den Leim gegangen 
11.03.2010
Vom Faulpelz zum Draufgänger - Hechte verhalten sich nicht immer arttypisch 
08.03.2010
Germanophobie in der Schweiz 
03.03.2010
Kohlmeisen mit Charakter 
01.03.2010
Erinnerung im Alter 
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Gesundheit  
30.03.2010
Blutzuckersenker für Typ-2-Diabetiker nur selten einsetzen: Nutzen und Risiken bei Avandia abwägen 
26.03.2010
Das perfekte Hasen-Dinner 
14.03.2010
DOG: Ohne Brille gegen Altersweitsichtigkeit 
05.03.2010
Schmerzen sind "verlernbar": Spiegeltherapie überlistet das Gehirn 
01.03.2010
Hohe Denkleistung erfordert flexible Hirnaktivität 
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Februar 2010

Umwelt und Forschung
Gesellschaft
Gesundheit
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Umwelt und Forschung 
24.02.2010
Studie "Nanotechnologie für den Umweltschutz" 
23.02.2010
Kalter Winter wirbelt Garnelen-Verteilung in der Nordsee durcheinander 
20.02.2010
Gefräßiger Muschel den Appetit auf hölzerne Hafenpfähle vermiesen 
19.02.2010
TU Berlin: Wissen um Wasser - Technologietransfer zwischen Universität und Wirtschaft 
14.02.2010
Für noch mehr Sonne im Tank 
08.02.2010
Virtuelles Wassernetz optimiert Versorgung 
05.02.2010
Wassermangel ist Mangel an Wassermanagement 
03.02.2010
Gefahrstoffe ermitteln und beurteilen mit der IFA-Gefahrstoffliste
01.02.2010
Seesterne: Klimaretter oder Klimaopfer? 
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Gesellschaft
25.02.2010
Virtueller Museumsführer 
21.02.2010
Anteil der Beschäftigten an der Bevölkerung ist mittlerweile im Osten so hoch wie im Westen 
09.02.2010
UDE: Nur jeder Zehnte arbeitet bis 65 
06.02.2010
"Frauen klagen - Männer sterben": Neue Männer - muss das sein? 
01.02.2010 
Die seismische Lücke südlich von Istanbul 
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Gesundheit 
26.02.2010
Umweltbundesamt: Sicherheitsrisiken bei Pkw-Klimaanlagen nicht auszuschließen? 
17.02.2010
Gewichtsabnahme hilft bei der Reparatur geschädigter Blutgefäße 
07.02.2010
Akupunktur gegen Heuschnupfen 
01.02.2010 
Menschen mit Gallensteinen haben ein höheres Diabetesrisiko 

Januar 2010

Umwelt und Forschung  
Gesellschaft  
Gesundheit  
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Umwelt und Forschung 
30.01.2010
Abfallwirtschaft entlastet das Klima 
24.01.2010
Öffentlichen Wasserversorgern in Entwicklungsländern fehlt Fachwissen mehr als Geld 
20.01.2010
Für eine lebenswerte Umwelt 
15.01.2010
Abwärme als Energiequelle 
11.01.2010
Glanzvoll geizen mit Gold: hauchfeine Schicht schützt die Umwelt 
08.01.2010
Wie klimabewusst sind die Deutschen wirklich? 
04.01.2010
Chemieindustrie nachhaltig? Neun Unternehmen im Vergleich 
02.01.2010
Nachhaltige Weinproduktion dank intelligentem Abwassermanagement 
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Gesellschaft
31.01.2010
Bildung bis ins hohe Alter? 
23.01.2010
Gefährliche Substanzen erschnüffeln 
19.01.2010
Drehen sich die nächsten Kriege um die Ressource Wasser? 
16.01.2010
Bildungscontrolling: Betriebe schauen vor allem auf die Kosten 
14.01.2010
Gute Laune ist auch eine Frage des Alters 
10.01.2010
Der Deutsche Bildungsserver bei Twitter und als Handy-App 
06.01.2010
Immer der Nase nach - Vögel verlassen sich auf langen Zugrouten wesentlich auf ihren Geruchssinn 
02.01.2010
Wie finanziert sich die Weiterbildung in Deutschland? 
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Gesundheit
27.01.2010
DOG: Trockene Augen durch Mangel an Sexualhormon 
18.01.2010
Erstmals bevölkerungsweit belegt: Darmspiegelung schützt vor Krebs - möglicherweise auch kleine Darmspiegelung von großem Nutzen 
13.01.2010
Blutzuckerselbstmessung: Nutzen für nicht insulinpflichtige Patienten mit Typ-2-Diabetes ist nicht belegt 
07.01.2010
Immer mehr Freizeitsportler dopen - Fitnessstudios als Verschiebebahnhof 
02.01.2010
Schweinegrippe und der Umgang mit Unsicherhei

 


Wann ist RFID am Ende?

Meike Wiegand, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
IPH - Institut für Integrierte Produktion Hannover gGmbH

Einsatzpotenziale und Grenzen der Technologie beim IPH-Praxisseminar

Das Thema RFID ist in aller Munde. Doch die Einsatzmöglichkeiten der Technologie sind begrenzt. Unter welchen Bedingungen die auf Funkchips basierende Datenübertragung an ihre Grenzen stößt, erfuhren gestern die Teilnehmer des RFID-Praxisseminars am IPH
Seit einigen Jahren gibt es eine regelrechte Euphorie um die auf Funkchips basierende Technologie RFID (Radio Frequency Identification). Alle freuen sich auf die Welt von morgen, in der dank RFID alles berührungslos funktioniert. Bereits heute kommt die Technologie im Alltag zum Einsatz, beispielsweise an Skiliften und in Büchereien. Dass RFID (bislang) auch Grenzen hat, erfuhren gestern die Teilnehmer des Seminars „RFID in Produktion und Logistik - Einsatzpotenziale und Grenzen" aus erster Hand. An Versuchsständen erprobten die Fach- und Führungskräfte aus der Industrie, wie und wann RFID funktioniert - und wann eben nicht.

Kommt zum Beispiel Wasser ins Spiel, wird es schwierig. Befinden sich Flüssigkeiten zwischen Funkchip (RFID-Tag) und Lesegerät, kann es zu einer erheblichen Absorption der Funkwelle kommen. Dadurch treten Störungen auf, unter Umständen werden nicht alle Gegenstände erfasst. Auch bei Holz beißt RFID manchmal sprichwörtlich auf selbiges. Metallische Umgebungen sind ebenfalls eine Herausforderung. Ist der zu erfassende Gegenstand zum Beispiel mit Alufolie abgeschirmt, kann der RFID-Tag in manchen Fällen nicht gelesen werden.

„Neben Flüssigkeiten, Holz und Metall ist auch die gleichzeitige Erfassung mehrerer mit Tags versehener Gegenstände heute noch eine große Herausforderung", erklärt Frauke Hertrampf, Projektingenieurin des Arbeitsbereichs Logistik am IPH. „Je nach Reflexion und Absorption der Strahlung kann nicht alles erfasst werden". Auch die Entfernung und die Leistung des Lesegeräts spielen eine Rolle. „Wann der Einsatz von RFID Sinn macht, hängt stark von den Rahmenbedingungen ab", gibt Hertrampf zu bedenken. Einige Herausforderungen müsse die Forschung hier noch bewältigen.

Das Praxisseminar „RFID in Produktion und Logistik - Einsatzpotenziale und Grenzen" fand gestern erstmals in den Räumlichkeiten des IPH im Wissenschaftspark Marienwerder (Hannover) statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen Berichte aus der Praxis und praktische Tests an Versuchsständen. Neben Mitarbeitern des IPH berichteten auch Referenten aus namhaften Industrieunternehmen über ihre Erfahrungen mit RFID. Aufgrund der positiven Resonanz der Teilnehmer ist eine erneute Ausrichtung des Seminars bereits in Planung. Weitere Informationen unter http://www.iph-praxisseminare.de.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)


Vorhersagen über Therapieerfolg bei Tinnitus schon während der laufenden Therapie möglich

Dorothea Weber, Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e.V.

Heidelberg - Ergebnisse einer vom Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung entwickelten Methode zur Überprüfung der Wirksamkeit einer Tinnitustherapie belegen, dass Vorhersagen über den Therapieerfolg bereits während der Therapie getroffen werden können.
Am Viktor Dulger Forschungsinstitut des Deutschen Zentrums für Musiktherapieforschung in Heidelberg wurde eine neue Methode zur Überprüfung der Wirksamkeit des dort entwickelten und neurowissenschaftlich überprüften Therapiemanuals für Patienten mit chronischer Tinnituserkrankung entwickelt.

Seit mehreren Jahren wird mit der Heidelberger Musiktherapiemanual Tinnituspatienten effektiv geholfen. Die Patienten erlernen während der nur fünf Tage andauernden Kompakttherapie verschiedene aktive Möglichkeiten, ihren Tinnitus direkt zu beeinflussen. Rund 80 % der Patienten verspüren nach der Therapie eine deutliche Linderung ihrer Beschwerden, bis hin zum völligen Verstummen der „Ohrgeräusche". Dieser subjektive Eindruck der behandelten Patienten konnte auch durch bildgebende Kontrolluntersuchungen (fMRT) belegt werden.

Die Heidelberger Forscher haben nun erste verlässliche Anhaltspunkte entdeckt, um bereits während der Therapiewoche Vorhersagen über den Therapieerfolg treffen zu können. In einer Studie wurde bei 63 Patienten mit so genanntem tonalen Tinnitus (Tinnitus-Pfeifen) während der einwöchigen Therapie täglich die Tonhöhe des jeweiligen Tinnitus gemessen und parallel dazu die Beeinträchtigung durch den Tinnitus untersucht. Die Ergebnisse zeigen: Je stärker sich die Tonhöhe im Laufe der Therapiewoche veränderte, desto wahrscheinlicher war es, dass die Therapie zu einem erfolgreichen Ergebnis führt. Statistisch lässt sich dies in einer signifikanten Korrelation zwischen der Variabilität der Tinnitusfrequenz und der Reduktion der Tinnitusbelastung ausdrücken. Bei 13 % der behandelten Patienten war nach der Therapie sogar überhaupt keine Tinnitusfrequenz mehr messbar.

Bei 83 % der Patienten sinkt die Frequenz des Tinnitus während der Therapiewoche mehr oder weniger deutlich, bei 17 % steigt die Frequenz an. Die Richtung der Flexibilisierung der Symptomatik, d.h. Anstieg oder Abfall der Tinnitusfrequenz, hat aber keine Auswirkung auf den Therapieerfolg.

Mehr Informationen für Patienten sind telefonisch erhältlich unter 06221 - 79 63 101 oder per E-Mail unter tinnitusambulanz@dzm-heidelberg.de.

Weitere Informationen:
Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung
(Viktor Dulger Institut) DZM e.V.
Ansprechpartner: Dorothea Weber
Maaßstraße 32/1
69123 Heidelberg
Telefon: +49 (6221) 83 38 60
Telefax: +49 (6221) 83 38 74
E-Mail: dzm@dzm-heidelberg.de
Internet: http://www.dzm-heidelberg.de

Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e. V. wurde 1995 in Heidelberg gegründet. Heute ist das DZM das größte musiktherapeutische Forschungsinstitut in Europa und vereint Forschung, Praxis und Lehre unter einem Dach. Das DZM ist als gemeinnützig anerkannt und finanziert sich zum überwiegenden Teil aus Spenden und Forschungsdrittmittel. Am DZM entwickeln und erforschen Musiktherapeuten, Mediziner, Musikwissenschaftler und Psychologen in interdisziplinären Projekten musiktherapeutische und musikmedizinische Konzepte zur Verbesserung der Lebenssituation erkrankter Menschen.
Außer dem Forschungsinstitut die Heidelberger Akademie für Psychotherapie (Approbationsausbildung) mit seiner Ambulanz für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und eine Tinnitusambulanz zum DZM.

Weitere Informationen:
http://www.dzm-heidelberg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Biologische Reinigung bei schwermetall- und sulfathaltigen Industrie-Abwässern effektiv

Christine Mandel, Abt. Kommunikation und Internationales
Universität Kassel

Kassel. Giftige Industrie-Abwässer kostengünstiger, umweltschonend und effektiver zu reinigen als bisher gebräuchliche Verfahren erlaubt eine mehrfach patentierte Erfindung aus der Universität Kassel. Mit einem Festbett-Bioreaktor und Sulfat reduzierenden Bakterien kann das neue biochemische Reinigungsverfahren saure und sulfathaltige Waschwässer, etwa aus Bergwerken, vor Ort reinigen. Das ist nicht nur zu rund 30 Prozent geringeren Kosten als bisher möglich - es fallen auch keine Reststoffe mehr an, die auf Sonderdeponien entsorgt werden müssen. Stattdessen entstehen Produkte, die für andere Industrieprozesse wieder verwendet werden können.
In vielen Industriebetrieben wie Müllverbrennungsanlagen, Kohlekraftwerken und Bergwerken fallen bei der Produktion hochkonzentrierte schwermetall- und sulfathaltige, stark saure Abwässer an, beispielsweise auch bei der Rauchgasentschwefelung. Die bisher bekannten chemischen Verfahren (Nassverfahren) zur Reinigung von schwefel- und schwermetallhaltigen Lösungen, bei denen etwa Kalkmilch (Kalkhydrat) zur Elimination von Schwermetallionen wie Cadmium, Quecksilber, Zink, Chrom oder Kupfer verwendet wird, haben Nachteile: Es entsteht eine große Menge von synthetischem Gips, der Schwermetalle und andere giftige Stoffe beinhaltet. Daher muss er teuer auf Sondermülldeponien entsorgt werden.

Im Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft am Fachbereich Bauingenieurwesen der Universität Kassel unter Leitung von Professor Dr.-Ing. Franz-Bernd Frechen mit seinem Wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr.-Ing. Waldemar Dinkel wurde nun ein biochemisches Verfahren entwickelt, das in einem geregelten, doppelten Reaktionskreislauf die Schwermetalle aus Waschsäure ausfällt und Säure gewinnt, die im Reinigungsprozess eines Industriebetriebes wieder eingesetzt werden kann. Auch der Metallschlamm, der nach der Waschsäurereinigung übrig bleibt, ist wieder verwertbar. Er besteht überwiegend aus Metallsulfid, also einer chemischen Verbindung, in der Metalle auch in der Natur überwiegend zu finden sind.

Die Grundlagen für dieses Verfahren wurden im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der Staatlichen erdöltechnischen Universität Ufa in Russland erarbeitet. Herzstück des Reinigungsverfahrens, das bereits zwei Patente für Europa und Russland erhalten hat und für zwei weitere angemeldet wurde, ist ein Festbett-Bioreaktor, in dem mit Glycerin gefütterte Bakterien ihre Arbeit verrichten: Sie „verdauen" verdünntes sulfathaltiges Abwasser und produzieren auf biochemischem Weg Sulfid. So wird Schwefelwasserstoff (H2S) erzeugt.
In einem weiteren Reaktor wird der Schwefelwasserstoff mit Luft oder Stickstoff aus dem Abwasser gestrippt und in einen dritten Behälter mit stark konzentriertem Abwasser überführt. Mit Hilfe des Schwefelwasserstoffs werden dort die Schwermetallionen gebunden und fast vollständig ausgefällt.

Dank des entwickelten Bioreaktors habe man im Laborversuch 99,9 Prozent des Zinks im Abwasser ausfällen und 64 Prozent des Sulfats reduzieren können, sagt Dr. Dinkel. Der Wissenschaftler, der früher an der Universität in Ufa gelehrt hat und seit 1997 an der Universität Kassel forscht, hat durch Experimente herausgefunden, in welchem Säuremilieu und bis zu welcher Konzentration von Schwermetallen im Abwasser die Sulfat reduzierenden Bakterien die optimale Menge von Sulfiden produzieren.

Die Grundlagen dieses neuartigen biologischen Reinigungsverfahrens sind bereits während eines mit 175.000 € von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten zweijährigen Kooperationsprojekts mit der - mit der Kasseler Uni seit Jahren befreundeten - erdöltechnischen Universität Ufa in Russland gelegt worden, das vor sieben Jahren startete. So stammen die Sulfatreduzierenden Bakterien für den Kasseler Bioreaktor beispielsweise aus dem Abwasserteich des Erdölverarbeitungswerks Ufa. Die Russen sind an kostengünstigen Techniken zur Abwasserreinigung interessiert, da es in dieser Region viele Bergbau- und Erdölbetriebe gibt.

Frechen sieht die wirtschaftlichen Chancen der Erfindung aus Kassel vor allem im Bergbau und bei Müllverbrennungsanlagen. Das Fachgebiet habe ein auf Bergwerke zugeschnittenes Verfahren entwickelt und im Labor getestet, das kostengünstiger und effektiver als die bisher gebräuchlichen Verfahren saure und sulfathaltige Waschwässer vor Ort reinige. Das jährliche Betriebskosten-Einsparpotential schätzt Frechen auf bis zu 30 Prozent. Ein Bergwerksbetrieb könne so jedes Jahr Millionen Euro einsparen. Dr. Dinkel sieht auch Einsatzchancen in anderen Industriebetrieben, z.B. in der Galvanik, wo Schwermetallionen und Sulfate zum Einsatz kommen. Das Reinigungssystem unterbiete schon jetzt deutlich die zulässigen Einleitungsgrenzwerte für Industrieabwässer. Mit einer weiteren Verschärfung der europäischen Umweltschutzvorschriften werde die Erfindung aus Kassel für die Unternehmen immer interessanter.

Info
Prof. Dr.-Ing. Franz-Bernd Frechen
Dr.-Ing. Waldemar Dinkel
tel (0561) 804 2870
e-mail wdinkel@uni-kassel.de
Universität Kassel
Fachbereich Bauingenieurwesen
Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft
Kurt-Wolters-Straße 3
34125 Kassel

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Geld spielt eine Rolle: Auszubildende sind mit ihrer Vergütung oft unzufrieden - ein Viertel geht nebenbei jobben

Andreas Pieper, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Bereits in der Ausbildung „eigenes Geld" zu verdienen, stellt für junge Menschen einen Pluspunkt der dualen Berufsausbildung dar und beeinflusst oftmals ihre Bildungsentscheidung. Allerdings sind viele Auszubildende mit der Höhe ihrer Ausbildungsvergütung nicht zufrieden: zwei von drei Auszubildenden empfinden ihre Vergütung als zu niedrig. Häufig reicht den Jugendlichen die Ausbildungsvergütung nicht für ihre Grundversorgung und ihre individuellen Bedürfnisse aus. Daher geht rund jede/-r Vierte von ihnen neben der Ausbildung jobben.
Dies sind weitere Ergebnisse der vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) durchgeführten Studie „Ausbildung aus Sicht der Auszubildenden" - veröffentlicht in der neuesten Ausgabe des BIBB REPORT 14/10. Für die Studie hat das BIBB rund 6.000 Auszubildende aus dem zweiten Ausbildungsjahr in 15 stark besetzten Ausbildungsberufen befragt.

Die von den Betrieben in den verschiedenen Branchen gezahlten Ausbildungsvergütungen variieren sehr stark. Für 93 % der befragten Auszubildenden im zweiten Ausbildungsjahr bewegen sich die Monatsbeträge zwischen 300 und 700 Euro netto - also nach Abzug von Sozialversicherungsbeiträgen und gegebenenfalls Lohnsteuerzahlungen. Für 5 % der Jugendlichen liegt der Netto-Verdienst unter 300 Euro, 2 % erhalten mehr als 700 Euro netto. Im Durchschnitt kommen die Auszubildenden im zweiten Ausbildungsjahr auf eine monatliche Netto-Vergütung von 478 Euro.

Ein Drittel der Auszubildenden ist mit der Ausbildungsvergütung zufrieden und schätzt diese als „sehr gut" (9 %) oder „gerade richtig" (24 %) ein. Die Mehrheit (67 %) ist hingegen unzufrieden und beurteilt die Beträge als „zu niedrig". Ob Auszubildende mit ihrer Vergütung zufrieden sind oder nicht, hängt erwartungsgemäß stark von deren Höhe ab: Erhalten Auszubildende monatlich über 700 Euro netto, so ist die Chance, dass sie hiermit zufrieden sind, 17-mal höher als wenn sie nur 300 Euro netto oder weniger bekommen.

Für die Zufriedenheit der Jugendlichen ist jedoch nicht allein die Vergütungshöhe ausschlaggebend. Viele weitere Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Von besonderer Bedeutung ist dabei laut BIBB-Analyse, wie hoch die Auszubildenden ihre Arbeitsleistung bewerten, die sie für den Betrieb erbringen. Die Auszubildenden im zweiten Ausbildungsjahr fühlen sich in ihrem Betrieb oft bereits wie eine Fachkraft eingesetzt. Ihrer Einschätzung nach entfällt ein großer Teil ihrer betrieblichen Ausbildungszeit - durchschnittlich 43 % - auf Tätigkeiten, die sie schon genauso gut und schnell wie ihre fertig ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen erledigen.

Über die Hälfte der Auszubildenden (59 %) berichtet laut BIBB-Studie von regelmäßigen Überstunden - und zwar in einem Umfang von durchschnittlich 4,8 Stunden pro Woche. Nicht immer werden diese Überstunden nach Aussagen der Jugendlichen durch Freizeit oder zusätzliche Bezahlung ausgeglichen - obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben ist. 40 % der Auszubildenden, die regelmäßig Überstunden leisten, geben an, dass ein Ausgleich nur teilweise oder überhaupt nicht erfolgt.

Je mehr sich die Auszubildenden als vollwertige Arbeitskraft empfinden, desto stärker erwarten sie eine entsprechend höhere Entlohnung. Dieser Anspruch wird jedoch von den im Vergleich zu Fachkraftlöhnen erheblich niedrigeren Ausbildungsvergütungen meist nicht erfüllt - demzufolge steigt die Unzufriedenheit. Umgekehrt rechnen es die Auszubildenden den Betrieben aber sehr positiv an, wenn diese ihnen eine qualitativ hochwertige Ausbildung bieten. Dann sind die Jugendlichen mit ihrer Vergütung eher zufrieden - selbst wenn diese relativ gering ausfällt.

Rund ein Viertel (27 %) der Auszubildenden im zweiten Ausbildungsjahr geht regelmäßig einer bezahlten Nebentätigkeit nach. Etwa jede/-r Vierte von ihnen jobbt, weil ansonsten das Geld für die Grundversorgung (zum Beispiel Miete und Lebensmittel) nicht ausreichen würde. 38 % der Jugendlichen, die einer Nebentätigkeit nachgehen, benötigen den Zusatzverdienst nach eigenen Angaben sowohl für ihre Grundversorgung als auch zur Finanzierung zusätzlicher individueller Wünsche. 35 % finanzieren mit dem zusätzlichen Geld ausschließlich individuelle Wünsche.

Im Durchschnitt jobben die Jugendlichen zusätzlich zu ihrer Ausbildung 9,2 Stunden pro Woche. Dabei variiert der zeitliche Umfang für die Nebenjobs allerdings beträchtlich: Für rund 38 % hält er sich mit wöchentlich bis zu fünf Stunden noch in Grenzen. Doch bei 15 % der Jugendlichen ist der Nebenjob mit mehr als 15 Stunden pro Woche mit einem beträchtlichen Zeitaufwand verbunden.

Nebenjobs können für Auszubildende durchaus positive Effekte haben. Sie bieten den Jugendlichen zum Beispiel die Chance, ihre erlernten Fähigkeiten und Fertigkeiten auch in anderen beruflichen Umgebungen einzusetzen. Dies darf jedoch nicht zu einer Gefährdung des Ausbildungserfolgs oder gar zu einer Beeinträchtigung der Gesundheit der Jugendlichen - aufgrund von fehlenden Erholungszeiten - führen.

Weitergehende Informationen enthält der neue BIBB REPORT, Heft 14/10 zum Thema „Geld spielt eine Rolle! Sind Auszubildende mit ihrer Vergütung zufrieden?". Die Ausgabe kann im Internetangebot des BIBB kostenlos unter http://www.bibb.de/bibbreport heruntergeladen werden.

Auskünfte im BIBB erteilt:
Andreas Krewerth, Tel.: 0228 / 107-1110, E-Mail: krewerth@bibb.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Sind Fette der Schlüssel zur Alzheimer Krankheit?

Marion Ruffing, Universitätsklinikum des Saarlandes und Medizinische Fakultät
Universität des Saarlandes

Forschungspreis für Dr. rer nat Marcus O.W. Grimm, MBA, Laborleiter im Institut für Neurodegeneration und Neurobiologie, Deutsches Institut für Demenzprävention in 66424 Homburg/Saar
Bereits im zwölften Jahr vergaben die Freunde des Universitätsklinikums des Saarlandes e.V. einen der mit 20.000 Euro höchstdotierten Forschungspreise in Südwestdeutschland. Der Fachbeirat des Vereins hat dafür vier Forschungsvorhaben ausgewählt. Eines davon wird von Dr. rer nat Marcus O.W. Grimm, MBA, betreut. Er ist Laborleiter im Institut für Neurodegeneration und Neurobiologie, Deutsches Institut für Demenzprävention in 66424 Homburg/Saar.

Die regulatorische Funktion der APP-Prozessierung in der Gangliosidhomöostase und daraus folgende Implikationen für die Alzheimer Krankheit

Die Alzheimer Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, die in ihrer häufigsten Form bei Personen ab dem 65. Lebensjahr auftritt und zu einer zunehmenden Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit führt. Neuropathologisch zeichnet sich die Alzheimer Krankheit durch Proteinablagerungen in Form von unlöslichen amyloiden Plaques aus. Hauptbestandteil der Plaques ist das Peptid Aß, das durch die Aktivität zweier Proteasen aus dem Vorläuferprotein APP freigesetzt wird. Kürzlich konnte erstmalig von uns neben den pathologischen Eigenschaften von Aß auch eine physiologische Funktion des Peptides nachgewiesen werden, welches maßgeblich an der Regulation des Fettstoffwechsels beteiligt ist.
In der derzeitigen Studie planen wir eine weitere Lipidklasse, die Ganglioside, zu untersuchen. Ganglioside sind, wie Cholesterin, wichtige Bestandteile von Zellmembranen und zählen zu den dominant vorkommenden Lipiden im Gehirn. An der Synthese der Ganglioside sind zahlreiche Enzyme beteiligt und es konnte von uns gezeigt werden, dass die Aktivität der GD3-Synthase, ein Enzym welches maßgeblich an der Gangliosidkomposition im Gehirn beteiligt ist, entscheidend mit der Prozessierung des APP-Proteins zusammenhängt. Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass zusätzlich zu dem Verhältnis der Ganglioside untereinander, auch die Gesamtgangliosidmenge APP abhängig verändert ist. Dies legt nahe, dass auch das Eingangsenzym der Gangliosid-Biosynthese oder der Gangliosidabbau durch Spaltprodukte der APP-Prozessierung reguliert werden könnten. Beim Gangliosidabbau wird der Fokus auf die Proteine Prosaposin und Cathepsin, bei der Gangangliosidsynthese auf die Glycosylceramidsynthase, gelegt.
Es hat sich weiterhin gezeigt, dass verschiedene Ganglioside die Aß Produktion stark beeinflussen. Im Verlauf des geplanten Projektes ist daher ein weiteres wichtiges Ziel, durch die Modulation der oben genannten Enzyme im Gangliosidmetabolismus potentielle neue therapeutische Ansätze zu entwickeln.

Kontakt:

Dr. rer nat Marcus O.W. Grimm, MBA
Laborleiter
(AG Prof. Dr. Tobias Hartmann)

Institut für Neurodegeneration und Neurobiologie
Universität des Saarlandes

Deutsches Institut für Demenzprävention
66424 Homburg/Saar

Tel. (06841) 16-47920 (Labor)
Tel. (06841) 16-47919 (Büro)
E-Mail: Marcus.grimm@uks.eu

Weitere Informationen:
http://typo3.p114536.mittwaldserver.info/

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Augen der Landschaft - Bedeutung von Kleingewässern im 21. Jahrhundert

Anne Winter, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Unter diesem Motto trafen sich Experten aus Forschung und Praxis Anfang Juni 2010 zu einer Fachkonferenz des Europäischen Netzwerkes zum Schutz stehender Kleingewässer (EPCN: European Pond Conservation Network).
Es ist schon Tradition der Mitglieder und Interessenten des EPCN, alle zwei Jahre zu einem internationalen Erfahrungsaustausch über die Erforschung und den Schutz von Kleingewässern zusammenzukommen. Die diesjährige 4. EPCN-Konferenz fand im Bildungszentrum Erkner bei Berlin statt. Dabei belegte die Zahl von 118 Teilnehmern aus 22 Ländern Europas das wachsende Interesse an der Thematik. Gastgeber war das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. in Müncheberg mit Mitarbeitern seiner Institute für Landschaftswasserhaushalt sowie für Landnutzungssysteme. Organisiert wurde die Konferenz unter Führung des Biologen Dr. Thomas Kalettka, Mitglied des EPCN-Präsidiums und Vorsitzender des Arbeitskreises "Kleingewässer" der Deutschen Limnologischen Gesellschaft.
Die zunehmende Erkenntnis der enormen Bedeutung und wachsenden Gefährdung von Kleingewässern war 2004 Anlass zur Gründung des EPCN. Ziel des Netzwerkes ist die europaweite Intensivierung der Erfassung, der Erforschung sowie des Schutzes von Kleingewässern, Das von der UNO ausgerufene Jahr der Biodiversität 2010 bildete einen hochaktuellen Hintergrund für die 4. EPCN-Konferenz. Im Kleingewässer-Manifest (Pond Manifesto), dem Grundsatzpapier des Netzwerks, ist seit kurzem auch auf Deutsch nachzulesen, welche Bedeutung die wenig beachteten Kleingewässer, die „Augen der Landschaft", für das Funktionieren und die Artenausstattung der Landschaft haben.
Zu den Kleingewässern zählen alle natürlichen oder künstlichen Standgewässer mit Flächen von weniger als 1 Hektar, laut Ramsar-Konvention über Feuchtegebiete auch Gewässer bis 10 ha Größe. Dazu gehören Tümpel, Pfühle sowie Teiche und Gruben mit unterschiedlichster Zweckbestimmung. Die Millionen Kleingewässer stellen weltweit etwa 30 Prozent der Fläche aller stehenden Binnengewässer - eine nicht zu unterschätzende Ressource. Kleingewässer sind im Nordosten Deutschlands meist die so genannten Sölle (ca. 160.000), eiszeitlich gebildete Senken, die eine stark wechselnde Wasserführung bis zum zeitweiligen Austrocknen aufweisen.
Kleingewässer sind einerseits wichtige Lebensräume für viele Feuchte liebende Pflanzen- und Tierarten, darunter zahlreiche gefährdete Arten wie z. B. Amphibien. Zudem erfüllen sie wichtige Funktionen in der Landschaft, wie z. B. als Trittsteine im Biotopverbund oder als Wasser- und Stoffspeicher. In Deutschland sind Kleingewässer daher gesetzlich geschützte Biotope. Andererseits sind sie weiterhin oft in ihren Funktionen durch zunehmende Intensivierung der Landnutzung gestört. Folgen sind Verschmutzung, Verlandung und abnehmende Artenvielfalt. Veränderungen des Klimas zeigen ihre Wirkung im häufigeren Austrocknen der Kleingewässer.
Die Teilnehmer der englischsprachigen Konferenz stellten in ihren Vorträgen und Postern Methoden und Ergebnisse ihrer Projekte vor und suchten nach Antworten auf folgende Fragen:
• Wie sind Kleingewässer verschiedener Typen in den Landschaften verbreitet?
• Wie groß ist der Beitrag von Kleingewässern zur Artenvielfalt, welche Funktionen haben sie, welche Ökosystem-Dienstleistungen liefern sie und wie hoch sind ihre Belastungen?
• Wie werden Kleingewässer durch die Gesellschaft wahrgenommen, und was darf deren Schutz und Pflege kosten?
• Welche Unterrichtsprogramme gibt es für die Bevölkerung „vor Ort" zur Aufklärung über den Wert und Erhalt der Kleingewässer?
• Welche politischen und ordnungsrechtlichen Maßnahmen und Möglichkeiten, insbesondere Erfahrungen und Erfordernisse des Schutzes, der Wiederherstellung und der Bewirtschaftung von Kleingewässern von lokaler bis zur europäischen Ebene, sind sinnvoll und machbar?
Kleingewässer als Spiegel von Umwelt- und Landnutzungseinflüssen, Stand und Perspektiven der Erforschung und des Schutzes von Kleingewässern in Deutschland sowie die Bedeutung von Fischteichen diskutierten die Teilnehmer in drei speziellen Workshops.
Wichtige Ergebnisse der Konferenz waren:
• Das EPCN wird in den Stand einer Gesellschaft mit zahlenden Mitgliedern und Wahl des Präsidiums (1. Präsident: Andrew Hull, Liverpool John Moores University, GB) erhoben.
• Intensivierung der Anstrengungen zur Wahrnehmung und zum Schutz von Kleingewässern durch die Schaffung von Kleingewässer-Aktionsgruppen der Länder (National Pond Action Groups), durch verstärkte Einbeziehung von Praxis-Partnern und durch Sensibilisierung von Gremien der Europäischen Union
• Intensivierung der Anstrengungen zur europaweiten Ausweisung und Zustandsbewertung von wichtigen Regionen mit Kleingewässern (Important Areas of Ponds)
• Schaffung von effektiven Regeln und Entscheidungshilfen zum Schutz und Management von Kleingewässern
• Durchführung von Trainingskursen zu neuesten Kenntnissen über Methoden zur Erforschung und zum Schutz von Kleingewässern
Das Vortragsprogramm wurde von zwei Ganztagsexkursionen beschlossen, die die Teilnehmer nach Ostbrandenburg in die kleingewässerreiche Agrarlandschaft nahe Müncheberg (Projekte zu Funktionen von Söllen und zum Amphibienschutz) sowie zur Naturschutzstation Rhinluch bei Linum (Projekte zum Schutz von Amphibien und Sumpfschildkröte) führten. Bei herrlichem Ausflugswetter kamen nicht zuletzt die Reize der brandenburgischen Kulturlandschaft zur Geltung.
Die nächste Konferenz findet 2012 statt. Als Kandidaten wurden Großbritannien, Italien und Luxemburg vorgeschlagen.

weitere Auskünfte erteilt:
Dr. Thomas Kalettka, Institut für Landschaftswasserhaushalt

Weitere Informationen:
Europäisches Netzwerk zum Schutz von Kleingewässern (EPCN: European Pond Conservation Network): http://www.europeanponds.org
Tagungs-Homepage:
http://www.4epcn2010.de
Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V., Müncheberg:
http://www.zalf.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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UDE: Mehr Rentner über 65 erwerbstätig

Ulrike Bohnsack, Pressestelle
Universität Duisburg-Essen

Immer mehr Ältere arbeiten auch als Rentner weiter. Das zeigen aktuelle Ergebnisse des Altersübergangs-Monitors vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE). Die Untersuchung zum Übergang zwischen Erwerbsleben und Ruhestand wurde von der Hans-Böckler-Stiftung und dem Forschungsnetzwerk Alterssicherung in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Bereits 2007 arbeiteten in einzelnen Gruppen wie den Hochqualifizierten oder Männern in Westdeutschland zwischen 10 und 15 Prozent der 65- bis 69-Jährigen. Auch Frauen gehen immer häufiger einer Beschäftigung nach und heben damit die Alterserwerbstätigenquote spürbar an.
Die Statistik zeigt, dass in den letzten Jahren bei den Neurentnern die durchschnittlichen Zahlbeträge teilweise stagnierten und phasenweise sanken. „Mit sinkenden Renten steigt das Interesse bzw. die Notwendigkeit an einem Zuverdienst", vermutet der IAQ-Arbeitsmarktforscher Dr. Martin Brussig. Er macht für die Erwerbstätigkeit einen weiteren möglichen Anreiz aus: Für Arbeitnehmer über 65 Jahre entfallen die so genannten Zuverdienstgrenzen.

Teilzeit ist die häufigste Beschäftigungsform

Bei den erwerbstätigen Rentnerinnen und Rentnern dominiert die Teilzeitbeschäftigung. Schon vor Erreichen der offiziellen Altersgrenze gehen insbesondere Frauen dieser oder einer geringfügigen Beschäftigung nach. Währenddessen werden andere Arbeitsformen seltener: Vollzeit arbeiten bei westdeutschen Frauen oder Niedrigqualifizierten inzwischen nur noch etwa die Hälfte der erwerbstätigen Älteren zwischen 55 und 64 Jahren.

Die Zahlen belegen, dass die Erwerbstätigenquote bei den Männern wie in den Vorjahren deutlich höher ausfällt als bei den Frauen. Zudem liegt sie in Westdeutschland höher als in Ostdeutschland. Die Untersuchung belegt zudem, dass sich Bildung lohnt: Ältere Geringqualifizierte stehen nur etwa halb so häufig „in Lohn und Brot" wie Hochqualifizierte.

Insgesamt deuten die Ergebnisse auf einen beträchtlichen Umfang von Teilzeitbeschäftigung am Ende des Erwerbslebens hin, zieht Brussig Bilanz. Der Arbeitsmarkt-Experte rät: „Die Möglichkeiten zur Teilzeitarbeit im Alter sollten weiter entwickelt werden, um Lücken in der Alterssicherung aufgrund der reduzierten Arbeitszeit zu vermeiden."

Weitere Informationen:
Dr. Martin Brussig, Tel. 0203/379-3931, martin.brussig@uni-due.de

Redaktion: Claudia Braczko, Tel. 0170/8761608, presse-iaq@uni-due.de

Weitere Informationen:
http://www.iaq.uni-due.de/auem-report/

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Blutzuckerteststreifen für Typ-2-Diabetiker: Unterzucker ist häufigster akuter Notfall

Beate Schweizer, Pressestelle
Deutsche Diabetes Gesellschaft

Berlin - Typ-2-Diabetiker erhalten bisher Blutzuckerteststreifen von der Krankenkasse erstattet, wenn diese Teil ihrer Diabetes-Therapie sind. Dies ist beispielsweise dann notwendig, wenn ihnen Unterzuckerungen durch zu niedrige Blutzuckerwerte drohen. Die sogenannten Hypoglykämien können bei einem schweren Verlauf Koma, Demenz, Schlaganfall, Herzrhythmusstörungen oder sogar plötzlichen Herzstillstand zur Folge haben.
diabetesDE und weitere Diabetes-Organisationen setzen sich deshalb gemeinsam dafür ein, dass Typ-2-Diabetiker auch weiterhin Blutzuckerteststreifen erstattet bekommen, wenn sie für eine optimale Medikamentendosierung regelmäßig ihre aktuellen Blutzuckerwerte messen müssen und dadurch auch Unterzuckerungen vermieden werden können.

Etwa 4,7 Millionen Typ-2-Diabetiker erhalten kein Insulin in ihrer Diabetes-Therapie. Sie können entweder mit einer Ernährungsumstellung und Bewegung ihre Blutzuckerwerte konstant halten oder erhalten zusätzliche Diabetes-Medikamente. Ihr einziges Hilfsmittel, um bei Bedarf den aktuellen Blutzuckerwert zu ermitteln, ist die Blutzuckerselbstmessung mittels eines Gerätes. Die dafür notwendigen Blutzuckerteststreifen können bisher Ärzte auch an Typ-2-Diabetiker verordnen, die kein Insulin spritzen. Aufgrund einer aktuellen Beschlussvorlage durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) könnte dies bald nicht mehr möglich sein. Angesichts der möglichen schweren Folgen, kritisieren diabetesDE, die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG), der Verband der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) und die Deutsche Diabetes-Stiftung (DDS) in einer Stellungnahme das aktuelle Verfahren.

Diabetes-Therapien sind ein Balanceakt: Zu hohe Blutzuckerwerte können auf Dauer alle Blutgefäße und Nerven schädigen. Werden Medikamente oder Insulin überdosiert, droht eine Unterzuckerung. Typ-2-Diabetiker, die kein Insulin jedoch Diabetes-Medikamente zur Regulierung ihres Blutzuckers erhalten, müssen diesen Balanceakt ebenfalls täglich meistern. Wird diese Gruppe zukünftig generell von der Erstattung der Blutzuckerteststreifen ausgeschlossen, erhöht sich ihr Risiko von zu hohen oder zu niedrigen Werten. Besonders gefährdet für eine Unterzuckerung sind etwa zwei Millionen Typ-2-Diabetiker, die Diabetes-Medikamente der Wirkstoffgruppen Sulfonylharnstoffe oder Glinide einnehmen. „Neue Daten aus aktuellen Studien zeigen, dass auch Typ-2-Diabetiker, die kein Insulin spritzen, ein nicht zu vernachlässigendes Risiko für schwere Unterzuckerungen aufweisen. Unterzuckerungen sind zudem bei älteren Menschen - und um diese Gruppe geht es bei diesem Beschluss - gefährlich", betont PD Dr. Bernhard Kulzer, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Psychologie und Verhaltensmedizin der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) und Geschäftsführer des Forschungsinstitutes der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim (FIDAM). In der gemeinsamen Stellungnahme erläutern Kulzer und seine Kollegen die aktuellen wissenschaftlichen Daten.

Die Diabetes-Experten ziehen daraus den Schluss, dass die aktuelle Beschlussvorlage des G-BA geändert werden muss: Sie empfehlen eine Menge von mindestens 50 Blutzuckerteststreifen pro Quartal für Typ-2-Diabetiker, die nach einer Schulung die Blutzucker-Selbstkontrolle sinnvoll durchführen können. Generell soll allen Patienten, die ein erhöhtes Risiko für Hypoglykämien aufweisen, weiterhin Teststreifen zur Blutzuckermessung verordnet werden. Außerdem sollen Patienten diese zu Beginn der Erkrankung, zur Schulung, bei Veränderungen in der Diabetes-Therapie oder weiteren Erkrankungen erhalten.

Schon jetzt ist die Hypoglykämie die am häufigsten auftretende akute Komplikation in einer Diabetes-Therapie. Auslöser können zu wenig Nahrung, Alkohol oder falsch eingeschätzte körperliche Aktivität sein. Langjähriger Diabetes, Alter und Nierenfunktionsstörungen erhöhen das Risiko. In den meisten Fällen ist jedoch eine Überdosierung von Diabetes-Medikamenten oder von Insulin die Ursache.

Fällt der Zuckerspiegel unter einen Wert von 50 mg/dl liegt eine Hypoglykämie vor. Die Betroffenen haben mit sinkenden Blutzucker immer stärkere Symptome: Sie sind nervös, zittern, haben Heißhunger und Schweißausbrüche. In den Diabetes-Schulungen wird trainiert, die Symptome einer Unterzuckerung zu erkennen und rechtzeitig zu reagieren. Im Notfall-Set geschulter Diabetiker befindet sich außerdem Glukagon, der hormonelle Gegenspieler des Insulins: Wird nicht sofort Zucker aufgenommen oder Glykagon gespritzt, verschlechtert sich der Zustand. Der Kontrollverlust nimmt zu und kann bis zur Bewusstlosigkeit führen.

Weitere Informationen:

http://profi.diabetesde.org/stellungnahmen/harn_und_blutzuckerteststreifen_bei_d... Stellungnahme von diabetesDE, der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG), des Verbands der Diabetesberatungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD) und der Deutschen Diabetes-Stiftung (DDS)
http://www.diabetesde.org diabetesDE im Internet
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de DDG im Internet

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Vom Treibhausgas zum Wertstoff: Neue Perspektiven für die Nutzung von CO2

Franz-Georg Elpers, Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

„Neue Perspektiven für die Nutzung von CO2"
In den vergangenen Jahren ist Kohlendioxid als Treiber des Klimawandels berüchtigt geworden. Mittlerweile denken aber immer mehr Wissenschaftler und Unternehmen darüber nach, ob das klimaschädliche Gas nicht zur Ressource werden könnte. Auf der Tagung „Neue Perspektiven für die Nutzung von CO2", die am 11. Juni mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Berlin veranstaltet wurde, fanden sich rund hundert Experten zusammen, um auf dem ersten Treffen dieser Art über die verschiedenen Möglichkeiten der Verwertung von CO2 zu diskutieren. Sowohl auf chemischem als auch auf biologischem Wege kann der Schadstoff zum Wertstoff werden, wie die Vorträge zeigten. Die Auswirkungen der großtechnischen Emission von Kohlendioxid etwa durch Kohlekraftwerke ließen sich mit der Verwertung des Gases alleine aber nicht aufhalten, so die Experten.

Gerade die Energieindustrie, die bei der Stromerzeugung aus Kohle und Gas große Mengen des Treibhausgases emittiert, überlegt schon seit längerem, wie der heutige Abfall und Schadstoff zum Rohstoff werden könnte. „In Deutschland könnte die Industrie bis zu zehn Millionen Tonnen CO2 im Jahr umwandeln", sagte Dr. Johannes Ewers, Leiter der Abteilung Neue Technologien/CCS beim Energiekonzern RWE.

Um die maximale Weiterverwertungsquote zu erreichen, müssen drei Wege kombiniert werden, da waren sich die anwesenden Experten einig. Schon heute lässt sich reines CO2 als technisches Gas einsetzen, zum Beispiel für Trockeneis. Auch in Gewächshäusern wird es benötigt, um den Pflanzen bessere Wachstumsbedingungen zu verschaffen. Oftmals wird dazu eigens Erdgas verbrannt. Kohlendioxid von Kohlekraftwerken könne hier eine nachhaltigere Alternative bieten. Eine zweite Möglichkeit sei die chemische Aufbereitung. CO2 könnte als Kohlenstofflieferant für verschiedene Produkte wie Ameisensäure oder Polycarbonate dienen. „Die Verwertung von Kohlendioxid könnte sich zu einer attraktiven Option zur nachhaltigen Verwertung unserer Kohlenstoff-Ressourcen entwickeln", sagte Walter Leitner, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Technische und Makromolekulare Chemie an der RWTH Aachen. Große Hoffnungen liegen zudem auf dem dritten, dem biologischen Weg. In einer Zukunftsvision nähmen genetisch optimierte Mikroorganismen Kohlendioxid auf und stellten daraus gefragte Chemikalien her.

Pflanzen sind durch die Photosynthese die erste Wahl bei der Umwandlung von Kohlendioxid in Biomasse, die wiederum in Biogas-Anlagen vergoren werden kann. Algen wiederum gelten in dieser Hinsicht als besonders effizient, und so werden sie in einer ganzen Reihe an Forschungsprojekten unter die Lupe genommen. Laurenz Thomsen, Professor für Geowissenschaften an der Jacobs University Bremen, stellte einen selbst entwickelten Bioreaktor vor, der nicht auf die konventionellen Röhren, sondern auf Folien setzt. „Der Reaktor kostet zehn bis 15 Euro pro Meter, das ist dann schon konkurrenzfähig" sagte Thomsen. Insbesondere plädierte er für eine Nutzung natürlicher Algenbestände, zum Beispiel die regelmäßige „Ernte" von angeschwemmten Algenbeständen. „Es wird Zeit, sich intensiv um die Nutzung der 98% Meerwasser auf der Erde zu kümmern", so Thomsen. Einen ganz anderen Weg geht die Carbon Solutions GmbH aus Kleinmachnow nahe Berlin. In dem Start-Up wird bisher nicht verwendete Biomasse, die sonst als Kompost unter Abgabe von Kohlendioxid verrotten würde, mit der hydrothermalen Carbonisierung in Biokohle umgewandelt. „Wir haben derzeit Anfragen aus aller Welt", sagte Geschäftsführer Volker Zwing in seinem Vortrag.

„Es ist noch viel Forschung notwendig", bilanzierte Thomas Haas, der Direktor des Science-to-Business Center Biotechnology des Chemieunternehmens Evonik Degussa, die Veranstaltung. „Aber die CO2-Verwertung lohnt sich." Die Klimaproblematik lasse sich durch die stoffliche Nutzung von CO2 allerdings nicht lösen. „Das kann nur ein Aspekt unter vielen sein", sagte Prof. Dr. Walter Trösch, der stellvertretende Leiter des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik. „Es sollte das Prinzip ‚Vermeidung vor Verwertung vor Verbringung' gelten."

Boris Mannhardt, Geschäftsführer der BIOCOM Projektmanagement GmbH, die die Konferenz mit Unterstützung durch die DBU ausrichtete, war zufrieden mit dem Verlauf des Treffens: „Wie wir heute gesehen haben, gibt es eine ganze Reihe von Ansätzen für die Verwertung von Kohlendioxid. Die lebhafte Diskussion, die von den rund hundert hochkarätigen Teilnehmern aus Wissenschaft und Wirtschaft hier begonnen wurde, wird weitergeführt werden."

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Demografischer Wandel: Universität Göttingen berechnet Kostenentwicklung der Infrastruktur in Städten und Gemeinden

Dr. Bernd Ebeling, Presse, Kommunikation und Marketing
Georg-August-Universität Göttingen

Straßen, Schwimmbäder, Schulen - angesichts zurückgehender Bevölkerungszahlen müssen die Kommunen ihre Infrastruktur auf den Prüfstand stellen. Um Städte und Gemeinden bei der Planung für die kommenden Jahre und Jahrzehnte zu unterstützen, will die Universität Göttingen zusammen mit der Akademie für Raumplanung Hannover in einem dreijährigen Forschungsprojekt die Kostenentwicklung der bestehenden Infrastruktur in Niedersachsen prognostizieren.
Pressemitteilung Nr. 116/2010

Demografischer Wandel: Niedersächsische Kommunen unter Anpassungsdruck
Universität Göttingen berechnet Kostenentwicklung der Infrastruktur in Städten und Gemeinden

(pug) Straßen, Schwimmbäder, Schulen - angesichts zurückgehender Bevölkerungszahlen müssen die Kommunen ihre Infrastruktur auf den Prüfstand stellen. Um Städte und Gemeinden bei der Planung für die kommenden Jahre und Jahrzehnte zu unterstützen, will die Universität Göttingen zusammen mit der Akademie für Raumplanung Hannover in einem dreijährigen Forschungsprojekt die Kostenentwicklung der bestehenden Infrastruktur in Niedersachsen prognostizieren. Das Forschungsvorhaben „Monitor der Infrastrukturkosten im demografischen Wandel in Niedersachsen" wird ab September 2010 vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur mit rund 173.000 Euro aus dem Förderprogramm Pro Niedersachsen unterstützt. Das Projekt ist eins von sechs Forschungsvorhaben an der Universität Göttingen, die im Rahmen des Programms mit insgesamt rund 623.000 Euro gefördert werden.

Angesichts der angespannten Haushaltslage vieler deutscher Kommunen stellt der demografische Wandel eine große Herausforderung dar: Denn mit sinkender Bevölkerungszahl steigen die Pro-Kopf-Kosten für Pflege und Erhalt von Infrastruktureinrichtungen wie dem Wasserleitungsnetz oder Schulen. Ein Rückbau der Infrastruktur durch Schließung und Abriss ist jedoch mit hohen Kosten verbunden und wird von der Bevölkerung oft mit Unverständnis aufgenommen. Zudem ist der Staat verpflichtet, den Bürgern bestimmte Leistungen zur Verfügung zu stellen. „Für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Stadt- und Gemeindeentwicklung sind solide langfristige Prognosen zur Entwicklung der Infrastrukturkosten unerlässlich", betont Dr. Mareike Köller von der Akademie für Raumplanung. Die aktuelle Datenlage werde diesen Ansprüchen aber kaum gerecht. „Bisherige Prognosen, dass bei einem Bevölkerungsrückgang um 20 Prozent auch die Infrastrukturkosten um rund 20 Prozent ansteigen, berücksichtigen weder den regional unterschiedlich ausfallenden demografischen Wandel noch die Wanderungsbewegungen von ländlichen in städtische Räume", so Dr. Köller.

„Mit den neuen Daten möchten wir den Kommunen eine bessere Entscheidungshilfe an die Hand geben und ihnen eine langfristigere Planung für die Kosten ihrer Infrastruktur ermöglichen", fasst Projektleiter Prof. Dr. Kilian Bizer von der Universität Göttingen das Forschungsziel zusammen. Durch die umfassenden Untersuchungen zu den Auswirkungen des Bevölkerungsrückgangs wollen die Wissenschaftler transparent machen, wie sich die Kosten pro Einwohner bis zum Jahr 2030 in unterschiedlichen Gemeindetypen entwickeln werden. In die Analyse fließen Ausgaben für technische Infrastruktureinrichtungen wie Straßen, leitungsgebundene Versorgungsleistungen wie Strom oder Wasser und soziale Einrichtungen wie Schulen oder Altenheime mit ein.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Kilian Bizer
Georg-August-Universität Göttingen
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Professur für Wirtschaftspolitik und Mittelstandsforschung
Platz der Göttinger Sieben 3, 37073 Göttingen
Telefon (0551) 39-4602
E-Mail: kbizer@uni-goettingen.de

Weitere Informationen:
http://www.economics.uni-goettingen.de/bizer

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Übergewicht nicht immer von Nachteil

Dipl.-Journ. Heiko Leske, Pressestelle / Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Leipzig AöR

Der Leiter der Adipositas Ambulanz des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum AdipositasErkrankungen (IFB), Dr. Mathias Faßhauer, relativiert Ergebnisse des Statistischen Bundesamtes, nach denen die Deutschen immer dicker werden.
Frage: Herr Faßhauer, mehr als jeder zweite in Deutschland hat Übergewicht, meldet das Statistische Bundesamt gestern. Damit ist auch klar, die Deutschen sind in den letzten zehn Jahren immer dicker geworden, wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Dr. Faßhauer: Zunächst muss man unterschieden zwischen denen, die nur übergewichtig sind, also einen BMI zwischen 25 und 30 haben und denen, die stark übergewichtig sind, also einen BMI ab 30 haben und damit eher für uns als Ärzte relevant sind. Es gibt mittlerweile Studien, die zeigen, dass Menschen mit leichtem Übergewicht im Fall einer schweren Erkrankung höhere Überlebenschancen haben, weil sie auf mehr Reserven zurückgreifen können. Starkes Übergewicht kombiniert mit einem großen Bauchumfang ist jedoch in der Tat häufig bedenklich.

Frage: Heißt das, ein paar Kilo zu viel sind gar nicht so schlimm?

Dr. Faßhauer: Pauschal kann man das nicht sagen. Es ist vor allem immer eine Frage der Fettverteilung. Sitzt das Fett am Hintern oder an den Oberschenkeln ist es wahrscheinlich, dass auch einige Kilos über Normalgewicht keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen nach sich ziehen. Sitzt das Fett am Bauch, an oder noch schlimmer in den Organen, können schon wenige Kilos zu erheblichen Folgeerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck führen.

Frage: Gibt es eine Möglichkeit den eigenen Risikograd zu ermitteln?

Dr. Faßhauer: Der BMI ist ein erster Anhaltspunkt. Ein BMI über 30 kombiniert mit einem Verhältnis des Taillenumfangs zum Hüftumfang bei Frauen über 0,85 und bei Männern über 1 könnte ein Warnzeichen sein. Kommen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Zuckerkrankheit und Atembeschwerden dazu ist das ein deutliches Anzeichen für krankhaftes Übergewicht. Ab einem BMI von 35 steigt die Wahrscheinlichkeit für diese sogenannten Folgeerkrankungen dann sehr steil an.

Frage: Woher kommt es, dass das Gewicht der Menschen weiter ansteigt, im Grunde wird doch ständig und überall über gesunde Ernährung geredet?

Dr. Faßhauer: Das sind auch die zentralen Fragen mit denen wir uns im IFB AdipositasErkrankungen beschäftigen. Auch wenn wir schon seit einigen Jahren über Adipositas, also krankhaftes Übergewicht forschen, stehen wir bei vielen Fragen immer noch am Anfang. Wir wissen zwar, dass die Menschen weniger essen und sich mehr bewegen müssen um abzunehmen, aber warum einige das schaffen und andere nicht, das wissen wir zum Beispiel noch nicht.

Frage: Heißt das, Übergewicht ist in erster Linie eine Frage der Psyche?

Dr. Faßhauer: Nein, die Psyche spielt eine große Rolle, aber sie ist nicht losgelöst zu betrachten. Wird sie von Hormonen negativ beeinflusst, dann wäre es eine endokrinologische Ursache, von Genen, von der Sozialisation und dem Lernverhalten, von Neurotransmittern, von Stoffwechselvorgängen? Es gibt so viele mögliche Ursachen, die dazu führen, dass Menschen leicht, stark oder krankhaft übergewichtig werden. Wir müssen vor allem herausfinden, für wen das Übergewicht wirklich gesundheitlich riskant ist und bei wem es einfach nur ein äußeres Merkmal ist. Nicht für jeden ist Übergewicht ein gesundheitlicher Nachteil.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Erneuerbare Energie durch Klär-/Biogasanlagen

Dipl.-Ing. Wilfried Grunau, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fachhochschule Emden/Leer

Erneuerbare Energie ist das zentrale Thema der aktuellen Forschung von Professor Dr. Sven Steinigeweg am Emder Institut für Umwelttechnik (EUTEC) der Fachrichtung Chemie- und Umwelttechnik an der Fachhochschule Emden/Leer. Der innovative Wert dieser Forschung für die Optimierung der nachhaltigen Nutzung von Klär- und Biogasanlagen wird nun in der Förderung zweier Projekte von Professor Dr. Steinigeweg durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) und durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gewürdigt.
Steinigeweg und seine Kollegen freuen sich über eine Gesamtfördersumme von rund 380.000,00 €, bewilligt für die Projekte

„Herstellung von Biomethan aus landwirtschaftlichen Quellen nach Kriterien der Ökoeffizienz - Ökoeffizente Herstellung von Biomethan"

und

„Entwicklung eines Automatisierungs¬konzeptes zur Steigerung der Energieeffizienz und Betriebssicherheit sowie zur Intensivierung der Prozesse und des Stoffmanagements von Klär-/Biogasanlagen".

Ziel der beiden Forschungsprojekte ist es, Klär- und Biogasanlagen zukünftig aufgrund ihrer nachhaltigen, ökonomischen und ökologischen Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen und Abfallprodukten bewerten und ihre Leistung optimieren zu können. Dabei wird langfristig unter anderem die Aufarbeitung des Biogases zur Einspeisung in das Erdgasnetz angestrebt.

Bereits im aktuellen Hochschulranking des ZEIT-Studienführers 2010/11 wurde der Fachbereich Chemie- und Umwelttechnik der Fachhochschule Emden/Leer mit Bestnoten bewertet. Das CHE-Hochschulranking ist das umfassendste und detaillierteste Ranking im deutschsprachigen Raum, das knapp 300 Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden untersucht.

„Mithilfe unserer innovativen Forschungsprojekte möchten wir diesen hohen Level nicht nur halten, sondern noch weiter ausbauen", betont Projektleiter Steinigeweg.

„Fachhochschulen suchen nach Lösungen, und damit sind sie ideale Partner für Unternehmen und Einrichtungen, die neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln oder vorhandene Erzeugnisse und Services optimieren wollen", stellt der für Forschung und Technologietransfer zuständige Vizepräsident Prof. Dr. Gerhard Kreutz den hohen Stellenwert der Forschung besonders im Energiesektor heraus. So wundert es auch nicht, dass bei beiden Projekten von Steinigeweg mit den Stadtwerken Emden und fünf weiteren Unternehmen zusammengearbeitet wird.

Die Forschungsprojekte zeichnen sich zudem durch nationale und internationale Kooperationen aus: Die Schüler des Emder Gymnasium am Treckfahrtstief (GaT) werden beispielsweise bei der Forschung einbezogen, indem ihnen die Möglichkeit zur Erstellung einer Facharbeit zum Thema erneuerbare Energie, Biogasanlagen oder Biomethan angeboten wird. Im Forschungsboot sitzen ebenfalls die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg in Form einer kooperativen Promotion und die Université des Sciences et Technologies in Lille/Frankreich.

Kontakt:
Prof. Dr. Sven Steinigeweg
Fachhochschule Emden/Leer
Constantiaplatz 4
D-26723 Emden
Tel.: 04921-807-1513
E-Mail: steinigeweg@nwt.fho-emden.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Heimisches Sofa statt Public Viewing: Studie untersucht, wie sich Deutschland auf die WM vorbereitet

Florian Klebs, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hohenheim

WM-Studie 2010 der Universität Hohenheim: Interesse an WM gesunken; nur wenige reisen nach Südafrika

Nur noch eine Woche bis zum WM-Start: die Ladenregale sind prall gefüllt mit Fanartikeln. Doch die Kauflaune der Deutschen ist deutlich geringer als 2006, so eine Studie des Lehrstuhls für Marketing I der Universität Hohenheim. Gerade mal 36 Euro wollen die Deutschen in diesem Jahr für WM-Artikel ausgeben. Große Nachfrage könnten allein Trikots, Fußbälle und Fahnen finden. Auch die Reiselust in südafrikanische Stadien sei gedämpft.
Der Countdown läuft: am 11. Juni ist Anpfiff für das erste Spiel der WM 2010 im Soccer City Stadion in Johannesburg. Nur noch wenige Tage bleiben den Deutschen sich auf das Großereignis vorzubereiten. Eine Studie von Marktforschern um Prof. Dr. Markus Voeth vom Lehrstuhl für Marketing I macht im Vorfeld der WM weder besonders große Kauflaune noch große Reiselust in der Bevölkerung aus. Die Marktforscher prophezeien zudem weniger Interesse an den Spielen als 2006 - und eine Sofa-Veranstaltung statt Public Viewing Event.

Für die Studie befragten die Marketingexperten mit ihren Studierenden in fragebogengestützten Interviews deutschlandweit 1664 Personen. Abgefragt wurden das Interesse an Spielen, WM-Artikeln oder Reisen sowie das Zuschauerverhalten während der WM.

WM als Sofa-Veranstaltung

Öffentliche Plätze und Kneipen könnten in diesem Jahr bei WM-Spielen leer bleiben. Gemütliche Fernsehnachmittage vor dem heimischen TV-Gerät sieht das Team um Prof. Dr. Voeth stattdessen als wahrscheinlicher an. Fast neunzig Prozent der Befragten gaben an, die WM zu Hause vor dem Fernseher verfolgen zu wollen.

„Ein großes Public Viewing Angebot ist daher weniger zielführend und wird im schlechtesten Fall nur Millionen Euro verschlingen", sagt Jeanette Loos, Projektleiterin der WM-Studie, und gibt damit vielen Kommunen recht, die in diesem Jahr bewusst auf die Ausrichtung von Public Viewings verzichtet haben.

Kauf- und Reiselaune im Keller

2006 gaben die Deutschen fast 70 Euro für Fanartikel und WM-Produkte aus. 2010 wollen sie laut Studie gerade mal die Hälfte für Fahnen, Hüte und Co. ausgeben: „Im Schnitt circa 36 Euro", beziffert Co-Leiterin Sabine Schwarz die Kaufabsicht. Insgesamt seien außerdem nur die Hälfte aller Befragten überhaupt bereit Geld für Fan- und WM-Artikel zu investieren.

Für die WM extra nach Südafrika zu reisen, das ziehen laut Studie sehr wenige Deutsche in Betracht. „Weniger als ein Prozent der Befragten plant eine Reise zu einem der WM-Spielorte", sagt Prof. Dr. Voeth. Gründe dafür machen die Marktforscher in den hohen Kosten für Flugtickets und der Angst vor mangelnder Sicherheit aus. „Fast neunzig Prozent der Befragten glauben, die Sicherheitslage in Südafrika sei schlechter als jene zur WM im eigenen Land", untermauert Sabine Schwarz.

Erklären können die Marktforscher die gesunkene Kauf- und Reiselaune mit einem generell geringeren Interesse an der WM 2010 im Vergleich zu 2006. „Zwei Drittel der Befragten geben an, der WM 2010 ein wesentlich geringeres Interesse zu schenken, als der vor vier Jahren", meint Jeanette Loos.

Erfolgsfaktor Nationalmannschaft

„Natürlich hängen die Kaufentscheidungen der Deutschen aber vom Abschneiden der Nationalmannschaft ab„ sagt Jeanette Loos. Demnach könnte die Kauflaune steigen, würden sich die Deutschen in die Favoritenrolle kicken. „Glauben möchten die Befragten an ein Sommermärchen 2010 aber bisher noch nicht", sagt Prof. Dr. Voeth: „Fast sechzig Prozent gehen davon aus, dass die Nationalmannschaft nicht über das Viertelfinale hinauskommt".

Repräsentative Befragung zur aktuellen WM

Weitere Details zu Marketing- und Werbewirkung der WM 2010 untersucht der Lehrstuhl in den kommenden Wochen - während und nach der WM - anhand repräsentativer Bevölkerungsbefragungen.

Dazu plant die Universität Hohenheim noch folgende Veröffentlichungen (Terminänderungen vorbehalten):

* 25.6.: Die WM am Arbeitsplatz - Auswirkungen der WM auf das Arbeitsverhalten der Deutschen
* Weitere Pressemitteilungen je nach Studienergebnissen im Verlauf und Anschluss an die WM

Hintergrund: WM-Studie der Universität Hohenheim

In einer groß angelegten Langzeitstudie zur FIFA Fußball-WM 2006 hat der Lehrstuhl für Marketing I von Prof. Dr. Voeth seit 2001 unter anderem die Begeisterung, Präferenzen und Vorstellungen der Bevölkerung für die WM ermittelt. Dabei wurden in jährlich wechselnden Sonderschwerpunkten Themen wie die WM als Chance für Städte und Regionen, Vermarktungspotenziale, Sicherheit, Ticket-Pricing, Merchandising und Standortwahl der Stadien untersucht. Die Studie diente einerseits als Stimmungsindikator, andererseits auch als konstruktiver Beitrag für eine erfolgreiche Organisation. In diesem Jahr wird die Studie fortgesetzt, u.a. um die Unterschiede zwischen der WM 2006 und der WM 2010 überprüfen zu können.

Weitere Informationen:
http://www.wm-studie.de detaillierte Ergebnisse

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Die Illusion des Kaffee-Konsums: Koffein wirkt gegen Entzugseffekte - und kann Angst auslösen

Dr. Christina Heimken, Presse- und Informationsstelle
Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Münster (mfm/tw) - Kaffee, Tee und Energy-Drinks: Weltweit konsumieren Menschen Koffein, um morgens wach zu werden oder abends fit zu bleiben. Wer sich vom Kaffeeautomaten durch den Tag begleiten lässt, gewöhnt sich schnell an die Effekte - und muss schon bei kurzem Entzug mit Müdigkeit, Kopfschmerzen und nachlassender Konzentration rechnen. Bei Menschen mit einer bestimmten Genvariante kann die Naturdroge Koffein sogar Angst auslösen. Eine Forschergruppe aus Bristol, London, Würzburg und Münster hat den Zusammenhang zwischen Koffein, Angst und Aufmerksamkeit, Gewöhnungseffekten und Genetik nun näher untersucht.
„Ein regelmäßiger Koffeinkonsum scheint vor allem den negativen Effekten des Entzugs entgegenzuwirken", so Dr. Christa Hohoff von der Universität Münster, eine Hauptautorin der Studie. 379 Personen haben daran teilgenommen. Eine Hälfte davon konsumierte gewöhnlich wenig oder gar kein Koffein, bei der anderen Hälfte lag der Konsum im mittleren bis hohen Bereich - umgerechnet mindestens etwa eine Tasse Kaffee am Tag. 16 Stunden lang verzichteten alle Teilnehmer vollständig auf Koffein. Danach wurde ihnen entweder Koffein oder ein Placebo verabreicht und das gefühlte Maß an Angst, Aufmerksamkeit und Kopfschmerzen bestimmt.

„Schon vor einigen Jahren konnte mit Beteiligung münsterscher Forscher nachgewiesen werden, dass eine genetische Variante im Adenosin-A2A-Rezeptor Einfluss auf die gefühlte Angst hat", erläutert Hohoff: „An diesem Rezeptor dockt das Koffein im menschlichen Gehirn hauptsächlich an." Für die aktuelle Studie untersuchte die Biologin im Labor für Molekulare Psychiatrie der Uni-Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie die unterschiedlichen Rezeptor-Varianten. Bei der Studie bestätigte sich, dass Personen mit einer bestimmten Gen-Ausstattung in ihrer Angst stärker durch Koffein beeinflusst werden. Vom Konsum hält sie das offenbar nicht ab: Die Probanden mit der speziellen Rezeptorvariante nehmen durchschnittlich sogar mehr Koffein zu sich. Das führt wiederum zu einer Gewöhnung und dadurch zu einer Abnahme des Angstgefühls.

Bekamen die Studienteilnehmer mit höherem Koffeinkonsum nach den 16 Stunden Entzug ein Placebo verabreicht, reagierten sie mit Kopfschmerzen und deutlich verringerter Aufmerksamkeit. Eine Koffeingabe dagegen verhinderte Kopfschmerzen und hob gleichzeitig die Aufmerksamkeit an - aber nur bis zum Basalwert, also auf das Niveau, das die Studienteilnehmer mit geringerem Konsum ohnehin auch in der Placebo-Bedingung hatten. Regelmäßiger Koffeinkonsum wirke wohl in erster Linie den Entzugseffekten entgegen, so Hohoff: Wer Kaffee oder Tee trinkt, wird dadurch zwar durchaus aufmerksamer, aber eben nur relativ zu seinem niedrigeren Ausgangslevel als regelmäßiger Konsument. Dass Koffein die Aufmerksamkeit dauerhaft steigert, ist wohl eine Illusion. Hohoff interessiert sich vor allem für die Frage, inwieweit Genetik die menschliche Psyche beeinflusst - wie bei den hier beobachteten Angst-Effekten. Auf ihren eigenen Morgenkaffee verzichtet sie trotz der Studienergebnisse nicht: „Ich mag den gefühlt belebenden Effekt, man hat die Illusion, aufmerksamer zu werden."

Die Studie wurde nun in der renommierten Fachzeitschrift „Neuropsychopharmacology" veröffentlicht. Der Originalartikel unter dem Titel „Association of the Anxiogenic and Alerting Effects of Caffeine with ADORA2A and ADORA1 Polymorphisms and Habitual Level of Caffeine Consumption" ist im Internet verfügbar. Weitere Informationen zu dieser Arbeit sowie aktuelle Forschungsschwerpunkte und eine Reihe weiterführender Publikationen finden sich auf der Internetseite des Labors für Molekulare Psychiatrie.

Literatur:

Rogers P. et al. (2010): Association of the Anxiogenic and Alerting Effects of Caffeine with ADORA2A and ADORA1 Polymorphisms and Habitual Level of Caffeine Consumption. Neuropsychopharmacology advance online publication 2 June 2010; doi: 10.1038/npp.2010.71

Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/MolPsy/ Labor für Molekulare Psychiatrie
http://www.nature.com/npp/journal/vaop/ncurrent/abs/npp201071a.html Studie

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Umweltskandal in Chile

Barbara Abrell, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Göttinger Wissenschaftlerin entdeckt bisher unbekannte Auswirkungen chilenischer Lachsfarmen auf das Ökosystem der Küstenregion
Lachsfarmen in der Region Aysén in Südchile bedrohen die dortige Tierwelt und das gesamte Naturschutzgebiet in einem bisher völlig unbekannten Ausmaß. Diese unerwartete Entdeckung haben Forscher vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation und der Universität Göttingen gemacht, die in der Region eigentlich die akustische Kommunikation der einheimischen Wale untersuchen. Die Forscher fanden nicht nur, dass sich die Lachsindustrie rasant in den bisher weitestgehend unberührten Süden der Region ausbreitet. Sie dokumentierten unter anderem auch die bisher unbekannte Bedrohung für die einheimischen Seelöwen. Selbst internationale Umweltschutzorganisationen zeigten sich von diesem Zufallsfund überrascht. Von ihren Beobachtungen berichten die Göttinger Forscher in der heutigen Ausgabe der Zeitschrift Nature in der Rubrik "Korrespondenz".

Mit einem Exportvolumen von mehr als zwei Milliarden US-Dollar ist Chile weltweit einer der wichtigsten Produzenten von Zuchtlachs. Die massenhafte Aquakultur konzentriert sich vor allem auf die verzweigten Fjorde der Provinz Aysén in Patagonien. Während Teile der Provinz selbst den Status eines Nationalparks haben, gilt dieser Schutz nicht für das angrenzende Meer. Die somit aus Sicht der Regierung völlig legalen Lachsfarmen haben zum Teil verheerende Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem - auch weil der atlantische Lachs in Chile ein Fremdling ist, Krankheiten einschleppt und so die bedrohten einheimischen Arten zusätzlich unter Druck setzt. Zudem belasten der Einsatz von Medikamenten und der anfallende Müll das Ökosystem.

In den vergangenen zwei Jahren hatte der Virus ISA (infectious salmon anemia), der bei Lachsen zu Blutarmut und Tod führt, viele Betreiber der Aquakultur im Norden Chiles zum Aufgeben gezwungen. "Doch nun breiten sich die Farmen immer weiter nach Süden aus", berichtet Heike Vester von der norwegischen Forschungseinrichtung Ocean Sounds, die derzeit am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation und an der Universität Göttingen promoviert. Da die verzweigten Fjorde der Region von Land aus nur schwer zugänglich sind, zeigte sich ihr das gesamte Ausmaß erst bei Studien vom Wasser aus. Vesters Fotos dokumentieren unter anderem die Gefahr für den Südamerikanischen Seelöwen. Als Junge verfangen sich die Tiere in den Schutznetzen, welche die Lachsfarmen eingrenzen. Selbst wenn die Seelöwen sich losreißen können, bleibt oft ein Teil des Netzes zurück, an dem sie im Verlauf ihres Wachstums ersticken (Abbildung 1).

Zudem belasten die Lachsfarmen das Ökosystem auch auf andere Weisen: Überschüssiges Futter für die Zuchtfische und Kot treiben mengenweise im Wasser; die gedrängte Haltung der Lachse erzwingt den Einsatz von Medikamenten und Pestiziden. Messungen von weiteren Teilnehmern der Expedition der Göttinger Forscherin belegen, dass in der unmittelbaren Umgebung der Farmen keinerlei Leben mehr existiert. "Überall liegt ein Geruch wie von Bleichmittel in der Luft", so Vester.

Akustische Messungen, welche die Biologin vor Ort unter Wasser durchführte, weisen zudem auf eine unsichtbare Bedrohung hin: Der Bootsverkehr mit Versorgungsschiffen und die Generatoren der Futtermaschinen sorgen für einen ständigen Lärmpegel. "Dieser Lärm kann die bedrohten Meeressäuger wie etwa Blau-, Buckel- und Seiwale sowie Peale-Delfine und Chilenische Delfine vertreiben und ihre Kommunikation in den verzweigten Fjorden und Kanälen stören", erklärt Marc Timme vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, der die Doktorarbeit der Biologin mitbetreut.

Auch der Norden der Provinz Aysén, wo viele Lachsfarmen auf Grund des Viruses stillgelegt und verlassen wurden, bietet ein trostloses Bild. "Die kranken Fische wurden offenbar nicht entsorgt, sondern zum Teil einfach in Plastikbeuteln im Wasser versenkt", schildert Vester ihre Beobachtungen. Ihre Fotos zeigen zurückgelassene, tote und angefressene Lachse (Abbildung 2). "Der Virus konnte so offenbar in das Ökosystem eindringen", so die Schlussfolgerung der Biologin. Die Auswirkungen auf die einheimische Flora und Fauna seien nicht abschätzbar.

In ihrer Stellungnahme an die Zeitschrift "Nature" schlagen die Göttinger Forscher nun vor, dass Lachsindustrie, lokale Fischer und Umweltschützer gemeinsam eine Lösung des Problems suchen. In Ländern wie Italien, Australien und den USA wird ein solches gemeinsames Vorgehen bereits erprobt. Ziel muss es sein, dass neben den Lachsfarmen auch die einheimischen Fischer und die Umwelt zu ihrem Recht kommen. Nur so lasse sich auch ein schonender Tourismus als aussichtsreicher, neuer Industriezweig etablieren.

Das Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen erforscht komplexe Systeme aus den unterschiedlichsten Bereichen der Physik, der Informatik und der Biologie. In dem Forschungsprojekt von Heike Vester geht es darum, die komplexe Kommunikation sozialer Wale wie etwa Grind- und Schwertwal zu studieren. Dabei erfasst und vergleicht die Biologin Lautaufnahmen und Verhaltenstudien aus Nordnorwegen und Südchile, um nach Variationen in den Lautmustern der beiden geographisch weit getrennten Populationen zu suchen. Ziel der Studie ist es, Aufbau und Struktur der Laute sowie deren Verwendung besser zu verstehen. Dies kann dazu beitragen, wichtige Schritte in der Evolution und Entwicklung der Lautbildung dieser Tiere zu identifizieren. Heike Vester ist zudem seit 2008 jedes Jahr auf Einladung des chilenischen Center for Scientific Tourism in Chile um zu untersuchen, wie sich vor Ort ein schonender Tourismus aufbauen lässt.

Originalveröffentlichung:

Heike Vester, Marc Timme
Call for cooperation to contain damage by Chile's salmon farms
Correspondence, Nature 465, 869 (17 June 2010), Online-Veröffentlichung am 16. Juni 2010, doi:10.1038/465869d

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Birgit Krummheuer, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, Göttingen
Tel.: +49 551 5176-668
E-Mail: birgit.krummheuer@ds.mpg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Spatzenlatz und Schnabelfarbe - die Statussymbole der Spatzen

Dr Harald Rösch, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Die Größe des Brustflecks und die Schnabelfarbe von männlichen Spatzen ändern sich im Laufe eines Jahres. Ornamente wie diese signalisieren Artgenossen die Qualität und Dominanz eines Männchens und korrelieren im Allgemeinen mit dessen Testosteronspiegel. Dieser ist vor und während der Brutzeit höher als zum Beispiel während der Mauser im Herbst. Ein Team von Wissenschaftlern vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen zeigte nun in einer umfassenden Studie, dass nur die Schnabelfarbe mit der Menge an Testosteron im Blut zusammenhängt. Die Größe des Brustflecks ist dagegen unabhängig vom Hormonspiegel (Online-Veröffentlichung in Behavioural Ecology and Sociobiology, 29. Mai 2010).
Spatzen leben in Gruppen. Unter den Männchen gibt es ganzjährig aggressive Auseinandersetzungen, um die Rangordnung zu klären. Äußerliche Merkmale wie Brustfleck und Schnabelfarbe - sogenannte Ornamente - dienen als Signale für Artgenossen. Je größer zum Beispiel der Kamm eines Hahnes, desto ranghöher ist der Träger. Für die Ausprägung vieler solcher sexuell selektierten Ornamente im Tierreich ist das Hormon Testosteron verantwortlich, das unter anderem dominantes und aggressives Verhalten fördert. Allerdings sind unvermeidbare Kosten mit diesen Ornamenten verbunden, denn hohe Testosteronmengen im Blut schwächen das Immunsystem und die Resistenz gegen Stress, und auch das erhöhte Aggressionspotenzial kann unter Umständen für das Tier teuer werden. Daher nennt man die Ornamente auch „ehrliche Signale", denn nur fitte Tiere können sich diese Kosten leisten.

Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen interessierte nun nicht nur der Zusammenhang zwischen der Ausbildung der Ornamente männlicher Spatzen und der Testosteronmenge im Blut, sondern auch ob und wie sich die Zusammenhänge im Laufe des Jahres verändern. „Der Jahreszeitenvergleich ist ein wichtiger Ansatz, da der Brustfleck bei der Mauser im Herbst angelegt wird, aber vielleicht erst in der Brutzeit von Bedeutung ist, wenn die weißen Federspitzen abgenutzt sind und der schwarze Brustlatz darunter deutlich erkennbar ist", sagt Silke Laucht, die diese Untersuchung ausführte. Daher nahmen die Forscher von 150 Sperlingsmännchen im frühen Herbst während der Mauser, im Januar, im März zu Beginn der Brutsaison und im Juni zur Hauptbrutsaison eine kleine Blutprobe und machten Fotos von Brust und Schnabel der Tiere.

Testosteron beeinflusst Schnabelfarbe

Wie die Wissenschaftler erwarten, schwankte der Testosteronspiegel im Jahresverlauf, und war vor und während der Brutsaison am höchsten. Während der Mauser, wenn die Tiere am verletzlichsten sind, war er am niedrigsten. Auch der Zusammenhang zwischen der Schnabelfarbe und dem Testosteronspiegel war eindeutig: Je mehr Testosteron zu einer bestimmten Jahreszeit im Blut zirkulierte, desto dunkler war der Schnabel.

Beim Brustfleck allerdings machten die Forscher eine verblüffende Entdeckung: Zu keiner Jahreszeit gab es einen Zusammenhang zwischen der Größe des Brustflecks und dem Testosteronspiegel im Blut. Ist also der Brustfleck doch kein Signal für Dominanz? „Andere Studien haben Korrelationen der Größe des Brustflecks mit dem Alter und der Körpergröße der Tiere gefunden", sagt Laucht. Also könnte der Brustfleck ein Signal für eine nicht rein testosteronabhängige Dominanz sein.

Die umfangreiche Studie hielt noch eine weitere Überraschung bereit: Männchen mit den höchsten Testosteronspiegeln während der Brutzeit wiesen nicht zwangsläufig auch die höchsten Spiegel während der Mauser auf. Wie können Ornamente während der Mauser ausgebildet werden und Monate später in der Brutsaison ehrlich ihre Informationen zeigen? Das ist für Silke Laucht und ihre Mitautoren ein Widerspruch, den sie als nächstes aufklären wollen.

Originalveröffentlichung:
Silke Laucht, Bart Kempenaers and James Dale
Bill color, not badge size, indicates testosterone-related information in House Sparrows
Behavioural Ecology and Sociobiology. Veröffentlicht am 29.05.2010
DOI: 10.1007/s00265-010-0961-9

Kontakt:
Silke Laucht
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen
Abteilung Verhaltensökologie und Evolutionäre Genetik
Tel. +49 (0)8157 932 320
E-mail: laucht@orn.mpg.de

Dr. Sabine Spehn
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. +49 (0)8157 932 421
Email: sspehn@orn.mpg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Cholesterinsenker begünstigt möglicherweise Arterienverkalkung - Studie der Uniklinik Köln im European Heart Journal

Christoph Wanko, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Der zur Senkung des Cholesterins verwendete Wirkstoff Ezetimib kann ungünstige Veränderungen der Zusammensetzung der Blutfette bewirken und somit eine Atherosklerose möglicherweise begünstigen. Das ergibt eine aktuelle Studie der Uniklinik Köln, die heute in der Online-Ausgabe des European Heart Journal (offizielles Organ der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie, ESC) veröffentlicht wird.
Ezetimib wird meist zusammen mit Statinen angewendet, um deren cholesterinsenkende Wirkung zu verstärken. Es kann auch allein gegeben werden, wenn Statine nicht vertragen werden.
In Studien mit Statinen wurde bewiesen, dass Herzinfarkte vermindert auftreten und die Sterblichkeit verringert wird. Vergleichbare Studien, die entsprechende Endpunkte untersuchen, gibt es für den Wirkstoff
Ezetimib bisher nicht.

Zwei vor kurzem erschienene Studien, in denen die Veränderung der Dicke der Arterienwand untersucht wurde, waren enttäuschend: Obwohl durch die zusätzliche Gabe von Ezetimib zu einem Statin beziehungsweise zu Nikotinsäure (einem anderen Lipidsenker) das LDL-Cholesterin weiter abgesenkt wurde, hatte diese Therapie keinen Einfluss auf das Fortschreiten der Atherosklerose (Arterienverkalkung).

Die Forscher konnten sich diese Ergebnisse bisher nicht so recht erklären. „Vielleicht ist unsere neue Studie der fehlende Mosaikstein, um zu verstehen, warum die erwarteten günstigen Effekte trotz weiterer Cholesterinsenkung ausgeblieben sind", sagt die Leiterin der Studie, die Kölner Endokrinologin Professor Ioanna Gouni-Berthold.
Die aktuelle Studie wurde an 72 Probanden an der Medizinischen Klinik II der Uniklinik Köln (Direktor Prof. Dr. Wilhelm Krone) durchgeführt. Jeweils eine Gruppe von Probanden erhielt Ezetimib allein, ein Statin allein oder die Kombination der beiden Wirkstoffe.

Dabei wurde die Zusammensetzung der Lipide des LDL (LDL, deutsch: Lipoproteine niedriger Dichte) im Blut untersucht. Es ist bekannt, dass ein erhöhter Anteil von besonders kleinen, dichten LDL-Partikeln (sogenannte small dense LDL) mit einem erhöhten Risiko für Atherosklerose verbunden ist. Es scheint so, dass unter Ezetimib gerade dieser Anteil relativ zunimmt, trotz Senkung des LDL-Spiegels. Das Statin hingegen senkte diesen Anteil, aber wenn die beiden Arzneimittel zusammen verabreicht wurden, wird diese günstige Wirkung des Statins durch Ezetimib aufgehoben. Die Bestimmung der kleinen dichten LDL-Partikel wurde in Zusammenarbeit mit Forschern um PD Dr. Kaspar Berneis am Universitätsspital in Zürich durchgeführt.

„Wir warten gespannt auf die Ergebnisse großer laufender Studien mit Ezetimib, welche nicht nur die Beeinflussung des Lipidprofils im Labor messen, sondern die auf kardiovaskuläre Endpunkte - wie Herzinfarkt - hin ausgelegt sind. So ist es möglich herauszufinden, welche Therapie in der Tat dem Patienten auf lange Zeit nutzt", so Professor Ioanna Gouni-Berthold.

„Wenn wir eines aus den Lipidsenker-Studien der letzten Zeit gelernt haben, so ist es die Erkenntnis, dass diese Arzneimittel neben ihren cholesterinsenkenden Eigenschaften noch andere, unabhängige Wirkungen haben können, die nicht immer nur zum Vorteil des Patienten sind", sagt Professor Heiner Berthold, Lipid-Spezialist an der Charité in Berlin und einer der Mitautoren der Studie.

Der Wirkstoff Ezetimib ist seit über sieben Jahren auf dem Markt und wird in Deutschland mit fast 100 Millionen sogenannten definierten Tagesdosen verschrieben. Kritiker sind der Ansicht, dass die Verschreibung, gemessen am gesicherten klinischen Nutzen, zu häufig erfolge und die Kosten dafür unverhältnismäßig hoch seien.

Veröffentlichung:
Kaspar Berneis, Manfredi Rizzo, Heiner K. Berthold, Giatgen A. Spinas, Wilhelm Krone, Ioanna Gouni-Berthold. Ezetimibe alone or in combination with simvastatin increases small dense low-density lipoproteins in healthy men: a randomized trial. European Heart Journal, doi:10.1093/eurheartj/ehj181 -

Für Rückfragen:

Prof. Dr. Ioanna Gouni-Berthold
Klinik II und Poliklinik für Innere Medizin
Uniklinik Köln
Telefon: 0221 478-4088
E-Mail: ioanna.berthold@uni-koeln.de

Prof. Dr. Heiner K. Berthold:
Interdisziplinäres Stoffwechselzentrum
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Telefon: 030 450-553167
E-Mail: heiner.berthold@charite.de

Christoph Wanko
Pressesprecher Uniklinik Köln
Stabsabteilung Kommunikation
Telefon: 0221 478-5548
E-Mail: pressestelle@uk-koeln.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Kinder mit Geschwister oder von Eltern mit Typ-1-Diabetes gesucht

Christine Huber, Pressestelle
Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München

Heute ist die Insulin pflichtige Form der Zuckerkrankheit bereits die häufigste Stoffwechselerkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Die Ursachen von Typ-1-Diabetes sind aber gegenwärtig ungeklärt. 25.000 Kinder unter 19 Jahren sind in Deutschland davon betroffen. Deshalb startete die Arbeitsgruppe um Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Leiterin des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München und der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München, die TEENDIAB-Studie.
Die Forscher möchten durch die TEENDIAB-Studie sowohl genetische als auch umweltbedingte Faktoren identifizieren, die speziell während der Pubertät die Entstehung von Typ-1-Diabetes beeinflussen. Dadurch möchten die Wissenschaftler auch herausfinden, warum gerade Jugendliche besonders oft an Typ-1-Diabetes erkranken. Die Häufigkeit von Typ-1-Diabetes erreicht nämlich im Alter von zehn bis vierzehn Jahren einen Gipfel.

Bereits 180 Kinder nehmen an der TEENDIAB-Studie teil und helfen der Arbeitsgruppe um Prof. Anette-Gabriele Ziegler die Fragen zum Typ-1-Diabetes in der Pubertät zu beantworten. Diese Kinder profitieren von regelmäßigen Nachuntersuchungen. Unter anderem werden sie wiederholt auf Inselautoantikörper untersucht, den Vorboten eines Typ-1-Diabetes. Dies kann bei einer Erkrankung vorteilhaft sein: Typ-1-Diabetes tritt dann nicht unentdeckt auf und kann somit nicht zu schweren Stoffwechselentgleisungen führen. Zudem behalten die Studienärzte auch andere Autoimmunerkrankungen im Auge wie Zöliakie und Hashimoto-Thyreoiditis, die oft unerkannt bleiben.

Die TEENDIAB-Studie sucht noch weitere Kinder, die von diesen Untersuchungen profitieren und die Forschung zum Typ-1-Diabetes unterstützen möchten.

Mitmachen können alle Kinder
o ab dem Alter von acht Jahren bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres,
o die mindestens einen Verwandten (Mutter, Vater, Geschwister) mit Typ-1-Diabetes haben

Interessierte Familien melden sich bei der

Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München
Leitung: Prof. Anette-Gabriele Ziegler
Kölner Platz 1
80804 München
kostenlose Hotline: 0800-8284868
E-Mail: TEENDIAB@lrz.tu-muenchen.de
Internet: http://www.teendiab.de

Weitere Informationen:
http://www.kompetenznetz-diabetes-mellitus.net - Weiterführende Informationen

Anhang
attachment Flyer für interessierte Familien (http://idw-online.de/pages/de/attachment3690)

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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„Voodoo im Strafraum" - Fußball und Magie in Afrika

Ulrike Jaspers, Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

FRANKFURT. Wie und warum Fußball und der Glaube an magische Rituale in den Ländern südlich der Sahara eine so enge Verbindung eingehen, dies erforscht Oliver G. Becker, Dokumentarfilmer und Mitglied im Beirat des Zentrums für interdisziplinäre Afrikaforschung an der Goethe-Universität, seit mehr fünf Jahren. „Magie ist im afrikanischen Fußball so lebendig, weil sie in weiten Teilen Afrikas eine gesellschaftliche Selbstverständlichkeit ist", betont Becker. Vor einigen Tagen ist - pünktlich zur Fußballweltmeisterschaft in Südafrika - im Beck-Verlag sein Buch „Voodoo im Strafraum - Fußball und Magie in Afrika" erschienen.
Vor dem entscheidenden Fußball-Match bestreicht der „Witchdoctor" Knöchel und Schienenbeine der Spieler mit einer Mischung aus Kräutern, Tierblut und Partikeln eines Skorpions; er beschreibt die Schalen von Eiern und Kokosnüsse mit den Namen gegnerischer Spieler und beschwört diese mit magischen Formeln; die Eier und Kokosnüsse werden auf dem Platz zerschmettert und die Gegenspieler so symbolisch geschwächt; vor dem Torraum verbrennen und vergraben Spieler am Vorabend Tier- und Pflanzenteile. Die Kraft der Magie ist für viele afrikanische Fußballer ähnlich bedeutend wie Training, Kondition und Strategie. Der „Witchdoctor" gehört zum Team wie Trainer und Masseur - auch wenn die „Confédération Africaine de Football" (CAF) untersagt, dass die Magier in Aktion treten.

Seine Recherchen beschreibt Becker als eine „Reise in ein Zwischenreich des modernen Sports": Der Hexenmeister im Fußballverein gehört zur traditionellen afrikanischen Kultur, auch in einer globalisierten Welt, in der viele afrikanische Sportler davon träumen, auf die Transferliste europäischer Vereine zu kommen. „In einer sehr modernen durchkommerzialisierten Sportart wie dem Fußball haben diese traditionellen Riten ihren Platz. Fußball und Magie sind zwei Bereiche, die hohe Bedeutung in Afrika haben und die sich wechselseitig durchdringen." Überall, wo in Afrika der Ball rollt, spielen auch die Geister mit: „Eine Nationalmannschaft wird verflucht, verliert - und ein Staatsminister bezahlt, damit sie vom Fluch befreit werden", hat der Politologe Becker, der 1996 sein Studium an der Goethe-Universität abschloss, beobachten können. Werden diese Rituale auch bei der Fußballweltmeisterschaft eine Rolle spielen? Dazu der 43-jährige Becker: „Offiziell versucht sich die CAF von diesen magischen Zeremonien zu lösen. Es gibt aber nicht wenige Manager und Trainer, die sich diesen Traditionen nach wie vor verbunden fühlen."

Kenntnisreich und mit den sensiblen Mitteln der teilnehmenden Beobachtung erforscht Becker seit über neun Jahren diese verschlossenen Welten. Bereits 2006 produzierte er als offiziellen Beitrag des Kunst- und Kulturprogramms zur FIFA Fußballweltmeisterschaft einen Dokumentarfilm zu diesem Thema: „ KICK THE LION - Fußball und Magie in Afrika", der bereits 2006 bei dem ARD/ZDF-Dokumentationskanal „Phoenix" gezeigt wurde, jetzt zur Fußball-WM bei TV-Sendern in Japan, Portugal, Spanien und Belgien, aber nicht in Deutschland auf dem Programm steht. Von Ghana im Westen über Südafrika und Swasiland im Süden des Kontinents bis nach Uganda und Tansania im Osten Afrikas dokumentierte er, was offiziell nicht erlaubt ist: Ein Besuch beim „Witchdoctor" gehört zum Ritual vor Spielbeginn, er soll helfen, die eigene Mannschaft zu stärken oder die Kräfte des Gegners zu schwächen. Die Rituale unterscheiden sich in den 54 afrikanischen Nationen, auch darüber gibt Becker Auskunft. Jetzt ist das Buch zu seinem Film erschienen - mit vielen zusätzlichen Informationen insbesondere zur Historie des Fußballs in Afrika: So haben Kolonialbeamte, europäische Soldaten und Missionare bereits im 19. Jahrhundert das Spiel um das runde Leder nach Afrika gebracht.

Die Rezensenten bescheinigen Becker viel Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem Thema, bezeichnen ihn unter anderem als „zugewandten Beobachter". Ralf Wiegand in der Süddeutschen Zeitung (17.Mai 2010) schrieb: „Der Autor akzeptiert den fremden Glauben an Magie und Hexerei ohne Überheblichkeit. Er schildert für unser Empfinden abscheuliche Rituale mit der Präzision eines Dokumentarfilmers... und der höflichen Neutralität eines Gastes. Er nimmt - und das ist ungewollt eine politische Botschaft - Afrika, wie es ist, und unterscheidet sich schon dadurch wohltuend von der FIFA." Auch von Ritualen, die auf Europäer eher befremdlich wirken, erfuhr Becker, wohnte ihnen aber nicht selbst bei: Hexenmeister und einige Spieler gehen auch in Leichenhäuser, waschen dort Verstorbene, um die Flüssigkeit dieser Waschungen aufzufangen und dann als beschwörenden Elixier gegen die gegnerischer Mannschaft einzusetzen.

Becker wird nicht zur Fußballweltmeisterschaft nach Südafrika fliegen. Er ist in anderer Mission in Sachen Fußball unterwegs: Abseits des „Glamour-Events" in Südafrika findet in Ruanda und Kongo das Fußballturnier „Four Countries for Peace" statt. Dort messen die ehemaligen Kriegsgegner Ruanda, Burundi, Kongo und Uganda ihre Kräfte beim Fußball -„ein Akt zur Verständigung und Versöhnung", so Becker, der im Auftrag des Deutschen Fußballbunds (Abteilung internationale Beziehungen) diese Begegnungen filmen wird.

Afrika gilt weiter sein Augenmerk auch als Wissenschaftler: Becker arbeitet zurzeit an seiner Promotion an der Goethe-Universität zum Thema „Muti Morde: deviante Form traditionellen Glaubens oder aggressivste Form okkulter Gewalt? Hintergrund und Zusammenhänge rezenter Ritualmorde in Südafrikas Limpopo Province", betreut von Prof. Mamadou Diawara, Professor am Frobenius-Institut und Mitglied des Exzellenzclusters „Herausbildung normativer Ordnungen".

Informationen:
Oliver G. Becker, Zentrum für interdisziplinäre Afrikaforschung, Campus Westend, (zurzeit unterwegs in Ruanda) , E-Mail: becker@occasione.de;

Weitere Informationen:
http://www.occasione.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Umweltbundesamt: Umweltschädliche Subventionen kosten 48 Milliarden Euro

Martin Ittershagen, Pressestelle
Umweltbundesamt (UBA)

Haushalt entlasten, Umwelt schützen - Umweltbundesamt legt Subventionsbericht vor
Umweltschädliche Subventionen kosten den Fiskus gut 48 Milliarden Euro pro Jahr; das entspricht rund einem Fünftel des Bundeshaushaltes. Und die Tendenz ist leider steigend. Fast die Hälfte der Subventionen begünstigt direkt den Verbrauch fossiler Energieträger und macht so Anstrengungen im Klimaschutz teilweise zunichte. „In Zeiten der Rekordverschuldung müssen alle Subventionen auf den Prüfstand. Der Abbau sollte allerdings nicht nach dem Rasenmäherprinzip erfolgen, sondern gezielt bei umweltschädlichen Subventionen ansetzen", sagt Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA).

Mit der aktuellen Studie gibt das UBA der Finanzpolitik eine Entscheidungsgrundlage an die Hand: „In der Krise besteht die einmalige Chance zum ehrlichen Kassensturz. Umweltschädliche Subventionen belasten den Haushalt zweimal: Heute durch Mehrausgaben und Mindereinnahmen des Staates und morgen durch erhöhte Kosten für die Beseitigung von Schäden an Umwelt und Gesundheit", so Flasbarth.
Die Untersuchung des UBA zeigt, dass es im Vergleich zum Jahr 2006 in der Gesamtschau keinen Fortschritt beim Abbau umweltschädlicher Subventionen gab: Die Summe der umweltschädlichen Subventionen stieg von knapp 42 Milliarden im Jahr 2006 auf gut 48 Milliarden im Jahr 2008. Besonders stark stiegen die Subventionen für die Sektoren Energie und Verkehr. Positives gibt es aber auch zu vermelden: Im Bau- und Wohnungswesen gab es einen leichten Rückgang, was auf das schrittweise Auslaufen der Eigenheimzulage zurückzuführen ist.
Das tatsächliche Volumen umweltschädlicher Subventionen in Deutschland liegt sogar noch erheblich über den vom UBA ermittelten 48 Milliarden Euro, da die Studie fast ausschließlich Subventionen auf Bundesebene betrachtet. Förderprogramme auf Länder- und kommunaler Ebene sowie die über den EU-Haushalt laufenden Subventionen fließen nur ansatzweise ein. Die Palette der ökologisch schädlichen Förderungen belastet nahezu alle Umweltgüter: Von Schäden an Wasser, Boden oder Luft, bis hin zur Erhöhung der Flächeninanspruchnahme und dem Verlust der biologischen Vielfalt.
Die Hälfte der umweltschädlichen Subventionen, gut 24 Milliarden Euro, begünstigt direkt fossile Energieträger und konterkariert damit Anstrengungen zum Klimaschutz. Dazu zählen beispielsweise die Strom- und Energiesteuer-Ermäßigungen für das Produzierende Gewerbe und die Land- und Forstwirtschaft, der Spitzenausgleich bei der Ökosteuer für das Produzierende Gewerbe und die Steuerentlastung für bestimmte energieintensive Prozesse und Verfahren, die zusammen zu Steuermindereinnahmen von über 5 Milliarden Euro führen. Diese Subventionen senken den Energiepreis und begünstigen dadurch den Energieverbrauch. Sie sollten aus Umwelt- und Klimaschutzsicht abgebaut werden, wobei es Härtefallregelungen für besonders energieintensive und im internationalen Wettbewerb stehende Unternehmen geben sollte. Kurzfristig sollten die Subventionen zumindest an striktere Bedingungen geknüpft werden, zum Beispiel an die Einführung eines Energiemanagementsystems. .
Im Sektor Verkehr begünstigt die aktuelle Dienstwagenbesteuerung die private Nutzung eines Dienstwagens gegenüber der Nutzung eines Privatfahrzeugs. Das trägt zu den Umweltbelastungen des Straßenverkehrs bei. Bereits eine moderate Reform könnte jährlich Steuermehreinnahmen von einer halben Milliarde Euro generieren.
Der gewerbliche Flugverkehr profitiert seit langem von der Energiesteuerbefreiung für Kerosin. Zudem fällt auf internationalen Flügen keine Mehrwertsteuer an. Insgesamt entgingen dem Staat dadurch im Jahr 2008 Steuereinnahmen von 11,5 Milliarden Euro. Die Subventionierung des Flugverkehrs verzerrt den Wettbewerb zu Lasten der Bahn und anderer, umweltfreundlicherer Verkehrsmittel. Mit den 11,5 Milliarden Euro entfiel knapp die Hälfte der umweltschädlichen Verkehrssubventionen auf den Flugverkehr. Hier hält das UBA eine möglichst weiträumige - zumindest EU-weite - Kerosinsteuer sowie mittelfristig die Erhebung einer EU-weiten Mehrwertsteuer für innergemeinschaftliche, grenzüberschreitende Flüge für zielführend.
Eine nachhaltige Finanzpolitik sollte die Umweltverträglichkeit als ein zentrales Kriterium bei allen einnahmen- und ausgabenpolitischen Entscheidungen aufnehmen. „Ein systematischer Umwelt-Check bei Subventionen wäre daher sinnvoll", so UBA-Präsident Flasbarth. Die eingesparten Gelder könnten dringend benötigte Spielräume zur Finanzierung wichtiger Zukunftsaufgaben schaffen, etwa für Bildung und den Klimaschutz, oder zur Konsolidierung der öffentlichen Haushalte.
Beim Subventionsabbau steht Deutschland auch international in der Pflicht. Das Kyoto-Protokoll fordert explizit die Abschaffung von Subventionen, welche die Minderung von Treibhausgasen behindern. Im Rahmen der G20-Beschlüsse in Pittsburgh im September 2009 hat sich auch Deutschland dazu verpflichtet, Subventionen für fossile Energieträger mittelfristig auslaufen zu lassen. Dennoch förderte allein der Bund den Steinkohlebergbau im Jahr 2008 direkt mit 1,9 Milliarden Euro. Erhaltungssubventionen für diesen Wirtschaftszweig sind schon aus ökonomischer Sicht nicht sinnvoll, zudem erzeugt der Bergbau gravierende Folgekosten. Dies alles spricht dafür, die Steinkohleförderung stärker und schneller abzubauen als bislang geplant.

Das Hintergrundpapier „Umweltschädliche Subventionen in Deutschland - Aktualisierung für 2008" steht unter http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3780.pdf. Die neue, umfassende Studie zu den umweltschädlichen Subventionen erscheint in Kürze.
Die Vorgängerstudie „Umweltschädliche Subventionen in Deutschland" mit Daten für das Jahr 2006 steht unter http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3659.pdf

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Fußball: Fitness für Spielsportler - Hat Jogi Löw bald einen Ernährungsexperten im Team?

Rita Wilp, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V.

Ausgewogen essen und trinken für mehr Leistung - das ist inzwischen ein Thema im Spitzensport. Während Fußballer zu Sepp Herbergers Zeiten noch durstig aufs Spielfeld gingen, weiß man heute: „Die Schpieler müsse nicht drocke sein", wenn sie mit dem Kicken beginnen. Tatsächlich galt damals: Wer wenig trinkt, schwitzt wenig und verliert weniger wichtige Mineralstoffe. Genau das Gegenteil ist aber der Fall:
„Ausreichend trinken und essen machen fit, nicht schlapp", so Dr. Andrea Lambeck, Kongresspräsidentin und Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Oecotrophologen e.V. (VDOE) anlässlich des Kongresses „Ernährung 2010" in Leipzig.

Schon für die alten Griechen war klar, dass (Sportler-)Leistung und Erfolg durch den Magen gehen. Auch Felix Magath weiß das: „Aus der richtigen Ernährung resultiert ein Teil der Leistungsfähigkeit der Spieler", erklärt der Schalke-Trainer. Andrea Lambeck wünscht sich, dass Jogi Löw bald einen Ernährungsexperten im Beraterteam hat. „Dann bleiben die deutschen Profi-Kicker fit und am Ball", meint die Kongresspräsidentin.

Erfahrung mit der Ernährungstherapie im Sport gibt es auf vielen Gebieten: So können Leistungsschwäche, Probleme beim Muskelaufbau oder chronische Entzündungsprozesse gezielt ernährungstherapeutisch behandelt werden. Für die Leistungsfähigkeit von Sportlern sind Kohlenhydrate die wichtigsten „Betriebsstoffe". Ohne diesen Nährstoff geht nichts. Sowohl vor, während und nach dem Wettkampf oder Spiel, sollten Kohlenhydrate, beispielsweise aus Nudeln, Brot oder Reis die Energiespeicher füllen. Sportliche Höchstleistungen sind auch nur mit den richtigen Getränken möglich. Sie gleichen Flüssigkeitsverluste aus und dienen als Kühlmittel. Auf Vitamine und Mineralstoffe kommt es ebenfalls an - so werden B-Vitamine und Magnesium im Energiestoffwechsel von Muskel- und Nervenzellen gebraucht. Magnesium schützt darüber hinaus vor Muskelkrämpfen. Für Nachschub sorgen Vollkornprodukte, mageres Fleisch, Gemüse und mineralstoffreiche Getränke.

Oecotrophologen und Ernährungswissenschafter wissen, worauf Spitzen- und Freizeitsportler bei der Ernährung achten müssen. Denn das gehört zu den vermittelten Inhalten des breit gefächerten Studiums, so Andrea Lambeck.

Wer Experten für Sportlerernährung sucht, kann diese im Online-Expertenpool des VDOE finden. Auf www.vdoe.de/experten-suchen.html sind die Kontaktdaten von etwa 700 selbstständigen Oecotrophologen eingetragen.

Ansprechpartnerin:
Dr. Andrea Lambeck
Vorstandsvorsitzende Verband der Oecotrophologen e.V. (VDOE)
Geschäftsführerin Plattform Ernährung und Bewegung e.V. (peb)
Wallstr. 65, 10179 Berlin (Mitte)
Tel.: 030/27 87 97 61
e.mail: a.lambeck@pebonline.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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„Stärkt die Abwehrkräfte" und „Hilft beim Wachsen": Wer prüft solche Aussagen?

Dr. Ernst Guggolz, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Angaben darüber, wie beispielsweise ein Schokoriegel auf die Gesundheit wirkt, müssen wissenschaftlich belegt sein: Die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde verlangt vom Hersteller entsprechende Nachweise. Die „Nachrichten aus der Chemie" zeigen anhand von Beispielen, welche Angaben die Behörde zugelassen hat und welche bei der Prüfung durchgefallen sind. Doch selbst wenn ein Zusammenhang zwischen Lebensmittel und Wirkung belegt ist, sind solche Hinweise problematisch.
„Health claim" ist der englische Begriff für gesundheitsbezogene Aussagen auf Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln. Beispielsweise sollen Streichfette mit Phytosterolen den Cholesterinspiegel senken und so das Risiko für koronare Herzkrankheiten senken. Ersteres stimmt tatsächlich, meint die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa. Allerdings gibt es keine Studien, welche die zweite Behauptung belegen. Daher darf die Angabe auf Streichfetten nur lauten: „Phytosterole senken nachweislich den Blutcholesterinspiegel. Niedrige Cholesterinspiegel senken nachweislich das Risiko für die Entwicklung koronarer Herzkrankheiten." In keiner Weise belegen ließ sich dagegen die Aussage, dass Kinderschokolade „hilft zu wachsen". Diese Angabe darf der Hersteller daher nicht auf die Verpackung drucken.

Wenn eine Prüfung negativ ausfällt, heißt das nicht unbedingt, dass eine Wirkung nicht existiert: Oft weisen die Studien lediglich Mängel auf oder liefern widersprüchliche Ergebnisse. Besteht ein Health claim die Prüfung, ist ebenso nicht gesagt, dass das entsprechende Nahrungsergänzungsmittel ein wertvoller Bestandteil der Ernährung ist. Nahrungsergänzungsmittel und Lebensmittel unterliegen keiner Zulassung, daher bewertet die Efsa zwar die Wirkung, aber nicht immer die Sicherheit einer Zutat. Die Substanz kann unbekannte Nebenwirkungen erzeugen oder mit Medikamenten wechselwirken. Für Phytosterole gibt es beispielsweise eine maximale Tagesdosis, außerdem sollten Kinder und Schwangere diese Substanzen nicht zu sich nehmen.

Die Lebensmittelchemiker Leane Lehmann und Harald Esch geben in den „Nachrichten aus der Chemie" einen Überblick über die Bewertung von Health claims für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmitteln. Sie erklären, wie die Behörde solche Angaben prüft, und zeigen, warum der Verbraucher ein Health claim immer auch mit Vorsicht betrachten sollte. Die PDF-Datei des Beitrags gibt es bei der Redaktion der „Nachrichten aus der Chemie" unter nachrichten@gdch.de.

Nahezu 80.000 anspruchsvolle Chemiker und Chemikerinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Lehre informieren sich mit den „Nachrichten aus der Chemie" über Entwicklungen in der Chemie, in angrenzenden Wissenschaften sowie über gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte. Kennzeichen der Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker sind das breite Spektrum der Berichte, das einmalige Informationsangebot an Personalien, Veranstaltungs- und Fortbildungsterminen sowie der große Stellenmarkt.

Weitere Informationen:
http://www.gdch.de/nachrichten "Nachrichten aus der Chemie"
http://www.gdch.de/taetigkeiten/nch/jg2010/h03_10.htm Das Märzheft der "Nachrichten aus der Chemie"

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Psychologie: Warum Menschen auf Risiko gehen

Robert Emmerich, Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Die Finanzkrise zeigt: Manche Menschen gehen leichtfertig hohe ökonomische Risiken ein. Wie kommt es zu solchen Verhaltensweisen? Das erforscht Johannes Hewig (35), neuer Professor für Psychologie an der Universität Würzburg.
Wann werden Menschen in ökonomischer Hinsicht risikofreudig? Wie kommt es zu schwer wiegenden Fehlentscheidungen? Diesen Fragen geht Psychologie-Professor Johannes Hewig in einem aktuellen Projekt nach, gefördert von der Volkswagen-Stiftung mit einem so genannten Schumpeter-Fellowship. Diese Art der Förderung vergibt die Stiftung pro Jahr an acht bis zehn exzellente junge Wirtschafts-, Sozial- und Rechtswissenschaftler.

„Generell untersuche ich, wie sich Emotionen, Belohnung und Bestrafung auf das Entscheidungsverhalten der Menschen auswirken." Spannend sei dabei auch, wie unterschiedlich Menschen auf Belohnung und Bestrafung reagieren.

Warum Karten- und Computerspieler zocken

Neue Erkenntnisse zu diesem Thema hat das Team von Johannes Hewig am 15. April 2010 in der Fachzeitschrift „Biological Psychiatry" publiziert: Untersucht wurden Menschen, die übermäßig viel Zeit mit Karten- oder Computerspielen verbringen.

Ergebnis: „Wenn solche ‚krankhaften‘ Spieler mit riskanten Manövern Erfolg haben, kommt es in ihrem Gehirn zu einer übersteigerten Belohnungsreaktion", sagt der neue Professor. Darum bleiben die Spieler weiterhin bei ihrem riskanten Verhalten.

Für seine Forschung setzt Hewig diagnostische Techniken ein: Mit Elektroenzephalographie werden die Hirnströme der Probanden aufgezeichnet, mit der funktionellen Magnet-Resonanz-Tomographie physiologische Vorgänge im Gehirn sichtbar gemacht. Auf diesem Gebiet wird er in Würzburg mit dem Forschungszentrum Magnet-Resonanz-Bayern e.V. kooperieren.

Zwei Vorlesungen in diesem Sommer

Im laufenden Sommersemester hält Hewig zwei Vorlesungen: In Differentieller Psychologie geht es unter anderem um die Beschreibung und Erklärung von psychologischen Unterschieden zwischen Menschen; in Psychologischer Diagnostik um die exakte Messung von psychologischen Eigenschaften und Zuständen.

Werdegang und Auszeichnungen

Geboren wurde Johannes Hewig 1974 in Calw. Er studierte Psychologie an der Universität Trier, wo er im Jahr 2004 auch promovierte. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter ging er danach in die Abteilung für Biologische und Klinische Psychologie der Universität Jena. 2009 habilitierte er sich dort; von Jena folgte er im April 2010 dem Ruf nach Würzburg.

2005 wurde Johannes Hewig mit dem Nachwuchswissenschaftlerpreis der „Deutschen Gesellschaft für Psychophysiologie und ihre Anwendungen" ausgezeichnet. 2010 folgte der Schumpeter-Fellowship der Volkswagen-Stiftung.

Kontakt

Prof. Dr. Johannes Hewig, Institut für Psychologie der Universität Würzburg, T (0931) 31-82463, hewig@psychologie.uni-wuerzburg.de

„Hypersensitivity to Reward in Problem Gamblers", Johannes Hewig, Nora Kretschmer, Ralf H. Trippe, Holger Hecht, Michael G.H. Coles, Clay B. Holroyd und Wolfgang H.R. Miltner, Biological Psychiatry, Volume 67, Issue 8, 15 April 2010, Pages 781-783, doi:10.1016/j.biopsych.2009.11.009

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Abwassertechnologien fürs Ausland: RUB-Forscher geben praktische Empfehlungen für den Export

Dr. Josef König, Pressestelle
Ruhr-Universität Bochum

Ergebnisse aus bundesweitem BMBF-Verbundprojekt

Abwasser ist nicht gleich Abwasser: Temperatur, Zusammensetzung, Salzgehalt und vieles mehr variiert von einem Land zum anderen. Wie man Abwasser abhängig von den örtlichen Gegebenheiten behandelt und zur Wiederverwendung aufbereitet, haben Forscher unter der Leitung von Prof. Dr. Hermann Orth (Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft und Umwelttechnik an der RUB) in einem mit 6,5 Mio. Euro vom Bundesforschungsministerium (BMBF) geförderten Projekt untersucht.

Im Fokus: Technologien für andere Länder

Dem globalen Wassermangel kann man nur durch eine weitgehende Wiederverwendung von Abwasser, vornehmlich zur landwirtschaftlichen Bewässerung, wirksam begegnen. Aber die Voraussetzungen für Abwassertechnologien und eine Wasserwiederverwendung unterscheiden sich andernorts erheblich von unseren. Höhere oder niedrigere Temperaturen, eine andere Beschaffenheit des Abwassers, erhöhte Salzgehalte infolge der Verwendung von Meerwasser als Rohwasserquelle, aber oft auch eine Infrastruktur, die die Anwendung technologisch aufwendiger Verfahren nicht erlaubt, sind nur einige Beispiele. Welche veränderten Rahmenbedingungen sind in anderen Ländern zu beachten? Wie sind bewährte Technologien anzupassen? Diese und verwandte Fragen standen im Mittelpunkt des Verbundprojektes. Beteiligte Wissenschaftler reisten u.a. nach Asien und Afrika, um vor Ort Studien zu betreiben.

Technologien anpassen

Ihre Anpassungsempfehlungen resultieren beispielsweise aus Temperaturunterschieden. „Die Umsatzgeschwindigkeit biologischer Verfahren der Abwasserreinigung mit Bakterien verändert sich dadurch erheblich", erklärt Ruben-Laurids Lange vom Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft. „Bei Temperaturen unter zehn Grad sind die Bakterien nicht mehr so leistungsfähig, so dass man die Becken für eine bestimmte Wassermenge entsprechend größer planen muss als in wärmeren Gebieten. Bei höheren Temperaturen schaffen die Bakterien mehr, so dass das Becken kleiner sein kann. Dafür muss man aber mehr Sauerstoff zuleiten." Entsprechend dem Ziel des Verbundprojektes, die Exportwirtschaft zu unterstützen, wurden die technologischen Projekte durch die Entwicklung von Planungsinstrumenten wie Software zur Projektplanung und zur Projektbewertung ergänzt. Das Handbuch mit den Projektergebnissen und Empfehlungen wird bei der Abschlussveranstaltung ausgegeben und danach am Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft und Umwelttechnik erhältlich sein.

Das Projektteam

Dem Projektteam gehörten Wissenschaftler und praktisch tätige Ingenieure der Universitäten bzw. Technischen Hochschulen Aachen, Bochum, Braunschweig, Darmstadt, Halle-Wittenberg, Hannover, Karlsruhe, München und Stuttgart, sowie der FH Emden-Leer und der Firmen Scholz und Partner GmbH, GEA 2H Water Technologies GMbH, IEEM an der Universität Witten/Herdecke gGmbH, Passavant-Roediger GmbH und dem ifak Magdeburg e. V. an. Das Verbundprojekt gliederte sich in die drei Kernprojekte „Abwasserbehandlung", „Desinfektion und Wasserwiederverwendung" und „Simulation und Konzepte der Abwasserbehandlung". Die Kernprojekte wurden durch die TH Aachen, die TU Darmstadt und das IEEM an der Universität Witten/Herdecke gGmbH koordiniert, die die Gesamtkoordination durch die Ruhr-Universität unterstützten.

Weitere Informationen

Prof. Dr.-Ing. Hermann Orth, Dipl.-Ing. Ruben-Laurids Lange, Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwissenschaften, Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft und Umwelttechnik, Tel.: 0234/32-23049, E-Mail: siwawi@rub.de

Lehrstuhl-Homepage: http://www.ruhr-uni-bochum.de/siwawi

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wundersüßstoff Stevia: Forscher der Uni Hohenheim untersuchen Verbrauchererwartungen

Florian Klebs, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hohenheim

Online-Umfrage unter www.stevia.uni-hohenheim.de/

Schon bald könnten statt Zucker oder Süßstoff des Blätter-Extrakt der Süßpflanze Stevia rebaudiana auch Lebensmittel in der EU versüßen: Nach langer Prüfung erklärte die EU Lebensmittelbehörde den neuen Süßstoff jetzt als unbedenklich. Eine zügige Zulassung der EU-Kommission gilt als sehr wahrscheinlich. An der Universität Hohenheim wird die Süßpflanze aus Südamerika seit rund 12 Jahren wissenschaftlich untersucht. Mit einer Online-Umfrage wollen die Forscher jetzt Akzeptanz und die Verbrauchererwartungen vor der Markteinführung testen. Weitere Infos und Fragebogen unter www.stevia.uni-hohenheim.de.

Weltweit hat das Süßkraut von der Hochebene Paraguays eine wachsende Fan-Gemeinde. Japaner dürfen den Tee schon seit 1975 damit süßen. In den USA produzieren Pepsi und Coca-Cola seit 2009 erste Getränke mit Stevia-Süße. Die Schweiz brachte vor einem Jahr erste Lebensmittel mit Stevia auf den Markt. Als erstes EU-Land erteilte Frankreich im August 2009 eine zweijährige Ausnahmegenehmigung.
Auch in Deutschland gibt es seit Jahren überzeugte Stevia-Fans - die ihren Bedarf an Pflanzen-Süße mit teils skurrilen Tricks zu decken suchten. So ist die Pflanze seit Jahren zwar nicht als Lebensmittel, dafür aber als Badezusatz oder Kosmetikum zugelassen. Wie man daraus kalorienfreie Limo braut oder schlankhaltenden Kuchen backt, ist heiß diskutiertes Thema in einschlägigen Internet-Foren.
15 bis 30 mal süßer als Zucker - und praktisch kalorienfrei
Fest steht: „Der natürliche Zuckerersatzstoff ist praktisch frei von Kalorien und auch für Diabetiker bestens verträglich", zitiert Agrarwissenschaftler Dr. Udo Kienle von der Universität Hohenheim einschlägige Studien. Tatsächlich seien die getrockneten Blätter der krautigen Pflanze etwa 15 - 30 mal süßer als Zucker. In Paraguay würden die Blätter von Stevia rebaudiana meist zusammen mit Mate zu einem Teegetränk bereitet, das kalt getrunken im Sommer hervorragend den Durst lösche, berichtet der Forscher von eigenen Erfahrungen.
Ursache dafür seien sogenannte Steviolglykoside, die in den Blättern der Pflanze gebildet werden. „Durch Extraktion der Steviolglykoside kann aus den Blättern ein hochgereinigter Süßstoff gewonnen werden. Frische Blätter der Pflanze können z.B. für Obstsalat oder Cocktails, getrocknete Blätter z.B. für Tees genutzt werden", sagt Dr. Kienle.
12 Jahre Forschungs-Expertise der Universität Hohenheim
Dr. Kienle ist einer der Wissenschaftler der Universität Hohenheim, die sich seit rund 12 Jahren intensiv mit dem Zukunftspotential der Süßpflanze beschäftigen. Unter anderem erstreckt sich die Bandbreite der Hohenheimer Stevia-Forscher von neuen Zuchtvarianten für den Anbau in Europa bis hin zur Potentialanalyse des Süßkrauts als Einkommensersatz für Tabakbauern.
Anlässlich der wahrscheinlich bald erfolgenden Markteinführungen starten die Wissenschaftler jetzt eine eigene Verbraucherbefragung, die Verbrauchererwartung und Verbraucherakzeptanz der Süßstoffe durchleuchtet. „Die Umfrage dauert knapp zehn Minuten. Verbraucher finden sie im Internet unter www.stevia.uni-hohenheim.de/", erklärt Nachwuchsforscherin Valentina Breitenstein, die die Umfrage im Rahmen einer Abschlussarbeit leitet.
Text: Konstantinidis / Klebs

Kontakt für Medien:
Dr. Udo Kienle, Universität Hohenheim, Institut für Agrartechnik
Tel.: 0711/459-22845, E-Mail: u-kienle@uni-hohenheim.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Angebot an offenen Stellen bleibt verhalten

Wolfgang Braun, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Im ersten Quartal 2010 gab es in Deutschland 843.000 offene Stellen, berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Das waren 27.000 Stellen oder drei Prozent weniger als ein Jahr zuvor. „Der Arbeitskräftebedarf der Betriebe bleibt verhalten", kommentiert die Arbeitsmarktforscherin Anja Kettner die Ergebnisse. Dies sei jedoch kein Zeichen für eine negative Entwicklung des Arbeitsmarkts, sondern die Folge des erfolgreichen Beschäftigungserhalts in der Krise.
„Die Betriebe bauen erst Kurzarbeit ab und weiten die Arbeitszeiten ihrer Beschäftigten wieder aus, bevor sie neue Stellen ausschreiben", erklärt Anja Kettner die zurückhaltende Stellenentwicklung im ersten Quartal 2010. Zudem setze nicht jede Neueinstellung eine offene Stelle voraus. „So dürfte mancher Betrieb zunächst versuchen, ehemalige Beschäftigte, die krisenbedingt entlassen werden mussten, zurück zu gewinnen. Eine formale Stellenausschreibung gibt es in diesen Fällen nicht", so die IAB-Forscherin.

Stellenrückgang besonders in den Branchen Metall und Handel

Auch wenn sich der Arbeitsmarkt im Zuge der Wirtschaftskrise weitaus besser gehalten hat als befürchtet, zeigen sich ihre Auswirkungen auf den Arbeitskräftebedarf immer noch deutlich: Im ersten Quartal 2010 gab es am ersten Arbeitsmarkt, also ohne Berücksichtigung der geförderten Stellenangebote, nur gut halb so viele offene Stellen wie im Boomjahr 2007. Besonders gesunken ist die Zahl der Stellen im Bereich Metall/Metallerzeugnisse sowie im Handel. In der Metallbranche war im ersten Quartal 2010 das Stellenangebot um rund drei Viertel niedriger als noch im ersten Quartal 2007, im Handel war es um zwei Drittel niedriger. Die Privaten und Sozialen Dienstleistungen haben sich dagegen trotz der Wirtschaftskrise positiv entwickelt. Hier gab es im ersten Quartal 2010 rund 31 Prozent bzw. sieben Prozent mehr Stellenangebote als vor drei Jahren.

Das IAB erfasst viermal jährlich das gesamte Stellenangebot, also auch jene Stellen, die nicht den Arbeitsagenturen gemeldet werden. Im ersten Quartal 2010 wurden 8.000 Arbeitgeber aller Wirtschaftsbereiche befragt.

Die Ergebnisse der IAB-Erhebung zum gesamtwirtschaftlichen Stellenangebot stehen im Internet unter http://doku.iab.de/grauepap/2010/os1001.pdf.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Gesundheit der Mitarbeiter im Blick

Dipl.-Jour. Helena Reinhardt, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Jena

Uniklinikum Jena etabliert Gesundheitsmanagement als Teil der betrieblichen Gesundheitsvorsorge
Jena. Gesundes Arbeiten, gesunde Mitarbeiter, gesundes Unternehmen - das sind die Ziele des Gesundheitsmanagements, das jetzt am Universitätsklinikum Jena etabliert werden soll. Damit folgt das UKJ dem Beispiel vieler großer Industrieunternehmen, die seit einiger Zeit damit begonnen haben, nachhaltige und effektive gesundheitsfördernde Maßnahmen für ihre Mitarbeiter einzuführen und zu koordinieren.
„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, egal ob in der Krankenversorgung oder in Forschung und Lehre, sind täglich darum bemüht, die Gesundheit anderer Menschen zu schützen oder wiederherzustellen. Das ist eine anstrengende Arbeit bei der man auch dafür sorgen sollte, selber gesund und fit zu bleiben", begründet Professor Dr. Klaus Höffken, Medizinischer Vorstand am UKJ, die Schaffung der neuen Einrichtung. Gemeinsam mit dem Personalrat habe der Klinikumsvorstand sich daher dafür eingesetzt, so Höffken weiter, ein betriebliches Gesundheitsmanagement einzurichten, das alle bisherigen Einzelprojekte und neuen Angebote zur Gesundheitsförderung koordiniert.
Die Maßnahmen des Gesundheitsmanagements umfassen sowohl das Arbeitsumfeld als auch das Verhalten der Mitarbeiter und richten sich entweder an die ganze Belegschaft oder an einzelne Zielgruppen. „Wir haben am Klinikum bereits eine Menge an Aktivitäten zur Unterstützung gesundheitsgerechter Arbeitsbedingungen und gesundheitsfördernden Verhaltens", sagt Dr. Norbert Gittler-Hebestreit, seit Mai Leiter des Gesundheitsmanagements am UKJ. „Meine Aufgabe besteht darin, diese Angebote auszubauen, aufeinander abzustimmen und noch konkreter dahin zu lenken, wo der Bedarf am größten ist", so der Gesundheitsexperte. Dr. Norbert Gittler-Hebestreit arbeitete vor der Ausbildung zum Gesundheits- und Pflegewissenschaftler viele Jahre in der Pflege. Daher weiß er aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, sich auch um die eigene Gesundheit zu kümmern.
Teil seiner neuen Aufgaben ist auch die Einführung eines betrieblichen Eingliederungsmanagements am UKJ. Der Schwerpunkt dieses gesetzlich geforderten Angebots liegt darauf, die Arbeitsfähigkeit längerfristig erkrankter Mitarbeiter zu erhalten oder wiederherzustellen. Gittler-Hebestreit wird dabei zukünftig von Myriam Dorsch als Koordinatorin des Wiedereingliederungsmanagements unterstützt.
„Wir freuen uns, dass wir zwei so versierte Kollegen für diese wichtigen Aufgaben gewinnen konnten und hoffen sehr, dass es uns gelingt, mit der Einführung eines Gesundheitsmanagement die Gesundheit unserer Mitarbeiter noch mehr als bisher in den Mittelpunkt zu stellen," sagt Dr. Andreas Leichsenring, Vorsitzender des UKJ-Personalrats, der als Mitinitiator wesentlich an der Etablierung von Gesundheits- und Eingliederungsmanagement am Klinikum beteiligt war.

Ansprechpartner:
Dr. Norbert Gittler-Hebestreit
Leiter des Gesundheitsmanagements am Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/933099
E-Mail: Norbert.Gittler-Hebestreit@med.uni-jena.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Die faszinierende Welt des Seetangs

Rudolf-Werner Dreier, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Forscher entschlüsseln das erste Genom der Braunalgen - Veröffentlichung in „Nature"
Die Charakterisierung von braunen Seetang-Arten ist einen großen Schritt vorangekommen: Einem internationalen Konsortium um Dr. Mark Cock von der „Station biologique de Roscoff" in Frankreich ist es gelungen, das Genom eines dieser Organismen (Ectocarpus siliculosus) zu entschlüsseln. PD Dr. Stefan Rensing und Dr. Daniel Lang von der Fakultät für Biologie der Universität Freiburg beteiligten sich an der Analyse des Genoms mit der Klassifizierung und phylogenetischen Analyse der Transkriptionsfaktoren sowie der Genomhistorie.

An vielen Küsten der Welt würde man sich, könnte man einfach ins Meer laufen, in einem dichten unterseeischen Wald wiederfinden. Diese Wälder werden von einer Gruppe von Organismen mit vielen ungewöhnlichen Eigenschaften beherrscht: dem braunen Seetang. Einige Arten der Braunalgen können sehr groß werden, im unterseeischen Wald ragen sie bis zu 60 Meter über den Meeresboden empor.

Trotz einer oberflächlichen Ähnlichkeit mit Landpflanzen weisen Braunalgen eine andere evolutionäre Geschichte auf. Sie sind mit dem Menschen fast so nah verwandt wie mit den Blütenpflanzen, mit beiden Gruppen teilen sie sich die Eigenschaft der Vielzelligkeit. Braunalgen haben einen atypischen Stoffwechsel und sind eine sehr interessante Quelle für neuartige Biomoleküle: Schon lange wurden sie zum Beispiel von den Pharma- und Nahrungsmittelherstellern sowie der Textilindustrie genutzt, weil sie interessante Polysaccharide, also Mehrfachzucker, produzieren.

Unlängst wurde ein Molekül in ihnen entdeckt, das die natürliche Abwehrreaktion von Kulturpflanzen anregt und so den Pestizideinsatz verringert. Ein vollständiges Inventar der genetischen Information des braunen Seetangs wird das Verständnis für die Biologie dieser faszinierenden Organismen in den kommenden Jahren erheblich beschleunigen.

Veröffentlichung:
Nature: The Ectocarpus genome and the independent evolution of multicellularity in the brown algae.
Cock J.M., Sterck L., Rouzé P., Scornet D., Allen A.E., Amoutzias G., Anthouard V., Artiguenave F., Aury J.-M., Badger J.H., Beszteri B., Billiau K., Bonnet E., Bothwell J.H.F., Bowler C., Boyen C., Brownlee C., Carrano C.J., Charrier B., Cho G.Y., Coelho S.M., Collén J., Corre E., Delage L., Delaroque N., Dittami S.M., Doulbeau S., Elias M., Farnham G., Gachon C.M.M., Gschloessl B., Heesch S., Jabbari K., Jubin C., Kawai H., Kimura K., Kloareg B., Küpper F.C., Lang D., Le Bail A., Leblanc C., Lerouge P., Lohr M., Lopez P.J., Martens C., Maumus F., Michel G., Miranda-Saavedra D., Morales J., Moreau H., Motomura T., Nagasato C., Napoli C.A., Nelson D.R., Nyvall-Collén P., Peters A.F., Pommier C., Potin P., Poulain J., Quesneville H., Read B., Rensing S.A., Ritter A., Rousvoal S., Samanta M., Samson G., Schroeder D.C., Ségurens B., Strittmatter M., Tonon T., Tregear J., Valentin K., von Dassow P., Yamagishi T., Van de Peer Y., Wincker P. Published online: 03. Juni 2010, doi: 10.1038/nature09016

Kontakt:
PD Dr. Stefan A. Rensing
Bioinformatik und Systembiologie
FRISYS, Fakultät für Biologie
Universität Freiburg
Tel.: 0049 (0) 761/203-6974
Fax: 0049 (0) 761/203-2921
E-Mail: stefan-rensing@biologie.uni-freiburg.de
http://plantco.de/

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Sollte Ballack wirklich für Reiseanbieter werben? Studie untersucht den Erfolg von Fußball-Nationalspielern innerhalb der Werbung

Florian Klebs, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hohenheim

WM-Studie 2010 der Universität Hohenheim: Bekanntheit der Kicker allein reicht nicht aus; Werbeträger muss für das Produkt geeignet sein
Gegensätze ziehen sich an: Phillip Lahm eignet sich hervorragend als Werbeträger für die Bildzeitung. Hingegen nehmen die Deutschen Bastian Schweinsteiger als Werbefigur für Bifi als weniger passend wahr.

Eine Studie des Lehrstuhls für Marketing I der Universität Hohenheim untersucht, warum Fernsehspots mit Kickern der Nationalmannschaft in einem Fall wirkungsvoll sind, und im anderen Fall keinen Gefallen finden. In den kommenden Wochen vor, während und nach der WM werden die Marktforscher Deutschlands Bevölkerung erneut auf ihr Fan- und Kundenverhalten durchleuchten.

In Sachen Werbung mit WM-Kickern haben nicht alle Unternehmen vor der WM 2010 richtig gelegen. Zu diesem Ergebnis kommen die Wissenschaftler um Prof. Dr. Markus Voeth, Leiter des Lehrstuhls für Marketing I an der Universität Hohenheim. Nicht nur der Bekanntheitsgrad der Kicker spiele eine Rolle für den Erfolg des Werbespots, sondern vielmehr auch, ob die Nationalspieler zum Produkt passen. „Unternehmen müssen sich deshalb zunächst darüber klar sein, welche Funktion der Kicker als Werbeträger im Hinblick auf das Produkt haben soll", empfiehlt Prof. Dr. Voeth. Nur wenn die Wahrnehmung des Spielers zum Image des Produkts passt oder aber in einem völligen Gegensatz hierzu stehe, habe der Werbespot Aussicht auf Erfolg, so die Studie.

Für die Studie befragten die Marktforscher in fragebogengestützten Interviews deutschlandweit 1664 Personen nach ihrer Wahrnehmung von insgesamt 17 Kicker-Werbespots. Untersucht wurden sowohl für den Spieler als auch für das Produkt zehn Eigenschaften, wie Ehrlichkeit, Leidenschaftlichkeit, Erfolg oder Bodenständigkeit.

Vertrauen in Phillip Lahm übertragt sich auf Bildzeitung

Zwei unterschiedliche Formen eines erfolgreichen Zusammenspiels von Kicker und Produkt unterscheidet die Studie: Soll ein Werbespot das Image des Spielers auf das Image eines Produktes übertragen, können Spieler und Produkt als gegensätzlich wahrgenommen werden, so das Ergebnis. „Bestes Beispiel ist Phillip Lahm als Werbeträger für die Bildzeitung", zeigt Jeanette Loos, Projektleiterin der Studie. „Eben weil Lahm und die Bild gegensätzlich wahrgenommen werden, besteht die Möglichkeit, dass Werbespots mit Lahm zu einem Imagetransfer führen: Bild profitiert von den positiven Eigenschaften des Spielers, welche ihr selbst nicht zugewiesen werden", erklärt Co-Leiterin Sabine Schwarz.

Im Detail stellt die Studie so nur wenige Übereinstimmungen zwischen Phillip Lahm und der Bildzeitung fest. Besonders im Punkt Vertrauen unterschieden sich Spieler und Produkt maßgeblich: „Die Bild steht nicht gerade für hochseriösen Journalismus; dem Spieler Phillip Lahm hingegen bringen die Befragten großes Vertrauen entgegen", erklärt Sabine Schwarz. Gerade auf Grund der großen Unterschiede bilden die Bild und Phillip Lahm ein wirkungsvolles Spieler-Produkt Paar. „Unsere Befragung zeigte, dass sich das Vertrauen in Lahm positiv auf die Vertrauenswerte der Bildzeitung auswirken kann", sagt Jeanette Loos.

Arne Friedrich als Gesicht für Nutella

Die zweite Form des erfolgreichen Zusammenspiels zwischen Spieler und Produkt sei die der großen Übereinstimmung. Werden dem Spieler-Produkt-Paar viele gemeinsame Eigenschaften zugesprochen, kann der Spieler als passendes Gesicht für das Produkt wirken. „Arne Friedrich gibt der Marke Nutella im Werbespot ein gutes Gesicht", nennt Sabine Schwarz als Beispiel. Arne Friedrich und der Schoko-Aufstrich bekommen laut Studie ähnliche Vertrauenswerte zugeschrieben. Auch in Punkto Leidenschaftlichkeit ähneln sich demnach die Einschätzungen von Produkt und Spieler.

Mesut Özil sehen die Deutschen laut Studie als ebenso geeigneten Botschafter für Nutella; Mario Gomez passe gut zu Red Bull. „Auf der Suche nach einem neuen Gesicht für ein Produkt, sollten Unternehmen also darauf achten, dass die Wahrnehmung von Produkt und Spieler sehr genau übereinstimmen oder eben völlig gegensätzlich sind", fasst Prof. Dr. Voeth zusammen.

Ballack sollte nicht für Reiseanbieter werben

Keines der beiden Szenarien passt beim Spieler-Produkt-Paar Michael Ballack und „ab-in-den urlaub.de". „Der Spieler passt weder besonders gut zum Produkt, noch unterscheiden sich ihre Werte grundsätzlich", sagt Jeanette Loos. „Stuck in the middle" nennen die Marktforscher diesen Fall. Die Erfolgsaussichten solcher Werbesports seien schlecht: „Der Spieler hat als Testimonial keinen Effekt und ist demnach eher ungeeignet", sagt Sabine Schwarz.

Verhältnismäßig viele solcher Werbeauftritte stellt die Studie im deutschen Fernsehen fest: Neben Michael Ballack für ab-in-den-urlaub.de und flüge.de gilt dieser Fall laut Studie auch für Bastian Schweinsteiger als Werbeträger für Bifi. Bastian Schweinsteiger und Bifi bekommen von den Deutschen bei allen Faktoren Einschätzungen im Mittelmaß, werden also weder besonders ähnlich, noch extrem gegensätzlich wahrgenommen.

„Bei Michael Ballack und Bastian Schweinsteiger sehen wir sehr häufig: ein hoher Bekanntheitsgrad der Spieler macht noch lange kein wirkungsvolles Werbekonzept. Es kommt vielmehr darauf an, ob sich Spieler und Produkt entsprechen oder ergänzen", folgert Prof. Dr. Voeth.

Repräsentative Befragung zur aktuellen WM

Details zu Marketing- und Werbewirkung der WM 2010 untersucht der Lehrstuhl in den kommenden Wochen vor, während und nach der WM anhand einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung.

Dazu plant die Universität Hohenheim folgende Veröffentlichungen (Terminänderungen vorbehalten):

* 1.6.: Wie sich Deutschland auf die WM vorbereitet - Anschaffungen und Investitionen der Bevölkerung rund um die WM (Was sich die Leute speziell für die WM zugelegt haben?)
* 25.6.: Die WM am Arbeitsplatz - Auswirkungen der WM auf das Arbeitsverhalten der Deutschen
* Weitere Pressemitteilungen je nach Studienergebnissen im Verlauf und Anschluss an die WM.

Hintergrund: WM-Studie der Universität Hohenheim

In einer groß angelegten Langzeitstudie zur FIFA Fußball-WM 2006 hat der Lehrstuhl für Marketing I von Prof. Dr. Voeth seit 2001 unter anderem die Begeisterung, Präferenzen und Vorstellungen der Bevölkerung für die WM ermittelt. Dabei wurden in jährlich wechselnden Sonderschwerpunkten Themen wie die WM als Chance für Städte und Regionen, Vermarktungspotenziale, Sicherheit, Ticket-Pricing, Merchandising und Standortwahl der Stadien untersucht. Die Studie diente einerseits als Stimmungsindikator, andererseits auch als konstruktiver Beitrag für eine erfolgreiche Organisation. In diesem Jahr wird die Studie fortgesetzt, u.a. um die Unterschiede zwischen der WM 2006 und der WM 2010 überprüfen zu können.

Weitere Informationen:
http://www.wm-studie.de "Infos zur Studie"

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Urologen warnen vor unseriöser Werbebroschüre

Bettina-Cathrin Wahlers, Pressestelle der DGU
Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.

"Dr. Hittichs" Wunderpillen für eine gesunde Prostata

Seit einiger Zeit sorgt eine dubiose Werbebroschüre mit dem Titel „Gesundheits-Alarm! Retten Sie Ihre Prostata" für Verunsicherung unter Männern. Ein „Dr. Hittich" versucht darin, ein Natur-Wundermittel an den Mann zu bringen, das bei fortschreitender Prostatavergrößerung helfen soll. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) und der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BDU) warnen vor dieser Broschüre.
„In verwirrender Weise werden darin Fakten und falsche Aussagen zu den Krankheiten der Prostata vermischt. Das einzige Ziel dieser Aneinanderreihung von Halbwahrheiten scheint darin zu bestehen, Männern zu suggerieren, auf den Arztbesuch verzichten zu können, wenn sie nur die überteuerten Wunderpillen kaufen", sagt Professor Dr. Claus Fischer, der Vorsitzende des DGU-Arbeitskreises Prävention, Umwelt- und Komplementärmedizin.

Immer mehr Mitglieder von DGU und Berufsverband werden von ratsuchenden Patienten mit der postalisch verbreiteten Broschüre konfrontiert, wie der Präsident des Berufsverbandes, Dr. Martin Bloch, feststellt: „Auf verantwortungslose Weise wird mit den Ängsten von Männern über 45 Jahren gespielt, und zugleich wird auf perfide Art versucht, die Schulmedizin zu diskreditieren." Wenn in der Broschüre über die Therapie bei Prostatavergrößerung von einem Irrweg in der Schulmedizin geredet werde, der Männer quasi zu Frauen „mit schwabbeligen Brüsten" mache, dann sei das nicht nur unzutreffend, sondern unseriös, so BDU-Präsident Bloch. So sieht es auch DGU-Pressesprecherin Prof. Dr. Sabine Kliesch: "Wenn dann auch noch durch furchteinflößende Beschreibungen von Operationsmethoden eine Behandlung wie im Mittelalter assoziiert wird, ist das sogar ein besonders skrupelloses Vorgehen, um ein Mittel unbekannter Wirkung zu verkaufen." Prof. Claus Fischer, Urologe und Experte für Alternativmedizin: „Was und wie viel davon wirklich in den Wunderpillen enthalten ist, lässt sich nicht überprüfen." Das gelte damit natürlich auch für die Wirkung und für mögliche Nebenwirkungen.

DGU und Berufsverband raten dringend, bei ersten Anzeichen von Prostatabeschwerden auf eine Selbstmedikation mit dubiosen Mitteln zu verzichten und den Arzt des Vertrauens aufzusuchen. Vorsorge- und Routineuntersuchungen seien schnell und schmerzfrei erledigt. Fischer: „Dem Großteil der Patienten mit einer gutartigen Prostatavergrößerung kann mit modernen, weltweit anerkannten Medikamenten gut und sicher geholfen werden. So sind viele Operationen vermeidbar geworden." Und auch bei notwendigen Operationen gebe es heute schonende, minimalinvasive Methoden. Weil der rechtzeitige Besuch beim Urologen in jedem Fall ratsamer sei als der Kauf überteuerter Wunderpillen mit fraglichem Inhalt, ist nach Ansicht von Prof. Fischer der Papierkorb der einzig sinnvolle Ort für die "Dr. Hittich"-Broschüre.

Immerhin weist auch "Dr. Hittich" extra klein gedruckt unter seinem so genannten Selbst-Test „Wie gesund ist Ihre Prostata" darauf hin, dass dieser Test keinen Besuch beim Arzt ersetzt. Sicher aus gutem Grund: Denn schon Ende 2004 hatte in einem ähnlich anmutenden Fall der Bundesverband der Verbraucherzentralen Strafanzeige gegen Wunderheiler erstattet, die unter den fiktiven Namen „Dr. Zimmermann" und „Dr. Weissenberg" deutschlandweit per Brief Werbung für Wunderpräparate aus dem Versand machten, die angeblich vor Prostatabeschwerden schützen sollten. In den damaligen Werbeschreiben wurden Männer nicht nur in unverantwortlicher Weise dazu aufgefordert, einzig den angepriesenen Wundermitteln zu vertrauen, sondern sie wurden eindringlich vor der Konsultation von Schulmedizinern gewarnt.

Weitere Informationen:
DGU/ BDU- Pressestelle

Bettina-C. Wahlers
Sabine M. Glimm
Stremelkamp 17
21149 Hamburg
Tel.: 040 - 79 14 05 60
Mobil: 0170 - 48 27 28 7
E-Mail: info@wahlers-pr.de
Internet: www.urologenportal.de

Weitere Informationen:
http://www.urologenportal.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wasser mit ultravioletten LEDs umweltfreundlich reinigen

Gesine Wiemer, Pressestelle des Forschungsverbundes Berlin e.V.
Forschungsverbund Berlin e.V.

Eine kostengünstige und sichere Methode, Trinkwasser lokal zu entkeimen, könnte den Zugang zu sauberem Trinkwasser in vielen Regionen der Welt erleichtern. Eine Forschergruppe am Ferdinand-Braun-Institut und der TU Berlin arbeitet daran, Wasser umweltfreundlicher und unkomplizierter als bisher mit ultravioletten Leuchtdioden (UV-LEDs) zu desinfizieren. Die Bestrahlung mit UV-Licht zerstört das Erbgut von Bakterien, Viren und Sporen und verhindert dadurch die Vermehrung der Organismen. Nach Untersuchungen an stehendem Wasser waren nun erste Tests mit langsam fließendem Wasser erfolgreich.
Das UV-Licht wird mit halbleiterbasierten InAlGaN-Leuchtdioden erzeugt. Durch die Legierung von Galliumnitrid (GaN) mit Aluminiumnitrid (AlN) lassen sich deren Emissionswellenlängen bis in den fernen UV-Bereich verschieben. So kann die Emissionswellenlänge an die verschieden Zielorganismen angepasst werden.
Insbesondere Licht im Wellenlängenbereich zwischen 200 und 300 Nanometern (nm) mit einem ausgeprägten Maximum bei circa 265 nm eignet sich dafür. Die optimale Wellenlänge kann je nach Mikroorganismus leicht variieren. Für erste statische Desinfektionstests haben die Wissenschaftler ein UV-LED-Modul mit einer Emissionswellenlänge von 268 nm entwickelt. Deionisiertes Wasser, Leitungs- und geklärtes Abwasser wurde mit Sporen des Bakteriums Bacillus Subtilis versetzt und mit unterschiedlichen UV-C-Lichtdosen bestrahlt. Die anschließende Untersuchung zeigte, dass die Bacillus-Subtilis-Sporen mit UV-C-LEDs mindestens so effizient deaktiviert werden wie mit herkömmlichen Niederdruck-Quecksilberdampflampen.
Das kompaktere Modul der zweiten Generation nutzt UV-LEDs mit einer Emissionswellenlänge bei 282 nm, die konzentrisch angeordnet sind. Zusätzlich ist es mit einem Durchflussaufsatz ausgestattet, einem UV-reflektierenden Aluminiumblock, in den schneckenförmig Wasserkanäle eingefräst sind. Nach einer UV-Bestrahlungsdosis von 400 J/m², das entspricht einer Zeit von knapp fünf Minuten, wurde damit die für die Wasserentkeimung erforderliche Reduktion der Sporenanzahl um vier Größenordnungen erreicht. Die Durchflusstests zeigten, dass die Inaktivierung der Bacillus-Subtilis-Sporen etwas geringer ist als bei den statischen Tests. Dennoch konnte die erforderliche Reduktion der Sporen um drei Größenordnungen bei Durchflussraten von knapp 11 ml/min. erreicht werden. Die generelle Eignung von UV-C-LEDs im Bereich der Wasserdesinfektion wurde somit für kleine Wassermengen nachgewiesen.
Die Wissenschaftler arbeiten nun daran, die Leistungen und die Effizienzen der UV-LEDs zu steigern. Derzeit liegen die Effizienzen noch bei wenigen Prozent und die Ausgangsleistungen im Milliwatt-Bereich. Gelingt dies, stünde künftig eine vielversprechende Alternative zu herkömmlichen Quecksilberdampflampen zur Verfügung. UV-LEDs benötigen keine Aufwärmphase, sind langlebig, sehr kompakt und nicht giftig. Sie können außerdem mit geringen Gleichspannungen betrieben werden, sodass sie ohne größeren Aufwand in autarken, solarbetriebenen Anlagen einsetzbar sind. Damit wären komplett neue Lösungen zur Trinkwasserentkeimung möglich, die sowohl in Flugzeugen zur mobilen Wasseraufbereitung eingesetzt werden könnten, als auch in Regionen, die bislang von der Versorgung mit sauberem Wasser abgeschnitten sind.

Kontakt
Petra Immerz
Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik
Gustav-Kirchhoff-Straße 4, 12489 Berlin
Tel.: (030) 6392-2626
immerz@fbh-berlin.de

Weitere Informationen:
http://www.fbh-berlin.de

Diese Arbeit erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzentrum Wasser Berlin und wurde von der Europäischen Union im Rahmen des FP6 TECHNEAU Projekt und Veolia Water unterstützt.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Vorgesetzte können Burnout am Arbeitsplatz deutlich reduzieren

Ute Friedrich, Pressestelle
Bertelsmann Stiftung

Bertelsmann Stiftung: Sozial unterstützendes Verhalten gehört zu moderner Personalpolitik
Wenn Führungskräfte ihre Mitarbeiter bei der Arbeit sozial unterstützen, sinkt das Burnout-Risiko in den Unternehmen erheblich. Beenden oder unterbrechen die Vorgesetzten ihre Unterstützung jedoch, steigen die durch Burnout bedingten Ausfälle in der Belegschaft schnell wieder auf den vorherigen Stand.

Dies zeigt erstmals eine Langzeitstudie des schweizer Instituts "sciencetransfer" in Zusammenarbeit mit der Bertelsmann Stiftung. Bereits eine um 20 Prozent intensivere Unterstützung seitens der Führungskräfte führt zu 10 Prozent weniger Burnout bedingten Erkrankungen. Ein derartiger Wert gilt arbeitsmedizinisch als deutliche Verbesserung.

Die Unterstützung könne einerseits instrumentell durch Arbeitsmittel, Tipps und Arbeitsentlastung, andererseits emotional durch Zuspruch, Trost, Motivation und Zuhören erfolgen, wie die Wissenschaftler des Instituts feststellten. Daher müsse sozial unterstützendes Verhalten zu einer ständigen Führungsaufgabe werden.

In Deutschland entstehen durch arbeitsbedingte psychische Belastungen, nach einer 2009 erstellten Studie der Betriebskrankenkassen, volkswirtschaftliche Kosten in Höhe von 6,3 Mrd. Euro. Dabei entfallen etwa 3 Mrd. Euro auf die Krankheitsbehandlung und 3,3 Mrd. Euro auf den Produk-tionsausfall. Die Verringerung der durch Burnout bedingten Erkrankungen um 10 Prozent könnte demnach zu Einsparungen von mehreren Hundert Millionen Euro jährlich führen.

Das vom BKK Bundesverband und der Bertelsmann Stiftung gegründete Unternehmensnetzwerk „Enterprise for Health", forderte jetzt in Berlin anlässlich seines 10jährigen Bestehens eine Neuausrichtung des betrieblichen Personalmanagements: „Das sozial unterstützende Verhalten von Vorgesetzten muss zum festen Teil einer modernen Personalpolitik werden. Wer qualifizierte Fachkräfte halten und den wirtschaftlichen Erfolg seines Unternehmens sichern will, wird die Burnout-Raten im Betrieb deutlich senken müssen," sagte Projektmanager Detlef Hollmann von der Bertelsmann Stiftung.

Die Messungen zur Studie wurden in den Jahren 2006 bis 2009 jährlich mit 120 Teilnehmern durchgeführt. Jede Befragung umfasste mehr als 250 Fragen zu 20 Gesundheitsaspekten. Die Teilnehmer waren durchschnittlich 39 Jahre alt, davon 67 Prozent männlich. Die Stärke von arbeitsbezogenem Burnout, wurde mit dem "Copenhagen Burnout Inventory" ermittelt.

Die schweizer Wissenschaftler bewerten soziale Unterstützung als gesundheitswirksame und erlernbare Führungsmethode für Vorgesetzte. Sie reduziert Belastungen der Mitarbeiter und beugt damit Arbeitsausfällen vor.

Rückfragen an:
Detlef Hollmann, Bertelsmann Stiftung
Tel.: 0 5241 / 81-81 520 / Handy Nr. 0172 173 16 31
E-Mail: detlef.hollmann@bertelsmann-stiftung.de
Dr. Dirk Hanebuth, sciencetransfer GmbH, Zürich,
Tel: 0041 78 78 40 800

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Nomadenvolk verblüfft mit Gesundheit trotz Mangelernährung

Stephan Laudien, Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Ernährungswissenschaftlerin von der Universität Jena untersucht Ernährungsgewohnheiten der Massai
Jena 

Der menschliche Körper ist ein wahres Wunderwerk. Neue Belege dafür hat Nadja Knoll beim Hirtenvolk der Massai im ostafrikanischen Kenia gefunden. Für ihre Diplomarbeit untersuchte die Ernährungswissenschaftlerin von der Friedrich-Schiller-Universität Jena die Ernährungsgewohnheiten eines nomadisch lebenden Stammes im Kajiado-District. Die verblüffende Erkenntnis der Feldstudie: Obwohl sich die Massai einseitig und mangelhaft ernähren, sind sie erstaunlich gesund.

Untersuchungen des Blutes haben gezeigt, dass sich in den Erythrozyten-Membranen, den „Zellwänden" der roten Blutkörperchen, gesunde Omega-3-Fettsäuren finden, obwohl sie nicht über die Nahrung aufgenommen wurden. „Diese Ergebnisse haben uns überrascht. Sie beweisen die enorme Anpassungsfähigkeit des menschlichen Organismus", sagt Prof. Dr. Gerhard Jahreis vom Lehrstuhl für Ernährungsphysiologie, unter dessen Leitung die Studie durchgeführt wurde.

Die Feldarbeit in Afrika brachte noch eine neue Erkenntnis: Nadja Knolls Studie belegt, dass die tradierten Erzählmuster über die Ernährungsgewohnheiten der Massai nicht zutreffen. Afrika-Reisende wie Gustav Adolf Fischer (1848-1886) und der Brite Joseph Thomson (1858-1895) haben das Bild von den blutrünstigen Massai verbreitet. Ihren Berichten zufolge ernährte sich das Hirtenvolk vorrangig von Fleisch, Milch und Blut. Besonders hoch sollte der Anteil von fermentierter Milch sein, einer Art Joghurt. Nadja Knolls Ergebnisse sprechen da eine andere Sprache. Die Wissenschaftlerin von der Jenaer Universität fand heraus, dass die Massai zum Frühstück stark gesüßten Milchtee zu sich nehmen. Einige Massai verzehren vormittags „Porridge", einen flüssigen Brei aus Maismehl, Wasser, etwas Milch und Zucker. Zum Mittag gibt es meistens Milch und „Ugali", eine Art Polenta, die aus Maisgrieß und Wasser zubereitet wird. „Das Abendessen gleicht dem Mittag", sagt Knoll. Die Wissenschaftlerin von der Jenaer Universität verweist darauf, ihre Feldstudie am Ende der Trockenzeit erstellt zu haben. In der - deutlich kürzeren - Regenzeit können die Ergebnisse etwas anders ausfallen. Geben die Tiere der Massai doch in der Regenzeit mehr Milch. Diese wird dann in Flaschenkürbissen fermentiert, so dass ein joghurtähnliches Getränk entsteht, das möglicherweise probiotische Eigenschaften aufweist.

Fest steht, dass Fleisch selten auf dem Speisezettel der Nomaden steht. Der Anteil pflanzlicher Nahrung liegt deutlich über 50 Prozent. Bevorzugt wird das Fleisch von Schafen oder Ziegen gegessen, während die traditionellen Zebu-Rinder nur selten verzehrt werden. „Ein Rind schlachten die Massai höchstens zu rituellen Feiern", sagt Knoll.

Ihre Studie hat Nadja Knoll gemeinsam mit Fachkollegen der kenianischen Jomo Kenyatta University of Agriculture and Technology von Juja/Nairobi erstellt. Bevor die Feldforschung beginnen konnte, musste eine Ethikkommission das Vorhaben genehmigen. Angesichts einer hohen HIV-Rate im Land wurden besonders die geplanten Blutproben genau hinterfragt.

Der Ergebnisse der Jenaer Ernährungswissenschaftlerin sollen in einem internationalen, renommierten Fachjournal veröffentlicht werden.

Kontakt:
Diplom-Ernährungswissenschaftlerin Nadja Knoll
Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Straße 24, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949610
E-Mail: nadja_knoll@gmx.de

Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Vulkanasche bringt Algen im Ozean zum Blühen

Birgit Kruse, Pressestelle
Universität Hamburg

Wissenschaftler der Universität Hamburg belegen erstmals ozeanische Eisendüngung durch Vulkanasche

Welche Wirkung haben Vulkanausbrüche auf unser Klima? Bisher gingen Wissenschaftler/innen davon aus, dass Eruptionen mit hohem Schwefeldioxid-Anteil, die sehr weit in die Höhe reichen, die Bildung von Aerosolen hervorrufen. Diese Aerosolwolken können die Erde kühlen. Eine andere Wirkung - das Düngen von Ozeanalgen - haben jetzt Forscher/innen des Exzellenzclusters "Integrated Climate Analysis and Prediction" (CliSAP) der Universität Hamburg untersucht. Erste Ergebnisse erscheinen in den Fachmagazinen "Atmospheric Chemistry and Physics" und "Journal of Geophysical Research".
"In weiten Teilen des Ozeans ist das Algenwachstum unter anderem durch das Fehlen von Eisen limitiert. Eisensalze in der Vulkanasche könnten das Plankton zum Blühen bringen - und dabei größere Mengen CO2 binden", so Dr.
Bärbel Langmann, Institut für Geophysik. Die Algen nehmen das Treibhausgas in ihren Stoffwechsel auf und entfernen es so aus der Atmosphäre.

Tatsächlich wiesen Dr. Langmann, Dr. Klemen Zakšek und Prof. Dr. Matthias Hort vom Institut für Geophysik nach, dass das Phänomen einer massiven Algenblüte im Golf von Alaska 2008 mit dem Ausbruch des Vulkans Kasatochi in Verbindung stand. In nicht einmal 24 Stunden blies der Vulkan damals bis zu 600 Megatonnen Asche in die Luft. Rechnerisch reicht diese Eisenmenge aus, um für die beobachtete Algenblüte verantwortlich zu sein - zumal die Aschesäule bis zu 15 Kilometer in die Höhe reichte, was den Ferntransport begünstigte.

Zum Vergleich: der isländische Eyjafjallajökull spuckt zwar bereits seit einem Monat Asche; die Menge pro Zeiteinheit beträgt jedoch weniger als ein Zehntel. Interessant für die Klimaforscher ist auch, dass eine Mess-Boje vor Alaska 2008 in der Tat eine Abnahme des Treibhausgases Kohlendioxid im Meerwasser registrierte.

Eine Modellstudie der Wissenschaftler/innen der Universität Hamburg zeigt, welchen Weg die Asche damals in der Atmosphäre nahm: "Mehr als 90 % der Asche war nach wenigen Tagen bedingt durch die Schwerkraft in den Ozean gefallen. Unsere Analyse zeigt, dass diese Aschemenge und das mitgeführte Eisen ausreichten, um selbst nach dem langen Weg über den Ozean noch einen Dünge-Effekt hervorzurufen", erklärt Dr. Langmann.

Inwieweit ein erhöhter Ausstoß von Vulkanasche das Klima allgemein beeinflussen könnte, sollen weitere Untersuchungen an der Universität Hamburg zeigen. Zentrale Fragestellungen dabei sind: Wie hoch genau sind die Eisenmengen, die die Asche mit sich führt? Gibt es Bedingungen, die die Bildung von wasserlöslichen Eisensalzen bei einem Vulkanausbruch begünstigen? Gleichzeitig helfen Computer gestützte Klimamodelle, die bisherigen Ergebnisse mit weiteren Faktoren zu verknüpfen. So stehen im Winter zum Beispiel tendenziell mehr Nährstoffe, aber weniger Sonnenlicht zur Verfügung - eine "Düngung" in dieser Situation brächte keinerlei Klimaeffekt.

Mehr Informationen in:
"Volcanic ash as fertilizer for the surface ocean", B. Langmann, K. Zaksek, M. Hort and S. Duggen, erschienen in Atmospheric Chemistry and Physics:
http://www.atmos-chem-phys.net/10/3891/2010/acp-10-3891-2010.pdf
"Atmospheric distribution and removal of volcanic ash after the eruption of Kasatochi volcano: A regional model study", Journal of Geophysical Research:
http://www.agu.org/journals/jd/papersinpress.shtml#id2009JD013298 (in press, accepted 18 March 2010)

Für Rückfragen:

Universität Hamburg
KlimaCampus / CliSAP
Ute Kreis
Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 040/ 42838 - 4523
E-Mail: ute.kreis@zmaw.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Internetmüll, Spams und Werbeanrufe - wer schützt vor digitaler Belästigung?

Sabine Laartz, Pressestelle
Hochschule Pforzheim

E-Mail-Fächer, die überlaufen, unliebsame Werbeanrufe oder die Gefahr, dass Gesprächsinhalte beim Telefonieren nicht geheim bleiben - das Internet bietet etliche Fallstricke. Gegen diesen „digitalen Müll" werden in einem Forschungsprojekt an der Hochschule Pforzheim Schutzmechanismen entwickelt. Mit Hilfe der im Projekt SECURITAS erarbeiteten Programme kann die Sicherheit bei der Internettelefonie deutlich gesteigert, der E-Mail-Verkehr von überflüssigen Spams befreit und Werbeanrufe rausgefiltert werden.
„Ein kleines kostenfreies Computerprogramm reicht, um die Telefonleitungen eines Unternehmens stillzulegen", konkretisiert Frank Niemann die Gefahr aus dem weltweiten Netz. Der Professor im Pforzheimer Studiengang Elektro- und Informationstechnik forscht zusammen mit seinen Mitarbeitern seit knapp zwei Jahren an wirksamen Schutzmaßnahmen. Über ein kleines Fenster im PC lassen sich alle Telefonnummern eines Unternehmens ansteuern und - wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen worden sind - die Telefone über Stunden lahmlegen. „Die Internettelefonie (Voice over IP/ VoIP) macht diese Angriffe erst möglich." Im September 2009 klingelten beispielsweise nachts bei VoIP-Nutzern die Telefone im Stundentakt. Vermutlicher Sinn der Attacke: kostenpflichtige Rückanrufe zu provozieren. „Noch treten diese Spam via Internet-Telefonie (SPIT) nur vereinzelt auf, doch mit Zunahme der VoIP-Nutzer wird es vermutlich einen ähnlichen Anstieg geben, wie bei den Spam E-Mails", befürchtet Dr. Niemann. Das Team erarbeitete einen mehrstufigen lernenden Filter, der diese Anrufe wirksam in Schach hält.

Über das hauptsächlich vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierte Projekt haben die fünf Mitarbeiter ein umfangreiches Sicherheitsprogramm entwickelt. Ausgangspunkt der Arbeit war die Intention, die Sicherheit bei der Internettelefonie für mittelständige Unternehmen zu erhöhen. Telefone und Computer „hängen" bei VoIP an einer Leitung. Sind die Geräte alle von einem Hersteller greife in der Regel die Sicherheitssoftware. „Kompliziert wird es bei mehreren Herstellern", kommentiert der Pforzheimer Professor. Paralleles Mithören, die Kontrolle der Verbindungsdaten oder Mitschnitte können möglich werden. In enger Kooperation mit dem Hochschulinformationszentrum wurden die Übermittlungsmöglichkeiten kontrolliert und ein Best-Practice-Beispiel für mittelständische Unternehmen erarbeitet, das diese Gefahren minimiert. In den kommenden Monaten soll zusätzlich noch eine Art „Frühwarnsystem" aufgebaut werden, das meldet, wenn die Sicherheitseinstellungen nicht mehr korrekt sind.

Parallel zu dem ersten Forschungsansatz arbeitete die Gruppe mit der Pforzheimer Drachenfels GmbH an einem wirksamen Schutz vor Werbemails. Weit über 85 Prozent des täglichen Mailverkehrs ist Werbung. „Diese Mails blockieren Serverkapazitäten, kosten Geld und Arbeitszeit", erklärt Frank Niemann. Mit Hilfe einer mehrstufigen Prüfung, die von dem Team in enger Zusammenarbeit mit dem Projektpartner Drachenfels ausgearbeitet wurde, ist ein wirksamer Schutz vor diesem „digitalen Müll" möglich. Ein großer deutscher Internetpovider nutzt inzwischen diesen neu entwickelten Spamschutz.

Das Forschungsprojekt an der Pforzheimer Hochschule, das noch bis Mai 2011 läuft, erarbeitete umfangreiche Sicherheitssoftware, die sowohl im Bereich Internettelefonie als auch beim Spam- und Spitter-Schutz wirksame Fortschritte aufweist. „Die Akzeptanz unserer Arbeit ist groß", so Professor Niemann. Eingebunden in das erfolgreiche Team wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche studentische Projekt- und Abschlussarbeiten. „Wir fördern mit Hilfe des Projektes den Ingenieursnachwuchs". Insgesamt wurden knapp 40 Arbeiten im Rahmen von SECURITAS vom wissenschaftlichen Nachwuchs verfasst.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Übergewicht führt zu Bluthochdruck; Gewichtsverlust kann den Blutdruck normalisieren

Joachim Leiblein, Geschäftsstelle
Deutsche Hochdruckliga

Der Welt Hypertonie Tag macht auf Bluthochdruck, seine Folgen sowie Möglichkeiten zur Prävention aufmerksam und unterstreicht in diesem Jahr den Risikofaktor Übergewicht.

Bluthochdruck (Hypertonie) ist eine Volkskrankheit, ca. 35 Millionen Menschen in Deutschland haben einen zu hohen Blutdruck.

Bestimmte Risikofaktoren der Hypertonie sind bekannt und können gut beeinflusst werden. Dazu gehört vor allem das Übergewicht - in den Industrienationen ein »gewichtiges« Problem: Die Deutschen bringen im Ländervergleich sogar am meisten auf die Waage. Erst kürzlich zeigte die internationale IASO-Erhebung , dass in Deutschland 75% der Männer und 59% der Frauen übergewichtig sind. Die Folgen von Bluthochdruck sind gravierend, denn die Erkrankung geht mit einem deutlich erhöhten Risiko einher, ernste kardiovaskuläre Krankheiten (Schlaganfall, Herzinfarkt, Nierenversagen, Gefäßschäden) zu erleiden, insbesondere wenn der Bluthochdruck nicht erkannt und behandelt wird.

Abnehmen bei Übergewicht ist eine effiziente Maßnahme zur Vorbeugung von Bluthochdruck wie auch zur Therapie. Bei weniger Übergewicht wirken auch die Blutdruckmedikamente besser. Bei Erreichen des Normalgewichts normalisiert sich häufig auch der Blutdruck.
Der Welt Hypertonie Tag 2010 möchte auf den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Bluthochdruck aufmerksam machen sowie das generelle Bewusstsein für die Erkrankung Bluthochdruck schärfen. Er möchte Übergewichtige motivieren, abzunehmen und so ihren Gefäßen den Druck zu nehmen, denn: »Zuviel Gewicht erhöht den Blutdruck!«

Helfen Sie uns, die wichtige Präventionsbotschaft des Welt Hypertonie Tages publik zu machen. Sollten Sie noch weitere Informationen oder einen Interviewpartner benötigen, wenden Sie sich bitte an:

Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL®
Deutsche Hypertonie Gesellschaft
Berliner Str. 46
69120 Heidelberg
Tel. 06221/ 58855-0
Fax 06221/ 58855-25
hochdruckliga@t-online.de

Weitere Informationen:
http://www.hochliga.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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„Traum-Flanke für den Umweltschutz": Frauen-Fußball-WM 2011 wird klimafair

Franz-Georg Elpers, Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Organisationskomitee beruft Umweltbeirat - Zwanziger: „Gesellschaftliche Verantwortung für Umwelt kompetent und glaubwürdig wahrnehmen"
Frankfurt/Osnabrück. Die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011 wird klimafair - sie soll ohne negative Folgen für das Klima bleiben. In Fortsetzung von „Green Goal 2006", dem Umwelt-Programm zur Fußball-WM 2006 der Männer, hat das Organisationskomitee (OK) gemeinsam mit dem Öko-Institut und gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) ein entsprechendes Umwelt-Konzept entwickelt und am Dienstag in Frankfurt präsentiert. "Bei der Frauen-Weltmeisterschaft 2011 blickt wieder die ganze Welt auf Deutschland. Da möchten wir natürlich auch beim Umweltschutz vorbildlich sein", sagt OK-Präsidentin Steffi Jones.

Eine erste Kalkulation des Öko-Instituts geht davon aus, dass anlässlich der Frauen-WM rund 40.000 Tonnen des klimaschädigenden Kohlendioxids im In- und Ausland zusätzlich freigesetzt werden. Auf dieser Basis rechnet das OK derzeit mit Kosten von rund 800.000 Euro für Ausgleichsmaßnahmen zum Kohlendioxid-Ausstoß im Rahmen der Umsetzung des Umweltkonzepts.

"Green Goal 2011" bezieht sich auf die fünf Kernbereiche Wasser, Abfall, Catering, Energie und Mobilität. So soll die benötigte Energie in den Stadien und der Verwaltung aus erneuerbaren Quellen und damit umweltverträglich hergestellt werden. Durch den vermehrten Einsatz verpackungsfreier Systeme sollen Abfallmengen verringert werden. Im Bereich Mobilität soll zudem unnötiges Verkehrsaufkommen vermieden, sollen möglichst öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden. So beinhalten alle Eintrittskarten zur WM das ÖPNV-Ticket am Spieltag.

Begleitet wird „Green Goal 2011" durch einen hochkarätig besetzten Umweltbeirat, der auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) in allgemeinen Fragen des Umweltschutzes beraten soll. „Der Umweltbeirat steht nicht nur für die Seriosität und größtmögliche Effektivität unseres Umweltprogramms zur Frauen-WM 2011. Dieses Gremium wird uns über diese konkrete Aufgabenstellung hinaus auch helfen und unterstützen, unsere gesellschaftliche Verantwortung für die Umwelt kompetent und glaubwürdig wahrzunehmen", stellt DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger grundsätzlich fest.

Mitglieder des Umweltbeirates sind Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen, Prof. Dr. Klaus Töpfer, der ehemalige Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Claudia Roth, Bundesvorsitzende von BÜNDNIS 90 / Die Grünen, Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Dr. Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Eberhard Brandes, Geschäftsführer des WWF Deutschland sowie DFB-Vizepräsident Rolf Hocke.

DBU-Generalsekretär Brickwedde brachte seine Freude zum Ausdruck, dass durch die Weiterentwicklung des „Green-Goal-Gedankens" die Leitidee von Sport und Nachhaltigkeit fester in der Gesellschaft verankert werde. Das Ziel, Kommunen, Sponsoren sowie prominente Sportler und einen hochkarätig besetzten Umweltbeirat aus der Mitte der Gesellschaft frühzeitig in die Kommunikationsstrategie für eine umweltverträgliche Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft einzubinden, beinhalte erneut die Chance, „als Blaupause für internationale Sportveranstaltungen zu dienen", sagte Brickwedde in Anspielung auf die DBU-Förderung des „Green-Goal-Konzeptes" bei der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2006 in Deutschland: „Wir haben damals mitgeholfen, dass auch der Umweltschutz hier im Land als Teil des Sommermärchens einen klaren Heimsieg verbuchen konnte. Wenn jetzt vom Welt-Fußballverband ab 2018 Umweltschutzkriterien offiziell und formal als Bestandteil der Bewerbungsverfahren festgelegt wurden, haben wir dem Umweltschutz auch international für Großveranstaltungen dieser Art eine traumhafte Flanke gegeben."

Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel30202_335.html

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Dem Geheimnis der Akupunktur auf der Spur

Pressesprecher Florian Schneider, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Essener Neuroradiologen weisen die Wirkung der Nadelstiche auf die Schmerzwahrnehmung nach
Neuroradiologen an der Uniklinik Essen ist es gelungen, der schmerzlindernden Wirkung der Akupunktur einen Schritt näher zu kommen. In der Versuchsreihe wurden 18 Probanden ein elektrisch hervorgerufener Schmerz zugefügt und die Aktivitäten in den für die Schmerzverarbeitung zuständigen Hirnarealen gemessen. Anschließend wurden die Probanden an klassischen Punkten akupunktiert und erneut dem Schmerzreiz ausgesetzt. Der Vergleich beider Messungen zeigt: Nachdem in der ersten Sitzung die schmerzverarbeitenden Hirnregionen eine hohe Aktivität aufgewiesen hatten, konnte diese Aktivität unter der Akupunktur-Anwendung nicht nachgewiesen werden.
„Was uns in dieser Studie interessierte, war die Schmerzmodulation. Das heißt die Frage, wie der Schmerz, der unseren Probanden am Fußknöchel zugefügt wurde, im Gehirn verarbeitet wird. Und hier zeigt sich: Schmerz ist nicht gleich Schmerz. Der objektiv in beiden Untersuchungsreihen gleich starke Schmerzreiz eines Stromstoßes wurde von den Probanden unterschiedlich aufgenommen. Und zwar abhängig davon, ob sie akupunktiert wurden oder nicht", erklärt Frau Nina Theysohn, Assistenzärztin der Neuroradiologie an der Uniklinik Essen, die die Studie auf dem 91. Deutschen Röntgenkongress in Berlin vorstellen wird.
Das Messverfahren mit dem die Essener Gruppe dabei arbeitet, ist die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT). Bei dieser Bildgebung wird das Gehirn in Schichtbildern dargestellt und zugleich werden Stoffwechselvorgänge - gemessen am unterschiedlichen Sauerstoffgehalt im Blut - sichtbar gemacht. In der Überlagerung beider Bildinformationen entsteht eine Landkarte, die Hirnareal und Hirnaktivität gleichermaßen aufs Bild bringt. Von außen gesteuerte Reize, wie in diesem Fall der Stromstoß, können in ihrer Wirkung beobachtet werden.
Worin aber liegt der Einfluss der Akupunktur auf die Schmerzverarbeitung? „Das wissen wir noch nicht", sagt Frau Theysohn und ergänzt: „Ob und wie die Akupunktur eine neurobiologische Wirkung auf das Gehirn entfaltet und welche Rolle der Placebo-Effekt einnimmt, wird Gegenstand weiterer Untersuchungen sein. Was sich allerdings bereits abzeichnet ist dies: In jedem Fall scheint die Wirkung der Akupunktur mit steigender Schmerzintensität in den Hintergrund zu treten." 

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Ab sofort auf http://www.weisse-liste.de: Unabhängige Gesundheitsinformationen für Patienten und Verbraucher

Ute Friedrich, Pressestelle
Bertelsmann Stiftung

Internetportal veröffentlicht geprüfte Informationen zu Erkrankungen und Behandlungen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
Patienten und Verbraucher können sich ab sofort unter http://www.weisse-liste.de über den neuesten Stand des medizinischen Wissens informieren. Das Internetportal der Bertelsmann Stiftung und der Dachverbände der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen veröffentlicht dazu die unabhängigen und geprüften Gesundheitsinformationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Die Weisse Liste ermöglicht seit Juni 2008 eine leicht verständliche und nutzerfreundliche Suche nach dem passenden Krankenhaus. Durch die Kooperation mit dem IQWiG finden Internetnutzer in dem Portal von nun an außerdem zu mehr als 500 Themen allgemeinverständliche Informationen über Erkrankungen, Behandlungen und Untersuchungen.

Die Artikel basieren auf dem aktuellen Forschungsstand und informieren darüber, was wissenschaftlich belegt ist - und was auf unsicheren Füßen steht. So geht es in aktuellen Informations-texten etwa um die Wirksamkeit von Massagen bei Kreuzschmerzen, um Behandlungsmethoden bei Krebserkrankungen oder darum, ob Vitamin C tatsächlich gesund hält. Zudem finden Nutzer im Portal Erfahrungsberichte anderer Patienten. Die Gesundheitsinformationen, die laufend aktualisiert und erweitert werden, sind in der Weissen Liste auf verschiedenen Wegen zugänglich. Für die Suche ist kein Fachwissen nötig. So können die Nutzer sowohl über die Eingabe eines Begriffs als auch über eine Körpernavigation suchen, bei der die Bereiche des menschlichen Körpers mit den entsprechenden Artikeln verlinkt sind.

Die intelligente Freitextsuche ermöglicht es, dass die richtigen Artikel sowohl mit fach- als auch mit alltagssprachlichen Begriffen gefunden werden. Außerdem werden die jeweils passenden Artikel angezeigt, wenn der Nutzer nach einem Krankenhaus für seinen Behandlungswunsch sucht. So wird etwa bei allen Operationen das Merkblatt zu „Schmerzen bei Operationen" wie auch ein Er¬fahrungsbericht zur Angst in Bezug auf die Behandlung angezeigt. Die Einbindung der Informationen in die Weisse Liste erfolgt über eine Technik, die den Austausch mit allen Artikeln des Portals gesundheitsinformation.de des IQWiG ermöglicht.

Die Weisse Liste ist ein gemeinsames Projekt von Bertelsmann Stiftung, Bundesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE (BAG SELBSTHILFE), Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen, FORUM chronisch kranker und behinderter Menschen im PARITÄTISCHEN Gesamtverband, Sozialverband VdK Deutschland und Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Die Initiatoren wollen mit der Weissen Liste eine individuelle Entscheidungshilfe für Patienten und Angehörige zur Verfügung stellen und für mehr Transparenz im Gesundheitswesen sorgen. Das Portal konnte seit Veröffentlichung im Jahr 2008 schon mehr als 6 Millionen Besuche verzeichnen.

Das IQWiG wurde im Zuge der Gesundheitsreform des Jahres 2003 gegründet. Das Institut ist eine fachlich unabhängige wissenschaftliche Einrichtung der privaten und gemeinnützigen Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Sie verfolgt das Ziel, evidenzbasierte Entscheidungen in Gesundheitsfragen zu unterstützen. Mit der Veröffentlichung von gesundheitsinformation.de erfüllt das IQWiG einen Teil seines gesetzlichen Auftrags zur Aufklärung der Öffentlichkeit in gesundheitlichen Fragen.

Weitere Informationen finden sich unter: http://www.weisse-liste.de.

Prof. Dr. med. Peter Sawicki, Institutsleiter, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG):

„Menschen sind ständig gefordert, folgenreiche Entscheidungen in Sachen Gesundheit zu treffen - für sich selber und für ihre Familie. Dabei wissen viele nicht, wo sie neutrale Informationen finden können. Patientinnen und Patienten - ebenso wie Ärztinnen und Ärzte - brauchen einen leichten Zugang zu unabhängigen, auf wissenschaftlichen Beweisen beruhenden Gesundheitsinformationen. Wir freuen uns, dass unsere Informationen durch die Kooperation mit der Weissen Liste nun noch mehr Menschen erreichen. Und das gerade dann, wenn sie vor einer Entscheidung stehen."

Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes e. V. (vzbv):

„Um fundierte Entscheidungen treffen zu können, benötigen Verbraucher aussagekräftige und vertrauenswürdige Informationen - besonders wenn es um ihre Gesundheit geht. Bisher gibt es nur sehr wenige unabhängige und verlässliche Angebote, mit deren Hilfe sich Patienten über den ak¬tuellen Stand des medizinischen Wissens informieren können. Hier schafft die Weisse Liste in Kooperation mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit einen echten Mehrwert für die Verbraucher."

Prof. Dr. Raimund Geene, Mitglied im Vorstand der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e. V.:

„Besonders die Erfahrungen anderer Menschen können Patienten helfen, sich im Gesundheitswesen zu orientieren. Das ist ein Gedanke der Selbsthilfe, der auch hinter den Erfahrungsberichten steht, die die Weisse Liste nun mit Hilfe des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit anbietet. So erhalten die Nutzer verlässliche Informationen direkt von denjenigen, um die es bei Vorsorge, Be¬handlung und Rehabilitation geht: den Patienten selbst."

Hannelore Loskill, stellvertretende Bundesvorsitzende, Bundesarbeitsgemeinschaft SELBSTHILFE e. V. (BAG SELBSTHILFE):

„Menschen suchen nicht nur ein Krankenhaus oder einen Arzt für eine Behandlung, sie interessieren sich auch für den aktuellen Wissensstand zu Erkrankungen - oder eben zu Vorsorgemöglichkeiten. Deswegen ist es sinnvoll, die Informationen intelligent zu kombinieren und aus einer Hand anzubieten. So kann der Nutzer der Weissen Liste künftig nicht nur passende Ärzte bzw. Krankenhäuser finden, sondern auch verlässliche, verständliche und neutrale Gesundheitsinformationen."

Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland e. V.:

„Es gibt heute eine Vielzahl von Gesundheitsinformationen im Internet. Es herrscht eine wahre Informationsflut, die von Vielen nicht mehr überblickt werden kann. Nicht immer können die Interessen eingeschätzt werden, die hinter einem Angebot stehen. Deswegen ist es so wichtig, dass Informationen von unabhängigen und vertrauenswürdigen Anbietern vermittelt werden."

Dr. Brigitte Mohn, Mitglied des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung:

„Aus den Rückmeldungen unserer Nutzer und aus Befragungen wissen wir, dass sich immer mehr Patienten aussagekräftige Informationen wünschen: zur Qualität der Gesundheitsanbieter und zu Erkrankungen und Behandlungen. Wir freuen uns, dass wir nun die geprüften und hochwertigen Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit in die Weisse Liste einbinden und damit den Nutzern einen zusätzlichen Service bieten können. So können wir unserem Ziel näher kommen, die Weisse Liste zu einer Erkennungsmarke für Transparenz im Gesundheitswesen auszubauen."

Dr. Eberhard Jüttner, Verbandsvorsitzender, Der PARITÄTISCHE Gesamtverband e. V.:

„Mit der Weissen Liste wurde ein Internetportal geschaffen, das für mehr Transparenz im Gesundheitswesen sorgt. Durch die Veröffentlichung von Gesundheitsinformationen im Internet wird Wis¬sen für Patienten nutzbar, das früher nur medizinischen Fachberufen zur Verfügung stand. Wichtig ist, dass die Informationen verständlich aufbereitet werden. Und diesen Anspruch haben beide Kooperationspartner: die Weisse Liste und das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit."

Rückfragen an:
Timo Thranberend, Bertelsmann Stiftung, Telefon: 0 52 41 / 81-81117, E-Mail: timo.thranberend@bertelsmann-stiftung.de

Hilda Bastian, Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Telefon: 0 221 / 356 85-0, E-Mail: info@iqwig.de

Weitere Informationen:
http://www.weisse-liste.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Vom Treibhausgas zum Wertstoff - Neue Perspektiven für die Nutzung von CO2

Franz-Georg Elpers, Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Der Mehrheit der Bevölkerung ist Kohlendioxid (CO2) bisher nur als klimaschädliches Treibhausgas bekannt. Dabei hat CO2 auch das Potenzial eines wertvollen Rohstoffs, der für vielfältige Anwendungen genutzt werden könnte. Welche ökologischen und ökonomischen Aspekte berücksichtigt werden müssen und auf welchem Stand Wissenschaft und Technik sind, soll auf der Konferenz „Neue Perspektiven für die Nutzung von CO2", die mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) am 11. Juni 2010 in Berlin stattfindet, vorgestellt und diskutiert werden. Veranstalter der Tagung ist die BIOCOM Projektmanagement GmbH, Berlin.
Mit der Veranstaltung sollen Alternativen zur nachhaltigen Nutzung von CO2 aufgezeigt werden. Kohlenstoffdioxid, das bei der Verbrennung fossiler Energieträger durch Verkehr, Stromerzeugung, Heizung und industrielle Prozesse erzeugt wird, hat einen maßgeblichen Anteil an dem durch den Menschen verursachten Treibhauseffekt auf der Erde. Zudem ist es wegen der absehbaren Verknappung fossiler Energierohstoffe wie zum Beispiel Erdöl dringend notwendig, Lösungen zur Bereitstellung alternativer Kohlenstoffquellen zu entwickeln. Das Abfallprodukt CO2 könnte zukünftig einen wichtigen Rohstoff zum Aufbau komplexer energiereicher organischer Verbindungen darstellen.

Bei der Suche nach Möglichkeiten zur Fixierung und Nutzung von CO2 gewinnen vor allem biotechnologische und chemische Prozesse zunehmend Beachtung. Mit Hilfe von bakteriellen Mikroorganismen, Algen oder chemisch-katalytischen Synthesereaktionen soll CO2 als Rohstoff eingesetzt und durch Umwandlung in wertvolle Ausgangssubstanzen sinnvoll für die Wertschöpfung genutzt werden.

Thematisiert werden alle Schritte entlang der Wertschöpfungskette, von der Forschung im akademischen Bereich über die frühe Entwicklung in kleinen und mittleren Unternehmen bis hin zu den Anwenderbranchen und dem dort notwendigen großtechnischen Einsatz der Verfahren sowie rechtliche und ökologische Rahmenbedingungen. Vorgesehen ist ein stark interdisziplinäres Konferenzprogramm mit Vertretern aus Energiewirtschaft, Anlagenbau und Biotechnologie sowie aus Politik und Umweltverbänden. Referenten sind u.a. Prof. Hartmut Graßl (MPI für Meteorologie), Prof. Manfred Fischedick (Wuppertal Institut), Prof. Walter Leitner (RWTH Aachen), Prof. Laurenz Thomsen (Jacobs University Bremen), Prof. Walter Trösch (Fraunhofer IGB) und Dr. Thomas Haas (Evonik Industries).

Die Veranstaltung bildet den Auftakt für eine Konferenzreihe, mit der die technologisch-ökonomische Entwicklung zur Abscheidung und Nutzung von CO2 über die nächsten Jahre begleitet und im Spiegel der öffentlichen Wahrnehmung kritisch reflektiert werden soll.

Das detaillierte Veranstaltungsprogramm sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie unter http://www.biocom.de/events.
Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gern:
Sabine Kuske, BIOCOM Projektmanagement GmbH

Ort: Umspannwerk Kreuzberg, 
Paul-Lincke-Ufer 20-22,
10999 Berlin
Zeit: 11. Juni 2010, 9.15 - 16.45 Uhr

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Entscheidender Schritt des Spinnvorgangs aufgeklärt: Wie spinnt die Spinne?

Christian Wißler, Forschungsmarketing
Universität Bayreuth

Fünfmal so reißfest wie Stahl und dreimal so fest wie die derzeit besten synthetischen Fasern: Spinnenseide ist ein faszinierendes Material. Doch niemand kann bisher die Super-Fäden technisch herstellen. Wie schafft es die Spinne, aus den im Inneren der Spinndrüse gespeicherten Spinnenseidenproteinen in Sekundenbruchteilen lange, hochstabile und elastische Fäden zu ziehen? Diesem Geheimnis sind Wissenschaftler der Universität Bayreuth (UBT) und der Technischen Universität München (TUM) nun auf die Spur gekommen. In der aktuellen Ausgabe des renommierten Wissenschaftsjournals Nature stellen sie ihre Ergebnisse vor.
"Die hohe Elastizität und extreme Reißfestigkeit der natürlichen Spinnenseide erreichen selbst Fasern aus reinem Spinnenseiden-Protein bisher nicht," sagt Professor Horst Kessler, Carl-von-Linde-Professor am Institute for Advanced Study der TU München (TUM-IAS). Daher ist eine Schlüsselfrage bei der künstlichen Herstellung stabiler Spinnenseide-Fäden: Wie schafft es die Spinne, das Rohmaterial in der Spinndrüse in hoher Konzentration bereit zu halten und bei Bedarf in Bruchteilen einer Sekunde daraus einen reißfesten Faden zu ziehen? Professor Thomas Scheibel, Inhaber des Lehrstuhls Biomaterialien der Universität Bayreuth, bis 2007 an der TU München tätig, ist dem Geheimnis der Spinnenseiden seit einigen Jahren auf der Spur.

Spinnenfäden bestehen aus Eiweißmolekülen, langen Ketten, die aus Tausenden von Aminosäure-Bausteinen aufgebaut sind. Röntgenstreuungsexperimente zeigen, dass sich im fertigen Faden Bereiche befinden, in denen mehrere Eiweißketten über stabile physikalische Bindungen miteinander vernetzt sind. Sie bewirken die Stabilität. Dazwischen befinden sich unvernetzte Bereiche, sie sind für die hohe Elastizität verantwortlich. In der Spinndrüse herrschen ganz andere Verhältnisse: In einer wässrigen Umgebung lagern hier die Seiden-Proteine in hoher Konzentration und warten auf ihren Einsatz. Die für die festen Quervernetzungen verantwortlichen Bereiche dürfen sich dabei nicht zu nahe kommen, da sonst die Eiweiße augenblicklich verklumpen würden. Es musste also eine Art Speicherform dieser Moleküle geben.

Die sonst so erfolgreiche Röntgenstrukturanalyse konnte zur Aufklärung nichts beitragen, da sie nur Kristalle analysieren kann. Bis zu dem Moment, an dem der feste Faden entsteht, spielt sich jedoch alles in Lösung ab. Die Untersuchungsmethode der Wahl war daher die Kernmagnetische Resonanz-Spektroskopie (NMR). An den Geräten des Bayerischen NMR-Zentrums gelang es dem Biochemiker Franz Hagn aus der Arbeitsgruppe von Horst Kessler, die Struktur eines Regulationselements aufzuklären, das für die Bildung des festen Fadens verantwortlich ist. Zusammen mit Lukas Eisoldt und John Hardy aus der Gruppe von Thomas Scheibel konnte darüber hinaus die Wirkungsweise dieses Regulationselements aufgeklärt werden.

"Unter den Speicherbedingungen in der Spinndrüse sind immer zwei dieser Regulationsbereiche so miteinander verknüpft, dass die quervernetzenden Bereiche beider Ketten nicht parallel zueinander liegen können," erläutert Thomas Scheibel die Ergebnisse. "Die Vernetzung ist damit wirkungsvoll unterbunden." Die Eiweißketten lagern sich dann so zusammen, dass polare Bereiche außen sind und die Wasser abweisenden Teile der Kette innen. Dies stellt die gute Löslichkeit in der wässrigen Umgebung sicher.

Gelangen die so geschützten Proteine in den Spinnkanal, finden sie dort eine völlig andere Salzkonzentration und -zusammensetzung vor. Die beiden Salzbrücken der Regulatordomäne werden dadurch instabil und die Kette kann sich entfalten. Durch die Strömung im engen Spinnkanal treten zudem starke Scherkräfte auf. Die langen Eiweißketten werden parallel zueinander ausgerichtet, und nun liegen auch die für die Quervernetzung verantwortlichen Bereiche direkt nebeneinander. Ein stabiler Spinnenseidenfaden entsteht.

"Unsere Ergebnisse haben gezeigt, dass der von uns entdeckte molekulare Schalter am C-terminalen Ende der Eiweißkette sowohl für die sichere Lagerung als auch für den Faserbildungsprozess von entscheidender Bedeutung ist," sagt Franz Hagn. Eine wichtige Grundlage für diese Ergebnisse schuf eine Kooperation der Arbeitsgruppe um Thomas Scheibel mit dem Team von Professor Bausch am Physik-Department der TUM. Dort wurde ein künstlicher Spinnkanal in Mikrosystemtechnologie entwickelt. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen arbeiten die Bayreuther Wissenschaftler inzwischen im Rahmen eines BMBF-Verbundprojektes zusammen mit Industrieunternehmen mit Hochdruck an der Entwicklung eines biomimetischen Spinnapparates. Anwendungen gäbe es viele, vom resorbierbaren Nahtmaterial für Operationen bis hin zu technischen Fasern für den Automobilbereich.

Die Arbeiten wurden unterstützt durch Bereitstellung von Messzeit am bayerischen NMRZentrum, durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), den Exzellenzcluster Center for Intergrated Protein Science Munich (CIPSM) sowie durch das Institute for Advanced Study der TU München, an dem Horst Kessler nach seiner Emeritierung als Senior Fellow arbeitet. Franz Hagn wird gefördert vom Bayerischen Elitenetzwerk CompInt, Mitautor John G. Hardy von der Alexander von Humboldt Stiftung.

Original-Publikation:
A conserved spider silk domain acts as a molecular switch that controls fibre assembly,
Franz Hagn, Lukas Eisoldt, John G. Hardy, Charlotte Vendrely, Murray Coles, Thomas
Scheibel, Horst Kessler
Nature, 13. Mai 2010, DOI: 10.1038/nature08936

Hintergrundinformationen:

NMR-Spektroskopische Untersuchungen von Proteinen und Peptiden, Bayerisches NMRZentrum (Prof. Dr. H. Kessler, TUM-IAS)
http://www.org.chemie.tu-muenchen.de/akkessler/

Forschungsarbeiten mit einer in Mikrosystemtechnik hergestellten künstlichen Spinndrüse (Physik-Department der TUM, Prof. Bausch)
http://www.e22.physik.tu-muenchen.de/bausch

Biomimetische Herstellung von Spinnenseidenproteinen und Seidenfasern
(Prof. Dr. Thomas Scheibel, Univ. Bayreuth, Lehrstuhl für Biomaterialien, ehem. TU München)
http://www.fiberlab.de

Kontaktadressen für weitere Informationen:
Prof. Dr. Thomas Scheibel
Lehrstuhl Biomaterialien
Fakultät für Angewandte Naturwissenschaften
Universität Bayreuth
Universitätsstraße 30
D-95447 Bayreuth
Tel.: +49 (0) 921 / 55-7360
E-Mail: thomas.scheibel@uni-bayreuth.de

Prof. Dr. Horst Kessler
Institute for Advanced Study / Department Chemie
Technische Universität München
Lichtenbergstraße 4
D-85748 Garching
Tel.: +49 (0) 89 / 289 13300, Fax: +49 (0) 89 / 289 13210
E-Mail: horst.kessler@ch.tum.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Teilnehmer gesucht: Neue Tinnitus-Studie an der Universität Göttingen

Dr. Bernd Ebeling, Presse, Kommunikation und Marketing
Georg-August-Universität Göttingen

Straßenverkehr, Baustellenlärm, hämmernde Musik - ein hoher Geräuschpegel ist eine der größten Belastungen in der heutigen Gesellschaft. Immer mehr Menschen empfinden schon ganz normale Alltagsgeräusche als zu laut, wie zum Beispiel das klingelnde Telefon oder das Rascheln einer Zeitung. Bei der sogenannten Hyperakusis wird ein Geräusch normaler Lautstärke als extrem laut oder unangenehm wahrgenommen. Besonders verbreitet ist dieses Symptom bei Tinnituspatienten. Diesen Zusammenhang wollen Wissenschaftler der Universität Göttingen nun in einer Studie genauer untersuchen.

Teilnehmer gesucht: Neue Tinnitus-Studie an der Universität Göttingen
Wissenschaftler erforschen Zusammenhang zwischen Geräuschüberempfindlichkeit und Tinnitus

(pug) Straßenverkehr, Baustellenlärm, hämmernde Musik - ein hoher Geräuschpegel ist eine der größten Belastungen in der heutigen Gesellschaft. Immer mehr Menschen empfinden schon ganz normale Alltagsgeräusche als zu laut, wie zum Beispiel das klingelnde Telefon oder das Rascheln einer Zeitung. Bei der sogenannten Hyperakusis, also bei Geräuschüberempfindlichkeit, wird ein Geräusch normaler Lautstärke als extrem laut oder unangenehm wahrgenommen. Besonders verbreitet ist dieses Symptom bei Tinnituspatienten: Etwa 40 Prozent der Betroffenen leiden gleichzeitig auch unter Geräuschüberempfindlichkeit. Diesen Zusammenhang wollen Wissenschaftler der Universität Göttingen nun genauer untersuchen.

Bisher existiert kein einheitlicher Erklärungsansatz für die Überempfindlichkeit gegen Geräusche. In einer Studie wollen die Göttinger Forscher untersuchen, welche Mechanismen an der Entstehung und Aufrechterhaltung der Hyperakusis beteiligt sind. Ziel der Studie ist es, Möglichkeiten der Diagnose für diese Störung zu entwickeln und wirksame Behandlungsmöglichkeiten zu erproben. Dafür sucht die Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie des Georg-Elias-Müller-Instituts für Psychologie Tinnituspatienten, die entweder besonders geräuschempfindlich sind oder, im Gegenteil, dieses Problem bei sich bisher nicht festgestellt haben. An der Studie können Tinnituspatienten im Alter zwischen 20 und 80 Jahren teilnehmen, die nicht unter Schwerhörigkeit leiden. Sie werden per Fragebogen zu ihrer Krankengeschichte befragt und nehmen an Verhaltensexperimenten teil. Für die Teilnahme an der Studie kann eine Aufwandsentschädigung gezahlt werden. Interessierte können sich unter der Telefonnummer (0551) 39-3665 informieren.

Kontaktadresse:
Lena Bläsing
Georg-August-Universität Göttingen, Biologische Fakultät
Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie, Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie
Goßlerstraße 14, 37073 Göttingen
Telefon (0551) 39-3665, E-Mail: lblaesi@uni-goettingen.de
Internet: www.psych.uni-goettingen.de/abt/7

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wenn Rohstoffe nachwachsen und Kunststoffe gesät werden

Julia Wandt, Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Universität Konstanz

Chemiker der Universität Konstanz finden eine Methode, Kunststoffe verlustfrei aus Pflanzenöl zu erzeugen.

Kunststoffe oder Polymere sind in unserem alltäglichen Leben allgegenwärtig. Sie werden derzeit aus Rohöl oder Gas hergestellt - in Hinblick auf die Begrenztheit fossiler Rohstoffe sollte auf lange Sicht jedoch eine alternative Methode zur Herstellung von Kunststoffen auf der Grundlage von erneuerbaren Ressourcen gefunden werden.
Die Forschungsgruppe von Professor Dr. Stefan Mecking, Lehrstuhlinhaber für Chemische Materialwissenschaft an der Universität Konstanz, fand einen Weg, Kunststoffe aus pflanzlichem Öl zu gewinnen. Damit wurde erstmalig eine Methode entwickelt, die fetthaltige pflanzliche Säuren verlustfrei in einen Kunststoff überführt und dessen lineare Molekularstruktur aus langen Molekülketten bewahrt.

Bisherige Methoden der Kunststoffgewinnung aus regenerativen Rohstoffen nutzten die fetthaltigen Säuren nur unvollständig und verschwendeten somit einen Teil des Ausgangsmaterials - oder aber sie ergaben weiche Kunststoffe mit verzweigter, baumartiger Molekularstruktur. Die neue Methode, die von Dorothee Quinzler im Rahmen ihrer Dissertation gefunden wurde, ermöglicht hingegen eine vollständige, verlustfreie Nutzbarmachung des pflanzlichen Ausgangsstoffes und seiner spezifischen Molekularstruktur, die in den entstehenden Kunststoff übergeführt wird. Die so gewonnenen Kunststoffe verfügen anders als in herkömmlichen Methoden über eine nicht-verzweigte und regelmäßige, lineare Molekularstruktur aus langen Molekülketten: „Nicht unähnlich einer Aufschichtung von ungekochten Spaghetti", erläutert Stefan Mecking. Diese regelmäßige Anordnung der Moleküle stattet die Kunststoffe mit günstigen Eigenschaften aus: Der Kristallinitätsgrad und das Schmelzverhalten dieser Stoffe sind vergleichbar zu den bekannten Polyethylenen, wie Quinzler und Mecking in der Fachzeitschrift „Angewandte Chemie" (online erschienen am 7. Mai 2010) berichten.

Kontakt:
Professor Dr. Stefan Mecking
Universität Konstanz
Lehrstuhl für Chemische Materialwissenschaft
Universitätsstraße 10
78457 Konstanz
Telefon: 07531 / 88-2593 und 88-5151
E-Mail: stefan.mecking@uni-konstanz.de

http://www.chemie.uni-konstanz.de/agmeck

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Richtig oder Falsch - Helfen einfache Faustregeln bei komplexen moralischen Entscheidungen?

Dr. Petra Fox-Kuchenbecker, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Max-Planck-Wissenschaftler beteiligen sich an internationalem Netzwerk zur Erforschung moralischer Werte

Wissenschaftler des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung haben einen mit 200.000 US Dollar dotierten Forschungspreis der Universität Chicago gewonnen. Zusammen mit 18 weiteren Preisträgern aus Philosophie, Neurowissenschaften und Ökonomie beteiligen sie sich am internationalen Forschungsnetz The New Science of Virtues Project.
Moralische Entscheidungen folgen oft einfachen Entscheidungsmustern
Informationsflut und Zeitdruck bestimmen mehr und mehr unseren Alltag. Gefragt sind schnelle Entscheidungen - aber sind dies auch die „richtigen" Entscheidungen? Orientierung bieten moralische Werte. Sie geben Standards vor, anhand derer Menschen ihr eigenes Handeln ausrichten und bewerten können und so schnelle Entscheidungen über Richtig und Falsch ermöglichen. „Es scheint bei vielen Menschen ein intuitives Wissen darüber zu geben, was Richtig und was Falsch ist. Wertvorstellungen und Tugenden können also helfen, zu schnellen Entscheidungen in komplexen Alltagssituationen zu kommen - ähnlich, wie wir es von sogenannten Faustregeln her kennen," erläutert der Psychologe Julian Marewski, der zusammen mit Edward Cokely und Adam Feltz die Studie am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung leitet. „Gute Entscheidungen sind oft das Ergebnis einfacher heuristischer Prozesse, insbesondere wenn es sich um komplexe Sachverhalte handelt. Wir gehen davon aus, dass auch moralische Entscheidungsprozesse diesem Muster folgen und wollen die daraus entstehenden sozialen, ökonomischen und gesellschafts-politischen Implikationen aufzeigen", ergänzt Gerd Gigerenzer, Direktor des Forschungsbereichs Adaptives Verhalten und Kognition am MPI für Bildungsforschung.

Kleine Ursache, große Wirkung
Welch gravierenden Einfluss die Anwendung von Heuristiken auf das Ergebnis komplexer Entscheidungsprozesse haben kann, zeigt folgendes Beispiel. Seit 1955 sind 50.000 US Bürger gestorben, während sie auf die Transplantation eines Spenderorgans warteten. Denn obwohl die meisten Amerikaner das Spenden von Organen gutheißen, willigt nur rund jeder Vierte auch tatsächlich in eine Organspende ein. In Frankreich dagegen liegt die Spenderrate bei annähernd 99,9%. Verantwortlich für diesen Unterschied scheinen nicht kulturelle oder moralische Unterschiede zu sein. Vielmehr scheinen Amerikaner und Franzosen derselben Faustregel (Heuristik) zu folgen die besagt: Weiche nicht vom Standard ab. Während per Gesetz jeder US-Amerikaner ein Nicht-Spender ist, der aktiv einer Organspende zustimmen muss, sind alle Franzosen Spender, die einer Organspende selbst widersprechen müssen.

Heuristiken sind Strategien, die mit nur wenigen Informationen arbeiten und den Rest ignorieren. Sie helfen dem Gehirn, komplexe Probleme in kurzer Zeit zu lösen. Die Studie wird moralische Entscheidungsprozesse mit wissenschaftlichen Methoden untersuchen und die Ergebnisse mit den Erkenntnissen der Heuristikforschung zusammenführen.

„The Heuristics of Virtue - Integrating Virtue Ethics and the Science of Virtues"

Studienleiter:
Edward Cokely, Ph.D., Psychologie, MPI für Bildungsforschung, (Principal Investigator)
Adam Feltz, Ph.D., Philosophie, Schreiner University, Texas, (Co-Principal Investigator)
Dr. Julian Marewski, Psychologe, MPI für Bildungsforschung, (Co-Principal Investigator)

Teammitglieder:
Florian Artinger, M.Sc., Ökonomie&Management, MPI für Bildungsforschung
Nadine Fleischhut, M.A., Philosophie, MPI für Bildungsforschung
Mirta Galesic, Ph.D., Psychologie, MPI für Bildungsforschung
Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, Psychologe, Direktor am MPI für Bildungsforschung
Prof. Dr. Monika Keller, Psychologin, MPI für Bildungsforschung
Jeffrey R. Stevens, Ph.D., Biologie, MPI für Bildungsforschung

MPI für Bildungsforschung
Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung wurde 1963 in Berlin gegründet und ist als interdisziplinäre Forschungseinrichtung dem Studium der menschlichen Entwicklung und Bildung gewidmet. Das Institut gehört zur Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., einer der führenden Organisationen für Grundlagenforschung in Europa.

Weitere Informationen:
http://www.mpib-berlin.mpg.de
http://www.mpg.de
http://scienceofvirtues.org/
http://scienceofvirtues.org/Arete/Cokely.aspx

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Genussraucher, Gelegenheitsraucher oder Kettenraucher - die Gene im Kopf geben den Takt vor

Constanze Steinke, Pressearbeit
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Erblicher Einfluss auf das Rauchverhalten erstmals in den Nikotinrezeptoren nachgewiesen

Das soziale Umfeld gibt in der Regel vor, ob junge Menschen den Weg zum Raucher einschlagen. Der Griff zur ersten Zigarette hängt also in hohem Maße vom Elternhaus, den Freunden und der beruflichen Situation ab. Mit Beginn des Nikotinkonsums übernimmt aber offensichtlich der Körper eine Dirigentenrolle.
Ob Jugendliche zu Genussrauchern, Gelegenheitsrauchern oder auch Kettenrauchern mit besonders hohem Suchtpotenzial werden, steuern die Gene. Einem internationalen Forschungskonsortium mit Greifswalder Wissenschaftlern ist es gelungen, eine genetische Veranlagung der Abhängigkeit und des Rauchverhaltens in den Nikotinrezeptoren nachzuweisen. Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsjournals Nature Genetics* veröffentlicht.

Die Studie unter Koordination von Wissenschaftlern der Oxford University bestätigt damit jüngste Forschungsansätze, dass die Art und Weise des Rauchens mit erblich bedingt ist. Weltweit wurden 41.150 Menschen aus 20 Bevölkerungsgruppen untersucht, darunter 4.000 Probanden aus der SHIP-Studie (Study of Health in Pomerania) des Forschungsverbundes Community Medicine. An der Studie waren die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, die Institute für Funktionelle Genomforschung, für Epidemiologie und Sozialmedizin sowie für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin und das Institut für Community Medicine der Universität Greifswald beteiligt.

Der wesentliche Suchtstoff von Zigaretten, nämlich Nikotin, entfaltet im Gehirn innerhalb kürzester Zeit seine stimulierenden Effekte wie die Erhöhung von Aufmerksamkeit, Konzentration und kreativem Denken bei gleichzeitiger Beruhigung und Steigerung des Wohlbefindens über die Aktivierung von so genannten Nikotinrezeptoren. Diese befinden sich im Gehirn, nehmen die Suchtstoffe unmittelbar auf und setzen anschließend zügig „Glückshormone" wie die Neurobotenstoffe Dopamin und Serotonin frei. „In der Tat konnte in dieser Studie nun erstmals nachgewiesen werden, dass die Anzahl der gerauchten Zigaretten pro Tag durch bestimmte Variationen in exakt diesen Genen der Nikotinrezeptoren beeinflusst wird", erläuterte der Greifswalder Wissenschaftler Prof. Hans-Jörgen Grabe (43/Foto). Bislang sei man vor allem davon ausgegangen, dass das Suchtverhalten durch einen unterschiedlichen Abbau von Nikotin durch Enzyme in der Leber beeinflusst wird.
„Die aktuellen Befunde waren über alle Untersuchungsgruppen hoch signifikant nachweisbar", betonte Grabe. Die unterschiedliche genetische Veranlagung war dafür verantwortlich, wie viele Zigaretten am Tag durchschnittlich konsumiert wurden. Die Forschungsergebnisse können dazu beitragen, schneller Medikamente zu entwickeln, die gezielt diese Wirkmechanismen direkt an den Rezeptoren im Gehirn aufgreifen und die Suchtanfälligkeit vermindern.

Rauchen stellt weltweit die Hauptursache für vermeidbare Ursachen von schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs, Herzinfarkte und Gefäßerkrankungen dar. Weit mehr als eine Milliarde Menschen auf der Welt rauchen, Tendenz steigend. „Der Beginn des Rauchens ist jedoch vielmehr von psychosozialen als von genetischen Faktoren abhängig. Dies bedeutet, dass der primären Raucherprävention auf jeden Fall die größere Bedeutung zukommt, um zukünftig die fatalen gesundheitlichen Folgen des Rauchens effektiver einzudämmen", so Grabe abschließend.

*Nature Genetics, published online April 25, 2010
Meta-analysis and imputation refines the association of 15q25 with smoking quantity
DOI: 10.1038/ng.572 (http://dx.doi.org)

140.000 Raucheropfer jedes Jahr in Deutschland

Pro Jahr sterben etwa sechs Millionen Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, davon 140.000 in Deutschland. Die wirtschaftlichen Schäden belaufen sich global nach aktuellen Schätzungen auf eine halbe Billion Dollar jährlich. Rauchen ist die größte Einzelursache für Erkrankungen und vorzeitige Todesfälle in Europa. Raucher altern darüber hinaus generell schneller als Nicht-Raucher und verkürzen ihre Lebenserwartung um durchschnittlich sieben bis acht Jahre. Während in den modernen Industrienationen aufgrund von Antiraucherkampagnen von einem weiteren Rückgang an Rauchern ausgegangen wird, steigen die Zahlen in den Entwicklungsländern rasant an.
Quellen: Welt-Tabak-Atlas 2009 (http://www.tabakkontrolle.de) und http://www.lungenaerzte-im-netz.de

Forschungsschwerpunkt Nikotinmissbrauch

Die wirksame Aufklärung über die nachhaltigen Risiken der Nikotinsucht ist eines der Schwerpunktthemen am Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin der Universität Greifswald. Derzeit laufen mehrere Forschungsprojekte, die sich mit den Folgen des Rauchens in bestimmten Gesellschaftsgruppen befassen und eine verbesserte Aufklärungsarbeit zum Ziel haben. Das betrifft beispielsweise den Nikotinkonsum während der Schwangerschaft, nach der Geburt, im jugendlichen Alter und bei Frauen, die Hormonpräparate zur Schwangerschaftsverhütung nehmen. Die vorliegende Studie ist die erste interdisziplinäre Zusammenarbeit im Bereich der Individualisierten Medizin.

Weitere Informationen
NATURE: http://www.nature.com/ng/index.html
SHIP: http://www.medizin.uni-greifswald.de/cm/fv/ship.html
GANI_MED: http://www.gani-med.de

Universitätsklinikum Greifswald
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Ltd. Oberarzt: Prof. Dr. med. Hans-Jörgen Grabe
Rostocker Chaussee 70, 17437 Stralsund
T +49 3831-45 21 00
Ellernholzstraße 1 - 2, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-68 93
E grabeh@uni-greifswald.de
http://www.klinikum.uni-greifswald.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Tod durch Arsen

Dr. Renate Hoer, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Haaranalyse belegt: Legendäres Rennpferd Phar Lap starb 1932 an einer Arsenvergiftung
Das legendäre Rennpferd Phar Lap konnte viele namhafte Rennen für sich entscheiden. Nach seinem Triumph im berühmten Agua Caliente Handicap 1932 in Mexiko starb das Tier auf einer Tour durch die USA qualvoll unter mysteriösen Umständen. Unter anderem wurde vermutet, dass Phar Lap vergiftet wurde. Ivan M. Kempson (Academia Sinica, Taiwan) und Dermot A. Henry (Museum Victoria, Australien) haben jetzt Haare des Pferdes einer genauen Untersuchung unterzogen. Wie die Forscher in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, scheint das Tier in der Tat an einer Arsenvergiftung gestorben zu sein.

Spuren vieler Substanzen, die dem Körper zugeführt werden, gelangen auch in die Haare, wo sie eingelagert werden. Durch Haaranalysen konnte schon des öfteren Drogenkonsum nachgewiesen oder auch posthum Gifte als Todesursache entdeckt werden. Nach seinem Tod wurde Phar Lap präpariert und ausgestopft und im Museum Victoria in Melbourne ausgestellt. „Wir konnten kleine Teile des Balgs und Haare aus der Mähne entnehmen, deren Wurzeln erhalten waren", berichtet Kempson. Es wurden nur Haare untersucht, die zum Todeszeitpunkt noch eindeutig im Wachstum waren. Sie wurden in der Advanced Photon Source in Chicago, USA, einzeln und der Länge nach mit Synchrotron-Röntgenfluzoreszenzspektroskopie analysiert. Diese Methode weist chemische Elemente auch in Spuren nach, denn jedes Element sendet dabei eine ganz charakteristische Strahlung aus.

Die Wissenschaftler schauten sich den Arsen-Gehalt der Haare an. „Zum einen fanden sie einen leichten, über das ganze Haar relativ gleichmäßig verteilten Arsengehalt. Dies ist in Einklag mit dem Arsengehalt der zur Konservierung des Balgs verwendeten Chemikalien", so Kempson. „Außerdem fanden wir bei jedem der untersuchten Haare in jeweils der gleichen Entfernung von der Wurzel einen deutlichen erhöhten Arsengehalt." Diese Stelle der Haare lag zu Lebzeiten des Pferdes unterhalb der Hautoberfläche.

„Wenn man die Wachstumsgeschwindigkeit von Pferdehaaren und die Zeitdauer des Stoffwechsels berücksichtigt, dann spricht die Stelle, an der die erhöhte Arsenkonzentration gefunden wurde, dafür, dass das Pferd das Arsen gefressen und metabolisiert haben muss", erläutert Kempson. Zusätzlich verwendeten die Wissenschaftler eine Röntgenmethode, die unterscheiden kann, in welcher chemischen Umgebung sich das Arsen befindet. Kempson: „Die identifizierten Arsen-Spezies sprechen ebenfalls dafür, dass Phar Lap an einer Arsenvergiftung gestorben ist."

Allerdings kann nicht geklärt werden, auf welche Weise das Pferd das Arsen aufgenommen hat. War es eine absichtliche Tötung durch Konkurrenten oder Neider? War es ein Unfall - etwa eine Überdosierung eines damals gängigen arsenhaltigen Mittels zur Leistungssteigerung? War das Futter kontaminiert? „Dies wird wohl immer ein Mysterium bleiben," sagt Kempson.

Autor: Ivan M. Kempson, Academia Sinica, Taipei (Taiwan), mailto:ivan.m.k@hotmail.com

Angewandte Chemie, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.200906594

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69495 Weinheim, Germany

Weitere Informationen:
http://dx.doi.org/10.1002/ange.200906594

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Umweltschutz für Chinas Landwirte: Green WindowsTUM Technologie hilft Stickstoff sparen

Dr. Ulrich Marsch, Zentrale Presse & Kommunikation
Technische Universität München

Chinas Gwwässer sind überdüngt: Vor allem der Eintrag von Stickstoff aus der Landwirtschaft ist ein Problem. Diese Situation soll ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Kooperationsprojekt der Technischen Universität München (TUM) und der Universitäten Braunschweig, Göttingen und Hohenheim verbessern. Von den zwei Millionen Euro Gesamtförderung fließen 900.000 Euro an die TU München. Geleitet wird das Projekt von Prof. Urs Schmidhalter, Ordinarius für Pflanzenernährung der TUM, sein Mitarbeiter PD Dr. Yuncai Hu koordiniert es. Projektpartner auf chinesischer Seite sind Experten aus dem universitären Bereich, der Verwaltung und der Politikberatung.
China trägt nur neun Prozent zur Welt-Ackerfläche bei, verbraucht aber mehr als 30 Prozent des weltweit eingesetzten Stickstoffdüngers. Schätzungen gehen davon aus, dass dort alljährlich mindestens 20 Millionen Tonnen Stickstoff verlorengehen, die das Grund- und Oberflächenwasser belasten und wesentlich zur Klimaerwärmung beitragen. Die chinesische Landwirtschaft ist gekennzeichnet durch höchste Intensität auf kleinster Fläche - eine chinesische Familie bewirtschaftet weniger als ein halbes Hektar.

Um die Verwendung von Stickstoff effizienter zu gestalten, haben die TUM-Wissenschaftler die „Green WindowsTUM Technologie" entwickelt: Das durch vereinfachte spektrale Sensorsysteme unterstützte Verfahren stellt die Stickstoffversorgung der Pflanzen und somit auch die Stickstoffbilanz auf einfache Weise dar. Die so erhobenen Daten werden zunehmend mit Flugzeug- und Satelliten-gestützten Informationen kombiniert. Das erlaubt es den chinesischen Landwirten, den Stickstoffeinsatz zu optimieren. Zusätzlich beinhaltet das neu entwickelte Konzept die „On-farm-Untersuchung": Schnelltests der Stickstoffversorgung der Böden, die aufwändige und teure Untersuchungen in Labors ersetzen.

Die Green WindowsTUM Technologie wird derzeit in China getestet. Sie bietet eine hocheffiziente Plattform für den kurzfristigen Transfer in die chinesische Landwirtschaft und öffnet den Weg in eine erhöhte landwirtschaftliche Effizienz und Produktion - und trägt damit auch zu Verbesserungen in der Umwelt bei.

Kontakt:
Technische Universität München
Lehrstuhl für Pflanzenernährung
Prof. Dr. Urs Schmidhalter
PD Dr. Yuncai Hu
85350 Freising-Weihenstephan
Tel.: +49 8161/71-3394
E-Mail: hu@wzw.tum.de
http://www.wzw.tum.de/pe/

Kostenloses Bildmaterial:
http://mediatum2.ub.tum.de/node?id=977820

Website des Forschungsprojekts:
http://www.nitrogen-management.org/index.php?id=10&L=1

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Zahnärzte helfen beim Rauchstopp

Dr. Stefanie Seltmann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum

Neuer Report „Rauchen und Mundgesundheit - Bedeutung der Zahnärzte in der Tabakprävention"
Die Zähne lockern sich und fallen aus - schuld daran könnten die täglich gerauchten Zigaretten sein, denn die Schadstoffe aus dem Tabakrauch fördern immunologische Vorgänge, die die Zerstörung des Kieferknochens vorantreiben. Daher leiden Raucher wesentlich häufiger unter entzündlichen Veränderungen des Zahnhalteapparats (Parodontalerkrankungen) und haben ein rund doppelt so hohes Risiko für Zahnausfall wie Nichtraucher. Dies zeigt der neue, vom Deutschen Krebsforschungszentrum gemeinsam mit der Bundeszahnärztekammer herausgegebene Report "Rauchen und Mundgesundheit". Rauchen schädigt aber nicht nur Zahnfleisch und Zähne, sondern kann auch tödlich verlaufenden Mundhöhlenkrebs verursachen. „In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 10.000 Menschen an Krebs der Mundhöhle und des Rachens und rund 4500 sterben daran - vor allem Männer. Im Jahr 2007 standen diese Krebsarten bei Männern an 7. und bei Frauen an 16. Stelle der Krebstodesursachen", sagt Dr. Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention und Präventionsexpertin aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum.

Die beste Vorsorge gegen diese Schäden ist ein konsequenter Rauchstopp. Dieser gelingt besonders gut mit professioneller Unterstützung - beispielsweise auch durch den Zahnarzt. Gerade Zahnärzte können in der Tabakentwöhnung viel bewirken, denn sie sehen ihre Patienten zumeist sehr regelmäßig. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer erklärt: „In Deutschland gehen rund 76 Prozent der Erwachsenen und etwa 66 Prozent der Jugendlichen mindestens einmal im Jahr zum Zahnarzt. Dabei hat das zahnärztliche Behandlungsteam regelmäßig die Gelegenheit, Raucher zu einem Rauchstopp zu motivieren und auf diese Weise Erkrankungsrisiken zu reduzieren und zur Verbesserung der Gesundheit beizutragen."

Die Bundeszahnärztekammer fordert daher alle Mitglieder des zahnärztlichen Teams auf, in der Beratung von Rauchern aktiv zu werden und so die Mundgesundheit ihrer Patienten zu fördern. Der neue Report gibt Zahnärzten, die in der Raucherberatung aktiv werden wollen, in der Praxis einfach umsetzbare Interventionsstrategien an die Hand. Darüber hinaus fördert die Publikation das gegenseitige Verständnis der medizinischen Fachdisziplinen, welches Grundlage eines interdisziplinären Vorgehens bei der Raucherberatung ist.

Der Report kann im Internet unter www.tabakkontrolle.de und www.bzaek.de eingesehen werden.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland und Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. Über 2.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, davon 850 Wissenschaftler, erforschen die Mechanismen der Krebsentstehung und arbeiten an der Erfassung von Krebsrisikofaktoren. Sie liefern die Grundlagen für die Entwicklung neuer Ansätze in der Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen. Daneben klären die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert.

Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Arbeitsgemeinschaft der deutschen Zahnärztekammern e.V. ist die Berufsvertretung aller deutschen Zahnärzte auf Bundesebene - derzeit über 83.000. Mitglieder der BZÄK sind die Zahnärztekammern der Bundesländer. Die BZÄK vertritt die gesundheits-, präventions- und professionspolitischen Interessen des zahnärztlichen Berufsstandes unter Berücksichtigung der Gemeinwohlinteressen. Ihr oberstes Ziel ist der Einsatz für ein freiheitliches, zukunftsorientiertes Gesundheitswesen, das den Patienten in den Mittelpunkt stellt.

Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Die Zukunft der Energie auf der Insel Mainau erleben - Ausstellung „Entdeckungen 2010: Energie" wird feierlich eröffnet

Christian Rapp, Communication and Organisation
Kuratorium für die Tagungen der Nobelpreisträger in Lindau e.V.

Am morgigen Samstag eröffnet Gräfin Bettina Bernadotte gemeinsam mit Bundesbildungsministerin Annette Schavan und Gästen aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft feierlich die Ausstellung „Entdeckungen 2010: Energie" auf der Insel Mainau. „Wir wollen den Besuchern der Mainau zeigen, welche Elemente zum Energiekonzept der Zukunft gehören können, das den steigenden Energiebedarf der Erde deckt, ohne die Ressourcen auf Kosten der nächsten Generationen zu verbrauchen. Die Ausstellung soll insbesondere Kindern und Jugendlichen den Spaß am Forschen und Entdecken vermitteln", sagt Gräfin Bernadotte im Vorfeld der Eröffnung. Organisiert wird die Ausstellung von der Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertreffen am Bodensee in Zusammenarbeit mit der Mainau GmbH.

„Hier ist es vorbildlich gelungen, komplexe wissenschaftliche Zusammenhänge verständlich zu vermitteln", erklärt die Schirmherrin der Veranstaltung, Bundesbildungsministerin Schavan. Bis zum 29. August 2010 lädt die Nachhaltigkeitsausstellung „Entdeckungen 2010: Energie" dazu ein, einen Ausblick auf die Zukunft der Energie zu wagen. In 18 Pavillons werden neue Verfahren und Methoden zur Erzeugung, Speicherung und zum Transport von Energie aufgezeigt. So informieren interaktive Exponate zum Beispiel im „Haus der Veränderungen" der Telekom AG anschaulich, wie neue Technologien im Haushalt dabei helfen können Strom zu sparen. Die Fraunhofer-Gesellschaft zeigt in ihrem Pavillon, welche Hürden Wissenschaftler nehmen müssen, damit Elektroautos die Zukunft auf den Straßen gehört. Im Pavillon des Dynamikum Science Center Pirmasens lernen Besucher auf dem „Luftkissen-Fahrrad" anschaulich und unterhaltsam das Prinzip des Reibungswiderstands kennen. Die Ausstellung gehört zu den Höhepunkten des „Wissenschaftsjahres 2010 - Die Zukunft der Energie". Das Bundesministerium für Bildung und Forschung ist der Hauptförderer dieses Projekts.

Ein besonderes Augenmerk der Mitmach-Ausstellung liegt auf der Vermittlung von Wissen an Kinder und Jugendlichen. Für Kinder, die mit ihren Eltern gemeinsam die Zukunft der Energie auf der Insel Mainau entdecken wollen, wird es eine eigene „Energie-Rallye" geben. Durch das Lösen altersgerechter Fragestellungen werden Beobachtungsgabe und Kreativität gefördert sowie das spielerische Begreifen der Themen ermöglicht. Jeweils am ersten Samstag des Monats finden zudem Aktionstage rund um das Thema Energie statt. Die Insel Mainau wird in dieser Zeit zu einer großen Experimentierwerkstatt für kleine Forscher. Kostenlose Lehreinheiten und organisierte Führungen für Schulklassen runden das pädagogische Konzept der Ausstellung ab.
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Die Ausstellung „Entdeckungen 2010: Energie" findet vom 20. Mai bis 29. August 2010 auf der Insel Mainau statt. Sie ist Teil des „Wissenschaftsjahres 2010 - Die Zukunft der Energie" und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die Ausstellungsreihe startete im letzten Jahr auf der Insel Mainau mit „Entdeckungen 2009: Wasser" und erreichte mehr als 200.000 Besucher. In 2011 findet die Reihe ihren Abschluss. Sie wird von der Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertreffen am Bodensee zusammen mit der Mainau GmbH veranstaltet. Die Insel Mainau ist zudem einer von fünf Veranstaltungsorten bei der „Langen Nacht der Wissenschaft" in Konstanz, die zusammen mit der Stadt Konstanz, den Stadtwerken, der HTWG und der Universität Konstanz organisiert wird. Sie findet am 17. Juli 2010 ab 18.00 Uhr statt.

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Öffnungszeiten:
vom 20.05. bis 29.8.2010 täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr

Ort:
Insel Mainau

Eintritt:
Regulärer Eintritt für die Insel Mainau
Erwachsene: 15,90 €; Schüler: 8,50 €; Kinder bis einschließlich 12 Jahren gratis

Schulklassen:
kostenfreier Eintritt nach vorheriger Anmeldung unter Tel.: +49 (0) 7531-303-0
Weitere Informationen:
http://www.mainau-entdeckungen.de/de/energie-2010/ - Informationen zu den einzelnen Pavillons und zum Begleitprogramm der Ausstellung

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Lachgas und Stickoxid aus dem Mund - Bakterielle Nitratatmung im menschlichen Zahnbelag

Dr. Manfred Schloesser, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

Zusammen mit amerikanischen und belgischen Kollegen fand ein Team vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie heraus, dass Bakterien im menschlichen Zahnbelag mit Nitrat anstelle von Sauerstoff atmen können und dabei auch Lachgas und Stickoxid freisetzen.
Bei diesem Denitrifikation genannten Prozess dient ein Salz, das Nitrat, bestimmten Bakterien als Oxidationsmittel bei der Atmung, und übernimmt damit die gleiche Funktion wie der Sauerstoff beim Menschen. Denitrifikation ist für Meere, Seen und Flüsse bereits sehr gut untersucht und konnte nun erstmals für den menschlichen Zahnbelag nachgewiesen werden.

Ausschlaggebend ist nitratreiche Nahrung, wie Blattsalate oder Rote-Beete-Saft, die im Speichel zu extrem hohen Konzentrationen an Nitrat führt, welches dann von den nitratatmenden Bakterien im Zahnbelag umgesetzt wird. Dabei entstehen gasförmige Stoffwechselprodukte wie Stickoxid, Lachgas und Stickstoff. Dass Zahnbelag zu Karies und Zahnfleischentzündungen führen kann, ist nichts Neues. Die aktuelle Veröffentlichung lässt nun weiterhin vermuten, dass es einen Zusammenhang zwischen diesen Erkrankungen und den bakteriellen Stickstoffumsetzungen im Zahnbelag gibt. Stickoxid ist ein bekanntes Signal-Molekül im menschlichen Körper, welches vielleicht auch für die Kommunikation zwischen den Prozessen im Zahnbelag und im Zahnfleisch verantwortlich ist. "Die Mengen an Stickoxid sind physiologisch relevant. Es ist bekannt, dass Stickoxid die Blutgefäße erweitert, so den Blutdruck senkt und zudem als Signalstoff im Nerven -und Immunsystem dient", sagt Dr. Frank Schreiber, der Ansprechpartner der Studie. "Ob das bei der Denitrifikation produzierte Lachgas die Stimmung erhellen kann, ist allerdings eher fraglich", ergänzt Dr. Peter Stief, der ebenfalls an dieser Studie mitgearbeitet hat. Tatsächlich ist die Menge des gebildeten Lachgases zu gering, um bekannte physiologische Funktionen, wie z.B. Betäubung hervorzurufen. So benutzten Zahnärzte in früheren Zeiten deutlich höhere Mengen, um ihre Patienten zu narkotisieren, als im Zahnbelag gebildet wird.

Mediziner wissen schon lange, dass der menschliche Körper von einer Vielzahl von Mikroorganismen besiedelt ist. Intensive Studien über deren tatsächliche Stoffwechselaktivität innerhalb ihres natürlichen Lebensraumes sind jedoch selten. Vielmehr haben Mediziner traditionell versucht, bestimmte Krankheitserreger zu isolieren, um sie dann unter künstlichen Laborbedingungen zu erforschen. Im Gegensatz dazu sieht die Strategie der Meeresforscher vom Bremer Max-Planck-Institut vor, Messmethoden zu entwickeln, mit denen sie direkt im Meeresboden bakterielle Stoffwechselprozesse verfolgen können. Aufmerksam geworden auf diese Techniken ist der US-Mikrobiologe Prof. Paul Stoodley aus Pittsburgh, der sich seit Jahren mit medizinisch relevanten Bakterien beschäftigt. Fasziniert von den Bremer Methoden hat Stoodley den Meersforschern eine interdisziplinäre Kooperation angeboten, um zu untersuchen, ob im menschlichen Zahnbelag ähnliche Prozesse wie im Meeresboden ablaufen. Die Bremer Wissenschaftler verwendeten hierzu eine Kombination aus Mikrosensormessungen, Analysen mit stabilen Stickstoffisotopen und molekularen Methoden zur Erfassung der für die Denitrifikation verantwortlichen Gene.

Frank Schreiber, der für diese Studie "ganz im Sinne der Forschung" auch schon mal auf das Zähneputzen verzichtet hat, ist überzeugt: "Die Untersuchung der im Menschen vorkommenden Bakteriengemeinschaften in ihrer natürlichen Zusammensetzung stellt eine wichtige Ergänzung zur Untersuchung von einzelnen Bakterien dar. Die Aktivität einer Bakteriengemeinschaft ist oft weitaus vielfältiger, als man es mit dem Wissen über die Aktivität einzelner in ihr enthaltener Bakterienarten vorhersagen würde". Die moderne Wissenschaft begreift den menschlichen Körper immer mehr auch als natürlichen Lebensraum für Mikroorganismen, der in verschiedensten Körperteilen besondere ökologische Nischen für Bakterien bereithält. So laufen derzeit mehrere internationale Großprojekte zur Entzifferung des bakteriellen Metagenoms (Human Microbiome) der menschlichen Mundhöhle, der Vagina, der Haut und des Darms, nicht nur um Erkrankungen besser behandeln und deren Ursachen verstehen zu können, sondern auch um das natürliche, gesundheitsfördernde Zusammenleben von Mensch und Mikrobe besser zu verstehen.

Anja Kamp und Manfred Schloesser

Rückfragen an:
Dr. Frank Schreiber, Tel.: 0421 2028 834; fschreib@mpi-bremen.de

oder an die Pressesprecher:
Dr. Manfred Schlösser, 0421 2028 704; mschloes@mpi-bremen.de
Dr. Anja Kamp, Tel.: 0421 2028 704; akamp@mpi-bremen.de

Originalartikel:
F. Schreiber, P. Stief, A. Gieseke, I. M. Heisterkamp, W. Verstraete, D. de Beer, and P. Stoodley. 2010. Denitrification in human dental plaque. BMC Biology, 8:24
http://www.biomedcentral.com/1741-7007/8/24

Beteiligte Institute:
Microsensor Research Group, Max Planck Institute for Marine Microbiology, Celsiusstrasse 1, 28359 Bremen, Germany

Laboratory of Microbial Ecology and Technology (LabMET), Ghent University, Ghent, Belgium

Center for Genomic Sciences, Allegheny General Hospital/Allegheny-Singer Research Institute, Pittsburgh, PA, USA

National Centre for Advanced Tribology at Southampton (nCATS), School of Engineering Sciences, University of Southampton, Southampton, UK

Weitere Informationen:
http://www.mpi-bremen.de Homepage des Max-Planck-Instituts
http://www.mpi-bremen.de/Lachgas_und_Stickoxid_aus_dem_Mund.html Pressemitteilung
http://www.biomedcentral.com/1741-7007/8/24 Originalartikel

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Vor dem Schmerz ist nicht gleich nach dem Schmerz

Gunnar Bartsch, Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Reize, die regelmäßig in Verbindung mit unangenehmen Situationen auftauchen, werden von Menschen erwartungsgemäß als negativ beurteilt. Wie Forscher der Uni Würzburg zeigen, können diese Reize unterbewusst allerdings auch positiv bewertet werden - je nach zeitlicher Abfolge der Ereignisse.
Warum stürzen sich Menschen an langen Seilen von Brücken und hohen Gebäuden herab? Warum lassen sie sich in Achterbahnen vorwärts und rückwärts durch Fünffach-Loopings jagen, obwohl den meisten bereits beim Anblick schon ganz schön flau im Magen wird? Antworten auf diese Fragen könnte eine neue Untersuchung der Universität Würzburg geben. Geplant und durchgeführt wurde sie von Psychologen und Biologen der Uni unter der Leitung von Paul Pauli, Inhaber des Lehrstuhls für Psychologie I, und dem Neurobiologen PD Dr. Bertram Gerber, Lehrstuhl für Neurobiologie und Genetik. Die renommierte britische Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society B hat über diese Arbeit berichtet.

Fruchtfliegen reagieren vergleichsweise einfach

„Bei Fruchtfliegen ist die Angelegenheit relativ einfach", sagt Bertram Gerber. Der Wissenschaftler erforscht schon seit Längerem am Biozentrum das Nervensystem von Fruchtfliegen und deren Larven. Duftstoffe spielen dabei eine wichtige Rolle. „Präsentiert man Fruchtfliegen einen bestimmten Geruch und setzt sie kurz danach einem schmerzhaften Stromreiz aus, gehen sie diesem Geruch in Zukunft aus dem Weg", sagt Gerber. Eine Duftnote, die den Tieren im Anschluss an ein schmerzhaftes Ereignis dargeboten wird, zieht sie hingegen in Zukunft an. „Bei Fruchtfliegen kommt es also auf den Zeitpunkt an, um Bestrafung in Belohnung umzuwandeln: Das Moment der 'Erleichterung' wirkt wie eine Belohnung", sagt der Neurobiologe.

Menschliches Verhalten ist komplexer

Beim Menschen ist die Angelegenheit nicht ganz so einfach: „Wir wussten bisher vom Menschen, dass ein Reiz, der einem unangenehmen Ereignis regelmäßig vorangeht, nach kurzer Zeit als die Ankündigung einer Gefahr wahrgenommen wird", erklärt Paul Pauli. Unbekannt war hingegen, ob Reize, die dem Schreck folgen, ähnlich wie bei der Fliege ebenfalls mit einem Gefühl der Sicherheit assoziiert werden. Schließlich ist menschliches Verhalten nicht ganz so einfach gestrickt wie das einer Fliege.
So arbeiten beim Menschen mindestens zwei Systeme mal zusammen, mal gegeneinander: ein impulsives, von Gefühlen und Assoziationen geleitetes, und ein vom Verstand kontrolliertes, das auf der Basis von Wissen und Werten entscheidet.

Der Versuchsaufbau

Wie diese Systeme im Fall von unangenehmen Erlebnissen agieren, haben Pauli und seine Mitarbeiter jetzt an 101 Versuchspersonen im Alter zwischen 18 und 43 Jahren untersucht.

„Wir haben drei Gruppen gebildet und ihnen unterschiedliche geometrische Muster präsentiert", schildert Pauli das Szenario. Dabei erhielt die eine Gruppe regelmäßig vor dem Aufleuchten einer bestimmten Figur einen leicht schmerzhaften Stromreiz am Unterarm, die andere Gruppe kurz nach dem Aufleuchten der Figur und die dritte - als Kontrollgruppe - erlebte beide Ereignisse mit langem zeitlichem Abstand.

Für die anschließende Testphase griffen die Psychologen zu einem Trick, den einer der Gutachter der Zeitschrift als „genial" beschrieb: Stromreize gab es diesmal keine, dafür aber parallel zu den geometrischen Figuren ein unangenehm lautes Geräusch, das ganz automatisch eine Schreckreaktion nach sich zog. Wie stark diese Reaktion ausfiel, ließ sich anhand des Lidschlags messen. Zusätzlich mussten die Versuchsteilnehmer Auskunft darüber geben, wie sie die Dreiecke, Kreise und Quadrate erleben: Von „sehr unangenehm" bis „sehr angenehm" beziehungsweise von „ruhig" bis „aufregend".

Das Versuchsergebnis

Das Ergebnis war eindeutig: „Unabhängig davon, ob die Figur kurz vor oder nach dem Stromreiz auftrat, erhielt sie von den Versuchspersonen nach dem Training negative Werte", sagt Pauli. Der Zeitpunkt scheint bei Menschen - anders als bei Fliegen - auf den ersten Blick also keine Rolle zu spielen - zumindest wenn es um ihr gesprochenes, explizites Urteil geht.

Der zweite Blick zeigt jedoch: Unterbewusst laufen andere Prozesse ab: „Bei Menschen, denen die Figur vor dem Stromreiz präsentiert wurde, verstärkte sich die Schreckreaktion auf den Lärm im Angesicht der Figur. Folgte die Figur dem Schmerz, schwächte sich die Reaktion aber ab", sagt Pauli. Das Ergebnis lässt nach Ansicht der Psychologen den Schluss zu: Reize, die mit dem Ende eines unangenehmen Ereignisses verknüpft werden, werden später unterbewusst - Psychologen sprechen von „implizit" - als angenehm empfunden.

Mögliche Erklärung für paradoxes Verhalten

Es scheint also so, als würden Menschen zwei unterschiedliche Bewertungssysteme besitzen, und zwar ein explizites, dessen sie sich bewusst sind, und ein implizites, das unbewusst ihr Verhalten steuert. Interessant an der vorliegenden Studie ist, dass sich diese beiden Systeme nicht immer einig sein müssen. Gut möglich, dass Störungen dieses Spiels zweier Systeme bei Angst- und Suchterkrankungen eine Rolle spielen oder erklären könnten, warum Angstpatienten oder Abhängige Dinge tun, von denen sie sagen, dass sie sie nicht mögen.

Aber die Vermutung, dass man so paradoxes Verhalten wie Achterbahn-Fahren oder Bungee-Jumping erklären könnte, ist bislang „Spekulation".

"A rift between implicit and explicit conditioned valence in human pain relief learning", Marta Andreatta, Andreas Mühlberger, Ayse Yarali, Bertram Gerber and Paul Pauli. Proceedings of the Royal Society B, doi:10.1098/rspb.2010.0103

Kontakt: Prof. Dr. Paul Pauli, T: (0931) 31-82842; E-Mail: pauli@psychologie.uni-wuerzburg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Holz im Tank

Dr. Renate Hoer, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

So entsteht die neue Familie der valerischen Biokraftstoffe
Valerische Kraftstoffe: Eine neue Generation Biobenzin und Biodiesel aus Lignocellulose

Der ansteigende Energiebedarf bei abnehmenden Öl- und Erdgasreserven, verbunden mit einer zunehmenden Freisetzung des Klimagases CO2 ist eines der drängendsten Probleme unserer Zeit. Biokraftstoffe könnten Teil einer Antwort auf diese Herausforderung sein. Jean-Paul Lange und seine Kollegen von Shell in Amsterdam, Hamburg und Cheshire (Großbritannien) haben nun eine vielversprechende neue Generation Biokraftstoffe auf Holzbasis entwickelt. Wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, könnten heutige Fahrzeuge ohne Modifikationen damit fahren und das derzeitige Tankstellennetz nutzen.

Die erste Biokraftstoff-Generation basierte auf Zuckern, Stärke und pflanzlichen Ölen. Da diese Rohstoffe vor allem aber als Nahrungsmittel gebraucht werden, können auf diese Weise nicht die im Transportsektor benötigten Mengen gedeckt werden. Eine interessante Alternative stellt Lignocellulose (von lat. lignum: Holz) dar, aus der die Zellwand verholzter Pflanzen bestehen. Dieser Rohstoff ist weiter verbreitet, kostengünstiger und seine Verwendung lässt sich „nachhaltiger" gestalten. Allerdings ließ sich Lignocellulose bisher nur durch komplexe und teure Aufarbeitung zu Biokraftstoffen veredeln.

Es gibt aber eine Verbindung, die durch einfache saure Hydrolyse möglicherweise aus Lignocellulose gewonnen werden könnte: Lävulinsäure, ein Produkt, das sonst meist aus Glucose hergestellt und unter anderem als Zusatzstoff in der Kosmetik-, Kunststoff- und Textilindustrie verwendet wird. Aus Lävulinsäure ließen sich bisher jedoch noch keine Kraftstoffe mit zufriedenstellenden Eigenschaften gewinnen.

Lange und seine Mitarbeiter fanden nun den richtigen Kniff: Sie hydrieren Lävulinsäure in einem neu entwickelten Verfahren zunächst zu Valeriansäure, die sie dann zu Valeraten verestern. So entsteht eine neue Familie von Kraftstoffen, die so genannten „valerischen Biokraftstoffe". Sie lassen sich, je nachdem mit welchen Reaktionspartnern sie verestert werden, in Form von Biobenzin oder Biodiesel herstellen und sind mit den derzeitigen Kraftstoffen mischbar. Heutige Fahrzeuge können damit fahren, ohne dass ihre Motoren umgerüstet werden müssten, ebenso könnte das aktuelle Tankstellennetz für den Vertrieb genutzt werden.

Die neuen Kraftstoffe haben eine lange Liste harter Tests bestanden. In einem Praxistest wurden zudem zehn gängige Fahrzeugtypen, neu und gebraucht, ausschließlich mit einer Mischung aus normalem Benzin mit 15 Vol% des valerischen Biobenzins betankt und auf die Straße geschickt, um 500 km pro Tag zurückzulegen. Nach insgesamt 250.000 km Fahrstrecke waren keine Beeinträchtigungen von Fahrverhalten, Motor, Tank oder Benzinleitungen zu verzeichnen.

Angewandte Chemie: Presseinfo 17/2010

Autor: Jean-Paul Lange, Shell Global Solutions International B.V., Amsterdam (The Netherlands), mailto:jean-paul.lange@shell.com

Angewandte Chemie, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201000655

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69495 Weinheim, Germany
Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wissenschaftler verbessern Arthritis-Behandlung

Claudia Peter, GB Unternehmenskommunikation
Charité-Universitätsmedizin Berlin

Rheuma-Patienten können auf neue Therapien hoffen
Forscher der Charité - Universitätsmedizin Berlin haben jetzt ein neues Testverfahren für Patientinnen und Patienten mit rheumatoider Arthritis, einer chronischen Entzündungskrankheit, entwickelt. Damit ist es möglich, bereits vor Beginn der Therapie vorherzusagen, ob eine gängige Behandlung mit anti Tumor-Nekrose-Faktor-Antikörpern (anti-TNF), wirksam sein wird. Die Arbeitsgruppe um Dr. Bruno Stuhlmüller aus dem Institut für Rheumatologie und klinische Immunologie beschreibt ihr Vorgehen in der aktuellen Ausgabe der US-amerikanischen Fachzeitschrift „Clinical Pharmacology and Therapeutics".

Menschen, die an rheumatoider Arthritis erkranken, haben einen zu hohen TNF-Spiegel im Körper. Dieser Botenstoff ist unter anderem für die schmerzhaften Entzündungen der Gelenke verantwortlich, an denen die Patienten leiden. Anti-TNF Antikörper neutralisieren TNF gezielt. Diese Therapie wirkt bei Patienten, die verstärkt das Gen CD11c bilden, was bei circa 60 Prozent der Betroffenen zutrifft.

Stuhlmüller untersuchte mit seinem Team zunächst das Blut von Patienten auf molekularbiologischer Ebene. Hierbei konnte ein eindeutiger statistischer Zusammenhang zwischen dem zu erwartenden Therapieerfolg und der Stärke des Gens CD11c gezeigt werden. In Zukunft wird es also möglich sein, vor der Therapie zu testen, ob für Patienten die Therapie mit anti-TNF erfolgreich sein wird. „Wenn eine Behandlung mit anti-TNF keine Wirkung zeigt, kostet das die Krankenkassen zwischen 15.000 und 20.000 Euro pro Jahr", erklärt Stuhlmüller. „Bei einer gezielten Therapie bleiben dem Patienten außerdem schmerzhafte Nebenwirkungen erspart. Zusätzlich kann man bei einem potentiellen Nichtansprechen auf die anti-TNF-Behandlung andere individuelle Therapien einleiten."

In einem nächsten Schritt wollen Stuhlmüller und seine Kollegen herausfinden, wie man neue Antikörper-Therapien mit anderen Behandlungsmöglichkeiten kombinieren kann. „Die Verknüpfung unterschiedlicher Therapieformen hat das Potential, die Krankheit individuell stabiler zu halten und das Fortschreiten der Erkrankung zu unterdrücken", hofft Stuhlmüller.

*Quelle: Bruno Stuhlmüller et al.: CD11c as a Transcriptional Biomarker to Predict Response to Anti-TNF Monotherapy With Adalimumab in Patients With Rheumatoid Arthritis. Clinical Pharmacology Therapeutics. doi:10.1038/clpt.2009.244; PMID 20032971.

Dr. Bruno Stuhlmüller
bruno.stuhlmueller@charite.de
Med. Klinik mit Schw. Rheumatologie und Klinische Immunologie
Charité - Universitätsmedizin Berlin
t: +49 30 450 570 400

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Rauchverbote führten nur zu geringen Umsatzeinbußen

Joachim Schmidt, Presse und Information
Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.

Die in den deutschen Bundesländern eingeführten Rauchverbote haben kurzfristig zu Umsatzeinbußen im Gastgewerbe geführt. Diese fielen jedoch schwächer aus als von vielen Gastwirten befürchtet. An Zigarettenautomaten sorgte neben den Rauchverboten vor allem die seit 2007 vorgeschriebene elektronische Alterskennung für sinkende Umsätze. Zu diesen Ergebnissen kommen drei RWI-Untersuchungen rund um das Thema Rauchen auf Grundlage unterschiedlicher Daten.
Die zwischen August 2007 und Juli 2008 auf Bundesländerebene eingeführten Rauchverbote im Gastgewerbe haben dort zu einem durchschnittlichen Umsatzrückgang um rund zwei Prozent geführt. Vor allem kurz nach Inkrafttreten der Rauchverbote kam es zu Umsatzeinbußen. Diese scheinen sich jedoch mit der Zeit abgeschwächt zu haben. In Bayern und Nordrhein-Westfalen, wo das Rauchverbot durch die Gründung so genannter „Raucherclubs" umgangen werden konnte, kam es zu keinem nachweisbaren Umsatzrückgang. Auswertungen von Gewerbeabmeldungen im Gastgewerbe lieferten keine belastbaren Hinweis darauf, dass die Rauchverbote zu vermehrten Betriebsaufgaben führten.

Für die Untersuchung wurden Gewerbeanzeigen in den Ländern und die auf Bundesländerebene zusammengefassten monatlichen Umsatzdaten von rund 10.000 Betrieben im Gastgewerbe zwischen Januar 2006 und September 2008 ausgewertet.

Wirtschaftliche Auswirkungen des Rauchverbots wurden überschätzt

Eine vom RWI in Zusammenarbeit mit der IHK zu Essen und Unterstützung durch die IHK Nürnberg im Juni 2008 durchgeführte Befragung in mehr als 600 Gastronomiebetrieben in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Berlin zeigt zudem, dass die Effekte der Rauchverbote im Vorfeld systematisch überschätzt wurden. In Bayern, wo das Rauchverbot zum Zeitpunkt der Befragung bereits galt, berichteten etwa 70% der Gastwirte von erlittenen Umsatzeinbußen. In NRW, wo das Rauchverbot erst nach der Befragung in Kraft trat, erwarteten hingegen nahezu 80% der Gastwirte einen Rückgang der Umsätze. Auch die Ablehnung des Rauchverbots durch die Gäste fiel in NRW mit 63% höher aus als in Bayern mit 54%, wo schon Erfahrungen mit einem realen Rauchverbot vorlagen.

Die Befragungsergebnisse relativieren sich, wenn berücksichtigt wird, dass die Stichprobe überdurchschnittlich viele Bars und Kneipen enthielt, die vom Rauchverbot im Vergleich zu Restaurants stärker betroffen sind. Korrigiert man die Ergebnisse entsprechend, berichten in Bayern 44% von sinkenden Umsätzen, in NRW erwarten 55% Einbußen.

Die aus Sicht der Gastronomen beste Lösung zum Nichtraucherschutz ist mit weitem Abstand die Wahlfreiheit zwischen Raucher- und Nichtraucherbetrieb, gefolgt vom Rauchverbot ohne Ausnahmen und den bestehenden Nichtraucherschutzgesetzen.

Umsätze an den Zigarettenautomaten sanken vor allem durch Alterskennung

Eine dritte RWI-Studie zu den Auswirkungen der Rauchverbote auf Länderebene zeigt, dass diese in der Gastronomie zu einem Umsatzrückgang auch an Zigarettenautomaten geführt haben. Zu weitaus stärkeren Umsatzrückgängen an Zigarettenautomaten führte jedoch die Einführung der elektronischen Alterskennung im Januar 2007. Sie hält offenbar nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene vom Zigarettenkauf an Automaten ab. Am stärksten fielen die Umsatzeinbußen an im Freien aufgestellten Automaten aus. Der Zigarettenkonsum in Deutschland sank in der gleichen Zeit deutlich weniger stark, verlagerte sich also offenbar hin zu anderen Verkaufspunkten. Die Anhebung des Mindestalters für den Erwerb und Konsum von Zigaretten von 16 auf 18 Jahre sowie das bundesweite Rauchverbot in Einrichtungen des Bundes im September 2007 führten zu nur schwach oder überhaupt nicht nachweisbaren Umsatzveränderungen.

Grundlage der Untersuchung ist eine Analyse der monatlichen Umsatzdaten von Januar 2006 bis August 2008 eines führenden Zigarettenautomaten-Aufstellers in Deutschland auf Bundesländerebene. Damit wurden erstmalig umfassende Umsatzdaten von Zigarettenautomaten wissenschaftlich ausgewertet. Diese Daten ermöglichten eine erste Wirkungsanalyse der Alterskennung an Automaten, des bundesweiten Rauchverbots in Einrichtungen des Bundes und der jüngsten Erhöhung des Mindestalters für den Erwerb und Konsum von Zigaretten in Deutschland.

Ihre Ansprechpartner:
Sabine Weiler (Pressestelle RWI) Tel.: (0201) 8149-213
Dr. Michael Kvasnicka (RWI, Büro Berlin) Tel.: (030) 20 21 598-14
Dr. Harald Tauchmann (RWI) Tel.: (0201) 8149-259

Dieser Pressemitteilung liegen die Ruhr Economic Papers #172 „Much Ado About Nothing? - Smoking Bans and Germany's Hospitality Industry" und #173 „Public Smoking Bans, Youth Access Laws, and Cigarette Sales at Vending Machines" sowie RWI : Materialien, Heft 58 "Eine Befragung von Gastronomiebetrieben zur Einführung von Rauchverboten im Gastgewerbe: deskriptive Ergebnisse" zugrunde. Sie sind unter www.rwi-essen.de/publikationen/ als pdf-Datei erhältlich.

Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de/presse/ - hier steht die Pressemitteilung auf der RWI-Homepage inclusive Links zu den zugrundeliegenden RWI-Publikationen

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Deutschlandweit größte Sammlung von ölabbauenden Mikroorganismen in Greifswald

Jan Meßerschmidt, Presse- und Informationsstelle
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Am Institut für Mikrobiologie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald wird die in Deutschland größte Sammlung von Mikroorganismen-Stämmen mit Fähigkeiten zum Abbau von Erdöl und Erdölprodukten (Dieselkraftstoff, Schmieröle oder Benzin) aufbewahrt. In der Abteilung Angewandte Mikrobiologie wurden seit den 1970er-Jahren Bakterien, Hefen und fadenförmige (filamentöse) Pilze gesammelt, die in der Lage sind, die relativ abbauresistenten und wasserunlöslichen Erdölkohlenwasserstoffe abzubauen. Sie können diese Kohlenwasserstoffe in leichter umsetzbare und umweltfreundlichere Zwischenprodukte und schließlich in Kohlendioxid und Wasser überführen.
Diese Mikroorganismen konnten in den zurückliegenden Jahren aus den Böden um Tankstellen, aus Regionen mit Erdölförderung oder aus ölverschmutzten Meeresbereichen isoliert werden. Sie stammen unter anderem aus Deutschland, Südamerika, Russland oder Saudi-Arabien. Insgesamt sind in Greifswald mehrere tausend Mikroorganismentypen verfügbar, die in ganz unterschiedlicher Art und Weise Öl- oder Schadstoffe abbauen können. Darunter befinden sich solch leistungsfähige Organismen wie die „Superölhefe" Candida maltosa, die besonders effektiv an die Nutzung solcher Öle angepasst ist und bestimmte Erdölbestandteile schneller als Zucker abbauen kann. Für die Beseitigung von Erdölverunreinigungen im Meer ist hingegen das salztolerante Bakterium Alkanivorax borkumensis besonders geeignet. Andere Bakterien wie Nocardia cyriacigeorgica kommen mit den extremen und heißen Bedingungen in arabischen Wüstenregionen gut zurecht.

Im Jahre 2008 arbeiteten sowohl arabische als auch vietnamesische Wissenschaftler (Department of Petroleum Microbiology, University Hanoi) zu dieser Thematik im Institut für Mikrobiologie. Ukrainische Wissenschaftler waren 2009 im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Technologie geförderten Austauschprogramms an der Universität Greifswald, um den Einfluss von mikrobiellen Bioemulgatoren auf den Abbau von wasserunlöslichen Erdölbestandteilen zu prüfen.

Es ist relativ aufwändig, die zum Teil mühselig gewonnenen Organismen in ihrer Vielfalt lebensfähig und aktiv zu halten. Hierbei helfen teilweise Jugendliche im Freiwilligen Ökologischen Jahr. Im Hinblick auf die Lebenserhaltung, die Artbestimmung oder die Charakterisierung der zum Teil neuartigen Organismen, gibt es eine effektive Zusammenarbeit mit der Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen in Braunschweig und dem Helmholtz Zentrum für Umweltforschung in Leipzig-Halle.

Ziel der Sammlung dieser Mikroorganismen ist es, für eventuelle Umweltschäden und Havarien in Ergänzung zu rein technischen Lösungen (Absaugung, Absorption, Bindemittel) leistungsfähige Organismen mit hohen Abbauleistungen zur Verfügung zu haben. Es ist jedoch relativ teuer, die einzelnen Organismentypen bei Umwelthavarien direkt zu vermehren und vor Ort auszubringen. Oft können dabei nicht alle Schadstoffe gleichermaßen gut abgebaut werden. Deshalb dienen sie heute als Modellorganismen. Es werden ihre spezifischen Ernährungs- und Lebensbedingungen sowie ihre Effektivität und ihr Abbauspektrum studiert. Dieses Wissen kann nach einer Ölhavarie genutzt werden, um ihre Aktivität an Ort und Stelle in der Natur mit geeigneten, preiswerten Eingriffen stark zu befördern.

Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Prof. Dr. Frieder Schauer
Institut für Mikrobiologie
Abteilung Mikrobiologie und Molekularbiologie
Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 15, 17487 Greifswald
Telefon 03834 86-4204
schauer@uni-greifswald.de

Weitere Informationen:
http://www.mikrobiologie.uni-greifswald.de/index.php?id=34 - Angewandte Mikrobiologie
http://www.uni-greifswald.de/informieren/pressestelle/download-presseinformation... - Fotodownload

Aufgrund zahlreicher Anfragen ergänzen wir die unsere Pressemitteilung um weitere Informationen:

Die Stammsammlung von technisch nutzbaren Mikroorganismen, angesiedelt am Institut für Mikrobiologie der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald mit z.Zt. insgesamt 6 500 Stämmen, darunter ca. 1 500 ölabbauende Mikroorganismen, dient vor allem der Erforschung des Stoffwechsels und der durch Mikroorganismen bedingten Abbauprozesse von Natur- und Fremdstoffen. Ziel ist es, für die einzelnen Mikroorganismen und Schadstoffe die prinzipiell möglichen Abbauraten in Abhängigkeit von verschiedenen Umweltparametern zu ermitteln und Regulationsgrößen sowie ausgeschiedene Zwischenprodukte zu erfassen und zu charakterisieren. Die Mikroorganismen werden somit vor allem zu Forschungszwecken benötigt. Es ist nicht beabsichtigt, diese Mikroorganismen im Golf von Mexiko oder bei anderen Ölhavarien auszubringen. Das ist auch nicht notwendig, da sie sich an Ort und Stelle auch ohne unser Zutun entwickeln. Nur sind sie bei Havarien und mit größeren Ölmengen auch zunächst überfordert, so dass andere, rein technische Maßnahmen (Absaugung, Bindemittel) als primäre Lösungen notwendig werden. Dennoch sind sie am Abbau des Öls - vor allem im Hinblick auf die weit zerstreuten Restmengen und langandauernde Kontaminationen - in maßgeblichem Anteil beteiligt.

Im Falle von erdölverwertenden Mikroorganismen sind die Abbauprozesse sehr komplex, da Erdöl keine homogene Substanz sondern ein Gemisch aus ca. 2.000 Einzelsubstanzen darstellt, die in unterschiedlichem Maße durch die einzelnen Mikroorganismen abgebaut werden können. Dadurch kann Erdöl kaum durch einen einzelnen Mikroorganismus, sondern nur durch eine „konzertierte Aktion" verschiedener Mikroorganismentypen vollständig abgebaut werden. Außerdem sind die einzelnen Erdölsorten, z.B. aus Russland, Amerika oder dem arabischen Raum im Hinblick auf ihre Einzelkomponenten sehr verschieden und damit von den einzelnen Mikroorganismen in unterschiedlichem Maße angreifbar.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Fesseln für unbekannte Grippeviren

Rudolf-Werner Dreier, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Forscher aus Freiburg und Berlin lüften Geheimnis um Immunantwort - Veröffentlichung in „Nature"
Bei einer Infektion mit neuen, dem Körper unbekannten Grippeviren kann das menschliche Immunsystem rasch einen angeborenen Schutzmechanismus gegen die Erreger aktivieren. Dabei spielt ein Protein, kurz „Mx" (Myxovirus-Resistenz) genannt, eine wichtige Rolle. Es hindert die Viren daran, sich ungehemmt zu vermehren. Wie, das haben Forscher bislang nicht herausfinden können. Jetzt haben Virologen vom Freiburger Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene und Strukturbiologen vom Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) die Struktur des „Mx"-Proteins zum Teil entschlüsselt. Damit können sie klären, wie das „Mx"-Protein seine antivirale Wirkung entfaltet.

Neue Influenzaviren können ohne Vorwarnung immer wieder vom Tier auf den Menschen überspringen, wie die Erfahrungen mit dem H5N1-Vogelgrippevirus oder jüngst mit dem Schweinegrippevirus belegen. Obwohl der Mensch meist keine Immunität gegen solche Erreger hat, ist sein Körper den Eindringlingen nicht schutzlos ausgeliefert. Er verfügt über eine rasch mobilisierbare Abwehr, die dafür sorgt, dass sich die Influenzaviren nicht ungehemmt vermehren können.

Ein wesentliches Element dieses Schutzes besteht aus einem körpereigenen Protein, das eindringende Viren in der Zelle abfängt und daran hindert, Nachkommen-Viren zu produzieren. Unter normalen Umständen ist dieses Schutzprotein „Mx" gar nicht in den Zellen vorhanden. Es wird erst kurzfristig nach Bedarf hergestellt, und dann in großen Mengen. Der Befehl zur Herstellung wird durch den natürlichen Botenstoff Interferon vermittelt, der von virusinfizierten Zellen ausgeschieden wird und dem Organismus den Virusbefall ankündigt.

Dieser Interferon-induzierte Schutzmechanismus ist für das Überleben einer Infektion mit Influenzaviren unerlässlich, wie Forscher experimentell dokumentieren konnten. Wie genau das schützende Protein die Virusvermehrung blockiert, war jedoch bisher nur ungenügend verstanden, weil dessen Struktur trotz jahrelanger Anstrengungen von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Forschungseinrichtungen nicht aufgeklärt werden konnte.

Den Virologen Prof. Dr. Otto Haller, Alexander von der Malsburg und Prof. Dr. Georg Kochs aus Freiburg ist es in Zusammenarbeit mit den Strukturbiologen Dr. Oliver Daumke, Song Gao, Susann Paeschke und Prof. Dr. Joachim Behlke vom MDC gelungen, strukturelle Einsichten zu gewinnen und daraus Voraussagen zur Wirkungsweise des antiviralen Proteins abzuleiten.

Das als „Mx" bezeichnete Protein ist eine molekulare Maschine, die ihre volle Kraft erst nach Aneinanderlagerung der Einzelmoleküle zu einem hochmolekularen Verbund entfaltet, wobei sich Ringstrukturen ausbilden. Ein zentrales Element der Ringbildung besteht in der besonderen Faltung eines Teils von „Mx", der als Stiel bezeichnet wird.

Nach der genauen Struktur dieses Stiels wird seit Jahren gefahndet. Die beiden Forschergruppen entschlüsselten nun erstmals die Stiel-Struktur auf atomarer Ebene. Die jetzt bekannte Struktur erklärt den Aufbau von „Mx" und erlaubt testbare Voraussagen zur Funktionsweise des antiviralen Moleküls.

Zusammen mit Ergebnissen aus früheren biochemischen Untersuchungen wird jetzt klar, dass „Mx" mit der Stiel-Struktur eine Art Fußangel bildet, die wichtige Bestandteile des Influenzavirus in der infizierten Zelle fesselt und inaktiviert. Dass es dennoch bei dem Auftreten neuer Grippeviren zu Epidemien oder gar Pandemien kommen kann, hängt mit der Aggressivität und Massivität dieser Erreger zusammen. Die Forscher sind zuversichtlich, mit ihren neuen Erkenntnissen über das schützende „Mx"-Protein die Grundlage für die Entwicklung neuer antiviraler Medikamente gegen die gefährlichen Influenzaviren gelegt zu haben. Sie sind zudem sicher, dass die an „Mx" gewonnenen Erkenntnisse auch das Verständnis für weitere Mitglieder dieser Proteinfamilie erhöhen.

Veröffentlichung:
Structural basis of oligomerisation in the stalk region of dynamin-like MxA.
Song Gao1,2, Alexander von der Malsburg3, Susann Paeschke1, Joachim Behlke1, Otto Haller3, Georg Kochs3, Oliver Daumke1
Nature
Published online: XX. April 2010, doi: 10.1038/nature08972

1Max-Delbrück-Centrum for Molecular Medicine, Crystallography, Robert-Rössle-Strasse 10, 13125 Berlin, Germany
2Institute for Chemistry and Biochemistry, Free University Berlin, Takustrasse 3, 14195 Berlin, Germany
3Department of Virology, Institute for Medical Microbiology and Hygiene, University of Freiburg, Hermann-Herderstrasse 11, 79104 Freiburg, Germany

Ein Computermodell des Proteins können Sie sich im Internet herunterladen unter:
http://www.mdc-berlin.de/de/index.html

Kontakt:

Prof. Dr. Otto Haller
Universitätsklinikum Freiburg
Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene
Abteilung Virologie
Tel.: 0049 (0) 761/203-6534
Fax: 0049 (0) 761/203-6626
E-Mail: otto.haller@uniklinik-freiburg.de
http://www.virologie-freiburg.de

Dr. Oliver Daumke
Max-Delbrück-Centrum für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Tel.: 0049 (0) 30/9406-3425
Fax: 0049 (0) 30/9406-3814
E-Mail: oliver.daumke@mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de/daumke

Weitere Informationen:
http://www.virologie-freiburg.de
http://www.mdc-berlin.de/daumke
http://www.mdc-berlin.de/de/index.html

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Mehr Ungleichheit durch flexiblere Entlohnung

Mark Fallak, Öffentlichkeitsarbeit
Institut zur Zukunft der Arbeit

Die Lohnungleichheit in Deutschland ist im vergangenen Jahrzehnt weiter gestiegen. Dabei spielen die Reallohnverluste bei Geringverdienern eine immer größere Rolle. Der massive Rückgang der Tarifbindung erklärt diesen Trend allerdings nur zum Teil. Entscheidender sind die zunehmenden Lohnunterschiede zwischen den Branchen, aber auch innerhalb einzelner Wirtschaftszweige und Unternehmen. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die beim Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn erschienen ist.
Vor allem die wachsende Bedeutung leistungsabhängiger Vergütung sowie eine höhere Lohnflexibilität auch im Rahmen von Tarifabschlüssen haben zum Anstieg der Ungleichheit beigetragen und die Schließung des Lohnabstands zwischen Männern und Frauen abgebremst.

Wissenschaftler der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg analysierten für die Studie Lohn- und Gehaltsdaten der Jahre 2001 und 2006. In diesem Zeitraum sank die Tarifbindung in Westdeutschland um rund ein Drittel: Nur noch jeder zweite Arbeitnehmer unterlag 2006 einem Flächen- oder Haustarifvertrag. Der schwindende Einfluss von Tarifverträgen bei der Lohnbestimmung nimmt jedoch laut Untersuchung keinen nennenswerten Einfluss auf die Entwicklung des Lohngefälles. Denn auch Tarifverträge sehen heute immer öfter flexible Lohnstrukturen vor, die beispielsweise durch Leistungskomponenten individuellen Produktivitätsunterschieden stärker Rechnung tragen.

Der Lohnabstand zwischen Männern und Frauen hat sich im betrachteten Zeitraum nur minimal verändert. Obwohl das Qualifikationsniveau von Frauen gestiegen ist, ist ausschließlich im Niedriglohnbereich eine Annäherung an die Bezahlung männlicher Beschäftigten erkennbar. Dagegen hat sich die Lohnschere gerade im mittleren Einkommensbereich sogar noch geweitet. Der relative Rückgang tariflicher Entlohnung, von dem weibliche Beschäftigte überproportional betroffen sind, spielt jedoch auch hier kaum eine Rolle. Sowohl bei Flächentarifverträgen als auch bei Firmen ohne Tarifbindung gingen die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen zurück, während sie bei Haustarifverträgen deutlich anstiegen. Insgesamt gleichen sich diese gegenläufigen Effekte nahezu aus.

"Ausschlaggebend für die Entwicklung des geschlechtsspezifischen Lohndifferentials sind die zunehmend flexiblen Entlohnungsformen. Bei den mittleren Löhnen sind Männer durch die Veränderungen im Arbeitsmarkt begünstigt. Dies deckt sich mit der Beobachtung, dass Frauen häufiger als Männer Jobs mit leistungsabhängiger Vergütung scheuen", erläutert der Freiburger Ökonom Bernd Fitzenberger, der die Studie mitverfasst hat. "Gleichzeitig schneiden Männer im Niedriglohnbereich deutlich schlechter ab und sind von den beobachteten Lohnverlusten stärker betroffen als Frauen."

Die englischsprachige Publikation steht auf der IZA-Homepage zum Download bereit:

Dirk Antonczyk, Bernd Fitzenberger, Katrin Sommerfeld:
Rising Wage Inequality, the Decline of Collective Bargaining, and the Gender Wage Gap
IZA Discussion Paper No. 4911 - http://ftp.iza.org/dp4911.pdf

Kontakt:
Prof. Bernd Fitzenberger, Ph.D.
Institut für allg. Wirtschaftsforschung
Abt. für empirische Wifo und Ökonometrie
Albert-Ludwigs-Universität
79085 Freiburg
Tel.: (0761) 203-2332
E-Mail: bernd.fitzenberger@vwl.uni-freiburg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Neuer Entsorgungshof an der Saar-Universität eingeweiht - bundesweites Vorbild

Gerhild Sieber, Presse- und Informationszentrum der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

Mit Hilfe einer neuen Entsorgungslogistik und einer eigenen Anlage zur fachgerechten Trennung und Entsorgung von Abfällen ist es der Universität des Saarlandes gelungen, ihre Entsorgungskosten um etwa 40 Prozent zu reduzieren. Da die bisher genutzten Gewerbeabfall-Behälter vom Campus entfernt wurden, sind gleichzeitig auch die unschönen Abfallberge um diese Behälter verschwunden. Heute werden 80 Prozent der auf dem Entsorgungshof gesammelten Abfälle dem Recycling zugeführt. Die bundesweit modernste Anlage an einer Universität, die seit Dezember 2009 in Betrieb ist, wurde heute von Universitätspräsident Volker Linneweber eingeweiht.
„Unser neues Entsorgungssystem hat enorme ökonomische, ökologische und ästhetische Vorteile", erklärte Unipräsident Volker Linneweber bei der Eröffnung des Entsorgungshofs. „Indem wir den Abfall, den 18.000 Menschen an der Universität täglich produzieren, nun konsequent trennen und verwerten, sparen wir viel Geld und schonen wertvolle Ressourcen. So wird der größte Teil unseres Abfalls wiederverwertet und die Restmüllmenge verringert. Gleichzeitig haben wir durch das geänderte Sammelsystem erreicht, dass der Campus aufgeräumt und sauber aussieht."

Seit Inbetriebnahme eines eigenen Entsorgungshofes und neuer Logistik hat die Universität ihre Kosten für die Müllentsorgung bereits um 40 Prozent reduziert. „Das ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass es durch die Entfernung der Abfallcontainer fast unmöglich geworden ist, privaten Abfall auf dem Campus abzulagern", berichtet Margret Stragand-Dörrenbächer, die Abfallbeauftragte der Universität. Die Abfallmenge von früher jährlich 1000 Tonnen pro Jahr sei hierdurch bereits deutlich zurückgegangen.

„Behältnisfreies Entsorgen" heißt das Grundprinzip der neuen Abfallsammellogistik. Bisher wurde der Abfall in großen, wöchentlich geleerten Containern auf dem Campus gelagert, weitere Abfälle stapelten sich dort oft tagelang. Nun sind diese Gewerbeabfall-Behälter vom Unigelände entfernt worden. Stattdessen wird der in den Gebäuden getrennte Abfall jetzt täglich zwischen 8.00 und 10.30 Uhr von 50 Sammelstellen auf dem Campus abgeholt und zum Entsorgungshof gebracht. Dies übernimmt die Saar Service GmbH, ein zertifiziertes Entsorgungsunternehmen. Die drei häufigsten Abfallarten - Restmüll, Papier und Abfälle des dualen Systems - werden in verschiedenfarbigen Mülltüten gesammelt, alle anderen Abfälle werden lose oder in Mehrwegbehältern an den Sammelstellen abgeholt. Damit die Mülltrennung bereits in den Gebäuden funktioniert, werden in Hörsälen und Foyers Abfallbehälter aufgestellt, die anhand eines Farbsystems eine leichte Trennung in Restmüll, Papier und Abfälle des dualen Systems ermöglichen.

Die neue Entsorgungsanlage wurde am östlichen Rand des Campus auf einer Fläche von 1.400 Quadratmetern gebaut. Die Baukosten betrugen 540.000 Euro und blieben damit unter der ursprünglich veranschlagten Summe von 600.000 Euro. Der Entsorgungshof ist mit verschiedenen Containern ausgestattet, die es den Mitarbeitern des Entsorgungsunternehmens erlauben, den Abfall in 21 Abfallarten zu trennen, von denen 19 in die Wiederverwertung gehen. So werden beispielsweise Metallspäne aus den Uni-Werkstätten, Leuchtstoffröhren, Batterien und Kunststoffspäne in Mehrwegbehältern gesammelt und in geschlossenen Seecontainern bis zum Recycling gelagert. Drei große Abfallpressen verdichten Restmüll, Papier und Sperrmüll. Weitere Abfallarten sind unter anderem Kommunikationselektronik, Elektronikschrott, Metallschrott, Holz, Bauschutt und Grünschnitt. Ihre fachgerechte, weitere Entsorgung übernimmt der Zentrale Kommunale Entsorgungsbetrieb (ZKE), ein Eigenbetrieb der Stadt Saarbrücken, der auch maßgeblich an der Konzipierung des neuen Entsorgungskonzeptes beteiligt war. Eine bauliche Besonderheit der Anlage ist eine Rampe, von der sich drei große Container leicht von oben befüllen lassen. Ursprünglich aufgrund der Hanglage des Entsorgungshofs entstanden, dient die Rampe inzwischen als Vorbild für andere Anlagen.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Margret Stragand-Dörrenbächer
Abfallbeauftragte
Tel. (0681) 302 - 4043
E-Mail: m.stragand@mx.uni-saarland.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Grübeltherapie hilft gegen Depressionen: RUB-Psychologen testeten neue Behandlung

Dr. Josef König, Pressestelle
Ruhr-Universität Bochum

Zermürbendes Grübeln ist häufig Symptom von Depressionen und begünstigt Rückfälle, wenn die Depression überwunden schien. Eine neue Therapie gegen das Grübeln, die am Zentrum für Psychotherapie der RUB geprüft wird, hilft: 80 Prozent der bislang behandelten Patientinnen und Patienten grübeln auch sechs Monate nach der Therapie weniger, gewinnen Kontrolle über ihr Grübeln und gaben an, sehr zufrieden zu sein. Weitere Teilnehmer werden noch gesucht:
Interessentinnen und Interessenten, die depressive Phasen erlebt haben und noch unter einer Restsymptomatik leiden, können sich unter Tel. 0234/32-22323 informieren und einen Termin für ein erstes Gespräch vereinbaren. Die Gruppentherapie findet wöchentlich insgesamt elf Mal statt.

Den Prozess des Grübelns stoppen

"Warum gerade ich? Wieso bin ich nie richtig zufrieden mit dem, was ich tue? Warum gelingt es mir nicht, mein Leben in den Griff zu kriegen? Was hat das zu bedeuten, dass mein Chef mich gestern so komisch angeguckt hat?" ... Sich von solchen Gedanken loszureißen, die zu keiner Lösung führen, fällt vielen Betroffenen schwer. Je länger sie grübeln, desto schlechter wird ihr Selbstwertgefühlt, desto düsterer erscheinen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die neue Gruppenbehandlung an der Ruhr-Universität unterstützt Patienten darin, die grüblerische Auseinandersetzung mit sich selbst zu überwinden. Es geht darum, Möglichkeiten aufzuzeigen, die Aufmerksamkeit selbst zu lenken, selbst zu entscheiden, worauf man sich konzentrieren will. Außerdem werden positive Annahmen über das Grübeln bewusst gemacht und hinterfragt, etwa die Annahme, das Grübeln würde helfen, Probleme zu lösen. "Wir setzen uns im Gegensatz zu anderen Therapien mehr mit dem Prozess des Grübelns selbst auseinander als mit den Inhalten der Grübelei", erklärt Dr. Tobias Teismann, der die Behandlungsstudie gemeinsam mit Prof. Dr. Ulrike Willutzki leitet.

Patienten sind sehr zufrieden

Bislang wurden 40 Patienten in die Behandlungsstudie aufgenommen. Erste Analysen zeigen, dass sich bei ca. 80% der behandelten Patienten die depressive Symptomatik deutlich gebessert hat. Die ersten Patienten wurden drei und sechs Monate nach Abschluss der Behandlung auf depressive Beschwerden untersucht. Die Verbesserung der Stimmung, des Selbstwertgefühls und des Antriebs erwies sich als über das Behandlungsende hinaus stabil. Daneben gaben 78% der Befragten zum Therapieende und in den Nachuntersuchungen an, dass es zu einer bedeutenden Reduktion grüblerischen Nachdenkens gekommen sei und sie an Kontrolle über ihre Grübeleien gewonnen haben. Gefragt, wie sehr ihnen die Behandlung genutzt habe, gab schließlich die überwiegende Mehrzahl der Patienten an, sehr zufrieden mit den Erfolgen zu sein.

Hintergrundinformation: Depressionen

Mindestens vier Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Depressionen, mindestens zwei Drittel davon sind Frauen. Betroffene sind über längere Zeit fast ständig niedergeschlagen, können kaum noch Freude oder Genuss erleben und ziehen sich oft von Familie und Freunden zurück. Grübeln, Selbstzweifel und Schuldgefühle gehören genauso zur Depression wie Appetitmangel, Schlafstörungen, Antriebsmangel und ein ständiges Gefühl von Erschöpfung und Müdigkeit.

Weitere Informationen

Dr. Tobias Teismann, Zentrum für Psychotherapie der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-24915, E-Mail: Tobias.Teismann@rub.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Betriebsräte können Beschäftigten und Unternehmen Vorteile bringen - Neue Studie fasst Forschungsstand zusammen

Rainer Jung, Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Betriebsräte nützen vielfach nicht nur den Beschäftigten, sondern auch der Wirtschaftlichkeit von Unternehmen. Denn Betriebe mit Betriebsrat sind oft produktiver und innovativer, haben eine geringere Fluktuation und eine familienfreundlichere Personalpolitik. Zu diesem Ergebnis kommen neuere empirische Untersuchungen zu den wirtschaftlichen Konsequenzen der Mitbestimmung. Prof. Dr. Uwe Jirjahn, Arbeitsmarktökonom an der Universität Trier, hat in einem von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Projekt den aktuellen Forschungsstand ausgewertet. Sein zentrales Fazit: Auch wenn verschiedene Studien nicht immer zu völlig einheitlichen Ergebnissen kommen, zeigt sich insgesamt ein positives Bild der Effekte betrieblicher Mitbestimmung. Dabei hängen die Wirkungen aber auch von den jeweiligen betrieblichen Rahmenbedingungen ab.

Die Erklärung: Betriebsräte können für ein vertrauensvolles Verhältnis von Belegschaft und Management sorgen. So kann die Personalpolitik besser auf die Wünsche der Beschäftigten eingehen. Steht eine Flexibilisierung oder betriebliche Umstrukturierung an, bildet der Betriebsrat einen Puffer zwischen Arbeitnehmern und Geschäftsführung. Die Studien haben eine Vielzahl an Zusammenhängen untersucht. Die interessantesten:

PRODUKTIVITÄT. Betriebsräte haben einen positiven Effekt auf die betriebliche Leistungsfähigkeit, so der Tenor der meisten Studien. Allerdings können Verteilungskonflikte auf betrieblicher Ebene stören. Sprich: Sind Arbeitnehmervertreter zu sehr mit der Verteilung des Kuchens beschäftigt, weil beispielsweise keine Tarifbindung besteht oder eine Gewinnbeteiligung der Belegschaft nicht klar vorab geregelt war, können sie weniger zur Vergrößerung des Kuchens beitragen. Einige Untersuchungen können keine Wirkung der Mitbestimmung auf die betriebliche Performance feststellen. Diese vernachlässigten jedoch, dass weitere Faktoren die Ergebnisse verfälschen können, so Professor Jirjahn. Betriebsräte entstehen zum Beispiel häufiger, wenn ein Unternehmen bereits in wirtschaftlichen Schwierigkeiten ist.

LÖHNE. In Betrieben mit Betriebsrat fallen Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern niedriger aus. Auch verringert sich die Lohnungleichheit zwischen qualifizierten und weniger qualifizierten Beschäftigten. Bei vorübergehenden Schocks - etwa einer kleinen Auftragsflaute - halten Arbeitnehmervertreter die Löhne stabil. Hält der Schock länger an, ermöglichen sie Lohnanpassungen, um Entlassungen oder gar das Aus für den Betrieb zu verhindern.

PROFITABILITÄT. Eine Reihe von Untersuchungen stellt einen negativen Zusammenhang zwischen Betriebsräten und Profitabilität fest. Dies liegt jedoch daran, dass die Profitablität häufig durch subjektive Einschätzungen des Managements gemessen wird. Wird ein objektives Maß für die Gewinnlage der Betriebe verwendet, zeigt sich ein deutlich positiver Zusammenhang zwischen Betriebsräten und der Gewinnsituation. Dies gilt insbesondere in Betrieben mit Tarifbindung.

INNOVATIONEN. Bei der Entwicklung völlig neuer Produkte können Forscher keinen Einfluss des Betriebsrats ausmachen. Eine positive Beziehung besteht aber zwischen der Einführung von Nachfolge- oder funktional verbesserten Produkten und Mitbestimmung. Informationen, die Arbeitnehmer und ihre Repräsentanten dem Management zur Verfügung stellen, sorgen also für bessere Produkte.

INVESTITIONEN. Auf Investitionen im Allgemeinen haben Betriebsräte keinen direkten Einfluss. Anders sieht es bei Ausgaben für die Umwelt aus: Bei der Einführung umweltfreundlicherer Produktionsverfahren, Investitionen in nachgeschaltete Technologien (zum Beispiel Filterung), Entsorgung, Recycling und der Mitarbeiterschulung für ein umweltbewusstes Verhalten wirken sich Arbeitnehmervertreter durchweg positiv aus. Eine Erklärung der Forscher: Möglicherweise sind die Beschäftigten an der Verringerung lokaler Umweltbelastungen interessiert, da diese sie direkt am Arbeitsplatz oder ihre in der Nähe lebenden Familien treffen. Durch die Bündelung dieser Interessen trägt der Betriebsrat zum betrieblichen Umweltschutz bei.

BESCHÄFTIGUNG. Mehrere Studien zeigen, dass betriebliche Mitbestimmung mit einer geringeren Personalfluktuation einhergeht. Dies gilt besonders für Betriebe mit Tarifbindung. Wenn Verteilungskonflikte auf betrieblicher Ebene reduziert werden, kommt dies auch der Belegschaft zugute, folgert Jirjahn. Bei besseren Arbeitsbedingungen verringert sich der Anreiz, den Betrieb zu verlassen. Auch erleichtert das Vorhandensein eines Betriebsrats die Besetzung offener Stellen, zeigt eine weitere Untersuchung. Studien zum Beschäftigungswachstum kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Bei getrennten Schätzungen für verschiedene Betriebstypen ergibt sich allerdings ein positiver Einfluss der Arbeitnehmervertretung in solchen Betrieben, die Gruppenarbeit, Gruppenanreize und Weiterbildung praktizieren.

FAMILIENFREUNDLICHKEIT. Arbeitnehmervertreter wirken sich positiv auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus. Insbesondere, wenn es im Betrieb einen hohen Frauenanteil gibt. Einzelne Beschäftigte mögen zurückhaltend sein, ihr Interesse an einer familienfreundlichen Personalpolitik zu äußern. Denn der Arbeitgeber könnte ihren Wunsch negativ interpretieren als Signal für besonders hohe familiäre Verpflichtungen. Eine kollektive Interessenvertretung mildert diese Probleme.

WEITERBILDUNG. Empirische Untersuchungen sprechen für einen positiven Einfluss von Betriebsräten auf betrieblich finanzierte Mitarbeiterschulungen. Gibt es eine Arbeitnehmervertretung, so steigert die Weiterbildung die Produktivität in einem stärkeren Ausmaß. Jirjahn erklärt dies so: Damit sich eine solche Maßnahme in einem betrieblichen Erfolg niederschlägt, müssen sich die Beschäftigten zusätzlich anstrengen. Gibt es einen Betriebsrat, scheinen sie dazu eher bereit zu sein. Denn eine mit Mitbestimmungsrechten ausgestattete Interessenvertretung, die sich für die Belange der Belegschaft einsetzt, stärkt die Motivation der Arbeitnehmer. So kann Weiterbildung effektiver werden und Betriebe haben größere Anreize zu ihrer Finanzierung.

ARBEITSZEITMODELLE. Sowohl Schichtarbeit als auch Arbeitszeitkonten sind in Betrieben mit Betriebsrat weiter verbreitet. Die Arbeitnehmervertretung kann dafür sorgen, dass die Präferenzen der Beschäftigten bei der Ausgestaltung solcher Arbeitszeitmodelle stärker berücksichtigt werden. Dann akzeptieren die Arbeitnehmer auch eher Modelle, die für sie größere Belastungen bedeuten, erläutert der Wirtschaftsprofessor den Zusammenhang. Die Kooperationsbereitschaft der Beschäftigten hänge davon ab, in welchem Umfang ihre Wünsche berücksichtigt werden.

LEISTUNGSANREIZE. Auch eine Leistungsentlohnung ist in Betrieben mit Betriebsrat wahrscheinlicher. Dies spricht dafür, dass Arbeitnehmer einer variablen Entlohnung eher zustimmen, wenn sie auf eine Berechnung der Leistungsentgelte nach nachvollziehbaren Kriterien vertrauen können, so Jirjahn. Und wenn sie glauben, das Management werde die Leistungsstandards in Zukunft nicht unangemessen anheben.

Ob die Mitbestimmung auch weiterhin ihr Potenzial entfalten kann, hängt auch von den gesetzlichen Rahmenbedingungen ab, fasst Jirjahn die Forschungsergebnisse zusammen. "Eine undifferenzierte Deregulierung des Arbeitsmarktes, die vermeintlich der Erhöhung der Flexibilität dient, könnte genau das Gegenteil bewirken und wichtige Ressourcen zum Erhalt und zur Schaffung der ökonomischen Leistungsfähigkeit ungenutzt lassen." Der Forscher betont, dass auch für die Zukunft weiterer Forschungsbedarf besteht, um zu überprüfen, wie sich die Wirkungsweisen betrieblicher Mitbestimmung entwickeln.

Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/320_104461.html - Die PM mit Ansprechpartnern
http://www.boeckler.de/pdf/p_arbp_186.pdf - Die komplette Untersuchung (pdf)
http://www.boeckler.de/32014_103271.html - Weitere Informationen und Infografiken zum Download im Böckler Impuls 6/2010

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Männer verlieren mit den Jahren mehr "braunes" Fett als Frauen

Dr. Ellen Katz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Tübingen

PD Dr. med. Norbert Stefan
magnifier PD Dr. med. Norbert Stefan
Universitätsklinikum Tübingen

Jüngste Erkenntnisse der Wissenschaft deuten darauf hin, dass braunes Fettgewebe nicht nur beim Neugeborenen sondern auch bei Erwachsenen vorkommt. Dieses sogenannte "braune" Fettgewebe ist in der Lage, überschüssige Pfunde, die als "weißes" Fett gespeichert sind, als Energielieferant zu verbrennen. Weltweit konnten Forscher, u.a. auch vom Universitätsklinikum Tübingen (1), belegen, dass die Masse des braunen Fetts mit zunehmendem Alter abnimmt und damit auch zur Gewichtszunahme älterer Menschen beiträgt. Jetzt konnte am Universitätsklinikum Tübingen gezeigt werden (2), dass dieser Prozess bei Frauen und Männern unterschiedlich verläuft. doi:10.2337/db10-0004
Endokrinologen und Radiologen des Tübinger Uniklinikums untersuchten in einem aktuellen Forschungsprojekt, ob es beim altersbedingten Abbau des braunen Fettes Unterschiede zwischen Männern und Frauen gibt. Sie fanden heraus (2), dass das Altern diesen Prozess bei Männern und Frauen unterschiedlich beeinflusst.
Bei Männern verringerte sich die braune Fettmasse mit zunehmendem Alter viel schneller als bei Frauen. Die Tübinger Experten konnten weiterhin erstmalig zeigen, dass mit zunehmendem Alter die braune Fettmasse bei Männern weniger stark mit dem BMI korreliert als bei Frauen. Norbert Stefan, Wissenschaftler und Heisenberg Stipendiat an der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen: "Diese neuen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Strategien zur Aufrechterhaltung der Masse des braunen Fetts bei Männer viel früher als bei Frauen angewendet werden müssen, um der Entstehung des Übergewichts entgegenzuwirken.
Wie kann man überhaupt feststellen, ob und wie viel braunes Fett jemand besitzt? "Das ist", so PD Dr. Norbert Stefan, "derzeit leider nur über eine aufwendige PET-CT Untersuchung möglich. Wir arbeiten aber schon fieberhaft an einfacheren Nachweismethoden."

Die Ergebnisse der Untersuchung wurden am 31. März 2010 in der Fachzeitschrift Diabetes (2) vorab in elektronischer Version publiziert.

Ansprechpartner für die Presse

Universitätsklinikum Tübingen
Medizinische Klinik, Abteilung IV
PD Dr. Norbert Stefan
Otfried-Müller-Straße 10, 72076 Tübingen
Tel. 0 70 71 / 29-8 03 90 , Fax 0 70 71 / 29-59 74
norbert.stefan@med.uni-tuebingen.de

Originalpublikationen

(1) The importance of brown adipose tissue. Stefan N, Pfannenberg C, Häring HU. N Engl J Med. Jul 23;361(4):416-7.

(2) Impact of Age on the Relationships of Brown Adipose Tissue with Sex and Adiposity in Humans. Pfannenberg C, Werner MK, Ripkens S, Stef I, Deckert A, Schmadl M, Reimold M, Häring HU, Claussen CD, Stefan N. Diabetes published ahead of print March 31, 2010, doi:10.2337/db10-0004
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-tuebingen.de/Patienten/Kliniken/Medizinische_Klinik-p-797...

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Abwasserreinigung mit Energie- und Düngemittelgewinn erfolgreich in Betrieb

Dr. Claudia Vorbeck, Pressestelle
Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

Die erfolgreiche Erprobungsphase für ein neues semi-dezentrales Konzept zur Wasserversorgung und Abwasserreinigung wurde fünf Jahre im Rahmen eines Forschungsverbundprojekts vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Heute wird im Neubaugebiet "Am Römerweg" in Knittlingen bei Pforzheim das Abwasser von 175 Anwohnern anaerob gereinigt und dabei, neben anderen Wertstoffen, bis zu 7000 Liter Biogas pro Tag gewonnen. Am 18. Mai 2010 ist feierliche Finissage: Vertreter des BMBF, der Gemeinde Knittlingen, der Fraunhofer-Gesellschaft und der beteiligten Industriepartner setzen die Biogasverwertung symbolisch in Gang.
Der weltweite Wasserverbrauch für landwirtschaftliche, industrielle und private Nutzung steigt stetig. Intelligente Konzepte zur Verteilung und zur Reinigung von Wasser sind daher gefragt. Gleichzeitig sind Kläranlagen vielerorts der größte kommunale Stromverbraucher, durch den hohen Anfall an Klärschlamm zudem ein großer Abfallproduzent. Ziel des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart war daher, eine neue Art der Wasserwirtschaft zu erproben, um die Umwelt durch Einsparung von Trinkwasser und Energie zu schonen und gleichzeitig Kosten zu sparen. Eine Abwasserreinigung, welche die für ihren Betrieb benötigte Energie weitgehend selbst erzeugt und auch anorganische Bestandteile wiederverwertet, kombiniert mit der Aufbereitung von Regenwasser, ist das Ergebnis des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts "DEUS 21 - Dezentrale urbane Infrastruktursysteme".

Das Abwasser des heute 175 Anwohner zählenden Neubaugebiets "Am Römerweg" in Knittlingen wird semi-dezentral gesammelt und gereinigt. Dies geschieht anaerob, das heißt unter Ausschluss von Sauerstoff. Hierbei bauen Bakterien organische Inhaltsstoffe des Abwassers zu Biogas ab. Nach vier Jahren Erprobung wurde 2009 eine Anlage in Betrieb genommen, bei der Feststoffe aus dem Abwasser zunächst in einem Absatzbehälter entfernt und separat bei 37 °C nach dem vom Fraunhofer IGB entwickelten Verfahren der Hochlastfaulung mit Mikrofiltration vergoren werden. Hierbei wird bis zu 5000 Liter Biogas pro Tag produziert. Der Überlauf des Absetzbehälters, dies sind etwa 99 Prozent des Abwasserzulaufs, wird in einem Bioreaktor, der - deutschlandweit erstmalig - nicht beheizt wird, ebenfalls anaerob behandelt. Der Ablauf, also das gereinigte Abwasser, konnte auf Anhieb die Grenzwerte für den chemischen Sauerstoffbedarf von Kläranlagen für weniger als 1000 Einwohner einhalten oder unterschreiten. Hierbei werden noch einmal bis zu 2000 Liter Biogas pro Tag erzeugt. Insgesamt liefert die Anlage so 40-60 Liter Biogas pro Einwohner und Tag. Dies ist mehr als das Doppelte, was eine herkömmliche Kläranlage mit Klärschlammfaulung erzielt. Das in der Demonstrationsanlage entstehende Biogas wird (mangels für diesen Maßstab verfügbarer Kraft-Wärme-Kopplungstechnik) verbrannt und die Wärme zur Beheizung des Faulreaktors genutzt.

Das anaerob gereinigte Abwasser enthält noch relativ hohe Konzentrationen an Ammonium und Phosphor, so dass der Ablauf zur kombinierten Düngung und Bewässerung in der Landwirtschaft geeignet ist. Ist eine solche direkte Nutzung nicht möglich, können die anorganischen Nährstoffe Stickstoff und Phosphor mittels eines umweltfreundlichen Verfahrens als Düngesalze zurückgewonnen werden.

Das Regenwasser im Neubaugebiet wird gesammelt und in einer unterirdischen Zisterne gespeichert. Es wird über verschiedene Stufen - Filtration, Ozonbehandlung, Aktivkohlefilter und Ultrafiltration - gereinigt und entkeimt. Nach Abschluss der Entwicklungsarbeiten soll das aufbereitete Regenwasser über ein separates Leitungsnetz an die Anwohner verteilt werden, um damit die Gärten zu bewässern, Toiletten zu spülen, Wäsche zu waschen und zu duschen.

Mit dem erfolgreich demonstrierten Verfahrensansatz von DEUS 21 ist der Paradigmenwechsel von der "End-of-pipe"-Technik zur nachhaltigen Wasserver- und Abwasserentsorgung gelungen. DEUS 21 ist insbesondere geeignet für Länder, in denen bisher keine Wasserinfrastruktur existiert.

Das Projekt "DEUS 21 - Dezentrale urbane Wasserinfrastruktursysteme" wurde in zwei Stufen bis Ende Mai 2010 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Neben dem Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, Stuttgart, waren als Forschungspartner das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe, und in der ersten Phase das ISA der RWTH Aachen beteiligt. Partner aus der Wirtschaft sind die Firmen Eisenmann, EnBW, Gemü, Kerafol, Prov, Roediger und Bellmer.
Weitere Informationen:
http://www.igb.fraunhofer.de/www/presse/jahr/2010/dt/2010-04-29_DEUS-Finissage.h... Presseinformation, Programm und Anfahrt

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news367028

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Hormonspray macht Männer sensibler

Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Darauf haben manche Frauen sicher gewartet: Das Neuropeptid Oxytocin verbessert bei Männern die Fähigkeit, sich emotional in ihre Mitmenschen hineinzuversetzen. Die Substanz sensibilisiert zudem für so genannte „soziale Verstärker" wie lobende oder tadelnde Gesichter. Das zeigt eine Studie der Universität Bonn und des Babraham-Instituts Cambridge, die jetzt im Journal of Neuroscience erschienen ist (doi: 10.1523/JNEUROSCI.5538-09.2010).
An dem Experiment nahmen 48 gesunde Männer teil. Die eine Hälfte erhielt zu Beginn ein Oxytocin-haltiges Nasenspray, die andere ein Placebo. Danach zeigten die Forscher ihren Probanden Fotos von emotional aufgeladenen Situationen: ein weinendes Kind, ein Mädchen, das seine Katze umarmt, einen trauernden Mann. Die Teilnehmer sollten nun angeben, inwieweit sie mit den abgebildeten Personen mitfühlten.

„Die Oxytocin-Gruppe gab signifikant höhere emotionale Empathie-Werte zu Protokoll als die Placebo-Gruppe", fasst Dr. René Hurlemann von der Klinik für Psychiatrie der Uni Bonn das Hauptergebnis zusammen. Dabei hatten die Teilnehmer der Placebo-Gruppe keineswegs Schwierigkeiten, den Ausdruck der abgebildeten Gesichter rational zu deuten. Die Oxytocin-Gabe bewirkte lediglich ein größeres emotionales Einfühlungsvermögen: Die getesteten Männer erreichten Werte, wie sie sonst für Frauen typisch sind. Normalerweise kann das „schwache" Geschlecht in punkto „Empathie" einen deutlichen Vorsprung verbuchen.

Nasenspray verbessert Lernerfolg

In einem zweiten Versuch mussten die Teilnehmer am Computer einen einfachen Merktest absolvieren. Bei richtigen Antworten erschien auf dem Bildschirm ein lobendes, bei falschen ein tadelndes Gesicht. Alternativ erfolgte das Feedback über grüne (richtig) oder rote (falsch) Kreise. „Ganz allgemein war der Lernerfolg höher, wenn die Rückmeldung über Gesichter erfolgte", sagt Dr. Keith Kendrick vom Babraham-Institut im britischen Cambridge. „Die Oxytocin-Gruppe sprach auf das mimische Feedback aber noch einmal deutlich besser an als die Placebo-Gruppe."

Eine wichtige Rolle scheint in diesem Zusammenhang der so genannte Mandelkern spielen. Diese Hirnstruktur, fachsprachlich Amygdala genannt, ist an der emotionalen Bewertung von Situationen beteiligt. Einige Menschen leiden unter einer sehr seltenen Erbkrankheit, bei der der Mandelkern mehr und mehr in Mitleidenschaft gezogen wird. „Wir hatten das Glück, zwei Patientinnen mit einem derartigen Amygdala-Defekt in unsere Studie einbeziehen zu können", sagt Hurlemann. „Beide Frauen reagierten im Merktest wesentlich schlechter auf lobende oder tadelnde Gesichter als Teilnehmerinnen einer Kontrollgruppe. Außerdem war bei ihnen das emotionale Einfühlungsvermögen beeinträchtigt." Die Forscher vermuten daher, dass der Mandelkern für den Effekt des Oxytocins mit verantwortlich sein könnte.

Oxytocin ist ein Hormon, das unter anderem die Geburtswehen auslöst. Es stärkt zudem die emotionale Bindung zwischen Mutter und Neugeborenem. Auch beim Orgasmus werden große Mengen Oxytocin freigesetzt. Das Neuropeptid wird mit Gefühlen wie Liebe und Vertrauen in Verbindung gebracht. „Unsere Studie zeigt zum ersten Mal, dass emotionales Einfühlungsvermögen durch Oxytocin moduliert wird und dass Ähnliches auch für Lernprozesse mit sozialen Verstärkern gilt", sagt Hurlemann. Eventuell eigne sich das Hormon daher als Medikament bei Erkrankungen wie der Schizophrenie, die oft mit einem Verlust der sozialen Kontaktfähigkeit und sozialem Rückzug einhergingen.

Kontakt:
Dr. Dr. René Hurlemann
Leiter der der Forschungsgruppe „Neuromodulation of Emotion (NEMO)"
Klinik für Psychiatrie der Universität Bonn
Telefon: 0228/287-15057
E-Mail: renehurlemann@me.com

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Sauer macht dick

Dr. Harald Rösch, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Laktat ist bislang vor allem als Energieträger im Stoffwechsel bekannt. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim haben nun jedoch entdeckt, dass es auch als Botenstoff wirken kann. Bei Überernährung spielt es die Rolle eines Dickmachers. Jetzt untersuchen die Forscher, wie sich durch ihre Ergebnisse Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Fettleibigkeit besser behandeln lassen. (Cell Metabolism, 6. April 2010)
Bei Sportlern ist Laktat, auch bekannt als Milchsäure, wegen des Leistungsabfalls bei der Übersäuerung der Muskulatur gefürchtet. Der Laktatspiegel steigt aber nicht nur bei Sauerstoffmangel in der Muskulatur an. Laktat wird auch unter normalen Bedingungen in erheblichem Umfang im Körper gebildet und ist ein zentrales Zwischenprodukt des Energiestoffwechsels: Nach einer Mahlzeit sorgt Insulin dafür, dass Fettzellen vermehrt Glukose aufnehmen. Ein Teil dieser Glukose wird in Fette eingebaut und auf diese Weise als Energiespeicher angelegt. Ein Großteil der Glukose wird aber in den Fettzellen in Laktat umgewandelt und freigesetzt. In der Leber kann daraus dann erneut Glukose gebildet werden.

Die Freisetzung von Laktat ins Fettgewebe setzt aber gleichzeitig einen Mechanismus in Gang, den Forscher um Stefan Offermanns, Direktor der Abteilung Pharmakologie des Max-Planck-Instituts für Herz- und Lungenforschung nun entschlüsselt haben: Am Anfang ihrer Untersuchung stand die Entdeckung des Rezeptors GPR81. Dieses zur Gruppe der G-Protein-gekoppelten Rezeptoren gehörende Protein wird vornehmlich auf der Oberfläche von Fettzellen gebildet. Wird dieser durch Laktat aktiviert, hemmt er das Enzym Adenylylcyclase. Dadurch wird wiederum die Bildung des intrazellulären Botenstoffes cAMP vermindert, dem eine Schlüsselfunktion beim Fettabbau zugeschrieben wird. "Auf diese Weise hemmt eine Erhöhung des Laktatspiegels im Fettgewebe den Abbau von Fett", sagt Stefan Offermanns. So verhindert der Körper, dass nach Mahlzeiten - wenn bereits genügend Glukose zur Energiegewinnung vorhanden ist - noch zusätzlich die Fettreserven mobilisiert werden. Unter normalen Umständen trägt dies zu einer ausgeglichenen Energiebilanz bei. Nicht aber so bei einer energiereichen Ernährung. Dann nämlich produzieren Fettzellen vermehrt Laktat, was den Fettabbau hemmt und zum Aufbau der Fettdepots beiträgt.

Milchsäure wirkt nicht nur als Energiespeicher, sondern auch als Botenstoff

Laktat greift also als Botenstoff in den Fettstoffwechsel ein. Die Bad Nauheimer Wissenschaftler haben damit erstmals nachgewiesen, dass ein Zwischenprodukt des Stoffwechsels nicht nur eine Rolle als Energiespeicher besitzt, sondern den Stoffwechsel selbst in Hormon-ähnlicher Weise beeinflusst. "Wir vermuten, dass auch andere Stoffwechselprodukte diese Fähigkeit besitzen", so Stefan Offermanns.

Die wichtige Rolle des Laktats im Fettstoffwechsel demonstrierten die Forscher in Experimenten an Mäusen, denen der Rezeptor GPR81 fehlt. Diese so genannten Knockout-Mäuse nahmen weniger stark zu, wenn sie eine kalorienreiche Ernährung bekamen. "Weil der Laktatrezeptor fehlt und somit der Fettabbau weniger stark gehemmt wird, konnten die Tiere unter diesen Bedingungen in der Summe nicht so viele neue Fettdepots anlegen", erläutert Offermanns. Als nächstes wollen die Max-Planck-Wissenschaftler untersuchen, wie der GPR81-Rezeptor zur Vorsorge oder Behandlung von Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes oder Fettleibigkeit genutzt werden könnte.

Originalpublikation:
Kashan Ahmed, Sorin Tunaru, Cong Tang, Michaela Müller, Andreas Gille,
Antonia Sassmann, Julien Hanson, Stefan Offermanns
An autocrine lactate loop mediates insulin-dependent inhibition of lipolysis through GPR81
Cell Metabolism, 4. April 2010 (doi:10.1016/j.cmet.2010.02.012)

Kontakt:

Prof. Dr. Stefan Offermanns
Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung
Abteilung Pharmakologie
Tel.: +49(0)6032 705 - 1201
Email: stefan.offermanns@mpi-bn.mpg.de

Dr. Matthias Heil, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung
Tel.: +49(0)6032 705 - 1705
Email: matthias.heil@mpi-bn.mpg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Sauberes Wasser für Mega-Cities - EXPO 2010 in Shanghai: Bauingenieure der TU Darmstadt zeigen neue Ver- und Entsorgungslösungen

Jörg Feuck, Kommunikation
Technische Universität Darmstadt

Die Technische Universität Darmstadt zeigt auf der EXPO 2010 in Shanghai ein neuartiges Infrastruktursystem für die Versorgung mit Wasser und Behandlung von Abwasser und Abfall, das sich flexibel an die schnell und oft unkontrolliert wachsenden Städte und Metropolen in Schwellen- und Entwicklungsländern anpasst. Die TU ist als einzige deutsche Universität mit einem eigenen Exponat auf der Weltausstellung in Shanghai vertreten.
Die Versorgung mit Wasser und Energie stellt eine wesentliche Herausforderung an die Städte der Zukunft dar. Vor allem für die oft ebenso schnell wie unkontrolliert wachsenden Städte in Schwellen- und Entwicklungsländern besteht ein enormer Handlungsbedarf, die zukünftige Ver- und Entsorgung von Wasser, Abwasser und Abfall zu planen und zu entwickeln. Konventionelle zentrale Ver- und Entsorgungssysteme, wie sie üblicherweise in Industrieländern eingesetzt werden, sind hier nicht sinnvoll, da sie nicht flexibel an sich dynamisch verändernde Strukturen angepasst werden können.

Das Institut IWAR der TU Darmstadt hat gemeinsam mit dem National Engineering Research Center for Urban Pollution Control der Shanghaier Partner-Universität Tongji technische und organisatorische Möglichkeiten erforscht, die notwendigen Infrastruktursysteme flexibler und ressourceneffizienter zu gestalten. Das Ergebnis dieser Forschung ist der Ansatz SEMIZENTRAL, der auf der EXPO im chinesischen Themenpavillon "Urban Planet" als vorbildlicher Umgang mit den Ressourcen Wasser und Energie der Weltöffentlichkeit vorgestellt wird: SEMIZENTRAL basiert auf kleineren Ver- und Entsorgungssystemen, die sich je nach Bedarf erweitern lassen und sich so flexibel an die jeweiligen Rahmenbedingungen anpassen. SEMIZENTRAL sieht unter anderem die innerstädtische Wiederverwendung von Wasser vor, was erhebliche Wassermengen und Energie einspart; da das Konzept außerdem auch Abfallströme berücksichtigt und sie zur Energiegewinnung nutzt, ist sogar der energieautarke Betrieb des "semizentralen" Systems möglich. SEMIZENTRAL ist damit ebenso sparsam wie klimafreundlich und kann einen wesentlichen Beitrag für die Gesundheitsvorsorge und Lebensqualität in den Mega-Cities der Zukunft leisten.

Das Institut IWAR ist eines von zwölf Instituten des Fachbereichs Bauingenieurwesen und Geodäsie der Technischen Universität Darmstadt. Durch die Integration verschiedener Fachrichtungen trägt das Institut zur wissenschaftlichen und praktischen Lösung komplexer und interdisziplinärer Aufgaben im Umwelt- und Gewässerschutz bei. Weitere Schwerpunkte sind u.a. Wasseraufbereitung, Abwasser- und Abfallbehandlung, Ressourcenmanagement und Raumplanung.

Über die TU Darmstadt

Die TU Darmstadt zählt zu den führenden Technischen Universitäten in Deutschland. Ihre rund 270 Professoren, 3.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 21.000 Studierenden widmen sich entscheidenden Zukunftsfeldern wie Energie, Mobilität, Kommunikation und Information sowie Bauen und Wohnen.

Weitere Informationen:
http://www.semizentral.de

Anhang
attachment 18-2010-EXPO_2010
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(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Süßigkeiten und Migräne - Was ist dran an den viel zitierten Auslösern für Migräne?

Rita Wilp, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft

Schlechter Ruf von Süßigkeiten bei Migräne wissenschaftlich nicht belegt

Bald ist die Fastenzeit vorbei und das Osterfest wartet traditionell mit vielen süßen Verlockungen. Viele Migränepatienten fragen sich, ob sie nicht besser auf Ostereier und Schokoladenhasen verzichten sollten, damit sie nicht eventuell eine Migräneattacke provozieren oder sogar bestehende Migräne verschlimmern können. Schokolade und andere Süßigkeiten, wie zum Beispiel Gummibärchen, werden immer wieder als Auslöser für Migräneattacken genannt.
Hintergrund dafür ist, dass es in einer Vorphase der Migräne, der so genannten Prodromalphase, häufig zu Stimmungsschwankungen, Gereiztheit, Nervosität, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und auch Heißhunger-Attacken bei Migränepatienten kommt. Bis zu 70 Prozent der Patienten berichten von einer solchen Vorbotenphase, in der sie ein geändertes Verhalten zeigen. "Bei einer plötzlich auftretenden Essattacke wird dann in kurzer Zeit zum Beispiel eine ganze Tafel Schokolade vernichtet," sagt Privatdozentin Dr. Stefanie Förderreuther, Generalsekretärin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Dies habe Schokolade in den Ruf gebracht, Migräneattacken auszulösen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass dem so nicht ist.

Eine Studie untersuchte das Auftreten von Migräneattacken bei Patienten, die sich sicher waren, dass ihre Attacken durch Schokolade ausgelöst würden und Patienten, die einen derartigen Auslöser nicht für sich beobachtet hatten. Beide Gruppen aßen unter verblindeten Bedingungen einmal Schokolade und einmal einen Ersatzstoff, den man geschmacklich nicht von Schokolade unterscheiden konnte. Dabei wurde festgehalten, ob eine Attacke auftrat. Es konnten keine signifikanten Unterschiede in den einzelnen Gruppen festgestellt werden. Beide zeigten eine ähnliche Häufigkeit der Migräneattacken. Möglicherweise ist eine Essattacke in der Prodromalphase für manche Patienten sogar günstig, da sich der Körper im Vorfeld für die schweren Migränesymptome rüstet und vor Einsetzen von Inappetenz, Übelkeit und Erbrechen noch einmal für die Aufnahme von Kalorien sorgt.

Nahrungsmittel werden als direkte Auslöser für Migräne überschätzt. Die einzige Ausnahme stellen bestimmte alkoholische Getränke, insbesondere Rotwein, dar. Sie führen bei manchen Migränepatienten regelhaft zu Attacken. Dabei ist es jedoch meist nicht der Alkohol, sondern bestimmte Inhaltsstoffe im alkoholischen Getränk, die die Attacke auslösen. Es ist daher für Migränepatienten in der Regel nicht notwendig grundsätzlich auf Alkohol zu verzichten. Jeder Patient sollte wissen, dass ein Nahrungsmittel nur dann ein Trigger (Auslöser) für Migräne ist, wenn es regelhaft und im direkten zeitlichen Zusammenhang mit seinen Genussattacken steht. Für die meisten Patienten gilt, dass sie alles genießen dürfen und keine speziellen Diäten einhalten müssen.

Literatur:
Marcus DA, Scharff L, Turk D, Gourley LM. A double-blind provocative study of chocolate as a trigger of headache. Cephalalgia. 1997;17(8):855-62
Silberstein SD, Young WB. Migraine aura and prodrome. Semin Neurol. 1995;15:175-182
Luciani R, Carter D, Mannix L, Hemphill M, Diamond, M, Cady R. Prevention of migraine during prodrome with naratriptan. Cephalalgia.2000;20:122-126.

Generalsekretärin und Pressesprecherin
PD Dr. med. Stefanie Förderreuther
Neurologische Klinik der LMU München
Ziemssenstrasse 1, 80336 München
Tel. 089 5150 2307
E-Mail Steffi.Foerderreuther@med.uni-muenchen.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Einzigartige Neugründung auf dem Gebiet des Umweltrechtes

Dr. Marita Müller, Öffentlichkeitsarbeit/Marketing
Brandenburgische Technische Universität Cottbus

BTU Cottbus und Universität Wroc?aw (Breslau) gründen Deutsch-Polnisches Zentrum für Öffentliches Recht und Umweltschutz
Am 24. März 2010 haben die BTU Cottbus und die Universität Wroc?aw (Breslau) mit einer konstituierenden Sitzung das erste Deutsch-Polnische Zentrum für Öffentliches Recht und Umweltschutz in Wroc?aw (Polen) ins Leben gerufen. Den Vertrag über die Errichtung einer grenzüberschreitenden gemeinsamen Forschungseinrichtung hatten die beiden Partner schon im Dezember 2009 abgeschlossen. Nun startet das deutsch-polnische Projekt mit ersten Umsetzungsmaßnahmen.
Ziel des einzigartigen Zentrums ist eine gemeinsame Forschung auf dem Gebiet des öffentlichen Rechts, insbesondere des Umweltrechts. Ausgehend davon, dass Umweltverschmutzungen keinen Halt an Grenzen machen, sollen nicht nur nationale, sondern auch europäische und internationale Aspekte des Umweltschutzes den Gegenstand gemeinsamer Forschung bilden. Ebenso soll die transdisziplinäre Forschung durch Zusammenarbeit mit benachbarten Disziplinen der Rechtswissenschaften gefördert werden.

BTU-Präsident Prof. Dr. Walther Ch. Zimmerli: "Ich bin sehr froh, dass wir mit diesem ganz besonderen Zentrum ein weiteres Alleinstellungsmerkmal an der BTU Cottbus verbuchen können. Zu unserem klaren Profil mit den fünf Forschungsschwerpunkten Umwelt, Energie, Material, Bauen sowie Informations- und Kommunikationstechnologie passt dieses Zentrum sehr gut. Die Kooperation über die nationalen Grenzen hinweg zeugt zudem von unserem starken internationalen Selbstverständnis als Tor zum Osten. Mit Polen verbindet die BTU seit jeher eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit. Die Verbundenheit mit unserem Nachbarn ist nach dem tragischen Unglücksfall der allerjüngsten Zeit noch stärker geworden."
Das Deutsch-Polnische Zentrum für Öffentliches Recht und Umweltschutz ist die erste gemeinsame wissenschaftliche Einrichtung der BTU mit einer europäischen Nachbar-Universität. Besonders stolz sind die Cottbuser Forscher darauf, dass Vertragspartner die altehrwürdige und international renommierte Breslauer Alma Mater ist.
Träger des "German-Polish Centre for Public Law and Environmental Network" sind auf deutscher Seite das Zentrum für Rechts- und Verwaltungswissenschaften als zentrale wissenschaftliche Einrichtung der BTU und auf polnischer Seite das Institut für Verwaltungswissenschaften sowie die Fakultät für Rechts-, Verwaltungswissenschaften und Ökonomie der Universität Wroc?aw. Die universitäre Aufsicht über die neue wissenschaftliche Einrichtung üben der Präsident der BTU Cottbus, Prof. Dr. habil. Walther Ch. Zimmerli, DPhil. h.c. (University of Stellenbosch) und der Rektor der Universität Wroc?aw, Prof. zw. dr hab. Marek Bojarski, gemeinsam aus. Der derzeitige Vorstand umfasst sechs Mitglieder mit einem polnischen Vorstandsvorsitzenden, dem renommierten polnischen Staats- und Verwaltungsrechtler Prof. dr hab. Jan Bo?.
Die Leitung des Zentrums obliegt zwei Direktoren, auf deutscher Seite Prof. Dr. Dr. h.c. Lothar Knopp (zugleich geschäftsführender Direktor des Zentrums für Rechts- und Verwaltungswissenschaften an der BTU) und auf polnischer Seite Prof. dr Konrad Nowacki vom Breslauer Institut für Verwaltungswissenschaften. GP PLEN wird ein Kuratorium aus herausragenden Persönlichkeiten beider Länder angehören.

Weitere Informationen: Dr. Jan Hoffmann, Leiter Koordination und Management am Zentrum für Rechts- und Verwaltungswissenschaften, Telefon: 0355/69-2069

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wo bekommt man am wenigsten Spam?

Oliver Küch, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT)

Fraunhofer-Studie untersucht Spam-Aufkommen bei kostenlosen E-Mail-Diensten / Yahoo und Hotmail vorne, GMX und Web.de abgeschlagen
Kunden des E-Mail-Dienstes Yahoo bekommen die wenigsten unerwünschten Werbemails. Nur knapp dahinter platziert sich Microsofts Service Hotmail. Zu diesem Ergebnis kommt das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) in seiner jüngsten Studie. Das Institut untersuchte, wie stark man als Kunde der beliebtesten deutschen kostenfreien E-Mail-Dienste von unerwünschter Werbung betroffen ist. Google landete auf Platz drei, und die schlechtesten Bewertungen erhielten die Angebote von WEB.de und GMX.

95 Prozent aller E-Mails sind Spam. Die Anbieter von E-Mail-Diensten versuchen, diesen elektronischen Werbemüll automatisch auszusortieren. "Wir wollten wissen, bei welchen E-Mail-Diensten man mit der kleinsten Anzahl von Spam zu rechnen hat", sagt Studienleiter Dr. Markus Schneider vom Fraunhofer SIT. Dazu legten Testpersonen E-Mail-Accounts bei den kostenlosen Anbietern an und prüften anschließend, wie viel Werbung in den elektronischen Postfächern landete. Während Yahoo-Nutzer im Testzeitraum insgesamt nur 8 und bei Hotmail lediglich 13 Spam-Nachrichten erhielten, landeten bei GMX 116. Dazu zählen auch die Werbemails der Dienste-Anbieter selbst. "Wir gehen nicht davon aus, dass man von dem eigenen Dienstanbieter lieber oder häufiger Werbung empfangen möchte als von anderen", sagt Schneider. Aber selbst wenn man diesen internen Spam vernachlässigt, erreichten die Test-Konten bei GMX noch 36 Mails, bei Web.de 21, bei Hotmail und Yahoo nur 10 bzw. 8 Mails.

Bei der Untersuchung wurde stark darauf geachtet, dass für alle betrachteten Dienstanbieter die gleichen Rahmenbedingungen gelten. Auch für die registrierten E-Mail-Adressen gab es genaue Regeln, wobei ein Teil der E-Mail-Adressen absichtlich im Internet publik gemacht wurde, damit sie von den Spam-Versendern gefunden werden konnten. Die Studie wurde mit finanzieller Unterstützung von Microsoft erstellt und dauerte vier Wochen. "Das Ergebnis ist deshalb nur eine Moment-Aufnahme und lässt sich nicht ohne Weiteres verallgemeinern", sagt Schneider. Dienstanbieter passen immer wieder die technischen Abwehrmaßnahmen an, und auch die Spam-Versender lassen sich immer wieder neue Tricks einfallen.

"Mit der Beauftragung des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie verfolgten wir das Ziel, unsere Aktivitäten in den letzten Jahren im Bereich Spam-Abwehr einer externen Prüfung zu unterziehen", so Christian Weghofer, Produkt Marketing Manager für Hotmail bei Microsoft Deutschland. "Das Ergebnis von Fraunhofer zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind, und die Änderungen, die wir bei Hotmail vorgenommen haben, fruchten. Zudem liefert es uns den Impuls, uns bei der Abwehr unerwünschter E-Mails Schritt für Schritt weiter zu verbessern."

In der Studie sind auch Empfehlungen enthalten, um nach Möglichkeit nicht zu sehr in das Visier von Spammern zu geraten. Die Studie kann kostenfrei unter http://www.sit.fraunhofer.de heruntergeladen werden.

Anhang
attachment Fraunhofer Spam-Studie
http://idw-online.de/pages/de/attachment2833

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Gesunde Schale, weißer Kern

Dr. Ute Schönfelder, Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Ernährungswissenschaftler der Universität Jena finden Darmkrebs-präventive Effekte von Weizen
Jena Kuchen, Brötchen, Kekse & Co. haben unter Ernährungswissenschaftlern ein schlechtes Image. Denn das weiße Weizenmehl, aus denen sie gebacken werden, enthält nur wenig Mineral- und Ballaststoffe. Dabei steckt im Weizenkorn viel mehr: Neben dem hellen Mehlkörper birgt es sogar Stoffe, die vor Darmkrebs schützen könnten. Ernährungswissenschaftler von der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben jetzt herausgefunden, dass das sogenannte Aleuron aus dem Weizenkorn eine besonders chemoprotektive Wirkung haben könnte.

In Experimenten an Zellkulturen von menschlichen Darmzellen konnten die Forscher zeigen, dass Weizen-Aleuron sowohl die Entstehung von Darmkrebs unterdrücken (durch Induktion von Schutzenzymen) als auch das Fortschreiten der Erkrankung (durch Hemmung des Zellwachstums) verzögern könnte. "Wichtig ist, dass die Schale des Weizenkorns, die sogenannte Kleie, mit aufgenommen wird, da diese die hochwertige Aleuron-Schicht enthält", macht Studienleiter PD Dr. Michael Glei deutlich. "Zur Herstellung des hellen Auszugsmehls wird dagegen nur das Innere des Weizenkorns verwendet", so der Ernährungswissenschaftler weiter.

Weizen-Aleuron besteht hauptsächlich aus Ballaststoffen und hat einen relativ hohen Anteil an Protein, Vitaminen, Mineralstoffen und Polyphenolen. Für ihre Untersuchungen haben die Ernährungswissenschaftler das Aleuron im Labor zunächst "verdaut": Sie haben das Aleuron mit Enzymen und Mikroorganismen versetzt, wie sie im Verdauungstrakt des Menschen vorkommen. Das entstehende Gemisch aus verschiedenen Stoffwechselprodukten wurde anschließend für die Experimente mit den Zellkulturen genutzt.

"Wir konnten zeigen, dass die zelleigenen Abwehrmechanismen der Darmzellen durch das Aleuron aktiviert werden", sagt Doktorandin Katrin Stein. Dadurch seien die Darmzellen gegenüber toxischen Stoffen, die zu Zellschäden und in der Folge zur Entstehung entarteter Tumorzellen führen können, besser geschützt. In einem weiteren Schritt haben die Ernährungswissenschaftler der Jenaer Universität untersucht, wie das verdaute Aleuron auf Darmkrebszellen wirkt. "Dabei haben wir festgestellt, dass besonders die Krebszellen in einem frühen Krebsstadium in ihrem Wachstum gehemmt werden können", so Anke Borowicki, ebenfalls Doktorandin in Gleis Team. Diese Wirkung sei hauptsächlich auf kurzkettige Fettsäuren (vor allem Butyrat) zurückzuführen, die durch den bakteriellen Abbau der Aleuron-Bestandteile gebildet werden.

"Unsere in vitro Ergebnisse zeigen, welches Potenzial Weizen-Aleuron als Zutat für funktionelle Lebensmittel hat", betont Studienleiter Dr. Glei. Der Bedarf danach sei denkbar hoch: Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten in den Industriestaaten. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 70.000 Menschen. "Wir wissen, dass die Ernährungsweise eine zentrale Rolle bei der Darmkrebsentstehung spielt", so der Jenaer Ernährungswissenschaftler. Zwar seien präventive Faktoren wie ausreichend Obst und Gemüse, viel Bewegung, Milch und Ballaststoffe hinlänglich bekannt. Doch viele Empfehlungen würden in der Bevölkerung nur schlecht angenommen, weil beispielsweise Vollkornprodukte vielen Menschen einfach nicht schmecken.

"Hier besteht ein großer Bedarf an neuen Lebensmitteln, die von den Menschen akzeptiert werden", so das Fazit der Jenaer Ernährungswissenschaftler. Mit dem Aleuron aus Weizen, das aus der Kleie isoliert, ein sehr feines weißes Mehl ergibt, haben sie nun einen vielversprechenden Kandidaten für die Entwicklung funktioneller Lebensmittel zur Verbesserung der Darmgesundheit gefunden.

Kontakt:
PD Dr. Michael Glei
Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Straße 24
07743 Jena
Tel.: 03641 / 949671
E-Mail: michael.glei@uni-jena.de
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Mini-Wasserkraftwerk in der Armatur

Dr. Elisabeth Zuber-Knost, Presse, Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

Wie lässt sich Energie sinnvoll und zielführend sparen? Dieser Frage geht das wbk Institut für Produktionstechnik mit dem Projekt powerFLUID auf den Grund. Die Ingenieure dort entwickelten eine Methode, um die gesamte Energie für die Benutzung elektronisch gesteuerter Wasserhähne einzusparen: Die Energie wird direkt über das verwendete Wasser gewonnen.
Bislang sind elektronisch geregelte Wasserhähne immer an externe Energiequellen wie ein Stromnetz oder eine Batterie gebunden. Doch so genannte fluidische Systeme wie Wasser oder Gas geben die in ihnen enthaltene gespeicherte Energie ungenutzt an die Umgebung ab. Mit powerFLUID wird diese Energie aufgenommen und in elektrische Energie umgewandelt. Diese setzt dann den automatischen Wasserhahn in Gang.

Um die dazu benötigte Energie zu gewinnen, haben die Ingenieure vom wbk Institut für Produktionstechnik ein Wandlersystem entwickelt. Es besteht aus einer Mikroturbine, an deren Laufschaufeln Magnete angebracht sind. Diese erzeugen durch Rotation ein Magnetfeld, das durch einen Generator in elektrische Energie umgewandelt wird.

Ein Wasserhahn-Prototyp aus dem Projekt ist bisher im Einsatz. "In der Massenproduktion würde powerFLUID für eine enorme Energie- und damit auch Kostenersparnis sorgen", erklärt wbk-Ingenieur Stefan Herder. Auch die Anwendung in anderen Bereichen ist denkbar, wie sein Kollege Martin Weis ergänzt: "Das am wbk entwickelte Prinzip eignet sich für sehr viele mit Flüssigkeiten betriebene Systeme."

Der Bereich Energy Harvesting, also die Umwandlung und Nutzung vorhandener, bisher ungenutzer Energie, ist am wbk generell breit aufgestellt. So wurde dort auch die Verwendung einer weiteren Energieform neben Wasser für das Projekt powerFLUID überprüft: das Licht. Über eine Solarzelle versorgt es den Sensor, der den Start- und Stoppvorgang des Wassers aus der Armatur regelt.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und staatliche Einrichtung des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung - Lehre - Innovation.

Weiterer Kontakt:

Stefan Herder / Martin Weis
wbk Institut für Produktionstechnik
Tel.: +49 721 / 608-2449
E-Mail: herder@wbk.uka.de
weis@wbk.uka.de
www.power-fluid.de

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Mini-Wasserkraftwerk in der Armatur
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(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Teilnehmer gesucht: Große Bevölkerungsstudie zum Glücksspielverhalten in Deutschland

Oliver Grieve, Pressesprecher, Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UK S-H)

Das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und das Universitätsklinikum Greifswald starten derzeit gemeinsam eine groß angelegte Studie zum Thema Glücksspiel in Deutschland. Insgesamt 12.000 Menschen sollen im Rahmen einer Bevölkerungsbefragung zu ihrem Spielverhalten interviewt werden. Damit zählt die Studie zu den weltweit größten Forschungsprojekten auf diesem Gebiet. Ziel ist es, umfassende Erkenntnisse über das Ausmaß der Nutzung von Glücksspielangeboten in Deutschland und die Auswirkungen auf das Leben der Spielenden zu gewinnen.

Für die Befragungen sucht das Forschungsteam Menschen im Alter von 14-64 Jahren aus dem gesamten Bundesgebiet, die Glücksspielangebote intensiv nutzen oder in der Vergangenheit genutzt haben. Dazu zählen Casinos, Geldspielautomaten, Online-Glücksspiele, Sport- oder Pferdewetten, Lotto/Toto, Kartenspiele mit Geldeinsatz oder riskante Aktiengeschäfte. Die erhobenen Daten werden absolut vertraulich behandelt. Eine Aufwandsentschädigung ist vorgesehen. Interessenten, die an der Studie teilnehmen möchten, können unter der gebührenfreien Rufnummer 0800 708 708 7 oder per E-Mail an PAGE@uni-greifswald.de Auskunft erhalten.

Das Spielen um Geld ist durchaus verbreitet und muss nicht zwangsläufig in einer Suchterkrankung münden. Trotzdem gibt es viele Menschen, die die Kontrolle über ihr Spielverhalten verlieren. Bisherige Schätzungen gehen von bis zu 630.000 Personen der bundesdeutschen Bevölkerung aus, die zumindest ein problematisches Glücksspielverhalten zeigen. Gleichzeitig nimmt das Angebot an Glücksspielen stetig zu. Neben rund um die Uhr geöffneten Casinos und Spielhallen boomt besonders das Glücksspielangebot im Internet, das anonym und jederzeit verfügbar ist.

Die Konsequenzen sind oftmals verheerend: Hohe Verschuldung ist die häufigste Folge eines unkontrollierbaren Glücksspiel-Drangs. Viele Spieler versuchen, die Verluste wieder auszugleichen, indem sie weiterspielen und die Einsätze erhöhen. Vorher wichtige Lebensbereiche werden vernachlässigt. Es können Probleme mit Partner, Freunden oder auch am Arbeitsplatz folgen. Zum Teil werden die Betroffenen auch straffällig, um an Geld für das Spielen zu gelangen. Manche Spieler schaffen jedoch auch den Ausstieg aus diesem Teufelskreis, einige mit professioneller Hilfe, z.B. Therapie, andere aus eigener Kraft.

Die Studie wird von den 16 Bundesländern gefördert und soll grundlegende Informationen auf diesem lange Zeit vernachlässigten Gebiet der Suchtforschung gewinnen. Diese sind unerlässlich, um das Hilfeangebot für betroffene Spieler zu verbessern. Teilnehmer der Studie können einen großen Beitrag dazu leisten.

Kontakt für Studienteilnehmer: PAGE-Studie, Diana Klinger, Tel.: 0800-780 780 7 (gebührenfrei), E-Mail an PAGE@uni-greifswald.de

Für Rückfragen steht zur Verfügung:
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Campus Lübeck
Anja Kreuzer, M.A., Tel.: 0451 500-2386, Fax: 0451 500-3480
E-Mail: anja.kreuzer@psychiatrie.uk-sh.de

Verantwortlich für diese Presseinformation:
Oliver Grieve, Pressesprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein
Campus Kiel, Arnold-Heller-Straße 3, Haus 31, 24105 Kiel, Tel.: 0431 597-5544, Fax: 0431 597-4218
Campus Lübeck, Ratzeburger Allee 160, Haus 1, 23538 Lübeck, Tel.: 0451 500-5544, Fax: 0451 500-2161
Mobil: 0173 4055 000, E-Mail: oliver.grieve@uk-sh.de

Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-greifswald.de/epidem/forschung/epidemiologie/page.html

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Langzeitstudie bestätigt: Schokolade kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken

Dr. Gisela Olias, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

Potsdam-Rehbrücke - Der tägliche Verzehr von einem kleinen Stück Schokolade kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken, insbesondere für Schlaganfall. Dabei ist der Effekt zum Teil auf eine blutdrucksenkende Wirkung der Schokolade zurückzuführen. Zu diesem Ergebnis kam ein Forscherteam vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE), nachdem es die Daten einer großen Langzeitstudie* mit circa 20.000 Teilnehmern ausgewertet hatte. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift European Heart Journal (Buijsse et al., 2010; Chocolate consumption in relation to blood pressure and risk of cardiovascular disease in German adults).
Der in dunkler Schokolade enthaltene Kakao enthält viele Flavanole, die sich günstig auf die Elastizität der Blutgefäße und den Blutdruck auswirken. Dies haben in den letzten Jahren verschiedene klinische Kurzzeitstudien belegen können. Ergebnisse aus Langzeitstudien gab es aber kaum. Ein Grund für die DIfE-Forscher, den Sachverhalt mit Hilfe der Potsdamer EPIC*-Studiendaten zu überprüfen und mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung zu bringen.

In der aktuellen Studie erlitten während der durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von etwa acht Jahren 166 Studienteilnehmer einen Herzinfarkt - 136 Personen erkrankten an einem Schlaganfall. Aus den in den Jahren 1994 bis 1998 erhobenen EPIC-Basisdaten ermittelten die Forscher die Zusammenhänge zwischen dem Schokoladenverzehr, dem Blutdruck und dem Auftreten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wie die Studie zeigt, haben Personen, die im Schnitt etwa sechs Gramm kakaohaltiger Schokolade pro Tag verzehren, im Vergleich zu Personen, die nur wenig Schokolade essen, ein um fast 40 Prozent verringertes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dabei sank das Schlaganfallrisiko um fast die Hälfte - das Herzinfarktrisiko verminderte sich um 27 Prozent.

"Schokolade ist für ihren blutdrucksenkenden Effekt bekannt. Da ein hoher Blutdruck für Schlaganfälle ein stärkerer Risikofaktor ist als für Herzinfarkte, haben wir erwartetet, dass der Schokoladenverzehr auch stärker mit einem verminderten Schlaganfallrisiko verbunden ist. Genau dies haben wir in den Studiendaten gesehen", sagt Brian Buijsse, Erstautor der Studie.

In der aktuellen Studie hatten die Personen mit dem höchsten Schokoladenverzehr einen geringeren Blutdruck als die Personen mit dem geringsten Schokoladenverzehr. Allerdings war der Blutdruckunterschied weniger stark ausgeprägt als in anderen Studien. Ein Grund für die relativ geringe Blutdrucksenkung könne die Vorliebe der meisten Studienteilnehmer für Vollmilchschokolade sein, mutmaßt Buijsse. Denn Vollmilchschokolade hat einen geringeren Kakaoanteil als Bitterschokolade und somit auch einen geringeren Anteil an blutdrucksenkenden Flavanolen.

Heiner Boeing, Studienleiter der Potsdamer EPIC-Studie, merkt an, dass die neuen Studienergebnisse keinen Freibrief für einen ungehemmten Schokoladenverzehr erteilen. Schokolade in großen Mengen konsumiert macht dick und ist damit ungesund. Geringe Mengen Schokolade können dagegen die kardiovaskuläre Gesundheit verbessern. Dabei sind insbesondere Schokoladen mit einem hohen Kakaoanteil zu empfehlen, der eigentlichen Wirksubstanz.

Hintergrundinformation:
Die *Potsdamer EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition)-Studie ist Teil der Gesamt-EPIC-Studie. Die EPIC-Studie ist eine prospektive Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit insgesamt 519.000 Studienteilnehmern beteiligt.

Bei der Auswertung einer prospektiven Studie ist es wichtig, dass die Teilnehmer/innen zu Beginn der Studie noch nicht an der zu untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für eine bestimmte Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen, wodurch eine Verfälschung der Daten durch die Erkrankung weitestgehend verhindert werden kann - ein entscheidender Vorteil gegenüber retrospektiven Studien.

Erstautor Brian Buijsse hatte bereits vor vier Jahren durch die Auswertung einer niederländischen Bevölkerungsstudie gezeigt, dass Personen, die im Durchschnitt täglich vier Gramm Kakao verzehren, nicht nur einen niedrigeren Blutdruck, sondern auch ein vermindertes Risiko haben, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Vier Gramm Kakao ist eine Menge, die mit zehn Gramm Bitterschokolade vergleichbar ist. In der niederländischen Studie wertete Buijsse zusammen mit seinen Kollegen die medizinischen Daten von 470 Männern aus, die in einem Beobachtungszeitraum von 15 Jahren erhoben worden waren. Lit.: Arch Intern Med. 2006 Feb 27;166(4):411-7. Cocoa intake, blood pressure, and cardiovascular mortality: the Zutphen Elderly Study. Buijsse B, Feskens EJ, Kok FJ, Kromhout D.

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes und Krebs.

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 14.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 6.500 Wissenschaftler, davon wiederum 2.500 Nachwuchswissenschaftler. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de.

Prof. Dr. Heiner Boeing
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Epidemiologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/ Deutschland
Tel.: +49(0)33 200-88 711/710
E-Mail: boeing@dife.de

Dr. Brian Buijsse
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Epidemiologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
D-14558 Nuthetal
Tel.: +49(0)33 200-88 723
E-Mail: brian.buijsse@dife.de

Dr. Gisela Olias
Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49(0)33 200-88 278/335
E-Mail: olias@dife.de

Weitere Informationen:
http://www.dife.de/de/index.php?request=/de/forschung/projekte/epic.php Weitere Informationen zur EPIC-Studie finden Sie auf den Webseiten des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE).

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Strom sparen mit verbessertem Matrix-Umrichter

Kordula Lindner-Jarchow M.A., Presse- und Informationsstelle
Universität Siegen

Ob in Aufzügen, Walzwerken oder anderen Maschinen, der Energieverbrauch ist oft unnötig hoch. Die Elektrotechniker der Universität Siegen haben ein neues Verfahren entwickelt, um künftig elektrische Energie besser zu nutzen. In ihren Untersuchungen haben sich Professor Dr. Günter Schröder und sein Team auf den "Matrix-Umrichter" konzentriert. Dieser kann elektrische Energie ohne Umwege sehr einfach wieder zurück ins Netz speisen, beispielsweise die Bremsenergie eines Aufzugs.
"Bisher war die Technik beim Matrix-Umrichter jedoch sehr unzuverlässig", erklärt Dipl. Ingenieur Markus Pfeifer, der zu diesem Thema eine Doktorarbeit anfertigt. Das an der Universität Siegen neu entwickelte Verfahren ersetzt die üblichen unzuverlässigen Schutzmaßnahmen vollständig durch einen so genannten schaltbaren Freilaufkreis. Auf die Methode haben die Siegener Wissenschaftler national und international ein Patent angemeldet.
"Die Kollegen waren bisher oft skeptisch. Jedoch können wir auf der nächsten internationalen Konferenz Ende April in Malta überzeugende Messwerte vortragen", sagt Prof. Schröder. Der dreiphasige Umrichter ist für 5 bis 10 Kilowatt konzipiert, hat einen Wirkungsgrad von knapp unter 100 Prozent und kann mit entsprechender Steuerung netzfreundlich betrieben werden.
Dass ein solches Projekt auch bei den Studenten auf großes Interesse stößt, zeigt die hohe Anzahl an über 33 angefertigten Projekt-/Studien- und Diplomarbeiten auf dem Gebiet der Leistungselektronik.
2008 wurde der Erstantrag von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit einem Volumen von 200.000 Euro bewilligt. Mit dem Durchbruch im März 2010 folgte eine Anschlussförderung der DFG in Höhe von 120.000 Euro. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen sollen Aufschluss geben über die Verluste, die Optimierung in Bezug auf die Kühlung und den Vergleich zu anderen Verfahren. Was im Labor funktioniert, soll dann auch in der Industrie ankommen.

Kontakt und weitere Informationen:
Dipl.-Ing. Markus Pfeifer
Tel: 0271 740 2188
Fax: 0271 740 2499
eMail: markus.pfeifer@uni-siegen.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Ende der Parkplatzsuche: Magnetfeldsensoren können Autos erkennen (Hannover Messe)

Friederike Meyer zu Tittingdorf, Presse- und Informationszentrum
Universität des Saarlandes

Wenn Autofahrer vor großen Einkaufszentren eine freie Parklücke suchen, müssen sie häufig minutenlang im Kreis fahren. Wie es schneller geht, zeigen Forscher der Universität des Saarlandes. Sie haben Magnetfeldsensoren entwickelt, die einfach zu montieren sind und über Bildschirme anzeigen, welche Parklücken noch frei sind. Das Überwachungssystem wird bereits in Flughäfen eingesetzt und könnte auch in Städten den Verkehr besser leiten, so dass vor Ampeln weniger Staus entstehen. Die Wissenschaftler stellen mögliche Anwendungen vom 19. bis 23. April auf dem saarländischen Forschungsstand der Hannover Messe (Halle 2, Stand C 44) vor.
Jedes Auto verändert minimal das Erdmagnetfeld in seiner Umgebung. Dafür sind die Metallteile und die Elektronik im Fahrzeug verantwortlich. Die Magnetfeld-Sensoren können diese geringfügigen Veränderungen messen. "Die Sensoren reagieren sehr empfindlich und können daher Fahrzeuge auch aus größerer Entfernung erkennen. Im Unterschied zu Überwachungskameras, die etwa durch Nebel oder Regen gestört werden, lassen sich die Sensoren unabhängig von der Witterung nutzen", erläutert Uwe Hartmann, Professor für Experimentalphysik der Universität des Saarlandes. Ein Sensor und die dazugehörige Elektronik sind außerdem vergleichsweise kostengünstig und verbrauchen wenig Strom, so dass man sie auch in großflächigen Überwachungssystemen einsetzen kann.

In Parkhäusern oder auf großen Flächen vor Einkaufszentren erkennen Magnetfeldsensoren genau, welche Parkplätze noch frei sind. Das wird den Kunden dann auf großen Bildschirmen angezeigt werden, die sich nebenbei auch für Werbung nutzen lassen. "Auch die Verkehrsströme können mit den Sensoren überwacht und über Ampelsysteme gelenkt werden, da sie auf einfache Weise die Geschwindigkeit von Autos erfassen", sagt Hartmann. Eine weitere Anwendung sieht der Forscher in der Schifffahrt, wo die Magnetfeldsensoren in großen Schleusenanlagen erkennen, ob ein Schiff das Schleusentor passiert hat.

Den Praxistest haben die Sensoren bereits in Pilotprojekten auf den Flughäfen in Frankfurt, Saarbrücken-Ensheim und Thessaloniki bestanden. "Jedes Jahr kommt es weltweit auf Flughäfen zu mehreren hundert echten oder Beinaheunfällen, weil Flugzeuge am Boden mit anderen Flugzeugen oder Bodenfahrzeugen kollidieren", warnt Hartmann. Die Magnetfeldsensoren sollen daher verhindern, dass sich die Flugzeuge auf dem Weg zur Rollbahn zu nahe kommen. "Vor allem die Flächen zwischen den Gebäuden, die ein Bodenradar schlecht oder gar nicht erreicht, können mit Magnetfeld-Sensoren ausgestattet werden", erläutert der Saarbrücker Physiker.

In einem Forschungsprojekt mit der Firma Fraport am Frankfurter Flughafen wurden verschiedene Anwendungen der Magnetfeldsensoren im Bereich der Flughafensicherheit untersucht. In diesem Bereich stehen verschiedene Entwicklungen bereits vor der Markteinführung.

Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de/fak7/hartmann/
http://www.ismael-project.net

Pressefotos unter:
http://www.uni-saarland.de/pressefotos

Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Uwe Hartmann
Lehrstuhl für Nanostrukturforschung und Nanotechnologie
Universität des Saarlandes
Tel. 0681 / 302 3799
Tel. 0511 / 89 497101 (Telefon am Messestand)
E-Mail: u.hartmann@mx.uni-saarland.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Vergesslichkeit liegt auch im Blut

Alice Büsch, Presse- und Informationsstelle
Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Zahnarzttermin verpasst - oder wieder einmal den Haustürschlüssel im Schloss stecken lassen? Manchen Menschen scheint Zerstreutheit im Blut zu liegen. Wie Forscher der Universität Münster nun herausgefunden haben, könnte das im Wortsinn stimmen: Ein relativ hoher Spiegel von C-reaktivem Protein (CRP) im Blut ist mit Einschränkungen im planerischen Denkvermögen und mit entsprechenden Veränderungen der weißen Hirnsubstanz verbunden. Das zeigt eine neue Studie der Universität Münster (WWU), die in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals "Neurology" publiziert ist.
Zahnarzttermin verpasst - oder wieder einmal den Haustürschlüssel im Schloss stecken lassen? Manchen Menschen scheint Zerstreutheit im Blut zu liegen. Wie Forscher der Universität Münster nun herausgefunden haben, könnte das im Wortsinn stimmen: Ein relativ hoher Spiegel von C-reaktivem Protein (CRP) im Blut ist mit Einschränkungen im planerischen Denkvermögen und mit entsprechenden Veränderungen der weißen Hirnsubstanz verbunden. Das zeigt eine neue Studie der Universität Münster (WWU), die in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals "Neurology" publiziert ist.
In dieser Studie wurden 447 Probanden mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren untersucht, bei denen keine relevanten neurologischen Vorerkrankungen wie etwa ein Schlaganfall oder eine Demenz bekannt waren. Alle Studienteilnehmer unterzogen sich einem ausführlichen neuropsychologischen Test, mit dem verschiedene kognitive Leistungen - wie das Gedächtnis, die Wortflüssigkeit und das planerische Denkvermögen - geprüft wurden. Zusätzlich wurde eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes gemacht, in der mittels einer speziellen Technik - der "Diffusionstensor-Bildgebung" - subtile Veränderungen der weißen Hirnsubstanz sichtbar gemacht werden können.
Übersteigt der CRP-Gehalt im Blut nämlich ein gewisses Limit, deutet das auf eine akute Entzündung im Körper hin. Für die Studie wurden CRP-Spiegel über diesem Grenzwert ausgeschlossen. Gemessen wurde mit hochsensitiven Methoden unterhalb des Bereiches, der bei akuten Entzündungen vorliegt. Die Studie zeigte, dass höhere Serumspiegel von CRP im hochsensitiven Bereich mit schlechteren Leistungen im planerischen Denkvermögen assoziiert waren. Zudem wurden mittels der Diffusionstensor-Bildgebung Auffälligkeiten der weißen Hirnsubstanz mit steigenden CRP-Werten festgestellt. Diese Auffälligkeiten zeigten sich in frontalen Bereichen des Gehirns - Bereiche, die für den Ablauf planerischer Denkprozesse entscheidend sind.
"Durch Medikamente wie zum Beispiel Aspirin und Statine, aber auch durch körperliche Aktivität und Gewichtskontrolle lassen sich die CRP-Werte im Blut senken. Ob eine Senkung des CRP-Spiegels auch die kognitive Leistung verbessern kann, muss jedoch in weiteren Studien geklärt werden", sagt Dr. Heike Wersching, Mitarbeiterin des Instituts für Epidemiologie und Sozialmedizin der WWU und Hauptautorin der Studie. Die Untersuchung wurde gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der VolkswagenStiftung, dem EU-geförderten Marie Curie Research and Training Network, dem Kompetenznetz Vorhofflimmern des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Stiftung Neuromedizin Münster.

Weitere Informationen:
http://www.neurology.org/cgi/content/short/74/13/1022?rss=1
http://www.campus.uni-muenster.de/

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Warum Manager keine Atomphysiker werden können

Dieter Hintermeier, Pressestelle
accadis Hochschule Bad Homburg

Die fulminante Pleite des Arcandor-Konzerns, vormals KarstadtQuelle, und dazu noch das eklatante Versagen des Top-Managers Thomas Middelhoff sind für Professor Florian Pfeffel, Wirtschaftsethiker an der accadis Hochschule Bad Homburg, ein Indiz, dass in Deutschlands Chefetagen häufig die Tristesse der Mittelmäßigkeit Einzug gehalten hat. "Das Beispiel Middelhoff oder auch das diverser Bankenmanager machen dies deutlich", sagt er.
Den Grund für Mittelmäßigkeit im Management vermutet er in den Inhalten eines BWL-Studiums, das sich vom intellektuellen Anspruch her von dem eines Ingenieur-oder Naturwissenschaftsstudiums oder auch eines VWL-Studiums unterscheidet. Auf vielen Feldern der Betriebswirtschaftslehre können auch durchschnittlich Begabte durch viel Fleiß, viel Geld und gutes Networking sowie dem Deckmantel der so genannten Kommunikations- und Präsentationsfähigkeiten trotz mangelnder Kompetenz den Studienabschluss erreichen und die Karriereleiter erklimmen.

Ein Atomphysiker oder ein Ingenieur könnten mangelnde Fähigkeiten nicht lange verdecken. "Spätestens wenn der zweite Statiker oder die numerische Simulation die Ergebnisse überprüft, ist es mit der Herrlichkeit vorbei", erklärt Pfeffel.

Der Wirtschaftswissenschaftler will damit nicht die These vertreten, dass "alle Manager schlecht seien", vielmehr geht es ihm darum, Betriebswirtschaftsstudium und Führungskräfteentwicklung, die es mittelmäßigen Talenten erlauben, Karriere zu machen, kritisch zu hinterfragen.

Zu schwacher Kompetenz gesellt sich dann in der Regel noch mangelndes Werteverständnis. "Diese Manager verdienen sehr viel Geld, machen große Fehler und sahnen vor ihrem Abtritt noch einmal im großen Stil ab ohne äußerlich erkennbares Verantwortungsbewusstsein für den hinterlassenen Scherbenhaufen", konstatiert der Wirtschaftsethiker.

Weitere Informationen:
http://www.accadis.com

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Werden Europas Winter kälter?

Barbara Abrell, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Die niedrige Aktivität der Sonne könnte das regionale Klima in Großbritannien und Mitteleuropa beeinflussen
Trotz des Trends der globalen Erwärmung werden die Menschen in Großbritannien und Mitteleuropa in den nächsten Jahren möglicherweise häufiger kalte Winter erleben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Wissenschaftlern der Universität von Reading, des Rutherford Appleton Laboratory im britischen Oxfordshire und vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau. Die Forscher fanden einen Zusammenhang zwischen geringer Sonnenaktivität und ungewöhnlich niedrigen Wintertemperaturen in dieser Region. Ursache dafür könnte sein, dass in Zeiten niedriger Sonnenaktivität die milden Winde vom Atlantik im Winter Europa nicht erreichen. Einem vom Menschen erzeugten Klimawandel, der die Temperaturen auf der Erde im Mittel ansteigen lässt, widersprechen diese Ergebnisse nicht. (Environmental Research Letters, 15. April 2010)

Die Sonne strahlt nicht immer gleich hell: In einem etwa elfjährigen Zyklus wechseln sich Phasen hoher Aktivität, in denen unser Zentralgestirn besonders viel Strahlung und Teilchen zur Erde sendet, mit vergleichsweise ruhigen Phasen ab. Sichtbares Zeichen dieses Zyklus sind die dunklen Sonnenflecken, die man zum Teil sogar mit bloßem Auge erkennen kann. Gibt es viele dieser Flecken, ist die Sonne magnetisch besonders aktiv und strahlt somit sehr hell.

Dass sich der Sonnenzyklus auch auf die Temperaturen auf der Erde auswirkt, ist seit Längerem bekannt. So fallen besonders kalte Phasen der Erdgeschichte - etwa das sogenannte Maunder-Minimum am Ende des 17. Jahrhunderts - mit Phasen schwacher Sonnenaktivität zusammen. In ihrer neuen Studie haben die deutschen und britischen Wissenschaftler nun britische Wetteraufzeichnungen, die bis 1659 zurückreichen, mit der Sonnenaktivität im selben Zeitraum verglichen und statistisch ausgewertet.

Als Maß für die Sonnenaktivität diente die Stärke des solaren Magnetfeldes, das bis zur Erde reicht und dort kleine Schwankungen im irdischen Magnetfeld auslöst. Da ausreichend verlässliche Messdaten zum Magnetfeld der Sonne erst seit etwa 1900 vorliegen, rekonstruierten die Forscher ältere Werte mithilfe von Computersimulationen.

"Die Stärke des Magnetfeldes ist ein besseres Maß für die Aktivität der Sonne als etwa die Anzahl der Sonnenflecken", sagt Sami K. Solanki, Direktor am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. Denn zwei Aktivitätsminima, bei denen so gut wie keine Sonnenflecken das Tagesgestirn überziehen, können mit sehr unterschiedlichen Magnetfeldstärken verbunden sein. So ist die Sonne derzeit deutlich weniger aktiv als in den 90 Jahren zuvor.

Der statistische Vergleich der magnetischen "Fieberkurve" der Sonne mit der Wetterdatenbank spricht eine deutliche Sprache: Nach Jahrzehnten hoher Sonnenaktivität und vergleichsweise milden Wintern sind harte Winter in Europa wieder häufiger geworden. Bei geringer Sonnenaktivität liegt die durchschnittliche Wintertemperatur in Großbritannien etwa ein halbes Grad niedriger als sonst.

Die Ergebnisse der Forscher beziehen sich dabei nur auf die Winter in England und Mitteleuropa. Grund für diese sehr regionale Auswirkung der niedrigen Sonnenaktivität könnten Veränderungen der Winde in der Troposphäre, der untersten Atmosphärenschicht, sein. Heizt sich die darüber gelegene Stratosphäre nur schwach auf, reißen die milden Starkwinde vom Atlantik in der Troposphäre ab, vermuten die Wissenschaftler. Stattdessen sind Großbritannien und Mitteleuropa dann dem Einfluss kalter Winde aus dem Nordosten ausgesetzt. Der genaue Wirkmechanismus ist allerdings noch unklar.

"Der Zusammenhang zwischen Sonnenaktivität und kalten Wintern in Europa war erst erkennbar, nachdem wir den überlagerten Trend der globalen Erwärmung herausgerechnet hatten", erklärt Solanki. Die Studie widerspricht somit nicht der Theorie einer globalen Erwärmung, die auf den Einfluss des Menschen zurückgeht. Im Gegenteil: Vieles deutet darauf hin, dass die Sonne für diesen Effekt nur zu einem kleineren Teil verantwortlich ist.

Ob auch der nächste Winter in Großbritannien und Mitteleuropa ein klirrend kalter wird, können die Wissenschaftler nicht vorhersagen. Ihre Ergebnisse sind statistischer Natur und deuten lediglich auf den Trend hin, dass in Zeiten niedriger Sonnenaktivität ungewöhnlich kalte Winter häufiger auftreten. Doch auch 1685, mitten im Maunder-Minimum, belegen die britischen Wetteraufzeichnungen den wärmsten Winter seit 350 Jahren.

Originalveröffentlichung:

M. Lockwood, R.G. Harrison, T. Woollings, and S.K. Solanki
Are cold winters in Europe associated with low solar activity?
Environmental Research Letters, 15. April 2010

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Birgit Krummheuer, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Katlenburg-Lindau
Tel.: Tel.: +49 5556 979-462, mobil: +49 173 3958625
E-Mail: Krummheuer@mps.mpg.de

Prof. Dr. Sami K. Solanki
Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, Katlenburg-Lindau
Tel.: +49 5556 979-325
E-Mail: Solanki@mps.mpg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Neue Rückenschule bringt Vorteile

Gunnar Bartsch, Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Dr. Karin Meng hat ein innovatives Schulungsprogramm für Patienten mit chronischen Rückenschmerzen evaluiert: Es erwies sich als vorteilhaft. Für ihre Studie bekam die Wissenschaftlerin nun den Förderpreis 2009 der Karlsruher-Sanatorium-AG verliehen.
Karin Meng hat sich mit dem "Curriculum Rückenschule" befasst, das zu einem umfassenden Gesundheitstrainingsprogramm der Deutschen Rentenversicherung Bund gehört. Entwickelt wurde die neue Rückenschule seit Mitte 2007 auf der Grundlage aktueller klinischer und sportwissenschaftlicher Forschungsergebnisse. Auch Modelle aus der Gesundheitspsychologie und Qualitätskriterien für Schulungen wurden dafür berücksichtigt.

Vorteile der neuen Rückenschule

Das neue Programm hat im Vergleich zu einer nicht-standardisierten Rückenschule deutliche Vorteile, wie Karin Meng in ihrer Studie nachgewiesen hat: Die Patienten wussten mehr über ihre Krankheit und die Behandlung, ihre Motivation für körperliche Aktivität war höher und sie setzten diese Motivation auch verstärkt in die Tat um. Auch der Umgang mit den Schmerzen gelang ihnen besser.

"Die neue Rückenschule wies zudem eine hohe Akzeptanz bei den Patienten und eine sehr gute Praxistauglichkeit auf", so die Wissenschaftlerin. Das Programm könne daher für die routinemäßige Anwendung in Rehabilitationseinrichtungen empfohlen werden. Es liegt als Handbuch vor, Interessenten können sich an Karin Meng wenden.

Ihre Studie hat Karin Meng mit insgesamt 360 Rückenschmerzpatienten durchgeführt, die in der Klinik Werra, Reha-Zentrum Bad Sooden-Allendorf, an einer stationären medizinischen Rehabilitation teilnahmen.

Mehrere Partner an Entwicklung beteiligt

Entwickelt und evaluiert wurde das "Curriculum Rückenschule" im Auftrag der Deutschen Rentenversicherung Bund. Projektpartner waren das Institut für Psychotherapie und Medizinische Psychologie der Universität Würzburg (Dr. Karin Meng, Dr. Heiner Vogel und Professor Dr. Dr. Hermann Faller), die Klinik Werra, Reha-Zentrum Bad Sooden-Allendorf (Leitender Arzt Dr. Heiko Roßband) und das Institut für Sportwissenschaft und Sport der Universität Erlangen-Nürnberg (Professor Dr. Klaus Pfeifer).

Förderpreis in Leipzig verliehen

Der Förderpreis der Karlsruher-Sanatorium-AG ist mit 7.500 Euro dotiert und für herausragende wissenschaftliche Arbeiten zur medizinischen Rehabilitation vorgesehen. Karin Meng bekam ihn am 10. März auf dem 19. Rehabilitationswissenschaftlichen Kolloquium in Leipzig verliehen. Mit rund 1.400 Teilnehmern ist dieses Kolloquium die größte rehabilitationswissenschaftliche Tagung in Deutschland.

Kontakt
Anfragen zum Handbuch "Curriculum Rückenschule" an Dr. Karin Meng, T (0931) 31-82074, k.meng@uni-wuerzburg.de
Ansprechpartnerin für das Gesundheitstraining der Deutschen Rentenversicherung Bund: Dr. Ulrike Worringen, Dr.Ulrike.Worringen@drv-bund.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Kohlenwasserstoffe besser abbauen

Susanne Thiele, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Start eines weltweiten Forschungsprojektes unter Leitung des HZI

Das weltweit angelegte Projekt "MAGICPAH" untersucht unter der Leitung des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) wie Bakteriengemeinschaften den Abbau giftiger polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe unterstützen können. "MAGICPAH" ist eine Kooperation von dreizehn Partnern aus neun Ländern. Forschungseinrichtungen und Industrieunternehmen starten heute das Projekt am HZI. Wie wichtig dieses Projekt ist, zeigt das Frachterunglück am australischen "Großen Barriere Riff". Es wurde im April 2010 durch vier Tonnen Schweröl bedroht, die aus dem Frachter ausgelaufen sind.
Kohlenwasserstoffe sind chemische Verbindungen, die nur aus den Elementen Kohlenstoff und Wasserstoff bestehen. Als fossile Brennstoffe spielen sie weltweit eine wichtige Rolle. Eine besondere Untergruppe sind die sogenannten "polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe" (PAK). Diese schwer abbaubaren, oft toxischen und krebserregenden Kohlenwasserstoffe sind zum Beispiel für die Verseuchung von Böden verantwortlich. Sie sind im Rohöl und in großer Menge im Schweröl zu finden und können auch marine Umwelten gefährden.
Die Partner von "MAGICPAH" starten ihre Zusammenarbeit heute mit einem Kick-off-Meeting am HZI unter Vorsitz von Dietmar Pieper, Leiter der Arbeitsgruppe "Mikrobielle Interaktionen und Prozesse".
Das Forschungsprojekt möchte die abbauenden Eigenschaften von Bakterien im Erdboden und in der Meeresumgebung erforschen, verstehen und ausnutzen. "In erdölabbauenden bakteriellen Gemeinschaften steckt ein bisher unverstandenes und ungenutztes Potenzial", sagt Dietmar Pieper. Das Projekt soll zunächst die mikrobielle Vielfalt und die molekularbiologischen Prozesse analysieren, die eine wichtige Rolle bei der Beseitigung der PAK- Schadstoffen aus Böden, Sedimenten und Abwässern spielen. Das bereitet allerdings Probleme - vor allem bei der beabsichtigten Nutzung besonders anspruchsvoller oder nicht-kultivierbarer Organismen, die einen Großteil der Bakterien in Böden und marinen Ökosystemen ausmachen. "Die bisher ungenutzte Vielfalt an mikrobiellen Aktivitäten kann nur durch sogenannte kultivierungsunabhängige Methoden sichtbar gemacht werden", sagt Dietmar Pieper. Diese so genannten kultivierungsunabhängigen Methoden nutzen das Erbgut der Mikroorganismen, ohne dass sich die Mikroorganismen im Labor zuvor vermehren müssen. "Die hierbei in experimentellen Systemen gesammelten Informationen werden für die Entwicklung wissensbasierter Strategien zur Eindämmung von Umweltschäden durch die Kohlenwasserstoffe (PAKs) in verschiedenen Lebensräumen verwendet werden. Zudem ermöglichen unsere Methoden einen direkten Zugriff auf neue Stoffwechselreaktionen, die industriell genutzt werden können", schließt Dietmar Pieper.

Die EU fördert das Projekt mit drei Millionen Euro für die nächsten vier Jahre. Neben dem HZI stammen die Partner aus der Industrie aus Italien und Tschechien sowie aus der Forschung aus Italien, Spanien, Großbritannien, Deutschland, Dänemark, Frankreich, Kolumbien und Kanada.

Weitere Informationen:
Sie finden diese Pressemitteilung und aktuelles Bildmaterial im Internet unter http://www.helmholtz-hzi.de/de/presse_und_oeffentlichkeit/.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Mit intelligenten Handys Massenpanik verhindern

Thoralf Dietz, Abteilung Kommunikation
Universität Passau

Universität Passau ist Koordinator bei einem mehr als fünf Millionen Euro Fördermittel umfassenden EU-Forschungsprojekt

Ein modernes Mobiltelefon kann viel mehr als nur Telefonverbindungen herstellen, fotografieren oder Musik abspielen. Vielmehr verfügen Handys heutzutage über Sensoren, die den genauen Standort der Menschen und deren Bewegungen erfassen können oder die ihrem Besitzer via GPS Routenempfehlungen geben können - ähnlich wie dies Navigationsgeräte im Auto tun. Diese Funktionen kann man sich auch in Katastrophenfällen zunutze machen - und hier setzt das Projekt SOCIONICAL an.
In einem vollbesetzten Fußballstadion bricht ein Feuer aus: Menschen geraten in Panik und strömen wahllos auf die verschiedenen Ausgänge zu. Den Rettungsdiensten bietet sich eine unübersichtliche Lage, ihnen ist es nicht möglich, die Massenbewegungen aufzufangen, geschweige denn zu steuern. Hier setzt das Projekt SOCIONICAL an: "Künftig sollen die Sensoren der Mobiltelefone in solchen Situationen die Gefahren "erkennen", miteinander und mit Gebäudesensoren kommunizieren, den Rettungsdiensten Informationen über die Menschenbewegungen und ihren Besitzern mitteilen, auf welchem Weg sie am schnellsten und sichersten das Stadion verlassen können" beschreibt Professor Dr. Paul Lukowicz, Inhaber des Lehrstuhls für Informatik mit Schwerpunkt Eingebettete Systeme an der Universität Passau, das Ziel.

SOCIONICAL steht für Complex Socio-Technical System in Ambient Intelligence. An dem über vier Jahre laufenden Projekt sind 14 Partner beteiligt, neben Universitäten und Forschungseinrichtungen aus Deutschland auch aus Großbritannien, Holland, Österreich, Polen und der Schweiz - darunter renommierte Einrichtungen wie die ETH Zürich oder die London School of Economics. Zudem gibt es mehrere Industriepartner aus Israel, Italien und Spanien.

Als Koordinator des Projekts leitet die Universität Passau die wissenschaftlichen Arbeiten und ist die Schnittstelle zwischen der Europäischen Kommission und den Partnern. So fließen die gesamten Mittel - rund 5,3 Millionen Euro - über die Universität Passau und werden dann an die Partner weiter geleitet. Eine Million Euro müssen die Partner selbst einbringen. Von den EU-Mitteln gehen etwa 650.000 Euro an die Universität Passau.

In Passau arbeiten an dem Projekt drei, über alle Standorte hinweg etwa 40 Wissenschaftler. An der Universität Passau ist auch der Lehrstuhl für Südostasienkunde II von Professor Dr. Rüdiger Korff und der Lehrstuhl für Informatik mit Schwerpunkt Rechnerkommunikation und Rechnernetze von Professor Dr. Hermann de Meer beteiligt. Überhaupt war die interdisziplinäre Vernetzung in Passau einerseits, andererseits aber auch die gute Vernetzung von Professor Dr. Paul Lukowicz in der Fachcommunity mit ausschlaggebend, dass das Projekt in Passau angesiedelt wurde.

Möglicherweise hätte beim Tsnuami in Thailand im Jahr 2004 ein solches System Menschenleben retten können: "Viele Menschen standen staunend am Meer, als sie die Welle haben kommen sehen und haben das Mobiltelefon gezückt, um Fotos zu machen. Über das Mobiltelefon hätte man auch die Botschaft 'Sofort den Strand verlassen' senden können", sagt Professor Dr. Paul Lukowicz.

Weitere Informationen:

http://www.fim.uni-passau.de/home/fakultaet/lehrstuehle/eingebettete-systeme.htm...

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wie ein Blitz: Mikrowellen-Plasmastrahler kommt in der Medizin zum Einsatz

Team Pressestelle, Presse-, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing
FH Aachen

Prof. Dr. Holger Heuermann vom Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der FH Aachen hat mit seinem Team einen Plasmastrahler für die Wund- und Hautbehandlung entwickelt. Schaltet man das Gerät ein, tritt an der Spitze eine Flamme aus - allerdings handelt es sich nicht um eine normale Flamme, sondern um eine Ionenwolke. Diese wird benutzt, um Keime, Bakterien, Viren und Sporen wirkungsvoll zu vernichten. Im Gegensatz zu herkömmlichen Geräten dieser Art kann es mit Luft statt mit Edelgasen betrieben werden. Der Plasmastrahler könnte schon in kurzer Zeit Marktreife erlangen.
Wer den Begriff Mikrowelle hört, denkt erst einmal an den Mikrowellenherd in der Küche. Aber auch bei Mobilfunk, Radar oder Satellitenfernsehen kommen Mikrowellen zum Einsatz. In der Physik ist dies ein Sammelbegriff für elektromagnetische Wellen, die eine Wellenlänge zwischen einem Millimeter und einem Meter haben.
Prof. Dr. Holger Heuermann vom Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der FH Aachen entwickelt mit seinem Team Technologien, durch die Mikrowellen auch in anderen Anwendungsbereichen eingesetzt werden können. Er ist sehr erfolgreich bei der Generierung von Mikrowellenplasmen für Anwendungen wie Zündkerzen und Lampen (etwa Beamerlampen oder Energiesparlampen). Jetzt hat er gemeinsam mit dem Diplomanden Martin Schmitt ein neues Projekt entwickelt: Hierbei handelt es sich um einen Plasmastrahler für die Wund- und Hautbehandlung. Mit dem Begriff Plasma bezeichnet man in der Physik ein Gas, das teilweise oder vollständig aus freien Ladungsträgern, also Ionen oder Elektronen, besteht. 99 Prozent der sichtbaren Materie im Universum besteht aus Plasma. Natürliche Plasmen auf der Erde findet man etwa in Blitzen, auch Flammen sind plasmaähnlich. Beim Mikrowellenplasma erfolgt die Gasentladung, die zur Plasma-Erzeugung benötigt wird, durch Mikrowellen.
Der Plasmastrahler sieht auf den ersten Blick unscheinbar aus, etwa wie eine Mischung aus einem Senklot und einem Stift. Er ist zwölf Zentimeter lang, hat einen Durchmesser von weniger als zwei Zentimetern und ist mit Stahl ummantelt. Schaltet man das Gerät ein, tritt an der Spitze eine weiß-violette Flamme aus - allerdings handelt es sich nicht um eine normale Flamme, sondern um eine Ionenwolke. Diese wird benutzt, um Keime, Bakterien, Viren und Sporen wirkungsvoll - und für den Patienten schmerzfrei - zu beseitigen. Hierbei dringt das ionisierte Gas selbst in feinste Geweberitzen ein, die sonst kaum zu erreichen sind, und sorgt somit für eine gründliche Desinfektion von Wunden. Außerdem kann die Plasmabehandlung Wachstums- und Regenerationsprozesse anregen, was die Wundheilung beschleunigt. Neben der Behandlung von Hautkrankheiten ist auch ein Einsatz in der ästhetischen Medizin vorstellbar, beispielsweise durch die Entfernung von Pigmentflecken und die Glättung von Narben und Hautfalten. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass keine Allergien und Unverträglichkeiten bei der Plasmabehandlung der Haut auftreten.
Der Plasmastrahler von Prof. Heuermann funktioniert mit normaler Umgebungsluft. Weder spezielle Prozessgase noch Hochspannungen sind notwendig. Er ist sehr kostengünstig herstellbar und nahezu produktionsreif. Gesucht werden derzeit noch Partner aus Industrie und Forschung, die das nötige medizinische Know-how mitbringen.
Aufgrund der Komplexität der Thematik war der Plasmaphysik lange Zeit eine exotische Nische in der Welt der Technik beschieden. Das zunehmende Verständnis der Vorgänge in diesem Bereich sorgte in den letzten Jahren für einen Aufschwung dieser Technologie. Das Marktvolumen von Produkten, die durch die Plasmatechnologie möglich werden, wird weltweit auf etwa 500 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

Kontakt:
FH Aachen
Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik
Prof. Dr. Holger Heuermann
Lehrgebiet Hoch- und Höchstfrequenztechnik
T +49. 241. 6009 52108
heuermann@fh-aachen.de
Weitere Informationen:
http://www.fh-aachen.de - Internetseite der FH Aachen

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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UDE: Flexibler in Rente gehen - Altersteilzeit umgestalten

Katrin Braun, Pressestelle
Universität Duisburg-Essen

Eine "neue Altersteilzeit" könnte den Übergang zwischen Vollarbeit und Rente flexibel gestalten, Arbeitsbelastung reduzieren und so eine längere Erwerbstätigkeit im Alter ermöglichen. Prof. Dr. Matthias Knuth, Arbeitsmarktforscher am Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen schlägt vor, dass eine solche Neuregelung gleichzeitig in eine allgemeine steuerfinanzierte Förderung von Teilzeitarbeit eingebunden werden sollte, die sich an Lebensphasen wie Kindererziehung, Alter oder Pflege von Angehörigen orientiert.
Seit Jahresbeginn werden Neueintritte in die Altersteilzeit nicht mehr von der Bundesagentur für Arbeit finanziell unterstützt. Gefördert wird nur noch über die Steuer- und Abgabenbefreiung der Aufstockungsbeträge, mit denen die Arbeitgeber die niedrigeren Gehaltszahlungen und Rentenversicherungsbeiträge bei Altersteilzeit ausgleichen. "Davon geht wenig Anreiz und keinerlei Steuerungswirkung aus", kritisiert Knuth.

Weg vom Blockmodell als Regelfall

Ganz überwiegend wurde und wird Altersteilzeit in der Form des so genannten Blockmodells in Anspruch genommen: Ältere arbeiten z.B. von 55 bis 60 mit unveränderter Arbeitszeit weiter und werden dann bis zur Rente von der Arbeit freigestellt. Dem Ziel einer Verlängerung der wirtschaftlich produktiven Lebensphase entspricht dieser "Vorruhestand" nicht.

Vermutlich wird das Blockmodell aber bevorzugt, weil die bisherige Arbeitszeit im Durchschnitt halbiert werden muss. Prof. Knuth empfiehlt deshalb eine "echte Teilzeit", also als Form der Altersteilzeit auch die Reduzierung der bisherigen Arbeitszeit um durchschnittlich nur ein Viertel oder ein Drittel zuzulassen. Hierdurch könne eine künftige Verschmelzung des Altersteilzeitgesetzes mit dem Teilzeit-(und Befristungs-)Gesetz vorbereitet werden. Der Altersübergang könnte dabei nur einen von mehreren Anlässen darstellen, Teilzeitarbeit öffentlich zu fördern.

Aktuelle Publikation: http://www.iaq.uni-due.de/iaq-standpunkte/2010/sp2010-01.php

Weitere Informationen: http://www.iaq.uni-due.de
Prof. Dr. Matthias Knuth, Tel. 0203/379-1821, matthias.knuth@uni-due.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wie viel Schmutz verträgt die Spree?

Dr.-Ing. Bodo Weigert, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
KompetenzZentrum Wasser Berlin gGmbH (KWB)

Auftaktveranstaltung zu Monitoringprojekt in Berlin-Charlottenburg
Bei starkem Regen läuft ein Gemisch aus Regen- und Schmutzwasser an dafür vorgesehenen Stellen aus der Kanalisation in die Spree. Die Berliner Wasserbetriebe betreiben viele unterirdische Speicherbauwerke, um solche Belastungen möglichst zu vermeiden. Bis zum Jahr 2020 werden weitere umfassende Maßnahmen zum Rückhalt von Mischwasser ergriffen. Mehrfach wurde in letzter Zeit über das Modellvorhaben SPREE2011 berichtet, das als Alternative zu unterirdischen Rückhaltebauwerken die Wirkung von am Ufer angebrachten
Speichertanks untersucht.
Trotz umfangreicher Maßnahmen können "Mischwasserentlastungen" in die Spree nicht vollständig vermieden werden. Für die Verantwortlichen des Berliner Wassermanagements ist es daher eine besondere Herausforderung, weitere Rückhaltemaßnahmen mit einem gut ausbalancierten Verhältnis zwischen Kosten, ökologischen und weiteren Nutzungsinteressen zu entwickeln. Um diesen Prozess effizient voranzubringen, wird jetzt an einem großen Mischwasserkanal in Berlin-Charlottenburg vom Kompetenzzentrum Wasser Berlin gemeinsam mit den Berliner Wasserbetrieben systematisch untersucht, welchen messbaren Einfluss solche Einleitstellen auf die Qualität der Spree haben.
Ein gerade in Betrieb genommener Messcontainer mit modernen Online-Sensoren wird zwei Jahre lang kontinuierlich Wasserqualitätsparameter und Durchflussmengen erfassen. Darüber hinaus werden unterhalb der Einleitstelle in der Spree Sonden installiert, die Aufschluss über die biologische Wirkung von Mischwasserüberläufen liefern sollen. Die Ergebnisse dienen perspektivisch auch dem Aufbau und der Verbesserung eines Modells zur Untersuchung der Wirkung von verschiedenen Maßnahmen auf die Wasserqualität der Spree. Die Projektergebnisse befähigen letztendlich die Entscheidungsträger, weitergehende Maßnahmen zur Mischwasserspeicherung unter Kosten-Nutzen-Gesichtspunkten zu planen.

Als Teilnehmer erwarten wir u.a. Dr. Georg Grunwald (Technischer Vorstand Berliner Wasserbetriebe), Dr. Birgit Fritz-Taute (Leiterin des Referats Wasserrecht, Wasserwirtschaft und Geologie in der Senatsverwaltung für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz), Xavier Chazelle (stellv. Forschungsdirektor Veolia Environnement) und Ludwig Pawlowski (Geschäftsführer Kompetenzzentrum Wasser Berlin).
Medienvertreter sind herzlich eingeladen.

Weitere Informationen:
http://www.kompetenz-wasser.de/MIA-CSO.466.0.html?&L=0&type=title%3DCont...

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Konditionstraining statt Schonen: Trainingsmethoden für Rheumatiker

Jens Müller M.A., Medizinische Fakultät / UKH
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Konditionstraining statt Schonen: Rehamediziner der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie zweier Rehakliniken erprobten neue Trainingsmethoden für Rheumatiker. Diese könnten einen Paradigmenwechsel in der Bewegungstherapie für Rheumatiker bedeuten.
Durch ein Konditionstraining können Rheumakranke ihre Leistungsfähigkeit stärker verbessern als bei einer Standardrehabilitation. Das zeigen erste Ergebnisse einer kontrollierten Studie mit 402 Patienten. In dem Projekt arbeitet das Institut für Rehabilitationsmedizin an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit zwei Rehabilitationskliniken zusammen. Das Team entwickelte ein Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining "KAKo", kombiniert mit einem Motivationstraining. Für diesen umfassenden Ansatz und seine überzeugende Darstellung erhielten die Forscher gerade auf dem Rehawissenschaftlichen Kolloquium der Deutschen Rentenversicherung, dem größten deutschen Rehabilitationskongress, einen Preis.

Die konventionelle Empfehlung bei Rheuma sind schonende Gymnastik und physikalische Anwendungen. Eine Arbeitsgruppe um Institutsleiter Professor Dr. Wilfried Mau aus Halle verordnete den Rehabilitanden dagegen ein anspruchsvolles Sportprogramm: Dreimal wöchentlich traten sie zuerst für 30 Minuten auf dem Ergometer in die Pedale. Danach durchliefen sie zusammen ein halbstündiges Zirkeltraining mit Kraft- und Koordinationsübungen. Zum Abschluss folgten Spiele wie Federball oder Softball. Fragen der Versorgung chronisch Kranker, wie die Weiterentwicklung der Rehabilitation bei entzündlich-rheumatischen Leiden, gehören zu den Forschungsschwerpunkten des Instituts für Rehabilitationsmedizin an der Medizinischen Fakultät.

Das Sportprogramm kam bei den zumeist an chronischer Polyarthritis (Gelenkrheuma) sowie an Spondyloarthritis (Wirbelsäulenrheuma) leidenden Patienten erstaunlich gut an. Sie hatten auch Spaß am Training in den festen Gruppen. "Etwa 80 Prozent der Teilnehmer fanden die Behandlung 'gerade richtig' und etliche sogar 'noch zu wenig'", berichtete das Projektteam auf dem 19. Rehawissenschaftlichen Kolloquium in Leipzig. "Ich habe gar nicht gewusst, was ich doch noch alles kann", zitierte Mau eine typische Äußerung von Patienten, zu zwei Dritteln Frauen. Die Altersspanne reichte von 18 bis 60, wobei das Durchschnittsalter bei 48 Jahren lag.

Leistungsfähigkeit deutlich gestiegen
Die Ergebnisse am Ende des stationären Aufenthalts, dem zweiten von fünf Messzeitpunkten, belegten, dass die "KAKo"-Teilnehmer signifikant mehr für ihre körperliche Funktionsfähigkeit und ihr seelisches Wohlbefinden erreichten als die entsprechende Kontrollgruppe. Gemessen wurde dies unter anderem mit dem SF-36 Health Survey, der acht Dimensionen der subjektiven Gesundheit und zwei Summenscores erfasst.

Bewegungspläne für den Alltag
Um die Effekte möglichst nachhaltig zu sichern, erhielten die Teilnehmer außerdem eine handlungsorientierte Motivationsschulung: Dabei planen die Betroffenen konkret, welche Aktivitäten sie wann und wo zu Hause fortführen wollen. Auch werden im Voraus Strategien gegen mögliche Hinderungsgründe entworfen. Diese Methoden haben sich anderweitig bereits bewährt, um die willentliche Verhaltenssteuerung ("Volition") zu stützen und so das typische Handlungsloch, das oft zwischen gutem Vorsatz und Praxis klafft, zu überwinden.

KAKo in Rehaklinik eingeführt
Das Projekt, das im Rahmen des Förderschwerpunkts "Chronische Krankheiten und Patientenorientierung" von der Deutschen Rentenversicherung und dem Bundesministerium für Bildung Forschung finanziert wird, läuft noch bis zum Jahresende weiter, um auch die langfristige Wirkung bis ein Jahr nach Klinikaufenthalt auszuwerten. Im beteiligten Rehazentrum der Deutschen Rentenversicherung in Bad Eilsen wurde das "KAKo"-Training schon in die Routine übernommen. Dabei kann man sich auch auf Erkenntnisse niederländischer Forscher stützen: Diese hatten 2003für eine zweijährige ambulante Trainingszeit festgestellt, dass sich "regelmäßige intensive Bewegungs- und Sportaktivitäten positiv auf die körperliche und psychische Verfassung der Patienten auswirken." Es kam auch nicht zu Gelenkschäden oder vermehrten Krankheitsschüben.

Posterpreis für das Forschungsprojekt
Auf dem Rehawissenschaftlichen Kolloquium der Deutschen Rentenversicherung in Leipzig würdigte die Jury "den untersuchten Ansatz, die Nachhaltigkeit der Rehabilitation mit einem umfassenden Programm unter Berücksichtigung motivationaler Aspekte weiter zu erhöhen". Auch die kontrollierte Durchführung der Studie und die ansprechende Darstellung der Thematik trugen zu dem positiven Votum bei, so Dr. Hans-Günter Haaf von der wissenschaftlichen Kongressleitung.

Text: Leonie von Manteuffel, manteuffel@pressethema.de

Kontakt zur Projektleitung:
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Medizinische Fakultät
Institut für Rehabilitationsmedizin
06112 Halle (Saale)
wilfried.mau@medizin.uni-halle.de

Weitere Informationen:
http://www.rehamedizin.uni-halle.de
http://www.forschung-patientenorientierung.de >Projekte >Modul 2 >Rehaoptimierung
http://www.deutsche-rentenversicherung.de/rehakolloquium >Tagungsband S.348-350, 370-371

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Ötzis Schönheitsgeheimnis - Gefriergetrocknet für 5300 Jahre

Luise Dirscherl, Stabsstelle Kommunikation und Presse
Ludwig-Maximilians-Universität München

5300 Jahre Einschluss im Gletscher konnten dem wichtigsten Bestandteil im Bindegewebe des Tiroler Eismenschen "Ötzi" nichts anhaben. Wissenschaftler der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München zeigten gemeinsam mit Kollegen der European Research Academy (EURAC) in Bozen, dass das Kollagen der Mumie und das Kollagen einer frischen Hautprobe weitgehend identisch sind.
Grund für die ungewöhnlich gute Konservierung scheint die jahrtausendelange Gefriertrocknung des Ötzi im Gletschereis zu sein. In ihrer neuesten Veröffentlichung präsentiert die Arbeitsgruppe von PD Dr. Robert Stark, Department für Geo- und Umweltwissenschaften der LMU und Mitglied des Exzellenzclusters Nanosystems Initiative Munich (NIM), Untersuchungen zum Aufbau einzelner Kollagenmoleküle, zur Struktur von Molekülbündeln, den Kollagenfasern, sowie deren Elastizität. (Proceedings of Royal Society B online, 31. März 2010)

Während sich die oberste Hautschicht der Gletschermumie in den Jahrtausenden weitgehend zersetzt hat, sind die darunter liegenden Kollagenfasern des Bindegewebes nahezu unverändert erhalten geblieben. Drei 5 x 5 mm große Hautstücke der Mumie standen den Wissenschaftlern für ihre Tests zur Verfügung. Zum Vergleich untersuchten sie frisches Hautgewebe eines Mannes der etwa im gleichen Lebensalter war wie der Eismensch Ötzi.

Dabei richteten sie ihren Blick mit Hilfe eines Rasterkraftmikroskopes zunächst auf die äußere Struktur einzelner Kollagenfasern. Kollagen ist ein hierarchisch aufgebautes Protein, das aus drei ineinander verwundenen Tropokollagen-Molekülen besteht. Mehrere dieser rund 300 Nanometer (nm) langen Kollagenmoleküle bilden zusammen eine Kollagenfibrille. Die Kollagenmoleküle sind parallel leicht zueinander versetzt angeordnet wodurch ein charakteristisches, sich alle 67 nm wiederholendes Bänderungsmuster entsteht. Dieses Muster ließ sich sowohl im frischen Gewebe als auch in der Probe des Ötzi in identischer Form wiederfindet. Mittels Raman-Spektroskopie untersuchten die Wissenschaftler anschließend den Aufbau einzelner Kollagenmoleküle. Auch hier stimmten die Messergebnisse der frischen und der 5300 Jahre alten Proteine überein.

Einen Unterschied konnten die Wissenschaftler jedoch feststellen: Die Kollagenfasern der Mumie sind nicht mehr so elastisch wie die aus frischem Gewebe. Um diese Materialeigenschaft zu testen, drücken sie die knapp 50 nm dünne Spitze eines Rasterkraftmikroskopes mit einer definierten Kraft auf eine einzelne Faser und heben sie wieder ab. Die Tiefe des dabei entstehenden Abdruckes zeigt, wie elastisch das Testmaterial ist. Im Fall der Kollagenfasern des Eismenschen ergab sich ein Eindruck von 0,5 nm, bei den frischen Fasern waren es 0,7 nm. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Austrocknung des Gewebes die Ursache für diese Versteifung ist. Denn frühere Arbeiten haben gezeigt, dass durch Dehydrierung neue Bindungen (Wasserstoffbrückenbindungen) zwischen Proteinen geknüpft werden, was die Elastizität der Fasern einschränkt. (NIM)

Publikation:
"Nanostructure and mechanics of mummified type I collagen from the 5300-year-old Tyrolean Iceman"
Marek Janko, Albert Zink, Alexander M. Gigler, Wolfgang M. Heckl, and Robert W. Stark
Proceedings of Royal Society B online, 31. März 2010
doi:10.1098/rspb.2010.0377

Ansprechpartner:
PD Dr. Robert W. Stark
Department für Geo- und Umweltwissenschaften
Sektion Kristallographie
Telefon: +49 (0) 89 / 2180 - 4329
Fax: +49 (0) 89 / 2180 - 4334
E-Mail: stark@lmu.de
Web: www.nanobiomat.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Internet-Selbsthilfetraining für Tinnitusbetroffene

Petra Giegerich, Kommunikation und Presse
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Unis in Mainz und Linköping starten im April bundesweite Studie zur Untersuchung eines internetbasierten Selbsthilfetrainings bei Tinnitus
Es pfeift, es klingelt, es rauscht - und es kann sehr belasten. Etwa 10 Prozent der Bevölkerung erleben irgendwann in ihrem Leben Ohrgeräusche. Oft wird der Tinnitus nach einem Weilchen kaum noch wahrgenommen, manchmal entsteht daraus aber eine erhebliche Beeinträchtigung. Allein in Deutschland leiden nach einer Studie der Deutschen Tinnitus-Liga etwa 1,5 Millionen Menschen stark unter chronischem Tinnitus. Wissenschaftler aus Mainz und dem schwedischen Linköping untersuchen nun, wie den Betroffenen mit einem Selbsthilfetraining via Internet geholfen werden kann. Interessenten können ab April an der Studie teilnehmen. Die beiden Forschungspartner - die Abteilungen für Klinische Psychologie der Universitäten in Mainz (Leiter Prof. Dr. Wolfgang Hiller) und in Linköping (Leiter Prof. Gerhard Andersson) - gehören zu den führenden Forschungseinrichtungen im Bereich Tinnitus und verfügen über langjährige Erfahrungen und Expertise in der Erforschung neuer Behandlungsansätze.

Bei der Behandlung des chronischen Tinnitus geht es nicht um die Heilung des Tinnitus, sondern vielmehr um eine bessere Bewältigung der Ohrgeräusche. Verschiedene psychotherapeutische Ansätze zur Verringerung der Tinnitusbelastung wurden bereits entwickelt und deren Wirksamkeit konnte in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen werden. Dennoch erhalten viele Tinnitusbetroffene keine solche psychotherapeutische Behandlung, was langfristig zu einer weiteren Verstärkung der Tinnitusbelastung beitragen kann. Gründe für die fehlende Behandlung liegen vor allem darin, dass insgesamt sehr wenige ambulante Psychotherapieplätze für Tinnitusbetroffene zur Verfügung stehen. Gerade in ländlichen Regionen sind im ambulanten Bereich entweder gar keine Psychotherapieplätze vorhanden oder es muss mit extrem langen Wartezeiten gerechnet werden. Diese Zugangsschwierigkeiten zu ambulanter Psychotherapie zeigen sich jedoch nicht nur in Deutschland, sondern gleichermaßen in anderen Ländern, was mit zur Entwicklung von internetbasierten Ansätzen zur Behandlung verschiedener psychischer Störungen beigetragen hat. Die Arbeitsgruppe um Prof. Gerhard Andersson von der Universität Linköping ist in der Entwicklung von internetbasierten Selbsthilfeansätzen führend und konnte ausgesprochen deutliche Erfolge, aber auch eine hohe Akzeptanz der entwickelten Selbsthilfeprogramme bei den Patienten nachweisen.

Tinnitusbetroffene aus ganz Deutschland haben nun ab April 2010 die Möglichkeit, an einer Studie teilzunehmen, in der die Wirksamkeit eines solchen internetbasierten Selbsthilfetrainings zur Verringerung der Tinnitusbelastung untersucht wird. Dazu wurde ein in Schweden entwickeltes Behandlungsprogramm von den Wissenschaftlern der beteiligten Abteilungen in Mainz und Linköping weiterentwickelt und für den Einsatz in Deutschland angepasst. Die Vorstudien der schwedischen Arbeitsgruppe zeigen, dass Teilnehmer des Programms eine deutliche Verringerung der Tinnitusbelastung erreichen konnten.

Die gesamte Behandlung basiert auf einem Selbsthilfetraining, das über das Internet angeboten wird. Dabei erhalten die Betroffenen viele Informationen zu Tinnitus und den damit einhergehenden Problemen. In jeder Trainingswoche erlernen die Betroffenen Strategien, wie sie besser mit ihrem Tinnitus umgehen können und die tinnitusbedingte Belastung selbst reduzieren können. Das Selbsthilfetraining erfordert Eigeninitiative des Tinnitusbetroffenen und selbstständiges, aktives Arbeiten an den eigenen Problemen. Da frühere Studien zeigen konnten, dass Selbsthilfeansätze dann am wirkungsvollsten sind, wenn sie mit regelmäßigen Kontakten mit einem Therapeuten kombiniert werden, werden die Studienteilnehmer über E-Mail regelmäßig von einem Therapeuten betreut und in der Durchführung des Trainings unterstützt. Das Selbsthilfetraining läuft über circa 10 Wochen und ist für die Teilnehmer kostenfrei.

Die Behandlung richtet sich an Tinnitusbetroffene, die seit mindestens sechs Monaten Tinnitus haben und sich durch den Tinnitus gestört, belastet und im alltäglichen Leben beeinträchtigt fühlen. Betroffene, die an der Studie teilnehmen möchten, erhalten auf der Studien-Website http://www.kbt.info/titus/ weitere Informationen und können ab sofort dort Ihr Interesse an einer Studienteilnahme anmelden. Studienleiter sind Dr. Cornelia Weise in Linköping und Prof. Dr. Wolfgang Hiller in Mainz.

Kontakt und Informationen:
Dr. Cornelia Weise
Department of Behavioural Sciences and Learning
Linköping University
58183 Linköping, Schweden
E-Mail: cornelia.weise@liu.se

Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Hiller
Psychologisches Institut
Abt. Klinische Psychologie und Psychotherapie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Weitere Informationen:
http://www.ibl.liu.se/?l=en
http://www.klinische-psychologie-mainz.de
http://www.kbt.info/titus/ (Tinnitus-Studie)

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Europa könnte bis 2050 komplett mit Strom aus Erneuerbaren Quellen versorgt werden

Uta Pohlmann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Wenn ein leistungsfähiges europäisches Fernübertragungsnetz und ein vereinter Elektrizitäts-Binnenmarkt geschaffen werden und mit ähnlichen Netzen und Märkten in Nordafrika verbunden werden, können bis zur Mitte des Jahrhunderts Erneuerbare Energieträger in großem Maßstab genutzt werden. Das geht aus einem in der vergangenen Woche von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers veröffentlichten Bericht hervor. Eine Gruppe von Energie- und Klimaexperten des Unternehmens hatte gemeinsam mit Wissenschaftlern vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), dem International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) und dem European Climate Forum mögliche Transformationen des europäischen und nordafrikanischen Stromsektors untersucht. Die Umstellung auf Erneuerbare könnte Energiesicherheit bieten, die Stromerzeugung dekarbonisieren und Energiearmut verringern, heißt es in dem Bericht.

Zum ersten Mal wurde mit dem Gutachten eine Roadmap für die Umstellung des europäischen und nordafrikanischen Strommarktes auf einhundert Prozent Erneuerbare Energien bis 2050 erstellt. Dazu untersuchten die Forscher den Markt hinsichtlich der notwendigen finanziellen, infrastrukturellen und regierungspolitischen Meilensteine für politische Entscheidungsträger und Unternehmen.

Die Roadmap umfasst die vier wichtigsten Handlungsbereiche Politik, Märkte, Investitionen und Infrastruktur. Politische Führung wird als wichtigstes Element erachtet. Sie kann für einen langfristigen ordnungspolitischen Rahmen sorgen, der Investitionen fördert und den Aufbau der notwendigen Versorgungskette und Netzinfrastruktur ermöglicht.

Gus Schellekens von PricewaterhouseCoopers sieht Europa und andere Weltregionen an einem Scheideweg, an dem sich die Gelegenheit bietet, großräumig Erneuerbaren Strom zu gewinnen. "Mit Strom aus sauberen und erschwinglichen Energiequellen hat man in den vergangenen 150 Jahren zwar geliebäugelt, aber sie nie konsequent nutzbar gemacht. Das könnte sich jetzt ändern", sagt Schellekens.

Das Gutachten benennt als wichtigste Schritte bis 2050:

* Entwicklung europaweiter Business Cases für Erneuerbaren Strom bis 2015 sowie Netzinfrastrukturprojekte auf europäischer Ebene mit langfristigen Zielen für Erneuerbare Energien und Klimaschutz
* Aufbau großer Kapazitäten zur Stromübertragung ab 2015, um die Potenziale von Wind und Sonne effizient zu nutzen
* Abbau von Subventionen für fossile Brennstoffe bis 2020 und Entwicklung eines strategischen Zeitplans für den Ausstieg aus den Finanzhilfen für Erneuerbare Energien
* Festlegung von Zielen für Erneuerbare Energien für Nordafrika bis 2020
* Schaffung eines europäischen Binnenmarktes für Strom bis 2020
* Strategische Stilllegung von fossilen Kraftwerken in der EU und in Nordafrika ab 2030, um ihre Leistung bis 2040 durch Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien zu ersetzen.

Die Wissenschaftler sehen Bedarf für ein länderübergreifendes Stromnetz in Europa. Ein so genanntes SuperSmart Grid könnte, unabhängig davon, wann und wo der Strom erzeugt wird, die komplette Integration Erneuerbarer Energiequellen ins Stromnetz ermöglichen. Dadurch wäre sowohl für den in Elektrizitätswerken als auch dezentral erzeugten Strom ein effizientes Lasten- und Nachfragemanagement gewährleistet.

Das Gutachten bestätigt, dass alle Voraussetzungen gegeben sind, mit der Umstellung zu beginnen: Die Technologie ist vorhanden und die Potenziale Erneuerbarer Energiequellen und ihrer Speicherung sind bekannt. Auch die Notwendigkeit, die Kapazitäten für den Stromtransport stark zu erweitern sowie die Rollen dezentraler Stromerzeugung und der Energieeffizienz sind vollständig erkannt.

Europa und Nordafrika hätten gemeinsame Interessen, heißt es im Gutachten. Die Entwicklung stabiler Kooperationen für die großräumige Nutzung Erneuerbarer Energien könne die Abhängigkeit von Energieimporten verringern und wechselseitige Beziehungen zwischen Europa und seinen afrikanischen Nachbarn stärken.

"Klimawandel erfordert ambitionierte Visionen und eine enge Zusammenarbeit auch über Grenzen und Barrieren hinweg, die wir vorher nicht gesehen haben", sagt Antonella Battaglini vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). "Wenn wir die Kunst des Machbaren nicht ausschöpfen, werden wir die wichtigen politischen Entscheidungen dafür nicht unterstützen können, die eher heute als morgen getroffen werden müssen", fügt Battaglini hinzu. Die Studie sei ein Meilenstein der Bemühungen, den gordischen Knoten der Politik zu lösen und gangbare Lösungswege für eine sichere und kohlenstoffarme Stromversorgung der EU zu finden.

Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft kann der Bericht als Leitfaden dienen, das "2050-Szenario" schrittweise zu erreichen. In einem vollständig auf Erneuerbare umgestellten Europa würden veränderte Bedingungen für Konsumenten und Unternehmen herrschen. Neben höherer Preisstabilität erhielten Verbraucher mehr Macht durch wirksamere Technologien des Nachfragemanagements. In nordafrikanischen Ländern würde die zuverlässige Bereitstellung von Solarenergie die Grundlage für eine umfassende soziale und wirtschaftliche Entwicklung schaffen.

Download des Gutachtens:

Vollversion: http://www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/dateien/100_percent_renew...

Executive Summary: http://www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/dateien/1003_renewable-vi...

Zur Mitteilung von PricewaterhouseCoopers (englisch): http://www.ukmediacentre.pwc.com/News-Releases/Come-sun-rain-or-high-wind-Europe...

Weitere Statements zum Gutachten (nur in englischer Sprache):

Anthony Patt, International Institute for Applied Systems Analysis: "The combination of increased demand for electricity and security of supply is a very powerful driver of major power sector change in Europe and worldwide. The study and the roadmap have been formulated to stimulate a debate about energy and climate change policy possibilities in Europe."

Richard Gledhill, PricewaterhouseCoopers LLP: "Decarbonising the power sector to meet climate change goals is likely to require big increases in renewables and nuclear, as well as the deployment of carbon capture and storage at commercial scale. What the study demonstrates is the reality of the game changing policy and business decisions we will have to make, whatever our energy mix. But it also de-bunks some of the conventional criticisms of large scale renewables. It is a challenging vision, but it shows how geographic and technological diversification can help address cost and security of supply concerns. Integration with North Africa would unlock allow Europe to huge additional solar capacity. This would require a sustained partnership and the development of closely linked energy policies going forward, but it could pay big dividends in terms of regional development, sustainability and security."

Hinweise an die Redaktionen:

- Der Bereich Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energiequellen ist in den Mitgliedsstaaten der EU unterschiedlich stark gewachsen. Dänemark und Deutschland verzeichnen sehr hohe Wachstumsraten von rund 60 bzw. 80 Prozent seit 2000. In Frankreich und Österreich fällt die Wachstumsrate aufgrund steigender Stromnachfrage und stagnierender Erzeugungskapazitäten aus Erneuerbaren negativ aus.

- Die europäische Windkraftkapazität ist in den letzten 15 Jahren um durchschnittlich 25 Prozent pro Jahr gewachsen.

- Die Treibhausgasemissionen des europäischen Stromsektors sind in den 1990er Jahren gesunken, aber danach wieder gestiegen. Sie sind heute nur etwa fünf Prozent niedriger als 1990.

- Europa importiert heute mehr als die Hälfte der Brennstoffe für den Strom- und Energiesektor; dieser Anteil könnte bis 2030 auf mehr als zwei Drittel anwachsen.

- Fast alle europäischen und nordafrikanischen Länder hängen vom Import fossiler und nuklearer Brennstoffe für die Stromerzeugung ab, vor allem Erdgas, Kohle und Uran. Nur Polen, Tschechien, Algerien und Libyen können sich selbst versorgen.

Kontakt:

PricewaterhouseCoopers LLP
Rowena Mearley, Corporate media relations, PricewaterhouseCoopers LLP
Tel: +44 (0)213 47 27, Mobile: 07952 715739, E-Mail: rowena.mearley@uk.pwc.com, http://www.pwc.co.uk/

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)
Uta Pohlmann, Patrick Eickemeier, PIK Pressestelle
Tel. : +49 (0)331 288 25 07, E-Mail : presse@pik-potsdam.de, http://www.pik-potsdam.de/

International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA)
Leane Regan, Communications Department, The International Institute for Applied Systems Analysis, Tel: +43 2236 807 316, E-Mail: regan@iiasa.ac.at, http://www.iiasa.ac.at/

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Krankenkassen: Kfz-Versicherung zum Vorbild nehmen

Dieter Hintermeier, Pressestelle
accadis Hochschule Bad Homburg

"Alle reden von sozialer Gerechtigkeit, aber die jetzige Kostenverteilung im deutschen Gesundheitssystem ist die ungerechteste, die es gibt". Um hier Abhilfe zu schaffen, hält Professor Dr. Florian Pfeffel, Wirtschaftswissenschaftler an der accadis Hochschule Bad Homburg, die Einführung einer "Kopfpauschale" im Gesundheitssystem für den richtigen Weg, die Kosten in diesem Bereich zu senken.
Mit der Einführung einer so genannten "Kopfpauschale" will Gesundheitsminister Rösler dafür sorgen, dass alle Krankenversicherten, unabhängig von ihrem Einkommen, den gleichen Beitrag an ihre Krankenkassen zahlen.

Pfeffel verweist darauf, dass durch die Festlegung einer Bemessungsgrenze für die gesetzliche Krankenversicherung - aktuell liegt diese bei circa 50.000 Euro jährlich - die "Reichen" nicht an der Solidargemeinschaft der Krankenkassen beteiligt werden. "Sie leisten also keinen Beitrag für die sozial Schwachen im Gesundheitssystem", sagt er.

Für den Ökonomen könnte die "Kopfpauschale" ein erster Schritt sein, die Kosten im Gesundheitssystem zu senken. "Der größte Treiber zur Reduzierung der Kosten im Gesundheitswesen wären aber letztlich die Wahltarife mit Selbstbeteiligung", meint Pfeffel und führt die Kfz-Versicherung als Beispiel an. "Auf diesem Markt gibt es eine Vielzahl privater Anbieter mit einer Vielzahl von Produkten. Und was besonders wichtig ist - zum Abschluss dieser Versicherung ist der Kfz-Halter verpflichtet". Dieses "Organisationsmodell", so Pfeffel, könnte auch auf die Krankenkassen übertragen werden.
Weitere Informationen:
http://www.accadis.com

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Hormonerkrankungen durch Weichmacher

Medizin - Kommunikation, Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Leipzig - Weichmacher für Kunststoffe - die sogenannten Phthalate - kommen immer noch in hohen Konzentrationen in vielen Medizinprodukten und Medikamenten vor, obwohl es Hinweise auf schädliche Wirkungen beim Menschen gibt. Durch ihre hormonelle Wirkung können genitale Fehlbildungen oder Unfruchtbarkeit bei Männern die Folge sein. Die schädlichen Wirkungen von Phthalaten aus Medizinprodukten war ein Thema auf dem 53. Symposion der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) in Leipzig.
"Phthalate können durch Kontakt mit Blut oder Infusionslösungen leicht aus dem Kunststoff herausgelöst werden, da sie nicht fest an diesen gebunden sind", sagt Dr. rer. nat. Holger M. Koch vom Kompetenz-Zentrum Toxikologie des Instituts für Prävention und Arbeitsmedizin der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung in Bochum. So können beispielsweise Frühgeborene in intensivmedizinischer Behandlung, bei der eine besonders große Zahl an Infusionen notwendig ist, Di(2-ethylhexyl)phthalat (DEHP) in Konzentrationen aufnehmen, die in Tierversuchen schädlich wirken. Magensaft-resistente Kapselüberzüge oder Nahrungsergänzungsmittel können Dibutylphthalat (DBP) enthalten. Nehmen Schwangere solche Präparate ein, kann dies bereits im Mutterleib zu Störungen der sexuellen Entwicklung von männlichen Nachkommen führen: Phthalate beeinflussen die Testosteron-gesteuerten Entwicklungsstufen negativ, indem sie seine Synthese stören. Die Folge im Erwachsenenalter kann eine verminderte oder fehlende Fruchtbarkeit der betroffenen Männer sein.

Phthalate werden in großen Mengen industriell erzeugt und als Weichmacher für Kunststoffe wie PVC oder synthetisches Gummi verwendet. Bei bestimmten Phthalaten gibt es Hinweise auf schädliche Wirkungen beim Menschen. Diese sind von der EU in Kosmetika oder Kinderspielzeug verboten. In Lebensmittelverpackungen sind inzwischen geringere Grenzwerte als früher vorgeschrieben. In vielen Medizinprodukten wie Blutbeuteln, Infusionsbeuteln, Schläuchen oder Kathetern sind jedoch nach wie vor hohe Konzentrationen von 30 bis 40 Prozent enthalten. Sie beeinflussen das menschliche Hormonsystem und gehören deshalb zu den sogenannten Endokrinen Disruptoren.

Mehrere deutsche und US-amerikanische Studien haben bereits endokrin aktive Phthalate im menschlichen Urin der Allgemeinbevölkerung nachgewiesen. "Die aufgenommenen Mengen übersteigen zum Teil die empfohlenen Obergrenzen", betont Koch. Zudem zeigen aktuelle Studien der amerikanischen Umweltbehörde (US EPA), dass sich unterschiedliche Phthalate auch in geringerer Konzentration in ihrer schädigenden Wirkung addieren.

"Wichtig angesichts dieser Erkenntnisse ist, dass Phthalat-haltige Medizinprodukte durch Phthalat-freie ersetzt werden", fordert Professor Dr. med. Helmut Schatz, Mediensprecher der DGE, Bochum. In Kürze ist es zumindest möglich, DEHP-haltige Medizinprodukte zu erkennen: Sie müssen EU-weit ab dem 21. März 2010 gekennzeichnet werden. Auf Grund der potenziell schädigenden Wirkung sollten Kliniken auf Medizinprodukte umstellen, die kein DEHP oder DBP enthalten.

Vortrag:
Phthalates - Insights from Human Biomonitoring
Dr. Holger M. Koch
53. Symposion der DGE vom 3. bis 6. März 2010
Ort: Congress Center Leipzig (CCL)
http://www.dge2010.de

Weitere Informationen:
http://www.dge2010.de
http://www.endokrinologie.net

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wie aus Fäkalien blühende Landschaften werden

Franz-Georg Elpers, Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

DBU fördert Projekt der Universität Leipzig - Herstellung von Terra Preta aus Klärschlamm
Leipzig. Ihre Kultur ist längst verschwunden. Ihre Methode, fruchtbare Schwarzerdeböden herzustellen, wird nach Tausenden von Jahren wieder entdeckt: Fäkalien, Holzkohle und Küchenabfälle sind die Zutaten, mit denen indigene Völker aus dem Amazonasgebiet ihre Terra Preta (schwarze Erde) entwickelten. Eine Technik, die sich die Wissenschaft hierzulande jetzt zu Eigen macht: Die Universität Leipzig untersucht in einem Forschungsprojekt, wie sie aus fäkalen Abfällen von Tierkliniken die nährstoffreichen schwarzen Böden gewinnen kann. "Wir machen uns ein altbewährtes Verfahren zu Nutze, um mit Keimen, Antibiotika und Holspänen versetztes Material umweltschonend zu entsorgen und in ein ertragreiches Produkt zu wandeln", erklärt Prof. Dr. Monika Krüger vom Institut für Bakteriologie und Mykologie. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert mit knapp 45.000 Euro.

"Das Konzept soll auch auf andere Entsorgungssysteme übertragen werden, um etwa Klärschlamm besser verwerten zu können", sagt DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde. 200 bis 300 Liter Klärschlamm fallen laut Bildungs- und Demonstrationszentrum für dezentrale Abwasserbehandlung (BDZ) im Jahr durchschnittlich pro Einwohner in deutschen Kleinkläranlagen an. Das Material ist durch Rückstände von Medikamenten und möglichen Infektionserregern belastet. Klärschlamm als Dünger zu nutzen, unterliegt strengen Vorschriften und ist nicht unumstritten. Der darin enthaltene Kohlenstoff und die Nährstoffe müssen deshalb oft energie- und kostenintensiv beseitigt werden.

Für das Institut für Bakteriologie und Mykologie der Universität Leipzig gehen damit wichtige Wertstoffe verloren. Es will am Beispiel der fäkalen Abfälle aus den Kliniken der veterinärmedizinischen Fakultät untersuchen, wie Fäkalschlämme aus dezentralen Kleinkläranlagen umweltschonend von ihren Schadstoffen befreit und gleichzeitig produktiv genutzt werden können. "Dadurch lassen sich regionale Stoffkreiskreisläufe wieder besser schließen", betont Krüger.

Das Ziel: die Herstellung von Terra Preta - dem Boden, der schon vor Jahrtausenden von Jahren das sonst weniger ertragreiche Amazonasgebiet fruchtbar machte. Aufgrund ihres hohen Gehalts an organischem Kohlenstoff ist die Terra Preta sehr fruchtbar, kann große Menge an Wasser speichern und regeneriert sich zudem sehr schnell. Pflanzen gedeihen auf ihr besonders gut. "Die Landwirtschaft erzielt so höhere Erträge und bessere Einkommen. Unfruchtbares Land kann wieder fruchtbar gemacht werden. Bei schrumpfenden Anbauflächen und wachsender Weltbevölkerung ist das für die Nahrungsmittelproduktion der Zukunft weltweit von Bedeutung", so Krüger. "Das Projekt steigert so die Ressourceneffizienz und stärkt sowohl Klimaschutz als auch Ernährungssicherung", betont DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde.

Das Institut für Bakteriologie und Mykologie verfolgt einen mehrstufigen Umwandlungsprozess: "Zunächst lagern wir die Fäkalienabfälle der Tierklinik zusammen mit Holzkohle und Grünabfällen ohne die Zufuhr von Sauerstoff in geschlossenen Behältnissen für drei Wochen ein", erklärt Krüger. "Während dieses Gärprozesses entstehen Säuren und andere antimikrobielle Substanzen." Gesundheitsgefährdende Stoffe ließen sich so auf ein unwirksames Maß verringern und Infektionsketten unterbrechen. Danach würden Bodenlebewesen helfen, das Material in fruchtbare Erde umzuwandeln. Das gereifte Substrat wird auf den Versuchsflächen des Lehr- und Versuchsgut der Veterinärmedizinischen Fakultät getestet. "Im Mai wollen wir beginnen, dort Mais zu legen. Im Herbst wollen wir ernten und die Versuchsergebnisse auswerten", freut sich die Professorin.

Nach Abschluss des Forschungsprojekts sollt geprüft werden, wie auch aus menschlichen Exkrementen sowie in der Landwirtschaft anfallendem Dung Nährstoffe zurück gewonnen werden können. Das BDZ aus Leipzig hat bereits Interesse bekundet. Es plant, nach erfolgreichem Verlauf des Vorhabens ein Zentrum zur Anwendung der Terra Preta-Technologie einzurichten. "Abfälle und Abwässer sind wichtige Wertstoffe, die wir mit dem Verfahren wieder in den Wirtschaftskreislauf integrieren können", erklärt Wolf-Michael Hirschfeld, Vorstandsvorsitzender des BDZ. "Somit entsteht ein zukunftsfähiges, kosteneffizientes System, das einen Beitrag zur Flexibilisierung der Ver- und Entsorgungstechnik leistet." Für Brickwedde ließen sich die Ergebnisse auch über das Projekt hinaus auf belastete Böden und Standorte übertragen: "Mit Hilfe dieser umweltschonenden Art, gefährliche Verunreinigungen zu beseitigen, können etwa industrielle Konversionsflächen für den Naturschutz aufgewertet werden."

Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel29928_335.html

(Quelle: Informationsdienst Wissen