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Vom Faulpelz zum Draufgänger - Hechte verhalten sich nicht immer arttypisch
Gesine Wiemer, Pressestelle des Forschungsverbundes Berlin e.V.
Forschungsverbund Berlin e.V.
Gibt es in einem See so viele Hechte, dass das Nahrungsangebot knapp ist, ist es ein Vorteil, wenn sich nicht alle Individuen arttypisch verhalten. Die Pioniere unter den Hechten haben genauso gute Chancen wir ihre konservativen Artgenossen.
In der Berufswelt gibt es viele Strategien, um zum Ziel zu gelangen. Während sich die einen durch Beständigkeit behaupten, trumpfen andere mit ihrem Charisma auf. Bis jetzt ist weitgehend ungeklärt, ob auch bei niederen Wirbeltieren, wie Fischen, unterschiedliche Verhaltensweisen innerhalb einer Art vergleichbare Folgen für das Überleben und den Fortpflanzungserfolg haben. Forscher am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben nun herausgefunden, dass der Raubfisch Hecht in der Lage ist, bei mangelndem Nahrungsangebot alte Gewohnheiten aufzugeben. Ein Team von Freilandfischökologen beobachtete drei unterschiedliche Verhaltenstypen innerhalb einer Hechtpopulation in einem Brandenburger See. Sowohl "faules" Verhalten als auch eine "draufgängerische" Lebensweise führten zu ähnlichem Körperwachstum der einzelnen Individuen. Veränderliche Lebensweisen sind ein Schlüsselprinzip, mit dem Fische auf steigende innerartliche Konkurrenz reagieren und so ihr Überleben sichern.
Normalerweise ist der Hecht (Esox lucius L.) ein geduldiger "Faulpelz". Als Lauerräuber verbringt er seine Zeit am liebsten in von Schilf bewachsenen Uferzonen und wartet, bis ein Beutefisch vorbeikommt. Große Schwimmaktivitäten im offenen Gewässer meidet er für gewöhnlich, so die Lehrbuchmeinung. In dem 25 Hektar umfassenden "Kleiner Döllnsee" im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin hat eine Arbeitsgruppe um den Juniorprofessor Robert Arlinghaus nun zwei weitere, völlig andere Charaktere in ungewöhnlichen Lebensräumen beobachtet.
Ermöglicht wurde die Untersuchung durch den Einsatz moderner Fischortungstechnologie. Insgesamt 20 Tiere wurde mit Peilsendern ausgestattet und ihre Position im Gewässer wiederholt über ein GPS-Gerät bestimmt. Über den Zeitraum von drei Monaten wurde jeder "Proband" einmal in der Woche alle drei Stunden je Tag mindestens einmal geortet. Die Aufenthaltsplätze geben Aufschluss über die Betriebsamkeit, Aktivität und Wahl der Lebensräume: Je öfter die Jäger ihren Standpunkt verändern und je weiter sie sich auf den offenen See hinauswagen, umso aktiver und risikofreudiger sind sie. Denn Hechte, die ihren Unterschlupf im Uferbereich verlassen, laufen Gefahr, kannibalistischen Attacken anderer Konkurrenten zum Opfer zu fallen.
Die Forscher konnten in der natürlichen Hechtpopulation eine erstaunliche Vielfalt von bisher unbekannten Verhaltenstypen feststellen: Der klassische "Schilf-Typ" verbringt die meiste Zeit bewegungslos im Röhricht. Ein aktiverer Artgenosse ist der "Unterwasserpflanzentyp". Dieser hält sich in tieferen Ufergebieten auf, bleibt aber häufig in der Nähe von Unterwasserpflanzenbeständen, die Schutz- und Jagdrevier sind. Gänzlich abweichende Aktionsmuster zeigt der "Opportunist". Vertreter dieser Gruppe wagen sich zur Jagd auf das offene Wasser, nutzen aber meist die sichere Nacht. Die letztgenannte Strategie wurde vermehrt im späteren Verlauf des Jahres an den Tag gelegt, als die Verfügbarkeit von Nahrung im Untersuchungsgewässer immer stärker abnahm. Als regsamere Räuber verbrauchen die Opportunisten im Vergleich zu ihren Mitstreitern aber die meiste Energie. Stellt diese Strategie also ein Nachteil für den Hinterhaltsräuber Hecht dar? Hat er doch in der Entwicklungsgeschichte eine Reihe von Merkmalen ausgebildet, die dem Fisch zwar explosive Attacken, aber kein effizientes Dauerschwimmen ermöglichen.
Die IGB-Wissenschaftler konnten in ihrer Studie überraschender Weise feststellen, dass auch eine radikale Änderung der typischen Lebensweise zu mehr Aktivität insgesamt keine Nachteile für die anpassungswilligen Individuen nach sich zog. Ein für die aktiveren Tiere gesteigerter Energiebedarf bei der Jagd wird vermutlich durch einen höheren Beuteerfolg wieder wettgemacht. Insgesamt zeigen die Tiere aller Verhaltenstypen identische Wachstumsleistungen. Das ist von wesentlicher Bedeutung, da die Körperlänge bei Hechten eng mit der Überlebenswahrscheinlichkeit und der Fruchtbarkeit zusammenhängt. Die Antwort der Hechte auf knappe Ressourcen ist damit klar: Vielfalt statt Einfalt - ein cleveres Prinzip, nicht nur für Fische.
Die beschriebenen Erkenntnisse sind publiziert als KOBLER A., T. KLEFOTH, T. MEHNER, R. ARLINGHAUS. 2009. Co-existence of behavioural types in an aquatic top predator: a response to resource limitation? Oecologia, 161, 837-847.
Wissenschaftskontakt:
Prof. Dr. Robert Arlinghaus
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Müggelseedamm 310
12587 Berlin
Phone +49-(0)30-64181-653
Fax +49-(0)30-64181-750
E-Mail: arlinghaus@igb-berlin.de
Weitere Informationen:
http://www.adaptfish.igb-berlin.de
http://www.igb-berlin.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Spurenstoffe im Wasserkreislauf
Dr.-Ing. Bodo Weigert, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
KompetenzZentrum Wasser Berlin gGmbH (KWB)
Internationale Konferenz in Berlin zu Risiken und Vermeidungsstrategien von Arzneimittelrückständen und hormonaktiven Substanzen im Wasser.
Zusammen mit Veolia Environnement aus Paris organisiert das Kompetenzzentrum Wasser Berlin am 10.2.2010 in Berlin eine internationale Konferenz zu "hormonaktiven Substanzen und Arzneimittelwirkstoffen im Wasserkreislauf".
Die Konferenz hat das Ziel, nach mittlerweile 20 Jahren internationaler Forschung eine Bestandsaufnahme zu liefern.
Welche Risiken lassen sich derzeit für Gewässerorganismen und den Menschen darstellen? Welche technischen Lösungen oder Vermeidungsstrategien sind schon verfügbar oder werden gerade entwickelt, um die Emission von solchen Spurenstoffen in die Umwelt zu vermeiden? Was sagen die Gesetzgeber zu diesem Thema?
Bis heute lässt sich immer noch schwer einschätzen, ob und welche Risiken von diesen in sehr niedrigen Konzentrationen auftretenden meist nicht toxischen Stoffen tatsächlich auf Umwelt und Mensch ausgehen. Im Rahmen der Konferenz werden Wasserfachleute genau solche Fragen aufgreifen und technische Lösungen der weitergehenden Abwasserbehandlung und Trinkwasseraufbereitung diskutieren.
Von 16:30 - 17:30 Uhr wird der Wissenschaftsjournalist Ingolf Baur in einer Podiumsdiskussion zusammen mit Vertretern des Umweltbundesamts, dem Europäischen Wasser- und Abwasserverband EUREAU sowie Wasserwissenschaftlern einen Ausblick hinsichtlich zu erwartender gesetzlicher Vorgaben und weiteren Forschungsbedarf entwickeln.
Die gemeinnützige GmbH Kompetenzzentrum Wasser Berlin ist eine Wasserforschungseinrichtung, die mehrheitlich vom Dienstleistungsunternehmen Veolia Wasser gemeinsam mit den Berliner Wasserbetrieben und der TSB Technologiestiftung Berlin getragen wird. Veolia Wasser gehört zu dem internationalen Umweltdienstleister Veolia Environnement und ist als privatwirtschaftlicher Partner an den Berliner Wasserbetrieben beteiligt.
Weitere Informationen:
http://www.kompetenz-wasser.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Germanophobie in der Schweiz
Dr. Paul Stoop, Informations- und Kommunikationsreferat
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH
WZB-Studie zeigt: Bildung schützt nicht vor Fremdenfeindlichkeit
Deutsche, die in der Schweiz Wohnung und Arbeit gefunden haben, sind nicht sonderlich beliebt. Immer wieder gibt es Debatten in den Schweizer Medien, in denen die Angst vor einer deutschen Übermacht thematisiert wird. Marc Helbling, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), hat jetzt die Hintergründe der Germanophobie untersucht, die nicht nur ein Medienphänomen ist.
Ressentiments gegen die gut ausgebildeten Deutschen, die seit Ende der 1990er Jahre in großer Zahl in die Schweiz eingewandert sind, waren bisher noch nicht sozialwissenschaftlich erforscht. In der Studie "Why Swiss-Germans dislike Germans" von Marc Helbling steht die Stadt Zürich im Mittelpunkt, in der über 26.000 der 330.000 Einwohner aus Deutschland stammen; sie stellen damit die größte Gruppe der Einwanderer. Auf der Unbeliebtheitsskala belegen die Deutschen den vierten Platz nach den Migranten aus Ex-Jugoslawien sowie arabischen und türkischen Einwanderern. Die Deutschen sind unbeliebter als alle anderen Westeuropäer.
Bislang ist man in der Migrationsforschung davon ausgegangen, dass vor allem Migranten angefeindet werden, die aus ganz fremden Kulturkreisen stammen. Doch die Deutschen stoßen trotz kultureller Nähe zur Schweiz auf Ressentiments, weil ihr massiver Zuzug als kulturelle Bedrohung verstanden wird. Helbling weist nach, dass Deutsche anders als Italiener oder Franzosen von den Schweizern als kulturell sehr verschieden wahrgenommen werden - trotz geringer Unterschiede in Sprache und Kultur.
Außerdem gibt es eine ökonomische Seite: Anfeindungen gegen die Deutschen treten auch unter gut ausgebildeten Schweizern auf - und zwar dann, wenn die beiden Gruppen auf dem Arbeitsmarkt akut miteinander konkurrieren, weil sie auf Jobsuche sind oder einen Karrieresprung planen. Das widerlegt die in der Migrationsforschung bislang im Vordergrund stehende These: Je gebildeter Menschen sind, desto weniger fremdenfeindlich sind sie. Auf dem Arbeitsmarkt etablierte Schweizer mit gutem Posten lehnen Deut-sche dagegen weniger ab.
Für die Migrationsforschung ist das Verhältnis zwischen Schweizern und Deutschen deshalb interessant, weil es zeigt, dass auch gut ausgebildete und kulturell angepasste Einwanderer auf Ablehnung stoßen können. Allein durch bessere Ausbildung und kulturelle Integration ist das Problem der Ressentiments gegen Migranten nicht gelöst.
Pressekontakt:
Kerstin Schneider, Referat "Information und Kommunikation", Tel.: 030/25491-510, E-Mail: Kerstin.Schneider@wzb.eu
Weitere Informationen:
http://www.wzb.eu
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Umweltschutz kraftvoll vorantreiben
Martin Ittershagen, Pressestelle
Umweltbundesamt (UBA)
Umweltbundesamt veröffentlicht Jahrespublikation "Schwerpunkte 2010"
Eine Pause beim Umweltschutz darf es nicht geben, trotz der noch spürbaren internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Das Umweltbundesamt (UBA) hält insbesondere weitreichende Kimaschutzmaßnahmen für dringend geboten.
UBA-Präsident Jochen Flasbarth unterstützte nachdrücklich das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 die Treibhausgas-Emissionen um 40 Prozent unter die Werte des Jahres 1990 zu senken und bis zur Mitte des Jahrhunderts eine Emissionsminderung von 80 bis 95 Prozent zu erreichen: "Es gilt jetzt, die Weichen für den notwendigen ökologischen Umbau der Wirtschaft zu stellen. Denn: Eine wirtschaftliche Entwicklung ist ohne Beachtung ökologischer Leitplanken nicht möglich. Gerade im Klimaschutz darf bei diesen Weichenstellungen nicht nur auf kurzfristige Erfolge gesetzt werden. Die Notwendigkeit einer kohlenstoffarmen Wirtschaftsweise erfordert langfristig angelegte Konzepte in der Umwelt-, Energie- und Wirtschaftspolitik." Flasbarth unterstrich die zentrale Bedeutung des Emissionshandels für die Erreichung der gesetzten Klimaschutzziele.
Der Emissionshandel deckt derzeit in Deutschland rund die Hälfte der CO2-Emissionen ab, mindert sie kontinuierlich und hat das Potential, sich zu einem weltweit ökonomisch effizienten und klimaschutzpolitisch integren Instrument zu entwickeln. Ein weiterer Schritt dahin ist die konsequente Harmonisierung des europäischen Emissionshandels. Die Europäische Union (EU) plant, für die dritte Handelsperiode statt der nationalen Budgets ein gemeinschaftsweites Emissionsbudget und die Auktionierung als grundsätzliche Zuteilungsmethode sowie einheitliche Zuteilungsregeln für kostenlose Emissionszertifikate einzuführen.
"Die Europäische Union will den Emissionshandel vereinheitlichen und damit effizienter machen. Dazu gehört auch ein angemessenes europäisches Emissionsminderungsziel. Die bisher zugesagten 20 Prozent Minderung bis 2020 verfehlen die Notwendigkeiten des Klimaschutzes. Richtig wäre eine Minderungsvorgabe von 30 Prozent bis 2020. Damit würden die Europäer ihrer Verantwortung für den Klimaschutz nachkommen", sagte Jochen Flasbarth während der Vorstellung der Jahrespublikation "Schwerpunkte 2010". Sollte die EU sich diesem vernünftigen Weg nicht anschließen, hätte dies Auswirkungen auf die Ausgestaltung des Minderungspfades in Deutschland, führte Flasbarth weiter aus. Die zusätzlichen Anstrengungen zur Erreichung der 40-prozentigen Minderung müssten dann außerhalb des Emissionshandelssektors erzielt werden.
Insgesamt wird der Emissionshandel als Motor der Klimapolitik weiter ausgebaut. Mit Beginn der dritten Handelsperiode ab 2013 werden erstmals neben CO2 auch perfluorierte Kohlenwasser-stoffe und Distickstoffoxid (Lachgas) erfasst. Dies betrifft die chemische Industrie und die Aluminiumindustrie. Bereits 2012 muss der internationale Luftverkehr für seine CO2-Emissionen Emissionszertifikate vorweisen.
Der Verkehrssektor insgesamt sollte stärker zum Klimaschutz beitragen. Rund ein Fünftel der CO2-Emissionen, gut die Hälfte der Stickstoffoxid-Emissionen und der gesundheitsschädlichen Partikelemissionen gehen derzeit auf den Verkehr zurück. Nach Erkenntnissen des UBA muss der Verkehrssektor im Jahr 2020 rund 40 Millionen Tonnen CO2 weniger verursachen als 2005, damit die Bundesregierung ihr Klimaschutzziel erreichen kann. Wesentliche Stützpfeiler einer zukunftsfähigen Mobilität sind neben besserer Technik und mehr Effizienz bei den Fahrzeugen auch neue Konzepte in der Verkehrsplanung, die den Verkehrsaufwand mindern und in umweltverträglichere Verkehrsträger lenken. Gerade beim Güterverkehr, der nach Prognosen des Bundesverkehrsministeriums bis 2025 um fast weitere 50 Prozent gegenüber dem Jahr 2008 wachsen könnte, ist eine Verlagerung von der Straße auf die Schiene notwendig. Dazu müsste verstärkt in den Ausbau des Schienennetzes investiert werden.
Ein weiterer Schwerpunkt der UBA-Publikation ist die Landwirtschaft. Sie ist Mitverursacherin des Klimawandels. Laut Nationalem Inventarbericht trägt sie in Deutschland mit 5,4 Prozent zu den Treibhausgas-Emissionen bei. Wenn der Ausstoß aus Traktoren und Maschinen, umgebrochenem Grünland und entwässerten Mooren sowie die Mineraldüngerproduktion hinzurechnet wird, liegt der Anteil der Landwirtschaft an den Treibhausgas-Emissionen sogar bei 13 Prozent. Nicht zuletzt im eigenen Interesse sollte die Landwirtschaft einen angemessenen Beitrag zur Begrenzung des Klimawandels leisten. Denn: Die Landwirte stehen zunehmend unter Druck, Methoden zu finden, um sich besser an den Klimawandel anzupassen. Auch der Nutzungsdruck auf die Böden steigt. Neben Nahrungsmitteln gewinnen nachwachsende Rohstoffe an Bedeutung. Der Bodenschutz, in der Vergangenheit eher ein "Stiefkind" der Umweltpolitik, muss verstärkt ins Blickfeld rücken. Auch deshalb, weil in Deutschland die Flächeninanspruchnahme für Siedlungen und Verkehr mit all ihren Eingriffen in Natur und Landschaft nicht nennenswert zurückgeht, was ebenfalls zu einem Verlust fruchtbarer Böden führt.
Die Jahrespublikation "Schwerpunkte 2010" ist als Druckfassung kostenfrei erhältlich bei Gemeinnützige Werkstätten Bonn, In den Wiesen 1-3, 53227 Bonn, Telefon 030/18 305 33 55 (zum Ortstarif), E-Mail: uba@broschuerenversand.de.
Der Bericht als Download: http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/mysql_medien.php?anfrage=Kennummer...
Die englische Fassung erscheint in Kürze.
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Schmerzen sind "verlernbar": Spiegeltherapie überlistet das Gehirn
Robin Jopp, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der Ruhr-Universität Bochum - Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Therapie am Bergmannsheil seit fünf Jahren erfolgreich gegen Phantom- und Nervenschmerzen im Einsatz
Phantomschmerzen quälen die meisten Menschen, denen wegen eines schweren Unfalls oder einer Erkrankung ein Arm oder Bein amputiert werden musste. Die Patienten verspüren an der Stelle der amputierten Gliedmaße häufig attackenartige Schmerzen, so, als wenn Arm oder Bein noch vorhanden wären. Ursache ist eine fehlerhafte Anpassung des Gehirns nach der Amputation, die sich in unbegründeten Schmerzempfindungen äußert. Medikamente können Abhilfe schaffen, jedoch dämpfen sie in vielen Fällen nur die heftigsten Schmerzimpulse oder sind für die Patienten wegen starker Nebenwirkungen nicht gut verträglich.
Lernen, das Phantom zu kontrollieren
Deshalb wurden in den letzten Jahren neue Therapien entwickelt: Seit fünf Jahren wird am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil die sogenannte Spiegeltherapie eingesetzt. Dabei setzt sich ein Patient so vor einen Spiegel, dass die amputierte Gliedmaße verdeckt ist. Im Spiegelbild kann er ein Abbild seines vorhandenen Armes beziehungsweise Beines sehen. Es wird ihm die optische Illusion vermittelt, das amputierte Körperteil sei noch vorhanden. Führt er jetzt Übungen mit der gesunden Gliedmaße aus, bekommt er den Eindruck, er könne das "Phantomglied" wieder bewegen und kontrollieren. Dadurch werden im Gehirn jene Zentren aktiviert, die den Phantomschmerz auslösen. "Beim Phantomschmerz ersetzt das Gehirn die fehlenden Signale eines amputierten Körperteils fälschlicherweise durch Schmerz", erklärt Prof. Dr. Christoph Maier, Leitender Arzt der Abteilung für Schmerztherapie am Bergmannsheil. "Mit der Spiegeltherapie können wir diese Fehlanpassung korrigieren: Der Patient lernt, sein Phantomglied zu kontrollieren, wodurch sich auch die Schmerzempfindung deutlich reduzieren lässt."
Über 150 Patienten behandelt
Das spezielle Verfahren, das in Deutschland erstmals im Bergmannsheil eingesetzt wurde, wurde in den fünf Jahren seit seiner Einführung bereits bei über 150 Patienten angewandt. Bei der überwiegenden Zahl zeigte sich bereits nach wenigen Behandlungen eine erhebliche Schmerzlinderung. Dabei haben sich die Erkenntnisse zur Spiegeltherapie und zu den Behandlungsmöglichkeiten in den letzten fünf Jahren deutlich vergrößert. "Bei manchen Patienten wirken Berührungsreize besser, bei anderen führen Bewegungsübungen zum Erfolg," sagt Susanne Glaudo, Ergotherapeutin am Rehabilitationszentrum des Bergmannsheil. "Dabei arbeiten wir mit verschiedenen Materialien wie Steckspielen und Igelbällen, mit denen die Patienten vor dem Spiegel üben können", Gemeinsam mit Prof. Maier hat Susanne Glaudo zwei patentierte Spiegelgeräte entwickelt, mit denen Patienten das Training auch zu Hause durchführen können.
Behandlung ohne Nebenwirkungen
Neben Phantomschmerzen gibt es noch weitere Anwendungsmöglichkeiten der Spiegeltherapie. Dazu gehören beispielsweise Nerven- und Nervenwurzelverletzungen, das sogenannte komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS oder Morbus Sudeck) sowie Schmerzen und Lähmungen durch Schlaganfall. "Der entscheidene Vorteil der Spiegeltherapie sind die fehlenden Nebenwirkungen", sagt Prof. Maier. "Allerdings kommt es darauf an, dass die Therapie unter Anleitung von qualifiziertem Fachpersonal durchgeführt wird." Am Bergmannsheil finden deshalb regelmäßig Veranstaltungen für Therapeuten statt. Die nächste gibt es am 20. Februar 2010 im Bergmannsheil und trägt den Titel "Herausforderung Nervenschmerz".
Weitere Informationen sind im Internet verfügbar unter http://www.bergmannsheil.de.
Über das Bergmannsheil
Das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil - Klinikum der Ruhr-Universität Bochum - repräsentiert den Strukturwandel im Ruhrgebiet wie kein anderes Krankenhaus: 1890 als erste Unfallklinik der Welt zur Versorgung von verunglückten Bergleuten gegründet, zählt es heute zu den modernsten und leistungsfähigsten Akutkliniken der Maximalversorgung. In 22 Kliniken und Fachabteilungen mit insgesamt 622 Betten werden jährlich rund 19.000 Patienten stationär und ca. 60.000 ambulant behandelt. Mehr als die Hälfte der Patienten kommen aus dem überregionalen Einzugsbereich. Weitere Informationen im Internet unter: http://www.bergmannsheil.de.
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Christoph Maier
Leitender Arzt der Abteilung Schmerztherapie
Klinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Palliativ- und Schmerzmedizin
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 0234/302-6366 (Sekretariat)
E-Mail: christoph.maier@rub.de
Susanne Glaudo
Ergotherapeutin am Rehabilitationszentrum
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 0234/302-3285
E-Mail: susanne.glaudo@bergmannsheil.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Kohlmeisen mit Charakter
Dr. Sabine Spehn, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Ornithologie
Ähnlich wie beim Menschen haben Individuen auch bei Tieren unterschiedliche Persönlichkeiten. Ein wichtiger Teil dieser individuellen Unterschiede basiert auf der Variation der zugrunde liegenden Gene. So beeinflusst das so genannte Dopamin Rezeptor D4-Gen das Erkundungsverhalten einer ganzen Reihe von Arten, einschließlich des Menschen und der Vögel. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen haben nun jedoch herausgefunden, dass der Einfluss dieses Gens auf das Verhalten von frei lebenden Kohlmeisen regional schwankt (Molecular Ecology, 09. Februar 2010).
Im Jahr 2007 haben Wissenschafter des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen bei Kohlmeisen ein Gen gefunden, das mit individuellen Unterschieden im Erkundungsverhalten der Tiere zusammenhängt (siehe "Charakter-Gen" macht Meisen neugierig). Vögel mit einer bestimmten Variante des so genannten "Dopamin Rezeptor D4 Gens" (DRD4-Gen) zeigten ein größeres Neugier- und Erkundungsverhalten als Individuen mit anderen Genvarianten. Entdeckt und getestet wurde diese Assoziation an Vögeln, die im Labor aufgezogen wurden.
Nun hat eine große internationale Gruppe von Wissenschaftlern um Bart Kempenaers, Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie, den Test mit erwachsenen Wildvögeln wiederholt. Forschungsgruppen vom "Centre for Terrestrial Ecology" in Heteren (Niederlande), den Universitäten von Antwerpen (Belgien) und Groningen (Niederlande), und dem "Edward Grey Institute of Field Ornithology" in Oxford (England) haben das Explorationsverhalten von insgesamt vier Kohlmeisen-Populationen in Belgien, den Niederlanden und England auf ähnliche Art und Weise gemessen. Sie werteten ihre Daten gemeinsam aus, um die Allgemeingültigkeit der Verbindung zwischen der Genvariation und des Erkundungsverhalten zu testen. "So weit wir wissen, ist das für frei lebende Vögel die umfangreichste Studie von Genvarianten, die persönlichkeitsbezogenen Verhaltensunterschieden unterliegen, und die erste Studie, die verschiedene Wildpopulationen miteinander vergleicht", sagt Peter Korsten, Erstautor und früherer Mitarbeiter der Abteilung Kempenaers.
Ähnlicher Befund bei Meisen und Menschen
Zu ihrer Überraschung haben die Wissenschaftler die Verbindung zwischen Gen und Verhalten in einer Population gefunden, nicht aber in den drei anderen. "Es war wichtig, die Verbindung zwischen den DRD4-Varianten und dem Erkundungsverhalten in der ursprünglich untersuchten Population zu bestätigen" sagt Kempenaers, aber er fügt hinzu: "Wir verstehen noch nicht die Unterschiede zwischen den Populationen." Das Ergebnis spiegelt jedoch die Resultate ähnlicher Forschung über Zusammenhänge zwischen Genen und Persönlichkeit beim Menschen wider: Über 30 Studien bestätigen bisher, dass das DRD4-Gen mit dem Erkundungsverhalten beim Menschen assoziiert ist, aber auch, dass große Unterschiede zwischen Populationen beobachtet wurden. Zahlreiche Studien finden gar keinen Effekt. "Vielleicht bringt die künftige Untersuchung von Kohlmeisenpopulationen auch Erklärungen für die unterschiedlichen Ergebnisse beim Menschen", sagt Peter Korsten. Der Unterschied zwischen den Populationen ist vielleicht nicht so überraschend, wenn man berücksichtigt, dass eine einzelne Genvariante nur eine relativ kleine Wirkung auf das Verhalten hat. Er könnte auch durch den starken Einfluss der Umwelt oder durch den Effekt von anderen - noch unbekannten - Genen erklärt werden. [SP]
Originalveröffentlichung:
Peter Korsten, Jakob Mueller, Christine Hermannstädter, Karen Bouwman, Niels Dingemanse, Piet Drent, Miriam Liedvogel, Erik Matthysen, Kees van Oers, Thijs van Overveld, Samantha Patrick, John Quinn, Ben Sheldon, Joost Tinbergen, Bart Kempenaers: Association between DRD4 gene polymorphism and personality variation in great tits: a test across four wild populations. Molecular Ecology Seiten 832-843, Volume 19, Issue 4 vom 09.02.2010
DOI: 10.1111/j.1365-294X.2009.04518.x
Siehe auch:
Barbara Tschirren and Staffan Bensch: Genetics of personalities: no simple answers for complex traits. Molecular Ecology, Seiten 624-626, Volume 19, Issue 4 vom 09.02.2010
DOI: 10.1111/j.1365-294X.2009.04519.x
Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Ornithologie: "Charakter-Gen" macht Meisen neugierig (02.05.2007)
http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/dokumentation/pressemitteilungen/2007/...
Kontakt:
Dr. Jakob Müller
Abteilung Verhaltensökologie und Evolutionäre Genetik
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen
Phone +49 (0)8157 932 - 312
E-mail: mueller@orn.mpg.de
Prof. Dr. Bart Kempenaers
Abteilung Verhaltensökologie und Evolutionäre Genetik
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen
Phone +49 (0)8157 932 - 334
E-mail: b.kempenaers@orn.mpg.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Intelligente Stromzähler senken Strompreise - Professur für Datenbanken der TU Dresden forscht für billigeren Strom
Mathias Bäumel, Pressestelle
Technische Universität Dresden
In Zeiten steigender Strompreise und hitziger Diskussionen über den Klimawandel haben auch führende Stromversorger den Bedarf nach flexiblen Preismodellen und verstärkter Integration von erneuerbaren Energiequellen - dem sogenannten Ökostrom - erkannt. Deshalb entstehen gegenwärtig zahlreiche Forschungsprojekte zur Entwicklung kundenfreundlicher und umweltschonender Lösungen für den gesamten Lebenslauf von Strom - von seiner Entstehung in Kraftwerken oder Windparks bis hin zu seiner Nutzung durch den Privatkunden.
Seit Januar 2010 ist die Professur für Datenbanken der Fakultät Informatik an einem solchen Forschungsprojekt beteiligt. MIRACLE heißt das Schlagwort, unter dem acht Partner aus fünf EU-Ländern mit Hilfe sogenannter "Smart Meters", intelligenter Stromzähler, dafür sorgen wollen, dass Kunden ihren Strom nicht nur billiger sondern auch vermehrt aus erneuerbaren Energiequellen beziehen. Momentan bietet der Stromversorger verschiedene feste Tarife an, der Kunde wählt sich einen aus und alsdann erfolgen Lieferung und Abrechnung des Stroms je nach Verbrauch. Es fehlt eine direkte Rückkopplung zwischen beiden Parteien. Folglich kann der Stromversorger den Bedarf für den nächsten Abrechnungszeitraum nur schwer einschätzen - und zahlt unter Umständen den Preis für Schätzungsfehler. Doch auch dem Kunden mangelt es an Informationen. So ließen sich zahlreiche Haushaltsaktivitäten - vom Wäschewaschen bis zum Aufladen des Handyakkus - durchaus auf eine Tageszeit verschieben, zu der das Netz geringer ausgelastet ist, zudem werden dadurch auch die Kosten geringer.
Der Lösungsansatz des MIRACLE-Projekts ist denkbar einfach: Stromversorger und Kunde müssen miteinander kommunizieren können - am besten automatisch. Mit anderen Worten: intelligente Stromzähler müssen her. Die Umsetzung dieser Idee jedoch birgt ihre Tücken. Wie können die Unmengen an dabei entstehenden Daten verarbeitet und analysiert werden? Wie lassen sich Vergangenheitsdaten zum Kundenverbrauch effizient in präzise Vorhersagen über den zukünftigen Verbrauch umwandeln? Und wie können kurzzeitlich verfügbare erneuerbare Energien wie beispielsweise Sturm oder Schönwetterperioden kostengünstig mit Hilfe der gesammelten Daten integriert werden?
Mit all diesen Fragen befasst sich die Professur für Datenbanken unter Leitung von Prof. Wolfgang Lehner in den nächsten drei Jahren. Das mit insgesamt drei Millionen Euro durch die EU geförderte Großprojekt ist damit ein weiterer Meilenstein in der internationalen Spitzenforschung an der TU Dresden.
Weitere Informationen: Prof. Wolfgang Lehner, Tel. 0351 436-38383, E-Mail: Wolfgang.Lehner@tu-dresden.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Hohe Denkleistung erfordert flexible Hirnaktivität
Dr. Petra Fox-Kuchenbecker, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung erfordern hohe Denkleistungen die Anpassung der Hirnaktivität an die Aufgabenschwierigkeit. Dies gilt gleichermaßen für jüngere und ältere Erwachsene. In beiden Altersgruppen erreichten Teilnehmer, deren Hirnaktivität mit steigender Aufgabenschwierigkeit zunahm, höhere Leistungen als Personen, deren Hirnaktivität gleich blieb oder abnahm. "Die Unterschiede in der Anpassung der Hirnaktivität an die Aufgabenschwierigkeit waren gerade bei den älteren Erwachsenen besonders groß. Die zukünftige Forschung sollte versuchen, die Ursachen dieser Unterschiede zu ermitteln", empfiehlt Nagel.
Bei leistungsfähigen älteren Erwachsenen nimmt die Hirnaktivität mit der Aufgabenschwierigkeit zu
(PNAS, 106, 22552-22557, 2009)
Zeige mir, ob die aufgabenbezogene Aktivität Deines Gehirns mit steigenden Anforderungen zunimmt und ich sage dir, wie gut Deine Leistungen sind. Zu diesem Ergebnis kam eine kürzlich in der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlichte Studie des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, die Unterschiede in Denkleistungen bei jüngeren und älteren Erwachsenen untersuchte. Die Psychologin Irene Nagel und ein internationales Forscherteam um Hauke Heekeren und Ulman Lindenberger beobachteten die Hirnaktivität von 30 jüngeren (20-30 Jahre) und 30 älteren (60-70 Jahre) Studienteilnehmern mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT). Die Teilnehmer sollten sich im MRT unterschiedlich schwierige räumliche Muster einprägen und über einen kurzen Zeitraum merken; diese Leistung beansprucht das visuell-räumliche Arbeitsgedächtnis. Das Forscherteam konnte anhand der fMRT-Bilder feststellen, welche Hirnareale beim Lösen der Aufgaben aktiviert wurden und wie sich die Hirnaktivität mit der Aufgabenschwierigkeit veränderte.
Unterschiede zwischen Personen - vor allem im Alter
Die Leistungsfähigkeit des Arbeitsgedächtnisses unterscheidet sich von Person zu Person. Im Laufe des Erwachsenenalters werden diese Unterschiede größer, weil bei manchen Personen die Leistungen stärker nachlassen als bei anderen. In bisherigen fMRT-Untersuchungen wurden diese Unterschiede oft übersehen, denn die Ergebnisse wurden zumeist über alle Personen einer Altersgruppe gemittelt.
Um genau diese bislang vernachlässigten Unterschiede zwischen Personen ging es Irene Nagel und dem Forscherteam. Anhand der Richtigkeit der Antworten ermittelten sie die Leistungen der Teilnehmer und untersuchten, wie sich die Anpassung der Hirnaktivierung an die Aufgabenschwierigkeit zwischen Personen mit hohen und Personen mit niedrigen Leistungen unterschied.
Dabei zeigte sich, dass bei Probanden mit hohen Leistungen die Hirnaktivierung mit steigender Aufgabenschwierigkeit zunahm - und zwar unabhängig vom Alter. Bei den älteren Erwachsenen waren die leistungsbezogenen Unterschiede in der Hirnaktivität besonders groß. Ältere Probanden mit hohen Leistungen zeigten also, ähnlich wie jüngere Erwachsene, schwierigkeitsbedingte Zunahmen der Hirnaktivität. Ältere Erwachsene mit niedrigen Leistungen zeigten hingegen insbesondere bei den schwierigsten Aufgaben häufig eine Abnahme der Hirnaktivität. Die Forscher am MPI für Bildungsforschung führen zurzeit weitere Untersuchungen durch, um die Ursachen dieser Unterschiede aufzuklären.
Unterschiede in der Aktivität des Gehirns: Ein Schlüssel für den Erhalt der geistigen Leistungsfähigkeit im Alter
Unter welchen Voraussetzungen lässt sich die geistige Leistungsfähigkeit im Alter erhalten? Die Ergebnisse der vorliegenden Studie legen nahe, dass leistungsfähige Gehirne älterer Erwachsener ähnlich funktionieren wie die jüngerer Erwachsener. "Die Ähnlichkeiten in den Aktivierungsmustern älterer und jüngerer Erwachsener mit hohen Arbeitsgedächtnisleistungen geben uns erste Hinweise darauf, wie sich die kognitive Leistungsfähigkeit im Laufe des Erwachsenenalters erhalten lässt", sagt Irene Nagel.
Quelle: Nagel, I. E., Preuschhof, C., Li, S.-C., Nyberg, L., Bäckman, L., Lindenberger, U., & Heekeren, H. R. (2009). Performance level modulates adult age differences in brain activation during spatial working memory. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 106, 22552-22557.
Weitere Informationen:
http://www.mpib-berlin.mpg.de
http://www.mpg.de
http://www.pnas.org/content/106/52/22552.full?sid=8fcee61d-04d9-46b4-96b4-cd3d18... Originalpublikation
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Erinnerung im Alter
Brigitte Nussbaum, Presse- und Informationsstelle
Westfaelische Wilhelms-Universität Münster
Neue interdiszplinäre Studie über Generation der Kriegskinder
Endlose Nächte im Bombenhagel, qualvolle Wanderungen, nachdem man aus dem Elternhaus vertrieben worden ist, Vergewaltigung und Bedrohung - die Generation jener, die zwischen 1930 und 1945 geboren worden sind, hat Furchtbares ertragen müssen. Doch nicht jeder wurde von den grausamen Erlebnissen traumatisiert. Wie zeitgeschichtliche Erfahrungen Menschen und eine Gesellschaft prägen können, haben die Psychosomatiker und Psychotherapeuten Prof. Dr. Gereon Heuft und Prof. Dr. Gudrun Schneider sowie die Soziologen Prof. Dr. Matthias Grundmann und Dr. Dieter Hoffmeister von der Universität Münster in einem interdisziplinären Projekt untersucht.
Die Generation der Kriegskinder stirbt allmählich aus, und so war es ein Problem, geeignete Probanden für die quantitative und qualitative Befragung zu finden. Beschuss und Bombardierung hatten 90 beziehungsweise 80 Prozent der insgesamt 122 Befragten erlebt. Ein Viertel wurde kinderlandverschickt. Von denjenigen Befragten, die im Evangelischen Krankenhaus lagen, waren 40 Prozent evakuiert worden, bei denjenigen, die sich nach einem Zeitungsaufruf freiwillig gemeldet hatten, waren es immerhin 70 Prozent. Den Einmarsch der Allierten erlebten 65 Prozent der Klinikstichprobe und 90 Prozent der Zeitungsstichprobe. Über die Hälfte verlor jeweils einen nahen Familienangehörigen. "32 Prozent der Befragten fühlten sich durch diese Ereignisse schwer belastet", berichtet Gudrun Schneider. "Aber das bedeutet im Umkehrschluss, dass der Rest diese Situationen nicht mehr als traumatisch empfindet."
"Ein und dasselbe Ereignis wird sehr unterschiedlich erlebt und betrachtet", erklärt Matthias Grundmann. "Es kann vorkommen, dass mehr die Hilfe, die man durch andere erfahren hat, im Vordergrund steht, oder aber eine Bombardierung beispielsweise als Ausgangspunkt einer großen Katastrophe erlebt wird." Es sei nicht vorhersehbar, ob ein Kriegsereignis zu einer schwere Belastung wird, die sich lebensgeschichtlich auswirkt. "Ereignisse treffen auf ganz unterschiedliche Menschen mit ganz unterschiedlicher psychischer Stärke", präzisiert Gereon Heuft.
Zwei Faktoren spielen dabei eine Rolle: Der Soziologe Grundmann betont die Wichtigkeit der Herkunft: "Obere Schichten haben es immer leichter, sich wieder einzuleben. Sie haben bessere Bewältigungsmuster, größere Kenntnisse, wie man sich helfen kann, und die besseren Netzwerkerfahrungen." Das sei besonders in der Nachkriegszeit wichtig gewesen. Die Medizinerin Grudrun Schneider rückt zusätzlich frühkindliche Bindungserfahrungen in den Mittelpunkt. Wer geliebt worden sei und Vertrauen in andere Menschen entwickelt habe, könne auch schwere Situationen mit Optimismus und Hoffnung leichter durchstehen. "Eine unsichere Persönlichkeit wird die Ressourcen, die ihm seine Herkunft beschert hat, gar nicht wahrnehmen können", so die Psychotherapeutin. "Die persönliche Stabilität ist natürlich ganz wichtig, aber höhere Ressourcen machen die Verarbeitung leichter", ergänzt Matthias Grundmann. Einig sind sich die beiden, dass ein Ereignis als nicht so belastend empfunden wird, wenn es mit anderen geteilt wird. Im Sprichwort "Geteiltes Leid ist halbes Leid" liegt also eine Wahrheit.
Die Spuren des zweiten Weltkrieges ziehen sich bis heute durch die bundesdeutsche Gesellschaft. Das reicht vom Konsumverhalten - wer einmal Hunger erfahren hat, wird mit Ressourcen vorsichtiger umgehen - über den Wert von Familie und die Religionsausübung bis hin zur großen Politik. So hat Helmut Kohl nie einen Hehl daraus gemacht, dass seine Ostpolitik auch von der Tatsache beeinflusst war, dass er einen Bruder im Krieg verloren hat. Männer wie Herbert Wehner und Willy Brandt waren zeitlebens von Verfolgung und Flucht gezeichnet.
In der Nachkriegszeit aber wurde das Erlebte kollektiv verdrängt und nicht angesprochen. Man machte sich an den Wiederaufbau und hatte andere Sorgen. Jetzt, wo sich die Kriegskindergeneration mit dem Altern auseinandersetzen muss, erleben manche die schwer belastenden Erinnerungen wieder intensiv. "Wir nennen das die so genannte Trauma-Reaktivierung im Alter", erklärt Gereon Heuft. "Manche Menschen können sich mit dem Altern nicht abfinden, weil sie sich hilflos ausgeliefert fühlen. Und dann kommt die Erinnerung an Situationen, in denen sie sich ebenso hiilflos gefühlt haben, wieder hoch, obwohl sie 50 Jahre lang keine erkennbare Bedeutung hatten."
Angst und Depression können die Folge sein. Geholfen wird geriatrischen Patienten aber nur selten. Obwohl Menschen über 60 genauso oft betroffen von psychischen Problemen sind wie jüngere Patienten, werden für sie nur ein Prozent aller Anträge auf Psychotherapie gestellt. "Viele Therapeuten tun sich schwer damit, einen älteren Patienten anzunehmen", erklärt Klinikdirektor Heuft. Die Entwicklungsaufgabe vom Kind zum Erwachsenen hätten die Therapeuten selbst gelöst; die zentrale letzte Entwicklungsaufgabe der Auseinandersetzung mit dem körperlichen Alterungsprozess hätten auch die Behandler noch vor sich.
Dabei, so Gereon Heuft, seien alte Menschen entgegen allen Vorurteilen genauso therapierbar wie jüngere. Im Gegenteil, ältere Menschen wüssten oft genauer, was sie wollten. "Sie arbeiten stringenten und halten besser den thematischen Bogen", berichtet der Psychosomatiker von seinen Erfahrungen. "Die psychotherapeutische Arbeit mit ihnen ist sehr befriedigend."
Weitere Informationen:
http://klinikum.uni-muenster.de/index.php?id=psychosomatik_uebersicht Klinik und Poliklinik für Psychosomatik und Psychotherapie der WWU Münster
http://egora.uni-muenster.de/ifs/ Institut für Soziologie der WWU Münster
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Moore erfolgreich wiedervernässen
Gesine Wiemer, Pressestelle des Forschungsverbundes Berlin e.V.
Forschungsverbund Berlin e.V.
Wer bekommt bei dem Begriff Moor nicht eine leichte Gänsehaut, denkt an die trostlose Einöde in englischen Kriminalgeschichten. Doch der Lebensraum Moor ist keineswegs eintönig. Einzigartige Tiere und Pflanzen haben sich optimal an die scheinbar widrigen Lebensbedingungen angepasst. Moore leisten wertvolle Ökosystemdienstleistungen für uns Menschen: Sie regulieren den Wasser- und Kohlenstoffhaushalt. Der Welttag der Feuchtgebiete am 2.2.2010 soll uns daran erinnern, dass dieser wichtige Lebensraum weltweit bedroht ist. Am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin ist die Untersuchung von Feuchtgebieten wie Mooren und Auenlandschaften ein wichtiger Schwerpunkt.
Die Arbeitsgruppe von Dr. Jörg Gelbrecht untersucht beispielsweise, wie einst trockengelegte Moore erfolgreich wiedervernässt werden können. Moore nehmen mit einer Fläche von 4,16 x 106 Quadratkilometern etwa nur drei Prozent des globalen Festlandes ein, speichern aber 20 bis 30 Prozent der gesamten Kohlenstoffvorräte aller Böden, was etwa 40 bis 60 Prozent des CO2-Gehaltes der Atmosphäre entspricht. Der weltweite Erhalt und Schutz der Moore hat damit große Bedeutung in der aktuellen Klimadiskussion.
Die Mehrzahl der Moore befindet sich in der gemäßigt kalten Klimazone der Nordhalbkugel (etwa 80 Prozent) und im tropischen Bereich Südostasiens.
Im nordostdeutschen Tiefland bedecken sie 10 bis 12 Prozent der Oberfläche. Ursprünglich spielten sie hier - auf regionaler Ebene - eine wesentliche Funktion für den Landschaftswasserhaushalt und für die Reinhaltung der Gewässer, da neben großen Mengen Kohlenstoff auch die Pflanzennährstoffe Stickstoff und Phosphor in den Torfen wachsender Moore gebunden werden. Die Entwässerung der Moore zur Torfgewinnung und zur Intensivierung der Landwirtschaft sowie großräumige Grundwasserabsenkungen haben dazu geführt, dass nahezu 99 Prozent der Moore ihre landschaftsökologischen Funktionen verloren haben. Sauerstoff konnte in die oberen Bodenschichten eindringen, mit der Folge, dass der Torf mineralisierte: Der an Kohlenstoff gebundene Phosphor wird dabei abgespalten und kann als jetzt gelöster Nährstoff die angrenzende Gewässer zusätzlich belasteten. Kohlenstoff oxidiert und wird als CO2 in die Atmosphäre abgegeben. Man schätzt, dass die Moorentwässerung und -nutzung an der deutschlandweiten Gesamt-CO2-Emission einen Anteil von 2,3 bis 4,5 Prozent ausmacht. In Nordostdeutschland mit hohem Anteil an landwirtschaftlich genutzten Moorflächen liegt der Anteil wahrscheinlich weit über 20 Prozent.
Mit zunehmender Sorge über Wassermangel, Gewässereutrophierung, Klimaerwärmung und Artenverlust werden Moore zu ihrer Revitalisierung im großen Maßstab wiedervernässt. Innerhalb eines umfangreichen, im Jahr 2000 beschlossenen Moorschutzprogramms, wurden in Mecklenburg-Vorpommern knapp 10.000 Hektar entwässerter Moore wiedervernässt. In begleitenden Studien konnten die Wissenschaftler in Kooperation mit dem ZALF Müncheberg zeigen, dass in den ersten Jahren der Wiedervernässung größere Mengen an Phosphor und klimaschädlichen Methan freigesetzt werden. Dafür ist die obere stark zersetzte Torfschicht verantwortlich, in der sich leicht mobilisierbare Nährstoffe angereichert haben. Das trifft auch auf untersuchte Waldmoore in Berlin und Brandenburg zu. Für den praktischen Moorschutz bedeutet das: Der Wasseraustausch von überstauten Mooren mit angrenzenden Gewässern sollte möglichst gering gehalten werden, beispielsweise durch den vorläufigen Erhalt von Deichanlagen. Zukünftig werden die neu gebildeten Flachseen langsam verlanden, und sich anschließend ein neues Moor ausbilden. Die vollständige Wiederherstellung der ursprünglichen landschaftsökologischen Funktionen wird vermutlich mehrere Jahrzehnte dauern. Ob sich dieser Prozess durch eine vorherige Entfernung der stark zersetzten Torfschicht beschleunigen lässt, ist Gegenstand eines aktuellen Forschungsprojektes des IGB.
Das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) ist das größte deutsche Zentrum für ökosystemare Forschung an Binnengewässern. Forschungsschwerpunkte sind unter anderem die Langzeitentwicklung von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten bei sich rasch ändernden globalen, regionalen und lokalen Umweltbedingungen, die Entwicklung gekoppelter ökologischer und sozioökonomischer Modelle, die Renaturierung von Ökosystemen und die Biodiversität aquatischer Lebensräume.
Kontakt:
www.igb-berlin.de
Wissenschaftlicher Kontakt Moore:
Dr. Jörg Gelbrecht
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Müggelseedamm 301,12587 Berlin, Email: gelbr@igb-berlin.de
(030) 64181730
Wissenschaftlicher Kontakt Auenlandschaften:
Prof. Dr. Klement Tockner
Direktor des Leibniz-Institutes für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Email: tockner@igb-berlin.de, (030) 64181601
Pressesprecherin IGB:
Nadja Neumann
Nadja.neumann@igb-berlin.de
(030) 64181631
Weitere Informationen:
http://www.ibg-berlin.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Umweltbundesamt: Sicherheitsrisiken bei Pkw-Klimaanlagen nicht auszuschließen?
Martin Ittershagen, Pressestelle
Umweltbundesamt (UBA)
Neue Untersuchungen mit dem Kältemittel HFKW-1234yf bestätigen Gefahren beim Einsatz
Das Umweltbundesamt (UBA) hat sich für die Verwendung des natürlichen Kältemittels R744 und gegen die Verwendung teilfluorierten Kohlenwasserstoff HFKW-1234yf (Tetrafluorpropen) als Kältemittel in Pkw-Klimaanlagen ausgesprochen. Vor allem deutsche Hersteller favorisierten bisher das natürliche Kältemittel R744 (CO2). Eine klare Entscheidung der Automobilindustrie ist aber bisher nicht zu erkennen.
UBA-Präsident Jochen Flasbarth plädierte vor dem Hintergrund neuer Studien für eine rasche Festlegung der deutschen Automobilindustrie für die umweltfreundliche Ausstattung der Pkw-Klimaanlagen mit CO2 als Kältemittel. "Es hat sich noch nie ausgezahlt, bei Umweltinnovationen im Automobilbereich zu warten und EU-Regelungen nicht ernst zu nehmen. Pkw-Klimaanlagen mit CO2 als natürlichem Kältemittel sind serienreif entwickelt. Dagegen belegen Studien, dass mit dem Einsatz des synthetischen Kältemittels HFKW-1234yf in Automobilklimaanlagen bisher nicht ausreichend bewertete Risiken verbunden sein können." Wenn sich das HFKW-1234yf entzündet, beispielsweise bei einem Motorbrand, entsteht der sehr giftige und stark ätzende Fluorwasserstoff (Flusssäure), von dem ein erhebliches zusätzliches Risiko ausgeht.
Bereits im Jahr 2006 hat die EU beschlossen, dass die europäische Automobilindustrie ab 2011 in Klimaanlagen neuer Typen von Pkw und kleinen Nutzfahrzeugen keine Kältemittel mit einem Treibhauspotential (GWP) größer 150 (150 mal mehr als CO2) mehr einfüllen darf. Das UBA empfiehlt hier schon seit langem, auf CO2 zu setzen. CO2 ist ungiftig, nicht brennbar und überall kostengünstig verfügbar. Seit einem Jahr bewährt sich im UBA ein Dienstfahrzeug mit CO2-Klimaanlagentechnik im alltäglichen Einsatz.
Anlässlich der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) im September 2007 verkündete der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA), dass sich die deutschen Fahrzeughersteller zukünftig in Pkw-Klimaanlagen "als weltweit erste Unternehmen der Automobilindustrie das besonders umweltfreundliche natürliche Kältemittel R744 (CO2)" einsetzen werden. Noch im Oktober 2008 teilte der VDA mit, HKFW-1234yf sei im Ergebnis von eigenen Bewertungen für die "Mehrzahl der Unternehmen ... keine Option". In Serie werden Klimaanlagen mit CO2 als Kältemittel aber bis heute nicht produziert und es mehren sich die Hinweise, dass dies auch in absehbarer nicht geschehen wird. Jochen Flasbarth dazu: "Die deutsche Automobilindustrie hat seit vielen Jahren intensiv in die Entwicklung der CO2-Technik investiert. Es wäre fatal, zugunsten einer unsicheren Übergangslösung mit dem synthetischen Kältemittel HFKW-1234yf die Chance zu verspielen, mit der innovativen CO2-Klimatechnik den Weltmarkt anzuführen. Der Impuls für den weltweiten Umstieg auf natürliche Kältemittel im Pkw-Sektor sollte aus Deutschland kommen."
HFKW-1234yf ist brennbar und enthält Fluor. Im Brandfall und bei Kontakt mit heißen Oberflächen bildet sich stark ätzende, giftige Flusssäure. Flusssäuredämpfe bilden ein zusätzliches Risiko für Insassen und Brandhelfer bei Unfällen und beim Umgang mit HFKW-1234yf.
Die Brennbarkeit und der hohe Fluorgehalt von HFKW-1234yf veranlassten das Umweltbundesamt, Messungen an HFKW-1234yf zu beauftragen. Untersucht wurde zunächst die Bildung zündfähiger, das heißt explosionsfähiger Gemische bei Raumtemperatur. Interessant für den technischen Einsatz als Kältemittel ist aber auch das Explosionsverhalten, wenn zusätzlich gasförmige Kohlenwasserstoffe in der Luft sind. Quelle von gasförmigen Kohlenwasserstoffen können zum Beispiel das Kälteöl selbst, Benzin, Motoröle oder Reinigungsmittel sein - also Stoffe, die regelmäßig im Pkw vorhanden sind.
Ab einer Konzentration von 6,2 Prozent bildet HFKW-1234yf bereits mit Luft explosionsfähige Gemische. Sind gleichzeitig geringe Mengen Kohlen¬wasserstoffe - für die Messungen verwendete die BAM Ethan - in der Luft, ist das Gemisch von HFKW-1234yf schon bei weit kleineren Konzentrationen explosionsfähig. , Um mit geringen Mengen von HFKW-1234yf (ab zwei Prozent) explosionsfähige Gemische in der Luft zu bilden, reichen bereits Konzentrationen von nur 0,5 bis 1,3 Prozent Kohlenwasserstoffe aus.
In weiteren Versuchen untersucht die BAM die Zersetzung und Brennbarkeit von HFKW-1234yf. Bereits die vorliegenden Erkenntnisse zeigen, dass die sicherheitstechnischen Fragen des Einsatzes von HFKW-1234yf als Kältemittel in Pkw-Klimaanlagen nicht gelöst sind.
Die Messergebnisse der BAM sind unter http://www.umweltbundesamt.de/produkte/dokumente/test_report_hfo1234yf.pdf
erhältlich.
Weitere Informationen zu Pkw-Klimaanlagen finden Sie unter http://www.umweltbundesamt.de/produkte/fckw/touran.htm.
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Virtueller Museumsführer
Britta Widmann, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft
Eine Fraunhofer-Software kann archäologische Schätze zum Leben erwecken. Beim virtuellen Rundgang durch antike Bauwerke werden echte Bilder mit digitalen Informationen angereichert und dem Museumsbesucher nahegebracht.
Auf eine virtuelle Zeitreise in die Vergangenheit würde sich wohl jeder Besucher eines Archäologiemuseums gern begeben. Forscher machen dies heute schon möglich. Beispielsweise konnte man bis vor kurzem im Allard Pierson Museum in Amsterdam durch historische Stätten spazieren. Neben einer Fülle von Kunstwerken stand dort auf einer drehbaren Säule ein Flachbildschirm. Auf den ersten Blick zeigte er einen Ausschnitt dessen, was an der Wand hing: ein riesiges Schwarzweißfoto mit den Ruinen des Forum Romanum. Doch sobald ein Besucher den Schirm zur Seite schwenkte, zeigte der Monitor nicht mehr die Mitte der Fotografie, sondern ihren linken Teil. An der Rückseite des schwenkbaren Displays war eine Kamera angeschlossen. Auf dem Monitor erschienen Informationen zum Gesehenen. Ein Text klärte darüber auf, dass die Kamera gerade auf die Ruine des Saturn-Tempels gerichtet ist. Gleichzeitig zeigte eine digitale Animation, wie der intakte Tempel einst ausgesehen haben mag. Schwenkte der Besucher den Schirm weiter, so stieß er auf Informationen, Bilder und Videos zu anderen antiken Bauwerken, etwa des Kolosseums.
Hinter der raffinierten Animation steckt eine Software, die am Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD in Darmstadt entwickelt wurde. "Wir haben dem Rechner beigebracht, das Bild zu erkennen", erläutert Fraunhofer-IGD-Forscher Michael Zöllner. "Dadurch weiß das Programm, welche Stelle des Bilds sich gerade im Zentrum der Kamera befindet und kann die passende Überlagerung einblenden - einen Text, ein Video oder eine Animation." Unter den Überblendungen ist das Originalbild immer deutlich zu erkennen. Dadurch ist der Besucher stets informiert, wo er gerade virtuell spazieren geht. Experten bezeichnen diese Technik als Augmented Reality, erweiterte Realität.
Im Museum läuft die IGD-Software derzeit noch auf einem Mini-Rechner, gesteuert über einen Touchscreen. Das handliche Gerät lässt ahnen, wohin der Trend geht - zum mobilen, virtuellen Reiseführer. Die Vision: Der Tourist hält das Gerät vor ein barockes Fürstenschloss, und schon erscheinen auf dem Schirm die passenden Informationen - auf die Wünsche des Benutzers zugeschnitten. Wie so etwas in der Praxis aussehen könnte, haben die Forscher im Projekt "iTACITUS" erprobt. Zöllners Team programmierte einen portablen Computer so, dass er als elektronischer Touristenführer für das Königsschloss Reggia di Venaria Reale nahe Turin fungierte. Die neue Handy-Technik könnte der erweiterten Realität schon bald zum Durchbruch verhelfen. "Durch das Smartphone wird Augmented Reality massenmarkttauglich", freut sich Zöllner.
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010/02/virtueller-museumsfu... Ansprechpartner
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Studie "Nanotechnologie für den Umweltschutz"
Claudia Garád, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO
Eine neu aufgelegte und aktualisierte Studie des Fraunhofer IAO, die im Auftrag des Hessischen Wirtschaftsministeriums erstellt wurde, zeigt die Innovationspotenziale der Nanotechnologie für Umwelttechnologien auf. Unternehmen bietet die Broschüre praktische Ansatzpunkte für einen Technologietransfer sowie eine Auflistung der wichtigsten Kontakte.
Die Nanotechnologie eröffnet Innovationspotenziale für viele zukunftsträchtige Anwendungsbereiche. Auch die Umwelttechnologien profitieren von Innovationen aufgrund der Eigenschaften von Nanomaterialien. Beispielweise durch neuartige Sensoren, verbesserte Reinigungssysteme oder durch die Einsparung wertvoller Ressourcen: Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig.
Praktische Beispiele für diese Potenziale hat das Fraunhofer IAO in Zusammenarbeit mit den Aktionslinien Hessen-Umwelttech und Hessen-Nanotech des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung in der aktualisierten und neu aufgelegten Broschüre "Einsatz von Nanotechnologie in der hessischen Umwelttechnologie - Innovationspotenziale für Unternehmen" zusammengefasst. Darin werden die technischen Grundlagen der Nanotechnologie erläutert und konkrete Beispiele und Anwendungsgebiete innerhalb der Umwelttechnologien beleuchtet. Ob in der Katalyse, der Sensorik oder in der Wasseraufbereitung - die interessanten Oberflächen- und Funktionseigenschaften nanoskaliger Materialien ermöglichen die Entwicklung von neuen, innovativen Produkten und Verfahren. Umweltschutz kann dadurch noch besser und wirtschaftlicher werden. Für die Nanotechnologie ergeben sich marktnahe Anwendungen, die in der Broschüre vorgestellt werden.
Für Unternehmen bietet die Broschüre praktische Ansatzpunkte für einen Technologietransfer sowie eine Auflistung der wichtigsten Kontakte und Adressen. Vor allem erhalten aber auch die Entwickler und Anbieter aus dem Bereich der Nanotechnologie eine Übersicht über interessante Anwendungsfelder der Technologie und Vorprodukte der Umwelttechnik.
Die Broschüre kann kostenlos entweder im IAO-Shop unter https://shop.iao.fraunhofer.de oder direkt bei der Aktionslinie Hessen-Nanotech als Printversion bestellt bzw. als vollständige PDF-Version unter http://www.hessen-nanotech.de/veroeffentlichungen bezogen werden.
Ihr Ansprechpartner:
Fraunhofer IAO
Dr. Daniel Heubach
Nobelstraße 12, 70569 Stuttgart
Telefon +49 711 970-2354
Fax +49 711 970-2287
daniel.heubach@iao.fraunhofer.de
Weitere Informationen:
http://www.hessen-nanotech.de/veroeffentlichungen
https://shop.iao.fraunhofer.de
http://www.innovation.iao.fraunhofer.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Kalter Winter wirbelt Garnelen-Verteilung in der Nordsee durcheinander
Dr. Michael Welling, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei
Weniger große Garnelen als in den Vorjahren, relativ hohe Fangraten vor Ostfriesland, dafür kaum Vorkommen vor Norddänemark - in diesem Winter ist alles anders. Die jetzt zu Ende gegangene Reise des Fischereiforschungschiffs SOLEA hat ein differenziertes Bild der Verteilung der Nordseegarnelen erbracht.
Die insgesamt vierwöchigen Untersuchungen führten das Schiff von Cuxhaven aus über die niederländischen Gewässer in die südliche Nordsee und hinauf zur dänischen Küste. Diese Gebiete beproben die Fischereibiologen des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) seit 1991 alljährlich im Januar in Hinblick auf die winterlichen Verbreitung der Nordsee-Garnelen, umgangssprachlich auch Krabben oder Granat genannt. Garnelen gehören zu den wirtschaftlich wichtigsten Zielarten der Küstenfischerei in der Nordsee.
An insgesamt 121 Stationen ließen die Fischereiforscher ihre Netze zu Wasser und erhielten so ein umfassendes Bild der winterlichen Garnelenverteilung im Bereich der südöstlichen Nordsee. Die höchsten Fänge erzielten sie - entgegen früheren Ergebnissen - küstennah vor Ostfriesland, während in den vorangegangenen überwiegend warmen Wintern hohe Fangraten weiter nördlich vor den Küsten Schleswig Holsteins und Jütlands zu verzeichnen waren. Auch fiel der Anteil großer, marktfähiger Garnelen in diesem Winter insgesamt relativ gering aus. Fahrtleiter Dr. Thomas Neudecker vom vTI-Institut für Seefischerei in Hamburg vermutet, dass die lang andauernden, tiefen Temperaturen dieses Winters dazu geführt haben, dass die Tiere sich in Gegenden mit größeren Wassertiefen außerhalb des regulären Beprobungsgebietes zurückgezogen oder sich einfach tiefer in das Sediment eingegraben haben.
Rund 270 Tage pro Jahr ist die SOLEA in der Nord- und Ostsee für wissenschaftliche Untersuchungen des Johann Heinrich von Thünen-Instituts im Einsatz. Die Fänge können unter Deck in drei Laboratorien aufbereitet werden. Nähere Angaben zur SOLEA finden sich im Internet unter http://www.vti.bund.de/de/aktuelles/forschungsreisen/solea.htm.
Weitere Informationen:
http://www.vti.bund.de/de/aktuelles/forschungsreisen/default.htm - Infos über die deutschen Fischereiforschungsschiffe
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Anteil der Beschäftigten an der Bevölkerung ist mittlerweile im Osten so hoch wie im Westen
Wolfgang Braun, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)
Während die Arbeitslosenquote in Ostdeutschland immer noch nahezu doppelt so hoch ist wie im Westen, konnte der Osten beim Anteil der Beschäftigten an der Bevölkerung mittlerweile mit dem Westen gleichziehen. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.
Der Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von 15 bis 64 Jahren liegt in Ost wie West bei rund 50 Prozent. Zwei Faktoren spielen dem IAB zufolge bei der Angleichung eine Rolle: Zum einen ist im Osten wie im Westen während des Aufschwungs in den Jahren 2006 bis 2008 die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten deutlich gestiegen. Gleichzeitig ging aber in Ostdeutschland die Zahl der 15- bis 64-Jährigen deutlich zurück, so dass sich die Arbeitsplatzversorgung der verbliebenen ostdeutschen Bevölkerung in starkem Umfang verbesserte. Ursachen dafür sind sowohl der Geburtenrückgang in Ostdeutschland nach der Wende als auch die Abwanderung ostdeutscher Arbeitskräfte in den Westen.
Bei der Arbeitslosigkeit weiterhin klares Ost-West-Gefälle
Der Unterschied zwischen den Arbeitslosenquoten verringerte sich zwar auch etwas, aber es besteht weiterhin ein klares Ost-West-Gefälle: Im Osten beträgt sie derzeit 13,5 Prozent, im Westen liegt sie bei 7,4 Prozent. "Zu dieser Ungleichheit tragen unter anderem die Unterschiede im Erwerbsverhalten, insbesondere von Frauen, bei. So ist ihre Erwerbsbeteiligung im Osten auch 20 Jahre nach der Wende immer noch deutlich höher als im Westen und dem höheren Angebot stehen nach wie vor zuwenig Arbeitsplätze gegenüber", schreiben die IAB-Forscherinnen Barbara Schwengler und Veronika Loibl in ihrer Studie.
Baden-Württemberg, aber auch das Ruhrgebiet stark von der Krise betroffen
Die aktuelle Wirtschaftskrise bewirke, dass sich derzeit die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland angleichen, so die Nürnberger Arbeitsmarktforscherinnen. Die stärker exportorientierte westdeutsche Wirtschaft sei wesentlich stärker von der Krise betroffen als die ostdeutsche Wirtschaft. Dabei verstärke sich aber auch der Druck auf die sowieso strukturell vorbelasteten altindustriellen Regionen Westdeutschlands wie das Ruhrgebiet. Das führe wiederum dazu, dass sich die regionalen Arbeitslosenquoten stärker auseinander entwickeln. Die Forscherinnen schreiben: "Welcher Effekt überwiegt, ist derzeit noch nicht abzuschätzen." Ob die Krise also eher zu einer Angleichung oder aber zu einer Verschärfung der regionalen Unterschiede führt, ist offen, zumal die Auswirkungen derzeit auf dem Arbeitsmarkt noch nicht in vollem Umfang angekommen sind. Kurzarbeit ist jedenfalls einerseits in den normalerweise wirtschaftlich prosperierenden Wirtschaftszentren Baden-Württembergs besonders verbreitet, aber auch im Saarland, in Bremen und Nordrhein-Westfalen, also in Bundesländern, in denen die wirtschaftliche Entwicklung laut IAB bereits vor der Krise schlechter als im Durchschnitt verlief.
Die IAB-Studie steht im Internet unter http://doku.iab.de/kurzber/2010/kb0110.pdf.
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Gefräßiger Muschel den Appetit auf hölzerne Hafenpfähle vermiesen
Franz-Georg Elpers, Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
Neue Technik der Uni Rostock zum Schutz von Holzpfählen unter Wasser - DBU gibt 123.000 Euro
Rostock. Unter der Meeresoberfläche an den Küsten der Welt findet das große Fressen statt: Die Pfahlbohrmuschel pult sich in tragende Planken und Pfähle, um sich vom Holz zu ernähren und richtet damit jährlich Schäden in Milliardenhöhe an. Versuche, die Pfähle vor dem Tier zu schützen, sind meist umweltschädlich oder zu teuer. An der Universität Rostock wurde bereits ein Überzug für Pfähle aus umweltfreundlichem Kunststoff entwickelt, der der gefräßigen Muschel Einhalt gebieten kann. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt nun ein Projekt der Universität und der Taucherfirma Tai GmbH, mit dem diese Hülle in einem schnellen, einfachen und für Hafentaucher ungefährlichen Verfahren zum Schutz der Holzkonstruktionen befestigt werden soll. "Das Vorhaben ermöglicht die Instandsetzung und den Erhalt großer und alter Hafenanlagen, ohne dass neue Holzressourcen verbaut werden müssen", lobte der Generalsekretär der DBU, Dr. Fritz Brickwedde. Die Stiftung sagte rund 123.000 Euro zu.
Schon Christoph Kolumbus hatte seine Schwierigkeiten mit dem kleinen Schädling und verlor Schiffe an die wurmartige Muschel. Innerhalb eines Jahres nage sich der Parasit durch Holzstämme mit 30 Zentimeter Dicke, erklärte Dr. Christian Dede von der Universität Rostock die Problematik. "Imprägnierungen mit Chemikalien helfen nicht immer, die Pfähle zu schützen und belasten zudem die Gewässer", so Dede. Muschelresistente Stützen aus Beton, Stahl oder Kunststoff seien ökologisch bedenklich und teuer. "Würde man nicht anfällige Tropenhölzer für die Pfeiler verwenden, förderte man die Abholzung wertvoller und geschützter Wälder." Eine Ummantelung mit einem speziellen umweltfreundlichen Textil sei die Lösung. "Das Anlegen des Stoffes um die Pfähle ist allerdings sehr aufwändig und extrem gefährlich für die Taucher", so Dede. Schlechte Sicht, die Strömung und enge Abstände zwischen den Pfählen erschwerten die Arbeiten unter Wasser.
Bevor der Kunststoff angelegt werden könne, müssten die Pfähle mit Hochdruckreinigern von dem zentimeterdicken Muschelbewuchs befreit werden. "Im DBU-geförderten Projekt kann diese langwierige Prozedur, bei der drei Taucher höchstens ein bis zwei Pfähle pro Tag reinigen, von einem ringförmigen und um den Holzpfahl klappbaren Druckstrahler schneller erledigt werden", so Dede. Mit einem weiteren Gerät, das nun in der Entwicklung stecke, könne dann der Schutzstoff von oben nach unten um die bis zu zehn Meter langen Pfähle gestreift und an ihnen befestigt werden.
"Der umweltverträgliche Kunststoff hat den Vorteil, dass sich anschließend Tiere, und Pflanzen wieder an dem Pfahl ansiedeln können, ohne ihm zu schaden", sagte Dede. Schließlich sei viel daran gelegen, das ökologisch Biotop in Häfen und in Uferbereichen nicht verarmen zu lassen. Dede: "Mit dem natürlichen 'Labor' Rostocker Hafen direkt vor unserer Haustür haben wir ideale Bedingungen, um die neue Technologie auszuprobieren."
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel29614_335.html
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
TU Berlin: Wissen um Wasser - Technologietransfer zwischen Universität und Wirtschaft
Dr. Kristina R. Zerges, Presse- und Informationsreferat
Technische Universität Berlin
25. Berliner Wasserwerkstatt will gemeinsame Projekte zwischen der TU Berlin und Unternehmen der Wasserbranche in der Region Berlin-Brandenburg ins Leben rufen
"Technologietransfer im Bereich Wasser und Umwelt" lautet das Thema der 25. Berliner Wasserwerkstatt, die die Technologietransferplattform Wasser (TTP-Wasser) zusammen mit dem Kompetenzzentrum Wasser Berlin veranstaltet.
Mit dem Kolloquium soll auf das Angebot der TU Berlin für Unternehmen in der Wasserbranche und auf die Technologietransferplattform Wasser aufmerksam gemacht werden. Denn TTP-Wasser bringt das Wissen und die Erfahrung der TU Berlin im Bereich Wasser und Umwelt mit innovativen, an Wassertechnologien interessierten Personen und Unternehmen zusammen. Ziel der 25. Berliner Wasserwerkstatt ist es, Unternehmen in Berlin-Brandenburg, die in der Wasserbranche tätig sind, direkt anzusprechen und zwischen der TU Berlin und diesen Firmen Kooperationen und Projekte zu initiieren.
An der TU Berlin existiert eine breite wasserbezogene Forschung und in der Wirtschaft sind eine Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen im Bereich Wasser und Umwelt tätig. Die Region Berlin-Brandenburg verfügt von daher über ein beachtliches Potential an wasserwirtschaftlichem Wissen.
Wasser ist ein faszinierendes Element nicht nur für die Forschung. Vor dem Hintergrund einer wachsenden Weltbevölkerung und des Klimawandels wird das Wissen um Wasser täglich relevanter. Neben den notwendigen Ressourcen ist ein angepasstes Wassermanagement nötig. Häufig fehlt neben technischen Konzepten die Einsicht, dass Wasserprobleme nur interdisziplinär gelöst werden können. Die TTP-Wasser hat dieses notwendige Wissen, weil sie auf das Fachwissen von über 20 Fachgebieten an der TU Berlin zugreifen kann. Darüber hinaus verfügt die TTP-Wasser über die entsprechenden Technologien für ein integriertes Wasserressourcenmanagement und bietet Unternehmen der Wasserbranche einen Ansprechpartner in der Universität, um Fachkenntnisse zu vermitteln, konkrete Untersuchungen durchzuführen und gemeinsame Projekte ins Leben zu rufen.
TTP-Wasser ist ein Projekt des Innovationszentrums Wasser in Ballungsräumen der TU Berlin und wird vom Bundesministerium des Inneren gefördert. TTP-Wasser ist ein Partner des Unternehmensnetzwerks WaterPN.
Die Wasserwerkstatt ist eine Veranstaltungsreihe des Kompetenzzentrums Wasser Berlin für Fachleute der Wasserbranche aus Forschung, Praxis und Verwaltung.
Kompetenzzentrum Wasser Berlin
http://www.kompetenz-wasser.de/
Technologietransferplattform Wasser
http://www.ttp-wasser.de/
Innovationszentrum Wasser in Ballungsräumen
http://www.fsp-wib.tu-berlin.de/
Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
http://www.bmvbs.de/
Unternehmensnetzwerk WaterPN
http://www.waterpn.de/
Weitere Informationen erteilen Ihnen gern: Dr.-Ing. Bodo Weigert, Kompetenzzentrum Wasser Berlin gGmbH, Cicerostr. 24, 10709 Berlin, Tel.: 030/5 36 53-841, Fax: 030/5 36 53-888, E-Mail: presse@kompetenz-wasser.de, Tobias Busse, Technologietransferplattform Wasser, TU Berlin, Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin, Tel.: 030/314-24870,
Fax: -23313, E-Mail: tobias.busse@tu-berlin.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Gewichtsabnahme hilft bei der Reparatur geschädigter Blutgefäße
Pierre König, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung
Deutsche Stiftung für Herzforschung fördert Projekt Göttinger Wissenschaftler
Neue Erkenntnisse zur Funktion von Endothel-Vorläuferzellen
(Frankfurt am Main, 26. Januar 2010) Übergewicht stört natürliche Reparaturvorgänge in den Blutgefäßen des Herz-Kreislauf-Systems. Eine Gewichtsabnahme kann dies wieder rückgängig machen. Das zeigt ein von der Deutschen Stiftung für Herzforschung - in Verbindung mit der Deutschen Herzstiftung - gefördertes Forschungsprojekt Göttinger Wissenschaftler. Es ist eines von derzeit 24 durch die Stiftung unterstützten Forschungsprojekten.
Im Mittelpunkt ihrer Untersuchungen stehen bei der Forschergruppe um Prof. Dr. med. Katrin Schäfer aus der Kardiologie am Herz-Zentrum der Universitätsmedizin Göttingen die so genannten Endothel-Vorläuferzellen. Von diesen aus dem Knochenmark stammenden und im Blut zirkulierenden Zellen weiß man, dass sie zum Schutz der Blutgefäß-Innenauskleidung (Endothel) beitragen. "Diese Zellen treten etwa bei einer Mangeldurchblutung des Herzmuskels in Aktion, indem sie die Neubildung von Blutgefäßen fördern", erläutert Katrin Schäfer, "oder sie helfen bei Schädigungen der Gefäßwand, dass sich diese wieder regenerieren kann." Demgegenüber verschlechtern mehrere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie beispielsweise Rauchen und erhöhte Blutzucker- sowie Cholesterinwerte, die Reparaturfunktionen der Endothel-Vorläuferzellen.
Übergewicht hemmt das Reparaturpotenzial
Erstmals genauer erforscht wurde in der vorliegenden Studie, wie sich Übergewicht als eigenständiger Herz-Kreislauf-Risikofaktor auf Endothel-Vorläuferzellen auswirkt. Dazu isolierten und kultivierten die Göttinger Wissenschaftler entsprechende Zellen aus dem Blut von 49 übergewichtigen Teilnehmern eines Gewichtsabnahmeprogramms der Universitätsmedizin Göttingen und verglichen sie mit denen einer normalgewichtigen Kontrollgruppe. Ergebnis: "Mehrere Fähigkeiten der Endothel-Vorläuferzellen, die normalerweise für deren Reparaturpotenzial von Bedeutung sind, waren bei den übergewichtigen Personen deutlich eingeschränkt", so Katrin Schäfer. Dies zeigte sich zum Beispiel in einer verminderten Ausschüttung von speziellen an der Gefäßneubildung beteiligten Signalmolekülen (angiogenetische Chemokine). Die gute Nachricht: Bei den übergewichtigen Studienteilnehmern, die innerhalb eines halben Jahres mit ihrem Gewichtsabnahmeprogramm Erfolg hatten (mindestens 10 Prozent Gewichtsverlust oder Body-Mass-Index unter 35 kg/m2), verbesserten sich die Funktionen der Endothel- Vorläuferzellen wieder. Das zeigten die Nachuntersuchungen sechs Monate nach der ersten Blutanalyse. Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Studie sind in der aktuellen Ausgabe des "Journal of the American College of Cardiology" veröffentlicht*.
"Die Ergebnisse dieser patientennahen Studie", kommentiert Prof. Dr. med. Hellmut Oelert, Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Stiftung für Herzforschung, "sind sowohl für die Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Krankheiten bei noch Gesunden wie auch für die Prognose bei bereits am Herzen erkrankten Patienten wichtig: Denn sie lassen den Schluss zu, dass jeder, der Übergewicht vermeidet oder es erfolgreich abbaut, damit wirkungsvoll auch die körpereigenen Reparaturvorgänge in seinen Blutgefäßen - so auch in den Herzkranzarterien - und damit seine Herz-Kreislauf-Gesundheit unterstützt." Das Forschungsprojekt wird mit erweiterter Fragestellung fortgesetzt und auch im Jahr 2010 von der Deutschen Stiftung für Herzforschung unterstützt.
Zur Deutschen Stiftung für Herzforschung:
Als Schwesterorganisation der Deutschen Herzstiftung e. V. fördert die Deutsche Stiftung für Herzforschung patientennahe Projekte von hohem wissenschaftlichem Niveau in der klinischen Forschung und Grundlagenforschung.
* Heida, Nana-Maria et al., Effects of Obesity and Weight Loss on the Functional Properties of Early Outgrowth Endothelial Progenitor Cells, J.Am.Coll.Cardiol., 2010, 55: 357-367.
3/2010
Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle
Dr. Klaus Fleck / Pierre König
Tel. 069/955 128-140
Fax: 069/955 128-345
koenig@herzstiftung.de
Weitere Informationen:
http://www.herzstiftung.de
http://www.dshf.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Für noch mehr Sonne im Tank
Katharina Thehos, Pressestelle
Technische Universität Chemnitz
Professur Technische Thermodynamik der TU Chemnitz optimiert gemeinsam mit dem sächsischen Unternehmen Haase GFK-Technik GmbH Solarspeicher aus Kunststoff
Mehr als elf Millionen Quadratmeter Kollektorfläche von Solarthermieanlagen waren 2008 nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in Deutschland installiert - mehr als 210.000 Anlagen seien 2008 neu errichtet worden, doppelt so viele wie noch im Jahr zuvor. Solarthermieanlagen können zur Erwärmung von Trinkwasser sowie für die Produktion von heißem Wasser für Heizungsanlagen genutzt werden. "Die Speicher werden heute immer größer, außerdem sind für den vermehrten Einsatz in Heizungssystemen höhere Temperaturen nötig", sagt Dr. Thorsten Urbaneck, Bereichsleiter "Thermische Energiespeicher" an der Professur Technische Thermodynamik der TU Chemnitz, und ergänzt: "Zudem sollen längere Speicherperioden von bis zu drei Monaten erreicht werden, weshalb es wichtig ist, die Verluste der Speicher zu minimieren."
Gemeinsam mit dem mittelständischen Unternehmen Haase GFK-Technik GmbH aus Sachsen optimieren die Chemnitzer Wissenschaftler die Speichertechnik und passen die Produktpalette des Unternehmens an. Grundlage dafür sind Forschungsergebnisse, die die Professur Technische Thermodynamik der TU Chemnitz gemeinsam mit Wissenschaftlern der TU Ilmenau in einem 2008 abgeschlossenen Projekt erzielt haben. "Verschiedene Mittelständler haben Interesse an unseren Ergebnissen bekundet", berichtet Urbaneck. Die Firma Haase GFK-Technik GmbH aus Großröhrsdorf bei Dresden ist spezialisiert auf Tanks, Anlagen und Formteile aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). GFK ist ein Verbundwerkstoff aus Glas und Harz, der den bisher für Speicher üblichen Stahl ersetzt und damit unter anderem die äußeren Verluste sowie die Kosten der Anlagen senkt.
Im Mittelpunkt der Arbeit der TU-Wissenschaftler steht die Be- und Entladung der Speicher. "Die Schichtung des Wassers im Speicher nach Temperatur ist wichtig", sagt Urbaneck und erklärt: "Ein Speicher mit 40 Grad warmem Wasser hat zwar die selbe Energie, wie ein Speicher, in dem je zur Hälfte 30 und 50 Grad warmes Wasser geschichtet ist. Aber gerade für Heizungen braucht man höhere Temperaturen. Die Energie ist mehr wert, wenn höhere und niedrigere Temperaturschichten zur Verfügung stehen, als wenn der Wassertank eine mittlere Temperatur hat." Deshalb soll ausgenutzt werden, dass die Sonne mittags intensiver strahlt als morgens und abends und so das Wasser dann stärker erhitzt. Das Be- und Entladesystem, an dem die Chemnitzer gemeinsam mit der Firma Haase derzeit arbeiten, basiert auf dem Dichteunterschied zwischen kälterem und wärmerem Wasser und ist preiswerter sowie robuster als bisher existierende Lösungen, die beispielsweise mit Reglern arbeiten.
Derzeit sind mehrere optimierte Produkte der Firma Haase im Teststand der TU Chemnitz im Probebetrieb. Das Projekt, das Dr. Thorsten Urbaneck und Rolf Lohse an der Professur Technische Thermodynamik von Prof. Dr. Bernd Platzer bearbeiten, wird seit Juni 2009 bis Mai 2010 vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert (Förderkennzeichen 0325957A).
Weitere Informationen unter http://www.ichbin2.de und bei Dr. Thorsten Urbaneck, Telefon 0371 531-32463, E-Mail thorsten.urbaneck@mb.tu-chemnitz.de.
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
UDE: Nur jeder Zehnte arbeitet bis 65
Katrin Braun, Pressestelle
Universität Duisburg-Essen
Lediglich jeder dritte Deutsche geht direkt aus einer stabilen Beschäftigung in Rente, nur jeder Zehnte arbeitet dabei bis 65. Das zeigen aktuelle Ergebnisse des Altersübergangs-Monitors des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. Im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung und des Forschungsnetzwerks Alterssicherung wird der Übergang zwischen Erwerbsleben und Ruhestand untersucht. "Die Beschäftigungsbedingungen für Ältere und die individuelle Beschäftigungsfähigkeit im Alter müssen dringend verbessert werden, wenn die Rente mit 67 realisiert werden soll", fordert der IAQ-Arbeitsmarktforscher Dr. Martin Brussig.
Wie hoch die Rente ausfällt, hängt wesentlich von der bisherigen Erwerbstätigkeit ab. Brussig hat drei Wege untersucht: aus stabiler Beschäftigung, aus kurzfristiger Übergangsarbeitslosigkeit und aus Langzeitarbeitslosigkeit. Etwa die Hälfte der Personen, die eine Altersrente direkt nach einer stabilen Beschäftigung beziehen, nahm 2007 Abschläge in Kauf. Noch weiter verbreitet sind Abzüge bei Langzeitarbeitslosen: Drei Viertel gehen vorzeitig in Rente - und zwar im Durchschnitt dreieinhalb Jahre früher, ein Drittel mit maximalen Abschlägen von 18 Prozent des Rentenanspruchs.
Dies wirkt sich deutlich auf den monatlichen Betrag aus: Während beim direkten Wechsel aus stabiler Beschäftigung die Rente im Durchschnitt 1.028,80 Euro beträgt, liegt die durchschnittliche Zahlung nach Übergangsarbeitslosigkeit bei 799,80 Euro; Neurentnern nach Langzeitarbeitslosigkeit werden im Schnitt 725,90 Euro ausgezahlt. Unfreiwillige Arbeitslosigkeit vor der Rente kann nach Einschätzung Brussigs einerseits den Eintritt in den Ruhestand beschleunigen, um schnell in den "sicheren Hafen" der Altersrente zu gelangen. Andererseits gibt es auch Indizien dafür, dass ein Teil der Arbeitslosen den Beginn verzögert, um Abschläge zu vermeiden oder zu vermindern.
"Die Wahlmöglichkeiten zum flexiblen Rentenbeginn werden gerade von Personen genutzt, die ihrer prekären Arbeitsmarktposition am Ende des Erwerbslebens entfliehen und dafür auch dauerhafte Einbußen in der Rente hinnehmen", folgert Brussig.
Weitere Informationen: Dr. Martin Brussig, Tel. 0203/379-3931, martin.brussig@uni-due.de
Redaktion: Claudia Braczko, Tel. 0170/8761608, presse-iaq@uni-due.de
Weitere Informationen:
http://www.iaq.uni-due.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Virtuelles Wassernetz optimiert Versorgung
Dr. Norbert Aschenbrenner, Corporate Communications, Corporate Technology
Siemens AG
Mit Hilfe eines neuen Simulationsverfahrens kann die Automatisierungstechnik eines Wassernetzes bereits in der Designphase getestet werden. Kommunen können so die Wasserversorgung bezüglich Versorgungssicherheit und Energiebedarf optimieren. Wasserwerke und Kläranlagen sind gleich nach Flughäfen die größten kommunalen Energieverbraucher. Mit der neuen Lösung von Siemens werden alle Komponenten eines Wassernetzes noch vor Beginn der Baumaßnahmen getestet und aufeinander abgestimmt. Dieses virtuelle Engineering verkürzt die Entwicklungszeit und reduziert die Kosten für den Kunden. Wasser- und Energieverbrauch sinken, da die nötigen Pumpvorgänge und die bereitgestellten Wassermengen ebenfalls am Modell optimiert werden. Das Verfahren eignet sich sowohl für Planung und Design als auch für die Modernisierung bestehender Wassernetze. In diesem Jahr soll ein erster Prototyp vorgestellt werden.
Mehr als fünf Milliarden Kubikmeter Trinkwasser verteilen deutsche Wasserversorger Jahr für Jahr. Knapp die doppelte Menge rauscht als Abwasser durch die Kanalisation. Die Steuerung der Wasserströme hat es in sich: Zum Beispiel muss in den verschieden dicken Rohren der Wasserdruck immer in einem bestimmten Bereich liegen, Zwischenspeicher sollen nicht zu voll, aber auch nicht zu leer sein, und Pumpen dürfen auf keinen Fall trocken fallen. Eine ausgeklügelte Automatisierungstechnik kontrolliert den Wasserfluss mit Hilfe von Steuergeräten und Sensoren, die zum Beispiel Druck und Durchflussgeschwindigkeiten messen. Das neue Entwurfsverfahren soll nun schon im Vorfeld am virtuellen Prozessmodell des jeweiligen Wassernetzes sicherstellen, dass alle Komponenten wie Pumpen oder Ventile in jeder Situation zusammenspielen.
Dazu hat Siemens Corporate Technology nach Vorgaben von Siemens Industry physikalische Modelle für alle Bausteine eines Wassernetzes und Algorithmen für die Simulation der Wasserströme entwickelt. Mit dieser digitalen Bibliothek kann die reale Automatisierungstechnik eines Wassernetzes am virtuellen Prozessmodell getestet und optimiert werden. Im zweiten Schritt werden die am Computer entwickelten Steuerungsvorgänge auf reale Steuergeräte übertragen, am Modellnetz erprobt und verfeinert. So können schnell verschiedene Szenarien durchgespielt oder Ausfälle simuliert werden. Erst wenn sich das System als stabil erweist, wird es am realen Wassernetz in Betrieb genommen. Das neue Verfahren basiert auf dem Wassermanagementsystem SIWA PLAN von Siemens, mit dem Wassernetze zu Planungs- und Trainingszwecken sowie zur Online - Betriebsoptimierung modelliert werden.
Weitere Informationen:
http://www.siemens.de/innovationnews
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Akupunktur gegen Heuschnupfen
Benjamin Waschow, Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Freiburg
Auch wenn es noch nicht danach aussieht: der Frühling kommt bestimmt.
Doch vielen Menschen wird der Frühlingsanfang durch tränende Augen,
juckende, verstopfte Nasen und wässrigen Schnupfen bis hin zu Atemnot
verleidet. Im "Uni-Zentrum Naturheilkunde" des Universitätsklinikums Freiburg wird
seit mehreren Jahren die Elektroakupunktur, die so genannte
"augmentierte Akupunktur", bei saisonaler Allergie durchgeführt.
Grundsätzlich ist die Akupunktur bei der Behandlung von allergischen
Symptomen in der naturheilkundlichen Medizin nicht neu. Das Besondere
an der "augmentierten Akupunktur" gegen Heuschnupfen ist die meist nur
einmalige Behandlung. Nach den Erfahrungen des Uni-Zentrums
Naturheilkunde sind bei circa 70 Prozent der Patienten die Beschwerden
nach der Behandlung für einen Zeitraum von sechs bis acht Wochen
deutlich gebessert.
Zur Methode: Es werden zwei Punkte im Verlauf des Blasenmeridians im
Nackenbereich ermittelt, die einen geringen Hautwiderstand aufweisen.
Diese Punkte werden örtlich betäubt und die Akupunkturnadeln gesetzt.
Über die Akupunkturnadeln wird ein Reizstromimpuls gegeben. Eine
wichtige Voraussetzung für den Behandlungserfolg ist, dass der Patient
zum Zeitpunkt der Behandlung unter starken allergischen Symptomen
leidet.
Weitere Informationen und Anmeldung im Uni-Zentrum
Naturheilkunde unter Tel.: 0761/ 270 8201
Kontakt:
Dr. Roman Huber
Uni-Zentrum Naturheilkunde
Tel.: 0761/270- 8201
E-Mail: roman.huber@uniklinik-freiburg.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
"Frauen klagen - Männer sterben": Neue Männer - muss das sein?
Dr. Victoria Meinschäfer, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
In der Heinrich-Heine-Universität findet am 19./20. Februar 2010 ein internationaler wissenschaftlicher Männerkongress statt. Motto: "Neue Männer - muss das sein? Über den männlichen Umgang mit Gefühlen". Ausrichter sind die Heinrich-Heine-Universität und die Akademie für Psychoanalyse und Psychosomatik Düsseldorf.
Der Suizid Robert Enkes im vergangenen Jahr hat den problematischen Umgang vieler Männern mit ihren Gefühlen deutlich gemacht: Die Selbstmordrate von Männern liegt dreimal höher als die von Frauen, ihre Lebenserwartung ist sechs Jahre geringer. "Frauen klagen - Männer sterben", so ein unter Fachleuten häufig gebrauchtes bitteres Resümee, mit dem die bei Frauen größere Bereitschaft, frühzeitig Hilfe zu suchen, angesprochen ist.
Das Bild des Mannes unterliegt nach Einschätzung der Veranstalter einer zunehmenden Fragmentierung bis hin zur Entwertung positiver männlicher Eigenschaften. Dies hat mittlerweile zu tief greifenden und häufig leidvollen Identitäts- und Orientierungskrisen vieler Männer und Jungen geführt.
Einige der Themenblöcke: "Gibt es geschlechtsspezifische emotionale Drehbücher und Gefühlsregeln?"; "Traumatische Aspekte der männlichen Sozialisation"; "Der kranke Mann"; "Der verlassene Mann"; "Der entwertete Mann"; "Der vaterlose Mann"; "Welchen Geschlechts sind die Therapeuten?"; "Hoffnungen für den neuen Mann? Alternativen aus der Geschichte".
Weitere Informationen:
http://www.maennerkongress2010.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Wassermangel ist Mangel an Wassermanagement
Britta Paasche M.A., Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa
Zur Grünen Woche erörterten Experten auf dem IAMO-Symposium die Auswirkungen von Klimawandel und Bevölkerungswachstum auf die Landwirtschaft
Im Rahmen des vom BMELV zur Internationalen Grünen Woche 2010 ausgerichteten Forum for Food and Agriculture veranstaltete das Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) am Freitag, dem 15.01., das Symposium "Klima - Wasser - Landwirtschaft". Erörtert wurde die Frage, welche Auswirkungen Klimawandel und Bevölkerungswachstum auf die globalen Wasserressourcen haben und was dies für die Landwirtschaft und die weltweite Ernährungssicherung bedeutet.
TREIBHAUSGASREDUKTION ALS SOZIALES DILEMMA BEGREIFEN
Nach einem Grußwort von Astrid Jakobs de Pádua, Leiterin des Referats Internationale Organisationen, Welternährung und Nachhaltige Entwicklung des BMELV, führte Dr. Insa Theesfeld in das Thema ein. Die IAMO-Wissenschaftlerin, die sich schwerpunktmäßig mit Institutionenökonomie und natürlichem Ressourcenmanagement beschäftigt, erläuterte, dass 70% der Süßwasserressourcen der Erde von der Landwirtschaft genutzt werden, aber regional große Unterscheide zu verzeichnen sind. So liegt der Anteil der Landwirtschaft am Wasserverbrauch in Deutschland lediglich bei 4%. Das Verhältnis von Klima, Wasser und Landwirtschaft müsse man sich als komplexes Beziehungsgefüge vorstellen. Unter Berufung auf die Thesen der Wirtschaftsnobelpreisträgerin von 2009, Prof. Elinor Ostrom, argumentierte Theesfeld, dass die Schaffung des globalen öffentlichen Gutes "weniger Treibhausgase in der Atmosphäre" ein soziales Dilemma sei. Ein polyzentrischer Ansatz, also ein vielschichtiges System von Koordinationsmechanismen und selbstverantwortlichen Organisationsformen auf lokaler, regionaler, nationaler und internationaler Ebene, sei notwendig, um dieses Ziel umzusetzen.
KLIMAWANDEL BEDEUTET TEMPERATURANSTIEG UND NIEDERSCHLAGSVERÄNDERUNGEN
Dr. Hermann Lotze-Campen, Leiter der Arbeitsgruppe Landnutzungswandel im Forschungsbereich Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, wies darauf hin, dass Wassermangel oftmals ein Managementproblem sei. Durch den Klimawandel würden die bereits bestehenden Probleme zusätzlich verschärft. Er erläuterte, dass im Gegensatz zum Temperaturanstieg, der als Folge der Klimaveränderungen überall auf der Welt zu verzeichnen ist, Vorhersagen wie die klimatischen Veränderungen die Niederschläge beeinflussen werden erheblich variieren. Diese Veränderungen sind derzeit nicht genau prognostizierbar bzw. kämen unterschiedliche Experten, die mit unterschiedlichen Modellen rechneten zu ganz verschiedenen Prognosen. Zwei Dinge sind jedoch sicher, die Folgen sind weltweit nicht gleich wie bei den Temperaturveränderungen, sondern regional unterschiedlich. Weiterhin ist zu erwarten, dass vor allem Extremereignisse wie Dürren und Überflutungen zunehmen.
GRUNDWASSERSPEICHER OPTIMALER NUTZEN
Auch aus Sicht von Dr. Wilhelm Struckmeier, Direktor und Professor an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, ist Wasserknappheit oftmals kein physikalisches Problem, sondern ein Managementproblem. Der Hydrogeologe plädierte dafür, vor allem die Grundwasserspeicher optimaler zu bewirtschaften. Gelänge es beispielsweise Oberflächenwasser wie Regen im Grundwasser zu speichern, könne dies in Trockenzeiten für die Wasserversorgung zur Verfügung stehen. Wie bedeutsam Grundwasser auch in Deutschland ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Drei Viertel des Trinkwassers stammen hierzulande aus Grundwasser.
INDIGENES WISSEN WIRD UNZUVERLÄSSIGER
Eine der Auswirkungen, die der Klimawandel auf Kleinbauern in Kenia und andere afrikanische Staaten hat, beschrieb Dr. Chinwe Ifejika Speranza, Geographin und Spezialistin für Geographische Informationssysteme am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik. Kleinbauern müssen zunehmend feststellen, dass ihr indigenes Wissen über Natur- und Wetterereignisse immer unzuverlässiger werde. Das Blühen einer bestimmten Pflanze, jahrhundertelang ein Indiz dafür, dass in der nächsten Zeit mit Regen zu rechnen ist und also mit der Aussaat begonnen werden kann, erwiesen sich zunehmend als trügerisch. Hinzu käme, dass viele nationale afrikanische Regierungen ihre Kleinbauern nicht unterstützten. Es fehle an Beratungsangeboten, an Daten von Wetterinformationsdiensten und an finanziellen Ressourcen. Hitzebeständiges und dürreunempfindliches Saatgut, das gleichzeitig auch mit temporärer Überflutung zurechtkomme, sei bereits entwickelt, so Ifejika Speranza, aber für die Kleinbauern in Afrika, einfach nicht bezahlbar.
WASSER ALLEIN HILFT NICHT
Dr. Elisabeth van den Akker, Seniorfachplanerin zum Thema "Wasser in der Landwirtschaft" bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, betonte, dass über den Klimaaspekt hinaus auch die ökonomischen Zusammenhänge betrachtet werden müssen. Selbst wenn Kleinbauern ihre Produkte durch künstliche Bewässerung erzeugen könnten, was sie genauso bräuchten, sei ein Markt für ihre Produkte. In Mali beispielsweise wurden Flächen zur Bewirtschaftung eingerichtet. Fast die Hälfte davon liege aber weiterhin brach und werde nicht von Kleinbauern genutzt, da es sich für sie einfach nicht rechne; sie keine Absatzmärkte für ihre Produkte haben. Van den Akker unterstrich darüber hinaus die Notwendigkeit, für Verteilungsgerechtigkeit zu sorgen und Zugangsrechte zu Land und damit auch zu Wasser zu gewährleisten.
AUCH OHNE KLIMAWANDEL: WASSERRESSOURCEN WERDEN KNAPPER
Um den steigenden Bedarf an Nahrungsmitteln und Energie einer wachsenden Weltbevölkerung zu sichern, benötige die Landwirtschaft in Zukunft mehr Wasser als bisher. Selbst wenn man den Klimawandel außen vor lässt, die Wasserressourcen für die Landwirtschaft werden knapper. Trotzdem, von einem "global doom" wollten die Experten auf dem IAMO-Symposium nicht sprechen. Es gäbe eine Vielzahl von Anpassungsoptionen wie den Import virtuellen Wassers, die Anwendung moderner Bewässerungstechnologien, Abwasserrecycling oder handelbare Wassernutzungsrechte. Worüber man sich als Verbraucher in Deutschland allerdings bewusst sein sollte: Erdbeeren können im Winter nicht unter umweltverträglichen Bedingungen produziert werden. Für die Produktion von Nahrungsmitteln sind erhebliche Mengen an Wasser notwendig. So verbraucht jeder Deutsche täglich zwar nur zwei bis fünf Liter Trinkwasser und einhundert bis zweihundert Liter Brauchwasser, aber dafür sind mehrere tausend Liter Wasser nötig, um zu produzieren, was täglich in Form von Nahrungsmitteln konsumiert wird. Für die Erzeugung einer Kilokalorie braucht es einen Liter Wasser, so Catrin Hahn, Redakteurin der Neuen Landwirtschaft, in ihrer Schlussmoderation des Symposiums.
Weitere Informationen:
Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO)
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Britta Paasche M.A.
Tel. 0345 - 2928 330 | paasche@iamo.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Gefahrstoffe ermitteln und beurteilen mit der IFA-Gefahrstoffliste
Stefan Boltz, Pressestelle
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung - DGUV
Ein umfassendes, kompaktes und aktuelles Nachschlagewerk zum Thema Gefahrstoffe hat das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) heute veröffentlicht. Die IFA-Gefahrstoffliste enthält alle wichtigen Informationen, um Gesundheitsgefährdungen durch Gefahrstoffe zu beurteilen. Sie ist eine kostenlose und praktische Unterstützung für Betriebe, Aufsichtsbehörden, Arbeitsmediziner und andere, die sich mit Gefahrstoffen und Gesundheitsschutz befassen.
Vorschriften und Regeln zu Gefahrstoffen am Arbeitsplatz werden immer zahlreicher; ebenso zahlreich sind die Quellen, in denen sie zu finden sind. Die neue Gefahrstoffliste des IFA (ehemals BGIA) hilft dem Arbeitsschutzpraktiker den Überblick zu behalten. Sie enthält Luftgrenzwerte und biologische Grenzwerte, informiert über deren Herkunft, Einstufung und Kennzeichnung, gibt Hinweise zur Gefahr der Sensibilisierung durch die genannten Stoffe und zu ihrer Aufnahme über die Haut, geht auf ärztliche und medizinische Vorgaben ein, beschreibt Messverfahren und verweist auf wesentliche in Deutschland geltende Verordnungen, Richtlinien und Regeln für Gefahrstoffe. Die Gefahrstoffliste ist damit ein Grundlagenwerk für die Gefährdungsbeurteilung, die der Arbeitgeber laut Gefahrstoffverordnung in seinem Betrieb durchführen muss.
Die Gefahrstoffliste wurde im Dezember 2009 erstellt und erscheint deshalb noch unter der alten Bezeichnung BGIA-Report. Sie enthält aber die maßgeblichen Vorgaben für das Jahr 2010. Die Gefahrstoffliste kann unter www.dguv.de/ifa/gefahrstoffliste heruntergeladen oder als Druckfassung über ifa-info@dguv.de kostenlos bestellt werden.
Weitere Informationen:
http://www.dguv.de/ifa/gefahrstoffliste - zum Download der IFA-Gefahrstoffliste
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Menschen mit Gallensteinen haben ein höheres Diabetesrisiko
Dr. Gisela Olias, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
Potsdam-Rehbrücke - Menschen mit Gallensteinen haben ein um 42 Prozent höheres Risiko, an Typ-2-Diabetes (Alterszucker) zu erkranken, als Menschen ohne Gallensteine. Dagegen scheinen Nierensteine kaum eine Rolle für das Diabetesrisiko zu spielen. Zu diesem Ergebnis kam ein Forscherteam um Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE), nachdem es Daten der Potsdamer EPIC-Studie* ausgewertet hatte. Bei dieser handelt es sich um eine große Bevölkerungs-Langzeitstudie, an der seit 1994 mehr als 25.000 Menschen teilnehmen.
Die Studie, zu der Cornelia Weikert vom DIfE und Steffen Weikert vom Universitätsklinikum Charité Berlin maßgeblich beigetragen haben, wurde online in der Fachzeitschrift American Journal of Epidemiology (Cornelia Weikert and Steffen Weikert et al.; 2009; DOI: 10.1093/aje/kwp411) publiziert.
Gallenstein- und Nierensteinerkrankungen treten bei Menschen mit westlichem Lebensstil gehäuft auf, wobei massives Übergewicht ein wesentlicher Risikofaktor ist. Zudem weisen epidemiologische Untersuchungen darauf hin, dass Menschen mit Diabetes eher dazu neigen, Gallensteine zu bekommen. Bislang war jedoch unklar, ob umgekehrt Gallen- oder Nierensteine mit einem erhöhten Diabetesrisiko assoziiert sind, das heißt Diabetes-Risikofaktoren darstellen.
Um dieser Frage nachzugehen, analysierte das Wissenschaftlerteam um Heiner Boeing die Daten der Potsdamer EPIC-Studienteilnehmer. Zu Beginn der Studie hatten 3.293 der beteiligten Männer und Frauen über bekannte Gallen- und 2.468 der Teilnehmer über bekannte Nierensteine berichtet. Im Verlauf der Studie erkrankten während eines Beobachtungszeitraums von etwa 7 Jahren 849 von 25.166 Studienteilnehmern an Diabetes.
Unabhängig von Alter, Geschlecht, Taillenumfang und Lebensstilfaktoren wie Rauchen und Alkoholkonsum hatten Personen mit Gallensteinen ein 1,42-fach erhöhtes Risiko, an einem Diabetes zu erkranken. Hingegen war bei Menschen mit Nierensteinen das Diabetesrisiko nicht erhöht. "Nach unseren Daten sind Gallensteine ein eindeutiger Risikofaktor für Diabetes und könnten zusammen mit anderen Faktoren genutzt werden, um die Einschätzung des individuellen Diabetesrisikos zu präzisieren. Nierensteine spielen für die Vorhersage des Diabetesrisikos hingegen keine Rolle", erklärt Heiner Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie.
"Treten Gallensteine auf, sollte man sich vom Hausarzt über Vorzeichen einer Diabeteserkrankung und das individuelle Risiko beraten lassen", empfiehlt Cornelia Weikert. "Ebenso ergibt sich aus der Gallensteinerkrankung ein Anlass, seine Ernährung sowie seinen Lebensstil zu überdenken und Präventionsempfehlungen verstärkt zu befolgen. Nicht zuletzt sollten Ärzte, die Gallensteine bei ihren Patienten feststellen, bei der Weiterbetreuung auch das erhöhte Diabetesrisiko berücksichtigen."
Hintergrundinformation:
Typ-2-Diabetes (auch als Alterszucker oder -diabetes bekannt) ist eine Stoffwechselerkrankung, bei welcher der Körper das selbstproduzierte Insulin nicht ausreichend nutzen kann. Dadurch wird der Blutzuckerspiegel erhöht. Ein Typ-2-Diabetes entwickelt sich schleichend über Jahre, wobei Gefäße und Augen bereits frühzeitig geschädigt werden können. Zu den schweren Folgeschäden zählen: Herzinfarkt, Schlaganfall, Blindheit, ein Verlust von Gliedmaßen durch Amputation oder Nierenversagen.
Die *Potsdamer EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition)-Studie leitet Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE). Sie ist Teil der Gesamt-EPIC-Studie. Die EPIC-Sudie ist eine prospektive Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit 519.000 Studienteilnehmern beteiligt.
Bei der Auswertung einer prospektiven Studie ist es wichtig, dass die Teilnehmer/innen zu Beginn der Studie noch nicht an der zu untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für eine bestimmte Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen, wodurch eine Verfälschung der Daten durch die Erkrankung weitestgehend verhindert werden kann - ein entscheidender Vorteil gegenüber retrospektiven Studien.
Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes und Krebs.
Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 14.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 6.500 Wissenschaftler, davon wiederum 2.500 Nachwuchswissenschaftler. Näheres unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de
Kontakt:
Prof. Dr. Heiner Boeing
Abteilung Epidemiologie
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/ Deutschland
Tel.: +49(0)33200-88-711
E-Mail: boeing@dife.de
Dr. Cornelia Weikert
Abteilung Epidemiologie
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
D-14558 Nuthetal
Tel.: +49(0)33200-88-711/734
E-Mail: weikert@dife.de
Priv.-Doz. Dr. Steffen Weikert
Klinik für Urologie
Charité-Universitätsmedizin Berlin
Charitéplatz 1
D-10117 Berlin
Tel.: +49(0)30-8445-2577
E-Mail: steffen.weikert@charite.de
Dr. Gisela Olias
Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal
Tel.: +49(0)33200-88-278/335
Fax: +49(0)33200-88-503
E-Mail: olias@dife.de
Weitere Informationen:
http://www.dife.de Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Die seismische Lücke südlich von Istanbul
Dipl.Met. Franz Ossing, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ
Die Kette von Erdbeben entlang der Nordanatolische Verwerfung weist südlich von Istanbul eine Lücke auf. Die hier zu erwartenden Erdbeben stellen eine extreme Gefahr für die türkische Großstadt dar, insbesondere wenn die Störung mit einem einzigen Beben bricht. Eine neue Computerstudie zeigt nun, dass sich die Spannungen in diesem Teil der Verwerfungszone in mehreren Erdbeben anstatt eines einzelnen großen Bebenereignisses entladen könnten.
Die seismische Lücke südlich von Istanbul
Welche Erdbebengefährdung hat Istanbul?
Die Kette von Erdbeben entlang der Nordanatolische Verwerfung weist südlich von Istanbul eine Lücke auf. Die hier zu erwartenden Erdbeben stellen eine extreme Gefahr für die türkische Großstadt dar, insbesondere wenn die Störung mit einem einzigen Beben bricht. Eine neue Computerstudie zeigt nun, dass sich die Spannungen in diesem Teil der Verwerfungszone in mehreren Erdbeben anstatt eines einzelnen großen Bebenereignisses entladen könnten. In der neuen Ausgabe von Nature Geosciences (Nature Geoscience, vol 3, doi:10.1038/NGEO739) stellen Tobias Hergert vom Karlsruhe Institut für Technologie und Oliver Heidbach vom Deutschen GeoForschungs-Zentrum GFZ die Ergebnisse der Computersimulation vor, die im Rahmen des Projektes Megacity Istanbul von CEDIM (Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology) erstellt wurde.
Das Izmit-Erdbeben vom August 1999 forderte 18.000 Todesopfer und war mit einer Magnitude von 7,4 das jüngste Beben einer Serie, die 1939 im Osten der Türkei begann und sukzessive die Plattengrenze zwischen der Anatolischen und der Eurasischen Platte nach Westen bis Izmit 1999 zum Versagen bracht. Das nächste Beben in dieser Serie wird folglich westlich von Izmit, also südlich von Istanbul, erwartet. Die Stadt hat also ein bedrohliches Erdbebenrisiko.
Eine wichtige Größe zur Beurteilung der seismischen Gefährdung sind die Bewegungsraten der tektonischen Störungen. Hergert und Heidbach zerlegten für ihre Studie das Gebiet in 640.000 Elemente, um die Kinematik des Störungssystems dreidimensional zu bestimmen. "Die Modellergebnisse zeigen, dass die Bewe-gungsraten an der Hauptstörung zwischen 10 und 45% geringer sind als bisher angenommen", sagt dazu Oliver Heidbach vom GFZ. "Zudem variieren die Bewegungsraten um 40% entlang der Hauptstörung." Diese Variabilität interpretieren die Autoren als Hinweis darauf, dass die aufgebaute Spannung in der Erdkruste anstelle eines einzelnen, gewaltigen Bebens sich auch in zwei oder drei Erdbeben mit geringerer Magnitude entladen kann. Eine Entwarnung für Istanbul bedeutet das überhaupt nicht: Die Autoren weisen in ihrem Artikel ausdrücklich darauf hin, dass die geringe Entfernung der Hauptstörung zu Istanbul nach wie vor ein extremes Erdbebenrisiko für die Mega-City darstellt. Die Verwerfungszone ist weniger als 20 Kilometer von der Stadtgrenze entfernt. Hinzu kommt, dass auch die-se kleineren Beben größer als Magnitude 7 sein können; Vorsorge vor dem Eintritt eines Bebens ist somit unerlässlich.
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Seesterne: Klimaretter oder Klimaopfer?
Dr. Andreas Villwock, Pressestelle
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, Kiel
Während ihres Lebens produzieren sie Kalk und binden dabei Kohlenstoff aus der Wassersäule. Wenn sie sterben, lagert sich dieser am Meeresboden ab: Echinodermata spielen offenbar eine viel größere Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf als bisher vermutet. Auf der anderen Seite sind sie durch die zunehmende Ozeanversauerung gefährdet. Ihr Einfluss auf das gesamte marine Ökosystem ist somit nicht zu unterschätzen. In einer in der Fachzeitschrift "Ecology Monographs" erschienenen Studie legt eine internationale Forschergruppe unter Leitung des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) in Kiel erste Einschätzungen vor.
Um ihre Schutzhüllen oder Skelette zu bilden, aber auch für verschiedene andere Prozesse, verbrauchen Echinodermata Kohlenstoff aus dem Meerwasser. Dieser Stamm, dessen Arten in allen Meeren vom Gezeitenbereich bis zur Tiefsee vertreten ist, wird in fünf Gruppen aufgeteilt: Seesterne, Seeigel, Schlangensterne, Seegurken und Seelilien. Bei der Kalkbildung nehmen sie Kalzium und Magnesium in unterschiedlichen Proportionen in ihre Körper auf. Ihre Skelette schließen somit eine bedeutende Menge von anorganischem Kohlenstoff ein, der aus der Atmosphäre ins Wasser gelangt. Diesen Kohlenstoff geben die Echinodermata an den Meeresboden ab, wenn sie sterben. Anders als der von Plankton oder Algen aufgenommene Stoff wird er also nicht in der Wassersäule remineralisiert. Eine neue Studie, die kürzlich in den ESA Ecological Monographs erschienen ist, belegt erstmals den bedeutenden Einfluss von Echinodermata auf das organische wie anorganische Kohlenstoffbudget in den Ozeanen. Haupt-Autor und Leiter der Untersuchungen ist Mario Lebrato, Doktorand am Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR).
"Unsere Abhandlung verdeutlicht, dass wir erst wenig über die weitreichenden Kohlenstoffprozesse wissen, in die Kalk bildende Arten wie Echinodermata eingebunden sind. Damit deckt sie eine der größten Ungewissheiten im globalen Kalziumkarbonat-Haushalt auf. Uns ist es wichtig, dass der Beitrag des Benthos, also der am Meeresboden lebenden Organismen wie Echinodermata, auf den globalen Kohlenstoffkreislauf neu bewertet wird", erklärt Mario Lebrato. "Modelle der so genannten 'Biologischen Pumpe', die die CO2-Aufnahme und Umsetzung durch Algen und Plankton beschreiben, sollten zukünftig auch die bodennah lebenden Organismen berücksichtigen. Schließlich verarbeiten sie mehr als eine Zehntel Gigatonne Kohlenstoff pro Jahr, was beispielsweise den Beitrag von Foraminiferen, den Kammerlingen, bei weitem übersteigt und nur knapp unter der Gesamtproduktion in der gesamten Wassersäule liegt. Wir müssen dringend mehr Wissen über die biochemischen Prozesse am Boden gewinnen, die ebenso bedeutend wie die Abläufe im freien Wasser sind.
Genauso wichtig ist den Forschern, mehr über die Folgen der Ozeanversauerung - eine Konsequenz der extensiven Nutzung fossiler Energieträger - für Echinodermata und andere Kalk bildende Arten zu erfahren. Erste Versuche lassen auf dramatische Auswirkungen schließen. Denn wenn der pH-Wert des Wassers sinkt, ist es für die Organismen schwieriger und schließlich sogar unmöglich, haltbare Kalkstrukturen aufzubauen. "Je mehr geforscht wird, desto häufiger treten widersprüchliche Trends auf, die es erschweren, den Prozess als Ganzes zu verstehen", räumt Lebrato ein. "Echinodermata sind ein gutes Beispiel für eine Art, die unerwartete Muster zeigt und uns als Wissenschaftler herausfordert."
Originalarbeit:
Lebrato, M., D. Iglesias-Rodriguez, R. Feely, D. Greeley, D. Jones, N. Suarez-Bosche, R. Lampitt, J. Cartes, D. Green, and B. Alker, 2009: Global contribution of echinoderms to the marine carbon cycle: a re-assessment of the oceanic CaCO3 budget and the benthic compartments. ESA Ecol. Monogr., doi: 10.1890/09-0553.
Bildmaterial:
Unter http://www.ifm-geomar.de/presse steht Bildmaterial zum Download bereit.
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Bildung bis ins hohe Alter?
Sarah Maur, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Erwachsenenbildung - Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen
Die Studien zeigen: Die Weiterbildungsbeteiligung lässt im höheren Alter nach. Dabei geraten Anspruch und Wirklichkeit einer "Bildung Älterer" in den Widerspruch. In den DIE FAKTEN stellt Jens Friebe (DIE) das Bildungsverhalten älterer Menschen, aktuelle Daten und die notwendigen Handlungserfordernisse für die Weiterbildung vor.
Die Bildung älterer Menschen wird besonders dann ein Thema in Politik und Gesellschaft, wenn es um die Bewältigung der Auswirkungen des demografischen Wandels geht. Die im aktuellen Koalitionsvertrag geäußerten Absicht, die Erwerbs- und Weiterbildungsbeteiligung Älterer zu erhöhen sowie neue Bildungschancen und -anreize für Ältere zu schaffen, weist deutlich auf die Problemlage hin. Wer ist jedoch zu der Gruppe der Älteren zu zählen und welche Bildungsbedarfe entstehen in diesen Gruppen?
Bereits in der Altersgruppe der über 45-Jährigen macht sich eine geringere Weiterbildungsbeteiligung von 44 Prozent bemerkbar; diese sinkt in der Gruppe der 65 bis 80-Jährigen noch weiter bis auf gerade mal 13 Prozent. Zudem ist anhand der Studien zu erkennen, dass die Bildungsbeteiligung im Zusammenhang mit anderen Faktoren steht, insbesondere dem Bildungshintergrund. Die Weiterbildungsbeteiligung liegt bei Personen mit einem höherem Bildungs- und /oder Berufsabschluss doppelt so hoch wie bei Personen mit geringem Bildungsabschluss.
Für erfolgreiche Strategien zum "aktiven Altern" wird jedoch eine Bildungsbeteiligung in allen Bevölkerungsgruppen benötigt. So fördert die Weiterbildung die Teilhabe Älterer an der Arbeitswelt sowie deren soziale und politische Teilhabe, d.h. sie trägt zur Kommunikation in sozialen Kontakten und zum Wissens- und Erfahrungsaustausch bei. Ein finanzpolitischer Rahmen, barrierefreie Bildungsangebote und eine altersrelevante Forschung können die Grundlage für eine Strategie zur Steigerung der Lernaktivität Älterer bilden.
Die DIE FAKTEN stehen kostenlos unter nachfolgendem Link zum Download bereit: http://www.die-bonn.de/doks/friebe0901.pdf
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Abfallwirtschaft entlastet das Klima
Christiane Rathmann, Öffentlichkeit und Kommunikation
Öko-Institut e. V. - Institut für angewandte Ökologie
Neue Studie von Öko-Institut und Ifeu untersucht Potenziale am Beispiel von Siedlungsabfall und Altholz
Die Abfallwirtschaft trägt erheblich zum Klimaschutz bei und wird dies auch in Zukunft weiter tun. Insgesamt spart die Abfallwirtschaft beim Siedlungsabfall und beim Altholz bereits heute jährlich knapp 18 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten ein. Dies entspricht in etwa den CO2-Emissionen von 7,7 Millionen Autos. Im Vergleich zu 1990 macht dies eine Reduktion von rund 53 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten aus. Zu dieser Einschätzung kommt eine neue Studie von Öko-Institut und Ifeu (Institut für Energie- und Umweltforschung), die heute der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Im Auftrag von Umweltbundesamt, Bundesumweltministerium und dem Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft haben die WissenschaftlerInnen das Klimaschutzpotenzial der Abfallwirtschaft untersucht.
"Deutschland nimmt hier bereits eine Vorreiterrolle ein. Allerdings wünschen wir uns weiterhin eine konsequente Orientierung der deutschen Abfallwirtschaft an Zielen des Klima- und Ressourcenschutzes. Dazu gehören insbesondere verstärkte Bemühungen, Abfälle zu vermeiden und die intelligente Nutzung von Abfällen in Kaskaden aus stofflichem und energetischem Recycling", fordert Öko-Instituts-Wissenschaftler Günter Dehoust.
Nach Berechnungen der WissenschaftlerInnen können die treibhausschädlichen Gase in der deutschen Abfallwirtschaft bis zum Jahr 2020 weiter reduziert werden - um rund zehn Millionen Tonnen CO2-Äquivalente jährlich. Voraussetzung dafür: mehr Recycling, eine verbesserte stoffliche Verwertung der Abfälle und eine effizientere Technik in den Behandlungsanlagen. Somit könnten allein der Siedlungsabfall und das Altholzrecycling mit rund 13 Prozent zu den Treibhausminderungszielen für Deutschland (40 Prozent bis 2020) beitragen.
Auch die Situation in Europa haben sich die WissenschaftlerInnen angesehen. In der EU 27 spielt die Deponierung im Vergleich zu Deutschland immer noch eine wesentliche Rolle und belastet das Klima jährlich mit bis zu 110 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten. Hier ist eine konsequente Abkehr von der Deponierung sowie ein ambitioniertes Recycling notwendig, um die Belastungen zu verringern. Die Einsparpotenziale für das Klima sind hoch: bis zu 192 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten sind je nach untersuchtem Szenario möglich. Damit könnte der Siedlungsabfall ausgehend vom Bilanzjahr 2007 mit bis zu 32 Prozent zum Minderungsziel der EU 27 (20 Prozent bis 2020) beitragen.
In den beispielhaft untersuchten Ländern Türkei, Tunesien und Mexiko dominiert die Deponierung von Abfällen, wobei nur Mexiko eine geordnete Abfallwirtschaft etablieren konnte. Bislang haben diese Länder noch keine Minderungsziele vereinbart. Wenn sie jedoch die Deponierung beenden, sind bezogen auf die aktuellen Treibhausgasemissionen bei allen drei Staaten erhebliche Einsparpotenziale bei der Siedlungsabfallwirtschaft möglich.
Ein direkter Vergleich zwischen den Ergebnissen für Deutschland, für die EU 27 und die drei untersuchten Länder ist nicht unmittelbar möglich. Es liegen unterschiedliche Rahmenbedingungen zugrunde, und je nach verfügbaren Informationen unterscheiden sich auch die Bezugsgrößen. "Generell leistet der Ausstieg aus der Deponierung aber den entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz", sagt Öko-Instituts-Wissenschaftler Günter Dehoust. "Möglich wird dieser aber nur, wenn die Wertstoffe, die heute noch nutzlos abgelagert werden, getrennt erfasst und umweltgerecht recycelt werden!"
Der Endbericht "Klimaschutzpotenziale der Abfallwirtschaft" wird in Kürze
zum Herunterladen auf http://www.oeko.de bereitgestellt werden.
Ansprechpartner:
Günter Dehoust
Stellvertretender Leiter des Institutsbereichs Infrastruktur & Unternehmen
Öko-Institut e.V., Büro Darmstadt
Telefon 040/18039-404, E-Mail g.dehoust(at)oeko.de
Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.
Interesse, Mitglied zu werden? Mehr unter http://www.oeko.de/mitmachen
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
DOG: Trockene Augen durch Mangel an Sexualhormon
Anna Julia Voormann, Pressestelle
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft
Testosteronhaltige Salben im Test
München - Eine entscheidende Ursache für trockene Augen bei Männern und Frauen ist ein Mangel an männlichen Sexualhormonen: Ein Testosteronmangel senkt nicht nur die Menge der abgesonderten Tränenflüssigkeit. Auch deren Verdunstung ist dadurch beschleunigt. Entzündungen und Hornhautschäden sind die Folge. Inwieweit hormonhaltige Salben abhelfen könnten, gilt es zu prüfen, betont die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG).
Zwischen fünf und 35 Prozent der über 50-Jährigen klagen über trockene Augen, Frauen häufiger als Männer: Die Augen brennen und röten sich, abends ermüden sie schnell. Morgens sind häufig die Lider verklebt. Oft haben die Betroffenen das Gefühl, einen Fremdkörper oder Sand in den Augen zu haben. Trockene Augen sind aber nicht nur lästig. "Sie sind auch ein Gesundheitsrisiko", warnt DOG-Pressesprecher Professor Dr. med. Christian Ohrloff. Denn die Tränenflüssigkeit schützt das Auge vor Infektionen und versorgt die Hornhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen. "Menschen mit trockenen Augen sind anfälliger für Bindehautentzündungen und Schäden an der Hornhaut", sagt der Direktor der Universitäts-Augenklinik in Frankfurt am Main.
Eine wesentliche Ursache für trockene Augen sind nach Aussagen der Experten hormonelle Veränderungen. Denn im Alter produzieren sowohl Männer als auch Frauen weniger Testosteron. Forscher haben inzwischen herausgefunden, dass männliche Sexualhormone die Tränendrüsen beeinflussen. "Experimente zeigen, dass Testosteron direkt auf die Tränendrüsen wirkt und so die Bildung der Tränenflüssigkeit steigert", sagt Ohrloff.
Der Mangel des männlichen Geschlechtshormons stört zudem die Funktion der so genannten Meibom-Drüsen. Diese sitzen in den Augenlidern und geben ein öliges Sekret in den Lidspalt ab. Mit jedem Lidschlag verteilt sich das Meibom-Öl auf dem Tränenfilm und verhindert so, dass Tränenflüssigkeit zu schnell verdunstet. "Zuerst wurde diese 'meibomian gland dysfunction' bei Patienten mit angeborenem Testosteronmangel oder bei Menschen mit Prostatakrebs beobachtet", berichtet Professor Ohrloff. Bei letzteren gehöre es zur Behandlung, die Bildung von Testosteron zu blockieren. Trockene Augen sind die Folge. "Inzwischen wissen wir, dass die Meibom-Drüsen auf Testosteron ebenfalls rezeptorgesteuert reagieren - mit einer vermehrten Ausschüttung von Meibom-Öl", erläutert Professor Ohrloff. Weibliche Geschlechtshormone wirken entgegengesetzt. Dies belegen Untersuchungen an Frauen, die nach den Wechseljahren mit Östrogenen behandelt werden: Sie leiden häufiger unter trockenen Augen.
Laut DOG weist eine amerikanische Studie der Industrie darauf hin, dass Testosteronsalben die Produktion der Tränenflüssigkeit und des Meibom-Öls steigern können. Der Nutzen für den Patienten müsse jedoch genau untersucht werden, bevor derartige Salben zum Einsatz kommen, betont Ohrloff. Denn die künstliche Zufuhr von Testosteron kann - auch als Salbe verabreicht - unter Umständen das hormonelle Gleichgewicht stören.
Quellen:
- Ophthalmologe 2009; 106:988-994; DOI 10.1007/s00347-009-2005-2
- The Ocular Surface ISSN: 1542-0124. 2007; 5 (2):163-178.
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Die DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft) ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 5.700 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, untersuchen und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg, ist die DOG die älteste medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt.
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Öffentlichen Wasserversorgern in Entwicklungsländern fehlt Fachwissen mehr als Geld
Kay Gropp, Pressestelle
Private Universität Witten/Herdecke gGmbH
Umfrage der Umwelttechniker an der Universität Witten/Herdecke unter Führungskräften zeigt Steuerungsfehler und Missmanagement
Die öffentlichen Wasserversorger in der dritten Welt sehen mangelndes Fachwissen noch vor fehlendem Geld als die Hauptursache für die schlechte Versorgung mit sauberem Trinkwasser. Das ist das wesentliche Ergebnis einer Umfrage des Instituts für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke unter 150 Führungskräften großer staatlicher Wasserbetriebe aus Afrika, Asien, Europa, Ozeanien und Lateinamerika. Die Betriebe sind für die Versorgung von mehr als 22 Mio. Menschen zuständig.
"Das hat uns überrascht, weil bisher immer alle dachten, es fehlt an Geld, um eine sichere Versorgung mit sauberem Wasser zu gewährleisten", erklärt Michael Harbach, der die Studie durchführte. "Doch wenn man die Manager direkt fragt, sehen die eben das fehlende Wissen als viel elementarer an, d.h. das im Unternehmen vorhandene Wissen über Technologie und Management-Praktiken." Insoweit, so die Studie, seien gemeinsame Anstrengungen aus Wissenschaft und Entwicklungshilfe gefragt, die Aus- und Weiterbildung zum Beispiel für den Betrieb von wassertechnischen Anlagen zu fördern.
Die Ursachen des mangelnden Fachwissens liegen für Harbach unter anderem darin, dass diese Weiterbildungsmassnahmen selten nachhaltig sind: "Wir sehen inzwischen einen aus Steuermitteln finanzierten Konferenz-Tourismus, der im betrieblichen Alltag nicht mehr ankommt. Hinzu kommt, dass gut ausgebildete, fähige und engagierte Wasserfachleute sich in den parteipolitisch regierten öffentlichen Wasserbetrieben Asiens, Afrikas, Lateinamerikas, oft nicht lange halten lassen und in besser bezahlte Jobs der Privatwirtschaft und in die Industrieländer abwandern." Dann werde oft eine Kooperation mit der Wasserindustrie notwendig, weil der Staat die Versorgung nicht allein garantieren kann, so Harbach.
Einer solchen Kooperation mit privaten Dienstleistern (sog. Private Sector Participation, PSP) steht die deutliche Mehrzahl der Befragten daher offen gegenüber. Die Antworten zeigten deutlich die pragmatische Einstellung der befragten Versorger zu dieser Kooperationsart - und dass somit dem Dienst, den der Kunde erhält, ein höherer Stellenwert zugeordnet wird als ideologischen Überlegungen. Die beiden Hauptgründe für den Schulterschluss mit der Privatwirtschaft, die die Studie identifizierte, sind dabei: eine Verbesserung der Dienstleistungsqualität und der Technologietransfer hin zu den eigenen Mitarbeitern. Interessanterweise überwiegt die Bedeutung des ersten Arguments bei denjenigen Versorgern, die bereits Erfahrung(en) mit PSP-Projekten haben, während es bei den anderen Versorgern gerade umgekehrt ist.
Ein weiteres interessantes Ergebnis der Befragung: Alle Experten erklärten, dass sie lieber mit einem lokalen Unternehmen kooperieren wollten als mit einem "fremden" Konzern aus Übersee - solange es sichergestellt sei, dass der Lokale über das nötige Know-how verfüge bzw. Zugang zu diesem habe. Prof. Dr. Dr. Karl-Ulrich Rudolph, Leiter des Wittener Institutes für Umwelttechnik und Management, meint: "Dieses Ergebnis ist insoweit bemerkenswert, als der Weltmarkt für Wasserdienstleistungen von den sogenannten "Global Players" dominiert wird, was der oben genannten Bedarfsanalyse diametral widerspricht. Neue, lokal verankerte Managementmodelle, wie Water Franchise, bei denen der internationale Player als Know-how-Träger fungiert, könnten diesem Bedarfsdefizit abhelfen".
Kontakt: Prof. Dr. Dr. Rudolph, Dipl.-Volkswirt Michael Harbach, mail@uni-wh-utm.de, 02302 91401-0
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Das Institut für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke gGmbH (IEEM) ist eine unabhängige Forschungseinrichtung an der Universität Witten/Herdecke, die anwendungsnahe wissenschaftliche Projekte im Spannungsfeld von Technik und Ökonomie bearbeitet. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem im Bereich der internationalen Wasserver- und -entsorgung.
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Gefährliche Substanzen erschnüffeln
Britta Widmann, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft
Ein intelligentes System soll künftig dabei helfen, Sprengstoff aufzuspüren. Die empfindlichen elektronischen Nasen nehmen die Geruchsfährte des Sprengstoffs auf. Das System verknüpft die Daten mit den Bewegungen der Menschen - und entlarvt Verdächtige.
Hunderte von Menschen drängen sich am Flughafen durch den langen Korridor zwischen Terminal A und B. Unter die Menge haben sich zwei Terroristen gemischt. In ihren Jackentaschen tragen sie kleine Behälter mit Chemikalien - Einzelkomponenten für einen Sprengstoff. Um die Sicherheit der Fluggäste zu gewähren, wird der Besucherstrom nicht nur von Kameras beobachtet, sondern auch von Sensoren beschnüffelt. Die chemischen Nasen sind in der Korridorwand versteckt. Trägt jemand Sprengstoff daran vorbei, schlägt der Geruchssensor Alarm. Ein Wachtposten sieht die Warnung auf einem Überwachungsschirm. Zum jetzigen Zeitpunkt kann er zwar noch nicht bestimmen, welche der Personen gefährliche Chemikalien bei sich haben. Doch das Sensornetzwerk "schnüffelt" den Verdächtigen hinterher.
Dieses Szenario haben Forscher vom Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE in Wachtberg mit Hilfe eines Prototyps nachgestellt. HAMLeT nennen die Wissenschaftler das Sicherheitsassistenzsystem, kurz für "Hazardous Material Localization and Person Tracking". "HAMLeT soll das Sicherheitspersonal auf Verdächtige aufmerksam machen", sagt Dr. Wolfgang Koch, Abteilungsleiter am FKIE. Ein Netzwerk aus hochempfindlichen Geruchssensoren verfolgt die Spur des Sprengstoffs: Auf den Chips der Sensoren befinden sich zum Beispiel Schwingquarze. Diese elektronischen Nasen fangen chemische Moleküle ein und verändern dabei ihre Schwingfrequenz - für jede Substanz in einer charakteristischen Art und Weise. Eine weitere Komponente, die Sensordatenfusion, sorgt dafür, dass die Spur des Sprengstoffs mit der richtigen Person in Verbindung gebracht wird. Deshalb ist ein zweites Sensornetzwerk notwendig, das den Weg der Personen nachvollzieht. Dafür verwenden die Forscher Laserscanner, die ermitteln, wann und wo sich eine Person aufhält. "Die eigentliche Leistung von HAMLeT besteht darin, sämtliche Daten zusammenzuführen und zu einem genauen Lagebild zu verarbeiten", erklärt Koch. Hinter dieser Sensordatenfusion stecken komplexe Algorithmen. Mit ihrer Hilfe liefert HAMLeT ein genaues Abbild der Personenströme und ordnet gefährliche Stoffe den Personen zu.
Mittlerweile ist es den Forschern am FKIE bereits gelungen, bei einem Bundeswehrversuch fünf "Terroristen" mit verstecktem Sprengstoff zu entlarven. Derzeit arbeiten die Wissenschaftler daran, die Algorithmen des Prototyps zu verfeinern und die Fehlalarm-Rate zu senken.
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010/01/hochempfindlicher-geruchssensor.jsp
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Für eine lebenswerte Umwelt
Dr. Elisabeth Zuber-Knost, Stabsabteilung Presse, Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie
Klima- und Umweltwandel sowie demographische, ökonomische und technische Entwicklungen verändern die Lebensbedingungen auf der Erde wie nie zuvor. Dies wirkt sich auf Verfügbarkeit und Qualität von Wasser, Luft und Nahrung aus. Die Klima- und Umweltforschung steht damit vor großen Herausforderungen. Um ihnen gerecht zu werden, hat das Karlsruher Institut für Technologie das KIT-Zentrum Klima und Umwelt eingerichtet. Am Mittwoch, 20. Januar, geht es mit einer Auftaktveranstaltung offiziell an den Start.
"Gegenwärtig geht es nicht mehr allein darum, die Ursachen von Umweltproblemen zu beseitigen", erklärt Professor Christoph Kottmeier, Sprecher des Zentrums, "sondern zunehmend auch um die Anpassung an veränderte natürliche sowie vom Menschen geprägte Umweltverhältnisse." Um Probleme zu vermeiden, müssten Forscherinnen und Forscher vorrangig die globalen Aspekte in den Blick nehmen; für die Anpassung sei die regionale Skala entscheidend. Um grundlegendes Wissen über Prozesse sowie über klimatische, ökologische und wirtschaftliche Folgen zu erschließen und darauf Strategien der Anpassung aufzubauen, bündelt das KIT-Zentrum Klima und Umwelt Kompetenzen in naturwissenschaftlichen, technischen und gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen. Fachübergreifend erarbeiten die Forscherinnen und Forscher auf sieben Feldern Technologien, um die natürlichen Lebensgrundlagen zu sichern: Atmosphärische Prozesse, Wasserressourcen und Wassermanagement, Prozesse im Untergrund, Technikbedingte Stoffströme, Urbane Systeme, Risiken und Risikomanagement sowie Klimawandel.
Am Zentrum entwickeln 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des KIT von fast 30 Instituten innovative und nachhaltige technische Lösungen für die Herausforderungen des Klimawandels und der Umweltveränderung. Die Arbeiten bauen auf den international anerkannten Kompetenzen bei der Erforschung der Atmosphäre, der terrestrischen Hydrosphäre und Biosphäre, der Lithosphäre und der Pedosphäre (Gesteinshülle der Erde und oberste Schicht dieser Gesteinshülle) sowie zu technologischen und sozioökonomischen Systemen auf.
Es bestehen zahlreiche Kooperationen mit Wirtschaftsunternehmen; neue Perspektiven ergeben sich vor allem durch fachübergreifende Kooperationen. Dabei geht es unter anderem um die sichere Speicherung von CO2 in tief liegenden Formationen, um die Entwicklung von Messgeräten und -verfahren, um Beratungsleistungen zum Ausmaß des Klimawandels oder zur Risikobewertung, um numerische Vorhersagemodelle und effiziente Softwarelösungen.
Auftaktveranstaltung des KIT-Zentrums Klima und Umwelt
Mittwoch, 20. Januar, zehn bis 17 Uhr
Aula, Fortbildungszentrum für Technik und Umwelt, KIT, Campus Nord (Hermann-von-Helmholtz-Platz 1, Eggenstein-Leopoldshafen)
10:30 Eröffnung und Grußworte
Dr. Peter Fritz, Vizepräsident des KIT
10:45 Klimawandel und Wasser in Baden-Württemberg
Tanja Gönner, Ministerin für Umwelt des Landes Baden-Württemberg
11:15 Die Erde aus dem Weltall - ein Wasserplanet
Dr. Gerhard Thiele, ehemaliger Wissenschaftsastronaut, Leiter der Astronautenabteilung des Europäischen Astronautenzentrums der ESA
13:00 KIT-Zentrum Klima und Umwelt
Professor Christoph Kottmeier, KIT
13:15 Wissenschaftliche Herausforderungen in der Hydrologie
Professor Günter Blöschl, Technische Universität Wien
13:45 Wasserqualität - Ein Problem der Zukunft?
Professor Fritz Frimmel, KIT
14:45 Wassermanagement - Technologische Lösungen: Beispiel Indonesien
Professor Franz Nestmann, KIT
15:15 Klima und Wasser - Regional gekoppelte Modelle
Dr. Harald Kunstmann, KIT
15:45 Wassermanagement im Spannungsfeld der Gesellschaft
Professor Jonos J. Bogardi, Universität Bonn
Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und staatliche Einrichtung des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Das KIT verbindet die Aufgaben Forschung - Lehre - Innovation in einem Wissensdreieck.
Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: www.kit.edu
Das Foto steht in druckfähiger Qualität auf www.kit.edu zum Download bereit und kann angefordert werden unter: pressestelle@kit.edu oder +49 721 608-7414.
Weiterer Kontakt:
Klaus Rümmele
Presse, Kommunikation und
Marketing (PKM)
Tel.: +49 721 608-8153
Fax: +49 721 608-5681
E-Mail: klaus.ruemmele@kit.edu
Anhang
Für eine lebenswerte Umwelt
http://idw-online.de/pages/de/attachment1815
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Drehen sich die nächsten Kriege um die Ressource Wasser?
Britta Paasche M.A., Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa
IAMO-Symposium auf der Grünen Woche 2010 fragt nach den Auswirkungen von Klimawandel und Bevölkerungswachstum auf die Landwirtschaft
Die Verfügbarkeit von Wasser ist von entscheidender Bedeutung für die Produktion von Nahrungs- und Futterpflanzen. Weltweit beträgt der Anteil der Landwirtschaft am Wasserverbrauch etwa 70%. Nahezu 40% aller Nahrungsmittel werden durch Bewässerungslandwirtschaft hergestellt. Trotz regional großer Unterschiede - Deutschland ist durch seine natürlichen Standortfaktoren extrem begünstigt, hier beträgt der Anteil der Landwirtschaft an den Wasserentnahmen weniger als 0,5% - ist die Landwirtschaft einer der klimaempfindlichsten Wirtschaftsbereiche.
KOOPERATIONEN STATT KONFLIKTE
Drehen sich die nächsten Kriege um die Ressource Wasser? Wie wissenschaftlich belegt sind solche Vorhersagen? Statt Konflikten findet man derzeit eher Kooperationen bei der Nutzung von länderübergreifenden Wasserressourcen, die sogar zur besseren Zusammenarbeit der Länder insgesamt beitragen. Doch was passiert, wenn die Weltbevölkerung weiter rasant wächst und der Klimawandel sich dramatisiert, wendet sich dann das Blatt und kriegerische Auseinandersetzungen sind vorprogrammiert? Im Mittelpunkt des Symposiums "Klima - Wasser - Landwirtschaft" des Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) am 15.01.10, 13-15 Uhr, im Saal 9 des ICC Berlin, stehen die Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserverfügbarkeit und die komplexen und regional stark divergierenden Auswirkungen auf die Landwirtschaft sowie die Reaktionen darauf.
MENSCHENRECHT AUF WASSER
Gerade auch vor dem Hintergrund des unverbindlichen Abkommens des Kopenhagener Klimagipfels stellt sich die Frage, welche Rolle globale politische Lösungen spielen können. Wann sind lokale Lösungen und kollektives Handelns gefragt? Welche technischen und institutionellen Anpassungsstrategien im Wasser- oder Agrarsektor haben einige Länder bereits ergriffen? Welche Wechselwirkungen zwischen Landnutzungsveränderungen und Klima kennen wir bereits? Sollten wir im Hinblick auf die Knappheit des Gutes Wasser es stärker bepreisen oder den Forderungen des Menschenrechts auf Wasser folgen? In wieweit lassen sich durch eine Ausweitung der Nutzung von Grundwasser Versorgungslücken schließen?
EXPERTEN AUF DEM PODIUM
Diese Fragen wollen wir mit den Experten auf dem Podium diskutieren. Die Veranstaltung wird von der Leiterin des Referats Internationale Organisationen, Welternährung und Nachhaltige Entwicklung des Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), Astrid Jakobs de Pádua, eröffnet. Gäste auf dem Podium sind dann Dr. Insa Theesfeld, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am IAMO, Dr. Hermann Lotze-Campen, Leiter der Arbeitsgruppe Landnutzungswandel im Forschungsbereich Erdsystemanalyse am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Dr. Chinwe Ifejika Speranza, Geographin und Spezialistin für Geographische Informationssysteme am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik, Dr. Wilhelm Struckmeier, Direktor und Professor an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sowie Dr. Elisabeth van den Akker, Seniorfachplanerin zum Thema "Wasser in der Landwirtschaft" bei der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit. Die Moderation hat Catrin Hahn von der Neuen Landwirtschaft.
SYMPOSIUM IST TEIL DES GLOBAL FORUM FOR FOOD AND AGRICULTURE
Das Symposium "Klima - Wasser - Landwirtschaft" ist Teil des vom BMELV anlässlich der Internationalen Grünen Woche ausgerichteten Global Forum for Food and Agriculture. Dieses steht 2010 unter dem Leitthema "Landwirtschaft und Klimawandel - neue Konzepte von Politik und Wirtschaft". Die Veranstaltung ist kostenfrei - für den Zugang zum ICC wird kein Messeticket für die Grüne Woche benötigt - wir möchten Sie aber bitten sich unter http://www.gffa-berlin.de/de/online-registrierung.html für die Veranstaltung zu registrieren.
KLIMA - WASSER - LANDWIRTSCHAFT
Fr 15.01.2010 | 13-15 Uhr
ICC Berlin (Haupteingang: Neue Kantstraße/Ecke Messedamm) | Saal 9
Veranstaltung des Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO)
im Rahmen der Grünen Woche 2010 und des Global Forum for Food and Agriculture
Eintritt frei. Anmeldung erwünscht: http://www.gffa-berlin.de/de/online-registrierung.html.
Weitere Informationen:
Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO)
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Britta Paasche M.A.
Tel. 0345 - 2928 330 | paasche@iamo.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Erstmals bevölkerungsweit belegt: Darmspiegelung schützt vor Krebs - möglicherweise auch kleine Darmspiegelung von großem Nutzen
Dr. Stefanie Seltmann, Stabsabteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Bei Personen, die sich innerhalb der letzten zehn Jahre einer Darmspiegelung unterzogen haben, finden sich viel seltener fortgeschrittene Vorstufen von Darmkrebs. Insbesondere im linken Bereich des Darms ist das Risiko für Darmkrebs und seine Vorstufen drastisch vermindert, wie Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum ermittelten. Die Ergebnisse unterstreichen das große Potenzial der Darmspiegelung für die Verhütung von Darmkrebs.
Was bringt die Teilnahme an einer Darmspiegelung? Lässt sich die Anzahl der gefährlichen fortgeschrittenen Krebsvorstufen reduzieren? Gilt dies gleichermaßen für alle anatomischen Bereiche des Dickdarms? Daten dazu lagen bisher allein aus klinischen Studien vor. Wissenschaftler um Professor Hermann Brenner aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum untersuchten diese Fragen nun erstmals an einem breiten Bevölkerungsquerschnitt. In die Studie waren rund 3300 Saarländer eingeschlossen, die an einer Darmspiegelung (Koloskopie) im Rahmen des gesetzlichen Programms zur Krebsfrüherkennung ("Screening") teilgenommen hatten. Alle Teilnehmer wurden befragt, ob sie sich innerhalb der letzten zehn Jahre vor der Screening-Koloskopie bereits einer Darmspiegelung unterzogen hatten.
Die Forscher fanden bei Personen, die bereits eine vorangegangene Koloskopie hinter sich hatten, deutlich seltener fortgeschrittene Krebsvorstufen als bei Studienteilnehmern, die sich erstmalig einer Darmspiegelung unterzogen (6,1 % gegenüber 11,4 %). Um zu überprüfen, ob das verringerte Auftreten von Krebsvorstufen gleichermaßen für alle Darmabschnitte gilt, werteten die Forscher die Daten für einzelne anatomische Bereiche des Dickdarms getrennt aus. Dabei zeigte sich eine stark ausgeprägte Risikoreduktion im so genannten linken ("absteigenden") Teil des Darms, der direkt in den Enddarm übergeht und in dem Krebs am häufigsten auftritt. Hier entdeckte man bei Teilnehmern mit vorangegangener Koloskopie zwei Drittel weniger fortgeschrittene Krebsvorstufen als bei den Teilnehmern ohne vorangegangene Darmspiegelung.
Die Ergebnisse unterstreichen somit das große Potenzial der Darmspiegelung für die Verhütung von Darmkrebs. Angesichts der besonders starken Risikoreduktion im linken Teil des Darms könnte neben der Koloskopie, der Spiegelung des gesamten Dickdarms, auch der "kleinen" Darmspiegelung, der so genannten Sigmoidoskopie, für die Krebsprävention eine große Bedeutung zukommen. Diese Untersuchung ist für die Teilnehmer mit wesentlich weniger Unannehmlichkeiten verbunden, da die aufwändige Reinigung des Darms am Vortag entfällt. Entsprechend leichter könnte es den Menschen fallen, sich zu einer Teilnahme zu entschließen. "Wir sollten daher auch in Deutschland in Erwägung ziehen, das gesetzliche Früherkennungsprogramm um die Sigmoidoskopie zu ergänzen", schlägt Hermann Brenner vor. "Ein solches Angebot würde wahrscheinlich auch von vielen Menschen angenommen, die eine Koloskopie nicht durchführen lassen wollen. So ließen sich noch deutlich mehr Krebsfälle vermeiden - das ist doch schließlich unser Ziel!"
Ein Bild steht zur Pressemitteilung steht im Internet zur Verfügung unter:
http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2010/images/Darmkrebs.tif
Legende: Gewebeschnitt eines Dickdarmkarzinoms. Die Zellkontaktstellen (Desmosomen) sind rot markiert.
Fotograf: Dr. Lutz Langbein, Deutsches Krebsforschungszentrum
Hermann Brenner, Michael Hoffmeister, Volker Arndt, Christa Stegmaier, Lutz Altenhofen und Ulrike Haug: Protection from Right- and Left-Sided Colorectal Neoplasms after Colonoscopy: Population-Based Study. Journal of the National Cancer Institute 2009, DOI: 10.1093/jnci/djp436
Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland und Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren. Über 2.000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, davon 850 Wissenschaftler, erforschen die Mechanismen der Krebsentstehung und arbeiten an der Erfassung von Krebsrisikofaktoren. Sie liefern die Grundlagen für die Entwicklung neuer Ansätze in der Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen. Daneben klären die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert.
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Bildungscontrolling: Betriebe schauen vor allem auf die Kosten
Andreas Pieper, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Bildungscontrolling hat im Vergleich der Jahre 1997 und 2008 in deutschen Betrieben an Bedeutung und Verbreitung zugenommen. Etwa jeder zweite Betrieb wendet aktuell zumindest einzelne Maßnahmen des Bildungscontrollings in seinem Unternehmen an. Dabei gilt: Je größer der Betrieb, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass er Bildungscontrolling einsetzt. Aber auch viele Kleinbetriebe setzen zumindest Teile von Bildungscontrolling ein und sind zum Beispiel noch mehr als größere Unternehmen daran interessiert, sowohl die Kosten als auch den Nutzen von Weiterbildungen zu erfassen.
Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) unter rund 1.400 Betrieben.
Bildungscontrolling darf dabei nicht als Weiterbildungskontrolle verstanden werden. Es bedeutet vielmehr, dass die Planung, Messung, Bewertung und Steuerung von Weiterbildungsmaßnahmen im Betrieb systematisch und zyklisch ineinandergreifen. Bildungscontrolling ist ein Konzept, das ein Ablauf- und Phasenmodell für das Management betrieblicher Weiterbildung zur Verfügung stellt. Es umfasst die Bedarfsanalyse, die Realisierung von einzelnen Maßnahmen, die Erfolgskontrolle und die Transfersicherung.
Deutliche Unterschiede sind beim Einsatz von Bildungscontrolling in den jeweiligen Betriebsgrößenklassen festzustellen. So nutzen rund 85 % der Großbetriebe (über 500 Beschäftigte) Bildungscontrolling umfassend oder teilweise, während dies bei den Kleinstbetrieben (1 - 9 Beschäftigte) für nur knapp 45 % gilt. Ein Grund hierfür ist laut BIBB-Studie, dass Bildungscontrolling personale und finanzielle Ressourcen im Unternehmen benötigt, die in Kleinbetrieben (unter 50 Beschäftigte) kaum zur Verfügung stehen.
Auch ist die Schere zwischen Groß- und Kleinbetrieben im Vergleich zu 1997 weiter auseinandergegangen. Während die Bedeutung und der Einsatz von Bildungscontrolling bei Großbetrieben um mehr als 20 Prozentpunkte und bei mittleren Betrieben (50 - 499 Beschäftigte) um mehr als 10 Prozentpunkte wuchsen, ist bei Kleinbetrieben eine stagnierende bzw. leicht rückläufige Entwicklung festzustellen.
Wichtigstes Instrument beim Einsatz von Bildungscontrolling ist die Erfassung der Weiterbildungskosten. Über alle Betriebsgrößenklassen hinweg ist hier im Vergleich zu 1997 ein Zuwachs von rund 8 Prozentpunkten zu verzeichnen. Dabei ist laut BIBB-Studie das Interesse an einer ausgewogenen Kosten-Nutzen-Bilanz bei kleineren Betrieben deutlich größer ausgeprägt als bei mittleren und Großbetrieben. Ein Grund hierfür ist, dass bei Kleinbetrieben der Nutzen von Weiterbildungen wegen der geringeren Betriebsgröße und des daraus folgenden engeren und persönlicheren Umgangs besser beobachtet und bewertet werden kann.
Allerdings - so die BIBB-Studie - sei die Stagnation beim Einsatz von Bildungscontrolling in Kleinbetrieben nicht als Zeichen von Desinteresse zu verstehen. Der partielle Einsatz habe vor allem pragmatische Gründe, da ein umfassender und vollständiger Controlling-Zyklus gerade Kleinbetriebe finanziell und organisatorisch überfordere. Gerade diese Betriebe wünschten sich daher mehr selektive und punktuelle Bildungscontrolling-Konzepte, die auch mit einer externen Qualifizierungsberatung verbunden werden können.
Weiterführende Informationen enthält die neue Ausgabe des BIBB REPORT 13/09: "Bildungscontrolling: Vor allem in Großbetrieben ein Thema". Sie kann im Internetangebot des BIBB unter http://www.bibb.de/bibbreport kostenlos heruntergeladen werden.
Auskünfte im BIBB erteilt:
Dr. Bernd Käpplinger, Tel.: 0228 / 107-2601; E-Mail: kaepplinger@bibb.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Abwärme als Energiequelle
Sandra Kurze, Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Dem fortschreitenden Klimawandel, insbesondere aber den sich abzeichnenden Lücken bei der Energieversorgung ist der neue bayerische Forschungsverbund "Energieeffiziente Technologien und Anwendungen", kurz FORETA, gewidmet. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen in ausgewählten Branchen energetische Wirkzusammenhänge, um neue Lösungsansätze zur Senkung des Energiebedarfs in Unternehmen zu entwickeln.
Der Lehrstuhl für Chemische Reaktionstechnik der Universität Erlangen-Nürnberg ist mit einem Projekt von Prof. Dr. Wilhelm Schwieger im Klimaforschungsverbund vertreten, in dem sich neun Universitäten und Hochschulen sowie zahlreiche mittelständische Unternehmen als Partner zusammengefunden haben. Der Freistaat Bayern zahlt über eine Laufzeit von drei Jahren Fördergelder in Höhe von drei Millionen Euro aus dem "Klimaprogramm Bayern 2020".
Effizientere und umweltschonendere Verfahren zur Energienutzung können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, von Menschen verursachte Klimaveränderungen einzudämmen und knappe Energieressourcen nachhaltig einzusetzen. Ein möglicher Weg dazu ist die Verwendung von Abwärme, deren Temperatur unter 100° C liegt. Diese Niedertemperaturabwärme fällt bei verschiedenen Prozessen in erheblichen Mengen an, etwa in Motoren, vor allem aber durch die Sonneneinstrahlung. Sie bleibt jedoch nahezu ungenutzt, weil sie für einen Wärmeaustausch meist nicht direkt geeignet ist oder zur falschen Zeit am falschen Ort entsteht.
Überschüssige Abwärme muss also umgewandelt und gespeichert werden, um nutzbar zu sein. Bei den Forschungen am Erlanger Lehrstuhl für Chemische Reaktionstechnik geht es um Prozesse zur Transformation von Niedertemperaturwärme und die Entwicklung von Speichermaterialien für Wärme oder Kälte. Wärmetransformatoren, wie sie bisher im Einsatz sind, sind für die meisten Anwendungsfelder nicht leistungsfähig genug und damit zu groß oder zu schwer. Zum Speichern sind Adsorptionsmittel in Gebrauch, Substanzen, auf deren Grenzflächen Moleküle eines anderen Stoffes haften bleiben, sich dort anreichern und dabei Wärme erzeugen. Derzeit werden Wärmetransformationsprozesse vor allem durch durch die Verwendung von ineffizienten Adsorbentien limitiert.
"Den Fokus unseres Projektes haben wir auf das Sorptionssystem Wasser/Zeolith ausgerichtet, weil dafür ein hohes Potential zur Transformation von Niedertemperaturabwärme bereits nachgewiesen ist", erklärt Prof. Schwieger. Zeolithe sind natürlich vorkommende oder synthetisierte Kristalle auf der Basis von Aluminium und Silicium. Sie sind von mikroskopisch kleinen Poren und Kanälen durchzogen und können darin beispielsweise Wasser aufnehmen und beim Erhitzen wieder abgeben, ohne dass ihre Kristallstruktur dabei zerstört wird.
Im FORETA-Verbund führen die Erlanger Wissenschaftler grundlegende Untersuchungen mit zeolithischen Materialien der Aluminiumphosphat-(ALPO)-Familie durch. Insbesondere soll der Einfluss unterschiedlicher Porengrößen im Hinblick auf ihre Affinitäten zu Wasser systematisch analysiert werden. Ausgehend von der Entwicklung optimaler Syntheseverfahren ist ein Brückenschlag bis hin zu Anwendungstests vorgesehen. Vor allem sollen die Struktur-Eigenschaft-Wirk-Beziehungen der zeolithischen Aluminiumphosphate für die Wasserdampfsorption erarbeitet werden, um neue Materialien für effektive Wärmepumpen vorschlagen zu können. Kooperationspartner ist die Sortech AG in Halle an der Saale.
In den bayerischen Forschungsverbünden arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus verschiedenen Hochschulen und Unternehmen interdisziplinär zusammen, um komplexe Fragestellungen in zukunftsrelevanten Bereichen zu beantworten. Am Klimaforschungsverbund FORETA sind auf Seiten der Wissenschaft die Universitäten Bayreuth, Erlangen-Nürnberg und die TU München sowie die Hochschulen für angewandte Wissenschaften Ansbach, Aschaffenburg, Ingolstadt, Kempten, Nürnberg und Weihenstephan beteiligt. Sprecher ist Professor Dr. Martin Faulstich, Leiter des Lehrstuhls für Rohstoff- und Energietechnologie der Technischen Universität München.
Weitere Informationen
Prof. Dr. Wilhelm Schwieger
Tel.: 09131/85-28910
schwieger@rzmail.uni-erlangen.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Gute Laune ist auch eine Frage des Alters
Dr. Petra Fox-Kuchenbecker, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Heranwachsende haben nicht nur häufiger Stimmungstiefs im Vergleich zu Erwachsenen, sie versuchen auch öfter, negative Gefühle zu erhalten oder zu verstärken. Mit zunehmendem Alter scheint sich dieses Muster umzukehren. Insbesondere Menschen über 60 Jahren fühlen sich im Alltag emotional nicht nur häufig wohler als Jüngere, sondern neigen auch häufiger dazu, ihre positiven Gefühle aufrecht zu erhalten und negative Gefühle, wie zum Beispiel Ärger, dämpfen zu wollen. Diese als kontra- bzw. pro-hedonisch bezeichneten Verhaltensmuster beobachteten Wissenschaftler des Berliner Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und des Sozioökonomischen Panels.
Fragt man verschiedene Altersgruppen danach, wie sie sich im Alltag fühlen, zeichnet sich das höhere Alter überwiegend durch emotionales Wohlbefinden aus. Das sprichwörtliche Wechselbad der Gefühle sowie negative Befindlichkeit sind dagegen häufige Begleiter der Jugend. Bislang ungeklärt sind die psychologischen Mechanismen, die diesen Altersunterschieden zugrunde liegen. "Wir vermuteten, dass wir die altersabhängigen Unterschiede im emotionalen Wohlbefinden besser verstehen können, wenn wir wissen, ob Jung und Alt sich möglicherweise auch anders fühlen wollen", erklärt Michaela Riediger, Psychologin und Leiterin der Studie. Um dies zu untersuchen, wurden 378 Studienteilnehmer im Alter von 14 bis 86 Jahren drei Wochen lang mit speziellen Mobiltelefonen ausgestattet, die sie bei sich trugen, während sie ihrem normalen Alltag nachgingen. In dieser Zeit wurden sie 54mal kontaktiert, um Fragen zu ihrer momentanen Stimmung zu beantworten. In durchschnittlich einem Viertel der abgefragten Situationen gaben die 14 bis 18 Jährigen an, ihre momentanen negativen Gefühle erhalten oder verstärken beziehungsweise positive Gefühle dämpfen zu wollen. Von den über 60 Jährigen wurden diese sogenannten kontra-hedonischen Bestrebungen dagegen in nur durchschnittlich jeder zehnten abgefragten Situation berichtet. "Diese Ergebnisse legen die Vermutung nahe, dass ein Teil der altersabhängigen Unterschiede im emotionalen Wohlbefinden auf Unterschiede darin, wie Personen verschiedener Altersgruppen sich fühlen wollen, zurückführbar sind", erläutert Michaela Riediger. In der für Jugendliche vergleichsweise häufigen kontra-hedonischen Orientierung vermuten die Autoren einen Mechanismus, der Jugendlichen dabei hilft, sich von Eltern oder anderen Erwachsenen abzugrenzen und emotional unabhängig zu werden. Der hohe Anteil pro-hedonischen Verhaltens bei Älteren stimmt dagegen mit Beobachtungen anderer Studien überein. Demnach messen ältere Erwachsene aufgrund der wahrgenommenen Begrenztheit der verbleibenden Lebenszeit der Verbesserung ihres emotionalen Wohlbefindens im Hier und Jetzt zunehmend Bedeutung bei.
Die in dieser Studie gewonnenen Daten alltäglicher Gefühlsregulationsprozesse sind in Kooperation mit dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) erhoben worden, das seit 25 Jahren Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung und Gesundheit von 20.000 Personen in 10.000 Haushalten in Deutschland erfasst. Die Einbindung psychologischer Parameter in das SOEP ermöglicht es, Ursachen individueller Unterschiede in Lebensverläufen zu erforschen.
Quelle:
Michaela Riediger, Florian Schmiedek, Gert G. Wagner, Ulman Lindenberger. Seeking Pleasure and Seeking Pain. Differences in Prohedonic and Contra-Hedonic Motivation From Adolescence to Old Age. Psychological Science, Vol. 20, No. 12: 1529-1535 (2009).
Weitere Informationen:
http://www.mpib-berlin.mpg.de/de/forschung/snwg-affekt/index.html
http://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2009/gutelaune.html
http://www.mpg.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Blutzuckerselbstmessung: Nutzen für nicht insulinpflichtige Patienten mit Typ-2-Diabetes ist nicht belegt
Dr. Anna-Sabine Ernst, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Studienlage unzureichend / Keine Aussagen zu diabetesbedingten Erkrankungen möglich
Entgegen der weit verbreiteten Annahme gibt es keinen Beleg dafür, dass nicht insulinpflichtige Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes von einer Zuckerselbstmessung profitieren. Es ist zudem unklar, ob der Blut-Test gegenüber dem Urin-Test einen Zusatznutzen aufweist oder umgekehrt, d.h. der eine oder andere Test für die Patientinnen und Patienten einen Vorteil bieten würde. Denn die derzeitige Studienlage ist unzureichend: Die wenigen Studien, die geeignet sind diese Fragen zu untersuchen, haben viele für Patienten wichtige Aspekte nicht berücksichtigt oder nicht ausreichend berichtet. Aufgrund ihrer kurzen Laufzeiten erlauben sie auch keine Aussagen zum langfristigen Nutzen einer Zuckerselbstkontrolle. Zu diesem Ergebnis kommt der am 14. Dezember 2009 veröffentlichte Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).
Selbstmessung ist bei insulinpflichtigen Patienten fest etabliert
Wer Insulin spritzt, sollte seinen Blutzucker regelmäßig selbst kontrollieren, um das Insulin bedarfsgerecht dosieren zu können - das gilt bei Patienten mit Typ-1- oder Typ-2-Diabetes als etabliertes Verfahren. Unklar ist jedoch, ob auch Menschen mit Typ-2-Diabetes, die ohne Insulin auskommen, von einer Blutzuckerselbstmessung profitieren. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte deshalb das IQWiG beauftragt, den für Patientinnen und Patienten relevanten Nutzen der Urin- und Blutzucker-selbstmessung bei der Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 ohne Insulin zu bewerten.
Selbstmessung soll auch dabei helfen, Lebensstil zu ändern
Neben der medikamentösen Therapie spielt bei der Behandlung des Typ-2-Diabetes der Lebensstil, vor allem Ernährung und Bewegung, eine große Rolle. Viele Experten gehen davon aus, dass die Blutzuckerselbstmessung Patienten bei der Umstellung ihres Lebensstils unterstützt. Denn an den Messwerten können sie direkt ablesen, wie sich Ernährung und körperliche Aktivität auswirken und dann geeignete Maßnahmen ergreifen. Im Ergebnis müsste ihr Blutzucker langfristig besser eingestellt und Akut- und Langzeitkomplikationen vermindert sein - so jedenfalls die Annahme.
Derzeit gibt es zwei Möglichkeiten, den Blutzucker selbst zu testen. Die Niere scheidet Zucker über den Urin aus, wenn er einen zu hohen Wert im Blut überschreitet. Patientinnen und Patienten können deshalb eine Überzuckerung feststellen, indem sie einen Teststreifen in den Urin halten. Eine Unterzuckerung lässt sich so allerdings nicht erkennen. Letzteres ist zuverlässig nur durch die Blutzuckermessung möglich: Dabei wird eine geringe Menge Blut entnommen und auf einen Teststreifen gegeben. Patientinnen und Patienten brauchen in jedem Fall eine gründliche Schulung, damit sie die Teststreifen richtig handhaben und die Messwerte von Blut- und Urin-Tests richtig interpretieren und umsetzen können.
6 Studien in die Bewertung einbezogen
Um zu überprüfen, ob sich die oben beschriebenen Annahmen auch wissenschaftlich nachweisen lassen, suchte das IQWiG nach vergleichenden Studien mit und ohne Selbstmessung. Die Selbstmessung konnte dabei auch Bestandteil eines komplexen Schulungs- und Behandlungsprogramms sein, wie sie häufig für Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus angeboten werden. Solche Studien wurden dann einbezogen, wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Kontroll- und der Vergleichsgruppe nach demselben Muster behandelt wurden - nur eben jeweils einmal mit und einmal ohne Selbstmessung.
Insgesamt fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 6 sogenannte randomisierte kontrollierte Studien, die geeignet sind, den Einfluss von medizinischen Maßnahmen auf den Krankheitsverlauf zu untersuchen. Bei allen einbezogenen Studien war eine Schulung Bestandteil der jeweiligen Therapiestrategie. Alle 6 Studien hatten den Nutzen der Blutzuckerselbstmessung untersucht, geeignete klinische Vergleiche zur Urinzuckerselbstmessung wurden nicht identifiziert. Die Laufzeit der eingeschlossenen Studien betrug zwischen 6 und 12 Monaten, d.h. keine der Studien war darauf ausgerichtet, den langfristigen Nutzen der Selbstmessung zu untersuchen.
Zu wichtigen Therapiezielen keine Aussagen möglich
Wichtige Kriterien für den patientenrelevanten Nutzen wurden in diesen Studien allerdings überhaupt nicht erhoben. Das gilt insbesondere für die - durch den Diabetes bedingten - Begleit- und Folgeerkrankungen wie Augenschäden oder Herzerkrankungen. Andere Aspekte wie etwa Lebensqualität und Therapiezufriedenheit wurden in einigen wenigen Studien zwar untersucht, aber nur unzureichend berichtet, so dass die Ergebnisse nicht als zuverlässig gelten können. Auch die wenigen vorliegenden Daten zeigten aber keinen Vorteil für die Selbstmessung.
Nach Auffassung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist die Studienlage zur Zuckerselbstmessung daher insgesamt noch unzureichend. Was fehlt, sind Studien mit längerer Laufzeit, die es ermöglichen, die langfristigen Auswirkungen einer Zuckerselbstkontrolle zu beurteilen. Auch die kanadische Agentur für Medikamente und Technologien im Gesundheitssystem (CADTH) beklagt in ihrer jüngsten Bewertung der Blutzuckerselbstmessung, dass Langzeitstudien fehlen.
Kein Nachweis für bessere Ergebnisse bei der Blutzuckereinstellung
Die Blutzuckerselbstmessung liefert eine Momentaufnahme des Blutzuckerspiegels. Je nach aktuell gemessener Höhe können die Patientinnen und Patienten dann geeignete Maßnahmen ergreifen, beispielsweise etwas essen. Die Blutzuckerselbstmessung ist jedoch nicht geeignet, die Qualität der Stoffwechseleinstellung zu bestimmen. Dazu dient der HbA1c-Wert. Er ist ein Indikator für die langfristige Blutzuckereinstellung und gilt als das "Gedächtnis" für den Blutzuckerspiegel. Hohe HbA1c-Werte bei Diabetes sprechen für eine schlechte Stoffwechseleinstellung.
Alle in die Bewertung einbezogenen Studien haben auch den Einfluss der Blutzuckerselbstmessung auf den HbA1c-Wert untersucht. Tatsächlich zeigte sich bei der gemeinsamen Auswertung, dass durch die Blutzuckerselbstmessung die Senkung des Blutzuckers unterstützt wird. Der Unterschied im Vergleich zu der Gruppe, die keine Selbstmessung durchgeführt hatte, war jedoch nur marginal. Er bewegte sich in einem Bereich, den man bei der Zulassung von Medikamenten akzeptiert, um ein neues Medikament als "nicht unterlegen" gegenüber alten Medikamenten zu bezeichnen. Es ist also kein gesundheitlicher Vorteil von diesem Unterschied zu erwarten.
Vorteil bei Unterzuckerungen ist nicht belegt
Zudem ist der HbA1c-Wert für die Bewertung des Nutzens einer Zuckerselbstkontrolle allein nicht aussagekräftig. Denn je niedriger der Blutzucker gesenkt wird, umso höher ist das Risiko für Unterzuckerungen. Solche Unterzuckerungen sind nicht nur störend, sondern sie können im Einzelfall auch eine schwerwiegende Komplikation darstellen. Deshalb ist es notwendig, Veränderungen des HbA1c-Werts immer auch in Abhängigkeit mit dem Auftreten von Unterzuckerungen zu bewerten. Die vorliegenden Studien zur Blutzuckerselbstmessung waren dafür jedoch ungeeignet. Ein Vorteil bei Unterzuckerungen ist somit nicht belegt. Zudem bleibt unklar, ob die Zuckerselbstkontrolle dazu beigetragen hat, dass die Patientinnen und Patienten ihren Lebensstil ändern konnten.
In der Gesamtschau kommen das IQWiG und seine externen Sachverständigen deshalb zu dem Ergebnis, dass sich ein Nutzen der Blutzuckerselbstkontrolle durch die verfügbaren Studien nicht belegen lässt. Mangels Studien zur Urinzuckerselbstmessung kann man auch keine Aussagen zu einem Vergleich von Urin- und Blut-Test treffen.
Zum Ablauf der Berichtserstellung
Die vorläufigen Ergebnisse, den sogenannten Vorbericht, hatte das IQWiG im Juni 2009 veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Nach dem Ende des Stellungnahmeverfahrens wurde der Vorbericht überarbeitet und als Abschlussbericht im Oktober 2009 an den Auftraggeber versandt. Eine Dokumentation der schriftlichen Stellungnahmen sowie ein Protokoll der mündlichen Erörterung werden in einem eigenen Dokument zeitgleich mit dem Abschlussbericht publiziert. Der Bericht wurde gemeinsam mit externen Sachverständigen erstellt.
Einen Überblick über Hintergrund, Vorgehensweise und weitere Ergebnisse des Abschlussberichts gibt folgende Kurzfassung http://www.iqwig.de/download/A05-08_Kurzfassung_Abschlussbericht_Zuckerselbstmessung_bei_Diabetes_mellitus_Typ_2.pdf
Weitere Informationen:
http://www.iqwig.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Glanzvoll geizen mit Gold: hauchfeine Schicht schützt die Umwelt
Franz-Georg Elpers, Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
Dünnerer Überzug für Schmuck - DBU fördert Entwicklung mit rund 122.000 Euro
Engen. In der Weihnachtszeit blinkt und glitzert es überall. Rund 60 Tonnen Gold werden jährlich in Deutschland verarbeitet, ein Viertel davon für die dekorative Beschichtung von Geschmeide. Unter großem technischem und mitunter umweltschädlichem Aufwand werden Gold, Platin und Co., deren verfügbare Reserven endlich sind, der Erde abgerungen und mit Zyanid vom Stein gelöst. "Klaffende Wunden und giftige Abwässer werden in der Natur hinterlassen. Deshalb ist eine sparsame Verwendung von Gold aus ökologischer Sicht zwingend", sagte Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Die baden-württembergischen Firma Nanocraft Coating (Engen) will nun mit Unterstützung der DBU völlig neuartige Beschichtungsverfahren entwickeln, die es ermöglichen, Edelmetalle wesentlich dünner als bisher aufzutragen. Die DBU fördert das Projekt mit rund 122.000 Euro.
In vielen Bereichen der Industrie werde Gold, Silber, Rhodium oder Platin verwendet, damit sie dort ihre Wirkung in chemischen Reaktionen und als Materialschutz entfalten könnten, erläuterte Brickwedde. Für Autoabgaskatalysatoren, Elektrogeräte, aber auch bei der Herstellung von Chemikalien würden sie benutzt. Vor allem für das Veredeln von Schmuck hätten Gold und Silber Vorrang. Dabei würden die Edelmetalle in Schichten, die unter einem Millimeter Dicke liegen, aufgetragen. "Bei rund 15 Tonnen Gold, die in Deutschland in einem Jahr dafür aufgebracht werden, steht ein beachtlicher Aufwand dahinter, um das Metall zu gewinnen", so Brickwedde.
Die Firma Nanocraft Coating, spezialisiert auf die Untersuchung technischer und biologischer Oberflächen im millionstel Millimeterbereich, entwickelt nun erstmalig zwei neue Techniken, die die bisherige Schichtdicke von Edelmetallen auf Schmuck um die Hälfte senken könnten. "Wir könnten bei weniger Materialverbrauch nur 50 Prozent der bisherigen Dicke erreichen, ohne die Haltbarkeit zu verringern oder Verschleiß am Schmuckstück zu haben", so der Nanocraft Geschäftsführer Dr. Sabri Akari. In der laufenden Entwicklung soll sich der Edelmetallverbrauch so um 50 bis 80 Prozent senken lassen.
Laut Umweltorganisation 'Rettet den Regenwald' gehört Gold zu den seltensten Elementen auf der Erde. Da der Goldanteil an der festen Erdkruste etwa vier Milligramm pro Tonne betrage, müssten gigantische Berge an Gestein abgetragen, zerkleinert und durchsiebt werden, um ein paar Gramm Gold zu erhalten. Für jede gewonnene Tonne Gold müssten rund drei Millionen Tonnen Erde bewegt werden. Gerodete Wälder, Erosionsprobleme und Verschlammung seien die Folge. Meist in offenen Zyanidlösungen werde das Gold vom Gestein gelöst. Diese Lösung sei giftig und hochentzündlich. Durch fehlerhafte Lagerung und Unglücke könnten Flüsse, Seen und das Grundwasser verseucht werden und Tiere und Pflanzen eingehen. Auch die Arbeiter setzten sich einer Gefahr durch Zyanid aus, da die Chemikalie, einmal mit ihr in Berührung gekommen, die Sauerstoffaufnahme des Blutes hemme.
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel29646_335.html
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Der Deutsche Bildungsserver bei Twitter und als Handy-App
Christine Schumann M.A., Referat Kommunikation
Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung
Das Internet bringt regelmäßig neue Informations- und Kommunikationsinstrumente hervor. Twitter ist derzeit sicherlich eine der aktuellsten Entwicklungen. Jedes dieser Instrumente hat seine Nutzerkreise und Fans. Für die Freunde von Twitter gibt es jetzt die Möglichkeit, die Informationen und News aus dem Deutschen Bildungsserver über "tweets" mitzuverfolgen. Zu finden sind sie unter: http://twitter.com/DBS_20.
Alle Informationen zu den Angeboten rund um Bildungsserver 2.0 sind beim Deutschen Bildungsserver unter der URL www.bildungsserver.de/link/dbs_20 erreichbar.
Ebenfalls sehr beliebt sind Applikationen für Mobiltelefone, so genannte Handy-Apps. Der Deutsche Bildungsserver bietet daher die Möglichkeit, seine Neuigkeiten auch für Mobiltelefone zu abonnieren. Derzeit sind die Inhalte in eine Applikation integriert, die den Mobiltelefonen des Vodafone-Telefonnetzes zur Verfügung steht. Die Applikation selbst, der Download und die Nutzung der Applikation sind für den Kunden kostenfrei. Die exemplarische Konzeption des Angebotes erlaubt es grundsätzlich allen Mobilfunknetzbetreibern, dieses in entsprechenden Applikationen zu verwenden.
Wie die Applikation mit dem Netzanbieter Vodafone realisiert ist, kann man sich im Netz ansehen unter der URL http://www.bildungsserver.de/link/dbs_mobil_widget.
Alle Informationen zu den Angeboten rund um Bildungsserver 2.0 sind beim Deutschen Bildungsserver unter der URL http://www.bildungsserver.de/link/dbs_20 erreichbar.
Weitere Informationen
Ingo Blees, Deutscher Bildungsserver, E-Mail blees@dipf.de
Pressekontakt: Philip Stirm
Der Deutsche Bildungsserver ist ein Gemeinschaftsservice von Bund und Ländern. Sitz der koordinierenden Geschäftsstelle des Deutschen Bildungsservers ist das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) in Frankfurt /M. und Berlin.
Das DIPF gehört mit zurzeit 85 Forschungsinstituten und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierten Mitgliedern zur Leibniz-Gemeinschaft. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de.
Weitere Informationen:
http://twitter.com/DBS_20 - Der Deutsche Bildungsserver bei Twitter
http://www.bildungsserver.de/link/dbs_20 - Web 2.0-Angebote des Deutschen Bildungsservers
http://www.bildungsserver.de/zeigen.html?seite=1581 - Presseinformationen des Deutschen Bildungsservers
http://www.dipf.de/de/dipf-aktuell - Presseinformationen des DIPF
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Wie klimabewusst sind die Deutschen wirklich?
Dr. Viola Düwert, Pressestelle
Philipps-Universität Marburg
Die Deutschen sind lange nicht so klimabewusst, wie sie selbst gerne glauben. Dies ist das Ergebnis eines Vergleichs der 27 EU-Länder, der von der Arbeitsgruppe Methoden und Evaluation der Philipps-Universität Marburg (Leitung Prof. Dr. Udo Kuckartz) vorgenommen wurde. Die Forscher haben die neuesten von der Europäischen Kommission erhobenen Daten (Eurobarometer-Studien) intensiv ausgewertet und auf der neuen Webseite www.klimabewusstsein.de zusammengestellt.
Die Deutschen sind lange nicht so klimabewusst, wie sie selbst gerne glauben. Ein Vergleich mit den anderen Ländern der EU zeigt, dass Deutschland in punkto Einstellungen tatsächlich in der europäischen Spitzengruppe liegt, aber in punkto Handeln sieht es weit weniger positiv aus. Besonders bemerkenswert: Eine gewisse Selbstzufriedenheit hat sich in Deutschland breit gemacht. Nirgendwo (außer in Irland) sind so viele Bürgerinnen und Bürger der Meinung, dass die Regierung doch schon genug im Kampf gegen den Klimawandel tue - und diese Stimmung "Wir tun doch schon genug" herrscht auch hinsichtlich des Beitrags der Zivilgesellschaft vor. Dies ist das Ergebnis eines Vergleichs der 27 EU-Länder, der von der Arbeitsgruppe Methoden und Evaluation der Philipps-Universität Marburg (Leitung Prof. Dr. Udo Kuckartz) vorgenommen wurde. Die Forscher haben die neuesten von der Europäischen Kommission erhobenen Daten (Eurobarometer-Studien) intensiv ausgewertet und auf der neuen Webseite www.klimabewusstsein.de zusammengestellt.
Ein weiteres Ergebnis der Studie ist die Differenz zwischen dem "Wir" und dem "Ich", die bei vielen Fragen der empirischen Untersuchungen augenscheinlich ist. So ist die große Mehrheit zwar der Meinung "Wir Bürger müssen mehr für den Klimaschutz tun" oder "Wir können durch unser Kaufverhalten viel bewegen" doch faktisch tun dies nur relativ wenige. Offenbar schließt das "WIR" die eigene Person nicht ein. So trübt sich das positive Bild des Klimabewusstseins der Deutschen, das man bei der Betrachtung der Einstellungen hat. Alle in der Studie abgefragten klimarelevanten Verhaltensweisen werden in Deutschland zwar etwas häufiger praktiziert als im europäischen Durchschnitt, doch belegen die Deutschen in keinem einzigen Fall den Spitzenplatz. Dennoch ist man mit sich zufrieden, denn in kaum einem anderen Land sind so viele der Meinung, dass der Bürger doch schon genug tue. Faktisch handeln viel zu wenige und das auch nur auf mehr oder weniger symbolische Weise, indem die eine oder andere Handlung gelegentlich praktiziert wird. Zwischen der allgemein bekundeten Bereitschaft und dem Routinehandeln im Alltag klafft eine gewaltige Lücke.
In der Eurobarometerstudie sagen bspw. 75% der Europäer, dass sie umweltfreundliche Produkte kaufen, aber nur 17% der gleichen Personen haben dies im letzten Monat tatsächlich getan.
Weitere Informationen
info@klimabewusstsein.de / Sekretariat 06421 2823026
Prof. Dr. Udo Kuckartz, 06421 2823024
Dipl-Päd. Stefan Rädiker, 06421 282282
Weitere Informationen:
http://www.klimabewusstsein.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Immer mehr Freizeitsportler dopen - Fitnessstudios als Verschiebebahnhof
Jörg Feuck, Kommunikation
Technische Universität Darmstadt
Weit mehr als eine Millionen Freizeitsportler in Deutschland begehen Medikamentenmissbrauch, um ihre Fitness zu steigern oder ihre Körperoptik aufzupolieren. Davon geht der Sportwissenschaftler Mischa Kläber vom Institut für Sportwissenschaften der TU Darmstadt aus, der in seiner Studie erstmals zeigt, dass Fitnessstudios und Sportvereine oft regelrechte Verschiebebahnhöfe für Dopingmittel sind.
Das gilt auch für sogenannte Gesundheitsstudios, die mit medizinischer Betreuung und Rehabilitationsmaßnahmen werben. "Die Dopingsituation im Freizeit- und Breitensport hat sich in den letzten Jahren stark zugespitzt", konstatierte der Darmstädter vor kurzem vor dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages, von dem er als Experte zum Thema befragt wurde. "In Fitness- und Bodybuildingstudios finden sich oft gut organisierte Doping-Netzwerke, die die Neulinge einweisen, ihnen Know-how und Medikamente verschaffen und auch im Injizieren der Mittel unterweisen." Dopende Freizeitsportler sind also keineswegs autonom handelnde Individuen, wie bislang vermutet. Und wie schon aus dem Hochleistungssport bekannt sind auch im Freizeitsport immer häufiger Ärzte und Apotheker in das Geschäft mit den Medikamenten verwickelt.
Doping kann süchtig machen
In eine Doping-Spirale rutscht man schneller als viele denken, denn die Werbemethoden in den Studios sind massiv. Entsprechend weit verbreitet ist das Phänomen: Vermutlich greift von den mittlerweile rund sieben Millionen Mitgliedern von Fitnesscentern bereits jeder siebte zu legalen und illegalen Medikamenten, um seinen Körper zu stählen. "Aufgrund der Verschwiegenheit der Szene gehe ich sogar noch von einer weit höheren Zahl aus", vermutet der frühere Fitness-Trainer, der die Untersuchung im Rahmen seiner Doktorarbeit durchführte.
Vor allem Bodybuilder sind gefährdet, denn sie machen ihren Trainingserfolg von ihrer Körperoptik abhängig, und die lässt sich durch Medikamente wie Anabolika oder Wachstumshormone leicht beeinflussen. "Manche Sportler dopen sich seit mehreren Jahrzehnten in regelmäßigen Abständen, und sie scheinen damit ganz gut zu fahren", meint Kläber. "Sie selbst argumentieren, dass sie ein gesünderes Leben als viele andere Bürger führen, auf ausreichend Bewegung und eine gute Ernährung achten." Dann aber gibt es auch Fälle, wie den eines inzwischen 44jährigen Users, der vor rund zehn Jahren an Hodenkrebs erkrankte, eine mögliche Nebenwirkung des Anabolikakonsums. "Nach der Operation und erfolgreichen Behandlung seiner Krebserkrankung hatte er sich geschworen, mit dem Doping aufzuhören, aber schon drei Monate später war er wieder in sein altes Dopingverhalten zurückgefallen. User können also eine manifeste Suchtstruktur entwickeln, auch wenn das nicht zwangsläufig passiert."
Immer jüngere Einsteiger
Das Geschäft mit den Dopingmitteln floriert und die "alten Hasen" rekrutieren den Nachwuchs unter immer jüngeren Kunden von Fitnessstudios. In einer stark leistungsorientierten Gesellschaft wie der unseren sind Jugendliche anfälliger, zudem werde der Einstieg in den Medikamentenmissbrauch durch die zunehmende Bedeutung von Nahrungsergänzungsmitteln erleichtert, so Kläber. "Man beginnt mit einer Kreatin-Kur zur Steigerung der Muskelkraft und stößt damit womöglich eine Dynamik an, bei dem die Ernährung immer einseitiger und radikaler wird. Zunächst etabliert sich Stück für Stück eine Kurenlogik, und dann prägt sich oftmals eine Dopingmentalität aus", warnt Kläber. Dann ist auch der Schritt hin zu Hormonen, Stimulanzien und anderen illegalen Dopingmitteln nicht mehr weit.
Wer solche Medikamente testen möchte, sucht jedoch häufig einen Arzt auf, um gesundheitliche Risiken zu vermeiden. "Dopingwillige wollen ihre Kurpläne durch Erhebung von Blutbildern und ärztliche Kontrolle absichern. Hat der Arzt Einwände, drohen sie damit, die Kur ohne ärztliche Überwachung machen zu wollen. Damit stimmen sie offensichtlich viele Mediziner um." Und wer einmal einen User betreut hat, wird in der Szene gerne weiterempfohlen. Nicht selten wird ein Arzt so zu einem festen Mitglied eines oder sogar mehrerer Doping-Netzwerke.
Aber auch Apotheker haben ihre Finger in diesem lohnenden Geschäft. "Eine acht- bis zwölfwöchige Kur mit einem Testosteronpräparat zum Beispiel kostet zwischen 100 und 600 Euro. Der Preis hängt wesentlich davon ab, über wen man die Medikamente beschafft."
Es geht auch ohne Arzt
Ärzte und Apotheker sind vergleichsweise sichere, aber auch teure Quellen. "Jugendliche können sich das eher selten leisten, sie greifen häufiger zu den Billigangeboten von zwielichtigen Parkplatzdealern oder aus dem Internet - selbst wenn erfahrene User davor warnen." Die Beschaffung verbotener Substanzen im Internet ist denkbar einfach.
"Dort wird Tacheles gesprochen", weiß der Sportwissenschaftler, "man findet problemlos konkrete Einnahmeempfehlungen und Dosierungsanleitungen, kann am freien Erfahrungsaustausch teilhaben und hat zum Teil auch einfache Möglichkeiten, die Medikamente zu erwerben und dann bequem und tiefgekühlt frei Haus geliefert zu bekommen." Die Wahrscheinlichkeit, an gefälschte Medikamente zu geraten, ist hier und bei den Hinterhofhändlern sehr hoch. Um dieses Risiko zu umgehen, dopt sich so mancher lieber mit Tierarzneimitteln, die zudem noch deutlich günstiger zu haben sind.
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(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Immer der Nase nach - Vögel verlassen sich auf langen Zugrouten wesentlich auf ihren Geruchssinn
Leonore Apitz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Ornithologie
Wie sich Vögel auf ihren Zugrouten orientieren, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Wie entwickelt ein Vogel eine "innere Landkarte"? Wie findet er zurück in sein Nest vom Vorjahr? Erwachsene Zugvögel sind offensichtlich in der Lage, sich an Routen zu erinnern. Selbst bei einem Flug über unbekanntem Terrain finden sie ihren Weg. Forscher am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und ihre Kollegen von den Universitäten Princeton, Pisa und Kopenhagen haben nun in einem Freilandversuch festgestellt, dass Gerüche wesentlich den Vogelzug erleichtern. Sie spielen eine wichtigere Rolle als die Sonne und das Magnetfeld der Erde. (Journal of Experimental Biology, 27. November 2009)
Von Jungvögeln vieler Arten wissen Forscher bereits, dass sie eine artspezifisch vererbte Himmelsrichtung einschlagen, um bei ihrer ersten Reise die Winterplätze zu erreichen. Sie verfehlen ihr Ziel, wenn man sie über große Entfernungen von ihrem Ausgangspunkt wegtransportiert. Erwachsene Zugvögel sind dagegen in der Lage, sich an einmal geflogene Routen zu erinnern und nach einer Ortsveränderung die Flugrichtung zu korrigieren und zu den Winterplätzen zurückzufinden. Dies ist ein Beweis echter Navigationsleistung. Wissenschaftler versuchen daher, Faktoren und Mechanismen zu bestimmen, die es den Tieren ermöglichen, ihren Standort zu lokalisieren.
Forscher um Richard Holland und Martin Wikelski vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und der Universität Konstanz haben nun erstmals kleine Singvögel in ihrer natürlichen Umgebung untersucht. In der Feldstation der Universität Princeton (New Jersey) haben sie dazu während des Herbstzuges 24 erwachsene und 24 juvenile Katzendrosseln (Dumatella carolinensis) gefangen. Anschließend manipulierten die Forscher in beiden Gruppen bei jeweils acht Vögeln den Geruchssinn, indem sie die Nasenschleimhäute der Vögel mit einer Salz-Lösung spülten. Die Vögel konnten daraufhin für zwei Wochen nicht mehr richtig riechen, ihre Riechzellen wurden jedoch nicht permanent geschädigt. Bei weiteren acht Vögeln störten die Forscher den Magnetsinn mittels starker magnetischer Impulse. Bei der Kontrollgruppe blieben die Tiere ihrer Wahrnehmung unbeeinträchtigt.
Parallel dazu wurden in Illinois - in der Mitte des amerikanischen Kontinents - 19 erwachsene Katzendrosseln gefangen, über Nacht 1100 Kilometer Richtung Osten nach New Jersey gebracht und dort ebenso in die drei Gruppen aufgeteilt. Anschließend befestigten die Wissenschaftler bei allen Vögeln einen 0,9 Gramm leichten Radiotransmitter auf dem Rücken und ließen alle sofort frei. Die Ornithologen konnten nun den Zug der Vögel vom Boden und von der Luft aus beobachten.
Üblicherweise fliegen Katzendrosseln bei ihrem Herbstzug durch New Jersey in Richtung Südwesten westlich an der Bucht von Delaware entlang. Wenn sie - wie ihre Artgenossen in Illinois - einen streng südlichen Kurs fliegen, würden sie am Cape May ankommen. Das hätte zur Folge, dass sie die Delaware Bay an ihrer breitesten Stell überqueren oder an der Küste entlang wieder Richtung Norden fliegen müssten, bis sie eine schmale Stelle gelangen. Erwachsene Vögel meiden deshalb die direkte Südrichtung.
Die erwachsenen nicht-riechenden Vögel wählten jedoch eine unterschiedliche Flugroute als die erfahrene Kontrollgruppe und diejenigen Tiere, deren Magnetsinn gestört war. Die Vögel, deren Geruchssinn beeinträchtigt war, waren nicht in der Lage, sich zu orientieren und flogen nach Süden. Sie mussten wie die Jungvögel auf eine endogene Peilung zurückgreifen, weil sie sich nicht mehr auf ihren Geruch verlassen konnten. Auch die aus Illinois stammenden Tiere ohne Geruchssinn flogen in südliche Richtung, während die Kontrollgruppe versuchte, den Ortswechsel durch Flug gen Südwesten beziehungsweise Westen zu kompensieren.
Die Manipulation des Magnetsinns wirkte sich dagegen nicht auf die Orientierung aus - weder für die erwachsenen noch für die jungen Vögel. "Auch andere Feldstudien haben keinen klaren Beweis erbracht, dass es eine Wirkung haben könnte, wenn man den Magnetsinn stört", sagt Richard Holland. Deshalb stellt sich für die Forscher die Frage, wie wichtig tatsächlich das Magnetfeld für die Navigation über große Distanzen ist. "Dennoch nehmen wir nicht an, dass der Mangel an Wirkung bei der Magnetpuls-Behandlung ein Zeichen dafür ist, dass der Magnetsinn gar keine Rolle bei der Migration erwachsener Vögel spielt." Die Ergebnisse erlauben erstmals den Schluss, dass der Geruchssinn ein wesentlicher Faktor einer Navigationskarte ist. Der Versuch eröffnet darüber hinaus auch eine zuverlässige Methode für zukünftige Feldstudien, die die Rolle von Umweltfaktoren beim Vogelzug untersuchen.
Originalveröffentlichung:
R.A. Holland, K. Thorup, A. Gagliardo, I.A. Bisson, E. Knecht, D. Mizrahi and M. Wikelski
Testing the role of sensory systems in the migratory heading of a songbird
The Journal of Experimental Biology 2009 212, 4065-4071, 27. November 2009
doi:10.1242/jeb.034504
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Weitere Informationen erhalten Sie von:
Richard Holland
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Radolfzell
Tel.: +49-7732-1501-23
E-Mail: rholland@orn.mpg.de
Leonore Apitz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Radolfzell
Tel.: +49-7732-1501-74
E-Mail: apitz@orn.mpg.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Chemieindustrie nachhaltig? Neun Unternehmen im Vergleich
Barbara Debus, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung
Eine neue Studie untersucht, wie effizient neun internationale Chemieunternehmen mit ihrem Kapital, ihren ökologischen Ressourcen und ihren Beschäftigten wirtschaften. In dem wissenschaftlichen Nachhaltigkeits-Check erweisen sich Air Liquide und BASF als führend, Konkurrent Bayer kann 2007 jedoch auf Rang zwei aufschließen. Die nachhaltigen Unternehmensergebnisse können dank eines neuen Ansatzes in nur einer Eurokennzahl ausgedrückt werden. Eine internationale Forschergruppe um das Berliner IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung erarbeitete die Branchenstudie.
Drei europäische Chemieunternehmen sind die Champions eines internationalen wissenschaftlichen Vergleichs, der nachhaltiges Wirtschaften innerhalb der Chemiebranche in Euro misst. Dabei wird nicht nur der Umgang mit Kapital, sondern auch mit Umweltressourcen und Beschäftigten einheitlich monetär bewertet. Dem französischen Industriegashersteller Air Liquide und dem deutschen Chemiemulti BASF gelang es der neuen Studie zufolge, in allen vier untersuchten Jahren 2004 - 2007 ihr Ressourcenbündel deutlich effizienter als der Durchschnitt der betrachteten Unternehmen einzusetzen. Beide Unternehmen schufen damit einen nachhaltigen Mehrwert ("Sustainable Value") in Milliardenhöhe. Bereinigt man diese Ergebnisse um die Unternehmensgröße, gelingt es Bayer im Jahr 2007 aufgrund seines Effizienzvorsprungs zum Zweitplatzierten BASF aufzuschließen. Am Ende des Rankings steht das US Unternehmen Dow Chemical. Es setzte seine Ressourcen im Jahr 2007 nur etwa halb so effizient ein wie der Durchschnitt und schuf damit einen negativen Sustainable Value von minus 2,2 Milliarden Euro.
Neuer Bewertungsansatz
Mit der Studie "Sustainable Value Creation by Chemical Companies" wird erstmals die Nachhaltigkeitsleistung von neun Chemieunternehmen systematisch monetär bewertet. Ermöglicht wird dies durch den Sustainable-Value-Ansatz, der die am Finanzmarkt etablierte Opportunitätskostenlogik auf ökologische und soziale Aspekte erweitert und dabei erstmals zu aussagefähigen Ergebnissen über die Nachhaltigkeitsleistung von Unternehmen in Euro kommt. "Ein Beitrag zu einem positiven Sustainable Value entsteht immer dann, wenn ein Unternehmen eine Ressource wie z.B. Wasser effizienter einsetzt als der Markt", erklärt die Betriebswirtin Andrea Liesen vom IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des unabhängigen und gemeinnützigen IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin, der Queen's University Management School in Belfast und der Euromed Management School in Marseille führten diese Studie gemeinsam durch. Der Ansatz wurde von den beteiligten Wissenschaftlern Prof. Dr. Frank Figge (Queen's University Management School) und Dr. Tobias Hahn (Euromed Management School) im Jahr 2001 entwickelt und seitdem in verschiedenen Studien erfolgreich angewandt. Auftraggeber sind vorrangig öffentliche Institutionen wie die EU-Kommission, das Bundesforschungs- und das Bundeswirtschaftsministerium. Die vorliegende Studie wurde von der BASF SE in Auftrag gegeben, die 2008 den Deutschen Nachhaltigkeitspreis erhielt. Dies zeigt das zunehmende Interesse und die Akzeptanz des Ansatzes in der Privatwirtschaft.
Neun Chemieunternehmen - 13 Indikatoren
Insgesamt gingen die folgenden Unternehmen in die Studie ein: Air Liquide S.A. (Air Liquide), Akzo Nobel N.V. (AKZO), BASF SE (BASF), Bayer AG (Bayer), The Dow Chemical Company (DOW), Koninklijke DSM N.V (DSM), E. I. du Pont de Nemours and Company (DuPont), Reliance Industries Limited (Reliance) und Shell Chemicals (Shell Chemicals). Diese neun Unternehmen verfügen über eine ausreichend aussagekräftige Nachhaltigkeitsberichterstattung, so dass bei fast allen betrachteten Unternehmen durchgängig der Einsatz von 13 verschiedenen ökonomischen, ökologischen und sozialen Ressourcen betrachtet werden konnte, darunter der Kapitaleinsatz, der Wasserverbrauch, der chemische Sauerstoffbedarf des Abwassers, die Erzeugung gefährlicher Abfälle, die Emissionen von Treibhausgasen oder flüchtiger organischer Verbindungen und das Versauerungspotenzial. Des weiteren wurden soziale Indikatoren wie die Anzahl der Arbeitsplätze und der Arbeitsunfälle einbezogen.
Umfassende Umweltberichterstattung nötig
Die Untersuchung basiert dabei ausschließlich auf den von den Unternehmen veröffentlichten und bereitgestellten Finanz-, Umwelt- und Sozialdaten und ist somit transparent und nachvollziehbar. "Bei der Verwendung dieser Daten muss man jedoch genau hinschauen. Nicht immer umfassen die veröffentlichen Daten wirklich das gesamte Unternehmen", betont Andrea Liesen vom Berliner IZT: "Manchmal wird es als zu aufwändig empfunden, die Daten kleinerer Tochterfirmen aufzubereiten, in Ausnahmefällen tauchen auch ganze Geschäftsfelder mit hoher Umweltbelastung nicht in der Berichterstattung auf."
Ergebnisse in absoluten Eurowerten
Die Ergebnisse zeigen ein sehr differenziertes Bild der Nachhaltigkeitsperformance der Produktionsprozesse in den untersuchten Chemieunternehmen: BASF setzte im Jahr 2006 seine Ressourcen 1,4-mal effizienter ein als der Durchschnitt. Hieraus ergibt sich der höchste im Betrachtungszeitraum gemessene absolute Sustainable Value von 1,6 Milliarden Euro für BASF im Jahr 2006. Mit anderen Worten: BASF schuf im Jahr 2006 mit den eingesetzten Ressourcen einen absoluten Sustainable Value von 1,6 Milliarden Euro, d.h. 1,6 Milliarden Euro mehr Cash Flow, als die Vergleichsgruppe mit der selben Menge an Ressourcen geschaffen hätte. Das Branchenschwergewicht DOW nutzte im selben Jahr seine Ressourcen nicht einmal halb so effizient ein wie der Durchschnitt und erzielte deshalb mit minus 2,3 Milliarden Euro den Negativrekord. Im Jahr 2007 verteidigte BASF mit 1,1 Milliarden Euro seine Spitzenposition bezüglich des absoluten nachhaltigen Mehrwerts. Wie auch in den Vorjahren folgte Air Liquide (888 Mio. Euro in 2007) auf dem zweiten Platz. Auch der indische Chemieriese Reliance Industries Limited schnitt in dem Bewertungsverfahren durchweg positiv ab, konnte aber bisher für das Jahr 2007 nicht mit verfügbaren Daten aufwarten.
Die Ergebnisse - unabhängig von der Unternehmensgröße
Wenn man die Unternehmen unabhängig von ihrer Größe und nur gemäß ihrem Effizienzvorsprung vergleicht dreht sich das Ranking: Air Liquide konnte mit seinem Ressourcenbündel 1,7-mal mehr Cashflow generieren als die Vergleichsgruppe. Das heißt, mit der Ressourcenmenge, die im Durchschnitt von den betrachteten Unternehmen benötigt wird, um 1 Euro Cash Flow zu generieren, schafft Air Liquide 1,70 Euro. In den Jahren 2005-2007 folgt BASF auf dem zweiten Platz und setzt seine Ressourcen zwischen 1,2- und 1,4-mal effizienter ein als der Durchschnitt. Im Jahr 2007 muss sich BASF diesen zweiten Platz mit dem deutlich aufstrebenden Konkurrenten Bayer teilen. Die Nachhaltigkeitsperformance von Bayer zeigt den stärksten positiven Trend innerhalb der Studie. Während das Unternehmen in 2004 seine Ressourcen noch 1,3-mal ineffizienter einsetzte als der Durchschnitt und somit einen negativen Sustainable Value von minus 700 Mio. Euro schuf, konnte es in den zwei darauffolgenden Jahren bemerkenswerte Effizienzsteigerungen verzeichnen (2005: 606 Mio. Euro; 2006: 938 Mio. Euro). "Diese Entwicklung ist teilweise auf den Verkauf des Spezialchemieherstellers Lanxess zurückzuführen", führt Prof. Dr. Frank Figge von der Queen's University Belfast an. Aber auch die Nachhaltigkeitsperformance von DuPont folgt einem positiven Trend.
Im Gegensatz dazu unterliegt die Nachhaltigkeitsperformance von Shell Chemicals einem klaren Negativtrend. In den Jahren 2004 und 2005 setzte Shell Chemicals seine Ressourcen noch effizienter ein als der Durchschnitt. Dies gelang 2006 nicht mehr und das Unternehmen generierte einen negativen Sustainable Value von minus 37 Mio. Euro. Das Schlusslicht sämtlicher Rankings bildet DOW (2007: -645 Mio. Euro Sustainable Value). Wie auch DOW konnten DSM und AKZO über den gesamten Betrachtungszeitraum keinen positiven Sustainable Value schaffen. Im Jahr 2007 setzten diese Unternehmen ihre Ressourcen in etwa nur halb so effizient ein wie der Durchschnitt, d.h. mit den Ressourcen mit denen die betrachteten Unternehmen im Durchschnitt 1 Euro Cash Flow generierten, schufen DOW, DSM und AKZO nur etwa 50 Cent.
Ein kostenloser Download der Studie sowie weitere Erläuterungen zur Methode finden sich unter http://www.sustainablevalue.com
Kontakte:
· Pressestelle des IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technolgiebewertung,
Barbara Debus
Tel.: +49-(0)30-803088-45, E-Mail: b.debus@izt.de
· Wissenschaftliches Team: Andrea Liesen
IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technolgiebewertung,
Tel.: +49-(0)30-803088-47, E-Mail: a.liesen@izt.de
Weitere Informationen:
http://www.izt.de
http://www.sustainablevalue.com
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Nachhaltige Weinproduktion dank intelligentem Abwassermanagement
Christian Colmer, Pressestelle
ttz Bremerhaven
Hinter den Weinproduzenten liegen anstrengende Wochen. Bis die edlen Tropfen in der Flasche sind und ihre Kellerruhe antreten, herrschte Hochbetrieb an den einzelnen Verarbeitungsstationen für Rot- und Weißwein. Um das an diesen Stationen eingesetzte Wasser aufzubereiten, und um die anfallenden Abfälle bestmöglich zu verwerten, geht das EU-Projekt Sustavino, koordiniert vom ttz Bremerhaven, neue Wege: Durch die Messung der Belastung des Wasser und der organischen Abfälle können die optimale Aufbereitung bestimmt und Wertstoffen zurückgewonnen werden. Die Probennahmen auf insgesamt vier Weingütern machen deutlich: Eine Optimierung des Abwassermanagement duldet keinen Aufschub.
Bremerhaven, Dezember 2009. Bei dem entspannten Genuss eines guten Weines kommt nicht jedem das Thema Umweltschutz in den Sinn. Dennoch ist es naheliegend, spielt doch das grüne Image bei der Weinproduktion eine zunehmend größere Rolle und gewinnt an Zugkraft für das Marketing. Bei der Weinproduktion fallen große Abwassermengen an, die teilweise hohe Mengen an festen organischen Substanzen enthalten. Da die Produktionsabläufe saisonal ablaufen, können in Hochzeiten Schock-Belastungen der kommunalen Abwasserbehandlungssysteme auftreten. Ist das Weinanbaugebiet nicht an die Kanalisation angeschlossen, können nachhaltige Beeinträchtigungen von Seen und Flüssen die Folge sein.
Bis zu 600 Liter Wasser werden pro Reinigungsschritt bei der Produktion eingesetzt - zur Spülung der Fässer und Tanks, Reinigung des Transportlasters und Säuberung der Weinpresse und Gärtanks. Bisher wird das Wasser aus allen Prozessschritten gleich behandelt - und ohne Aufbereitung zumeist in die Kanalisation geleitet. Dieser Umgang mit der Ressource hat auch finanzielle Nachteile für die Produzenten: Da die Belastung mit organischen Stoffen in Weinbaugebieten saisonal stark steigt wird in manchen Regionen, wie z.B. in der Pfalz, eine sogenannte "Weinbauzusatzgebühr" fällig. Weinproduzenten zahlen damit den erhöhten Strombedarf, der Klärwerken durch einen höheren Verschmutzungsgrad des Wassers entsteht.
Außerdem gehen im Prozess biologisch aktive Reststoffe wie Polyphenole und Antioxidantien verloren - potenzielle Wertstoffe für Anwendungen in der Kosmetik-, Pharma- und Lebensmittelindustrie. Bisher enden diese Substanzen, die vorwiegend in den festen Rückständen der Weinproduktion vorhanden sind, vielfach auf dem Acker. Das ttz Bremerhaven arbeitet daran, diese Reststoffe zu Wertstoffen weiter zu entwickeln.
Im EU-Projekt Sustavino wird eine differenzierte Optimierung entwickelt, um das Abwasser- und Reststoff-Management effizienter zu gestalten. Um die wissenschaftlichen Werte zu ermitteln, wurden auf Weingütern in Spanien, Rumänien, Ungarn und Deutschland Proben entnommen. Der einzige Produzent aus Deutschland ist das Weingut Holstein aus Kindenheim. "Meine Kunden sind in der Regel sehr an der Produktionsart der von Ihnen genossenen Weine interessiert. Mit der Teilnahme am Projekt Sustavino erarbeiten wir uns ein Gütesiegel, das unseren ökologischen Pionierstatus gut kommunizierbar und nachprüfbar macht", begründet Thilo Holstein seinen Entschluss zur Projektteilnahme. Damit trägt Holstein dem zunehmenden Verbraucherinteresse an der Umweltbilanz von Wein Rechnung.
Mitarbeiter des Bereichs Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement des ttz Bremerhaven begleiten momentan die Produktion in Kindenheim. Die Proben werden auf Indikatoren für den Grad der organischen Verschmutzung, Nährstoffgehalte, Schwebstoffe, pH-Wert, Leitfähigkeit, Schwermetalle, Pestizide, Polyphenole und coliforme Keime hin untersucht. Dazu werden in jedem Prozessschritt aus 20 Liter-Einheiten volumenbezogene Proben Wasser abgefüllt. Das Ergebnis: Die Belastung des Wassers mit organischen Komponenten liegt bei allen Reinigungsschritten deutlich über dem durchschnittlichen Zulaufwerten von Kläranlagen. Dringender Optimierungsbedarf zeigt sich also auch hier. Die Belastung kann durch verschiedene, sogenannte on-site Vorbehandlungen, vermindert werden. Hierzu zählen z.B. belüftete Vorklärbecken oder verschiedene Formen von Bio-Reaktoren sowie Pflanzenkläranlagen.
Im nächsten Jahr werden die verschiedenen Möglichkeiten zunächst im Labor getestet. Zur nächsten Weinernte werden dann neue Ansätze auf den Weingütern getestet und bewertet werden.
Weitere Informationen:
http://www.sustavino.eu/
http://www.ttz-bremerhaven.de/index.php?option=com_content&view=article&id=278%3Asustavino&catid=41%3Aprojektelandschaftsmanagement&Itemid=105〈=de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Wie finanziert sich die Weiterbildung in Deutschland?
Sarah Maur, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Erwachsenenbildung - Leibniz-Zentrum für Lebenslanges Lernen
Bildung hat (auch) eine ökonomische Seite. Marketing, Qualitätsmanagement und Kostendeckung gehören mittlerweile zum Hand-werkszeug für die Arbeit in Weiterbildungseinrichtungen, in denen die Teilnehmenden zunehmend als Kundinnen und Kunden betrachtet werden. Trotz der Alltäglichkeit von Finanzierungsfragen sind die Strukturen, auf denen die Finanzierung von Weiterbildung aufbaut, hoch komplex und vielschichtig. Mit dem Studientext "Finanzierung der Weiterbildung in Deutschland" legt Autor Stefan Hummelsheim eine komprimierte und trotzdem umfassende Einführung vor, die Grundlagen für zukünftige Debatten schafft.
Stefan Hummelsheim stellt zunächst die wichtigsten Begriffe, Konzepte und Fragen der bildungsökonomischen Analyse vor und beleuchtet die bestehenden betrieblichen, individuellen, öffentlich- sowie SGB III-geförderten Finanzierungsstrukturen von Weiterbil-dung. Schließlich werden die wesentlichen theoretischen Finanzierungsalternativen aufgezeigt sowie konkrete Reformvorschläge für vorhandene Problemlagen diskutiert, die das Handlungspotenzial von in der Weiterbildung Tätigen vergrößern.
"Finanzierung der Weiterbildung in Deutschland" erläutert den Leser/inne/n aus Wissenschaft, Politik und Praxis die wichtigsten Begriffe, Verfahren und Argumente, mit deren Hilfe eine kritische Beurteilung der existierenden oder alternativ vorgeschlagenen Finanzierungsmodelle möglich wird.
Stefan Hummelsheim
Finanzierung der Weiterbildung in Deutschland
Reihe: Studientexte für Erwachsenenbildung
W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld 2010
156 Seiten, 19,90 EUR
Bestell-Nr. 42/0026
ISBN 978-3-7639-1976-5
Der Autor Stefan Hummelsheim hält am 19. März 2010 (15 Uhr) auf der didacta in Köln einen Vortrag zum Thema "Öffentliche Förderung der Weiterbildung - Eine Bilanz individueller und institutioneller Förderwege"
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Schweinegrippe und der Umgang mit Unsicherheit
Dipl.-Soz.Päd. Marga Cox, Geschäftsstelle
Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V.
Informierte Entscheidungsfindung gilt in der Medizin als ein erstrebenswertes Ideal, für das im Alltag aber meist keine Zeit sei. Was Deutschland derzeit erlebt, zeigt das Gegenteil. Wenn in der Bahn, an der Theke, oder am Arbeitsplatz darüber diskutiert wird, ob man sich nun gegen die Schweinegrippe impfen lassen soll oder nicht, ist das die praktizierte Abwägung zwischen Nutzen und Schaden, wie sie in der Medizin Alltag sein sollte. Das ist die gute Nachricht.
Die schlechte ist, dass die Informationen, die man zu einer informierten Abwägung über die Schweingrippe braucht, derzeit zu oft auf Hörensagen und widersprüchlichen Expertenmeinungen beruhen. "Eine informierte Entscheidung setzt eine nüchterne Analyse des Wissens über Nutzen und Schaden und einen offenen Umgang mit Unsicherheiten und Lücken im Wissen voraus", sagt Prof. David Klemperer, Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin. Nötig wären dazu konkrete Angaben zu Häufigkeiten, zeitlichen Trends und konkreten Gefahren für verschiedene Risikogruppen. Dazu müsste eine koordinierte Forschung existieren, die in Deutschland die Ausbreitung des Virus verfolgt, um zum Beispiel festzustellen, wie viele Infektionen so milde verlaufen, dass Erkrankte gar nicht zum Arzt gehen. Solche sorgfältig durchgeführten epidemiologischen Studien sind jetzt nötig, um mehr Informationen zu Nutzen und Risiken von Impfstoffen und Impfungen zu liefern, die dann in Zukunft eine echte Entscheidungsgrundlage sein können. "Wir brauchen diese Untersuchungen dringend", fordert Klemperer.
Solche Studien können auch klären, ob die Schweinegrippe überhaupt ein größeres Risiko darstellt als die "normale" Grippe. "Derzeit überschlagen sich angebliche Experten und Medien mit Meldungen über Todesopfer und verzerren so die Wahrnehmung", kritisiert Klemperer. Die Erfahrungen in Australien, wo die Welle der Schweinegrippe bereits vorüber ist, zeigen keinen Grund zu besonderer Beunruhigung.
Da konkrete Zahlen fehlen, wie gefährlich die Schweinegrippe wirklich ist, muss sich die Ständige Impfkommission (STIKO) auf eine schmale Datengrundlage verlassen und viele Unsicherheiten in Kauf nehmen. Die STIKO vertritt den Standpunkt, dass jeder Bürger die Möglichkeit zu einer Impfung haben sollte. Eine ausdrückliche Empfehlung spricht sie aber nur für die Beschäftigten im Gesundheitswesen mit Patientenkontakt und für Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf aus.
Auch für diese Gruppen fehlen medizinische Fakten, welchen Nutzen die Impfung haben wird. In dieser Unsicherheit können andere Argumente ausschlaggebend werden. Eines dieser Argumente ist die doppelte Fürsorgepflicht, die Beschäftige im Gesundheitsbereich haben. Zum einen können sie als Kontaktpersonen Überträger sein. Zum anderen sollten Ärzte und Pflegepersonal gerade dann gesund und auf dem Posten sein, wenn andere krank sind. Das DNEbM unterstützt daher die Empfehlung, die Impfung zuerst bei medizinischem Personal mit Kontakt zu Patienten einzusetzen. Wegen der besonderen Verantwortung hat diese Gruppe aber auch ein besonderes Recht darauf, dass Nutzen und Schaden der Impfung evaluiert werden.
Derzeit ändern sich die Erkenntnisse zum Thema Impfen gegen die Neue Grippe sehr schnell. Das Netzwerk stellt auf seinen Internetseiten eine Sammlung der besten, derzeit verfügbaren Informationen bereit.
Link: http://www.ebm-netzwerk.de/netzwerkarbeit/themenportale#schweinegrippe
Weitere Informationen:
http://www.ebm-netzwerk.de
http://www.ebm-kongress.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)




