Klärwerk.info - Wegweiser

Übersicht

Willkommen bei klaerwerk.info. Produkte suchen können Sie ganz einfach, indem Sie das gesuchte Produkt wie z.B. Pumpen  in das Feld „Produktsuche“ eingeben und dann die Enter-Taste drücken. Übersichtlich werden alle gelisteten Lieferanten angezeigt, die das Produkt führen, alle Artikel in www.Klärwerk.info, die sich mit dem Produkt beschäftigen sowie alle Fortbildungsveranstaltungen mit diesem Thema.

Ansonsten finden Sie alle Artikel geordnet in Sachgebiete. Klaerwerk.info bietet eine umfassende Fülle von Informationen und Links, die man täglich braucht. Damit Sie wissen, wo Sie was finden, nachfolgend eine Übersicht über die einzelnen Sachgebiete:

A. Aktuelles

Hier finden Sie alle aktuellen Meldungen chronologisch geordnet. Suchen Sie frühere Meldungen, so sehen Sie in den Sachgebieten nach oder geben rechts oben einen Suchbegriff in das Suchen-Feld ein.

1)      Tägliche Meldungen

B. Forum

1)      Fragen und Antworten

Das Forum steht allen Nutzern zur Verfügung. Hier können Sie alle Beiträge lesen, selbst Beiträge erstellen oder auf Beiträge antworten

C. Fachwissen

Hier schreiben Praktiker für Praktiker. Haben Sie auch etwas Interessantes zu berichten, so schreiben Sie uns an Kontakt@Klaerwerk.info .

1)     Abwasserreinigung
2)      Energie- und E-Technik
3)      Kanal- und Entwässerung
4)      Maschinentechnik
5)      Labor
6)      Schlammbehandlung
7)      Gaserzeugung und BHKW
8)      Aus Bund Ländern und EU
         a) Vom Bund
         b) Aus der EU und aller Welt
         c) Aus den einzelnen Bundesländern (geordnet nach Bundesländer)
9)      Recht und Gesetze
         a) Beiträge zum Umweltgesetzbuch
         b) Beiträge zur Wasserrahmenrichtlinie (WWRL)
         c) Beiträge zum Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)
10)    Neue Fachliteratur
         a) Neue Bücher
         b) CD/ DVD's
         c) Downloads
         d) Fachzeitschriften
         e) Lexika und Wörterbücher
11)  Tipps und Tricks

D. Berufliches

Der zweite Schwerpunkt von Klärwerk.info. Hier finden Sie alles für Arbeitnehmer und Vorgesetzte und was Sie persönlich angeht.

1)      Arbeitssicherheit
         a) Unfallverhütungsvorschriften- Regeln und Information
         b) Formulare und Erlaubnisscheine
         c) Gesetze und Verordnungen zur Arbeitssicherheit
         d) Umsetzung der Betriebssicherheitsverordnung
         e) Unterweisungshilfen
         f ) Hilfen zur Gefährdungsbeurteilung
         g) Ex-Schutz auf Kläranlagen
2)
      Tarif- und Arbeitsrecht
         a) Tarifrecht, Tarifvertrag, Gehaltsrechner und mehr
         b) Mitarbeitergespräche, Mitarbeiterbeurteilung
         c) Leistungsorientierte Bezahlung
         d) Tabelle TVöD (West)
         e) Arbeitszeugnisse
3)      Aus- und Weiterbildung
         a) Ansprechpartner
4)      Azubiseite
         a) Ausbildungshilfen für Ausbilder und "Azubis"
         b) Musterkläranlage
         c)  Prüfungsaufgaben
         d) Übungsaufgaben
         e) Informationen für Auszubildende
         f)  UT-Ausbildertreffen Fachkraft für Abwassertechnik
         g) Formeln, PSE und weitere Hilfen
5)      Meisterschüler
         a) Informationen für Meisterschüler
         b) Prüfungsaufgaben
6)        Offene Stellen

E. DWA-Infos

1)      Klärwerksnachbarschaften
         a) Kläranlagennachbarschaften in Bayern
         b) Kläranlagennachbarschaften in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
         c) Kläranlagennachbarschaften in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland
2)      DWA-Informationen
         a) DWA Arbeitsblätter
         b) KA-Betriebs-Infos
         c) Mitgliederrundbriefe aus den Landesverbänden
         d) Meldungen der DWA

F. Kläranlagen

1)      Links zu Kläranlagen und Abwasserverbänden
2)      Kläranlagen - Videos
3)      Meldungen von den Kläranlagen

G. Nützliches

1)      Wetter und Hochwasser
2)      Firmennachrichten
3)      Verbandsnachrichten        
4)      Nützliche Links
         a) Umweltschutzorganisationen
         b) Fachzeitschriften, Lexika und Wörterbücher
         c) Behörden
         d) Berufsverbände und Vereinigungen
         e) Fachinformationen
         f) Gesetze und Verordnungen
5)      Meldungen aus der Wissenschaft
6)      Meldungen aus aller Welt
7)      Allgemeine Meldungen und Berichte

H. Fortbildungsdatenbank

1)      Fortbildungen
2)      Fortbildungen in Österreich
3)      Fortbildungen in der Schweiz
4)      Messen und Tagungen

I. Produktsuche/ Lieferanten

J. Kontakt

1)      Impressum
2)      Über Uns
3)      Kontakt

24.01.2018 12:45

Klärwerk.info / Aktuelles / Tägliche Meldungen

Tägliche Meldungen

Alle Meldungen 2007 Alle Meldungen 2008 
Alle Meldungen 2009 
Alle Meldungen 2010
Alle Meldungen 2011 
Alle Meldungen 2012
Alle Meldungen 2013
Alle Meldungen 2014
Alle Meldungen 2015
Alle Meldungen 2016
Alle Meldungen 2017
 

Januar 2018
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
24.01.2018
Aquakultur: Neues Verfahren spürt Umweltbelastungen durch Lachsfarmen schneller auf 
23.01.2018
Konzept der Universität Rostock zur Ölhavarie-Bekämpfung erfolgreich auf der Warnow erprobt 
21.01.2018
Studie: Thermische Verwertung unverzichtbar in der Circular Economy 
19.01.2018
Bionischer Filter zur Trennung von Mikroplastik 
18.01.2018
Rosige Zeiten für die Meeresforschung: SFB „Roseobacter" wird weitere vier Jahre gefördert 
17.01.2018
Spektakuläre Filmaufnahmen vom Oberrhein online 
12.01.2018
Damit die Energiewende gelingt: Solar-Institut Jülich der FH Aachen baut neuartigen Stromspeicher 
10.01.2018
Intelligentes Wassermanagement für Indiens Städte 
08.01.2018
Saisonale unterirdische Wärmespeicher können Kohlekraftwerke bei der Wärmeversorgung ersetzen 
06.01.2018
Forschung für die Energiewende in Kommunen und Regionen 
03.01.2018
Plastik in Binnengewässern: Verbundprojekt „PLASTRAT" gestartet 
02.01.2018
Wenn Kontinente zerbrechen, wird es warm auf der Erde 
01.01.2018
Sonne ernten auf zwei Etagen - Agrophotovoltaik steigert die Landnutzungseffizienz um über 60% 
Gesundheit
20.01.2018
Marketing für Hülsenfrüchte 
16.01.2018
Neu aus dem ÄZQ: Patientenleitlinie "Kreuzschmerz" 
11.01.2018
Heilung nach Herzinfarkt - Woher die Immunantwort kommt 
07.01.2018
Masthähnchen sind häufig mit dem Zoonoseerreger Campylobacter belastet 
05.01.2018
Schutz gegen die Wintersonne: Augenärzte geben Tipps für den Kauf der Skibrille 
01.01.2018
Neue Zeckenart in Deutschland entdeckt: Überträgt sie Viren? 
Gesellschaft
22.01.2018
Jobticket nach Europa 
09.01.2018
Der Reiz von Verschwörungstheorien und Fake News 
04.01.2018
Risiken und Nebenwirkungen des Mindestlohns 
01.01.2018
Digitale Balance in der Arbeitswelt 

 


Aquakultur: Neues Verfahren spürt Umweltbelastungen durch Lachsfarmen schneller auf

Melanie Löw Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Kaiserslautern

Um den Bedarf an Lachs zu decken, gibt es unter anderem an den Küsten Skandinaviens und Schottlands viele Lachsfarmen. Für sie gelten strenge Umweltauflagen. Die Farmer müssen überprüfen, wie die Fischzucht das Ökosystem beeinflusst. Dazu analysieren sie, welche Tiere wie Krebse und Würmer auf dem Meeresboden vorkommen. Doch dies ist zeitaufwendig und teuer. An einem schnellen und effizienteren Verfahren arbeiten Forscher der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK). Sie nutzen die DNA von Kleinstlebewesen. Damit lassen sich Veränderungen genauer charakterisieren, als dies bislang der Fall war. Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift „Ecological Indicators" veröffentlicht.

Rund 14 Kilogramm Fisch isst jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr - besonders häufig kommt dabei Lachs auf den Tisch. Mit mehr als 1,2 Millionen Tonnen jährlich zählt Norwegen zu den größten Lachs-Produzenten weltweit. In großen Käfigen vor der Küste werden die Fische circa zwei Jahre lang aufgezogen. Dabei beeinflussen Futterreste und Ausscheidungen der Fische das Ökosystem im Wasser und auf dem Meeresboden: Bakterien bauen diese Stoffe ab und verbrauchen dabei Sauerstoff. In der Folge kann der Sauerstoffgehalt derart sinken, dass viele Tiere wie Würmer, Krebse oder Seeigel absterben.

Deshalb haben die Umweltbehörden den Lachsfarmen strenge Auflagen auferlegt. „Der Wasseraustausch durch Meeresströmung muss groß genug sein, um die Fische mit Sauerstoff zu versorgen und möglichst viele Abfallstoffe abzutransportieren", sagt Professor Dr. Thorsten Stoeck, der an der TUK zur Ökologie forscht. „Auch darf es nur unmittelbar unterhalb der Farmen zu einer massiven Veränderung des Ökosystems kommen."

Um zu überprüfen, wie sich Flora und Fauna auf dem Meeresboden verändern, müssen die Farmer Proben vom Meeresboden entnehmen. „Anhand der vorhandenen Lebewesen kann man sehen, wie es zum Beispiel um die Gesundheit des Meeresbodens bestellt ist. Die Tiere dienen als Indikatoren", fährt der Professor fort. Allerdings ist dieser Prozess teuer und sehr aufwendig; es dauert nicht selten bis zu einem halbes Jahr, bis Ergebnisse vorliegen. Zu lange, um Maßnahmen zu ergreifen, wenn das Ökosystem zu stark belastet ist.

Ein einfaches, schnelleres und kostengünstigeres Verfahren entwickelt derzeit das Team um Stoeck in seinem Labor auf dem Kaiserslauterer Campus. Die Forscher erhalten die Proben von den Farmen und isolieren Kleinstlebewesen, zum Beispiel Wimperntierchen, auch Ciliaten genannt. Für ihre Methode nutzen die Wissenschaftler deren DNA. „Ihr genetisches Material ist wie ein Fingerabdruck, der nur einer Person zugeordnet werden kann", sagt der Ökologe. „Ergebnisse liegen hierbei bereits nach rund einer Woche vor." Mithilfe der Tierchen ist es zudem möglich, eine genauere Aussage zum Grad der Verschmutzung zu treffen, als dies ist mit der herkömmlichen Methode der Fall ist. „Viele Krebse und Würmer sterben ab, wenn die Sauerstoffkonzentration im Wasser sinkt", sagt Stoeck. „Mikroben sind hier wesentlich resistenter. Sie kommen besser mit Verschmutzungen und Schadstoff-Belastungen zurecht und passen sich schneller an sich verändernde Bedingungen an."

Ziel des Projekts ist es, eine Datenbank aufzubauen, bei der DNA-Fingerabdrücke der verschiedenen Kleinstlebewesen hinterlegt sind. „Damit werden wir sogenannte DNA-Barcodes erstellen ähnlich wie bei den Barcodes für Lebensmittel im Supermarkt", sagt Stoeck weiter, der mit seinem Team weltweit Sedimentproben von verschiedenen Fischfarmen entnehmen wird. „Anhand derer können die Farmer schnell erkennen, wie es um die Gesundheit des Ökosystems bestellt ist."

Langfristig könnten Farmer zum Beispiel einen DNA-Chip nutzen, mit dessen Hilfe sich die Sedimentproben direkt vor Ort analysieren ließen. Der angezeigte Barcode gibt ihnen dann zeitnah Aufschluss über den Zustand des Meeres. So könnten die Farmer auch schneller auf Probleme reagieren. Derzeit untersuchen sie die vorherrschenden Umweltbedingungen nur, bevor die Fische in die Käfige gesetzt werden und nachdem sie „abgeerntet" worden sind.

Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziell gefördert. Die Kaiserslauterer Forscher arbeiten hierbei eng mit Kollegen der Universität Genf sowie norwegischen und schottischen Lachsfarmen zusammen. Die Ergebnisse ihrer Arbeit sind jetzt in der Studie „Metabarcording of benthic ciliate communities shows high potential for environmental monitoring in salmon aquaculture" in der renommierten Fachzeitschrift „Ecological Indicators" erschienen.
DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.ecolind.2017.10.041

Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Thorsten Stoeck
Fachgebiet Ökologie
Tel.: 0631 205-2502
E-Mail: stoeck@rhrk.uni-kl.de

Quelle: idw

(nach oben)

Konzept der Universität Rostock zur Ölhavarie-Bekämpfung erfolgreich auf der Warnow erprobt

Ingrid Rieck Presse- und Kommunikationsstelle
Universität Rostock

Die Wissenschaftler um Professor Fokke Saathoff von der Professur Geotechnik und Küstenwasserbau forschen unter anderem zum Küsten-und Hochwasserschutz. Dazu gehört seit 2011 auch die Ölhavarie-Bekämpfung auf See.

Aktuell arbeiten die Wissenschaftler im Forschungsprojekt SBOIL (South Baltic Oil Spill Response) an der Verbesserung der Ölhavarie-Vorsorge im südlichen Ostseeraum. Das Projektkonsortium besteht aus drei Partnern (Universität Rostock, Maritime Universität Stettin und World Maritime University Malmö) sowie weiteren neun assoziierten Partnern. Das Projekt verfügt über ein Budget von etwa 1,2 Millionen Euro.

Erst kürzlich wurde eine Ölwehrübung auf der Warnow durchgeführt. Das Rostocker Amt für Umweltschutz und das Brandschutz- und Rettungsamt waren als zuständige Behörden für die Ölhavarie-Bekämpfung auf der Warnow dabei. Im Übungsszenario ging man davon aus, dass es im Stadthafen zum Austritt einer unbestimmten Menge von Rohöl beziehungsweise Schiffsdiesel gekommen ist.

Das Rostocker Amt für Umweltschutz entscheidet, dass biogene Bindemittel eingesetzt werden, um die Verschmutzung zu bekämpfen. Dafür ist der Lehrstuhl von Professor Fokke Saathoff mit seinem Team genau der richtige Partner. Denn: Im Vorgänger-Projekt „BIOBIND" wurde ein luftgestütztes Ölhavarie-Bekämpfungssystem auf Basis biogener Ölbinder entwickelt.

Die Binder wurden per Schiff zeitnah am Ursprungsort der angenommenen Verschmutzung sowie auf zugänglichen Flecken des Gewässers ausgebracht. Auf Höhe der ehemaligen Neptunwerft knickt die Warnow nach Norden ab. An der Westseite des Flusses wurde die speziell dafür entwickelte Netzsperre ausgelegt und mit einer Seite an der Kaikante befestigt. Durch die Strömung wurden die mittlerweile ölgesättigten Binder in das offene Netz getrieben.

Nach Einschätzung von Uwe Badrow vom Amt für Umweltschutz der Hansestadt- und Universitätsstadt Rostock wurde das Ziel dieser Erprobung erreicht. „Die Technik der Uni-Forscher ist geeignet, ölgetränkte Bindemittel von Fließgewässern aufzunehmen und schwimmende Ölbinder von relativ ruhigen Gewässern im Schleppzug abzufischen, sagt Badrow.

Zum Schluss der Übung, also als der Strom der Binder beendet und das Netz gefüllt war, wurde der Netzsack am Ende der Netzsperre mit einem Kran an Land gehoben und in einen flüssigkeitsdichten Container geladen. Das geborgene Bindemittel wurde thermisch entsorgt. Die Netzsperre wurde nach der Entnahme gereinigt und für den nächsten Einsatz vorbereitet.
„Während der Übung ging es ausschließlich um die Handhabung der Netzsperre", sagt Doktorand Marcus Siewert. „Wir konnten zeigen, dass die vorgeschlagene Technologie zur Bekämpfung von Ölhavarien auf der Unterwarnow mit überschaubarem Material- und Personalbedarf einsetzbar ist", kommentiert Professor Saathoff.

Das Amt für Umweltschutz ist assoziierter Projektpartner und will die weiteren Entwicklungen des Projektes genau verfolgen. Inzwischen ist die Sperre nach Stettin transportiert worden. Dort wird sie in einen umgebauten 20-Fuß-Seecontainer verladen, um den zukünftigen Einsatz weiter zu vereinfachen. Für das Jahr 2018 sind weitere Übungen mit der polnischen Seenotrettung und der schwedischen Küstenwache geplant. Text: WOLFGANG THIEL

Kontakt:
Universität Rostock
Agrar- und Umweltwissenschaftliche Fakultät
Prof. Dr.-Ing. Fokke Saathoff
Tel.: +49(0)381 498 3700
Fax: +49(0)381 498 3702
Mail: fokke.saathoff@uni-rostock.de

Quelle: idw

(nach oben)

Jobticket nach Europa

Andreas Pieper Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Europass Zeugniserläuterungen jetzt auch für Fortbildungen

Auch Fortbildungsabschlüsse werden jetzt europaweit transparent. Von A wie Abwassermeister/-in bis Z wie Zweirad-Servicetechniker/-in liegen nun Europass-Zeugniserläuterungen auch für Fortbildungsberufe vor. Dies ergänzt und erweitert das bisherige Spektrum des Europasses. Die Zeugniserläuterungen liefern eine Kurzbeschreibung der in der Fortbildung erworbenen Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen und ergänzen das Fortbildungszertifikat.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) haben die Zeugniserläuterungen für duale Ausbildungsberufe nach Beratung mit den Ländern und Sozialpartnern gemeinsam entwickelt.

Europa steht für Vielfalt - auch hinsichtlich Bildungssystemen, Ausbildungs- und Studiengängen. Mit dem Europass haben die EU-Mitgliedstaaten 2005 ein Instrument geschaffen, das Abschlüsse vergleichbar macht und mit dem Bürgerinnen und Bürger ihre Qualifikationen europaweit verständlich darstellen können. Mit der Erweiterung auf die Fortbildungsberufe werden jetzt insgesamt mehr und auch spezialisierte Berufsbilder erfasst: Neben den klassischen Abschlüssen sind so auch jene Qualifikationen vergleichbar, die als fachbezogener Zusatz zur Ausbildung erworben wurden und das individuelle Know-how weiter vertiefen.

Wer sich also zum Beispiel als Aus- und Weiterbildungspädagoge, IT-Berater/-in oder Tourismusfachwirt/-in im europäischen Ausland bewerben möchte, sollte einen Blick in die passenden Zeugniserläuterungen werfen. Gleiches gilt für jene, die sich einen Überblick über mögliche Fortbildungsberufe verschaffen wollen. Aktuell sind bereits mehr als 70 Zeugniserläuterungen für Fortbildungsberufe online abrufbar, längerfristig sollen es rund 120 sein.

Der Europass unterstützt das grenzüberschreitende Lernen und Arbeiten in Europa und besteht aus fünf Dokumenten: dem Europass Lebenslauf, dem Europass Sprachenpass, dem Europass Mobilität, den Europass Zeugniserläuterungen und dem Europass Diploma Supplement. Die Europass Zeugniserläuterungen erleichtern es Dritten - insbesondere im internationalen Bereich - zu verstehen, was ein im Zeugnis ausgewiesener Abschluss hinsichtlich der beruflichen Qualifikationen und Kompetenzen bedeutet. Sie beschreiben kompakt den Ausbildungsweg, das Kompetenzprofil einer Qualifikation sowie mögliche Berufsfelder und Zugangsberechtigungen zur nächsten Ausbildungsstufe. Mit diesen wichtigen Informationen und Orientierungshilfen fördern sie die Anerkennung des berufsbildenden Abschlusses im Ausland und unterstützen beim Einstieg in den europäischen Arbeitsmarkt. Sie werden somit zu einem „Jobticket nach Europa".

Weitere Informationen zum Europass und seinen Dokumenten unter http://www.europass-info.de.

Die Europass Zeugniserläuterungen für duale Aus- und Fortbildungsberufe stellt das BIBB auf Deutsch, Englisch und Französisch zum Download zur Verfügung unter http://www.bibb.de/zeugniserlaeuterungen

Für die Erstellung der Europass Zeugniserläuterungen für landesrechtlich geregelte Berufsausbildungs- und Weiterbildungsabschlüsse sind die Kultusminister der Länder und das Sekretariat der Kultusministerkonferenz zuständig. Die dort verfügbaren Zeugniserläuterungen sind auf Deutsch, Englisch und Französisch unter http://www.kmk.org/themen/berufliche-schulen/schulische-berufsausbildung/europass-zeugniserlaeuterungen.html einzusehen.

Ansprechpartner für Fragen zum Europass ist das Nationale Europass Center (NEC), das in der Nationalen Agentur Bildung für Europa (NA) beim BIBB angesiedelt ist.

Ansprechpartnerin in der NA beim BIBB:
Isabel Götte; E-Mail: goette@bibb.de

Quelle: idw

(nach oben)

Studie: Thermische Verwertung unverzichtbar in der Circular Economy

Dipl.-Chem. Iris Kumpmann Abteilung Public Relations
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Langfristig wird die thermische Abfallbehandlung relevante Beiträge zur Ressourcenschonung und zum Klimaschutz leisten und stoffliche Recyclingverfahren auch in einer zirkularen Wirt-schaft sinnvoll ergänzen. Das zeigt eine Studie zur Rolle der thermischen Verwertung in einer zirkularen Wirtschaft, die Fraunhofer UMSICHT im Auftrag der AGR Abfallentsorgungs-Gesellschaft Ruhrgebiet mbH erstellt hat. Die Studie wurde am 5. Dezember im Rahmen eines Expertenforums vorgestellt und steht zum kostenfreien Download bereit.

Geht es nach der Vision des zirkulären Wirtschaftens, gibt es in Zukunft kaum Abfälle. Bei der im Fachjargon Circular Economy genannten Wirtschaftsweise sollen Waren/Stoffe künftig abfall- und emissionsfrei so lange wie möglich im Kreislauf geführt werden. Wiederverwendung, Weiternutzung und konsequentes Recycling sollen dazu führen, dass idealerweise zukünftig keine Abfälle mehr anfallen. Reststoffe sind dann durchweg Sekundärrohstoffe für weitere Prozesse. Doch noch gehen Vision und Realität nicht zusammen, so das Resümee der Experten aus der Abfallwirtschaft, die am 5. Dezember bei Fraunhofer UMSICHT in Oberhausen zusammen kamen.

Circular Economy noch nicht in Sichtweite
Das Konzept der Circular Economy funktioniert nur, wenn alle Waren stofflich hochwertig zu recyceln und damit kreislauffähig sind. Auf den wesentlichen Anteil der heute produzierten Waren trifft das aber noch nicht zu. Sortenreine Abfälle werden eher stofflich verwertet, während Gemische und Verbundstoffe meist in Verbrennungsanlagen behandelt werden. Stofflich inhomogene Abfallfraktionen ziehen prinzipiell einen hohen Sortieraufwand nach sich, dessen ökologische und ökonomische Notwendigkeit auch vor dem Hintergrund der Vision einer Circular Economy zu rechtfertigen sein muss. »Entscheidend sollten letztlich nicht theoretische Potenziale beim Recycling sein, sondern das, was tatsächlich qualitativ stofflich aufbereitet werden kann«, kommentiert AGR-Geschäftsführer Stephan Kaiser. Hier ist ein cleveres Produktdesign gefordert, das bei der Produktentwicklung bereits die Weichen für ein hochwertiges Recycling stellt.

Potenzial der thermischen Verwertung
»Das Primärziel ist die Emissionsminderung, Inertisierung und Reduktion der Abfallmenge. Dazu dienen die Müllverbrennungsanlagen nach wie vor auch nach 120 Jahren Müllverbrennungsgeschichte«, macht Dr. Ling He vom Umweltbundesamt das Potenzial der thermischen Verwertung deutlich.

»Stoffe, die bedingt durch ihren Verwendungszweck und eine spezifische Produkteigenschaft eine Schadstoffquelle am Ende des Produktlebenszyklus darstellen können, müssen auch in einer zirkulären Wirtschaft einer Behandlung unterzogen werden. Um eine ungewollte Akkumulation von Schadstoffen in späteren Produkten zu vermeiden, sind thermische Abfallbehandlungsanlagen in ihrer Funktion als Schadstoffsenken heute und künftig unverzichtbar«, ergänzt Dr. Markus Hiebel von Fraunhofer UMSICHT, Mitautor der Studie, den Blick auf die Zukunft.

Ein möglichst geringer Energiebedarf bestimmt zudem die Qualität der Circular Economy wesentlich. Auch hier kann die thermische Verwertung punkten, indem sie die je nach Inputmaterial schwankende Energiegehalte in Form von Wärme und Strom nutzt.

Mit Blick auf den aktuellen Stand der Produktentwicklung und des menschlichen Konsums im heutigen Wirtschaftssystem sowie auf das bestehende anthropogene Lager (das Materiallager, das in Gebäuden, Gütern und Infrastruktur steckt), kommt die Studie von Fraunhofer UMSICHT zu dem Schluss, dass die thermische Behandlung von Abfällen langfristig ein unverzichtbarer Baustein der Circular Economy ist.

Weitere Informationen:
https://www.umsicht.fraunhofer.de/content/dam/umsicht/de/dokumente/studien/2017/... Studie MVA Circular Economy
https://www.umsicht.fraunhofer.de/de/presse-medien/2017/thermische-verwertung-ci... Pressemitteilung

Quelle: idw

(nach oben)

Marketing für Hülsenfrüchte

Thomas Richter Öffentlichkeitsarbeit
Georg-August-Universität Göttingen

Kaum ein Land konsumiert so wenig Hülsenfrüchte pro Person wie Deutschland. Dabei sind Erbsen und Bohnen grundsätzlich reich an Proteinen und gesunden Ballaststoffen, und ihr Anbau ist vergleichsweise umweltfreundlich. Forscher der Universität Göttingen wollten nun herausfinden, ob sich die Wertschätzung von Hülsenfrüchten über Werbung mit Gesundheits- und Umweltaspekten erhöhen lässt.

Göttinger Wissenschaftler untersuchen Werbung mit Gesundheits- und Umweltaspekten
(pug) Kaum ein Land konsumiert so wenig Hülsenfrüchte pro Person wie Deutschland. Dabei sind Erbsen und Bohnen grundsätzlich reich an Proteinen und gesunden Ballaststoffen, und ihr Anbau ist vergleichsweise umweltfreundlich. Die Symbiose von Hülsenfrüchten mit Bodenbakterien ermöglicht die Nutzung von Luftstickstoff, einem zentralen Baustein im Pflanzenwachstum. Hülsenfrüchte benötigen daher keinen zusätzlichen Stickstoffdünger. Die Produktion von mineralischem Stickstoffdünger ist sehr energieaufwändig und seine Anwendung kann die Nitratbelastung des Grundwassers erhöhen. Agrarwissenschaftler der Universität Göttingen wollten herausfinden, ob sich die Wertschätzung von Hülsenfrüchten erhöhen lässt, da Nachhaltigkeit mittlerweile für einige Konsumentinnen und Konsumenten eine Rolle spielt. In einer Online-Studie untersuchten sie die Auswirkungen von Werbung mit Gesundheits- und Umweltaspekten für Hülsenfrüchte. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Sustainability erschienen.

Die Forscherinnen und Forscher organisierten eine experimentelle Auktion, bei der rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Hülsenfruchtprodukte bieten konnten. Je nach Untersuchungsgruppe enthielten die Produkte unterschiedliche Werbebotschaften. Dabei boten die Teilnehmenden, die eine Werbebotschaft erhielten, im Durchschnitt mehr als jene, die keinen positiven Aspekt der Produkte aufgezeigt bekamen. „Die Gruppe, die sowohl Umwelt- als auch Gesundheitsaspekte aufgezeigt bekam, zeigte eine deutlich höhere Zahlungsbereitschaft", erläutert der Erstautor der Studie, Dominic Lemken. Gleichzeitig weisen die Ergebnisse aber auch darauf hin, dass eine große Anzahl von Werbebotschaften zunehmend weniger zusätzliche Überzeugungskraft für den Verbraucher haben kann.

Weitere Analysen zeigen auch Konsumbarrieren und Vermarktungschancen für Hülsenfrüchte auf. „Neue und verbesserte Pflanzensorten könnten die Verdaulichkeit optimieren und damit die Vorbehalte einiger Verbraucher zerstreuen", so Lemken. Auch eine innovativere Produktgestaltung, beispielsweise für Erbsen, die in der Regel in Dosen verkauft werden, könnte neue Verbrauchersegmente erschließen. In diesem Zusammenhang bringt die Erbse gute Verarbeitungsqualitäten mit, beispielsweise in Form von Nudeln. „Wenn Umweltaspekte stärker in die Produktkommunikation einbezogen und Konsumbarrieren abgebaut werden, könnten Hülsenfrüchte schon bald wieder einen höheren Stellenwert in unserer Ernährung einnehmen", so das Fazit der Wissenschaftler.

Originalveröffentlichung: Dominic Lemken et al. The Value of Environmental and Health Claims on New Legume Products: A Non-hypothetical Online Auction. Sustainability 2017. Doi: 10.3390/su9081340.

Kontakt:
Dominic Lemken
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Agrarwissenschaften
Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte
Platz der Göttinger Sieben 5, 37073 Göttingen
Telefon (0551) 39-10713
E-Mail: dlemken@gwdg.de

Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de/de/490194.html

Quelle: idw

(nach oben)

Bionischer Filter zur Trennung von Mikroplastik

Dipl.-Chem. Iris Kumpmann Abteilung Public Relations
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Der steigende Kunststoffverbrauch und Verluste von Abfall gehen zunehmend mit einer Umweltbelastung durch Mikroplastik einher. In ihrer Masterarbeit hat Leandra Hamann deshalb Lösungen entwickelt, um die Abwasserbelastung durch Kunststoffpartikel kleiner als 5 mm mit bionischen Filtern zu reduzieren. Für diese praxisorientierte Lösung wurde die UMSICHT-Mitarbeiterin am 5. Dezember mit dem Alfred-Kärcher-Förderpreis ausgezeichnet.

Mikroplastik entsteht durch den Zerfall von Kunststoffprodukten und gelangt meist über das Abwasser in die Umwelt. Um diese Einträge zu reduzieren, sind neben regulatorischen und strategischen Maßnahmen vor allem technische Innovationen unabdingbar. Im Rahmen ihrer Masterarbeit hat Leandra Hamann, die bei Fraunhofer UMSICHT in der Abteilung Nachhaltigkeits- und Ressourcenmanagement arbeitet, eine Lösungsidee für dieses Problem entwickelt.

Orientiert hat sich Hamann dafür an Vorbildern in der Natur (Bionik). Sogenannte Suspensionsfresser besitzen Filtersysteme für die Nahrungsaufnahme von im Wasser schwebenden Partikeln nutzen, wie beispielsweise Schwämme, Wasserflöhe oder Krill. Insgesamt wurden 24 Organismen analysiert und bewertet, um ihr Potential für eine bionische Anwendung zu identifizieren. Entdeckt wurden dabei Mechanismen, Strukturen, Formen und Materialien, die erste innovative Lösungen für einen technischen Filter bieten. Darauf aufbauend Hamann schließlich in einer Fallstudie zur Waschmaschine eine Übertragung erstmal theoretisch getestet, um die Emission von Mikroplastikfasern synthetischer Textilien in den Waschmaschinenabfluss zu verhindern. Für ihre Masterarbeit »A Biomimetic Approach for Separating Microplastics from Water« ist die junge Forscherin nun mit dem Alfred-Kärcher-Förderpreis ausgezeichnet worden.

Innovationspotential in der Natur
Leandra Hamann studierte Biologie mit dem Schwerpunkt Bionik und hat in ihrer Abschlussarbeit nicht nur biologische Erkenntnisse und technische Anwendungen mit einer höchst aktuellen Umweltproblematik verknüpft. Auch der von ihr gewählte Anwendungsfall Waschmaschine stellt ein relevantes Einsatzgebiet von Filtertechnologien zur Vermeidung von Mikroplastik dar. Denn Textilfasern bilden mit einem geschätzten Anteil von 250 Tonnen pro Jahr in Deutschland einen großen Anteil der gesamten Mikroplastik-Emissionen. »Es ist schön, dass meine Masterarbeit durch die Auszeichnung noch einmal Anerkennung findet«, sagt Hamann, die den Alfred-Kärcher-Preis und das damit verbundene Preisgeld in Höhe von 1500 € am 5. Dezember 2017 im Kärcher Hauptquartier in Winnenden entgegengenommen hat. »Vor allem freue ich mich aber, dass die Förderer erkannt haben, welches Innovationspotential zur Entwicklung von Reinigungstechno-logien in biologischen Vorbildern steckt, die dazu beitragen, die Umwelt zu schützen.«

Dem Thema Mikroplastik widmet sich Leandra Hamann auch nach ihrem Studium weiterhin, nun als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Fraunhofer UMSICHT. Ihre Masterarbeit und vor allem die Ideen zur Entwicklung eines bionischen Waschmaschinenfilters waren dabei schon Grundlage eines weiterführenden Forschungsprojekts. Über die Projektarbeit hinaus engagiert sich die Wissenschaftlerin in diversen Gesprächsrunden zum Thema. Außerdem hat sie an der Konzeption des Positionspapiers »Mikroplastik« mitgewirkt. Ihre Abschlussarbeit wurde bereits auf dem Bionik-Kongress 2016 in Bremen präsentiert und im Rahmen der Wissensnacht Ruhr ausgezeichnet und ausgestellt.

Über den Preis
Der Alfred Kärcher-Förderpreis honoriert wissenschaftliche Arbeiten, die einen herausragenden Fortschritt auf dem Gebiet der Reinigungstechnik darstellen. Gefördert werden praxisorientierte Lösungen zur Mechanisierung und Automation von manuellen Reinigungstätigkeiten, zur Hygiene sowie zur Pflege und Reinhaltung der Umwelt.

Weitere Informationen:

https://www.umsicht.fraunhofer.de/de/nachhaltigkeit/ag-nachhaltigkeit/positionsp...
https://www.umsicht.fraunhofer.de/content/dam/umsicht/de/dokumente/positionspapi...

Quelle: idw

(nach oben)

Rosige Zeiten für die Meeresforschung: SFB „Roseobacter" wird weitere vier Jahre gefördert

Christian Engel Stabstelle Presse und Kommunikation
Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH

Der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat grünes Licht für die dritte Projektphase des transregionalen Sonderforschungsbereichs „Roseobacter" gegeben. Damit stehen von 2018 bis 2022 weitere 9,7 Millionen Euro für Spitzenforschung im Bereich der marinen Mikrobiologie bereit. Das Leibniz-Institut DSMZ, die Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH, ist für drei der insgesamt 22 Teilprojekte verantwortlich und erhält dafür in der nächsten Förderperiode 1,21 Millionen Euro. Im Mittelpunkt des Sonderforschungsbereichs stehen die Meeresbakterien der Roseobacter-Gruppe, die durch Photosynthese-Pigmente auffallend rosa-rot gefärbt sein können.

Braunschweig - Der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat in seiner Sitzung am 24. November grünes Licht für die dritte Projektphase des transregionalen Sonderforschungsbereichs „Roseobacter" gegeben. Damit stehen von 2018 bis 2022 weitere 9,7 Millionen Euro für Spitzenforschung im Bereich der marinen Mikrobiologie bereit. Im Sonderforschungsbereich haben sich mehrere Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen Norddeutschlands zusammengeschlossen. Das Leibniz-Institut DSMZ, die Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH, ist für drei der insgesamt 22 Teilprojekte verantwortlich und erhält dafür in der nächsten Förderperiode 1,21 Millionen Euro, wie die DFG jetzt mitteilte.

Der Entscheidung war eine intensive Evaluierung der bisherigen Leistungen dieses und weiterer Sonderforschungsbereiche vorausgegangen. Nur exzellent bewertete Forschung hatte die Chance, fortgeführt zu werden. Insgesamt werden nun etwa 80 Prozent der bisherigen Großprojekte weiter gefördert. „Wir freuen uns, dass wir uns gegen starke Konkurrenz durchsetzen konnten", sagt DSMZ-Geschäftsführer Professor Jörg Overmann. „Das ist ein gemeinsamer Erfolg aller Partner im Sonderforschungsbereich und verdeutlicht einmal mehr die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit unseres Instituts."

Im Mittelpunkt des Sonderforschungsbereichs stehen die Meeresbakterien der Roseobacter-Gruppe, die durch Photosynthese-Pigmente auffallend rosa-rot gefärbt sein können. Roseobacter-Bakterien sind in den Ozeanen dieser Erde weit verbreitet und werden - von den Tropen bis hin zu den Polargebieten - in allen Klimazonen angetroffen.

Ziel ist es, die evolutiven, genetischen und physiologischen Prinzipien zu verstehen, die die Roseobacter-Gruppe so erfolgreich machen. Während in den ersten beiden Phasen des Projekts die Modellorganismen Dinoroseobacter shibae und Phaeobacter inhibens im Mittelpunkt der Analysen standen, liegt der Schwerpunkt in der dritten Phase darauf, deren Wechselwirkungen mit Meeresalgen im Detail zu verstehen. Neben Untersuchungen mit der Kieselalge Thalassiosira rotula, deren jährliche Algenblüte in der Nordsee einen entscheidenden Einfluss auf die Produktivität des Ökosystems hat, stellt die komplette Entschlüsselung des Genoms des toxischen Dinoflagellaten Prorocentrum minimum aufgrund der enormen Größe eine besondere Herausforderung dar.

Die drei an der DSMZ bearbeiteten Projekte befassen sich mit der Ökologie und Evolution der Roseobacter-Gruppe.
- Prof. Dr. Jörg Overmann und Dr. Heike Freese erforschen die Evolutionsmechanismen und Anpassungen, die zur Vielfalt und dem Erfolg der Bakteriengruppe im Ozean geführt haben.
- PD Dr. Jörn Petersen und Dr. Silke Pradella erforschen die Funktion von Plasmiden. Diese in der Roseobacter-Gruppe weitverbreiteten extrachromosomalen Träger der Erbinformation vermitteln den Austausch von Genen über die Artgrenze hinaus.
- PD Dr. Markus Göker und sein Team untersuchen die Merkmalsevolution der gesamten Roseobacter-Gruppe und erarbeiten dazu auch einen zuverlässigen, auf Genomdaten basierenden Stammbaum.

Im Sonderforschungsbereich Transregio 51 "Ökologie, Physiologie und Molekularbiologie der Roseobacter-Gruppe: Aufbruch zu einem systembiologischen Verständnis einer global wichtigen Gruppe mariner Bakterien" arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts DSMZ, der TU Braunschweig, dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, dem Genomlabor der Universität Göttingen, dem Kekulé-Institut für Organische Chemie und Biochemie der Universität Bonn und der Universität Oldenburg zusammen. Sprecherhochschule ist die Universität Oldenburg und Sprecher Professor Meinhard Simon aus deren Institut für Chemie und Biologie des Meeres. Der Sonderforschungsbereich startete im Jahr 2010. Mit der nun beginnenden dritten Projektphase wird das Vorhaben für insgesamt 12 Jahre gefördert.

Über das Leibniz-Institut DSMZ
Das Leibniz-Institut DSMZ - Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH ist eine Einrichtung der Leibniz-Gemeinschaft und mit seinen umfangreichen wissenschaftlichen Services und einem breiten Spektrum an biologischen Materialien seit Jahrzehnten weltweiter Partner für Forschung und Industrie. Als einem der größten biologischen Ressourcenzentren seiner Art wurde der DSMZ die Übereinstimmung mit dem weltweit gültigen Qualitätsstandard ISO 9001:2008 bestätigt. Als Patenthinterlegungsstelle bietet die DSMZ die bundesweit einzigartige Möglichkeit, biologisches Material nach den Anforderungen des Budapester Vertrags aufzunehmen. Neben dem wissenschaftlichen Service bildet die sammlungsbezogene Forschung das zweite Standbein der DSMZ. Die Sammlung mit Sitz in Braunschweig existiert seit 48 Jahren und beherbergt mehr als 56.000 Kulturen und Biomaterialien. Die DSMZ ist die vielfältigste Sammlung weltweit: Neben Pilzen, Hefen, Bakterien und Archaea werden dort auch menschliche und tierische Zellkulturen sowie Pflanzenviren und pflanzliche Zellkulturen erforscht und archiviert. www.dsmz.de

Über die Leibniz Gemeinschaft
Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 91 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.600 Personen, darunter 9.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,7 Milliarden Euro.

Weitere Informationen:
http://www.roseobacter.de Homepage des Sonderforschungsbereichs

Quelle: idw

(nach oben)

Spektakuläre Filmaufnahmen vom Oberrhein online

Sabine Johnson Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesanstalt für Wasserbau (BAW)

BAW-Film vom Karlsruher Wissenschaftsfestival EFFEKTE 2017 auf YouTube.
Die Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) macht heute ihren Film über den Oberrhein, der als Beitrag für das diesjährige Karlsruher Wissenschaftsfestivals EFFEKTE entstanden ist, über die Videoplattform YouTube einem größeren Publikum zugänglich.

Unter dem Titel „Der Oberrhein - Lebensader vor den Toren Karlsruhes" ist der Film ab sofort für die Bevölkerung in der Region und andere Interessierte auf dem BAW-eigenen YouTube-Kanal zu finden. Mit dem Hochladen des Films reagiert die BAW auf die vielen Nachfragen hinsichtlich der Verfügbarkeit des Films und die überwältigende Resonanz der Filmaufführungen während des Wissenschaftsfestivals und der Karlsruher Museumsnacht (KAMUNA). „Eine Plattform wie YouTube macht es möglich, dass wir mit unserem Film über die Veranstaltungen hinaus eine breitere Öffentlichkeit in den Blick nehmen. Wir möchten auf diesem Weg diejenigen erreichen, die beim Wissenschaftsfestival oder bei der KAMUNA keine Gelegenheit hatten, den Film zu sehen. Gleichzeitig hoffen wir natürlich auf ein neues interessiertes Publikum, das wir für die Faszination Oberrhein aus Sicht des Wasserbaus gewinnen können", sagt der Leiter der Bundesanstalt für Wasserbau, Prof. Dr.-Ing. Christoph Heinzelmann, beim heutigen Filmstart.

„Atemberaubende Luft- und Landschaftsaufnahmen des Oberrheins zwischen der Staustufe Iffezheim und dem Rheinhafen Karlsruhe", so lautet der Untertitel des ca. 40-minütigen Films. In drei Etappen begibt sich der Zuschauer auf Entdeckungsreise entlang des Rheins, vorbei an wasserbaulich geprägten Flusslandschaften und unberührter Natur. Der Film bietet aber mehr als außergewöhnliche und überraschende Bilder der regionalen Lebensader vor den Toren von Karlsruhe. Die spektakuläre Reise durch die oberrheinische Wasserwelt wird immer wieder unterbrochen für spannende Einblicke in die Arbeit der BAW als Wissenschaftseinrichtung für den Verkehrswasserbau. Impressionen aus den wasserbaulichen Versuchshallen und Laboren zeigen etwa, wie die Experten Naturuntersuchungen, Experimente und Computersimulationen einsetzen, um den Rhein nachhaltig befahrbar zu machen, Schleusentore vor Korrosionsschäden zu schützen oder wandernden Fischen trotz baulicher Hindernisse das Weiterschwimmen im Rhein zu ermöglichen. „In unserer Funktion als wissenschaftlicher Gutachter und Berater beschäftigen wir uns in diesem Rheinabschnitt intensiv mit Fragestellungen zur Erhaltung und Instandsetzung der Staustufe Iffezheim, zur Optimierung der künstlichen Geschiebezugabe im Unterwasser der Staustufe und zu flussbaulichen Regelungs-maßnahmen. Aber auch fahrdynamische und ökologische Fragen zählen zu unseren Untersuchungsschwerpunkten am Oberrhein", erklärt Heinzelmann.

Weitere Informationen:
https://youtu.be/AH6smtN07TE

Quelle: idw

(nach oben)

Neu aus dem ÄZQ: Patientenleitlinie "Kreuzschmerz"

Corinna Schaefer M.A. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin

Bettruhe, Bewegung oder Medikamente - welche Behandlung ist bei Beschwerden im Kreuz die richtige? Was Fachleute derzeit empfehlen, lesen Patientinnen und Patienten in der neuen ÄZQ-Patientenleitlinie "Kreuzschmerz".

Jeder kennt Kreuzschmerzen. Oft sind sie harmlos und gehen von alleine weg. Die Schmerzen können aber auch länger andauern oder wiederkehren. Das kann belasten und im Alltag einschränken. Gegen die Schmerzen werden viele Behandlungen angeboten: einige helfen, andere nicht.

Die Patientenleitlinie: Aktuelles Wissen verständlich gemacht
Die neue Patientenleitlinie fasst den aktuellen Wissenstand zu Kreuzschmerzen zusammen. Sie hilft beispielsweise zu verstehen, was persönliche und berufliche Probleme mit dauerhaften Kreuzschmerzen zu tun haben. Und Betroffene erfahren auch, warum Bewegung gegen Kreuzschmerzen hilft und Ärztinnen und Ärzte selten röntgen oder eine MRT machen. Außerdem bietet die Patientenleitlinie Informationen zum Umgang mit der Krankheit.

Zusätzlich hat das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) zwei sogenannte Kurzinformationen für Patienten überarbeitet. Die zweiseitigen Informationsblätter geben einen Überblick zu plötzlichen und dauerhaften Kreuzschmerzen.

Die Patientenleitlinie und die Kurzinformationen stehen kostenfrei zur Verfügung.

Hintergrund: Das Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (NVL)
Grundlage für die Patientenleitlinie ist die aktuelle Fachleitlinie "Nicht-spezifischer Kreuzschmerz". Diese hat das ÄZQ zusammen mit einer Expertengruppe im Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien erarbeitet. Träger des Programms sind Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung und Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.

Weitere Informationen:
http://www.patienten-information.de/patientenleitlinien/patientenleitlinien-nvl/... - Patientenleitlinie "Kreuzschmerz"
http://www.patienten-information.de/kurzinformationen/ruecken/akuter-kreuzschmer... - Kurzinformation für Patienten: "Akute Kreuzschmerzen"
http://www.patienten-information.de/kurzinformationen/ruecken/chronischer-kreuzs... - Kurzinformation für Patienten: "Chronische Kreuzschmerzen"
http://www.leitlinien.de/nvl/kreuzschmerz - NVL Nicht-spezifischer Kreuzschmerz

Quelle: idw

(nach oben)

Damit die Energiewende gelingt: Solar-Institut Jülich der FH Aachen baut neuartigen Stromspeicher

Team Pressestelle Presse-, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing
FH Aachen

Wenn die Energiewende gelingen soll, muss vor allem ein Problem gelöst werden: die Speicherung von Strom. Das Solar-Institut Jülich (SIJ) der FH Aachen entwickelt gemeinsam mit Partnern aus der Industrie den multifunktionalen thermischen Stromspeicher multiTESS. Kern des neuen Konzeptes ist die Umwandlung von Strom in Wärme - auch Power-to-Heat genannt -, kombiniert mit einem Hochtemperatur-Wärmespeicher, wodurch deutlich niedrigere Speicherkosten als bisher möglich werden. Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von rund 3,6 Mio. Euro, wovon das SIJ aus Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie knapp 1,8 Mio. Euro erhält.

Das SIJ forscht bereits seit Jahren an Strom- und Wärmespeichern, sie werden unter anderem im Solarturm Jülich erprobt. Im Gegensatz zu den bereits verfügbaren Power-to-Heat-Lösungen, bei denen aus Strom Wärme bei etwa 100 Grad Celsius erzeugt und gespeichert wird, werden bei multiTESS zehnmal höhere Temperaturen erreicht. Der neue Stromspeicher funktioniert dabei ähnlich wie eine Kombination aus Induktionsherd und Fön, wobei ein Luftstrom mit bis zu 1000 Grad erzeugt wird. Der heiße Luftstrom strömt im Anschluss durch einen keramischen Wärmespeicher, wo die Wärme zwischengespeichert wird und bei Bedarf wieder abgerufen werden kann. Durch die hohe Temperatur kann aus Wärme erneut Strom erzeugt werden, was beim herkömmlichen Power-to-Heat-Konzept wegen der niedrigen Temperaturen nicht wirtschaftlich ist. Der multiTESS kann darüber hinaus auch Prozesswärme auf verschiedenen Temperaturniveaus bereitstellen und ist dadurch flexibel einsetzbar, etwa für verschiedene Industrieanwendungen sowie zum Heizen und Kühlen. Dadurch werden Energienutzungsgrade von über 80 Prozent erreicht. Zudem lässt er sich kostengünstig mit einer zusätzlichen Feuerung kombinieren, sodass selbst bei längeren Phasen, in denen kein Solar- oder Windstrom produziert werden kann, die Strom- und Wärmeversorgung gewährleistet ist. Wird die Feuerung dabei mit einem regenerativen Brennstoff (etwa durch Power-to-Gas) betrieben, entsteht mit dem multiTESS quasi der erste Speicher, der niemals versiegt.
Der multifunktionale Stromspeicher multiTESS wird in einem auf drei Jahre angelegten Projekt mit dem Titel „Thermischer Stromspeicher für den Strommarkt 2.0" auf dem Campus Jülich der FH Aachen Realität. Vom Industriepartner Otto Junker GmbH wird dazu mit Unterstützung der B&S GmbH eine Elektroheizung nach dem Prinzip des Induktionsherds speziell für diese Anwendung entwickelt. Weitere Projektpartner sind die Firma Dürr Systems AG, die den Wärmespeicher entwickelt, und die Kraftanlagen München GmbH, die für die Gesamtanlagenplanung verantwortlich ist. „Nach drei Jahren Vorbereitung freuen wir uns nun, dass wir mit diesem starken Industriekonsortium den Zuschlag erhalten haben und nun endlich loslegen können", so Prof. Dr. Ulf Herrmann, geschäftsführender Direktor des SIJ und Initiator des Projektes.

Quelle: idw

(nach oben)

Heilung nach Herzinfarkt - Woher die Immunantwort kommt

Luise Dirscherl Stabsstelle Kommunikation und Presse
Ludwig-Maximilians-Universität München

Nach einem Herzinfarkt ist die Heilung nah: Die Immunantwort wird im nahe gelegenen perikardialen Fettgewebe gesteuert, wie eine Studie von LMU-Medizinern zeigt.

Nach einem Herzinfarkt muss das Immunsystem schnell reagieren, um den Heilungsprozess anzuregen. Die entscheidende Stelle, an der es zu einer Aktivierung der Immunreaktion bei einem Herzinfarkt kommt, haben nun Forscher um Sabine Steffens, Professorin für Klinische Pathobiochemie am Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislaufkrankheiten (IPEK) am Klinikum der LMU, identifiziert. Es sind Cluster (Anhäufungen) von Lymphozyten, die sich im sogenannten perikardialen Fettgewebe des Herzbeutels befinden. Darüber berichten die Forscher aktuell im Fachmagazin Circulation.

„Cluster von Lymphozyten sind wichtige Orte für die adaptive Immunantwort und die Entzündungsüberwachung", erklärt Sabine Steffens. Diese Cluster wurden im Jahr 2015 erstmals an mehreren Stellen im Fettgewebe des Körpers entdeckt. „Sie dienen vermutlich als lokale Überwachungsstellen, damit die Immunantwort möglichst schnell anspringt." Das perikardiale Fettgewebe, nahe am Herzmuskel gelegen, hat eine sehr hohe Dichte an Lymphozyten-Clustern. „Nach einem Herzinfarkt wird hier die Immunantwort aktiviert und gesteuert", fasst Steffens ihr Studienergebnis zusammen. Es werden Lymphozyten aktiviert und Zytokine freigesetzt, die wiederum dafür sorgen, dass weitere Immunzellen, die Neutrophile, zu dem geschädigten Herzmuskel wandern. Sie lösen dort eine Entzündungsredaktion aus, durch die das geschädigte Gewebe von Immunzellen abgebaut wird.

Das Team um Steffens konnte nun erstmals im Mausmodell den Mechanismus aufzeigen, wie die Cluster von Lymphozyten im perikardialen Fettgewebe nach einem Herzinfarkt die Immunantwort steuern und welch entscheidende Rolle sie damit für den Heilungsprozess haben. Zudem haben die Forscher im Rahmen der Studie Daten von Patienten mit und ohne koronare Herzerkrankungen ausgewertet. Bei jenen mit koronaren Herzerkrankungen wurde eine höhere Konzentration von Lymphozyten im perikardialen Fettgewebe nachgewiesen. Die neuen Erkenntnisse sind auch relevant für die therapeutische Behandlung von Herzinfarkten. So könnten Veränderungen im perikardialen Fettgewebe einen Einfluss auf den Heilungsprozess haben.

Publikation:
Michael Horckmans, Mariaelvy Bianchini, Donato Santovito, Remco T. A. Megens, Jean-Yves Springael, Irene Negri, Michele Vacca, Marco Di Eusanio, Antonio Moschetta, Christian Weber, Johan Duchene, Sabine Steffens:
„Pericardial Adipose Tissue Regulates Granulopoiesis, Fibrosis and Cardiac Function After Myocardial Infarction"
In: Circulation 2017
http://circ.ahajournals.org/content/early/2017/11/21/CIRCULATIONAHA.117.028833.a...

Kontakt
Prof. Sabine Steffens
Institut für Prophylaxe und Epidemiologie der Kreislauferkrankungen
Klinikum der LMU
Tel.: +49 (0) 89/4400-54674
E-Mail: sabine.steffens@med.uni-muenchen.de

Quelle: idw

(nach oben)

Intelligentes Wassermanagement für Indiens Städte

Dr. Claudia Vorbeck Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

Anfang Oktober fiel der Startschuss für das vom Bundesumweltministerium aus der »Exportinitiative Umwelttechnologien« geförderte Projekt »Smart Water Future India«. Ziel des vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB koordinierten Projekts ist es, ein Konzept für das intelligente Wassermanagement der südindischen Millionenstadt Coimbatore zu erarbeiten. Dabei sollen auch Wege aufgezeigt werden, wie die boomenden Metropolen Indiens mithilfe deutscher Wasser- und Abwassertechnologien unterstützt werden können.

Die Wirtschaft Indiens boomt. Damit zieht es die Menschen des großteils noch ländlich geprägten Schwellenlands vermehrt in die wirtschaftlich bedeutsamen Ballungsgebiete. Während 2016 noch rund ein Drittel der 1,31 Milliarden Menschen Indiens in Städten lebte, wird die Stadtbevölkerung bis 2050 um weitere 400 Millionen Menschen wachsen, wie die Vereinten Nationen prognostizieren. Doch der Ausbau der städtischen Infrastruktur im Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Erde hält schon jetzt kaum Schritt mit der rasanten Urbanisierung. Es mangelt an Wohnraum, der öffentliche Nahverkehr ist zu Stoßzeiten hoffnungslos überlastet, das städtische Stromnetz bricht unter der hohen Nachfrage immer häufiger zusammen.

Darüber hinaus sind es vor allem die Wasserversorgung und Abfall- und Abwasserentsorgung, die Indiens Metropolen zu schaffen machen: Vielerorts ist die Versorgung mit Trinkwasser auf ein paar Stunden pro Tag beschränkt, viele Stadtviertel sind noch gar nicht an die Wasserversorgung angeschlossen. Ebenso fehlen in vielen städtischen Gebieten Abwasserkanalisation und Kläranlagen. Abwässer werden daher unbehandelt in Flüsse und Seen eingeleitet, die gleichzeitig Trinkwasser für die kommunale Wasserversorgung liefern.
Mit intelligenten Konzepten zum Water Innovation Hub

Intelligente Lösungen, um die sich rasant entwickelnden Städte lebenswerter, effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten, will das vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB koordinierte Projekt »Smart Water Future India« erarbeiten, das seit Anfang Oktober vom deutschen Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BUMB) gefördert wird. Am Beispiel der südindischen Millionenstadt Coimbatore, Verkehrsknotenpunkt im Bundesstaat Tamil Nadu, soll ein Konzept für das nachhaltige Wassermanagement einer intelligent vernetzten Stadt entwickelt werden.

Der Kern des neuen Ansatzes liegt darin, die Herausforderungen bei der Stadtentwicklung nicht getrennt nach den herkömmlichen Sektoren zu betrachten. »Vielmehr sollen im Sinne des Nexus Wasser-Energie-Ernährungssicherheit Lösungen für Wasserversor-gung, Energieversorgung und Ernährungssicherheit übergreifend entwickelt und intelligent vernetzt werden, um die Konkurrenz um Ressourcen zu vermindern«, erklärt Dr. Marius Mohr, Wasserexperte am Fraunhofer IGB und Koordinator des Projekts. Für die Bedarfsanalyse lehnt sich das Projekt an die im Rahmen der Fraunhofer-Initiative Morgenstadt entwickelte Methodik des »Morgenstadt City Lab« an, die Mohr bereits in der georgischen Hauptstadt Tiflis erfolgreich angewandt hat.

Konkrete Handlungsempfehlungen sollen den städtischen Entscheidern aufzeigen, wie sie die Situation in Wasserversorgung und Abwasserentsorgung nachhaltig verbessern können. Von den Maßnahmen profitiert schließlich auch die Umwelt - durch reduzierten Verbrauch von Ressourcen und die Entlastung von Grundwasser und Oberflächengewässern.

Gleichzeitig kann das Projekt deutschen Unternehmen der Wasserbranche den Zugang zum gewaltigen indischen Markt der Wasser- und Abwasserwirtschaft erleichtern. Obschon die Studie ergebnisoffen erfolgt und sich allein am Bedarf in Indien orientiert, ist es das Ziel, mit dem Projekt die Weichen für langfristige Partnerschaften deutscher Firmen mit der indischen Wasserbranche zu stellen - auch über das Ende des Vorhabens hinaus. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen der deutschen Wasserbranche können so von dem Netzwerk profitieren, das in Coimbatore einen »Water Innovation Hub« etablieren soll.
Coimbatore - Smart City in Südindien

Mit 1,7 Mio Einwohnern auf 257 Quadratkilometern ist Coimbatore eine der über 50 typischen von der Industrie geprägten Millionenstädte Indiens. In Coimbatore gibt es aktuell etwa 50 000 Haushalte, die nicht an die Wasserinfrastruktur und Stromversorgung angeschlossen sind. Schätzungen zufolge wird die Bevölkerung der südindischen Stadt in den kommenden 30 Jahren um eine weitere Million Menschen wachsen. Die Sicherung der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung ist eines der dringendsten Probleme: Auch hier kann die Wasserversorgung nur für ein paar Stunden am Tag aufrecht erhalten werden. Nicht einmal 40 Prozent des Abwassers werden über ein zentrales Kanalisationssystem abgeleitet. Coimbatore ist eine der drei von Deutschland unterstützten »Smart Cities« in Indien (siehe Infokasten).

Projektpartner und Förderung
Das Projekt »Smart Water Future India« wird von Oktober 2017 bis März 2019 im Rahmen der »Exportinitiative Umwelttechnologien« des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) gefördert. Projektpartner neben dem Fraunhofer IGB sind das Stuttgarter Beratungs- und Planungsunternehmen Drees & Sommer Advanced Building Technologies GmbH, das ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt am Main und die Kölner trAIDe GmbH - Partner für die internationale Geschäftsanbahnung.

100 Smart Cities« und deutsch-indische Zusammenarbeit
Mit dem 2015 ins Leben gerufenen Smart-City-Programm fördert die indische Regierung 100 Städte. Durch neue Technologien und Investitionen in eine durchgehende Wasser- und Stromversorgung, einen funktionierenden öffentlichen Nahverkehr und bessere Bildungsangebote sollen effiziente, nachhaltige und lebenswerte urbane Räume entstehen.

Im Rahmen der deutsch-indischen Zusammenarbeit unterstützt Deutschland drei dieser indischen Städte, darunter Coimbatore, bei der Umsetzung ihrer Smart-City-Pläne. Ziel der Stadt Coimbatore ist es, bis 2045 alles Abwasser zu sammeln und zu reinigen. Dabei soll 70 Prozent des Wassers wiederverwendet werden und auch Regenwasser genutzt werden.

Anhang
Projekt »Smart Water Future India«
https://idw-online.de/de/attachment59267

Quelle: idw

(nach oben)

Der Reiz von Verschwörungstheorien und Fake News

Patricia Achter Dezernat Kommunikation
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Bamberger Psychologen forschen zu Wahrnehmungsprozessen
Nahezu 40 Prozent der Amerikaner halten den Klimawandel für eine Lüge. In Deutschland negieren Reichsbürger das Bestehen der Bundesrepublik. Alternative Fakten und Fake News haben Hochkonjunktur. Aber das Phänomen ist nicht neu, der Glaube an Verschwörungstheorien ist alt und vielfältig - das Attentat auf John F. Kennedy, die Mondlandung 1969 und der Terrorakt 9/11 sind nur die bekanntesten in einer schier unüberschaubaren Menge an Verschwörungs-Themen. Gerade aber wegen ihrer Aktualität werden Verschwörungstheorien in der Wissenschaft wieder untersucht. Auch an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg wird an diesem Thema geforscht.

Dr. Marius Raab, wissenschaftlicher Mitarbeiter, und Prof. Dr. Claus-Christian Carbon, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Psychologie und Methodenlehre, untersuchen Prozesse der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung, die beim Umgang mit Verschwörungstheorien und Fake News ablaufen. „Unsere Fragestellung lautet: Wie gehen Menschen mit Informationen um und welche Informationen fließen in ihre weiteren Überlegungen ein?", erklärt Carbon. „Dazu bedienen wir uns der Methode der Narrativen Konstruktion." Die Testpersonen erhalten Informationskärtchen zu einem bestimmten Ereignis, mit denen sie dann eine Geschichte konstruieren, die ihnen am plausibelsten erscheint.

„Bei einer Studie mit 30 Teilnehmern boten wir unseren Versuchspersonen Informationskärtchen mit Aussagen zum Terroranschlag 9/11 an. Die Aussagen auf den Karten reichten von offiziellen Meldungen seriöser Nachrichtensender bis hin zu abstrusen Behauptungen aus dem Netz, also von einem Anschlag der Terrororganisation al-Qaida bis hin zu der Annahme, dass die amerikanische Regierung den Anschlag selbst konstruiert hat", schildert Raab. Wenn die Wissenschaftler im nächsten Versuch die Angaben auf den Kärtchen ändern, können sie beobachten, ob und warum sich die Geschichten der Versuchspersonen verändern. Ein Befund war: Verschwörungstheorien sind kein Nischenphänomen. In dieser Studie war die Konstruktion einer Erklärung, die die offizielle 9/11-Sichtweise der amerikanischen Regierung in Frage stellt oder sogar ablehnt, deutlich in der Mehrheit.

Aus den wahrnehmungspsychologischen Forschungen ergibt sich für die Wissenschaftler auch die Frage nach der gesellschaftspolitischen Bedeutung von Verschwörungstheorien. „Sie können harmlos sein, eine Speerspitze für gesellschaftliche Veränderungen oder brandgefährlich - der Inhalt entscheidet", so Raab. Als Instrument, mit dem Politik und Institutionen hinterfragt und Diskussionen angeregt werden, könne eine Verschwörungstheorie die Gesellschaft jedoch auch bereichern, betont er.

Ein ausführliches Interview mit Claus-Christian Carbon und Marius Raab zum Thema Verschwörungstheorien und Fake News finden Sie unter:
www.uni-bamberg.de/news/artikel/verschwoerungstheorien-raab-carbon
Näheres zum Forschungsprojekt finden Sie unter „Aktuelle Themen" auf den Seiten des Lehrstuhls: www.uni-bamberg.de/allgpsych

Kontakt für inhaltliche Rückfragen:
Dr. Marius Raab
Lehrstuhl für Allgemeine Psychologie
Tel. 0951/863-1859
marius.raab@uni-bamberg.de

Weitere Informationen:
http://www.uni-bamberg.de/news/artikel/verschwoerungstheorien-raab-carbon
http://www.uni-bamberg.de/allgpsych

Quelle: idw

(nach oben)

Saisonale unterirdische Wärmespeicher können Kohlekraftwerke bei der Wärmeversorgung ersetzen

Dr. Boris Pawlowski Presse, Kommunikation und Marketing
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Nationales Symposium zur „Energiespeicherung im geologischen Untergrund" an der Uni Kiel

Am 28.11.2017 trafen sich rund 100 Expertinnen und Experten in Kiel, um sich über den Status quo und über zukünftige Bedarfe an unterirdischen Energie- und Wärmespeichern auszutauschen.

Der aus Klimaschutzgründen dringend notwendige Umbau des Energieversorgungssystems hin zu erneuerbaren Energiequellen bringt nicht nur die Herausforderung eines stark fluktuierenden Energieangebotes mit sich. Sehr bedeutend ist auch die Frage, wie die erforderlichen Energiemengen für den Wärme- und Mobilitätssektor, die derzeit ungefähr die dreifache Energiemenge des Stromsektors benötigen, ohne massive Umweltauswirkungen nachhaltig dargestellt werden können. Aktuell zeigt sich die Relevanz dieser Frage bei den Diskussionen über den Kohleausstieg. Was die Stromerzeugung betrifft, wäre er möglich, seine Konsequenzen für die Wärmeversorgung werden jedoch kaum wahrgenommen.

Die Energiewende sieht vor, dass die Energieversorgung in Deutschland bis 2050 zu 60 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen gedeckt wird. Insbesondere für die Wärmeversorgung müssten daher zusätzliche erneuerbare Quellen sowie industrielle Ab- oder Prozesswärme oder Wärme aus der Gebäudeklimatisierung erschlossen werden, um fossile Energien und somit Kohlekraftwerke ersetzen zu können. Heute (Dienstag, 28. November) trafen sich rund 100 Expertinnen und Experten in Kiel, um sich über den Status quo und über zukünftige Bedarfe an unterirdischen Energie- und Wärmespeichern auszutauschen. Anlass ist die Fortführung des Projekts ANGUS (Auswirkungen der Nutzung des geologischen Untergrundes als thermischer, elektrischer oder stofflicher Speicher), das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) bis Ende 2020 mit 6,6 Millionen Euro gefördert wird. Das Projekt wird durch das Institut für Geowissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) koordiniert. Die Verbundpartner kommen von der Hochschule Flensburg, von der Europa-Universität Flensburg, von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig.

Dr. Robert Habeck: „Wir haben als Gesellschaft die Aufgabe, den Klimaschutz umzusetzen. Die Zeit galoppiert uns davon. Deshalb müssen wir vorangehen: Wir müssen nicht nur die Erneuerbaren Energien und Stromnetze ausbauen, sondern die nächsten Phasen beginnen. Die Energiewende ist nämlich keine reine Stromwende, sondern wir müssen sie mit Wärme, Verkehr und Industrie verzahnen. Dazu müssen wir auch den Blick auf unterirdische Speichermöglichkeiten richten, denn die Nutzung an der Oberfläche stößt auch an Grenzen. Landwirtschaft, Infrastruktur, Gewerbegebiete, Energiewende und vieles mehr - die Konflikte strapazieren die Kompromissfähigkeit des Landes. Deshalb gilt es, die Potenziale, die der Untergrund für Energiewende und Klimaschutz bietet, umweltverträglich zu nutzen."

Kiels Universitätspräsident Professor Lutz Kipp betonte bei der Eröffnung des Symposiums, dass die Hochschulen und Forschungsinstitutionen gerade bei der globalen Schicksalsfrage des Klimawandels gefordert seien, noch stärker als bisher ihre Aufgabe in einer aufgeklärten Gesellschaft auszufüllen: „An der Kieler Universität stellen sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen dieser Herausforderung in der Grundlagen- und anwendungsorientierten Forschung ebenso wie in der Ausbildung von Fachkräften. Wenn Entschädigungszahlungen für abgeschaltete Windmühlen von zum Teil 300 Millionen Euro jährlich weit höher sind als der Etat aller schleswig-holsteinischen Hochschulen zusammen, dann besteht dringender systemischer Optimierungsbedarf, den wir als Universität gerne mitgestalten."

Ein inhaltlicher Schwerpunkt des Symposiums waren Wärmeversorgungskonzepte für Städte. Professor Andreas Dahmke von der CAU stellte fest: „Die regenerative Wärme- und Kälteversorgung von Städten ist auch international einer der bedeutendsten Hebel für die Energiewende und einer der Schlüssel für den Kohleausstieg. Die Nutzung saisonaler unterirdischer Wärmespeicher eröffnet dabei die Möglichkeit, Wärmekraftwerke basierend auf fossilen Brennstoffen sogar schon mittelfristig teilweise ersetzen zu können". Professor Sebastian Bauer, ebenfalls CAU, ergänzte: „Es existieren in Städten gerade in den Sommermonaten eine Reihe potenzieller Wärmequellen, deren Einbindung in die städtische Wärmeversorgung möglich wird, wenn saisonale Wärmespeicher verfügbar sind. Heute sind wir soweit, dass wir bei relativ geringer Raumbeanspruchung von weniger als 10 Prozent der oberen 200 Meter des geologischen Untergrunds Wärme- und Kältespeicher mit den entsprechend großen Kapazitäten errichten und deren Umweltauswirkungen, wenn auch mit gewissen Unsicherheiten behaftet, prognostizieren können."

Grundvoraussetzung dafür sei jedoch ein großräumiges und nachhaltiges Wärmemanagement des Untergrundes, ist sich Bauer sicher. Wie die Projektarbeiten zeigten, könnten unterirdische Energiespeicher sehr große Speicherkapazitäten und ein breites Spektrum an Be- und Entladeraten bieten. Damit könnten diese Speicher auf unterschiedliche Arten in die Energiesysteme integriert werden und dort sowohl lang- als auch kurzfristige Speicherdienste erbringen. Professor Olav Hohmeyer (Universität Flensburg) erklärte dazu: „Unterirdische Energie- und Wärmespeicher stellen bei der Energiesystemtransformation wesentliche Bausteine für eine 100-prozentige regenerative Energieversorgung dar. Sie können auch bei der Kopplung des Wärme- und Stromsektors einen Beitrag zur Integration erneuerbarer Energiequellen leisten."

Entsprechende erste Beispiele und Konzepte für die Einbindung saisonaler Wärmespeicher wurden während des Symposiums von Kai Radmann (CONSULAQUA Hamburg) für Hamburg, von Gregor Bussmann (Bochum) für Nordrhein-Westfalen und von Bas Godschalk (Arnheim) für die Niederlande präsentiert, wo diese bereits im größeren Maßstab eingesetzt werden. Dr. Joachim Wege (HFK) unterstrich in der anschließenden Diskussionsrunde, dass nach seiner Meinung saisonale Wärmespeicher wie Dämmmaßnahmen betrachtet werden müssten, die Wohnungswirtschaft jedoch verbindliche gesetzliche Rahmenbedingungen bräuchte, um hier aktiv werden zu können.

„Der Einsatz unterirdischer Energiespeicher setzt einen nachhaltigen, geplanten und ressourcenschonenden Umgang mit dem geologischen Untergrund und damit die entsprechenden Planungsinstrumente voraus, um ungewollte Auswirkungen und Nutzungskonkurrenzen auszuschließen", so Professor Sebastian Bauer. Christiane Lohse und Bernd Kirschbaumer (beide Umweltbundesamt) betonten hierzu, dass bei einer verstärkten geothermischen Nutzung des urbanen Untergrundes zum Klimaschutz in der Stadt der Nachhaltigkeitsgedanke sowohl gegenüber dem Klima als auch den untertägigen Grundwasserressourcen gewahrt werden müsse.

„Da die Errichtung von urbanen Wärmespeichern kurzfristig möglich und aufgrund des Klimawandels auch gefordert ist, müssen die vorhandenen Kenntnisse und entwickelten Konzepte auch in die Anwendung gebracht werden", fasste Professor Andreas Dahmke die Diskussion zusammen. „Hierzu wird an der Universität Kiel derzeit das Geo-Energie Kompetenzzentrum gegründet, das als Ansprechpartner dafür dienen soll."

Fotos stehen zum Download bereit:
http://www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-380-1.jpg
Präsentierten am Dienstag, 28. November das Forschungsprojekt ANGUS (v.l.): Sebastian Bauer, Olav Hohmeyer, Lutz Kipp, Andreas Dahmke.
Foto/Copyright: Raissa Maas, CAU

http://www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-380-2.jpg
Robert Habeck betonte zum Forschungsprojekt ANGUS: „Wir müssen nicht nur die Erneuerbaren Energien und Stromnetze ausbauen, sondern die nächsten Phasen beginnen." Foto/Copyright: Raissa Maas, CAU

http://www.uni-kiel.de/download/pm/2017/2017-380-3.png
Die Grafik zeigt unterirdische Varianten von Energiespeichern in natürlichen geologischen Formationen. Copyright: ANGUS-Projekt (AG Bauer)

Kontakt:
Prof. Dr. Sebastian Bauer / Prof. Dr. Andreas Dahmke
Tel: 0431 880-2853 / -2858
E-Mail: sebastian.bauer@ifg.uni-kiel.de / andreas.dahmke@ifg.uni-kiel.de

Dr. Alina Kabuth
Projektmanagement ANGUS
Tel: 0431 880-2909
E-Mail: alina.kabuth@ifg.uni-kiel.de
web: www.angus-projekt.de

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski, Text: Claudia Eulitz
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
E-Mail: presse@uv.uni-kiel.de, Internet: www.uni-kiel.de, Twitter: www.twitter.com/kieluni
Facebook: www.facebook.com/kieluni, Instagram: instagram.com/kieluni

Weitere Informationen:
http://www.uni-kiel.de/pressemeldungen/index.php?pmid=2017-380-angus

Quelle: idw

(nach oben)

Masthähnchen sind häufig mit dem Zoonoseerreger Campylobacter belastet

Nina Banspach Pressestelle
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

BVL stellt Ergebnisse der Lebensmittelüberwachung 2016 vor
Campylobacter haben mittlerweile Salmonellen als häufigsten bakteriellen Erreger für Durchfallerkrankungen in Deutschland abgelöst. Kontaminiertes Geflügelfleisch gilt als eine der Hauptquellen für eine Infektion mit Campylobacter. Bei den im vergangenen Jahr von den Überwachungsbehörden untersuchten Masthähnchen-Schlachtkörpern konnte der Krankheitserreger in mehr als drei Viertel aller genommenen Halshautproben nachgewiesen werden, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im Rahmen seiner Pressekonferenz am 28.11.2017 in Berlin mitteilte.

130 Halshautproben bei Masthähnchen wurden 2016 im Rahmen des Zoonosen-Monitorings auf das Vorkommen von Campylobacter untersucht. In 100 Fällen (76,9 %) wurde der Erreger nachgewiesen. Bei 274 Proben wurden Keimgehaltsbestimmungen durchgeführt. Bei etwa einem Viertel der Proben lagen die Campylobacter-Keimzahlen über dem ab nächstem Jahr EU-weit geltenden Prozesshygienekriterium von 1.000 koloniebildenden Einheiten pro Gramm (KbE/g).

Das Prozesshygienekriterium für Campylobacter wird eingeführt, um die hohe Kontaminationsrate in der Geflügelfleischkette zu senken. Künftig müssen Betriebe, deren Schlachtkörper eine Campylobacter-Keimzahl oberhalb von 1.000 KbE/g aufweisen, geeignete Maßnahmen zur Sicherstellung der Prozesshygiene einleiten. BVL-Präsident Dr. Helmut Tschiersky äußerte sich dazu: „Geflügelfleisch ist zu häufig mit Campylobacter belastet. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass die Einführung des europaweiten Prozesshygienekriteriums zu einer verbesserten Geflügelschlachthygiene führen wird. Bei Salmonellen in der Geflügelfleischkette konnten mit den EU-weiten Bekämpfungsmaßnahmen in den Haltungsbetrieben bereits deutliche Erfolge erzielt werden."

Waren im Jahr 2011 noch 17,8 % der getesteten Halshautproben von Masthähnchen Salmonella-positiv, betrug deren Anteil fünf Jahre später nur noch 6,7 %. Auch bei frischem Hähnchenfleisch ist die Kontaminationsrate mit Salmonellen von 7,6 % im Zoonosen-Monitoring 2009 auf 4,7 % im Jahr 2016 gesunken. Dieser Rückgang wirkte sich auch positiv auf die Salmonellose-Erkrankungen beim Menschen aus, die im selben Zeitraum ebenfalls rückläufig waren.

Campylobacter und Salmonellen lösen beim Menschen Durchfallerkrankungen aus. Bei geschwächten Personen können sie zu schweren Komplikationen führen. Beide Erreger sind nicht hitzeresistent. Verbraucher sollten Hähnchenfleisch deshalb nur gut durchgegart verzehren.

Hohe Keimbelastung bei Rohmilch aus Zapfautomaten
Rohmilch direkt vom Bauern erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Über so genannte Milch-ab-Hof-Zapfautomaten können sich Verbraucher ihre Milch direkt beim Erzeugungsbetrieb abfüllen. Rohmilch weist jedoch eine hohe Keimbelastung auf. Von den 304 im Rahmen des Bundesweiten Überwachungsplans (BÜp) 2016 untersuchten Rohmilch-Proben hatten 58 Proben (19 %) eine Gesamtkeimzahl von über 105 KbE/ml. Zusätzlich wurden in den Rohmilch-Proben diverse Krankheitserreger nachgewiesen - wie Listerien (in 4 % der Proben), Campylobacter (in 3 %) und E. Coli (in 2 %).

Das potentielle gesundheitliche Risiko von Rohmilch kann minimiert werden, indem die Milch vor dem Verzehr abgekocht wird. Die Betriebe sind daher gesetzlich dazu verpflichtet, den Hinweis „Rohmilch, vor dem Verzehr abkochen" gut lesbar an der Abgabestelle anzubringen.

Dr. Stephan Koch, Abteilungsleiter im Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz und derzeit Vorsitzender der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz, betonte deshalb: „Rohmilch ist ein empfindliches Lebensmittel, das aufgrund seiner Gewinnung unmittelbar vom Tier im Stall mit bestimmten Krankheitserregern kontaminiert sein kann, die vom Tier auf den Menschen übertragbar sind. Der Konsum von Rohmilch kann somit ernste gesundheitliche Folgen haben. Verbraucher sollten daher unbedingt den Hinweis an den Abgabestellen beachten und die Milch zunächst abkochen."

Vorsicht beim Verzehr von Leber und leberhaltigen Produkten
Bei Untersuchungen von Rinder-, Schweine- und Lamm-, beziehungsweise Schafleber im Rahmen des Monitoring-Berichts 2016 wurde für alle Tierarten ein Mittelwert von 23,0 mg Vitamin A/100g Leber ermittelt. Schweineleber wies mit 29,9 mg Vitamin A/100g Leber im Mittel den höchsten Gehalt auf.

Beruhend auf den bekannten Verzehrmengen (durchschnittlich 3 Gramm pro Tag) bedeutet dies: Allein durch den Verzehr von Leber nimmt ein Mensch im Mittel täglich zwischen 0,5 und 0,8 mg Vitamin A auf. Damit würde der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfohlene Tagesbedarf alters- und geschlechtsabhängig zu 60 bis 80 % ausgeschöpft. Leber wird zwar nur selten gegessen, dennoch können bei unüblichen längerfristigen und hohen Verzehrmengen gesundheitsschädliche Folgen auftreten wie etwa Leberschäden und bei Schwangeren Fehlbildungen des Embryos.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät daher vorsorglich, während der Schwangerschaft auf den Verzehr von Leber aller Tierarten zu verzichten. Während der Schwangerschaft und auch bei der Ernährung von Kleinkindern sollten zudem leberhaltige Produkte, wie Leberwurst, nur zurückhaltend konsumiert werden.

Bestimmte Umweltkontaminanten wie Dioxine oder dioxinähnliche polychlorierte Biphenyle (dl-PCB) können sich in der Leber anreichern. Lamm- bzw. Schafleber waren bereits bei vergangenen Monitoring-Untersuchungen durch erhöhte Belastungen aufgefallen. Eine längerfristige erhöhte Aufnahme dieser beiden Stoffe kann beim Menschen das Nerven-, Immun- und Hormonsystem schädigen und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen.

Bei den aktuellen Untersuchungen wurden erneut erhöhte Gehalte gemessen. Die geltenden Höchstgehalte wurden bei 5 % (Summenparameter für Dioxine) bzw. 6 % (Summenparameter für Dioxine und dl-PCB) der Proben überschritten. Das BfR hatte bereits 2014 daher generell vom Verzehr von Schafsleber abgeraten.

Keine Verbesserung bei Nickel in Metallspielzeug
Die Lebensmittelüberwachungsbehörden in den Bundesländern kontrollieren ebenfalls Verbraucherprodukte auf unerwünschte Stoffe. Bereits 2012 wurde Metallspielzeug im Rahmen des Bundesweiten Überwachungsplans (BÜp) auf das Kontaktallergen Nickel untersucht. Von den 168 untersuchten Spielzeug-Proben lagen 41 (24 %) oberhalb des gesetzlichen Grenzwerts von 0,5 µg/cm²/Woche. Besonders auffällig waren Metall- und Modellbaukästen mit einer Überschreitungsrate von 87 %.

2016 standen Metallspielzeuge erneut im Fokus der Überwachungsbehörden. Von den 353 untersuchten Proben überschritten 75 (21 %) den geltenden Grenzwert. Bei einem Metallbaukasten lag der gemessen Nickelanteil sogar mehr als das 200-fache über dem Grenzwert.

Da davon auszugehen ist, dass beim Spielen mit Metall- und Modellbaukästen ein längerer Hautkontakt besteht, sind diese Befunde besonders kritisch zu sehen. Dr. Gerd Fricke, Abteilungsleiter im BVL, forderte deshalb: „Die Hersteller von Metallspielzeug müssen endlich wirksame Maßnahmen zur Reduzierung des Nickelgehalts in ihren Produkten ergreifen."

Nickel ist das Kontaktallergen mit der höchsten Sensibilisierungsrate. Etwa 10 % aller Kinder reagieren auf Nickel sensibel. Häufiger Hautkontakt mit nickelhaltigem Spielzeug kann zu einer Nickel-Sensibilisierung von Kindern beitragen.

Weiterführende Informationen
- Hintergrundinformation „Daten zur Lebensmittelüberwachung 2016" (http://bvl.bund.de/lebensmittelueberwachung2016)
- Hintergrundinformation „Weniger Antibiotikaresistenzen in ökologischen Geflügelhaltungen"
(http://bvl.bund.de/zoonosenmonitoring2016)
- Präsentation „Lebensmittelsicherheit 2016 in Deutschland" (http://bvl.bund.de/lebensmittelueberwachung2016_praesentation)

Anhang
2017 11 28 PI Jahrespressekonferenz
https://idw-online.de/de/attachment59291

Quelle: idw

(nach oben)

Forschung für die Energiewende in Kommunen und Regionen

Uwe Krengel Pressestelle
Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES

Kommunen und Regionen nehmen eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung der Energiewende ein. Das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES in Kassel unterstützt sie mit Ergebnissen aus der angewandten Forschung der bei der Strategieentwicklung, dem dezentralem Energiemanagement, der Anlagensteuerung für die Direktvermarktung sowie der Planung von Strom-, Wärme- und Gasnetzen. Einen Überblick über die Angebote für Experten aus Kommunalpolitik und Behörden sowie von lokalen Energieversorgern gibt das Institut jetzt auf der Fachausstellung des Zukunftsforums Energiewende am 28. und 29. November 2017 in Kassel.

»Der Erfolg der Energiewende hängt in hohem Maße davon ab, wie sie von den Akteuren vor Ort umgesetzt wird. Mit unserem Wissen aus vielen Jahren praxisbezogener Forschung und Entwicklung helfen wir Kommunen und Regionen dabei, dieser Verantwortung gerecht zu werden«, erklärt Dr. Patrick Hochloff, Geschäftsfeldleiter Energiewirtschaftliche Analysen und Beratung beim Fraunhofer IWES.

Energiewirtschaftliche Analysen und Beratung
Ob Strategieentwicklung, Investitionsentscheidungen oder die Gestaltung neuer Geschäftsmodelle - die Energiewende stellt nicht nur Konzerne, sondern auch lokale Akteure vor große Herausforderungen. Die Kasseler Forscher der Fraunhofer-Gesellschaft stehen ihnen dabei mit kompetenter energiewirtschaftlicher Beratung, aussagekräftigen Studien, zielorientierten Analysen sowie der Bereitstellung relevanter Daten zur Seite. Dabei profitieren die Kunden von der Vielfalt der Expertise und Kompetenzen unter dem Dach des Forschungsinstituts. Die thematischen Schwerpunkte der Beratungs- und Dienstleistungen liegen auf der Integration der erneuerbaren Energien sowie auf der Flexibilisierung von Erzeugung und Verbrauch in den Sektoren Strom, Wärme und Verkehr.

So beraten die Experten unter anderem zum Lastmanagement in Gewerbe und Industrie, zur Teilnahme am Regelenergiemarkt oder zur Flexibilisierung von Bioenergie- und KWK-Anlagen. Sie unterstützen bei der Eigenversorgung mit Strom und Wärme, der umweltschonenden Energieversorgung von Städten und Quartieren und der Sektorenkoppelung. Zudem erstellen die Fraunhofer-Forscher individuelle Analysen und Studien - etwa zu regulatorischen Rahmenbedingungen und Handlungsoptionen, zu Marktpotenzialen neuer Technologien oder zu den Teilnahmemöglichkeiten an der Strombörse und am Regelleistungsmarkt. Ebenso entwickeln sie Szenarien für die Reduzierung und die Flexibilisierung von Energieverbräuchen, liefern energiemeteorologische Analysen und Kraftwerkseinsatzpläne oder ermitteln Potenzialflächen für erneuerbare Energien.

Dezentrales Energiemanagement
Zu den Grundprinzipien der Energiewende gehört die Dezentralisierung der Energiebereitstellung. Das Fraunhofer IWES in Kassel bietet lokalen Akteuren eine Reihe von Instrumenten, diesen Prozess erfolgreich zu gestalten. So haben die Experten zum Beispiel IKT-Lösungen entwickelt, die Energieflüsse in Kommunen, Quartieren und einzelnen Gebäuden erfassen und visualisieren. Analysewerkzeuge machen es möglich, aus diesen Daten entscheidungsrelevante Informationen abzuleiten. Zudem unterstützen sie Kommunen und Unternehmen beim Social Energy Management - etwa mit Plattformen für die Kundeninteraktion, mit Tarif- und Anreizsystemen für einen systemdienlichen Energieverbrauch oder der Konzeption von Energiemanagementsystemen. Darüber hinaus beraten die Fraunhofer-Forscher zu allen Fragen rund um die Digitalisierung im Kontext der Sektorenkoppelung.

Anlagensteuerung für die Direktvermarktung
Mit einem umfassenden Angebot für den Aufbau und Betrieb Virtueller Kombikraftwerke (VK) sorgt das Fraunhofer IWES dafür, dass Versorger und Anlagenbetreiber die Möglichkeiten der Direktvermarktung optimal ausschöpfen können. So stellt das Institut seinen Kunden das modulare Echtzeitsystem IWES.vpp zur Verfügung, mit dem sie dezentrale Erzeugungsanlagen überwachen, steuern und aggregieren können. Die Software ermöglicht unter anderem die Fernsteuerung und -auslesung nach §20 des Erneuerbare-Energien-Gesetz, die Optimierung der Fahrpläne sowie die Teilnahme am Regelenergiemarkt. Das Fraunhofer IWES unterstützt seine Kunden auch bei der Integration des VK-Systems in ihre IT-Landschaft und der individuellen Konfiguration der Software.

Planung von Strom-, Wärme- und Gasnetzen
Netzbetreiber und Versorger können von Synergien profitieren, wenn sie Strom-, Gas- und Wärmenetze spartenübergreifend planen und unterhalten. Das Fraunhofer IWES hilft ihnen dabei mit vielerlei Planungs- und Beratungsleistungen. Dazu zählen zum Beispiel die Entwicklung konkreter Investitionsstrategien unter Berücksichtigung von Unsicherheiten oder das Erstellen von gekoppelten Bedarfsanalysen in den Sektoren

Strom, Wärme und Verkehr. Darüber hinaus erarbeiten die Experten Konzepte zur sektorenübergreifenden Einbindung von Erzeugungsanlagen (Wind, Solar, Biogas, KWK, Abwärme etc.) sowie für den Einsatz von Speichern, Power-to-Heat- und Power-to-Gas-Anlagen.

Das Zukunftsforum Energiewende findet am 28. und 29. November in der documenta-Halle Kassel statt. Die Veranstaltung dient Vertretern aus Kommunen, Unternehmen und Gesellschaft als zentrale Plattform für Erfahrungsaustausch, Information und Vernetzung. Damit steht sie in der Tradition der Kongressreihe „100% Erneuerbare-Energie-Regionen" - in den vergangenen Jahren das bundesweit größte Treffen der Energiewende-Praktiker.

Fachansprechpartner:
Energiewirtschaftliche Analysen und Beratung
Dr.-Ing. Patrick Hochloff
E-Mail: patrick.hochloff@iwes.fraunhofer.de
Tel. +49 561 7294-214

Dezentrales Energiemanagement
Jan von Appen
E-Mail: Jan.vonAppen@iwes.fraunhofer.de
Telefon: +49 561 7294-276

Anlagensteuerung für die Direktvermarktung
Manuel Wickert
E-Mail: manuel.wickert@iwes.fraunhofer.de
Telefon: +49 0561 7294-369

Planung von Strom-, Wärme- und Gasnetzen
Dr. rer. nat. Tanja Kneiske
E-Mail: tanja.kneiske@iwes.fraunhofer.de
Telefon: +49 561 7294-136

Weitere Informationen:
http://www.energiesystemtechnik.iwes.fraunhofer.de

Quelle: idw

(nach oben)

Schutz gegen die Wintersonne: Augenärzte geben Tipps für den Kauf der Skibrille

Lisa-Marie Ströhlein Pressestelle
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

München - Wer ohne die richtige Skibrille in den Winterurlaub fährt, riskiert Verbrennungen an der Hornhaut des Auges. Denn der weiße Schnee in den Wintersportgebieten reflektiert das einfallende, energiereiche ultraviolette (UV-)Licht viel stärker als andere Hintergründe. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) rät allen Winterurlaubern zu einer gut sitzenden, rundum geschlossenen Skibrille mit UV-Filter.

Weiße Skipisten und Schneelandschaften locken Wanderer und Wintersportler nach draußen in die Berge. Doch das grelle Sonnenlicht in den Wintersportgebieten birgt Gefahren für die Augen: Alle 1000 Höhenmeter nimmt die UV-Strahlung um rund 20 Prozent zu und der Schnee reflektiert diese Strahlung nochmals um bis zu 85 Prozent stärker. „Genau wie die Haut am Körper, kann die Hornhaut des Auges einen Sonnenbrand bekommen, wenn sie intensivem UV-Licht ausgesetzt ist", sagt Professor Dr. med. Thomas Reinhard, Generalsekretär der DOG.
Das Licht lässt die Zellen auf der Hornhaut des Auges absterben. Sechs bis acht Stunden später kommt es zu stechenden Schmerzen und starkem Fremdkörpergefühl; die Augen schwellen an und tränen. „Betroffene reagieren dann sehr empfindlich auf Licht und können die Augen kaum offen halten", beschreibt Reinhard die Symptome der sogenannten Schneeblindheit. „Wintersportler mit schmerzenden Augen sollten nicht nur sofort aus der Sonne gehen, sondern sich am besten in dunklen Räumen aufhalten", betont der DOG-Experte. Der Augenarzt kann Salben oder Gels verschreiben, die die verbrannte Hornhaut wieder beruhigen. Da die Hornhaut sich ständig regeneriert, sind die Symptome nach zwei bis drei Tagen meist verschwunden.

Wer seine Augen regelmäßig intensivem Sonnenlicht aussetzt, riskiert Langzeitschäden: „UV-Strahlung erhöht das Risiko für chronische Augenleiden wie Grauen Star oder Makuladegeneration - eine Erkrankung, die blind machen kann", sagt Reinhard. Um sich vor diesen Erkrankungen zu schützen, rät der Direktor der Universitätsaugenklinik Freiburg zur Skibrille. „Normale Sonnenbrillen fangen nicht das seitlich einfallende Licht auf und schützen die Augen nicht vor Stürzen", so der Ophthalmologe. Für Menschen mit Sehschwäche gibt es, neben Kontaktlinsen, auch entsprechende Skibrillen und oder sogenannte „Clip-in-Brillen", die an die Innenseite der Skibrille angebracht werden. „Grundsätzlich sollten sich Winterurlauber beim Kauf einer Skibrille im Fachhandel beraten lassen", so Reinhard.

Checkliste für eine gute Skibrille
• Die Gläser sollten alle UV-Strahlen bis zu einer Wellenlänge von 400 Nanometern absorbieren. Wie bei Sonnenbrillen tragen auch Skibrillen mit entsprechendem Breitband-UV-Schutz das CE-Zeichen.
• Die Brille sollte die Augenpartie vollständig abdecken, sodass auch seitlich kein UV-Licht in die Augen fällt.
• Skibrillengläser sollten aus splitterfestem Kunststoff bestehen und mindestens doppelt verglast sein, sodass die Augen durch die innere Scheibe geschützt sind, falls die äußere Scheibe bei einem Sturz bricht.
• Eine Anti-Fog-Beschichtung sorgt dafür, dass die Brille nicht zu schnell beschlägt.
• Eine Tönung der Gläser kann die Sicht bei schwierigen Lichtverhältnissen verbessern: Graue Gläser bieten Blendschutz an sonnigen Tagen, rötliche Tönungen verstärken Kontraste bei schlechten Lichtverhältnissen. Gelbe Scheiben eignen sich am besten für trübes Wetter oder in der Dämmerung.

DOG: Forschung - Lehre - Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 6500 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste augenärztliche Gesellschaft der Welt.

Quelle: idw

(nach oben)

Risiken und Nebenwirkungen des Mindestlohns

Sylke Schumann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin

Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns in Deutschland im Januar 2015 war die bedeutendste Arbeitsmarktreform der vergangenen Dekade und gleichzeitig ein absolutes Novum im bundesdeutschen Lohnverhandlungssystem. Nicht nur Ökonom/innen sahen in dem sozialpolitischen Experiment erhebliches Potential für Beschäftigungsverluste. Marcel Stechert von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin hat nun eine erste statistisch untermauerte Bestandsaufnahme vorgelegt. Dafür erhielt er im November 2017 einen Förderpreis des Statistischen Bundesamtes.

Ergebnisse einer umfassenden Evaluation durch die Mindestlohnkommission sind nicht vor 2020 zu erwarten. Marcel Stechert von der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin hat das Arbeitsmarktmodell, das seit drei Jahren in Deutschland angewendet wird, jetzt schon einmal genauer unter die Lupe genommen. In einer kritischen Analyse untersucht der Autor erstmals anhand amtlicher Beschäftigungsstatistiken der Bundesagentur für Arbeit Effekte des Mindestlohns und greift damit die schon im Vorfeld zum Teil sehr kontrovers und öffentlich geführte wirtschaftspolitische Diskussion um dessen Einführung auf.

Stechert belegt in seiner Bachelorarbeit, dass Arbeitnehmer/innen ab 25 Jahren vom Mindestlohnmodell durchaus profitieren. Die Kehrseite der Medaille ist, dass jüngere Beschäftigte klar zur Risikogruppe dieser Entwicklung zählen. Für sie lasse sich in der Gegenüberstellung von Beschäftigungswachstum und Mindestlohn ausschließlich ein negativer Zusammenhang nachweisen. Diese Ergebnisse findet Stechert bestätigt in internationalen wissenschaftlichen Untersuchungen zu vergleichbaren Ansätzen der Lohn- und Gehaltsstruktur. In der deutschen Forschungsliteratur kommen Jugendliche und andere Risikogruppen im Zusammenhang mit dem Thema Mindestlohns bis dato kaum vor.

Als Ursache für die negativen Beschäftigungseffekte unter den 15- bis 24-Jährigen identifiziert der Autor deren vergleichsweise niedrige Produktivität. Die Auswirkungen zeigen sich besonders deutlich, wenn viele Menschen auf niedrigem Niveau entlohnt werden. Der Abstand zwischen Mindestlohn und Durchschnittslohn greift intensiv in die allgemeine Lohnverteilung ein.

Der Absolvent des Bachelorstudiengangs Economics an der HWR Berlin stellt auch heraus, dass die Wachstumsraten der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung auch nach Einführung des Mindestlohns außerordentlich positiv sind, wobei diese Entwicklung in Ostdeutschland verhaltener ausfällt. Für geringfügig Beschäftigte und Minijobber/innen hatte sich dieser Aufwärtstrend zwar schon vorher verlangsamt, brach mit der Tarifreform jedoch nochmals erheblich ein. Dieser gravierende Rückgang war in Ostdeutschland, aufgrund des geringeren Lohnniveaus ohnehin überdurchschnittlich vom Mindestlohn betroffen, besonders ausgeprägt.

„Die Forschung zu den Auswirkungen des Mindestlohns auf die Beschäftigung in Deutschland steht noch ganz am Anfang. Marcel Stechert hat mit seiner Abschlussarbeit einen fundierten, empirisch äußerst anspruchsvollen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion geleistet", lobt Prof. Dr. Beate Jochimsen, die gemeinsam mit Prof. Dr. Tim Lohse die Bachelorarbeit an der HWR Berlin betreute. „Das ist ein gelungenes Beispiel für die Verknüpfung von gelerntem volkswirtschaftlichem Wissen und der wirtschaftspolitischen Praxis", so die Professorin für Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Finanzwissenschaft.

Der Preisträger in der Kategorie "Bachelor-/Masterarbeiten" im Rahmen des Gerhard-Fürst-Preises 2017 studiert inzwischen an der Freien Universität Berlin im Masterstudiengang Economics. In den vergangenen Monaten absolvierte Marcel Stechert ein Praktikum beim Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung im Bereich Konjunktur und Wachstum und derzeit eines bei der Deutschen Bundesbank im Research Centre in Frankfurt am Main. Im Januar 2018 schließt sich ein Auslandssemester an der Universität Carlos III in Madrid an.

Ein Artikel über Stecherts Evaluation zum Mindestlohn wird im kommenden Jahr in der Fachzeitschrift "Wirtschaft und Statistik" des Statistischen Bundesamtes veröffentlicht. Auch in einem aktuellen Diskussionspapier vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie wurde die Abschlussarbeit zitiert und diskutiert.

Zusammenfassung der Arbeit
https://www.destatis.de/DE/UeberUns/UnsereAufgaben/GerhardFuerstPreis/Preistraeg...

Bachelorstudiengang Economics an der HWR Berlin
http://www.hwr-berlin.de/fachbereich-wirtschaftswissenschaften/studiengaenge/eco...

Gerhard-Fürst-Preis 2017 des Statistischen Bundesamtes
https://www.destatis.de/DE/UeberUns/UnsereAufgaben/GerhardFuerstPreis/Preistraeg...

Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin ist mit 11 000 Studierenden eine der großen Hochschulen für angewandte Wissenschaften - mit ausgeprägtem Praxisbezug, intensiver und vielfältiger Forschung, hohen Qualitätsstandards sowie einer starken internationalen Ausrichtung. Das Studiengangsportfolio umfasst Wirtschafts-, Verwaltungs-, Rechts- und Sicherheitsmanagement sowie Ingenieurwissenschaften in 60 Studiengängen auf Bachelor-, Master- und MBA-Ebene. Die HWR Berlin unterhält aktuell 170 aktive Partnerschaften mit Universitäten auf allen Kontinenten und ist Mitglied im Hochschulverbund „UAS7 - Alliance for Excellence". Als eine von Deutschlands führenden Hochschulen bezüglich der internationalen Ausrichtung von BWL-Bachelorstudiengängen belegt die HWR Berlin Spitzenplätze im deutschlandweiten Ranking des CHE Centrum für Hochschulentwicklung und nimmt auch im Masterbereich vordere Plätze ein. Aus einer bundesweiten Umfrage von DEUTSCHLAND TEST ist die Hochschule 2017 wiederholt als „TOP Business School" im Weiterbildungsbereich hervorgegangen. Die HWR Berlin unterstützt die Initiative der Hochschulrektorenkonferenz „Weltoffene Hochschulen - Gegen Fremdenfeindlichkeit".

www.hwr-berlin.de

Quelle: idw

(nach oben)

Plastik in Binnengewässern: Verbundprojekt „PLASTRAT" gestartet

Michael Brauns Pressestelle
Universität der Bundeswehr München

Forschungskonsortium wirft ganzheitlichen Blick auf Mikroplastik-Problem in Flüssen und Seen. Mikroplastik in Binnengewässern steht im Mittelpunkt eines neuen Forschungsprojektes unter Koordination der Universität der Bundeswehr München.

Die weniger als fünf Millimeter kleinen Plastikteilchen belasten Flüsse und Seen in zunehmenden Maße und wurden selbst schon in Trinkwasser und Lebensmitteln nachgewiesen. Während Plastikmüll und Mikroplastik in den Meeren schon seit längerer Zeit erforscht werden, ist über die Funde in Binnengewässern noch wenig bekannt. Wie erfolgt der Eintrag von Mikroplastik in die Gewässer und welche Bedeutung hat dabei die Siedlungswasserwirtschaft? Welchen Einfluss können Mikroplastikpartikel auf Mensch und Umwelt haben? Welchen Einfluss haben Hersteller und Verbraucher und wie kann freigesetztes Mikroplastik wieder sicher, effektiv und effizient entfernt werden? Auf diese Fragen wollen die Beteiligten des Verbundprojektes „PLASTRAT" Antworten finden. Das dreijährige Vorhaben läuft seit September 2017 und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund drei Millionen Euro im Forschungsschwerpunkt „Plastik in der Umwelt - Quellen, Senken, Lösungsansätze" gefördert.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit zur Risikoermittlung
Am Projekt PLASTRAT (Lösungsstrategien zur Verminderung von Einträgen von urbanem Plastik in limnische Systeme; www.plastrat.de) sind zehn verschiedene Partner aus Universitäten, Forschungseinrichtungen und Unternehmen beteiligt. Zusätzlich unterstützt wird es von zwölf assoziierten Partnern und Unterauftragnehmern, vor allem Betreibern von Abwasserbehandlungsanlagen, Herstellern und Vertreibern von Kunststoffen sowie Fachverbänden. Mehrere Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten arbeiten bei der Forschung interdisziplinär zusammen. Sie untersuchen Eintragspfade, Eliminationsstrategien sowie Auswirkungen von Plastik auf Mensch und Umwelt.

Es sollen ganzheitliche Lösungen entwickelt werden, um die Ausbreitung von Plastikrückständen in Binnengewässern zu begrenzen. Ziel ist es, ein gemeinsames Bewertungssystem zur Umweltverträglichkeit von unterschiedlichen Kunststofftypen zu erarbeiten. Darauf aufbauend wollen die Forscher ein Gütesiegel für die Praxis schaffen, dass es ermöglicht, Kunststoffe bzw. Produkte anhand des individuellen Risikos - etwa Toxizität, Verbreitung oder Eliminationsmöglichkeiten - zu bewerten. „Für eine zukunftsorientierte Bewertung von Mikroplastikeinträgen sowie die Ermittlung und Auswahl geeigneter Strategien zur Minimierung des Mikroplastikgehalts in der aquatischen Umwelt braucht es die Zusammenarbeit aller Gruppen - von der Produktion bis zur Elimination", sagt Projektleiter Prof. Christian Schaum von der Universität der Bundeswehr München.

Transfer in die Praxis
So analysiert ein Team der Universität der Bundeswehr München, der Leibniz-Institute für Polymerforschung Dresden e. V. und für Ostseeforschung e. V. sowie inge GmbH und aquadrat ingenieure GmbH verschiedene Eintragspfade von Mikroplastik in Binnengewässer und untersucht, ob spezielle Membran- oder andere Filterverfahren Mikroplastik aus Kläranlagenabläufen wirksam entfernen können. Zudem arbeiten die Forscher an Standardverfahren zur Analyse des Mikroplastikgehalts in Wasser- und Schlammproben. Um umweltbedingte Veränderungen von Mikroplastikpartikeln und um mögliche Wirkungen auf Mensch und Umwelt geht es in den Untersuchungen der Bundesanstalt für Gewässerkunde, der Goethe-Universität Frankfurt, der Technischen Universität Darmstadt und des IWW Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wasser. Die Forscher erkunden z.B. ob in Kunststoffen eingesetzte Zusatzstoffe durch Verwitterungsvorgänge freigesetzt werden und eine Gefahr darstellen können.

Ferner beschäftigen sie sich mit der An- und Abreicherung von Schadstoffen an Mikroplastik innerhalb von Kläranlagen. Welche Rolle die Verbraucher selbst beim nachhaltigeren Umgang mit Kunststoffen spielen, steht im Mittelpunkt der Untersuchungen des ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung. Hierbei geht es um die Wahrnehmung von Umweltrisiken durch Plastikprodukte, deren Nutzung und Entsorgung. Projektübergreifend erarbeiten IWW, ISOE und weitere Partner ein System, das die Umweltverträglichkeit von Kunststoffen für Binnengewässer nach verschiedenen Kriterien bewertet und dabei die technischen, umweltwissenschaftlichen und sozial-ökologischen Untersuchungs-schwerpunkte berücksichtigt. Auskunft über diese Umweltverträglichkeit soll dann ein Gütesiegel geben, das die Projektpartner im Dialog mit verschiedenen Stakeholdern entwickeln wollen.

Der Forschungsschwerpunkt „Plastik in der Umwelt - Quellen, Senken, Lösungsansätze" ist Teil der Leitinitiative Green Economy des BMBF-Rahmenprogramms „Forschung für Nachhaltige Entwicklung" (FONA3).

Universität der Bundeswehr München
Michael Brauns
Pressesprecher
Werner Heisenberg Weg 39
85577 Neubiberg
Tel.: 089/6004-2004
Fax: 089/6004-2009

Weitere Informationen:
http://www.plastrat.de

Quelle: idw

(nach oben)

Wenn Kontinente zerbrechen, wird es warm auf der Erde

Ralf Nestler Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Der CO2-Gehalt der Atmosphäre entscheidet darüber, ob sich die Erde in einem Treibhaus- oder einem Eishaus-Zustand befindet. Bevor der Mensch begann, die CO2-Konzentration der Lufthülle zu beeinflussen, wurde diese allein durch ein Wechselspiel von geologischen und biologischen Prozessen bestimmt, dem globalen Kohlenstoffkreislauf. Eine aktuelle Studie unter Führung des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ in Potsdam zeigt, dass das Auseinanderbrechen von Kontinenten - von Fachleuten als Rifting bezeichnet - maßgeblich zu einem erhöhten Kohlendioxidgehalt in der Atmosphäre beitrug.

Die Kohlenstoffverteilung der Erde ist sehr ungleichmäßig: Nur ein Hunderttausendstel des Kohlenstoffs unseres Planeten befindet sich in Atmosphäre, Biosphäre und den Ozeanen, die übrigen 99,999 Prozent sind in der tiefen Erde gebunden. Dieser enorme Kohlenstoffspeicher ist aber nicht von der Atmosphäre isoliert, sondern es gibt einen anhaltendem Austausch über Jahrmillionen hinweg: Erdplatten, die in den tiefen Erdmantel absinken, nehmen große Mengen an Kohlenstoff mit sich. Gleichzeitig, so glaubte man, gelangt Kohlenstoff hauptsächlich durch Vulkanismus an mittelozeanischen Rücken wieder an die Oberfläche, in Form von CO2.

In der aktuellen Studie, die im Fachjournal „Nature Geoscience" erscheint, kommt das Forscherteam zu einem anderen Schluss. Zwar führt auch der Vulkanismus am Boden der Ozeane zur Entgasung von Kohlendioxid, der maßgebliche CO2-Eintrag in die Atmosphäre geschieht jedoch an Grabensystemen auf Kontinenten wie etwa dem Ostafrikanischen Rift (Fig. 1) oder dem Eger-Rift in Tschechien. „Grabensysteme entstehen wenn Kontinente gedehnt werden was schließlich zum Auseinanderbrechen von ganzen Erdplatten führen kann", erläutert Hauptautor Sascha Brune vom GFZ. „Das Rift in Ostafrika ist mit einer Länge von etwa 6000 Kilometern zwar das größte Grabensystem weltweit, allerdings erscheint es klein im Vergleich mit den Riftsystemen, die vor 130 Millionen Jahren zum Zerbrechen des Superkontinents Pangea geführt haben und ein Netzwerk von über 40.000 Kilometern Länge bildeten."

Mithilfe von plattentektonischen Modellen der vergangenen 200 Millionen Jahren und anderen geologischen Indizien haben die Wissenschaftler die Entwicklung des globalen Riftnetzwerks rekonstruiert. Dabei konnten sie die Existenz zweier großer Rift-Perioden nachweisen: vor rund 130 und 50 Millionen Jahren. Mittels numerischer Modelle des globalen Kohlenstoffkreislaufs haben die Forscher den Einfluss erhöhter CO2 Entgasungen in Rifts simuliert und konnten zeigen, dass beide Rift-Perioden mit einer erhöhten CO2 Konzentration der damaligen Atmosphäre korrelieren.

„Die weltweiten CO2-Entgasungsraten von Rifts entsprechen allerdings nur einem Bruchteil der derzeitigen anthropogenen CO2-Freisetzung", ergänzt Brune. „Dennoch stellen sie eine bisher fehlende Schlüsselkomponente des tiefen Kohlenstoffkreislaufs dar, der den langfristigen Klimawandel über Jahrmillionen hinweg steuert."

Studie: Sascha Brune, Simon E. Williams, R. Dietmar Müller: "Potential links between continental rifting, CO2 degassing and climate change through time", Nature Geoscience, DOI 10.1038/s41561-017-0003-6

Quelle: idw

(nach oben)

Neue Zeckenart in Deutschland entdeckt: Überträgt sie Viren?

Karola Neubert Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

DZIF-Wissenschaftler in München untersuchen die Ausbreitung der Frühsommer-Meningoenzephalitis - FSME - in Deutschland und stoßen dabei auf einen neuen möglichen Überträger der gefürchteten Hirnhautentzündung: die Zeckenart namens Ixodes inopinatus.

Spricht man über „Neu auftretende Infektionskrankheiten ", denkt man zunächst an Ebola, MERS, Chikungunya- oder Zika-Fieber. Doch auch in Deutschland gibt es gefährliche Zoonosen, von Tieren auf den Menschen übertragene Virus-Infektionen, die sich schnell ausbreiten können. Ein Beispiel ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine virale Hirnhautentzündung, die tödlich enden kann. Diese Infektion tritt in immer neuen Regionen in Deutschland auf und konnte im Jahr 2016 auch erstmalig in den Niederlanden nachgewiesen werden.

Seit mehreren Jahren erforscht eine kleine Gruppe um den Münchner Privatdozenten Dr. Gerhard Dobler am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr die Ausbreitung des FSME-Virus in Deutschland und Mitteleuropa. Erklärtes Ziel des Projekts, das auch vom DZIF unterstützt wird, ist es, die Ausbreitungs-Mechanismen besser zu verstehen und damit auch die Überwachungs- und Kontroll-Maßnahmen gemeinsam mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst zu optimieren.

Zecken als Überträger von Viren?
Seit Jahren haben die Münchner Forscher Vögel im Fokus. Ihre molekularbiologischen Ergebnisse von FSME-Viren aus den unterschiedlichen Regionen Europas zeigen, dass die Viren auf den bekannten Vogelzug-Linien verbreitet werden. Allerdings ist bisher unklar, wie diese Verschleppung der Viren erfolgt: durch infizierte Zecken oder durch eine länger andauernde virale Infektion in den Vögeln selbst. In einem Teilprojekt werden daher an Vögeln und an Vogelrastplätzen Zecken gesammelt, um die dort auftretenden Arten zu bestimmen und damit möglicherweise eingeschleppte neue Zeckenarten und gegebenenfalls FSME-Virusstämme zu entdecken.

Eine neue Zeckenart steht unter Verdacht
Die Untersuchungen in bekannten FSME-Herden in Süddeutschland zeigten, dass eine bisher nur im Mittelmeer-Gebiet beschriebene Art, Ixodes inopinatus, stabile Populationen in Süddeutschland bildet. Die bisher in Deutschland unbekannte Zeckenart wirft eine Reihe von Fragen auf: Kann Ixodes inopinatus in Deutschland vorkommende Krankheitserreger (u.a. das FSME-Virus) übertragen und ist die Einschleppung und Verbreitung dieser Art für die Ausbreitung des FSME-Virus in Mitteleuropa mit verantwortlich? Können dadurch ggf. auch neue, bisher nicht in Deutschland bekannte Erreger übertragen werden? Diese und weitere Fragen beschäftigen die Münchner Forscher und sie arbeiten hier nun eng mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst in Bayern und Baden-Württemberg und anderen universitären Partnern zusammen, um mehr über die (veterinär)medizinische Bedeutung dieser Zeckenart zu erfahren.

Neben dieser neuen Art werden jedoch auch weitere Zeckenarten entdeckt, die bisher nur vereinzelt und teilweise vor vielen Jahren in Deutschland nachgewiesen wurden, seither aber nicht mehr beschrieben wurden. „Die Zeckenfauna ist weitaus vielfältiger als bisher angenommen", erklärt Dobler. Insbesondere Vogelzeckenarten würden identifiziert, wenn gezielt danach gesucht wird. „Die Bedeutung dieser Verschleppungen über Kontinente hinweg ist bisher nur wenig erforscht und könnte für das Auftreten von neu eingeschleppten, durch Zecken übertragene Erkrankungen von größerer Bedeutung sein als bisher angenommen", betont der Wissenschaftler.

Älteste Zecke der Welt entdeckt
Und die mittlerweile weltweit anerkannte Expertise der Münchner auf dem Gebiet der Zeckenidentifizierung erbrachte noch ein weiteres aufsehenerregendes wissenschaftliches „Nebenprodukt": Die Beschreibung der ältesten Zecke der Welt in mehr als 100 Millionen altem Bernstein. Die Identifizierung dieser Zeckenart führte zu einem völlig neuen Verständnis zur Evolution der Zecken.

Kontakt
PD Dr. Gerhard Dobler
Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung, Partner-Standort München
Email: gerharddobler@bundeswehr.org

DZIF-Pressestelle
Karola Neubert
T +49 531 6181 1170
E-Mail: presse@dzif.de

Publikation
Chitimia-Dobler L, Rieß R, Kahl O, Wölfel S, Dobler G, Nava S, Estrada-Peña A. (2017) Ixodes inopinatus - occurring also outside the Mediterranean region. Ticks Tick Borne Dis (in press), online 9. September 2017. https://doi.org/10.1016/j.ttbdis.2017.09.004

Weitere aktuelle Publikationen aus der Zeckenforschung
Chitimia-Dobler L, Nava S, Bestehorn M, Dobler G, Wölfel S (2016). First detection of Hyalomma rufipes in Germany. Ticks Tick borne Dis 7(6), 1135-1136.
Chitimia-Dobler L, Cancian de Araujo B, Ruthensteiner B, Pfeffer T, Dunlop JA. (2017) Amblyomma birmitum, a new species of hard tick in Burmese amber. Parasitology 144(11), 1441-1448.
Oehme R, Bestehorn M, Wölfel S, Chitimia-Dobler L (2017). Hyalomma marginatum in Tübingen, Germany. Syst Appl Acarol 22(1), 1-6.

Weitere Informationen:
https://doi.org/10.1016/j.ttbdis.2017.09.004 Publikation

Quelle: idw

(nach oben)

Digitale Balance in der Arbeitswelt

Dr. Thomas Nesseler Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V.

Die Digitalisierung ist eine Herausforderung für Privatleben und Beruf. Schnelligkeit, Multitasking und ständige Erreichbarkeit sorgen für mehr Effizienz, bergen aber auch gesundheitliche Gefahren. Kritische Stimmen u. a. auch aus der Arbeitsmedizin fordern die Arbeitgeber auf, die Arbeitsorganisation und Arbeitsinhalte so zu gestalten, dass die Gesundheit der Beschäftigten geschützt wird. Neben den Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge, die in Betrieben angeboten werden, empfehlen Experten weitere Techniken zur Wahrung „digitaler Balance" im Alltag.

Sogwirkung digitaler Medien
Internet, Soziale Netzwerke und Smartphones sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Sie richtig zu nutzen, erfordert Augenmaß: „Es kommt ganz entscheidend darauf an, welche Gewohnheiten jeder einzelne im Umgang mit digitalen Medien entwickelt", erklärt die Stressmanagementtrainerin Dr. Sabine Schonert-Hirz in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift ASU. Digitale Werkzeuge können die Arbeit erleichtern, Zeit sparen und eine bessere Balance zwischen Familie und Beruf schaffen. Bei falschem Umgang können sie aber auch den Stresslevel erhöhen, das Denken behindern, den Schlaf stören und sogar krank machen. Ein Problem ist vor allem das Suchtpotential. Dr. Schonert-Hirz ist überzeugt: „Wenn Neugier und Bindungssehnsucht durch digitale Medien angesprochen werden, entwickeln sie eine unwiderstehliche Sogwirkung, die umso stärker wird, je häufiger man sich ihnen aussetzt."

Nutzung digitaler Medien bei der Arbeit
Digitale Medien aktivieren bei ihren Nutzern das „Belohnungserwartungssystem" im Gehirn. Schnell kann sich ein Bedürfnis entwickeln, stets auf die Hinweise seines Smartphones reagieren zu müssen. Gleichzeitig auf Nachrichten, Mails und Telefonate zu reagieren und dabei seine Aufgaben im Job zu erledigen, steigert den Stresslevel und kann zu Konzentrationsstörungen führen. Das Abschalten fällt immer schwerer. Obwohl die Nutzung der digitalen Medien am Arbeitsplatz weitgehend akzeptiert ist, werden die negativen Auswirkungen oftmals erst erkannt, wenn es zu einer massiven Überlastung, Schlafstörungen und Abhängigkeit kommt - so lautet das Fazit aus der 2016 durchgeführten Studie unter der Leitung von Dr. Schonert-Hirz. Die Expertin stellt fest, dass die Sogwirkung digitaler Medien sowohl bei Nutzern als auch Personalverantwortlichen in den Betrieben nicht ausreichend bekannt ist und nicht genug berücksichtig wird.

Maßnahmen gegen digitalen Stress
Wer eine Balance im Umgang mit digitalen Medien erlernen möchte, sollte mit der digitalen Detox-Strategie beginnen, also eine Zeit lang auf Computer und Smartphone verzichten. Durch Entzug wird man für die negativen Auswirkungen sensibilisiert. Weitere wichtige Maßnahmen, die Dr. Schonert-Hirz empfiehlt, sind:
1) Selbstdisziplin und Achtsamkeit
2) Allgemeines Stressmanagement mit Entspannungsübungen, Bewegung, genügend Schlaf und gesunder Ernährung
3) Private Probleme lösen und Arbeitstechniken optimieren, in dem man Aufgaben priorisiert und den Zeitbedarf realistisch einschätzt
4) Abbau von Selbstüberforderung
5) Aufbau von Konzentrationsroutine zum Schutz vor Ablenkung

Mehr zum Thema „Digitale Balance statt Digital Detox" erfahren Sie im Beitrag von Dr. Med. Sabine Schonert-Hirz in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Umweltmedizin" (ASU): https://www.asu-arbeitsmedizin.com/article-790269-30010/digitale-balance-statt-d...

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen:
Alfons W. Gentner Verlag GmbH & Co. KG
Patrick Hagemann, Verlagsleiter Medizin
Forststr. 131 • 70193 Stuttgart
Tel. 0711/ 63 672-851
Fax 0711/ 63 672-751
Email: hagemann@gentner.de
http://www.gentner.de

Über ASU - Zeitschrift für medizinische Prävention:
Die Zeitschrift „Arbeitsmedizin, Sozialmedizin, Umweltmedizin" ist das Leitmedium der deutschsprachigen Arbeitsmedizin. Das Publikationsorgan der Fachinstitutionen DGAUM, ÖGA, SGARM, VDBW, Vereinigung Deutscher Staatlicher Gewerbeärzte e.V. sowie der arbeitsmedizinischen Akademien und richtet sich an Betriebsärzte, Arbeitsmediziner und Akteure in wichtigen Schnittstellenbereichen zur Arbeitsmedizin. Die Zeitschrift ist peer reviewed. 1965 gegründet, erscheint ASU monatlich und erreicht nahezu alle arbeits- und präventionsmedizinisch orientierten Akteure im deutschsprachigen Raum. Weitere Informationen unter http://www.asu-arbeitsmedizin.com

Ansprechpartner Presse DGAUM:
Mariya Ahner, M.A.
Tel.: 089/330 396-0
Fax: 089/330 396-13
E-Mail: mahner@dgaum.de
http://www.dgaum.de

Hauptgeschäftsführer:
Dr. Thomas Nesseler

Quelle: idw

(nach oben)

Sonne ernten auf zwei Etagen - Agrophotovoltaik steigert die Landnutzungseffizienz um über 60 %

Karin Schneider Presse und Public Relations
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

Bislang galt für Ackerflächen: entweder Photovoltaik oder Photosynthese, also Stromerzeugung oder Nahrungsmittelproduktion. Eine Pilotanlage am Bodensee hat nun bewiesen, dass beides sehr gut miteinander vereinbar ist. Die »Agrophotovoltaik« (APV) kann durch die ressourceneffiziente Doppelnutzung von landwirtschaftlichen Flächen die Flächenkonkurrenz abmildern und Landwirten neue Einkommensquellen erschließen. Seit einem Jahr wird unter Leitung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE auf einer Versuchsfläche der Demeter-Hofgemeinschaft Heggelbach die deutschlandweit größte Agrophotovoltaikanlage getestet.

Für das Projekt »Agrophotovoltaik - Ressourceneffiziente Landnutzung« (APV-Resola) wurden über einer Ackerfläche von einem Drittel Hektar Solarmodule installiert. Nun wurden auf beiden Etagen die ersten Sonnen-Ernten eingefahren.

»Die Ergebnisse des ersten Projektjahrs sind ein voller Erfolg, da sich die Agrophotovoltaik-Anlage als praxistauglich erwiesen hat, die Kosten bereits heute mit kleinen Solar-Dachanlagen wettbewerbsfähig sind, die Ernteprodukte ausreichend hoch und wirtschaftlich rentabel vermarktet werden können«, erklärt Stephan Schindele, Projektleiter Agrophotovoltaik am Fraunhofer ISE.

»Die Agrophotovoltaik (APV) hat das Potenzial, neue Flächen für den dringend benötigten Photovoltaik-Ausbau in Deutschland zu erschließen und gleichzeitig den Flächenkonflikt zwischen Landwirtschaft und Freiflächenanlagen zu mildern. Bis zur Marktreife der Technologie müssen jedoch noch weitere Sparten und Anlagengrößen getestet und die technische Integration vorangetrieben werden, zum Beispiel bei der Speicherung«, so Dr. Andreas Bett, Institutsleiter des Fraunhofer ISE.

Als Testkulturen wurden Winterweizen, Kartoffeln, Sellerie und Kleegras angebaut. Durch einen größeren Reihenabstand zwischen den bifazialen Glas-Glas-Solarmodulen in fünf Meter Höhe und die Ausrichtung nach Südwesten wurde sichergestellt, dass die Nutzpflanzen gleichmäßig Sonnenstrahlung erhalten.

Ernteverluste durch Solarmodule - positive Gesamtbilanz
Die Ergebnisse der ersten Ernten auf den Versuchsflächen sind weitestgehend vielversprechend: »Beim Kleegras ist der Ertrag im Vergleich zur Referenzfläche nur leicht um 5,3 % reduziert«, berichtet Prof. Dr. Petra Högy, Agrarexpertin an der Universität Hohenheim. »Bei Kartoffeln, Weizen und Sellerie sind die Ernteverluste durch die Beschattung mit rund 18 bis 19 % etwas stärker ausgeprägt.«

»Aus agrarwissenschaftlicher Sicht sieht Agrophotovoltaik nach einem vielversprechenden Lösungsansatz aus, um die Landnutzungseffizienz zu erhöhen und den Mix erneuerbarer Energien zu erweitern, die zukünftig aus der Landwirtschaft bereitgestellt werden«, betont Prof. Dr. Iris Lewandowski, Leiterin des Fachgebiets Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergiepflanzen an der Universität Hohenheim. Allerdings, schränken die Expertinnen ein, seien noch mehrere Praxisjahre und Untersuchungen mit anderen Kulturen sinnvoll, um eindeutige Aussagen treffen zu können.

Solaranlage produziert überdurchschnittlich
Die 720 bi-fazialen Solarmodule gewinnen Sonnenstrom nicht nur auf der Vorderseite, sondern nutzen auch die von der Umgebung reflektierte Strahlung auf der Rückseite. Bei günstigen Bedingungen (z.B. Schneefläche), können sie so bis zu 25 Prozent Mehrertrag erzielen und den Energieertrag der Fläche zusätzlich erhöhen. Aus energetischer Sicht ist diese Doppelnutzung einer Ackerfläche ohnehin deutlich effizienter als der reine Anbau von Energiepflanzen, der in Deutschland immerhin 18 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen ausmacht.

Mit der installierten Leistung von 194 Kilowatt können 62 Vier-Personen- Haushalte versorgt werden. In den ersten zwölf Monaten hat die Photovoltaik-Anlage 1.266 Kilowattstunden Strom pro installiertem Kilowatt Leistung geerntet. Dieses Ergebnis liegt ein Drittel über dem deutschlandweiten Durchschnitt von 950 Kilowattstunden pro Kilowatt.

Die Stromernte vom Acker passt in ihrem täglichen Verlauf gut zu den Lastverläufen auf dem Hof. So wurde etwa 40 Prozent des erzeugten Solarstroms in der Hofgemeinschaft direkt für das Betanken des Elektrofahrzeugs sowie die Verarbeitung der Produkte genutzt. Im Sommer wurde die Last tagsüber fast komplett durch die Photovoltaik-Anlage beliefert. Die Demeter-Bauern um Thomas Schmid planen, durch eine Optimierung ihres Verbrauchsverhaltens und den Einsatz eines Stromspeichers den Grad der Eigennutzung auf 70 Prozent zu steigern. Den überschüssigen Strom nimmt der Projektpartner Elektrizitätswerke Schönau ab.

Das Projekt »Agrophotovoltaik- Ressourceneffiziente Landnutzung«
Seit die Idee der Agrophotovoltaik 1981 vom Gründer des Fraunhofer ISE, Prof. Dr. Adolf Goetzberger, formuliert wurde, wurden weltweit mehrere große APV-Anlagen umgesetzt. Allerdings existieren nur wenige APV-Forschungsanlagen. Im Projekt »APV-Resola« werden erstmalig unter Realbedingungen die wirtschaftlichen, technischen, gesellschaftlichen und ökologischen Aspekte der Technologie an einer Pilotanlage wissenschaftlich untersucht. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die FONA- Forschung für nachhaltige Entwicklung fördern das Projekt.

Projektziel ist die Entwicklung der APV-Freiflächenanlagentechnologie zu einem marktfähigen Produkt. »Um den für eine Markteinführung notwendigen Nachweis der Funktionstüchtigkeit im Einsatz erbringen zu können, müssen wir weitere techno-ökonomische APV-Anwendungen vergleichen, die Übertragbarkeit in andere Regionen demonstrieren und größere Anlagen realisieren«, so Stephan Schindele. So sollen die unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten u.a. in Kombination mit Obst-, Beeren-, Wein- und Hopfenbau sowie mit Energiespeicher, organischer PV-Folie und solarer Wasseraufbereitung und -verteilung untersucht werden. »Neben Investitionen seitens der Industrie und der Forschungspolitik ist für die erfolgreiche Markteinführung der Agrophotovoltaik auch eine für erneuerbare Energien typische politische Steuerung notwendig«, ergänzt Stephan Schindele. Das Fraunhofer ISE und das Wuppertal Institut haben daher bereits 2014 in einer gemeinsamen Stellungnahme mit Unterstützung der Universität Hohenheim vorgeschlagen, Agrophotovoltaik in Ausschreibungen in einer Testphase gesondert zu berücksichtigen.

Weitere Informationen:
Forschungsprojekt Agrophotovoltaik - Hofgemeinschaft Heggelbach am Bodensee
http://blog.innovation4e.de/2017/11/21/ein-jahr-agrophotovoltaik-sonnenernte-auf...
Blogbeitrag auf "Innovation4E" dem Forschungsblog des Fraunhofer ISE
https://www.ise.fraunhofer.de/ Webseite des Fraunhofer ISE

Anhang
Presseinformation [PDF]
https://idw-online.de/de/attachment59201

Quelle: idw

(nach oben)