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Übersicht

Willkommen bei klaerwerk.info. Produkte suchen können Sie ganz einfach, indem Sie das gesuchte Produkt wie z.B. Pumpen  in das Feld „Produktsuche“ eingeben und dann die Enter-Taste drücken. Übersichtlich werden alle gelisteten Lieferanten angezeigt, die das Produkt führen, alle Artikel in www.Klärwerk.info, die sich mit dem Produkt beschäftigen sowie alle Fortbildungsveranstaltungen mit diesem Thema.

Ansonsten finden Sie alle Artikel geordnet in Sachgebiete. Klaerwerk.info bietet eine umfassende Fülle von Informationen und Links, die man täglich braucht. Damit Sie wissen, wo Sie was finden, nachfolgend eine Übersicht über die einzelnen Sachgebiete:

A. Aktuelles

Hier finden Sie alle aktuellen Meldungen chronologisch geordnet. Suchen Sie frühere Meldungen, so sehen Sie in den Sachgebieten nach oder geben rechts oben einen Suchbegriff in das Suchen-Feld ein.

1)      Tägliche Meldungen

B. Forum

1)      Fragen und Antworten

Das Forum steht allen Nutzern zur Verfügung. Hier können Sie alle Beiträge lesen, selbst Beiträge erstellen oder auf Beiträge antworten

C. Fachwissen

Hier schreiben Praktiker für Praktiker. Haben Sie auch etwas Interessantes zu berichten, so schreiben Sie uns an Kontakt@Klaerwerk.info .

1)     Abwasserreinigung
2)      Energie- und E-Technik
3)      Kanal- und Entwässerung
4)      Maschinentechnik
5)      Labor
6)      Schlammbehandlung
7)      Gaserzeugung und BHKW
8)      Aus Bund Ländern und EU
         a) Vom Bund
         b) Aus der EU und aller Welt
         c) Aus den einzelnen Bundesländern (geordnet nach Bundesländer)
9)      Recht und Gesetze
         a) Beiträge zum Umweltgesetzbuch
         b) Beiträge zur Wasserrahmenrichtlinie (WWRL)
         c) Beiträge zum Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)
10)    Neue Fachliteratur
         a) Neue Bücher
         b) CD/ DVD's
         c) Downloads
         d) Fachzeitschriften
         e) Lexika und Wörterbücher
11)  Tipps und Tricks

D. Berufliches

Der zweite Schwerpunkt von Klärwerk.info. Hier finden Sie alles für Arbeitnehmer und Vorgesetzte und was Sie persönlich angeht.

1)      Arbeitssicherheit
         a) Unfallverhütungsvorschriften- Regeln und Information
         b) Formulare und Erlaubnisscheine
         c) Gesetze und Verordnungen zur Arbeitssicherheit
         d) Umsetzung der Betriebssicherheitsverordnung
         e) Unterweisungshilfen
         f ) Hilfen zur Gefährdungsbeurteilung
         g) Ex-Schutz auf Kläranlagen
2)
      Tarif- und Arbeitsrecht
         a) Tarifrecht, Tarifvertrag, Gehaltsrechner und mehr
         b) Mitarbeitergespräche, Mitarbeiterbeurteilung
         c) Leistungsorientierte Bezahlung
         d) Tabelle TVöD (West)
         e) Arbeitszeugnisse
3)      Aus- und Weiterbildung
         a) Ansprechpartner
4)      Azubiseite
         a) Ausbildungshilfen für Ausbilder und "Azubis"
         b) Musterkläranlage
         c)  Prüfungsaufgaben
         d) Übungsaufgaben
         e) Informationen für Auszubildende
         f)  UT-Ausbildertreffen Fachkraft für Abwassertechnik
         g) Formeln, PSE und weitere Hilfen
5)      Meisterschüler
         a) Informationen für Meisterschüler
         b) Prüfungsaufgaben
6)        Offene Stellen

E. DWA-Infos

1)      Klärwerksnachbarschaften
         a) Kläranlagennachbarschaften in Bayern
         b) Kläranlagennachbarschaften in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
         c) Kläranlagennachbarschaften in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland
2)      DWA-Informationen
         a) DWA Arbeitsblätter
         b) KA-Betriebs-Infos
         c) Mitgliederrundbriefe aus den Landesverbänden
         d) Meldungen der DWA

F. Kläranlagen

1)      Links zu Kläranlagen und Abwasserverbänden
2)      Kläranlagen - Videos
3)      Meldungen von den Kläranlagen

G. Nützliches

1)      Wetter und Hochwasser
2)      Firmennachrichten
3)      Verbandsnachrichten        
4)      Nützliche Links
         a) Umweltschutzorganisationen
         b) Fachzeitschriften, Lexika und Wörterbücher
         c) Behörden
         d) Berufsverbände und Vereinigungen
         e) Fachinformationen
         f) Gesetze und Verordnungen
5)      Meldungen aus der Wissenschaft
6)      Meldungen aus aller Welt
7)      Allgemeine Meldungen und Berichte

H. Fortbildungsdatenbank

1)      Fortbildungen
2)      Fortbildungen in Österreich
3)      Fortbildungen in der Schweiz
4)      Messen und Tagungen

I. Produktsuche/ Lieferanten

J. Kontakt

1)      Impressum
2)      Über Uns
3)      Kontakt

27.06.2017 12:19

Klärwerk.info / Aktuelles / Tägliche Meldungen

Tägliche Meldungen


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Juni 2017
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
27.06.2017
„40 Jahre - wir wünschen uns was!" Das Öko-Institut startet ins Jubiläumsjahr 
25.06.2017
Umwelt, Verkehr, Energie. Erste Wasserstofftankstelle aus erneuerbaren Energien in Frankreich 
22.06.2017
Eine Werbesäule zur Minderung der Luftverschmutzung in Paris 
20.06.2017
Von Batterien bis zu Vanillin: Elektrochemie verwandelt Holzabfälle 
18.06.2017
Frischluft im Sand: Was Bakterien in der Nordsee antreibt 
14.06.2017
575 Elbkilometer aktiv für die Meeresforschung: Mitschwimmerinnen und Mitschwimmer gesucht 
12.06.2017
IGB Policy Brief: Fünf drängende Gewässerthemen für die kommende Bundesregierung identifiziert 
09.06.2017
Elektroimpulse säubern Industriewässer und Lacke 
06.06.2017
Mit Urzeitalgen zu gesundem Wasser: Wirtschaftliches Verfahren zur Beseitigung von EDC im Abwasser 
04.06.2017
Die Kieler Förde - ein Trainingsbecken für Miesmuscheln 
01.06.2017
BfG registriert an Fischaufstiegsanlage Koblenz über 230.000 aufsteigende Fische 
Gesundheit
24.06.2017
Wiesn-Studie: Alkoholkonsum beeinflusst das Auftreten von Herzrhythmusstörungen 
21.06.2017
Raucherland Deutschland - weltweit unter den Top Ten 
17.06.2017
Durch die Luft übertragene Viren überleben im Wasser 
15.06.2017
Neue Studie: Zu niedriger Blutdruck ist schädlich, Untergrenzen könnten sinnvoll sein 
13.06.2017
Zinkversorgung beeinflusst Herzgesundheit 
11.06.2017
Mücken: Eine kommt, die andere geht 
08.06.2017
Testosteron ist nicht Schuld am männlichen Haarausfall 
05.06.2017
Verbreitung und Genauigkeit von Fitnessarmbändern - Ergebnisse aus Studie liegen vor 
02.06.2017
Zecken & Rohmilch: Forscher berichten von neuen Übertragungswegen für FSME 
Gesellschaft
26.06.2017
Eigene Kinder beflügeln Top-Führungskräfte in ihrer Arbeit 
23.06.2017
Neues Tool: Betrugssoftware in Autos automatisch entdecken 
19.06.2017
Wer mit Automaten unhöflich umgeht, den bedienen sie nicht 
16.06.2017
Erwerbstätige Frauen arbeiten täglich 1,6-mal so lang unbezahlt wie Männer 
10.06.2017
Sehen Fußballfans rivalisierender Mannschaften dasselbe Fußballspiel mit anderen Augen? 
07.06.2017
Wohlstandsmessung aus dem Weltall 
03.06.2017
Feierabend-Studie: Teilnehmer gesucht 
Mai 2017
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
31.05.2017
Wie ein Sensor-Kabel den Zug im Tunnel und den Einbrecher am Zaun erfasst 
30.05.2017
Tiefseekrake hat Quallen zum Fressen gern 
28.05.2017
FH Potsdam startet neues Forschungsprojekt für integrierte Stadtentwicklung 
25.05.2017
Drohneneinsatz in der Meeresforschung 
23.05.2017
240.000 Euro für Forschung zu Digitalisierung und Vernetzung in der Wasserwirtschaft 
21.05.2017
Strom aus erneuerbaren Energien mit Drucklufttechnologien speichern 
18.05.2017
Besser als die Natur: Künstlicher Biofilm steigert Stromproduktion mikrobieller Brennstoffzellen 
16.05.2017
Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe? 
13.05.2017
Schluss mit Ölwechsel auf Verdacht: Sensor warnt, wenn Öl im Blockheizkraftwerk schlecht wird 
11.05.2017
Durstige Landwirtschaft: Übermässige Grundwassernutzung bedroht Lebensmittelversorgung weltweit 
09.05.2017
Energie aus der Toilette 
08.05.2017
Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche 
04.05.2017
Ein Fisch macht Schule: Mit dem Stör werden Kinder und Jugendliche zu Gewässerexperten 
02.05.2017
Lachs mit Nebenwirkungen / Aquakulturen belasten die Flüsse 
01.05.2017
Neues Forschungsvorhaben analysiert Optionen für Biogas-Bestandsanlagen bis 2030 
Gesundheit
29.05.2017
Blutdruckwerte in Deutschland sinken - trotzdem keine Entwarnung 
26.05.2017
Rostocker Forscher wollen Glyphosat „entzaubern" 
22.05.2017
Fettleibigkeit: Mit Spritzen oder Skalpell der Adipositas auf den Leib rücken 
20.05.2017
Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster 
17.05.2017
Darmkrebsvorsorge mit verbessertem Test: Antikörper suchen verstecktes Blut im Stuhl 
14.05.2017
Mediziner warnen vor rasantem Anstieg bei Speiseröhrenkrebs als Folge von Sodbrennen 
10.05.2017
Neue Müslis für die Gesundheit 
07.05.2017
Besser lernen dank Zink? 
05.05.2017
Antibiotika wirken gegen Rückenschmerzen - Dänische Wissenschaftlerin erhält Deutschen Schmerzpreis 
01.05.2017
Lupinensamen: Gesundheitliche Beeinträchtigungen bei bitterem Geschmack möglich 
Gesellschaft
27.05.2017
Ameisen retten ihre Verletzten 
24.05.2017
Deutsche brauchen weniger Vorgesetzte als US-Firmen - Mitbestimmung wichtig für flache Hierarchie 
19.05.2017
Frauen, die mehr verdienen, bevorzugen finanzielle Unabhängigkeit durch getrennte Kassen 
15.05.2017
Faire Ungleichheit? 
06.05.2017
Prof. Roger Nitsch: „In der Generation unserer Kinder wird es kein Alzheimer mehr geben" 
03.05.2017
Univesität in Landau sucht Teilnehmer für Online-Befragung zum Thema Berufsalltag 
01.05.2017
Mädchen können besser lesen, Jungen besser rechnen? So einfach ist es nicht! 
April 2017
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
29.04.2017
Klimakiller Kuh: Methan-Ausstoß von Vieh könnte bis 2050 um über 70 Prozent steigen 
27.04.2017
Wetter-Extreme: Menschheit verändert wahrscheinlich gigantische Luftströme 
24.04.2017
Gefährdete Giganten: Große Süßwasser-Tierarten sind weltweit am stärksten vom Aussterben bedroht 
22.04.2017
Methan: Insektenlarven in Seen sind unvermutete „Klimasünder" 
19.04.2017
Es muss nicht immer Trinkwasser sein - Abwasser als Ressource nutzen 
16.04.2017
»ZeroTrace«: Nachhaltige Aktivkohleverfahren zur Entfernung von Mikroschadstoffen aus Abwasser 
13.04.2017
Umweltforscher entwickeln neue Biosensoren für Gewässerkontrolle 
10.04.2017
Warum ein Rückgang des Düngemitteleinsatzes in der Zukunft denkbar ist 
08.04.2017
Neubildung von Grundwasser exakter berechnen 
05.04.2017
UDE koordiniert EU-Netzwerk: Gewässer besser analysieren 
02.04.2017
Meeresforschung in Echtzeit verfolgen 
01.04.2017
Leipziger Forscher erklären wichtigen Prozess bei biologischer Methanbildung
Gesundheit
26.04.2017
Männer mit gestörtem Zuckerstoffwechsel sollten kohlenhydratreiches Essen am Abend meiden 
23.04.2017
Schwangerschaft begünstigt neue, hochpathogene Grippevirus-Varianten 
20.04.2017
Malaria-Therapien: bald schon viel einfacher, flexibler und effizienter? 
17.04.2017
Dem Geheimnis der Achilles-Ferse auf der Spur 
14.04.2017
Lebensmittel im Blickpunkt: Die vitaminreiche Mango 
12.04.2017
Versorgungsatlas: In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus 
09.04.2017
Hoher Fleisch- und Wurstwarenkonsum verschlechtert die Symptome von Asthma 
06.04.2017
Lebensstil kann Grauen Star beeinflussen: Diabetes, Rauchen und Übergewicht trüben die Augenlinse 
03.04.2017
Bin ich nicht zu alt dafür? Musiktherapie gegen Tinnitus für die Generation 65plus 
01.04.2017
1,5 Millionen Diabetespatienten müssen bald ohne bewährte Medikamente auskommen
Gesellschaft
30.04.2017
Wie bei Hempels unter dem Sofa 
28.04.2017
„Seit Anbeginn der Zeit" - DNA bestätigt einzigartige Bindung australischer Ureinwohner an ihr Land 
25.04.2017
Rück- statt Fortschritt: Automatisches Vertretungsrecht für Eheleute gefährdet Patientenautonomie 
21.04.2017
Frauen im Job - Psychologe untersucht Vorurteile 
18.04.2017
Risikoentscheidungen: Alter schützt vor Kühnheit nicht 
15.04.2017
„Seit Anbeginn der Zeit" - DNA bestätigt einzigartige Bindung australischer Ureinwohner an ihr Land 
11.04.2017
Und sie lächelt doch: Mona Lisas Mimik eindeutiger als gedacht 
07.04.2017
Neue App: Welches Elektroauto zu welchem Fahrer passt 
04.04.2017
Psychologen untersuchten Persönlichkeitsveränderungen junger Menschen 
01.04.2017
Bitte nichts verraten! Wenn es um die eigene Zukunft geht, wollen die meisten nichts wissen 
März 2017
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
30.03.2017
Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa 
26.03.2017
Ivan Tolpe Award 2017 für BioEcoSIM-Projekt für beste Neuentwicklung in der Gülleverarbeitung 
25.03.2017
Wie viel Klimaschutz steckt im EEG? 
23.03.2017
Rezeptur aus der Nanowelt für saubereres Trinkwasser 
22.03.2017
Weniger Sauerstoff in allen Meeren 
21.03.2017
Pizza, Burger und Co.: Eine fettreiche Mahlzeit kann den Stoffwechsel schädigen und den Weg 
18.03.2017
Manche Arten mögen's nass - Schutz von Mooren und Feuchtgebieten fördern 
17.03.2017 4,3 Millionen Euro für Verbundprojekt zur Biodiversität von Auwäldern in der „Flusslandschaft Elbe"
16.03.2017
Abgas als Rohstoff 
13.03.2017
Weniger Umweltbelastung durch Weinbau: Förderpreis mit 750.000 Euro für Landauer Forschungsprojekt 
11.03.2017
Wenn dem Meeresboden der Atem stockt: Zeitweiliger Sauerstoffmangel hat jahrzehntelang Auswirkungen 
10.03.2017
 Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
08.03.2017
 Moderner Wasserbau ist komplex
06.03.2017
"Entengrütze": Kleine Pflanzen, große Chancen 
05.03.2017
Wärmewende für Berlin - Forschungsprojekt gestartet 
04.03.2017
Wasser- der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs? 
01.03.2017
Vom Phosphorrezyklat zum intelligenten langzeitverfügbaren Düngemittel - Projektstart 
Gesundheit
28.03.2017
Klug entscheiden in der Pneumologie: Lungenärzte empfehlen Lungenfunktionstests für Raucher 
27.03.2017
Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet 
19.03.2017
Darmspiegelung schon ab 50 - vor allem für Männer 
14.03.2017
Giftalarm in der Küche 
09.03.2017
 Magensäureblocker: Ohne eindeutige Diagnose nicht langfristig einnehmen
07.03.2017
LED-Lampen könnten für die Augen toxisch sein 
02.03.2017
Solarien bergen Gesundheitsgefahren 
Gesellschaft
31.03.2017
demowanda.de: Fakten zum demografischen Wandel in der Arbeitswelt 
29.03.2017
Bewerbungen: Diese Strategien wenden Jobsuchende an
24.03.2017
Elektrischer Antrieb zum Mitnehmen 
20.03.2017
Frauen liegen bei Renten zurück - Angleichung künftig vor allem durch sinkende Renten bei Männern 
15.03.2017
Erste Hilfe für Internetsüchtige - Neues Portal hilft bei Internetsucht weiter 
12.03.2017
Volksverschlüsselung muss kommen 
03.03.2017
www.tarifrunde-2017.de: Aktuelles zu Kündigungsterminen, Forderungen, Verhandlungen und Ergebnissen 
Februar 2017
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
28.02.2017
BMWi fördert innovative Verwertungsansätze: Biogene Rest- und Abfallstoffe für mehr Strom und Wärme 
27.02.2017
Geothermie: Den Sommer im Winter ernten 
26.02.2017
Löschwasser mobil und kosteneffizient reinigen 
24.02.2017
Grüne Dächer binden Feinstaub, produzieren Frischluft und sind schön anzusehen 
23.02.2017
UDE: MULTI-ReUse - Neues Forschungsprojekt zur Abwassernutzung 
22.02.2017
Änderungen des Meeresspiegels unterschätzt 
20.02.2017
Mehr Strom aus Abwärme von dezentralen Blockheizkraftwerken 
19.02.2017
Wälzlager: kleines Bauteil, riesiges Sparpotenzial 
15.02.2017
Weltraum-Bärtierchen: Zäh über Generationen 
14.02.2017
Manganknollen als Brutstätte für Tiefseekraken 
13.02.2017
Abwehrmechanismus von Algen kopiert: Cerdioxid schützt zuverlässig vor marinem Fouling 
12.02.2017
Biokunststoffe aus der Kläranlage 
11.02.2017
Große Windparks bremsen den Wind und senken die Energieeffizienz 
10.02.2017
Nachhaltige Biomasse aus dem All erkennen 
09.02.2017
Ozeanworkshop für Jugendliche: Jetzt bewerben! 
08.02.2017
Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen 
07.02.2017
Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten "Todeszone" im Indischen Ozean auf der Kippe 
06.02.2017
Im Winter trägt der Hirsch Schal und Wildschweine erhalten eine Haarverlängerung 
05.02.2017
Forscher entwickeln Unterwasser-Observatorium 
04.02.2017
Auf Video: Bärtierchen-Sex 
01.02.2017
Wo bleibt das Treibhausgas Kohlendioxid? 
Gesundheit
21.02.2017
Auch wenig Sport beugt Krankheiten vor 
02.02.2017
Hilfe vor und nach der letzten Zigarette 
Gesellschaft
17.02.2017
Wo die Nesthocker wohnen 
03.02.2017
Über 100.000 Klicks: Forscher der TU Kaiserslautern erklären Computerchips auf YouTube 
Januar 2017
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
31.01.2017
Buch über die Pflanzenwelt der Bibel und des Koran 
29.01.2017
Bäume pflanzen beim Radeln 
27.01.2017
Der Rückgang von Emissionen hat auch negative Begleiterscheinungen 
26.01.2017
Förderprogramm „Energetische Biomassenutzung" sucht: intelligent, flexibel und effizient 
24.01.2017
Grüne Trafos fürs grüne Ländle 
23.01.2017
Mit Zucker gegen Rost: Bis zu 80 Prozent weniger Biokorrosion 
22.01.2017
Schnelltests für Antibiotika in Gewässern und Impfstoffe auf Basis von Antigenen 
20.01.2017
TU Berlin: Kunststoff aus Strom und Selters 
19.01.2017
Maßgeschneiderte Membranen für die Umwelt 
18.01.2017
Hausmüll mit weniger Energie aufbereiten 
16.01.2017
Kommunen können mit "Monitor Nachhaltige Kommune" den Grad ihrer Nachhaltigkeit messen 
15.01.2017
Lernen von Legionellen 
13.01.2017
Remweed-Forschungsprojekt: Unkrautbekämpfung mittels Agrar-Drohnen 
12.01.2017
Upgrade für Biogas
11.01.2017
Frachtschiffe reinigen, aber richtig: Forschungsprojekt der OTH Regensburg 
10.01.2017
Energiespeicher von morgen wird erstmals im Bodensee getestet 
09.01.2017
Power-to-Liquid: Erste Kompaktanlage im Pilotbetrieb 
07.01.2017
Fraunhofer IWS präsentiert neue Ergebnisse für nächste Batteriegeneration zum 5.Workshop in Dresden 
06.01.2017
„Problemen die Stirn zu bieten, ist entscheidende Triebfeder für den Erfolg beim Umweltschutz" 
05.01.2017
Mit Bakterien Wertstoffe aus Kohlendioxid gewinnen
03.01.2017
Klimawandel beeinflusst Deutschland von der Nordsee bis zu den Alpen 
02.01.2017
 Neues Projekt: Abwasser aus dem Bergbau sinnvoll wiederverwenden
01.01.2017
Chemikalien aus Biomasse
Gesundheit
30.01.2017
Struwwelpeter-Gene entdeckt 
25.01.2017
Schweinefleisch ist nach wie vor eine bedeutende Infektionsquelle des Menschen mit Salmonellen 
21.01.2017
Volksleiden Rückenschmerzen: Patienten überschätzen Bildaufnahmen 
17.01.2017
Nach über 100 Jahren: Neue Wege in der Krampfaderbehandlung - Pressekonferenz der DEGUM 
14.01.2017
Haustiere: Garant für subjektives Wohlbefinden? 
08.01.2017
Wie gefährliche Keime als blinde Passagiere von einem Kontinent zum anderen reisen / Neue Studie 
04.01.2017
 Übergewicht verstehen und behandeln - Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige
01.01.2017
Wer körperlich fit ist, arbeitet effektiver
Gesellschaft
01.01.2017
Auszeichnung „Rede des Jahres 2016" geht an Bundestagspräsident Norbert Lammert 

 


„40 Jahre - wir wünschen uns was!" Das Öko-Institut startet ins Jubiläumsjahr

Alexa Hännicke Öffentlichkeit und Kommunikation
Öko-Institut e. V. - Institut für angewandte Ökologie

Vom streitbaren Wissenschaftsrebell zum wissenschaftlichen Berater für Gesellschaft, Unternehmen und Politik: Das Öko-Institut wird 40 Jahre alt und eröffnet unter dem Motto "Wir wünschen uns was!" mit einem multimedialen Weblog die Jubiläumszeit, die am 7. November mit einem Symposium zur Zukunft der Umweltpolitik und einer Festveranstaltung in Berlin endet.

Das Jubiläumsmotto „Wir wünschen uns was!" zeigt dabei den Anspruch des Öko-Instituts in den vergangenen 40 Jahren und zugleich für die Zukunft: Visionen und Lösungen für dringende Umweltfragen entwickeln, sich aktiv in Politik einmischen und Wirtschaft und Gesellschaft stets zu umweltbewusstem Handeln herausfordern und motivieren.

„Ob Atomausstieg oder Energiewende, Konzepte für den Verkehr von morgen oder eine nachhaltige Chemikalienpolitik auf EU-Ebene - unsere Arbeit hat immer die reale Umweltpolitik beeinflusst. Wir konnten unsere Ideen zur Verbesserung von umweltbezogenen Gesetzen und Initiativen einbringen und haben dabei häufig Erfolg gehabt", beschreibt Michael Sailer, Sprecher der Geschäftsführung den Stellenwert des Öko-Instituts. „Das macht uns zu einem wichtigen, unabhängigen und verlässlichen Partner für die Gestaltung künftiger Herausforderungen."
Der Jubiläumsweblog 40.oeko.de (http://40.oeko.de/) präsentiert Artikel, Interviews, Videos und Audiomitschnitte. Er gibt einen Einblick in die Geschichte des Instituts und lässt zugleich die Menschen hinter dem Öko-Institut mit ihren „Wünschen" an die Zukunft zu Wort kommen.

Aus 40 Jahren: Die Geschichte des Öko-Instituts

Am 5. November 1977 riefen in Freiburg 27 Personen, darunter Rechtsanwälte der Anti-Atomkraftbewegung, Mitglieder verschiedener Umweltbewegungen sowie kritische Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, aber auch Volkswirte sowie Vertreterinnen und Vertreter der evangelischen Kirche das Öko-Institut ins Leben. Das Ziel: der Öffentlichkeit unabhängige wissenschaftliche Beratung und fundierte Gutachten zur Verfügung stellen.
Heute arbeiten über 165 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin transdisziplinär in den Arbeitsgebieten Energie und Klimaschutz; Immissions- und Strahlenschutz; Landwirtschaft und Biodiversität; Nachhaltigkeit in Konsum, Mobilität, Ressourcenwirtschaft und Unternehmen; Nukleartechnik und Anlagensicherheit, Chemikalienmanagement und Technologiebewertung sowie Recht, Politik und Governance.

Fundiert, kritisch, kontrovers: Meilensteine der Institutsgeschichte im interaktiven Zeitstrahl
Trinkwasserstudie, Tschernobyl, HoechstNachhaltig, Emissionshandel, Renewbility - das Öko-Institut blickt auf viele Meilensteine in der eigenen Geschichte zurück. In einem Zeitstrahl können sich die Besucherinnen und Besucher des Jubiläumsweblogs interaktiv durch die die Geschichte des Öko-Instituts bewegen und Dokumente und Zeitzeugenberichte zu den einzelnen Meilensteinen anklicken.

Zum interaktiven Zeitstrahl „40 Jahre Öko-Institut": http://40.oeko.de/zeitreise/

Weitere Hintergrundinformationen zu Highlights aus der 40-jährigen Arbeit des Öko-Institut: https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/HG-Papier_40-Jahre-Oeko-Institut.pdf

Ansprechpartnerin am Öko-Institut:
Mandy Schoßig
Kommunikation & Öffentlichkeit
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Tel.: +49 30 405085-334
E-Mail: m.schossig@oeko.de

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Neues vom Öko-Institut auf Twitter: twitter.com/oekoinstitut

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Anhang
40 Jahre Öko-Institut
https://idw-online.de/de/attachmentdata57411.pdf

Quelle: idw 

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Eigene Kinder beflügeln Top-Führungskräfte in ihrer Arbeit

Sarah Blaß Pressestelle
Frankfurt University of Applied Sciences

Eigene Kinder beflügeln Top-Führungskräfte in ihrer Arbeit: sie sind zufrieden mit Work-Life-Balance trotz wenig Zeit für Kinder/ Mitarbeiterinnen mit Kindern gelten bei ihnen aber als karrieredesinteressiert

Studie der Frankfurt UAS beschäftigt sich mit Lebensmustern von Führungskräften mit Kindern/ Top-Führungskräfte setzen bei Kinderbetreuung auf Partner/-in und Topmanagerinnen verbringen mehr Zeit mit ihren Kindern als Topmanager

Wieviel Zeit verbringen Führungskräfte mit ihren Kindern? Welche Zeit- und Aufgabenteilung nehmen Führungskräfte und deren Partner/-innen in verschiedenen Lebensbereichen vor? Wie zufrieden sind Führungskräfte mit ihrer persönlichen Lebenssituation in Hinblick auf Beruf und Familie? Welche Leistung, Engagement und Belastbarkeit schreiben Führungskräfte mit Kindern ihren Mitarbeiterinnen mit Kindern zu? Wie sehen sie Mitarbeiter/-innen in Teilzeit? Mit diesen Fragen hat sich Prof. Dr. Regine Graml, Professorin für Betriebswirtschaft, Personalmanagement und Organisation am Fachbereich Wirtschaft und Recht der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), beschäftigt. Ihre Studie „Arbeit und Familie - Lebensmuster von Führungskräften" belegt, dass die befragten Führungskräfte unter der Woche sehr wenig Zeit mit ihren Kindern verbringen und die Aufteilung von Zuständigkeiten innerhalb der Familie traditionellen Rollenmustern folgt. Dennoch fühlen sie sich durch ihr Familienleben in ihrer Arbeit beflügelt. Bei ihren Mitarbeiterinnen sehen sie das anders: mit Kindern gelten diese als wenig an der Karriere interessiert trotz hoher Arbeitsleistung, Belastbarkeit und Zuverlässigkeit; dies trifft ebenso auf Teilzeitbeschäftigte zu.

Graml führte die Untersuchung mittels Online-Befragung im Rahmen des Executive Panels der internationalen Personalberatung Odgers & Berndtson durch. Befragt wurden Führungskräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Von den Panel-Teilnehmer/-innen mit Kindern, haben 177 Personen an Gramls Befragung zu deren Lebensmustern teilgenommen. 70 % der Befragten gehören der obersten Leitungsebene oder der Bereichsleitung an. Laut Befragung hat die typische Führungskraft zwei Kinder (52 %), ist männlich (91 %), 40 bis 49 Jahre alt (64 %), mit Hochschulabschluss oder weiterführendem Abschluss (96 %), verheiratet/zusammenlebend (93 %), mit einer/einem berufstätigen Partner/-in (73 %) und arbeitet 50 bis 59 Stunden pro Woche (48 %). Der Großteil der Führungskräfte verbringt unter der Woche fünf bis zehn Stunden mit seinen Kindern (47 %), unter fünf Stunden sind es 42 % und über zehn Stunden 11 %. Die jeweilige Partnerin/der Partner verbringt unter der Woche mehr Zeit mit den Kindern als die Befragten. Am Wochenende verbringt der Großteil der Befragten mehr Zeit mit den Kindern als unter der Woche: 76 % verbringen mehr als zehn Stunden mit ihren Kindern, 28 % sogar mehr als 20 Stunden. Position, Alter, Qualifikation der Führungskraft, Anzahl der Kinder, Alter des jüngsten Kindes sowie Berufstätigkeit und Qualifikation der Partnerin/des Partners haben dabei keinen signifikanten Einfluss auf die Zeit, die die Führungskräfte mit ihren Kindern verbringen. „Durch die Studie wird deutlich, dass traditionelle Muster der Zeiteinteilung zwischen Arbeit und Familie dominieren, wobei beide - die Top-Führungskraft und der/die jeweilige Partner/-in - gut qualifiziert sind. Andere Familienkonstellationen, wie beispielsweise eine egalitäre Verteilung oder einfach mehr Vielfalt in der Zeiteinteilung werden kaum gelebt. Hier zeigt sich, dass noch großer Handlungsbedarf für Gesellschaft, Politik und Unternehmen besteht, um Top-Management und Familie besser zu vereinbaren", resümiert Graml.

Befragte Frauen verbringen unter der Woche (Montag bis Freitag) mehr Zeit mit den Kindern als die befragten Männer: Bei gleichen Charakteristika (Alter, Qualifikation und Position) verbringen die weiblichen Führungskräfte unter der Woche fast drei Stunden mehr Zeit mit ihren Kindern als männliche Führungskräfte. „Aufgrund der geringen Fallzahlen weiblicher Führungskräfte bei der Befragung ist die Aussagekraft der Analyse begrenzt. Dennoch kann das zeitliche Engagement der weiblichen Führungskräfte für ihre Kinder ein Hinweis auf die typische Doppelbelastung der Frauen, Familie und Beruf zu vereinen, sein", erläutert Graml.

Die Selbstbetreuung der Kinder (also die Betreuungszeit, in der die Kinder nicht von Kitas, Schulen oder anderen Dienstleistern beaufsichtigt werden) übernimmt überwiegend die Partnerin/der Partner; dabei ist die Familienkonstellation dadurch gekennzeichnet, dass der/die Partner/-in meist sehr gut qualifiziert und ebenfalls erwerbstätig ist (73%). Arbeitet diese/r in Vollzeit, übernehmen häufiger auch die Führungskräfte die Selbstbetreuung. 69 % der arbeitenden Partner/-innen arbeiten in Teilzeit. Die Familienorganisation übernimmt überwiegend bzw. ausschließlich die Partnerin/der Partner. Haus- und Gartenpflege wird überwiegend von den Befragten selbst wahrgenommen. Die Kindererziehung wird bei der Mehrheit zu gleichen Teilen durchgeführt (59 %). „Obwohl die Führungskräfte wenig Zeit mit ihren Kindern an Wochentagen verbringen, empfinden sie, dass sie egalitär Verantwortung in der Kindererziehung übernehmen. Dies weist auf ein starkes familiäres ‚Involvement‘, also eine empfundene Beteiligung der Führungskräfte, hin", so Graml.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Teilzeit (egal ob mit oder ohne Kindern) schreiben die befragten Führungskräfte mehrheitlich (67%) ein geringeres Karrierestreben im Vergleich zu anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu. Dabei bewerten die Befragten die Arbeitsleistung (83 %) von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Teilzeit, ihr Commitment (84 %) und ihre Zuverlässigkeit (87 %) mindestens genauso hoch wie bei Vollzeitmitarbeiterinnen und -mitarbeitern. 30 % der Führungskräfte schätzen die Arbeitsleistung von Teilzeitmitarbeiterinnen und -mitarbeitern sogar höher ein. „Auffällig ist, dass den Teilzeitmitarbeiterinnen und -mitarbeitern einerseits hohe Arbeitsleistung und andererseits geringes Karrierestreben zugeschrieben wird. Für die befragten Führungskräfte scheint Karriere in Teilzeit in ihren Unternehmen also nicht oder kaum vorstellbar", betont Graml.

Mütter in ihrem Unternehmen (unabhängig vom Arbeitszeitmodell) sehen die Befragten ebenfalls als an der Karriere desinteressiert: So halten 46 % ihr Karrierestreben für geringer im Vergleich zu anderen Mitarbeiterinnen und -mitarbeitern. Nur 37 % sehen keinen Unterschied im Karrierestreben. Dabei bewerten die Befragten die Arbeitsleistung (82 %) von Müttern, ihr Commitment (79 %) und ihre Zuverlässigkeit (81 %) mindestens genauso hoch wie bei anderen Beschäftigten. 10 % der Führungskräfte schätzen die Arbeitsleistung von ihnen sogar höher ein.

2/3 der Befragten sind mit ihrer Lebensbalance hinsichtlich Beruf und Familie zufrieden, 73 % fühlen sich durch ihr Familienleben in ihrer Arbeit beflügelt. Begünstigende Faktoren der Lebensbalance sind Selbstbestimmung und die Flexibilität der Partnerin/des Partners. Dennoch empfinden 3/4 der Führungskräfte, dass die Arbeit das Privatleben beeinträchtigt: Hohes Arbeitspensum und Geschäftsreisen werden als besonders negativ für die Work-Life-Balance wahrgenommen. Die persönliche Zufriedenheit ist abhängig von der Position: Führungskräfte auf der Ebene der Bereichsleitung (unter Unternehmensleitung und über Abteilungsleitung) sind weniger zufrieden als Führungskräfte der Unternehmensleitung oder der Abteilungsleitung. Die Zufriedenheit wird von den anderen untersuchten Variablen nicht beeinflusst: bei Qualifikation, Alter, Geschlecht, Unternehmensgröße und Anzahl der Kinder ist kein Einfluss auf die Zufriedenheit erkennbar.

Kontakt:
Frankfurt University of Applied Sciences, Fachbereich 3: Wirtschaft und Recht, Prof. Dr. Regine Graml, Telefon: 069/1533-2918, E-Mail: graml@fb3.fra-uas.de

Weitere Informationen unter:
https://www.frankfurt-university.de/fileadmin/de/Fachbereiche/FB3/Forschung_und_...

Quelle: idw 

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Umwelt, Verkehr, Energie. Erste Wasserstofftankstelle aus erneuerbaren Energien in Frankreich

Marie de Chalup Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Am 11. April 2017 haben Roland Roth, Präsident des Gemeindeverbands Sarreguemines Confluences (CASC) in Lothringen, Didier Vaucois, Regionalvertreter des französischen Energiekonzerns (EDF), Projektpartner und Nutzer von Brennstoffzellenfahrzeugen die erste Wasserstofftankstelle Frankreichs in Betrieb genommen. Die Tankstelle wird zur Förderung einer nachhaltigen Mobilität mit Wasserstoff (hergestellt aus erneuerbaren Energien) beliefert.

Am 11. April 2017 haben Roland Roth, Präsident des Gemeindeverbands Sarreguemines Confluences (CASC) in Lothringen, Didier Vaucois, Regionalvertreter des französischen Energiekonzerns (EDF), Projektpartner und Nutzer von Brennstoffzellenfahrzeugen die erste Wasserstofftankstelle Frankreichs in Betrieb genommen. Die Tankstelle wird zur Förderung einer nachhaltigen Mobilität mit Wasserstoff (hergestellt aus erneuerbaren Energien) beliefert.

Im Rahmen der Energiewende hatte der CASC beschlossen, eine umweltverträgliche Mobilität an der Grenze Frankreichs zu Deutschland und den Beneluxländern und an einem Verkehrsknotenpunkt Europas zu fördern. Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt FaHyence gestartet mit dem Ziel, eine Wasserstoff-Tankstelle zu errichten, für die der Wasserstoff direkt vor Ort produziert wird. Besitzer und Betreiber ist der CASC.

Mehrere Akteure haben an diesem Projekt mitgearbeitet:
EDF und das europäische Institut für Energieforschung in Karlsruhe (EIFER) haben ihre technische Kompetenz zur Entwicklung, Dimensionierung und Einrichtung der Demonstrationsanlage eingebracht. Sie haben ein Monitoring- und Steuersystem entwickelt, um einen Stromverbrauch in Spitzenproduktionszeiten der erneuerbaren Energien und in Spitzenverbrauchszeiten zu ermöglichen;
McPhy hat die erste Kopplungsanlage mit einer innovativen und hocheffizienten Elektrolyseur-Einheit und einer Wasserstofftankstelle von 40 kg täglicher Speicherkapazität in Frankreich bereitgestellt. Dieses selbständige System wird für eine automatische Wasserstoffproduktion und eine laufende Verfügbarkeit des Tanks eingerichtet. Im Laufe des Betriebs unterstützt McPhy auch den Betreiber CASC;
Symbio hat ein Renault Kangoo ZE-Hybridfahrzeug (Strom/Wasserstoff) entwickelt. Eine 5 kW Brennstoffzelle und ein 1,8 kg Wasserstoff-Tank verlängern die 22 kW Akkulaufzeit, wodurch eine Reichweite von mehr als 300 km anstatt 150 km erreicht werden kann.

FaHyence ist Teil des europäischen Projekts H2ME und wird im Rahmen des europäischen Programms FCH JU gefördert. Ziel ist es, bis 2020 29 Biowasserstofftankstellen und 300 Fahrzeuge einzusetzen. Nach dieser 2-jährigen Projektentwicklungsphase wurde bereits die erste Tankstelle eröffnet und 10 Fahrzeuge an öffentliche und private Akteure geliefert.

Weitere Informationen:
Webseite der GECO air-App - http://www.gecoair.fr/en/

Quelle:
ꞌꞌCommissioning of the first H2 refueling station in France producing green hydrogen on!ꞌꞌ, Pressemitteilung von McPhy, 11.04.2017 - http://www.mcphy.com/en/news/releases/commissioning-of-the-first-h2-refueling-st...

Redakteur: Luc Massat, luc.massat@diplomatie.gouv.fr

Quelle: idw 

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Wiesn-Studie: Alkoholkonsum beeinflusst das Auftreten von Herzrhythmusstörungen

Philipp Kressirer Kommunikation und Medien
Klinikum der Universität München

An Besuchern des Münchner Oktoberfests konnten Forscher des Klinikums der Universität München und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislaufforschung e.V. (DZHK) zeigen, dass mit höherem Alkoholspiegel das Risiko für Herzrhythmusstörungen ansteigt. Die Studie, die ganz aktuell in der Zeitschrift European Heart Journal veröffentlicht wurde, untersucht erstmals einen Zusammenhang zwischen akutem Alkoholkonsum und Herzrhythmusstörungen prospektiv, d.h. während bzw. unmittelbar nach dem Alkoholkonsum, an einer großen Anzahl von Probanden.

Die Ergebnisse sind deshalb von besonderer Bedeutung, da Mediziner seit langem vermuten, dass durch Alkohol ausgelöste Herzrhythmusstörungen unter Umständen zu Vorhofflimmern führen können. Besteht Vorhofflimmern über einen längeren Zeitraum, können Schlaganfälle oder eine Herzschwäche die Folge sein. Dieser vermutete Zusammenhang zwischen dem Genuss großer Alkoholmengen über einen kurzen Zeitraum und dem Auftreten von Herzrhythmusstörungen bei sonst eigentlich Herzgesunden wird als "Holiday Heart Syndrome" bezeichnet, wurde jedoch bislang nur in kleinen Studien und nicht prospektiv nachgewiesen.

Unter der Führung der Wissenschaftler PD Dr. med. Stefan Brunner und PD Dr. med. Moritz Sinner, beide aus der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Klinikums der Universität München, konnten im Jahr 2015 an allen 16 Festtagen auf dem Münchener Oktoberfest 3028 freiwillige Teilnehmer untersucht werden. Dabei hatten die Teilnehmer unterschiedliche Mengen an Alkohol konsumiert. Die Alkoholspiegel reichten dementsprechend von 0 bis 3,0 Promille (0-3,0 g/kg), der laut Studienprotokoll für die Teilnahme maximal erlaubten Alkoholmenge. Das Alter der Teilnehmer lag im Mittel bei 35 Jahren, 30 Prozent der Teilnehmer waren Frauen. Die Forscher registrierten Elektrokardiogramme (EKGs) mit einem tragbaren, Smartphone-basierten System, um den Herzrhythmus zu analysieren. Der Alkoholspiegel wurde mit einem Atemalkoholmessgerät erfasst. Bei der Durchführung des Projektes wurden die Autoren durch die Stiftung für Biomedizinische Alkoholforschung, das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislaufforschung e.V. (DZHK) und die Europäische Kommission unterstützt.

Die Häufigkeit der Herzrhythmusstörungen in der Allgemeinbevölkerung liegt bei ca. 1 bis 4 Prozent. In ihrer Studie fanden die Forscher Herzrhythmusstörungen bei 30,5 Prozent der Teilnehmer. In 25,9 Prozent der Fälle lag dabei eine sogenannte Sinustachykardie vor, bei der das Herz schneller als normal schlägt. Die Atemalkoholkonzentration war dabei signifikant mit einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen in Verbindung zu bringen: pro zusätzlichem Gramm pro Kilogramm Alkohol erhöhte sich das Risiko für Herzrhythmusstörungen um 75 Prozent.

Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und beschleunigter Herzfrequenz auch in anderer Studie belegt:
Die Forscher untersuchten zusätzlich den Einfluss von gewohnheitsmäßigem, chronischen Alkoholkonsum bei 4131 Teilnehmern der sogenannten KORA S4 Studie (Kooperative Gesundheitsforschung im Raum Augsburg), einer Untersuchung in der Allgemeinbevölkerung. "Diese Teilnehmer entsprechen der typischen Allgemeinbevölkerung. Die Allermeisten waren bei der Untersuchung gesund und allenfalls wenige waren schwere Trinker. Für diese Studie quantifizierten wir die mittlere konsumierte Alkoholmenge in Gramm pro Tag", erklärt Dr. Sinner.

In der KORA Studie wiesen nur 2,7 Prozent der Teilnehmer Herzrhythmusstörungen auf, wobei 0,4 Prozent eine Sinustachykardie hatten. Es bestand dennoch auch hier eine geringe, jedoch signifikante Assoziation zwischen der täglichen Alkoholmenge und Sinustachykardie. Die Wahrscheinlichkeit hierfür erhöhte sich um drei Prozent pro zusätzlichem Gramm Alkohol pro Tag. "Wir bestätigten den Zusammenhang zwischen Sinustachykardie und chronischem Alkoholkonsum in der KORA Studie. Zwar war der Effekt deutlich schwächer verglichen mit dem Einfluss von akutem Alkoholkonsum, dennoch konnten wir unsere Hauptergebnisse auf dem Oktoberfest bestätigen", ergänzt Dr. Sinner.

"Der Ausgangspunkt unserer Untersuchungen waren die nicht ausreichend schlüssigen Berichte über das ‚Holiday Heart Syndrom‘, das durch akuten Alkoholkonsum ausgelöste Vorhofflimmern. In unserer Studie konnten wir zwar nicht unmittelbar nachweisen, dass es aufgrund von akutem Alkoholkonsum sofort zu Vorhofflimmern kommt. Jedoch fanden wir eine sehr starke und robuste Assoziation mit zwischen Alkohol und Herzrhythmusstörungen, die als Vorstufe von Vorhofflimmern angesehen werden können", geben die Autoren an.

Insbesondere zeigte sich ein Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Veränderungen in den atemabhängigen Schwankungen der Herzrate, der sogenannten respiratorischen Sinusarrhythmie. Die respiratorische Sinusarrhythmie spiegelt ein Ungleichgewicht in der autonomen Nervenversorgung des Herzens wider - also im unbewussten Kontrollsystem, welches die Körperfunktionen wie Herzschlag oder Atmung kontrolliert. "Es ist bekannt, dass Vorhofflimmern auftreten kann, wenn Patienten eine durch ein autonomes Ungleichgewicht ausgelöste Sinustachykardie entwickeln", sagt Dr. Sinner. „Unsere Studie konnte das ‚Holiday Heart Syndrom‘ nicht prospektiv beweisen, aber sie wird Klinikern und Wissenschaftlern helfen, die Veränderungen im Kreislauf besser einzuordnen. Außerdem haben wir die Voraussetzungen für weitere Forschung auf diesem Gebiet geschaffen. Hierzu sind bereits mehrere Nachfolgestudien in Arbeit." "Insbesondere sollen so die autonome Imbalance durch akute Alkoholexposition besser quantifiziert und herausgefunden werden, ob Vorhofflimmern und andere längerdauernde Herzrhythmusstörungen im Verlauf nach akutem Alkoholkonsum auftreten", fügt Dr. Brunner hinzu.

Die Forscher hegen den Verdacht, dass die auf dem Oktoberfest erfassten Herzrhythmusstörungen oftmals nur zeitlich begrenzt waren und diese zu einem Ende kamen, wenn die Teilnehmer wieder nüchtern wurden. Sicher ist dies jedoch nicht, da die EKGs nur einmalig registriert wurden. Sollten Teilnehmer bereits eine zugrundeliegende Herzerkrankung aufweisen, könnte die durch den Alkohol ausgelöste Herzrhythmusstörung auch fortdauern. "Um diese Fragen endgültig beantworten zu können, werden wir weitere Forschungsergebnisse mit längerer Erfassung des EKGs nach Alkoholkonsum benötigen", fassen die Autoren zusammen.

Originalpublikation:
Alcohol consumption, sinus tachycardia, and cardiac arrhythmias at the Munich Octoberfest: results from the Munich Beer Related Electrocardiogram Workup Study, by Stefan Brunner et al. European Heart Journal
doi: 10.1093/eurheartj/ehx156

Ansprechpartner:
PD Dr. med. Moritz Sinner, MPH
Medizinische Klinik und Poliklinik I
Klinikum der Universität München (LMU)
Campus Großhadern
Tel: 089/4400-76159
E-Mail: Moritz.Sinner@med.uni-muenchen.de

PD Dr. med. Stefan Brunner
Medizinische Klinik und Poliklinik I
Klinikum der Universität München (LMU)
Campus Innenstadt
Tel: 089/4400-52305
E-Mail: Stefan.Brunner@med.uni-muenchen.de

Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de/de/das_klinikum/zentrale-bereiche/weitere-in...

Anhang
European Heart Journal
https://idw-online.de/de/attachment57257

Quelle: idw 

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Neues Tool: Betrugssoftware in Autos automatisch entdecken

Dr. Julia Weiler Dezernat Hochschulkommunikation
Ruhr-Universität Bochum

IT-Sicherheitsexperten der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der University of California, San Diego, haben mit dem Lübecker IT-Spezialisten Felix Domke ein Tool entwickelt, das automatisch Betrugssoftware in der Motorsteuerung von Autos entdeckt. Das Team um Prof. Dr. Thorsten Holz vom Bochumer Horst-Görtz-Institut testete gemeinsam mit den Kollegen 900 verschiedene Versionen der Motorsteuerungssoftware für Diesel-Fahrzeuge von Volkswagen und Fiat Chrysler aus den vergangenen acht Jahren. In 400 davon fanden sie eine Vorrichtung, die die Abgasreinigung unter regulären Fahrbedingungen abschaltet. Die Analyse deckt auch auf, wie genau die verschiedenen Hersteller bei dem Betrug vorgehen.

Die Ergebnisse präsentieren die Bochumer Forscher, zu denen auch die Doktoranden Moritz Contag und Andre Pawlowski vom RUB-Lehrstuhl für Systemsicherheit gehören, gemeinsam mit ihren US-amerikanischen Partnern auf dem „IEEE Symposium on Security and Privacy", das vom 22. bis 24. Mai 2017 in San Jose, Kalifornien, stattfindet. Die zugehörige Veröffentlichung kann online eingesehen werden (https://www.syssec.rub.de/research/publications/defeat-devices/).

Zwei Minuten Softwareanalyse reichen aus
Um zu erkennen, ob in einem Fahrzeugmodell eine nicht erlaubte Abschalteinrichtung eingebaut ist, musste bislang ein Wagen auf dem Prüfstand einen etwa 20-minütigen Test absolvieren. „Wenn man zehn Fahrzeugmodelle testen möchte, muss man auch zehn Wagen auf den Prüfstand bringen. Das ist aufwendig", sagt Thorsten Holz. „Unser Tool braucht kein Auto, sondern nur die Motorsteuerungssoftware. Wir können in zwei Minuten analysieren, ob sie eine Abschalteinrichtung beinhaltet oder nicht."

Anhand der Software können die Forscher nachvollziehen, wie ein Auto auf bestimmte Zustände reagiert, zum Beispiel welche Abgasfiltermechanismen in einer bestimmten Situation angeschaltet werden.

„Besonders plump"
Nicht nur die Motorsteuerungssoftware von Volkswagen haben die IT-Experten unter die Lupe genommen. Auch das System des Fiat 500X, wegen dem die EU-Kommission am 17. Mai 2017 ein Verfahren gegen die italienische Regierung eingeleitet hat, untersuchten sie. „Fiat geht besonders plump vor", lautet das Fazit von Thorsten Holz. Während die VW-Software zum Beispiel anhand der Sequenz von Beschleunigungen und Bremsmanövern erkennt, ob sich ein Fahrzeug gerade in einem Prüfzyklus befindet, nutzt Fiat die Tatsache, dass ein Prüfzyklus 20 Minuten dauert - und schaltet die Abgasreinigung schlicht nach etwas mehr als 22 Minuten Betrieb ab.

Da die Wissenschaftler Software aus den vergangenen acht Jahren testeten, können sie nachvollziehen, dass die Abschalteinrichtungen im Lauf der Jahre immer weiter verfeinert wurden. Ihr Ziel ist es nun, ihr Tool so weiterzuentwickeln, dass es die Motorsteuerungssoftware beliebiger Hersteller automatisch analysieren kann.

Originalveröffentlichung
Moritz Contag, Guo Li, Andre Pawlowski, Felix Domke, Kirill Levchenko, Thorsten Holz, Stefan Savage: How they did it: an analysis of emission defeat devices in modern automobiles, IEEE Symposium on Security & Privacy, 2017, San Jose, CA, USA

Prof. Dr. Thorsten Holz
Lehrstuhl für Systemsicherheit
Horst-Görtz-Institut für IT-Sicherheit
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 32 25199
E-Mail: thorsten.holz@rub.de

Moritz Contag
Lehrstuhl für Systemsicherheit
Horst-Görtz-Institut für IT-Sicherheit
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 32 29363
E-Mail: moritz.contag@rub.de

Quelle: idw 

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Eine Werbesäule zur Minderung der Luftverschmutzung in Paris

Marie de Chalup Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Die weltberühmte Pariser Morris-Säule [1] wird als Pilotanlage für die Luftreinigung getestet. Eine erste Säule wird am Place d'Alesia aufgestellt, wo täglich 72.000 Fahrzeuge durchfahren und infolgedessen die CO2-Belastung und die Feinstaubemissionen hohe Werte erreichen. So liegt die Stickstoffdioxidkonzentration beispielsweise bei 40 µg/m3, was den Schwellenwert deutlich übersteigt.

Die weltberühmte Pariser Morris-Säule [1] wird als Pilotanlage für die Luftreinigung getestet. Eine erste Säule wird am Place d'Alesia aufgestellt, wo täglich 72.000 Fahrzeuge durchfahren und infolgedessen die CO2-Belastung und die Feinstaubemissionen hohe Werte erreichen. So liegt die Stickstoffdioxidkonzentration beispielsweise bei 40 µg/m3, was den Schwellenwert deutlich übersteigt.

Die Pilotanlage nutzt zur Luftreinigung Mikroalgen, die sich in einem 1 m3 großen Bioreaktor im Inneren der Säule befinden. In den Chloroplasten der Mikroalge läuft das natürliche Verfahren der Fotosynthese ab, welches CO2 und Licht zur Sauerstoffproduktion braucht. Die natürliche Strahlung wird durch zusätzlich integrierte Leuchtdioden verstärkt, um das Fotosyntheseverfahren zu beschleunigen. Die Mikroalgen sind ebenfalls in der Lage, das von Fahrzeugen ausgestoßene Stickstoffdioxid zu fixieren. Nach diesem Verfahren wird die gereinigte Luft nach außen abgegeben. Je mehr Kohlendioxid die Mikroalgen adsorbieren, desto stärker wachsen und vermehren sie sich. Wird die so entstandene Biomasse zu groß, wird sie über die Kanalisation zur nächstgelegenen Kläranlage abtransportiert und für die Einspeisung in das Erdgasnetz in Biomethan umgewandelt.

Dieses Projekt befindet sich noch in der Probephase, bei der genau ermittelt werden soll, wie viele Schadstoffe (CO2, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid, Feinstaub) die Mikroorganismen aufnehmen können. Theoretisch kann der 1 m3 große Bioreaktor die gleiche CO2-Menge binden wie 100 Bäume, was einer Tonne CO2 pro Jahr oder einem Hin- und Rückflug Paris-Washington entspricht. Durch die Umwandlung der Mikroorganismen in Biomethan wird eine jährliche Menge von 10 kg Biomethan erzeugt. Trotz des geringen Volumens des Bioreaktors und der geringen Menge produzierten Biomethans bildet diese Technologie als Kohlenstoffsenke einen vielversprechenden Ansatz, da diese einzelligen Mikroorganismen Wachstumsraten aufweisen, die 10 bis 40 Mal höher liegen als bei Pflanzen, sie in der Natur reichlich vorkommen und sie unter optimalen Bedingungen ihre Masse täglich verdoppeln können.

Zwei Unternehmen sind an diesem Projekt beteiligt: das französische Start-up Fermentlag, das die Mikroalgen entwickelt hat, und das Unternehmen Suez, Spezialist im Bereich Abfall- und Wasserwirtschaft, das das Projekt mit dem Einsatz der Werbesäule als Kohlensenke gefördert hat. Im Januar wurde die umgebaute Säule von 4 m Höhe und 2,5 m Durchmesser und ihrem 1 m3 großen Bioreaktor mit Rauchgasen getestet, die bei der Aufbereitung von Schlämmen in einer Kläranlage in der Pariser Region entstehen. Bis zum Ende des Jahres unterstützt Suez finanziell den Test dieser Pilotanlage; bei positivem Ergebnis sollen weitere Werbesäulen auf den Markt gebracht werden.

[1] Der Name geht zurück auf den Druckereibetreiber Gabriel Morris, der die deutsche Litfaßsäule in Frankreich einführte.

Quelle:
ꞌꞌPollution de l'air : Paris va tester une colonne Morris dépolluanteꞌꞌ, Pressemitteilung aus Le Monde, 15.04.2017- http://www.lemonde.fr/planete/article/2017/04/15/pollution-de-l-air-paris-va-tes...

Redakteur: Luc Massat, luc.massat@diplomatie.gouv.fr

Quelle: idw 

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Raucherland Deutschland - weltweit unter den Top Ten

Kerstin Ullrich Pressestelle
Deutsche Diabetes Gesellschaft

Berlin - Deutschland gehört weltweit zu den Top Ten der Länder mit der höchsten Anzahl an Rauchern - mit fatalen Folgen: Etwa jeder siebte Todesfall ist hierzulande eine Folge des Tabakkonsums. Dies zeigt die Global Burden of Disease-Studie, die kürzlich im angesehenen Fachjournal „The Lancet" erschien. In dieser Studie schätzt ein Konsortium namhafter Wissenschaftler für 195 Länder und Territorien die Raucherzahlen ab und berechnet die durch den Tabakkonsum verursachten Todesfälle.

Zugleich belegt Deutschland den vorletzten Platz - nur gefolgt von Österreich - auf der Tabakkontrollskala der Europäischen Krebsliga, die staatliche Maßnahmen zur Verringerung des Tabakkonsums bewertet, und gerade aktualisiert wurde. Den neunten Platz im Ranking der Länder mit den meisten Rauchern verdankt Deutschland nicht nur seiner hohen Einwohnerzahl, sondern auch dem immer noch hohen Raucheranteil. Dieser ist zwar seit 1990 leicht gesunken, aber nur bei Männern und deutlich weniger als im Durchschnitt aller Länder weltweit. Der Studie zufolge konsumieren in Deutschland rund 20 Prozent der weiblichen und 25 Prozent der männlichen Bevölkerung täglich irgendeine Form von Tabak - mit schwerwiegenden Folgen.

Denn Rauchen ist nach wie vor einer der bedeutendsten Risikofaktoren für Krankheit und Tod: Weltweit ist mehr als jeder zehnte Tod durch Tabakkonsum verursacht. Dies könnte in den kommenden Jahren noch mehr werden, fürchtet Dr. Ute Mons, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention und des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg: „Mit der demographischen Alterung der Bevölkerung rollt eine Welle tabakbedingter Todesfälle auf Deutschland zu, weil die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre, von denen vergleichsweise viele zur Zigarette gegriffen haben, jetzt in ein Alter kommen, in dem das Risiko für tabakbedingte Erkrankungen besonders hoch ist."

„Diese Entwicklung kann aufgehalten werden, wenn sich Deutschland endlich für eine konsequente Präventionspolitik entscheidet", sagt Dr. Dietrich Garlichs, Sprecher der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK), einem Zusammenschluss von 20 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen. Mit dem Tabakrahmenübereinkommen der WHO, das Deutschland unterzeichnet und ratifiziert hat, steht ein Bündel wirksamer Präventionsmaßnahmen zur Eindämmung des Rauchens und dessen gesundheitlicher Folgen zur Verfügung.

DANK fordert, dass diese Maßnahmen nun auch entschlossen umgesetzt werden. Dazu gehören insbesondere regelmäßige, deutliche Erhöhungen der Tabaksteuer, ein konsequenter Nichtraucherschutz ohne Ausnahmeregelungen und ein umfassendes Tabakwerbeverbot. „Die Einführung des längst überfälligen Verbots der Außenwerbung für Tabakprodukte, die im Augenblick vom Bundestag blockiert wird, wäre ein wichtiger Schritt zur Eindämmung des Tabakkonsums und der daraus resultierenden Krankheiten und Todesfälle - die Politik muss endlich handeln!" so Garlichs.

Quellen:
Lancet-Studie
Tabakkontrollskala

Über die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK)
Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) ist ein Zusammenschluss von 20 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen, der sich für nachhaltige und bundesweite Primärprävention in Deutschland einsetzt. Denn nichtübertragbare Krankheiten sind weltweit Todesursache Nummer eins. In Deutschland gehen rund zwei Drittel der vorzeitigen Todesfälle darauf zurück, z.B. auf Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen. Nichtübertragbare Krankheiten bürden PatientInnen und Familien viel Leid und der Gesellschaft enorme Kosten auf. Mit geeigneten Präventionsmaßnahmen sind diese Krankheiten häufig vermeidbar.

DANK fokussiert dabei auf folgende Ziele und Maßnahmen aus dem WHO Global Action Plan for the Prevention and Control of NCDs 2013-2020, da diese besonders wirksam sind:

1. Reduzierung des Tabakkonsums (u.a. durch regelmäßige, spürbare Tabaksteuererhöhungen)
2. Verringerung des schädlichen Alkoholkonsums (u.a. durch Erhöhung der Alkoholsteuer und Erhebung nach Alkoholgehalt)
3. Verhinderung der Zunahme von Diabetes und Adipositas (u.a. durch eine Zucker-Fett-Salzsteuer)
4. Steigerung der körperlichen Aktivität (u.a. durch eine tägliche Sportstunde in Kita und Schule)

Homepage: http://www.dank-allianz.de

Kontakt:
Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK)
c/o Deutsche Diabetes Gesellschaft
Dr. Dietrich Garlichs (Sprecher)
Albrechtstraße 9, 10117 Berlin
Telefon 030 / 3 11 69 37 0
Telefax 030 / 3 11 69 37 20
E-Mail info@dank-allianz.de

Weitere Informationen:
http://www.tobaccocontrolscale.org/
http://thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2817%2930819-X/fullte...

Quelle: idw 

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Von Batterien bis zu Vanillin: Elektrochemie verwandelt Holzabfälle

Petra Giegerich Kommunikation und Presse
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Abfälle der Papier- und Zellstoffindustrie liefern Ausgangsmaterial für Entwicklung neuer Redox-Flow-Batterie - Elektrosynthese im Vormarsch

Die Stabilisierung der Stromnetze wird mit dem Ausbau erneuerbarer Energien eine wachsende Herausforderung. Hier könnten Redox-Flow-Batterien einen wichtigen Beitrag leisten. Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) arbeiten im Rahmen eines Kooperationsprojekts an der Entwicklung neuer Elektrolyte für Redox-Flow-Batterien auf der Basis von Lignin, das in der Zellstoffherstellung aus Holz als Abfallprodukt anfällt. Gemeinsam mit ihren industriellen und wissenschaftlichen Partnern erforschen die Mainzer Chemiker damit die Nutzung nachwachsender Rohstoffe zur effizienteren Verwendung erneuerbarer Energien. Bisher wird für Flussbatterien vor allem das Metall Vanadium verwendet, das jedoch nur in begrenzter Menge zur Verfügung steht und außerdem teuer ist. Für die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Siegfried Waldvogel vom Institut für Organische Chemie erschließt sich mit diesem Projekt ein neues Forschungsfeld, in das sie ihre langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Elektrochemie einbringen kann.

Im Falle der Redox-Flow-Batterie geht es den Wissenschaftlern darum, aus Lignin, das in Holz und allgemein in Pflanzen für Stabilität sorgt, geeignete Redox-Paare herzustellen. Diese Redox-Paare werden im Elektrolyt von Flussbatterien aufgeladen und dann getrennt in Tanks gespeichert. Bei Bedarf werden sie später in der galvanischen Zelle zur Energieerzeugung wieder zusammengeführt. „Wir werden aus der Ablauge, die bei der Papier- und Zellstoffproduktion anfällt, durch elektrochemische Zersetzung Chinone gewinnen und sie für den Einsatz in einer Batterie weiter optimieren", erläutert Waldvogel die Aufgabe der Mainzer Kooperationspartner. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) bis Januar 2019 gefördert.

Elektrosynthese bringt grüne Chemie voran
„Die Elektrosynthese hat hier in Mainz sehr an Fahrt aufgenommen", ergänzt Waldvogel, der das Forschungsgebiet seit 2010 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz etabliert. In den letzten drei Jahren konnte die Gruppe neue Projekte mit einem Fördervolumen von rund vier Millionen Euro einwerben. Bei der Elektrosynthese geht es im Wesentlichen darum, elektrischen Strom als Reagens zu nutzen, wobei die Elektronen zur Oxidation oder Reduktion von organischen Stoffen dienen. Das ist billiger und wesentlich umweltfreundlicher als konventionelle Reagenzien, sofern Elektrizität aus erneuerbaren Energien verwendet wird. „Man spricht aktuell von der Elektrifizierung der chemischen Synthese und es wird erwartet, dass diese Entwicklung zukünftige Industriegesellschaften weltweit beeinflusst", so Waldvogel.

Bisher gibt es nur wenige industriell genutzte elektrosynthetische Prozesse für organische Moleküle. Die Gruppe von Siegfried Waldvogel hat nun unter anderem die Gewinnung des Aromastoffs Vanillin aus Holzabfällen entwickelt. Außerdem werden einige Hilfsstoffe für chemische Reaktionen mit diesen Verfahren schneller verfügbar gemacht. Eine besondere Erfolgsgeschichte ist die Veränderung eines Arzneimittelbausteins in Kooperation mit Novartis: Nachdem konventionelle Methoden nicht ans Ziel führten, genügte den Mainzer Wissenschaftlern nur eine elektrochemische Umsetzung, um das Produkt zu erhalten.

Neben Geschmacks- und Duftstoffen sowie Wirkstoffen sieht Waldvogel für die Elektrosynthese großes Potenzial bei der Herstellung spezieller Erzeugnisse für die Agrochemie und von Molekülen für die Materialwissenschaften. Mit dieser Methode können oft viele konventionelle Syntheseschritte abgekürzt werden. Darüber hinaus senkt das Verfahren die Abhängigkeit von knappen Rohstoffen, die normalerweise für chemische Reagenzien benötigt werden. Die Flusselektrolyseure für die Laborversuche, bei denen elektrochemische Prozesse ablaufen, werden in der JGU-eigenen Werkstatt als Prototypen entwickelt und gebaut.

Fotos:
http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/09_orgchemie_elektrochemie_batterie_01.jpg
Forscherin beim Aufbau einer Flusselektrolyse
Foto/©: Alexander Sell, JGU

http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/09_orgchemie_elektrochemie_batterie_02.jpg
Bis zu acht verschiedene Versuche können gleichzeitig in diesem Screening-Elektrolyseur durchgeführt werden. In jedem der kleinen Kunststoffbecher stecken zwei Elektroden.
Foto/©: Carsten Siering, JGU

Weitere Informationen:
Dr. Carsten Siering
Arbeitskreis Waldvogel
Institut für Organische Chemie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-26067
Fax +49 6131 39-26777
E-Mail: siering@uni-mainz.de
http://www.chemie.uni-mainz.de/OC/AK-Waldvogel/

Weitere Links:
https://www.blogs.uni-mainz.de/fb09akwaldvogel/forschung/organic-electrochemistr...
http://www.uni-mainz.de/presse/57994.php (Pressemitteilung vom 23.10.2013 „Zukunftspreis Pfalz geht an Mainzer Chemiker Siegfried Waldvogel")
https://www.fnr.de/ (Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe)

Quelle: idw 

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Wer mit Automaten unhöflich umgeht, den bedienen sie nicht

Jan Vestweber Pressestelle
Universität Witten/Herdecke

Prof. Dr. Birger Priddat schreibt in diesem Gastbeitrag darüber, wie die künstliche Intelligenz den Menschen zivilisieren könnte

Plötzlich machen sich alle Gedanken über Roboter und Automaten. Vor allem über die künstliche Intelligenz (KI), die zunehmend in die Automaten eingebaut und ständig weiterentwickelt wird. Wird ihre Intelligenz unsere bald überflügeln?

Dass Algorithmen vieles, was wir uns mühsam zusammenreimen, extrem schnell und komplex berechnen können, ist eine nützliche Eigenschaft der Digitalisierung. Dass aber die Roboter die Macht übernehmen, ist eher der Nachtschatten schlechter amerikanischer Filme. Aber etwas anderes wird passieren: dass wir uns daran gewöhnen, mit Automaten zusammenzuleben. Wir werden sie vielfach gar nicht mehr als Automaten empfinden, sondern als gleichsam natürliche Gesprächs- und Arbeitspartner (so wie heute schon Siri oder die Stimme des Navigationsgerätes). Spätestens dann, wenn die Maschinen reden werden. Denn alle Automaten, die mit uns oder für uns arbeiten, werden kommunizieren: untereinander, aber auch mit uns. Dass sie mit uns andere Dinge kommunizieren, ist klar: Alexa oder Siri sind die ersten Erprobungen.

Wenn sich die Automaten sprachlich in unsere Kommunikationswelten einklinken, sind wir nicht mehr darauf angewiesen, mit Texten, SMS'en, Mails, Bildern etc. zu operieren. Sondern wir kommunizieren mit den Maschinen gleichsam auf ‚Ohrenhöhe'. Aber das ist der trivialere Teil der Aussage; der weniger triviale ist der, dass uns die Maschinen durchgehend vernünftig gegenübertreten. Sie sind - zumindest erst einmal - emotionslos (ohne kühl zu sein. Das Timbre der Stimmen von Siri und Alexa erleben manche sogar als proto-erotisch). Aber sie kommunizieren letztlich in einer Dimension: streng vernünftig.

Bevor wir nicken und sagen, das sei doch klar, sollten wir bedenken, dass sich daran unsere Kommunikationsstile neu formieren. Mit emotionalem, gehässigem, aufbrausendem, oder aber auch nöligem, wischi-waschi- und labernden Aussagen werden wir den Maschinen nicht kommen können. Sanft werden die Algorithmen unsere Stimmungen korrigieren, nachfragen, unnachgiebig vernünftig. Oder aber die Sache auf später verschieben, weil man von uns gerade keine vernünftige Antwort bekommt etc. Mit unseren schlampigen Kommunikationen, unklarem Entscheiden bzw. Nicht-Entscheiden-Können werden diese Maschinen nichts anfangen können, außer uns leise ‚zur Vernunft' zu bringen. Wir werden - mehr oder minder - genötigt, vernünftig zu fragen und vernünftig zu antworten - eine Qualität der Kommunikation, die wir im Alltag durchschnittlich weder beherrschen noch hinreichend üben.

Es kann also sein, dass die Automaten uns zivilisieren. Nicht weil sie so programmiert sind (auch darauf kann man achten), sondern schlicht, weil sie logische Automaten sind, die nichts anderes können, als einigermaßen vernünftig zu sein. Es wäre ein miserabler Automat, wenn er schlampig, uneindeutig, fahrig antworten würde. Die Automaten können eine kulturbildende Aufgabe bekommen. Diesen Aspekt findet man in der euphorischen Sorge über Roboter und Algorithmen äußerst selten.

Natürlich können dann semantische Algorithmen jede gehässige Äußerung - von Aussagen wage ich gar nicht zu reden - zurückweisen; nicht gleich löschen, sondern an den Absender zurückgehen lassen mit der Bitte, sie in ein einigermaßen zivilisiertes Deutsch zur übersetzen. Überhaupt könnte jeder Text - in Facebook, Twitter, aber auch in den Mails - zurückgegeben werden (back to sender), der in schlechtem Deutsch, grammatikalisch falsch und in brüchigem Satzbau verfasst ist. Wahrscheinlich würden 50 Prozent der aktuell gesendeten Textchen nicht durch den sprachbildenden Filter gehen.

Eine absurde Idee? Warum? Warum lassen wir es zu, dass ein Großteil der Kommunikation in der Gesellschaft in schlechtem Deutsch geschieht? Wenn man privat seine Sprache verschludern lassen will, ist das eine Sache, aber nicht in der Öffentlichkeit. Mit dem Internet und seiner zivilisatorischen Vernunft hätten wir eine erstmalige Chance, in eine neue Sprachkultur einzutreten. Wer mit den Automaten unhöflich oder sprachlich barbarisch umgeht, den bedienen sie nicht.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Birger Priddat, birger.priddat@uni-wh.de oder 02302 / 926-530

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.400 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

Quelle: idw 

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Frischluft im Sand: Was Bakterien in der Nordsee antreibt

Dr. Fanni Aspetsberger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

Zwei neue Studien liefern spannende Details über das Leben der Bakterien im Boden der Nordsee.

Fast fünf Millionen Deutsche machen alljährlich Urlaub an der Nordsee. Sie erholen sich am Strand oder genießen das Naturschauspiel des Wattenmeers. Doch die Nordsee ist mehr als nur eines der beliebtesten deutschen Reiseziele. Sie ist auch ein faszinierendes Ökosystem, das für unser Leben höchst bedeutsam ist und immer noch voller Überraschungen steckt.

Soeren Ahmerkamp und David Probandt vom Bremer Max-Planck-Institut verbringen deshalb viel Zeit an der Nordsee. Die beiden Forscher beschäftigen sich mit dem Lebensraum Sand - oder, wissenschaftlich gesprochen, mit permeablen Küstensedimenten. Nun beschreiben sie in zwei neuen Veröffentlichungen, wie Sauerstoff den Sand durchdringt und was das für die dort lebende Bakteriengemeinschaft bedeutet.

„Sande bedecken große Teile des Meeresbodens entlang der Kontinentalränder", erklärt Soeren Ahmerkamp aus der Abteilung Biogeochemie am MPI Bremen. „Sie sind viel durchlässiger für das Meerwasser als der meist schlammige Boden der Tiefsee." Wenn Meerwasser durch den Sand strömt, gelangt auch Sauerstoff in den Boden und regt die dortigen Mikroorganismen an. Je mehr Sauerstoff in den Boden gelangt, desto aktiver sind die Mikroorganismen und können beispielsweise große Mengen Kohlenstoff oder Stickstoff umsetzen. „Das ist besonders wichtig angesichts dessen, dass durch die Flüsse große Mengen an Stickstoff und anderen Nährstoffen in die Nordsee gelangen", so David Probandt aus der Abteilung Molekulare Ökologie.

„Bisher wurde die Wechselwirkung von Sanden und dem Meerwasser meist nur im Labor untersucht", fährt Ahmerkamp fort. „Wir haben sie uns vor Ort angesehen, unter realen Bedingungen, um mehr über ihre tatsächliche Bedeutung aussagen zu können."

Gemeinsam mit Kollegen vom MPI Bremen entwickelte Ahmerkamp ein Gerät namens LanceALot, das gleichzeitig die Strömungsgeschwindigkeit, die Form des Bodens und den Sauerstoff im Sand messen kann. An 16 verschiedenen Stellen in der Nordsee wurde LanceALot eingesetzt, um den Zusammenhang zwischen diesen Faktoren zu untersuchen.

Eine bedeutende Rolle spielen demnach Rippel - die typischen, an ein Wellblech erinnernden Sandwellen am Meeresboden. „Durch die ständigen Veränderungen der Rippel und die wechselnden Gezeitenströme ist der Sand ein sehr dynamischer Lebensraum, der sich ständig verändert. Sauerstoff ist mal mehr oder weniger vorhanden, mal dringt er mehrere Zentimeter tief in den Sand ein und mal bleibt er an der Oberfläche - daran müssen sich die Mikroorganismen im Sand anpassen", sagt Ahmerkamp.

Den bakteriellen Bewohnern des Sandes wird also viel abverlangt. „Auf jedem Sandkorn sitzen zehntausende bis hunderttausende Bakterien. Die können natürlich einiges bewirken", meint auch David Probandt. Da diese Bakterien beispielsweise Kohlenstoff und auch Stickstoff aus dem Meerwasser verarbeiten, wirken die Sande wie riesige, reinigende Filter. Vieles von dem, was das Meerwasser in den Boden spült, kommt nicht wieder heraus.

Bislang ist nur wenig über die bakteriellen Bodenbewohner entlang der Küsten bekannt. Probandt und seine Kollegen haben sie nun an verschiedenen Stellen der Nordsee mit modernen molekularen Methoden und Fluoreszenzmikroskopie erforscht. „Schon in den obersten fünf Millimetern des Meeresbodens finden wir ganz andere und vielfältigere Bakterien als im Meerwasser selbst", so Probandt. „Wer wo wohnt, hängt vor allem von der Zusammensetzung des Meeresbodens ab. Je durchlässiger der Boden für einströmendes Meerwasser ist, desto mehr aerobe Bakterien treten auf." Die Arbeit zeigte ebenfalls, dass eine Bakteriengruppe, die sogenannten Planctomyceten, besonders häufig in Küstensedimenten vorkommen. Planctomyceten unterscheiden sich von anderen Bakterien durch ihren komplexen Lebenszyklus und stellen viele verschiedene Naturstoffe her. Sie könnten daher auch besonders gut an die besonderen Bedingungen in Oberflächensedimenten angepasst sein. „Ob dies der Fall ist, werden wir in zukünftigen Arbeiten betrachten" betont Probandt.

Der Meeresboden entlang der Küsten ist besonders stark von menschlichem Einfluss - von der wirtschaftlichen Nutzung über Nährstoffeintrag durch die Flüsse bis hin zum Klimawandel - betroffen. Die neuen Studien zeigen, wie komplex dieser Lebensraum ist und welche bedeutende Rolle seine Bewohner für unser Leben spielen. „Durch die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen konnten wir viele neue Erkenntnisse über dieses dynamische Ökosystem erlangen", betont Probandt.

„Es gibt noch sehr viel zu erforschen in der Nordsee und den anderen Küstenmeeren", schließt Ahmerkamp. „Die Vorgänge und mögliche Veränderungen in diesem Ökosystem betreffen uns alle."

Originalveröffentlichungen
S. Ahmerkamp, C. Winter, K. Krämer, D. de Beer, F. Janssen, J. Friedrichs, M. Kuypers und M. Holtappels (2017): Regulation of benthic oxygen fluxes in permeable sediments of the coastal ocean. Limnology and Oceanography.
DOI: 10.1002/lno.10544 (http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/lno.10544/full)
Die Publikation ist im Rahmen des MPI-marum Cross-Cutting-Project 5 (CCP5)"Organic-matter remineralization and nutrient turnover in permeable sandy sediments" unter der Leitung von Moritz Holtappels entstanden.

D. Probandt,. K. Knittel, H. E. Tegetmeyer, S. Ahmerkamp, M. Holtappels und R. Amann (2017): Permeability shapes bacterial communities in sublittoral surface sediments. Environmental Microbiology 19(4): 1584-1599.
DOI: 10.1111/1462-2920.13676 http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1462-2920.13676/epdf

Rückfragen bitte an
Dr. Soeren Ahmerkamp (https://www.mpi-bremen.de/Dr.-soeren-ahmerkamp.html)
David Probandt (https://www.mpi-bremen.de/David-Probandt.html)

oder an die Pressestelle
Dr. Fanni Aspetsberger
Dr. Manfred Schlösser
Telefon: +49 421 2028 704
E-Mail: presse@mpi-bremen.de

Quelle: idw 

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Durch die Luft übertragene Viren überleben im Wasser

Anja Wirsing Pressestelle des Forschungsverbundes Berlin e.V.
Forschungsverbund Berlin e.V.

Bisher dachte man, dass Herpesviren außerhalb ihres Wirtes kaum überlebensfähig sind. WissenschaftlerInnen des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) zeigen in ihrer aktuellen Studie, dass Pferde-Herpesviren unter bestimmten Bedingungen über einen Zeitraum von bis zu drei Wochen stabil und infektiös bleiben. Die Forschungsergebnisse legen nahe, dass unbehandeltes Wasser eine Quelle für Herpesinfektionen darstellt. Die Studie wurde jetzt in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Scientific Reports" veröffentlicht.

Herpesviren gehören zu den „umhüllten Viren", die über die Luft von Wirt zu Wirt übertragen werden und Krankheiten hervorrufen können. Bisher wurde angenommen, dass sie in der Umwelt instabil sind und die Übertragung daher schnell und direkt erfolgen muss.

Diese Annahme wurde jetzt durch ein Forscherteam unter der Leitung des Leibniz-IZWs in Zusammenarbeit mit dem Institut für Virologie der Freien Universität Berlin überprüft. Hierzu reicherten die ForscherInnen Wasser mit Pferde-Herpesviren unter verschiedenen Bedingungen an und untersuchten über einen Zeitraum von drei Wochen, ob virale DNA entnommen werden konnte und das Virus im Wasser infektiös blieb.

„Die Ergebnisse zeigen, dass das Virus bis zu drei Wochen stabil und infektiös bleibt. Die ‚Überlebensdauer‘ wird durch den pH-Wert und die Temperatur des Wassers bestimmt", erklärt Anisha Dayaram, Wissenschaftlerin am Leibniz-IZW. Überraschenderweise wurde außerdem festgestellt, dass durch Zugabe von Erde das Virus aus dem Wasser „herausgezogen" und so für längere Zeit stabilisiert wurde. „In natürlichen Gewässern könnte das Virus so für längere Zeit in der Bodenschicht bestehen, ohne direkt einen weiteren Wirt zu infizieren. Im Fall des Pferde-Herpesvirus könnten sich daher Pferde, oder andere für das Virus anfällige Säugetiere, über das Wasser anstecken, und dass noch lange, nachdem ein infiziertes Tier in dem entsprechenden Gebiet war", erklärt Alex Greenwood, Abteilungsleiter Wildtierkrankheiten am Leibniz-IZW.

Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass Viren wie das Pferde-Herpesvirus Teil des sogenannten Umwelt-„Viroms" sind und infektiös bleiben könnten. Das Pferde-Herpesvirus hat sich zwischen Säugetieren wie Eisbären und Nashörner ohne direkten Kontakt mit Pferden oder deren Artverwandten sowohl in Gefangenschaft als auch in freier Wildbahn ausgebreitet, zum Teil mit fatalen Folgen. Es könnte sein, dass gemeinsam genutzte Wasserstellen eine mögliche Übertragungsquelle für Infektionen darstellen.

Diese Arbeit ist Teil des laufenden Forschungsprojekts „AquaVir" („Wasser als aquatischer viraler Vektor für neu auftretende Infektionskrankheiten"); gefördert durch Bund und Länder im Rahmen des Paktes für Forschung und Innovation und des Leibniz-Forschungsverbundes Infections‘21.

Publikation:
Dayaram A, Franz M, Schattschneider A, Damiani AM, Bischofberger S, Osterrieder N, Greenwood AD (2017): Long term stability and infectivity of herpesviruses in water. Scientific Reports. www.nature.com/articles/srep46559

Kontakt:
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
im Forschungsverbund Berlin e.V.
Alfred-Kowalke-Str. 17
10315 Berlin

Prof. Alex D. Greenwood
Tel.: 030 / 5168-255
E-Mail: greenwood@izw-berlin.de

Steven Seet (Pressestelle)
Tel.: 030 / 5168-125
E-Mail: seet@izw-berlin.de

Quelle: idw 

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Erwerbstätige Frauen arbeiten täglich 1,6-mal so lang unbezahlt wie Männer

Rainer Jung Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

WSI-Studie: Deutliche Folgen für Karriere und Alterssicherung

Frauen leisten erheblich mehr in der Kindererziehung und Hausarbeit als Männer. Solange das so bleibt, ist eine Gleichstellung in Beruf und Gesellschaft nicht erreichbar. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.*

Viele Paare wünschen sich eine partnerschaftliche Arbeitsteilung. Doch die Realität sieht anders aus: Den größten Teil der unbezahlten Arbeit - Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflege - leisten in Deutschland nach wie vor Frauen, wie eine aktuelle Auswertung des WSI GenderDatenPortals auf Basis der repräsentativen Zeitverwendungserhebung 2012/13 für Personen im Erwerbsalter zeigt. Frauen von 18 bis 64 Jahren verwenden demnach 2,4-mal so viel Zeit für unbezahlte Fürsorgearbeit und das 1,6-fache für Hausarbeit wie Männer dieser Altersgruppe. Noch deutlicher sind die Unterschiede bei Erwerbstätigen mit Kindern.

Zwar fällt die Gesamtarbeitszeit von erwerbstätigen Frauen und Männern ähnlich hoch aus - die Frauen arbeiten im Schnitt täglich 7:44 Stunden, die Männer 7:40 Stunden. Allerdings unterscheiden sich beide Geschlechter sehr deutlich in der Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit:

• Erwerbstätige Männer verbringen im Durchschnitt täglich 5:32 Stunden mit bezahlter Arbeit, etwa 1,2-mal so viel Zeit wie erwerbstätige Frauen (4:15 Stunden; zur Erhebung und Berechnung der täglichen Arbeitszeiten siehe die methodischen Informationen am Ende der PM).

• Erwerbstätige Frauen verwenden auf unbezahlte Arbeit im Schnitt 3:29 Stunden und damit etwa 1,6-mal so viel Zeit wie erwerbstätige Männer (2:08 Stunden).

Hoher Aufwand für häusliche Arbeit geht Hand in Hand mit reduzierten Arbeitszeiten im Beruf. Fast jede zweite Frau in Deutschland arbeitet in Teilzeit. Unter Müttern ist Vollzeitarbeit sogar die Ausnahme, während Männer - selbst dann, wenn sie Väter sind - fast ausschließlich in Vollzeit arbeiten. Für einen Mann, der voll arbeitet, besteht mit 73 Prozent der größte Teil seiner Gesamtarbeitszeit aus bezahlter Arbeit. Eine teilzeitbeschäftigte Frau wird hingegen nur für 43 Prozent ihrer Gesamtarbeitszeit entlohnt und leistet den größeren Teil ihrer Arbeit unbezahlt.

Besonders groß ist das Missverhältnis von beruflicher und häuslicher Arbeit zwischen den Geschlechtern, wenn Kinder unter sechs Jahren im Haushalt leben. Vollzeitbeschäftigte Väter mit kleinen Kindern haben mit 9:11 Stunden die längste Gesamtarbeitszeit von allen - nur ein Drittel davon verwenden sie auf Hausarbeit, Kinderversorgung und gegebenenfalls Pflegeaufgaben. Vollzeitbeschäftigte Mütter hingegen wenden dafür mehr als die Hälfte und teilzeitbeschäftigte Mütter sogar fast 70 Prozent ihrer Gesamtarbeitszeit auf. Die Betreuung von Kleinkindern ist also nach wie vor weitgehend Frauensache.

Das lässt sich auch daran ablesen, dass Mütter deutlich häufiger und länger Elterngeld beziehen als Väter. Mehr als 90 Prozent der Elternzeit, für die Elterngeld gezahlt wird, entfallen bislang noch auf Frauen. Immerhin scheint sich hier etwas zu verändern - heute nehmen Männer häufiger Vätermonate in Anspruch als in früheren Jahren. Auch wenn die Elternzeit von Vätern meist nur von kurzer Dauer ist, ergeben sich daraus langfristige Effekte: Je mehr Männer sich um den Nachwuchs kümmern und darüber in Kontakt mit vorübergehender Teilzeitarbeit kommen, umso wahrscheinlicher wird es, dass sie auch über das Ende der Elternzeit hinaus ihre Arbeitszeit reduzieren. Etwa jeder vierte Vater verringert seine Arbeitszeitdauer im Anschluss an seine Elternmonate im Vergleich zu der Zeit vor der Geburt des Kindes um 10 bis 20 Prozent. Väter, die drei oder mehr Elterngeldmonate genommen haben, reduzieren anschließend besonders häufig ihre Arbeitszeit (42 Prozent). „Das Elterngeld scheint zu helfen, dem Wunsch nach einer eher partnerschaftlichen Aufteilung bei Paaren in der Realität zumindest für eine bestimmte Zeit näherzukommen", schreiben die Forscherinnen und Forscher.

Neben der Betreuung von Kindern ist die Pflege von Angehörigen der zweite wichtige Bereich der Fürsorgearbeit. Auch hier engagieren sich Frauen sowohl häufiger als auch intensiver. Sie stellen mit 2,35 Millionen Pflegepersonen fast zwei Drittel derjenigen, die unbezahlte Pflegearbeit leisten. Drei Prozent der Frauen, aber nur ein Prozent der Männer bringen täglich mindestens zwei Stunden für die Pflege von Angehörigen auf. Vor allem im Erwerbsalter, also bis zum 65. Lebensjahr, unterstützen Frauen andere Menschen viel häufiger, als Männer dies tun. Der Anteil pflegender Frauen ist im Alter von 45 bis 74 Jahren am höchsten, während die meisten Männer eher später im Lebensverlauf pflegen. Dass Frauen ab 75 seltener pflegen als Männer in der gleichen Altersgruppe, liegt daran, dass sie häufiger verwitwet sind und somit keinen Partner mehr betreuen.

„Von einer gleichmäßigen Aufteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit zwischen Frauen und Männern kann bislang keine Rede sein", lautet das Fazit der Analyse. Dass Frauen im Beruf häufig zurückstecken, hänge direkt mit der ungleichen Aufteilung der häuslichen Arbeit zusammen - damit verbunden seien erheblichen Auswirkungen auf das Einkommen, die beruflichen Chancen und die Alterssicherung der Frauen. „Gleichstellungspolitik sollte daher berufliche Gleichstellung von Frauen mit Anreizen für eine Umverteilung von unbezahlter Arbeit hin zu Männern verknüpfen", so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, „und für beide Geschlechter bessere Bedingungen für die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit schaffen".

Informationen zur Methode der Erhebung:
Die WSI-Analyse basiert auf Sonderauswertungen der Zeitverwendungserhebung (ZVE) 2012/13, durchgeführt vom Statistischen Bundesamt in Zusammenarbeit mit den Statistischen Landesämtern. Über einen Zeitraum von zwölf Monaten erfolgte eine schriftliche Befragung von mehr als 5.000 Privathaushalten und 11.000 Personen ab zehn Jahren. Für jeweils drei vorgegebene Tage füllten die Teilnehmer ein Tagebuch aus, in das sie ihre Tätigkeiten im Zehn-Minuten-Takt eintrugen. Im Auftrag des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) wurde zudem ermittelt, wie sich die Zeitverwendung von Frauen und Männern im Erwerbsalter unterscheidet.

Da viele Tätigkeiten ungleich über die Wochentage verteilt sind, etwa weil sie gehäuft an Wochentagen stattfinden (Erwerbstätigkeit) oder vorwiegend am Wochenende (Hausarbeit bei Vollzeiterwerbstätigen), wurden die einzelnen Tage für die Berechnung der durchschnittlichen Zeitdauer gewichtet. Auch Urlaube, Feiertage und Krankheitstage wurden entsprechend einberechnet. Dadurch können die Werte für die durchschnittliche Zeitdauer einer Tätigkeit von dem gewohnten Verständnis abweichen: So kann die durchschnittliche Arbeitszeit von Vollzeiterwerbstätigen beispielsweise weniger als fünf Stunden pro Tag betragen. Die Analysen beruhen ausschließlich auf den Angaben zu den Haupttätigkeiten. Dies kann vor allem im Bereich der Fürsorgearbeit zu einer zeitlichen Untererfassung führen, wenn Phasen der Kinderbetreuung als Nebentätigkeit eingetragen wurden - etwa die Unterhaltung mit dem Kind während das Essen zubereitet wird.

Kontakt in der Hans-Böckler-Stiftung:
Dr. Christina Klenner
WSI
Tel.: 0211-7778-231
E-Mail: Christina-Klenner@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Weitere Informationen:
https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_35_2017.pdf - *Dietmar Hobler, Christina Klenner, Svenja Pfahl, Peter Sopp, Alexandra Wagner: Wer leistet unbezahlte Arbeit? Hausarbeit, Kindererziehung und Pflege im Geschlechtervergleich, aktuelle Auswertungen aus dem WSI GenderDatenPortal, April 2017.

Quelle: idw 

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Neue Studie: Zu niedriger Blutdruck ist schädlich, Untergrenzen könnten sinnvoll sein

Prof. Dr. Eckart Fleck Pressesprecher
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Ein möglichst niedriger Blutdruckwert ist bei Patienten mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko nicht unbedingt das optimale Behandlungsziel. Sinkt der Blutdruck unter einen bestimmten Wert, steigt das Herz-Kreislauf-Risiko wieder an, zeigt eine neue Studie. Auch in der Bluthochdrucktherapie sei deshalb ein individualisierter Ansatz wünschenswert, sagten Herz-Spezialisten auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim.

Mannheim/Homburg/Saar, 22. April 2017 - Ein möglichst niedriger Blutdruckwert ist bei Patienten mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko nicht unbedingt das optimale Behandlungsziel. Sinkt der Blutdruck unter einen bestimmten Wert, steigt das Herz-Kreislauf-Risiko wieder an. Das ist das Ergebnis einer auf der 83. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim diskutierten neuen wissenschaftlichen Studie. „Das Festlegen einer Blutdruck-Untergrenze könnte also sinnvoll sein", so Studienleiter Prof. Michael Böhm (Homburg/Saar), der auch in der Bluthochdrucktherapie einen individualisierten Ansatz für wünschenswert hält.

Aktuelle wissenschaftliche Leitlinien empfehlen einen systolischen Blutdruckzielwert von unter 140 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg), machen aber keine Vorgaben, wie niedrig der Blutdruck sinken sollte oder darf. Das Prinzip „je niedriger desto besser", das häufig für das LDL-Cholesterin angenommen wird, scheint beim Blutdruck keine Gültigkeit zu haben, zeigt die Analyse der beiden Großstudien ONTARGET und TRANSCEND mit insgesamt fast 30.940 eingeschlossenen Hochrisiko-Patienten. Bei manchen Patienten, deren Blutdruck während der Therapie auf zu niedrige Werte sinkt, könnte es sinnvoll sein, die Medikation zu reduzieren, um Nebenwirkungen zu vermeiden, sagt Prof. Böhm.

Doch wo sollte eine Untergrenze definiert werden? In den Studien wurde die Wirksamkeit eines Blutdrucksenkers allein sowie in Kombinationen untersucht. Patienten, die während des mittleren Beobachtungs-Zeitraums von 53 Monaten systolische Blutdruckwerte unter 120 mmHg erreichten, hatten ein um 14 Prozent höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse als jene, deren Blutdruck zwischen 120 und 140 mmHg lag, mit der Ausnahme von Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit stieg um 29 Prozent und die Gesamtsterblichkeit um 28 Prozent.

Ähnlich sieht die Situation beim diastolischen Blutdruck aus. Werte unter 70 mmHg standen mit einem um 31 Prozent erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse im Zusammenhang, verglichen mit Werten zwischen 70 und 80 mmHg. Auch das Risiko für Herzinfarkt und durch Herzschwäche bedingte Klinikeinweisungen war erhöht. Schlaganfälle kamen allerdings seltener vor, wenn die Werte darunter fielen.
Das niedrigste Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse hatten Patienten, die unter der Blut-druck-Therapie einen systolischen Blutdruck zwischen 120 und 140 mmHg und einen diastolischen Blutdruck um die 75 mmHg erreichten. Somit sei für die meisten Hochrisiko-Patienten ein Blutdruckzielwert von unter 130 mmHg, nicht jedoch ein Wert unter 120 mmHg sicher und wirksam, fassen die Studienautoren zusammen.

Sie gehen davon aus, dass sich der Vorteil einer erreichten Blutdruckhöhe individuell unterscheiden kann und vom jeweiligen Risikoprofil eines Menschen abhängt. Patienten mit einem besonders hohen Risiko für ein bestimmtes Ereignis wie zum Beispiel einen Schlaganfall könnten von einem noch niedrigeren Blutdruck profitieren, vermuten die Studienautoren, während dieser Bereich für Patienten mit einem erhöhten Herzinfarkt-Risiko nachteilig ist. In der Praxis sind solche eindeutigen Prognosen allerdings oft schwierig. Außer Frage stehe, dass auch in der Bluthochdrucktherapie ein individualisierter Ansatz wünschenswert sei.

Quelle: Böhm M, Schumacher H, Teo K et al. Achieved blood pressure and cardiovascular outcomes in high-risk patients: results from ONTARGET and TRANSCEND trials. Lancet 2017

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 10.000 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere Informationen unter www.dgk.org

Weitere Informationen:

http://www.dgk.org/presse
http://www.kardiologie.org

Quelle: idw 

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575 Elbkilometer aktiv für die Meeresforschung: Mitschwimmerinnen und Mitschwimmer gesucht

Nina Petersen Redaktionsbüro Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane
Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane

Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016*17 - Meere und Ozeane startet im Juni die bislang größte Freiwasser-Schwimmstaffel Deutschlands: Die Elbschwimmstaffel rückt als einzigartige Mitmach- und Forschungsveranstaltung die Bedeutung von sauberen Fließgewässern für Meere und Ozeane in den Mittelpunkt.

Alle (Wasser-)Wege führen ins Meer. Für den Schutz der Meere und Ozeane sind saubere Fließgewässer somit unabdingbar. Um diesen Zusammenhang hervorzuheben, formiert sich vom 24. Juni bis zum 12. Juli die bislang größte Freiwasser-Schwimmstaffel Deutschlands: Die Elbschwimmstaffel. Unter dem Motto „Das Meer beginnt hier!" bietet die Mitmach-Aktion im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016*17 - Meere und Ozeane interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit, sich aktiv mit Forschung auseinanderzusetzen und sich somit am Meeresschutz zu beteiligen.

Ab sofort besteht die Möglichkeit, sich unter http://www.elbschwimmstaffel.de für die Teilnahme an der Aktion anzumelden und einer von rund 200 Schwimmerinnen und Schwimmern der bislang größten Staffelmannschaft zu sein, die jemals ein deutsches Fließgewässer durchschwommen hat.

Am Beispiel der Flusslandschaft Elbe wird zugleich aufgezeigt, wie Mensch und Umwelt von einem sauberen Fluss profitieren. Hierfür wird die Staffel von drei Forschungsprojekten wissenschaftlich begleitet: Die Technische Universität Berlin untersucht Mikroplastik im Wasserkreislauf, das Karlsruher Institut für Technologie führt eine Gewässeranalyse durch und die Technische Universität Dresden geht der Frage nach einer gemeinsamen Umsetzungsmöglichkeit von Hochwasserschutz und naturnaher Gewässerentwicklung nach.

Der Startschuss fällt am 24. Juni in Bad Schandau. Von dort aus wird die Staffelmannschaft eine Strecke von insgesamt 575 km die Elbe hinab schwimmen. Die Strecke beinhaltet 19 Tagesetappen. Eine Schwimmstrecke hat jeweils eine Länge von 2 km. Zum Schwimmen aufgerufen sind alle Erwachsenen, die keine gesundheitlichen Einschränkungen haben, körperlich fit sind und mindestens das Schwimmabzeichen in Bronze (Freischwimmer) abgelegt haben. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka betont: „Galt die Elbe vor 25 Jahren noch als einer der schmutzigsten Flüsse Europas, so zeigt sie heute, was durch ein gezieltes Zusammenwirken von Politik, Behörden, Wissenschaft und Gesellschaft möglich ist. Am Beispiel Elbe wollen wir die Menschen direkt an Meeres- und Fließgewässerforschung heranführen, sie aktiv einbeziehen und ihre vielfältigen Aspekte - von Fischansiedlung bis zu Mikroplastik - anschaulich darstellen."

Ob sportlich-ehrgeizig, umweltbewusst oder wissenschaftlich interessiert - Die Elbschwimmstaffel ist ein einmaliges Mitmach- und Forschungsereignis, das neben der aktiven Bürgerbeteiligung vor allem die breite Öffentlichkeit für das Thema der nachhaltigen Nutzung sowie für den Schutz unserer Meere und Ozeane sensibilisiert.

Weitere Informationen finden Sie unter:
http://www.elbschwimmstaffel.de

Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane
Die Meeresforschung ist Thema des Wissenschaftsjahres 2016*17. Zu 71 Prozent bedecken Ozeane und Meere unseren Planeten. Sie sind Klimamaschine, Nahrungsquelle, Wirtschaftsraum - und sie bieten für viele Pflanzen und Tiere Platz zum Leben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen die Ozeane seit Jahrhunderten; und doch sind sie noch immer geheimnisvoll und in weiten Teilen unerforscht. Im Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane geht es um die Ergründung der Gewässer, ihren Schutz und eine nachhaltige Nutzung. Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD). Sie tragen als zentrales Instrument der Wissenschaftskommunikation Forschung in die Öffentlichkeit. Das Wissenschaftsjahr 2016*17 wird vom Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM) als fachlichem Partner begleitet.

Pressekontakt
Redaktionsbüro Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane
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Zinkversorgung beeinflusst Herzgesundheit

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Neben den essentiellen Stoffwechselfunktionen beeinflusst der Zinkstatus im Körper auch das Herz. Tritt oxidativer Stress auf, ist womöglich ein Zinkmangel vorhanden, der sich am Herzmuskel ablesen lässt. Eine Studie der Technischen Universität München (TUM) zeigt den Zusammenhang des Gesamtgehaltes an Zink im Körper und der Gesundheit des Herzens auf.

Oxidativer Stress entwickelt sich, wenn in der Zelle mehr freie Radikale gebildet werden als durch Antioxidantien wie beispielsweise Vitamin E abgefangen werden können. Dass schwerer Zinkmangel mit klinischen Symptomen den Zellstress erhöht, wurde bereits belegt. So ein extremer Mangel ist jedoch sehr selten. Viel häufiger kommen dagegen kurzfristige und latente Unterversorgungen an Zink vor. Inwiefern auch hier ein Zusammenhang zu oxidativem Stress besteht, wurde bislang wenig untersucht.

Aufgrund seiner hohen Stoffwechselaktivität haben sich die Wissenschaftler auf den Herzmuskel konzentriert. Hier entstehen bezogen auf die Gewebemasse besonders viele freie Radikale. Zudem hat der Herzmuskel auch noch eine geringere anti-oxidative Kapazität als andere Gewebe. Daher ist dieser Muskel für oxidativen Stress besonders anfällig.

Für die in „The Journal of Nutrition" erschienene Studie ist dies an zwei Antioxidantien nachgewiesen worden: Glutathion und Vitamin E (α-Tocopherol). Beide machen freie Radikale unschädlich, wobei insbesondere Vitamin E für die Unversehrtheit der Zellmembran verantwortlich ist. Die Zellmembran grenzt den Zellinhalt gegen die Umwelt ab.

Oxidativer Stress wird vom Zinkstatus gesteuert
Es wurde jungen Ferkeln für wenige Tage das Nahrungszink in unterschiedlichem Ausmaß vorenthalten. So konnten die Wissenschaftler nachvollziehen, wie sich ein schwindendes Zinkdepot auf den Herzmuskel der Tiere auswirkt: Sie konnten nun beobachten, dass der Vorrat an Glutathion im Herzmuskel parallel zum Zinkstatus abnahm. Somit beeinflusst die Zinkversorgung des Körpers bereits in diesem frühen Stadium die Fähigkeit des Herzens, mit oxidativem Stress umzugehen. Dieser ist nach gegenwärtigem Stand der Forschung daran beteiligt, dass Herzerkrankungen entstehen.

Ebenso zeigte sich, dass Gene, die für den programmierten Zelltod verantwortlich sind (Apoptose), in dieser Phase des Zellstresses mit schwindendem Zink hochreguliert werden. „Der Organismus kann den entstandenen Zinkmangel nicht mehr ausgleichen, obwohl unsere Tests nur über wenige Tage liefen", sagt Erstautor Daniel Brugger vom Lehrstuhl für Tierernährung der TU München.

Eine Kompensation des Herzens wurde im weiteren Verlauf beobachtet: „Nach der ersten Phase, in der sich eine Reduktion der Herzzinkgehaltes zeigte, steuerte der Herzmuskel gegen und erhöhte den Zinkgehalt wieder auf das Ausgangsniveau. Dies geschieht allerdings zulasten der Zinkgehalte in anderen Organen - allen voran der Leber, Niere und des Pankreas." Weitere, noch nicht veröffentlichte Daten zeigen zudem, dass daraufhin beispielsweise in der Leber subklinische Entzündungen aufgrund des dort einsetzenden Zinkmangels auftreten. Dass scheint auch andere Gewebe allen voran die primären Immungewebe zu betreffen. Um dies bestätigen zu können, sind weitere Studien notwendig.

Publikation:
Daniel Brugger und Wilhelm M. Windisch: Short-Term Subclinical Zinc Deficiency in Weaned Piglets Affects Cardiac Redox Metabolism and Zinc Concentration, Journal of Nutrition 2017.
DOI: 10.3945/jn.116.240804
http://jn.nutrition.org/content/early/2017/02/15/jn.116.240804.full.pdf

Kontakt:
Technische Universität München
Lehrstuhl für Tierernährung
Hans Eisenmann-Zentrum für Agrarwissenschaften
Daniel Brugger
Tel. +49 (0) 8161 - 714009
E-Mail: Daniel.Brugger@wzw.tum.de
www.wzw.tum.de/lte

Weitere Informationen:
https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/33844/

Quelle: idw 

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IGB Policy Brief: Fünf drängende Gewässerthemen für die kommende Bundesregierung identifiziert

Johannes Graupner Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 hat das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Deutschlands größtes Forschungszentrum für Binnengewässer, fünf drängende Gewässerthemen identifiziert und in einem IGB Policy Brief veröffentlicht. Bei den Themen besteht nach Einschätzung der Wissenschaftler in der nächsten Legislaturperiode für die neue Bundesregierung dringender Diskussions- und Handlungsbedarf.

Wasser und Gewässer sind lebenswichtige Ressourcen von hoher gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung. Doch die Mehrzahl der Binnengewässer in Deutschland ist in einem ökologisch schlechten Zustand, der zu zahlreichen Konflikten um ihren Schutz und ihre Nutzung führt. Bäche, Flüsse, Seen, Feuchtgebiete und Grundwasser sind somit Brennpunkte des gesellschaftlichen Diskurses. Doch nicht selten fehlen in dieser politischen Debatte Argumente, die durch verlässliche wissenschaftliche Analysen unterlegt sind.

„Forschen für die Zukunft unserer Gewässer" ist der Leitspruch des IGB. Die objektive und evidenzbasierte Beratung gesellschaftlicher Akteure aus Politik, Behörden, Verbänden, Wirtschaft, Bildungseinrichtungen und der interessierten Öffentlichkeit gehört zu den zentralen Aufgaben des Instituts.

Diesem gesellschaftlichen Beratungsauftrag kommt das IGB auch im Wahljahr 2017 nach, indem es Fakten und fundierte Argumente zu fünf Gewässerthemen zusammengestellt hat, bei denen das Institut dringenden politischen Diskussions- und Handlungsbedarf sieht:

1. Überdüngung: Diffuse Nährstoffbelastung von Gewässern mit Stickstoff und Phosphor

2. Synthetische Stoffe: Pharmazeutika, Mikroplastik, Nanopartikel und hormonaktive Stoffe in Gewässern

3. Wasserstraßen: Unrentabler Ausbau im Konflikt mit der EU-Gesetzgebung

4. Aquakultur: Nachhaltige Kreislaufsysteme und Eigenversorgung stärken

5. Wasserkraft: EEG-Förderung kleiner Wasserkraftanlagen im Spannungsfeld mit dem Gewässerschutz

„Ein nachhaltiges Gewässermanagement muss den Schutz und die Nutzung unserer Gewässer gleichermaßen berücksichtigen. Diese unterschiedlichen Interessen und mögliche Kompromisse müssen in der Politik ausgehandelt werden. Zur wissenschaftlichen Beratungsrolle des IGB gehört dabei auch, auf konkrete Probleme und unbequeme Interessenkonflikte hinzuweisen. Mit dem IGB Policy Brief bieten wir dafür objektive forschungsbasierte Diskussions- und Entscheidungshilfen an", erklärt Prof. Dr. Mark Gessner, kommissarischer Direktor des IGB und Mitautor des IGB Policy Briefs, anlässlich der Veröffentlichung.

Der IGB Policy Brief zur Bundestagswahl 2017 - „Schutz und Nutzung von Binnengewässern in Deutschland - Status Quo, Konflikte und politische Handlungsoptionen" kann kostenlos als PDF unter dem folgendem Link heruntergeladen werden:
http://bit.ly/IGB_Policy_Brief_Bundestagswahl_2017_Gewaesser

Weitere Informationen zum IGB:
www.igb-berlin.de
Die Arbeiten des IGB verbinden Grundlagen- mit Vorsorgeforschung als Basis für die nachhaltige Bewirtschaftung der Gewässer. Das IGB untersucht dabei die Struktur und Funktion von aquatischen Ökosystemen unter naturnahen Bedingungen und unter der Wirkung multipler Stressoren. Forschungsschwerpunkte sind unter anderem die Langzeitentwicklung von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten bei sich rasch ändernden globalen, regionalen und lokalen Umweltbedingungen, die Entwicklung gekoppelter ökologischer und sozioökonomischer Modelle, die Renaturierung von Ökosystemen und die Biodiversität aquatischer Lebensräume. Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit den Universitäten und Forschungsinstitutionen der Region Berlin-Brandenburg und weltweit. Das IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.

Quelle: idw 

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Mücken: Eine kommt, die andere geht

Judith Jördens Senckenberg Pressestelle
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Wissenschaftler von Senckenberg und der Goethe-Universität haben die zukünftige Verbreitung der Asiatischen Tigermücke und der Asiatischen Buschmücke in Europa modelliert. Sie kommen zu dem Schluss, dass sich die wärmeliebende Tigermücke aufgrund des globalen Klimawandels weiter in den Norden Europas ausbreiten wird. Das Verbreitungsgebiet der verwandten Art, der Asiatischen Buschmücke, die bereits in Deutschland heimisch ist, wird dagegen deutlich kleiner. Beide Mückenarten gelten als Überträger von verschiedenen Viren, die Infektionskrankheiten auslösen, wie beispielsweise den Zika-, Dengue- oder Gelbfieber-Viren.

Die Tigermücke (Aedes albopictus) gehört zu den 100 schlimmsten invasiven Arten und auch deren enge Verwandte, die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) genießt keinen guten Ruf: „Beide Mückenarten sind potentielle Überträger, sogenannte Vektoren, einer Reihe von Infektionskrankheiten auslösenden Viren. Dazu zählen Zika-, Dengue-, West-Nil- oder Chikungunya-Viren", erklärt Prof. Dr. Sven Klimpel vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und der Goethe-Universität Frankfurt und fährt fort: „Wir haben nun untersucht, welche Lebensräume sich zukünftig klimatisch für diese beiden invasiven Arten eignen."

Ursprünglich aus Asien stammend, haben sich Tiger- und Buschmücken aufgrund der Globalisierung sehr schnell in Europa ausgebreitet. Tigermücken gibt es bereits seit mehreren Jahrzehnten im Mittelmeerraum. Klimpel erläutert: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich das potentielle Verbreitungsgebiet der Tigermücke in Europa durch den Klimawandel nach Norden und Nordosten ausdehnen wird. Für die Buschmücke dagegen bringt die globale Erwärmung eine Verkleinerung des Gebietes mit geeigneten Klimabedingungen in Europa mit sich."

Das Forscherteam rund um den Frankfurter Parasitologen führte seine Modellierungen unter Verwendung verschiedener Szenarien des Welt-Klimarates (IPCC Intergovernmental Panel on Climate Change) durch. Im Hinblick auf die Frage, welches die wichtigen Umweltfaktoren für eine erfolgreiche Etablierung der Tigermücke in Europa sind, ergab die Studie, dass in Nord- und Osteuropa die Temperatur während der Wintermonate, der entscheidende „limitierende Faktor" für die Tigermücke ist. Die Mücken sind zwar bis zu einem gewissen Grad an kältere Temperaturen angepasst; liegen die Temperaturen aber unter der kritischen Grenze überleben ihre Eier nicht. „Durch den projizierten Klimawandel werden sich die Grenzen der potentiellen Verbreitungsgebiete aufgrund milderer Winter aber weiter nach Norden verschieben", ergänzt Klimpel und fährt fort: „In Südeuropa werden wir die Tigermücke dagegen aufgrund der zunehmenden Sommertrockenheit nicht mehr so häufig antreffen, denn die Tiere sind unter anderem für ihre Fortpflanzung auf stehende Gewässer angewiesen."

Für die Buschmücke, die an kühlere Bedingungen besser angepasst ist, wird sich nach den Ergebnissen der Modellierungen, das Gebiet mit geeigneten Klimabedingungen im Zuge des Klimawandels verkleinern. Ohne Anpassungen an die Klimaveränderungen, würde sich die Art vermutlich in kühlere Gebiete zurückziehen. „Dieser Mücken-Art wird es bei uns zukünftig schlicht zu warm", fügt Klimpel hinzu.

Stechmücken gelten als die wichtigsten Überträger vektor-assoziierter Infektionserreger und Infektionskrankheiten zählen weltweit immer noch zu den häufigsten Todesursachen. „Wir haben gerade in der jüngeren Vergangenheit mit dem drastischen Auswirkungen von Zika gesehen, dass sich die Welt auf einige seltene, aber besonders gefährliche Erreger, die über Vektoren verbreitet werden, besser vorbereiten muss. Gerade durch den anthropogen verursachten Klimawandel können einige dieser krankheitsübertragenden Arten, die bislang nur in den Tropen und Subtropen vorkommen, auch in Europa geeignete Klimabedingungen finden und sich etablieren. Unsere Modellierungen in Kombination mit langfristigen Überwachungs- und Erfassungsmaßnahmen helfen daher, auf eine mögliche Einwanderung vorbereitet zu sein und frühzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen zu können", gibt Klimpel einen Ausblick.

Kontakt
Prof. Dr. Sven Klimpel
Senckenberg Biodiversität und
Klima Forschungszentrum &
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. 069- 7542 1895
sven.klimpel@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Cunze S, Kochmann J, Koch LK, Klimpel S
(2016) Aedes albopictus and Its Environmental Limits
in Europe. PLoS ONE 11(9): e0162116. doi:10.1371/
journal.pone.0162116

Cunze et al. Parasites & Vectors (2016) 9:573
DOI 10.1186/s13071-016-1853-2

Pressemitteilung und Bildmaterial finden Sie auch unter www.senckenberg.de/presse

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung" sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

200 Jahre Senckenberg! 2017 ist Jubiläumsjahr bei Senckenberg - die 1817 gegründete Gesellschaft forscht seit 200 Jahren mit Neugier, Leidenschaft und Engagement für die Natur. Seine 200-jährige Erfolgsgeschichte feiert Senckenberg mit einem bunten Programm, das aus vielen Veranstaltungen, eigens erstellten Ausstellungen und einem großen Museumsfest im Herbst besteht. Natürlich werden auch die aktuelle Forschung und zukünftige Projekte präsentiert. Mehr Infos unter: www.200jahresenckenberg.de.

Quelle: idw 

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Sehen Fußballfans rivalisierender Mannschaften dasselbe Fußballspiel mit anderen Augen?

Dr. Evamarie Blattner Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Wissensmedien

Wenn sich am 26. April der FC Bayern München und Borussia Dortmund gegenüberstehen, schauen sich viele Fußball-Begeisterte das Halbfinal-Spiel um den DFB-Pokal gemeinsam an. Die Erfahrungen zeigen, dass die Erinnerungen der Fans nach einem solchen Spiel zugunsten ihrer eigenen Mannschaft verzerrt sind. Wann setzt diese Verzerrung ein? Sehen Fans rivalisierender Mannschaften bereits das Spiel anders oder kommt es erst später bei der Rückerinnerung zu dieser Verzerrung? Eine Antwort darauf haben Forscher an der Universität Tübingen, PD Dr. Markus Huff, und am Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM), Prof. Dr. Stephan Schwan, mit Hilfe einer eigens entwickelten Methode gefunden.

Bisher zeigte die Forschung, dass Fans nach dem Spiel eine verzerrte Erinnerung zugunsten ihrer eigenen Mannschaft haben. Unbeantwortet blieb die Frage: Sehen Fans bereits das Spiel anders? Dazu hat die Arbeitsgruppe um Markus Huff in Kooperation mit der Arbeitsgruppe von Stephan Schwan das Champions-League Finale zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München zum Anlass genommen, den Wahrnehmungsprozess von Fußballfans während des Spiels zu untersuchen. „Das Finale der Champions-League war eine einmalige Gelegenheit, diese Prozesse zu untersuchen. In einem internationalen Finale standen sich zwei deutsche Mannschaften gegenüber. Die Begegnungen dieser beiden Rivalen sind immer hoch emotional, was sich in der Berichterstattung im Vorfeld wiederspiegelte", so Markus Huff.
Die Live-Übertragung des Finales sahen 58 Fußballfans - 33 Dortmund- und 25 Bayern-Fans - mit dem Ziel, den gesamten Wahrnehmungsprozess zu untersuchen. Während bei allen Fans im Anschluss an das Spiel das Gedächtnis getestet wurde, konnten bei 21 Fans die Augenbewegungen während des Spiels aufgezeichnet werden, um der Hypothese nachzugehen, ob sich die fanbasierte Verzerrung sehr früh, d. h. bereits bei der Betrachtung des Spiels abzeichnet.
Die Ergebnisse dieser groß angelegten Studie sind eindeutig: Die Wahrnehmungsprozesse glichen sich während des Spiels - die Blickbewegungen waren bei beiden Fangruppen identisch. Dagegen war die Erinnerung der Fans tatsächlich zugunsten ihrer Mannschaft verzerrt, da sie angeblich mehr Spielanteile hatte, das gegnerische Team hatte scheinbar weniger.
Das Vorgehen in dieser Studie unterscheidet sich grundlegend von bisherigen Forschungsansätzen, die psychologische Prozesse fast ausschließlich im Labor erforschen. „Dies ist die erste Studie, die die Wahrnehmung und das Gedächtnis von echten Fans während einer Live-Übertragung mit eigens für dieses Experiment entwickelten Methoden untersuchte", so Markus Huff. Die Studie ermöglichte somit zum einen, dass der Rezeptionsprozess unmittelbar, also unabhängig zum Beispiel von späterer Berichterstattung, erfasst werden konnte. Zum anderen konnten in dieser Studie Blickbewegungs- und Gedächtnisprozesse gemeinsam betrachtet werden, um verlässliche Aussagen über den gesamten Prozess der menschlichen Informationsverarbeitung machen zu können.
Damit zeigt die Studie, dass die menschliche Wahrnehmung verlässlicher ist als vermutet: Selbst leidenschaftlich wahrgenommene Abläufe, die in der Erinnerung verzerrt werden, werden dennoch neutral wahrgenommen.

Die Ergebnisse der Studie wurden aktuell in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

Publikation
Huff, M., Papenmeier, F., Maurer, A. E., Meitz, T. G. K, Garsoffky, B., & Schwan, S. (2017). Fandom biases retrospective judgments not perception. Scientific Reports, 7:43083. doi: 10.1038/srep43083
Kontakt
PD Dr. Markus Huff, Universität Tübingen, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, Allgemeine Psychologie, Telefon +49 7071 29-75612, markus.huff@uni-tuebingen.de
Prof. Dr. Stephan Schwan, Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM), Arbeitsgruppe Realitätsnahe Darstellungen, Telefon ++49 7071 979-228, s.schwan@iwm-tuebingen.de

Das Leibniz-Institut für Wissensmedien
Das Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen erforscht, wie digitale Technologien eingesetzt werden können, um Wissensprozesse zu verbessern. Die psychologische Grundlagenforschung der rund 110 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist auf Praxisfelder wie Schule und Hochschule, auf Wissensarbeit mit digitalen Medien, wissensbezogene Internetnutzung und Wissensvermittlung in Museen ausgerichtet. Von 2009 bis 2016 unterhielt das IWM gemeinsam mit der Universität Tübingen Deutschlands ersten Leibniz-WissenschaftsCampus (WCT) zum Thema „Bildung in Informationsumwelten", der ab 2017 als Nachfolgeprojekt unter dem Titel „Kognitive Schnittstellen" weitergeführt wird.

Kontakt & weitere Informationen zum Leibniz-Institut für Wissensmedien
Dr. Evamarie Blattner, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Wissensmedien, Schleichstraße 6, 72076 Tübingen,
Tel. 07071/ 979-222, E-Mail: presse@iwm-tuebingen.de

Die Leibniz-Gemeinschaft
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 91 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen u. a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.600 Personen, darunter 9.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,7 Milliarden Euro.

Quelle: idw 

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Elektroimpulse säubern Industriewässer und Lacke

Monika Landgraf Strategische Entwicklung und Kommunikation - Gesamtkommunikation
Karlsruher Institut für Technologie

Die meisten Lacke, sei es im Haushalt oder in der Industrie, nutzen heute Wasser als Grundlage und sind umweltfreundlicher als solche mit Lösemitteln. Wasserbasierte Lacke haben aber einen Nachteil: Mikroorganismen wie Bakterien können sich darin ausbreiten. Betroffen sind auch Lackieranlagen in der Automobilbranche und anderen Industriezweigen. Industrielle Wässer und Lacke künftig mit Elektroimpulsen nachhaltig entkeimen zu können, ist Ziel des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung(BMBF) geförderten Verbundprojekts DiWaL, das Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) koordinieren. Das neue Verfahren entwickeln sie gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Industrie.

Ob knallbunt oder klassisch in Silbergrau oder Schwarz: Bevor die ansprechende Decklackschicht auf ein Auto kommt, wird die Karosserie gereinigt, vorbehandelt und erhält eine Schicht, die vor Korrosion schützt. Das geschieht in der Oberflächenvorbehandlung und in der elektrophoretischen Tauchlackierung. Letzteres ist ein elektrochemisches Verfahren, das über ein Gleichspannungsfeld im Tauchbad einen gleichmäßigen Lackfilm ermöglicht. „In den dabei verwendeten Wässern und Lacken können sich jedoch Bakterien so vermehren, dass sie die Oberflächenbeschichtung beeinträchtigen. Um sie zu bekämpfen, werden bislang häufig Biozide eingesetzt. Mit der Elektroimpulstechnologie setzen wir nun auf ein Verfahren, das ohne chemische Zusätze arbeitet, damit Wasserressourcen schont und gleichzeitig einen Beitrag zum Gewässerschutz leistet", sagt Dr. Wolfgang Frey vom IHM - Institut für Hochleistungsimpuls- und Mikrowellentechnologie des KIT und Koordinator im Verbundprojekt „Dekontamination von industriellen Wässern und Lacken", kurz DiWaL.

Bei der Elektroimpulsbehandlung werden Zellen, wie beispielsweise Mikroorganismen, einem elektrischen Feld ausgesetzt, dabei polarisiert die Zellmembran, das heißt es bilden sich elektrische Pole, und es öffnen sich wässrige Poren, die letztendlich zum Absterben der Mikroorganismen führen. Dieses Phänomen wird großtechnisch zur effektiven Gewinnung von Zellinhaltsstoffen und zur Abtötung von Mikroorganismen genutzt („kalte Pasteurisation").

Da die Elektroimpulse rein physikalisch wirken, ist, anders als bei Bioziden, nicht zu erwarten, dass die Bakterien Resistenzen entwickeln. „Wir kontrollieren die mikrobiologische Belastung und können so eine optimale Beschichtungsqualität erreichen und gleichzeitig Nacharbeiten vermeiden", so Dr. Frey.

In der Automobilherstellung ist die Lackierung der Karosserie der Bereich mit dem höchsten Wasserverbrauch (bis zu 600 Liter pro Karosserie). Integriert wird die Elektroimpulstechnologie deshalb in ein neues, automatisiertes und ressourceneffizientes Wassermanagement- und Anlagenkonzept für Vorbehandlung und Tauchlackierung, das die Partner aus Forschung und Industrie ebenfalls in DiWaL entwickeln. Dies soll es ermöglichen, Wasser in der Fabrik besser im Kreislauf zu führen und weniger Frischwasser zu verbrauchen. Im Mittelpunkt der anlagentechnischen Umsetzung stehen dabei die Aspekte Qualität, Kosten und Umwelt. Wesentlich dafür ist auch die Perspektive der Anwender: DiWaL analysiert deshalb die Anforderungen der Nutzer ebenso wie mögliche Hemmnisse, die Ergebnisse fließen dann in Konzeption und technische Entwicklung ein.

DiWaL bündelt die Kompetenzen von Partnern aus Forschung (Karlsruher Institut für Technologie und Hochschule Pforzheim) und Industrie, neben einem Anlagenbauer (Eisenmann SE), sind dies zwei Lackhersteller (Emil Frei GmbH & Co. KG und PPG Deutschland Business Support GmbH) und ein Automobilhersteller (BMW Group).

Der Fokus des Verbundprojekts liegt sowohl auf der Oberflächenbehandlung für die Automobilindustrie (kathodische Tauchlackierung, KTL) als auch auf Anwendungen für die allgemeine Industrie, beispielsweise für die Lackierung von Industriegütern mit anodischer Tauchlackierung (ATL). Dabei betrachten sie technische, wirtschaftliche und ökologische Rahmenbedingungen und Anforderungen.

Das Verbundprojekt „Entwicklung eines ressourceneffizienten Wassermanagement- und Anlagenkonzepts für Vorbehandlungs- und Tauchlackieranlagen unter Nutzung der Elektroimpulstechnologie zur Dekontamination von industriellen Wässern und Lacken (DiWaL)" wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Fördermaßnahme WavE gefördert.

Weitere Informationen zur Fördermaßname WavE des BMBF: http://www.bmbf-wave.de/

Weiterer Kontakt:
Margarete Lehné, Pressereferentin, Tel.: +49 721 608-48121, Fax: +49 721 608-43658, margarete.lehne@kit.edu

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verbindet seine drei Kernaufgaben Forschung, Lehre und Innovation zu einer Mission. Mit rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 25 000 Studierenden ist das KIT eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas.

KIT - Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft

Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: http://www.kit.edu

Weitere Informationen:
http://www.bmbf-wave.de/

Anhang
Elektroimpulse säubern Industriewässer und Lacke
https://idw-online.de/de/attachment57272

Quelle: idw 

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Testosteron ist nicht Schuld am männlichen Haarausfall

Jan Meßerschmidt Presse- und Informationsstelle
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Testosteron und Haarausfall - dieser Zusammenhang gehört zu den hartnäckigsten Vorurteilen gegenüber männlichen Hormonen. In einer der bislang größten Studien wurde dieser Mythos nun von Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Greifswald systematisch untersucht und widerlegt. Die Auswertung der Daten von 373 männlichen Teilnehmern der Bevölkerungsstudie SHIP-TREND ergab keinen Zusammenhang zwischen Sexualhormonen wie Testosteron, Androstendion oder DHEAS und Haarausfall. Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift JAMA Dermatology veröffentlicht.

„Der unterstellte Zusammenhang zwischen Sexualhormonen und männlichem Haarausfall wurde noch nie in einer so großen Bevölkerungsstudie bei gesunden Männern untersucht", sagt Dr. Hanna Kische, die am Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald forscht und Erstautorin der Studie ist. „Diese Lücke haben wir mit unserer Publikation in der internatio-nalen Fachzeitschrift JAMA Dermatology nun geschlossen."
Prof. Dr. Robin Haring, DFG-Projektleiter und Seniorautor der Studie fügt hinzu, dass „die vorliegende Beobachtungsstudie eine wichtige Ergänzung der bisherigen Ergebnisse aus klinischen Studien dar-stellt, die nur auf sehr kleinen Fallzahlen basieren".

Da weder Haardichte noch Haarwachstum in einem direkten Zusammenhang mit Testosteron stehen, werden verschiedene alternative Erklärungsansätze diskutiert. Neben genetischen Faktoren, steht neueren Erkenntnissen zufolge sowohl das Hormon DHT, ein potentes Folgeprodukt von Testosteron, als auch das Gewebshormon Prostaglandin D2 unter Verdacht, männliche Haare dünner werden zu lassen. Weil die wirkliche Ursache noch nicht abschließend geklärt ist, existieren zur Therapie des männlichen Haarausfalls bisher nur wenige Wirkstoffe, mit zum Teil erheblichen Nebenwirkungen. In diese Richtung wird künftig also noch intensiv geforscht werden.

Publikation
Sex hormones and hair loss in men from the general population
http://jamanetwork.com/journals/jamadermatology/article-abstract/2617871
Jama Dermatology. 2017 April, doi:10.1001/jamadermatol.2017.0297
Bevölkerungsstudie SHIP
http://www2.medizin.uni-greifswald.de/cm/fv/ship/studienbeschreibung/
Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin
http://www2.medizin.uni-greifswald.de/klinchem/

Ansprechpartner an der Universitätsmedizin Greifswald
Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin
Prof. Dr. habil. Robin Haring
Ferdinand-Sauerbruch-Straße
17475 Greifswald
Telefon +49 381 8087 264
Telefon +49 3834 86 19645
robin.haring@uni-greifswald.de

Quelle: idw 

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Wohlstandsmessung aus dem Weltall

Julia Wandt Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Universität Konstanz

Konstanzer Politikwissenschaftler zeigen, dass durch Satelliten gemessene Licht-Emissionen zuverlässige Wohlstandsprognosen auch für kleine geographische Einheiten zulassen

In der Nacht erleuchtete Städte und Dörfer sind in Weltregionen wie Europa eine Selbstverständlichkeit. Anders in Entwicklungsländern. Satellitendaten zeigen, dass es dort nachts neben erleuchteten auch viele dunkle Regionen gibt. Die beiden Konstanzer Politikwissenschaftler Prof. Dr. Nils Weidmann und Dr. Sebastian Schutte haben Satelliten-Daten von Nachtlicht-Emissionen ausgewertet und sie mit Daten klassischer Umfragen verglichen. Sie konnten zeigen, dass es möglich ist, aufgrund des Nachtlichts den Wohlstand einer Region zu prognostizieren. Während die Analyse von Nachtlicht-Emission bislang auf Länderebene eingesetzt wurde, können die beiden Wissenschaftler nun belegen, dass dies auch innerhalb eines Landes für kleine geographische Einheiten wie zum Beispiel einzelne Dörfer funktioniert. Ihre Ergebnisse wurden in einer Sonderausgabe des Journal of Peace Research zum Thema „Prognose in der Friedensforschung" veröffentlicht.

Wohlstand spielt eine entscheidende Rolle in vielen Theorien zu Krieg und Frieden. Wirtschaftlicher Wohlstand beeinflusst viele politische und gesellschaftliche Variablen, ist aber in vielen Teilen der Welt schwer zu messen. Punktuell werden Wohlstands-Indizes über Umfragen ermittelt. Das ist jedoch nicht in allen Regionen der Welt möglich und insbesondere in solchen Ländern schwierig, an denen die Konfliktforschung besonders interessiert ist. Die Satelliten-Daten zur nächtlichen Licht-Emission können hier als alternative Datenquelle eingesetzt werden. Je genauer die Datenlage, desto präziser könnte beispielsweise geschätzt werden, inwieweit Wohlstand und Wohlstandsunterschiede das Konfliktrisiko beeinflussen, oder wie hoch der wirtschaftliche Schaden durch Gewalt in einer bestimmten Region ist.

Nils Weidmann und Sebastian Schutte haben zwei frei zugängliche Daten-Pools für ihre Untersuchung genutzt: Die Umfragedaten der „Demographic and Health Survey" (DHS) sowie Daten aus dem „Defense Meteorological Satellite Program" (DMSP), das die Satelliten-Daten liefert. Die Nachtlicht-Daten resultieren aus jeweils einjährigen Beobachtungszeiträumen, um so verfälschende Werte durch Wolken oder Waldbrände ausschließen zu können.

Die Referenz liefern die Umfragedaten, die ebenso wie die Satelliten-Daten über geographische Koordinaten verortet werden. So können die beiden Daten-Sätze zusammengeführt und verglichen werden. Das Ergebnis ist eindeutig: Mehr Licht korreliert mit mehr Reichtum, was an der pakistanischen Stadt Hyderabad beispielhaft gezeigt werden kann (siehe Abbildung). Hier entspricht die höchste Licht-Emission dem Wohlstandsindex von 4,54 (Skala von 1 für arm bis 5 für reich). Dieser Wert entspricht einem sehr hellen Nachtlichtwert, während eine vergleichsweise arme Region (Wohlstandsindex von 1,82) wenig oder keine Nachtlichter emittiert. Ein solcher Vergleich wurde für mehr als 34.000 Umfrageergebnisse in rund 40 Ländern ausgeführt.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Zusammenhang zwischen Wohlstand und Nachtlichtern in den meisten der untersuchten Länder sehr stark ist. „Wir können mit sehr hoher Genauigkeit vorhersagen, in welcher Rangordnung befragte Haushalte zueinander stehen", resümiert Sebastian Schutte, der Mitglied im Zukunftskolleg der Universität Konstanz ist. Ist bekannt, wo in einem Land sich diese Haushalte befinden, kann diese Methode auch für Regionen außerhalb der untersuchten Stichprobe eingesetzt werden.

Der Datenvergleich zeigt, dass die Satelliten-Methode in der Lage ist, fehlende Daten zu ergänzen, wo Umfrageergebnisse nicht vorhanden sind. Obendrein liefert sie einen Weg, um das Wohlstandslevel von Ländern miteinander in Beziehung zu setzen. Allerdings ist das Verhältnis von Wohlstand und Licht im globalen Vergleich nicht einheitlich. Beispielsweise erreicht in Albanien die Licht-Emission einer wohlhabenden Region einen deutlich höheren Wert als in Liberia, weshalb Unterschiede zwischen Ländern berücksichtigt werden müssen. Ein reiches Land wie zum Beispiel Schweden auf diese Weise zu vermessen funktioniert nicht. Hier sind bewohnte Gegenden unabhängig von Wohlstand in der Nacht hell erleuchtet.

Originalveröffentlichung:
Nils. B. Weidmann, Sebastian Schutte: Using night light emissions for the prediction of local wealth. Journal of Peace Research, 54 (2), 2017.
URL: http://dx.doi.org/10.1177/0022343316630359

Faktenübersicht:
• Prof. Nils Weidmanns Forschung wird durch einen Sofja-Kovalevskaja-Preis der Alexander von Humboldt-Stiftung finanziert.
• Dr. Sebastian Schutte wird durch ein Marie-Curie Fellowship am Zukunftskolleg der Universität Konstanz gefördert.
• Die Daten stammen aus dem Zeitraum 2002 bis 2012.
• Die Analyse schließt mehr als 34.000 Messpunkte aus rund 40 Ländern ein.

http://uni.kn/shared/nightlights.pdf
Bildunterschrift: Vergleich von Wohlstandsindizes aus Umfragen des „Demographic and Health Survey" (DHS) und Nachtlicht-Emissionen in Pakistan.

https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2017/FO_PI_170421/weidmann66...
Bildunterschrift: Prof. Dr. Nils Weidmann

https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2017/FO_PI_170421/Schutte.jp...
Bildunterschrift: Dr. Sebastian Schutte

Kontakt:
Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
Telefon: + 49 7531 88-3603
E-Mail: kum@uni-konstanz.de

Quelle: idw 

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Mit Urzeitalgen zu gesundem Wasser: Wirtschaftliches Verfahren zur Beseitigung von EDC im Abwasser

Madlen Domaschke Pressestelle
Technische Universität Bergakademie Freiberg

Chemiker und Mineralogen der TU Bergakademie Freiberg sowie Umwelttechniker der TU Dresden forschen gemeinsam an einem wirtschaftlichen Verfahren, um Arzneimittelrückstände, Weichmacher und weitere für Mensch und Tier schädliche Substanzen aus dem Abwasser zu beseitigen. Das dreijährige Forschungsvorhaben (noch bis Oktober 2018) wird von der Sächsischen Aufbaubank mit 730.000 Euro gefördert.

Konkret geht es um endokrin wirkende Chemikalien - kurz EDC. Das sind Substanzen, die zu einer Beeinflussung des hormonellen Systems von Menschen und Tieren sowie zu Veränderungen in der Reproduktionsbiologie führen. EDC werden mit erhöhtem Krebsrisiko und nicht mehr rückgängig zu machenden Fehlentwicklungen, insbesondere während der embryonalen und kindlichen Entwicklung in Zusammenhang gebracht. In den letzten Jahrzehnten wurden solche Modifikationen immer häufiger vor allem an Fischen, Seemöven und Schnecken beobachtet.

Auch der Mensch kommt auf vielen Wegen mit EDC in Berührung: über Kunststoffe in Lebensmittelverpackungen und Wasserleitungen, über Agrarchemikalien als Rückstände in Lebensmitteln sowie über Medikamentenrückstände in Abwässern aus Haushalten und Krankenhäusern. Da die EDC in kommunalen Kläranlagen nur unzureichend aus dem Abwasser entfernt werden, gelangen sie auf Umwegen ins Grundwasser oder werden durch Klärschlamm in den Boden eingebracht (nach Novellierung des AbfKlärV bis 2025). Bekannte Verfahren zur Reduzierung von EDC in Klärwasser wie Adsorption an Aktivkohle, Membranverfahren, biologischer Abbau und chemische Oxidation sind sehr teuer.

„Wir forschen gemeinsam mit Dresdner Wissenschaftlern an einer kostengünstigen und gleichzeitig effektiven und umweltfreundlichen Alternative zur Eliminierung von EDC, also den endokrin wirkenden Chemikalien, die für Mensch und Tier gesundheitsschädlich sind und Krebs verursachen können. In unserem Verfahren verwenden wir den äußerst wirksamen, günstigen und natürlich vorkommenden Rohstoff Alginit. Dieser soll die EDC im Abwasser adsorbieren und kann durch Wiederaufbereitung mehrfach verwendet werden", erklärt Prof. Dr. Martin Bertau von der TU Bergakademie Freiberg das neue Verfahren.

Aktuell wird das neue Reinigungsverfahren im Labor- und Demonstrationsmaßstab entwickelt und untersucht. Dabei bewerten die Wissenschaftler das Verfahren mit Hinblick auf eine großtechnische Umsetzung hinsichtlich der Effektivität der Reinigung, der verfahrenstechnischen Umsetzbarkeit, der Wiederaufbereitung und der jeweiligen Prozess- und Investitionskosten.

Steckbrief
Forschungsvorhaben: „Entwicklung eines innovativen Verfahrens zur energieeffizienten Behandlung von kontaminierten Abwasserfraktionen"

Projektpartner:
TU Bergakademie Freiberg: Institut für Technische Chemie (Prof. Bertau), Institut für Mineralogie (Prof. Heide)

TU Dresden: Institut für Verfahrenstechnik und Umwelttechnik, Professur für Energieverfahrenstechnik (Prof. Beckmann)

Projektlaufzeit: 01.11.2015-31.10.2018
Fördermittelgeber: Sächsische Aufbaubank

Weitere Informationen:
http://tu-freiberg.de/presse/mit-urzeitalgen-zu-gesundem-wasser Meldung auf der Uni-Homepage
http://tu-freiberg.de/tch/forschung Homepage des Instituts für Technische Chemie der TU Bergakademie Freiberg

Quelle: idw 

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Verbreitung und Genauigkeit von Fitnessarmbändern - Ergebnisse aus Studie liegen vor

Johanna Besold Pressestelle Campus Heilbronn
Hochschule Heilbronn

- Studie des Fachbereichs Medizinische Informatik zum Heilbronner Trollinger Marathon
- drei von vier Sportlern nutzen Apps, Fitnesstracker oder Sportuhren;
- GPS-Sportuhren messen verlässlich

Für viele Hobbyläufer sind sie zu einem regelmäßigen Trainingsbegleiter geworden: Smartphones mit Lauf-Apps, Fitnesstracker oder GPS-Sportuhren. Das Angebot tragbarer Geräte, sogenannter „Wearables", ist groß. Werden diese aber tatsächlich von Sportlerinnen und Sportlern genutzt? Und wenn ja, welche der Geräte? Zwei wissenschaftliche Mitarbeiter des Studiengangs Medizinische Informatik sammelten zu dieser Frage während des Trollinger-Marathons 2016 mit Unterstützung von Studierenden Daten von über 1.000 Teilnehmern. Außerdem untersuchte die Studie, wie genau die im Markt befindlichen Geräte die zurückgelegte Laufstrecke aufzeichnen und wie vergleichbar die erfassten Daten untereinander sind.
„Ich habe beim Training selbst einen Fitnesstracker getragen und gleichzeitig eine Smartphone-App zum Aufzeichnen meiner Strecke benutzt", berichtet Medizininformatikerin Monika Pobiruchin von ihren eigenen Erfahrungen mit einem Wearable. Sie war überrascht, wie sehr sich die Aufzeichnung der zurückgelegten Kilometer voneinander unterschieden. Pobiruchin betreute das Projekt gemeinsam mit ihrem Kollegen, dem Medizininformatiker Martin Wiesner. „Der Heilbronner Trollinger Marathon als größtes Laufevent der Region erschien uns als idealer Ort, um zu untersuchen, welche Geräte von den Läufern genutzt werden und wie genau die verschiedenen Geräte aufzeichnen", ergänzt er.

Ergebnisse veröffentlicht: GPS-Sportuhren messen verlässlich
Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich im internationalen Journal of Medical Internet Research mHealth and uHealth veröffentlicht. „Es hat sich gezeigt, dass drei von vier Teilnehmern ein Wearable während des Trainings oder Wettkampfs einsetzen. Manche Läufer greifen sogar auf mehrere Geräte gleichzeitig zurück", berichtet Wiesner.
Ein weiteres Ergebnis der Trollinger-Studie ist außerdem, dass GPS-Sportuhren unter Läufern weit verbreitet sind und die zurückgelegte Strecke genauer als andere untersuchte Gerätekategorien aufzeichnen. Nutzen Läufer andere Wearables, dann sind es Smartphones mit entsprechenden Lauf-Apps, wohingegen Fitnessarmbänder oder Smart Watches deutlicher weniger vertreten sind. Die durchschnittliche Abweichung der Sportuhren auf dem Halbmarathon-Kurs betrug nur 120 Meter, bei Smartphones mit Apps jedoch 350 Meter. Dies ist bemerkenswert, da es sich hier nicht etwa um streng geeichte Messgeräte handelt, sondern um erschwingliche Hardware aus dem Konsumentensegment. Die Auswertung zeigt auch, dass die Nutzung von tragbarer Technologie für das Lauftraining eher Männern und Läufern jüngerer Altersgruppen zu zuordnen ist.
Die Ergebnisse der Studie sind online abrufbar unter http://mhealth.jmir.org/2017/2/e24/
Die beiden Forscher wiederholen ihre Studie bei der nächsten Auflage des Trollinger-Marathons am 7. Mai 2017, um so mögliche Änderungen im Nutzungsverhalten der Läufer feststellen zu können.

Hochschule Heilbronn - Kompetenz in Technik, Wirtschaft und Informatik
Mit rund 8.300 Studierenden ist die staatliche Hochschule Heilbronn die größte Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. 1961 als Ingenieurschule gegründet, liegt heute der Kompetenz-Schwerpunkt auf den Bereichen Technik, Wirtschaft und Informatik. Angeboten werden an den drei Standorten Heilbronn, Künzelsau und Schwäbisch Hall und in sieben Fakultäten insgesamt 50 Bachelor- und Masterstudiengänge. Die enge Kooperation mit Unternehmen aus der Region und die entsprechende Vernetzung von Lehre, Forschung und Praxis werden in Heilbronn großgeschrieben.

Weitere Informationen:
Monika Pobiruchin, Hochschule Heilbronn,
Max-Planck-Str. 39, 74081 Heilbronn, Telefon: 07131-504-633,
E-Mail: monika.pobiruchin@hs-heilbronn.de, Internet: http://www.gecko.hs-heilbronn.de

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Die Kieler Förde - ein Trainingsbecken für Miesmuscheln

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Miesmuscheln aus der Kieler Förde können sich durch Evolution an Ozeanversauerung anpassen. In einem Vergleichsexperiment reagierten sie weniger empfindlich auf erhöhte Kohlendioxid-Konzentrationen als ihre Artgenossen aus der Nordsee. Dies führt ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, des Alfred-Wegener-Instituts, der Universität Bremen und des Senckenberg am Meer auf eine langfristige genetische Anpassung an die extremen Lebensbedingungen zurück. Ihre Ergebnisse sind im Fachmagazin Science Advances veröffentlicht.

Die Ostsee ist ein einzigartiges Freiland-Labor für Untersuchungen zu Auswirkungen der Ozeanversauerung, einem wichtigen Aspekt des Klimawandels - und offenbar auch ein Trainingsbecken für die Miesmuschel Mytilus edulis. Im Zuge der Evolution hat sich die Population aus der Kieler Förde an starke Schwankungen im Säuregehalt angepasst. In einem Vergleichsexperiment bildeten Mytilus-Larven ihre Kalkschalen im saureren Wasser schneller als ihre Artgenossen aus der Nordsee. Gleichzeitig überlebten auch deutlich mehr Förde-Muscheln. Ein ergänzendes, drei Jahre dauerndes Mehr-Generationen-Experiment mit Muscheln aus der Kieler Förde legt nahe, dass die erfolgreiche Anpassung durch Evolution jedoch nicht innerhalb weniger Generationen erfolgte. Vermutlich lief die Evolution über mehrere Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte oder Jahrtausende ab, urteilen Meeresbiologinnen und Meeresbiologen des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, der Universität Bremen und des Senckenberg am Meer. Die Ergebnisse der beiden Experimente, die im Rahmen des deutschen Forschungsverbunds zur Ozeanversauerung BIOACID stattfanden, sind in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Science Advances veröffentlicht.

Für das Vergleichsexperiment wurden Miesmuscheln aus der Kieler Förde nach List auf Sylt gebracht und an die Lebensbedingungen in der Nordsee gewöhnt. Ihre Larven wurden gemeinsam mit Larven heimischer Individuen bei heutigen Kohlendioxid-Konzentrationen von 390 Mikroatmosphären und einem Extremwert von 2400 Mikroatmosphären gehalten. Die hohe Konzentration tritt in der Kieler Förde schon jetzt regelmäßig auf, wenn der Wind im Sommer sauerstoffarmes und kohlendioxidreiches Wasser an die Oberfläche transportiert. Sie wird im Zuge des Klimawandels noch häufiger erreicht werden. Beide Larven-Populationen entwickelten ihre erste Muschelschale bei erhöhten Kohlendioxid-Konzentrationen langsamer, wodurch die Schalen zunächst kleiner blieben als unter Normalbedingungen. Larven, die von Muscheln aus der Kieler Förde abstammten, zeigten sich jedoch weitaus robuster und überlebensfähiger. „Die deutlichen Unterschiede zwischen den Kieler und den Sylter Miesmuschel-Larven legen nahe, dass die langfristige, genetische Anpassung eine entscheidende Rolle für ihr Überleben und ihre Fähigkeit zum Aufbau der Schalen gespielt hat", betont Dr. Jörn Thomsen, Post-Doktorand in der Arbeitsgruppe Ökophysiologie am GEOMAR und Erst-Autor der Publikation. „Aus früheren Analysen wissen wir, dass sich die beiden Populationen auch genetisch unterscheiden."

Offen ist jedoch, über welchen Zeitraum die genetische Anpassung stattgefunden hat. „Sie kann in den vergangenen Jahrzehnten stattgefunden haben, als Klimawandel, Überdüngung und andere Faktoren für eine zunehmende Versauerung und steigende Schwankungen im Säuregehalt gesorgt haben", erläutert Co-Autor Dr. Frank Melzner, Ökophysiologe am GEOMAR. „Es kann aber genauso gut sein, dass sich die genetischen Unterschiede, von denen die Förde-Muscheln im Experiment profitierten, schon vor tausenden Jahren herausgebildet haben. Der niedrigere Salzgehalt der Ostsee hat seit jeher den Karbonat-Haushalt auf ähnliche Weise beeinflusst, wie es heute die Versauerung tut." Im Vergleich zur Nordsee haben sich die Ostsee-Muscheln bereits langfristig an niedrigere Konzentrationen von gelöstem Kalziumkarbonat, das sie für den Schalenaufbau nutzen, anpassen müssen.

Ein Mehrgenerationen-Experiment lässt vermuten, dass die Miesmuscheln einerseits über genügend genetische Vielfalt verfügen, um sich prinzipiell an die saureren Lebensbedingungen anzupassen. Anderseits scheint dieser Prozess nicht innerhalb weniger Generationen abgeschlossen zu sein. „Auch in der dritten Larvengeneration beobachteten wir bei der Population aus der Kieler Förde noch die Fähigkeit, die ungünstigeren Lebensbedingungen auf Basis des vorhandenen Erbmaterials zu kompensieren", berichtet Dr. Thomsen. Nur deutlich längere Experimente würden Aufschluss darüber geben, wann sich die Widerstandsfähigkeit in den Genen der Tiere niederschlägt, wie schnell die genetische Anpassung abläuft - und ob sie mit dem Klimawandel Schritt halten kann. „Angesichts unserer Einblicke glauben wir, dass die Forschung sehr vorsichtig mit Hypothesen über die Anpassungsfähigkeit von Organismen sein sollte, die auf kurzen Experimenten mit nur wenigen Generationen beruhen", hebt Dr. Melzner hervor. „Unser Experiment lief nur über drei Generationen, war aber eines der bisher längsten zu dieser Fragestellung. Es führt deutlich vor Augen, dass weitaus mehr Aufwand nötig wäre, um die Chancen einer Anpassung an den Klimawandel abschätzen zu können."

Aktuell untersuchen die Forschenden, welche chemischen Prozesse der Schalenbildung den Miesmuscheln so viel Energie abverlangt und welche Faktoren diese besonders beeinträchtigen. Besseren Aufschluss sollen Untersuchungen an Populationen aus der östlichen Ostsee geben. Dort herrschen aufgrund des im Vergleich zur Kieler Förde noch niedrigeren Salzgehalts bereits heute Bedingungen, die die Schalenbildung und damit die Lebensfähigkeit der Muschellarven stark beeinträchtigen. Dr. Melzner: „Die Ostsee mit ihren verschiedenen Becken gibt uns einen guten Einblick in marine Lebensbedingungen, die in anderen Regionen erst in vielen Jahrzehnten eintreten werden. So können wir aus Beobachtungen vor der eigenen Haustür vieles lernen - aber um sie auf die Zukunft übertragen zu können, sind viele weitere Analysen nötig."

Original-Veröffentlichung:
Thomsen, J., Stapp, L. S., Haynert, K., Schade, H., Danelli, M., Lannig, G., Wegner, K. M., and Melzner, F.: Naturally acidified habitat selects for ocean acidification tolerant mussels. Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.1602411.

BIOACID in Kürze:
Unter dem Dach von BIOACID (Biological Impacts of Ocean Acidification) untersuchen zehn Institute, wie marine Lebensgemeinschaften auf Ozeanversauerung reagieren und welche Konsequenzen dies für das Nahrungsnetz, die Stoff- und Energieumsätze im Meer sowie schließlich auch für Wirtschaft und Gesellschaft hat. Eine Liste der Mitglieds-Institutionen, Informationen zum wissenschaftlichen Programm und den BIOACID-Gremien sowie Fakten zur Ozeanversauerung sind auf der Website www.bioacid.de zu finden.

Bildmaterial:
Unter www.geomar.de/n5152 steht Bildmaterial zum Download bereit.

Weitere Informationen:
http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.awi.de Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
http://www.senckenberg.de Senckenberg am Meer
http://www.uni-bremen.de Universität Bremen
http://www.bioacid.de BIOACID - Biological Impacts of Ocean Acidification

Quelle: idw 

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Feierabend-Studie: Teilnehmer gesucht

Bernd Hegen Referat Öffentlichkeitsarbeit
Universität Koblenz-Landau

Psychologinnen der Universität in Landau suchen Berufstätige für die Teilnahme an einer Studie zum Thema "Erholung am Feierabend.

An der Universität Koblenz-Landau wird ab Ende April unter Berufstätigen eine Studie zum Feierabend durchgeführt. Dabei geht es um die Frage, wie Arbeitnehmer sich während des Feierabends erholen. Für die Studie werden berufstätige Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht.

Die Online-Studie erstreckt sich über einen Zeitraum von zwei Arbeitswochen (zehn Tage). In dieser Zeit erhalten die Teilnehmer dreimal täglich per SMS oder E-Mail einen Link zu einer Mini-Befragung. Das Ausfüllen der Befragungen dauert lediglich drei bis fünf Minuten und ist gut in den Alltag integrierbar. In den Mini-Befragungen sollen die Teilnehmer Fragen zu ihrem Arbeitstag und ihrem Feierabend beantworten.

Die Studie wird von den Psychologinnen Dr. Dorota Reis, Charlotte Arndt und Dunja Höneß geleitet. Nähere Informationen zur Studie, zum Datenschutz sowie das Anmeldeformular gibt es online unter http://www.forschung-landau.de
Unter den Teilnehmern werden Gutscheine in unterschiedlicher Höhe verlost. Auf Wunsch erhalten die Teilnehmer eine individuelle Rückmeldung der eigenen Ergebnisse. Bei Rückfragen steht Dr. Dorota Reis per E-Mail unter reis@uni-landau.de zur Verfügung.

Weitere Informationen:
http://www.forschung-landau.de

Quelle: idw 

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Zecken & Rohmilch: Forscher berichten von neuen Übertragungswegen für FSME

Florian Klebs Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hohenheim

Universität Hohenheim verweist auf steigende Ansteckungsgefahr durch weitere Übertragungswege / Zeckenaktivität 2016 wieder gestiegen / höchste Aktivität weiterhin im Süden

Nicht nur Zecken - auch infizierte Rohmilch kann Hirnhautentzündung übertragen. Dies zeigt die aktuelle Auswertung von Deutschlands erstem klar dokumentierten Fall, den Zeckenforscher auf der heutigen Pressekonferenz der Universität Hohenheim vorstellten. Eine zweite neue Erkenntnis war der Fund von FSME-infizierten Zecken bei einer Zeckenart, die wesentlich früher im Jahr und bis in den Winter hinein aktiv ist, aber bislang nicht als Überträger der Krankheit galt. Zecken-Expertin Prof. Dr. Ute Mackenstedt berichtete außerdem über steigende Fallzahlen in Norddeutschland. Laut der Zecken-Expertin kann die Zahl der Krankheitsfälle auch zwischen kleinräumigen Gebieten stark variieren.

Unbehandelte Ziegenmilch vom Biohof: ein gesunder Genuss, dachte sich eine Familie beim Besuch eines Ziegenhofs im Kreis Reutlingen und probierte die angebotene frische Ziegenmilch. Was keiner ahnen konnte: Die Milch war mit dem Virus der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) befallen, zwei Familienmitglieder erkrankten daran. Sie wurden stationär behandelt, haben sich inzwischen jedoch wieder erholt.

FSME-Infektionen nach dem Verzehr von Rohmilchprodukten kommen in Osteuropa regelmäßig vor. In Deutschland sei ein solcher Fall vor dem Sommer 2016 jedoch noch nicht aufgetreten, erklärte Zecken-Expertin Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Leiterin des Fachgebiets Parasitologie an der Universität Hohenheim.

Wissenschaftler arbeiten nun daran, den gesamten Übertragungsweg bei den Krankheitsfällen nachzuvollziehen, berichtete Prof. Dr. Mackenstedt. „Zum ersten Mal konnten wir bei diesem Fall die Überträger (Zecken), die Wirtstiere (Ziegen), befallene Lebensmittel wie Ziegenmilch und Rohmilchkäse und die erkrankten Personen untersuchen."

Dabei seien noch viele Fragen offen, so die Parasitologin: „Die vierköpfige Familie nahm Ziegenkäse von dem Hof zu sich, die beiden männlichen Familienmitglieder tranken außerdem Milch und erkrankten.". Das könne ein Zufall sein oder daran liegen, dass die Männer zusätzlich zum Käse auch Milch zu sich genommen haben. Grund könnten aber auch geschlechtsspezifische hormonelle Unterschiede der beteiligten Personen sein.

Doch vor FSME-Erregern in Nahrungsmittel könne man sich schützen, so die Experten bei der heutigen Pressekonferenz. Dr. Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Stuttgart stellte klar: „Nach gegenwärtigem Kenntnisstand schützt auch eine normale FSME-Impfung vor einer Ansteckung über infizierte Nahrungsmittel."

Es sei außerdem davon auszugehen, dass bei Milchprodukten aus pasteurisierter Milch keine Ansteckungsgefahr bestehe.

Weitere Zeckenart tritt als neuer FSME-Überträger auf
Im vergangenen Jahr wurde außerdem eine neue Zeckenart als FSME-Überträger ausgemacht, die bei deutlich niedrigeren Temperaturen aktiv ist als der Gemeine Holzbock.

Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) galt bislang nicht als Überträger des Erregers. Das habe sich nun geändert, erklärte PD Dr. Gerhard Dobler. Der Mediziner leitet das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr und ist Leiter des Deutschen Konsiliarlabors für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

„An einem Mess-Standort nahe Leipzig wurden 2016 und 2017 mit FSME infizierte Auwaldzecken gefunden." Bislang gehörten alle Überträger der FSME zur Gattung Ixodes, darunter auch der Gemeine Holzbock, der im Gegensatz zu vielen anderen Zeckenarten auch Menschen befällt.

PD Dr. Dobler kann jedoch beruhigen: „Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass Auwaldzecken auch Menschen befallen. Deutlich häufiger befallen sie jedoch Tiere." Auch gegen das durch diese Zeckenart übertragene FSME-Virus sei man mit einer FSME-Impfung geschützt.

Trotz Anstieg bei FSME-Erkrankungen: Vorsicht vor Trendprognosen
Knapp 350 Fälle von FSME registrierte das Robert-Koch-Institut 2016 - ein Anstieg um mehr als 120 Erkrankungen im Vergleich zum Vorjahr. Und: Bereits in diesem Jahr wurden zwei FSME-Fälle erfasst.

Prof. Dr. Mackenstedt warnt jedoch vor vorschnellen Interpretationen der Statistik: „Auch in Jahren mit weniger Fallzahlen haben wir einzelne Landkreise, bei denen die Krankheitsfälle zunahmen. In anderen treten plötzlich über Jahre keine Krankheitsfälle auf, dann flammen sie wieder auf."

Als Beispiel dafür nannte sie Beobachtungen aus einem Garten in Stuttgart, den das Landesgesundheitsamt seit über 20 Jahren auf FSME-infizierte Zecken überprüft. Nach zwei Jahren ohne infizierte Tiere wurden dort in diesem Jahr erstmals wieder Zecken gefunden, die das Virus in sich tragen.

Prof. Dr. Mackenstedt zog daraus den Schluss: „Nur weil wir für ein paar Jahre keine infizierten Zecken in einem Gebiet finden konnten oder es keine Erkrankungsfälle gab, heißt das nicht, dass die FSME-Infektion an dieser Stelle erloschen ist."

Zecke weiter bundesweit auf dem Vormarsch
Nach wie vor sind zwar vor allem Baden-Württemberg und Bayern von FSME-Infektionen betroffen: Dort traten 80 Prozent der erfassten Fälle auf. Doch die FSME-Fälle werden immer häufiger weiter im Norden registriert.

„Was sich bereits in den vergangenen Jahren abzeichnete, können wir erneut bestätigen", so PD Dr. Dobler. „Die FSME kommt inzwischen auch gehäuft in Niedersachsen und nahe der holländischen Grenze vor."

Erneut hätten dabei der überwiegend milde Winter und der warme Vorfrühling dafür gesorgt, dass die Zecken früh aktiv werden. „Seit den warmen Tagen Anfang März kommen die Tiere mit Macht", stellte Prof. Dr. Mackenstedt fest.

Zeckenforschung in Labor und Garten
Um das Zeckenvorkommen auf Grundstücken zu zählen, hat Prof. Dr. Mackenstedt mit ihrem Team in den vergangenen Jahren immer wieder Gärten im Großraum Stuttgart „beflaggt". Dabei ziehen die Forscher weiße Stoffbahnen über Rasen und Büsche. Die Zecken wechseln auf diese Zeckenfahnen und werden anschließend abgesammelt und gezählt. Im Labor werden die Zecken getötet und auf FSME-Erreger getestet.

Für weitere Forschungsprojekte werden im Labor der Universität Hohenheim auch lebende Zecken gehalten. Zur Fütterung werden bis zu 15 Zecken mit Pinseln auf Wüstenrennmäuse aufgestrichen, wo sie sich für circa 3 - 14 Tage festsaugen.

Der Zeckenstich und das Saugen sind für die Wüstenrennmäuse schmerzfrei. Sie müssen während der Fütterung jedoch in einem Käfig von ihren Artgenossen isoliert gehalten werden, damit diese die Zecken nicht abknabbern. Sobald die Zecken abfallen, werden die Wüstenrennmäuse wieder in ihre soziale Gruppe reintegriert. Das Tierschutzgesetz stuft dies als „niedrige Belastung" ein.

Da die Fütterung der Zecken mit dem Risiko einhergeht, dass sich die Wüstenrennmäuse mit Krankheitserregern infizieren, werden die Mäuse nach gut drei solcher Fütterungsgänge mit CO2 betäubt und schmerzlos eingeschläfert. Circa fünf Wüstenrennmäuse sind jeweils zur Fütterung der Zecken in einem Versuch nötig.

Quelle: idw 

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BfG registriert an Fischaufstiegsanlage Koblenz über 230.000 aufsteigende Fische

Dipl.-Met. Alfred Hommes Referat Öffentlichkeitsarbeit
Bundesanstalt für Gewässerkunde

Die im Jahr 2011 an der Moselstaustufe Koblenz errichtete Fischaufstiegsanlage (FAA) wird rege genutzt. Dies dokumentiert der von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) installierte automatische Fischzähler. Kleinere, den Fluss hinaufwandernde Fische wurden bisher jedoch nicht gezählt. Durch eine verbesserte Erfassungstechnik kann die BfG nun erstmals detaillierte Zahlen zu allen Größenklassen der beobachteten Fische vorlegen.

Die Zahlen der in der Fischaufstiegsanlage Koblenz aufsteigenden Fische für die Jahre 2012 bis 2014 wurden durch die BfG bereits veröffentlicht. Damals konnten kleinere Fische unter 15 cm aus technischen Gründen noch nicht erfasst werden. Seit Mitte des Jahres 2015 ermöglicht eine neue Bewegungserkennungssoftware, auch die kleineren Fische zu registrieren. Durch diese Neuerung konnten für das Jahr 2015 über 230.000 aufsteigende Fische nachgewiesen werden.

Aufgrund der Vielzahl der Fische gestaltete sich die Auswertung sehr zeitaufwändig. Über das gesamte Jahr 2015 hinweg wurden 28 Fischarten beobachtet (s. Tabelle 1a). Meist handelte es sich um Jungfische, vornehmlich Rotaugen und Rapfen, aber auch Döbel, Hasel und Nasen, die im Spätsommer in großen gemischten Schwärmen die Fischaufstiegsanlage zur Erschließung des Lebensraumes oberhalb der Staustufe Koblenz nutzten. Denkbar ist auch, dass junge Fische wieder in ihre ehemaligen Lebensräume zurückwandern, aus denen sie als kleine Fischlarven z. B. bei höheren Wasserständen stromab verdriftet werden. Die genauen Prozesse der Wanderung von Jungfischen, d. h. Motivation, Ziel und Umfang sind noch unverstanden. Mit der neu entwickelten Methode gelingt es hier erstmals für Deutschland systematisch quantitative Daten zur Jungfischwanderung zu erheben.
Eine so große Anzahl wandernder Fische ist nicht ungewöhnlich. In Jahren mit hoher Fortpflanzungsrate sind Millionen Jungfische in den Flüssen und größere Mengen auch unterhalb der Staustufe Koblenz zu finden. Der überwiegende Teil dieser Fische wird jedoch aus unterschiedlichen Gründen das Erwachsenenalter nicht erreichen. Die Jungfische sind unter der Gruppe „kleine Cypriniden" zusammengefasst, da die Arten in den Videoaufzeichnungen aufgrund der geringen Größe der Fische nicht sicher unterscheidbar waren. Bei den erwachsenen Fischen dominierten die Arten Rotauge und Ukelei.

Um die Zahlen aus dem Jahr 2015 mit den Zahlen der Vorjahre vergleichbar zu machen, sind in Tabelle 1b nur die Fischzahlen dargestellt, die mit der gleichen Technik wie die Jahre zuvor erfasst wurden. Hier ist ein leichter Rückgang der Gesamtzahlen zu verzeichnen. Die genauen Ursachen sind noch zu prüfen, jedoch sind auch natürliche jährliche Schwankungen in den Populationen denkbar.

Erfreulich sind im Jahr 2015 die erneuten Beobachtungen von Maifischen sowie der leichte Anstieg der Zahl aufgestiegener Lachse im Vergleich zu den Vorjahren. Diese Zahlen sind jedoch noch weit davon entfernt, eine erfolgreiche natürliche Erhaltung der Population zu gewährleisten.
Beachtlich ist die Anzahl an Meerneunaugen. Diese leben wie Maifisch, Lachs und Meerforelle als erwachsene Tiere im Meer und wandern zum Laichen die Flüsse hinauf. Sie gehören jedoch nicht zu den Fischen, sondern zu den sogenannten Rundmäulern. Die Larven leben einige Jahre blind im Gewässerboden und ernähren sich von Mikroorganismen, Algen und organischen Schwebstoffen. Wenn sich die Augen entwickelt haben wandern sie ins Meer ab. Dort saugen sich die Tiere an größeren Fischen fest und raspeln mit kleinen Hornzähnen Haut und Gewebe ab, von dem sie sich fortan ernähren, bis sie geschlechtsreif werden und zum Laichen in die Flüsse wandern.
Meerneunaugen sind seit Jahrzehnten in der Mosel (fast) ausgestorben. Umso erfreulicher ist es, dass mit der Fischaufstiegsanlage der Zugang zu ehemaligen Lebensräumen wieder geöffnet wurde und sich eine neue Population dieser streng geschützten Art anzusiedeln beginnt.

Die Fischaufstiegsanlage Koblenz hat 39 Becken mit einer Gesamtlänge von 220 Metern und sie bietet aufstiegswilligen Fischen verschiedene Einstiegsmöglichkeiten, um in den Fischpass hinein zu gelangen. Die BfG ermittelt an der Fischtreppe Koblenz nicht nur die Zahl der aufsteigenden Fische, sie forscht auch an anderen Fragestellungen. Dabei werden Fische z. B. mit Transpondern markiert (s. Link). Mit dieser Technik wird untersucht, welche Einstiege von den Fischen genutzt werden und wie lange Fische für die Passage der FAA benötigen.

Die BfG wird auch in den nächsten Jahren die Aufstiegszahlen in Koblenz erfassen, wobei die Erfassungstechnik stetig optimiert wird. Man darf also auf die Zahlen der kommenden Jahre gespannt sein.

Presseartikel „Der gechipte Fisch":
http://www.bafg.de/DE/Service/presse/2014_10_31.html

Weitere fachliche Informationen: Dr. Matthias Scholten, Fon: 0261/1306 5937, Mail: scholten@bafg.de und Bernd Mockenhaupt, Fon: 0261/1306 5941, Mail: mockenhaupt@bafg.de,
beide: Bundesanstalt für Gewässerkunde, Referat Tierökologie - Projektgruppe „Ökologische Durchgängigkeit für Fische"

Die Bundesanstalt für Gewässerkunde ist das zentrale wissenschaftlich eigenständige Institut des Bundes für die wissenschaftlich-technische Versuchs- und Forschungsarbeit und die praxisbezogene Beratung der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung in den Fachgebieten Hydrologie und Gewässernutzung, Gewässerbeschaffenheit sowie Ökologie und Gewässerschutz. Sie unterstützt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie andere Bundesressorts in fachspezifischen Fragestellungen zu Bundeswasserstraßen und deren Einzugsgebiete und vertritt diese auch international.

Anhang
Aufstiegszahlen an FAA Koblenz in 2015
https://idw-online.de/de/attachment57106

Quelle: idw 

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Wie ein Sensor-Kabel den Zug im Tunnel und den Einbrecher am Zaun erfasst

Claudia Ehrlich Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

Es kann helfen, den Straßenverkehr zu leiten oder genau anzeigen, wo eine U-Bahn oder ein Zug gerade fährt. Und es kann warnen, wann und wo Unbefugte in Gärten, Industrieanlagen oder Naturschutzgebiete eindringen: Das Sensor-Kabel, das Experimentalphysiker der Universität des Saarlandes entwickelt haben, ist vielseitig, flexibel und kostengünstig. Auch kleinste Veränderungen des Magnetfeldes erfasst es sicher, ordnet sie zu und meldet sie weiter. Ohne Daten zu sammeln.

Wo genau ist die U-Bahn oder der Zug im Tunnel? Wo versucht jemand auf ein Grundstück zu kommen, auf dem er nichts zu suchen hat? Oder: Wer hat ein Handy dabei, obwohl er nicht sollte? Ein dünnes Sensor-Kabel, das die Forschergruppe von Uwe Hartmann an der Saar-Uni entwickelt hat, kann auf solche Fragen Antworten geben. Es erfasst einige Meter um sich herum alles, was das Erdmagnetfeld in irgendeiner Weise ändert. Es kann an Zäunen angebracht unterscheiden, ob nur der Wind an den Maschen rüttelt oder ein Bolzenschneider. Im Boden verlegt erkennt es Autos, nimmt wahr, in welche Richtung sie fahren, unterscheidet sie von Lastwagen. Sogar Drohnen, die in ein paar Metern Höhe das Kabel überfliegen, bemerkt es - ebenso wie auch den Reißverschluss oder das Handy von dem, der darüber geht. An Flughäfen, U-Bahnen oder Bahnhöfen macht es neue Leitsysteme möglich, auf Privatgrundstücken, Kernkraftwerken wie Industrieanlagen neue Überwachungstechnik.

„Wir haben die Magnetfeld-Sensoren in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und immer sensibler und selektiver gemacht. Die Messwerte und Signalmuster, die entstehen, wenn unsere Sensoren Veränderungen wahrnehmen, können wir sehr genau den Ursachen einer Störung zuordnen", erläutert Professor Uwe Hartmann. Verschiedene Sensor-Systeme, die seine Arbeitsgruppe entwickelt hat, werden bereits als Verkehrsleitsysteme eingesetzt, etwa an Flughäfen oder in Parkhäusern.

Die kleinen Messfühler, die die Physiker wie Perlen an einer Schnur in einem dünnen Kabel miteinander verbinden, sind untereinander vernetzt, und melden ihre Messwerte an einen Microcontroller. Dieser verarbeitet die Daten weiter. „Die Signalmuster unterscheiden sich je nach Art der Störung. Wir haben in zahlreichen Versuchsreihen etliche Arten von Änderungen des Magnetfeldes und von Erschütterungen simuliert und den jeweiligen Ursachen zugeordnet. Mit diesen Informationen haben wir das System angelernt. Es erkennt typische Muster, ordnet sie selbstständig Störungen zu und sortiert Fehlalarme aus", erklärt Hartmann. Die Physiker haben hierzu Datenmuster mathematisch modelliert und die Auswerteeinheit wie die Sensoren immer detailreicher programmiert und verfeinert.

Das System zeigt den Ort der Störung genau an, was vor allem bei großen überwachten Geländen interessant ist. „Wir können es sehr flexibel an verschiedenste Anforderungen anpassen", erklärt der promovierte Physiker Haibin Gao, der in Hartmanns Team an der neuen Sensortechnik forscht. „Auf der Hannover Messe Ende April suchen wir Partner, mit denen wir das System je nach Bedarf zur Serienreife entwickeln können", sagt Gao. Das Sensor-Kabel braucht nicht viel Strom, eine Versorgung etwa über Solargeneratoren wäre möglich. Die Sensoren sind nahezu verschleißfrei, ihre Messung ist unabhängig von der Witterung - auch bei Regen, Nebel oder Schnee funktionieren sie ohne weiteres. Und das System speichert keine Daten oder sonstige Informationen. Auch Hacker finden keine Angriffsfläche. Nachrichten können etwa via Bluetooth aufs Smartphone oder Tablet geschickt werden.

Das Bundesforschungsministerium förderte die Forschung mit insgesamt über einer Million Euro, mehr als 250.000 Euro davon flossen an die Saar-Universität. Beteiligte Partner waren die Firma Sensitec GmbH mit Sitz in Mainz und Lahnau (http://www.sensitec.com), die Firma Listec GmbH mit Sitz in Isen (http://www.listec-gmbh.com) und die GBA-Panek GmbH mit Sitz in Kahla (http://www.gba-panek.de).

Kontakt:
Prof. Dr. Uwe Hartmann, Lehrstuhl für Nanostrukturforschung und Nanotechnologie der Universität des Saarlandes:
Tel.: (0681) 302-3799 oder -3798; E-Mail: u.hartmann@mx.uni-saarland.de
Dr. Haibin Gao Tel: (0681) 302-3654; E-Mail: h.gao@mx.uni-saarland.de
Dr. Uwe Schmitt: (0681) 302-2957; E-Mail: uwe.schmitt@mx.uni-saarland.de

Hintergrund:
Die Forschergruppe von Professor Uwe Hartmann stellt auf der Hannover Messe auch ein Angebot vor, mit dem sich die Experimentalphysiker vor allem an kleine und mittelständische Unternehmen wenden: Unter dem Motto „Simply advanced" bietet der Lehrstuhl für Nanostrukturforschung und Nanotechnologie aufwändige Analysen und Simulationen rund um die Gebiete supraleitende Materialien, Magnetfeldsensorik und Nanotechnologie an. Die Arbeitsgruppe verfügt über Spezialgeräte und hochauflösende Mikroskope. Davon können vor allem Unternehmen profitieren, die keine eigene Forschungsabteilung für Materialentwicklung oder für Funktionswerkstoffe haben.

Der saarländische Forschungsstand wird organisiert von der Kontaktstelle für Wissens- und Technologietransfer der Universität des Saarlandes (KWT). Sie ist zentraler Ansprechpartner für Unternehmen und initiiert unter anderem Kooperationen mit Saarbrücker Forschern. http://www.kwt-uni-saarland.de/

Quelle: idw 

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Tiefseekrake hat Quallen zum Fressen gern

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Mit Hilfe von Tiefseerobotern ist es Meeresbiologen aus Kiel und aus dem kalifornischen Monterey (USA) erstmals gelungen, den sehr seltenen Tiefseekraken Haliphron atlanticus bei der Nahrungsaufnahme zu filmen. Die Bilder bestätigen, dass die Tiere sich zumindest teilweise von Quallen ernähren und ihre Beute vielleicht auch zum Eigenschutz verwenden. Die Analyse der Videobilder ist jetzt in der internationalen Online-Fachzeitschrift Scientific Reports erschienen.

Der offene Ozean ist der größte Lebensraum auf diesem Planeten. Diese sogenannte pelagische Zone ist die Heimat von winzigen Planktonorganismen, Quallen, Tintenfischen, Fischen und Meeressäugetieren. Doch die Tiefe und die Weite des Ozeans erschwert die Erforschung dieser Zone. Viele Arten, die dort leben, sind wahrscheinlich noch unentdeckt, und das Verhalten vieler Tiere ist kaum je in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet worden. Erst dank neuester technischer Entwicklungen gelingt es der Wissenschaft zunehmend, einen genaueren Blick in die großen und verborgenen Tiefen unter der Wasseroberfläche zu werfen.

Dr. Henk-Jan Hoving vom Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft" / GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und sein Kollegen Dr. Steve Haddock vom Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI) konnten jetzt erstmals nachweisen, dass der Riesen-Tiefseekrake Haliphron atlanticus sich zumindest teilweise von Quallen ernährt. Das zeigt die Auswertung von Videoaufnahmen aus der Tiefsee, die die beiden Wissenschaftler jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht haben.

„Haliphron atlanticus gehört zu den größten bekannten Krakenarten überhaupt. Weibchen können eine Länge von bis zu vier Metern und ein Gewicht bis zu 75 Kilogramm erreichen, während die Männchen nur knapp 30 Zentimeter lang werden. Die Art lebt in der Tiefsee und ihre Lebensweise ist bisher kaum bekannt", berichtet Dr. Hoving. Wissenschaftler des MBARI haben die Spezies in den vergangenen 27 Jahren nur drei Mal lebend gesichtet. Häufiger sind dagegen tot in den Netzen von Trawlern gefundene Tiere.

Diese schwer auffindbaren Lebewesen hat das MBARI-Team nun mit Hilfe von ferngesteuerten Unterwasserrobotern, sogenannten ROVs (Remotely Operated Vehicles), gefilmt. Während einer Expedition in der Monterey Bay und vor Hawaii entdeckten Haddock und sein Team ein Exemplar, das eine große Qualle in seinen Armen festhielt.

Daraufhin untersuchte das Team Bildmaterial von zwei vorherigen Begegnungen mit Haliphron. Dabei stellte es fest, dass eines der anderen Exemplare ebenfalls eine Qualle in seinen Fangarmen hielt. „Als wir anschließend den Mageninhalt von fünf toten Exemplaren unter die Lupe nahmen, konnten wir erkennen, dass sie ebenfalls Quallen und andere gelatinöse Beute gefressen hatten", berichtet Dr. Hoving. Diese Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass Quallen für den Tiefseekraken einen wichtigen Teil des Speisezettels ausmachen.

Quallen sind in der Tiefsee weit verbreitet und bieten dem eher langsamen Kraken eine einfach zu fangende Beute. Die Abwehrmechanismen der Quallen sind für einen großen aber langsamen Räuber wie den Tiefseekraken wohl verhältnismäßig einfach zu überwinden. Möglicherweise kann das Kraken-Weibchen nach dem Verspeisen der nährstoffreichen Teile den Schirm der Qualle mit ihren Nesselzellen sogar als Abwehr zu eigenen Zwecken nutzen

Die Entdeckung der Beziehung zwischen Haliphron und dem gelatinösen, tierischen Plankton bestätigt frühere Erkenntnisse zu achtarmigen Tintenfischen. Bei drei anderen Familien dieser Gruppe war bereits bekannt, dass sie Quallen fressen oder zur eigenen Abwehr nutzen.

Da Haliphron atlanticus seinerseits Beute für Pottwale, Blauhaie und Schwertfische ist, lässt die Entdeckung auch Schlüsse auf das gesamte Ökosystem der Tiefsee zu. „Gelatinöses Plankton wie Quallen und ähnliche Organismen wird bisher in seiner Funktion als Nahrung für viele andere Meeresbewohner und damit als Teil der gesamten Nahrungskette unterschätzt", sagt Dr. Hoving.

Originalarbeit:
H.J.T. Hoving, H.J.T., S.H.D. Haddock (2017): The giant deep-sea octopus Haliphron atlanticus forages on gelatinous fauna. Scientific Reports 7, http://dx.doi.org/10.1038/srep44952

Weitere Informationen:
http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.ozean-der-zukunft.de Der Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft"
http://www.mbari.org/a-giant-deep-sea-octopus-is-a-sucker-for-jellies/ Meldung des Monterey Bay Aquarium Research Institute

Video des Tiefseekraken Haliphron atlanticus
https://youtu.be/CzU8CUXxLsA

Quelle: idw 

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Blutdruckwerte in Deutschland sinken - trotzdem keine Entwarnung

Christine Vollgraf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V.

Eine aktuelle Auswertung von sieben großen Bevölkerungsstudien in Deutschland zeigt, dass die Blutdruckwerte in Deutschland in den letzten beiden Jahrzehnten gesunken sind. Am stärksten war der Rückgang bei den 55- bis 74-Jährigen. Trotz der sinkenden Werte ist der Blutdruck in Deutschland immer noch zu hoch, insbesondere bei Männern sehen Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) großen Handlungsbedarf.

Die Ergebnisse bieten erstmals einen umfassenden Überblick zu Blutdruckwerten der letzten zwanzig Jahre in Deutschland. Das von DZHK-Wissenschaftlern gegründete Konsortium zur Blutdruckepidemiologie hat hierfür Daten aus zwei nationalen Gesundheitssurveys und fünf regionalen bevölkerungsbezogenen Studien untersucht, die zwischen 1997 und 2012 durchgeführt wurden. Bundesweit sind die Blutdruckwerte bei Männern und Frauen gesunken, am stärksten in der Altersgruppe der 55- bis 74-Jährigen. Auch regional zeigten sich Unterschiede: Im Nordosten sanken die Werte im Vergleich zum Bundesdurchschnitt am stärksten. Das in früheren Publikationen nachgewiesene Ost-West-Gefälle, wonach die Werte in Ostdeutschland höher waren als in Westdeutschland, gleicht sich damit an.

Bluthochdruck wird bei Frauen häufiger erkannt und behandelt
Schon früher beobachtete Unterschiede zwischen Männern und Frauen haben sich nicht verändert: Weiterhin wird ein bestehender Bluthochdruck bei Frauen früher erkannt, häufiger behandelt und damit erfolgreich gesenkt. In einer weiteren Untersuchung fand PD Dr. Hannelore Neuhauser vom Robert-Koch-Institut in Berlin und Mitglied des Konsortiums heraus, dass diese geschlechtsabhängigen Differenzen bei den 18- bis 54-Jährigen besonders groß sind. „Auch in anderen Ländern werden solche Geschlechterunterschiede beobachtet. Eventuell kommen sie zustande, weil jüngere Männer selten zum Arzt gehen und ihre Blutdruckwerte daher auch seltener kontrolliert werden. Frauen sind hingegen regelmäßig beim Frauenarzt, wo auch ihr Blutdruck gemessen wird", sagt Neuhauser. Bei jungen Männern zwischen 25 und 34 Jahren wurde sogar nur im Norden Ostdeutschlands ein Rückgang der Blutdruckwerte beobachtet. Dieser positive Trend zeigte sich im restlichen Bundesgebiet nicht.

Gesunde Ernährung, mehr Bewegung, Verzicht aufs Rauchen
Die Wissenschaftler verzeichneten auch, dass Bluthochdruck in den letzten Jahren vermehrt behandelt wird. In den erhöhten Behandlungsraten sehen sie einen möglichen Grund für die verbesserten Werte, vermuten aber, dass auch präventive Maßnahmen wie eine gesündere Ernährung, mehr Bewegung und ein Verzicht auf das Rauchen zu der positiven Entwicklung beigetragen haben.

Bedeutendstes Gesundheitsrisiko weltweit
Nach wie vor sind die Blutdruckwerte allerdings auf einem zu hohen Niveau und die Zahl der Menschen mit Bluthochdruck insgesamt hat sich nur wenig verändert. Die Forscher gehen sogar davon aus, dass die Diagnose Bluthochdruck wegen der immer älter werdenden Gesellschaft in Zukunft häufiger wird. Und das nicht nur in Deutschland: Die WHO hat Bluthochdruck als bedeutendste Gesundheitsgefahr weltweit eingestuft. Er gehört zu den größten Risikofaktoren für Demenz, Herz-Kreislauf- und Nieren-Erkrankungen. Dabei wäre Bluthochdruck in vielen Fällen vermeidbar und es gibt effektive Behandlungsmöglichkeiten. „Am Beispiel Nord-Ostdeutschland sehen wir, wieviel innerhalb eines Jahrzehnts erreicht werden kann", sagt Neuhauser. „Doch es gibt noch viel Spielraum und vorrangiges Ziel muss bleiben, dass Bluthochdruck erst gar nicht entsteht." Der Grenzwert liegt aktuell bei 140/90 mm Hg. Doch laut der Medizinerin muss man schon vorher ansetzen, im sogenannten prähypertonen Bereich bei Werten zwischen 120-140/80-90 mm Hg. In diesem Bereich werden keine Medikamente verordnet, aber eine Lebensstilveränderung kann viel bewirken: also Übergewicht abbauen, mehr bewegen, viel Obst und Gemüse essen und nicht rauchen.

Schwierig zu messen
Bevölkerungsweite Studien zum Bluthochdruck, die über zeitliche Trends oder regionale Unterschiede in Deutschland Auskunft geben, sind vergleichsweise selten. Denn obwohl der Blutdruck ständig gemessen wird, ist es schwierig an Daten heranzukommen, die nach genau festgelegten Regeln hochpräzise erhoben wurden und daher vergleichbar sind. „Den Blutdruck zu messen, ist ähnlich schwierig wie den Meeresspiegel zu bestimmen. Beide unterliegen starken Schwankungen", vergleicht Neuhauser. „Einmal die Treppe hochlaufen oder sich aufregen und schon geht der Blutdruck nach oben." In den sieben analysierten Studien mussten sich die Probanden in einer genau festgelegten Position hinsetzen und auch die Ruhezeiten vor den einzelnen Blutdruckmessungen waren identisch. Unterschiede zwischen den verwendeten Messgeräten wurden durch spezielle Kalibrierungsformeln herausgerechnet. „Solche standardisierten Datenerhebungen zur Entwicklung des Bluthochdrucks sind aufwändig aber unverzichtbar, um gezielte Maßnahmen gegen die Gesundheitsgefahr Bluthochdruck zu entwickeln", stellt Neuhauser fest. Insbesondere bei über 70-Jährigen und jungen Erwachsenen sehen sie und ihre Kollegen noch einen großen Bedarf an aktuellen Zahlen. Das von ihnen gegründete Konsortium zur Blutdruckepidemiologie wird seine Arbeit fortsetzen und auch zukünftig Studien zum Bluthochdruck in Deutschland auswerten.

Über das DZHK
Das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) will erreichen, dass neue Erkenntnisse aus der Herz-Kreislauf-Forschung schnellstmöglich bei den Patienten ankommen. Ziel ist es, Diagnose, Prävention und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland zu verbessern. Dafür arbeiten im DZHK Grundlagenforscher und klinische Forscher aus 30 Einrichtungen an sieben Standorten zusammen. Das DZHK wurde 2011 auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent von denjenigen Ländern gefördert, in denen seine Mitgliedseinrichtungen ihren Sitz haben. Es gehört zu den sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG), die sich der Erforschung großer Volkskrankheiten widmen.

Originalarbeiten:
Hypertension in Germany - data from seven population-based epidemiological studies (1994-2012).
Neuhauser H, Diederichs C, Boeing H, Felix SB, Jünger C, Lorbeer R, Meisinger C, Peters A, Völzke H, Weikert C, Wild P, Dörr M: Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 809-15.

DOI: 10.3238/arztebl.2016.0809
https://www.aerzteblatt.de/int/archive/article/184205/Hypertension-in-Germany-da...

The persisting gender gap in hypertension management and control in Germany: 1998 and 2008-2011.
Sarganas G, Neuhauser HK. Hypertens Res. 2016 Jun; 39(6): 457-66.
DOI: 10.1038/hr.2016.5.
http://www.nature.com/hr/journal/v39/n6/full/hr20165a.html

Kontakt:
PD Dr. med. Hannelore Neuhauser, Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, NeuhauserH@rki.de

Weitere Informationen:
http://www.dzhk.de

Quelle: idw 

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FH Potsdam startet neues Forschungsprojekt für integrierte Stadtentwicklung

Jutta Neumann Pressesprecherin
Fachhochschule Potsdam

Wie lässt sich die Entwicklung von Städten besser verstehen, vorhersehen und aktiv mitgestalten? Dieser Fragestellung widmet sich das neue Forschungsprojekt „PaSyMo". Die Abkürzung steht für "Partizipative System-Modellierung als Tool für integrierte Stadtentwicklung". PaSyMo ist am Institut für Angewandte Forschung - Urbane Zukunft (IaF) angesiedelt und läuft über eine Dauer von zwei Jahren. Es wird von Prof. Dr. Tobias Schröder geleitet und von den beiden neuen wissenschaftlichen Mitarbeitern Max Priebe und Timo Szczepanska durchgeführt. Mit dem Projekt startet am 17. Mai an der FH Potsdam auch die neue Vortragsreihe „Urban Future Talks".

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, zusammen mit städtischen AkteurInnen und BürgerInnen eine Toolbox zu entwickeln, die dazu anregen soll, sich an einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu beteiligen. Mithilfe von ansprechenden Visualisierungen von unterschiedlichen Einflussfaktoren wie Verkehr, Wohnraum oder Umwelt sollen die komplexen Zusammenhänge in Städten so abgebildet werden, dass sie für jedermann verständlich und nachvollziehbar sind.

"PaSyMo zeichnet die Konsequenzen von Handeln nach und macht es möglich sich mit Chancen wie auch Risiken zukünftiger Entwicklungen auseinanderzusetzen", erläutert Prof. Dr. Tobias Schröder, Leiter des Forschungsprojekts. "Das Alleinstellungsmerkmal von PaSyMo besteht darin, gezielt kleine und mittlere Kommunen mit einer kosteneffizienten Toolbox zu unterstützen, ohne dabei den Aufwand kommerzieller Smart City Initiativen zu verursachen."

Das Forschungsprojekt ist am Institut für angewandte Forschung - Urbane Zukunft (IaF) der FH Potsdam angesiedelt und wird durch Mittel des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. PaSyMo baut auf die am IaF vorhandenen, sich interdisziplinär ergänzenden Kompetenzen, in Informationsvisualisierung, Energie- und Stoffstrommodellierung, Modellierung sozialer Interaktions- und Transformationsprozesse, Verkehrsmodellierung und Telematik sowie dem forschenden Lernen im Masterstudiengang Urbane Zukunft.

"Das Forschungsprojekt gibt Studierenden des Masterstudiengangs Urbane Zukunft die Möglichkeit, erste Erfahrungen in der angewandten Forschung zu sammeln. Durch die enge Kooperation mit städtischen AkteurInnen in Brandenburg erhoffen wir uns einen direkten Mehrwert für Stadtentwicklungen in den Kommunen", ergänzen die beiden neuen wissenschaftlichen Mitarbeiter Max Priebe und Timo Szczepanska, die das Forschungsvorhaben durchführen werden. „Interessierte laden wir schon jetzt herzlich zu den „Urban Future Talks" am 17. Mai an der FH Potsdam ein. Neben spannenden Vorträgen zu Beteiligung im digitalen Zeitalter möchten wir einen Dialog bezüglich des Vorgehens und der Ziele des PaSyMo-Projektes anregen."

Kontakt:
Prof. Dr. Tobias Schröder
Forschungsprofessor "Nachhaltige urbane Entwicklungsstrategien"
FH Potsdam// Institut für Angewandte Forschung - Urbane Zukunft
Tel: 0331-580 2512
Mail: schroeder@fh-potsdam.de

Quelle: idw 

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Ameisen retten ihre Verletzten

Robert Emmerich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Im Reich der Ameisen gibt es ein einzigartiges Rettungswesen: Kommt es im Kampf zu einer Verletzung, ruft die verwundete Ameise um Hilfe. Sie wird dann zurück ins Nest getragen und verarztet.

Die afrikanischen Matabele-Ameisen (Megaponera analis) sind südlich der Sahara weit verbreitet und haben sich auf eine besondere Nahrung spezialisiert: Sie fressen Termiten. Zwei bis vier Mal am Tag gehen die Ameisen auf Beutefang. Sie ziehen in langen Kolonnen aus, überfallen Termiten an ihren Futterstellen, töten dort viele Arbeiter und schleppen die Opfer zurück in ihr Nest.

Bei diesen Überfällen stoßen die Ameisen allerdings auf Gegenwehr - sie werden in Kämpfe mit der Soldatenkaste der Termiten verwickelt. Dabei kann es Tote und Verwundete geben, denn die Soldaten wissen ihre gepanzerten Köpfe und kräftigen Kiefer gut gegen die Ameisen einzusetzen.

Das Verletzungsrisiko ist also hoch auf den Beutezügen. Die Ameisen haben darum ein Rettungsverhalten entwickelt, das man in dieser Form bei Insekten bislang nicht kannte.

Chemisches Signal löst die Rettung aus
Wird eine Ameise im Kampf verletzt, „ruft" sie ihre Artgenossen um Hilfe, indem sie chemische Signalstoffe absondert. Sie wird dann zurück ins Nest getragen und dort verarztet, so dass sie in der Lage ist, bei künftigen Raubzügen wieder dabei zu sein. Worin die „Therapie" besteht? Meist werden Termiten entfernt, die sich an der Ameise festgebissen haben.

Ein Forschungsteam vom Biozentrum der Universität Würzburg hat dieses Rettungswesen von Megaponera analis aufgedeckt und beschreibt es im Journal „Science Advances". An der Arbeit beteiligt waren Erik Frank, Thomas Schmitt, Thomas Hovestadt, Oliver Mitesser, Jonas Stiegler und Karl Eduard Linsenmair, alle vom Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie.

Verletztenrettung macht sich bezahlt
„Erstmals haben wir damit bei wirbellosen Tieren ein Helferverhalten gegenüber Verletzten beobachtet", sagt Doktorand Erik Frank. Gerade bei sozialen Insekten, bei denen das Individuum im Vergleich zur ganzen Kolonie in der Regel nur wenig zählt, sei das nicht zu erwarten gewesen. Aber offenbar zahlt es sich in der Gesamtbilanz für die Kolonie aus, den Aufwand zur Rettung von Verwundeten zu betreiben, wie die Forscher in ihrer Publikation zeigen.

Saving the injured: Rescue behaviour in the termite hunting ant Megaponera analis, Erik T. Frank, Thomas Schmitt, Thomas Hovestadt, Oliver Mitesser, Jonas Stiegler, Karl Eduard Linsenmair, Science Advances, 12. April 2017

Kontakt
Erik Frank, Biozentrum der Universität Würzburg, erik.frank@uni-wuerzburg.de

Quelle: idw 

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Rostocker Forscher wollen Glyphosat „entzaubern"

Ingrid Rieck Presse- und Kommunikationsstelle
Universität Rostock

Glyphosat in der Umwelt: erkannt, entschlüsselt, entzaubert? Ist es nun ein Gesundheitsrisiko für Menschen oder nicht? „Seit über 40 Jahren Forschung stehen wir immer noch vor Problemen und vielen Fragen mit dem Unkrautgift", sagt Peter Gros von der Agrar-und Umweltwissenschaftlichen Fakultät (AUF) der Universität Rostock.

Der 32-jährige, der an der TU Bergakademie Freiberg Angewandte Naturwissenschaft mit der Vertiefung Biotechnologie und Umweltanalytik studierte, kniet sich seit zwei Jahren in das Umweltverhalten des weltweit wichtigsten Herbizids tief hinein. Denn: Einsatzgebiete finden sich nicht nur in der industriellen Landwirtschaft, auch bei Hobbygärtnern erfreut sich Glyphosat einer großen Beliebtheit. Über viele Jahre galt das Mittel als unbedenklich für Mensch und Umwelt. Man ging davon aus, dass Glyphosat stark an Metalloxide im Boden gebunden wird und deshalb nicht einfach in die Umwelt ausgewaschen werden kann. Einmal fixiert, wird Glyphosat dann von Bakterien zu Kohlenstoffdioxid und Phosphat abgebaut.

Doch jüngst geriet das Unkrautbekämpfungsmittel in die Schlagzeilen. Vor diesem Hintergrund hat sich ein Team aus Bodenkundlern (AG Prof. Peter Leinweber) und theoretischen Physikern (AG Prof. Oliver Kühn) an der Uni Rostock gebildet, um die Wechselwirkung von Glyphosat mit Bodenbestandteilen auf molekularer Ebene zu verstehen. Die entscheidende Frage, ob ein Risiko besteht, an Krebs zu erkranken, können sie nicht beantworten. „Aber wir hoffen, dass wir mit unserer Forschung zur Aufklärung der Wechselwirkungen von Glyphosat in komplexen Systemen beitragen können", betont Peter Gros.
„Es gibt unzählige Studien, die sich widersprechen", sagt der junge Wissenschaftler.
Peter Gros betrachtet Glyphosat aus bodenkundlicher Sicht. „Wir beobachten Phänomene in der Natur", sagt Gros, „die die bisherigen Vorstellungen, wie sich Glyphosat in der Umwelt verhält, in Frage stellen."
Zum großen Erstaunen ist vor etwa zwei Jahren Glyphosat sogar in der Ostsee und das oberhalb der Grenzwerte nachgewiesen worden. „Dort dürfte es aus bodenkundlicher Sicht nie hingelangen", sagt Peter Gros. Dazu erklärt Professor Detlef Schulz-Bull vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW): „Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat kann über die Flüsse in die Ostsee eingetragen werden. In Mündungsgebieten sowie in Küstengewässern von Mecklenburg-Vorpommern wurden hohe Konzentrationen von Glyphosat und des Abbauproduktes AMPA nachgewiesen.
Die Transportprozesse und die biologischen Effekte sind Bestandteil aktueller Arbeiten am IOW."

Peter Gros will nun mit seinem Physiker-Kollegen von der Uni Rostock, Dr. Ashour A. Ahmed, durch theoretische Modellierung auf der einen Seite und detaillierte Experimente auf der anderen die Wechselwirkungen von Glyphosat betrachten und aufklären. „Wir konnten bereits eindeutig nachweisen, dass die organische Bodensubstanz einen starken Einfluss auf die Bindung von Glyposat im Boden hat", verweist Gros auf ein Ergebnis. Es gebe nach monatelangen Untersuchungen eindeutige Hinweise, dass, obwohl Glyphosat stark im Boden gebunden sei, dennoch mobil, also auswaschbar sein könne. Das werde aus Sicht des Forschers möglich durch das komplexe System Boden mit seiner organischen Bodensubstanz.

Und was nun? „Wir werden diesen Erkenntnissen durch weitere analytische Untersuchungen auf den Grund gehen", kündigt Peter Gros an. Es gehe jetzt darum, Bindungsverhältnisse im komplexen System aufzuklären. „Wir nutzen die durch Professor Peter Leinweber bestehenden Kontakte zu Wissenschaftlern in Kanada und können dort in Kürze mit einem Teilchenbeschleuniger Bodenproben mit hochenergetischer Strahlung untersuchen", sagt Gros. Dadurch erhoffe er sich sehr detaillierte Informationen über konkrete Bindungsverhältnisse von Glyphosat an den Bodenbestandteilen, um nach Jahrzehnten die drängenden Fragen zu dem Unkrautgift endgültig zu klären. Text: Wolfgang Thiel

Kontakt:
Universität Rostock
Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät
Prof. Dr. Peter Leinweber
Fon: +49 (0)381 498 - 3120
Mail: peter.leinweber@uni-rostock.de

Quelle: idw 

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Drohneneinsatz in der Meeresforschung

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Kieler Forschende setzen erstmals Fluggerät für die Gewinnung von Luft- und Wasserproben ein

Ein Team des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel hat erstmals erfolgreich eine Drohne zur Gewinnung von marinen Luft und Wasserproben eingesetzt. Ziel der Studie, in deren Rahmen die Drohne eingesetzt wurde, ist es, die Rolle der Küstengewässer als Quelle für reaktive Spurengase, die für chemische Prozesse in der Atmosphäre und das Klima wichtig sind, besser zu verstehen. Das Projekt mit dem Namen LASSO (Lagrangian study of marine trace gas Air-Sea exchange over the Ocean) wird vom Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft" gefördert.

Unbemannte Fluggeräte, sogenannte Drohnen, werden nicht nur zur Erstellung von Bild- und Filmmaterial sondern zunehmend für komplexere Aufgaben eingesetzt. Auch in der Forschung werden diese mobilen Plattformen zunehmend verwendet. Ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel hat nun erstmalig eine mittelgroße Drohne für die Gewinnung von Luft- und Wasserproben im unzugänglichen Bereich der Brandungszone eingesetzt. Das Projekt wird vom Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft" gefördert.

Anfang April war es endlich soweit: Eine DJI Matrice 600 Drohne wurde genutzt, um Proben an der Westküste der Insel Sylt zu nehmen. „Wir hatten sehr variable Wetterbedingungen mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 10 m/s, bei denen sich die Drohne sehr gut bewährt hat", erläutert die Projektleiterin Dr. Birgit Quack vom GEOMAR. „Am ersten milden Tag fragte eine Spaziergängerin noch, ob man das Ganze nicht auch im Sommer und einem Schwimmer erledigen könnte. An den folgenden stürmischen Tagen mit hohen Brandungswellen fragte niemand mehr, außer uns war eigentlich auch fast niemand mehr da", schmunzelt Dr. Quack.

„Wir konnten sowohl horizontale wie vertikale Profile fliegen und Proben atmosphärischer Größen in der Küstenzone nehmen", so Dr. Steffen Fuhlbrügge, Meteorologe am GEOMAR und Steuerer der Drohne. Neben 120 Luftproben gelang es auch 40 Wasserproben zu gewinnen. Zusätzlich zeichnete die Drohne auch Bilder von der Meeresoberfläche auf. „Der Gasaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre wird durch die Schaumbildung verstärkt", erläutert Prof. Dr. Christa Marandino, Atmosphärenchemikerin vom GEOMAR. „Mit unserer Feldstudie möchten wir die Rolle der Küstengewässer als Quelle für reaktive Spurengase, die für die troposphärische bzw. stratosphärische Chemie und das Klima wichtig sind, besser verstehen", so Marandino weiter.

Die gewonnenen Proben werden jetzt weiter ausgewertet. Die Luftproben werden von amerikanischen Kooperationspartnern auf mehr als 50 Spurengase, einschließlich Halogenkohlenwasserstoffe (z.B. Bromoform, Dimethybromid, Methyljodid), Nicht-Methan-Kohlenwasserstoffe (z.B. Isopren) und schwefelhaltige Verbindungen (z.B. Dimethylsulfid) hin untersucht. Am GEOMAR beschäftigen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schwerpunktmäßig mit der Analyse der Wasserproben und Auswertung der Luftbilder.

Währenddessen schmieden die Forschenden schon neue Pläne. „Wir wollen die Luft- und Wasserprobenahme weiter optimieren, um einen größeren Bereich mit mehr Flexibilität abdecken zu können sowie weitere Sensoren (z. B. für meteorologische Daten) auf dem Drohnenpaket zu integrieren", so Dr. Quack. Ferner sollen die Probennahme und Bildaufzeichnung mit direkten Gas-Transfer-Messungen gekoppelt werden, um den Gasaustausch zwischen Atmosphäre und Ozean besser abschätzen zu können. „Letztendlich möchten wir das Messverfahren dann auch auf Schiffsexpeditionen auf hoher See und in den Tropen und Subtropen anwenden, da dort die Konzentrationen der marinen Spurengase oft noch höher sind", meint Birgit Quack abschließend.

Kontakt:
Dr. Andreas Villwock(GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2802, presse@geomar.de

Quelle: idw 

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Deutsche brauchen weniger Vorgesetzte als US-Firmen - Mitbestimmung wichtig für flache Hierarchie

Rainer Jung Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Unternehmen brauchen weniger Chefs, die Beschäftigte anweisen und kontrollieren, wenn das institutionelle Umfeld stimmt. Notwendig sind unter anderem Arbeitnehmervertretungen. Deutsche Firmen kommen mit deutlich weniger Vorgesetzten aus als Unternehmen in den USA oder Großbritannien, zeigt eine Untersuchung.*

Kaum ein Beschäftigter dürfte engmaschige Überwachung durch den Chef schätzen. Aber auch für das Unternehmen ist Kontrolle immer mit Kosten verbunden, was aus betriebswirtschaftlicher Sicht für flache Hierarchien spricht - wenn sie denn funktionieren.

Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Betriebe mit wenig Führungs- und Aufsichtspersonal auskommen, haben Dr. Silvia Teuber und Prof. Dr. Uschi Backes-Gellner von der Universität Zürich gemeinsam mit Prof. Dr. Paul Ryan von der Universität Cambridge mit Unterstützung der Hans-Böckler-Stiftung untersucht. Das Ergebnis: Ohne solide Berufsbildung, Beschäftigungsstabilität und Mitbestimmung geht es nicht.

Die Forscher haben 22 Maschinenbauunternehmen in Deutschland, Großbritannien, der Schweiz und den USA verglichen, die mindestens 50 Beschäftigte haben und mit vergleichbaren Technologien arbeiten. Für die Studie wurden die Personalverantwortlichen interviewt, die Produktionsstätten besichtigt und Unternehmensdaten ausgewertet.

Wenn man die so genannte „Kontrollspanne" der untersuchten Betriebe - also das Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten in der Produktion - betrachtet, sind nationale Muster deutlich erkennbar: In den USA kommen im Schnitt 7,1 Beschäftigte auf einen Chef, in Großbritannien 10,3, in der Schweiz 13,6 und in Deutschland 26. Der niedrigste Wert bei den deutschen Firmen beträgt 17,6, in den USA stellt 13 den maximalen Wert dar.

Die Unterschiede decken sich mit Erkenntnissen der sogenannten Varieties-of-Capitalism-Forschung: Deutschland entspricht dem Prototyp einer „koordinierten Marktwirtschaft" mit kooperativen Arbeitsbeziehungen, Flächentarif, wirksamem Kündigungsschutz, systematischer Berufsausbildung und beruflicher Weiterbildung. Das US-amerikanische Modell steht dagegen für „liberale Marktwirtschaft" in Reinform: wenig Kooperation, starkes Management, kaum Tarifbindung, schwacher Kündigungsschutz, Investitionen vor allem in akademische Bildung. Großbritannien und insbesondere die Schweiz stellen eher Mischformen dar.

- Mitbestimmung stärkt das gegenseitige Vertrauen -
Dass in koordinierten Marktwirtschaften im Vergleich weniger kontrolliert wird, halten die Autoren für schlüssig: Ein solides Berufsbildungssystem sorge für qualifizierte Arbeiter, die wenig Anleitung und Überwachung brauchen. Da gut ausgebildete Beschäftigte auch anspruchsvolle Aufgaben übernehmen, sei die Motivation von vornherein höher. Kündigungsschutz und Flächentarif erhöhten die Mitarbeiterbindung, was wiederum den Erwerb von betriebsspezifischem Wissen begünstigt. Führungspositionen könnten so mit erfahrenen Leuten besetzt werden. Hinzu komme der positive Einfluss von Betriebsräten: Mitbestimmung stärke das Vertrauen zwischen Management und Belegschaft und trage so ebenfalls zu weniger Kontrollbedarf bei. In liberalen Marktwirtschaften wie den USA fehle es dagegen an Mechanismen zur Gewährleistung von adäquater Qualifikation, Mitarbeiterbindung und Vertrauensbildung. Daher seien die Firmen gezwungen, in erster Linie auf Hierarchie und Regeln und damit auf eine enge Kontrollspanne zu setzen.

Die skizzierten Zusammenhänge lassen sich nicht nur im Ländervergleich, sondern auch auf betrieblicher Ebene nachweisen. Grundsätzlich stehe es Unternehmen frei, im Rahmen der nationalen Institutionen eigene organisatorische Akzente zu setzen, so die Betriebswirte. Der Analyse zufolge gibt es auch in den USA Maschinenbauunternehmen mit starken internen Arbeitsmärkten. Eine der fünf britischen Firmen verfügt über eine Arbeitnehmervertretung. In der Schweiz gibt es sogar fünf Unternehmen mit betrieblicher Interessenvertretung und nur eines ohne. Zwei der sechs Schweizer Unternehmen rekrutieren ihre Führungskräfte vor allem intern. Wenn man die betrieblichen Merkmalskombinationen zur Kontrollspanne in Beziehung setzt, zeigt sich: Eine qualitativ hochwertige Berufsbildung, ein hoher Anteil interner Beförderungen und eine Arbeitnehmervertretung sind notwendige Bedingungen dafür, dass eine Firma mit weniger Chefs auskommt - sobald nur eines dieser Elemente fehlt, nimmt der Überwachungsbedarf erheblich zu.

*Silvia Teuber, Uschi Backes-Gellner, Paul Ryan: How companies adjust their span of control to national institutions, Die Betriebswirtschaft 4/2016

Ansprechpartner in der Hans-Böckler-Stiftung:
Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211 / 77 78-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Quelle: idw 

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240.000 Euro für Forschung zu Digitalisierung und Vernetzung in der Wasserwirtschaft

Heike Lücking Referat Kommunikation & PR
Hochschule Ruhr West

Im Förderwettbewerb des Landes für die NRW-Fachhochschulen (FH Struktur) hat sich die HRW erfolgreich mit ihrer Antragsidee „Smart Water- Chancen und Risiken einer digitalisierten Wasserwirtschaft" behauptet. In den nächsten zwei Jahren erhält das Projekt rund 240.000 Euro Fördergelder. Punkten konnte die HRW mit einer besonders zukunftsweisenden Fragestellung und einem fachübergreifenden Ansatz zwischen Wirtschaftswissenschaftlern und Bauingenieuren. Im Mittelpunkt des interdisziplinären Projektes stehen die Chancen und Risiken, die sich aus einer Digitalisierung und Vernetzung in der Wasserwirtschaft ergeben.

„Smart Water" zeigt, dass Wasser(-wirtschaft) und Digitalisierung sehr viel mehr miteinander zu tun haben, als zunächst gedacht. Die sinnhafte Kombination von Technik und Ökonomie bietet ungeahnte Chancen bei der Bewältigung zentraler gesellschaftlicher Herausforderungen wie extremen Wettersituationen und Klimawandel.

„Digitalisierung wird uns über die nächsten Jahre und Jahrzehnte in stets wandelndem Kleid begegnen. Dies strukturiert zu begleiten und auf diese Weise diese neuen Entwicklungen für die Branche und damit für die Kunden und die Umwelt nutzbar zu machen, ist die zentrale Aufgabe," so Prof. Dr. Mark Oelmann vom Wirtschaftsinstitut. Dabei ist es ihm und Prof. Dr.-Ing. Markus Quirmbach vom Institut Bauingenieurwesen wichtig, die bestehenden Risiken nicht zu vernachlässigen. Um Risiken von Daten- über Ver- und Entsorgungssicherheit bis hin zur Verunsicherung von Mitarbeitern entgegenzuwirken sind erhebliche Anstrengungen im Wasserbereich nötig.

Die Entwicklungen der vergangenen Jahre im Bereich der Digitalisierung haben die Notwendigkeit unterstrichen, sich verstärkt mit kleineren und mittelständischen Unternehmen außerhalb der Wasser-wirtschaft zu vernetzen. In der Vergangenheit haben sich insbesondere diese Unternehmen als Treiber und Ideengeber der Digitalisierung hervorgetan. „Smart Water" will bewusst die Zusammenarbeit mit dieser Unternehmensgruppe aus verschiedenen Branchen der Region stärken, um gemeinsam an Lösungsansätzen zu arbeiten und einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung der Wasserwirtschaft zu leisten.

Über FH Struktur
Das Förderprogramm FH Struktur ist darauf ausgerichtet, der Forschung an Fachhochschulen Impulse für neue Forschungsansätze zu geben und deren Forschungsprofile zu stärken. Die Hochschule Ruhr West erhält nun mit acht weiteren Fachhochschulen in NRW eine Anschubfinanzierung von jeweils 240.000 Euro über zwei Jahre. Durch einen Eigenanteil von über 60.000 Euro wird zudem die Förderung für zwei weitere Jahre bis 2021 sichergestellt. Seit 2012 hat das Förderprogramm FH Struktur bereits 48 Programme mit rund zwölf Millionen Euro finanziert.

Quelle: idw 

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Fettleibigkeit: Mit Spritzen oder Skalpell der Adipositas auf den Leib rücken

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

Mainz - Ernährungsumstellung und mehr Bewegung erzielen bei Menschen mit starker Fettleibigkeit oft nur eine begrenzte Wirkung. Das Problem ist nicht die Gewichtsabnahme, sondern das Halten des reduzierten Gewichts. Immer häufiger raten Ärzte ihren sehr fettleibigen Patienten daher zu einer Operation mit Magenverkleinerung oder Magenbypass. Zudem könnte eine neue Pharmakotherapie mit Analoga zu gastrointestinalen Hormonen Menschen mit ausgeprägter Adipositas langfristig helfen, berichteten Experten auf dem 60. Deutschen Kongress für Endokrinologie in Würzburg.

Die Mehrheit der Erwachsenen in Deutschland ist mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 25 kg/m2 übergewichtig, ein Viertel mit einem BMI von über 30 kg/m2 sogar fettleibig. Fettleibigkeit gefährdet zunehmend die Gesundheit der Bevölkerung. „Adipositas kann zu schweren Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Fettleber und Bluthochdruck führen", berichtet Professor Dr. med. Matthias M. Weber, Mediensprecher der DGE. Fettleibige leiden häufiger an Herzinfarkt, Schlaganfall, Demenz, Depressionen, Gelenkerkrankungen, obstruktiver Schlafapnoe und einigen Krebsarten. „Zudem sterben sie früher. Bei einem BMI von über 40 sind es zwölf Jahre", warnt Weber, Leiter der Endokrinologie und Diabetologie der Universitätsmedizin Mainz.

Heute weiß man, dass die konservative Adipositas-Therapie langfristig selten erfolgreich ist. Professor Dr. med. Matthias Blüher, Leiter der Adipositas-Ambulanz für Erwachsene an der Universitätsmedizin Leipzig, erklärt: „Es besteht kein Zweifel daran, dass Adipositas im Wesentlichen durch hyperkalorische Ernährung und Bewegungsmangel entsteht." Doch das Konzept „weniger essen und mehr bewegen" ist langfristig meist nicht erfolgreich, wenn man sich den Effekt der Therapie nach einem längeren Zeitraum ansieht. Die Patienten, die ihren Lebensstil ändern, nehmen im ersten halben Jahr etwa zehn Prozent ihres Körpergewichtes ab und dann in den folgenden sechs Monaten wieder zu. Nach einem Jahr bleibt so dauerhaft ein Gewichtsverlust von zwei Prozent. Bei der medikamentösen Therapie mit Tabletten, bei der das Hungergefühl gedämpft oder die Nahrungsaufnahme im Magen-Darm-Trakt gehemmt wird, sieht es etwas besser aus, aber auch hier nehmen die Menschen erst ab und dann wieder zu. Nach zwölf Monaten haben sie dauerhaft nur etwa acht Prozent Gewicht reduziert. Die Herausforderung ist also: nicht nur abnehmen, sondern das niedrigere Gewicht auch langfristig halten.

„Nur von der bariatrischen Chirurgie, also der Magenverkleinerung, dem Magenband oder dem Magenbypass, wissen wir derzeit verlässlich, dass das Gewicht dauerhaft reduziert werden kann", betont Blüher. Zu einem langfristigen Therapieerfolg nach der Adipositas-Chirurgie gehöre allerdings auch ein multimodales Therapiekonzept zur optimalen Vorbereitung und eine strukturierte Langzeitnachsorge.

Hoffnungen setzt der Adipositas-Experte auf neue Medikamente aus der Gruppe der Inkretin-Analoga. Aufbauend auf vielversprechenden Daten, vor allem von Partnern des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (Professor Dr. med. Matthias Tschöp), sollen zukünftig Moleküle eingesetzt werden, die gewichtsreduzierende Effekte von Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1) mit denen von Glucagon und glukoseabhängigem insulinotropen Polypeptide (GIP) kombinieren. Die als Spritze verabreichten Substanzen ahmen die Wirkung des Darmhormons GLP-1 nach. Dieses regt die Insulinfreisetzung an, verzögert die Magenentleerung, führt zu einem früheren Sättigungsgefühl und dämpft den Appetit. „Inkretin-Analoga, wie zum Beispiel Liraglutid, werden jetzt bereits erfolgreich bei Menschen mit Typ-2-Diabetes eingesetzt. Wir kennen bereits die gewichtsreduzierende Wirkung", führt Blüher aus. Aus Tierversuchen wissen die Experten zudem, dass die Effekte dieser Therapie mit denen der Chirurgie vergleichbar sein könnten. Professor Blüher hofft, dass in den nächsten Jahren weitere Mittel hinzukommen: „Der kombinierte Einsatz könnte zu einer deutlich stärkeren Gewichtsreduktion führen und eine Operation dann in vielen Fällen unnötig machen."

Literatur:
Sjöström L et al. Swedish Obese Subjects Study Scientific Group. Lifestyle, diabetes, and cardiovascular risk factors 10 years after bariatric surgery. N Engl J Med. 2004 Dec 23;351(26):2683-93.
Pi-Sunyer X et al. SCALE Obesity and Prediabetes NN8022-1839 Study Group. A Randomized, Controlled Trial of 3.0 mg of Liraglutide in Weight Management. N Engl J Med. 2015 Jul 2;373(1):11-22.
Look AHEAD Research Group., Wing RR et al. Cardiovascular effects of intensive lifestyle intervention in type 2 diabetes. N Engl J Med. 2013 Jul 11;369(2):145-54.

Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin" ausgeschüttet, das heißt nach „innen" in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine" Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen" ab.

DGE Medienpreis 2017/2018:
Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) schreibt zum zweiten Mal den DGE-Medienpreis für journalistische Beiträge zu Erkrankungen des Hormonsystems und Störungen des Stoffwechsels aus. Bewerbungsschluss ist der 15. Februar 2018. Das Preisgeld beträgt 2.000 Euro. Der Medienpreis würdigt herausragende journalistische Arbeiten zu endokrinologischen Themen, die sorgfältig recherchiert, allgemeinverständlich formuliert sind und den Kriterien medizin-journalistischer Qualität entsprechen. Teilnehmen können Journalistinnen und Journalisten aus den Bereichen Text (Zeitungen, Zeitschriften, Internettexte), Fernsehen und Hörfunk. Die Beiträge werden bei der DGE-Pressestelle eingereicht. Nähere Informationen unter http://www.endokrinologie.net/medienpreis.php oder telefonisch unter 0711 8931-380.

http://www.hormongesteuert.net
https://www.facebook.com/dge.hormongesteuert
http://www.endokrinologie.net

Quelle: idw 

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Strom aus erneuerbaren Energien mit Drucklufttechnologien speichern

Dipl.-Chem. Iris Kumpmann Abteilung Public Relations
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Elektrischen Strom aus erneuerbaren Energien kosteneffizient speichern - dieser technischen Herausforderung widmen sich BOGE KOMPRESSOREN und das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in einem gemeinsamen Forschungsprojekt. Ziel ist es, eine zukunftsfähige Druckluftenergiespeichermethode zu entwickeln, die elektrischen Strom nachhaltig konserviert und nach Bedarf wieder ins Stromnetz einspeist. Gefördert wird das dreijährige Forschungsvorhaben vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit einem Betrag von rund 3 Millionen Euro.

Um die Energieversorgung von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien umzustellen, sind Speichertechnologien gefragt, die sicher, bezahlbar und effizient sind. Diesem Bedarf tragen der Bielefelder Systemhersteller für Druckluftlösungen BOGE KOMPRESSOREN Otto Boge GmbH & Co. KG und Fraunhofer UMSICHT Rechnung. In einem Verbundforschungsprojekt arbeiten die Kooperationspartner bis 2019 an der Technologieentwicklung für einen neuartigen Druckluftenergiespeicher.

Turbomaschine trifft Kolbenmaschine
Das Anlagenlayout vereint u.a. Turbomaschinen von Fraunhofer UMSICHT und BOGE Kolbenmaschinen. Ann-Kristin Bienias, Technische Projektkoordinatorin bei BOGE, sagt: »Wir freuen uns, gemeinsam mit Fraunhofer UMSICHT eine wirtschaftliche und universell einsetzbare Speichertechnologie zu entwickeln und damit zur Energiewende beizutragen.«

Druckluftspeicher in flachen Gegenden einsetzbar
Im Gegensatz zu herkömmlichen Pumpspeicherkraftwerken, die ein Gefälle benötigen, können Druckluftspeicher auch in flachen Gegenden eingesetzt werden. Das gilt insbesondere für das windintensive Norddeutschland - dort müssen schon heute erneuerbare Energieanlagen zeitweise abgeregelt werden.

Nur eine Maschine zur Kompression und Expansion der Luft nötig
Das neue Konzept des Druckluftenergiespeichers von BOGE und Fraunhofer UMSICHT ist so konzipiert, dass zum einen die Prozesswärme gespeichert und beim Expandieren keine zusätzliche Zufeuerung benötigt wird. Mit dem Ziel, vergleichsweise geringere Investitions- und Speicherkosten zu erreichen, sollen zum anderen dieselben Maschinen zur Kompression und Expansion der Luft genutzt werden. Im Vergleich zu herkömmlichen Druckluftenergiespeichern entfällt dadurch eine zusätzliche Expansionsmaschine. Auch häufige Lastwechsel bei schwankendem Stromausgleichsbedarf und kurze Anfahrtszeiten der Anlage soll die Technologie für den zukunftsfähigen Druckluftenergiespeicher meistern. Als Zwischenspeicher für die Druckluft dienen beispielsweise unterirdische Salzkavernen oder Röhrenspeicher.

Entwicklungsziele: Günstige Speicherkapazität und verlängerte Lebensdauer
Unterm Strich soll die neue Technologie des Druckluftenergiespeichers - auch im Vergleich zu Akkumulatoren (Lithium-Ionen- und Blei-Akkumulatoren) - mit geringeren Kosten pro Kilowattstunde (kWh) Speicherkapazität und mit der zu erwartenden, längeren Lebensdauer punkten.

Weitere Informationen:
https://www.boge.com/de/node/13664/3337?position=0

Quelle: idw 

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Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Jeder Fünfte leidet hierzulande an einer Pollenallergie. Zur Pollensaison stellt sich immer wieder aufs Neue die Frage, wie lüften ohne beeinträchtigt zu werden? Ein Team an der Professur für Ökoklimatologie der Technischen Universität München (TUM) hat Pollenkonzentrationen in Büroräumen systematisch untersucht und daraus praktische Tipps zum Lüften abgeleitet.

In Deutschland leiden laut Bundesgesundheitsblatt aus dem Jahr 2013 rund 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung an Heuschnupfen. Da sich Europäer und Nordamerikaner zu über 90 Prozent ihrer Zeit in geschlossenen Räumen aufhalten, müssen Pollenkonzentrationen in Gebäuden berücksichtigt werden. Neben meteorologischen Einflussgrößen wurden für die im Fachmagazin „Indoor Air" erschienene Studie auch Art und Häufigkeit der Raumbelüftung berücksichtigt.

Bei ihren Untersuchungen konzentrierten sich die Autorinnen und Autoren auf Birkenpollen, wie Gräserpollen lösen diese besonders häufig allergische Reaktionen aus. Birken sind Erstbesiedler (Pionierpflanzen), beginnen früh mit der Reproduktionsphase und als Windbestäuber produzieren sie besonders viele Pollen, die Gründe für ihr hohes Allergiepotential.

Für die Studie wurden im April 2015 in fünf verschiedenen Räumen und vor den jeweils dazu gehörenden Fenstern die Birkenpollenkonzentrationen gemessen. Die Räume unterschieden sich unter anderem in ihrer Durch- oder Belüftung.

Die mobilen Pollenfallen waren auf einer Höhe von 1,2 Meter platziert, was der durchschnittlichen Einatmungshöhe von Personen während der Arbeit an ihrem Schreibtisch entspricht. Sie befanden sich in 2,5 Metern Abstand vom jeweiligen Zimmerfenster. Eine zweite Pollenfalle wurde jeweils auf dem Fenstersims befestigt.

Des Weiteren wurde eine Standard-Burkard-Pollenfalle auf dem Gebäudedach in 15 Metern Höhe neben der meteorologischen Station installiert für die Messung der grundsätzlichen Belastung. Diese Messung von Pollen in der Umgebungsluft werden nach den Standards des Europäischen Aeroallergen Netzwerkes (EAN) erhoben täglich von März bis November.

Vom 13. bis zum 29. April wurde die Blüte von 56 Birken in der näheren Umgebung beobachtet. Zehn der Bäume lagen in direkter Nähe zu den untersuchten Büros, die restlichen 46 Birken befanden sich in 0,5 bis zu 15 Kilometern Entfernung. Die Daten zur allgemeinen Wettersituation wiederum stammen vom Deutschen Wetterdienst in Freising. Direkt vor den Räumen wurden zusätzlich Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Windstärke sowie -richtung erhoben.

Große Unterschiede zwischen einzelnen Räumen
Wie zu erwarten war, sind die Pollenkonzentrationen in den Räumen grundsätzlich niedriger als draußen. Dabei schwankt das Konzentrationsverhältnis der Pollen zwischen sieben zu 75 Prozent. Denn es ergeben sich große Unterschiede durch die Lüftungsstrategie: Für die Studie wurde beispielsweise ein Raum alle zwei Stunden für fünf Minuten gelüftet. In diesem Raum herrschte die niedrigste Pollenbelastung im Vergleich zu einem Nachbarraum, in dem das Fenster dauerhaft gekippt war.

Ebenfalls höher war die Konzentration in einem Raum mit geöffnetem Fenster und einem chemischen Labor mit automatischem Luftabzug. Die Pollenkonzentrationen können durchs Stoßlüften um zwei Drittel reduziert werden im Vergleich zum Maximum der in der Studie erreichten Pollenkonzentrationen in einem Raum. Um Birkenpollen besonders effektiv außen vor zu lassen, raten die Autorinnen und Autoren daher Pollenallergikern ihre Büro- und Aufenthaltsräume lediglich stoßzulüften.

Ein weiterer, beeinflussender Faktor ist der Publikumsverkehr in einem Büro. Mit der Zeit erhöht sich die Pollenkonzentration in einem Raum. Dies kann auf einen Zusammenhang hinweisen, wie viele Arbeitskollegen in einen Raum ein- und ausgehen, weil Pollen der Kleidung anhaften. Auch häufen sich Pollen im Hausstaub an, sofern gar nicht oder selten geputzt wird. Dies geschieht sogar über die Pollensaison hinaus. Regelmäßiges Staubwischen ist daher für Allergiker eine wichtige Maßnahme, um allergische Reaktionen zu minimieren.

Publikation:
A. Menzel, M. Matiu, Michaelis, S. Jochner: Indoor birch pollen concentrations differ with ventilation scheme, room location, and meteorological factors, Indoor Air 2016. DOI: 10.1111/ina.12351

Kontakt:
Technische Universität München
Professur für Ökoklimatologie
Prof. Dr. Annette Menzel
Tel: +49/8161/71-4740
E-Mail: amenzel@wzw.tum.de

Weitere Informationen:
https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/33823/

Quelle: idw 

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Frauen, die mehr verdienen, bevorzugen finanzielle Unabhängigkeit durch getrennte Kassen

Rainer Jung Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Studie untersucht Geldverwaltung in der Partnerschaft

Die meisten Paare legen zwar ihr Einkommen zusammen. Doch wenn Frauen mehr verdienen, bevorzugen sie getrennte Kassen, zeigt eine neue Studie.* Die Sozialwissenschaftlerin Dr. Yvonne Lott von der Hans-Böckler-Stiftung weist darin nach, dass getrenntes Wirtschaften in einer Partnerschaft umso wahrscheinlicher wird, je mehr die Frau verdient. Nach ihrer Ansicht deutet das darauf hin, dass Frauen finanzielle Unabhängigkeit anstreben, wenn sie die Möglichkeit dazu haben.

Lott hat Daten des Sozio-oekonomischen Panels aus den Jahren 2004, 2005 und 2008 ausgewertet, die sich auf fast 2.900 heterosexuelle Paare in erwerbsfähigem Alter beziehen. Dabei hat sie eine „eher ungleiche Verteilung" von bezahlter und unbezahlter Arbeit ermittelt: Im Beobachtungszeitraum entfallen auf die Partnerinnen im Schnitt 78 Prozent der Arbeit im Haushalt und 89 Prozent der Kinderbetreuung. Der Anteil der Frauen am gemeinsamen Einkommen liegt dagegen lediglich bei 32 Prozent. Nur ein Drittel der Frauen arbeitet in Vollzeit.

Etwa drei Viertel der befragten Paare verwalten der Analyse zufolge ihr Geld gemeinsam, 15 Prozent unabhängig voneinander und 9 Prozent zum Teil getrennt. Dabei spielt die Form der Partnerschaft eine wichtige Rolle: Von den nichtehelichen Lebensgemeinschaften wirtschaftet weniger als ein Drittel gemeinsam, bei den Ehepaaren sind es hingegen 83 Prozent. Auch wenn Faktoren wie die Dauer der Beziehung, das Alter oder die Ausbildung der Partner herausgerechnet werden, bleibt ein signifikanter Unterschied. Wenn man nicht Paare mit und ohne Trauschein vergleicht, sondern untersucht, wie sich eine Eheschließung auf das Verhalten von Paaren auswirkt, ergibt sich ebenfalls ein deutlicher Effekt auf das partnerschaftliche Arrangement im Umgang mit Geld. Die Geburt eines Kindes hat dagegen keinen messbaren Einfluss.

Von maßgeblicher Bedeutung ist indes das Einkommen der Frau: Bei Paaren mit getrennter Kasse ist es im Schnitt fast doppelt so hoch wie bei denen, die ihre Finanzen gemeinsam verwalten. Einkommenszuwächse auf Seiten der Partnerin erhöhen signifikant die Wahrscheinlichkeit, dass Paare unabhängig voneinander haushalten.

Lott schließt daraus, dass Frauen in einer Beziehung stark an finanzieller Unabhängigkeit interessiert sind und diesen Wunsch realisieren, sobald sie sie es sich leisten können. Ein wichtiger Grund: In traditionellen Partnerschaften laufe ein gemeinsames Konto oft darauf hinaus, dass der Mann einseitig Kontrolle über die Finanzen ausübt. Zentrale Grundsätze der deutschen Familienpolitik, die beispielsweise beim Ehegatten-Splitting von gemeinsamen Ressourcen als Norm ausgeht, seien vor diesem Hintergrund problematisch, so die Forscherin.

*Yvonne Lott: When My Money Becomes Our Money: Changes in Couples‘ Money Management. Social Policy & Society 2/2017, Cambridge University Press

Kontakt in der Hans-Böckler-Stiftung:
Dr. Yvonne Lott
Expertin für Genderforschung und Arbeitszeit, Abteilung Forschungsförderung
Tel.: 0211-7778-600
E-Mail: Yvonne-Lott@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Quelle: idw 

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Besser als die Natur: Künstlicher Biofilm steigert Stromproduktion mikrobieller Brennstoffzellen

Christian Wißler Mediendienst Forschung
Universität Bayreuth

Mikrobielle Brennstoffzellen nutzen den Stoffwechsel von Bakterien, um elektrischen Strom zu erzeugen. Ein neuartiger Biofilm aus Bayreuth kann diese noch junge Technologie deutlich effektiver, stabiler und anwendungsfreundlicher machen. Ein Forschungsteam der Universität Bayreuth hat jetzt ein Material hergestellt, das sich weit besser als natürliche Biofilme zur Stromproduktion in Brennstoffzellen eignet. In der Zeitschrift „Macromolecular Bioscience" stellen die Wissenschaftler die Vorteile ihrer neuen Entwicklung vor.

Bakterien in mikrobiellen Brennstoffzellen ernähren sich von organischen Substanzen, zum Beispiel von Milchsäure. Dabei werden durch Stoffwechselprozesse ständig Elektronen freigesetzt. Sobald diese Elektronen mit der Anode der Brennstoffzelle in Berührung kommen, werden sie zur gegenüberliegenden Kathode weitergeleitet. So entsteht ein Stromkreislauf. Um auf diese Weise Strom zu produzieren, war es bislang üblich, die metallische Oberfläche der Anode mit Bakterien zu besiedeln. Dort vermehren sich die Bakterien, bilden allmählich einen natürlichen Biofilm und übertragen Elektronen auf die Anode. Der neu entwickelte, künstliche Biofilm aus Bayreuth hat den gleichen Effekt, optimiert diese Art der Stromerzeugung aber gleich in mehrfacher Hinsicht.

Bakterien in Kunststoffnetzen: stabiler als natürliche Biofilme
Das Material, das die Forschergruppe um Prof. Dr. Ruth Freitag (Bioprozesstechnik) und Prof. Dr. Andreas Greiner (Makromolekulare Chemie) entwickelt hat, ist ein Biokomposit, genauer: ein Hydrogel. Es handelt sich um ein Netzwerk aus winzigen Polymerfasern, in denen sich lebende Bakterien befinden, die ihren stromerzeugenden Stoffwechsel uneingeschränkt fortsetzen. Doch die Menge des erzeugten Stroms ist deutlich höher: „Unser Biofilm enthält nur eine einzige Art von Bakterien, Bakterien der Art Shewanella oneidensis. Die elektrische Leistung einer Brennstoffzelle ist mit diesem Film doppelt so hoch, als wenn Bakterien der gleichen Art einen natürlichen Biofilm produzieren", erklärt der Bayreuther Doktorand Patrick Kaiser M.Sc., einer der Autoren der jetzt veröffentlichten Studie.

Zu dieser Leistungssteigerung kommt ein weiterer Vorteil hinzu: Die Stromerzeugung verläuft zuverlässig und berechenbar, denn die Dichte der Bakterien ist im künstlichen Biofilm von vornherein festgelegt. Ein natürlicher Biofilm wird im Gegensatz dazu auf eine schwer zu kontrollierende Weise abgebaut und ist deshalb instabil. Das neue Biokomposit der Bayreuther Wissenschaftler macht Brennstoffzellen deshalb wesentlich anwendungsfreundlicher.

Das Biokomposit wurde auf dem Bayreuther Campus durch das Elektrospinnen von Polymerfasern hergestellt, die zusammen einen Vliesstoff bilden. „Das Elektrospinnen von Vliesstoffen ist heute eine weit verbreitete Technologie. Für die Einbettung der Bakterien sind keine zusätzlichen Produktionsschritte erforderlich", betont Steffen Reich M.Sc., der sich in seiner Bayreuther Doktorarbeit mit der Verkapselung von Bakterien in Polymeren befasst.

Finanzierung durch Bayerischen Projektverbund
Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse zur mikrobiellen Brennstoffzelle sind aus dem Vorhaben „Biofilme für die Prozessintensivierung" hervorgegangen, das dem Projektverbund „Ressourcenschonende Biotechnologie in Bayern - BayBiotech" angehört. Dieser Verbund wird seit 2015 vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz mit insgesamt rund zwei Millionen Euro finanziert.

Veröffentlichung:
Patrick Kaiser, Steffen Reich, Daniel Leykam, Monika Willert-Porada, Seema Agarwal, Andreas Greiner, Ruth Freitag,
Electrogenic single-species biocomposites as anodes for microbial fuel cells,
Macromolecular Bioscience (2017), doi: 10.1002/mabi.201600442.

Video zum Vorhaben „Biofilme für die Prozessintensivierung":

http://www.youtube.com/watch?v=_OYnFJ4-Z5o&feature=youtube_gdata
oder bei http://www.baybiotech.de

Kontakt:
Prof. Dr. Ruth Freitag / Prof. Dr. Andreas Greiner
Lehrstuhl für Bioprozesstechnik / Lehrstuhl für Makromolekulare Chemie II
Universität Bayreuth
95447 Bayreuth
Telefon: +49 (0)921 55 7371 / 3399
E-Mail: ruth.freitag@uni-bayreuth.de / andreas.greiner@uni-bayreuth.de

Quelle: idw 

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Darmkrebsvorsorge mit verbessertem Test: Antikörper suchen verstecktes Blut im Stuhl

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

Ab dem 1. April 2017 erstatten die Krankenkassen einen neuen Test zur Früherkennung von Darmkrebs. Der bisherige Guajak-Test wird durch einen immunologischen Stuhltest ersetzt, den immunologischen fäkalen Okkultbluttest iFOBT. Dieser beruht auf einer Antikörper-Reaktion mit dem menschlichen Blutfarbstoff Hämoglobin und hat sich in Studien als noch zuverlässiger erwiesen. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) rät Menschen ab 50 Jahren regelmäßig zur Darmkrebsvorsorge zu gehen. Der iFOBT sollte ab dem Alter von 50 Jahren einmal jährlich durchgeführt werden. Spätestens ab 55 Jahren ist alle zehn Jahre eine Darmspiegelung empfohlen.

Dickdarmkrebs entwickelt sich in der Regel über viele Jahre hinweg aus harmlosen Vorstufen, den Darmpolypen oder Adenomen. Diese Wucherungen sind zwar meist zunächst gutartig, neigen aber eher zum Bluten als gesunde Darmschleimhaut. „Diese Tatsache machen sich die Stuhltests zunutze", erläutert Professor Dr. med. Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Ulm. Die Tests können winzige, für das Auge nicht sichtbare Blutmengen im Stuhl nachweisen. Während der Guajak-Test auf einer biochemischen Reaktion mit dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin beruht, weisen die neuen Tests das Hämoglobin mithilfe einer Antikörper-Reaktion nach. „Weil die Antikörper nur auf menschliches Hämoglobin reagieren, ist der iFOBT deutlich weniger störanfällig als der Guajak-Test", sagt Seufferlein. Dieser reagiere zuweilen auch auf Blut aus der Nahrung, wenn etwa rotes Fleisch verzehrt worden sei. Die immunologischen Stuhltests, die jetzt in das Screening-Programm aufgenommen werden, haben in umfangreichen Studien bewiesen, dass sie Blutspuren im Stuhl rund zwei bis drei Mal häufiger erkennen als der bisherige Guajak-Test. Im vergangenen Jahr hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) daher beschlossen, den neuen Test in die Krebsfrüherkennungs-Richtlinie aufzunehmen. Ab April 2017 sind die Tests für Versicherte ab 50 Jahren Kassenleistung.

Beim Ablauf des Screenings ergeben sich einige Änderungen: Zwar gibt der Arzt weiterhin den Test an den Patienten aus und erklärt die Durchführung. Die Auswertung wird künftig jedoch nicht mehr in den Arztpraxen, sondern in Speziallaboren stattfinden. Wie bisher wird der Patient nur bei einem positiven Befund kontaktiert. „Eine zentrale Evaluierung der Ergebnisse wie bei der Vorsorgekoloskopie - also eine zentrale Auswertung im Hinblick auf Qualität und Nutzen - ist für den iFOBT seitens des G-BA bislang noch nicht geplant", sagt Professor Dr. med. Wolff Schmiegel, Direktor der Medizinischen Universitätsklinik Knappschaftskrankenhaus Bochum. „Die DGVS empfiehlt unbedingt, dies nachzuholen: Im Sinne der Qualitätssicherung sollte eine zentrale Evaluierung der Ergebnisse erfolgen."

An den Empfehlungen, wer am Screening teilnehmen sollte, wird der neue Test nichts ändern: „Frauen und Männern ab 50 Jahren sollten den Test einmal jährlich durchführen, die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse", so Professor Schmiegel. Fällt dieser positiv aus, so muss zur Absicherung des Ergebnisses eine Darmspiegelung erfolgen. Spätestens ab dem 55. Lebensjahr ist die Darmspiegelung im Rahmen der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie ohnehin empfohlen. Bei einer Darmspiegelung können Veränderungen der Darmschleimhaut wesentlich präziser erkannt werden als mit dem Stuhltest. Die Koloskopie muss - anders als der Stuhltest - im Falle eines unauffälligen Ergebnisses nur alle zehn Jahre wiederholt werden. Sie ist nicht nur ein diagnostisches, sondern zugleich ein therapeutisches Verfahren: Auffällige Veränderungen, also Darmpolypen aus denen Krebs entstehen könnte, entfernt der Arzt in der Regel bereits im Rahmen der Untersuchung.

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 5000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane - zum Wohle des Patienten. Mehr Informationen finden Interessierte unter http://www.dgvs.de oder im aktuellen DGVS-Video: https://www.youtube.com/watch?v=Orv-uHE1fls.

Weitere Informationen:
https://youtu.be/Orv-uHE1fls

Quelle: idw 

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Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

Dipl.-Chem. Iris Kumpmann Abteilung Public Relations
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Die Verwendung von Zuckerrübenschnitzeln in Verbundwerkstoffen oder als Bestandteil von Kunststofffolien bietet Zuckerrübenproduzenten zukünftig neue Geschäftsfelder und reduziert den Verbrauch an fossilen Rohstoffen. Die Fraunhofer-Institute UMSICHT und WKI erforschen gemeinsam mit Partnern aus Landwirtschaft und Industrie innovative und wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten von Rübenschnitzeln.

Während der Rübenernte und Verarbeitung fallen allein bei den großen deutschen Zuckerherstellern Rübenschnitzel im siebenstelligen Tonnenbereich an. Diese so genannten Pressschnitzel werden derzeit regional als Milchviehfutter oder Biogassubstrat vermarktet. Die begrenzte Vermarktbarkeit führt dazu, dass ein Teil der Pressschnitzel, getrocknet und zu Pellets gepresst, als lagerfähiges Futtermittel verkauft wird. Die produzierten Mengen werden europaweit jedoch weiter steigen, zudem übt das Auslaufen der Zuckermarktverordnung in 2017 Handlungsdruck aus, neue Wertschöpfungsmöglichkeiten zu erschließen.

Die Verwendung der Rübenschnitzel in höherwertigen Anwendungen jenseits des Energie- und Futtermittelmarktes liefert einen Beitrag zur Bioökonomiestrategie des Bundes, stärkt regionale Märkte und spart gleichzeitig fossile Rohstoffe ein. Im Projekt »Werkstoffentwicklung auf Basis von Rübenschnitzeln für marktrelevante Anwendungen« (WeRümA) entwickeln die beiden Fraunhofer-Institute UMSICHT und WKI gemeinsam mit Partnern aus Landwirtschaft und Industrie Produktionskonzepte und Applikationen, bei denen Zuckerrübenschnitzel in Verbundwerkstoffen eingesetzt werden können.

Höherwertige Anwendungen
Generell stellt sich die Frage, welche biogenen Rohstoffe nachhaltig für eine stoffliche Verwertung in NRW, Deutschland und Europa zur Verfügung stehen. Rübenschnitzel können energie- und ressourceneffizient hergestellt werden, da in Zuckerfabriken Kraft-Wärme-Kopplung zur Energieerzeugung eingesetzt und Abwärme sehr effizient als Energiequelle genutzt wird. Zuckerrübenschnitzel haben allerdings eine von gängigen Pflanzenfasern oder Agrarprodukten wie Stärke und Holz abweichende Zusammensetzung: Cellulose, Hemicellulose und Pektine sind in ähnlichen Anteilen vertreten, Lignin hingegen nur in geringer Menge. Daraus resultiert eine veränderte Verfahrensführung zur Verarbeitung.

Produktionskonzepte und Applikationen
Auf Basis von Kooperationen mit mehreren regionalen Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette - vom Rohstoff bis zu den Endprodukten - sollen im Verbundprojekt technische und ökonomische Fragestellungen zur Machbarkeit beantwortet werden. Hierzu zählen Verfahrenstechnik, Rezepturentwicklung und Prüfung der hergestellten Verbundwerkstoffe.

Die Fraunhofer-Forscher arbeiten an der Konditionierung der Rübenschnitzel mittels thermomechanischer Verfahren. Unter anderem befassen sie sich mit der Anwendung des im Holzbereich genutzten Refiners und der Verarbeitung in Verbundwerkstoffen. Fraunhofer UMSICHT prüft die Möglichkeit, Rübenschnitzel in Kunststofffolien zu nutzen, wobei die Konditionierung der Rübenschnitzel für die Anwendbarkeit im Mikrometerbereich - Folien sind häufig nur 20 µm dick - eine Herausforderung darstellt. Eine denkbare Anwendung dafür wären beispielsweise Mulchfolien für die Landwirtschaft. Am Fraunhofer WKI erforschen die Experten den Einsatz von Rübenschnitzeln in so genannten Wood-Polymer Composites.

Die Projektpartner entlang der Wertschöpfungskette
Rüben: Pfeifer & Langen GmbH & Co. KG, Landwirtschaftlicher Betrieb Koch*
Rohstoffkonditionierung: Jäckering Mühlen- und Nährmittelwerke GmbH, Fraunhofer WKI, Harold-Scholz & Co GmbH*
Halbzeug: Kunststoff-Institut Lüdenscheid, Fraunhofer UMSICHT, Entex Rust & Mitschke GmbH, FKuR Kunststoff GmbH, BYK-Chemie GmbH*
Endprodukt: SWOBODA engineering GmbH, nova-Institut für politische und ökologische Innovation GmbH

*Assoziierte Partner

Förderhinweis
Das Projekt »WeRümA« wird gefördert mit einer Zuwendung des Landes Nordrhein-Westfalen unter Einsatz von Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) 2014-2010 »Investitionen in Wachstum und Beschäftigung«. Projektträger: LeitmarktAgentur.NRW - Projektträger ETN Forschungszentrum Jülich.

Weitere Informationen:
https://www.efre.nrw.de/

Quelle: idw 

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Faire Ungleichheit?

Julia Wandt Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Universität Konstanz

Studie zu geschlechtsspezifischem Lohnunterschied belegt eine gesellschaftliche Verankerung der Ungleichheit

Eine Lohnlücke von sieben bis neun Prozent wird gesellschaftlich als fair angesehen. Dies ist eines der Ergebnisse einer Studie zur Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen von Prof. Dr. Thomas Hinz, Professor für Empirische Sozialforschung an der Universität Konstanz.

In einer Umfrage mit 1.600 Teilnehmern wurde untersucht, welche Gehälter von den Teilnehmern als gerecht eingestuft werden. Dafür wurden den Befragten über 26.000 Profile von fiktiven Arbeitnehmern vorgelegt, die verschiedene Geschlechter, Erfahrungen und Qualifikationen hatten. Sie wurden gebeten, deren Gehälter in die Kategorien fair, ungerecht hoch und ungerecht niedrig einzustufen. Die Ergebnisse der Untersuchung "Why Should Women Get Less? Evidence on the Gender Pay Gap from Multifactorial Survey Experiments" wurden von Thomas Hinz gemeinsam mit Prof. Dr. Katrin Auspurg und Dr. Carsten Sauer in der aktuellen Ausgabe von American Sociological Review veröffentlicht.

Obwohl sich vorab alle Teilnehmer der Studie explizit für eine gleiche Bezahlung für gleiche Leistung ausgesprochen hatten, wurde Frauen bei gleicher Qualifikation weniger Geld zugeteilt als Männern. „Bemerkenswert ist, dass die Ergebnisse geschlechtsübergreifend sind. Es sind also genauso Frauen wie Männer, die weniger Gehalt für Frauen als fair empfanden", erläutert Thomas Hinz die Ergebnisse der Studie und führt weiter aus, dass diese Resultate auf eine normative Kraft der bestehenden Verhältnisse zurückzuführen seien. Die Befragten griffen bei der Bewertung von fairen Lohnverhältnissen auf ihre persönlichen Erfahrungen zurück. Wenn ungerechte Vergütung gesellschaftlich so stark verankert ist, seien die Befragten schlicht gewöhnt, dass verschiedene Geschlechter ungleich bezahlt werden. Aus dieser Gewohnheit heraus haben sie in der Umfrage ein Meinungsbild produziert, das ihrer Einstellung bei direkter Befragung zum Thema Lohngleichheit widerspricht.

Originalveröffentlichung:
Why Should Women Get Less? Evidence on the Gender Pay Gap from Multifactorial Survey Experiments, Katrin Auspurg, Thomas Hinz, Carsten Sauer, American Sociological Review, 2017, DOI: 10.1177/0003122416683393
http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0003122416683393?journalCode=asra

Faktenübersicht:
• Studie zu geschlechtsspezifischem Lohnunterschied
• Lohnlücke von sieben bis neun Prozent wird gesellschaftlich als fair angesehen
• Why Should Women Get Less? Evidence on the Gender Pay Gap from Multifactorial Survey Experiments, Katrin Auspurg, Thomas Hinz, Carsten Sauer, American Sociological Review, 2017, DOI: 10.1177/0003122416683393
http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0003122416683393?journalCode=asra

Kontakt:
Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
Telefon: + 49 7531 88-3603
E-Mail: kum@uni-konstanz.de

Quelle: idw 

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Mediziner warnen vor rasantem Anstieg bei Speiseröhrenkrebs als Folge von Sodbrennen

Mathias Eberenz Konzernbereich Unternehmenskommunikation/Pressestelle
Asklepios Kliniken Hamburg GmbH

Auf dem Endoskopie-Kongress in Berlin zeigten die Spezialisten, wie der Krebs früh entdeckt und ohne OP geheilt werden kann / Kongress-Rekord mit 2.000 Teilnehmern aus Deutschland und Europa / 30 Operationen werden live in den Tagungssaal übertragen

Auf Deutschlands größtem Treffen von Endoskopie-Spezialisten in Berlin steht die Früherkennung und die Heilung verschiedener Krebsarten per schonender „Spiegelung" mit dem Endoskop im Mittelpunkt. Hier hat die Forschung, die Technik - vor allem aber die Medizin rasante Fortschritte gemacht, von denen die Patienten profitieren. Highlight der dreitägigen Veranstaltung mit der Rekordbeteiligung von 2.000 Teilnehmern aus aller Welt ist die Live-Übertragung von mehr als 30 Operationen aus dem Sana Klinikum Lichtenberg in den Tagungssaal des Estrel Hotels Berlin. Durchgeführt werden die Eingriffe von 15 nationalen und internationalen Experten, die u.a. aus Israel, Frankreich, Italien und Belgien kommen. Die bedeutsamste Veranstaltung im Bereich der Endoskopie fand vom 6. bis 8. April statt. Hinter der kryptischen Bezeichnung „DGE-BV meets Endoskopie Live" verbirgt sich der Zusammenschluss zweier Veranstaltungen: Der 47. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Endoskopie und Bildgebende Verfahren (DGE-BV) und Endoskopie Live. Letztere ist eine der großen deutschen Endoskopie-Veranstaltungen, bei denen die Eingriffe live übertragen werden.

„Uns geht es darum, den Kollegen bewährte und neue Techniken in der Endoskopie zu demonstrieren und mit ihnen zu diskutieren. Die Endoskopie hat sich im Laufe der Zeit rasant entwickelt und ermöglicht therapeutische Untersuchungen von Erkrankungen, die vor Jahren noch unvorstellbar waren", sagt Prof. Dr. Siegbert Faiss, Chefarzt der gastroenterologischen Abteilung in der Asklepios Klinik Barmbek in Hamburg, der den Kongress gemeinsam mit Priv.-Doz. Dr. Dirk Hartmann, Chefarzt an der Klinik für Innere Medizin am Sana Klinikum Lichtenberg organisiert. „Frühe Krebserkrankungen im Verdauungstrakt, in der Speiseröhre, im Magenbereich, der Bauchspeicheldrüse oder der Gallenwege können in vielen Fällen allein mit der Endoskopie geheilt werden, ohne dass eine Operation notwendig ist", so Prof. Faiss weiter.

Obwohl der Dickdarmkrebs in Deutschland rückläufig ist, gibt es keinen Anlass zur Entwarnung bei Tumoren des Verdauungstraktes. Denn Speiseröhrenkrebs als Folge von chronischem Sodbrennen, das so genannte Barrett-Karzinom, ist die derzeit am schnellsten zunehmende Krebserkrankung in der westlichen Welt. „Wie zu Anfang der Darmkrebs wird der Krebs der Speiseröhre derzeit noch deutlich unterschätzt. Dabei hat das Beispiel des Darms gezeigt, dass regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, bei denen die Endoskopie-Experten potenziell gefährliche Strukturen wie Polypen und sogar kleine, oberflächliche Tumore frühzeitig entfernen, vielen Patienten Operationen erspart und das Leben gerettet haben", sagt Prof. Faiss. Die Eröffnungsrede hält Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery zum Thema: „Wir Ärzte im Spannungsfeld der Politik".

In diesem Videointerview erläutert Prof. Faiss, wie Frühtumore endoskopisch ohne weitere Operation entfernt werden können:
https://www.youtube.com/watch?v=ZU1x8I8pBpk

Kontakt:
Asklepios Kliniken
Konzernbereich Unternehmenskommunikation & Marketing
Tel.: (040) 18 18-82 66 36
E-Mail: presse@asklepios.com
24-Stunden-Rufbereitschaft der Pressestelle: (040) 1818-82 8888

Besuchen Sie Asklepios im Internet, auf Facebook oder YouTube:
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Quelle: idw 

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Schluss mit Ölwechsel auf Verdacht: Sensor warnt, wenn Öl im Blockheizkraftwerk schlecht wird

Claudia Ehrlich Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

Kein unnötiger Ölwechsel mehr. Stattdessen immer auf dem Laufenden, wie es um das Öl steht: Ein Sensorsystem, das Professor Andreas Schütze und sein Forscherteam von der Universität des Saarlandes mit Partner-Firmen entwickelt haben, misst im laufenden Betrieb die Ölqualität in Blockheizkraftwerken - permanent und zuverlässig. Und es warnt, wenn das Öl plötzlich schlecht wird. Das Öl fließt dafür durch eine kleine Messzelle, in der es durchleuchtet und auf seinen chemischen Zustand hin geprüft wird. Das Verfahren schont die Umwelt, senkt Betriebskosten und macht Wartungseinsätze planbar.

Öl ist für Motoren überlebenswichtig. Es verhindert, dass sie heiß laufen, und verringert Reibung wie Verschleiß. Aber das geht dem Öl an die Substanz: Mit der Zeit oxidiert es. Wasser reichert sich darin an und irgendwann sind Zusätze, die dafür sorgen, dass es gut schmiert, verbraucht. Es muss gewechselt werden, sonst drohen Schäden. Aber wann ist das genau der Fall? Hier liegt das Problem. Denn genau sagen lässt sich das bislang nur durch regelmäßige Laboruntersuchungen. Daher wird das Schmieröl - ob beim Auto oder beim Blockheizkraftwerk - turnusmäßig und damit häufig zu früh gewechselt. Sicherheitshalber. Genau dies ändert jetzt ein neues Verfahren, das Professor Andreas Schütze und sein Team auf der Hannover Messe zeigen:

„Wir bauen eine kleine Messzelle im Motor ein, durch die während des laufenden Betriebs das Öl hindurchfließt. Unser Verfahren überwacht die Qualität des Öls fortwährend und prognostiziert laufend, wann der Ölwechsel wahrscheinlich fällig ist. So kann die Wartung längerfristig geplant werden, teure Motorschäden durch eine plötzliche Verschlechterung werden aber dennoch sicher vermieden", erklärt Andreas Schütze. Die Messzelle misst ständig den chemischen Zustand des Öls: Sie durchleuchtet das Öl mit einer Infrarot-Quelle und fängt die Strahlen auf, die es durchdringen. „Wenn sich das Öl chemisch verändert, ändert sich auch das empfangene Lichtspektrum. Also können wir hieraus Rückschlüsse auf seinen chemischen Zustand ziehen, den Oxidationsgrad messen und auch erkennen, ob Wasser in das System eingedrungen ist", erklärt Ingenieur Eliseo Pignanelli, der das Verfahren mitentwickelt hat. Die Daten aus der Messzelle können die Ingenieure in das Steuerungs- oder Fernüberwachungssystem einer Anlage einbinden, so dass sie diese unabhängig vom Standort der Anlage auswerten können.

Blockheizkraftwerke, die Strom und Wärme direkt am Ort erzeugen, wo sie verbraucht werden und so eine unabhängige Versorgung bieten, kommen vielerorts zum Einsatz, von Industrie, Schulen, Krankenhäusern bis hin zum Privathaushalt. Die Mini-Kraftwerke erreichen einen hohen Wirkungsgrad. Verlustreiche Transportwege der Energie entfallen, nicht selbst genutzter Strom kann ins öffentliche Netz eingespeist werden. Die bislang üblichen turnusmäßigen Ölwechsel schlagen in der ökonomischen wie ökologischen Bilanz der Anlagen negativ zu Buche. „Bei erdgasbetriebenen Blockheizkraftwerken wird heute das Öl etwa alle 1.500 Betriebsstunden gewechselt, ob es nötig ist oder nicht. Das ist schlecht für die Umwelt und erhöht zugleich die Betriebskosten der Anlagen. Mit unserem Messsystem lässt sich dies vermeiden", erläutert Andreas Schütze.

Das Saarbrücker Sensorsystem kann serienmäßig in Blockheizkraftwerken eingebaut werden. Auch in sonstigen Industrie- und Windkraftanlagen oder Maschinen - und sogar mobil - kann es zum Einsatz kommen. Es eignet sich außerdem zur Überwachung anderer Flüssigkeiten.
Die Saarbrücker Ingenieure haben das System in verschiedenen Forschungsprojekten an der Universität des Saarlandes und am Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik erarbeitet; mehrere Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft waren hieran beteiligt. Bei dem Verfahren speziell für Blockheizkraftwerke arbeiten sie mit den Thüringer Unternehmen WEGRA, EAW und ZILA zusammen, die auf Anlagenbau, Blockheizkraftwerke sowie Sensorik spezialisiert sind. Die Forschungsprojekte förderten das Bundeswirtschaftsministerium, das Bundesforschungsministerium, das saarländische Wirtschaftsministerium und der Europäische Fond für regionale Entwicklung.

Kontakt:
Prof. Dr. Andreas Schütze, Tel.: 0681/302 4663, schuetze@lmt.uni-saarland.de
Dipl.-Ing. Eliseo Pignanelli: Tel.: 0681-85 787 44, e.pignanelli@lmt.uni-saarland.de
http://www.lmt.uni-saarland.de

Hintergrund:
Am Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik ZeMA in Saarbrücken arbeiten Saar-Uni, Hochschule für Technik und Wirtschaft sowie Industriepartner zusammen, um Mechatronik und Automatisierungstechnik im Saarland zu stärken sowie den Technologietransfer zu fördern. In zahlreichen Projekten wird industrienah entwickelt und neue Methoden aus der Forschung in die industrielle Praxis umgesetzt. http://www.zema.de

Der saarländische Forschungsstand wird organisiert von der Kontaktstelle für Wissens- und Technologietransfer der Universität des Saarlandes (KWT). Sie ist zentraler Ansprechpartner für Unternehmen und initiiert unter anderem Kooperationen mit Saarbrücker Forschern. http://www.uni-saarland.de/kwt

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Durstige Landwirtschaft: Übermässige Grundwassernutzung bedroht Lebensmittelversorgung weltweit

Sabine Wendler Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum Pressestelle
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Der Anbau international gehandelter Lebensmittel zapft immer größere Mengen an nicht-erneuerbarem Grundwasser an. Dies führt dazu, dass die Grundwasservorräte schrumpfen - die zukünftige Verfügbarkeit von Lebensmitteln und Wasser gerät damit weltweit in Gefahr, warnt ein internationales Forscherteam im Fachblatt „Nature". Laut den Experten des University College of London, des Senckenberg, der Universität Klagenfurt, der NASA and des International Institute for Applied Systems Analysis, ist die Menge an nicht-erneuerbarem Grundwasser, das zur Bewässerung genutzt wird, von 2000 bis 2010 um knapp ein Viertel angestiegen.

Reis aus Pakistan, Weizen aus Ägypten und Baumwolle aus den USA - wenn es um die Herkunft dieser und anderer landwirtschaftlicher Güter geht, bedient sich auch der deutsche Verbraucher gern international. Was in Anbauregionen mit aridem oder semiariden Klima an Regen fehlt, wird durch Bewässerung mit Grundwasser ersetzt. Und genau das ist ein Problem. „Die Menge des dabei verbrauchten, nicht-erneuerbaren Grundwassers - also Wasser, das nicht oder nur wenig durch Regen oder Eindringen von Oberflächenwasser erneuert wird - hat weltweit zwischen 2000 und 2010 um 22 Prozent zugenommen. 11 Prozent des übermäßig genutzten Grundwassers fließen in den Bewässerungsanbau von international gehandelten Lebensmitteln", so Dr. Thomas Kastner, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und Universität Klagenfurt, Ko-Autor der neuen Nature-Studie.

Hauptexporteur von landwirtschaflichen Produkten, die mit nicht- erneuerbaren Grundwasser angebaut wurden, ist Pakistan (29 % des nicht-erneuerbaren Grundwassers, das weltweit zum Anbau gehandelter landwirtschaftliche Produkte eingesetzt wird), gefolgt von den USA (27 %) und Indien (12 %). Beim Import ist China der Spitzenreiter (9 % des nicht-erneuerbaren Grundwassers, das weltweit zum Anbau gehandelter landwirtschaftliche Produkte eingesetzt wird), gefolgt von den USA und Iran. Für Deutschland liegt dieser Wert immerhin bei 2,5 % und damit deutlich über dem Anteil der Deutschen an der Weltbevölkerung.

Exporteure von Produkten, zu deren Anbau übermässig Grundwasser verbraucht wurde, mögen kurzfristig profitieren. Langfristig gesehen dürfte diese Form der Landwirtschaft aber nicht aufrechtzuerhalten sein. Aber auch für Importeure, wie Deutschland, birgt die Entwicklung Risiken. „Obwohl in Deutschland kein Grundwassermangel herrscht, importieren wir Nahrungsmittel, die durch übermässige Grundwassernutzung hergestellt wurden. Langfristig gesehen, könnte diese Versorgung einbrechen oder die Preise stark steigen", so Kastner.

Die Liste der Produkte, die im internationalen Handel das meiste nicht-erneuerbare Grundwasser ‚im Gepäck haben‘ wird angeführt von Reis (29 % der Gesamtmenge an nicht-erneuerbarem Grundwasser). Mit Abstand folgen Weizen (12 %) und Baumwolle (11 %), Mais (4 %) und Sojabohnen (3 %). Beim Anbau in trockeneren Regionen werden häufig konventionelle Berieselungssysteme eingesetzt. Sie stehen in der Kritik, weil die Entnahmenraten 20 bis 50 Mal über der Menge an Grundwasser liegen, die als erneuerbar eingeschätzt wird.

Dr. Carole Dalin vom University College London, Hauptautorin der Studie, ist besorgt: „Wo und wie Produkte angebaut werden ist äußerst wichtig, denn Grundnahrungsmittel wie Brot und Reis könnten sich negativ auf die globalen Wasservorräte auswirken. Wenn sich Verbraucher und Produzenten nicht auf Strategien einigen, um die Nachhaltigkeit der Grundwasernutzung zu maximieren, stehen für einen großen Teil der Weltbevölkerung die stabile Nahrungsmittelversorgung und -preise auf dem Spiel. Im Zuge des Klimawandels werden zudem Dürren in vielen Regionen häufiger werden. Um dies kompensieren zu können, dürfen wir die Grundwasservorräte nicht erschöpfen."

Kontakt
Dr. Thomas Kastner
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. 069- 7542 1807
thomas.kastner@senckenberg.de

Sabine Wendler
Pressestelle
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. 069- 7542 1818
Sabine.wendler@senckenberg.de

Publikation
Dalin, C., Wada, Y. Kastner, Th. And Puma, M.J. (2017): Groundwater depletion embedded in international food trade. Nature. Doi: 10.1038/nature21403

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblicke in vergangene und gegenwärtige Veränderungen der Natur vermittelt. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie weiteren Sponsoren und Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

200 Jahre Senckenberg! 2017 ist Jubiläumsjahr bei Senckenberg - die 1817 gegründete Gesellschaft forscht seit 200 Jahren mit Neugier, Leidenschaft und Engagement für die Natur. Seine 200-jährige Erfolgsgeschichte feiert Senckenberg mit einem bunten Programm, das aus vielen Veranstaltungen, eigens erstellten Ausstellungen und einem großen Museumsfest im Herbst besteht. Natürlich werden auch die aktuelle Forschung und zukünftige Projekte präsentiert. Mehr Infos unter: www.200jahresenckenberg.de.

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Neue Müslis für die Gesundheit

Stephan Laudien Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Ernährungswissenschaftler der Uni Jena untersuchen das gesundheitsfördernde Potenzial von Hafer und Gerste nach dem Rösten

Die Getreidesorten Hafer und Gerste fristen ein kümmerliches Nischendasein in der menschlichen Ernährung. Aktuell gelangen nur ein Prozent der Gersten- und 14 Prozent der Haferproduktion auf den Tisch. Dabei haben Gerste und Hafer durch ihren hohen Gehalt an β-Glucan das Potenzial, zur Prävention ernährungsbedingter Krankheiten wie Diabetes, Darmkrebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen beizutragen.

Ernährungswissenschaftler der Universität Jena loten dieses Potenzial jetzt in einem neuen Forschungsprojekt aus, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird.

„Wir wollen Röstbedingungen für diese Getreide etablieren, die zu sensorisch hochwertigen Produkten führen", sagt Prof. Dr. Michael Glei. Der Ernährungswissenschaftler von der Universität Jena leitet das neue Forschungsprojekt gemeinsam mit seinem Fachkollegen Prof. Dr. Stefan Lorkowski. Für ihr Vorhaben haben sie Partner aus kleinen und mittelständischen Unternehmen gewonnen - eine Voraussetzung, um die Förderung von ca. 350.000 Euro durch das Bundesministerium zu erhalten. Einer der Partner ist der führende Hersteller für Röstmaschinen, außerdem sind diverse Mühlen und Bäckereien involviert.

„Beim Rösten sollen die Eigenschaften verbessert werden, ohne dass wir Verluste bei den Inhaltsstoffen haben", erläutert Dr. Wiebke Schlörmann, die die Studie gemeinsam mit Dr. Christine Dawczynski durchführen wird. Erste Pilotstudien hätten gute Ergebnisse gebracht, wobei die Wissenschaftler mit dem Rösten tatsächlich Neuland betreten.

Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen mit gesundheitsfördernden Eigenschaften gehört das β-Glucan, ein langkettiges Polysaccharid. Dieser Ballaststoff gelangt unverdaut in den Dickdarm und wird dort durch Bakterien fermentiert, wobei u. a. kurzkettige Fettsäuren entstehen. „Die bei der Fermentation entstehenden Stoffe haben positive Effekte auf die Darmgesundheit", sagt Dr. Schlörmann. Es müsse jedoch sichergestellt werden, dass die positiven Effekte nicht durch das Rösten verlorengehen.

Ein Teil des Projekts, das zunächst auf zwei Jahre angelegt ist, wird eine Humaninterventionsstudie sein, bei der die Kurz- und Langzeiteffekte einer Ernährung mit hohem Anteil an Gerste- und Haferprodukten untersucht werden.

Bereits jetzt werden Müslis und Brötchen mit Hafer- und Gerstenflocken durchaus gern verzehrt. Die Jenaer Ernährungswissenschaftler wollen mit ihrer Studie diese Beliebtheit wissenschaftlich untermauern.

Kontakt:
Prof. Dr. Michael Glei
Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Straße 24, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949674
E-Mail: michael.glei@uni-jena.de

Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Quelle: idw 

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Energie aus der Toilette

Monika Landgraf Presse, Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

Abwasser steht im Geruch, zu nichts Nutze zu sein - zu Unrecht! Waschwasser ist durchschnittlich 30 Grad warm. Aus Toilettenwasser könnten nicht nur Biogas und Dünger sondern auch wertvolle Ressourcen gewonnen werden, die ungenutzt den Bach runtergehen. Schlimmer: An Durchfallerkrankungen durch falschen Umgang mit Abwasser sterben jährlich über zwei Millionen Menschen. Wie diesen Missständen begegnet werden kann, daran forschen die Experten der „Wasser-Energie-Gruppe" am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Obwohl etwa 72 Prozent der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt sind, eignet sich nur 0,3 Prozent davon als Trinkwasser. „Angesichts dessen ist Abwasser kein Abfall. Es enthält thermische Energie, chemische Energie in Form von Kohlenstoffverbindungen und wertvolle Pflanzennährstoffe. Jetzt gilt es, Verfahren zu entwickeln, die es erlauben, diese Ressourcen zu nutzen", sagt Helmut Lehn vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS). Die Abwärme häuslichen Abwassers könne zum Beispiel mittels Wärmetauschern in Kanalrohren verwertet werden. „Noch effektiver ist es, das warme Abwasser aus Waschmaschine und Bad direkt im Haus zu nutzen, um etwa frisches Wasser zum Duschen vorzuwärmen", ergänzt Witold Poganietz, der gemeinsam mit Lehn die Forschungsgruppe leitet. Eine solche Anlage sei in einem Berliner Wohnblock bereits in Betrieb.

Eine Grundvoraussetzung, um die Ressource Abwasser intelligent auszuschöpfen, sei die Trennung der Abwasserströme aus Toilette (Schwarzwasser) und Bad sowie Küche (Grauwasser), erläutert Lehn. Würden Exkremente separat und unverdünnt abtransportiert - zum Beispiel durch Vakuumtoiletten wie im Flugzeug oder ICE - ließen sich aus einem Liter Abwasser drei Liter Biogas gewinnen. „Durch die Zugabe von Biomüll könnte die Energieausbeute sogar noch gesteigert und die Biotonne im Haushalt eingespart werden", sagt Lehn. Darüber hinaus sei „Urin ein idealer Pflanzendünger. Denn es enthält Stickstoff, Kalium und Phosphor." Da Letzteres als nicht-erneuerbare Ressource gilt, die im Übrigen vermutlich noch vor Kohle und Erdöl zur Neige gehe, werde intensiv daran geforscht, es aus kommunalem Abwasser und Klärschlamm zurückzugewinnen. So ließe sich auch die Nachfrage nach Kunstdünger, dessen Herstellung sehr energieintensiv ist, vermindern.


Während bei bestehender Infrastruktur die gemischten Abwässer wohl weiterhin aufwendig gereinigt werden müssten, biete sich die Trennung der Abwasserströme bei Neubaugebieten an, meint Franka Steiner vom ITAS. Gleiches gelte für die immer weiter wachsenden Ballungsräume in Schwellen- und Entwicklungsländern. „Denn hier gibt es oft überhaupt noch keine Sanitärsysteme", sagt die Geoökologin, die wie Lehn weltweit unterwegs ist, um Akteure wie Stadtverwaltungen bei der Planung von Abwassersystemen zu beraten. Ein Trennsystem, das sowohl Energie als auch Nährstoffe aus dem Abwasser mehrerer tausend Einwohner gewinnt, erprobe zur Zeit die Stadt Hamburg in einem Konversionsgebiet. Ein Projekt, das die ITAS-Forscher mit großem Interesse verfolgen.

UN-Weltwassertag erinnert an Millionen Tote durch falschen Umgang mit Schmutzwasser
Um auf die weltweite Abwasserproblematik aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen den alljährlichen „United Nations World Water Day" („Tag des Wassers"), der seit 1993 immer am 22. März begangen wird, diesmal unter das Motto „Wastewater" also Abwasser gestellt. Mit gutem Grund: Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO verursachen Durchfallerkrankungen, die mit dem unsachgemäßen Umgang mit Abwasser in Verbindung gebracht werden, vier Prozent aller Todesfälle weltweit - Tendenz steigend
.
Viele der über zwei Millionen Opfer pro Jahr seien Kinder, die in Entwicklungsländern leben, sagt Lehn. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 starben rund 440.000 Menschen an Malaria (halb so viele wie 15 Jahre zuvor) und 1,1 Millionen Menschen an AIDS. Einen Grund für den Anstieg der tödlichen Durchfallerkrankungen sieht ITAS-Forscher Lehn in der fortschreitenden Urbanisierung mit immer mehr Menschen, die in städtischen Slums eng gedrängt und ohne hygienische Abwasserbehandlung leben.

ITAS informiert wie Bürger Abwasser schon heute nutzen können
Aus erster Hand über die Nutzungsmöglichkeiten von Abwasser informieren können sich Besucher am Donnerstag, 11. Mai, von 18 bis 21 Uhr, im ITAS-Gebäude (Karlstraße 11, 76021 Karlsruhe). Es sprechen Experten der „Wasser-Energie-Gruppe" sowie Praktiker der Abwasserwirtschaft und der Entwicklungszusammenarbeit. „Bürger können hier selbst eine Einschätzung gewinnen, wie es um unser derzeitiges Abwasserbehandlungssystem bestellt ist, welche Nutzungsmöglichkeiten alternativer Abwassersysteme jedem Einzelnen schon heute offenstehen und welche ein gemeinsames Vorgehen von Hausbesitzern und Kommunen erfordern, sagt Helmut Lehn.

Zusammenhänge zwischen Wasser, Energie und Abfall: ITAS-Planspiel auf der Weltwasserwoche
Auf der World-Water-Week in Stockholm vom 27. August bis 1. September 2017, zu der unter dem Motto „Water and waste - reduce and reuse" mehr als 3.000 Besucher aus aller Welt erwartet werden, präsentiert die Wasser-Energie-Gruppe des ITAS ein Planspiel. „Dabei sollen technoökonomische sowie soziokulturelle und ökologische Zusammenhänge zwischen Wasser, Energie und Abfall beleuchtet und Konzepte für unterschiedliche urbane Kontexte entworfen werden", sagt Jasmin Friedrich, die zum Thema Wasser-Energie-Nexus forscht.

KIT bildet Spezialisten im nachhaltigen Umgang mit Wasser aus
Einen weiteren Beitrag zur Lösung der weltweiten Wasserprobleme leistet das KIT mit dem Masterstudiengang „Water, Science & Engineering". Das KIT bietet hier eine interdisziplinäre, forschungsorientierte Ausbildung an der Schnittstelle wasserbezogener Ingenieur- und Naturwissenschaften. Das Studium vermittelt fundierte Fachkenntnisse in wasserbezogenen Ingenieur- und Naturwissenschaften. Dazu gehören Wassertechnologie und Siedlungswasserwirtschaft, Wasserbau und Hydraulik sowie Umweltsystemwissenschaft und Wasserressourcenmanagement. Der Studiengang ist international ausgerichtet und ein großer Teil des Lehrangebots ist englischsprachig. Absolventinnen und Absolventen qualifizieren sich für eine verantwortungsvolle Tätigkeit in Planungs- und Ingenieurbüros, Industrieunternehmen, im Öffentlichen Dienst, der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und der Wissenschaft.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verbindet seine drei Kernaufgaben Forschung, Lehre und Innovation zu einer Mission. Mit rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 25 000 Studierenden ist das KIT eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas.
KIT - Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft

Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: www.kit.edu

Anhang
Energie aus der Toilette
https://idw-online.de/de/attachment56902

Quelle: idw 

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Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche

Dr. Corinna Dahm-Brey Presse und Kommunikation
Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Internationale Meeres- und Klimaforscher kamen am 27. März zu einem bisher einzigartigen Experiment am Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg zusammen. Zwei Wochen lang wurde das interdisziplinäre Expertenteam vom Wilhelmshavener ICBM Standort aus auf dem Jadebusen die hauchdünne Oberflächenschicht des Meeres auch in der Nacht untersuchen. Sie beeinflusst den Gasaustausch zwischen Atmosphäre und Ozean und wirkt sich auch auf das Klimageschehen aus.

Der größte Teil der Ozeane ist von dünnen natürlichen Häutchen, sogenannten Oberflächenfilmen, bedeckt. Angereichert mit organischen Verbindungen biologischen Ursprungs bilden sie eine turbulenzfreie Grenzschicht auf der Meeresoberfläche. Diese Schicht verlangsamt den Gasaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre. Und oft bietet sie ideale Lebensbedingungen für Mikroorganismen, die diesen Austausch zusätzlich aktiv beeinflussen können. Die Wissenschaftler des Projektteams vermuten, dass sich dieser Film bei Dunkelheit anders verhält als am Tag: Die Sonneneinstrahlung lässt zum Beispiel Mikroalgen Sauerstoff (O2) produzieren - die Ozeane steuern immerhin die Hälfte des Luftsauerstoffs auf der Erde bei. Darüber hinaus nehmen die Meere ungefähr ein Drittel des von Menschen produzierten Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) auf. Speziell nachts, so die Annahme, könnten allerdings atmende Mikroorganismen in der Grenzschicht in den Vordergrund treten, die ebenfalls CO2 produzieren.
In den kommenden zwei Wochen am Jadebusen geht es vor allem um folgende Fragen: Schwanken die Zusammensetzung und die Stoffwechselleistungen der Mikroben-Gemeinschaften im Tagesverlauf nennenswert? Und beeinflussen Sie tatsächlich in maßgeblicher Form den Gasaustausch von O2 und CO2 durch den Oberflächenfilm? Außerdem interessiert die Wissenschaftler, inwieweit biologische, physikalische und (photo-) chemische Prozesse die Menge und Beschaffenheit feinster Schwebstoffe (Aerosole) über der Meeresoberfläche prägen - diese wirken sich auch auf die Wolkenbildung aus.
„Es ist das erste Mal, dass wir Oberflächenfilme auch nachts untersuchen, überdies international und fachübergreifend. Das wird eine Herausforderung, denn die Arbeit bei Dunkelheit auf See ist ohnehin nicht einfach", erklärt Dr. Mariana Ribas Ribas, Ozeanographin in der Arbeitsgruppe (AG) Meeresoberflächen am ICBM. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. Christian Stolle, der zudem am Institut für Ostseeforschung (IOW) forscht, hat sie das Projekt initiiert. Die Idee für „MILAN" (sea-surface microlayer functioning during the night) ist auf unkonventionelle Weise am Rande einer Fachtagung entstanden. „Normalerweise wirbt man Geld ein und führt dann ein Projekt durch. Hier lief es anders herum", so Ribas Ribas weiter. Gemeinsam wolle man MILAN nun zu einem europäischen Projekt ausbauen.
Zum Team gehören Forscher aus Costa Rica, Dänemark, Großbritannien, Italien, Kroatien, Polen, Schweden und Spanien. Von deutscher Seite sind neben den Projektinitiatoren Ribas Ribas und Stolle sowie dem Leiter der durch den European Research Council (ERC Starting Grants) geförderten AG Meeresoberflächen, Dr. Oliver Wurl, weitere Wissenschaftler der Universität Oldenburg, des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, des Bremer Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) und des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS) in Leipzig beteiligt.
Dem Projektteam steht der Forschungskutter „Senckenberg" des Wilhelmshavener Senckenberg Instituts zur Verfügung. Von Bord des Schiffes aus soll neben einer sensorbestückten Spezial-Driftboje auch ein ferngesteuerter Forschungskatamaran der ICBM AG Meeresoberflächen zum Einsatz kommen: Er sammelt größere Mengen des Oberflächenfilms für Laboruntersuchungen ein. Zweckgebundene universitäre Mittel in begrenztem Umfang erlauben zudem den Einsatz des ICBM-Forschungsbootes „Otzum".
MILAN beginnt am 27. März und endet vorerst am 13. April. Interessierte können dem Projekt über soziale Medien folgen: Es wird ein Blog unter http://icbm-auf-see.uni-oldenburg.de/category/home/fs-senckenberg/ eingerichtet, und Dr. Mariana Ribas Ribas wird nach Projektbeginn via Twitter unter dem Hashtag #MILANProject informieren.

Weitere Informationen:
http://www.icbm.de/

Quelle: idw 

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Besser lernen dank Zink?

Dr. Karin J. Schmitz Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Zink reguliert die Speicherung und Ausschüttung von Neurotransmittern

Zink ist ein wichtiges Spurenelement, das an vielen zellulären Vorgängen beteiligt ist: Z.B. bei Lern- und Gedächtnis-Prozessen spielt es eine - bisher nicht verstandene - Rolle. Dieser sind schwedische Forscher jetzt einen Schritt näher gekommen. Durch nanoelektrochemische Messungen konnten sie zeigen, dass Zink die Ausschüttung von Botenstoffen beeinflusst. Wie sie in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, änderte Zink die in Vesikeln gelagerte Botenstoffmenge und die Dynamik bei deren Ausschleusung aus der Zelle.

Bei der Signalübertragung an Synapsen werden Botenstoffe (Neurotransmitter) aus Vorratsspeichern, den synaptischen Vesikeln, in den synaptischen Spalt ausgeschüttet und von der benachbarten Nervenzelle „erkannt". Die Ausschüttung basiert auf einer Ausschleusung (Exocytose): Das Vesikel dockt an die Zellmembran an, öffnet sich an der Kontaktstelle, gibt einen Teil seiner Fracht nach außen ab, schließt sich wieder, trennt sich von der Plasmamembran und kann erneut befüllt werden.

Das Team um Andrew G. Ewing von der Universität Göteborg (Schweden) verwendete Kohlefaser-Elektroden mit Nano-Spitzen, um den Einfluss von Zink auf diese Vorgänge zu beleuchten. Dazu führten sie Messungen einer P12-Zelllinie durch, die analog Nervenzellen den Neurotransmitter Dopamin freisetzt, wenn sie mit einer hohen Kaliumkonzentration stimuliert wird. „Mit einer an die Zelloberfläche angelegten Elektrodenspitze lässt sich das Öffnen der individuellen Vesikel verfolgen und die Anzahl der freigesetzten Moleküle berechnen", so Ewing. Beim Einführen der Elektrodenspitze in die Zelle bleiben die Vesikel des Cytoplasmas dagegen an der Elektrode kleben und setzen ihren gesamten Inhalt frei. Ewing: „Anhand der auftretenden Stromspitzen können wir direkt im Cytoplasma der lebenden Zellen ermitteln, wieviele Transmitter-Moleküle in individuellen Vesikeln gelagert sind."

Nach einer Zinkbehandlung war der gesamte in Vesikeln verpackte Gehalt an Neurotransmittern verringert, im Schnitt enthielten die Vesikel 27 % weniger Transmitter. Gleichzeitig blieb die bei Stimulation freigesetzte Transmittermenge konstant. Eine Analyse der Stromkurven brachte eine Erklärung dieses vermeintlichen Widerspruchs. Ewing sagt: „Zink verändert die Dynamik der Freisetzung. Vor und nach der eigentlichen Öffnung eines Vesikels entsteht an der Berührungsstelle mit der Plasmamembran eine Pore. Nach einer Zink-Behandlung schließt sie sich langsamer als sonst, das Vesikel bleibt länger offen und gibt 92 % seiner Transmitter-Moleküle nach außen ab - statt nur 66 % ohne Zinkbehandlung."

Um das Phänomen weiter zu untersuchen, wurden die Zellen Schicht für Schicht von außen nach innen abgetragen und massenspektrometrisch analysiert. Dabei fanden die Forscher eine Zink-Spezies nahe der Zellmembran und eine zweite im Zellinneren. „Erstere könnte an Proteinkinase C gebunden sind, ein Enzym, das an die Membran bindet, um die Exocytose-Geschwindigkeit zu regulieren. Die Zinkspezies im Zellinneren könnte das Transportprotein, das Dopamin in die Vesikel lädt, verlangsamen", vermutet Ewing. „Unsere Ergebnisse liefern endlich eine Verbindung zwischen Zink und der Regulierung der Neurotransmitterausschüttung, die wichtig sein könnte bei der Erzeugung und Speicherung von Erinnerungen."

Autor: Andrew G. Ewing, Chalmers University of Technology (Sweden), https://www.chalmers.se/en/staff/Pages/andrew-ewing.aspx

Link zum Originalbeitrag: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201700095

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany.

Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de

Quelle: idw 

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Prof. Roger Nitsch: „In der Generation unserer Kinder wird es kein Alzheimer mehr geben"

Dr. Christian Leibinnes Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Alzheimer Forschung Initiative e.V.

„Wir sind fast da, es dauert nur noch ein paar Jahre. In der Generation unserer Kinder wird es kein Alzheimer mehr geben", sagte Prof. Dr. Roger Nitsch bei einer Veranstaltung der gemeinnützigen Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) im Rahmen des Alzheimer's & Parkinson's Diseases Congress (AD/PD) am Freitag in Wien. Prof. Nitsch ist Erfinder des hoffnungsvollen Alzheimer-Wirkstoffs Aducanumab, der zurzeit in einer Phase-3-Studie an einer großen Probandenzahl getestet wird. Aducanumab ist ein Antikörper, der sich gegen die für Alzheimer charakteristischen Plaques aus Beta-Amyloid richtet.

„Wir haben die Hoffnung, irgendwann ein Heilmittel zu finden. Diese Hoffnung ist auch mit dem Namen Roger Nitsch verbunden", sagte der AFI-Vorstandsvorsitzende Dr. Michael Lorrain.

Prof. Nitsch, der heute am Institut für Regenerative Medizin der Universität Zürich forscht, war der erste Wissenschaftler, der eine Projektförderung der AFI bekam. Im Jahr 1996, ein Jahr nach Gründung der AFI, wurde das Projekt „Untersuchung von erinnerungsspezifischen Rezeptoren" mit 150.000 DM gefördert. Prof. Nitsch, der damals am Zentrum für Molekularbiologie der Universität Hamburg tätig war, beschäftigte sich mit erinnerungsspezifischen Genen, die durch Alzheimer-Medikamente beeinflusst werden. Daraus sollten effizientere Wirkstoffe entwickelt werden. „Die Förderung der Alzheimer Forschung Initiative war für mich der erste Grant nach meiner Rückkehr aus Boston. Diese Förderung hat mir meine weitere Arbeit ermöglicht", sagte Prof. Nitsch.

„Ich wurde am Anfang meiner Laufbahn von Medizinern und Forschern ausgelacht, als ich sagte, dass ich mich für das Thema Alzheimer-Forschung interessiere. Noch vor 30 Jahren wusste niemand, dass Alzheimer eine richtige Krankheit ist", sagte Prof. Nitsch über die Anfänge seiner Forschung.

Nach dem Forschungsprojekt von Prof. Nitsch konnte die AFI insgesamt 200 weitere Forschungsaktivitäten mit über 8,4 Millionen Euro unterstützen. Das Forschungsportfolio der AFI reicht von zweijährigen Standard-Grants für erfahrene Forscher im Wert von 100.000 Euro über Pilot Grants für junge Forscher mit einer Fördersumme von 40.000 Euro bis hin zu Weiterbildungsaufenthalten und Reisekostenzuschüssen für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Über die Alzheimer Forschung Initiative e.V.
Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Seit 1995 fördert die AFI mit Spendengeldern Forschungsprojekte engagierter Alzheimer-Forscher und stellt kostenloses Informationsmaterial für die Öffentlichkeit bereit. Bis heute konnte die AFI 201 Forschungsaktivitäten mit über 8,4 Millionen Euro unterstützen und 750.000 Ratgeber und Broschüren verteilen. Interessierte und Betroffene können sich auf www.alzheimer-forschung.de fundiert über die Alzheimer-Krankheit informieren und Aufklärungsmaterial anfordern. Ebenso finden sich auf der Webseite Informationen zur Arbeit des Vereins und allen Spendenmöglichkeiten. Botschafterin der AFI ist die Journalistin und Sportmoderatorin Okka Gundel.

Weitere Informationen:
http://www.alzheimer-forschung.de/5129 - Kostenfreies Fotomaterial

Quelle: idw 

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Antibiotika wirken gegen Rückenschmerzen - Dänische Wissenschaftlerin erhält Deutschen Schmerzpreis

Nicole Zeuner Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.

Für ihre revolutionären Studien zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika wurde Dr. Hanne Albert, Odense, Dänemark, mit dem DEUTSCHEN SCHMERZPREIS - Deutscher Förderpreis für Schmerzforschung und Schmerztherapie ausgezeichnet. Der Preis wurde im Rahmen des Deutschen Schmerz- und Palliativtages 2017 in Frankfurt am Main überreicht. Wissenschaftlicher Träger des Preises ist die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS), der Preis wird gemeinsam mit der Deutschen Schmerzliga e.V. verliehen. Er wird von dem Limburger Pharmaunternehmen Mundipharma gestiftet und ist mit 10.000 Euro dotiert.

Ungefähr die Hälfte der Patienten mit chronischen Schmerzen im unteren Rücken weisen bei Untersuchungen im MRT Ödeme im Knochenmark, so genannte ‚modic changes', auf. Bei ersten Untersuchungen konnte Albert in dem nach einem Bandscheibenvorfall entnommenen Gewebe bei mehr als 50 Prozent der Patienten Bakterien nachweisen. Zu einem Großteil war das Gewebe mit P. acnes infiziert. Dieses Bakterium, das zur natürlichen Mundflora gehört, gelangt beispielsweise über kleine Verletzungen, die beim Zähneputzen entstehen, ins Blut. Über neu gebildete Kapillaren an dem ausgetretenen Gewebe der Bandscheibe gelangen die Bakterien schließlich ins Innere der Bandscheibe und verbleiben dort auch nach einer Ausheilung des Bandscheibenvorfalls und verursachen Entzündung, Knochenödem und Schmerzen.

So entstand die Idee, in einer Pilotstudie zu testen, ob Antibiotika gegen den Bakterienbefall und damit auch gegen die Rückenschmerzen der Patienten wirken können. Bereits diese erste Studie zeigte signifikante Ergebnisse in der Verbesserung - sowohl der Schmerzsymptome als auch der funktionellen Beschwerden der Patienten. Weitere randomisierte, placebo-kontrollierte Studien bestätigen das Ergebnis. Die Patienten erhielten über einen Zeitraum von 100 Tagen 3-mal täglich 1.000 mg Amoxicillin. Erste Effekte zeigten sich nach 6 bis 8 Wochen und setzten sich über eine Follow-up-Zeit von einem Jahr, in einer weiteren Studie sogar über zwei Jahre, fort.

Antibiotika bei „modic changes" mit Bakteriennachweis
Auf die Frage, ob nun alle Patienten mit Schmerzen im unteren Rücken mit Antibiotika behandelt werden sollen, sagte Albert: „Nein, aber diejenigen mit ‚modic changes', bei denen Bakterien eine Rolle spielen, profitieren enorm." Ein revolutionärer Ansatz in der Schmerzmedizin, der nicht nur das Leiden von Millionen von Patienten lindern könnte, sondern auch enorme Kosten aufgrund von Arbeitsunfähigkeiten und Frühberentungen einsparen könnte. Diese Forschungsanstrengungen wurden nun mit dem DEUTSCHEN SCHMERZPREIS ausgezeichnet.

„Hanne Albert hat mit ihrer bahnbrechenden Arbeit schmerzmedizinische Denkweisen nachhaltig verändert und eine neue Diskussionsbasis zum Verständnis von chronischen Rückenschmerzen geschaffen", so Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin in seiner Laudatio.

Der DEUTSCHE SCHMERZPREIS - Deutscher Förderpreis für Schmerzforschung und Schmerzmedizin - wird jährlich an Persönlichkeiten verliehen, die sich durch wissenschaftliche Arbeiten über Diagnostik und Therapie akuter und chronischer Schmerzzustände verdient gemacht oder die durch ihre Arbeit oder ihr öffentliches Wirken entscheidend zum Verständnis des Problemkreises Schmerz und der davon betroffenen Patienten beigetragen haben.

Weitere Informationen:

http://www.schmerz-und-palliativtag.de

Anhang
PM_Schmerztag 2017_Verleihung Deutscher Schmerzpreis
https://idw-online.de/de/attachment56954

Quelle: idw 

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Ein Fisch macht Schule: Mit dem Stör werden Kinder und Jugendliche zu Gewässerexperten

Angelina Tittmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Kleine Störe auf die Reise schicken, mit Kescher und Forschungsinstrumenten Gewässer entdecken und eigene Experimente und Exkursionen durchführen - all dies ermöglicht das Projekt „Wanderfisch". Unter dem Motto „Einmal zum Meer und zurück: Auf Wanderschaft mit Stör, Lachs & Co." richtet sich das Projekt an Schulen und macht Kinder und Jugendliche zu Gewässerexpertinnen und -experten. Ab sofort können sich Einrichtungen für die kostenlose Teilnahme bewerben. „Wanderfisch" wird vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und BildungsCent e.V. durchgeführt und im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016*17 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

BildungsCent und das IGB laden Schulklassen im Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane ein, den Stör auf seiner Reise zwischen Fluss und Meer zu begleiten. Störe sind die größten Wanderfische unserer Breiten. Die bis zu fünf Meter langen Tiere lebten schon zu Zeiten der Dinosaurier. Heute sind sie fast ausgestorben. Nur in Frankreich existiert noch ein kleiner Bestand. Ein umfangreiches Wiederansiedlungsprogramm sowie die Verbesserung der Lebensräume sollen die Wanderfische eines Tages wieder in unsere Flüsse zurückbringen.

Ihre beschwerliche Reise zwischen dem Meer, wo sie ausreichend Nahrung finden, und unseren Flüssen, in denen sie ihre Eier ablegen, treten Störe gleich mehrfach in ihrem langen Leben an. „Aufgrund dieser Lebensweise sind Störe und andere Wanderfische auf frei fließende und saubere Gewässer angewiesen", erklärt IGB-Experte Dr. Jörn Geßner, der sich seit über 20 Jahren für die Wiederansiedlung dieser stark bedrohten Tiere einsetzt. An der Lebensweise der Störe lassen sich deshalb Themen wie Artenschutz, Gewässerverbauung und -verschmutzung, Konflikte zwischen Wirtschaft und Naturschutz sowie die Verbindung von Fluss und Meer besonders anschaulich und praxisnah vermitteln.

Es ist Zeit, rauszugehen: Vielseitige Materialien unterstützen Gewässerprojekte
Das Projektteam hat ein umfangreiches Angebot an Materialien zusammengestellt: „Mit Becherlupen, Keschern, Fernglas und Bestimmungsbüchern befüllt, lädt unser GewässerRucksack ein, die heimischen Gewässer zu entdecken", sagt Bianca Neumann von BildungsCent. „Zudem erhalten teilnehmende Schulen ein GewässerPäckchen, das mit vielen Projekt- und Exkursionsideen, Bauanleitungen für Forschungsinstrumente und Gewässerexperimenten Schülerinnen und Schüler ins nachhaltige Handeln bringt." So werden Schülerinnen und Schüler aktiv an Fragestellungen und Lösungsansätzen des Arten- und Gewässerschutzes beteiligt.

Das Projekt Wanderfisch bietet Schulen auch die Möglichkeit, sich aktiv an einer Stör-Besatzaktion an der Oder und anderen deutschen Flüssen zu beteiligen. Einrichtungen können sich außerdem eine kostenlose Ausstellung rund um die Themen Stör, Fluss und Meer ausleihen.

Wanderfisch richtet sich primär an die 1. bis 7. Klassenstufe. Schulen und Bildungseinrichtungen können sich ab sofort mit ihren geplanten Gewässerprojekten für die kostenlose Teilnahme bewerben: http://www.wanderfisch.info/bewerbungsformular

Die ersten 50 Schulen erhalten einen GewässerRucksack. Zusätzlich gehen 200 GewässerPäckchen an Lehrerinnen und Lehrer, die mit ihren Schülerinnen und Schülern eigene Gewässerprojekte umsetzten möchten.

Weitere Informationen sowie Materialien bündelt die Wanderfisch-Website unter: http://www.wanderfisch.info

Ansprechpartner:
Bianca Neumann
BildungsCent e.V.
Schulkontakte und Anmeldung
030 610 81 44 68
bneumann@bildungscent.de

Madeleine Ammar
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Projektkoordination
030 641 81 975
ammar@igb-berlin.de

Dr. Jörn Geßner
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Projektleitung
030 641 81 626
sturgeon@igb-berlin.de

Zum Wanderfisch-Film:
In einem kurzen Film für Kinder und Jugendliche erzählt Wanderfisch die Geschichte des Störs und erklärt, warum die Fische vom Aussterben bedroht sind und was wir dagegen tun können:
https://youtu.be/f6Xriulzj64

Zum Wanderfisch-Poster:

Das Poster zeigt, welche Stationen Störe und andere Wanderfische auf ihrer Reise meistern. Es steht auf der Wanderfisch-Website zum Download zur Verfügung und wird mit den Gewässer-Päckchen an teilnehmende Schulen und Einrichtungen versandt:
http://www.wanderfisch.info/sites/default/files/media-files/download-files/17011...

Über das Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane:
Die Meeresforschung ist Thema des Wissenschaftsjahres 2016*17. Zu 71 Prozent bedecken Ozeane und Meere unseren Planeten. Sie sind Klimamaschine, Nahrungsquelle, Wirtschaftsraum - und sie bieten für viele Pflanzen und Tiere Platz zum Leben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen die Ozeane seit Jahrhunderten; und doch sind sie noch immer geheimnisvoll und in weiten Teilen unerforscht. Im Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane geht es um die Ergründung der Gewässer, ihren Schutz und eine nachhaltige Nutzung. Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD). Sie tragen als zentrales Instrument der Wissenschaftskommunikation Forschung in die Öffentlichkeit. Das Wissenschaftsjahr 2016*17 wird vom Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM) als fachlichem Partner begleitet.

Weitere Informationen unter http://www.wissenschaftsjahr.de

Über das IGB:
http://ww.igb-berlin.de

Das IGB ist das bundesweit größte Forschungszentrum für Binnengewässer. Es verbindet Grundlagen- und Vorsorgeforschung, bildet den wissenschaftlichen Nachwuchs aus und berät Politik und Gesellschaft in Fragen des nachhaltigen Gewässermanagements. Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Langzeitentwicklung von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten angesichts sich rasch ändernder Umweltbedingungen, die Renaturierung von Ökosystemen, die Biodiversität aquatischer Lebensräume sowie Technologien für eine ressourcenschonende Aquakultur. Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit den Universitäten und Forschungsinstitutionen der Region Berlin/Brandenburg und weltweit. Das IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.

Über BildungsCent e.V.:
http://www.bildungscent.de

Seit 2003 arbeitet BildungsCent e.V. mit Sitz in Berlin im gesamten Bundesgebiet mit 5.000 Schulen und Bildungseinrichtungen zusammen. Zweck der gemeinnützigen Organisation ist die Förderung einer neuen und nachhaltigen Lehr- und Lernkultur. Alle Programme von BildungsCent e.V. verfolgen das Ziel, die Schule als einen Lebensraum zu entwickeln, in dem die Schülerinnen und Schüler ihre Potenziale entfalten und an der Gestaltung des Schullebens und ihrer Umwelt aktiv teilhaben. BildungsCent e.V. betrachtet Schulen als entscheidende Orte gesellschaftlicher Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit im Sinne der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen.

Anhang
Wanderfisch-Logo
https://idw-online.de/de/attachment56922

Quelle: idw 

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Univesität in Landau sucht Teilnehmer für Online-Befragung zum Thema Berufsalltag

Bernd Hegen Referat Öffentlichkeitsarbeit
Universität Koblenz-Landau

Will man die Herausforderungen des Berufsalltags gut meistern, ist neben Fachkenntnissen auch die Fähigkeit gefragt, sich selbst zu motivieren oder Emotionen wie Ärger oder Frust zu regulieren. Das Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) der Universität in Landau führt derzeit eine Studie zu den so genannten personalen Kompetenzen am Arbeitsplatz durch.

Will man die Herausforderungen des Berufsalltags gut meistern, ist neben Fachkenntnissen auch die Fähigkeit gefragt, sich selbst zu motivieren oder Emotionen wie Ärger oder Frust zu regulieren. Das Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) der Universität in Landau führt derzeit eine Studie zu den so genannten personalen Kompetenzen am Arbeitsplatz durch.

Die Befragung dauert rund 15 Minuten und fragt das Verhalten zu verschiedenen Situationen in der Büro- und Arbeitswelt ab. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, auf welche Verhaltensstrategien Personen zurückgreifen, um die Anforderungen im Berufsalltag zu bewältigen und welche davon funktionieren. Für die Teilnahme sucht die Universität Berufstätige, ganz gleich in welchem Beruf oder auf welcher Position. Der Online-Fragebogen ist unter http://sitkom.zepf.eu erreichbar. Bei Rückfragen steht Christian Marquardt vom zepf per E-Mail unter marquardt@zepf.uni-landau.de zur Verfügung.

Kontakt:
Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zapf)
Dipl.-Päd. Christian Marquardt
E-Mail: marquardt@zepf.uni-landau.de

Pressestelle Campus Landau
Kerstin Theilmann
Tel.: 06341 280-32219
E-Mail: ktheilmann@uni-koblenz-landau.de

Weitere Informationen:
http://sitkom.zepf.eu Homepage der Befragung

Quelle: idw 

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Lachs mit Nebenwirkungen / Aquakulturen belasten die Flüsse

Susanne Hufe Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Lecker, vielseitig verwendbar, ein hoher Gehalt an lebensnotwendigen Omega-3-Fettsäuren: Lachse gehören zu den beliebtesten Speisefischen überhaupt. In den Handel kommen neben Wildfängen vor allem Tiere aus Zuchtbetrieben, die allerdings Flüsse, Seen und Meere verschmutzen können. Doch wie groß ist dieses Problem? Dieser Frage sind deutsche und chilenische Wissenschaftler unter Leitung des UFZ nachgegangen. Sie haben die gelösten organischen Verbindungen untersucht, die durch Lachsfarmen in Chiles Flüsse gelangen, und warnen im Fachjournal Scientific Reports davor, dass diese Substanzen die Ökosysteme massiv belasten und ganze Lebensgemeinschaften verändern.

Lachse führen ein ziemlich abwechslungsreiches Leben. Während die erwachsenen Fische im Meer zuhause sind, wandern sie zur Fortpflanzung die Flüsse hinauf und legen ihre Eier in den Kiesbetten der Oberläufe ab. Dort schlüpft der Nachwuchs, wächst eine Zeit lang im sauberen, sauerstoffreichen Wasser heran und macht sich dann auf den Weg Richtung Meer. Wer die beliebten Speisefische züchten will, muss ihnen also je nach Alter unterschiedliche Lebensbedingungen bieten.
Chilenische Fischfarmer tun das, indem sie sich am natürlichen Lebenszyklus der Lachse orientieren. An den klaren Flüssen, die vom Anden-Hauptkamm Richtung Pazifik fließen, haben sie einige hundert Aufzucht-Stationen für die Eier und die jüngsten Tiere eingerichtet. Etwas größere Lachse leben dann in Käfigen in den Seen des südamerikanischen Landes, und die Erwachsenen ziehen schließlich in ähnliche Unterkünfte um, die vor der Küste im Meer verankert sind. Auf diese Weise haben Chiles Aquakulturen 2012 rund 820.000 Tonnen Lachs im Wert von knapp fünf Milliarden US-Dollar produziert. Seit Jahren rangiert das Land auf der Liste der weltweit wichtigsten Lachsproduzenten auf Platz zwei nach Norwegen.

Folgen für die Umwelt?
Aus den Käfigen für die mittelgroßen und großen Fische rieseln Kot, Futterreste und andere Substanzen in die Seen und Küstengewässer des Landes. Und aus etlichen der eigentlich extrem sauberen und naturbelassenen Flüsse leiten die Betriebe Wasser für ihre Aufzuchtstationen ab. Sie pumpen es durch die Becken der Junglachse und leiten es ein Stück weiter unten wieder ein - und zwar in keinem guten Zustand.
Statt klarem Wasser fließt unterhalb solcher Anlagen oft eine nach Fisch stinkende Brühe talwärts - was für Anwohner, Touristen und Wasserlebewesen gleichermaßen eine Belastung ist. „Es darf inzwischen zwar kein völlig trübes Wasser mehr eingeleitet werden", berichtet UFZ-Biologe Dr. Norbert Kamjunke. Die darin enthaltene Menge von Partikeln muss unter bestimmten Grenzwerten bleiben. Daher klären die Aquakulturen ihr Abwasser inzwischen mithilfe von Absetzbecken und Rotationsfiltern. Für gelöste Substanzen aber gibt es solche Vorschriften nicht, diese fließen nach wie vor ohne jede Behandlung oder Überwachung in die Gewässer. Und zwar in gewaltigen Mengen.

In einer früheren Studie haben Norbert Kamjunke und seine Kollegen herausgefunden, dass in solchen Anlagen für 50 Tonnen gezüchteten Lachs rund 40 Tonnen gelöstes organisches Material in den Flüssen landen. Zu diesen Substanzen, die Chemiker unter dem Kürzel DOM (Dissolved Organic Matter) zusammenfassen, gehören zum Beispiel die flüssigen Ausscheidungen der Lachse, sowie aufgelöste Reste von Futter und Kot. „Es sind aber auch Desinfektionsmittel und Antibiotika dabei", erklärt er. Doch aus welchen Verbindungen besteht dieser Cocktail genau? Und was bewirkt er in den Gewässern? Das haben die Forscher nun zum ersten Mal genau untersucht.
Zum Einsatz kamen dabei die modernsten Methoden der chemischen Analytik. Mithilfe von Fluoreszenz-Messungen, hochauflösender Massenspektrometrie und Kern-Magnet-Resonanz-Spektroskopie haben die Forscher das Abwasser von vier chilenischen Aquakulturen sowie Proben aus den oberhalb und unterhalb gelegenen Flussabschnitten unter die Lupe genommen. Bei der Probenahme haben sie dabei mit Kollegen der Universidad Austral de Chile in Valdivia zusammengearbeitet, die späteren Messungen erfolgten am Helmholtz-Zentrum München. „So konnten wir sehr genau bestimmen, welche DOM-Moleküle in welchen Konzentrationen das jeweilige Wasser enthält", erklärt Norbert Kamjunke.

Dabei hat sich herausgestellt, dass jeder der Flüsse von Natur aus einen etwas anderen chemischen Fingerabdruck hat. Strömt er durch waldreiche Gebiete, enthält sein Wasser zum Beispiel viele Huminstoffe. Ein hoher Anteil von Schwefelverbindungen ist dagegen typisch für Gewässer in Vulkanregionen. Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten. So ist in den naturnahen Flussabschnitten generell wenig organisches Material gelöst. Und diese geringe Fracht besteht aus Verbindungen, die für Bakterien schwer zu knacken sind. „Es herrschen dort also sehr nährstoffarme Bedingungen", resümiert Norbert Kamjunke.
Durch die Einleitung der Aquakultur-Abwässer aber ändert sich das Bild. Diese Anlagen setzen große Mengen von leicht abbaubaren Verbindungen frei. Vor allem Kohlenhydrate, Proteine und deren Bausteine sowie Lipide finden sich unterhalb der Anlagen in viel höheren Konzentrationen als oberhalb. Die Aquakulturen verpassen den nährstoffarmen Flüssen also eine Art Düngerschub.

Was bedeutet das für die Gewässer und ihre Bewohner?
Auch dieser Frage sind die Forscher in ihrer Studie nachgegangen. Mithilfe von Laser-Scanning-Mikroskopen haben sie den glitschigen Überzug untersucht, der auf Steinen im Flussbett wächst. Oberhalb der Aquakulturen fanden sich in diesen sogenannten Biofilmen reichlich winzige Algen. Unterhalb waren diese Organismen deutlich seltener, dafür gab es sehr viel mehr Bakterien. „Dadurch aber verändert sich das ganze Ökosystem", erklärt Norbert Kamjunke.
Die Algen am Grund der naturnahen Gewässer spielen nämlich aus mehreren Gründen eine wichtige Rolle. Zum einen produzieren sie Sauerstoff, zum anderen bieten sie Nahrung für zahlreiche winzige Weidetiere. Schnecken grasen den Belag ebenso ab wie Eintags- oder Steinfliegenlarven. Und die wiederum stehen auf dem Speiseplan von Fischen. „Ohne die Algen fehlt diesem ganzen Nahrungsnetz die Grundlage", sagt Norbert Kamjunke. Doch das ist nicht der einzige Punkt, in dem sich die Lebensbedingungen durch das Abwasser der Aquakulturen verändern. Denn während die Bakterien unterhalb der Anlagen das gelöste organische Material abbauen, verbrauchen sie reichlich Sauerstoff. Und zu niedrige Sauerstoff-Konzentrationen bedeuten für viele an saubere Fließgewässer angepasste Arten das Ende.

Die starke Aktivität der Bakterien, die das Team unterhalb der Lachszuchtbetriebe gemessen hat, führt andererseits aber auch zur Reinigung des Wassers. „Trotzdem sollte man die Flüsse nicht als natürliche Kläranlagen missbrauchen", betont Norbert Kamjunke. Denn zum einen verdienen die sauberen und unbelasteten Gewässer mitsamt ihren Bewohnern besonderen Schutz. Zum anderen muss das Wasser unterhalb der Anlagen erst ein ganzes Stück flussabwärts strömen, bis es wieder sauber ist. Wie lang diese Strecke ist, hängt von den äußeren Umständen ab. Am effektivsten arbeiten die kleinen Wasserreiniger bei hohen Temperaturen und langsamen Fließgeschwindigkeiten. Unter solchen Umständen haben sie die Belastung rund 2,7 Kilometer unterhalb der Anlage wieder abgebaut, zeigt eine frühere Studie der Magdeburger Forscher. „Im Winter brauchen sie allerdings eine deutlich längere Fließstrecke", sagt Norbert Kamjunke. Und die haben sie in den kurzen Andenflüssen nicht immer zur Verfügung.

Die Forscher plädieren daher dafür, auch für die eingeleiteten DOM-Konzentrationen Grenzwerte einzuführen. Ihre Erkenntnisse über die Aktivitäten der Bakterien können dabei helfen, diese so festzulegen, dass die Gewässer nicht überlastet werden. Die Aquakulturen müssten dann ihr Abwasser vor dem Einleiten besser reinigen - beispielsweise mithilfe von sogenannten Tropfkörpern. Das sind im Prinzip große Röhren voller Steine, auf denen Biofilme wachsen. Oben wird das Abwasser eingeleitet, unten kommt es von den Bakterien geklärt wieder heraus. „Unsere Ergebnisse zeigen auch, wie groß solche Anlagen sein müssten", erklärt Norbert Kamjunke. Denn aus den gemessenen Abbauraten lässt sich berechnen, wie viel Steinoberfläche man für die gewünschte Reinigungsleistung braucht.
Die Forscher ziehen aus ihrer Studie aber noch einen weiteren Schluss. Sie halten es nicht für sinnvoll, an den chilenischen Flüssen noch weitere Aquakulturen einzurichten. Für neue Lachsfarmen in den Seen haben die Behörden bereits einen Genehmigungsstopp verhängt. Daher gibt es bei den Betreibern nun Überlegungen, auch die Haltung der mittelgroßen Lachse von den Seen in die Flüsse zu verlegen. „Das könnte theoretisch durchaus klappen", meint Norbert Kamjunke. „Ökologisch gesehen aber wäre es überhaupt keine gute Idee".

Publikation:
Norbert Kamjunke, Jorge Nimptsch, Mourad Harir, Peter Herzsprung, Philippe Schmitt-Kopplin, Thomas R. Neu, Daniel Graeber, Sebastian Osorio, JoseValenzuela, Juan Carlos Reyes, Stefan Woelfl, Norbert Hertkorn (2017): Land-based salmon aquacultures change the quality and bacterial degradation of riverine dissolved organic matter,
Scientific Reports 7, 43739; doi: 10.1038/srep43739

Weiterführende Informationen:
Dr. Norbert Kamjunke
UFZ-Department Fließgewässerökologie
Telefon: +49 391 810 9434
Mail: norbert.kamjunke@ufz.de
http://www.ufz.de/index.php?en=39563

Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=36336&webc_pm=9/2017

Quelle: idw 

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Lupinensamen: Gesundheitliche Beeinträchtigungen bei bitterem Geschmack möglich

Dr. Suzan Fiack Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

BfR empfiehlt, auf eigenmächtige Entbitterung von Lupinensamen zu verzichten
Seit einigen Jahren werden die Samen von Lupinen vermehrt in der Lebensmittelproduktion verwendet - etwa zur Herstellung von glutenfreien Back- und Teigwaren oder diätetischen Produkten für Milcheiweißallergiker. In manchen europäischen und nordafrikanischen Ländern werden die Samen der Lupinen auch als Knabberartikel konsumiert. Je nach botanischer Art und geographischer Herkunft der Lupinen können ihre Samen bittere Chinolizidinalkaloide enthalten. Werden diese Alkaloide in einem sogenannten „Entbitterungsprozess" nicht fachgerecht entfernt, können sie beim Menschen Vergiftungssymptome auslösen, die das Nerven-, Kreislauf- und Verdauungssystem betreffen. „Beim Kauf von unverarbeiteten Lupinensamen ist meist kaum ersichtlich, ob es sich um Bitterlupinensamen handelt, die giftige Alkaloide enthalten, oder um Süßlupinensamen, die ohne weitere Verarbeitung verzehrt werden können", sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. In der Vergangenheit wurden vereinzelt Vergiftungsunfälle durch Bitterlupinensamen in Deutschland berichtet. „Das BfR empfiehlt Verbraucherinnen und Verbrauchern, die über keine eigene Sachkunde verfügen, auf eindeutig als Süßlupinensamen oder als bereits entbitterte Bitterlupinensamen ausgewiesene Erzeugnisse zurückzugreifen und auf die eigene Entbitterung von Lupinensamen zu verzichten."

Für den Zeitraum von 2010 bis 2016 wurden dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) von den Giftinformationszentren Daten von ca. 30 konkreten Fällen mit Vergiftungssymptomen unterschiedlichen Schweregrades, ausgelöst durch Bitterlupinensamen, übermittelt. Darüber hinaus wurden in der internationalen Literatur Berichte von Vergiftungsunfällen durch Bitterlupinensamen mit teils schwerwiegenden Verläufen veröffentlicht. In der Regel waren diese Fälle auf eine ungenügende küchentechnische Entbitterung von Bitterlupinensamen zurückzuführen.

Ein bitterer Geschmack von Lupinensamen oder den aus ihnen hergestellten Erzeugnissen kann ein Indikator für die Anwesenheit von gesundheitlich unerwünschten Lupinenalkaloiden sein. Auch sollte das bitter schmeckende Einweichwasser von Lupinensamen in keinem Fall verzehrt bzw. zur Zubereitung von Speisen verwendet werden.

Lebensmittel mit Lupinensamen werden derzeit in Deutschland nur selten verzehrt. In einer deutschlandweiten, repräsentativen „Verbraucherbefragung zum Verzehr von Lupinensamen" im Auftrag des BfR gaben 19 % der Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer an, dass ihnen die Essbarkeit von Lupinensamen bekannt war. Von diesen wiederum hatten 46 % schon einmal bewusst ein industriell hergestelltes oder selbst zubereitetes lupinensamenhaltiges Lebensmittel gegessen. Der Anteil der Befragten, die überhaupt schon einmal Lebensmittel mit Lupinensamen bewusst gegessen haben, ist mit 9,2 % gering. Der Anteil derjenigen, die dafür unverarbeitete Lupinensamen kauften und selbst weiterverarbeiteten, liegt bei 1,2 %.

Herstellern von lupinensamenhaltigen Lebensmitteln empfiehlt das BfR, nur Lupinensamen in den Verkehr zu bringen, die ohne weitere haushaltstechnische Entbitterungsprozesse verzehrsfähig sind. Dies können Süßlupinensamen sein, die von sich aus niedrige Alkaloidgehalte aufweisen, oder Bitterlupinensamen, die vom Hersteller bereits ausreichend entbittert wurden. Bei Mehl aus Lupinensamen zur Abgabe an Verbraucher sollte von Herstellerseite sichergestellt sein, dass es aus Lupinensamen hergestellt wurde, die alkaloidarm sind bzw. ausreichend entbittert wurden.

Eine ausführliche Risikobewertung von Alkaloidgehalten in Lupinensamen hat das BfR in einer Stellungnahme veröffentlicht:

http://www.bfr.bund.de/cm/343/risikobewertung-des-alkaloidvorkommens-in-lupinens...

Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

In diesem Jahr feiert das BfR sein 15-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hat das BfR eine Jubiläumsbroschüre herausgegeben, die unter http://www.bfr.bund.de/de/publikation/broschueren-660.html kostenlos heruntergeladen oder bestellt werden kann.

Quelle: idw 

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Neues Forschungsvorhaben analysiert Optionen für Biogas-Bestandsanlagen bis 2030

Paul Trainer M.A. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Biomasseforschungszentrum

Bis zum Jahr 2030 wird eine Vielzahl von Biogasanlagen aus der Förderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) fallen und der Anteil fluktuierender erneuerbarer Energien am Energiesystem gleichzeitig zunehmen. Für Anlagenbetreiber ergibt sich hieraus eine Vielzahl neuer Anforderungen. In einem vom Umweltbundesamt (UBA) beauftragten Forschungsvorhaben sollen Optionen aufgezeigt werden, wie Bestandsanlagen ökonomisch und ökologisch sinnvoll weiterbetrieben werden könnten und dabei einen Beitrag zur Veränderung des Energiesystems leisten können.

Im Projektverbund mit der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) und der Kanzlei Becker Büttner Held Rechtsanwälte Wirtschaftsprüfer Steuerberater (BBH) untersucht das Deutsche Biomasseforschungszentrum im Forschungsvorhaben "Optionen für Biogas-Bestandsanlagen bis 2030 aus ökonomischer und energiewirtschaftlicher Sicht" Perspektiven von Biogas-Bestandsanlagen in Deutschland. Im Fokus des zweijährigen Verbundprojektes steht die Frage, welche Optionen für einen Weiterbetrieb von Biogasanlagen bis 2030 existieren und welche Perspektiven sich für die jeweiligen Sektoren (Verkehr, Strom, Wärme) entsprechend der Ausbauziele mit erneuerbaren Energien und der nationalen Klimaschutzziele ergeben.

In insgesamt vier Arbeitspaketen werden verschiedene Aspekte zur perspektivischen Weiterentwicklung von Bestandsanlagen erforscht und u.a. die Fragen untersucht, welche alternativen Anlagenkonzepte besonders wertvoll für das sich verändernde Energiesystem sind, für welche Bestandsanlagen die Umrüstung zu einem dieser Konzepte technisch möglich, ökonomisch tragbar und ökologisch sinnvoll ist und welche Hemmnisse bei der Umsetzung solcher alternativen Anlagenkonzepte bestehen. "Ziel des Vorhabens ist es, gegenüber Betreibern von Bestandsbiogasanlagen zu definieren, welche Maßnahmen für die Umsetzung alternativer Anlagenkonzepte zu ergreifen sind und politischen Entscheidungsträger gleichzeitig möglichst konkrete Vorschläge für die notwendigen Anpassungen, u.a. der rechtlichen Rahmenbedingungen mitzugeben", fasst die Projektleiterin am DBFZ, Jaqueline Daniel-Gromke, die Zielrichtung des Projekts zusammen.

Das FuE-Vorhaben wurde vom Umweltbundesamt im Rahmen des EVUPLAN (FKZ: 37EV 16 111 0) ausgeschrieben und umfasst eine Projektlaufzeit von zwei Jahren (1/2017-2/2019). Anfang November 2017 sollen die ausgewählten Anlagenkonzepte und die Bewertungs-Matrix im Rahmen eines Experten-Workshops beim Umweltbundesamt in Dessau vorgestellt und diskutiert werden.

Projektpartner:
DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH
Deutsche Energieagentur - dena
Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES)
Kanzlei Becker Büttner Held Rechtsanwälte Wirtschaftsprüfer Steuerberater (BBH)

Smart Bioenergy - Innovationen für eine nachhaltige Zukunft
Das Deutsche Biomasseforschungszentrum arbeitet als zentraler und unabhängiger Vordenker im Bereich der energetischen und stofflichen Biomassenutzung an der Frage, wie die begrenzt verfügbaren Biomasseressourcen nachhaltig und mit höchster Effizienz und Effektivität zum bestehenden und zukünftigen Energiesystem beitragen können. Im Rahmen der Forschungstätigkeit identifiziert, entwickelt, begleitet, evaluiert und demonstriert das DBFZ die vielversprechendsten Anwendungsfelder für Bioenergie und die besonders positiv herausragenden Beispiele gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Mit der Arbeit des DBFZ soll das Wissen über die Möglichkeiten und Grenzen einer energetischen und integrierten stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe in einer biobasierten Wirtschaft insgesamt erweitert und die herausragende Stellung des Industriestandortes Deutschland in diesem Sektor dauerhaft abgesichert werden - www.dbfz.de.

Wissenschaftlicher Kontakt
Jaqueline Daniel-Gromke
Tel. +49 (0)341 2434-441
E-Mail: jaqueline.daniel-gromke@dbfz.de

Weitere Informationen:

https://www.dbfz.de/presse/pressemitteilungen-2017/neues-forschungsvorhaben-anal...

Quelle: idw 

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Mädchen können besser lesen, Jungen besser rechnen? So einfach ist es nicht!

Philip Stirm Referat Kommunikation
Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung

Forscherinnen und Forscher des DIPF haben herausgefunden, dass der Einfluss des Geschlechts auf die Leistungen von Schulkindern je nach sozialer Herkunft unterschiedlich ausfällt. Verallgemeinernde Aussagen über den Bildungserfolg DER Jungen oder DER Mädchen greifen also zu kurz, da deren Leistungsunterschiede sozial bedingt variieren.

Jungen bleiben häufiger sitzen und machen seltener Abitur. Mädchen zeigen wiederum schlechtere Schulleistungen in Mathematik. Das geht aus aktuellen Daten hervor, etwa vom Statistischen Bundesamt oder aus der PISA-Studie. Die Kennzahlen scheinen eine deutliche Sprache zu sprechen, weswegen in der öffentlichen Diskussion oft ein schnelles Urteil gefällt wird: Von den „Jungen als Bildungsverlierern" oder davon, dass Mathematik „kein Mädchenfach" sei, ist immer wieder die Rede. „Dabei wird jedoch übersehen, dass Jungen und Mädchen keine homogenen sozialen Gruppen sind", gibt Josefine Lühe zu bedenken. In einer Studie hat die Bildungsforscherin gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) herausgefunden, dass sich der Einfluss der Geschlechtszugehörigkeit auf die Schulleistungen je nach sozialem Hintergrund unterscheidet. Sie empfiehlt daher, mit generalisierenden Aussagen zum Bildungserfolg nur aufgrund des Geschlechts vorsichtig zu sein.

Über die wechselseitige Wirkung von sozialem Hintergrund und Geschlechtszugehörigkeit auf die Schulleistungen ist bislang nur wenig systematisches Wissen vorhanden. An diese Forschungslücke knüpfen Lühe und ihre Kollegen Dr. Michael Becker, Dr. Marko Neumann und Professor Dr. Kai Maaz an. Sie untersuchten Daten zu 3935 Schülerinnen und Schülern aus der sechsten Klasse von knapp 90 öffentlichen Berliner Grundschulen. Die Daten waren im Rahmen der BERLIN-Studie, der langjährigen Begleituntersuchung der Berliner Schulstrukturreform, erhoben worden. Die Forscherinnen und Forscher konzentrierten sich auf die Ergebnisse von Leistungstests in Lesen, Mathematik und Englisch sowie auf die Angaben der Eltern zu ihrem sozio-ökonomischen Status in Fragebögen. Das Team errechnete anschließend mittels statistischer Regressionsanalysen die Beziehung zwischen den Variablen.

Die Ergebnisse bestätigen zunächst die bekannten Befunde, dass Mädchen im Lesen und in Englisch, Jungen in Mathematik besser abschneiden. „Der Effekt der Geschlechtszugehörigkeit wird jedoch durch den sozio-ökonomischen Status der Jungen und Mädchen moderiert", so Lühe. Das bedeutet, dass die Leistungsunterschiede zwischen den Geschlechtern je nach sozialem Hintergrund unterschiedlich ausfallen - in allen drei getesteten fachlichen Bereichen. Ein weiterer Befund: Im Vergleich mit den Mädchen ist bei den Jungen der Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und der Leistung größer. Ihre Leistungen steigen also bei einem höheren sozio-ökonomischen Status stärker an und fallen umgekehrt bei einem niedrigeren Status deutlicher ab.

Weiterführende Erklärungen für die Effekte können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anhand dieser Untersuchungen noch nicht geben. Sie verweisen aber darauf, dass sich möglicherweise gesellschaftliche Stereotypen auswirken. In Familien mit einem niedrigeren sozio-ökonomischen Status könnte beispielsweise die Vorstellung verbreiteter sein, dass es unmännlich sei, fleißig für die Schule zu lernen. Die Analysen könnten nun erweitert werden, etwa auf Kinder im ländlichen Raum oder auf andere Altersgruppen, Schulsysteme und Bundesländer. Als praktische Implikation hält Josefine Lühe aber schon jetzt fest: „Wenn es zum Beispiel um die Entwicklung und Anwendung von pädagogischen Fördermaßnahmen für Kinder geht, sollte man von stereotypen Vorstellungen von DEN Jungen oder DEN Mädchen besser abrücken."

Die Studie wird im Detail in einem Beitrag für die Zeitschrift für Erziehungswissenschaft beschrieben:
http://bit.ly/Leistungsunterschiede_Geschlecht_soziale_Herkunft

Kontakt:
Studie: Josefine Lühe, DIPF, +49 (0)30 293360-223, luehe@dipf.de
Presse: Philip Stirm, DIPF, +49 (0)69 24708-123, stirm@dipf.de, http://www.dipf.de

Über das DIPF:
Das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) trägt mit empirischer Bildungsforschung, digitaler Infrastruktur und gezieltem Wissenstransfer dazu bei, Herausforderungen im Bildungswesen zu bewältigen. Das von dem Leibniz-Institut erarbeitete und dokumentierte Wissen über Bildung unterstützt Wissenschaft, Politik und Praxis im Bildungsbereich - zum Nutzen der Gesellschaft.

Über die BERLIN-Studie:
Die Studie ist die wissenschaftliche Begleituntersuchung der Berliner Schulstrukturreform. Zentrale Bestandteile der Reform sind die Zusammenlegung der bisherigen Haupt-, Real- und Gesamtschulen zur neu eingeführten Integrieren Sekundarschule (ISS) und die Neugestaltung des Übergangsverfahrens in die weiterführenden Schulen. Die Begleituntersuchung ist ein Kooperationsprojekt des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, des DIPF und des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN).


Weitere Informationen:
http://bit.ly/Leistungsunterschiede_Geschlecht_soziale_Herkunft - detaillierte Beschreibung der Studie in einem Beitrag für die Zeitschrift für Erziehungswissenschaft

Quelle: idw 

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Wie bei Hempels unter dem Sofa

Dr. Anne Hardy Public Relations und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

In Familien von Kindern mit ADHS beobachten Forscher häufiger inadäquates Erziehungsverhalten, ein negatives emotionales Klima und Haushaltschaos. Wie diese Faktoren zusammenhängen, hat eine Arbeitsgruppe der Goethe-Universität jetzt untersucht. Mit einem überraschenden Ergebnis.

FRANKFURT. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Eltern von Kindern mit ADHS es wegen der Symptome ihrer Kinder schwer haben, Strukturen und Routinen aufrecht zu erhalten. Das Haushaltschaos beeinträchtigt wiederum das emotionalen Klima und das Elternverhalten", erklärt Dr. Andrea Wirth, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der pädagogischen Psychologie an der Goethe-Universität.

In die Studie gingen Daten von insgesamt 84 Kindern im Alter von 7 bis 13 Jahren ein, von denen 31 Kinder der ADHS-Gruppe und 53 Kinder der Kontrollgruppe zugewiesen wurden. Das Erziehungsverhalten wurde mit Hilfe eines standardisierten Fragenbogens erfasst, in dem abgefragt wird, wie intensiv sich Eltern um ihre Kinder kümmern, sie loben oder kritisieren, wie konsistent ihre Erziehung ist und ob sie körperlich strafen. Um das familiäre emotionale Klima zu erfassen, forderten die Psychologen ein Elternteil auf, fünf Minuten über das Kind zu sprechen und die Persönlichkeit des Kindes sowie die Beziehung zum Kind zu beschreiben. Das Haushaltschaos wurde wiederum mit einem standardisierten Test erhoben.

Erwartungsgemäß zeigten die Eltern von Kindern mit ADHS mehr inadäquates Erziehungsverhalten, kritisierten ihre Kinder häufiger und berichteten über ein höheres Haushaltschaos als die Eltern der Kontrollkinder. Zur Überraschung der Psychologen schätzten Eltern von Kindern mit ADHS aber die Beziehung zu ihren Kindern als positiver ein als Eltern von Kindern ohne ADHS. Die Forscher vermuten als möglichen Grund unter anderem, dass einige der teilnehmenden Familien bereits in eine Therapie eingebunden waren, da sowohl für medikamentöse als auch für verhaltenstherapeutische Interventionen Verbesserungen der Eltern-Kind-Beziehung nachgewiesen sind.

Die genaue Beziehung der drei Konstrukte wurde mit Hilfe von statistischen Analysen (Mediationsanalysen) untersucht. „Haushaltschaos scheint so etwas wie ein Mechanismus zu sein, durch den die Symptome der Kinder mit ADHS sich negativ auf das Erziehungsverhalten der Eltern auswirken", so Andrea Wirth. Jedoch scheint sich eine chaotische Umgebung nicht auf das emotionale Klima in der Familie auszuwirken. Das ist im Widerspruch zu früheren Studien, die einen Zusammenhang zwischen inadäquatem Elternverhalten und emotionalem Klima festgestellt hatten. „Ein sehr chaotischer und unstrukturierter Haushalt, der durch die ADHS-Symptomatik der Kinder mitbedingt ist, erschwert es den Eltern, autoritativ zu erziehen. Gleichzeitig ist anzunehmen, dass die Eltern trotz des herrschenden Chaos ihre Kinder mögen, positiv über sie sprechen und es genießen, Zeit mit ihnen zu verbringen."

Künftig will die Arbeitsgruppe am LOEWE-Zentrum Idea, dem Andrea Wirth angehört, Empfehlungen erarbeiten, die Eltern dabei unterstützen, das Familienleben zu ordnen, Routinen und Rituale zu stärken und die Organisation des Familienalltags zu verbessern. Also z.B.: Bei den Hausaufgaben Radio und Fernseher ausschalten, Telefongespräche hinter geschlossenen Türen führen, Gäste nur zu bestimmten Zeiten empfangen und Hausaufgaben alleine in einem ruhigen Raum machen.

Information: Dr. Andrea Wirth, Abteilung Pädagogische Psychologie, Fachbereich 5, Campus Westend, Tel.: (069) 798-35398, wirth@psych.uni-frankfurt.de.

Aktuelle Nachrichten aus Wissenschaft, Lehre und Gesellschaft in GOETHE-UNI online (www.aktuelles.uni-frankfurt.de)

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen rankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist sie Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main(siehe auch www.uni-frankfurt.de/59086401/rhein-main-allianz). Internet: www.uni-frankfurt.de

Herausgeberin: Die Präsidentin der Goethe-Universität Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main,
Tel: 069 798-12498, Fax: 069 798-763 12531, hardy@pvw.uni-frankfurt.de

Quelle: idw 

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Klimakiller Kuh: Methan-Ausstoß von Vieh könnte bis 2050 um über 70 Prozent steigen

Sabine Wendler Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum Pressestelle
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Kühe gelten als Klimakiller und in Zukunft werden sie sogar einen deutlich höheren Anteil an der Klimaerwärmung haben. Wissenschaftler des Senckenberg, der Royal Botanic Gardens, Kew und des Scotland Rural College, haben herausgefunden, das Futterpflanzen in wärmeren Regionen einen geringeren Nährwert haben. Rinder fressen daher mehr und stoßen mehr Methan aus. Im Zuge des Klimawandels, der damit verbundenen Temperaturerhöhung und weltweit wachsender Tierbestände könnte der Methan-Ausstoss von Vieh demzufolge bis 2050 um über 70 % steigen. Das wiederum würde den Treibhauseffekt verstärken. Die Studie ist soeben im Fachjournal „Biogeosciences" erschienen.

Weltweit stehen heute 1,5 Milliarden Rinder auf der Weide: Dieses scheinbar idyllische Bild wird schnell zerstört, wenn man die Klimabilanz der Wiederkäuer betrachtet. Wenn die Tiere verdauen, stossen sie Methan aus. Das hat es in sich: das Gas heizt das Weltklima 25-mal stärker an als Kohlendioxid. Wissenschaftler des Senckenberg, der Royal Botanic Gardens Kew und des Scotland Rural College haben jetzt modelliert, wie sich der Methan-Ausstoß durch Rinder zukünftig entwickeln könnte und dabei insbesondere deren Futterpflanzen unter die Lupe genommen.

„Je nach Klimaszenario könnte der Methan-Ausstoß jeder Kuh bis 2050 um bis zu 4,5 Prozent ansteigen. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass die Viehbestände drastisch steigen werden, könnte Vieh im Jahr 2050 Methan in einer Menge emittieren, die dem Erwärmungspotential von 4,7 Giga Tonnen Kohlendioxid entspricht. Das wäre ein über 70 Prozent höherer Wert als zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Verantwortlich ist der sinkende Nährwert der Futterpflanzen", fasst Dr. Peter Manning, Wissenschaftler am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt, die Ergebnisse zusammen.

Wie die Auswertung diverser Studien ergab, haben Futterpflanzen in wärmeren Gebieten verglichen mit kühleren Klimata einen geringeren Nährwert. In wärmeren Regionen dominieren Pflanzen mit geringerem Protein- und höherem Ballaststoffgehalt. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um eine Anpasung der Pflanzen an Hitzestress und Wassermangel beispielweise durch dickere Blätter und Stängel. In wärmeren Gebieten müssen die Kühe daher mehr Pflanzenmaterial fressen und verdauen länger, wobei das Klimagas Methan ensteht.

Da durch den Klimawandel die Temperaturen weltweit steigen, erwarten die Wissenschaftler, dass sich Futterpflanzen und ihre Gemeinschaften verändern und deren Nährwert global abnimmt. Dr. Mark Lee, Wissenschaftler an den Royal Botanic Gardens, Kew: „Was wir beobachten, ist ein Teufelkreis. Kühe produzieren bei ihrer Verdauung Methan, das unseren Planeten aufheizt. Dieser Temperaturanstieg führt zu Futterpflanzen, die schwerer zu verdauen sind und länger im Magen bleiben. Damit wird mehr noch Methan freigesetzt, was wiederum die Erwärmung vorantreibt. "

Doch nicht nur diese positive Rückkopplung, die bisher nicht in Klimamodellen berücksichtigt wurde, dürfte den Methan-Ausstoß durch Vieh ansteigen lassen. Sorge bereitet den Forschern vor allem, dass durch den weltweit steigenden Fleischkonsum die Anzahl von Rindern immer stärker wächst. Interessanterweise sind die Hotspots der steigenden Methan-Emissionen, Nord-Amerika, Zentral- und Osteuropa und Asien auch die Regionen, die gegenwärtig den größten Anstieg an Viehhaltung verzeichnen.

„Um den Anstieg des Methan-Ausstoßes zu verhindern, müssten wir die Viehhaltung in den Regionen, die sich am schnellsten erwärmen, begrenzen oder nährstoffreichere Pflanzen kultivieren. Es ist aber auch wichtig, den individuellen Fleischkonsum zu reduzieren und der globalen Zunahme des Fleischkonsums - mit all seinen Folgen für das Weltklima, die wir beispielsweise hier im Zusammenhang mit Methan untersucht haben - entgegenzuwirken", resümmiert Manning.

Kontakt
Dr. Peter Manning
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. 069- 7542 1913
Peter.manning@senckenberg.de

Sabine Wendler
Pressestelle
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. 069- 7542 1818
Sabine.wendler@senckenberg.de

Royal Botanical Gardens, Kew
Pressestelle
Tel. +44 (0)20 8332 5607
pr@kew.org

Publikation
Lee, M.A et al. (2017): Forage quality declines with rising temperatures, with implications for livestock production and methane emissions. Biogeosciences, doi: 10.5194/bg-14-1403-2017

Pressemitteilung und Bildmaterial finden Sie auch unter www.senckenberg.de/presse

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der
Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblicke in vergangene und gegenwärtige Veränderungen der Natur vermittelt. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie weiteren Sponsoren und Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

200 Jahre Senckenberg! 2017 ist Jubiläumsjahr bei Senckenberg - die 1817 gegründete Gesellschaft forscht seit 200 Jahren mit Neugier, Leidenschaft und Engagement für die Natur. Seine 200-jährige Erfolgsgeschichte feiert Senckenberg mit einem bunten Programm, das aus vielen Veranstaltungen, eigens erstellten Ausstellungen und einem großen Museumsfest im Herbst besteht. Natürlich werden auch die aktuelle Forschung und zukünftige Projekte präsentiert. Mehr Infos unter: www.200jahresenckenberg.de

The Royal Botanic Gardens, Kew is a world famous scientific organisation, internationally respected for its outstanding collections as well as its scientific expertise in plant diversity, conservation and sustainable development in the UK and around the world. Kew Gardens is a major international and a top London visitor attraction. Kew's 132 hectares of landscaped gardens, and Kew's country estate, Wakehurst, attract over 1.5 million visits every year. Kew was made a UNESCO World Heritage Site in July 2003 and celebrated its 250th anniversary in 2009. Wakehurst is home to Kew's Millennium Seed Bank, the largest wild plant seed bank in the world. www.kew.org

Scotland's Rural College (SRUC) delivers comprehensive skills, education and business support for Scotland's land-based industries, founded on world class and sector-leading research, education and consultancy. www.sruc.ac.uk

Anhang
PM zum Download
https://idw-online.de/de/attachment56958

Quelle: idw 

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„Seit Anbeginn der Zeit" - DNA bestätigt einzigartige Bindung australischer Ureinwohner an ihr Land

Petra Mader Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

Die DNA aus Haarproben der Ureinwohner Australiens zeigt ein ausgeprägtes geographisches Muster, das darauf hindeutet, dass die jeweiligen Bevölkerungsgruppen bis zu 50.000 Jahre lang in derselben Region siedelten. Die heute in Nature veröffentlichten Ergebnisse betonen damit die einzigartige Bindung der Ureinwohner Australiens zu ihrem Land und zeichnen erstmals eine detaillierte genetische Karte Australiens vor Ankunft der Europäer. Die Studie entstand im Rahmen des Aboriginal Heritage Projects unter Leitung der Universität Adelaide und des South Australian Museums, an dem auch Wolfgang Haak, vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena maßgeblich beteiligt ist.

Die Ureinwohner Australiens sind dem Land, das sie besiedeln, in besonderer Weise verbunden. So siedeln die rund 400 Sprach- und Regionalgruppen bereits seit bis zu 50.000 Jahren - und damit seit kurz nach der Besiedlung Australiens überhaupt - kontinuierlich in derselben Region. Das zeigt die DNA aus Haarproben von Aborigines, die im South Australian Museum in Adelaide aufbewahrt werden.

Die Sammlung von über 5000 Haarproben, die durch einen wahren Schatz an vielfältigen kulturellen, sprachlichen, genealogischen und geographische Daten bereichert wird, stammt aus Expeditionen des Anthropologischen Forschungsvorstands der Universität Adelaide zwischen 1928 und den 1970er Jahren. Die Haarspender waren mehrheitlich Nachfahren erster und zweiter Generation von Familien, die nach der Besiedlung Australiens durch die Europäer aus vielen Regionen Australiens zwangsweise in Gemeinden und Missionen wie Cherbourg in Queensland, sowie Koonibba und Point Pearce in Südaustralien umgesiedelt wurden.

Für ihre Studien analysierten die Wissenschaftler die mitochondriale DNA von 111 Haarproben, welche die Rückverfolgung der mütterlichen Linie ermöglicht und mit dem in den Genealogien dokumentierten ursprünglichen Geburts- oder Herkunftsort der ältesten mütterlichen Vorfahrin verknüpft werden konnte. Sowohl die Gewinnung der Haarproben als auch die jetzige Analyse durch die Wissenschaftler erfolgte mit Zustimmung der Haarspender bzw. ihrer Familien.

Die Ergebnisse zeigen, dass die modernen Aborigines Australiens die Nachfahren einer einzigen Gründerpopulation sind, die vor 50 000 Jahren Australien besiedelte, als es noch im Urkontinent „Sahul" durch eine Landbrücke mit Neuguinea verbunden war. Nach Anstieg des Meeresspiegels spaltete sich die Population weiter auf und breitete sich innerhalb von nur 1 500 bis 2 000 Jahren entlang der Ost- und Westküste Australiens aus. Irgendwo im Süden des Kontinents trafen diese zwei Ströme dann wieder aufeinander, wo die frühesten archäologischen Funde auf 48 000 Jahr datieren.

„Überraschenderweise scheint es so, dass die Populationsmuster aus dieser Zeit die nächsten fast 50.000 Jahre überdauerten. Das zeigt, dass die ersten Besiedler des Kontinents sich rasch regional aufgliederten und ihren jeweiligen geografischen Regionen treu blieben und zwar selbst dann, wenn es keine natürlichen Grenzen zwischen diesen Regionen gab", sagt Professor Alan Cooper, Projektleiter und Direktor des ACAD. „Das ist weltweit einmalig und liefert überzeugende Beweise für die bemerkenswerte kulturelle und spirituelle Bindung der Aborigines an ihr Land. Wir hoffen, dass dieses Projekt zu einer Umschreibung der Australischen Geschichtsbücher führt. Sie werden in Zukunft auch eine detaillierte Geschichte der Ureinwohner Australiens enthalten und darüber berichten, was es bedeutet, 50 000 Jahre in einem Land gelebt zu haben - das ist in etwa zehn Mal so lang wie die gesamte Geschichte Europas, die üblicherweise gelehrt wird."

Das Aboriginal Heritage Project unter Leitung des Australischen Zentrums für Alte DNA (ACAD) der Universität Adelaide und des South Australian Museums ist auf Jahrzehnte angelegt. Ziel des Projekts ist es, Menschen, die Aborigine-Herkunft haben, aber kulturell entwurzelt sind, zu ermöglichen, ihre regionale Herkunft nachzuvollziehen und ihre genealogische Familiengeschichte zu rekonstruieren. Darüber hinaus soll das Projekt die Rückführung von australischen Artefakten (Kulturgütern) unterstützen, welche in Überseesammlungen der Kolonialzeit aufbewahrt werden.

„Wir Aborigines haben immer gewusst, dass wir seit Anbeginn der Zeit auf unserem Land waren", sagt Kaurna Mr Lewis O'Brien, einer der damaligen Haarspender und heute Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Studie. „Es ist jedoch wichtig, dies mit Hilfe von moderner Wissenschaft dem Rest der Welt zu zeigen. Dies ist ein aufregendes Projekt und wir hoffen, dass es Menschen aus unserer ‚Gestohlenen Generation' und anderen dabei helfen wird, sich wieder mit ihren Familien zu vereinen."

„Die ehemalige staatliche Politik der Zwangsumsiedlung und der gezielten Wegnahme von Kindern, der sogenannten 'Gestohlenen Generation' macht die Rekonstruktion der genetischen Geschichte der ursprünglichen Bevölkerung Australiens zu einem schwierigen Unterfangen, da diese Agenda einen großen Teil der physischen und spirituellen Verbindung zwischen Gruppen und ihrem Land im heutigen Australien zerstört hat", sagt Dr. Wolfgang Haak, ehemals Wissenschaftler am ACAD und Co-Initiator der Studie, und heute Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena. „Die umfangreichen Aufzeichnungen der anthropologischen Teams um Norman Tindale und Joseph Birdsell zeigen nicht nur eine enorme wissenschaftliche Weitsicht, sondern eröffnen uns eine wirklich einzigartige Gelegenheit, die eigentliche Menschheitsgeschichte Australiens zu schreiben. Dafür möchte ich im Besonderen auch den Familien in Cherbourg, Koonibba und Point Pearce danken, die uns nicht nur herzlich empfangen haben, sondern dieses Projekt mit Begeisterung unterstützen."

Die zukünftige Forschung wird sich auch auf die väterlichen Linien und das Genom des Zellkerns erstrecken. Teammitglied Dr. Ray Tobler, Postdoktorand am ACAD und väterlicherseits mit Aborigine-Abstammung, hat ein Stipendium des australischen Forschungsrats (ARC), um die AHP-Forschung zu erweitern und zu untersuchen, inwieweit die Jahrtausende währende „Standorttreue" in verschiedenen Lebensräumen die bemerkenswerte phänotypische Vielfalt heutiger Ureinwohner Australiens geprägt hat.

Weitere Forschungspartner
Weitere Forschungspartner sind die La Trobe University, die Deakin University und das National Center for Indigenous Genomics in Canberra. Das Projekt wird durch das ARC-Linkage Programm mit zusätzlicher Forschungsförderung der Australian Genome Research Facility, Bioplatforms Australia, dem ARC Center of Excellence für Mathematische und Statistische Grenzen und der National Geographic Society finanziert.

Orginalveröffentlichung
Ray Tobler, Adam Rohrlach, Julien Soubrier1, Pere Bover, Bastien Llamas, Jonathan Tuke, Nigel Bean, Ali Abdullah-Highfold, Shane Agius, Amy O'Donoghue, Isabel O'Loughlin, Peter Sutton5, Fran Zilio, Keryn Walshe, Alan N. Williams, Chris S.M. Turney, Matthew Williams, Stephen M. Richards, Robert J. Mitchell, Emma Kowal, John R. Stephen, Lesley Williams, Wolfgang Haak, and Alan Cooper: Aboriginal mitogenomes reveal 50,000 years of regionalism in Australia. Nature. Doi:10.1038/nature21416

Weitere Informationen
Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte
Dr. Wolfgang Haak
Forschungsgruppenleiter Molekulare Anthropologie
+49 3641 686-642

Quelle: idw 

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Wetter-Extreme: Menschheit verändert wahrscheinlich gigantische Luftströme

Jonas Viering, Sarah Messina Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Die Zunahme verheerender sommerlicher Wetter-Extreme steht wahrscheinlich in Verbindung mit dem vom Menschen verursachten Klimawandel, wie immer mehr Belege zeigen. Gigantische Luftströme umkreisen die Erde, wellenförmig schwingen sie zwischen Tropen und Arktis auf und ab. Diese planetaren Wellen transportieren Wärme und Feuchte. Wenn sie ins Stocken kommen, können Dürren oder Fluten entstehen. Die globale Erwärmung durch Treibhausgase aus fossilen Brennstoffen schafft Bedingungen, welche ein solches Stocken begünstigen, so hat jetzt ein internationales Team von Wissenschaftlern herausgefunden.

„Die kalifornische Dürre 2016, die Überschwemmung in Pakistan 2010 und die Hitzewelle in Europa 2003 zählen alle zu einer äußerst beunruhigenden Serie von Extremen", sagt Michael Mann von der Pennsylvania State University in den USA, Leit-Autor der in Scientific Reports erscheinenden Untersuchung. „Solche Ereignisse treten öfter auf, als durch die direkte Wirkung der globalen Erwärmung zu erwarten wäre. Also muss es hier einen zusätzlichen Effekt des Klimawandels geben. In Daten aus Computer-Simulationen wie auch aus Beobachtungen sehen wir Veränderungen, die ungewöhnlich anhaltende, extreme Mäander des Jet-Streams begünstigen, und diese wiederum unterstützen das Entstehen von Wetter-Extremen. Die Menschheit stand schon lange im Verdacht, zu diesen Mustern beizutragen. Aber jetzt entdecken wir einen deutlichen Fingerabdruck der menschlichen Aktivität."

+++ Wie aus Sonnentagen eine heftige Hitzewelle wird +++

„Wenn dasselbe Wetter wochenlang anhält, dann kann in einer Region aus sonnigen Tagen eine heftige Hitzewelle werden, oder Dauerregen führt zu Fluten", erklärt Ko-Autor Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Dies tritt unter besonderen Bedingungen auf, die eine sogenannte quasi-resonante Verstärkung begünstigen. Diese lässt die Nord-Süd-Windungen des Jetstreams sehr groß werden, und sie lässt die Vorwärtsbewegung der Wellen von West nach Ost stocken. Hier den menschlichen Fingerabdruck dingfest zu machen, das ist fortgeschrittene Detektivarbeit."

Luftströme werden großteils von Temperaturunterschieden zwischen dem Äquator und den Polen angetrieben. Weil die Arktis sich schneller erwärmt als andere Regionen, nehmen diese Temperaturunterschiede ab. Außerdem erwärmen sich die Landmassen schneller als die Ozeane, besonders im Sommer. Beide Veränderungen wirken sich auf die weltumspannenden Winde aus. Hierzu zählen auch die gigantischen Luftströme, die planetare Wellen genannt werden, weil sie die Nördliche Halbkugel in Form großer Kurven zwischen Tropen und Arktis umkreisen. Die Wissenschaftler entdeckten eine besondere Verteilung von Temperaturen gerade während der Zeiten, in denen die östliche Vorwärtsbewegung der planetaren Wellen stockte, wie Satellitendaten zeigen.

+++ Temperaturmessungen seit 1870 bestätigen Erkenntnisse aus Satellitendaten +++

„Hochwertige Satellitendaten gibt es erst seit vergleichsweise kurzer Zeit - zu kurz, um belastbare Rückschlüsse zu ziehen, wie diese Episoden des Stockens der planetaren Wellen sich über die Zeit hinweg verändert haben. Verlässliche Temperaturmessungen hingegen gibt es seit etwa 1870. Deshalb haben wir diese Messdaten genommen, um die Veränderungen über die Zeit hinweg zu rekonstruieren", sagt Ko-Autor Kai Kornhuber, ebenfalls vom PIK. „Wir haben uns Dutzende verschiedener Klimamodelle - Computer-Simulationen, CMIP5 genannt - wie auch Beobachtungsdaten angeschaut. Und es stellte sich heraus, dass die Temperaturverteilung, die das Stocken der planetaren Wellen begünstigt, in fast 70 Prozent der Simulationen zugenommen hat."

Interessanterweise ist der größte Teil dieser Veränderungen erst in den letzten vier Jahrzehnten aufgetreten. „Dass der Jetstream sich öfter über lange Zeit stark windet, ist ein recht neues Phänomen - das macht es noch bedeutsamer", sagt Ko-Autor Dim Coumou von der Abteilung für Wasser und Klimarisiken an der VU Universität in Amsterdam. „Wir müssen das weiter untersuchen; neben den guten Belegen haben wir weiterhin auch offene Fragen. In jedem Fall sollten solche nicht-lineare Reaktionen des Erdsystems auf die globale Erwärmung besser vermieden werden. Wir können die Risiken der Zunahme von Wetterextremen begrenzen, wenn wir unseren Ausstoß von Treibhausgasen begrenzen."

Artikel: Michael E. Mann, Stefan Rahmstorf, Kai Kornhuber, Byron A. Steinman, Sonya K. Miller, Dim Coumou (2017): Influence of Anthropogenic Climate Change on Planetary Wave Resonance and Extreme Weather Events. Scientific Reports [DOI: 10.1038/srep45242 2]

Weblink zum Artikel, sobald er veröffentlicht ist (innerhalb 24 Stunden nach Sperrfristende): www.nature.com/articles/srep45242

Weblink zu einem Video, dass die "Planetaren Wellen" erklärt (nur auf Englisch verfügbar): https://www.youtube.com/watch?v=MzW5Isbv2A0

Kontakt für weitere Informationen:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
Telefon: +49 (0)331 288 2507
E-Mail: presse@pik-potsdam.de
Twitter: @PIK_Klima
www.pik-potsdam.de

Quelle: idw 

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Männer mit gestörtem Zuckerstoffwechsel sollten kohlenhydratreiches Essen am Abend meiden

Dr. Gisela Olias Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

Wie eine Ernährungsstudie unter Führung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE), einem Partner des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung, zeigt, beeinflusst auch die sogenannte innere Uhr, wie Menschen mit einer Zuckerstoffwechselstörung auf kohlenhydratreiches Essen reagieren. So wirkte sich bei Männern mit Prädiabetes der abendliche Verzehr von reichlich stärke- und zuckerhaltigen Lebensmitteln negativ auf die Blutzuckerregulation aus. Im Vergleich dazu spielte bei gesunden Studienteilnehmern der Zeitpunkt der Kohlenhydrataufnahme keine wesentliche Rolle für die Blutzuckerregulation.

Die Wissenschaftler um Katharina Keßler, Andreas F. H. Pfeiffer, Olga Pivovarova und Natalia Rudovich vom DIfE publizierten ihre Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift Scientific Reports (Kessler et al. 2017; DOI: 10.1038/srep44170).

Seit Langem ist bekannt, dass die sogenannte innere Uhr eine Rolle für die Regulation von Stoffwechselprozessen spielt und auch der Zuckerstoffwechsel einer bestimmten Tagesrhythmik unterliegt. Zudem weisen neuere Studien an Nagern darauf hin, dass die innere Uhr auch beeinflusst, wie der Stoffwechsel auf die Zufuhr von Kohlenhydraten oder Fetten reagiert und dass bestimmte Zeitfenster für den Verzehr einer kohlenhydratreichen oder fettreichen Kost aus gesundheitlicher Sicht besser geeignet sind als andere. Ebenso kamen Beobachtungsstudien am Menschen zu dem Ergebnis, dass Personen, die morgens kohlenhydratreich, aber fettarm essen, ein vermindertes Risiko für Typ-2-Diabetes oder das metabolische Syndrom besitzen. Letzteres ist durch Symptome wie übermäßige Fetteinlagerungen im Bauchraum, Bluthochdruck sowie einen gestörten Zucker- und Fettstoffwechsel charakterisiert. Das genaue Zusammenspiel zwischen der Ernährungsweise und der tagesrhythmischen Regulation des Zuckerstoffwechsels ist jedoch noch nicht hinreichend erforscht.

Um mehr über die physiologischen Mechanismen zu erfahren, die diesem Zusammenspiel zugrunde liegen, führten die Wissenschaftler am DIfE eine Ernährungsstudie an insgesamt 29 Männern durch. Sie waren im Schnitt etwa 46 Jahre alt und hatten einen durchschnittlichen Body-Mass-Index von 27, das heißt, sie waren normal- bis stark übergewichtig. Bei 11 Personen stellten die Wissenschaftler zu Beginn der Studie eine Zuckerstoffwechselstörung fest. Das bedeutet, die Teilnehmer hatten bereits erhöhte Nüchtern-Blutzuckerwerte oder ihre Blutzuckerwerte sanken nach einem Zuckerbelastungstest deutlich langsamer ab als normal. Bei den restlichen 18 Studienteilnehmern war die Blutzuckerregulation dagegen nicht gestört, ihre Glukosetoleranz war also normal.

Während der Studie mussten die Studienteilnehmer für jeweils vier Wochen zwei unterschiedliche Diäten A und B* einhalten. Beide Diäten lieferten dieselbe Menge an Kalorien, Kohlenhydraten, Fetten und Eiweiß, jedoch unterschieden sie sich darin, zu welcher Tageszeit die Teilnehmer vorwiegend Kohlenhydrate oder Fette verzehrten. So aßen Studienteilnehmer nach Diätplan A von morgens bis 13:30 Uhr kohlenhydratbetont und von 16:30 bis 22:00 Uhr fettbetont. Nach Diätplan B verzehrten sie vormittags fettreiche und nachmittags und abends kohlenhydratreiche Speisen. Begleitend zu den jeweiligen Ernährungsumstellungen untersuchten die Wissenschaftler verschiedene Stoffwechselwerte der Studienteilnehmer.

„Wie unsere Studie zeigt, ist es zumindest für Männer mit einer Zuckerstoffwechselstörung relevant, zu welcher Tageszeit sie eine kohlenhydratreiche Mahlzeit verzehren. Verglichen wir die nach den beiden Diäten gemessenen Blutzuckerwerte, so lagen ihre Blutzuckerspiegel nach Diät B um durchschnittlich 7,9 Prozent höher als nach Diät A, bei der die Teilnehmer abends fettbetont aßen. Interessanterweise konnten wir diesen Effekt bei den gesunden Männern nicht beobachten, obwohl wir generell sowohl bei den gesunden als auch den vorbelasteten Personen eine Abnahme der Glukosetoleranz im Tagesverlauf feststellten. Diese fiel bei Letzteren allerdings deutlich stärker aus", sagt Erstautorin Keßler. Des Weiteren beobachteten die Forscher bei den vorbelasteten Männern eine veränderte Sekretion der Darmhormone Glucagon-like peptide-1 (GLP-1)** und Peptid YY (PYY)***, die zur Regulation des Zuckerstoffwechsels bzw. des Körpergewichts beitragen und deren Ausschüttung einer bestimmten Tagesrhythmik unterliegt. So sanken bei vorbelasteten Personen parallel zur deutlich ausgeprägten, nachmittäglichen Abnahme der Glukosetoleranz die Blutspiegel der beiden Hormone wesentlich stärker ab als bei gesunden Studienteilnehmern.

„Die zirkadiane Rhythmik der Hormonausschüttung beeinflusst also, wie wir auf Kohlenhydrate reagieren", sagt Endokrinologe Pfeiffer, der am DIfE die Abteilung Klinische Ernährung leitet. Daher empfehlen Diabetologin Rudovich und Wissenschaftlerin Pivovarova insbesondere Menschen, die bereits unter einer Störung des Zuckerstoffwechsels leiden, sich nach ihrer inneren Uhr zu richten und am Abend kohlenhydratreiche Mahlzeiten zu meiden.

Hintergrundinformationen:
An der Untersuchung nahmen nur Männer teil, da die Untersuchung zirkadianer Rhythmen bei Frauen auf Grund des Menstruationszyklus erheblich erschwert ist.

* Bei beiden Diäten A und B lag der Gesamtanteil der Kohlenhydrate an der Energiezufuhr bei 50 Prozent, der der Fette bei 35 Prozent und der des Eiweiß bei 15 Prozent, was einer ausgewogenen Ernährung entspricht. In dem Zeitfenster, in dem verstärkt Kohlenhydrate verzehrt werden sollten, d. h. in der kohlenhydratreichen Diätphase, lag der Anteil der Kohlenhydrate an der Energiezufuhr bei 65 Prozent, der der Fette bei 20 Prozent und der des Eiweiß bei 15 Prozent. Dagegen lag in der fettbetonten Diätphase der Anteil der Kohlenhydrate an der Energiezufuhr bei 35 Prozent, der der Fette bei 50 Prozent und der des Eiweiß bei 15 Prozent. Jeweils 50 Prozent der täglich aufgenommenen Kalorien entfiel auf die kohlenhydrat- bzw. die fettreiche Phase.

** Glucagon-like peptide-1 (GLP-1): Im Darm setzen sogenannte L-Zellen GLP-1 frei, nachdem sie durch Kohlenhydrate (z. B. Zucker), Eiweiße oder Fette stimuliert wurden. Das Peptidhormon hat eine Halbwertszeit von weniger als zwei Minuten, stimuliert die Insulinfreisetzung und hemmt gleichzeitig die Ausschüttung des hormonellen Insulingegenspielers Glucagon. Beides führt dazu, dass der Blutzuckerspiegel sinkt. Zudem weisen Untersuchungen darauf hin, dass es die Insulinempfindlichkeit der Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse wiederherstellt und gleichzeitig ihrem Absterben entgegenwirkt. Darüber hinaus verzögert es die Aufnahme von Kohlenhydraten aus dem Darm und wirkt sättigend (Quelle: Wikipedia).

*** Peptid YY (PYY) wird nach dem Essen von bestimmten Zellen der Darmschleimhaut ins Blut abgegeben. PYY hemmt die Magenentleerung, die exokrine Pankreassekretion sowie die Magensekretion. Hierdurch wird die Entleerung von fetthaltiger Nahrung in den Dünndarm verzögert und so eine bessere Verdauung ermöglicht. PYY beeinflusst ebenfalls sehr stark das Appetit- und Sättigungsgefühl und führt hierüber zu einer reduzierten Nahrungsaufnahme (Quelle: Wikipedia).

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsassoziierter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Ursachen und Folgen des metabolischen Syndroms, einer Kombination aus Adipositas (Fettsucht), Hypertonie (Bluthochdruck), Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörung, die Rolle der Ernährung für ein gesundes Altern sowie die biologischen Grundlagen von Nahrungsauswahl und Ernährungsverhalten. Das DIfE ist zudem ein Partner des 2009 vom BMBF geförderten Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD; https://www.dzd-ev.de/).

Die Leibniz-Gemeinschaft (https://www.leibniz-gemeinschaft.de/start/) verbindet 91 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.600 Personen, darunter 9.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,7 Milliarden Euro.

Kontakt:
Prof. Dr. Andreas F. H. Pfeiffer
Abteilung Klinische Ernährung
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49 (0)30 45051-4422
Tel.: +49 (0)33200 88-2771
E-Mail: afhp@dife.de
E-Mail: afhp@charite.de

PD Dr. Natalia Rudovich
Seit kurzem in der Schweiz tätig:
Division of Endocrinology and Diabetology
Department of Internal Medicine
Spital Bülach
Spitalstrasse 24
CH-8180 Bülach/Switzerland
Tel. +41 (0)44 863 25 30
E-Mail: natalia.rudovich@spitalbuelach.ch

Dr. Olga Pivovarova
Abteilung Klinische Ernährung
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
E-Mail: olga.pivovarova@dife.de

Katharina Keßler
Abteilung Klinische Ernährung
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
E-Mail: katharina.kessler@dife.de

Weitere Informationen:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28272464 Wissenschaftliche Kurzfassung der Studie in PubMed
http://www.dife.de/forschung/abteilungen/kurzprofil.php?abt=KLE Abteilung Klinische Ernährung am DIfE

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Rück- statt Fortschritt: Automatisches Vertretungsrecht für Eheleute gefährdet Patientenautonomie

lic. phil. Jürg Beutler Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)

Am Mittwoch berät der Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz des Bundestages in einer öffentlichen Anhörung über einen neuen Gesetzesentwurf, mit dem der Bundesrat das Vertretungsrecht für Ehegatten und Lebenspartner im Fall einer schweren Erkrankung oder eines Unfalls reformieren will. Die DGPPN bewertet das Gesetzesvorhaben in einer heute veröffentlichten Stellungnahme kritisch: Aus medizinischer Sicht ist eine Neuregelung weder notwendig noch sinnvoll und sollte aktuell nicht weiterverfolgt werden.

Eheleute und eingetragene Lebenspartner sollen künftig automatisch für den Partner Entscheidungen über medizinische Behandlungen treffen können, wenn dieser aufgrund einer psychischen Erkrankung oder einer körperlichen oder geistigen Behinderung dazu nicht mehr in der Lage ist. Das sieht ein Gesetzesentwurf des Bundesrats vor, zu dem das Bundeskabinett im Februar einen Änderungsantrag beschlossen hat. In einer öffentlichen Anhörung berät morgen der Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz über beide Vorlagen.

Die DGPPN sieht die Entwürfe kritisch und empfiehlt in einer heute veröffentlichten Stellungnahme dringend, die Neuregelung nicht umzusetzen. „Die geplante Ermächtigung der Eheleute beschränkt das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen auf unnötige Weise. Wer im Fall seiner Einwilligungsunfähigkeit eine Vertretung durch seinen Partner wünscht, kann und sollte eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung verfassen. Auch wenn sich der überwiegende Teil der Bevölkerung eine Vertretung durch den Partner wünscht, darf daraus nicht geschlossen werden, dass dies auch für die Menschen zutrifft, die keine schriftliche Vorausverfügung getroffen haben. Vielleicht ist in diesen Fällen genau das Gegenteil der Fall", stellt DGPPN-Präsident Professor Arno Deister fest.

Aus Sicht der Fachgesellschaft setzt der Gesetzesentwurf deshalb ein falsches Signal. „Er würde in der Bevölkerung die falsche Überzeugung stärken, dass Vorausverfügungen gar nicht mehr notwendig seien. Damit würde in Deutschland die Patientenautonomie nicht weiter gefördert, sondern gefährdet.", so Professor Thomas Pollmächer, der bei der DGPPN der Task-Force „Patientenautonomie" vorsteht. „Gerade bei psychischen Erkrankungen gibt es immer wieder erhebliche Konflikte zwischen Partnern. In solchen Situationen ist oft ein unabhängiger Betreuer die wesentlich bessere Lösung. Die geplante pauschale Ermächtigung - und insbesondere auch das pauschale Recht zum Einblick in die Krankenakte - drängt Partner aber zu Entscheidungen, die das partnerschaftliche Verhältnis zu einem späteren Zeitpunkt enorm belasten können."

In ihrer Stellungnahme führt die DGPPN eine Vielzahl weiterer Gründe auf, die gegen eine Umsetzung der Gesetzesvorlage sprechen.

Weitere Informationen:
http://www.dgppn.de/presse/pressemitteilungen/detailansicht/article//rueck-statt...

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Gefährdete Giganten: Große Süßwasser-Tierarten sind weltweit am stärksten vom Aussterben bedroht

Angelina Tittmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Süßwasser-Megafauna wie Flussdelfine, Krokodile oder Störe haben eine enorm große Bedeutung für ihr jeweiliges Ökosystem. In einer aktuellen Fachpublikation zeigen Forscher des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) gemeinsam mit internationalen Kollegen, wodurch diese großen Wirbeltierarten heute bedroht sind, und rufen dazu auf, sie gründlicher zu erforschen und besser zu schützen. So könnten auch Süßwasserökosysteme, die weltweit besonders stark vom Rückgang der Biodiversität betroffen sind, insgesamt effektiver bewahrt werden.

Viele große aquatische Wirbeltierarten, sogenannte Süßwasser-Megafauna, legen lange Wegstrecken zwischen ihren Brut- und Futterplätzen zurück. Sie sind auf durchgängige Fließgewässer angewiesen. Das macht sie jedoch besonders anfällig für die zunehmende Fragmentierung von Flussgebieten durch Dämme. Diese versperren beispielsweise dem Russischen Stör den Zugang zu 70 Prozent seiner Laichplätze vom Kaspischen Meer aus sowie sämtliche Laichplätze, die ursprünglich vom Schwarzen Meer aus erreichbar waren. Auch viele andere Arten wie die Amazonas-Seekuh, der Ganges-Flussdelfin und der Mekong-Riesenwels sind vom Staudammboom betroffen und gelten inzwischen als bedroht. „Die Fragmentierung von Lebensräumen ist neben der Übernutzung von Binnengewässern eine der zentralen Bedrohungen für Süßwasser-Megafauna", sagt Fengzhi He. Der IGB-Wissenschaftler ist Hauptautor der Studie über das Verschwinden großer Wirbeltierarten aus Flüssen und Seen, die kürzlich in der Fachzeitschrift WIREs Water erschienen ist. Weltweit seien mehr als die Hälfte der Wirbeltiere, die in Süßwasserökosystemen leben und ausgewachsen mindestens 30 Kilogramm Gewicht auf die Waage bringen, nach der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) gefährdet oder sogar akut vom Aussterben bedroht.

Dabei spielt die Süßwasser-Megafauna eine Schlüsselrolle in ihren jeweiligen Ökosystemen: Aufgrund ihrer Größe stehen viele Megafauna-Arten an der Spitze der Nahrungskette, ihre Ausrottung hätte Einfluss auf die meisten anderen Lebewesen im lokalen Ökosystem. So gestaltet beispielsweise der eurasische und amerikanische Biber durch seine Lebensweise ganze Flussläufe, was unter anderem Auswirkungen auf biochemische und hydrologische Prozesse hat; Mississippi-Alligatoren schaffen und erhalten in den Everglades kleine Teiche, die Lebensraum für viele Pflanzen und kleinere Tiere sind. „Die Bedeutsamkeit von Süßwasser-Megafauna für die Biodiversität und für den Menschen kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden", so Fengzhi He. In der vorliegenden Publikation beschreibt er gemeinsam mit Kollegen der IUCN, der Universität Tübingen und der Queen Mary University of London, welche Faktoren Süßwasser-Megafauna bedrohen. Neben dem Verbau und der Fragmentierung der Gewässer durch Dämme sind dies Übernutzung, Umweltverschmutzung, Lebensraumzerstörung und Arteninvasion sowie die mit dem Klimawandel einhergehenden Änderungen.

Was Megafauna-Arten für den Einfluss von außen besonders anfällig macht, sind ihre lange Lebenserwartung, stattliche Körpergröße, späte Geschlechtsreife und geringe Fruchtbarkeit, so die Autoren. Trotz der akuten Bedrohung vieler Arten wurden sie in bisherigen wissenschaftlichen Bestrebungen zur Erforschung und zum Erhalt weitgehend vernachlässigt. Fengzhi He und seine Co-Autoren fordern, Verbreitungsmuster, Lebensgeschichte und Populationsdynamik von Süßwasser-Megafauna besser zu erforschen. Da Binnengewässer zu den weltweit am stärksten bedrohten Ökosystemen zählen und der Verlust der Biodiversität hier schneller voranschreitet als in marinen und terrestrischen Systemen, sei es umso wichtiger, nachhaltige Naturschutzstrategien für Süßwasserökosysteme und ihre Süßwasser-Megafauna zu entwickeln.

Link zur Studie
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/wat2.1208/full

He, F., Zarfl, C., Bremerich, V., Henshaw, A., Darwall, W., Tockner, K. and Jähnig, S. C. (2017), Disappearing giants: a review of threats to freshwater megafauna. WIREs Water, e1208. doi:10.1002/wat2.1208

Ansprechpartner
Fengzhi He
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Müggelseedamm 310, 12587 Berlin
fengzhi.he@igb-berlin.de

Dr. Sonja Jähnig
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Justus-von-Liebig-Str. 7, 12489 Berlin
sonja.jaehnig@igb-berlin.de
+49 (0)30 6392 4085

Über das IGB:
http://www.igb-berlin.de

Das IGB ist das bundesweit größte Forschungszentrum für Binnengewässer. Es verbindet Grundlagen- und Vorsorgeforschung, bildet den wissenschaftlichen Nachwuchs aus und berät Politik und Gesellschaft in Fragen des nachhaltigen Gewässermanagements. Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Langzeitentwicklung von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten angesichts sich rasch ändernder Umweltbedingungen, die Renaturierung von Ökosystemen, die Biodiversität aquatischer Lebensräume sowie Technologien für eine ressourcenschonende Aquakultur. Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit den Universitäten und Forschungsinstitutionen der Region Berlin/Brandenburg und weltweit. Das IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.

Quelle: idw 

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Schwangerschaft begünstigt neue, hochpathogene Grippevirus-Varianten

Dr. Franziska Ahnert Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Heinrich-Pette-Institut - Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie

Die Immunantwort bei Schwangeren führt zu schweren Krankheitsverläufen und neuen, hochvirulenten H1N1-Stämmen

Die Immunantwort während der Schwangerschaft verstärkt nicht nur die Pathogenität von H1N1-Grippeviren, sondern begünstigt auch die Entstehung neuer, hoch-virulenter Stämme. Zu diesen Ergebnissen gelangt eine kooperative Studie der Forschungsgruppe Virale Zoonosen am Heinrich-Pette-Institut, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie (HPI) unter der Leitung von Prof. Gülsah Gabriel und dem Labor Feto-Maternale Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) unter der Leitung von Prof. Petra Arck, die nun in dem renommierten Fachjournal „Cell Host & Microbe" erschienen ist.

Aus Sicht des Immunsystems stellt eine Schwangerschaft eine einzigartige Situation dar, denn der Fötus trägt zur Hälfte auch väterliche Antigene. „Das mütterliche Immunsystem reagiert mit einer gezielten Immuntoleranz, um sicherzugehen, dass der Fötus nicht wie ein Transplantat abgestoßen wird", erklärt Prof. Petra Arck. „Bei einer Grippevirus-Infektion ist dagegen eine schnelle Immunantwort notwendig, um sich gegen die Viren zur Wehr zu setzen" ergänzt Prof. Gülsah Gabriel. Aufgrund dieser entgegengesetzten immunologischen Anforderungen sind schwangere Frauen die größte Risiko-Gruppe für schwere, teilweise tödliche, Grippeverläufe. Über die genauen Ursachen dafür liegen bisher jedoch nur wenige Erkenntnisse vor.

In der nun erschienenen Studie ist es den Teams um Gabriel und Arck gelungen, die Vorgänge im Immunsystem bei einer Infektion mit dem Grippevirus pH1N1 während einer Schwangerschaft genauer zu charakterisieren. Mithilfe eines Mausmodells konnte gezeigt werden, dass die anti-virale Immunantwort in trächtigen Muttertieren deutlich abgeschwächt ist und die Infektion sehr viel schwerer verläuft als bei den nicht-trächtigen Tieren. Zudem ist es gelungen, die Bildung neuer, hochvirulenter Grippevirus-Varianten in den trächtigen Tieren nachzuweisen.

„Unsere Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, wie wichtig es ist, dass sich gerade schwangere Frauen mit einer Impfung vor Grippeinfektionen schützen. Zudem können die Erkenntnisse aber auch die Grundlage für neue therapeutische Ansätze liefern", erklärt Prof. Gülsah Gabriel, Leiterin der HPI-Forschungsgruppe „Virale Zoonosen und Adaptation".

Gefördert wurde die Forschungsarbeit mit Mitteln des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) sowie dem Fonds National de la Recherche Luxembourg. Weiterhin ist die Studie in die durch die Deutsche Forschungsgesellschaft geförderte Klinische Forschergruppe 296 zum Thema "Feto-Maternale Immunität" eingebettet, welche Frau Prof. Arck als Sprecherin vertritt.

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Cell Host & Microbe" veröffentlicht:
Géraldine Engels, Alexandra Maximiliane Hierweger, Julia Hoffmann, René Thieme, Swantje Thiele, Stephanie Bertram, Carola Dreier, Patricia Resa-Infante, Henning Jacobsen, Kristin Thiele, Malik Alawi, Daniela Indenbirken, Adam Grundhoff, Svenja Siebels, Nicole Fischer, Violeta Stojanovska, Damián Muzzio, Frederico Jensen, Khalil Karimi, Hans-Willi Mittrücker, Petra Clara Arck & Gülsah Gabriel (2017). Pregnancy-related immune adaptation promotes the emergence of highly virulent H1N1 strains in allogenically-pregnant mice. Cell Host & Microbe, März 2017.

Weitere Informationen:
http://www.hpi-hamburg.de Webseite Heinrich-Pette-Institut
http://www.cell.com/cell-host-microbe/fulltext/S1931-3128%2817%2930082-3 Cell Host & Microbe Veröffentlichung

Anhang

PDF der PM zum Download
https://idw-online.de/de/attachment56802

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Methan: Insektenlarven in Seen sind unvermutete „Klimasünder"

Angelina Tittmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Büschelmücken (Chaoborus spp) sind kleine Fliegen, die mit Ausnahme der Antarktis überall auf der Erde zu finden sind. Wissenschaftler haben entdeckt, dass die Larven dieser Insekten Methan aus den Sedimenten von Seen freisetzen, um es für ihre Fortbewegung zu nutzen. Dieser Mechanismus könnte die Methan-Emissionen in die Atmosphäre erhöhen und somit die globale Erderwärmung beschleunigen. Die Studie, an der die Universität Genf (UNIGE), das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), die Universität Potsdam und die Swansea University beteiligt waren, wurde am 14. März im Fachjournal „Scientific Reports" veröffentlicht.

Büschelmücken (Chaoborus spp) verbringen ein bis zwei Jahre ihres Lebens als Larven unter Wasser. Tagsüber verstecken sich die Tiere vor ihren Feinden im Sediment, zum Fressen kommen sie aber jede Nacht an die Wasseroberfläche. Um sich auf- und abwärts zu bewegen, nutzen die Larven kleine Gassäckchen in ihrem Körper. Indem sie diese befüllen oder entleeren, verändern die Tiere ihre Position im Wasser. „Dies funktioniert jedoch nur bis zu einer Tiefe von etwa 70 Metern", erklärt Prof. Hans-Peter Grossart, Mitautor der Studie und Wissenschaftler am IGB. „Dann wird der Wasserdruck zu groß für die Larven, um ihre Gaspolster zu füllen." Gemeinsam mit Prof. Daniel McGinnis und Dr. Sabine Flury (Universität Genf) sowie Prof. Kam Tang (Universität Swansea) hat er erforscht, wie es den relativ kleinen Tieren dennoch gelingt, an die Wasseroberfläche zu gelangen.

„Wir wissen, dass Methan in großen Mengen in den Sedimenten am Gewässergrund vorkommt und kleine Bläschen formt", berichtet Daniel McGinnis. Die Wissenschaftler vermuteten deshalb, dass Büschelmücken dieses Gas nutzen, um damit trotz des hohen Wasserdrucks ihre Gassäckchen aufzufüllen. Und tatsächlich, das Methan strömt fast automatisch in die Gassäckchen der kleinen Larven und ermöglicht so den Aufstieg der Tiere an die Wasseroberfläche. Durch diesen Lift-Effekt sparen die Larven bis zu 80 Prozent Energie. Das hilft ihnen zum Beispiel, mit weniger Nahrung auszukommen und neue Lebensräume zu erschließen.

Larven verschärfen den Treibhauseffekt
Methan ist aber auch ein entscheidender Faktor bei der globalen Erderwärmung. Das Gas absorbiert 28 Mal mehr Wärme als Kohlendioxid (CO2). „20 Prozent aller natürlichen Methan-Emissionen stammen aus Binnengewässern", erklärt Grossart. Normalerweise sei das meiste Gas jedoch in Seesedimenten gespeichert und festgelegt.

Die Wissenschaftler untersuchten deshalb, was mit dem Methan passiert, nachdem es von den Larven freigesetzt wird. „Dafür setzten wir die Larven in ein Gefäß mit Wasser, das wir zuvor mit Methan angereichert hatten", erklärt McGinnis „Anschließend überführten wir sie in methanarmes Wasser." Die Messungen ergaben, dass sich der Methangehalt des Wassers proportional zur Anzahl der Larven erhöht. Mit anderen Worten: Die Larven setzen das Gas aus dem Sediment frei und verteilen es anschließend in der Wassersäule. Auf diesem Weg gelangt Methan nicht nur vermehrt in die Oberflächengewässer, sondern von dort aus auch in die Atmosphäre. Die Tiere fördern damit die globale Erderwärmung, sind sich die Autoren einig.

Schlechte Wasserqualität bietet Larven beste Bedingungen
Büschelmücken gelten als ein Zeichen für den schlechten ökologischen Zustand von Seen. „Die Larven, deren Dichte von 2.000 bis 130.000 Individuen pro Quadratmeter variieren kann, kommen insbesondere in Seen mit schlechter Wasserqualität oder einem zu hohen Nährstoffgehalt vor", sagt McGinnis. Dies erfordere vor allem Anstrengungen bei der Verbesserung der Wasserqualität und eine Reduktion der Nährstoffeinträge durch Landwirtschaft und Abwässer, um die Freisetzung von Methan künftig zu reduzieren.

Die Studie wurde im Rahmen eines Fellowships am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Neuglobsow durchgeführt.

Link zur Studie:
http://www.nature.com/articles/srep44478

Daniel F. McGinnis, Sabine Flury, Kam W. Tang & Hans-Peter Grossart (2017): Porewater methane transport within the gas vesicles of diurnally migrating Chaoborus spp.: An energetic advantage. Scientific Reports 7:44478, DOI: 10.1038/srep44478.

Ansprechpartner:
Prof. Hans-Peter Grossart
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
E-Mail: hgrossart@igb-berlin.de
Telefon: +49 (0)33082 699 91

Über das IGB:
http://www.igb-berlin.de
Das IGB ist das bundesweit größte Forschungszentrum für Binnengewässer. Es verbindet Grundlagen- und Vorsorgeforschung, bildet den wissenschaftlichen Nachwuchs aus und berät Politik und Gesellschaft in Fragen des nachhaltigen Gewässermanagements. Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Langzeitentwicklung von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten angesichts sich rasch ändernder Umweltbedingungen, die Renaturierung von Ökosystemen, die Biodiversität aquatischer Lebensräume sowie Technologien für eine ressourcenschonende Aquakultur. Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit den Universitäten und Forschungsinstitutionen der Region Berlin/Brandenburg und weltweit. Das IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.

Quelle: idw 

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Frauen im Job - Psychologe untersucht Vorurteile

Susann Huster Stabsstelle Universitätskommunikation/Medienredaktion
Universität Leipzig

Frauen fahren schlechter Auto als Männer. Sie zeigen weniger Führungsstärke, und Schwangere sind am Arbeitsplatz weniger leistungsfähig als ihre Kollegen: Dies alles sind negative Vorurteile, für die es keinerlei Beweise gibt. Dennoch begegnen sie uns tagtäglich und sie können uns - oft unbewusst - stark beeinflussen. Prof. Dr. Hannes Zacher, Arbeitspsychologe der Universität Leipzig, erforscht dieses Phänomen, das auch im Zeitalter der Gleichberechtigung von Mann und Frau noch vielerorts auftaucht - vor allem im Job. Zum bevorstehenden Internationalen Frauentag am 8. März stellt er einige seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse zu dieser Thematik vor.

"Ich forsche daran, was diese Vorurteile mit den Menschen machen", erklärt der Psychologe, der dafür mit Umfragen und Experimenten arbeitet. "Wenn eine einzige Managerin ansonsten nur mit männlichen Führungskräften zusammenarbeitet, kann auch bei ihr unbewusst ein Vorurteil aktiviert werden: Ich habe weniger Führungsstärke als ein Mann. Das kann zu Hemmungen führen", erklärt Zacher. Wie ausgeprägt diese sein können, beweist die Tatsache, dass Chefinnen oftmals geheim halten, dass sie Kinder haben - eine vermeintliche Schwäche. Es kann auch dazu führen, dass sie seltener Angebote von Arbeitgebern zur Kinderbetreuung und für mehr Flexibilität in Anspruch nehmen als ihre männlichen Pendants.

Auch vermeiden es Frauen in Führungspositionen häufig, Gefühle zu zeigen, weil ihnen das als Schwäche und als Bestätigung eines klassischen Vorurteils ausgelegt werden könnte. Tatsächlich sollte eine (weibliche) Führungskraft Zacher zufolge im Job nicht nur einfühlsam auftreten. Er rät hier zum goldenen Mittelweg: "Empathie ist gut, anderen zuhören. Eine Führungskraft sollte andere im positiven Sinne beeinflussen können, aber nicht mit allen Mitarbeitern gut befreundet sein."

Ein weiteres, weit verbreitetes Stereotyp in der Arbeitswelt betrifft Schwangere. Ihnen wird häufig unterstellt, sie seien weniger leistungsfähig als ihre Kollegen. Die Reaktionen der Betroffenen auf dieses Vorurteil fallen Zacher zufolge unterschiedlich aus: Während einige Schwangere unbewusst diesem Vorurteil entsprechen und sich auf Arbeit zurückhalten, stecken andere werdende Mütter noch mehr Energie in ihre Arbeit als sonst. "Es gibt Vorurteile gegenüber dem Geschlecht eines Menschen, aber auch gegenüber bestimmten Altersgruppen", sagt Zacher, der sich seit Kurzem auch mit den Vorurteilen jüngerer Kollegen gegenüber Älteren wissenschaftlich beschäftigt und dabei schon mehrere gängige Vorurteile - zum Beispiel das ältere Erwerbstätige weniger leistungsfähig als jüngere sind - widerlegen konnte.

Hinweis:
Prof. Dr. Hannes Zacher ist einer von mehr als 150 Experten der Universität Leipzig, auf deren Fachwissen Sie mithilfe unseres Expertendienstes zurückgreifen können.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Hannes Zacher
Institut für Psychologie
Telefon: +49 341 97-35932
E-Mail: hannes.zacher@uni-leipzig.de

Medienredaktion der Universität Leipzig
Telefon: +49 341 97-35020
E-Mail: presse@uni-leipzig.de

Weitere Informationen:
http://www.zv.uni-leipzig.de/service/kommunikation/medienredaktion/expertendiens...

Quelle: idw 

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Malaria-Therapien: bald schon viel einfacher, flexibler und effizienter?

Christian Wißler Mediendienst Forschung
Universität Bayreuth

Malaria-Infektionen lassen sich möglicherweise schon bald viel effizienter behandeln als heute. Forscher an den Universitäten Bayreuth und Jerusalem haben hierfür ein neuartiges Verfahren zur Wirkstoff-Freisetzung entwickelt. Der Wirkstoff Artemisone lässt sich damit zuverlässig in Mengen und Zeitabständen verabreichen, die exakt auf das Krankheitsbild des einzelnen Patienten abgestimmt sind. In der Zeitschrift „Global Challenges" stellen die Wissenschaftler ihre Entwicklung vor. Die Forschungsarbeiten waren Teil eines Projekts, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für fünf Jahre mit insgesamt rund 1,5 Millionen Euro gefördert wird.

Zuverlässig und flexibel: Winzige Fasern ermöglichen die optimale Dosis
Um den Verlauf einer Malaria-Behandlung flexibel dem individuellen Krankheitsbild anpassen zu können, haben die Wissenschaftler den Wirkstoff Artemisone auf speziellen Polymerfasern platziert. Diese Fasern sind ungefähr 100mal dünner als ein menschliches Haar. Sobald sie mit einer tensidhaltigen Standard-Infusionsflüssigkeit in Kontakt kommen, wird das Artemisone allmählich freigesetzt. Wie hoch die Artemisone-Dosis ist, die in den Blutkreislauf des Patienten gelangt, lässt sich dabei auf einfache Weise regulieren. Die Fasern, aus denen die Artemisone-Moleküle freigesetzt werden, können den Organismus des Patienten nicht erreichen. Sie bleiben unterhalb des Flüssigkeitsbehälters in der Tropfkammer fixiert.

Das Verfahren unterscheidet sich damit grundlegend von bisherigen Ansätzen, ein „Programmed release" für Antimalaria-Wirkstoffe zu entwickeln. Denn bislang hat sich die Forschung auf die Frage konzentriert, wie diese Wirkstoffe innerhalb des Organismus kontrolliert freigesetzt werden können. Vor allem Implantate und spezielle Verkapselungen von Tabletten wurden dafür in Betracht gezogen. „Alle diese Ansätze sind auf Schwierigkeiten gestoßen, die bisher nicht überzeugend gelöst werden konnten. Unser Verfahren zeichnet sich dadurch aus, dass wir die Wirkstoff-Freisetzung vorverlagern. Sie findet im Infusionssystem und somit komplett außerhalb des Organismus statt", erklärt Prof. Dr. Andreas Greiner von der Universität Bayreuth. „Deshalb entfallen alle unkontrollierbaren Gesundheitsrisiken, die entstehen können, wenn ein Wirkstoffträger sich über einen längeren Zeitraum im Körper befindet und erst hier schrittweise den Wirkstoff freisetzt", ergänzt der Bayreuther Doktorand Amir Reza Bagheri M.Sc., der zu den polymerwissenschaftlichen Forschungsergebnissen wesentlich beigetragen hat.

Die an der Entwicklung des neuen Antimalaria-Verfahrens beteiligten Wissenschaftler betonen, dass sich die winzigen Polymerfasern auch als Vehikel für andere Wirkstoffe eignen und daher die Behandlung weiterer Krankheiten unterstützen können.

Keine Utopie mehr: Effektive Hilfe für Malaria-Patienten in den Tropen
Das neue Therapieverfahren knüpft an Untersuchungen anderer Forschungseinrichtungen an, in denen Artemisone mit vielversprechenden Ergebnissen getestet wurde. „Die vorklinischen Tests zeigen, dass Artemisone klare Vorteile gegenüber dem Wirkstoff Artemisinin hat, der heute zur Behandlung von Malaria-Infektionen eingesetzt wird. Deshalb haben wir bei der Entwicklung unseres Therapieverfahrens von vornherein auf diesen effizienteren Wirkstoff gesetzt, bei dem es sich - chemisch gesprochen - um ein Artemisinin-Derivat handelt", erklärt Prof. Dr. Jacob Golenser von der Hebräischen Universität Jerusalem. Er ist zuversichtlich, dass Artemisone in nicht allzu ferner Zukunft für die Behandlung von Malaria-Infektionen zugelassen werden könnte. „Auch unser Infusionssystem dürfte die nötigen klinischen Tests bestehen. Dann steht der Anwendung in der medizinischen Praxis grundsätzlich nichts mehr im Weg", meint Prof. Dr. Seema Agarwal von der Universität Bayreuth.

Ist das in Bayreuth und Jerusalem entwickelte Antimalaria-Verfahren auch Entwicklungs- und Schwellenländern zugänglich? Die benötigten Fasern werden durch das Elektrospinnen von Vliesen hergestellt, ein heute bereits übliches industrielles Verfahren. Die Fasern mit Artemisone zu beladen und in die Tropfkammer eines Infusionsbestecks einzubauen, verursacht nach Auffassung der Wissenschaftler in Bayreuth und Jerusalem keine hohen Kosten. „Die so vorbereiteten Infusionsbestecke könnten in Entwicklungs- und Schwellenländern, wo viele Malaria-Infektionen nur unzureichend behandelt werden, durchaus erschwinglich sein. Sofern Krankenhäuser und Malaria-Stationen mit Standard-Infusionstechniken ausgestattet sind, haben ihre Patienten vielleicht schon bald die Chance auf eine effiziente Therapie", so die Einschätzung von Prof. Golenser.

Veröffentlichung:
Amir Reza Bagheri, Seema Agarwal, Jacob Golenser, and Andreas Greiner,
Unlocking Nanocarriers for the Programmed Release of Antimalarial Drugs,
Global Challenges (2017), DOI: 10.1002/gch2.201600011.

Kontakt:
Prof. Dr. Andreas Greiner
Lehrstuhl Makromolekulare Chemie II
Universität Bayreuth
Universitätsstr. 30
95447 Bayreuth
Telefon: +49 (0)921 55 3399
E-Mail: greiner@uni-bayreuth.de

Quelle: idw 

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Es muss nicht immer Trinkwasser sein - Abwasser als Ressource nutzen

Melanie Neugart Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

Die Verteilungskonflikte um die Ressource Wasser sind nicht mehr auf die trockenen Regionen der Erde begrenzt, selbst im wasserreichen Deutschland kommt es vereinzelt zu Nutzungskonflikten. Der weltweite Wasserbedarf steigt stetig: Schon jetzt werden allein für landwirtschaftliche Zwecke zwei Drittel der vorhandenen Trinkwassermenge verwendet. Wegen des wachsenden Drucks auf die Wasserressourcen machen die Vereinten Nationen zum Weltwassertag am 22. März auf das Potenzial von Abwasser aufmerksam. WissenschaftlerInnen des ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung untersuchen die vielfältigen Möglichkeiten der Wiederverwendung

Der nachhaltige Umgang mit Wasser zählt zu den zentralen Herausforderungen der Gegenwart, er ist als Nachhaltigkeitsziel (SDG) in der Agenda 2030 der UN verankert. Doch wie kann dieser nachhaltige Umgang aussehen? „Wir haben in vielen Forschungsprojekten wassersparende Technologien erprobt", sagt Martin Zimmermann, Wasserforscher am ISOE. „Insbesondere in der Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser liegen große Potenziale, sie werden allerdings bislang kaum genutzt."

Noch immer werde zu wenig unterschieden, für welchen Einsatz sich welche Wasserqualität eigne. „Es bleibt weitgehend unhinterfragt, ob für die Gartenpflege, die Autowaschanlage oder für die Toilettenspülung tatsächlich Trinkwasser notwendig ist", sagt Zimmermann. Aufbereitet kann dasselbe Wasser zwei- bis dreimal verwendet werden. Es ist nicht nur in Haushalten, sondern auch für den industriellen Bedarf einsetzbar. „Vor dem Hintergrund, dass 70 Prozent des verfügbaren Trinkwassers weltweit in die Landwirtschaft fließen, stellt sich zudem die Frage, wie der Einsatz von gereinigtem Abwasser in der Landwirtschaft sinnvoll geregelt werden kann."

Den Druck auf die Ressource verringern: gereinigtes Abwasser auch für die Landwirtschaft
Insbesondere in semiariden Gebieten kann die Wiederverwendung von aufbereitetem Abwasser den Druck auf die Ressource Wasser verringern. Wichtig ist jedoch, attraktive Konzepte der Wasserwiederverwendung zu entwickeln, die optimal auf die jeweiligen Rahmenbedingungen vor Ort abgestimmt sind. Dies ist das Ziel eines aktuellen Forschungsprojektes des ISOE und der TU Darmstadt: So gibt es zum Beispiel in Namibia zwar Abwasser-Sammelsysteme, bei denen sich die Feststoffe am Grund der Sammelbecken absetzen. Das Wasser ist jedoch aufgrund hygienischer Bedenken nicht ohne Weiteres für die landwirtschaftliche Bewässerung nutzbar. Gelingt es aber, diese Verfahren durch einfache Behandlungsschritte zu erweitern, etwa durch eine gezielte Trennung von Schlamm und Wasser, erhält man für die Landwirtschaft geeignetes Wasser. „Damit ist eine Blaupause geschaffen, die in vielen Gegenden des südlichen Afrikas angewendet werden kann", sagt Zimmermann.

Einen weiteren innovativen Ansatz untersucht das ISOE mit Partnern für Deutschland. Dabei geht es darum, wie man durch ein modulares Technikset Abwasser so aufbereitet, dass es als Wasser- und Nährstoffquelle für den Betrieb hydroponischer Systeme nutzbar wird. Hier werden Pflanzen in bodenlosen Systemen in einer Nährlösung gezogen. Hydroponische Systeme erzielen bei geringerem Flächenbedarf eine deutlich höhere Produktionskapazität als der konventionelle Anbau bei gleichzeitig sehr viel geringerem Wasserbedarf.

Dies ist insbesondere im Hinblick auf die rasch wachsende Erdbevölkerung relevant. Für die Ernährungssicherung ist Bewässerungswasser in ausreichender Menge und Qualität zentral. Insbesondere Regionen, die schon heute unter Wassermangel leiden, müssen über alternative Wasserquellen und über nachhaltige Managementkonzepte für die bestehenden Ressourcen nachdenken. „Das Missverhältnis zwischen steigendem Wasserbedarf und begrenzten Wasserressourcen wird sich in den nächsten Jahren vergrößern", sagt ISOE-Wasserexperte Zimmermann. „Mit diesen Konzepten zur effizienten Wassernutzung können wir aber zumindest den Druck auf die Ressource etwas verringern."

Mehr zu den Projekten EPoNa und HypoWave auf www.isoe.de
ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main
Das ISOE gehört zu den führenden unabhängigen Instituten der Nachhaltigkeitsforschung. Seit mehr als 25 Jahren entwickelt das Institut wissenschaftliche Grundlagen und zukunftsfähige Konzepte für Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft - regional, national und international. Zu den Forschungsthemen gehören Wasser, Energie, Klimaschutz, Mobilität, Urbane Räume, Biodiversität und sozial-ökologische Systeme.

Anhang
Weltwassertag 2017: Es muss nicht immer Trinkwasser sein - Abwasser als Ressource nutzen
https://idw-online.de/de/attachment56877

Quelle: idw 

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Risikoentscheidungen: Alter schützt vor Kühnheit nicht

Kerstin Skork Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Entgegen des gängigen Vorurteils zeigt eine Studie, dass ältere Menschen risikobereitere Entscheidungen treffen als jüngere. Dabei kommt ihnen zugute, dass positive Emotionen bei ihnen stärker ausgeprägt sind; dies lässt sie Risiken optimistischer bewerten. Außerdem empfinden ältere Erwachsene die Möglichkeit von Verlusten nicht so negativ wie junge. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, die in der Fachzeitschrift Psychological Science erschienen ist.

Die menschliche Lebenserwartung steigt. Schon heute liegt der Anteil der über 65-Jährigen in den industrialisierten Teilen der Welt bei etwa 21 Prozent, und es wird vermutet, dass es bis 2060 etwa 32 Prozent sein werden. Ältere Menschen und ihre Entscheidungen haben somit einen immer größer werdenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einfluss. Die Wissenschaftler untersuchten deshalb, wie ältere im Vergleich zu jüngeren Menschen Entscheidungen unter Risiko treffen. Dafür verglichen sie Ähnlichkeiten und Unähnlichkeiten bei Risikoentscheidungen von 60 jüngeren Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren sowie 62 älteren Erwachsenen im Alter zwischen 63 und 88 Jahren. Die Probanden machten einen Entscheidungstest, bei dem sie jeweils zwischen zwei Optionen wählen sollten. Bei jeder Option konnte mit gewisser Wahrscheinlichkeit Geld gewonnen oder verloren werden. Insgesamt galt es 105 Aufgaben zu bearbeiten, wobei stets die Information vorlag, welcher Betrag gewonnen oder verloren werden konnte und wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Gewinns oder eines Verlusts war.

Die älteren Menschen trafen in der Studie häufiger risikoreichere Entscheidungen als die jüngeren. Grund dafür ist, laut den Wissenschaftlern, die bessere Gemütslage der Älteren. Wie auch schon in früheren Studien berichteten sie von mehr positiven und weniger negativen Emotionen als die Jüngeren. „Wer gut gestimmt ist, hat eher die positiven Möglichkeiten einer Entscheidung im Blick", sagt Thorsten Pachur, Erstautor der Studie und Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich „Adaptive Rationalität" des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. „Die älteren Probanden waren optimistischer in der Bewertung möglicher Gewinne und wagten demnach mehr. Zudem bewerteten sie mögliche Gewinne und Verluste gleich, während die jüngeren Probanden stärker darauf fokussiert waren, mögliche Verluste zu vermeiden", so Thorsten Pachur weiter.

Der Befund einer größeren Risikobereitschaft von älteren Menschen widerspricht den Ergebnissen vieler früherer Untersuchungen. Dies erklären die Wissenschaftler mit einem veränderten Studienaufbau: Während in früheren Studien den Probanden meist die Wahl zwischen einer sicheren und einer risikoreichen Option gegeben wurde, waren in dieser Studie beide Optionen risikoreich, aber in unterschiedlichem Maße. Somit mussten sie sich mit den Optionen genauer auseinandersetzen.

Zusätzlich zu den Unterschieden in der Risikobereitschaft zeigte sich, dass die älteren Probanden jedoch schlechtere Entscheidungen trafen als die jüngeren. Das heißt, sie wählten seltener die objektiv bessere Option, das heißt die Option, die aus ökonomischer Sicht einen höheren erwarteten Gewinn bot. „Die Unterschiede in der Entscheidungsqualität sind auf die Abnahme der fluiden Intelligenz im Alter zurückzuführen, also auf die Abnahme der Fähigkeit, Informationen schnell zu verarbeiten und Probleme zu lösen", sagt Thorsten Pachur.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Ausprägung von Altersunterschieden im Risikoverhalten stark durch die Situation beeinflusst ist, in der das Risikoverhalten untersucht wird. Zudem verdeutlichen sie das Zusammenwirken von Emotion und Kognition bei der Entscheidung für oder gegen ein Risiko. „Beides spielt dabei eine Rolle, jedoch mit unterschiedlichen Funktionen. Während Emotionen vor allem dafür verantwortlich sind, ob von zwei zur Auswahl stehenden Risiken das größere oder kleinere gewählt wird, hilft die Kognition, die objektiv bessere Option zu identifizieren", so Thorsten Pachur.

Originalstudie
Pachur, T., Mata, R., & Hertwig, R. (2017). Who dares, who errs? Disentangling cognitive and motivational roots of age differences in decisions under risk. Psychological Science. https://doi.org/10.1177/0956797616687729

Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung wurde 1963 in Berlin gegründet und ist als interdisziplinäre Forschungseinrichtung dem Studium der menschlichen Entwicklung und Bildung gewidmet. Das Institut gehört zur Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., einer der führenden Organisationen für Grundlagenforschung in Europa.

Weitere Informationen:
https://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2017/03/risikoentscheidungen-alter-schu...

Quelle: idw 

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Dem Geheimnis der Achilles-Ferse auf der Spur

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Gehen, laufen, rennen - jede Bewegung des Fußes zerrt an der Achillessehne. Bei Sprüngen kann die Belastung das Zehnfache des Körpergewichts betragen. Erstaunlicherweise hält die Verbindung zwischen Fersenbein und Achillessehne diesen enormen Kräften stand. Warum, das hat ein interdisziplinäres Team aus Medizin, Physik, Chemie und Ingenieurwissenschaften an der Technischen Universität München (TUM) herausgefunden.

Rund 8000 Risse der Achillessehne müssen in Deutschland jedes Jahr behandelt werden, obwohl sie die stärkste Sehne des menschlichen Körpers ist. Sie verbindet Fersenbein und Wadenmuskel und hält bis zum Zehnfachen des Körpergewichts aus. Benannt ist sie nach dem - fast - unverletzbaren griechischen Helden Achilleus, dem ein Pfeilschuss in die Ferse zum Verhängnis wurde.

„Obwohl in der Orthopädie tagtäglich Patientinnen und Patienten mit Sehnenverletzungen behandelt werden, wissen wir noch immer sehr wenig über den genauen feingeweblichen Aufbau am direkten Übergang von der Sehne zum Knochen: Die biochemischen Vorgänge, die Mikromechanik und die Mikrostruktur des Gewebes sind bisher kaum erforscht", berichtet PD Dr. Rainer Burgkart, Oberarzt und Forschungsleiter am Lehrstuhl für Orthopädie und Sportorthopädie der TUM.

Dünne Fasern, perfekter Halt
Zusammen mit einem interdisziplinären Team aus Biochemie und Biophysik der TU München hat der Mediziner im Rahmen des neugegründeten Center for functional Protein Assemblies (CPA) und der Munich School of Bioengineering (MSB) das Geheimnis der Achillessehne entschlüsselt: Zwischen Sehnen und Knochen entdeckten die Experten eine Gewebeschicht, die aus extrem dünnen Proteinfasern besteht und für eine extrem hohe Stabilität sorgt.

Menschen sind daher in der Lage, über Hürden zu springen, hohe Sprünge und harte Landungen zu machen, ohne dass die Verbindung zwischen Sehne und Fersenbein Schaden nimmt. Tatsächlich reißt eher die Sehne, als dass sich die Verbindung zum Knochengewebe löst.

„Dass die Sehnen direkt am Knochen ansetzen, das war bislang die Annahme. Tatsächlich gibt es jedoch einen Übergangsbereich. Hier spleißt sich das Sehnengewebe auf in Dutzende von feinen Fasern mit einer ganz charakteristischen biochemischen Zusammensetzung", erklärt Prof. Andreas Bausch, Inhaber des Lehrstuhls für Zellbiophysik und Leiter der interdisziplinären Forschungsgruppe. „Die dünnen Fasern sind fest in der zerklüfteten Oberfläche des Knochens verankert und mechanisch äußerst belastbar."

Gemeinsam am Start: Medizin, Physik, Chemie und Ingenieurwissenschaften
Entdeckt wurden die feinen Fasern durch einen neuen, interdisziplinären Forschungsansatz: „Die Innovation der Arbeit liegt darin, dass wir verschiedene medizinische, physikalische und ingenieurwissenschaftliche Verfahren kombiniert haben", sagt Bausch.

Ein Stück Schweineknochen mit Sehne, in der Orthopädie sorgfältig präpariert, wurde am Lehrstuhl für Zellbiophysik in eine Apparatur eingespannt und fixiert. Dann richteten die Forscherinnen und Forscher das Mikroskop auf die Grenzschicht, entlang derer die Sehne mit dem Knochen verwachsen ist. Mit Hilfe der Multiskalen-Mikroskopie-Technik wurden Dutzende von Aufnahmen erstellt und digital zu einem großen Bild zusammengeführt. „Auf diese Weise konnten wir die Struktur der feinen, aufgespleißten Fasern sichtbar machen", berichtet Bausch.

Im nächsten Schritt verwendete das Team fluoreszierende Antikörper, um bestimmte Proteine zum Leuchten zu bringen. Hier zeigte sich, dass die dünnen Fasern eine andere biochemische Zusammensetzung haben als die eigentliche Sehne. Im dritten Teil des Experiments bewegten sie die Sehne unter Belastung hin und her und filmten dabei die Fasern. Das Ergebnis: Je nach Belastungsrichtungen sind unterschiedliche Fasern aktiv und stabilisieren den Kontakt.

Ergänzt wurden die lichtmikroskopischen Untersuchungen durch besonders hochauflösende Bilder eines Elektronenmikroskops. Mitarbeiter des Lehrstuhls für Medizinische Biophysik setzten außerdem einen Mikro-Computertomographen ein, mit dem sich die Grenzregion dreidimensional darstellen ließ. Am Lehrstuhl für organische Chemie wurden die unterschiedlichen Proteine in Sehnen und Übergangsfasern analysiert.
Ansätze für die Medizin der Zukunft

„Unsere Ergebnisse erlauben es erstmals, die biochemischen und biomechanischen Prozesse in der Kontaktzone zwischen Knochen und Sehne zu verstehen, die unserem Bewegungsapparat seine enorme Stabilität verleihen", resümiert Bausch.

Mögliche Anwendungen ergeben sich sowohl in der Materialforschung als auch in der Medizin: Ingenieurtechnisch könnten innovative Verbindungen zwischen festen und weichen Stoffen hergestellt werden. Und in der Orthopädie sollen die Erkenntnisse genutzt werden, um künftig in der Tumorchirurgie Sehnen an Implantate zu refixieren.

Publikation:
L. Rossetti, L. A. Kuntz, E. Kunold, J. Schock, K. W. Müller, H. Grabmayr, J. Stolberg-Stolberg, F. Pfeiffer, S. A. Sieber, R. Burgkart and A. R. Bausch: The microstructure and micromechanics of the tendon-bone insertion, Nature Materials 27.02.2017 - DOI: 10.1038/NMAT4863

Kontakt:
Prof. Dr. Andreas R. Bausch
Technische Universität München
Lehrstuhl für Zellbiophysik
James-Franck-Str. 1, 85748 Garching, Germany
Tel.: +49 89 289 12480
E-Mail: abausch@mytum.de

Weitere Informationen:
https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/33774/

Quelle: idw 

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»ZeroTrace«: Nachhaltige Aktivkohleverfahren zur Entfernung von Mikroschadstoffen aus Abwasser

Dipl.-Chem. Iris Kumpmann Abteilung Public Relations
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Um Mikroschadstoffe wie Arzneimittelrückstände aus Abwasser zu eliminieren, kommt in Kläranlagen häufig Aktivkohle zum Einsatz, die meist aus fossiler Steinkohle hergestellt wird. Im Verbundprojekt »ZeroTrace« will Fraunhofer UMSICHT nun Adsorptionsmaterialien aus regenerativen Ausgangsstoffen entwickeln, die ortsnah regeneriert werden und in kommunalen und industriellen Kläranlagen implementiert werden können. Das Projekt ist im Februar offiziell mit einem Auftakttreffen der sieben Projektpartner an der Kläranlage Wuppertal-Buchenhofen gestartet.

Weltweit sind 50 Millionen organische Verbindungen im Wasser im Umlauf, von denen 5000 als potenziell umweltrelevant eingestuft werden. So sind die Ab- und Gewässer in Deutschland mit Mikroschadstoffen wie Arzneimittelrückständen, Pflanzenschutzmitteln oder Schwermetallen belastet, die über die Landwirtschaft, Industrie und die Entwässerung von Wohn- und Industriegebieten in Grund- und Trinkwasser gelangen. Mikroschadstoffe sind schwer abbaubar und können trotz ihrer geringen Konzentration toxisch wirken. Um die Substanzen zu entfernen, werden in Kläranlagen häufig Aktivkohlefilter eingesetzt, die die organischen Stoffe an ihrer Oberfläche binden. Die für den Prozess gebrauchte Aktivkohle wird anschließend entweder entsorgt oder in zentralen Verbrennungsanlagen regeneriert.

Ein Nachteil dieses Verfahren ist, dass der überwiegende Anteil an Aktivkohle aus Steinkohle gewonnen wird - einem fossilen und nicht nachwachsenden Rohstoff. Gleichzeitig findet die Regeneration der Aktivkohle derzeit unter hohem energetischen und logistischen Aufwand statt. Vor diesem Hintergrund möchte das Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT unter der Projektleitung des Wupperverbands gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Forschung im Projekt »ZeroTrace« Aktivkohlen entwickeln, die aus regenerativen Rohstoffen wie Kokosnussschalen hergestellt werden und in großen Mengen preiswert verfügbar sind. »Die Aktivkohle soll außerdem effizient regenerierbar sein sowie möglichst viele Arten von Mikroschadstoffen entfernen«, sagt Dr. Ilka Gehrke, Abteilungsleiterin Photonik und Umwelt bei Fraunhofer UMSICHT. Ein weiteres Projektziel ist deshalb die Entwicklung neuer Regenerationsverfahren für kommunale und industrielle Kläranlagen, die vor Ort stattfinden, energieeffizient sind und somit bestehende Prozesse optimieren.

Nachhaltige Komposit-Aktivkohle
Der Lösungsweg umfasst entlang der kompletten Wertschöpfungskette zunächst die Entwicklung von Aktivkohle als Komposit, das von der Bundesanstalt für Materialprüfung und -forschung modifiziert und von EVERS Wassertechnik und Anthrazitveredlung für die spätere Anwendung konfektioniert wird. Gemeinsam mit EnviroChemie wird Fraunhofer UMSICHT ein Verfahren auf Basis von »Electric Field Swing Adsorption« (EFSA) entwickeln, mit dem sich Aktivkohlen vor Ort regenerieren lassen, statt sie unter Aufwand zu einer zentralen Verbrennungsanlage zu fahren. Das neue Verfahren soll die Wärme zum Ausbrennen der Aktivkohle elektrisch erzeugen, weshalb den Aktivkohlen elektrisch leitende Materialien wie Graphit zugegeben werden. Denn je elektrisch leitfähiger die Aktivkohle ist, desto besser erwärmt sie sich und desto vollständiger werden die Mikroschadstoffe in der Regeneration wieder abgelöst. Der gesamte Prozess soll schließlich von EnviroChemie anlagentechnisch umgesetzt und auf zwei Kläranlagen des Wupperverbands unter realen Bedingungen demonstriert werden. Zudem betrachtet inter3 erstmalig die Entwicklung neuer Aktivkohlematerialien und -verfahren im Rahmen einer Multi-Kriterien-Analyse.

Beim Auftakttreffen des »ZeroTrace« Konsortiums am 21. Februar 2017 waren sich die beteiligten Fachleute einig, dass Aktivkohle langfristig in der Mikroschadstoff-Eliminierung nicht ersetzbar ist. Deshalb gilt es, den für den Filtrationsprozess wichtigen Ausgangsstoff ressourcenschonender und seine Regeneration effizienter zu gestalten. Vor dem Hintergrund, dass in Deutschland voraussichtlich eine vierte Klärstufe eingeführt werden soll, müssen in den nächsten Jahren vermutlich weit über hundert Kläranlagen und Wasserwerke mit einer Adsorptionsstufe ausgerüstet werden. »Wir erhoffen uns vom Projekt somit nicht nur einen Erkenntnisgewinn zur Herstellung von Komposit-Aktivkohle aus nachwachsenden Rohstoffen«, so Dr. Gehrke. Auch die wirtschaftlichen Erfolgsaussichten der im Rahmen von »ZeroTrace« zu entwickelnden Adsorptionssysteme und -materialien schätzt das Projektkonsortium hoch ein.

Über das Projekt:
»ZeroTrace« ist am 01. Februar 2017 gestartet und auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegt. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie dem Projektträger Jülich (PtJ) gefördert.

Projektpartner:
EVERS Wassertechnik und Anthrazitveredelung | Wupperverband | EnviroChemie | Bundesanstalt für Materialprüfung und -forschung BAM | Carbotech | inter3

Quelle: idw 

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„Seit Anbeginn der Zeit" - DNA bestätigt einzigartige Bindung australischer Ureinwohner an ihr Land

Petra Mader Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

Die DNA aus Haarproben der Ureinwohner Australiens zeigt ein ausgeprägtes geographisches Muster, das darauf hindeutet, dass die jeweiligen Bevölkerungsgruppen bis zu 50.000 Jahre lang in derselben Region siedelten. Die heute in Nature veröffentlichten Ergebnisse betonen damit die einzigartige Bindung der Ureinwohner Australiens zu ihrem Land und zeichnen erstmals eine detaillierte genetische Karte Australiens vor Ankunft der Europäer. Die Studie entstand im Rahmen des Aboriginal Heritage Projects unter Leitung der Universität Adelaide und des South Australian Museums, an dem auch Wolfgang Haak, vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena maßgeblich beteiligt ist.

Die Ureinwohner Australiens sind dem Land, das sie besiedeln, in besonderer Weise verbunden. So siedeln die rund 400 Sprach- und Regionalgruppen bereits seit bis zu 50.000 Jahren - und damit seit kurz nach der Besiedlung Australiens überhaupt - kontinuierlich in derselben Region. Das zeigt die DNA aus Haarproben von Aborigines, die im South Australian Museum in Adelaide aufbewahrt werden.

Die Sammlung von über 5000 Haarproben, die durch einen wahren Schatz an vielfältigen kulturellen, sprachlichen, genealogischen und geographische Daten bereichert wird, stammt aus Expeditionen des Anthropologischen Forschungsvorstands der Universität Adelaide zwischen 1928 und den 1970er Jahren. Die Haarspender waren mehrheitlich Nachfahren erster und zweiter Generation von Familien, die nach der Besiedlung Australiens durch die Europäer aus vielen Regionen Australiens zwangsweise in Gemeinden und Missionen wie Cherbourg in Queensland, sowie Koonibba und Point Pearce in Südaustralien umgesiedelt wurden.

Für ihre Studien analysierten die Wissenschaftler die mitochondriale DNA von 111 Haarproben, welche die Rückverfolgung der mütterlichen Linie ermöglicht und mit dem in den Genealogien dokumentierten ursprünglichen Geburts- oder Herkunftsort der ältesten mütterlichen Vorfahrin verknüpft werden konnte. Sowohl die Gewinnung der Haarproben als auch die jetzige Analyse durch die Wissenschaftler erfolgte mit Zustimmung der Haarspender bzw. ihrer Familien.

Die Ergebnisse zeigen, dass die modernen Aborigines Australiens die Nachfahren einer einzigen Gründerpopulation sind, die vor 50 000 Jahren Australien besiedelte, als es noch im Urkontinent „Sahul" durch eine Landbrücke mit Neuguinea verbunden war. Nach Anstieg des Meeresspiegels spaltete sich die Population weiter auf und breitete sich innerhalb von nur 1 500 bis 2 000 Jahren entlang der Ost- und Westküste Australiens aus. Irgendwo im Süden des Kontinents trafen diese zwei Ströme dann wieder aufeinander, wo die frühesten archäologischen Funde auf 48 000 Jahr datieren.

„Überraschenderweise scheint es so, dass die Populationsmuster aus dieser Zeit die nächsten fast 50.000 Jahre überdauerten. Das zeigt, dass die ersten Besiedler des Kontinents sich rasch regional aufgliederten und ihren jeweiligen geografischen Regionen treu blieben und zwar selbst dann, wenn es keine natürlichen Grenzen zwischen diesen Regionen gab", sagt Professor Alan Cooper, Projektleiter und Direktor des ACAD. „Das ist weltweit einmalig und liefert überzeugende Beweise für die bemerkenswerte kulturelle und spirituelle Bindung der Aborigines an ihr Land. Wir hoffen, dass dieses Projekt zu einer Umschreibung der Australischen Geschichtsbücher führt. Sie werden in Zukunft auch eine detaillierte Geschichte der Ureinwohner Australiens enthalten und darüber berichten, was es bedeutet, 50 000 Jahre in einem Land gelebt zu haben - das ist in etwa zehn Mal so lang wie die gesamte Geschichte Europas, die üblicherweise gelehrt wird."

Das Aboriginal Heritage Project unter Leitung des Australischen Zentrums für Alte DNA (ACAD) der Universität Adelaide und des South Australian Museums ist auf Jahrzehnte angelegt. Ziel des Projekts ist es, Menschen, die Aborigine-Herkunft haben, aber kulturell entwurzelt sind, zu ermöglichen, ihre regionale Herkunft nachzuvollziehen und ihre genealogische Familiengeschichte zu rekonstruieren. Darüber hinaus soll das Projekt die Rückführung von australischen Artefakten (Kulturgütern) unterstützen, welche in Überseesammlungen der Kolonialzeit aufbewahrt werden.

„Wir Aborigines haben immer gewusst, dass wir seit Anbeginn der Zeit auf unserem Land waren", sagt Kaurna Mr Lewis O'Brien, einer der damaligen Haarspender und heute Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Studie. „Es ist jedoch wichtig, dies mit Hilfe von moderner Wissenschaft dem Rest der Welt zu zeigen. Dies ist ein aufregendes Projekt und wir hoffen, dass es Menschen aus unserer ‚Gestohlenen Generation' und anderen dabei helfen wird, sich wieder mit ihren Familien zu vereinen."

„Die ehemalige staatliche Politik der Zwangsumsiedlung und der gezielten Wegnahme von Kindern, der sogenannten 'Gestohlenen Generation' macht die Rekonstruktion der genetischen Geschichte der ursprünglichen Bevölkerung Australiens zu einem schwierigen Unterfangen, da diese Agenda einen großen Teil der physischen und spirituellen Verbindung zwischen Gruppen und ihrem Land im heutigen Australien zerstört hat", sagt Dr. Wolfgang Haak, ehemals Wissenschaftler am ACAD und Co-Initiator der Studie, und heute Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena. „Die umfangreichen Aufzeichnungen der anthropologischen Teams um Norman Tindale und Joseph Birdsell zeigen nicht nur eine enorme wissenschaftliche Weitsicht, sondern eröffnen uns eine wirklich einzigartige Gelegenheit, die eigentliche Menschheitsgeschichte Australiens zu schreiben. Dafür möchte ich im Besonderen auch den Familien in Cherbourg, Koonibba und Point Pearce danken, die uns nicht nur herzlich empfangen haben, sondern dieses Projekt mit Begeisterung unterstützen."

Die zukünftige Forschung wird sich auch auf die väterlichen Linien und das Genom des Zellkerns erstrecken. Teammitglied Dr. Ray Tobler, Postdoktorand am ACAD und väterlicherseits mit Aborigine-Abstammung, hat ein Stipendium des australischen Forschungsrats (ARC), um die AHP-Forschung zu erweitern und zu untersuchen, inwieweit die Jahrtausende währende „Standorttreue" in verschiedenen Lebensräumen die bemerkenswerte phänotypische Vielfalt heutiger Ureinwohner Australiens geprägt hat.

Weitere Forschungspartner
Weitere Forschungspartner sind die La Trobe University, die Deakin University und das National Center for Indigenous Genomics in Canberra. Das Projekt wird durch das ARC-Linkage Programm mit zusätzlicher Forschungsförderung der Australian Genome Research Facility, Bioplatforms Australia, dem ARC Center of Excellence für Mathematische und Statistische Grenzen und der National Geographic Society finanziert.

Orginalveröffentlichung
Ray Tobler, Adam Rohrlach, Julien Soubrier1, Pere Bover, Bastien Llamas, Jonathan Tuke, Nigel Bean, Ali Abdullah-Highfold, Shane Agius, Amy O'Donoghue, Isabel O'Loughlin, Peter Sutton5, Fran Zilio, Keryn Walshe, Alan N. Williams, Chris S.M. Turney, Matthew Williams, Stephen M. Richards, Robert J. Mitchell, Emma Kowal, John R. Stephen, Lesley Williams, Wolfgang Haak, and Alan Cooper: Aboriginal mitogenomes reveal 50,000 years of regionalism in Australia. Nature. Doi:10.1038/nature21416

Weitere Informationen
Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte
Dr. Wolfgang Haak
Forschungsgruppenleiter Molekulare Anthropologie
+49 3641 686-642

Quelle: idw 

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Lebensmittel im Blickpunkt: Die vitaminreiche Mango

Nina Banspach Pressestelle
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln sind gelegentlich zu hoch

Sie ist süß, reich an Vitaminen und gilt als Stimmungsaufheller. Die Mango wird wegen ihres aromatischen Geschmacks, ihrer Beliebtheit und fernen Herkunft gern als Königin der exotischen Früchte bezeichnet. Wie bei anderen Früchten werden auch beim Mangoanbau häufig Pflanzenschutzmittel eingesetzt - vorwiegend zur Bekämpfung von Schadpilzen und zur Schalenbehandlung. Überschreitungen der zulässigen Höchstgehalte für Pflanzenschutzmittel werden aber nur gelegentlich festgestellt.

Im Jahr 2015 wurden in acht der 296 untersuchten Proben Gehalte an Pflanzenschutzmittelrückständen gefunden, die über dem gesetzlich vorgeschriebenen Höchstgehalt lagen (2,7 Prozent). Die Quote der Überschreitungen ist von Jahr zu Jahr Schwankungen unterworfen, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Im Jahr 2014 lag die Zahl der Überschreitungen mit 8,3 Prozent deutlich höher, während beispielsweise 2013 nur in 3,2 Prozent der untersuchten Proben zu hohe Gehalte an Rückständen gefunden worden waren.

Die Überschreitung eines Rückstandshöchstgehalts bedeutet nicht zwangsläufig ein Gesundheitsrisiko für die Verbraucher. Ob die gefundene Menge gesundheitsschädlich ist, muss im Einzelfall von den Überwachungsbehörden der Bundesländer bewertet werden.

Unterschiede gibt es bei der Betrachtung der Rückstandssituation nach Herkunftsländern. Bei peruanischen und brasilianischen Mangos, die aufgrund der starken Importmengen die Mehrzahl der in Deutschland untersuchten Früchte ausmachten, lag die Quote der Rückstandshöchstgehaltsüberschreitungen im Jahr 2015 bei 2,1 (peruanische Mangos) bzw. 3,5 Prozent (brasilianische Mangos), bei thailändischen Mangos jedoch bei 10,5 Prozent.

Besser schnitten Mangos ab, die gemäß Öko-VO (EG) produziert wurden. Hier gab es bei den untersuchten Proben keine Überschreitung der Rückstandshöchstgehalte von Pflanzenschutzmitteln.

Eine Recherche im Europäischen Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (RASFF) in dem Zeitraum von 2011 bis 2016 zeigt insgesamt 25 Meldungen bezüglich frischer Mangos. Neben Verderb ist der Hauptbeanstandungsgrund die Überschreitung der gesetzlichen Höchstgehalte von Pflanzenschutzmittelrückständen.

Reich an Vitaminen
Mangos sind reich an E, C und B-Vitaminen. Das Provitamin A kommt nur in wenigen Obstarten in einem so hohen Gehalt wie bei der Mangofrucht vor. Auch Eisen, Jod, Folsäure, Kalium, Magnesium, Phosphor, Calcium und Biotin finden sich in der Mango. Verzehrt werden die geschälten Früchte am besten roh. Sie werden aber auch in Babynahrung, Saft, Kompott, Marmelade und Eiscreme verarbeitet. Reife Mangos sollten am besten gleich gegessen werden. Unreife Früchte können bis zu einer Woche bei Zimmertemperatur gelagert werden. In den Kühlschrank sollten die Früchte aber nicht wandern - dies zerstört den Geschmack.

Hintergrundinformation
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist eine eigenständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Das BVL ist für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, Tierarzneimit¬teln und gentechnisch veränderten Organismen in Deutschland zuständig. Im Bereich der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit übernimmt es umfassende Managementaufgaben und koordiniert auf verschiedenen Ebenen die Zusammenarbeit zwischen dem Bund, den Bundesländern und der Europäischen Union. In der Rubrik „Lebensmittel im Blickpunkt" stellt das BVL regelmäßig Informationen zu bestimmten Lebensmitteln zusammen.

Anhang
PI Mango
https://idw-online.de/de/attachment56654

Quelle: idw 

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Umweltforscher entwickeln neue Biosensoren für Gewässerkontrolle

Antje Karbe Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

Tübinger Biologen beteiligt: Sensoren weisen Medikamente und deren Wirkung im Wasser schneller und in geringen Mengen nach

In einem interdisziplinären Wissenschaftlerteam haben Naturwissenschaftler neuartige Biosensoren entwickelt, mit denen sich Pharmazeutika im Wasser effektiver als bisher erfassen lassen. Biologen der Universität Tübingen waren an der Studie beteiligt. Zwei pharmazeutische Wirkstoffklassen ‒ Beta-Blocker und Nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAIDs) ‒ können damit in Echtzeit und bereits in geringen Konzentrationen gemessen werden. Die Studie wurde in der Zeitschrift Water Research publiziert.

Mit dem demographischen Wandel steigt der Verbrauch von Medikamenten in den Industrienationen. Bereits heute gelangen große Mengen pharmakologisch wirksamer Substanzen über das Abwasser in Kläranlagen. Weil sie nur unzureichend wieder entfernt werden können, sind Organismen in Oberflächengewässern einem „Cocktail" aus Arzneimitteln ausgesetzt. Die Anzahl der eingetragenen Medikamente nimmt dabei ständig zu. So können beispielsweise Schmerzmittel auch bei Fischen schädliche Nebenwirkungen verursachen, schon bei Konzentrationen von wenigen Mikrogramm pro Liter Wasser. Ökotoxikologen und Umweltchemiker sind herausgefordert, das immer vielfältigere Vorkommen von Arzneimitteln zu quantifizieren und deren schädigende Wirkung auf die Umwelt abzuschätzen.

Im Verbundprojekt „EffPharm" arbeiten Biologen, Biochemiker und analytische Chemiker verschiedener Institutionen gemeinsam an diesem Thema. Das Projekt wird vom Umweltbundesamt gefördert und von der Tübinger Ökotoxikologin Professorin Rita Triebskorn koordiniert. So gelang es der Arbeitsgruppe um Dr. Manfred Frey vom Steinbeis-Innovationszentrum Zellkulturtechnik an der Hochschule Mannheim, für die zwei genannten pharmazeutische Wirkstoffklassen zellbasierte Biosensoren zu entwickeln. Diese erlauben es, die Bindung dieser Substanzen an ihre Zielmoleküle (Rezeptoren) in „gereinigtem" Abwasser in Echtzeit zu bestimmen. An der Universität Tübingen wiesen Professorin Rita Triebskorn und Professor Heinz Köhler von der Arbeitsgruppe „Physiologische Ökologie der Tiere" nach, wie sensitiv die Biosensoren sind: Sie erfassen schon geringe Konzentrationen der Medikamente, in denen erste Schäden bei Wasserorganismen auftreten. Dr. Marco Scheurer vom Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe zeigte, dass die neuen Biosensoren einen großen Teil der Verbindungen erfassen, die bisher durch aufwändige und zeitintensive chemische Analysen nachgewiesen werden mussten. Zusätzlich schließen die Testsysteme die Effekte von Abbauprodukten der Wirkstoffe und unbekannten Verbindungen mit ein, was für die ökologische Bedeutung der Umweltbelastungen entscheidend ist.

Wie die Autoren der Studie darlegen, vereinigen die neuen Biosensoren viele Vorteilen gegenüber bisherigen Ansätzen. Nachdem die Biosensor-Zelllinien Kontakt mit Pharmazeutika in Umweltproben hatten, erscheint innerhalb von Sekunden ein Fluoreszenzsignal. Im Gegensatz zu herkömmlichen Sensoren erfassen sie so die Wirkung von Chemikalien in der Zelle in Echtzeit und vermeiden Falschinformationen, wie sie in Systemen auftreten können, die erst nach Stunden Signale erzeugen. Dadurch besitzen die Testsysteme eine extrem hohe Sensitivität im Nanomolarbereich (ein Millionstel Promille), die vergleichbar mit der chemischen Analytik ist.

Durch ihre Funktionsweise können die Biosensoren zudem die Wirkung künftiger Beta-Blocker oder NSAIDs aufspüren, obwohl deren chemische Struktur noch gar nicht bekannt ist. „Es wäre wünschenswert, dass die hier entwickelte Technik künftig in Monitoring-Programmen zur Bestimmung von Wasserqualität und Reinigungsleistung von Kläranlagen eingesetzt wird", sagt Professorin Rita Triebskorn. „Damit wäre eine wichtige Lücke in der Plausibilitätskette zwischen dem Auftreten von Arzneimitteln in Gewässern und den bei betroffenen Organismen auftretenden Gesundheitsschäden geschlossen."

Publikation:
Kevin Bernhard, Cordula Stahl, Regina Martens, Heinz-R. Köhler, Rita Triebskorn, Marco Scheurer, Manfred Frey (2017): Two novel real time cell-based assays quantify beta-blocker and NSAID specific effects in effluents of municipal wastewater treatment plants. Water Research 115, 74-83. http://dx.doi.org/10.1016/j.watres.2017.02.036

Kontakt:
Prof. Dr. Rita Triebskorn
Universität Tübingen
Institut für Evolution und Ökologie
Physiologische Ökologie der Tiere
Telefon +49 7071 29-78892
rita.triebskorn@uni-tuebingen.de

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Versorgungsatlas: In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus

Barbara Ritzert Pressestelle Versorgungsatlas - ProScience Communications
Versorgungsatlas

In Deutschland steigt die Zahl der Menschen, die an Diabetes leiden. Waren 2009 noch 8,9 Prozent der gesetzlich Versicherten betroffen, hat sich dieser Anteil bis zum Jahr 2015 auf 9,8 Prozent erhöht. Eine halbe Million Menschen erhalten pro Jahr zum ersten Mal die Diagnose Diabetes mellitus. Dies belegt erstmals eine neue Studie der Wissenschaftler vom Versorgungsatlas auf der Basis ambulanter Versorgungsdaten. Auffallend sind die ausgeprägten Unterschiede zwischen den neuen und alten Bundesländern sowie auf der Kreisebene. Die Studie ist auf dem Portal www.versorgungsatlas.de verfügbar.

http://www.versorgungsatlas.de/themen/alle-analysen-nach-datum-sortiert/?tab=6&a...

Weltweit steigt die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus. Bisherige Schätzungen in Deutschland gehen von 7 bis 9 Prozent Diabetiker aus. Nun haben die Wissenschaftler vom Versorgungsatlas erstmals auf der Basis bundesweiter ärztlicher Abrechnungsdaten die Häufigkeit (Prävalenz) von Diabetes mellitus für die Jahre 2009 bis 2015 und die Zahl der neuerkrankten Patienten (Inzidenz) für die Jahre 2012 bis 2014 erhoben.

Neuerkrankte: eine halbe Million pro Jahr.
Die Studie zeigt, dass jedes Jahr in Deutschland rund 500.000 Menschen zum ersten Mal die Diagnose Diabetes mellitus Typ 2 erhalten. Entsprechend wächst auch die Häufigkeit: Die Prävalenz für Diabetes mellitus insgesamt ist von 8,9 in 2009 auf 9,8 Prozent in 2015 gestiegen. Männer sind in fast allen Altersgruppen stärker betroffen als Frauen, ebenso die Menschen im Osten der Republik: In den neuen Bundesländern leiden 11,8 Prozent der Bürger an Diabetes, während es in den alten Bundesländern 9,2 Prozent sind.

Massive Unterschiede auf Kreisebene.
Noch ausgeprägter sind die Unterschiede auf der Ebene der Kreise. Im Kreis Starnberg ist die Häufigkeit von Typ-2-Diabetes mellitus mit 6,5 Prozent bundesweit zwischen 2013 und 2015 am niedrigsten. Eine mehr als doppelt so hohe Prävalenz konnten die Forscher für den Kreis Prignitz mit 14,2 Prozent feststellen.

»Aufgrund der prognostizierten demografischen Entwicklung müssen wir davon ausgehen, dass in Zukunft die Krankheitslast durch Diabetes mellitus weiter zunehmen wird«, erklärt Benjamin Goffrier, der Erstautor der Studie. Dr. Jörg Bätzing-Feigenbaum, der Leiter des Versorgungsatlas hat darüber hinaus noch eine Empfehlung für die gesundheitspolitisch Verantwortlichen: »Bei der Entwicklung von Präventionsprogrammen und Versorgungsstrukturen sollten die regionalen Unterschiede berücksichtigt werden.«

Die Studie.
Auf Basis der gesamtdeutschen vertragsärztlichen Abrechnungsdaten, die für administrative Zwecke erhoben werden, wurden die entsprechend als »administrativ« bezeichneten Prävalenzen des Diabetes mellitus für die Jahre 2009 bis 2015 und administrative Inzidenzen für die Jahre 2012 bis 2014 berechnet.Die prävalenten Fälle wurden anhand eines Algorithmus Typ-1-, Typ-2- oder sonstigem Diabetes zugeordnet, wobei als notwendige Bedingung festgelegt wurde, dass nur gesicherte Diagnosen gezählt werden, die pro Jahr in mindestens zwei Quartalen kodiert sein mussten. Als inzident wurden Patienten gezählt, die im Indexjahr eine gesicherte Diagnose und mindestens eine weitere Diagnose innerhalb der darauffolgenden drei Quartale erhalten haben sowie in einem dreijährigen Vorbeobachtungszeitraum keine Diabetes-Diagnose erhalten hatten.
Goffrier B, Schulz M, Bätzing-Feigenbaum J. Administrative Prävalenzen und Inzidenzen des Diabe-tes mellitus von 2009 bis 2015. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Versorgungsatlas-Bericht Nr. 17/03. Berlin 2017. DOI: 10.20364/VA-17.03. URL: http://www.versorgungsatlas.de/themen/alle-analysen-nach-datum-sortiert/?tab=6&a....

Der Versorgungsatlas.
www.versorgungsatlas.de
ist eine Einrichtung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Es ist eine öffentliche Informationsquelle mit Studien zur medizinischen Versorgung in Deutschland. Schwerpunkt sind regionale Unterschiede in der ambulanten Versorgung. Die Analysen sollen Anhaltspunkte liefern, wie die medizinische Versorgung verbessert werden kann. Die Studien der Wissenschaftler des Versorgungsatlas basieren auf den bundesweiten Abrechnungsdaten der vertragsärztlichen Versorgung in Deutschland. Die Plattform steht auch anderen Forschergruppen für Publikationen zur Verfügung.

Pressestelle Versorgungsatlas
des Zentralinstituts für die Kassenärztliche
Versorgung in Deutschland (Zi), Berlin

Dipl. Biol. Barbara Ritzert
ProScience Communications -
die Agentur für Wissenschaftskommunikation GmbH
Andechser Weg 17 · 82343 Pöcking
Fon: +94 8157 9397-0

Weitere Informationen:
http://www.versorgungsatlas.de/themen/alle-analysen-nach-datum-sortiert/?tab=6&a...

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Und sie lächelt doch: Mona Lisas Mimik eindeutiger als gedacht

Benjamin Waschow Stabsstelle Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Freiburg

Probanden bewerten Gesichtsausdruck auf da Vinci-Gemälde fast immer als fröhlich / Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg stellen damit Jahrhunderte lange Annahme der Kunstgeschichte in Frage

Es ist das vielleicht berühmteste Gemälde der Welt: die „Mona Lisa" von Leonardo da Vinci. Als ein wesentlicher Grund für seine enorme Anziehungskraft galt lange Zeit der vermeintlich mehrdeutige Gesichtsausdruck der Gemalten: fröhlich oder traurig? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg, des Instituts für Psychologie der Universität Freiburg und des Freiburger Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) haben nun in einer Studie herausgefunden, dass Versuchspersonen die Mona Lisa in fast 100 Prozent der Fälle als fröhlich wahrnehmen. Sie stellten außerdem fest, dass die emotionale Einschätzung der Bilder davon abhängt, welche weiteren Bild-Varianten bisher gezeigt wurden. In ihrer Studie präsentierten die Forscher den Probanden das Original-Gemälde und acht Bild-Varianten, auf denen die Mundwinkel der Mona Lisa nach unten oder nach oben verschoben wurden und dadurch ein traurigerer oder fröhlicherer Gesichtsausdruck entstand. Die Studie ist am 10. März 2017 im renommierten Online-Journal Scientific Reports erschienen.

„Es war für uns eine große Überraschung, dass die Original-Mona Lisa fast immer als fröhlich wahrgenommen wird. Das widerspricht der gängigen Meinung der Kunstgeschichte", sagt PD Dr. Jürgen Kornmeier, Leiter der Forschungsgruppe Wahrnehmung und Kognition im Freiburger IGPP und an der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg.

Fröhliche Gesichter werden schneller erkannt
Die Wissenschaftler um Dr. Kornmeier und Ko-Studienleiter Prof. Dr. Ludger Tebartz van Elst, Leitender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg, erzeugten für die Studie zunächst acht Mona Lisa-Varianten, die sich nur in einer schrittweisen Veränderung der Mund-Krümmung unterschieden. Die Forscher präsentierten dann den zwölf Probanden das Original sowie je vier Bilder mit traurigerem und fröhlicherem Gesichtsausdruck in zufälliger Reihenfolge. Per Tastendruck gaben die Testpersonen für jedes Bild an, ob sie es als fröhlich oder traurig wahrnahmen, und anschließend, wie sicher sie sich bei ihrer Antwort waren. In der Summe der Antworten ergab sich so ein prozentualer Wert auf einer Skala von traurig bis fröhlich und ein Wert für die Sicherheit ihrer Entscheidung.

In nahezu 100 Prozent der Fälle wurden das Original sowie alle positiveren Varianten als fröhlich wahrgenommen. Dabei erkannten die Probanden fröhliche Gesichtsausdrücke schneller als traurige. „Es scheint, als hätten wir einen Filter für positive Gesichtsausdrücke in unserem Gehirn", sagt Dr. Kornmeier.

Traurig ist nicht immer gleich traurig
In einem zweiten Experiment behielten die Forscher die Variante mit der geringsten Mund-Krümmung als traurigste Variante bei. Sie präsentierten dann das Mona Lisa-Original als fröhlichste Variante sowie sieben Zwischenvarianten, wobei drei davon schon im ersten Experiment gezeigt worden waren. Mit Erstaunen stellten die Forscher fest, dass die Probanden nun jene Bildvarianten, die schon im ersten Experiment gezeigt worden waren, tendenziell als trauriger wahrnahmen. „Die Daten zeigen, dass unsere Wahrnehmung, etwa ob ein Gesicht traurig oder fröhlich ist, nicht absolut ist, sondern sich erstaunlich schnell an die Umwelt anpasst", sagt Dr. Kornmeier.

Die Studie ist Teil eines größeren Projekts von Dr. Kornmeier und Prof. Tebartz van Elst am Universitätsklinikum Freiburg, in dem Wahrnehmungsprozesse erforscht werden. „Mit unseren Sinnen können wir nur einen sehr eingeschränkten Teil der Information aus unserer Umwelt aufnehmen, beispielsweise weil ein Objekt teilweise verdeckt oder schlecht beleuchtet ist", erläutert Dr. Kornmeier. „Das Gehirn muss dann aus den unvollständigen und oft mehrdeutigen Informationen ein Bild der Welt konstruieren, das der Realität am nächsten kommt". Wie diese Konstruktionsprozesse bei Gesunden ablaufen und ob sie bei Menschen mit psychischen Erkrankungen, etwa mit Wahnvorstellungen, verändert sind, untersuchen die Freiburger Forscher.

Original-Titel zur Studie: Mona Lisa is always happy - and only sometimes sad
DOI: 10.1038/srep43511
Link zur Studie: www.nature.com/articles/srep43511

Kontakt:
PD Dr. Jürgen Kornmeier
Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene
Telefon: 0761 207-2121 oder 0176 61387757
juergen.kornmeier@uni-freiburg.de

Johannes Faber
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-84610
johannes.faber@uniklinik-freiburg.de

Weitere Informationen:
http://www.nature.com/articles/srep43511 Link zur Studie
https://www.uniklinik-freiburg.de/psych.html Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg
http://www.igpp.de/allg/welcome.htm Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene

Korrektur zu Absatz "Traurig ist nicht immer gleich traurig"
In einem zweiten Experiment behielten die Forscher die Variante mit der geringsten Mund-Krümmung als traurigste Variante bei. Sie präsentierten dann das Mona Lisa-Original als fröhlichste Variante sowie sieben Zwischenvarianten, wobei drei davon schon im ersten Experiment gezeigt worden waren. Mit Erstaunen stellten die Forscher fest, dass die Probanden nun jene Bildvarianten, die schon im ersten Experiment gezeigt worden waren, tendenziell als fröhlicher wahrnahmen. „Die Daten zeigen, dass unsere Wahrnehmung, etwa ob ein Gesicht traurig oder fröhlich ist, nicht absolut ist, sondern sich erstaunlich schnell an die Umwelt anpasst", sagt Dr. Kornmeier.

Quelle: idw 

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Warum ein Rückgang des Düngemitteleinsatzes in der Zukunft denkbar ist

Marie de Chalup Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Im Rahmen des französischen Programms EcoPhyto zur Minderung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln haben Wissenschaftler des französischen Instituts für Agrarforschung (INRA) und des Unternehmens Agrosolutions eine Studie durchgeführt, um den Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Düngemitteln und der landwirtschaftlichen Produktivität und Rentabilität zu untersuchen [1]. Die Daten dieser 3-jährigen Studie stammen aus 946 verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben, die dem Netzwerk DEPHY angehören. Dieses Netzwerk versammelt repräsentative französische Bauernhöfe mit unterschiedlicher Verwendung von Düngemitteln und unterschiedlichen landwirtschaftlichen Verfahren.

Im Rahmen des französischen Programms EcoPhyto zur Minderung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln haben Wissenschaftler des französischen Instituts für Agrarforschung (INRA) und des Unternehmens Agrosolutions eine Studie durchgeführt, um den Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Düngemitteln und der landwirtschaftlichen Produktivität und Rentabilität zu untersuchen [1]. Die Daten dieser 3-jährigen Studie stammen aus 946 verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben, die dem Netzwerk DEPHY angehören. Dieses Netzwerk versammelt repräsentative französische Bauernhöfe mit unterschiedlicher Verwendung von Düngemitteln und unterschiedlichen landwirtschaftlichen Verfahren.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Düngemitteln und der Produktivität/Rentabilität auch von den Boden- und Klimabedingungen, der parallelen Viehzucht (verbessert die Vielfalt durch den Anbau von widerstandsfähigen Futterpflanzen), dem Zugang zu Wasserressourcen bzw. den Absatzmöglichkeiten für industriell genutzte Kulturen abhängt. Daraus schließen die Forscher, dass eine Verringerung des Düngemitteleinsatzes in 94% der Fälle keine Auswirkung auf die Produktivität und in 78% der Fälle keine Auswirkung auf die Rentabilität hat. Einer Prognose für Frankreich zufolge wäre beim Düngemitteleinsatz ein Rückgang um 30% zu erwarten. Betriebe, die diese landwirtschaftliche Praxis anwenden würden, würden durchschnittlich 37% weniger Herbizide, 47% weniger Fungizide und 60% weniger Insektizide verwenden.

Die Ergebnisse zeigen weiterhin, dass ein verminderter Einsatz von Düngemitteln sich nicht zwangsläufig negativ auf die Produktivität/Rentabilität auswirkt, wenn bestimmte Anbausysteme berücksichtigt werden, z.B. eine Diversifizierung des Anbaus durch die Anpflanzung widerstandsfähiger Futterpflanzen bzw. Feldgraswirtschaft in Viehzuchtgebieten, Veränderung der Fruchtfolge, Anpassung der Aussaatzeiten oder mechanische Unkrautbekämpfung. Dennoch sind diese Empfehlungen in der Praxis schwer umzusetzen und bedürfen einer Unterstützung der Landwirte.

[1] Lechenet, Dessaint, Py, Makowski and Munier-Jolain, ꞌꞌReducing pesticide use while preserving crop productivity and profitability on arable farmsꞌꞌ. Nature plants, 2017.

Quellen:
ꞌꞌRéduire l'usage des pesticides en agriculture sans perte de performancesꞌꞌ, Pressemitteilung des INRA, 27.02.2017 - http://presse.inra.fr//Communiques-de-presse/Reduire-l-usage-des-pesticides-en-a...

ꞌꞌAgriculture : pourquoi la réduction des pesticides est possibleꞌꞌ, Artikel aus Le Monde, 27.02.2017 - http://www.lemonde.fr/planete/article/2017/02/27/agriculture-pourquoi-la-reducti...

Redakteur:
Luc Massat, luc.massat@diplomatie.gouv.fr

Quelle: idw 

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Hoher Fleisch- und Wurstwarenkonsum verschlechtert die Symptome von Asthma

Marie de Chalup Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Ein Forschungsteam des Inserm hat im Rahmen einer siebenjährigen Studie aufgezeigt, dass ein hoher Konsum von Fleisch- und Wurstwaren (mindestens 4 Mal/Woche) mit einer Verschlechterung der Asthma-Symptome verbunden ist. Der Fleisch- und Wurstwarenkonsum wurde bereits von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) als karzinogen und Ursache von chronischen obstruktiven Lungenerkrankungen anerkannt.

Im Rahmen der Studie wurden fast 1000 Personen über 7 Jahre beobachtet. In dieser Zeit beklagten 20% der Teilnehmer eine Verschlechterung ihrer Asthma-Symptome. Um die Ursachen dafür aufzuklären, haben die Forscher die Ernährung der Patienten analysiert.

Da der BMI (Body-Mass-Index) ein bereits bekannter Risikofaktor für Asthma ist, mussten die Forscher diesen Parameter aus der Analyse entfernen, da dieser das Ergebnis verfälschen könnte. Es ist nachvollziehbar, dass der BMI einen kausalen Zusammenhang zwischen Ernährung (Fleisch- und Wurstwarenkonsum) und Asthma herstellt. Durch diese Methode konnte nur bei 14% ein Zusammenhang zwischen Fleisch- und Wurstwarenkonsum und Asthma infolge von Fettleibigkeit festgestellt werden (indirekte Wirkung). Das bestätigt, dass der Fleisch- und Wurstwarenkonsum eine direkte Wirkung unabhängig vom BMI auf die Verschlechterung von Asthma hat.

Originalpublikation:
Li, Z., Rava, M., Bédard, A., Dumas, O., Garcia-Aymerich, J., Leynaert, B., ... & Camargo, C. A. (2016). Cured meat intake is associated with worsening asthma symptoms. Thorax, thoraxjnl-2016.

Quelle:
"Charcuterie et asthme : meilleurs ennemis ?", Pressemitteilung des Inserm
http://presse.inserm.fr/charcuterie-et-asthme-meilleurs-ennemis/27201/

Redakteurin:
Laura Voisin, laura.voisin@diplomatie.gouv.fr

Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de/de/gesundheit/hoher-fleisch-und-wurstwaren...

Quelle: idw 

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Neubildung von Grundwasser exakter berechnen

Rudolf-Werner Dreier Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Wissenschaftler zeigen, dass bisherige Modelle die Heterogenität des Untergrunds teils unzureichend berücksichtigen

Eine internationale Forschungsgruppe um den Hydrologen Dr. Andreas Hartmann von der Universität Freiburg hat nachgewiesen, dass Berechnungen zur Verfügbarkeit von Wasser und zur Abschätzung der Folgen des Klimawandels stark verbessert werden können, wenn in großskaligen Modellen wichtige hydrologische Prozesse berücksichtigt werden - etwa wie durchlässig Gestein und Erde an manchen Stellen sind. Die Studie zeigt, dass für etwa 560 Millionen Menschen in Europa, Nordafrika und im Mittleren Osten potenziell mehr Grundwasser pro Kopf zur Verfügung stünde als bislang von großskaligen Modellen angenommen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weisen darauf hin, dass bisherige, auf ganze Kontinente bezogene Modellrechnungen die Menge des Grundwassers, das sich aus Teilen des versickernden Niederschlags neu bildet, teilweise stark unterschätzen. Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass großskalige hydrologische Modelle weitere Verbesserungen benötigen, bevor sie für lokales Wassermanagement eingesetzt werden können. Das Team hat seine Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) veröffentlicht.

Grundwasser ist in vielen Regionen weltweit eine lebenswichtige Ressource. Die Rate seiner Neubildung ist für das Trinkwassermanagement eine wichtige Größe, um eine nachhaltige Versorgung sicherzustellen. Die Wissenschaftler haben zwei Modelle, welche die Grundwasserneubildung modellieren, miteinander verglichen: ein globales, das schon länger etabliert ist, aber die Heterogenität des Untergrunds nur beschränkt berücksichtigt, und ein selbst entwickeltes kontinentales, das beispielsweise die variable Dicke des Bodens und die unterschiedliche Wasserdurchlässigkeit des Untergrunds mit einbezieht. Den Vergleich haben sie für alle Karstregionen Europas, Nordafrikas und des Mittleren Ostens vorgenommen. Diese sind für ihre starke Heterogenität des Untergrunds bekannt, weil Karbonatgestein eine starke Tendenz zur chemischen Verwitterung - als Verkarstung bezeichnet - aufweist, was unter anderem zu unterschiedlichen Bodentiefen und Durchlässigkeiten führt. Ein Vergleich der Modellrechnungen mit unabhängigen Beobachtungen der Grundwasserneubildung an 38 Orten in den Regionen hat gezeigt, dass das Modell, das die Heterogenität berücksichtigt, realistischere Abschätzungen hervorbringt.

Die Forscherinnen und Forscher erklären den Grund für den Unterschied zwischen den beiden Modellen: Das von den Wissenschaftlern neu entwickelte zeigt in der Simulation weniger Oberflächenabfluss und eine geringere Verdunstung - und damit mehr Grundwasserneubildung. Ein Bauer in der mediterranen Region würde dem neuen Modell zufolge potenziell bis zu eine Million Liter Grundwasser zur Förderung im Jahr mehr zur Verfügung stehen als nach dem etablierten Modell - abhängig von der tatsächlichen Beschaffenheit des Untergrunds und dem Wasserbedarf des Ökosystems vor Ort.

Die Wissenschaftler zeigen mit ihrem Ansatz am Beispiel der Karstregionen, wie es möglich sein kann, globale Modelle, die unter anderem zur Prognose von Wassermangel, Trockenheit oder Hochwasser eingesetzt werden, realistischer an regionale Gegebenheiten anzupassen. An der Studie waren Forscher der Universität Freiburg, der Victoria University in Kanada, der University of Bristol in England sowie des International Institute for Applied Systems Analysis in Österreich beteiligt.

Originalveröffentlichung:
Hartmann, A., Gleeson, T., Wada, Y., Wagener, T., 2017. Enhanced groundwater recharge rates and altered recharge sensitivity to climate variability through subsurface heterogeneity. In: "Proceedings of the National Academy of Sciences"; doi:10.1073/pnas.1614941114.

Kontakt:
Dr. Andreas Hartmann
Professur für Hydrologie
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-3520
E-Mail: andreas.hartmann@hydrology.uni-freiburg.de

Weitere Informationen:
https://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2017/pm.2017-02-28.25

Quelle: idw 

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Neue App: Welches Elektroauto zu welchem Fahrer passt

Dr. Julia Weiler Dezernat Hochschulkommunikation
Ruhr-Universität Bochum

Eine neue App hilft Autofahrern zu entscheiden, ob der Umstieg vom Benziner auf ein Elektroauto für sie praktikabel wäre - und welches Fahrzeugmodell am besten zu ihren Bedürfnissen passen würde. Entwickelt haben sie Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum um Prof. Dr. Constantinos Sourkounis. Mit der Smartphone-App können Fahrer typische Strecken aufzeichnen, während sie zum Beispiel mit ihrem Benziner unterwegs sind. Aus den gesammelten Daten generiert das Programm eine Liste von Fahrzeugmodellen, die die Anforderungen des Fahrers erfüllen würden, zum Beispiel eine ausreichende Reichweite hätten. Auch Informationen zur Kostenersparnis können sich Anwender anzeigen lassen.

Erhältlich ist die mehrsprachige App für das Smartphone-Betriebssystem Android als Download unter elektromobilitaet.rub.de. Eine Version mit eingeschränktem Informationsgehalt ist kostenlos erhältlich, die Vollversion zum Preis von 1,50 Euro. Medienvertreter erhalten die Vollversion auf Anfrage 20 Tage lang zu Testzwecken gratis.

App individuell konfigurierbar
Philip Dost entwickelte die App gemeinsam mit Masterarbeitsstudent Christoph Degner am Institut für Energiesystemtechnik und Leistungsmechatronik von Constantinos Sourkounis. „Die App soll Interessenten, aber auch Skeptikern, helfen auszuloten, ob ein Elektroauto oder ein Hybridfahrzeug für sie funktionieren würde", sagt der Projektverantwortliche Philip Dost. „Außerdem können Leute damit herausfinden, ob ein E-Car-Sharing-Angebot in ihrer Umgebung für ihre Bedürfnisse ausreichend wäre."

Die App zeichnet während der Fahrt GPS-Daten und Beschleunigung auf. Nutzer können selbst entscheiden, welche Strecken in die Analyse einfließen sollen, etwa nur der typische Weg zur Arbeit, aber nicht der Familienausflug am Wochenende, der möglicherweise mit einem anderen Auto erfolgt. Sie starten das Programm, wenn sie losfahren, und stoppen es, wenn sie angekommen sind. Die Anwender können auch angeben, an welchen Stellen auf der Strecke Ladesäulen verfügbar sind. Andere Anforderungen, etwa die zu befördernde Personenzahl oder den Platz im Kofferraum, können sie ebenfalls spezifizieren. Außerdem können die Nutzer eintragen, ob sie das Fahrzeug nur bei mildem oder auch bei kaltem Klima betreiben möchten.

Sortierbare Liste
Aus allen Aufzeichnungen können die Anwender auswählen, welche Fahrten in die Analyse einfließen sollen. Als Resultat bekommen sie eine Liste von Fahrzeugen angezeigt, die die ausgewerteten Strecken meistern könnten. Diese enthält nicht nur reine Elektrofahrzeuge, sondern auch Plug-in-Hybride und Range Extender, die bei leerer Batterie auf Benzinantrieb umschalten. Die Liste lässt sich nach unterschiedlichen Kriterien, etwa laufenden Verbrauchskosten oder Kaufpreis, sortieren.

Zu jedem infrage kommenden Fahrzeugmodell zeigt die App auf Wunsch Statistiken an. Eine Grafik visualisiert zum Beispiel, wie der Energieverbrauch auf den gefahrenen Strecken mit dem ausgewählten Elektrofahrzeug gewesen wäre. So kann der Nutzer sehen, wie viel Puffer er gehabt hätte, bevor die Batterie zuneige gegangen wäre.

Kostenvorteil berechnen
Die App schätzt auch Verbrauchskosten im Vergleich zum aktuellen Fahrzeug. Dazu müssen Nutzer Strom- und Benzinpreis eingeben sowie den Verbrauch ihres derzeitigen Autos. Basierend darauf berechnet die App, wie viel mehr oder weniger Kosten man auf den untersuchten Strecken mit einem Elektroauto erzielt hätte.

Das Programm greift auf eine Datenbank am Bochumer Institut für Energiesystemtechnik und Leistungsmechatronik zu. Diese aktualisieren die Forscher regelmäßig, fügen etwa neu auf den Markt kommende Fahrzeuge hinzu oder entfernen nicht mehr verfügbare Modelle. „Fahrzeuge, die nicht mehr produziert werden, zeigen wir in der App immer noch an, wenn sie noch gebraucht zu kaufen sind", erklärt Dost. „Sie werden dann aber speziell markiert."

Auch als Web-Anwendung verfügbar
Wer kein Android-Smartphone oder kein Auto besitzt, kann den Bochumer Service in vereinfachter Form auch auf einer Webseite nutzen. Dort können Interessenten Daten von typischen Fahrten eingeben und sich eine ähnliche Ausgabe wie in der App anzeigen lassen. Die von Rania Kontopoulou im Rahmen eines Institutsprojekts programmierte Web-Anwendung steht ebenfalls kostenlos unter elektromobilitaet.rub.de bereit.

Projekt
Beide Analysetools, also Web-Anwendung und Smartphone-App, entstanden im Projekt „Evaluation", an dem auch Philipp Spichartz beteiligt war. Das Team vom Institut für Energiesystemtechnik und Leistungsmechatronik setzte die Arbeiten ohne Drittmittelfinanzierung um. Die Idee dafür ging aus Vorläuferprojekten zum Thema „Alltagstauglichkeit von Elektromobilität" hervor.

Quelle: idw 

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Lebensstil kann Grauen Star beeinflussen: Diabetes, Rauchen und Übergewicht trüben die Augenlinse

Lisa-Marie Ströhlein Pressestelle
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

München - Fast zehn Millionen Menschen in Deutschland leiden an einem Grauem Star. Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Zigarettenrauch und starkes Übergewicht sind wichtige Risikofaktoren, die die Trübung der Augenlinse beschleunigen bis schließlich eine Operation nötig wird. Patienten mit einem beginnenden Grauen Star müssen über diese Risikofaktoren aufgeklärt und bei der Umsetzung eines gesünderen Lebensstils unterstützt werden, fordern Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).

Nach Schätzung der DOG müssen Augenärzte in Deutschland mindestens 800 000 Augen pro Jahr wegen eines Grauen Stars operieren. Damit ist der Linsenaustausch der häufigste Eingriff hierzulande. Experten berechnen die Kosten für das Gesundheitssystem mit über 600 Millionen Euro pro Jahr (1). „Der Graue Star ist eine echte Volkskrankheit und der häufigste Grund für Sehbehinderung weltweit", sagt DOG-Präsident Professor Dr. med. Thomas Kohnen. „Genetische Faktoren und Umwelteinflüsse spielen bei der Krankheitsentstehung eine Rolle, wie wir heute wissen", so Kohnen weiter. Diese Zusammenhänge müssten weiter erforscht werden.

Eine leichte Trübung der Augenlinse ab dem 60. Lebensjahr sei eine ganz normale Alterserscheinung, sagt Kohnen, der die Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Frankfurt leitet. „Erst wenn sich die Trübung so verstärkt, dass sie das Sehen stark beeinträchtigt, muss die getrübte Linse durch eine Kunstlinse ersetzt werden." Studien deuten darauf hin, dass der Lebensstil, zum Beispiel Ernährung und körperliche Aktivität einen Einfluss darauf hat, wie schnell die Trübung voranschreitet. So identifizierte eine englische Kohorten-Studie (2) im vergangenen Sommer die Stoffwechselerkrankung Diabetes als einen bedeutenden Risikofaktor bei Frauen nach den Wechseljahren. Bei Studienteilnehmerinnen, die unter Diabetes mellitus litten, war das Risiko wegen eines Grauen Stars operiert zu werden dreimal größer als bei gesunden Probandinnen. Rauchen erhöhte dieses Risiko um 26 Prozent; starkes Übergewicht (BMI>30) um zwölf Prozent.

„Diese Ergebnisse zeigen einmal mehr wie wichtig es ist, dass wir als Augenärzte Patienten darüber aufklären, wie sie selbst dazu beitragen können, das Fortschreiten eines Grauen Stars zu vermeiden", sagt Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Mediensprecher der DOG. So sollte bei Menschen mit Diabetes auch zum Schutz der Augen der Blutzucker stets gut eingestellt sein. Der Verzicht auf Zigaretten wiederum schützt gleichzeitig vor Erkrankungen der Lunge oder des Herz-Kreislauf-Systems. Auch eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung und regelmäßige Bewegung können die Augen gesund halten (3).

Quellen:
(1) C. Hirneiß, A. Kampik, A. S. Neubauer. Volkswirtschaftliche Kosten von Augenerkrankungen. Der Ophthalmologe 2014; 111: 420-427

(2) S. Floud et al. Risk factors for cataracts treated surgically in postmenopausal women, Ophthalmology, 2016 Aug; 123(8): 1704-1710

(3) J. Z. Selzin et al.: Long-term physical activity and risk of age-related cataract: a population-based prospective study of male and female cohorts
2015, Ophthalmology; 122: 274-280

DOG: Forschung - Lehre - Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6500 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste augenärztliche Gesellschaft der Welt.

Quelle: idw 

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UDE koordiniert EU-Netzwerk: Gewässer besser analysieren

Beate Kostka M.A. Ressort Presse - Stabsstelle des Rektorats
Universität Duisburg-Essen

Nähr- und Schadstoffe, aber auch der Klimawandel bedrohen die Meere, Seen, Flüsse und das Grundwasser weltweit. Um wirksame Gegenmaßnahmen einleiten zu können, muss man genau wissen, welche Organismen in den Gewässern leben. Schnell, standardisiert und umfassend lässt sich dies über genetische Verfahren erheben. Allerdings wurden sie bisher nur exemplarisch getestet und noch in keinem standardisierten nationalen oder internationalen Programm eingesetzt. Um dies zu ändern, gründete sich kürzlich ein internationales Netzwerk DNAqua-Net mit mehr als 250 Vertretern aus 41 Nationen.

Ihr erstes Treffen fand vom 7. bis 8. März an der Universität Duisburg-Essen (UDE) statt - auf Einladung von Prof. Dr. Florian Leese, Leiter des Fachgebiets Aquatische Ökosystemforschung. Organisiert wird die Auftaktveranstaltung vom Zentrum für Wasser- und Umweltforschung (ZWU) der UDE.

Das DNAqua-Net ist eine EU COST Action (Co-Operation in Science and Technology), in dem sich Vertreter aus Wissenschaft, Verbänden, Behörden, und Industrie zusammengefunden haben. Die EU fördert das Vorhaben an der UDE für vier Jahre. In fünf Arbeitsgruppen erarbeitet das Netzwerk konkrete Vorschläge, wie DNA-basierte Techniken genutzt werden können, um die Biodiversität standardisiert zu erfassen, bewerten und letztendlich in die Monitoringpraxis einzubinden.

Belastete Gewässer beeinträchtigen nicht nur das jeweilige Ökosystem (z.B. Selbstreinigungsfähigkeit, Photosynthese, Biomasseproduktion), sondern wirken sich auch auf den Menschen aus. Nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie sind alle Mitgliedsstaaten verpflichtet, die Oberflächengewässer bis 2027 in einen guten Zustand zu überführen oder diesen zu halten.

Wie sauber ein Gewässer ist, zeigen verschiedene ökologisch-wichtige Schlüsselarten an (Bioindikatoren): Fische, Wasserpflanzen, Mikroalgen sowie Eintags-, Stein- und Köcherfliegen. Sie werden bestimmt, in Listen eingetragen und mit denen von Referenzgewässern verglichen. Dann wird die ökologische Zustandsklasse ermittelt und bei Bedarf Verbesserungsmaßnahmen konzipiert.

Prof. Leese: „Dieser Prozess ist sehr zeitaufwändig, teuer und oft nicht standardisiert." Außerdem sind die kleinen Organismen kaum auseinanderzuhaltenden und werden deshalb oft fehlbestimmt. Bei der genetischen Methode kann das nicht passieren. Die Artengemeinschaften werden anhand ihres Erbguts eindeutig bestimmt (DNA-basierte Bioindikation), selbst dann, wenn nur wenige Bruchstücke der Organismen vorliegen.

Von der Beprobung über die Artenliste von Mikroben bis hin zu höheren Tieren dauert der Prozess nur wenige Tage und kostet kaum mehr als die bislang gängigen Verfahren. Allerdings müssen noch technische und konzeptionelle Fragen geklärt werden, bevor DNA-basierte Techniken im bestehenden Verfahren eingesetzt werden können. Genau diese Probleme greift das DNAqua-Net auf.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Florian Leese, Chair der DNAqua-Net EU COST Action CA15219, Fakultät für Biologie, Aquatische Ökosystemforschung, Tel. 0201/183-4172, florian.leese@uni-due.de,

Redaktion: Beate Kostka, Tel. 0203/379-2430, beate.kostka@uni-due.de

Weitere Informationen:
http://dnaqua.net
http://www.cost.eu/COST_Actions/ca/CA15219

Quelle: idw 

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Psychologen untersuchten Persönlichkeitsveränderungen junger Menschen

Susann Huster Stabsstelle Universitätskommunikation/Medienredaktion
Universität Leipzig

Vom Ende der Adoleszenz bis ins junge Erwachsenenalter erleben viele Menschen positive Veränderungen ihrer Persönlichkeit. Eine neue Studie von einem internationalen Team aus Psychologen der Universitäten Leipzig, Mainz, Stanford und Cambridge zeigt nun, dass auch Bekannte diese Veränderungen wahrnehmen. Zudem fanden die Forscher heraus, dass mit zunehmendem Alter die Selbst- und die Außenperspektive auf die Persönlichkeit zunehmend ähnlicher werden.

Der Übergang von der Jugend zum Erwachsenenalter wird oft von positiven Persönlichkeitsveränderungen begleitet: Wir werden beispielsweise zunehmend emotional stabil und gewissenhafter. Dieser von zahlreichen Studien gut belegte Befund wird als Persönlichkeitsreifung bezeichnet. Allerdings beruhten bislang viele dieser Studien nur auf Selbstbeschreibungen der eigenen Persönlichkeit, weswegen nur wenig darüber bekannt ist, ob auch Freunde und Bekannte diese Veränderungen wahrnehmen.
Um diese Wissenslücke zu schließen, analysierten Julia Rohrer und Prof. Dr. Stefan Schmukle von der Universität Leipzig, Prof. Dr. Boris Egloff von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Dr. Michal Konsinski von der Stanford University (USA) und Dr. David Stillwell von der University of Cambridge die Persönlichkeitsprofile von über 10.000 Nutzern der Facebook-App myPersonality im Alter zwischen 14 und 29 Jahren.

Das besondere hierbei war, dass die Nutzer nicht nur selbst Persönlichkeitsfragebögen ausfüllten, sondern zusätzlich auch von Facebook-Freunden eingeschätzt wurden. Das ermöglichte es den Forschern zu prüfen, ob sich die Veränderungen mit dem Alter nicht nur im Selbstbericht, sondern auch im Fremdbericht durch Bekannte wiederfinden. Zudem erlaubten es die Daten, zu untersuchen, wie hoch die Übereinstimmung zwischen Selbst- und Fremdperspektive ist. Die Ergebnisse dieser Analysen erschienen gerade in der renommierten Fachzeitschrift "Journal of Personality and Social Psychology".

"Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass die Alterseffekte im Selbstbericht denen in der Einschätzung durch Bekannte ähneln. Ältere Personen berichten, dass sie extrovertierter, gewissenhafter und offener für neue Erfahrungen sind - und die Persönlichkeitseinschätzungen durch Bekannte zeigen die gleichen Trends", erklärt Rohrer. Allerdings gab es auch Punkte, in denen Uneinigkeit herrschte: Während ältere Befragte berichteten, dass sie emotional stabiler seien, teilten ihre Bekannten nicht diese Fremdeinschätzung. "Ein möglicher Grund dafür ist, dass Anzeichen von niedriger emotionaler Stabilität - wie übermäßige Besorgtheit und Ängstlichkeit - von außen nicht so gut sichtbar sind. Deswegen bemerken Außenstehende vielleicht nicht, dass jüngere Erwachsene vergleichsweise weniger emotional stabil sind", schlägt Egloff als eine Erklärung des Befundes vor. Weiterhin betrachteten die Forscher die Stärke der Übereinstimmung zwischen Selbst- und Fremdbericht und fanden, dass diese mit zunehmendem Alter ansteigt. Die Forscher interpretieren dies als ein mögliches weiteres Anzeichen der Persönlichkeitsreifung. "Inhaltlich scheint das zunächst plausibel, und mehrere Erklärungen hierfür sind denkbar. Zum Beispiel könnte es sein, dass mit zunehmender Reife die Personen selbst ihre Persönlichkeit präziser einschätzen können oder, dass sie sich in Beziehungen zu anderen authentischer verhalten und deswegen andere ihre Persönlichkeit genauer beurteilen können", sagt Schmukle. "Allerdings müssen unsere Ergebnisse auf jeden Fall noch einmal mit längsschnittlichen Daten bestätigt werden", schränkt er ein, "denn unsere Studie beruht darauf, dass wir jüngere Personen mit älteren vergleichen. Daher sollten unsere Ergebnisse in Studien überprüft werden, in denen man die gleichen Personen über einen längeren Zeitraum verfolgt und beobachtet, wie sich die Persönlichkeit aus unterschiedlichen Perspektiven über die Zeit hinweg ändert."

Originaltitel der Veröffentlichung im "Journal of Personality and Social Psychology":

"In Your Eyes Only? Discrepancies and Agreement Between Self- and Other-Reports of Personality From Age 14 to 29"
doi.org/10.1037/pspp0000142

Weitere Informationen:
Julia Rohrer
Institut für Psychologie der Universität Leipzig
Telefon: +49 341 97-35919
E-Mail: julia.rohrer@uni-leipzig.de
Web: home.uni-leipzig.de/diffdiag/pppd


Prof. Dr. Stefan Schmukle
Institut für Psychologie der Universität Leipzig
Telefon: +49 341 97-35902
E-Mail: schmukle@uni-leipzig.de
Web: home.uni-leipzig.de/diffdiag/pppd

Weitere Informationen:
http://psycnet.apa.org/psycinfo/2017-07265-001/

Quelle: idw 

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Bin ich nicht zu alt dafür? Musiktherapie gegen Tinnitus für die Generation 65plus

Natascha Schettler-Brox Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e.V.

Tinnitus-Musiktherapie auch bei "Best Agern" sehr effektiv

Etwa jeder vierte Mensch über 65 Jahren leidet unter Tinnitus- mit steigender Tendenz.
Dieser Alterstrend lässt sich auch in der Tinnitusambulanz am Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung DZM e.V. beobachten: Seit über 10 Jahren wird die Neuro-Musiktherapie bei Tinnitus angeboten und zunehmend von Senioren angefragt und in Anspruch genommen. Dabei taucht immer wieder die Besorgnis auf „für diese Therapie bin ich doch schon zu alt, oder?"
Ausgehend von diesem Alterstrend wurde nun die „Neuro-Musiktherapie" für chronischen Tinnitus speziell auf die Bedürfnisse der Generation 65plus abgestimmt.
Ergebnisse einer aktuellen Analyse an 140 Tinnitusbetroffenen bestätigen, dass Teilnehmer ab 65 Jahren (Durchschnittsalter 72 Jahre) davon profitieren - und sogar eine größere Chance auf Therapieerfolg erreichen, wie eine im Schnitt rund 25 Jahre jüngere Vergleichsgruppe. Insgesamt erreichten rund 80% der behandelten Senioren eine spürbare Verbesserung ihrer Tinnitussymptome.
Gerade weil sich die Best Ager überwiegend „reich, jung und fit" (Quelle: Generali Altersstudie) fühlen, stellt ein dauerhaftes Ohrgeräusch eine deutliche Belastung dar und führt zu Einbußen in der Lebensqualität im dritten Lebensabschnitt. In der Regel sind die bisherigen Therapieangebote offen für eine sehr große Zielgruppe, richten sich aber implizit vor allem an die Gruppe der berufstätigen Erwachsenen im Alter zwischen 35 und 60 Jahren. Eine spezielle Anpassung der Therapie, wie sie am DZM e.V. angeboten wird, erhöht allerdings die Therapiechancen drastisch.

Die Tinnitusambulanz des Deutschen Zentrums für Musiktherapieforschung bietet laufend Kompakttherapien für Patienten mit akutem und chronischem Tinnitus an. Weitere
Informationen für Patienten sind telefonisch erhältlich unter 06221 - 79 63 101 oder per E-Mail unter
tinnitusambulanz@dzm-heidelberg.de.

Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e. V. wurde 1995 in Heidelberg gegründet. Heute ist das DZM eines der größten musiktherapeutischen Forschungsinstitute in Europa und vereint Forschung und Praxis unter einem Dach. Das DZM ist als gemeinnützig anerkannt und finanziert sich zum überwiegenden Teil aus Spenden und Forschungsdrittmittel. Am DZM entwickeln und erforschen Musiktherapeuten, Mediziner, Musikwissenschaftler und Psychologen in interdisziplinären Projekten musiktherapeutische und musikmedizinische Konzepte zur Verbesserung der Lebenssituation erkrankter Menschen.
Außer dem Forschungsinstitut gehören eine Tinnitus- sowie eine Cochlea-Implantat-Ambulanz zum DZM.

Weitere Informationen:
Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung
(Viktor Dulger Institut) DZM e.V.
Ansprechpartner: Natascha Schettler-Brox
Maaßstraße 26
69123 Heidelberg
Telefon: +49 (6221) 83 38 60
Telefax: +49 (6221) 73 999 89
E-Mail: dzm@dzm-heidelberg.de
Internet: www.dzm-heidelberg.de

Weitere Informationen:
http://www.dzm-heidelberg.de

Quelle: idw 

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Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Ab sofort können alle Interessierten live im Internet verfolgen, wo das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel Wave-Glider einsetzt. Dabei handelt es sich um von Wellenkraft angetriebene Messplattformen, die wochen- oder auch monatelang die Oberfläche der Meere abfahren können. Auf dem Internetportal „GEOMAR Navigator" sind neben Kursen und Geschwindigkeiten der Geräte auch aktuelle Messdaten aus dem Ozean einsehbar. Entwickelt wurde das Portal in einer Forschungskooperation mit dem Oman, die erste Testmission findet aktuell im subtropischen Nordostatlantik statt.

Die Ausdehnung der Ozeane in Fläche und Volumen ist gigantisch. Daten aus ihnen zu erheben und ihren Zustand zu vermessen ist daher eine gewaltige Aufgabe. Mehr und mehr erweitern ferngesteuerte und vorprogrammierte Geräte die Reichweite und die Ausdauer der menschlichen Forschenden. Zu diesen Geräten gehören auch sogenannte Wave-Glider. Angetrieben von der Energie der Wellen können die Surfbrett-ähnlichen Schwimmkörper wochen- oder sogar monatelang bestückt mit unterschiedlichsten Sensoren auf der Oberfläche der Meere kreuzen.

Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel verfügt mittlerweile über drei dieser Geräte. Ab sofort können alle Interessierten die Missionen dieser Wave-Glider live online auf der Plattform „GEOMAR Navigator" (https://waveglider.geomar.de/navigator) verfolgen. Zur Premiere zeigt sie die aktuellen Missionen von zwei Wave-Glidern rund um einen Unterwasserberg nahe der kapverdischen Inseln.

Kurse, Geschwindigkeiten, schon zurückgelegte Strecken, aber auch Wetterdaten, weitere Messwerte und Hintergrundinformationen zu jeweiligen Forschungsprojekten - all diese Daten sind auf dem „GEOMAR Navigator" einsehbar. „Zuallererst dient die Plattform dazu, dass, wer auch immer eine Wave-Glider Mission leitet, die Missionsparameter jederzeit bequem vom Büro, vom heimischen Sofa oder vom Hotelzimmer aus überwachen kann", erklärt Programmierer Patrick Leibold aus der Arbeitsgruppe Technologietransfer des GEOMAR, der das Portal entwickelt hat.

„Letztendlich kann aber jeder interessierte Mensch das Portal nutzen, um die Missionen unserer Geräte zu verfolgen", ergänzt Dr. Warner Brückmann, Leiter des Technologietransfers am GEOMAR. Die beiden Wave-Glider, die derzeit im Einsatz sind, sind Teil der Expedition MSM61 des deutschen Forschungsschiffs MARIA S. MERIAN. Mit einer ganzen Anzahl unterschiedlicher Geräte will das Team an Bord das Ökosystem rund um den Senghor Seamount, einen Unterwasserberg nördlich der Kapverden-Insel Sal, besser verstehen.

Einer der beiden Wave-Glider der Testmission gehört dem GEOMAR und ist schon häufiger als schwimmende Messplattform rund um das Kapverdische Ozean-Observatorium (Cape Verde Ocean Observatory, CVOO) zum Einsatz gekommen. Den zweiten hat das Bremer Zentrum für Marine Umweltwissenschaften MARUM jetzt zur Expedition beigesteuert. „Für uns ist diese Ausfahrt ein wichtiger Testlauf, wie gut das Portal funktioniert und ob die Forschenden damit zurechtkommen", sagt Leibold, der selbst mit an Bord der MARIA S. MERIAN ist.

Der Anstoß zur Entwicklung des Portals und die Finanzierung stammen aus einer Kooperation des GEOMAR mit dem Wüstenstaat Oman. Dort soll demnächst der neueste GEOMAR Wave-Glider nach Grundwasseraustritten am küstennahen Meeresboden suchen. „Ziel ist es, ein besseres Verständnis von Süßwassersystemen im Untergrund von Küstenregionen zu erhalten. Für den Oman ist dieses Verständnis von existentieller Bedeutung. Süßwasser ist dort eine sehr knappe und damit umso wichtigere Lebensgrundlage. Eine falsche Bewirtschaftung würde sie bedrohen", erklärt Dr. Brückmann.

Das im Rahmen des Oman-Projektes entwickelte Online-Portal wird aber allen Gruppen, die am GEOMAR Wave-Glider betreuen, zur Verfügung stehen. „Und darüber hinaus kann die gesamte deutsche Meeresforschung die Technik nutzen, wie gleich die erste Testmission in Zusammenarbeit mit dem MARUM zeigt", sagt Dr. Brückmann.

Weitere Informationen:
http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
https://waveglider.geomar.de/navigator Das Wave Glider Portal GEOMAR Navigator
https://waveglider.geomar.de/navigator/?p=dashboard&m=SENGHOR&v=0
Direkter Link zur aktuellen Wave-Glider-Mission am Senghor Seamount

Quelle: idw 

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Bitte nichts verraten! Wenn es um die eigene Zukunft geht, wollen die meisten nichts wissen

Kerstin Skork Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Möchten Sie wissen, wann Sie sterben werden? Hätten sie die Möglichkeit, in die Zukunft zu sehen, zögen es die meisten Menschen vor, lieber nicht wissen zu wollen, was das Leben für sie bereithält. Auch nicht, wenn es etwas Positives sein könnte. Dies zeigt eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin und der Universität Granada, die in der Fachzeitschrift Psychological Review erschienen ist.

„In der griechischen Mythologie hatte Kassandra, die Tochter des trojanischen Königs, die Gabe, in die Zukunft sehen zu können. Aber sie war auch dazu verflucht, dass niemand ihren Prophezeiungen Glauben schenkte", sagt Gerd Gigerenzer, Erstautor der Studie und Direktor des Forschungsbereichs „Adaptives Verhalten und Kognition" am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. „In unserer Studie haben wir herausgefunden, dass Menschen die Sehergabe, die Kassandra berühmt machte, eher ablehnen und auf Wissen über ihre persönliche Zukunft verzichten würden. Dahinter steht das Bestreben, mögliches Leid und Bedauern zu umgehen, welches das Wissen über die Zukunft mit sich bringen könnte. Gleichzeitig möchten sie sich aber auch die freudige Spannung von schönen Erlebnissen erhalten."

Zwei nationale, repräsentative Erhebungen mit mehr als 2.000 Erwachsenen in Deutschland und Spanien zeigen, dass 86 bis 90 Prozent der Menschen bevorstehende negative Ereignisse nicht wissen wollen. Zudem bevorzugen 40 bis 77 Prozent auch über bevorstehende positive Ereignisse im Ungewissen zu bleiben. Die Wissenschaftler nennen das willentliche Ignoranz (engl. deliberate ignorance). Das heißt, sich bewusst dafür zu entscheiden, die Antwort auf eine Frage, die einen persönlich betrifft, nicht wissen zu wollen. Lediglich 1 Prozent aller Befragten würde konsequent gerne wissen, was die Zukunft bereithält.

Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass Menschen, die ihre Zukunft nicht kennen möchten, risikoscheuer sind und häufiger Lebens- und Rechtsschutzversicherungen kaufen als diejenigen, die gerne einen Blick in die Zukunft werfen würden. „Das legt nahe, dass Menschen, die Wissen über die Zukunft willentlich ignorieren, erwarten, unangenehme Nachrichten zu erhalten", so Gigerenzer weiter. Auch der Zeitpunkt, an dem ein Ereignis in der Zukunft eintreten könnte, spielt eine Rolle: Je näher das mögliche Eintreten in der Zukunft liegt, desto weniger wollen Menschen etwas darüber wissen. So wollten zum Beispiel ältere im Vergleich zu jüngeren Erwachsenen seltener wissen, wann und woran ihr Partner sterben wird.

Die Studienteilnehmer wurden zu einer Reihe von möglichen Ereignissen - positiven wie negativen - befragt. So zum Beispiel, ob sie wissen wollten, welche Mannschaft ein Fußballspiel gewinnt, das sie später noch sehen wollten, was sie zu Weinachten geschenkt bekommen, ob es ein Leben nach dem Tod gibt oder ihre Ehe in einer Scheidung endet. Das Geschlecht ihres ungeborenen Kindes war das Einzige, das die Mehrzahl der Befragten vorab wissen wollte, nur 37 Prozent möchten sich lieber überraschen lassen.

Obwohl die in Deutschland und Spanien lebenden Menschen sich in Alter, Bildung und anderen wichtigen Aspekten unterschieden, war das Muster der willentlichen Ignoranz in beiden Ländern gleichermaßen verbreitet. „Wissen zu wollen, scheint der Normalzustand der Menschheit zu sein und bedarf keiner Rechtfertigung. Menschen sind nicht nur dazu eingeladen, von ihnen wird auch oft erwartet, an Krebsfrüherkennungsmaßnahmen oder regulären Gesundheitschecks teilzunehmen, ihr ungeborenes Baby einer Reihe von pränatalen Gentest zu unterziehen oder Self-Tracking-Geräte zur Messung der eigenen Gesundheit zu nutzen", sagt Gigerenzer. „Die willentliche Ignoranz von Menschen scheint vor diesem Hintergrund nicht einleuchtend und mag Stirnrunzeln verursachen. Aber wie wir in unserer Studie zeigen konnten, existiert sie nicht nur, sondern ist auch eine weiterverbreitete Haltung."

Originalstudie
Gigerenzer, G., & García-Retamero, R. (in press). Cassandra's regret: The psychology of not wanting to know. Psychological Review. http://dx.doi.org/10.1037/rev0000055

Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung wurde 1963 in Berlin gegründet und ist als interdisziplinäre Forschungseinrichtung dem Studium der menschlichen Entwicklung und Bildung gewidmet. Das Institut gehört zur Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., einer der führenden Organisationen für Grundlagenforschung in Europa.

Weitere Informationen:
https://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2017/02/bitte-nichts-verraten-wenn-es-u...

Quelle: idw 

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Leipziger Forscher erklären wichtigen Prozess bei biologischer Methanbildung

Dipl.-Journ. Carsten Heckmann Stabsstelle Universitätskommunikation/Medienredaktion
Universität Leipzig

Methan ist das Hauptprodukt der Biogasherstellung in Biogasanlagen, in denen es zur Energiegewinnung erzeugt wird. Zugleich gilt Methan als effektives Treibhausgas, denn es hat eine 25-mal stärkere Wirkung als Kohlendioxid. Die in der Natur für die Methanproduktion verantwortlichen Mikroorganismen produzieren jährlich ca. 1 Milliarde Tonnen Methan, wovon etwa ein Drittel in die Atmosphäre entweicht. Für die Bildung des Methans ist ein spezielles Molekül als Katalysator notwendig. Forscher der Universität Leipzig haben nun in Zusammenarbeit mit der University of Kent entdeckt, wie dieser "Methankatalysator" gebildet wird. Ihre Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht.

Methan ist das Hauptprodukt der Biogasherstellung in Biogasanlagen, in denen es zur Energiegewinnung erzeugt wird. Zugleich gilt Methan auch als effektives Treibhausgas, denn es hat eine 25-mal stärkere Wirkung als Kohlendioxid. Die in der Natur für die Methanproduktion verantwortlichen Mikroorganismen produzieren jährlich ca. 1 Milliarde Tonnen Methan, wovon etwa ein Drittel in die Atmosphäre entweicht. Für die Bildung des Methans ist ein sehr spezielles Molekül als Katalysator notwendig. Forscher der Universität Leipzig haben nun in Zusammenarbeit mit Forschern der University of Kent in England entdeckt, wie dieser essentielle "Methankatalysator" gebildet wird. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht.

Methan trägt auch zur Klimaerwärmung bei, wenn es vermehrt freigesetzt wird. In Biogasanlagen und Faultürmen von Kläranlagen wird es als Energiequelle erzeugt, wobei hier die gleichen Organismen für die Methanbildung verantwortlich sind wie in der Natur. Das natürlich gebildete Methan wird teilweise in Erdgasdepots oder als Methaneis am Meeresboden eingelagert. "Die biologische Methanbildung ist ein wichtiger Prozess beim globalen Kohlenstoff- beziehungsweise Biomassekreislauf. Es wird von spezialisierten, unter anaeroben Bedingungen lebenden Mikroorganismen gebildet. Diese Organismen sind unter anderem in den Sedimenten von Seen oder Sümpfen zu finden oder beispielsweise im Verdauungstrakt von Wiederkäuern", erklärt Prof. Dr. Gunhild Layer vom Institut für Biochemie der Universität Leipzig.

Um Methan bilden zu können, benötigen diese Mikroorganismen ein spezielles Protein. Dieses enthält ein zusätzliches Molekül, das Coenzym F430, das für die Methanbildung essentiell ist. Die chemische Struktur des gelben Coenzyms F430 ist verwandt mit den Strukturen des roten Blutfarbstoffs und des Chlorophylls (grüner Pflanzenfarbstoff). Über die Bildung dieses Coenzyms F430 war bisher nur wenig bekannt.

Die Leipziger Biochemiker um Prof. Dr. Gunhild Layer konnten nun in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Martin Warren in Canterbury, (Großbritannien) aufklären, wie das Coenzym F430 gebildet wird. Die an der Synthese beteiligten Proteine wurden einzeln produziert, gereinigt und auf ihre Aktivität hin getestet. Damit gelang es zum ersten Mal, das Coenzym F430 im Reagenzglas herzustellen. "Es war ein langer und schwieriger Weg bis zur kompletten enzymatischen Synthese des Coenzyms F430, aber die Mühe hat sich gelohnt", sagt Prof. Layer. Und Prof. Warren ergänzt: "Die Aufklärung des Biosynthesewegs für Coenzym F430 vervollständigt unser Wissen über die Bildung der sogenannten 'Farbstoffe des Lebens' zu denen auch Coenzym F430 gehört."

Originaltitel der Veröffentlichung in "Nature":
"Elucidation of the biosynthesis of the methane catalyst coenzyme F430",
DOI:10.1038/nature21427

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Gunhild Layer
Institut für Biochemie
Telefon: +49 341 97-36996
E-Mail: gunhild.layer@uni-leipzig.de

Weitere Informationen:
http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/full/nature21427.html "Nature"-Veröffentlichung

Quelle: idw 

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1,5 Millionen Diabetespatienten müssen bald ohne bewährte Medikamente auskommen

Kerstin Ullrich Pressestelle
Deutsche Diabetes Gesellschaft

Berlin - Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes müssen demnächst womöglich auf gewohnte Medikamente verzichten. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) befürchtet, dass mehrere Präparate aus der Gruppe der DDP-4-Hemmer demnächst vom Markt genommen werden, weil der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) diesen Medikamenten einen Zusatznutzen abgesprochen hat. Von der Entscheidung sind bis zu 1,5 Millionen Patienten betroffen. Die Medikamente haben sich seit zehn Jahren in der Praxis bewährt.

Der G-BA-Beschluss bezieht sich auf Medikamente mit den beiden Wirkstoffen Sitagliptin und Saxagliptin, die derzeit als Monopräparate oder in Kombination mit dem Wirkstoff Metformin als sogenannte „Fix-Kombination" angeboten werden. Sitagliptin und Saxagliptin hemmen das Enzym Dipeptidyl-Peptidase-4 (DPP-4), das die Wirkung eines körpereigenen Hormons verlängert. Die Folge ist eine wirkungsvolle Senkung des Blutzuckers ohne Unterzuckerung und Gewichtszunahme.

Der G-BA hatte im Dezember beschlossen, dass Sitagliptin, das seit 2007 in Deutschland zugelassen ist, als Monopräparat einen geringen Zusatznutzen besitzt. Saxagliptin, das 2009 eingeführt wurde, könnte ganz vom Markt verschwinden, da der G-BA dem Präparat jeglichen Zusatznutzen abgesprochen hat; gleiches gilt für die Fix-Kombinationen der DDP-4-Hemmer mit Metformin.

Die Hersteller dürfen diese Präparate weiter anbieten. Bei der Verordnung durch Kassenärzte würden sie jedoch nur den Preis erhalten, der derzeit zwischen Krankenkassen und Herstellern vertraulich ausgehandelt wird. "Es steht durchaus zu befürchten, dass - wenn nicht mit Augenmaß verhandelt wird - die Präparate am Ende vom Markt genommen werden", sagt Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland, gesundheitspolitischer Sprecher der DDG. Er verweist auf das Beispiel Synjardy, eine Fix-Kombination aus Empagliflozin plus Metformin: Das Präparat wurde im November vom Markt genommen, nachdem der G-BA dem Kombipräparat keinen Zusatznutzen zuerkannt hat.

Das Gleiche droht jetzt für die Diabetesmittel Onglyza, Komboglyze, Janumet und Velmetia. „Bei einer Marktrücknahme müssten bis zu 1,5 Millionen Patienten auf andere Medikamente ausweichen", befürchtet Müller-Wieland. Die Umstellung ist nach Erfahrung des DDG-Experten häufig schwierig und mit zusätzlichen Kosten verbunden. „Sie entstehen, weil die Patienten beim Wechsel auf ein neues Medikament unter Umständen eine Schulung benötigen und ihren Blutzucker zunächst häufiger kontrollieren müssen", so Müller-Wieland. Zudem seien die „Alternativen" häufig teurer und mitunter mit Injektionen verbunden.

„Warum eine Tablette, die zwei Substanzen enthält, anders sein soll als zwei separate Tabletten, leuchtet medizinisch nicht ein", betont der DDG-Sprecher. „Dies insbesondere nicht bei Patienten, die häufig mehrere Substanzen einnehmen müssen und dankbar sind, wenn die Zahl der Tabletten dennoch möglichst gering ist."

Weitere Probleme ergeben sich, wenn Patienten, die derzeit mit den Kombinationen behandelt werden, künftig zwei Tabletten statt einer einnehmen müssen. „Dies ist nicht nur mit höheren Kosten etwa durch die doppelte Apothekenabgabe verbunden. Mit der Zahl der Medikamente sinkt häufig auch die Einnahmetreue der Patienten, was das Behandlungsergebnis verschlechtern kann", erläutert Müller-Wieland.

Es ist nicht das erste Mal, dass der G-BA in die Verordnung von Diabetesmedikamenten eingreift. „Bisher haben nur 4 von 18 neuen Diabetes-Präparaten einen Zusatznutzen vom G-BA erhalten, 6 sind in Deutschland nicht mehr auf dem Markt", berichtet DDG Präsident Professor Dr. med. Baptist Gallwitz. Dies liege keineswegs daran, dass es sich bei diesen neuen Substanzen sogenannte Schein-Innovationen handele. „Die Beurteilungskriterien des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, das für den G-BA die Bewertungen durchführt, sind häufig inkonsistent und nicht frei von Interessen", so Gallwitz. „Die Entscheider setzen sich über den medizinischen Standard hinweg und ignorieren oft die Leitlinien der DDG und anderer internationaler Fachgesellschaften."

Jetzt bewerben für die DDG Medienpreise 2017!
Die DDG schreibt auch in diesem Jahr drei Medienpreise aus, die mit insgesamt 6.000 Euro dotiert sind. Eingereicht werden können Artikel (Print und Online) sowie Beiträge aus Hörfunk und Fernsehen, die zwischen dem 1. August 2016 und dem 31. Juli 2017 publiziert wurden/werden. Prämiert werden Arbeiten, denen es gelingt, Diabetes-Mythen zu „entzaubern" und ein Bewusstsein für diese Krankheit und ihre Folgeerkrankungen zu schaffen. Einsendeschluss ist der 31. Juli 2017. Weitere Informationen zur Ausschreibung finden Sie hier: http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/presse/ddg-pressemeldungen/meldunge....

Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Geschäftsstelle
Albrechtstraße 9, 10117 Berlin
Tel.: 030 3116937-0, Fax: 030 3116937-20
info@ddg.info

Weitere Informationen:
http://www.ddg.info

Quelle: idw 

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demowanda.de: Fakten zum demografischen Wandel in der Arbeitswelt

Andreas Pieper Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

BIBB ist Teil eines neuen Forschungsportals

Die Zahl der Arbeitskräfte verringert sich, die Erwerbsbevölkerung wird älter - wir alle müssen uns bewusst machen, dass der demografische Wandel die Arbeitswelt verändern wird. Um Erkenntnisse, Daten und Fakten hierzu leichter zugänglich zu machen, bieten sechs Ressortforschungseinrichtungen des Bundes, darunter das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), ab sofort das gemeinsame Internetportal demowanda.de an. Es gibt einen Überblick über Entwicklungen in verschiedenen Lebensbereichen, die die Arbeitswelt beeinflussen.

Das unter Leitung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) gebündelte ressortübergreifende Fachwissen ermöglicht erstmals einen derart umfassenden Blick auf Entwicklungen in Deutschland, die für eine alters- und alternsgerechte Gestaltung der Arbeitswelt von Bedeutung sind.

So ist neben dem steigenden Anteil Älterer in den Belegschaften beispielsweise auch die Frage der Qualifikation ein Thema, weil wichtiger Aspekt des demografischen Wandels: Nach Berechnungen des BIBB lag die Quote der Ungelernten im Alter von 20 bis 34 in den Jahren 2011 bis 2014 zwischen 13 und 14 %. Untersuchungen des BIBB und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) deuten darauf hin, dass gerade im Bereich Gesundheit, aber auch im Bereich der Be- und Verarbeitung von Holz und Kunststoffen sowie in den Bauberufen künftig nicht genug qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stehen werden. Zudem verändern neue Techniken und Praktiken die Arbeitswelt stetig und erfordern geeignete Weiterbildungsmaßnahmen. Laut Studien des BIBB haben 2013 rund 70 % der Betriebe in Deutschland Weiterbildungsmaßnahmen durchgeführt. Darüber hinaus stieg nach Ergebnissen des Deutschen Alterssurveys der Anteil an Personen, die im Ruhestand erwerbstätig sind - von rund 6,3 % im Jahr 2003 auf 11,6 % in 2014.

Das Portal demowanda.de gliedert sich in die sechs Themenbereiche „Bevölkerung", „Bildung", „Arbeitsmarkt", „Arbeitsbedingungen", „Gesundheit" und „Arbeit im Alter", die die verschiedenen Zusammenhänge zwischen Arbeitswelt und demografischem Wandel deutlich machen. Wissenschaftler, Journalisten, Vertreter der Politik und alle weiteren Interessierten finden neben aktuellen und übersichtlich aufbereiteten Informationen auch weiterführende Literaturhinweise, Grafiken und Kontaktadressen.

Die BAuA hat das Internetportal im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) gemeinsam mit dem BIBB, dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), dem Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA), dem IAB und dem Robert Koch-Institut (RKI) entwickelt. Damit bündelt diese erste Initiative für eine fachübergreifende Berichterstattung über die Arbeitswelt Fachwissen aus verschiedenen Bundesministerien. Dazu gehören das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), das Bundesministerium für Inneres (BMI), das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie das Bundesministerium für Gesundheit (BMG).

Weitere Informationen zum Portal „demowanda. Demografischer Wandel in der Arbeitswelt - ein fachübergreifendes Monitoring" unter http://www.demowanda.de

Quelle: idw 

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Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

Susanne Hufe Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) soll bis zum Jahr 2019 überarbeitet werden. Bereits jetzt ist der Arbeitsprozess dafür in vollem Gange - wichtiger Input kommt auch aus der Wissenschaft. In einer aktuellen Studie etwa, die unter Federführung des UFZ entstand, hat ein internationales Forscherteam Empfehlungen formuliert, die die Überwachung, Bewertung und das Management von Schadstoffen verbessern sollen. Veröffentlicht wurde die Studie kürzlich im Fachmagazin Science of the Total Environment.

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie ist seit dem Jahr 2000 in Kraft. Ziel der Richtlinie ist es, dass Flüsse, Seen, Küstengewässer und Grundwasser spätestens bis zum Jahr 2027 einen „guten Zustand" erreicht haben: Die Gewässer sollen möglichst nur geringfügig durch Schadstoffe belastet sein und Pflanzen und Tieren einen naturnahen Lebensraum bieten.
Das Besondere an der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie ist, dass die Gewässer länderübergreifend - bei Flüssen von der Quelle bis zur Mündung - betrachtet werden. „Das ist in dieser Form weltweit einmalig. Von vielen Ländern wird die Europäische Wasserrahmenrichtlinie deshalb als Vorbild angesehen", sagt Umweltchemiker Dr. Werner Brack vom UFZ.
Von der Erreichung des Ziels ist Europa jedoch noch weit entfernt. Konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur, zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Oberflächengewässern sowie zur Reduzierung des Eintrags von Nähr- und Schadstoffen, müssten vielerorts wesentlich konsequenter als bislang umgesetzt werden. „Aber auch das Regelwerk selbst hat Schwächen und soll deshalb bis 2019 überarbeitet werden", sagt Werner Brack. Unter seiner Leitung haben Wissenschaftler des europäischen Forschungsprojekts SOLUTIONS sowie des Europäischen Forschungsnetzwerks NORMAN diese Schwächen genauer unter die Lupe genommen und leiten daraus Empfehlungen für ein verbessertes Schadstoff-Monitoring und Gewässermanagement ab.

Überwachung verbessern
Derzeit sind in der Wasserrahmenrichtlinie 45 Schadstoffe, sogenannte prioritäre Schadstoffe, gelistet. Sie dürfen in einem Gewässer mit guter Wasserqualität nicht oder nur in geringem Maße vorkommen. Demgegenüber stehen allerdings mehr als 100.000 verschiedene chemische Substanzen, die wir täglich benutzen und die in unsere Umwelt und Gewässer gelangen. Die meisten Substanzen werden bei der Bewertung der Gewässerqualität nach der derzeitigen EU-Wasserrahmenrichtlinie also gar nicht berücksichtigt. „Das auf einzelne Schadstoffe orientierte Monitoring ist teuer, ignoriert den größten Teil der Schadstoffe und läuft den eigentlichen Problemen hinterher. Denn die meisten prioritären Schadstoffe sind längst vom Markt und durch andere sehr ähnlich wirkende chemische Substanzen ersetzt. Neue Stoffe auf die Liste zu bekommen, ist ein langwieriger politischer Prozess", kritisiert Brack.
Außerdem beschränkt sich die Wasserrahmenrichtlinie bislang nur auf die Prüfung von Einzelstoffen. Schadstoffe wirken in der Umwelt aber nicht einzeln, sondern zusammen und können sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken. „Nicht das Vorkommen eines Schadstoffes ist ausschlaggebend, sondern seine Wirkung im Gewässer", sagt Brack. Deshalb empfehlen die Wissenschaftler, die Überwachung der Gewässerqualität von der chemischen Analytik einzelner Schadstoffe wo immer möglich auf effektbasierte Methoden - wie etwa biologische Wirkungstests - umzustellen. So würden alle Stoffe mit derselben Wirkung erfasst, auch Stoffgemische. Und teure chemische Analytik wäre nur noch erforderlich, falls bestimmte Wirkschwellen überschritten werden.

Bewertung verbessern
Überarbeitungsbedarf sehen die Forscher auch bei der Bewertung der Gewässerqualität. Bislang ist immer die schlechteste Teilkomponente maßgeblich dafür, ob ein Gewässer in einen guten chemischen oder ökologischen Zustand eingestuft wird - selbst wenn diese wie im Falle von Schadstoffen aus Verbrennungsprozessen durch das Gewässermanagement kaum zu beeinflussen ist. Das führt dazu, dass viele Gewässer auch bei signifikanten Verbesserungen wesentlicher Komponenten die Bewirtschaftungsziele nicht erreichen können. Brack: „Die derzeitige Regelung gibt zu wenig Anreize, Probleme zu beheben und führt in vielen Fällen zu Untätigkeit. Wir schlagen deshalb vor, dass Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerqualität künftig durch eine differenziertere Bewertung belohnt werden." Das schließt auch die Schaffung von Anreizen für gutes Monitoring ein. Denn derzeit scheitern viele Mitgliedsländer bereits daran, Schadstoffe regelmäßig zu messen und zu analysieren, deren Überwachung eigentlich vorgeschrieben ist. Und sie werden dafür noch belohnt, denn je weniger sie messen, je seltener sie messen, je schlechter die Analytik ist, desto geringer ist das abgeleitete Risiko und damit der Handlungsbedarf für Reduzierungsmaßnahmen. Die Wissenschaftler schlagen für die neue Wasserrahmenrichtlinie deshalb eine umgekehrte Beweisführung vor: Dort, wo durch unzureichendes Monitoring keine Daten erhoben werden, könnten für die Gewässerbewertung Modellwerte herangezogen werden. So müssten die „Säumigen" dann mit Messungen nachweisen, dass der tatsächliche Gewässerzustand besser ist als der Vorhergesagte.

Management verbessern
Alleiniges Messen und Bewerten der Gewässerqualität reicht aber nicht aus, um den Zustand eines Gewässers zu verbessern - dem Monitoring müssen entsprechende Maßnahmen folgen. „In unserer aktuellen Studie geben wir Empfehlungen für ein stärker lösungsorientiertes Gewässermanagement, bei dem Überwachung, Bewertung und mögliche Maßnahmen von Anfang an viel enger miteinander verzahnt sein sollten, als dies heute der Fall ist", sagt Brack.
So stellen beispielsweise Kläranlagenabläufe eine wichtige und vergleichsweise vorhersagbare Quelle von Belastungen in Bächen und Flüssen dar, die zur Überschreitung von Wirkschwellen führen können. Die Autoren schlagen vor, in einem ersten Schritt zu prüfen, inwieweit eine gefundene Schadwirkung des Flusswassers dem entspricht, was aufgrund des Abwasseranteils und des Reinigungsgrades zu erwarten ist. Dann ist eine verbesserte Abwasserbehandlung in der Kläranlage das Mittel der Wahl, um Qualitätsziele zu erreichen. Für den Fall, dass beobachtete Schadwirkungen die Erwartungen übersteigen, empfehlen die Autoren verschiedene Ansätze, um spezifische Schadstoffe und ihre Quellen zu identifizieren und möglichst vor dem Erreichen der Kläranlage zu eliminieren. Dabei sollte der Schwerpunkt darauf liegen, mögliche Alternativen zur Verbesserung der Qualität zu untersuchen, anstatt bei der Festlegung des Gewässerstatus zu verharren. „Dies hilft auch, Lösungsansätze zu finden, mit denen man mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen kann", meint Brack. „So können ausreichend breite und mit Büschen bestandene Randstreifen nicht nur dazu beitragen, den Eintrag an Pflanzenschutzmitteln ins Gewässer zu reduzieren, sondern auch dabei helfen, eine Überdüngung oder zu hohe Temperaturen im Gewässer zu vermeiden. Und sie bieten obendrein ein wertvolles Habitat für viele Tiere und Pflanzen."
Wie Untersuchungen im EU-Projekt SOLUTIONS zeigen, erfordert die Verbesserung der Wasserqualität in manchen Fällen auch eine Harmonisierung der vielen Regelwerke zur Umweltqualität und Chemikaliensicherheit auf europäischer und nationaler Ebene mit der Wasserrahmenrichtlinie.
Die Wissenschaftler hoffen, dass sie mit ihren Forschungsergebnissen aus SOLUTIONS und NORMAN weitere Lösungsansätze für die Überarbeitung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie liefern - und dadurch einer nachhaltigeren Wassernutzung in Europa den Weg bereiten können.

Das EU-Projekt SOLUTIONS vereinigt 39 Partner aus weltweit 17 Ländern. Es wird bis zum Jahr 2018 mit insgesamt 12 Millionen Euro von der Europäischen Union gefördert. Ziel ist es, Werkzeuge und Modelle zu entwickeln, um den Chemikaliencocktail in Gewässern hinsichtlich seines Risikos zu bewerten. SOLUTIONS entwickelt Methoden, um vorrangig zu behandelnde Stoffe zu erkennen und schlägt Lösungen zu deren Verminderung vor.

Das europäische Forschungsnetzwerk NORMAN fördert die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zwischen Forscherteams verschiedener Länder hinsichtlich der Überwachung von bisher nicht regulierten Stoffen in der Umwelt.

Publikation
Brack W, Dulio V, Ågerstrand M, Allan I, Altenburger R, Brinkmann M, Bunke D, Burgess RM, Cousins I, Escher BI, Hernández FJ, Hewitt LM, Hilscherová K, Hollender J, Hollert H, Kase R, Klauer B, Lindim C, López Herráez D, Miège C, Munthe J, O'Toole S, Posthuma L, Rüdel H, Schäfer RB, Sengl M, Smedes F, van de Meent D, van den Brink PJ, van Gils J, van Wezel AP, Vethaak AD, Vermeirssen E, von der Ohe PC, Vrana B (2017) Towards the review of the European Union Water Framework Directive: Recommendations for more efficient assessment and management of chemical contamination in European surface water resources. Science of the Total Environment. http://dx.doi.org/10.1016/j.scitotenv.2016.10.104

Ansprechpartner:
Dr. Werner Brack
Leiter des UFZ-Departments Wirkungsorientierte Analytik
Telefon: 0341 235 1531
E-mail: werner.brack@ufz.de

Weitere Informationen:
Die Wasserrahmenrichtlinie - Deutschlands Gewässer 2015: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/die-wasserrahmenrichtlinie-deutschl...
EU-Projekt SOLUTIONS: www.solutions-project.eu
SOLUTIONS-Film: www.youtube.com/UFZde
Forschungsnetzwerk NORMAN: http://www.norman-network.net/

Quelle: idw 

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Bewerbungen: Diese Strategien wenden Jobsuchende an

Dr. Anne Klostermann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs)

Eine aktuelle Befragung von rund 1000 Bewerberinnen und Bewerbern zeigt: im Bewerbungsprozess nutzt die Mehrheit von Anfang an gezielt Strategien, um ihre Chancen zu verbessern. Allerdings gehen dabei Einstellung und Verhalten nicht immer Hand in Hand. Die Ergebnisse der Befragung wurden gerade in der „Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie" veröffentlicht.

„Bisher hat sich die Personalauswahlforschung vor allem mit dem Faking, also dem Vorgaukeln einer nicht vorhandenen Eignung, und der Selbstdarstellung von Bewerberinnen und Bewerbern beschäftigt", sagt Uwe Kanning, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Osnabrück. „Meine Untersuchung weist darauf hin, dass Bewerberinnen und Bewerber über diese beiden Strategien hinausgehend eine Vielzahl strategischer Verhaltensweisen gezielt einsetzen, um den Bewerbungsprozess positiv zu beeinflussen."

In einer explorativen Online-Studie befragte der Wirtschaftspsychologe 999 Personen im Alter von 17 bis 66 Jahren zu ihrem strategischen Verhalten im Bewerbungsprozess. Dazu legte er den Befragten für vier gängige Personalauswahlmethoden - Bewerbungsunterlagen, Einstellungsinterview, Testverfahren, Assessment Center - Listen mit strategischen Verhaltensweisen vor (zum Beispiel das Auffüllen von Lücken im Lebenslauf oder die Teilnahme an Bewerbertrainings für Assessment Center). Die Befragten sollten angeben, welche der Strategien sie schon einmal selbst angewendet haben. Außerdem sollten sie jede Strategie daraufhin beurteilen, inwiefern sie ihnen sinnvoll erscheint. Somit wurde zum einen das strategische Verhalten der Befragten erfasst, zum anderen ihre Einstellungen bezüglich dieser Strategien.

Zunahme an strategischem Verhalten
Fast alle Befragten haben in der Vergangenheit mindestens eine der abgefragten Strategien eingesetzt, um ihre Chancen zu verbessern. Zudem haben strategische Aktivitäten insgesamt zugenommen. Bewerberinnen und Bewerber, die sich in den letzten fünf Jahren beworben haben, gehen strategischer vor als diejenigen, deren letzte Bewerbung schon länger zurückliegt. Mit 86% ist die Recherche auf den Unternehmenswebsites die am weitesten verbreitete Strategie bei der Vorbereitung auf eine Bewerbung bzw. auf ein Bewerbungsgespräch. Rund die Hälfte der Befragten bereiteten sich in Gesprächen mit Freunden oder Bekannten auf die Bewerbung vor. Auffallend ist, dass es bei vielen Strategien eine große Abweichung zwischen Einstellung und Verhalten gibt. So fanden zwar 77% der Befragten die Lektüre von Ratgeberliteratur zur Vorbereitung auf ein Assessment Center sinnvoll, aber lediglich 53% zogen entsprechende Bücher auch wirklich zu Rate.

Bewerbungsfoto immer noch ein Muss
In entgegengesetzter Richtung zeigt sich die Diskrepanz zwischen Einstellung und Verhalten insbesondere bei Bewerbungsfotos. Mehr als 90 % der Befragten legten ihrer Bewerbung ein Foto bei, obwohl nur gerade einmal die Hälfte glaubt, dass Fotos etwas über die Eignung eines Bewerbers oder einer Bewerberin verraten. „Seit 2006 ist es Arbeitgebern eigentlich untersagt, Fotos anzufordern. Hier zeigt sich besonders deutlich, dass viele Bewerber eher strategisch agieren", erklärt Uwe Kanning. „Sie gehen davon aus, dass Personalverantwortliche auch heute noch das Fehlen eines Bewerbungsfotos negativ bewerten - und das zu recht, wie wir aus eigenen Befragungen zum Thema wissen."

Informationen werden gezielt platziert
Mehr als 60 % der Befragten gaben an, Vorlagen für ihre Bewerbungsunterlagen heute aus dem Internet herunterzuladen und diese nur noch zu überarbeiten. 42 % denken sich Hobbys aus, von denen sie glauben, dass sie positiv bewertet werden. „In diesen Fällen sagen das Anschreiben oder die formale Gestaltung der Unterlagen nichts über den Menschen aus, der hinter der Bewerbung steht", erklärt Uwe Kanning. Bezogen auf das Einstellungsinterview gaben 90 % der Befragten an, dass sie sich Stärken ausdenken, von denen sie glauben, dass der Arbeitgeber sie hören will. 70 % gaben an, selbst schon einmal im Bewerbungsgespräch Fragen gestellt zu haben, bloß um interessiert zu wirken.
Diese Ergebnisse zeigen für Uwe Kanning, dass ein stärkerer Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft notwendig ist. „Insgesamt entsteht der Eindruck, dass Bewerberinnen und Bewerber inzwischen sehr gut auf die Standardverfahren vorbereitet sind." Und Conny Antoni, Präsident der DGPs und Professor für Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie an der Universität Trier, ergänzt: „Die psychologische Forschung bietet laufend aktuelle Erkenntnisse zum Thema Personalauswahl. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber können die Qualität ihrer Personalauswahl steigern, wenn sie diese Erkenntnisse gezielt im Auswahlprozess nutzen."

Link zur Originalstudie:
Kanning, U. P. (2017). Strategisches Verhalten in der Personalauswahl - Wie Bewerber versuchen, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 61, 3-17.

Kontakt bei Rückfragen:
Prof. Dr. Uwe P. Kanning
Hochschule Osnabrück
Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
U.Kanning@hs-osnabrueck.de

Pressestelle der DGPs:
Dr. Anne Klostermann
Pressereferentin
Tel.: 030 28047718
E-Mail: pressestelle@dgps.de

Über die DGPs:
Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs e.V.) ist eine Vereinigung der in Forschung und Lehre tätigen Psychologinnen und Psychologen. Die über 4000 Mitglieder erforschen das Erleben und Verhalten des Menschen. Sie publizieren, lehren und beziehen Stellung in der Welt der Universitäten, in der Forschung, der Politik und im Alltag.
Die Pressestelle der DGPs informiert die Öffentlichkeit über Beiträge der Psychologie zu gesellschaftlich relevanten Themen. Darüber hinaus stellt die DGPs Journalisten eine Datenbank von Experten für unterschiedliche Fachgebiete zur Verfügung, die Auskunft zu spezifischen Fragestellungen geben können.
Wollen Sie mehr über uns erfahren? Besuchen Sie die DGPs im Internet: www.dgps.de

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Klug entscheiden in der Pneumologie: Lungenärzte empfehlen Lungenfunktionstests für Raucher

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

Berlin - Jeder Raucher sollte eine Messung der Lungenfunktion erhalten, um frühe Anzeichen von chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) oder Lungenkrebs zu erkennen. Darüber hinaus sollte Rauchern mit einer chronischen Lungenerkrankung eine professionelle Tabakentwöhnung angeboten werden. Diese und weitere Empfehlungen veröffentlicht die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) im Rahmen der Mediziner-Initiative „Klug entscheiden".

Rauchen verursacht 85 Prozent aller Fälle der sehr häufigen Lungenerkrankung COPD. Eine ähnliche Quote gilt für den Lungenkrebs - die dritthäufigste und gleichzeitig tödlichste Krebserkrankung in Deutschland. Trotzdem ordnen die wenigsten Ärzte einen Lungenfunktionstest an, so lange ihre Patienten keine Beschwerden haben, sagt DGP-Präsident Professor Dr. med. Berthold Jany. „Dabei nehmen die meisten Raucher die frühen Symptome einer Lungenerkrankung - wie etwa Raucherhusten - kaum wahr, weil sie sich schon daran gewöhnt haben." Sobald Betroffene erste Beschwerden wahrnehmen, seien viele Lungenerkrankungen schon weit fortgeschritten. Eine frühe Diagnose dagegen erhöhe die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung.

Jeder Patient, der an COPD, Asthma, Lungenkrebs oder Lungenfibrose leidet, sollte außerdem die Möglichkeit haben, an einem strukturierten Tabakentwöhnungsprogramm teilzunehmen, so die weitere Empfehlung der DGP. „Je schneller Betroffene das Rauchen aufgeben können, desto mehr verbessern sich Symptome wie Atemnot, Husten und Atemwegsentzündungen", erklärt Jany, der die Abteilung Innere Medizin des Klinikums Würzburg-Mitte am Standort Missioklinik leitet. Langzeitstudien zeigen außerdem, dass die Sterblichkeit unter Patienten, die das Rauchen aufgeben, deutlich sinkt.

„Klug entscheiden" ist eine Initiative der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), die zum Ziel hat, Über- und Unterversorgung in der Medizin zu vermeiden. Die DGP hat als eine von zwölf Fachgesellschaften konkrete Handlungsempfehlungen ausgesprochen, welche medizinischen Therapien und Behandlungen sinnvoll sind und welche in vielen Fällen unnötig. „Manchmal neigen Ärzte dazu, ‚sicherheitshalber‘ eine Untersuchung anzuordnen, die dem Patienten gar nicht nützt", erklärt Jany. Andersherum gäbe es Maßnahmen wie die Tabakentwöhnung oder die pneumologische Rehabilitation, die trotz erwiesenem Nutzen zu selten zum Einsatz kämen. „Mit ihren Empfehlungen möchte die DGP auf solche Über- und Unterversorgungen hinweisen und Ärzte ermutigen, Entscheidungen zu treffen, die dem aktuellen Stand der medizinischen Forschung entsprechen", so Jany. Diese und weitere Empfehlungen der DGP sind Thema einer Pressekonferenz im Vorfeld des DGP-Kongresses am 15. März 2017 in Berlin.

Quelle:
„Klug entscheiden in der Pneumologie", Deutsches Ärzteblatt, Jg. 113, Heft 19, 13. Mai 2016

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Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Antje Karbe Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent - Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

In einer klinischen Studie mit einem neuen Impfstoff gegen Malaria haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Universitätsklinikums und der Universität Tübingen einen Impfschutz von bis zu 100 Prozent erreicht. Wie Professor Peter Kremsner und Dr. Benjamin Mordmüller vom Tübinger Institut für Tropenmedizin und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) berichteten, wurden für die Impfung Malaria-Parasiten des Biotechnologie-Unternehmens Sanaria eingesetzt. Der Impfstoff basiert auf vollständig lebensfähigen, nicht abgeschwächten Malaria-Erregern, die gleichzeitig mit einem Malaria-Medikament verabreicht werden. Dieser neue Impfansatz wurde in einer DZIF-Studie erstmals klinisch getestet. Die Ergebnisse wurden am 15. Februar im Fachmagazin Nature veröffentlicht. DOI: 10.1038/nature21060

Malaria-Parasiten werden durch den Stich der weiblichen Anophelesmücke übertragen. Für die Mehrzahl der Malaria-Erkrankungen weltweit und nahezu alle Todesfälle ist der Parasit Plasmodium falciparum verantwortlich. Bisherige Impfstoffkandidaten basierten zumeist auf dem Einsatz von einzelnen Molekülen der Erreger. Es zeigte sich jedoch, dass durch derartige Impfungen keine ausreichend schützende Immunantwort ausgelöst wurde. An der Tübinger Studie nahmen 67 gesunde, erwachsene Probanden teil, die noch nie an Malaria erkrankt waren. Die beste Immunantwort zeigte sich bei einer Gruppe von neun Probanden, die dreimal in je vierwöchigem Abstand den Impfstoff in einer hohen Dosierung erhielten. In dieser Gruppe zeigten alle Probanden anschließend einen 100-prozentigen Impfschutz.

„Der Schutz entstand wahrscheinlich durch spezifische T-Lymphozyten und Antikörper-Antworten gegen die Parasiten in der Leber", erklärte Professor Peter Kremsner. Zudem habe man die Immunreaktion des Körpers analysiert und Proteinmuster identifiziert, die eine weitere Verbesserung des Impfstoffs ermöglichen. Die Wissenschaftler spritzten die lebendigen Malaria-Parasiten und verhinderten eine Erkrankung der Probanden durch die gleichzeitige Gabe von Chloroquin, einem seit langem genutzten Malaria-Medikament.

Die Tübinger Forscher machten sich bei der Studie Eigenschaften sowohl des Parasiten wie auch des Gegenmittels Chloroquin zunutze. So kommt Plasmodium falciparum, nachdem ein Mensch infiziert ist, zunächst in die Leber, um sich dort zu vermehren. In dieser Inkubationsphase kann das menschliche Immunsystem bereits reagieren, die Krankheit bricht aber noch nicht aus. Zudem wirkt Chloroquin nicht in der Leber, bremst also dort auch nicht die Vermehrung des Parasiten. Zum Ausbruch der Krankheit kommt es erst, wenn der Erreger die Leber verlässt, ins Blut wandert und sich als Parasit in den roten Blutkörperchen einnistet und vermehrt. Sobald der Erreger im Blut ist, wird er aber von Chloroquin abgetötet und somit der Ausbruch der Krankheit verhindert.

„Durch die Impfung mit einem lebenden und zuerst nicht abgeschwächten Erreger ist es uns ganz offensichtlich gelungen, eine sehr starke Immunantwort auszulösen", sagte Studienleiter Benjamin Mordmüller. „Darüber hinaus deuten die bisher vorliegenden Daten darauf hin, dass wir es mit einem vergleichsweise stabilen und lange anhaltenden Impfschutz zu tun haben." In der Gruppe der Probanden, die nach dreimaliger Gabe einer hohen Dosis von Parasiten einen 100-prozentigen Impfschutz gezeigt haben, sei dieser auch zehn Wochen nach der Impfung noch zuverlässig vorhanden, eine messbare Immunantwort noch wesentlich länger. Der neue Impfstoff habe sich zudem als sehr gut verträglich erwiesen. Im nächsten Schritt soll er im Rahmen einer weiteren klinischen Studie in Gabun über mehrere Jahre auf Wirksamkeit getestet werden. In dieser Region gehört Malaria zu den größten Gesundheitsproblemen. Die Universität Tübingen kooperiert in Gabun seit vielen Jahren mit dem von Albert Schweitzer gegründeten Hospital in Lambaréné sowie dem benachbarten medizinischen Forschungszentrum, dem Centre de Recherches Médicales de Lambaréné. Diese Kooperation wird im Rahmen des DZIF weiter gestärkt.

Malaria ist eine der wichtigsten Infektionskrankheiten weltweit. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkrankten allein im Jahr 2015 rund 214 Millionen Menschen durch den Malaria-Parasiten. Schätzungsweise 438.000 Menschen starben an den Folgen, rund 90 Prozent davon in Afrika. Nahezu drei Viertel der tödlichen Erkrankungen betreffen Kinder unter fünf Jahren. Seit mehr als 100 Jahren forschen Wissenschaftler an einem Impfstoff. Mit einer wirksamen Vakzine ließe sich Malaria einfacher kontrollieren, in stark betroffenen Gebieten könnten Impfkampagnen durchgeführt werden, um den Erreger zu eliminieren. Außerdem könnte ein Impfstoff die Ausbreitung von Resistenzen verhindern und Reisende besser schützen.

Weiterführende Informationen:
http://www.who.int/malaria/publications/world-malaria-report-2016/report/en/

Hochaufgelöste Versionen dieses und weiterer Fotos finden Sie unter:
http://www.pressefotos.uni-tuebingen.de/20170210_Malaria-Impfstoff_UT.zip

Ein Kurzvideo zum aktuellen Forschungsergebnis finden Sie unter:
http://www.pressefotos.uni-tuebingen.de/20170210_Malaria Video.zip

Die Infografik finden Sie unter:
http://www.pressefotos.uni-tuebingen.de/2017-02-10_Malaria_infografik_hk_print_4...

Publikation:
Benjamin Mordmüller, Güzin Surat, Heimo Lagler, Sumana Chakravarty, Andrew S. Ishizuka, Albert Lalremruata, Markus Gmeiner, Joseph J. Campo, Meral Esen, Adam J. Ruben, Jana Held, Carlos Lamsfus Calle, Juliana B. Mengue, Tamirat Gebru, Javier Ibáñez, Eric R. James, Peter F. Billingsley, Natasha KC, Anita Manoj, Tooba Murshedkar, Anusha Gunasekera, Abraham G. Eappen, Tao Li, Richard E. Stafford, MingLin Li, Phil L. Felgner, Robert A. Seder, Thomas L. Richie, B. Kim Lee Sim, Stephen L. Hoffman & Peter G. Kremsner: Sterile protection against human malaria by chemoattenuated PfSPZ vaccine, Nature, DOI: 10.1038/nature21060

Kontakt:
Prof. Dr. Peter Kremsner
Universitätsklinikum Tübingen / Universität Tübingen
Institut für Tropenmedizin
Telefon: +49 7071 29-87179
peter.kremsner@uni-tuebingen.de

PD Dr. Benjamin Mordmüller
Universitätsklinikum Tübingen / Universität Tübingen
Institut für Tropenmedizin
Telefon +49 7071 29-85446
benjamin.mordmueller@uni-tuebingen.de

Quelle: idw 

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Ivan Tolpe Award 2017 für BioEcoSIM-Projekt für beste Neuentwicklung in der Gülleverarbeitung

Dr. Claudia Vorbeck Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

Die Fraunhofer-Wissenschaftlerin Dr. Jennifer Bilbao erhielt am 9. Februar 2017 im belgischen Gent den Ivan Tolpe Award für Ihre Arbeiten im Rahmen des EU-Verbundprojekts BioEcoSIM. Darin wurde ein neuer Prozess zur Aufbereitung von Schweinegülle entwickelt, der es ermöglicht, daraus verschiedene Düngemittel und Bodenverbesserer herzustellen. Somit können Reststoffe aus der Landwirtschaft nachhaltig wieder nutzbar gemacht werden.

Der Ivan Tolpe Award 2017 geht an das von der EU geförderte Forschungsprojekt BioEcoSIM. Im Rahmen des Forschungsvorhabens entwickelten 14 Projektpartner aus vier europäischen Ländern zwischen Oktober 2012 und Dezember 2016 einen neuartigen Prozess zur Herstellung von Düngern und Bodenverbesserern aus Gülle. Koordiniert wurde das Projekt von Dr. Jennifer Bilbao. Die Wissenschaftlerin ist Leiterin der Forschungsgruppe Nährstoffmanagement am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart. In ihrer Funktion als Projektkoordinatorin nahm sie am 9. Februar 2017 den Ivan Tolpe Award im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung im belgischen Gent entgegen.

Die mit 2000 Euro dotierte Auszeichnung wird alle zwei Jahre vom Flemish Coordination Centre for Manure Processing (VCM) für wegweisende Entwicklungen in der Gülleverarbeitung vergeben. Die flämische Einrichtung mit Sitz in Brügge hat das Ziel, die nachhaltige Gülleverarbeitung in Flandern zu fördern. Hierfür bietet das VCM eine Plattform für den Austausch zwischen Politik und dem Landwirtschaftssektor. Der Ivan Tolpe Award wird in diesem Jahr zum zweiten Mal verliehen. Erstmals werden dabei auch überregionale und internationale Beiträge berücksichtigt. Benannt ist der Preis nach Ivan Tolpe, einem 2013 verstorbenen Pionier auf dem Gebiet der Gülleaufbereitung.

Aufgrund der enthaltenen Nährstoffe wird Gülle zur Düngung von landwirtschaftlichen Nutzflächen eingesetzt. Allerdings ist die Ausbringung von Gülle in Gegenden mit intensiver Tierhaltung, wie beispielweise einigen Regionen in Flandern, nicht immer möglich, da eine Überdüngung zu Verunreinigungen des Grundwassers durch Nitrat und des Bodens durch Phosphor verursachen kann. Aus diesem Grund muss die überschüssige Gülle - die aus 90 Prozent aus Wasser besteht - in weniger belastete Regionen mit Düngerbedarf exportiert werden. Das ist für die Landwirte teuer und bietet keine langfristige Lösung.

Deswegen sind Technologien gefragt, um Gülle so zu bearbeiten, dass die Nährstoffe in markfähige Produkte extrahiert werden, um negative Auswirkungen auf die Umwelt zu vermeiden und gleichzeitig Kosten zu reduzieren.

Hier setzte das EU-Verbundprojekt BioEcoSIM an. »Mit dem von uns entwickelten Verfahren lassen sich phosphorarme organische Bodenverbesserer sowie mineralische Düngesalze wie Ammoniumsulfat und Phosphatsalze aus der Gülle gewinnen«, erklärt Bilbao. »Auf dieser Basis können wir Dünger und Bodenverbesserer herstellen, die leicht zu handhaben, gut lagerfähig, mit der gängigen landwirtschaftlichen Technik ausbringbar und als Produkt vermarktbar sind.«

Ein weiterer Vorteil des Verfahrens: Die wiedergewonnenen Stoffe können auf eine nach Pflanzenart und Bodenbeschaffenheit abgestimmte Nährstoffzusammensetzung vermischt werden, sodass sich maßgeschneiderte Dünger für verschiedene Kunden und deren spezifische Anwendungen produzieren lassen. Der Gesamtprozess nutzt somit energieeffiziente Technologien und folgt dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft.

Im Projekt BioEcoSIM konnten verschiedene Verfahren zur Aufbereitung von Gülle zu hochwertigen Produkten entwickelt und als separate Module in einer Pilotanlage über ein Jahr lang erfolgreich getestet werden. Diese wurde in einen landwirtschaftlichen Betrieb in Kupferzell, Deutschland eingerichtet. Hier konnte auch Gülle aus Flandern aufbereitet und verwertet werden. Mit der Anlage gelang es, zu zeigen, dass aus einem Problemstoff durch ein kosteneffizientes Verfahren verschiedene Produkte gewonnen werden können.

Weitere Informationen:

http://www.igb.fraunhofer.de/de/forschung/kompetenzen/physikalische-prozesstechn...

Anhang
Presseinformation Ivan Tolpe Award 2017
https://idw-online.de/de/attachment56581

Quelle: idw 

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Wie viel Klimaschutz steckt im EEG?

Birgit Kruse Referat Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hamburg

2017 ist die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in Kraft getreten. Mit dem EEG soll der Ausstoß von Treibhausgasen verringert und damit das Klima geschützt werden. Welchen Effekt das EEG tatsächlich für den Klimaschutz hat, haben Prof. Dr. Grischa Perino und Dr. Johannes Jarke vom Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg untersucht. Sie kommen zu dem Schluss, dass angesichts des europäischen Treibhausgas-Handelssystems (EU-ETS) die Treibhausgasemissionen durch das EEG sogar steigen können.

Durch das EEG soll laut Bundeswirtschaftsministerium der Anteil erneuerbarer Energien von derzeit rund 32 Prozent auf 40 bis 45 Prozent im Jahr 2025 und auf 55 bis 60 Prozent im Jahr 2035 steigen. In ihrem Klimaschutzplan hat sich die Bundesregierung außerdem verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2050 im Vergleich zu 1990 um 80 bis 95 Prozent zu vermindern.

Doch durch das europäische Emissionshandelssystem (EU ETS) ist die Obergrenze an Treibhausgasemissionen verbindlich festgelegt. Das EU-ETS erfasst europaweit rund 12.000 Anlagen der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie sowie alle innereuropäischen Flüge. Die Betreiber der Anlagen, die dem EU-ETS unterliegen, müssen für jede ausgestoßene Tonne CO2 ein Zertifikat abgeben. Emissionsrechte, die nicht benötigt werden, werden an andere teilnehmende Unternehmen verkauft oder für die Zukunft gespart. Eine Reduzierung der Emissionen in der deutschen Stromerzeugung verschiebt die Emissionen also lediglich an eine andere Stelle. Das hat auch das Gutachten Anfang Februar 2017 vorgestellte Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats des Bundeswirtschaftsministeriums noch einmal betont.

Die Hamburger Forscher zeigen in ihrer gerade im „Journal of Environmental Economics and Management" erschienenen Studie: Werden die erneuerbaren Energien durch einen Aufschlag auf den Strompreis finanziert, wie dies in Deutschland mit der EEG-Umlage der Fall ist, können die Treibhausgasemissionen insgesamt sogar steigen. Der Grund: Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist Strom durch die Energiewende deutlich teurer geworden, so dass sie vermehrt fossile Energieträger in Bereichen nutzen, die nicht dem EU ETS unterliegen, und damit die Gesamtemissionen erhöhen. Eine Finanzierung der Energiewende über das Steuersystem würde diesen Effekt vermeiden.

Professor Perino: „Der Ausbau erneuerbarer Energien im Stromsektor ist ein zentraler Bestandteil der Energiewende und damit der Klimapolitik der Bundesregierung. Intuitiv erscheint das sehr sinnvoll. Auf den zweiten Blick sind die Zusammenhänge aber deutlich komplexer. Insbesondere die Wechselwirkungen mit dem Emissionshandel stellen derzeit so manche Intuition auf den Kopf. Eine regelgebundene Flexibilisierung der Emissionsobergrenze im Emissionshandel, wie auch vom Umweltbundesamt und dem Wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums gefordert, ist daher für die Klimawirkung des EEG entscheidend."

Für Rückfragen:
Prof. Dr. Grischa Perino
Universität Hamburg
Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Fachbereich Sozialökonomie
Tel.: +49 40 42838-8767
E-Mail: grischa.perino@wiso.uni-hamburg.de

Originalartikel:
Do Renewable Energy Policies Reduce Carbon Emissions? On Caps and Inter-Industry Leakage". Journal of Environmental Economics and Management, DOI: 10.1016/j.jeem.2017.01.004.

Weitere Informationen:
https://www.uni-hamburg.de/presse/pressemitteilungen/2017/pm12.html

Quelle: idw 

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Elektrischer Antrieb zum Mitnehmen

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Ingenieure der Forschungseinrichtung TUMCREATE in Singapur haben einen Elektromotor entwickelt, der an fast jedes Fahrrad angebracht werden kann und es so in ein Pedelec verwandelt. Das Gerät ist so leicht, dass es vor und nach Gebrauch ohne Probleme mitgenommen werden kann. Einen ersten Prototyp haben die Forscher bereits getestet.

Gerade in Großstädten nutzen viele Menschen ihr Fahrrad für den Weg zur Arbeit. Je nach Wetter, Streckenverlauf oder Stimmung kann das Radeln ziemlich anstrengend sein. Viele Radler würden sich für diese Situationen einen Elektromotor wünschen. Ein herkömmliches Pedelec (Pedal Electric Cycle) ist aber vielen Menschen zu teuer, um es für die tägliche Fahrt zu nutzen und es vergleichsweise ungeschützt am Bahnhof oder Arbeitsplatz abzustellen.

Felix Römer, Doktorand bei TUMCREATE in Singapur - eine gemeinsame Forschungseinrichtung der TUM und der Nanyang Technological University (NTU) - radelt selbst fast jeden Tag zur nächsten U-Bahn-Station, um von dort weiter zu Arbeit zu pendeln. Bei dem schwülen Klima in Singapur ist das Radfahren nicht immer ein Vergnügen. So entwickelte Römer die Idee eines flexiblen Elektromotors, der einfach an jedes Rad angebracht werden kann.

Viele Komponenten in einem Gehäuse
"Es gibt bereits einige Ansätze in diese Richtung, aber bei diesen sind meist Veränderungen am Fahrrad nötig", sagt Römer. "Diesen Aufwand scheuen viele." Zudem passen diese Einheiten oft nur an spezielle Fahrräder oder Felgen. Römer und die Masterstudenten Marius Mrosek und Simon Schmalfuss entwickelten daher ein komplett eigentständiges Gerät.

Die größte Herausforderung für das Team war es, die benötigten Komponenten wie Motor, Akku und Sensoren kompakt in einem Gehäuse unterzubringen. "Wir brauchen zum Beispiel optische Sensoren, die erkennen, dass die Pedalen getreten werden", sagt Römer. Bei den meisten Pedelecs sind diese Sensoren fest im Tretlager verbaut. "Es hat sehr viel Zeit und Mühe gekostet, bis alles ohne Kabel oder Zusatzeinheit funktioniert hat." Die Erkennung der Pedalenbewegung ist notwendig, um die Gesetzesvorgaben für Pedelecs zu erfüllen. Pedelecs sind dem Fahrrad rechtlich gleichgestellt, sie dürfen ohne Versicherungskennzeichen, Zulassung und Führerschein gefahren werden.

In dem Gerät ist ein Lithiumakku verbaut, der je nach Beanspruchung eine Reichweite von bis zu 50 Kilometern hat und innerhalb von wenigen Stunden wieder aufgeladen werden kann. Der Motor hat eine Leistung von 250 Watt und schaltet sich automatisch aus, wenn eine Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern erreicht wurde - auch dies ist eine der Vorgaben für Pedelecs.

In weniger als zehn Sekunden montiert
Die Ingenieure haben bereits einen funktionstüchtigen Prototyp entwickelt. Dieser wiegt 3,5 Kilogramm und kann an einem Gelenk in der Mitte zusammengeklappt werden. Die Fahrer können das Gerät so einfach im Rucksack verstauen.

Die Befestigung erfolgt mithilfe einer Kabelschlaufe, die im Rahmen verhakt und mit einem drehbaren Knauf angebracht wird - in weniger als zehn Sekunden. "Wenn man die Einheit abnimmt, bleibt nichts am Fahrrad zurück", sagt Römer. In langer Tüftelarbeit hatten die Wissenschaftler die Einheit so konstruiert, dass sie zu verschiedenen Rahmenformen passt. Sie kann gleichermaßen an beiden Seiten des Fahrrads angebracht werden. Welche Seite gewählt wurde, erkennt das Gerät automatisch.

Praktische Lösung für Pendler
Als Konkurrenzprodukt zu den herkömmlichen Pedelecs sieht Römer "ease" nicht. "Unser Produkt ist für Personen geeignet, deren täglicher Arbeitsweg zu weit zum Fahrradfahren ist, für die sich eine Anschaffung eines teuren Pedelecs mit hoher Reichweite jedoch nicht lohnt."

Das Team arbeitet bereits an Verbesserungen. "Wir haben nach den ersten Tests Rückmeldungen bekommen, dass einige Fahrer mit den Schuhen an die Einheit gestoßen sind", sagt Römer. Die ersten Fehler werden nun ausgebessert und die Einheit optimiert. Für weitere Entwicklungen hoffen die Wissenschaftler auf die Kooperation mit einem Industriepartner. Erst dann sei es auch möglich abzuschätzen, wie viel "ease" kosten wird. Auf ihre Erfindung haben die Wissenschaftler ein Patent angemeldet.

Weitere Informationen:
http://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/33698/

Quelle: idw 

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Rezeptur aus der Nanowelt für saubereres Trinkwasser

Thomas Joppig Brand Management, Marketing & Communications
Jacobs University Bremen gGmbH

Zu viel Gülle, zu viele Düngemittel: An vielen Orten in Deutschland beeinträchtigt die intensive Landwirtschaft die Wasserqualität. Die Nitratwerte im Grundwasser sind zu hoch. Ein Forscherteam der Jacobs University um den Chemiker Prof. Dr. Ulrich Kortz hat jetzt im Labor einen neuen Weg gefunden, wie die Nitratbelastung im Wasser reduziert werden kann - mithilfe von sogenannten Polyoxometallaten, kurz: POMs.

POMs sind Geschöpfe der Nanowelt. Es handelt sich um molekulare Metall-Sauerstoff-Verbindungen, die im Labor mithilfe der Reaktion von verschiedenen Substanzen in Wasser hergestellt werden, oftmals unter erstaunlich simplen Bedingungen. Der Chemieprofessor Ulrich Kortz und sein Team gehören zu den weltweit führenden auf dem Gebiet der Synthese neuartiger POMs. Von einer „magischen Rezeptur", spricht Kortz, wenn es darum geht die exakten Synthesebedingungen für ein POM zu identifizieren, welches robust und lösungsstabil ist.

In dem konkreten Fall haben die Forscher mit einem bestimmten POM gearbeitet, welches eine vakante Stelle in der Gerüststruktur aufweist. Diese Vakanz haben sie systematisch mit verschiedenen Metallatomen gefüllt, und dann untersucht, wie die so angereicherten POMs den elektrokatalytischen Abbau von Nitrat in Wasser beeinflussen. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass die POMs mit Kobalt und Zink eher unauffällig blieben. Der Einbau von Kupfer oder Nickel erwies sich jedoch als ausgesprochen effektiv: Das nickelhaltige POM senkte den Nitratgehalt um den Faktor 4, und das kupferhaltige POM sogar um den Faktor 50.

Von einem „hochinteressanten Resultat" spricht Grundlagenforscher Kortz. Er setzt auch deshalb große Hoffnungen in die Methode, weil die Nitratreduktion mithilfe von POMs weniger Kohlendioxid emittiert als herkömmliche Verfahren, also umweltfreundlicher ist. Weitere Untersuchungen sollen nun klären, ob und wie sich die Methode zielsicher im Alltag einsetzen lässt.

Die Nitratbelastung im Grundwasser ist ein seit langem bekanntes Problem in Deutschland. Laut dem Nitratbericht 2016 der Bundesregierung weisen fast ein Drittel der Messstellen für die Grundwasserqualität zu hohe Nitratwerte auf. Verantwortlich dafür ist vor allem der übermäßige Einsatz von Stickstoffdüngern in der Landwirtschaft. Ist das Grundwasser zu stark mit Nitrat belastet, muss es für die Trinkwasserversorgung verdünnt oder das Nitrat technisch reduziert beziehungsweise beseitigt werden. Der erlaubte Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter.

Kortz und sein internationales Team, zu dem auch Wissenschaftler aus China, Indien, Libanon, Pakistan, Simbabwe und Japan gehören, haben ihre Ergebnisse jüngst in dem European Journal of Inorganic Chemistry veröffentlicht. Wie diese POMs entwickelt und für diese Anwendung maßgeschneidert wurden, zeigt auch sehr anschaulich ein kurzer Film unter: https://vimeo.com/198758996

Weitere Informationen:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ejic.201601354/epdf
http://ukortz.user.jacobs-university.de
http://www.jacobs-university.de

Fragen beantwortet:
Ulrich Kortz | Professor für Chemie
u.kortz@jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-3235

Über die Jacobs University:
Die Jacobs University ist eine private, unabhängige, englischsprachige Universität in Bremen. Hier studieren junge Menschen aus der ganzen Welt in Vorbereitungs-, Bachelor-, Master- und PhD-Programmen. Internationalität und Transdisziplinarität sind die besonderen Kennzeichen der Jacobs University: Forschung und Lehre folgen nicht einem einzigen Lösungsweg, sie gehen Fragestellungen aus der Perspektive verschiedener Disziplinen an. Dieses Prinzip macht Jacobs Absolventen zu begehrten Nachwuchskräften, die erfolgreich internationale Karrierewege einschlagen.

Kontakt:
Thomas Joppig | Brand Management, Marketing & Communications
t.joppig@jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-4504

Quelle: idw 

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Weniger Sauerstoff in allen Meeren

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Der aktuell zu beobachtende globale Wandel lässt Wassertemperaturen steigen und verändert die Ozeanzirkulation. Das sorgt unter anderem dafür, dass weniger Sauerstoff im Oberflächenwasser der Meere gelöst ist und weniger Sauerstoff in die Tiefsee gelangt - mit weitreichenden Folgen für die Organismen im Meer. In der internationalen Fachzeitschrift Nature veröffentlichen Ozeanographen des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel jetzt die bisher umfassendste Analyse zum Sauerstoffverlust in den Weltmeeren und deren Ursache.

Nicht nur für an Land lebende Tiere und Pflanzen ist Sauerstoff eine existenzielle Lebensgrundlage. Auch nahezu alle Organismen im Ozean können ohne ihn nicht existieren. Doch der zu beobachtende Anstieg der Wassertemperaturen sorgt gleich in doppelter Weise für eine schlechtere Sauerstoffversorgung der Meere. Wärmeres Oberflächenwasser nimmt weniger Sauerstoff auf als kälteres Wasser. Hinzu kommt, dass es die Schichtung des Wassers stabilisiert. Das schwächt die Umwälzbewegung, so dass weniger Sauerstoff in große Tiefen transportiert wird. Daher sagen viele Modellrechnungen bei einer weltweiten Erwärmung eine Abnahme des Sauerstoffgehalts in den Ozeanen voraus. Die erste globale Auswertung von historischen Messungen in vielen Meeresregionen scheint diesen Trend zu bestätigen und deutet auf erste Folgen der globalen Erwärmung hin.

In dem renommierten Wissenschaftsjournal Nature veröffentlichen die Ozeanographen Dr. Sunke Schmidtko, Dr. Lothar Stramma und Prof. Dr. Martin Visbeck vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel jetzt die bisher umfassendste Studie zum globalen Sauerstoffgehalt in den Weltmeeren. Sie zeigt, dass er in den vergangenen 50 Jahren um mehr als zwei Prozent abgenommen hat. „Da insbesondere große Fische Gebiete mit geringem Sauerstoffgehalt meiden beziehungsweise dort nicht überleben, können diese Veränderungen weitreichende biologische Folgen haben", sagt Dr. Schmidtko, der Erstautor der Studie.

Die Forschergruppe nutzte für ihre Arbeit alle weltweit vorhandenen Sauerstoffdaten, ergänzte sie mit aktuellen Messungen und verfeinerten die Interpolationsverfahren, um die Entwicklung des Sauerstoffgehalts in den Ozeanen über ein halbes Jahrhundert hinweg genauer zu rekonstruieren. In einzelnen Gebieten konnte schon vorher mit Beobachtungsdaten nachgewiesen werden, dass in den oberen Wasserschichten weniger Sauerstoff zur Verfügung steht als noch vor einigen Jahrzehnten. „Für den gesamten Ozean war dieser Nachweis aber schwieriger, da viel weniger Sauerstoff-Messdaten aus entlegenen Regionen und aus dem tiefen Ozean existieren", erklärt Dr. Schmidtko, „wir konnten jetzt zum ersten Mal die Sauerstoffverteilung und deren Änderung im gesamten Weltozean dokumentieren - das ist eine wesentliche Voraussetzung, um die Prognosen für den Ozean der Zukunft zu verbessern".

Die Studie zeigt auch, dass mit Ausnahme von einigen wenigen Regionen der Sauerstoffgehalt im Untersuchungszeitraum überall im Ozean abnahm. Den größten Verlust konnten die Ozeanographen im Nordpazifik ausmachen. „Während die geringe Sauerstoffabnahme in der Atmosphäre zurzeit als unkritisch angesehen wird, kann die Sauerstoffabnahme im Ozean wegen der ungleichmäßigen Verteilung durchaus weitreichende Konsequenzen haben. In fischreichen küstennahen Gebieten wären diese Konsequenzen ökologisch, aber auch wirtschaftlich zu spüren", betont der Koautor Dr. Lothar Stramma.

„Mit Messungen alleine können wir allerdings nicht sämtliche Ursachen erklären", räumt Koautor Professor Martin Visbeck ein, „auch natürliche Prozesse, die auf Zeitskalen von einigen Jahrzehnten auftreten, könnten an der beobachteten Abnahme mit Schuld sein." Allerdings, so der Ozeanograph weiter, sei das Ergebnis konsistent mit den meisten Modellrechnungen, die aufgrund höherer Kohlendioxid-Konzentrationen und den damit verbundenen höheren Temperaturen im Ozean und der Atmosphäre eine weitere Abnahme des Sauerstoffs in den Meeren prognostizieren.

Die vorgestellten Messergebnisse sind ein wichtiges Ergebnis für die laufenden Arbeiten im Sonderforschungsbereich 754 „Klima - biogeochemische Wechselwirkungen im tropischen Ozean", den die Deutsche Forschungsgemeinschaft an der Kieler Christian-Albrechts-Universität und am GEOMAR fördert. Der SFB 754 soll helfen, das Wechselspiel von Klima und Biogeochemie des tropischen Ozeans besser zu verstehen. „Vier Expeditionen mit dem deutschen Forschungsschiff METEOR widmen sich ab Anfang März der tropischen Sauerstoffminimumzone im Ostpazifik vor Peru. Dabei werden wir weitere Daten zur regionalen Entwicklung gewinnen, die uns auch helfen, die globalen Trends besser zu verstehen", betont Dr. Stramma, der Expeditionskoordinator für den SFB ist.

Hinweis:
Die Arbeiten für diese Studie wurden unterstützt durch das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziertes Projekt MIKLIP (http://www.geomar.de/nc/forschen/fb1/fb1-po/projekte/miklip/) sowie durch den von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Sonderforschungsbereich 754 „Klima - Biogeochemische Wechselwirkungen im tropischen Ozean".

Originalarbeit:
Schmidtko, S., L. Stramma und M. Visbeck (2017): Decline in global oxygen content during the past five decades. Nature, http://dx.doi.org/10.1038/nature21399

Weitere Informationen:
http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.ocean-oxygen.org/ Webseite zum Sauerstoffbudget des Ozeans
http://www.sfb754.de Der Sonderforschungsbereich 754

Quelle: idw 

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Pizza, Burger und Co.: Eine fettreiche Mahlzeit kann den Stoffwechsel schädigen und den Weg

Birgit Niesing Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

Die weltweite Ausbreitung von Übergewicht, Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes wird häufig mit dem Verzehr gesättigter Fette in Verbindung gebracht. Wissenschaftler am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) und am Helmholtz Zentrum München (HMGU) haben herausgefunden, dass bereits die einmalige Aufnahme einer größeren Menge Palmöl die Empfindlichkeit des Körpers für Insulin verringert sowie vermehrte Fetteinlagerungen und Veränderungen im Energiestoffwechsel der Leber hervorruft. Die Studienergebnisse geben Aufschluss über die frühesten Veränderungen im Leberstoffwechsel, welche langfristig zu Fettlebererkrankungen bei Übergewicht und Typ-2-Diabetes führen können.

Düsseldorf (DDZ) - In der aktuellen Ausgabe von „The Journal of Clinical Investigation" veröffentlichten DZD-Forscher des Deutschen Diabetes-Zentrums gemeinsam mit dem Helmholtz Zentrum München und portugiesischen Kollegen eine Untersuchung an gesunden, schlanken Männern, die nach dem Zufallsprinzip einmal ein aromatisiertes Palmöl-Getränk und ein anderes Mal ein Glas mit klarem Wasser als Kontrollexperiment erhielten. Das Palmöl-Getränk enthielt eine ähnliche Menge an gesättigtem Fett wie zwei Cheeseburger mit Speck und eine große Portion Pommes Frites oder wie zwei Salami-Pizzen. Die Wissenschaftler zeigten, dass diese einzige fettreiche Mahlzeit ausreicht, um die Insulinwirkung zu vermindern, d. h. Insulinresistenz hervorzurufen und den Fettgehalt der Leber zu erhöhen. Zudem konnten Veränderungen im Energiehaushalt der Leber nachgewiesen werden. Die beobachteten Stoffwechselveränderungen gleichen den Veränderungen, wie sie bei Menschen mit Typ-2-Diabetes oder nichtalkoholischer Fettlebererkrankung (NAFLD) beobachtet werden. NAFLD ist die häufigste Lebererkrankung in den Industrienationen und mit Fettleibigkeit, dem sogenannten „Metabolischen Syndrom", und erhöhtem Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden. Des Weiteren kann die NAFLD in fortgeschrittenen Stadien zu schweren Leberschädigungen führen.

„Überraschend war, dass eine einzige Palmöl-Dosis bei gesunden Menschen so schnell und direkt Auswirkungen auf die Leber hat und durch die verabreichte Fettmenge bereits eine Insulinresistenz ausgelöst wird", erklärt Prof. Dr. Michael Roden, Wissenschaftlicher Geschäftsführer und Vorstand am DDZ und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). „Eine Besonderheit unserer Untersuchung ist, dass wir den Leberstoffwechsel von Menschen mit einer überwiegend nichtinvasiven Technologie, d. h. durch eine Magnetresonanzspektroskopie, überprüft haben. Diese erlaubt es, die Zucker- und Fettspeicherung sowie den Energiestoffwechsel der Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle) beim Menschen zu verfolgen." Dank neuer Untersuchungsmethoden wiesen die Wissenschaftler nach, dass die Einnahme des Palmöls Muskeln, Leber und Fettgewebe in ihrer Stoffwechselaktivität beeinträchtigt. So führt die hervorgerufene Insulinresistenz zu einer vermehrten Zuckerneubildung in der Leber und einer gleichzeitig verminderten Zuckeraufnahme in der Skelettmuskulatur, ein Mechanismus der bei Typ-2-Diabetes und seinen Vorstufen den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt. Zudem bewirkt die Insulinresistenz des Fettgewebes eine vermehrte Freisetzung von Fetten in die Blutbahn, welche wiederum die Insulinresistenz weiter fördern. Die erhöhte Verfügbarkeit von Fett führt dadurch zu einer gesteigerten Arbeitslast der Mitochondrien, was langfristig diese zellulären Kraftwerke überfordern und zur Entstehung einer Lebererkrankung beitragen kann.
Das Team um Prof. Roden vermutet, dass gesunde Menschen diese unmittelbaren Auswirkungen der fettreichen Nahrung auf den Stoffwechsel je nach Prädisposition der Gene leicht bewältigen können. Problematisch könnten jedoch die langfristigen Folgen für regelmäßige Esser solcher fettreichen Mahlzeiten sein.

Diese Arbeit wird unter anderem durch das Bundesgesundheitsministerium, das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (Deutsches Zentrum für Diabetesforschung e.V.), sowie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) und die Schmutzler-Stiftung gefördert.

Originalpublikation:
Elisa Álvarez Hernández, Sabine Kahl, Anett Seelig, Paul Begovatz, Martin Irmler, Yuliya Kupriyanova, Bettina Nowotny, Peter Nowotny, Christian Herder, Cristina Barosa, Filipa Carvalho, Jan Rozman, Susanne Neschen, John G. Jones, Johannes Beckers, Martin Hrabě de Angelis and Michael Roden, Acute dietary fat intake initiates alterations in energy metabolism and insulin resistance, J Clin Invest. 2017., 23. Januar 2017.
doi:10.1172/JCI89444.

Das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) versteht sich als deutsches Referenzzentrum zum Krankheitsbild Diabetes. Ziel ist es, einen Beitrag zur Verbesserung von Prävention, Früherkennung, Diagnostik und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Gleichzeitig soll die epidemiologische Datenlage in Deutschland verbessert werden. Federführend leitet das DDZ die multizentrisch aufgebaute Deutsche Diabetes-Studie. Es ist Ansprechpartner für alle Akteure im Gesundheitswesen, bereitet wissenschaftliche Informationen zum Diabetes mellitus auf und stellt sie der Öffentlichkeit zur Verfügung. Das DDZ gehört der „Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz" (WGL) an und ist Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD e.V.).

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V. ist eines der sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind das Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-Langerhans-Institut Dresden des Helmholtz Zentrum München am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München sowie weitere Projektpartner. Weitere Informationen: www.dzd-ev.de

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. Das Helmholtz Zentrum München ist Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung e.V. Weitere Informationen: www.helmholtz-muenchen.de

Aktuelle Pressemitteilungen des DDZ finden Sie im Internet unter www.ddz.uni-duesseldorf.de

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Ansprechpartner am DDZ für weitere Fragen ist:
Christina A. Becker
Pressesprecherin
Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ)
Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung
an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Tel.: 0211-3382-450
E-Mail: Christina.Becker@ddz.uni-duesseldorf.de

Quelle: idw 

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Frauen liegen bei Renten zurück - Angleichung künftig vor allem durch sinkende Renten bei Männern

Rainer Jung Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Neue Studie zum Gender Pension Gap

Bei der Altersversorgung ist die Kluft zwischen Männern und Frauen in Deutschland noch deutlich größer als bei den Löhnen. In Westdeutschland fällt der so genannte Gender Pension Gap zudem fast doppelt so hoch aus wie im Osten.

In Zukunft wird der Abstand zwar schrumpfen. Doch das hat nur zum kleineren Teil mit einer besseren Altersversorgung von Frauen zu tun.

Vor allem liegt es daran, dass künftig die durchschnittliche gesetzliche Rente von Männern im Vergleich zu heutigen Rentnern geringer sein wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie.* Eine Forschergruppe des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) um den Ökonomen Dr. Markus Grabka hat dafür geschlechtsspezifische Unterschiede bei der gesetzlichen Rente analysiert. Die Untersuchung basiert auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels und der Rentenversicherung.

Der Studie zufolge erhielten westdeutsche Männer im Ruhestand 2014 monatlich im Schnitt 994 Euro und damit 418 Euro oder 42 Prozent mehr aus der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) als die weiblichen Ruheständler. In den neuen Bundesländern, wo die Männer im Schnitt auf 1.057 Euro kommen, betrug die Differenz 239 Euro oder 23 Prozent.

Verantwortlich für den Rückstand der Frauen seien in erster Linie Unterschiede beim sozialversicherungspflichtigen Arbeitsentgelt, schreiben die DIW-Wissenschaftler. Im Schnitt verdienten Arbeitnehmerinnen deutlich weniger als Arbeitnehmer - unter anderem, weil sie öfter in schlecht bezahlten Berufen tätig sind, seltener in Führungspositionen gelangen und häufiger in Teilzeit arbeiten. Hinzu komme, dass Frauen wesentlich häufiger als Männer ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen, um sich um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu kümmern. Infolgedessen übertreffe der Gender Pension Gap deutlich den Gender Pay Gap, der zuletzt deutschlandweit bei 21 Prozent (West 23 Prozent, Ost 8 Prozent) lag.

Die Unterschiede sind in den ärmeren Einkommensschichten besonders stark ausgeprägt: Bei Westdeutschen der Jahrgänge 1936 bis 1945 variiert die geschlechtsspezifische Differenz bei der Rente zwischen 40 Prozent im Zehntel mit dem höchsten Rentenanspruch und 75 Prozent im Zehntel mit der niedrigsten Rente. Nach Ansicht der Autoren dürfte das mit den vielen teilzeitbeschäftigten und nicht erwerbstätigen Frauen in der unteren Hälfte der Verteilung zusammenhängen.

Im Verlauf der letzten beiden Jahrzehnte ist der Gender Pension Gap langsam kleiner geworden. Das zeigt ein Blick auf Neurentnerinnen und Neurentner: 1995 lag der Abstand zwischen westdeutschen Männern und Frauen, die erstmals eine Rente der GRV bezogen, noch bei 48 Prozent. 2014 waren es 39 Prozent. Im Osten, wo die Differenzen durchgehend kleiner sind, ging die geschlechtsspezifische Lücke von 33 auf 10 Prozent zurück. Als maßgeblichen Grund nennen die Ökonomen die gestiegene Frauenerwerbstätigkeit, eine zunehmend bessere Ausbildung von Frauen und einen wenn auch langsam sinkenden Gender Pay Gap.

- Blick in die Zukunft: Renten der Männer sinken, die von Frauen steigen nur im Westen -

In Zukunft wird aber noch ein anderer Faktor bei der Angleichung an Gewicht gewinnen: sinkende Rentenansprüche bei Männern. Mithilfe eines Simulationsmodells haben die Experten auch berechnet, was heute Berufstätigen im Alter finanziell blüht. Männern in Ost und West, die zwischen 1966 und 1970 geboren wurden, drohen demnach geringere Alterseinkommen im Vergleich zu heute bereits Verrenteten. Ihre gesetzlichen Rentenansprüche im Alter von 65 Jahren werden nach den Berechnungen im Westen um monatlich rund 170 Euro niedriger liegen als bei Männern der Geburtsjahrgänge 1936 bis 1945. Im Osten dürfte der Rückgang sogar 220 Euro betragen. Die Gründe: häufigere Erwerbsunterbrechungen, längere Ausbildung, mehr Teilzeit. Bei den westdeutschen Frauen wird die zunehmende Erwerbsbeteiligung zu etwas höheren durchschnittlichen Rentenansprüchen führen, während es im Osten, wo die weibliche Erwerbsbeteiligung bereits zu DDR-Zeiten relativ hoch war, kaum Veränderungen gibt. Gesamtdeutsch dürfte der Gender Pension Gap bei den Jahrgängen 1966 bis 1970 im Vergleich zu den 1936 bis 1945 Geborenen 15 Prozentpunkte geringer ausfallen.

Um die eigenständige Altersversorgung von Frauen weiter zu stärken, empfehlen die Forscher den Ausbau einer unterstützenden Infrastruktur für Familien. Dies würde es vor allem Frauen ermöglichen, ihre Arbeitszeit auch mit Sorgeverpflichtung aufrecht zu erhalten und Erwerbsunterbrechungen zu begrenzen. Darüber hinaus gelte es, alle Säulen der Alterssicherung im Auge zu behalten. Die gesetzliche Rente, die bei Frauen der Jahrgänge 1966 bis 1970 im Schnitt bei knapp über 700 Euro liegen wird, dürfte allein kaum vor Altersarmut schützen. Schon gar nicht, wenn das Rentenniveau künftig deutlich sinken sollte. Allerdings gebe es bislang auch bei der betrieblichen Altersvorsorge einen Gender Pension Gap, so die Forscher.

Kontakt in der Hans-Böckler-Stiftung
Dr. Dorothea Voss
Leiterin Abteilung Forschungsförderung
Tel.: 0211-7778-194
E-Mail: Dorothea-Voss@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Weitere Informationen:
http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.551601.de/17-5.pdf - Quelle: Markus Grabka, Björn Jotzo, Anika Rasner, Christian Westermeier: Der Gender Pension Gap verstärkt die Einkommensungleichheit von Männern und Frauen im Rentenalter. In: DIW Wochenbericht 5/2017.

Quelle: idw 

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Darmspiegelung schon ab 50 - vor allem für Männer

Dr. Stefanie Seltmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum

Ab dem Alter von 55 Jahren haben gesetzlich Krankenversicherte Anspruch auf eine Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs. Eine gemeinsame Studie vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), der AOK Baden-Württemberg, der Bosch BKK und MEDI Baden-Württemberg legt nun nahe, diese Altersgrenze zu senken: Die Untersuchung ist routinemäßig schon ab dem Alter von 50 sinnvoll - insbesondere für Männer.

2002 wurde die Vorsorge-Darmspiegelung in das Krebs-Früherkennungsprogramm der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen. Ab dem Alter von 55 Jahren haben Versicherte Anspruch auf die Untersuchung, bei der eventuell entdeckte Krebsvorstufen sogleich entfernt werden können. Seither ist die Darmkrebs-Neuerkrankungsrate deutlich zurückgegangen - und zwar ausschließlich in der Altersgruppe, der das Screening angeboten wird.

„In den ersten zehn Jahren haben mehr als vier Millionen Menschen an einer Vorsorge-Darmspiegelung teilgenommen. Das hat nach unseren Berechnungen etwa 180.000 Darmkrebsfälle verhindert", sagt Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Der Heidelberger Präventionsexperte und seine Kooperationspartner suchen nach Möglichkeiten, diese Rate noch weiter zu verbessern.

Bei Menschen ohne familiäre Belastungen tritt Darmkrebs vor dem Alter von 50 Jahren äußerst selten auf. Danach steigt die Erkrankungsrate kontinuierlich an. Nationale und internationale Leitlinien empfehlen daher die Krebsvorsorge bereits ab 50 Jahren. „Durch die Zusammenarbeit mit der AOK Baden-Württemberg, der Bosch BKK und MEDI Baden-Württemberg hatten wir erstmals die Möglichkeit, an einer großen Bevölkerungsgruppe zu prüfen, welche Ergebnisse mit dem Angebot der Vorsorge-Darmspiegelung ab 50 Jahren zu erzielen sind", so Brenner.

Insgesamt 84.726 Versicherte der AOK Baden-Württemberg im Alter zwischen 50 und 54 Jahren erhielten in den Jahren 2014 und 2015 eine persönliche Einladung zu einer Früherkennungs-Darmspiegelung. Eingeladen wurden ausschließlich Personen, die in den Jahren zuvor keine Darmspiegelung beansprucht hatten, nicht an Krebs erkrankt und in das Hausarzt- oder das Facharztprogramm der AOK eingeschrieben waren.

1,9 Prozent der Angeschriebenen leisteten der Einladung Folge. Bei den insgesamt 1396 Untersuchungen wurden in 6,8 Prozent der Fälle Darmkrebs oder Darmkrebsvorstufen, so genannte fortgeschrittene Adenome, entdeckt und abgetragen.

Die Untersuchung offenbarte einen deutlichen Unterschied zwischen den Geschlechtern: Während bei nur 4,5 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe Darmkrebs oder Vorstufen gefunden wurden, traten sie bei Männern mit 8,6 Prozent fast doppelt so häufig auf. Das heißt, die Ärzte entdeckten bei jeder zwölften Untersuchung von Männern zwischen 50 und 54 eine verdächtige Gewebeveränderung. Dagegen müssten bei Frauen dieser Altersgruppe 22 Darmspiegelungen durchgeführt werden, um einen relevanten Befund zu entdecken.

„Damit sind Darmkrebs und seine Vorstufen bei Männern dieser Altersgruppe sogar häufiger als bei den 55 bis 69-jährigen Frauen, bei denen die Darmspiegelung ganz selbstverständlich zum Krebsfrüherkennungsangebot gehört. Das ist ein überzeugender Grund dafür, die Altersgrenze für die Vorsorge-Koloskopie zumindest bei Männern schon vom 50. Geburtstag an routinemäßig anzubieten", ist das Fazit Hermann Brenners. Andere Länder, etwa Österreich, haben die Vorsorgeuntersuchung bereits ab 50 Jahren in ihr Krebsfrüherkennungsprogramm aufgenommen.

Seit 2017 ist ein Einladungsverfahren für die Früherkennung durch die Darmspiegelung ab dem Alter von 55 gesetzlich vorgesehen. Bundesweiter Vorreiter ist dabei seit Jahren das Facharztprogramm Gastroenterologie von AOK Baden-Württemberg und Bosch BKK. Dort wird das Einladungsschreiben bereits seit 2011 für Teilnehmer ab dem 55. Geburtstag und seit 2014 für Teilnehmer ab dem 50. Geburtstag umgesetzt.

Die Studienergebnisse bestätigen den Beteiligten die Richtigkeit des Weges: „Es wird eindeutig belegt, wie unverzichtbar Früherkennung bei Darmkrebs gerade auch bei Jüngeren ist. Wer an unserem Haus- und Facharztprogramm teilnimmt, kann die kostenlose Darmspiegelung bereits ab 50 Jahren in Anspruch nehmen. Ich empfehle dies nachdrücklich", so der Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann.

Hermann Brenner, Nadine Zwink, Leopold Ludwig, Michael Hoffmeister: Sollte die Vorsorgekoloskopie bereits ab 50 Jahren angeboten werden? Befunde eines landesweiten Modellprojekts und Ergebnisse einer randomisierten Interventionsstudie.
Deutsches Ärzteblatt 2017, 114(6): 94-100; DOI: 10.3238/arztebl.2017.0094

Ein Bild zur Pressemitteilung steht zum Download zur Verfügung unter:
http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2017/bilder/Darmkrebs.jpg

www.dkfz.de

Quelle: idw 

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Manche Arten mögen's nass - Schutz von Mooren und Feuchtgebieten fördern

Franz-Georg Elpers Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Start von 78 Einzelmaßnahmen zum Management des Wasserhaushalts auf DBU-Naturerbefläche Prora auf Rügen

Binz. „Der Rückgang der Moore und Feuchtgebiete durch flächendeckende Trockenlegung hat ganze Landschaften in Deutschland stark verändert. Feuchtigkeitsliebende Tier- und Pflanzenarten werden gebietsweise immer seltener", sagte Dr. Heinrich Bottermann, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), anlässlich des Welttags der Feuchtgebiete am 2. Februar. Der Jahrestag wird seit 1997 begangen und erinnert an das Übereinkommen zum Schutz von Feuchtgebieten der UNESCO, auch Ramsar-Vereinbarung genannt. Die Erhaltung und Wiederherstellung von artenreichen Lebensgemeinschaften in Feuchtgebieten gehört zu den zentralen Aufgaben der gemeinnützigen DBU-Naturerbe-Tochter auf ihren bundesweit 70 Flächen, die zum Nationalen Naturerbe gehören.

Schutz von Feuchtgebieten von weltweiter Bedeutung
„Das Schutzgut Wasser gewinnt weltweit immer mehr an Bedeutung. Um an sauberes Trinkwasser zu gelangen und den natürlichen Wasserhaushalt der Flächen intakt zu halten, ist die ökologische Funktionsfähigkeit von Feuchtgebieten ein zentraler Faktor - deshalb steht der Schutz in direktem Zusammenhang mit der wasserwirtschaftlichen Nutzung", so Bottermann. Intakte Feuchtgebiete würden aber auch einer Vielzahl teilweise hoch spezialisierter und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten. So fänden unter anderem Wasser- und Watvögel Rast- und Überwinterungsplätze. Die wasserreichen Böden dienten darüber hinaus gleichzeitig als Grundwasserfilter und Wasserspeicher und böten Überschwemmungsschutz. Die ehemals militärisch genutzten DBU-Naturerbeflächen mit insgesamt 69.000 Hektar (ha) sind seit der Übertragung für Naturschutz-Maßnahmen vorgesehen: Dort könne auf lange Sicht geplant und dauerhafter Schutz gewährleistet werden.

Umsetzung des ersten Naturerbe-Entwicklungsplans beginnt
In den kommenden Wochen startet das DBU-Naturerbe mit der praktischen Umsetzung der Feuchtgebietsmaßnahmen des ersten Naturerbe-Entwicklungsplans auf der DBU-Naturerbefläche Prora auf Rügen. Begonnen wird mit Vernässungsmaßnahmen. „Um großflächig und langfristig wiederzuvernässen, werden Entwässerungsgräben geschlossen und das Wasser angestaut. Anrainer werden nicht betroffen sein, sondern ausschließlich Flächen des DBU-Naturerbes", so Bottermann. Das Neuschaffen von Kleingewässern und das Vertiefen bereits vorhandener Senken würde die biologische Vielfalt, insbesondere von feuchtigskeitsliebenden Tier- und Pflanzenarten fördern. Die hohe ökologische Bedeutung der Feuchtgebiete soll wieder in Kraft gesetzt und gesichert werden. Für die Renaturierung von Feuchtwiesen seien in erster Linie ganzjährig hohe Wasserstände notwendig. Indem die Grabensysteme außer Funktion gesetzt würden, ließe sich das Wasser in der Fläche halten. 345 ha grundwasser-, oberflächenwasser- oder von der Überflutungsdynamik beeinflusste Lebensräume weise Prora auf. In sechs größeren Komplexen seien insgesamt 78 Einzelmaßnahmen zum Management des Wasserhaushalts durch Renaturierungsmaßnahmen geplant.

DBU-Naturerbefläche Prora eine der reizvollsten Landschaften
Die rund 1.900 ha große DBU-Naturerbefläche Prora auf Rügen ist als ehemaliger Truppenübungsplatz Teil des sogenannten Nationalen Naturerbes. Die DBU-Tochter trägt seit 2008 die Verantwortung für Prora als eine der reizvollsten, durch Inlandeis und Ostsee geformten Boddenlandschaften Rügens. Insgesamt hat sie bislang 70 Flächen mit rund 69.000 ha vom Bund übernommen. Für alle 70 Flächen wird ein naturschutzfachlicher Managementplan entwickelt, über den Erhaltungs- und Schutzmaßnahmen für die folgenden zehn Jahre festgelegt werden. Der DBU-Naturerbe-Entwicklungsplan Prora war der erste, der im Mai 2016 nach Abstimmung mit dem Bundesamt für Naturschutz und dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht wurde. Neben den Wiedervernässungsmaßnahmen wird die Stiftungstochter zum Beispiel die Wacholderheiden der Feuersteinfelder und die Magerrasenflächen der Seesandebene offenhalten. Ein weiteres Ziel ist es, den Wald naturnaher zu gestalten. Bis April 2019 werden insgesamt etwa 1.012 ha und damit bereits über die Hälfte des Waldes von Prora der natürlichen Entwicklung überlassen sein.

Weitere Informationen:

https://www.dbu.de/123artikel37065_2362.html

Quelle: idw 

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4,3 Millionen Euro für Verbundprojekt zur Biodiversität von Auwäldern in der „Flusslandschaft Elbe"

Birgit Kruse Referat Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hamburg

Hartholz-Auwälder spielen eine große Rolle in natürlichen Überschwemmungsgebieten von Flusslandschaften (Hochwasserretention). Um solche „Ökosystemdienstleistungen" besser zu verstehen und die räumlichen und zeitlichen Ausprägungen der Leistungen zu erfassen, untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ab sofort die Biodiversität von Auwäldern im UNESCO-Biosphärenreservat „Flusslandschaft Elbe".

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Verbundprojekt „Mechanismen der Ökosystemdienstleistungen in Hartholz-Auwäldern: Wissenschaftliche Analyse sowie Optimierung durch Naturschutzmanagement (MediAN)" mit insgesamt 4,3 Millionen Euro, die Universität Hamburg erhält davon 2,4 Millionen.

Vier Forschungseinrichtungen sowie zwei Naturschutzorganisationen kooperieren in dem Verbundprojekt auf dem Gebiet der Biodiversitätsforschung und der nachhaltigen Entwicklung von Auenlandschaften. Das Projekt hat eine Laufzeit von sechs Jahren und wird von Prof. Dr. Kai Jensen vom Fachbereich Biologie der Universität Hamburg geleitet. Die gewonnenen Kenntnisse sollen in die Naturschutzpraxis einfließen.

Die biologische Vielfalt in Ökosystemen ist die Basis für vielfältige Dienstleistungen der Natur: Hartholz-Auwälder spielen nicht nur eine große Rolle für die Hochwasserretention in Flusslandschaften, sondern dienen über die Festlegung von CO2 aus der Atmosphäre auch der Kohlenstoffspeicherung. Welche Komponenten der Biodiversität in Hartholz-Auwäldern an der Bereitstellung von Ökosystemdienstleistungen maßgeblich beteiligt sind und wie die Leistungen der Natur bewertet werden können, daran arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Gebieten der Pflanzenökologie (Prof. Dr. Kai Jensen, Universität Hamburg), der Bodenkunde (Prof. Dr. Annette Eschenbach, Universität Hamburg), der Bodenzoologie (Dr. David Russell, Senckenberg Gesellschaft Görlitz), der Landschaftsökologie (Mathias Scholz, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig) sowie der Landschaftsökonomie (Prof. Dr. Volkmar Hartje, TU Berlin).

Die beteiligten Naturschutzorganisationen (Trägerverbund Burg Lenzen, Dr. Maike Kleinwächter; Loki Schmidt Stiftung, Axel Jahn) werden geeignete Flächen für die Begründung von Hartholz-Auwäldern erwerben und dort auf den Forschungsergebnissen basierende Umsetzungsmaßnahmen realisieren.

Prof. Dr. Kai Jensen: „Mit dem Projekt werden wir unsere international anerkannte Expertise im Bereich der Biodiversität und Ökosystemfunktionen von Flussmündungen und Küstenregionen nun auch auf die weltweit bedeutsamen Auen großer Flüsse ausweiten".

Das BMBF fördert seit 2013 „Forschungsvorhaben zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt", denen eine gesamtstaatliche Bedeutung zukommt und die die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt in maßstabsetzender Weise umsetzen. Auf der Grundlage der Forschungsergebnisse soll der Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland gestoppt und mittel- bis langfristig in einen positiven Trend umgekehrt werden.

Für Rückfragen:
Prof. Dr. Kai Jensen
Fachbereich Biologie
Abteilung Angewandte Pflanzenökologie
Tel.: +49 40 42816-576
E-Mail: kai.jensen@uni-hamburg.de

Quelle: idw 

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Abgas als Rohstoff

Dr. Susanne Langer Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Chemiker der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben ein Verfahren entwickelt, mit dem Stickoxide, die in industriellen Prozessen anfallen, für die Herstellung von Farbstoffen und Arzneimitteln genutzt werden können. Mit dieser Methode könnten Unternehmen künftig die Entgiftung von Abgasen mit der Produktion neuer Stoffe kombinieren.

Stickoxide zählen zu den bedeutendsten Umweltgiften. Die Verbindungen aus Stickstoff und Sauerstoff entstehen vor allem bei der Verbrennung, etwa in Kraftfahrzeugmotoren, in Gas- und Kohlekraftwerken, aber auch bei anderen thermischen und chemischen Prozessen in der Industrie. Um die Abgase zu reinigen, werden entweder Nachverbrennungen oder das Prinzip der katalytischen Reduktion eingesetzt - beide Verfahren sind jedoch vergleichsweise aufwändig und mit gewissen Nachteilen behaftet. Doch Stickoxide sind nicht nur überflüssige Gifte. Wie neue Forschungsarbeiten zeigen, können sie auch in der chemischen Synthese hochwertiger Produkte eingesetzt werden.

Umweltgift als Rohstoff nutzen
Die Forschergruppe um Prof. Dr. Markus Heinrich vom Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie der FAU hat jetzt ein hocheffizientes Verfahren entwickelt, das genau diese zwei Welten - die Reinigung von Abgasströmen und die sinnvolle Verwertung der Stickoxide - zusammenbringt. In einer Modellanlage simulierten die Erlanger Chemiker ein typisches Verfahren der Industrie: die Umwandlung von Kupfer in Kupfernitrat. „Kupfernitrat wird als Farbstoff, Korrosions- und Holzschutzmittel sowie als Oxidationsmittel in der Synthesechemie verwendet", erklärt Markus Heinrich. „Das beim Herstellungsprozess entstehende Stickstoffdioxid können wir unmittelbar mit der Synthese von Balsalazid und Sulfasalazin kombinieren - zwei zu den Azoverbindungen zählende Arzneistoffe, die zur Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen eingesetzt werden."

Fast 100 Prozent AbgasreinigungHerzstück der Modellanlage ist ein röhrenförmiger Gaswäscher, mit dem die Forscher die Stickstoffdioxidkonzentration im Abgasstrom um 99,7 Prozent senken konnten. „Das ist ein sensationeller Wert, den wir allerdings unter Laborbedingungen erreichen", schränkt Markus Heinrich ein. „Wir gehen jedoch davon aus, dass unsere Methode auch in der industriellen Anwendung einen guten Wirkungsgrad erzielen wird." Im Gegensatz zu früheren Versuchen im Experimentallabor der Pharmachemiker verwertet die neue Anlage auch geringe Stickoxid-Konzentrationen und arbeitet selbst bei Schwankungen des Abgasstroms zuverlässig.

Azoverbindungen für verschiedene Einsatzgebiete
Die Herstellung von Kupfernitrat ist nur ein Beispiel für industrielle Verfahren, bei denen Stickoxide bislang aufwändig neutralisiert werden, anstatt sie in gewinnbringende Syntheseprozesse zu überführen. Heinrich: „Überall dort, wo wir es mit überschaubaren Ausgangsstoffen zu tun haben, dazu zählt beispielsweise auch das Ätzen von Leiterplatten in der Elektronikindustrie, können wir Stickoxide als Nebenprodukt für die Herstellung von Arzneistoffen verwenden. Anders sieht es zum Beispiel bei Kraftwerken oder Müllverbrennungsanlagen aus: Aus diesem Cocktail an Giften und Schwermetallen sollten wir besser keine Medikamente gewinnen. Aber es ist möglich und sinnvoll, die im Abgas befindlichen Stickoxide für die Herstellung bestimmter Farbstoffe auf der Basis von Azoverbindungen zu verwenden."

Die Ergebnisse des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projektes sind unter dem Titel „Sustainable synthesis of balsalazide and sulfasalazine based on diazotization with low concentrated nitrogen dioxide in air" in Chemistry - A European Journal veröffentlicht worden (doi: dx.doi.org/10.1002/chem.201605359).

Quelle: idw 

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Erste Hilfe für Internetsüchtige - Neues Portal hilft bei Internetsucht weiter

Dr. Ellen Katz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Tübingen

Am 7. Februar, dem Safer Internet Day, geht die deutschlandweit bisher umfassendste Onlinedatenbank zur Therapiesuche für Menschen mit Internetsucht online. Im Zentrum der Website www.erstehilfe-internetsucht.de steht eine Adressdatenbank für Beratungs- und Behandlungsangebote bei internetbasiertem Suchtverhalten.

Die Datenbank enthält aktuell mehr als 950 Einträge und ist damit die bislang größte Suchhilfe für Hilfsangebote bei Internetabhängigkeit. Konzipiert, entwickelt und umgesetzt wurde das Webangebot von einem Forschungsteam der Sektion für Suchtmedizin und Suchtforschung an der Tübinger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie unter der Leitung von Prof. Dr. Anil Batra und Dr. Kay Uwe Petersen. Finanziert wurde der Aufbau des Portals durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG).

Die Internetseite bietet Betroffenen und Angehörigen neben der Adresssuche auch Hintergrundinformationen über Internetsucht. Alle 14 Tage bereitet das Team der Sektion Suchtforschung aktuelle Entwicklungen in Forschung und Praxis in Form eines Blogs auf. Die mit fast 1.000 Einträgen umfangreichste und mit Orts- und Postleitzahlensuche komfortabel nutzbare Datenbank für Beratungs- und Behandlungsangebote wird fortlaufend ergänzt und jährlich aktualisiert. Die umfangreiche, deutschlandweite Recherche der Adressen erfolgte 2015 im Rahmen des Projekts „Angebote bei internetbasiertem Suchtverhalten (ABiS)".

„Uns ist wichtig, dass Forschungsergebnisse Betroffene direkt, praktisch und alltagsnah erreichen", so Projektleiter Dr. Kay Uwe Petersen. „Darum haben wir erstehilfe-internetsucht.de entwickelt. Die Online-Adressdatenbank unterstützt Menschen, die ihre Internetnutzung als riskant, problematisch oder abhängig einstufen bei der Suche nach Hilfsangeboten" „Eine so umfangreiche Onlinedatenbank für Beratungs- und Behandlungsstellen bei Internetsucht gab es in Deutschland bisher noch nicht", erklärt Prof. Dr. Anil Batra, Leiter der Sektion für Suchtmedizin und Suchtforschung. „Durch anschauliche Onlinebeiträge erleichtern wir Betroffenen den Zugang zur Thematik. Wir möchten ihnen langfristig Orientierung bieten."

„Es ist wichtig, verständlich zu erklären, welche Hilfsmöglichkeiten es überhaupt gibt - von der ambulanten Beratung und Therapie bis hin zur Tagesklinik oder zum stationären Klinikaufenthalt", erklärt Psychologin Sara Hanke, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projekts. „Mit dynamischen und lebendigen Inhalten zum Beispiel in Form eines Blogs möchten wir Betroffene jeden Alters und Hintergrunds erreichen." „Wir haben die Seite bewusst lebendig und doch seriös konzipiert", so die wissenschaftliche Mitarbeiterin Linny Bieber. „Sie ist flexibel ausbaubar und bietet zahlreiche Zusatzangebote. Das moderne, responsive Design ermöglicht, dass das Angebot auch über Smartphone und Tablet abrufbar ist."

Safer Internet Day
Der von der Europäischen Union initiierte „Safer Internet Day" findet jedes Jahr am zweiten Tag der zweiten Woche des zweiten Monats statt. Ziel ist es, Menschen aller Altersgruppen dazu zu bewegen, der Sicherheit im Internet mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Zur Sicherheit gehört auch die Selbstkontrolle über Zeit und Intensität, mit der sich Menschen mit Internetanwendungen wie z.B. Onlinespielen oder Sozialen Netzwerken beschäftigen. Verliert man die Kontrolle, so dass schulische, berufliche oder soziale Verpflichtungen nicht mehr bzw. nur noch ungenügend erfüllt werden, kann eine „Internetsucht" vorliegen.

Weitere Informationen:
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/Publikationen/Drog...
Der Abschlussbericht des Projekts „Angebote bei internetbasiertem Suchtverhalten (ABiS)" ist auf den Internetseiten des Bundesgesundheitsministeriums abrufbar.

Quelle: idw 

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Giftalarm in der Küche

Giulia Roggenkamp Pressestelle
Stiftung Kindergesundheit

Die meisten Familien in Deutschland legen großen Wert auf ein sauberes Zuhause. Damit es überall blitzt und blinkt, werden hierzulande allein für den Kauf von Haushaltsprodukten zum Waschen, Pflegen und Reinigen jedes Jahr rund vier Milliarden Euro aufgewendet.

Für kleine Kinder indes birgt die blitzeblanke Wohnung auch gesundheitliche Gefahren, warnt die Stiftung Kindergesundheit: Jedes Jahr müssen etwa 20.000 Kinder wegen Vergiftungen oder Verätzungen medizinisch behandelt werden. Betroffen sind vor allem Kleinstkinder im Alter von 10 Monaten bis zu zwei Jahren. Als Ursache solcher Unfälle haben die Haushaltschemikalien mittlerweile die Medikamente überholt, berichtet die Stiftung in einer aktuellen Stellungnahme.

Jährlich erreichen rund 220.000 Anfragen die bundesweiten acht Informationszentralen, weil Kleinkinder gefährliche Substanzen geschluckt haben. Die Zahl dieser Anfragen hat sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt. In rund 40 Prozent der Fälle sind chemische Helfer für Küche, Haushalt und Toilette der Grund für den Giftnotruf.

Welche Produkte am häufigsten im Kindermund landen, zeigt die Statistik der Anfragen, die in den Jahren zwischen 2006 und 2015 alleine das Giftinformationszentrum Erfurt erreicht haben: Am gemeldeten Unfall beteiligt waren feste Kohlenanzünder (1.662 Fälle), Geschirrspülmittel (1.327), Knicklicht (1.253), WC-Stein (1.102), Waschmittel (1.041), Geschirrspültabs (946), Dusch- und Schaumbäder (817), Duftöle (784), Geräteentkalker (743) oder Silicagel (714). Zum Glück kommt es nicht immer zu einer tatsächlichen Schädigung. Es wächst jedoch die Zahl der Produkte, die bei Kindern zu gefährlichen Verletzungen führen können. In 20 bis 40 Fällen pro Jahr führen sie sogar zum Tod.

Als besonders gefährliche Substanzen gelten nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung BfR folgende Produkte: Abbeizer, Abflussreiniger, Ammoniakzubereitungen, Backofen- und Grillreiniger, Benzin, Chemikalien, Entkalker, Essigessenz, Lampenöle, flüssige Grillanzünder, Methanol, methanolhaltige Brennstoffe für Heizkamine, Brennstoffzellen, Puder, Rohrreiniger, Schädlingsbekämpfungsmittel (z. B. Wühlmausgifte), Unkrautvernichter, Kühlerfrostschutz, Bremsflüssigkeit sowie Steinreiniger. Auch verschluckte Knopfzellenbatterien sind gefährlich.

Gefahr geht auch von neuen Produkten aus, betont die Stiftung Kindergesundheit: Die bunten, glänzenden, wie große Bonbons aussehenden Flüssigwaschmittel, „Liquid Caps" genannt, werden von Kindern oft mit Süßigkeiten verwechselt. Sie können schon in kleinen Mengen zu Übelkeit, Erbrechen oder Atemnot führen.

Die Art der häufig vorkommenden Vergiftungen ist je nach dem Alter der Kinder verschieden, berichtet die Stiftung Kindergesundheit. In der Zeit, in der sie laufen lernen, sind Vergiftungen mit Zigaretten besonders häufig, danach geht die Hauptgefahr von den Haushaltschemikalien aus, die häufig in Bodennähe, z. B. in Unterschränken gelagert werden. Wenn die Kinder dann auch noch lernen, auf Stühle und Bänke zu klettern, gibt es einen weiteren Anstieg der Vergiftungsmöglichkeiten. Im dritten und vierten Lebensjahr spielen die Medikamente die wichtigste Rolle. Mit zunehmender Selbständigkeit des Kindes nach dem vierten Lebensjahr steigt die Zahl der Vergiftungen durch Pflanzen an.

Gefährliche Ablenkung durch das Handy
Zu den Unfällen kommt es vielfach dann, wenn die aufsichtführende Person kurz abgelenkt wird. Das passiert häufig, wenn jemand unerwartet an der Tür klingelt, das Handy läutet, die Milch überkocht oder die Mutter oder der Vater dringend auf die Toilette müssen.

Untersuchungen haben außerdem ergeben, dass Kinder in Familien mit ungünstiger Wohnsituation durch Vergiftungen besonders gefährdet sind: Das Bemühen der Eltern, gefährliche Haushaltsmittel sicher zu verwahren, scheitert häufig an den mangelhaften räumlichen Bedingungen. Erhöht ist die Vergiftungsgefahr außerdem für die Kinder in Familien mit Migrationshintergrund und für Kinder aus unvollständigen Familien. Sie sind doppelt so häufig betroffen, wie es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspräche.

Als gefährlichster Platz im Haushalt erweist sich die Küche, sagt die Stiftung Kindergesundheit. Studien in den Niederlanden haben ergeben, dass bunte Plastikflaschen oder Spülmaschinentabs auf Kleinkinder eine stärkere Anziehungskraft ausüben als altersgerechtes Spielzeug.

Die Stiftung weist außerdem auf eine weitere, selten bedachte Gefahrenquelle hin, nämlich auf den Haushalt von Opa und Oma. Der ist leider nur selten kindersicher: Die von den Großeltern benötigten Medikamente werden häufig sichtbar auf einem Tisch oder in einem leicht zugänglichen Schrank aufbewahrt. Auch die Taschen von Oma und Opa werden von Kindern unbemerkt durchstöbert und die bunten vermeintlichen Süßigkeiten probiert.

Nicht erbrechen lassen!
Wenn ein Kind in einem unbeaufsichtigten Augenblick eines der riskanten Produkte erwischt hat, sollte man sofort versuchen, seinen Mund mit Wasser auszuspülen, um die Reste aus dem Mund zu entfernen. Danach sollte man dem Kind sofort viel zu trinken geben: ein Glas Leitungswasser, Tee oder Saft. Damit wird das Gift zumindest stark verdünnt. Wichtig: Keine Milch zu trinken geben! Milch beschleunigt unter Umständen die Giftaufnahme durch den Darm.

Kinder, die Haushaltchemikalien zu sich genommen haben, sollten auf keinen Fall zum Erbrechen gebracht werden. Es besteht sonst die Gefahr, dass der dabei entstehende Schaum in die Lungen gerät und zu einer chemischen Lungenentzündung führt.

Die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt, möglichst alle Putz- und Reinigungsmittel außer Reichweite der Kinder aufzubewahren, am besten wegzuschließen. Haushaltschemikalien sollten nicht im selben Schrank oder Regal wie Lebensmittel aufbewahrt werden. Als besonders riskant erweist sich immer wieder das Umfüllen von Chemikalien in Getränkeflaschen oder Lebensmittelbehälter.

Nicht zögern, Giftnotruf anrufen!
Selbst beim leisesten Verdacht, das Kind könnte gefährliche Mengen einer giftigen Substanz eingenommen haben, sollte man auf keinen Fall erst auf eventuelle Anzeichen einer Vergiftung warten, sondern sofort handeln. Das heißt: Sich so schnell wie möglich mit einem Arzt oder mit einer der Giftinformationszentren in Verbindung setzen. Diese können den anrufenden Eltern meist sofort sagen, ob eine akute Gefahr besteht und was gegebenenfalls zu unternehmen ist. Sie vermitteln auch die Information, ob ein Arzt- oder Krankenhausbesuch notwendig ist.

Diese Zentren sind unter folgenden Telefonnummern zu erreichen: Berlin 030/19240; Bonn 0228/19240; Erfurt 0361/730730; Freiburg 0761/19240; Göttingen 0551/19240; Homburg/Saar 06841/19240; Mainz 06131/19240; München 089/19240; Wien +43-1-406 43 43; Zürich +41-44-251 51 51.

Eltern sollten in die Hocke gehen
Medikamente sollten für Kinder unerreichbar aufbewahrt werden, am besten in einem abschließbaren Schrank. Das gilt auch für die Antibabypille: Sie sollte nicht offen auf dem Nachttisch oder auf der Ablage im Badezimmer herumliegen. Medikamente sollten im Beisein von Kleinkindern niemals als Bonbons oder Fruchtsaft erklärt oder als wohlschmeckend bezeichnet werden. Puder darf niemals in Kinderhand geraten.

Die Stiftung Kindergesundheit verweist auf eine praktische Empfehlung der Spezialisten beim Giftnotruf Berlin: „Wenn Ihr Kind mobil wird, begeben Sie sich einmal in gleicher Höhe wie Ihr Kind auf eine Entdeckungsreise durch Ihre Wohnung: Sie werden erstaunt sein, was plötzlich alles in Reichweite Ihres Kindes ist."

Unabhängige und wissenschaftlich basierte Berichterstattung braucht Förderer:
Fördern auch Sie die Gesundheit unserer Kinder durch Ihre Spende, die in voller
Höhe den Projekten der Stiftung Kindergesundheit zugute kommt.

Mit einem Beitritt zum Freundeskreis der Stiftung Kindergesundheit können Sie die Arbeit der
Stiftung regelmäßig fördern.
Mehr Informationen hierzu finden Sie unter: www.kindergesundheit.de
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IBAN: DE41 7002 0270 0052 0555 20
SWIFT (BIC): HYVEDEMMXXX
Vielen Dank!

Save the Date!
Dinner-Symposium des Freundeskreises
der Stiftung Kindergesundheit

Für ein gesundes Aufwachsen von Kindern:
20 Jahre Stiftung Kindergesundheit

am 24. März 2017, 18.00 - 22.30 Uhr, München
Veranstaltungsort: Hotel Holiday Inn Munich City Centre, Hochstr. 3,
81669 München, Großer Saal

Das Jubiläumssymposium adressiert in Vorträgen und einer Podiumsdiskussion die Bedingungen und neue Herausforderungen für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und für die Gestaltung ihrer Zukunft. Auf einem Markt der Möglichkeiten stellen sich aktuelle Präventionsinitiativen vor.

Zur Veranstaltung tragen renommierte Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Verbänden bei, u.a. die Bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml, die Ehrenkuratorin Dr. Irene Epple-Waigel sowie die Schirmherrin der Stiftung, die Regisseurin und Oscar-Preisträgerin Caroline Link.

Das genaue Programm können Sie in den kommenden Tagen unter: www.kindergesundheit.de einsehen

Presseakkreditierung unter: 089-4400-57769 (Giulia Roggenkamp)

Quelle: idw 

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Weniger Umweltbelastung durch Weinbau: Förderpreis mit 750.000 Euro für Landauer Forschungsprojekt

Bernd Hegen Referat Öffentlichkeitsarbeit
Universität Koblenz-Landau

Der Projekt PHOTOPUR wird in den nächsten drei Jahren von der Trinationalen Metropolregion Oberrhein (TMO) mit 750.000 Euro gefördert. Der Forschungsverbund PHOTOPUR unter der Leitung der Universität Koblenz-Landau wird ein neues Reinigungsverfahren von pestizidbelastetem Wasser aus dem Weinbau erproben.

Das Forschungsprojekt PHOTOPUR gehört zu den Siegern des Wettbewerbs „Wissenschaftsoffensive" der Trinationalen Metropolregion Oberrhein (TMO). Es ist eines von sieben Gewinnerprojekten und wird mit 750.000 Euro gefördert. In den kommenden drei Jahren wird der oberrheinische Forschungsverbund PHOTOPUR unter der Leitung der Universität Koblenz-Landau ein neues Reinigungsverfahren von pestizidbelastetem Wasser aus dem Weinbau erproben.

„Frühere Untersuchungen haben einen Handlungsbedarf gezeigt", erklärt Dr. Ricki Rosenfeldt vom „Institut für Umweltwissenschaften Landau" an der Universität Koblenz-Landau, der gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Frank Seitz das Projekt leitet. Intensiver Weinbau erfordert den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gegen Agrarschädlinge, um die Erträge zu sichern. Bei der Reinigung von Pflanzenschutzgeräten und durch Regen können die Wirkstoffe aus den Rebflächen ins Gewässer gespült werden. Frühere Forschungsarbeiten des Instituts zeigen, dass diese Wirkstoffe dann sehr konzentriert auftreten und Ökosysteme schädigen können. „Derzeit gibt es noch keine flächendeckende Anwendung oder Methode, um den Eintrag von Pflanzenschutzmitteln in Oberflächengewässern wirksam und dauerhaft zu reduzieren", betont Rosenfeldt. So zeigten sich derzeit eingesetzte Methoden zur Vermeidung von Einträgen aus Pflanzenschutzmitteln in Gewässern wie Aktivkohlebehandlung als ökologisch und ökonomisch ineffektiv.

PHOTOPUR bündelt nun grenzüberschreitend die Herausforderungen des regionalen Weinbaus in der TMO-Region mit dem Know-how der Landauer Umweltwissenschaften und Partnern aus Rheinland-Pfalz, Baden und dem Elsass. Im Rahmen des Projekts wird ein Geräte-Prototyp gebaut und erprobt, der durch die Energie von Sonnenlicht und mit der chemischen Reaktion von Photokatalysatoren die Pestizide im Abwasser aus Weinbau zersetzt. Nach der dreijährigen Erprobungsphase soll das Gerät marktreif sein und in Serie produziert werden. „Mit dem Einsatz des Gerätes bei Winzern soll die Konzentration von Pestiziden in Oberflächengewässern der TMO reduziert werden, um die Umweltqualitätsnormen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) einzuhalten", unterstreicht Frank Seitz.

Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf überreichte den Förderbescheid auf der Auftaktveranstaltung der Wissenschaftsoffensive der TMO. Die Gewinnerprojekte erhalten eine Förderung gemeinsam von der Région Grand Est, den Ländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie aus dem Programm INTERREG Oberrhein.

Kontakt:
Dr. Ricki R. Rosenfeldt (Tel.: 06341 280-31323, rosenfeldt@uni-landau.de)
Dr. Frank Seitz (Tel.: 06341 280-31321, seitz-f@uni-landau.de)

Hintergrundinformation: Interreg A-Programm „Oberrhein"
Das Programm Interreg V A „Oberrhein" verfügt für den Zeitraum von 2014 bis 2020 über Fördermittel in Höhe von insgesamt gut 109,7 Mio. Euro. Dies ist das größte Fördervolumen seit dem Start der Interreg A-Programme am Oberrhein im Jahre 1989.
Interreg A ist ein Förderprogramm der Europäischen Union, mit dem gezielt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit finanziell unterstützt wird. Als Instrument der europäischen Strukturpolitik trägt Interreg dazu bei, die Zusammenarbeit europäischer Akteure zu verbessern, sei es im Hochschulbereich, in der Kultur, im Tourismus, in der Forschung, im Verkehr oder im Wirtschaftssektor.
Das seit 2014 laufende aktuelle Interreg-Programm „Oberrhein" ist die fünfte Auflage und läuft noch bis 2020. Die Projekte, die hier kofinanziert werden, decken vielseitige Themengebiete ab und tragen alle zur Umsetzung einer spezifisch für den Oberrheinraum entwickelten Strategie bei. Das Fördergebiet Oberrhein umfasst die gesamte Südpfalz sowie die Verbandsgemeinden Dahn und Hauenstein, Baden, das Elsass und die Nordwestschweiz.

Kontakt:
Daniel Schaefer, Leiter des Koordinationsbüros der Säule Wissenschaft
Tel.: 07851/7407-35, E-Mail: daniel.schaefer@rmtmo.eu

Weitere Informationen:
http://science.rmtmo.eu/de/wissenschaftsoffensive/ Informationen zur Wissenschaftsoffensive
http://science.rmtmo.eu/de/wissenschaftsoffensive/wissenschaftsoffensive-2016/pr... Informationen zu den Preisträgern

Quelle: idw 

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Volksverschlüsselung muss kommen

Daniel Krupka Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft für Informatik e.V.

Gesellschaft für Informatik unterstützt Initiative des Fraunhofer SIT zur Volksverschlüsselung und fordert mehr Anstrengungen seitens der Bundesregierung

Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) sieht die vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) entwickelte Volksverschlüsselung auf dem richtigen Weg zur flächendeckend sicheren E-Mail. Mit einer Erweiterung auf Klasse-1-Zertifikate und mit der Anbindung an eine allgemein akzeptierte Zertifizierungsstelle könnte dieses Ziel bei entsprechender Unterstützung durch die Bundesregierung auch zügig erreicht werden.

Prof. Dr. Hannes Federrath, Vizepräsident der Gesellschaft für Informatik und IT-Sicherheitsexperte von der Universität Hamburg: „Trotz jahrelanger Bemühungen gibt es immer noch keine einfache Lösung, mit der sich Nutzer vor der massenhaften Ausforschung ihrer E-Mail-Nachrichten schützen können. Die bisherigen Lösungsansätze zur Verschlüsselung des E-Mail-Verkehrs sind entweder nicht benutzerfreundlich oder es handelt sich um Insellösungen, die nicht mit dem existierenden E-Mail-System kompatibel sind. Daraus resultieren erhebliche Eintritts- und Nutzungsbarrieren, die einer weiten Verbreitung entgegenstehen.

Die Gesellschaft für Informatik begrüßt es daher, dass inzwischen in mehreren Projekten daran gearbeitet wird, die Benutzbarkeit der existierenden, wohluntersuchten Techniken zur Ende-zu-Ende-gesicherten Übertragung von E-Mails zu verbessern. Aussichtsreich erscheinen insbesondere solche Ansätze, die S/MIME nutzen, da diese Technik von den gängigen Desktop- und Smartphone-Betriebssystemen ohne zusätzliche Software unterstützt wird."

Initiativen wie die vom Fraunhofer SIT entwickelte Volksverschlüsselung (www.volksverschluesselung.de) sind nach Auffassung der GI wegweisend. Zum einen erzeugen sie Aufmerksamkeit und tragen zur Verbreitung des Themas bei; zum anderen verfolgen sie einen nutzerzentrierten Ansatz, der nicht nur Schlüsselerzeugung und Zertifizierung, sondern auch den Schlüsselaustausch und die Konfiguration der E-Mail-Programme abdeckt.

Prof. Dr. Hartmut Pohl, Sprecher des GI-Präsidiumskreises Datenschutz und IT-Sicherheit und Geschäftsführer der SoftScheck GmbH: „Das aktuelle Konzept der Volksverschlüsselung weist allerdings einige Verbesserungsmöglichkeiten auf, die nach Auffassung der Gesellschaft für Informatik einer schnellen Verbreitung entgegenstehen.

Erstens sieht das Konzept ausschließlich die Ausstellung von Klasse-3-Zertifikaten vor, bei dem die Nutzer ihre Identität nachweisen müssen. Dies stellt eine erhebliche Eintrittsbarriere dar, da der Identitätsnachweis mit einem spürbaren Aufwand für den Nutzer verbunden ist und nicht vollautomatisch ablaufen kann. Zudem steht dies einer schnellen und weiten Verbreitung entgegen. Die GI empfiehlt daher, auch Klasse-1-Zertifikate anzubieten, die sich lediglich auf die E-Mail-Adresse des Nutzers beziehen und eine aufwändige persönliche Identifizierung entbehrlich machen.

Zweitens benutzt die im Rahmen der Volksverschlüsselung betriebene Zertifizierungsstelle derzeit ein Stammzertifikat, dem die gängigen E-Mail-Programme nicht vertrauen. Dies reduziert die Interoperabilität mit existierenden S/MIME-Nutzern erheblich und beinhaltet das Risiko, dass auch die Volksverschlüsselung zu einer Insellösung ohne weite Verbreitung wird. Die GI empfiehlt daher, ein Stammzertifikat zu verwenden, das in den gängigen Programmen bereits hinterlegt ist."

In jedem Fall geht es letztlich um eine flächendeckend sichere E-Mail-Kommunikation, ein Ziel, das die maßgebliche Mitwirkung staatlicher Stellen erfordert. Die Bundesregierung hat angekündigt, Deutschland zum „Verschlüsselungsstandort Nr. 1" zu machen. Die GI ruft die Bundesregierung auf, dieses Ziel durch Unterstützung von Ansätzen wie der Volksverschlüsselung nachdrücklich zu befördern.

Weitere Informationen:
http://www.gi.de

Quelle: idw 

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Wenn dem Meeresboden der Atem stockt: Zeitweiliger Sauerstoffmangel hat jahrzehntelang Auswirkungen

Dr. Fanni Aspetsberger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

Periodische Schwankungen im Sauerstoffgehalt des Bodenwassers können den Kohlenstoffspeicher im Meeresboden und seine Bewohner auf Jahrzehnte verändern. Das zeigt eine neue Untersuchung im Schwarzen Meer, die nun in der Fachzeitschrift Science Advances erscheint. Die Ergebnisse sind besonders bedeutsam, da Sauerstoff in immer größeren Bereichen der Meere Mangelware ist.

Der Meeresboden spielt eine Schlüsselrolle in den weltweiten Stoffkreisläufen. Die Organismen, die dort leben, verzehren und verarbeiten herabsinkendes organisches Material. Ein kleiner Teil des eintreffenden Materials wird üblicherweise im Boden vergraben. Der Großteil wird von den Bodenbewohnern remineralisiert, also abgebaut und in seine Bestandteile zerlegt, und steht danach dem Ökosystem für neue Biomasseproduktion zur Verfügung. So beeinflusst das Schicksal dieses Materials am Meeresboden maßgeblich die weltweiten Kohlenstoff- und Nährstoffzyklen und in der Folge die Produktivität der Meere und unser Klima.

Kurzer Mangel, lange Wirkung
Welche Organismen am Meeresboden leben und wie aktiv sie sind, hängt maßgeblich davon ab, wie viel Sauerstoff im Meeresboden verfügbar ist. Inwieweit auch kurzfristige Schwankungen des Sauerstoffgehalts die Remineralisierung - und damit die Menge an Kohlenstoff, die vergraben wird - verändern, war lange unklar. Die nun vorliegende Studie einer internationalen Forschergruppe um Gerdhard Jessen vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie zeigt: Sinkende Sauerstoffwerte im Bodenwasser beeinflussen den Kohlenstoffspeicher im Meeresboden früher und über größere Flächen als bisher angenommen, und das über Jahrzehnte hinweg. Wird der Sauerstoff am Meeresboden knapp, so wird deutlich weniger organisches Material abgebaut und deutlich mehr vergraben. Und was einmal vergraben ist, bleibt auch lange im Untergrund. „Um die Hälfte mehr Material verbleibt im Boden, wenn der Sauerstoff im Bodenwasser immer mal wieder knapp wird", so Jessen. „Sogar für die Tiere leckere Häppchen wie frisch abgesunkenes Algenmaterial, das eigentlich leicht umzusetzen ist, bleibt dann jahrzehntelang ungenutzt."

Das Schwarze Meer als natürliches Labor
Im Labor sind solche langfristigen und komplexen Prozesse nur schwer nachzuvollziehen. Deswegen untersuchte das internationale Forscherteam im Rahmen des EU FP7 Projektes HYPOX mit dem Forschungsschiff Maria S. Merian das Schwarze Meer, das größte natürliche sauerstofffreie Gewässer der Welt. Dort gibt es durch eine besonders stabile Schichtung des Meeres eine natürliche Abnahme des Sauerstoffs im Bodenwasser, vom gut durchlüfteten Flachwasser über Gebiete mit variablen Sauerstoffbedingungen bis ins sauerstofffreie Tiefenwasser unterhalb von etwa 160 m Wassertiefe. „Wir nutzten den Meeresboden im Schwarzen Meer wie ein natürliches Labor. Dort lässt sich untersuchen, was vielen Bereichen der Weltmeere bevorstehen könnte", erklärt Jessen.

„Sauerstoffarme Zonen in den Ozeanen nehmen durch menschliche Nährstoffeinträge und Ozeanerwärmung immer weiter zu", erläutert Antje Boetius, Leiterin der HGF MPG Brückengruppe für Tiefsee-Ökologie und -Technologie und Leiterin der Studie. „Deswegen ist es besonders wichtig, zu verstehen und zu messen, was Sauerstoffarmut für das Leben im Meer und die großen biogeochemischen Kreisläufe bedeutet."

Veränderte Besiedelung
Wieso haben die zeitweiligen Atemprobleme des Meeresbodens so starke Auswirkungen? „Der Sauerstoffmangel verändert die Bewohner des Meeresbodens", so Boetius. Vor allem große Tiere wie Würmer und Muscheln brauchen Sauerstoff zum Leben. Diese Tiere durchwühlen das Sediment auf der Suche nach Nahrung und beim Anlegen von Wohnbauten und mischen dabei auch Nahrung und Sauerstoff für kleinere Meeresbodenbewohner unter. „Wird der Sauerstoff knapp, verschwinden die Tiere. Die im Meeresboden lebenden Bakterien sind dann quasi allein für die Umsetzung des organischen Materials, die Remineralisierung, verantwortlich." Doch sie sind dabei dann sehr langsam. So kommt es, dass bei weniger Sauerstoff im Bodenwasser mehr organisches Material vergraben wird. Anaerobe Mikroorganismen, die ohne Sauerstoff beispielsweise durch Fermentation oder Sulfatreduktion ihre Energie gewinnen, übernehmen das Ruder. Sie produzieren dann den giftigen Schwefelwasserstoff, der den Abbau weiter verlangsamt.

„Vom Schwarzen Meer können wir viel lernen", sagt Boetius, „denn dort kann man die Auswirkungen von Sauerstoffmangel auf das Ökosystem Meer und seine Bedeutung auch für uns Menschen besonders gut erforschen. Solche Untersuchungen sind angesichts des globalen Wandels unverzichtbar, um mögliche Alarmsignale aus den Ozeanen rechtzeitig zu erkennen."

Originalveröffentlichung
Gerdhard L. Jessen, Anna Lichtschlag, Alban Ramette, Silvio Pantoja, Pamela E. Rossel, Carsten J. Schubert, Ulrich Struck, Antje Boetius: Hypoxia causes preservation of labile organic matter and changes seafloor microbial community composition (Black Sea). Science Advances 2017. DOI: 10.1126/sciadv.1601897

Beteiligte Institute
Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Bremen
Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven
Universität Concepción, Concepción, Chile
ICBM-MPI Brückengruppe, Universität Oldenburg
Eawag: Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs, Kastanienbaum, Schweiz
Museum für Naturkunde, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, Berlin

Rückfragen bitte an
Dr. Gerdhard Jessen
E-Mail: gjessen@mpi-bremen.de
gjessen@gmail.com

Prof. Dr. Antje Boetius
Telefon: +49 421 2028 860
E-Mail: aboetius@mpi-bremen.de

Weitere Informationen:
http://www.mpi-bremen.de/Wenn_dem_Meeresboden_der_Atem_stockt.html

Anhang
Einfluss von Sauerstoff im Bodenwasser auf das Ökosystem an der nordwestlichen Krim/Schwarzmeer-Schelf.
https://idw-online.de/de/attachment56479
Erklärung siehe www.mpi-bremen.de/Wenn_dem_Meeresboden_der_Atem_stockt.html

Quelle: idw 

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Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen

Fabian Löhe Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Durch die rasante Expansion der Städte werden bis zum Jahr 2030 global etwa 300.000 Quadratkilometer von besonders fruchtbarem Ackerland verloren gehen. Das entspräche nahezu der Größe Deutschlands. Diese Fläche machte im Jahr 2000 fast vier Prozent des weltweiten Anbaus von Nahrungspflanzen möglich. Das geht aus Forschungsergebnissen des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) hervor. Zum Vergleich: Von der Nahrungsmittelproduktion auf dieser Fläche könnten sich gut 300 Millionen Menschen bei einem durchschnittlichen Kalorienverbrauch von 2.500 Kalorien pro Tag ein ganzes Jahr ernähren.

Die entsprechende Studie „Future urban land expansion and implications for global croplands" haben Christopher Bren d'Amour und Felix Creutzig mit weiteren Wissenschaftlern jetzt im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS) veröffentlicht. Demnach wird sich die globale Urbanisierung auf einer landwirtschaftlichen Fläche vollziehen, die fast doppelt so fruchtbar ist wie der weltweite Durchschnitt.

Generell wird der Verlust von Ackerland in Asien und Afrika besonders schwerwiegend sein: Afrika weist die höchsten Urbanisierungsraten auf, in Asien ist der absolute Anstieg der Stadtbevölkerung am stärksten. Allein China wird der Analyse zufolge mit einem Viertel des globalen Verlusts von landwirtschaftlicher Fläche zu kämpfen haben, fast 80.000 km2.

„Hotspots des Ackerlandverlusts liegen häufig in einem Flussdelta, etwa im Goldenen Dreieck des Jangtse bei Schanghai oder im Perlfluss-Delta bei Hongkong. Regional kann dieser Nahrungsmittelverlust nicht immer ausgeglichen werden. Das wiederrum könnte Auswirkungen auf das Welternährungssystem haben", sagt Leitautor Bren d'Amour. Dass der Landnutzungskonflikt zwischen Verstädterung und Nahrungsmittelproduktion aber im weltweiten Vergleich deutliche Unterschiede aufweist, zeigt das Beispiel Indien. „Vieles hängt von den individuellen Urbanisierungsdynamiken der Länder ab. In Indien vollzieht sich die Verstädterung beispielsweise langsamer und auf niedrigerem Niveau als in China. Das spiegelt sich in unseren Resultaten wieder, die deutlich geringere Ackerlandverluste prognostizieren. "

Für ihre Forschung haben die Wissenschaftler Prognosen der Yale University über die räumliche Ausdehnung von Städten genutzt. Diese haben sie mit Landnutzungsdaten der University of Minnesota und der University of British Columbia über die weltweit landwirtschaftlich genutzte Fläche und deren Ernteerträge kombiniert. Untersucht wurde der Verlust an gesamten landwirtschaftlichen Anbauflächen. Um die Produktivität dieser Flächen zu bestimmen, haben die Forscher die aggregierte Produktion der 16 wichtigsten Nahrungspflanzen berechnet, darunter zum Beispiel Mais, Reis, Sojabohnen und Weizen.

Ein weiterer globaler Schwerpunkt des globalen Verlusts von Ackerland wird neben Asien in den rapide urbanisierenden Regionen Afrikas liegen. Hier werden vor allem Nigeria sowie die ohnehin stark unter Hunger leidende Region zwischen Burundi und Ruanda beim Viktoriasee betroffen sein. Auf dem afrikanischen Kontinent kommt auch die besondere Verwundbarkeit vieler Länder für die Folgen des Klimawandels zum Tragen. Auch ist es für die arbeitslose Landbevölkerung hier schwieriger, auf den urbanen Arbeitsmärkten Fuß zu fassen.

Besonders schlägt die Urbanisierung in Ägypten zu Buche: Durch sie könnte das Land bis 2030 gut ein Drittel seines Ackerlandes verlieren. Zusätzlich wird die Situation dadurch erschwert, dass die Region des Nildeltas um Kairo voraussichtlich stark vom Anstieg des Meeresspiegels betroffen sein wird. Diese vergleichsweise kleine Fläche ist aber für einen Großteil der landwirtschaftlichen Produktion des Landes verantwortlich.

„Politische Entscheider auf kommunaler Ebene sind jetzt am Zug: Stadtplanung ist inzwischen zur Weltpolitik geworden", sagt Felix Creutzig, Leiter der MCC-Arbeitsgruppe Landnutzung, Infrastruktur und Transport. „Die Stadtplaner können dazu beitragen, dass besonders Kleinbauern nicht ihre landwirtschaftliche Lebensgrundlage verlieren. Dazu könnte eine raumeffiziente Urbanisierung beitragen, die vorhandene produktive Landwirtschaft bewahrt, aber auch weiterhin Kleinbauern den Zugang zum städtischen Lebensmittelmarkt ermöglicht."

Referenz:
Bren d'Amour, Christopher et al. (2016): Future urban expansion and implications for global croplands. Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America,
DOI: 10.1073/pnas.1615688114

Für inhaltliche Fragen kontaktieren Sie bitte Felix Creutzig (Telefon: 0174 905 41 05, E-Mail: creutzig@mcc-berlin.net).

Weitere Informationen:

https://www.eurekalert.org/jrnls/pnas/16-06036.htm
http://www.mcc-berlin.de

Quelle: idw 

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Magensäureblocker: Ohne eindeutige Diagnose nicht langfristig einnehmen

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

Berlin - Protonenpumpeninhibitoren (PPI), auch Magensäureblocker genannt, gehören zu den hierzulande am häufigsten eingenommenen Medikamenten. Nach Angaben des aktuellen Arzneimittelverordnungs-Reports hat sich ihre Verordnung in den zurückliegenden zehn Jahren mehr als verdreifacht und lag 2015 bei rund 3,7 Milliarden definierten Tagesdosen (DDD, daily defined dose). Protonenpumpeninhibitoren sind wichtige Medikamente, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Sie würden jedoch vielfach auch bei Beschwerden eingesetzt, für die sie nicht geeignet seien.

In jüngster Zeit mehren sich Hinweise, dass eine langfristige Einnahme von PPI mehr Nebenwirkungen verursachen könnte, als bislang bekannt. Eine Dauermedikation sollte deshalb nur unter ärztlicher Betreuung und bei klar abgesicherter Diagnose erfolgen, empfiehlt die DGVS.

Protonenpumpeninhibitoren, umgangssprachlich auch Magensäureblocker oder Magenschutz genannt, reduzieren die Bildung von Magensäure. „Diese Medikamente sind wirksam und wichtig zur Behandlung und Vorbeugung bestimmter säureassoziierter Magenerkrankungen wie beispielsweise der Refluxkrankheit, der gastroduodenalen Ulkuskrankheit, des Barrett-Ösophagus oder des Zollinger-Ellison-Syndroms", erklärt DGVS-Experte Professor Dr. med. Matthias Ebert, Direktor der II. Medizinischen Klinik, Universitätsmedizin Mannheim. „In manchen Fällen ist auch ihr Einsatz als ‚Magenschutz‘, also als Vorsorge von Magenblutungen, ausgelöst durch die langfristige Einnahme bestimmter Medikamente wie Acetylsalicylsaure oder nichtsteroidale Antirheumatika, sinnvoll und wichtig", so der Gastroenterologe.

Zu häufig aber würden Protonenpumpeninhibitoren auch bei Beschwerden angewandt, bei denen ihr Nutzen nicht wissenschaftlich nachgewiesen sei. Hierzu zählt vor allem ein Reizmagen. „Ein Reizmagen-Syndrom ist nicht ganz leicht zu behandeln, denn seine Symptome und die Ursachen sind vielfältig. Aus Mangel an effizienten Therapien wird dann nicht selten auf PPIs zurückgegriffen", so Ebert. Die unkritische Einnahme von PPIs bei unspezifischen und teils auch ernährungsbedingten Magenbeschwerden - etwa Aufstoßen, Völlegefühl oder Übelkeit - werde zudem dadurch begünstigt, dass die Medikamente auch freiverkäuflich in Apotheken abgegeben würden. Aus dem gelegentlichen Griff zu den PPIs kann schnell eine Dauereinnahme werden. Grund: Beim abrupten Absetzen eines PPI kann es bei manchen Patienten zu einer überschießenden Produktion von Magensäure kommen - dann treten die Symptome, gegen die das Medikament eingenommen wurde, eine gewisse Zeit lang sogar noch verstärkt auf. „Dies führt nicht selten dazu, dass Patienten das Medikament dann weiter einnehmen und langfristig dabei bleiben", so Ebert.

In jüngster Zeit mehren sich Hinweise und Studien, dass eine langfristige Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren - über mehrere Monate oder sogar Jahre - mit möglichen Nebenwirkungen assoziiert ist. Zu den unter Wissenschaftlern diskutierten möglichen Risiken zählen insbesondere ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche und eine Veränderung der Darmflora. Verschiedene Untersuchungen zeigten auch, dass bei langfristiger Einnahme von PPI die Rate an Darminfektionen mit Erregern wie Clostridium difficile oder Campylobacter zunahm. „Hier muss man jedoch betonen: Bei vielen der vermuteten Nebenwirkungen ist die Studienlage bislang noch dürftig und teils auch widersprüchlich", sagt DGVS-Pressesprecher Professor Dr. med. Christian Trautwein aus Aachen. Gesicherte Erkenntnisse gebe es bislang kaum - es brauche weitere, aussagekräftige Studien, um die aktuellen Hinweise zu belegen oder zu widerlegen.

„Dennoch müssen die aktuellen Hinweise Anlass dazu geben, die bislang recht unkritische Verschreibung und Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren zu überdenken", betont Trautwein. Bislang waren PPIs für ein sehr gutes Nutzen-Risiko-Verhältnis bekannt, weshalb die Verordnung oft sehr großzügig und die Indikationsstellung recht weit gefasst war - dies muss sich ändern."

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten rät: Protonenpumpeninhibitoren sollten nicht langfristig - über mehr als zwei Monate - ohne eine eindeutige, gesicherte Diagnose, die eine PPI-Therapie unabdingbar erfordert, eingenommen werden. Hierfür sei etwa ein Gastroenterologe der richtige Ansprechpartner. Von einer regelmäßigen Einnahme von PPIs ohne ärztliche Überwachung und klare Indikation rät die Fachgesellschaft ab.

Literatur:
Mössner, J, Magen-Darm-Mittel und Lebertherapeutika. In: Schwabe, U., Paffrath, D. (Hrsg), Arzneimittelverordnungs-Report 2016, Berlin Heidelberg: Springer 2016. http://www.springer.com/de/book/9783662503508

Ueberschaer, H., Allescher H.D., Protonenpumpenhemmer - Nebenwirkungen und Komplikationen der langfristigen Protonenpumpenhemmereinnahme, Z Gastroenterol 2017; 55(01): 63-74, DOI: 10.1055/s-0042-121265 https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0042-121265

Buendgens L, Bruensing J, Matthes M, Dückers H, Luedde T, Trautwein C, Tacke F, Koch A., Administration of proton pump inhibitors in critically ill medical patients is associated with increased risk of developing Clostridium difficile-associated diarrhea. J Crit Care. 2014 Aug; 29(4):696.e11-5. http://dx.doi.org/10.1016/j.jcrc.2014.03.002

Mössner, J, The indications, applications, and risks of proton pump inhibitors - a review after 25 years. Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 477-83. DOI: 10.3238/arztebl.2016.0477 http://www.aerzteblatt.de/pdf/113/27/m477.pdf

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 5000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane - zum Wohle des Patienten. Mehr Informationen finden Interessierte unter http://www.dgvs.de oder im aktuellen DGVS-Video https://www.youtube.com/watch?v=Orv-uHE1fls.

Weitere Informationen:
http://www.dgvs.de

Quelle: idw 

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Moderner Wasserbau ist komplex

Doris Keßler Hochschulkommunikation
Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

Das Team um den Organisator Prof. Dr.-Ing. habil. Dirk Carstensen gilt im deutschsprachigen Raum als eine der profilierten Adressen für innovative Ansätze im Wasserbau und trägt wesentlich zur Generierung neuen Wissens in der Branche bei. Zum Nürnberger Wasserbau-Symposium stellten die Organisatoren spannende Projekte mit hoher Komplexität und neue Konzepte von renommierten Experten aus Verwaltungen, Unternehmen, Universitäten und Hochschulen vor.

Moderner Wasserbau ist komplex und adressiert viele technische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen. Bundesweit renommierte Sprecher, u.a. von der TH Nürnberg, präsentierten auf dem Nürnberger Wasserbau-Symposium die Bandbreite aktueller Fragestellungen: Die ökologische Optimierung und Effizienzsteigerung bei der Bereitstellung von Energie, der Hochwasserschutz, die Erhöhung der Sicherheit bei gleichzeitiger Kostensenkung durch die Simulation von wasserbaulichen Anlagen, die verkehrswasserbaulichen Herausforderungen an Binnenwasserstraßen und der urbane Wasserbau - die Themen des Symposiums decken wichtige Bedürfnisse einer modernen Industriegesellschaft ab.

Dr.-Ing. Andreas Schmidt, Leiter Wasserbau Binnenbereich in der Bundesanstalt für Wasserbau, erläutert die Herausforderungen des modernen Verkehrswasserbaus: „In Zukunft bedeutet das vermehrt, die Leistungsfähigkeit des Wasserstraßennetzes angesichts steigender Verkehrsintensität, knapper Finanzmittel und möglicher Änderungen der Abflussregulierung durch einen möglichst großen Erhalt der Substanz sowie durch eine maßvolle und naturverträgliche Optimierung und Rationalisierung des Betriebs zu steigern oder zumindest zu erhalten."

Moderner Wasserbau bietet auch Optionen für die technische Ausbauplanung von Erneuerbaren Energien, so Prof. Dr.-Ing. Holger Schüttrumpf, Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft an der RWTH Aachen: „Durch den starken Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland werden immer mehr Speichermöglichkeiten benötigt. Eine interessante Alternative sind unterirdische Pumpspeicherwerke mit unterirdischen Kavernensystemen. Wir erforschen die Ausbauplanung von Kavernen der Zukunft, bevor Detailuntersuchungen für spezielle Kraftwerksvorhaben durchgeführt werden. Eine Realisierung führt aus strömungstechnischen Gesichtspunkten zwar zu großen Herausforderungen, sie sollte aber möglich sein. Die bislang genutzten 3D- und 2D-Modellverfahren sind für eine Strömungssimulation geeignet."

Die TH Nürnberg setzt mit dem von Prof. Dr.-Ing. habil. Dirk Carstensen geleiteten Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft starke Impulse: „Die TH Nürnberg engagiert sich bundesweit und in der Metropolregion Nürnberg in der Entwicklung moderner, optimierter Anlagen für die Regelung und Hochwasserentlastung, zur Wasserkraftnutzung oder zur ökologischen Durchgängigkeit der Fließgewässer gemäß Europäischer Wasserrahmenrichtlinie, wie beispielsweise Auf- und Abstiegsanlagen für Fische und Benthosfauna."

Im Zentrum der wasserbaulichen Forschungsaktivitäten an der TH Nürnberg steht das Institut für Wasserbau und Wasserwirtschaft als moderne Lehr- und Forschungseinrichtung mit hervorragenden Kontakten zu in- und ausländischen Hochschulen und Universitäten. Dort laufen zahlreiche Forschungsprojekte auf dem Gebiet der Strömungsmechanik im Bauingenieurwesen, des Wasserbaus und der Wasserwirtschaft: Physikalischen Versuche zu Hochwasserentlastungsanlagen an verschiedenen Talsperren oder Klimadatenanalysen und Simulationen zur Eis- und Wellenbelastung auf dem Großen Brombachsee. Auftraggeber sind Behörden wie Wasserwirtschaftsämter und Unternehmen, häufig in Zusammenarbeit mit Ingenieurbüros. Durch die Ausstattung des Labors und die Expertise von Prof. Dr. Carstensen und seinem Team ist es möglich, wasserbauliche Probleme im physikalischen Versuch und gleichzeitig in der hydrodynamischen oder numerischen Simulation anzugehen.

Quelle: idw 

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LED-Lampen könnten für die Augen toxisch sein

Marie de Chalup Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Ein Forschungsteam des Inserm hat gezeigt, dass LED-Lampen potenziell toxisch für die Augen sind. Diese Lampen kommen täglich zum Einsatz und könnten die altersbedingte Makuladegeneration aufgrund bestimmter Wellenlängen fördern.

Zur Untersuchung dieses Problems wurden Ratten in drei Gruppen aufgeteilt, um die Wirkungen verschiedener Lichtarten zu vergleichen - LED-Lampe, Glühbirne und Kaltkathodenlampe (Leuchtröhre). Die Forscher setzten die Ratten zunächst über 24 Stunden einer hohen Lichtintensität (6000 Lux) aus und konnten beobachten, dass unabhängig von der Lichtquelle ein Entzündungsprozess einsetzte, der den Zelltod (Apoptose) förderte. War die Lichtintensität geringer (500 Lux, wie in einer normalen Wohnung), wurde die Netzhaut der Ratten nur durch das LED-Licht beeinträchtigt, jedoch nicht von den anderen Lichtquellen.

Die Ursache dieser Schädigungen liegt im blauen Licht begründet, das in LED-Lampen mit gelbem Licht vermischt wird, um weißes Licht zu erzeugen. Diese Lampen werden heute sehr häufig eingesetzt, weil sie wirtschaftlicher und seit 2005 von der Europäischen Kommission vorgeschrieben sind. Weitere Forschungen sind also notwendig, um das mögliche Phototoxizitätspotenzial von LED-Lampen vollständig aufzudecken.

Quellen: "Les LED, pas si inoffensives que ça...", Artikel von der Webseite des Inserm, 04.01.2017 - http://www.inserm.fr/actualites/rubriques/actualites-recherche/les-led-pas-si-in...

"Les LED sont-elles dangereuses pour nos yeux ?", Artikel aus Le Monde, 06.01.2017 - http://www.lemonde.fr/les-decodeurs/article/2017/01/06/les-led-sont-elles-danger...

Redakteurin: Laura Voisin, laura.voisin@diplomatie.gouv.fr

Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de

Quelle: idw 

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"Entengrütze": Kleine Pflanzen, große Chancen

Stephan Laudien Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Wissenschaftler der Universität Jena erforschen das Potenzial von Wasserlinsen

Wolffia globosa, eine kleine wurzellose Wasserlinse, hat offenbar das Zeug, ganz groß rauszukommen. Wissenschaftler der Universität Jena haben jetzt in Kooperation mit Fachkollegen in Indien und Deutschland das Potenzial verschiedener Wasserlinsen für die menschliche Ernährung untersucht. Die Ergebnisse sind vielversprechend. Veröffentlicht werden sie unter dem Titel „Nutritional value of duckweeds (Lemnaceae) as human food" in der renommierten Zeitschrift „Food Chemistry".

„Die Wasserlinsen könnten durchaus als Proteinquelle für die menschliche Ernährung dienen", sagt Prof. Dr. Gerhard Jahreis von der Universität Jena. Nicht von ungefähr würden Wasserlinsen „grüne Maschinen" genannt, fügt der Ernährungswissenschaftler hinzu. Jahreis sagt, die Wasserlinsen seien in ihrem Proteingehalt vergleichbar mit Lupine, Raps oder Erbsen. So liege der Proteinertrag bei 30 Prozent der Trockenmasse. Außerdem enthielten die Pflanzenwinzlinge wertvolle omega-3-Fettsäuren, wie Stearidonsäure und alpha-Linolensäure. Mögliche Einsatzgebiete der Wasserlinsen seien die beliebten Smoothies oder Gebäck, das glutenfrei produziert wird.

„Die Wasserlinsen vermehren sich sehr rasch, benötigen aber keine zusätzlichen Anbauflächen", sagt PD Dr. Klaus Appenroth von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Angesichts schwindender Ackerflächen sei das ein enormer Vorteil gegenüber beispielsweise Soja. Bereits seit Jahrtausenden würden Wasserlinsen in asiatischen Ländern wie Thailand, Kambodscha und Laos auf dem Speiseplan stehen. Appenroth hat als Pflanzenphysiologe beinahe sein gesamtes Forscherleben an der Universität Jena den Pflanzenwinzlingen gewidmet und u. a. eine umfangreiche Sammlung von Lemnaceae (deutsch: Wasserlinsengewächse) angelegt. Er verweist besonders auf die Art Wolffia globosa, die in Asien als Suppe, Gemüsebeilage oder Omelette auf die Tische kommt. In den aktuellen Tests der Forschergruppe schnitt Wolffia globosa am vielversprechendsten ab.

Bislang würde die „Entengrütze" nicht kultiviert, sondern einfach von Gewässern „geerntet". Gleichwohl gebe es erste Versuchsanlagen in Israel und den Niederlanden, in denen Wasserlinsen im industriellen Maßstab erzeugt werden. Wolffia globosa sind nur 0,7 bis 1,5 mm groß, von kugliger Gestalt und ohne Wurzeln. Sie vermehren sich vegetativ so rasch, dass die „Entengrütze" in kurzer Zeit ganze Gewässeroberflächen bedeckt. Für eine Nutzung der Pflanzen in der menschlichen Ernährung spricht zudem, dass Wasserlinsen problemlos Spurenelemente aufnehmen können, die im Wasser gelöst sind. So ließen sich ernährungsbedingte Mangelerscheinungen mit geringem Aufwand ausgleichen.

Weitere potenzielle Einsatzgebiete der Wasserlinsen sind Fischzucht und Gewässerreinigung. Die Winzlinge könnten zudem zur Herstellung von Bio-Ethanol eingesetzt werden.

Original-Publikation:
Klaus-J. Appenroth, K. Sowjanya Sree, Volker Böhm, Simon Hammann, Walter Vetter, Matthias Leiterer, Gerhard Jahreis: „Nutritional value of duckweeds (Lemnaceae) as human food"; Food Chemistry; DOI: 10.1016/j.foodchem.2016.08.116

Kontakt:
PD Dr. Klaus Appenroth
Institut für Allgemeine Botanik und Pflanzenphysiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Straße 159, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949233
E-Mail: Klaus.Appenroth@uni-jena.de

Prof. Dr. Gerhard Jahreis
Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Straße 24, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949610
E-Mail: b6jage@uni-jena.de

Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Quelle: idw 

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Wärmewende für Berlin - Forschungsprojekt gestartet

Richard Harnisch Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Institut für ökologische Wirtschaftsforschung GmbH, gemeinnützig

► Wie kann Berlin umwelt- und klimaschonender mit Wärme versorgt werden?
► Wichtiger Baustein im Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm
► Bernd Hirschl: „Keine Klimaneutralität ohne Wärmewende"

In Deutschland wird ein Drittel der Energie genutzt, um Raumwärme und Warmwasser zu erzeugen - bislang ganz überwiegend auf Basis fossiler Brennstoffe. Während die Energiewende in der Stromerzeugung bereits fortgeschritten ist, fehlen Ansätze für eine umwelt- und klimaschonende Wärmeversorgung bislang weitgehend. Das neue Forschungsprojekt „Urbane Wärmewende" entwickelt nun am Beispiel der Stadt Berlin Empfehlungen für eine sozial-ökologische Transformation der Energieinfrastrukturen.

„Mit den Forschungsergebnissen möchten wir den neuen Berliner Senat, aber auch Politik, Verwaltung, Unternehmen und die Zivilgesellschaft unterstützen, etwa bei Themen wie einer urbanen Wärmeplanung, bei der Identifikation von Quartierslösungen oder bei der stärkeren Kopplung der Sektoren Strom und Wärme", sagte Projektleiter Bernd Hirschl vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). Das dreijährige Projekt führt das IÖW gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, der TU Berlin, der Universität Bremen und weiteren Partnern mit Förderung des Bundesforschungsministeriums durch. Unter http://www.urbane-waermewende.de stellt sich das Projekt vor.

Drei Berliner Kieze werden „Reallabore"
In dem Projekt werden drei Berliner Stadtteile zu sogenannten „Reallaboren", in denen unterschiedliche Wärmeszenarien simuliert und bewertet werden. Die Wissenschaftler/innen folgen dabei dem Leitbild einer urbanen Wärmewende - eine städtische Wärmeversorgung, die umwelt- und sozialverträglich sowie intelligent mit anderen Infrastrukturen vernetzt und resilient gestaltet ist. Hierbei arbeiten die Forscherinnen und Forscher in verschiedenen Arbeitsformaten eng mit Akteuren aus der Praxis zusammen, um etwa folgende Fragen zu beantworten: Welche Entwicklungsoptionen der Wärmeversorgung sind auf Basis weitgehend CO2-freier Energieerzeugung machbar und wie können sie bewertet werden? Wie verwundbar oder robust sind die Energiesysteme? Welche Governanceformen eignen sich, und welches Zusammenspiel von privaten und öffentlichen Akteuren ist sinnvoll? Und nicht zuletzt: Wie ist die Wärmewende betriebswirtschaftlich, wie kommunalwirtschaftlich zu bewerten?

Wärme-, Gas- und Strominfrastrukturen intelligent vernetzen
„Für eine klimaschonende Wärmeversorgung haben Städte eigene Herausforderungen und Potenziale", sagte Hirschl. „Aufgrund der hohen Nachfrage in Ballungsräumen können Haushalte und Gewerbe sowohl mit dezentral hergestellter Wärme als auch über das Leitungsnetz versorgt werden." Derzeit werden verschiedene Möglichkeiten diskutiert, es bestehen aber noch große Unsicherheiten bei politischen Entscheidern, welche Aspekte bei der zukünftigen Wärmeversorgung wichtig sind. Energieexperten sehen einen Schlüssel für das Gelingen der Energiewende insbesondere darin, die unterschiedlichen Energieinfrastrukturen (Strom, Wärme, Gas) noch mehr und intelligenter miteinander zu vernetzen.

Wärmewende: Großer Baustein im Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm
Fast die Hälfte der CO2-Emissionen Berlins fallen derzeit durch die Wärmeversorgung im Gebäudebereich an. Diese müssen bis 2050 drastisch gesenkt werden, so sieht es das im vergangenen Jahr vom Senat beschlossene Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm vor, das die neue Berliner Regierung umsetzen will, um Berlin damit zu einem Vorreiter im Klimaschutz und in der Energiewende zu machen.

Den Entwurf für das Programm hatte das IÖW mit mehreren Partnern in einem breiten Beteiligungsprozess erarbeitet. „Mit dem Projekt ‚Urbane Wärmewende‘ nehmen wir uns nun eine der härtesten Nüsse vor, die Berlin auf seinem Weg in die Klimaneutralität zu knacken hat", ordnete Hirschl die Bedeutung einer nachhaltigen Wärmeversorgung für Berlin ein. „Ohne erfolgreiche Wärmewende wird Berlin nicht klimaneutral werden können."

Andere Städte sollen von den Erkenntnissen aus dem Berliner Projekt lernen können, so der Anspruch der Wissenschaftler, die sich vorgenommen haben, verallgemeinerbare Erkenntnisse zu urbanen Transformationsprozessen hin zur Wärmewende zu erarbeiten.

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Über das Projekt
Das Projekt „Urbane Wärmewende - Partizipative Transformation von gekoppelten Infrastrukturen mit dem Fokus auf die Wärmeversorgung am Beispiel Berlin" wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in der Fördermaßnahme „Nachhaltige Transformation urbaner Räume" des Programms Sozial-ökologische Forschung (SÖF) gefördert. Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung arbeitet im Projekt mit Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, der Technischen Universität Berlin und der Universität Bremen zusammen. Projektleiter ist Prof. Dr. Bernd Hirschl vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung.

Mehr Informationen unter: http://www.urbane-waermewende.de

Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) ist ein führendes wissenschaftliches Institut auf dem Gebiet der praxisorientierten Nachhaltigkeitsforschung. 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erarbeiten Strategien und Handlungsansätze für ein zukunftsfähiges Wirtschaften - für eine Ökonomie, die ein gutes Leben ermöglicht und die natürlichen Grundlagen erhält. Das Institut arbeitet gemeinnützig und ohne öffentliche Grundförderung.
http://www.ioew.de

Weitere Informationen:
http://www.urbane-waermewende.de

Quelle: idw 

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Wasser- der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs?

Susanne Héjja Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Aktuell nimmt die Landoberfläche etwa ein Viertel der anthropogenen Kohlendioxidemissionen aus der Atmosphäre wieder auf. Ob die Aufnahmefähigkeit dieser Kohlenstoffsenke erhalten bleibt und wie sie sich zukünftig weiterentwickeln wird, ist ungewiss. Wie sie reguliert wird, konnte nun eine Forschergruppe unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie näher beleuchten: Global gesehen werden jährliche Schwankungen der Kohlenstoffsenke vornehmlich durch die Temperatur bestimmt. Blickt man aber auf die lokale Ebene, so ist die Wasserverfügbarkeit der dominierende Faktor.

Die neue Studie zeigt auch, wie kompensierende Effekte der Wasserverfügbarkeit zu den Unterschieden zwischen lokalen und globalen Skalen führen.

Der aktuell fortschreitende Klimawandel ist gekennzeichnet durch steigende Kohlendioxidkonzentrationen in der Atmosphäre, die mit einer globalen Erwärmung einhergehen. Der seit Jahrzehnten gemessene Anstieg von atmosphärischem CO₂ variiert allerdings erheblich von Jahr zu Jahr. Diese Variationen haben ihre Ursache vor allem in Schwankungen in der Kohlenstoffaufnahme durch die Landökosysteme und weniger in einer veränderter Aufnahme durch die Ozeane oder in Schwankungen der anthropogenen Emissionen.

Wie wird diese Landsenke reguliert? Die Frage, ob eher die Temperatur oder das Wasser das Aufnahmevermögen der Landvegetation bestimmen, wird unter den Wissenschaftlern kontrovers diskutiert. Nach heutigem Wissensstand stehen die jährlichen, globalen Schwankungen des Kohlenstoffhaushalts in statistischem Zusammenhang mit tropischen Temperaturen. Allerdings zeigen andere Untersuchungen, dass die stärksten Schwankungen in der Kohlenstoffaufnahme in großräumigen Gebieten auftreten, wo Wasserknappheit herrscht.
Dieser scheinbare Widerspruch konnte nun durch ein internationales Expertenteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena erklärt werden. In einem aktuellen Artikel des Wissenschaftsjournals Nature beschreiben Dr. Martin Jung und seine Teamkollegen, wie sie durch Kombination empirischer und prozessbasierter Computermodelle die Wirkung von Temperatur und Wasserverfügbarkeit auf den Kohlenstoffaustausch zwischen der Atmosphäre und der Landoberfläche auf unterschiedlichen Größenskalen analysierten.

Es zeigte sich, dass auf lokaler Ebene die Verfügbarkeit von Wasser entscheidend ist für die Jahr-zu-Jahr-Schwankungen der Kohlenstoffsenke. Die Wasserverfügbarkeit beeinflusst die Photosynthese, bei der Kohlendioxid aufgenommen wird und auch die Atmung der Pflanzen und Mikroorganismen, die wiederum CO₂ in die Atmosphäre abgeben. In der Summe wird der Nettoaustausch von CO₂ zwischen der Atmosphäre und der terrestrischen Biosphäre stark davon bestimmt, wieviel Wasser vorhanden ist. Eigenartigerweise werden auf globaler Ebene die Schwankungen im Nettoaustausch überwiegend durch die Temperatur reguliert.

"Was im ersten Moment als paradox erscheint, lässt sich mit einem Blick auf die verschiedenen räumlichen und zeitlichen Schwankungen im Zusammenspiel der Biosphäre und der Atmosphäre erklären", erläutert Dr. Martin Jung, Erstautor der Veröffentlichung. „Es gibt zwei sich kompensierende Wasser-Effekte." Die stärkste Kompensation entsteht durch ungleichmäßig auftretende Auswirkungen von außergewöhnlichen Wasseranomalien. „Wenn es in einem Gebiet der Erde sehr trocken ist, ist es in anderen Gebieten sehr feucht, so dass sich weltweit wasserbedingte Anomalien im Netto-Austausch des Kohlenstoffs gegenseitig fast aufheben." Das Wasser ist also der eigentliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs, auch global gesehen.

Die Ergebnisse der Studie klären nicht nur die scheinbar widersprüchlichen Ergebnisse zur Frage, ob das Wasser oder die Temperatur die Stärke der Landsenke bestimmen. Sie zeigen auch, wie wichtig es ist, das Augenmerk auf die Abweichungen von Klimavariablen in unterschiedlichen Untersuchungsräumen zu richten. „Die schlichte Beziehung zwischen der Temperatur und der globalen Kohlenstoffsenke an Land sollte man mit Vorsicht betrachten", resümiert Professor Markus Reichstein, Koautor der Untersuchungen und Direktor am Max-Planck-Institut für Biogeochemie, „sie sollte nicht für Rückschlüsse auf ökologische Prozesse oder gar Langzeitprognosen dienen."

Originalveröffentlichung:
Jung, M. et al. (2017).Compensatory water effects link yearly global land CO₂ sink changes to tem-perature. doi: 10.1038/nature20780

Kontakt:
Dr. Martin Jung
Email: mjung@bgc-jena.mpg.de
Tel: +49 (0)3641- 57 6261

Prof. Dr. Markus Reichstein
Email: mreichstein@bgc-jena.mpg.de
Tel: +49 (0)3641- 57 6200

Quelle: idw 

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www.tarifrunde-2017.de: Aktuelles zu Kündigungsterminen, Forderungen, Verhandlungen und Ergebnissen

Rainer Jung Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Service des WSI-Tarifarchivs
www.tarifrunde-2017.de: Aktuelles zu Kündigungsterminen, Forderungen, Verhandlungen und Ergebnissen

Die Tarifrunde 2017 hat begonnen. Die Forderungen für einige Branchen liegen bereits auf dem Tisch, erste Verhandlungen haben schon stattgefunden. Insgesamt laufen in diesem Jahr Tarifverträge für rund 11,4 Millionen Beschäftigte aus. Das WSI-Tarifarchiv der Hans-Böckler-Stiftung dokumentiert auch in diesem Jahr das Tarifgeschehen in den wichtigsten Branchen und Tarifbereichen zeitnah und im Detail. Alle Informationen finden sich unter der Webadresse www.tarifrunde-2017.de.

Ausgewählte Kündigungstermine:
- Dezember 2016: Öffentlicher Dienst Länder (ohne Hessen)
- Januar: Textil und Bekleidungsindustrie West
- Februar: Eisen- und Stahlindustrie, Energie Ost (AVEU)
- März: Versicherungsgewerbe
- März - April: Groß- und Außenhandel
- März - Juni: Einzelhandel
- April: Kfz-Gewerbe (regional), Textilindustrie Ost
- Juni: Wohnungs- und Immobilienwirtschaft
- September: Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau
- Oktober: Gebäudereinigerhandwerk
- Dezember: Metall- und Elektroindustrie

Weitere Kündigungstermine im ausführlichen Kündigungsterminkalender.
Tarifforderungen und -verhandlungen:
Die Lohnforderungen bewegen sich bislang zwischen 4,5 und 6 Prozent. In der Textil- und Bekleidungsindustrie wird bereits seit Dezember verhandelt. Im Öffentlichen Dienst fand am 18.1. die erste Verhandlungsrunde statt.

Zu ausgewählten Branchen berichtet der Online-Service des Tarifarchivs nach Möglichkeit tagesaktuell über den Fortgang der Verhandlungen und ihre Ergebnisse.

Frühere Tarifabschlüsse:
Die WSI-Tarifdatenbank informiert mit zwei Klicks über die wichtigsten Tarifabschlüsse der vergangenen Jahre. Eine Bilanz der Tarifrunde 2016 liegt ebenfalls vor. Eine ausführliche Analyse des Tarifjahrs 2016 liefert der soeben erschienene Tarifpolitische Jahresbericht: http://www.boeckler.de/pdf/p_ta_jb_2016.pdf

Ansprechpartner in der Hans-Böckler-Stiftung
Dr. Reinhard Bispinck
Leiter WSI-Tarifarchiv
Tel.: 0211 / 77 78-232
E-Mail: Reinhard-Bispinck@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211 / 77 78-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Weitere Informationen:
https://www.facebook.com/wsi.tarifarchiv - Weitere Infos gibt es bei Facebook
https://twitter.com/wsitarifarchiv - Twitter

Quelle: idw 

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Solarien bergen Gesundheitsgefahren

Ina Stelljes PB2/ Pressearbeit
Bundesamt für Strahlenschutz

Internationale Experten stützen Warnung des BfS vor Solariennutzung

Wer Solarien nutzt, geht Gesundheitsrisiken ein. Diese Warnung, die das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bereits in der Vergangenheit ausgesprochen hat, bestätigen internationale Experten. Die Europäische Kommission und ihr Wissenschaftlicher Ausschuss für Gesundheits-, Umwelt- und Schwellenrisiken (SCHEER) haben jüngst eine Stellungnahme zu den gesundheitlichen Folgen von UV-Strahlung veröffentlicht. Dabei bewertete das Gremium insbesondere auch die Nutzung künstlicher UV-Strahlung in Solarien.

Das wissenschaftliche Gremium kommt unter anderem zu dem Schluss, dass der Zusammenhang zwischen Solariennutzung und Hautkrebserkrankungen eindeutig ist und es keine gesundheitlich sichere UV-Bestrahlung in Solarien gibt. „Die Stellungnahme des Wissenschaftlichen Ausschusses der EU unterstreicht unser Engagement für den UV-Schutz", so Ina Stelljes vom BfS. „Die gesundheitlichen Risiken der UV-Strahlung, die unter Wissenschaftlern unstrittig sind, werden immer wieder unterschätzt."

So wirbt die Branche teilweise damit, dass sich mit künstlicher UV-Strahlung einem angeblich drohenden Vitamin-D-Mangel begegnen ließe. Zwar ist es richtig, dass ein Teil der UV-Strahlung zur Bildung von Vitamin D nötig ist. SCHEER stellt dazu aber klar, dass die gesundheitlichen Risiken, insbesondere für Hautkrebs, die Vorteile bei weitem überwiegen. Für die Vitamin-D-Bildung reichen maßvolle Aufenthalte in der Sonne, sagen Experten verschiedener Fachrichtungen übereinstimmend. Im Winter wird das im Sommer gespeicherte Vitamin D vom Körper genutzt. Die BfS- und die EU-Wissenschaftler sehen daher keine Notwendigkeit, Solarien zur Vitamin-D-Bildung zu nutzen.

Das BfS hatte bereits 2014 eine wissenschaftsbasierte und gemeinsam mit 19 weiteren Fachorganisationen getragene „Empfehlung zu UV-Strahlung und Vitamin-D" herausgegeben. Darin wird „dringend von starken, nicht ärztlich kontrollierten UV-Bestrahlungen (Sonne oder Solarium) zum Zweck der Vitamin-D-Bildung, der Selbsttherapie eines Vitamin-D-Mangels oder der Bräunung" abgeraten.

Das BfS setzt sich bereits seit Jahren unter anderem für eine Regulierung des Solarienbetriebs ein. Per Gesetz ist es seit August 2009 in Deutschland verboten, Minderjährige Solarien nutzen zu lassen. Eine Verordnung regelt darüber hinaus Gerätestandard, Betrieb sowie Einsatz, Aufgaben und Qualifikation von Fachpersonal für Solarien.

Zum Thema
Stellungnahme SCHEER

http://ec.europa.eu/health/scientific_committees/scheer/opinions/index_en.htm

BfS Info zu Solarien
http://www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/solarien/solarien_node.html

UMID-Artikel „UV-Schutz konkret - Solarienregulierung"
https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/360/publikationen/umid...

Solarien-Check
http://www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/solarien/check/check_node.html

Empfehlung zu UV und Vitamin D
http://www.bfs.de/DE/themen/opt/uv/wirkung/akut/empfehlung.html

Quelle: idw 

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Vom Phosphorrezyklat zum intelligenten langzeitverfügbaren Düngemittel - Projektstart

Marie-Luise Righi Marketing und Kommunikation
Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

Phosphatdünger aus Klärschlammasche herzustellen ist Ziel des vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderten Forschungsprojektes PRiL. Dabei wird auf der Basis des biochemischen P-bac-Verfahrens rückgewonnene Phosphat zu einem marktfähigen Düngemittel weiterentwickelt. Ein besonderes Augenmerk liegt zudem auf der Wiederverwertbarkeit der im Verfahren entstehenden Reststoffe.

Phosphor ist ein elementarer Bestandteil allen Lebens: Menschliche, tierische und pflanzliche Organismen brauchen Phosphor, um existieren zu können, er ist Bestandteil der DNA.

In der Landwirtschaft werden großflächig phosphathaltige Düngemittel eingesetzt, um die Erträge sichern und steigern zu können. Rund 90 Prozent des heute abgebauten Phosphats werden zu Düngemitteln verarbeitet und landen so auf unseren Äckern. Das ist aus mehreren Gründen problematisch: Zum einen sind 75 Prozent der Phosphatreserven in Marokko und der Westlichen Sahara konzentriert. Die geopolitische Abhängigkeit ist also groß. Zum anderen sind Phosphaterze in zunehmendem Maße mit Schwermetallen (Cadmium und Uran) belastet. Recyceltes Phosphat hingegen ist im Vergleich zum Primärrohstoff weitaus weniger mit Schadstoffen angereichert. Anstatt Phosphat abzubauen, ist es also ökologisch und ökonomisch sinnvoll, Phosphat in großem Maße rückzugewinnen und es dem Kreislauf wieder zuzuführen, zum Beispiel in Form von Düngemitteln.

Hier setzt das Forschungsprojekt PRiL »Phosphorrückgewinnung und Entwicklung intelligenter Langzeitdünger« an. Unter der Leitung der Fraunhofer-Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS entwickeln die Forscher zusammen mit den Firmen Fritzmeier Umwelttechnik GmbH und ICL Fertilizers Deutschland GmbH einen Phosphat-Recyclingdünger aus Klärschlammasche. Basis ist das von der Firma Fritzmeier entwickelte P-Bac-Verfahren, das nun in den industriellen Maßstab aufskaliert werden soll.

Bakterien als effiziente Helfer bei der Phosphorrückgewinnung
Die Besonderheit des P-Bac-Verfahrens liegt in der Nutzung von Bakterien, mit denen Phosphor aus Klärschlammasche rückgewonnen werden kann. Bei dem sogenannten Bioleaching wird die Klärschlammasche sauer ausgelaugt, sodass eine phosphathaltige Lösung entsteht. Die Mikroorganismen übernehmen hierbei die Herstellung der für die Laugung der Asche nötigen Schwefelsäure. Bakterien der Gattung Acidithiobacillus nutzen elementaren Schwefel, um daraus durch Oxidation ihre Energie zu gewinnen. Diesen auch in der Natur ablaufenden Prozess macht man sich seit Jahren bei der Gewinnung von Gold, Kupfer, Zink oder Uran zunutze. Der P-Bac-Prozess bringt das Bioleaching erstmals bei der Rückgewinnung von Phosphat zur Anwendung. Nach dem Prozess des Auslaugens kann nun in einem zweiten Schritt der in den Bakterien gespeicherte Phosphat aus der Lösung rückgewonnen werden. Durch den Einsatz der Bakterien reduziert sich die Verwendung von Chemikalien in der Recyclingphase auf ein Minimum.

Vom Rezyklat zum Düngemittel
In einem dritten Schritt wird nun mit Hilfe eines von der Firma ICL Fertilizers Deutschland GmbH optimierten physikalisch-chemischen Verfahrens aus dem Phosphorrezyklat ein für die Landwirtschaft effizientes und breit einsetzbares Düngemittel hergestellt. Die Düngewirksamkeit des Rückgewinnungsproduktes konnte bereits in vorangegangenen Untersuchungen belegt werden. Nun soll das Verfahren in den Industriemaßstab überführt werden. Dabei wird unter Beachtung des Düngemittelrechts ein besonderes Augenmerk auf die chemischen sowie physikalischen Eigenschaften des Düngemittels gelegt. Die Wiederverwendung der aus dem Prozess entstehenden Reststoffe gilt es dabei zu gewährleisten. Ziel ist, nicht nur ökologisch unbedenkliche Entsorgungsmöglichkeiten für die gelaugte Asche und die abgetrennten Schwermetalle zu finden, sondern aus den Reststoffen so weit wie möglich marktfähige Produkte zu entwickeln.

Die Projektpartner
Die Firma Fritzmeier Umwelttechnik GmbH unterstützt das Forschungsprojekt nicht nur durch das von ihnen entwickelte P-Bac-Verfahren, sondern begleitet das gesamte Vorhaben mit seiner Expertise im Bereich Bioleaching. Mit der ICL Fertilizers Deutschland GmbH ist ein führender Hersteller aus dem Bereich der Düngemittelindustrie als kompetenter Projektpartner gewonnen worden. Er verfügt über das nötige Know-how auf dem Gebiet der Düngemittelherstellung und -vermarktung. Die Fraunhofer-Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung ISC ist neben der Projektkoordination zuständig für die Verwertung der aus den Prozessen entstehenden Reststoffe. Als assoziierter Partner ist die Münchner Stadtentwässerung beteiligt. Sie liefert die Klärschlammasche für das Forschungsprojekt.

Die Projektlaufzeit von PRiL beträgt 30 Monate. Die Förderung des Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages. Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) im Rahmen des Programms zur Innovationsförderung.

Weitere Informationen:
http://www.isc.fraunhofer.de
http://www.iwks.fraunhofer.de

Quelle: idw 

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BMWi fördert innovative Verwertungsansätze: Biogene Rest- und Abfallstoffe für mehr Strom und Wärme

Bianca Stur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Biomasseforschungszentrum

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) investiert weitere 6 Mio. Euro in das seit 2008 laufende Förderprogramm „Energetische Biomassenutzung". Besonderes Augenmerk der neuen Förderphase liegt auf der Verwertung von bisher ungenutzten Rest- und Abfallstoffen, da hier die Chancen innovativer Technologie- und Wertschöpfungsansätze besonders hoch sind. Bis Ende 2019 entwickeln nun 14 neue Projekte Konzepte, Verfahren und effiziente Technologien für eine nachhaltige, klimafreundliche und dabei bezahlbare Bioenergie.

Aus einer zuverlässigen, umweltschonenden und dabei ökonomisch tragfähigen Transformation des Energiesystems ist die Biomasse nicht mehr wegzudenken. Mit 88 Prozent in der Wärmeerzeugung stellt Biomasse nach wie vor die wichtigste erneuerbare Wärmequelle dar. Auch auf dem Strommarkt ist trotz der Verlangsamung des Ausbaus von Stromerzeugungs-kapazitäten im Zuge der EEG-Novelle 2014 ein leichter Anstieg zu verzeichnen. Vor dem Hintergrund der energiepolitischen Ziele der Bundesregierung, die erneuerbaren Energien weiterhin stark auszubauen und hierfür die vielfältigen Potenziale der Biomasse zu nutzen, investiert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) weitere 6 Mio. Euro in das seit 2008 laufende Förderprogramm „Energetische Biomassenutzung".

Unter dem Dach des Förderprogramms finden sich vor allem Forschungs- und Demonstrations-vorhaben, die sich mit der kosten- und umwelteffizienten Wärme- und Stromerzeugung, Kraft-Wärme-Kopplung, Reststoffverwertung oder der Flexibilisierung und Integration bioenergetischer Anwendungen in das Gesamtsystem erneuerbarer Energien befassen.

Der Fokus der aktuell bewilligten Projekte liegt sowohl auf der Entwicklung effizienter Technologien und Prozesse als auch standortangepasster Wertschöpfungskonzepte in der Nutzung biogener Rest- und Abfallstoffe. Damit wird der Ausbau der erneuerbaren Energien vorangetrieben und perspektivisch der Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen gemindert. Insgesamt starten in der diesjährigen Förderperiode 14 Projekte mit 36 Partnern, vor allem aus Wissenschaft, Industrie (klein- und mittelständische Unternehmen) und Kommunen.

Die bunte Palette an Rest- und Abfallstoffen stammt in der aktuellen Förderrunde vom Hinterhof, über Park- und Grünflächen bis hin zu Kreuzfahrtschiffen. Das Ziel der Forscher ist die Entwicklung von ganzheitlichen Entsorgungs- und Verwertungskonzepten zur gekoppelten energetischen und stofflichen Nutzung. Ein besonderes Augenmerk wird auch auf Anwendungen gelegt, die in Kommunen effiziente Verwertungsoptionen im Abfallmanagement, hier vor allem auch im Biogasbereich eröffnen.
Zudem setzt das Förderprogramm auch einen klaren Schwerpunkt auf die Optimierung thermischer Prozesse, z. B. durch effizientere Regelungstechnik, Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) und Brennstoffzellen. Neben der technischen Seite werden fernen auch die Entwicklungsperspektiven der Bioenergie im Wärmemarkt der Zukunft analysiert.

Mit dieser Technologie- und Forschungsförderung soll die Umsetzung vielversprechender Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte erleichtert und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gestärkt werden.

Die einzelnen Vorhaben zusammengefasst im Überblick:

I. NEUE ENTSORGUNGSKONZEPTE für biogene Abfälle und deren optimierte energetische Nutzung:

FKZ 03KB107 Grün-OPTI / Optimierung der Erfassung, Aufbereitung und stofflich-energetischen Verwertung von Grüngut in Deutschland
Die Potenziale von getrennt erfassbaren Garten- und Parkabfällen (Grüngut) sind deutlich größer als die tatsächlich erfasste Menge. Derzeit wird jedoch mehr als die Hälfte ohne adäquate Nutzung entsorgt. Grüngut kann jedoch durch effiziente Techniken zu hochwertigem Kompost und Brennstoff aufbereitet werden. Dadurch könnten bei den derzeitigen Erfassungsleistungen von 4,7 Mio. Mg/a CO2-Einsparungen von 3,3 Mio. Mg jährlich erzielt werden. Neben einer Analyse der Wertschöpfungskette Grüngut in Deutschland werden auch die Steigerung der Getrennterfassung und die Optimierung der Aufbereitung von Grüngut untersucht.
Partner: Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH

FKZ 03KB108 Bio-DYN / Hemmnisanalyse für den dynamisierten Ausbau der Vergärung kommunalen Bioguts in Deutschland
Die energetisch-stoffliche Kaskadennutzung biogener Abfälle ist besonders effizient. Trotz des bekundeten Willens sowohl das stoffliche als auch das energetische Potenzial biogener Abfälle zu nutzen, werden derzeit kaum neue Anlagen zur Vergärung von Biogut umgesetzt und bestehende Anlagen nicht flexibilisiert. Dies obwohl erst ca. 20 % des erfassten Bioguts vergoren werden und gleichzeitig eine Ausweitung der Erfassung von Biogut erfolgt. Das Projekt Bio-DYN untersucht die Hemmnisse für (bisher) nicht umgesetzte Anlagenprojekte und vergleicht diese mit den Erfahrungen umgesetzter Projekte. Die Ergebnisse sollen zu einer realitätsnahen Bewertung der Hemmnisse und Konzepte in der Politik und Branche beitragen.
Partner: Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH, Ingenieurgemeinschaft IGLux - Witzenhausen GmbH

FKZ 03KB119 WAS2E / Waste and Sludge to Energy - Entsorgungskonzept für Schiffsabfälle internationaler Herkunft
Ziel des Projektes ist es, ein Verfahren zu entwickeln, dass es ermöglicht Schiffsabfälle und -abwasser, vor allem aus dem Kreuzfahrtbereich, anaerob zur Energieerzeugung zu nutzen. Die Einhaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen, insbesondere der Hygieneanforderungen, spielt dabei eine besondere Rolle. Die derzeit bestehenden Entsorgungskosten und negative Umwelteffekte sollen reduziert werden. Im Moment werden die zentral anfallenden Abfallstoffe meist in die Meere geleitet. Ursache sind fehlende Technologien und der gesetzte rechtliche Rahmen. Neben der anaeroben Behandlung werden Verfahren untersucht, mit denen der entstandene Gärrest einerseits verwertet und andererseits hygienisiert werden kann. Die hydrothermale Karbonisierung und die Pyrolyse stehen hier im Fokus.
Partner: Innovations- und Bildungszentrum Hohen Luckow e. V., ROSOMA - Sondermaschinen- und Anlagenbau GmbH, LMS Agrarberatung GmbH

FKZ 03KB116 STEP / Praxisnahe Erprobung einer Verfahrenskette für die gemeinsame energetische und stoffliche Verwertung strohbasierter Energiepellets und Geflügelmist in Biogasanlagen mit wärmeautarker Prozesswasseraufbereitung und Gärrestnutzung
Innerhalb des Verbundprojektes STEP werden wichtige Erkenntnisse aus bereits abgeschlossenen Vorlaufprojekten zur Vergärung alternativer Substrate (Stroh + Geflügelmist) sowie zur sauberen Verbrennung von Gärrückständen in einem größeren Maßstab demonstriert und weiter optimiert. Zielsetzung ist zum einen der Nachweis der Praxistauglichkeit von strohbasierten Energiepellets in einer großtechnischen Biogasanlage und zum anderen die weitere Verbesserung der Energiebilanz bei der gezielten Aufbereitung von Gärresten zu Wertstoffen und Prozesswasser. Weiterhin soll neben der Erzeugung von Düngeprodukten ein Brennstoff aus Gärresten erzeugt werden, welcher hinsichtlich seiner Verbrennungseigenschaften für eine direkte Nutzung in Heizkesseln geeignet ist. Zur weiteren Verbesserung der thermischen Gärrestnutzung wird die Verbrennungsstrecke in praktisch relevanten Heizkesseln hinsichtlich der Emissionsminimierung optimiert. Am Ende des Projektes stehen Auslegungsparameter für die gesamte Verfahrenskette für eine großtechnische Umsetzung zur Verfügung.
Partner: Fraunhofer IKTS, DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gGmbH, Rückert NatUrgas GmbH, GM Biogas GmbH & Co. KG, ATS - Agro Trading & Solutions GmbH, A.P. Bioenergietechnik GmbH, REGEB Energieerzeugung und -verteilung Bersenbrück GmbH & Co. KG

II. KOMMUNALE KONZEPTE zur Optimierung der energetischen Verwertung von biogenen Abfall- und Reststoffen:

FKZ 03KB110 Hybridkläranlage / Anlagenkonzept zum energieautarken Betrieb von kommunalen Kläranlagen
Die Hybridkläranlage macht die energetische Nutzung von Faulschlamm für kleine Gemeinden unter 10.000 EW dank des innovativen Konzepts der Verflüssigung ungenutzter, biogener Reststoffe wirtschaftlich. Der Betrieb eines eigenen Faulturms zur regenerativen Energiegewinnung und der energieautarke Betrieb wird so für Klärwerke der Größenklasse 1, 2 und 3 realisierbar.
Es ist geplant, kommunale Kläranlagen im Demonstrationsverfahren durch einen „Modularen Feststoff-Hydrolysator" sowie einem integrierten chemischen Energiespeicher im low tec Verfahren aufzurüsten. Dazu sollen die in den Gemeinden kostengünstig zur Verfügung stehenden biogene Rest- und Abfallstoffe wie Grasschnitt, Bioabfall oder Laub mit einem speziellen Verfahren zu Biogas umgewandelt und zusammen mit dem Faulgas kann so zusätzliches und wesentlich hochwertigeres Klärgas mit einem CH4-Gehalt von >80 % und einem Energieäquivalent von bis zu 250 kW zur Stromproduktion erzeugt werden.
Partner: Bio H2 Umwelt GmbH, Zweckverband Wasser und Abwasser Orla; Pößneck

FKZ 03KB117 BioAuto / Optimierung der thermischen Biomassenutzung durch Autoklavierung
Im Projekt werden Biomassereststoffe durch Autoklavieren der Feinfraktion zu einem lagerfähigen und flexibel einsetzbaren biogenen Festbrennstoff verarbeitet. Potenziale werden ermittelt und das innovative Verfahren in ein integriertes kommunales Konzept eingepasst. Dazu sollen insbesondere Grünschnitt, Laub und weitere biogene Stoffströme, die im derzeitigen Stoffstrommanagement der Stadtreinigung Hamburg (SRH) nicht oder nur eingeschränkt (d. h. ineffizient) energetisch genutzt werden, als Einsatzstoffe untersucht werden. Ziel der Autoklavierung ist es, aus den entsprechenden Stoffströmen Schad- und Störstoffe abzutrennen und einen entwässerten und damit lagerfähigen, höherwertigen biogenen Festbrennstoff zu erzeugen. Geplant ist eine Demonstrationsanlage zur Autoklavierung von max. 1 Mg/h, die am Standort einer Abfallbehandlungsanlage der SRH installiert werden soll.
Partner: TU Hamburg, ETH Umwelttechnik GmbH

FKZ 03KB111 SET-Laub / Systematische Ermittlung von Emissionsdaten bei der thermischen Umsetzung unterschiedlicher Laubfraktionen
Laub wird auf kommunaler Ebene im Zuge der Straßenreinigung, der Parkpflege und Bioabfallsammlung erfasst und meist kompostiert oder mit geringer Methanausbeute vergärt. Thermische Verfahren könnten die organische Substanz fast vollständig ausnutzen. Der Einfluss der Laub(mit)verbrennung auf die Emissionen wurde bisher jedoch nicht systematisch untersucht. Aus diesem Grund sollen im vorliegenden Forschungsvorhaben unter der Einhaltung der Anforderungen an die Feuerungsanlagen gemäß 4. BImSchV und TA Luft unterschiedliche Laubfraktionen in Mischungsanteilen mit einem konventionellen, holzartigen Brennstoff in einer bereits vorhandenen Verbrennungsanlage (400 kW) thermisch untersucht und ihre Eignung zur energetischen Nutzung demonstriert werden.
Partner: Fraunhofer UMSICHT, Netz Ingenieurbüro GmbH

III. OPTIMIERUNG DER THERMISCHEN NUTZUNG von Biomasse durch Regelungstechnik, KWK und Brennstoffzelle:

FKZ 03KB109 Kombinationssystem / Intelligentes Kombinationssystem zur regelungstechnischen Optimierung der Verbrennung und zur Vermeidung der Fehlbedingung in Biomasseheizkesseln durch den Einsatz modernster Sensorik
Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines innovativen Systems für die regelungstechnische Optimierung der Verbrennung, sowie für die rechtzeitige Erkennung der Fehlbedingung von Biomasseheizkesseln durch den Einsatz von einer neuen Sensorik zur Identifizierung von ungünstigen Betriebszuständen während der Verbrennung. Dieses Kombinationssystem soll im Technikum des Fraunhofer IBP entwickelt und in der Praxis an einem realen Biomasseheizkessel getestet und dauererprobt werden. Mit dieser Sensorik soll eine hohe Betriebszuverlässigkeit aufgrund von Fehlervermeidung durch den Bediener und eine verbesserte Wirtschaftlichkeit entstehen, sowie der Stand der Technik und die Effizienz der Biomasseheizkessel ohne großen technischen Aufwand angehoben werden. Ferner wird aufgrund der Reduzierung des Biomasseverbrauchs eine signifikante Schadstoffminderung in Wohngebieten erzielt (z. B. CO2, CO, PAKs, und VOCs).
Partner: Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP, HDG Bavaria GmbH, LAMTEC Mess- und Regeltechnik für Feuerungen GmbH & Co. KG

FKZ 03KB118 Dampf-KWK / Entwicklung eines Klein-KWK-Dampfmotors zur Nachrüstung von Feuerungsanlagen im mittleren Leistungsbereich
Kraftwärmekopplungsanlagen weisen in der Nutzung von Biomasse einen sehr hohen Gesamtwirkungsgrad auf. Ziel des Projekts ist es, Erkenntnisse zur Übertragung von etablierten KWK-Technologien im Leistungsbereich von 10-30 kWel auf Feuerungen mit biogenen Festbrennstoffen zu gewinnen, wobei der Fokus auf der Lösung typischer technischer Probleme (z. B. Wärmeübertrager) und der Verbesserung der Gesamteffizienz liegt. Durch Aufbau und Betrieb einer Demonstrationsanlage soll die Praxistauglichkeit der gewonnenen Erkenntnisse nachgewiesen werden.
Partner: DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gGmbH, Burkhardt GmbH

FKZ 03KB112 FlexSOFC / Verwertung biogener Schwachgase schwankender Qualität in Hochtemperaturbrennstoffzellen (SOFC)
Eine Verstromung von Holzgas kann beim Einsatz von minderwertigen Brennstoffen zum Problem werden, weil die Gasqualität Schwankungen unterworfen ist. Eine Umsetzung dieser Gase könnte ohne Zwischenabkühlung in Hochtemperaturbrennstoffzellen (SOFCs) realisiert werden, wenn eine geeignete Regelung der SOFC-Module entwickelt wird. In ein existierendes 1 kWel Brennstoffzellen-heizgerät wird dazu ein Wechselrichter mit Onlinediagnostik integriert. Nach Inbetriebnahme im Labor der FAU wird das optimierte System an einer realen Holzvergasungsanlage der Fa. Spanner flexibel betrieben und mit Brennstoffen unterschiedlicher Qualität demonstriert.
Partner: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, NOVUM Engineering GmbH

IV. MESSVERFAHREN zur Prozesssteuerung in Biogasanlagen:

FKZ 03KB120 LaserSize / Laserrückreflexions-basierte Analyse der Größenverteilung von Partikeln zur Ultraschall-gestützten Optimierung der Flüssigphase in Gärprozessen
Im Projekt wird ein neuartiges Verfahren zur Messung der Größenverteilung von Partikeln adaptiert, um die Aufbereitung von Substraten sowie der Vorbereitung und Behandlung in der Flüssigphase des Biogasprozesses zu optimieren. Die Lösung soll einfach in Bestandsanlagen integrierbar sein und Online-Messung autark auswertbar sein. Durch die Maßnahmen wird eine Erhöhung der Substratflexibilität und Anlageneffizienz angestrebt. Die Methodik wird exemplarisch an drei unterschiedlichen Praxisanlagen getestet.
Partner: Technische Universität Berlin, Sequip GmbH, Devad GmbH

FKZ 03KB115 OptiMand / Optimierter Einsatz von Mühlennachprodukten zur bedarfsgerechten Bioenergieproduktion durch innovative Überwachungs-, Mess- und Regelungsmethoden
Im Projekt soll die biogene Reststoffnutzung und Prozessflexibilisierung zur bedarfsgerechten Energieproduktion innerhalb eines flexiblen Hochlastvergärungsprozesses miteinander verbunden werden. Für die flexible Biogasproduktion auf Basis von Getreideabfällen und Mühlennachprodukten wir eine modellgestützte Prozessregelung weiterentwickelt und im Anlagenmaßstab erprobt. Neben herkömmlichen Prozessanalysedaten ist geplant dafür Onlinesensoren zur Erfassung flüchtiger organischer Säuren im Gasstrom sowie im Gärmedium (Halbleitersensor und mikrobielle elektrochemische Sensorplattform) einzubinden.
Partner: DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gGmbH, ICR - International Consulting Bureaux, S+B Service und Betrieb GmbH

V. STRATEGIEVORHABEN - Zukünftige Rolle der Bioenergie:

FKZ 03KB114 Bio-Strom-Wärme / Rolle der Bioenergie im Strom- und Wärmemarkt bis 2050 unter Einbeziehung des zukünftigen Gebäudebestandes
Das Ziel des Projekts besteht darin, die Rolle der energetischen Nutzung von Biomasse im Strom- und Wärmemarkt in Deutschland von 2020 bis 2050 modellgestützt zu analysieren. Die Szenarienanalyse berücksichtigt sowohl verschiedene Annahmen bzgl. des für den Strom- und Wärmemarkt zur Verfügung stehenden Angebots an Bioenergie als auch die Entwicklung von Heizungssystemen und des Wärmeschutzstandards im Gebäudebestand. Es werden Vor- und Nachteile verschiedener Einsatzpfade für die Bioenergie hinsichtlich Effizienz und Klimaschutzwirkung herausgearbeitet.
Partner: Öko-Institut e. V. Institut für angewandte Ökologie

FKZ 03KB113 BioplanW / Systemlösungen Bioenergie im Wärmesektor im Kontext zukünftiger Entwicklungen
Mit dem Projekt werden - unter umfassender Berücksichtigung der politischen Zielstellungen im Wärmebereich sowie von vorliegenden Biomassepotenzialabschätzungen, Energieszenarien und Technologieinformationen - die Entwicklungsperspektiven der Wärmeerzeugung aus Biomasse systematisch abgeschätzt. Dabei werden zum einen die gegenwärtig in der Entwicklung befindlichen Technologiekonzepte systematisiert und zum anderen ihre Wettbewerbsfähigkeit in verschiedenen Teilmärkten simuliert und die damit verbundenen Auswirkungen auf den Gesamtbeitrag zur Energieversorgung, den Klimaschutzbeitrag und die Effekte auf die Landnutzung bewertet und diskutiert.
Partner: DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gGmbH, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH - UFZ, Universität Kassel

Das Förderprogramm
Im Juni 2008 startete das Förderprogramm „Energetische Biomassenutzung". Das Programm wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert und war bisher mit rund 52 Millionen Euro ausgestattet. Nach fast achtjähriger Laufzeit umfasst das Programm 115 Verbundprojekte bzw. 300 Einzelprojekte, die zum Thema Biomasse als Energieträger forschen. Im Fokus stehen insbesondere Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur praxistauglichen Weiterentwicklung wettbewerbsfähiger Technologien, insbesondere in den Bereichen Verbrennung, Vergasung und Vergärung von Biomasse. Weitere Forschungsschwerpunkte sind systemflexible Anlagenkonzepte und Produkte für eine nachhaltige und effiziente Erzeugung von Strom und Wärme aus Biomasse, hier vor allem aus biogenen Rest- und Abfallstoffen. Fördermittelempfänger sind klassische Forschungseinrichtungen, aber vor allem auch klein- und mittelständische Unternehmen, die die Markteinführung bestimmter Technologien anstreben. Insgesamt sind seit 2009 rund 200 Institutionen im Programm beteiligt, davon über 90 KMUs. Die Programmbegleitung, angesiedelt am DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gGmbH, ist für die wissenschaftliche Begleitung und Öffentlichkeitsarbeit des Förderprogramms zuständig. Mit der fachlichen und administrativen Koordination desselben wurde der Projektträger Jülich (PtJ) beauftragt.

Kontakt
Projektträger Jülich (PtJ)
Lena Panning
Telefon: +49 (0) 30 20199-3132
E-Mail: l.panning@fz-juelich.de

Programmbegleitung des Förderprogramms
„Energetische Biomassenutzung"
Diana Pfeiffer - Projektkoordination
Telefon: +49 (0) 341 2434-554
E-Mail: diana.pfeiffer@dbfz.de

Bianca Stur - Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: +49 (0) 341 2434-439
E-Mail: bianca.stur@dbfz.de

Weitere Informationen:
http://energetische-biomassenutzung.de Programmportal des Förderprogramms
http://energetische-biomassenutzung.de/de/vorhaben.html Informationen über die aktuellen Projekte im Förderprogramm
http://ptj.de/bioenergie Informationen des PtJ zur Förderbekanntmachung sowie Hinweise zum Antragsprozedere
http://foerderportal.bund.de/easyonline Skizzeneinreichung mit dem easy-Online-Tool

Quelle: idw 

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Geothermie: Den Sommer im Winter ernten

Monika Landgraf Presse, Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

Abwärme im Boden zwischenspeichern und zu einem späteren Zeitpunkt wieder abrufen: So lautet das Ziel des Projekts GeoSpeicher.bw, das das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) koordiniert. Ganz konkrete Projekte wie die Nutzung der Abwärme eines Schwimmbads, die Kälte- und Wärmeversorgung eines Klinikums oder auch für das Elefantenhaus der Wilhelma in Stuttgart stehen auf dem Plan. Das Umweltministerium Baden-Württembergs bewilligte rund 880.000 Euro, um an acht Standorten das Potenzial der geothermischen Wärmespeicherung wissenschaftlich zu bewerten.

Das Speichern von sommerlicher Wärme oder der Abwärme von Industrieanlagen in unterirdischen, wasserführenden Schichten - in sogenannten Aquiferen - ist beispielsweise in den Niederlanden weit verbreitet. An über 1.800 Standorten verwirklichte das Nachbarland bereits diese Technologie. In Deutschland gibt es bisher nur drei Standorte mit geothermischer Energiespeicherung in Grundwasserleitern. Prominentestes Beispiel ist das Reichstagsgebäude in Berlin, welches über mehrere Aquiferspeicher mit Wärme im Winter und Kälte im Sommer versorgt wird. Hamburg plant zurzeit einen enormen Aquiferwärmespeicher, der in Zukunft über eine Viertelmillionen Haushalte und Gewerbebetriebe warm durch den Winter bringen soll. „In Baden-Württemberg gibt es bis zum heutigen Zeitpunkt keinen Aquiferspeicher, obwohl der Untergrund in zahlreichen Gebieten gut bis sehr gut zur Energiespeicherung geeignet ist", stellt Professor Philipp Blum vom Institut für Angewandte Geowissenschaften des KIT fest.

Aquiferspeicher sind wasserführende Schichten im Untergrund, in denen das Wasser nicht oder kaum fließt - die Wärme also nicht abtransportiert wird. Sie werden durch Bohrungen erschlossen, um mit der Abwärme von Industrieanlagen oder Solarwärme das Wasser im Untergrund aufzuheizen. Das umgebende Gestein wirkt dabei als Isolator. Die eingespeicherte Wärme kann dann über Wärmetauscher bei Bedarf, also zum Beispiel im Winter, wieder abgerufen werden.

Ein solches System ist für die anfallende überschüssige Wärme eines großen Schwimm- und Erlebnisbads in Hockenheim geplant. Die Kellerräume sind hier aufgrund des Wärmenetzes sowie der Abwärme technischer Anlagen ganzjährig auf über 30 Grad Celsius aufgeheizt. Diese überschüssige Wärme soll nun während der Sommermonate in einem Grundwasserleiter gespeichert werden, um dann im Winter wieder zur Verfügung zu stehen. Wissenschaftler des KIT begleiten das Vorhaben und entwickeln ein maßgeschneidertes und innovatives Monitoring- und Speicherkonzept.

Aber auch Abwasserkanäle oder Tunnelsysteme eignen sich als Wärme- oder Kältespeicher. „Die sogenannte Tunnelgeothermie zur Heizung, Kühlung und Wärmespeicherung ist für das zukünftige Elefantenhaus der Wilhelma in Stuttgart geplant", erläutert Blum, Koordinator des Forschungsvorhabens GeoSpeicher.bw. „Das neue Stadtmuseum Stuttgart wird zukünftig dank Abwasserwärme und -kälte energieeffizient aufgestellt sein", führt Blum weiter aus. Im Rahmen von Promotionsarbeiten wird hierbei unter anderem die Einbindung von röhrenförmigen Erdwärmeabsorbern in ein Wärme-Smart-Grid untersucht oder auch die Systemintegration geothermischer Anlagen in ein bestehendes Gebäude- und Energiekonzept.

Insgesamt acht Geothermie-Projekte in Baden-Württemberg werden in den kommenden drei Jahren unter Federführung des KIT wissenschaftlich ausgewertet und begleitet. Die Themen erstrecken sich von innovativen Monitoring- und Speicherkonzepten, detaillierten Wärmetransport-Modellen, Untersuchungen zur Hydrogeochemie, weitreichenden System- und Optimierungsanalysen bis hin zu maßgeschneiderten Kommunikations-Strategien. Regelmäßige Workshops, Tagungen und Fortbildungen stellen einen regen Gedankenaustausch auch über die Institutsgrenzen sicher. Sieben Doktoranden sowohl aus den Reihen des KIT sowie den Universitäten Heidelberg und Stuttgart sowie den Hochschulen Biberach und Offenburg engagieren sich in den verschiedenen Vorhaben. Blum betont: „Eine fachübergreifende Doktorandenschule stellt hierbei sicher, dass Gebäudetechniker, Ingenieure, Geologen und Entscheidungsträger voneinander lernen. Hierfür laden wir zum Beispiel auch Experten aus den Niederlanden ein, um so starke Kompetenzen in dieser zukunftsweisenden Technologie in Deutschland aufzubauen."

Philipp Blum skizziert das Ziel: „Gemeinsam mit den Stadtwerken möchten wir greifbare Demo- und Beispielprojekte mit einer breiten Öffentlichkeitswirkung schaffen. Deshalb sind Fachleute der Stadtwerke Hockenheim, Biberach, Überlingen, Bad Waldsee sowie Stuttgart von Anfang an eng in die Arbeiten mit eingebunden."

Im Projekt GeoSpeicher.bw arbeiten Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie mit Kollegen der Universitäten Heidelberg und Stuttgart sowie der Hochschulen Biberach und Offenburg zusammen.

Weiterer Kontakt:
Kosta Schinarakis, Themenscout, Tel.: +49 721 608 41956, Fax: +49 721 608 43658, E-Mail: schinarakis@kit.edu

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verbindet seine drei Kernaufgaben Forschung, Lehre und Innovation zu einer Mission. Mit rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 25 000 Studierenden ist das KIT eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas.

KIT - Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft
Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.
Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: www.kit.edu

Anhang
Geothermie: Den Sommer im Winter ernten
https://idw-online.de/de/attachment56277

Quelle: idw 

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Löschwasser mobil und kosteneffizient reinigen

Dipl.-Chem. Iris Kumpmann Abteilung Public Relations
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Um bei Großbränden von Kraftstoffen und Lösemitteln beispielsweise auf Flug- und Binnenhäfen, in Raffinerien oder in Lagereinrichtungen der Industrie effektiv löschen zu können, ist der Einsatz von Schaumlöschmitteln mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) unerlässlich. Doch Fluor-Kohlenstoff-Verbindungen (PFC) sind in der Natur kaum oder nur sehr schlecht abbaubar, z. T. toxisch. Sie schädigen deshalb die Umwelt, wenn sie nicht frühzeitig aus dem Löschwasser entfernt werden. Daher müssen PFC-haltige Löschwässer aufgefangen und anschließend aufbereitet oder fachgerecht entsorgt werden.

Etablierte Verfahrensweisen sind jedoch nicht spezifisch und sehr kostenintensiv. Deshalb entwickeln Fraunhofer UMSICHT und die Cornelsen Umwelttechnologie GmbH in einem zweijährigen Verbundprojekt ein neues Verfahren, mit dem sich PFC effektiv und kostengünstig noch am Einsatzort aus dem anfallenden Löschwasser eliminieren lassen. Dieses Verfahren basiert auf einer bestehenden Gemeinschaftsentwicklung zur Aufreinigung von PFC-belastetem Grundwasser und kombiniert die Aktivkohle-Adsorption mit einer vorgeschalteten Reinigungsstufe.

Weniger Prozessmittel, weniger Kosten
In dieser Vorbehandlung wird dem verunreinigten Wasser die Additivlösung »PerfluorAd®« zugegeben, die ein Ausfällen der gelösten PFC-Verbindungen bewirkt. Dadurch müssen weniger Prozessmittel eingesetzt und weniger PFC-kontaminierter Sonderabfall entsorgt werden. Dies führt insbesondere bei der Löschwasser-Aufbereitung mit sehr hoher PFC-Belastung zu erheblichen Kostenreduzierungen gegenüber herkömmlichen Methoden. Das »PerfluorAd®« -Verfahren vereinigt noch weitere positive Aspekte: Die spezifischen Fällungsmittel werden aus dem Bereich der grünen Chemikalien ausgewählt - das heißt unter anderem: Sie basieren auf natürlichen Rohstoffen, stellen keine Gefahr für Mensch und Umwelt dar und werden nach der Nutzung natürlich abgebaut. Zudem lässt sich das Verfahren auf die Entfernung weiterer, polar persistenter Umweltschadstoffe übertragen wie beispielsweise bestimmte Arzneimittelrückstände im Abwasser. Es kann somit künftig einen wichtigen Beitrag für die Lösung anderer umweltrelevanter Herausforderungen liefern.

Tests in mobiler Pilotanlage geplant
Während des jetzt gestarteten Vorhabens entwickelt Fraunhofer UMSICHT die auf ein reales Löschwasser angepassten Prozess-Chemikalien, erprobt diese im Labormaßstab und stellt geeignete Methoden zur Prozessanalytik bereit. Wenn die Forscher die wirksamste Verfahrensvariante im Labor ermittelt haben, wird das Kombinationsverfahren in der bei der Cornelsen Umwelttechnologie GmbH aufgebauten, mobilen Pilotanlage getestet. Im Anschluss stellt das Team von Fraunhofer UMSICHT im Zuge einer Nachhaltigkeitsbewertung die neue Behandlungsmethode den klassischen PFC-Aufbereitungsprozessen wie zum Beispiel einer reinen Aktivkohle-Adsorption gegenüber. Die ökonomische Bewertung des vollständigen Prozesses erfolgt durch die Cornelsen Umwelttechnologie GmbH.

Projektziel ist es, eine sowohl energie- und ressourceneffiziente als auch kostenoptimierte Aufbereitungsmethode für die Praxis zu entwickeln. Zu den potenziellen Nutzern des neuen Verfahrens gehören Feuerwehren, Versicherungen und Entsorger beziehungsweise Unternehmen, die von einem akuten Brandereignis betroffen sind. Die Cornelsen Umwelttechnologie GmbH wird zukünftig die Löschwasser-Behandlungsanlagen planen, bauen und betreiben.

Förderhinweis: Das Verbundprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Es ist Teil der BMBF-Fördermaßnahme »KMU-Innovativ: Ressourcen- und Energieeffizienz« im Technologie- und Anwendungsbereich »Nachhaltiges Wassermanagement«.

Quelle: idw 

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Grüne Dächer binden Feinstaub, produzieren Frischluft und sind schön anzusehen

Sarah Blaß Pressestelle
Frankfurt University of Applied Sciences

Erstes intelligentes Gründachkataster Deutschlands von Prof. Dr. Martina Klärle an der Frankfurt UAS für Stadt Marburg entwickelt

Eignet sich das eigene Haus für eine Dachbegrünung? Was bringt es für das städtische Klima? Das erste intelligente Gründachkataster Deutschlands betrachtet nicht nur die allgemeine Eignung eines Dachs für die Bepflanzung, sondern macht auch Angaben zur Feinstaubabsorption, CO2-Bindung und Frischluftproduktion. Es gibt zudem Pflanzempfehlungen für den jeweiligen Standort in Abhängigkeit von Dachneigung, Besonnung und Substrathöhe. Auch Vorlieben zu den Pflanzen wie die Farbe können berücksichtigt werden.

Das Gründachkataster für die Stadt Marburg wurde Ende 2016 von Prof. Dr. Martina Klärle, Professorin für Landmanagement an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), zusammen mit Dr. Franz Kahle, Bürgermeister der Stadt Marburg, im Marburger Rathaus vorgestellt.

Das intelligente Gründachkataster zeigt virtuell die Vorteile von begrünten Dächern für die Bürgerinnen und Bürger auf. So verringert sich bei einem bepflanzten Dach die Abwassermenge bei Regen, da bis zu 80 Prozent des Jahresniederschlags dort zurückgehalten werden kann. Dadurch werden Abwassergebühren eingespart und Kanalsysteme bei Starkniederschlägen weniger stark belastet. Der Pflanzenbewuchs im Stadtgebiet reduziert außerdem den Gehalt von C02 und Feinstaub in der Luft - ein wichtiges Element von Anpassungsstrategien der Ballungsräume an den Klimawandel. „Vor allem für Großstädte in Kessellage wie z.B. Stuttgart sind Frischluftproduktion und Vermeidung von Überhitzung von herausragender Bedeutung - auch für die Gesundheit der Einwohner", wirbt Klärle für die Einführung des Gründachkatasters auch in anderen deutschen Städten.

Zu den weiteren Vorteilen zählt die Steigerung der biologischen Vielfalt in der Stadt. Bepflanzte Dächer können von Vögeln und Insekten als Aufenthaltsort genutzt werden, die in eng bebauten Stadtgebieten sonst nur wenige Rückzugsgebiete vorfinden. Ein Dachgarten ist auch ein idealer Ort für Urban Gardening (Urbanen Gartenbau) und kann den Bewohnern des Hauses als Ort der Erholung dienen. „Eine Dachbegrünung lässt sich auch sehr gut mit einer Photovoltaikanlage kombinieren. Im Gegensatz zu Ziegel-, Kies- oder Metalldächern wirkt ein bepflanztes Dach kühlend und kann damit den Wirkungsgrad einer Photovoltaikanlage erhöhen", beschreibt Klärle mögliche Synergieeffekte einer Dachbegrünung. Deshalb wurde das Gründachkataster in Marburg auch mit dem - ebenfalls von Klärle entwickelten - Solarkataster kombiniert. Durch die Verwendung der gleichen Datengrundlagen - Laserscanner-Daten, Luftbilder, amtliche Geobasisdaten, Liegenschaftskarte - werden hier Synergien geschaffen.

Marburgs Bürgermeister Kahle sieht den Nutzen des Gründachkatasters für die Bürgerinnen und Bürger seiner Stadt nicht nur im Klima- und Naturschutz: „Nicht allen ist bewusst, wie viele Vorteile eine Dachbegrünung wirklich hat. Das Gebäude wird auch optisch aufgewertet und kann als Ersatz oder Ergänzung für den Garten genutzt werden." Es ist das erste intelligente System dieser Art und mit diesen Funktionen in Deutschland: „Auch andere Städte haben farblich markierte Luftaufnahmen, mit denen die Eignung für eine Begrünung festgestellt werden kann. Das Marburger Kataster erkennt aber auch anhand der Neigung, Ausrichtung, Verschattung sowie Art des Daches, welche Gewächse am besten angepflanzt werden können, wie viel Abwasser eingespart werden kann und ob sich eine Photovoltaikanlage lohnt", erklärt Klärle. „Zudem wird die potenzielle CO2-Absorption und der gebundene Feinstaub bei einer Dachbegrünung errechnet." Diese Berechnungen können auf der interaktiven Karte des Katasters für jede Dachfläche Marburgs durchgeführt werden. Die Bürgerinnen und Bürger können so feststellen, ob eine Begrünung des eigenen Dachs prinzipiell Sinn ergäbe; eine individuelle Analyse des Dachs zur Berechnung der Statik und der Lastreserven kann dadurch aber nicht ersetzt werden. Weitere Informationen zum Gründachkataster: http://www.marburg.de/gruendachkataster.

Klärle ist Geodätin und Umweltwissenschaftlerin und leitete bereits eine Reihe von Forschungsprojekten an der Schnittstelle zwischen Big Data und Umwelt. Sie beschäftigt sich seit etlichen Jahren vorrangig mit der Berechnung von Erneuerbaren Energiepotenzialen. Zu ihren bekannten Forschungsprojekten zählen neben dem Solardachkataster „SUN-AREA", das eine Methode anwendet, bei der auf Basis von Geodaten vollautomatisch alle Dachflächen ermittelt werden, die für die Gewinnung von Solarenergie optimal geeignet sind, auch „ERNEUERBAR KOMM!" zur ganzheitlichen Potenzialanalyse von Erneuerbaren Energien und die automatisierte Windpotenzialanalyse für Kleinwindanlagen „WIND-AREA". 2015 war sie mit dem Projekt „WIND-AREA" unter den drei Finalisten des Deutschen Nachhaltigkeitspreises Forschung, der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ausgeschrieben wird.

Prof. Dr. Martina Klärle war vom 1. September 2013 bis zum 31. August 2016 Dekanin des Fachbereichs Architektur, Bauingenieurwesen, Geomatik und ist weiterhin Geschäftsführende Direktorin des Frankfurter Forschungsinstituts für Architektur, Bauingenieurwesen, Geomatik (FFin) und Direktoriumsmitglied des Center for Applied European Studies (CAES) der Frankfurt UAS. Mehr zur Person Martina Klärle: http://www.frankfurt-university.de/?2100.

Kontakt: Frankfurt University of Applied Sciences, Fachbereich 1: Architektur • Bauingenieurwesen • Geomatik, Prof. Dr. Martina Klärle, Telefon: 069/1533-2778, E-Mail: martina.klaerle@fb1.fra-uas.de

Weitere Informationen:
http://www.marburg.de/gruendachkataster
http://www.frankfurt-university.de/?2100

Quelle: idw 

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UDE: MULTI-ReUse - Neues Forschungsprojekt zur Abwassernutzung

Beate Kostka M.A. Ressort Presse - Stabsstelle des Rektorats
Universität Duisburg-Essen

Gereinigtes Abwasser immer wieder einzusetzen, statt es wie bisher in den Fluss einzuleiten, ist Ziel des Forschungsprojekts MULTI-ReUse am Mülheimer IWW Zentrum Wasser, einem An-Institut der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Im Mittelpunkt steht ein modulares Abwasseraufbereitungssystem, um Brauchwasser in unterschiedlichen Qualitäten und wechselnden Mengen zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten zu können. Das Vorhaben wird in den nächsten drei Jahren vom Bundesforschungsministerium (BMBF) gefördert.

Gereinigtes Abwasser kann zwar problemlos in Flüsse eingeleitet werden, allerdings sind dann die Einsatzbereiche eingeschränkt. Genau hier setzt das MULTI-ReUse-Projekt an. „Es hat dann zwar nicht unbedingt Trinkwasserqualität, eignet sich aber nach einer weiteren Reinigung durchaus für industrielle oder landwirtschaftliche Zwecke", betont Projektkoordinatorin Barbara Zimmermann. „Es kann auch dazu beitragen, Ressourcen zu schonen, weil mit ihm unter anderem das Grundwasser oder die Trinkwasserproduktion im Ausland angereichert werden kann."

Insgesamt neun Projektpartner, darunter auch das Biofilm Centre der UDE, entwickeln in den nächsten drei Jahren entsprechende Techniken und Methoden für den Testbetrieb einer Pilotanlage in Norddeutschland. Dazu gehören auch zuverlässige Verfahren zur Qualitätskontrolle des Wassers, ein Bewertungstool und Konzepte, wie die Ergebnisse weltweit vermarktet werden können.

Weitere Informationen: Barbara Zimmermann, IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasser, b.zimmermann@iww-online.de, 0208/40303-0, http://www.iww-online.de

Redaktion: Beate Kostka, Tel. 0203/379-2430, beate.kostka@uni-due.de

Weitere Informationen:
https://www.water-multi-reuse.org

Quelle: idw 

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Änderungen des Meeresspiegels unterschätzt

André Zeppenfeld Stabsstelle für Presse, Kommunikation und Marketing
Universität Siegen

Eine neue Studie der Universität Siegen zeigt, dass der Einfluss auf Sturmflut- und Wellenhöhen in Zukunft stärker ist als gedacht - und die Planungshöhen von Schutzbauwerken wie Deichen deshalb möglicherweise überdacht werden sollten.

Das aktuelle Sturmhochwasser an der deutschen Ostseeküste belegt, wie verwundbar unsere Gesellschaft gegenüber extremen Naturereignissen ist. Deshalb ist es besonders wichtig, für küstennahe Bereiche gegenwärtige und zukünftige Sturmflut- und Wellenhöhen sicher zu ermitteln. Doch entlang der nordfriesischen Küste könnten in Zukunft höhere Küstenschutzbauwerke erforderlich werden als bisher angenommen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des internationalen Forscherteams um Dr. Arne Arns vom Forschungsinstitut Wasser und Umwelt (fwu) an der Universität Siegen. Die aktuellen Ergebnisse sind in einem Artikel in der international renommierten Fachzeitschrift „Scientific Reports" der „Nature Publishing Group" veröffentlicht worden.

Die Forschungsergebnisse machen deutlich, dass die erforderlichen Schutzhöhen künftig steigen. Und zwar um das 1,5- bis 2-fache des mittleren Meeresspiegelanstiegs, der bisher als Grundlage für die Schutzhöhen dient. Bisher schätzen ExpertInnen zukünftige Schutzhöhen von Küstenschutzbauwerken wie zum Beispiel von Deichen anhand von wissenschaftlich fundierten Prognosen des mittleren Meeresspiegels. In bisherigen Untersuchungen werden aber oftmals nicht die z.T. starken Veränderungen in Sturmflutwasserständen und in den auflaufenden Wellen berücksichtigt. Doch wie die Untersuchungen der Wissenschaftler nun zeigen, beeinflusst deren Zusammenwirken die erforderlichen Schutzhöhen entlang der nordfriesischen Küste teils stark.

Im aktuellen Beitrag haben die Wissenschaftler erstmals umfassende Analysen durchgeführt, die den Einfluss des Meeresspiegels sowohl auf Sturmflutwasserstände als auch auf Wellen berücksichtigen. „Die Untersuchungen zeigen, dass insbesondere in den flachen Wattbereichen Nordfrieslands dynamische und komplexe Wechselwirkungen zwischen Änderungen des Meeresspiegels und extremen Wasserständen auftreten. Als Konsequenz werden die Sturmflutwasserstände etwas stärker ansteigen als der Meeresspiegel. Auch auf die Wellen hat ein steigender Meeresspiegel eine erhöhende Wirkung. So werden diese in Zukunft weniger durch die Wattflächen beeinflusst, können einfacher bzw. weniger stark beeinflusst in Richtung Küste und Schutzbauwerke wandern und daher größer ausfallen als bisher", erklärt Dr. Arne Arns. Seine Empfehlung lautet: „Diese Effekte sollten in zukünftigen Untersuchungen dringend berücksichtigt werden. Wenn wir die für die Zukunft erforderlichen Schutzhöhen vereinfacht über prognostizierte Meeresspiegeländerungen abschätzen, kann dies zu einer Unterschätzung des erforderlichen Schutzniveaus führen." Der Forscher weist jedoch gleichzeitig darauf hin, dass „die zukünftige Entwicklung der Wattflächen bislang schwer abschätzbar ist. Hierdurch könnten die genannten Effekte zumindest teilweise kompensiert werden."

Referenz:
Arns, A. et al. Sea-level rise induced amplification of coastal protection design heights. Sci. Rep. 6, 40171; doi: 10.1038/srep40171 (2016).

Quelle: idw 

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Auch wenig Sport beugt Krankheiten vor

Sabine Ranke-Heinemann Pressestelle
Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

Bereits ein bis zwei Trainingseinheiten pro Woche können australischen Forschern zufolge unser Erkrankungsrisiko signifikant verringern.

Einer Studie der University of Sydney zufolge können körperliche Aktivitäten von nur ein bis zwei Trainingseinheiten pro Woche schon ausreichen, um das Todesrisiko von Herz-Kreislauferkrankungen sowie Krebs zu senken.

Die Ergebnisse, welche im „JAMA Internal Medicine" Magazin veröffentlicht wurden, zeigen, dass bereits wenige Trainingseinheiten, die sich gut in eine vielbeschäftigte Lebensweise einfügen lassen, gesundheitliche Vorteile liefern, auch bei Übergewichtigen und Menschen mit gesundheitlichen Risikofaktoren.

So bestätigt Professor Emmanuel Stamatakis von der University of Sydney und Hauptautor des Artikels, dass es beruhigend ist, zu wissen, dass bereits wenige sportliche Aktivitäten das Sterberisiko senken - auch wenn man nicht die offiziell empfohlene Trainingsdauer erreicht. Um jedoch von optimalen Gesundheitsbedingungen zu profitieren, schlägt Stamatakis vor, sich trotzdem an die Empfehlungen für sportliche Aktivitäten zu halten, und zu versuchen, die Ziele zu erreichen oder auch zu übertreffen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt hierzu, dass Erwachsene mindestens 150 Minuten pro Woche sportlichen Aktivitäten mit moderater Intensität nachgehen sollen oder zumindest 75 Minuten pro Woche ein sehr intensives Training absolvieren.

Doch die Forschung muss noch zeigen, wie die Häufigkeit und gesamte wöchentliche Aktivität am besten kombiniert werden muss, um die maximalen gesundheitlichen Vorteile zu erzielen. So könnten Menschen zum Beispiel jeden Tag mit moderater Intensität 30 Minuten sportlich aktiv sein, um die derzeitigen Trainingsvorgaben zu erreichen, oder sie trainieren ein Mal die Woche 75 Minuten, aber dafür mit einer hohen Intensität. Diejenigen, die ihr gesamtes Workout an ein oder zwei Tagen in der Woche absolvieren, werden in diesem Zusammenhang „Wochenend-Kämpfer" genannt.

Die wichtigsten Erkenntnisse:
Im Vergleich zu denen, die nicht sportlich aktiv waren, war das allgemeine Sterberisiko bei denen, die unzureichend aktiv waren, um 31%, bei den „Wochenend-Kämpfern" um 30% und bei den regelmäßig Aktiven um 35% niedriger.

Im Vergleich zu denen, die nicht sportlich aktiv waren, war das Sterberisiko aufgrund von kardiovaskulären Erkrankungen bei denen, die unzureichend aktiv waren um 37% und bei den „Wochenend-Kämpfern" sowie den regelmäßig Aktiven um 41% geringer.

Im Vergleich zu denen, die nicht sportlich aktiv waren, war das Sterberisiko aufgrund einer Krebserkrankung bei denen, die unzureichend aktiv waren, um 14%, bei den „Wochenend-Kämpfern" um 18% und bei den regelmäßig Aktiven um 21% geringer.

Die Ergebnisse bestätigen also, dass diejenigen, die sich zwar unzureichend, aber immerhin etwas bewegen sowie die „Wochenend-Kämpfer" und regelmäßig Aktiven, im Gegensatz zu den gänzlich inaktiven Menschen, gesamtheitlich ein geringeres Sterberisiko in Bezug zu den obengenannten Krankheiten vorweisen, sagt Stamatakis.

Diese Resultate bedeuten demnach, dass man auch von nur wenigen Sporteinheiten wöchentlich einen enormen gesundheitlichen Vorteil genießt.

Weitere Informationen:
Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
Pressestelle Friedrichstr. 95
10117 Berlin
Email: berlin@ranke-heinemann.de
Tel.: 030-20 96 29 593

oder

Dan Gaffney
Tel.: +61 2 9351 4630
Email: daniel.gaffney@sydney.edu.au

Das Institut ist die gemeinnützige Einrichtung zur Förderung des Austausches und der Auslandsstudien insbesondere mit allen Universitäten Australiens und Neuseelands sowie zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. In seinen Förderprogrammen stellt es SchülerInnen und Studierenden Unterstützung in der Finanzierung durch Stipendien und Coaching in der Studienberatung und Studienplatzbewerbung zur Verfügung.

Weitere Informationen:

http://www.ranke-heinemann.de
http://www.ranke-heinemann.at
http://www.ranke-heinemann.tv

Quelle: idw 

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Mehr Strom aus Abwärme von dezentralen Blockheizkraftwerken

Doris Keßler Hochschulkommunikation
Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

Dezentrale Blockheizkraftwerke ermöglichen es, die Erzeugung von Strom zum Ausgleich der schwankenden Erneuerbaren Energien und Wärme zu koppeln und beides besonders effizient zu erzeugen. Falls mehr Wärme erzeugt als lokal benötigt wird, kann die Energie im heißen Abgas der Blockheizkraftwerke durch einen thermodynamischen Wasserdampfprozess zu Strom umgewandelt werden. Diese Technologie kommt bislang vorwiegend in großen Kraftwerken zum Einsatz. Im Projekt „MicroRankine" fokussiert die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Frank Opferkuch an der TH Nürnberg auf die Optimierung von Anwendungen mit deutlich kleinerer Leistung. Davon könnten Betreiber von dezentralen Blockheizkraftwerken profitieren.

Nürnberg, 18. Januar 2017. Das Projekt „MicroRankine" der TH Nürnberg von Prof. Dr.-Ing. Frank Opferkuch und seiner Arbeitsgruppe hat zum Ziel, das bislang ungenutzte Potenzial von Abwärme aus Blockheizkraftwerken auszuschöpfen. Die technologische Entwicklung wird vor allem für dezentrale Blockheizwerke von Bedeutung sein. Deren Anzahl steigt zunehmend, sie machen einen immer größeren Teil der modernen Energieversorgung aus. Die Nutzung von Abwärme ist aktuell sowohl in der Energietechnik als auch in der Industrie von hoher Bedeutung. Bislang sind jedoch noch nicht alle Anlagen so ausgerüstet, dass sich aus der Abwärme effizient wertvoller Strom gewinnen lässt. Während in großen Anlagen mit Erfolg daran gearbeitet wird, den hohen technologischen Anforderungen an Material und Maschinen gerecht zu werden, standen Anlagen mit kleinerer Leistung (unter einem Megawatt) bisher nicht im Mittelpunkt der Forschung. „Die Nutzung von Abgaswärme aus dezentralen Blockheizkraftwerken ist ein wichtiger Baustein der zukunftsorientierten und nachhaltigen Energieversorgung", erläutert Prof. Dr.-Ing. Frank Opferkuch.

Mit den Fördermitteln des BMBF wird die TH Nürnberg eine Versuchseinrichtung für Wasserdampf-Prozesse (auch Clausius-Rankine-Prozess genannt) errichten, die eine Plattform für vielfältige Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der dezentralen Energieumwandlung mit Dampfprozessen darstellt. Mit der Anlage werden auch Kooperationsfirmen praxisnahe Tests an technischen Komponenten wie Dampferzeugern, Wärmeübertragern, Regelventilen, Expandern und schnelllaufenden Generatoren durchführen, die bislang kaum weiterentwickelt wurden. Durch diesen Technologietransfer wird das aus dem Projekt gewonnene Wissen auch für die Industrie zugänglich.

Die TH Nürnberg profitiert durch die Erweiterung der bestehenden Laborausstattung. Lehrende und Studierende am Nuremberg Campus of Technology NCT können neue Validierungstests und Messaufgaben im Rahmen von Kooperationsvorhaben sowie fachübergreifende Forschungsvorhaben mit Industriepartnern nutzen. „Mit diesem innovativen Forschungsprojekt setzt die TH Nürnberg mit den Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ein weiteres wichtiges Ziel ihrer struktur- und forschungspolitischen Entwicklungsplanung um und gibt innovative Impulse in die Metropolregion Nürnberg", so der Präsident der TH Nürnberg, Prof. Dr. Michael Braun.

Quelle: idw 

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Wälzlager: kleines Bauteil, riesiges Sparpotenzial

Mechtild Freiin v. Münchhausen Referat für Kommunikation und Marketing
Leibniz Universität Hannover

Neues Verfahren schont Ressourcen und die Umwelt

Enorme Produktivitätssteigerungen bei der Fertigung und eine Erhöhung der Wälzlager-Lebensdauer um 250 Prozent: Das ist das Ergebnis eines Forschungsprojekts zur Ressourceneffizienz. „Viele Millionen Wälzlager werden weltweit jährlich eingesetzt - fast immer, wenn sich irgendwo etwas drehen soll", skizziert Dipl.-Ing. Oliver Maiß die Dimension seiner Forschungsergebnisse. „Wenn die Lebensdauer eines Lagers nun zweieinhalbmal so lang ist wie bisher, kann man pro einer Million eingesetzter Wälzlager etwa 77 Tonnen Stahl einsparen". Etwa die gleiche Menge CO2 würde weniger erzeugt. Maiß ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) am Produktionstechnischen Zentrum der Leibniz Universität Hannover, und das Ziel seines Projekts ist es, Wälzlager so herzustellen, dass sie in der Herstellung und Nutzung möglichst wenig Ressourcen brauchen.

Die Lebensdauersteigerung ist deshalb nicht alles: Sie geht Hand in Hand mit einer zweiten Verbesserung. Das neue Fertigungsverfahren, das Maiß für die Produktion dieser Wälzlager optimiert hat, bietet einen zweiten Ressourcenvorteil. Die für die Reibung relevanten Flächen der Wälzlagerringe werden bei Maiß nämlich nicht geschliffen und gehont. Vielmehr erzielt er die besondere, lebensdauererhöhende Oberflächenqualität durch das so genannte Hartdrehwalzen, bei dem in einem kombinierten Prozess die gedrehten Flächen gleich gewalzt werden. „Durch das Walzen wird das Gefüge so stark verdichtet, dass hohe Druckeigenspannungen auftreten, die die Lebensdauer erhöhen. Gleichzeitig kann auch die Oberflächentopografie gut eingestellt werden." Mit anderen Worten: Trotz deutlich höherem Vorschub lässt sich die Oberflächenrauheit und damit der Rollwiderstand reduzieren. „Wenn die Produktivitätssteigerung bei 300 Prozent liegt, ist die Oberflächenqualität noch immer um 20 Prozent besser als beim Hartdrehen ohne Walzen", präzisiert Maiß.

Das Forschungsprojekt, das gemeinsam vom Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen und vom Institut für Maschinenkonstruktion und Tribologie (IMKT) bearbeitet wird, gehört zu einem größeren Vorhaben, dem Schwerpunktprogramm „Ressourceneffiziente Konstruktionselemente", das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird und noch bis Ende 2017 läuft. Am IMKT berechnen Professor Gerhard Poll und seine Mitarbeiter mit einem eigenen Lebensdauermodell die Oberflächenanforderungen, legen die Wälzlager aus und definieren für das IFW schließlich auch die Anforderungen an die Fertigung.
Erste Transferprojekte mit Industriepartnern sind bereits geplant. Prof. Dr.-Ing. Berend Denkena, Institutsleiter des IFW, begrüßt die Ergebnisse und auch den schnellen Transfer in die Unternehmen: „Gerade wenn wir mit unserer Forschung dazu beitragen können, real und in relevantem Maße Ressourcen zu sparen, ist es uns ein großes Anliegen, die Ergebnisse schnell umgesetzt zu sehen. Weitere Forschungs- und Anwendungspartner aus der Industrie sind daher sehr willkommen."

Quelle: idw 

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Wo die Nesthocker wohnen

Dr. Peter Wittmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Länderkunde

Vor allem in Deutschlands Süden verlassen junge Erwachsene erst spät die elterlichen vier Wände, wie aktuelle Karten des Leibniz-Instituts für Länderkunde zeigen.

In Thüringen, Bayern und im Saarland lebt mehr als ein Viertel der 25- bis 29-Jährigen noch zuhause bei den Eltern. Spitzenwerte erreicht die Nesthocker-Quote in den bayerischen Landkreisen Freyung-Grafenau und Straubing-Bogen sowie im thüringischen Eichsfeld. Dort leben in dieser Altersgruppe die Hälfte der Männer und fast ein Drittel der Frauen noch im Elternhaus. In den Stadtstaaten und in Schleswig Holstein logieren dagegen nur zwischen zehn und 15 Prozent der jungen Erwachsenen im Hotel Mama.

Auffällig ist in allen Bundesländern der deutliche Stadt-Land-Unterschied. Das liegt vor allem an der Konzentration der Hochschulen in den Städten, denn die Aufnahme eines Studiums ist ein wichtiger Auszugsgrund. Auszubildende bleiben dagegen häufig so lange im Elternhaus, bis sie einen festen Job haben oder eine eigene Familie gründen. Mit deutschlandweit 26 Prozent ist der Anteil der jungen Männer, die noch im Haushalt der Eltern leben, fast doppelt so hoch wie derjenige der jungen Frauen.

Zu diesen Ergebnissen kommt Dr. Tim Leibert vom Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL). Der Bevölkerungsgeograph hat für das Webangebot „Nationalatlas aktuell" des IfL die Statistiken zu Haushalten und Familien erstmals auf Basis der Kreise und kreisfreien Städte ausgewertet. Aktuelle Karten des IfL veranschaulichen die regionalen Unterschiede.

„Ein Grund für den Geschlechterunterschied dürfte sein, dass Eltern Töchter oft stärker kontrollieren als Söhne und von ihnen auch mehr Mithilfe im Haushalt erwarten", erklärt Leibert. Für junge Frauen bedeute der Auszug folglich einen größeren Autonomiegewinn als für junge Männer. Zudem hätten junge Frauen allgemein eine höhere Neigung zum Abwandern, so der Bevölkerungsgeograph. Wie seine Analysen weiter ergaben, ist in den ländlichen Gebieten Ostdeutschlands der Anteil der im elterlichen Haushalt lebenden Frauen zwischen 20 und 24 Jahren besonders niedrig. Verantwortlich sei das niedrigere Erstgeburtsalter in den neuen Ländern und damit ein deutlich höherer Anteil der Frauen, die Anfang 20 allein, als alleinerziehende Mutter oder in einer nichtehelichen Gemeinschaft leben. „Dies unterstreicht die Wechselwirkungen zwischen Auszugsverhalten, Bildungs- und Familienbiographie", so Leibert.

Der Auszug aus dem Elternhaus markiert indes nicht immer den Beginn einer eigenständigen Wohnbiographie. Laut Schätzungen kehrt in Deutschland jeder Zehnte der 18- bis 32-Jährigen wieder zu den Eltern zurück, nachdem er oder sie eine Zeitlang alleine, mit Partner oder in einer WG gewohnt hat. „In Phasen erhöhter Unsicherheit und des sozialen Abstiegs dient der Haushalt der Eltern als Sicherheitsnetz", so Leibert. Viel spricht nach seiner Einschätzung dafür, dass die Mehrzahl der Nesthocker aus ökonomischer Notwendigkeit im Hotel Mama residieren und nicht, wie oft behauptet wird, weil sie von Vati und Mutti umsorgt werden.

Der vollständige Beitrag ist im Webangebot „Nationalatlas aktuell" des IfL nachzulesen. Auf aktuell.nationalatlas.de veröffentlicht das Institut regelmäßig Kartenbeiträge zu Themen aus Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Politik und Umwelt. Alle Karten, Diagramme und Fotos sind dort online verfügbar und stehen zusätzlich als PDF-Dokumente zum freien Download bereit. Auf Wunsch können die Materialien in Druckqualität zur Verfügung gestellt werden.

Weitere Informationen:
Volker Bode
Tel.: 0341 600 55-143
V_Bode@ifl-leipzig.de
http://aktuell.nationalatlas.de

Weitere Informationen:
http://aktuell.nationalatlas.de/auszug_elternhaus-1_01-2017-0-html/
http://www.ifl-leipzig.de

Quelle: idw 

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Weltraum-Bärtierchen: Zäh über Generationen

Andrea Mayer-Grenu Abteilung Hochschulkommunikation
Universität Stuttgart

Tardigraden, besser bekannt als Bärtierchen, können bei tiefsten Minusgraden überleben und sind auch gegen starke Hitze und Strahlung gefeit. Wie sie mit den lebensfeindlichen Bedingungen des Weltalls klarkommen, untersuchen Dr. Ralph O. Schill von der Universität Stuttgart sowie Wissenschaftler der schwedischen Kristianstad Universität, der Universität Stockholm und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Rahmen des Weltraumprojekt TARDIS (Tardigrades in Space Project). Neueste Erkenntnisse zeigen: Die Reparaturmechanismen in den Zellen der Kleinstlebewesen arbeiten so effektiv, dass auch die Nachkommen der „Weltraumbären" sich normal entwickeln.

Bärtierchen überdauern höchst unwirtliche Bedingungen meist in einem tönnchenförmigen Ruhestadium, in dem sie den Stoffwechsel einstellen und keine Zeichen des Lebens mehr nachweisbar sind. Sobald die Umweltbedingungen besser werden, kehren die Tiere binnen einer halben Stunde zum aktiven Leben zurück. Um die Mechanismen hinter den beachtenswerten Fähigkeiten dieser kleinen Tiere zu untersuchen, starteten die Bärtierchen des Zoologen Ralph Schill im September 2007 im Rahmen der FOTON-M3-Mission von Baikonur (Kasachstan) aus mit einer Rakete für zehn Tage in den Weltraum. Der Satellit drehte sich mit dem Experiment in 270 Kilometern Höhe 189 Mal um die Erde, wobei die Bärtierchen im getrockneten Zustand, der so genannten Kryptobiose, direkt dem Vakuum und je nach Experiment verschiedenen Strahlungen ausgesetzt waren.
Das Vakuum steckten die Stuttgarter „Bären" damals ohne bedeutsame Verluste weg. Die lebensfeindliche Gesamtstrahlung im Weltraum, die sich aus dem kompletten UV-Spektrum, ionisierender Strahlung und kosmischer Strahlung zusammensetzt, überlebten immerhin zwei Prozent. Und wenn die Bärtierchen im Vakuum nur der UV-A und UV-B Strahlung ausgesetzt waren, überlebte weit über die Hälfte aller Tiere das Weltraumabenteuer unbeschadet. Zurück auf der Erde und mit Wasser versorgt, gingen die meisten sofort der Nahrungsaufnahme nach und legten Eier.
Um diese Nachkommen der Weltraumtiere geht es in einer jetzt neu erschienen Arbeit.*) Dabei zeigte sich, dass auch mehrere Generationen später keine offensichtliche Schädigungen der Tiere, ein verändertes Verhalten oder zeitliche Veränderungen in der Entwicklung festgestellt werden konnten. Die Bärtierchen scheinen in der Lage zu sein, der "make or break"-Regel zu folgen. Diese besagt, dass die zellulären Schäden durch den Weltraumausflug entweder auf effiziente Weise repariert wurden und sich dann alle Nachkommen normal entwickeln können. Oder die Schäden sind tödlich, so dass erst gar keine Fortpflanzung mehr stattfinden kann. Schädigende Mutationen werden nicht weitervererbt.
Die Wissenschaftler wollen diese Reparaturmechanismen nun weiter erforschen und besser verstehen. Eines Tages, so die Hoffnung, sollen sie auf biomedizinische Fragestellungen, etwa im Bereich von Biobanken, übertragen werden.
Ralph Schill erforscht das Leben der Moos- und Wasserbewohner schon seit fast 15 Jahren. Im Rahmen vieler nationaler und internationaler Forschungsprojekte beschäftigt er sich mit den dynamischen Prozessen, die den zähen Winzlingen das Überleben ermöglicht. „Von den im Lauf der Jahrmillionen optimal an ihren Lebensraum angepassten Bärtierchen und ihren Fähigkeiten können wir viel über die Natur des Lebens lernen", so Schill, "und wir erwarten auch in Zukunft spannende Erkenntnisse darüber, wie die Tiere ihre Zellen und Zellbestandteile schützen und auch reparieren."

*)Originalpublikation: K. INGEMAR JÖNSSON, RALPH O. SCHILL, ELKE RABBOW, PETRA RETTBERG und MATS HARMS-RINGDAHL (2016). The fate of the TARDIS offspring: no intergenerational effects of space exposure. Zoological Journal of the Linnean Society, Volume 178, Issue 4, 178: 924-930, doi: 10.1111/zoj.12499

Weitere Informationen: apl. Prof. Dr. Ralph O. Schill, Universität Stuttgart, Institut für Biomaterialien und biomolekulare Systeme, Tel. +49 (0) 1727304726, E-Mail: ralph.schill@bio.uni-stuttgart.de

Quelle: idw 

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Manganknollen als Brutstätte für Tiefseekraken

Ralf Röchert Kommunikation und Medien
Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Biologen entdecken in mehr als 4000 Metern Tiefe neue Krakenarten, die viele Jahre lang ihr Gelege bewachen und ohne Hartsubstrat wie Manganknollen kaum überleben

Manganknollen am Meeresboden des Pazifischen Ozeans sind eine wichtige Brutstätte für Tiefseekraken. Wie ein deutsch-amerikanisches Biologen-Team in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Current Biology berichtet, heften die Kraken ihre Eigelege an Schwämme, welche nur auf den Manganknollen wachsen. Die Forscher hatten die bisher unbekannten Krakenarten auf Tauchexpeditionen im Pazifik in einer Tiefe von mehr als 4000 Metern beobachtet - ein neuer Tiefenrekord für diese Kraken. Ihre spezielle Abhängigkeit von Manganknollen als Brutstätte belegt, dass einem industriellen Abbau von Wertstoffen in der Tiefsee gründliche Untersuchungen zu den ökologischen Folgen vorausgehen müssen.

Kennen Sie Casper? Im Februar dieses Jahres avancierte der Tiefseekrake (Octopoda, Untergruppe: Incirrina) innerhalb weniger Tage zum Star in den Sozialen Medien. Der US-amerikanische Tauchroboter Deep Discovery hatte den etwa zehn Zentimeter kleinen Meeresbewohner vor der hawaiianischen Necker-Insel in einer Tiefe von 4290 Metern aufgespürt, ihn aus nächster Nähe gefilmt und den Clip direkt veröffentlicht. Die Webgemeinde gab dem nahezu durchsichtigen Kraken dann den Namen Casper, in Anlehnung an das bekannte Trickfilm-Gespenst. Das Video wurde hunderttausendfach geschaut - doch erst jetzt berichten die Forscher im Fachmagazin Current Biology, welch weitreichendes Wissen über das Leben in der Tiefsee und über die ökologische Bedeutung von Manganknollen sie Casper und 28 weiteren Tiefseekraken entlocken konnten.

Tiefenrekord: Kraken bewachen ihr Gelege in mehr als 4000 Metern Tiefe
Caspers Auftritt vor der Kamera in einer Tiefe von 4290 Metern stellt bis heute die größte Tiefe dar, in der flossenlose Kraken jemals beobachtet wurden. Ein halbes Jahr zuvor hatten Forscher des Alfred-Wegener-Institutes, des GEOMAR, des Max-Planck-Institutes für Marine Mikrobiologie und des Zentrums für Marine Umweltwissenschaften (MARUM) im Peru-Becken im südöstlichen Pazifik weitere Tiere bislang unbekannter Krakenarten in einer Tiefe von 4120 bis 4197 Metern gefilmt und fotografiert. Die Aufnahmen der verwandten Arten gelangen mit dem Tauchroboter ROV Kiel 6000 und einem geschleppten Kamerasystem.

„Bis zu diesen Beobachtungen waren wir davon ausgegangen, dass diese Kraken nur bis in eine Tiefe von 2600 Metern vorkommen. Die jetzt entdeckten Arten aber besiedeln viel größere Tiefen", sagt Erstautor Dr. Autun Purser vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI).

Ohne Manganknollen finden die Kraken keinen Laichplatz
Zwei der Kraken bewachten gerade ihr Gelege, als die Forscher ihre Kameras auf sie richteten. „Diese Tiere hatten ihre Eier in einer Tiefe von 4000 Metern an die Stängel abgestorbener Schwämme geheftet, welche wiederum auf Manganknollen gewachsen waren. Die Knollen dienten den Schwämmen als einziger Ankerpunkt auf dem sonst sehr schlammigen Untergrund. Das heißt, ohne die Manganknollen hätten die Schwämme an dieser Stelle nicht leben können und ohne Schwämme hätten die Kraken keinen Platz für ihr Gelege gefunden", erzählt der AWI-Wissenschaftler.

Hinzukommt: Auch Kraken ohne Brut suchen die Nähe der Manganknollen und felsartigen Vorsprünge. „Auf den Videoaufnahmen ist zu erkennen, dass die Tiere den Meeresboden rund um die Knollen gereinigt haben. Dieser Eindruck entsteht vermutlich, weil die Tiere bei der Futtersuche mit ihren Armen im Sediment wühlen", berichtet Co-Autor Henk-Jan Hoving vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung.

Dass Tiefseebewohner wie die Kraken Manganknollen in ihrem Lebensraum brauchen, zeigt das sogenannte DISCOL-Experiment aus den späten 1980er Jahren. Damals hatten deutsche Forscher ebenfalls im Peru-Becken durch Pflügen des Meeresbodens Manganknollen entfernt. In den Folgejahren beobachteten sie dann, welche Folgen dieser menschliche Eingriff für die Lebensgemeinschaft der Tiefsee hatte. Die Wissenschaftler der Expedition mit dem Forschungsschiff Sonne waren nun nach 26 Jahren noch einmal an die Stelle des DISCOL-Experimentes zurückgekehrt. Ihr Fazit: „Die Entnahme der Manganknollen führte damals dazu, dass die Gemeinschaft der fest am Boden siedelnden Tiere, zu der auch Schwämme gehören, fast vollständig zusammengebrochen ist. Auch nach 26 Jahren haben sich die Bestände ganzer Tiergruppen nicht erholt", berichten die Autoren in der neuen Studie.

„Unsere neuen Beobachtungen zeigen, dass wir das Verhalten und die speziellen Anpassungen von Tiefseetieren an ihren Lebensraum kennen müssen, um nachhaltige Schutz- und Nutzkonzepte aufzustellen", sagt AWI-Forscherin Antje Boetius, Leiterin der Sonne-Expedition in das Peru-Becken.

Kraken bewachen ihre Brut vermutlich viele Jahre lang
Sie stuft Casper und seine Artgenossen aus dem Peru-Becken als „besonders gefährdet" ein - unter anderem deshalb, weil die Tiefseekraken nur sehr wenige Eier legen und außergewöhnlich lange Reproduktionszyklen haben. Forschungsergebnisse zeigen, dass der Nachwuchs von Kraken, die bei einer Wassertemperatur von drei Grad Celsius laichen, erst vier Jahre nach der Eiablage schlüpft. Am Grund des Peru-Beckens aber beträgt die Wassertemperatur gerade mal 1,5 Grad Celsius. „Wir vermuten deshalb, dass die Krakenembryos hier viele Jahre benötigen, um sich vollständig zu entwickeln", so Antje Boetius. Störungen während dieser so wichtigen Zeit hätten mit großer Wahrscheinlichkeit schwerwiegende Folgen für den Krakennachwuchs.

Die in der aktuellen Studie vorgestellten Beobachtungsdaten stammen aus mehreren Expeditionen. Die Aufnahmen aus dem Peru-Becken wurden im Herbst 2015 während einer Fahrt des deutschen Forschungsschiffes Sonne gemacht. Die Tauchgänge des Roboters Deep Discovery an der hawaiianischen Necker-Insel gehörten zu einer Expedition des US-amerikanischen Forschungsschiffes Okeanos Explorer und fanden im Februar 2016 statt. Weitere Beobachtungen wurden während einer Fahrt des Forschungsschiffes Kilo Moana im Jahr 2011 gemacht.

Die Forschungsarbeiten wurden finanziert durch das EU-Projekt „Managing Impacts of Deep-seA reSource exploitation (MIDAS)". Die Arbeiten von Bord des Forschungsschiffes Sonne ermöglichte das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Projektes „Mining Impact of the Joint Programming Initative Healthy and Productive Seas and Oceans (JPIO)".

Die Studie erscheint unter folgendem Titel im Fachjournal Current Biology:
• Autun Purser, Yann Marcon, Henk-Jan T. Hoving, Michael Veccione, Uwe Piatkowski, Deborah Eason, Hartmut Bluhm, Antje Boetius: Association of deep-sea incirrate octopods with mangan crusts and nodule fields in the Pacific Ocean, Current Biology, December 2016

Fotos der Tiefseekraken und ihrer Gelege finden Sieunter:
http://multimedia.awi.de/medien/pincollection.jspx?collectionName=%7Bccd28eb5-c6...

Attraktives Videomaterial des Tauchroboters ROV Kiel 6000 stellt Ihnen gern die Pressestelle des GEOMAR zur Verfügung (E-Mail: presse@geomar.de).

Eine Videosequenz mit Casper (89 Mb) finden Sie hier: http://oceanexplorer.noaa.gov/okeanos/explorations/ex1603/dailyupdates/media/vid...

Ihre wissenschaftlichen Ansprechpartner am Alfred-Wegener-Institut sind:
• Dr. Autun Purser (Tel: +49 (0)471 4831 - 1740; E-Mail: autun.purser@awi.de)
• Prof. Dr. Antje Boetius (Tel: +49 (0)471 4831 - 2269; E-Mail: Antje.Boetius@awi.de)

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der 18 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Quelle: idw 

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Abwehrmechanismus von Algen kopiert: Cerdioxid schützt zuverlässig vor marinem Fouling

Petra Giegerich Kommunikation und Presse
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Cerdioxid-Nanopartikel greifen in die Kommunikation zwischen Bakterien ein und verhindern Biofilmbildung

Chemiker der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) haben eine Methode entwickelt, um das gefährliche Fouling im Meerwasser effektiv, günstig und umweltschonend zu bekämpfen. Fouling tritt zum Beispiel an Hafenanlagen, Schiffsrümpfen oder den Netzen von Aquakulturen auf, wenn sich Bewuchs von Bakterien, Algen oder Muscheln bildet. Die Schäden und Folgekosten können erheblich sein und werden allein in der Schifffahrt auf jährlich über 200 Milliarden Dollar geschätzt. Schutzanstriche, die aufgebracht werden, enthalten meist kupferhaltige Biozide. Deren Nachteil ist, dass die Umwelt darunter leidet und sich Resistenzen ausbilden können. Für ihre Alternative haben die Wissenschaftler um Prof. Dr. Wolfgang Tremel einen Abwehrmechanismus von Algen nachgeahmt und festgestellt, dass Nanopartikel aus Cerdioxid den Bewuchs effektiv unterbinden. Die Entdeckung könnte zur Herstellung neuer Schutzanstriche beitragen, die weit weniger umweltbelastend sind als die bisher verwendeten Schiffslacke.

Marine Algen nutzen sekundäre Stoffwechselprodukte zur chemischen Abwehr von pathogenen Mikroorganismen oder Fressfeinden. Die halogenierten Sekundärmetabolite schützen vor dem Bewuchs mit bakteriellen Biofilmen, Algen oder auch Seepocken, die sich auf größeren Algen, Schwämmen und anderen Lebewesen festsetzen können. Halogenierte Verbindungen der Rotalge Delisea pulchra verhindern zum Beispiel den Bewuchs mit Bakterien, wirken aber weder toxisch noch wachstumshemmend. Stattdessen torpedieren sie das „Quorum Sensing", das heißt die Kommunikation zwischen Bakterien durch Botenstoffe, die zur Bildung von Biofilmen führt. Die halogenierten Verbindungen der Alge besitzen eine ähnliche Struktur wie diese Botenstoffe und können daher die Botenstoffe von dem Signalempfänger-Bakterium verdrängen. Letztlich verhindern sie damit, dass die bakterielle Genregulation auf Biofilmbildung umschaltet. Dieser Eingriff in die bakterielle Genregulation ist auch von pharmakologischem Interesse, denn pathogene Bakterien können sich durch die Bildung von Biofilmen, beispielsweise auf den Epithelien der Atemwege, dem Angriff der Immunabwehr oder der Wirkung von Antibiotika entziehen.

Den natürlichen Abwehrvorgang ahmen die Mainzer Chemiker mit Nanopartikeln aus Cerdioxid nach. „Feldversuche zeigen, dass Cerdioxid ein umweltfreundlicher Ersatz für Cuprit ist, das als Biozid neben Kupferthiocyanat und Kupferpyridin in Antifoulinglacken in Anteilen bis zu 50 Prozent enthalten ist", erklärt Wolfgang Tremel vom Institut für Anorganische Chemie und Analytische Chemie der JGU. Kupferverbindungen sind jedoch giftig und reichern sich in der Umwelt an. Einige Länder wie Kanada und Dänemark haben deshalb auch die Verwendung von kupferhaltigen Antifoulings bereits stark eingeschränkt.

Kostengünstige und umweltfreundliche Alternative zu kupferhaltigen Bioziden
„Cerdioxid ist in jedem modernen Abgaskatalysator von Fahrzeugen enthalten. Es ist nicht giftig und chemisch extrem stabil", ergänzt Karoline Herget, die ihre Doktorarbeit in dem Projekt durchgeführt hat. Sie ist davon überzeugt, dass Cerdioxid eine praktikable und kostengünstige Alternative zu konventionellen Bioziden ist.

Cerdioxid, ein Oxid des Seltenerd-Metalls Cer, fällt als Nebenprodukt bei der Gewinnung der Seltenen Erden an. Cer ist allerdings nicht selten, sein Preis ist daher vergleichbar mit dem von Cuprit (Kupfer(I)oxid), es wird aber in sehr viel geringeren Mengen eingesetzt. „Wir haben hier eine umweltverträgliche Komponente für eine neue Generation von Antifoulingfarben, die das natürliche Verteidigungssystem mariner Organismen nachahmen. Vor allem funktioniert es nicht nur im Labor, sondern auch im praktischen Einsatz in Gewässern", fügt sie hinzu. Stahlplatten, die mit Lacken unter Verwendung von Ceroxid-Nanopartikeln beschichtet sind, können wochenlang dem Meerwasser ausgesetzt werden, ohne dass sich Ablagerungen von Bakterien, Algen, Muscheln und Seepocken bilden. Vergleichsproben, die nur mit normalen Wasserlacken gestrichen werden, zeigen im gleichen Zeitraum ein massives Fouling.

Biofilme sind praktisch allgegenwärtig. Sie kommen in Trinkwasserleitungen und Kläranlagen ebenso vor wie im Grundwasser, bei der Wasserfiltration und -kühlung, auf nahezu jeder Oberfläche (z.B. in Lebensmittelverpackungen, an Türgriffen, auf Druckknöpfen, Keybords oder anderen Kunststoffbauteilen) sowie im medizinischen Bereich wie etwa bei Kathetern. Die große Gefahr bei der Bekämpfung mit Bioziden und Antibiotika ist die Resistenzbildung. Dies könnte durch Oberflächenbeschichtungen mit Cerdioxid-Partikeln wirkungsvoll und umweltfreundlich umgangen werden. Das neue Verfahren kann daher Anwendung in Boots- und Außenanstrichen, Dachabdeckungen, Outdoor-Textilien, Polymermembranen für die Wasserentsalzung, Gehege für Aquakulturen oder vielen Kunststoffkomponenten finden.

Das Forschungsprojekt erfolgte in Kooperation mit der BASF und wurde in der Fachzeitschrift Advanced Materials publiziert.

Fotos/Abbildungen:
http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/09_anorgchemie_fouling_cer_01.jpg
Wirkweise der bioinspirierten Bootsanstriche: Ähnlich wie das Enzym Haloperoxidase fungieren Cerdioxid-Nanopartikel als Katalysator für die Bildung von hypohalogeniger Säure, die in Folgereaktionen zu den halogenierten Sekundärmetaboliten umgesetzt wird.
Abb./©: Tremel Forschungsgruppe, JGU

http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/09_anorgchemie_fouling_cer_02.jpg
Boote in einem Binnenhafen (Maas, Belgien) zum Test der unterschiedlich beschichteten Stahlplatten
Foto/©: R. Schröder, Tremel Forschungsgruppe, JGU

http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/09_anorgchemie_fouling_cer_03.jpg
Edelstahlplatten wurden mit handelsüblicher Farbe (Hartlack und Softlack ohne Zusatz) für Schiffsrumpfanstriche behandelt und an einem Bootssteg in einem Binnenhafen befestigt. Nach 52 Tagen zeigten die Platten ohne Cerdioxid-Nanopartikel einen starken Bewuchs, die Platten mit Cerdioxid-Beschichtung dagegen nicht. Cu2O, der aktuelle Goldstandard, wird handelsüblichen Anstrichen in Gewichtsanteilen bis zu 50 Prozent zugesetzt.
Foto/©: Tremel Forschungsgruppe, JGU

Publikation:
Karoline Herget et al.
Haloperoxidase Mimicry by CeO2-x Nanorods Combats Biofouling
Advanced Materials, Online-Publikation, 29. November 2016
DOI: 10.1002/adma.201603823

Kontakt und weitere Information:
Professor Dr. Wolfgang Tremel
Institut für Anorganische Chemie und Analytische Chemie
Johannes Gutenberg University Mainz
55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-25135
Fax +49 6131 39-25605
E-Mail: tremel@uni-mainz.de
http://www.ak-tremel.chemie.uni-mainz.de/index.php

Weitere Links:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/adma.201603823/abstract
https://www.uni-mainz.de/presse/52490.php (Pressemitteilung vom 02.07.2012 „Von der Natur inspiriert: Lacke mit bakteriziden Nanopartikeln gegen marines Fouling")

Quelle: idw 

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Biokunststoffe aus der Kläranlage

Dr. Christian Remenyi Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Eine Quelle für biologisch abbaubare Kunststoffe sind Bakterien im Primärschlamm. Kläranlagen mit entsprechend ausgelegten Reaktoren könnten den Bedarf an Biokunststoffen decken, ohne auf nachwachsende Rohstoffe zuzugreifen. Wie die Bakterien im Klärschlamm die Biokunststoffe herstellen und welches Potenzial somit in Deutschlands kommunalen Kläranlagen steckt, steht in den „Nachrichten aus der Chemie".

Kunststoffe aus Erdöl tragen zu Ressourcenverbrauch und Umweltverschmutzung bei. Um die Abhängigkeit vom Rohstoff Erdöl zu reduzieren, sind Recycling und die Entwicklung umwelt- und ressourcenschonender Herstellungsverfahren für Kunststoffe entscheidend.

Primärschlamm aus kommunalen Kläranlagen eignet sich als Rohstoff für Biokunststoffe. Bakterien im Schlamm synthetisieren biologisch Polyhydroxyalkanoate (PHAs). Die Synthese verläuft in zwei Stufen: Zunächst werden kurzkettige Fettsäuren erzeugt, die dann nach Anreicherung bestimmter Bakterien im Klärschlamm zu PHAs polymerisieren. Die Bakterien nutzen diese kurz- oder mittelkettigen Polymere überwiegend als Energie- und Kohlenstoffspeicher. Die meisten Materialeigenschaften der kurzkettigen PHAs ähneln denen von Polypropylen und könnten dieses in vielen Anwendungen ersetzen.

Die Produktion von PHAs kann im Bypass zur Abwasserreinigung ablaufen, ohne die Reinigungsleistung der Kläranlage zu beeinflussen. Allein in Deutschland ließen sich mit passenden Reaktoren so in kommunalen Kläranlagen zurzeit etwa 157.000 Tonnen PHAs herstellen - das entspricht etwa 20 Prozent der im Jahr 2015 weltweit produzierten Biopolymere.

Umweltschutztechnik-Ingenieur Timo Pittmann erläutert in den „Nachrichten aus der Chemie" die Schritte und Rahmenbedingungen der PHA-Herstellung und analysiert das Potenzial kommunaler Kläranlagen zur Biokunststoffproduktion. Die PDF-Datei des Beitrags gibt es bei der Redaktion der „Nachrichten aus der Chemie" unter nachrichten@gdch.de.

Nahezu 60.000 anspruchsvolle Chemiker und Chemikerinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Lehre informieren sich mit den „Nachrichten" über Entwicklungen in der Chemie, in angrenzenden Wissenschaften sowie über gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte. Kennzeichen der Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker sind das breite Spektrum der Berichte sowie das einmalige Informationsangebot an Personalien, Veranstaltungs- und Fortbildungsterminen.

Weitere Informationen:

http://www.nachrichtenausderchemie.de

Quelle: idw 

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Große Windparks bremsen den Wind und senken die Energieeffizienz

Dr. Eberhard Fritz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Windenergie trägt maßgeblich zum steigenden Anteil kostengünstiger, erneuerbarer Energie bei. Aber kann sich dieser Trend über die nächsten Jahrzehnte weiter so fortsetzen? Eine neue Studie von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie in Jena, gerade erschienen in den Proceedings of the National Academy of Sciences, USA, senkt diese Erwartung für die großflächige Energiegewinnung mit Windparks erheblich.

Die Autoren der Studie bestimmten, wieviel Energie sich bestenfalls aus Windkraft erzeugen lässt und wie sich dies auf die Effizienz jeder einzelnen Windkraftanlage auswirkt. Jede Windkraftanlage entzieht dem Wind Energie, sodass viele Anlagen großräumig zu verringerten Windgeschwindigkeiten in der Atmosphäre führen sollten. Dieser Effekt geht über den Windschatten hinter jeder einzelnen Anlage hinaus. Die langsamere Windgeschwindigkeit verringert dann die Energieerzeugung jeder einzelnen Windkraftanlage.

Durch Berücksichtigung dieses Effekts konnten die Autoren die starke Diskrepanz zwischen theoretisch modellierten und datenbasierten Abschätzungen der Windenergie erklären, welche einerseits aus großskaligen Klimamodellen und andererseits aus Beobachtungen lokaler Windgeschwindigkeitsmessungen und kleiner Windparks stammen. Dr. Lee Miller, Erstautor der Studie, erklärt: "Man sollte nicht annehmen, dass die Windgeschwindigkeiten unverändert bleiben, wenn man viele Windkraftanlagen in einer Region installiert. Auch wenn die aus Klimamodellen berechneten Windgeschwindigkeiten nicht ganz realistisch sind, so können diese Modelle den Effekt von vielen Windkraftanlagen dennoch simulieren. Wenn man beobachtete Windgeschwindigkeiten nutzt um Windenergieerzeugung abzuschätzen, kann man diesen Effekt aber nicht erfassen." Das im Modell errechnete Abbremsen des Winds reduziert die Effizienz der einzelnen Windkraftanlagen gewaltig. Die Autoren berechneten, dass dadurch die Energieerzeugung jeder einzelnen Anlage um bis zu 80% reduziert sein kann.

Die Forscher berechneten mit einem Klimamodell in einer Reihe von Szenarien, wieviel Windenergie maximal über allen Kontinenten genutzt werden kann. Die Ergebnisse zeigen, dass auf nur 3-4% der Landoberfläche mehr als 1 Watt Strom pro Quadratmeter erzeugt werden kann, mit typischen Raten von 0,5 Watt oder weniger. Diese Berechnungen stimmen mit anderen Klimamodellrechnungen überein, sind aber nur ein Bruchteil der Abschätzungen, die auf gemessenen Windgeschwindigkeiten beruhen. Diesen Unterschied konnten die Forscher auf schwächere Geschwindigkeiten zurückführen, die im Klimamodell um 40-50% reduziert werden. Da Windgeschwindigkeiten überproportional die Stromerzeugung von Windkraftanlagen beeinflussen, führte deren Abbremsen zu deutlich niedrigerer Windenergieerzeugung in den Klimamodellrechnungen und zu der drastisch reduzierten Effizienz der einzelnen Windkraftanlagen.

Dr. Axel Kleidon, Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Biogeochemie, führt aus, dass es sich hierbei um hypothetische Szenarien der Windenergienutzung handelt. Allerdings weist er darauf hin, dass diese Ergebnisse hoch relevant für den zukünftigen Ausbau der Windenergie sind: „Wir finden diese dramatischen Effekte bei Abständen zwischen einzelnen Windkraftanlagen, wie man sie heutzutage häufig in Windparks auf Land antrifft." Kleidon plant, seine Berechnungen mit Messungen heutiger Windparks abzugleichen, um zu testen ob der Bremseffekt schon sichtbar wird. Für den weiteren Ausbau der Windenergie würde dies bedeuten, dass man wahrscheinlich auf deutlich größere Abstände zwischen den Windkraftanlagen setzen sollte, um die heutige Effizienz von Windenergieerzeugung auch in Zukunft zu erreichen.

Die Studie wurde online im Wissenschaftsjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences, USA" am 14.November 2016 veröffentlicht.

Originalveröffentlichung:
Wind speed reductions by large-scale wind-turbine deployments lower turbine efficiencies and set low generation limits. Lee M. Miller and Axel Kleidon (2016)
www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1602253113

Kontakt:
Dr. Axel Kleidon
Max Planck Institut für Biogeochemie
Hans-Knöll-Str. 10
07745 Jena
Tel.: 03641 57 6217
E-mail: akleidon@bgc-jena.mpg.de

Weitere Informationen:
https://www.bgc-jena.mpg.de/index.php/BTM/Home/ Webseite der Forschungsgruppe

Quelle: idw 

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Nachhaltige Biomasse aus dem All erkennen

Dr. Torsten Gabriel Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Mit modernster Satellitentechnik Rodungen und andere Flächenumwandlungen aufspüren -
Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt bewilligt im Rahmen der 22. Klimakonferenz in Marrakesch wichtiges Nachhaltigkeitsprojekt

„Die Bioökonomie geht einher mit einem weltweit steigenden Handelsaufkommen an Biomasse. Dies mit dem Schutz wertvoller Lebensräume und dem Klimaschutz in Einklang zu bringen - dabei kann uns das neue GRAS-System unterstützen. GRAS soll uns künftig noch umfangreichere und genauere Daten zu noch mehr land- und forstwirtschaftlichen Flächen weltweit liefern und so den Aufbau nachhaltiger und entwaldungsfreier Lieferketten erleichtern. Damit kann ein wichtiger Beitrag zur Reduktion der klimaschädlichen Emissionen aus Entwaldungen geleistet werden." sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt am 12. November in Marrakesch anlässlich der Übergabe des Zuwendungsbescheides an die Global Risk Assessment Services GmbH. Das Unternehmen aus Köln erhält bis 2019 eine Förderung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) für die Weiterentwicklung des GRAS-Systems.
Die Internet-Plattform GRAS steht für Global Risk Assessment Services. Das BMEL hatte bereits die Entwicklung des ersten Prototypen gefördert, der seit 2015 unter gras-system.org online ist und anhand von Satellitendaten Informationen zu Anbauflächen nachwachsender Rohstoffe und zu Landnutzungsänderungen liefert.

Aktuelle Satellitengenerationen wie die seit 2014 bzw. 2015 im All befindlichen Sentinel-1- und -2-Satelliten aus dem Copernicus-Programm der ESA liefern immer bessere Bilder der Erde. Dank einer Auflösung von bis zu fünf Metern pro Pixel, dank Spektral- und wolkendurchdringender Radartechnik können Flächennutzungen immer verlässlicher erkannt werden. Und da die Informationen regelmäßig alle fünf bis zehn Tage zur Verfügung stehen, lassen sich auch Entwicklungen im Zeitablauf ablesen und etwa der Zeitpunkt von Rodungen und der anschließenden landwirtschaftlichen Nutzung sicher nachweisen. Von diesem technischen Fortschritt soll nun auch das System GRAS profitieren. Im Ergebnis können Auditoren im Rahmen einer Nachhaltigkeitszertifizierung beispielsweise Unternehmen, die Rodungen vornehmen, aus Lieferketten ausschließen. Wichtig ist dabei, dass man auch die Wiederanpflanzung von bereits bestehenden Plantagen von der Regenwaldrodung unterscheiden kann.

Die Arbeitsagenda im Projekt ist technisch anspruchsvoll, denn das System muss nun noch deutlich größere Datenmengen aus verschiedenen Quellen verarbeiten. Zudem wollen die Forscher weitere Nachhaltigkeitsinformationen an die Geodaten koppeln, zum Beispiel zur Artenvielfalt, zur Ressource Wasser oder zu sozialen Indikatoren. Zudem soll eine Warnfunktion bei Waldbränden und die Erkennung von kleinräumigen Entwaldungen integriert werden. Schließlich sind auch neue Abschätzungen der ober- und unterirdischen Kohlenstoffgehalte von Flächen und die Darstellung der Ergebnisse in Kohlenstoff-Karten geplant.

Der erste GRAS-Prototyp war für Anwendungen in der Landwirtschaft konzipiert. Die Weiterentwicklung soll stärker auf die Bedürfnisse einer nachhaltigen Forstwirtschaft ausgerichtet sein und die Bekämpfung illegaler Rodungen unterstützen.

Auch das Spektrum der durch GRAS II abgedeckten Länder soll sich erweitern und Staaten in Süd- und Mittelamerika, Südostasien, Afrika und Australien abdecken, ebenso wie weitere europäische Länder.

Das ab 2020 zur Verfügung stehende erweiterte GRAS-System soll einen praktischen Beitrag zur ökologisch und sozial nachhaltigen Biomassegewinnung leisten. Es kann Unternehmen der Bioökonomie, aber auch weitere Anwender dabei unterstützen, nachhaltige und entwaldungsfreie Lieferketten aufzubauen und somit auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Das BMEL fördert das Vorhaben über seinen Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR). Informationen stehen auf fnr.de unter dem Förderkennzeichen 22015416 zur Verfügung.

Weitere Informationen:
https://www.gras-system.org/
http://www.fnr.de/projektfoerderung/projekte-und-ergebnisse/projektverzeichnis/
http://www.fnr.de/index.php?id=11150&fkz=22015416

Quelle: idw 

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Ozeanworkshop für Jugendliche: Jetzt bewerben!

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Jugendliche ab 16 Jahren sind ab sofort aufgerufen, sich für einen zweiwöchigen Ozeanworkshop zu bewerben, der im September 2017 auf Helgoland stattfindet. Er wird organisiert von den Schülerlaboren und Schulprogrammen des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, der Biologischen Anstalt Helgoland des Alfred-Wegener-Instituts Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und des Helmholtz-Zentrums Geesthacht. Der Workshop ist Teil des Wissenschaftsjahres 2016*17 - Meere und Ozeane.

(Gemeinsame Pressemitteilung des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, des Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung und des Helmholtz-Zentrum Geesthacht)

Schülerinnen und Schüler, die mehr über das Meer und speziell die Ozean- und Küstenforschung erfahren wollen, haben ab sofort die Chance, sich auf einen der 20 Plätze beim Ozeanworkshop „Mehr Meer 2017" auf der Nordseeinsel Helgoland zu bewerben. Gesucht werden Jugendliche ab 16 Jahren, die mit Gleichgesinnten und Experten zwei Wochen lang Themen der Meeresforschung kennenlernen und Messmethoden erproben möchten. Beim Experimentieren im Labor, in der Diskussion mit Fachleuten vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) Helgoland und vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG), aber auch auf Exkursionen und Beprobungen rund um die Insel entdecken die Jugendlichen die Vielfalt der Fachgebiete, die zu den Meereswissenschaften beitragen. Dabei sind Initiative, Teamgeist und Begeisterungsfähigkeit gefragt sowie Arbeitswille und sogar Seefestigkeit, die möglicherweise schon bei der Überfahrt auf die Hochseeinsel auf die Probe gestellt werden wird.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert den Workshop, die Anreise und die Aufenthaltskosten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus allen Teilen der Bundesrepublik im Rahmen des Wissenschaftsjahrs 2016*17 - Meere und Ozeane. Allerdings ist für eine erfolgreiche Bewerbung neben den üblichen Unterlagen noch eine eigene Stellungnahme zum Thema „Erforschung, Nutzung und Schutz der Meere: Was ist nötig und was ist möglich?" gefragt, die als Aufsatz, Video oder beispielsweise auch als Comic-Strip eingereicht werden kann. Einzelheiten hierzu sind auf der Webseite des Workshops zu finden. Bewerbungsschluss ist der 31. März 2017.

„Wir hoffen, dass Jugendliche aus allen Bundesländern am Workshop teilnehmen werden", erklärt Dr. Joachim Dengg vom GEOMAR Kiel, der das Projekt koordiniert. Dr. Antje Wichels vom Schülerlabor OPENSEA am AWI Helgoland, die Gastgeberin vor Ort, erläutert: „Nach unserer Erfahrung werden oft gerade die Schülerinnen und Schüler, die weit weg von der Küste wohnen, von den neuen Eindrücken in unseren Kursen am meisten angesprochen." „Aber auch das eigenständige Arbeiten ohne den schulischen Notendruck macht einen wesentlichen Teil solcher Workshops aus", fügt Dr. Sabine Mendach hinzu, die im HZG-eigenen Schülerlabor „Quantensprung" in Geesthacht ausgiebige Erfahrung mit der Arbeit mit Jugendlichen hat.

Alle drei freuen sich auf zwei spannende Wochen im nächsten Herbst, mit vielen guten Projekten, in die auch die Anregungen aus den Stellungnahmen der Bewerberinnen und Bewerber einfließen werden.

Weitere Informationen und Unterlagen zur Bewerbung auf
http://www.helmholtz.de/mehrmeer2017
oder auf
http://www.facebook.com/mehrmeer2017

Weitere Informationen:
http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.awi.de Das Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
http://www.hzg.de Das Helmholtz-Zentrum Geesthacht

Quelle: idw 

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Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen

Angelina Tittmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Seen reagieren oft abrupt auf Umweltveränderungen wie steigende Temperaturen oder erhöhte Nährstoffkonzentrationen. Werden bestimmte Grenzwerte erreicht, kann sich ein See plötzlich grün färben oder ganz „kippen". Es kommt zu Algenblüten. Solche Veränderungen sind meist unumkehrbar und beeinflussen langfristig die Lebensgemeinschaften unter Wasser. Wissenschaftler vom Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben gemeinsam mit internationalen Kollegen getestet, welche Frühwarnsignale sich für die Prognose solcher Ereignisse in Seen eignen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie kürzlich in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences".

Ökosysteme können sich plötzlich und grundlegend verändern. Wissenschaftler bezeichnen dieses Phänomen als Tipping Points (Wendepunkte). Sie können trotz nahezu gleichbleibender äußerer Bedingungen auftreten und führen in Seen zu bleibenden Veränderungen, sogenannten Regimewechseln. Theoretisch lassen sich derartige Regimewechsel mithilfe statistischer Frühwarnsignale vorhersagen. Doch wie zuverlässig sind die Signale?

„Tritt ein solches Ereignis in einem Ökosystem auf, ist es schwierig oder sogar unmöglich, die ursprüngliche Situation wiederherzustellen", betont Prof. Dr. Rita Adrian, Mitautorin der Studie. Aus diesem Grund sei es wichtig, Alarmsignale für anstehende Veränderung frühzeitig zu erkennen.

Gemeinsam mit einem internationalen Team hat die IGB-Wissenschaftlerin verschiedene statistische Indikatoren in langen Datenreihen von Seen getestet, die als Frühwarnsignale gelten. Die Ergebnisse zeigen, dass Vorhersagen zwar funktionieren können, bislang jedoch nicht in allen Fällen auf natürliche Ökosysteme anwendbar sind.

Weltweit sind Seen von plötzlich auftretenden Systemveränderungen betroffen
Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler fünf Seen, für die jeweils Langzeitdaten über mehrere Jahrzehnte vorlagen, darunter der Müggelsee in Berlin und der Lake Washington in den USA. Alle Gewässer zeigten eine Gemeinsamkeit: Sie unterlagen plötzlich auftretenden und langfristig anhaltenden Systemveränderungen.

„Im Müggelsee sank beispielsweise 1990 die Biomasse der im See vorkommenden Algen abrupt und langanhaltend um fast die Hälfte", sagt Adrian. „Einige Zooplankton-Arten wie zum Beispiel eine Copepodenart konnten wir daraufhin weniger häufig beobachten, eine andere Copepodenart breitete sich hingegen aus." Diese Veränderung an der Basis der Nahrungskette wirkte sich auf die Populationsdichten und die Artenzusammensetzung im See aus. Eine Verbesserung der Lichtverhältnisse im See förderte zugleich die Ausbreitung von Wasserpflanzen.

Bei einem Großteil der untersuchten Seen erkannten die Forscher tatsächlich Frühwarnsignale, in einigen Fällen sogar mehrere Jahre bevor die Veränderung eintrat. Insgesamt war die Aussagekraft der vier getesteten Frühwarnsignale (Autokorrelation, Verteilung, Varianz und Erholungszeit nach Störung) jedoch nicht eindeutig. Frühwarnindikatoren als Methode seien deshalb zwar vielversprechend, aber entgegen vieler Hoffnungen noch nicht für eine allgemeine Anwendung geeignet, lautet das Fazit der Forscher. Das macht es bislang unmöglich, schon vor einer potenziellen Krise entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Prognosen brauchen Rückblicke und bessere Daten
„Wir können Frühwarnsignale nur entdecken und für das Gewässermanagement nutzen, wenn ausreichend Langzeitdaten für die betroffenen Seen vorliegen", betont Rita Adrian. Dieses „Fenster in die Vergangenheit" sei aber nicht der einzige Schlüssel zum Erfolg: Die Methoden für die Datengewinnung müssen ebenfalls weiterentwickelt werden. „Automatisierte Messstationen, wie z.B. die Müggelsee-Messstation in Berlin, auf der physikalische und biologische Werte in hoher zeitlicher Auflösung erfasst werden, könnten es in Zukunft ermöglichen, Regimewechsel besser vorherzusagen", sagt Rita Adrian.

Zur Studie:
Evaluating early-warning indicators of critical transitions in natural aquatic ecosystems, Alena Sonia Gsell, Ulrike Scharfenberger, Deniz Özkundakci, Annika Walters, Lars-Anders Hansson, Annette B. G. Janssen, Peeter Nõges, Philip C. Reid, Daniel E. Schindler, Ellen van Donk, Vasilis Dakos & Rita Adrian
Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS), 23 November 2016 (Early Edition)
http://www.pnas.org/content/early/2016/11/21/1608242113.full

Ansprechpartner:
Rita Adrian
Leibniz-Institut Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Müggelseedamm 310
12587 Berlin
E-Mail: adrian@igb-berlin.de
Telefon: +49 (0)30 64181 680

Alena Gsell
Netherlands Institute of Ecology (NIOO-KNAW)
Droevendaalsesteeg 10, 6708BP Wageningen, Niederlande
E-Mail: a.gsell@nioo.knaw.nl
Telefon: +31 (0)317 473 531

Zum IGB:
http://www.igb-berlin.de

Die Arbeiten des IGB verbinden Grundlagen- mit Vorsorgeforschung als Basis für die nachhaltige Bewirtschaftung der Gewässer. Das IGB untersucht dabei die Struktur und Funktion von aquatischen Ökosystemen unter naturnahen Bedingungen und unter der Wirkung multipler Stressoren. Forschungsschwerpunkte sind unter anderem die Langzeitentwicklung von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten bei sich rasch ändernden globalen, regionalen und lokalen Umweltbedingungen, die Entwicklung gekoppelter ökologischer und sozioökonomischer Modelle, die Renaturierung von Ökosystemen und die Biodiversität aquatischer Lebensräume. Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit den Universitäten und Forschungsinstitutionen der Region Berlin/Brandenburg und weltweit. Das IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.

Quelle: idw 

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Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten "Todeszone" im Indischen Ozean auf der Kippe

Dr. Manfred Schloesser Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

In den großen Sauerstoff-freien Bereichen der Ozeane, den so genannten Todeszonen, entweichen aufgrund mikrobieller Prozesse große Mengen an Stickstoff als Gas. Stickstoff ist ein Schlüsselelement für alles Leben auf der Erde. Diese Art von Todeszonen findet man an den Westküsten Nord- und Südamerikas, Namibias und auch an der Westküste Indiens im Arabischen Meer.

Jetzt publiziert ein Team von Wissenschaftlern in der Fachzeitschrift Nature Geoscience seine Forschungsergebnisse und zeigt, dass sich eine weitere Todeszone im Golf von Bengalen im nordöstlichen Indischen Ozean über eine Fläche von 60 000 Quadratkilometern in einer Wassertiefe zwischen 100 und 400 Metern ausbreitet. Mit dabei im Team waren Forscher von der University of Southern Denmark (SDU), dem Bremer Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie (MPIMM) und dem National Institute of Oceanography (NIO) of India. Erstautorin Laura Bristow, früher Wissenschaftlerin an der SDU und jetzt am Bremer MPIMM, sagt: " Die Situation im Golf von Bengalen hat uns lange Zeit vor ein Rätsel gestellt, denn mit herkömmlichen Messmethoden konnte zwar kein Sauerstoff nachgewiesen werden, trotzdem gab es keinerlei Anzeichen von Stickstoffverlusten, die für andere Todeszonen so typisch sind."
Das Forscherteam konnte jetzt mit neuen empfindlichen Sauerstoffsensoren das Vorhandensein minimaler Konzentrationen an Sauerstoff nachweisen, die aber 10 000 Mal niedriger waren als im sauerstoffgesättigten Oberflächenwasser. Jene Mikroorganismen, die in anderen Todeszonen für die Stickstoffentfernung zuständig sind, gab es auch in diesen Wasserproben. Messungen zeigten, dass diese Mikroorganismen zwar auch im Golf von Bengalen Stickstoff entfernten, allerdings viel langsamer als in anderen Todeszonen. Laura Bristow führt weiter aus." Das ist schon eine verrückte Sache. Die Mikroben sind anwesend und könnten große Mengen an Stickstoff entfernen, werden aber durch die minimalen Spuren von Sauerstoff an ihrem Job gehindert."
Wajih Naqvi, früher Direktor am NIO und Ko-Autor der Studie, fügt hinzu:" Wenn auch die letzten Reste an Sauerstoff weg sind, wird der Golf von Bengalen plötzlich zu einer Stickstoffsenke mit globalen Auswirkungen." Diese dann auftretenden Stickstoffverluste würden den Stickstoffhaushalt und damit die Produktivität der marinen Lebensgemeinschaften verändern. Experten sagen, dass die Klimaveränderung die Atmosphäre und die Meere erwärmen und sich damit die Todeszonen ausweiten werden. Ob die Auswirkungen des Klimawandels den letzten Sauerstoff aus dem Golf von Bengalen entfernen werden, ist noch nicht sicher. Doch auch die hohe Bevölkerungsdichte und der damit verbundene hohe Nährstoffeintrag könnten im Golf von Bengalen dem Sauerstoff den Rest geben. Laura Bristol spricht warnende Worte: „Wir werden sehen, wie es mit dieser Todeszone weitergeht. Sicher ist, dass der Golf von Bengalen auf der Kippe steht. Jetzt brauchen wir mathematischen Modelle, um die potentiellen Auswirkungen auf den Stickstoffkreislauf im Golf von Bengalen, aber auch weltweit, zu verstehen."

Weitere Informationen
Dr. Laura Bristow, +49 421 2028 634, lbristow@mpi-bremen.de
Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Celsiusstr. 1, D-28359 Bremen
Oder wenden Sie sich an die Presseabteilung:
Dr. Manfred Schlösser, +49 421 2028704, mschloes@mpi-bremen.de
Dr. Fanni Aspetsberger, +49 421 2028947, faspetsb@mpi-bremen.de
Institutionen

Department of Biology and Nordic Center for Earth Evolution (NordCEE), University of 
Southern Denmark, Campusvej 55, 5230 Odense M, Denmark. 

Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Celsiusstraße 1, D-28359 Bremen

School for Marine Science and Technology, University of Massachusetts Dartmouth, 706 South 
Rodney French Blvd, New Bedford, MA 02744-1221, USA. 

CSIR-National Institute of Oceanography, Dona Paula, 403 004, Goa, India, 

Department of Biological Sciences, Aarhus University, Building 1540, DK-8000 Aarhus C, Denmark. 


Originalartikel
N2 production rates limited by nitrite availability in the Bay of Bengal oxygen 
minimum zone 

L.A. Bristow, C.M. Callbeck, M. Larsen, M.A. Altabet, J. Dekaezemacker, M. Forth, M. Gauns, R.N. Glud, M.M.M. Kuypers, G. Lavik, J. Milucka, S.W.A. Naqvi, A. , Pratihary, N.P. Revsbech, B. Thamdrup, A.H. Treusch, D.E. Canfield. Nature Geoscience 2016, DOI 10.1038/ngeo2847

Weitere Informationen:
http://www.mpi-bremen.de Webseite des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie

Quelle: idw 

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Im Winter trägt der Hirsch Schal und Wildschweine erhalten eine Haarverlängerung

Eva Goris Kommunikation
Deutsche Wildtier Stiftung

Deutsche Wildtier Stiftung: So kommen Wildtiere gut durch die Kälte

Wildtiere brauchen bei Minusgraden ein dickes Fell, um Kälte abzuwettern. Der Fellwechsel ist jetzt abgeschlossen; Väterchen Frost kann kommen. Wie funktioniert die haarige „Funktionsjacke"? Sie arbeitet ähnlich wie funktionelle Winterkleidung nach dem Schichten-Prinzip mit Luftkammern. Fette helfen obendrein die Körperwärme zu halten. Die Wildtiere machen sich im Winter im Wortsinn „dicke": Vögel plustern sich auf, Säugetiere tragen wollige „Unterwäsche".
Damit der Hirsch gut durch den Winter kommt, wachsen ihm neue Haare. Seine Fellfarbe wandelt sich von einem glänzenden sommerlichen Rot in ein gedecktes winterliches Grau. „Das Winterhaar der Hirsche ist doppelt so lang wie im Sommer, es ist wesentlich spröder und hat einen anderen Querschnitt", sagt Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. Unter der äußeren Decke wachsen Wollhaare, die wie eine wärmende Thermo-Unterwäsche beim Menschen Schutz gegen die Kälte bieten. „Die Wollhaare stehen sehr dicht. Luftpolster zwischen den Haaren sorgen zusätzlich für Isolation und auch die Temperaturleitfähigkeit der Haare ist deutlich herabgesetzt." Damit ist der Rothirsch perfekt gegen eisige Temperaturen gewappnet. Am auffälligsten ist der Haarwuchs der Hirsche am Hals - seine prächtige Mähne sieht einem warmen Wollschal sehr ähnlich. Doch sie hat nicht nur eine wärmende Aufgabe. „Während der Brunft ist die stolze Mähne an die Menge des Sexualhormons Testosteron gebunden: Je länger die Mähne, desto mehr Testosteron steckt in dem Prachtkerl." So dienen Haare bei Wildtieren nicht nur als Wärmeschutz, sondern auch als wichtiges Kriterium bei der Partnerwahl.

Auch im Wildschwein-Fell sind zwischen den Haaren Luftkammern eingeschlossen, die die Abgabe der Körperwärme verhindern. Jetzt im Dezember ist der Fellwechsel bei Wildschweinen abgeschlossen. Sie haben sich das Sommerfell an Bäumen abgescheuert, sind so die alten Haare losgeworden. Das Winterhaar kommt ebenfalls in dunkelgrau bis schwarz daher - und eine auffällige Haarverlängerung stand an: Denn die borstigen Deckhaare sind deutlich länger als im Sommer. Darunter liegt die kurze, dicke Unterwolle. „An besonders frostigen Tagen rotten sich die Tiere auch mit ihren Artgenossen zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen", erklärt von Münchhausen.
Wer im Wasser lebt, braucht eine gute Portion Schmierfett, um sich vor klirrender Kälte zu schützen. Der Fischotter hat zwar ein perfektes „Funktionsjacken"-Fell mit etwa 50.000 Haaren pro Quadratzentimeter - und damit den dichtesten Winterpelz aller heimischen Säugetiere. Doch auch bei ihm spielt Fett als Kälteschutzmittel eine wichtige Rolle. Er produziert ein öliges Drüsensekret, das wasserabweisend wirkt. Damit wird das Fell ordentlich „bearbeitet". Dasselbe Wärmeschutzprinzip wenden Wasservögel an: Ihre Federn sind gut eingefettet. Enten haben eine spezielle Fettdrüse an der Oberseite der Schwanzwurzel, die sogenannte Bürzeldrüse. Das Fett aus dieser Drüse verteilen sie mit dem Schnabel im Federkleid - eine gute Portion Pomade ist in diesem Fall überlebenswichtig.

Kontakt:
Eva Goris, Pressesprecherin, Christoph-Probst-Weg 4, 20251 Hamburg,
Telefon 040 9707869-13, Fax 040 9707869-19,
E.Goris@DeutscheWildtierStiftung.de, www.DeutscheWildtierStiftung.de

Weitere Informationen:
http://www.Presse.DeutscheWildtierStiftung.de

Quelle: idw 

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Forscher entwickeln Unterwasser-Observatorium

Dr. Michael Welling Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Neues Gerät soll vor Helgoland automatisch die Plankton-Lebensgemeinschaft erfassen

Die Weiten des Meeres und dessen zeitweise harschen Bedingungen stellen Meeresforscher häufig vor schwierige Situationen. In der Nordsee nahe Helgoland haben Wissenschaftler des Thünen-Instituts für Seefischerei, des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) und des Helmholtz-Zentrums Geesthacht (HZG) jetzt ein außergewöhnliches Gerät ausgebracht: ein optisch-akustisches Unterwasser-Observatorium. Es ist in der Lage, kleinste Meereslebewesen unter Wasser zu erfassen und automatisch zu identifizieren - rund um die Uhr und selbst unter Bedingungen, unter denen kein Forschungsschiff den Hafen verlassen kann.

Mikroskopisch kleine Krebstiere, Fischlarven, Quallen sowie Jugendstadien vieler Schnecken und Stachelhäuter - all das wird zum Zooplankton gezählt. Es stellt die Basis der Nahrungskette im Meer dar, seine Verteilung und Vielfalt ist somit auch für viele Fischbestände und Meeressäuger von großer Bedeutung.

Das Zooplankton-Observatorium ist in der Lage, die Verteilungsmuster der Kleinlebewesen und Partikel mit einer hohen räumlichen und zeitlichen Auflösung automatisch zu erfassen, ohne die Lebensgemeinschaften durch Fanggeräte oder Probenahmen zu beeinflussen. Zusätzlich kann es die Verteilung und Sinkgeschwindigkeit kleiner organischer Partikel, den sogenannten „Schnee der Meere", registrieren. Diese Partikel sind wichtiger Bestandteil der Kohlenstoffflüsse in den Ozeanen und haben somit Einfluss auf die klimatischen Bedingungen sowie deren Wandel.

Das Unterwasser-Gerät basiert auf der Kombination eines akustischen Doppler-Strömungsmessers (ADCP) mit einem Video-Plankton-Rekorder (VPR). Letzterer ist ein Unterwasser-Kamerasystem, das 15 hochaufgelöste Bilder pro Sekunde aufnehmen kann. Dadurch wird es möglich, Organismen ab einer Größe von 0,5 Millimeter zu beobachten und zu bestimmen - selbst fragile Arten wie gelatinöses Plankton, welches bei der traditionellen Probennahme mit Planktonnetzen häufig nicht erfasst wird. Der ADCP liefert eine dreidimensionale Vermessung des Strömungsfeldes und misst die akustische Rückstreustärke. Mit Hilfe dieser Daten lassen sich tägliche oder auch saisonale Wanderungsmuster von Zooplankton-Gemeinschaften untersuchen und Wanderungsgeschwindigkeiten ermitteln.

Das Zooplankton-Observatorium wurde von Dr. Boris Cisewski vom Thünen-Institut für Seefischerei und Dr. Klas Ove Möller vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht (ehemals Institut für Hydrobiologie und Fischereiwissenschaft der Universität Hamburg) mit der Hilfe von spezialisierten Meerestechnik-Unternehmen entwickelt. Ende November wurde es vom wissenschaftlichen Tauchzentrum des AWI unter Mithilfe des Wasser- und Schifffahrtsamts Tönning mit dem Gewässerschutzschiff „Neuwerk" ausgebracht.

Das neue Zooplankton-Observatorium ergänzt nun den Unterwasserknoten, welcher als Teil von COSYNA (Coastal Observing System for Northern and Arctic Seas) vom Helmholtz-Zentrum Geesthacht und Alfred-Wegener-Institut entwickelt und 2012 nördlich von Helgoland im AWI-Unterwasserexperimentalfeld MarGate in Betrieb genommen wurde. Dieser Unterwasserknoten - eine Unterwassersteckdose für Strom- und Internetanschluss unter Wasser - bietet die Möglichkeit, unterschiedliche Sensoren und Geräte unter Wasser anzuschließen und kurz- oder längerfristig per Fernzugriff zu betreiben. Der Knoten wird von Prof. Philipp Fischer, Wissenschaftler am AWI, in Zusammenarbeit mit dem Helmholtz-Zentrum Geesthacht betrieben, um u.a. die Fischfauna und Bodentiere zu untersuchen und zu vermessen. Das Zooplankton-Observatorium ergänzt die bereits ausgebrachten Messinstrumente in idealer Weise und soll nun zunächst für mehrere Monate Daten liefern.

Die drei verantwortlichen Wissenschaftler wollen die optisch-akustischen Daten, die das neue Zooplankton-Observatorium liefert, zusammen mit dem vom AWI erhobenen Langzeit-Datensatz „Helgoland Reede" für weitergehende gemeinsame Untersuchungen verwenden. „Helgoland Reede" gilt als einer der wertvollsten und detailliertesten Meeres-Datensätze der Welt, im täglichen Rhythmus werden dort Messwerte von Temperatur, Salz- und Nährstoffgehalt erhoben sowie die vorkommenden Tiere und Pflanzen analysiert.

Das Zooplankton-Observatorium wurde im Rahmen des Verbundprojekts AutoMAT („Anpassung und Weiterentwicklung von innovativen, nicht-invasiven Monitoringsystemen und Auswerteverfahren für die Fischereiforschung") entwickelt. AutoMAT wurde vom Projektträger BLE (Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung) gefördert.

Ansprechpartner:
Dr. Boris Cisewski
Thünen-Institut für Seefischerei
Tel.: 040 38905-224
Mail: boris.cisewski@thuenen.de

Dr. Klas Ove Möller
Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG)
Tel.: 04152 87-2371
Mail: klas.moeller@hzg.de

Prof. Dr. Philipp Fischer
Alfred-Wegener-Institut (AWI)
Tel.: 04725 819-3344
Mail: philipp.fischer@awi.de

Quelle: idw 

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Auf Video: Bärtierchen-Sex

Judith Jördens Senckenberg Pressestelle
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Senckenberg-Wissenschaftler haben erstmals die Fortpflanzung von Bärtierchen dokumentiert. Im Rahmen einer Studie zum Lebenszyklus der Bärtierchen-Art Isohypsibius dastychi gelang es dem Görlitzer Wissenschaftlerteam in Kooperation mit der Universität Stuttgart das Sexualverhalten der winzigen Tiere auf Video festzuhalten. Sie zeigen, dass sich die achtbeinigen Tiere bis zu einer Stunde lang paaren und dabei ein sehr komplexes Vorspiel vollziehen. Die Studie ist kürzlich im Fachjournal „Zoological Journal of the Linnean Society" erschienen.

Bärtierchen sind faszinierende Lebewesen: die winzigen Tiere mit ihrer namensgebenden, langsam tapsigen Fortbewegungsweise haben sich an vielfältige Lebensräume angepasst. Weltweit sind sie im Meer, Süßwasser oder in feuchten Lebensräumen an Land zu finden - dort können sie, unter anderem wegen ihrer Fähigkeit zur Kryptobiose - einem todesähnlichen Zustand -, Trockenperioden, Kälteeinbrüche, starke Schwankungen im Salzgehalt oder Sauerstoffmangel überstehen.

„Obwohl dieser Tierstamm aufgrund seiner Besonderheiten schon seit 245 Jahren im Fokus der Wissenschaft steht, ist über den Lebenszyklus und das Sexualverhalten getrennt-geschlechtlicher Bärtierchen-Arten bisher erstaunlich wenig bekannt", erklärt Bodenzoologin Dr. Karin Hohberg vom Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz und fährt fort: „Wir haben uns diesem Aspekt nun am Beispiel der Bärtierchen-Art Isohypsibius dastychi angenommen."

Das Wissenschaftlerteam zeigt in der aktuell veröffentlichten Studie, dass das Paarungsverhalten der achtbeinigen Tiere komplexer ist als es bisher vermutet wurde. Im Rahmen ihrer Bachelorarbeit gelang es Jana Bingemer, Studentin an der Universität Stuttgart, über 30 Bärtierchen-Paare bei der Fortpflanzung zu beobachten und den Geschlechtsakt auf Video festzuhalten.

„Für uns überraschend war das Vorspiel, das zwischen den Bärtierchenpaaren stattfand", erklärt Bingemer und fährt fort: „Die Partner stimulieren sich wechselseitig: das Männchen legt sich um den Kopf des Weibchens und hält sich dort mit seinem ersten Beinpaar fest und das Weibchen stupst ihren Partner so lange leicht mit ihren stilettartigen Mundwerkzeugen an, bis dieser seinen Samen ejakuliert." Dieser Vorgang wiederholt sich mehrfach während der bis zu einer Stunde andauernden Paarung. Währenddessen legt das Weibchen ihre Eier in ihr Häutungshemd ab und steigt zuletzt aus ihrer alten Haut. Die Befruchtung findet daraufhin außerhalb der Bärtierchenkörper im Häutungshemd statt. Taucht zum passenden Zeitpunkt kein Männchen auf, häutet sich das Weibchen ohne die Eier abzulegen. Die Eier verbleiben dann im Körper und werden binnen weniger Tage resorbiert. Nichtpaarungsbereite Weibchen werden von den männlichen Bärtierchen ignoriert.
„Die aktuelle Studie zeigt uns, dass sich die Bärtierchen auch in ihrem Fortpflanzungsverhalten extrem effektiv verhalten - Energie wird nur aufgewandt, wenn es sich auch lohnt", schlussfolgert Hohberg.

Um das Sexualverhalten zu beobachten haben die Wissenschaftler weibliche von männlichen Bärtierchen getrennt und diese dann gezielt und unter Beobachtung wieder zusammengeführt - „nur so konnten wir die Paarung studieren und uns auch sicher sein, wie lange die Entwicklung nach der Eiablage andauert", erzählt die Görlitzer Biologin Eine Gruppe wurde so bei einer Temperatur von 20 Grad, eine andere unter 12 Grad Celsius aufgezogen. Unter kälteren Bedingungen verlängerte sich die Generationszeit der Tiere von etwa 28 auf 44 Tage: die Bärtierchen waren sowohl später geschlechtsreif, als auch deutlich größer, als ihre unter wärmeren Bedingungen lebenden Artgenossen.

Kontakt
Karin Hohberg
Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz
Tel. 03581-47605531
Karin.Hohberg@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Link zum Video
www.youtube.com/user/SenckenbergFrankfurt

Publikation
Bingemer, J., Hohberg, K. and Schill, R. O. (2016), First detailed observations on tardigrade mating behaviour and some aspects of the life history of Isohypsibius dastychi Pilato, Bertolani & Binda 1982 (Tardigrada, Isohypsibiidae). Zool J Linn Soc, 178: 856-862. doi:10.1111/zoj.12435

Pressemitteilung und Bildmaterial finden Sie auch unter www.senckenberg.de/presse

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr fast 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung" sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

Quelle: idw 

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Über 100.000 Klicks: Forscher der TU Kaiserslautern erklären Computerchips auf YouTube

Katrin Müller Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Kaiserslautern

Auf ihrem eigenen YouTube-Kanal erklären Elektrotechniker der TU Kaiserslautern komplexe Computerchips in Lehrvideos. Im Fokus dabei stehen sogenannte Zynq-Chips, die vielseitig einsetzbar sind. Die Videos erklären detailliert, welche Anwendungen sich mit diesen Bauteilen realisieren lassen. Vor allem Studentinnen und Studenten, aber auch die Industrie profitieren davon. Die Clips vermitteln Lernstoff, der in Vorlesungen aus Zeitgründen nicht ausführlich behandelt werden kann. Mit ihren YouTube-Videos, die sie in ihrem Studio auf dem Campus produzieren, haben die Kaiserslauterer Ingenieure bereits über 100.000 Klicks erreicht. Die meisten Nutzer stammen aus den USA.

Das Studium der Eingebetteten Systeme im Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik an der TU Kaiserslautern vermittelt das Einmaleins der Computer-Architektur. Studentinnen und Studenten erlernen unter anderem, mit welchen digitalen Schaltkreisen und -elementen Mikroprozessoren oder Computerchips funktionieren. Um sich mit der Technik auseinanderzusetzen, bauen sie beispielsweise eigene Schaltkreise. „Dazu nutzen sie bestimmte Chips, sogenannte Field Programmable Gate Arrays, kurz FPGAs", sagt Matthias Jung, der am Lehrstuhl für Entwurf Mikroelektronischer Systeme bei Professor Dr. Norbert Wehn an der TU Kaiserslautern forscht. Ein FPGA ist ein Chip, auf den eine Schaltung aufgespielt werden kann.

„Die Industrie nutzt sie in vielen Produkten, beispielsweise zur schnellen Signalverarbeitung, gerade wenn kleine Stückzahlen erforderlich sind", so Jung weiter. „Sie sind wesentlich flexibler als andere Schaltungen, wie etwa sogenannte anwendungsspezifische integrierte Schaltungen, da man sie im Feld, also beim Kunden vor Ort, direkt neu konfigurieren kann. Fehler können so zum Beispiel schnell und kostengünstig behoben werden." Aufgrund ihrer einfachen Entwicklung können Technikkonzerne solche Systeme außerdem schnell auf den Markt bringen.

Seit ein paar Jahren gibt es eine neue Form: die Zynq-Chips. „Sie bestehen aus zwei Komponenten", sagt Jung. „Neben einem freiprogrammierbaren Element wie bei herkömmlichen FPGAs gibt es zusätzlich einen Prozessor, auf dem Software ausgeführt werden kann."

„Um herauszufinden, an welchen Stellen die Software viel Zeit verbraucht, nutzen wir ein gängiges Programmierwerkzeug, das Profiling", erläutert Jung. In der Software, die auf dem Prozessor ausgeführt wird, laufen einzelne Arbeitsschritte nacheinander ab. Mit dem Zynq-Baustein ist es nun möglich, den rechenintensiven Teil der Software auf den integrierten FPGA auszulagern und parallel in Hardware rechnen zu lassen. „Diese sogenannten Hardwarebeschleuniger reduzieren somit die Gesamtlaufzeit des Systems und erhöhen die Energieeffizienz", so Jung weiter.

Diese Technik sowohl auf Prozessor- als auch auf FPGA-Seite ist sehr komplex. „In Vorlesungen haben wir gar nicht genug Zeit, alle Details der Zynq-Plattform praxisnah zu erklären", so Jung weiter. Damit der Ingenieurnachwuchs aber nicht das Nachsehen hat, hatten die Forscher eine Idee: Sie haben 2014 einen eigenen YouTube-Kanal ins Leben gerufen. „Wir stellen hier Tutorials ein, in denen wir Schritt für Schritt auf Englisch erklären, wie die Technik funktioniert und welche Anwendungen sich damit realisieren lassen", sagt Jung.

Jung kümmert sich um die Technik und die Produktion der Videos, während Dr. Mohammad Sadegh Sadri als Moderator durchs Programm führt. Die Videos produzieren die Elektrotechniker in einem Studio auf dem Campus, das ihnen von Kollegen um Professor Dr. Hans Schotten aus dem Studiengang Medientechnik zur Verfügung gestellt wird. Es besitzt unter anderem einen Green-Screen. Damit können die Forscher die einzelnen Arbeitsschritte am Rechner direkt einblenden, ähnlich wie dies beim Wetterbericht im Fernsehen der Fall ist.

Die Reaktionen auf ihr Angebot sind sehr positiv. Ein Großteil der Nutzer stammt aus den USA. „Auf Konferenzen im Ausland werde ich oft darauf angesprochen", so Jung. „Auch unsere Studenten schauen die Videos, um die Technik weiter zu erlernen." Mit ihrem Web-Angebot haben die Kaiserslauterer bereits Tausende von Nutzern erreicht: Vor kurzem haben sie die 100.000-Klick-Marke überschritten.

Der YouTube-Kanal der Kaiserslauterer Ingenieure: www.youtube.com/user/EMSUNIKL

Fragen beantworten:
Dipl.-Ing. Matthias Jung
Tel.: 0631 205- 3579
E-Mail: jungma@eit.uni-kl.de

Dr.-Ing. Christian Weis
Tel.: 0631 205-2711
E-Mail: weis@eit.uni-kl.de

Quelle: idw 

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Hilfe vor und nach der letzten Zigarette

Dipl.-Ing. Mario Steinebach Pressestelle
Technische Universität Chemnitz

Raucherambulanz Chemnitz bietet Tabakentwöhnungskurse an, die von der Professur Klinische Psychologie und Psychotherapie der TU wissenschaftlich betreut werden

Das neue Jahr beginnt für viele mit dem guten Vorsatz, mit dem Rauchen aufzuhören. Gründe dafür gibt es viele. „Wer sich vom Glimmstängel verabschiedet, lebt länger und vor allem länger körperlich und psychisch gesund - das ist durch die Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte zweifelsfrei bewiesen", sagt Prof. Dr. Stephan Mühlig, Inhaber der Professur Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Technischen Universität Chemnitz. Raucher haben nicht nur ein vielfach höheres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. „Auch andere Krebs-Erkrankungen wie Kehlkopf-, Lippen-, Magen-Darm- oder Blasenkrebs kommen bei Rauchern sehr viel häufiger vor als bei Nichtrauchern. Auch schwerwiegende chronische Atemwegs- und Herzkreislauferkrankungen wie beispielsweise die Chronische Bronchitis, Herzinfarkte, Gefäßverengungen, frühzeitige Erblindung und Potenzprobleme werden im Wesentlichen durch das Zigarettenrauchen mitverursacht", weiß Mühlig.

Unabhängig von den körperlichen Folgeschäden ist das Zigarettenrauchen aber häufig auch eine Suchterkrankung. Nikotin zähle zu den suchtpotentesten Substanzen überhaupt, mit einem ähnlich hohen Abhängigkeitspotenzial wie Heroin. „Wer zur Zigarette greift, weiß zwar meist um die gesundheitlichen Risiken des Tabakrauchens, und deshalb wollen die meisten Raucher eigentlich aufhören. Aber dies ist eben bei süchtigen Rauchern nicht einfach nur eine Willensfrage", sagt Mühlig.

Neben abhängigkeitsbezogenen Problemen wie Entzugserscheinungen und Suchtverlangen ist die Zigarette im Alltag mit vielerlei Auslösereizen, Ritualen und Gewohnheiten verbunden, die nach einem Rauchstopp noch lange Zeit automatisch ein heftiges Suchtverlangen und schließlich Rückfälle auslösen können. „Ohne professionelle Unterstützung liegt die Rückfallquote von Abstinenzversuchen nach einem Jahr bei über Prozent", sagt Mühlig. Vielen Rauchern gelinge der Rauchstopp zwar irgendwann auch ohne professionelle Unterstützung, allerdings oft erst nach mehreren Anläufen und nach vielen Jahren. Das bedeutet: Nicht selten erst, wenn bereits ernsthafte Gesundheitsschäden und Rauchererkrankungen eingetreten sind.

Vor diesem Hintergrund bietet die Raucherambulanz der Technischen Universität Chemnitz Intensivkurse zur Tabakentwöhnung für aufhörwillige Raucher aus der Region Chemnitz an. Das verwendete Programm basiert auf einem wissenschaftlich fundierten Konzept, das die wirksamsten Methoden psychologischer sowie medikamentöser Entwöhnungsbehandlungen kombiniert. Es umfasst sechs Einheiten a 90 Minuten Dauer und wird in Gruppen von acht bis zwölf Teilnehmern über etwa drei Monate durchgeführt. Die Teilnehmer der einzelnen Kurse werden vorab gründlich befragt und nach Kursende noch sechs Monate telefonisch begleitet. Mühlig verweist auf die wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweise der verhaltenstherapeutischen Gruppentherapie zur Tabakentwöhnung: „In den Kursen werden die Hintergründe der Tabaksucht erklärt. Der Rauchstopp wird systematisch vorbereitet, und die Teilnehmer entwickeln Strategien, mit Entzugserscheinungen und Suchtverlangen umzugehen und ihren Lebensalltag als Nichtraucher neu zu gestalten. Die Kursgruppen bieten zudem vielen Teilnehmern nicht nur einen Rückhalt, sie erzeugen eine hilfreiche soziale Unterstützung, wirklich ans Ziel zu kommen. Hinzu kommt die intensive Betreuung nach dem Ende des eigentlichen Kurses. "

Mühlig meint, dass jeder Raucher einfach mal einen Blick in die Statistik werfen sollte: "Weltweit stirbt alle sieben Sekunden ein Mensch an den Folgen des Rauchens. Allein in Deutschland sind das im Jahr etwa 140.000 Menschen, die vorzeitig an tabakbedingten Erkrankungen sterben", sagt der Psychologe. 90 Prozent der Raucher würden sich das Rauchen eigentlich abgewöhnen wollen, ohne professionelle Hilfe schaffen es jedoch nur drei bis sechs Prozent dauerhaft. „Einen guten Vorsatz zu haben, auf den blauen Dunst zu verzichten, ist dennoch ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung", meint Mühlig.

Weitere Informationen zur Raucherambulanz Chemnitz: https://www.tu-chemnitz.de/hsw/psychologie/professuren/klinpsy/RAC/index.php

Rückfragen werden beantwortet per E-Mail raucherambulanz@tu-chemnitz.de oder telefonisch unter der Rufnummer 0371 531-32243.

Quelle: idw 

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Wo bleibt das Treibhausgas Kohlendioxid?

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Heute erscheint der „Global Carbon Budget 2016" Bericht in der Fachzeitschrift Earth System Science Data. Bei dieser jährlich erstellten Publikation handelt es sich um ein Vorzeigeprodukt der internationalen Erdsystembeobachtung, das auf den besten weltweit verfügbaren Daten basiert. Der Bericht wird von einem internationalen Autorenteam erstellt, Kieler Meeresforscher tragen im Rahmen des europäischen „Integrated Carbon Observation System" regelmäßig mit ihren Daten und ihrem Wissen zu diesem wichtigen Produkt bei.

Wie viel Kohlendioxid (CO2) durch die Verbrennung fossiler Energieträger freigesetzt wird, ist über deren Verbrauch relativ gut bekannt. Doch wo bleibt das CO2? Wie viel davon nimmt die Landvegetation auf, wie viel der Ozean, wie schnell wird es dort in große Meerestiefen verfrachtet? Aussagen hierüber sind immer noch mit großen Unsicherheiten behaftet. Um diese zu beseitigen sind Langzeitbeobachtungen notwendig. Kieler Meeresforscher vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel tragen mit ihren Daten dazu bei.

„Ich bin froh und auch ein wenig stolz, dass es uns in der Meeresforschung gelungen ist, die Verwertungskette für unsere CO2-Daten von der Messung über die sorgfältige Qualitätskontrolle und turnusmäßige Abgabe an internationale Datenbanken bis hin zum jährlichen ‚Global Carbon Budget' und damit letztlich auch in die Berichte des Weltklimarates zu schließen", so Prof. Dr. Arne Körtzinger, der die Messungen am GEOMAR leitet, „Nur mit einem solchen nahtlosen System ist eine aktuelle und globale Bestimmung des Kohlenstoffkreislaufs möglich."

Der neue Bericht belegt, dass die weltweiten Emissionen von Kohlendioxid nun schon im dritten Jahr in Folge kaum noch ansteigen. Damit deutet sich trotz deutlich wachsender Weltwirtschaft erstmals eine Trendwende an, die vor allem auf die rückläufige Verbrennung von Kohle in China zurückzuführen ist, unterstützt durch ebenfalls leicht abnehmende Emissionstrends in Europa und den USA. Im atmosphärischen CO2-Gehalt, der auch in 2015 deutlich weiter anstieg und mit 400 ppm eine neue Rekordmarke erreichte, zeichnen sich die reduzierten Emissionen hingegen noch nicht ab. Grund dafür ist der natürliche CO2-Austausch mit dem Ozean und vor allem der Landbiosphäre, der starken zwischenjährlichen Schwankungen unterliegt.

Eines der Ziele der Arbeitsgruppe von Professor Körtzinger ist seit vielen Jahren den Schwankungen der CO2-Aufnahme im Nordatlantik auf die Spur zu kommen. „Mit Forschungsschiffen allein können wir dem Weltozean allerdings nicht den Puls fühlen.", so Dr. Tobias Steinhoff vom GEOMAR, der die Messungen betreut. „Wir nutzen daher seit mehr als zehn Jahren ein Frachtschiff, das ständig auf der Europa-Nordamerika-Route pendelt und uns so mit Hilfe von autonomen Mess-Systemen eine fast lückenlose Beobachtung entlang der Fahrtroute erlaubt." Derartige autonome Plattformen sind, so Prof. Körtzinger, die Zukunft in der operationellen Meeresforschung. So können in Regionen, in denen kaum Schiffsverkehr besteht, inzwischen sogar robotische Instrumente eingesetzt werden, die vom Arbeitsplatz in Kiel aus gesteuert werden.

„Mit dem sogenannten Wave Glider verfügen wir über eine Art Mini-Forschungsschiff, das wir ferngesteuert überall im Weltozean für die CO2-Messung einsetzen können. Wir haben das Gerät jetzt erstmalig erfolgreich im tropischen Atlantik eingesetzt und, darüber bin ich besonders froh, auch heil wieder aufnehmen können," so Dr. Björn Fiedler aus der Arbeitsgruppe Körtzinger, der die Langzeit-Beobachtungen bei den Kapverdischen Inseln betreut.

Hinweis:
Die Messungen werden im Rahmen des Projektes ICOS-D vom BMBF (Förderkennzeichen 01LK1224J) gefördert.

Originalveröffentlichung:
Le Quéré, C., R.M. Andrew, J. G. Canadell, S. Sitch, J. I. Korsbakken, G. P. Peters, A. C. Manning, T. A. Boden, P. P. Tans, R. A. Houghton, R. F. Keeling, S. Alin, O.D. Andrews, P. Anthoni, L. Barbero, L. Bopp, F. Chevallier, L. P. Chini, P. Ciais, K. Currie, C. Delire, S. C. Doney, P. Friedlingstein, T. Gkritzalis, I. Harris, J. Hauck, V. Haverd, M. Hoppema, K. Klein Goldewijk, A. K. Jain, E. Kato, A. Körtzinger, P. Landschützer, N. Lefèvre, A. Lenton, S. Lienert, J. R. Melton, N. Metzl, F. Millero, P. M. S. Monteiro, D. R. Munro, J. E. M. S. Nabel, S. Nakaoka, K. O'Brien, A. Olsen, A. M. Omar, T. Ono, D. Pierrot, B. Poulter, C. Rödenbeck, J. Salisbury, U. Schuste, J. Schwinger, R. Séférian, I. Skjelvan, B. D. Stocker, A. J. Sutton, T. Takahashi, H. Tian, B. Tilbrook, I. T. van der Laan-Luijkx, G. R. van der Werf, N. Viovy, A. P. Walker, A. J. Wiltshire, S. Zaehle, 2016: Global Carbon Budget 2016. Earth System Science Data. http://www.earth-syst-sci-data-discuss.net/essd-2016-51/, doi: 10.5194/essd-8-605-2016

Weitere Informationen:
http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanfoschung Kiel
https://www.icos-ri.eu Integrated Carbon Observation System (ICOS)
http://www.icos-infrastruktur.de ICOS Deutschland
http://www.globalcarbonproject.org/carbonbudget Daten und Abbildungen
http://www.globalcarbonatlas.org Visualisierungsplattform des Global Carbon Projects

Quelle: idw 

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Buch über die Pflanzenwelt der Bibel und des Koran

Dr. Andreas Archut Dezernat 8 - Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Ob Dattelpalmen, Gewürze, Blumen oder der Baum der Erkenntnis: Pflanzen spielen in den Heiligen Büchern der Christen und Muslime eine bedeutende Rolle. Bibel und Koran zeigen überraschende Gemeinsamkeiten - auch in ihrer Forderung zum Erhalt der Natur. Wissenschaftler der Universität Bonn veröffentlichen nun die erste umfangreiche Publikation im deutschsprachigen Raum zu diesem Thema. Herausgeber des eindrucksvoll illustrierten Bands ist das Bundesamt für Naturschutz.

Nicht nur Naturwissenschaftler vergessen es manchmal: Religion spielt bis in die Tagespolitik eine bedeutende Rolle. Mehr als 80 Prozent unserer Weltbevölkerung sind religiös orientiert, davon fünf Milliarden Menschen durch die Bibel und den Koran. Die Gemeinsamkeiten zwischen den Schriften sind erstaunlich - etwa die über 4.000 Jahre alte Geschichte von Noah (Bibel) oder Nuh (Koran), die zur Bewahrung der Schöpfung aufruft.

Die Arche zur Rettung von Tieren und Pflanzen war möglicherweise aus Zedernholz gebaut. Die Zeder ist nur eine der rund hundert Arten, die in Bibel und Koran erwähnt sind. Einen Überblick bietet der vorliegende Band: Für dreißig ausgewählten Pflanzen wird der religiöse, botanische und kulturgeographische Hintergrund aufgezeigt. Vorangestellt werden relevante Zitate aus Bibel und Koran. Eine gründlich erarbeitete Liste der in beiden Schriften erwähnten Pflanzen rundet das Buch ab. Der Text ist auf 106 Seiten durch 54 Farbabbildungen illustriert - zum Beispiel von den Weihrauchbäumen aus dem Reich der Königin von Saba, dem heutigen Jemen und Äthiopien. Die Zusammenschau richtet sich explizit auch an Nicht-Botaniker.

Die Autoren und die Autorin des Bandes kommen von der Universität Bonn: Professor Wilhelm Barthlott war langjähriger Institutsdirektor und Direktor der Botanischen Gärten, Dr. Mohammad Daud Rafiqpoor ist Geograph und Jasmin Obholzer Biologin. Der Band enthält zudem Beiträge der Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Professor Beate Jessel, von Andreas Mues (ebenfalls BfN), sowie der führenden Koranpflanzen-Spezialistin Fatima Al-Khulaifi aus Quatar und des weltweit anerkannten Bibel- und Koran-Pflanzen-Forschers Prof. Lytton J. Musselman aus den USA.

Obwohl biologisch motiviert, hat das Buch neben einer allgemein-politischen eine hohe Naturschutz-politische Bedeutung. „Die Darstellung der Pflanzen im ethischen Kontext der Religionen kann eine wertebasierte Auseinandersetzung mit der eigenen Mensch-Natur-Beziehung anregen", betont Professor Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). „Diese halte ich für ein wesentliches Element zur Förderung einer naturverträglicheren Gesellschaftsentwicklung."

„In vielen Punkten - nicht nur in ihrer Einschätzung zur Bedeutung der Natur - sind die Parallelen zwischen Koran und Bibel erstaunlich", erklärt Professor Dr. Wilhelm Barthlott. „Um es mit den Worten von Nicolaus Cusanus zu sagen: ‚Wir sehen alle die gleichen Sterne‘. Dennoch suchen wir trauriger Weise vor allem die Unterschiede."

Die Publikation erscheint als Nr. 448 der BfN-Skripten und ist unter der Adresse http://www.bfn.de/religionen_und_natur.html barrierefrei im Internet abrufbar.

Kontakt:
Prof. Dr. Wilhelm Barthlott
Nees Institut für Biodiversität der Pflanzen, Universität Bonn
Telefon: 0228/73-2271
E-Mail: barthlott@uni-bonn.de

Quelle: idw 

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Struwwelpeter-Gene entdeckt

Dr. Andreas Archut Dezernat 8 - Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Manche Kinder leiden unter völlig zersausten Haaren, die sich partout nicht kämmen lassen. Im Deutschen trägt das Phänomen den treffenden Namen „Syndrom der unkämmbaren Haare" oder auch „Struwwelpeter-Syndrom". Forscher der Universitäten Bonn und Toulouse haben Mutationen in drei Genen identifiziert, die dafür verantwortlich sind. Insgesamt waren an der Arbeit Wissenschaftler aus acht Ländern beteiligt. Die Ergebnisse sind heute im American Journal of Human Genetics erschienen.

Dass Kinder nicht immer einfach zu frisieren sind, wissen wohl viele Eltern aus eigener Erfahrung. Doch mit Geduld und starken Nerven lassen sich in aller Regel auch die hartnäckigsten Knoten lösen.

Beim „Syndrom der unkämmbaren Haare" haben Bürste oder Kamm dagegen nicht den Hauch einer Chance. Die Betroffenen haben extrem krause, trockene, meist hellblonde Haupthaare mit charakteristischem Glanz, die sich jeder Anstrengung, sie zu bändigen, erfolgreich widersetzen. Am ausgeprägtesten sind diese Symptome in der Kindheit und lassen dann mit der Zeit nach. Im Erwachsenenalter lassen sich die Haare meist mehr oder weniger normal frisieren.

Über die Ursachen ist bislang so gut wie nichts bekannt - wohl auch deshalb, weil das Phänomen relativ selten ist. Im Jahr 1973 wurde es zum ersten Mal in der Fachliteratur beschrieben; inzwischen sind weltweit gut einhundert Fälle dokumentiert. „Wir nehmen aber an, dass es deutlich mehr Betroffene gibt", erklärt Professor Dr. Regina Betz vom Institut für Humangenetik der Uni Bonn. „Wer unter unkämmbaren Haaren leidet, sucht deshalb nicht unbedingt einen Arzt oder eine Klinik auf." Immerhin weiß man, dass die Anomalie in manchen Familien gehäuft vorkommt - sie scheint also genetische Ursachen zu haben.

Betz ist Spezialistin für seltene erbliche Haarerkrankungen. Vor ein paar Jahren wurde sie auf einem Kongress von einem britischen Kollegen angesprochen. Dieser hatte kurz zuvor eine Familie mit zwei betroffenen Kindern untersucht. Das Interesse der Bonner Humangenetikerin war geweckt. „Über Kontakte zu Kollegen aus aller Welt gelang es uns, neun weitere Kinder zu finden", erklärt sie. Die Bonner Wissenschaftler sequenzierten sämtliche Gene der Betroffenen. Beim Abgleich mit großen Datenbanken stießen sie so auf Mutationen in drei Erbanlagen, die an der Bildung des Haares beteiligt sind.

Quervernetzung der Haar-Proteine gestört
Die veränderten Gene tragen die Kürzel PADI3, TGM3 und TCHH. Die ersten beiden enthalten die Bauanleitung für Enzyme, das dritte - TCHH - dagegen für ein wichtiges Protein des Haarschafts. In gesundem Haar sind die TCHH-Proteine über hauchfeine Hornfäden miteinander vernetzt, die für Form und Struktur des Haares verantwortlich sind. Bei diesem Vorgang spielen die zwei anderen gefundenen Gene eine wichtige Rolle: „PADI3 verändert das Haarschaftprotein TCHH so, dass sich die Hornfilamente an ihm anlagern können", erklärt die Erstautorin der Studie Dr. Fitnat Buket Basmanav Ünalan. „Das TGM3-Enzym stellt dann die eigentliche Verknüpfung her."

Zusammen mit Kollegen der Universität Toulouse führten die Bonner Wissenschaftler Experimente in Zellkultur durch. In diesen konnten sie die Wichtigkeit der identifizierten Mutationen für die Funktion der Proteine zeigen. Wenn auch nur eine der drei Komponenten nicht funktionell ist, hat das fundamentale Auswirkungen auf die Struktur und Stabilität der Haare. Mäuse, bei denen das PADI3- oder das TGM3-Gen defekt ist, entwickeln daher charakteristische Fell-Anomalien, die dem menschlichen Phänotyp sehr ähnlich sind.

„Aus den gefundenen Mutationen lässt sich eine ganze Menge über die Mechanismen lernen, die an der Bildung gesunder Haare beteiligt sind, und warum es manchmal zu Störungen kommt", freut sich Professor Regina Betz. „Zugleich können wir nun die klinische Diagnose 'unkämmbare Haare' mit molekulargenetischen Methoden absichern."

Für betroffene Personen mit Haarerkrankungen ist dieser letzte Punkt eine gute Nachricht: Manche Haar-Anomalien gehen mit schweren Begleiterkrankungen einher, die sich mitunter erst in späteren Lebensjahren manifestieren. Das Struwwelpeter-Syndrom tritt dagegen meist isoliert ohne weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen auf. Die unkämmbaren Haare seien zwar lästig und möglicherweise auch eine psychische Belastung, sagt Betz. „Ansonsten müssen sich Betroffene aber keine Sorgen machen."

Publikation: F. Buket Ü. Basmanav et al.: Mutations in three genes encoding proteins involved in hair shaft formation cause uncombable hair syndrome; The American Journal of Human Genetics; DOI: 10.1016/j.ajhg.2016.10.004

Kontakt:
Prof. Dr. Regina Betz
Institut für Humangenetik, Universität Bonn
Telefon: 0228/287-51023
E-Mail: regina.betz@uni-bonn.de

Quelle: idw 

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Bäume pflanzen beim Radeln

Dr. Norbert Aschenbrenner Corporate Communications, Corporate Technology
Siemens AG

Mit einem Smartphone-Spiel erstrampeln sich Radfahrer virtuelle Bäume, die später gegen echte getauscht werden können. Der Wettbewerb ist Teil eines Projekts, mit dem Forscher von Siemens Corporate Technology umweltfreundliche Verkehrsmittel fördern.

Das EU-Projekt Streetlife will mit Hilfe moderner Kommunikationstechnik den CO2-Ausstoß im Stadtverkehr der Pilotstädte: Berlin, Tampere, Finnland und Rovereto, Italien reduzieren. In Berlin entwickelten die Partner die App Streetlife, einen intermodalen Routenplaner, der alle Verkehrsmittel kombiniert - Fahrrad, Bus oder Bahn, Auto sowie Fußwege. Die Nutzer bekommen für jede Variante jeweils Zeit, Weglänge, Kosten, aber auch CO2-Emissionen angezeigt. Die Vorschläge berücksichtigen zudem das aktuelle Wetter und informieren erstmals auch über Gefahrenstellen für Fahrradfahrer. Grundlage letzterer Information sind Unfallstatistiken und Befragungen von Radfahrern.

Der Siemens-Beitrag: Die Vernunft attraktiv machen
Siemens ist an Streetlife in dreifacher Weise beteiligt: Die Siemens-Tochter VMZ Berlin ermittelt die intermodalen Routen. Die City Intelligence Platform (CIP), eine Entwicklung von Corporate Technology (CT) mit smarter Datenanalytik an Bord, wickelt alle Services in Hintergrund ab. Als Informations- und Datenplattform für Städte organisiert die CIP die Kommunikation zwischen den verschiedenen Systemkomponenten, verwaltet die Nutzerdaten und wertet sie aus. „Eine solche Auswertung wäre beispielsweise die Frage, ob an bestimmten Tagen besonders viele oder besonders wenige Fahrradkilometer gesammelt wurden, und warum", sagt CT-Forscher Christian Schwingenschlögl. Um die App, die eher an die Vernunft appelliert, spielerischer und damit attraktiver zu machen, entwickelten er und Astrid Kellermann von der Business Unit Verkehrstechnik bei Mobility Management (MO MM ITS), die Idee für den Wettbewerb BikeRider.

Der Wettbewerb macht den Unterschied
„Das war der entscheidende Dreh, um möglichst viele Nutzer zu gewinnen", erzählt Kellermann. „Es gibt ja schon einige kommerzielle Apps, in Berlin beispielsweise von der BVG, und wir befürchteten, zu wenige Nutzer zu finden. So kam uns die Idee mit dem Wettbewerb, und das hat wirklich etwas gebracht." Mit BikeRider sammeln die Spieler für jeden gefahrenen Fahrradkilometer 10 Blätter. Haben sie 500 Blätter oder 50 Radkilometer beisammen, können sie auf dem virtuellen Stadtplan Berlins einen Baum pflanzen. „Zuerst zeigte die App nur den CO2-Footprint in Form von Blättern an. Nachdem wir den Wettbewerb mit den Bäumen eingeführt hatten, gingen die Nutzerzahlen deutlich nach oben", sagt Kellermann. Gespielt wird in drei Runden á einem Monat, gestartet ist BikeRider Anfang März. Für jeden Monat werden jeweils die Teilnehmer mit den meisten Fahrradkilometern ermittelt. Die Fahrer auf den ersten beiden Plätzen gewinnen einen echten Baum, der von Siemens gesponsert und von der Berliner Stadtbauminitiative gepflanzt wird.

Mitte April gab es 180 registrierte BikeRider-Teilnehmer, die insgesamt bereits knapp 7000 Kilometer geradelt waren. Die App selbst wurde bis dahin über 900 Mal heruntergeladen. „Es ist schön, zu sehen wie die Community wächst. Ich sehe ganz viele virtuelle Bäume auf unserer Karte", freut sich Kellermann. Auch die beiden Gewinner für März stehen jetzt fest. Trotz der frühen Jahreszeit haben sie in diesem Monat 460 beziehungsweise fast 400 Kilometer mit dem Rad zurückgelegt.

GPS-Daten liefern die Fahrradkilometer
Um das Spiel umzusetzen, mussten die Forscher BikeRider zuerst auf der City Intelligence Platform (CIP) implementieren. „Die Berechnung der Fahrradkilometer, die Erstellung des High-Scores, der gesamte Wettbewerb läuft auf der Plattform", erklärt Schwingenschlögl. Die Spieler übermitteln an sie die GPS-Daten ihres Smartphones. Ein von den Forschern entwickelter Algorithmus ermittelt dann, ob der Teilnehmer zum jeweiligen Zeitpunkt radelt, geht oder Bus fährt. Daraus ergibt sich die Grundlage des Spiels - nämlich die von jedem Spieler mit dem Fahrrad zurückgelegten Kilometer.

In dem EU-Projekt wird nun untersucht, wie die App das Verhalten beeinflusst. Nutzer - die ansonsten anonym radeln - werden gefragt, warum sie vorgeschlagene Routen verwenden oder nicht. Diese Erhebungen macht das Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR), die App selbst stammt vom Projektpartner DFKI (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz). Anhand der Ergebnisse soll modelliert werden, wie sich die App bei einer großflächigen Umsetzung insgesamt auf den Berliner Verkehr auswirken würde.

Ausweitung auf andere Städte
Streetlife endet im Herbst 2016. „Wir überlegen, an andere Städte mit der Idee heranzutreten, BikeRider als Motivation fürs Radfahren einzusetzen", berichtet Kellermann. „Eine Routen-App gibt es fast in jeder Stadt, in München zum Beispiel von der MVG. Darauf kann BikeRider aufbauen." Die City Intelligence Platform, die die Trackingdaten verarbeitet, sei ebenfalls für die jeweilige Stadt einfach aufzusetzen. Erste Anfragen gibt es bereits. Derweil überlegen die Forscher, das Spiel weiter auszubauen, beispielsweise um Teams gegeneinander antreten zu lassen. Das gäbe den Städten die Möglichkeit, einen groß angelegten Wettbewerb zu starten oder das Spiel in Zusammenhang mit Großereignissen umzusetzen und so Mobilität nachhaltig zu organisieren.

Kontakt:
Herr Dr Norbert Aschenbrenner
Redaktion
Siemens AG
norbert.aschenbrenner@siemens.com

Originalartikel im Internet:
https://www.siemens.com/innovation/de/home/pictures-of-the-future/mobilitaet-uns...

Quelle: idw 

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Der Rückgang von Emissionen hat auch negative Begleiterscheinungen

Susanne Hufe Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

In großen Teilen Europas und Nordamerikas hat der Rückgang von industriellen Emissionen zu einer geringeren Schadstoffbelastung der Atmosphäre, und damit von Böden und Gewässern in naturnahen Gebieten geführt. Dass diese positive Entwicklung auch negative Begleiterscheinungen haben kann, haben Wissenschaftler des UFZ nun im Fachmagazin Global Change Biology veröffentlicht. Demnach sind sinkende Nitratwerte in den Auenböden rund um die Zuflüsse von Talsperren dafür verantwortlich, dass gelöster organischer Kohlenstoff (DOC) und Phosphat vermehrt freigesetzt werden und sich die Wasserqualität verschlechtert.

Durch die Verbrennung von Biomasse und fossilen Energieträgern sowie vor allem durch die Landwirtschaft gelangt nach wie vor zu viel reaktiver Stickstoff in die Umwelt - mit negativen Auswirkungen auf die biologische Vielfalt, das Klima und die menschliche Gesundheit. Eine differenzierte Betrachtung von Eintragspfaden der verschiedenen Verursacher zeigt jedoch große Unterschiede. Während Stickstoff-Einträge über den Boden - vor allem durch die Landwirtschaft verursacht - zum Beispiel die Nitratwerte im Grundwasser vieler Regionen weiter über den Grenzwert von 50 mg pro Liter steigen lassen, nimmt in großen Teilen Europas und Nordamerikas die atmosphärische Belastung durch emissionsverringernde Maßnahmen ab. Das führt dazu, dass über diesen Pfad auch weniger Stickstoff in Böden und Gewässer gelangt. Langzeitmessungen über die letzten 20 Jahre zeigen das etwa deutlich für Deutschland: Pro Quadratmeter und Jahr wurden durchschnittlich 35 mg weniger atmosphärischer Stickstoff in den Boden eingetragen. Daraus resultieren laut Untersuchungen der UFZ-Wissenschaftler 0,08 mg pro Liter und Jahr weniger Nitrat, das in Flüsse und Trinkwassertalsperren gelangt. „Das klingt erst einmal wenig, aber in einigen naturnahen Landschaften, die nicht oder kaum durch Industrie und Landwirtschaft geprägt sind, stellen sich im Laufe der Zeit vorindustrielle Bedingungen ein", sagt UFZ-Hydrogeologe Dr. Andreas Musolff. „Hier sind wir mit teilweise weniger als 6 mg Nitrat pro Liter Wasser weit entfernt von den problematischen Nitratkonzentrationen, die in landwirtschaftlich oder industriell stark geprägten Regionen gemessen werden".

Dass diese positive Entwicklung auch negative Begleiterscheinungen haben kann, wurde deutlich, als Wissenschaftler damit begannen, die Ursachen einer in Deutschland, Nordeuropa und Nordamerika zunehmend zu beobachtenden Braunfärbung des Wassers in Talsperren zu erforschen. Sie ist vor allem für die Trinkwasseraufbereitung problematisch. Bei der Überprüfung verschiedener Hypothesen stellten sie fest, dass die Braunfärbung des Wassers vor allem mit den sinkenden Nitratkonzentrationen in den Auenböden rund um die Zuflüsse der Talsperren in Verbindung zu bringen ist. Denn die Präsenz von Nitrat in den Auen, in denen ein Großteil des Abflusses der Gewässer gebildet wird, sorgt dafür, dass Kohlenstoff, Phosphat und verschiedene Metalle an oxidiertes Eisen gebunden bleiben. Geringere Nitratgehalte ermöglichen die chemische Reduktion der Eisenverbindungen und damit die Mobilisierung bislang adsorbierter Stoffe. Das heißt - bislang stabile Bindungen an Bodenpartikel lösen sich und gelangen mit dem Regenwasser in die Flüsse. Im Falle von Kohlenstoff bedeutet das, dass sich die Konzentration an gelöstem organischen Kohlenstoff (Dissolved Organic Carbon - DOC) erhöht, sichtbar durch die bräunliche Farbe des Wassers. Bei knapp 40 Prozent der 110 untersuchten Zuflüsse von Trinkwassertalsperren stellten die Wissenschaftler mit durchschnittlich 0,12 mg mehr DOC pro Liter und Jahr signifikant steigende DOC-Konzentrationen fest. Der stärkste Anstieg war in naturnahen Einzugsgebieten mit viel Wald zu verzeichnen, wo die Nitratkonzentration im Wasser bei weniger als 6 mg pro Liter liegt.

Neben dem DOC steigt in über 30 Prozent der Zuflüsse auch der Phosphatgehalt signifikant an. Die im Durchschnitt ermittelten 7 µg pro Liter und Jahr mehr begünstigen das Algenwachstum und sind auf lange Sicht ebenso problematisch für die Wasserqualität. Es gibt Hinweise, dass zudem neben DOC und Phosphat adsorbierte Metalle wie Arsen, Vanadium, Zink oder Blei zunehmend mobilisiert werden.
„Man löst ein Problem, indem man die Luft sauberer macht, und kreiert damit an bestimmten Stellen ein anderes Problem", beschreibt Biologe Dr. Jörg Tittel, der das Projekt am UFZ geleitet hat, den unerwarteten Effekt. „Keiner der gelösten Stoffe ist in dieser geringen Konzentration giftig, zudem werden die Stoffe durch die Wasseraufbereitung weitgehend entfernt. Aber die Aufbereitung des Wassers wird teurer."

Einen ersten Beleg ihrer Hypothese lieferte die Auswertung der Daten eines 1,7 km2 kleinen Einzugsgebietes im Erzgebirge, rund um die Wilzsch, einem Nebenfluss der Zwickauer Mulde, der in die Talsperre Carlsfeld mündet. Danach wählten die Wissenschaftler einen wesentlich größeren Maßstab, in deren Fokus 110 Flüsse und ihre Einzugsgebiete standen, die in insgesamt 36 Trinkwassertalsperren münden. Trotz der wesentlich größeren Vielfalt hinsichtlich der Größe der Flüsse und ihrer Einzugsgebiete, ihrer Topografie, der Niederschlagsmenge, der Landnutzung und der chemischen Charakteristik bestätigte sich auch hier ihre Vermutung: Der beobachtete Anstieg des DOC hängt eng mit dem abnehmenden Nitratgehalt im Wasser zusammen.

Mittlerweile hat eine Diskussion begonnen, wie die Ergebnisse dieser Meta-Analyse gemeinsam mit den zuständigen Behörden in praktische Maßnahmen umgesetzt werden können, die den DOC-Anstieg stoppen. "Die Studie hilft, zukünftige Forschung auf die relevanten Prozesse zu fokussieren und entsprechende Feldexperimente zu planen, die die Entscheidungsgrundlage im Hinblick auf konkrete Maßnahmen weiter verbessern", so Andreas Musolff.

Die Forschungsergebnisse wurden im Rahmen des Projekts „Belastung von Trinkwassertalsperren durch gelösten organischen Kohlenstoff: Prognose, Vorsorge, Handlungsoptionen (TALKO)" erbracht, welches bis 2015 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit mehr als einer Million Euro gefördert wurde. Ziel der Zusammenarbeit von UFZ, Talsperrenverwaltungen, Wasserversorgern, Behörden und einem Ingenieurbüro war es, Möglichkeiten zu finden, wie die Einträge in die Talsperren reduziert, Vorhersagen verbessert und Technologien der Wasseraufbereitung optimiert werden können.

Publikation:
Musolff, A., Selle, B., Büttner, O., Opitz, M. and Tittel, J. (2016), Unexpected release of phosphate and organic carbon to streams linked to declining nitrogen depositions. Glob Change Biol. doi:10.1111/gcb.13498 http://dx.doi.org/10.1111/gcb.13498

Ansprechpartner:
Dr. Andreas Musolff
UFZ-Department Hydrogeologie
Telefon: +49 341 235 1983
https://www.ufz.de/index.php?de=38352

Dr. Jörg Tittel
UFZ-Department Seenforschung
Telefon: +49 391 810 9419
http://www.ufz.de/index.php?de=38293

Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=36336&webc_pm=43/2016

Quelle: idw 

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Förderprogramm „Energetische Biomassenutzung" sucht: intelligent, flexibel und effizient

Bianca Stur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Biomasseforschungszentrum

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) setzt mit zwei weiteren Skizzeneinreichungsterminen die seit 2009 erfolgreich mit bereits 118 Projekten laufende Fördermaßnahme fort. Es entspricht damit dem Forschungs- und Entwicklungsbedarf für intelligente, energie- und kosteneffiziente, sowie gleichzeitig umweltverträgliche Bioenergiekonzepte als essentieller Bestandteil des erneuerbaren Energiemixes.

Zur Umsetzung der Energiewende kommt es nun auf integrierte und sektorenübergreifende Lösungen im Bereich der erneuerbaren Energien an. Die Bioenergie kann hier einen wichtigen Teil beitragen: von der flexiblen und nachhaltigen Rohstoffbereitstellung, vor allem aus Rest- und Abfallstoffen über intelligent verknüpfte Technologien und Systemkomponenten bis hin zur energieeffizienten Endnutzung. Durch die Fortführung des Programms zur Förderung von Forschung und Entwicklung zur kosten- und energieeffizienten Nutzung von Biomasse im Strom- und Wärmemarkt „Energetische Biomassenutzung" möchte das BMWi die notwendige anwendungs-nahe Weiterentwicklung auf diesem Gebiet beschleunigen. Umso wichtiger ist hier die Förderung von Pilot- und Demonstrationsvorhaben mit Beteiligung von klein- und mittelständischen Unternehmen, um hohe Risiken bei der Umsetzung in die Praxis abzufedern.

Insbesondere wird die Förderung von zukunftsweisenden, effizienten und kostengünstigen Technologienkonzepten mit Demonstrations- und Pilotcharakter für die Strom-, Wärme- und gekoppelte Strom- und Wärmeerzeugung betont. Hierzu gehören beispielsweise umfassend steuerbare systemflexible Anlagenkonzepte in allen Bioenergiepfaden (Vergärung, Vergasung, Biomassefeuerung), das Repowering und die Emissionsminderung von Bioenergieanlagen, sowie die Erzeugung, Speicherung und wärmegeführte KWK dazu.

Die Förderbekanntmachung vom 9. Juli´15 bleibt somit inhaltlich vollständig gültig und wird durch die neue Bekanntmachung vom 3. Nov´16 um zwei Einreichungstermine für Projektskizzen in 2017 und 2018 ergänzt.

Ziele
Das Förderprogramm zielt vor allem ab auf:

Effiziente Wärmenutzung bei hohen Verstromungswirkungsgraden
Kostengünstige Emissionsminderung
Erhöhung der Substratflexibilität und nachhaltige Rohstoffe
Hohe Energieeffizienz & Gesamtwirkungsgrade
Nachhaltige & flexible Energiebereitstellung
Effiziente Kombination mit anderen erneuerbaren Energien
Intelligente Systemintegration und Sektorkopplung: Integration von Bioenergieanlagen in bestehende und zukünftige Infrastrukturen zur Stabilisierung der Netze und Versorgungssicherheit

Themenschwerpunkte
Gesucht werden innovative und wettbewerbsfähige Projektideen zu folgenden Themen:

WÄRME: Entwicklung von Technologien zur effizienten Erzeugung von Wärme aus Biomasse (Pilot- und Demonstrationsanlagen, Gebäudeeffizienzmaßnahmen, integrierte Versorgungslösungen, Prozesswärmeerzeugung)
STROM: Forschung, Entwicklung und Innovation zur effizienten Erzeugung von Strom aus Biomasse und dessen Integration ins Stromsystem (Repowering/Upgrading, Flexibilisierung, Kombination mit anderen Erneuerbaren)
BIOMASSEREST- UND ABFALLSTOFFE: Erschließung kostengünstiger Biomasserest- und Abfallstoffe außerhalb der Forst- und Landwirtschaft (inkl. Klärgas) für die energetische Nutzung im Wärme- und Strombereich (nachhaltige Rohstoffbasis)
KWK(K): Entwicklung und Demonstration neuer und fortschrittlicher Technologien zur effizienten Nutzung von Biomasse in Kraft-Wärme-(Kälte) Kopplungs-Anlagen (Optimierung, Pilot- und Demonstrationsanlagen, Flexibilisierung, Power-to-Heat, Gebäudeeffizienzmaßnahmen)
MARKTPOTENZIAL: Validierung des Marktpotenzials von Forschungsergebnissen
STUDIEN & KONZEPTE für die Energieerzeugung aus Biomasse (Rolle der Bioenergie in zukünftigen Energiemärkten, Daten zur Wärmenutzung)

Zwei neue Ausschreibungsfristen vormerken!
Jeweils bis zum 27. September 2017 und 2018 können Projektskizzen im Elektronischen Formularsystem der Bundesregierung (easy-Online) eingereicht werden.

Noch Fragen?
Ihr Ansprechpartner bei Fragen zum Procedere der Skizzeneinreichung ist:

Lena Panning
Projektträger Jülich
Telefon: 030 20199-3132
E-Mail: l.panning@fz-juelich.de

Weitere Informationen:
https://www.energetische-biomassenutzung.de/de/presse/pressemitteilungen/details...
https://www.ptj.de/bioenergie
https://foerderportal.bund.de/easyonline/

Quelle: idw 

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Schweinefleisch ist nach wie vor eine bedeutende Infektionsquelle des Menschen mit Salmonellen

Nina Banspach Pressestelle
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

BVL veröffentlicht Bericht zum Zoonosen-Monitoring 2015

Die Ergebnisse des repräsentativen Zoonosen-Monitorings 2015, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) heute veröffentlicht hat, zeigen, dass Schweine zum Teil Träger von Salmonellen sind (5 bis 10 % positive Kotproben) und es im Rahmen der Schlachtung zu einer Kontamination der Schlachtkörper und des Fleisches mit eingetragenen Keimen kommen kann. Insbesondere aufgrund des teilweise üblichen Rohverzehrs (z. B. als Mett) geht von Schweinefleisch ein potenzielles Risiko für eine Infektion des Menschen mit Salmonellen aus. Die Ergebnisse der Resistenzuntersuchungen zeigen, dass Bakterien, die von Läufern (Schweine vor der Hauptmast bis 30 kg) und Mastkälbern bzw. Jungrindern stammen, die höchsten Resistenzraten bei diesen Tierarten aufweisen. Dies spiegelt die häufige Antibiotikagabe bei diesen Tiergruppen wider.

Im Rahmen des Zoonosen-Monitorings 2015 wurden insgesamt 6.106 Proben auf allen Ebenen der Lebensmittelkette durch die Überwachungsbehörden der Bundesländer genommen und von den Untersuchungseinrichtungen auf das Vorkommen der wichtigsten über Lebensmittel übertragbaren Erreger untersucht. Dabei wurden 2.063 Bakterien-Isolate gewonnen und in den Nationalen Referenzlaboratorien am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weitergehend charakterisiert und auf ihre Resistenz gegen ausgewählte Antibiotika untersucht. Die wichtigsten Ergebnisse sind:

Salmonellen
Die Ergebnisse der Untersuchungen aus Ferkelerzeugerbetrieben zeigen, dass Zuchtsauen (5,6 % positive Kotproben) und insbesondere Läufer (10,3 % positive Kotproben) Träger von Salmonellen sind. Dieses Ergebnis verdeutlicht, wie wichtig die Salmonellenbekämpfung bereits auf Ebene der Zuchtbetriebe ist, um die Einschleppung von Salmonellen über infizierte Ferkel in die Mastbetriebe zu verhindern. Die Ergebnisse der Untersuchungen an Schlachthöfen zeigen, dass es im Rahmen der Schlachtung zu einer - wenn auch im Vergleich zur Geflügelschlachtung geringeren - Verschleppung von eingetragenen Salmonellen auf die Schlachtkörper (4,5 % positive Proben) kommt. Frisches Schweinefleisch aus dem Einzelhandel war zu 0,4 % mit den Erregern verunreinigt. Trotz der relativ geringen Kontaminationsrate mit Salmonellen stellt Schweinefleisch aufgrund des teilweise üblichen Rohverzehrs nach wie vor eine bedeutende Infektionsquelle für den Menschen mit Salmonellen dar. Rohes Hackfleisch und Rohwurstprodukte sind aus diesem Grund keine geeigneten Lebensmittel für empfindliche Verbrauchergruppen wie Kleinkinder, ältere und immungeschwächte Menschen und Schwangere.

Verotoxinbildende Escherichia coli (VTEC)
Die Ergebnisse der Untersuchungen in der Lebensmittelkette Mastkälber/Jungrinder liegen auf demselben Niveau wie im Zoonosen-Monitoring der Vorjahre. In 25,7 % der Proben von Blinddarminhalt von Mastkälbern und Jungrindern am Schlachthof und in 0,9 % der Proben von frischem Rindfleisch aus dem Einzelhandel wurden VTEC nachgewiesen. Die Ergebnisse bestätigen, dass Mastkälber und Jungrinder eine Quelle für Infektionen des Menschen mit VTEC darstellen, zumal unter den VTEC-Isolaten auch O-Gruppen nachgewiesen wurden, die als häufige Erreger von EHEC-Infektionen und des hämolytisch urämischen Syndroms (HUS) bekannt sind.

Koagulase positive Staphylokokken
Koagulase positive Staphylokokken sind Bakterien, die sich unter geeigneten Bedingungen in Lebensmitteln vermehren können und dabei Enterotoxine bilden, die bereits wenige Stunden nach der Aufnahme zu einer Lebensmittelvergiftung führen können. Sie wurden in Proben von Schafs- und Ziegenkäse aus Rohmilch häufig nachgewiesen (9,3 % positive Proben). In 1,2 % der Proben lag die Keimzahl oberhalb des kritischen Wertes von 100.000 koloniebildenden Einheiten pro Gramm, ab dem der Käse nur in den Verkehr gebracht werden darf, wenn die Freiheit von Staphylokokken-Enterotoxin durch eine Untersuchung nachgewiesen wird. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass bei der Gewinnung von Rohmilch höchste Anforderungen an die Eutergesundheit der milchliefernden Tiere gestellt werden müssen und eine strenge Personal- und Produktionshygiene eingehalten werden muss, da sich in der Milch vorhandene Staphylokokken während des Käsungsprozesses zu bedenklichen Keimzahlen vermehren können.

Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA)
MRSA zeichnen sich durch eine Resistenz gegen sämtliche Beta-Laktam-Antibiotika (Penicilline und Cephalosporine) aus. Meist sind sie auch noch gegen weitere Klassen von antimikrobiellen Substanzen unempfindlich. Sie kommen in der Lebensmittelkette Mastschwein häufig vor: 26,3 % der Proben aus dem Wartebereich von Zuchtsauen waren positiv für MRSA. Die Nachweisrate von MRSA in Proben aus dem Aufzuchtbereich von Läufern war mit 41,3 % noch signifikant höher. Dieses Ergebnis verdeutlicht, dass von den weiter vermarkteten Läufern ein Risiko für die Einschleppung von MRSA in die Mastbetriebe ausgeht. Die Schlachtkörper von Mastschweinen und frisches Schweinefleisch waren zu etwa 20 % bzw. 13 % mit MRSA kontaminiert. Nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft scheint die Übertragung von MRSA auf den Menschen über den Verzehr von Lebensmitteln zwar von untergeordneter Rolle zu sein. Für Menschen, die häufig Kontakt zu Tierbeständen haben, besteht aber ein erhöhtes Risiko, Träger von Nutztier-assoziierten MRSA-Stämmen zu werden.

ESBL/AmpC-bildende E. coli
Extended-Spectrum-Beta-Laktamase (ESBL) und AmpC-Beta-Laktamase (AmpC) bildende Bakterien zeichnen sich dadurch aus, dass sie Enzyme bilden, die die Wirksamkeit von Penicillinen und Cephalosporinen herabsetzen bzw. aufheben, sodass sie resistent gegenüber diesen Antibiotika sind. Sie wurden mittels selektiver Verfahren in etwa der Hälfte der untersuchten Kotproben von Zuchtsauen, Läufern (47,6 % positive Proben) und Mastschweinen (53,9 % positive Proben) nachgewiesen. Im Blinddarminhalt von Mastkälbern und Jungrindern am Schlachthof wurden ESBL/AmpC-bildende E. coli mit 60,6 % positiver Proben noch häufiger nachgewiesen als bei Schweinen. Frisches Schweinefleisch und frisches Rindfleisch wiesen eine Kontaminationsrate mit ESBL/AmpC-bildenden E. coli von 5,7 % bzw. 4,0 % auf. Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand ist davon auszugehen, dass ESBL/AmpC-bildende E. coli auch über Lebensmittel auf den Menschen übertragen werden können, wobei sich das Infektionsrisiko gegenwärtig nicht genau abschätzen lässt.

Dunker'scher Muskelegel
Der Dunker‘sche Muskelegel ist die Mesozerkarie (Zwischenstadium) des parasitischen Saugwurms Alaria alata. Er wurde als Zufallsbefund im Rahmen der Trichinenuntersuchung bei Wildschweinen wiederholt vereinzelt nachgewiesen. Im Zoonosen-Monitoring waren insgesamt 4,7 % der untersuchten Wildschweinproben positiv für den Dunker'schen Muskelegel. Die Ergebnisse bestätigen, dass Wildschweinfleisch eine potenzielle Quelle für eine Infektion des Menschen mit dem Dunker‘schen Muskelegel darstellt. Allerdings sind bisher nur wenige Erkrankungsfälle beim Menschen aus Nordamerika bekannt, die nach dem Verzehr von unzureichend erhitztem mesozerkarienhaltigen Wildfleisch auftraten und u. a. mit Atemwegsbeschwerden einhergingen. Die Ergebnisse unterstreichen die Empfehlung, Wildschweinfleisch vor dem Verzehr gründlich durchzuerhitzen. Aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes sollte Wildschweinfleisch, das mit dem Dunker'schen Muskelegel infiziert ist, nicht in den Verkehr gebracht werden.

Resistenzlage
Die Resistenzraten waren im Zoonosen-Monitoring 2015 insgesamt gegenüber den Vorjahren eher rückläufig. Als problematisch wird aber die zu beobachtende zunehmende Resistenz von MRSA-Isolaten gegenüber dem in der Humanmedizin wichtigen Wirkstoff Ciprofloxacin und gegenüber weiteren wichtigen Antibiotika gesehen.

Die E. coli-Isolate aus der Schweinefleischkette waren zu 50 % bis 70 % resistent gegenüber mindestens einer der getesteten antibiotischen Substanzen. Isolate von Läufern wiesen gegenüber vielen antibiotischen Substanzen die höchsten Resistenzraten auf, was vermutlich mit der häufigen Gabe von Antibiotika bei dieser Tiergruppe im Zusammenhang steht. E. coli-Isolate aus dem Blinddarminhalt von Mastkälbern und Jungrindern wiesen eine höhere Resistenzrate (46,1 %) auf als Isolate aus Rindfleisch, die nur zu 11,5 % gegenüber mindestens einer der antibiotischen Substanzen resistent waren. Auch dies spiegelt Unterschiede in der Häufigkeit der Behandlung von Mastkälbern/Jungrindern und Mastrindern - von denen in der Regel das Rindfleisch stammt - mit Antibiotika wider.

Bei der Interpretation der Ergebnisse der Resistenzuntersuchungen muss beachtet werden, dass die minimalen Hemmkonzentrationen (MHK) anhand der epidemiologischen Cut-Off-Werte bewertet wurden. Diese bestimmen den Anteil mikrobiologisch resistenter Isolate und geben frühzeitig Hinweise auf eine beginnende Resistenzentwicklung, erlauben aber keine unmittelbare Aussage über die Wahrscheinlichkeit eines Therapieerfolges mit einem Antibiotikum.

Der vollständige Bericht zum Zoonosen-Monitoring 2015 ist online abrufbar unter: http://www.bvl.bund.de/ZoonosenMonitoring

Verbrauchertipps zum Schutz gegen lebensmittelbedingte Infektionen sind dargestellt unter: http://www.bvl.bund.de/lebensmittelhygiene

Eine Empfehlung zum Umgang mit rohem Fleisch kann hier eingesehen werden:
http://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2012/11/hackepeter_und_rohes_mett_sind_nichts_fuer_kleine_kinder_-129122.html

Hintergrund
Zoonosen sind Krankheiten bzw. Infektionen, die auf natürlichem Weg direkt oder indirekt zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können. Zoonoseerreger können von Nutztieren zum Beispiel während der Schlachtung und Weiterverarbeitung auf das Fleisch übertragen werden. Mit Zoonoseerregern kontaminierte Lebensmittel stellen eine wichtige Infektionsquelle für den Menschen dar. Häufige Erreger lebensmittelbedingter Infektionen sind Campylobacter spp. und Salmonella spp. Infektionen mit Listeria monocytogenes oder verotoxinbildende E. coli (VTEC) treten seltener auf. Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) und ESBL/AmpC-bildende E. coli sind weltweit verbreitete Erreger von zum Teil schwerwiegenden Krankenhausinfektionen. Bei Nutztieren hat sich ein spezifischer Typ von MRSA ausgebreitet. Eine Besiedlung des Menschen mit diesen „Nutztier-assoziierten" MRSA-Stämmen scheint jedoch nur in seltenen Fällen zu schweren Krankheitserscheinungen zu führen.

Basierend auf der Richtlinie 2003/99/EG zur Überwachung von Zoonosen und Zoonoseerregern sind alle EU-Mitgliedstaaten verpflichtet, repräsentative und vergleichbare Daten über das Auftreten von Zoonosen und Zoonoseerregern sowie diesbezüglicher Antibiotikaresistenzen in Lebensmitteln, Futtermitteln und lebenden Tieren zu erfassen, auszuwerten und zu veröffentlichen, um so Aufschluss über Entwicklungstendenzen und Quellen von Zoonosen und Zoonoseerregern zu erhalten. Dabei werden vor allem diejenigen Zoonoseerreger überwacht, die eine besondere Gefahr für die menschliche Gesundheit darstellen. Das Zoonosen-Monitoring wird von den Bundesländern seit dem Jahr 2009 auf Grundlage einer Verwaltungsvorschrift bundesweit einheitlich jährlich im Rahmen der amtlichen Lebensmittel- und Veterinärüberwachung durchgeführt. Die von den Bundesländern erhobenen Untersuchungsergebnisse werden vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gesammelt, ausgewertet und zusammen mit den Ergebnissen der Typisierung und Resistenztestung sowie der Bewertung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) im Bericht über die Ergebnisse des jährlichen Zoonosen-Monitorings veröffentlicht. Das BfR übermittelt die Ergebnisse gemäß den Bestimmungen des Artikels 9 der Richtlinie 2003/99/EG an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Im Zoonosen-Monitoring werden repräsentative Daten zum Vorkommen von Zoonoseerregern bei den wichtigsten Lebensmittel liefernden Tierarten und Produkten gewonnen, die es ermöglichen, das Infektionsrisiko für Verbraucher durch den Verzehr von Lebensmitteln abzuschätzen. Die Resistenzuntersuchungen verbessern die Datenlage in diesem Bereich und tragen dazu bei, Beziehungen zwischen dem Antibiotikaeinsatz in der Tierproduktion und der Entwicklung von Antibiotikaresistenzen besser analysieren zu können.

Anhang
PI Zoonosen-Monitoring 2015
https://idw-online.de/de/attachment53881

Quelle: idw 

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Grüne Trafos fürs grüne Ländle

Dr. Norbert Aschenbrenner Corporate Communications, Corporate Technology
Siemens AG

Siemens liefert für den größten Netzbetreiber in Baden-Württemberg mehr als 100 Verteiltransformatoren mit biologisch abbaubarer Isolierflüssigkeit. Für Siemens ist das der weltweit größte Auftrag für grüne Verteiltrafos.

Verteiltransformatoren sind das letzte Bindeglied in der Stromverteilung zum Verbraucher und daher oft nahe an Gebäuden oder in Wohngebieten aufgestellt. Die Netze BW, der größte Stromnetzbetreiber in Baden Württemberg, legt bei ihren Transformatoren großen Wert auf Zuverlässigkeit, Effizienz, Umweltfreundlichkeit und Betriebssicherheit. Für ein Pilotprojekt lieferte Siemens nun die ersten grünen Verteiltransformatoren.

Höherer Flammpunkt - besserer Brandschutz
Die neuen Transformatoren sind mit natürlichem Ester gefüllt, einer Flüssigkeit auf Pflanzenölbasis aus nachwachsenden Rohstoffen (Raps, Sonnenblumen oder Soja), die als Isolier- und Kühlflüssigkeit dient. Bisher werden meist Mineral- und Silikonöle eingesetzt. Wenn diese freigesetzt werden, sind sie umweltschädlich und leicht brennbar. Ester ist die grüne Alternative: Das natürliche Isolieröl ist beinahe vollständig biologisch abbaubar. Dadurch sind die negativen Folgen bei einem Leck in der Anlage für die Umwelt deutlich geringer. Außerdem bietet es aufgrund des höheren Flammpunktes einen deutlich besseren Brandschutz, was den Betrieb noch sicherer macht. Gerade für Wasser- und Naturschutzgebiete oder auch in Bereichen mit erhöhten Brandschutzauflagen sind die Ester-gefüllten Trafos eine saubere, umweltfreundliche und sichere Lösung. Und nicht nur das: In Labortests wurde nachgewiesen, dass das als Isoliermaterial verwendete Spezialpapier in Estern unter Ausschluss von Luftsauerstoff langsamer altert und somit die Lebensdauer der Transformatoren verlängern kann.

Ester als zukünftige Standard-Isolier- und Kühlflüssigkeit?
Siemens hat im Trafobau bereits jahrzehntelange Erfahrung mit alternativen Flüssigkeiten. Seit 2004 baut Siemens große Leistungstransformatoren mit Ester-Isolierung und ist weltweit führend auf diesem Gebiet. Verteiltransformatoren mit synthetischer Esterisolierung wurden bislang insbesondere für den Einsatz in Windparks gefertigt.

Die Netze BW nutzt diese Erfahrungen nun auch für ihre Verteiltransformatoren. Siemens liefert für das Innovationsprojekt insgesamt 102 mit natürlichem Ester isolierten Transformatoren. Für das Unternehmen ist es der weltweit größte Auftrag für Verteiltransformatoren mit natürlicher Esterfüllung. An einer Ortsnetzstation in Weinstadt (Baden-Württemberg) erfolgte am 10. Juni der symbolische Knopfdruck zum Start des Pilotprojekts. In Zusammenarbeit mit Siemens, der Universität Stuttgart und dem Institut für Energie-und Umweltforschung in Heidelberg werden die mit Pflanzenöl gefüllten Transformatoren überwacht und die Ergebnisse über ein Jahr ausgewertet. Mit den gewonnenen Daten will das Netzunternehmen herausfinden, ob diese Alternative zukünftig als Standard-Isolier- und Kühlflüssigkeit in Frage kommt.

Kontakt:
Herr Dr Norbert Aschenbrenner
Redaktion
Siemens AG
norbert.aschenbrenner@siemens.com

Originalartikel im Internet:
https://www.siemens.com/innovation/de/home/pictures-of-the-future/energie-und-ef...

Quelle: idw 

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Mit Zucker gegen Rost: Bis zu 80 Prozent weniger Biokorrosion

Evelyn Bargs-Stahl Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke" e.V.

Eine Schicht aus Zuckerguss ist nicht nur lecker; sie schützt das Weihnachtsgebäck auch vor Austrocknung. Eine ganz andere Schutzwirkung von Zuckermolekülen ist bislang weniger bekannt: Sie eignen sich ebenfalls zum ökologisch unbedenklichen Rostschutz von Metallen.

Auf 100 Milliarden Euro wird die jährliche Schadenshöhe durch Korrosion in Deutschland geschätzt; bis zu 30 Prozent davon wird von Mikroorganismen durch die sogenannte Biokorrosion verursacht. Bakterien, Algen und Pilze finden in den wässrigen Milieus von Wassertransportleitungen, Kühlkreisläufen oder industriellen Produktionsanlagen optimale Lebensbedingungen. Hier setzen sie sich an den metallhaltigen Werkstoffen fest, scheiden sogenannte extrazelluläre polymere Substanzen (EPS) aus und bilden schleimige Biofilme auf den Oberflächen. Diese Biofilme greifen die Werkstoffe an und führen zu einer langsamen Zersetzung der Metalle. Im schlimmsten Fall kommt es zum Bruch von Anlagenteilen und dadurch zum Ausfall ganzer Anlagen.
Im Rahmen verschiedener Forschungsvorhaben der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF), haben Wissenschaftler des DECHEMA-Forschungsinstituts in Frankfurt a.M. und der Universität Duisburg-Essen herausgefunden, dass die Beschichtung der Oberflächen mit bestimmten Zuckermolekülen die Anheftung der Bakterien um bis zu 90 Prozent senkt. Gleichzeitig sinkt auch die Biokorrosion um bis zu 80 Prozent. Die vorwettbewerbliche IGF ermöglicht insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) den Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen. Sie wird zusammen mit 100 branchenorientierten Forschungsvereinigungen im Innovationsnetzwerk der AiF Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen organisiert. Projekte der IGF werden vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) über dieses Netzwerk mit öffentlichen Mitteln gefördert.

Biofilme - Schutz und Übel zugleich
Je nach Art und Zusammensetzung der EPS können mikrobielle Biofilme die Korrosion von Metallen sowohl verstärken als auch unterdrücken. Einige der Bakterien in den Biofilmen scheiden Säuren aus, die die Oberflächen angreifen; andere beschleunigen chemische Reaktionen zwischen den Metalloberflächen und dem umgebenden Wasser und begünstigen so die Korrosion. Die korrosionshemmende Wirkung hingegen beruht darauf, dass manche EPS die Anheftung von Mikroorganismen an die Oberflächen der Werkstoffe verhindern, indem sie selbst diesen Platz einnehmen und damit die Bildung von Biofilmen unterbinden. Andere wiederum können den korrosiven Angriff von Chlorionen unterdrücken oder Eisenionen abfangen, die sonst Bakterien anziehen würden. Insbesondere Cyclodextrine, ringförmige Kohlenhydrate wie Dextrane oder Saccharide, die Bakterien beim Abbau von Mais- oder Kartoffelstärke bilden, sind in den Focus der Forschungen gerückt. Sie scheinen sich zum Korrosionsschutz besonders gut zu eignen, da sie sicher auf Werkstoffoberflächen haften, selbst nicht korrosiv wirken und nicht mikrobiell abbaubar sind.

Biogene Schutzschicht in der Praxis
In einem aktuellen IGF-Projekt, das von der AiF-Forschungsvereinigung DECHEMA koordiniert wird, entwickeln Forscher jetzt ein praktisches Anwendungsverfahren für die Cyclodextrin-Beschichtung. Am Ende soll ein einsatzfähiges Korrosionsschutzsystem auf Cyclodextrinbasis stehen. Gleichzeitig versuchen die Wissenschaftler die Langzeitstabilität der korrosionsverhindernden Wirkung der Cyclodextrine zu erhöhen.
Bislang werden metallhaltige Oberflächen in wässrigen Milieus entweder mit Schutzschichten überzogen oder mit Bioziden behandelt, was ökologisch nicht unbedenklich ist. Mit biogenen Schutzschichten hingegen könnten zukünftig große Mengen an Bioziden eingespart werden. Dies ist besonders interessant, da nach der EU-Biozidrichtlinie die Hürden für den Einsatz von Bioziden erheblich erhöht wurden.

Ansprechpartner zum Projekt
PD Dr. Wolfram Fürbeth, DECHEMA-Forschungsinstitut,
E-Mail: fuerbeth@dechema.de, Telefon: +49 69 7564 398

Prof. Dr. Wolfgang Sand, Universität Duisburg-Essen, Fakultät für Chemie - Biofilm Centre,
E-Mail: wolfgang.sand@uni-due.de, Telefon: +49 201 183 7089

Über die AiF
Die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke" e.V. ist das Forschungsnetzwerk für den deutschen Mittelstand. Sie fördert Forschung, Transfer und Innovation. Als Dachverband von 100 gemeinnützigen Forschungsvereinigungen mit 50.000 eingebundenen Unternehmen und 1.200 beteiligten Forschungsstellen leistet sie einen wichtigen Beitrag, die Volkswirtschaft Deutschlands in ihrer Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken. Die AiF als gemeinnütziger Verein organisiert die Industrielle Gemeinschaftsforschung und betreut über die AiF Projekt GmbH und die AiF F∙T∙K GmbH, ihre einhundertprozentigen Tochtergesellschaften, weitere Förderprogramme der öffentlichen Hand. Im Jahr 2015 setzte die AiF rund 525 Millionen Euro an öffentlichen Fördermitteln ein.

Weitere Informationen:
http://www.aif.de
http://www.aif.de/innovationsfoerderung/industrielle-gemeinschaftsforschung.html
http://www.uni-due.de
http://www.dechema.de
http://www.bmwi.de

Quelle: idw 

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Schnelltests für Antibiotika in Gewässern und Impfstoffe auf Basis von Antigenen

Jan Meßerschmidt Presse- und Informationsstelle
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Zwei Forschungsprojekte zu Antibiotikaresistenzen sowie zur Entwicklung neuartiger Impfstoffe werden seit Oktober 2016 durch das Konsortium InfectControl 2020 an der Universität Greifswald gefördert. Ziel des Verbundprojektes ANTIRES ist, antibiotikaresistente Mikroorganismen und Antibiotikaresistenzgene in Abwässern aufzuspüren und einen Antibiotika-Resistenz-Schnelltest zu entwickeln. In dem zweiten Verbundprojekt VacoME geht es um die Identifizierung der Antigene von Pneumokokken und Streptococcus suis, die die Basis für den Infektionsschutz im menschlichen und tierischen Körper sind. Durch gezielte Kombination von Antigenen sollen neuartige Impfstoffe entwickelt werden.

Verbundprojekt ANTIRES
Verbreitungswege von Antibiotika-Resistenzen in kommunalen Abwässern

Ziel des Projektes sind Untersuchungen zum Vorkommen antibiotikaresistenter Mikroorganismen und Antibiotikaresistenzgenen in kommunalen und landwirtschaftlichen Abwässern. Der intensive Einsatz von Antibiotika zur Behandlung bakterieller Infektionen von Mensch, Haus- und Nutztieren sowie der massive Antibiotikazusatz in Futtermitteln resultieren in einem kontinuierlich ansteigenden Antibiotikaeintrag in die Umwelt. Die damit einhergehende Verbreitung von Antibiotikaresistenzgenen und die Entwicklung multiresistenter Keime führen zu einer dramatischen Abnahme der Wirksamkeit von Antibiotikatherapien. Als eine der Hauptquellen für den Antibiotikaeintrag in die Umwelt gelten antibiotikabelastete Abwässer.

Zur detailgetreuen Aufklärung der Verbreitungswege von Antibiotikaresistenzen durch belastete Abwässer werden in ANTIRES kommunale Abwässer im jahreszeitlichen Rhythmus beprobt. Die Integration von mikrobiologischen und biochemischen sowie innovativen Metagenom-, Metatranskriptom- und Metaproteom-Analysen soll dann Aufschluss über die Belastung der Proben mit Antibiotikaresistenzen geben.

Die Erkenntnisse dieser Untersuchungen sollen schließlich für die Etablierung eines Antibiotikaresistenz-Schnelltests genutzt werden. Die in ANTIRES erhobenen Daten und entwickelten diagnostischen Werkzeuge tragen zu einem besseren Verständnis der Verbreitungswege und der jahreszeitlichen Dynamik von Antibiotikaresistenzen in Gewässern bei und sind damit essenziell für die Entwicklung von Strategien zur Eindämmung dieses Prozesses.

In ANTIRES fließt das Know-how verschiedener Forschungsgruppen aus vier Standorten ein. Beteiligt sind Prof. Katharina Riedel (Koordinatorin, Abteilung Mikrobielle Physiologie und Molekularbiologie, Institut für Mikrobiologie an der Universität Greifswald), Prof. Dörte Becher (Universität Greifswald), Prof. Rolf Daniel (Georg-August-Universität Göttingen), Dr. Katrin Premke (Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei, Berlin) und Dr. Robert Möller (Analytik Jena AG, Jena).

Verbundprojekt VacoME
Entwicklung von Impfstoffen gegen respiratorische und systemische Infektionen bei Mensch und Schwein

Ziel des Gesamtprojektes ist die Identifizierung von Antigenen von Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) und Streptococcus suis, die allein oder in Kombination einen Schutz gegenüber einer Infektion vermitteln. Infektionen des Menschen mit Pneumokokken und des Schweins mit Streptococcus suis stellen für das Gesundheitssystem bzw. die Agrarwirtschaft eine erhebliche Belastung dar. Pneumokokken verursachen schwere, außerhalb des Krankenhauses erworbene Lungenentzündungen und invasive Erkrankungen wie Sepsis oder Hirnhautentzündung, in deren Folge weltweit mehr als 1,6 Millionen Menschen pro Jahr sterben. Das Erregerpotenzial macht den mit Pneumokokken verwandten Erreger Streptococcus suis zum wichtigsten invasiven bakteriellen Krankheitserreger in der Ferkelaufzucht, der zudem die Fähigkeit hat vom Tier auf den Menschen übertragen zu werden. Beide bakteriellen Erreger zeigen eine Typenvielfalt und kommen als verschiedene Serotypen vor. Eine Pneumokokkenprophylaxe ist schwierig, da die auf Zuckerstrukturen basierenden Impfstoffe nur gegen 13 der 94 Serotypen einen Schutz vermitteln. Die Identifizierung von Antigenen in den verschiedenen Nischen ihrer Wirte und die Kombination immunogener Antigene zu einem Impfstoff mit Serotyp-übergreifender Schutzwirkung eine zentrale Herausforderung für die Bekämpfung dieser bakteriellen Erreger.

In VacoME werden daher infektionsrelevante Antigene mittels in vivo Proteomics und RNAseq-Analysen in den unterschiedlichen Wirtsnischen wie dem Atmungstrakt, dem Blut bzw. der Nervenflüssigkeit identifiziert. Die Immunogenität der Antigene wird dann in Proteom-basierten Immunanalysen mit Patientenseren analysiert, um Antigene zu identifizieren, gegen die der Patient bzw. das Schwein Antikörper gebildet hat. Ziel dieses Ansatzes ist, aufzuzeigen, wie durch die gezielte Kombination dieser Antigene ein Impfstoff mit Serotyp-übergreifender Schutzwirkung generiert werden kann.

Im VacoME-Verbund arbeiten Prof. Sven Hammerschmidt (Koordinator, Abteilung Genetik der Mikroorganismen, Interfakultäres Institut für Genetik und Funktionelle Genomforschung an der Universität Greifswald), Prof. Uwe Völker (Abteilung Funktionelle Genomforschung, Interfakultäres Institut für Genetik und Funktionelle Genomforschung, Universitätsmedizin Greifswald), Prof. Christoph Baums und Prof. Gottfried Alber (beide Universität Leipzig), Prof. Susanne Häußler (Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Braunschweig), Dr. Volker Florian und Dr. Peter Schmid (IDT Biologika GmbH, Dessau) sowie Dominik Driesch (BioControl Jena GmbH) zusammen.

InfectControl 2020
InfectControl 2020 wurde im Rahmen der BMBF-Fördermaßnahme „Zwanzig20 - Partnerschaft für Innovation" gegründet. Es ist ein Konsortium aus Wirtschaftsunternehmen und akademischen Partnern. Ziel der Konsortien sind die Entwicklung neuer Antiinfektionsstrategien in der Veterinär- und Humanmedizin und die Verringerung der Ausbreitung neuer und multiresistenter Keime aufgrund von unsachgemäßem Einsatz von Antibiotika, mangelnder Hygiene sowie globalen Menschen- und Güterströmen.

Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Verbund ANTIRES

Prof. Dr. Katharina Riedel
Abteilung Mikrobielle Physiologie und Molekularbiologie
Institut für Mikrobiologie
Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 15
17489 Greifswald
Telefon +49 3834 86-4200
Telefax +49 3834 86-4201
riedela@uni-greifswald.de
http://www.mikrobiologie.uni-greifswald.de

Verbund VacoME
Prof. Dr. Sven Hammerschmidt
Abteilung Genetik der Mikroorganismen
Interfakultäres Institut für Genetik und Funktionelle Genomforschung
Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße 15 A
17489 Greifswald
Telefon +49 3834 86-4161
Telefax +49 3834 86-4172
sven.hammerschmidt@uni-greifswald.de
http://mnf.uni-greifswald.de/genetik
http://RTG1870.uni-greifswald.de

Quelle: idw 

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Volksleiden Rückenschmerzen: Patienten überschätzen Bildaufnahmen

Kristine Kruse Pressestelle
Bertelsmann Stiftung

Wenn der Rücken schmerzt, reagieren Patienten und Ärzte häufig übertrieben. Wie der neue Faktencheck Rücken der Bertelsmann Stiftung zeigt, sind Betroffene unsicher und erwarten zu schnell eine ärztliche Einschätzung auf Basis bildgebender Verfahren. Behandelnde Ärzte rücken die überzogenen Hoffnungen ihrer Patienten oft nicht zurecht.

Jeder fünfte gesetzlich Versicherte geht mindestens einmal im Jahr wegen Rückenschmerzen zum Arzt - 27 Prozent davon suchen sogar vier Mal oder öfter einen Arzt auf. Von den jährlich mehr als 38 Millionen rückenschmerzbedingten Besuchen bei Haus- oder Fachärzten und den dabei veranlassten sechs Millionen Bildaufnahmen wären viele vermeidbar. Zu diesem Schluss kommt die Studie Faktencheck Rücken der Bertelsmann Stiftung.

Falsche Erwartungen: Patienten wollen den Grund für Rückenschmerzen sehen
Wenn es um Rückenschmerzen geht, ist jeder Zweite (52 Prozent) überzeugt davon, dass man immer einen Arzt aufsuchen muss. 60 Prozent der Bevölkerung erwarten außerdem schnellstens eine bildgebende Untersuchung. Und mehr als zwei von drei Personen (69 Prozent) sind der Meinung, dass der Arzt durch Röntgen-, Computertomografie- (CT) und Magnetresonanztomographie-Aufnahmen (MRT) die genaue Ursache des Schmerzes findet. Ein Trugschluss: Ärzte können gerade einmal bei höchstens 15 Prozent der Betroffenen eine spezifische Ursache für den Schmerz feststellen. Die meisten Bilder verbessern oft also weder Diagnose noch Behandlung von Rückenschmerzen.

Falsche Reaktion: Ärzte weichen oft von wissenschaftlichen Empfehlungen ab
Die falschen Erwartungen der Patienten rücken Ärzte häufig nicht zurecht. Dadurch kommt es neben übermäßig vielen Arztbesuchen auch zu unnötig vielen Bildaufnahmen. Allein 2015 haben Ärzte über sechs Millionen Röntgen-, CT- und MRT-Aufnahmen vom Rücken veranlasst. "Oft werden die Befunde der Bildgebung überbewertet. Dies führt zu unnötigen weiteren Untersuchungen und Behandlungen, zur Verunsicherung des Patienten und kann sogar zur Chro-nifizierung der Beschwerden beitragen", so Prof. Dr. Jean-Francois Chenot von der Universität Greifswald und medizinischer Experte für den Faktencheck. Die bildgebende Diagnostik erfolgt zudem oft vorschnell. Bei 22 Prozent wurde eine Aufnahme vom Rücken bereits im Quartal der Erstdiagnose angeordnet. Bei jedem zweiten Betroffenen wurde ein Bild veranlasst, ohne vorher einen konservativen Therapieversuch, zum Beispiel mit Schmerzmitteln oder Physiotherapie, unternommen zu haben.

Fakt ist: 85 Prozent der akuten Rückenschmerzen gelten als medizinisch unkompliziert und nicht spezifisch. Ärztliche Leitlinien empfehlen bei Rückenschmerzen ohne Hinweise auf gefährliche Verläufe (beispielsweise Wirbelbrüche oder Entzündungen), körperliche Aktivitäten so weit wie möglich beizubehalten, Bettruhe zu vermeiden und keine bildgebende Diagnostik durchzuführen. Ärzte weichen von diesen wissenschaftlichen Empfehlungen jedoch häufig ab. So wird 43 Prozent der Betroffenen Ruhe und Schonung empfohlen. Zudem verstärken Ärzte oft das Krankheitsgefühl der Betroffenen, anstatt sie zu beruhigen. 47 Prozent der Betroffenen wird vermittelt, dass der Rücken "kaputt" oder "verschlissen" sei. "Ärzte müssen falsche Kenntnisse und Erwartungen von Patienten korrigieren. Nur so werden sie ihrem eigenen Anspruch als vertrauenswürdige Experten gerecht", so Brigitte Mohn, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Erhebliche regionale Unterschiede im Verhalten von Betroffenen und Ärzten
Betroffene mit Rückenschmerzen gehen in Berlin oder Bayern viel häufiger zum Arzt als in Hamburg, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz. Die Zahl der Behandlungsfälle pro 1.000 Versicherten und Jahr variiert auf Bundeslandebene zwischen 370 in Hamburg und 509 in Berlin. Auf Kreisebene gibt es Unterschiede um mehr als das Doppelte: So betrug die durchschnittliche Anzahl von Behandlungsfällen je 1.000 Versicherten in den Jahren 2009 bis 2015 in den Kreisen Ostprignitz-Ruppin (BB) und Rotenburg/Wümme (NI) nur 306, im Werra-Meißner-Kreis (HE) dagegen 711 und in Dingolfing-Landau (BY) sogar 730 Fälle. Auch Ärzte agieren regional sehr unterschiedlich: Zwischen den Bundesländern variieren die Verordnungen von Röntgen-, CT-, und MRT-Aufnahmen um bis zu 30 Prozent. In manchen Stadt- und Landkreisen werden sogar doppelt so viele Aufnahmen veranlasst wie anderswo.

Mehr reden statt röntgen
"Die gründliche körperliche Untersuchung und das persönliche Gespräch zwischen Arzt und Patient müssen wieder mehr Gewicht erhalten", fordert Mohn. Dafür bedarf es Korrekturen im ärztlichen Vergütungssystem. So müssen Gespräche im Verhältnis zu technikbasierten Untersuchungen besser bezahlt werden.
Internationale Beispiele zeigen des Weiteren, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, unnötige und im Zweifelsfall gesundheitsschädliche Aufnahmen zu reduzieren: In Teilen Kanadas erhalten Ärzte seit 2012 keine Vergütung mehr, wenn sich herausstellt, dass Bildaufnahmen veranlasst wurden, obwohl kein gefährlicher Verlauf der Rückenschmerzen erkennbar war. In den Niederlanden setzt man auf striktere Zugangsbeschränkungen zu Röntgen-, CT- und MRT-Geräten.

Zusatzinformationen
Im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hat das Institut für angewandte Gesundheitsforschung (InGef) Analysen zu Behandlungsfällen und zum Ausmaß der Bildgebung aufgrund von Rückenschmerzen durchgeführt. Datengrundlage sind anonymisierte, repräsentative Daten von mehr als sieben Millionen Versicherten aus circa 70 gesetzlichen Krankenversicherungen. Zudem wurde mit TNS EMNID eine repräsentative Befragung zum Thema Rückenschmerzen durchgeführt. Die Ergebnisse wurden im aktuellen Faktencheck Rücken zusammengeführt.

Unsere Experten: Eckhard Volbracht, Telefon: 0 52 41 81 81 215
E-Mail: eckhard.volbracht@bertelsmann-stiftung.de

Marion Grote-Westrick, Telefon: 0 52 41 81 81 271
E-Mail: Marion.GroteWestrick@bertelsmann-stiftung.de

Weitere Informationen:
Werte zur Versorgungssituation bei Rückenschmerzen in Ihrer Region finden Sie in unserem interaktiven Kartentool auf: www.faktencheck-ruecken.de

Quelle: idw 

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TU Berlin: Kunststoff aus Strom und Selters

Stefanie Terp Stabsstelle Presse, Öffentlichkeitsarbeit und Alumni
Technische Universität Berlin

TU-Forscher wollen mit grüner Elektrochemie Ethylen aus klimaschädlichem CO2 erzeugen - Start eines neuen Verbundprojekts

Plastiktüten und andere Produkte aus Kunststoff werden aus Ethylen hergestellt - genauer: aus Polyethylen. 140 Millionen Tonnen des kohlenstoffbasierten Chemierohstoffs werden jährlich weltweit produziert. Erdöl ist der Rohstoff dafür. Das Produktionsverfahren bei Temperaturen um 800°C ist energieintensiv und wenig nachhaltig. TU-Forscher wollen nun mit weiteren Partnern eine nachhaltige Alternative dazu entwickeln: die Produktion von Ethylen aus Sprudelwasser - also Kohlendioxid und Wasser - und regenerativem Strom.

Prof. Dr. Peter Strasser und sein Team von der TU Berlin, die sich mit der elektrochemischen Katalyse befassen, starten mit weiteren Partnern aus Hochschulen und Industrie das im Rahmen des BMBF-Programms „CO2Plus - Stoffliche Nutzung von CO2" geförderte Verbundprojekt „eEthylen". Eine neuartige, komplexe elektrochemische Technologie soll es ermöglichen, aus Kohlendioxid und Wasser Ethylen zu synthetisieren, dessen Nebenprodukt ausschließlich reinster Sauerstoff ist. So werden im Gegensatz zum herkömmlichen Verfahren keine umweltschädlichen Nebenprodukte freigesetzt. Die benötigte Energie wird elektrisch zugeführt und stammt aus erneuerbaren Quellen.

Chemische Katalyse ohne schädliche Nebenprodukte
Eine große wissenschaftliche Herausforderung liegt im Design der Materialien für die Elektroden an beiden Enden der Elektrolysezelle. Die Nanostruktur des Materials muss das komplexe Netzwerk chemisch gekoppelter Einzelreaktionen des Gesamtprozesses so organisieren können, dass Kohlendioxid- und Wassermoleküle schnell, ohne Nebenprodukte und ohne großen Energieverlust zu Ethylen reagieren können.

Schnelle Umsetzung für die industrielle Anwendung
Die Erkenntnisse der Forschungen sollen dabei direkt in die industrielle Entwicklung einfließen und so helfen, technische Verfahren zu entwickeln und zu optimieren. Die Beteiligung von Großunternehmen ermöglicht eine schnelle Umsetzung in die industrielle Anwendung. Als wissenschaftliche Partner sind außer der TU Berlin die Ruhr-Universität Bochum und das Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg am Projekt beteiligt, als industrielle Koordinatoren die Unternehmen Evonik Resource Efficiency GmbH und Siemens AG. Das Gesamtfördervolumen des Verbunds beträgt 1,5 Millionen Euro. Knapp eine Viertelmillion Euro geht an die TU Berlin.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Prof. Dr. Peter Strasser
Technische Universität Berlin
Institut für Chemie - Technische Chemie
Tel.: 030/314-22261
E-Mail: pstrasser@tu-berlin.de

Quelle: idw 

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Maßgeschneiderte Membranen für die Umwelt

Dipl.-Biologin Annette Stettien Unternehmenskommunikation
Forschungszentrum Jülich

Durch das Verbrennen fossiler Energieträger in Kohle- und Gaskraftwerken entstehen umweltschädliche Abgase. Jülicher Forscher arbeiten an Möglichkeiten, diese Abgase nicht nur zu reduzieren, sondern auch nutzbar zu machen. Sie entwickeln keramische Membranen, mit denen sich aus Kohlenstoffdioxid und Wasserdampf reiner Wasserstoff abtrennen lässt, der dann als sauberer Energieträger - zum Beispiel in Brennstoffzellen - verwendet werden kann. Nun konnten sie die Leistungsfähigkeit dieser Membranen auf einen bisher unerreichten Wert steigern. Die Ergebnisse ihrer Forschung veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift Scientific Reports (DOI: 10.1038/srep34773).

In technischen Systemen lassen sich mit Membranen Gase trennen - effizienter und kostengünstiger als mit etablierten Verfahren. Membransysteme ermöglichen so die Abtrennung von schädlichen Klimagasen mit vergleichsweise geringen Verlusten. Gleichzeitig lässt sich so hochreiner Wasserstoff für saubere Energieerzeugung und -speicherung gewinnen. Dies macht keramische Membranen zu einer Schlüsseltechnologie der Energiewende.

Eine Möglichkeit, den Wasserstoff aus Gasgemischen abzutrennen, ist eine sogenannte Zweiphasen-Membran. "Diese besteht aus zwei keramischen Materialien. Die einzelnen Körnchen haben nur eine Größe von einem tausendstel Millimeter und weisen einerseits eine ionische und anderseits eine elektronische Leitfähigkeit auf", erklärt Dr. Mariya Ivanova vom Jülicher Institut für Energie- und Klimaforschung. Die Bestandteile des Wasserstoffs, Protonen und Elektronen, werden so einzeln durch die Membran transportiert. Auf der anderen Seite setzen sie sich zu hochreinem Wasserstoff zusammen. Möglich ist dies durch maßgeschneiderte Fehlstellen im Kristallgitter der Keramiken, die durch Protonen besetzt werden. Diese Protonen, angetrieben durch Druckunterschiede und Temperatur, werden durch das Material der Membran geleitet. "Sie docken an einem Sauerstoff-Ion an, und springen in Richtung des geringeren Drucks zum nächsten Sauerstoff-Ion, von Fehlstelle zu Fehlstelle, bis sie auf der anderen Seite wieder zu elementarem Wasserstoff formiert werden", sagt Mariya Ivanova. "Die Elektronen werden durch den zweiten Bestandteil der Keramik transportiert und sorgen für einen Ladungsausgleich."

Doch das Verfahren weist noch einige entscheidende Schwächen auf. Für die Wasserstoffabtrennung sind hohe Temperaturen notwendig, was sie energieaufwändig macht. Außerdem sind die bisher untersuchten Membranen in einer kohlenstoffhaltigen Umgebung nicht stabil und werden unbrauchbar. Auch die Rate des Wasserstoffdurchflusses ist noch nicht hoch genug. Doch die Forscher um Mariya Ivanova haben wichtige Fortschritte gemacht: Durch das gezielte Einbringen von Fremdatomen in das Kristallgitter ist ihre Membran stabiler und bei niedrigeren Temperaturen einsetzbar. Der größte Erfolg ist jedoch der gesteigerte Wasserstoffdurchfluss. "Er ist beinahe doppelt so hoch wie bei allen bisher dokumentierten Fällen", freut sich Ivanova.

Die Jülicher Membranen für die Messungen sind nur so groß wie ein 10-Cent-Stück, und einen halben Millimeter dick. "An einen industriellen Einsatz ist noch nicht zu denken", erklärt Ivanova. "Wir forschen weiter, suchen nach dem geeigneten Material, mit großer Durchflussrate und Stabilität und geringen Kosten. Der nächste Schritt ist danach die Vergrößerung der Komponentengröße um einen wirtschaftlichen Einsatz zu gewährleisten." Die Forscher wollen zunächst eine Fläche zehn mal zehn Quadratzentimeter erreichen.
Originalpublikation:

"Hydrogen separation through tailored dual phase membranes with nominal composition BaCe0.8Eu0.2O3-δ:Ce0.8Y0.2O2-δ at intermediate temperatures" by Mariya E. Ivanova, Sonia Escolástico, Maria Balaguer, Justinas Palisaitis, Yoo Jung Sohn, Wilhelm A. Meulenberg, Olivier Guillon, Joachim Mayer & Jose M. Serra, DOI: 10.1038/srep34773

Ansprechpartner:
Dr. Eng. Mariya E. Ivanova
Teamleiterin Wasserstoffpermeable Membranen
Telefon: 02461 61-5194
E-Mail: m.ivanova@fz-juelich.de

Prof. Dr. Olivier Guillon
Direktor des Instituts für Energie- und Klimaforschung (IEK-1): Werkstoffsynthese und Herstellungsverfahren
Telefon: 02461 61-5181
E-Mail: o.guillon@fz-juelich.de

Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de/iek/iek-1/DE/Home/home_node.html
Institut für Energie- und Klimaforschung: Werkstoffsynthese und Herstellungsverfahren (IEK-1)
http://www.fz-juelich.de/iek/iek-1/DE/Forschung/Gastrennmembrane/_node.html
Forschungsfeld Gastrennmembranen am IEK-1

Quelle: idw 

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Hausmüll mit weniger Energie aufbereiten

Rüdiger Mack Marketingkommunikation
FIZ Karlsruhe - Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur GmbH

Für Restmüll aus der grauen Tonne gibt es zwei Entsorgungswege: Eine Müllverbrennungsanlage oder eine mechanisch-biologische Abfallbehandlung (MBA). Bei dieser werden zuerst die Wertstoffe aussortiert und genutzt. Dann wird der Rest in Rottetunneln behandelt. Das neue BINE-Projektinfo „Energieverbrauch der Müllaufbereitung senken" (15/2016) stellt eine effizientere Anlage zur Abluftbehandlung für MBA vor. Diese kann fast ein Viertel der Energie im Vergleich zu heutigen Anlagen einsparen.

Optimierte Abluftreinigung für mechanisch-biologische Abfallbehandlung
Der nicht zu verwertende Sortierrest des Mülls aus der grauen Tonne durchläuft in den Rottetunneln der MBA einen aeroben Verrottungsprozess. Dadurch werden alle organischen Bestandteile oxidiert. Nach der Behandlung lässt sich der Rest deponieren, ohne dass es noch zur Bildung von Methan oder anderen klimarelevanten Gasen kommt. Die Abluft aus den Tunneln muss gereinigt und behandelt werden, um schädliche Gas- und Geruchsemissionen zu vermeiden. Dazu werden Biofilter, Wäscher und eine Verbrennungseinheit für die kohlenstoffhaltigen Gase eingesetzt. Bei der neuen Anlage haben die Forscher die gesamte Prozesskette optimiert. Die Energieeinsparung konnte vor allem durch eine Reduzierung und Aufteilung der Abluftströme nach Kohlenstoffgehalt und einen dadurch sinkenden Stützgasverbrauch erreicht werden. Auch eine verbesserte Form der Mülleinbringung in die Tunnel hat dazu beigetragen.

In Deutschland gibt es derzeit 45 Anlagen zur mechanisch-biologischen Abfallbehandlung. Die praktische Erprobung der energiesparenden Abluftreinigung fand an der MBA des Landkreises Aurich in Großefehn statt. Das Institut für Aufbereitung und Recycling der RWTH Aachen hat das Projekt mit Kooperationspartnern durchgeführt.

Das BINE-Projektinfo ist kostenfrei beim BINE Informationsdienst von FIZ Karlsruhe erhältlich - unter www.bine.info oder 0228 - 92379-0.

BINE Informationsdienst ist ein Service von FIZ Karlsruhe und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert.

FIZ Karlsruhe - Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur ist eine gemeinnützige Gesellschaft, die im öffentlichen Auftrag weltweit publizierte wissenschaftliche Information zugänglich macht und entsprechende Dienstleistungen zur Verfügung stellt. FIZ Karlsruhe
hat die Aufgabe, den nationalen und internationalen Wissenstransfer und die Innovationsförderung zu unterstützen.

Weitere Informationen:

http://www.bine.info/en - BINE Information Service - Energy research for practical applications
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Quelle: idw 

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Nach über 100 Jahren: Neue Wege in der Krampfaderbehandlung - Pressekonferenz der DEGUM

Friederike Gehlenborg Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

Berlin - Wenn die Beine kribbeln, sich schwer anfühlen und blaue Adern durch die Haut schimmern - dann ist oft ein Venenleiden die Ursache. Die Erkrankung ist weit verbreitet: Mit rund 300.000 Eingriffen pro Jahr ist die Krampfaderbehandlung eine der häufigsten Operationen in Deutschland. Über 100 Jahre war das klassische Ziehen der Krampfadern - die sogenannte Stripping-Operation - die primäre Behandlungsart. Doch nun setzen sich zunehmend schonendere Kathetermethoden durch, bei denen Ultraschalldiagnostik zum Einsatz kommt.

„Die modernen Katheterbehandlungen zielen darauf ab, die erkrankten Venen mittels Katheter schonend zu verschließen statt sie zu entfernen", erläutert Dr. med Tobias Hirsch, Facharzt für Innere Medizin und Angiologie von der Praxis für Innere Medizin und Gefäßkrankheiten in Halle (Saale). „Neben Methoden wie der Laserbehandlung, die auf der Einwirkung von Wärme beruhen, können die Krampfadern beispielsweise auch verklebt werden." Statt zahlreicher Schnitte sei für diese minimalinvasiven Methoden nur ein kleiner Einstich erforderlich. Der Vorteil: Die Behandlung ist für die Patienten angenehmer - und die Heilung erfolgt schneller.

Ob mit einer Laserbehandlung oder per Radiofrequenzkatheter - alle Methoden haben eines gemeinsam: moderne Ultraschalltechnik kommt zum Einsatz. „Um Krampfadern mit den schonenden Kathethermethoden erfolgreich behandeln zu können, ist die Ultraschalldiagnostik eine grundlegende Voraussetzung für uns", so Hirsch. „Sie ermöglicht es, krankhafte Veränderungen an den Venen der Patienten umfassend und besonders exakt darzustellen." Neben der anatomischen Untersuchung der Venen kann so beispielsweise auch verdeutlicht werden, dass das Blut, das normalerweise herzwärts strömt, aufgrund einer gestörten Klappenfunktion wieder vom Herzen weg fließt. Durch den so entstandenen Rückstau des Blutes werden Venen geweitet - und Krampfadern entstehen. Auch Wassereinlagerungen - sogenannte Ödeme - können durch den Blutstau entstehen und eine verschlechterte Versorgung der Haut mit Sauerstoff und Nährstoffen können Folgen hiervon sein.

„Die Ultraschalltechnik ermöglicht mittlerweile eine sehr exakte Bildgebung, die es sogar möglich macht, die Rückflüsse zeitlich zu erfassen", sagt der Experte. Der klare Vorteil gegenüber der radiologischen Bildgebung: Die Untersuchungen sind beliebig oft wiederholbar und können unmittelbar in der operativen Therapie durchgeführt werden. Eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz der Technik ist ein sicherer Umgang des Arztes mit der Ultraschalltechnik; denn sowohl die Führung des Behandlungskatheters als auch die örtliche Betäubung erfolgen ultraschallgesteuert.

„Wir erwarten, dass in den kommenden Jahren auch in Deutschland die klassische Stripping-Operation mehr und mehr von den Kathetermethoden abgelöst wird", meint Hirsch. „Dieser Trend zeigt sich auch daran, dass die entsprechenden fachspezifischen Kurse der DEGUM immer stärker besucht werden." Die Kursmodelle und speziellen Anwenderseminare berücksichtigen die neuen Entwicklungen in der Krampfaderbehandlung. Auch ein Blick über die Landesgrenze hinweg legt den beschriebenen Trend nahe: In den USA werden die Kathetermethoden zur Krampfaderbehandlung bereits seit 2011 und in Großbritannien seit 2013 als Therapie durch die nationalen Leitlinien empfohlen - und zwar als Therapie der ersten Wahl.

Über die DEGUM:
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint rund 10 000 Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten, Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin. Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis III. DEGUM-zertifizierte Ärzte finden Patienten im Internet unter: http://www.degum.de

Weitere Informationen:
http://www.degum.de

Quelle: idw 

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Kommunen können mit "Monitor Nachhaltige Kommune" den Grad ihrer Nachhaltigkeit messen

Sybille Wenke-Thiem Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Urbanistik

Bertelsmann Stiftung und Difu stellen neues Instrument für bundesweites Monitoring nachhaltiger Entwicklung vor

Berlin. Die Mehrzahl der Kommunen steht zu einer nachhaltigen Entwicklung. Allerdings war es bisher schwierig, den Erfolg des nachhaltigen Handelns zu messen. Der von der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin entwickelte „Monitor Nachhaltige Kommune" liefert dazu nun die Möglichkeit: Er zielt darauf ab, den Stand der nachhaltigen Entwicklung in deutschen Kommunen transparent zu machen und die Entwicklung eines wirkungsorientierten Nachhaltigkeitsmanagements zu unterstützen. Im Internet-Portal www.wegweiser-kommune.de der Bertelsmann Stiftung können Kommunen mit mehr als 5.000 Einwohnern ihre individuellen Werte und Entwicklungsverläufe abrufen und mit den Werten anderer Kommunen vergleichen. Zwei Veröffentlichungen fassen die detaillierten Ergebnisse zusammen, sie stehen als PDF kostenfrei im Netz bereit: https://difu.de/10994

Obwohl Städte, Gemeinden und Kreise bei der Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien des Bundes und der Länder eine wichtige Rolle spielen, gibt es wenige gesicherte Erkenntnisse darüber, wie nachhaltig Deutschlands Kommunen tatsächlich sind und mit welchen Themen sie sich beschäftigen. Diese Lücke soll der neue Monitor Nachhaltige Kommune schließen.

Die im Rahmen des Monitors durchgeführte Befragung der Stadtspitzen deutscher Städte und Kreise zeigt, wie nachhaltig Deutschlands Kommunen handeln. Fast 90 Prozent der befragten Kommunen betonen, dass das Thema für sie sehr wichtig bzw. wichtig ist. Dabei stehen die Themen Haushaltsführung, Bildung, Wohnen und Wohnumfeld sowie Klima und Energie in den befragten Kommunen derzeit hoch im Kurs. Gleichzeitig wird allerdings dem Engagement für Armut, Sicherheit, Gesundheit und Pflege sowie für die „Eine-Welt" eher nachrangige Bedeutung beigemessen. Dies kann als Defizit bewertet werden: Die Vereinten Nationen betonen in ihrer Resolution zu den neuen globalen Zielen („Sustainable Development Goals"), dass die Beseitigung der Armut ein zentraler Aspekt und eine Vorbedingung für nachhaltige Entwicklung ist, und das gilt nicht nur global, sondern trifft auch auf deutsche Kommunen zu.

Neben der Befragung zum Nachhaltigkeitsmanagement wurde im Monitor Nachhaltige Kommune ein umfassender Indikatorenkatalog entwickelt, der dem Monitoring und der Evaluation von nachhaltiger Entwicklung dient. Von insgesamt 125 Indikatoren aus den zentralen kommunalen Aufgabenbereichen werden insbesondere 37 sogenannte „Kernindikatoren" empfohlen. Zu diesen erfolgten eine flächendeckende Datenerhebung sowie statistische Analysen zu Zusammenhängen zwischen den Indikatoren.

Kontakt:
Dr. Busso Grabow
Telefon: 030-39001-248
E-Mail: grabow@difu.de

Dr. Jasmin Honold
Telefon: 030-39001-198
E-Mail: honold@difu.de

Weitere Informationen:
https://difu.de/10994
https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/monitor-nachhaltige-kommu...
http://www.wegweiser-kommune.de/

Kurzinfo: Deutsches Institut für Urbanistik
Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) ist als größtes Stadtforschungsinstitut im deutschsprachigen Raum die Forschungs-, Fortbildungs- und Informationseinrichtung für Städte, Kommunalverbände und Planungsgemeinschaften. Ob Stadt- und Regionalentwicklung, kommunale Wirtschaft, Städtebau, soziale Themen, Umwelt, Verkehr, Kultur, Recht, Verwaltungsthemen oder Kommunalfinanzen: Das 1973 gegründete unabhängige Berliner Institut - mit einem weiteren Standort in Köln (Bereich Umwelt) - bearbeitet ein umfangreiches Themenspektrum und beschäftigt sich auf wissenschaftlicher Ebene praxisnah mit allen Aufgaben, die Kommunen heute und in Zukunft zu bewältigen haben. Der Verein für Kommunalwissenschaften e.V. ist alleiniger Gesellschafter des in der Form einer gemeinnützigen GmbH geführten Forschungsinstituts.

Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH
Sitz Berlin, AG Charlottenburg, HRB 114959 B
Geschäftsführer: Prof. Dipl.-Ing. Martin zur Nedden, Dr. Busso Grabow

Quelle: idw 

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Lernen von Legionellen

Dr. Anne Hardy Public Relations und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Forscher haben bei Legionellen einen neuen Ubiquitinierungs-Mechanismus entdeckt, der die pathogenen Effekte von Bakterien erklärt. Ivan Dikic und sein Team an der Goethe-Universität vermuten, dass er auch an vielen anderen biologischen Prozessen beteiligt ist. Die Studie erscheint in der kommenden Ausgabe von "Cell".

FRANKFURT. Die Markierung mit dem kleinen Molekül Ubiquitin galt lange als „Todeskuss", durch den nicht mehr benötigte Proteine in der Zelle entsorgt werden. Doch inzwischen weiß man, dass Ubiquitin noch viele weitere Aufgaben in der zellulären Signalverarbeitung erfüllt. Ein Forscherteam unter Leitung von Prof. Ivan Dikic, Direktor des Instituts für Biochemie II an der Goethe-Universität Frankfurt, hat nun einen neuartigen Mechanismus zur Ubiquitinierung aufgeklärt, mit dem Legionellen die Steuerung ihrer Wirtszellen übernehmen können.

Nach der bisher gängigen Lehrmeinung erfordert die Anheftung von Ubiquitin an andere Proteine die konzertierte Aktion von drei Enzymen. Im April dieses Jahres beschrieben amerikanische Forscher erstmals eine Form der Ubiquitinierung, an der nur ein einziges Enzym aus Legionellen beteiligt ist. Das Team von Ivan Dikic hat nun gemeinsam mit der Gruppe von Ivan Matic (Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns, Köln) den zugrundeliegenden molekularen Mechanismus aufgeklärt.

Verblüffend ist die bisher unbekannte Art der chemischen Verknüpfung von Ubiquitin mit Proteinen, die das Enzym aus den Legionellen herstellt. Für die Fachwelt ist das eine bahnbrechende Entdeckung. Dr. Sagar Bhogaraju, Wissenschaftler im Labor von Dikic, kommentiert: „Spannend ist nun vor allem die Frage, ob diese neuartige Ubiquitinierung auch unabhängig von bakteriellen Infektionen in menschlichen Zellen vorkommt und ob es ähnliche, bislang unentdeckte Enzyme beim Menschen gibt, die womöglich weitreichenden Einfluss auf zelluläre Prozesse haben."

Bei der detaillierten Untersuchung des neuen Mechanismus wurden die Forscher erneut überrascht: Das Legionellen-Enzym katalysiert nicht nur die Ubiquitinierung zellulärer Proteine, es verändert außerdem alle weiteren vorhandenen Ubiquitin-Moleküle. Bei Infektionen mit Legionellen spielt diese modifizierte Form von Ubiquitin vermutlich eine wichtige Rolle, da sie das klassische Ubiquitin-System weitgehend hemmt.

Neben der „Abfallwirtschaft" funktionieren dann auch weitere wichtige Prozesse in der Zelle nicht mehr, was für das Bakterium von entscheidendem Vorteil sein kann. So konnte das Team von Ivan Dikic zeigen, dass das modifizierte Ubiquitin die Entsorgung von Mitochondrien (Mitophagie) ebenso lahmlegt wie die Weiterleitung von Entzündungssignalen und den Abbau von Proteinen. Auf diese Weise könnten Legionellen fundamental in zelluläre Prozesse ihres Wirts eingreifen.

„Wir gehen davon aus, dass Legionellen nicht die einzigen Bakterien sind, die sich diesen Mechanismus zunutze machen. Hier könnten sich neue Strategien für die Entwicklung antibakterieller Agenzien ergeben, die komplementär zu konventionellen Antibiotika wirken und die zellulären Schäden durch bakterielle Enzyme begrenzen", erklärt Dikic die medizinische Bedeutung der Entdeckung.

Ivan Dikic hat mit seiner Forschung am Institut für Biochemie II und am Buchmann Institut für Molekulare Lebenswissenschaften an der Goethe-Universität bereits in der Vergangenheit maßgeblich zu einem Paradigmenwechsel in der Ubiquitinforschung beigetragen. Er verfolgte schon früh die Hypothese, dass Ubiquitin-Signale von spezialisierten Bereichen in anderen Proteinen erkannt und übersetzt werden. Er konnte Ubiquitin-bindende Bereiche in über 200 Proteinen identifizieren und deren Rolle in normalen physiologischen Prozessen und bei der Entstehung von Erkrankungen wie Krebs, ALS und Parkinson belegen.

Publikation:
Bhogaraju S, Kalayil S, Liu Y, Bonn F, Colby T, Matic I, Dikic I. Phosphoribosylation of ubiquitin promotes serine ubiquitination and impairs conventional ubiquitination. Cell. 2016 Dec;167(6). DOI 10.1016/j.cell.2016.11.019

Bilder zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/64206818

Informationen:
Dr. Kerstin Koch, Institut für Biochemie II, Universitätsklinikum, Tel.: (069) 6301 84250, koch@biochem2.de

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist sie Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main.

Aktuelle Nachrichten aus Wissenschaft, Lehre und Gesellschaft in GOETHE-UNI online (www.aktuelles.uni-frankfurt.de)

Das Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns untersucht den natürlichen Alterungsprozess mit dem langfristigen Ziel, ein gesünderes menschliches Altern zu ermöglichen. Es ist ein Institut der Max-Planck-Gesellschaft, eine der führenden Grundlagenforschungs-Organisationen in Deutschland. Seit seiner Gründung im Jahr 2008 ist das Institut zentraler Bestandteil eines Life-Science-Clusters in Köln, welches sich auf die Erforschung des Alterns konzentriert.

Herausgeberin:
Die Präsidentin

Redaktion:
Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: (069) 798-12498, Fax: (069) 798-763 12531, hardy@pvw.uni-frankfurt.de

Internet:
www.uni-frankfurt.de

Quelle: idw 

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Haustiere: Garant für subjektives Wohlbefinden?

Dr. Anne Klostermann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs)

Rund 30 Millionen Haustiere waren im Jahr 2015 in Deutschland gemeldet ‒ sieben Millionen mehr als noch fünf Jahre zuvor. Jeder zweite Deutsche wohnt in einem Haushalt mit mindestens einem Haustier. Katzen und Hunde führen dabei die Statistik der beliebtesten Tiere an, wie die Umfragen des Allensbach-Instituts zeigen. Welchen Einfluss Haustiere auf unser alltägliches Wohlbefinden ausüben, haben Psychologinnen in einer aktuellen Studie untersucht. Die Ergebnisse wurden nun im „Journal of Positive Psychology" veröffentlicht.

Befragung von 631 Haustierbesitzerinnen und -besitzern
„Die Frage, ob Haustiere uns guttun, uns glücklicher und zufriedener machen, ist nicht so einfach zu beantworten", sagt Anna Kalitzki. „Wichtig ist dabei wohl die Frage, unter welchen Bedingungen bestimmte Tiere gut für unser Wohlbefinden sind." Diese Bedingungen hat Kalitzki gemeinsam mit Maike Luhmann, Professorin für Psychologische Methodenlehre an der Ruhr-Universität Bochum, nun untersucht. In einer Online-Studie befragten sie insgesamt 631 Personen, die Hunde, Katzen oder Pferde halten. Der Fragebogen bestand einerseits aus Fragen zur Messung zweier Aspekte des subjektiven Wohlbefindens: positive Stimmung und Lebenszufriedenheit. Andererseits wurden Fragen zum Haustier und zu den erlebten Vorteilen („Nutzenfaktoren") und Nachteilen („Kostenfaktoren") des Haustierhaltens gestellt, etwa, ob die Befragten aufgrund ihres Haustiers verstärkt sportlichen Aktivitäten nachgehen oder wie belastend die Kosten des Haustierhaltens für sie sind.

Die Analysen zeigen unter anderem Folgendes: Das Wohlbefinden von Haustierhalterinnen und -haltern steigt besonders dann, wenn sie die Tierhaltung als eine wichtige Aufgabe in ihrem Leben - eine sogenannte "soziale Rolle" - begreifen, und wenn die Tierhaltung ihr Bedürfnis nach Autonomie befriedigt. Problematisch wirkte es sich hingegen aus, wenn die Tierhaltung als zu große finanzielle Belastung empfunden wurde. Ein interessantes Ergebnis zeigte sich im Zusammenhang mit der persönlichen Bindung an das Tier: diese hatte nämlich im Zusammenspiel mit allen anderen gemessenen Variablen einen negativen Effekt auf das subjektive Wohlbefinden. Die Autorinnen diskutieren auch eine mögliche Erklärung für diesen Befund: eine starke Bindung an das Tier kann sich negativ auswirken, wenn sie Bindungen an andere Menschen weniger stark macht oder gar ganz ersetzt. Wer also wegen seines Haustiers keine Zeit mehr für soziale Kontakte hat, ist tendenziell umso unzufriedener, je enger er sich an das Tier gebunden fühlt.

Unterschiede zwischen den Haustieren
Die Forscherinnen schauten sich auch an, ob das Halten eines Hundes im Durchschnitt zufriedener macht als das Halten einer Katze oder eines Pferdes. Solche Unterschiede zwischen den Haustieren gab es interessanterweise nicht. Allerdings lassen sich für jedes Haustier ganz spezifische Kosten- und Nutzenfaktoren ausmachen. Pferde zum Beispiel tragen mehr zur Sinnstiftung bei ihren Besitzerinnen bei als Hunde oder Katzen. Pferde fördern darüber hinaus stärker das Autonomieerleben ihrer Besitzerinnen und Besitzer, aber sie werden auch als Belastung erlebt, und zwar sowohl was finanzielle als auch zeitliche Spielräume angeht. Katzen hingegen sind die Haustiere, die ihren Besitzerinnen und Besitzern die geringste Unterstützung geben. Aber sie sind auch diejenigen, die sich am wenigsten belastend auf die Beziehung zwischen ihrer Besitzerin und deren Partner oder Partnerin auswirken.
„In mancher Hinsicht kann man Haustiere durchaus mit Kindern vergleichen" sagt Maike Luhmann. „Sie können eine Quelle purer Freude sein und einem das Gefühl geben, gebraucht und geliebt zu werden. Aber gleichzeitig kann der Umgang mit ihnen auch manchmal anstrengend sein und - je nach Lebensphase - eine finanzielle Belastung darstellen. Insgesamt scheinen sich die positiven und negativen Einflüsse auf das Wohlbefinden die Waage zu halten. Deshalb ist es für jeden Einzelnen wichtig, sich vor der Entscheidung für ein Haustier die verschiedenen Faktoren vor Augen zu führen und anhand der persönlichen Situation zu bewerten und zu gewichten."

Weitere Links:
Der Artikel kann hier abgerufen werden: http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/17439760.2016.1257054

Kontakt bei Rückfragen:
Prof. Dr. Maike Luhmann
Arbeitseinheit Psychologische Methodenlehre
Ruhr-Universität Bochum
E-Mail: maike.luhmann@ruhr-uni-bochum.de

Anna Kalitzki. M.Sc.
E-Mail: a.kalitzki@web.de

Pressestelle der DGPs:
Dr. Anne Klostermann
Pressereferentin
E-Mail: pressestelle@dgps.de
Tel.: 030 28047718

Über die DGPs:
Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs e.V.) ist eine Vereinigung der in Forschung und Lehre tätigen Psychologinnen und Psychologen. Die über 4000 Mitglieder erforschen das Erleben und Verhalten des Menschen. Sie publizieren, lehren und beziehen Stellung in der Welt der Universitäten, in der Forschung, der Politik und im Alltag.
Die Pressestelle der DGPs informiert die Öffentlichkeit über Beiträge der Psychologie zu gesellschaftlich relevanten Themen. Darüber hinaus stellt die DGPs Journalisten eine Datenbank von Experten für unterschiedliche Fachgebiete zur Verfügung, die Auskunft zu spezifischen Fragestellungen geben können.
Wollen Sie mehr über uns erfahren? Besuchen Sie die DGPs im Internet: www.dgps.de

Weitere Informationen:
http://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/17439760.2016.1257054

Quelle: idw 

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Remweed-Forschungsprojekt: Unkrautbekämpfung mittels Agrar-Drohnen

Petra Dabelstein Marketing und Presse
Hochschule für Technik Stuttgart

Landwirte benötigen für eine gezielte Unkrautbekämpfung präzise Informationen über die Verunkrautung im Feld. „Agrar-Drohnen können solche Daten schnell und in hoher Qualität liefern und damit dem Landwirt eine Entscheidungshilfe für ein optimales Unkrautmanagement an die Hand geben", erklärt Prof. Dr. Hahn. „Ziel unseres gemeinsamen Forschungsprojektes Remweed ist es, ein unabhängiges Online-Beratungssystem für Landwirte zu entwickeln, das auf der Basis von Fernerkundungsdaten praktikable Lösungsvorschläge zur effizienten und nachhaltigen Unkrautbekämpfung anbietet."

Mit Hochleistungskamera