Klärwerk.info - Wegweiser

Übersicht

Willkommen bei klaerwerk.info. Produkte suchen können Sie ganz einfach, indem Sie das gesuchte Produkt wie z.B. Pumpen  in das Feld „Produktsuche“ eingeben und dann die Enter-Taste drücken. Übersichtlich werden alle gelisteten Lieferanten angezeigt, die das Produkt führen, alle Artikel in www.Klärwerk.info, die sich mit dem Produkt beschäftigen sowie alle Fortbildungsveranstaltungen mit diesem Thema.

Ansonsten finden Sie alle Artikel geordnet in Sachgebiete. Klaerwerk.info bietet eine umfassende Fülle von Informationen und Links, die man täglich braucht. Damit Sie wissen, wo Sie was finden, nachfolgend eine Übersicht über die einzelnen Sachgebiete:

A. Aktuelles

Hier finden Sie alle aktuellen Meldungen chronologisch geordnet. Suchen Sie frühere Meldungen, so sehen Sie in den Sachgebieten nach oder geben rechts oben einen Suchbegriff in das Suchen-Feld ein.

1)      Tägliche Meldungen

B. Forum

1)      Fragen und Antworten

Das Forum steht allen Nutzern zur Verfügung. Hier können Sie alle Beiträge lesen, selbst Beiträge erstellen oder auf Beiträge antworten

C. Fachwissen

Hier schreiben Praktiker für Praktiker. Haben Sie auch etwas Interessantes zu berichten, so schreiben Sie uns an Kontakt@Klaerwerk.info .

1)     Abwasserreinigung
2)      Energie- und E-Technik
3)      Kanal- und Entwässerung
4)      Maschinentechnik
5)      Labor
6)      Schlammbehandlung
7)      Gaserzeugung und BHKW
8)      Aus Bund Ländern und EU
         a) Vom Bund
         b) Aus der EU und aller Welt
         c) Aus den einzelnen Bundesländern (geordnet nach Bundesländer)
9)      Recht und Gesetze
         a) Beiträge zum Umweltgesetzbuch
         b) Beiträge zur Wasserrahmenrichtlinie (WWRL)
         c) Beiträge zum Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)
10)    Neue Fachliteratur
         a) Neue Bücher
         b) CD/ DVD's
         c) Downloads
         d) Fachzeitschriften
         e) Lexika und Wörterbücher
11)  Tipps und Tricks

D. Berufliches

Der zweite Schwerpunkt von Klärwerk.info. Hier finden Sie alles für Arbeitnehmer und Vorgesetzte und was Sie persönlich angeht.

1)      Arbeitssicherheit
         a) Unfallverhütungsvorschriften- Regeln und Information
         b) Formulare und Erlaubnisscheine
         c) Gesetze und Verordnungen zur Arbeitssicherheit
         d) Umsetzung der Betriebssicherheitsverordnung
         e) Unterweisungshilfen
         f ) Hilfen zur Gefährdungsbeurteilung
         g) Ex-Schutz auf Kläranlagen
2)
      Tarif- und Arbeitsrecht
         a) Tarifrecht, Tarifvertrag, Gehaltsrechner und mehr
         b) Mitarbeitergespräche, Mitarbeiterbeurteilung
         c) Leistungsorientierte Bezahlung
         d) Tabelle TVöD (West)
         e) Arbeitszeugnisse
3)      Aus- und Weiterbildung
         a) Ansprechpartner
4)      Azubiseite
         a) Ausbildungshilfen für Ausbilder und "Azubis"
         b) Musterkläranlage
         c)  Prüfungsaufgaben
         d) Übungsaufgaben
         e) Informationen für Auszubildende
         f)  UT-Ausbildertreffen Fachkraft für Abwassertechnik
         g) Formeln, PSE und weitere Hilfen
5)      Meisterschüler
         a) Informationen für Meisterschüler
         b) Prüfungsaufgaben
6)        Offene Stellen

E. DWA-Infos

1)      Klärwerksnachbarschaften
         a) Kläranlagennachbarschaften in Bayern
         b) Kläranlagennachbarschaften in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
         c) Kläranlagennachbarschaften in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland
2)      DWA-Informationen
         a) DWA Arbeitsblätter
         b) KA-Betriebs-Infos
         c) Mitgliederrundbriefe aus den Landesverbänden
         d) Meldungen der DWA

F. Kläranlagen

1)      Links zu Kläranlagen und Abwasserverbänden
2)      Kläranlagen - Videos
3)      Meldungen von den Kläranlagen

G. Nützliches

1)      Wetter und Hochwasser
2)      Firmennachrichten
3)      Verbandsnachrichten        
4)      Nützliche Links
         a) Umweltschutzorganisationen
         b) Fachzeitschriften, Lexika und Wörterbücher
         c) Behörden
         d) Berufsverbände und Vereinigungen
         e) Fachinformationen
         f) Gesetze und Verordnungen
5)      Meldungen aus der Wissenschaft
6)      Meldungen aus aller Welt
7)      Allgemeine Meldungen und Berichte

H. Fortbildungsdatenbank

1)      Fortbildungen
2)      Fortbildungen in Österreich
3)      Fortbildungen in der Schweiz
4)      Messen und Tagungen

I. Produktsuche/ Lieferanten

J. Kontakt

1)      Impressum
2)      Über Uns
3)      Kontakt

19.08.2017 09:35

Klärwerk.info / Aktuelles / Tägliche Meldungen

Tägliche Meldungen

Überschwemmungen genau in den Blick nehmen

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August 2017
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
18.07.2017
Extrem sauerstoffarme Wirbel im Atlantik produzieren Treibhausgase 
17.08.2017
Überschwemmungen genau in den Blick nehmen 
07.08.2017
Bürger forschen in einem wissenschaftlichen Projekt der Universität Greifswald 
04.08.2017
Weltrekord bei der Auswertung von Satellitendaten: Städten beim Wachsen zusehen 
02.08.2017
Inseln und Küstenregionen am meisten gefährdet 
01.08.2017
Zukunftsfähige Wasserinfrastrukturen: Empfehlungen zur Transformation 
Gesundheit
16.08.2017
Bauchaortenaneurysmen: Das Ultraschall-Screening für Männer ab 65 kommt 
10.08.2017
Neue Studien belegen: Übergewicht und Adipositas noch gefährlicher als angenommen 
08.08.2017
Sonnencremes: Darauf kommt es bei der Darstellung der Wirksamkeit an 
03.08.2017
DKOU 2017: Orthopäden und Unfallchirurgen setzen sich für aktiven Lebensstil ein 
01.08.2017
Urlaubsplanung 2017: Impfung gegen Hepatitis-Viren bietet wirksamen Schutz für die Leber 
Gesellschaft
12.08.2017
Woher wissen wir wie alt die Erde ist? 
05.08.2017
Mitbestimmung wichtiger als Stabilitätsanker in Zeiten von Kapitalmarktdominanz und Digitalisierung 
01.08.2017
Schimpansen belohnen Gefälligkeiten 
Juli 2017
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
30.07.2017
Mit dem Laser gegen Unkraut 
29.07.2017
Neue Methanabbauer in Seen entdeckt 
27.07.2017
Neue Erkenntnisse zum Meeresspiegel-Anstieg 
26.07.2017
TU Berlin: Eine Fundgrube für Wertstoffe 
25.07.2017
Meereswärme zur Versorgung eines Kälte- und Wärmenetzes in Marseille 
23.07.2017
Ressourceneinsatz bei Umwälzpumpen optimieren 
22.07.2017
Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich 
21.07.2017
Abwasser effektiv reinigen 
20.07.2017
Wie innere Uhren miteinander kommunizieren 
19.07.2017
Leitfaden zur Energiewende für Kommunen und Stadtwerke 
18.07.2017
Neues Helmholtz-Institut für marine Biodiversität erforscht menschlichen Einfluss auf Meere 
16.07.2017
Den Faktor Mensch im biologischen Flickflack der Küstengewässer erkennen 
15.07.2017
Besseres Wassermanagement in trockenen Gebieten 
14.07.2017
Neue DNA-Datenbank der Wasserinsekten verbessert Umweltüberwachung
12.07.2017
Biofilme: Bakterien schützen sich durch Lotuseffekt 
09.07.2017
Energiewende: intelligent, vernetzt, nachhaltig 
07.07.2017
Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz? 
05.07.2017
Ostfalia forscht: „KlärLam - Kläranlagen als Lastmanager" 
02.07.2017
Biokohle in Brenngas umwandeln 
01.07.2017
Energie und Mobilität: Biogas wichtiges Standbein 
Gesundheit
31.07.2017
Wie schmecken wir Wasser? Signalweg entschlüsselt 
24.07.2017
Nanopartikel: Wo bleiben sie, und wie verändern sie sich? 
17.07.2017
Extrakorporale Stoßwellentherapie bei Fersenschmerz: besser als Placebo, Ultraschall, Iontophorese 
13.07.2017
Sonne, Outdoor-Working: Krebsgefahr? 
11.07.2017
Erythrit - Forscher finden Früherkennungszeichen für Fettleibigkeit 
08.07.2017
Deutsche Hochdruckliga e.V. (DHL): Bluthochdruck bei Frauen häufig unterschätzt 
06.07.2017
Keramiken und Kunststoffe können Metalle schon bei vielen Zahn-Therapien ersetzen 
03.07.2017
Gesunde Mitarbeiter - erfolgreiches Unternehmen 
01.07.2017
Phthalate erhöhen das Allergierisiko bei Kindern 
Gesellschaft
27.07.2017 Der Kampf um Boni vergiftet das Arbeitsklima 
10.07.2017
Je gerechter, desto grüner 
04.07.2017
WSI Tarifarchiv: Wer bekommt Urlaubsgeld und was sehen die Tarifverträge vor? 
01.07.2017
Einkommensteuer: Beseitigung des Mittelstandsbauchs entlastet vor allem Besserverdienende 
Juni 2017
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
29.06.2017
Wer schwimmt wo? 
27.06.2017
„40 Jahre - wir wünschen uns was!" Das Öko-Institut startet ins Jubiläumsjahr 
25.06.2017
Umwelt, Verkehr, Energie. Erste Wasserstofftankstelle aus erneuerbaren Energien in Frankreich 
22.06.2017
Eine Werbesäule zur Minderung der Luftverschmutzung in Paris 
20.06.2017
Von Batterien bis zu Vanillin: Elektrochemie verwandelt Holzabfälle 
18.06.2017
Frischluft im Sand: Was Bakterien in der Nordsee antreibt 
14.06.2017
575 Elbkilometer aktiv für die Meeresforschung: Mitschwimmerinnen und Mitschwimmer gesucht 
12.06.2017
IGB Policy Brief: Fünf drängende Gewässerthemen für die kommende Bundesregierung identifiziert 
09.06.2017
Elektroimpulse säubern Industriewässer und Lacke 
06.06.2017
Mit Urzeitalgen zu gesundem Wasser: Wirtschaftliches Verfahren zur Beseitigung von EDC im Abwasser 
04.06.2017
Die Kieler Förde - ein Trainingsbecken für Miesmuscheln 
01.06.2017
BfG registriert an Fischaufstiegsanlage Koblenz über 230.000 aufsteigende Fische 
Gesundheit
30.06.2017
Vitamin D: Für Diabetiker wichtiger als gedacht 
28.06.2017
Unstatistik des Monats: Eine Stunde joggen, sieben Stunden länger leben 
24.06.2017
Wiesn-Studie: Alkoholkonsum beeinflusst das Auftreten von Herzrhythmusstörungen 
21.06.2017
Raucherland Deutschland - weltweit unter den Top Ten 
17.06.2017
Durch die Luft übertragene Viren überleben im Wasser 
15.06.2017
Neue Studie: Zu niedriger Blutdruck ist schädlich, Untergrenzen könnten sinnvoll sein 
13.06.2017
Zinkversorgung beeinflusst Herzgesundheit 
11.06.2017
Mücken: Eine kommt, die andere geht 
08.06.2017
Testosteron ist nicht Schuld am männlichen Haarausfall 
05.06.2017
Verbreitung und Genauigkeit von Fitnessarmbändern - Ergebnisse aus Studie liegen vor 
02.06.2017
Zecken & Rohmilch: Forscher berichten von neuen Übertragungswegen für FSME 
Gesellschaft
26.06.2017
Eigene Kinder beflügeln Top-Führungskräfte in ihrer Arbeit 
23.06.2017
Neues Tool: Betrugssoftware in Autos automatisch entdecken 
19.06.2017
Wer mit Automaten unhöflich umgeht, den bedienen sie nicht 
16.06.2017
Erwerbstätige Frauen arbeiten täglich 1,6-mal so lang unbezahlt wie Männer 
10.06.2017
Sehen Fußballfans rivalisierender Mannschaften dasselbe Fußballspiel mit anderen Augen? 
07.06.2017
Wohlstandsmessung aus dem Weltall 
03.06.2017
Feierabend-Studie: Teilnehmer gesucht 
Mai 2017
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
31.05.2017
Wie ein Sensor-Kabel den Zug im Tunnel und den Einbrecher am Zaun erfasst 
30.05.2017
Tiefseekrake hat Quallen zum Fressen gern 
28.05.2017
FH Potsdam startet neues Forschungsprojekt für integrierte Stadtentwicklung 
25.05.2017
Drohneneinsatz in der Meeresforschung 
23.05.2017
240.000 Euro für Forschung zu Digitalisierung und Vernetzung in der Wasserwirtschaft 
21.05.2017
Strom aus erneuerbaren Energien mit Drucklufttechnologien speichern 
18.05.2017
Besser als die Natur: Künstlicher Biofilm steigert Stromproduktion mikrobieller Brennstoffzellen 
16.05.2017
Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe? 
13.05.2017
Schluss mit Ölwechsel auf Verdacht: Sensor warnt, wenn Öl im Blockheizkraftwerk schlecht wird 
11.05.2017
Durstige Landwirtschaft: Übermässige Grundwassernutzung bedroht Lebensmittelversorgung weltweit 
09.05.2017
Energie aus der Toilette 
08.05.2017
Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche 
04.05.2017
Ein Fisch macht Schule: Mit dem Stör werden Kinder und Jugendliche zu Gewässerexperten 
02.05.2017
Lachs mit Nebenwirkungen / Aquakulturen belasten die Flüsse 
01.05.2017
Neues Forschungsvorhaben analysiert Optionen für Biogas-Bestandsanlagen bis 2030 
Gesundheit
29.05.2017
Blutdruckwerte in Deutschland sinken - trotzdem keine Entwarnung 
26.05.2017
Rostocker Forscher wollen Glyphosat „entzaubern" 
22.05.2017
Fettleibigkeit: Mit Spritzen oder Skalpell der Adipositas auf den Leib rücken 
20.05.2017
Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster 
17.05.2017
Darmkrebsvorsorge mit verbessertem Test: Antikörper suchen verstecktes Blut im Stuhl 
14.05.2017
Mediziner warnen vor rasantem Anstieg bei Speiseröhrenkrebs als Folge von Sodbrennen 
10.05.2017
Neue Müslis für die Gesundheit 
07.05.2017
Besser lernen dank Zink? 
05.05.2017
Antibiotika wirken gegen Rückenschmerzen - Dänische Wissenschaftlerin erhält Deutschen Schmerzpreis 
01.05.2017
Lupinensamen: Gesundheitliche Beeinträchtigungen bei bitterem Geschmack möglich 
Gesellschaft
27.05.2017
Ameisen retten ihre Verletzten 
24.05.2017
Deutsche brauchen weniger Vorgesetzte als US-Firmen - Mitbestimmung wichtig für flache Hierarchie 
19.05.2017
Frauen, die mehr verdienen, bevorzugen finanzielle Unabhängigkeit durch getrennte Kassen 
15.05.2017
Faire Ungleichheit? 
06.05.2017
Prof. Roger Nitsch: „In der Generation unserer Kinder wird es kein Alzheimer mehr geben" 
03.05.2017
Univesität in Landau sucht Teilnehmer für Online-Befragung zum Thema Berufsalltag 
01.05.2017
Mädchen können besser lesen, Jungen besser rechnen? So einfach ist es nicht! 
April 2017
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
29.04.2017
Klimakiller Kuh: Methan-Ausstoß von Vieh könnte bis 2050 um über 70 Prozent steigen 
27.04.2017
Wetter-Extreme: Menschheit verändert wahrscheinlich gigantische Luftströme 
24.04.2017
Gefährdete Giganten: Große Süßwasser-Tierarten sind weltweit am stärksten vom Aussterben bedroht 
22.04.2017
Methan: Insektenlarven in Seen sind unvermutete „Klimasünder" 
19.04.2017
Es muss nicht immer Trinkwasser sein - Abwasser als Ressource nutzen 
16.04.2017
»ZeroTrace«: Nachhaltige Aktivkohleverfahren zur Entfernung von Mikroschadstoffen aus Abwasser 
13.04.2017
Umweltforscher entwickeln neue Biosensoren für Gewässerkontrolle 
10.04.2017
Warum ein Rückgang des Düngemitteleinsatzes in der Zukunft denkbar ist 
08.04.2017
Neubildung von Grundwasser exakter berechnen 
05.04.2017
UDE koordiniert EU-Netzwerk: Gewässer besser analysieren 
02.04.2017
Meeresforschung in Echtzeit verfolgen 
01.04.2017
Leipziger Forscher erklären wichtigen Prozess bei biologischer Methanbildung
Gesundheit
26.04.2017
Männer mit gestörtem Zuckerstoffwechsel sollten kohlenhydratreiches Essen am Abend meiden 
23.04.2017
Schwangerschaft begünstigt neue, hochpathogene Grippevirus-Varianten 
20.04.2017
Malaria-Therapien: bald schon viel einfacher, flexibler und effizienter? 
17.04.2017
Dem Geheimnis der Achilles-Ferse auf der Spur 
14.04.2017
Lebensmittel im Blickpunkt: Die vitaminreiche Mango 
12.04.2017
Versorgungsatlas: In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus 
09.04.2017
Hoher Fleisch- und Wurstwarenkonsum verschlechtert die Symptome von Asthma 
06.04.2017
Lebensstil kann Grauen Star beeinflussen: Diabetes, Rauchen und Übergewicht trüben die Augenlinse 
03.04.2017
Bin ich nicht zu alt dafür? Musiktherapie gegen Tinnitus für die Generation 65plus 
01.04.2017
1,5 Millionen Diabetespatienten müssen bald ohne bewährte Medikamente auskommen
Gesellschaft
30.04.2017
Wie bei Hempels unter dem Sofa 
28.04.2017
„Seit Anbeginn der Zeit" - DNA bestätigt einzigartige Bindung australischer Ureinwohner an ihr Land 
25.04.2017
Rück- statt Fortschritt: Automatisches Vertretungsrecht für Eheleute gefährdet Patientenautonomie 
21.04.2017
Frauen im Job - Psychologe untersucht Vorurteile 
18.04.2017
Risikoentscheidungen: Alter schützt vor Kühnheit nicht 
15.04.2017
„Seit Anbeginn der Zeit" - DNA bestätigt einzigartige Bindung australischer Ureinwohner an ihr Land 
11.04.2017
Und sie lächelt doch: Mona Lisas Mimik eindeutiger als gedacht 
07.04.2017
Neue App: Welches Elektroauto zu welchem Fahrer passt 
04.04.2017
Psychologen untersuchten Persönlichkeitsveränderungen junger Menschen 
01.04.2017
Bitte nichts verraten! Wenn es um die eigene Zukunft geht, wollen die meisten nichts wissen 
März 2017
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
30.03.2017
Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa 
26.03.2017
Ivan Tolpe Award 2017 für BioEcoSIM-Projekt für beste Neuentwicklung in der Gülleverarbeitung 
25.03.2017
Wie viel Klimaschutz steckt im EEG? 
23.03.2017
Rezeptur aus der Nanowelt für saubereres Trinkwasser 
22.03.2017
Weniger Sauerstoff in allen Meeren 
21.03.2017
Pizza, Burger und Co.: Eine fettreiche Mahlzeit kann den Stoffwechsel schädigen und den Weg 
18.03.2017
Manche Arten mögen's nass - Schutz von Mooren und Feuchtgebieten fördern 
17.03.2017 4,3 Millionen Euro für Verbundprojekt zur Biodiversität von Auwäldern in der „Flusslandschaft Elbe"
16.03.2017
Abgas als Rohstoff 
13.03.2017
Weniger Umweltbelastung durch Weinbau: Förderpreis mit 750.000 Euro für Landauer Forschungsprojekt 
11.03.2017
Wenn dem Meeresboden der Atem stockt: Zeitweiliger Sauerstoffmangel hat jahrzehntelang Auswirkungen 
10.03.2017
 Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen
08.03.2017
 Moderner Wasserbau ist komplex
06.03.2017
"Entengrütze": Kleine Pflanzen, große Chancen 
05.03.2017
Wärmewende für Berlin - Forschungsprojekt gestartet 
04.03.2017
Wasser- der heimliche Treiber des Kohlenstoffkreislaufs? 
01.03.2017
Vom Phosphorrezyklat zum intelligenten langzeitverfügbaren Düngemittel - Projektstart 
Gesundheit
28.03.2017
Klug entscheiden in der Pneumologie: Lungenärzte empfehlen Lungenfunktionstests für Raucher 
27.03.2017
Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet 
19.03.2017
Darmspiegelung schon ab 50 - vor allem für Männer 
14.03.2017
Giftalarm in der Küche 
09.03.2017
 Magensäureblocker: Ohne eindeutige Diagnose nicht langfristig einnehmen
07.03.2017
LED-Lampen könnten für die Augen toxisch sein 
02.03.2017
Solarien bergen Gesundheitsgefahren 
Gesellschaft
31.03.2017
demowanda.de: Fakten zum demografischen Wandel in der Arbeitswelt 
29.03.2017
Bewerbungen: Diese Strategien wenden Jobsuchende an
24.03.2017
Elektrischer Antrieb zum Mitnehmen 
20.03.2017
Frauen liegen bei Renten zurück - Angleichung künftig vor allem durch sinkende Renten bei Männern 
15.03.2017
Erste Hilfe für Internetsüchtige - Neues Portal hilft bei Internetsucht weiter 
12.03.2017
Volksverschlüsselung muss kommen 
03.03.2017
www.tarifrunde-2017.de: Aktuelles zu Kündigungsterminen, Forderungen, Verhandlungen und Ergebnissen 
Februar 2017
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
28.02.2017
BMWi fördert innovative Verwertungsansätze: Biogene Rest- und Abfallstoffe für mehr Strom und Wärme 
27.02.2017
Geothermie: Den Sommer im Winter ernten 
26.02.2017
Löschwasser mobil und kosteneffizient reinigen 
24.02.2017
Grüne Dächer binden Feinstaub, produzieren Frischluft und sind schön anzusehen 
23.02.2017
UDE: MULTI-ReUse - Neues Forschungsprojekt zur Abwassernutzung 
22.02.2017
Änderungen des Meeresspiegels unterschätzt 
20.02.2017
Mehr Strom aus Abwärme von dezentralen Blockheizkraftwerken 
19.02.2017
Wälzlager: kleines Bauteil, riesiges Sparpotenzial 
15.02.2017
Weltraum-Bärtierchen: Zäh über Generationen 
14.02.2017
Manganknollen als Brutstätte für Tiefseekraken 
13.02.2017
Abwehrmechanismus von Algen kopiert: Cerdioxid schützt zuverlässig vor marinem Fouling 
12.02.2017
Biokunststoffe aus der Kläranlage 
11.02.2017
Große Windparks bremsen den Wind und senken die Energieeffizienz 
10.02.2017
Nachhaltige Biomasse aus dem All erkennen 
09.02.2017
Ozeanworkshop für Jugendliche: Jetzt bewerben! 
08.02.2017
Frühwarnsignale für Seen halten nicht, was sie versprechen 
07.02.2017
Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten "Todeszone" im Indischen Ozean auf der Kippe 
06.02.2017
Im Winter trägt der Hirsch Schal und Wildschweine erhalten eine Haarverlängerung 
05.02.2017
Forscher entwickeln Unterwasser-Observatorium 
04.02.2017
Auf Video: Bärtierchen-Sex 
01.02.2017
Wo bleibt das Treibhausgas Kohlendioxid? 
Gesundheit
21.02.2017
Auch wenig Sport beugt Krankheiten vor 
02.02.2017
Hilfe vor und nach der letzten Zigarette 
Gesellschaft
17.02.2017
Wo die Nesthocker wohnen 
03.02.2017
Über 100.000 Klicks: Forscher der TU Kaiserslautern erklären Computerchips auf YouTube 
Januar 2017
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
31.01.2017
Buch über die Pflanzenwelt der Bibel und des Koran 
29.01.2017
Bäume pflanzen beim Radeln 
27.01.2017
Der Rückgang von Emissionen hat auch negative Begleiterscheinungen 
26.01.2017
Förderprogramm „Energetische Biomassenutzung" sucht: intelligent, flexibel und effizient 
24.01.2017
Grüne Trafos fürs grüne Ländle 
23.01.2017
Mit Zucker gegen Rost: Bis zu 80 Prozent weniger Biokorrosion 
22.01.2017
Schnelltests für Antibiotika in Gewässern und Impfstoffe auf Basis von Antigenen 
20.01.2017
TU Berlin: Kunststoff aus Strom und Selters 
19.01.2017
Maßgeschneiderte Membranen für die Umwelt 
18.01.2017
Hausmüll mit weniger Energie aufbereiten 
16.01.2017
Kommunen können mit "Monitor Nachhaltige Kommune" den Grad ihrer Nachhaltigkeit messen 
15.01.2017
Lernen von Legionellen 
13.01.2017
Remweed-Forschungsprojekt: Unkrautbekämpfung mittels Agrar-Drohnen 
12.01.2017
Upgrade für Biogas
11.01.2017
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Extrem sauerstoffarme Wirbel im Atlantik produzieren Treibhausgase

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Im Jahr 2014 hat ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft" und des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel erstmals nahezu sauerstofffreie Wirbel im Atlantik detailliert untersuchen können. Bei der Auswertung der Daten konnten die Beteiligten Prozesse nachweisen, die aus dem Atlantik bisher nicht bekannt waren. Dazu gehört auch die natürliche Produktion erheblicher Mengen von Treibhausgasen, wie ein Autorenteam jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

Sauerstoff ist im Meer nicht nur lebenswichtig für die meisten Organismen. Sein Vorhandensein oder seine Abwesenheit beeinflusst ebenso die Chemie des Ozeans und die der Atmosphäre darüber. Beispielsweise entweichen in Regionen mit sehr wenig Sauerstoff aus dem Meer aufgrund biochemischer Prozesse große Mengen des potenten Treibhausgases Distickstoffmonoxid, auch Lachgas genannt.

Der tropische und subtropische Atlantik war dafür bisher nicht bekannt. Es gibt an seinem Ostrand zwar eine natürliche Sauerstoffminimumzone, sie ist jedoch bei weitem nicht so ausgeprägt wie ähnliche Zonen im Indik oder Pazifik. Dieses Bild muss jetzt allerdings korrigiert werden, wie ein internationales Forschungsteam unter Leitung des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft" und des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel gestern in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichte.

„Der Grund, warum die extrem sauerstoffarmen Regionen im Atlantik der Forschung bisher entgangen waren, ist einfach: Sie sind im Gegensatz zu den großen, stationären Sauerstoffminimumzonen nur sehr kleinräumig und zusätzlich räumlich sehr variabel", erklärt Dr. Damian Grundle vom Bermuda Institute of Ocean Sciences, Erstautor der aktuellen Studie und bis vor Kurzem noch Wissenschaftler am GEOMAR. Extreme Sauerstoffarmut entsteht im Atlantik in großen Ozeanwirbeln von bis zu 100 Kilometern Durchmesser, die von der Westafrikanischen Küste westwärts durch den Ozean wandern. Solche Wirbel sind mit konventionellen Beobachtungsmethoden nur schwer zu erkennen, geschweige denn detailliert zu untersuchen.

Doch im Jahr 2010 streifte ein Wirbel das Cape Verde Ocean Observatory, eine vor der kapverdischen Insel São Vicente fest im Meer verankerte Beobachtungsstation. „Damit hatten wir einen ersten Hinweis auf die Existenz dieser speziellen Wirbel, aber noch keine genauen Informationen aus ihrem Inneren", berichtet der Meereschemiker Dr. Björn Fiedler vom GEOMAR, der das Projekt geleitet hat.

Mit finanzieller Unterstützung des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft" legten sich die Meeresforscherinnen und Meeresforscher auf die Lauer. 2014 war es so weit: Mit Hilfe eines Satelliten entdeckten sie einen potentiellen Ozeanwirbel, der sich vor der Küste Mauretaniens bildete und Richtung Kapverden wanderte. Von dort schickte das Team ihm autonome Messdrohnen, sogenannte Gleiter, entgegen. Als sich der Wirbel den Inseln näherte, konnten sie mit dem kapverdischen Forschungsschiff ISLANDIA erstmalig auch Wasserproben direkt aus seinem Zentrum nehmen.

„Auch der Zufall half uns, denn zu dieser Zeit befand sich das deutsche Forschungsschiff METEOR für eine lange geplante Expedition des Kieler Sonderforschungsbereichs 754 vor den Kapverden. So konnten wir die Kollegen rasch überzeugen, auch den Wirbel zu beproben", sagt Dr. Fiedler und ergänzt: „Ohne die gute Infrastruktur auf den Kapverden und die langjährige Zusammenarbeit mit den dortigen Kolleginnen und Kollegen wäre diese Messkampagne nicht möglich gewesen."

Die gewonnenen Daten und Wasserproben wurden anschließend physikalisch, biogeochemisch und biologisch ausgewertet. „In einer ganzen Reihe von Publikationen konnten wir spannende neue Erkenntnisse über dieses bisher unbekannte Phänomen im Atlantik gewinnen" so Dr. Fiedler.

Die jetzt in den Scientific Reports erschienene Studie schließt die Forschungen zu dem 2014er Wirbel in gewisser Weise ab. „Im Kern des Wirbels gab es in nur 100 Meter Wassertiefe die höchsten Lachgaswerte, die jemals im offenen Atlantik gemessen worden waren. Dies ist auf Prozesse zurückzuführen, die dem Ozean den Pflanzennährstoff Stickstoff entziehen können und dabei unter anderem Lachgas in großen Mengen produzieren", fasst Dr. Grundle die Erkenntnisse zusammen. „Wir müssen unser Verständnis der Stoffkreisläufe im Atlantik jetzt diesbezüglich anpassen".

Originalarbeiten:
Grundle, D.S., C.R. Löscher, G. Krahmann, M.A. Altabet, H.W. Bange, J. Karstensen, A. Körtzinger, B. Fiedler (2017): Low oxygen eddies in the eastern tropical North Atlantic: 2 Implications for N2O cycling. Scientific Reports, www.nature.com/articles/s41598-017-04745-y

„Special Issue" der Fachzeitschrift Biogeosciences mit den bisher zu diesem Thema erschienen Studien: http://www.biogeosciences.net/special_issue213.html

Weitere Informationen:
http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.ozean-der-zukunft.de Der Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft"
http://www.cvoo.de Das Cape Verde Ocean Observatory
http://www.sfb754.de Der Sonderforschungsbereich 754
http://sopran.pangaea.de/ Das Projekt SOPRAN

Quelle: idw 

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Überschwemmungen genau in den Blick nehmen

Dipl.-Ing. Mario Steinebach Pressestelle
Technische Universität Chemnitz

Mobiles und flexibles Messsystem soll dauerhaft ein zuverlässiges Gewässer-Monitoring in Katastrophenfällen ermöglichen - und das völlig autark

Starke Regenfälle und Überschwemmungen nehmen im Zuge des Klimawandels immer mehr zu. In Katastrophenfällen wird die vorhandene Messtechnik zur Gewässerüberwachung oft stark beansprucht oder fällt ganz aus. Gerade dann ist jedoch eine kontinuierliche Überwachung von Pegelständen besonders wichtig, um ein angemessenes Risikomanagement betreiben zu können. Vor diesem Hintergrund entwickelt die Professur Mess- und Sensortechnik der Technischen Universität Chemnitz im neuen Verbundprojekt „HydroMon" gemeinsam mit der SEBA Hydrometrie GmbH & Co. KG und der JuB - Creative Product GmbH ein mobil einsetzbares autonomes Messsystem, welches schnell einsatzbereit und ausfallsicher sein soll.

Ziel der Entwicklung ist eine verlässliche Überwachung von Pegelstand und Wellenausbreitung im Verlauf einer Überschwemmung. Dies ermöglicht Gefahrenabschätzungen und Risikobewertungen, um Gegenmaßnahmen einleiten und koordinieren zu können. Das künftige System selbst soll über eine energiesparende Messtechnik sowie hocheffiziente Elektronik zur Datenverarbeitung und Funkübertragung verfügen. Dabei soll durch eine hybride Energieversorgung auf Basis von Energy Harvesting eine besonders schnelle Einsatzbereitschaft erreicht werden. Hierzu wird ein neuartiger Pendelwandler entwickelt, welcher die Bewegungen des Wassers in elektrisch nutzbare Leistung umwandelt. Zusätzlich soll der Temperaturunterschied zur Umgebung genutzt werden, um die Zuverlässigkeit und Ausfallsicherheit der Sensorik weiter zu steigern. Das System kann somit wartungsfrei auch nach längeren Pausenzeiten eingesetzt und genutzt werden, so die Vorstellung der Forscherinnen und Forscher. Gleichzeitig soll eine modulare Funkübertragung unter Verwendung verschiedener Mobilfunkfrequenzen einen universellen Einsatz in möglichst vielen Ländern der Erde ermöglichen, unabhängig von deren Mobilfunkausbaustufe.

Potentielle Absatzmärkte beschränken sich deshalb nicht nur auf die Bundesrepublik Deutschland, sondern zielen vor allem auch auf das Ausland ab. Speziell in ariden Klimazonen, wo während der Regenzeit typischerweise mit Überschwemmungen zu rechnen ist, stehen oft nicht ausreichend finanzielle Mittel für dauerhafte stationäre Lösungen bereit. Hier sind flexible und vor allem kostengünstige Systeme gefragt, welche situationsbedingt eingesetzt werden können. HydroMon leistet somit einen wertvollen Beitrag zum Katastrophenschutz unter den klimatischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts und schärft das Profil der Professur Mess- und Sensortechnik der TU Chemnitz im Bereich Umweltmesstechnik.

Das Verbundprojekt „Hydrologisches Messsystem für dauerhaftes und zuverlässiges Gewässer-Monitoring (HydroMon)" wird im Rahmen der Fördermaßnahme „KMU-innovativ" im Programm „Forschung für Nachhaltige Entwicklung" vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Weitere Informationen erteilt Dr. Christian Viehweger, Telefon 0371 531-39686, E-Mail christian.viehweger@etit.tu-chemnitz.de

Quelle: idw 

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Bauchaortenaneurysmen: Das Ultraschall-Screening für Männer ab 65 kommt

Friederike Gehlenborg Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

Berlin - Gute Neuigkeiten aus der Gesundheitspolitik: Gesetzlich krankenversicherte Männer ab 65 Jahren haben künftig Anspruch auf ein einmal durchgeführtes Ultraschallscreening zur Früherkennung von Bauchaortenaneurysmen. Die entsprechende Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) ist nun zusammen mit einer Versicherteninformation in Kraft getreten. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) sieht das als wichtigen Schritt an - empfiehlt jedoch, auch Patienten mit einem besonderen Risikoprofil wie etwa Diabetes oder Rauchen sowie Frauen einzubeziehen.

Die Ruptur eines Bauchaortenaneurysmas zählt zu den zehn häufigsten Todesursachen. „Das Tückische an der Erkrankung liegt darin, dass die Aussackung des größten Gefäßes im Bauchraum - dem sogenannten Aneurysma - meist keine Beschwerden verursacht", sagt Professor Dr. med. Thomas Fischer, stellvertretender Leiter der Sektion Radiologie bei der DEGUM und Leiter des Interdisziplinären Ultraschall-Zentrums am Institut für Radiologie am Campus Charité Berlin-Mitte. „Die Betroffenen ahnen nichts von der Gefahr, in der sie sich befinden." Reiße die Bauchaorta jedoch, könne der Patient innerhalb kurzer Zeit innerlich verbluten.

„Mittels Ultraschall ist ein Bauchaortenaneurysma von einem erfahrenen Untersucher jedoch leicht bei einer Früherkennungsuntersuchung zu diagnostizieren", sagt Professor Fischer. Dabei misst der Arzt mit einem Ultraschallgerät den Durchmesser des Blutgefäßes: „Bei einem Durchmesser ab 5,5 Zentimetern ist das Risiko für ein Reißen des Gefäßes recht hoch, sodass wir den Patienten dann zu einem operativen Eingriff raten", berichtet der DEGUM-Experte. Bei kleineren Aneurysmen sei es empfehlenswert, regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchzuführen. So könne überprüft werden, ob sich diese weiter ausdehnen. Wenn das der Fall sei, würde gegebenenfalls ein minimalinvasiver oder offener operativer Eingriff durchgeführt - und so möglicherweise das Leben eines Betroffenen gerettet. Für das Screening sollten Untersucher eine nachweisbare Qualifikation haben, beispielsweise ein DEGUM-Zertifikat der Stufe 1, empfiehlt der Experte. Denn es gehe nicht nur darum, den Durchmesser der Bauchaorta zu bestimmen, sondern auch einen Einriss oder ein Aneurysma des Gefäßes frühzeitig zu erkennen.

Auch wenn Männer häufiger von einem Bauchaortenaneurysma betroffen seien als Frauen, sollten nach Ansicht der Ultraschall-Experten auch sie von der Vorsorgeuntersuchung profitieren können. „Darüber hinaus wäre es ratsam, auch Patienten mit einem besonderen Risikoprofil - beispielsweise Personen mit einer Fettstoffwechselerkrankung, Diabetes, Bluthochdruck und starke Raucher ab dem 55. Lebensjahr - in das Vorsorgescreening einzuschließen", sagt Professor Fischer.

Bis das Screeningangebot zur Früherkennung eines Bauchaortenaneurysmas auf Krankenschein von Männern ab 65 Jahren wahrgenommen werden kann, dauert es jetzt noch bis zu sechs Monaten: Der zuständige Bewertungsausschuss muss zunächst noch die Frage der ärztlichen Vergütung regeln und hat dafür bis zu einem halben Jahr Zeit.

Weiterführende Informationen:
Richtlinie „Ultraschallscreening auf Bauchaortenaneurysmen"
https://www.g-ba.de/downloads/62-492-1411/US-BAA-RL_2016-10-20_2017-03-16_iK-201...
Versicherteninformation
https://www.g-ba.de/downloads/17-98-4330/2017_03_16_G-BA_Merkblatt_Versicherteni...

Über die DEGUM
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint rund 10 000 Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten, Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin. Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis III. DEGUM zertifizierte Ärzte finden Patienten im Internet unter: http://www.degum.de

Quelle: idw 

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Woher wissen wir wie alt die Erde ist?

Dr. Anne Hardy Public Relations und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Die Schöpfungsmythen waren die erste Quelle, nach der Theologen das Alter der Erde bestimmten. Erst im 17. Jahrhundert begannen Naturforscher, auf und in der Erde nach Spuren ihres Alters zu suchen. In der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt" zum Thema "Zeit" lässt der Geologe Sascha Staubach die Geschichte von der Bestimmung des Erdalters Revue passieren.

FRANKFURT. Die Heiligen Bücher dienten im Barock als die erste Datenbasis zur Berechnung des Erdalters. So legten der Erzbischof von Armagh, James Ussher, und John Lightfoot die Alter der biblischen Patriarchen und die Regierungszeiten der Könige zugrunde, um die Zeit von der Erschaffung der Welt bis heute zu bestimmen. Der 1650 erschienene Ussher-Lightfoot-Kalender legt den Beginn der Welt auf das Jahr 4004 v. Chr.

Den ersten naturwissenschaftlichen Versuch, das Alter der Erde zu bestimmen, unternahm im 17. Jahrhundert der britische Astronom und Geologe Edmond Halley. Er untersuchte den Salzgehalt der Flüsse und Weltmeere und kam zu dem Schluss, dass die Erde deutlich älter sein müsse, als von Ussher behauptet. Knapp 200 Jahre später, in den 1890er Jahren, berechnete der irische Geologe John Joly das Alter der Erde aufgrund von Halleys Überlegungen und kam auf 80 bis 90 Millionen Jahre.

Aus Gesteinen lesen - die Entwicklung der Stratigraphie
Im 19. Jahrhundert führte Charles Lyell die Methode der Stratigraphie ein. Diese beruht auf der Erkenntnis, dass in einem Stapel von Gesteinsschichten das älteste Material zuunterst liegt und dass Fossilien aus derselben Schicht auch dasselbe Alter haben müssen. Hieraus entwickelte sich die Datierungsmethode mithilfe sogenannter Leitfossilien. Ein typisches Beispiel dafür sind Ammoniten. Sie kamen fast überall auf der Erde vor und veränderten ihr Äußeres im Laufe der Evolution relativ schnell, so dass sich in kurzer Zeit möglichst viele gut unterscheidbare Arten entwickelten. Findet man nun in unterschiedlichen Regionen der Welt Fossilien derselben Art, so sind die Schichten, aus denen sie stammen, vermutlich gleich alt. Auf diese Weise lässt sich allerdings nur das relative Alter der einzelnen Schichten zueinander bestimmen.

Einen großen Schritt in die Richtung absoluter Zeitangaben machten der Physiker Ernest Rutherford und der Chemiker Frederic Soddy. Sie erkannten als Erste, dass man die Zerfälle natürlich vorkommender radioaktiver Elemente zur Altersbestimmung nutzen kann. Einen großen Schritt zur Anwendung dieses Prinzips machten der englische Geologe Arthur Holmes und der amerikanische Physiker Alfred O.C. Nier, als sie im Mineral Zirkon einen Schlüssel zur absoluten Altersbestimmung von Gesteinen fanden.

Während ihres Wachstums lagert diese Verbindung aus Zirkonium, Silizium und Sauerstoff auch geringe Mengen an Uran ein. Dieses sitzt fest im Kristallgitter und zerfällt mit der ihm eigenen Halbwertszeit und über verschiedene Zwischenstufen zu Blei. Die moderne Massenspektrometrie erlaubt es, auch geringste Konzentrationen von Elementen zu messen, so dass man das exakte Verhältnis von Uran zu Blei ermitteln kann. Mithilfe der Halbwertszeit lässt sich der Zeitpunkt berechnen, zu dem das Uran in den Kristall eingebaut wurde.

Wie alt ist die Erde nun?
Das aktuell anerkannte Alter unseres Planeten beträgt 4,55 ± 0,05 Milliarden Jahre. Dieses Alter wurde allerdings an Meteoriten gemessen. Deren Material bildete sich etwa zeitgleich mit der Erde aus der Staubscheibe des noch jungen Sonnensystems, kühlte jedoch schneller ab. Auf der deutlich größeren Erde dauerte es einige Zeit, bis sich auf der glutflüssigen Oberfläche erste Teile einer festen Gesteinskruste bildeten, deren Reste man heute in Form von Zirkonen finden kann. Sie sind die einzigen bis heute erhaltenen Relikte dieser ältesten Kruste. Man findet diese Zirkone, eingebettet in jüngeres Gestein, in den Jack Hills im Westen Australiens. Sie weisen ein Alter von 4,4 Milliarden Jahren auf. Das älteste komplett erhaltene Gestein, auf das man seinen Fuß setzen kann, ist der sogenannte Acasta Gneis im Norden Kanadas mit einem Alter von 4,03 Milliarden Jahren.

Information: Dipl. Geologe Sascha Staubach, Institut für Geowissenschaften, Fachbereich 11, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-40207, staubach@em.uni-frankfurt.de

Die aktuelle Ausgabe von „Forschung Frankfurt" (1/2017) können Journalisten kostenlos bestellen: ott@pvw.uni-frankfurt.de. Im Internet steht sie unter: www.forschung-frankfurt.de.

Aktuelle Nachrichten aus Wissenschaft, Lehre und Gesellschaft in GOETHE-UNI online (www.aktuelles.uni-frankfurt.de)

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist sie Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main. Internet: www.uni-frankfurt.de

Herausgeberin: Die Präsidentin der Goethe-Universität Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: (069) 798-13035, Fax: (069) 798-763 12531, kaltenborn@pvw.uni-frankfurt.de

Quelle: idw 

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Neue Studien belegen: Übergewicht und Adipositas noch gefährlicher als angenommen

Kerstin Ullrich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten

Ein hoher Body-Mass-Index (BMI) ist noch gefährlicher als bisher angenommen: Das Risiko, an Herzkreislauf-Leiden zu erkranken, steigt mit zunehmendem Gewicht. Bei übergewichtigen Menschen ist es im Vergleich zu Menschen mit einem normalen BMI doppelt so hoch, bei schwer übergewichtigen Menschen sogar mehr als zehnfach höher als bei Normalgewichtigen. Zu diesem Ergebnis kommt eine groß angelegte Studie aus Europa und den USA, die jetzt aktuell im Fachmagazin Lancet Public Health veröffentlicht worden ist.

„Die Untersuchung zeigt, wie wichtig weltweit die Bekämpfung von Übergewicht ist und unterstreicht umso mehr die Forderungen nach einer wirkungsvollen bevölkerungsweiten Prävention", betont Dr. Dietrich Garlichs, Sprecher der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK). „Unser Gesundheitswesen allein konnte der Herausforderung Adipositas bisher nicht erfolgreich begegnen", ergänzt Professor Dr. med. Manfred James Müller, Vorstandssprecher des Kompetenznetzes Adipositas und Vertreter der Deutschen Adipositas-Gesellschaft.

In der Studie des Departments of Epidemiology and Public Health am University College London haben Wissenschaftler über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren die Daten von 120 813 Männern und Frauen ausgewertet. Im Verlauf der Untersuchung wurde deutlich, dass schon bei einer Adipositas Grad eins das Risiko für das Auftreten eines Typ-2-Diabetes, einer koronaren Herzerkrankung sowie eines Schlaganfalls deutlich steigt. Bei übergewichtigen Personen war es doppelt so hoch, bei Patienten mit einer Adipositas Grad eins bereits fünfmal höher und bei Auftreten einer schweren Adipositas des zweiten und dritten Grades sogar um das 15-fache gestiegen. Von „Übergewicht" sprechen die Ärzte bei einem BMI zwischen 25 und unter 30 kg/m2. Ist der Wert über 30 sprechen sie von einer „Adipositas". Diese wird noch einmal in verschiedene Schweregrade eingeteilt: Bei einem BMI zwischen 30 und 35 liegt eine Adipositas Grad eins vor, zwischen BMI 35 und 40 handelt es sich um eine schwere Adipositas zweiten Grades. Ist der BMI über 40, liegt eine besonders schwere Adipositas dritten Grades vor.

„Die Ergebnisse der Studie betonen die medizinische Notwendigkeit, Patienten mit Übergewicht und Gefäßerkrankungen frühzeitig auf Diabetes zu untersuchen und die Aufmerksamkeit ebenso auf die Prävention von Gefäßerkrankungen bei übergewichtigen Personen mit Diabetes zu lenken", sagt Müller.

Weltweit hat sich seit 1980 die Rate der Adipositas in mehr als 70 Ländern verdoppelt. So waren laut einer Studie, die aktuell im New England Journal of Medicine vorgestellt wurde, im Jahr 2015 insgesamt 107,7 Millionen Kinder und 603,7 Millionen Erwachsene adipös. Global sind etwa vier Millionen Todesfälle auf die Ursache Übergewicht zurückzuführen - rund 70 Prozent der Todesfälle, die mit einem hohen Body-Mass-Index zusammenhingen, gingen auf das Konto von Herzkreislauf-Erkrankungen. „Diese dramatische Entwicklung zeigt die Dringlichkeit, mit Hilfe einer bevölkerungsweiten, präventiven Gesundheitsförderung und Regulierung, Lebensstile positiv zu beeinflussen und die Zunahme dieser Erkrankungen zu stoppen", so Müller.

Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) empfiehlt vor diesem Hintergrund in Anlehnung an Empfehlungen der Vereinten Nationen und der WHO vier wesentliche Maßnahmen für eine wirkungsvolle Prävention von Übergewicht und Adipositas in Deutschland:

• Steuersenkung für gesunde Lebensmittel mit geringer Energiedichte und geringem Gehalt an Zucker, Fetten oder Salz;

• Steuererhöhung für energiedichte Lebensmittel mit hohem, über den Empfehlungen liegendem Gehalt an Zucker, Fetten oder Salz;

• ein Verbot für die Werbung ungesunder Lebensmittel und Getränke an Kinder (zumindest insoweit als diese die Nährwertprofile der WHO nicht erfüllen);

• eine verpflichtende Kennzeichnung aller Lebensmittel durch ein für alle Bevölkerungsgruppen leicht verständliches, den Gehalt an Zucker, Fett, Salz und Energie klar kennzeichnendes
(Ampel-)System.

Quellen:
Lancet Public Health 2017; 2: e277-85:Overweight, obesity, and risk of cardiometabolic multimorbidity: pooled analysis of individual-level data for 120 813 adults from 16 cohort studies from the USA and Europe: http://www.thelancet.com/journals/lanpub/article/PIIS2468-2667(17)30074-9/fullte...

The new england journal of medicine: June 12, 2017-DOI: 10.1056/NEJMoa1614362 Health Effects of Overweight and Obesity in 195 Countries over 25 Years: http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1614362#t=article

DANK-Strategiepapier: http://www.dank-allianz.de/files/content/dokumente/150612_DANK-Strategiepapier.p...

DANK-Grundsatzpapier: http://www.dank-allianz.de/files/content/dokumente/DANK-Grundsatzpapier_ES.pdf

Quelle: idw 

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Sonnencremes: Darauf kommt es bei der Darstellung der Wirksamkeit an

Nicole Siller Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Selbst Hautärzte unterschätzen die Schutzwirkung von Sonnencremes, wenn diese ungünstig dargestellt wird, wie eine Studie unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung zeigt. Verbrauchern kann eine einfache Faustregel helfen.

Richtiger Sonnenschutz ist angesichts der weltweit wachsenden Zahl der durch UV-Strahlung verursachten Hautkrebs-Fälle wichtig. Sonnencremes schützen vor schädlicher UV-Strahlung und der Lichtschutzfaktor (LSF) einer Creme ist eine zentrale Kennzahl für Verbraucher. Doch über die Wirksamkeit von Sonnencremes kursieren viele Mythen und Falschinformationen - deren Schutzwirkung wird tendenziell eher unterschätzt. Mitunter wird fälschlicherweise behauptet, dass Sonnencremes mit einem Lichtschutzfaktor höher als 30 kaum Verbesserungen im Schutz gegenüber Cremes mit geringerem Lichtschutzfaktor bieten. Selbst Dermatologen haben Schwierigkeiten bei der Einschätzung der Wirksamkeit von Sonnencremes, wenn diese nicht mit dem gängigen Lichtschutzfaktor, sondern als Prozentzahl der durch die Sonnencreme absorbierten hautrötenden Strahlung angegeben wird. Das hat eine gemeinsame Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung unter anderem mit der Abteilung für Dermatologie am Henry Ford Hospital in Detroit und der Abteilung für Dermatologie am Universitätsspital Zürich herausgefunden, die in der Fachzeitschrift JAMA Dermatology veröffentlicht wurde.

Insgesamt nahmen 261 Hautärzte aus Deutschland, den USA, der Schweiz und Australien an einem webbasierten Experiment teil, bei dem zehn Paare von Sonnencremes mit den fünf gängigen Lichtschutzfaktoren 10, 15, 20, 30 und 50 miteinander verglichen werden sollten. Informationen zu deren Wirksamkeit wurden den Ärzten auf drei unterschiedliche Arten präsentiert: dem Lichtschutzfaktor selbst, dem Anteil der durch die Sonnencreme absorbierten oder dem Anteil der durch die Sonnencreme durchgelassenen hautrötenden Strahlung in Prozent. Die Hautärzte sollten paarweise beurteilen, um wie viel länger die Schutzdauer der stärkeren im Vergleich zur weniger starken Creme ist.

Das Ergebnis zeigt, dass die längere Schutzdauer, die Sonnencremes mit höherem Lichtschutzfaktor haben, von der überwiegenden Mehrheit der Dermatologen systematisch unterschätzt wurde, wenn die Wirksamkeit mit der Prozentzahl der durch die Sonnencreme absorbierten hautrötenden Strahlung angegeben wurde. Beispielsweise absorbiert eine Sonnencreme mit einem Lichtschutzfaktor von 30 bereits 96,7 Prozent der hautrötenden Sonnenstrahlung, während eine Creme mit einem Lichtschutzfaktor von 60 dann 98,3 Prozent absorbiert. Zunahmen im Lichtschutzfaktor wirken somit klein, der Schutz wird eher unterschätzt. „Diese Kennzahl ist irreführend. Wenn es zum Sonnenbrand kommt, dann spielt es keine Rolle, wie viel der Strahlen durch die Sonnencreme absorbiert werden, sondern wie viel die Haut davon aufnimmt", sagt Erstautor Stefan Herzog vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Er untersucht am Forschungsbereich „Adaptive Rationalität", wie man menschliche Urteile und Entscheidungen - insbesondere auch ärztliche Entscheidungen - verbessern kann.

Tatsächlich bedeutet eine Erhöhung des Lichtschutzfaktors von 30 auf 60, eine Halbierung der durch die Sonnencreme durchgelassenen Strahlung von 3,3 Prozent auf 1,7 Prozent und somit doppelten Schutz (siehe Abbildung). Am verständlichsten scheinen Angaben zu sein, die mit dem Lichtschutzfaktor arbeiten. Hier unterschätzten die Hautärzte die Schutzdauer nur ganz leicht.

Das Ergebnis der Studie hat auch Implikationen für die Gesundheitskommunikation: „Aus unserer Sicht sollten sich Dermatologen bei der Beurteilung und Kommunikation der Wirksamkeit einer Sonnencreme ausschließlich auf den Lichtschutzfaktor konzentrieren. Andere Kennzahlen, wie durch die Sonnencreme absorbierte oder durchgelassene hautrötenden Strahlung, sind ungeeignet. Vereinzelt findet man solche Angaben beispielsweise in etablierten Medien oder sogar in Fachzeitschriften und in staatlichen Gesundheitsinformationen", sagt Koautor Christian Surber von der Abteilung für Dermatologie am Universitätsspital Zürich. Als Faustregel für Patienten und Verbraucher könne gelten, Sonnencremes mit mindestens Lichtschutzfaktor 30 und einem „broad spectrum" Schutz zu verwenden. Solche Cremes schützen sowohl gegen UVA- und UVB-Strahlen, die Hautalterung und Sonnenbrand verursachen. Neben dem Auftragen von Sonnencremes sind auch weitere Maßnahmen, wie beispielsweise ausreichend Schatten zu suchen oder schützende Kleidung zu tragen, ein wichtiger Bestandteil des richtigen Sonnenschutzes.

Originalstudie
Herzog, S. M., Lim, H. W., Williams, M. S., De Maddalena, I. D., Osterwalder, U., & Surber, C. (2017). Sun protection factor communication of sunscreen effectiveness: A web-based study of perception of effectiveness by dermatologists. JAMA Dermatology, 153, 348-350.
doi:10.1001/jamadermatol. 2016.4924

Weitere Informationen:
http://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2017/06/sonnencremes-darauf-kommt-es-bei...

Quelle: idw 

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Bürger forschen in einem wissenschaftlichen Projekt der Universität Greifswald

Jan Meßerschmidt Presse- und Informationsstelle
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

„Spaß am Erkenntnisgewinn" ist das zentrale Anliegen des Citizen Science-Projekts „Forschung. Umweltbildung. Naturschutz - Mit F.U.N. in die Wildnis". Start für das Bürgerforschungsprojekt war am 29. Juni 2017 in Wooster Teerofen im Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide in Mecklenburg-Vorpommern. Über die Onlineplattform www.fledermausfun.de können sich Interessierte an Fledermaus- und Naturschutzforschung beteiligen. Das Projekt wird mit 390.000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert.

Anders als in vielen ähnlichen Citizen Science-Projekten beschränkt sich die Bürgerbeteiligung bei F.U.N. nicht nur auf das Sammeln von Daten. Die interessierten Hobbywissenschaftlerinnen und -wissenschaftler können am gesamten Wissensprozess - von der Fragestellung über die Datenanalyse bis hin zur deren Interpretation - teilhaben und das unabhängig von Alter und Vorkenntnissen. Ziel ist es, der breiten Öffentlichkeit die Möglichkeit zur Teilhabe an aktueller Wissenschaft zu bieten, die in konkreten Handlungsempfehlungen für den Naturschutz mündet. Spezielle Angebote wurden vor allem für Schülerinnen und Schüler entwickelt. Für Interessierte, die keine Daten auswerten wollen, bietet die Onlineplattform viele Tipps und Informationen über Fledermäuse und Naturschutz im Allgemeinen.

Das Onlineportal
Um dieses Angebot überregional anbieten zu können, wurde das Onlineportal http://www.fledermausfun.de eingerichtet. Um bei der Auswertung eine hohe Datenqualität abzusichern, werden Interessierte nach dem ersten LogIn zunächst zu einer Onlineschulung geleitet. Wenn diese absolviert wurde, wird das gerade erworbene Wissen anhand beispielhafter Testdaten überprüft. Verläuft der Test erfolgreich, dürfen die Teilnehmer die Daten analysieren, die automatisiert in der Nossentiner/Schwinzer Heide gewonnen werden. Ein Datensatz gilt als ausgewertet, sobald er von mindestens zwei unterschiedlichen Teilnehmern auf die gleiche Weise analysiert wurde. Diese Datensätze werden anschließend nochmals stichprobenartig vom F.U.N.-Projektteam überprüft und zusammengeführt. An den daraus resultierenden Publikationen werden die Bürgerwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler beteiligt.

Angebote für Schulen
Für Schulen aller Klassenstufen und Schularten sowie für Kindergärten bietet die Online-Plattform außerdem didaktisch aufbereitete Unterrichtskonzepte, die sich am Lehrplan orientieren. Es werden kostenlose Materialien mit Stundenkonzepten, Arbeitsmaterialien, Lernzielen und Hintergrundinformationen für die Lehrkräfte bereitgestellt. Darüber hinaus werden Lehrerinnen und Lehrer eingeladen, die Datensätze im Unterricht auszuwerten und so die Unterrichtsstunden oder den Projektunterricht praxisnah zu gestalten. Getestet werden die Unterrichtskonzepte zunächst mit Partnerschulen aus Mecklenburg-Vorpommern und Bayern und unter Beteiligung der Fachdidaktik Biologie der Universität Rostock.

Die Projektregion
Der Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide eignet sich für das Projekt in besonderer Weise. Das Großschutzgebiet befindet sich in weiten Teilen im Wandel zu einem naturnahen Lebensraum vieler seltener Tier- und Pflanzenarten. Hier findet seit über 30 Jahren „bürgerliche" Forschung an den zehn im Naturpark vorkommenden Fledermausarten statt. Deren Populationen bilden den Forschungs- und Bildungsschwerpunkt des Projektes.

Dank zahlreicher Initiativen und Aufklärungskampagnen sind Fledermäuse mit ihrem für Säugetiere einzigartigem Flug und ihrer Orientierung mittels Echoortung in völliger Dunkelheit in den vergangenen Jahren zu Sympathieträgern in weiten Teilen der Bevölkerung geworden. Zudem sind alle in Deutschland vorkommenden Arten geschützt und daher für den Naturschutz relevant. Da Fledermäuse mit Hilfe moderner Techniken vergleichsweise leicht beobachtet und automatisiert überwacht werden können, eignen sie sich gut für ein Citizen Science-Projekt. Dies geschieht beispielsweise über kleine Tiertransponder, ähnlich wie sie auch bei Haustieren verwendet werden.
Aus den durch F.U.N. gewonnenen Erkenntnissen zum Schutz der Fledermäuse sollen Prinzipien erarbeitet werden, die sich nach einer erfolgreichen Testphase in der Nossentiner/Schwinzer Heide für bundesweite Schutzempfehlungen eignen.

Weitere Informationen
http://www.uni-greifswald.de/fledermausfun
http://www.fledermausfun.de

Ansprechpartner „Mit FUN in die Wildnis" an der Universität Greifswald

Prof. Dr. Gerald Kerth
Projektleiter
Telefon 03834 420 4100
gerald.kerth@uni-greifswald.de

Michael Gerhard Schöner
Projektkoordinator und Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Telefon 03834 420 4273
schoenerm@uni-greifswald.de

Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Zoologisches Institut und Museum
Lehrstuhl für Angewandte Zoologie und Naturschutz
Johann-Sebastian-Bach-Straße 11/12
17489 Greifswald
Telefon 03834 420 4251
Telefax 03834 420 4252
zimg.sekretariat@uni-greifswald.de

Quelle: idw 

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Mitbestimmung wichtiger als Stabilitätsanker in Zeiten von Kapitalmarktdominanz und Digitalisierung

Rainer Jung Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Böckler-Konferenz für Aufsichtsräte

Mitbestimmung immer wichtiger als Stabilitätsanker in Zeiten von Kapitalmarktdominanz und Digitalisierung

Ausschließlich am Kapitalmarkt orientierte Investoren wie US-Vermögensverwaltungen bauen im Zuge des Booms von passiven ETF-Fonds ihre Beteiligungen an deutschen Unternehmen aus. Allein dem Vermögensverwalter Black Rock gehörten Ende 2015 gut 5 Prozent aller Aktien der DAX-Unternehmen. Damit war das US-Unternehmen einer der größten Anteilseigner quer durch alle Branchen.

Gleichzeitig verändert die Digitalisierung die Arbeitswelt in Deutschland tiefgreifend. Die Mitbestimmung der Beschäftigten ist in dieser Situation ein besonders wichtiger Stabilitätsanker für Gesellschaft und Wirtschaft, weil sie dazu beiträgt, dass sich Menschen am Arbeitsplatz weniger „ausgeliefert" fühlen. Dass die Beschäftigten in den Aufsichtsräten bei wichtigen Unternehmensentscheidungen mitbestimmen und von Betriebsräten unterstützt werden, kann Frustrations- und Entfremdungsgefühlen entgegenwirken, die zugespitzte Konflikte um Arbeitsplätze und politische Radikalisierung auslösen (siehe auch die Zitate). Das kommt allen zugute: Studien zeigen, dass mitbestimmte Betriebe innovativer sind.

Allerdings erfassen die rechtlichen Regelungen zur Mitbestimmung, 40 Jahre oder älter, nicht mehr alle gängigen Unternehmensformen. Die Folge: Unternehmen nutzen, teilweise durch Europarecht entstandene, juristische Schlupflöcher, um ihren Beschäftigten Mitbestimmungsrechte im Aufsichtsrat vorzuenthalten. Davon sind derzeit mehr als 800.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer betroffen, mit steigender Tendenz (mehr Informationen in unserer digitalen Infomappe; Link unten). Unternehmen nutzen vor allem Lücken in der Gesetzgebung zur Europäischen Aktiengesellschaft SE, im Drittelbeteiligungsgesetz und bei exotischen Rechtsformkonstruktionen wie der plc & Co. KG, um Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat zu verhindern. Wie Mitbestimmung gesichert und gestärkt werden kann und welche politischen Kräfte sich im Wahljahr dafür einsetzen, steht im Mittelpunkt der heute begonnenen Böckler-Konferenz für Aufsichtsräte.

Bei der Konferenz sprechen unter anderem Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Reiner Hoffmann, Vorsitzender des DGB und des Vorstands der Hans-Böckler-Stiftung und der Politikwissenschaftler Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte, Direktor der NRW School of Governance. Statements:

Andrea Nahles: „Die Mitbestimmung ist eine tragende Säule unserer starken Wirtschaft und unserer Wettbewerbsfähigkeit. Aber es gibt gesellschaftliche, unternehmerische und rechtliche Entwicklungen, die mir ernstlich Sorgen machen. Sie drohen, die Mitbestimmung in den Unternehmen auszuhöhlen. Doch Tarifautonomie und Mitbestimmung müssen auch in der digitalen Wirtschaft das Fundament unserer sozialen Marktwirtschaft bilden. Denn nur die Sozialpartnerschaft ermöglicht es, passgenaue Lösungen und gute Kompromisse auszuhandeln, die allen dienen. Der Staat kann und soll Raum für Aushandlungen lassen. Damit sind wir bisher in Deutschland sehr gut gefahren. Aber es gilt auch: Wo die Sozialpartner nicht mehr in der Lage sind, Probleme zu lösen, wo die Sozialpartnerschaft erodiert, ist der Staat gefordert. Dabei steht fest: Jede Lösung, die wir zum Erhalt der Mitbestimmung erfolgreich angehen wollen, wird auch eine europäische Dimension haben müssen."

Reiner Hoffmann: „Wenn wir jetzt nicht einschreiten, dann wird sich der Geltungsbereich der Mitbestimmung sukzessive auf die bereits heute mitbestimmten Unternehmen beschränken. Junge und wachsende Unternehmen werden sich vor der Mitbestimmung drücken. Das deutsche System verliert damit langfristig seine Relevanz als Gegenmodell zum angelsächsischen Modell, bei dem die Kapitalmärkte den Takt vorgeben. Wenn Finanzinvestoren Unternehmen und Arbeitsplätze als eine Art Handelsware sehen, liefert die Mitbestimmung das Gegenkonzept: Mitbestimmung im Aufsichtsrat bewirkt buchstäblich, dass der menschliche Maßstab für Unternehmen zum Führungsziel wird. Die deutsche Politik muss schnell aktiv werden, ehe der Standortvorteil Mitbestimmung verspielt ist.

Diese Einschätzung teilt auch der Deutsche Bundesrat.
Er hat in seiner Entschließung ‚Mitbestimmung zukunftsfest gestalten‘ im Februar festgestellt, er betrachte mit großer Sorge, dass, ich zitiere, ‚sich junge, wachsende Kapitalgesellschaften zunehmend dem Geltungsbereich der Gesetze zur Unternehmensmitbestimmung entziehen‘ und damit ‚den gesellschaftlichen Konsens und die Zukunft der Sozialpartnerschaft in Deutschland in Frage‘ stellen. Weiter heißt es: ‚Der Bundesrat fordert die Bundesregierung daher dazu auf, Lücken im deutschen Mitbestimmungsrecht zu schließen und gleichzeitig auf europäischer Ebene dafür einzutreten, dass entsprechende Schlupflöcher geschlossen und keine neuen Umgehungstatbestände geschaffen werden‘. Damit ist die nächste Bundesregierung am Zug - wer immer sie auch stellt."

Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte: „Die Mitbestimmung gehört zur institutionellen Ausstattung der deutschen Gesellschaft, die durch ihre sozial ausgleichende Wirkung verhindert, dass die politischen Ränder ähnlich stark wachsen wie in unseren europäischen Nachbarländern."

Kontakt in der Hans-Böckler-Stiftung
Dr. Norbert Kluge
Leiter der Abteilung Mitbestimmungsförderung
Tel.: 0211-7778-199
E-Mail: Norbert-Kluge@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter der Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Weitere Informationen:
https://www.boeckler.de/veranstaltung_107066.htm - die Veranstaltung im Livestream verfolgen
https://www.boeckler.de/Hans-Boeckler-Stiftung_Mitbestimmung_Gestaltungsprinzip-... - Aktuelle Hintergrundinformationen in unserer digitalen Infomappe
http://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2016/0701-0800/740-16(B).pdf?__bl... - Entschließung des Bundesrates „Mitbestimmung zukunftsfest gestalten"

Quelle: idw 

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Weltrekord bei der Auswertung von Satellitendaten: Städten beim Wachsen zusehen

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Drei Millionen Messpunkte pro Quadratkilometer: Prof. Xiaoxiang Zhu hat mit ihrem Team einen Weltrekord bei der Auswertung von Satellitendaten aufgestellt. Dank neuer Algorithmen konnten die Forscherinnen und Forscher der Technischen Universität München (TUM) aus den Messwerten des Radarsatelliten TerraSAR-X vierdimensionale Punktwolken von Berlin, Las Vegas, Paris und Washington, D.C. erstellen. Im nächsten Schritt wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler alle Städte der Welt abbilden.

Weltweit wachsen die Metropolen. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen lebt bereits heute gut die Hälfte der Erdbevölkerung in Städten, 2050 sollen es zwei Drittel sein. "Dieses Wachstum stellt hohe Anforderungen an die Sicherheit von Gebäuden und Infrastruktur, weil Schäden Menschenleben bedrohen können", sagt Xiaoxiang Zhu, Professorin für Signalverarbeitung in der Erdbeobachtung an der TUM.

Gemeinsam mit ihrem Team hat sie ein Verfahren entwickelt, mit dem sich potentielle Gefahren frühzeitig erkennen lassen: Beispielsweise könnten Senkungen des Untergrunds zum Einsturz von Gebäuden, Brücken, Tunneln und Staudämmen führen. Mit der neuen Methode lassen sich bereits Veränderungen von einem Millimeter pro Jahr aufspüren und sichtbar machen.

Dreidimensionaler Radarblick auf die Metropolen der Welt
Die Daten für das detaillierte Bild der Städte liefert der TerraSAR-X, der genaueste zivile Radarsatellit der Welt. Seit 2007 umkreist er unseren Planeten in einer Höhe von etwa 500 Kilometern, sendet Mikrowellenimpulse zur Erde und fängt deren Echo wieder auf. "Diese Messungen ergeben zunächst einmal nur ein zweidimensionales Bild mit einer Auflösung von einem Meter", erklärt Zhu.

Die TUM-Professorin kooperiert mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), an dem sie auch eine eigene Arbeitsgruppe leitet. Das DLR ist für Betrieb und Nutzung des Satelliten für wissenschaftliche Zwecke zuständig. "Dass die Aussagekraft der Bilder begrenzt ist, liegt daran, dass sich die Reflexionen verschiedener Objekte, die gleich weit vom Satelliten entfernt sind, überlagern. Dieser Effekt reduziert die dreidimensionale Welt auf ein zweidimensionales Bild."

Mit Hilfe eines von ihr entwickelten Algorithmus konnte Zhu nicht nur die dritte und sogar die vierte Dimension (Zeit) rekonstruieren, sondern auch gleich einen Weltrekord aufstellen: Drei Millionen Messpunkte errechnet der Computer pro Quadratkilometer. Daraus lassen sich hochpräzise, vierdimensionale Punktwolken erstellen.

Verschiedene Blickwinkel ergeben ein genaues Bild
Der Trick dabei: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen leicht verschiedene Blickwinkel des Satelliten. Dieser überfliegt jede Region der Erde im Rhythmus von elf Tagen. Allerdings ist seine Position nicht immer exakt dieselbe. Diese Orbitvariationen von etwa 250 Metern nutzen die Forscherinnen und Forscher bei der Radartomographie aus, um die Lage jedes Punkts im dreidimensionalen Raum zu messen. Das Prinzip dieser Methodik ist dasselbe wie bei der Computertomografie, die einen Blick in den menschlichen Körper erlaubt: Verschiedene Messungen aus unterschiedlichen Richtungen werden zu einem dreidimensionalen Bild zusammengeführt.

"Da dieses Verfahren in der dritten Dimension nur eine schlechte Auflösung liefert, setzen wir zusätzlich Compressive Sensing-Methoden ein, mit denen sich die Auflösung um das 15fache verbessern lässt", sagt Zhu.

Mit den Radarwellen des TerraSAR-X können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Strukturen auf der Oberfläche sehr genau erfassen: beispielsweise die Form und Höhe von Gebäuden. Für Berlin, Las Vegas, Paris und Washington, D.C. wurden auf diese Weise hochpräzise 3D-Modelle errechnet.

Die vierte Dimension
Nachdem die verwendeten Radarbilder im Abstand von je 11 Tagen, also zu unterschiedlichen Zeiten, aufgenommen werden, lässt sich auch die zeitliche Veränderung - und damit die vierte Dimension - sichtbar machen. Das 4D-Modell, das so entsteht, zeigt kleinste Veränderungen mit einer Genauigkeit eines Bruchteils der Radarwellenlänge. So lassen sich beispielsweise die thermische Ausdehnung von Gebäuden im Sommer oder Deformationen, die durch eine Senkung des Untergrunds verursacht werden, mit einer Präzision von zirka einem Millimeter pro Jahr erfassen. Zhu: "Die Methode eignet sich, um Gefahrenpunkte aufzuspüren. Satellitentechnik kann damit einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Gebäude und Infrastruktur in Städten sicherer zu machen."

Künftig wollen die Forscherinnen und Forscher den Metropolen sogar beim Wachsen zusehen. Im ERC Projekt "So2Sat", das gerade gestartet ist, werden alle Ballungsgebiete der Welt kartiert und langfristig beobachtet. Schwerpunkt der Untersuchungen sind die Schwellenländer, wo innerhalb kürzester Zeit ganze Stadtteile aus dem Boden wachsen. Erstmals wollen Zhu und ihr Team mehrere verschiedene Big Data-Quellen nutzen: Messungen von Satelliten werden kombiniert mit Kartenmaterial aus Open Street Map und dem schier unbegrenzten Strom von Bildern, Texten und Aktivitätsmustern aus sozialen Netzwerken.
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Bei der Auswertung der gewaltigen Datenmenge werden die Forscher vom Leibniz Rechenzentrum unterstützt.

Publikationen:
- Kang J., Wang Y., Körner M., Zhu X.: "Robust Object-based Multipass InSAR Deformation Reconstruction", IEEE Transactions on Geoscience and Remote Sensing, in press. DOI: 10.1109/TGRS.2017.2684424
http://ieeexplore.ieee.org/document/7926387/

- Wang, Y., Zhu, X.X., Zeisl, B., Pollefeys, M., 2017: "Fusing Meter-Resolution 4-D InSAR Point Clouds and Optical Images for Semantic Urban Infrastructure Monitoring", IEEE Transactions on Geoscience and Remote Sensing, Volume: 55, Issue: 1, Jan. 2017; DOI: 10.1109/TGRS.2016.2554563
http://ieeexplore.ieee.org/document/7587405/

- Montazeri S., Zhu X., Eineder M., Bamler R., 2016: "3-D Deformation Monitoring of Urban Infrastructure by Tomographic SAR Using Multi-Track TerraSAR-X Data Stacks", IEEE Transactions on Geoscience and Remote Sensing, Volume: 54, Issue: 12, Dec. 2016; DOI: 10.1109/TGRS.2016.2585741
http://ieeexplore.ieee.org/document/7548332/

Kontakt:
Prof. Xiaoxiang Zhu
Technische Universität München
Professur für Signalverarbeitung in der Erdbeobachtung
Tel: +49 8153283531
xiaoxiang.zhu@tum.de

Weitere Informationen:
https://mediatum.ub.tum.de/1362308

Quelle: idw 

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DKOU 2017: Orthopäden und Unfallchirurgen setzen sich für aktiven Lebensstil ein

Anne-Katrin Döbler, Lisa Ströhlein - Pressestelle DKOU 2017 (Thieme-PR) Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V.

Jedes Jahr verletzen sich 1,25 Millionen Bundesbürger beim Sport so schwer, dass sie ärztlich versorgt werden müssen. Überbelastung, hohe Risikobereitschaft und eine mangelnde Vorbereitung auf das Training führen immer wieder zu Unfällen. Gleichzeitig leben in Deutschland viele Millionen Menschen, die sich aufgrund einer Erkrankung nicht mehr schmerzfrei bewegen können. Auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) stellen Experten vom 24. bis 27. Oktober 2017 Therapien vor, mit denen sie Beweglichkeit bis ins hohe Alter erhalten und verlorene Beweglichkeit wiederherstellen können.

Mit mehr als 10.000 Teilnehmern aus dem In- und Ausland ist der DKOU der größte europäische Kongress dieser Fachrichtung.

„Orthopädie und Unfallchirurgie haben in den vergangenen Jahren neue Methoden entwickelt, die Unfallopfer und Verletzte immer schneller wieder mobil machen", sagt Professor Dr. med. Ingo Marzi, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), mit Blick auf den DKOU 2017. Während Patienten früher wochenlang im Gips lagen, kennen Unfallchirurgen und Orthopäden heute modernere Verfahren, die den Patienten schneller wieder auf die Beine bringen.

Sportverletzungen vermeiden und behandeln
„Als Orthopäden und Unfallchirurgen begrüßen wir den hohen Stellenwert, den Sport mittlerweile in unserer Gesellschaft eingenommen hat", betont Marzi, Direktor der Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Frankfurt. „Immer wieder behandeln wir auch ältere Patienten, die ihr Leben noch aktiv gestalten können und sich bei Unfällen schmerzhafte Verletzungen zuziehen." Rekonstruktive Eingriffe werden daher bei immer älteren Patienten erfolgreich durchgeführt.

Mit Bewegung gegen die Schmerzen
„Sich schmerzfrei bewegen zu können, ist eine wichtige Voraussetzung für ein gesundes, selbstbestimmtes Leben", erklärt auch Professor Dr. med. Andrea Meurer, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC). Erkrankungen der Gelenke können in jedem Lebensalter - bei Kindern ebenso wie bei älteren Menschen - die Beweglichkeit und damit die Lebensqualität einschränken. Die Betroffenen leiden an Schmerzen und fallen deswegen oft in eine Schonhaltung. Dadurch gerieten sie aber in einen Teufelskreis, so Meurer, die die Orthopädische Universitätsklinik Friedrichsheim leitet: „Schont sich der Patient, wird weniger Gelenkflüssigkeit produziert und die Knorpel werden rau und spröde, was wiederum zu mehr Verschleiß und Schmerzen führt. Regelmäßiges, moderates Training hilft dagegen, die Gelenkfunktion länger zu erhalten." Dies gelte auch für Patienten, die bereits eine Endoprothese tragen: Bewegung stabilisiert das Zusammenspiel zwischen Kunstgelenk, Knochen und Muskeln.

Bewegung beugt Erkrankungen vor
In einer Forsa-Umfrage mit 1.210 Teilnehmern gaben nur zwei Drittel der Befragten an, sich mindestens 30 Minuten am Tag per Fahrrad oder zu Fuß zu bewegen. Die meiste Zeit des Tages verbringen die Deutschen im Sitzen, davon fast drei Stunden täglich im Fernsehsessel. „Bewegungsmangel ist, neben kalorienreicher Ernährung, der häufigste Grund für Übergewicht und Fettleibigkeit. Übergewicht verdoppelt das Risiko für eine Knie-Arthrose, Fettleibigkeit verdreifacht es", sagt Professor Dr. med. Alexander Beck, Vorstandsmitglied im Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU). „Es ist daher unsere Aufgabe, den Patienten zu einer Gewichtsreduktion zu raten und sie darüber aufzuklären, wie sie mehr Bewegung in ihren Alltag integrieren können und wie sie gesund Sport treiben können", betont der Chefarzt der Abteilung für Orthopädie, Unfall- und Wiederherstellungschirurgie am Juliusspital in Würzburg.

Im Rahmen des DKOU 2017 wird auch wieder ein Patiententag stattfinden.

Der gemeinsame Kongress der DGOOC, DGU und des BVOU findet vom 24. bis 27. Oktober 2017 auf dem Messegelände Süd in Berlin statt. Die Anmeldung zum DKOU 2017 ist im Internet möglich. Unter http://dkou.org/ können Interessenten ausgewählte Vorträge außerdem live verfolgen. Nähere Informationen sind bei Intercongress GmbH, Wilhelmstraße 7, 65185 Wiesbaden, Tel. 0611 977-160, dkou@intercongress.de erhältlich. Journalisten akkreditieren sich über die DKOU-Pressestelle.

Quellen:
(1) Sportunfälle - Häufigkeit, Kosten, Prävention; Studie der ARAG Allgemeine Versicherungs-AG in Kooperation mit der Ruhr-Universität Bochum, Lehrstuhl für Sportmedizin
(2) „Beweg dich, Deutschland!" - TK Bewegungsstudie 2016

Weitere Informationen:
http://www.dkou.de

Quelle: idw 

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Inseln und Küstenregionen am meisten gefährdet

Julia Wandt Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Universität Konstanz

Mit Konstanzer Beteiligung wurden erstmals weltweite Hotspots für nicht heimische Tier- und Pflanzenarten identifiziert
Die Verteilung von Neobiota, nicht-heimischer Arten, auf verschiedene Regionen der Erde ist höchst unterschiedlich. Wo sich die globalen Hotspots für eingebürgerte, nicht heimische Arten befinden, war allerdings bislang unklar. Ein internationales Forschungsteam unter Mitwirkung des Ökologen Prof. Dr. Mark van Kleunen von der Universität Konstanz legt nun erstmals eine Analyse dieser Hotspots vor: Demnach finden sich die meisten Neobiota auf Inseln und in Küstenregionen.

Die Studie wurde in der renommierten Zeitschrift Nature Ecology and Evolution vom 12. Juni 2017 veröffentlicht.
Verursacht durch den Menschen dringen zunehmend Arten in neue Gebiete vor, in denen sie ursprünglich nicht heimisch waren. Die Anzahl eingebürgerter Neobiota ist in verschiedenen Regio-nen der Erde unterschiedlich groß. Unklar war jedoch, wo die meisten etablierten Neobiota anzutreffen sind und welche Faktoren deren Verteilung prägen.

Ein internationales Team aus 25 Forscherinnen und Forschern unter der Leitung von Dr. Wayne Dawson von der Universität Durham (Großbritannien), der seine Forschung auf diesem Gebiet in der Konstanzer Arbeitsgruppe von Mark van Kleunen begann, erstellte eine Datenbank mit den Vorkommen von acht Tier- und Pflanzengruppen (Säugetiere, Vögel, Amphibien, Reptilien, Fische, Spinnen, Ameisen, Gefäßpflanzen) in einer Region außerhalb ihres Heimatgebiets. Insgesamt wurde die Verbreitung auf 186 Inseln und 423 Regionen auf Kontinenten erfasst. So konnten die Wissenschafterinnen und Wissenschaftler zum ersten Mal überhaupt die globale Verteilung von Neobiota in einer großen Anzahl wichtiger Organismengruppen erfassen.

Wichtigstes Ergebnis: Inseln und Küstenregionen auf Kontinenten weisen die höchsten Zahlen eingebürgerter Neobiota auf. An erster Stelle befindet sich Hawaii, gefolgt von der Nord-Insel von Neuseeland und den kleinen Sunda-Inseln Indonesiens. „Hawaii und Neuseeland liegen im Spitzenfeld bei allen untersuchten Artengruppen", erklärt der ebenfalls beteiligte Ökologe Dr. Franz Essl von der Universität Wien (Österreich): „Beide Regionen sind abgelegene und ursprünglich sehr isolierte Inseln, in denen manche Organismengruppen von Natur aus fehlten - wie etwa Säugetiere. Heute liegen beide Regionen in ökonomisch hochentwickelten Ländern mit intensiven Handelsbeziehungen und dementsprechend massiven Folgen für die Einschleppung und Einbürgerung von Neobiota".

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten auch, welche Faktoren dafür entscheidend sind, ob eine Region viele oder wenige eingebürgerte Neobiota aufweist. „Wir fanden einen deutlichen Anstieg der Anzahl eingebürgerter Neobiota in dicht besiedelten Regionen sowie in Gebieten mit hoher ökonomischer Entwicklung", erklärt Dr. Dietmar Moser, ebenfalls von der Universität Wien und Zweitautor der Studie. „Der Grund dafür ist, dass diese Faktoren die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass der Mensch viele neue Arten in ein Gebiet ‚einschleppt‘. Die dadurch mitverursachte Zerstörung von Lebensräumen begünstigt die Ausbreitung von Neobiota. Inseln und Küstenregionen scheinen daher besonders anfällig zu sein, da sie im globalen Fernhandel eine dominierende Rolle einnehmen." Prof. Mark van Kleunen, der Konstanzer Drittautor der Studie, ergänzt: „Neben der Einschleppung neuer fremder Arten besteht ein weiteres bedeutendes Risiko. Viele der fremden Pflanzen und Tiere, die in unseren Häusern und Gärten gehalten werden und sich bisher noch nicht wild lebend etabliert haben, könnten dies in Zukunft tun. Dies gilt insbesondere in Anbetracht des zunehmenden Klimawandels."

Die große Anzahl von Neobiota in vielen Regionen der Erde hat massive Konsequenzen, da einheimische Arten verdrängt und natürliche Lebensräume verändert werden. Dies ist auf Inseln besonders problematisch, da viele der dort heimischen Arten nur auf der Insel selbst vorkommen und daher besonders rasch durch Neobiota verdrängt werden.

Weltweit gibt es viele Gesetze und Abkommen mit dem Ziel, die Ausbreitung von Neobiota zu reduzieren. „Unsere Studie zeigt, dass die Anstrengungen bislang nicht effektiv genug waren, um mit der Globalisierung Schritt zu halten. Es ist daher dringend erforderlich, effektivere gesetzliche Maßnahmen zu implementieren, besonders für Inseln", meint Essl. So hat etwa Neuseeland in den letzten Jahrzehnten umfassende Regelungen erlassen, um die Einschleppung weiterer Neobiota zu verhindern. Auch wurden auf kleinen Inseln in den vergangenen Jahren mehrfach eingeschleppte Räuber wie Ratten und Mäuse erfolgreich ausgerottet. Diese Beispiele zeigen, dass erfolgreiches Handeln möglich ist.

Originalveröffentlichung:
W. Dawson, D. Moser, M. van Kleunen, H. Kreft, J. Pergl, P. Pyšek, M. Winter, B. Lenzner, T. Blackburn, E. Dyer, P. Cassey, S. Scrivens, E. Economo, B. Guénard, C. Capinha, H. Seebens, P. Garcia-Diaz, W. Nentwig, E. Garcia-Berthou, C. Casal, N. Mandrák, P. Fuller, C. Meyer, und F. Essl (2017) "Global hotspots and correlates of alien species richness across taxonomic groups", Nature Ecology and Evolution

DOI: 10.1038/s41559-017-0186

http://nature.com/articles/doi:10.1038/s41559-017-0186

Faktenübersicht:
• Konstanzer Beitrag zur Publikation entstand im Rahmen des Projektes Global Naturalized Alien Flora (GloNAF)
• GLoNAF wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit rund 228.000 Euro gefördert
• Team aus 25 Forscherinnen und Forschern unter der Leitung von Dr. Wayne Dawson von der Universität Durham (Großbritannien)
• Verbreitung wurde auf 186 Inseln und 423 Regionen auf Kontinenten erfasst.

Fotos können im Folgenden heruntergeladen werden:

http://bit.ly/2r1QG10
Halsbandsittich (Psittacula krameri manillensis), ursprünglich aus Asien, nun auch in London zu finden. Bild: Tim Blackburn

http://bit.ly/2r1Ioq1
Grauhörnchen (Sciurus carolinensis), aus Nordamerika, mittlerweile weit im Vereinigten Königreich verbreitet. Bild: Tim Blackburn

http://bit.ly/2r2fZQi
Besenginster (Cytisus scoparius), eine Pflanze, die ursprünglich aus Europa stammt, in Neusee-land eingedrungen. Copyright: Wayne Dawson;

http://bit.ly/2r1Ioq1
Brachyponera chinensis, eine Ameisenart aus Ostasien, jetzt auch im Südosten der USA zu finden. Bild: Benoit Guénard.

Kontakt:
Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
Telefon: + 49 7531 88-3603
E-Mail: kum@uni-konstanz.de

Quelle: idw 

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Schimpansen belohnen Gefälligkeiten

Jana Gregor Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPIMIS)

Für uns Menschen ist es eine Selbstverständlichkeit: Wir belohnen andere als Zeichen unserer Dankbarkeit. Wissenschaftler der Max-Planck-Institute für evolutionäre Anthropologie und für Mathematik in den Naturwissenschaften in Leipzig haben nun ähnliche soziale Verhaltensweisen auch bei Schimpansen nachgewiesen. In einem Verhaltensexperiment belohnt ein Tier ein anderes mit Futter, wenn dieses ihm zuvor geholfen hat. Offenbar hat nicht erst der Mensch aus diesem Grund kooperiert, schon der Vorfahr von Mensch und Schimpanse hat offenbar aus einer ähnlichen Motivation heraus untereinander geteilt. Die Studie zeigt, warum Schimpansen dies tun und bestätigt Ergebnisse aus der Spieltheorie.

Dass Schimpansen auf unterschiedliche Weise miteinander kooperieren ist bekannt - nicht jedoch, aus welcher Motivation heraus sie das tun. Die Max-Planck-Wissenschaftler haben deshalb ihren Fokus auf die psychologischen Faktoren gelegt, die bei der Kooperation von Schimpansen eine Rolle spielen. In Verhaltensstudien haben sie untersucht, ob und wann Schimpansen motiviert sind, einander Futter zukommen zu lassen. Sie haben dafür die Reaktion der Tiere auf das Verhalten von Artgenossen beobachtet. Die Schimpansen konnten während des Experiments zwischen zwei Optionen wählen, von denen eine ihnen selbst und dem Partner Futter bescherte. Bei der zweiten erhielten ausschließlich sie selbst Futter.

Die Forscher stellten fest, dass alle Schimpansen ihren Versuchspartner begünstigten - allerdings nur, wenn dieser sie bei der Beschaffung des Futters im Vorfeld unterstützt hatte. Besonders großzügig waren die Tiere, wenn der Partner durch uneigennützige Hilfe sogar riskiert hatte, selbst gar kein Futter zu bekommen. Dieses Verhalten bestätigt spieltheoretische Modelle zu sozialer Kooperation, die zuvor am Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften erforscht wurden und die den Anstoß für die Verhaltensstudie lieferten.

Verzichten, um zu belohnen
Materielle Belohnungen gelten als zentraler Bestandteil menschlicher Zusammenarbeit. Die Ergebnisse der aktuellen Studie belegen, dass Schimpansen unter bestimmten Umständen ebenso bereit sind, sich ihren Artgenossen gegenüber erkenntlich zu zeigen. „Am meisten hat uns überrascht, dass die Schimpansen sogar Kosten auf sich nehmen und auf zusätzliches Futter verzichten, um einen Artgenossen für dessen Unterstützung zu belohnen. Bisher galt es als sicher, dass Schimpansen in Situationen wie diesen nur ihren eigenen Vorteil im Blick haben", sagte Martin Schmelz, einer der Autoren der Studie. Die Tiere können offenbar sogar einschätzen, wie viel Belohnung ihr Partner verdient: Je mehr dieser zuvor riskiert hat, desto größer ist die Bereitschaft, das eingegangene Risiko entsprechend zu honorieren.

„Die Ergebnisse legen nahe, dass die Schimpansen nicht nur die Handlungen sondern auch die kooperativen Absichten ihres Versuchspartners in Betracht ziehen und uneigennütziges von potentiell eigennützigem Verhalten unterscheiden", sagte Sebastian Grüneisen, ein weiterer Autor der Studie. „Sie zeigen zudem, dass die Tiere einzelne Ereignisse in ihren Entscheidungen berücksichtigen, selbst wenn ihnen hierdurch zunächst ein materieller Nachteil entsteht."

Schimpansen könnten also eine Art „emotionale Buchhaltung" führen und soziale Entscheidungen auf emotionaler Ebene treffen. Möglicherweise wollen Schimpansen die Kooperationsbereitschaft des Partners erwidern und den Wunsch nach einer sozialen Bindung signalisieren. Diese Vermutung deckt sich mit dem Befund, dass Schimpansen höhere Oxytocin-Werte - ein Hormon, das an der Ausbildung sozialer Bindungen beteiligt ist - im Blut aufweisen, wenn sie mit Artgenossen interagieren. Weitere Studien mit Schimpansen sowie mit den noch sozialeren Bonobos könnten die Ergebnisse der Forscher untermauern.

Verhaltensexperiment (siehe Foto):
(A) Ausgangssituation: Aus der Perspektive des Teilnehmers ("Subject") kann sich der Partner für Option A entscheiden, bei der nur der Partner selbst Futter erhält, oder für die Option B/C, in der der Partner dem Teilnehmer die Wahl der Futterverteilung überlässt und dabei riskiert, selbst leer auszugehen.

(B) Endposition: Der Partner hat sich für die Option B/C entschieden. Sein Gegenüber belohnt diese Gefälligkeit, indem er sich für Option C entscheidet, bei der beide Tiere Futter erhalten.

Originalpublikation:
Martin Schmelz, Sebastian Grüneisen, Alihan Kabalak, Jürgen Jost, Michael Tomasello
Chimpanzees return favors at a personal cost
PNAS; 20 June, 2017

Kontakt:
Dr. Martin Schmelz 

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig 

Tel.: 0043 670 608 2099
E-mail: martin.schmelz@gmx.de 



Dr. Sebastian Grüneisen 

Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig 

Tel.: 0341 3550 462 

E-mail: sebastian_grueneisen@eva.mpg.de

Prof. Dr. Jürgen Jost
Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften
Tel. 0341 9959 552
E-mail: juergen.jost@mis.mpg.de

Jana Gregor
Pressereferentin
Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften
Tel. 0341 9959 650
E-mail: jgregor@mis.mpg.de

Weitere Informationen:
http://www.eva.mpg.de
http://www.mis.mpg.de

Quelle: idw 

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Urlaubsplanung 2017: Impfung gegen Hepatitis-Viren bietet wirksamen Schutz für die Leber

Rita Wilp externe Pressestelle
Deutsche Leberstiftung

Bald ist es soweit: endlich Urlaub. Bei einer Urlaubsreise soll alles anders und besser als zuhause sein: das Wetter, das Essen, die Getränke und vielleicht gibt es auch einen Flirt mit einer Reisebekanntschaft. Doch bei einem zu unbeschwerten Genuss besteht das Risiko einer Infektion mit Hepatitis-Viren. Nicht nur Fernreisende, die beispielsweise in die Tropen fliegen, sind gefährdet. Auch in der beliebten Mittelmeer-Region sind Hepatitis-Viren weit verbreitet. Die Deutsche Leberstiftung weist im Vorfeld der Urlaubssaison 2017 auf die Gefahren einer Infektion mit Hepatitis-Viren hin und rät rechtzeitig vor Reiseantritt zu einer kombinierten Impfung gegen Hepatitis A und B.

„Mehr als die Hälfte aller neu diagnostizierten Hepatitis A-Virusinfektionen in Deutschland sind ein ungewolltes Reisesouvenir. Wer sich nach dem Urlaub in der Mittelmeer-Region oder den Tropen müde und abgespannt fühlt, sollte unbedingt seine Leber überprüfen lassen", rät Professor Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung. „Einen wirksamen Schutz vor einer Infektion mit Hepatitis A-Viren bietet eine Impfung. Ich empfehle die Verwendung von Kombinationsimpfstoffen, die gleichzeitig gegen Hepatitis A und B schützen."

Hepatitis ist eine Virusinfektion der Leber, die besonders häufig in beliebten Reisezielen wie den Tropen, im Mittelmeerraum und Südeuropa auftritt. Hepatitis-Viren werden in die Typen A bis E eingeteilt. Abhängig vom Virustyp erfolgt eine Ansteckung über Lebensmittel, infiziertes Wasser, Blut und andere Körperflüssigkeiten. Wenn nicht die in Deutschland vorgeschriebenen hohen Hygienevorschriften eingehalten werden, bergen auch Spritzen, Bluttransfusionen, Tätowierungen und das Stechen von Piercings ein Hepatitis-Risiko. Ein Impfschutz ist nur gegen die Virustypen Hepatitis A und Hepatitis B möglich. Die Impfung gegen Hepatitis B schützt auch vor Hepatitis delta, da diese Erkrankung nur mit einer Hepatitis B gemeinsam vorkommen kann.

Hepatitis A, umgangssprachlich auch „Reisegelbsucht" genannt, ist überwiegend dort verbreitet, wo die sanitären Bedingungen schlecht sind und das Trinkwasser - auch in gefrorener Form beispielsweise als Eiswürfel - kontaminiert ist. Darüber hinaus können Lebensmittel wie Muscheln und Meerestiere mit Hepatitis A-Viren belastet sein. Auch Schmierinfektionen durch direkten Kontakt zwischen Menschen sind möglich. Ein besonders hohes Hepatitis A-Risiko haben Touristen, die eher unkonventionell reisen und unter ungünstigen hygienischen Bedingungen den Urlaub verbringen: Von den sogenannten „Backpackern" kehrt schätzungsweise einer von 50 mit einer Hepatitis A-Virusinfektion zurück nach Deutschland. Doch auch Touristen, die im komfortablen 5-Sterne-Hotel absteigen, sind nicht vor den resistenten Viren sicher: Hepatitis A-Viren überleben selbst ungünstige Umweltbedingungen wie hohe Temperaturen oder viele Desinfektionsmittel.

Obwohl eine Hepatitis A niemals chronisch wird und nur sehr selten einen schweren Verlauf nimmt, kann sie bei älteren Menschen zu einem akuten Leberversagen führen. Einen wirksamen Schutz gegen Hepatitis A-Virusinfektionen bietet nur die Impfung.

Auch gegen die gefährlichere Variante Hepatitis B schützt nur eine Impfung. Übertragen wird das Hepatitis B-Virus durch Blut oder Körpersekrete. Ungeschützte Sexualkontakte und Kontakte mit der Gefahr kleinster Hautverletzungen sind daher die häufigsten Ansteckungsquellen. Tätowierungen, Rasuren, Ohrlochstechen oder Piercings, die nicht steril durchgeführt werden, können zu einer Ansteckung führen. Die Hepatitis B kann chronisch werden. Betroffene können in der Folge an Leberzirrhose und Leberzellkrebs erkranken.

„Jeder, der einen Urlaub plant, sollte ein Beratungsgespräch mit einem Arzt führen, zu dem eine reisemedizinische Beratung und eine Überprüfung des Impfschutzes gegen Hepatitis A und Hepatitis B gehören", sagt Professor Manns. „Impfen ist die beste Vorbeugung gegen die Hepatitis A, B und delta - das sollten wir nutzen", betont er.

Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern. Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und Apotheker in medizinischen Fragen. Diese Aufgaben erfüllt die Stiftung sehr erfolgreich. Weitere Informationen: http://www.deutsche-leberstiftung.de.
BUCHTIPP: „Das Leber-Buch" der Deutschen Leberstiftung informiert umfassend und allgemeinverständlich über die Leber, Lebererkrankungen, ihre Diagnosen und Therapien - jetzt in dritter, aktualisierter und erweiterter Auflage! „Das Leber-Buch" ist im Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3-89993-899-9, € 16,99. Weitere Informationen: http://www.deutsche-leberstiftung.de/Leber-Buch.

Kontakt:
Deutsche Leberstiftung
Bianka Wiebner
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Tel 0511 - 532 6815
Fax 0511 - 532 6820
presse@deutsche-leberstiftung.de
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Weitere Informationen:
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Zukunftsfähige Wasserinfrastrukturen: Empfehlungen zur Transformation

Melanie Neugart Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

Die Zukunftsfähigkeit der Wasserinfrastruktursysteme in Deutschland steht auf dem Prüfstand: In wachsenden Ballungsräumen stoßen sie bereits an Kapazitätsgrenzen, in schrumpfenden ländlichen Regionen sind sie vielfach nicht ausgelastet. Die vorhandenen Systeme sind nicht flexibel genug, um sich an veränderte Bedingungen anzupassen. Zu ihnen zählen nicht nur demografische Entwicklungen - auch der Klimawandel oder die notwendige Steigerung der Ressourceneffizienz stellen Herausforderungen dar. Im Forschungsprojekt netWORKS 3 wurde untersucht, wie notwendige Transformationen der Wasserinfrastrukturen gestaltet werden können. Die Ergebnisse sind jetzt in einer Publikation erschienen.

Die Siedlungswasserwirtschaft steht vor komplexen Aufgaben. Einerseits muss sie weiterhin eine qualitativ hochwertige Versorgung mit Trinkwasser sicherstellen. Andererseits muss sie sich flexibel an regionale demografische Veränderungen anpassen, eine angemessene Abwasserbehandlung garantieren und den derzeit hohen Energiebedarf senken. Ursachen für den Veränderungsdruck sind nicht zuletzt auch die Folgen des Klimawandels: Starkregen, Überschwemmungen und Trockenperioden erfordern eine Transformation der bereits im 19. Jahrhundert entwickelten Systeme. Mit Blick auf diese komplexen Anforderungen bieten sich heute neue technische Systemlösungen an. Sie zeichnen sich durch eine hohe Flexibilität aus und zielen auf die Schließung von Energie- und Stoffkreisläufen ab.

„Die neuartigen Wasserinfrastrukturen eignen sich für ganz unterschiedliche Einsatzgebiete in städtischen Teilräumen", sagt netWORKS 3-Projektleiterin Martina Winker vom ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung. „Sie können die vorhandenen Systeme unter anderem deshalb sinnvoll ergänzen, weil sie die Wiederverwendung von Abwasser vorsehen oder Nährstoffe aus dem Wasser verwerten können." Das Forschungsprojekt mit Modellquartieren in Frankfurt am Main und Hamburg habe zeigen können, dass geeignete Transformationen für unterschiedliche Bedarfe möglich sind. Voraussetzung: eine gute Kooperation zwischen Unternehmen der Siedlungswasserwirtschaft und der Stadtentwicklung bzw. Regionalplanung. „Entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung neuer, noch wenig bekannter Wasserinfrastrukturlösungen ist, dass alle betroffenen Akteure in den Prozess involviert sind, vom Stadtplaner bis zum Installateur", betont Martina Winker.

Den Wandel gestalten: Spielräume für eine nachhaltige Transformation
Alle Ergebnisse des dreijährigen Forschungsprojekts sind in der Publikation „Wasserinfrastruktur: den Wandel gestalten" nachzulesen. Die Studie stellt Varianten, Potenziale und Spielräume für eine nachhaltige Transformation vor. „Unsere Studie zeigt, wie die hohe Qualität der kommunalen Daseinsvorsorge im Bereich Wasserinfrastruktur auch künftig gewährleistet werden kann", sagt Jens Libbe vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu), das die Forschungsarbeiten maßgeblich mitgetragen hat. „Die heutigen Rahmenbedingungen zeigen nicht nur vorhandene Schwächen in den bestehenden Systemen auf, sondern bieten eine strategische Chance, um neu über Wasserinfrastrukturen und über unseren Umgang mit Wasser nachzudenken", sagt Libbe.

Die Studie verdeutlicht anhand von Beispielen, was für eine erfolgreiche Transformation wichtig ist: Dazu zählen technische Systemalternativen, die Erfahrungen aus Pilot-Kommu-nen wie Frankfurt am Main und Hamburg, aber auch rechtliche Regelungen und neue Unternehmensstrategien. In der Publikation geht es zudem um Fragen der Systemwahl, des Managements für die Einführung neuartiger Systeme und der Akzeptanz der NutzerInnen. Die AutorInnen benennen darüber hinaus den noch bestehenden Forschungs- und Handlungsbedarf, der unter anderem in der Finanzierbarkeit oder der nötigen Kompetenzvermittlung der wissenschaftlichen und technischen Grundlagen in Aus- und Fortbildung liegt.

Wasserinfrastruktur: Den Wandel gestalten. Technische Varianten, räumliche Potenziale, institutionelle Spielräume. Winker, Martina; Trapp, Jan Hendrik gemeinsam mit Libbe, Jens; Schramm, Engelbert (Hrsg.) Printpublikation in der Reihe Edition Difu - Stadt Forschung Praxis, Band Nr. 16. ISBN: 978-3-88118-584-4; ISSN: 1863-7949

Weitere Informationen: www.difu.de/11299 oder per E-Mail: vertrieb@difu.de

Der Forschungsverbund netWORKS 3 hat zudem Handreichungen für Entscheidungsträger erstellt, die auf der Homepage des Forschungsverbunds zum Download bereitstehen.

www.networks-group.de

netWORKS 3 wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) innerhalb der Fördermaßnahme „Intelligente und multifunktionelle Infrastruktursysteme für eine zukunftsfähige Wasserversorgung und Abwasserentsorgung (INIS)" im BMBF-Programm „Forschung für nachhaltige Entwicklungen (FONA)" gefördert. Forschungs- und Projektpartner waren das ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung, das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu), die Tech¬nische Universität Berlin mit dem Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) sowie COOPERATIVE - Infrastruktur und Umwelt. Praxispartner waren die ABG FRANKFURT HOLDING und die Hamburger Stadtentwässerung AöR.

Weitere Informationen:
http://www.isoe.de
http://www.difu.de
http://www.networks-group.de

Anhang
Zukunftsfähige Wasserinfrastrukturen: Empfehlungen zur Transformation
https://idw-online.de/de/attachment57719

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Wie schmecken wir Wasser? Signalweg entschlüsselt

Beate Kostka M.A. Ressort Presse - Stabsstelle des Rektorats
Universität Duisburg-Essen

Wasser schmeckt selten sauer. Aber gerade die Rezeptoren für diese Geschmacksrichtung, signalisieren dem Trinkenden: „Was jetzt über die Zunge strömt, ist Wasser." Das haben erstmals Wissenschaftler des Instituts für Anatomie der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) zusammen mit Kollegen des California Institute of Technology nachgewiesen. Hierüber berichtet das Fachmagazin Nature Neuroscience* in seiner aktuellen Ausgabe.

„Das Richtige zu trinken ist lebenswichtig. Reines, mineralienfreies Wasser schmeckt zwar nach nichts, trotzdem wird es zweifelsfrei beim Trinken erkannt. Uns interessierte, wie so etwas möglich ist", erläutert Prof. Dr. Gunther Wennemuth, Direktor des Instituts für Anatomie der Medizinischen Fakultät am Universitätsklinikum Essen.

Die Forscher sahen sich die unterschiedlichen Geschmacksrezeptoren genauer an und stellten überraschenderweise fest, dass möglicherweise sogar einer der bereits bekannten Rezeptoren für süß, bitter, sauer, salzig oder herzhaft („umami") für das Schmecken von Wasser verantwortlich sein könnte. Im nächsten Schritt blockierten sie deshalb die Rezeptoren nacheinander und stimulierten die restlichen. So fanden sie heraus, dass die Rezeptoren für „sauer" auch auf Wasser reagieren.

Um zu belegen, dass diese auch in der Lage sind, Wasser zu erkennen, nutzten die Forscher optogenetische Techniken: Die Erbinformation von Mäusen wurde so verändert, dass deren saure Geschmacksrezeptoren von blauen Lichtimpulsen angeregt wurden. Waren sie durstig, zog es sie zum angebotenen Licht, weil sie es für Trinkwasser hielten.

Prof. Gunther Wennemuth: „Aber diese Rezeptoren sind es nicht allein. Wir konnten auch zeigen, dass ein bestimmtes Enzym (Carboanhydrase IV), das wir bisher nur mit der Spermienbewegung in Verbindung brachten, wichtig ist für die Wasserdetektion." Wird der Speichel durch das Trinken von Wasser von den sauren Geschmacksrezeptoren weggespült, aktiviert dies das Enzym und vermittelt den Sinneseindruck von Wasser.

Gefördert wurde das Forschungsprojekt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, der Caltech and Caltech's Division of Biology and Biological Engineering, das Searle Scholars Program, das Edward Mallinckrodt, Jr. Foundation, die Okawa Foundation, die McKnight Foundation und den Klingenstein-Simons Fellowship Award.

Weitere Informationen: *doi:10.1038/nn.4575
Christine Harrell, Medizinische Fakultät, Tel. 0201/723-1615, christine.harrell@uni-due.de
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Ressort Presse
Universität Duisburg-Essen
Stabsstelle des Rektorats
http://www.uni-due.de/presse

Quelle: idw 

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Mit dem Laser gegen Unkraut

Johannes Seiler Dezernat 8 - Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Ein Roboter erkennt automatisch Unkräuter auf dem Feld und bekämpft sie mit einem kurzen Laserpuls. Nachhaltige Landwirtschaft, die weitgehend auf Herbizide verzichtet, könnte von dieser pfiffigen Idee profitieren. Davon sind Dr. Julio Pastrana und Tim Wigbels vom Institut für Geodäsie und Geoinformation der Universität Bonn überzeugt. Mit einem EXIST-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums treiben die Wissenschaftler nun die Entwicklung dieses praktischen Helfers für die Feldarbeit voran.

Wer eine reiche Ernte will, muss Unkräuter zurückdrängen, damit die Feldfrüchte besser wachsen können. In der biologischen Landwirtschaft scheiden Herbizide als chemische Waffen aus, unerwünschte Kräuter müssen aufwendig gejätet werden. Geht es nach den Vorstellungen von Dr. Julio Pastrana und Tim Wigbels können diese zeitraubenden Arbeiten bald von Robotern erledigt werden.

Laserbasierte Unkrautbekämpfung kann Herbizide reduzieren
Die Informatiker am Labor für Photogrammetrie des Instituts für Geodäsie und Geoinformation der Universität Bonn entwickeln derzeit ein neuartiges System: Auf einem geländegängigen Roboterfahrzeug oder auch Traktoren sollen mittels Kameras automatisch unerwünschte Wildkräuter in den verschiedenen Kulturen erkannt und gezielt bekämpft werden. „Mit einem kurzen und relativ schwachen Laserpuls beschießt der Roboter die Blätter der unerwünschten Pflanzen, die dadurch in ihrer Vitalität geschwächt werden", berichtet Dr. Pastrana. „Damit könnte absehbar die Menge an auf den Feldern ausgebrachten Herbiziden drastisch verringert und die Umwelt geschont werden", ergänzt Wigbels.

Vor der Ausgründung arbeitete Dr. Pastrana in der Robotik und forschte mit Prof. Dr. Cyrill Stachniss vom Institut für Geodäsie und Geoinformation der Universität Bonn zu automatisierten Verfahren der Bildinterpretation. Dr. Pastrana hat an der Universität Hannover über die Detektion und Klassifikation von Unkraut mit Hilfe statistischer Modelle promoviert und dort mit einem Kollegen eine Vorläuferversion des Roboters gebaut. Wigbels studierte technische Informatik an der RWTH Aachen und arbeitete anschließend in der Software-Entwicklung in einem Unternehmen.

Nun treiben die Forscher mit einem EXIST-Stipendium des Bundeswirtschaftsministeriums ein Jahr lang an der Universität Bonn ihre Ausgründung "Escarda Technologies" voran. „Es geht nun darum, Investoren zu finden und den Businessplan für das Startup weiterzuentwickeln", sagt Wigbels. Mit der Förderung des Ministeriums wollen die Forscher auch die notwendigen Teile für den Bau eines Prototypen anschaffen.

Vielfältige Unterstützung durch die Universität Bonn
Prof. Stachniss unterstützt die Ausgründer in vielfältiger Hinsicht: So können Pastrana und Wigbels am Institut Labore nutzen und sich dort mit Kollegen austauschen. Außerdem half Rüdiger Wolf vom Technologietransfer der Universität Bonn den Ausgründern bei der Antragstellung für die EXIST-Förderung. „Die Beratung war sehr hilfreich", freut sich Dr. Pastrana. Auch an den regelmäßig vom Technologietransfer organisierten Gründerstammtischen möchten die beiden Wissenschaftler teilnehmen, um von den Erfahrungen anderer Existenzgründer zu profitieren. Das EXIST-Stipendium ermöglicht ihnen darüber hinaus, Trainingsprogramme zu besuchen, die sie auf die Herausforderungen der Selbstständigkeit vorbereiten.

„Die Idee verbindet innovative Robotik mit einem aktuellen Nachhaltigkeitsthema", sagt Transferberater Rüdiger Wolf. Die Analysen zum Markt und zum Wettbewerb für eine solche Anwendung seien fundiert. Pastrana ist vom Nutzen des laserbasierten Verfahrens für neuartige Landmaschinen überzeugt: „Unser Ziel ist, einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft zu leisten." Bei der Bonner Ideenbörse der Industrie- und Handelskammer Bonn/Rhein-Sieg gewannen die beiden Gründer einen Preis für die beste Startup-Idee.

Weitere Informationen:
http://www.escarda.net
Internet

Quelle: idw 

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Neue Methanabbauer in Seen entdeckt

Dr. Fanni Aspetsberger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

Bakterien bauen in Süsswasserseen einen grossen Teil des klimaschädlichen Methans ab, bevor es in die Atmosphäre gelangen kann. Jetzt zeigt eine Studie im Rotsee und im Zugersee, dass dabei nicht die bekannten Methanfresser die Hauptarbeit leisten, sondern eine bisher nur von Trinkwasseruntersuchungen bekannte, fädige Bakterienart.

Sinkt totes organisches Material in einem See oder im Meer auf den Grund, entsteht beim Abbau der Biomasse Methan. Ein Teil davon gelangt über die Wasseroberfläche in die Atmosphäre, wo es als Klimagas wirkt. Ein anderer Teil wird im freien Wasser von Bakterien abgebaut. Nun hat eine internationale Forschergruppe um Kirsten Oswald von der Eawag (Schweiz) und Jana Milucka vom MPI Bremen herausgefunden, dass nicht nur die „klassischen Methanfresser" an diesem Prozess beteiligt sind, sondern auch bisher in der Umwelt kaum untersuchte, fadenförmige Bakterien der Gattung Crenothrix. Soeben haben sie ihre Studie im Fachjournal The ISME Journal veröffentlicht.

Zufällig entdeckt
Auf die Crenothrix-Bakterien sind die Wissenschaftler durch Zufall gestossen: Im Luzerner Rotsee und im Zugersee haben sie mit dem Labeling-Verfahren versucht, den Methanabbau noch besser quantifizieren zu können. Dabei werden Methanmoleküle mit „schweren" 13C-Atomen markiert. Wird das gekennzeichnete Methan dann von Bakterien aufgenommen, können diese dank eines Massenspektrometers unter dem Mikroskop gezielt sichtbar gemacht werden. „Typischerweise sind das kleine runde Zellen", sagt Jana Milucka. Doch diesmal, so Milucka, waren nicht nur diese Bakterien voll mit dem 13C, sondern auch lange, fadenförmige Vertreter daneben (siehe Abbildung). „Das war sehr überraschend für uns, denn bis dahin hatten wir nicht einmal gewusst, dass diese fadenförmige Bakterien in der Natur so häufig vorkommen. Erst da begannen wir ihre Bedeutung für die natürliche Beseitigung von Methan zu untersuchen."

Bisher nur als Brunnenfäden bekannt
Geologe Carsten Schubert von der Eawag gilt als Spezialist für den bakteriellen Methanabbau im Wasser. Auch für ihn kam der Befund aus den beiden Innerschweizer Seen überraschend. Die sehr grossen, fädigen Crenothrix-Bakterien seien zwar schon lange bekannt, doch eigentlich nur aus Trinkwassersystemen. Dort sind sie lästig, weil sie sich so stark vermehren können, dass Rohre, Sandfilter und Siebe verstopfen. Crenothrix-Bakterien wurden darum auch als „Brunnenfäden" bezeichnet. Im Seewasser wurden sie bisher nicht nachgewiesen, weil nicht spezifisch danach gesucht wurde und weil sie mit molekulargenetischen Methoden schwierig zu entdecken seien. „Wir haben wohl ihre Rolle im biogeochemischen Kreislauf völlig unterschätzt", räumt Schubert jetzt ein. Denn inzwischen haben die Forschenden nicht nur nachgewiesen dass die Brunnenfäden fester Bestandteil im Plankton von Süsswasserseen sind, sondern dass sie dort sogar die Hauptmethanoxidierer sein können.

Originalveröffentlichung
Crenothrix are major methane consumers in stratified lakes
Kirsten Oswald, Jon S Graf, Sten Littmann, Daniela Tienken, Andreas Brand, Bernhard Wehrli, Mads Albertsen, Holger Daims, Michael Wagner, Marcel MM Kuypers, Carsten J Schubert und Jana Milucka (2017): Crenothrix are major methane consumers in stratified lakes; ISME Journal (2017) 00, 1-17. http://dx.doi.org/10.1038/ismej.2017.77


Rückfragen bitte an
Dr. Jana Milucka
Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie
Telefon: +49 421 2028-634
E-Mail: jmilucka@mpi-bremen.de

oder an die Pressestelle
E-Mail: presse@mpi-bremen.de
Dr. Fanni Aspetsberger
Telefon: +49 421 2028 947

Dr. Manfred Schlösser
Telefon: +49 421 2028 704

Text: Andri Bryner (Eawag)

Quelle: idw 

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Neue Erkenntnisse zum Meeresspiegel-Anstieg

Tanja Hoffmann M.A. Stabsstelle für Presse, Kommunikation und Marketing
Universität Siegen

Der Anstieg des globalen Meeresspiegels hat sich in den vergangenen zwanzig Jahren deutlich beschleunigt. Das zeigt eine Studie des Forschungsinstituts „Wasser und Umwelt" (fwu) der Universität Siegen.

Durch den vom Menschen verursachten Klimawandel wird es auf der Erde immer wärmer. In der Folge steigt der Meeresspiegel, was vor allem Küstenregionen bedroht. Ein internationales Team von Wissenschaftlern um Dr. Sönke Dangendorf vom Forschungsinstitut „Wasser und Umwelt" (fwu) der Universität Siegen hat vorliegende Daten zum Meeresspiegel-Anstieg neu berechnet. Die Studie zeigt, dass der weltweite mittlere Meeresspiegel zwischen 1902 und 1990 langsamer angestiegen ist, als bisher angenommen. Gleichzeitig identifizieren die Forscher unverändert hohe Raten für die letzten rund 30 Jahre. Zusammengenommen lassen die Erkenntnisse darauf schließen, dass sich der Meeresspiegel-Anstieg zuletzt deutlich beschleunigt hat. Die Ergebnisse der Studie sind jetzt in der amerikanischen Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Science" (PNAS) veröffentlicht worden.

„Die Kurve sieht tatsächlich anders aus, als auf der Basis vorheriger Studien berechnet", sagt Sönke Dangendorf. „Sie verläuft zunächst flacher - dafür geht sie seit den 1990er Jahren deutlich steiler nach oben. Der Meeresspiegel steigt heute etwa dreimal so schnell, wie über das gesamte 20ste Jahrhundert." Eine Erkenntnis, die den Ingenieur beunruhigt: „Der Einfluss des Menschen auf die globale Erwärmung zeigt sich vor allem in den letzten Jahrzehnten. Unsere Ergebnisse belegen, dass der Meeresspiegel sehr empfindlich darauf reagiert." Im 20sten Jahrhundert sei er hauptsächlich durch das Abschmelzen von Gletschern und die thermale Ausdehnung des Wassers gestiegen, erklärt Dangendorf. „Im 21sten Jahrhundert kommt das Abschmelzen der großen Eisschilde in Grönland und der Antarktis hinzu. Wir beobachten, dass dieser Prozess zu einem immer dominanteren Faktor für den globalen Meeresspiegel-Anstieg wird."

Seit 1992 wird der globale Meeresspiegel durch Satelliten gemessen, die permanent die gesamte Meeresoberfläche abtasten. Die Berechnungen früherer Jahre beruhen dagegen auf lokalen Tidepegeln, die ursprünglich für die Belange der Schifffahrt entlang der Küsten installiert wurden. „Die Tidepegel messen den lokalen Wasserspiegel relativ zum Land, auf dem sie stationiert sind. Die Ergebnisse können jedoch durch regionale Faktoren verfälscht werden - zum Beispiel durch vertikale Landbewegungen, Winde oder Gravitationseffekte", sagt Dangendorf. Ein weiteres Problem: Die Verteilung der Tidepegel entlang der Küsten variiert sehr stark. Besonders vor 1950 seien einige Regionen nicht flächendeckend mit den Mess-Stationen ausgestattet gewesen, erklärt der Siegener Forscher. Anhand der zur Verfügung stehenden, lokalen Daten den globalen Meeresspiegel zu berechnen - für WissenschaftlerInnen ein Problem. Bereits existierende Studien zum Meeresspiegel-Anstieg kommen daher auch zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen: Der berechnete jährliche Anstieg vor 1990 variierte bisher je nach Studie zwischen 1.2 und 2 Millimetern.

„Wir wollten den Ungenauigkeiten auf den Grund gehen und Lösungen für eine exaktere Berechnung der Daten entwickeln", sagt Sönke Dangendorf. WissenschaftlerInnen aus Spanien, Frankreich, Norwegen und den Niederlanden waren an der aktuellen Studie beteiligt. Sie haben die Messungen der Tidepegel zunächst um lokale Einzeleffekte bereinigt. „Mithilfe von GPS-Messungen können wir Faktoren wie zum Beispiel vertikale Landbewegungen heute gut bestimmen und entsprechend heraus rechnen", erklärt Dangendorf. Das Team hat darüber hinaus eine neue Methode zur Berechnung des globalen Meeresspiegels entwickelt. Der Ozean wird dazu in verschiedene Regionen eingeteilt. Diese werden in der Analyse in Relation zu ihrer jeweiligen Fläche unterschiedlich stark gewichtet.

„Wir haben eine relativ simple Methodik verwendet, die nicht viel Rechenzeit benötigt und für jeden verständlich ist", sagt Sönke Dangendorf. Die Ergebnisse passen für ihn zu Messungen einzelner Prozesse, die zum Meeresspiegel-Anstieg beitragen. „Die Eisschilde in Grönland und der Antarktis speichern rund hundert Mal mehr Wasser, als Gletscher. Daher birgt ein weiteres Abschmelzen der Eisschilde ein besonderes Risiko für tiefliegende Küstengebiete."

Anhang
Bis zum Beginn der 90er Jahre wurden Tidepegel entlang der Küsten genutzt, um Informationen über den Anstieg des Meeresspiegels zu gewinnen.
https://idw-online.de/de/attachment57555

Quelle: idw 

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Der Kampf um Boni vergiftet das Arbeitsklima

Kristina Brümmer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Kühne Logistics University - Wissenschaftliche Hochschule für Logistik und Unternehmensführung

Unternehmen setzen zur Mitarbeitermotivation gern auf leistungsbasierte Bonussysteme. Diese Systeme beeinflussen allerdings das Verhalten am Arbeitsplatz nicht nur in der gewünschten, leistungssteigernden Weise: Bonussysteme fördern soziale Vergleiche und Wettbewerb und können zu aggressivem Verhalten der Mitarbeiter führen. Das kann so weit gehen, dass sich Kollegen untereinander aktiv schaden. Zu diesem Ergebnis kommen Prof. Dr. Niels Van Quaquebeke von der Kühne Logistics University und Daniel Gläser (RespectResearchGroup, Universität Hamburg), die gemeinsam mit Dr. Suzanne van Gils von der Universität Maastricht die Kollateraleffekte von Bonussystemen in Organisationen untersucht haben.

So genannte Pay-for-Performance-Systeme (PfP-Systeme) haben sich in vielen Branchen erfolgreich etabliert, vom Gesundheits- bis zum Bankwesen. Sie gelten als besonders effektives Mittel zur Steigerung der Motivation. Die Mitarbeiter erhalten finanzielle Boni, wenn Sie festgelegte Ziele erreichen. Die unschönen Begleiterscheinungen dieser Praxis wurden bislang jedoch außer Acht gelassen. In einer branchenübergreifenden Querschnittsstudie und zwei Experimenten richten die Autoren ihren Blick genau auf diese negativen Konsequenzen für den einzelnen Mitarbeiter und die Gesamtorganisation. Daniel Gläser fasst zusammen: „PfP-Systeme können für Organisationen zu einem Problem werden. In einem Unternehmen, dessen Erfolg von Wissensaustausch, Innovation und guter kollegialer Zusammenarbeit seiner Mitarbeiter und Führungskräfte abhängt, vergiftet ein aggressiver Wettbewerb zwischen den Kollegen das Arbeitsklima." Dieser Wettbewerb muss nicht einmal im System angelegt sein; es reicht, dass Mitarbeiter sich automatisch mehr mit anderen vergleichen und ein Wettbewerbsklima empfinden. „Wenn Mitarbeiter sich gegenseitig schaden und Leistungsträger das Unternehmen verlassen, schadet das auf lange Sicht dem gesamten Unternehmen", sagt Gläser.

Die Autoren plädieren daher dafür, die möglichen negativen Prozesse hinter einem PfP-System in der Organisation offenzulegen und den durch die Systeme geschaffenen Wettbewerb genau im Blick zu behalten. Prof. Dr. Niels Van Quaquebeke erklärt: „Das gilt ganz besonders bei Mitarbeitern, deren individuelles Profil durch Konkurrenzdenken geprägt ist. Wer einen starken Willen zum interpersonellen Vergleich hat und immer besser sein möchte als die anderen, spricht stark an auf die Reize durch Bonussysteme. Dies kann dann zu aggressivem Verhalten führen." Daher empfehlen die Autoren bei der Einführung von PfP-Systemen, mögliche Konflikte zwischen kurzfristigen ökonomischen Zielen und der langfristig angestrebten Unternehmenskultur genau abzuwägen. Diverse Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass überehrgeiziges Gewinnstreben dem Image des Unternehmens schaden oder gar zu schweren unternehmerischen Krisen führen kann.

Der Artikel "Pay-for-Performance and Interpersonal Deviance: Competitiveness as the Match that Lights the Fire" erscheint in der nächsten Ausgabe des Journal of Personnel Psychology.

Über die KLU
Die Kühne Logistics University - Wissenschaftliche Hochschule für Logistik und Unternehmensführung (KLU) ist eine private Hochschule mit Sitz in der Hamburger HafenCity. Die Schwerpunkte der unabhängigen, staatlich anerkannten Hochschule liegen in den Bereichen Logistik und Management. Mit einem Bachelor- und vier Masterstudiengängen, einem PhD-Begleitprogramm für Doktoranden und einem berufsbegleitenden MBA bietet die KLU ihren 275 Vollzeit-Studierenden eine hohe Spezialisierung und exzellente Studienbedingungen. Fach- und Führungskräfte profitieren in offenen und maßgeschneiderten Managementseminaren von der Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse auf praktische Fragestellungen. Die KLU richtet sich an Studierende aus dem In- und Ausland, ein internationales Team von 23 Professoren unterrichtet auf Englisch. Die Forschung an der KLU konzentriert sich um die Kompetenzschwerpunkte Sustainability, Digital Transformation und Creating Value in den Bereichen Transport, globale Logistik und Supply Chain Management.

Das jüngste Handelsblatt-Ranking weist die KLU als eine der forschungsstärksten Universitäten hinsichtlich der Forschungsleistung pro Professor in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus. Im neuesten CHE-Hochschulranking erreicht die KLU in allen Hauptkriterien die Höchstbewertung.

Mehr Informationen unter www.the-klu.org.

Quelle: idw 

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TU Berlin: Eine Fundgrube für Wertstoffe

Stefanie Terp Stabsstelle Presse, Öffentlichkeitsarbeit und Alumni
Technische Universität Berlin

BMBF-Verbundvorhaben „Konzentrate aus der Abwasser-Wiederverwendung" (HighCon) will mit innovativen Prozessen die Wasserverfügbarkeit sicherstellen

Die Wiederverwendung kommunaler und industrieller Abwässer wird weltweit immer wichtiger, um die Wasserverfügbarkeit ökonomisch und ökologisch sicherzustellen. Dabei fallen hochkonzentrierte Abwasserströme an, die derzeit fast ausschließlich in kommunale Kläranlagen oder in einigen Drittländern sogar direkt in die Umwelt eingeleitet werden. Sie enthalten Salze, schwer abbaubare organische Verbindungen und auch Schwermetalle.

Wege zu finden, diese Konzentrate zu verwerten, damit beschäftigt sich ein neues Verbundvorhaben. Das Projekt „Konzentrate aus der Abwasser-Wiederverwendung" (HighCon) hat das Ziel, innovative Prozesse zur Wiederverwendung von industriellem Abwasser bis hin zur Verwertung der Konzentrat-Inhaltsstoffe zu entwickeln. Die Konzentrate werden nicht mehr als Abfallprodukte betrachtet, die es zu entsorgen gilt, sondern werden selbst zum Rohstoff.

Um diese Konzentrate wiederverwenden zu können, bedarf es innovativer systemtechnischer Lösungsansätze, bei denen verschiedenste Aufbereitungsverfahren, aber auch Vermeidungs- oder Substitutions-Maßnahmen zusammenwirken müssen. Besonders die Abtrennung anorganischer Stoffe wie gelöste Salze stellt eine Herausforderung dar. Zum einen kann nur hierdurch der zunehmend kritisch werdende Eintrag dieser Stoffe in den natürlichen Wasserkreislauf verhindert werden. Zum anderen wird in immer mehr Bereichen die Rückgewinnung dieser Stoffe als Wertstoff wirtschaftlich interessant - zum Bespiel zur Rückführung in die eigene Prozesskette wie beispielsweise die Laugenrückgewinnung für industrielle Reinigungsprozesse oder zur Weiterverarbeitung für andere Anwendungen. Dazu zählen unter anderem Soda, Schwefelsäure oder Trockensalze wie Tausalz oder andere Salzarten. Dies ist insbesondere auch vor dem Hintergrund der beispielsweise begrenzten Kalisalz-Reserven sowie des stark schwankenden Preises relevant.

Die Wasser-Wiederverwendung in der Industrie erfordert dabei - anders als im kommunalen Bereich - auf die jeweilige Branche zugeschnittene Lösungen. Besondere Merkmale des industriellen Wassermanagements, vor allem in Prozessindustrien wie beispielsweise in der Chemie, in der Biotechnologie oder in der Lebensmittelproduktion, sind im Gegensatz zum kommunalen Bereich spezifische Abwasser-Charakteristiken und Anforderungen an die Wasser-Wiederverwendung und die Konzentrat-Verwertung. Wesentlich für die Betreiber von Wasser-Recyclinganlagen sind dabei insbesondere die Minimierung von Reststoffen aufgrund der sehr hohen Entsorgungskosten und der Entsorgungssicherheit. Deshalb werden basierend auf den Anforderungen ausgewählter Industriebranchen innovative Technologien wie die Membran-Destillation, die selektive Niedertemperatur-Destillation-Kristallisation sowie die monoselektive Elektrodialyse weiterentwickelt und an spezifische Anwendungen angepasst.

Dazu werden zunächst umfangreiche Laborversuche mit synthetischen und realen Abwässern durchgeführt und auf den Pilotmaßstab übertragen. Anschließend erfolgt die Demonstration in verschiedenen Industrieunternehmen (Kaffeerösterei, Berufskleidungswäscherei, Bioethanolproduzent), die als assoziierte Anwender in dem Projekt kooperieren. Ein Simulationswerkzeug soll die komplexen Zusammenhänge von den Rohwasserströmen bis zur Konzentrat-Verwertung abbilden und damit erstmalig die Wasserwiederverwendung ganzheitlich optimieren.

Das Vorhaben wird vom Projektträger Karlsruhe (PTKA) betreut und vom TU-Fachgebiet Umweltverfahrenstechnik unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Sven-Uwe Geißen koordiniert. Neben externen Partnern aus der Wirtschaft wie WEHRLE Umwelt GmbH, SolarSpring GmbH, Terrawater GmbH und DEUKUM GmbH sind auch die DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V., das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE und die DVGW-Forschungsstelle am Engler-Bunte-Institut des Karlsruher Instituts für Technologie beteiligt. Das Verbundprojekt HighCon wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Fördermaßnahme WavE drei Jahre gefördert.

http://www.highcon.de/

Weitere Informationen erteilen Ihnen gern:
Prof. Dr.-Ing. Sven-Uwe Geißen
TU Berlin
Fachgebiet Umweltverfahrenstechnik
Tel.: 030/314-22905
E-Mail: sven.geissen@tu-berlin.de

Dr.-Ing. Gesine Götz
Tel.: 030/314-25652
E-Mail: gesine.goetz@tu-berlin.de

Weitere Informationen:
http://www.highcon.de/

Quelle: idw 

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Meereswärme zur Versorgung eines Kälte- und Wärmenetzes in Marseille

Marie de Chalup Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Nach 2-jähriger Bauzeit wurde im Oktober 2016 die Kälteanlage Thassalia im Hafen von Marseille in Betrieb genommen. Ziel ist eine Kälte-/Wärme-Anlage, die die Meereswärme zur Versorgung eines Kälte- und Wärmenetzes im Stadtteil Euroméditerranée nutzt.

Aus 7 m Tiefe wird das Meerwasser zur Versorgung von Platten-Wärmetauschern über sechs Pumpen mit einem Gesamtdurchfluss von 3600 m3/h hochgepumpt. Durch zwei Rohre fließt 60°C warmes Süßwasser und durch zwei weitere 5°C kaltes Süßwasser in einem geschlossenen Kreislauf mit einer maximalen Durchlaufgeschwindigkeit von 2280 m3/h für Kaltwasser und 1050 m3/h für Warmwasser. Bei ihrem Durchfluss durch die Anlage tauschen das Süß- und das Salzwasser Wärme aus, ohne sich zu vermischen. Über den Platten-Wärmetauscher wird dem Kaltwasser Wärme entzogen und an das Warmwasser abgegeben, wodurch das kalte Wasser noch kälter und das warme Wasser noch wärmer wird. Dank der Thermopumpen kommt es zu diesem Temperaturaustausch zwischen dem Kalt- und dem Warmwassernetz. Diese technische Lösung verhindert eine Durchströmung des Meereswassers in den Thermopumpen.

Die Temperatur des Meereswassers beträgt im Winter durchschnittlich 14°C und im Sommer 22°C. Die wieder ins Meer zurückgeführte Temperatur liegt nie über 30 Grad und der Temperaturunterschied zwischen dem eingespeisten Meerwasser und dem wieder zurückgeführten Wasser übersteigt nie 5°C. Eine biologische Überwachung des Meereswassers wird regelmäßig durchgeführt.

Für die Erzeugung von 19 MW Kälte und 19 MW Wärme werden 70% durch die Energie des Meereswassers, 5% durch Gas und 25% durch Stromversorgung abgedeckt.

Das Gesamtbudget des Projektes beträgt 35 Millionen Euro und stammt vor allem von Privatinvestoren. Die französische Agentur für Umweltschutz und Energie (ADEME), die Europäische Union (Programm FEDER), die Region Provence-Alpes-Côte-d'Azur, das Departement Bouches-du-Rhône, die Stadt Marseille und der Staat unterstützen das Projekt finanziell in Höhe von 7 Millionen Euro. Bis 2019 wird eine weitere Thermopumpe installiert und das Süßwassernetz erweitert, um Wohnungen und Büros mit einer Fläche von 500 000 m² zu beheizen und zu klimatisieren.

Quelle:
ꞌꞌThassalia pompe les calories marinesꞌꞌ, Pressemitteilung von Indutrie&Technologie, 28.04.2017 - https://www.industrie-techno.com/thassalia-pompe-les-calories-marines.49194

Redakteur: Luc Massat, luc.massat@diplomatie.gouv.fr

Quelle: idw 

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Nanopartikel: Wo bleiben sie, und wie verändern sie sich?

Dr. Suzan Fiack Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

BfR koordiniert Forschungsprojekt zur Untersuchung luftgetragener Partikelgemische sowie ihrer möglichen Effekte auf die Gesundheit

Trotz der stetig steigenden Anwendung industriell hergestellter Nanomaterialien (NM) ist bisher wenig darüber bekannt, wo sie nach einer potenziellen Freisetzung in die Luft und nach einer Aufnahme über die Atmung im Körper verbleiben. Unbekannt ist auch, welche gesundheitlichen Effekte sie im Bronchialtrakt und den Alveolen der Lunge verursachen. Mit dem internationalen Forschungsprojekt NANOaers (NANOaers =fate of aerosolized Nanoparticles: The influence of surface active substanced on lung deposition and respiratory effects) soll der Verbleib luftgetragener, lungengängiger Partikel erforscht werden. Die Finanzierung erfolgt in Deutschland durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). „Uns interessiert dabei insbesondere auch die Frage einer möglichen Ko-Exposition gegenüber Partikeln und weiteren im Aerosol vorliegenden Stoffen", sagt der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR), Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, „Nanopartikel sind in der Luft nicht in Reinform vorhanden. Sie unterliegen bei der Freisetzung Veränderungsprozessen und werden in der Regel zusammen mit anderen Partikeln und Stoffen als Gemisch eingeatmet." Dieser Aspekt ist von Bedeutung, da Mensch und Umwelt nur in seltenen Fällen gegenüber Nanomaterialien exponiert bzw. belastet werden, die nicht bereits durch chemische Substanzen verändert wurden, entweder durch die Anwendung an sich oder durch Reaktionen in der Atmosphäre. In dem internationalen Forschungsvorhaben, welches für drei Jahre innerhalb des Rahmenprogramms ERA-NET SIINN gefördert wird, sind neben den EU-Ländern Deutschland, Österreich, Spanien und Rumänien auch die USA beteiligt. Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von ca. 1,7 Millionen Euro.

Eine große Zahl an Nanomaterialien wird zur Verarbeitung in Flüssigkeiten eingebracht und dann versprüht. Bekannte Beispiele solcher Kleinstteilchen-Flüssigkeitsgemische aus dem Alltag sind unter anderem Reinigungs- und Imprägnier-Sprays, beispielsweise beim Lackieren oder Versiegeln. Diese luftgetragenen Nanomaterialien werden als „aerosolisiert" bezeichnet. Bisher ist wenig über den Verbleib und die Effekte solcher Gemische bekannt. Vor allem der Einfluss sogenannter Matrixeffekte in flüssigen Formulierungen ist bislang ungeklärt: So können beispielswiese Nanomaterialien andere Substanzen binden und als Träger an Orte in der Lunge befördern, wo diese Stoffe unter anderen Umständen nicht hingelangen würden.

Im Mittelpunkt des Forschungsvorhabens NANOaers steht deshalb die Frage, wie sich die Nanomaterialien in Gegenwart anderer Chemikalien verhalten und welche Auswirkungen sie auf den Menschen, insbesondere seinen Atemtrakt, haben. Dabei sollen die potentielle Aufnahme dieser Gemische über die Atemwege und ihr Verbleib in der Lunge aufgeklärt werden. Im Projekt wird auch untersucht, in welcher Weise sich Nanopartikel eventuell bereits auf ihrem Weg durch die Luft in ihrer chemischen und physikalischen Komposition verändern und ob und in welchem Umfang sich andere Stoffe an sie anlagern. Weiterhin sollen mögliche, daraus resultierende gesundheitliche Effekte untersucht werden.

Zur Klärung dieser Fragen werden realitätsnahe Formulierungen mit unterschiedlichen Nanomaterialien hergestellt. Diese Proben werden hinsichtlich ihres Verbleibs in der Raumluft und in den Atemwegen nach Aerosolisierung unter Anwendung verschiedener Messtechniken wie der Einzelpartikelgrößenbestimmung oder der bildgebenden Massenspektrometrie charakterisiert. Zur Klärung möglicher Effekte werden toxikologische Untersuchungen in vitro unter Anwendung unterschiedlicher Zellsysteme und auch in vivo Studien (mit Mäusen) durchgeführt. Weiterhin soll die Ablagerung der Nanoteilchen im Lungengewebe modellhaft beschrieben werden.

Die so gewonnenen Ergebnisse der einzelnen Untersuchungen werden in ein weiteres Modell einfließen, mit dessen Hilfe man den Verbleib von Nanomaterialien aus Aerosolgemischen in der Luft prädiktiv berechnen kann. Diese Art der Modellierung bildet ein wichtiges Instrument, um langfristig die Anzahl an sicherheitsrelevanten Untersuchungen der zahlreichen Variationen von Nanomaterialien zu reduzieren.

ERA-NET SIINN steht für European Research Area Network - Safe Implementation of Innovative Nanoscience and Nanotechnology. Mit diesem-Programm wird der sichere und schnelle Transfer von europäischen Forschungsergebnissen der Nanowissenschaften und Nanotechnologien in die praktische Anwendung gefördert.

Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

In diesem Jahr feiert das BfR sein 15-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hat das BfR eine Jubiläumsbroschüre herausgegeben, die unter http://www.bfr.bund.de/de/publikation/broschueren-660.html kostenlos heruntergeladen oder bestellt werden kann.

Quelle: idw 

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Ressourceneinsatz bei Umwälzpumpen optimieren

Elvira Grub M.A. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Kaiserslautern

In zwei Projekten will die Hochschule Kaiserslautern gemeinsam mit der TU Berlin und dem Frankenthaler Pumpenhersteller KSB Umwälzpumpen mit innovativer Leistungselektronik optimieren, um Rohstoff und Energie einzusparen.

Pumpen erzeugen weltweit den höchsten Energiebedarf. Von A wie Abwasser bis Z wie Zentralheizung werden Pumpen in vielfältigsten Bereichen eingesetzt, vor allem in der Industrie, z.B. im Rahmen von Kühlsystemen oder in Kraftwerksanlagen. Das Potential, Energie einzusparen ist hier enorm. Allein europaweit werden mehr als 140 Mio. Umwälzpumpen betrieben, die im Schnitt alle zehn Jahre ersetzt werden. Signifikante Verbesserungen der Ressourcen- und Energieeffizienz bei der Pumpenherstellung haben zwei vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Verbundprojekte im Fokus, an denen die Hochschule Kaiserslautern gemeinsam mit der TU Berlin und dem Pumpenhersteller KSB beteiligt ist.

Das Projekt IMPROVE, das im Rahmen des Programms r+ Impuls gefördert wird, will Umwälzpumpen mit innovativer Leistungselektronik optimieren, um Rohstoff und Energie einzusparen. Dies soll durch die Miniaturisierung und Integration der Leistungselektronik in die Elektromotoren von Umwälzpumpen gelingen, was es ermöglicht, die Pumpe mit variablen und damit auch höheren Drehzahlen zu fahren. Höhere Drehzahlen bedeuten, dass die Pumpe kleiner und damit materialsparender gebaut werden kann. Bei einer beabsichtigten Verkleinerung um 50 Prozent ist das Potential für Einsparungen also ganz erheblich. Bislang nicht Stand der Technik sind dabei die geplante Miniaturisierung und Integration der Leistungselektronik in das Motorgehäuse. Dies erfordert eine Überarbeitung der elektromechanischen Motorkonstruktion. Die Entwicklung entsprechender Voraussetzungen liegt bei der TU Berlin, die dafür innovative Leiterplattentechnologien einsetzt.

Für die Entwicklung der entsprechend kleinformatigen Elektromotoren will man im Projekt Eco-Pump-Drive gänzlich auf die Verarbeitung von Permanentmagneten auf der Basis von Selten-Erd-Metallen verzichten. Selten-Erd-Metalle werden in der Herstellung von hocheffizienten Elektromotoren verarbeitet und haben den Nachteil, dass zwar nicht deren Vorkommen, aber deren Gewinnung sehr aufwändig und daher mit hohem Energieverbrauch und hohen Kosten verbunden ist. Bei der Trennung vom Gestein, in das sie eingebunden sind, entstehen darüber hinaus chemisch und radioaktiv verunreinigte Abwässer. Ein Verzicht würde also nicht nur eine enorme Energie- und Kostenersparnis nach sich ziehen, sondern auch die Umweltverschmutzung verringern. Die Entwicklung von Elektromotoren, die zu 100 Prozent auf den Einsatz von Selten-Erd-Metallen verzichten, soll über ein verändertes Motorendesign gelingen. Hierbei arbeiten ebenfalls die Hochschule Kaiserslautern und das Unternehmen KSB zusammen und werden ebenfalls im Rahmen des Programms r+ Impuls gefördert.

Für beide Projekte ist es Aufgabe der Hochschule Kaiserslautern, eine industrietaugliche Demonstrationsanlage aufzubauen, in der die Entwicklung bis zur Qualifizierung permanent getestet wird. Dafür wird die Hochschule unter Leitung von Prof. Dr. Sven Urschel aus dem Fachbereich Angewandte Ingenieurwissenschaften, Testspezifikationen erstellen, die unter anderem bestimmen, welche Normen in Bezug auf die Umweltbedingungen oder das Betriebsverhalten erfüllt werden müssen. Für die durchzuführenden Tests werden verschiedene Versuchsstände und eigens ein Umweltsimulationsschrank angeschafft, der Wetterbedingungen simuliert. Dafür und für die Einrichtung von Mitarbeiterstellen erhält die Hochschule Kaiserslautern rund eine Million Euro über einen Zeitraum von drei Jahren.

Der Frankenthaler Pumpenhersteller KSB führt die Integration der Leistungselektronik in den Pumpenmotor durch. Außerdem übernimmt er die Gesamtentwicklung und -integration.

Ansprechpartner: Prof. Dr. Sven Urschel ++ Tel: 0631/3724-2240 ++ Mail: sven.urschel@hs-kl.de

Quelle: idw 

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Wasserqualität von Flüssen: Zusätzliche Reinigungsstufen in Kläranlagen lohnen sich

Antje Karbe Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

Viele Keime und Spurenstoffe in Abwasser könnten kostengünstig ausgefiltert werden

Eine zusätzliche Reinigungsstufe in Kläranlagen könnte mit geringem Aufwand große Mengen an Schadstoffen aus dem Abwasser entfernen und die Wasserqualität von Flüssen deutlich verbessern. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem von der Universität Tübingen koordinierten Forschungsprojekt. Sie haben im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung untersucht, wie effizient weitergehende Abwasserreinigung in Kläranlagen und Regenwasserbehandlungssystemen neuartige Verschmutzungen in Flüssen beseitigt.

Medikamente, Industriechemikalien und Krankheitserreger tauchen in immer größeren Mengen in Flüssen auf, weil die bisherigen Technologien in Kläranlagen diese zu wenig ausfiltern. „Im Durchschnitt können weitergehende Reinigungsstufen über 80 Prozent der Mikroverunreinigungen entfernen und die Anzahl der Keime um mehr als das Tausendfache reduzieren", macht Rita Triebskorn deutlich, Professorin für Physiologische Ökologie der Tiere an der Universität Tübingen. Für das Projekt SchussenAktivplus untersuchte ein Forschungsteam unter ihrer Leitung von 2012 bis 2016 die Schussen. Der größte deutsche Bodenseezufluss ist durch Landwirtschaft, Industrie und dichte Besiedlung belastet. Die Ergebnisse wurden nun in einem Abschlussbericht sowie einem Praxishandbuch des Bundesministeriums für Bildung und Forschung veröffentlicht.

Bisher arbeiten Kläranlagen in der Regel mit zwei bis drei Reinigungsstufen. Für SchussenAktivplus testeten die Forscherinnen und Forscher den Einsatz zusätzlicher Technologien wie Ozon, Aktivkohle in Form von Pulver oder Granulat sowie Sandfilter. Vor und nach Inbetriebnahme einer Anlage mit einer Pulveraktivkohlestufe prüfte das Team von Rita Triebskorn den Schadstoff- und Keimgehalt, schädliche Wirkpotentiale im Wasser sowie die Gesundheit von Gewässerorganismen, wie Fischen und Flohkrebsen.

Mit welcher Technologie eine zusätzliche Reinigungsstufe in Kläranlagen künftig arbeiten sollte, ist abhängig von den Standortbedingungen der einzelnen Anlagen. Ozonanlagen beseitigen besonders effektiv Keime und bestimmte Medikamente wie Diclofenac, benötigen aber eine zusätzliche Nachreinigung durch eine Filterstufe. Sie sind empfehlenswert, wenn beispielsweise Badegewässer durch den Ablauf der Kläranlage beeinflusst werden. Aktivkohleanlagen entfernen vor allem Mikroverunreinigungen, zum Beispiel die Industriechemikalie Benzotriazol, das auch in Geschirrspülmitteln zum Einsatz kommt. Im Einzugsgebiet von Naturschutzgebieten oder Trinkwasserreservoirs ist diese Technologie besonders sinnvoll.

An der Pulveraktivkohleanlage in Ravensburg beobachteten die Forscherinnen und Forscher, wie schnell sich ein Gewässer durch den Einsatz der Technologie regenerieren kann: Zweieinhalb Jahre nach Anschluss des Filters zeigten Fische unterhalb der Kläranlage Langwiese weniger Schäden und entwickelten sich besser. Außerdem verbesserte sich die Lebensgemeinschaft der auf dem Gewässerboden lebenden wirbellosen Tiere. Es kamen insgesamt mehr und auch für Umwelteinflüsse empfindliche Artenvor, wie z.B. seltene und gefährdete Steinfliegenlarven.

Auch die Kosten haben die Forscher berechnet. Die Jahreskosten für die Anlagen hängen von der gewählten Technologie, der Anlagengröße - in der Praxis gerechnet in Einwohnerwerten (EW) - und den örtlichen Rahmenbedingungen ab. „Bei Anlagengrößen von 100.000 EW sind pro Bürger im Jahr Kosten zwischen sechs und vierzehn Euro realistisch" so Professor Rita Triebskorn. „Die weitergehende Abwasserreinigung ist somit ein sehr wirksames und bezahlbares Instrument, um Mikroverunreinigungen und Keime im Wasserkreislauf zu vermindern".

Der Abschlussbericht des Projekts mit dem Titel „Weitergehende Abwasserreinigung: Ein wirksames und bezahlbares Instrument zur Verminderung von Spurenstoffen und Keimen im Wasserkreislauf" steht nun online zur Verfügung. Zudem hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Ergebnisse von SchussenAktivplus und elf weiteren Verbundprojekten im Praxishandbuch „Risikomanagement von neuen Schadstoffen und Krankheitserregern im Wasserkreislauf (RiSKWa)" veröffentlicht.

Mehr zum Projekt und eine ausführliche Publikationsliste sind zu finden unter www.schussenaktivplus.de

Publikationen:
Triebskorn, Rita (Hrsg.): Weitergehende Abwasserreinigung: Ein wirksames und bezahlbares Instrument zur Verminderung von Spurenstoffen und Keimen im Wasserkreislauf. Tübingen 2017. Online abrufbar unter: https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/74316

Die Ergebnisse von allen geförderten Projekten zum Risikomanagement von neuen Schadstoffen und Krankheitserregern im Wasserkreislauf RiSKWa finden sich im Praxishandbuch:
http://www.bmbf.riskwa.de/_media/RISKWA_Praxishandbuch.pdf  

Kontakt:
Prof. Dr. Rita Triebskorn
Universität Tübingen
Institut für Evolution und Ökologie
Telefon: +49 7071-29-78892
rita.triebskorn@uni-tuebingen.de

Quelle: idw 

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Abwasser effektiv reinigen

Dipl.-Chem. Katrin Schwarz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS

Wasser ist lebenswichtig - Abwässer müssen daher möglichst effizient gereinigt werden. Möglich machen das keramische Membranen. Forscher vom Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS in Hermsdorf konnten die Trenngrenze dieser Membranen nun deutlich herabsetzen und erstmals auch gelöste organische Moleküle mit einer Molaren Masse von nur 200 Dalton zuverlässig abfiltrieren. So lassen sich selbst Industrie-Abwässer effizient reinigen.

Wer sich im Hochsommer schon einmal mit zu wenig Wasser im Gepäck einen sonnigen Küstenpfad entlang geschleppt hat, weiß: Ohne Wasser hält man nicht lange durch. Denn Wasser ist eine der Grundlagen des Lebens. Und auch in der Industrie ist das kühle Nass ein Muss: In vielen Produktionsprozessen dient es als Lösemittel, Reinigungsmittel, kühlt oder überträgt Wärme. Da zunehmend mehr Wasser verbraucht wird, gilt es, Abwässer aufzubereiten und wiederzuverwenden. Eine gute Möglichkeit dazu bieten keramische Membranen: Da sie auf mechanische Art und Weise trennen - also ähnlich wie ein Kaffeefilter - sind sie besonders energieeffizient. Allerdings war mit dieser Methode bisher bei einer Molekülgröße von 450 Dalton Schluss: Kleinere Moleküle konnten mit keramischen Membranen nicht abgetrennt werden. Experten zufolge galt es sogar als unmöglich, diese Grenze zu unterschreiten.

Erstmalig 200 Dalton kleine Moleküle abtrennbar
Dr. Ingolf Voigt, Dr.-Ing. Hannes Richter und Dipl.-Chem. Petra Puhlfürß vom Fraunhofer IKTS haben das Unmögliche geschafft. »Mit unseren keramischen Membranen erreichen wir erstmals eine molekulare Trenngrenze von 200 Dalton - und erzielen damit eine ganz neue Qualität«, freut sich Voigt, stellvertretender Institutsleiter des IKTS und Standortleiter in Hermsdorf.

Doch wie ist den Forschern das gelungen? Auf dem Weg, das Unmögliche möglich zu machen, galt es zunächst verschiedene Hindernisse zu überwinden. Das erste lag in der Herstellung der Membran selbst: Möchte man so kleine Moleküle zuverlässig abtrennen, benötigt man eine Membran mit Poren, die kleiner sind als die Moleküle, die man abtrennen möchte. Außerdem müssen alle Poren möglichst gleich groß sein, da eine einzelne größere Öffnung ausreicht, um Moleküle hindurchrutschen zu lassen. Die Herausforderung lag also darin, möglichst kleine Poren zu erzeugen, die alle mehr oder weniger gleich groß sind. »Über eine Weiterentwicklung der Sol-Gel-Technik ist uns dies gelungen«, sagt Richter, Abteilungsleiter am IKTS. Die zweite Hürde lag darin, solche Membranschichten defektfrei über größere Flächen herzustellen. Auch dies ist den Fraunhofer-Forschern geglückt. »Während üblicherweise nur wenige Quadratzentimeter große Flächen beschichtet werden, haben wir eine Pilotanlage mit einer Membranfläche von 234 Quadratmetern ausgerüstet - unsere Membran ist also mehrere Größenordnungen größer«, verdeutlicht Puhlfürß, Wissenschaftlerin am IKTS.

Transfer vom Labor in die Praxis
Die besagte Pilotanlage wurde im Auftrag von Shell von der Firma Andreas Junghans - Anlagenbau und Edelstahlbearbeitung GmbH & Co. KG in Frankenberg gebaut und steht im kanadischen Alberta. Hier reinigt sie seit 2016 erfolgreich Abwasser, das bei der Förderung von Öl aus Ölsand verwendet wird. Derzeit planen die Forscher eine erste Produktionsanlage mit einer Membranfläche von mehr als 5000 Quadratmetern.

Auch in industriellen Produktionsprozessen bringen die neuartigen keramischen Membranen Vorteile: Mit ihnen lassen sich Teilströme direkt im Prozess reinigen und das gereinigte Wasser im Kreislauf führen - das spart Wasser und Energie.

Für die Entwicklung der keramischen Nanofiltrationsmembran erhalten Dr. Ingolf Voigt, Dr.-Ing. Hannes Richter und Dipl.-Chem. Petra Puhlfürß den diesjährigen Joseph-von-Fraunhofer-Preis. Die Jury begründet die Preisvergabe unter anderem mit »der erstmaligen Umsetzung für Filtrationsanwendungen im Rahmen dieser Materialklasse«.

Weitere Informationen:
https://www.ikts.fraunhofer.de/de/press_media/press_releases/17_05_cleaning_wast...

Quelle: idw 

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Wie innere Uhren miteinander kommunizieren

Gunnar Bartsch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Eine Vielzahl innerer Uhren steuert das Leben von Tier und Mensch. Ob und wie diese untereinander in Verbindung stehen, ist ein Rätsel. Eine neue Studie zeigt jetzt: Bisweilen gibt ein zentrales Uhrwerk den Takt vor.

Egal, ob Fliege, Maus oder Mensch: Innere Uhren geben jedem Tier den Takt vor. Die Vorstellung von dem einen, zentralen Uhrwerk, das sämtliche Vorgänge im Körper zeitlich diktiert, trifft allerdings nicht zu. Stattdessen finden sich in den meisten Organismen eine Vielzahl innerer Uhren - eine zentrale im Gehirn und viele periphere in den Organen und Systemen.

Wie diese Uhren miteinander kommunizieren, wie sie sich untereinander koordinieren und ob die zentrale Uhr allen anderen die Zeit verbindlich vorgibt: Diese Fragen sind bislang größtenteils ungeklärt. Ein internationales Wissenschaftlerteam der Universität Würzburg und der Universidad de Valparaiso (Chile) hat jetzt allerdings bei der Taufliege den Kopplungsweg zwischen einer zentralen und peripheren Uhr aufgeklärt und experimentelle Beweise für das sogenannte „Zwei-Oszillatoren-Modell" mit einer „Master"- und vielen „Slave"-Uhr erbracht.

Verantwortlich für den Würzburger Teil der Studie waren Christian Wegener, Professor für Neurogenetik am Biozentrum der Uni Würzburg, und seine Mitarbeiterin, die Postdoc Mareike Selcho, sowie die Doktoranden Franziska Ruf und Jiangtian Chen und der Student Gregor Bergmann. Die Ergebnisse ihrer Arbeit stellen die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Nature Communications vor.

Ein Hormon gibt das Signal zum Schlüpfen
„Wir haben uns in dieser Studie auf den neuronalen Weg konzentriert, der die innere Uhr im Gehirn der Taufliege mit einer peripheren Uhr in einer Steroidhormon-produzierenden Drüse, der sogenannten Prothorakaldrüse, verbindet", erklärt Christian Wegener. Was diese Drüse so interessant macht: Sie produziert das Hormon Ecdyson und gibt damit das Signal zum „Erwachsen-Werden" der Taufliege, sprich: Sie definiert den Moment, in dem die Fliege schlüpft. Dies Schlüpfen folgt einem strikten Terminplan: Es geschieht in der Regel nur in den frühen Morgenstunden eines Tages.

Und noch ein Aspekt macht diesen Weg und diese Drüse aus Sicht der Wissenschaft so spannend: „Es gibt ein vergleichbares System beim Menschen, das ähnlich funktioniert", sagt Mareike Selcho. Die Stelle der Prothorakaldrüse nimmt hier die Nebennierenrinde ein. Und statt Ecdyson schüttet diese Glukokortikoide aus, denen eine wichtige Rolle bei der Synchronisation der Säuger-Uhren zugesprochen wird. Ist diese Synchronisation beim Menschen dauerhaft gestört, können sich verschiedene Krankheiten entwickeln, angefangen bei Depressionen über Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems bis zu Stoffwechselstörungen.

Zentrale und Peripherie kommunizieren miteinander
Dass die zentrale Uhr im Gehirn der Taufliege mit der peripheren Uhr der Prothorakaldrüse kommuniziert, legen Ergebnisse aus früheren Studien nahe. Demnach müssen beide Uhren funktionieren, damit die Fliegen auch dann zu den üblichen Zeiten schlüpfen, wenn sie unter konstanten Verhältnissen gehalten werden - wenn also der Wechsel von Tag und Nacht fehlt. Ändern sich die Lichtverhältnisse rhythmisch, so wie es den natürlichen Gegebenheiten entspricht, reicht eine funktionstüchtige periphere Uhr alleine, um das morgendliche Schlüpfen aufrecht zu erhalten. Die zentrale Uhr kann dann problemlos ausfallen.

Bei der Suche nach dem Verbindungsweg haben die Würzburger Wissenschaftler sich auf spezifische Nervenzellen konzentriert, über die der Kontakt zwischen zentraler und peripherer Uhr laufen könnte - sogenannte PTTH-Neurone. „Diese müssen allein aufgrund ihrer räumlichen Anordnung hervorragend dafür geeignet sein, die beiden Uhren miteinander zu verbinden", sagt Christian Wegener.

Tatsächlich konnten die Würzburger Wissenschaftler nachweisen, dass PTTH-Neurone eine direkte Verbindung zwischen der Uhr im Gehirn der Taufliege und dem peripheren Stellwerk herstellen. In ihren Experimenten zeigen sie, dass die zentralen Uhr-Neurone ein spezielles Neuropeptid produzieren, das Zeit-Informationen an die PTTH-Neurone übermittelt. PTTH-Neurone ihrerseits leiten diese Information an die Taktgeber der Prothorakaldrüse weiter und nehmen Einfluss auf die Produktion von Ecdyson.

Bestätigung durch Experimente in Chile
Eine Bestätigung für die Theorie von Master und Slave erhielten die Würzburger Forscher durch die Arbeit ihrer Kollegen in Chile. Diese hatten in einer Reihe von Experimenten die inneren Uhren der Taufliege in unterschiedlichen Kombinationen künstlich verlangsamt und die Auswirkungen auf das Schlupfverhalten untersucht.

Die Ergebnisse: Gehen beide Uhren langsamer, verlängert sich der „Schlupfrhythmus" von den üblichen 24 auf mehr als 27 Stunden. Eine ähnliche Verlängerung zeigt sich, wenn die periphere Uhr ihre reguläre Geschwindigkeit beibehält, die zentrale Uhr aber abgebremst wird. Im umgedrehten Fall hingegen - funktionierende zentrale Uhr und verlangsamte periphere - schlüpfen die Fliegen ungerührt im 24-Stunden-Abstand.

„Das ist die erste vollständige experimentelle Beschreibung eines Kopplungswegs zwischen inneren Uhren, und zeigt, dass in bestimmten Fällen das Zwei-Oszillatoren-Modell tatsächlich zutrifft", sagt Christian Wegener. Von einem genauen Verständnis des Zusammenspiels innerer Uhren sei die Wissenschaft dennoch weit entfernt. Schließlich zeigen die jüngsten Ergebnisse, dass die diversen Mechanismen stark miteinander verschränkt und mit Rückkoppelungsschleifen versehen sind. „Es wird kompliziert", ist sich Wegener deshalb sicher.

Central and peripheral clocks are coupled by a neuropeptide pathway in Drosophila. Mareike Selcho, Carola Millán, Angelina Palacios-Muñoz, Franziska Ruf, Lilian Ubillo, Jiangtian Chen, Gregor Bergmann, Chihiro Ito, Valeria Silva, Christian Wegener, and John Ewer. Nature Communications, DOI: 10.1038/ncomms15563

Kontakt
Prof. Dr. Christian Wegener, +49 931 31-85380, christian.wegener@biozentrum.uni-wuerzburg.de

Quelle: idw 

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Leitfaden zur Energiewende für Kommunen und Stadtwerke

Dipl.-Chem. Iris Kumpmann Abteilung Public Relations
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Der Strategieleitfaden »Akzente setzen durch Energieausgleich: Flexibilisierung der Energieversorgung« informiert kommunale Fachplaner und Fachplanerinnen sowie lokale Energieversorger über die Chancen von Energieausgleich und unterstützt sie bei der Planung von eigenen Konzepten vor Ort mit konkreten Anregungen und Hilfestellungen. Der kostenfrei erhältliche Leitfaden für Kommunen und Stadtwerke fasst zentrale Ergebnisse des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekts »Akzente - Gesellschaftliche Akzeptanz von Energieausgleichsoptionen und ihre Bedeutung bei der Transformation des Energiesystems« zusammen.

Im Stromsektor sollen laut Energiekonzept der Bundesregierung im Jahr 2050 mindestens 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Dies erfordert eine signifikante Änderung des Stromsystems in den Bereichen Erzeugung, Verbrauch und Übertragung bzw. Verteilung. Der hohe Anteil von Wind- und Solarenergie an der Stromversorgung wird dazu führen, dass zeitweise deutlich mehr Strom erzeugt als verbraucht wird oder an wind- und sonnenscheinarmen Tagen Versorgungslücken entstehen, die gedeckt werden müssen.

Energieausgleich zentrales Gestaltungselement für nachhaltige Energieversorgung
Energieausgleichsoptionen, wie Speichertechnologien oder steuerbare Stromverbraucher und -erzeuger, können die zeitlichen und räumlichen Abweichungen zwischen Energieerzeugung und -verbrauch ausgleichen. Durch eine Kombination verschiedener Technologien zu regionalen Energieausgleichskonzepten entstehen Lösungen, die Stromnetze entlasten, die Versorgungssicherheit gewährleisten sowie die Effizienz des Gesamtsystems erhöhen und zudem wirtschaftliche Flexibilität anbieten.

Energieausgleich wird somit zu einem zentralen Gestaltungselement für eine nachhaltige Energieversorgung. Integrierte kommunale Planungsprozesse sind aussichtsreiche
Anknüpfungspunkte, um das Thema vor Ort zu verankern und die zukünftige Energieversorgung ressourcenschonend zu gewährleisten.

Strategieleitfaden als Planungshilfe
Das bietet der Strategieleitfaden
• Er liefert Informationen zu Chancen und Potenzialen von Energieausgleichskonzepten.
• Er beschreibt heute schon nutzbare Ausgleichstechnologien.
• Er gibt Planungshilfen und praktische Tipps.
• Er ist kostenfrei als pdf verfügbar.

Der Strategieleitfaden wurde im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsprojekts »Akzente - Gesellschaftliche Akzeptanz von Energieausgleichsoptionen und ihre Bedeutung bei der Transformation des Energiesystems« mit der IZES gGmbH (Institut für ZukunftsEnergie- und Stoffstromsysteme) und der Orangequadrat Nikol | Umbreit | Langer GbR erstellt.

Projektförderung
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Förderkennzeichen: 03EK3513A-C
im Rahmen des Programms: Umwelt- und gesellschaftsverträgliche Transformation des
Energiesystems (http://www.transformation-des-energiesystems.de/)

Autorinnen und Autoren
Daniela Becker, Dr. Ulrike Ehrenstein, Jan Hildebrand, Ann-Katrin Knemeyer,
Dr. Sebastian Langer, Claudia Nikol, Cornelius Schill, Tom Umbreit, Patrick Wrobel

Umfang
36 Seiten

Weitere Informationen:
https://www.umsicht.fraunhofer.de/content/dam/umsicht/de/dokumente/pressemitteil... Download: Strategieleitfaden »Akzente setzen durch Energieausgleich: Flexibilisierung der Energieversorgung«
https://www.umsicht.fraunhofer.de/de/presse-medien/2017/leitfaden-energiewende.h... Pressemitteilung

Quelle: idw 

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Neues Helmholtz-Institut für marine Biodiversität erforscht menschlichen Einfluss auf Meere

Sebastian Tilch Pressearbeit
Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung

Die Meere bedecken 70 % unseres Planeten, beinhalten 97 % des flüssigen Wassers und bilden den größten Lebensraum. Sie leisten enorme Dienste für den Menschen - als Ernährer, Klimapuffer oder Sauerstoffproduzent. Allerdings nur wenn sie gesund sind. Der Mensch setzt die Ökosysteme immer stärker unter Druck. Ansätze für einen besseren Umgang mit den Meeren sind also ein gemeinschaftliches Anliegen. Doch dafür bedarf es an Wissen, das gerade im globalen Maßstab bisher kaum verfügbar ist. Das neue Helmholtz-Institut für Funktionelle Marine Biodiversität (HIFMB), das am 31. Mai 2017 in Oldenburg startet, soll hier Fortschritte bringen. NeFo sprach mit Institutsleiter Prof. Helmut Hillebrand.

Dass Ökosysteme aus einer Vielzahl aufeinander angewiesener Arten bestehen, wird an einem schönen Beispiel im Nordpazifik deutlich: Die dort verbreiteten Kelpwälder, bestehend aus riesigen, oft über hundert Meter langen, Braunalgen, gehören zu den artenreichsten Lebensräumen im Meer. Hier tummeln sich diverse Meeressäuger wie Schwertwale (Orcas), Seehunde, Seelöwen und Seeotter, die durch den großen Fischreichtum einen gedeckten Tisch vorfinden. Bis Ende der 1980er Jahre wurde dieser Fischreichtum auch vom Menschen stark genutzt.

Die intensive Befischung führte in den 1990ern in manchen Regionen zum völligen Verschwinden der Kelpwälder und zeigte, wie diese Arten voneinander abhängen. Durch die fehlende Nahrungsgrundlage, den Fisch, für Seehunde und -löwen ging nun auch deren Population so drastisch zurück, dass die Schwertwale, die sich bisher auf diese Beute konzentriert hatten, nun auf Seeotterjagd gingen. Da die Otter die Seeigel, ihre Hauptspeise, im Zaum gehalten hatten, breiteten sich diese nun ungebremst aus. Ihre Nahrungspflanze, der Tang, wurde nach und nach abgegrast, das Grundgerüst des gesamten Ökosystems fiel in sich zusammen, und damit auch die Grundlage für eine ertragreiche Fischerei.

Dieses Beispiel für natürliche Nahrungsnetze zeigt, wie komplex die Zusammenhänge der Lebensräume und ihrer Artenvielfalt, aber auch, wie fragil ihre Funktionsfähigkeit sein können. Doch gerade im globalen Maßstab ist das Wissen über die marinen Ökosysteme noch sehr gering. „Unsere Information über diese Vielfalt beruht auf verblüffend wenigen Proben", sagt der Oldenburger Algenexperte Hillebrand im NeFo-Interview. „Für die Tiefsee wurde berechnet, dass alle bisher genommenen Proben gemeinsam kaum mehr als wenige hundert Quadratmeter umfassen - und das bei einem System, das den Großteil der Fläche der Planeten ausmacht."

Entsprechend schwierig ist es auch, die Auswirkungen von menschlichen Veränderungen zu verstehen und vorherzusagen. „Hier müssen wir eine konsistente Entwicklung von Langzeitbeobachtungen mit neuen quantitativen Auswerteverfahren koppeln - ein Feld, bei dem die marine Forschung der terrestrischen noch hinterher hinkt", meint der Meeresökologe.

Die Meere sind für das menschliche Leben nicht wegzudenken: Knapp drei Milliarden Menschen decken 20 Prozent ihres Proteinbedarfs durch Fisch. Über 93 % der durch menschliche CO2-Emissionen entstandenen Wärme haben die Ozeane aufgenommen und das Klima damit bisher stabilisiert. Außerdem wird 50% des globalen Sauerstoffs von marinen Ökosystemen produziert (Quelle: Meeresatlas 2017 der Böll-Stiftung). Doch diese stoßen an ihre Belastungsgrenzen. Überfischung, Düngemittel, Müll und andere Schadstoffe, Rohstoffabbau und Lärmbelastung sind die wichtigsten Ursachen für den Rückgang der Arten, Lebensräume und genetischen Vielfalt in den Meeren.

Wovon hängt die Stabilität eines marinen Ökosystems ab? Und welche Rolle spielt dabei die Artenvielfalt? Diese Frage wird in den kommenden Jahren eine zentrale Rolle im Helmholtz-Institut für Funktionelle Marine Biodiversität (HIFMB) spielen. Im marinen Bereich gibt es dazu wesentlich weniger Studien als im terrestrischen, meist auch nur bezüglich einzelner Störgrößen und wenigen Organismengruppen, meint Hillebrand. Doch tatsächlich sind die Meere wesentlich mehr Störfaktoren ausgesetzt als der Fischerei. Erwärmung, Versauerung, Verschmutzung, Überdüngung und Lärm zwingen die marinen Ökosysteme zu einem zunehmenden Wandel. Das große Bild fehlt also.

Dieses will Prof. Helmut Hillebrand in seinem integrativen Institut nun schaffen.
Das Helmholtz-Institut soll dafür bereits vorhandene Arbeitsgruppen am Alfred-Wegener-Institut und der Universität Oldenburg zusammenführen. Dies ermöglicht eine gemeinsame Arbeit zu den wesentlichen Aspekten der Biodiversität - von der Genetik einzelner Meerestiere, Algen und Bakterien bis hin zur Funktionsanalyse eines ganzen Ökosystems. Darüber hinaus werden vier neue Professoren berufen und Nachwuchsforschergruppen eingerichtet.

Die Forschung am neuen Helmholtz-Institut ist ausgesprochen interdisziplinär angelegt, die neben den naturwissenschaftlichen auch die gesellschaftswissenschaftlichen Fragestellungen bearbeiten können. Denn am Ende sollen entsprechende Politikempfehlungen für Naturschutz- und Managementstrategien, also nachhaltige Nutzungsformen der Meere und ihrer natürlichen Ressourcen stehen. „Wie können wir unsere marine Umwelt wirksam schützen, obgleich viele dort lebende Arten mobil und die Gebiete ohnehin meist keiner Nation zugehörig sind? Das ist nur eine der Herausforderungen des marinen Naturschutzes, bei der wir noch am Anfang stehen und für die wir Konzepte entwickeln wollen", erläutert Hillebrand.

In der Aufbauphase von 2017 bis 2020 wird das neue Institut vom Land Niedersachsen mit 23 Millionen Euro finanziert, darin ist auch ein Institutsneubau in Oldenburg enthalten. Ab 2021 wird überwiegend die Helmholtz-Gemeinschaft die Kosten tragen.

Zum NeFo-Interview: http://www.biodiversity.de/Interview-Hillebrand-hifmb

Zur PM der Universität Oldenburg http://www.presse.uni-oldenburg.de/mit/2017/184.html

Kontakt:
Sebastian Tilch
Pressereferent NeFo
c/o Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ
Tel. 0341/235-1062
Email: sebastian.tilch@ufz.de

Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland ist ein Projekt zur inter- und transdisziplinären Vernetzung und Sichtbarmachung der Biodiversitätsforschung in Deutschland über Institutionsgrenzen hinweg. Es wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF und maßgeblich durchgeführt vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig - UFZ sowie dem Museum für Naturkunde - Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung Berlin.

Unsere tagesaktuelle Auswahl von Pressemitteilungen aus Biodiversitätsforschung und -politik finden Sie auf unter:

Weitere Informationen:

http://www.biodiversity.de
http://und auf twitter.com/Ne_Fo

Quelle: idw 

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Extrakorporale Stoßwellentherapie bei Fersenschmerz: besser als Placebo, Ultraschall, Iontophorese

Dr. Anna-Sabine Ernst Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Gegenüber aktiven Vergleichstherapien durchwachsene Ergebnisse / Optimale Dosis bleibt unklar
Eine Reizung und Entzündung der sogenannten plantaren, also in der Fußsohle gelegenen Sehnenplatte am Fersenbein kann zu Gewebsveränderungen und damit zu Fersenschmerzen führen. Diese Schmerzen können sowohl beim Anlaufen als auch nach längeren oder stärkeren Belastungen auftreten. Sie beeinträchtigen unter Umständen die Bewegungsfähigkeit und die Lebensqualität. Verschwinden die Symptome nach einer Weile nicht von selbst, kommen verschiedene Behandlungen infrage, etwa Schuheinlagen, Dehnübungen, Medikamente oder Physiotherapie. Halten die Schmerzen länger an, kann eine extrakorporale Stoßwellentherapie, kurz ESWT, helfen oder eine Operation.

Im November 2016 hatte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) seinen Vorbericht zum Nutzen einer Fersenschmerz-Behandlung mit ESWT veröffentlicht. Die anschließend eingegangenen Stellungnahmen und die Auswertung einer weiteren Studie haben dessen Ergebnisse bestätigt: Laut dem jetzt veröffentlichten Abschlussbericht gibt es im Vergleich zu Scheininterventionen für den Endpunkt Schmerz einen Beleg und für den körperlichen Funktionsstatus einen Anhaltspunkt für einen Nutzen.

Gegenüber aktiven Vergleichstherapien ist das Ergebnis durchwachsen. In einigen Vergleichen zeigten sich Vorteile der ESWT, in anderen Nachteile oder aber keine Anhaltspunkte für einen höheren oder geringeren Nutzen. Unklar bleibt, wie viel Energie nötig ist, um die positive Wirkung zu erzielen und zugleich die Nachteile der Behandlung zu minimieren.

Die Behandlung ist schmerzhaft
Stoßwellen sind stark gebündelte Druckwellen, die Schallwellen ähneln. Sie werden unter anderem zur Zertrümmerung von Nierensteinen eingesetzt. Bei der extrakorporalen Stoßwellentherapie wird in der Regel die schmerzhafteste Stelle am Fuß behandelt. Die Stoßwellen sollen die Zellen zur Bildung von Zytokinen anregen und den Zellumsatz erhöhen; das Bindegewebe soll dadurch schneller heilen.

Für gewöhnlich werden über ein bis zwei Wochen etwa drei bis fünf Sitzungen durchgeführt. Ab einer gewissen Intensität kann die Behandlung mit Stoßwellen schmerzhaft sein, sodass die Stelle häufig vorher lokal betäubt wird. Dazu Sandra Molnar, die im Ressort Nichtmedikamentöse Verfahren federführend am IQWiG-Bericht mitgewirkt hat: „Am Rande des Orthopädenkongresses hatte ich Gelegenheit, mich probeweise mit Stoßwellen behandeln zu lassen, und zwar ohne örtliche Betäubung. Ich kann bestätigen: Ja, das tut erst mal ganz schön weh!"

Mehrere Vergleichstherapien betrachtet
Umso wichtiger ist es, diesen Nachteil genau gegen die Vorteile der Behandlung abzuwägen. Das IQWiG hat insgesamt 29 Studien ausgewertet, in denen eine ESWT mit einer Scheinbehandlung, mit verschiedenen aktiven Therapien oder aber mit einer anderen ESWT-Variante verglichen wurde.

Aus den 15 Studien, in denen ESWT mit Scheinbehandlungen verglichen wurde, ergaben sich bei den patientenrelevanten Endpunkten Schmerz und körperlicher Funktionsstatus jeweils ein Beleg und ein Anhaltspunkt für einen Nutzen der ESWT. Bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität gibt es dagegen keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen.

Teils größerer, teils kleinerer Nutzen als andere aktive Therapien
Bei zwei von sechs aktiven Vergleichstherapien ergaben sich Anhaltspunkte für einen höheren Nutzen der ESWT, und zwar gegenüber Ultraschall und gegenüber Iontophorese (Aufnahme von Arzneimitteln durch die Haut mithilfe eines schwachen elektrischen Stroms) plus Einnahme schmerzstillender Mittel.

Bei zwei weiteren aktiven Vergleichstherapien, nämlich Operation und Ultraschall plus Dehnübungen, fanden sich keine Anhaltspunkte für einen höheren oder geringeren Nutzen. Im Vergleich zu Dehnübungen allein und gegenüber Glukokortikoid-Injektionen schnitt die ESWT schlechter ab, wobei ein Publikationsbias nicht ausgeschlossen werden kann: In beiden Fällen gibt es unveröffentlichte Studien.

Optimale Dosis bleibt unklar
Aus den sechs Studien schließlich, in denen verschiedene ESWT-Varianten getestet wurden, ließen sich keine Anhaltspunkte für einen höheren oder geringeren Nutzen einer bestimmten Behandlungsweise ableiten. Bei vier dieser Studien wurden Varianten mit hoher und niedriger Gesamtenergiedosis verglichen.

Zwar zeigten sich in drei Studien statistisch signifikante Vorteile der jeweils höheren Gesamtenergiedosis. Aber die niedrigere Dosis war in diesen Fällen so klein, dass es sich womöglich um Scheinbehandlungen handelte. Daher kann aus diesen Untersuchungen keine Empfehlung für eine Behandlungsvariante abgeleitet werden.

Zum Ablauf der Berichtserstellung
Die vorläufigen Ergebnisse, den sogenannten Vorbericht, hatte das IQWiG im November 2016 veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Nach dem Ende des Stellungnahmeverfahrens wurde der Vorbericht überarbeitet und als Abschlussbericht im März 2017 an den Auftraggeber versandt. Die eingereichten schriftlichen Stellungnahmen werden in einem eigenen Dokument zeitgleich mit dem Abschlussbericht publiziert. Der Bericht wurde gemeinsam mit externen Sachverständigen erstellt.

Weitere Informationen:
http://www.iqwig.de

Quelle: idw 

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Den Faktor Mensch im biologischen Flickflack der Küstengewässer erkennen

Dr. Barbara Hentzsch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Biologische Langzeitdatenserien sind wertvolle Datenarchive, um Auswirkungen des menschlichen Einflusses auf die Ökosysteme oder Klima-getriebene Regime-Veränderungen zu identifizieren. In Küstengewässer jedoch, dort wo der Süßwasserzustrom von Land gemeinsam mit dem Wettergeschehen und lokalen Strömungen zu rasch wechselnden Werten von Salzgehalt, Temperatur und Sauerstoff führt, kommt ihre Aussagekraft an ihre Grenzen. Zu dominant sind die Reaktionen der Lebensgemeinschaften auf diese Umweltparameter. Einer Gruppe Warnemünder Wissenschaftler ist es nun gelungen mithilfe statistischer Verfahren weitere Einflussgrößen zu identifizieren.

Auf den ersten Blick erscheint es unmöglich, für Veränderungen bei den Häufigkeiten von benthischen Organismen oder deren Artenreichtum andere Ursachen zu erkennen, als die alles maskierenden Reaktionen auf die rasch wechselnden Salzgehalte oder saisonalen Sauerstoffmangel. Sind wir damit am Ende der Interpretierbarkeit biologischer Langzeitdaten in Küstengewässern angekommen? Michael L. Zettler, Meeresbiologe am Leibniz-Institut für Ostseeforschung und seine Kolleginnen und Kollegen wollten sich damit nicht zufrieden geben. In einer kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift PLoS ONE veröffentlichten Studie wenden sie zum ersten Mal bestimmte statistische Verfahren (DistLM - distance based linear model permutation test) an biologischen Langzeitdaten von drei Stationen in der deutschen Ostsee an, um die Aussagekraft der 35 Jahre umfassenden Datenreihe von Makrozoobenthos Parametern zu erhöhen.

Die Studie konzentriert sich auf Stationen in der Mecklenburger Bucht, an der Darsser Schwelle und im Arkonabecken. Alle drei Stationen unterscheiden sich beträchtlich hinsichtlich der Struktur der Lebensgemeinschaft, der Abundanzen, Biomassen und Artenzahlen. Auch die statistische Signifikanz und die Bedeutung von Umweltparametern bei der Erklärung zeitlicher Schwankungen der makrozoobenthischen Daten unterscheiden sich zwischen den Stationen und in Abhängigkeit der jeweiligen biotischen Parameter.

Mithilfe der DistLM Methode ließen sich Variablen ermitteln, die an der jeweiligen Station am ehesten die Variationen der einzelnen Makrozoobenthos-Parameter erklären. Neben den bereits bekannten Umweltvariablen wie Sauerstoffmangel und Salzgehaltsschwankungen lassen sich die Schwankungen und Trends der biologischen Komponenten zu einem großen Teil auch durch Klimaveränderungen (verwendet wurde der Nordatlantische Oszillations-Index=NAOI) erklären.

Wie also ist die Entwicklung der makrozoobenthischen Gemeinschaften in den letzten 35 Jahren verlaufen? Michael Zettler fasst die Ergebnisse zusammen: „Während wir an den Stationen Mecklenburger Bucht und Arkonabecken, die häufig durch Sauerstoffmangel geprägt sind, weder regime shifts noch Trends erkennen können, zeigt sich an der Darsser Schwelle, dass sich die benthische Lebensgemeinschaft innerhalb der untersuchten 35 Jahre mehrfach drastisch geändert hat. Wir gehen von zwei größeren regime shifts, am Ende der 1980er Jahre und um die Mitte der 1990er Jahre, aus. Es könnte sich um die benthische verzögerte Reaktion auf den klimabedingten und mittlerweile allgemein akzeptierten Nordatlantik Regime Shift handeln."

Vor dem Hintergrund der wichtigen ökologischen Rolle, die benthischen Lebensgemeinschaften zukommt, ist es essentiell ihre Reaktion auf Klimawandel und andere anthropogene oder natürliche Einflüsse zu verstehen und vorherzusagen. Die nun veröffentlichte Studie zeigt, dass die Fortführung der Langzeitdatenserien auch in hochdynamischen Seegebieten Sinn macht.

Die hier beschriebenen Langzeitdaten wurden im Rahmen des HELCOM Monitorings erhoben, das das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde im Auftrag des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie durchführt.

Zettler, M. L., Friedland, R., Gogina, M., Darr, A. (2017): Variation in benthic long-term data of transitional waters: Is interpretation more than speculation? PLoS ONE 12(4): e0175746
https://doi.org/10.1371/journal.pone.0175746

Kontakt zum Autor:
Dr. Michael L. Zettler | Tel.: 0381 5197-236 | michael.zettler@io-warnemuende.de

Kontakt Presse- & Öffentlichkeitsarbeit:
Dr. Barbara Hentzsch | Tel.: 0381 5197-102 | barbara.hentzsch@io-warnemuende.de
Dr. Kristin Beck | Tel.: 0381 5197-135 | kristin.beck@io-warnemuende.de

Das IOW ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, zu der zurzeit 91 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung gehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissen-schaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geis-teswissenschaften. Bund und Länder fördern die Institute gemeinsam. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Institute etwa 18.100 MitarbeiterInnen, davon sind ca. 9.200 WissenschaftlerInnen. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,6 Mrd. Euro. (www.leibniz-gemeinschaft.de)

Quelle: idw 

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Besseres Wassermanagement in trockenen Gebieten

Monika Landgraf Strategische Entwicklung und Kommunikation - Gesamtkommunikation
Karlsruher Institut für Technologie

Wie viel Wasser wird künftig in trockenen und halbtrockenen Regionen der Erde verfügbar sein? Wie lassen sich Reservoire und bewässerte Landwirtschaft steuern? Mit diesen Fragen befassen sich Forscher in dem am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) koordinierten Projekt „Saisonales Wasserressourcen-Management in Trockenregionen: Praxistransfer regionalisierter globaler Informationen" (SaWaM). Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt macht globale Satelliten- und Modelldaten für das regionale Wassermanagement und die saisonale Vorhersage nutzbar.

Die lebensnotwendige Ressource Wasser ist regional unterschiedlich verteilt. So ist die Wasserversorgung für rund 80 Prozent der Weltbevölkerung potenziell unsicher. Bis 2025 werden nach Schätzung der UN voraussichtlich 1,8 Milliarden Menschen von absoluter Wasserknappheit - weniger als 500 Kubikmeter Wasser pro Person und Jahr - betroffen sein. Gründe für die sich verschärfende Wasserknappheit sind das Wachstum der Weltbevölkerung sowie die Klimaänderung. „Besonders relevant ist diese Problematik für Gebiete, die schon jetzt von Wassermangel geprägt sind, also für die ariden und semi-ariden Gebiete, die immerhin rund 40 Prozent der Landflächen auf der Erde ausmachen", berichtet Professor Harald Kunstmann, stellvertretender Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung - Atmosphärische Umweltforschung (IMK-IFU) des KIT in Garmisch-Partenkirchen. „Daher ist es gerade in diesen Regionen wichtig, die verfügbaren Wasserressourcen genau zu kennen."

Harald Kunstmann koordiniert das soeben gestartete Projekt „Saisonales Wasserressourcen-Management in Trockenregionen: Praxistransfer regionalisierter globaler Informationen" (SaWaM). An dem auf drei Jahre angelegten Projekt sind insgesamt sieben Forschungseinrichtungen aus der Klima-, Hydrologie-, Ökosystemforschung und Fernerkundung sowie zwei deutsche Unternehmen beteiligt.

In ariden und semiariden Regionen ist der Niederschlag über Monate hinweg geringer als die Verdunstung und es gibt ausgeprägte lange Trockenzeiten. Beobachtungsdaten zum Wasserkreislauf sind in den meist entwicklungsschwachen betroffenen Ländern immer weniger verfügbar. Daher müssen Wissenschaftler zunehmend auf Satelliten- oder Modelldaten zurückgreifen. Diese sind jedoch in der Regel äußerst grob aufgelöst und mit großen Unsicherheiten behaftet. Entsprechend eingeschränkt ist ihr Nutzen für das regionale Wassermanagement.

Das Projekt SaWaM zielt darauf, die Leistungsfähigkeit globaler hydrometeorologischer Datenprodukte zu untersuchen und durch neu entwickelte Methoden für die Entscheidungsunterstützung zu optimieren. Dabei geht es auch und besonders um die saisonale Vorhersage der wichtigsten Wasserhaushaltsgrößen für die nächsten sechs bis zwölf Monate „SaWaM liefert somit wichtige Informationen über die zukünftige Entwicklung der Wasserverfügbarkeit, vor allem für die Steuerung von Reservoiren und die bewässerte Landwirtschaft", erklärt Projektkoordinator Harald Kunstmann.

Um die Praxisnähe der entwickelten Methoden zu gewährleisten, ist das Projektkonsortium eng mit lokalen Entscheidungsträgern, Forschungseinrichtungen und Unternehmen in den insgesamt fünf semi-ariden Zielregionen verzahnt. Die Anwendung im Detail ist für drei Entwicklungsregionen - Iran, Sudan und Brasilien - vorgesehen. Für zwei weitere Perspektivregionen - Ecuador und Westafrika - evaluieren die Wissenschaftler die generelle Anwendbarkeit der Verfahren sowie ausgewählte Teilaspekte.

Die verschiedenen Regionen stellen unterschiedliche Anforderungen. Deshalb definieren die Forscher im Dialog mit lokalen Entscheidungsträgern regionsspezifische Zielgrößen. Diese bilden auch die Grundlage für ein prototypisches Online-Portal, auf dem die Ergebnisse des Projekts bereitgestellt und visualisiert werden. Unter anderem liefert SaWaM Informationen über den Sedimenteintrag im Upper-Atbara-Staudamm/Sudan im Einzugsgebiet des Nil sowie eine verbesserte hydrometeorologische Datengrundlage für ein nachhaltiges Wassermanagement des Urmia-Sees im Iran.

An SaWaM beteiligt sind neben dem KIT die Universität Potsdam, die Universität Stuttgart, die Universität Marburg, das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung UFZ, das Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ, die Technische Universität Berlin sowie die Lahmeyer International GmbH (Bad Vilbel) und die GAF AG (München).

Das Verbundprojekt „Saisonales Wasserressourcen-Management in Trockenregionen: Praxistransfer regionalisierter globaler Informationen" (SaWaM)" wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Fördermaßnahme „Globale Ressource Wasser" (GROW) gefördert.

Details zum KIT-Zentrum Klima und Umwelt: http://www.klima-umwelt.kit.edu

Weiterer Kontakt:
Kosta Schinarakis, Themenscout, Tel.: +49 721 608 41956, Fax: +49 721 608 43658, E-Mail: schinarakis@kit.edu

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verbindet seine drei Kernaufgaben Forschung, Lehre und Innovation zu einer Mission. Mit rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 25 000 Studierenden ist das KIT eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas.

KIT - Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft
Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.
Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: www.kit.edu

Weitere Informationen:
http://www.klima-umwelt.kit.edu

Anhang
Besseres Wassermanagement in trockenen Gebieten
https://idw-online.de/de/attachment57442

Quelle: idw 

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Neue DNA-Datenbank der Wasserinsekten verbessert Umweltüberwachung

Dr. Eva-Maria Natzer Öffentlichkeitsarbeit
Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns

Im Wasser lebende Insekten spielen eine große Rolle als Zeigerarten bei der Beurteilung der Gewässerqualiät von Bächen, Flüssen und Seen. Die Forscher der Zoologischen Staatssammlung München (SNSB-ZSM) veröffentlichten nun eine genetische Arten-Datenbank der Eintags-, Köcher- und Steinfliegen in Deutschland, die das Umweltmonitoring und die Beurteilung von Ökosystemen erleichtern soll.

Wasserinsekten sind vor allem bei der Bestimmung der Gewässergüte von Fließ- sowie Standgewässern von enormer Bedeutung. Viele Arten speziell der Eintags-, Köcher- und Steinfliegen sind so optimal an ihre Lebensräume angepasst, dass sie äußerst sensibel auf kleinste Veränderungen ihrer Umwelt durch beispielsweise Verschmutzung oder auch klimatische Abweichungen reagieren. Die Reaktion der Insektenfauna auf veränderte Standortbedingungen werden heute oft zum Zwecke des Umweltmonitoring genutzt. Ökologen können durch die Erfassung der vorkommenden Arten und der Artgemeinschaften innerhalb eines Biotops unter anderem Rückschlüsse auf Wasser- oder Bodenqualität ziehen und somit dessen ökologisches Gleichgewicht bewerten.

Leider gestaltet sich die Artbestimmung bei diesen sogenannten Bioindikator- oder Zeigerarten in der Praxis oft sehr schwierig. Vor allem die Larven sind selbst für Experten anhand ihrer äußeren Merkmale kaum zu unterscheiden. Artbestimmungen sind somit meist zeitaufwändig, teuer und oft fehlerhaft.

Forscher der Zoologischen Staatssammlung München geben Ökologen und Umweltgutachtern mit ihrer nun veröffentlichten Gen-Datenbank für Eintags-, Köcher- und Steinfliegen ein wichtiges Werkzeug an die Hand. Im Rahmen ihrer DNA-Barcoding Projekte haben die ZSM Wissenschaftler die genetischen Fingerabdrücke - sogenannte DNA-Barcodes - von über 2600 Exemplaren der Wasserinsekten aus den drei Gruppen erfasst (www.barcoding-zsm.de). Diese konnten insgesamt 363 verschiedenen Arten zugeordnet werden, was rund zwei Dritteln aller in Deutschland vorkommenden Arten entspricht. Diese genetische ‚Bibliothek des Lebens‘ dient nun als solide Referenz für zukünftige Artbestimmungen und gibt Ökologen eine schnellere und zuverlässigere Methode zur Identifikation von Indikatorarten an die Hand.

„Die neu von uns aufgestellte DNA-Datenbank beinhaltet alle für ökologische Fragestellungen relevanten Arten", so Jérôme Morinière, taxonomischer Koordinator an der ZSM, „unser Ziel ist der weitere Ausbau unserer „Bibliothek des Lebens" und deren Nutzbarkeit für Prozesse im Umwelt- oder Biodiversitätsmonitoring."

Im Rahmen der Initiativen "Barcoding Fauna Bavarica" (BFB) und "German Barcode of Life" (GBOL) verfolgen die Münchener Forscher das ehrgeizige Ziel, alle bayerischen bzw. deutschen Tierarten genetisch zu erfassen und in einer Online-Bibliothek für Fachleute weltweit zur Verfügung zu stellen. Aus den Projekten sind bereits mehrere vollständige Checklisten für bayerische Insektengruppen hervorgegangen, wie z. B. für Schmetterlinge, Heuschrecken oder Wildbienen. Insgesamt konnten schon mehr als 20.000 Tierarten erfasst werden. Mehr Informationen zum Thema finden sich unter www.barcoding-zsm.de.

Publikation:
Morinière, J., Hendrich, L., Balke, M., Beermann, A. J., König, T., Hess, M., Koch, S., Müller, R., Leese, F., Hebert, P. D. N., Hausmann, A., Schubart, C. F. and Haszprunar, G. (2017), A DNA barcode library for Germany′s mayflies, stoneflies and caddisflies (Ephemeroptera, Plecoptera & Trichoptera). Mol Ecol Resour. Accepted Author Manuscript. doi:10.1111/1755-0998.12683

Kontakt:
Jérôme Morinière
Zoologische Staatssammlung München (SNSB-ZSM)
Münchhausenstraße 21
81247 München
Tel.: 089 8107 121
E-Mail: moriniere@zsm.mwn.de

Weitere Informationen:
http://www.barcoding-zsm.de Barcoding Projekte an der ZSM
http://www.snsb.de Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns
http://www.zsm.mwn.de Zoologische Staatssammlung München

Quelle: idw 

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Sonne, Outdoor-Working: Krebsgefahr?

Dr. Thomas Nesseler Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V.

Der Sommer kommt. „Raus ins Freie" ist der erste Impuls. Doch Vorsicht: Zu viel UV-Strahlung erhöht das Risiko einer Hautkrebserkrankung. Besonders gefährdet ist die Berufsgruppe der Arbeitnehmer, die im Freien arbeiten. Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM), Professor Hans Drexler, setzt sich in seiner aktuellen Stellungnahme eindeutig für die arbeitsmedizinische Vorsorge sowie eine erfolgreiche und nachhaltige Prävention von Hautkrebs am Arbeitsplatz ein.

Hautkrebs als Berufskrankheit anerkannt
Im Januar 2015 wurde der Hautkrebs als Berufskrankheit in die Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) aufgenommen. Dies war ein erfolgreicher Schritt zur Verbesserung der arbeitsmedizinischen Vorsorge für die Beschäftigten. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) stellte jedoch kürzlich in einer Stellungnahme die Notwendigkeit einer Hautkrebsvorsorge für Outdoor-Worker in Frage. Obwohl die Statistiken ganz klar belegen, dass die Beschäftigten im Freien einer täglichen Bestrahlung von bis zu 5 SED/d ausgesetzt sind. Als Grenzwert gilt 1 SED/d. „In Deutschland sind bei keiner krebserzeugenden Wirkung am Arbeitsplatz derart hohe Risiken zulässig. Hinzu kommt, dass das Risiko für Hautkrebs mit Abstand das größte Krebsrisiko ist", erklärt Professor Drexler.

Die Arbeitgeber in der Pflicht
Die Haut der Beschäftigten, die im Freien arbeiten, wird einer intensiven Belastung durch natürliche UV-Strahlung ausgesetzt. Laut der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) hat der Arbeitgeber auf der Grundlage der Gefährdungsbeurteilung für eine angemessene arbeitsmedizinische Vorsorge der bei ihm beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu sorgen. Der Präsident der DGAUM sieht die Vorsorge von Hautkrebs daher als unverzichtbares Präventionsinstrument an: „Das Plattenepithelkarzinom hat eine hohe Erkrankungsprävalenz und das Risiko zu erkranken ist für Outdoorworker deutlich erhöht". Dabei haben Arbeitsmediziner gute Möglichkeiten, Hautkrebs früh zu erkennen. Die Vorsorge verfügt über ein gutes präventives Potential, sowohl technisch als auch organisatorisch, betont Drexler.

Die DGAUM setzt sich für die Beschäftigten ein
Die Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) steht nach Aussage ihres Präsidenten uneingeschränkt zum Konzept der arbeitsmedizinischen Vorsorge sowie den Bemühungen, die Gesundheit der Beschäftigten durch eine nachhaltige Vorsorge und Prävention zu schützen.

Die komplette Stellungnahme ist auf der DGAUM-Homepage zu lesen: http://www.dgaum.de/stellungnahmen-und-publikationen/

Kontakt bei Rückfragen:
Prof. Dr. med. Hans Drexler
Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und
Umweltmedizin der Universität Erlangen-Nürnberg
Schillerstraße 25/29
91054 Erlangen
E-Mail: Hans.Drexler@fau.de

Über DGAUM:
Die DGAUM wurde 1962 gegründet und ist eine gemeinnützige, wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft der Arbeitsmedizin und der klinisch orientierten Umweltmedizin. Ihr gehören heute über 1000 Mitglieder an, die auf dem Gebiet der Arbeitsmedizin und Umweltmedizin arbeiten, vor allem Ärztinnen und Ärzte, aber auch Angehörige anderer Berufsgruppen wie etwa Natur- und Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Die Mitglieder der Fachgesellschaft engagieren sich nicht nur in Wissenschaft und Forschung, um so bereits bestehende Konzepte für die Prävention, die Diagnostik und Therapie kontinuierlich zu verbessern, sondern sie übernehmen die ärztliche und medizinische Beratung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern an der Schnittstelle von Individuum und Unternehmen. Darüber hinaus beraten die Mitglieder der DGAUM alle Akteure, die ihren Beitrag zu der medizinischen Versorgung leisten und auf Fachwissen aus der betrieblichen Gesundheitsförderung und Prävention, der arbeits- und umweltbezogenen Diagnostik und Therapie, der Beschäftigungsfähigkeit fördernden Rehabilitation sowie aus dem versicherungsmedizinischen Kontext angewiesen sind.

Weitere Informationen unter: http://www.dgaum.de

Ihre Ansprechpartner Presse DGAUM
Mariya Ahner, M.A.
Telefon 089/330 396-0
Fax 330 396-13
E-Mail: mahner@dgaum.de
http://www.dgaum.de

Quelle: idw 

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Biofilme: Bakterien schützen sich durch Lotuseffekt

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Plaque auf den Zähnen oder der bräunlich-zähe Schleim in Abflussrohren sind zwei bekannte Beispiele für bakterielle Biofilme. Solche Beläge von den Oberflächen zu entfernen, ist oft sehr schwierig, unter anderem weil sie sehr stark wasserabweisende Eigenschaften haben können. Ein Team von Wissenschaftlern der Technischen Universität München (TUM) konnte nun zeigen, wie solche Biofilme ihre Oberfläche anpassen, um Wasser abzuweisen und dabei Blättern ähneln.

Bakterien umgeben sich mit einer dichten Hülle von selbst hergestellten chemischen Bausteinen (Polymere), um sich vor Umwelteinflüssen zu schützen. Diese Kombination von Bakterien und dem von ihnen produzierten Schleim nennt man Biofilm. Mikroorganismen, die diese Oberflächenbeläge bilden, sind äußerst trickreich, um sich vor fließendem Wasser - und damit vor dem Ablösen - zu schützen. Nicht nur in Abflussrohren, sondern auch an medizinischen Implantaten oder Schläuchen kann das zum großen Problem werden.

Prof. Oliver Lieleg, Professor für Biomechanik, erforscht mit seiner Arbeitsgruppe „Biologische Hydrogele" an der Munich School of BioEngineering die physikalischen Prinzipien, die bakterielle Biofilme so widerstandsfähig machen. In ihrer aktuellen Studie im Journal NPJ Biofilms and Microbiomes haben sie die Oberfläche von Biofilmen mit konfokalen Reflexions-Lichtmikroskopen genau vermessen.

Nahrungsangebot bestimmt die Oberfläche der Biofilme


„Unsere erste Erkenntnis war: Biofilm ist nicht gleich Biofilm - auch wenn er vom selben Bakterium erzeugt wird", sagt Oliver Lieleg. Die Forscher stellten fest, dass das Bodenbakterium Bacillus subtilis Biofilme mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften herstellen kann: Einmal breiten sich Wassertropfen fast sofort auf der Oberfläche aus, ein anderes Mal rollen die Wassertropfen von der Oberfläche herunter und ein drittes Mal bleiben die Wassertropfen in kugeliger Form auf der Oberfläche haften - selbst wenn diese senkrecht gestellt wird.

Wie die Wissenschaftler zeigen konnten, nutzen die Mikroorganismen dabei Effekte, die aus der Pflanzenwelt bekannt sind: das wasserabweisende Verhalten der Blätter von Lotuspflanzen und Rosen. Lieleg und sein Team konnten nachweisen, dass die Oberflächenstruktur in der Tat stark verwandt zu denen der Pflanzenblätter ist. Genau wie die Blätter weist auch der Biofilm rauhe Strukturen sowohl im Mikrometer- als auch im Nanometerbereich auf, die dazu führen, dass die Benetzung mit Wasser erschwert wird.

Ein wesentlicher Unterschied, der sowohl bei den Pflanzenblättern als auch bei den Biofilmen auftritt: Beim Lotus-Effekt werden kleine Luftbläschen zwischen dem Wassertropfen und der Oberfläche des Blattes eingeschlossen, beim Rosenblatt-Effekt dagegen nicht. Deshalb perlen Wassertropfen von Lotusblättern ab, haften aber an Rosenblättern. Ob sich ein Biofilm eher wie ein Lotus- oder wie ein Rosenblatt verhält, hängt von den Nährstoffen ab, die die Bakterien beim Wachstum vorfinden, da dies die genaue Oberflächenstruktur des Biofilms bestimmt.

Ein neuer Ansatzpunkt zur Bekämpfung von Biofilmen
Bakterien in Biofilmen lassen sich oft nur schwer mit Antibiotika und anderen Chemikalien bekämpfen. Teilweise ist dafür die wachsende Zahl bakterieller Resistenzen verantwortlich. Die Forscher schlagen nun vor, auch die wasserabweisenden Eigenschaften der Biofilme anzugreifen: „Wenn ein antibakterieller Stoff die Oberfläche eines Biofilms gar nicht erreicht, weil er abperlt, dann kann er auch nicht wirken. Wir müssen deshalb diese wasserabweisende Oberflächentextur verändern", erklärt Oliver Lieleg. „Das wäre ein neuer Ansatzpunkt, um Biofilme von Oberflächen wie Rohren, Kathetern oder infizierten Wunden zu entfernen."

Das Projekt wurde im Rahmen des SFB863 „Forces in Biomolecular Systems" durchgeführt.

Originalpublikation
Werb, M., Falcón Garcia, C., Bach, N., Grumbein, S., Sieber, S., Opitz, M. and O. Lieleg, "Surface topology affects wetting behavior of Bacillus subtilis biofilms", NPJ Biofilms and Microbiomes, DOI: 10.1038/s41522-017-0018-1 (2017)
https://www.nature.com/articles/s41522-017-0018-1

Kontakt
Prof. Dr. Oliver Lieleg
Technische Universität München
Professur für Biomechanik / Fakultät für Maschinenwesen und Munich School of BioEngineering
Tel: +49 89 289 10952
E-Mail: oliver.lieleg@tum.de

Mehr Informationen
Professorenprofil Prof. Dr. Oliver Lieleg: http://www.professoren.tum.de/lieleg-oliver/

Arbeitsgruppe "Biologische Hydrogele": http://www.imetum.tum.de/arbeitsgruppen/biologische-hydrogele

Weitere Informationen:

https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/33914/ - Diese Meldung im Web
https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/ - Pressemeldungen der Technischen Universität München

Quelle: idw 

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Erythrit - Forscher finden Früherkennungszeichen für Fettleibigkeit

Stephan Nachtigall Presse und Kommunikation
Technische Universität Braunschweig

Ein internationales Forschungsteam, an dem Wissenschaftler der Technischen Universität Braunschweig beteiligt sind, hat eine chemische Substanz identifiziert, die als Früherkennungszeichen für eine einsetzende Fettleibigkeit genutzt werden kann. Solch ein Biomarker für Adipositas war bisher nicht bekannt. Es handelt sich um den Zuckeralkohol Erythrit. Die Forscher um Prof. Dr. Karsten Hiller, Leiter der Abteilung Bioinformatik und Biochemie am Braunschweiger Zentrum für Systembiologie (BRICS) der TU Braunschweig konnten nachweisen, dass Menschen, die stark an Gewicht zunehmen und Gefahr laufen, fettleibig zu werden, Erythrit in erhöhten Konzentrationen im Blut haben.

Erythrit dient als Süßstoff etwa in Limonaden und gilt als besonders gut verträglich, weil es - so die gängige Annahme - vom menschlichen Stoffwechsel nicht verarbeitet, sondern unverändert ausgeschieden wird. Das Team konnte zeigen, dass diese Annahme falsch ist: Erythrit ist durchaus Bestandteil des Stoffwechsels - und wird vom Körper sogar selbst hergestellt. Seine Ergebnisse veröffentlicht das Konsortium, an dem auch das Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB) der Universität Luxemburg und die US-amerikanische Cornell-Universität beteiligt sind, heute in dem Fachjournal PNAS.

Grundlage für die Forschungsarbeit war eine Beobachtung, die Ernährungswissenschaftler schon seit längerem machen: „Drei Viertel aller Studienanfänger in den USA neigen dazu, im ersten Semester an Gewicht zuzulegen", sagt Prof. Dr. Patricia Ann Cassano vom Bereich Ernährungswissenschaften an der Cornell-Universität und Initiatorin der Studie: „Dies dürfte damit zusammenhängen, dass sie von zuhause ausziehen, sich nun selbst versorgen müssen und ihre Ernährung umstellen." Bisher war kein Stoffwechselprodukt bekannt, das als Früherkennungszeichen oder Biomarker für diese Gewichtszunahme - die unter Umständen zu Fettleibigkeit führt - dienen kann. Cassano und ihr Team wollten das ändern, denn gerade im frühen Erwachsenenalter bestehen noch Chancen, einer einsetzenden Adipositas entgegenzuwirken. Die Wissenschaftler untersuchten deshalb in einer repräsentativen Gruppe von Studienanfängern über ein Jahr hinweg den Gesundheitszustand und nahmen bei den Probanden Blutproben.

Dann baten sie Karsten Hiller, der damals am LCSB tätig war, und sein Team, die Blutproben zu untersuchen. Ziel war es, herauszufinden, welche Stoffwechselprodukte sich darin befanden und wie sich deren Zusammensetzung im Lauf des Untersuchungszeitraums veränderte. Hiller gilt für solche Untersuchungen als einer der führenden Experten: „Wir haben Techniken entwickelt, mit denen wir genau nachverfolgen können, wie bestimmte Substanzen im Körper abgebaut werden und welche Produkte daraus entstehen. Auch bisher unbekannte Stoffwechselprodukte können wir so bestimmen." Die Forscher fanden heraus, dass bei Studienteilnehmern, die gerade stark zunehmen, die Substanz Erythrit verstärkt im Stoffwechsel auftaucht.

Hillers Team stellte zudem fest, dass der Süßstoff nicht nur über die Nahrung in den Körper gelangt, sondern auch selbst von ihm hergestellt wird. „Dazu haben wir mit markiertem Zucker gearbeitet", sagt Dr. Jean-Pierre Trezzi, der am LCSB maßgeblich an den Untersuchungen beteiligt war. In Glukose haben die Forscher bestimmte Kohlenstoffatome durch solche Kohlenstoffatome ersetzt, die einen Kernbaustein mehr enthalten, als das in der Natur meistens der Fall ist. Trezzi: „Dieses als C13 bezeichnete Kohlenstoff-Isotop ist stabil, hat keine Auswirkungen auf Lebewesen und kommt in der Natur sehr selten vor. Wenn wir es künstlich in Glukose einbauen, können wir genau verfolgen, welchen Weg die Glukose im Körper nimmt."

Das Ergebnis war für die Forscher überraschend: Nehmen Probanden eine markierte Glukoselösung ein, finden sich die C13-Kohlenstoffatome nach einiger Zeit auch im Erythrit. „Das ist der Beweis dafür, dass der Körper den Zuckeralkohol auch selbst herstellen kann", sagt Karsten Hiller: „Erythrit ist keine Substanz, die wir einfach wieder ausscheiden. Sie hat eine Wirkung auf unseren Stoffwechsel. Das steht im Gegensatz zu allen bisherigen Annahmen."

Eine Aussage darüber, welche Beziehung zwischen einer erhöhten Erythrit-Konzentration im Blut und einer einsetzenden Fettleibigkeit besteht, können die Forscher mit ihren bisherigen Ergebnissen allerdings noch nicht machen, so Hiller: „Das ist Gegenstand der nächsten Untersuchungen. Wir werden mit der Isotopenmethode nun die Stoffwechselwege rund um das Erythrit genau ausleuchten, untersuchen, wo es herkommt und wie es aus dem Körper verschwindet - und hoffen dabei Hinweise zu bekommen, welche Rolle dieser Zuckeralkohol bei der Gewichtszunahme spielt."

Zur Person und zur Abteilung Bioinformatik und Biochemie
Professor Karsten Hiller wurde im Juli 2016 an die TU Braunschweig berufen und leitet dort seither die Abteilung für Bioinformatik und Biochemie. Zudem gehört er der Abteilung für Bioinformatik der Infektionsforschung des Helmholtz Zentrums für Infektionsforschung (HZI) an. Zuvor war er Professor für Zell-Metabolismus an der Universität Luxembourg und leitete dort für sechs Jahre die Arbeitsgruppe Metabolomics. Prof. Hiller und sein Team untersuchen die Rolle des Stoffwechsels von Zellen des Immunsystems und des Gehirns im Zusammenhang mit Krankheiten. Zudem untersuchen sie, wie sich der Stoffwechsel der humanen Wirtszellen während einer Infektion verändert. Die Gruppe hat auf diesem Weg zum Beispiel herausgefunden, dass menschliche Immunzellen eine bisher im humanen Stoffwechsel unbekannte Substanz herstellen, die eine antibiotische Wirkung auf Bakterien entfaltet. Mit Hilfe von Methoden aus der Biochemie und der Informatik sollen weitere Drehpunkte im Stoffwechsel der Immunzellen identifiziert werden, die in Zukunft für Therapie-Möglichkeiten ausgenutzt werden können.

Kontakt
Prof. Dr. Karsten Hiller
Technische Universität Braunschweig
Institut für Biochemie, Biotechnologie und Bioinformatik (IB³)
Abteilung Bioinformatik und Biochemie
Rebenring 56
38106 Braunschweig
Tel.: 0531 391-55201
E-Mail: karsten.hiller@tu-braunschweig.de
http://bibc.tu-braunschweig.de/bioinf

Weitere Informationen:
https://magazin.tu-braunschweig.de/pi-post/erythrit-der-suessstoff-den-der-koerp...
https://www.eurekalert.org/jrnls/pnas/16-20079.htm

Quelle: idw 

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Je gerechter, desto grüner

Rudolf-Werner Dreier Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Forscher finden Zusammenhang zwischen der Ungleichheit von Einkommen und dem ökonomischen Wert der Natur

Forscher der Universitäten Freiburg, Kiel und Berlin haben herausgefunden, dass der ökonomische Wert der Natur für eine Gesellschaft unter anderem von der Einkommensungleichheit in der Gesellschaft bestimmt wird. „Soziale Gerechtigkeit und Naturschutz stehen nicht unbedingt in einem Konflikt zueinander, anders als häufig behauptet wird. Vielmehr können Maßnahmen für mehr soziale Gerechtigkeit in einer gesellschaftlichen und gesamtwirtschaftlichen Betrachtung auch den Naturschutz stärken", betont Stefan Baumgärtner, Professor für Umweltökonomie und Ressourcenmanagement an der Universität Freiburg und Leiter der Studie. Die Wissenschaftler haben ihre Theorie im „Journal of Environmental Economics and Management", der führenden Fachzeitschrift der Umweltökonomie, vorgestellt und anhand eines umfangreichen empirischen Datensatzes zu Naturbewertungen in 22 Ländern weltweit quantifiziert.

Natürliche Ökosysteme sind für Menschen aus vielen Gründen nützlich. Sie stellen Wasser, Nahrungsmittel, Baustoffe, Energie und Medikamente bereit; sie regulieren das Klima und die Ausbreitung von Krankheiten; und sie haben wichtige kulturelle Bedeutung. Aus all diesen Gründen hat Natur einen ökonomischen Wert für Menschen. „Auch wenn dieser Wert nicht offensichtlich ist, da die meisten und wichtigsten Leistungen der Natur nicht auf Märkten gehandelt werden, sollte er bei Entscheidungen über den Umgang mit Natur, zum Beispiel bei der Planung neuer Verkehrswege, Wohn- oder Gewerbegebiete, berücksichtigt werden", betont Baumgärtner.
Dass der ökonomische Wert der Natur für eine Gesellschaft umso höher ist, je höher das durchschnittliche Einkommen in der Gesellschaft ist, war schon länger bekannt. Das liegt daran, dass bei der ökonomischen Naturbewertung die Leistungen der Natur mit dem Nutzen von Konsumgütern verglichen werden. Wer über ein höheres Einkommen verfügt, kann mehr konsumieren und wird damit normalerweise auch der Natur einen höheren Wert zusprechen.

Unklar war bislang, welchen Einfluss die Ungleichheit der Einkommensverteilung auf den ökonomischen Wert der Natur hat. Diese Frage ist nun beantwortet: Wenn die Leistungen der Natur für das menschliche Wohlbefinden gut durch von Menschen produzierte Güter und Dienstleistungen ersetzt werden können, ist der ökonomische Wert der Natur für eine Gesellschaft umso höher, je gleichmäßiger die Einkommen in dieser Gesellschaft verteilt sind. In diesem Fall gilt umgekehrt auch: Je ungleicher die Einkommen verteilt sind, desto geringer ist der ökonomische Wert der Natur für die Gesellschaft. Die empirischen Daten deuten darauf hin, dass die Bedingung der guten Ersetzbarkeit für viele Leistungen der Natur auf dem derzeitigen Konsumniveau erfüllt ist.

„Dieses Ergebnis ist wichtig, weil es einen klaren Zusammenhang zwischen sozialer Gerechtigkeit und Naturschutz herstellt", sagt Baumgärtner. Einkommensungleichheit führe nach diesem Ergebnis nämlich zu einer Unterbewertung von Natur. Eine Verringerung von Einkommensungleichheit hätte demnach eine Höherbewertung von Natur zur Folge. Damit würde die Natur in Entscheidungen über wirtschaftliche Entwicklungsmaßnahmen auch einen höheren Stellenwert erhalten.

Originalveröffentlichung
S. Baumgärtner, M.A. Drupp, J.N. Meya, J.M. Munz and M.F. Quaas (2017), Income inequality and willingness to pay for environmental public goods, Journal of Environmental Economics and Management 85: 35-61.
http://doi.org/10.1016/j.jeem.2017.04.005

Kontakt:
Prof. Dr. Stefan Baumgärtner
Fakultät für Umwelt und Natürliche Ressourcen
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-3753
E-Mail: stefan.baumgaertner@ere.uni-freiburg.de

Weitere Informationen:
https://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2017/je-gerechter-desto-gruener

Quelle: idw 

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Energiewende: intelligent, vernetzt, nachhaltig

Monika Landgraf Strategische Entwicklung und Kommunikation - Gesamtkommunikation
Karlsruher Institut für Technologie

Der Umbau des Energiesystems hin zu mehr Nachhaltigkeit benötigt viele Bausteine. Etwa smarte Solarspeicher, intelligent verknüpfte Energienetze und strombasierte synthetische Kraftstoffe (e-Fuels). Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) erforscht diese Technologien und stellt auf den Messen Intersolar und ees Europe (31. Mai bis 02. Juni 2017, München) aktuelle Ergebnisse und Forschungsausblicke vor. Themen sind die Helmholtz-Infrastrukturplattform „Energy Lab 2.0", das Projekt „SafetyFirst" für effiziente Heimspeicher und Betriebserfahrungen aus Deutschlands größtem Solarstrom-Speicherpark für die Forschung am KIT (Halle B1, Stand B1.154 und Sonderschau „Smart Renewable Energy").

„SafetyFirst" und Solarstromspeicherpark
Je günstiger Heimspeicher werden, desto mehr davon werden im privaten Haushalt eingesetzt. Die Technologie steht an der Schwelle zum Massenmarkt. Doch sind die Systeme auch so gut wie von den Herstellern versprochen wird? Denn nicht nur der Anschaffungspreis, sondern auch die Qualität, also die Leistungsfähigkeit im Betrieb, haben einen erheblichen Einfluss auf die laufenden Speicherkosten. „Im Projekt „SafetyFirst" vermessen wir die Performance von zwanzig kommerziellen Speichersystemen", erklärt Projektleiterin Nina Munzke vom KIT.

Für die Performance spielen neben dem Wirkungsgrad der Systemkomponenten auch die Standby-Verbräuche, die Reaktionsgeschwindigkeit des Speichers auf Änderungen in der Last und Erzeugung sowie die Intelligenz der Gesamtsystemsteuerung eine große Rolle. „Die Ergebnisse der Messungen zeigen: es gibt noch erhebliche Unterschiede zwischen den Speichern am Markt. Für eine bessere Vergleichbarkeit haben wir eine Checkliste aufgestellt, in der die wichtigsten Kriterien und die KIT-Messergebnisse als Benchmark aufgeführt sind. Damit sollen auch Kunden und Handwerker die richtigen Fragen an die Speicherhersteller und -lieferanten stellen können." Die Erfahrungen aus dem Projekt „SafetyFirst" sind auch in den „Effizienzleitfaden für PV-Speichersysteme" des Bundesverbands für Energiespeicher (BVES) und des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW Solar) eingeflossen. Dieser wurde im März veröffentlicht und stellt ein einheitliches, standardisiertes Verfahren zur Messung der Energieeffizienz von PV-Speichersystemen vor.

Neben der Qualität werden die Speichersysteme im Rahmen von „SafetyFirst" auch hinsichtlich Transport- und funktionaler Sicherheit sowie Netzdienlichkeit untersucht. Dadurch werden Entwicklungsempfehlungen möglich, die der Gesamtheit der Netz- und Speicherbetreiber sowie den Stromkunden zugute kommen. Das Projekt „Safety First" wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit etwa 4 Mio. Euro gefördert und vom Karlsruher Institut für Technologie koordiniert. Projektpartner sind das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg und das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung in Ulm.

Auf der Intersolar und ees Europe 2017 werden Lehren aus den Vergleichstests zu Performance, Sicherheit und Netzdienlichkeit vorgestellt. Daneben zeigen aktuelle Ergebnisse aus dem Solarstrom-Speicherpark am KIT, wie man die Eigenstromversorgung maximiert.

Weitere Informationen und Checkliste unter:
http://www.competence-e.kit.edu/eeseurope2017

Sonderschau „Smart Renewable Energy": Von Einzellösungen zum intelligenten integrativen System
Die Energiewende ist eine große Herausforderung: Es gilt immer mehr elektrische Energie aus den fluktuierenden erneuerbaren Quellen Sonne und Wind effektiv und bezahlbar zu nutzen und dabei gleichzeitig die erforderliche Netzstabilität und Versorgungssicherheit zu gewährleisten. „Um die Energiewende im Rahmen der gesetzten Zeithorizonte erfolgreich zu gestalten, müssen wir bereits jetzt das gesamte Energiesystem betrachten und in viel größerem Ausmaß als heute effiziente Verknüpfungen zwischen den verschiedenen Energieträgern schaffen", erklärt Roland Dittmeyer vom KIT, Projektleiter des „Energy Lab 2.0". „Ich bin überzeugt, dass wir dazu sowohl vorhandene Technologien beherzt anwenden als auch neue bis hin zur Marktreife entwickeln müssen. Mit dem „Energy Lab 2.0" können wir diese Entwicklung in idealer Weise unterstützen."

Das „Energy Lab 2.0" als „Reallabor" und Simulationsplattform macht es möglich, neue Ansätze zur Integration unterschiedlichster Technologien ins Energiesystem zu erproben. Dafür werden in Europa erstmals größere Versuchsanlagen miteinander vernetzt; etwa solche zur Erzeugung erneuerbarer elektrischer Energie, zur Speicherung und Umwandlung in Wärme, synthetisches Erdgas und schadstoffminimierte synthetische Kraftstoffe (e-Fuels) sowie zur brennstoff- und lastflexiblen Stromerzeugung aus leicht speicherbaren chemischen Energieträgern. Es werden Entwürfe für ein zellulares, intelligentes Gesamtsystem zur Energieversorgung abgeleitet und umfassend untersucht. Neben der Verknüpfung der elektrischen, thermischen und chemischen Energieströme und der Speicherintegration liegt dabei ein Hauptaugenmerk auf der Entwicklung und Erprobung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien zur Steuerung und Regelung dieser intelligenten Energienetze. Projektpartner im „Energy Lab 2.0" sind die Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Forschungszentrum Jülich (FZJ). Das Vorhaben wird gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg sowie von den Bundesministerien für Bildung und Forschung (BMBF) und Wirtschaft und Energie (BMWi).

Weitere Informationen unter:
http://www.elab2.kit.edu/
http://www.intersolar.de/de/programm/sonderveranstaltungen/sonderschau-smart-ren...

Weiterer Kontakt:
Kosta Schinarakis, Themenscout, Tel.: +49 721 608 41956, Fax: +49 721 608 43658, E-Mail: schinarakis@kit.edu

Details zum KIT-Zentrum Energie: http://www.energie.kit.edu

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verbindet seine drei Kernaufgaben Forschung, Lehre und Innovation zu einer Mission. Mit rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 25 000 Studierenden ist das KIT eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas.

KIT - Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft

Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: http://www.kit.edu

Weitere Informationen:
http://www.competence-e.kit.edu/eeseurope2017
http://www.elab2.kit.edu/
http://www.intersolar.de/de/programm/sonderveranstaltungen/sonderschau-smart-ren...
http://www.intersolar.de/de/conference/session/smart-renewable-energy-forum-besc...
http://www.energie.kit.edu

Anhang

Energiewende: intelligent, vernetzt, nachhaltig
https://idw-online.de/de/attachmentdata57480.pdf

Quelle: idw 

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Deutsche Hochdruckliga e.V. (DHL): Bluthochdruck bei Frauen häufig unterschätzt

Stephanie Priester Geschäftsstelle
Deutsche Hochdruckliga

Hypertonie und Herzinfarkt galten früher als typisch männliche Leiden: Der Patient - so das landläufige Bild - hat sich seinen Hochdruck durch beruflichen Stress quasi „erarbeitet" und ihm dann durch Alkohol und Nikotin noch Vorschub geleistet. Bei Frauen wurde eine Hypertonie oft gar nicht in Erwägung gezogen oder zu spät erkannt. Dabei sind Frauen mit steigendem Alter sogar stärker gefährdet als Männer. Am 15. Mai diskutieren Experten im Rahmen einer Pressekonferenz der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® - Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention in Berlin, welche besonderen geschlechtsspezifischen Herausforderungen es bei Blutdruckpatienten gibt.

„Ab 65 Jahren wird Bluthochdruck häufiger bei Frauen diagnostiziert als bei Männern", sagt Dr. med. Ute Seeland vom Institut für Geschlechterforschung in der Medizin an der Berliner Charité im Vorfeld der Pressekonferenz. Mittlerweile sind sogar einige Risikofaktoren bekannt, die als typisch weiblich gelten müssen. So steigt das Hypertonie-Risiko auf das Zwei- bis Dreifache an, wenn Frauen die Pille einnehmen und zusätzlich beispielsweise übergewichtig sind. Auch eine Schwangerschaftshypertonie oder eine (Prä-)Eklampsie steigern das Risiko, binnen zehn Jahren einen manifesten Bluthochdruck zu entwickeln. „Die betroffenen Frauen müssen dringend als Risikogruppe wahrgenommen werden. Mit Aufklärungskampagnen sollten diese gezielt angesprochen werden und an Untersuchungen zur kardiovaskulären Risikoeinschätzung teilnehmen", fordert Dr. Seeland. Die bisherige Aufklärungsarbeit - etwa zum Rauchen - sei vor allem auf Männer abgestimmt gewesen.

Ein Grund dafür, dass Frauen lange Zeit als Zielgruppe vernachlässigt wurden, ist der durch weibliche Östrogene vermittelte Gefäß-Schutz. In mittleren Jahren erkranken Frauen daher tatsächlich seltener an Bluthochdruck als Männer. Doch solle die hormonelle Schutzwirkung nicht überschätzt werden, mahnt Dr. Seeland. „Wenn 77 Prozent der Hypertonie-Patientinnen die Menopause bereits hinter sich haben, bedeutet das zugleich, dass 23 Prozent noch vor der Menopause betroffen sind", sagt die Charité-Ärztin und verweist auf die Ergebnisse der Berliner BEFRI-Studie. Für die Studie haben sie und ihre Kollegen über 1000 Berliner Frauen zwischen 25 und 75 Jahren befragt und untersucht. Dabei zeigte sich auch, dass 45 Prozent der weiblichen Allgemeinbevölkerung Störungen der arteriellen Gefäßfunktion und/oder eine erhöhte Steifigkeit der Gefäßwände aufweisen1) 2). Solche Veränderungen können einer Hypertonie um Jahre vorausgehen und bleiben oft unentdeckt. „Die Störungen sind oft noch reversibel, sodass gesundheitsfördernde Maßnahmen hier sehr gut greifen können", sagt die Expertin. Dazu zählte etwa ein Rauchstopp, ausreichend Bewegung, eine salzarme Ernährung (nach Empfehlung der DHL 5 - 6 g Kochsalz pro Tag) und die Vermeidung von Übergewicht. Wie die Internistin betont, stehen heute mit der Messung des sogenannten Augmentationsindex und der Pulswellengeschwindigkeit Methoden zur Verfügung, mit denen die Elastizität der Gefäßwand bereits früh diagnostiziert werden kann. Eine solche Untersuchung solle Männern und Frauen bereits ab 40 Jahren angeboten werden, wenn sie zusätzliche Risikofaktoren aufweisen.

„Frauen leben im Durchschnitt länger als Männer, weshalb die Phase der Folgekrankheiten auf die Lebenszeit gesehen bei Frauen meistens länger ist, als bei Männern", erklärt Dr. Seeland. „Das bedeutet aus gendermedizinischer Sicht, dass neben den berechtigten sogenannten „harten Endpunkten" wie dem kardiovaskulären Tod oder der Gesamtmortalität auch die Lebensqualität als ein weiterer Endpunkt in den Studien seine Berechtigung hat und in Zukunft stärker als Outcome Variable mitberücksichtigt werden sollte."Einschränkungen der Lebensqualität stärker zu berücksichtigen, sei ein wichtiger Schritt hin zur Entwicklung einer gendergerechten Therapie.

Bei der Diagnose „Bluthochdruck" handelt es sich um eine Erkrankung, die konsequent und langfristig behandelt werden muss - manchmal ein Leben lang. Rund ein Viertel der Menschen mit Bluthochdruck werden momentan gar nicht behandelt und die andere Hälfte nicht ausreichend. „Eine wichtige Ursache für eine nichtausreichende Behandlung ist die Nonadhärenz, also das Nichteinhalten und Nichtumsetzen von Therapieempfehlungen", sagt Professor Dr. med. Bernhard Krämer, Vorstandsvorsitzender der DHL®. Studien belegen, dass Blutdruckbehandlungen dann erfolgreich sind, wenn Arzt und Patient die Therapieentscheidungen gemeinsam im Dialog treffen. Wie die Therapietreue des Patienten im Alltag gelingen kann, diskutieren Experten im Rahmen einer Pressekonferenz der Deutschen Hochdruckliga anlässlich des Welt Hypertonie Tages am 15. Mai 2017 in Berlin. In diesem Rahmen spricht Dr. Seeland auch darüber, warum sich die Therapie gendergerecht weiterentwickeln muss und welche besonderen Herausforderungen Bluthochdruck bei Frauen mit sich bringt.

Quellen:
1) Oertelt-Prigione S, Seeland U, Kendel F, Rücke M, Flöel A, Gaissmaier W, Heim C, Schnabel R, Stangl V, Regitz-Zagrosek V. Cardiovascular risk factor distribution and subjective risk estimation in urban women--the BEFRI study: a randomized cross-sectional study. BMC Med. 2015 Mar 16;13:52.

2) Seeland U, Brecht A, Nauman AT, Oertelt-Prigione S, Ruecke M, Knebel F, Stangl V, Regitz-Zagrosek V. Prevalence of arterial stiffness and the risk of myocardial diastolic dysfunction in women. Biosci Rep. 2016 Oct 27;36:1-9

Bitte beachten Sie: Im Sinne einer leichteren Lesbarkeit haben wir uns für die männliche Schreibweise entschieden. Die hier abgebildeten Inhalte richten sich jedoch gleichermaßen an weibliche und männliche Interessenten und sind in keiner Weise als Zurücksetzung von Frauen zu verstehen.

Über die Deutsche Hochdruckliga DHL®- Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention
Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® bündelt die Expertise zur arteriellen Hypertonie in Deutschland. Gegründet 1974, engagiert sie sich seitdem für eine bessere Versorgung von Menschen mit Bluthochdruck. Weltweit bleibt Bluthochdruck die größte Gefahr für die Gesundheit. Deshalb verfolgt die DHL® das Ziel „30-50-80": Jeder Mensch ab 30 Jahren sollte seinen Blutdruck kennen. Ab 50 sollte der Blutdruck bei jedem kontrolliert und gut eingestellt sein. Menschen mit 80 sollten nicht an Folgeschäden des Bluthochdrucks wie Schlaganfall oder Herzinfarkt leiden.

www.hochdruckliga.de
http://www.ich-bleib-mir-treu.de/start.html

Quelle: idw 

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Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Industrieproduktion auf Jobs und Umweltschutz?

Eva Söderman Presse und Kommunikation
Institute for Advanced Sustainability Studies e.V.

Studie des IASS zu Industrie 4.0 in China und Deutschland zeigt, wie unterschiedlich Angestellte verschiedener Länder in die Zukunft blicken: Chinesische Arbeitnehmer erwarten von den neuen Technologien viel drastischere Veränderungen für die Umwelt und den Arbeitsmarkt als deutsche. Das zeigt eine Umfrage unter Industrie-Angestellten in Deutschland und China, die Wissenschaftler des Instituts für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) durchgeführt haben.

Die umfragebasierte IASS-Studie zum Thema Industrie 4.0, die nun im "International Journal of Precision Engineering and Manufacturing" erschienen ist, ist eine der ersten, die die Auswirkungen von Digitalisierung und der Verknüpfung industrieller Prozesse auf Nachhaltigkeitsaspekte hin untersucht.

Weniger Jobs in der Fertigung, mehr Jobs in der Entwicklung
Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Zahl der Jobs und Anforderungen an die Arbeitnehmer halten die Chinesen für deutlich gravierender als die Deutschen. So nehmen 88 Prozent der chinesischen Befragten an, dass es künftig weniger oder viel weniger Arbeitsplätze in der Fertigung geben wird. Vier von fünf der Chinesen erwarten dies auch für Jobs in der Montage. Dagegen rechnet nur gut die Hälfte der deutschen Befragten mit einer abnehmenden Zahl der Arbeitsplätze in der Fertigung (56 Prozent) und Montage (53 Prozent). Eine sichere Zukunft prognostizieren die Deutschen dem Bereich Entwicklung: 77 Prozent erwarten eine steigende Zahl von Arbeitsplätzen, gegenüber 46 Prozent der Chinesen.

„Die Ergebnisse unserer Umfrage spiegeln wider, dass Industrie 4.0 in verschiedenen Regionen der Welt ganz unterschiedliche Auswirkungen zeitigen wird, je nach den vorherrschenden industriellen Voraussetzungen", sagt Leitautor Grischa Beier. So ließe sich die unterschiedliche Einschätzung dadurch erklären, dass Deutschland bereits einen hohen Automationsgrad aufweist: Auf 10.000 Angestellte kommen 292 Roboter, während es in China nur 36 Roboter sind. Deutschland ist somit ein hochindustrialisierter Pionier der Industrie 4.0 und hat manche Prozesse bereits durchlaufen, die das Schwellenland China noch vor sich hat.

Energie- und Ressourceneffizienz wird wichtiger
In beiden Ländern geht eine Mehrheit davon aus, dass das Thema Ressourceneffizienz zukünftig an Bedeutung gewinnt. Die Befragten aus China rechnen künftig mit einem deutlich niedrigeren Energiebedarf und Materialverbrauch durch die Digitalisierung der Warenherstellung. Deutsche Industrie-Angestellte hingegen prognostizieren mehrheitlich einen gleichbleibenden oder steigenden Energiebedarf. „Möglicherweise lässt sich diese unterschiedliche Einschätzung damit erklären, dass in vielen deutschen Unternehmen bereits Energieeffizienz-Maßnahmen implementiert wurden. Das führt dazu, dass weitere große Einsparpotentiale schwerer zu realisieren sind", erläutert Grischa Beier.

Zurzeit ist Luftverschmutzung ein erhebliches Umweltproblem in China, wozu die Kohleindustrie und andere industrielle Emissionen in hohem Umfang beitragen. Obwohl in Deutschland ein ähnlich hoher Anteil der Bruttowertschöpfung auf die Industrie entfällt - 26 Prozent verglichen mit 32 Prozent in China - unterscheidet sich der Anteil der Industrie am gesamten Energieverbrauch erheblich: In China liegt er bei 70 Prozent, in Deutschland bei nur 28 Prozent.

Studie
Beier, G., Niehoff, S., Ziems, T., Xue, B. (2017): Sustainability aspects of a digitalized industry - A comparative study from China and Germany. - International Journal of Precision Engineering and Manufacturing - Green Technology, 4, p. 227-234.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an
Eva Söderman und Anja Krieger
Presse & Kommunikation
Institute for Advanced Sustainability Studies e.V. (IASS)
Berliner Straße 130, 14467 Potsdam
Tel. +49 (0)331 288 22-340/341
Fax +49 (0)331 288 22-310
E-Mail eva.soederman@iass-potsdam.de / anja.krieger@iass-potsdam.de
www.iass-potsdam.de

Das von den Forschungsministerien des Bundes und des Landes Brandenburg geförderte Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (Institute for Advanced Sustainability Studies, IASS) hat das Ziel, Entwicklungspfade für die globale Transformation zu einer nachhaltigen Gesellschaft aufzuzeigen. Das IASS folgt einem transdisziplinären, dialogorientierten Ansatz zur gemeinsamen Entwicklung des Problemverständnisses und von Lösungsoptionen in Kooperation zwischen den Wissenschaften, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Ein starkes nationales und internationales Partnernetzwerk unterstützt die Arbeit des Instituts. Zentrale Forschungsthemen sind u.a. die Energiewende, aufkommende Technologien, Klimawandel, Luftqualität, systemische Risiken, Governance und Partizipation sowie Kulturen der Transformation.

Weitere Informationen:
http://publications.iass-potsdam.de/pubman/faces/viewItemOverviewPage.jsp?itemId...
http://www.iass-potsdam.de

Quelle: idw 

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Keramiken und Kunststoffe können Metalle schon bei vielen Zahn-Therapien ersetzen

Markus Brakel Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e.V.

DGZMK: Risiken von Metallen im Mund eher gering einzuschätzen / Unverträglichkeiten sind aus wissenschaftlicher Sicht selten / Kunststoffe verdrängen Amalgam als Füllungsmaterial

Die Gefahr, die von Metall im Mund ausgehen kann, haben Kinogänger noch vor Augen: In den James Bond-Filmen "Der Spion, der mich liebte" und "Moonraker" verbreitete der von Richard Kiel gespielte Bösewicht "Der Beißer" mit einem Gebiss aus Stahl Angst und Schrecken. Wie groß aber ist die Gefahr, die Metalle im Mund auslösen können, wenn sie als Füllungsmaterial oder Zahnprothesen zum Einsatz kommen? Und braucht die moderne Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde sie überhaupt noch angesichts neuer Keramiken und Kunststoffe, die bei Behandlungen heute angewendet werden? "Aus wissenschaftlicher Sicht sind die Risiken, die von Metallen im Mund ausgehen, grundsätzlich eher gering einzuschätzen. Hier widersprechen unsere Erkenntnisse eindeutig einer weit verbreiteten Wahrnehmung. Wir möchten daher ein Zeichen in Richtung eines faktenbasierten Umgangs mit diesem Thema setzen", stellt Prof. Dr. Michael Walter, Präsident der DGZMK (Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde) und als solcher oberster Repräsentant der wissenschaftlichen Zahnmedizin hierzulande, eindeutig klar. "Keramiken und Kunststoffe können Metalle heute bei vielen Therapien schon ersetzen, ganz verdrängen können sie diese aber noch nicht." Im Rahmen einer Pressekonferenz der DGZMK, die sich mit den beiden genannten Fragen beschäftigte, wurde die Verwendung von Metallen, Keramiken und Kunststoffen bei zahnärztlichen Therapien aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet.

Wahrgenommenes Allergie-Risiko im Widerspruch zur Wissenschaft
Was die Verträglichkeit von Dentalmetallen angeht, erläutert Priv.-Doz. Dr. Anne Wolowski (WWU Münster) vom Arbeitskreis Psychologie und Psychosomatik in der DGZMK: "Man liest immer wieder Einzelfallberichte über teils dramatisch erlebte lokale wie allgemeine, sehr unspezifische Beschwerden durch Dentalmetalle (z. B. allgemeine Schwäche, Ermüdung, Energielosigkeit, Mundtrockenheit, erhöhter Speichelfluss). Die intuitiv gesteuerte Wahrnehmung eines solchen Allergie-Risikos durch die Bevölkerung steht dabei aber im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen."

"Grundsätzlich gilt, dass an der Mundschleimhaut kontaktallergische Reaktionen seltener als an der Haut auftreten und im Falle einer Reaktion auch ein eher geringeres Ausmaß annehmen. Der Grund dafür ist die verdünnende Wirkung des Speichels ('rinse-off'-Effekt), welche die Kontaktzeit des Allergens verringert. Ein weiterer Grund ist die geringere Dichte jener Zellen im Bereich der Mundschleimhaut, die für die Abwehrreaktion verantwortlich sind", so Wolowski. Ein positives Testergebnis sei zunächst nur der Nachweis einer Sensibilisierung. In jedem Fall müsse die klinische Relevanz interdisziplinär beurteilt werden. Erst bei eindeutigen Hinweisen aufgrund der Vorgeschichte und belastender Symptome könne man von einer nachgewiesenen Allergie ausgehen und sollte die fraglichen Materialien gegebenenfalls austauschen.

Nozeboeffekt belastet in hohem Maße
Wolowski empfiehlt bei unklaren Beschwerden und/oder bei dem Verdacht auf eine Materialunverträglichkeit die Zusammenarbeit von Zahnmedizin und Allgemeinmedizin. Dabei hänge es von der Art der Beschwerden, der Vorgeschichte und gegebenenfalls vorliegender körperlicher Befunde ab, in welche Richtung eine spezifische Fachdiagnostik und gegebenenfalls Therapie geleitet werden müsse. Dabei steht für die spezialisierte Zahnmedizinerin fest: "Die höchste Belastung, die Patienten erleben, ergeben sich oft aus einer vorschnellen und von Polemik gesteuerten Diagnostik. Unsicherheiten durch unbegründete Spekulationen haben eine Überschätzung eines objektiven Risikos im Sinne eines Nozeboeffektes (als schädigend wahrgenommener Effekt) zur Folge und belasten Betroffene unnötig in hohem Maße."

Immer wieder in die Schlagzeilen und entsprechend in Verruf ist Amalgam geraten. Bei diesem seit 1820 eingesetzten Füllungsmaterial steht der rund 50prozentige Quecksilberanteil in negativem Ruf. Inzwischen, so Prof. Dr. Roland Frankenberger (Uni Marburg) von der DGZ (Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung), habe diese Tatsache und der Wunsch nach "unsichtbaren" zahnfarbenen Füllungen für einen Siegeszug der dentalen Füllungskunststoffe (Komposite) gesorgt. "Diese bieten neben der Ästhetik im Vergleich zum Amalgam vor allem den Vorteil, dass sie viel minimal-invasiver, d.h. unter Opferung wesentlich geringerer Mengen gesunder Zahnhartsubstanz verarbeitet werden können. Daher haben die Komposite das Amalgam heute de facto als Massenfüllungsmaterial abgelöst", erklärt Frankenberger.

Verwendung von Amalgam normalerweise unbedenklich
Allerdings sei die toxikologische Bewertung beider Füllungsmaterialien nicht trivial. Auch einzelne Bestandteile dentaler Komposite würden zum Teil kritisch gesehen, da im Zuge der Polymerisation mit Licht in der Regel eine 100%-ige Polymerisation nicht zu erzielen sei. Und trotzdem sei bei 50 Mio. Füllungen pro Jahr in Deutschland die Komplikationsrate bezüglich biologischer Begleiterscheinungen nachgewiesenermaßen sehr gering. Frankenbergers Fazit: "Ein perfekt biokompatibles Füllungsmaterial gibt es nicht. Es gilt daher, eine stringente Risikoabschätzung durchzuführen. Nach dieser ist die Verwendung von Amalgam und Amalgamersatzmaterialien in der Regel unbedenklich - d.h. das Risiko ist akzeptabel."

Keramik verdrängt Metalle beim Zahnersatz
Zahnersatz ist in herausnehmbaren und festsitzenden sowie in zahngetragenen und implantatgetragenen Zahnersatz unterteilbar. Bei der Herstellung von Zahnersatz kommen neben unterschiedlichen Kunststoffen und Kunststoffzähnen vor allem Metalle und Keramiken zur Anwendung. "Generell zeigt sich bei diesen Zahnersatzversorgungen, dass Verträglichkeitsprobleme eher selten auftauchen", fasst Prof. Dr. Stefan Wolfart (RWTH Aachen) von der Deutschen Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien (DGPro) zusammen. "Im Bereich des festsitzenden Zahnersatzes (Kronen und Brücken) wird die Metallkeramik immer noch als Goldstandard bezeichnet. Hierbei wird ein Edelmetall- oder Nichtedelmetallgerüst mit einer Verblendkeramik verblendet. Zahnersatz aus Vollkeramik stellt dazu in vielen Bereichen eine sinnvolle Alternative dar." Bei den herausnehmbaren Restaurationen sei eine Versorgung ohne Metalle dagegen nicht realisierbar. Jeder herausnehmbare Zahnersatz - von der Totalprothese abgesehen - weise ein Metallgerüst auf. Insgesamt lasse sich festhalten, dass der Einsatz von Metallen bei Zahnersatz stark zurückgegangen sei. Ganz ohne Metalle gehe es aber vor allem bei großen Brücken, in der Implantatprothetik und bei herausnehmbaren Prothesen noch nicht. Die hochgoldhaltigen Legierungen würden heute aus Kostengründen - wo immer möglich - immer mehr durch Nichtedelmetalllegierungen ersetzt.

Titanimplantate weiter Goldstandard
Zahnärztliche Implantate stellen heutzutage eine wissenschaftlich anerkannte Therapiealternative zum Ersatz fehlender Zähne dar. Die Prognose (sog. Überlebensrate) für zahnärztliche Implantate ist nach adäquater Planung, Einbringung und Versorgung als sehr gut zu beziffern und beträgt nach fünf bis zehn Jahren, je nach Einsatzbereich, zwischen 95 und 100 Prozent. Grundlegend gilt es jedoch zu beachten, dass zahnärztliche Implantate einer intensiven Mundhygiene bedürfen. Neben der häuslichen "Implantatreinigung" muss eine regelmäßige Kontrolle und professionelle Reinigung durch den Zahnarzt erfolgen. Somit lassen sich Implantatentzündungen (z.B. Periimplantitis) in aller Regel vermeiden.
"Zahnärztliche Implantate werden heutzutage überwiegend aus Titan, einem leichten aber sehr festen Metall, gefertigt. Insbesondere Reintitan wird vom Körper sehr gut akzeptiert und bildet an der Luft eine beständige Schutzschicht aus. Die Korrosionsbeständigkeit des Reintitans und von Titanlegierungen gilt allgemein als ausgezeichnet", führt Prof. Dr. Frank Schwarz (Uni Düsseldorf), Präsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie (DGI) aus.
Neue Materialentwicklungen wie z.B. Keramikimplantate (Zirkondioxid) können derzeit noch nicht für alle Einsatzbereiche empfohlen werden. Die weitgehend problemlose Verwendung von Titanimplantaten ist wissenschaftlich bestens belegt. Titanimplantate bilden im Moment nach wie vor den Goldstandard und bleiben vorerst noch unverzichtbar. Keramikimplantate können bei bestimmten Indikationen eingesetzt werden.

Weitere Informationen:
http://www.dgzmk.de/presse/pressemitteilungen/dgzmk-pressekonferenz-am-11-mai-20....

Quelle: idw 

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Ostfalia forscht: „KlärLam - Kläranlagen als Lastmanager"

Evelyn Meyer-Kube Presse/Public Relations
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften

Sind Kläranlagen zur Bereitstellung von elektrischer Regelleistung für das Stromnetz geeignet? Mit dieser Fragestellung setzen sich an der Fakultät Versorgungstechnik der Ostfalia Hochschule derzeit Prof. Dr. Jens Wagner und Stefan Kielmeier wissenschaftlich auseinander. Denn durch die Energiewende und der damit verbundenen schlechteren Regelbarkeit der Stromerzeugung in Europa, wird die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts zwischen Erzeugung und Verbrauch immer bedeutender.

Eine Möglichkeit diesen Schwankungen im Stromnetz entgegen zu wirken besteht, neben teuren Stromspeichern, in der Stabilisierung des Netzes durch ein sogenanntes „Lastmanagement". Durch dieses, auch als „Demand Side Management" bezeichnet, erfolgt eine kurzfristige zeitliche Verschiebung des Strombezugs.

Kläranlagen verbrauchen durchschnittlich mehr Strom als die Straßenbeleuchtung. Daher untersuchen Wagner und Kielmeier vor allem die Belüftung, die durch ihren hohen Energieverbrauch das größte Potential bietet. Neben den Simulationen werden auch reale Bedingungen betrachtet, um einen möglichen Einfluss auf die Betriebsparameter auszuschließen. Dazu wurde eine Container-Versuchsanlage nach dem Vorbild einer Großanlage gebaut, die ihren Dienst seit März 2016 auf dem Gelände der Kläranlage Wolfenbüttel verrichtet. Die Anlage fasst circa 15 Kubikmeter Wasser und ist mit moderner Messtechnik ausgestattet. Die zuvor simulierten Computermodelle werden nun in der Praxis überprüft. Dabei haben sich positive Ergebnisse gezeigt. Professor Wagner berichtet: „Am Modell hat sich durch ein Abstellen der Belüftung für kürzere Zeiträume keine nennenswerte Verschlechterung der Abwasserreinigung ergeben. Die Laststeuerung und die gleichzeitige Gewährleistung der Abwasserbehandlung funktionieren bestens."

Das bereits im Jahr 2014 gestartete Projekt wird in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Wolfenbüttel, der Firma NeVisio und der Universität Duisburg-Essen durchgeführt und vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 431 000 Euro finanziert. Nach einer erfolgreichen Übertragung auf die Großanlage soll die detaillierte Auswertung und ein Abschlussbericht zum Ende des Jahres veröffentlicht werden. Ein Nachfolgeantrag für weitere Forschungsgelder ist vorgesehen. „Ich würde mich freuen, wenn wir weiter forschen könnten und noch genaueres zum Thema Primärregelleistungsbereitstellung oder zu der Entwicklung der lastorientierten Fahrweise von Nitrifikationsbecken beitragen könnten", so Stefan Kielmeier.

Weitere Informationen:
http://www.ostfalia.de/v/wir_ueber_uns/personen/_mitarbeiter_seiten/wagner.html

Quelle: idw 

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WSI Tarifarchiv: Wer bekommt Urlaubsgeld und was sehen die Tarifverträge vor?

Rainer Jung Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

42,6 Prozent der Beschäftigten erhalten von ihrem Arbeitgeber ein Urlaubsgeld. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Online-Befragung der Internetseite www.lohnspiegel.de, die vom Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird. Für die Befragung wurden Angaben von rund 6.600 Beschäftigten aus dem Jahr 2016 ausgewertet.

Dabei zeigt sich, dass die Chancen auf Urlaubsgeld sehr unterschiedlich sind. Den größten Unterschied macht es, ob im Unternehmen ein Tarifvertrag gilt oder nicht. Beschäftigte, die in einem tarifgebundenen Unternehmen arbeiten, sind klar im Vorteil: 60,4 Prozent von ihnen erhalten ein Urlaubsgeld. Bei den Beschäftigten ohne Tarifvertrag sind es hingegen lediglich 36,9 Prozent.

Durchschnittlich erhalten Männer häufiger ein Urlaubsgeld (50,7 Prozent) als Frauen (38,7 Prozent). Im Westen fällt der Anteil mit 49,0 Prozent höher aus als im Osten (33,2 Prozent). In Kleinbetrieben (unter 100 Beschäftigte) erhalten 34,4 Prozent ein Urlaubsgeld, während der Anteil in größeren Betrieben (über 500 Beschäftigte) mit 56,5 Prozent wesentlich höher ist (siehe auch Abbildung 1 in der pdf-Version dieser PM; Link unten).

Deutliche Unterschiede zeigen sich auch im Hinblick auf die verschiedenen Branchen (Abbildung 2 in der pdf-Version), wobei oft ein Zusammenhang zum Grad der Tarifbindung besteht. Am Weitesten ist das Urlaubsgeld mit 66,2 Prozent im verarbeitenden Gewerbe verbreitet. In den Bereichen Verkehr und Lagerei, dem Baugewerbe und dem Handel erhalten etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten ein Urlaubsgeld. In den meisten Dienstleistungsbranchen erhält hingegen nur eine Minderheit der Beschäftigten Urlaubsgeld.

Die Höhe des tarifvertraglich vereinbarten Urlaubsgeldes fällt je nach Branche sehr unterschiedlich aus: Zwischen 156 und 2.316 Euro bekommen Beschäftigte in der mittleren Vergütungsgruppe in diesem Jahr als tarifliches Urlaubsgeld (ohne Berücksichtigung von Zulagen/Zuschlägen, bezogen auf die Endstufe der Urlaubsdauer). Das zeigt die aktuelle Auswertung des WSI-Tarifarchivs für 22 Wirtschaftszweige (Stand: April 2017).

Am wenigsten Geld für die Urlaubskasse bekommen Beschäftigte in der Landwirtschaft, im Steinkohlenbergbau und im Hotel- und Gaststättengewerbe. Die höchsten Zahlungen erhalten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unter anderem in der Holz- und Kunststoffverarbeitung, in der Druckindustrie, der Papier verarbeitenden Industrie sowie in der Metallindustrie (siehe auch Abbildung 3 und die Tabellen in der pdf-Version; Link unten).

Im Westen ist das Urlaubsgeld vielfach höher als in Ostdeutschland. Im öffentlichen Dienst und in der Stahlindustrie gibt es kein gesondertes tarifliches Urlaubsgeld. Es wird mit dem Weihnachtsgeld zu einer einheitlichen Jahressonderzahlung zusammengefasst. Bei der Deutschen Bahn AG wird es in das Jahrestabellenentgelt eingerechnet. Im Bankgewerbe und in der Energiewirtschaft gibt es kein tarifliches Urlaubsgeld.

Gegenüber dem Vorjahr hat sich das tarifliche Urlaubsgeld in 12 von 22 untersuchten Branchen erhöht, und zwar zwischen 2,0 Prozent (Holz- und Kunststoff verarbeitende Industrie, Druckindustrie, Einzelhandel), 2,1 Prozent (Versicherungsgewerbe, Papier verarbeitende Industrie), 2,3 Prozent (Eisen- und Stahlindustrie), 2,4 Prozent (Textilindustrie Westfalen), 2,5 Prozent (Bekleidungsindustrie Bayern), 3,2 Prozent (Gebäudereinigerhandwerk Ost), 4,1 Prozent (Deutsche Bahn AG), 4.7 Prozent (Bauhauptgewerbe West), 4,9 Prozent (Metallindustrie), 5,3 Prozent (Bauhauptgewerbe Ost) und 10 Prozent (Textilindustrie Ost).

In zehn Branchen gab es keine Erhöhung (z. B. Chemieindustrie, Großhandel, Süßwarenindustrie, Landwirtschaft, Hotel- und Gaststättengewerbe). Gründe dafür: Entweder fanden im Auswertungszeitraum keine Tarifverhandlungen statt oder das Urlaubsgeld wurde als Festbetrag vereinbart, der nicht automatisch mit dem Tarifabschluss steigt.

Ansprechpartner in der Hans-Böckler-Stiftung
Prof. Dr. Thorsten Schulten
Leiter WSI-Tarifarchiv
Tel.: 0211 / 77 78-239
E-Mail: Thorsten-Schulten@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211 / 77 78-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/pdf/pm_ta_2017_06_06.pdf - Die PM mit Grafiken und Tabellen (pdf)

Quelle: idw 

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Gesunde Mitarbeiter - erfolgreiches Unternehmen

Dr. Thomas Nesseler Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V.

Die voranschreitende Digitalisierung der Arbeitswelt, immerwährende Erreichbarkeit und Flexibilität fordern ihren Tribut: Chronische und psychische Erkrankungen wie Burnout nehmen zu. Gesundheitsbedingte Arbeitsausfälle sind nicht nur für den Arbeitnehmer belastend, sie kosten auch Geld. In die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu investieren, lohnt sich deshalb für Unternehmen. Das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) hilft, Fehlzeiten zu minimieren und ein neues Bewusstsein für das Thema „Gesundheit am Arbeitsplatz" zu schaffen.

Arbeit im Wandel
Die arbeitende Bevölkerung wird älter. Und mit dem Alter nehmen Krankheiten zu. Im Jahr 2014 lag die Erwerbstätigenquote der 55- bis 65-jährigen bei 65,6 Prozent. Auch psychische Erkrankungen können, wenn sie nicht entdeckt und behandelt werden, zu einem Problem werden. „Psychischen Erkrankungen sind die Achillesferse der betrieblichen Leistungserbringung", sagt Kerstin Reisinger, Geschäftsführerin von „GiB 21 - Gesundheit im Betrieb". In der Mai-Ausgabe der Zeitschrift „Arbeitsmedizin, Sozialmedizin, Umweltmedizin" (ASU) setzt sie sich mit dem Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement auseinander.

Fünf „Must-haves" für erfolgreiches betriebliches Gesundheitsmanagement
Das Ziel von BGM ist, Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter nachhaltig zu stärken. Kerstin Reisinger empfiehlt Unternehmen deshalb, nicht nur auf das Budget und die Umsetzung einzelner Maßnahmen zu achten, sondern eine Strategie zu entwickeln. Nur so kann ein positiver „Return on Investment" erwirtschaftet werden. Dabei sollte auf fünf „Must-haves" geachtet werden:

Zielorientierung
Die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens hängt von der Gesundheit und Leistungsfähigkeit seiner Mitarbeiter ab: „Ein wirksames betriebliches Gesundheitsmanagement sollte keinem Selbstzweck dienen, sondern Antworten darauf finden, wie es gelingen kann, die betrieblichen Ziele bei bester Gesundheit zu erreichen", betont Kerstin Reisinger.

Gemeinsame Werte
Das Arbeitsklima wirkt sich entscheidend auf die Krankheitsquote aus. Zu viel Druck ist genauso schädlich wie zu wenige Pausen: „Einem Mitarbeiter, dem ein Wochenende kaum zur Erholung reicht und der es leidlich schafft, seinen privaten Anliegen nachzukommen, wird auch montags nicht zur Höchstform auflaufen", erklärt Reisinger.

Führung und Netzwerkorientierung
Ein gesundes Arbeitsklima in einem Unternehmen beginnt mit dem richtigen Bewusstsein bei den Führungskräften. Fühlt sich ein Arbeitnehmer unterstützt und geschätzt, puffert dies Belastungen und reduziert gesundheitliche Beschwerden.

Verhaltens- und Verhältnisprävention
Das Arbeitspensum darf fordern, aber nicht überfordern. Denn lang anhaltende Überforderung schadet der Gesundheit genauso wie Unterforderung. Hier ist das Ziel des betrieblichen Gesundheitsmanagements, Fehlbelastungen und damit verbundenen Gesundheitsrisiken gezielt zu begegnen.

Lernen im Sinne kontinuierlicher Verbesserung
Das betriebliche Gesundheitsmanagement ist ein System, das kontinuierlich weiterentwickelt werden muss. Ausgehend von einer Analyse des Ist-Zustandes können gesundheitsfördernde Maßnahmen entwickelt und später evaluiert werden.

Kerstin Reisinger zieht ein klares Fazit: Das betriebliche Gesundheitsmanagement ist ein wichtiges Werkzeug, um nicht nur das Arbeitsklima und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter zu verbessern, sondern unterm Strich auch Kosten zu sparen.

3. Präventionskongress 2017
Wo genau beginnt Gesundheitsmanagement im Betrieb? Wo ist es nach dem Gesetz verpflichtend und wo wird die Grenze gezogen, an der die Verantwortung des Arbeitgebers für die Gesundheit des Mitarbeiters aufhört und dessen eigene Entscheidungen im Vordergrund stehen? Welche Anforderung muss ein Betrieb an sein BGM stellen und welche Angebote machen für die Mitarbeiter überhaupt Sinn?

Auch die Mai-Ausgabe der Zeitschrift „Arbeitsmedizin, Sozialmedizin, Umweltmedizin" (ASU) widmet sich im Schwerpunkt dem Thema BGM. Erfahren Sie mehr unter https://www.asu-arbeitsmedizin.com

Kontakt bei Rückfragen:
Alfons W. Gentner Verlag GmbH & Co. KG
Patrick Hagemann, Verlagsleiter Medizin
Forststr. 131 • 70193 Stuttgart
Tel. 0711/ 63 672-851
Fax 0711/ 63 672-751
Email: hagemann@gentner.de
http://www.gentner.de

Über ASU - Zeitschrift für medizinische Prävention:
Die Zeitschrift „Arbeitsmedizin, Sozialmedizin, Umweltmedizin" ist das Leitmedium der deutschsprachigen Arbeitsmedizin. Das Publikationsorgan der Fachinstitutionen DGAUM, ÖGA, SGARM, VDBW, Vereinigung Deutscher Staatlicher Gewerbeärzte e.V. sowie der arbeitsmedizinischen Akademien und richtet sich an Betriebsärzte, Arbeitsmediziner und Akteure in wichtigen Schnittstellenbereichen zur Arbeitsmedizin. Die Zeitschrift ist peer reviewed. 1965 gegründet, erscheint ASU monatlich und erreicht nahezu alle arbeits- und präventionsmedizinisch orientierten Akteure im deutschsprachigen Raum. Weitere Informationen unter http://www.asu-arbeitsmedizin.com

Ihre Ansprechpartner Presse DGAUM
Mariya Ahner, M.A.
Telefon 089/330 396-0
Fax 330 396-13
E-Mail: mahner@dgaum.de www.dgaum.de
Hauptgeschäftsführer:
Dr. Thomas Nesseler

Über DGAUM:
Die DGAUM wurde 1962 gegründet und ist eine gemeinnützige, wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft der Arbeitsmedizin und der klinisch orientierten Umweltmedizin. Ihr gehören heute über 1000 Mitglieder an, die auf dem Gebiet der Arbeitsmedizin und Umweltmedizin arbeiten, vor allem Ärztinnen und Ärzte, aber auch Angehörige anderer Berufsgruppen wie etwa Natur- und Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Die Mitglieder der Fachgesellschaft engagieren sich nicht nur in Wissenschaft und Forschung, um so bereits bestehende Konzepte für die Prävention, die Diagnostik und Therapie kontinuierlich zu verbessern, sondern sie übernehmen die ärztliche und medizinische Beratung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern an der Schnittstelle von Individuum und Unternehmen. Darüber hinaus beraten die Mitglieder der DGAUM alle Akteure, die ihren Beitrag zu der medizinischen Versorgung leisten und auf Fachwissen aus der betrieblichen Gesundheitsförderung und Prävention, der arbeits- und umweltbezogenen Diagnostik und Therapie, der Beschäftigungsfähigkeit fördernden Rehabilitation sowie aus dem versicherungsmedizinischen Kontext angewiesen sind.

Weitere Informationen unter: http://www.dgaum.de

Quelle: idw 

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Biokohle in Brenngas umwandeln

Rüdiger Mack Marketingkommunikation
FIZ Karlsruhe - Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur GmbH

Biogene Reststoffe aus der Landschaftspflege, Grünabfälle und ähnliche Materialien aus Landwirtschaft, Gartenbau und Lebensmittelherstellung lassen sich bisher energetisch schlecht nutzen. Das liegt am hohen Feuchtegehalt und der inhomogenen Zusammensetzung. In einem neuen Verfahren werden diese Materialien zuerst zu Biokohle umgesetzt und anschließend in ein Brenngas für ein Motor-BHKW umgewandelt. Das BINE-Projektinfo „Gas aus Biokohlenstaub treibt Motor-BHKW an" (04/2017) stellt die Anlagen vor. Dabei kommt ein neuer Flugstromvergaser zum Einsatz, der speziell für kleine Anlagen entwickelt worden ist.

Neues Verfahren erschließt biogene Reststoffe energetisch
Die Umwandlung der Bioabfälle erfolgt mit dem Verfahren der hydrothermalen Karbonisierung (HTC). Diese arbeitet mit Druck und Wärme, um den natürlichen Verkohlungsprozess von Biomasse nachzubilden. Es entsteht dabei eine hochwertige Biokohle, deren Brennwert 70 % höher liegt als bei den Ausgangsmaterialien. Sie wird für den anschließenden Vergasungsprozess gemahlen. Aus dem Ausgangsmaterial Biokohlenstaub entsteht im Flugstromvergaser ein kohlenmonoxid- und wasserstoffhaltiges Brenngas, das für Motor-BHKW geeignet ist. Die HTC-Anlage und der Flugstromvergaser haben die Erprobung im Technikumsmaßstab erfolgreich beendet.

Aktuell arbeiten die Entwickler an der wirtschaftlichen Verbesserung des Verfahrens. Ansätze dabei sind, künftig auch die Abwärme aus den Prozessen zu nutzen und den Prozess stärker zu automatisieren. Die Leitung des Forschungsprojekts lag bei der SunCoal Industries GmbH in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München.

Das BINE-Projektinfo ist kostenfrei beim BINE Informationsdienst von FIZ Karlsruhe erhältlich - unter www.bine.info oder 0228 - 92379-0.

BINE Informationsdienst ist ein Service von FIZ Karlsruhe und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert.

FIZ Karlsruhe - Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur ist eine gemeinnützige Gesellschaft, die im öffentlichen Auftrag weltweit publizierte wissenschaftliche Information zugänglich macht und entsprechende Dienstleistungen zur Verfügung stellt. FIZ Karlsruhe
hat die Aufgabe, den nationalen und internationalen Wissenstransfer und die Innovationsförderung zu unterstützen.

Weitere Informationen:
http://www.bine.info/en - BINE Information Service - Energy research for practical applications
http://www.twitter.com/bineinfo - Schnell, schneller, Twitter - @BINEInfo
https://www.facebook.com/BINE.Informationsdienst - Auch auf Facebook
https://www.instagram.com/bineinfo/ - Bilderstories auf Instagram

Quelle: idw 

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Phthalate erhöhen das Allergierisiko bei Kindern

Susanne Hufe Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Phthalate, die als Weichmacher in Kunststoffen eingesetzt werden, können das Allergierisiko bei Kindern deutlich erhöhen. Das konnten UFZ-Forscher gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Leipzig und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in ihrer aktuellen im Fachmagazin Journal of Allergy and Clinical Immunology erschienenen Studie zeigen. Für Kinder besteht demnach ein größeres Risiko ein allergisches Asthma zu entwickeln, wenn die Mutter während der Schwangerschaft und Stillzeit besonders stark durch Phthalate belastet war. Ausgangs- und Endpunkt der translationalen Studie war die Mutter-Kind-Kohorte der LINA-Studie.

In unserem Alltag kommen wir mit unzähligen Kunststoffen in Kontakt, die Weichmacher enthalten. Diese Weichmacher, zu denen auch die sogenannten Phthalate gehören, werden in der Kunststoffverarbeitung eingesetzt, um die Produkte geschmeidiger zu machen. Phthalate können über die Haut, die Nahrung oder die Luft in unseren Körper gelangen. „Dass Phthalate unser Hormonsystem beeinflussen und dadurch zu unerwünschten Wirkungen auf Stoffwechsel oder Fruchtbarkeit führen können, ist bekannt. Das ist aber noch nicht alles", sagt UFZ-Umweltimmunologe Dr. Tobias Polte. „Unsere aktuellen Studienergebnisse zeigen, dass Phthalate auch in das Immunsystem eingreifen und das Allergierisiko deutlich erhöhen können."

Zu Beginn der Studie untersuchte das UFZ-Forscherteam den Urin von Schwangeren aus der Mutter-Kind-Kohorten-Studie LINA (Lebensstil und Umweltfaktoren und deren Einfluss auf das Neugeborenen-Allergierisiko) und fahndete nach Stoffwechselprodukten (Metaboliten) von Phthalaten. Die Höhe der gefundenen Konzentrationen setzten sie in Bezug zum Auftreten von allergischem Asthma bei den Kindern. „Es zeigte sich ein eindeutiger Zusammenhang zwischen erhöhten Konzentrationen des Metaboliten von Butylbenzylphthalat (BBP) im Urin der Mütter und dem Vorkommen von allergischem Asthma bei den Kindern", erklärt Dr. Irina Lehmann, die die LINA-Studie leitet.

Die Ergebnisse aus der Mutter-Kind-Kohorte konnten die Forscher in Zusammenarbeit mit Kollegen der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig im Mausmodell bestätigen. Dabei wurden Mäuse während der Schwangerschaft und Stillzeit einer Phthalat-Belastung ausgesetzt, die zu vergleichbaren Urin-Konzentrationen des BBP-Metaboliten führte, wie sie auch bei hochbelasteten Müttern der LINA-Kohorte beobachtet wurden. Die Nachkommen zeigten eine deutliche Neigung zu allergischem Asthma, wobei selbst die Enkelgeneration noch betroffen war. Bei den erwachsenen Mäusen gab es dagegen keine verstärkten Allergiesymptome. „Entscheidend ist also der Zeitpunkt: Ist der Organismus während der frühen Entwicklungsphase Phthalaten ausgesetzt, kann das Auswirkungen auf das Krankheitsrisiko bis in die übernächste Generation haben", erklärt Polte. „Durch die Phthalatbelastung wird also offenbar die pränatale Prägung verändert."

Phthalate schalten regulierende Gene aus
Um herauszufinden, was genau sich verändert haben könnte, schauten sich Polte und sein Team in Zusammenarbeit mit Kollegen des Deutschen Krebsforschungszentrums DKFZ die Gene der jungen Mäuse von belasteten Muttertieren an. Die DNA dieser Gene war - mehr als dies normalerweise der Fall ist - mit sogenannten Methylgruppen versehen. Bei dieser sogenannten epigenetischen Veränderung der DNA legen sich Methylgruppen wie eine Art Vorhängeschloss an ein Gen und verhindern, dass sein Code abgelesen und das entsprechende Protein hergestellt werden kann. Als die Forscher die Mäuse mit einer speziellen Substanz behandelten, die die Methyl-Schlösser auf den Genen knackt, zeigten die Mäuse danach geringere Anzeichen von allergischem Asthma als zuvor. Polte: „Phthalate schalten offenbar entscheidende Gene durch DNA-Methylierung aus, wodurch deren Aktivität bei den jungen Mäusen verringert ist."

Aber welche Gene führen zu allergischem Asthma, wenn sie nicht abgelesen werden können? Bei der Allergieentwicklung spielen sogenannte T-Helfer-2-Zellen eine zentrale Rolle. Sie werden durch spezielle Gegenspieler (Repressoren) reguliert. Kann ein Repressor-Gen durch blockierende Methylgruppen nicht abgelesen werden, werden die allergiefördernden T-Helfer-2-Zellen nicht mehr ausreichend gehemmt, und es kann eher eine Allergie entstehen. „Wir vermuten, dass dieser Zusammenhang für die Entwicklung eines allergischen Asthmas durch Phthalate ausschlaggebend ist", sagt Polte. „Im Zellversuch konnten wir darüber hinaus zeigen, dass sich aus Immunzellen von Nachkommen belasteter Muttermäuse verstärkt T-Helfer-2-Zellen bilden, was bei Nachkommen unbelasteter Tiere eher seltener der Fall ist. Eine erhöhte Neigung zu Allergien konnten wir so noch einmal nachweisen."

Vom Menschen zur Maus und wieder zurück
Bei Mäusen konnten die Forscher nachweisen, dass ein durch DNA-Methylierung ausgeschaltetes Repressor-Gen für die Entstehung des allergischen Asthmas verantwortlich ist. Aber spielt dieser Mechanismus auch beim Menschen eine Rolle? Um diese Frage zu beantworten zogen die Forscher noch einmal die LINA-Kohorte heran. Sie suchten bei den Kindern mit allergischem Asthma nach dem entsprechenden Gen und schauten nach Methylierungsgrad und Genaktivität. Und auch hier zeigte sich, dass das Gen durch Methylgruppen blockiert war und nicht abgelesen werden konnte. „Mithilfe unseres translationalen Studienansatzes - vom Menschen über das Mausmodell und die Zellkultur wieder zurück zum Menschen - konnten wir zeigen, dass offensichtlich epigenetische Veränderungen dafür verantwortlich sind, dass Kinder bei starker mütterlicher Phthalat-Belastung während Schwangerschaft und Stillzeit ein erhöhtes Risiko haben, ein allergisches Asthma zu entwickeln.", sagt Polte. „Ziel unserer weiteren Forschung wird es sein, zu verstehen, wie genau bestimmte Phthalate eine Methylierung von Genen hervorrufen, die für die Allergieentstehung relevant sind."

Publikation:
Susanne Jahreis, Saskia Trump, Mario Bauer, Tobias Bauer, Loreen Thürmann, Ralph Feltens, Qi Wang, Lei Gu, Konrad Grützmann, Stefan Röder, Marco Averbeck, Dieter Weichenhan, Christoph Plass, Ulrich Sack, Michael Borte, Virginie Dubourg, Gerrit, Schüürmann, Jan C. Simon, Martin von Bergen, Jörg Hackermüller, Roland Eils, Irina Lehmann, Tobias Polte (2017): Maternal phthalate exposure promotes allergic airway inflammation over two generations via epigenetic modifications, Journal of Allergy and Clinical Immunology; doi: 10.1016/j.jaci.2017.03.017; http://doi.org/10.1016/j.jaci.2017.03.017

Weiterführende Informationen:
PD Dr. Tobias Polte
Leiter der Helmholtz-Hochschul-Forschungsgruppe „Experimentelle Allergologie und Immunologie"
Telefon: +49 341 235-1545
E-mail: tobias.polte@ufz.de
http://www.ufz.de/index.php?de=37960

Dr. Irina Lehmann
Leiterin des UFZ-Departments Umweltimmunologie
Telefon: +49 341 235-1216
E-Mail: irina.lehmann@ufz.de
http://www.ufz.de/index.php?de=40286

Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=36336&webc_pm=14/2017

Quelle: idw 

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Einkommensteuer: Beseitigung des Mittelstandsbauchs entlastet vor allem Besserverdienende

Renate Bogdanovic Pressestelle
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin

DIW Berlin rechnet verschiedene Reformszenarien durch
Eine vollständige Beseitigung des „Mittelstandsbauchs" beim Einkommensteuertarif würde die Steuerpflichtigen jährlich um 35 Milliarden Euro entlasten. Mehr als die Hälfte davon würde jedoch den einkommensstärksten 20 Prozent der Bevölkerung zugutekommen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin). „Wenn man den Einkommensteuertarif auf breiter Front senkt, werden die hohen Einkommen absolut stärker entlastet als die mittleren", sagt DIW-Steuerexperte Stefan Bach.

Das liegt daran, dass die Einkommensteuer stark progressiv wirkt: Die Steuerpflichtigen mit mittleren Einkommen tragen relativ zu ihrer großen Zahl nur wenig zum gesamten Einkommensteueraufkommen bei, während die einkommensstärksten zehn Prozent alleine 56 Prozent und die einkommensstärksten 20 Prozent fast drei Viertel des Einkommen-steueraufkommens aufbringen. Will man hohe Steuerausfälle vermeiden und primär die mittleren Einkommen entlasten, müsste man die Steuersätze im oberen Einkommensbereich anheben. Eine moderate Anhebung der Spitzensteuersätze würde jedoch nur begrenzte Mehreinnahmen erzielen.

Vor dem Hintergrund des gestiegenen Einkommensteueraufkommens und der anstehenden Bundestagswahl werden vermehrt Forderungen laut, die mittleren Einkommensgruppen bei der Einkommensteuer zu entlasten. Die DIW-Ökonomen Stefan Bach und Hermann Buslei haben einige der Reformvorschläge aufgegriffen und mit einem Mikrosimulationsmodell auf ihre Aufkommens- und Verteilungswirkungen hin untersucht. Neben der Beseitigung des „Mittelstandsbauchs" analysieren sie eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes sowie konkrete Reformvorschlägen aus der steuerpolitischen Diskussion der letzten Monate: den „Bayern-Tarif" des bayerischen Finanzministers Markus Söder, den Vorschlag der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU, den Vorschlag des DGB sowie den Vorschlag der Partei DIE LINKE.

Unter „Mittelstandsbauch" versteht man den steilen Anstieg des Grenzsteuersatzes - also die Steuerbelastung für jeden zusätzlichen Euro - bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von etwa 10 000 bis 30 000 Euro. In diesem Bereich liegen die meisten Steuerpflichtigen. Um den Mittelstandsbauch vollständig zu beseitigen, müssten zwischen dem Eingangssteuersatz von 14 Prozent und dem ersten Spitzensteuersatz von 42 Prozent die Grenzsteuersätze konstant steigend verlaufen. Das würde ledige Steuerpflichtige mit Bruttoeinkommen von mehr als 60 000 Euro um etwa 1 600 Euro jährlich entlasten, Ehepaare ab dem doppelten Einkommen würden das Doppelte sparen. Die mittleren Einkommen bei etwa 24 000 Euro je Person würden im Durchschnitt nur etwa 500 Euro jährlich einsparen. Die niedrigsten Einkommen würden dagegen kaum entlastet, da sie kaum Einkommensteuer zahlen. Diese Haushalte werden in weit stärkerem Maß durch indirekte Steuern wie die Mehrwertsteuer sowie durch Sozialbeiträge belastet.

Spielraum für Steuerentlastungen ist mittelfristig nicht vorhanden
Mit Senkungen des Einkommensteuertarifs gehen schnell beträchtliche Steuerausfälle einher, da auch die höheren Einkommen davon profitieren. Im Falle einer vollständigen Abschmelzung des Mittelstandsbauchs wären dies 35 Milliarden Euro beziehungsweise 1,1 Prozent des aktuellen Bruttoinlandsprodukts. „Auch wenn das Einkommensteueraufkommen in den letzten Jahren gestiegen ist: Der Spielraum der öffentlichen Haushalte ist begrenzt", sagt Bach. „Die Budgetüberschüsse werden in den nächsten Jahren voraussichtlich gegen null sinken". Eine Anhebung des Spitzensteuersatzes von 42 auf 49 Prozent würde zehn Milliarden Euro bringen und könnte somit eine durchgreifende Steuerentlastung der mittleren Einkommen nicht gegenfinanzieren, zumal dabei Ausweichreaktionen der Steuerpflichtigen noch nicht berücksichtigt sind.

Weitere Informationen:
http://diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.558502.de/17-20.pdf

Quelle: idw 

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Energie und Mobilität: Biogas wichtiges Standbein

Franz-Georg Elpers Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

DBU-Chef Bottermann: Neue Geschäftsmodelle können Biogas-Branche zukunftsfähig machen - Nachhaltige Flächennutzung ausschlaggebend

Osnabrück. „Biogas ist ein Standbein der Energie- und Mobilitätswende. Ausschlaggebend für eine zukunftsfähige Entwicklung werden eine flexible Stromerzeugung und eine nachhaltige Flächennutzung sein. Wenn auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen vorliegen, kann Biogas als Kraftstoffalternative einen Beitrag zur Dekarbonisierung leisten", betonte Dr. Heinrich Bottermann, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), anlässlich des 10. Biogas-Innovationskongresses in der DBU in Osnabrück. Um die Erderwärmung wie beim Klimagipfel in Paris 2015 international vereinbart unter zwei Grad zu halten, sei es, so Bottermann, nicht nur wichtig, erneuerbare Energien zu fördern und die Nutzung fossiler Energieträger in absehbarer Zeit einzustellen. Um Märkte bedarfsgerecht zu bedienen, müssten auch die Potenziale der einzelnen Energieträger erkannt und effektiver genutzt sowie Nachteile kompensiert werden. Bottermann: „Insbesondere bei Biogas sehe ich noch Entwicklungsbedarf."

Multitalent Biogas: Stromschwankungen ausgleichen, Abwärme vermarkten
Bottermann zeigte bei dem Kongress, der in Zusammenarbeit mit unter anderem dem Fachverband Biogas, dem Deutsche Bauernverband und dem Bundesverband BioEnergie stattfand, drei zentrale Herausforderungen für die Biogas-Branche auf. Die erste: Windenergie und Photovoltaik würden die zukünftige Stromversorgung tragen. Wind und Sonne seien jedoch nicht immer ausreichend vorhanden, so dass Schwankungen entstehen. Die aus Biogas gewonnene Energie habe das Potenzial, naturgegebene Schwankungen auszugleichen und könne somit flexibel auf den Strombedarf reagieren. Zusätzlich müssten notwendige infrastrukturelle Veränderungen beim Betrieb der Anlagen verwirklicht werden. Ein Ausbau von Gasspeichern und der modulare Betrieb von Blockheizkraftwerken könne eine Lösung sein. Es sei effektiver, kleine Blockheizkraftwerke unter Volllast zu fahren und je nach Bedarf weitere zuzuschalten, als ein großes zu betreiben, das teilweise nur geringfügig ausgelastet sei, etwa wegen mangelnder Stromnachfrage. Auch neue Geschäftsmodelle sollten, so Bottermann, in Betracht gezogen werden. So müsse heute die Abwärme der Biogasanlagen, die in der Vergangenheit häufig einfach verpuffte, zusätzlich zum Strom genutzt werden und als weitere Einkommensquelle dienen.

Biomethan aus Biogas für Schwerlast- und Schiffsverkehr nutzen
Eine weitere Herausforderung liege, so der DBU-Chef, im Mobilitätssektor. Auf Deutschlands Straßen seien 2014 160 Millionen Tonnen Treibhausgase ausgestoßen worden - eine Verringerung der Kohlendioxid-Belastung sei derzeit nicht erkennbar. Das widerspreche jedoch der politischen Zielsetzung: Bis 2050 soll der Endenergieverbrauch im Verkehr um 40 Prozent verringert werden im Vergleich zu 2005. Bottermann: „Die Aufbereitung von Biogas zu Biomethan bietet Anlagenbetreibern ein weiteres neues Geschäftsmodell und finanzielle Möglichkeiten. In DBU-Projekten haben wir zeigen können, dass Methan zum Beispiel aus Biogasanlagen eine klimaschonende Kraftstoffalternative für Arbeitsmaschinen sein kann." So wurde etwa von der Universität Rostock ein herkömmlicher Dieselmotor-Traktor zu einem gasbetriebenen Traktor umgebaut. Das Ergebnis: Vergleichbare Leistungsdaten wie beim Diesel-Grundmotor bei gleichzeitiger Verringerung des Kohlendioxid- und Stickoxidausstoßes. Weitere Beispiele aus der Praxis zeigten, dass der Kraftstoff auch im Schwerlast- und Schiffsverkehr problemlos einsetzbar sei. Darüber hinaus könne Biomethan nach einer entsprechenden Aufreinigung auch ins Netz eingespeist werden und damit eine zusätzliche Einnahmequelle für die Unternehmen bieten.

Verknüpfung mit nachhaltiger Entwicklung macht Branche zukunftsfähig

Die dritte zentrale Herausforderung für die Biogas-Branche liege laut Bottermann darin, den zukünftigen Fortschritt stärker mit einer nachhaltigen Entwicklung zu verknüpfen. „Der intensive Maisanbau, der auch mit der Biogas-Erzeugung in Zusammenhang steht, hat zu einem Image-Schaden der Branche geführt. Das können wir uns weder im Zusammenhang mit den Zielen der Energiewende noch bezogen auf den Verlust der Artenvielfalt leisten. Es ist überfällig, verstärkt nach sinnvollen Alternativen zu suchen." So falle etwa bei der Landschaftspflege von Flächen mit hoher Artenvielfalt Grünmaterial an, das ebenso in Biogas-Anlagen verwertet und genutzt werden könne. Wenn dies für die Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen keine Alternative sei, müsse bei den Förderungen nachgebessert werden. Bottermann: „Als dezentraler Lieferant erneuerbarer Energie hat Biogas eine nicht zu unterschätzende Bedeutung mit weiterem Potenzial nach oben. Jetzt gilt es, sie zukunftsfähig zu machen."

Weitere Informationen:
https://www.dbu.de/123artikel37172_2362.html

Quelle: idw 

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Vitamin D: Für Diabetiker wichtiger als gedacht

Janina Wetzstein Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.

Mannheim - Viele Jahre lang war Vitamin D nur für seine Wirkungen auf das Skelett und den Kalzium-Haushalt bekannt - immerhin wurde es vor rund 100 Jahren als Heilmittel gegen die schweren Skelettdeformationen der Rachitis entdeckt. Mittlerweile kennt die Wissenschaft jedoch viele weitere positive Eigenschaften des Vitamins. So greift es regulierend in Immunprozesse ein, steuert Zellwachstum und -differenzierung und beeinflusse den Zuckerhaushalt. Welche Rolle Vitamin D künftig in der Diabetes-Therapie spielen kann, diskutierten Experten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) bei der Vorab-Pressekonferenz anlässlich des 123. Internistenkongresses am 27. April in Mannheim.

Im Gegensatz zu anderen Vitaminen nehmen wir Vitamin D nicht hauptsächlich mit der Nahrung auf, sondern können - und müssen - es auch selbst herstellen. Allerdings benötigen wir hierzu das UV-Licht der Sonne, denn nur unter seinem Einfluss kann die Haut das wertvolle Vitamin produzieren. In den Wintermonaten reicht die Sonneneinstrahlung jedoch nicht aus, und auch im Sommer gehen viele Menschen nicht genug ins Freie oder schirmen das UV-Licht durch Kleidung und Sonnenschutz fast vollständig ab. Daher leiden viele Menschen unter einem Vitamin D-Mangel, ohne es überhaupt zu bemerken.

Besonders gravierend kann dies für Menschen mit einem Diabetes mellitus sein, wie Professor Dr. Klaus Badenhoop von der Medizinischen Klinik 1 der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt betont. „Bei einem Diabetes mellitus läuft der Abbau der Knochenmasse, der jeden Menschen ab dem frühen Erwachsenenalter betrifft, deutlich schneller ab", sagt der erfahrene Internist. Ein ausreichender Vitamin D-Spiegel könne dem entgegenwirken und so die Gefahr von Osteoporose und Knochenbrüchen senken. Vitamin D kann außerdem die Produktion und Sekretion von Insulin in der Bauchspeicheldrüse verbessern und die Wirkung des Hormons an den Muskeln erhöhen. So trägt das Vitamin unmittelbar zur Regulation des Blutzuckerspiegels bei.
Aus wissenschaftlichen Studien ist inzwischen bekannt, wie wichtig eine gute Versorgung mit Vitamin D auch für andere Körperfunktionen ist: Sie verringert die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten, das Sturzrisiko und das Risiko für psychische Störungen wie Angstzustände oder eine Depression. „Rezeptoren für Vitamin D finden sich in fast allen Zellen des menschlichen Körpers", erklärt Internist Badenhoop das große Wirkspektrum des Vitamins.

Die Erkenntnis, dass Vitamin D ein physiologisches Multitalent ist, hat auch dazu geführt, dass die Empfehlungen für eine ausreichende Versorgung neu überdacht wurden. Lange Zeit galt erst ein Serumspiegel von unter 10 ng/ml als Vitamin D-Mangel und Werte über 20 ng/ml als ausreichend. Heute nimmt man an, dass optimale Werte zwischen 30 und 50 ng/ml liegen. Diesen Serumspiegel zu erreichen, ist zumindest in den Wintermonaten schwierig - hierfür müsste man große Mengen fetthaltigen Fisch, Rinderleber, Eigelb oder Pilze zu sich nehmen. Menschen, die ein Risiko für einen Vitamin D-Mangel tragen (chronisch Kranke, Ältere, ohne ausreichend Sonnenexposition, mit Malabsorption oder einer Osteoporosegefährdung u.a.), sollten daher mit ihrem Arzt über die Einnahme eines Vitamin D-Präparates sprechen.

Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
Pressestelle
Janina Wetzstein
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-457
Fax: 0711 8931-167
wetzstein@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen:
http://www.dgim2017.de

Quelle: idw 

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Wer schwimmt wo?

Rudolf-Werner Dreier Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Forscher werten Daten zur globalen Verbreitung von Meerestieren aus und entwickeln eine Web-App

Ein internationales Forschungsteam hat Weltkarten zur globalen Verbreitung von Meerestieren miteinander verglichen und Vorschläge erarbeitet, wie sich aus den beiden maßgeblichen Datenbanken, die diesen Karten zugrunde liegen, künftig präzisere Darstellungen als bisher erzeugen lassen. Daten zu Verbreitungsgebieten sind eine wichtige Grundlage für ökologische Studien sowie für Entscheidungen über Maßnahmen, die das Überleben bedrohter Spezies sicherstellen sollen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben zudem eine Web-App entwickelt, in der Interessierte unter anderem die Karten aus beiden Datenbanken zum jeweiligen Verbreitungsgebiet einer Art übereinanderlegen und vergleichen können - etwa 250 Spezies sind in der App erfasst. An den Arbeiten, die das Team im Fachjournal PLOS ONE veröffentlicht hat, war die Biologin Dr. Kristin Kaschner von der Universität Freiburg beteiligt.

Vor allem zwei große Projekte sind damit befasst, die Verbreitungsgebiete von Meerestieren auf globaler Ebene darzustellen: Die International Union for Conservation of Nature (IUCN) erstellt Karten, indem sie das Wissen von Expertinnen und Experten für die einzelnen Arten auswertet, wohingegen AquaMaps, ein von Kaschner entwickeltes Projekt, Karten mithilfe von Habitatsvorhersagemodellen erzeugt. Zusammen erfassen die Datenbanken 24.586 Spezies. Davon kommen 22.889 in AquaMaps und 4.027 in IUCN vor; nur 2.330 sind in beiden enthalten.

Die Vorhersagen zur Verbreitung einzelner Arten können allerdings aufgrund der unterschiedlichen Methodik zum Teil weit auseinanderliegen. Bei vielen gut erforschten Arten stimmen die aus beiden Datenbanken erzeugten Karten in hohem Maß überein. Bei einigen jedoch sind Unstimmigkeiten zu finden: In den IUCN-Karten wird beispielsweise die Präsenz von Korallen in tiefen Gewässern überschätzt. Einige der computergenerierten AquaMaps-Karten wiederum, von denen nur 5,7 Prozent von Experten überprüft wurden, zeigen an den Rändern der prognostizierten Verbreitungsgebiete Brüche, die auf Verbesserungsmöglichkeiten für den Algorithmus hinweisen.

„Wir möchten mit unseren Resultaten einen Anstoß geben, die Kooperation zwischen den Experten für bestimmte Tierarten und den Experten für Computermodellierungen weiter zu vertiefen", sagt Kaschner. „Ziel ist, allen Akteurinnen und Akteuren aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zu Fragen rund um den Schutz bedrohter Arten und die Biodiversität in den Meeren eine möglichst gute Entscheidungsgrundlage zu bieten."

Interaktive Web-App
http://ohi-science.nceas.ucsb.edu/plos_marine_rangemaps

Originalveröffentlichung
Casey C. O'Hara, Jamie C. Afflerbach, Courtney Scarborough, Kristin Kaschner, and Benjamin S. Halpern: Aligning marine species range data to better serve science and conservation. In: PLOS ONE.
http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0175739

Kontakt:
Dr. Kristin Kaschner
Abteilung für Biometrie und Umweltsystemanalyse
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0172/6978709
E-Mail: kristin.kaschner@biologie.uni-freiburg.de

Die Web-App ermöglicht es, Karten aus den beiden maßgeblichen Datenbanken zur globalen Verbreitung von Meerestieren, hier am Beispiel des Weißseitendelfins, miteinander zu vergleichen.
Quelle: http://ohi-science.nceas.ucsb.edu/plos_marine_rangemaps

Weitere Informationen:
https://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2017/wer-schwimmt-wo

Quelle: idw 

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Unstatistik des Monats: Eine Stunde joggen, sieben Stunden länger leben

Jörg Schäfer Kommunikation
RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Eine amerikanische Studie über Jogging hat im April die Medien bewegt - und zur Unstatistik des Monats April geführt. Die Studie berichtet, dass Laufen mit einer Verringerung von Herzkrankheiten, Krebs und anderen Krankheiten einhergeht und diese Wirkung größer sei, als wenn man die gleiche Zeit mit Radfahren, Schwimmen, Gehen oder einem anderem Sport verbringt. Im Internet wurden die Ergebnisse mit Schlagzeilen wie „Eine Stunde Jogging verlängert Leben um sieben Stunden" verbreitet.

Eine amerikanische Studie über Jogging (Lee et al „Running as a Key Lifestyle Medicine for Longevity") hat im April die Medien bewegt - und zur Unstatistik des Monats April geführt. Etwa 55.000 Männer und Frauen im Alter von 18 bis 100 Jahren wurden untersucht, um herauszufinden, ob Laufen das Leben verlängert. Die Studie berichtet, dass Laufen mit einer Verringerung von Herzkrankheiten, Krebs und anderen Krankheiten einhergeht und diese Wirkung größer sei, als wenn man die gleiche Zeit mit Radfahren, Schwimmen, Gehen oder einem anderem Sport verbringt. Im Internet wurden die Ergebnisse mit Schlagzeilen wie „Eine Stunde Jogging verlängert Leben um sieben Stunden" (http://www.ispo.com/knowhow/id_79705462/studie-1-stunde-jogging-verlaengert-lebe...) oder „Jede Stunde Laufen schenkt dir 7 Stunden Lebenszeit!" (https://www.woman.at/a/jede-stunde-laufen-mehr-lebenszeit) verbreitet.

Eine Stunde investieren und sieben zusätzliche erhalten - das klingt wie ein Traum. Wenn das so wäre, dann könnten wir uns unsterblich „laufen". Rechnen wir das einmal nach: Würde man täglich vier Stunden laufen, dann macht das pro Tag einen Gewinn von 28 Stunden Lebenszeit. Da 28 Stunden länger dauern als ein Tag, wird demnach die Lebenserwartung jeden Tag immer länger. Selbst wenn man nur eine Stunde täglich joggen würde, wären dies in den 50 Lebensjahren von 20 bis 70 insgesamt 365x50 Stunden, also etwas über 2 Jahre, die man mit Laufen verbringt. Nach dieser Rechnung würde sich die Lebenserwartung um 14 Jahre verlängern, wovon modernste Medizintechnik nur träumen kann. Also nichts wie los, ums Leben laufen?

Doch die Schlagzeilen führen in die Irre, da sich die Zahl „eine Stunde Joggen, um sieben Stunden länger zu leben" nur auf die Situation von zwei Stunden Jogging pro Woche bezieht. Das ist die durchschnittliche Zeit, welche die untersuchten Jogger gelaufen sind (und diese zwei Stunden wurden nicht gemessen, sondern waren eine Selbsteinschätzung im Fragebogen). In der Originalstudie heißt es auch klar, dass der Nutzen des Laufens abnimmt, je länger man pro Tag läuft. Insgesamt wird über einen maximalen Gewinn von etwa drei Jahren Lebenserwartung berichtet - was die meisten Berichte im Internet am Ende auch erwähnen. Die Zahl „eine Stunde Joggen und sieben Stunden länger leben" wurde so geschätzt: Eine Gruppe von Joggern im Alter von 44 Jahren, die 2 Stunden pro Woche läuft, verbringt bis zum Alter von 80 Jahren insgesamt 0,43 Jahre mit Laufen und gewinnt dabei 2,8 Jahre zusätzliche Zeit - das entspricht rund eine Stunde Laufen pro sieben Stunden länger leben. Dass jede zusätzliche Stunde Laufen sieben Stunden Lebenszeit schenkt und damit das Leben immer länger wird, wenn man mehr läuft, davon war nicht die Rede. Im Gegenteil, exzessives Laufen kann das Risiko erhöhen, an Herzkrankheiten zu sterben, wie die Studie auch berichtet.

Fazit: Schlagzeilen erwecken oft Erwartungen, die der Artikel nicht befriedigen kann. Dennoch weisen viele Studien daraufhin, dass regelmäßige Bewegung wie Laufen, Gehen und Tanzen für Menschen ohne schwere Krankheit genau so viel oder mehr zur Gesundheit beitragen kann wie regelmäßige Checkups, Krebs-Früherkennung und vorbeugende Medikamente. Und noch etwas: Wenn schon zum Arzt, dann laufen.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Gerd Gigerenzer, Tel.: (030) 82406-0
Jörg Schäfer (Pressestelle RWI), Tel.: (0201) 8149-244

Mit der „Unstatistik des Monats" hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas K. Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen.

Weitere Informationen:
http://www.unstatistik.de - Weitere Unstatistiken, Informationen, Kontakte & Archiv

Quelle: idw 

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„40 Jahre - wir wünschen uns was!" Das Öko-Institut startet ins Jubiläumsjahr

Alexa Hännicke Öffentlichkeit und Kommunikation
Öko-Institut e. V. - Institut für angewandte Ökologie

Vom streitbaren Wissenschaftsrebell zum wissenschaftlichen Berater für Gesellschaft, Unternehmen und Politik: Das Öko-Institut wird 40 Jahre alt und eröffnet unter dem Motto "Wir wünschen uns was!" mit einem multimedialen Weblog die Jubiläumszeit, die am 7. November mit einem Symposium zur Zukunft der Umweltpolitik und einer Festveranstaltung in Berlin endet.

Das Jubiläumsmotto „Wir wünschen uns was!" zeigt dabei den Anspruch des Öko-Instituts in den vergangenen 40 Jahren und zugleich für die Zukunft: Visionen und Lösungen für dringende Umweltfragen entwickeln, sich aktiv in Politik einmischen und Wirtschaft und Gesellschaft stets zu umweltbewusstem Handeln herausfordern und motivieren.

„Ob Atomausstieg oder Energiewende, Konzepte für den Verkehr von morgen oder eine nachhaltige Chemikalienpolitik auf EU-Ebene - unsere Arbeit hat immer die reale Umweltpolitik beeinflusst. Wir konnten unsere Ideen zur Verbesserung von umweltbezogenen Gesetzen und Initiativen einbringen und haben dabei häufig Erfolg gehabt", beschreibt Michael Sailer, Sprecher der Geschäftsführung den Stellenwert des Öko-Instituts. „Das macht uns zu einem wichtigen, unabhängigen und verlässlichen Partner für die Gestaltung künftiger Herausforderungen."
Der Jubiläumsweblog 40.oeko.de (http://40.oeko.de/) präsentiert Artikel, Interviews, Videos und Audiomitschnitte. Er gibt einen Einblick in die Geschichte des Instituts und lässt zugleich die Menschen hinter dem Öko-Institut mit ihren „Wünschen" an die Zukunft zu Wort kommen.

Aus 40 Jahren: Die Geschichte des Öko-Instituts

Am 5. November 1977 riefen in Freiburg 27 Personen, darunter Rechtsanwälte der Anti-Atomkraftbewegung, Mitglieder verschiedener Umweltbewegungen sowie kritische Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler, aber auch Volkswirte sowie Vertreterinnen und Vertreter der evangelischen Kirche das Öko-Institut ins Leben. Das Ziel: der Öffentlichkeit unabhängige wissenschaftliche Beratung und fundierte Gutachten zur Verfügung stellen.
Heute arbeiten über 165 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin transdisziplinär in den Arbeitsgebieten Energie und Klimaschutz; Immissions- und Strahlenschutz; Landwirtschaft und Biodiversität; Nachhaltigkeit in Konsum, Mobilität, Ressourcenwirtschaft und Unternehmen; Nukleartechnik und Anlagensicherheit, Chemikalienmanagement und Technologiebewertung sowie Recht, Politik und Governance.

Fundiert, kritisch, kontrovers: Meilensteine der Institutsgeschichte im interaktiven Zeitstrahl
Trinkwasserstudie, Tschernobyl, HoechstNachhaltig, Emissionshandel, Renewbility - das Öko-Institut blickt auf viele Meilensteine in der eigenen Geschichte zurück. In einem Zeitstrahl können sich die Besucherinnen und Besucher des Jubiläumsweblogs interaktiv durch die die Geschichte des Öko-Instituts bewegen und Dokumente und Zeitzeugenberichte zu den einzelnen Meilensteinen anklicken.

Zum interaktiven Zeitstrahl „40 Jahre Öko-Institut": http://40.oeko.de/zeitreise/

Weitere Hintergrundinformationen zu Highlights aus der 40-jährigen Arbeit des Öko-Institut: https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/HG-Papier_40-Jahre-Oeko-Institut.pdf

Ansprechpartnerin am Öko-Institut:
Mandy Schoßig
Kommunikation & Öffentlichkeit
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Tel.: +49 30 405085-334
E-Mail: m.schossig@oeko.de

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Neues vom Öko-Institut auf Twitter: twitter.com/oekoinstitut

Interesse an eco@work, dem kostenlosen E-Paper des Öko-Instituts?
Abo unter www.oeko.de/newsletter_ein.php

Anhang
40 Jahre Öko-Institut
https://idw-online.de/de/attachmentdata57411.pdf

Quelle: idw 

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Eigene Kinder beflügeln Top-Führungskräfte in ihrer Arbeit

Sarah Blaß Pressestelle
Frankfurt University of Applied Sciences

Eigene Kinder beflügeln Top-Führungskräfte in ihrer Arbeit: sie sind zufrieden mit Work-Life-Balance trotz wenig Zeit für Kinder/ Mitarbeiterinnen mit Kindern gelten bei ihnen aber als karrieredesinteressiert

Studie der Frankfurt UAS beschäftigt sich mit Lebensmustern von Führungskräften mit Kindern/ Top-Führungskräfte setzen bei Kinderbetreuung auf Partner/-in und Topmanagerinnen verbringen mehr Zeit mit ihren Kindern als Topmanager

Wieviel Zeit verbringen Führungskräfte mit ihren Kindern? Welche Zeit- und Aufgabenteilung nehmen Führungskräfte und deren Partner/-innen in verschiedenen Lebensbereichen vor? Wie zufrieden sind Führungskräfte mit ihrer persönlichen Lebenssituation in Hinblick auf Beruf und Familie? Welche Leistung, Engagement und Belastbarkeit schreiben Führungskräfte mit Kindern ihren Mitarbeiterinnen mit Kindern zu? Wie sehen sie Mitarbeiter/-innen in Teilzeit? Mit diesen Fragen hat sich Prof. Dr. Regine Graml, Professorin für Betriebswirtschaft, Personalmanagement und Organisation am Fachbereich Wirtschaft und Recht der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), beschäftigt. Ihre Studie „Arbeit und Familie - Lebensmuster von Führungskräften" belegt, dass die befragten Führungskräfte unter der Woche sehr wenig Zeit mit ihren Kindern verbringen und die Aufteilung von Zuständigkeiten innerhalb der Familie traditionellen Rollenmustern folgt. Dennoch fühlen sie sich durch ihr Familienleben in ihrer Arbeit beflügelt. Bei ihren Mitarbeiterinnen sehen sie das anders: mit Kindern gelten diese als wenig an der Karriere interessiert trotz hoher Arbeitsleistung, Belastbarkeit und Zuverlässigkeit; dies trifft ebenso auf Teilzeitbeschäftigte zu.

Graml führte die Untersuchung mittels Online-Befragung im Rahmen des Executive Panels der internationalen Personalberatung Odgers & Berndtson durch. Befragt wurden Führungskräfte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Von den Panel-Teilnehmer/-innen mit Kindern, haben 177 Personen an Gramls Befragung zu deren Lebensmustern teilgenommen. 70 % der Befragten gehören der obersten Leitungsebene oder der Bereichsleitung an. Laut Befragung hat die typische Führungskraft zwei Kinder (52 %), ist männlich (91 %), 40 bis 49 Jahre alt (64 %), mit Hochschulabschluss oder weiterführendem Abschluss (96 %), verheiratet/zusammenlebend (93 %), mit einer/einem berufstätigen Partner/-in (73 %) und arbeitet 50 bis 59 Stunden pro Woche (48 %). Der Großteil der Führungskräfte verbringt unter der Woche fünf bis zehn Stunden mit seinen Kindern (47 %), unter fünf Stunden sind es 42 % und über zehn Stunden 11 %. Die jeweilige Partnerin/der Partner verbringt unter der Woche mehr Zeit mit den Kindern als die Befragten. Am Wochenende verbringt der Großteil der Befragten mehr Zeit mit den Kindern als unter der Woche: 76 % verbringen mehr als zehn Stunden mit ihren Kindern, 28 % sogar mehr als 20 Stunden. Position, Alter, Qualifikation der Führungskraft, Anzahl der Kinder, Alter des jüngsten Kindes sowie Berufstätigkeit und Qualifikation der Partnerin/des Partners haben dabei keinen signifikanten Einfluss auf die Zeit, die die Führungskräfte mit ihren Kindern verbringen. „Durch die Studie wird deutlich, dass traditionelle Muster der Zeiteinteilung zwischen Arbeit und Familie dominieren, wobei beide - die Top-Führungskraft und der/die jeweilige Partner/-in - gut qualifiziert sind. Andere Familienkonstellationen, wie beispielsweise eine egalitäre Verteilung oder einfach mehr Vielfalt in der Zeiteinteilung werden kaum gelebt. Hier zeigt sich, dass noch großer Handlungsbedarf für Gesellschaft, Politik und Unternehmen besteht, um Top-Management und Familie besser zu vereinbaren", resümiert Graml.

Befragte Frauen verbringen unter der Woche (Montag bis Freitag) mehr Zeit mit den Kindern als die befragten Männer: Bei gleichen Charakteristika (Alter, Qualifikation und Position) verbringen die weiblichen Führungskräfte unter der Woche fast drei Stunden mehr Zeit mit ihren Kindern als männliche Führungskräfte. „Aufgrund der geringen Fallzahlen weiblicher Führungskräfte bei der Befragung ist die Aussagekraft der Analyse begrenzt. Dennoch kann das zeitliche Engagement der weiblichen Führungskräfte für ihre Kinder ein Hinweis auf die typische Doppelbelastung der Frauen, Familie und Beruf zu vereinen, sein", erläutert Graml.

Die Selbstbetreuung der Kinder (also die Betreuungszeit, in der die Kinder nicht von Kitas, Schulen oder anderen Dienstleistern beaufsichtigt werden) übernimmt überwiegend die Partnerin/der Partner; dabei ist die Familienkonstellation dadurch gekennzeichnet, dass der/die Partner/-in meist sehr gut qualifiziert und ebenfalls erwerbstätig ist (73%). Arbeitet diese/r in Vollzeit, übernehmen häufiger auch die Führungskräfte die Selbstbetreuung. 69 % der arbeitenden Partner/-innen arbeiten in Teilzeit. Die Familienorganisation übernimmt überwiegend bzw. ausschließlich die Partnerin/der Partner. Haus- und Gartenpflege wird überwiegend von den Befragten selbst wahrgenommen. Die Kindererziehung wird bei der Mehrheit zu gleichen Teilen durchgeführt (59 %). „Obwohl die Führungskräfte wenig Zeit mit ihren Kindern an Wochentagen verbringen, empfinden sie, dass sie egalitär Verantwortung in der Kindererziehung übernehmen. Dies weist auf ein starkes familiäres ‚Involvement‘, also eine empfundene Beteiligung der Führungskräfte, hin", so Graml.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Teilzeit (egal ob mit oder ohne Kindern) schreiben die befragten Führungskräfte mehrheitlich (67%) ein geringeres Karrierestreben im Vergleich zu anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu. Dabei bewerten die Befragten die Arbeitsleistung (83 %) von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Teilzeit, ihr Commitment (84 %) und ihre Zuverlässigkeit (87 %) mindestens genauso hoch wie bei Vollzeitmitarbeiterinnen und -mitarbeitern. 30 % der Führungskräfte schätzen die Arbeitsleistung von Teilzeitmitarbeiterinnen und -mitarbeitern sogar höher ein. „Auffällig ist, dass den Teilzeitmitarbeiterinnen und -mitarbeitern einerseits hohe Arbeitsleistung und andererseits geringes Karrierestreben zugeschrieben wird. Für die befragten Führungskräfte scheint Karriere in Teilzeit in ihren Unternehmen also nicht oder kaum vorstellbar", betont Graml.

Mütter in ihrem Unternehmen (unabhängig vom Arbeitszeitmodell) sehen die Befragten ebenfalls als an der Karriere desinteressiert: So halten 46 % ihr Karrierestreben für geringer im Vergleich zu anderen Mitarbeiterinnen und -mitarbeitern. Nur 37 % sehen keinen Unterschied im Karrierestreben. Dabei bewerten die Befragten die Arbeitsleistung (82 %) von Müttern, ihr Commitment (79 %) und ihre Zuverlässigkeit (81 %) mindestens genauso hoch wie bei anderen Beschäftigten. 10 % der Führungskräfte schätzen die Arbeitsleistung von ihnen sogar höher ein.

2/3 der Befragten sind mit ihrer Lebensbalance hinsichtlich Beruf und Familie zufrieden, 73 % fühlen sich durch ihr Familienleben in ihrer Arbeit beflügelt. Begünstigende Faktoren der Lebensbalance sind Selbstbestimmung und die Flexibilität der Partnerin/des Partners. Dennoch empfinden 3/4 der Führungskräfte, dass die Arbeit das Privatleben beeinträchtigt: Hohes Arbeitspensum und Geschäftsreisen werden als besonders negativ für die Work-Life-Balance wahrgenommen. Die persönliche Zufriedenheit ist abhängig von der Position: Führungskräfte auf der Ebene der Bereichsleitung (unter Unternehmensleitung und über Abteilungsleitung) sind weniger zufrieden als Führungskräfte der Unternehmensleitung oder der Abteilungsleitung. Die Zufriedenheit wird von den anderen untersuchten Variablen nicht beeinflusst: bei Qualifikation, Alter, Geschlecht, Unternehmensgröße und Anzahl der Kinder ist kein Einfluss auf die Zufriedenheit erkennbar.

Kontakt:
Frankfurt University of Applied Sciences, Fachbereich 3: Wirtschaft und Recht, Prof. Dr. Regine Graml, Telefon: 069/1533-2918, E-Mail: graml@fb3.fra-uas.de

Weitere Informationen unter:
https://www.frankfurt-university.de/fileadmin/de/Fachbereiche/FB3/Forschung_und_...

Quelle: idw 

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Umwelt, Verkehr, Energie. Erste Wasserstofftankstelle aus erneuerbaren Energien in Frankreich

Marie de Chalup Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Am 11. April 2017 haben Roland Roth, Präsident des Gemeindeverbands Sarreguemines Confluences (CASC) in Lothringen, Didier Vaucois, Regionalvertreter des französischen Energiekonzerns (EDF), Projektpartner und Nutzer von Brennstoffzellenfahrzeugen die erste Wasserstofftankstelle Frankreichs in Betrieb genommen. Die Tankstelle wird zur Förderung einer nachhaltigen Mobilität mit Wasserstoff (hergestellt aus erneuerbaren Energien) beliefert.

Am 11. April 2017 haben Roland Roth, Präsident des Gemeindeverbands Sarreguemines Confluences (CASC) in Lothringen, Didier Vaucois, Regionalvertreter des französischen Energiekonzerns (EDF), Projektpartner und Nutzer von Brennstoffzellenfahrzeugen die erste Wasserstofftankstelle Frankreichs in Betrieb genommen. Die Tankstelle wird zur Förderung einer nachhaltigen Mobilität mit Wasserstoff (hergestellt aus erneuerbaren Energien) beliefert.

Im Rahmen der Energiewende hatte der CASC beschlossen, eine umweltverträgliche Mobilität an der Grenze Frankreichs zu Deutschland und den Beneluxländern und an einem Verkehrsknotenpunkt Europas zu fördern. Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt FaHyence gestartet mit dem Ziel, eine Wasserstoff-Tankstelle zu errichten, für die der Wasserstoff direkt vor Ort produziert wird. Besitzer und Betreiber ist der CASC.

Mehrere Akteure haben an diesem Projekt mitgearbeitet:
EDF und das europäische Institut für Energieforschung in Karlsruhe (EIFER) haben ihre technische Kompetenz zur Entwicklung, Dimensionierung und Einrichtung der Demonstrationsanlage eingebracht. Sie haben ein Monitoring- und Steuersystem entwickelt, um einen Stromverbrauch in Spitzenproduktionszeiten der erneuerbaren Energien und in Spitzenverbrauchszeiten zu ermöglichen;
McPhy hat die erste Kopplungsanlage mit einer innovativen und hocheffizienten Elektrolyseur-Einheit und einer Wasserstofftankstelle von 40 kg täglicher Speicherkapazität in Frankreich bereitgestellt. Dieses selbständige System wird für eine automatische Wasserstoffproduktion und eine laufende Verfügbarkeit des Tanks eingerichtet. Im Laufe des Betriebs unterstützt McPhy auch den Betreiber CASC;
Symbio hat ein Renault Kangoo ZE-Hybridfahrzeug (Strom/Wasserstoff) entwickelt. Eine 5 kW Brennstoffzelle und ein 1,8 kg Wasserstoff-Tank verlängern die 22 kW Akkulaufzeit, wodurch eine Reichweite von mehr als 300 km anstatt 150 km erreicht werden kann.

FaHyence ist Teil des europäischen Projekts H2ME und wird im Rahmen des europäischen Programms FCH JU gefördert. Ziel ist es, bis 2020 29 Biowasserstofftankstellen und 300 Fahrzeuge einzusetzen. Nach dieser 2-jährigen Projektentwicklungsphase wurde bereits die erste Tankstelle eröffnet und 10 Fahrzeuge an öffentliche und private Akteure geliefert.

Weitere Informationen:
Webseite der GECO air-App - http://www.gecoair.fr/en/

Quelle:
ꞌꞌCommissioning of the first H2 refueling station in France producing green hydrogen on!ꞌꞌ, Pressemitteilung von McPhy, 11.04.2017 - http://www.mcphy.com/en/news/releases/commissioning-of-the-first-h2-refueling-st...

Redakteur: Luc Massat, luc.massat@diplomatie.gouv.fr

Quelle: idw 

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Wiesn-Studie: Alkoholkonsum beeinflusst das Auftreten von Herzrhythmusstörungen

Philipp Kressirer Kommunikation und Medien
Klinikum der Universität München

An Besuchern des Münchner Oktoberfests konnten Forscher des Klinikums der Universität München und des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislaufforschung e.V. (DZHK) zeigen, dass mit höherem Alkoholspiegel das Risiko für Herzrhythmusstörungen ansteigt. Die Studie, die ganz aktuell in der Zeitschrift European Heart Journal veröffentlicht wurde, untersucht erstmals einen Zusammenhang zwischen akutem Alkoholkonsum und Herzrhythmusstörungen prospektiv, d.h. während bzw. unmittelbar nach dem Alkoholkonsum, an einer großen Anzahl von Probanden.

Die Ergebnisse sind deshalb von besonderer Bedeutung, da Mediziner seit langem vermuten, dass durch Alkohol ausgelöste Herzrhythmusstörungen unter Umständen zu Vorhofflimmern führen können. Besteht Vorhofflimmern über einen längeren Zeitraum, können Schlaganfälle oder eine Herzschwäche die Folge sein. Dieser vermutete Zusammenhang zwischen dem Genuss großer Alkoholmengen über einen kurzen Zeitraum und dem Auftreten von Herzrhythmusstörungen bei sonst eigentlich Herzgesunden wird als "Holiday Heart Syndrome" bezeichnet, wurde jedoch bislang nur in kleinen Studien und nicht prospektiv nachgewiesen.

Unter der Führung der Wissenschaftler PD Dr. med. Stefan Brunner und PD Dr. med. Moritz Sinner, beide aus der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Klinikums der Universität München, konnten im Jahr 2015 an allen 16 Festtagen auf dem Münchener Oktoberfest 3028 freiwillige Teilnehmer untersucht werden. Dabei hatten die Teilnehmer unterschiedliche Mengen an Alkohol konsumiert. Die Alkoholspiegel reichten dementsprechend von 0 bis 3,0 Promille (0-3,0 g/kg), der laut Studienprotokoll für die Teilnahme maximal erlaubten Alkoholmenge. Das Alter der Teilnehmer lag im Mittel bei 35 Jahren, 30 Prozent der Teilnehmer waren Frauen. Die Forscher registrierten Elektrokardiogramme (EKGs) mit einem tragbaren, Smartphone-basierten System, um den Herzrhythmus zu analysieren. Der Alkoholspiegel wurde mit einem Atemalkoholmessgerät erfasst. Bei der Durchführung des Projektes wurden die Autoren durch die Stiftung für Biomedizinische Alkoholforschung, das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislaufforschung e.V. (DZHK) und die Europäische Kommission unterstützt.

Die Häufigkeit der Herzrhythmusstörungen in der Allgemeinbevölkerung liegt bei ca. 1 bis 4 Prozent. In ihrer Studie fanden die Forscher Herzrhythmusstörungen bei 30,5 Prozent der Teilnehmer. In 25,9 Prozent der Fälle lag dabei eine sogenannte Sinustachykardie vor, bei der das Herz schneller als normal schlägt. Die Atemalkoholkonzentration war dabei signifikant mit einem erhöhten Risiko für Herzrhythmusstörungen in Verbindung zu bringen: pro zusätzlichem Gramm pro Kilogramm Alkohol erhöhte sich das Risiko für Herzrhythmusstörungen um 75 Prozent.

Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und beschleunigter Herzfrequenz auch in anderer Studie belegt:
Die Forscher untersuchten zusätzlich den Einfluss von gewohnheitsmäßigem, chronischen Alkoholkonsum bei 4131 Teilnehmern der sogenannten KORA S4 Studie (Kooperative Gesundheitsforschung im Raum Augsburg), einer Untersuchung in der Allgemeinbevölkerung. "Diese Teilnehmer entsprechen der typischen Allgemeinbevölkerung. Die Allermeisten waren bei der Untersuchung gesund und allenfalls wenige waren schwere Trinker. Für diese Studie quantifizierten wir die mittlere konsumierte Alkoholmenge in Gramm pro Tag", erklärt Dr. Sinner.

In der KORA Studie wiesen nur 2,7 Prozent der Teilnehmer Herzrhythmusstörungen auf, wobei 0,4 Prozent eine Sinustachykardie hatten. Es bestand dennoch auch hier eine geringe, jedoch signifikante Assoziation zwischen der täglichen Alkoholmenge und Sinustachykardie. Die Wahrscheinlichkeit hierfür erhöhte sich um drei Prozent pro zusätzlichem Gramm Alkohol pro Tag. "Wir bestätigten den Zusammenhang zwischen Sinustachykardie und chronischem Alkoholkonsum in der KORA Studie. Zwar war der Effekt deutlich schwächer verglichen mit dem Einfluss von akutem Alkoholkonsum, dennoch konnten wir unsere Hauptergebnisse auf dem Oktoberfest bestätigen", ergänzt Dr. Sinner.

"Der Ausgangspunkt unserer Untersuchungen waren die nicht ausreichend schlüssigen Berichte über das ‚Holiday Heart Syndrom‘, das durch akuten Alkoholkonsum ausgelöste Vorhofflimmern. In unserer Studie konnten wir zwar nicht unmittelbar nachweisen, dass es aufgrund von akutem Alkoholkonsum sofort zu Vorhofflimmern kommt. Jedoch fanden wir eine sehr starke und robuste Assoziation mit zwischen Alkohol und Herzrhythmusstörungen, die als Vorstufe von Vorhofflimmern angesehen werden können", geben die Autoren an.

Insbesondere zeigte sich ein Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Veränderungen in den atemabhängigen Schwankungen der Herzrate, der sogenannten respiratorischen Sinusarrhythmie. Die respiratorische Sinusarrhythmie spiegelt ein Ungleichgewicht in der autonomen Nervenversorgung des Herzens wider - also im unbewussten Kontrollsystem, welches die Körperfunktionen wie Herzschlag oder Atmung kontrolliert. "Es ist bekannt, dass Vorhofflimmern auftreten kann, wenn Patienten eine durch ein autonomes Ungleichgewicht ausgelöste Sinustachykardie entwickeln", sagt Dr. Sinner. „Unsere Studie konnte das ‚Holiday Heart Syndrom‘ nicht prospektiv beweisen, aber sie wird Klinikern und Wissenschaftlern helfen, die Veränderungen im Kreislauf besser einzuordnen. Außerdem haben wir die Voraussetzungen für weitere Forschung auf diesem Gebiet geschaffen. Hierzu sind bereits mehrere Nachfolgestudien in Arbeit." "Insbesondere sollen so die autonome Imbalance durch akute Alkoholexposition besser quantifiziert und herausgefunden werden, ob Vorhofflimmern und andere längerdauernde Herzrhythmusstörungen im Verlauf nach akutem Alkoholkonsum auftreten", fügt Dr. Brunner hinzu.

Die Forscher hegen den Verdacht, dass die auf dem Oktoberfest erfassten Herzrhythmusstörungen oftmals nur zeitlich begrenzt waren und diese zu einem Ende kamen, wenn die Teilnehmer wieder nüchtern wurden. Sicher ist dies jedoch nicht, da die EKGs nur einmalig registriert wurden. Sollten Teilnehmer bereits eine zugrundeliegende Herzerkrankung aufweisen, könnte die durch den Alkohol ausgelöste Herzrhythmusstörung auch fortdauern. "Um diese Fragen endgültig beantworten zu können, werden wir weitere Forschungsergebnisse mit längerer Erfassung des EKGs nach Alkoholkonsum benötigen", fassen die Autoren zusammen.

Originalpublikation:
Alcohol consumption, sinus tachycardia, and cardiac arrhythmias at the Munich Octoberfest: results from the Munich Beer Related Electrocardiogram Workup Study, by Stefan Brunner et al. European Heart Journal
doi: 10.1093/eurheartj/ehx156

Ansprechpartner:
PD Dr. med. Moritz Sinner, MPH
Medizinische Klinik und Poliklinik I
Klinikum der Universität München (LMU)
Campus Großhadern
Tel: 089/4400-76159
E-Mail: Moritz.Sinner@med.uni-muenchen.de

PD Dr. med. Stefan Brunner
Medizinische Klinik und Poliklinik I
Klinikum der Universität München (LMU)
Campus Innenstadt
Tel: 089/4400-52305
E-Mail: Stefan.Brunner@med.uni-muenchen.de

Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de/de/das_klinikum/zentrale-bereiche/weitere-in...

Anhang
European Heart Journal
https://idw-online.de/de/attachment57257

Quelle: idw 

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Neues Tool: Betrugssoftware in Autos automatisch entdecken

Dr. Julia Weiler Dezernat Hochschulkommunikation
Ruhr-Universität Bochum

IT-Sicherheitsexperten der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der University of California, San Diego, haben mit dem Lübecker IT-Spezialisten Felix Domke ein Tool entwickelt, das automatisch Betrugssoftware in der Motorsteuerung von Autos entdeckt. Das Team um Prof. Dr. Thorsten Holz vom Bochumer Horst-Görtz-Institut testete gemeinsam mit den Kollegen 900 verschiedene Versionen der Motorsteuerungssoftware für Diesel-Fahrzeuge von Volkswagen und Fiat Chrysler aus den vergangenen acht Jahren. In 400 davon fanden sie eine Vorrichtung, die die Abgasreinigung unter regulären Fahrbedingungen abschaltet. Die Analyse deckt auch auf, wie genau die verschiedenen Hersteller bei dem Betrug vorgehen.

Die Ergebnisse präsentieren die Bochumer Forscher, zu denen auch die Doktoranden Moritz Contag und Andre Pawlowski vom RUB-Lehrstuhl für Systemsicherheit gehören, gemeinsam mit ihren US-amerikanischen Partnern auf dem „IEEE Symposium on Security and Privacy", das vom 22. bis 24. Mai 2017 in San Jose, Kalifornien, stattfindet. Die zugehörige Veröffentlichung kann online eingesehen werden (https://www.syssec.rub.de/research/publications/defeat-devices/).

Zwei Minuten Softwareanalyse reichen aus
Um zu erkennen, ob in einem Fahrzeugmodell eine nicht erlaubte Abschalteinrichtung eingebaut ist, musste bislang ein Wagen auf dem Prüfstand einen etwa 20-minütigen Test absolvieren. „Wenn man zehn Fahrzeugmodelle testen möchte, muss man auch zehn Wagen auf den Prüfstand bringen. Das ist aufwendig", sagt Thorsten Holz. „Unser Tool braucht kein Auto, sondern nur die Motorsteuerungssoftware. Wir können in zwei Minuten analysieren, ob sie eine Abschalteinrichtung beinhaltet oder nicht."

Anhand der Software können die Forscher nachvollziehen, wie ein Auto auf bestimmte Zustände reagiert, zum Beispiel welche Abgasfiltermechanismen in einer bestimmten Situation angeschaltet werden.

„Besonders plump"
Nicht nur die Motorsteuerungssoftware von Volkswagen haben die IT-Experten unter die Lupe genommen. Auch das System des Fiat 500X, wegen dem die EU-Kommission am 17. Mai 2017 ein Verfahren gegen die italienische Regierung eingeleitet hat, untersuchten sie. „Fiat geht besonders plump vor", lautet das Fazit von Thorsten Holz. Während die VW-Software zum Beispiel anhand der Sequenz von Beschleunigungen und Bremsmanövern erkennt, ob sich ein Fahrzeug gerade in einem Prüfzyklus befindet, nutzt Fiat die Tatsache, dass ein Prüfzyklus 20 Minuten dauert - und schaltet die Abgasreinigung schlicht nach etwas mehr als 22 Minuten Betrieb ab.

Da die Wissenschaftler Software aus den vergangenen acht Jahren testeten, können sie nachvollziehen, dass die Abschalteinrichtungen im Lauf der Jahre immer weiter verfeinert wurden. Ihr Ziel ist es nun, ihr Tool so weiterzuentwickeln, dass es die Motorsteuerungssoftware beliebiger Hersteller automatisch analysieren kann.

Originalveröffentlichung
Moritz Contag, Guo Li, Andre Pawlowski, Felix Domke, Kirill Levchenko, Thorsten Holz, Stefan Savage: How they did it: an analysis of emission defeat devices in modern automobiles, IEEE Symposium on Security & Privacy, 2017, San Jose, CA, USA

Prof. Dr. Thorsten Holz
Lehrstuhl für Systemsicherheit
Horst-Görtz-Institut für IT-Sicherheit
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 32 25199
E-Mail: thorsten.holz@rub.de

Moritz Contag
Lehrstuhl für Systemsicherheit
Horst-Görtz-Institut für IT-Sicherheit
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 32 29363
E-Mail: moritz.contag@rub.de

Quelle: idw 

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Eine Werbesäule zur Minderung der Luftverschmutzung in Paris

Marie de Chalup Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Die weltberühmte Pariser Morris-Säule [1] wird als Pilotanlage für die Luftreinigung getestet. Eine erste Säule wird am Place d'Alesia aufgestellt, wo täglich 72.000 Fahrzeuge durchfahren und infolgedessen die CO2-Belastung und die Feinstaubemissionen hohe Werte erreichen. So liegt die Stickstoffdioxidkonzentration beispielsweise bei 40 µg/m3, was den Schwellenwert deutlich übersteigt.

Die weltberühmte Pariser Morris-Säule [1] wird als Pilotanlage für die Luftreinigung getestet. Eine erste Säule wird am Place d'Alesia aufgestellt, wo täglich 72.000 Fahrzeuge durchfahren und infolgedessen die CO2-Belastung und die Feinstaubemissionen hohe Werte erreichen. So liegt die Stickstoffdioxidkonzentration beispielsweise bei 40 µg/m3, was den Schwellenwert deutlich übersteigt.

Die Pilotanlage nutzt zur Luftreinigung Mikroalgen, die sich in einem 1 m3 großen Bioreaktor im Inneren der Säule befinden. In den Chloroplasten der Mikroalge läuft das natürliche Verfahren der Fotosynthese ab, welches CO2 und Licht zur Sauerstoffproduktion braucht. Die natürliche Strahlung wird durch zusätzlich integrierte Leuchtdioden verstärkt, um das Fotosyntheseverfahren zu beschleunigen. Die Mikroalgen sind ebenfalls in der Lage, das von Fahrzeugen ausgestoßene Stickstoffdioxid zu fixieren. Nach diesem Verfahren wird die gereinigte Luft nach außen abgegeben. Je mehr Kohlendioxid die Mikroalgen adsorbieren, desto stärker wachsen und vermehren sie sich. Wird die so entstandene Biomasse zu groß, wird sie über die Kanalisation zur nächstgelegenen Kläranlage abtransportiert und für die Einspeisung in das Erdgasnetz in Biomethan umgewandelt.

Dieses Projekt befindet sich noch in der Probephase, bei der genau ermittelt werden soll, wie viele Schadstoffe (CO2, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid, Feinstaub) die Mikroorganismen aufnehmen können. Theoretisch kann der 1 m3 große Bioreaktor die gleiche CO2-Menge binden wie 100 Bäume, was einer Tonne CO2 pro Jahr oder einem Hin- und Rückflug Paris-Washington entspricht. Durch die Umwandlung der Mikroorganismen in Biomethan wird eine jährliche Menge von 10 kg Biomethan erzeugt. Trotz des geringen Volumens des Bioreaktors und der geringen Menge produzierten Biomethans bildet diese Technologie als Kohlenstoffsenke einen vielversprechenden Ansatz, da diese einzelligen Mikroorganismen Wachstumsraten aufweisen, die 10 bis 40 Mal höher liegen als bei Pflanzen, sie in der Natur reichlich vorkommen und sie unter optimalen Bedingungen ihre Masse täglich verdoppeln können.

Zwei Unternehmen sind an diesem Projekt beteiligt: das französische Start-up Fermentlag, das die Mikroalgen entwickelt hat, und das Unternehmen Suez, Spezialist im Bereich Abfall- und Wasserwirtschaft, das das Projekt mit dem Einsatz der Werbesäule als Kohlensenke gefördert hat. Im Januar wurde die umgebaute Säule von 4 m Höhe und 2,5 m Durchmesser und ihrem 1 m3 großen Bioreaktor mit Rauchgasen getestet, die bei der Aufbereitung von Schlämmen in einer Kläranlage in der Pariser Region entstehen. Bis zum Ende des Jahres unterstützt Suez finanziell den Test dieser Pilotanlage; bei positivem Ergebnis sollen weitere Werbesäulen auf den Markt gebracht werden.

[1] Der Name geht zurück auf den Druckereibetreiber Gabriel Morris, der die deutsche Litfaßsäule in Frankreich einführte.

Quelle:
ꞌꞌPollution de l'air : Paris va tester une colonne Morris dépolluanteꞌꞌ, Pressemitteilung aus Le Monde, 15.04.2017- http://www.lemonde.fr/planete/article/2017/04/15/pollution-de-l-air-paris-va-tes...

Redakteur: Luc Massat, luc.massat@diplomatie.gouv.fr

Quelle: idw 

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Raucherland Deutschland - weltweit unter den Top Ten

Kerstin Ullrich Pressestelle
Deutsche Diabetes Gesellschaft

Berlin - Deutschland gehört weltweit zu den Top Ten der Länder mit der höchsten Anzahl an Rauchern - mit fatalen Folgen: Etwa jeder siebte Todesfall ist hierzulande eine Folge des Tabakkonsums. Dies zeigt die Global Burden of Disease-Studie, die kürzlich im angesehenen Fachjournal „The Lancet" erschien. In dieser Studie schätzt ein Konsortium namhafter Wissenschaftler für 195 Länder und Territorien die Raucherzahlen ab und berechnet die durch den Tabakkonsum verursachten Todesfälle.

Zugleich belegt Deutschland den vorletzten Platz - nur gefolgt von Österreich - auf der Tabakkontrollskala der Europäischen Krebsliga, die staatliche Maßnahmen zur Verringerung des Tabakkonsums bewertet, und gerade aktualisiert wurde. Den neunten Platz im Ranking der Länder mit den meisten Rauchern verdankt Deutschland nicht nur seiner hohen Einwohnerzahl, sondern auch dem immer noch hohen Raucheranteil. Dieser ist zwar seit 1990 leicht gesunken, aber nur bei Männern und deutlich weniger als im Durchschnitt aller Länder weltweit. Der Studie zufolge konsumieren in Deutschland rund 20 Prozent der weiblichen und 25 Prozent der männlichen Bevölkerung täglich irgendeine Form von Tabak - mit schwerwiegenden Folgen.

Denn Rauchen ist nach wie vor einer der bedeutendsten Risikofaktoren für Krankheit und Tod: Weltweit ist mehr als jeder zehnte Tod durch Tabakkonsum verursacht. Dies könnte in den kommenden Jahren noch mehr werden, fürchtet Dr. Ute Mons, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention und des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg: „Mit der demographischen Alterung der Bevölkerung rollt eine Welle tabakbedingter Todesfälle auf Deutschland zu, weil die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre, von denen vergleichsweise viele zur Zigarette gegriffen haben, jetzt in ein Alter kommen, in dem das Risiko für tabakbedingte Erkrankungen besonders hoch ist."

„Diese Entwicklung kann aufgehalten werden, wenn sich Deutschland endlich für eine konsequente Präventionspolitik entscheidet", sagt Dr. Dietrich Garlichs, Sprecher der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK), einem Zusammenschluss von 20 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen. Mit dem Tabakrahmenübereinkommen der WHO, das Deutschland unterzeichnet und ratifiziert hat, steht ein Bündel wirksamer Präventionsmaßnahmen zur Eindämmung des Rauchens und dessen gesundheitlicher Folgen zur Verfügung.

DANK fordert, dass diese Maßnahmen nun auch entschlossen umgesetzt werden. Dazu gehören insbesondere regelmäßige, deutliche Erhöhungen der Tabaksteuer, ein konsequenter Nichtraucherschutz ohne Ausnahmeregelungen und ein umfassendes Tabakwerbeverbot. „Die Einführung des längst überfälligen Verbots der Außenwerbung für Tabakprodukte, die im Augenblick vom Bundestag blockiert wird, wäre ein wichtiger Schritt zur Eindämmung des Tabakkonsums und der daraus resultierenden Krankheiten und Todesfälle - die Politik muss endlich handeln!" so Garlichs.

Quellen:
Lancet-Studie
Tabakkontrollskala

Über die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK)
Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) ist ein Zusammenschluss von 20 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen, der sich für nachhaltige und bundesweite Primärprävention in Deutschland einsetzt. Denn nichtübertragbare Krankheiten sind weltweit Todesursache Nummer eins. In Deutschland gehen rund zwei Drittel der vorzeitigen Todesfälle darauf zurück, z.B. auf Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen. Nichtübertragbare Krankheiten bürden PatientInnen und Familien viel Leid und der Gesellschaft enorme Kosten auf. Mit geeigneten Präventionsmaßnahmen sind diese Krankheiten häufig vermeidbar.

DANK fokussiert dabei auf folgende Ziele und Maßnahmen aus dem WHO Global Action Plan for the Prevention and Control of NCDs 2013-2020, da diese besonders wirksam sind:

1. Reduzierung des Tabakkonsums (u.a. durch regelmäßige, spürbare Tabaksteuererhöhungen)
2. Verringerung des schädlichen Alkoholkonsums (u.a. durch Erhöhung der Alkoholsteuer und Erhebung nach Alkoholgehalt)
3. Verhinderung der Zunahme von Diabetes und Adipositas (u.a. durch eine Zucker-Fett-Salzsteuer)
4. Steigerung der körperlichen Aktivität (u.a. durch eine tägliche Sportstunde in Kita und Schule)

Homepage: http://www.dank-allianz.de

Kontakt:
Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK)
c/o Deutsche Diabetes Gesellschaft
Dr. Dietrich Garlichs (Sprecher)
Albrechtstraße 9, 10117 Berlin
Telefon 030 / 3 11 69 37 0
Telefax 030 / 3 11 69 37 20
E-Mail info@dank-allianz.de

Weitere Informationen:
http://www.tobaccocontrolscale.org/
http://thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2817%2930819-X/fullte...

Quelle: idw 

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Von Batterien bis zu Vanillin: Elektrochemie verwandelt Holzabfälle

Petra Giegerich Kommunikation und Presse
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Abfälle der Papier- und Zellstoffindustrie liefern Ausgangsmaterial für Entwicklung neuer Redox-Flow-Batterie - Elektrosynthese im Vormarsch

Die Stabilisierung der Stromnetze wird mit dem Ausbau erneuerbarer Energien eine wachsende Herausforderung. Hier könnten Redox-Flow-Batterien einen wichtigen Beitrag leisten. Wissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) arbeiten im Rahmen eines Kooperationsprojekts an der Entwicklung neuer Elektrolyte für Redox-Flow-Batterien auf der Basis von Lignin, das in der Zellstoffherstellung aus Holz als Abfallprodukt anfällt. Gemeinsam mit ihren industriellen und wissenschaftlichen Partnern erforschen die Mainzer Chemiker damit die Nutzung nachwachsender Rohstoffe zur effizienteren Verwendung erneuerbarer Energien. Bisher wird für Flussbatterien vor allem das Metall Vanadium verwendet, das jedoch nur in begrenzter Menge zur Verfügung steht und außerdem teuer ist. Für die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Siegfried Waldvogel vom Institut für Organische Chemie erschließt sich mit diesem Projekt ein neues Forschungsfeld, in das sie ihre langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der Elektrochemie einbringen kann.

Im Falle der Redox-Flow-Batterie geht es den Wissenschaftlern darum, aus Lignin, das in Holz und allgemein in Pflanzen für Stabilität sorgt, geeignete Redox-Paare herzustellen. Diese Redox-Paare werden im Elektrolyt von Flussbatterien aufgeladen und dann getrennt in Tanks gespeichert. Bei Bedarf werden sie später in der galvanischen Zelle zur Energieerzeugung wieder zusammengeführt. „Wir werden aus der Ablauge, die bei der Papier- und Zellstoffproduktion anfällt, durch elektrochemische Zersetzung Chinone gewinnen und sie für den Einsatz in einer Batterie weiter optimieren", erläutert Waldvogel die Aufgabe der Mainzer Kooperationspartner. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) bis Januar 2019 gefördert.

Elektrosynthese bringt grüne Chemie voran
„Die Elektrosynthese hat hier in Mainz sehr an Fahrt aufgenommen", ergänzt Waldvogel, der das Forschungsgebiet seit 2010 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz etabliert. In den letzten drei Jahren konnte die Gruppe neue Projekte mit einem Fördervolumen von rund vier Millionen Euro einwerben. Bei der Elektrosynthese geht es im Wesentlichen darum, elektrischen Strom als Reagens zu nutzen, wobei die Elektronen zur Oxidation oder Reduktion von organischen Stoffen dienen. Das ist billiger und wesentlich umweltfreundlicher als konventionelle Reagenzien, sofern Elektrizität aus erneuerbaren Energien verwendet wird. „Man spricht aktuell von der Elektrifizierung der chemischen Synthese und es wird erwartet, dass diese Entwicklung zukünftige Industriegesellschaften weltweit beeinflusst", so Waldvogel.

Bisher gibt es nur wenige industriell genutzte elektrosynthetische Prozesse für organische Moleküle. Die Gruppe von Siegfried Waldvogel hat nun unter anderem die Gewinnung des Aromastoffs Vanillin aus Holzabfällen entwickelt. Außerdem werden einige Hilfsstoffe für chemische Reaktionen mit diesen Verfahren schneller verfügbar gemacht. Eine besondere Erfolgsgeschichte ist die Veränderung eines Arzneimittelbausteins in Kooperation mit Novartis: Nachdem konventionelle Methoden nicht ans Ziel führten, genügte den Mainzer Wissenschaftlern nur eine elektrochemische Umsetzung, um das Produkt zu erhalten.

Neben Geschmacks- und Duftstoffen sowie Wirkstoffen sieht Waldvogel für die Elektrosynthese großes Potenzial bei der Herstellung spezieller Erzeugnisse für die Agrochemie und von Molekülen für die Materialwissenschaften. Mit dieser Methode können oft viele konventionelle Syntheseschritte abgekürzt werden. Darüber hinaus senkt das Verfahren die Abhängigkeit von knappen Rohstoffen, die normalerweise für chemische Reagenzien benötigt werden. Die Flusselektrolyseure für die Laborversuche, bei denen elektrochemische Prozesse ablaufen, werden in der JGU-eigenen Werkstatt als Prototypen entwickelt und gebaut.

Fotos:
http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/09_orgchemie_elektrochemie_batterie_01.jpg
Forscherin beim Aufbau einer Flusselektrolyse
Foto/©: Alexander Sell, JGU

http://www.uni-mainz.de/bilder_presse/09_orgchemie_elektrochemie_batterie_02.jpg
Bis zu acht verschiedene Versuche können gleichzeitig in diesem Screening-Elektrolyseur durchgeführt werden. In jedem der kleinen Kunststoffbecher stecken zwei Elektroden.
Foto/©: Carsten Siering, JGU

Weitere Informationen:
Dr. Carsten Siering
Arbeitskreis Waldvogel
Institut für Organische Chemie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-26067
Fax +49 6131 39-26777
E-Mail: siering@uni-mainz.de
http://www.chemie.uni-mainz.de/OC/AK-Waldvogel/

Weitere Links:
https://www.blogs.uni-mainz.de/fb09akwaldvogel/forschung/organic-electrochemistr...
http://www.uni-mainz.de/presse/57994.php (Pressemitteilung vom 23.10.2013 „Zukunftspreis Pfalz geht an Mainzer Chemiker Siegfried Waldvogel")
https://www.fnr.de/ (Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe)

Quelle: idw 

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Wer mit Automaten unhöflich umgeht, den bedienen sie nicht

Jan Vestweber Pressestelle
Universität Witten/Herdecke

Prof. Dr. Birger Priddat schreibt in diesem Gastbeitrag darüber, wie die künstliche Intelligenz den Menschen zivilisieren könnte

Plötzlich machen sich alle Gedanken über Roboter und Automaten. Vor allem über die künstliche Intelligenz (KI), die zunehmend in die Automaten eingebaut und ständig weiterentwickelt wird. Wird ihre Intelligenz unsere bald überflügeln?

Dass Algorithmen vieles, was wir uns mühsam zusammenreimen, extrem schnell und komplex berechnen können, ist eine nützliche Eigenschaft der Digitalisierung. Dass aber die Roboter die Macht übernehmen, ist eher der Nachtschatten schlechter amerikanischer Filme. Aber etwas anderes wird passieren: dass wir uns daran gewöhnen, mit Automaten zusammenzuleben. Wir werden sie vielfach gar nicht mehr als Automaten empfinden, sondern als gleichsam natürliche Gesprächs- und Arbeitspartner (so wie heute schon Siri oder die Stimme des Navigationsgerätes). Spätestens dann, wenn die Maschinen reden werden. Denn alle Automaten, die mit uns oder für uns arbeiten, werden kommunizieren: untereinander, aber auch mit uns. Dass sie mit uns andere Dinge kommunizieren, ist klar: Alexa oder Siri sind die ersten Erprobungen.

Wenn sich die Automaten sprachlich in unsere Kommunikationswelten einklinken, sind wir nicht mehr darauf angewiesen, mit Texten, SMS'en, Mails, Bildern etc. zu operieren. Sondern wir kommunizieren mit den Maschinen gleichsam auf ‚Ohrenhöhe'. Aber das ist der trivialere Teil der Aussage; der weniger triviale ist der, dass uns die Maschinen durchgehend vernünftig gegenübertreten. Sie sind - zumindest erst einmal - emotionslos (ohne kühl zu sein. Das Timbre der Stimmen von Siri und Alexa erleben manche sogar als proto-erotisch). Aber sie kommunizieren letztlich in einer Dimension: streng vernünftig.

Bevor wir nicken und sagen, das sei doch klar, sollten wir bedenken, dass sich daran unsere Kommunikationsstile neu formieren. Mit emotionalem, gehässigem, aufbrausendem, oder aber auch nöligem, wischi-waschi- und labernden Aussagen werden wir den Maschinen nicht kommen können. Sanft werden die Algorithmen unsere Stimmungen korrigieren, nachfragen, unnachgiebig vernünftig. Oder aber die Sache auf später verschieben, weil man von uns gerade keine vernünftige Antwort bekommt etc. Mit unseren schlampigen Kommunikationen, unklarem Entscheiden bzw. Nicht-Entscheiden-Können werden diese Maschinen nichts anfangen können, außer uns leise ‚zur Vernunft' zu bringen. Wir werden - mehr oder minder - genötigt, vernünftig zu fragen und vernünftig zu antworten - eine Qualität der Kommunikation, die wir im Alltag durchschnittlich weder beherrschen noch hinreichend üben.

Es kann also sein, dass die Automaten uns zivilisieren. Nicht weil sie so programmiert sind (auch darauf kann man achten), sondern schlicht, weil sie logische Automaten sind, die nichts anderes können, als einigermaßen vernünftig zu sein. Es wäre ein miserabler Automat, wenn er schlampig, uneindeutig, fahrig antworten würde. Die Automaten können eine kulturbildende Aufgabe bekommen. Diesen Aspekt findet man in der euphorischen Sorge über Roboter und Algorithmen äußerst selten.

Natürlich können dann semantische Algorithmen jede gehässige Äußerung - von Aussagen wage ich gar nicht zu reden - zurückweisen; nicht gleich löschen, sondern an den Absender zurückgehen lassen mit der Bitte, sie in ein einigermaßen zivilisiertes Deutsch zur übersetzen. Überhaupt könnte jeder Text - in Facebook, Twitter, aber auch in den Mails - zurückgegeben werden (back to sender), der in schlechtem Deutsch, grammatikalisch falsch und in brüchigem Satzbau verfasst ist. Wahrscheinlich würden 50 Prozent der aktuell gesendeten Textchen nicht durch den sprachbildenden Filter gehen.

Eine absurde Idee? Warum? Warum lassen wir es zu, dass ein Großteil der Kommunikation in der Gesellschaft in schlechtem Deutsch geschieht? Wenn man privat seine Sprache verschludern lassen will, ist das eine Sache, aber nicht in der Öffentlichkeit. Mit dem Internet und seiner zivilisatorischen Vernunft hätten wir eine erstmalige Chance, in eine neue Sprachkultur einzutreten. Wer mit den Automaten unhöflich oder sprachlich barbarisch umgeht, den bedienen sie nicht.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Birger Priddat, birger.priddat@uni-wh.de oder 02302 / 926-530

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.400 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

Quelle: idw 

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Frischluft im Sand: Was Bakterien in der Nordsee antreibt

Dr. Fanni Aspetsberger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

Zwei neue Studien liefern spannende Details über das Leben der Bakterien im Boden der Nordsee.

Fast fünf Millionen Deutsche machen alljährlich Urlaub an der Nordsee. Sie erholen sich am Strand oder genießen das Naturschauspiel des Wattenmeers. Doch die Nordsee ist mehr als nur eines der beliebtesten deutschen Reiseziele. Sie ist auch ein faszinierendes Ökosystem, das für unser Leben höchst bedeutsam ist und immer noch voller Überraschungen steckt.

Soeren Ahmerkamp und David Probandt vom Bremer Max-Planck-Institut verbringen deshalb viel Zeit an der Nordsee. Die beiden Forscher beschäftigen sich mit dem Lebensraum Sand - oder, wissenschaftlich gesprochen, mit permeablen Küstensedimenten. Nun beschreiben sie in zwei neuen Veröffentlichungen, wie Sauerstoff den Sand durchdringt und was das für die dort lebende Bakteriengemeinschaft bedeutet.

„Sande bedecken große Teile des Meeresbodens entlang der Kontinentalränder", erklärt Soeren Ahmerkamp aus der Abteilung Biogeochemie am MPI Bremen. „Sie sind viel durchlässiger für das Meerwasser als der meist schlammige Boden der Tiefsee." Wenn Meerwasser durch den Sand strömt, gelangt auch Sauerstoff in den Boden und regt die dortigen Mikroorganismen an. Je mehr Sauerstoff in den Boden gelangt, desto aktiver sind die Mikroorganismen und können beispielsweise große Mengen Kohlenstoff oder Stickstoff umsetzen. „Das ist besonders wichtig angesichts dessen, dass durch die Flüsse große Mengen an Stickstoff und anderen Nährstoffen in die Nordsee gelangen", so David Probandt aus der Abteilung Molekulare Ökologie.

„Bisher wurde die Wechselwirkung von Sanden und dem Meerwasser meist nur im Labor untersucht", fährt Ahmerkamp fort. „Wir haben sie uns vor Ort angesehen, unter realen Bedingungen, um mehr über ihre tatsächliche Bedeutung aussagen zu können."

Gemeinsam mit Kollegen vom MPI Bremen entwickelte Ahmerkamp ein Gerät namens LanceALot, das gleichzeitig die Strömungsgeschwindigkeit, die Form des Bodens und den Sauerstoff im Sand messen kann. An 16 verschiedenen Stellen in der Nordsee wurde LanceALot eingesetzt, um den Zusammenhang zwischen diesen Faktoren zu untersuchen.

Eine bedeutende Rolle spielen demnach Rippel - die typischen, an ein Wellblech erinnernden Sandwellen am Meeresboden. „Durch die ständigen Veränderungen der Rippel und die wechselnden Gezeitenströme ist der Sand ein sehr dynamischer Lebensraum, der sich ständig verändert. Sauerstoff ist mal mehr oder weniger vorhanden, mal dringt er mehrere Zentimeter tief in den Sand ein und mal bleibt er an der Oberfläche - daran müssen sich die Mikroorganismen im Sand anpassen", sagt Ahmerkamp.

Den bakteriellen Bewohnern des Sandes wird also viel abverlangt. „Auf jedem Sandkorn sitzen zehntausende bis hunderttausende Bakterien. Die können natürlich einiges bewirken", meint auch David Probandt. Da diese Bakterien beispielsweise Kohlenstoff und auch Stickstoff aus dem Meerwasser verarbeiten, wirken die Sande wie riesige, reinigende Filter. Vieles von dem, was das Meerwasser in den Boden spült, kommt nicht wieder heraus.

Bislang ist nur wenig über die bakteriellen Bodenbewohner entlang der Küsten bekannt. Probandt und seine Kollegen haben sie nun an verschiedenen Stellen der Nordsee mit modernen molekularen Methoden und Fluoreszenzmikroskopie erforscht. „Schon in den obersten fünf Millimetern des Meeresbodens finden wir ganz andere und vielfältigere Bakterien als im Meerwasser selbst", so Probandt. „Wer wo wohnt, hängt vor allem von der Zusammensetzung des Meeresbodens ab. Je durchlässiger der Boden für einströmendes Meerwasser ist, desto mehr aerobe Bakterien treten auf." Die Arbeit zeigte ebenfalls, dass eine Bakteriengruppe, die sogenannten Planctomyceten, besonders häufig in Küstensedimenten vorkommen. Planctomyceten unterscheiden sich von anderen Bakterien durch ihren komplexen Lebenszyklus und stellen viele verschiedene Naturstoffe her. Sie könnten daher auch besonders gut an die besonderen Bedingungen in Oberflächensedimenten angepasst sein. „Ob dies der Fall ist, werden wir in zukünftigen Arbeiten betrachten" betont Probandt.

Der Meeresboden entlang der Küsten ist besonders stark von menschlichem Einfluss - von der wirtschaftlichen Nutzung über Nährstoffeintrag durch die Flüsse bis hin zum Klimawandel - betroffen. Die neuen Studien zeigen, wie komplex dieser Lebensraum ist und welche bedeutende Rolle seine Bewohner für unser Leben spielen. „Durch die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen konnten wir viele neue Erkenntnisse über dieses dynamische Ökosystem erlangen", betont Probandt.

„Es gibt noch sehr viel zu erforschen in der Nordsee und den anderen Küstenmeeren", schließt Ahmerkamp. „Die Vorgänge und mögliche Veränderungen in diesem Ökosystem betreffen uns alle."

Originalveröffentlichungen
S. Ahmerkamp, C. Winter, K. Krämer, D. de Beer, F. Janssen, J. Friedrichs, M. Kuypers und M. Holtappels (2017): Regulation of benthic oxygen fluxes in permeable sediments of the coastal ocean. Limnology and Oceanography.
DOI: 10.1002/lno.10544 (http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/lno.10544/full)
Die Publikation ist im Rahmen des MPI-marum Cross-Cutting-Project 5 (CCP5)"Organic-matter remineralization and nutrient turnover in permeable sandy sediments" unter der Leitung von Moritz Holtappels entstanden.

D. Probandt,. K. Knittel, H. E. Tegetmeyer, S. Ahmerkamp, M. Holtappels und R. Amann (2017): Permeability shapes bacterial communities in sublittoral surface sediments. Environmental Microbiology 19(4): 1584-1599.
DOI: 10.1111/1462-2920.13676 http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1462-2920.13676/epdf

Rückfragen bitte an
Dr. Soeren Ahmerkamp (https://www.mpi-bremen.de/Dr.-soeren-ahmerkamp.html)
David Probandt (https://www.mpi-bremen.de/David-Probandt.html)

oder an die Pressestelle
Dr. Fanni Aspetsberger
Dr. Manfred Schlösser
Telefon: +49 421 2028 704
E-Mail: presse@mpi-bremen.de

Quelle: idw 

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Durch die Luft übertragene Viren überleben im Wasser

Anja Wirsing Pressestelle des Forschungsverbundes Berlin e.V.
Forschungsverbund Berlin e.V.

Bisher dachte man, dass Herpesviren außerhalb ihres Wirtes kaum überlebensfähig sind. WissenschaftlerInnen des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) zeigen in ihrer aktuellen Studie, dass Pferde-Herpesviren unter bestimmten Bedingungen über einen Zeitraum von bis zu drei Wochen stabil und infektiös bleiben. Die Forschungsergebnisse legen nahe, dass unbehandeltes Wasser eine Quelle für Herpesinfektionen darstellt. Die Studie wurde jetzt in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Scientific Reports" veröffentlicht.

Herpesviren gehören zu den „umhüllten Viren", die über die Luft von Wirt zu Wirt übertragen werden und Krankheiten hervorrufen können. Bisher wurde angenommen, dass sie in der Umwelt instabil sind und die Übertragung daher schnell und direkt erfolgen muss.

Diese Annahme wurde jetzt durch ein Forscherteam unter der Leitung des Leibniz-IZWs in Zusammenarbeit mit dem Institut für Virologie der Freien Universität Berlin überprüft. Hierzu reicherten die ForscherInnen Wasser mit Pferde-Herpesviren unter verschiedenen Bedingungen an und untersuchten über einen Zeitraum von drei Wochen, ob virale DNA entnommen werden konnte und das Virus im Wasser infektiös blieb.

„Die Ergebnisse zeigen, dass das Virus bis zu drei Wochen stabil und infektiös bleibt. Die ‚Überlebensdauer‘ wird durch den pH-Wert und die Temperatur des Wassers bestimmt", erklärt Anisha Dayaram, Wissenschaftlerin am Leibniz-IZW. Überraschenderweise wurde außerdem festgestellt, dass durch Zugabe von Erde das Virus aus dem Wasser „herausgezogen" und so für längere Zeit stabilisiert wurde. „In natürlichen Gewässern könnte das Virus so für längere Zeit in der Bodenschicht bestehen, ohne direkt einen weiteren Wirt zu infizieren. Im Fall des Pferde-Herpesvirus könnten sich daher Pferde, oder andere für das Virus anfällige Säugetiere, über das Wasser anstecken, und dass noch lange, nachdem ein infiziertes Tier in dem entsprechenden Gebiet war", erklärt Alex Greenwood, Abteilungsleiter Wildtierkrankheiten am Leibniz-IZW.

Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass Viren wie das Pferde-Herpesvirus Teil des sogenannten Umwelt-„Viroms" sind und infektiös bleiben könnten. Das Pferde-Herpesvirus hat sich zwischen Säugetieren wie Eisbären und Nashörner ohne direkten Kontakt mit Pferden oder deren Artverwandten sowohl in Gefangenschaft als auch in freier Wildbahn ausgebreitet, zum Teil mit fatalen Folgen. Es könnte sein, dass gemeinsam genutzte Wasserstellen eine mögliche Übertragungsquelle für Infektionen darstellen.

Diese Arbeit ist Teil des laufenden Forschungsprojekts „AquaVir" („Wasser als aquatischer viraler Vektor für neu auftretende Infektionskrankheiten"); gefördert durch Bund und Länder im Rahmen des Paktes für Forschung und Innovation und des Leibniz-Forschungsverbundes Infections‘21.

Publikation:
Dayaram A, Franz M, Schattschneider A, Damiani AM, Bischofberger S, Osterrieder N, Greenwood AD (2017): Long term stability and infectivity of herpesviruses in water. Scientific Reports. www.nature.com/articles/srep46559

Kontakt:
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
im Forschungsverbund Berlin e.V.
Alfred-Kowalke-Str. 17
10315 Berlin

Prof. Alex D. Greenwood
Tel.: 030 / 5168-255
E-Mail: greenwood@izw-berlin.de

Steven Seet (Pressestelle)
Tel.: 030 / 5168-125
E-Mail: seet@izw-berlin.de

Quelle: idw 

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Erwerbstätige Frauen arbeiten täglich 1,6-mal so lang unbezahlt wie Männer

Rainer Jung Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

WSI-Studie: Deutliche Folgen für Karriere und Alterssicherung

Frauen leisten erheblich mehr in der Kindererziehung und Hausarbeit als Männer. Solange das so bleibt, ist eine Gleichstellung in Beruf und Gesellschaft nicht erreichbar. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.*

Viele Paare wünschen sich eine partnerschaftliche Arbeitsteilung. Doch die Realität sieht anders aus: Den größten Teil der unbezahlten Arbeit - Hausarbeit, Kinderbetreuung und Pflege - leisten in Deutschland nach wie vor Frauen, wie eine aktuelle Auswertung des WSI GenderDatenPortals auf Basis der repräsentativen Zeitverwendungserhebung 2012/13 für Personen im Erwerbsalter zeigt. Frauen von 18 bis 64 Jahren verwenden demnach 2,4-mal so viel Zeit für unbezahlte Fürsorgearbeit und das 1,6-fache für Hausarbeit wie Männer dieser Altersgruppe. Noch deutlicher sind die Unterschiede bei Erwerbstätigen mit Kindern.

Zwar fällt die Gesamtarbeitszeit von erwerbstätigen Frauen und Männern ähnlich hoch aus - die Frauen arbeiten im Schnitt täglich 7:44 Stunden, die Männer 7:40 Stunden. Allerdings unterscheiden sich beide Geschlechter sehr deutlich in der Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit:

• Erwerbstätige Männer verbringen im Durchschnitt täglich 5:32 Stunden mit bezahlter Arbeit, etwa 1,2-mal so viel Zeit wie erwerbstätige Frauen (4:15 Stunden; zur Erhebung und Berechnung der täglichen Arbeitszeiten siehe die methodischen Informationen am Ende der PM).

• Erwerbstätige Frauen verwenden auf unbezahlte Arbeit im Schnitt 3:29 Stunden und damit etwa 1,6-mal so viel Zeit wie erwerbstätige Männer (2:08 Stunden).

Hoher Aufwand für häusliche Arbeit geht Hand in Hand mit reduzierten Arbeitszeiten im Beruf. Fast jede zweite Frau in Deutschland arbeitet in Teilzeit. Unter Müttern ist Vollzeitarbeit sogar die Ausnahme, während Männer - selbst dann, wenn sie Väter sind - fast ausschließlich in Vollzeit arbeiten. Für einen Mann, der voll arbeitet, besteht mit 73 Prozent der größte Teil seiner Gesamtarbeitszeit aus bezahlter Arbeit. Eine teilzeitbeschäftigte Frau wird hingegen nur für 43 Prozent ihrer Gesamtarbeitszeit entlohnt und leistet den größeren Teil ihrer Arbeit unbezahlt.

Besonders groß ist das Missverhältnis von beruflicher und häuslicher Arbeit zwischen den Geschlechtern, wenn Kinder unter sechs Jahren im Haushalt leben. Vollzeitbeschäftigte Väter mit kleinen Kindern haben mit 9:11 Stunden die längste Gesamtarbeitszeit von allen - nur ein Drittel davon verwenden sie auf Hausarbeit, Kinderversorgung und gegebenenfalls Pflegeaufgaben. Vollzeitbeschäftigte Mütter hingegen wenden dafür mehr als die Hälfte und teilzeitbeschäftigte Mütter sogar fast 70 Prozent ihrer Gesamtarbeitszeit auf. Die Betreuung von Kleinkindern ist also nach wie vor weitgehend Frauensache.

Das lässt sich auch daran ablesen, dass Mütter deutlich häufiger und länger Elterngeld beziehen als Väter. Mehr als 90 Prozent der Elternzeit, für die Elterngeld gezahlt wird, entfallen bislang noch auf Frauen. Immerhin scheint sich hier etwas zu verändern - heute nehmen Männer häufiger Vätermonate in Anspruch als in früheren Jahren. Auch wenn die Elternzeit von Vätern meist nur von kurzer Dauer ist, ergeben sich daraus langfristige Effekte: Je mehr Männer sich um den Nachwuchs kümmern und darüber in Kontakt mit vorübergehender Teilzeitarbeit kommen, umso wahrscheinlicher wird es, dass sie auch über das Ende der Elternzeit hinaus ihre Arbeitszeit reduzieren. Etwa jeder vierte Vater verringert seine Arbeitszeitdauer im Anschluss an seine Elternmonate im Vergleich zu der Zeit vor der Geburt des Kindes um 10 bis 20 Prozent. Väter, die drei oder mehr Elterngeldmonate genommen haben, reduzieren anschließend besonders häufig ihre Arbeitszeit (42 Prozent). „Das Elterngeld scheint zu helfen, dem Wunsch nach einer eher partnerschaftlichen Aufteilung bei Paaren in der Realität zumindest für eine bestimmte Zeit näherzukommen", schreiben die Forscherinnen und Forscher.

Neben der Betreuung von Kindern ist die Pflege von Angehörigen der zweite wichtige Bereich der Fürsorgearbeit. Auch hier engagieren sich Frauen sowohl häufiger als auch intensiver. Sie stellen mit 2,35 Millionen Pflegepersonen fast zwei Drittel derjenigen, die unbezahlte Pflegearbeit leisten. Drei Prozent der Frauen, aber nur ein Prozent der Männer bringen täglich mindestens zwei Stunden für die Pflege von Angehörigen auf. Vor allem im Erwerbsalter, also bis zum 65. Lebensjahr, unterstützen Frauen andere Menschen viel häufiger, als Männer dies tun. Der Anteil pflegender Frauen ist im Alter von 45 bis 74 Jahren am höchsten, während die meisten Männer eher später im Lebensverlauf pflegen. Dass Frauen ab 75 seltener pflegen als Männer in der gleichen Altersgruppe, liegt daran, dass sie häufiger verwitwet sind und somit keinen Partner mehr betreuen.

„Von einer gleichmäßigen Aufteilung der bezahlten und unbezahlten Arbeit zwischen Frauen und Männern kann bislang keine Rede sein", lautet das Fazit der Analyse. Dass Frauen im Beruf häufig zurückstecken, hänge direkt mit der ungleichen Aufteilung der häuslichen Arbeit zusammen - damit verbunden seien erheblichen Auswirkungen auf das Einkommen, die beruflichen Chancen und die Alterssicherung der Frauen. „Gleichstellungspolitik sollte daher berufliche Gleichstellung von Frauen mit Anreizen für eine Umverteilung von unbezahlter Arbeit hin zu Männern verknüpfen", so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, „und für beide Geschlechter bessere Bedingungen für die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit schaffen".

Informationen zur Methode der Erhebung:
Die WSI-Analyse basiert auf Sonderauswertungen der Zeitverwendungserhebung (ZVE) 2012/13, durchgeführt vom Statistischen Bundesamt in Zusammenarbeit mit den Statistischen Landesämtern. Über einen Zeitraum von zwölf Monaten erfolgte eine schriftliche Befragung von mehr als 5.000 Privathaushalten und 11.000 Personen ab zehn Jahren. Für jeweils drei vorgegebene Tage füllten die Teilnehmer ein Tagebuch aus, in das sie ihre Tätigkeiten im Zehn-Minuten-Takt eintrugen. Im Auftrag des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) wurde zudem ermittelt, wie sich die Zeitverwendung von Frauen und Männern im Erwerbsalter unterscheidet.

Da viele Tätigkeiten ungleich über die Wochentage verteilt sind, etwa weil sie gehäuft an Wochentagen stattfinden (Erwerbstätigkeit) oder vorwiegend am Wochenende (Hausarbeit bei Vollzeiterwerbstätigen), wurden die einzelnen Tage für die Berechnung der durchschnittlichen Zeitdauer gewichtet. Auch Urlaube, Feiertage und Krankheitstage wurden entsprechend einberechnet. Dadurch können die Werte für die durchschnittliche Zeitdauer einer Tätigkeit von dem gewohnten Verständnis abweichen: So kann die durchschnittliche Arbeitszeit von Vollzeiterwerbstätigen beispielsweise weniger als fünf Stunden pro Tag betragen. Die Analysen beruhen ausschließlich auf den Angaben zu den Haupttätigkeiten. Dies kann vor allem im Bereich der Fürsorgearbeit zu einer zeitlichen Untererfassung führen, wenn Phasen der Kinderbetreuung als Nebentätigkeit eingetragen wurden - etwa die Unterhaltung mit dem Kind während das Essen zubereitet wird.

Kontakt in der Hans-Böckler-Stiftung:
Dr. Christina Klenner
WSI
Tel.: 0211-7778-231
E-Mail: Christina-Klenner@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Weitere Informationen:
https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_35_2017.pdf - *Dietmar Hobler, Christina Klenner, Svenja Pfahl, Peter Sopp, Alexandra Wagner: Wer leistet unbezahlte Arbeit? Hausarbeit, Kindererziehung und Pflege im Geschlechtervergleich, aktuelle Auswertungen aus dem WSI GenderDatenPortal, April 2017.

Quelle: idw 

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Neue Studie: Zu niedriger Blutdruck ist schädlich, Untergrenzen könnten sinnvoll sein

Prof. Dr. Eckart Fleck Pressesprecher
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Ein möglichst niedriger Blutdruckwert ist bei Patienten mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko nicht unbedingt das optimale Behandlungsziel. Sinkt der Blutdruck unter einen bestimmten Wert, steigt das Herz-Kreislauf-Risiko wieder an, zeigt eine neue Studie. Auch in der Bluthochdrucktherapie sei deshalb ein individualisierter Ansatz wünschenswert, sagten Herz-Spezialisten auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim.

Mannheim/Homburg/Saar, 22. April 2017 - Ein möglichst niedriger Blutdruckwert ist bei Patienten mit hohem Herz-Kreislauf-Risiko nicht unbedingt das optimale Behandlungsziel. Sinkt der Blutdruck unter einen bestimmten Wert, steigt das Herz-Kreislauf-Risiko wieder an. Das ist das Ergebnis einer auf der 83. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim diskutierten neuen wissenschaftlichen Studie. „Das Festlegen einer Blutdruck-Untergrenze könnte also sinnvoll sein", so Studienleiter Prof. Michael Böhm (Homburg/Saar), der auch in der Bluthochdrucktherapie einen individualisierten Ansatz für wünschenswert hält.

Aktuelle wissenschaftliche Leitlinien empfehlen einen systolischen Blutdruckzielwert von unter 140 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg), machen aber keine Vorgaben, wie niedrig der Blutdruck sinken sollte oder darf. Das Prinzip „je niedriger desto besser", das häufig für das LDL-Cholesterin angenommen wird, scheint beim Blutdruck keine Gültigkeit zu haben, zeigt die Analyse der beiden Großstudien ONTARGET und TRANSCEND mit insgesamt fast 30.940 eingeschlossenen Hochrisiko-Patienten. Bei manchen Patienten, deren Blutdruck während der Therapie auf zu niedrige Werte sinkt, könnte es sinnvoll sein, die Medikation zu reduzieren, um Nebenwirkungen zu vermeiden, sagt Prof. Böhm.

Doch wo sollte eine Untergrenze definiert werden? In den Studien wurde die Wirksamkeit eines Blutdrucksenkers allein sowie in Kombinationen untersucht. Patienten, die während des mittleren Beobachtungs-Zeitraums von 53 Monaten systolische Blutdruckwerte unter 120 mmHg erreichten, hatten ein um 14 Prozent höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse als jene, deren Blutdruck zwischen 120 und 140 mmHg lag, mit der Ausnahme von Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit stieg um 29 Prozent und die Gesamtsterblichkeit um 28 Prozent.

Ähnlich sieht die Situation beim diastolischen Blutdruck aus. Werte unter 70 mmHg standen mit einem um 31 Prozent erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse im Zusammenhang, verglichen mit Werten zwischen 70 und 80 mmHg. Auch das Risiko für Herzinfarkt und durch Herzschwäche bedingte Klinikeinweisungen war erhöht. Schlaganfälle kamen allerdings seltener vor, wenn die Werte darunter fielen.
Das niedrigste Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse hatten Patienten, die unter der Blut-druck-Therapie einen systolischen Blutdruck zwischen 120 und 140 mmHg und einen diastolischen Blutdruck um die 75 mmHg erreichten. Somit sei für die meisten Hochrisiko-Patienten ein Blutdruckzielwert von unter 130 mmHg, nicht jedoch ein Wert unter 120 mmHg sicher und wirksam, fassen die Studienautoren zusammen.

Sie gehen davon aus, dass sich der Vorteil einer erreichten Blutdruckhöhe individuell unterscheiden kann und vom jeweiligen Risikoprofil eines Menschen abhängt. Patienten mit einem besonders hohen Risiko für ein bestimmtes Ereignis wie zum Beispiel einen Schlaganfall könnten von einem noch niedrigeren Blutdruck profitieren, vermuten die Studienautoren, während dieser Bereich für Patienten mit einem erhöhten Herzinfarkt-Risiko nachteilig ist. In der Praxis sind solche eindeutigen Prognosen allerdings oft schwierig. Außer Frage stehe, dass auch in der Bluthochdrucktherapie ein individualisierter Ansatz wünschenswert sei.

Quelle: Böhm M, Schumacher H, Teo K et al. Achieved blood pressure and cardiovascular outcomes in high-risk patients: results from ONTARGET and TRANSCEND trials. Lancet 2017

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 10.000 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere Informationen unter www.dgk.org

Weitere Informationen:

http://www.dgk.org/presse
http://www.kardiologie.org

Quelle: idw 

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575 Elbkilometer aktiv für die Meeresforschung: Mitschwimmerinnen und Mitschwimmer gesucht

Nina Petersen Redaktionsbüro Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane
Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane

Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016*17 - Meere und Ozeane startet im Juni die bislang größte Freiwasser-Schwimmstaffel Deutschlands: Die Elbschwimmstaffel rückt als einzigartige Mitmach- und Forschungsveranstaltung die Bedeutung von sauberen Fließgewässern für Meere und Ozeane in den Mittelpunkt.

Alle (Wasser-)Wege führen ins Meer. Für den Schutz der Meere und Ozeane sind saubere Fließgewässer somit unabdingbar. Um diesen Zusammenhang hervorzuheben, formiert sich vom 24. Juni bis zum 12. Juli die bislang größte Freiwasser-Schwimmstaffel Deutschlands: Die Elbschwimmstaffel. Unter dem Motto „Das Meer beginnt hier!" bietet die Mitmach-Aktion im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016*17 - Meere und Ozeane interessierten Bürgerinnen und Bürgern die Gelegenheit, sich aktiv mit Forschung auseinanderzusetzen und sich somit am Meeresschutz zu beteiligen.

Ab sofort besteht die Möglichkeit, sich unter http://www.elbschwimmstaffel.de für die Teilnahme an der Aktion anzumelden und einer von rund 200 Schwimmerinnen und Schwimmern der bislang größten Staffelmannschaft zu sein, die jemals ein deutsches Fließgewässer durchschwommen hat.

Am Beispiel der Flusslandschaft Elbe wird zugleich aufgezeigt, wie Mensch und Umwelt von einem sauberen Fluss profitieren. Hierfür wird die Staffel von drei Forschungsprojekten wissenschaftlich begleitet: Die Technische Universität Berlin untersucht Mikroplastik im Wasserkreislauf, das Karlsruher Institut für Technologie führt eine Gewässeranalyse durch und die Technische Universität Dresden geht der Frage nach einer gemeinsamen Umsetzungsmöglichkeit von Hochwasserschutz und naturnaher Gewässerentwicklung nach.

Der Startschuss fällt am 24. Juni in Bad Schandau. Von dort aus wird die Staffelmannschaft eine Strecke von insgesamt 575 km die Elbe hinab schwimmen. Die Strecke beinhaltet 19 Tagesetappen. Eine Schwimmstrecke hat jeweils eine Länge von 2 km. Zum Schwimmen aufgerufen sind alle Erwachsenen, die keine gesundheitlichen Einschränkungen haben, körperlich fit sind und mindestens das Schwimmabzeichen in Bronze (Freischwimmer) abgelegt haben. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka betont: „Galt die Elbe vor 25 Jahren noch als einer der schmutzigsten Flüsse Europas, so zeigt sie heute, was durch ein gezieltes Zusammenwirken von Politik, Behörden, Wissenschaft und Gesellschaft möglich ist. Am Beispiel Elbe wollen wir die Menschen direkt an Meeres- und Fließgewässerforschung heranführen, sie aktiv einbeziehen und ihre vielfältigen Aspekte - von Fischansiedlung bis zu Mikroplastik - anschaulich darstellen."

Ob sportlich-ehrgeizig, umweltbewusst oder wissenschaftlich interessiert - Die Elbschwimmstaffel ist ein einmaliges Mitmach- und Forschungsereignis, das neben der aktiven Bürgerbeteiligung vor allem die breite Öffentlichkeit für das Thema der nachhaltigen Nutzung sowie für den Schutz unserer Meere und Ozeane sensibilisiert.

Weitere Informationen finden Sie unter:
http://www.elbschwimmstaffel.de

Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane
Die Meeresforschung ist Thema des Wissenschaftsjahres 2016*17. Zu 71 Prozent bedecken Ozeane und Meere unseren Planeten. Sie sind Klimamaschine, Nahrungsquelle, Wirtschaftsraum - und sie bieten für viele Pflanzen und Tiere Platz zum Leben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen die Ozeane seit Jahrhunderten; und doch sind sie noch immer geheimnisvoll und in weiten Teilen unerforscht. Im Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane geht es um die Ergründung der Gewässer, ihren Schutz und eine nachhaltige Nutzung. Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD). Sie tragen als zentrales Instrument der Wissenschaftskommunikation Forschung in die Öffentlichkeit. Das Wissenschaftsjahr 2016*17 wird vom Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM) als fachlichem Partner begleitet.

Pressekontakt
Redaktionsbüro Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane
Nina Petersen I Katharina Sawade
Gustav-Meyer-Allee 25 | Gebäude 13/5 | 13355 Berlin
Tel.: +49 30 818777-164 | Fax: +49 30 818777-125
presse@wissenschaftsjahr.de
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Quelle: idw 

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Zinkversorgung beeinflusst Herzgesundheit

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Neben den essentiellen Stoffwechselfunktionen beeinflusst der Zinkstatus im Körper auch das Herz. Tritt oxidativer Stress auf, ist womöglich ein Zinkmangel vorhanden, der sich am Herzmuskel ablesen lässt. Eine Studie der Technischen Universität München (TUM) zeigt den Zusammenhang des Gesamtgehaltes an Zink im Körper und der Gesundheit des Herzens auf.

Oxidativer Stress entwickelt sich, wenn in der Zelle mehr freie Radikale gebildet werden als durch Antioxidantien wie beispielsweise Vitamin E abgefangen werden können. Dass schwerer Zinkmangel mit klinischen Symptomen den Zellstress erhöht, wurde bereits belegt. So ein extremer Mangel ist jedoch sehr selten. Viel häufiger kommen dagegen kurzfristige und latente Unterversorgungen an Zink vor. Inwiefern auch hier ein Zusammenhang zu oxidativem Stress besteht, wurde bislang wenig untersucht.

Aufgrund seiner hohen Stoffwechselaktivität haben sich die Wissenschaftler auf den Herzmuskel konzentriert. Hier entstehen bezogen auf die Gewebemasse besonders viele freie Radikale. Zudem hat der Herzmuskel auch noch eine geringere anti-oxidative Kapazität als andere Gewebe. Daher ist dieser Muskel für oxidativen Stress besonders anfällig.

Für die in „The Journal of Nutrition" erschienene Studie ist dies an zwei Antioxidantien nachgewiesen worden: Glutathion und Vitamin E (α-Tocopherol). Beide machen freie Radikale unschädlich, wobei insbesondere Vitamin E für die Unversehrtheit der Zellmembran verantwortlich ist. Die Zellmembran grenzt den Zellinhalt gegen die Umwelt ab.

Oxidativer Stress wird vom Zinkstatus gesteuert
Es wurde jungen Ferkeln für wenige Tage das Nahrungszink in unterschiedlichem Ausmaß vorenthalten. So konnten die Wissenschaftler nachvollziehen, wie sich ein schwindendes Zinkdepot auf den Herzmuskel der Tiere auswirkt: Sie konnten nun beobachten, dass der Vorrat an Glutathion im Herzmuskel parallel zum Zinkstatus abnahm. Somit beeinflusst die Zinkversorgung des Körpers bereits in diesem frühen Stadium die Fähigkeit des Herzens, mit oxidativem Stress umzugehen. Dieser ist nach gegenwärtigem Stand der Forschung daran beteiligt, dass Herzerkrankungen entstehen.

Ebenso zeigte sich, dass Gene, die für den programmierten Zelltod verantwortlich sind (Apoptose), in dieser Phase des Zellstresses mit schwindendem Zink hochreguliert werden. „Der Organismus kann den entstandenen Zinkmangel nicht mehr ausgleichen, obwohl unsere Tests nur über wenige Tage liefen", sagt Erstautor Daniel Brugger vom Lehrstuhl für Tierernährung der TU München.

Eine Kompensation des Herzens wurde im weiteren Verlauf beobachtet: „Nach der ersten Phase, in der sich eine Reduktion der Herzzinkgehaltes zeigte, steuerte der Herzmuskel gegen und erhöhte den Zinkgehalt wieder auf das Ausgangsniveau. Dies geschieht allerdings zulasten der Zinkgehalte in anderen Organen - allen voran der Leber, Niere und des Pankreas." Weitere, noch nicht veröffentlichte Daten zeigen zudem, dass daraufhin beispielsweise in der Leber subklinische Entzündungen aufgrund des dort einsetzenden Zinkmangels auftreten. Dass scheint auch andere Gewebe allen voran die primären Immungewebe zu betreffen. Um dies bestätigen zu können, sind weitere Studien notwendig.

Publikation:
Daniel Brugger und Wilhelm M. Windisch: Short-Term Subclinical Zinc Deficiency in Weaned Piglets Affects Cardiac Redox Metabolism and Zinc Concentration, Journal of Nutrition 2017.
DOI: 10.3945/jn.116.240804
http://jn.nutrition.org/content/early/2017/02/15/jn.116.240804.full.pdf

Kontakt:
Technische Universität München
Lehrstuhl für Tierernährung
Hans Eisenmann-Zentrum für Agrarwissenschaften
Daniel Brugger
Tel. +49 (0) 8161 - 714009
E-Mail: Daniel.Brugger@wzw.tum.de
www.wzw.tum.de/lte

Weitere Informationen:
https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/33844/

Quelle: idw 

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IGB Policy Brief: Fünf drängende Gewässerthemen für die kommende Bundesregierung identifiziert

Johannes Graupner Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Im Vorfeld der Bundestagswahl 2017 hat das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Deutschlands größtes Forschungszentrum für Binnengewässer, fünf drängende Gewässerthemen identifiziert und in einem IGB Policy Brief veröffentlicht. Bei den Themen besteht nach Einschätzung der Wissenschaftler in der nächsten Legislaturperiode für die neue Bundesregierung dringender Diskussions- und Handlungsbedarf.

Wasser und Gewässer sind lebenswichtige Ressourcen von hoher gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung. Doch die Mehrzahl der Binnengewässer in Deutschland ist in einem ökologisch schlechten Zustand, der zu zahlreichen Konflikten um ihren Schutz und ihre Nutzung führt. Bäche, Flüsse, Seen, Feuchtgebiete und Grundwasser sind somit Brennpunkte des gesellschaftlichen Diskurses. Doch nicht selten fehlen in dieser politischen Debatte Argumente, die durch verlässliche wissenschaftliche Analysen unterlegt sind.

„Forschen für die Zukunft unserer Gewässer" ist der Leitspruch des IGB. Die objektive und evidenzbasierte Beratung gesellschaftlicher Akteure aus Politik, Behörden, Verbänden, Wirtschaft, Bildungseinrichtungen und der interessierten Öffentlichkeit gehört zu den zentralen Aufgaben des Instituts.

Diesem gesellschaftlichen Beratungsauftrag kommt das IGB auch im Wahljahr 2017 nach, indem es Fakten und fundierte Argumente zu fünf Gewässerthemen zusammengestellt hat, bei denen das Institut dringenden politischen Diskussions- und Handlungsbedarf sieht:

1. Überdüngung: Diffuse Nährstoffbelastung von Gewässern mit Stickstoff und Phosphor

2. Synthetische Stoffe: Pharmazeutika, Mikroplastik, Nanopartikel und hormonaktive Stoffe in Gewässern

3. Wasserstraßen: Unrentabler Ausbau im Konflikt mit der EU-Gesetzgebung

4. Aquakultur: Nachhaltige Kreislaufsysteme und Eigenversorgung stärken

5. Wasserkraft: EEG-Förderung kleiner Wasserkraftanlagen im Spannungsfeld mit dem Gewässerschutz

„Ein nachhaltiges Gewässermanagement muss den Schutz und die Nutzung unserer Gewässer gleichermaßen berücksichtigen. Diese unterschiedlichen Interessen und mögliche Kompromisse müssen in der Politik ausgehandelt werden. Zur wissenschaftlichen Beratungsrolle des IGB gehört dabei auch, auf konkrete Probleme und unbequeme Interessenkonflikte hinzuweisen. Mit dem IGB Policy Brief bieten wir dafür objektive forschungsbasierte Diskussions- und Entscheidungshilfen an", erklärt Prof. Dr. Mark Gessner, kommissarischer Direktor des IGB und Mitautor des IGB Policy Briefs, anlässlich der Veröffentlichung.

Der IGB Policy Brief zur Bundestagswahl 2017 - „Schutz und Nutzung von Binnengewässern in Deutschland - Status Quo, Konflikte und politische Handlungsoptionen" kann kostenlos als PDF unter dem folgendem Link heruntergeladen werden:
http://bit.ly/IGB_Policy_Brief_Bundestagswahl_2017_Gewaesser

Weitere Informationen zum IGB:
www.igb-berlin.de
Die Arbeiten des IGB verbinden Grundlagen- mit Vorsorgeforschung als Basis für die nachhaltige Bewirtschaftung der Gewässer. Das IGB untersucht dabei die Struktur und Funktion von aquatischen Ökosystemen unter naturnahen Bedingungen und unter der Wirkung multipler Stressoren. Forschungsschwerpunkte sind unter anderem die Langzeitentwicklung von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten bei sich rasch ändernden globalen, regionalen und lokalen Umweltbedingungen, die Entwicklung gekoppelter ökologischer und sozioökonomischer Modelle, die Renaturierung von Ökosystemen und die Biodiversität aquatischer Lebensräume. Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit den Universitäten und Forschungsinstitutionen der Region Berlin-Brandenburg und weltweit. Das IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.

Quelle: idw 

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Mücken: Eine kommt, die andere geht

Judith Jördens Senckenberg Pressestelle
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Wissenschaftler von Senckenberg und der Goethe-Universität haben die zukünftige Verbreitung der Asiatischen Tigermücke und der Asiatischen Buschmücke in Europa modelliert. Sie kommen zu dem Schluss, dass sich die wärmeliebende Tigermücke aufgrund des globalen Klimawandels weiter in den Norden Europas ausbreiten wird. Das Verbreitungsgebiet der verwandten Art, der Asiatischen Buschmücke, die bereits in Deutschland heimisch ist, wird dagegen deutlich kleiner. Beide Mückenarten gelten als Überträger von verschiedenen Viren, die Infektionskrankheiten auslösen, wie beispielsweise den Zika-, Dengue- oder Gelbfieber-Viren.

Die Tigermücke (Aedes albopictus) gehört zu den 100 schlimmsten invasiven Arten und auch deren enge Verwandte, die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus) genießt keinen guten Ruf: „Beide Mückenarten sind potentielle Überträger, sogenannte Vektoren, einer Reihe von Infektionskrankheiten auslösenden Viren. Dazu zählen Zika-, Dengue-, West-Nil- oder Chikungunya-Viren", erklärt Prof. Dr. Sven Klimpel vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und der Goethe-Universität Frankfurt und fährt fort: „Wir haben nun untersucht, welche Lebensräume sich zukünftig klimatisch für diese beiden invasiven Arten eignen."

Ursprünglich aus Asien stammend, haben sich Tiger- und Buschmücken aufgrund der Globalisierung sehr schnell in Europa ausgebreitet. Tigermücken gibt es bereits seit mehreren Jahrzehnten im Mittelmeerraum. Klimpel erläutert: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass sich das potentielle Verbreitungsgebiet der Tigermücke in Europa durch den Klimawandel nach Norden und Nordosten ausdehnen wird. Für die Buschmücke dagegen bringt die globale Erwärmung eine Verkleinerung des Gebietes mit geeigneten Klimabedingungen in Europa mit sich."

Das Forscherteam rund um den Frankfurter Parasitologen führte seine Modellierungen unter Verwendung verschiedener Szenarien des Welt-Klimarates (IPCC Intergovernmental Panel on Climate Change) durch. Im Hinblick auf die Frage, welches die wichtigen Umweltfaktoren für eine erfolgreiche Etablierung der Tigermücke in Europa sind, ergab die Studie, dass in Nord- und Osteuropa die Temperatur während der Wintermonate, der entscheidende „limitierende Faktor" für die Tigermücke ist. Die Mücken sind zwar bis zu einem gewissen Grad an kältere Temperaturen angepasst; liegen die Temperaturen aber unter der kritischen Grenze überleben ihre Eier nicht. „Durch den projizierten Klimawandel werden sich die Grenzen der potentiellen Verbreitungsgebiete aufgrund milderer Winter aber weiter nach Norden verschieben", ergänzt Klimpel und fährt fort: „In Südeuropa werden wir die Tigermücke dagegen aufgrund der zunehmenden Sommertrockenheit nicht mehr so häufig antreffen, denn die Tiere sind unter anderem für ihre Fortpflanzung auf stehende Gewässer angewiesen."

Für die Buschmücke, die an kühlere Bedingungen besser angepasst ist, wird sich nach den Ergebnissen der Modellierungen, das Gebiet mit geeigneten Klimabedingungen im Zuge des Klimawandels verkleinern. Ohne Anpassungen an die Klimaveränderungen, würde sich die Art vermutlich in kühlere Gebiete zurückziehen. „Dieser Mücken-Art wird es bei uns zukünftig schlicht zu warm", fügt Klimpel hinzu.

Stechmücken gelten als die wichtigsten Überträger vektor-assoziierter Infektionserreger und Infektionskrankheiten zählen weltweit immer noch zu den häufigsten Todesursachen. „Wir haben gerade in der jüngeren Vergangenheit mit dem drastischen Auswirkungen von Zika gesehen, dass sich die Welt auf einige seltene, aber besonders gefährliche Erreger, die über Vektoren verbreitet werden, besser vorbereiten muss. Gerade durch den anthropogen verursachten Klimawandel können einige dieser krankheitsübertragenden Arten, die bislang nur in den Tropen und Subtropen vorkommen, auch in Europa geeignete Klimabedingungen finden und sich etablieren. Unsere Modellierungen in Kombination mit langfristigen Überwachungs- und Erfassungsmaßnahmen helfen daher, auf eine mögliche Einwanderung vorbereitet zu sein und frühzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen zu können", gibt Klimpel einen Ausblick.

Kontakt
Prof. Dr. Sven Klimpel
Senckenberg Biodiversität und
Klima Forschungszentrum &
Goethe-Universität Frankfurt
Tel. 069- 7542 1895
sven.klimpel@senckenberg.de

Judith Jördens
Pressestelle
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
Tel. 069- 7542 1434
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Cunze S, Kochmann J, Koch LK, Klimpel S
(2016) Aedes albopictus and Its Environmental Limits
in Europe. PLoS ONE 11(9): e0162116. doi:10.1371/
journal.pone.0162116

Cunze et al. Parasites & Vectors (2016) 9:573
DOI 10.1186/s13071-016-1853-2

Pressemitteilung und Bildmaterial finden Sie auch unter www.senckenberg.de/presse

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung" sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

200 Jahre Senckenberg! 2017 ist Jubiläumsjahr bei Senckenberg - die 1817 gegründete Gesellschaft forscht seit 200 Jahren mit Neugier, Leidenschaft und Engagement für die Natur. Seine 200-jährige Erfolgsgeschichte feiert Senckenberg mit einem bunten Programm, das aus vielen Veranstaltungen, eigens erstellten Ausstellungen und einem großen Museumsfest im Herbst besteht. Natürlich werden auch die aktuelle Forschung und zukünftige Projekte präsentiert. Mehr Infos unter: www.200jahresenckenberg.de.

Quelle: idw 

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Sehen Fußballfans rivalisierender Mannschaften dasselbe Fußballspiel mit anderen Augen?

Dr. Evamarie Blattner Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Wissensmedien

Wenn sich am 26. April der FC Bayern München und Borussia Dortmund gegenüberstehen, schauen sich viele Fußball-Begeisterte das Halbfinal-Spiel um den DFB-Pokal gemeinsam an. Die Erfahrungen zeigen, dass die Erinnerungen der Fans nach einem solchen Spiel zugunsten ihrer eigenen Mannschaft verzerrt sind. Wann setzt diese Verzerrung ein? Sehen Fans rivalisierender Mannschaften bereits das Spiel anders oder kommt es erst später bei der Rückerinnerung zu dieser Verzerrung? Eine Antwort darauf haben Forscher an der Universität Tübingen, PD Dr. Markus Huff, und am Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM), Prof. Dr. Stephan Schwan, mit Hilfe einer eigens entwickelten Methode gefunden.

Bisher zeigte die Forschung, dass Fans nach dem Spiel eine verzerrte Erinnerung zugunsten ihrer eigenen Mannschaft haben. Unbeantwortet blieb die Frage: Sehen Fans bereits das Spiel anders? Dazu hat die Arbeitsgruppe um Markus Huff in Kooperation mit der Arbeitsgruppe von Stephan Schwan das Champions-League Finale zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München zum Anlass genommen, den Wahrnehmungsprozess von Fußballfans während des Spiels zu untersuchen. „Das Finale der Champions-League war eine einmalige Gelegenheit, diese Prozesse zu untersuchen. In einem internationalen Finale standen sich zwei deutsche Mannschaften gegenüber. Die Begegnungen dieser beiden Rivalen sind immer hoch emotional, was sich in der Berichterstattung im Vorfeld wiederspiegelte", so Markus Huff.
Die Live-Übertragung des Finales sahen 58 Fußballfans - 33 Dortmund- und 25 Bayern-Fans - mit dem Ziel, den gesamten Wahrnehmungsprozess zu untersuchen. Während bei allen Fans im Anschluss an das Spiel das Gedächtnis getestet wurde, konnten bei 21 Fans die Augenbewegungen während des Spiels aufgezeichnet werden, um der Hypothese nachzugehen, ob sich die fanbasierte Verzerrung sehr früh, d. h. bereits bei der Betrachtung des Spiels abzeichnet.
Die Ergebnisse dieser groß angelegten Studie sind eindeutig: Die Wahrnehmungsprozesse glichen sich während des Spiels - die Blickbewegungen waren bei beiden Fangruppen identisch. Dagegen war die Erinnerung der Fans tatsächlich zugunsten ihrer Mannschaft verzerrt, da sie angeblich mehr Spielanteile hatte, das gegnerische Team hatte scheinbar weniger.
Das Vorgehen in dieser Studie unterscheidet sich grundlegend von bisherigen Forschungsansätzen, die psychologische Prozesse fast ausschließlich im Labor erforschen. „Dies ist die erste Studie, die die Wahrnehmung und das Gedächtnis von echten Fans während einer Live-Übertragung mit eigens für dieses Experiment entwickelten Methoden untersuchte", so Markus Huff. Die Studie ermöglichte somit zum einen, dass der Rezeptionsprozess unmittelbar, also unabhängig zum Beispiel von späterer Berichterstattung, erfasst werden konnte. Zum anderen konnten in dieser Studie Blickbewegungs- und Gedächtnisprozesse gemeinsam betrachtet werden, um verlässliche Aussagen über den gesamten Prozess der menschlichen Informationsverarbeitung machen zu können.
Damit zeigt die Studie, dass die menschliche Wahrnehmung verlässlicher ist als vermutet: Selbst leidenschaftlich wahrgenommene Abläufe, die in der Erinnerung verzerrt werden, werden dennoch neutral wahrgenommen.

Die Ergebnisse der Studie wurden aktuell in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht.

Publikation
Huff, M., Papenmeier, F., Maurer, A. E., Meitz, T. G. K, Garsoffky, B., & Schwan, S. (2017). Fandom biases retrospective judgments not perception. Scientific Reports, 7:43083. doi: 10.1038/srep43083
Kontakt
PD Dr. Markus Huff, Universität Tübingen, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, Allgemeine Psychologie, Telefon +49 7071 29-75612, markus.huff@uni-tuebingen.de
Prof. Dr. Stephan Schwan, Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM), Arbeitsgruppe Realitätsnahe Darstellungen, Telefon ++49 7071 979-228, s.schwan@iwm-tuebingen.de

Das Leibniz-Institut für Wissensmedien
Das Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM) in Tübingen erforscht, wie digitale Technologien eingesetzt werden können, um Wissensprozesse zu verbessern. Die psychologische Grundlagenforschung der rund 110 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist auf Praxisfelder wie Schule und Hochschule, auf Wissensarbeit mit digitalen Medien, wissensbezogene Internetnutzung und Wissensvermittlung in Museen ausgerichtet. Von 2009 bis 2016 unterhielt das IWM gemeinsam mit der Universität Tübingen Deutschlands ersten Leibniz-WissenschaftsCampus (WCT) zum Thema „Bildung in Informationsumwelten", der ab 2017 als Nachfolgeprojekt unter dem Titel „Kognitive Schnittstellen" weitergeführt wird.

Kontakt & weitere Informationen zum Leibniz-Institut für Wissensmedien
Dr. Evamarie Blattner, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Wissensmedien, Schleichstraße 6, 72076 Tübingen,
Tel. 07071/ 979-222, E-Mail: presse@iwm-tuebingen.de

Die Leibniz-Gemeinschaft
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 91 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen u. a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.600 Personen, darunter 9.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,7 Milliarden Euro.

Quelle: idw 

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Elektroimpulse säubern Industriewässer und Lacke

Monika Landgraf Strategische Entwicklung und Kommunikation - Gesamtkommunikation
Karlsruher Institut für Technologie

Die meisten Lacke, sei es im Haushalt oder in der Industrie, nutzen heute Wasser als Grundlage und sind umweltfreundlicher als solche mit Lösemitteln. Wasserbasierte Lacke haben aber einen Nachteil: Mikroorganismen wie Bakterien können sich darin ausbreiten. Betroffen sind auch Lackieranlagen in der Automobilbranche und anderen Industriezweigen. Industrielle Wässer und Lacke künftig mit Elektroimpulsen nachhaltig entkeimen zu können, ist Ziel des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung(BMBF) geförderten Verbundprojekts DiWaL, das Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) koordinieren. Das neue Verfahren entwickeln sie gemeinsam mit Partnern aus Forschung und Industrie.

Ob knallbunt oder klassisch in Silbergrau oder Schwarz: Bevor die ansprechende Decklackschicht auf ein Auto kommt, wird die Karosserie gereinigt, vorbehandelt und erhält eine Schicht, die vor Korrosion schützt. Das geschieht in der Oberflächenvorbehandlung und in der elektrophoretischen Tauchlackierung. Letzteres ist ein elektrochemisches Verfahren, das über ein Gleichspannungsfeld im Tauchbad einen gleichmäßigen Lackfilm ermöglicht. „In den dabei verwendeten Wässern und Lacken können sich jedoch Bakterien so vermehren, dass sie die Oberflächenbeschichtung beeinträchtigen. Um sie zu bekämpfen, werden bislang häufig Biozide eingesetzt. Mit der Elektroimpulstechnologie setzen wir nun auf ein Verfahren, das ohne chemische Zusätze arbeitet, damit Wasserressourcen schont und gleichzeitig einen Beitrag zum Gewässerschutz leistet", sagt Dr. Wolfgang Frey vom IHM - Institut für Hochleistungsimpuls- und Mikrowellentechnologie des KIT und Koordinator im Verbundprojekt „Dekontamination von industriellen Wässern und Lacken", kurz DiWaL.

Bei der Elektroimpulsbehandlung werden Zellen, wie beispielsweise Mikroorganismen, einem elektrischen Feld ausgesetzt, dabei polarisiert die Zellmembran, das heißt es bilden sich elektrische Pole, und es öffnen sich wässrige Poren, die letztendlich zum Absterben der Mikroorganismen führen. Dieses Phänomen wird großtechnisch zur effektiven Gewinnung von Zellinhaltsstoffen und zur Abtötung von Mikroorganismen genutzt („kalte Pasteurisation").

Da die Elektroimpulse rein physikalisch wirken, ist, anders als bei Bioziden, nicht zu erwarten, dass die Bakterien Resistenzen entwickeln. „Wir kontrollieren die mikrobiologische Belastung und können so eine optimale Beschichtungsqualität erreichen und gleichzeitig Nacharbeiten vermeiden", so Dr. Frey.

In der Automobilherstellung ist die Lackierung der Karosserie der Bereich mit dem höchsten Wasserverbrauch (bis zu 600 Liter pro Karosserie). Integriert wird die Elektroimpulstechnologie deshalb in ein neues, automatisiertes und ressourceneffizientes Wassermanagement- und Anlagenkonzept für Vorbehandlung und Tauchlackierung, das die Partner aus Forschung und Industrie ebenfalls in DiWaL entwickeln. Dies soll es ermöglichen, Wasser in der Fabrik besser im Kreislauf zu führen und weniger Frischwasser zu verbrauchen. Im Mittelpunkt der anlagentechnischen Umsetzung stehen dabei die Aspekte Qualität, Kosten und Umwelt. Wesentlich dafür ist auch die Perspektive der Anwender: DiWaL analysiert deshalb die Anforderungen der Nutzer ebenso wie mögliche Hemmnisse, die Ergebnisse fließen dann in Konzeption und technische Entwicklung ein.

DiWaL bündelt die Kompetenzen von Partnern aus Forschung (Karlsruher Institut für Technologie und Hochschule Pforzheim) und Industrie, neben einem Anlagenbauer (Eisenmann SE), sind dies zwei Lackhersteller (Emil Frei GmbH & Co. KG und PPG Deutschland Business Support GmbH) und ein Automobilhersteller (BMW Group).

Der Fokus des Verbundprojekts liegt sowohl auf der Oberflächenbehandlung für die Automobilindustrie (kathodische Tauchlackierung, KTL) als auch auf Anwendungen für die allgemeine Industrie, beispielsweise für die Lackierung von Industriegütern mit anodischer Tauchlackierung (ATL). Dabei betrachten sie technische, wirtschaftliche und ökologische Rahmenbedingungen und Anforderungen.

Das Verbundprojekt „Entwicklung eines ressourceneffizienten Wassermanagement- und Anlagenkonzepts für Vorbehandlungs- und Tauchlackieranlagen unter Nutzung der Elektroimpulstechnologie zur Dekontamination von industriellen Wässern und Lacken (DiWaL)" wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Fördermaßnahme WavE gefördert.

Weitere Informationen zur Fördermaßname WavE des BMBF: http://www.bmbf-wave.de/

Weiterer Kontakt:
Margarete Lehné, Pressereferentin, Tel.: +49 721 608-48121, Fax: +49 721 608-43658, margarete.lehne@kit.edu

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verbindet seine drei Kernaufgaben Forschung, Lehre und Innovation zu einer Mission. Mit rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 25 000 Studierenden ist das KIT eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas.

KIT - Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft

Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: http://www.kit.edu

Weitere Informationen:
http://www.bmbf-wave.de/

Anhang
Elektroimpulse säubern Industriewässer und Lacke
https://idw-online.de/de/attachment57272

Quelle: idw 

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Testosteron ist nicht Schuld am männlichen Haarausfall

Jan Meßerschmidt Presse- und Informationsstelle
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Testosteron und Haarausfall - dieser Zusammenhang gehört zu den hartnäckigsten Vorurteilen gegenüber männlichen Hormonen. In einer der bislang größten Studien wurde dieser Mythos nun von Wissenschaftlern der Universitätsmedizin Greifswald systematisch untersucht und widerlegt. Die Auswertung der Daten von 373 männlichen Teilnehmern der Bevölkerungsstudie SHIP-TREND ergab keinen Zusammenhang zwischen Sexualhormonen wie Testosteron, Androstendion oder DHEAS und Haarausfall. Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift JAMA Dermatology veröffentlicht.

„Der unterstellte Zusammenhang zwischen Sexualhormonen und männlichem Haarausfall wurde noch nie in einer so großen Bevölkerungsstudie bei gesunden Männern untersucht", sagt Dr. Hanna Kische, die am Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald forscht und Erstautorin der Studie ist. „Diese Lücke haben wir mit unserer Publikation in der internatio-nalen Fachzeitschrift JAMA Dermatology nun geschlossen."
Prof. Dr. Robin Haring, DFG-Projektleiter und Seniorautor der Studie fügt hinzu, dass „die vorliegende Beobachtungsstudie eine wichtige Ergänzung der bisherigen Ergebnisse aus klinischen Studien dar-stellt, die nur auf sehr kleinen Fallzahlen basieren".

Da weder Haardichte noch Haarwachstum in einem direkten Zusammenhang mit Testosteron stehen, werden verschiedene alternative Erklärungsansätze diskutiert. Neben genetischen Faktoren, steht neueren Erkenntnissen zufolge sowohl das Hormon DHT, ein potentes Folgeprodukt von Testosteron, als auch das Gewebshormon Prostaglandin D2 unter Verdacht, männliche Haare dünner werden zu lassen. Weil die wirkliche Ursache noch nicht abschließend geklärt ist, existieren zur Therapie des männlichen Haarausfalls bisher nur wenige Wirkstoffe, mit zum Teil erheblichen Nebenwirkungen. In diese Richtung wird künftig also noch intensiv geforscht werden.

Publikation
Sex hormones and hair loss in men from the general population
http://jamanetwork.com/journals/jamadermatology/article-abstract/2617871
Jama Dermatology. 2017 April, doi:10.1001/jamadermatol.2017.0297
Bevölkerungsstudie SHIP
http://www2.medizin.uni-greifswald.de/cm/fv/ship/studienbeschreibung/
Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin
http://www2.medizin.uni-greifswald.de/klinchem/

Ansprechpartner an der Universitätsmedizin Greifswald
Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin
Prof. Dr. habil. Robin Haring
Ferdinand-Sauerbruch-Straße
17475 Greifswald
Telefon +49 381 8087 264
Telefon +49 3834 86 19645
robin.haring@uni-greifswald.de

Quelle: idw 

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Wohlstandsmessung aus dem Weltall

Julia Wandt Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Universität Konstanz

Konstanzer Politikwissenschaftler zeigen, dass durch Satelliten gemessene Licht-Emissionen zuverlässige Wohlstandsprognosen auch für kleine geographische Einheiten zulassen

In der Nacht erleuchtete Städte und Dörfer sind in Weltregionen wie Europa eine Selbstverständlichkeit. Anders in Entwicklungsländern. Satellitendaten zeigen, dass es dort nachts neben erleuchteten auch viele dunkle Regionen gibt. Die beiden Konstanzer Politikwissenschaftler Prof. Dr. Nils Weidmann und Dr. Sebastian Schutte haben Satelliten-Daten von Nachtlicht-Emissionen ausgewertet und sie mit Daten klassischer Umfragen verglichen. Sie konnten zeigen, dass es möglich ist, aufgrund des Nachtlichts den Wohlstand einer Region zu prognostizieren. Während die Analyse von Nachtlicht-Emission bislang auf Länderebene eingesetzt wurde, können die beiden Wissenschaftler nun belegen, dass dies auch innerhalb eines Landes für kleine geographische Einheiten wie zum Beispiel einzelne Dörfer funktioniert. Ihre Ergebnisse wurden in einer Sonderausgabe des Journal of Peace Research zum Thema „Prognose in der Friedensforschung" veröffentlicht.

Wohlstand spielt eine entscheidende Rolle in vielen Theorien zu Krieg und Frieden. Wirtschaftlicher Wohlstand beeinflusst viele politische und gesellschaftliche Variablen, ist aber in vielen Teilen der Welt schwer zu messen. Punktuell werden Wohlstands-Indizes über Umfragen ermittelt. Das ist jedoch nicht in allen Regionen der Welt möglich und insbesondere in solchen Ländern schwierig, an denen die Konfliktforschung besonders interessiert ist. Die Satelliten-Daten zur nächtlichen Licht-Emission können hier als alternative Datenquelle eingesetzt werden. Je genauer die Datenlage, desto präziser könnte beispielsweise geschätzt werden, inwieweit Wohlstand und Wohlstandsunterschiede das Konfliktrisiko beeinflussen, oder wie hoch der wirtschaftliche Schaden durch Gewalt in einer bestimmten Region ist.

Nils Weidmann und Sebastian Schutte haben zwei frei zugängliche Daten-Pools für ihre Untersuchung genutzt: Die Umfragedaten der „Demographic and Health Survey" (DHS) sowie Daten aus dem „Defense Meteorological Satellite Program" (DMSP), das die Satelliten-Daten liefert. Die Nachtlicht-Daten resultieren aus jeweils einjährigen Beobachtungszeiträumen, um so verfälschende Werte durch Wolken oder Waldbrände ausschließen zu können.

Die Referenz liefern die Umfragedaten, die ebenso wie die Satelliten-Daten über geographische Koordinaten verortet werden. So können die beiden Daten-Sätze zusammengeführt und verglichen werden. Das Ergebnis ist eindeutig: Mehr Licht korreliert mit mehr Reichtum, was an der pakistanischen Stadt Hyderabad beispielhaft gezeigt werden kann (siehe Abbildung). Hier entspricht die höchste Licht-Emission dem Wohlstandsindex von 4,54 (Skala von 1 für arm bis 5 für reich). Dieser Wert entspricht einem sehr hellen Nachtlichtwert, während eine vergleichsweise arme Region (Wohlstandsindex von 1,82) wenig oder keine Nachtlichter emittiert. Ein solcher Vergleich wurde für mehr als 34.000 Umfrageergebnisse in rund 40 Ländern ausgeführt.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Zusammenhang zwischen Wohlstand und Nachtlichtern in den meisten der untersuchten Länder sehr stark ist. „Wir können mit sehr hoher Genauigkeit vorhersagen, in welcher Rangordnung befragte Haushalte zueinander stehen", resümiert Sebastian Schutte, der Mitglied im Zukunftskolleg der Universität Konstanz ist. Ist bekannt, wo in einem Land sich diese Haushalte befinden, kann diese Methode auch für Regionen außerhalb der untersuchten Stichprobe eingesetzt werden.

Der Datenvergleich zeigt, dass die Satelliten-Methode in der Lage ist, fehlende Daten zu ergänzen, wo Umfrageergebnisse nicht vorhanden sind. Obendrein liefert sie einen Weg, um das Wohlstandslevel von Ländern miteinander in Beziehung zu setzen. Allerdings ist das Verhältnis von Wohlstand und Licht im globalen Vergleich nicht einheitlich. Beispielsweise erreicht in Albanien die Licht-Emission einer wohlhabenden Region einen deutlich höheren Wert als in Liberia, weshalb Unterschiede zwischen Ländern berücksichtigt werden müssen. Ein reiches Land wie zum Beispiel Schweden auf diese Weise zu vermessen funktioniert nicht. Hier sind bewohnte Gegenden unabhängig von Wohlstand in der Nacht hell erleuchtet.

Originalveröffentlichung:
Nils. B. Weidmann, Sebastian Schutte: Using night light emissions for the prediction of local wealth. Journal of Peace Research, 54 (2), 2017.
URL: http://dx.doi.org/10.1177/0022343316630359

Faktenübersicht:
• Prof. Nils Weidmanns Forschung wird durch einen Sofja-Kovalevskaja-Preis der Alexander von Humboldt-Stiftung finanziert.
• Dr. Sebastian Schutte wird durch ein Marie-Curie Fellowship am Zukunftskolleg der Universität Konstanz gefördert.
• Die Daten stammen aus dem Zeitraum 2002 bis 2012.
• Die Analyse schließt mehr als 34.000 Messpunkte aus rund 40 Ländern ein.

http://uni.kn/shared/nightlights.pdf
Bildunterschrift: Vergleich von Wohlstandsindizes aus Umfragen des „Demographic and Health Survey" (DHS) und Nachtlicht-Emissionen in Pakistan.

https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2017/FO_PI_170421/weidmann66...
Bildunterschrift: Prof. Dr. Nils Weidmann

https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2017/FO_PI_170421/Schutte.jp...
Bildunterschrift: Dr. Sebastian Schutte

Kontakt:
Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
Telefon: + 49 7531 88-3603
E-Mail: kum@uni-konstanz.de

Quelle: idw 

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Mit Urzeitalgen zu gesundem Wasser: Wirtschaftliches Verfahren zur Beseitigung von EDC im Abwasser

Madlen Domaschke Pressestelle
Technische Universität Bergakademie Freiberg

Chemiker und Mineralogen der TU Bergakademie Freiberg sowie Umwelttechniker der TU Dresden forschen gemeinsam an einem wirtschaftlichen Verfahren, um Arzneimittelrückstände, Weichmacher und weitere für Mensch und Tier schädliche Substanzen aus dem Abwasser zu beseitigen. Das dreijährige Forschungsvorhaben (noch bis Oktober 2018) wird von der Sächsischen Aufbaubank mit 730.000 Euro gefördert.

Konkret geht es um endokrin wirkende Chemikalien - kurz EDC. Das sind Substanzen, die zu einer Beeinflussung des hormonellen Systems von Menschen und Tieren sowie zu Veränderungen in der Reproduktionsbiologie führen. EDC werden mit erhöhtem Krebsrisiko und nicht mehr rückgängig zu machenden Fehlentwicklungen, insbesondere während der embryonalen und kindlichen Entwicklung in Zusammenhang gebracht. In den letzten Jahrzehnten wurden solche Modifikationen immer häufiger vor allem an Fischen, Seemöven und Schnecken beobachtet.

Auch der Mensch kommt auf vielen Wegen mit EDC in Berührung: über Kunststoffe in Lebensmittelverpackungen und Wasserleitungen, über Agrarchemikalien als Rückstände in Lebensmitteln sowie über Medikamentenrückstände in Abwässern aus Haushalten und Krankenhäusern. Da die EDC in kommunalen Kläranlagen nur unzureichend aus dem Abwasser entfernt werden, gelangen sie auf Umwegen ins Grundwasser oder werden durch Klärschlamm in den Boden eingebracht (nach Novellierung des AbfKlärV bis 2025). Bekannte Verfahren zur Reduzierung von EDC in Klärwasser wie Adsorption an Aktivkohle, Membranverfahren, biologischer Abbau und chemische Oxidation sind sehr teuer.

„Wir forschen gemeinsam mit Dresdner Wissenschaftlern an einer kostengünstigen und gleichzeitig effektiven und umweltfreundlichen Alternative zur Eliminierung von EDC, also den endokrin wirkenden Chemikalien, die für Mensch und Tier gesundheitsschädlich sind und Krebs verursachen können. In unserem Verfahren verwenden wir den äußerst wirksamen, günstigen und natürlich vorkommenden Rohstoff Alginit. Dieser soll die EDC im Abwasser adsorbieren und kann durch Wiederaufbereitung mehrfach verwendet werden", erklärt Prof. Dr. Martin Bertau von der TU Bergakademie Freiberg das neue Verfahren.

Aktuell wird das neue Reinigungsverfahren im Labor- und Demonstrationsmaßstab entwickelt und untersucht. Dabei bewerten die Wissenschaftler das Verfahren mit Hinblick auf eine großtechnische Umsetzung hinsichtlich der Effektivität der Reinigung, der verfahrenstechnischen Umsetzbarkeit, der Wiederaufbereitung und der jeweiligen Prozess- und Investitionskosten.

Steckbrief
Forschungsvorhaben: „Entwicklung eines innovativen Verfahrens zur energieeffizienten Behandlung von kontaminierten Abwasserfraktionen"

Projektpartner:
TU Bergakademie Freiberg: Institut für Technische Chemie (Prof. Bertau), Institut für Mineralogie (Prof. Heide)

TU Dresden: Institut für Verfahrenstechnik und Umwelttechnik, Professur für Energieverfahrenstechnik (Prof. Beckmann)

Projektlaufzeit: 01.11.2015-31.10.2018
Fördermittelgeber: Sächsische Aufbaubank

Weitere Informationen:
http://tu-freiberg.de/presse/mit-urzeitalgen-zu-gesundem-wasser Meldung auf der Uni-Homepage
http://tu-freiberg.de/tch/forschung Homepage des Instituts für Technische Chemie der TU Bergakademie Freiberg

Quelle: idw 

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Verbreitung und Genauigkeit von Fitnessarmbändern - Ergebnisse aus Studie liegen vor

Johanna Besold Pressestelle Campus Heilbronn
Hochschule Heilbronn

- Studie des Fachbereichs Medizinische Informatik zum Heilbronner Trollinger Marathon
- drei von vier Sportlern nutzen Apps, Fitnesstracker oder Sportuhren;
- GPS-Sportuhren messen verlässlich

Für viele Hobbyläufer sind sie zu einem regelmäßigen Trainingsbegleiter geworden: Smartphones mit Lauf-Apps, Fitnesstracker oder GPS-Sportuhren. Das Angebot tragbarer Geräte, sogenannter „Wearables", ist groß. Werden diese aber tatsächlich von Sportlerinnen und Sportlern genutzt? Und wenn ja, welche der Geräte? Zwei wissenschaftliche Mitarbeiter des Studiengangs Medizinische Informatik sammelten zu dieser Frage während des Trollinger-Marathons 2016 mit Unterstützung von Studierenden Daten von über 1.000 Teilnehmern. Außerdem untersuchte die Studie, wie genau die im Markt befindlichen Geräte die zurückgelegte Laufstrecke aufzeichnen und wie vergleichbar die erfassten Daten untereinander sind.
„Ich habe beim Training selbst einen Fitnesstracker getragen und gleichzeitig eine Smartphone-App zum Aufzeichnen meiner Strecke benutzt", berichtet Medizininformatikerin Monika Pobiruchin von ihren eigenen Erfahrungen mit einem Wearable. Sie war überrascht, wie sehr sich die Aufzeichnung der zurückgelegten Kilometer voneinander unterschieden. Pobiruchin betreute das Projekt gemeinsam mit ihrem Kollegen, dem Medizininformatiker Martin Wiesner. „Der Heilbronner Trollinger Marathon als größtes Laufevent der Region erschien uns als idealer Ort, um zu untersuchen, welche Geräte von den Läufern genutzt werden und wie genau die verschiedenen Geräte aufzeichnen", ergänzt er.

Ergebnisse veröffentlicht: GPS-Sportuhren messen verlässlich
Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich im internationalen Journal of Medical Internet Research mHealth and uHealth veröffentlicht. „Es hat sich gezeigt, dass drei von vier Teilnehmern ein Wearable während des Trainings oder Wettkampfs einsetzen. Manche Läufer greifen sogar auf mehrere Geräte gleichzeitig zurück", berichtet Wiesner.
Ein weiteres Ergebnis der Trollinger-Studie ist außerdem, dass GPS-Sportuhren unter Läufern weit verbreitet sind und die zurückgelegte Strecke genauer als andere untersuchte Gerätekategorien aufzeichnen. Nutzen Läufer andere Wearables, dann sind es Smartphones mit entsprechenden Lauf-Apps, wohingegen Fitnessarmbänder oder Smart Watches deutlicher weniger vertreten sind. Die durchschnittliche Abweichung der Sportuhren auf dem Halbmarathon-Kurs betrug nur 120 Meter, bei Smartphones mit Apps jedoch 350 Meter. Dies ist bemerkenswert, da es sich hier nicht etwa um streng geeichte Messgeräte handelt, sondern um erschwingliche Hardware aus dem Konsumentensegment. Die Auswertung zeigt auch, dass die Nutzung von tragbarer Technologie für das Lauftraining eher Männern und Läufern jüngerer Altersgruppen zu zuordnen ist.
Die Ergebnisse der Studie sind online abrufbar unter http://mhealth.jmir.org/2017/2/e24/
Die beiden Forscher wiederholen ihre Studie bei der nächsten Auflage des Trollinger-Marathons am 7. Mai 2017, um so mögliche Änderungen im Nutzungsverhalten der Läufer feststellen zu können.

Hochschule Heilbronn - Kompetenz in Technik, Wirtschaft und Informatik
Mit rund 8.300 Studierenden ist die staatliche Hochschule Heilbronn die größte Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. 1961 als Ingenieurschule gegründet, liegt heute der Kompetenz-Schwerpunkt auf den Bereichen Technik, Wirtschaft und Informatik. Angeboten werden an den drei Standorten Heilbronn, Künzelsau und Schwäbisch Hall und in sieben Fakultäten insgesamt 50 Bachelor- und Masterstudiengänge. Die enge Kooperation mit Unternehmen aus der Region und die entsprechende Vernetzung von Lehre, Forschung und Praxis werden in Heilbronn großgeschrieben.

Weitere Informationen:
Monika Pobiruchin, Hochschule Heilbronn,
Max-Planck-Str. 39, 74081 Heilbronn, Telefon: 07131-504-633,
E-Mail: monika.pobiruchin@hs-heilbronn.de, Internet: http://www.gecko.hs-heilbronn.de

Quelle: idw 

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Die Kieler Förde - ein Trainingsbecken für Miesmuscheln

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Miesmuscheln aus der Kieler Förde können sich durch Evolution an Ozeanversauerung anpassen. In einem Vergleichsexperiment reagierten sie weniger empfindlich auf erhöhte Kohlendioxid-Konzentrationen als ihre Artgenossen aus der Nordsee. Dies führt ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, des Alfred-Wegener-Instituts, der Universität Bremen und des Senckenberg am Meer auf eine langfristige genetische Anpassung an die extremen Lebensbedingungen zurück. Ihre Ergebnisse sind im Fachmagazin Science Advances veröffentlicht.

Die Ostsee ist ein einzigartiges Freiland-Labor für Untersuchungen zu Auswirkungen der Ozeanversauerung, einem wichtigen Aspekt des Klimawandels - und offenbar auch ein Trainingsbecken für die Miesmuschel Mytilus edulis. Im Zuge der Evolution hat sich die Population aus der Kieler Förde an starke Schwankungen im Säuregehalt angepasst. In einem Vergleichsexperiment bildeten Mytilus-Larven ihre Kalkschalen im saureren Wasser schneller als ihre Artgenossen aus der Nordsee. Gleichzeitig überlebten auch deutlich mehr Förde-Muscheln. Ein ergänzendes, drei Jahre dauerndes Mehr-Generationen-Experiment mit Muscheln aus der Kieler Förde legt nahe, dass die erfolgreiche Anpassung durch Evolution jedoch nicht innerhalb weniger Generationen erfolgte. Vermutlich lief die Evolution über mehrere Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte oder Jahrtausende ab, urteilen Meeresbiologinnen und Meeresbiologen des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, der Universität Bremen und des Senckenberg am Meer. Die Ergebnisse der beiden Experimente, die im Rahmen des deutschen Forschungsverbunds zur Ozeanversauerung BIOACID stattfanden, sind in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Science Advances veröffentlicht.

Für das Vergleichsexperiment wurden Miesmuscheln aus der Kieler Förde nach List auf Sylt gebracht und an die Lebensbedingungen in der Nordsee gewöhnt. Ihre Larven wurden gemeinsam mit Larven heimischer Individuen bei heutigen Kohlendioxid-Konzentrationen von 390 Mikroatmosphären und einem Extremwert von 2400 Mikroatmosphären gehalten. Die hohe Konzentration tritt in der Kieler Förde schon jetzt regelmäßig auf, wenn der Wind im Sommer sauerstoffarmes und kohlendioxidreiches Wasser an die Oberfläche transportiert. Sie wird im Zuge des Klimawandels noch häufiger erreicht werden. Beide Larven-Populationen entwickelten ihre erste Muschelschale bei erhöhten Kohlendioxid-Konzentrationen langsamer, wodurch die Schalen zunächst kleiner blieben als unter Normalbedingungen. Larven, die von Muscheln aus der Kieler Förde abstammten, zeigten sich jedoch weitaus robuster und überlebensfähiger. „Die deutlichen Unterschiede zwischen den Kieler und den Sylter Miesmuschel-Larven legen nahe, dass die langfristige, genetische Anpassung eine entscheidende Rolle für ihr Überleben und ihre Fähigkeit zum Aufbau der Schalen gespielt hat", betont Dr. Jörn Thomsen, Post-Doktorand in der Arbeitsgruppe Ökophysiologie am GEOMAR und Erst-Autor der Publikation. „Aus früheren Analysen wissen wir, dass sich die beiden Populationen auch genetisch unterscheiden."

Offen ist jedoch, über welchen Zeitraum die genetische Anpassung stattgefunden hat. „Sie kann in den vergangenen Jahrzehnten stattgefunden haben, als Klimawandel, Überdüngung und andere Faktoren für eine zunehmende Versauerung und steigende Schwankungen im Säuregehalt gesorgt haben", erläutert Co-Autor Dr. Frank Melzner, Ökophysiologe am GEOMAR. „Es kann aber genauso gut sein, dass sich die genetischen Unterschiede, von denen die Förde-Muscheln im Experiment profitierten, schon vor tausenden Jahren herausgebildet haben. Der niedrigere Salzgehalt der Ostsee hat seit jeher den Karbonat-Haushalt auf ähnliche Weise beeinflusst, wie es heute die Versauerung tut." Im Vergleich zur Nordsee haben sich die Ostsee-Muscheln bereits langfristig an niedrigere Konzentrationen von gelöstem Kalziumkarbonat, das sie für den Schalenaufbau nutzen, anpassen müssen.

Ein Mehrgenerationen-Experiment lässt vermuten, dass die Miesmuscheln einerseits über genügend genetische Vielfalt verfügen, um sich prinzipiell an die saureren Lebensbedingungen anzupassen. Anderseits scheint dieser Prozess nicht innerhalb weniger Generationen abgeschlossen zu sein. „Auch in der dritten Larvengeneration beobachteten wir bei der Population aus der Kieler Förde noch die Fähigkeit, die ungünstigeren Lebensbedingungen auf Basis des vorhandenen Erbmaterials zu kompensieren", berichtet Dr. Thomsen. Nur deutlich längere Experimente würden Aufschluss darüber geben, wann sich die Widerstandsfähigkeit in den Genen der Tiere niederschlägt, wie schnell die genetische Anpassung abläuft - und ob sie mit dem Klimawandel Schritt halten kann. „Angesichts unserer Einblicke glauben wir, dass die Forschung sehr vorsichtig mit Hypothesen über die Anpassungsfähigkeit von Organismen sein sollte, die auf kurzen Experimenten mit nur wenigen Generationen beruhen", hebt Dr. Melzner hervor. „Unser Experiment lief nur über drei Generationen, war aber eines der bisher längsten zu dieser Fragestellung. Es führt deutlich vor Augen, dass weitaus mehr Aufwand nötig wäre, um die Chancen einer Anpassung an den Klimawandel abschätzen zu können."

Aktuell untersuchen die Forschenden, welche chemischen Prozesse der Schalenbildung den Miesmuscheln so viel Energie abverlangt und welche Faktoren diese besonders beeinträchtigen. Besseren Aufschluss sollen Untersuchungen an Populationen aus der östlichen Ostsee geben. Dort herrschen aufgrund des im Vergleich zur Kieler Förde noch niedrigeren Salzgehalts bereits heute Bedingungen, die die Schalenbildung und damit die Lebensfähigkeit der Muschellarven stark beeinträchtigen. Dr. Melzner: „Die Ostsee mit ihren verschiedenen Becken gibt uns einen guten Einblick in marine Lebensbedingungen, die in anderen Regionen erst in vielen Jahrzehnten eintreten werden. So können wir aus Beobachtungen vor der eigenen Haustür vieles lernen - aber um sie auf die Zukunft übertragen zu können, sind viele weitere Analysen nötig."

Original-Veröffentlichung:
Thomsen, J., Stapp, L. S., Haynert, K., Schade, H., Danelli, M., Lannig, G., Wegner, K. M., and Melzner, F.: Naturally acidified habitat selects for ocean acidification tolerant mussels. Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.1602411.

BIOACID in Kürze:
Unter dem Dach von BIOACID (Biological Impacts of Ocean Acidification) untersuchen zehn Institute, wie marine Lebensgemeinschaften auf Ozeanversauerung reagieren und welche Konsequenzen dies für das Nahrungsnetz, die Stoff- und Energieumsätze im Meer sowie schließlich auch für Wirtschaft und Gesellschaft hat. Eine Liste der Mitglieds-Institutionen, Informationen zum wissenschaftlichen Programm und den BIOACID-Gremien sowie Fakten zur Ozeanversauerung sind auf der Website www.bioacid.de zu finden.

Bildmaterial:
Unter www.geomar.de/n5152 steht Bildmaterial zum Download bereit.

Weitere Informationen:
http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.awi.de Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
http://www.senckenberg.de Senckenberg am Meer
http://www.uni-bremen.de Universität Bremen
http://www.bioacid.de BIOACID - Biological Impacts of Ocean Acidification

Quelle: idw 

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Feierabend-Studie: Teilnehmer gesucht

Bernd Hegen Referat Öffentlichkeitsarbeit
Universität Koblenz-Landau

Psychologinnen der Universität in Landau suchen Berufstätige für die Teilnahme an einer Studie zum Thema "Erholung am Feierabend.

An der Universität Koblenz-Landau wird ab Ende April unter Berufstätigen eine Studie zum Feierabend durchgeführt. Dabei geht es um die Frage, wie Arbeitnehmer sich während des Feierabends erholen. Für die Studie werden berufstätige Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht.

Die Online-Studie erstreckt sich über einen Zeitraum von zwei Arbeitswochen (zehn Tage). In dieser Zeit erhalten die Teilnehmer dreimal täglich per SMS oder E-Mail einen Link zu einer Mini-Befragung. Das Ausfüllen der Befragungen dauert lediglich drei bis fünf Minuten und ist gut in den Alltag integrierbar. In den Mini-Befragungen sollen die Teilnehmer Fragen zu ihrem Arbeitstag und ihrem Feierabend beantworten.

Die Studie wird von den Psychologinnen Dr. Dorota Reis, Charlotte Arndt und Dunja Höneß geleitet. Nähere Informationen zur Studie, zum Datenschutz sowie das Anmeldeformular gibt es online unter http://www.forschung-landau.de
Unter den Teilnehmern werden Gutscheine in unterschiedlicher Höhe verlost. Auf Wunsch erhalten die Teilnehmer eine individuelle Rückmeldung der eigenen Ergebnisse. Bei Rückfragen steht Dr. Dorota Reis per E-Mail unter reis@uni-landau.de zur Verfügung.

Weitere Informationen:
http://www.forschung-landau.de

Quelle: idw 

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Zecken & Rohmilch: Forscher berichten von neuen Übertragungswegen für FSME

Florian Klebs Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hohenheim

Universität Hohenheim verweist auf steigende Ansteckungsgefahr durch weitere Übertragungswege / Zeckenaktivität 2016 wieder gestiegen / höchste Aktivität weiterhin im Süden

Nicht nur Zecken - auch infizierte Rohmilch kann Hirnhautentzündung übertragen. Dies zeigt die aktuelle Auswertung von Deutschlands erstem klar dokumentierten Fall, den Zeckenforscher auf der heutigen Pressekonferenz der Universität Hohenheim vorstellten. Eine zweite neue Erkenntnis war der Fund von FSME-infizierten Zecken bei einer Zeckenart, die wesentlich früher im Jahr und bis in den Winter hinein aktiv ist, aber bislang nicht als Überträger der Krankheit galt. Zecken-Expertin Prof. Dr. Ute Mackenstedt berichtete außerdem über steigende Fallzahlen in Norddeutschland. Laut der Zecken-Expertin kann die Zahl der Krankheitsfälle auch zwischen kleinräumigen Gebieten stark variieren.

Unbehandelte Ziegenmilch vom Biohof: ein gesunder Genuss, dachte sich eine Familie beim Besuch eines Ziegenhofs im Kreis Reutlingen und probierte die angebotene frische Ziegenmilch. Was keiner ahnen konnte: Die Milch war mit dem Virus der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) befallen, zwei Familienmitglieder erkrankten daran. Sie wurden stationär behandelt, haben sich inzwischen jedoch wieder erholt.

FSME-Infektionen nach dem Verzehr von Rohmilchprodukten kommen in Osteuropa regelmäßig vor. In Deutschland sei ein solcher Fall vor dem Sommer 2016 jedoch noch nicht aufgetreten, erklärte Zecken-Expertin Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Leiterin des Fachgebiets Parasitologie an der Universität Hohenheim.

Wissenschaftler arbeiten nun daran, den gesamten Übertragungsweg bei den Krankheitsfällen nachzuvollziehen, berichtete Prof. Dr. Mackenstedt. „Zum ersten Mal konnten wir bei diesem Fall die Überträger (Zecken), die Wirtstiere (Ziegen), befallene Lebensmittel wie Ziegenmilch und Rohmilchkäse und die erkrankten Personen untersuchen."

Dabei seien noch viele Fragen offen, so die Parasitologin: „Die vierköpfige Familie nahm Ziegenkäse von dem Hof zu sich, die beiden männlichen Familienmitglieder tranken außerdem Milch und erkrankten.". Das könne ein Zufall sein oder daran liegen, dass die Männer zusätzlich zum Käse auch Milch zu sich genommen haben. Grund könnten aber auch geschlechtsspezifische hormonelle Unterschiede der beteiligten Personen sein.

Doch vor FSME-Erregern in Nahrungsmittel könne man sich schützen, so die Experten bei der heutigen Pressekonferenz. Dr. Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Stuttgart stellte klar: „Nach gegenwärtigem Kenntnisstand schützt auch eine normale FSME-Impfung vor einer Ansteckung über infizierte Nahrungsmittel."

Es sei außerdem davon auszugehen, dass bei Milchprodukten aus pasteurisierter Milch keine Ansteckungsgefahr bestehe.

Weitere Zeckenart tritt als neuer FSME-Überträger auf
Im vergangenen Jahr wurde außerdem eine neue Zeckenart als FSME-Überträger ausgemacht, die bei deutlich niedrigeren Temperaturen aktiv ist als der Gemeine Holzbock.

Die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) galt bislang nicht als Überträger des Erregers. Das habe sich nun geändert, erklärte PD Dr. Gerhard Dobler. Der Mediziner leitet das Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr und ist Leiter des Deutschen Konsiliarlabors für Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME).

„An einem Mess-Standort nahe Leipzig wurden 2016 und 2017 mit FSME infizierte Auwaldzecken gefunden." Bislang gehörten alle Überträger der FSME zur Gattung Ixodes, darunter auch der Gemeine Holzbock, der im Gegensatz zu vielen anderen Zeckenarten auch Menschen befällt.

PD Dr. Dobler kann jedoch beruhigen: „Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass Auwaldzecken auch Menschen befallen. Deutlich häufiger befallen sie jedoch Tiere." Auch gegen das durch diese Zeckenart übertragene FSME-Virus sei man mit einer FSME-Impfung geschützt.

Trotz Anstieg bei FSME-Erkrankungen: Vorsicht vor Trendprognosen
Knapp 350 Fälle von FSME registrierte das Robert-Koch-Institut 2016 - ein Anstieg um mehr als 120 Erkrankungen im Vergleich zum Vorjahr. Und: Bereits in diesem Jahr wurden zwei FSME-Fälle erfasst.

Prof. Dr. Mackenstedt warnt jedoch vor vorschnellen Interpretationen der Statistik: „Auch in Jahren mit weniger Fallzahlen haben wir einzelne Landkreise, bei denen die Krankheitsfälle zunahmen. In anderen treten plötzlich über Jahre keine Krankheitsfälle auf, dann flammen sie wieder auf."

Als Beispiel dafür nannte sie Beobachtungen aus einem Garten in Stuttgart, den das Landesgesundheitsamt seit über 20 Jahren auf FSME-infizierte Zecken überprüft. Nach zwei Jahren ohne infizierte Tiere wurden dort in diesem Jahr erstmals wieder Zecken gefunden, die das Virus in sich tragen.

Prof. Dr. Mackenstedt zog daraus den Schluss: „Nur weil wir für ein paar Jahre keine infizierten Zecken in einem Gebiet finden konnten oder es keine Erkrankungsfälle gab, heißt das nicht, dass die FSME-Infektion an dieser Stelle erloschen ist."

Zecke weiter bundesweit auf dem Vormarsch
Nach wie vor sind zwar vor allem Baden-Württemberg und Bayern von FSME-Infektionen betroffen: Dort traten 80 Prozent der erfassten Fälle auf. Doch die FSME-Fälle werden immer häufiger weiter im Norden registriert.

„Was sich bereits in den vergangenen Jahren abzeichnete, können wir erneut bestätigen", so PD Dr. Dobler. „Die FSME kommt inzwischen auch gehäuft in Niedersachsen und nahe der holländischen Grenze vor."

Erneut hätten dabei der überwiegend milde Winter und der warme Vorfrühling dafür gesorgt, dass die Zecken früh aktiv werden. „Seit den warmen Tagen Anfang März kommen die Tiere mit Macht", stellte Prof. Dr. Mackenstedt fest.

Zeckenforschung in Labor und Garten
Um das Zeckenvorkommen auf Grundstücken zu zählen, hat Prof. Dr. Mackenstedt mit ihrem Team in den vergangenen Jahren immer wieder Gärten im Großraum Stuttgart „beflaggt". Dabei ziehen die Forscher weiße Stoffbahnen über Rasen und Büsche. Die Zecken wechseln auf diese Zeckenfahnen und werden anschließend abgesammelt und gezählt. Im Labor werden die Zecken getötet und auf FSME-Erreger getestet.

Für weitere Forschungsprojekte werden im Labor der Universität Hohenheim auch lebende Zecken gehalten. Zur Fütterung werden bis zu 15 Zecken mit Pinseln auf Wüstenrennmäuse aufgestrichen, wo sie sich für circa 3 - 14 Tage festsaugen.

Der Zeckenstich und das Saugen sind für die Wüstenrennmäuse schmerzfrei. Sie müssen während der Fütterung jedoch in einem Käfig von ihren Artgenossen isoliert gehalten werden, damit diese die Zecken nicht abknabbern. Sobald die Zecken abfallen, werden die Wüstenrennmäuse wieder in ihre soziale Gruppe reintegriert. Das Tierschutzgesetz stuft dies als „niedrige Belastung" ein.

Da die Fütterung der Zecken mit dem Risiko einhergeht, dass sich die Wüstenrennmäuse mit Krankheitserregern infizieren, werden die Mäuse nach gut drei solcher Fütterungsgänge mit CO2 betäubt und schmerzlos eingeschläfert. Circa fünf Wüstenrennmäuse sind jeweils zur Fütterung der Zecken in einem Versuch nötig.

Quelle: idw 

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BfG registriert an Fischaufstiegsanlage Koblenz über 230.000 aufsteigende Fische

Dipl.-Met. Alfred Hommes Referat Öffentlichkeitsarbeit
Bundesanstalt für Gewässerkunde

Die im Jahr 2011 an der Moselstaustufe Koblenz errichtete Fischaufstiegsanlage (FAA) wird rege genutzt. Dies dokumentiert der von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) installierte automatische Fischzähler. Kleinere, den Fluss hinaufwandernde Fische wurden bisher jedoch nicht gezählt. Durch eine verbesserte Erfassungstechnik kann die BfG nun erstmals detaillierte Zahlen zu allen Größenklassen der beobachteten Fische vorlegen.

Die Zahlen der in der Fischaufstiegsanlage Koblenz aufsteigenden Fische für die Jahre 2012 bis 2014 wurden durch die BfG bereits veröffentlicht. Damals konnten kleinere Fische unter 15 cm aus technischen Gründen noch nicht erfasst werden. Seit Mitte des Jahres 2015 ermöglicht eine neue Bewegungserkennungssoftware, auch die kleineren Fische zu registrieren. Durch diese Neuerung konnten für das Jahr 2015 über 230.000 aufsteigende Fische nachgewiesen werden.

Aufgrund der Vielzahl der Fische gestaltete sich die Auswertung sehr zeitaufwändig. Über das gesamte Jahr 2015 hinweg wurden 28 Fischarten beobachtet (s. Tabelle 1a). Meist handelte es sich um Jungfische, vornehmlich Rotaugen und Rapfen, aber auch Döbel, Hasel und Nasen, die im Spätsommer in großen gemischten Schwärmen die Fischaufstiegsanlage zur Erschließung des Lebensraumes oberhalb der Staustufe Koblenz nutzten. Denkbar ist auch, dass junge Fische wieder in ihre ehemaligen Lebensräume zurückwandern, aus denen sie als kleine Fischlarven z. B. bei höheren Wasserständen stromab verdriftet werden. Die genauen Prozesse der Wanderung von Jungfischen, d. h. Motivation, Ziel und Umfang sind noch unverstanden. Mit der neu entwickelten Methode gelingt es hier erstmals für Deutschland systematisch quantitative Daten zur Jungfischwanderung zu erheben.
Eine so große Anzahl wandernder Fische ist nicht ungewöhnlich. In Jahren mit hoher Fortpflanzungsrate sind Millionen Jungfische in den Flüssen und größere Mengen auch unterhalb der Staustufe Koblenz zu finden. Der überwiegende Teil dieser Fische wird jedoch aus unterschiedlichen Gründen das Erwachsenenalter nicht erreichen. Die Jungfische sind unter der Gruppe „kleine Cypriniden" zusammengefasst, da die Arten in den Videoaufzeichnungen aufgrund der geringen Größe der Fische nicht sicher unterscheidbar waren. Bei den erwachsenen Fischen dominierten die Arten Rotauge und Ukelei.

Um die Zahlen aus dem Jahr 2015 mit den Zahlen der Vorjahre vergleichbar zu machen, sind in Tabelle 1b nur die Fischzahlen dargestellt, die mit der gleichen Technik wie die Jahre zuvor erfasst wurden. Hier ist ein leichter Rückgang der Gesamtzahlen zu verzeichnen. Die genauen Ursachen sind noch zu prüfen, jedoch sind auch natürliche jährliche Schwankungen in den Populationen denkbar.

Erfreulich sind im Jahr 2015 die erneuten Beobachtungen von Maifischen sowie der leichte Anstieg der Zahl aufgestiegener Lachse im Vergleich zu den Vorjahren. Diese Zahlen sind jedoch noch weit davon entfernt, eine erfolgreiche natürliche Erhaltung der Population zu gewährleisten.
Beachtlich ist die Anzahl an Meerneunaugen. Diese leben wie Maifisch, Lachs und Meerforelle als erwachsene Tiere im Meer und wandern zum Laichen die Flüsse hinauf. Sie gehören jedoch nicht zu den Fischen, sondern zu den sogenannten Rundmäulern. Die Larven leben einige Jahre blind im Gewässerboden und ernähren sich von Mikroorganismen, Algen und organischen Schwebstoffen. Wenn sich die Augen entwickelt haben wandern sie ins Meer ab. Dort saugen sich die Tiere an größeren Fischen fest und raspeln mit kleinen Hornzähnen Haut und Gewebe ab, von dem sie sich fortan ernähren, bis sie geschlechtsreif werden und zum Laichen in die Flüsse wandern.
Meerneunaugen sind seit Jahrzehnten in der Mosel (fast) ausgestorben. Umso erfreulicher ist es, dass mit der Fischaufstiegsanlage der Zugang zu ehemaligen Lebensräumen wieder geöffnet wurde und sich eine neue Population dieser streng geschützten Art anzusiedeln beginnt.

Die Fischaufstiegsanlage Koblenz hat 39 Becken mit einer Gesamtlänge von 220 Metern und sie bietet aufstiegswilligen Fischen verschiedene Einstiegsmöglichkeiten, um in den Fischpass hinein zu gelangen. Die BfG ermittelt an der Fischtreppe Koblenz nicht nur die Zahl der aufsteigenden Fische, sie forscht auch an anderen Fragestellungen. Dabei werden Fische z. B. mit Transpondern markiert (s. Link). Mit dieser Technik wird untersucht, welche Einstiege von den Fischen genutzt werden und wie lange Fische für die Passage der FAA benötigen.

Die BfG wird auch in den nächsten Jahren die Aufstiegszahlen in Koblenz erfassen, wobei die Erfassungstechnik stetig optimiert wird. Man darf also auf die Zahlen der kommenden Jahre gespannt sein.

Presseartikel „Der gechipte Fisch":
http://www.bafg.de/DE/Service/presse/2014_10_31.html

Weitere fachliche Informationen: Dr. Matthias Scholten, Fon: 0261/1306 5937, Mail: scholten@bafg.de und Bernd Mockenhaupt, Fon: 0261/1306 5941, Mail: mockenhaupt@bafg.de,
beide: Bundesanstalt für Gewässerkunde, Referat Tierökologie - Projektgruppe „Ökologische Durchgängigkeit für Fische"

Die Bundesanstalt für Gewässerkunde ist das zentrale wissenschaftlich eigenständige Institut des Bundes für die wissenschaftlich-technische Versuchs- und Forschungsarbeit und die praxisbezogene Beratung der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung in den Fachgebieten Hydrologie und Gewässernutzung, Gewässerbeschaffenheit sowie Ökologie und Gewässerschutz. Sie unterstützt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie andere Bundesressorts in fachspezifischen Fragestellungen zu Bundeswasserstraßen und deren Einzugsgebiete und vertritt diese auch international.

Anhang
Aufstiegszahlen an FAA Koblenz in 2015
https://idw-online.de/de/attachment57106

Quelle: idw 

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Wie ein Sensor-Kabel den Zug im Tunnel und den Einbrecher am Zaun erfasst

Claudia Ehrlich Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

Es kann helfen, den Straßenverkehr zu leiten oder genau anzeigen, wo eine U-Bahn oder ein Zug gerade fährt. Und es kann warnen, wann und wo Unbefugte in Gärten, Industrieanlagen oder Naturschutzgebiete eindringen: Das Sensor-Kabel, das Experimentalphysiker der Universität des Saarlandes entwickelt haben, ist vielseitig, flexibel und kostengünstig. Auch kleinste Veränderungen des Magnetfeldes erfasst es sicher, ordnet sie zu und meldet sie weiter. Ohne Daten zu sammeln.

Wo genau ist die U-Bahn oder der Zug im Tunnel? Wo versucht jemand auf ein Grundstück zu kommen, auf dem er nichts zu suchen hat? Oder: Wer hat ein Handy dabei, obwohl er nicht sollte? Ein dünnes Sensor-Kabel, das die Forschergruppe von Uwe Hartmann an der Saar-Uni entwickelt hat, kann auf solche Fragen Antworten geben. Es erfasst einige Meter um sich herum alles, was das Erdmagnetfeld in irgendeiner Weise ändert. Es kann an Zäunen angebracht unterscheiden, ob nur der Wind an den Maschen rüttelt oder ein Bolzenschneider. Im Boden verlegt erkennt es Autos, nimmt wahr, in welche Richtung sie fahren, unterscheidet sie von Lastwagen. Sogar Drohnen, die in ein paar Metern Höhe das Kabel überfliegen, bemerkt es - ebenso wie auch den Reißverschluss oder das Handy von dem, der darüber geht. An Flughäfen, U-Bahnen oder Bahnhöfen macht es neue Leitsysteme möglich, auf Privatgrundstücken, Kernkraftwerken wie Industrieanlagen neue Überwachungstechnik.

„Wir haben die Magnetfeld-Sensoren in den vergangenen Jahren kontinuierlich weiterentwickelt und immer sensibler und selektiver gemacht. Die Messwerte und Signalmuster, die entstehen, wenn unsere Sensoren Veränderungen wahrnehmen, können wir sehr genau den Ursachen einer Störung zuordnen", erläutert Professor Uwe Hartmann. Verschiedene Sensor-Systeme, die seine Arbeitsgruppe entwickelt hat, werden bereits als Verkehrsleitsysteme eingesetzt, etwa an Flughäfen oder in Parkhäusern.

Die kleinen Messfühler, die die Physiker wie Perlen an einer Schnur in einem dünnen Kabel miteinander verbinden, sind untereinander vernetzt, und melden ihre Messwerte an einen Microcontroller. Dieser verarbeitet die Daten weiter. „Die Signalmuster unterscheiden sich je nach Art der Störung. Wir haben in zahlreichen Versuchsreihen etliche Arten von Änderungen des Magnetfeldes und von Erschütterungen simuliert und den jeweiligen Ursachen zugeordnet. Mit diesen Informationen haben wir das System angelernt. Es erkennt typische Muster, ordnet sie selbstständig Störungen zu und sortiert Fehlalarme aus", erklärt Hartmann. Die Physiker haben hierzu Datenmuster mathematisch modelliert und die Auswerteeinheit wie die Sensoren immer detailreicher programmiert und verfeinert.

Das System zeigt den Ort der Störung genau an, was vor allem bei großen überwachten Geländen interessant ist. „Wir können es sehr flexibel an verschiedenste Anforderungen anpassen", erklärt der promovierte Physiker Haibin Gao, der in Hartmanns Team an der neuen Sensortechnik forscht. „Auf der Hannover Messe Ende April suchen wir Partner, mit denen wir das System je nach Bedarf zur Serienreife entwickeln können", sagt Gao. Das Sensor-Kabel braucht nicht viel Strom, eine Versorgung etwa über Solargeneratoren wäre möglich. Die Sensoren sind nahezu verschleißfrei, ihre Messung ist unabhängig von der Witterung - auch bei Regen, Nebel oder Schnee funktionieren sie ohne weiteres. Und das System speichert keine Daten oder sonstige Informationen. Auch Hacker finden keine Angriffsfläche. Nachrichten können etwa via Bluetooth aufs Smartphone oder Tablet geschickt werden.

Das Bundesforschungsministerium förderte die Forschung mit insgesamt über einer Million Euro, mehr als 250.000 Euro davon flossen an die Saar-Universität. Beteiligte Partner waren die Firma Sensitec GmbH mit Sitz in Mainz und Lahnau (http://www.sensitec.com), die Firma Listec GmbH mit Sitz in Isen (http://www.listec-gmbh.com) und die GBA-Panek GmbH mit Sitz in Kahla (http://www.gba-panek.de).

Kontakt:
Prof. Dr. Uwe Hartmann, Lehrstuhl für Nanostrukturforschung und Nanotechnologie der Universität des Saarlandes:
Tel.: (0681) 302-3799 oder -3798; E-Mail: u.hartmann@mx.uni-saarland.de
Dr. Haibin Gao Tel: (0681) 302-3654; E-Mail: h.gao@mx.uni-saarland.de
Dr. Uwe Schmitt: (0681) 302-2957; E-Mail: uwe.schmitt@mx.uni-saarland.de

Hintergrund:
Die Forschergruppe von Professor Uwe Hartmann stellt auf der Hannover Messe auch ein Angebot vor, mit dem sich die Experimentalphysiker vor allem an kleine und mittelständische Unternehmen wenden: Unter dem Motto „Simply advanced" bietet der Lehrstuhl für Nanostrukturforschung und Nanotechnologie aufwändige Analysen und Simulationen rund um die Gebiete supraleitende Materialien, Magnetfeldsensorik und Nanotechnologie an. Die Arbeitsgruppe verfügt über Spezialgeräte und hochauflösende Mikroskope. Davon können vor allem Unternehmen profitieren, die keine eigene Forschungsabteilung für Materialentwicklung oder für Funktionswerkstoffe haben.

Der saarländische Forschungsstand wird organisiert von der Kontaktstelle für Wissens- und Technologietransfer der Universität des Saarlandes (KWT). Sie ist zentraler Ansprechpartner für Unternehmen und initiiert unter anderem Kooperationen mit Saarbrücker Forschern. http://www.kwt-uni-saarland.de/

Quelle: idw 

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Tiefseekrake hat Quallen zum Fressen gern

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Mit Hilfe von Tiefseerobotern ist es Meeresbiologen aus Kiel und aus dem kalifornischen Monterey (USA) erstmals gelungen, den sehr seltenen Tiefseekraken Haliphron atlanticus bei der Nahrungsaufnahme zu filmen. Die Bilder bestätigen, dass die Tiere sich zumindest teilweise von Quallen ernähren und ihre Beute vielleicht auch zum Eigenschutz verwenden. Die Analyse der Videobilder ist jetzt in der internationalen Online-Fachzeitschrift Scientific Reports erschienen.

Der offene Ozean ist der größte Lebensraum auf diesem Planeten. Diese sogenannte pelagische Zone ist die Heimat von winzigen Planktonorganismen, Quallen, Tintenfischen, Fischen und Meeressäugetieren. Doch die Tiefe und die Weite des Ozeans erschwert die Erforschung dieser Zone. Viele Arten, die dort leben, sind wahrscheinlich noch unentdeckt, und das Verhalten vieler Tiere ist kaum je in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet worden. Erst dank neuester technischer Entwicklungen gelingt es der Wissenschaft zunehmend, einen genaueren Blick in die großen und verborgenen Tiefen unter der Wasseroberfläche zu werfen.

Dr. Henk-Jan Hoving vom Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft" / GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und sein Kollegen Dr. Steve Haddock vom Monterey Bay Aquarium Research Institute (MBARI) konnten jetzt erstmals nachweisen, dass der Riesen-Tiefseekrake Haliphron atlanticus sich zumindest teilweise von Quallen ernährt. Das zeigt die Auswertung von Videoaufnahmen aus der Tiefsee, die die beiden Wissenschaftler jetzt in der internationalen Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlicht haben.

„Haliphron atlanticus gehört zu den größten bekannten Krakenarten überhaupt. Weibchen können eine Länge von bis zu vier Metern und ein Gewicht bis zu 75 Kilogramm erreichen, während die Männchen nur knapp 30 Zentimeter lang werden. Die Art lebt in der Tiefsee und ihre Lebensweise ist bisher kaum bekannt", berichtet Dr. Hoving. Wissenschaftler des MBARI haben die Spezies in den vergangenen 27 Jahren nur drei Mal lebend gesichtet. Häufiger sind dagegen tot in den Netzen von Trawlern gefundene Tiere.

Diese schwer auffindbaren Lebewesen hat das MBARI-Team nun mit Hilfe von ferngesteuerten Unterwasserrobotern, sogenannten ROVs (Remotely Operated Vehicles), gefilmt. Während einer Expedition in der Monterey Bay und vor Hawaii entdeckten Haddock und sein Team ein Exemplar, das eine große Qualle in seinen Armen festhielt.

Daraufhin untersuchte das Team Bildmaterial von zwei vorherigen Begegnungen mit Haliphron. Dabei stellte es fest, dass eines der anderen Exemplare ebenfalls eine Qualle in seinen Fangarmen hielt. „Als wir anschließend den Mageninhalt von fünf toten Exemplaren unter die Lupe nahmen, konnten wir erkennen, dass sie ebenfalls Quallen und andere gelatinöse Beute gefressen hatten", berichtet Dr. Hoving. Diese Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass Quallen für den Tiefseekraken einen wichtigen Teil des Speisezettels ausmachen.

Quallen sind in der Tiefsee weit verbreitet und bieten dem eher langsamen Kraken eine einfach zu fangende Beute. Die Abwehrmechanismen der Quallen sind für einen großen aber langsamen Räuber wie den Tiefseekraken wohl verhältnismäßig einfach zu überwinden. Möglicherweise kann das Kraken-Weibchen nach dem Verspeisen der nährstoffreichen Teile den Schirm der Qualle mit ihren Nesselzellen sogar als Abwehr zu eigenen Zwecken nutzen

Die Entdeckung der Beziehung zwischen Haliphron und dem gelatinösen, tierischen Plankton bestätigt frühere Erkenntnisse zu achtarmigen Tintenfischen. Bei drei anderen Familien dieser Gruppe war bereits bekannt, dass sie Quallen fressen oder zur eigenen Abwehr nutzen.

Da Haliphron atlanticus seinerseits Beute für Pottwale, Blauhaie und Schwertfische ist, lässt die Entdeckung auch Schlüsse auf das gesamte Ökosystem der Tiefsee zu. „Gelatinöses Plankton wie Quallen und ähnliche Organismen wird bisher in seiner Funktion als Nahrung für viele andere Meeresbewohner und damit als Teil der gesamten Nahrungskette unterschätzt", sagt Dr. Hoving.

Originalarbeit:
H.J.T. Hoving, H.J.T., S.H.D. Haddock (2017): The giant deep-sea octopus Haliphron atlanticus forages on gelatinous fauna. Scientific Reports 7, http://dx.doi.org/10.1038/srep44952

Weitere Informationen:
http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.ozean-der-zukunft.de Der Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft"
http://www.mbari.org/a-giant-deep-sea-octopus-is-a-sucker-for-jellies/ Meldung des Monterey Bay Aquarium Research Institute

Video des Tiefseekraken Haliphron atlanticus
https://youtu.be/CzU8CUXxLsA

Quelle: idw 

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Blutdruckwerte in Deutschland sinken - trotzdem keine Entwarnung

Christine Vollgraf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V.

Eine aktuelle Auswertung von sieben großen Bevölkerungsstudien in Deutschland zeigt, dass die Blutdruckwerte in Deutschland in den letzten beiden Jahrzehnten gesunken sind. Am stärksten war der Rückgang bei den 55- bis 74-Jährigen. Trotz der sinkenden Werte ist der Blutdruck in Deutschland immer noch zu hoch, insbesondere bei Männern sehen Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) großen Handlungsbedarf.

Die Ergebnisse bieten erstmals einen umfassenden Überblick zu Blutdruckwerten der letzten zwanzig Jahre in Deutschland. Das von DZHK-Wissenschaftlern gegründete Konsortium zur Blutdruckepidemiologie hat hierfür Daten aus zwei nationalen Gesundheitssurveys und fünf regionalen bevölkerungsbezogenen Studien untersucht, die zwischen 1997 und 2012 durchgeführt wurden. Bundesweit sind die Blutdruckwerte bei Männern und Frauen gesunken, am stärksten in der Altersgruppe der 55- bis 74-Jährigen. Auch regional zeigten sich Unterschiede: Im Nordosten sanken die Werte im Vergleich zum Bundesdurchschnitt am stärksten. Das in früheren Publikationen nachgewiesene Ost-West-Gefälle, wonach die Werte in Ostdeutschland höher waren als in Westdeutschland, gleicht sich damit an.

Bluthochdruck wird bei Frauen häufiger erkannt und behandelt
Schon früher beobachtete Unterschiede zwischen Männern und Frauen haben sich nicht verändert: Weiterhin wird ein bestehender Bluthochdruck bei Frauen früher erkannt, häufiger behandelt und damit erfolgreich gesenkt. In einer weiteren Untersuchung fand PD Dr. Hannelore Neuhauser vom Robert-Koch-Institut in Berlin und Mitglied des Konsortiums heraus, dass diese geschlechtsabhängigen Differenzen bei den 18- bis 54-Jährigen besonders groß sind. „Auch in anderen Ländern werden solche Geschlechterunterschiede beobachtet. Eventuell kommen sie zustande, weil jüngere Männer selten zum Arzt gehen und ihre Blutdruckwerte daher auch seltener kontrolliert werden. Frauen sind hingegen regelmäßig beim Frauenarzt, wo auch ihr Blutdruck gemessen wird", sagt Neuhauser. Bei jungen Männern zwischen 25 und 34 Jahren wurde sogar nur im Norden Ostdeutschlands ein Rückgang der Blutdruckwerte beobachtet. Dieser positive Trend zeigte sich im restlichen Bundesgebiet nicht.

Gesunde Ernährung, mehr Bewegung, Verzicht aufs Rauchen
Die Wissenschaftler verzeichneten auch, dass Bluthochdruck in den letzten Jahren vermehrt behandelt wird. In den erhöhten Behandlungsraten sehen sie einen möglichen Grund für die verbesserten Werte, vermuten aber, dass auch präventive Maßnahmen wie eine gesündere Ernährung, mehr Bewegung und ein Verzicht auf das Rauchen zu der positiven Entwicklung beigetragen haben.

Bedeutendstes Gesundheitsrisiko weltweit
Nach wie vor sind die Blutdruckwerte allerdings auf einem zu hohen Niveau und die Zahl der Menschen mit Bluthochdruck insgesamt hat sich nur wenig verändert. Die Forscher gehen sogar davon aus, dass die Diagnose Bluthochdruck wegen der immer älter werdenden Gesellschaft in Zukunft häufiger wird. Und das nicht nur in Deutschland: Die WHO hat Bluthochdruck als bedeutendste Gesundheitsgefahr weltweit eingestuft. Er gehört zu den größten Risikofaktoren für Demenz, Herz-Kreislauf- und Nieren-Erkrankungen. Dabei wäre Bluthochdruck in vielen Fällen vermeidbar und es gibt effektive Behandlungsmöglichkeiten. „Am Beispiel Nord-Ostdeutschland sehen wir, wieviel innerhalb eines Jahrzehnts erreicht werden kann", sagt Neuhauser. „Doch es gibt noch viel Spielraum und vorrangiges Ziel muss bleiben, dass Bluthochdruck erst gar nicht entsteht." Der Grenzwert liegt aktuell bei 140/90 mm Hg. Doch laut der Medizinerin muss man schon vorher ansetzen, im sogenannten prähypertonen Bereich bei Werten zwischen 120-140/80-90 mm Hg. In diesem Bereich werden keine Medikamente verordnet, aber eine Lebensstilveränderung kann viel bewirken: also Übergewicht abbauen, mehr bewegen, viel Obst und Gemüse essen und nicht rauchen.

Schwierig zu messen
Bevölkerungsweite Studien zum Bluthochdruck, die über zeitliche Trends oder regionale Unterschiede in Deutschland Auskunft geben, sind vergleichsweise selten. Denn obwohl der Blutdruck ständig gemessen wird, ist es schwierig an Daten heranzukommen, die nach genau festgelegten Regeln hochpräzise erhoben wurden und daher vergleichbar sind. „Den Blutdruck zu messen, ist ähnlich schwierig wie den Meeresspiegel zu bestimmen. Beide unterliegen starken Schwankungen", vergleicht Neuhauser. „Einmal die Treppe hochlaufen oder sich aufregen und schon geht der Blutdruck nach oben." In den sieben analysierten Studien mussten sich die Probanden in einer genau festgelegten Position hinsetzen und auch die Ruhezeiten vor den einzelnen Blutdruckmessungen waren identisch. Unterschiede zwischen den verwendeten Messgeräten wurden durch spezielle Kalibrierungsformeln herausgerechnet. „Solche standardisierten Datenerhebungen zur Entwicklung des Bluthochdrucks sind aufwändig aber unverzichtbar, um gezielte Maßnahmen gegen die Gesundheitsgefahr Bluthochdruck zu entwickeln", stellt Neuhauser fest. Insbesondere bei über 70-Jährigen und jungen Erwachsenen sehen sie und ihre Kollegen noch einen großen Bedarf an aktuellen Zahlen. Das von ihnen gegründete Konsortium zur Blutdruckepidemiologie wird seine Arbeit fortsetzen und auch zukünftig Studien zum Bluthochdruck in Deutschland auswerten.

Über das DZHK
Das Deutsche Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) will erreichen, dass neue Erkenntnisse aus der Herz-Kreislauf-Forschung schnellstmöglich bei den Patienten ankommen. Ziel ist es, Diagnose, Prävention und Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland zu verbessern. Dafür arbeiten im DZHK Grundlagenforscher und klinische Forscher aus 30 Einrichtungen an sieben Standorten zusammen. Das DZHK wurde 2011 auf Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gegründet und wird zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent von denjenigen Ländern gefördert, in denen seine Mitgliedseinrichtungen ihren Sitz haben. Es gehört zu den sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung (DZG), die sich der Erforschung großer Volkskrankheiten widmen.

Originalarbeiten:
Hypertension in Germany - data from seven population-based epidemiological studies (1994-2012).
Neuhauser H, Diederichs C, Boeing H, Felix SB, Jünger C, Lorbeer R, Meisinger C, Peters A, Völzke H, Weikert C, Wild P, Dörr M: Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 809-15.

DOI: 10.3238/arztebl.2016.0809
https://www.aerzteblatt.de/int/archive/article/184205/Hypertension-in-Germany-da...

The persisting gender gap in hypertension management and control in Germany: 1998 and 2008-2011.
Sarganas G, Neuhauser HK. Hypertens Res. 2016 Jun; 39(6): 457-66.
DOI: 10.1038/hr.2016.5.
http://www.nature.com/hr/journal/v39/n6/full/hr20165a.html

Kontakt:
PD Dr. med. Hannelore Neuhauser, Robert Koch-Institut, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring, NeuhauserH@rki.de

Weitere Informationen:
http://www.dzhk.de

Quelle: idw 

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FH Potsdam startet neues Forschungsprojekt für integrierte Stadtentwicklung

Jutta Neumann Pressesprecherin
Fachhochschule Potsdam

Wie lässt sich die Entwicklung von Städten besser verstehen, vorhersehen und aktiv mitgestalten? Dieser Fragestellung widmet sich das neue Forschungsprojekt „PaSyMo". Die Abkürzung steht für "Partizipative System-Modellierung als Tool für integrierte Stadtentwicklung". PaSyMo ist am Institut für Angewandte Forschung - Urbane Zukunft (IaF) angesiedelt und läuft über eine Dauer von zwei Jahren. Es wird von Prof. Dr. Tobias Schröder geleitet und von den beiden neuen wissenschaftlichen Mitarbeitern Max Priebe und Timo Szczepanska durchgeführt. Mit dem Projekt startet am 17. Mai an der FH Potsdam auch die neue Vortragsreihe „Urban Future Talks".

Ziel des Forschungsvorhabens ist es, zusammen mit städtischen AkteurInnen und BürgerInnen eine Toolbox zu entwickeln, die dazu anregen soll, sich an einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu beteiligen. Mithilfe von ansprechenden Visualisierungen von unterschiedlichen Einflussfaktoren wie Verkehr, Wohnraum oder Umwelt sollen die komplexen Zusammenhänge in Städten so abgebildet werden, dass sie für jedermann verständlich und nachvollziehbar sind.

"PaSyMo zeichnet die Konsequenzen von Handeln nach und macht es möglich sich mit Chancen wie auch Risiken zukünftiger Entwicklungen auseinanderzusetzen", erläutert Prof. Dr. Tobias Schröder, Leiter des Forschungsprojekts. "Das Alleinstellungsmerkmal von PaSyMo besteht darin, gezielt kleine und mittlere Kommunen mit einer kosteneffizienten Toolbox zu unterstützen, ohne dabei den Aufwand kommerzieller Smart City Initiativen zu verursachen."

Das Forschungsprojekt ist am Institut für angewandte Forschung - Urbane Zukunft (IaF) der FH Potsdam angesiedelt und wird durch Mittel des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. PaSyMo baut auf die am IaF vorhandenen, sich interdisziplinär ergänzenden Kompetenzen, in Informationsvisualisierung, Energie- und Stoffstrommodellierung, Modellierung sozialer Interaktions- und Transformationsprozesse, Verkehrsmodellierung und Telematik sowie dem forschenden Lernen im Masterstudiengang Urbane Zukunft.

"Das Forschungsprojekt gibt Studierenden des Masterstudiengangs Urbane Zukunft die Möglichkeit, erste Erfahrungen in der angewandten Forschung zu sammeln. Durch die enge Kooperation mit städtischen AkteurInnen in Brandenburg erhoffen wir uns einen direkten Mehrwert für Stadtentwicklungen in den Kommunen", ergänzen die beiden neuen wissenschaftlichen Mitarbeiter Max Priebe und Timo Szczepanska, die das Forschungsvorhaben durchführen werden. „Interessierte laden wir schon jetzt herzlich zu den „Urban Future Talks" am 17. Mai an der FH Potsdam ein. Neben spannenden Vorträgen zu Beteiligung im digitalen Zeitalter möchten wir einen Dialog bezüglich des Vorgehens und der Ziele des PaSyMo-Projektes anregen."

Kontakt:
Prof. Dr. Tobias Schröder
Forschungsprofessor "Nachhaltige urbane Entwicklungsstrategien"
FH Potsdam// Institut für Angewandte Forschung - Urbane Zukunft
Tel: 0331-580 2512
Mail: schroeder@fh-potsdam.de

Quelle: idw 

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Ameisen retten ihre Verletzten

Robert Emmerich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Im Reich der Ameisen gibt es ein einzigartiges Rettungswesen: Kommt es im Kampf zu einer Verletzung, ruft die verwundete Ameise um Hilfe. Sie wird dann zurück ins Nest getragen und verarztet.

Die afrikanischen Matabele-Ameisen (Megaponera analis) sind südlich der Sahara weit verbreitet und haben sich auf eine besondere Nahrung spezialisiert: Sie fressen Termiten. Zwei bis vier Mal am Tag gehen die Ameisen auf Beutefang. Sie ziehen in langen Kolonnen aus, überfallen Termiten an ihren Futterstellen, töten dort viele Arbeiter und schleppen die Opfer zurück in ihr Nest.

Bei diesen Überfällen stoßen die Ameisen allerdings auf Gegenwehr - sie werden in Kämpfe mit der Soldatenkaste der Termiten verwickelt. Dabei kann es Tote und Verwundete geben, denn die Soldaten wissen ihre gepanzerten Köpfe und kräftigen Kiefer gut gegen die Ameisen einzusetzen.

Das Verletzungsrisiko ist also hoch auf den Beutezügen. Die Ameisen haben darum ein Rettungsverhalten entwickelt, das man in dieser Form bei Insekten bislang nicht kannte.

Chemisches Signal löst die Rettung aus
Wird eine Ameise im Kampf verletzt, „ruft" sie ihre Artgenossen um Hilfe, indem sie chemische Signalstoffe absondert. Sie wird dann zurück ins Nest getragen und dort verarztet, so dass sie in der Lage ist, bei künftigen Raubzügen wieder dabei zu sein. Worin die „Therapie" besteht? Meist werden Termiten entfernt, die sich an der Ameise festgebissen haben.

Ein Forschungsteam vom Biozentrum der Universität Würzburg hat dieses Rettungswesen von Megaponera analis aufgedeckt und beschreibt es im Journal „Science Advances". An der Arbeit beteiligt waren Erik Frank, Thomas Schmitt, Thomas Hovestadt, Oliver Mitesser, Jonas Stiegler und Karl Eduard Linsenmair, alle vom Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie.

Verletztenrettung macht sich bezahlt
„Erstmals haben wir damit bei wirbellosen Tieren ein Helferverhalten gegenüber Verletzten beobachtet", sagt Doktorand Erik Frank. Gerade bei sozialen Insekten, bei denen das Individuum im Vergleich zur ganzen Kolonie in der Regel nur wenig zählt, sei das nicht zu erwarten gewesen. Aber offenbar zahlt es sich in der Gesamtbilanz für die Kolonie aus, den Aufwand zur Rettung von Verwundeten zu betreiben, wie die Forscher in ihrer Publikation zeigen.

Saving the injured: Rescue behaviour in the termite hunting ant Megaponera analis, Erik T. Frank, Thomas Schmitt, Thomas Hovestadt, Oliver Mitesser, Jonas Stiegler, Karl Eduard Linsenmair, Science Advances, 12. April 2017

Kontakt
Erik Frank, Biozentrum der Universität Würzburg, erik.frank@uni-wuerzburg.de

Quelle: idw 

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Rostocker Forscher wollen Glyphosat „entzaubern"

Ingrid Rieck Presse- und Kommunikationsstelle
Universität Rostock

Glyphosat in der Umwelt: erkannt, entschlüsselt, entzaubert? Ist es nun ein Gesundheitsrisiko für Menschen oder nicht? „Seit über 40 Jahren Forschung stehen wir immer noch vor Problemen und vielen Fragen mit dem Unkrautgift", sagt Peter Gros von der Agrar-und Umweltwissenschaftlichen Fakultät (AUF) der Universität Rostock.

Der 32-jährige, der an der TU Bergakademie Freiberg Angewandte Naturwissenschaft mit der Vertiefung Biotechnologie und Umweltanalytik studierte, kniet sich seit zwei Jahren in das Umweltverhalten des weltweit wichtigsten Herbizids tief hinein. Denn: Einsatzgebiete finden sich nicht nur in der industriellen Landwirtschaft, auch bei Hobbygärtnern erfreut sich Glyphosat einer großen Beliebtheit. Über viele Jahre galt das Mittel als unbedenklich für Mensch und Umwelt. Man ging davon aus, dass Glyphosat stark an Metalloxide im Boden gebunden wird und deshalb nicht einfach in die Umwelt ausgewaschen werden kann. Einmal fixiert, wird Glyphosat dann von Bakterien zu Kohlenstoffdioxid und Phosphat abgebaut.

Doch jüngst geriet das Unkrautbekämpfungsmittel in die Schlagzeilen. Vor diesem Hintergrund hat sich ein Team aus Bodenkundlern (AG Prof. Peter Leinweber) und theoretischen Physikern (AG Prof. Oliver Kühn) an der Uni Rostock gebildet, um die Wechselwirkung von Glyphosat mit Bodenbestandteilen auf molekularer Ebene zu verstehen. Die entscheidende Frage, ob ein Risiko besteht, an Krebs zu erkranken, können sie nicht beantworten. „Aber wir hoffen, dass wir mit unserer Forschung zur Aufklärung der Wechselwirkungen von Glyphosat in komplexen Systemen beitragen können", betont Peter Gros.
„Es gibt unzählige Studien, die sich widersprechen", sagt der junge Wissenschaftler.
Peter Gros betrachtet Glyphosat aus bodenkundlicher Sicht. „Wir beobachten Phänomene in der Natur", sagt Gros, „die die bisherigen Vorstellungen, wie sich Glyphosat in der Umwelt verhält, in Frage stellen."
Zum großen Erstaunen ist vor etwa zwei Jahren Glyphosat sogar in der Ostsee und das oberhalb der Grenzwerte nachgewiesen worden. „Dort dürfte es aus bodenkundlicher Sicht nie hingelangen", sagt Peter Gros. Dazu erklärt Professor Detlef Schulz-Bull vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW): „Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat kann über die Flüsse in die Ostsee eingetragen werden. In Mündungsgebieten sowie in Küstengewässern von Mecklenburg-Vorpommern wurden hohe Konzentrationen von Glyphosat und des Abbauproduktes AMPA nachgewiesen.
Die Transportprozesse und die biologischen Effekte sind Bestandteil aktueller Arbeiten am IOW."

Peter Gros will nun mit seinem Physiker-Kollegen von der Uni Rostock, Dr. Ashour A. Ahmed, durch theoretische Modellierung auf der einen Seite und detaillierte Experimente auf der anderen die Wechselwirkungen von Glyphosat betrachten und aufklären. „Wir konnten bereits eindeutig nachweisen, dass die organische Bodensubstanz einen starken Einfluss auf die Bindung von Glyposat im Boden hat", verweist Gros auf ein Ergebnis. Es gebe nach monatelangen Untersuchungen eindeutige Hinweise, dass, obwohl Glyphosat stark im Boden gebunden sei, dennoch mobil, also auswaschbar sein könne. Das werde aus Sicht des Forschers möglich durch das komplexe System Boden mit seiner organischen Bodensubstanz.

Und was nun? „Wir werden diesen Erkenntnissen durch weitere analytische Untersuchungen auf den Grund gehen", kündigt Peter Gros an. Es gehe jetzt darum, Bindungsverhältnisse im komplexen System aufzuklären. „Wir nutzen die durch Professor Peter Leinweber bestehenden Kontakte zu Wissenschaftlern in Kanada und können dort in Kürze mit einem Teilchenbeschleuniger Bodenproben mit hochenergetischer Strahlung untersuchen", sagt Gros. Dadurch erhoffe er sich sehr detaillierte Informationen über konkrete Bindungsverhältnisse von Glyphosat an den Bodenbestandteilen, um nach Jahrzehnten die drängenden Fragen zu dem Unkrautgift endgültig zu klären. Text: Wolfgang Thiel

Kontakt:
Universität Rostock
Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät
Prof. Dr. Peter Leinweber
Fon: +49 (0)381 498 - 3120
Mail: peter.leinweber@uni-rostock.de

Quelle: idw 

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Drohneneinsatz in der Meeresforschung

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Kieler Forschende setzen erstmals Fluggerät für die Gewinnung von Luft- und Wasserproben ein

Ein Team des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel hat erstmals erfolgreich eine Drohne zur Gewinnung von marinen Luft und Wasserproben eingesetzt. Ziel der Studie, in deren Rahmen die Drohne eingesetzt wurde, ist es, die Rolle der Küstengewässer als Quelle für reaktive Spurengase, die für chemische Prozesse in der Atmosphäre und das Klima wichtig sind, besser zu verstehen. Das Projekt mit dem Namen LASSO (Lagrangian study of marine trace gas Air-Sea exchange over the Ocean) wird vom Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft" gefördert.

Unbemannte Fluggeräte, sogenannte Drohnen, werden nicht nur zur Erstellung von Bild- und Filmmaterial sondern zunehmend für komplexere Aufgaben eingesetzt. Auch in der Forschung werden diese mobilen Plattformen zunehmend verwendet. Ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel hat nun erstmalig eine mittelgroße Drohne für die Gewinnung von Luft- und Wasserproben im unzugänglichen Bereich der Brandungszone eingesetzt. Das Projekt wird vom Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft" gefördert.

Anfang April war es endlich soweit: Eine DJI Matrice 600 Drohne wurde genutzt, um Proben an der Westküste der Insel Sylt zu nehmen. „Wir hatten sehr variable Wetterbedingungen mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 10 m/s, bei denen sich die Drohne sehr gut bewährt hat", erläutert die Projektleiterin Dr. Birgit Quack vom GEOMAR. „Am ersten milden Tag fragte eine Spaziergängerin noch, ob man das Ganze nicht auch im Sommer und einem Schwimmer erledigen könnte. An den folgenden stürmischen Tagen mit hohen Brandungswellen fragte niemand mehr, außer uns war eigentlich auch fast niemand mehr da", schmunzelt Dr. Quack.

„Wir konnten sowohl horizontale wie vertikale Profile fliegen und Proben atmosphärischer Größen in der Küstenzone nehmen", so Dr. Steffen Fuhlbrügge, Meteorologe am GEOMAR und Steuerer der Drohne. Neben 120 Luftproben gelang es auch 40 Wasserproben zu gewinnen. Zusätzlich zeichnete die Drohne auch Bilder von der Meeresoberfläche auf. „Der Gasaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre wird durch die Schaumbildung verstärkt", erläutert Prof. Dr. Christa Marandino, Atmosphärenchemikerin vom GEOMAR. „Mit unserer Feldstudie möchten wir die Rolle der Küstengewässer als Quelle für reaktive Spurengase, die für die troposphärische bzw. stratosphärische Chemie und das Klima wichtig sind, besser verstehen", so Marandino weiter.

Die gewonnenen Proben werden jetzt weiter ausgewertet. Die Luftproben werden von amerikanischen Kooperationspartnern auf mehr als 50 Spurengase, einschließlich Halogenkohlenwasserstoffe (z.B. Bromoform, Dimethybromid, Methyljodid), Nicht-Methan-Kohlenwasserstoffe (z.B. Isopren) und schwefelhaltige Verbindungen (z.B. Dimethylsulfid) hin untersucht. Am GEOMAR beschäftigen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schwerpunktmäßig mit der Analyse der Wasserproben und Auswertung der Luftbilder.

Währenddessen schmieden die Forschenden schon neue Pläne. „Wir wollen die Luft- und Wasserprobenahme weiter optimieren, um einen größeren Bereich mit mehr Flexibilität abdecken zu können sowie weitere Sensoren (z. B. für meteorologische Daten) auf dem Drohnenpaket zu integrieren", so Dr. Quack. Ferner sollen die Probennahme und Bildaufzeichnung mit direkten Gas-Transfer-Messungen gekoppelt werden, um den Gasaustausch zwischen Atmosphäre und Ozean besser abschätzen zu können. „Letztendlich möchten wir das Messverfahren dann auch auf Schiffsexpeditionen auf hoher See und in den Tropen und Subtropen anwenden, da dort die Konzentrationen der marinen Spurengase oft noch höher sind", meint Birgit Quack abschließend.

Kontakt:
Dr. Andreas Villwock(GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2802, presse@geomar.de

Quelle: idw 

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Deutsche brauchen weniger Vorgesetzte als US-Firmen - Mitbestimmung wichtig für flache Hierarchie

Rainer Jung Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Unternehmen brauchen weniger Chefs, die Beschäftigte anweisen und kontrollieren, wenn das institutionelle Umfeld stimmt. Notwendig sind unter anderem Arbeitnehmervertretungen. Deutsche Firmen kommen mit deutlich weniger Vorgesetzten aus als Unternehmen in den USA oder Großbritannien, zeigt eine Untersuchung.*

Kaum ein Beschäftigter dürfte engmaschige Überwachung durch den Chef schätzen. Aber auch für das Unternehmen ist Kontrolle immer mit Kosten verbunden, was aus betriebswirtschaftlicher Sicht für flache Hierarchien spricht - wenn sie denn funktionieren.

Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Betriebe mit wenig Führungs- und Aufsichtspersonal auskommen, haben Dr. Silvia Teuber und Prof. Dr. Uschi Backes-Gellner von der Universität Zürich gemeinsam mit Prof. Dr. Paul Ryan von der Universität Cambridge mit Unterstützung der Hans-Böckler-Stiftung untersucht. Das Ergebnis: Ohne solide Berufsbildung, Beschäftigungsstabilität und Mitbestimmung geht es nicht.

Die Forscher haben 22 Maschinenbauunternehmen in Deutschland, Großbritannien, der Schweiz und den USA verglichen, die mindestens 50 Beschäftigte haben und mit vergleichbaren Technologien arbeiten. Für die Studie wurden die Personalverantwortlichen interviewt, die Produktionsstätten besichtigt und Unternehmensdaten ausgewertet.

Wenn man die so genannte „Kontrollspanne" der untersuchten Betriebe - also das Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten in der Produktion - betrachtet, sind nationale Muster deutlich erkennbar: In den USA kommen im Schnitt 7,1 Beschäftigte auf einen Chef, in Großbritannien 10,3, in der Schweiz 13,6 und in Deutschland 26. Der niedrigste Wert bei den deutschen Firmen beträgt 17,6, in den USA stellt 13 den maximalen Wert dar.

Die Unterschiede decken sich mit Erkenntnissen der sogenannten Varieties-of-Capitalism-Forschung: Deutschland entspricht dem Prototyp einer „koordinierten Marktwirtschaft" mit kooperativen Arbeitsbeziehungen, Flächentarif, wirksamem Kündigungsschutz, systematischer Berufsausbildung und beruflicher Weiterbildung. Das US-amerikanische Modell steht dagegen für „liberale Marktwirtschaft" in Reinform: wenig Kooperation, starkes Management, kaum Tarifbindung, schwacher Kündigungsschutz, Investitionen vor allem in akademische Bildung. Großbritannien und insbesondere die Schweiz stellen eher Mischformen dar.

- Mitbestimmung stärkt das gegenseitige Vertrauen -
Dass in koordinierten Marktwirtschaften im Vergleich weniger kontrolliert wird, halten die Autoren für schlüssig: Ein solides Berufsbildungssystem sorge für qualifizierte Arbeiter, die wenig Anleitung und Überwachung brauchen. Da gut ausgebildete Beschäftigte auch anspruchsvolle Aufgaben übernehmen, sei die Motivation von vornherein höher. Kündigungsschutz und Flächentarif erhöhten die Mitarbeiterbindung, was wiederum den Erwerb von betriebsspezifischem Wissen begünstigt. Führungspositionen könnten so mit erfahrenen Leuten besetzt werden. Hinzu komme der positive Einfluss von Betriebsräten: Mitbestimmung stärke das Vertrauen zwischen Management und Belegschaft und trage so ebenfalls zu weniger Kontrollbedarf bei. In liberalen Marktwirtschaften wie den USA fehle es dagegen an Mechanismen zur Gewährleistung von adäquater Qualifikation, Mitarbeiterbindung und Vertrauensbildung. Daher seien die Firmen gezwungen, in erster Linie auf Hierarchie und Regeln und damit auf eine enge Kontrollspanne zu setzen.

Die skizzierten Zusammenhänge lassen sich nicht nur im Ländervergleich, sondern auch auf betrieblicher Ebene nachweisen. Grundsätzlich stehe es Unternehmen frei, im Rahmen der nationalen Institutionen eigene organisatorische Akzente zu setzen, so die Betriebswirte. Der Analyse zufolge gibt es auch in den USA Maschinenbauunternehmen mit starken internen Arbeitsmärkten. Eine der fünf britischen Firmen verfügt über eine Arbeitnehmervertretung. In der Schweiz gibt es sogar fünf Unternehmen mit betrieblicher Interessenvertretung und nur eines ohne. Zwei der sechs Schweizer Unternehmen rekrutieren ihre Führungskräfte vor allem intern. Wenn man die betrieblichen Merkmalskombinationen zur Kontrollspanne in Beziehung setzt, zeigt sich: Eine qualitativ hochwertige Berufsbildung, ein hoher Anteil interner Beförderungen und eine Arbeitnehmervertretung sind notwendige Bedingungen dafür, dass eine Firma mit weniger Chefs auskommt - sobald nur eines dieser Elemente fehlt, nimmt der Überwachungsbedarf erheblich zu.

*Silvia Teuber, Uschi Backes-Gellner, Paul Ryan: How companies adjust their span of control to national institutions, Die Betriebswirtschaft 4/2016

Ansprechpartner in der Hans-Böckler-Stiftung:
Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211 / 77 78-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Quelle: idw 

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240.000 Euro für Forschung zu Digitalisierung und Vernetzung in der Wasserwirtschaft

Heike Lücking Referat Kommunikation & PR
Hochschule Ruhr West

Im Förderwettbewerb des Landes für die NRW-Fachhochschulen (FH Struktur) hat sich die HRW erfolgreich mit ihrer Antragsidee „Smart Water- Chancen und Risiken einer digitalisierten Wasserwirtschaft" behauptet. In den nächsten zwei Jahren erhält das Projekt rund 240.000 Euro Fördergelder. Punkten konnte die HRW mit einer besonders zukunftsweisenden Fragestellung und einem fachübergreifenden Ansatz zwischen Wirtschaftswissenschaftlern und Bauingenieuren. Im Mittelpunkt des interdisziplinären Projektes stehen die Chancen und Risiken, die sich aus einer Digitalisierung und Vernetzung in der Wasserwirtschaft ergeben.

„Smart Water" zeigt, dass Wasser(-wirtschaft) und Digitalisierung sehr viel mehr miteinander zu tun haben, als zunächst gedacht. Die sinnhafte Kombination von Technik und Ökonomie bietet ungeahnte Chancen bei der Bewältigung zentraler gesellschaftlicher Herausforderungen wie extremen Wettersituationen und Klimawandel.

„Digitalisierung wird uns über die nächsten Jahre und Jahrzehnte in stets wandelndem Kleid begegnen. Dies strukturiert zu begleiten und auf diese Weise diese neuen Entwicklungen für die Branche und damit für die Kunden und die Umwelt nutzbar zu machen, ist die zentrale Aufgabe," so Prof. Dr. Mark Oelmann vom Wirtschaftsinstitut. Dabei ist es ihm und Prof. Dr.-Ing. Markus Quirmbach vom Institut Bauingenieurwesen wichtig, die bestehenden Risiken nicht zu vernachlässigen. Um Risiken von Daten- über Ver- und Entsorgungssicherheit bis hin zur Verunsicherung von Mitarbeitern entgegenzuwirken sind erhebliche Anstrengungen im Wasserbereich nötig.

Die Entwicklungen der vergangenen Jahre im Bereich der Digitalisierung haben die Notwendigkeit unterstrichen, sich verstärkt mit kleineren und mittelständischen Unternehmen außerhalb der Wasser-wirtschaft zu vernetzen. In der Vergangenheit haben sich insbesondere diese Unternehmen als Treiber und Ideengeber der Digitalisierung hervorgetan. „Smart Water" will bewusst die Zusammenarbeit mit dieser Unternehmensgruppe aus verschiedenen Branchen der Region stärken, um gemeinsam an Lösungsansätzen zu arbeiten und einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung der Wasserwirtschaft zu leisten.

Über FH Struktur
Das Förderprogramm FH Struktur ist darauf ausgerichtet, der Forschung an Fachhochschulen Impulse für neue Forschungsansätze zu geben und deren Forschungsprofile zu stärken. Die Hochschule Ruhr West erhält nun mit acht weiteren Fachhochschulen in NRW eine Anschubfinanzierung von jeweils 240.000 Euro über zwei Jahre. Durch einen Eigenanteil von über 60.000 Euro wird zudem die Förderung für zwei weitere Jahre bis 2021 sichergestellt. Seit 2012 hat das Förderprogramm FH Struktur bereits 48 Programme mit rund zwölf Millionen Euro finanziert.

Quelle: idw 

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Fettleibigkeit: Mit Spritzen oder Skalpell der Adipositas auf den Leib rücken

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

Mainz - Ernährungsumstellung und mehr Bewegung erzielen bei Menschen mit starker Fettleibigkeit oft nur eine begrenzte Wirkung. Das Problem ist nicht die Gewichtsabnahme, sondern das Halten des reduzierten Gewichts. Immer häufiger raten Ärzte ihren sehr fettleibigen Patienten daher zu einer Operation mit Magenverkleinerung oder Magenbypass. Zudem könnte eine neue Pharmakotherapie mit Analoga zu gastrointestinalen Hormonen Menschen mit ausgeprägter Adipositas langfristig helfen, berichteten Experten auf dem 60. Deutschen Kongress für Endokrinologie in Würzburg.

Die Mehrheit der Erwachsenen in Deutschland ist mit einem Body-Mass-Index (BMI) von über 25 kg/m2 übergewichtig, ein Viertel mit einem BMI von über 30 kg/m2 sogar fettleibig. Fettleibigkeit gefährdet zunehmend die Gesundheit der Bevölkerung. „Adipositas kann zu schweren Folgeerkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Fettleber und Bluthochdruck führen", berichtet Professor Dr. med. Matthias M. Weber, Mediensprecher der DGE. Fettleibige leiden häufiger an Herzinfarkt, Schlaganfall, Demenz, Depressionen, Gelenkerkrankungen, obstruktiver Schlafapnoe und einigen Krebsarten. „Zudem sterben sie früher. Bei einem BMI von über 40 sind es zwölf Jahre", warnt Weber, Leiter der Endokrinologie und Diabetologie der Universitätsmedizin Mainz.

Heute weiß man, dass die konservative Adipositas-Therapie langfristig selten erfolgreich ist. Professor Dr. med. Matthias Blüher, Leiter der Adipositas-Ambulanz für Erwachsene an der Universitätsmedizin Leipzig, erklärt: „Es besteht kein Zweifel daran, dass Adipositas im Wesentlichen durch hyperkalorische Ernährung und Bewegungsmangel entsteht." Doch das Konzept „weniger essen und mehr bewegen" ist langfristig meist nicht erfolgreich, wenn man sich den Effekt der Therapie nach einem längeren Zeitraum ansieht. Die Patienten, die ihren Lebensstil ändern, nehmen im ersten halben Jahr etwa zehn Prozent ihres Körpergewichtes ab und dann in den folgenden sechs Monaten wieder zu. Nach einem Jahr bleibt so dauerhaft ein Gewichtsverlust von zwei Prozent. Bei der medikamentösen Therapie mit Tabletten, bei der das Hungergefühl gedämpft oder die Nahrungsaufnahme im Magen-Darm-Trakt gehemmt wird, sieht es etwas besser aus, aber auch hier nehmen die Menschen erst ab und dann wieder zu. Nach zwölf Monaten haben sie dauerhaft nur etwa acht Prozent Gewicht reduziert. Die Herausforderung ist also: nicht nur abnehmen, sondern das niedrigere Gewicht auch langfristig halten.

„Nur von der bariatrischen Chirurgie, also der Magenverkleinerung, dem Magenband oder dem Magenbypass, wissen wir derzeit verlässlich, dass das Gewicht dauerhaft reduziert werden kann", betont Blüher. Zu einem langfristigen Therapieerfolg nach der Adipositas-Chirurgie gehöre allerdings auch ein multimodales Therapiekonzept zur optimalen Vorbereitung und eine strukturierte Langzeitnachsorge.

Hoffnungen setzt der Adipositas-Experte auf neue Medikamente aus der Gruppe der Inkretin-Analoga. Aufbauend auf vielversprechenden Daten, vor allem von Partnern des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (Professor Dr. med. Matthias Tschöp), sollen zukünftig Moleküle eingesetzt werden, die gewichtsreduzierende Effekte von Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1) mit denen von Glucagon und glukoseabhängigem insulinotropen Polypeptide (GIP) kombinieren. Die als Spritze verabreichten Substanzen ahmen die Wirkung des Darmhormons GLP-1 nach. Dieses regt die Insulinfreisetzung an, verzögert die Magenentleerung, führt zu einem früheren Sättigungsgefühl und dämpft den Appetit. „Inkretin-Analoga, wie zum Beispiel Liraglutid, werden jetzt bereits erfolgreich bei Menschen mit Typ-2-Diabetes eingesetzt. Wir kennen bereits die gewichtsreduzierende Wirkung", führt Blüher aus. Aus Tierversuchen wissen die Experten zudem, dass die Effekte dieser Therapie mit denen der Chirurgie vergleichbar sein könnten. Professor Blüher hofft, dass in den nächsten Jahren weitere Mittel hinzukommen: „Der kombinierte Einsatz könnte zu einer deutlich stärkeren Gewichtsreduktion führen und eine Operation dann in vielen Fällen unnötig machen."

Literatur:
Sjöström L et al. Swedish Obese Subjects Study Scientific Group. Lifestyle, diabetes, and cardiovascular risk factors 10 years after bariatric surgery. N Engl J Med. 2004 Dec 23;351(26):2683-93.
Pi-Sunyer X et al. SCALE Obesity and Prediabetes NN8022-1839 Study Group. A Randomized, Controlled Trial of 3.0 mg of Liraglutide in Weight Management. N Engl J Med. 2015 Jul 2;373(1):11-22.
Look AHEAD Research Group., Wing RR et al. Cardiovascular effects of intensive lifestyle intervention in type 2 diabetes. N Engl J Med. 2013 Jul 11;369(2):145-54.

Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin" ausgeschüttet, das heißt nach „innen" in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine" Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen" ab.

DGE Medienpreis 2017/2018:
Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) schreibt zum zweiten Mal den DGE-Medienpreis für journalistische Beiträge zu Erkrankungen des Hormonsystems und Störungen des Stoffwechsels aus. Bewerbungsschluss ist der 15. Februar 2018. Das Preisgeld beträgt 2.000 Euro. Der Medienpreis würdigt herausragende journalistische Arbeiten zu endokrinologischen Themen, die sorgfältig recherchiert, allgemeinverständlich formuliert sind und den Kriterien medizin-journalistischer Qualität entsprechen. Teilnehmen können Journalistinnen und Journalisten aus den Bereichen Text (Zeitungen, Zeitschriften, Internettexte), Fernsehen und Hörfunk. Die Beiträge werden bei der DGE-Pressestelle eingereicht. Nähere Informationen unter http://www.endokrinologie.net/medienpreis.php oder telefonisch unter 0711 8931-380.

http://www.hormongesteuert.net
https://www.facebook.com/dge.hormongesteuert
http://www.endokrinologie.net

Quelle: idw 

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Strom aus erneuerbaren Energien mit Drucklufttechnologien speichern

Dipl.-Chem. Iris Kumpmann Abteilung Public Relations
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Elektrischen Strom aus erneuerbaren Energien kosteneffizient speichern - dieser technischen Herausforderung widmen sich BOGE KOMPRESSOREN und das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in einem gemeinsamen Forschungsprojekt. Ziel ist es, eine zukunftsfähige Druckluftenergiespeichermethode zu entwickeln, die elektrischen Strom nachhaltig konserviert und nach Bedarf wieder ins Stromnetz einspeist. Gefördert wird das dreijährige Forschungsvorhaben vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit einem Betrag von rund 3 Millionen Euro.

Um die Energieversorgung von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare Energien umzustellen, sind Speichertechnologien gefragt, die sicher, bezahlbar und effizient sind. Diesem Bedarf tragen der Bielefelder Systemhersteller für Druckluftlösungen BOGE KOMPRESSOREN Otto Boge GmbH & Co. KG und Fraunhofer UMSICHT Rechnung. In einem Verbundforschungsprojekt arbeiten die Kooperationspartner bis 2019 an der Technologieentwicklung für einen neuartigen Druckluftenergiespeicher.

Turbomaschine trifft Kolbenmaschine
Das Anlagenlayout vereint u.a. Turbomaschinen von Fraunhofer UMSICHT und BOGE Kolbenmaschinen. Ann-Kristin Bienias, Technische Projektkoordinatorin bei BOGE, sagt: »Wir freuen uns, gemeinsam mit Fraunhofer UMSICHT eine wirtschaftliche und universell einsetzbare Speichertechnologie zu entwickeln und damit zur Energiewende beizutragen.«

Druckluftspeicher in flachen Gegenden einsetzbar
Im Gegensatz zu herkömmlichen Pumpspeicherkraftwerken, die ein Gefälle benötigen, können Druckluftspeicher auch in flachen Gegenden eingesetzt werden. Das gilt insbesondere für das windintensive Norddeutschland - dort müssen schon heute erneuerbare Energieanlagen zeitweise abgeregelt werden.

Nur eine Maschine zur Kompression und Expansion der Luft nötig
Das neue Konzept des Druckluftenergiespeichers von BOGE und Fraunhofer UMSICHT ist so konzipiert, dass zum einen die Prozesswärme gespeichert und beim Expandieren keine zusätzliche Zufeuerung benötigt wird. Mit dem Ziel, vergleichsweise geringere Investitions- und Speicherkosten zu erreichen, sollen zum anderen dieselben Maschinen zur Kompression und Expansion der Luft genutzt werden. Im Vergleich zu herkömmlichen Druckluftenergiespeichern entfällt dadurch eine zusätzliche Expansionsmaschine. Auch häufige Lastwechsel bei schwankendem Stromausgleichsbedarf und kurze Anfahrtszeiten der Anlage soll die Technologie für den zukunftsfähigen Druckluftenergiespeicher meistern. Als Zwischenspeicher für die Druckluft dienen beispielsweise unterirdische Salzkavernen oder Röhrenspeicher.

Entwicklungsziele: Günstige Speicherkapazität und verlängerte Lebensdauer
Unterm Strich soll die neue Technologie des Druckluftenergiespeichers - auch im Vergleich zu Akkumulatoren (Lithium-Ionen- und Blei-Akkumulatoren) - mit geringeren Kosten pro Kilowattstunde (kWh) Speicherkapazität und mit der zu erwartenden, längeren Lebensdauer punkten.

Weitere Informationen:
https://www.boge.com/de/node/13664/3337?position=0

Quelle: idw 

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Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Jeder Fünfte leidet hierzulande an einer Pollenallergie. Zur Pollensaison stellt sich immer wieder aufs Neue die Frage, wie lüften ohne beeinträchtigt zu werden? Ein Team an der Professur für Ökoklimatologie der Technischen Universität München (TUM) hat Pollenkonzentrationen in Büroräumen systematisch untersucht und daraus praktische Tipps zum Lüften abgeleitet.

In Deutschland leiden laut Bundesgesundheitsblatt aus dem Jahr 2013 rund 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung an Heuschnupfen. Da sich Europäer und Nordamerikaner zu über 90 Prozent ihrer Zeit in geschlossenen Räumen aufhalten, müssen Pollenkonzentrationen in Gebäuden berücksichtigt werden. Neben meteorologischen Einflussgrößen wurden für die im Fachmagazin „Indoor Air" erschienene Studie auch Art und Häufigkeit der Raumbelüftung berücksichtigt.

Bei ihren Untersuchungen konzentrierten sich die Autorinnen und Autoren auf Birkenpollen, wie Gräserpollen lösen diese besonders häufig allergische Reaktionen aus. Birken sind Erstbesiedler (Pionierpflanzen), beginnen früh mit der Reproduktionsphase und als Windbestäuber produzieren sie besonders viele Pollen, die Gründe für ihr hohes Allergiepotential.

Für die Studie wurden im April 2015 in fünf verschiedenen Räumen und vor den jeweils dazu gehörenden Fenstern die Birkenpollenkonzentrationen gemessen. Die Räume unterschieden sich unter anderem in ihrer Durch- oder Belüftung.

Die mobilen Pollenfallen waren auf einer Höhe von 1,2 Meter platziert, was der durchschnittlichen Einatmungshöhe von Personen während der Arbeit an ihrem Schreibtisch entspricht. Sie befanden sich in 2,5 Metern Abstand vom jeweiligen Zimmerfenster. Eine zweite Pollenfalle wurde jeweils auf dem Fenstersims befestigt.

Des Weiteren wurde eine Standard-Burkard-Pollenfalle auf dem Gebäudedach in 15 Metern Höhe neben der meteorologischen Station installiert für die Messung der grundsätzlichen Belastung. Diese Messung von Pollen in der Umgebungsluft werden nach den Standards des Europäischen Aeroallergen Netzwerkes (EAN) erhoben täglich von März bis November.

Vom 13. bis zum 29. April wurde die Blüte von 56 Birken in der näheren Umgebung beobachtet. Zehn der Bäume lagen in direkter Nähe zu den untersuchten Büros, die restlichen 46 Birken befanden sich in 0,5 bis zu 15 Kilometern Entfernung. Die Daten zur allgemeinen Wettersituation wiederum stammen vom Deutschen Wetterdienst in Freising. Direkt vor den Räumen wurden zusätzlich Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Windstärke sowie -richtung erhoben.

Große Unterschiede zwischen einzelnen Räumen
Wie zu erwarten war, sind die Pollenkonzentrationen in den Räumen grundsätzlich niedriger als draußen. Dabei schwankt das Konzentrationsverhältnis der Pollen zwischen sieben zu 75 Prozent. Denn es ergeben sich große Unterschiede durch die Lüftungsstrategie: Für die Studie wurde beispielsweise ein Raum alle zwei Stunden für fünf Minuten gelüftet. In diesem Raum herrschte die niedrigste Pollenbelastung im Vergleich zu einem Nachbarraum, in dem das Fenster dauerhaft gekippt war.

Ebenfalls höher war die Konzentration in einem Raum mit geöffnetem Fenster und einem chemischen Labor mit automatischem Luftabzug. Die Pollenkonzentrationen können durchs Stoßlüften um zwei Drittel reduziert werden im Vergleich zum Maximum der in der Studie erreichten Pollenkonzentrationen in einem Raum. Um Birkenpollen besonders effektiv außen vor zu lassen, raten die Autorinnen und Autoren daher Pollenallergikern ihre Büro- und Aufenthaltsräume lediglich stoßzulüften.

Ein weiterer, beeinflussender Faktor ist der Publikumsverkehr in einem Büro. Mit der Zeit erhöht sich die Pollenkonzentration in einem Raum. Dies kann auf einen Zusammenhang hinweisen, wie viele Arbeitskollegen in einen Raum ein- und ausgehen, weil Pollen der Kleidung anhaften. Auch häufen sich Pollen im Hausstaub an, sofern gar nicht oder selten geputzt wird. Dies geschieht sogar über die Pollensaison hinaus. Regelmäßiges Staubwischen ist daher für Allergiker eine wichtige Maßnahme, um allergische Reaktionen zu minimieren.

Publikation:
A. Menzel, M. Matiu, Michaelis, S. Jochner: Indoor birch pollen concentrations differ with ventilation scheme, room location, and meteorological factors, Indoor Air 2016. DOI: 10.1111/ina.12351

Kontakt:
Technische Universität München
Professur für Ökoklimatologie
Prof. Dr. Annette Menzel
Tel: +49/8161/71-4740
E-Mail: amenzel@wzw.tum.de

Weitere Informationen:
https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/33823/

Quelle: idw 

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Frauen, die mehr verdienen, bevorzugen finanzielle Unabhängigkeit durch getrennte Kassen

Rainer Jung Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Studie untersucht Geldverwaltung in der Partnerschaft

Die meisten Paare legen zwar ihr Einkommen zusammen. Doch wenn Frauen mehr verdienen, bevorzugen sie getrennte Kassen, zeigt eine neue Studie.* Die Sozialwissenschaftlerin Dr. Yvonne Lott von der Hans-Böckler-Stiftung weist darin nach, dass getrenntes Wirtschaften in einer Partnerschaft umso wahrscheinlicher wird, je mehr die Frau verdient. Nach ihrer Ansicht deutet das darauf hin, dass Frauen finanzielle Unabhängigkeit anstreben, wenn sie die Möglichkeit dazu haben.

Lott hat Daten des Sozio-oekonomischen Panels aus den Jahren 2004, 2005 und 2008 ausgewertet, die sich auf fast 2.900 heterosexuelle Paare in erwerbsfähigem Alter beziehen. Dabei hat sie eine „eher ungleiche Verteilung" von bezahlter und unbezahlter Arbeit ermittelt: Im Beobachtungszeitraum entfallen auf die Partnerinnen im Schnitt 78 Prozent der Arbeit im Haushalt und 89 Prozent der Kinderbetreuung. Der Anteil der Frauen am gemeinsamen Einkommen liegt dagegen lediglich bei 32 Prozent. Nur ein Drittel der Frauen arbeitet in Vollzeit.

Etwa drei Viertel der befragten Paare verwalten der Analyse zufolge ihr Geld gemeinsam, 15 Prozent unabhängig voneinander und 9 Prozent zum Teil getrennt. Dabei spielt die Form der Partnerschaft eine wichtige Rolle: Von den nichtehelichen Lebensgemeinschaften wirtschaftet weniger als ein Drittel gemeinsam, bei den Ehepaaren sind es hingegen 83 Prozent. Auch wenn Faktoren wie die Dauer der Beziehung, das Alter oder die Ausbildung der Partner herausgerechnet werden, bleibt ein signifikanter Unterschied. Wenn man nicht Paare mit und ohne Trauschein vergleicht, sondern untersucht, wie sich eine Eheschließung auf das Verhalten von Paaren auswirkt, ergibt sich ebenfalls ein deutlicher Effekt auf das partnerschaftliche Arrangement im Umgang mit Geld. Die Geburt eines Kindes hat dagegen keinen messbaren Einfluss.

Von maßgeblicher Bedeutung ist indes das Einkommen der Frau: Bei Paaren mit getrennter Kasse ist es im Schnitt fast doppelt so hoch wie bei denen, die ihre Finanzen gemeinsam verwalten. Einkommenszuwächse auf Seiten der Partnerin erhöhen signifikant die Wahrscheinlichkeit, dass Paare unabhängig voneinander haushalten.

Lott schließt daraus, dass Frauen in einer Beziehung stark an finanzieller Unabhängigkeit interessiert sind und diesen Wunsch realisieren, sobald sie sie es sich leisten können. Ein wichtiger Grund: In traditionellen Partnerschaften laufe ein gemeinsames Konto oft darauf hinaus, dass der Mann einseitig Kontrolle über die Finanzen ausübt. Zentrale Grundsätze der deutschen Familienpolitik, die beispielsweise beim Ehegatten-Splitting von gemeinsamen Ressourcen als Norm ausgeht, seien vor diesem Hintergrund problematisch, so die Forscherin.

*Yvonne Lott: When My Money Becomes Our Money: Changes in Couples‘ Money Management. Social Policy & Society 2/2017, Cambridge University Press

Kontakt in der Hans-Böckler-Stiftung:
Dr. Yvonne Lott
Expertin für Genderforschung und Arbeitszeit, Abteilung Forschungsförderung
Tel.: 0211-7778-600
E-Mail: Yvonne-Lott@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Quelle: idw 

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Besser als die Natur: Künstlicher Biofilm steigert Stromproduktion mikrobieller Brennstoffzellen

Christian Wißler Mediendienst Forschung
Universität Bayreuth

Mikrobielle Brennstoffzellen nutzen den Stoffwechsel von Bakterien, um elektrischen Strom zu erzeugen. Ein neuartiger Biofilm aus Bayreuth kann diese noch junge Technologie deutlich effektiver, stabiler und anwendungsfreundlicher machen. Ein Forschungsteam der Universität Bayreuth hat jetzt ein Material hergestellt, das sich weit besser als natürliche Biofilme zur Stromproduktion in Brennstoffzellen eignet. In der Zeitschrift „Macromolecular Bioscience" stellen die Wissenschaftler die Vorteile ihrer neuen Entwicklung vor.

Bakterien in mikrobiellen Brennstoffzellen ernähren sich von organischen Substanzen, zum Beispiel von Milchsäure. Dabei werden durch Stoffwechselprozesse ständig Elektronen freigesetzt. Sobald diese Elektronen mit der Anode der Brennstoffzelle in Berührung kommen, werden sie zur gegenüberliegenden Kathode weitergeleitet. So entsteht ein Stromkreislauf. Um auf diese Weise Strom zu produzieren, war es bislang üblich, die metallische Oberfläche der Anode mit Bakterien zu besiedeln. Dort vermehren sich die Bakterien, bilden allmählich einen natürlichen Biofilm und übertragen Elektronen auf die Anode. Der neu entwickelte, künstliche Biofilm aus Bayreuth hat den gleichen Effekt, optimiert diese Art der Stromerzeugung aber gleich in mehrfacher Hinsicht.

Bakterien in Kunststoffnetzen: stabiler als natürliche Biofilme
Das Material, das die Forschergruppe um Prof. Dr. Ruth Freitag (Bioprozesstechnik) und Prof. Dr. Andreas Greiner (Makromolekulare Chemie) entwickelt hat, ist ein Biokomposit, genauer: ein Hydrogel. Es handelt sich um ein Netzwerk aus winzigen Polymerfasern, in denen sich lebende Bakterien befinden, die ihren stromerzeugenden Stoffwechsel uneingeschränkt fortsetzen. Doch die Menge des erzeugten Stroms ist deutlich höher: „Unser Biofilm enthält nur eine einzige Art von Bakterien, Bakterien der Art Shewanella oneidensis. Die elektrische Leistung einer Brennstoffzelle ist mit diesem Film doppelt so hoch, als wenn Bakterien der gleichen Art einen natürlichen Biofilm produzieren", erklärt der Bayreuther Doktorand Patrick Kaiser M.Sc., einer der Autoren der jetzt veröffentlichten Studie.

Zu dieser Leistungssteigerung kommt ein weiterer Vorteil hinzu: Die Stromerzeugung verläuft zuverlässig und berechenbar, denn die Dichte der Bakterien ist im künstlichen Biofilm von vornherein festgelegt. Ein natürlicher Biofilm wird im Gegensatz dazu auf eine schwer zu kontrollierende Weise abgebaut und ist deshalb instabil. Das neue Biokomposit der Bayreuther Wissenschaftler macht Brennstoffzellen deshalb wesentlich anwendungsfreundlicher.

Das Biokomposit wurde auf dem Bayreuther Campus durch das Elektrospinnen von Polymerfasern hergestellt, die zusammen einen Vliesstoff bilden. „Das Elektrospinnen von Vliesstoffen ist heute eine weit verbreitete Technologie. Für die Einbettung der Bakterien sind keine zusätzlichen Produktionsschritte erforderlich", betont Steffen Reich M.Sc., der sich in seiner Bayreuther Doktorarbeit mit der Verkapselung von Bakterien in Polymeren befasst.

Finanzierung durch Bayerischen Projektverbund
Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse zur mikrobiellen Brennstoffzelle sind aus dem Vorhaben „Biofilme für die Prozessintensivierung" hervorgegangen, das dem Projektverbund „Ressourcenschonende Biotechnologie in Bayern - BayBiotech" angehört. Dieser Verbund wird seit 2015 vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz mit insgesamt rund zwei Millionen Euro finanziert.

Veröffentlichung:
Patrick Kaiser, Steffen Reich, Daniel Leykam, Monika Willert-Porada, Seema Agarwal, Andreas Greiner, Ruth Freitag,
Electrogenic single-species biocomposites as anodes for microbial fuel cells,
Macromolecular Bioscience (2017), doi: 10.1002/mabi.201600442.

Video zum Vorhaben „Biofilme für die Prozessintensivierung":

http://www.youtube.com/watch?v=_OYnFJ4-Z5o&feature=youtube_gdata
oder bei http://www.baybiotech.de

Kontakt:
Prof. Dr. Ruth Freitag / Prof. Dr. Andreas Greiner
Lehrstuhl für Bioprozesstechnik / Lehrstuhl für Makromolekulare Chemie II
Universität Bayreuth
95447 Bayreuth
Telefon: +49 (0)921 55 7371 / 3399
E-Mail: ruth.freitag@uni-bayreuth.de / andreas.greiner@uni-bayreuth.de

Quelle: idw 

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Darmkrebsvorsorge mit verbessertem Test: Antikörper suchen verstecktes Blut im Stuhl

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

Ab dem 1. April 2017 erstatten die Krankenkassen einen neuen Test zur Früherkennung von Darmkrebs. Der bisherige Guajak-Test wird durch einen immunologischen Stuhltest ersetzt, den immunologischen fäkalen Okkultbluttest iFOBT. Dieser beruht auf einer Antikörper-Reaktion mit dem menschlichen Blutfarbstoff Hämoglobin und hat sich in Studien als noch zuverlässiger erwiesen. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) rät Menschen ab 50 Jahren regelmäßig zur Darmkrebsvorsorge zu gehen. Der iFOBT sollte ab dem Alter von 50 Jahren einmal jährlich durchgeführt werden. Spätestens ab 55 Jahren ist alle zehn Jahre eine Darmspiegelung empfohlen.

Dickdarmkrebs entwickelt sich in der Regel über viele Jahre hinweg aus harmlosen Vorstufen, den Darmpolypen oder Adenomen. Diese Wucherungen sind zwar meist zunächst gutartig, neigen aber eher zum Bluten als gesunde Darmschleimhaut. „Diese Tatsache machen sich die Stuhltests zunutze", erläutert Professor Dr. med. Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Ulm. Die Tests können winzige, für das Auge nicht sichtbare Blutmengen im Stuhl nachweisen. Während der Guajak-Test auf einer biochemischen Reaktion mit dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin beruht, weisen die neuen Tests das Hämoglobin mithilfe einer Antikörper-Reaktion nach. „Weil die Antikörper nur auf menschliches Hämoglobin reagieren, ist der iFOBT deutlich weniger störanfällig als der Guajak-Test", sagt Seufferlein. Dieser reagiere zuweilen auch auf Blut aus der Nahrung, wenn etwa rotes Fleisch verzehrt worden sei. Die immunologischen Stuhltests, die jetzt in das Screening-Programm aufgenommen werden, haben in umfangreichen Studien bewiesen, dass sie Blutspuren im Stuhl rund zwei bis drei Mal häufiger erkennen als der bisherige Guajak-Test. Im vergangenen Jahr hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) daher beschlossen, den neuen Test in die Krebsfrüherkennungs-Richtlinie aufzunehmen. Ab April 2017 sind die Tests für Versicherte ab 50 Jahren Kassenleistung.

Beim Ablauf des Screenings ergeben sich einige Änderungen: Zwar gibt der Arzt weiterhin den Test an den Patienten aus und erklärt die Durchführung. Die Auswertung wird künftig jedoch nicht mehr in den Arztpraxen, sondern in Speziallaboren stattfinden. Wie bisher wird der Patient nur bei einem positiven Befund kontaktiert. „Eine zentrale Evaluierung der Ergebnisse wie bei der Vorsorgekoloskopie - also eine zentrale Auswertung im Hinblick auf Qualität und Nutzen - ist für den iFOBT seitens des G-BA bislang noch nicht geplant", sagt Professor Dr. med. Wolff Schmiegel, Direktor der Medizinischen Universitätsklinik Knappschaftskrankenhaus Bochum. „Die DGVS empfiehlt unbedingt, dies nachzuholen: Im Sinne der Qualitätssicherung sollte eine zentrale Evaluierung der Ergebnisse erfolgen."

An den Empfehlungen, wer am Screening teilnehmen sollte, wird der neue Test nichts ändern: „Frauen und Männern ab 50 Jahren sollten den Test einmal jährlich durchführen, die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse", so Professor Schmiegel. Fällt dieser positiv aus, so muss zur Absicherung des Ergebnisses eine Darmspiegelung erfolgen. Spätestens ab dem 55. Lebensjahr ist die Darmspiegelung im Rahmen der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie ohnehin empfohlen. Bei einer Darmspiegelung können Veränderungen der Darmschleimhaut wesentlich präziser erkannt werden als mit dem Stuhltest. Die Koloskopie muss - anders als der Stuhltest - im Falle eines unauffälligen Ergebnisses nur alle zehn Jahre wiederholt werden. Sie ist nicht nur ein diagnostisches, sondern zugleich ein therapeutisches Verfahren: Auffällige Veränderungen, also Darmpolypen aus denen Krebs entstehen könnte, entfernt der Arzt in der Regel bereits im Rahmen der Untersuchung.

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 5000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane - zum Wohle des Patienten. Mehr Informationen finden Interessierte unter http://www.dgvs.de oder im aktuellen DGVS-Video: https://www.youtube.com/watch?v=Orv-uHE1fls.

Weitere Informationen:
https://youtu.be/Orv-uHE1fls

Quelle: idw 

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Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

Dipl.-Chem. Iris Kumpmann Abteilung Public Relations
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Die Verwendung von Zuckerrübenschnitzeln in Verbundwerkstoffen oder als Bestandteil von Kunststofffolien bietet Zuckerrübenproduzenten zukünftig neue Geschäftsfelder und reduziert den Verbrauch an fossilen Rohstoffen. Die Fraunhofer-Institute UMSICHT und WKI erforschen gemeinsam mit Partnern aus Landwirtschaft und Industrie innovative und wirtschaftliche Nutzungsmöglichkeiten von Rübenschnitzeln.

Während der Rübenernte und Verarbeitung fallen allein bei den großen deutschen Zuckerherstellern Rübenschnitzel im siebenstelligen Tonnenbereich an. Diese so genannten Pressschnitzel werden derzeit regional als Milchviehfutter oder Biogassubstrat vermarktet. Die begrenzte Vermarktbarkeit führt dazu, dass ein Teil der Pressschnitzel, getrocknet und zu Pellets gepresst, als lagerfähiges Futtermittel verkauft wird. Die produzierten Mengen werden europaweit jedoch weiter steigen, zudem übt das Auslaufen der Zuckermarktverordnung in 2017 Handlungsdruck aus, neue Wertschöpfungsmöglichkeiten zu erschließen.

Die Verwendung der Rübenschnitzel in höherwertigen Anwendungen jenseits des Energie- und Futtermittelmarktes liefert einen Beitrag zur Bioökonomiestrategie des Bundes, stärkt regionale Märkte und spart gleichzeitig fossile Rohstoffe ein. Im Projekt »Werkstoffentwicklung auf Basis von Rübenschnitzeln für marktrelevante Anwendungen« (WeRümA) entwickeln die beiden Fraunhofer-Institute UMSICHT und WKI gemeinsam mit Partnern aus Landwirtschaft und Industrie Produktionskonzepte und Applikationen, bei denen Zuckerrübenschnitzel in Verbundwerkstoffen eingesetzt werden können.

Höherwertige Anwendungen
Generell stellt sich die Frage, welche biogenen Rohstoffe nachhaltig für eine stoffliche Verwertung in NRW, Deutschland und Europa zur Verfügung stehen. Rübenschnitzel können energie- und ressourceneffizient hergestellt werden, da in Zuckerfabriken Kraft-Wärme-Kopplung zur Energieerzeugung eingesetzt und Abwärme sehr effizient als Energiequelle genutzt wird. Zuckerrübenschnitzel haben allerdings eine von gängigen Pflanzenfasern oder Agrarprodukten wie Stärke und Holz abweichende Zusammensetzung: Cellulose, Hemicellulose und Pektine sind in ähnlichen Anteilen vertreten, Lignin hingegen nur in geringer Menge. Daraus resultiert eine veränderte Verfahrensführung zur Verarbeitung.

Produktionskonzepte und Applikationen
Auf Basis von Kooperationen mit mehreren regionalen Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette - vom Rohstoff bis zu den Endprodukten - sollen im Verbundprojekt technische und ökonomische Fragestellungen zur Machbarkeit beantwortet werden. Hierzu zählen Verfahrenstechnik, Rezepturentwicklung und Prüfung der hergestellten Verbundwerkstoffe.

Die Fraunhofer-Forscher arbeiten an der Konditionierung der Rübenschnitzel mittels thermomechanischer Verfahren. Unter anderem befassen sie sich mit der Anwendung des im Holzbereich genutzten Refiners und der Verarbeitung in Verbundwerkstoffen. Fraunhofer UMSICHT prüft die Möglichkeit, Rübenschnitzel in Kunststofffolien zu nutzen, wobei die Konditionierung der Rübenschnitzel für die Anwendbarkeit im Mikrometerbereich - Folien sind häufig nur 20 µm dick - eine Herausforderung darstellt. Eine denkbare Anwendung dafür wären beispielsweise Mulchfolien für die Landwirtschaft. Am Fraunhofer WKI erforschen die Experten den Einsatz von Rübenschnitzeln in so genannten Wood-Polymer Composites.

Die Projektpartner entlang der Wertschöpfungskette
Rüben: Pfeifer & Langen GmbH & Co. KG, Landwirtschaftlicher Betrieb Koch*
Rohstoffkonditionierung: Jäckering Mühlen- und Nährmittelwerke GmbH, Fraunhofer WKI, Harold-Scholz & Co GmbH*
Halbzeug: Kunststoff-Institut Lüdenscheid, Fraunhofer UMSICHT, Entex Rust & Mitschke GmbH, FKuR Kunststoff GmbH, BYK-Chemie GmbH*
Endprodukt: SWOBODA engineering GmbH, nova-Institut für politische und ökologische Innovation GmbH

*Assoziierte Partner

Förderhinweis
Das Projekt »WeRümA« wird gefördert mit einer Zuwendung des Landes Nordrhein-Westfalen unter Einsatz von Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) 2014-2010 »Investitionen in Wachstum und Beschäftigung«. Projektträger: LeitmarktAgentur.NRW - Projektträger ETN Forschungszentrum Jülich.

Weitere Informationen:
https://www.efre.nrw.de/

Quelle: idw 

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Faire Ungleichheit?

Julia Wandt Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Universität Konstanz

Studie zu geschlechtsspezifischem Lohnunterschied belegt eine gesellschaftliche Verankerung der Ungleichheit

Eine Lohnlücke von sieben bis neun Prozent wird gesellschaftlich als fair angesehen. Dies ist eines der Ergebnisse einer Studie zur Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen von Prof. Dr. Thomas Hinz, Professor für Empirische Sozialforschung an der Universität Konstanz.

In einer Umfrage mit 1.600 Teilnehmern wurde untersucht, welche Gehälter von den Teilnehmern als gerecht eingestuft werden. Dafür wurden den Befragten über 26.000 Profile von fiktiven Arbeitnehmern vorgelegt, die verschiedene Geschlechter, Erfahrungen und Qualifikationen hatten. Sie wurden gebeten, deren Gehälter in die Kategorien fair, ungerecht hoch und ungerecht niedrig einzustufen. Die Ergebnisse der Untersuchung "Why Should Women Get Less? Evidence on the Gender Pay Gap from Multifactorial Survey Experiments" wurden von Thomas Hinz gemeinsam mit Prof. Dr. Katrin Auspurg und Dr. Carsten Sauer in der aktuellen Ausgabe von American Sociological Review veröffentlicht.

Obwohl sich vorab alle Teilnehmer der Studie explizit für eine gleiche Bezahlung für gleiche Leistung ausgesprochen hatten, wurde Frauen bei gleicher Qualifikation weniger Geld zugeteilt als Männern. „Bemerkenswert ist, dass die Ergebnisse geschlechtsübergreifend sind. Es sind also genauso Frauen wie Männer, die weniger Gehalt für Frauen als fair empfanden", erläutert Thomas Hinz die Ergebnisse der Studie und führt weiter aus, dass diese Resultate auf eine normative Kraft der bestehenden Verhältnisse zurückzuführen seien. Die Befragten griffen bei der Bewertung von fairen Lohnverhältnissen auf ihre persönlichen Erfahrungen zurück. Wenn ungerechte Vergütung gesellschaftlich so stark verankert ist, seien die Befragten schlicht gewöhnt, dass verschiedene Geschlechter ungleich bezahlt werden. Aus dieser Gewohnheit heraus haben sie in der Umfrage ein Meinungsbild produziert, das ihrer Einstellung bei direkter Befragung zum Thema Lohngleichheit widerspricht.

Originalveröffentlichung:
Why Should Women Get Less? Evidence on the Gender Pay Gap from Multifactorial Survey Experiments, Katrin Auspurg, Thomas Hinz, Carsten Sauer, American Sociological Review, 2017, DOI: 10.1177/0003122416683393
http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0003122416683393?journalCode=asra

Faktenübersicht:
• Studie zu geschlechtsspezifischem Lohnunterschied
• Lohnlücke von sieben bis neun Prozent wird gesellschaftlich als fair angesehen
• Why Should Women Get Less? Evidence on the Gender Pay Gap from Multifactorial Survey Experiments, Katrin Auspurg, Thomas Hinz, Carsten Sauer, American Sociological Review, 2017, DOI: 10.1177/0003122416683393
http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0003122416683393?journalCode=asra

Kontakt:
Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
Telefon: + 49 7531 88-3603
E-Mail: kum@uni-konstanz.de

Quelle: idw 

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Mediziner warnen vor rasantem Anstieg bei Speiseröhrenkrebs als Folge von Sodbrennen

Mathias Eberenz Konzernbereich Unternehmenskommunikation/Pressestelle
Asklepios Kliniken Hamburg GmbH

Auf dem Endoskopie-Kongress in Berlin zeigten die Spezialisten, wie der Krebs früh entdeckt und ohne OP geheilt werden kann / Kongress-Rekord mit 2.000 Teilnehmern aus Deutschland und Europa / 30 Operationen werden live in den Tagungssaal übertragen

Auf Deutschlands größtem Treffen von Endoskopie-Spezialisten in Berlin steht die Früherkennung und die Heilung verschiedener Krebsarten per schonender „Spiegelung" mit dem Endoskop im Mittelpunkt. Hier hat die Forschung, die Technik - vor allem aber die Medizin rasante Fortschritte gemacht, von denen die Patienten profitieren. Highlight der dreitägigen Veranstaltung mit der Rekordbeteiligung von 2.000 Teilnehmern aus aller Welt ist die Live-Übertragung von mehr als 30 Operationen aus dem Sana Klinikum Lichtenberg in den Tagungssaal des Estrel Hotels Berlin. Durchgeführt werden die Eingriffe von 15 nationalen und internationalen Experten, die u.a. aus Israel, Frankreich, Italien und Belgien kommen. Die bedeutsamste Veranstaltung im Bereich der Endoskopie fand vom 6. bis 8. April statt. Hinter der kryptischen Bezeichnung „DGE-BV meets Endoskopie Live" verbirgt sich der Zusammenschluss zweier Veranstaltungen: Der 47. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Endoskopie und Bildgebende Verfahren (DGE-BV) und Endoskopie Live. Letztere ist eine der großen deutschen Endoskopie-Veranstaltungen, bei denen die Eingriffe live übertragen werden.

„Uns geht es darum, den Kollegen bewährte und neue Techniken in der Endoskopie zu demonstrieren und mit ihnen zu diskutieren. Die Endoskopie hat sich im Laufe der Zeit rasant entwickelt und ermöglicht therapeutische Untersuchungen von Erkrankungen, die vor Jahren noch unvorstellbar waren", sagt Prof. Dr. Siegbert Faiss, Chefarzt der gastroenterologischen Abteilung in der Asklepios Klinik Barmbek in Hamburg, der den Kongress gemeinsam mit Priv.-Doz. Dr. Dirk Hartmann, Chefarzt an der Klinik für Innere Medizin am Sana Klinikum Lichtenberg organisiert. „Frühe Krebserkrankungen im Verdauungstrakt, in der Speiseröhre, im Magenbereich, der Bauchspeicheldrüse oder der Gallenwege können in vielen Fällen allein mit der Endoskopie geheilt werden, ohne dass eine Operation notwendig ist", so Prof. Faiss weiter.

Obwohl der Dickdarmkrebs in Deutschland rückläufig ist, gibt es keinen Anlass zur Entwarnung bei Tumoren des Verdauungstraktes. Denn Speiseröhrenkrebs als Folge von chronischem Sodbrennen, das so genannte Barrett-Karzinom, ist die derzeit am schnellsten zunehmende Krebserkrankung in der westlichen Welt. „Wie zu Anfang der Darmkrebs wird der Krebs der Speiseröhre derzeit noch deutlich unterschätzt. Dabei hat das Beispiel des Darms gezeigt, dass regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen, bei denen die Endoskopie-Experten potenziell gefährliche Strukturen wie Polypen und sogar kleine, oberflächliche Tumore frühzeitig entfernen, vielen Patienten Operationen erspart und das Leben gerettet haben", sagt Prof. Faiss. Die Eröffnungsrede hält Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery zum Thema: „Wir Ärzte im Spannungsfeld der Politik".

In diesem Videointerview erläutert Prof. Faiss, wie Frühtumore endoskopisch ohne weitere Operation entfernt werden können:
https://www.youtube.com/watch?v=ZU1x8I8pBpk

Kontakt:
Asklepios Kliniken
Konzernbereich Unternehmenskommunikation & Marketing
Tel.: (040) 18 18-82 66 36
E-Mail: presse@asklepios.com
24-Stunden-Rufbereitschaft der Pressestelle: (040) 1818-82 8888

Besuchen Sie Asklepios im Internet, auf Facebook oder YouTube:
www.asklepios.com
www.facebook.com/asklepioskliniken
www.youtube.com/asklepioskliniken

Quelle: idw 

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Schluss mit Ölwechsel auf Verdacht: Sensor warnt, wenn Öl im Blockheizkraftwerk schlecht wird

Claudia Ehrlich Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

Kein unnötiger Ölwechsel mehr. Stattdessen immer auf dem Laufenden, wie es um das Öl steht: Ein Sensorsystem, das Professor Andreas Schütze und sein Forscherteam von der Universität des Saarlandes mit Partner-Firmen entwickelt haben, misst im laufenden Betrieb die Ölqualität in Blockheizkraftwerken - permanent und zuverlässig. Und es warnt, wenn das Öl plötzlich schlecht wird. Das Öl fließt dafür durch eine kleine Messzelle, in der es durchleuchtet und auf seinen chemischen Zustand hin geprüft wird. Das Verfahren schont die Umwelt, senkt Betriebskosten und macht Wartungseinsätze planbar.

Öl ist für Motoren überlebenswichtig. Es verhindert, dass sie heiß laufen, und verringert Reibung wie Verschleiß. Aber das geht dem Öl an die Substanz: Mit der Zeit oxidiert es. Wasser reichert sich darin an und irgendwann sind Zusätze, die dafür sorgen, dass es gut schmiert, verbraucht. Es muss gewechselt werden, sonst drohen Schäden. Aber wann ist das genau der Fall? Hier liegt das Problem. Denn genau sagen lässt sich das bislang nur durch regelmäßige Laboruntersuchungen. Daher wird das Schmieröl - ob beim Auto oder beim Blockheizkraftwerk - turnusmäßig und damit häufig zu früh gewechselt. Sicherheitshalber. Genau dies ändert jetzt ein neues Verfahren, das Professor Andreas Schütze und sein Team auf der Hannover Messe zeigen:

„Wir bauen eine kleine Messzelle im Motor ein, durch die während des laufenden Betriebs das Öl hindurchfließt. Unser Verfahren überwacht die Qualität des Öls fortwährend und prognostiziert laufend, wann der Ölwechsel wahrscheinlich fällig ist. So kann die Wartung längerfristig geplant werden, teure Motorschäden durch eine plötzliche Verschlechterung werden aber dennoch sicher vermieden", erklärt Andreas Schütze. Die Messzelle misst ständig den chemischen Zustand des Öls: Sie durchleuchtet das Öl mit einer Infrarot-Quelle und fängt die Strahlen auf, die es durchdringen. „Wenn sich das Öl chemisch verändert, ändert sich auch das empfangene Lichtspektrum. Also können wir hieraus Rückschlüsse auf seinen chemischen Zustand ziehen, den Oxidationsgrad messen und auch erkennen, ob Wasser in das System eingedrungen ist", erklärt Ingenieur Eliseo Pignanelli, der das Verfahren mitentwickelt hat. Die Daten aus der Messzelle können die Ingenieure in das Steuerungs- oder Fernüberwachungssystem einer Anlage einbinden, so dass sie diese unabhängig vom Standort der Anlage auswerten können.

Blockheizkraftwerke, die Strom und Wärme direkt am Ort erzeugen, wo sie verbraucht werden und so eine unabhängige Versorgung bieten, kommen vielerorts zum Einsatz, von Industrie, Schulen, Krankenhäusern bis hin zum Privathaushalt. Die Mini-Kraftwerke erreichen einen hohen Wirkungsgrad. Verlustreiche Transportwege der Energie entfallen, nicht selbst genutzter Strom kann ins öffentliche Netz eingespeist werden. Die bislang üblichen turnusmäßigen Ölwechsel schlagen in der ökonomischen wie ökologischen Bilanz der Anlagen negativ zu Buche. „Bei erdgasbetriebenen Blockheizkraftwerken wird heute das Öl etwa alle 1.500 Betriebsstunden gewechselt, ob es nötig ist oder nicht. Das ist schlecht für die Umwelt und erhöht zugleich die Betriebskosten der Anlagen. Mit unserem Messsystem lässt sich dies vermeiden", erläutert Andreas Schütze.

Das Saarbrücker Sensorsystem kann serienmäßig in Blockheizkraftwerken eingebaut werden. Auch in sonstigen Industrie- und Windkraftanlagen oder Maschinen - und sogar mobil - kann es zum Einsatz kommen. Es eignet sich außerdem zur Überwachung anderer Flüssigkeiten.
Die Saarbrücker Ingenieure haben das System in verschiedenen Forschungsprojekten an der Universität des Saarlandes und am Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik erarbeitet; mehrere Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft waren hieran beteiligt. Bei dem Verfahren speziell für Blockheizkraftwerke arbeiten sie mit den Thüringer Unternehmen WEGRA, EAW und ZILA zusammen, die auf Anlagenbau, Blockheizkraftwerke sowie Sensorik spezialisiert sind. Die Forschungsprojekte förderten das Bundeswirtschaftsministerium, das Bundesforschungsministerium, das saarländische Wirtschaftsministerium und der Europäische Fond für regionale Entwicklung.

Kontakt:
Prof. Dr. Andreas Schütze, Tel.: 0681/302 4663, schuetze@lmt.uni-saarland.de
Dipl.-Ing. Eliseo Pignanelli: Tel.: 0681-85 787 44, e.pignanelli@lmt.uni-saarland.de
http://www.lmt.uni-saarland.de

Hintergrund:
Am Zentrum für Mechatronik und Automatisierungstechnik ZeMA in Saarbrücken arbeiten Saar-Uni, Hochschule für Technik und Wirtschaft sowie Industriepartner zusammen, um Mechatronik und Automatisierungstechnik im Saarland zu stärken sowie den Technologietransfer zu fördern. In zahlreichen Projekten wird industrienah entwickelt und neue Methoden aus der Forschung in die industrielle Praxis umgesetzt. http://www.zema.de

Der saarländische Forschungsstand wird organisiert von der Kontaktstelle für Wissens- und Technologietransfer der Universität des Saarlandes (KWT). Sie ist zentraler Ansprechpartner für Unternehmen und initiiert unter anderem Kooperationen mit Saarbrücker Forschern. http://www.uni-saarland.de/kwt

Quelle: idw 

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Durstige Landwirtschaft: Übermässige Grundwassernutzung bedroht Lebensmittelversorgung weltweit

Sabine Wendler Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum Pressestelle
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Der Anbau international gehandelter Lebensmittel zapft immer größere Mengen an nicht-erneuerbarem Grundwasser an. Dies führt dazu, dass die Grundwasservorräte schrumpfen - die zukünftige Verfügbarkeit von Lebensmitteln und Wasser gerät damit weltweit in Gefahr, warnt ein internationales Forscherteam im Fachblatt „Nature". Laut den Experten des University College of London, des Senckenberg, der Universität Klagenfurt, der NASA and des International Institute for Applied Systems Analysis, ist die Menge an nicht-erneuerbarem Grundwasser, das zur Bewässerung genutzt wird, von 2000 bis 2010 um knapp ein Viertel angestiegen.

Reis aus Pakistan, Weizen aus Ägypten und Baumwolle aus den USA - wenn es um die Herkunft dieser und anderer landwirtschaftlicher Güter geht, bedient sich auch der deutsche Verbraucher gern international. Was in Anbauregionen mit aridem oder semiariden Klima an Regen fehlt, wird durch Bewässerung mit Grundwasser ersetzt. Und genau das ist ein Problem. „Die Menge des dabei verbrauchten, nicht-erneuerbaren Grundwassers - also Wasser, das nicht oder nur wenig durch Regen oder Eindringen von Oberflächenwasser erneuert wird - hat weltweit zwischen 2000 und 2010 um 22 Prozent zugenommen. 11 Prozent des übermäßig genutzten Grundwassers fließen in den Bewässerungsanbau von international gehandelten Lebensmitteln", so Dr. Thomas Kastner, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und Universität Klagenfurt, Ko-Autor der neuen Nature-Studie.

Hauptexporteur von landwirtschaflichen Produkten, die mit nicht- erneuerbaren Grundwasser angebaut wurden, ist Pakistan (29 % des nicht-erneuerbaren Grundwassers, das weltweit zum Anbau gehandelter landwirtschaftliche Produkte eingesetzt wird), gefolgt von den USA (27 %) und Indien (12 %). Beim Import ist China der Spitzenreiter (9 % des nicht-erneuerbaren Grundwassers, das weltweit zum Anbau gehandelter landwirtschaftliche Produkte eingesetzt wird), gefolgt von den USA und Iran. Für Deutschland liegt dieser Wert immerhin bei 2,5 % und damit deutlich über dem Anteil der Deutschen an der Weltbevölkerung.

Exporteure von Produkten, zu deren Anbau übermässig Grundwasser verbraucht wurde, mögen kurzfristig profitieren. Langfristig gesehen dürfte diese Form der Landwirtschaft aber nicht aufrechtzuerhalten sein. Aber auch für Importeure, wie Deutschland, birgt die Entwicklung Risiken. „Obwohl in Deutschland kein Grundwassermangel herrscht, importieren wir Nahrungsmittel, die durch übermässige Grundwassernutzung hergestellt wurden. Langfristig gesehen, könnte diese Versorgung einbrechen oder die Preise stark steigen", so Kastner.

Die Liste der Produkte, die im internationalen Handel das meiste nicht-erneuerbare Grundwasser ‚im Gepäck haben‘ wird angeführt von Reis (29 % der Gesamtmenge an nicht-erneuerbarem Grundwasser). Mit Abstand folgen Weizen (12 %) und Baumwolle (11 %), Mais (4 %) und Sojabohnen (3 %). Beim Anbau in trockeneren Regionen werden häufig konventionelle Berieselungssysteme eingesetzt. Sie stehen in der Kritik, weil die Entnahmenraten 20 bis 50 Mal über der Menge an Grundwasser liegen, die als erneuerbar eingeschätzt wird.

Dr. Carole Dalin vom University College London, Hauptautorin der Studie, ist besorgt: „Wo und wie Produkte angebaut werden ist äußerst wichtig, denn Grundnahrungsmittel wie Brot und Reis könnten sich negativ auf die globalen Wasservorräte auswirken. Wenn sich Verbraucher und Produzenten nicht auf Strategien einigen, um die Nachhaltigkeit der Grundwasernutzung zu maximieren, stehen für einen großen Teil der Weltbevölkerung die stabile Nahrungsmittelversorgung und -preise auf dem Spiel. Im Zuge des Klimawandels werden zudem Dürren in vielen Regionen häufiger werden. Um dies kompensieren zu können, dürfen wir die Grundwasservorräte nicht erschöpfen."

Kontakt
Dr. Thomas Kastner
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. 069- 7542 1807
thomas.kastner@senckenberg.de

Sabine Wendler
Pressestelle
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. 069- 7542 1818
Sabine.wendler@senckenberg.de

Publikation
Dalin, C., Wada, Y. Kastner, Th. And Puma, M.J. (2017): Groundwater depletion embedded in international food trade. Nature. Doi: 10.1038/nature21403

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblicke in vergangene und gegenwärtige Veränderungen der Natur vermittelt. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie weiteren Sponsoren und Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

200 Jahre Senckenberg! 2017 ist Jubiläumsjahr bei Senckenberg - die 1817 gegründete Gesellschaft forscht seit 200 Jahren mit Neugier, Leidenschaft und Engagement für die Natur. Seine 200-jährige Erfolgsgeschichte feiert Senckenberg mit einem bunten Programm, das aus vielen Veranstaltungen, eigens erstellten Ausstellungen und einem großen Museumsfest im Herbst besteht. Natürlich werden auch die aktuelle Forschung und zukünftige Projekte präsentiert. Mehr Infos unter: www.200jahresenckenberg.de.

Quelle: idw 

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Neue Müslis für die Gesundheit

Stephan Laudien Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Ernährungswissenschaftler der Uni Jena untersuchen das gesundheitsfördernde Potenzial von Hafer und Gerste nach dem Rösten

Die Getreidesorten Hafer und Gerste fristen ein kümmerliches Nischendasein in der menschlichen Ernährung. Aktuell gelangen nur ein Prozent der Gersten- und 14 Prozent der Haferproduktion auf den Tisch. Dabei haben Gerste und Hafer durch ihren hohen Gehalt an β-Glucan das Potenzial, zur Prävention ernährungsbedingter Krankheiten wie Diabetes, Darmkrebs oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen beizutragen.

Ernährungswissenschaftler der Universität Jena loten dieses Potenzial jetzt in einem neuen Forschungsprojekt aus, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird.

„Wir wollen Röstbedingungen für diese Getreide etablieren, die zu sensorisch hochwertigen Produkten führen", sagt Prof. Dr. Michael Glei. Der Ernährungswissenschaftler von der Universität Jena leitet das neue Forschungsprojekt gemeinsam mit seinem Fachkollegen Prof. Dr. Stefan Lorkowski. Für ihr Vorhaben haben sie Partner aus kleinen und mittelständischen Unternehmen gewonnen - eine Voraussetzung, um die Förderung von ca. 350.000 Euro durch das Bundesministerium zu erhalten. Einer der Partner ist der führende Hersteller für Röstmaschinen, außerdem sind diverse Mühlen und Bäckereien involviert.

„Beim Rösten sollen die Eigenschaften verbessert werden, ohne dass wir Verluste bei den Inhaltsstoffen haben", erläutert Dr. Wiebke Schlörmann, die die Studie gemeinsam mit Dr. Christine Dawczynski durchführen wird. Erste Pilotstudien hätten gute Ergebnisse gebracht, wobei die Wissenschaftler mit dem Rösten tatsächlich Neuland betreten.

Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen mit gesundheitsfördernden Eigenschaften gehört das β-Glucan, ein langkettiges Polysaccharid. Dieser Ballaststoff gelangt unverdaut in den Dickdarm und wird dort durch Bakterien fermentiert, wobei u. a. kurzkettige Fettsäuren entstehen. „Die bei der Fermentation entstehenden Stoffe haben positive Effekte auf die Darmgesundheit", sagt Dr. Schlörmann. Es müsse jedoch sichergestellt werden, dass die positiven Effekte nicht durch das Rösten verlorengehen.

Ein Teil des Projekts, das zunächst auf zwei Jahre angelegt ist, wird eine Humaninterventionsstudie sein, bei der die Kurz- und Langzeiteffekte einer Ernährung mit hohem Anteil an Gerste- und Haferprodukten untersucht werden.

Bereits jetzt werden Müslis und Brötchen mit Hafer- und Gerstenflocken durchaus gern verzehrt. Die Jenaer Ernährungswissenschaftler wollen mit ihrer Studie diese Beliebtheit wissenschaftlich untermauern.

Kontakt:
Prof. Dr. Michael Glei
Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Straße 24, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949674
E-Mail: michael.glei@uni-jena.de

Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Quelle: idw 

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Energie aus der Toilette

Monika Landgraf Presse, Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

Abwasser steht im Geruch, zu nichts Nutze zu sein - zu Unrecht! Waschwasser ist durchschnittlich 30 Grad warm. Aus Toilettenwasser könnten nicht nur Biogas und Dünger sondern auch wertvolle Ressourcen gewonnen werden, die ungenutzt den Bach runtergehen. Schlimmer: An Durchfallerkrankungen durch falschen Umgang mit Abwasser sterben jährlich über zwei Millionen Menschen. Wie diesen Missständen begegnet werden kann, daran forschen die Experten der „Wasser-Energie-Gruppe" am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

Obwohl etwa 72 Prozent der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt sind, eignet sich nur 0,3 Prozent davon als Trinkwasser. „Angesichts dessen ist Abwasser kein Abfall. Es enthält thermische Energie, chemische Energie in Form von Kohlenstoffverbindungen und wertvolle Pflanzennährstoffe. Jetzt gilt es, Verfahren zu entwickeln, die es erlauben, diese Ressourcen zu nutzen", sagt Helmut Lehn vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS). Die Abwärme häuslichen Abwassers könne zum Beispiel mittels Wärmetauschern in Kanalrohren verwertet werden. „Noch effektiver ist es, das warme Abwasser aus Waschmaschine und Bad direkt im Haus zu nutzen, um etwa frisches Wasser zum Duschen vorzuwärmen", ergänzt Witold Poganietz, der gemeinsam mit Lehn die Forschungsgruppe leitet. Eine solche Anlage sei in einem Berliner Wohnblock bereits in Betrieb.

Eine Grundvoraussetzung, um die Ressource Abwasser intelligent auszuschöpfen, sei die Trennung der Abwasserströme aus Toilette (Schwarzwasser) und Bad sowie Küche (Grauwasser), erläutert Lehn. Würden Exkremente separat und unverdünnt abtransportiert - zum Beispiel durch Vakuumtoiletten wie im Flugzeug oder ICE - ließen sich aus einem Liter Abwasser drei Liter Biogas gewinnen. „Durch die Zugabe von Biomüll könnte die Energieausbeute sogar noch gesteigert und die Biotonne im Haushalt eingespart werden", sagt Lehn. Darüber hinaus sei „Urin ein idealer Pflanzendünger. Denn es enthält Stickstoff, Kalium und Phosphor." Da Letzteres als nicht-erneuerbare Ressource gilt, die im Übrigen vermutlich noch vor Kohle und Erdöl zur Neige gehe, werde intensiv daran geforscht, es aus kommunalem Abwasser und Klärschlamm zurückzugewinnen. So ließe sich auch die Nachfrage nach Kunstdünger, dessen Herstellung sehr energieintensiv ist, vermindern.


Während bei bestehender Infrastruktur die gemischten Abwässer wohl weiterhin aufwendig gereinigt werden müssten, biete sich die Trennung der Abwasserströme bei Neubaugebieten an, meint Franka Steiner vom ITAS. Gleiches gelte für die immer weiter wachsenden Ballungsräume in Schwellen- und Entwicklungsländern. „Denn hier gibt es oft überhaupt noch keine Sanitärsysteme", sagt die Geoökologin, die wie Lehn weltweit unterwegs ist, um Akteure wie Stadtverwaltungen bei der Planung von Abwassersystemen zu beraten. Ein Trennsystem, das sowohl Energie als auch Nährstoffe aus dem Abwasser mehrerer tausend Einwohner gewinnt, erprobe zur Zeit die Stadt Hamburg in einem Konversionsgebiet. Ein Projekt, das die ITAS-Forscher mit großem Interesse verfolgen.

UN-Weltwassertag erinnert an Millionen Tote durch falschen Umgang mit Schmutzwasser
Um auf die weltweite Abwasserproblematik aufmerksam zu machen, haben die Vereinten Nationen den alljährlichen „United Nations World Water Day" („Tag des Wassers"), der seit 1993 immer am 22. März begangen wird, diesmal unter das Motto „Wastewater" also Abwasser gestellt. Mit gutem Grund: Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO verursachen Durchfallerkrankungen, die mit dem unsachgemäßen Umgang mit Abwasser in Verbindung gebracht werden, vier Prozent aller Todesfälle weltweit - Tendenz steigend
.
Viele der über zwei Millionen Opfer pro Jahr seien Kinder, die in Entwicklungsländern leben, sagt Lehn. Zum Vergleich: Im Jahr 2015 starben rund 440.000 Menschen an Malaria (halb so viele wie 15 Jahre zuvor) und 1,1 Millionen Menschen an AIDS. Einen Grund für den Anstieg der tödlichen Durchfallerkrankungen sieht ITAS-Forscher Lehn in der fortschreitenden Urbanisierung mit immer mehr Menschen, die in städtischen Slums eng gedrängt und ohne hygienische Abwasserbehandlung leben.

ITAS informiert wie Bürger Abwasser schon heute nutzen können
Aus erster Hand über die Nutzungsmöglichkeiten von Abwasser informieren können sich Besucher am Donnerstag, 11. Mai, von 18 bis 21 Uhr, im ITAS-Gebäude (Karlstraße 11, 76021 Karlsruhe). Es sprechen Experten der „Wasser-Energie-Gruppe" sowie Praktiker der Abwasserwirtschaft und der Entwicklungszusammenarbeit. „Bürger können hier selbst eine Einschätzung gewinnen, wie es um unser derzeitiges Abwasserbehandlungssystem bestellt ist, welche Nutzungsmöglichkeiten alternativer Abwassersysteme jedem Einzelnen schon heute offenstehen und welche ein gemeinsames Vorgehen von Hausbesitzern und Kommunen erfordern, sagt Helmut Lehn.

Zusammenhänge zwischen Wasser, Energie und Abfall: ITAS-Planspiel auf der Weltwasserwoche
Auf der World-Water-Week in Stockholm vom 27. August bis 1. September 2017, zu der unter dem Motto „Water and waste - reduce and reuse" mehr als 3.000 Besucher aus aller Welt erwartet werden, präsentiert die Wasser-Energie-Gruppe des ITAS ein Planspiel. „Dabei sollen technoökonomische sowie soziokulturelle und ökologische Zusammenhänge zwischen Wasser, Energie und Abfall beleuchtet und Konzepte für unterschiedliche urbane Kontexte entworfen werden", sagt Jasmin Friedrich, die zum Thema Wasser-Energie-Nexus forscht.

KIT bildet Spezialisten im nachhaltigen Umgang mit Wasser aus
Einen weiteren Beitrag zur Lösung der weltweiten Wasserprobleme leistet das KIT mit dem Masterstudiengang „Water, Science & Engineering". Das KIT bietet hier eine interdisziplinäre, forschungsorientierte Ausbildung an der Schnittstelle wasserbezogener Ingenieur- und Naturwissenschaften. Das Studium vermittelt fundierte Fachkenntnisse in wasserbezogenen Ingenieur- und Naturwissenschaften. Dazu gehören Wassertechnologie und Siedlungswasserwirtschaft, Wasserbau und Hydraulik sowie Umweltsystemwissenschaft und Wasserressourcenmanagement. Der Studiengang ist international ausgerichtet und ein großer Teil des Lehrangebots ist englischsprachig. Absolventinnen und Absolventen qualifizieren sich für eine verantwortungsvolle Tätigkeit in Planungs- und Ingenieurbüros, Industrieunternehmen, im Öffentlichen Dienst, der internationalen Entwicklungszusammenarbeit und der Wissenschaft.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verbindet seine drei Kernaufgaben Forschung, Lehre und Innovation zu einer Mission. Mit rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie 25 000 Studierenden ist das KIT eine der großen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas.
KIT - Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft

Das KIT ist seit 2010 als familiengerechte Hochschule zertifiziert.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: www.kit.edu

Anhang
Energie aus der Toilette
https://idw-online.de/de/attachment56902

Quelle: idw 

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Internationales Team um Oldenburger Meeresforscher untersucht Meeresoberfläche

Dr. Corinna Dahm-Brey Presse und Kommunikation
Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Internationale Meeres- und Klimaforscher kamen am 27. März zu einem bisher einzigartigen Experiment am Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg zusammen. Zwei Wochen lang wurde das interdisziplinäre Expertenteam vom Wilhelmshavener ICBM Standort aus auf dem Jadebusen die hauchdünne Oberflächenschicht des Meeres auch in der Nacht untersuchen. Sie beeinflusst den Gasaustausch zwischen Atmosphäre und Ozean und wirkt sich auch auf das Klimageschehen aus.

Der größte Teil der Ozeane ist von dünnen natürlichen Häutchen, sogenannten Oberflächenfilmen, bedeckt. Angereichert mit organischen Verbindungen biologischen Ursprungs bilden sie eine turbulenzfreie Grenzschicht auf der Meeresoberfläche. Diese Schicht verlangsamt den Gasaustausch zwischen Ozean und Atmosphäre. Und oft bietet sie ideale Lebensbedingungen für Mikroorganismen, die diesen Austausch zusätzlich aktiv beeinflussen können. Die Wissenschaftler des Projektteams vermuten, dass sich dieser Film bei Dunkelheit anders verhält als am Tag: Die Sonneneinstrahlung lässt zum Beispiel Mikroalgen Sauerstoff (O2) produzieren - die Ozeane steuern immerhin die Hälfte des Luftsauerstoffs auf der Erde bei. Darüber hinaus nehmen die Meere ungefähr ein Drittel des von Menschen produzierten Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) auf. Speziell nachts, so die Annahme, könnten allerdings atmende Mikroorganismen in der Grenzschicht in den Vordergrund treten, die ebenfalls CO2 produzieren.
In den kommenden zwei Wochen am Jadebusen geht es vor allem um folgende Fragen: Schwanken die Zusammensetzung und die Stoffwechselleistungen der Mikroben-Gemeinschaften im Tagesverlauf nennenswert? Und beeinflussen Sie tatsächlich in maßgeblicher Form den Gasaustausch von O2 und CO2 durch den Oberflächenfilm? Außerdem interessiert die Wissenschaftler, inwieweit biologische, physikalische und (photo-) chemische Prozesse die Menge und Beschaffenheit feinster Schwebstoffe (Aerosole) über der Meeresoberfläche prägen - diese wirken sich auch auf die Wolkenbildung aus.
„Es ist das erste Mal, dass wir Oberflächenfilme auch nachts untersuchen, überdies international und fachübergreifend. Das wird eine Herausforderung, denn die Arbeit bei Dunkelheit auf See ist ohnehin nicht einfach", erklärt Dr. Mariana Ribas Ribas, Ozeanographin in der Arbeitsgruppe (AG) Meeresoberflächen am ICBM. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. Christian Stolle, der zudem am Institut für Ostseeforschung (IOW) forscht, hat sie das Projekt initiiert. Die Idee für „MILAN" (sea-surface microlayer functioning during the night) ist auf unkonventionelle Weise am Rande einer Fachtagung entstanden. „Normalerweise wirbt man Geld ein und führt dann ein Projekt durch. Hier lief es anders herum", so Ribas Ribas weiter. Gemeinsam wolle man MILAN nun zu einem europäischen Projekt ausbauen.
Zum Team gehören Forscher aus Costa Rica, Dänemark, Großbritannien, Italien, Kroatien, Polen, Schweden und Spanien. Von deutscher Seite sind neben den Projektinitiatoren Ribas Ribas und Stolle sowie dem Leiter der durch den European Research Council (ERC Starting Grants) geförderten AG Meeresoberflächen, Dr. Oliver Wurl, weitere Wissenschaftler der Universität Oldenburg, des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, des Bremer Leibniz-Zentrums für Marine Tropenforschung (ZMT) und des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (TROPOS) in Leipzig beteiligt.
Dem Projektteam steht der Forschungskutter „Senckenberg" des Wilhelmshavener Senckenberg Instituts zur Verfügung. Von Bord des Schiffes aus soll neben einer sensorbestückten Spezial-Driftboje auch ein ferngesteuerter Forschungskatamaran der ICBM AG Meeresoberflächen zum Einsatz kommen: Er sammelt größere Mengen des Oberflächenfilms für Laboruntersuchungen ein. Zweckgebundene universitäre Mittel in begrenztem Umfang erlauben zudem den Einsatz des ICBM-Forschungsbootes „Otzum".
MILAN beginnt am 27. März und endet vorerst am 13. April. Interessierte können dem Projekt über soziale Medien folgen: Es wird ein Blog unter http://icbm-auf-see.uni-oldenburg.de/category/home/fs-senckenberg/ eingerichtet, und Dr. Mariana Ribas Ribas wird nach Projektbeginn via Twitter unter dem Hashtag #MILANProject informieren.

Weitere Informationen:
http://www.icbm.de/

Quelle: idw 

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Besser lernen dank Zink?

Dr. Karin J. Schmitz Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Zink reguliert die Speicherung und Ausschüttung von Neurotransmittern

Zink ist ein wichtiges Spurenelement, das an vielen zellulären Vorgängen beteiligt ist: Z.B. bei Lern- und Gedächtnis-Prozessen spielt es eine - bisher nicht verstandene - Rolle. Dieser sind schwedische Forscher jetzt einen Schritt näher gekommen. Durch nanoelektrochemische Messungen konnten sie zeigen, dass Zink die Ausschüttung von Botenstoffen beeinflusst. Wie sie in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, änderte Zink die in Vesikeln gelagerte Botenstoffmenge und die Dynamik bei deren Ausschleusung aus der Zelle.

Bei der Signalübertragung an Synapsen werden Botenstoffe (Neurotransmitter) aus Vorratsspeichern, den synaptischen Vesikeln, in den synaptischen Spalt ausgeschüttet und von der benachbarten Nervenzelle „erkannt". Die Ausschüttung basiert auf einer Ausschleusung (Exocytose): Das Vesikel dockt an die Zellmembran an, öffnet sich an der Kontaktstelle, gibt einen Teil seiner Fracht nach außen ab, schließt sich wieder, trennt sich von der Plasmamembran und kann erneut befüllt werden.

Das Team um Andrew G. Ewing von der Universität Göteborg (Schweden) verwendete Kohlefaser-Elektroden mit Nano-Spitzen, um den Einfluss von Zink auf diese Vorgänge zu beleuchten. Dazu führten sie Messungen einer P12-Zelllinie durch, die analog Nervenzellen den Neurotransmitter Dopamin freisetzt, wenn sie mit einer hohen Kaliumkonzentration stimuliert wird. „Mit einer an die Zelloberfläche angelegten Elektrodenspitze lässt sich das Öffnen der individuellen Vesikel verfolgen und die Anzahl der freigesetzten Moleküle berechnen", so Ewing. Beim Einführen der Elektrodenspitze in die Zelle bleiben die Vesikel des Cytoplasmas dagegen an der Elektrode kleben und setzen ihren gesamten Inhalt frei. Ewing: „Anhand der auftretenden Stromspitzen können wir direkt im Cytoplasma der lebenden Zellen ermitteln, wieviele Transmitter-Moleküle in individuellen Vesikeln gelagert sind."

Nach einer Zinkbehandlung war der gesamte in Vesikeln verpackte Gehalt an Neurotransmittern verringert, im Schnitt enthielten die Vesikel 27 % weniger Transmitter. Gleichzeitig blieb die bei Stimulation freigesetzte Transmittermenge konstant. Eine Analyse der Stromkurven brachte eine Erklärung dieses vermeintlichen Widerspruchs. Ewing sagt: „Zink verändert die Dynamik der Freisetzung. Vor und nach der eigentlichen Öffnung eines Vesikels entsteht an der Berührungsstelle mit der Plasmamembran eine Pore. Nach einer Zink-Behandlung schließt sie sich langsamer als sonst, das Vesikel bleibt länger offen und gibt 92 % seiner Transmitter-Moleküle nach außen ab - statt nur 66 % ohne Zinkbehandlung."

Um das Phänomen weiter zu untersuchen, wurden die Zellen Schicht für Schicht von außen nach innen abgetragen und massenspektrometrisch analysiert. Dabei fanden die Forscher eine Zink-Spezies nahe der Zellmembran und eine zweite im Zellinneren. „Erstere könnte an Proteinkinase C gebunden sind, ein Enzym, das an die Membran bindet, um die Exocytose-Geschwindigkeit zu regulieren. Die Zinkspezies im Zellinneren könnte das Transportprotein, das Dopamin in die Vesikel lädt, verlangsamen", vermutet Ewing. „Unsere Ergebnisse liefern endlich eine Verbindung zwischen Zink und der Regulierung der Neurotransmitterausschüttung, die wichtig sein könnte bei der Erzeugung und Speicherung von Erinnerungen."

Autor: Andrew G. Ewing, Chalmers University of Technology (Sweden), https://www.chalmers.se/en/staff/Pages/andrew-ewing.aspx

Link zum Originalbeitrag: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201700095

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany.

Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de

Quelle: idw 

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Prof. Roger Nitsch: „In der Generation unserer Kinder wird es kein Alzheimer mehr geben"

Dr. Christian Leibinnes Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Alzheimer Forschung Initiative e.V.

„Wir sind fast da, es dauert nur noch ein paar Jahre. In der Generation unserer Kinder wird es kein Alzheimer mehr geben", sagte Prof. Dr. Roger Nitsch bei einer Veranstaltung der gemeinnützigen Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) im Rahmen des Alzheimer's & Parkinson's Diseases Congress (AD/PD) am Freitag in Wien. Prof. Nitsch ist Erfinder des hoffnungsvollen Alzheimer-Wirkstoffs Aducanumab, der zurzeit in einer Phase-3-Studie an einer großen Probandenzahl getestet wird. Aducanumab ist ein Antikörper, der sich gegen die für Alzheimer charakteristischen Plaques aus Beta-Amyloid richtet.

„Wir haben die Hoffnung, irgendwann ein Heilmittel zu finden. Diese Hoffnung ist auch mit dem Namen Roger Nitsch verbunden", sagte der AFI-Vorstandsvorsitzende Dr. Michael Lorrain.

Prof. Nitsch, der heute am Institut für Regenerative Medizin der Universität Zürich forscht, war der erste Wissenschaftler, der eine Projektförderung der AFI bekam. Im Jahr 1996, ein Jahr nach Gründung der AFI, wurde das Projekt „Untersuchung von erinnerungsspezifischen Rezeptoren" mit 150.000 DM gefördert. Prof. Nitsch, der damals am Zentrum für Molekularbiologie der Universität Hamburg tätig war, beschäftigte sich mit erinnerungsspezifischen Genen, die durch Alzheimer-Medikamente beeinflusst werden. Daraus sollten effizientere Wirkstoffe entwickelt werden. „Die Förderung der Alzheimer Forschung Initiative war für mich der erste Grant nach meiner Rückkehr aus Boston. Diese Förderung hat mir meine weitere Arbeit ermöglicht", sagte Prof. Nitsch.

„Ich wurde am Anfang meiner Laufbahn von Medizinern und Forschern ausgelacht, als ich sagte, dass ich mich für das Thema Alzheimer-Forschung interessiere. Noch vor 30 Jahren wusste niemand, dass Alzheimer eine richtige Krankheit ist", sagte Prof. Nitsch über die Anfänge seiner Forschung.

Nach dem Forschungsprojekt von Prof. Nitsch konnte die AFI insgesamt 200 weitere Forschungsaktivitäten mit über 8,4 Millionen Euro unterstützen. Das Forschungsportfolio der AFI reicht von zweijährigen Standard-Grants für erfahrene Forscher im Wert von 100.000 Euro über Pilot Grants für junge Forscher mit einer Fördersumme von 40.000 Euro bis hin zu Weiterbildungsaufenthalten und Reisekostenzuschüssen für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Über die Alzheimer Forschung Initiative e.V.
Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein. Seit 1995 fördert die AFI mit Spendengeldern Forschungsprojekte engagierter Alzheimer-Forscher und stellt kostenloses Informationsmaterial für die Öffentlichkeit bereit. Bis heute konnte die AFI 201 Forschungsaktivitäten mit über 8,4 Millionen Euro unterstützen und 750.000 Ratgeber und Broschüren verteilen. Interessierte und Betroffene können sich auf www.alzheimer-forschung.de fundiert über die Alzheimer-Krankheit informieren und Aufklärungsmaterial anfordern. Ebenso finden sich auf der Webseite Informationen zur Arbeit des Vereins und allen Spendenmöglichkeiten. Botschafterin der AFI ist die Journalistin und Sportmoderatorin Okka Gundel.

Weitere Informationen:
http://www.alzheimer-forschung.de/5129 - Kostenfreies Fotomaterial

Quelle: idw 

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Antibiotika wirken gegen Rückenschmerzen - Dänische Wissenschaftlerin erhält Deutschen Schmerzpreis

Nicole Zeuner Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V.

Für ihre revolutionären Studien zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika wurde Dr. Hanne Albert, Odense, Dänemark, mit dem DEUTSCHEN SCHMERZPREIS - Deutscher Förderpreis für Schmerzforschung und Schmerztherapie ausgezeichnet. Der Preis wurde im Rahmen des Deutschen Schmerz- und Palliativtages 2017 in Frankfurt am Main überreicht. Wissenschaftlicher Träger des Preises ist die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS), der Preis wird gemeinsam mit der Deutschen Schmerzliga e.V. verliehen. Er wird von dem Limburger Pharmaunternehmen Mundipharma gestiftet und ist mit 10.000 Euro dotiert.

Ungefähr die Hälfte der Patienten mit chronischen Schmerzen im unteren Rücken weisen bei Untersuchungen im MRT Ödeme im Knochenmark, so genannte ‚modic changes', auf. Bei ersten Untersuchungen konnte Albert in dem nach einem Bandscheibenvorfall entnommenen Gewebe bei mehr als 50 Prozent der Patienten Bakterien nachweisen. Zu einem Großteil war das Gewebe mit P. acnes infiziert. Dieses Bakterium, das zur natürlichen Mundflora gehört, gelangt beispielsweise über kleine Verletzungen, die beim Zähneputzen entstehen, ins Blut. Über neu gebildete Kapillaren an dem ausgetretenen Gewebe der Bandscheibe gelangen die Bakterien schließlich ins Innere der Bandscheibe und verbleiben dort auch nach einer Ausheilung des Bandscheibenvorfalls und verursachen Entzündung, Knochenödem und Schmerzen.

So entstand die Idee, in einer Pilotstudie zu testen, ob Antibiotika gegen den Bakterienbefall und damit auch gegen die Rückenschmerzen der Patienten wirken können. Bereits diese erste Studie zeigte signifikante Ergebnisse in der Verbesserung - sowohl der Schmerzsymptome als auch der funktionellen Beschwerden der Patienten. Weitere randomisierte, placebo-kontrollierte Studien bestätigen das Ergebnis. Die Patienten erhielten über einen Zeitraum von 100 Tagen 3-mal täglich 1.000 mg Amoxicillin. Erste Effekte zeigten sich nach 6 bis 8 Wochen und setzten sich über eine Follow-up-Zeit von einem Jahr, in einer weiteren Studie sogar über zwei Jahre, fort.

Antibiotika bei „modic changes" mit Bakteriennachweis
Auf die Frage, ob nun alle Patienten mit Schmerzen im unteren Rücken mit Antibiotika behandelt werden sollen, sagte Albert: „Nein, aber diejenigen mit ‚modic changes', bei denen Bakterien eine Rolle spielen, profitieren enorm." Ein revolutionärer Ansatz in der Schmerzmedizin, der nicht nur das Leiden von Millionen von Patienten lindern könnte, sondern auch enorme Kosten aufgrund von Arbeitsunfähigkeiten und Frühberentungen einsparen könnte. Diese Forschungsanstrengungen wurden nun mit dem DEUTSCHEN SCHMERZPREIS ausgezeichnet.

„Hanne Albert hat mit ihrer bahnbrechenden Arbeit schmerzmedizinische Denkweisen nachhaltig verändert und eine neue Diskussionsbasis zum Verständnis von chronischen Rückenschmerzen geschaffen", so Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin in seiner Laudatio.

Der DEUTSCHE SCHMERZPREIS - Deutscher Förderpreis für Schmerzforschung und Schmerzmedizin - wird jährlich an Persönlichkeiten verliehen, die sich durch wissenschaftliche Arbeiten über Diagnostik und Therapie akuter und chronischer Schmerzzustände verdient gemacht oder die durch ihre Arbeit oder ihr öffentliches Wirken entscheidend zum Verständnis des Problemkreises Schmerz und der davon betroffenen Patienten beigetragen haben.

Weitere Informationen:

http://www.schmerz-und-palliativtag.de

Anhang
PM_Schmerztag 2017_Verleihung Deutscher Schmerzpreis
https://idw-online.de/de/attachment56954

Quelle: idw 

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Ein Fisch macht Schule: Mit dem Stör werden Kinder und Jugendliche zu Gewässerexperten

Angelina Tittmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Kleine Störe auf die Reise schicken, mit Kescher und Forschungsinstrumenten Gewässer entdecken und eigene Experimente und Exkursionen durchführen - all dies ermöglicht das Projekt „Wanderfisch". Unter dem Motto „Einmal zum Meer und zurück: Auf Wanderschaft mit Stör, Lachs & Co." richtet sich das Projekt an Schulen und macht Kinder und Jugendliche zu Gewässerexpertinnen und -experten. Ab sofort können sich Einrichtungen für die kostenlose Teilnahme bewerben. „Wanderfisch" wird vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und BildungsCent e.V. durchgeführt und im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2016*17 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

BildungsCent und das IGB laden Schulklassen im Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane ein, den Stör auf seiner Reise zwischen Fluss und Meer zu begleiten. Störe sind die größten Wanderfische unserer Breiten. Die bis zu fünf Meter langen Tiere lebten schon zu Zeiten der Dinosaurier. Heute sind sie fast ausgestorben. Nur in Frankreich existiert noch ein kleiner Bestand. Ein umfangreiches Wiederansiedlungsprogramm sowie die Verbesserung der Lebensräume sollen die Wanderfische eines Tages wieder in unsere Flüsse zurückbringen.

Ihre beschwerliche Reise zwischen dem Meer, wo sie ausreichend Nahrung finden, und unseren Flüssen, in denen sie ihre Eier ablegen, treten Störe gleich mehrfach in ihrem langen Leben an. „Aufgrund dieser Lebensweise sind Störe und andere Wanderfische auf frei fließende und saubere Gewässer angewiesen", erklärt IGB-Experte Dr. Jörn Geßner, der sich seit über 20 Jahren für die Wiederansiedlung dieser stark bedrohten Tiere einsetzt. An der Lebensweise der Störe lassen sich deshalb Themen wie Artenschutz, Gewässerverbauung und -verschmutzung, Konflikte zwischen Wirtschaft und Naturschutz sowie die Verbindung von Fluss und Meer besonders anschaulich und praxisnah vermitteln.

Es ist Zeit, rauszugehen: Vielseitige Materialien unterstützen Gewässerprojekte
Das Projektteam hat ein umfangreiches Angebot an Materialien zusammengestellt: „Mit Becherlupen, Keschern, Fernglas und Bestimmungsbüchern befüllt, lädt unser GewässerRucksack ein, die heimischen Gewässer zu entdecken", sagt Bianca Neumann von BildungsCent. „Zudem erhalten teilnehmende Schulen ein GewässerPäckchen, das mit vielen Projekt- und Exkursionsideen, Bauanleitungen für Forschungsinstrumente und Gewässerexperimenten Schülerinnen und Schüler ins nachhaltige Handeln bringt." So werden Schülerinnen und Schüler aktiv an Fragestellungen und Lösungsansätzen des Arten- und Gewässerschutzes beteiligt.

Das Projekt Wanderfisch bietet Schulen auch die Möglichkeit, sich aktiv an einer Stör-Besatzaktion an der Oder und anderen deutschen Flüssen zu beteiligen. Einrichtungen können sich außerdem eine kostenlose Ausstellung rund um die Themen Stör, Fluss und Meer ausleihen.

Wanderfisch richtet sich primär an die 1. bis 7. Klassenstufe. Schulen und Bildungseinrichtungen können sich ab sofort mit ihren geplanten Gewässerprojekten für die kostenlose Teilnahme bewerben: http://www.wanderfisch.info/bewerbungsformular

Die ersten 50 Schulen erhalten einen GewässerRucksack. Zusätzlich gehen 200 GewässerPäckchen an Lehrerinnen und Lehrer, die mit ihren Schülerinnen und Schülern eigene Gewässerprojekte umsetzten möchten.

Weitere Informationen sowie Materialien bündelt die Wanderfisch-Website unter: http://www.wanderfisch.info

Ansprechpartner:
Bianca Neumann
BildungsCent e.V.
Schulkontakte und Anmeldung
030 610 81 44 68
bneumann@bildungscent.de

Madeleine Ammar
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Projektkoordination
030 641 81 975
ammar@igb-berlin.de

Dr. Jörn Geßner
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Projektleitung
030 641 81 626
sturgeon@igb-berlin.de

Zum Wanderfisch-Film:
In einem kurzen Film für Kinder und Jugendliche erzählt Wanderfisch die Geschichte des Störs und erklärt, warum die Fische vom Aussterben bedroht sind und was wir dagegen tun können:
https://youtu.be/f6Xriulzj64

Zum Wanderfisch-Poster:

Das Poster zeigt, welche Stationen Störe und andere Wanderfische auf ihrer Reise meistern. Es steht auf der Wanderfisch-Website zum Download zur Verfügung und wird mit den Gewässer-Päckchen an teilnehmende Schulen und Einrichtungen versandt:
http://www.wanderfisch.info/sites/default/files/media-files/download-files/17011...

Über das Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane:
Die Meeresforschung ist Thema des Wissenschaftsjahres 2016*17. Zu 71 Prozent bedecken Ozeane und Meere unseren Planeten. Sie sind Klimamaschine, Nahrungsquelle, Wirtschaftsraum - und sie bieten für viele Pflanzen und Tiere Platz zum Leben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen die Ozeane seit Jahrhunderten; und doch sind sie noch immer geheimnisvoll und in weiten Teilen unerforscht. Im Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane geht es um die Ergründung der Gewässer, ihren Schutz und eine nachhaltige Nutzung. Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD). Sie tragen als zentrales Instrument der Wissenschaftskommunikation Forschung in die Öffentlichkeit. Das Wissenschaftsjahr 2016*17 wird vom Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM) als fachlichem Partner begleitet.

Weitere Informationen unter http://www.wissenschaftsjahr.de

Über das IGB:
http://ww.igb-berlin.de

Das IGB ist das bundesweit größte Forschungszentrum für Binnengewässer. Es verbindet Grundlagen- und Vorsorgeforschung, bildet den wissenschaftlichen Nachwuchs aus und berät Politik und Gesellschaft in Fragen des nachhaltigen Gewässermanagements. Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Langzeitentwicklung von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten angesichts sich rasch ändernder Umweltbedingungen, die Renaturierung von Ökosystemen, die Biodiversität aquatischer Lebensräume sowie Technologien für eine ressourcenschonende Aquakultur. Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit den Universitäten und Forschungsinstitutionen der Region Berlin/Brandenburg und weltweit. Das IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.

Über BildungsCent e.V.:
http://www.bildungscent.de

Seit 2003 arbeitet BildungsCent e.V. mit Sitz in Berlin im gesamten Bundesgebiet mit 5.000 Schulen und Bildungseinrichtungen zusammen. Zweck der gemeinnützigen Organisation ist die Förderung einer neuen und nachhaltigen Lehr- und Lernkultur. Alle Programme von BildungsCent e.V. verfolgen das Ziel, die Schule als einen Lebensraum zu entwickeln, in dem die Schülerinnen und Schüler ihre Potenziale entfalten und an der Gestaltung des Schullebens und ihrer Umwelt aktiv teilhaben. BildungsCent e.V. betrachtet Schulen als entscheidende Orte gesellschaftlicher Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit im Sinne der 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 der Vereinten Nationen.

Anhang
Wanderfisch-Logo
https://idw-online.de/de/attachment56922

Quelle: idw 

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Univesität in Landau sucht Teilnehmer für Online-Befragung zum Thema Berufsalltag

Bernd Hegen Referat Öffentlichkeitsarbeit
Universität Koblenz-Landau

Will man die Herausforderungen des Berufsalltags gut meistern, ist neben Fachkenntnissen auch die Fähigkeit gefragt, sich selbst zu motivieren oder Emotionen wie Ärger oder Frust zu regulieren. Das Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) der Universität in Landau führt derzeit eine Studie zu den so genannten personalen Kompetenzen am Arbeitsplatz durch.

Will man die Herausforderungen des Berufsalltags gut meistern, ist neben Fachkenntnissen auch die Fähigkeit gefragt, sich selbst zu motivieren oder Emotionen wie Ärger oder Frust zu regulieren. Das Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) der Universität in Landau führt derzeit eine Studie zu den so genannten personalen Kompetenzen am Arbeitsplatz durch.

Die Befragung dauert rund 15 Minuten und fragt das Verhalten zu verschiedenen Situationen in der Büro- und Arbeitswelt ab. Die Wissenschaftler wollen herausfinden, auf welche Verhaltensstrategien Personen zurückgreifen, um die Anforderungen im Berufsalltag zu bewältigen und welche davon funktionieren. Für die Teilnahme sucht die Universität Berufstätige, ganz gleich in welchem Beruf oder auf welcher Position. Der Online-Fragebogen ist unter http://sitkom.zepf.eu erreichbar. Bei Rückfragen steht Christian Marquardt vom zepf per E-Mail unter marquardt@zepf.uni-landau.de zur Verfügung.

Kontakt:
Zentrum für Empirische Pädagogische Forschung (zapf)
Dipl.-Päd. Christian Marquardt
E-Mail: marquardt@zepf.uni-landau.de

Pressestelle Campus Landau
Kerstin Theilmann
Tel.: 06341 280-32219
E-Mail: ktheilmann@uni-koblenz-landau.de

Weitere Informationen:
http://sitkom.zepf.eu Homepage der Befragung

Quelle: idw 

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Lachs mit Nebenwirkungen / Aquakulturen belasten die Flüsse

Susanne Hufe Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Lecker, vielseitig verwendbar, ein hoher Gehalt an lebensnotwendigen Omega-3-Fettsäuren: Lachse gehören zu den beliebtesten Speisefischen überhaupt. In den Handel kommen neben Wildfängen vor allem Tiere aus Zuchtbetrieben, die allerdings Flüsse, Seen und Meere verschmutzen können. Doch wie groß ist dieses Problem? Dieser Frage sind deutsche und chilenische Wissenschaftler unter Leitung des UFZ nachgegangen. Sie haben die gelösten organischen Verbindungen untersucht, die durch Lachsfarmen in Chiles Flüsse gelangen, und warnen im Fachjournal Scientific Reports davor, dass diese Substanzen die Ökosysteme massiv belasten und ganze Lebensgemeinschaften verändern.

Lachse führen ein ziemlich abwechslungsreiches Leben. Während die erwachsenen Fische im Meer zuhause sind, wandern sie zur Fortpflanzung die Flüsse hinauf und legen ihre Eier in den Kiesbetten der Oberläufe ab. Dort schlüpft der Nachwuchs, wächst eine Zeit lang im sauberen, sauerstoffreichen Wasser heran und macht sich dann auf den Weg Richtung Meer. Wer die beliebten Speisefische züchten will, muss ihnen also je nach Alter unterschiedliche Lebensbedingungen bieten.
Chilenische Fischfarmer tun das, indem sie sich am natürlichen Lebenszyklus der Lachse orientieren. An den klaren Flüssen, die vom Anden-Hauptkamm Richtung Pazifik fließen, haben sie einige hundert Aufzucht-Stationen für die Eier und die jüngsten Tiere eingerichtet. Etwas größere Lachse leben dann in Käfigen in den Seen des südamerikanischen Landes, und die Erwachsenen ziehen schließlich in ähnliche Unterkünfte um, die vor der Küste im Meer verankert sind. Auf diese Weise haben Chiles Aquakulturen 2012 rund 820.000 Tonnen Lachs im Wert von knapp fünf Milliarden US-Dollar produziert. Seit Jahren rangiert das Land auf der Liste der weltweit wichtigsten Lachsproduzenten auf Platz zwei nach Norwegen.

Folgen für die Umwelt?
Aus den Käfigen für die mittelgroßen und großen Fische rieseln Kot, Futterreste und andere Substanzen in die Seen und Küstengewässer des Landes. Und aus etlichen der eigentlich extrem sauberen und naturbelassenen Flüsse leiten die Betriebe Wasser für ihre Aufzuchtstationen ab. Sie pumpen es durch die Becken der Junglachse und leiten es ein Stück weiter unten wieder ein - und zwar in keinem guten Zustand.
Statt klarem Wasser fließt unterhalb solcher Anlagen oft eine nach Fisch stinkende Brühe talwärts - was für Anwohner, Touristen und Wasserlebewesen gleichermaßen eine Belastung ist. „Es darf inzwischen zwar kein völlig trübes Wasser mehr eingeleitet werden", berichtet UFZ-Biologe Dr. Norbert Kamjunke. Die darin enthaltene Menge von Partikeln muss unter bestimmten Grenzwerten bleiben. Daher klären die Aquakulturen ihr Abwasser inzwischen mithilfe von Absetzbecken und Rotationsfiltern. Für gelöste Substanzen aber gibt es solche Vorschriften nicht, diese fließen nach wie vor ohne jede Behandlung oder Überwachung in die Gewässer. Und zwar in gewaltigen Mengen.

In einer früheren Studie haben Norbert Kamjunke und seine Kollegen herausgefunden, dass in solchen Anlagen für 50 Tonnen gezüchteten Lachs rund 40 Tonnen gelöstes organisches Material in den Flüssen landen. Zu diesen Substanzen, die Chemiker unter dem Kürzel DOM (Dissolved Organic Matter) zusammenfassen, gehören zum Beispiel die flüssigen Ausscheidungen der Lachse, sowie aufgelöste Reste von Futter und Kot. „Es sind aber auch Desinfektionsmittel und Antibiotika dabei", erklärt er. Doch aus welchen Verbindungen besteht dieser Cocktail genau? Und was bewirkt er in den Gewässern? Das haben die Forscher nun zum ersten Mal genau untersucht.
Zum Einsatz kamen dabei die modernsten Methoden der chemischen Analytik. Mithilfe von Fluoreszenz-Messungen, hochauflösender Massenspektrometrie und Kern-Magnet-Resonanz-Spektroskopie haben die Forscher das Abwasser von vier chilenischen Aquakulturen sowie Proben aus den oberhalb und unterhalb gelegenen Flussabschnitten unter die Lupe genommen. Bei der Probenahme haben sie dabei mit Kollegen der Universidad Austral de Chile in Valdivia zusammengearbeitet, die späteren Messungen erfolgten am Helmholtz-Zentrum München. „So konnten wir sehr genau bestimmen, welche DOM-Moleküle in welchen Konzentrationen das jeweilige Wasser enthält", erklärt Norbert Kamjunke.

Dabei hat sich herausgestellt, dass jeder der Flüsse von Natur aus einen etwas anderen chemischen Fingerabdruck hat. Strömt er durch waldreiche Gebiete, enthält sein Wasser zum Beispiel viele Huminstoffe. Ein hoher Anteil von Schwefelverbindungen ist dagegen typisch für Gewässer in Vulkanregionen. Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten. So ist in den naturnahen Flussabschnitten generell wenig organisches Material gelöst. Und diese geringe Fracht besteht aus Verbindungen, die für Bakterien schwer zu knacken sind. „Es herrschen dort also sehr nährstoffarme Bedingungen", resümiert Norbert Kamjunke.
Durch die Einleitung der Aquakultur-Abwässer aber ändert sich das Bild. Diese Anlagen setzen große Mengen von leicht abbaubaren Verbindungen frei. Vor allem Kohlenhydrate, Proteine und deren Bausteine sowie Lipide finden sich unterhalb der Anlagen in viel höheren Konzentrationen als oberhalb. Die Aquakulturen verpassen den nährstoffarmen Flüssen also eine Art Düngerschub.

Was bedeutet das für die Gewässer und ihre Bewohner?
Auch dieser Frage sind die Forscher in ihrer Studie nachgegangen. Mithilfe von Laser-Scanning-Mikroskopen haben sie den glitschigen Überzug untersucht, der auf Steinen im Flussbett wächst. Oberhalb der Aquakulturen fanden sich in diesen sogenannten Biofilmen reichlich winzige Algen. Unterhalb waren diese Organismen deutlich seltener, dafür gab es sehr viel mehr Bakterien. „Dadurch aber verändert sich das ganze Ökosystem", erklärt Norbert Kamjunke.
Die Algen am Grund der naturnahen Gewässer spielen nämlich aus mehreren Gründen eine wichtige Rolle. Zum einen produzieren sie Sauerstoff, zum anderen bieten sie Nahrung für zahlreiche winzige Weidetiere. Schnecken grasen den Belag ebenso ab wie Eintags- oder Steinfliegenlarven. Und die wiederum stehen auf dem Speiseplan von Fischen. „Ohne die Algen fehlt diesem ganzen Nahrungsnetz die Grundlage", sagt Norbert Kamjunke. Doch das ist nicht der einzige Punkt, in dem sich die Lebensbedingungen durch das Abwasser der Aquakulturen verändern. Denn während die Bakterien unterhalb der Anlagen das gelöste organische Material abbauen, verbrauchen sie reichlich Sauerstoff. Und zu niedrige Sauerstoff-Konzentrationen bedeuten für viele an saubere Fließgewässer angepasste Arten das Ende.

Die starke Aktivität der Bakterien, die das Team unterhalb der Lachszuchtbetriebe gemessen hat, führt andererseits aber auch zur Reinigung des Wassers. „Trotzdem sollte man die Flüsse nicht als natürliche Kläranlagen missbrauchen", betont Norbert Kamjunke. Denn zum einen verdienen die sauberen und unbelasteten Gewässer mitsamt ihren Bewohnern besonderen Schutz. Zum anderen muss das Wasser unterhalb der Anlagen erst ein ganzes Stück flussabwärts strömen, bis es wieder sauber ist. Wie lang diese Strecke ist, hängt von den äußeren Umständen ab. Am effektivsten arbeiten die kleinen Wasserreiniger bei hohen Temperaturen und langsamen Fließgeschwindigkeiten. Unter solchen Umständen haben sie die Belastung rund 2,7 Kilometer unterhalb der Anlage wieder abgebaut, zeigt eine frühere Studie der Magdeburger Forscher. „Im Winter brauchen sie allerdings eine deutlich längere Fließstrecke", sagt Norbert Kamjunke. Und die haben sie in den kurzen Andenflüssen nicht immer zur Verfügung.

Die Forscher plädieren daher dafür, auch für die eingeleiteten DOM-Konzentrationen Grenzwerte einzuführen. Ihre Erkenntnisse über die Aktivitäten der Bakterien können dabei helfen, diese so festzulegen, dass die Gewässer nicht überlastet werden. Die Aquakulturen müssten dann ihr Abwasser vor dem Einleiten besser reinigen - beispielsweise mithilfe von sogenannten Tropfkörpern. Das sind im Prinzip große Röhren voller Steine, auf denen Biofilme wachsen. Oben wird das Abwasser eingeleitet, unten kommt es von den Bakterien geklärt wieder heraus. „Unsere Ergebnisse zeigen auch, wie groß solche Anlagen sein müssten", erklärt Norbert Kamjunke. Denn aus den gemessenen Abbauraten lässt sich berechnen, wie viel Steinoberfläche man für die gewünschte Reinigungsleistung braucht.
Die Forscher ziehen aus ihrer Studie aber noch einen weiteren Schluss. Sie halten es nicht für sinnvoll, an den chilenischen Flüssen noch weitere Aquakulturen einzurichten. Für neue Lachsfarmen in den Seen haben die Behörden bereits einen Genehmigungsstopp verhängt. Daher gibt es bei den Betreibern nun Überlegungen, auch die Haltung der mittelgroßen Lachse von den Seen in die Flüsse zu verlegen. „Das könnte theoretisch durchaus klappen", meint Norbert Kamjunke. „Ökologisch gesehen aber wäre es überhaupt keine gute Idee".

Publikation:
Norbert Kamjunke, Jorge Nimptsch, Mourad Harir, Peter Herzsprung, Philippe Schmitt-Kopplin, Thomas R. Neu, Daniel Graeber, Sebastian Osorio, JoseValenzuela, Juan Carlos Reyes, Stefan Woelfl, Norbert Hertkorn (2017): Land-based salmon aquacultures change the quality and bacterial degradation of riverine dissolved organic matter,
Scientific Reports 7, 43739; doi: 10.1038/srep43739

Weiterführende Informationen:
Dr. Norbert Kamjunke
UFZ-Department Fließgewässerökologie
Telefon: +49 391 810 9434
Mail: norbert.kamjunke@ufz.de
http://www.ufz.de/index.php?en=39563

Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=36336&webc_pm=9/2017

Quelle: idw 

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Lupinensamen: Gesundheitliche Beeinträchtigungen bei bitterem Geschmack möglich

Dr. Suzan Fiack Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

BfR empfiehlt, auf eigenmächtige Entbitterung von Lupinensamen zu verzichten
Seit einigen Jahren werden die Samen von Lupinen vermehrt in der Lebensmittelproduktion verwendet - etwa zur Herstellung von glutenfreien Back- und Teigwaren oder diätetischen Produkten für Milcheiweißallergiker. In manchen europäischen und nordafrikanischen Ländern werden die Samen der Lupinen auch als Knabberartikel konsumiert. Je nach botanischer Art und geographischer Herkunft der Lupinen können ihre Samen bittere Chinolizidinalkaloide enthalten. Werden diese Alkaloide in einem sogenannten „Entbitterungsprozess" nicht fachgerecht entfernt, können sie beim Menschen Vergiftungssymptome auslösen, die das Nerven-, Kreislauf- und Verdauungssystem betreffen. „Beim Kauf von unverarbeiteten Lupinensamen ist meist kaum ersichtlich, ob es sich um Bitterlupinensamen handelt, die giftige Alkaloide enthalten, oder um Süßlupinensamen, die ohne weitere Verarbeitung verzehrt werden können", sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. In der Vergangenheit wurden vereinzelt Vergiftungsunfälle durch Bitterlupinensamen in Deutschland berichtet. „Das BfR empfiehlt Verbraucherinnen und Verbrauchern, die über keine eigene Sachkunde verfügen, auf eindeutig als Süßlupinensamen oder als bereits entbitterte Bitterlupinensamen ausgewiesene Erzeugnisse zurückzugreifen und auf die eigene Entbitterung von Lupinensamen zu verzichten."

Für den Zeitraum von 2010 bis 2016 wurden dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) von den Giftinformationszentren Daten von ca. 30 konkreten Fällen mit Vergiftungssymptomen unterschiedlichen Schweregrades, ausgelöst durch Bitterlupinensamen, übermittelt. Darüber hinaus wurden in der internationalen Literatur Berichte von Vergiftungsunfällen durch Bitterlupinensamen mit teils schwerwiegenden Verläufen veröffentlicht. In der Regel waren diese Fälle auf eine ungenügende küchentechnische Entbitterung von Bitterlupinensamen zurückzuführen.

Ein bitterer Geschmack von Lupinensamen oder den aus ihnen hergestellten Erzeugnissen kann ein Indikator für die Anwesenheit von gesundheitlich unerwünschten Lupinenalkaloiden sein. Auch sollte das bitter schmeckende Einweichwasser von Lupinensamen in keinem Fall verzehrt bzw. zur Zubereitung von Speisen verwendet werden.

Lebensmittel mit Lupinensamen werden derzeit in Deutschland nur selten verzehrt. In einer deutschlandweiten, repräsentativen „Verbraucherbefragung zum Verzehr von Lupinensamen" im Auftrag des BfR gaben 19 % der Studienteilnehmerinnen und Studienteilnehmer an, dass ihnen die Essbarkeit von Lupinensamen bekannt war. Von diesen wiederum hatten 46 % schon einmal bewusst ein industriell hergestelltes oder selbst zubereitetes lupinensamenhaltiges Lebensmittel gegessen. Der Anteil der Befragten, die überhaupt schon einmal Lebensmittel mit Lupinensamen bewusst gegessen haben, ist mit 9,2 % gering. Der Anteil derjenigen, die dafür unverarbeitete Lupinensamen kauften und selbst weiterverarbeiteten, liegt bei 1,2 %.

Herstellern von lupinensamenhaltigen Lebensmitteln empfiehlt das BfR, nur Lupinensamen in den Verkehr zu bringen, die ohne weitere haushaltstechnische Entbitterungsprozesse verzehrsfähig sind. Dies können Süßlupinensamen sein, die von sich aus niedrige Alkaloidgehalte aufweisen, oder Bitterlupinensamen, die vom Hersteller bereits ausreichend entbittert wurden. Bei Mehl aus Lupinensamen zur Abgabe an Verbraucher sollte von Herstellerseite sichergestellt sein, dass es aus Lupinensamen hergestellt wurde, die alkaloidarm sind bzw. ausreichend entbittert wurden.

Eine ausführliche Risikobewertung von Alkaloidgehalten in Lupinensamen hat das BfR in einer Stellungnahme veröffentlicht:

http://www.bfr.bund.de/cm/343/risikobewertung-des-alkaloidvorkommens-in-lupinens...

Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

In diesem Jahr feiert das BfR sein 15-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hat das BfR eine Jubiläumsbroschüre herausgegeben, die unter http://www.bfr.bund.de/de/publikation/broschueren-660.html kostenlos heruntergeladen oder bestellt werden kann.

Quelle: idw 

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Neues Forschungsvorhaben analysiert Optionen für Biogas-Bestandsanlagen bis 2030

Paul Trainer M.A. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Biomasseforschungszentrum

Bis zum Jahr 2030 wird eine Vielzahl von Biogasanlagen aus der Förderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) fallen und der Anteil fluktuierender erneuerbarer Energien am Energiesystem gleichzeitig zunehmen. Für Anlagenbetreiber ergibt sich hieraus eine Vielzahl neuer Anforderungen. In einem vom Umweltbundesamt (UBA) beauftragten Forschungsvorhaben sollen Optionen aufgezeigt werden, wie Bestandsanlagen ökonomisch und ökologisch sinnvoll weiterbetrieben werden könnten und dabei einen Beitrag zur Veränderung des Energiesystems leisten können.

Im Projektverbund mit der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) und der Kanzlei Becker Büttner Held Rechtsanwälte Wirtschaftsprüfer Steuerberater (BBH) untersucht das Deutsche Biomasseforschungszentrum im Forschungsvorhaben "Optionen für Biogas-Bestandsanlagen bis 2030 aus ökonomischer und energiewirtschaftlicher Sicht" Perspektiven von Biogas-Bestandsanlagen in Deutschland. Im Fokus des zweijährigen Verbundprojektes steht die Frage, welche Optionen für einen Weiterbetrieb von Biogasanlagen bis 2030 existieren und welche Perspektiven sich für die jeweiligen Sektoren (Verkehr, Strom, Wärme) entsprechend der Ausbauziele mit erneuerbaren Energien und der nationalen Klimaschutzziele ergeben.

In insgesamt vier Arbeitspaketen werden verschiedene Aspekte zur perspektivischen Weiterentwicklung von Bestandsanlagen erforscht und u.a. die Fragen untersucht, welche alternativen Anlagenkonzepte besonders wertvoll für das sich verändernde Energiesystem sind, für welche Bestandsanlagen die Umrüstung zu einem dieser Konzepte technisch möglich, ökonomisch tragbar und ökologisch sinnvoll ist und welche Hemmnisse bei der Umsetzung solcher alternativen Anlagenkonzepte bestehen. "Ziel des Vorhabens ist es, gegenüber Betreibern von Bestandsbiogasanlagen zu definieren, welche Maßnahmen für die Umsetzung alternativer Anlagenkonzepte zu ergreifen sind und politischen Entscheidungsträger gleichzeitig möglichst konkrete Vorschläge für die notwendigen Anpassungen, u.a. der rechtlichen Rahmenbedingungen mitzugeben", fasst die Projektleiterin am DBFZ, Jaqueline Daniel-Gromke, die Zielrichtung des Projekts zusammen.

Das FuE-Vorhaben wurde vom Umweltbundesamt im Rahmen des EVUPLAN (FKZ: 37EV 16 111 0) ausgeschrieben und umfasst eine Projektlaufzeit von zwei Jahren (1/2017-2/2019). Anfang November 2017 sollen die ausgewählten Anlagenkonzepte und die Bewertungs-Matrix im Rahmen eines Experten-Workshops beim Umweltbundesamt in Dessau vorgestellt und diskutiert werden.

Projektpartner:
DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH
Deutsche Energieagentur - dena
Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES)
Kanzlei Becker Büttner Held Rechtsanwälte Wirtschaftsprüfer Steuerberater (BBH)

Smart Bioenergy - Innovationen für eine nachhaltige Zukunft
Das Deutsche Biomasseforschungszentrum arbeitet als zentraler und unabhängiger Vordenker im Bereich der energetischen und stofflichen Biomassenutzung an der Frage, wie die begrenzt verfügbaren Biomasseressourcen nachhaltig und mit höchster Effizienz und Effektivität zum bestehenden und zukünftigen Energiesystem beitragen können. Im Rahmen der Forschungstätigkeit identifiziert, entwickelt, begleitet, evaluiert und demonstriert das DBFZ die vielversprechendsten Anwendungsfelder für Bioenergie und die besonders positiv herausragenden Beispiele gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Mit der Arbeit des DBFZ soll das Wissen über die Möglichkeiten und Grenzen einer energetischen und integrierten stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe in einer biobasierten Wirtschaft insgesamt erweitert und die herausragende Stellung des Industriestandortes Deutschland in diesem Sektor dauerhaft abgesichert werden - www.dbfz.de.

Wissenschaftlicher Kontakt
Jaqueline Daniel-Gromke
Tel. +49 (0)341 2434-441
E-Mail: jaqueline.daniel-gromke@dbfz.de

Weitere Informationen:

https://www.dbfz.de/presse/pressemitteilungen-2017/neues-forschungsvorhaben-anal...

Quelle: idw 

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Mädchen können besser lesen, Jungen besser rechnen? So einfach ist es nicht!

Philip Stirm Referat Kommunikation
Deutsches Institut für Internationale Pädagogische Forschung

Forscherinnen und Forscher des DIPF haben herausgefunden, dass der Einfluss des Geschlechts auf die Leistungen von Schulkindern je nach sozialer Herkunft unterschiedlich ausfällt. Verallgemeinernde Aussagen über den Bildungserfolg DER Jungen oder DER Mädchen greifen also zu kurz, da deren Leistungsunterschiede sozial bedingt variieren.

Jungen bleiben häufiger sitzen und machen seltener Abitur. Mädchen zeigen wiederum schlechtere Schulleistungen in Mathematik. Das geht aus aktuellen Daten hervor, etwa vom Statistischen Bundesamt oder aus der PISA-Studie. Die Kennzahlen scheinen eine deutliche Sprache zu sprechen, weswegen in der öffentlichen Diskussion oft ein schnelles Urteil gefällt wird: Von den „Jungen als Bildungsverlierern" oder davon, dass Mathematik „kein Mädchenfach" sei, ist immer wieder die Rede. „Dabei wird jedoch übersehen, dass Jungen und Mädchen keine homogenen sozialen Gruppen sind", gibt Josefine Lühe zu bedenken. In einer Studie hat die Bildungsforscherin gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlern des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) herausgefunden, dass sich der Einfluss der Geschlechtszugehörigkeit auf die Schulleistungen je nach sozialem Hintergrund unterscheidet. Sie empfiehlt daher, mit generalisierenden Aussagen zum Bildungserfolg nur aufgrund des Geschlechts vorsichtig zu sein.

Über die wechselseitige Wirkung von sozialem Hintergrund und Geschlechtszugehörigkeit auf die Schulleistungen ist bislang nur wenig systematisches Wissen vorhanden. An diese Forschungslücke knüpfen Lühe und ihre Kollegen Dr. Michael Becker, Dr. Marko Neumann und Professor Dr. Kai Maaz an. Sie untersuchten Daten zu 3935 Schülerinnen und Schülern aus der sechsten Klasse von knapp 90 öffentlichen Berliner Grundschulen. Die Daten waren im Rahmen der BERLIN-Studie, der langjährigen Begleituntersuchung der Berliner Schulstrukturreform, erhoben worden. Die Forscherinnen und Forscher konzentrierten sich auf die Ergebnisse von Leistungstests in Lesen, Mathematik und Englisch sowie auf die Angaben der Eltern zu ihrem sozio-ökonomischen Status in Fragebögen. Das Team errechnete anschließend mittels statistischer Regressionsanalysen die Beziehung zwischen den Variablen.

Die Ergebnisse bestätigen zunächst die bekannten Befunde, dass Mädchen im Lesen und in Englisch, Jungen in Mathematik besser abschneiden. „Der Effekt der Geschlechtszugehörigkeit wird jedoch durch den sozio-ökonomischen Status der Jungen und Mädchen moderiert", so Lühe. Das bedeutet, dass die Leistungsunterschiede zwischen den Geschlechtern je nach sozialem Hintergrund unterschiedlich ausfallen - in allen drei getesteten fachlichen Bereichen. Ein weiterer Befund: Im Vergleich mit den Mädchen ist bei den Jungen der Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und der Leistung größer. Ihre Leistungen steigen also bei einem höheren sozio-ökonomischen Status stärker an und fallen umgekehrt bei einem niedrigeren Status deutlicher ab.

Weiterführende Erklärungen für die Effekte können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler anhand dieser Untersuchungen noch nicht geben. Sie verweisen aber darauf, dass sich möglicherweise gesellschaftliche Stereotypen auswirken. In Familien mit einem niedrigeren sozio-ökonomischen Status könnte beispielsweise die Vorstellung verbreiteter sein, dass es unmännlich sei, fleißig für die Schule zu lernen. Die Analysen könnten nun erweitert werden, etwa auf Kinder im ländlichen Raum oder auf andere Altersgruppen, Schulsysteme und Bundesländer. Als praktische Implikation hält Josefine Lühe aber schon jetzt fest: „Wenn es zum Beispiel um die Entwicklung und Anwendung von pädagogischen Fördermaßnahmen für Kinder geht, sollte man von stereotypen Vorstellungen von DEN Jungen oder DEN Mädchen besser abrücken."

Die Studie wird im Detail in einem Beitrag für die Zeitschrift für Erziehungswissenschaft beschrieben:
http://bit.ly/Leistungsunterschiede_Geschlecht_soziale_Herkunft

Kontakt:
Studie: Josefine Lühe, DIPF, +49 (0)30 293360-223, luehe@dipf.de
Presse: Philip Stirm, DIPF, +49 (0)69 24708-123, stirm@dipf.de, http://www.dipf.de

Über das DIPF:
Das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) trägt mit empirischer Bildungsforschung, digitaler Infrastruktur und gezieltem Wissenstransfer dazu bei, Herausforderungen im Bildungswesen zu bewältigen. Das von dem Leibniz-Institut erarbeitete und dokumentierte Wissen über Bildung unterstützt Wissenschaft, Politik und Praxis im Bildungsbereich - zum Nutzen der Gesellschaft.

Über die BERLIN-Studie:
Die Studie ist die wissenschaftliche Begleituntersuchung der Berliner Schulstrukturreform. Zentrale Bestandteile der Reform sind die Zusammenlegung der bisherigen Haupt-, Real- und Gesamtschulen zur neu eingeführten Integrieren Sekundarschule (ISS) und die Neugestaltung des Übergangsverfahrens in die weiterführenden Schulen. Die Begleituntersuchung ist ein Kooperationsprojekt des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, des DIPF und des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN).


Weitere Informationen:
http://bit.ly/Leistungsunterschiede_Geschlecht_soziale_Herkunft - detaillierte Beschreibung der Studie in einem Beitrag für die Zeitschrift für Erziehungswissenschaft

Quelle: idw 

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Wie bei Hempels unter dem Sofa

Dr. Anne Hardy Public Relations und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

In Familien von Kindern mit ADHS beobachten Forscher häufiger inadäquates Erziehungsverhalten, ein negatives emotionales Klima und Haushaltschaos. Wie diese Faktoren zusammenhängen, hat eine Arbeitsgruppe der Goethe-Universität jetzt untersucht. Mit einem überraschenden Ergebnis.

FRANKFURT. „Wir sind davon ausgegangen, dass die Eltern von Kindern mit ADHS es wegen der Symptome ihrer Kinder schwer haben, Strukturen und Routinen aufrecht zu erhalten. Das Haushaltschaos beeinträchtigt wiederum das emotionalen Klima und das Elternverhalten", erklärt Dr. Andrea Wirth, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der pädagogischen Psychologie an der Goethe-Universität.

In die Studie gingen Daten von insgesamt 84 Kindern im Alter von 7 bis 13 Jahren ein, von denen 31 Kinder der ADHS-Gruppe und 53 Kinder der Kontrollgruppe zugewiesen wurden. Das Erziehungsverhalten wurde mit Hilfe eines standardisierten Fragenbogens erfasst, in dem abgefragt wird, wie intensiv sich Eltern um ihre Kinder kümmern, sie loben oder kritisieren, wie konsistent ihre Erziehung ist und ob sie körperlich strafen. Um das familiäre emotionale Klima zu erfassen, forderten die Psychologen ein Elternteil auf, fünf Minuten über das Kind zu sprechen und die Persönlichkeit des Kindes sowie die Beziehung zum Kind zu beschreiben. Das Haushaltschaos wurde wiederum mit einem standardisierten Test erhoben.

Erwartungsgemäß zeigten die Eltern von Kindern mit ADHS mehr inadäquates Erziehungsverhalten, kritisierten ihre Kinder häufiger und berichteten über ein höheres Haushaltschaos als die Eltern der Kontrollkinder. Zur Überraschung der Psychologen schätzten Eltern von Kindern mit ADHS aber die Beziehung zu ihren Kindern als positiver ein als Eltern von Kindern ohne ADHS. Die Forscher vermuten als möglichen Grund unter anderem, dass einige der teilnehmenden Familien bereits in eine Therapie eingebunden waren, da sowohl für medikamentöse als auch für verhaltenstherapeutische Interventionen Verbesserungen der Eltern-Kind-Beziehung nachgewiesen sind.

Die genaue Beziehung der drei Konstrukte wurde mit Hilfe von statistischen Analysen (Mediationsanalysen) untersucht. „Haushaltschaos scheint so etwas wie ein Mechanismus zu sein, durch den die Symptome der Kinder mit ADHS sich negativ auf das Erziehungsverhalten der Eltern auswirken", so Andrea Wirth. Jedoch scheint sich eine chaotische Umgebung nicht auf das emotionale Klima in der Familie auszuwirken. Das ist im Widerspruch zu früheren Studien, die einen Zusammenhang zwischen inadäquatem Elternverhalten und emotionalem Klima festgestellt hatten. „Ein sehr chaotischer und unstrukturierter Haushalt, der durch die ADHS-Symptomatik der Kinder mitbedingt ist, erschwert es den Eltern, autoritativ zu erziehen. Gleichzeitig ist anzunehmen, dass die Eltern trotz des herrschenden Chaos ihre Kinder mögen, positiv über sie sprechen und es genießen, Zeit mit ihnen zu verbringen."

Künftig will die Arbeitsgruppe am LOEWE-Zentrum Idea, dem Andrea Wirth angehört, Empfehlungen erarbeiten, die Eltern dabei unterstützen, das Familienleben zu ordnen, Routinen und Rituale zu stärken und die Organisation des Familienalltags zu verbessern. Also z.B.: Bei den Hausaufgaben Radio und Fernseher ausschalten, Telefongespräche hinter geschlossenen Türen führen, Gäste nur zu bestimmten Zeiten empfangen und Hausaufgaben alleine in einem ruhigen Raum machen.

Information: Dr. Andrea Wirth, Abteilung Pädagogische Psychologie, Fachbereich 5, Campus Westend, Tel.: (069) 798-35398, wirth@psych.uni-frankfurt.de.

Aktuelle Nachrichten aus Wissenschaft, Lehre und Gesellschaft in GOETHE-UNI online (www.aktuelles.uni-frankfurt.de)

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen rankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist sie Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main(siehe auch www.uni-frankfurt.de/59086401/rhein-main-allianz). Internet: www.uni-frankfurt.de

Herausgeberin: Die Präsidentin der Goethe-Universität Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main,
Tel: 069 798-12498, Fax: 069 798-763 12531, hardy@pvw.uni-frankfurt.de

Quelle: idw 

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Klimakiller Kuh: Methan-Ausstoß von Vieh könnte bis 2050 um über 70 Prozent steigen

Sabine Wendler Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum Pressestelle
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Kühe gelten als Klimakiller und in Zukunft werden sie sogar einen deutlich höheren Anteil an der Klimaerwärmung haben. Wissenschaftler des Senckenberg, der Royal Botanic Gardens, Kew und des Scotland Rural College, haben herausgefunden, das Futterpflanzen in wärmeren Regionen einen geringeren Nährwert haben. Rinder fressen daher mehr und stoßen mehr Methan aus. Im Zuge des Klimawandels, der damit verbundenen Temperaturerhöhung und weltweit wachsender Tierbestände könnte der Methan-Ausstoss von Vieh demzufolge bis 2050 um über 70 % steigen. Das wiederum würde den Treibhauseffekt verstärken. Die Studie ist soeben im Fachjournal „Biogeosciences" erschienen.

Weltweit stehen heute 1,5 Milliarden Rinder auf der Weide: Dieses scheinbar idyllische Bild wird schnell zerstört, wenn man die Klimabilanz der Wiederkäuer betrachtet. Wenn die Tiere verdauen, stossen sie Methan aus. Das hat es in sich: das Gas heizt das Weltklima 25-mal stärker an als Kohlendioxid. Wissenschaftler des Senckenberg, der Royal Botanic Gardens Kew und des Scotland Rural College haben jetzt modelliert, wie sich der Methan-Ausstoß durch Rinder zukünftig entwickeln könnte und dabei insbesondere deren Futterpflanzen unter die Lupe genommen.

„Je nach Klimaszenario könnte der Methan-Ausstoß jeder Kuh bis 2050 um bis zu 4,5 Prozent ansteigen. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass die Viehbestände drastisch steigen werden, könnte Vieh im Jahr 2050 Methan in einer Menge emittieren, die dem Erwärmungspotential von 4,7 Giga Tonnen Kohlendioxid entspricht. Das wäre ein über 70 Prozent höherer Wert als zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Verantwortlich ist der sinkende Nährwert der Futterpflanzen", fasst Dr. Peter Manning, Wissenschaftler am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt, die Ergebnisse zusammen.

Wie die Auswertung diverser Studien ergab, haben Futterpflanzen in wärmeren Gebieten verglichen mit kühleren Klimata einen geringeren Nährwert. In wärmeren Regionen dominieren Pflanzen mit geringerem Protein- und höherem Ballaststoffgehalt. Wahrscheinlich handelt es sich dabei um eine Anpasung der Pflanzen an Hitzestress und Wassermangel beispielweise durch dickere Blätter und Stängel. In wärmeren Gebieten müssen die Kühe daher mehr Pflanzenmaterial fressen und verdauen länger, wobei das Klimagas Methan ensteht.

Da durch den Klimawandel die Temperaturen weltweit steigen, erwarten die Wissenschaftler, dass sich Futterpflanzen und ihre Gemeinschaften verändern und deren Nährwert global abnimmt. Dr. Mark Lee, Wissenschaftler an den Royal Botanic Gardens, Kew: „Was wir beobachten, ist ein Teufelkreis. Kühe produzieren bei ihrer Verdauung Methan, das unseren Planeten aufheizt. Dieser Temperaturanstieg führt zu Futterpflanzen, die schwerer zu verdauen sind und länger im Magen bleiben. Damit wird mehr noch Methan freigesetzt, was wiederum die Erwärmung vorantreibt. "

Doch nicht nur diese positive Rückkopplung, die bisher nicht in Klimamodellen berücksichtigt wurde, dürfte den Methan-Ausstoß durch Vieh ansteigen lassen. Sorge bereitet den Forschern vor allem, dass durch den weltweit steigenden Fleischkonsum die Anzahl von Rindern immer stärker wächst. Interessanterweise sind die Hotspots der steigenden Methan-Emissionen, Nord-Amerika, Zentral- und Osteuropa und Asien auch die Regionen, die gegenwärtig den größten Anstieg an Viehhaltung verzeichnen.

„Um den Anstieg des Methan-Ausstoßes zu verhindern, müssten wir die Viehhaltung in den Regionen, die sich am schnellsten erwärmen, begrenzen oder nährstoffreichere Pflanzen kultivieren. Es ist aber auch wichtig, den individuellen Fleischkonsum zu reduzieren und der globalen Zunahme des Fleischkonsums - mit all seinen Folgen für das Weltklima, die wir beispielsweise hier im Zusammenhang mit Methan untersucht haben - entgegenzuwirken", resümmiert Manning.

Kontakt
Dr. Peter Manning
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. 069- 7542 1913
Peter.manning@senckenberg.de

Sabine Wendler
Pressestelle
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. 069- 7542 1818
Sabine.wendler@senckenberg.de

Royal Botanical Gardens, Kew
Pressestelle
Tel. +44 (0)20 8332 5607
pr@kew.org

Publikation
Lee, M.A et al. (2017): Forage quality declines with rising temperatures, with implications for livestock production and methane emissions. Biogeosciences, doi: 10.5194/bg-14-1403-2017

Pressemitteilung und Bildmaterial finden Sie auch unter www.senckenberg.de/presse

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Ausstellungen und Museen sind die Schaufenster der
Naturforschung, durch die Senckenberg aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse mit den Menschen teilt und Einblicke in vergangene und gegenwärtige Veränderungen der Natur vermittelt. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie weiteren Sponsoren und Partnern gefördert. Mehr Informationen unter www.senckenberg.de.

200 Jahre Senckenberg! 2017 ist Jubiläumsjahr bei Senckenberg - die 1817 gegründete Gesellschaft forscht seit 200 Jahren mit Neugier, Leidenschaft und Engagement für die Natur. Seine 200-jährige Erfolgsgeschichte feiert Senckenberg mit einem bunten Programm, das aus vielen Veranstaltungen, eigens erstellten Ausstellungen und einem großen Museumsfest im Herbst besteht. Natürlich werden auch die aktuelle Forschung und zukünftige Projekte präsentiert. Mehr Infos unter: www.200jahresenckenberg.de

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Anhang
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„Seit Anbeginn der Zeit" - DNA bestätigt einzigartige Bindung australischer Ureinwohner an ihr Land

Petra Mader Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

Die DNA aus Haarproben der Ureinwohner Australiens zeigt ein ausgeprägtes geographisches Muster, das darauf hindeutet, dass die jeweiligen Bevölkerungsgruppen bis zu 50.000 Jahre lang in derselben Region siedelten. Die heute in Nature veröffentlichten Ergebnisse betonen damit die einzigartige Bindung der Ureinwohner Australiens zu ihrem Land und zeichnen erstmals eine detaillierte genetische Karte Australiens vor Ankunft der Europäer. Die Studie entstand im Rahmen des Aboriginal Heritage Projects unter Leitung der Universität Adelaide und des South Australian Museums, an dem auch Wolfgang Haak, vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena maßgeblich beteiligt ist.

Die Ureinwohner Australiens sind dem Land, das sie besiedeln, in besonderer Weise verbunden. So siedeln die rund 400 Sprach- und Regionalgruppen bereits seit bis zu 50.000 Jahren - und damit seit kurz nach der Besiedlung Australiens überhaupt - kontinuierlich in derselben Region. Das zeigt die DNA aus Haarproben von Aborigines, die im South Australian Museum in Adelaide aufbewahrt werden.

Die Sammlung von über 5000 Haarproben, die durch einen wahren Schatz an vielfältigen kulturellen, sprachlichen, genealogischen und geographische Daten bereichert wird, stammt aus Expeditionen des Anthropologischen Forschungsvorstands der Universität Adelaide zwischen 1928 und den 1970er Jahren. Die Haarspender waren mehrheitlich Nachfahren erster und zweiter Generation von Familien, die nach der Besiedlung Australiens durch die Europäer aus vielen Regionen Australiens zwangsweise in Gemeinden und Missionen wie Cherbourg in Queensland, sowie Koonibba und Point Pearce in Südaustralien umgesiedelt wurden.

Für ihre Studien analysierten die Wissenschaftler die mitochondriale DNA von 111 Haarproben, welche die Rückverfolgung der mütterlichen Linie ermöglicht und mit dem in den Genealogien dokumentierten ursprünglichen Geburts- oder Herkunftsort der ältesten mütterlichen Vorfahrin verknüpft werden konnte. Sowohl die Gewinnung der Haarproben als auch die jetzige Analyse durch die Wissenschaftler erfolgte mit Zustimmung der Haarspender bzw. ihrer Familien.

Die Ergebnisse zeigen, dass die modernen Aborigines Australiens die Nachfahren einer einzigen Gründerpopulation sind, die vor 50 000 Jahren Australien besiedelte, als es noch im Urkontinent „Sahul" durch eine Landbrücke mit Neuguinea verbunden war. Nach Anstieg des Meeresspiegels spaltete sich die Population weiter auf und breitete sich innerhalb von nur 1 500 bis 2 000 Jahren entlang der Ost- und Westküste Australiens aus. Irgendwo im Süden des Kontinents trafen diese zwei Ströme dann wieder aufeinander, wo die frühesten archäologischen Funde auf 48 000 Jahr datieren.

„Überraschenderweise scheint es so, dass die Populationsmuster aus dieser Zeit die nächsten fast 50.000 Jahre überdauerten. Das zeigt, dass die ersten Besiedler des Kontinents sich rasch regional aufgliederten und ihren jeweiligen geografischen Regionen treu blieben und zwar selbst dann, wenn es keine natürlichen Grenzen zwischen diesen Regionen gab", sagt Professor Alan Cooper, Projektleiter und Direktor des ACAD. „Das ist weltweit einmalig und liefert überzeugende Beweise für die bemerkenswerte kulturelle und spirituelle Bindung der Aborigines an ihr Land. Wir hoffen, dass dieses Projekt zu einer Umschreibung der Australischen Geschichtsbücher führt. Sie werden in Zukunft auch eine detaillierte Geschichte der Ureinwohner Australiens enthalten und darüber berichten, was es bedeutet, 50 000 Jahre in einem Land gelebt zu haben - das ist in etwa zehn Mal so lang wie die gesamte Geschichte Europas, die üblicherweise gelehrt wird."

Das Aboriginal Heritage Project unter Leitung des Australischen Zentrums für Alte DNA (ACAD) der Universität Adelaide und des South Australian Museums ist auf Jahrzehnte angelegt. Ziel des Projekts ist es, Menschen, die Aborigine-Herkunft haben, aber kulturell entwurzelt sind, zu ermöglichen, ihre regionale Herkunft nachzuvollziehen und ihre genealogische Familiengeschichte zu rekonstruieren. Darüber hinaus soll das Projekt die Rückführung von australischen Artefakten (Kulturgütern) unterstützen, welche in Überseesammlungen der Kolonialzeit aufbewahrt werden.

„Wir Aborigines haben immer gewusst, dass wir seit Anbeginn der Zeit auf unserem Land waren", sagt Kaurna Mr Lewis O'Brien, einer der damaligen Haarspender und heute Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Studie. „Es ist jedoch wichtig, dies mit Hilfe von moderner Wissenschaft dem Rest der Welt zu zeigen. Dies ist ein aufregendes Projekt und wir hoffen, dass es Menschen aus unserer ‚Gestohlenen Generation' und anderen dabei helfen wird, sich wieder mit ihren Familien zu vereinen."

„Die ehemalige staatliche Politik der Zwangsumsiedlung und der gezielten Wegnahme von Kindern, der sogenannten 'Gestohlenen Generation' macht die Rekonstruktion der genetischen Geschichte der ursprünglichen Bevölkerung Australiens zu einem schwierigen Unterfangen, da diese Agenda einen großen Teil der physischen und spirituellen Verbindung zwischen Gruppen und ihrem Land im heutigen Australien zerstört hat", sagt Dr. Wolfgang Haak, ehemals Wissenschaftler am ACAD und Co-Initiator der Studie, und heute Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena. „Die umfangreichen Aufzeichnungen der anthropologischen Teams um Norman Tindale und Joseph Birdsell zeigen nicht nur eine enorme wissenschaftliche Weitsicht, sondern eröffnen uns eine wirklich einzigartige Gelegenheit, die eigentliche Menschheitsgeschichte Australiens zu schreiben. Dafür möchte ich im Besonderen auch den Familien in Cherbourg, Koonibba und Point Pearce danken, die uns nicht nur herzlich empfangen haben, sondern dieses Projekt mit Begeisterung unterstützen."

Die zukünftige Forschung wird sich auch auf die väterlichen Linien und das Genom des Zellkerns erstrecken. Teammitglied Dr. Ray Tobler, Postdoktorand am ACAD und väterlicherseits mit Aborigine-Abstammung, hat ein Stipendium des australischen Forschungsrats (ARC), um die AHP-Forschung zu erweitern und zu untersuchen, inwieweit die Jahrtausende währende „Standorttreue" in verschiedenen Lebensräumen die bemerkenswerte phänotypische Vielfalt heutiger Ureinwohner Australiens geprägt hat.

Weitere Forschungspartner
Weitere Forschungspartner sind die La Trobe University, die Deakin University und das National Center for Indigenous Genomics in Canberra. Das Projekt wird durch das ARC-Linkage Programm mit zusätzlicher Forschungsförderung der Australian Genome Research Facility, Bioplatforms Australia, dem ARC Center of Excellence für Mathematische und Statistische Grenzen und der National Geographic Society finanziert.

Orginalveröffentlichung
Ray Tobler, Adam Rohrlach, Julien Soubrier1, Pere Bover, Bastien Llamas, Jonathan Tuke, Nigel Bean, Ali Abdullah-Highfold, Shane Agius, Amy O'Donoghue, Isabel O'Loughlin, Peter Sutton5, Fran Zilio, Keryn Walshe, Alan N. Williams, Chris S.M. Turney, Matthew Williams, Stephen M. Richards, Robert J. Mitchell, Emma Kowal, John R. Stephen, Lesley Williams, Wolfgang Haak, and Alan Cooper: Aboriginal mitogenomes reveal 50,000 years of regionalism in Australia. Nature. Doi:10.1038/nature21416

Weitere Informationen
Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte
Dr. Wolfgang Haak
Forschungsgruppenleiter Molekulare Anthropologie
+49 3641 686-642

Quelle: idw 

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Wetter-Extreme: Menschheit verändert wahrscheinlich gigantische Luftströme

Jonas Viering, Sarah Messina Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Die Zunahme verheerender sommerlicher Wetter-Extreme steht wahrscheinlich in Verbindung mit dem vom Menschen verursachten Klimawandel, wie immer mehr Belege zeigen. Gigantische Luftströme umkreisen die Erde, wellenförmig schwingen sie zwischen Tropen und Arktis auf und ab. Diese planetaren Wellen transportieren Wärme und Feuchte. Wenn sie ins Stocken kommen, können Dürren oder Fluten entstehen. Die globale Erwärmung durch Treibhausgase aus fossilen Brennstoffen schafft Bedingungen, welche ein solches Stocken begünstigen, so hat jetzt ein internationales Team von Wissenschaftlern herausgefunden.

„Die kalifornische Dürre 2016, die Überschwemmung in Pakistan 2010 und die Hitzewelle in Europa 2003 zählen alle zu einer äußerst beunruhigenden Serie von Extremen", sagt Michael Mann von der Pennsylvania State University in den USA, Leit-Autor der in Scientific Reports erscheinenden Untersuchung. „Solche Ereignisse treten öfter auf, als durch die direkte Wirkung der globalen Erwärmung zu erwarten wäre. Also muss es hier einen zusätzlichen Effekt des Klimawandels geben. In Daten aus Computer-Simulationen wie auch aus Beobachtungen sehen wir Veränderungen, die ungewöhnlich anhaltende, extreme Mäander des Jet-Streams begünstigen, und diese wiederum unterstützen das Entstehen von Wetter-Extremen. Die Menschheit stand schon lange im Verdacht, zu diesen Mustern beizutragen. Aber jetzt entdecken wir einen deutlichen Fingerabdruck der menschlichen Aktivität."

+++ Wie aus Sonnentagen eine heftige Hitzewelle wird +++

„Wenn dasselbe Wetter wochenlang anhält, dann kann in einer Region aus sonnigen Tagen eine heftige Hitzewelle werden, oder Dauerregen führt zu Fluten", erklärt Ko-Autor Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Dies tritt unter besonderen Bedingungen auf, die eine sogenannte quasi-resonante Verstärkung begünstigen. Diese lässt die Nord-Süd-Windungen des Jetstreams sehr groß werden, und sie lässt die Vorwärtsbewegung der Wellen von West nach Ost stocken. Hier den menschlichen Fingerabdruck dingfest zu machen, das ist fortgeschrittene Detektivarbeit."

Luftströme werden großteils von Temperaturunterschieden zwischen dem Äquator und den Polen angetrieben. Weil die Arktis sich schneller erwärmt als andere Regionen, nehmen diese Temperaturunterschiede ab. Außerdem erwärmen sich die Landmassen schneller als die Ozeane, besonders im Sommer. Beide Veränderungen wirken sich auf die weltumspannenden Winde aus. Hierzu zählen auch die gigantischen Luftströme, die planetare Wellen genannt werden, weil sie die Nördliche Halbkugel in Form großer Kurven zwischen Tropen und Arktis umkreisen. Die Wissenschaftler entdeckten eine besondere Verteilung von Temperaturen gerade während der Zeiten, in denen die östliche Vorwärtsbewegung der planetaren Wellen stockte, wie Satellitendaten zeigen.

+++ Temperaturmessungen seit 1870 bestätigen Erkenntnisse aus Satellitendaten +++

„Hochwertige Satellitendaten gibt es erst seit vergleichsweise kurzer Zeit - zu kurz, um belastbare Rückschlüsse zu ziehen, wie diese Episoden des Stockens der planetaren Wellen sich über die Zeit hinweg verändert haben. Verlässliche Temperaturmessungen hingegen gibt es seit etwa 1870. Deshalb haben wir diese Messdaten genommen, um die Veränderungen über die Zeit hinweg zu rekonstruieren", sagt Ko-Autor Kai Kornhuber, ebenfalls vom PIK. „Wir haben uns Dutzende verschiedener Klimamodelle - Computer-Simulationen, CMIP5 genannt - wie auch Beobachtungsdaten angeschaut. Und es stellte sich heraus, dass die Temperaturverteilung, die das Stocken der planetaren Wellen begünstigt, in fast 70 Prozent der Simulationen zugenommen hat."

Interessanterweise ist der größte Teil dieser Veränderungen erst in den letzten vier Jahrzehnten aufgetreten. „Dass der Jetstream sich öfter über lange Zeit stark windet, ist ein recht neues Phänomen - das macht es noch bedeutsamer", sagt Ko-Autor Dim Coumou von der Abteilung für Wasser und Klimarisiken an der VU Universität in Amsterdam. „Wir müssen das weiter untersuchen; neben den guten Belegen haben wir weiterhin auch offene Fragen. In jedem Fall sollten solche nicht-lineare Reaktionen des Erdsystems auf die globale Erwärmung besser vermieden werden. Wir können die Risiken der Zunahme von Wetterextremen begrenzen, wenn wir unseren Ausstoß von Treibhausgasen begrenzen."

Artikel: Michael E. Mann, Stefan Rahmstorf, Kai Kornhuber, Byron A. Steinman, Sonya K. Miller, Dim Coumou (2017): Influence of Anthropogenic Climate Change on Planetary Wave Resonance and Extreme Weather Events. Scientific Reports [DOI: 10.1038/srep45242 2]

Weblink zum Artikel, sobald er veröffentlicht ist (innerhalb 24 Stunden nach Sperrfristende): www.nature.com/articles/srep45242

Weblink zu einem Video, dass die "Planetaren Wellen" erklärt (nur auf Englisch verfügbar): https://www.youtube.com/watch?v=MzW5Isbv2A0

Kontakt für weitere Informationen:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
Telefon: +49 (0)331 288 2507
E-Mail: presse@pik-potsdam.de
Twitter: @PIK_Klima
www.pik-potsdam.de

Quelle: idw 

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Männer mit gestörtem Zuckerstoffwechsel sollten kohlenhydratreiches Essen am Abend meiden

Dr. Gisela Olias Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

Wie eine Ernährungsstudie unter Führung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE), einem Partner des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung, zeigt, beeinflusst auch die sogenannte innere Uhr, wie Menschen mit einer Zuckerstoffwechselstörung auf kohlenhydratreiches Essen reagieren. So wirkte sich bei Männern mit Prädiabetes der abendliche Verzehr von reichlich stärke- und zuckerhaltigen Lebensmitteln negativ auf die Blutzuckerregulation aus. Im Vergleich dazu spielte bei gesunden Studienteilnehmern der Zeitpunkt der Kohlenhydrataufnahme keine wesentliche Rolle für die Blutzuckerregulation.

Die Wissenschaftler um Katharina Keßler, Andreas F. H. Pfeiffer, Olga Pivovarova und Natalia Rudovich vom DIfE publizierten ihre Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift Scientific Reports (Kessler et al. 2017; DOI: 10.1038/srep44170).

Seit Langem ist bekannt, dass die sogenannte innere Uhr eine Rolle für die Regulation von Stoffwechselprozessen spielt und auch der Zuckerstoffwechsel einer bestimmten Tagesrhythmik unterliegt. Zudem weisen neuere Studien an Nagern darauf hin, dass die innere Uhr auch beeinflusst, wie der Stoffwechsel auf die Zufuhr von Kohlenhydraten oder Fetten reagiert und dass bestimmte Zeitfenster für den Verzehr einer kohlenhydratreichen oder fettreichen Kost aus gesundheitlicher Sicht besser geeignet sind als andere. Ebenso kamen Beobachtungsstudien am Menschen zu dem Ergebnis, dass Personen, die morgens kohlenhydratreich, aber fettarm essen, ein vermindertes Risiko für Typ-2-Diabetes oder das metabolische Syndrom besitzen. Letzteres ist durch Symptome wie übermäßige Fetteinlagerungen im Bauchraum, Bluthochdruck sowie einen gestörten Zucker- und Fettstoffwechsel charakterisiert. Das genaue Zusammenspiel zwischen der Ernährungsweise und der tagesrhythmischen Regulation des Zuckerstoffwechsels ist jedoch noch nicht hinreichend erforscht.

Um mehr über die physiologischen Mechanismen zu erfahren, die diesem Zusammenspiel zugrunde liegen, führten die Wissenschaftler am DIfE eine Ernährungsstudie an insgesamt 29 Männern durch. Sie waren im Schnitt etwa 46 Jahre alt und hatten einen durchschnittlichen Body-Mass-Index von 27, das heißt, sie waren normal- bis stark übergewichtig. Bei 11 Personen stellten die Wissenschaftler zu Beginn der Studie eine Zuckerstoffwechselstörung fest. Das bedeutet, die Teilnehmer hatten bereits erhöhte Nüchtern-Blutzuckerwerte oder ihre Blutzuckerwerte sanken nach einem Zuckerbelastungstest deutlich langsamer ab als normal. Bei den restlichen 18 Studienteilnehmern war die Blutzuckerregulation dagegen nicht gestört, ihre Glukosetoleranz war also normal.

Während der Studie mussten die Studienteilnehmer für jeweils vier Wochen zwei unterschiedliche Diäten A und B* einhalten. Beide Diäten lieferten dieselbe Menge an Kalorien, Kohlenhydraten, Fetten und Eiweiß, jedoch unterschieden sie sich darin, zu welcher Tageszeit die Teilnehmer vorwiegend Kohlenhydrate oder Fette verzehrten. So aßen Studienteilnehmer nach Diätplan A von morgens bis 13:30 Uhr kohlenhydratbetont und von 16:30 bis 22:00 Uhr fettbetont. Nach Diätplan B verzehrten sie vormittags fettreiche und nachmittags und abends kohlenhydratreiche Speisen. Begleitend zu den jeweiligen Ernährungsumstellungen untersuchten die Wissenschaftler verschiedene Stoffwechselwerte der Studienteilnehmer.

„Wie unsere Studie zeigt, ist es zumindest für Männer mit einer Zuckerstoffwechselstörung relevant, zu welcher Tageszeit sie eine kohlenhydratreiche Mahlzeit verzehren. Verglichen wir die nach den beiden Diäten gemessenen Blutzuckerwerte, so lagen ihre Blutzuckerspiegel nach Diät B um durchschnittlich 7,9 Prozent höher als nach Diät A, bei der die Teilnehmer abends fettbetont aßen. Interessanterweise konnten wir diesen Effekt bei den gesunden Männern nicht beobachten, obwohl wir generell sowohl bei den gesunden als auch den vorbelasteten Personen eine Abnahme der Glukosetoleranz im Tagesverlauf feststellten. Diese fiel bei Letzteren allerdings deutlich stärker aus", sagt Erstautorin Keßler. Des Weiteren beobachteten die Forscher bei den vorbelasteten Männern eine veränderte Sekretion der Darmhormone Glucagon-like peptide-1 (GLP-1)** und Peptid YY (PYY)***, die zur Regulation des Zuckerstoffwechsels bzw. des Körpergewichts beitragen und deren Ausschüttung einer bestimmten Tagesrhythmik unterliegt. So sanken bei vorbelasteten Personen parallel zur deutlich ausgeprägten, nachmittäglichen Abnahme der Glukosetoleranz die Blutspiegel der beiden Hormone wesentlich stärker ab als bei gesunden Studienteilnehmern.

„Die zirkadiane Rhythmik der Hormonausschüttung beeinflusst also, wie wir auf Kohlenhydrate reagieren", sagt Endokrinologe Pfeiffer, der am DIfE die Abteilung Klinische Ernährung leitet. Daher empfehlen Diabetologin Rudovich und Wissenschaftlerin Pivovarova insbesondere Menschen, die bereits unter einer Störung des Zuckerstoffwechsels leiden, sich nach ihrer inneren Uhr zu richten und am Abend kohlenhydratreiche Mahlzeiten zu meiden.

Hintergrundinformationen:
An der Untersuchung nahmen nur Männer teil, da die Untersuchung zirkadianer Rhythmen bei Frauen auf Grund des Menstruationszyklus erheblich erschwert ist.

* Bei beiden Diäten A und B lag der Gesamtanteil der Kohlenhydrate an der Energiezufuhr bei 50 Prozent, der der Fette bei 35 Prozent und der des Eiweiß bei 15 Prozent, was einer ausgewogenen Ernährung entspricht. In dem Zeitfenster, in dem verstärkt Kohlenhydrate verzehrt werden sollten, d. h. in der kohlenhydratreichen Diätphase, lag der Anteil der Kohlenhydrate an der Energiezufuhr bei 65 Prozent, der der Fette bei 20 Prozent und der des Eiweiß bei 15 Prozent. Dagegen lag in der fettbetonten Diätphase der Anteil der Kohlenhydrate an der Energiezufuhr bei 35 Prozent, der der Fette bei 50 Prozent und der des Eiweiß bei 15 Prozent. Jeweils 50 Prozent der täglich aufgenommenen Kalorien entfiel auf die kohlenhydrat- bzw. die fettreiche Phase.

** Glucagon-like peptide-1 (GLP-1): Im Darm setzen sogenannte L-Zellen GLP-1 frei, nachdem sie durch Kohlenhydrate (z. B. Zucker), Eiweiße oder Fette stimuliert wurden. Das Peptidhormon hat eine Halbwertszeit von weniger als zwei Minuten, stimuliert die Insulinfreisetzung und hemmt gleichzeitig die Ausschüttung des hormonellen Insulingegenspielers Glucagon. Beides führt dazu, dass der Blutzuckerspiegel sinkt. Zudem weisen Untersuchungen darauf hin, dass es die Insulinempfindlichkeit der Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse wiederherstellt und gleichzeitig ihrem Absterben entgegenwirkt. Darüber hinaus verzögert es die Aufnahme von Kohlenhydraten aus dem Darm und wirkt sättigend (Quelle: Wikipedia).

*** Peptid YY (PYY) wird nach dem Essen von bestimmten Zellen der Darmschleimhaut ins Blut abgegeben. PYY hemmt die Magenentleerung, die exokrine Pankreassekretion sowie die Magensekretion. Hierdurch wird die Entleerung von fetthaltiger Nahrung in den Dünndarm verzögert und so eine bessere Verdauung ermöglicht. PYY beeinflusst ebenfalls sehr stark das Appetit- und Sättigungsgefühl und führt hierüber zu einer reduzierten Nahrungsaufnahme (Quelle: Wikipedia).

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsassoziierter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Ursachen und Folgen des metabolischen Syndroms, einer Kombination aus Adipositas (Fettsucht), Hypertonie (Bluthochdruck), Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörung, die Rolle der Ernährung für ein gesundes Altern sowie die biologischen Grundlagen von Nahrungsauswahl und Ernährungsverhalten. Das DIfE ist zudem ein Partner des 2009 vom BMBF geförderten Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD; https://www.dzd-ev.de/).

Die Leibniz-Gemeinschaft (https://www.leibniz-gemeinschaft.de/start/) verbindet 91 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.600 Personen, darunter 9.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,7 Milliarden Euro.

Kontakt:
Prof. Dr. Andreas F. H. Pfeiffer
Abteilung Klinische Ernährung
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49 (0)30 45051-4422
Tel.: +49 (0)33200 88-2771
E-Mail: afhp@dife.de
E-Mail: afhp@charite.de

PD Dr. Natalia Rudovich
Seit kurzem in der Schweiz tätig:
Division of Endocrinology and Diabetology
Department of Internal Medicine
Spital Bülach
Spitalstrasse 24
CH-8180 Bülach/Switzerland
Tel. +41 (0)44 863 25 30
E-Mail: natalia.rudovich@spitalbuelach.ch

Dr. Olga Pivovarova
Abteilung Klinische Ernährung
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
E-Mail: olga.pivovarova@dife.de

Katharina Keßler
Abteilung Klinische Ernährung
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
E-Mail: katharina.kessler@dife.de

Weitere Informationen:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28272464 Wissenschaftliche Kurzfassung der Studie in PubMed
http://www.dife.de/forschung/abteilungen/kurzprofil.php?abt=KLE Abteilung Klinische Ernährung am DIfE

Quelle: idw 

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Rück- statt Fortschritt: Automatisches Vertretungsrecht für Eheleute gefährdet Patientenautonomie

lic. phil. Jürg Beutler Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)

Am Mittwoch berät der Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz des Bundestages in einer öffentlichen Anhörung über einen neuen Gesetzesentwurf, mit dem der Bundesrat das Vertretungsrecht für Ehegatten und Lebenspartner im Fall einer schweren Erkrankung oder eines Unfalls reformieren will. Die DGPPN bewertet das Gesetzesvorhaben in einer heute veröffentlichten Stellungnahme kritisch: Aus medizinischer Sicht ist eine Neuregelung weder notwendig noch sinnvoll und sollte aktuell nicht weiterverfolgt werden.

Eheleute und eingetragene Lebenspartner sollen künftig automatisch für den Partner Entscheidungen über medizinische Behandlungen treffen können, wenn dieser aufgrund einer psychischen Erkrankung oder einer körperlichen oder geistigen Behinderung dazu nicht mehr in der Lage ist. Das sieht ein Gesetzesentwurf des Bundesrats vor, zu dem das Bundeskabinett im Februar einen Änderungsantrag beschlossen hat. In einer öffentlichen Anhörung berät morgen der Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz über beide Vorlagen.

Die DGPPN sieht die Entwürfe kritisch und empfiehlt in einer heute veröffentlichten Stellungnahme dringend, die Neuregelung nicht umzusetzen. „Die geplante Ermächtigung der Eheleute beschränkt das Selbstbestimmungsrecht der Betroffenen auf unnötige Weise. Wer im Fall seiner Einwilligungsunfähigkeit eine Vertretung durch seinen Partner wünscht, kann und sollte eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung verfassen. Auch wenn sich der überwiegende Teil der Bevölkerung eine Vertretung durch den Partner wünscht, darf daraus nicht geschlossen werden, dass dies auch für die Menschen zutrifft, die keine schriftliche Vorausverfügung getroffen haben. Vielleicht ist in diesen Fällen genau das Gegenteil der Fall", stellt DGPPN-Präsident Professor Arno Deister fest.

Aus Sicht der Fachgesellschaft setzt der Gesetzesentwurf deshalb ein falsches Signal. „Er würde in der Bevölkerung die falsche Überzeugung stärken, dass Vorausverfügungen gar nicht mehr notwendig seien. Damit würde in Deutschland die Patientenautonomie nicht weiter gefördert, sondern gefährdet.", so Professor Thomas Pollmächer, der bei der DGPPN der Task-Force „Patientenautonomie" vorsteht. „Gerade bei psychischen Erkrankungen gibt es immer wieder erhebliche Konflikte zwischen Partnern. In solchen Situationen ist oft ein unabhängiger Betreuer die wesentlich bessere Lösung. Die geplante pauschale Ermächtigung - und insbesondere auch das pauschale Recht zum Einblick in die Krankenakte - drängt Partner aber zu Entscheidungen, die das partnerschaftliche Verhältnis zu einem späteren Zeitpunkt enorm belasten können."

In ihrer Stellungnahme führt die DGPPN eine Vielzahl weiterer Gründe auf, die gegen eine Umsetzung der Gesetzesvorlage sprechen.

Weitere Informationen:
http://www.dgppn.de/presse/pressemitteilungen/detailansicht/article//rueck-statt...

Quelle: idw 

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Gefährdete Giganten: Große Süßwasser-Tierarten sind weltweit am stärksten vom Aussterben bedroht

Angelina Tittmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Süßwasser-Megafauna wie Flussdelfine, Krokodile oder Störe haben eine enorm große Bedeutung für ihr jeweiliges Ökosystem. In einer aktuellen Fachpublikation zeigen Forscher des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) gemeinsam mit internationalen Kollegen, wodurch diese großen Wirbeltierarten heute bedroht sind, und rufen dazu auf, sie gründlicher zu erforschen und besser zu schützen. So könnten auch Süßwasserökosysteme, die weltweit besonders stark vom Rückgang der Biodiversität betroffen sind, insgesamt effektiver bewahrt werden.

Viele große aquatische Wirbeltierarten, sogenannte Süßwasser-Megafauna, legen lange Wegstrecken zwischen ihren Brut- und Futterplätzen zurück. Sie sind auf durchgängige Fließgewässer angewiesen. Das macht sie jedoch besonders anfällig für die zunehmende Fragmentierung von Flussgebieten durch Dämme. Diese versperren beispielsweise dem Russischen Stör den Zugang zu 70 Prozent seiner Laichplätze vom Kaspischen Meer aus sowie sämtliche Laichplätze, die ursprünglich vom Schwarzen Meer aus erreichbar waren. Auch viele andere Arten wie die Amazonas-Seekuh, der Ganges-Flussdelfin und der Mekong-Riesenwels sind vom Staudammboom betroffen und gelten inzwischen als bedroht. „Die Fragmentierung von Lebensräumen ist neben der Übernutzung von Binnengewässern eine der zentralen Bedrohungen für Süßwasser-Megafauna", sagt Fengzhi He. Der IGB-Wissenschaftler ist Hauptautor der Studie über das Verschwinden großer Wirbeltierarten aus Flüssen und Seen, die kürzlich in der Fachzeitschrift WIREs Water erschienen ist. Weltweit seien mehr als die Hälfte der Wirbeltiere, die in Süßwasserökosystemen leben und ausgewachsen mindestens 30 Kilogramm Gewicht auf die Waage bringen, nach der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion (IUCN) gefährdet oder sogar akut vom Aussterben bedroht.

Dabei spielt die Süßwasser-Megafauna eine Schlüsselrolle in ihren jeweiligen Ökosystemen: Aufgrund ihrer Größe stehen viele Megafauna-Arten an der Spitze der Nahrungskette, ihre Ausrottung hätte Einfluss auf die meisten anderen Lebewesen im lokalen Ökosystem. So gestaltet beispielsweise der eurasische und amerikanische Biber durch seine Lebensweise ganze Flussläufe, was unter anderem Auswirkungen auf biochemische und hydrologische Prozesse hat; Mississippi-Alligatoren schaffen und erhalten in den Everglades kleine Teiche, die Lebensraum für viele Pflanzen und kleinere Tiere sind. „Die Bedeutsamkeit von Süßwasser-Megafauna für die Biodiversität und für den Menschen kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden", so Fengzhi He. In der vorliegenden Publikation beschreibt er gemeinsam mit Kollegen der IUCN, der Universität Tübingen und der Queen Mary University of London, welche Faktoren Süßwasser-Megafauna bedrohen. Neben dem Verbau und der Fragmentierung der Gewässer durch Dämme sind dies Übernutzung, Umweltverschmutzung, Lebensraumzerstörung und Arteninvasion sowie die mit dem Klimawandel einhergehenden Änderungen.

Was Megafauna-Arten für den Einfluss von außen besonders anfällig macht, sind ihre lange Lebenserwartung, stattliche Körpergröße, späte Geschlechtsreife und geringe Fruchtbarkeit, so die Autoren. Trotz der akuten Bedrohung vieler Arten wurden sie in bisherigen wissenschaftlichen Bestrebungen zur Erforschung und zum Erhalt weitgehend vernachlässigt. Fengzhi He und seine Co-Autoren fordern, Verbreitungsmuster, Lebensgeschichte und Populationsdynamik von Süßwasser-Megafauna besser zu erforschen. Da Binnengewässer zu den weltweit am stärksten bedrohten Ökosystemen zählen und der Verlust der Biodiversität hier schneller voranschreitet als in marinen und terrestrischen Systemen, sei es umso wichtiger, nachhaltige Naturschutzstrategien für Süßwasserökosysteme und ihre Süßwasser-Megafauna zu entwickeln.

Link zur Studie
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/wat2.1208/full

He, F., Zarfl, C., Bremerich, V., Henshaw, A., Darwall, W., Tockner, K. and Jähnig, S. C. (2017), Disappearing giants: a review of threats to freshwater megafauna. WIREs Water, e1208. doi:10.1002/wat2.1208

Ansprechpartner
Fengzhi He
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Müggelseedamm 310, 12587 Berlin
fengzhi.he@igb-berlin.de

Dr. Sonja Jähnig
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Justus-von-Liebig-Str. 7, 12489 Berlin
sonja.jaehnig@igb-berlin.de
+49 (0)30 6392 4085

Über das IGB:
http://www.igb-berlin.de

Das IGB ist das bundesweit größte Forschungszentrum für Binnengewässer. Es verbindet Grundlagen- und Vorsorgeforschung, bildet den wissenschaftlichen Nachwuchs aus und berät Politik und Gesellschaft in Fragen des nachhaltigen Gewässermanagements. Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Langzeitentwicklung von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten angesichts sich rasch ändernder Umweltbedingungen, die Renaturierung von Ökosystemen, die Biodiversität aquatischer Lebensräume sowie Technologien für eine ressourcenschonende Aquakultur. Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit den Universitäten und Forschungsinstitutionen der Region Berlin/Brandenburg und weltweit. Das IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.

Quelle: idw 

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Schwangerschaft begünstigt neue, hochpathogene Grippevirus-Varianten

Dr. Franziska Ahnert Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Heinrich-Pette-Institut - Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie

Die Immunantwort bei Schwangeren führt zu schweren Krankheitsverläufen und neuen, hochvirulenten H1N1-Stämmen

Die Immunantwort während der Schwangerschaft verstärkt nicht nur die Pathogenität von H1N1-Grippeviren, sondern begünstigt auch die Entstehung neuer, hoch-virulenter Stämme. Zu diesen Ergebnissen gelangt eine kooperative Studie der Forschungsgruppe Virale Zoonosen am Heinrich-Pette-Institut, Leibniz-Institut für Experimentelle Virologie (HPI) unter der Leitung von Prof. Gülsah Gabriel und dem Labor Feto-Maternale Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) unter der Leitung von Prof. Petra Arck, die nun in dem renommierten Fachjournal „Cell Host & Microbe" erschienen ist.

Aus Sicht des Immunsystems stellt eine Schwangerschaft eine einzigartige Situation dar, denn der Fötus trägt zur Hälfte auch väterliche Antigene. „Das mütterliche Immunsystem reagiert mit einer gezielten Immuntoleranz, um sicherzugehen, dass der Fötus nicht wie ein Transplantat abgestoßen wird", erklärt Prof. Petra Arck. „Bei einer Grippevirus-Infektion ist dagegen eine schnelle Immunantwort notwendig, um sich gegen die Viren zur Wehr zu setzen" ergänzt Prof. Gülsah Gabriel. Aufgrund dieser entgegengesetzten immunologischen Anforderungen sind schwangere Frauen die größte Risiko-Gruppe für schwere, teilweise tödliche, Grippeverläufe. Über die genauen Ursachen dafür liegen bisher jedoch nur wenige Erkenntnisse vor.

In der nun erschienenen Studie ist es den Teams um Gabriel und Arck gelungen, die Vorgänge im Immunsystem bei einer Infektion mit dem Grippevirus pH1N1 während einer Schwangerschaft genauer zu charakterisieren. Mithilfe eines Mausmodells konnte gezeigt werden, dass die anti-virale Immunantwort in trächtigen Muttertieren deutlich abgeschwächt ist und die Infektion sehr viel schwerer verläuft als bei den nicht-trächtigen Tieren. Zudem ist es gelungen, die Bildung neuer, hochvirulenter Grippevirus-Varianten in den trächtigen Tieren nachzuweisen.

„Unsere Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, wie wichtig es ist, dass sich gerade schwangere Frauen mit einer Impfung vor Grippeinfektionen schützen. Zudem können die Erkenntnisse aber auch die Grundlage für neue therapeutische Ansätze liefern", erklärt Prof. Gülsah Gabriel, Leiterin der HPI-Forschungsgruppe „Virale Zoonosen und Adaptation".

Gefördert wurde die Forschungsarbeit mit Mitteln des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) sowie dem Fonds National de la Recherche Luxembourg. Weiterhin ist die Studie in die durch die Deutsche Forschungsgesellschaft geförderte Klinische Forschergruppe 296 zum Thema "Feto-Maternale Immunität" eingebettet, welche Frau Prof. Arck als Sprecherin vertritt.

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Cell Host & Microbe" veröffentlicht:
Géraldine Engels, Alexandra Maximiliane Hierweger, Julia Hoffmann, René Thieme, Swantje Thiele, Stephanie Bertram, Carola Dreier, Patricia Resa-Infante, Henning Jacobsen, Kristin Thiele, Malik Alawi, Daniela Indenbirken, Adam Grundhoff, Svenja Siebels, Nicole Fischer, Violeta Stojanovska, Damián Muzzio, Frederico Jensen, Khalil Karimi, Hans-Willi Mittrücker, Petra Clara Arck & Gülsah Gabriel (2017). Pregnancy-related immune adaptation promotes the emergence of highly virulent H1N1 strains in allogenically-pregnant mice. Cell Host & Microbe, März 2017.

Weitere Informationen:
http://www.hpi-hamburg.de Webseite Heinrich-Pette-Institut
http://www.cell.com/cell-host-microbe/fulltext/S1931-3128%2817%2930082-3 Cell Host & Microbe Veröffentlichung

Anhang

PDF der PM zum Download
https://idw-online.de/de/attachment56802

Quelle: idw 

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Methan: Insektenlarven in Seen sind unvermutete „Klimasünder"

Angelina Tittmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Büschelmücken (Chaoborus spp) sind kleine Fliegen, die mit Ausnahme der Antarktis überall auf der Erde zu finden sind. Wissenschaftler haben entdeckt, dass die Larven dieser Insekten Methan aus den Sedimenten von Seen freisetzen, um es für ihre Fortbewegung zu nutzen. Dieser Mechanismus könnte die Methan-Emissionen in die Atmosphäre erhöhen und somit die globale Erderwärmung beschleunigen. Die Studie, an der die Universität Genf (UNIGE), das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), die Universität Potsdam und die Swansea University beteiligt waren, wurde am 14. März im Fachjournal „Scientific Reports" veröffentlicht.

Büschelmücken (Chaoborus spp) verbringen ein bis zwei Jahre ihres Lebens als Larven unter Wasser. Tagsüber verstecken sich die Tiere vor ihren Feinden im Sediment, zum Fressen kommen sie aber jede Nacht an die Wasseroberfläche. Um sich auf- und abwärts zu bewegen, nutzen die Larven kleine Gassäckchen in ihrem Körper. Indem sie diese befüllen oder entleeren, verändern die Tiere ihre Position im Wasser. „Dies funktioniert jedoch nur bis zu einer Tiefe von etwa 70 Metern", erklärt Prof. Hans-Peter Grossart, Mitautor der Studie und Wissenschaftler am IGB. „Dann wird der Wasserdruck zu groß für die Larven, um ihre Gaspolster zu füllen." Gemeinsam mit Prof. Daniel McGinnis und Dr. Sabine Flury (Universität Genf) sowie Prof. Kam Tang (Universität Swansea) hat er erforscht, wie es den relativ kleinen Tieren dennoch gelingt, an die Wasseroberfläche zu gelangen.

„Wir wissen, dass Methan in großen Mengen in den Sedimenten am Gewässergrund vorkommt und kleine Bläschen formt", berichtet Daniel McGinnis. Die Wissenschaftler vermuteten deshalb, dass Büschelmücken dieses Gas nutzen, um damit trotz des hohen Wasserdrucks ihre Gassäckchen aufzufüllen. Und tatsächlich, das Methan strömt fast automatisch in die Gassäckchen der kleinen Larven und ermöglicht so den Aufstieg der Tiere an die Wasseroberfläche. Durch diesen Lift-Effekt sparen die Larven bis zu 80 Prozent Energie. Das hilft ihnen zum Beispiel, mit weniger Nahrung auszukommen und neue Lebensräume zu erschließen.

Larven verschärfen den Treibhauseffekt
Methan ist aber auch ein entscheidender Faktor bei der globalen Erderwärmung. Das Gas absorbiert 28 Mal mehr Wärme als Kohlendioxid (CO2). „20 Prozent aller natürlichen Methan-Emissionen stammen aus Binnengewässern", erklärt Grossart. Normalerweise sei das meiste Gas jedoch in Seesedimenten gespeichert und festgelegt.

Die Wissenschaftler untersuchten deshalb, was mit dem Methan passiert, nachdem es von den Larven freigesetzt wird. „Dafür setzten wir die Larven in ein Gefäß mit Wasser, das wir zuvor mit Methan angereichert hatten", erklärt McGinnis „Anschließend überführten wir sie in methanarmes Wasser." Die Messungen ergaben, dass sich der Methangehalt des Wassers proportional zur Anzahl der Larven erhöht. Mit anderen Worten: Die Larven setzen das Gas aus dem Sediment frei und verteilen es anschließend in der Wassersäule. Auf diesem Weg gelangt Methan nicht nur vermehrt in die Oberflächengewässer, sondern von dort aus auch in die Atmosphäre. Die Tiere fördern damit die globale Erderwärmung, sind sich die Autoren einig.

Schlechte Wasserqualität bietet Larven beste Bedingungen
Büschelmücken gelten als ein Zeichen für den schlechten ökologischen Zustand von Seen. „Die Larven, deren Dichte von 2.000 bis 130.000 Individuen pro Quadratmeter variieren kann, kommen insbesondere in Seen mit schlechter Wasserqualität oder einem zu hohen Nährstoffgehalt vor", sagt McGinnis. Dies erfordere vor allem Anstrengungen bei der Verbesserung der Wasserqualität und eine Reduktion der Nährstoffeinträge durch Landwirtschaft und Abwässer, um die Freisetzung von Methan künftig zu reduzieren.

Die Studie wurde im Rahmen eines Fellowships am Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei in Neuglobsow durchgeführt.

Link zur Studie:
http://www.nature.com/articles/srep44478

Daniel F. McGinnis, Sabine Flury, Kam W. Tang & Hans-Peter Grossart (2017): Porewater methane transport within the gas vesicles of diurnally migrating Chaoborus spp.: An energetic advantage. Scientific Reports 7:44478, DOI: 10.1038/srep44478.

Ansprechpartner:
Prof. Hans-Peter Grossart
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
E-Mail: hgrossart@igb-berlin.de
Telefon: +49 (0)33082 699 91

Über das IGB:
http://www.igb-berlin.de
Das IGB ist das bundesweit größte Forschungszentrum für Binnengewässer. Es verbindet Grundlagen- und Vorsorgeforschung, bildet den wissenschaftlichen Nachwuchs aus und berät Politik und Gesellschaft in Fragen des nachhaltigen Gewässermanagements. Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Langzeitentwicklung von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten angesichts sich rasch ändernder Umweltbedingungen, die Renaturierung von Ökosystemen, die Biodiversität aquatischer Lebensräume sowie Technologien für eine ressourcenschonende Aquakultur. Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit den Universitäten und Forschungsinstitutionen der Region Berlin/Brandenburg und weltweit. Das IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.

Quelle: idw 

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Frauen im Job - Psychologe untersucht Vorurteile

Susann Huster Stabsstelle Universitätskommunikation/Medienredaktion
Universität Leipzig

Frauen fahren schlechter Auto als Männer. Sie zeigen weniger Führungsstärke, und Schwangere sind am Arbeitsplatz weniger leistungsfähig als ihre Kollegen: Dies alles sind negative Vorurteile, für die es keinerlei Beweise gibt. Dennoch begegnen sie uns tagtäglich und sie können uns - oft unbewusst - stark beeinflussen. Prof. Dr. Hannes Zacher, Arbeitspsychologe der Universität Leipzig, erforscht dieses Phänomen, das auch im Zeitalter der Gleichberechtigung von Mann und Frau noch vielerorts auftaucht - vor allem im Job. Zum bevorstehenden Internationalen Frauentag am 8. März stellt er einige seiner wissenschaftlichen Erkenntnisse zu dieser Thematik vor.

"Ich forsche daran, was diese Vorurteile mit den Menschen machen", erklärt der Psychologe, der dafür mit Umfragen und Experimenten arbeitet. "Wenn eine einzige Managerin ansonsten nur mit männlichen Führungskräften zusammenarbeitet, kann auch bei ihr unbewusst ein Vorurteil aktiviert werden: Ich habe weniger Führungsstärke als ein Mann. Das kann zu Hemmungen führen", erklärt Zacher. Wie ausgeprägt diese sein können, beweist die Tatsache, dass Chefinnen oftmals geheim halten, dass sie Kinder haben - eine vermeintliche Schwäche. Es kann auch dazu führen, dass sie seltener Angebote von Arbeitgebern zur Kinderbetreuung und für mehr Flexibilität in Anspruch nehmen als ihre männlichen Pendants.

Auch vermeiden es Frauen in Führungspositionen häufig, Gefühle zu zeigen, weil ihnen das als Schwäche und als Bestätigung eines klassischen Vorurteils ausgelegt werden könnte. Tatsächlich sollte eine (weibliche) Führungskraft Zacher zufolge im Job nicht nur einfühlsam auftreten. Er rät hier zum goldenen Mittelweg: "Empathie ist gut, anderen zuhören. Eine Führungskraft sollte andere im positiven Sinne beeinflussen können, aber nicht mit allen Mitarbeitern gut befreundet sein."

Ein weiteres, weit verbreitetes Stereotyp in der Arbeitswelt betrifft Schwangere. Ihnen wird häufig unterstellt, sie seien weniger leistungsfähig als ihre Kollegen. Die Reaktionen der Betroffenen auf dieses Vorurteil fallen Zacher zufolge unterschiedlich aus: Während einige Schwangere unbewusst diesem Vorurteil entsprechen und sich auf Arbeit zurückhalten, stecken andere werdende Mütter noch mehr Energie in ihre Arbeit als sonst. "Es gibt Vorurteile gegenüber dem Geschlecht eines Menschen, aber auch gegenüber bestimmten Altersgruppen", sagt Zacher, der sich seit Kurzem auch mit den Vorurteilen jüngerer Kollegen gegenüber Älteren wissenschaftlich beschäftigt und dabei schon mehrere gängige Vorurteile - zum Beispiel das ältere Erwerbstätige weniger leistungsfähig als jüngere sind - widerlegen konnte.

Hinweis:
Prof. Dr. Hannes Zacher ist einer von mehr als 150 Experten der Universität Leipzig, auf deren Fachwissen Sie mithilfe unseres Expertendienstes zurückgreifen können.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Hannes Zacher
Institut für Psychologie
Telefon: +49 341 97-35932
E-Mail: hannes.zacher@uni-leipzig.de

Medienredaktion der Universität Leipzig
Telefon: +49 341 97-35020
E-Mail: presse@uni-leipzig.de

Weitere Informationen:
http://www.zv.uni-leipzig.de/service/kommunikation/medienredaktion/expertendiens...

Quelle: idw 

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Malaria-Therapien: bald schon viel einfacher, flexibler und effizienter?

Christian Wißler Mediendienst Forschung
Universität Bayreuth

Malaria-Infektionen lassen sich möglicherweise schon bald viel effizienter behandeln als heute. Forscher an den Universitäten Bayreuth und Jerusalem haben hierfür ein neuartiges Verfahren zur Wirkstoff-Freisetzung entwickelt. Der Wirkstoff Artemisone lässt sich damit zuverlässig in Mengen und Zeitabständen verabreichen, die exakt auf das Krankheitsbild des einzelnen Patienten abgestimmt sind. In der Zeitschrift „Global Challenges" stellen die Wissenschaftler ihre Entwicklung vor. Die Forschungsarbeiten waren Teil eines Projekts, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für fünf Jahre mit insgesamt rund 1,5 Millionen Euro gefördert wird.

Zuverlässig und flexibel: Winzige Fasern ermöglichen die optimale Dosis
Um den Verlauf einer Malaria-Behandlung flexibel dem individuellen Krankheitsbild anpassen zu können, haben die Wissenschaftler den Wirkstoff Artemisone auf speziellen Polymerfasern platziert. Diese Fasern sind ungefähr 100mal dünner als ein menschliches Haar. Sobald sie mit einer tensidhaltigen Standard-Infusionsflüssigkeit in Kontakt kommen, wird das Artemisone allmählich freigesetzt. Wie hoch die Artemisone-Dosis ist, die in den Blutkreislauf des Patienten gelangt, lässt sich dabei auf einfache Weise regulieren. Die Fasern, aus denen die Artemisone-Moleküle freigesetzt werden, können den Organismus des Patienten nicht erreichen. Sie bleiben unterhalb des Flüssigkeitsbehälters in der Tropfkammer fixiert.

Das Verfahren unterscheidet sich damit grundlegend von bisherigen Ansätzen, ein „Programmed release" für Antimalaria-Wirkstoffe zu entwickeln. Denn bislang hat sich die Forschung auf die Frage konzentriert, wie diese Wirkstoffe innerhalb des Organismus kontrolliert freigesetzt werden können. Vor allem Implantate und spezielle Verkapselungen von Tabletten wurden dafür in Betracht gezogen. „Alle diese Ansätze sind auf Schwierigkeiten gestoßen, die bisher nicht überzeugend gelöst werden konnten. Unser Verfahren zeichnet sich dadurch aus, dass wir die Wirkstoff-Freisetzung vorverlagern. Sie findet im Infusionssystem und somit komplett außerhalb des Organismus statt", erklärt Prof. Dr. Andreas Greiner von der Universität Bayreuth. „Deshalb entfallen alle unkontrollierbaren Gesundheitsrisiken, die entstehen können, wenn ein Wirkstoffträger sich über einen längeren Zeitraum im Körper befindet und erst hier schrittweise den Wirkstoff freisetzt", ergänzt der Bayreuther Doktorand Amir Reza Bagheri M.Sc., der zu den polymerwissenschaftlichen Forschungsergebnissen wesentlich beigetragen hat.

Die an der Entwicklung des neuen Antimalaria-Verfahrens beteiligten Wissenschaftler betonen, dass sich die winzigen Polymerfasern auch als Vehikel für andere Wirkstoffe eignen und daher die Behandlung weiterer Krankheiten unterstützen können.

Keine Utopie mehr: Effektive Hilfe für Malaria-Patienten in den Tropen
Das neue Therapieverfahren knüpft an Untersuchungen anderer Forschungseinrichtungen an, in denen Artemisone mit vielversprechenden Ergebnissen getestet wurde. „Die vorklinischen Tests zeigen, dass Artemisone klare Vorteile gegenüber dem Wirkstoff Artemisinin hat, der heute zur Behandlung von Malaria-Infektionen eingesetzt wird. Deshalb haben wir bei der Entwicklung unseres Therapieverfahrens von vornherein auf diesen effizienteren Wirkstoff gesetzt, bei dem es sich - chemisch gesprochen - um ein Artemisinin-Derivat handelt", erklärt Prof. Dr. Jacob Golenser von der Hebräischen Universität Jerusalem. Er ist zuversichtlich, dass Artemisone in nicht allzu ferner Zukunft für die Behandlung von Malaria-Infektionen zugelassen werden könnte. „Auch unser Infusionssystem dürfte die nötigen klinischen Tests bestehen. Dann steht der Anwendung in der medizinischen Praxis grundsätzlich nichts mehr im Weg", meint Prof. Dr. Seema Agarwal von der Universität Bayreuth.

Ist das in Bayreuth und Jerusalem entwickelte Antimalaria-Verfahren auch Entwicklungs- und Schwellenländern zugänglich? Die benötigten Fasern werden durch das Elektrospinnen von Vliesen hergestellt, ein heute bereits übliches industrielles Verfahren. Die Fasern mit Artemisone zu beladen und in die Tropfkammer eines Infusionsbestecks einzubauen, verursacht nach Auffassung der Wissenschaftler in Bayreuth und Jerusalem keine hohen Kosten. „Die so vorbereiteten Infusionsbestecke könnten in Entwicklungs- und Schwellenländern, wo viele Malaria-Infektionen nur unzureichend behandelt werden, durchaus erschwinglich sein. Sofern Krankenhäuser und Malaria-Stationen mit Standard-Infusionstechniken ausgestattet sind, haben ihre Patienten vielleicht schon bald die Chance auf eine effiziente Therapie", so die Einschätzung von Prof. Golenser.

Veröffentlichung:
Amir Reza Bagheri, Seema Agarwal, Jacob Golenser, and Andreas Greiner,
Unlocking Nanocarriers for the Programmed Release of Antimalarial Drugs,
Global Challenges (2017), DOI: 10.1002/gch2.201600011.

Kontakt:
Prof. Dr. Andreas Greiner
Lehrstuhl Makromolekulare Chemie II
Universität Bayreuth
Universitätsstr. 30
95447 Bayreuth
Telefon: +49 (0)921 55 3399
E-Mail: greiner@uni-bayreuth.de

Quelle: idw 

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Es muss nicht immer Trinkwasser sein - Abwasser als Ressource nutzen

Melanie Neugart Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

Die Verteilungskonflikte um die Ressource Wasser sind nicht mehr auf die trockenen Regionen der Erde begrenzt, selbst im wasserreichen Deutschland kommt es vereinzelt zu Nutzungskonflikten. Der weltweite Wasserbedarf steigt stetig: Schon jetzt werden allein für landwirtschaftliche Zwecke zwei Drittel der vorhandenen Trinkwassermenge verwendet. Wegen des wachsenden Drucks auf die Wasserressourcen machen die Vereinten Nationen zum Weltwassertag am 22. März auf das Potenzial von Abwasser aufmerksam. WissenschaftlerInnen des ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung untersuchen die vielfältigen Möglichkeiten der Wiederverwendung

Der nachhaltige Umgang mit Wasser zählt zu den zentralen Herausforderungen der Gegenwart, er ist als Nachhaltigkeitsziel (SDG) in der Agenda 2030 der UN verankert. Doch wie kann dieser nachhaltige Umgang aussehen? „Wir haben in vielen Forschungsprojekten wassersparende Technologien erprobt", sagt Martin Zimmermann, Wasserforscher am ISOE. „Insbesondere in der Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser liegen große Potenziale, sie werden allerdings bislang kaum genutzt."

Noch immer werde zu wenig unterschieden, für welchen Einsatz sich welche Wasserqualität eigne. „Es bleibt weitgehend unhinterfragt, ob für die Gartenpflege, die Autowaschanlage oder für die Toilettenspülung tatsächlich Trinkwasser notwendig ist", sagt Zimmermann. Aufbereitet kann dasselbe Wasser zwei- bis dreimal verwendet werden. Es ist nicht nur in Haushalten, sondern auch für den industriellen Bedarf einsetzbar. „Vor dem Hintergrund, dass 70 Prozent des verfügbaren Trinkwassers weltweit in die Landwirtschaft fließen, stellt sich zudem die Frage, wie der Einsatz von gereinigtem Abwasser in der Landwirtschaft sinnvoll geregelt werden kann."

Den Druck auf die Ressource verringern: gereinigtes Abwasser auch für die Landwirtschaft
Insbesondere in semiariden Gebieten kann die Wiederverwendung von aufbereitetem Abwasser den Druck auf die Ressource Wasser verringern. Wichtig ist jedoch, attraktive Konzepte der Wasserwiederverwendung zu entwickeln, die optimal auf die jeweiligen Rahmenbedingungen vor Ort abgestimmt sind. Dies ist das Ziel eines aktuellen Forschungsprojektes des ISOE und der TU Darmstadt: So gibt es zum Beispiel in Namibia zwar Abwasser-Sammelsysteme, bei denen sich die Feststoffe am Grund der Sammelbecken absetzen. Das Wasser ist jedoch aufgrund hygienischer Bedenken nicht ohne Weiteres für die landwirtschaftliche Bewässerung nutzbar. Gelingt es aber, diese Verfahren durch einfache Behandlungsschritte zu erweitern, etwa durch eine gezielte Trennung von Schlamm und Wasser, erhält man für die Landwirtschaft geeignetes Wasser. „Damit ist eine Blaupause geschaffen, die in vielen Gegenden des südlichen Afrikas angewendet werden kann", sagt Zimmermann.

Einen weiteren innovativen Ansatz untersucht das ISOE mit Partnern für Deutschland. Dabei geht es darum, wie man durch ein modulares Technikset Abwasser so aufbereitet, dass es als Wasser- und Nährstoffquelle für den Betrieb hydroponischer Systeme nutzbar wird. Hier werden Pflanzen in bodenlosen Systemen in einer Nährlösung gezogen. Hydroponische Systeme erzielen bei geringerem Flächenbedarf eine deutlich höhere Produktionskapazität als der konventionelle Anbau bei gleichzeitig sehr viel geringerem Wasserbedarf.

Dies ist insbesondere im Hinblick auf die rasch wachsende Erdbevölkerung relevant. Für die Ernährungssicherung ist Bewässerungswasser in ausreichender Menge und Qualität zentral. Insbesondere Regionen, die schon heute unter Wassermangel leiden, müssen über alternative Wasserquellen und über nachhaltige Managementkonzepte für die bestehenden Ressourcen nachdenken. „Das Missverhältnis zwischen steigendem Wasserbedarf und begrenzten Wasserressourcen wird sich in den nächsten Jahren vergrößern", sagt ISOE-Wasserexperte Zimmermann. „Mit diesen Konzepten zur effizienten Wassernutzung können wir aber zumindest den Druck auf die Ressource etwas verringern."

Mehr zu den Projekten EPoNa und HypoWave auf www.isoe.de
ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main
Das ISOE gehört zu den führenden unabhängigen Instituten der Nachhaltigkeitsforschung. Seit mehr als 25 Jahren entwickelt das Institut wissenschaftliche Grundlagen und zukunftsfähige Konzepte für Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft - regional, national und international. Zu den Forschungsthemen gehören Wasser, Energie, Klimaschutz, Mobilität, Urbane Räume, Biodiversität und sozial-ökologische Systeme.

Anhang
Weltwassertag 2017: Es muss nicht immer Trinkwasser sein - Abwasser als Ressource nutzen
https://idw-online.de/de/attachment56877

Quelle: idw 

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Risikoentscheidungen: Alter schützt vor Kühnheit nicht

Kerstin Skork Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Entgegen des gängigen Vorurteils zeigt eine Studie, dass ältere Menschen risikobereitere Entscheidungen treffen als jüngere. Dabei kommt ihnen zugute, dass positive Emotionen bei ihnen stärker ausgeprägt sind; dies lässt sie Risiken optimistischer bewerten. Außerdem empfinden ältere Erwachsene die Möglichkeit von Verlusten nicht so negativ wie junge. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, die in der Fachzeitschrift Psychological Science erschienen ist.

Die menschliche Lebenserwartung steigt. Schon heute liegt der Anteil der über 65-Jährigen in den industrialisierten Teilen der Welt bei etwa 21 Prozent, und es wird vermutet, dass es bis 2060 etwa 32 Prozent sein werden. Ältere Menschen und ihre Entscheidungen haben somit einen immer größer werdenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einfluss. Die Wissenschaftler untersuchten deshalb, wie ältere im Vergleich zu jüngeren Menschen Entscheidungen unter Risiko treffen. Dafür verglichen sie Ähnlichkeiten und Unähnlichkeiten bei Risikoentscheidungen von 60 jüngeren Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren sowie 62 älteren Erwachsenen im Alter zwischen 63 und 88 Jahren. Die Probanden machten einen Entscheidungstest, bei dem sie jeweils zwischen zwei Optionen wählen sollten. Bei jeder Option konnte mit gewisser Wahrscheinlichkeit Geld gewonnen oder verloren werden. Insgesamt galt es 105 Aufgaben zu bearbeiten, wobei stets die Information vorlag, welcher Betrag gewonnen oder verloren werden konnte und wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Gewinns oder eines Verlusts war.

Die älteren Menschen trafen in der Studie häufiger risikoreichere Entscheidungen als die jüngeren. Grund dafür ist, laut den Wissenschaftlern, die bessere Gemütslage der Älteren. Wie auch schon in früheren Studien berichteten sie von mehr positiven und weniger negativen Emotionen als die Jüngeren. „Wer gut gestimmt ist, hat eher die positiven Möglichkeiten einer Entscheidung im Blick", sagt Thorsten Pachur, Erstautor der Studie und Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich „Adaptive Rationalität" des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. „Die älteren Probanden waren optimistischer in der Bewertung möglicher Gewinne und wagten demnach mehr. Zudem bewerteten sie mögliche Gewinne und Verluste gleich, während die jüngeren Probanden stärker darauf fokussiert waren, mögliche Verluste zu vermeiden", so Thorsten Pachur weiter.

Der Befund einer größeren Risikobereitschaft von älteren Menschen widerspricht den Ergebnissen vieler früherer Untersuchungen. Dies erklären die Wissenschaftler mit einem veränderten Studienaufbau: Während in früheren Studien den Probanden meist die Wahl zwischen einer sicheren und einer risikoreichen Option gegeben wurde, waren in dieser Studie beide Optionen risikoreich, aber in unterschiedlichem Maße. Somit mussten sie sich mit den Optionen genauer auseinandersetzen.

Zusätzlich zu den Unterschieden in der Risikobereitschaft zeigte sich, dass die älteren Probanden jedoch schlechtere Entscheidungen trafen als die jüngeren. Das heißt, sie wählten seltener die objektiv bessere Option, das heißt die Option, die aus ökonomischer Sicht einen höheren erwarteten Gewinn bot. „Die Unterschiede in der Entscheidungsqualität sind auf die Abnahme der fluiden Intelligenz im Alter zurückzuführen, also auf die Abnahme der Fähigkeit, Informationen schnell zu verarbeiten und Probleme zu lösen", sagt Thorsten Pachur.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Ausprägung von Altersunterschieden im Risikoverhalten stark durch die Situation beeinflusst ist, in der das Risikoverhalten untersucht wird. Zudem verdeutlichen sie das Zusammenwirken von Emotion und Kognition bei der Entscheidung für oder gegen ein Risiko. „Beides spielt dabei eine Rolle, jedoch mit unterschiedlichen Funktionen. Während Emotionen vor allem dafür verantwortlich sind, ob von zwei zur Auswahl stehenden Risiken das größere oder kleinere gewählt wird, hilft die Kognition, die objektiv bessere Option zu identifizieren", so Thorsten Pachur.

Originalstudie
Pachur, T., Mata, R., & Hertwig, R. (2017). Who dares, who errs? Disentangling cognitive and motivational roots of age differences in decisions under risk. Psychological Science. https://doi.org/10.1177/0956797616687729

Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung wurde 1963 in Berlin gegründet und ist als interdisziplinäre Forschungseinrichtung dem Studium der menschlichen Entwicklung und Bildung gewidmet. Das Institut gehört zur Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., einer der führenden Organisationen für Grundlagenforschung in Europa.

Weitere Informationen:
https://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2017/03/risikoentscheidungen-alter-schu...

Quelle: idw 

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Dem Geheimnis der Achilles-Ferse auf der Spur

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Gehen, laufen, rennen - jede Bewegung des Fußes zerrt an der Achillessehne. Bei Sprüngen kann die Belastung das Zehnfache des Körpergewichts betragen. Erstaunlicherweise hält die Verbindung zwischen Fersenbein und Achillessehne diesen enormen Kräften stand. Warum, das hat ein interdisziplinäres Team aus Medizin, Physik, Chemie und Ingenieurwissenschaften an der Technischen Universität München (TUM) herausgefunden.

Rund 8000 Risse der Achillessehne müssen in Deutschland jedes Jahr behandelt werden, obwohl sie die stärkste Sehne des menschlichen Körpers ist. Sie verbindet Fersenbein und Wadenmuskel und hält bis zum Zehnfachen des Körpergewichts aus. Benannt ist sie nach dem - fast - unverletzbaren griechischen Helden Achilleus, dem ein Pfeilschuss in die Ferse zum Verhängnis wurde.

„Obwohl in der Orthopädie tagtäglich Patientinnen und Patienten mit Sehnenverletzungen behandelt werden, wissen wir noch immer sehr wenig über den genauen feingeweblichen Aufbau am direkten Übergang von der Sehne zum Knochen: Die biochemischen Vorgänge, die Mikromechanik und die Mikrostruktur des Gewebes sind bisher kaum erforscht", berichtet PD Dr. Rainer Burgkart, Oberarzt und Forschungsleiter am Lehrstuhl für Orthopädie und Sportorthopädie der TUM.

Dünne Fasern, perfekter Halt
Zusammen mit einem interdisziplinären Team aus Biochemie und Biophysik der TU München hat der Mediziner im Rahmen des neugegründeten Center for functional Protein Assemblies (CPA) und der Munich School of Bioengineering (MSB) das Geheimnis der Achillessehne entschlüsselt: Zwischen Sehnen und Knochen entdeckten die Experten eine Gewebeschicht, die aus extrem dünnen Proteinfasern besteht und für eine extrem hohe Stabilität sorgt.

Menschen sind daher in der Lage, über Hürden zu springen, hohe Sprünge und harte Landungen zu machen, ohne dass die Verbindung zwischen Sehne und Fersenbein Schaden nimmt. Tatsächlich reißt eher die Sehne, als dass sich die Verbindung zum Knochengewebe löst.

„Dass die Sehnen direkt am Knochen ansetzen, das war bislang die Annahme. Tatsächlich gibt es jedoch einen Übergangsbereich. Hier spleißt sich das Sehnengewebe auf in Dutzende von feinen Fasern mit einer ganz charakteristischen biochemischen Zusammensetzung", erklärt Prof. Andreas Bausch, Inhaber des Lehrstuhls für Zellbiophysik und Leiter der interdisziplinären Forschungsgruppe. „Die dünnen Fasern sind fest in der zerklüfteten Oberfläche des Knochens verankert und mechanisch äußerst belastbar."

Gemeinsam am Start: Medizin, Physik, Chemie und Ingenieurwissenschaften
Entdeckt wurden die feinen Fasern durch einen neuen, interdisziplinären Forschungsansatz: „Die Innovation der Arbeit liegt darin, dass wir verschiedene medizinische, physikalische und ingenieurwissenschaftliche Verfahren kombiniert haben", sagt Bausch.

Ein Stück Schweineknochen mit Sehne, in der Orthopädie sorgfältig präpariert, wurde am Lehrstuhl für Zellbiophysik in eine Apparatur eingespannt und fixiert. Dann richteten die Forscherinnen und Forscher das Mikroskop auf die Grenzschicht, entlang derer die Sehne mit dem Knochen verwachsen ist. Mit Hilfe der Multiskalen-Mikroskopie-Technik wurden Dutzende von Aufnahmen erstellt und digital zu einem großen Bild zusammengeführt. „Auf diese Weise konnten wir die Struktur der feinen, aufgespleißten Fasern sichtbar machen", berichtet Bausch.

Im nächsten Schritt verwendete das Team fluoreszierende Antikörper, um bestimmte Proteine zum Leuchten zu bringen. Hier zeigte sich, dass die dünnen Fasern eine andere biochemische Zusammensetzung haben als die eigentliche Sehne. Im dritten Teil des Experiments bewegten sie die Sehne unter Belastung hin und her und filmten dabei die Fasern. Das Ergebnis: Je nach Belastungsrichtungen sind unterschiedliche Fasern aktiv und stabilisieren den Kontakt.

Ergänzt wurden die lichtmikroskopischen Untersuchungen durch besonders hochauflösende Bilder eines Elektronenmikroskops. Mitarbeiter des Lehrstuhls für Medizinische Biophysik setzten außerdem einen Mikro-Computertomographen ein, mit dem sich die Grenzregion dreidimensional darstellen ließ. Am Lehrstuhl für organische Chemie wurden die unterschiedlichen Proteine in Sehnen und Übergangsfasern analysiert.
Ansätze für die Medizin der Zukunft

„Unsere Ergebnisse erlauben es erstmals, die biochemischen und biomechanischen Prozesse in der Kontaktzone zwischen Knochen und Sehne zu verstehen, die unserem Bewegungsapparat seine enorme Stabilität verleihen", resümiert Bausch.

Mögliche Anwendungen ergeben sich sowohl in der Materialforschung als auch in der Medizin: Ingenieurtechnisch könnten innovative Verbindungen zwischen festen und weichen Stoffen hergestellt werden. Und in der Orthopädie sollen die Erkenntnisse genutzt werden, um künftig in der Tumorchirurgie Sehnen an Implantate zu refixieren.

Publikation:
L. Rossetti, L. A. Kuntz, E. Kunold, J. Schock, K. W. Müller, H. Grabmayr, J. Stolberg-Stolberg, F. Pfeiffer, S. A. Sieber, R. Burgkart and A. R. Bausch: The microstructure and micromechanics of the tendon-bone insertion, Nature Materials 27.02.2017 - DOI: 10.1038/NMAT4863

Kontakt:
Prof. Dr. Andreas R. Bausch
Technische Universität München
Lehrstuhl für Zellbiophysik
James-Franck-Str. 1, 85748 Garching, Germany
Tel.: +49 89 289 12480
E-Mail: abausch@mytum.de

Weitere Informationen:
https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/33774/

Quelle: idw 

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»ZeroTrace«: Nachhaltige Aktivkohleverfahren zur Entfernung von Mikroschadstoffen aus Abwasser

Dipl.-Chem. Iris Kumpmann Abteilung Public Relations
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Um Mikroschadstoffe wie Arzneimittelrückstände aus Abwasser zu eliminieren, kommt in Kläranlagen häufig Aktivkohle zum Einsatz, die meist aus fossiler Steinkohle hergestellt wird. Im Verbundprojekt »ZeroTrace« will Fraunhofer UMSICHT nun Adsorptionsmaterialien aus regenerativen Ausgangsstoffen entwickeln, die ortsnah regeneriert werden und in kommunalen und industriellen Kläranlagen implementiert werden können. Das Projekt ist im Februar offiziell mit einem Auftakttreffen der sieben Projektpartner an der Kläranlage Wuppertal-Buchenhofen gestartet.

Weltweit sind 50 Millionen organische Verbindungen im Wasser im Umlauf, von denen 5000 als potenziell umweltrelevant eingestuft werden. So sind die Ab- und Gewässer in Deutschland mit Mikroschadstoffen wie Arzneimittelrückständen, Pflanzenschutzmitteln oder Schwermetallen belastet, die über die Landwirtschaft, Industrie und die Entwässerung von Wohn- und Industriegebieten in Grund- und Trinkwasser gelangen. Mikroschadstoffe sind schwer abbaubar und können trotz ihrer geringen Konzentration toxisch wirken. Um die Substanzen zu entfernen, werden in Kläranlagen häufig Aktivkohlefilter eingesetzt, die die organischen Stoffe an ihrer Oberfläche binden. Die für den Prozess gebrauchte Aktivkohle wird anschließend entweder entsorgt oder in zentralen Verbrennungsanlagen regeneriert.

Ein Nachteil dieses Verfahren ist, dass der überwiegende Anteil an Aktivkohle aus Steinkohle gewonnen wird - einem fossilen und nicht nachwachsenden Rohstoff. Gleichzeitig findet die Regeneration der Aktivkohle derzeit unter hohem energetischen und logistischen Aufwand statt. Vor diesem Hintergrund möchte das Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT unter der Projektleitung des Wupperverbands gemeinsam mit Partnern aus Industrie und Forschung im Projekt »ZeroTrace« Aktivkohlen entwickeln, die aus regenerativen Rohstoffen wie Kokosnussschalen hergestellt werden und in großen Mengen preiswert verfügbar sind. »Die Aktivkohle soll außerdem effizient regenerierbar sein sowie möglichst viele Arten von Mikroschadstoffen entfernen«, sagt Dr. Ilka Gehrke, Abteilungsleiterin Photonik und Umwelt bei Fraunhofer UMSICHT. Ein weiteres Projektziel ist deshalb die Entwicklung neuer Regenerationsverfahren für kommunale und industrielle Kläranlagen, die vor Ort stattfinden, energieeffizient sind und somit bestehende Prozesse optimieren.

Nachhaltige Komposit-Aktivkohle
Der Lösungsweg umfasst entlang der kompletten Wertschöpfungskette zunächst die Entwicklung von Aktivkohle als Komposit, das von der Bundesanstalt für Materialprüfung und -forschung modifiziert und von EVERS Wassertechnik und Anthrazitveredlung für die spätere Anwendung konfektioniert wird. Gemeinsam mit EnviroChemie wird Fraunhofer UMSICHT ein Verfahren auf Basis von »Electric Field Swing Adsorption« (EFSA) entwickeln, mit dem sich Aktivkohlen vor Ort regenerieren lassen, statt sie unter Aufwand zu einer zentralen Verbrennungsanlage zu fahren. Das neue Verfahren soll die Wärme zum Ausbrennen der Aktivkohle elektrisch erzeugen, weshalb den Aktivkohlen elektrisch leitende Materialien wie Graphit zugegeben werden. Denn je elektrisch leitfähiger die Aktivkohle ist, desto besser erwärmt sie sich und desto vollständiger werden die Mikroschadstoffe in der Regeneration wieder abgelöst. Der gesamte Prozess soll schließlich von EnviroChemie anlagentechnisch umgesetzt und auf zwei Kläranlagen des Wupperverbands unter realen Bedingungen demonstriert werden. Zudem betrachtet inter3 erstmalig die Entwicklung neuer Aktivkohlematerialien und -verfahren im Rahmen einer Multi-Kriterien-Analyse.

Beim Auftakttreffen des »ZeroTrace« Konsortiums am 21. Februar 2017 waren sich die beteiligten Fachleute einig, dass Aktivkohle langfristig in der Mikroschadstoff-Eliminierung nicht ersetzbar ist. Deshalb gilt es, den für den Filtrationsprozess wichtigen Ausgangsstoff ressourcenschonender und seine Regeneration effizienter zu gestalten. Vor dem Hintergrund, dass in Deutschland voraussichtlich eine vierte Klärstufe eingeführt werden soll, müssen in den nächsten Jahren vermutlich weit über hundert Kläranlagen und Wasserwerke mit einer Adsorptionsstufe ausgerüstet werden. »Wir erhoffen uns vom Projekt somit nicht nur einen Erkenntnisgewinn zur Herstellung von Komposit-Aktivkohle aus nachwachsenden Rohstoffen«, so Dr. Gehrke. Auch die wirtschaftlichen Erfolgsaussichten der im Rahmen von »ZeroTrace« zu entwickelnden Adsorptionssysteme und -materialien schätzt das Projektkonsortium hoch ein.

Über das Projekt:
»ZeroTrace« ist am 01. Februar 2017 gestartet und auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegt. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie dem Projektträger Jülich (PtJ) gefördert.

Projektpartner:
EVERS Wassertechnik und Anthrazitveredelung | Wupperverband | EnviroChemie | Bundesanstalt für Materialprüfung und -forschung BAM | Carbotech | inter3

Quelle: idw 

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„Seit Anbeginn der Zeit" - DNA bestätigt einzigartige Bindung australischer Ureinwohner an ihr Land

Petra Mader Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte / Max Planck Institute for the Science of Human History

Die DNA aus Haarproben der Ureinwohner Australiens zeigt ein ausgeprägtes geographisches Muster, das darauf hindeutet, dass die jeweiligen Bevölkerungsgruppen bis zu 50.000 Jahre lang in derselben Region siedelten. Die heute in Nature veröffentlichten Ergebnisse betonen damit die einzigartige Bindung der Ureinwohner Australiens zu ihrem Land und zeichnen erstmals eine detaillierte genetische Karte Australiens vor Ankunft der Europäer. Die Studie entstand im Rahmen des Aboriginal Heritage Projects unter Leitung der Universität Adelaide und des South Australian Museums, an dem auch Wolfgang Haak, vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena maßgeblich beteiligt ist.

Die Ureinwohner Australiens sind dem Land, das sie besiedeln, in besonderer Weise verbunden. So siedeln die rund 400 Sprach- und Regionalgruppen bereits seit bis zu 50.000 Jahren - und damit seit kurz nach der Besiedlung Australiens überhaupt - kontinuierlich in derselben Region. Das zeigt die DNA aus Haarproben von Aborigines, die im South Australian Museum in Adelaide aufbewahrt werden.

Die Sammlung von über 5000 Haarproben, die durch einen wahren Schatz an vielfältigen kulturellen, sprachlichen, genealogischen und geographische Daten bereichert wird, stammt aus Expeditionen des Anthropologischen Forschungsvorstands der Universität Adelaide zwischen 1928 und den 1970er Jahren. Die Haarspender waren mehrheitlich Nachfahren erster und zweiter Generation von Familien, die nach der Besiedlung Australiens durch die Europäer aus vielen Regionen Australiens zwangsweise in Gemeinden und Missionen wie Cherbourg in Queensland, sowie Koonibba und Point Pearce in Südaustralien umgesiedelt wurden.

Für ihre Studien analysierten die Wissenschaftler die mitochondriale DNA von 111 Haarproben, welche die Rückverfolgung der mütterlichen Linie ermöglicht und mit dem in den Genealogien dokumentierten ursprünglichen Geburts- oder Herkunftsort der ältesten mütterlichen Vorfahrin verknüpft werden konnte. Sowohl die Gewinnung der Haarproben als auch die jetzige Analyse durch die Wissenschaftler erfolgte mit Zustimmung der Haarspender bzw. ihrer Familien.

Die Ergebnisse zeigen, dass die modernen Aborigines Australiens die Nachfahren einer einzigen Gründerpopulation sind, die vor 50 000 Jahren Australien besiedelte, als es noch im Urkontinent „Sahul" durch eine Landbrücke mit Neuguinea verbunden war. Nach Anstieg des Meeresspiegels spaltete sich die Population weiter auf und breitete sich innerhalb von nur 1 500 bis 2 000 Jahren entlang der Ost- und Westküste Australiens aus. Irgendwo im Süden des Kontinents trafen diese zwei Ströme dann wieder aufeinander, wo die frühesten archäologischen Funde auf 48 000 Jahr datieren.

„Überraschenderweise scheint es so, dass die Populationsmuster aus dieser Zeit die nächsten fast 50.000 Jahre überdauerten. Das zeigt, dass die ersten Besiedler des Kontinents sich rasch regional aufgliederten und ihren jeweiligen geografischen Regionen treu blieben und zwar selbst dann, wenn es keine natürlichen Grenzen zwischen diesen Regionen gab", sagt Professor Alan Cooper, Projektleiter und Direktor des ACAD. „Das ist weltweit einmalig und liefert überzeugende Beweise für die bemerkenswerte kulturelle und spirituelle Bindung der Aborigines an ihr Land. Wir hoffen, dass dieses Projekt zu einer Umschreibung der Australischen Geschichtsbücher führt. Sie werden in Zukunft auch eine detaillierte Geschichte der Ureinwohner Australiens enthalten und darüber berichten, was es bedeutet, 50 000 Jahre in einem Land gelebt zu haben - das ist in etwa zehn Mal so lang wie die gesamte Geschichte Europas, die üblicherweise gelehrt wird."

Das Aboriginal Heritage Project unter Leitung des Australischen Zentrums für Alte DNA (ACAD) der Universität Adelaide und des South Australian Museums ist auf Jahrzehnte angelegt. Ziel des Projekts ist es, Menschen, die Aborigine-Herkunft haben, aber kulturell entwurzelt sind, zu ermöglichen, ihre regionale Herkunft nachzuvollziehen und ihre genealogische Familiengeschichte zu rekonstruieren. Darüber hinaus soll das Projekt die Rückführung von australischen Artefakten (Kulturgütern) unterstützen, welche in Überseesammlungen der Kolonialzeit aufbewahrt werden.

„Wir Aborigines haben immer gewusst, dass wir seit Anbeginn der Zeit auf unserem Land waren", sagt Kaurna Mr Lewis O'Brien, einer der damaligen Haarspender und heute Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Studie. „Es ist jedoch wichtig, dies mit Hilfe von moderner Wissenschaft dem Rest der Welt zu zeigen. Dies ist ein aufregendes Projekt und wir hoffen, dass es Menschen aus unserer ‚Gestohlenen Generation' und anderen dabei helfen wird, sich wieder mit ihren Familien zu vereinen."

„Die ehemalige staatliche Politik der Zwangsumsiedlung und der gezielten Wegnahme von Kindern, der sogenannten 'Gestohlenen Generation' macht die Rekonstruktion der genetischen Geschichte der ursprünglichen Bevölkerung Australiens zu einem schwierigen Unterfangen, da diese Agenda einen großen Teil der physischen und spirituellen Verbindung zwischen Gruppen und ihrem Land im heutigen Australien zerstört hat", sagt Dr. Wolfgang Haak, ehemals Wissenschaftler am ACAD und Co-Initiator der Studie, und heute Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena. „Die umfangreichen Aufzeichnungen der anthropologischen Teams um Norman Tindale und Joseph Birdsell zeigen nicht nur eine enorme wissenschaftliche Weitsicht, sondern eröffnen uns eine wirklich einzigartige Gelegenheit, die eigentliche Menschheitsgeschichte Australiens zu schreiben. Dafür möchte ich im Besonderen auch den Familien in Cherbourg, Koonibba und Point Pearce danken, die uns nicht nur herzlich empfangen haben, sondern dieses Projekt mit Begeisterung unterstützen."

Die zukünftige Forschung wird sich auch auf die väterlichen Linien und das Genom des Zellkerns erstrecken. Teammitglied Dr. Ray Tobler, Postdoktorand am ACAD und väterlicherseits mit Aborigine-Abstammung, hat ein Stipendium des australischen Forschungsrats (ARC), um die AHP-Forschung zu erweitern und zu untersuchen, inwieweit die Jahrtausende währende „Standorttreue" in verschiedenen Lebensräumen die bemerkenswerte phänotypische Vielfalt heutiger Ureinwohner Australiens geprägt hat.

Weitere Forschungspartner
Weitere Forschungspartner sind die La Trobe University, die Deakin University und das National Center for Indigenous Genomics in Canberra. Das Projekt wird durch das ARC-Linkage Programm mit zusätzlicher Forschungsförderung der Australian Genome Research Facility, Bioplatforms Australia, dem ARC Center of Excellence für Mathematische und Statistische Grenzen und der National Geographic Society finanziert.

Orginalveröffentlichung
Ray Tobler, Adam Rohrlach, Julien Soubrier1, Pere Bover, Bastien Llamas, Jonathan Tuke, Nigel Bean, Ali Abdullah-Highfold, Shane Agius, Amy O'Donoghue, Isabel O'Loughlin, Peter Sutton5, Fran Zilio, Keryn Walshe, Alan N. Williams, Chris S.M. Turney, Matthew Williams, Stephen M. Richards, Robert J. Mitchell, Emma Kowal, John R. Stephen, Lesley Williams, Wolfgang Haak, and Alan Cooper: Aboriginal mitogenomes reveal 50,000 years of regionalism in Australia. Nature. Doi:10.1038/nature21416

Weitere Informationen
Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte
Dr. Wolfgang Haak
Forschungsgruppenleiter Molekulare Anthropologie
+49 3641 686-642

Quelle: idw 

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Lebensmittel im Blickpunkt: Die vitaminreiche Mango

Nina Banspach Pressestelle
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Rückstände von Pflanzenschutzmitteln sind gelegentlich zu hoch

Sie ist süß, reich an Vitaminen und gilt als Stimmungsaufheller. Die Mango wird wegen ihres aromatischen Geschmacks, ihrer Beliebtheit und fernen Herkunft gern als Königin der exotischen Früchte bezeichnet. Wie bei anderen Früchten werden auch beim Mangoanbau häufig Pflanzenschutzmittel eingesetzt - vorwiegend zur Bekämpfung von Schadpilzen und zur Schalenbehandlung. Überschreitungen der zulässigen Höchstgehalte für Pflanzenschutzmittel werden aber nur gelegentlich festgestellt.

Im Jahr 2015 wurden in acht der 296 untersuchten Proben Gehalte an Pflanzenschutzmittelrückständen gefunden, die über dem gesetzlich vorgeschriebenen Höchstgehalt lagen (2,7 Prozent). Die Quote der Überschreitungen ist von Jahr zu Jahr Schwankungen unterworfen, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Im Jahr 2014 lag die Zahl der Überschreitungen mit 8,3 Prozent deutlich höher, während beispielsweise 2013 nur in 3,2 Prozent der untersuchten Proben zu hohe Gehalte an Rückständen gefunden worden waren.

Die Überschreitung eines Rückstandshöchstgehalts bedeutet nicht zwangsläufig ein Gesundheitsrisiko für die Verbraucher. Ob die gefundene Menge gesundheitsschädlich ist, muss im Einzelfall von den Überwachungsbehörden der Bundesländer bewertet werden.

Unterschiede gibt es bei der Betrachtung der Rückstandssituation nach Herkunftsländern. Bei peruanischen und brasilianischen Mangos, die aufgrund der starken Importmengen die Mehrzahl der in Deutschland untersuchten Früchte ausmachten, lag die Quote der Rückstandshöchstgehaltsüberschreitungen im Jahr 2015 bei 2,1 (peruanische Mangos) bzw. 3,5 Prozent (brasilianische Mangos), bei thailändischen Mangos jedoch bei 10,5 Prozent.

Besser schnitten Mangos ab, die gemäß Öko-VO (EG) produziert wurden. Hier gab es bei den untersuchten Proben keine Überschreitung der Rückstandshöchstgehalte von Pflanzenschutzmitteln.

Eine Recherche im Europäischen Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel (RASFF) in dem Zeitraum von 2011 bis 2016 zeigt insgesamt 25 Meldungen bezüglich frischer Mangos. Neben Verderb ist der Hauptbeanstandungsgrund die Überschreitung der gesetzlichen Höchstgehalte von Pflanzenschutzmittelrückständen.

Reich an Vitaminen
Mangos sind reich an E, C und B-Vitaminen. Das Provitamin A kommt nur in wenigen Obstarten in einem so hohen Gehalt wie bei der Mangofrucht vor. Auch Eisen, Jod, Folsäure, Kalium, Magnesium, Phosphor, Calcium und Biotin finden sich in der Mango. Verzehrt werden die geschälten Früchte am besten roh. Sie werden aber auch in Babynahrung, Saft, Kompott, Marmelade und Eiscreme verarbeitet. Reife Mangos sollten am besten gleich gegessen werden. Unreife Früchte können bis zu einer Woche bei Zimmertemperatur gelagert werden. In den Kühlschrank sollten die Früchte aber nicht wandern - dies zerstört den Geschmack.

Hintergrundinformation
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist eine eigenständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Das BVL ist für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, Tierarzneimit¬teln und gentechnisch veränderten Organismen in Deutschland zuständig. Im Bereich der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit übernimmt es umfassende Managementaufgaben und koordiniert auf verschiedenen Ebenen die Zusammenarbeit zwischen dem Bund, den Bundesländern und der Europäischen Union. In der Rubrik „Lebensmittel im Blickpunkt" stellt das BVL regelmäßig Informationen zu bestimmten Lebensmitteln zusammen.

Anhang
PI Mango
https://idw-online.de/de/attachment56654

Quelle: idw 

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Umweltforscher entwickeln neue Biosensoren für Gewässerkontrolle

Antje Karbe Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

Tübinger Biologen beteiligt: Sensoren weisen Medikamente und deren Wirkung im Wasser schneller und in geringen Mengen nach

In einem interdisziplinären Wissenschaftlerteam haben Naturwissenschaftler neuartige Biosensoren entwickelt, mit denen sich Pharmazeutika im Wasser effektiver als bisher erfassen lassen. Biologen der Universität Tübingen waren an der Studie beteiligt. Zwei pharmazeutische Wirkstoffklassen ‒ Beta-Blocker und Nicht-steroidale Entzündungshemmer (NSAIDs) ‒ können damit in Echtzeit und bereits in geringen Konzentrationen gemessen werden. Die Studie wurde in der Zeitschrift Water Research publiziert.

Mit dem demographischen Wandel steigt der Verbrauch von Medikamenten in den Industrienationen. Bereits heute gelangen große Mengen pharmakologisch wirksamer Substanzen über das Abwasser in Kläranlagen. Weil sie nur unzureichend wieder entfernt werden können, sind Organismen in Oberflächengewässern einem „Cocktail" aus Arzneimitteln ausgesetzt. Die Anzahl der eingetragenen Medikamente nimmt dabei ständig zu. So können beispielsweise Schmerzmittel auch bei Fischen schädliche Nebenwirkungen verursachen, schon bei Konzentrationen von wenigen Mikrogramm pro Liter Wasser. Ökotoxikologen und Umweltchemiker sind herausgefordert, das immer vielfältigere Vorkommen von Arzneimitteln zu quantifizieren und deren schädigende Wirkung auf die Umwelt abzuschätzen.

Im Verbundprojekt „EffPharm" arbeiten Biologen, Biochemiker und analytische Chemiker verschiedener Institutionen gemeinsam an diesem Thema. Das Projekt wird vom Umweltbundesamt gefördert und von der Tübinger Ökotoxikologin Professorin Rita Triebskorn koordiniert. So gelang es der Arbeitsgruppe um Dr. Manfred Frey vom Steinbeis-Innovationszentrum Zellkulturtechnik an der Hochschule Mannheim, für die zwei genannten pharmazeutische Wirkstoffklassen zellbasierte Biosensoren zu entwickeln. Diese erlauben es, die Bindung dieser Substanzen an ihre Zielmoleküle (Rezeptoren) in „gereinigtem" Abwasser in Echtzeit zu bestimmen. An der Universität Tübingen wiesen Professorin Rita Triebskorn und Professor Heinz Köhler von der Arbeitsgruppe „Physiologische Ökologie der Tiere" nach, wie sensitiv die Biosensoren sind: Sie erfassen schon geringe Konzentrationen der Medikamente, in denen erste Schäden bei Wasserorganismen auftreten. Dr. Marco Scheurer vom Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe zeigte, dass die neuen Biosensoren einen großen Teil der Verbindungen erfassen, die bisher durch aufwändige und zeitintensive chemische Analysen nachgewiesen werden mussten. Zusätzlich schließen die Testsysteme die Effekte von Abbauprodukten der Wirkstoffe und unbekannten Verbindungen mit ein, was für die ökologische Bedeutung der Umweltbelastungen entscheidend ist.

Wie die Autoren der Studie darlegen, vereinigen die neuen Biosensoren viele Vorteilen gegenüber bisherigen Ansätzen. Nachdem die Biosensor-Zelllinien Kontakt mit Pharmazeutika in Umweltproben hatten, erscheint innerhalb von Sekunden ein Fluoreszenzsignal. Im Gegensatz zu herkömmlichen Sensoren erfassen sie so die Wirkung von Chemikalien in der Zelle in Echtzeit und vermeiden Falschinformationen, wie sie in Systemen auftreten können, die erst nach Stunden Signale erzeugen. Dadurch besitzen die Testsysteme eine extrem hohe Sensitivität im Nanomolarbereich (ein Millionstel Promille), die vergleichbar mit der chemischen Analytik ist.

Durch ihre Funktionsweise können die Biosensoren zudem die Wirkung künftiger Beta-Blocker oder NSAIDs aufspüren, obwohl deren chemische Struktur noch gar nicht bekannt ist. „Es wäre wünschenswert, dass die hier entwickelte Technik künftig in Monitoring-Programmen zur Bestimmung von Wasserqualität und Reinigungsleistung von Kläranlagen eingesetzt wird", sagt Professorin Rita Triebskorn. „Damit wäre eine wichtige Lücke in der Plausibilitätskette zwischen dem Auftreten von Arzneimitteln in Gewässern und den bei betroffenen Organismen auftretenden Gesundheitsschäden geschlossen."

Publikation:
Kevin Bernhard, Cordula Stahl, Regina Martens, Heinz-R. Köhler, Rita Triebskorn, Marco Scheurer, Manfred Frey (2017): Two novel real time cell-based assays quantify beta-blocker and NSAID specific effects in effluents of municipal wastewater treatment plants. Water Research 115, 74-83. http://dx.doi.org/10.1016/j.watres.2017.02.036

Kontakt:
Prof. Dr. Rita Triebskorn
Universität Tübingen
Institut für Evolution und Ökologie
Physiologische Ökologie der Tiere
Telefon +49 7071 29-78892
rita.triebskorn@uni-tuebingen.de

Quelle: idw 

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Versorgungsatlas: In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus

Barbara Ritzert Pressestelle Versorgungsatlas - ProScience Communications
Versorgungsatlas

In Deutschland steigt die Zahl der Menschen, die an Diabetes leiden. Waren 2009 noch 8,9 Prozent der gesetzlich Versicherten betroffen, hat sich dieser Anteil bis zum Jahr 2015 auf 9,8 Prozent erhöht. Eine halbe Million Menschen erhalten pro Jahr zum ersten Mal die Diagnose Diabetes mellitus. Dies belegt erstmals eine neue Studie der Wissenschaftler vom Versorgungsatlas auf der Basis ambulanter Versorgungsdaten. Auffallend sind die ausgeprägten Unterschiede zwischen den neuen und alten Bundesländern sowie auf der Kreisebene. Die Studie ist auf dem Portal www.versorgungsatlas.de verfügbar.

http://www.versorgungsatlas.de/themen/alle-analysen-nach-datum-sortiert/?tab=6&a...

Weltweit steigt die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus. Bisherige Schätzungen in Deutschland gehen von 7 bis 9 Prozent Diabetiker aus. Nun haben die Wissenschaftler vom Versorgungsatlas erstmals auf der Basis bundesweiter ärztlicher Abrechnungsdaten die Häufigkeit (Prävalenz) von Diabetes mellitus für die Jahre 2009 bis 2015 und die Zahl der neuerkrankten Patienten (Inzidenz) für die Jahre 2012 bis 2014 erhoben.

Neuerkrankte: eine halbe Million pro Jahr.
Die Studie zeigt, dass jedes Jahr in Deutschland rund 500.000 Menschen zum ersten Mal die Diagnose Diabetes mellitus Typ 2 erhalten. Entsprechend wächst auch die Häufigkeit: Die Prävalenz für Diabetes mellitus insgesamt ist von 8,9 in 2009 auf 9,8 Prozent in 2015 gestiegen. Männer sind in fast allen Altersgruppen stärker betroffen als Frauen, ebenso die Menschen im Osten der Republik: In den neuen Bundesländern leiden 11,8 Prozent der Bürger an Diabetes, während es in den alten Bundesländern 9,2 Prozent sind.

Massive Unterschiede auf Kreisebene.
Noch ausgeprägter sind die Unterschiede auf der Ebene der Kreise. Im Kreis Starnberg ist die Häufigkeit von Typ-2-Diabetes mellitus mit 6,5 Prozent bundesweit zwischen 2013 und 2015 am niedrigsten. Eine mehr als doppelt so hohe Prävalenz konnten die Forscher für den Kreis Prignitz mit 14,2 Prozent feststellen.

»Aufgrund der prognostizierten demografischen Entwicklung müssen wir davon ausgehen, dass in Zukunft die Krankheitslast durch Diabetes mellitus weiter zunehmen wird«, erklärt Benjamin Goffrier, der Erstautor der Studie. Dr. Jörg Bätzing-Feigenbaum, der Leiter des Versorgungsatlas hat darüber hinaus noch eine Empfehlung für die gesundheitspolitisch Verantwortlichen: »Bei der Entwicklung von Präventionsprogrammen und Versorgungsstrukturen sollten die regionalen Unterschiede berücksichtigt werden.«

Die Studie.
Auf Basis der gesamtdeutschen vertragsärztlichen Abrechnungsdaten, die für administrative Zwecke erhoben werden, wurden die entsprechend als »administrativ« bezeichneten Prävalenzen des Diabetes mellitus für die Jahre 2009 bis 2015 und administrative Inzidenzen für die Jahre 2012 bis 2014 berechnet.Die prävalenten Fälle wurden anhand eines Algorithmus Typ-1-, Typ-2- oder sonstigem Diabetes zugeordnet, wobei als notwendige Bedingung festgelegt wurde, dass nur gesicherte Diagnosen gezählt werden, die pro Jahr in mindestens zwei Quartalen kodiert sein mussten. Als inzident wurden Patienten gezählt, die im Indexjahr eine gesicherte Diagnose und mindestens eine weitere Diagnose innerhalb der darauffolgenden drei Quartale erhalten haben sowie in einem dreijährigen Vorbeobachtungszeitraum keine Diabetes-Diagnose erhalten hatten.
Goffrier B, Schulz M, Bätzing-Feigenbaum J. Administrative Prävalenzen und Inzidenzen des Diabe-tes mellitus von 2009 bis 2015. Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi). Versorgungsatlas-Bericht Nr. 17/03. Berlin 2017. DOI: 10.20364/VA-17.03. URL: http://www.versorgungsatlas.de/themen/alle-analysen-nach-datum-sortiert/?tab=6&a....

Der Versorgungsatlas.
www.versorgungsatlas.de
ist eine Einrichtung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Es ist eine öffentliche Informationsquelle mit Studien zur medizinischen Versorgung in Deutschland. Schwerpunkt sind regionale Unterschiede in der ambulanten Versorgung. Die Analysen sollen Anhaltspunkte liefern, wie die medizinische Versorgung verbessert werden kann. Die Studien der Wissenschaftler des Versorgungsatlas basieren auf den bundesweiten Abrechnungsdaten der vertragsärztlichen Versorgung in Deutschland. Die Plattform steht auch anderen Forschergruppen für Publikationen zur Verfügung.

Pressestelle Versorgungsatlas
des Zentralinstituts für die Kassenärztliche
Versorgung in Deutschland (Zi), Berlin

Dipl. Biol. Barbara Ritzert
ProScience Communications -
die Agentur für Wissenschaftskommunikation GmbH
Andechser Weg 17 · 82343 Pöcking
Fon: +94 8157 9397-0

Weitere Informationen:
http://www.versorgungsatlas.de/themen/alle-analysen-nach-datum-sortiert/?tab=6&a...

Quelle: idw 

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Und sie lächelt doch: Mona Lisas Mimik eindeutiger als gedacht

Benjamin Waschow Stabsstelle Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Freiburg

Probanden bewerten Gesichtsausdruck auf da Vinci-Gemälde fast immer als fröhlich / Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg stellen damit Jahrhunderte lange Annahme der Kunstgeschichte in Frage

Es ist das vielleicht berühmteste Gemälde der Welt: die „Mona Lisa" von Leonardo da Vinci. Als ein wesentlicher Grund für seine enorme Anziehungskraft galt lange Zeit der vermeintlich mehrdeutige Gesichtsausdruck der Gemalten: fröhlich oder traurig? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg, des Instituts für Psychologie der Universität Freiburg und des Freiburger Instituts für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) haben nun in einer Studie herausgefunden, dass Versuchspersonen die Mona Lisa in fast 100 Prozent der Fälle als fröhlich wahrnehmen. Sie stellten außerdem fest, dass die emotionale Einschätzung der Bilder davon abhängt, welche weiteren Bild-Varianten bisher gezeigt wurden. In ihrer Studie präsentierten die Forscher den Probanden das Original-Gemälde und acht Bild-Varianten, auf denen die Mundwinkel der Mona Lisa nach unten oder nach oben verschoben wurden und dadurch ein traurigerer oder fröhlicherer Gesichtsausdruck entstand. Die Studie ist am 10. März 2017 im renommierten Online-Journal Scientific Reports erschienen.

„Es war für uns eine große Überraschung, dass die Original-Mona Lisa fast immer als fröhlich wahrgenommen wird. Das widerspricht der gängigen Meinung der Kunstgeschichte", sagt PD Dr. Jürgen Kornmeier, Leiter der Forschungsgruppe Wahrnehmung und Kognition im Freiburger IGPP und an der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg.

Fröhliche Gesichter werden schneller erkannt
Die Wissenschaftler um Dr. Kornmeier und Ko-Studienleiter Prof. Dr. Ludger Tebartz van Elst, Leitender Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg, erzeugten für die Studie zunächst acht Mona Lisa-Varianten, die sich nur in einer schrittweisen Veränderung der Mund-Krümmung unterschieden. Die Forscher präsentierten dann den zwölf Probanden das Original sowie je vier Bilder mit traurigerem und fröhlicherem Gesichtsausdruck in zufälliger Reihenfolge. Per Tastendruck gaben die Testpersonen für jedes Bild an, ob sie es als fröhlich oder traurig wahrnahmen, und anschließend, wie sicher sie sich bei ihrer Antwort waren. In der Summe der Antworten ergab sich so ein prozentualer Wert auf einer Skala von traurig bis fröhlich und ein Wert für die Sicherheit ihrer Entscheidung.

In nahezu 100 Prozent der Fälle wurden das Original sowie alle positiveren Varianten als fröhlich wahrgenommen. Dabei erkannten die Probanden fröhliche Gesichtsausdrücke schneller als traurige. „Es scheint, als hätten wir einen Filter für positive Gesichtsausdrücke in unserem Gehirn", sagt Dr. Kornmeier.

Traurig ist nicht immer gleich traurig
In einem zweiten Experiment behielten die Forscher die Variante mit der geringsten Mund-Krümmung als traurigste Variante bei. Sie präsentierten dann das Mona Lisa-Original als fröhlichste Variante sowie sieben Zwischenvarianten, wobei drei davon schon im ersten Experiment gezeigt worden waren. Mit Erstaunen stellten die Forscher fest, dass die Probanden nun jene Bildvarianten, die schon im ersten Experiment gezeigt worden waren, tendenziell als trauriger wahrnahmen. „Die Daten zeigen, dass unsere Wahrnehmung, etwa ob ein Gesicht traurig oder fröhlich ist, nicht absolut ist, sondern sich erstaunlich schnell an die Umwelt anpasst", sagt Dr. Kornmeier.

Die Studie ist Teil eines größeren Projekts von Dr. Kornmeier und Prof. Tebartz van Elst am Universitätsklinikum Freiburg, in dem Wahrnehmungsprozesse erforscht werden. „Mit unseren Sinnen können wir nur einen sehr eingeschränkten Teil der Information aus unserer Umwelt aufnehmen, beispielsweise weil ein Objekt teilweise verdeckt oder schlecht beleuchtet ist", erläutert Dr. Kornmeier. „Das Gehirn muss dann aus den unvollständigen und oft mehrdeutigen Informationen ein Bild der Welt konstruieren, das der Realität am nächsten kommt". Wie diese Konstruktionsprozesse bei Gesunden ablaufen und ob sie bei Menschen mit psychischen Erkrankungen, etwa mit Wahnvorstellungen, verändert sind, untersuchen die Freiburger Forscher.

Original-Titel zur Studie: Mona Lisa is always happy - and only sometimes sad
DOI: 10.1038/srep43511
Link zur Studie: www.nature.com/articles/srep43511

Kontakt:
PD Dr. Jürgen Kornmeier
Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene
Telefon: 0761 207-2121 oder 0176 61387757
juergen.kornmeier@uni-freiburg.de

Johannes Faber
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-84610
johannes.faber@uniklinik-freiburg.de

Weitere Informationen:
http://www.nature.com/articles/srep43511 Link zur Studie
https://www.uniklinik-freiburg.de/psych.html Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg
http://www.igpp.de/allg/welcome.htm Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene

Korrektur zu Absatz "Traurig ist nicht immer gleich traurig"
In einem zweiten Experiment behielten die Forscher die Variante mit der geringsten Mund-Krümmung als traurigste Variante bei. Sie präsentierten dann das Mona Lisa-Original als fröhlichste Variante sowie sieben Zwischenvarianten, wobei drei davon schon im ersten Experiment gezeigt worden waren. Mit Erstaunen stellten die Forscher fest, dass die Probanden nun jene Bildvarianten, die schon im ersten Experiment gezeigt worden waren, tendenziell als fröhlicher wahrnahmen. „Die Daten zeigen, dass unsere Wahrnehmung, etwa ob ein Gesicht traurig oder fröhlich ist, nicht absolut ist, sondern sich erstaunlich schnell an die Umwelt anpasst", sagt Dr. Kornmeier.

Quelle: idw 

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Warum ein Rückgang des Düngemitteleinsatzes in der Zukunft denkbar ist

Marie de Chalup Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Im Rahmen des französischen Programms EcoPhyto zur Minderung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln haben Wissenschaftler des französischen Instituts für Agrarforschung (INRA) und des Unternehmens Agrosolutions eine Studie durchgeführt, um den Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Düngemitteln und der landwirtschaftlichen Produktivität und Rentabilität zu untersuchen [1]. Die Daten dieser 3-jährigen Studie stammen aus 946 verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben, die dem Netzwerk DEPHY angehören. Dieses Netzwerk versammelt repräsentative französische Bauernhöfe mit unterschiedlicher Verwendung von Düngemitteln und unterschiedlichen landwirtschaftlichen Verfahren.

Im Rahmen des französischen Programms EcoPhyto zur Minderung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln haben Wissenschaftler des französischen Instituts für Agrarforschung (INRA) und des Unternehmens Agrosolutions eine Studie durchgeführt, um den Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Düngemitteln und der landwirtschaftlichen Produktivität und Rentabilität zu untersuchen [1]. Die Daten dieser 3-jährigen Studie stammen aus 946 verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben, die dem Netzwerk DEPHY angehören. Dieses Netzwerk versammelt repräsentative französische Bauernhöfe mit unterschiedlicher Verwendung von Düngemitteln und unterschiedlichen landwirtschaftlichen Verfahren.

Die Ergebnisse zeigen, dass der Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Düngemitteln und der Produktivität/Rentabilität auch von den Boden- und Klimabedingungen, der parallelen Viehzucht (verbessert die Vielfalt durch den Anbau von widerstandsfähigen Futterpflanzen), dem Zugang zu Wasserressourcen bzw. den Absatzmöglichkeiten für industriell genutzte Kulturen abhängt. Daraus schließen die Forscher, dass eine Verringerung des Düngemitteleinsatzes in 94% der Fälle keine Auswirkung auf die Produktivität und in 78% der Fälle keine Auswirkung auf die Rentabilität hat. Einer Prognose für Frankreich zufolge wäre beim Düngemitteleinsatz ein Rückgang um 30% zu erwarten. Betriebe, die diese landwirtschaftliche Praxis anwenden würden, würden durchschnittlich 37% weniger Herbizide, 47% weniger Fungizide und 60% weniger Insektizide verwenden.

Die Ergebnisse zeigen weiterhin, dass ein verminderter Einsatz von Düngemitteln sich nicht zwangsläufig negativ auf die Produktivität/Rentabilität auswirkt, wenn bestimmte Anbausysteme berücksichtigt werden, z.B. eine Diversifizierung des Anbaus durch die Anpflanzung widerstandsfähiger Futterpflanzen bzw. Feldgraswirtschaft in Viehzuchtgebieten, Veränderung der Fruchtfolge, Anpassung der Aussaatzeiten oder mechanische Unkrautbekämpfung. Dennoch sind diese Empfehlungen in der Praxis schwer umzusetzen und bedürfen einer Unterstützung der Landwirte.

[1] Lechenet, Dessaint, Py, Makowski and Munier-Jolain, ꞌꞌReducing pesticide use while preserving crop productivity and profitability on arable farmsꞌꞌ. Nature plants, 2017.

Quellen:
ꞌꞌRéduire l'usage des pesticides en agriculture sans perte de performancesꞌꞌ, Pressemitteilung des INRA, 27.02.2017 - http://presse.inra.fr//Communiques-de-presse/Reduire-l-usage-des-pesticides-en-a...

ꞌꞌAgriculture : pourquoi la réduction des pesticides est possibleꞌꞌ, Artikel aus Le Monde, 27.02.2017 - http://www.lemonde.fr/planete/article/2017/02/27/agriculture-pourquoi-la-reducti...

Redakteur:
Luc Massat, luc.massat@diplomatie.gouv.fr

Quelle: idw 

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Hoher Fleisch- und Wurstwarenkonsum verschlechtert die Symptome von Asthma

Marie de Chalup Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Ein Forschungsteam des Inserm hat im Rahmen einer siebenjährigen Studie aufgezeigt, dass ein hoher Konsum von Fleisch- und Wurstwaren (mindestens 4 Mal/Woche) mit einer Verschlechterung der Asthma-Symptome verbunden ist. Der Fleisch- und Wurstwarenkonsum wurde bereits von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) als karzinogen und Ursache von chronischen obstruktiven Lungenerkrankungen anerkannt.

Im Rahmen der Studie wurden fast 1000 Personen über 7 Jahre beobachtet. In dieser Zeit beklagten 20% der Teilnehmer eine Verschlechterung ihrer Asthma-Symptome. Um die Ursachen dafür aufzuklären, haben die Forscher die Ernährung der Patienten analysiert.

Da der BMI (Body-Mass-Index) ein bereits bekannter Risikofaktor für Asthma ist, mussten die Forscher diesen Parameter aus der Analyse entfernen, da dieser das Ergebnis verfälschen könnte. Es ist nachvollziehbar, dass der BMI einen kausalen Zusammenhang zwischen Ernährung (Fleisch- und Wurstwarenkonsum) und Asthma herstellt. Durch diese Methode konnte nur bei 14% ein Zusammenhang zwischen Fleisch- und Wurstwarenkonsum und Asthma infolge von Fettleibigkeit festgestellt werden (indirekte Wirkung). Das bestätigt, dass der Fleisch- und Wurstwarenkonsum eine direkte Wirkung unabhängig vom BMI auf die Verschlechterung von Asthma hat.

Originalpublikation:
Li, Z., Rava, M., Bédard, A., Dumas, O., Garcia-Aymerich, J., Leynaert, B., ... & Camargo, C. A. (2016). Cured meat intake is associated with worsening asthma symptoms. Thorax, thoraxjnl-2016.

Quelle:
"Charcuterie et asthme : meilleurs ennemis ?", Pressemitteilung des Inserm
http://presse.inserm.fr/charcuterie-et-asthme-meilleurs-ennemis/27201/

Redakteurin:
Laura Voisin, laura.voisin@diplomatie.gouv.fr

Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de/de/gesundheit/hoher-fleisch-und-wurstwaren...

Quelle: idw 

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Neubildung von Grundwasser exakter berechnen

Rudolf-Werner Dreier Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Wissenschaftler zeigen, dass bisherige Modelle die Heterogenität des Untergrunds teils unzureichend berücksichtigen

Eine internationale Forschungsgruppe um den Hydrologen Dr. Andreas Hartmann von der Universität Freiburg hat nachgewiesen, dass Berechnungen zur Verfügbarkeit von Wasser und zur Abschätzung der Folgen des Klimawandels stark verbessert werden können, wenn in großskaligen Modellen wichtige hydrologische Prozesse berücksichtigt werden - etwa wie durchlässig Gestein und Erde an manchen Stellen sind. Die Studie zeigt, dass für etwa 560 Millionen Menschen in Europa, Nordafrika und im Mittleren Osten potenziell mehr Grundwasser pro Kopf zur Verfügung stünde als bislang von großskaligen Modellen angenommen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weisen darauf hin, dass bisherige, auf ganze Kontinente bezogene Modellrechnungen die Menge des Grundwassers, das sich aus Teilen des versickernden Niederschlags neu bildet, teilweise stark unterschätzen. Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass großskalige hydrologische Modelle weitere Verbesserungen benötigen, bevor sie für lokales Wassermanagement eingesetzt werden können. Das Team hat seine Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) veröffentlicht.

Grundwasser ist in vielen Regionen weltweit eine lebenswichtige Ressource. Die Rate seiner Neubildung ist für das Trinkwassermanagement eine wichtige Größe, um eine nachhaltige Versorgung sicherzustellen. Die Wissenschaftler haben zwei Modelle, welche die Grundwasserneubildung modellieren, miteinander verglichen: ein globales, das schon länger etabliert ist, aber die Heterogenität des Untergrunds nur beschränkt berücksichtigt, und ein selbst entwickeltes kontinentales, das beispielsweise die variable Dicke des Bodens und die unterschiedliche Wasserdurchlässigkeit des Untergrunds mit einbezieht. Den Vergleich haben sie für alle Karstregionen Europas, Nordafrikas und des Mittleren Ostens vorgenommen. Diese sind für ihre starke Heterogenität des Untergrunds bekannt, weil Karbonatgestein eine starke Tendenz zur chemischen Verwitterung - als Verkarstung bezeichnet - aufweist, was unter anderem zu unterschiedlichen Bodentiefen und Durchlässigkeiten führt. Ein Vergleich der Modellrechnungen mit unabhängigen Beobachtungen der Grundwasserneubildung an 38 Orten in den Regionen hat gezeigt, dass das Modell, das die Heterogenität berücksichtigt, realistischere Abschätzungen hervorbringt.

Die Forscherinnen und Forscher erklären den Grund für den Unterschied zwischen den beiden Modellen: Das von den Wissenschaftlern neu entwickelte zeigt in der Simulation weniger Oberflächenabfluss und eine geringere Verdunstung - und damit mehr Grundwasserneubildung. Ein Bauer in der mediterranen Region würde dem neuen Modell zufolge potenziell bis zu eine Million Liter Grundwasser zur Förderung im Jahr mehr zur Verfügung stehen als nach dem etablierten Modell - abhängig von der tatsächlichen Beschaffenheit des Untergrunds und dem Wasserbedarf des Ökosystems vor Ort.

Die Wissenschaftler zeigen mit ihrem Ansatz am Beispiel der Karstregionen, wie es möglich sein kann, globale Modelle, die unter anderem zur Prognose von Wassermangel, Trockenheit oder Hochwasser eingesetzt werden, realistischer an regionale Gegebenheiten anzupassen. An der Studie waren Forscher der Universität Freiburg, der Victoria University in Kanada, der University of Bristol in England sowie des International Institute for Applied Systems Analysis in Österreich beteiligt.

Originalveröffentlichung:
Hartmann, A., Gleeson, T., Wada, Y., Wagener, T., 2017. Enhanced groundwater recharge rates and altered recharge sensitivity to climate variability through subsurface heterogeneity. In: "Proceedings of the National Academy of Sciences"; doi:10.1073/pnas.1614941114.

Kontakt:
Dr. Andreas Hartmann
Professur für Hydrologie
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-3520
E-Mail: andreas.hartmann@hydrology.uni-freiburg.de

Weitere Informationen:
https://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2017/pm.2017-02-28.25

Quelle: idw 

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Neue App: Welches Elektroauto zu welchem Fahrer passt

Dr. Julia Weiler Dezernat Hochschulkommunikation
Ruhr-Universität Bochum

Eine neue App hilft Autofahrern zu entscheiden, ob der Umstieg vom Benziner auf ein Elektroauto für sie praktikabel wäre - und welches Fahrzeugmodell am besten zu ihren Bedürfnissen passen würde. Entwickelt haben sie Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum um Prof. Dr. Constantinos Sourkounis. Mit der Smartphone-App können Fahrer typische Strecken aufzeichnen, während sie zum Beispiel mit ihrem Benziner unterwegs sind. Aus den gesammelten Daten generiert das Programm eine Liste von Fahrzeugmodellen, die die Anforderungen des Fahrers erfüllen würden, zum Beispiel eine ausreichende Reichweite hätten. Auch Informationen zur Kostenersparnis können sich Anwender anzeigen lassen.

Erhältlich ist die mehrsprachige App für das Smartphone-Betriebssystem Android als Download unter elektromobilitaet.rub.de. Eine Version mit eingeschränktem Informationsgehalt ist kostenlos erhältlich, die Vollversion zum Preis von 1,50 Euro. Medienvertreter erhalten die Vollversion auf Anfrage 20 Tage lang zu Testzwecken gratis.

App individuell konfigurierbar
Philip Dost entwickelte die App gemeinsam mit Masterarbeitsstudent Christoph Degner am Institut für Energiesystemtechnik und Leistungsmechatronik von Constantinos Sourkounis. „Die App soll Interessenten, aber auch Skeptikern, helfen auszuloten, ob ein Elektroauto oder ein Hybridfahrzeug für sie funktionieren würde", sagt der Projektverantwortliche Philip Dost. „Außerdem können Leute damit herausfinden, ob ein E-Car-Sharing-Angebot in ihrer Umgebung für ihre Bedürfnisse ausreichend wäre."

Die App zeichnet während der Fahrt GPS-Daten und Beschleunigung auf. Nutzer können selbst entscheiden, welche Strecken in die Analyse einfließen sollen, etwa nur der typische Weg zur Arbeit, aber nicht der Familienausflug am Wochenende, der möglicherweise mit einem anderen Auto erfolgt. Sie starten das Programm, wenn sie losfahren, und stoppen es, wenn sie angekommen sind. Die Anwender können auch angeben, an welchen Stellen auf der Strecke Ladesäulen verfügbar sind. Andere Anforderungen, etwa die zu befördernde Personenzahl oder den Platz im Kofferraum, können sie ebenfalls spezifizieren. Außerdem können die Nutzer eintragen, ob sie das Fahrzeug nur bei mildem oder auch bei kaltem Klima betreiben möchten.

Sortierbare Liste
Aus allen Aufzeichnungen können die Anwender auswählen, welche Fahrten in die Analyse einfließen sollen. Als Resultat bekommen sie eine Liste von Fahrzeugen angezeigt, die die ausgewerteten Strecken meistern könnten. Diese enthält nicht nur reine Elektrofahrzeuge, sondern auch Plug-in-Hybride und Range Extender, die bei leerer Batterie auf Benzinantrieb umschalten. Die Liste lässt sich nach unterschiedlichen Kriterien, etwa laufenden Verbrauchskosten oder Kaufpreis, sortieren.

Zu jedem infrage kommenden Fahrzeugmodell zeigt die App auf Wunsch Statistiken an. Eine Grafik visualisiert zum Beispiel, wie der Energieverbrauch auf den gefahrenen Strecken mit dem ausgewählten Elektrofahrzeug gewesen wäre. So kann der Nutzer sehen, wie viel Puffer er gehabt hätte, bevor die Batterie zuneige gegangen wäre.

Kostenvorteil berechnen
Die App schätzt auch Verbrauchskosten im Vergleich zum aktuellen Fahrzeug. Dazu müssen Nutzer Strom- und Benzinpreis eingeben sowie den Verbrauch ihres derzeitigen Autos. Basierend darauf berechnet die App, wie viel mehr oder weniger Kosten man auf den untersuchten Strecken mit einem Elektroauto erzielt hätte.

Das Programm greift auf eine Datenbank am Bochumer Institut für Energiesystemtechnik und Leistungsmechatronik zu. Diese aktualisieren die Forscher regelmäßig, fügen etwa neu auf den Markt kommende Fahrzeuge hinzu oder entfernen nicht mehr verfügbare Modelle. „Fahrzeuge, die nicht mehr produziert werden, zeigen wir in der App immer noch an, wenn sie noch gebraucht zu kaufen sind", erklärt Dost. „Sie werden dann aber speziell markiert."

Auch als Web-Anwendung verfügbar
Wer kein Android-Smartphone oder kein Auto besitzt, kann den Bochumer Service in vereinfachter Form auch auf einer Webseite nutzen. Dort können Interessenten Daten von typischen Fahrten eingeben und sich eine ähnliche Ausgabe wie in der App anzeigen lassen. Die von Rania Kontopoulou im Rahmen eines Institutsprojekts programmierte Web-Anwendung steht ebenfalls kostenlos unter elektromobilitaet.rub.de bereit.

Projekt
Beide Analysetools, also Web-Anwendung und Smartphone-App, entstanden im Projekt „Evaluation", an dem auch Philipp Spichartz beteiligt war. Das Team vom Institut für Energiesystemtechnik und Leistungsmechatronik setzte die Arbeiten ohne Drittmittelfinanzierung um. Die Idee dafür ging aus Vorläuferprojekten zum Thema „Alltagstauglichkeit von Elektromobilität" hervor.

Quelle: idw 

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Lebensstil kann Grauen Star beeinflussen: Diabetes, Rauchen und Übergewicht trüben die Augenlinse

Lisa-Marie Ströhlein Pressestelle
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

München - Fast zehn Millionen Menschen in Deutschland leiden an einem Grauem Star. Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Zigarettenrauch und starkes Übergewicht sind wichtige Risikofaktoren, die die Trübung der Augenlinse beschleunigen bis schließlich eine Operation nötig wird. Patienten mit einem beginnenden Grauen Star müssen über diese Risikofaktoren aufgeklärt und bei der Umsetzung eines gesünderen Lebensstils unterstützt werden, fordern Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).

Nach Schätzung der DOG müssen Augenärzte in Deutschland mindestens 800 000 Augen pro Jahr wegen eines Grauen Stars operieren. Damit ist der Linsenaustausch der häufigste Eingriff hierzulande. Experten berechnen die Kosten für das Gesundheitssystem mit über 600 Millionen Euro pro Jahr (1). „Der Graue Star ist eine echte Volkskrankheit und der häufigste Grund für Sehbehinderung weltweit", sagt DOG-Präsident Professor Dr. med. Thomas Kohnen. „Genetische Faktoren und Umwelteinflüsse spielen bei der Krankheitsentstehung eine Rolle, wie wir heute wissen", so Kohnen weiter. Diese Zusammenhänge müssten weiter erforscht werden.

Eine leichte Trübung der Augenlinse ab dem 60. Lebensjahr sei eine ganz normale Alterserscheinung, sagt Kohnen, der die Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Frankfurt leitet. „Erst wenn sich die Trübung so verstärkt, dass sie das Sehen stark beeinträchtigt, muss die getrübte Linse durch eine Kunstlinse ersetzt werden." Studien deuten darauf hin, dass der Lebensstil, zum Beispiel Ernährung und körperliche Aktivität einen Einfluss darauf hat, wie schnell die Trübung voranschreitet. So identifizierte eine englische Kohorten-Studie (2) im vergangenen Sommer die Stoffwechselerkrankung Diabetes als einen bedeutenden Risikofaktor bei Frauen nach den Wechseljahren. Bei Studienteilnehmerinnen, die unter Diabetes mellitus litten, war das Risiko wegen eines Grauen Stars operiert zu werden dreimal größer als bei gesunden Probandinnen. Rauchen erhöhte dieses Risiko um 26 Prozent; starkes Übergewicht (BMI>30) um zwölf Prozent.

„Diese Ergebnisse zeigen einmal mehr wie wichtig es ist, dass wir als Augenärzte Patienten darüber aufklären, wie sie selbst dazu beitragen können, das Fortschreiten eines Grauen Stars zu vermeiden", sagt Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Mediensprecher der DOG. So sollte bei Menschen mit Diabetes auch zum Schutz der Augen der Blutzucker stets gut eingestellt sein. Der Verzicht auf Zigaretten wiederum schützt gleichzeitig vor Erkrankungen der Lunge oder des Herz-Kreislauf-Systems. Auch eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung und regelmäßige Bewegung können die Augen gesund halten (3).

Quellen:
(1) C. Hirneiß, A. Kampik, A. S. Neubauer. Volkswirtschaftliche Kosten von Augenerkrankungen. Der Ophthalmologe 2014; 111: 420-427

(2) S. Floud et al. Risk factors for cataracts treated surgically in postmenopausal women, Ophthalmology, 2016 Aug; 123(8): 1704-1710

(3) J. Z. Selzin et al.: Long-term physical activity and risk of age-related cataract: a population-based prospective study of male and female cohorts
2015, Ophthalmology; 122: 274-280

DOG: Forschung - Lehre - Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6500 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste augenärztliche Gesellschaft der Welt.

Quelle: idw 

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UDE koordiniert EU-Netzwerk: Gewässer besser analysieren

Beate Kostka M.A. Ressort Presse - Stabsstelle des Rektorats
Universität Duisburg-Essen

Nähr- und Schadstoffe, aber auch der Klimawandel bedrohen die Meere, Seen, Flüsse und das Grundwasser weltweit. Um wirksame Gegenmaßnahmen einleiten zu können, muss man genau wissen, welche Organismen in den Gewässern leben. Schnell, standardisiert und umfassend lässt sich dies über genetische Verfahren erheben. Allerdings wurden sie bisher nur exemplarisch getestet und noch in keinem standardisierten nationalen oder internationalen Programm eingesetzt. Um dies zu ändern, gründete sich kürzlich ein internationales Netzwerk DNAqua-Net mit mehr als 250 Vertretern aus 41 Nationen.

Ihr erstes Treffen fand vom 7. bis 8. März an der Universität Duisburg-Essen (UDE) statt - auf Einladung von Prof. Dr. Florian Leese, Leiter des Fachgebiets Aquatische Ökosystemforschung. Organisiert wird die Auftaktveranstaltung vom Zentrum für Wasser- und Umweltforschung (ZWU) der UDE.

Das DNAqua-Net ist eine EU COST Action (Co-Operation in Science and Technology), in dem sich Vertreter aus Wissenschaft, Verbänden, Behörden, und Industrie zusammengefunden haben. Die EU fördert das Vorhaben an der UDE für vier Jahre. In fünf Arbeitsgruppen erarbeitet das Netzwerk konkrete Vorschläge, wie DNA-basierte Techniken genutzt werden können, um die Biodiversität standardisiert zu erfassen, bewerten und letztendlich in die Monitoringpraxis einzubinden.

Belastete Gewässer beeinträchtigen nicht nur das jeweilige Ökosystem (z.B. Selbstreinigungsfähigkeit, Photosynthese, Biomasseproduktion), sondern wirken sich auch auf den Menschen aus. Nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie sind alle Mitgliedsstaaten verpflichtet, die Oberflächengewässer bis 2027 in einen guten Zustand zu überführen oder diesen zu halten.

Wie sauber ein Gewässer ist, zeigen verschiedene ökologisch-wichtige Schlüsselarten an (Bioindikatoren): Fische, Wasserpflanzen, Mikroalgen sowie Eintags-, Stein- und Köcherfliegen. Sie werden bestimmt, in Listen eingetragen und mit denen von Referenzgewässern verglichen. Dann wird die ökologische Zustandsklasse ermittelt und bei Bedarf Verbesserungsmaßnahmen konzipiert.

Prof. Leese: „Dieser Prozess ist sehr zeitaufwändig, teuer und oft nicht standardisiert." Außerdem sind die kleinen Organismen kaum auseinanderzuhaltenden und werden deshalb oft fehlbestimmt. Bei der genetischen Methode kann das nicht passieren. Die Artengemeinschaften werden anhand ihres Erbguts eindeutig bestimmt (DNA-basierte Bioindikation), selbst dann, wenn nur wenige Bruchstücke der Organismen vorliegen.

Von der Beprobung über die Artenliste von Mikroben bis hin zu höheren Tieren dauert der Prozess nur wenige Tage und kostet kaum mehr als die bislang gängigen Verfahren. Allerdings müssen noch technische und konzeptionelle Fragen geklärt werden, bevor DNA-basierte Techniken im bestehenden Verfahren eingesetzt werden können. Genau diese Probleme greift das DNAqua-Net auf.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Florian Leese, Chair der DNAqua-Net EU COST Action CA15219, Fakultät für Biologie, Aquatische Ökosystemforschung, Tel. 0201/183-4172, florian.leese@uni-due.de,

Redaktion: Beate Kostka, Tel. 0203/379-2430, beate.kostka@uni-due.de

Weitere Informationen:
http://dnaqua.net
http://www.cost.eu/COST_Actions/ca/CA15219

Quelle: idw 

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Psychologen untersuchten Persönlichkeitsveränderungen junger Menschen

Susann Huster Stabsstelle Universitätskommunikation/Medienredaktion
Universität Leipzig

Vom Ende der Adoleszenz bis ins junge Erwachsenenalter erleben viele Menschen positive Veränderungen ihrer Persönlichkeit. Eine neue Studie von einem internationalen Team aus Psychologen der Universitäten Leipzig, Mainz, Stanford und Cambridge zeigt nun, dass auch Bekannte diese Veränderungen wahrnehmen. Zudem fanden die Forscher heraus, dass mit zunehmendem Alter die Selbst- und die Außenperspektive auf die Persönlichkeit zunehmend ähnlicher werden.

Der Übergang von der Jugend zum Erwachsenenalter wird oft von positiven Persönlichkeitsveränderungen begleitet: Wir werden beispielsweise zunehmend emotional stabil und gewissenhafter. Dieser von zahlreichen Studien gut belegte Befund wird als Persönlichkeitsreifung bezeichnet. Allerdings beruhten bislang viele dieser Studien nur auf Selbstbeschreibungen der eigenen Persönlichkeit, weswegen nur wenig darüber bekannt ist, ob auch Freunde und Bekannte diese Veränderungen wahrnehmen.
Um diese Wissenslücke zu schließen, analysierten Julia Rohrer und Prof. Dr. Stefan Schmukle von der Universität Leipzig, Prof. Dr. Boris Egloff von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Prof. Dr. Michal Konsinski von der Stanford University (USA) und Dr. David Stillwell von der University of Cambridge die Persönlichkeitsprofile von über 10.000 Nutzern der Facebook-App myPersonality im Alter zwischen 14 und 29 Jahren.

Das besondere hierbei war, dass die Nutzer nicht nur selbst Persönlichkeitsfragebögen ausfüllten, sondern zusätzlich auch von Facebook-Freunden eingeschätzt wurden. Das ermöglichte es den Forschern zu prüfen, ob sich die Veränderungen mit dem Alter nicht nur im Selbstbericht, sondern auch im Fremdbericht durch Bekannte wiederfinden. Zudem erlaubten es die Daten, zu untersuchen, wie hoch die Übereinstimmung zwischen Selbst- und Fremdperspektive ist. Die Ergebnisse dieser Analysen erschienen gerade in der renommierten Fachzeitschrift "Journal of Personality and Social Psychology".

"Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass die Alterseffekte im Selbstbericht denen in der Einschätzung durch Bekannte ähneln. Ältere Personen berichten, dass sie extrovertierter, gewissenhafter und offener für neue Erfahrungen sind - und die Persönlichkeitseinschätzungen durch Bekannte zeigen die gleichen Trends", erklärt Rohrer. Allerdings gab es auch Punkte, in denen Uneinigkeit herrschte: Während ältere Befragte berichteten, dass sie emotional stabiler seien, teilten ihre Bekannten nicht diese Fremdeinschätzung. "Ein möglicher Grund dafür ist, dass Anzeichen von niedriger emotionaler Stabilität - wie übermäßige Besorgtheit und Ängstlichkeit - von außen nicht so gut sichtbar sind. Deswegen bemerken Außenstehende vielleicht nicht, dass jüngere Erwachsene vergleichsweise weniger emotional stabil sind", schlägt Egloff als eine Erklärung des Befundes vor. Weiterhin betrachteten die Forscher die Stärke der Übereinstimmung zwischen Selbst- und Fremdbericht und fanden, dass diese mit zunehmendem Alter ansteigt. Die Forscher interpretieren dies als ein mögliches weiteres Anzeichen der Persönlichkeitsreifung. "Inhaltlich scheint das zunächst plausibel, und mehrere Erklärungen hierfür sind denkbar. Zum Beispiel könnte es sein, dass mit zunehmender Reife die Personen selbst ihre Persönlichkeit präziser einschätzen können oder, dass sie sich in Beziehungen zu anderen authentischer verhalten und deswegen andere ihre Persönlichkeit genauer beurteilen können", sagt Schmukle. "Allerdings müssen unsere Ergebnisse auf jeden Fall noch einmal mit längsschnittlichen Daten bestätigt werden", schränkt er ein, "denn unsere Studie beruht darauf, dass wir jüngere Personen mit älteren vergleichen. Daher sollten unsere Ergebnisse in Studien überprüft werden, in denen man die gleichen Personen über einen längeren Zeitraum verfolgt und beobachtet, wie sich die Persönlichkeit aus unterschiedlichen Perspektiven über die Zeit hinweg ändert."

Originaltitel der Veröffentlichung im "Journal of Personality and Social Psychology":

"In Your Eyes Only? Discrepancies and Agreement Between Self- and Other-Reports of Personality From Age 14 to 29"
doi.org/10.1037/pspp0000142

Weitere Informationen:
Julia Rohrer
Institut für Psychologie der Universität Leipzig
Telefon: +49 341 97-35919
E-Mail: julia.rohrer@uni-leipzig.de
Web: home.uni-leipzig.de/diffdiag/pppd


Prof. Dr. Stefan Schmukle
Institut für Psychologie der Universität Leipzig
Telefon: +49 341 97-35902
E-Mail: schmukle@uni-leipzig.de
Web: home.uni-leipzig.de/diffdiag/pppd

Weitere Informationen:
http://psycnet.apa.org/psycinfo/2017-07265-001/

Quelle: idw 

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Bin ich nicht zu alt dafür? Musiktherapie gegen Tinnitus für die Generation 65plus

Natascha Schettler-Brox Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e.V.

Tinnitus-Musiktherapie auch bei "Best Agern" sehr effektiv

Etwa jeder vierte Mensch über 65 Jahren leidet unter Tinnitus- mit steigender Tendenz.
Dieser Alterstrend lässt sich auch in der Tinnitusambulanz am Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung DZM e.V. beobachten: Seit über 10 Jahren wird die Neuro-Musiktherapie bei Tinnitus angeboten und zunehmend von Senioren angefragt und in Anspruch genommen. Dabei taucht immer wieder die Besorgnis auf „für diese Therapie bin ich doch schon zu alt, oder?"
Ausgehend von diesem Alterstrend wurde nun die „Neuro-Musiktherapie" für chronischen Tinnitus speziell auf die Bedürfnisse der Generation 65plus abgestimmt.
Ergebnisse einer aktuellen Analyse an 140 Tinnitusbetroffenen bestätigen, dass Teilnehmer ab 65 Jahren (Durchschnittsalter 72 Jahre) davon profitieren - und sogar eine größere Chance auf Therapieerfolg erreichen, wie eine im Schnitt rund 25 Jahre jüngere Vergleichsgruppe. Insgesamt erreichten rund 80% der behandelten Senioren eine spürbare Verbesserung ihrer Tinnitussymptome.
Gerade weil sich die Best Ager überwiegend „reich, jung und fit" (Quelle: Generali Altersstudie) fühlen, stellt ein dauerhaftes Ohrgeräusch eine deutliche Belastung dar und führt zu Einbußen in der Lebensqualität im dritten Lebensabschnitt. In der Regel sind die bisherigen Therapieangebote offen für eine sehr große Zielgruppe, richten sich aber implizit vor allem an die Gruppe der berufstätigen Erwachsenen im Alter zwischen 35 und 60 Jahren. Eine spezielle Anpassung der Therapie, wie sie am DZM e.V. angeboten wird, erhöht allerdings die Therapiechancen drastisch.

Die Tinnitusambulanz des Deutschen Zentrums für Musiktherapieforschung bietet laufend Kompakttherapien für Patienten mit akutem und chronischem Tinnitus an. Weitere
Informationen für Patienten sind telefonisch erhältlich unter 06221 - 79 63 101 oder per E-Mail unter
tinnitusambulanz@dzm-heidelberg.de.

Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e. V. wurde 1995 in Heidelberg gegründet. Heute ist das DZM eines der größten musiktherapeutischen Forschungsinstitute in Europa und vereint Forschung und Praxis unter einem Dach. Das DZM ist als gemeinnützig anerkannt und finanziert sich zum überwiegenden Teil aus Spenden und Forschungsdrittmittel. Am DZM entwickeln und erforschen Musiktherapeuten, Mediziner, Musikwissenschaftler und Psychologen in interdisziplinären Projekten musiktherapeutische und musikmedizinische Konzepte zur Verbesserung der Lebenssituation erkrankter Menschen.
Außer dem Forschungsinstitut gehören eine Tinnitus- sowie eine Cochlea-Implantat-Ambulanz zum DZM.

Weitere Informationen:
Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung
(Viktor Dulger Institut) DZM e.V.
Ansprechpartner: Natascha Schettler-Brox
Maaßstraße 26
69123 Heidelberg
Telefon: +49 (6221) 83 38 60
Telefax: +49 (6221) 73 999 89
E-Mail: dzm@dzm-heidelberg.de
Internet: www.dzm-heidelberg.de

Weitere Informationen:
http://www.dzm-heidelberg.de

Quelle: idw 

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Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Ab sofort können alle Interessierten live im Internet verfolgen, wo das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel Wave-Glider einsetzt. Dabei handelt es sich um von Wellenkraft angetriebene Messplattformen, die wochen- oder auch monatelang die Oberfläche der Meere abfahren können. Auf dem Internetportal „GEOMAR Navigator" sind neben Kursen und Geschwindigkeiten der Geräte auch aktuelle Messdaten aus dem Ozean einsehbar. Entwickelt wurde das Portal in einer Forschungskooperation mit dem Oman, die erste Testmission findet aktuell im subtropischen Nordostatlantik statt.

Die Ausdehnung der Ozeane in Fläche und Volumen ist gigantisch. Daten aus ihnen zu erheben und ihren Zustand zu vermessen ist daher eine gewaltige Aufgabe. Mehr und mehr erweitern ferngesteuerte und vorprogrammierte Geräte die Reichweite und die Ausdauer der menschlichen Forschenden. Zu diesen Geräten gehören auch sogenannte Wave-Glider. Angetrieben von der Energie der Wellen können die Surfbrett-ähnlichen Schwimmkörper wochen- oder sogar monatelang bestückt mit unterschiedlichsten Sensoren auf der Oberfläche der Meere kreuzen.

Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel verfügt mittlerweile über drei dieser Geräte. Ab sofort können alle Interessierten die Missionen dieser Wave-Glider live online auf der Plattform „GEOMAR Navigator" (https://waveglider.geomar.de/navigator) verfolgen. Zur Premiere zeigt sie die aktuellen Missionen von zwei Wave-Glidern rund um einen Unterwasserberg nahe der kapverdischen Inseln.

Kurse, Geschwindigkeiten, schon zurückgelegte Strecken, aber auch Wetterdaten, weitere Messwerte und Hintergrundinformationen zu jeweiligen Forschungsprojekten - all diese Daten sind auf dem „GEOMAR Navigator" einsehbar. „Zuallererst dient die Plattform dazu, dass, wer auch immer eine Wave-Glider Mission leitet, die Missionsparameter jederzeit bequem vom Büro, vom heimischen Sofa oder vom Hotelzimmer aus überwachen kann", erklärt Programmierer Patrick Leibold aus der Arbeitsgruppe Technologietransfer des GEOMAR, der das Portal entwickelt hat.

„Letztendlich kann aber jeder interessierte Mensch das Portal nutzen, um die Missionen unserer Geräte zu verfolgen", ergänzt Dr. Warner Brückmann, Leiter des Technologietransfers am GEOMAR. Die beiden Wave-Glider, die derzeit im Einsatz sind, sind Teil der Expedition MSM61 des deutschen Forschungsschiffs MARIA S. MERIAN. Mit einer ganzen Anzahl unterschiedlicher Geräte will das Team an Bord das Ökosystem rund um den Senghor Seamount, einen Unterwasserberg nördlich der Kapverden-Insel Sal, besser verstehen.

Einer der beiden Wave-Glider der Testmission gehört dem GEOMAR und ist schon häufiger als schwimmende Messplattform rund um das Kapverdische Ozean-Observatorium (Cape Verde Ocean Observatory, CVOO) zum Einsatz gekommen. Den zweiten hat das Bremer Zentrum für Marine Umweltwissenschaften MARUM jetzt zur Expedition beigesteuert. „Für uns ist diese Ausfahrt ein wichtiger Testlauf, wie gut das Portal funktioniert und ob die Forschenden damit zurechtkommen", sagt Leibold, der selbst mit an Bord der MARIA S. MERIAN ist.

Der Anstoß zur Entwicklung des Portals und die Finanzierung stammen aus einer Kooperation des GEOMAR mit dem Wüstenstaat Oman. Dort soll demnächst der neueste GEOMAR Wave-Glider nach Grundwasseraustritten am küstennahen Meeresboden suchen. „Ziel ist es, ein besseres Verständnis von Süßwassersystemen im Untergrund von Küstenregionen zu erhalten. Für den Oman ist dieses Verständnis von existentieller Bedeutung. Süßwasser ist dort eine sehr knappe und damit umso wichtigere Lebensgrundlage. Eine falsche Bewirtschaftung würde sie bedrohen", erklärt Dr. Brückmann.

Das im Rahmen des Oman-Projektes entwickelte Online-Portal wird aber allen Gruppen, die am GEOMAR Wave-Glider betreuen, zur Verfügung stehen. „Und darüber hinaus kann die gesamte deutsche Meeresforschung die Technik nutzen, wie gleich die erste Testmission in Zusammenarbeit mit dem MARUM zeigt", sagt Dr. Brückmann.

Weitere Informationen:
http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
https://waveglider.geomar.de/navigator Das Wave Glider Portal GEOMAR Navigator
https://waveglider.geomar.de/navigator/?p=dashboard&m=SENGHOR&v=0
Direkter Link zur aktuellen Wave-Glider-Mission am Senghor Seamount

Quelle: idw 

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Bitte nichts verraten! Wenn es um die eigene Zukunft geht, wollen die meisten nichts wissen

Kerstin Skork Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Möchten Sie wissen, wann Sie sterben werden? Hätten sie die Möglichkeit, in die Zukunft zu sehen, zögen es die meisten Menschen vor, lieber nicht wissen zu wollen, was das Leben für sie bereithält. Auch nicht, wenn es etwas Positives sein könnte. Dies zeigt eine aktuelle Studie von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin und der Universität Granada, die in der Fachzeitschrift Psychological Review erschienen ist.

„In der griechischen Mythologie hatte Kassandra, die Tochter des trojanischen Königs, die Gabe, in die Zukunft sehen zu können. Aber sie war auch dazu verflucht, dass niemand ihren Prophezeiungen Glauben schenkte", sagt Gerd Gigerenzer, Erstautor der Studie und Direktor des Forschungsbereichs „Adaptives Verhalten und Kognition" am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. „In unserer Studie haben wir herausgefunden, dass Menschen die Sehergabe, die Kassandra berühmt machte, eher ablehnen und auf Wissen über ihre persönliche Zukunft verzichten würden. Dahinter steht das Bestreben, mögliches Leid und Bedauern zu umgehen, welches das Wissen über die Zukunft mit sich bringen könnte. Gleichzeitig möchten sie sich aber auch die freudige Spannung von schönen Erlebnissen erhalten."

Zwei nationale, repräsentative Erhebungen mit mehr als 2.000 Erwachsenen in Deutschland und Spanien zeigen, dass 86 bis 90 Prozent der Menschen bevorstehende negative Ereignisse nicht wissen wollen. Zudem bevorzugen 40 bis 77 Prozent auch über bevorstehende positive Ereignisse im Ungewissen zu bleiben. Die Wissenschaftler nennen das willentliche Ignoranz (engl. deliberate ignorance). Das heißt, sich bewusst dafür zu entscheiden, die Antwort auf eine Frage, die einen persönlich betrifft, nicht wissen zu wollen. Lediglich 1 Prozent aller Befragten würde konsequent gerne wissen, was die Zukunft bereithält.

Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass Menschen, die ihre Zukunft nicht kennen möchten, risikoscheuer sind und häufiger Lebens- und Rechtsschutzversicherungen kaufen als diejenigen, die gerne einen Blick in die Zukunft werfen würden. „Das legt nahe, dass Menschen, die Wissen über die Zukunft willentlich ignorieren, erwarten, unangenehme Nachrichten zu erhalten", so Gigerenzer weiter. Auch der Zeitpunkt, an dem ein Ereignis in der Zukunft eintreten könnte, spielt eine Rolle: Je näher das mögliche Eintreten in der Zukunft liegt, desto weniger wollen Menschen etwas darüber wissen. So wollten zum Beispiel ältere im Vergleich zu jüngeren Erwachsenen seltener wissen, wann und woran ihr Partner sterben wird.

Die Studienteilnehmer wurden zu einer Reihe von möglichen Ereignissen - positiven wie negativen - befragt. So zum Beispiel, ob sie wissen wollten, welche Mannschaft ein Fußballspiel gewinnt, das sie später noch sehen wollten, was sie zu Weinachten geschenkt bekommen, ob es ein Leben nach dem Tod gibt oder ihre Ehe in einer Scheidung endet. Das Geschlecht ihres ungeborenen Kindes war das Einzige, das die Mehrzahl der Befragten vorab wissen wollte, nur 37 Prozent möchten sich lieber überraschen lassen.

Obwohl die in Deutschland und Spanien lebenden Menschen sich in Alter, Bildung und anderen wichtigen Aspekten unterschieden, war das Muster der willentlichen Ignoranz in beiden Ländern gleichermaßen verbreitet. „Wissen zu wollen, scheint der Normalzustand der Menschheit zu sein und bedarf keiner Rechtfertigung. Menschen sind nicht nur dazu eingeladen, von ihnen wird auch oft erwartet, an Krebsfrüherkennungsmaßnahmen oder regulären Gesundheitschecks teilzunehmen, ihr ungeborenes Baby einer Reihe von pränatalen Gentest zu unterziehen oder Self-Tracking-Geräte zur Messung der eigenen Gesundheit zu nutzen", sagt Gigerenzer. „Die willentliche Ignoranz von Menschen scheint vor diesem Hintergrund nicht einleuchtend und mag Stirnrunzeln verursachen. Aber wie wir in unserer Studie zeigen konnten, existiert sie nicht nur, sondern ist auch eine weiterverbreitete Haltung."

Originalstudie
Gigerenzer, G., & García-Retamero, R. (in press). Cassandra's regret: The psychology of not wanting to know. Psychological Review. http://dx.doi.org/10.1037/rev0000055

Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung wurde 1963 in Berlin gegründet und ist als interdisziplinäre Forschungseinrichtung dem Studium der menschlichen Entwicklung und Bildung gewidmet. Das Institut gehört zur Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., einer der führenden Organisationen für Grundlagenforschung in Europa.

Weitere Informationen:
https://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2017/02/bitte-nichts-verraten-wenn-es-u...

Quelle: idw 

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Leipziger Forscher erklären wichtigen Prozess bei biologischer Methanbildung

Dipl.-Journ. Carsten Heckmann Stabsstelle Universitätskommunikation/Medienredaktion
Universität Leipzig

Methan ist das Hauptprodukt der Biogasherstellung in Biogasanlagen, in denen es zur Energiegewinnung erzeugt wird. Zugleich gilt Methan als effektives Treibhausgas, denn es hat eine 25-mal stärkere Wirkung als Kohlendioxid. Die in der Natur für die Methanproduktion verantwortlichen Mikroorganismen produzieren jährlich ca. 1 Milliarde Tonnen Methan, wovon etwa ein Drittel in die Atmosphäre entweicht. Für die Bildung des Methans ist ein spezielles Molekül als Katalysator notwendig. Forscher der Universität Leipzig haben nun in Zusammenarbeit mit der University of Kent entdeckt, wie dieser "Methankatalysator" gebildet wird. Ihre Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht.

Methan ist das Hauptprodukt der Biogasherstellung in Biogasanlagen, in denen es zur Energiegewinnung erzeugt wird. Zugleich gilt Methan auch als effektives Treibhausgas, denn es hat eine 25-mal stärkere Wirkung als Kohlendioxid. Die in der Natur für die Methanproduktion verantwortlichen Mikroorganismen produzieren jährlich ca. 1 Milliarde Tonnen Methan, wovon etwa ein Drittel in die Atmosphäre entweicht. Für die Bildung des Methans ist ein sehr spezielles Molekül als Katalysator notwendig. Forscher der Universität Leipzig haben nun in Zusammenarbeit mit Forschern der University of Kent in England entdeckt, wie dieser essentielle "Methankatalysator" gebildet wird. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlicht.

Methan trägt auch zur Klimaerwärmung bei, wenn es vermehrt freigesetzt wird. In Biogasanlagen und Faultürmen von Kläranlagen wird es als Energiequelle erzeugt, wobei hier die gleichen Organismen für die Methanbildung verantwortlich sind wie in der Natur. Das natürlich gebildete Methan wird teilweise in Erdgasdepots oder als Methaneis am Meeresboden eingelagert. "Die biologische Methanbildung ist ein wichtiger Prozess beim globalen Kohlenstoff- beziehungsweise Biomassekreislauf. Es wird von spezialisierten, unter anaeroben Bedingungen lebenden Mikroorganismen gebildet. Diese Organismen sind unter anderem in den Sedimenten von Seen oder Sümpfen zu finden oder beispielsweise im Verdauungstrakt von Wiederkäuern", erklärt Prof. Dr. Gunhild Layer vom Institut für Biochemie der Universität Leipzig.

Um Methan bilden zu können, benötigen diese Mikroorganismen ein spezielles Protein. Dieses enthält ein zusätzliches Molekül, das Coenzym F430, das für die Methanbildung essentiell ist. Die chemische Struktur des gelben Coenzyms F430 ist verwandt mit den Strukturen des roten Blutfarbstoffs und des Chlorophylls (grüner Pflanzenfarbstoff). Über die Bildung dieses Coenzyms F430 war bisher nur wenig bekannt.

Die Leipziger Biochemiker um Prof. Dr. Gunhild Layer konnten nun in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Martin Warren in Canterbury, (Großbritannien) aufklären, wie das Coenzym F430 gebildet wird. Die an der Synthese beteiligten Proteine wurden einzeln produziert, gereinigt und auf ihre Aktivität hin getestet. Damit gelang es zum ersten Mal, das Coenzym F430 im Reagenzglas herzustellen. "Es war ein langer und schwieriger Weg bis zur kompletten enzymatischen Synthese des Coenzyms F430, aber die Mühe hat sich gelohnt", sagt Prof. Layer. Und Prof. Warren ergänzt: "Die Aufklärung des Biosynthesewegs für Coenzym F430 vervollständigt unser Wissen über die Bildung der sogenannten 'Farbstoffe des Lebens' zu denen auch Coenzym F430 gehört."

Originaltitel der Veröffentlichung in "Nature":
"Elucidation of the biosynthesis of the methane catalyst coenzyme F430",
DOI:10.1038/nature21427

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Gunhild Layer
Institut für Biochemie
Telefon: +49 341 97-36996
E-Mail: gunhild.layer@uni-leipzig.de

Weitere Informationen:
http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/full/nature21427.html "Nature"-Veröffentlichung

Quelle: idw 

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1,5 Millionen Diabetespatienten müssen bald ohne bewährte Medikamente auskommen

Kerstin Ullrich Pressestelle
Deutsche Diabetes Gesellschaft

Berlin - Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes müssen demnächst womöglich auf gewohnte Medikamente verzichten. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) befürchtet, dass mehrere Präparate aus der Gruppe der DDP-4-Hemmer demnächst vom Markt genommen werden, weil der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) diesen Medikamenten einen Zusatznutzen abgesprochen hat. Von der Entscheidung sind bis zu 1,5 Millionen Patienten betroffen. Die Medikamente haben sich seit zehn Jahren in der Praxis bewährt.

Der G-BA-Beschluss bezieht sich auf Medikamente mit den beiden Wirkstoffen Sitagliptin und Saxagliptin, die derzeit als Monopräparate oder in Kombination mit dem Wirkstoff Metformin als sogenannte „Fix-Kombination" angeboten werden. Sitagliptin und Saxagliptin hemmen das Enzym Dipeptidyl-Peptidase-4 (DPP-4), das die Wirkung eines körpereigenen Hormons verlängert. Die Folge ist eine wirkungsvolle Senkung des Blutzuckers ohne Unterzuckerung und Gewichtszunahme.

Der G-BA hatte im Dezember beschlossen, dass Sitagliptin, das seit 2007 in Deutschland zugelassen ist, als Monopräparat einen geringen Zusatznutzen besitzt. Saxagliptin, das 2009 eingeführt wurde, könnte ganz vom Markt verschwinden, da der G-BA dem Präparat jeglichen Zusatznutzen abgesprochen hat; gleiches gilt für die Fix-Kombinationen der DDP-4-Hemmer mit Metformin.

Die Hersteller dürfen diese Präparate weiter anbieten. Bei der Verordnung durch Kassenärzte würden sie jedoch nur den Preis erhalten, der derzeit zwischen Krankenkassen und Herstellern vertraulich ausgehandelt wird. "Es steht durchaus zu befürchten, dass - wenn nicht mit Augenmaß verhandelt wird - die Präparate am Ende vom Markt genommen werden", sagt Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland, gesundheitspolitischer Sprecher der DDG. Er verweist auf das Beispiel Synjardy, eine Fix-Kombination aus Empagliflozin plus Metformin: Das Präparat wurde im November vom Markt genommen, nachdem der G-BA dem Kombipräparat keinen Zusatznutzen zuerkannt hat.

Das Gleiche droht jetzt für die Diabetesmittel Onglyza, Komboglyze, Janumet und Velmetia. „Bei einer Marktrücknahme müssten bis zu 1,5 Millionen Patienten auf andere Medikamente ausweichen", befürchtet Müller-Wieland. Die Umstellung ist nach Erfahrung des DDG-Experten häufig schwierig und mit zusätzlichen Kosten verbunden. „Sie entstehen, weil die Patienten beim Wechsel auf ein neues Medikament unter Umständen eine Schulung benötigen und ihren Blutzucker zunächst häufiger kontrollieren müssen", so Müller-Wieland. Zudem seien die „Alternativen" häufig teurer und mitunter mit Injektionen verbunden.

„Warum eine Tablette, die zwei Substanzen enthält, anders sein soll als zwei separate Tabletten, leuchtet medizinisch nicht ein", betont der DDG-Sprecher. „Dies insbesondere nicht bei Patienten, die häufig mehrere Substanzen einnehmen müssen und dankbar sind, wenn die Zahl der Tabletten dennoch möglichst gering ist."

Weitere Probleme ergeben sich, wenn Patienten, die derzeit mit den Kombinationen behandelt werden, künftig zwei Tabletten statt einer einnehmen müssen. „Dies ist nicht nur mit höheren Kosten etwa durch die doppelte Apothekenabgabe verbunden. Mit der Zahl der Medikamente sinkt häufig auch die Einnahmetreue der Patienten, was das Behandlungsergebnis verschlechtern kann", erläutert Müller-Wieland.

Es ist nicht das erste Mal, dass der G-BA in die Verordnung von Diabetesmedikamenten eingreift. „Bisher haben nur 4 von 18 neuen Diabetes-Präparaten einen Zusatznutzen vom G-BA erhalten, 6 sind in Deutschland nicht mehr auf dem Markt", berichtet DDG Präsident Professor Dr. med. Baptist Gallwitz. Dies liege keineswegs daran, dass es sich bei diesen neuen Substanzen sogenannte Schein-Innovationen handele. „Die Beurteilungskriterien des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, das für den G-BA die Bewertungen durchführt, sind häufig inkonsistent und nicht frei von Interessen", so Gallwitz. „Die Entscheider setzen sich über den medizinischen Standard hinweg und ignorieren oft die Leitlinien der DDG und anderer internationaler Fachgesellschaften."

Jetzt bewerben für die DDG Medienpreise 2017!
Die DDG schreibt auch in diesem Jahr drei Medienpreise aus, die mit insgesamt 6.000 Euro dotiert sind. Eingereicht werden können Artikel (Print und Online) sowie Beiträge aus Hörfunk und Fernsehen, die zwischen dem 1. August 2016 und dem 31. Juli 2017 publiziert wurden/werden. Prämiert werden Arbeiten, denen es gelingt, Diabetes-Mythen zu „entzaubern" und ein Bewusstsein für diese Krankheit und ihre Folgeerkrankungen zu schaffen. Einsendeschluss ist der 31. Juli 2017. Weitere Informationen zur Ausschreibung finden Sie hier: http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/presse/ddg-pressemeldungen/meldunge....

Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit 9.000 Mitgliedern eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Geschäftsstelle
Albrechtstraße 9, 10117 Berlin
Tel.: 030 3116937-0, Fax: 030 3116937-20
info@ddg.info

Weitere Informationen:
http://www.ddg.info

Quelle: idw 

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demowanda.de: Fakten zum demografischen Wandel in der Arbeitswelt

Andreas Pieper Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

BIBB ist Teil eines neuen Forschungsportals

Die Zahl der Arbeitskräfte verringert sich, die Erwerbsbevölkerung wird älter - wir alle müssen uns bewusst machen, dass der demografische Wandel die Arbeitswelt verändern wird. Um Erkenntnisse, Daten und Fakten hierzu leichter zugänglich zu machen, bieten sechs Ressortforschungseinrichtungen des Bundes, darunter das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), ab sofort das gemeinsame Internetportal demowanda.de an. Es gibt einen Überblick über Entwicklungen in verschiedenen Lebensbereichen, die die Arbeitswelt beeinflussen.

Das unter Leitung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) gebündelte ressortübergreifende Fachwissen ermöglicht erstmals einen derart umfassenden Blick auf Entwicklungen in Deutschland, die für eine alters- und alternsgerechte Gestaltung der Arbeitswelt von Bedeutung sind.

So ist neben dem steigenden Anteil Älterer in den Belegschaften beispielsweise auch die Frage der Qualifikation ein Thema, weil wichtiger Aspekt des demografischen Wandels: Nach Berechnungen des BIBB lag die Quote der Ungelernten im Alter von 20 bis 34 in den Jahren 2011 bis 2014 zwischen 13 und 14 %. Untersuchungen des BIBB und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) deuten darauf hin, dass gerade im Bereich Gesundheit, aber auch im Bereich der Be- und Verarbeitung von Holz und Kunststoffen sowie in den Bauberufen künftig nicht genug qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung stehen werden. Zudem verändern neue Techniken und Praktiken die Arbeitswelt stetig und erfordern geeignete Weiterbildungsmaßnahmen. Laut Studien des BIBB haben 2013 rund 70 % der Betriebe in Deutschland Weiterbildungsmaßnahmen durchgeführt. Darüber hinaus stieg nach Ergebnissen des Deutschen Alterssurveys der Anteil an Personen, die im Ruhestand erwerbstätig sind - von rund 6,3 % im Jahr 2003 auf 11,6 % in 2014.

Das Portal demowanda.de gliedert sich in die sechs Themenbereiche „Bevölkerung", „Bildung", „Arbeitsmarkt", „Arbeitsbedingungen", „Gesundheit" und „Arbeit im Alter", die die verschiedenen Zusammenhänge zwischen Arbeitswelt und demografischem Wandel deutlich machen. Wissenschaftler, Journalisten, Vertreter der Politik und alle weiteren Interessierten finden neben aktuellen und übersichtlich aufbereiteten Informationen auch weiterführende Literaturhinweise, Grafiken und Kontaktadressen.

Die BAuA hat das Internetportal im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) gemeinsam mit dem BIBB, dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB), dem Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA), dem IAB und dem Robert Koch-Institut (RKI) entwickelt. Damit bündelt diese erste Initiative für eine fachübergreifende Berichterstattung über die Arbeitswelt Fachwissen aus verschiedenen Bundesministerien. Dazu gehören das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), das Bundesministerium für Inneres (BMI), das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie das Bundesministerium für Gesundheit (BMG).

Weitere Informationen zum Portal „demowanda. Demografischer Wandel in der Arbeitswelt - ein fachübergreifendes Monitoring" unter http://www.demowanda.de

Quelle: idw 

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Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

Susanne Hufe Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) soll bis zum Jahr 2019 überarbeitet werden. Bereits jetzt ist der Arbeitsprozess dafür in vollem Gange - wichtiger Input kommt auch aus der Wissenschaft. In einer aktuellen Studie etwa, die unter Federführung des UFZ entstand, hat ein internationales Forscherteam Empfehlungen formuliert, die die Überwachung, Bewertung und das Management von Schadstoffen verbessern sollen. Veröffentlicht wurde die Studie kürzlich im Fachmagazin Science of the Total Environment.

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie ist seit dem Jahr 2000 in Kraft. Ziel der Richtlinie ist es, dass Flüsse, Seen, Küstengewässer und Grundwasser spätestens bis zum Jahr 2027 einen „guten Zustand" erreicht haben: Die Gewässer sollen möglichst nur geringfügig durch Schadstoffe belastet sein und Pflanzen und Tieren einen naturnahen Lebensraum bieten.
Das Besondere an der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie ist, dass die Gewässer länderübergreifend - bei Flüssen von der Quelle bis zur Mündung - betrachtet werden. „Das ist in dieser Form weltweit einmalig. Von vielen Ländern wird die Europäische Wasserrahmenrichtlinie deshalb als Vorbild angesehen", sagt Umweltchemiker Dr. Werner Brack vom UFZ.
Von der Erreichung des Ziels ist Europa jedoch noch weit entfernt. Konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur, zur Wiederherstellung der Durchgängigkeit von Oberflächengewässern sowie zur Reduzierung des Eintrags von Nähr- und Schadstoffen, müssten vielerorts wesentlich konsequenter als bislang umgesetzt werden. „Aber auch das Regelwerk selbst hat Schwächen und soll deshalb bis 2019 überarbeitet werden", sagt Werner Brack. Unter seiner Leitung haben Wissenschaftler des europäischen Forschungsprojekts SOLUTIONS sowie des Europäischen Forschungsnetzwerks NORMAN diese Schwächen genauer unter die Lupe genommen und leiten daraus Empfehlungen für ein verbessertes Schadstoff-Monitoring und Gewässermanagement ab.

Überwachung verbessern
Derzeit sind in der Wasserrahmenrichtlinie 45 Schadstoffe, sogenannte prioritäre Schadstoffe, gelistet. Sie dürfen in einem Gewässer mit guter Wasserqualität nicht oder nur in geringem Maße vorkommen. Demgegenüber stehen allerdings mehr als 100.000 verschiedene chemische Substanzen, die wir täglich benutzen und die in unsere Umwelt und Gewässer gelangen. Die meisten Substanzen werden bei der Bewertung der Gewässerqualität nach der derzeitigen EU-Wasserrahmenrichtlinie also gar nicht berücksichtigt. „Das auf einzelne Schadstoffe orientierte Monitoring ist teuer, ignoriert den größten Teil der Schadstoffe und läuft den eigentlichen Problemen hinterher. Denn die meisten prioritären Schadstoffe sind längst vom Markt und durch andere sehr ähnlich wirkende chemische Substanzen ersetzt. Neue Stoffe auf die Liste zu bekommen, ist ein langwieriger politischer Prozess", kritisiert Brack.
Außerdem beschränkt sich die Wasserrahmenrichtlinie bislang nur auf die Prüfung von Einzelstoffen. Schadstoffe wirken in der Umwelt aber nicht einzeln, sondern zusammen und können sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken. „Nicht das Vorkommen eines Schadstoffes ist ausschlaggebend, sondern seine Wirkung im Gewässer", sagt Brack. Deshalb empfehlen die Wissenschaftler, die Überwachung der Gewässerqualität von der chemischen Analytik einzelner Schadstoffe wo immer möglich auf effektbasierte Methoden - wie etwa biologische Wirkungstests - umzustellen. So würden alle Stoffe mit derselben Wirkung erfasst, auch Stoffgemische. Und teure chemische Analytik wäre nur noch erforderlich, falls bestimmte Wirkschwellen überschritten werden.

Bewertung verbessern
Überarbeitungsbedarf sehen die Forscher auch bei der Bewertung der Gewässerqualität. Bislang ist immer die schlechteste Teilkomponente maßgeblich dafür, ob ein Gewässer in einen guten chemischen oder ökologischen Zustand eingestuft wird - selbst wenn diese wie im Falle von Schadstoffen aus Verbrennungsprozessen durch das Gewässermanagement kaum zu beeinflussen ist. Das führt dazu, dass viele Gewässer auch bei signifikanten Verbesserungen wesentlicher Komponenten die Bewirtschaftungsziele nicht erreichen können. Brack: „Die derzeitige Regelung gibt zu wenig Anreize, Probleme zu beheben und führt in vielen Fällen zu Untätigkeit. Wir schlagen deshalb vor, dass Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerqualität künftig durch eine differenziertere Bewertung belohnt werden." Das schließt auch die Schaffung von Anreizen für gutes Monitoring ein. Denn derzeit scheitern viele Mitgliedsländer bereits daran, Schadstoffe regelmäßig zu messen und zu analysieren, deren Überwachung eigentlich vorgeschrieben ist. Und sie werden dafür noch belohnt, denn je weniger sie messen, je seltener sie messen, je schlechter die Analytik ist, desto geringer ist das abgeleitete Risiko und damit der Handlungsbedarf für Reduzierungsmaßnahmen. Die Wissenschaftler schlagen für die neue Wasserrahmenrichtlinie deshalb eine umgekehrte Beweisführung vor: Dort, wo durch unzureichendes Monitoring keine Daten erhoben werden, könnten für die Gewässerbewertung Modellwerte herangezogen werden. So müssten die „Säumigen" dann mit Messungen nachweisen, dass der tatsächliche Gewässerzustand besser ist als der Vorhergesagte.

Management verbessern
Alleiniges Messen und Bewerten der Gewässerqualität reicht aber nicht aus, um den Zustand eines Gewässers zu verbessern - dem Monitoring müssen entsprechende Maßnahmen folgen. „In unserer aktuellen Studie geben wir Empfehlungen für ein stärker lösungsorientiertes Gewässermanagement, bei dem Überwachung, Bewertung und mögliche Maßnahmen von Anfang an viel enger miteinander verzahnt sein sollten, als dies heute der Fall ist", sagt Brack.
So stellen beispielsweise Kläranlagenabläufe eine wichtige und vergleichsweise vorhersagbare Quelle von Belastungen in Bächen und Flüssen dar, die zur Überschreitung von Wirkschwellen führen können. Die Autoren schlagen vor, in einem ersten Schritt zu prüfen, inwieweit eine gefundene Schadwirkung des Flusswassers dem entspricht, was aufgrund des Abwasseranteils und des Reinigungsgrades zu erwarten ist. Dann ist eine verbesserte Abwasserbehandlung in der Kläranlage das Mittel der Wahl, um Qualitätsziele zu erreichen. Für den Fall, dass beobachtete Schadwirkungen die Erwartungen übersteigen, empfehlen die Autoren verschiedene Ansätze, um spezifische Schadstoffe und ihre Quellen zu identifizieren und möglichst vor dem Erreichen der Kläranlage zu eliminieren. Dabei sollte der Schwerpunkt darauf liegen, mögliche Alternativen zur Verbesserung der Qualität zu untersuchen, anstatt bei der Festlegung des Gewässerstatus zu verharren. „Dies hilft auch, Lösungsansätze zu finden, mit denen man mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen kann", meint Brack. „So können ausreichend breite und mit Büschen bestandene Randstreifen nicht nur dazu beitragen, den Eintrag an Pflanzenschutzmitteln ins Gewässer zu reduzieren, sondern auch dabei helfen, eine Überdüngung oder zu hohe Temperaturen im Gewässer zu vermeiden. Und sie bieten obendrein ein wertvolles Habitat für viele Tiere und Pflanzen."
Wie Untersuchungen im EU-Projekt SOLUTIONS zeigen, erfordert die Verbesserung der Wasserqualität in manchen Fällen auch eine Harmonisierung der vielen Regelwerke zur Umweltqualität und Chemikaliensicherheit auf europäischer und nationaler Ebene mit der Wasserrahmenrichtlinie.
Die Wissenschaftler hoffen, dass sie mit ihren Forschungsergebnissen aus SOLUTIONS und NORMAN weitere Lösungsansätze für die Überarbeitung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie liefern - und dadurch einer nachhaltigeren Wassernutzung in Europa den Weg bereiten können.

Das EU-Projekt SOLUTIONS vereinigt 39 Partner aus weltweit 17 Ländern. Es wird bis zum Jahr 2018 mit insgesamt 12 Millionen Euro von der Europäischen Union gefördert. Ziel ist es, Werkzeuge und Modelle zu entwickeln, um den Chemikaliencocktail in Gewässern hinsichtlich seines Risikos zu bewerten. SOLUTIONS entwickelt Methoden, um vorrangig zu behandelnde Stoffe zu erkennen und schlägt Lösungen zu deren Verminderung vor.

Das europäische Forschungsnetzwerk NORMAN fördert die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zwischen Forscherteams verschiedener Länder hinsichtlich der Überwachung von bisher nicht regulierten Stoffen in der Umwelt.

Publikation
Brack W, Dulio V, Ågerstrand M, Allan I, Altenburger R, Brinkmann M, Bunke D, Burgess RM, Cousins I, Escher BI, Hernández FJ, Hewitt LM, Hilscherová K, Hollender J, Hollert H, Kase R, Klauer B, Lindim C, López Herráez D, Miège C, Munthe J, O'Toole S, Posthuma L, Rüdel H, Schäfer RB, Sengl M, Smedes F, van de Meent D, van den Brink PJ, van Gils J, van Wezel AP, Vethaak AD, Vermeirssen E, von der Ohe PC, Vrana B (2017) Towards the review of the European Union Water Framework Directive: Recommendations for more efficient assessment and management of chemical contamination in European surface water resources. Science of the Total Environment. http://dx.doi.org/10.1016/j.scitotenv.2016.10.104

Ansprechpartner:
Dr. Werner Brack
Leiter des UFZ-Departments Wirkungsorientierte Analytik
Telefon: 0341 235 1531
E-mail: werner.brack@ufz.de

Weitere Informationen:
Die Wasserrahmenrichtlinie - Deutschlands Gewässer 2015: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/die-wasserrahmenrichtlinie-deutschl...
EU-Projekt SOLUTIONS: www.solutions-project.eu
SOLUTIONS-Film: www.youtube.com/UFZde
Forschungsnetzwerk NORMAN: http://www.norman-network.net/

Quelle: idw 

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Bewerbungen: Diese Strategien wenden Jobsuchende an

Dr. Anne Klostermann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs)

Eine aktuelle Befragung von rund 1000 Bewerberinnen und Bewerbern zeigt: im Bewerbungsprozess nutzt die Mehrheit von Anfang an gezielt Strategien, um ihre Chancen zu verbessern. Allerdings gehen dabei Einstellung und Verhalten nicht immer Hand in Hand. Die Ergebnisse der Befragung wurden gerade in der „Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie" veröffentlicht.

„Bisher hat sich die Personalauswahlforschung vor allem mit dem Faking, also dem Vorgaukeln einer nicht vorhandenen Eignung, und der Selbstdarstellung von Bewerberinnen und Bewerbern beschäftigt", sagt Uwe Kanning, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Osnabrück. „Meine Untersuchung weist darauf hin, dass Bewerberinnen und Bewerber über diese beiden Strategien hinausgehend eine Vielzahl strategischer Verhaltensweisen gezielt einsetzen, um den Bewerbungsprozess positiv zu beeinflussen."

In einer explorativen Online-Studie befragte der Wirtschaftspsychologe 999 Personen im Alter von 17 bis 66 Jahren zu ihrem strategischen Verhalten im Bewerbungsprozess. Dazu legte er den Befragten für vier gängige Personalauswahlmethoden - Bewerbungsunterlagen, Einstellungsinterview, Testverfahren, Assessment Center - Listen mit strategischen Verhaltensweisen vor (zum Beispiel das Auffüllen von Lücken im Lebenslauf oder die Teilnahme an Bewerbertrainings für Assessment Center). Die Befragten sollten angeben, welche der Strategien sie schon einmal selbst angewendet haben. Außerdem sollten sie jede Strategie daraufhin beurteilen, inwiefern sie ihnen sinnvoll erscheint. Somit wurde zum einen das strategische Verhalten der Befragten erfasst, zum anderen ihre Einstellungen bezüglich dieser Strategien.

Zunahme an strategischem Verhalten
Fast alle Befragten haben in der Vergangenheit mindestens eine der abgefragten Strategien eingesetzt, um ihre Chancen zu verbessern. Zudem haben strategische Aktivitäten insgesamt zugenommen. Bewerberinnen und Bewerber, die sich in den letzten fünf Jahren beworben haben, gehen strategischer vor als diejenigen, deren letzte Bewerbung schon länger zurückliegt. Mit 86% ist die Recherche auf den Unternehmenswebsites die am weitesten verbreitete Strategie bei der Vorbereitung auf eine Bewerbung bzw. auf ein Bewerbungsgespräch. Rund die Hälfte der Befragten bereiteten sich in Gesprächen mit Freunden oder Bekannten auf die Bewerbung vor. Auffallend ist, dass es bei vielen Strategien eine große Abweichung zwischen Einstellung und Verhalten gibt. So fanden zwar 77% der Befragten die Lektüre von Ratgeberliteratur zur Vorbereitung auf ein Assessment Center sinnvoll, aber lediglich 53% zogen entsprechende Bücher auch wirklich zu Rate.

Bewerbungsfoto immer noch ein Muss
In entgegengesetzter Richtung zeigt sich die Diskrepanz zwischen Einstellung und Verhalten insbesondere bei Bewerbungsfotos. Mehr als 90 % der Befragten legten ihrer Bewerbung ein Foto bei, obwohl nur gerade einmal die Hälfte glaubt, dass Fotos etwas über die Eignung eines Bewerbers oder einer Bewerberin verraten. „Seit 2006 ist es Arbeitgebern eigentlich untersagt, Fotos anzufordern. Hier zeigt sich besonders deutlich, dass viele Bewerber eher strategisch agieren", erklärt Uwe Kanning. „Sie gehen davon aus, dass Personalverantwortliche auch heute noch das Fehlen eines Bewerbungsfotos negativ bewerten - und das zu recht, wie wir aus eigenen Befragungen zum Thema wissen."

Informationen werden gezielt platziert
Mehr als 60 % der Befragten gaben an, Vorlagen für ihre Bewerbungsunterlagen heute aus dem Internet herunterzuladen und diese nur noch zu überarbeiten. 42 % denken sich Hobbys aus, von denen sie glauben, dass sie positiv bewertet werden. „In diesen Fällen sagen das Anschreiben oder die formale Gestaltung der Unterlagen nichts über den Menschen aus, der hinter der Bewerbung steht", erklärt Uwe Kanning. Bezogen auf das Einstellungsinterview gaben 90 % der Befragten an, dass sie sich Stärken ausdenken, von denen sie glauben, dass der Arbeitgeber sie hören will. 70 % gaben an, selbst schon einmal im Bewerbungsgespräch Fragen gestellt zu haben, bloß um interessiert zu wirken.
Diese Ergebnisse zeigen für Uwe Kanning, dass ein stärkerer Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft notwendig ist. „Insgesamt entsteht der Eindruck, dass Bewerberinnen und Bewerber inzwischen sehr gut auf die Standardverfahren vorbereitet sind." Und Conny Antoni, Präsident der DGPs und Professor für Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie an der Universität Trier, ergänzt: „Die psychologische Forschung bietet laufend aktuelle Erkenntnisse zum Thema Personalauswahl. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber können die Qualität ihrer Personalauswahl steigern, wenn sie diese Erkenntnisse gezielt im Auswahlprozess nutzen."

Link zur Originalstudie:
Kanning, U. P. (2017). Strategisches Verhalten in der Personalauswahl - Wie Bewerber versuchen, ein gutes Ergebnis zu erzielen. Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie, 61, 3-17.

Kontakt bei Rückfragen:
Prof. Dr. Uwe P. Kanning
Hochschule Osnabrück
Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
U.Kanning@hs-osnabrueck.de

Pressestelle der DGPs:
Dr. Anne Klostermann
Pressereferentin
Tel.: 030 28047718
E-Mail: pressestelle@dgps.de

Über die DGPs:
Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs e.V.) ist eine Vereinigung der in Forschung und Lehre tätigen Psychologinnen und Psychologen. Die über 4000 Mitglieder erforschen das Erleben und Verhalten des Menschen. Sie publizieren, lehren und beziehen Stellung in der Welt der Universitäten, in der Forschung, der Politik und im Alltag.
Die Pressestelle der DGPs informiert die Öffentlichkeit über Beiträge der Psychologie zu gesellschaftlich relevanten Themen. Darüber hinaus stellt die DGPs Journalisten eine Datenbank von Experten für unterschiedliche Fachgebiete zur Verfügung, die Auskunft zu spezifischen Fragestellungen geben können.
Wollen Sie mehr über uns erfahren? Besuchen Sie die DGPs im Internet: www.dgps.de

Quelle: idw 

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Klug entscheiden in der Pneumologie: Lungenärzte empfehlen Lungenfunktionstests für Raucher

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

Berlin - Jeder Raucher sollte eine Messung der Lungenfunktion erhalten, um frühe Anzeichen von chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) oder Lungenkrebs zu erkennen. Darüber hinaus sollte Rauchern mit einer chronischen Lungenerkrankung eine professionelle Tabakentwöhnung angeboten werden. Diese und weitere Empfehlungen veröffentlicht die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) im Rahmen der Mediziner-Initiative „Klug entscheiden".

Rauchen verursacht 85 Prozent aller Fälle der sehr häufigen Lungenerkrankung COPD. Eine ähnliche Quote gilt für den Lungenkrebs - die dritthäufigste und gleichzeitig tödlichste Krebserkrankung in Deutschland. Trotzdem ordnen die wenigsten Ärzte einen Lungenfunktionstest an, so lange ihre Patienten keine Beschwerden haben, sagt DGP-Präsident Professor Dr. med. Berthold Jany. „Dabei nehmen die meisten Raucher die frühen Symptome einer Lungenerkrankung - wie etwa Raucherhusten - kaum wahr, weil sie sich schon daran gewöhnt haben." Sobald Betroffene erste Beschwerden wahrnehmen, seien viele Lungenerkrankungen schon weit fortgeschritten. Eine frühe Diagnose dagegen erhöhe die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung.

Jeder Patient, der an COPD, Asthma, Lungenkrebs oder Lungenfibrose leidet, sollte außerdem die Möglichkeit haben, an einem strukturierten Tabakentwöhnungsprogramm teilzunehmen, so die weitere Empfehlung der DGP. „Je schneller Betroffene das Rauchen aufgeben können, desto mehr verbessern sich Symptome wie Atemnot, Husten und Atemwegsentzündungen", erklärt Jany, der die Abteilung Innere Medizin des Klinikums Würzburg-Mitte am Standort Missioklinik leitet. Langzeitstudien zeigen außerdem, dass die Sterblichkeit unter Patienten, die das Rauchen aufgeben, deutlich sinkt.

„Klug entscheiden" ist eine Initiative der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), die zum Ziel hat, Über- und Unterversorgung in der Medizin zu vermeiden. Die DGP hat als eine von zwölf Fachgesellschaften konkrete Handlungsempfehlungen ausgesprochen, welche medizinischen Therapien und Behandlungen sinnvoll sind und welche in vielen Fällen unnötig. „Manchmal neigen Ärzte dazu, ‚sicherheitshalber‘ eine Untersuchung anzuordnen, die dem Patienten gar nicht nützt", erklärt Jany. Andersherum gäbe es Maßnahmen wie die Tabakentwöhnung oder die pneumologische Rehabilitation, die trotz erwiesenem Nutzen zu selten zum Einsatz kämen. „Mit ihren Empfehlungen möchte die DGP auf solche Über- und Unterversorgungen hinweisen und Ärzte ermutigen, Entscheidungen zu treffen, die dem aktuellen Stand der medizinischen Forschung entsprechen", so Jany. Diese und weitere Empfehlungen der DGP sind Thema einer Pressekonferenz im Vorfeld des DGP-Kongresses am 15. März 2017 in Berlin.

Quelle:
„Klug entscheiden in der Pneumologie", Deutsches Ärzteblatt, Jg. 113, Heft 19, 13. Mai 2016

Quelle: idw 

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Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Antje Karbe Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent - Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

In einer klinischen Studie mit einem neuen Impfstoff gegen Malaria haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Universitätsklinikums und der Universität Tübingen einen Impfschutz von bis zu 100 Prozent erreicht. Wie Professor Peter Kremsner und Dr. Benjamin Mordmüller vom Tübinger Institut für Tropenmedizin und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) berichteten, wurden für die Impfung Malaria-Parasiten des Biotechnologie-Unternehmens Sanaria eingesetzt. Der Impfstoff basiert auf vollständig lebensfähigen, nicht abgeschwächten Malaria-Erregern, die gleichzeitig mit einem Malaria-Medikament verabreicht werden. Dieser neue Impfansatz wurde in einer DZIF-Studie erstmals klinisch getestet. Die Ergebnisse wurden am 15. Februar im Fachmagazin Nature veröffentlicht. DOI: 10.1038/nature21060

Malaria-Parasiten werden durch den Stich der weiblichen Anophelesmücke übertragen. Für die Mehrzahl der Malaria-Erkrankungen weltweit und nahezu alle Todesfälle ist der Parasit Plasmodium falciparum verantwortlich. Bisherige Impfstoffkandidaten basierten zumeist auf dem Einsatz von einzelnen Molekülen der Erreger. Es zeigte sich jedoch, dass durch derartige Impfungen keine ausreichend schützende Immunantwort ausgelöst wurde. An der Tübinger Studie nahmen 67 gesunde, erwachsene Probanden teil, die noch nie an Malaria erkrankt waren. Die beste Immunantwort zeigte sich bei einer Gruppe von neun Probanden, die dreimal in je vierwöchigem Abstand den Impfstoff in einer hohen Dosierung erhielten. In dieser Gruppe zeigten alle Probanden anschließend einen 100-prozentigen Impfschutz.

„Der Schutz entstand wahrscheinlich durch spezifische T-Lymphozyten und Antikörper-Antworten gegen die Parasiten in der Leber", erklärte Professor Peter Kremsner. Zudem habe man die Immunreaktion des Körpers analysiert und Proteinmuster identifiziert, die eine weitere Verbesserung des Impfstoffs ermöglichen. Die Wissenschaftler spritzten die lebendigen Malaria-Parasiten und verhinderten eine Erkrankung der Probanden durch die gleichzeitige Gabe von Chloroquin, einem seit langem genutzten Malaria-Medikament.

Die Tübinger Forscher machten sich bei der Studie Eigenschaften sowohl des Parasiten wie auch des Gegenmittels Chloroquin zunutze. So kommt Plasmodium falciparum, nachdem ein Mensch infiziert ist, zunächst in die Leber, um sich dort zu vermehren. In dieser Inkubationsphase kann das menschliche Immunsystem bereits reagieren, die Krankheit bricht aber noch nicht aus. Zudem wirkt Chloroquin nicht in der Leber, bremst also dort auch nicht die Vermehrung des Parasiten. Zum Ausbruch der Krankheit kommt es erst, wenn der Erreger die Leber verlässt, ins Blut wandert und sich als Parasit in den roten Blutkörperchen einnistet und vermehrt. Sobald der Erreger im Blut ist, wird er aber von Chloroquin abgetötet und somit der Ausbruch der Krankheit verhindert.

„Durch die Impfung mit einem lebenden und zuerst nicht abgeschwächten Erreger ist es uns ganz offensichtlich gelungen, eine sehr starke Immunantwort auszulösen", sagte Studienleiter Benjamin Mordmüller. „Darüber hinaus deuten die bisher vorliegenden Daten darauf hin, dass wir es mit einem vergleichsweise stabilen und lange anhaltenden Impfschutz zu tun haben." In der Gruppe der Probanden, die nach dreimaliger Gabe einer hohen Dosis von Parasiten einen 100-prozentigen Impfschutz gezeigt haben, sei dieser auch zehn Wochen nach der Impfung noch zuverlässig vorhanden, eine messbare Immunantwort noch wesentlich länger. Der neue Impfstoff habe sich zudem als sehr gut verträglich erwiesen. Im nächsten Schritt soll er im Rahmen einer weiteren klinischen Studie in Gabun über mehrere Jahre auf Wirksamkeit getestet werden. In dieser Region gehört Malaria zu den größten Gesundheitsproblemen. Die Universität Tübingen kooperiert in Gabun seit vielen Jahren mit dem von Albert Schweitzer gegründeten Hospital in Lambaréné sowie dem benachbarten medizinischen Forschungszentrum, dem Centre de Recherches Médicales de Lambaréné. Diese Kooperation wird im Rahmen des DZIF weiter gestärkt.

Malaria ist eine der wichtigsten Infektionskrankheiten weltweit. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkrankten allein im Jahr 2015 rund 214 Millionen Menschen durch den Malaria-Parasiten. Schätzungsweise 438.000 Menschen starben an den Folgen, rund 90 Prozent davon in Afrika. Nahezu drei Viertel der tödlichen Erkrankungen betreffen Kinder unter fünf Jahren. Seit mehr als 100 Jahren forschen Wissenschaftler an einem Impfstoff. Mit einer wirksamen Vakzine ließe sich Malaria einfacher kontrollieren, in stark betroffenen Gebieten könnten Impfkampagnen durchgeführt werden, um den Erreger zu eliminieren. Außerdem könnte ein Impfstoff die Ausbreitung von Resistenzen verhindern und Reisende besser schützen.

Weiterführende Informationen:
http://www.who.int/malaria/publications/world-malaria-report-2016/report/en/

Hochaufgelöste Versionen dieses und weiterer Fotos finden Sie unter:
http://www.pressefotos.uni-tuebingen.de/20170210_Malaria-Impfstoff_UT.zip

Ein Kurzvideo zum aktuellen Forschungsergebnis finden Sie unter:
http://www.pressefotos.uni-tuebingen.de/20170210_Malaria Video.zip

Die Infografik finden Sie unter:
http://www.pressefotos.uni-tuebingen.de/2017-02-10_Malaria_infografik_hk_print_4...

Publikation:
Benjamin Mordmüller, Güzin Surat, Heimo Lagler, Sumana Chakravarty, Andrew S. Ishizuka, Albert Lalremruata, Markus Gmeiner, Joseph J. Campo, Meral Esen, Adam J. Ruben, Jana Held, Carlos Lamsfus Calle, Juliana B. Mengue, Tamirat Gebru, Javier Ibáñez, Eric R. James, Peter F. Billingsley, Natasha KC, Anita Manoj, Tooba Murshedkar, Anusha Gunasekera, Abraham G. Eappen, Tao Li, Richard E. Stafford, MingLin Li, Phil L. Felgner, Robert A. Seder, Thomas L. Richie, B. Kim Lee Sim, Stephen L. Hoffman & Peter G. Kremsner: Sterile protection against human malaria by chemoattenuated PfSPZ vaccine, Nature, DOI: 10.1038/nature21060

Kontakt:
Prof. Dr. Peter Kremsner
Universitätsklinikum Tübingen / Universität Tübingen
Institut für Tropenmedizin
Telefon: +49 7071 29-87179
peter.kremsner@uni-tuebingen.de

PD Dr. Benjamin Mordmüller
Universitätsklinikum Tübingen / Universität Tübingen
Institut für Tropenmedizin
Telefon +49 7071 29-85446
benjamin.mordmueller@uni-tuebingen.de

Quelle: idw 

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Ivan Tolpe Award 2017 für BioEcoSIM-Projekt für beste Neuentwicklung in der Gülleverarbeitung

Dr. Claudia Vorbeck Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

Die Fraunhofer-Wissenschaftlerin Dr. Jennifer Bilbao erhielt am 9. Februar 2017 im belgischen Gent den Ivan Tolpe Award für Ihre Arbeiten im Rahmen des EU-Verbundprojekts BioEcoSIM. Darin wurde ein neuer Prozess zur Aufbereitung von Schweinegülle entwickelt, der es ermöglicht, daraus verschiedene Düngemittel und Bodenverbesserer herzustellen. Somit können Reststoffe aus der Landwirtschaft nachhaltig wieder nutzbar gemacht werden.

Der Ivan Tolpe Award 2017 geht an das von der EU geförderte Forschungsprojekt BioEcoSIM. Im Rahmen des Forschungsvorhabens entwickelten 14 Projektpartner aus vier europäischen Ländern zwischen Oktober 2012 und Dezember 2016 einen neuartigen Prozess zur Herstellung von Düngern und Bodenverbesserern aus Gülle. Koordiniert wurde das Projekt von Dr. Jennifer Bilbao. Die Wissenschaftlerin ist Leiterin der Forschungsgruppe Nährstoffmanagement am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart. In ihrer Funktion als Projektkoordinatorin nahm sie am 9. Februar 2017 den Ivan Tolpe Award im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung im belgischen Gent entgegen.

Die mit 2000 Euro dotierte Auszeichnung wird alle zwei Jahre vom Flemish Coordination Centre for Manure Processing (VCM) für wegweisende Entwicklungen in der Gülleverarbeitung vergeben. Die flämische Einrichtung mit Sitz in Brügge hat das Ziel, die nachhaltige Gülleverarbeitung in Flandern zu fördern. Hierfür bietet das VCM eine Plattform für den Austausch zwischen Politik und dem Landwirtschaftssektor. Der Ivan Tolpe Award wird in diesem Jahr zum zweiten Mal verliehen. Erstmals werden dabei auch überregionale und internationale Beiträge berücksichtigt. Benannt ist der Preis nach Ivan Tolpe, einem 2013 verstorbenen Pionier auf dem Gebiet der Gülleaufbereitung.

Aufgrund der enthaltenen Nährstoffe wird Gülle zur Düngung von landwirtschaftlichen Nutzflächen eingesetzt. Allerdings ist die Ausbringung von Gülle in Gegenden mit intensiver Tierhaltung, wie beispielweise einigen Regionen in Flandern, nicht immer möglich, da eine Überdüngung zu Verunreinigungen des Grundwassers durch Nitrat und des Bodens durch Phosphor verursachen kann. Aus diesem Grund muss die überschüssige Gülle - die aus 90 Prozent aus Wasser besteht - in weniger belastete Regionen mit Düngerbedarf exportiert werden. Das ist für die Landwirte teuer und bietet keine langfristige Lösung.

Deswegen sind Technologien gefragt, um Gülle so zu bearbeiten, dass die Nährstoffe in markfähige Produkte extrahiert werden, um negative Auswirkungen auf die Umwelt zu vermeiden und gleichzeitig Kosten zu reduzieren.

Hier setzte das EU-Verbundprojekt BioEcoSIM an. »Mit dem von uns entwickelten Verfahren lassen sich phosphorarme organische Bodenverbesserer sowie mineralische Düngesalze wie Ammoniumsulfat und Phosphatsalze aus der Gülle gewinnen«, erklärt Bilbao. »Auf dieser Basis können wir Dünger und Bodenverbesserer herstellen, die leicht zu handhaben, gut lagerfähig, mit der gängigen landwirtschaftlichen Technik ausbringbar und als Produkt vermarktbar sind.«

Ein weiterer Vorteil des Verfahrens: Die wiedergewonnenen Stoffe können auf eine nach Pflanzenart und Bodenbeschaffenheit abgestimmte Nährstoffzusammensetzung vermischt werden, sodass sich maßgeschneiderte Dünger für verschiedene Kunden und deren spezifische Anwendungen produzieren lassen. Der Gesamtprozess nutzt somit energieeffiziente Technologien und folgt dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft.

Im Projekt BioEcoSIM konnten verschiedene Verfahren zur Aufbereitung von Gülle zu hochwertigen Produkten entwickelt und als separate Module in einer Pilotanlage über ein Jahr lang erfolgreich getestet werden. Diese wurde in einen landwirtschaftlichen Betrieb in Kupferzell, Deutschland eingerichtet. Hier konnte auch Gülle aus Flandern aufbereitet und verwertet werden. Mit der Anlage gelang es, zu zeigen, dass aus einem Problemstoff durch ein kosteneffizientes Verfahren verschiedene Produkte gewonnen werden können.

Weitere Informationen:

http://www.igb.fraunhofer.de/de/forschung/kompetenzen/physikalische-prozesstechn...

Anhang
Presseinformation Ivan Tolpe Award 2017
https://idw-online.de/de/attachment56581

Quelle: idw 

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Wie viel Klimaschutz steckt im EEG?

Birgit Kruse Referat Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hamburg

2017 ist die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) in Kraft getreten. Mit dem EEG soll der Ausstoß von Treibhausgasen verringert und damit das Klima geschützt werden. Welchen Effekt das EEG tatsächlich für den Klimaschutz hat, haben Prof. Dr. Grischa Perino und Dr. Johannes Jarke vom Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg untersucht. Sie kommen zu dem Schluss, dass angesichts des europäischen Treibhausgas-Handelssystems (EU-ETS) die Treibhausgasemissionen durch das EEG sogar steigen können.

Durch das EEG soll laut Bundeswirtschaftsministerium der Anteil erneuerbarer Energien von derzeit rund 32 Prozent auf 40 bis 45 Prozent im Jahr 2025 und auf 55 bis 60 Prozent im Jahr 2035 steigen. In ihrem Klimaschutzplan hat sich die Bundesregierung außerdem verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2050 im Vergleich zu 1990 um 80 bis 95 Prozent zu vermindern.

Doch durch das europäische Emissionshandelssystem (EU ETS) ist die Obergrenze an Treibhausgasemissionen verbindlich festgelegt. Das EU-ETS erfasst europaweit rund 12.000 Anlagen der Energiewirtschaft und der energieintensiven Industrie sowie alle innereuropäischen Flüge. Die Betreiber der Anlagen, die dem EU-ETS unterliegen, müssen für jede ausgestoßene Tonne CO2 ein Zertifikat abgeben. Emissionsrechte, die nicht benötigt werden, werden an andere teilnehmende Unternehmen verkauft oder für die Zukunft gespart. Eine Reduzierung der Emissionen in der deutschen Stromerzeugung verschiebt die Emissionen also lediglich an eine andere Stelle. Das hat auch das Gutachten Anfang Februar 2017 vorgestellte Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats des Bundeswirtschaftsministeriums noch einmal betont.

Die Hamburger Forscher zeigen in ihrer gerade im „Journal of Environmental Economics and Management" erschienenen Studie: Werden die erneuerbaren Energien durch einen Aufschlag auf den Strompreis finanziert, wie dies in Deutschland mit der EEG-Umlage der Fall ist, können die Treibhausgasemissionen insgesamt sogar steigen. Der Grund: Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist Strom durch die Energiewende deutlich teurer geworden, so dass sie vermehrt fossile Energieträger in Bereichen nutzen, die nicht dem EU ETS unterliegen, und damit die Gesamtemissionen erhöhen. Eine Finanzierung der Energiewende über das Steuersystem würde diesen Effekt vermeiden.

Professor Perino: „Der Ausbau erneuerbarer Energien im Stromsektor ist ein zentraler Bestandteil der Energiewende und damit der Klimapolitik der Bundesregierung. Intuitiv erscheint das sehr sinnvoll. Auf den zweiten Blick sind die Zusammenhänge aber deutlich komplexer. Insbesondere die Wechselwirkungen mit dem Emissionshandel stellen derzeit so manche Intuition auf den Kopf. Eine regelgebundene Flexibilisierung der Emissionsobergrenze im Emissionshandel, wie auch vom Umweltbundesamt und dem Wissenschaftlichen Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums gefordert, ist daher für die Klimawirkung des EEG entscheidend."

Für Rückfragen:
Prof. Dr. Grischa Perino
Universität Hamburg
Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Fachbereich Sozialökonomie
Tel.: +49 40 42838-8767
E-Mail: grischa.perino@wiso.uni-hamburg.de

Originalartikel:
Do Renewable Energy Policies Reduce Carbon Emissions? On Caps and Inter-Industry Leakage". Journal of Environmental Economics and Management, DOI: 10.1016/j.jeem.2017.01.004.

Weitere Informationen:
https://www.uni-hamburg.de/presse/pressemitteilungen/2017/pm12.html

Quelle: idw 

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Elektrischer Antrieb zum Mitnehmen

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Ingenieure der Forschungseinrichtung TUMCREATE in Singapur haben einen Elektromotor entwickelt, der an fast jedes Fahrrad angebracht werden kann und es so in ein Pedelec verwandelt. Das Gerät ist so leicht, dass es vor und nach Gebrauch ohne Probleme mitgenommen werden kann. Einen ersten Prototyp haben die Forscher bereits getestet.

Gerade in Großstädten nutzen viele Menschen ihr Fahrrad für den Weg zur Arbeit. Je nach Wetter, Streckenverlauf oder Stimmung kann das Radeln ziemlich anstrengend sein. Viele Radler würden sich für diese Situationen einen Elektromotor wünschen. Ein herkömmliches Pedelec (Pedal Electric Cycle) ist aber vielen Menschen zu teuer, um es für die tägliche Fahrt zu nutzen und es vergleichsweise ungeschützt am Bahnhof oder Arbeitsplatz abzustellen.

Felix Römer, Doktorand bei TUMCREATE in Singapur - eine gemeinsame Forschungseinrichtung der TUM und der Nanyang Technological University (NTU) - radelt selbst fast jeden Tag zur nächsten U-Bahn-Station, um von dort weiter zu Arbeit zu pendeln. Bei dem schwülen Klima in Singapur ist das Radfahren nicht immer ein Vergnügen. So entwickelte Römer die Idee eines flexiblen Elektromotors, der einfach an jedes Rad angebracht werden kann.

Viele Komponenten in einem Gehäuse
"Es gibt bereits einige Ansätze in diese Richtung, aber bei diesen sind meist Veränderungen am Fahrrad nötig", sagt Römer. "Diesen Aufwand scheuen viele." Zudem passen diese Einheiten oft nur an spezielle Fahrräder oder Felgen. Römer und die Masterstudenten Marius Mrosek und Simon Schmalfuss entwickelten daher ein komplett eigentständiges Gerät.

Die größte Herausforderung für das Team war es, die benötigten Komponenten wie Motor, Akku und Sensoren kompakt in einem Gehäuse unterzubringen. "Wir brauchen zum Beispiel optische Sensoren, die erkennen, dass die Pedalen getreten werden", sagt Römer. Bei den meisten Pedelecs sind diese Sensoren fest im Tretlager verbaut. "Es hat sehr viel Zeit und Mühe gekostet, bis alles ohne Kabel oder Zusatzeinheit funktioniert hat." Die Erkennung der Pedalenbewegung ist notwendig, um die Gesetzesvorgaben für Pedelecs zu erfüllen. Pedelecs sind dem Fahrrad rechtlich gleichgestellt, sie dürfen ohne Versicherungskennzeichen, Zulassung und Führerschein gefahren werden.

In dem Gerät ist ein Lithiumakku verbaut, der je nach Beanspruchung eine Reichweite von bis zu 50 Kilometern hat und innerhalb von wenigen Stunden wieder aufgeladen werden kann. Der Motor hat eine Leistung von 250 Watt und schaltet sich automatisch aus, wenn eine Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern erreicht wurde - auch dies ist eine der Vorgaben für Pedelecs.

In weniger als zehn Sekunden montiert
Die Ingenieure haben bereits einen funktionstüchtigen Prototyp entwickelt. Dieser wiegt 3,5 Kilogramm und kann an einem Gelenk in der Mitte zusammengeklappt werden. Die Fahrer können das Gerät so einfach im Rucksack verstauen.

Die Befestigung erfolgt mithilfe einer Kabelschlaufe, die im Rahmen verhakt und mit einem drehbaren Knauf angebracht wird - in weniger als zehn Sekunden. "Wenn man die Einheit abnimmt, bleibt nichts am Fahrrad zurück", sagt Römer. In langer Tüftelarbeit hatten die Wissenschaftler die Einheit so konstruiert, dass sie zu verschiedenen Rahmenformen passt. Sie kann gleichermaßen an beiden Seiten des Fahrrads angebracht werden. Welche Seite gewählt wurde, erkennt das Gerät automatisch.

Praktische Lösung für Pendler
Als Konkurrenzprodukt zu den herkömmlichen Pedelecs sieht Römer "ease" nicht. "Unser Produkt ist für Personen geeignet, deren täglicher Arbeitsweg zu weit zum Fahrradfahren ist, für die sich eine Anschaffung eines teuren Pedelecs mit hoher Reichweite jedoch nicht lohnt."

Das Team arbeitet bereits an Verbesserungen. "Wir haben nach den ersten Tests Rückmeldungen bekommen, dass einige Fahrer mit den Schuhen an die Einheit gestoßen sind", sagt Römer. Die ersten Fehler werden nun ausgebessert und die Einheit optimiert. Für weitere Entwicklungen hoffen die Wissenschaftler auf die Kooperation mit einem Industriepartner. Erst dann sei es auch möglich abzuschätzen, wie viel "ease" kosten wird. Auf ihre Erfindung haben die Wissenschaftler ein Patent angemeldet.

Weitere Informationen:
http://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/33698/

Quelle: idw 

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Rezeptur aus der Nanowelt für saubereres Trinkwasser

Thomas Joppig Brand Management, Marketing & Communications
Jacobs University Bremen gGmbH

Zu viel Gülle, zu viele Düngemittel: An vielen Orten in Deutschland beeinträchtigt die intensive Landwirtschaft die Wasserqualität. Die Nitratwerte im Grundwasser sind zu hoch. Ein Forscherteam der Jacobs University um den Chemiker Prof. Dr. Ulrich Kortz hat jetzt im Labor einen neuen Weg gefunden, wie die Nitratbelastung im Wasser reduziert werden kann - mithilfe von sogenannten Polyoxometallaten, kurz: POMs.

POMs sind Geschöpfe der Nanowelt. Es handelt sich um molekulare Metall-Sauerstoff-Verbindungen, die im Labor mithilfe der Reaktion von verschiedenen Substanzen in Wasser hergestellt werden, oftmals unter erstaunlich simplen Bedingungen. Der Chemieprofessor Ulrich Kortz und sein Team gehören zu den weltweit führenden auf dem Gebiet der Synthese neuartiger POMs. Von einer „magischen Rezeptur", spricht Kortz, wenn es darum geht die exakten Synthesebedingungen für ein POM zu identifizieren, welches robust und lösungsstabil ist.

In dem konkreten Fall haben die Forscher mit einem bestimmten POM gearbeitet, welches eine vakante Stelle in der Gerüststruktur aufweist. Diese Vakanz haben sie systematisch mit verschiedenen Metallatomen gefüllt, und dann untersucht, wie die so angereicherten POMs den elektrokatalytischen Abbau von Nitrat in Wasser beeinflussen. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass die POMs mit Kobalt und Zink eher unauffällig blieben. Der Einbau von Kupfer oder Nickel erwies sich jedoch als ausgesprochen effektiv: Das nickelhaltige POM senkte den Nitratgehalt um den Faktor 4, und das kupferhaltige POM sogar um den Faktor 50.

Von einem „hochinteressanten Resultat" spricht Grundlagenforscher Kortz. Er setzt auch deshalb große Hoffnungen in die Methode, weil die Nitratreduktion mithilfe von POMs weniger Kohlendioxid emittiert als herkömmliche Verfahren, also umweltfreundlicher ist. Weitere Untersuchungen sollen nun klären, ob und wie sich die Methode zielsicher im Alltag einsetzen lässt.

Die Nitratbelastung im Grundwasser ist ein seit langem bekanntes Problem in Deutschland. Laut dem Nitratbericht 2016 der Bundesregierung weisen fast ein Drittel der Messstellen für die Grundwasserqualität zu hohe Nitratwerte auf. Verantwortlich dafür ist vor allem der übermäßige Einsatz von Stickstoffdüngern in der Landwirtschaft. Ist das Grundwasser zu stark mit Nitrat belastet, muss es für die Trinkwasserversorgung verdünnt oder das Nitrat technisch reduziert beziehungsweise beseitigt werden. Der erlaubte Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter.

Kortz und sein internationales Team, zu dem auch Wissenschaftler aus China, Indien, Libanon, Pakistan, Simbabwe und Japan gehören, haben ihre Ergebnisse jüngst in dem European Journal of Inorganic Chemistry veröffentlicht. Wie diese POMs entwickelt und für diese Anwendung maßgeschneidert wurden, zeigt auch sehr anschaulich ein kurzer Film unter: https://vimeo.com/198758996

Weitere Informationen:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ejic.201601354/epdf
http://ukortz.user.jacobs-university.de
http://www.jacobs-university.de

Fragen beantwortet:
Ulrich Kortz | Professor für Chemie
u.kortz@jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-3235

Über die Jacobs University:
Die Jacobs University ist eine private, unabhängige, englischsprachige Universität in Bremen. Hier studieren junge Menschen aus der ganzen Welt in Vorbereitungs-, Bachelor-, Master- und PhD-Programmen. Internationalität und Transdisziplinarität sind die besonderen Kennzeichen der Jacobs University: Forschung und Lehre folgen nicht einem einzigen Lösungsweg, sie gehen Fragestellungen aus der Perspektive verschiedener Disziplinen an. Dieses Prinzip macht Jacobs Absolventen zu begehrten Nachwuchskräften, die erfolgreich internationale Karrierewege einschlagen.

Kontakt:
Thomas Joppig | Brand Management, Marketing & Communications
t.joppig@jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-4504

Quelle: idw 

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Weniger Sauerstoff in allen Meeren

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Der aktuell zu beobachtende globale Wandel lässt Wassertemperaturen steigen und verändert die Ozeanzirkulation. Das sorgt unter anderem dafür, dass weniger Sauerstoff im Oberflächenwasser der Meere gelöst ist und weniger Sauerstoff in die Tiefsee gelangt - mit weitreichenden Folgen für die Organismen im Meer. In der internationalen Fachzeitschrift Nature veröffentlichen Ozeanographen des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel jetzt die bisher umfassendste Analyse zum Sauerstoffverlust in den Weltmeeren und deren Ursache.

Nicht nur für an Land lebende Tiere und Pflanzen ist Sauerstoff eine existenzielle Lebensgrundlage. Auch nahezu alle Organismen im Ozean können ohne ihn nicht existieren. Doch der zu beobachtende Anstieg der Wassertemperaturen sorgt gleich in doppelter Weise für eine schlechtere Sauerstoffversorgung der Meere. Wärmeres Oberflächenwasser nimmt weniger Sauerstoff auf als kälteres Wasser. Hinzu kommt, dass es die Schichtung des Wassers stabilisiert. Das schwächt die Umwälzbewegung, so dass weniger Sauerstoff in große Tiefen transportiert wird. Daher sagen viele Modellrechnungen bei einer weltweiten Erwärmung eine Abnahme des Sauerstoffgehalts in den Ozeanen voraus. Die erste globale Auswertung von historischen Messungen in vielen Meeresregionen scheint diesen Trend zu bestätigen und deutet auf erste Folgen der globalen Erwärmung hin.

In dem renommierten Wissenschaftsjournal Nature veröffentlichen die Ozeanographen Dr. Sunke Schmidtko, Dr. Lothar Stramma und Prof. Dr. Martin Visbeck vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel jetzt die bisher umfassendste Studie zum globalen Sauerstoffgehalt in den Weltmeeren. Sie zeigt, dass er in den vergangenen 50 Jahren um mehr als zwei Prozent abgenommen hat. „Da insbesondere große Fische Gebiete mit geringem Sauerstoffgehalt meiden beziehungsweise dort nicht überleben, können diese Veränderungen weitreichende biologische Folgen haben", sagt Dr. Schmidtko, der Erstautor der Studie.

Die Forschergruppe nutzte für ihre Arbeit alle weltweit vorhandenen Sauerstoffdaten, ergänzte sie mit aktuellen Messungen und verfeinerten die Interpolationsverfahren, um die Entwicklung des Sauerstoffgehalts in den Ozeanen über ein halbes Jahrhundert hinweg genauer zu rekonstruieren. In einzelnen Gebieten konnte schon vorher mit Beobachtungsdaten nachgewiesen werden, dass in den oberen Wasserschichten weniger Sauerstoff zur Verfügung steht als noch vor einigen Jahrzehnten. „Für den gesamten Ozean war dieser Nachweis aber schwieriger, da viel weniger Sauerstoff-Messdaten aus entlegenen Regionen und aus dem tiefen Ozean existieren", erklärt Dr. Schmidtko, „wir konnten jetzt zum ersten Mal die Sauerstoffverteilung und deren Änderung im gesamten Weltozean dokumentieren - das ist eine wesentliche Voraussetzung, um die Prognosen für den Ozean der Zukunft zu verbessern".

Die Studie zeigt auch, dass mit Ausnahme von einigen wenigen Regionen der Sauerstoffgehalt im Untersuchungszeitraum überall im Ozean abnahm. Den größten Verlust konnten die Ozeanographen im Nordpazifik ausmachen. „Während die geringe Sauerstoffabnahme in der Atmosphäre zurzeit als unkritisch angesehen wird, kann die Sauerstoffabnahme im Ozean wegen der ungleichmäßigen Verteilung durchaus weitreichende Konsequenzen haben. In fischreichen küstennahen Gebieten wären diese Konsequenzen ökologisch, aber auch wirtschaftlich zu spüren", betont der Koautor Dr. Lothar Stramma.

„Mit Messungen alleine können wir allerdings nicht sämtliche Ursachen erklären", räumt Koautor Professor Martin Visbeck ein, „auch natürliche Prozesse, die auf Zeitskalen von einigen Jahrzehnten auftreten, könnten an der beobachteten Abnahme mit Schuld sein." Allerdings, so der Ozeanograph weiter, sei das Ergebnis konsistent mit den meisten Modellrechnungen, die aufgrund höherer Kohlendioxid-Konzentrationen und den damit verbundenen höheren Temperaturen im Ozean und der Atmosphäre eine weitere Abnahme des Sauerstoffs in den Meeren prognostizieren.

Die vorgestellten Messergebnisse sind ein wichtiges Ergebnis für die laufenden Arbeiten im Sonderforschungsbereich 754 „Klima - biogeochemische Wechselwirkungen im tropischen Ozean", den die Deutsche Forschungsgemeinschaft an der Kieler Christian-Albrechts-Universität und am GEOMAR fördert. Der SFB 754 soll helfen, das Wechselspiel von Klima und Biogeochemie des tropischen Ozeans besser zu verstehen. „Vier Expeditionen mit dem deutschen Forschungsschiff METEOR widmen sich ab Anfang März der tropischen Sauerstoffminimumzone im Ostpazifik vor Peru. Dabei werden wir weitere Daten zur regionalen Entwicklung gewinnen, die uns auch helfen, die globalen Trends besser zu verstehen", betont Dr. Stramma, der Expeditionskoordinator für den SFB ist.

Hinweis:
Die Arbeiten für diese Studie wurden unterstützt durch das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziertes Projekt MIKLIP (http://www.geomar.de/nc/forschen/fb1/fb1-po/projekte/miklip/) sowie durch den von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Sonderforschungsbereich 754 „Klima - Biogeochemische Wechselwirkungen im tropischen Ozean".

Originalarbeit:
Schmidtko, S., L. Stramma und M. Visbeck (2017): Decline in global oxygen content during the past five decades. Nature, http://dx.doi.org/10.1038/nature21399

Weitere Informationen:
http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.ocean-oxygen.org/ Webseite zum Sauerstoffbudget des Ozeans
http://www.sfb754.de Der Sonderforschungsbereich 754

Quelle: idw 

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Pizza, Burger und Co.: Eine fettreiche Mahlzeit kann den Stoffwechsel schädigen und den Weg

Birgit Niesing Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

Die weltweite Ausbreitung von Übergewicht, Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes wird häufig mit dem Verzehr gesättigter Fette in Verbindung gebracht. Wissenschaftler am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) und am Helmholtz Zentrum München (HMGU) haben herausgefunden, dass bereits die einmalige Aufnahme einer größeren Menge Palmöl die Empfindlichkeit des Körpers für Insulin verringert sowie vermehrte Fetteinlagerungen und Veränderungen im Energiestoffwechsel der Leber hervorruft. Die Studienergebnisse geben Aufschluss über die frühesten Veränderungen im Leberstoffwechsel, welche langfristig zu Fettlebererkrankungen bei Übergewicht und Typ-2-Diabetes führen können.

Düsseldorf (DDZ) - In der aktuellen Ausgabe von „The Journal of Clinical Investigation" veröffentlichten DZD-Forscher des Deutschen Diabetes-Zentrums gemeinsam mit dem Helmholtz Zentrum München und portugiesischen Kollegen eine Untersuchung an gesunden, schlanken Männern, die nach dem Zufallsprinzip einmal ein aromatisiertes Palmöl-Getränk und ein anderes Mal ein Glas mit klarem Wasser als Kontrollexperiment erhielten. Das Palmöl-Getränk enthielt eine ähnliche Menge an gesättigtem Fett wie zwei Cheeseburger mit Speck und eine große Portion Pommes Frites oder wie zwei Salami-Pizzen. Die Wissenschaftler zeigten, dass diese einzige fettreiche Mahlzeit ausreicht, um die Insulinwirkung zu vermindern, d. h. Insulinresistenz hervorzurufen und den Fettgehalt der Leber zu erhöhen. Zudem konnten Veränderungen im Energiehaushalt der Leber nachgewiesen werden. Die beobachteten Stoffwechselveränderungen gleichen den Veränderungen, wie sie bei Menschen mit Typ-2-Diabetes oder nichtalkoholischer Fettlebererkrankung (NAFLD) beobachtet werden. NAFLD ist die häufigste Lebererkrankung in den Industrienationen und mit Fettleibigkeit, dem sogenannten „Metabolischen Syndrom", und erhöhtem Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden. Des Weiteren kann die NAFLD in fortgeschrittenen Stadien zu schweren Leberschädigungen führen.

„Überraschend war, dass eine einzige Palmöl-Dosis bei gesunden Menschen so schnell und direkt Auswirkungen auf die Leber hat und durch die verabreichte Fettmenge bereits eine Insulinresistenz ausgelöst wird", erklärt Prof. Dr. Michael Roden, Wissenschaftlicher Geschäftsführer und Vorstand am DDZ und des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). „Eine Besonderheit unserer Untersuchung ist, dass wir den Leberstoffwechsel von Menschen mit einer überwiegend nichtinvasiven Technologie, d. h. durch eine Magnetresonanzspektroskopie, überprüft haben. Diese erlaubt es, die Zucker- und Fettspeicherung sowie den Energiestoffwechsel der Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle) beim Menschen zu verfolgen." Dank neuer Untersuchungsmethoden wiesen die Wissenschaftler nach, dass die Einnahme des Palmöls Muskeln, Leber und Fettgewebe in ihrer Stoffwechselaktivität beeinträchtigt. So führt die hervorgerufene Insulinresistenz zu einer vermehrten Zuckerneubildung in der Leber und einer gleichzeitig verminderten Zuckeraufnahme in der Skelettmuskulatur, ein Mechanismus der bei Typ-2-Diabetes und seinen Vorstufen den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt. Zudem bewirkt die Insulinresistenz des Fettgewebes eine vermehrte Freisetzung von Fetten in die Blutbahn, welche wiederum die Insulinresistenz weiter fördern. Die erhöhte Verfügbarkeit von Fett führt dadurch zu einer gesteigerten Arbeitslast der Mitochondrien, was langfristig diese zellulären Kraftwerke überfordern und zur Entstehung einer Lebererkrankung beitragen kann.
Das Team um Prof. Roden vermutet, dass gesunde Menschen diese unmittelbaren Auswirkungen der fettreichen Nahrung auf den Stoffwechsel je nach Prädisposition der Gene leicht bewältigen können. Problematisch könnten jedoch die langfristigen Folgen für regelmäßige Esser solcher fettreichen Mahlzeiten sein.

Diese Arbeit wird unter anderem durch das Bundesgesundheitsministerium, das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, das Bundesministerium für Bildung und Forschung (Deutsches Zentrum für Diabetesforschung e.V.), sowie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) und die Schmutzler-Stiftung gefördert.

Originalpublikation:
Elisa Álvarez Hernández, Sabine Kahl, Anett Seelig, Paul Begovatz, Martin Irmler, Yuliya Kupriyanova, Bettina Nowotny, Peter Nowotny, Christian Herder, Cristina Barosa, Filipa Carvalho, Jan Rozman, Susanne Neschen, John G. Jones, Johannes Beckers, Martin Hrabě de Angelis and Michael Roden, Acute dietary fat intake initiates alterations in energy metabolism and insulin resistance, J Clin Invest. 2017., 23. Januar 2017.
doi:10.1172/JCI89444.

Das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ) versteht sich als deutsches Referenzzentrum zum Krankheitsbild Diabetes. Ziel ist es, einen Beitrag zur Verbesserung von Prävention, Früherkennung, Diagnostik und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Gleichzeitig soll die epidemiologische Datenlage in Deutschland verbessert werden. Federführend leitet das DDZ die multizentrisch aufgebaute Deutsche Diabetes-Studie. Es ist Ansprechpartner für alle Akteure im Gesundheitswesen, bereitet wissenschaftliche Informationen zum Diabetes mellitus auf und stellt sie der Öffentlichkeit zur Verfügung. Das DDZ gehört der „Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz" (WGL) an und ist Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD e.V.).

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) e.V. ist eines der sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind das Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-Langerhans-Institut Dresden des Helmholtz Zentrum München am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München sowie weitere Projektpartner. Weitere Informationen: www.dzd-ev.de

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. Das Helmholtz Zentrum München ist Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung e.V. Weitere Informationen: www.helmholtz-muenchen.de

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Frauen liegen bei Renten zurück - Angleichung künftig vor allem durch sinkende Renten bei Männern

Rainer Jung Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Neue Studie zum Gender Pension Gap

Bei der Altersversorgung ist die Kluft zwischen Männern und Frauen in Deutschland noch deutlich größer als bei den Löhnen. In Westdeutschland fällt der so genannte Gender Pension Gap zudem fast doppelt so hoch aus wie im Osten.

In Zukunft wird der Abstand zwar schrumpfen. Doch das hat nur zum kleineren Teil mit einer besseren Altersversorgung von Frauen zu tun.

Vor allem liegt es daran, dass künftig die durchschnittliche gesetzliche Rente von Männern im Vergleich zu heutigen Rentnern geringer sein wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie.* Eine Forschergruppe des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) um den Ökonomen Dr. Markus Grabka hat dafür geschlechtsspezifische Unterschiede bei der gesetzlichen Rente analysiert. Die Untersuchung basiert auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels und der Rentenversicherung.

Der Studie zufolge erhielten westdeutsche Männer im Ruhestand 2014 monatlich im Schnitt 994 Euro und damit 418 Euro oder 42 Prozent mehr aus der Gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) als die weiblichen Ruheständler. In den neuen Bundesländern, wo die Männer im Schnitt auf 1.057 Euro kommen, betrug die Differenz 239 Euro oder 23 Prozent.

Verantwortlich für den Rückstand der Frauen seien in erster Linie Unterschiede beim sozialversicherungspflichtigen Arbeitsentgelt, schreiben die DIW-Wissenschaftler. Im Schnitt verdienten Arbeitnehmerinnen deutlich weniger als Arbeitnehmer - unter anderem, weil sie öfter in schlecht bezahlten Berufen tätig sind, seltener in Führungspositionen gelangen und häufiger in Teilzeit arbeiten. Hinzu komme, dass Frauen wesentlich häufiger als Männer ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen, um sich um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige zu kümmern. Infolgedessen übertreffe der Gender Pension Gap deutlich den Gender Pay Gap, der zuletzt deutschlandweit bei 21 Prozent (West 23 Prozent, Ost 8 Prozent) lag.

Die Unterschiede sind in den ärmeren Einkommensschichten besonders stark ausgeprägt: Bei Westdeutschen der Jahrgänge 1936 bis 1945 variiert die geschlechtsspezifische Differenz bei der Rente zwischen 40 Prozent im Zehntel mit dem höchsten Rentenanspruch und 75 Prozent im Zehntel mit der niedrigsten Rente. Nach Ansicht der Autoren dürfte das mit den vielen teilzeitbeschäftigten und nicht erwerbstätigen Frauen in der unteren Hälfte der Verteilung zusammenhängen.

Im Verlauf der letzten beiden Jahrzehnte ist der Gender Pension Gap langsam kleiner geworden. Das zeigt ein Blick auf Neurentnerinnen und Neurentner: 1995 lag der Abstand zwischen westdeutschen Männern und Frauen, die erstmals eine Rente der GRV bezogen, noch bei 48 Prozent. 2014 waren es 39 Prozent. Im Osten, wo die Differenzen durchgehend kleiner sind, ging die geschlechtsspezifische Lücke von 33 auf 10 Prozent zurück. Als maßgeblichen Grund nennen die Ökonomen die gestiegene Frauenerwerbstätigkeit, eine zunehmend bessere Ausbildung von Frauen und einen wenn auch langsam sinkenden Gender Pay Gap.

- Blick in die Zukunft: Renten der Männer sinken, die von Frauen steigen nur im Westen -

In Zukunft wird aber noch ein anderer Faktor bei der Angleichung an Gewicht gewinnen: sinkende Rentenansprüche bei Männern. Mithilfe eines Simulationsmodells haben die Experten auch berechnet, was heute Berufstätigen im Alter finanziell blüht. Männern in Ost und West, die zwischen 1966 und 1970 geboren wurden, drohen demnach geringere Alterseinkommen im Vergleich zu heute bereits Verrenteten. Ihre gesetzlichen Rentenansprüche im Alter von 65 Jahren werden nach den Berechnungen im Westen um monatlich rund 170 Euro niedriger liegen als bei Männern der Geburtsjahrgänge 1936 bis 1945. Im Osten dürfte der Rückgang sogar 220 Euro betragen. Die Gründe: häufigere Erwerbsunterbrechungen, längere Ausbildung, mehr Teilzeit. Bei den westdeutschen Frauen wird die zunehmende Erwerbsbeteiligung zu etwas höheren durchschnittlichen Rentenansprüchen führen, während es im Osten, wo die weibliche Erwerbsbeteiligung bereits zu DDR-Zeiten relativ hoch war, kaum Veränderungen gibt. Gesamtdeutsch dürfte der Gender Pension Gap bei den Jahrgängen 1966 bis 1970 im Vergleich zu den 1936 bis 1945 Geborenen 15 Prozentpunkte geringer ausfallen.

Um die eigenständige Altersversorgung von Frauen weiter zu stärken, empfehlen die Forscher den Ausbau einer unterstützenden Infrastruktur für Familien. Dies würde es vor allem Frauen ermöglichen, ihre Arbeitszeit auch mit Sorgeverpflichtung aufrecht zu erhalten und Erwerbsunterbrechungen zu begrenzen. Darüber hinaus gelte es, alle Säulen der Alterssicherung im Auge zu behalten. Die gesetzliche Rente, die bei Frauen der Jahrgänge 1966 bis 1970 im Schnitt bei knapp über 700 Euro liegen wird, dürfte allein kaum vor Altersarmut schützen. Schon gar nicht, wenn das Rentenniveau künftig deutlich sinken sollte. Allerdings gebe es bislang auch bei der betrieblichen Altersvorsorge einen Gender Pension Gap, so die Forscher.

Kontakt in der Hans-Böckler-Stiftung
Dr. Dorothea Voss
Leiterin Abteilung Forschungsförderung
Tel.: 0211-7778-194
E-Mail: Dorothea-Voss@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Weitere Informationen:
http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.551601.de/17-5.pdf - Quelle: Markus Grabka, Björn Jotzo, Anika Rasner, Christian Westermeier: Der Gender Pension Gap verstärkt die Einkommensungleichheit von Männern und Frauen im Rentenalter. In: DIW Wochenbericht 5/2017.

Quelle: idw 

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Darmspiegelung schon ab 50 - vor allem für Männer

Dr. Stefanie Seltmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum

Ab dem Alter von 55 Jahren haben gesetzlich Krankenversicherte Anspruch auf eine Darmspiegelung zur Früherkennung von Darmkrebs. Eine gemeinsame Studie vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ), der AOK Baden-Württemberg, der Bosch BKK und MEDI Baden-Württemberg legt nun nahe, diese Altersgrenze zu senken: Die Untersuchung ist routinemäßig schon ab dem Alter von 50 sinnvoll - insbesondere für Männer.

2002 wurde die Vorsorge-Darmspiegelung in das Krebs-Früherkennungsprogramm der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen. Ab dem Alter von 55 Jahren haben Versicherte Anspruch auf die Untersuchung, bei der eventuell entdeckte Krebsvorstufen sogleich entfernt werden können. Seither ist die Darmkrebs-Neuerkrankungsrate deutlich zurückgegangen - und zwar ausschließlich in der Altersgruppe, der das Screening angeboten wird.

„In den ersten zehn Jahren haben mehr als vier Millionen Menschen an einer Vorsorge-Darmspiegelung teilgenommen. Das hat nach unseren Berechnungen etwa 180.000 Darmkrebsfälle verhindert", sagt Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum. Der Heidelberger Präventionsexperte und seine Kooperationspartner suchen nach Möglichkeiten, diese Rate noch weiter zu verbessern.

Bei Menschen ohne familiäre Belastungen tritt Darmkrebs vor dem Alter von 50 Jahren äußerst selten auf. Danach steigt die Erkrankungsrate kontinuierlich an. Nationale und internationale Leitlinien empfehlen daher die Krebsvorsorge bereits ab 50 Jahren. „Durch die Zusammenarbeit mit der AOK Baden-Württemberg, der Bosch BKK und MEDI Baden-Württemberg hatten wir erstmals die Möglichkeit, an einer großen Bevölkerungsgruppe zu prüfen, welche Ergebnisse mit dem Angebot der Vorsorge-Darmspiegelung ab 50 Jahren zu erzielen sind", so Brenner.

Insgesamt 84.726 Versicherte der AOK Baden-Württemberg im Alter zwischen 50 und 54 Jahren erhielten in den Jahren 2014 und 2015 eine persönliche Einladung zu einer Früherkennungs-Darmspiegelung. Eingeladen wurden ausschließlich Personen, die in den Jahren zuvor keine Darmspiegelung beansprucht hatten, nicht an Krebs erkrankt und in das Hausarzt- oder das Facharztprogramm der AOK eingeschrieben waren.

1,9 Prozent der Angeschriebenen leisteten der Einladung Folge. Bei den insgesamt 1396 Untersuchungen wurden in 6,8 Prozent der Fälle Darmkrebs oder Darmkrebsvorstufen, so genannte fortgeschrittene Adenome, entdeckt und abgetragen.

Die Untersuchung offenbarte einen deutlichen Unterschied zwischen den Geschlechtern: Während bei nur 4,5 Prozent der Frauen dieser Altersgruppe Darmkrebs oder Vorstufen gefunden wurden, traten sie bei Männern mit 8,6 Prozent fast doppelt so häufig auf. Das heißt, die Ärzte entdeckten bei jeder zwölften Untersuchung von Männern zwischen 50 und 54 eine verdächtige Gewebeveränderung. Dagegen müssten bei Frauen dieser Altersgruppe 22 Darmspiegelungen durchgeführt werden, um einen relevanten Befund zu entdecken.

„Damit sind Darmkrebs und seine Vorstufen bei Männern dieser Altersgruppe sogar häufiger als bei den 55 bis 69-jährigen Frauen, bei denen die Darmspiegelung ganz selbstverständlich zum Krebsfrüherkennungsangebot gehört. Das ist ein überzeugender Grund dafür, die Altersgrenze für die Vorsorge-Koloskopie zumindest bei Männern schon vom 50. Geburtstag an routinemäßig anzubieten", ist das Fazit Hermann Brenners. Andere Länder, etwa Österreich, haben die Vorsorgeuntersuchung bereits ab 50 Jahren in ihr Krebsfrüherkennungsprogramm aufgenommen.

Seit 2017 ist ein Einladungsverfahren für die Früherkennung durch die Darmspiegelung ab dem Alter von 55 gesetzlich vorgesehen. Bundesweiter Vorreiter ist dabei seit Jahren das Facharztprogramm Gastroenterologie von AOK Baden-Württemberg und Bosch BKK. Dort wird das Einladungsschreiben bereits seit 2011 für Teilnehmer ab dem 55. Geburtstag und seit 2014 für Teilnehmer ab dem 50. Geburtstag umgesetzt.

Die Studienergebnisse bestätigen den Beteiligten die Richtigkeit des Weges: „Es wird eindeutig belegt, wie unverzichtbar Früherkennung bei Darmkrebs gerade auch bei Jüngeren ist. Wer an unserem Haus- und Facharztprogramm teilnimmt, kann die kostenlose Darmspiegelung bereits ab 50 Jahren in Anspruch nehmen. Ich empfehle dies nachdrücklich", so der Vorstandschef der AOK Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann.

Hermann Brenner, Nadine Zwink, Leopold Ludwig, Michael Hoffmeister: Sollte die Vorsorgekoloskopie bereits ab 50 Jahren angeboten werden? Befunde eines landesweiten Modellprojekts und Ergebnisse einer randomisierten Interventionsstudie.
Deutsches Ärzteblatt 2017, 114(6): 94-100; DOI: 10.3238/arztebl.2017.0094

Ein Bild zur Pressemitteilung steht zum Download zur Verfügung unter:
http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2017/bilder/Darmkrebs.jpg

www.dkfz.de

Quelle: idw 

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Manche Arten mögen's nass - Schutz von Mooren und Feuchtgebieten fördern

Franz-Georg Elpers Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Start von 78 Einzelmaßnahmen zum Management des Wasserhaushalts auf DBU-Naturerbefläche Prora auf Rügen

Binz. „Der Rückgang der Moore und Feuchtgebiete durch flächendeckende Trockenlegung hat ganze Landschaften in Deutschland stark verändert. Feuchtigkeitsliebende Tier- und Pflanzenarten werden gebietsweise immer seltener", sagte Dr. Heinrich Bottermann, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), anlässlich des Welttags der Feuchtgebiete am 2. Februar. Der Jahrestag wird seit 1997 begangen und erinnert an das Übereinkommen zum Schutz von Feuchtgebieten der UNESCO, auch Ramsar-Vereinbarung genannt. Die Erhaltung und Wiederherstellung von artenreichen Lebensgemeinschaften in Feuchtgebieten gehört zu den zentralen Aufgaben der gemeinnützigen DBU-Naturerbe-Tochter auf ihren bundesweit 70 Flächen, die zum Nationalen Naturerbe gehören.

Schutz von Feuchtgebieten von weltweiter Bedeutung
„Das Schutzgut Wasser gewinnt weltweit immer mehr an Bedeutung. Um an sauberes Trinkwasser zu gelangen und den natürlichen Wasserhaushalt der Flächen intakt zu halten, ist die ökologische Funktionsfähigkeit von Feuchtgebieten ein zentraler Faktor - deshalb steht der Schutz in direktem Zusammenhang mit der wasserwirtschaftlichen Nutzung", so Bottermann. Intakte Feuchtgebiete würden aber auch einer Vielzahl teilweise hoch spezialisierter und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten. So fänden unter anderem Wasser- und Watvögel Rast- und Überwinterungsplätze. Die wasserreichen Böden dienten darüber hinaus gleichzeitig als Grundwasserfilter und Wasserspeicher und böten Überschwemmungsschutz. Die ehemals militärisch genutzten DBU-Naturerbeflächen mit insgesamt 69.000 Hektar (ha) sind seit der Übertragung für Naturschutz-Maßnahmen vorgesehen: Dort könne auf lange Sicht geplant und dauerhafter Schutz gewährleistet werden.

Umsetzung des ersten Naturerbe-Entwicklungsplans beginnt
In den kommenden Wochen startet das DBU-Naturerbe mit der praktischen Umsetzung der Feuchtgebietsmaßnahmen des ersten Naturerbe-Entwicklungsplans auf der DBU-Naturerbefläche Prora auf Rügen. Begonnen wird mit Vernässungsmaßnahmen. „Um großflächig und langfristig wiederzuvernässen, werden Entwässerungsgräben geschlossen und das Wasser angestaut. Anrainer werden nicht betroffen sein, sondern ausschließlich Flächen des DBU-Naturerbes", so Bottermann. Das Neuschaffen von Kleingewässern und das Vertiefen bereits vorhandener Senken würde die biologische Vielfalt, insbesondere von feuchtigskeitsliebenden Tier- und Pflanzenarten fördern. Die hohe ökologische Bedeutung der Feuchtgebiete soll wieder in Kraft gesetzt und gesichert werden. Für die Renaturierung von Feuchtwiesen seien in erster Linie ganzjährig hohe Wasserstände notwendig. Indem die Grabensysteme außer Funktion gesetzt würden, ließe sich das Wasser in der Fläche halten. 345 ha grundwasser-, oberflächenwasser- oder von der Überflutungsdynamik beeinflusste Lebensräume weise Prora auf. In sechs größeren Komplexen seien insgesamt 78 Einzelmaßnahmen zum Management des Wasserhaushalts durch Renaturierungsmaßnahmen geplant.

DBU-Naturerbefläche Prora eine der reizvollsten Landschaften
Die rund 1.900 ha große DBU-Naturerbefläche Prora auf Rügen ist als ehemaliger Truppenübungsplatz Teil des sogenannten Nationalen Naturerbes. Die DBU-Tochter trägt seit 2008 die Verantwortung für Prora als eine der reizvollsten, durch Inlandeis und Ostsee geformten Boddenlandschaften Rügens. Insgesamt hat sie bislang 70 Flächen mit rund 69.000 ha vom Bund übernommen. Für alle 70 Flächen wird ein naturschutzfachlicher Managementplan entwickelt, über den Erhaltungs- und Schutzmaßnahmen für die folgenden zehn Jahre festgelegt werden. Der DBU-Naturerbe-Entwicklungsplan Prora war der erste, der im Mai 2016 nach Abstimmung mit dem Bundesamt für Naturschutz und dem Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht wurde. Neben den Wiedervernässungsmaßnahmen wird die Stiftungstochter zum Beispiel die Wacholderheiden der Feuersteinfelder und die Magerrasenflächen der Seesandebene offenhalten. Ein weiteres Ziel ist es, den Wald naturnaher zu gestalten. Bis April 2019 werden insgesamt etwa 1.012 ha und damit bereits über die Hälfte des Waldes von Prora der natürlichen Entwicklung überlassen sein.

Weitere Informationen:

https://www.dbu.de/123artikel37065_2362.html

Quelle: idw 

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4,3 Millionen Euro für Verbundprojekt zur Biodiversität von Auwäldern in der „Flusslandschaft Elbe"

Birgit Kruse Referat Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hamburg

Hartholz-Auwälder spielen eine große Rolle in natürlichen Überschwemmungsgebieten von Flusslandschaften (Hochwasserretention). Um solche „Ökosystemdienstleistungen" besser zu verstehen und die räumlichen und zeitlichen Ausprägungen der Leistungen zu erfassen, untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ab sofort die Biodiversität von Auwäldern im UNESCO-Biosphärenreservat „Flusslandschaft Elbe".

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Verbundprojekt „Mechanismen der Ökosystemdienstleistungen in Hartholz-Auwäldern: Wissenschaftliche Analyse sowie Optimierung durch Naturschutzmanagement (MediAN)" mit insgesamt 4,3 Millionen Euro, die Universität Hamburg erhält davon 2,4 Millionen.

Vier Forschungseinrichtungen sowie zwei Naturschutzorganisationen kooperieren in dem Verbundprojekt auf dem Gebiet der Biodiversitätsforschung und der nachhaltigen Entwicklung von Auenlandschaften. Das Projekt hat eine Laufzeit von sechs Jahren und wird von Prof. Dr. Kai Jensen vom Fachbereich Biologie der Universität Hamburg geleitet. Die gewonnenen Kenntnisse sollen in die Naturschutzpraxis einfließen.

Die biologische Vielfalt in Ökosystemen ist die Basis für vielfältige Dienstleistungen der Natur: Hartholz-Auwälder spielen nicht nur eine große Rolle für die Hochwasserretention in Flusslandschaften, sondern dienen über die Festlegung von CO2 aus der Atmosphäre auch der Kohlenstoffspeicherung. Welche Komponenten der Biodiversität in Hartholz-Auwäldern an der Bereitstellung von Ökosystemdienstleistungen maßgeblich beteiligt sind und wie die Leistungen der Natur bewertet werden können, daran arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Gebieten der Pflanzenökologie (Prof. Dr. Kai Jensen, Universität Hamburg), der Bodenkunde (Prof. Dr. Annette Eschenbach, Universität Hamburg), der Bodenzoologie (Dr. David Russell, Senckenberg Gesellschaft Görlitz), der Landschaftsökologie (Mathias Scholz, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig) sowie der Landschaftsökonomie (Prof. Dr. Volkmar Hartje, TU Berlin).

Die beteiligten Naturschutzorganisationen (Trägerverbund Burg Lenzen, Dr. Maike Kleinwächter; Loki Schmidt Stiftung, Axel Jahn) werden geeignete Flächen für die Begründung von Hartholz-Auwäldern erwerben und dort auf den Forschungsergebnissen basierende Umsetzungsmaßnahmen realisieren.

Prof. Dr. Kai Jensen: „Mit dem Projekt werden wir unsere international anerkannte Expertise im Bereich der Biodiversität und Ökosystemfunktionen von Flussmündungen und Küstenregionen nun auch auf die weltweit bedeutsamen Auen großer Flüsse ausweiten".

Das BMBF fördert seit 2013 „Forschungsvorhaben zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt", denen eine gesamtstaatliche Bedeutung zukommt und die die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt in maßstabsetzender Weise umsetzen. Auf der Grundlage der Forschungsergebnisse soll der Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland gestoppt und mittel- bis langfristig in einen positiven Trend umgekehrt werden.

Für Rückfragen:
Prof. Dr. Kai Jensen
Fachbereich Biologie
Abteilung Angewandte Pflanzenökologie
Tel.: +49 40 42816-576
E-Mail: kai.jensen@uni-hamburg.de

Quelle: idw 

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Abgas als Rohstoff

Dr. Susanne Langer Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Chemiker der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben ein Verfahren entwickelt, mit dem Stickoxide, die in industriellen Prozessen anfallen, für die Herstellung von Farbstoffen und Arzneimitteln genutzt werden können. Mit dieser Methode könnten Unternehmen künftig die Entgiftung von Abgasen mit der Produktion neuer Stoffe kombinieren.

Stickoxide zählen zu den bedeutendsten Umweltgiften. Die Verbindungen aus Stickstoff und Sauerstoff entstehen vor allem bei der Verbrennung, etwa in Kraftfahrzeugmotoren, in Gas- und Kohlekraftwerken, aber auch bei anderen thermischen und chemischen Prozessen in der Industrie. Um die Abgase zu reinigen, werden entweder Nachverbrennungen oder das Prinzip der katalytischen Reduktion eingesetzt - beide Verfahren sind jedoch vergleichsweise aufwändig und mit gewissen Nachteilen behaftet. Doch Stickoxide sind nicht nur überflüssige Gifte. Wie neue Forschungsarbeiten zeigen, können sie auch in der chemischen Synthese hochwertiger Produkte eingesetzt werden.

Umweltgift als Rohstoff nutzen
Die Forschergruppe um Prof. Dr. Markus Heinrich vom Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie der FAU hat jetzt ein hocheffizientes Verfahren entwickelt, das genau diese zwei Welten - die Reinigung von Abgasströmen und die sinnvolle Verwertung der Stickoxide - zusammenbringt. In einer Modellanlage simulierten die Erlanger Chemiker ein typisches Verfahren der Industrie: die Umwandlung von Kupfer in Kupfernitrat. „Kupfernitrat wird als Farbstoff, Korrosions- und Holzschutzmittel sowie als Oxidationsmittel in der Synthesechemie verwendet", erklärt Markus Heinrich. „Das beim Herstellungsprozess entstehende Stickstoffdioxid können wir unmittelbar mit der Synthese von Balsalazid und Sulfasalazin kombinieren - zwei zu den Azoverbindungen zählende Arzneistoffe, die zur Behandlung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen eingesetzt werden."

Fast 100 Prozent AbgasreinigungHerzstück der Modellanlage ist ein röhrenförmiger Gaswäscher, mit dem die Forscher die Stickstoffdioxidkonzentration im Abgasstrom um 99,7 Prozent senken konnten. „Das ist ein sensationeller Wert, den wir allerdings unter Laborbedingungen erreichen", schränkt Markus Heinrich ein. „Wir gehen jedoch davon aus, dass unsere Methode auch in der industriellen Anwendung einen guten Wirkungsgrad erzielen wird." Im Gegensatz zu früheren Versuchen im Experimentallabor der Pharmachemiker verwertet die neue Anlage auch geringe Stickoxid-Konzentrationen und arbeitet selbst bei Schwankungen des Abgasstroms zuverlässig.

Azoverbindungen für verschiedene Einsatzgebiete
Die Herstellung von Kupfernitrat ist nur ein Beispiel für industrielle Verfahren, bei denen Stickoxide bislang aufwändig neutralisiert werden, anstatt sie in gewinnbringende Syntheseprozesse zu überführen. Heinrich: „Überall dort, wo wir es mit überschaubaren Ausgangsstoffen zu tun haben, dazu zählt beispielsweise auch das Ätzen von Leiterplatten in der Elektronikindustrie, können wir Stickoxide als Nebenprodukt für die Herstellung von Arzneistoffen verwenden. Anders sieht es zum Beispiel bei Kraftwerken oder Müllverbrennungsanlagen aus: Aus diesem Cocktail an Giften und Schwermetallen sollten wir besser keine Medikamente gewinnen. Aber es ist möglich und sinnvoll, die im Abgas befindlichen Stickoxide für die Herstellung bestimmter Farbstoffe auf der Basis von Azoverbindungen zu verwenden."

Die Ergebnisse des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Projektes sind unter dem Titel „Sustainable synthesis of balsalazide and sulfasalazine based on diazotization with low concentrated nitrogen dioxide in air" in Chemistry - A European Journal veröffentlicht worden (doi: dx.doi.org/10.1002/chem.201605359).

Quelle: idw 

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Erste Hilfe für Internetsüchtige - Neues Portal hilft bei Internetsucht weiter

Dr. Ellen Katz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Tübingen

Am 7. Februar, dem Safer Internet Day, geht die deutschlandweit bisher umfassendste Onlinedatenbank zur Therapiesuche für Menschen mit Internetsucht online. Im Zentrum der Website www.erstehilfe-internetsucht.de steht eine Adressdatenbank für Beratungs- und Behandlungsangebote bei internetbasiertem Suchtverhalten.

Die Datenbank enthält aktuell mehr als 950 Einträge und ist damit die bislang größte Suchhilfe für Hilfsangebote bei Internetabhängigkeit. Konzipiert, entwickelt und umgesetzt wurde das Webangebot von einem Forschungsteam der Sektion für Suchtmedizin und Suchtforschung an der Tübinger Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie unter der Leitung von Prof. Dr. Anil Batra und Dr. Kay Uwe Petersen. Finanziert wurde der Aufbau des Portals durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG).

Die Internetseite bietet Betroffenen und Angehörigen neben der Adresssuche auch Hintergrundinformationen über Internetsucht. Alle 14 Tage bereitet das Team der Sektion Suchtforschung aktuelle Entwicklungen in Forschung und Praxis in Form eines Blogs auf. Die mit fast 1.000 Einträgen umfangreichste und mit Orts- und Postleitzahlensuche komfortabel nutzbare Datenbank für Beratungs- und Behandlungsangebote wird fortlaufend ergänzt und jährlich aktualisiert. Die umfangreiche, deutschlandweite Recherche der Adressen erfolgte 2015 im Rahmen des Projekts „Angebote bei internetbasiertem Suchtverhalten (ABiS)".

„Uns ist wichtig, dass Forschungsergebnisse Betroffene direkt, praktisch und alltagsnah erreichen", so Projektleiter Dr. Kay Uwe Petersen. „Darum haben wir erstehilfe-internetsucht.de entwickelt. Die Online-Adressdatenbank unterstützt Menschen, die ihre Internetnutzung als riskant, problematisch oder abhängig einstufen bei der Suche nach Hilfsangeboten" „Eine so umfangreiche Onlinedatenbank für Beratungs- und Behandlungsstellen bei Internetsucht gab es in Deutschland bisher noch nicht", erklärt Prof. Dr. Anil Batra, Leiter der Sektion für Suchtmedizin und Suchtforschung. „Durch anschauliche Onlinebeiträge erleichtern wir Betroffenen den Zugang zur Thematik. Wir möchten ihnen langfristig Orientierung bieten."

„Es ist wichtig, verständlich zu erklären, welche Hilfsmöglichkeiten es überhaupt gibt - von der ambulanten Beratung und Therapie bis hin zur Tagesklinik oder zum stationären Klinikaufenthalt", erklärt Psychologin Sara Hanke, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Projekts. „Mit dynamischen und lebendigen Inhalten zum Beispiel in Form eines Blogs möchten wir Betroffene jeden Alters und Hintergrunds erreichen." „Wir haben die Seite bewusst lebendig und doch seriös konzipiert", so die wissenschaftliche Mitarbeiterin Linny Bieber. „Sie ist flexibel ausbaubar und bietet zahlreiche Zusatzangebote. Das moderne, responsive Design ermöglicht, dass das Angebot auch über Smartphone und Tablet abrufbar ist."

Safer Internet Day
Der von der Europäischen Union initiierte „Safer Internet Day" findet jedes Jahr am zweiten Tag der zweiten Woche des zweiten Monats statt. Ziel ist es, Menschen aller Altersgruppen dazu zu bewegen, der Sicherheit im Internet mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Zur Sicherheit gehört auch die Selbstkontrolle über Zeit und Intensität, mit der sich Menschen mit Internetanwendungen wie z.B. Onlinespielen oder Sozialen Netzwerken beschäftigen. Verliert man die Kontrolle, so dass schulische, berufliche oder soziale Verpflichtungen nicht mehr bzw. nur noch ungenügend erfüllt werden, kann eine „Internetsucht" vorliegen.

Weitere Informationen:
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/Publikationen/Drog...
Der Abschlussbericht des Projekts „Angebote bei internetbasiertem Suchtverhalten (ABiS)" ist auf den Internetseiten des Bundesgesundheitsministeriums abrufbar.

Quelle: idw 

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Giftalarm in der Küche

Giulia Roggenkamp Pressestelle
Stiftung Kindergesundheit

Die meisten Familien in Deutschland legen großen Wert auf ein sauberes Zuhause. Damit es überall blitzt und blinkt, werden hierzulande allein für den Kauf von Haushaltsprodukten zum Waschen, Pflegen und Reinigen jedes Jahr rund vier Milliarden Euro aufgewendet.

Für kleine Kinder indes birgt die blitzeblanke Wohnung auch gesundheitliche Gefahren, warnt die Stiftung Kindergesundheit: Jedes Jahr müssen etwa 20.000 Kinder wegen Vergiftungen oder Verätzungen medizinisch behandelt werden. Betroffen sind vor allem Kleinstkinder im Alter von 10 Monaten bis zu zwei Jahren. Als Ursache solcher Unfälle haben die Haushaltschemikalien mittlerweile die Medikamente überholt, berichtet die Stiftung in einer aktuellen Stellungnahme.

Jährlich erreichen rund 220.000 Anfragen die bundesweiten acht Informationszentralen, weil Kleinkinder gefährliche Substanzen geschluckt haben. Die Zahl dieser Anfragen hat sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt. In rund 40 Prozent der Fälle sind chemische Helfer für Küche, Haushalt und Toilette der Grund für den Giftnotruf.

Welche Produkte am häufigsten im Kindermund landen, zeigt die Statistik der Anfragen, die in den Jahren zwischen 2006 und 2015 alleine das Giftinformationszentrum Erfurt erreicht haben: Am gemeldeten Unfall beteiligt waren feste Kohlenanzünder (1.662 Fälle), Geschirrspülmittel (1.327), Knicklicht (1.253), WC-Stein (1.102), Waschmittel (1.041), Geschirrspültabs (946), Dusch- und Schaumbäder (817), Duftöle (784), Geräteentkalker (743) oder Silicagel (714). Zum Glück kommt es nicht immer zu einer tatsächlichen Schädigung. Es wächst jedoch die Zahl der Produkte, die bei Kindern zu gefährlichen Verletzungen führen können. In 20 bis 40 Fällen pro Jahr führen sie sogar zum Tod.

Als besonders gefährliche Substanzen gelten nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung BfR folgende Produkte: Abbeizer, Abflussreiniger, Ammoniakzubereitungen, Backofen- und Grillreiniger, Benzin, Chemikalien, Entkalker, Essigessenz, Lampenöle, flüssige Grillanzünder, Methanol, methanolhaltige Brennstoffe für Heizkamine, Brennstoffzellen, Puder, Rohrreiniger, Schädlingsbekämpfungsmittel (z. B. Wühlmausgifte), Unkrautvernichter, Kühlerfrostschutz, Bremsflüssigkeit sowie Steinreiniger. Auch verschluckte Knopfzellenbatterien sind gefährlich.

Gefahr geht auch von neuen Produkten aus, betont die Stiftung Kindergesundheit: Die bunten, glänzenden, wie große Bonbons aussehenden Flüssigwaschmittel, „Liquid Caps" genannt, werden von Kindern oft mit Süßigkeiten verwechselt. Sie können schon in kleinen Mengen zu Übelkeit, Erbrechen oder Atemnot führen.

Die Art der häufig vorkommenden Vergiftungen ist je nach dem Alter der Kinder verschieden, berichtet die Stiftung Kindergesundheit. In der Zeit, in der sie laufen lernen, sind Vergiftungen mit Zigaretten besonders häufig, danach geht die Hauptgefahr von den Haushaltschemikalien aus, die häufig in Bodennähe, z. B. in Unterschränken gelagert werden. Wenn die Kinder dann auch noch lernen, auf Stühle und Bänke zu klettern, gibt es einen weiteren Anstieg der Vergiftungsmöglichkeiten. Im dritten und vierten Lebensjahr spielen die Medikamente die wichtigste Rolle. Mit zunehmender Selbständigkeit des Kindes nach dem vierten Lebensjahr steigt die Zahl der Vergiftungen durch Pflanzen an.

Gefährliche Ablenkung durch das Handy
Zu den Unfällen kommt es vielfach dann, wenn die aufsichtführende Person kurz abgelenkt wird. Das passiert häufig, wenn jemand unerwartet an der Tür klingelt, das Handy läutet, die Milch überkocht oder die Mutter oder der Vater dringend auf die Toilette müssen.

Untersuchungen haben außerdem ergeben, dass Kinder in Familien mit ungünstiger Wohnsituation durch Vergiftungen besonders gefährdet sind: Das Bemühen der Eltern, gefährliche Haushaltsmittel sicher zu verwahren, scheitert häufig an den mangelhaften räumlichen Bedingungen. Erhöht ist die Vergiftungsgefahr außerdem für die Kinder in Familien mit Migrationshintergrund und für Kinder aus unvollständigen Familien. Sie sind doppelt so häufig betroffen, wie es ihrem Anteil an der Bevölkerung entspräche.

Als gefährlichster Platz im Haushalt erweist sich die Küche, sagt die Stiftung Kindergesundheit. Studien in den Niederlanden haben ergeben, dass bunte Plastikflaschen oder Spülmaschinentabs auf Kleinkinder eine stärkere Anziehungskraft ausüben als altersgerechtes Spielzeug.

Die Stiftung weist außerdem auf eine weitere, selten bedachte Gefahrenquelle hin, nämlich auf den Haushalt von Opa und Oma. Der ist leider nur selten kindersicher: Die von den Großeltern benötigten Medikamente werden häufig sichtbar auf einem Tisch oder in einem leicht zugänglichen Schrank aufbewahrt. Auch die Taschen von Oma und Opa werden von Kindern unbemerkt durchstöbert und die bunten vermeintlichen Süßigkeiten probiert.

Nicht erbrechen lassen!
Wenn ein Kind in einem unbeaufsichtigten Augenblick eines der riskanten Produkte erwischt hat, sollte man sofort versuchen, seinen Mund mit Wasser auszuspülen, um die Reste aus dem Mund zu entfernen. Danach sollte man dem Kind sofort viel zu trinken geben: ein Glas Leitungswasser, Tee oder Saft. Damit wird das Gift zumindest stark verdünnt. Wichtig: Keine Milch zu trinken geben! Milch beschleunigt unter Umständen die Giftaufnahme durch den Darm.

Kinder, die Haushaltchemikalien zu sich genommen haben, sollten auf keinen Fall zum Erbrechen gebracht werden. Es besteht sonst die Gefahr, dass der dabei entstehende Schaum in die Lungen gerät und zu einer chemischen Lungenentzündung führt.

Die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt, möglichst alle Putz- und Reinigungsmittel außer Reichweite der Kinder aufzubewahren, am besten wegzuschließen. Haushaltschemikalien sollten nicht im selben Schrank oder Regal wie Lebensmittel aufbewahrt werden. Als besonders riskant erweist sich immer wieder das Umfüllen von Chemikalien in Getränkeflaschen oder Lebensmittelbehälter.

Nicht zögern, Giftnotruf anrufen!
Selbst beim leisesten Verdacht, das Kind könnte gefährliche Mengen einer giftigen Substanz eingenommen haben, sollte man auf keinen Fall erst auf eventuelle Anzeichen einer Vergiftung warten, sondern sofort handeln. Das heißt: Sich so schnell wie möglich mit einem Arzt oder mit einer der Giftinformationszentren in Verbindung setzen. Diese können den anrufenden Eltern meist sofort sagen, ob eine akute Gefahr besteht und was gegebenenfalls zu unternehmen ist. Sie vermitteln auch die Information, ob ein Arzt- oder Krankenhausbesuch notwendig ist.

Diese Zentren sind unter folgenden Telefonnummern zu erreichen: Berlin 030/19240; Bonn 0228/19240; Erfurt 0361/730730; Freiburg 0761/19240; Göttingen 0551/19240; Homburg/Saar 06841/19240; Mainz 06131/19240; München 089/19240; Wien +43-1-406 43 43; Zürich +41-44-251 51 51.

Eltern sollten in die Hocke gehen
Medikamente sollten für Kinder unerreichbar aufbewahrt werden, am besten in einem abschließbaren Schrank. Das gilt auch für die Antibabypille: Sie sollte nicht offen auf dem Nachttisch oder auf der Ablage im Badezimmer herumliegen. Medikamente sollten im Beisein von Kleinkindern niemals als Bonbons oder Fruchtsaft erklärt oder als wohlschmeckend bezeichnet werden. Puder darf niemals in Kinderhand geraten.

Die Stiftung Kindergesundheit verweist auf eine praktische Empfehlung der Spezialisten beim Giftnotruf Berlin: „Wenn Ihr Kind mobil wird, begeben Sie sich einmal in gleicher Höhe wie Ihr Kind auf eine Entdeckungsreise durch Ihre Wohnung: Sie werden erstaunt sein, was plötzlich alles in Reichweite Ihres Kindes ist."

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Dinner-Symposium des Freundeskreises
der Stiftung Kindergesundheit

Für ein gesundes Aufwachsen von Kindern:
20 Jahre Stiftung Kindergesundheit

am 24. März 2017, 18.00 - 22.30 Uhr, München
Veranstaltungsort: Hotel Holiday Inn Munich City Centre, Hochstr. 3,
81669 München, Großer Saal

Das Jubiläumssymposium adressiert in Vorträgen und einer Podiumsdiskussion die Bedingungen und neue Herausforderungen für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen und für die Gestaltung ihrer Zukunft. Auf einem Markt der Möglichkeiten stellen sich aktuelle Präventionsinitiativen vor.

Zur Veranstaltung tragen renommierte Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Verbänden bei, u.a. die Bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml, die Ehrenkuratorin Dr. Irene Epple-Waigel sowie die Schirmherrin der Stiftung, die Regisseurin und Oscar-Preisträgerin Caroline Link.

Das genaue Programm können Sie in den kommenden Tagen unter: www.kindergesundheit.de einsehen

Presseakkreditierung unter: 089-4400-57769 (Giulia Roggenkamp)

Quelle: idw 

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Weniger Umweltbelastung durch Weinbau: Förderpreis mit 750.000 Euro für Landauer Forschungsprojekt

Bernd Hegen Referat Öffentlichkeitsarbeit
Universität Koblenz-Landau

Der Projekt PHOTOPUR wird in den nächsten drei Jahren von der Trinationalen Metropolregion Oberrhein (TMO) mit 750.000 Euro gefördert. Der Forschungsverbund PHOTOPUR unter der Leitung der Universität Koblenz-Landau wird ein neues Reinigungsverfahren von pestizidbelastetem Wasser aus dem Weinbau erproben.

Das Forschungsprojekt PHOTOPUR gehört zu den Siegern des Wettbewerbs „Wissenschaftsoffensive" der Trinationalen Metropolregion Oberrhein (TMO). Es ist eines von sieben Gewinnerprojekten und wird mit 750.000 Euro gefördert. In den kommenden drei Jahren wird der oberrheinische Forschungsverbund PHOTOPUR unter der Leitung der Universität Koblenz-Landau ein neues Reinigungsverfahren von pestizidbelastetem Wasser aus dem Weinbau erproben.

„Frühere Untersuchungen haben einen Handlungsbedarf gezeigt", erklärt Dr. Ricki Rosenfeldt vom „Institut für Umweltwissenschaften Landau" an der Universität Koblenz-Landau, der gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Frank Seitz das Projekt leitet. Intensiver Weinbau erfordert den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln gegen Agrarschädlinge, um die Erträge zu sichern. Bei der Reinigung von Pflanzenschutzgeräten und durch Regen können die Wirkstoffe aus den Rebflächen ins Gewässer gespült werden. Frühere Forschungsarbeiten des Instituts zeigen, dass diese Wirkstoffe dann sehr konzentriert auftreten und Ökosysteme schädigen können. „Derzeit gibt es noch keine flächendeckende Anwendung oder Methode, um den Eintrag von Pflanzenschutzmitteln in Oberflächengewässern wirksam und dauerhaft zu reduzieren", betont Rosenfeldt. So zeigten sich derzeit eingesetzte Methoden zur Vermeidung von Einträgen aus Pflanzenschutzmitteln in Gewässern wie Aktivkohlebehandlung als ökologisch und ökonomisch ineffektiv.

PHOTOPUR bündelt nun grenzüberschreitend die Herausforderungen des regionalen Weinbaus in der TMO-Region mit dem Know-how der Landauer Umweltwissenschaften und Partnern aus Rheinland-Pfalz, Baden und dem Elsass. Im Rahmen des Projekts wird ein Geräte-Prototyp gebaut und erprobt, der durch die Energie von Sonnenlicht und mit der chemischen Reaktion von Photokatalysatoren die Pestizide im Abwasser aus Weinbau zersetzt. Nach der dreijährigen Erprobungsphase soll das Gerät marktreif sein und in Serie produziert werden. „Mit dem Einsatz des Gerätes bei Winzern soll die Konzentration von Pestiziden in Oberflächengewässern der TMO reduziert werden, um die Umweltqualitätsnormen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) einzuhalten", unterstreicht Frank Seitz.

Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf überreichte den Förderbescheid auf der Auftaktveranstaltung der Wissenschaftsoffensive der TMO. Die Gewinnerprojekte erhalten eine Förderung gemeinsam von der Région Grand Est, den Ländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie aus dem Programm INTERREG Oberrhein.

Kontakt:
Dr. Ricki R. Rosenfeldt (Tel.: 06341 280-31323, rosenfeldt@uni-landau.de)
Dr. Frank Seitz (Tel.: 06341 280-31321, seitz-f@uni-landau.de)

Hintergrundinformation: Interreg A-Programm „Oberrhein"
Das Programm Interreg V A „Oberrhein" verfügt für den Zeitraum von 2014 bis 2020 über Fördermittel in Höhe von insgesamt gut 109,7 Mio. Euro. Dies ist das größte Fördervolumen seit dem Start der Interreg A-Programme am Oberrhein im Jahre 1989.
Interreg A ist ein Förderprogramm der Europäischen Union, mit dem gezielt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit finanziell unterstützt wird. Als Instrument der europäischen Strukturpolitik trägt Interreg dazu bei, die Zusammenarbeit europäischer Akteure zu verbessern, sei es im Hochschulbereich, in der Kultur, im Tourismus, in der Forschung, im Verkehr oder im Wirtschaftssektor.
Das seit 2014 laufende aktuelle Interreg-Programm „Oberrhein" ist die fünfte Auflage und läuft noch bis 2020. Die Projekte, die hier kofinanziert werden, decken vielseitige Themengebiete ab und tragen alle zur Umsetzung einer spezifisch für den Oberrheinraum entwickelten Strategie bei. Das Fördergebiet Oberrhein umfasst die gesamte Südpfalz sowie die Verbandsgemeinden Dahn und Hauenstein, Baden, das Elsass und die Nordwestschweiz.

Kontakt:
Daniel Schaefer, Leiter des Koordinationsbüros der Säule Wissenschaft
Tel.: 07851/7407-35, E-Mail: daniel.schaefer@rmtmo.eu

Weitere Informationen:
http://science.rmtmo.eu/de/wissenschaftsoffensive/ Informationen zur Wissenschaftsoffensive
http://science.rmtmo.eu/de/wissenschaftsoffensive/wissenschaftsoffensive-2016/pr... Informationen zu den Preisträgern

Quelle: idw 

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Volksverschlüsselung muss kommen

Daniel Krupka Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft für Informatik e.V.

Gesellschaft für Informatik unterstützt Initiative des Fraunhofer SIT zur Volksverschlüsselung und fordert mehr Anstrengungen seitens der Bundesregierung

Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) sieht die vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) entwickelte Volksverschlüsselung auf dem richtigen Weg zur flächendeckend sicheren E-Mail. Mit einer Erweiterung auf Klasse-1-Zertifikate und mit der Anbindung an eine allgemein akzeptierte Zertifizierungsstelle könnte dieses Ziel bei entsprechender Unterstützung durch die Bundesregierung auch zügig erreicht werden.

Prof. Dr. Hannes Federrath, Vizepräsident der Gesellschaft für Informatik und IT-Sicherheitsexperte von der Universität Hamburg: „Trotz jahrelanger Bemühungen gibt es immer noch keine einfache Lösung, mit der sich Nutzer vor der massenhaften Ausforschung ihrer E-Mail-Nachrichten schützen können. Die bisherigen Lösungsansätze zur Verschlüsselung des E-Mail-Verkehrs sind entweder nicht benutzerfreundlich oder es handelt sich um Insellösungen, die nicht mit dem existierenden E-Mail-System kompatibel sind. Daraus resultieren erhebliche Eintritts- und Nutzungsbarrieren, die einer weiten Verbreitung entgegenstehen.

Die Gesellschaft für Informatik begrüßt es daher, dass inzwischen in mehreren Projekten daran gearbeitet wird, die Benutzbarkeit der existierenden, wohluntersuchten Techniken zur Ende-zu-Ende-gesicherten Übertragung von E-Mails zu verbessern. Aussichtsreich erscheinen insbesondere solche Ansätze, die S/MIME nutzen, da diese Technik von den gängigen Desktop- und Smartphone-Betriebssystemen ohne zusätzliche Software unterstützt wird."

Initiativen wie die vom Fraunhofer SIT entwickelte Volksverschlüsselung (www.volksverschluesselung.de) sind nach Auffassung der GI wegweisend. Zum einen erzeugen sie Aufmerksamkeit und tragen zur Verbreitung des Themas bei; zum anderen verfolgen sie einen nutzerzentrierten Ansatz, der nicht nur Schlüsselerzeugung und Zertifizierung, sondern auch den Schlüsselaustausch und die Konfiguration der E-Mail-Programme abdeckt.

Prof. Dr. Hartmut Pohl, Sprecher des GI-Präsidiumskreises Datenschutz und IT-Sicherheit und Geschäftsführer der SoftScheck GmbH: „Das aktuelle Konzept der Volksverschlüsselung weist allerdings einige Verbesserungsmöglichkeiten auf, die nach Auffassung der Gesellschaft für Informatik einer schnellen Verbreitung entgegenstehen.

Erstens sieht das Konzept ausschließlich die Ausstellung von Klasse-3-Zertifikaten vor, bei dem die Nutzer ihre Identität nachweisen müssen. Dies stellt eine erhebliche Eintrittsbarriere dar, da der Identitätsnachweis mit einem spürbaren Aufwand für den Nutzer verbunden ist und nicht vollautomatisch ablaufen kann. Zudem steht dies einer schnellen und weiten Verbreitung entgegen. Die GI empfiehlt daher, auch Klasse-1-Zertifikate anzubieten, die sich lediglich auf die E-Mail-Adresse des Nutzers beziehen und eine aufwändige persönliche Identifizierung entbehrlich machen.

Zweitens benutzt die im Rahmen der Volksverschlüsselung betriebene Zertifizierungsstelle derzeit ein Stammzertifikat, dem die gängigen E-Mail-Programme nicht vertrauen. Dies reduziert die Interoperabilität mit existierenden S/MIME-Nutzern erheblich und beinhaltet das Risiko, dass auch die Volksverschlüsselung zu einer Insellösung ohne weite Verbreitung wird. Die GI empfiehlt daher, ein Stammzertifikat zu verwenden, das in den gängigen Programmen bereits hinterlegt ist."

In jedem Fall geht es letztlich um eine flächendeckend sichere E-Mail-Kommunikation, ein Ziel, das die maßgebliche Mitwirkung staatlicher Stellen erfordert. Die Bundesregierung hat angekündigt, Deutschland zum „Verschlüsselungsstandort Nr. 1" zu machen. Die GI ruft die Bundesregierung auf, dieses Ziel durch Unterstützung von Ansätzen wie der Volksverschlüsselung nachdrücklich zu befördern.

Weitere Informationen:
http://www.gi.de

Quelle: idw 

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Wenn dem Meeresboden der Atem stockt: Zeitweiliger Sauerstoffmangel hat jahrzehntelang Auswirkungen

Dr. Fanni Aspetsberger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

Periodische Schwankungen im Sauerstoffgehalt des Bodenwassers können den Kohlenstoffspeicher im Meeresboden und seine Bewohner auf Jahrzehnte verändern. Das zeigt eine neue Untersuchung im Schwarzen Meer, die nun in der Fachzeitschrift Science Advances erscheint. Die Ergebnisse sind besonders bedeutsam, da Sauerstoff in immer größeren Bereichen der Meere Mangelware ist.

Der Meeresboden spielt eine Schlüsselrolle in den weltweiten Stoffkreisläufen. Die Organismen, die dort leben, verzehren und verarbeiten herabsinkendes organisches Material. Ein kleiner Teil des eintreffenden Materials wird üblicherweise im Boden vergraben. Der Großteil wird von den Bodenbewohnern remineralisiert, also abgebaut und in seine Bestandteile zerlegt, und steht danach dem Ökosystem für neue Biomasseproduktion zur Verfügung. So beeinflusst das Schicksal dieses Materials am Meeresboden maßgeblich die weltweiten Kohlenstoff- und Nährstoffzyklen und in der Folge die Produktivität der Meere und unser Klima.

Kurzer Mangel, lange Wirkung
Welche Organismen am Meeresboden leben und wie aktiv sie sind, hängt maßgeblich davon ab, wie viel Sauerstoff im Meeresboden verfügbar ist. Inwieweit auch kurzfristige Schwankungen des Sauerstoffgehalts die Remineralisierung - und damit die Menge an Kohlenstoff, die vergraben wird - verändern, war lange unklar. Die nun vorliegende Studie einer internationalen Forschergruppe um Gerdhard Jessen vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie zeigt: Sinkende Sauerstoffwerte im Bodenwasser beeinflussen den Kohlenstoffspeicher im Meeresboden früher und über größere Flächen als bisher angenommen, und das über Jahrzehnte hinweg. Wird der Sauerstoff am Meeresboden knapp, so wird deutlich weniger organisches Material abgebaut und deutlich mehr vergraben. Und was einmal vergraben ist, bleibt auch lange im Untergrund. „Um die Hälfte mehr Material verbleibt im Boden, wenn der Sauerstoff im Bodenwasser immer mal wieder knapp wird", so Jessen. „Sogar für die Tiere leckere Häppchen wie frisch abgesunkenes Algenmaterial, das eigentlich leicht umzusetzen ist, bleibt dann jahrzehntelang ungenutzt."

Das Schwarze Meer als natürliches Labor
Im Labor sind solche langfristigen und komplexen Prozesse nur schwer nachzuvollziehen. Deswegen untersuchte das internationale Forscherteam im Rahmen des EU FP7 Projektes HYPOX mit dem Forschungsschiff Maria S. Merian das Schwarze Meer, das größte natürliche sauerstofffreie Gewässer der Welt. Dort gibt es durch eine besonders stabile Schichtung des Meeres eine natürliche Abnahme des Sauerstoffs im Bodenwasser, vom gut durchlüfteten Flachwasser über Gebiete mit variablen Sauerstoffbedingungen bis ins sauerstofffreie Tiefenwasser unterhalb von etwa 160 m Wassertiefe. „Wir nutzten den Meeresboden im Schwarzen Meer wie ein natürliches Labor. Dort lässt sich untersuchen, was vielen Bereichen der Weltmeere bevorstehen könnte", erklärt Jessen.

„Sauerstoffarme Zonen in den Ozeanen nehmen durch menschliche Nährstoffeinträge und Ozeanerwärmung immer weiter zu", erläutert Antje Boetius, Leiterin der HGF MPG Brückengruppe für Tiefsee-Ökologie und -Technologie und Leiterin der Studie. „Deswegen ist es besonders wichtig, zu verstehen und zu messen, was Sauerstoffarmut für das Leben im Meer und die großen biogeochemischen Kreisläufe bedeutet."

Veränderte Besiedelung
Wieso haben die zeitweiligen Atemprobleme des Meeresbodens so starke Auswirkungen? „Der Sauerstoffmangel verändert die Bewohner des Meeresbodens", so Boetius. Vor allem große Tiere wie Würmer und Muscheln brauchen Sauerstoff zum Leben. Diese Tiere durchwühlen das Sediment auf der Suche nach Nahrung und beim Anlegen von Wohnbauten und mischen dabei auch Nahrung und Sauerstoff für kleinere Meeresbodenbewohner unter. „Wird der Sauerstoff knapp, verschwinden die Tiere. Die im Meeresboden lebenden Bakterien sind dann quasi allein für die Umsetzung des organischen Materials, die Remineralisierung, verantwortlich." Doch sie sind dabei dann sehr langsam. So kommt es, dass bei weniger Sauerstoff im Bodenwasser mehr organisches Material vergraben wird. Anaerobe Mikroorganismen, die ohne Sauerstoff beispielsweise durch Fermentation oder Sulfatreduktion ihre Energie gewinnen, übernehmen das Ruder. Sie produzieren dann den giftigen Schwefelwasserstoff, der den Abbau weiter verlangsamt.

„Vom Schwarzen Meer können wir viel lernen", sagt Boetius, „denn dort kann man die Auswirkungen von Sauerstoffmangel auf das Ökosystem Meer und seine Bedeutung auch für uns Menschen besonders gut erforschen. Solche Untersuchungen sind angesichts des globalen Wandels unverzichtbar, um mögliche Alarmsignale aus den Ozeanen rechtzeitig zu erkennen."

Originalveröffentlichung
Gerdhard L. Jessen, Anna Lichtschlag, Alban Ramette, Silvio Pantoja, Pamela E. Rossel, Carsten J. Schubert, Ulrich Struck, Antje Boetius: Hypoxia causes preservation of labile organic matter and changes seafloor microbial community composition (Black Sea). Science Advances 2017. DOI: 10.1126/sciadv.1601897

Beteiligte Institute
Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Bremen
Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven
Universität Concepción, Concepción, Chile
ICBM-MPI Brückengruppe, Universität Oldenburg
Eawag: Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs, Kastanienbaum, Schweiz
Museum für Naturkunde, Leibniz-Institut für Evolutions- und Biodiversitätsforschung, Berlin

Rückfragen bitte an
Dr. Gerdhard Jessen
E-Mail: gjessen@mpi-bremen.de
gjessen@gmail.com

Prof. Dr. Antje Boetius
Telefon: +49 421 2028 860
E-Mail: aboetius@mpi-bremen.de

Weitere Informationen:
http://www.mpi-bremen.de/Wenn_dem_Meeresboden_der_Atem_stockt.html

Anhang
Einfluss von Sauerstoff im Bodenwasser auf das Ökosystem an der nordwestlichen Krim/Schwarzmeer-Schelf.
https://idw-online.de/de/attachment56479
Erklärung siehe www.mpi-bremen.de/Wenn_dem_Meeresboden_der_Atem_stockt.html

Quelle: idw 

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Verstädterung wird 300.000 km2 fruchtbarsten Ackerlands verschlingen

Fabian Löhe Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) gGmbH

Durch die rasante Expansion der Städte werden bis zum Jahr 2030 global etwa 300.000 Quadratkilometer von besonders fruchtbarem Ackerland verloren gehen. Das entspräche nahezu der Größe Deutschlands. Diese Fläche machte im Jahr 2000 fast vier Prozent des weltweiten Anbaus von Nahrungspflanzen möglich. Das geht aus Forschungsergebnissen des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) hervor. Zum Vergleich: Von der Nahrungsmittelproduktion auf dieser Fläche könnten sich gut 300 Millionen Menschen bei einem durchschnittlichen Kalorienverbrauch von 2.500 Kalorien pro Tag ein ganzes Jahr ernähren.

Die entsprechende Studie „Future urban land expansion and implications for global croplands" haben Christopher Bren d'Amour und Felix Creutzig mit weiteren Wissenschaftlern jetzt im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS) veröffentlicht. Demnach wird sich die globale Urbanisierung auf einer landwirtschaftlichen Fläche vollziehen, die fast doppelt so fruchtbar ist wie der weltweite Durchschnitt.

Generell wird der Verlust von Ackerland in Asien und Afrika besonders schwerwiegend sein: Afrika weist die höchsten Urbanisierungsraten auf, in Asien ist der absolute Anstieg der Stadtbevölkerung am stärksten. Allein China wird der Analyse zufolge mit einem Viertel des globalen Verlusts von landwirtschaftlicher Fläche zu kämpfen haben, fast 80.000 km2.

„Hotspots des Ackerlandverlusts liegen häufig in einem Flussdelta, etwa im Goldenen Dreieck des Jangtse bei Schanghai oder im Perlfluss-Delta bei Hongkong. Regional kann dieser Nahrungsmittelverlust nicht immer ausgeglichen werden. Das wiederrum könnte Auswirkungen auf das Welternährungssystem haben", sagt Leitautor Bren d'Amour. Dass der Landnutzungskonflikt zwischen Verstädterung und Nahrungsmittelproduktion aber im weltweiten Vergleich deutliche Unterschiede aufweist, zeigt das Beispiel Indien. „Vieles hängt von den individuellen Urbanisierungsdynamiken der Länder ab. In Indien vollzieht sich die Verstädterung beispielsweise langsamer und auf niedrigerem Niveau als in China. Das spiegelt sich in unseren Resultaten wieder, die deutlich geringere Ackerlandverluste prognostizieren. "

Für ihre Forschung haben die Wissenschaftler Prognosen der Yale University über die räumliche Ausdehnung von Städten genutzt. Diese haben sie mit Landnutzungsdaten der University of Minnesota und der University of British Columbia über die weltweit landwirtschaftlich genutzte Fläche und deren Ernteerträge kombiniert. Untersucht wurde der Verlust an gesamten landwirtschaftlichen Anbauflächen. Um die Produktivität dieser Flächen zu bestimmen, haben die Forscher die aggregierte Produktion der 16 wichtigsten Nahrungspflanzen berechnet, darunter zum Beispiel Mais, Reis, Sojabohnen und Weizen.

Ein weiterer globaler Schwerpunkt des globalen Verlusts von Ackerland wird neben Asien in den rapide urbanisierenden Regionen Afrikas liegen. Hier werden vor allem Nigeria sowie die ohnehin stark unter Hunger leidende Region zwischen Burundi und Ruanda beim Viktoriasee betroffen sein. Auf dem afrikanischen Kontinent kommt auch die besondere Verwundbarkeit vieler Länder für die Folgen des Klimawandels zum Tragen. Auch ist es für die arbeitslose Landbevölkerung hier schwieriger, auf den urbanen Arbeitsmärkten Fuß zu fassen.

Besonders schlägt die Urbanisierung in Ägypten zu Buche: Durch sie könnte das Land bis 2030 gut ein Drittel seines Ackerlandes verlieren. Zusätz