Klärwerk.info - Wegweiser

Übersicht

Willkommen bei klaerwerk.info. Produkte suchen können Sie ganz einfach, indem Sie das gesuchte Produkt wie z.B. Pumpen  in das Feld „Produktsuche“ eingeben und dann die Enter-Taste drücken. Übersichtlich werden alle gelisteten Lieferanten angezeigt, die das Produkt führen, alle Artikel in www.Klärwerk.info, die sich mit dem Produkt beschäftigen sowie alle Fortbildungsveranstaltungen mit diesem Thema.

Ansonsten finden Sie alle Artikel geordnet in Sachgebiete. Klaerwerk.info bietet eine umfassende Fülle von Informationen und Links, die man täglich braucht. Damit Sie wissen, wo Sie was finden, nachfolgend eine Übersicht über die einzelnen Sachgebiete:

A. Aktuelles

Hier finden Sie alle aktuellen Meldungen chronologisch geordnet. Suchen Sie frühere Meldungen, so sehen Sie in den Sachgebieten nach oder geben rechts oben einen Suchbegriff in das Suchen-Feld ein.

1)      Tägliche Meldungen

B. Forum

1)      Fragen und Antworten

Das Forum steht allen Nutzern zur Verfügung. Hier können Sie alle Beiträge lesen, selbst Beiträge erstellen oder auf Beiträge antworten

C. Fachwissen

Hier schreiben Praktiker für Praktiker. Haben Sie auch etwas Interessantes zu berichten, so schreiben Sie uns an Kontakt@Klaerwerk.info .

1)     Abwasserreinigung
2)      Energie- und E-Technik
3)      Kanal- und Entwässerung
4)      Maschinentechnik
5)      Labor
6)      Schlammbehandlung
7)      Gaserzeugung und BHKW
8)      Aus Bund Ländern und EU
         a) Vom Bund
         b) Aus der EU und aller Welt
         c) Aus den einzelnen Bundesländern (geordnet nach Bundesländer)
9)      Recht und Gesetze
         a) Beiträge zum Umweltgesetzbuch
         b) Beiträge zur Wasserrahmenrichtlinie (WWRL)
         c) Beiträge zum Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)
10)    Neue Fachliteratur
         a) Neue Bücher
         b) CD/ DVD's
         c) Downloads
         d) Fachzeitschriften
         e) Lexika und Wörterbücher
11)  Tipps und Tricks

D. Berufliches

Der zweite Schwerpunkt von Klärwerk.info. Hier finden Sie alles für Arbeitnehmer und Vorgesetzte und was Sie persönlich angeht.

1)      Arbeitssicherheit
         a) Unfallverhütungsvorschriften- Regeln und Information
         b) Formulare und Erlaubnisscheine
         c) Gesetze und Verordnungen zur Arbeitssicherheit
         d) Umsetzung der Betriebssicherheitsverordnung
         e) Unterweisungshilfen
         f ) Hilfen zur Gefährdungsbeurteilung
         g) Ex-Schutz auf Kläranlagen
2)
      Tarif- und Arbeitsrecht
         a) Tarifrecht, Tarifvertrag, Gehaltsrechner und mehr
         b) Mitarbeitergespräche, Mitarbeiterbeurteilung
         c) Leistungsorientierte Bezahlung
         d) Tabelle TVöD (West)
         e) Arbeitszeugnisse
3)      Aus- und Weiterbildung
         a) Ansprechpartner
4)      Azubiseite
         a) Ausbildungshilfen für Ausbilder und "Azubis"
         b) Musterkläranlage
         c)  Prüfungsaufgaben
         d) Übungsaufgaben
         e) Informationen für Auszubildende
         f)  UT-Ausbildertreffen Fachkraft für Abwassertechnik
         g) Formeln, PSE und weitere Hilfen
5)      Meisterschüler
         a) Informationen für Meisterschüler
         b) Prüfungsaufgaben
6)        Offene Stellen

E. DWA-Infos

1)      Klärwerksnachbarschaften
         a) Kläranlagennachbarschaften in Bayern
         b) Kläranlagennachbarschaften in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
         c) Kläranlagennachbarschaften in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland
2)      DWA-Informationen
         a) DWA Arbeitsblätter
         b) KA-Betriebs-Infos
         c) Mitgliederrundbriefe aus den Landesverbänden
         d) Meldungen der DWA

F. Kläranlagen

1)      Links zu Kläranlagen und Abwasserverbänden
2)      Kläranlagen - Videos
3)      Meldungen von den Kläranlagen

G. Nützliches

1)      Wetter und Hochwasser
2)      Firmennachrichten
3)      Verbandsnachrichten        
4)      Nützliche Links
         a) Umweltschutzorganisationen
         b) Fachzeitschriften, Lexika und Wörterbücher
         c) Behörden
         d) Berufsverbände und Vereinigungen
         e) Fachinformationen
         f) Gesetze und Verordnungen
5)      Meldungen aus der Wissenschaft
6)      Meldungen aus aller Welt
7)      Allgemeine Meldungen und Berichte

H. Fortbildungsdatenbank

1)      Fortbildungen
2)      Fortbildungen in Österreich
3)      Fortbildungen in der Schweiz
4)      Messen und Tagungen

I. Produktsuche/ Lieferanten

J. Kontakt

1)      Impressum
2)      Über Uns
3)      Kontakt

16.07.2018 12:52

Klärwerk.info / Aktuelles / Tägliche Meldungen

Tägliche Meldungen

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Juli 2018
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
15.07.2018
FlexFuture! Biogas sorgt für stabile Netze 
11.07.2018
Weitere Ursachen von Sauerstoffverlust der Ozeane identifiziert 
09.07.2018
SOLUTIONS - für eine bessere Wasserqualität europäischer Flüsse 
06.07.2018
Deutsche Unternehmen gefährden Umwelt und Menschenrechte 
03.07.2018
Planungssicherheit für Kommunen: Den Wasserbedarf der Zukunft prognostizieren
Gesundheit
13.07.2018
Erst impfen, dann reisen - Deutsche Leberstiftung warnt vor Hepatitis-Gefahren auf Reisen 
10.07.2018
Bananenschalen statt Pflaster? Forschung zur heilenden Kraft der Banane an der Jacobs University 
07.07.2018
Tattoos: Körperschmuck mit Risiken 
02.07.2018
„Das wurde auch höchste Zeit" - HPV-Impfung für Jungen empfohlen
Gesellschaft
16.07.2018
Studie zu Druck im Profi-Fußball: Wenn Perfektionismus zum Problem wird 
12.07.2018
Ein „durchgestyltes" Fußballerlebnis 
07.07.2018
Fußball durch die Augen des Computers 
05.07.2018
Fußball-WM 2018: Statistik sieht Brasilien vorne 
Juni 2018
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
29.06.2018
Schützen Biberdämme vor Hochwassern? HSWT erforscht Grundlagen zum Wasserrückhalt durch Biberdämme 
26.06.2018
Biomasse effizient nutzen 
25.06.2018
Achema 2018: Bierbrauen - Braurückstände sollen nachhaltige Verwendung finden 
21.06.2018
Zweites „Leben" für Phosphor: Wie Phönix aus der Klärschlammasche 
20.06.2018
Biomasseforschungszentrum skizziert Änderungsvorschläge für das Ausschreibungsdesign im EEG 2017 
18.06.2018
Das Klärwerk der Zukunft - Abwasser als Energiequelle 
15.06.2018
Wenn Bakterien Häuser bauen 
14.06.2018
KIT: Wasseraufbereitung: Neues Verfahren eliminiert Hormone 
10.06.2018
UDE: FutureWaterCampus - Neuer Forschungsbau in Sicht 
07.06.2018
Vorläufige Entwarnung 
04.06.2018
Innovatives Verfahren zur umweltschonenden Gülleaufbereitung kommt auf den Markt 
02.06.2018
Wasser reinigen und Boden düngen mit Pflanzenkohle 
01.06.2018
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28.06.2018
Brustkrebs-Verdacht: Bis zu 45 Prozent mehr Tumore per Ultraschall entdecken 
24.06.2018
Studie: Schlafqualität beeinflusst Leistungsfähigkeit stärker als Schlafdauer 
22.06.2018
Bei BMI größer 40 und Typ 2-Diabetes: Neue S3-Leitlinie empfiehlt sofortige Operation 
19.06.2018
Molekül identifiziert, das anfällig für Magersucht macht 
16.06.2018
Solanin in Kartoffeln: Grüne und stark keimende Knollen sollten aussortiert werden 
13.06.2018
LED-Sitzhocker gegen Rückenschmerzen 
11.06.2018
„Stressfresser" aus dem Kuhstall - Landbewohner mit Nutzierkontakt können Stress besser bewältigen
09.06.2018
Konzentrierter arbeiten im Büro 
08.06.2018
Todesfalle Krankenhauskeim 
05.06.2018
Beeinflusst körperliche Aktivität die Gesundheit künftiger Nachkommen? 
01.06.2018
Die Emotion liegt im Auge des Hörers: Warum überraschende Geräusche die Pupille weiten 
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27.06.2018
Der gläserne Fußballer 
23.06.2018
WM 2018: Fußball-Fans am Arbeitsplatz - Was ist erlaubt? 
17.06.2018
Männer und Frauen wünschen sich oft kürzere Arbeitszeiten 
12.06.2018
Studie der Hochschule Fresenius zeigt: Muskulöse Männer haben bessere Karrierechancen 
06.06.2018
baua: Praxis: Ungestört arbeitet es sich viel besser 
03.06.2018
Studie zeigt: Sind wir glücklich mit unserem Job, dann fühlen wir uns auch privat wohler 
01.06.2018
Wenn es um Geld geht, ticken Menschen rund um den Globus ähnlich 
Mai 2018
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
30.05.2018
Stärkere Belege für Abschwächung des Golfstromsystems 
28.05.2018
Alternativer Waldzustandbericht: Deutschlands Wäldern geht es schlecht 
26.05.2018
Phosphorgewinnung aus Klärschlamm und andere regionale Nutzungskonzepte für Biomassen 
25.05.2018
BAM@Hannover Messe: Phosphor-Recycling aus Klärschlamm für den Dünger der Zukunft
24.05.2018
Bottrop testet Mülltonne mit bunten Beuteln und bestellter Abholung bei Bedarf 
22.05.2018
Zweite Wärmequelle optimiert Wärmepumpenanlage 
20.05.2018
Bewertung von Sicherheitsventilen: SIL-Einstufung nicht sinnvoll 
18.05.2018
Neues Bakterium aus Öl des Deepwater-Horizon-Unfalls beschrieben 
15.05.2018
Erstmals verlässliche Drei-Monats-Prognosen für Winter in Europa möglich 
13.05.2018
Biokraftstoffe: Im Verkehrssektor droht das Scheitern des Klimaziels für 2030 
11.05.2018
Biologische Vielfalt von grünlanddominierten Kulturlandschaften unter der Lupe 
08.05.2018
Wassergespräch Lausitz - Wie weiter mit dem Wasser in der Region? 
05.05.2018
Upcycling von PET-Flaschen: Neue Ideen für einen Wertstoffkreislauf in Deutschland 
02.05.2018
Biokraftstoffe: EU-Projekt BioMates gewinnt an Fahrt 
01.05.2018
50 Jahre Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Meerestechnik an der Universität Rostock 
Gesundheit
31.05.2018
Folgen eines Zeckenstichs sicher erkennen und behandeln: Leitlinie Neuroborreliose veröffentlicht 
27.05.2018
Europäische Impfwoche 2018 - BM Spahn fordert bessere Zusammenarbeit bei der Masernimpfung 
21.05.2018
Chemikalien im Trinkwasser: Projekt „Neurobox" der h_da untersucht gesundheitliche Auswirkungen 
19.05.2018
Was wird aus "gesunder Bräune" in 25 Jahren? Die App zeigt's! 
17.05.2018
Den Blutzucker fest im Griff 
14.05.2018
Baden-Württemberg: Erblindungsrisiko bei Menschen mit und ohne Diabetes deutlich gesunken 
12.05.2018
Rückenschmerzen - Neuer Artikel in Fachzeitschrift Lancet warnt vor Überdiagnostik 
09.05.2018
Fettleber unter Stress 
06.05.2018
Mikroarray-Schnelltest verkürzt Nachweis bei Legionella pneumophila Ausbruch 
04.05.2018
Wie die Form unserer Ohren bestimmt, was wir hören 
01.05.2018
Trockene Augen: Bei roten, schmerzenden, brennenden Augen zum Augenarzt 
Gesellschaft
23.05.2018
Wenn der Job zur Persönlichkeit passt, ist das Gehalt höher 
10.05.2018
Wohnungsmarkt: mieten oder kaufen? 
07.05.2018
Gesichtserkennung in Australien - die Privatsphäre wurde ganz offiziell abgeschafft 
03.05.2018
Sicherheit ist wichtiger als Flexibilität. Wie Frauen und Männer sich ihren Arbeitsplatz wünschen 
01.05.2018
Neue Arbeitswelt: Arbeitszeitgesetz verliert an Bedeutung 
April 2018
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
30.04.2018
Zukunftsprojekt zu innovativer Siedlungswasserwirtschaft und urbaner Nahrungsmittelproduktion 
28.04.2018
Auch eine dezentrale Energiewende braucht Netzausbau 
27.04.2018
Bremsenergie ungebremst nutzen 
25.04.2018
Mikropartikel aus Kunststoff im Einzugsgebiet von Rhein und Donau nachgewiesen 
24.04.2018
Neues Forschungsprojekt an der Ostfalia: Sauerstoffeintrag in Belebungsbecken 
21.04.2018
Weltwassertag: Natur bietet Kombi-Lösung für Hunger-, Wasser- & Umweltprobleme 
18.04.2018
Bis 2030 sind deutlich mehr Erneuerbare Energien möglich
17.04.2018
Neue Studie für Greenpeace: Wälder bergen ungenutztes Potential für den Klima- und Naturschutz 
15.04.2018
Energieeffiziente Wassernutzung in der Industrie: 5. Ausschreibungsrunde im Förderprogramm STEP up! 
14.04.2018
Alle Pilze sind schon da: Wenn Bäume den Berg hinauf wandern, warten ihre Pilzpartner auf sie 
13.04.2018
BAM überprüft Energieeffizienz von Wärmepumpen 
10.04.2018
Da haben wir den Salat: Erste Ernte aus aufbereitetem Abwasser im Forschungsprojekt HypoWave 
09.04.2018
Neue IOW-Studie: Birgt Mikroplastik zusätzliche Gefahren durch Besiedlung mit schädlichen Bakterien? 
07.04.2018
Anstatt Abfackeln: Erdölbegleitgas als Rohstoff nutzen 
05.04.2018
Ohren für Icarus 
03.04.2018
Sonnenkonzentrat aus der Folie 
02.04.2018
Schadstoffe im Wasser abbauen: Chemiker der Uni Halle verbessern Verfahren 
01.04.2018
RWI-Stromspiegel: Nicht immer zahlt sich der Wechsel zum stromsparenden Elektrogerät aus 
Gesundheit
23.04.2018
Neue Studie zur Beratung in Sachen Homöopathie bescheinigt Apothekern Weiterbildungsbedarf 
19.04.2018
Fünftes Symposium „Gefahrstoffe am Arbeitsplatz" 
16.04.2018
Alarmierend: Nur 8% waschen ihre Hände in korrekter Weise 
06.04.2018
Einmal dick - immer dick? 
01.04.2018
Lungenärzte warnen: E-Zigaretten machen abhängig und krank 
Gesellschaft
29.04.2018
Photovoltaik: Einfach integrierbar durch moderne Druckverfahren 
26.04.2018
Hochschule Hamm-Lippstadt entwickelt Lebensmittel-Abholbox für ländliche Regionen 
22.04.2018
Trotz des Gender Pay Gaps empfinden Frauen häufig ihren Verdienst als gerechter als Männer 
11.04.2018
Warum der Chef immer Schuld ist - Studie zur Verteilung von Lob und Tadel 
08.04.2018
Faking in Bewerbungsgesprächen: Wer übertreibt, gewinnt - und ist oft besonders leistungsfähig 
04.04.2018
Haushaltsdienstleistungen zugewanderter Frauen führen dazu, dass einheimische Frauen mehr arbeiten 
01.04.2018
Kieler Studie zeigt: Trockene Haut und Neurodermitis führen zu einem veränderten Hautmikrobiom 
März 2018
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
30.03.2018
Den Stadtwildtieren auf der Spur: Citizen Science für alle 
27.03.2018
Wilde Nachbarn 
26.03.2018
Es gibt mehr und vielfältigere plastikfressende Bakterien, als bisher angenommen 
23.03.2018
Neun Kommunen bei Bundeswettbewerb „Klimaaktive Kommune 2017" ausgezeichnet 
20.03.2018
Batterie oder Brennstoffzelle? Jülicher Forscher berechnen Kosten des Infrastrukturausbaus 
18.03.2018
Große Resonanz beim ACHEMA-Gründerpreis 2018 
16.03.2018
Globale Wassermodelle schätzen Wasserspeicheränderungen oft falsch ein 
14.03.2018
Neuerscheinung: Klimaschutz kommunal umsetzen 
12.03.2018
Energiewende: Neuer Regler verteilt Strom einfach und effizienter im Netz 
10.03.2018
Neuer Multi-Parameter Biosensor zur Überwachung der Biogasproduktion 
07.03.2018
Umweltgeschichte aus dem Faulschlamm: Klimawandel lässt „tote Zonen" im Schwarzen Meer wachsen 
06.03.2018
Biogas: Forschungsprojekt erkundet ungenutzte Potenziale von Anlagen 
05.03.2018
Biogas-Fachgespräch in Nossen diskutiert zum Thema "Emissionen von Biogasanlagen" 
02.03.2018
Fraunhofer IMWS testet umweltfreundliche Mikroplastik-Alternativen in Kosmetikartikeln 
01.03.2018
Potenzial für eine grüne Wasserstoff-Wirtschaft 
Gesundheit
31.03.2018
Kälte kann Herzinfarkt auslösen 
29.03.2018
Risikofaktoren erkennen und gegensteuern: So kann das Herz selbst im Alter jung bleiben 
25.03.2018
Faszien: Vernetzt von Kopf bis Fuß 
24.03.2018
Medizinerin findet Weg, um Blutdrucksenkung durch Sport vorhersagen zu können 
22.03.2018
Entdeckte Brustkrebsvorstufen im Mammographie-Screening meist aggressiv 
21.03.2018
BfS will Hautkrebsprävention rechtlich verankern 
19.03.2018
Nur selten zu hohe Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln 
15.03.2018
Häufige Familienmahlzeiten fördern eine gute Ernährung von Kindern 
13.03.2018
Keime & Co. - Küchenhygiene mit Köpfchen 
09.03.2018
Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln 
08.03.2018
Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet 
04.03.2018
Wie Omega-3-Fettsäuren das Immunsystem fit halten 
03.03.2018
Den Lebensmittelfälschern auf der Spur 
Gesellschaft
28.03.2018
Wann Mitarbeiter von Handlungsspielräumen im Job profitieren 
17.03.2018
Studie zu Arbeitszeiten von Frauen und Männern: Mütter arbeiten länger und flexibler 
11.03.2018
Beitragsfreie Kita-Betreuung führt nicht dazu, dass Frauen mehr arbeiten 
03.03.2018
Neues Mutterschutzgesetz: Wichtige Änderungen für Arbeitgeber 
Februar 2018
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
27.02.2018
Klimawandel lässt Flüsse über die Ufer treten: Anpassung nötig 
22.02.2018
Versauerung: Wie der Klimawandel die Süßgewässer belastet 
20.02.2018
Der Artnachweis aus der Wasserflasche 
17.02.2018
Bienen-Parasit: Forscher entdecken Medikament gegen Varroa-Milbe 
13.02.2018
Forschungsergebnisse der Jade Hochschule dienen dem Schutz der Küstenregion vor Überschwemmung 
11.02.2018
Nährstoffüberschuss lässt Ozeane ersticken 
08.02.2018
Die Sauerstoffarmut im Ozean nimmt zu- Science-Studie zeigt Gefahren, aber auch Lösungsansätze auf 
05.02.2018
Würmer machen beliebt 
03.02.2018
„Plastikpiraten" finden viel Müll an deutschen Flüssen 
02.02.2018
Klimawandel: Selbstverstärkender Effekt nicht durch Bodentiere erklärbar 
01.02.2018
Kleinste Blockheizkraftwerke für Einfamilienhäuser 
Gesundheit
28.02.2018
 Fastfood macht Immunsystem langfristig aggressiver
23.02.2018
Neue US-Bluthochdruck-Leitlinien: Wie tief soll der Blutdruck in Deutschland gesenkt werden? 
18.02.2018
Mit Müsli gegen Arthritis 
15.02.2018
Herzinfarkt: Ältere Frauen zu spät im Krankenhaus 
12.02.2018
Urlaubszeit ist Warzenzeit 
09.02.2018
Gehirnjoggings: So lässt sich das Arbeitsgedächtnis trainieren 
06.02.2018
Ursache für kohlartigen Atemgeruch aufgedeckt 
04.02.2018
BfR bewertet Tageshöchstmenge für Magnesium in Nahrungsergänzungsmitteln 
01.02.2018
Welche Auswirkungen haben Kopfbälle im Fußball - Studie läuft an der Uni Paderborn zusammen 
Gesellschaft
26.02.2018
2017 steigen die Tariflöhne nominal um 2,4 Prozent - Real ein Plus von 0,6 Prozent 
21.02.2018
Ob Fußballtrainer, Ärzte ohne Grenzen oder Trachtengruppen: Freiwilliges Engagement ist bunt 
19.02.2018
Schön traurig 
14.02.2018
Im Alter leisten Männer weniger Hausarbeit als Frauen - und fühlen sich dabei gesünder 
07.02.2018
BAuA-Bericht: Fachkräfte für Arbeitssicherheit benötigen viele Kompetenzen 
01.02.2018
WSI zieht erste Tarifbilanz 2017: Tarifabschlüsse zwischen 2 und 3 Prozent 
Januar 2018
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
31.01.2018
Zukunftsvision für Wärme aus Biomasse 
29.01.2018
Aus Abwässern der Joghurtproduktion sollen Viehfutter und Flugzeug-Kraftstoffe entstehen 
28.01.2018
Belauscht: Akustische Überwachungsgeräte spüren Wilderei und illegalen Holzeinschlag auf 
27.01.2018
Vulkanologie - Was die Gewalt eines Ausbruchs bestimmt 
25.01.2018
Umweltzone senkt Gesundheitsbelastung deutlich 
24.01.2018
Aquakultur: Neues Verfahren spürt Umweltbelastungen durch Lachsfarmen schneller auf 
23.01.2018
Konzept der Universität Rostock zur Ölhavarie-Bekämpfung erfolgreich auf der Warnow erprobt 
21.01.2018
Studie: Thermische Verwertung unverzichtbar in der Circular Economy 
19.01.2018
Bionischer Filter zur Trennung von Mikroplastik 
18.01.2018
Rosige Zeiten für die Meeresforschung: SFB „Roseobacter" wird weitere vier Jahre gefördert 
17.01.2018
Spektakuläre Filmaufnahmen vom Oberrhein online 
12.01.2018
Damit die Energiewende gelingt: Solar-Institut Jülich der FH Aachen baut neuartigen Stromspeicher 
10.01.2018
Intelligentes Wassermanagement für Indiens Städte 
08.01.2018
Saisonale unterirdische Wärmespeicher können Kohlekraftwerke bei der Wärmeversorgung ersetzen 
06.01.2018
Forschung für die Energiewende in Kommunen und Regionen 
03.01.2018
Plastik in Binnengewässern: Verbundprojekt „PLASTRAT" gestartet 
02.01.2018
Wenn Kontinente zerbrechen, wird es warm auf der Erde 
01.01.2018
Sonne ernten auf zwei Etagen - Agrophotovoltaik steigert die Landnutzungseffizienz um über 60% 
Gesundheit
30.01.2018
Fernsehen schadet dem Kinderschlaf: Forscher untersuchen erstmals Schlafqualität Dreijähriger 
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Digitale Balance in der Arbeitswelt 

 


Studie zu Druck im Profi-Fußball: Wenn Perfektionismus zum Problem wird

Dipl.-Journ. Carsten Heckmann Stabsstelle Universitätskommunikation/Medienredaktion
Universität Leipzig

Fußball-Weltmeister Per Mertesacker hat im März eine große Debatte ausgelöst um den Druck, dem Profifußballer ausgesetzt sind. Nun stehen ab Donnerstag wieder große Duelle an, K.O.-Spiele, Elfmeterschießen, vor einem Millionenpublikum - die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland beginnt. Zum Trainingsprogramm sollte und wird der Umgang mit Druck gehören, sagt Anne-Marie Elbe, Professorin für Sportpsychologie an der Universität Leipzig. Der Bedarf sei immens. In einer Studie mit dänischen und schwedischen Profi-Fußballern fand die Sportpsychologin heraus: Fast 17 Prozent der Teilnehmer zeigten Symptome einer Depression.

"Was viele Leistungssportler auszeichnet, ist der Perfektionismus", sagt Anne-Marie Elbe. "Der wirkt erstmal positiv, motivierend. Aber er kann auch Angst erzeugen, nämlich die Angst davor, nicht perfekt zu sein. Und die treibt viele Profi-Fußballer um, gepaart mit der Angst vor der Bewertung durch andere, der sogenannten sozialen Angst. Diese Zusammenhänge hat unsere Studie deutlich aufgezeigt."

Gefühle von Hilflosigkeit und Schuld, wenig Appetit und Schlafstörungen und eine depressive Stimmung könnten die Folge sein - und wurden von fast 17 Prozent der Befragten geäußert. Für die Leipziger Forscherin kein überraschendes Ergebnis: "Mentale Probleme können im Profisport gehäuft auftreten. Wichtig ist, ihnen professionell zu begegnen. Denn wenn die genannten Verstimmungen über einen längeren Zeitraum andauern, spricht man von Depression, und dann braucht es Hilfe seitens der klinischen Psychologie."

323 Spieler der ersten und der U19-Mannschaften der dänischen und schwedischen Erstligisten beantworteten die Fragen der Wissenschaftler - drei Viertel der angefragten Fußballer. Anne-Marie Elbe war bis 2017 an der Universität Kopenhagen tätig und leitete die Studie. Die Ergebnisse, die nach Elbes Einschätzung in anderen Ländern ähnlich zu erwarten wären, veröffentlichten die Forscher in der renommierten Fachzeitschrift "Psychology of Sport and Exercise."

"Die Verantwortlichen in den Vereinen und die Spieler selbst waren sehr offen, das hat uns die Arbeit natürlich erleichtert", berichtet Elbe. Allgemein sei das Thema Depression in der Branche kein Tabu mehr, auch in Deutschland nicht. "Es gab prominente Fälle, und es gibt inzwischen nicht nur bei der Nationalmannschaft einen Sportpsychologen, sondern auch bei den meisten Bundesligavereinen und deren Nachwuchsleistungszentren."

Letzteres sei auch zwingend nötig. "Generell gilt es, sportpsychologische Trainingsmethoden stärker in die Nachwuchsausbildung zu integrieren. Bereits im Jugendalter sollten Fußballer darauf vorbereitet werden, wie sie mit Drucksituationen umgehen können. "Das sollte genauso dazugehören wie das technische und taktische Training."

Aber kann man sich wirklich darauf vorbereiten, in das Elfmeterschießen eines WM-Finales zu gehen und vor einer Kulisse von 80.0000 lauthals skandierenden Zuschauern den entscheidenden Elfmeter zu halten? "Ja, das kann man trainieren", sagt Sportpsychologin Elbe. "Es gibt diverse Methoden dafür, neuerdings auch Simulationsmöglichkeiten mithilfe der sogenannten virtuellen Realität. Wichtig ist dabei immer: Jeder Spieler braucht eine individuelle Betreuung, denn jeder hat seine eigene Version dessen, was wir in der Fachsprache optimale Funktionszone nennen. Was braucht er also in welcher Situation? Muss er sich rauf- oder runterregulieren? Welche Methode wirkt bei ihm am besten? Das gilt es herauszufinden."

Die Entwicklung gehe in die richtige Richtung, nicht nur im Fußball. "Aber wir sollten die psychologischen Faktoren weiter erforschen, um die Prävention zu erleichtern. Auslöser für Depressionen sind bei Leistungssportlern eben andere als zum Beispiel bei Lehrern. Ungewöhnlich sind sie nicht, die Profi-Fußballer können den Druck nicht loswerden. Aber dass einem Spieler vor einem WM-Match in der Kabine vor Angst schlecht wird, das sollte nicht passieren."

Die Publikation:
Jensen, S.N., Ivarsson, A., Fallby, J., Dankers, S. und Elbe, A.-M: "Depression in Danish and Swedish Elite Football Players and its relation to perfectionism and anxiety." In: Psychology of Sport and Exercise, Ausgabe Mai 2018.

Hinweis:
Prof. Dr. Anne-Marie Elbe ist eine von mehr als 150 Expertinnen und Experten der Universität Leipzig, auf deren Fachwissen Sie mithilfe unseres Expertendienstes zurückgreifen können.

Weitere Informationen:
https://doi.org/10.1016/j.psychsport.2018.02.008 Publikation in "Psychology of Sport and Exercise"
http://www.uni-leipzig.de/experten Expertendienst der Universität Leipzig

Quelle: idw

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FlexFuture! Biogas sorgt für stabile Netze

Bianca Stur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Biomasseforschungszentrum

Biogasanlagen gelten als die Joker des erneuerbaren Energiesystems, denn sie können flexibel Strom und Wärme einspeisen und so Fluktuationen ausgleichen. An einer Praxisanlage wurde nachgewiesen, dass Engpässe und Überlastungen im Stromnetz vermieden werden können, wenn Photovoltaik- und Biogasanlage aufeinander abgestimmt Strom einspeisen.

Die Stabilität der Stromnetze und damit die Versorgungssicherheit in Deutschland jederzeit zu gewährleisten, ist ein wesentlicher Schwerpunkt der Energiewende. Gerade bei der zunehmenden Einspeisung fluktuierender erneuerbarer Stromerzeuger, wie Windkraft oder Photovoltaik (PV), kommt es jedoch vermehrt zu Engpässen oder zu einer Überlastung der Verteilnetze. Das Nadelöhr zum Mittelspannungs-Verteilnetz, in das PV- und Biogasanlagen einspeisen (bis 50 kV), ist der sogenannte Netzverknüpfungspunkt (NVP), der für eine maximale Stromeinspeisung ausgelegt ist. Bei Überschreiten dieser Leistung werden die Anlagen abgeregelt, um die Netzstabilität zu sichern. Diese Belastung ohne kostenintensiven Netzausbau zu reduzieren, hat sich das Institut für neue Energie-Systeme (InES) gemeinsam mit den Projektpartnern im Projekt „FlexFuture - Integration von Biogasanlagen in Netze mit hohem Anteil fluktuierender Stromerzeuger" (FKZ: 03KB102) zum Ziel gesetzt. Die Wissenschaftler nutzten die Regelbarkeit von Biogasanlagen für den Lastausgleich. Das heißt, kurzfristige Schwankungen im Stromnetz werden über die regelbare Stromproduktion der Biogas-Blockheizkraftwerke (BHKW zur Erzeugung von Strom und Wärme) ausgeglichen. Auf Basis von Prognosen der PV-Einspeisung wird der Lastausgleich vorgenommen.

„Wir haben im Realbetrieb an der Biogasanlage Zellerfeld in Bayern gezeigt, dass durch eine intelligente Anlagensteuerung Stromspitzen in der Einspeisung erneuerbaren Stroms vermieden werden können", erklärt Prof. Wilfried Zörner, Projektleiter am Institut für neue Energie-Systeme (InES) an der Technischen Hochschule Ingolstadt. Zusammen mit dem Biogas-Technik-Hersteller UTS Products GmbH und dem Standortentwickler PROLIGNIS Energie Consulting GmbH wurde ein Steuerungskonzept zur automatisierten und verteilnetzorientierten Fahrweise von Biogasanlagen entwickelt, welches auf Praxisanlagen übertragbar ist. So können durch die Installation weiterer BHKW und entsprechend dimensionierter Gasspeicher an der Biogasanlage zusätzliche Kapazitäten für die Erzeugung von Strom bereitgestellt werden. Im Fall einer hohen PV-Einspeisung kann die Stromerzeugung am Biogas-BHKW heruntergefahren oder sogar ausgesetzt werden. In Zeiträumen geringer Sonneneinstrahlung wird durch die BHKW mehr Biogas zu Strom und Wärme umgewandelt.

Die Entwickler hatten dabei nicht nur die Netzdienlichkeit, d. h. den Beitrag zur Stabilisierung der Stromnetze, sondern auch die Ertragssteigerung für den Biogasanlagenbetreiber im Blick. Für den BHKW-Betrieb wurden im Projekt Fahrpläne für jeweils 32 Stunden im Voraus generiert. Diese berücksichtigen einerseits den Füllstand des Biogasspeichers und die tagesaktuellen Wetter- und Einstrahlungsprognosen und andererseits die Preisentwicklung an der Strombörse EPEX SPOT SE. So konnte der Biogasstrom vor allem in Zeiten hoher Strompreise bereitgestellt werden. Durch die flexible Fahrweise der Biogasanlage wurde zeitgleich die lokale PV-Einspeisung ausbalanciert.

Das Projektteam sieht nach dem erfolgreichen Projekt noch einige Herausforderungen: So ist das Anlagenmonitoring beider Stromerzeuger mit einem hohen technischen Kommunikations- und Vernetzungsaufwand verbunden. In einer Zukunft mit zunehmend vernetzten Energieanlagen müssen diese sensibler aufeinander reagieren können. Die wichtige Prognose der PV-Einspeisung kann beispielsweise durch die Installation eines Wolken-Tracking-Systems verbessert werden. Damit kann eine noch gezieltere Anpassung der Stromerzeugung aus Biogasanlagen an die PV-Einspeisung ermöglicht werden. Des Weiteren bieten die derzeitigen Rahmenbedingungen und Gewinnmöglichkeiten keine Anreize für Anlagenbetreiber ihre Biogasanlagen im Hinblick auf die Netzdienlichkeit zu flexibilisieren.

Die konkreten Ergebnisse werden demnächst im Endbericht des Projektes veröffentlicht.

Neugierig geworden? Weitere Informationen zum Projekt:
Das Projekt „FlexFuture - Integration von Biogasanlagen in Netze mit hohem Anteil fluktuierender Stromerzeuger" (FKZ-Nr. 03KB102) wurde im Rahmen des Programms „Energetische Biomassenutzung" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert.
Projektsteckbrief FlexFuture: https://www.energetische-biomassenutzung.de/proj/flexfuture-458/

Kontakt Projektkoordination
Technische Hochschule Ingolstadt
Institut für neue Energie-Systeme (InES)
Esplanade 10, 85049 Ingolstadt
- Prof. Dr.-Ing. Wilfried Zörner - Projektleiter
Telefon: +49 (0)841 9348 2270
E-Mail: wilfried.zoerner‍@‍thi.de
- Katharina Bär M.Sc. - Direkte Ansprechpartnerin
Telefon: +49 (0)841 9348 6453
E-Mail: katharina.baer‍@‍thi.de

Partner
- UTS Products GmbH
Oestinghausener Straße 12, 59510 Lippetal
- PROLIGNIS Energie Consulting GmbH
Friedrichshofener Straße 1, 85049 Ingolstadt

Assoziierte Partner
- Biogas Zellerfeld GmbH & Co. KG
- Lechwerke AG
- LEW Verteilnetz GmbH

Programmbegleitung des Förderprogramms „Energetische Biomassenutzung"
Diana Pfeiffer - Projektkoordination
Telefon: +49 (0)341 2434-554 E-Mail: diana.pfeiffer‍@‍dbfz.de
Angela Gröber - Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: +49 (0)341 2434-457 E-Mail: angela.groeber‍@‍dbfz.de
Förderprogramm: http://www.energetische-biomassenutzung.de

Publikationen:
Bär, K. / Sonnleitner, M. / Zörner, W. (2017): Optimierung der Betriebsweise von Biogasanlagen in Netzen mit hohem Anteil fluktuierender Stromerzeuger. In: VDI-Berichte, 2303, Fachtagung Optimierung in der Energiewirtschaft, 12, S. 81-84.
Bär, Katharina / Zörner, Wilfried (2018): Solareinstrahlungsprognose und Leistungssimulation von Photovoltaik-Freiflächenanlagen. In: Conexio GmbH, PV-SYMPOSIUM 2018, S. 644-672.

Themenrelevante Projekte im Förderprogramm:
Projektsteckbrief BioStrom: https://www.energetische-biomassenutzung.de/proj/biostrom-392/
Projektsteckbrief Optflex: https://www.energetische-biomassenutzung.de/proj/optflex-biogas-416/
Projektsteckbrief RegioBalance: https://www.energetische-biomassenutzung.de/proj/regiobalance-442/

Das Förderprogramm
Im Juni 2008 startete das Förderprogramm „Energetische Biomassenutzung". Das Programm wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert und war bisher mit rund 57 Millionen Euro ausgestattet. Nach fast achtjähriger Laufzeit umfasst das Programm 133 Verbundprojekte bzw. über 330 Einzelprojekte, die zum Thema Biomasse als Energieträger forschen. Im Fokus stehen Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur praxistauglichen Weiterentwicklung wettbewerbsfähiger Technologien, insbesondere in den Bereichen Verbrennung, Vergasung und Vergärung von Biomasse. Weitere Forschungsschwerpunkte sind systemflexible Anlagenkonzepte und Produkte für eine nachhaltige und effiziente Erzeugung von Strom und Wärme aus Biomasse, hier vor allem aus biogenen Rest- und Abfallstoffen. Fördermittelempfänger sind klassische Forschungseinrichtungen, aber vor allem auch klein- und mittelständische Unternehmen, die die Markteinführung bestimmter Technologien anstreben. Insgesamt sind seit 2009 rund 220 Institutionen im Programm beteiligt, davon über 120 KMUs. Die Programmbegleitung angesiedelt am DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH ist für die wissenschaftliche Begleitung und Öffentlichkeitsarbeit des Förderprogramms zuständig. Mit der fachlichen und administrativen Koordination desselben wurde der Projektträger Jülich (PtJ) beauftragt.

Weitere Informationen:
http://www.energetische-biomassenutzung.de - Förderprogramm
https://www.energetische-biomassenutzung.de/proj/flexfuture-458/ - Projektsteckbrief FlexFuture

Anhang
PM FlexFuture
https://idw-online.de/de/attachment65804

Quelle: idw

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Erst impfen, dann reisen - Deutsche Leberstiftung warnt vor Hepatitis-Gefahren auf Reisen

Rita Wilp externe Pressestelle
Deutsche Leberstiftung

„Gut geplant ist halb gewonnen" lautet ein Sprichwort, das auch auf das „Projekt" Urlaub zutrifft. Bald startet die Ferienzeit und viele Erholungssuchende werden die „schönste Zeit des Jahres" im Ausland verbringen. Für die Planung nutzen viele Menschen To-do-Listen, in denen oft auch aufgeführt ist, sich über die für das Reiseziel notwendigen und empfohlenen Impfungen zu informieren - und sich gegebenenfalls impfen zu lassen. Infektionsrisiken für die Ansteckung mit Hepatitis-Viren gibt es schon in der nahen Mittelmeer-Region. Wie wichtig der Impfschutz gegen eine Infektion mit Hepatitis-Viren speziell für Reisende ist, erklärt die Deutsche Leberstiftung zum Ferien-Beginn 2018.

Die Erwartungen, die Reisende an einen perfekten Urlaub stellen, sind sehr unterschiedlich. Einige suchen Entspannung, andere möchten sich mehr bewegen und dann gibt es auch noch die Urlauber, die maximalen Spaß suchen. Wie unterschiedlich die Ansprüche auch sind, einen Wunsch haben alle Reisenden gemeinsam: gesund nach Hause zurückzukehren. Damit dies gewährleistet wird und die Leber bei der Rückkehr so virenfrei wie bei der Anreise ist, sollten Reisende über Risikogebiete, Ansteckungswege und Schutzmöglichkeiten informiert sein. „Über die Hälfte aller neu diagnostizierten Hepatitis A-Virusinfektionen in Deutschland sind ein ungewolltes Reisesouvenir", sagt Professor Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung und ergänzt: „Die Hepatitis A wird als ‘Reisehepatitis‘ bezeichnet. Sie tritt häufig in beliebten Urlaubsländern mit geringen Hygienestandards auf wie beispielsweise im Mittelmeerraum, Südostasien, Russland, Afrika, Mittel- und Südamerika sowie dem Vorderen Orient."

Übertragen wird das Hepatitis A-Virus (HAV) fäkal-oral durch Schmier- oder Kontaktinfektion. Der Erreger wird von infizierten Personen über den Darm ausgeschieden und verfügt über eine ausgeprägte Umweltstabilität sowie über hohe Thermostabilität und Desinfektionsmittelresistenz. Beispielsweise kann der Verzehr von ungenügend gegartem Gemüse oder das Trinken von belastetem oder verunreinigtem Trinkwasser (auch als Eiswürfel) zu einer Infektion mit dem HAV führen. Diese Infektion mit dem HAV kann eine akute Leberentzündung verursachen, die jedoch nicht chronisch verläuft und bei gesunden Menschen oft ohne ernsthafte Komplikationen ausheilt. Die Symptome sind meist unspezifisch und können Fieber sowie eine „Gelbsucht" umfassen. In seltenen Fällen wie beispielsweise bei älteren Menschen kann Hepatitis A auch zu einem akuten Leberversagen führen. Gegen Hepatitis A gibt es keine spezifische Therapie. Die prophylaktische Impfung - die auch noch kurz vor Reiseantritt erfolgen kann - ist der sicherste Schutz.

Auch gegen das Hepatitis B-Virus (HBV), das ein weiteres Infektionsrisiko im Urlaub darstellen kann, ist eine Impfung der sicherste Schutz. Bei der Verwendung von Kombinations-Impfstoffen, die gegen Hepatitis A und B schützen, ist die Anzahl der notwendigen Injektionen vermindert. Mit der Impfung gegen Hepatitis B ist sogar ein doppelter Schutz gewährleistet: Der Impfstoff gegen das HBV schützt auch gegen die Hepatitis delta, da es eine Hepatitis delta nur mit einer Hepatitis B geben kann.

Weltweit sind etwa 240 Millionen Menschen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) chronisch mit dem HBV infiziert. Die Ansteckung mit dem HBV erfolgt über Körpersekrete wie Blut, Sperma oder Speichel. Neben ungeschütztem Sex zählen Tätowierungen oder Piercings, die nicht steril durchgeführt werden, zu den häufigsten Übertragungswegen. Auch bei Kontakten mit der Gefahr kleinster Hautverletzungen wie beim Barbier, bei der Fußpflege oder bei unvorhergesehenen ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen besteht ein Infektionsrisiko, wenn unhygienische Bedingungen im Reiseland herrschen. Meist bemerken Infizierte nichts von ihrer Erkrankung. Kommt es jedoch zu einer chronischen Leberentzündung, besteht ein erhöhtes Risiko für bindegewebsartige Veränderungen der Leber (Fibrose) oder für eine Zirrhose.

Gegen das Hepatitis C-Virus (HCV), einem weiteren Hepatitis-Erreger, steht bisher keine Schutzimpfung zur Verfügung. Das HCV wird fast ausschließlich über Blut-Kontakte übertragen. Unsterile Tätowiernadeln, Piercings oder Rasiermesser sind die Haupt-Infektionsquellen. In einigen Regionen Asiens oder Afrikas tragen mehr als fünf Prozent der Bevölkerung das Hepatitis C-Virus in sich. Es gibt heute sehr wirksame Therapien gegen Hepatitis C. Die Heilungsraten liegen in der Regel zwischen 90 und 100 Prozent. Allerdings wird die Erkrankung oft spät erkannt und kann unbehandelt in einer Leberzirrhose oder einem Leberzellkrebs münden. Laut WHO sind etwa 71 Millionen Menschen weltweit chronisch mit HCV infiziert. Die chronische Hepatitis C zählt nach der Fettleberhepatitis zur zweithäufigsten Ursache von Leberzirrhose und Leberzellkrebs in Deutschland.

„Bei allen Infektionen mit einem Hepatitis-Virus ist die frühe Entdeckung die Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Der beste Schutz der Gesundheit ist die Vermeidung einer Infektion. Impfung und Vorsichtsmaßnahmen tragen dazu bei, dass Reisende so gesund aus dem Urlaub zurückkehren, wie sie es beim Reisestart waren", betont Professor Manns.

Die Deutsche Leberstiftung bietet Informationsfaltblätter über Hepatitis B für Ärzte und Hepatitis C für Ärzte sowie beide Ausgaben für Betroffene und ihre Angehörigen an. Bestellmöglichkeiten und Download auf der Serviceseite unter http://www.deutsche-leberstiftung.de

Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern. Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und Apotheker in medizinischen Fragen. Diese Aufgaben erfüllt die Stiftung sehr erfolgreich.
Weitere Informationen: http://www.deutsche-leberstiftung.de.

BUCHTIPP:
„Das Leber-Buch" der Deutschen Leberstiftung informiert umfassend und allgemeinverständlich über die Leber, Lebererkrankungen, ihre Diagnosen und Therapien - jetzt in dritter, aktualisierter und erweiterter Auflage! „Das Leber-Buch" ist im Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3-89993-899-9, 16,99 Euro.
Weitere Informationen: http://www.deutsche-leberstiftung.de/Leber-Buch.

Kontakt:
Deutsche Leberstiftung
Bianka Wiebner
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Tel 0511 - 532 6815
Fax 0511 - 532 6820
presse@deutsche-leberstiftung.de
http://www.deutsche-leberstiftung.de

Weitere Informationen:
http://www.deutsche-leberstiftung.de
http://www.deutsche-leberstiftung.de/aktuelles/presseportal

Quelle: idw

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Ein „durchgestyltes" Fußballerlebnis

Stephan Düppe Stabsstelle 2 - Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
FernUniversität in Hagen

Egal ob auf dem Bolzplatz, in der Fankurve oder beim Public Viewing - die Deutschen lieben Fußball. Besonders bei Weltmeisterschaften wird Begeisterung spürbar: Zu Hunderttausenden finden sich die Menschen in Stadien, vor Bildschirmen und Leinwänden zusammen, um die 90-minütige Torjagd zu feiern. Aber warum ist das so? Dr. Jasper Böing, Soziologe an der FernUniversität in Hagen, deutet den Sport als Ventil.

„Wir leben in einer modernen, ökonomisierten Gesellschaft. Der Alltag wird zunehmend rationalisiert. In der hochemotional aufgeladenen Arena oder beim Fußballschauen auf dem Sofa kriegt man dazu einen Ausgleich", so Böing. Ein weiterer Grund ist das positive Wir-Gefühl im Kontext von Sportveranstaltungen. „Man hat ein Gemeinschaftserlebnis, das an relativ wenige Vorrausetzungen gebunden ist", erklärt der Sozialwissenschaftler. „Um dabei zu sein, muss man nicht reich oder besonderes gebildet sein."

Fans als „Ware"?
Jasper Böing ist seit rund zehn Jahren am Soziologischen Institut der FernUniversität tätig - anfänglich als Wissenschaftliche Hilfskraft, dann als Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Seit 2014 arbeitet er im Lehrgebiet „Soziologie I: Allgemeine Soziologie und Soziologische Theorie" von Prof. Dr. Frank Hillebrandt. Dort begleitet der Postdoc-Stipendiat unter anderem ein Forschungsprojekt zum Thema „Ökonomisierung". Ein potenzielles Untersuchungsfeld ist dabei auch der Sport.

Millionenschwere Übertragungsrechte, gewichtige Werbedeals und FIFA-Skandale machen den starken Einfluss von ökonomischen Interessen auch bei der Weltmeisterschaft in Russland spürbar. Böing hat sich mit der Kommerzialisierung im Fußball auseinandergesetzt. Aus seiner Sicht ist die Rationalisierung ein wichtiger Aspekt: „Das ganze Fußball-Erlebnis wird immer mehr ‚durchgestylt‘". Was in der Arena passiert, soll möglichst gut planbar sein, organisiert und kalkulierbar ablaufen. Fraglich ist aus Sicht des Soziologen, wie weit diese Praxis gehen kann, ohne die Atmosphäre im Stadion zu gefährden. „Um das Produkt ‚Fußball‘ aus ökonomischer Sicht bestmöglich zu vermarkten, braucht es emotionalisierte Fans, die aber gleichzeitig unter Kontrolle gehalten werden müssen", erklärt Böing die Gratwanderung zwischen wirtschaftlich zuträglicher und schädlicher Restriktion.

Problematisch wird es dann, wenn sich Fußballfans nur noch als „Ware" verstanden wissen. Denn viele von ihnen identifizieren sich auf einer sehr persönlichen Ebene mit ihrem Nationalteam oder Club. „Identifikation bedeutet, sich als Person, als Mensch einzubringen", erklärt der Soziologe. „Es ist einfach verletzend, von der Interaktionspartnerin oder dem Interaktionspartner gespiegelt zu bekommen, dass man nur eine ‚Nummer‘ ist." Der Frust über mangelnde Wertschätzung durch Vereine und Verbände kann sich auf verschiedene Weise bahnbrechen - schlimmstenfalls in Form gewaltsamer Ausschreitungen während Fußballevents.

Professionalisierung auf dem Rasen
Parallel zur Ökonomisierung des Sportevents wird das eigentliche Spielgeschehen zusehends professionalisiert. Ein Novum bei der diesjährigen Weltmeisterschaft ist zum Beispiel der sogenannte „Videobeweis" zur nachträglichen Prüfung von Torschüssen. Böing erkennt in dem Verfahren Vor- und Nachteile: „Am Fußball ist das eigentlich Spannende, dass man vorher nicht weiß, wie es ausgeht. Auch Schwächere können gewinnen. Dieses ‚Unerwartete‘ wird durch den Videobeweis - zumindest in der Theorie - ein Stück weit zurückgeschraubt. Abgesehen von technischen Unzulänglichkeiten macht er das Spiel aber gerechter."

Von einem persönlichen Standpunkt aus beargwöhnt der Soziologe den psychischen Druck und die Zwänge, unter denen die Teams stehen. Oftmals wird natürliches menschliches Verhalten sanktioniert. Zum Beispiel dürfen sich Trainerinnen und Trainer im Überschwang ihrer Gefühle nicht frei am Spielfeldrand bewegen, sondern müssen in den streng bemessenen „Coaching-Zones" verharren. „Diese ‚Verregelung‘ ist eigentlich eine Zumutung", findet Böing. „Gewisse Emotionen gehören nun einmal zum Fußballspiel dazu."

Quelle: idw

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Weitere Ursachen von Sauerstoffverlust der Ozeane identifiziert

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Messungen in den Ozeanen und Modellrechnungen zeigen gleichermaßen, dass der Sauerstoffgehalt der Ozeane abnimmt. Allerdings unterschätzen die Modelle diese Abnahme deutlich. Das macht Prognosen für die Zukunft schwierig. In einer Studie, die heute in der internationalen Fachzeitschrift Nature Geoscience erscheint, zeigen vier GEOMAR-Forscher die Lücken der Modelle auf und identifizieren weitere, bisher unterschätzte Ursachen des Sauerstoffverlustes.

Die Ozeane verlieren Sauerstoff. Zahlreiche Studien auf lokaler, regionaler und globaler Ebene belegen diesen Trend. So hat eine von Kieler Ozeanographen Anfang 2017 veröffentlichte umfangreiche Datenanalyse gezeigt, dass die Meere in den vergangenen 50 Jahren weltweit zwei Prozent ihres Sauerstoffgehalts eingebüßt haben. Auch Computermodelle der Ozeane und des Erdsystems zeigen diesen Trend und prognostizieren eine Beschleunigung in der Zukunft. Dabei gibt es aber ein Problem. „Die uns zur Verfügung stehenden Modelle schaffen es nicht, die bisherige Entwicklung exakt nachzuvollziehen. Sie zeigen deutlich weniger Sauerstoffverlust als die tatsächlich gemessenen Werte", sagt Prof. Dr. Andreas Oschlies vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Diese Diskrepanz macht die Prognosen für die Zukunft unsicher. In der internationalen Fachzeitschrift Nature Gesoscience veröffentlicht Professor Oschlies heute zusammen mit seinen Kollegen Prof. Dr. Peter Brandt, Dr. Lothar Stramma und Dr. Sunke Schmidtko vom GEOMAR eine Studie, die die Lücken der Modelle und damit gleichzeitig weitere, bisher unterschätzte Treiber des Sauerstoffverlustes aufzeigt. „Der Vergleich mit unseren Beobachtungsdaten zeigt verschiedene Unzulänglichkeiten der Modelle und gibt uns Hinweise, in welche Richtungen wir unsere Forschungsanstrengungen konzentrieren müssen", sagt Co-Autor Peter Brandt.

Gesichert ist, dass die globale Erwärmung Hauptursache für die Sauerstoffabnahme ist. Doch sie wirkt sich auf mehreren Wegen auf die Ozeane aus. So beeinflusst sie unter anderem die Löslichkeit von Sauerstoff im Wasser. Je wärmer das Wasser, desto weniger Gase kann es aufnehmen. „Dieser Prozess betrifft vor allem die obersten Wasserschichten, die in direkterem Kontakt zur Atmosphäre stehen", erklärt Dr. Schmidtko. Dieser Effekt könne bis zu 20 Prozent der bisherigen Sauerstoffabnahme erklären und sei in den Modellen auch schon gut nachvollziehbar, führt er weiter aus.

Die Erwärmung verändert aber auch Muster der globalen Ozeanzirkulation. Da das komplexe System von Oberflächen- und Tiefenströmungen die tieferen Bereiche der Meere mit Sauerstoff versorgt, könnten diese Veränderungen den Sauerstoffgehalt im gesamten Ozean beeinflussen. „Hier haben viele Modelle Probleme, weil Transportprozesse oft nicht gut genug aufgelöst oder fehlerhaft wiedergegeben werden", sagt Co-Autor Dr. Lothar Stramma.

Auch die äußerst komplexen Wechselwirkungen zwischen biologischen, chemischen und physikalischen Prozessen im Ozean sind bisher nur unzureichend in den Modellen repräsentiert. „Uns fehlen in diesem Bereich oft einfach die Daten oder das Wissen über die vielen Faktoren, die bei der Reaktion des Ozeans auf die globale Erwärmung ineinander greifen", betont Andreas Oschlies, der auf die Modellierung biogeochemischer Prozesse spezialisiert ist. „Unsere Studie zeigt, dass bisherige Modelle die Auswirkungen dieses Zusammenspiels zumindest auf die Sauerstoffverteilung deutlich unterschätzen."

Um diese aufgezeigten Lücken zu schließen, plädieren die vier Autoren für eine intensivere und international koordinierte Ozeanbeobachtung. „Wir benötigen multidisziplinäre Prozessuntersuchungen, um das delikate Gleichgewicht von Sauerstoffversorgung und Sauerstoffverbrauch im Ozean besser zu verstehen" betont Andreas Oschlies, „internationale Initiativen wie das Global Ocean Oxygen Network sind dabei hilfreich."

Eine Verbesserung der Modelle in Bezug auf das Sauerstoff-Budget der Ozeane hätte nebenbei noch einen weiteren Vorteil: „Sauerstoff eignet sich hervorragend zur Eichung von Modellen, die die Aufnahme von Kohlendioxid im Ozean berechnen. Wir würden also gleichzeitig unser Wissen über den Kohlenstoffkreislauf verbessern", sagt Oschlies.

Originalarbeit
Oschlies, A., P. Brandt, L. Stramma, S. Schmidtko (2018): Drivers and mechanisms of ocean deoxygenation. Nature Geoscience, http://dx.doi.org/10.1038/s41561-018-0152-2

Weitere Informationen:
http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.sfb754.de Der Sonderforschungsbereich 754
https://www.ocean-oxygen.org/ Nachrichten-Seite des Global Ocean Oxygen Networks

Quelle: idw

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Bananenschalen statt Pflaster? Forschung zur heilenden Kraft der Banane an der Jacobs University

Thomas Joppig Corporate Communications & Public Relations
Jacobs University Bremen gGmbH

Bananen schmecken nicht nur gut, sie heilen auch. Statt mit einem Pflaster werden in vielen Entwicklungsländern offene Wunden mit Bananenblättern oder -schalen bedeckt, selbst größere Wunden lassen sich erfolgreich behandeln. Ein Team von Wissenschaftlern an der Jacobs University Bremen um den Chemie-Professor Dr. Nikolai Kuhnert hat nun die heilende Kraft von Bananen genauer unter die Lupe genommen und 70 verschiedene Inhaltsstoffe identifiziert, die für die Wundheilung verantwortlich sein könnten.

Bananen schmecken nicht nur gut, sie heilen auch. Statt mit einem Pflaster werden in vielen Entwicklungsländern offene Wunden mit Bananenblättern oder -schalen bedeckt, selbst größere Wunden lassen sich erfolgreich behandeln. Ein Team von Wissenschaftlern an der Jacobs University Bremen um den Chemie-Professor Dr. Nikolai Kuhnert hat nun die heilende Kraft von Bananen genauer unter die Lupe genommen und 70 verschiedene Inhaltsstoffe identifiziert, die für die Wundheilung verantwortlich sein könnten.

Den Anstoß für das Forschungsprojekt gab eine von der Alexander von Humboldt Stiftung finanzierte Gastprofessur der aus Nigeria stammenden Pharmazeutin Prof. Dr. Mubo Sonnibare an der Jacobs University. Im westlichen Afrika wie in weiten Teilen Asiens sind Bananen traditionelle Heilmittel. Allerdings handelt es sich dabei nicht um die in deutschen Supermärkten gängige Cavendish-Banane, der keine Heilkraft zugeschrieben wird, sondern um Musa acuminata, eine andere Pflanzenart.

Wie Kaffee oder Tee zeichnet sich die Banane durch viele polyphenolische, also aromatische Verbindungen aus. Einige wirken antibakteriell und desinfizierend, was zum Schutz einer Wunde vor bakteriellen Infektionen beiträgt. Andere wiederum wirken adstringierend, also zusammenziehend - ein Effekt, der etwa auf der Zunge spürbar ist. Wenn diese Verbindungen auf die Haut treffen, verändern sie deren Eiweiße und bilden eine Art Schutzschicht über der Wunde.

Um genau festzustellen, welche Heilkraft die einzelnen Verbindungen haben, müssten weitere, aufwändige Versuche durchgeführt werden, denn für die Wundheilung spielt eine ganze Reihe von Faktoren eine Rolle. „Durch die Forschung haben wir ein tieferes Verständnis über ein traditionelles Arzneimittel gewonnen", sagt Kuhnert. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden jetzt im "Journal of Food Measurement and Characterization" veröffentlicht.

Quelle:
Sonibare, M. A.; Ayoola, I. O.; Gueye, B.; Abberton, M. T.; D'Souza, R.; Kuhnert, N., Leaves metabolomic profiling of Musa acuminata accessions using UPLC-QTOF-MS/MS and their antioxidant activity. Journal of Food Measurement and Characterization 2018, 1-14.

Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Nikolai Kuhnert | Professor of Analytical Chemistry
n.kuhnert@jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-3120

Über die Jacobs University Bremen:
In einer internationalen Gemeinschaft studieren. Sich für verantwortungsvolle Aufgaben in einer digitalisierten und globalisierten Gesellschaft qualifizieren. Über Fächer- und Ländergrenzen hinweg lernen, forschen und lehren. Mit innovativen Lösungen und Weiterbildungsprogrammen Menschen und Märkte stärken. Für all das steht die Jacobs University Bremen. 2001 als private, englischsprachige Campus-Universität gegründet, erzielt sie immer wieder Spitzenergebnisse in nationalen und internationalen Hochschulrankings. Ihre fast 1400 Studierenden stammen aus mehr als 100 Ländern, rund 80 Prozent sind für ihr Studium nach Deutschland gezogen. Forschungsprojekte der Jacobs University werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder dem Europäischen Forschungsrat ebenso gefördert wie von global führenden Unternehmen.

Für weitere Informationen:

https://www.jacobs-university.de
https://www.facebook.com/jacobs.university
https://www.youtube.com/user/JacobsUni
https://twitter.com/jacobs_bremen
https://www.instagram.com/jacobsuniversity/
https://www.weibo.com/jacobsuniversity

Quelle: idw

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SOLUTIONS - für eine bessere Wasserqualität europäischer Flüsse

Susanne Hufe Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Viele europäische Flüsse enthalten Chemikalien-Cocktails, die Algen und Wassertieren nicht gut bekommen. Zwar werden die Konzentrationen bestimmter Schadstoffe in den EU-Gewässern überwacht. Doch es gibt Zweifel, ob die richtigen Schadstoffe im Fokus der Untersuchungen stehen und welche Rolle Abbauprodukte und Schadstoffmischungen dabei spielen. Im europäischen Projekt SOLUTIONS haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter Leitung des UFZ Werkzeuge, Methoden und praktische Lösungen erarbeitet, mit denen vorrangig zu behandelnde Schadstoffe erkannt, das Risiko der Chemikaliencocktails bewertet und dazu beigetragen werden kann, die Schadstoffbelastung zu minimieren.

Lösungen zu finden, wie die vielen Stoffe überwacht und gemanagt werden können, die als komplexe Mischungen in unseren Gewässern vorkommen und die dort unsere Ökosysteme und unsere Gesundheit gefährden - das war das ambitionierte Ziel, mit dem das EU-Projekt SOLUTIONS 2013 gestartet ist. Mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben dafür neue Methoden und Modelle entwickelt und getestet, mit denen die Überwachung der Wasserqualität angepasst werden kann. Sie haben relevante Schadstoffe identifiziert und Empfehlungen erarbeitet, die das Regelwerk der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WWRL) verbessern können. Zudem haben sie große Fallstudien durchgeführt, mit denen überprüft werden konnte, inwieweit die erarbeiteten Methoden, Modelle und Werkzeuge funktionieren. Laut Projektkoordinator Dr. Werner Brack vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) konnten damit alle wesentlichen Ziele des Projekts erreicht werden.

Überwachung, Bewertung und Management verbessern
Derzeit sind in der EU-Wasserrahmenrichtlinie 45 Schadstoffe, sogenannte prioritäre Schadstoffe, gelistet. Sie dürfen in einem Gewässer mit guter Wasserqualität nicht oder nur in geringem Maße vorkommen. Demgegenüber stehen allerdings mehr als 100.000 verschiedene chemische Substanzen, die wir täglich benutzen und die in unsere Umwelt und Gewässer gelangen. Die meisten Substanzen werden bei der Bewertung der Gewässerqualität nach der derzeitigen EU-Wasserrahmenrichtlinie also gar nicht berücksichtigt. „Das gegenwärtige Monitoring ist teuer, ignoriert den größten Teil der Schadstoffe und läuft den eigentlichen Problemen hinterher. Denn die meisten prioritären Schadstoffe sind längst vom Markt und durch andere sehr ähnlich wirkende chemische Substanzen ersetzt. Neue Stoffe auf die Liste zu bekommen, ist ein langwieriger politischer Prozess", kritisiert Werner Brack. Außerdem beschränkt sich die WRRL bislang nur auf die Prüfung von Einzelstoffen. Schadstoffe wirken in der Umwelt aber nicht einzeln, sondern in Kombination, und können sich dadurch in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken. „Nicht das Vorkommen eines Schadstoffes ist ausschlaggebend, sondern seine Wirkung im Gewässer", sagt Brack. Deshalb empfehlen die SOLUTIONS-Wissenschaftler, die Überwachung der Gewässerqualität von der chemischen Analytik einzelner Schadstoffe auf effektbasierte Methoden - wie etwa biologische Wirkungstests - umzustellen. So würden alle Stoffe mit derselben Wirkung erfasst, auch Stoffgemische. Und teure chemische Analytik wäre nur noch erforderlich, falls bestimmte Wirkschwellen überschritten werden. Für ihren Vorschlag haben die Forscher vorhandene biologische Testverfahren geprüft und auf dieser Basis eine Testbatterie aus organismischen und sehr spezifischen zellbasierten Testsystemen entwickelt. Diese Testbatterie kann sowohl akut toxische Effekte auf Wasserorganismen als auch Langzeitwirkungen z.B. auf die Reproduktion von Organismen detektieren. Für die Unterscheidung zwischen problematisch und unproblematisch wurden außerdem entsprechende Grenzwerte formuliert. Dass dieser effektbasierte Ansatz funktioniert und hilft, nicht nur die Stoffe, sondern auch die Quellen ausfindig zu machen, zeigte sich laut Projektkoordinator Brack nicht zuletzt in den zahlreichen Fallstudien an europäischen Flüssen wie Donau und Rhein, die wichtiger Bestandteil der fünfjährigen Projektarbeit waren.

Die SOLUTIONS-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler haben außerdem zahlreiche Modelle entwickelt und verbessert, mit denen es möglich wird, die Verteilung, den Transport und den Abbau von Schadstoffen sowie deren Risiko abzuschätzen und damit die Umweltüberwachung zu unterstützen. Um die Konzentrationen tausender Stoffe in den europäischen Flussgebieten vorhersagen zu können, haben sie die Modelle wie Waggons in einem Eisenbahnzug verknüpft. „Dass wir damit auf dem richtigen Weg sind, zeigt die oft verblüffend hohe Übereinstimmung von modellierten und gemessenen Werten", sagt Werner Brack, „auch wenn das nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass es weiterhin viele Unsicherheiten gibt." Die sind v.a. den fehlenden Daten zu Produktionsmengen und zur Nutzung vieler Stoffe geschuldet, was dazu führt, dass die Wissenschaftler derzeit an vielen Stellen ihre Modelle nur mit Schätzungen füttern können. Trotzdem zeigen sie schon jetzt, dass Chemikalien neben den Nährstoffen ein wichtiger Faktor für den schlechten ökologischen Zustand vieler europäischer Gewässer sind. Die Modelle können helfen, Stoffe auszusondern, die mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Problem für die Gewässer darstellen.

Alleiniges Messen und Bewerten der Gewässerqualität reicht aber nicht aus, um den Zustand eines Gewässers zu verbessern - es müssen entsprechende Maßnahmen folgen. „Deshalb geben wir Empfehlungen für ein stärker lösungsorientiertes Gewässermanagement, bei dem Überwachung, Bewertung und mögliche Maßnahmen von Anfang an viel enger miteinander verzahnt sein sollten, als dies heute der Fall ist", sagt Brack. Eindrucksvoll zeigten beispielsweise die Untersuchungen am Oberrhein, welche Wirkung die Aufrüstung von Kläranlagen in der Schweiz mit einer vierten Reinigungsstufe hat: Es konnte eine deutliche Verbesserung der Wasserqualität im Hinblick auf die Konzentration von Arzneiwirkstoffen oder Kosmetikbestandteilen festgestellt werden.
„Auch nach dem Abschluss von SOLUTIONS bleibt jedoch noch viel zu tun", resümiert Brack. Im Hinblick auf das effektbasierte Monitoring wäre es wichtig, wenn für alle wichtigen Wirkweisen der Schadstoffe spezifische Werkzeuge zur Verfügung stünden. „So weit sind wir leider noch nicht", bedauert der Wissenschaftler. Im Laufe der Projektarbeit zeigte sich außerdem die Bedeutung chemischer und toxikologischer Fingerabdrücke von verschiedenen Belastungsquellen. Die zu erforschen, war im Forschungsprogramm von SOLUTIONS jedoch nicht vorgesehen. „Deshalb haben wir jetzt mit einer Studie begonnen, die Kläranlagenausläufe und Einträge durch die Landwirtschaft erfasst. Wir können damit direkt an SOLUTIONS anknüpfen. Auch bei der Priorisierung von Minderungsmaßnahmen ist noch Einiges zu tun, vor allem in Bezug auf wissenschaftlich fundierte Prioritätensetzung und Erfolgskontrolle."

Hintergrund
2000 trat die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) in Kraft. Sie legt fest, dass Flüsse, Seen, Küstengewässer und Grundwasser einen "guten Zustand" erreichen müssen - ursprünglich bis 2015, nach Verlängerung nun bis spätestens 2027. Das heißt, die Gewässer sollen möglichst nur geringfügig durch Schadstoffe belastet sein und Pflanzen und Tieren einen naturnahen Lebensraum bieten. Von der Erreichung dieses Ziels ist Europa jedoch noch weit entfernt. Derzeit geht man davon aus, dass nur wenige Prozent der europäischen Gewässer in einem guten Zustand sind.

Das EU-Projekt SOLUTIONS (SOLUTIONS for present and future emerging pollutants in land and water resources management) vereinigt 39 Partner aus weltweit 17 Ländern. Über fünf Jahre Laufzeit wurde es mit insgesamt 12 Millionen Euro von der Europäischen Union gefördert.

Konferenzprogramm
https://www.solutions-project.eu/wp-content/uploads/2018/05/Agenda_Final_Confere...

weitere Informationen:
PD Dr. Werner Brack
Leiter des UFZ-Departments Wirkungsorientierte Analytik und Projektleiter SOLUTIONS
Telefon: ++49 341 235 1531
werner.brack@ufz.de

Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=36336&webc_pm=20/2018

Quelle: idw

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Fußball durch die Augen des Computers

Julia Wandt Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Universität Konstanz

Konstanzer Informatiker realisieren eine automatisierte grafische Spielanalyse für Fußballübertragungen - live und ohne Zeitverzögerung

Fußball im Fernsehen: Ein Pass nach links außen, eine Lücke in der Verteidigung, ein freistehender Stürmer kurz vor dem Strafraum. Plötzlich friert das Fernsehbild ein. Linien und Diagramme erscheinen zwischen den Spielern. Ein Pfeil zeigt einen sicheren Pass zu dem freien Stürmer an, weitere Linien signalisieren dessen Schussfeld aufs Tor. Grafische Analysen wie diese sind aus Fußballübertragungen nicht mehr wegzudenken. Sie helfen, das Spiel in seiner Dynamik und Taktik zu verstehen und die Entscheidungen der Spieler nachzuvollziehen. Hinter den Kulissen bedeuten sie aber zunächst einmal viel Arbeit. Das Fernsehteam muss die Grafiken live während des Spiels unter Zeitdruck erstellen. Bis die Diagramme fertig sind, ist die Spielsituation längst vorbei, so dass die Grafiken typischerweise im Nachhinein als Rückblenden eingespielt werden. Wie einfach wäre es, wenn all dies von selbst ginge, wenn der Fernseher all diese Grafiken ohne Zeitverzug selbst einblenden könnte? Informatiker der Universität Konstanz machen nun genau dies möglich: Sie entwickeln eine Software, die all diese Arbeitsschritte automatisiert. Die Konstanzer Software analysiert das Spielgeschehen bis zu 30 mal pro Sekunde und blendet die entscheidenden Diagramme live und ohne Zeitverzug direkt ins Fernsehbild ein. Sie ist unter anderem in der Lage, Dominanzbereiche der Mannschaften im Spielfeld anzuzeigen und Passmöglichkeiten in Echtzeit einzublenden. Sie signalisiert, wie stark einzelne Spieler unter Druck gesetzt werden, und ist sogar in der Lage, Was-wäre-wenn-Szenarien von alternativen Spielverläufen durchzuspielen.

Der Kopf hinter dieser Software ist Manuel Stein, Informatiker und Doktorand an der Universität Konstanz im Forschungsbereich „Collective Behaviour" (Kollektivverhalten). Mit seiner Software will er einerseits Fußballanalysten die Arbeit erleichtern, andererseits die Muster eines Fußballspiels sichtbar machen - die wechselseitigen Einflüsse und Interaktionen zwischen den Spielern und Mannschaften. „Jeder versucht, Daten im Fußball zu sammeln, aber kaum einer weiß, was er damit anfangen soll. Wir versuchen, Wissen daraus zu generieren", schildert Manuel Stein.

Dem Computer Fußball beibringen
Um den Computer zum Spielfeld-Analytiker zu machen, muss Manuel Stein ihm aber zunächst einiges über Fußball beibringen. Nicht die Regeln, auch nicht Mannschaftsnamen oder Tabellenplätze, sondern ein sehr viel grundlegenderes Unterscheidungsvermögen: Was auf dem Fernsehbild ist ein Spieler, was ist der Ball? Wohin schaut der jeweilige Spieler, wie schnell bewegt er sich, wie rasch könnte er beim Ball sein? Bis zu 30 mal pro Sekunde ermittelt der Computer die Position, Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung jedes einzelnen Spielers sowie des Balls. Auf dieser Grundlage berechnet er nun für jeden Quadratmeter des Spielfelds, welcher Spieler dort zuerst sein könnte und wie viele Feldspieler jeder Mannschaft diesen Punkt bedrohen. Sein Ergebnis legt er im Bruchteil einer Sekunde als Diagramm über das laufende Fernsehbild: Eine dynamische, sich stets wandelnde Karte der Einflusszonen jeder Mannschaft. Durch einfache Farbsignale zeigt Manuel Steins Software unter anderem, wie stark jeder Spieler von der gegnerischen Mannschaft bedroht ist, wo Freiräume sind und wo sich sichere Pässe anbieten. Für all dies sind weder GPS-Sender an den Trikots der Spieler nötig, noch komplizierte Techniken der Kamera-Erfassung. Alles, was Manuel Stein braucht, ist das bloße Fernsehbild.

Intelligente Filter
Mit all diesen Farbsignalen kann ein Spielfeld schnell sehr bunt werden. Damit der Zuschauer nicht Gefahr läuft, „den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen", lassen sich die verschiedenen Analysefunktionen separat an- und ausschalten und als Filter übereinanderlegen. Die intelligente Software macht zudem Vorschläge, welche Filter in der aktuellen Situation sinnvoll sind, und schaltet sie auf Wunsch auch automatisiert zu oder ab, um das Spielgeschehen übersichtlich zu halten.

An den Fernsehzuschauer auf dem heimischen Sofa richtet sich die Software jedoch nur sekundär. Als Zielgruppe hat Manuel Stein vielmehr Fußballanalysten und Sportjournalisten im Blick. Ihnen erlaubt die Software, Diagramme von Spielsituationen im Bruchteil von Sekunden zu erstellen und diese ohne Zeitverlust als Fernsehbild aufzubereiten.

Was wäre wenn?
Aktuell arbeitet Manuel Stein an einer „Was-wäre-wenn"-Analyse - einer Prognose, wie das Spiel unter anderen Bedingungen verlaufen wäre - auf Grundlage seiner Software. In dieser Funktion können Schlüsselsituationen eines Spiels aufgerufen und in alternativen Szenarien neu abgespielt werden. Der Computer berechnet dabei auf Grundlage der Positionsdaten und Einflussfaktoren jedes Spielers einen schlüssigen, realistischen Verlauf des Szenarios. Was wäre geschehen, wenn der Spieler den Ball nach rechts und nicht nach links gepasst hätte? Wie hätte sich die Dynamik des Spielfelds verändert, wenn ein Verteidiger fünf Meter weiter rechts gestanden hätte? Wie hätte sich eine Mannschaft optimal positionieren können, um dem Gegner keinen Raumgewinn zuzulassen? Diese Analyse-Tools sind mit Sicherheit auch für Trainer wertvoll, zum Beispiel in der Nachbesprechung eines Spiels.

Zusammenarbeit mit Mannschaften und Sendern
Je mehr Daten Manuel Steins Software vorliegen, desto präziser kann sie das Spielfeld einschätzen und ihre Auswertungen treffen. In der aktuellen Praxis sind die Informationen jedoch auf das Fernsehbild beschränkt. Was sich außerhalb der Kamera abspielt, weiß der Rechner nicht und kann es nur vage abschätzen. Die Konstanzer Informatiker sind daher an Kooperationen mit Mannschaften und Fernsehsendern interessiert, die Bild- und Positionsdaten von Fußballspielen erheben. Wenn diese ihre Daten zur Verfügung stellen, können die Informatiker im Gegenzug präzisere Analysen liefern. Das Angebot ist nicht auf Fußball begrenzt; die Analyse-Software kann auf jeden Mannschaftssport angewendet werden.

Collective Behaviour
Manuel Steins Forschung findet im Rahmen des Konstanzer Forschungsbereichs „Collective Behaviour" statt. Dieses junge Forschungsfeld befasst sich mit den wechselseitigen Einflüssen und Interaktionen zwischen Mitgliedern eines Kollektivs. Die Wissenschaftler interessieren sich insbesondere für das Entscheidungsverhalten innerhalb einer Gruppe und die Frage, wie sich die Individuen eines Schwarms gegenseitig koordinieren. Beispiele sind das Verhalten von Tierschwärmen und Schwarmintelligenz, die Koordination von selbstfahrenden Autos, aber auch ökonomische Netzwerke oder das Verhalten von Menschengruppen. Im Sportbereich finden die wissenschaftlichen Methoden unter anderem in der Analyse von Mannschaftsverhalten Anwendung: Welche Muster zeichnen sich in der Taktik einer Mannschaft ab? Wie reagieren zwei Mannschaften aufeinander und wie beeinflussen sich die Spieler in ihren Entscheidungen gegenseitig?

Faktenübersicht:
- Konstanzer Informatiker realisieren eine automatisierte Spielanalyse für Fußballübertragungen.
- Der Computer ermittelt Position, Geschwindigkeit und Richtung jedes einzelnen Spielers sowie des Balls. Aus diesen Daten berechnet er unter anderem Einflussbereiche beider Mannschaften, Passmöglichkeiten und Was-wäre-wenn-Szenarien.
- Die Auswertung wird als Diagramm live und ohne Zeitverzögerung in laufende Fernsehübertragungen eingeblendet. Grundlage der Computeranalyse ist das reine Fernsehbild, weitere Daten sind nicht erforderlich.
- Die Software richtet sich insbesondere an Fußballanalysten und Sportjournalisten, aber auch an Trainer. Sie ist prinzipiell auch für andere Mannschaftssportarten einsetzbar.

Ein Video kann im Folgenden heruntergeladen werden:
http://www.uni-konstanz.de/shared/Fussballanalyse.mp4
Erläuterung: So nimmt der Computer ein Fußballspiel wahr: Diese Erfassung von Spielern und Ball bildet die Grundlage für die automatisierten Analysegrafiken, die im folgenden Schritt in das reale Fernsehbild eingeblendet werden.
Copyright: Universität Konstanz

Für Videobeispiele der Analysegrafiken können Sie sich gern an Manuel Stein, E-Mail: stein@dbvis.inf.uni-konstanz.de, wenden.

Fotos können im Folgenden heruntergeladen werden:
1) https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2018/Bilder/Fussball_durch_d...
Bildunterschrift: Screenshot der automatisierten Spielanalyse. Die Farbflächen markieren freie Räume, die für die Torsituation relevant sind. Die Software reagiert dabei in Echtzeit auf die Ereignisse und passt die eingeblendeten Markierungen bis zu 30 mal pro Sekunde an. Weitere Analysegrafiken können mit eingeblendet werden, darunter Dominanzbereiche der Mannschaften und Passmöglichkeiten.
Copyright: Dietmar Wallner

2) https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2018/Bilder/Fu%C3%9Fballanal...
Bildunterschrift: Manuel Stein, Entwickler der Analyse-Software. Manuel Stein ist Informatiker und Doktorand im Forschungsbereich „Collective Behaviour" (Kollektivverhalten) an der Universität Konstanz.
Bild: Manuel Stein

Kontakt:
Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
Telefon: + 49 7531 88-3603
E-Mail: kum@uni-konstanz.de

Quelle: idw

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Tattoos: Körperschmuck mit Risiken

Dr. Suzan Fiack Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Tätowierungen sind Schwerpunktthema des aktuellen BfR-Wissenschaftsmagazins BfR2GO

Trotz ihrer großen Verbreitung werden Tattoos bislang selten im Zusammenhang mit gesundheitlichen Risiken diskutiert. Dabei können Tätowierungen unerwünschte gesundheitliche Folgen haben wie Infektionen, Entzündungen, Narben und Allergien. Zudem sind Langzeitwirkungen möglich, über die bislang kaum Erkenntnisse vorliegen. Verschiedene Forschungsprojekte am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) liefern Ergebnisse, die weltweit Beachtung finden und in der aktuellen Ausgabe des BfR-Wissenschaftsmagazin BfR2GO vorgestellt werden. „Farbpigmente von Tattoos bleiben nicht lokal unter der Haut, sondern wandern im Körper", sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Durch UV-Licht und Alterung zerfallen manche Pigmente in toxische Substanzen. Wer die aktuelle Ausgabe von BfR2GO liest, erhält Einblicke in die Forschung und Bewertung des BfR auf dem Gebiet der gesundheitlichen Risiken durch Tätowiermittel."

BfR2GO 1/2018: www.bfr.bund.de/cm/350/bfr-2-go-ausgabe-1-2018.pdf
Eine wichtige Aufgabe des BfR ist es, die Öffentlichkeit über mögliche Risiken gesundheitlicher Art zu informieren. BfR2GO ist ein neues Publikationsformat des BfR, das wichtige Themen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes aufgreift. In jeder Ausgabe von BfR2GO wird ein aktuelles Thema aus dem Arbeitsbereich des BfR schwerpunktmäßig vorgestellt: In der aktuellen Ausgabe sind es die Risiken des Tätowierens. Daneben finden sich Berichte, Interviews und Meldungen aus den Arbeitsgebieten des BfR - Risikokommunikation, Lebensmittelsicherheit, Produkt- und Chemikaliensicherheit sowie Schutz von Versuchstieren. Weitere Themen dieser Ausgabe sind: Küchenhygiene in TV-Kochshows, Nudging-Maßnahmen im gesundheitlichen Verbraucherschutz, „Botanicals" für Sportlerinnen und Sportler, Neues zur Europäischen Chemikalienverordnung REACH, Begasungen von Schiffscontainern sowie ein Interview mit dem Leiter des Deutschen Zentrums zum Schutz von Versuchstieren am BfR.

Das Wissenschaftsmagazin BfR2GO erscheint zweimal im Jahr in deutscher und englischer Sprache und wird auf der BfR-Website unter www.bfr.bund.de/de/publikation/wissenschaftsmagazin-201894.html veröffentlicht. Dort kann es kostenlos heruntergeladen oder direkt bestellt werden. Interessenten können sich per E-Mail (publikationen@bfr.bund.de) für ein kostenloses Abonnement des Magazins vormerken lassen.

Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Das BfR ist 15 Jahre alt. Aus diesem Anlass hat das BfR eine Jubiläumsbroschüre herausgegeben, die unter www.bfr.bund.de/de/publikation/broschueren-660.html kostenlos heruntergeladen oder bestellt werden kann.

Quelle: idw

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Deutsche Unternehmen gefährden Umwelt und Menschenrechte

Mandy Schoßig Öffentlichkeit und Kommunikation
Öko-Institut e. V. - Institut für angewandte Ökologie

Deutsche Firmen sollten Produkte, die in der Europäischen Union wegen möglicher Gefahren für die Menschenrechte und die Umwelt nicht zugelassen sind, auch im Ausland nicht vertreiben. Eine aktuelle Fallstudie des Öko-Institut zeigt jedoch, dass deutsche Chemieunternehmen besonders gefährliche, in der EU verbotene Pestizide im Ausland anbieten. Ein anderes Beispiel zur Abwrackung von Schiffen belegt, dass deutsche Reedereien ihre Schiffe in Bangladesch entsorgen lassen, obwohl dies verboten ist.

Das Öko-Institut fordert in seinem Spendenprojekt „Umweltschutz wahrt Menschenrechte", dass die deutschen Unternehmen ihrer globalen Verantwortung gerecht werden und ihre Sorgfaltspflichten zum Schutz von Mensch und Umwelt ernst nehmen. Der deutsche Staat muss dafür sorgen, dass im Ausland EU-Standards nicht unterlaufen werden - dieser Pflicht kommt er heute teilweise nur unzureichend nach. Diese Forderungen gelten für alle untersuchten Fälle, darunter auch für den Kupferbergbau in Peru.

Pestizide: Hochgiftige Stoffe aus Produktsortiment verbannen
In seiner Fallstudie zu Pestiziden legt das Öko-Institut den Schwerpunkt auf besonders gefährliche Chemikalien. Viele von ihnen sind unmittelbar toxisch; sie führen beim Einatmen oder bei der Anwendung zu schweren Vergiftungen. Andere wirken langfristiger, indem sie krebserregend sind, den Hormonhaushalt negativ beeinflussen oder das Erbgut schädigen. Gelangen sie in Böden und Gewässer, können sie ihren Weg in Nahrungsmittel und Trinkwasser finden. Andere Chemikalien sind äußerst schädlich für Bienen. Das Öko-Institut fordert ein Exportverbot der hochgiftigen, in der EU nicht zugelassenen Pestizide.

Schiffsrecycling: Bestehende Regelungen einhalten
Zumeist über Zwischenhändler gelangen Schiffe deutscher Reedereien zur Verschrottung nach Bangladesch. Dort werden sie statt in geeigneten Recyclingeinrichtungen direkt am Strand auseinandergenommen. Dabei gelangen Schweröle, Asbest und weitere Gefahrstoffe ins Meer; Arbeiter kommen häufig ungeschützt mit ihnen in Berührung. Die Folge sind Arbeitsunfälle und Vergiftungen sowie Verseuchungen des Meerwassers. Nach internationalem und europäischem Recht ist die nicht fachgerechte Entsorgung ausgedienter Schiffe in Bangladesch verboten. Das Öko-Institut fordert, dass die bestehenden Regelungen eingehalten und vom deutschen Staat konsequent durchgesetzt werden.

Risiken kennen, Gegenmaßnahmen ergreifen
„Alle drei Fallstudien zeigen, dass deutsche Unternehmen ihrer Verantwortung zur Wahrung von Menschenrechten und Umweltschutz nur unzureichend nachkommen", kritisiert Dr. Nele Kampffmeyer, Expertin für nachhaltige Unternehmensführung am Öko-Institut. „Solange keine gesetzlichen Regelungen existieren, können Unternehmen zwischen Geschäftsinteressen und Menschenrechten abwägen. Aus unserer Sicht muss der Schutz von Mensch und Umwelt jedoch über finanziellen Interessen stehen."
Um diesen Prioritäten folgen zu können, müssen die Unternehmen entlang ihrer Wertschöpfungskette - also von der Herstellung, über die Nutzung bis zur Entsorgung ihrer Produkte - die Risiken für Menschen und Umwelt analysieren. Dabei sollten Betroffene vor Ort, etwa Kleinbauern, einbezogen werden. In einem zweiten Schritt sollten sie dann wirksame Schutzmaßnahmen ergreifen. Dazu gehört auch die Einrichtung von Beschwerdestellen, an die sich mögliche Betroffene wenden können.

Das Projekt wurde mit Hilfe von privaten Spenden finanziert. Diese geben dem Öko-Institut die Möglichkeit, Themen wissenschaftlich zu bearbeiten, die es als besonders wichtig erachtet, für die aber kein Auftragsmandat vorliegt.

Working Paper „Umweltschutz wahrt Menschenrechte! Deutsche Unternehmen in der globalen Verantwortung" des Öko-Instituts (https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/WP-Umweltschutz-wahrt-Menschenrechte.pdf)

Kurzfassung „Umweltschutz wahrt Menschenrechte! Unternehmen und Politik in der Verantwortung" des Öko-Instituts (https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Umweltschutz-wahrt-Menschenrechte-Kurzfass...)

Ansprechpartnerin am Öko-Institut
Dr. Nele Kampffmeyer
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institutsbereich
Umweltrecht & Governance
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Telefon: +49 30 405085-346
E-Mail: n.kampffmeyer@oeko.de

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Neues vom Öko-Institut auf Twitter: twitter.com/oekoinstitut

Das Öko-Institut bloggt unter: blog.oeko.de

Aktuelle Ausgabe des Onlinemagazins eco@work: www.oeko.de/e-paper

Anhang
PM_Umweltschutz-wahrt-Menschenrechte_Öko-Institut
https://idw-online.de/de/attachment65842

Quelle: idw

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Fußball-WM 2018: Statistik sieht Brasilien vorne

Dr. Dirk Frank Public Relations und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Auf fussballmathe.de kann man den Ausgang der Weltmeisterschaft berechnen. Umfangreiches Material für den schulischen Einsatz

FRANKFURT. Die deutschen Fußballfans sehnen sich nach einem weiteren Stern auf dem Trikot, was für den fünften Gewinn der Fußballweltmeisterschaft stünde. Doch nach der Prognose des Portals fussballmathe.de hat das Team Brasiliens die größten Chancen: Die Siegwahrscheinlichkeit Brasiliens liegt bei 25,67 Prozent, Deutschland folgt mit 17,84 Prozent, knapp dahinter Spanien mit 17,11 Prozent. Prof. Matthias Ludwig, Mathematik-Didaktiker an der Goethe-Universität, betreibt mit seinem Team seit sechs Jahren das Portal fussballmathe.de: Das Instrument ermöglicht eine spannende Beschäftigung mit Statistik im schulischen Kontext. Umfangreiches Material kann kostenfrei auf fussballmathe.de heruntergeladen werden. Der Didaktiker möchte mit dem Portal vor allem das Verständnis für die mathematischen Grundlagen der Statistik stärken, Fußball ist dafür ein geeigneter Anwendungsbereich.

Anhand dreier Parameter werden die fußballerischen Wahrscheinlichkeiten berechnet: historische Ergebnisse, die erreichten ELO-Punkte (ein Ranglistensystem) sowie der aktuelle Mannschaftswert fließen in die Prognose ein. Die aktuellen Spielergebnisse der Fußball-WM 2018 werden natürlich eingearbeitet. Die online abrufbaren und jeweils aktuellen Prognosen erfreuen sich auch bei wettfreudigen Zeitgenossen jenseits von Schule und Hochschule einer großen Beliebtheit, Ludwig rechnet während der WM mit gewaltigen Zugriffszahlen.

Weitere Informationen:
Prof. Matthias Ludwig, Institut für Didaktik der Mathematik und Informatik. Tel. (069) 798-28695; ludwig@math.uni-frankfurt.de; http://www.fussballmathe.de

Weitere Experten der Goethe-Universität zum Thema „Fußball-WM 2018":
Prof. Robert Gugutzer ist Sportsoziologe und beschäftigt sich mit der Soziologie des Fußballs; er hat unter anderem das Phänomen „Public Viewing" untersucht. In diesem Sommersemester ist die Fußball-WM auch Thema in seinem Seminar „Medien und Sport". Tel. (069)798-24529; gugutzer@sport.uni-frankfurt.de

Prof. Winfried Banzer ist Sportmediziner und leitet die Abteilung Sportmedizin; er war u.a. einige Jahre lang der Mannschaftsarzt der deutschen Tennis-Daviscup-Spieler. Tel. (069) 798-24543; winfried.banzer@sport.uni-frankfurt.de

Der Politologe Prof. Reinhard Wolf ist Professor für Internationale Beziehungen mit dem Schwerpunkt Weltordnungsfragen; er beschäftigt sich mit dem Verhältnis alter und neuer Großmächte und ist ein guter Kenner der Außen- und Sicherheitspolitik der Russischen Föderation. Tel. (069) 798-36608; wolf@soz.uni-frankfurt.de

Quelle: idw

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Planungssicherheit für Kommunen: Den Wasserbedarf der Zukunft prognostizieren

Melanie Neugart Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

Es gehört zu den Aufgaben von Kommunen, eine sichere Wasserversorgung zu garantieren. Eine realistische Planung gestaltet sich aber immer schwieriger, denn die Einflüsse auf den Wasserbedarf sind vielfältig: Demografische und klimatische Entwicklungen beeinflussen die Bedarfswerte ebenso wie sich verändernde Wirtschaftsstrukturen, neue Wassertechnologien oder Gewohnheiten verschiedener Verbrauchsgruppen. Damit Kommunen trotzdem langfristig planen können, sind sie auf Wasserbedarfsanalysen für ihr Gemeindegebiet angewiesen.

Das ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung hat ein Prognosemodell entwickelt, das die komplexen Einflüsse in einem Versorgungsgebiet erstmals verlässlich und kleinräumig abbilden kann.

Ein typisches Phänomen in vielen deutschen Städten: Obwohl die Bevölkerungszahlen steigen, ist der Wasserbedarf rückläufig. Das hat vielfältige Gründe - effizientere Haushaltsgeräte, die immer weniger Wasser benötigen, oder eine modernere Sanitärausstattung und ein sparsameres Verbrauchsverhalten. All diese Veränderungen frühzeitig zu erkennen, kann die Planungssicherheit für Kommunen erhöhen. Selbstverständlich auch im umgekehrten Fall, wenn ein steigender Bedarf zu Engpässen in der Wasserversorgung führt.

Weil Investitionen in die Infrastruktur lange Vorlaufzeiten benötigen, sind Kommunen auf langfristige Prognosen ihres Wasserbedarfs angewiesen. „Für ihre Planungssicherheit reichen die üblicherweise verwendeten Daten wie bundesweite Durchschnittswerte des Pro-Kopf-Verbrauchs oder Bevölkerungszahlen nicht aus", sagt ISOE-Wasserforscher Stefan Liehr, der am ISOE ein Prognosemodell für die Ermittlung des Wasserbedarfs mitentwickelt hat.

Trends frühzeitig erkennen, um Wasserbedarfsprognosen auf Stadtteilebene zu berechnen
„Im Vergleich zu früher liegen heute viel detailliertere Daten zu sozio-ökonomischen, siedlungsstrukturellen oder technischen Faktoren vor. Diese erlauben ein deutlich genaueres und kleinräumigeres Bild über die zu erwartende Bedarfsentwicklung", sagt Liehr. Auch müssten Trends wie ein unter Umständen wasserintensives Konsumverhalten oder die zunehmende Nutzung alternativer Wasserquellen wie Regen- und Brauchwasser berücksichtigt werden. Das integrierte Prognosemodell des ISOE schließt alle relevanten Einflussfaktoren ein und ermöglicht Kommunen einen hohen Detailierungsgrad bis hin zu einzelnen Stadtteilen oder Quartieren.

Zu den besonders relevanten Einflussfaktoren zählt Wasserforscher Liehr neben den technologischen Wassersparpotenzialen bei Haushalten und Betrieben vor allem die dynamische Bevölkerungsentwicklung und die wirtschaftliche Entwicklung. „Zudem ist zu erwarten, dass in den nächsten Jahrzehnten extreme Witterungsverläufe zu Schwankungen im Wasserbedarf führen", sagt Liehr. Grundlegend für die Analyse seien eine kleinräumlich gegliederte Verbrauchsstatistik, Daten der Bevölkerungs-, Wohnraum-, Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur, statistische und räumliche Analysen mittels eines Geografischen Informationssystems (GIS) sowie Kunden- und Expertenbefragungen.

ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main
Das ISOE gehört zu den führenden unabhängigen Instituten der Nachhaltigkeitsforschung. Seit mehr als 25 Jahren entwickelt das Institut wissenschaftliche Grundlagen und zukunftsfähige Konzepte für Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft - regional, national und international. Zu den Forschungsthemen gehören Wasser, Energie, Klimaschutz, Mobilität, Urbane Räume, Biodiversität und sozial-ökologische Systeme.

Ansprechpartner:
Melanie Neugart
Pressekontakt
Tel. 069 707 69 19-51
neugart@isoe.de

Dr. Stefan Liehr
Forschungsschwerpunkt Wasserressourcen und Landnutzung
Tel. 069 707 69 19-36
liehr@isoe.de

Weitere Informationen:

http://www.isoe.de

Anhang
Planungssicherheit für Kommunen: Den Wasserbedarf der Zukunft prognostizieren
https://idw-online.de/de/attachment65859

Quelle: idw

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„Das wurde auch höchste Zeit" - HPV-Impfung für Jungen empfohlen 

Dr. Sibylle Kohlstädt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts hat soeben beschlossen, die Impfung gegen krebserregende humane Papillomviren (HPV) nun auch für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren zu empfehlen. Diese Empfehlung ist die Grundlage für eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen. Der Medizin-Nobelpreisträger Harald zur Hausen, Wegbereiter der HPV-Impfung, fordert bereits seit Jahren, auch die Jungen zu impfen.

Herr zur Hausen, seit der HPV-Impfstoff 2007 in Deutschland zugelassen wurde, fordern Sie, nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen gegen HPV zu impfen. Freuen Sie sich über die STIKO-Entscheidung?
Zur Hausen: Das wurde auch höchste Zeit! Es gibt ja schon seit langem eine ganze Reihe an zwingenden Gründen dafür, auch Jungs zu impfen: Das offensichtlichste Argument ist, dass in nahezu allen Kulturen die jungen Männer mehr Sexualpartner haben als Frauen der gleichen Altersgruppe. Damit sind Männer die wichtigsten Verbreiter der Infektion. Ich habe immer plakativ gesagt: Würden wir nur die Jungs impfen, würden wir wahrscheinlich mehr Fälle von Gebärmutterhalskrebs verhüten als mit der ausschließlichen Impfung der Mädchen!

Profitieren denn die Männer selbst auch von der Impfung?
Zur Hausen: Auf jeden Fall, denn Männer sind nicht nur die Überträger, sondern auch die Opfer der Viren! Die Impfung schützt ja nicht nur vor Gebärmutterhalskrebs, sondern auch vor verschiedenen anderen Krebsarten, die auch Männer treffen können, und die durch die gleichen HPV-Typen ausgelöst werden, etwa Mund-Rachen-Krebs oder Analkrebs. Insgesamt gehen pro Jahr in Deutschland etwa 1.000 Krebsfälle bei Männern auf das Konto von HPV.
Neben dem wirksamen Schutz vor Krebs kann die Impfung auch vor den weitverbreiteten Genitalwarzen schützen, die zwar nicht lebensbedrohlich, dafür aber sehr hartnäckig und unangenehm sind. Werden Jungen geimpft, so profitieren außerdem auch homosexuelle Männer, die ein besonders hohes Risiko für HPV-bedingte Krebsarten haben.

Auch bislang war der Impfstoff schon für Jungen ab neun Jahren zugelassen - doch die Eltern mussten die Impfung selbst bezahlen. Was war die Konsequenz?
Zur Hausen: Das hatte zur Folge, dass bislang nur ein verschwindender Bruchteil der Jungen gegen die krebserregenden HPV geschützt ist. Ohne eine Impfung der Jungen können wir nie eine so genannte Herdenimmunität erreichen. Darunter versteht man eine ausreichend hohe Immunisierungsrate, die eine weitere Ausbreitung der HPV-Infektion verhindert. Die dafür erforderliche Impfrate unterscheidet sich je nach Krankheitserreger. Bei HPV schätzen wir, dass etwa 85 Prozent aller Jugendlichen geimpft sein müssen, um die Infektionskette zu durchbrechen. Doch angesichts der in Deutschland skandalös niedrigen HPV-Impfrate von Mädchen, die gerade mal bei 40 Prozent liegt, sind wir meilenweite von einem solchen Gemeinschaftsschutz entfernt.
Ich kann daher nur an die Eltern aller Jungs appellieren: Nutzen Sie die Chance und schützen Sie Ihren Sohn und seine zukünftigen Partnerinnen vor diesen vermeidbaren Krebserkrankungen!

Gibt es inzwischen Zahlen zum Rückgang von Gebärmutterhalskrebs unter den geimpften Frauen?
Zur Hausen: Kürzlich haben finnische Kollegen die Frauen untersucht, die im Rahmen der Zulassungsstudien die Impfung erhalten haben. Bei den geimpften Frauen wurde kein einziger Fall von HPV-bedingten Krebsarten festgestellt, bei den nicht geimpften Kontrollen dagegen in der erwarteten Anzahl.
Für die Frauen, die erst nach der Markteinführung der Vakzine, also nach 2006, geimpft wurden, ist es noch immer zu früh für statistisch gesicherte Aussagen zum Rückgang von Gebärmutterhalskrebs: Nach einer HPV-Infektion dauert es schätzungsweise 15 bis 30 Jahre, bis eine Krebserkrankung festgestellt werden kann. Aber der signifikante Rückgang von behandlungspflichtigen Krebsvorstufen, aus denen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Krebs entsteht, spricht eine deutliche Sprache.

Harald zur Hausen, von 1983 bis 2003 Vorstandvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums hat mit seiner Forschung den Zusammenhang von Viren und Gebärmutterhalskrebs belegt und damit die Grundlage für die Entwicklung der HPV-Impfstoffe geschaffen. Dafür wurde er 2008 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

Die STIKO empfiehlt für Jungen eine Nachholimpfung bis zum Alter von 17 Jahren. Die HPV-Impfempfehlung für Mädchen bleibt unverändert.

Die Empfehlung der STIKO gilt erst mit der Veröffentlichung im Epidemiologischen Bulletin 34/2018 des Robert-Koch Instituts. Im Anschluss an diese Veröffentlichung prüft der Gemeinsame Bundesausschuss die Kostenübernahmen durch die gesetzlichen Krankenversicherer. Eltern, die ihre Söhne umgehend impfen lassen möchten, sollten bis dahin eine mögliche Kostenübernahme direkt mit ihrer Krankenkasse besprechen.

Ein Foto von Harald zur Hausen steht zur Verfügung unter:
www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2018/bilder/ZurHausen_Harald.jpg

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

www.dkfz.de

Quelle: idw

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Schützen Biberdämme vor Hochwassern? HSWT erforscht Grundlagen zum Wasserrückhalt durch Biberdämme

Gerhard Radlmayr ZFW - Forschungskommunikation
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Die Wissenschaftler Prof. Dr. Volker Zahner und Prof. Dr. Carsten Lorz vom Institut für Ökologie und Landschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf erarbeiteten in dem Forschungsprojekt "Die Wirkung des Europäischen Bibers (Castor fiber) auf den natürlichen Wasserrückhalt an ausgewählten Fließgewässern Bayerns" die Grundlagen der hydraulischen und hydrologischen Wirkung von Biberdämmen bei Hochwasserereignissen in Europa. In dem damit in Verbindung stehenden Projekt "ProNaHo" des Lehrstuhls für Hydrologie und Flussgebeitsmanagement der TU München erfolgt dann die prozessbasierte Modellierung.

Nach März 1988, Pfingsten 1999, dem August 2002 und 2005 trat im Juni 2013 das fünfte außergewöhnliche Hochwasserereignis in Bayern innerhalb eines verhältnismäßig kurzen Zeitraums auf. Die bayerische Staatsregierung beschloss daraufhin die Anstrengungen im Hochwasserschutz zu verstärken. Neben dem "Technischen Hochwasserschutz" und der "Hochwasservorsorge" gilt in diesem Zusammenhang auch dem "Natürlichen Rückhalt" besondere Aufmerksamkeit. Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) sollte in einem vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz geförderten Forschungsprojekt untersuchen, inwieweit Biberdämme einen wirksamen Beitrag für den natürlichen Wasserrückhalt leisten können. Bayern ist heute wieder weitgehend vom Biber besiedelt. Dabei weisen rund 30-40 % der Reviere Dämme auf. Diese Dämme haben einen hohen Stellenwert für den Naturschutz, weisen aber auch ein hohes Konfliktpotenzial auf. Gerade unter hydraulischen und hydrologischen Aspekten gab es bislang wenig belastbare Informationen zur Bewertung und Modellierung im Hochwasserfall.

Die Wissenschaftler Prof. Dr. Volker Zahner und Prof. Dr. Carsten Lorz vom Institut für Ökologie und Landschaft der HSWT erarbeiteten in dem Forschungsprojekt "Die Wirkung des Europäischen Bibers (Castor fiber) auf den natürlichen Wasserrückhalt an ausgewählten Fließgewässern Bayerns" die Grundlagen der hydraulischen und hydrologischen Wirkung von Biberdämmen bei Hochwasserereignissen in Europa. In dem damit in Verbindung stehenden Projekt "ProNaHo" des Lehrstuhls für Hydrologie und Flussgebeitsmanagement der TU München erfolgt dann die prozessbasierte Modellierung. Mit einer bayernweiten Umfrage wurden in verschiedenen Naturräumen die Anzahl und Verteilung von Biberdämmen erfasst und nach relevanten Parametern typisiert. Dabei zeigte sich, dass Biber nur an kleinen Fließgewässern Dämme bauen, die meist weniger als sechs Meter breit und weniger als 70cm tief sind sowie mindestens einen Gehölzsaum aufweisen. Dämme werden nur in nicht zu steilem Gelände errichtet, bei über 7% Gefälle finden sich in aller Regel keine Dämme mehr. Je nach Topographie und Geländeneigung entstehen Dammkaskaden. Das durch die Dämme zurück gehaltene Sedimentvolumen schwankt dabei in Abhängigkeit der Fläche der Biberteiche zwischen 42 und 3858 Kubikmetern.

Vor allem der als Freibord bezeichnete Abstand zwischen dem Wasserspiegel und der Oberkante des Dammes entscheidet in Verbindung mit der Biberteichgröße darüber, wie viel der anströmenden Wassermenge aufgenommen und zurückgehalten wird. Die bei den stabilsten Dämmen im Bayerischen Wald ermittelte Maßzahl HQ10 sagt dabei aus, dass die dortigen Biberdämme zehnjährigen Hochwasserereignissen standgehalten haben. Mit ansteigender Biberpopulation steigt auch die Zahl der Dämme, jedoch nicht zwangsläufig proportional. Wenn die günstigsten Reviere besetzt sind, führt der Populationsdruck dazu, dass marginalere (kleinere) Gewässer besiedelt werden, die ohne Dammbauten für den Biber nicht bewohnbar wären. So entstehen Dämme vor allem in Kleingewässern und in Oberläufen, wie es zum Beispiel in Unterfranken der Fall war. Die potentielle Wirkung von Biberdämmen auf den Hochwasserabfluss wird durch die Verringerung der Fließgeschwindigkeit, die durch das Freibord zurückgehaltene Wassermenge sowie längerfristig von der Dammstabilität bestimmt.

Weitere Informationen:
https://forschung.hswt.de/web/915/show_new

Quelle: idw

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Brustkrebs-Verdacht: Bis zu 45 Prozent mehr Tumore per Ultraschall entdecken

Friederike Gehlenborg Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

Berlin - Brustkrebs?! Sobald dieser Verdacht besteht, ist die Sorge bei Patientinnen groß. Bei einer frühen Diagnose sind die Heilungschancen zwar recht hoch, jedoch bleiben viele Tumore zu lange unentdeckt. Das Problem: Mit der Röntgenuntersuchung der Brust - dem hierzulande häufigsten Diagnoseverfahren - kann ein Großteil der sogenannten Mammakarzinome häufig nicht eindeutig identifiziert werden. Wenn jedoch die Ultraschalldiagnostik ergänzend eingesetzt wird, können bis zu 45 Prozent mehr invasive Karzinome erkannt werden.

Auf einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) fordern Experten deshalb, dass die Brustuntersuchung per Ultraschall schon bei Routineuntersuchungen zur Früherkennung von Krebs standardmäßig zum Einsatz kommen sollte. Die Pressekonferenz findet am Dienstag, den 19. Juni in Berlin statt.

„Der hohe Mehrwert der Sonografie zur Krebsfrüherkennung ist viel zu wenig bekannt", bemängelt DEGUM-Experte Professor Dr. med. B. Joachim Hackelöer, der unter anderem Professuren für Gynäkologie und Geburtshilfe an Universitäten in Hamburg und Marburg innehatte. So habe der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) den Nutzen dieser Untersuchung vor kurzem in einem Beurteilungsverfahren von mehreren Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL-Leistungen) als unklar eingestuft. Nach Ansicht von Hackelöer besteht vor diesem Hintergrund ein dringender Aufklärungsbedarf.

Doch warum ist der Nutzen des Brustultraschalls so groß? „Die weibliche Brust besteht aus einem Milchdrüsengewebe. Bindegewebe und Fett hüllen dieses Drüsengewebe ein", so Hackelöer. „Durch die Ultraschalluntersuchung der Brust wird das Drüsen- und Bindegewebe mit hellen Echos dargestellt, Karzinome hingegen oft mit dunklen Echos." So entsteht ein Echokontrast, der die Diagnose wirksam ermöglicht. Im Gegensatz dazu weist die Röntgenuntersuchung der Brust - die sogenannte Mammografie - keinen so klaren Kontrast zwischen dem Tumor und dem übrigen Drüsen- und Bindegewebe auf. Hier werden die Karzinome hell oder weiß abgebildet und können deshalb durch das übrige restliche Drüsen- und Bindegewebe maskiert oder verborgen werden. Besonders häufig ist das bei Frauen mit dichtem Gewebe - also einem hohen Anteil an Milchdrüsengewebe - der Fall. Diese Frauen sollten nach Ansicht der DEGUM deshalb dringend auch per Ultraschall untersucht werden - und das sind zahlreiche: „Nach neuesten Daten hat fast die Hälfte der Frauen ab 50 Jahren ein dichtes Brustgewebe. „Problematisch ist, dass derzeit im Deutschen Mammographie Screening-Programm die Brustdichte nicht systematisch erfasst und mitgeteilt wird. Frauen mit extrem dichtem Drüsengewebe haben jedoch ein höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken", sagt Professor Dr. med. Alexander Mundinger, Chefarzt der Brustzentrum-Sektion Bildgebende und minimal-invasive Mammadiagnostik der Niels-Stensen-Kliniken am Franziskus-Hospital Harderberg in Georgsmarienhütte. Gleichzeitig sei das Risiko der Maskierung von Brustkrebs bei diesen Patientinnen am höchsten. „Aber auch ihnen wird zur Früherkennung von Brustkrebs hierzulande lediglich alle zwei Jahre eine Röntgenuntersuchung empfohlen und finanziert. Das muss sich dringend ändern."

Damit zukünftig mehr Brustkrebstumore frühzeitiger entdeckt werden, fordern die DEGUM-Experten ein neues Konzept: „Wir benötigen in Deutschland dringend ein risikoadaptiertes, optimiertes Screening-Programm. Hier sollte die Mammografie zwingend durch die Ultraschall-Diagnostik der Brust ergänzt werden", meint Hackelöer. „Zudem muss die Früherkennung sehr individualisiert durchgeführt werden." Ideal wäre es nach Ansicht der DEGUM-Experten, wenn die Ultraschall- und die Röntgenuntersuchung - je nach Dichtegrad der Brust - bei Frauen ab dem 40. Lebensjahr etwa einmal pro Jahr standardisiert angewendet würde. Diese Untersuchungen sollten möglichst DEGUM-zertifizierte Gynäkologen und Radiologen durchführen. Nach Ansicht der Ultraschall-Experten sollte das DEGUM-Konzept bereits in die Screening-Ausbildung der angehenden Ärzte integriert werden - so könne eine hohe Qualität in der Sonografie am besten gewährleitet werden.

Weiterführende Informationen:
https://www.mds-ev.de/presse/pressemitteilungen/neueste-pressemitteilungen/2018-...

Quelle: idw

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Der gläserne Fußballer

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Wie wird Erfolg im Fußball messbar? Mit der heute verfügbaren Menge an Positionsdaten im Fußball scheint diese Frage vor einer Weltmeisterschaft besonders interessant. Trainingswissenschaftler Dr. Daniel Link von der Technischen Universität München (TUM) hat ein Modell entwickelt, mit dem sich die Torgefährlichkeit einer Mannschaft messen lässt.

Tore lassen im Fußball nur bedingt eine Aussage über die Leistung einer Mannschaft und die Qualität ihrer Spieler zu: Sie fallen selten, manchmal durch eine einzige Unaufmerksamkeit oder einer hochdominanten Mannschaft fehlt das Quäntchen Glück.

Indikatoren wie Torschüsse, erfolgreiche Pässe, Zweikämpfe, Ballbesitz und zurückgelegte Distanzen sind insbesondere in den Medien weit verbreitet, jedoch auch ihr Nutzen ist als Maßeinheit für Leistung zu hinterfragen. Im Halbfinale der letzten Weltmeisterschaft 2014 beispielsweise hatte Deutschland weniger Torschüsse als Brasilien (im Verhältnis 14:18), aber kaum ein Zuschauer würde an der Überlegenheit Deutschlands in diesem Spiel (7:1 Tore) zweifeln.

Für das Buch „Data Analytics in Professional Soccer" von Dr. Daniel Link sind Situationen, in denen die Möglichkeit besteht ein Tor zu erzielen, zentrales Kriterium für die „Leistung" im Fußball. „Im Fußball kommt es primär darauf an, dass eine Mannschaft mit dem Ball in den torgefährlichen Bereich um das Tor kommt und den Gegner umgekehrt daran hindert", sagt der Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Trainingswissenschaft und Sportinformatik der TUM. In dem gerade veröffentlichten Werk präsentiert er sechs Einzelstudien mit innovativen mathematischen Ansätzen zur Spielanalyse und Spielerbewertung im Profifußball.

Echtzeit-Analyse mithilfe von optischem Tracking
Der Trainingswissenschaftler stellt in dem ursprünglich in „PLOS One" veröffentlichten Kapitel 3 objektive Kriterien vor, um in Echtzeit die Mannschaftsleistung mit einem eigens dafür entwickelten Algorithmus festzustellen. Mit seinem Verfahren ermittelt er für jeden Zeitpunkt, zu dem ein Spieler im Ballbesitz ist, eine quantitative Darstellung der Wahrscheinlichkeit, dass ein Tor erzielt wird - „ich bezeichne dies als Dangerousity", sagt Link. Die Berechnung dieser Metrik basiert auf der räumlichen Konstellation von Spieler und Ball und besteht aus den vier Komponenten Druck, Dichte, Ballkontrolle und Spielfeldzone. Der englische Begriff Dangerousity wird in der Sportdaten-Community inzwischen weltweit referenziert.

Mit diesem Ansatz hat der Autor in Zusammenarbeit mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) 64 Bundesligaspiele ausgewertet. Die Positionsdaten der Spieler und des Balls wurden über ein optisches Tracking-System erfasst. Außerdem wurde die automatische Bewertung durch Links Algorithmus mit Bewertungen durch semi-professionelle Fußballtrainer bei hundert Spielszenarien verglichen. Hierbei zeigte sich eine hohe Übereinstimmung zwischen der Einschätzung der Szenen zwischen der Maschine und dem Menschen. Die Auswertung erfolgte mit Unterstützung des DFL-Tochterunternehmens Sportec Solutions (STS).

„Aus der Gefährlichkeit lassen sich weitere Metriken ableiten, mit denen Fragen zur Analyse des Spiels beantwortet werden können", erklärt der Sportwissenschaftler seinen neuen Ansatz. „Wir verwenden diese Metriken, um einzelne Aktionen in einem Spiel zu analysieren, Spielpassagen zu beschreiben und die Leistung als auch Effizienz von Teams über die Saison zu charakterisieren." Für zukünftige Studien würden sie ein zufalls- und ergebnisunabhängiges Kriterium darstellen, um den Einfluss von zentralen Ereignissen in einem Fußballspiel, verschiedenen Spielsystemen oder taktischen Gruppenkonzepten auf den Erfolg hin zu untersuchen.

Publikation:
Daniel Link: Data Analytics in Professional Soccer - Performance Analysis Based on Spatiotemporal Tracking Data, Springer Vieweg 2018. ISBN 978-3-658-21177-6

Kontakt:
PD Dr. Daniel Link
Technische Universität München
Lehrstuhl für Trainingswissenschaft und Sportinformatik
Tel: +49.89.289.24498
daniel.link@tum.de

Weitere Informationen:
https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/34675/

Quelle: idw

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Biomasse effizient nutzen

Britta Widmann Kommunikation
Fraunhofer-Gesellschaft

Große Waldgebiete und Industriestandorte liegen meist weit voneinander entfernt. Wegen des schwierigen Transports wird Holz daher nur begrenzt als industrieller Rohstoff genutzt. Im EU-Projekt SteamBio haben Forschende des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB gemeinsam mit Partnern ein spezielles Dampftrocknungs-Verfahren entwickelt. Damit lassen sich die Transportkosten in Zukunft deutlich senken. Ein weiterer Pluspunkt: Das Verfahren wird bereits in einer spanischen Pilotanlage angewendet. Vom 11. bis 15. Juni wird ein Modell der Anlage auf der Messe ACHEMA in Frankfurt am Main (Halle 9.2, Stand D66) präsentiert.

Die industrielle Nutzung von Holz bietet große Chancen, Erdöl und Erdgas zu ersetzen. Die Herausforderung besteht darin, mit innovativen Verfahren die Biomasse so zu behandeln, dass nachhaltige Produkte und Produktionswege entstehen.

Üblicherweise werden Waldrestholz, Schwachholz und anderes minderwertiges Holz zu Hackschnitzeln zerkleinert. Hackschnitzel sind ein wichtiger Rohstoff für die holzverarbeitende Industrie. Außerdem dienen sie in Heizkraftwerken und Hackschnitzelheizungen als Brennstoff. Der hohe Wassergehalt der frischen Hackschnitzel verursacht zwei Probleme: Das Transportgewicht ist sehr hoch und die feuchte Masse lässt sich schlecht lagern. Schützt man die Hackschnitzel nicht vor Regen, verrottet das Material schnell.

Hackschnitzel transportfähig machen
Ein neues Verfahren, Hackschnitzel transport- und lagerfähig zu machen, haben Forscherinnen und Forscher des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB nun im EU-Projekt SteamBio entwickelt - gemeinsam mit zehn weiteren Projektpartnern aus vier europäischen Ländern. »Statt die Biomasse gehäckselt zu transportieren, torrefizieren wir sie«, erläutert Siegfried Egner, Abteilungsleiter am IGB und Koordinator des Projekts SteamBio. »Wir erhitzen die Biomasse in einer Dampfatmosphäre ohne Sauerstoff. Von den drei Hauptbestandteilen der Biomasse - Cellulose, Lignin und Hemicellulose - treiben wir auf diese Weise einen komplett aus, und zwar die Hemicellulose.« Das Gewicht wird erheblich reduziert, der spezifische Heizwert deutlich erhöht und das Material kann zu hochreaktivem Pulver vermahlen werden.

Die torrefizierte Biomasse ist wasserabweisend und hat ein deutlich besseres Brennverhalten, da sie nur noch aus Wasserstoff und Kohlenstoff besteht. Die Biomasse kann als offenes Schüttgut transportiert werden, da Regen an der Oberfläche abperlt, ohne in das Innere einzudringen. Zudem ist die torrefizierte Biomasse deutlich leichter als das unbehandelte Material - das spart erheblich Transportkosten.

Kohle durch Biomasse ersetzen
Die torrefizierten Holzhackschnitzel lassen sich leicht zwischen zwei Fingern zerreiben. Man kann sie zu Pellets pressen oder zu Staub vermahlen. Durch die größere Oberfläche hat der Biomasse-Staub bei der stofflichen Nutzung eine höhere Reaktivität als größere Materialstückchen. Zum anderen kann er bei der energetischen Nutzung mit Steinkohle-Staub vermischt und in die Feuerung von Kohlekraftwerken eingeblasen werden. Die Kohle ließe sich sogar bei gleicher Feuerungstechnik gänzlich durch Biomasse ersetzen.
Chemikalien nachhaltig erzeugen

Besonders wertvoll sind die flüchtigen Substanzen, die bei der Torrefizierung entstehen. Aus ihnen lassen sich Chemikalien gewinnen, die als Ausgangsmaterial für viele andere Industrieprodukte dienen. Diese Plattformchemikalien wurden bisher aus Erdöl oder Erdgas gewonnen, über die Torrefizierung lassen sie sich dagegen nachhaltig erzeugen. »Die Plattformchemikalien werfen bei vielen Biomasse-Materialien so viel Gewinn ab, dass sie den gesamten Torrefizierungsprozess finanzieren«, sagt Dr. Antoine Dalibard, Gruppenleiter am Fraunhofer IGB.

Dampftrocknung bei über 200 Grad
Doch was genau geschieht bei der Wärmebehandlung? »Die Torrefizierung an sich ist kein neues Verfahren«, erklärt Bruno Scherer, Projektingenieur am IGB. »Im SteamBio-Projekt setzen wir auf die am IGB entwickelte Dampftrocknungs-Technologie, die wir für diesen Prozess angepasst haben. Wir arbeiten hier bei Temperaturen zwischen 200 bis 250 Grad Celsius.« Das Besondere an der Technologie: Die in der Biomasse enthaltene Feuchte sowie dampfförmige Reaktionsprodukte der Torrefizierung werden kontrolliert im Prozessraum gehalten und bilden selbst das Prozessmedium. »Wir arbeiten also mit überhitztem Dampf«, verdeutlicht Scherer.

Die hohe Temperatur trocknet die Biomasse und führt dazu, dass niedrig siedende organische Verbindungen flüchtig werden. Während Cellulose und Lignin als Feststoff zurückbleiben, gehen die flüchtigen Stoffe in die Gasphase über. Mithilfe spezieller Kondensatoren fangen die Forscher diese gasförmigen Substanzen auf, kühlen sie selektiv ab und gewinnen sie auf diese Weise als Flüssigkeiten zurück.

Eine Pilotanlage ist bereits im Einsatz: Sie wurde beim Projektpartner Heckmann Metall- und Maschinenbau GmbH gefertigt und dort bereits betrieben - sieben Tage die Woche rund um die Uhr. Als Biomasse wurde Buche verwendet. Seit Januar 2018 steht die Anlage in Spanien. Hier torrefizieren Projektpartner Kiefern-, Eichen- und Buchenholz sowie Rebschnitt und Reststoffe der Olivenproduktion. Auf der Messe ACHEMA 2018 in Frankfurt am Main zeigten die Forscherinnen und Forscher vom Fraunhofer IGB eine Modell-Pilotanlage sowie getrocknete und torrefizierte Proben am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand in Halle 9.2, Stand D66.

Weitere Informationen:

https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2018/juni/biomasse-effiz...

Quelle: idw

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Achema 2018: Bierbrauen - Braurückstände sollen nachhaltige Verwendung finden

Melanie Löw Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Kaiserslautern

Um die 104 Liter Bier hat jeder Deutsche 2016 im Schnitt getrunken. Beim Brauen des Gerstensafts fallen viele Rückstände an, europaweit kommen pro Jahr circa 400.000 Tonnen zusammen. Nur ein Teil davon wird als Tierfutter wiederverwertet. Wie dieser Abfall nachhaltig genutzt werden kann, zum Beispiel als Rohstoff für die Chemie-Industrie oder als Quelle für pharmakologische Wirkstoffe, daran arbeiten Forscherteams aus drei Fachbereichen an der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) in einem europäischen Projekt.

Beim Brauen setzen Hefen die im Malz enthaltenen Zucker während der Gärung zu Alkohol und Kohlendioxid um. Weitere Bestandteile aus dem Getreidemalz benötigen die Mikroorganismen, um zu wachsen und sich zu vermehren. Trotzdem fällt hierbei viel Abfall an. In diesen Rückständen, in Fachkreisen auch Treber genannt, stecken noch etliche wertvolle Inhaltstoffe. Hier setzt das Projekt an, an dem drei Arbeitsgruppen der TUK gemeinsam mit Kooperationspartnern forschen: Sie untersuchen, wie der Treber künftig nachhaltig und ressourcenschonend genutzt werden kann.

Bei Professor Dr. Roland Ulber im Lehrgebiet Bioverfahrenstechnik geht das Team um die Doktoranden Jens Weiermüller und Alexander Akermann der Frage nach, welche Substanzen anfallen, wenn die Brau-Rückstände weiter fermentiert werden. „Wir nutzen dazu verschiedene Mikroorganismen wie Pilze und Bakterien", sagt Akermann. Bei diesen Prozessen fallen eine Vielzahl von chemischen Produkten an, wie etwa Milchsäure. Sie könnte zum Beispiel in Zukunft als Ausgangsstoff für Bioplastik für die Industrie dienen.

In der Anorganischen Chemie beschäftigt sich das Forscherteam um Professor Dr. Werner Thiel und die Doktoranden Ranja Saynisch und Pascal Weingart mit den Fetten, die im Treber vorkommen. „Sie enthalten beispielsweise zahlreiche ungesättigte Fettsäuren, die die Hefen bei der Gärung nicht brauchen", sagt Thiel. Diese Stoffe möchten die Chemiker zunächst genauer identifizieren. In einem nächsten Schritt möchten sie daraus Produkte für die Industrie aufbereiten. „Aus den Fetten lässt sich etwa Glyzerin gewinnen, das zu Zwischenprodukten für die chemische Industrie umgewandelt werden kann", fährt der Professor fort. „Aus den ungesättigten Fettsäuren kann man unter anderem Vorprodukte für die Kunststoffherstellung gewinnen. Dazu werden wir die nötigen Katalysatoren entwickeln."

Das Team vom Fachgebiet Lebensmittelchemie und Toxikologie um Professorin Dr. Elke Richling mit den Doktorandinnen Daniela Becker und Verena Kirsch wird Substanzen als auch Extrakte, die unter anderem von Projektpartnern aus dem Treber gewonnen werden, auf ihre biologische Aktivität untersuchen. So werden diese zunächst hinsichtlich möglicher toxikologischer Wirkungen geprüft. „Wir müssen uns rückversichern, dass bei den Stoffen keinerlei Gefahr für die Gesundheit besteht", sagt Kirsch. Darüber hinaus werden sie untersuchen, wie die Substanzen den Zuckerstoffwechsel des Menschen beeinflussen. „Es gibt einige Hinweise darauf, dass verschiedene Stoffe aus dem Treber die Aufnahme von Zucker ins Blut unterbinden", sagt Becker weiter. „Wir werden uns anschauen, welchen Einfluss sie genau haben." Möglicherweise ließe sich mit den gewonnenen Erkenntnissen eines Tages der Glukosestoffwechsel beeinflussen. Dies ist bei der Behandlung von Diabetes von großer Bedeutung.

Am Projekt „BIOVAL" sind neben der TUK die Saar-Uni sowie die Universitäten in Lothringen, Luxemburg und Lüttich sowie das belgische Unternehmen Celabor beteiligt. Der Europäische Strukturfond zur regionalen Entwicklung (EFRE) fördert es mit 1,84 Millionen Euro. Das Gesamtbudget liegt bei über drei Millionen Euro.

Der Auftritt der Forscher der TU Kaiserslautern auf der Messe wird von Klaus Dosch vom Referat für Technologie und Innovation organisiert. Er ist Ansprechpartner für Unternehmen und vermittelt unter anderem Kontakte zur Wissenschaft.
Kontakt: Klaus Dosch, E-Mail: dosch@rti.uni-kl.de, Tel.: 0631 205-3001

Quelle: idw

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Studie: Schlafqualität beeinflusst Leistungsfähigkeit stärker als Schlafdauer

Thomas Joppig Corporate Communications & Public Relations
Jacobs University Bremen gGmbH

Um tagsüber fit und leistungsfähig zu sein, spielen eine gesunde, fettarme Ernährung sowie ungestörter Schlaf eine wichtige Rolle. Von geringerer Bedeutung ist dagegen die Dauer des Schlafes. Das ist das Ergebnis einer jetzt in der Zeitschrift „Health Behavior & Policy Review" veröffentlichten Studie, die an der Jacobs University Bremen entstanden ist.

Dr. Sonia Lippke, Professorin für Gesundheitspsychologie, hat gemeinsam mit zwei Kolleginnen aus ihrer Forschungsgruppe die Wechselbeziehungen zwischen Lebensqualität und Wohlbefinden einerseits und Schlaf und Ernährung andererseits untersucht. Konkret ging es dabei um den Fettgehalt der Nahrung sowie die Dauer und die Qualität des Schlafes.

Unzureichender Schlaf gilt generell gerade bei älteren Erwachsenen als Risikofaktor für eine Reihe von chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Probleme oder Diabetes. Die Wissenschaft widmet sich dem Faktor Schlaf deshalb in jüngster Zeit vermehrt. Allerdings ist bislang wenig bekannt über die Zusammenhänge zwischen Schlaf und verschiedenen Lebensstilfaktoren wie etwa Ernährung. „Es war und ist uns deshalb wichtig, wechselseitige Einflüsse in diesem Bereich zu erkunden", sagt Sonia Lippke. „Denn dies ermöglicht Empfehlungen und Maßnahmen, die wiederum die Lebensführung verbessern können."

Für ihre Studie haben sie und ihr Team 126 Erwachsene befragt, die älter als 50 Jahre waren. Auffällig war insbesondere der positive Einfluss von fettreduzierter Ernährung und einem ungestörten, als gut empfundenen Schlaf auf die Leistungsfähigkeit tagsüber. Bei Untersuchungsteilnehmern, die von dieser Kombination profitierten, war die Dauer des Schlafes hingegen von untergeordneter Bedeutung. Sieben bis acht Stunden Schlaf gelten als ausreichend, aber es kommt insbesondere darauf an, dass diese erholsam sind.

Quelle:
Tan, S. L., Whittal, A., & Lippke, S. (2018). Associations among Sleep, Diet, Quality of Life, and Subjective Health. Health Behavior & Policy Review, 5(2), 46-58.

Über die Jacobs University Bremen:
In einer internationalen Gemeinschaft studieren. Sich für verantwortungsvolle Aufgaben in einer digitalisierten und globalisierten Gesellschaft qualifizieren. Über Fächer- und Ländergrenzen hinweg lernen, forschen und lehren. Mit innovativen Lösungen und Weiterbildungsprogrammen Menschen und Märkte stärken. Für all das steht die Jacobs University Bremen. 2001 als private, englischsprachige Campus-Universität gegründet, erzielt sie immer wieder Spitzenergebnisse in nationalen und internationalen Hochschulrankings. Ihre fast 1400 Studierenden stammen aus mehr als 100 Ländern, rund 80 Prozent sind für ihr Studium nach Deutschland gezogen. Forschungsprojekte der Jacobs University werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder dem Europäischen Forschungsrat ebenso gefördert wie von global führenden Unternehmen.

Weitere Informationen unter
www.jacobs-university.de

Thomas Joppig | Jacobs University Bremen gGmbH
Corporate Communications & Public Relations
t.joppig@jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-4504

Quelle: idw

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WM 2018: Fußball-Fans am Arbeitsplatz - Was ist erlaubt?

Melanie Hahn Presse & Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Fresenius

Am 14. Juni war Anpfiff: Mit dem Eröffnungsspiel startet die Fußball-WM 2018 in Russland. Vier Wochen lang wird nahezu ganz Deutschland wieder mit der deutschen Nationalmannschaft mitfiebern - auch während der Arbeitszeit. Welche Freiheiten Arbeitnehmer haben und was der Arbeitgeber nicht durchgehen lassen muss, erklärt der Arbeitsrechtler und Professor an der Hochschule Fresenius in Hamburg, Dr. Michael Fuhlrott.

Die Deutschen sind ein fußballbegeistertes Volk - besonders zu großen Turnieren wie der Weltmeisterschaft. Bis zu 35 Millionen Zuschauer verfolgten 2014 allein in Deutschland das Finale im Fernsehen. Einen Monat steht auch in diesem Sommer alles ganz im Zeichen des Fußballs. In der Vorrunde finden einige Spiele bereits während der Arbeitszeit um 16 Uhr statt. Für viele Arbeitnehmer ist es selbstverständlich, dass sie diese Spiele im Fernsehen, Radio oder auch im Internet live am Arbeitsplatz verfolgen. Doch wie sieht es arbeitsrechtlich aus? Dürfen Mitarbeiter für dieses Event ihre Arbeit unterbrechen? „Das dürfen sie nicht", stellt Prof. Dr. Michael Fuhlrott eindeutig klar. „Weder für die Fußball-WM noch für andere Sportereignisse dürfen Mitarbeiter ihre Arbeit unterbrechen, um die Spiele zu verfolgen. Es sei denn, dies wurde ausdrücklich vom Arbeitgeber genehmigt." Der Arbeitgeber sei zudem dazu berechtigt, das Einschalten des Radios zu untersagen, auch wenn die Mitarbeiter parallel weiterarbeiten könnten. Dies trotzdem zu machen, sei zwar kein Grund für eine Kündigung, wohl aber für eine Abmahnung. Auch ein Anspruch auf Urlaub oder Freistellung besteht nicht: „Wollen alle Arbeitnehmer das Finale sehen und dafür einen Urlaubstag einreichen, so wird der Arbeitgeber anordnen dürfen, dass eine gewisse Mindestbesetzung weiterhin im Betrieb bleibt." Nach Siegen der Nationalelf wird häufig lange und ausgiebig gefeiert. Hier gilt: Alkoholisiert am Arbeitsplatz zu erscheinen, ist ebenfalls ein Grund für eine Abmahnung, in gravierenden Fällen sogar für eine Kündigung. „Um ein gutes Betriebsklima zu schaffen, sollte der Arbeitgeber allerdings während der WM auch mal ein Auge zudrücken," so der Jurist. „Gefährdet man weder die eigene Sicherheit noch die anderer, kann im Einzelfall auch in der Mittagspause ein Glas Bier oder Sekt erlaubt sein." Wichtig sei aber, so der Arbeitsrechtler Fuhlrott, dass man sich vorher dazu abstimme. Denn dann könne das gemeinsame Fiebern und Feiern auch integrativ wirken und das Betriebsklima stärken, wenn der Arbeitgeber etwa zum gemeinsamen WM-Spiel-Schauen einlädt und vielleicht sogar noch Würstchen und Bier stellt.

Weitere Informationen:
http://www.hs-fresenius.de

Quelle: idw

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Bei BMI größer 40 und Typ 2-Diabetes: Neue S3-Leitlinie empfiehlt sofortige Operation

Helena Reinhardt Pressestelle / Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Leipzig AöR

UKL-Chirurg Prof. Dietrich gestaltet neue Handlungsempfehlungen maßgeblich mit
Operieren statt Insulin spritzen: Übergewichtigen Patienten mit einem „Body Mass Index" (BMI) von 40 oder höher, die gleichzeitig an einer Typ 2-Diabetes leiden, wird zukünftig eine sofortige Operation empfohlen, weil konservative Therapien in diesen Fällen nicht zu einer Reduzierung des Risikos von Schlaganfällen und Herzinfarkten führen und eine nachhaltige Gewichtsreduktion meist nicht erreicht wird. Dieser metabolische Chirurgie genannte Eingriff ist einer der Kernpunkte der neuen S3-Leitlinie „Chirurgische Therapie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen". Über zwei Jahre haben Ärzte, Patientenvertreter und Selbsthilfegruppen aus ganz Deutschland daran gearbeitet. Geleitet hat diese Kommission Prof. Arne Dietrich, Geschäftsführender Direktor der Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie am UKL.

Gemeinsam mit Dr. Tatjana Schütz vom IFB Adipositas-Erkrankungen gestaltete er die neue Leitlinie der Deutschen Adipositas-Gesellschaft somit maßgeblich mit. Sie stellt ein Instrument dar, die Behandlung von Adipositas und metabolischen Erkrankungen zu optimieren. Allgemein gelten Leitlinien als wissenschaftlich fundierte, praxisorientierte Handlungsempfehlungen, sind jedoch keine gesetzlichen Regelungen.
Erstmals wird hier nun zwischen der klassischen Adipositas-Chirurgie und der metabolischen Chirurgie unterschieden.
Auch bei ersterer setzt das Papier nun viel eindeutigere Formulierungen als früher. Bei Patienten mit einem BMI von mehr als 50 soll von nun an sofort über eine OP nachgedacht werden, da konservative Therapien in diesem hohen BMI-Bereich kaum Erfolgsaussichten haben. „Operationen zeigen nachhaltig guten Erfolg, vor allem was Langzeitüberleben und Lebensqualität betrifft", sagt Prof. Dietrich, „Diät und Sport, was natürlich jeder Übergewichtige oder Adipöse zuerst versuchen sollte, führen nur extrem selten zu einem bleibendem Erfolg im BMI-Bereich über 50."

Adipositas sei heute eine von der Weltgesundheitsorganisation WHO anerkannte Krankheit mit komplexen Ursachen, betont der UKL-Experte. Es liege nicht einfach nur an falscher Ernährung.
Gleichwohl sei Essen weiterhin „ein Mittel zum Glücklich sein", Lebensmittel seien hierzulande überall und preiswert zu haben. „Adipositas - davon spricht man ab einem BMI von 30 - kann man leider zu oft nicht einfach durch eine reine Änderung des Lebensstils rückgängig machen", hebt Prof. Dietrich hervor.
Ziel aller Operationen, so steht es in der neuen Leitlinie, sei nicht primär die Gewichtsreduktion, sondern ebenso ein verbesserter Gesundheitszustand, höhere Lebensqualität und Lebenserwartung - erreicht über die Gewichtsreduktion.

Das Körpergewicht der Menschen in den westlichen und Schwellenländern stieg in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich an. Adipositas geht oft mit einer Reihe bedeutsamer Erkrankungen einher, wie zum Beispiel Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Asthma, Schlafapnoesyndrom, bestimmte Krebsarten oder Lebererkrankungen. Sie reduziert bemerkbar die Lebenserwartung.

„Die Zahl adipositas-chirurgischer Eingriffe ist in den vergangenen Jahren auch in Deutschland gestiegen. Dazu beigetragen haben unter anderem neue Techniken, eine enorme Zunahme wissenschaftlicher Studien und die Erkenntnis, dass eine nachhaltige Gewichtsreduktion bei einem BMI von mehr als 40 bei der Mehrheit der Betroffenen nur durch einen chirurgischen Eingriff erreicht werden kann", erklärt Prof. Dietrich.

Weitere Informationen:

http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/088-001.html

Quelle: idw

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Zweites „Leben" für Phosphor: Wie Phönix aus der Klärschlammasche

Franz-Georg Elpers Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

DBU unterstützt Verfahren zur Düngergewinnung mit 119.000 Euro - Als fertiges Produkt einsetzbar
Phosphor fördert in Form von Phosphat das Pflanzenwachstum und ist oft die Basis für Dünger. Doch der Abbau des Mineralstoffs birgt viele Probleme. Das macht die rund zwei Millionen Tonnen Klärschlamm, die in Deutschland pro Jahr anfallen und recyclingfähiges Phosphor enthalten, zu einer wichtigen Quelle. Mit der Firma Seraplant (Haldensleben) und der Materialforschungs- und Prüfanstalt an der Bauhaus-Universität Weimar hat die Firma Glatt Ingenieurtechnik (Weimar) eine Möglichkeit gefunden, phosphorhaltigen Dünger aus der Asche verbrannten Klärschlamms zu erzeugen. Dabei wird in einem zweistufigen Verfahren aus der Asche ein pflanzenverfügbares Düngergranulat gefertigt. So lässt sich der Kreislauf des Phosphors schließen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt das Projekt fachlich und finanziell mit rund 119.000 Euro. DBU-Experte Dr. Maximilian Hempel: „Hier zeigt sich, wie Phosphor nicht nur umweltverträglich zurückgewonnen, sondern in Form eines marktfähigen Produktes direkt eingesetzt werden kann."

Von der Klärschlammasche zum Dünger in zwei Schritten
Würde der in Deutschland anfallende Klärschlamm getrocknet, läge sein Gewicht bei rund zwei Millionen Tonnen pro Jahr - rund 60.000 Tonnen davon seien Phosphor, der lebensnotwendige Stoff für alle Organismen. „Bisher wird jedoch weniger als die Hälfte des Klärschlamms und damit seiner wertvollen Inhaltsstoffe genutzt. Das wollen wir mit unserem Verfahren ändern", so Projektleiter Dr. Lars Leidolph von Glatt Ingenieurtechnik. In dem von seiner Firma entwickelten Verfahren wird in zwei Hauptverfahrensschritten aus der Asche des verbrannten Klärschlamms einsatzbereiter Standarddünger. Zunächst wird der Asche Phosphorsäure hinzugefügt, um die Phosphatumwandlung anzustoßen. Ohne diesen Schritt könnten die in der Asche enthaltenen Nährstoffe nicht von den Pflanzen aufgenommen werden. Indem die Minerale mit der Säure reagieren, entstehen für Pflanzen verfügbare und daher für die Düngemittelindustrie interessante Phosphate. Der Mischung aus Feststoff und Flüssigkeit (Suspension) können bei Bedarf weitere Nährstoffe in flüssiger sowie fester Form oder zusätzliche Phosphatquellen zugesetzt werden. Zudem ist das Verfahren für unterschiedliche Aschen geeignet. Anschließend wird die Suspension granuliert, sodass am Ende phosphorhaltiger Dünger entsteht. „Der so gewonnene Dünger entspricht den gesetzlichen Anforderungen und kann direkt in der Landwirtschaft verwendet werden", so Leidolph weiter.

Bisherige Probleme durch zweistufiges Verfahren gelöst
Ein wichtiger Vorteil des Verfahrens sei die einfache technische Umsetzbarkeit. Zudem würde kein Rohphosphat sowie weniger Energie benötigt, und es entstünden keine Abfälle. Hempel: „Die Grundidee des Verfahrens wird schon länger getestet. Doch bisher verhinderten technische Probleme, dass es auch eingesetzt wird." Unkontrollierte Reaktionen der einzelnen Bestandteile, die schwankende Qualität des Düngers und schneller verschleißende Anlagen hätten aufgrund des zweistufigen Aufbaus im Rahmen des Projektes beseitigt werden können. Darüber hinaus können Schwankungen in der Zusammensetzung der Klärschlammaschen einfach ausgeglichen werden, indem die Rezeptur angepasst werde. Das sichere eine gleichbleibend hohe Qualität. Nun seien die Projektpartner dabei, das Verfahren in die industrielle Anwendung zu überführen. Zudem soll getestet werden, ob beispielsweise auch Gülle oder andere Stoffe mithilfe des Verfahrens in Dünger umgewandelt werden können. „Mit dem neuen Verfahren kann wirkungsvoll eine Lücke im Phosphor-Kreislauf geschlossen werden, die einen nachhaltigen Umgang mit dem Stoff bisher erschwert hat", fasst Hempel zusammen.

Zum Hintergrund:
Phosphor ist Teil unserer Lebensgrundlage und kann nicht durch andere Stoffe ersetzt werden. Er fördert beispielsweise das Wachstum von Pflanzen, weshalb große Mengen davon als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Bisher wird Phosphor im Tagebau abgebaut. Doch das hat große Auswirkungen auf die Umwelt, findet häufig in Ländern mit schwieriger politischer Lage statt und benötigt viel Energie. Zudem ist er häufig mit Schadstoffen belastet. Über unsere Nahrung landet ein großer Teil des Phosphors schließlich im Klärschlamm. Dieser kann jedoch nicht mehr ohne weiteres in der Landwirtschaft wiederverwendet werden, da er häufig zu viele Schadstoffe enthält. Zwar gibt es alternative Rückgewinnungs-Verfahren. Sie benötigen bisher jedoch große Mengen Chemikalien und Energie.
So lange Phosphor nicht wiederverwendet wird, besteht die Gefahr, eine der von internationalen Experten definierten Belastungsgrenzen des Erdsystems zu überschreiten und die Chance zu verpassen, die 2015 beschlossenen globalen nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen langfristig zu erreichen. Sie sollen eine nachhaltige Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene sichern.

Weitere Informationen:
https://www.dbu.de/123artikel37663_2442.html

Quelle: idw

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Biomasseforschungszentrum skizziert Änderungsvorschläge für das Ausschreibungsdesign im EEG 2017

Paul Trainer M.A. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Biomasseforschungszentrum

Mit der aktuellen Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurde die zukünftige Förderung von Biomasseanlagen und anderen erneuerbaren Energieträgern auf ein Ausschreibungsverfahren umgestellt. Obwohl das Volumen von ca. 122 MWel installierter Leistung in der ersten Ausschreibungsrunde nicht vollständig ausgeschöpft wurde, lassen sich aus den ersten Erfahrungen bereits konkrete Vorschläge zur Verbesserung des Ausschreibungsdesigns ableiten. In einer jetzt vorgelegten Stellungnahme haben Wissenschaftler des DBFZ insgesamt sechs Änderungsvorschläge skizziert, welche auch Vorschläge von Verbänden aus der Bioenergiebranche berücksichtigen.

Im September 2017 wurde im Rahmen des novellierten Erneuerbare-Energien-Gesetzes die erste Ausschreibungsrunde für Bioenergieanlagen durchgeführt. Unter anderem aufgrund der langen durchschnittlichen Vergütungs-Restlaufzeit der meisten Bioenergieanlage, zeigte sich, dass das Interesse bislang noch verhalten ist. Das Ausschreibungsvolumen betrug ca. 122 MWel installierte Leistung. Von 33 Geboten mit einem Volumen von rund 41 MWel erhielten 24 Gebote mit einem Volumen von rund 28 MWel einen Zuschlag.

Obwohl das Volumen in der ersten Ausschreibungsrunde folglich nicht ausgeschöpft wurde, lassen sich aus den ersten Erfahrungen bereits konkrete Änderungsvorschläge zur Verbesserung des Ausschreibungsdesigns ableiten. So fordert das DBFZ in der jetzt vorgelegten Stellungnahme u.a. eine Verhinderung des Abbruchs der Flexibilisierung von Bestandsanlagen, die Erhöhung des Wettbewerbs im Ausschreibungsverfahren, eine Förderung der Güllevergärung außerhalb des Ausschreibungsverfahrens sowie die Verlängerung des Ausbaukorridors mit dem Ziel, den Technologiepfad zu erhalten. Auch eine Förderung von Kleinanlagen sowie ein Anreize zur Sektorkopplung sollten im Zuge der nächsten Novellierung angestrebt werden.

"Das Ziel des Ausschreibungsdesigns muss sein, den Wettbewerb innerhalb der Ausschreibungen für Biomasseanlagen zu erhöhen und Perspektiven für die Entwicklung des Anlagenbestands aufzuzeigen. Die Politik muss sich entscheiden, wie die Bioenergie im Rahmen des EEG weiterentwickelt werden soll. Sowohl für den möglichen Ausbau zur Flexibilisierung von Biogasanlagen als auch dem Ausbaupfad nach 2022 muss der politische Rahmen festgelegt werden", so Mattes Scheftelowitz, einer der Autoren der Stellungnahme.

Download:
Das Dokument des DBFZ kann unter dem folgenden Link heruntergeladen werden:
www.dbfz.de/referenzen-publikationen/statements

Hintergrund EEG:
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) regelt seit dem Jahr 2000 den Ausbau der erneuerbaren Energien und wurde seither in mehreren Stufen novelliert. Ziel ist es, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung bis zum Jahr 2050 auf bis zu 80 Prozent zu steigern. Deutschland hatte im Jahr 2016 ca. 7,2 GW installierter elektrischer Leistung von Biomasseanlagen im EEG, die insgesamt 41 TWhel Strom produziert haben. 2017 sind geschätzte 200 Anlagen hinzugekommen - vor allem im Kleinanlagenbereich, der außerhalb der Ausschreibungsverpflichtung liegt. Bedingt durch die politischen Rahmenbedingungen und das aktuelle EEG 2017 gehen Schätzungen des DBFZ aktuell von einer Absenkung der Stromerzeugung von derzeit 33 TWh (2017) auf unter 40 % im Jahr 2035 aus.

Smart Bioenergy - Innovationen für eine nachhaltige Zukunft
Das Deutsche Biomasseforschungszentrum arbeitet als zentraler und unabhängiger Vordenker im Bereich der energetischen und stofflichen Biomassenutzung an der Frage, wie die begrenzt verfügbaren Biomasseressourcen nachhaltig und mit höchster Effizienz und Effektivität zum bestehenden und zukünftigen Energiesystem beitragen können. Im Rahmen der Forschungstätigkeit identifiziert, entwickelt, begleitet, evaluiert und demonstriert das DBFZ die vielversprechendsten Anwendungsfelder für Bioenergie und die besonders positiv herausragenden Beispiele gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Mit der Arbeit des DBFZ soll das Wissen über die Möglichkeiten und Grenzen einer energetischen und integrierten stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe in einer biobasierten Wirtschaft insgesamt erweitert und die herausragende Stellung des Industriestandortes Deutschland in diesem Sektor dauerhaft abgesichert werden - www.dbfz.de.

Wissenschaftlicher Kontakt:
Mattes Scheftelowitz
Tel.: (0)341 2434-592
E-Mail: mattes.scheftelowitz@dbfz.de

Pressekontakt:
Paul Trainer
Tel.: (0)341 2434-437
E-Mail: paul.trainer@dbfz.de

Weitere Informationen:
https://www.dbfz.de/presse/pressemitteilungen-2018/biomasseforschungszentrum-ski...
https://www.dbfz.de/referenzen-publikationen/statements

Quelle: idw

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Molekül identifiziert, das anfällig für Magersucht macht

Anke Schlee Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Psychiatrie

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPI) haben ein Molekül in der Plazenta identifiziert, das dafür verantwortlich sein könnte, dass Nachkommen, deren Mutter während der Schwangerschaft Stress ausgesetzt waren, an Magersucht erkranken.

Die Anfälligkeit für Essstörungen wurde oft mit Stress in der frühen Kindheit in Verbindung gebracht. Stress allein führt jedoch nicht zwangsläufig zu einer Essstörung, es ist vielmehr eine Kombination aus Veranlagung und einer Vielzahl von Faktoren aus dem frühen Leben, die zur Erkrankung führt.

In einer Studie, die kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, liefern Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie entscheidende biologische Einblicke in diese Krankheit. Mariana Schroeder, Autorin der Studie und Projektgruppenleiterin im Team von Alon Chen, dem Geschäftsführenden Direktor des MPI, ging davon aus, dass die Anfälligkeit für Anorexie bereits im Mutterleib entsteht. Sie testete heranwachsende Mäuse mit einem Modell, das aktivitätsbasierte Magersucht nachbildet, indem es den Tieren die Wahl zwischen Bewegung und Fressen lässt. Im Ergebnis zeigten weibliche Mäuse eine hohe Anfälligkeit für aktivitätsbasierte Magersucht, sie zogen die Bewegung dem Fressen vor. Schroeder ergänzt: „Interessanterweise haben sich die weiblichen Mäuse in zwei Gruppen geteilt, wenn sie dem Aktivitätsmodell ausgesetzt wurden. Ungefähr 40 Prozent wurden magersüchtig, die anderen 60 Prozent nicht. Die Männchen waren weitgehend resistent." Schröder fährt fort: „Erstaunlicherweise unterband pränataler Stress diese Anfälligkeit."

Im nächsten Schritt wollten die Wissenschaftler den molekularen Mechanismus identifizieren, der dieser Programmierung in der Schwangerschaft zugrunde liegt. Dazu untersuchten sie die micro-RNA-Niveaus in der Plazenta. - Micro-RNA´s sind Moleküle, die wichtig für die Genregulation sind. - Eine micro-RNA stach besonders hervor, die so genannte miR-340. Diese war bei Weibchen hochgradig variabel, während sie in der Plazenta männlicher Nachkommen kaum nachweisbar war.

Die Forscher manipulierten die Expression dieser micro-RNA künstlich, um ihren Anteil in der Plazenta zu erhöhen. Daraufhin stieg die Anfälligkeit für Magersucht sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Mäusen an. MiR-340 beeinflusste den Nährstofftransfer von der Mutter auf den Fötus indirekt und veränderte dabei das Gehirn des Fötus.

Chen, folgert daraus: „Diese Studie liefert bedeutsame Einblicke in die frühe Entstehung dieser kaum verstandenen Essstörung."

Magersucht, lateinisch anorexia nervosa, ist eine Essstörung, die durch selbstauferlegtes Hungern geprägt ist. Sie tritt häufig erstmals im Teenageralter oder im jungen Erwachsenenalter auf und zwar etwa zehnmal so oft bei Frauen wie bei Männern. Von allen psychischen Erkrankungen zeigt sie die höchste Sterblichkeitsrate. Trotzdem weiß man wenig darüber. Ihre Behandlung führt daher auch nur selten zur vollständigen Genesung.

Weitere Informationen:
http://www.psych.mpg.de/2365972/pm1618-magersucht

Quelle: idw

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Das Klärwerk der Zukunft - Abwasser als Energiequelle

Dr.-Ing. Bodo Weigert Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
KompetenzZentrum Wasser Berlin gGmbH (KWB)

Nach dreijähriger Forschungsarbeit und Praxisuntersuchungen unter der Leitung des Kompetenzzentrums Wasser Berlin stellt das Projekt POWERSTEP gemeinsam mit 15 europäischen Partnern aus Forschung und Industrie seine Ergebnisse vor. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass in häuslichem Abwasser enthaltene Energiepotenziale umfangreicher als bisher mit schon heute verfügbaren Technologien genutzt werden kann. Mit diesen Erkenntnissen können Kläranlagen vom Energievernichter zum Energieproduzenten umgestaltet werden.

In Deutschland wird Abwasser fast flächendeckend in öffentlichen Kläranlagen gereinigt. Für den Betrieb wird Energie in der Größenordnung von zwei Großkraftwerken benötigt. Abwässer enthalten jedoch viel chemische Energie, die umgerechnet einer Leistung von 12 Großkraftwerken entspricht. Um diese Energiequelle richtig nutzen und verwerten zu können, wurden im Projekt POWERSTEP in sechs über Europa verteilten Klärwerken mit Fallstudien verschiedene neue Konzepte der Abwasserreinigung aber auch Energieverwertung untersucht. Die Reinigungsleistung der Klärwerke sollte dabei nicht beeinträchtigt werden.

Der Koordinator des Vorhabens POWERSTEP am Kompetenzzentrum Wasser Berlin, Dr. Christian Loderer, erklärt: „POWERSTEP hat gezeigt, dass eine signifikante Erzeugung von Energie aus Abwasser mit bereits heutige am Markt verfügbaren Technologien keine Vision mehr ist."

Die Bedeutung der Ergebnisse von Powerstep für Europa wurde kürzlich in einem Fersehinterview mit Dominique Ristori, dem Generaldirektor der Generaldirektion Energie der europäischen Union, besonders gewürdigt.

POWERSTEP Projektvolumen: 5.2 Millionen Euro; 15 Partner; Laufzeit: 2015-2018.
POWERSTEP wird gefördert im Europäischen Programm für Forschung und Innovation „Horizon 2020" unter dem Förderkennzeichen n°641661.

Dr. Christian Loderer, Koordinator POWERSTEP, Ansprechpartner für technische Fragen
Kompetenzzentrum Wasser Berlin gGmbH
+49 176 20106787
Christian.Loderer@kompetenz-wasser.de

Weitere Informationen:
http://powerstep.eu/powerstep-final-conference

Anhang
Presseinformation: Das Klärwerk der Zukunft - EU-Verbundvorhaben POWERSTEP hat neue Verfahren zur Nutzung von Abwasser als Energiequelle getestet
https://idw-online.de/de/attachment65511

Quelle: idw

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Männer und Frauen wünschen sich oft kürzere Arbeitszeiten

Wolfgang Braun Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

50 Prozent der männlichen und gut 40 Prozent der weiblichen Beschäftigten würden ihre Arbeitszeit gerne um mindestens 2,5 Wochenstunden verkürzen. Überdurchschnittlich häufig wollen Beschäftigte mit höheren Bildungsabschlüssen und größerer beruflicher Autonomie weniger arbeiten. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

„Gerade in anspruchsvollen Jobs besteht ein hohes Risiko, in Wochenstundenzahlen hineinzurutschen, die man eigentlich nicht wollte", erklärt Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen". Flexible Arbeitszeitmodelle wie eine lebensphasenorientierte Arbeitszeitgestaltung, Langzeit-Arbeitszeitkonten sowie ein Recht auf Rückkehr in Vollzeit wären hier mögliche Lösungsansätze.

Mindestens 2,5 Stunden pro Woche länger arbeiten würden gerne 17 Prozent der weiblichen Beschäftigten. Oft stehen diesem Wunsch jedoch Haushaltsverpflichtungen sowie fehlende Kinderbetreuungsangebote entgegen. Eine partnerschaftliche Aufgabenteilung auch im Haushalt, umfassende und flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten sowie bessere steuerliche Anreize für eine Ausweitung der Erwerbstätigkeit von Ehefrauen könnten hier Veränderungen bringen, heißt es in der Studie. Derzeit würden das Ehegattensplitting und die Minijob-Regelungen einer Ausweitung der Arbeitszeiten von Frauen tendenziell entgegenwirken. Der Anteil der männlichen Beschäftigten, die mindestens 2,5 Stunden mehr arbeiten wollen, liegt bei knapp zehn Prozent. Männer geben als Grund für Teilzeitarbeit am häufigsten an, dass eine Vollzeitstelle nicht zu finden sei, wohingegen Frauen in Teilzeit insbesondere familiäre Verpflichtungen nennen.

Jeweils rund 40 Prozent der männlichen und weiblichen Beschäftigten sind mit dem Umfang ihrer Arbeitszeit zufrieden. Im Durchschnitt würden Männer gerne rund 37 Wochenstunden arbeiten, Frauen rund 30.

Die Daten zu den Arbeitszeitwünschen und den tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden stammen aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), einer jährlich durchgeführten Befragung von 30.000 Personen. Je nach Befragungsweise können die gemessenen Arbeitszeitdiskrepanzen variieren. Daher fallen sie beispielsweise im Mikrozensus geringer aus.

Weitere Informationen:
http://doku.iab.de/kurzber/2018/kb1318.pdf
https://twitter.com/iab_news

Quelle: idw

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Solanin in Kartoffeln: Grüne und stark keimende Knollen sollten aussortiert werden

Dr. Suzan Fiack Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

BfR erinnert an die üblichen Empfehlungen zur Lagerung und Zubereitung von Kartoffeln
Anlässlich eines Vergiftungsfalles durch ein Kartoffelgericht erinnert das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) an einen sachgerechten Umgang mit Kartoffeln. Glykoalkaloide, darunter Solanin als ein wichtiger Vertreter, sind natürliche Inhaltstoffe in der Kartoffel. Die Aufnahme einer bestimmten Menge an Glykoalkaloiden kann beim Menschen zu Vergiftungen führen. „Aus den letzten 100 Jahren sind nur wenige Vergiftungsfälle durch Kartoffelgerichte bekannt und dokumentiert", sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Um gesundheitliche Risiken zu vermeiden, sollten dennoch grüne und stark keimende Kartoffelknollen nicht verzehrt werden." Das BfR leitet auf Basis des aktuellen Kenntnisstandes einen vorläufigen NOAEL (No Observed Adverse Effect Level) von 0,5 Milligramm (mg) Glykoalkaloide pro Kilogramm (kg) Körpergewicht und Tag ab. Dies entspricht der höchsten Dosis, bei der keine unerwünschten gesundheitlichen Wirkungen beobachtet wurden. Um ein Überschreiten des NOAEL zu vermeiden, sollte der Glykoalkaloidgehalt in Speisekartoffeln bei unter 100 mg pro kg Frischgewicht liegen. Bisher werden im Allgemeinen Kartoffeln mit einem Glykoalkaloidgehalt von bis zu 200 mg pro kg als unbedenklich eingestuft.

Link zur Stellungnahme:
http://www.bfr.bund.de/cm/343/speisekartoffeln-sollten-niedrige-gehalte-an-glyko...

Um die Aufnahme an Glykoalkaloiden möglichst gering zu halten, erinnert das BfR an folgende übliche Empfehlungen im Zusammenhang mit der Lagerung und Zubereitung von Kartoffeln:

- Kartoffeln sollten kühl, dunkel und trocken gelagert werden
- Alte, eingetrocknete, grüne oder stark keimende Kartoffeln, sowie Kartoffelschalen als Snacks, die überwiegend aus Kartoffelschalen bestehen, sind für den Verzehr nicht geeignet
- Grüne Stellen und sogenannte „Augen" in Kartoffeln sollten großzügig entfernt werden
- Wenn Verbraucherinnen und Verbraucher die Schale mitessen wollen, sind hierfür grundsätzlich nur unverletzte, frische Kartoffeln geeignet
- Kartoffelgerichte sollten nicht verzehrt werden, wenn sie einen bitteren Geschmack aufweisen
- Insbesondere kleine Kinder sollten keine ungeschälten Kartoffeln essen
- Verbraucherinnen und Verbraucher sollten das Kochwasser von Kartoffeln nicht wieder verwenden
- Frittierfett für Kartoffelprodukte sollte regelmäßig gewechselt werden

Glykoalkaloide sind natürliche Inhaltsstoffe, die in Nachtschattengewächsen wie z. B. Kartoffeln enthalten sind. Sie reichern sich dabei insbesondere in grünen, keimenden und beschädigten Kartoffeln sowie in Kartoffelschalen an. In der Kartoffel finden sich insbesondere die beiden Glykoalkaloide α-Solanin und α-Chaconin. Sie dienen der Pflanze zur Abwehr von Schädlingen und Krankheitserregern. Beim Menschen äußern sich leichte Vergiftungen durch Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall, mitunter begleitet von Fieber. Bei schweren Vergiftungsfällen können zusätzlich Bewusstseinsstörungen, sehr selten bis zum vollständigen Bewusstseinsverlust, sowie weitere Störungen der Hirnfunktion, der Atmung oder des Kreislaufes auftreten. Einzelne tödliche Vergiftungen wurden in der Literatur berichtet. Aus den letzten 50 Jahren sind jedoch keine Todesfälle aufgrund von einer Vergiftung durch Glykoalkaloiden beschrieben worden. Darüber hinaus sind insgesamt nur wenige Vergiftungsfälle aus den letzten 100 Jahren bekannt und dokumentiert. Aufgrund der unspezifischen Symptome, insbesondere im Fall von leichteren Vergiftungen, könnte allerdings eine nicht unerhebliche Dunkelziffer bestehen.

Anlässlich eines Vergiftungsfalles durch ein Kartoffelgericht, bei dem im November 2015 eine Familie erkrankt war, nachdem sie ein Kartoffelgericht mit hohen Gehalten an Glykoalkaloiden verzehrt hatte, hat das BfR den Verzehr von Glykoalkaloiden über Speisekartoffeln bewertet. Das BfR leitet einen NOAEL (No Observed Adverse Effect Level - höchste Dosis, bei der keine unerwünschten gesundheitlichen Wirkungen beobachtet wurden) von 0,5 mg pro kg Körpergewicht und Tag ab. Um ein Überschreiten des NOAELmöglichst zu vermeiden, sollte der Glykoalkaloidgehalt von Speisekartoffeln bei unter 100 mg pro kg Frischgewicht liegen. Diese Empfehlungen sind angesichts der derzeitigen unvollständigen Datenlage als vorläufig zu betrachten. Zur Verbesserung der Datenlage bezüglich der bestehenden Glykoalkaloidgehalte in handelsüblichen Speisekartoffeln hat das BfR die Durchführung von entsprechenden Untersuchungen (Lebensmittelmonitoring) angeregt.

Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_solanin__glykoalkaloiden__in_k...
Fragen und Antworten zu Solanin

Quelle: idw

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Wenn Bakterien Häuser bauen

Dipl.-Geogr. Anja Wirsing Pressestelle des Forschungsverbundes Berlin e.V.
Forschungsverbund Berlin e.V.

Biofilme sind schleimartige Schichten an Grenzflächen, in denen Mikroorganismen hausen und widrigen Umweltbedingungen trotzen. Das Bakterium Bacillus subtilis baut diese Schutzhütten mit einer bisher unbekannten Strategie, wie ein Team um die Berliner Forscherinnen Anne Diehl vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und Yvette Roske vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) im Fachblatt PNAS berichtet.

Der wichtigste Baustein des Biofilms - das Protein TasA - wird überraschenderweise bereits im Zellinneren vorgeformt. Gelangt TasA nach außen, bilden diese Bausteine längere Ketten, sogenannte Fibrillen, die wie ein Grundgerüst bzw. Mauern den Biofilm stabilisieren.

Biofilme können auch für den Menschen eine Gefahr darstellen, da sie Krankheitserregern Schutz vor den Waffen des Immunsystems und Antibiotika bieten. Um die Ausbildung von Biofilmen zu hemmen und die Wirksamkeit von Antibiotika zu garantieren, ist es notwendig, die Struktur der Bausteine zu kennen.

TasA ist ein überraschend dynamisches Protein
Auf Anregung des B. subtilis-Experten Kürşad Turgay von der Universität Hannover haben die Berliner Forscherinnen die molekulare Struktur des wichtigsten Proteins in diesem Biofilm, TasA, nun gelöst. Anne Diehl aus der von Hartmut Oschkinat geleiteten Abteilung „NMR-unterstützte Strukturforschung" des FMP startete mit der Produktion von TasA und studierte die verschiedenen Erscheinungsformen des Proteins, die leicht ineinander übergehen.

Dabei tat sich dafür eine unerwartete Hürde auf: "Ich habe in den 32 Jahren meiner Berufstätigkeit auf dem Gebiet der Proteinstrukturforschung noch nie mit einem so dynamischen Protein gearbeitet. Bereits nach kurzer Zeit lagern sich die löslichen TasA-Proteine zusammen und erzeugen einen Gelee-artigen Zustand", so Anne Diehl im Rückblick auf die erfolgreiche Charakterisierung der einzelnen Zustände.

Ein robuster Kern mit flexiblen Schlaufen
Einen möglichen Grund fand Yvette Roske aus der Abteilung „Makromolekulare Strukturen und Interaktionen" des MDC, geleitet von Udo Heinemann. Ausgehend von frisch gereinigtem TasA züchtete sie Kristalle, analysierte diese mittels hochenergetischer Röntgenstrahlung am BESSY in Berlin-Adlershof und entschlüsselte so die dreidimensionale Faltung des Proteins.

„Es zeigte sich, dass die Struktur von TasA in weiten Bereichen hoch geordnet ist. Ein großer Anteil an ß-Faltblatt-Elementen verleiht dem Protein einen robusten Kern, der jedoch mit flexiblen Schlaufen dekoriert ist", fasst Yvette Roske ihre Erkenntnisse zusammen.

Interessanterweise gehört die Aminosäure Arginin nicht zu den Bestandteilen von TasA. Durchschnittlich bestehen Proteine zu 10 % aus dieser basischen Aminosäure, das ist doppelt so viel, wie eine statistische Verteilung aller 20 vorkommender Aminosäuren erwarten lässt. „Dass ein Protein gänzlich auf diesen Grundbaustein verzichtet, muss einen Grund haben", erläutert Anne Diehl.

Arginin dient häufig als Ansatzpunkt für Proteasen - Enzyme, die andere Proteine zerschneiden. Die Abwesenheit von Arginin erklärt möglicherweise die außerordentliche Stabilität von TasA gegenüber Proteasen und macht dieses Protein damit zu einem robusten Stützpfeiler des schützenden Biofilms.

TasA könnte erklären, warum Bacillus subtilis nicht pathogen ist
Dabei ähnelt die Aminosäureabfolge in TasA einer Protease mit Namen Camelysin, die viele pathogene Bacillus-Stämme an Stelle von TasA als Grundgerüst für ihre Biofilme nutzen. Die Struktur von TasA erlaubte daher die Konstruktion eines Modells für Camelysin. "Unser Strukturmodell für Camelysin zeigt, dass die dreidimensionale Faltung der beiden Proteine mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr ähnlich ist", sagt Yvette Roske. Doch während das Camelysin des Milzbrand-Erregers B. anthracis eine Protease ist, fehlt dem TasA des harmlosen B. subtilis diese Eigenschaft. TasA scheint im Laufe der Evolution diese enzymatische Aktivität und damit seine Pathogenität verloren zu haben.

Die Erforschung der Biofilme geht nun in die nächste Phase. Mit Hilfe der Festkörper-NMR konnten die Teams vom FMP und MDC bereits zeigen, dass sich zuvor ungeordnete flexible Teile von TasA neu ausrichten, wenn sich die Bausteine zu Fibrillen zusammenlagern. Weitere Untersuchungen der Fibrillen sollen dazu beitragen, die Stabilität der Biofilme besser zu verstehen und vielleicht sogar neue Ansätze im Kampf gegen Krankheitserreger zu finden.

Quelle:
Anne Diehl, Yvette Roske, Linda Ball, Anup Chowdhury, Matthias Hiller, Noel Molière, Regina Kramer, Daniel Stöppler, Catherine L. Worth, Brigitte Schlegel, Martina Leidert, Nils Cremer, Natalja Erdmann, Daniel Lopez, Heike Stephanowitz, Eberhard Kraus, Barth-Jan van Rossum, Peter Schmieder, Udo Heinemann, Kürşad Turgay, Ümit Akbey, and Hartmut Oschkinat. Structural changes of TasA in biofilm formation of Bacillus subtilis, PNAS 12. März 2018, DOI 10.1073/pnas.1718102115

Kontakt:
Prof. Dr. Hartmut Oschkinat
Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
oschkinat@fmp-berlin.de
Tel. +49 30 94793-160
www.leibniz-fmp.de/oschkinat

Dr. Anne Diehl
Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
diehl@fmp-berlin.de
Tel. +49 30 94793-310

Öffentlichkeitsarbeit
Silke Oßwald
Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
osswald@fmp-berlin.de
Tel. +49 30 94793-104

Das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB), einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. In ihnen arbeiten mehr als 1.900 Mitarbeiter. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft. Entstanden ist der Forschungsverbund 1992 in einer einzigartigen historischen Situation aus der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR.

Weitere Informationen:
http://www.pnas.org/content/early/2018/03/07/1718102115
http://www.leibniz-fmp.de/oschkinat

Quelle: idw

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KIT: Wasseraufbereitung: Neues Verfahren eliminiert Hormone

Monika Landgraf Strategische Entwicklung und Kommunikation - Gesamtkommunikation
Karlsruher Institut für Technologie

Hormone und andere Mikroschadstoffe gefährden die Gesundheit, wenn ihre Rückstände über das Trinkwasser in den Körper gelangen. Breit einsetzbare Lösungen zu ihrer Beseitigung gibt es bislang aber nicht. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat nun ein Verfahren entwickelt, mit dem Hormone schnell und energieeffizient aus dem Abwasser eliminiert werden können. Die Forschungsergebnisse sind im Journal of Hazardous Materials publiziert.

„Die Verunreinigung des kommunalen Trinkwassers mit Mikroschadstoffen könnte sich zu einer der größten Herausforderungen für den Schutz unserer Gesundheit und Umwelt entwickeln", erklärt Professorin Andrea Schäfer von der Membrantechnologie am Institut für funktionelle Grenzflächen (IFG). Die Expertin und ihr Team führen Studien zur Beseitigung der Hormone Estrone, Estradiol, Progesteron und Testosteron durch. Ihr Anteil in einem Liter Wasser, in das behandelte Abwässer eingeleitet werden, beträgt rund 100 Nanogramm. „Das gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen", sagt Schäfer. „Und doch sind diese Hormone in solchen Konzentrationen wirksam". Die geringe Konzentration und Größe der Hormon-Moleküle erschweren nicht nur ihren Nachweis mittels analytischer Verfahren, sondern vor allem auch ihre Beseitigung.

Ein neues, in der Membrantechnologie entwickeltes Verfahren verbindet die Vorteile der Adsorption (Bindung) von Mikroschadstoffen durch eine von einem Industriepartner gefertigte Aktivkohle mit denen der Ultrafiltration von Schadstoffpartikeln durch eine semipermeable Membran. In einem integrierten System wird das Abwasser zunächst durch eine Polymermembran „gedrückt", die Mikroorganismen und größere Verunreinigungen herausfiltert. Dahinter liegt eine Schicht aus spezieller Aktivkohle, die ursprünglich für Luftfilter entwickelt wurde. Ihre Oberfläche hat nicht nur eine besondere Affinität gegenüber Hormonen, das heißt die Kohlenstoff- und Hormonmoleküle gehen leicht Verbindungen ein. Sie bietet auch die Kapazitäten, um große Wassermengen durchfließen zu lassen und viele Moleküle zu binden. Dies alles geschieht mit sehr viel weniger Energie als bei Alternativverfahren wie der Umkehrosmose.

„Die spezielle Konfiguration aus aktiviertem Kohlenstoff und einer Polymermembran ist wasserabweisend, erlaubt dank der großen spezifischen Oberfläche der eingesetzten Kohlenstoffpartikel einen hohen Wasserdurchfluss und sie arbeitet schnell und energiesparsam", fasst Schäfer die Vorteile zusammen. Die Adsorptionsschicht ist mit rund zwei Millimetern extrem dünn, sorgt aber für eine Beseitigung von Hormonmolekülen in einer realistischen Größenordnung. In Laborversuchen hat sich gezeigt, dass mit diesem Verfahren bei einem Inhalt von neun Litern Wasser und einer sehr kleinen Membranfläche von 38 Quadratzentimetern 60 Prozent der hormonellen Schadstoffe eliminiert werden können. Abhängig von der Dicke der Adsorptionsschicht kann dieser Wert auf bis zu 90 Prozent steigen.

„Wir glauben, dass wir eine vielversprechende Technologie entwickelt haben, mit der wir bei der Elimination von hormonellen Mikroschadstoffen aus Wasser einen großen Schritt weiter kommen", betont Matteo Tagliavini, Doktorand in Schäfers Gruppe und Mitautor der aktuellen Publikation. Die Kompositmembran ist flexibel und in unterschiedlichen Modulen einsetzbar. Damit eignet sie sich für industrielle Großanlagen ebenso wie für Anwendungen in kleinerem Maßstab bis hin zum häuslichen Wasserhahn. Dass das eingesetzte Material bereits zugelassen ist, erleichtert die Überführung des neuen Verfahrens in die Praxis. Ein erstes Industrieprojekt ist bereits in Planung.

Weitere Informationen:
http://mt.ifg.kit.edu

Originalpublikation:
https://doi.org/10.1016/j.jhazmat.2018.03.032

Weiteres Material:
Veröffentlichung im Journal of Hazardous Materials:
https://doi.org/10.1016/j.jhazmat.2018.03.032

Weiterer Kontakt:
Tu-Mai Pham-Huu, Redakteurin/Pressereferentin, Tel.: +49 721 608-48122, E-Mail: tu-mai.pham-huu@kit.edu

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft" schafft und vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie, Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. Seine 25 500 Studierenden bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: http://www.sek.kit.edu/presse.php

Weitere Informationen:

http://www.sek.kit.edu/presse.php
https://doi.org/10.1016/j.jhazmat.2018.03.032
https://doi.org/10.1016/j.jhazmat.2018.03.032
http://mt.ifg.kit.edu
http://tu-mai.pham-huu@kit.edu

Anhang
Wasseraufbereitung: Neues Verfahren eliminiert Hormone
https://idw-online.de/de/attachment65518

Quelle: idw

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LED-Sitzhocker gegen Rückenschmerzen

Britta Widmann Kommunikation
Fraunhofer-Gesellschaft

Stundenlanges Sitzen - sei es im Büro, in der Schule, im Auto oder auf der Couch - schadet. Rückenschmerzen, Fettleibigkeit, Diabetes und andere Krankheiten sind die Folge von Bewegungsmangel. Wichtig ist es daher, dynamisches Sitzen in den Alltag zu integrieren. Fraunhofer-Forscher demonstrieren auf der MS Wissenschaft, wie man dies mit den entsprechenden Hilfsmitteln trainieren kann. Der Spaß bleibt dabei nicht auf der Strecke.

Viele Menschen verbringen einen Großteil ihres Tages im Sitzen: Beim Essen, bei der Fahrt zum Arbeitsplatz, bei Meetings und Schreibarbeiten im Büro, beim Fernsehen, im Kino. Doch wer sich zu wenig bewegt, erhöht sein Risiko für viele Erkrankungen. Durch das lange Sitzen entstehen Verspannungen und Haltungsschäden. Die wiederum lösen Rückenschmerzen aus, ein Großteil der deutschen Bevölkerung leidet darunter. Betroffene sitzen oftmals verkrümmt, dadurch werden die Muskeln noch mehr belastet - ein Teufelskreis. Aber auch Herz-Kreislauf-Probleme, Übergewicht und Bluthochdruck können auf das Konto eines inaktiven Lebensstils gehen.

Personal Trainer für gesundes Sitzen
Um den Teufelskreis aus Schmerzen und schlechter Sitzhaltung zu durchbrechen, helfen nur aktive und bewusste Bewegungen im Sitzen und im Stehen. Um diese gezielt zu unterstützen, haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und für Silicatforschung ISC einen Personal Trainer für gesundes Sitzen und Bewegen konzipiert. Die Technologieentwicklung liegt beim Fraunhofer ISC, die Produktentwicklung beim Fraunhofer IAO.

Ein mit Sensoren und Leuchtdioden ausgestatteter Sitzhocker gibt per Farbsignal oder alternativ über eine App Feedback, ob man ergonomisch sitzt. »Durch viele Interviews mit Betroffenen, Firmen und Experten haben wir herausgefunden, dass ein starker Bedarf nach Hilfsmitteln besteht, die die Rückengesundheit beim Sitzen unterstützen. Wichtig ist, dass man ein wenig Zeit investieren muss«, erläutert Truong Le, Wissenschaftler am Fraunhofer IAO, die Grundidee des LED-Sitzhockers.

Drucksensoren erkennen die Gewichtsverteilung
In der Standard-Funktion erkennen mehrere Drucksensoren anhand der Gewichtsverteilung in der Sitzfläche die Haltung, also z. B. schiefes oder zu langes Sitzen in derselben Position. Die Auswertung der Daten wird auf einen PC, Laptop, Tablet oder Smartphone übertragen. Dann erfolgt eine Erinnerung über ein Feedback in der Sitzfläche. Auf Wunsch erscheint eine Anzeige am Bildschirm oder auch eine Statistik über einen bestimmten Zeitraum. Ein Video zeigt, dass die Sitzhaltung beziehungsweise die Neigung des Körpers als empfindlich erkannt wird. Gegebenenfalls erfolgt eine konkrete Aufforderung, sich zu bewegen. Per Videoanleitung kann man bestimmte Bewegungsübungen durchführen, die die Sensoren ebenfalls registrieren.

Bei den Drucksensoren handelt es sich um weiche, sensible Sensoren, die sich in unterschiedlichste Umgebungen integrieren, etwa in Matten, Autositze, aber auch in die Fahrzeugdecke oder das Lenkrad. Sie senden elektrische Impulse aus, um Dinge zu steuern. Zu diesem Zweck sind sie wie ein elektrischer Kondensator aufgebaut: Zwei Elektrodenschichten aus leitfähigem Silikon unten und oben, eine isolierende Folienschicht dazwischen.

Auf der MS Wissenschaft präsentieren die Forscher vom Fraunhofer IAO eine spezielle Variante des intelligenten Sitzhockers. Eine bewegungs- und gleichzeitig spaßorientierte Anwendung erfahren spielorientierte Nutzer durch die Funktion des Hockers mit Bewegungsspielen. Von den Sensoren aufgenommene Hüftbewegungen werden hier dazu genutzt, ein Ping-Pong-Spiel am Bildschirm mit dem Gesäß zu steuern.

Weitere Informationen:
https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2018/Mai/LED-Sitzhocker-...

Quelle: idw

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Studie der Hochschule Fresenius zeigt: Muskulöse Männer haben bessere Karrierechancen

Melanie Hahn Presse & Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Fresenius

Gibt es bei Männern einen Zusammenhang zwischen dem Streben nach Muskulösität und dem Karriereerfolg? Das hat Dr. Dominic Gansen-Amman in einer experimentellen Studie mit 115 Studierenden der Psychologie (B.Sc.) an der Hochschule Fresenius, Fachbereich Wirtschaft & Medien, untersucht. Der Psychologe präsentierte das Ergebnis im Rahmen der diesjährigen Kölner Wissenschaftsrunde im Fitnessstudio „Point of Power".

Wer seine Karriere vorantreiben will, kann sich beispielsweise coachen lassen oder Ratgeber lesen. Dass auch ein Besuch im Fitnessstudio besonders für Männer in wirtschaftsnahen Tätigkeitsfeldern hilfreich sein kann, scheint zunächst absurd. Doch das für den Muskelaufbau notwendige körperliche Training kann mit einem hohen Maß an Leistungsorientierung und Selbstmanagement einhergehen - Eigenschaften, die auch in der Berufswelt gefragt sind. Ob die Zuschreibungen dieser Attribute auch tatsächlich zu besseren Chancen auf der Karriereleiter führen, dieser Frage ist Dr. Dominic Gansen-Amman, Studiengangsleiter für Psychologie (B.Sc.), in seiner aktuellen Studie nachgegangen. In einem experimentellen Forschungsdesign sollten die Probanden Begriffe, die für eine erfolgreiche Berufslaufbahn stehen - wie Gewissenhaftigkeit oder Geselligkeit - Fotos von muskulösen und nicht-muskulösen Männern zuordnen. Das Ergebnis: Die Versuchsteilnehmer wiesen karriereförderliche Merkmale eher muskulösen Männer zu.

„Dies liegt daran, dass körperliche Aktivität und Muskulösität mit Eigenschaften einhergehen können, die im Arbeitskontext leistungsförderlich sind und für Arbeitgeber wünschenswert erscheinen. Zum Beispiel: ein besserer körperlicher und psychischer Gesundheitszustand, höhere Kreativität und geistige Flexibilität, Leistungs- und Wettbewerbsorientierung, höhere Gewissenhaftigkeit und niedrigerer Neurotizismus", erklärt Gansen-Ammann. Man müsse jedoch zwischen einem ungesunden Muskulösitätsstreben, das pathologische Züge aufweise, und einem gesunden unterscheiden. Übertreiben es Männer mit dem Muskelaufbau, führe dies nicht zu besseren Karrierechancen. Der Psychologe rät: „Demonstrieren Sie auf angemessene Art und Weise, dass Sie sich körperlich fit halten. Als aktiver Mitarbeiter werden Sie wahrscheinlich in besserem Licht dastehen als inaktive Kollegen."

Der Diplomwissenschaftler und Mitgründer von „Point of Power", Till Ebener, empfiehlt für Einsteiger ein moderates, aber regelmäßiges Training. „Wer etwas für seinen Körper tun möchte, der sollte mit den Grundlagen beginnen, um die Basis für ein erfolgreiches Training zu schaffen. Wichtige Komponenten sind: ein gut ausgearbeiteter Trainingsplan, die nötige Lust, die richtige Ernährung, aber auch Zeit, um sich wieder zu regenerieren", so Ebener.
Weitere Informationen:

http://www.hs-fresenius.de

Quelle: idw

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„Stressfresser" aus dem Kuhstall - Landbewohner mit Nutzierkontakt können Stress besser bewältigen

Andrea Weber-Tuckermann Pressestelle
Universität Ulm

Was macht das Landleben eigentlich so gesund? Die dörfliche Ruhe, die frische Luft oder die intakte Nachbarschaft? Wissenschaftler der Universität Ulm haben darauf eine ganz andere Antwort: Landbewohner mit engem Kontakt zu Nutztieren können Stresssituationen immunologisch viel besser bewältigen als Großstädter, die ohne Haustiere aufgewachsen sind. Hilfe bekommen sie dabei von den „old friends" unter den Mikroben.

Was macht das Landleben eigentlich so gesund? Die dörfliche Ruhe, die frische Luft oder die intakte Nachbarschaft? Wissenschaftler der Universität Ulm haben darauf eine ganz andere Antwort: Landbewohner mit engem Kontakt zu Nutztieren können Stresssituationen immunologisch viel besser bewältigen als Großstädter, die ohne Haustiere aufgewachsen sind. Hilfe bekommen sie dabei von den „old friends" unter den Mikroben. „Damit gemeint sind Umweltbakterien, mit denen der Mensch seit Jahrtausenden recht friedlich zusammenlebt, und die es in der Großstadt heute schwer haben", erklärt Professor Stefan Reber, Leiter der Sektion für Molekulare Psychosomatik an der Ulmer Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Der Ulmer Wissenschaftler hat gemeinsam mit Kollegen aus dem Universitätsklinikum Ulm und Forschern aus Erlangen, London und Boulder (Colorado) herausgefunden, dass Männer, die die ersten 15 Lebensjahre auf einem Bauernhof mit Nutztierhaltung aufgewachsen sind, psychosozialen Stress besser verarbeiten können als Männer, die die ersten 15 Lebensjahre in einer Großstadt mit über 100 000 Einwohnern und ohne Haustiere verbracht haben. Für ihre Studie, die kürzlich im renommierten Fachmagazin PNAS veröffentlicht wurde, haben die Forscher insgesamt 40 gesunde männliche Probanden einem Stresstest unterzogen und begleitend dazu Stresshormone und immunologische Parameter erhoben. „Gestresst" wurden die Probanden in einem standardisierten Laborexperiment mit dem sogenannten „Trier-Social-Stress-Test" (TSST). Dabei werden die Versuchsteilnehmer einer fingierten Bewerbungssituation ausgesetzt und mehr und mehr unter Druck gesetzt. Sie müssen zwischendurch Kopfrechenaufgaben lösen und bei Fehlern erneut von vorne beginnen. Vor und nach dem Test haben die Wissenschaftler Blut- und Speichelproben entnommen, um bestimmte Immunzellen wie mononukleäre Zellen des peripheren Blutes (PBMC) zu gewinnen oder Stressparameter wie Cortisol zu erfassen.

Dabei kam heraus, dass die „Landbewohner" im Test zwar einerseits höhere Stresswerte zeigten als die „Großstädter"; dabei waren sowohl die basalen Stresshormonlevel höher als auch das im Fragebogen abgefragte subjektive Stressempfinden. Andererseits ließ sich das Immunsystem der „Landbewohner" nicht so stark zu einer Reaktion provozieren wie das der „Großstädter", die in ihrer Kindheit keinen Kontakt zu Tieren hatten. So war bei den Probanden, die in der Großstadt ohne Tiere aufgewachsen sind, nicht nur der stressinduzierte PBMC-Anstieg größer, sondern auch die Werte für den Entzündungsmarker Interleukin 6 blieben länger erhöht als bei der Vergleichsgruppe.
Und ein weiteres klares Indiz, dass das Immunsystem der „Landbewohner" Stress besser verkraftet, fanden die Wissenschaftler. Dafür wurden die isolierten mononukleären Zellen des peripheren Blutes auf die Ausschüttung des Entzündungshemmers Interleukin 10 untersucht. Das Ergebnis: nach dem Stresstest war bei den tierlosen Städtern die Abgabe dieser antientzündlich wirkenden Substanz deutlich verringert, nicht jedoch bei den nutztiernahen Ländlern.

Für die Gesundheit sind überschießende Immunantworten ein Problem, weil diese häufig zu chronischen Entzündungsreaktionen führen. „Solche Prozesse spielen beispielsweise bei der Entstehung von Asthma und allergischen Erkrankungen eine Rolle, vergrößern aber auch das Risiko für psychische Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen und Posttraumatische Belastungsstörungen, erläutert der Ulmer Psychoneuroimmunologe Stefan Reber.
Schon länger ist bekannt, dass die Anfälligkeit für Asthma und Allergien sowie für psychische Erkrankungen bei Menschen, die in der Großstadt leben, überdurchschnittlich hoch ist. Mit dem globalen Trend zur Verstädterung - immer mehr Menschen zieht es vom Land in die Metropolen - gewinnt dieser Befund noch an Brisanz. Dass dabei der fehlende Kontakt zu bestimmten Bakterien eine Schlüsselrolle spielt, wie die sogenannte „missing microbes"-Hypothese besagt, wird in der Forschung seit ein paar Jahren vermutet. In einem früheren Experiment mit Mäusen konnte ein Forscherteam um Professor Reber bereits zeigen, dass sich die Stressresilienz der Tiere durch die „Impfung" mit solchen altbekannten Umweltbakterien verbessern lässt. Schön wäre es natürlich, wenn sich die Ergebnisse von der Maus auf den Menschen übertragen ließen. Möglicherweise könnte eine solche Impfung in Zukunft auch bei menschlichen Risikogruppen funktionieren. Ob es in der Stadt vielleicht auch der frühe Kontakt mit Haustieren tut, wollen die Wissenschaftler in einer Folgestudie herausfinden.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Stefan Reber, Leiter der Sektion für Molekulare Psychosomatik, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Ulm,
Tel.: 0731 / 500 61943, E-Mail: stefan.reber@uniklinik-ulm.de;

Literaturhinweis:
Boebel T, Hackl S, Langgartner D, Jarczok MN, Rohleder N, Rook GA, Lowry CA, Guendel H, Waller C, Reber SO: Less imune acitvation following social stress in rural vs. urban participants raised with regular or no animal contact, respectively, PNAS April 30, 2018, published ahead of print April 30
http://www.pnas.org/content/early/2018/04/24/1719866115

Text und Medienkontakt: Andrea Weber-Tuckermann

Weitere Informationen:
http://www.pnas.org/content/early/2018/04/24/1719866115

Quelle: idw

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UDE: FutureWaterCampus - Neuer Forschungsbau in Sicht

Beate Kostka M.A. Ressort Presse - Stabsstelle des Rektorats
Universität Duisburg-Essen

Acht Projekte wurden jetzt zum Auf- und Ausbau von Forschungseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen ausgewählt. Erfolgreich war dabei auch das Konzept des FutureWaterCampus (FWC) der Universität Duisburg-Essen (UDE), das zur Antragstellung aufgefordert wurde. Demnächst kann also ein neuer Forschungsbau auf dem Thurmfeld am Essener Uni-Campus entstehen, der die Aktivitäten im Bereich der Wasserforschung bündeln wird.

„Dies ist ein hervorragendes Signal für unsere breit aufgestellte Wasserforschung, die bislang hauptsächlich virtuell zusammengearbeitet hat. Ein eigenes Gebäude bietet natürlich weitaus mehr Möglichkeiten zur disziplinübergreifenden Zusammenarbeit", berichtete die neue Forschungs-Prorektorin, Prof. Dr. Dagmar Führer-Sakel, kürzlich dem UDE-Senat.

Rektor Prof. Ulrich Radtke ergänzte: „Unsere Vision ist, ein Kompetenzzentrum für Wissenschaft und Praxis mit europäischer Strahlkraft zu entwickeln. Der FutureWaterCampus wird die NRW-Wasserexperten der verschiedensten Forschungseinrichtungen unter einem Dach mit Praxispartnern zusammenbringen."

Knapp 8,8 Mio. Euro Fördermittel
Mit dem Wettbewerb „Forschungsinfrastrukturen NRW" will die Landesregierung die Innovationskraft der Wirtschaft stärken und fördert dazu Vorhaben zum Auf- und Ausbau von Forschungsinfrastrukturen und Kompetenzzentren mit bis zu 200 Millionen Euro aus Mitteln des Landes und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). An die UDE werden knapp 8,8 Mio. Euro fließen.

Überzeugt hat die Jury die gute Vorarbeit des Zentrums für Wasser- und Umweltforschung (ZWU) an der UDE. Dank seiner Vernetzungsaktivität wurden bereits mehrere Forschungsverbünde und anwendungsnahe Projekte mit Partnern aus Unternehmen, Verbänden und Zivilgesellschaft durchgeführt, etwa das Fortschrittskolleg FUTURE WATER, in dem derzeit zwölf Promovierende forschen. Hier arbeiten Partner aus sechs Forschungsinstitutionen an Fragen der nachhaltigen Wassernutzung im urbanen Raum zusammen. Solche Aktivitäten können künftig im neuen Forschungsgebäude intensiviert werden.

Sauberes Wasser für alle
Der FWC greift eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit auf: Wie kann der Umgang mit Wasser und Abwasser nachhaltig gestaltet werden? Im Fokus steht hier vor allem die effizientere Wassernutzung; dazu leistet der FWC mit seinem inter- und transdisziplinären Forschungsumfeld einen essentiellen Beitrag, etwa durch die Entwicklung gekoppelter Verfahren, Prozesse und Technologien. Dazu zählt auch die geplante Verwendung innovativer technischer Membranen in der Wasserwirtschaft mit weitreichenden Einsatzgebieten.

Bereits jetzt bündelt das ZWU die Wasserkompetenz über sechs UDE-Fakultäten hinweg sowie zu den Partneruniversitäten der Universitätsallianz Ruhr und mehreren Fachhochschulen (aktuell 130 Mitglieder). Die gelebte Interdisziplinarität mit Partnern aus den Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts-, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften erlaubt die Entwicklung innovativer Systemkomplettlösungen. Deutschlandweit einmalig ist auch die Einbindung wirtschaftlicher und kommunaler Vertreter, der sondergesetzlichen Wasserverbände, der Wasserversorger sowie der Fachbehörden des Landes NRW.

Weitere Informationen:
Dr. Michael Eisinger, ZWU-Geschäftsführer, Tel. 0201/183-3890, michael.eisinger@uni-due.de
Redaktion: Beate Kostka, Tel. 0203/379-2430, beate.kostka@uni-due.de

Weitere Informationen:
https://www.uni-due.de/zwu/
https://www.uni-due.de/unikate/051/unikate_051.html
https://www.wirtschaft.nrw/pressemitteilung/acht-projekte-zum-auf-und-ausbau-von...

Quelle: idw

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Konzentrierter arbeiten im Büro

Britta Widmann Kommunikation
Fraunhofer-Gesellschaft

Rund 40 Prozent aller Erwerbstätigen hierzulande arbeiten im Büro. Doch oftmals werden Büroimmobilien den Bedürfnissen moderner Arbeitsanforderungen nicht gerecht und führen zu Reizüberflutung, Ablenkung und Stress. Internationalen Studien zufolge nehmen Büroarbeiter vor allem die Akustik als besonderen Störfaktor wahr. Wie sich diese leistungsmindernden Einflüsse reduzieren lassen, demonstrieren Fraunhofer-Forscher auf der diesjährigen MS Wissenschaft. Sound Masking lautet das Zauberwort.

Raum- und Arbeitsplatzgestaltung haben maßgeblichen Einfluss auf Gesundheit, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit, dies ist wissenschaftlich längst bewiesen. Dennoch erfüllen - trotz normgerechter Ausführung - viele der rund 17 Millionen Büroarbeitsplätze in Deutschland die Bedürfnisse moderner Arbeitsanforderungen nicht. Normen garantieren in der Regel nur eine Mindestqualität. Fragt man Menschen in Büros nach ihrer Zufriedenheit mit verschiedensten Aspekten ihres Arbeitsumfelds, stehen akustische Umgebungsbedingungen ganz oben auf der Beschwerdeliste. Störungen oder Arbeitsunterbrechungen durch Gespräche von Kollegen bzw. der »leise Lärm« sind Ursachen für die zunehmenden psychischen Belastungen im Büro. Die Folgen: Unzufriedenheit, mehr Fehler und schlechtere Arbeitsergebnisse, erhöhter Krankenstand und gesteigerte Mitarbeiterfluktuation.

Neutrale Schallsignale überlagern Hintergrundschall
»Die aktuell angewandten Kenngrößen aus Richtlinien und Normen zur raumakustischen Konditionierung von Büroflächen gewährleisten keine ausreichend und wahrnehmbar gute akustische Qualität«, sagt Noemi Martin, Wissenschaftlerin am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Stuttgart. Die störenden Einflüsse im Büro fordern kreative und innovative Lösungen. Mit Sound Masking (Geräuschüberdeckung) bieten Martin und ihre Kollegen vom Fraunhofer IBP eine Technologie zur Verbesserung der akustischen Umgebungsbedingungen. Dabei wird störendes Hintergrundsprechen durch das Einspielen neutraler Schallsignale (Rauschen) zielgerichtet überlagert. Sound Masking soll die empfundenen Störungen durch irrelevanten Sprachschall reduzieren, die Leistungsfähigkeit steigern und das Privatheitsempfinden der Mitarbeiter erhöhen. Gerade in Großraumbüros führen schlechte Akustik und enges Zusammensitzen zu häufigen Arbeitsunterbrechungen und zu einer starken Beeinträchtigung der Privatsphäre. Die entsprechenden Systeme lassen sich teils unsichtbar in die Architektur oder ins Mobiliar integrieren. »Um die akustischen Bedingungen zu verbessern, wird der Umgebung Schall hinzugefügt, was für die meisten Menschen intuitiv nicht nachvollziehbar ist. Dabei wird das Grundgeräusch zielgerichtet angehoben, Gespräche von Kollegen lassen sich dadurch überdecken - die Sprachverständlichkeit wird dadurch reduziert«, erläutert Martin das Grundprinzip von Sound Masking.

Mit dem Raumlabor für ganzheitliche Wirkungsforschung haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Fraunhofer IBP eine Testumgebung geschaffen, in der sie den Zusammenhang zwischen negativen Wirkfaktoren in der Arbeitsumgebung und gesundheitlicher sowie leistungsbezogener Beeinträchtigung und Minderung des Wohlbefindens untersuchen. Dieser Zusammenhang gilt aber nicht nur für Büroräume, sondern auch für vergleichbare Räume in Bildungseinrichtungen, Krankenhäusern und anderen Gebäuden. In dem Raumlabor erforschen die Experten am Fraunhofer IBP innovative Lösungen wie das Sound Masking. »Wichtig ist es, die Akzeptanz des Systems bei den Mitarbeitern zu fördern, etwa durch das Entwickeln angenehmer Signale sowie durch das Lehren des richtigen Umgangs mit der Technologie«, so Martin.

Gedächtnistest mit Hintergrundgeräusch
Auf der MS Wissenschaft 2018 können die Besucher die Zusammenhänge zwischen akustischem Komfort und Leistungsfähigkeit in Büro- und Schulumgebungen selbst erfahren. An dem dort installierten Büroarbeitsplatz wird eine Arbeitsaufgabe in Form eines Gedächtnistests implementiert, der sensitiv für Störungen durch Hintergrundsprechen ist. Die Besucher bearbeiten den Test. Zeitgleich werden über Kopfhörer verschiedene Hintergrundgeräuschkulissen dargeboten, die die Leistungsfähigkeit während der Aufgabenbearbeitung in unterschiedlicher Weise beeinträchtigen. Die Besucher erhalten unmittelbar Feedback über ihre Fehlerrate in den einzelnen Bedingungen. Somit wird die unterschiedliche Wirkung verschiedener Geräuschkulissen sowie das Potenzial von Sound Masking erlebbar.

Weitere Informationen:
https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2018/Mai/Konzentrierter-...

Quelle: idw

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Todesfalle Krankenhauskeim

Janna von Greiffenstern Kommunikation und Service
SRH Hochschule Heidelberg

Anlässlich des Aktionstags Saubere Hände am 5. Mai 2018 beschreibt Prof. Dr. Julia Gokel von der SRH Hochschule Heidelberg aus medizinrechtlicher Sicht, warum eine sorgfältige Handhygiene insbesondere in Krankenhäusern so wichtig ist und welche Rolle Patientenbesucher dabei spielen. Erst kürzlich hatten Psychologie-Studierende der SRH Hochschule Heidelberg untersucht, wie es um das Händewasch-Verhalten auf öffentlichen Toiletten bestellt ist und dabei enthüllt: Nur 8% aller Toiletten-Besucher waschen sich ihre Hände richtig.

Infektionsskandal im Krankenhaus: Das kann das Aus für die Einrichtung bedeuten. „Das Thema Handhygiene und Infektionsprävention hat nicht nur eine gesellschaftliche, sondern auch eine erhebliche haftungsrechtliche Relevanz", erklärt Dr. Julia Gokel, Professorin für Sozialrecht an der SRH Hochschule Heidelberg. Probleme mache vor allem der multiresistente Erreger MRSA (Methicillin resistenter Staphyloccus aureus). „Für kranke oder immungeschwächte Patienten, etwa solche, die frisch operiert wurden, kann er zur Todesfalle werden." Wenn dabei nachgewiesen werde, dass die Hygienegrundsätze wie die gebotene Händedesinfektion nicht beachtet wurden, könne dies als „grober Behandlungsfehler" gewertet werden.

„Es ist zu empfehlen, Patienten und Besucher in die Maßnahmen der Händehygiene einzubeziehen", rät das Robert-Koch-Institut darüber hinaus. „Die Breitenaufklärung und Sensibilisierung der Bevölkerung ist und bleibt eine entscheidende Voraussetzung, um den sogenannten `Drehtür-Effekt´ - das Einschleusen von Keimen und Bakterien über Patienten und Angehörige in Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen - zu vermeiden", sagt Prof. Gokel. Die Studie der Psychologie-Studierenden der SRH Hochschule Heidelberg habe dazu einen wichtigen Beitrag geleistet, um das öffentliche Interesse auf das Thema zu lenken. Die Studierenden hatten 1.000 Besuchern öffentlicher Toiletten in der Rhein-Neckar-Region auf die Finger geschaut: Rund 7% verzichteten gänzlich auf das Händewaschen. 27% wuschen ihre Hände nur mit Wasser und rund 58% benutzten Wasser und Seife, allerdings nicht mit der erforderlichen Gründlichkeit. Lediglich rund 8% reinigten ihre Hände vorbildlich: mindestens 20 Sekunden lang mit Wasser und Seife an den Innen- und Außenseiten und zwischen den Fingern.

Prof. Dr. Julia Gokel LL.M. unterrichtet an der SRH Hochschule Heidelberg Sozial- und Gesundheits-recht und steht für Schulungen für Krankenhaushygieniker und Hygienefachkräfte zur Verfügung. Im Bachelor- oder Master-Studium des Sozialrechts sind medizinrechtliche Themen wichtig, da Sozialjuristen diese Kenntnisse häufig in sozialen Einrichtungen, Personalabteilungen oder Unternehmensberatungen benötigen.

Die nationale Kampagne „Aktion Saubere Hände" weist mit ihrem Aktionstag am 5. Mai auf die Notwendigkeit der Händedesinfektion hin, um die Patientensicherheit zu verbessern.

Weitere Informationen:
http://www.aktion-sauberehaende.de

http://www.hochschule-heidelberg.de

Quelle: idw

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Vorläufige Entwarnung

Tanja Hoffmann M.A. Stabsstelle für Presse, Kommunikation und Marketing
Universität Siegen

Welche Auswirkungen haben Nanomaterialien, wenn sie über Kläranlagen in die Umwelt gelangen? Das haben WissenschaftlerInnen der Universität Siegen gemeinsam mit mehreren Partnern in einem interdisziplinären Forschungsprojekt untersucht.

Wir haben täglich mit ihnen zu tun - ohne es zu bemerken. So genannte „Nanomaterialien" sind in vielen alltäglichen Gebrauchsgegenständen enthalten, von Sonnencreme und Zahnpasta über Verbandsmaterial bis hin zu Funktionsbekleidung. Das Besondere an diesen Materialien ist, dass sie aus winzig kleinen Einheiten bestehen: Ein Nanopartikel ist tausend Mal dünner als ein menschliches Haar. Ihre geringe Größe und besonderen chemischen und physikalischen Eigenschaften machen Nanomaterialien für viele Anwendungen interessant. Aber was passiert, wenn sie über Kläranlagen in die Umwelt gelangen? WissenschaftlerInnen der Uni Siegen haben das gemeinsam mit Partnern aus Deutschland, Österreich und Portugal untersucht. Das interdisziplinäre ERA-NET Forschungsprojekt „FENOMENO" wurde mit insgesamt 1,1 Millionen Euro gefördert.

Im Rahmen eines Workshops an der Uni Siegen haben die ForscherInnen jetzt erste Ergebnisse des Projektes vorgestellt. „Auf Basis der bislang bekannten Teilergebnisse können wir vorläufige Entwarnung geben", sagt Projektleiter Prof. Dr. Holger Schönherr vom Lehrstuhl für Physikalische Chemie der Uni Siegen. Am Beispiel von Silber- und Titandioxid-Nanomaterialien haben er und sein Team mögliche Auswirkungen auf Gewässer und darin lebende Pflanzen und Tiere untersucht. „Zwar steht die endgültige Auswertung noch aus, bisher konnten wir aber keinerlei Auswirkungen auf die verschiedenen Stufen der Nahrungskette feststellen", erklärt Schönherr.

Die WissenschaftlerInnen haben zum einen Proben aus dem österreichischen Mondsee analysiert, in den eine Kläranlage unmittelbar mündet. Zum anderen wurden am Fraunhofer Institut IME in Schmallenberg in Modellanlagen Klärprozesse simuliert. Die Zuläufe wurden mit Nanomaterialien angereichert, um anschließend Algen, Wasserflöhe und Fische aus den Kläranlagenausläufen zu untersuchen. „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen haben in dem Projekt eng zusammengearbeitet. Wir haben die Proben chemisch, mikroskopisch, verhaltensbiologisch, molekular und biochemisch genauestens unter die Lupe genommen", sagt Projektleiter Schönherr.

Schönherr und sein Siegener Kollege Prof. Dr. Carsten Engelhard haben die Proben mit ihren Arbeitsgruppen mikroskopisch und vor allem massenspektrometrisch untersucht. Mit einem in Siegen weiterentwickelten, hochempfindlichen Messverfahren - der so genannten „Einzelpartikelmassenspektrometrie" - konnten sie die Zusammensetzung und Größe der enthaltenen Nanopartikel bestimmen. Außerdem gelang es den Chemikern zu analysieren, wie sich die Partikel in der Modellkläranlage durch den Klärprozess verändern. „In der Kläranlage können die Silbernanopartikel unter anderem zu Silbersulfid umgewandelt werden. Sie verbleiben als schwerlösliche Verbindung im Klärschlamm und sind damit für die Umwelt weniger schädlich", erklärt Engelhard.

Um die Auswirkungen von Nanopartikeln aus Kläranlagen auf das Ökosystem noch weiter zu untersuchen, haben BiologInnen der Uni Siegen über einen längeren Zeitraum Wasserflöhe aus den Ausläufen der Modellkläranlagen beobachtet. Die Flöhe ernähren sich von Algen, an denen die winzigen Nanopartikel anhaften. Auswirkungen auf Fruchtbarkeit oder Sterblichkeit der Wasserflöhe habe man über sechs Generationen hinweg nicht feststellen können, fasst Professorin Klaudia Witte zusammen: „Auch in ihren Bewegungsmustern zeigten die Tiere keine Veränderung, wenn sie Silbernanopartikeln aus einer Modellkläranlage ausgesetzt wurden. Wohl aber, wenn sie sich in einer Lösung mit reinen Silbernanopartikeln bei gleicher nomineller Konzentration aufhielten."

WissenschaftlerInnen aus Österreich untersuchten im Rahmen des Projektes Fische im Mondsee. An der Universität Aveiro in Portugal werden Gewebeproben aktuell noch auf biochemischer Ebene analysiert. „In den Laboruntersuchungen konnten wir bisher herausarbeiten, unter welchen Bedingungen und ab welcher Konzentration die untersuchten Nanopartikel Auswirkungen auf die verschiedenen Stufen der Nahrungskette haben", erklärt Prof. Schönherr. Diese Konzentrationen liegen zumeist weit oberhalb der in den Feldstudien gefunden Konzentrationen. Aus Sicht der Wissenschaftler besteht daher kein Anlass zur Sorge hinsichtlich toxischer Effekte.

Hintergrund:
An dem Projekt „FENOMENO" sind ForscherInnen der Universität Siegen, des Fraunhofer Instituts IME in Schmallenberg, des Limnologischen Instituts Mondsee der Universität Innsbruck, sowie der Universität Aveiro in Portugal beteiligt. Das Projekt wurde im Rahmen des SIINN ERA-NET Programms von den partizipierenden nationalen Förderinstitutionen, für Deutschland dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), mit insgesamt 1,1 Millionen Euro gefördert. Weitere Informationen unter www.fenomeno-nano.de.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Holger Schönherr (Projektleiter)
E-Mail: schoenherr@chemie.uni-siegen.de
Tel.: 0271-740 2806

Weitere Informationen:
http://www.fenomeno-nano.de

Anhang
Im Rahmen eines Workshops an der Uni Siegen haben Projektleiter Prof. Dr. Holger Schönherr und seine KollegInnen erste Ergebnisse vorgestellt.
https://idw-online.de/de/attachment65450

Quelle: idw

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baua: Praxis: Ungestört arbeitet es sich viel besser

Jörg Feldmann Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Multitasking und Arbeitsunterbrechungen gehören heute zum Alltag vieler Beschäftigter. Doch Störungen und Multitasking belasten die Beschäftigten und senken die Produktivität. Deshalb gibt die baua: Praxis „Arbeitsunterbrechungen und Multitasking täglich meistern" Hintergrundinformationen und Tipps zur belastungsgünstigen Arbeitsgestaltung. Die jetzt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlichte Broschüre praktische Hinweise, was Unternehmen und Beschäftigte tun können, um stress- und störungsfreier zu arbeiten.

Die beste Störung ist die, die gar nicht erst stattfindet. Lediglich Beschäftigte, die einer einfachen und monotonen Aufgabe nachgehen, empfinden Störungen im Arbeitsablauf als positiv. Wer jedoch bereits drei Minuten von hochkonzentrierter Arbeit abgelenkt wird, braucht anschließend rund zwei Minuten, um wieder auf dem Stand vor der Unterbrechung weiterarbeiten zu können. Das verlängert nicht nur die Bearbeitungszeit einer Aufgabe unnötig. Auch die Arbeitsergebnisse sind schlechter: Forscher der Universität Michigan haben herausgefunden, dass sich die Leistungsfähigkeit des Gehirns um 20 bis 40 Prozent verringert, wenn parallel statt nacheinander gearbeitet wird. Und wer das Gefühl hat, seine Aufgaben wegen ständiger Unterbrechungen nicht mehr richtig erledigen zu können, fühlt sich gestresst.

Die Forscher raten deshalb, dass der Beschäftigte entscheidet, welche Aufgabe Vorrang hat. Muss die aktuelle Arbeit unbedingt vor der Fertigstellung unterbrochen werden wie beispielsweise in Krankenhäusern, dann helfen Notizen dabei, sich anschließend wieder problemlos in der alten Aufgabe zurechtzufinden. Außerdem sollten die Beschäftigten ihre Aufgabe nach Möglichkeit dort unterbrechen, wo es später leichter fällt weiterzuarbeiten. Um Überlastung vorzubeugen, empfiehlt die Broschüre, Kollegen frühzeitig um Hilfe zu bitten.

Beschäftigte sollten vermeiden, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Studien zeigen, dass Multitasking weder Zeit noch Aufwand spart. Wer dennoch so arbeiten muss, sollte die Arbeit in Ruhe angehen und sich an persönlichen Erfahrungen orientieren. Zudem lassen sich Zeitfenster einrichten, in denen es sich ungestört arbeiten lässt.

Doch auch die Kollegen und Vorgesetzten können einiges tun: Meist wollen sie nur „mal eben" etwas fragen oder besprechen und meinen es nicht böse. Dann kann ein freundliches Gespräch helfen, ihnen bewusst zu machen, wie störend das sein kann. Ein weiterer Grund für Unterbrechungen können unvollständige oder missverständliche Absprachen in Teamrunden oder zwischen Mitarbeiter und Vorgesetztem sein. Hier rät die Broschüre zu klärenden Gesprächen darüber, wie genau Teamabsprachen sein sollten.

Für den Fall, dass verschiedene Berufsgruppen und Fachbereiche zusammenarbeiten müssen, haben sich „Gesundheitszirkel" als hilfreich erwiesen. Dabei handelt es sich um einen strukturierten und festgelegten Austausch unter der Leitung eines geschulten externen Moderators. Was ein „Gesundheitszirkel" wirksam gegen Arbeitsunterbrechungen machen kann, verrät ebenfalls die baua: Praxis.

„Arbeitsunterbrechungen und Multitasking täglich meistern"; 1. Auflage; Dortmund; 2018; ISBN: 978-3-88261-234-9; 36 Seiten; DOI: 10.21934/baua:praxis20170914. Die baua: Praxis kann über den Onlineshop der BAuA bezogen werden. Eine Version im PDF-Format zum Herunterladen gibt es im Internetangebot der BAuA unter www.baua.de/publikationen.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des BMAS. Sie betreibt Forschung, berät die Politik und fördert den Wissenstransfer im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Zudem erfüllt die Einrichtung hoheitliche Aufgaben im Chemikalienrecht und bei der Produktsicherheit. An den Standorten Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz arbeiten über 700 Beschäftigte.
www.baua.de

Weitere Informationen:

http://www.baua.de/dok/8658050 Direkter Link zur baua: Praxis „Arbeitsunterbrechungen und Multitasking täglich meistern"

Quelle: idw

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Beeinflusst körperliche Aktivität die Gesundheit künftiger Nachkommen?

Dr. Marcus Neitzert Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE)

Körperliche und geistige Aktivität sind nicht nur gut für das eigene Gehirn, sie können auch die Lernfähigkeit späterer Nachkommen beeinflussen - zumindest bei Mäusen. Diese besondere Form der Vererbung wird durch bestimmte RNA-Moleküle vermittelt. Sie beeinflussen die Genaktivität und reichern sich nach körperlicher und geistiger Aktivität nicht nur im Gehirn, sondern auch in den Keimzellen an. Prof. André Fischer und Fachkollegen vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Göttingen und München und der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) berichten darüber im Fachjournal „Cell Reports".

Die vollständige Pressemitteilung finden Sie hier: https://www.dzne.de/aktuelles/presse-und-oeffentlichkeitsarbeit/pressemitteilung...

Quelle: idw

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Innovatives Verfahren zur umweltschonenden Gülleaufbereitung kommt auf den Markt

Dr. Claudia Vorbeck Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

Das am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB entwickelte BioEcoSIM-Verfahren zur Aufbereitung von Gülle wird von SUEZ Deutschland GmbH als Betreiber großtechnischer Anlagen in den Markt eingeführt. Für Agrarbetriebe wird so eine Möglichkeit geschaffen, überschüssige Gülle abzugeben. Produkte der Gülleaufbereitung sind Phosphordünger, Ammoniumdünger und organische Bodenverbesserer.

Etwa 200 Millionen Kubikmeter Gülle aus der Viehzucht landen jährlich in Deutschland auf Feldern und Wiesen. Das »schwarze Gold« besteht zu über 90 Prozent aus Wasser und enthält beachtliche Mengen der wichtigen Pflanzennährstoffe Stickstoff und Phosphor. Wenn jedoch mehr Gülle auf die Felder ausgebracht wird, als die Böden binden und Pflanzen aufnehmen können, wandeln Mikroorganismen den Ammoniumstickstoff im Boden zu Nitrat um, das ins Grundwasser sickert. Das Problem: Dort, wo die Gülle in großen Mengen anfällt, fehlen häufig Ackerflächen, die gedüngt werden müssen. Über sogenannte Güllebörsen ordern Mastbetriebe daher Tanklaster an, um ihre Gülle in Gebiete mit Nährstoffbedarf transportieren zu lassen - oft mehrere hundert Kilometer entfernt.

Eine umweltschonende Lösung hat das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB mit seinem BioEcoSIM-Verfahren entwickelt. »Wir haben verschiedene Aufbereitungsstufen zu einem Gesamtprozess kombiniert und in einer modular aufgebauten Anlage integriert«, erläutert der Nährstoff-Experte Dr. Iosif Mariakakis vom Fraunhofer IGB. Damit können die wertvollen Nährstoffe als leicht transportierbare und exakt dosierbare Phosphor- und Ammoniumdüngesalze zurückgewonnen werden. Auch die festen organischen Bestandteile werden verwertet und mit einem energieeffizienten Verfahren getrocknet und konditioniert. Sie stehen dann als humusbildende Bodenverbesserer zur Verfügung. Gülle wird so nahezu vollständig verwertet und die recycelten Bestandteile dem Boden wieder zugeführt.

Großtechnische Umsetzung und Betreibermodell
Mit der SUEZ Deutschland GmbH hat das Fraunhofer IGB nun einen Lizenznehmer für die patentierte Technologie gewonnen. Das global agierende Entsorgungs- und Verwertungsunternehmen wird als Betreiber in Aufbereitungsanlagen investieren. »Nach und nach sollen flächendeckend großtechnische Anlagen entstehen, die Landwirten, Zucht- und Mastbetrieben überschüssige Gülle abnehmen. Bei der Auswahl der Anlagenstandorte werden vor allem die logistischen Aspekte der Anlieferung berücksichtigt«, beschreibt Kai Bastuck, Leiter Geschäftsfeldentwicklung Recycling und Recovery der SUEZ Deutschland GmbH, das Geschäftsmodell. »Durch die Rückgewinnung des endlichen Rohstoffs Phosphor wird die Abhängigkeit Deutschlands von Phosphorimporten abgebaut. Das schont die endlichen Phosphorressourcen und verringert Schadstoffeinträge in Böden. So tragen wir zu einer nachhaltigen Zukunft bei und machen Nährstoff zum Wertstoff«, so Bastuck. Das Fraunhofer IGB unterstützt SUEZ Deutschland bei der Weiterentwicklung des Verfahrens.

Eine erste Aufbereitungsanlage mit einem Durchsatz von einem Kubikmeter pro Stunde wird aktuell als »Lebendes Technikum« am SUEZ-Standort Zorbau in Sachsen-Anhalt errichtet. Die flexibel ausgelegte Anlage soll Rinder- und Schweinegülle, aber auch Gärreste aus Biogasanlagen, verarbeiten und damit als Blaupause für weitere großtechnische Anlagen dienen.

»Eine durchschnittliche großtechnische Anlage produziert dann stündlich aus zehn Kubikmetern Rohgülle etwa 100 Kilogramm Phosphatdünger, 100 Kilogramm Stickstoffdünger und 900 Kilogramm organische, nährstoffarme Feststoffe«, führt Siegfried Egner, Abteilungsleiter am Fraunhofer IGB, aus. Das Einsparpotenzial an synthetischen Düngern ist enorm: Mit der Kapazität von einer Million Kubikmetern Gülle pro Jahr, was in etwa der Menge aus ca. hundert Schweinemastbetrieben entspricht, können 10 000 Tonnen Ammoniumdünger und 10 000 Tonnen Phosphordünger hergestellt werden. Dies entspricht fast dem jährlichen Bedarf in ganz Deutschland.

Das BioEcoSIM-Verfahren
Um Gülle vollständig aufzubereiten, sind verschiedene Verfahrensschritte notwendig. In einem ersten Schritt wird die wässrige Gülle vorbehandelt, damit der Phosphor vollständig in Lösung geht. Über eine zweistufige Filtration wird sie in eine feste und eine flüssige Phase getrennt.

Die entwässerte feste Phase wird mit einem ebenfalls am Fraunhofer IGB entwickelten energieeffizienten Verfahren getrocknet, das mit überhitztem Wasserdampf in einem geschlossenen System und daher besonders energieeffizient arbeitet. Die getrockneten organischen Bestandteile können optional weiter bei 450 °C über einen Pyrolyse-Schritt - wie im Trocknungsschritt in einer Atmosphäre aus überhitztem Wasserdampf - zu organischer Biokohle umgesetzt werden.

Die flüssige Güllefraktion enthält die gelösten anorganischen Nährstoffe. In einem Fällungsreaktor wird zunächst Phosphor zurückgewonnen und als Calciumphosphat, Magnesiumphosphat oder Magnesiumammoniumphosphat gefällt und abfiltriert. Stickstoff wird in einem zweiten Schritt zurückgewonnen. Hierzu wird die wässrige Fraktion über eine Membranadsorption als Ammoniumsulfat abgetrennt und kristallisiert. Übrig bleibt ein Wasser, das nur noch Spuren von Phosphor und Stickstoff enthält, aber reich an Kalium ist - und optimal zur Bewässerung eingesetzt werden kann.

In umfangreichen Untersuchungen und Feldstudien haben die Fraunhofer-Forscher gezeigt, dass die aus Gülle aufbereiteten mineralischen Düngemittel und organischen Bodenverbesserer direkt als gut verfügbare Dünger und humusbildende Substrate in der Landwirtschaft eingesetzt werden können.

Das BioEcoSIM-Aufarbeitungsverfahren wurde im Rahmen des Projekts BioEcoSIM entwickelt, das von Oktober 2012 bis Dezember 2016 im 7. Forschungsrahmenprogramm der EU gefördert wurde.

Weitere Informationen:
https://www.igb.fraunhofer.de/de/presse-medien/presseinformationen/2018/innovati...

Anhang
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https://idw-online.de/de/attachment65477

Quelle: idw

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Studie zeigt: Sind wir glücklich mit unserem Job, dann fühlen wir uns auch privat wohler

Melanie Hahn Presse & Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Fresenius

In einer empirischen Arbeit der Hochschule Fresenius, Fachbereich Wirtschaft & Medien, wurde untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen Beruf und subjektivem Wohlbefinden gibt und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. Dazu befragte Oliver Hasenclever im Rahmen seiner Abschlussarbeit im Studium der Angewandten Psychologie (B.Sc.) über 200 Personen. Das Ergebnis: Sind wir im Job glücklich, fühlen wir uns auch nach Feierabend besser.

Arbeit nimmt einen großen Teil unserer Lebenszeit ein. Vielen Unternehmen ist deshalb ein gutes Betriebsklima wichtig, denn sie wissen: Fühlen sich die Angestellten wohl, wirkt sich das positiv auf die Arbeitshaltung aus. Doch steigt mit der Arbeitszufriedenheit auch das persönliche Wohlbefinden? Und welche Rolle spielt dabei das Einkommen?

Um herauszufinden, ob ein Zusammenhang zwischen subjektivem Wohlbefinden und der Arbeitszufriedenheit besteht, befragte Oliver Hasenclever für seine Bachelorarbeit 207 Personen zwischen 18 und 74 Jahren, die zur Zeit der Befragung mindestens eine berufliche Haupt- oder Nebentätigkeit ausübten. Um weitere Aussagen zum subjektivem Wohlbefinden treffen zu können, bezog Hasenclever auch die Variablen Einkommen, Alter, Bildungsniveau und Geschlecht mit ein.

In seinen Untersuchungen stellte Hasenclever so einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Arbeitszufriedenheit und Wohlbefinden fest. Macht uns der Beruf Spaß, fühlen wir uns nach dem Feierabend wohler. Dies ist dann der Fall, wenn wir einen Sinn in dem sehen, was wir tun und wir die Aufgaben für interessant halten. Ebenso spielen Aufstiegsmöglichkeiten und Weiterbildungsmöglichkeiten eine große Rolle. Auch das Team und die Unternehmenskultur sowie die Anerkennung vom Vorgesetzten haben Einfluss darauf, wie wohl wir uns an unserem Arbeitsplatz fühlen.

Das Einkommen und das Alter konnten in dieser Erhebung hingegen nicht in Verbindung mit dem Wohlbefinden gebracht werden. Auch konnten kaum Unterschiede in Bezug auf das Geschlecht festgestellt werden. Männer als auch Frauen empfanden demnach ähnlich.

Die Forschung zum Thema „Wohlbefinden" hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Die Hochschuldozentin und Psychologin Dr. Kathrin Schütz hat die Erhebung betreut. Sie betont: „Es gibt immer noch kein Patentrezept, wie Wohlbefinden für die einzelne Person entsteht. Es handelt sich dabei um ein komplexes Konstrukt, welches vielen internalen sowie externalen Einflüssen unterliegt". So komme es beispielsweise auch darauf an, welchen Ausgleich es zwischen Beruf und Freizeit gibt. "Verwendet man alle Ressourcen für berufliche Tätigkeiten, sind wir zu müde, um unseres Hobbys nachzugehen oder Freunde zu treffen. Einige Studien verweisen zwar darauf, dass das Geld die entscheidende Variable ist, wohingegen Studien wie diese zeigen, dass es eben doch nicht so einfach ist. Hier gibt es also noch ausreichend Forschungsbedarf", führt die Psychologin weiter aus.

Weitere Informationen:
http://www.hs-fresenius.de

Quelle: idw

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Wasser reinigen und Boden düngen mit Pflanzenkohle

Franz-Georg Elpers Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Kleinkläranlagen zur Phosphorrückgewinnung in Burkina Faso - DBU unterstützt mit 121.000 Euro

Die Abwasserproblematik entschärfen und gleichzeitig einen Dünger für ausgelaugte Böden gewinnen: Kleinkläranlagen neuen Typs sollen den Menschen im westafrikanischen Burkina Faso bald eine deutliche Verbesserung ihrer Lebenssituation bringen. Mithilfe von Pflanzenkohle soll lebensnotwendiger Phosphor aus dem Abwasser zurückgewonnen und als Bodendünger verwendet werden. Entwickelt und umgesetzt hat das Konzept die Firma Ökoservice (Denkendorf) gemeinsam mit der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) und lokalen Partnern vor Ort wie ClimateSol. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert sie dabei fachlich und finanziell mit rund 121.000 Euro. „Die Projektergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass der Phosphor-Kreislauf mit cleverer Umwelttechnik geschlossen werden kann - in Deutschland und weltweit. Das muss auch ein zentrales Anliegen sein, um durch entsprechende Kooperationen unsere gemeinsame Lebensgrundlage zu erhalten", so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde.

Abfallprodukt wird zum Dünger
Bei diesem Typ von Kleinkläranlangen könne generell auf die Vorklärung verzichtet werden, weshalb dort kein hochbelasteter Fäkalschlamm anfalle. Da somit die Nachbehandlung entfalle und die Anlage außerdem deutlich kompakter als andere gebaut werden könne, würden sich deutliche Kostenvorteile und ein geringerer ökologischer Fußabdruck ergeben, erläutert Projektleiter Jörg Fingas von der TUHH. Im Rahmen des Projektes sei eine bestehende Anlage an die speziellen Bedürfnisse in Burkina Faso angepasst worden. „Das Besondere ist, dass wir dem Klärschlamm regionale Pflanzenkohle hinzugegeben haben. Die bleibt beim Kochen über, wird aus den Schalen des Wüstendattelbaums gewonnen und ist ein Abfallprodukt der Ölherstellung", so Fingas weiter. Auf der Kohle lagere sich der im Schmutzwasser enthaltene Phosphor und Biomasse ab. Deshalb könne sie anschließend gezielt als Dünger eingesetzt werden und nährstoffarme Böden wieder fruchtbarer machen. Das Wasser sei am Ende soweit gereinigt, das damit Felder bewässert werden können.

Forschung geht weiter, Ziel ist es Trinkwasserqualität zu erreichen
Großen Wert hätten die Projektpartner darauf gelegt, ökologische und ökonomische Aspekte zu berücksichtigen. „Deshalb haben wir die Anlage so konzipiert, dass sie von lokalen Handwerkern gebaut werden kann und damit eine Wertschöpfung vor Ort stattfindet", sagt Thomas Czoske von Ökoservice. Möglichst viele Bauteile sollen lokal beschafft werden können. Nur ein kleiner Teil komme aus Deutschland. Ausgelegt sei die getestete Anlage für einen Haushalt mit bis zu 12 Personen. Es sei jedoch möglich, sie in Größen für bis zu 5.000 Menschen zu bauen. Damit eigne sie sich für einzelne Wohngebäude ebenso wie für Hotels, Schulen oder Camps. Die Verhandlungen mit ersten Interessenten dazu würden bereits laufen. Für die nächsten zwei Jahre sei der Betrieb der Testanlage bereits gesichert. In dieser Zeit soll im Rahmen einer Doktorarbeit ermittelt werden, ob mit der Kleinkläranlage und beispielsweise mittels Moringasamen zur Desinfektion sogar Trinkwasserqualität erreicht werden kann. „Mit dem Projekt stärken wir gleich mehrere Kreisläufe: neben dem des Phosphors auch den des Wassers und der lokalen Wertschöpfung", fasst DBU-Experte Franz-Peter Heidenreich zufrieden zusammen.

Zum Hintergrund:
Phosphor ist Teil unserer Lebensgrundlage und kann nicht durch andere Stoffe ersetzt werden. Er fördert beispielsweise das Wachstum von Pflanzen, weshalb große Mengen davon als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Bisher wird Phosphor im Tagebau abgebaut. Doch das hat große Auswirkungen auf die Umwelt, findet häufig in Ländern mit schwieriger politischer Lage statt und benötigt viel Energie. Zudem ist er häufig mit Schadstoffen belastet. Über unsere Nahrung landet ein großer Teil des Phosphors schließlich im Klärschlamm. Dieser kann jedoch nicht mehr ohne weiteres in der Landwirtschaft wiederverwendet werden, da er häufig zu viele Schadstoffe enthält. Zwar gibt es alternative Rückgewinnungs-Verfahren. Sie benötigen bisher jedoch große Mengen Chemikalien und Energie.
So lange Phosphor nicht wiederverwendet wird, besteht die Gefahr, eine der von internationalen Experten definierten Belastungsgrenzen des Erdsystems zu überschreiten und die Chance zu verpassen, die 2015 beschlossenen globalen nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen langfristig zu erreichen. Sie sollen eine nachhaltige Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene sichern.

Weitere Informationen:
https://www.dbu.de/123artikel37632_2442.html

Quelle: idw

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Wenn es um Geld geht, ticken Menschen rund um den Globus ähnlich

Peter Kuntz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Trier

Wirtschaftswissenschaftler der Universität Trier legen eine für die Finanzberatung erkenntnisreiche Studie vor

Geldanleger kann man in Schubladen stecken: da gibt es die an Finanzen Interessierten, die Sparer, die Vorsichtigen, die Intuitiven oder die Konsumfreudigen. Finanzberatern kann dieses „Schubladen-Denken" dazu dienen, ihre Kunden richtig einzuschätzen und ihnen die auf den jeweiligen Typus zugeschnittenen Produkte anzubieten. Bislang ging man davon aus, dass diese Kategorien für die Bevölkerung westlicher und hoch entwickelter Staaten gelten. Bei einem Vergleich der Einstellungen zu Geld von Anlegern in der Schweiz und Vietnam haben Prof. Dr. Marc Oliver Rieger und Thuy Chung Phan von der Universität Trier zusammen mit Prof. Dr. Mei Wang (WHU Vallendar) herausgefunden, dass die Merkmale in beiden Ländern gleichermaßen zutreffen - trotz der enormen kulturellen und wirtschaftlichen Unterschiede. Für die Finanzbranche hätte das zur Folge, dass sie ihre Empfehlungsmuster und Produkte für „westliche" Kunden auch in globalem Stil anwenden kann.

„Die Ergebnisse unserer Arbeit können Finanzberater darin unterstützen, länderübergreifende Marketingstrategien zu entwickeln, die spezifische finanzielle Bedürfnisse jeder Anlegergruppe berücksichtigen und ihnen damit effizienteren Service anzubieten", fasst Professor Rieger praxisbezogene Ergebnisse der Studie zusammen. Ein Finanzprodukt für einen intuitiv veranlagten Menschen in der Schweiz sollte auch auf einen instinktiv handelnden Investor in Vietnam passen.

Bezogen auf die Schweiz hatten die Autoren Brigitte Fünfgeld und Mei Wang in einer vorhergehenden Studie fünf Kategorien für die Einstellung zu Geld herausgearbeitet. Auf der Basis dieser Typologie lassen sich der Bedarf der Kunden und maßgeschneiderte Produkte weitaus treffsicherer ermitteln als durch soziodemografische Unterscheidungen wie Alter, Geschlecht oder Einkommen.

Marc Oliver Rieger und Thuy Chung Phan übertrugen das von Fünfgeld/Wang für die Schweiz entwickelte Muster auf mehr als 3.000 in Vietnam befragte Investoren. Dort zeigten sich zwar andere prozentuale Verteilungen der jeweiligen Anleger-Typen. Den Finanzmarktforschern der Universität Trier ging es jedoch primär um die Erkenntnis, ob die Typologie auf beide Länder gleichermaßen zutrifft.

„Wenn die Faktoren in so unterschiedlichen Ländern wie der Schweiz und Vietnam greifen, dann liegt die Vermutung nahe, dass sie auf eine Vielzahl von weiteren Ländern anwendbar sind. Die Ergebnisse lassen auch den Schluss zu, dass bereits eine homogene globale Konsumkultur besteht oder im Entstehen begriffen ist", sagt Thuy Chung Phan.

Nach Wissen der beiden Trierer Ökonomen ist dies die erste interkulturelle Studie, in der finanzbezogene Einstellungen und Verhaltensweisen als Variablen für die Unterscheidung von Kundengruppen verwendet werden. Weitere interkulturell angelegte Studien könnten die Zuverlässigkeit der getroffenen Aussagen untermauern.

Das Paper zur Studie von Thuy Chung Phan, Marc Oliver Rieger und Mei Wang wird im International Journal of Bank Marketing veröffentlicht.

Kontakt
Prof. Dr. Marc Oliver Rieger
Universität Trier/Betriebswirtschaftslehre
mrieger@uni-trier.de
Tel. 0651/201-2721
https://banking-finance.uni-trier.de 

Quelle: idw

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Projekt Klimalandschaften lädt zum Mitmachen ein

Meike Drießen Dezernat Hochschulkommunikation
Ruhr-Universität Bochum

Warum erst zum Klimaschützer werden, wenn der eigene Keller wegen Starkregens unter Wasser stand? Forscherinnen und Forscher der Arbeitsgruppe Geomatik der Ruhr-Universität Bochum (RUB) laden Bürgerinnen und Bürger sowie die Kommunalpolitik jetzt schon zum Mitmachen ein: Im Projekt „Stadt und Land im Fluss - Netzwerk zur Gestaltung einer nachhaltigen Klimalandschaft", kurz Klimnet, erarbeiten alle zusammen einen Handlungsleitfaden zur Klimaanpassung für die Modellregionen Ruhrgebiet und Bonn.

Den Blick öffnen zur kreativen Anpassung
Das Thema Klimaschutz ist mittlerweile jedem ein Begriff. Trotzdem beschäftigen sich die meisten mit Klimaanpassung erst dann aktiv, wenn sie persönlich durch Starkregen, ein Jahrhunderthochwasser, eine Trockenperiode oder einen Bäume entwurzelnden Sturm unmittelbar von den Folgen des Klimawandels betroffen sind. „Um den Blick zu öffnen, wie man sich kreativ anpassen kann, bringt es nichts, bei den Bedrohungen stehenzubleiben", sagt Dr. Andreas Rienow von der Arbeitsgruppe Geomatik der RUB. „Wir wollen den Klimawandel zum Anlass nehmen, Veränderungspotenziale und den Ideenreichtum durch neue Kooperationsformen zu wecken."

Effekte des Klimawandels abpuffern
Dazu gibt es im Projekt, an dem auch der Wissenschaftsladen Bonn, die Arbeitsgruppe Fernerkundung des Geographischen Instituts der Universität Bonn sowie die Städte Bonn und Gelsenkirchen beteiligt sind, Exkursionen, Seminare, Info-Punkte und ein sogenanntes Crowd-Mapping, bei dem die Forscherinnen und Forscher gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern nach Orten suchen, die eine Anpassung an das veränderte Klima nötig hätten. Diese Angebote zeigen allen Interessierten auf, wie sich das Klima vor Ort wandelt, was das bedeutet und was man tun kann, um sich anzupassen. „Begrünte Gebäude, entsiegelte Plätze, schattenspendende Alleen, das alles kann die Effekte des Klimawandels in den Städten abpuffern", erläutert Prof. Dr. Carsten Jürgens, der das Projekt begleiten wird.

Satellitenbilder auswerten
Außerdem nutzen sie Satellitenbilder der vergangenen Jahrzehnte, um Orte auszumachen, die man verändern könnte, um dem Klimawandel entgegenzuwirken. „Riesige Pflasterflächen sind zum Beispiel ungünstig, weil sie sich im Sommer stark aufheizen", so Andreas Rienow. Dazu entwickeln die Forscherinnen und Forscher aus Bochum und Bonn auch ein interaktives geografisches Informationssystem zum Klimawandel, das im Sommer an den Start gebracht werden wird.

Masterstudierende entwickeln Crowd-Mapping
Im Sommersemester 2018 bietet er zudem im Geografie-Masterstudiengang ein Seminar zum Projektthema an. Darin untersuchen die Studierenden unter anderem Hotspots klimarelevanter Landschaftsmerkmale und -veränderungen. Dazu gehören zum Beispiel verbaute Frischluftschneisen, neue Windkraftanlagen, der Anbau von Energiepflanzen und die Vegetation in Städten. Außerdem entwickeln die Seminarteilnehmer Aktionsfelder für ein Crowd-Mapping, das die Bevölkerung für die Teilnahme an kommunalen und wissenschaftlichen Themen interessieren soll.

Förderung
Das Projekt Klimnet wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert (FKZ: 03DAS098C).

Pressekontakt
Dr. Andreas Rienow
Arbeitsgruppe Geomatik
Geographisches Institut
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 32 24791
E-Mail: andreas.rienow@rub.de

Weitere Informationen:
http://klimalandschaften-nrw.de/ - Projektwebseite

Quelle: idw

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Die Emotion liegt im Auge des Hörers: Warum überraschende Geräusche die Pupille weiten

Sophie Ehrenberg Wissenschaftsorganisation & Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Neurobiologie

Magdeburg/Leipzig. Ein Baby weint oder ein Hund knurrt - beide Geräusche wecken bei uns Emotionen, die sich an den Augen ablesen lassen. Dr. Nicole Wetzel, Leiterin der CBBS-Forschergruppe Neurokognitive Entwicklung am Leibniz-Institut für Neurobiologie (LIN), sowie Andreas Widmann und Prof. Dr. Erich Schröger von der Universität Leipzig haben in einer Grundlagenstudie im Fachmagazin Biological Psychology gezeigt, wie unser Gehirn überraschende emotionale Geräusche verarbeitet. Mit einer neuen Methode konnten die Forscher nachweisen, wie neuronale Aktivität im Gehirn die Pupillenweite über das sympathische und parasympathische Nervensystem beeinflusst.

„Wie unser Gehirn überraschend auftretende emotionale Geräusche verarbeitet, lässt sich auch an den Augen ablesen", erklärt Nicole Wetzel. In einer methodischen Grundlagenstudie haben sie und Andreas Widmann bei erwachsenen Probanden untersucht, wie zum Beispiel das Geräusch eines schreienden Babys die Pupille und die hirnelektrische Aktivität, die mittels Elektoenzephalographie (EEG) gemessen wird, beeinflusst. „Dabei haben wir einen neuen methodischen Ansatz genutzt, der die Messung der Pupillenweite und der Hirnströme miteinander kombiniert", sagt Widmann. Dank dieser Messungen lassen sich Rückschlüsse auf die neuronale Aktivität im Gehirn ziehen, die sich sonst nicht ohne weiteres beobachten lässt.

„Die Weite der Pupillen wird nicht allein durch die Helligkeit bestimmt, sondern kann auch kognitive Prozesse abbilden. Versucht zum Beispiel jemand, sich eine Reihe von Zahlen zu merken, weiten sich die Pupillen zunehmend. Oder wenn wir ein unerwartetes Geräusch hören, werden unsere Pupillen größer und wir können ein spezifisches Muster in den Hirnströmen beobachten", berichtet Widmann. Diese überraschenden Ereignisse aktivieren das sympathische Nervensystem, das den Körper auf Flucht oder Kampf vorbereitet. Gleichzeitig hemmen sie das parasympathische Nervensystem, dessen Aktivität in Ruhe- und Regenerationsphasen überwiegt. Beide Teile des autonomen Nervensystems können die Weitung der Pupille getrennt voneinander über zwei verschiedene Muskeln steuern. Bisher ließen sich die Beiträge beider Muskeln beziehungsweise Nervensysteme auf die Weitung der Pupille jedoch nicht voneinander trennen.

Die Forscher haben in ihrer aktuellen Studie deshalb versucht, die Aktivität der Muskeln, die die Pupillenweite steuern, durch unterschiedliche Umgebungshelligkeiten zu beeinflussen. Den Probanden wurden in vollständiger Dunkelheit und bei normaler Beleuchtung überraschende, emotionale Störgeräusche, wie zum Beispiel das Weinen eines Kindes, sowie nicht-emotionale Störgeräusche, beispielsweise ein vorbeifahrendes Auto, vorgespielt. Der ringförmige Muskel, der durch das parasympathische Nervensystem gesteuert wird, erschlafft im Dunkeln und kann deshalb nicht mehr zur Pupillenweitung beitragen. Mittels statistischer Verfahren ließen sich so die Beiträge der sympathischen und parasympathischen Nervensysteme zur Pupillenweitung voneinander trennen. Dabei fiel auf: Im Vergleich zu nicht-emotionalen Geräuschen war bei emotionalen Geräuschen der Beitrag der Aktivierung des sympathischen Nervensystems erhöht, nicht aber die Hemmung des parasympathischen Nervensystems. „Wenn ein Störgeräusch ein emotionales Geräusch ist, werden unsere Pupillen also automatisch noch größer. Das bestätigt unsere Hypothese, dass solche Gefühlsregungen mit der Aktivierung des sympathischen Nervensystems verknüpft sind", fasst Nicole Wetzel die Studienergebnisse zusammen.

Auch im EEG wird durch überraschende Geräusche ein typisches Hirnstrommuster ausgelöst. Dieses wird vermutlich dadurch hervorgerufen, dass die Erregungsschwelle von Neuronen in der Großhirnrinde gezielt gesenkt und neuronale Aktivität verstärkt wird, um wichtige Ereignisse schnell analysieren und darauf reagieren zu können. Das Antwortmuster auf emotionale Störgeräusche kann daher mit hoher Wahrscheinlichkeit einer Koaktivierung mit dem sympathischen Nervensystem zugeordnet werden.

„Die Möglichkeit, emotionale und kognitive Prozesse und deren zugrundeliegende neuronale Aktivität durch nicht belastende, videobasierte Messung der Pupillenweite zu erforschen, eröffnet weitreichende Möglichkeiten zur Forschung insbesondere bei Babys und Kleinkindern", sagt Wetzel. Widmann ergänzt: „Sie ist aber auch bei anderen Probanden einsetzbar, für die andere Forschungsmethoden nicht in Betracht kommen." Außerdem gewinnt der Ansatz, Pupillenweitung und Hirnstrommessungen kombiniert auszuwerten, aufgrund der weiterentwickelten Technik zunehmend an Bedeutung. Er soll in künftigen Studien der Arbeitsgruppe zur auditiven Aufmerksamkeitsforschung auch bei Kindern angewendet werden, um in der Entwicklungsforschung zu verstehen, wie neuronale Systeme bei Störgeräuschen arbeiten. Vor allem Kinder im Alter von ein bis sechs Jahren sind bisher wenig erforscht. Diese Lücke will das Team um Nicole Wetzel und Andreas Widmann schließen.

Weitere Informationen:
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0301051118300498

Quelle: idw

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Folgen eines Zeckenstichs sicher erkennen und behandeln: Leitlinie Neuroborreliose veröffentlicht

Pressesprecher: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen Pressestelle der DGN
Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

Die Zeckensaison 2018 startet mit neuen Empfehlungen für die Diagnose und Therapie der durch Zecken übertragenen Erkrankung Neuroborreliose. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat heute nach mehr als dreijähriger Arbeit die erste S3-Leitlinie Neuroborreliose veröffentlicht. S3-Leitlinien sind Leitfäden für Ärzte und Patienten, die nach strengen Regeln erarbeitet werden und den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Medizin wiedergeben. Die Leitlinie Neuroborreliose, deren Veröffentlichung sich durch einen Rechtsstreit um einige Wochen verzögert hatte, bezieht klar Stellung zu vermeintlichen Spätfolgen einer Borrelieninfektion, die Jahre nach dem Zeckenstich auftreten sollen.

„Krankheitsbilder mit anhaltenden unspezifischen bzw. untypischen Symptomen sind häufig keine Borreliosen", so Professor Sebastian Rauer vom Universitätsklinikum Freiburg, der die Leitlinienarbeit gemeinsam mit PD Dr. Stephan Kastenbauer aus München koordiniert hat. Die Leitlinie gilt erstmals auch für die Neuroborreliose im Kindes- und Jugendalter und ist im Internetauftritt der DGN frei zugänglich (dgn.org/leitlinien).

Die Leitlinie erläutert, welche diagnostischen Schritte und Labortests die Diagnose Neuroborreliose sichern, und bietet einen Überblick über wirksame Therapien. Sie enthält außerdem ein Informationsblatt für Patienten zur Nachbeobachtung eines Zeckenstichs und gibt Empfehlungen zur Prävention einer Borrelieninfektion. Die S3-Leitlinie ist eine Weiterentwicklung der bisher gültigen S1-Leitlinie. Sie wurde unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in einem mehr als dreijährigen strukturierten Evidenzprozess nach den methodischen Vorgaben der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) erstellt. S3 steht in dieser Methodik für die höchste Qualitätsstufe der Entwicklung. Die Empfehlungen basieren auf einer systematischen Auswertung der wissenschaftlichen Literatur zur Neuroborreliose.

Akute Neuroborreliose: 3 bis 15 Prozent der Borrelieninfektionen betreffen das Nervensystem
Die Lyme-Borreliose (auch Lyme-Disease genannt) ist die am häufigsten durch Zecken übertragene Krankheit in Europa. In Deutschland erkranken jährlich zwischen 60.000 und mehr als 200.000 Menschen. Eine frühzeitige Entfernung der Zecke, bevor sie sich mit Blut vollgesaugt hat, kann die Übertragung des Erregers verhindern. Die Borrelien, spiralförmige Bakterien, befallen vorwiegend die Haut. Typisches Erkennungszeichen ist die sogenannte Wanderröte: Um den Zeckenstich bildet sich ein roter Rand, der sich langsam nach außen ausweitet; oft kommen Muskel- und Gelenkschmerzen und andere grippeähnliche Beschwerden hinzu.
Im übrigen Körper können die Borrelien Gelenke, das Nervensystem und selten das Herz befallen. In 3 bis 15 Prozent der Fälle ist das Nervensystem betroffen, man spricht dann von einer Neuroborreliose. In diesen Fällen typisch sind nächtlich betonte, brennende und stechende Schmerzen, die häufig gürtelförmig verteilt sind und schlecht auf Schmerzmittel ansprechen. Auch Lähmungen können vorkommen, vor allem der Gesichtsnerven, der Arme und Beine. Bei Kindern äußert sich die Neuroborreliose am häufigsten in einer Gesichtsnervenlähmung oder Hirnhautentzündung (Meningitis). „Anhand der typischen Symptome in Verbindung mit entzündlichen Veränderungen im Nervenwasser und dem positiven Antikörpernachweis lässt sich eine Neuroborreliose in der Regel zweifelsfrei feststellen", erklärt Professor Rauer. Von Blut- oder Liquortests auf Borreliose bei unspezifischen Beschwerden rät DGN-Experte Rauer ab. „Laboruntersuchungen sind nur bei ausreichendem klinischem Verdacht sinnvoll."

Chronische Neuroborreliose: Schlechte Langzeitverläufe basieren auf Fehldiagnosen
Zu den umstrittenen vermeintlichen chronischen Neuroborreliosen liefert die S3-Leitlinie eindeutige wissenschaftliche Fakten. Nicht haltbar ist die Theorie, wonach Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, chronische Müdigkeit, wandernde Schmerzen, Gedächtnisstörungen, Kopfschmerzen und andere schwer greifbare Beschwerden trotz unauffälliger Liquordiagnostik auf eine nicht erkannte oder unzureichend behandelte Infektion des Nervensystems mit Borrelien zurückzuführen sind. „Die Neuroborreliose verläuft überwiegend gutartig", betont Rauer. „Schlechte Langzeitverläufe, von denen immer wieder berichtet wird, sind zum erheblichen Teil auf Fehldiagnosen zurückzuführen. Das Nichtansprechen auf die Therapie liegt in diesen Fällen also nicht daran, dass die Borrelien überleben. Der Grund ist vielmehr, dass die Patienten keine Neuroborreliose haben, sondern eine andere Erkrankung, die nicht auf Antibiotika anspricht."
Auch den sogenannten Lymphozyten-Transformationstest, der bei diffusen Beschwerden wie chronischer Müdigkeit, muskuloskelettalen Schmerzen, Abgeschlagenheit oder Konzentrationsstörungen eine chronische Borreliose nachweisen soll, halten die wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften für nicht aussagekräftig.

Aktuelle Empfehlungen zur Art und Dauer der Antibiotikatherapie
Die Antibiotikabehandlung sollte mit Doxycyclin oder Penizillin G oder Ceftriaxon oder Cefotaxim erfolgen. „Diese Substanzen sind bei gleicher Verträglichkeit gleich gut wirksam gegen Borrelien", so Rauer. „Über die Wirksamkeit von anderen Substanzen oder Antibiotika-Kombinationsbehandlungen liegen zu wenig auswertbare Studiendaten vor." Die Leitlinie betont, dass eine medikamentöse Therapiedauer von 14 Tagen bei früher und von 14 bis 21 Tagen bei später Neuroborreliose im Regelfall ausreichend ist. „Eine längere Behandlung bringt keinen Mehrwert, sondern setzt die Patienten einem unnötigen Risiko von schweren Nebenwirkungen aus. Wenn die Antibiotika nach zwei bis drei Wochen nicht anschlagen, bringen auch weitere Wochen oder gar Monate nichts."

An der Entwicklung der S3-Leitlinie Neuroborreliose waren Vertreter aller Fachrichtungen beteiligt, die mit dem Krankheitsbild zu tun haben: 20 wissenschaftliche medizinische Fachgesellschaften, das Robert Koch-Institut, die Paul Ehrlich Gesellschaft, drei Patientenorganisationen sowie die Deutsche Borreliose-Gesellschaft e.V. (DBG), eine Vereinigung von Wissenschaftlern und Ärzten, die sich mit der Borreliose und assoziierten Infektionskrankheiten befassen. Es gab fünf Konsensuskonferenzen und eine außerordentliche Konferenz, bei denen die vorhandenen wissenschaftlichen Studien sowie die Erfahrungen der Experten ausführlich in der Leitliniengruppe diskutiert wurden. Nicht zu allen Punkten sei ein Konsens gefunden worden, berichtet Rauer, Neuroborreliose-Spezialist der DGN: „Im Hinblick auf die späte Neuroborreliose und vermeintliche latente Langzeitinfektionen besteht zwischen den wissenschaftlichen Fachgesellschaften einerseits und den Patientenorganisationen bzw. der DBG andererseits eine große Kontroverse." Die Deutsche Borreliose-Gesellschaft e.V. und der Borreliose und FSME Bund Deutschland e.V. versuchten sogar, die Leitlinie mit einer einstweiligen Verfügung zu stoppen. Das Landgericht Berlin hat diese mit Urteil vom 12. März 2018 aufgehoben (die DGN berichtete).

Quellen
Rauer S., Kastenbauer S. et al. S3-Leitlinie Neuroborreliose. 2018. In: Deutsche Gesellschaft für Neurologie, Hrsg., Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/ leitlinien und www.awmf.org
„Leitlinie zur Neuroborreliose kann in Kraft treten". Pressemeldung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) vom 19. März 2018

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen
Professor Dr. med. Sebastian Rauer
Neurologische Universitätsklinik
Breisacherstraße 64, 79106 Freiburg
Tel.: +49 (0)761 270 53070
E-Mail: sebastian.rauer@uniklinik-freiburg.de

Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
c/o albertZWEI media GmbH, Oettingenstraße 25, 80538 München
Tel.: +49 (0)89 46148622, Fax: +49 (0)89 46148625
Pressesprecher: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen
E-Mail: presse@dgn.org

Die Leitlinien der DGN
Die Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) unter der Leitung von Prof. Dr. Hans-Christoph Diener (Essen) und Prof. Dr. Christian Gerloff (Hamburg) bringt mit ihren circa 80 medizinischen Leitlinien neue wissenschaftliche Erkenntnisse schnellstmöglich in die therapeutische Praxis und damit an die Patienten mit neurologischen Erkrankungen. Leitlinien spielen damit eine wichtige Rolle für die schnelle und kompetente Verbreitung von Forschungsergebnissen. Verfasst werden die Leitlinien für Diagnostik und Therapie von ausgewiesenen Experten auf dem jeweiligen Gebiet, unter Beteiligung von österreichischen und Schweizer Neurologen, teilweise auch unter Beteiligung von Therapeuten und Patientenvertretern. Wichtig ist die bestmögliche Objektivität der ausgesprochenen Empfehlungen. Aus diesem Grund erfolgen die Zusammenstellung der Leitliniengruppe und die Konsensfindung bei Empfehlungen nach klaren Vorgaben auf Basis des Regelwerks der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Alle Leitlinien der DGN sind auf www.dgn.org frei zugänglich publiziert.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren rund 9000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin.
www.dgn.org

Präsident: Prof. Dr. med. Gereon R. Fink
Stellvertretende Präsidentin: Prof. Dr. med. Christine Klein
Past-Präsident: Prof. Dr. med. Ralf Gold
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter
Geschäftsstelle: Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel.: +49 (0)30 531437930, E-Mail: info@dgn.org

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Anhang
Pressemitteilung als PDF
https://idw-online.de/de/attachment65245

Quelle: idw

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Stärkere Belege für Abschwächung des Golfstromsystems

Jonas Viering Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Die als Golfstromsystem bekannte Umwälzströmung im Atlantik - eines der wichtigsten Wärmetransportsysteme der Erde, das warmes Wasser nach Norden und kaltes Wasser nach Süden pumpt - ist heute schwächer als je zuvor in den vergangenen 1000 Jahren. Temperaturdaten von der Meeresoberfläche liefern neue Belege dafür, dass sich diese große Ozeanzirkulation seit Mitte des 20. Jahrhunderts um etwa 15 Prozent verlangsamt hat. Das zeigt eine Studie, die jetzt von einem internationalen Wissenschaftlerteam in der renommierten Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde. Der vom Menschen verursachte Klimawandel ist der Hauptverdächtige für diese beunruhigenden Beobachtungen.

„Wir haben ein spezielles Muster entdeckt - eine Abkühlung des Ozeans südlich von Grönland und eine ungewöhnliche Erwärmung vor der US-Küste", sagt die Leit-Autorin Levke Caesar vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Dieses Muster ist sehr charakteristisch für eine Verlangsamung der Umwälzung der Wassermassen im Atlantik. Es ist praktisch wie ein Fingerabdruck einer Abschwächung dieser Meeresströmungen." Wenn sich die Strömungen verlangsamen, bringen sie weniger Wärme nach Norden, was zu einer Abkühlung des Nordatlantiks führt - tatsächlich ist dies weltweit die einzige Meeresregion, die sich trotz der globalen Erwärmung abgekühlt hat. Gleichzeitig verlagert sich der Golfstrom in der Nähe der USA nach Norden und Richtung Land, dabei erwärmt er die Gewässer entlang der nördlichen Hälfte der US-Atlantikküste.

„Diese Region hat sich in den letzten Jahrzehnten schneller erwärmt als fast alle anderen Teile der Weltmeere", sagt Ko-Autor Vincent Saba vom National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) Laboratory in Princeton, USA. „Ein solches Muster der Ozeantemperaturen wurde von Computersimulationen vorhergesagt als Reaktion auf den zunehmenden Ausstoß von Treibhausgasen - jetzt wurde diese Vorhersage durch Messungen bestätigt."

+++Messungen der Meerestemperaturen bestätigen Computersimulationen+++
Seit Jahrzehnten untersuchen Wissenschaftler die Veränderungen der großen atlantischen Umwälzströmung. Computersimulationen sagen voraus, dass diese als Golfstromsystem bekannte Zirkulation sich als Reaktion auf die vom Menschen verursachte globale Erwärmung abschwächen wird. Ob dies aber bereits geschieht, war bisher unklar, da es keine langfristigen direkten Messreihen zu der Strömung gibt. „Die Belege, die wir jetzt haben, sind die bisher robustesten", sagt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut, der die Studie konzipiert hat. „Wir haben alle verfügbaren Daten über die Temperatur der Meeresoberfläche analysiert, vom späten 19. Jahrhundert bis heute."

„Das spezifische Trendmuster, das wir in den Messungen gefunden haben, sieht genauso aus, wie es von Computersimulationen als Folge einer Verlangsamung des Golfstromsystems vorhergesagt wird, und ich sehe keine andere plausible Erklärung dafür", sagt Rahmstorf. Tatsächlich ist es nicht nur das räumliche Muster, das zwischen Computersimulation und Beobachtungen übereinstimmt, sondern auch der Wechsel im Jahreszyklus.

+++Globale Erwärmung als wahrscheinliche Ursache - Auswirkungen sind weitreichend+++
Die Abschwächung wird durch eine Reihe von Faktoren verursacht, die mit der durch Treibhausgase aus fossilen Brennstoffen verursachten globalen Erwärmung in Zusammenhang gebracht werden können. Die Umwälzströmung des Atlantik wird durch die Dichte-Unterschiede des Meerwassers angetrieben: Wenn das warme und damit leichtere Wasser von Süden nach Norden fließt, wird es kälter und damit dichter und schwerer - es sinkt in tiefere Meeresschichten und fließt zurück in den Süden. „Aber mit der globalen Erwärmung, verstärkten Regenfällen sowie Schmelzwasser aus dem arktischen Meereis und Grönlandeis wird das Wasser des Nordatlantiks verdünnt, sein Salzgehalt sinkt. Weniger salzhaltiges Wasser ist weniger dicht und damit weniger schwer - was es für das Wasser schwieriger macht, von der Oberfläche in die Tiefe zu sinken", erklärt Alexander Robinson von der Universität Madrid, der die Studie mitverfasst hat.

Seit Jahrzehnten wird diskutiert, ob die Umwälzströmung des Atlantiks als Kippelement im Erdsystem völlig versiegen könnte. Die vorliegende Studie betrachtet aber nicht das zukünftige Schicksal dieser Zirkulation, sondern untersucht, wie sie sich in den letzten hundert Jahren verändert hat. Dennoch warnt Robinson: „Wenn wir die globale Erwärmung nicht rasch stoppen, müssen wir mit einer weiteren langfristigen Verlangsamung der Atlantikströmung rechnen. Wir fangen erst an, die Folgen dieses beispiellosen Prozesses zu verstehen - aber sie dürften weitreichend sein."

Mehrere Studien haben beispielsweise gezeigt, dass eine Verlangsamung des Golfstromsystems den Anstieg des Meeresspiegels an der US-Küste für Städte wie New York und Boston verschärft. Andere zeigen, dass die damit verbundene Veränderung der atlantischen Meeresoberflächentemperaturen das Wetter in Europa beeinflusst, etwa die Zugbahnen von Stürmen, die vom Atlantik kommen. Konkret wurde die europäische Hitzewelle des Sommers 2015 mit der Rekordkälte im Nordatlantik in diesem Jahr in Verbindung gebracht - dieser scheinbar paradoxe Effekt entsteht, weil ein kalter Nordatlantik ein Luftdruckmuster begünstigt, das warme Luft aus dem Süden nach Europa leitet.

+++Studie zur Erdgeschichte in derselben Ausgabe von Nature stützt die Ergebnisse+++
Die Ergebnisse werden durch eine zweite Studie eines Teams um David Thornalley vom University College London, die in der gleichen Ausgabe von Nature veröffentlicht wurde, im Wesentlichen gestützt und in einen längerfristigen Zusammenhang gestellt. Diese wichtige Analyse untersucht das Klima der Erde in der Vergangenheit - mit Hilfe von Informationen, die zum Beispiel in der Zusammensetzung von Ablagerungen auf dem Meeresboden zu finden sind -, um Veränderungen in der atlantischen Umwälzströmung in den letzten 1600 Jahren zu rekonstruieren. Diese so genannten paläoklimatischen Proxydaten liefern eine unabhängige Bestätigung für frühere Schlussfolgerungen, wonach die jüngste Abschwächung des Golfstromsystems seit mindestens tausend Jahren beispiellos ist. Die Entwicklung der atlantischen Umwälzströmung im vergangenen Jahrtausend, die sich aus indirekten Belegen für die Temperaturen unterhalb der Meeresoberfläche ableitet, entspricht dabei fast genau derjenigen, die Rahmstorf und Kollegen 2015 in einer Studie ermittelt haben - was bemerkenswert ist, weil die neue Studie auf Sedimenten aus der Tiefe des Ozeans basiert, während die frühere Studie so genannte Klima-Archive an Land nutzte, wie Daten aus Eisbohrkernen und Baumringen.

„Jetzt kommen mehrere unabhängige Belege zusammen und ergeben ein schlüssiges Bild der Abschwächung der atlantischen Umwälzströmung seit den 1950er Jahren", so Rahmstorf. „Die subpolare atlantische Abkühlung, die Erwärmung in der Golfstromregion, die Proxydaten von Thornalley für die Temperaturen des Ozeans unterhalb der Oberfläche und frühere Proxydaten aus Tiefseekorallen über Veränderungen der Wassermassen im Golf von Maine."

Die Thornalley-Studie deutet auch darauf hin, dass ein Teil der atlantischen Umwälzströmung - die Tiefenströmung aus der Labradorsee - vor 150 Jahren durch Erwärmung und Eisschmelze am Ende der "Kleinen Eiszeit" abgeschwächt wurde. Dies verdeutlicht die Empfindlichkeit der Umwälzströmung gegenüber Erwärmung und Süßwassereintrag - etwas, das nun mit der vom Menschen verursachten Erwärmung und Beschleunigung der Grönland-Schmelze wieder geschieht. Nach den Temperaturen unterhalb der Meeresoberfläche in der Erdvergangenheit zu urteilen, war dieses Ereignis vor 150 Jahren jedoch nicht mit einer so tiefgreifenden Verringerung des Wärmetransports im Atlantik verbunden, wie es heute durch die Treibhausgase aus fossilen Brennstoffen der Fall ist. Also aufgrund einer globalen Erwärmung, die größer ist als jemals zuvor in der Geschichte der menschlichen Zivilisation.

Artikel: Levke Caesar, Stefan Rahmstorf, Alexander Robinson, Georg Feulner, Vincent Saba (2018): Observed fingerprint of a weakening Atlantic Ocean overturning circulation. Nature [DOI: 10.1038/s41586-018-0006-5]

Weblink zum Artikel, sobald er veröffentlicht ist: http://dx.doi.org/10.1038/s41586-018-0006-5

Kontakt für weitere Informationen:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
Telefon: +49 (0)331 288 2507
E-Mail: presse@pik-potsdam.de
Twitter: @PIK_Klima
www.pik-potsdam.de

Weitere Informationen:
https://youtu.be/7KJlrpvUXw8

Quelle: idw

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Alternativer Waldzustandbericht: Deutschlands Wäldern geht es schlecht

Matthias Fischer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Naturwald Akademie gGmbH

Zum Tag des Baumes 2018 am 25.04. veröffentlichte die Naturwald Akademie den alternativen Waldzustandsbericht. Dieser belegt, dass fast 90% der Waldfläche Deutschlands in einem naturschutzfachlich schlechten Zustand sind. Die letzten verbliebenen naturnahen Wälder sind kaum geschützt oder bereits vernichtet. Die Analyse der Wälder zeigt auch, dass sie für ein ökologisches Gleichgewicht zu jung sind.

Fast 90 % der Waldfläche in Deutschland ist in einem naturschutzfachlich schlechten Zustand. So lautet das alarmierende Fazit einer aktuellen Studie der Naturwald Akademie. Die AutorInnen des heute erschienenen „Alternativen Waldzustandsberichtes" betonen, dass dieser Mangel an naturnahen Waldökosystemen zu einem starken Verlust der biologischen Vielfalt führt.

Besorgniserregende Verarmung der Waldökosysteme
Ergebnisse der Studie sind: Zahlreiche heimische Waldökosysteme drohen auszusterben. Denn auf den meisten deutschen Waldflächen wachsen nur wenige unterschiedliche Baumarten. Zudem sind es oft Baumarten, die dort natürlich nicht vorkommen würden. Besonders alarmierend ist der schlechte naturschutzfachliche Zustand bei drei für Deutschland typischen Waldtypen, die von Eichen und Buchen dominiert sind. Zu deren Schutz sind Maßnahmen dringend nötig.

Die Analyse zeigt auch, dass Deutschlands Wälder für ein ökologisches Gleichgewicht zu jung sind. Es fehlen alte Bäume. Alte Bäume mit mehr als 140 Jahren stärken das Ökosystem Wald. Sie sind existentiell für das Leben von zahlreichen Tier-, Pilz- und Pflanzenarten, die nur auf oder mit ihnen leben können. In Deutschland dürfen jedoch nur wenige Bäume alt werden. Lediglich auf 4,5 % naturnaher Waldflächen wachsen Bäume, die älter als 140 Jahre sind. Und nur 0,2 % dieser ökologisch besonders wertvollen Waldflächen mit alten Baumbestand sind dauerhaft geschützt.

Mehr Schutz von Wäldern notwendig
Durch den Mangel an naturnahen Wäldern mit alten Bäumen geht auch ein wichtiges Potenzial im Klimaschutz verloren. Denn in alten Bäumen kann mehr klimaschädliches Kohlendioxid langfristig im Holz gespeichert werden.
„Unsere Studie belegt, dass in Deutschland naturnahe Waldflächen für fast alle prägenden Waldtypen die Ausnahme sind - Bund und Länder sind deshalb gefordert. Sie müssen die besonders bedrohten und seltenen naturnahen Reste der Eichenwälder sofort unter Schutz stellen. Sonst sind diese wertvollen Wälder für Generationen verloren. Wir empfehlen außerdem einen Abholzungsstopp für über 140-jährige Bäume auf gefährdeten Waldflächen," sagt Dr. Torsten Welle, wissenschaftlicher Leiter der Naturwald Akademie.

Die WissenschaftlerInnen der Naturwald Akademie haben Daten der 3. Bundeswaldinventur des staatlichen Thünen-Instituts und Daten des Bundesamts für Naturschutz ausgewertet. Sie haben sechs, für das Ökosystem Wald entscheidende und anerkannte, naturschutzfachliche Kriterien analysiert und diese in einem Waldzustandsindex zusammengefasst. Mit ihm kann der naturschutzfachliche Zustand des Waldes einfacher beschrieben und kommuniziert werden.

Weitere Informationen:
http://www.naturwald-akademie.org/presse/pressemitteilungen - Infografiken und viele Hintergrundinformationen.

Quelle: idw

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Europäische Impfwoche 2018 - BM Spahn fordert bessere Zusammenarbeit bei der Masernimpfung

Susanne Glasmacher Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Robert Koch-Institut

Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und des Robert Koch-Instituts

Trotz schärferer Gesetze werden weiter zu wenige Kinder gegen Masern geimpft. Das geht aus den neuen Impfquoten für Schulanfänger hervor, die das Robert Koch-Institut (RKI) anlässlich der Europäischen Impfwoche vorgelegt hat. Danach haben zwar im Jahr 2016 erstmals alle Bundesländer bei der ersten Masernimpfung die Impfquote von 95 Prozent erreicht. Bei der entscheidenden zweiten Masernimpfung ist die bundesweite Impfquote aber nur geringfügig auf 92,9 Prozent gestiegen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: „Es ist verantwortungslos, Kinder nicht gegen Masern impfen zu lassen oder eigene Impflücken hinzunehmen. Wir brauchen bundesweit eine Impfquote von 95 Prozent für die 2. Impfung, damit diese ansteckende Virus-Erkrankung ausgerottet wird. Ärzteschaft, Schulen, Kitas, Betriebe, Behörden und natürlich die Eltern müssen noch besser zusammenarbeiten. Niemand muss heute noch an Masern erkranken oder gar sterben."

Dem Robert Koch-Institut wurden für 2017 insgesamt 929 Masernerkrankungen übermittelt, fast dreimal mehr als die 325 Erkrankungen in 2016. Für die ersten 12 Wochen dieses Jahres wurden dem RKI 92 Krankheitsfälle gemeldet. „Eine Infektion mit Masernviren ist keineswegs harmlos. Etwa ein Viertel der gemeldeten Fälle muss im Krankenhaus behandelt werden. Wir sehen im Durchschnitt drei bis sieben Todesfälle im Jahr aufgrund von Masern oder der Masernfolgeerkrankung SSPE", betont Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts.

Oft wird auch zu spät geimpft, wie die interaktive Online-Karte VacMap der KV-Impfsurveillance am Robert Koch-Institut veranschaulicht (http://www.vacmap.de). Bei VacMap können Masern-Impfquoten unter anderem für das Alter von 15 und 24 Monaten abgerufen werden. Das sind die Altersgruppen, in denen ein Kind die erste bzw. zweite Impfung erhalten haben sollte. 24 Monate alte Kinder des Geburtsjahrgangs 2014 waren nur zu 73,9 Prozent zweimal geimpft, nur geringfügig mehr als der Jahrgang 2013. Die Quoten für die zeitgerechte Impfung sind auch für alle Stadt- und Landkreise verfügbar. Seit kurzem können bei VacMap zusätzlich Impfquoten der Säuglingsimpfung gegen Rotaviren abgerufen werden.

Häufig, aber noch nicht oft genug, werden Impfungen bis zum Schulanfang nachgeholt. Neben den Masern-Impfquoten sind bei Schulanfängern auch die Impfquoten für Windpocken und Meningokokken leicht gestiegen. Alle anderen Impfquoten, etwa für Diphtherie und Tetanus, sind dagegen geringfügig gesunken.

Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), erläutert: „Trotz bestehender Impflücken in der Bevölkerung hat sich die Einstellung zum Impfen erkennbar gebessert. Lediglich fünf Prozent der befragten 16- bis 85-Jährigen haben eine (eher) ablehnende Haltung, wie die Ergebnisse der bundesweiten Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigen. Wir sind grundsätzlich auf einem guten Weg, allerdings ist eine konsequente und zielgerichtete Impfaufklärung weiterhin notwendig. Denn wer geimpft ist, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die Gemeinschaft."

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung bietet umfassende Informationen rund um den Masern-Impfschutz an und ruft regelmäßig zum Impfcheck auf. Anlässlich der Europäischen Impfwoche stellt sie ein neues Erklärvideo mit Tipps zum stress- und schmerzarmen Impfen auf der Internetseite http://www.impfen-info.de/mediathek/filme zum Download zur Verfügung. Das Video basiert auf den aktuellen Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Ständigen Impfkommission (STIKO).

Das Robert Koch-Institut informiert zur diesjährigen Impfwoche auch mit einer Poster-Ausstellung über Impfungen. Die Ausstellung wird vom 23. April bis 6. Mai 2018 im Foyer des Hauptsitzes am Nordufer in Berlin-Wedding gezeigt. So können neben Gästen und Mitarbeitern des Instituts auch die Besucher des neuen RKI-Museums die Poster-Ausstellung besuchen. Am 23. April 2018 wird die Ausstellung um 17.00 Uhr mit dem Vortrag „Impfen oder nicht impfen? Ein psychologischer Blick auf eine globale Herausforderung" eröffnet. Referentin ist Cornelia Betsch von der Universität Erfurt. Die Eröffnungsveranstaltung kann von allen Interessierten besucht werden.

Die seit Mitte 2015 geltenden Regelungen zur Verbesserung des Impfschutzes sehen beispielsweise vor, dass alle Gesundheits-Routineuntersuchungen bei Kindern und Erwachsenen dazu genutzt werden, den Impfstatus zu überprüfen. Auch Betriebsärzte können Impfungen vornehmen. Ungeimpfte Kinder und Jugendliche können vorübergehend vom Besuch einer Kita oder Schule ausgeschlossen werden, um einen Krankheitsausbruch zu verhindern. Eltern müssen vor dem Kita-Eintritt ihres Kindes eine verpflichtende ärztliche Impfberatung nachweisen. Kitas müssen Familien, die die Impfberatung verweigern, dem Gesundheitsamt melden. Diese können in hartnäckigen Fällen auch Bußgelder verhängen.

Weitere Informationen unter
http://www.bundesgesundheitsministerium.de/Impfungen
http://www.rki.de

Herausgeber
Bundesministerium für Gesundheit
Pressestelle
Friedrichstr. 108
10117 Berlin
Tel.: +49 (0)30 18441-2225
Fax: +49 (0)30 18441-1245
pressestelle@bmg.bund.de

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Pressestelle
Maarweg 149-161
50825 Köln
Tel.: +49 (0)221 8992-280
pressestelle@bzga.de

Robert Koch-Institut
Pressestelle
Nordufer 20
13353 Berlin
Tel: +49 (0)30 18754-2562
presse@rki.de

Quelle: idw

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Phosphorgewinnung aus Klärschlamm und andere regionale Nutzungskonzepte für Biomassen

Dipl.-Chem. Iris Kumpmann Abteilung Public Relations
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Viele biogene Reststoffe, insbesondere Klärschlamm, enthalten relevante Wertstoffe, die jedoch bislang nicht optimal verwertet werden. Ein umwelt-schonender und nachhaltiger Ansatz dazu ist eine Kreislaufführung dieser Rohstoffe durch eine gezielte regionale Wertstoffrückgewinnung. Fraunhofer UMSICHT zeigt Lösungen für die Aufbereitung und Verwertung von Klärschlamm zur Phosphorrückgewinnung mittels Ultraschall sowie andere regionale Nutzungskonzepte für Biomassen, von der Brennstoffbereitstellung bis zur stofflichen Nutzung.

Klärschlamm ist ein heterogenes Vielstoffgemisch, das sich hauptsächlich aus Was-ser, organischen Substanzen, Stickstoff- und Phosphorverbindungen sowie aus ande-ren Rückständen wie z. B. Schwermetallverbindungen oder Arzneimittelrückständen zusammensetzt. Alleine in Deutschland belief sich das Aufkommen in industriellen und kommunalen Kläranlagen im Jahr 2015 auf gut 1,8 Mio t. Aufgrund neuer gesetzlicher Regularien (Novellierung der Klärschlammverordnung) ist ein Umdenken in der bisherigen Klärschlammverwertung notwendig. Fraunhofer UMSICHT arbeitet dazu mit Projektpartnern an der Weiterentwicklung und Umsetzung eines innovati-ven Verfahrens zur Behandlung und anschließenden Fraktionierung von Klär-schlammbestandteilen, insbesondere zur Phosphorrückgewinnung.

Ultraschallbehandlung von Klärschlamm
Kernstück der neuen Prozesskette ist eine Ultraschall-Kavitations-Anlage. Ein spezi-eller Ultraschallgeber bringt einen sehr hohen Leistungseintrag in das zu behandeln-de Medium ein. Dadurch werden innerhalb des durchströmten Mediums akustische Kavitationsblasen erzeugt. Implodieren diese, werden verschiedene physikalische und chemische Effekte hervorgerufen. Die große Schwingungsamplitude, die durch die neue Ultraschalltechnik erreicht werden kann, ist dabei ein entscheidender Ein-flussparameter. »Es kommt zum Zellaufschluss und einer verbesserten Trenneigen-schaft, sodass der Klärschlamm besser mechanisch in verschiedene Wertstofffrakti-onen separiert werden kann«, erklärt Lukas Rüller aus der Abteilung Verfahrens-technik bei Fraunhofer UMSICHT. Es entsteht eine cellulosereiche Faserfraktion, eine nährstoffreiche Gelfraktion und eine leicht vergärbare Flüssigkeitsphase, die jeweils für weitere Nutzungskonzepte (Ammonium- und Phosphorrückgewinnung, Vergärung etc.) verwendet werden können.

Im Rahmen des Vorhabens »UltraSep« möchte Fraunhofer UMSICHT die physikali-schen und chemischen Wirkmechanismen der Technologie untersuchen. Zusammen mit der BSonic GmbH und dem Chemischen Laboratorium Dr. Fülling GmbH & Co. KG wird eine Versuchsanlage konzipiert, die in der Folge als portable Containerver-sion zu errichten ist. Nach ersten Probeversuchen soll die Versuchsanlage in ein Klärwerk integriert und im Praxisbetrieb optimiert werden.

Ersatz für fossile Brennstoffe: regionale Nutzungskonzepte für Biomasse
Um langfristig den weiter steigenden Energiebedarf decken zu können, braucht es Technologien, die auch bis dato ungenutzte nachhaltige Rohstoffe als Energieliefe-ranten nutzbar machen; Rohstoffe wie Gras- und Grünschnitt, Ernterückstände, Verarbeitungsreste aus land- und forstwirtschaftlicher Produktion oder Bioabfälle. »Fraunhofer UMSICHT treibt vor dem Hintergrund des nachhaltigen Wirtschaftens die Umwandlung von bislang nicht brennbaren, geringwertigen Rohstoffen in höher-wertige Produkte voran«, so Dr. Esther Stahl, Abteilung Verfahrenstechnik bei Fraunhofer UMSICHT.

»Durch geeignete Aufbereitungsschritte wie Zerkleinerungs-, Trocknungs- und Kom-paktierungsverfahren oder durch die hydrothermale Carbonisierung (HTC) entstehen Produkte, die sich als CO2-neutraler Ersatz für fossile Brennstoffe eignen.« Die bei der Biomassekonfektionierung entstehende Feinfraktion kann nach einem Hygieni-sierungsschritt als Bodenverbesserer in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Das entsprechende Hygienisierungsverfahren hat Fraunhofer UMSICHT gemeinsam mit der Franz-Josef Kipp GmbH & Co. KG entwickelt. So kann das Stoffstrommanage-ment von biogenen Reststoffen vor allem auf regionaler Ebene optimiert werden.

Weitere Informationen:
http://s.fhg.de/Tw2 Broschüre Fraunhofer-Innovationscluster bioenergy

Quelle: idw

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BAM@Hannover Messe: Phosphor-Recycling aus Klärschlamm für den Dünger der Zukunft

M.A., LL.M./LL.B. Venio Quinque Unternehmenskommunikation
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)

Ohne Phosphor geht (fast) nichts: Alle Lebewesen brauchen den Nährstoff und müssen ihn über die Nahrung aufnehmen. Obwohl Phosphor ein wertvoller und begrenzter Rohstoff ist, wird er in großen Mengen als Bestandteil von Klärschlammaschen deponiert. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) entwickelt thermochemische Verfahren, mit denen der Nährstoff aus Klärschlammasche zurückgewonnen und in modernen Düngemitteln wiederverwendet werden kann - ganz im Sinne einer nachhaltigen Nutzung. Ihre aktuellen Forschungsergebnisse präsentiert die BAM auf der Hannover Messe in Halle 2, Stand C 51.

„Thermisch aufbereiteter Klärschlamm eignet sich besonders gut zur Rückgewinnung von Phosphor, weil die Klärschlammasche hohe Konzentrationen des Nährstoffs enthält und sich gut recyceln lässt", erklärt BAM-Wissenschaftler Dr. Christian Adam. Gemeinsam mit seinem Team entwickelt er im Fachbereich Thermische Reststoffbehandlung und Wertstoffrückgewinnung Verfahren zum Recycling von Phosphor.

Die Nachbehandlung der Klärschlammasche bei Temperaturen von knapp 1000 Grad Celsius bringt gleich mehrere Vorteile: Das entstehende Ausgangsmaterial für Düngemittel enthält keine organischen Schadstoffe mehr, beispielsweise Arzneimittelrückstände, denn diese werden bei hohen Temperaturen zerstört. Im Vergleich zu herkömmlichen Mineraldüngern ist zudem die Belastung mit Metallen wie Cadmium oder Uran deutlich geringer.

Umweltfreundlich und passgenau: Der Dünger der Zukunft
Das Phosphor-haltige Ausgangsmaterial, das aus der Klärschlammasche gewonnen wird, ist nicht wasserlöslich, kann aber von Pflanzen sehr gut aufgenommen werden. Beide Eigenschaften sind für die Verwendung in Düngemitteln von Vorteil, denn der Nährstoff landet dort wo er gebraucht wird: in der Pflanze, nicht im Grundwasser. „Düngemittel sollen zukünftig die Nährstoffe synchron zum Pflanzenwachstum freigeben", erläutert Christian Adam. „Unsere thermochemisch behandelten Klärschlammaschen können bei der Entwicklung dieser neuen Produkt-Generation eine wichtige Rolle spielen."

Zum Thema „Dünger der Zukunft" kooperieren Christian Adam und sein Team seit vielen Jahren mit internationalen Partnern. Die Zusammenarbeit führte unter anderem zu gemeinsamen Patenten mit Industrieunternehmen.

Die BAM auf der Hannover Messe 2018
Am BAM-Stand (C 51) in der Halle 2 Research & Technology können sich Besucherinnen und Besucher umfassend zum Thema informieren.

Mehr Informationen zum Auftritt der BAM auf der Hannover Messe: www.bam.de/hannovermesse

Kontakt:
Venio Quinque, M.A., LL.M./LL.B.
Leiter Referat Unternehmenskommunikation
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)
T: + 49 30 8104-1002
presse@bam.de
www.bam.de

Über die BAM
Die BAM gewährleistet Sicherheit in Technik und Chemie.
Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Die BAM forscht, prüft und berät zum Schutz von Mensch, Umwelt und Sachgütern. Im Fokus aller Tätigkeiten in der Materialwissenschaft, der Werkstofftechnik und der Chemie steht dabei die technische Sicherheit von Produkten und Prozessen. Dazu werden Substanzen, Werkstoffe, Bauteile, Komponenten und Anlagen sowie natürliche und technische Systeme von volkswirtschaftlicher Dimension und gesellschaftlicher Relevanz erforscht und auf sicheren Umgang oder Betrieb geprüft und bewertet. Die BAM entwickelt und validiert Analyseverfahren und Bewertungsmethoden, Modelle und erforderliche Standards und erbringt wissenschaftsbasierte Dienstleistungen für die deutsche Wirtschaft im europäischen und internationalen Rahmen.

Sicherheit macht Märkte.
Die BAM setzt und vertritt für Deutschland und seine globalen Märkte hohe Standards für Sicherheit in Technik und Chemie zur Weiterentwicklung der erfolgreichen deutschen Qualitätskultur „Made in Germany".

Quelle: idw

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Bottrop testet Mülltonne mit bunten Beuteln und bestellter Abholung bei Bedarf

Dr. Barbara Laaser (Pressestelle) Öffentlichkeitsarbeit/Pressestelle
Westfälische Hochschule

Gemeinsam mit der Westfälischen Hochschule als Wissenschaftspartner testet die Bottroper Entsorgung und Stadtreinigung, ob eine neue Art des Müllsammelns bürgernah, umweltschonend und rohstoffsparend ist. Zu erkennen ist das neue System an der „Tonne mit den bunten Beuteln drin", die ab jetzt bis Juni in drei Bottroper Testgebieten an den Start geht. Gleichzeitig wird die Abholung auf automatische oder individuelle Abholung umgestellt, damit es keine überfüllten Mülltonnen mehr gibt.

Bottrop/Gelsenkirchen. Ab sofort bis Ende Juni werfen mehrere Stadtbezirke in Bottrop ihren Müll nicht mehr in einfarbige Spezialtonnen wie etwa in die gelbe Recyclingtonne oder die schwarze Restmülltonne, sondern aller Müll geht in dieselbe Tonne. Sortiert wird aber trotzdem und zwar vorher und in verschiedenfarbige Tüten. Die sind je nach Müllsorte weiß (Altkleider), rot (Elektroschrott), gelb (Verpackungen), braun (Papier/Pappe), grau (Restmüll) oder grün beschrifteter Biobeutel (Speisereste). Weiterhin wird es eine Biotonne für Grünschnitt geben. Um Fehlsortierungen zu vermeiden, kann der Bürger bei den Müllcontainern an Mehrfamilienwohnanlagen an einer Prüfsäule den Beutel vor einen Sensor halten: Dann öffnet sich automatisch die richtige Tonnenklappe. „Wir versprechen uns davon, dass der Müll sortenreiner als bisher an den Entsorger zurückfließt und wir damit die Wiederverwendungsquote von wertvollen Stoffen im Müll steigern können", so Recyclingprofessor Ralf Holzhauer von der Westfälischen Hochschule, der das Projekt wissenschaftlich begleitet.
Zugleich mit der Umstellung auf den „Sack im Behälter" wird die Abholung neu organisiert: Bei den Wohnanlagen, an denen Sensoren die Tüten kontrollieren, sagt der Sensor auch Bescheid, wenn der Müllcontainer voll ist und BEST AöR (Bottroper Entsorgung und Stadtreinigung) ihn abholen kann. Holzhauer: „Das ist das Ende für überfüllte Mülltonnen." Bei den Haushalten, in denen die neuen Mülltüten nicht im Container, sondern in einer herkömmlichen Mülltonne gesammelt werden, hat der Bürger die Wahl: Er kann auf einen „Trash Button" genannten Knopf drücken oder sich über eine App oder über „WhatsApp" oder per Mail melden, die volle Tonne wird dann am Folgetag geleert. In diesen Fällen gelten daher die festen Abholtermine für Müll nicht mehr.
Der Feldversuch findet in Bottrop im Bezirk Altstadt und Nordost als städtischem Testgebiet, in Batenbrock Nord (vorstädtisches Gebiet) und in Kirchhellen Nordost (ländlich) als repräsentative Gebiete mit rund 600 Haushalten statt. Vorbereitet wurde er durch eine Bürgerbefragung und eine Bürgerversammlung. Soeben sind die teilnehmenden Haushalte kostenfrei mit dem entsprechenden Set aus Tüten versorgt worden. Jetzt geht es in die Praxis. Bis Juni können sich die Bürger in der neuen Art des Müllsammelns üben und die Hochschule schreibt die Sammelergebnisse mit.

Ihre Medienansprechpartner für weitere Informationen:
Prof. Dr. Ralf Holzhauer, Campus Gelsenkirchen der Westfälischen Hochschule, Telefon (0209) 9596-163, E-Mail ralf.holzhauer@w-hs.de
Nicole Gottemeier, BEST: Bottroper Entsorgung und Stadtreinigung,
Telefon (02041) 796921, E-Mail best@best-bottrop.de

Quelle: idw

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Wenn der Job zur Persönlichkeit passt, ist das Gehalt höher

Monika Wimmer Pressestelle
Sozio-oekonomisches Panel (SOEP)

Wer in einem Job arbeitet, dessen Anforderungen seiner Persönlichkeit entsprechen, verdient mehr als andere. Vor allem Menschen, die genau das für ihre Arbeit erforderliche Maß an Offenheit für Neues mitbringen, werden besser bezahlt als ihre KollegInnen. Das belegt nun erstmals eine Studie auf Basis der Daten der für Deutschland repräsentativen Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) am DIW Berlin. Die Untersuchung wurde kürzlich in der Fachzeitschrift „Psychological Science" veröffentlicht.

Um herauszufinden, wie Persönlichkeit und Einkommen zusammenhängen, hatte eine Gruppe von Forschenden um den Psychologen Jaap Denissen von der Universität Tilburg in den Niederlanden die Daten von 8.458 erwerbstätigen Männern und Frauen, die im Rahmen der Langzeitstudie SOEP immer wieder befragt wurden, ausgewertet. Diese hatten unter anderem Angaben über ihren Beruf und ihr Einkommen gemacht und darüber hinaus in den Jahren 2005, 2009 und/oder 2013 auf einer Skala von 1 bis 7 eingeschätzt, für wie extrovertiert, verträglich, gewissenhaft, emotional stabil oder offen sie sich selbst hielten. Außerdem werteten die ForscherInnen die Angaben von als Berufsexperten ausgebildeten PsychologInnen aus, die die die Anforderungen an die Persönlichkeit in unterschiedlichen Berufen anhand der gleichen Skala eingeschätzt hatten.

Das Ergebnis der Studie zeigt: Anders als viele WissenschaftlerInnen bisher angenommen haben, sind offenbar nicht nur bestimmte Erfolg versprechende Persönlichkeitsmerkmale wie Gewissenhaftigkeit oder Extraversion entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg von ArbeitnehmerInnen. Wie viel jemand verdient, hängt auch davon ab, wie gut die eigene Persönlichkeit zu den Anforderungen des Jobs passt. Lediglich in Bezug auf die emotionale Stabilität gilt dieser Zusammenhang nicht.
„Menschen, deren Persönlichkeit zu ihrem Job passt, können in einem Jahr bis zu einem Monatsgehalt mehr als ihre KollegInnen verdienen", sagt Jaap Denissen, Erstautor der Studie. Vor allem Arbeitnehmende, die das den Anforderungen ihres Berufes entsprechende Maß an Offenheit mitbringen, profitieren finanziell. Ihr Gehalt ist im Jahr um bis zu 3.231 Euro höher als das der KollegInnen. „Das erforderliche Maß an Offenheit für Neues ist von Job zu Job sehr unterschiedlich", sagt Jaap Denissen. „Wer es mitbringt, kann sehr hohe Leistungen erzielen und wird dann entsprechend gut bezahlt", sagt Jaap Denissen.

Menschen hingegen, bei denen bestimmte Persönlichkeitsmerkmale stärker oder weniger stark ausgeprägt sind als es ihre Arbeit erfordert, verdienen in der Regel weniger als ihre KollegInnen.

Eine Ausnahme bilden Erwerbstätige, die weniger gewissenhaft oder verträglich sind als ihr Job es erfordert: Sie verdienen im Durchschnitt mehr als ihre KollegInnen. „Der Grund dafür liegt möglicherweise darin, dass wenig gewissenhafte Menschen zwar oft weniger sorgfältig, dafür aber auch schneller arbeiten als andere", vermutet Jaap Denissen. Für weniger verträgliche Menschen könnte es sich auszahlen, dass sie mehr Zeit in ihr berufliches Fortkommen investierten als in gute Beziehungen zu ihren KollegInnen. Das hätten auch schon frühere Studien belegt.

DAS SOZIO-OEKONOMISCHE PANEL (SOEP)
Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP im DIW Berlin wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Ländern gefördert. Für das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut Kantar Public (zuvor TNS Infratest Sozialforschung) in mehreren tausend Haushalten statistische Daten erhoben. Zurzeit sind es etwa 30.000 Personen in etwa 15.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.

Die Studie:
Denissen, Jaap J. A., et al. 2017. Uncovering the Power of Personality to Shape Income. Psychological Science 29, Nr. 1, 3-13.
https://doi.org/10.1177/0956797617724435

Weitere Informationen:
https://doi.org/10.1177/0956797617724435 Link zur Studie

Quelle: idw

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Zweite Wärmequelle optimiert Wärmepumpenanlage

Rüdiger Mack Marketingkommunikation
FIZ Karlsruhe - Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur GmbH

Luft-Wasser-Wärmepumpen nutzen die Außenluft als Wärmequelle. Wegen ihrer vergleichsweise günstigen Anschaffungskosten erfreuen sie sich derzeit wachsender Beliebtheit bei den Besitzern neuer oder sanierter Einfamilienhäuser mit niedrigem Energiebedarf. Ihr Nachteilt: Sie arbeiten bei sinkenden Außenlufttemperaturen, wenn der Heizwärmebedarf also steigt, mit abnehmender Energieeffizienz. Das neue BINE-Projektinfo „Doppelt heizt besser" (04/2018) stellt ein neues Anlagenkonzept vor, bei dem die Gebäudeabluft als zweite Wärmequelle ins System integriert und die Regelung der Wärmeverteilung optimiert wird.

Zentrale Einzelraum- und Vorlaufregelungen ergänzen das Konzept
Abluft liefert Wärme auf vergleichsweise hohem Temperaturniveau und führt zu günstigen Systemkosten. Die Wissenschaftler erprobten die Zusammenarbeit der Wärmepumpe mit dem Kreuzwärmetauscher des Lüftungskompaktgerätes, um den optimalen Entnahmepunkt für die Abwärme zu finden. Die Ergebnisse sprechen für eine Entnahme nach dem Wärmetauscher. Ein zweiter Schwerpunkt lag auf der Optimierung der Regelungsstrategie für das Wärmeverteilsystem. Ziel war zu vermeiden, dass die Wärmepumpe die Temperatur höher anhebt als es dem tatsächlichen Wärmebedarf entspricht. Dafür führten die Wissenschaftler die Daten der verschiedenen Einzelraumreglungen zentral zusammen und nutzten sie für die Festlegung der Vorlauftemperatur im Wärmeverteilsystem.

Bei den abschließenden Simulationen wurden die Daten aus den beiden Teilprojekten zur Quellen- und Senkenseite zusammengeführt und ausgewertet. Die Untersuchungen beziehen sich auf neue und sanierte Einfamilienhäuser mit 140 m² Wohnfläche auf zwei Etagen und einem Energiebedarf von unter 120 kWh/m²a. Das Forschungsprojekt hat die Vaillant GmbH gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme sowie dem E.ON Energy Research Center der RWTH Aachen durchgeführt.

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hat die Aufgabe, den nationalen und internationalen Wissenstransfer und die Innovationsförderung zu unterstützen.

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Quelle: idw

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Chemikalien im Trinkwasser: Projekt „Neurobox" der h_da untersucht gesundheitliche Auswirkungen

Simon Colin Hochschulkommunikation
Hochschule Darmstadt

Darmstadt. Durch Arzneimittel, Pestizide oder Kosmetika gelangt eine Vielzahl von Chemikalien in den Wasserkreislauf und unser Trinkwasser. Die Wirkung dieser Stoffe auf Mensch, Tier und Umwelt ist bei vielen dieser Stoffe noch nicht vollständig untersucht. Das vom Umweltbundesamt koordinierte Verbundprojekt „Neurobox" soll das ändern: Ziel ist es, Wasserversorgern und Behörden eine Testbatterie zur Verfügung zu stellen, mit der so genannte neurotoxische Substanzen erkannt und bewertet werden können.

An der Hochschule Darmstadt (h_da) untersucht Dr. Petra Waldmann vom Fachbereich Chemie- und Biotechnologie in einem Teilprojekt von Neurobox auf zellulärer Ebene potenzielle Auswirkungen hormonell wirksamer Stoffe auf die Zell-Entwicklung (Differenzierung) und das Nervensystem. Die Forschung wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Bis zum Jahr 2020 sollen Ergebnisse vorliegen.

Neurotoxische Stoffe schädigen das Nervensystem. Manche Stoffe wie einige Phthalate (Weichmacher), Pestizide und Alkylphenole haben neben einer hormonartigen auch eine neurotoxische Wirkung und wurden in Studien wiederholt mit Entwicklungsverzögerungen bei Kindern, Autismus, Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, verminderter Reproduktionsfähigkeit und weiteren negativen Effekten in Verbindung gebracht. Deshalb sind in der EU bereits mehrere dieser Substanzen in vielen Anwendungen verboten. Im Rahmen eines Vorgängerprojekts haben die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereits eine Testbatterie entwickelt. Speziell für den Bereich der neurotoxischen Stoffe zeigte sich jedoch der Bedarf an weiterer Forschung. „Wasserversorger finden immer mehr Stoffe im Wasser, die sie schlecht einschätzen können", sagt Dr. Petra Waldmann, Toxikologin am Fachbereich Chemie- und Biotechnologie der h_da. Das Verbundprojekt Neurobox hat zum Ziel, für Wasserversorger und Behörden eine Batterie von Tests zu entwickeln, mit denen sie Spurenstoffe im Wasserkreislauf bewerten können.

Das Team der Hochschule Darmstadt untersucht hormonell wirksame Stoffe auf eine schädliche Wirkung auf embryonale Stammzellen. Daraus kann abgeleitet werden, wie schädlich diese Stoffe für Embryos und die Entwicklung von Nervenzellen sind. Diese Simulation auf zellulärer Ebene hat den Vorteil, dass auf Tierversuche verzichtet werden kann. Die verwendeten Stammzellen sind pluripotent, das heißt, anders als omnipotente Stammzellen können sie sich nicht zu einem ganzen Organismus entwickeln. „Aus embryonalen Stammzellen von Mäusen gewinnen wir schlagende Herzmuskelzellen", sagt Dr. Waldmann. Mäusestammzellen lagern sich in Kultur zu sogenannten „embryonalen Körperchen" (embryoid bodies) zusammen. Dabei nehmen diese Körperchen eine tropfenähnliche oder kugelige Form an und rekapitulieren in einem begrenzten Maße die frühe embryonale Entwicklung eines Organismus. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geben diese Körperchen auf Zellkulturplatten. Die Zellen der Körperchen wachsen dort am Boden fest und differenzieren aus, das heißt, sie wachsen zum Teil zu Herzmuskelzellen heran. „Die Mäusestammzellen setzen wir, während sie embryonale Körperchen ausbilden, der zu testenden Substanz aus, um festzustellen, ob sie embryotoxisch wirkt."

Eine toxische Wirkung wird unter dem Mikroskop sichtbar: Nur noch wenige der Körperchen bilden schlagende Herzmuskelzellen aus. Mäusestammzellen können unter bestimmten Kulturbedingungen auch zur Bildung von Nervenzellen angeregt werden. Unter Zugabe einer Testsubstanz kann ermittelt werden, ob diese Substanz schädlich auf die Bildung von Nervenzellen und Netzwerken aus Nervenzellen wirkt. „Chemikalien werden in der Regel nur im Nano- oder Mikrogramm-Bereich im Wasser gefunden, also in kleinsten Mengen", sagt Waldmann, „aber sind sie im Trinkwasser, werden sie oft auch ein Leben lang vom Menschen aufgenommen". Daher müsse untersucht werden, ob diese Substanzen schädlich für Mensch und Umwelt seien.

Weitere Informationen zum Verbundprojekt und den Verbundpartnern:
https://www.umweltbundesamt.de/neurobox-bewertung-neurotoxischer-effekte-im#text...

Ansprechpartnerin für die Medien:
Dr. Petra Waldmann
Hochschule Darmstadt
Fachbereich Chemie- und Biotechnologie
E-Mail: petra.waldmann@h-da.de
Tel.: +49 6151 16 30129

Weitere Informationen:
https://www.umweltbundesamt.de/neurobox-bewertung-neurotoxischer-effekte-im#text...

Quelle: idw

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Bewertung von Sicherheitsventilen: SIL-Einstufung nicht sinnvoll

Dr. Christine Dillmann Öffentlichkeitsarbeit
DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.

Ein richtig bemessenes Sicherheitsventil reicht bei fachgerechter Planung und Anwendung auch ohne Redundanz aus, um die sicherheitstechnischen Funktionen zu gewährleisten. Eine SIL-Einstufung ist nicht sinnvoll. Zu diesem Schluss kommt der ProcessNet-Arbeitsausschuss „Sicherheitsgerechtes Auslegen von Chemieanlagen" im aktuellen Ergebnispapier „Die Verfügbarkeit von mechanischen Sicherheitseinrichtungen - Sicherheitsventile". Das Papier ist unter http://dechema.de/Verfügbarkeit_Sicherheitsventile erhältlich.

In der Prozessleittechnik hat sich ein risikobasierter Ansatz etabliert, um die Zuverlässigkeit von Sicherheitseinrichtungen zu bewerten. Er liegt unter anderem der Einstufung nach SIL zu Grunde. Eine Arbeitsgruppe des ProcessNet-Arbeitsausschusses „Sicherheitsgerechtes Auslegen von Chemieanlagen" hat sich mit der Frage beschäftigt, inwieweit dieses Vorgehen auch auf mechanische Sicherheitseinrichtungen und speziell auf Sicherheitsventile anwendbar ist.

Nach Ansicht der Experten eignet sich die Unterscheidung von systematischen und zufälligen Fehlern, wie sie in der funktionalen Sicherheit üblich ist, nicht für mechanische Sicherheitseinrichtungen. Stattdessen ist die Betrachtung des Gesamtfehlers erheblich sinnvoller. Dieser Gesamtfehler geht zum weit überwiegenden Teil auf vermeidbare systematische Fehler bei Planung, Konstruktion oder Einsatz zurück. Die Arbeitsgruppe umreißt in dem Papier, wie solche systematischen Fehler vermieden werden können und welche Anforderungen bei Auswahl, Einbau und Betrieb von Sicherheitsventilen erfüllt werden müssen. Zufällige Fehler spielen demgegenüber praktisch keine Rolle. Daher ist eine SIL-Einstufung, die nur auf zufälligen Fehlern beruht, nach Ansicht der Experten für Sicherheitsventile nicht sinnvoll.

Sicherheitsventile sind robuste, einfache Bauteile und erfüllen ihre Funktion nach Einschätzung des Arbeitskreises mit einer Ausfallwahrscheinlichkeit („probability of failure on demand", PFD) < 10-3, entsprechend IPL 3, und sind ohne Redundanz für die höchste Anforderungsstufe geeignet.

ProcessNet ist die deutsche Plattform für Verfahrenstechnik Chemieingenieurwesen und Technische Chemie. Hier treffen sich über 5.000 Mitglieder aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung, um Erfahrungen auszutauschen, aktuelle Fragestellungen zu diskutieren und neue wissenschaftliche Trends zu identifizieren. ProcessNet ist eine gemeinsame Initiative von DECHEMA und VDI-GVC. Mehr unter http://www.processnet.org

Weitere Informationen:
http://dechema.de/Verfügbarkeit_Sicherheitsventile - download des Papiers

Quelle: idw

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Was wird aus "gesunder Bräune" in 25 Jahren? Die App zeigt's!

Julia Bird Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Heidelberg

"Sunface App" soll Jugendliche für Gefahren durch UV-Strahlung sensibilisieren / Dr. Titus Brinker, Universitäts-Hautklinik und Nationales Centrum für Tumorerkrankungen Heidelberg, für digitale Idee zur Hautkrebsprävention ausgezeichnet / Preisverleihung auf Frühjahrstagung der Universitäts-Hautklinik Heidelberg am 24. März 2018

UV-Strahlung - egal ob bei ausgedehnten Sonnenbädern oder häufigem Solariumsbesuch - setzt der Haut zu. Nachhaltig. Wie das in fünf oder 25 Jahren am eigenen Gesicht aussieht, zeigt die von Dr. Titus Brinker - seit Dezember 2017 am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg tätig - entwickelte "Sunface App". Inwieweit die App Jugendliche und Erwachsene für Hautschutz und Hautkrebsprävention sensibilisieren und ihr Verhalten diesbezüglich beeinflussen kann, sollen mehrere groß angelegte, internationale Studien unter Heidelberger Federführung klären. Für seine Arbeit um die Sunface App ist der junge Arzt nun mit dem mit 25.000 Euro Preisgeld dotierten Young Research Award der La Roche-Posay Foundation ausgezeichnet worden. Brinker, der bereits mehrere Gesundheits-Apps entwickelt hat, leitet seit Januar 2018 die App-Entwicklung am NCT und absolviert parallel seine Facharztweiterbildung an der Universitäts-Hautklinik.

Die Sunface App soll vor allem Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf lockere Art ihr persönliches Hautkrebsrisiko vor Augen führen. Sie zeigt anhand eines Selfies das Gesicht der Zukunft - abhängig davon, ob für gewöhnlich auf Sonnen- und UV-Schutz geachtet wird oder nicht. "Die Haut vergisst nichts. Die Sunface App verdeutlicht das sehr eindrücklich und richtet sich primär an eine Altersgruppe, die man ansonsten mit Präventionsmaßnahmen nur schwer erreicht", erklärt Professor Dr. Alexander Enk, Ärztlicher Direktor der Universitäts-Hautklinik Heidelberg, der die Auszeichnung bei Frühjahrstagung der Klinik am 24. März mit überreichte.

Sunface App kann kostenlos heruntergeladen werden

"Vor allem junge Leute wollen mit dem ungesunden Bräunen ihre Attraktivität steigern. Das zeigen Befragungen unter Solariennutzern", erklärt Brinker. "Dass dieser Schuss nach hinten losgeht, die Haut schädigt und ihre Alterung beschleunigt, zeigt die Sunface App als Blick in den Spiegel in naher oder auch etwas weiter entfernter Zukunft." So funktioniert es: App kostenlos herunterladen, Selfie schießen, Hauttyp sowie eine von drei Verhaltensoptionen - Sonnenschutz, kein Sonnenschutz oder wöchentlicher Solariumsbesuch - auswählen und dem um fünf oder 25 Jahre gealterten Ich ins Gesicht blicken, in 3D und mit animierten Effekten. Dazu berechnet die App, wie stark sich, je nach Verhalten, das Hautkrebsrisiko erhöht, erklärt, wie man Hautkrebs und seine Vorstufen bei sich erkennen kann, und gibt Tipps für den richtigen Sonnenschutz. Wer will, kann sein animiertes Selfie via Social Media teilen.

Der 27-Jährige Mediziner entwickelte die App am Universitätsklinikum Essen. Seit Mai 2017 gibt es sie kostenlos für iPhones und Android Smartphones. Eine erste Studie mit insgesamt 205 Schülerinnen und Schülern im Alter von 13 bis 19 Jahren in Essen zeigte bereits: Die App motivierte die Schüler, sich besser vor UV-Strahlung zu schützen und das Solarium zu meiden. "Die Sunface App scheint ihren Zweck als niederschwellige Präventionsmaßnahme zu erfüllen", so Dr. Brinker. "Prospektive Effekte müssen langfristig angelegte Folgestudien mit Vergleichsgruppe allerdings noch bestätigen."

Apps aus dem NCT sollen Infos zu Krebsprävention breiter streuen

Das Potential dieser niederschwelligen Angebote in Form von Apps hat man am NCT erkannt und eine Forschungsgruppe "App-Entwicklung" eingerichtet. Ziel des vierköpfigen Teams unter Brinkers Leitung ist es, digitale Gesundheitsangebote für Smartphone und Webbrowser zu entwickeln und auszuwerten. An Ideen und Erfindergeist mangelt es dem Nachwuchswissenschaftler nicht: Neben Sunface entwickelte er bereits sieben weitere Apps, darunter die Tabakpräventions-Apps Smokerface und Smokerstop mit mehr als 500.000 Nutzern. Außerdem ist er Inhaber der Smart Health Heidelberg GmbH, die Gesundheitsapps unter Nutzung von künstlicher Intelligenz entwickelt und vertreibt.

Der schwarze Hautkrebs, das Melanom, nimmt in seiner Häufigkeit so rasant zu wie weltweit kein anderer bösartiger Tumor: Laut Robert Koch-Institut haben sich die Erkrankungsraten allein in Deutschland seit den 1970er Jahren mehr als verfünffacht. "Das liegt vor allem daran, dass es in Mode kam, sich im Urlaub, oder später auch im Solarium, bräunen zu lassen. Viele empfinden das leider auch heute noch als schick", so Brinker. "Da ist noch viel Aufklärungsarbeit nötig." In Deutschland erkranken jährlich rund 21.000 Menschen an schwarzem Hautkrebs, rund 3.000 sterben daran. Wichtigster Risikofaktor ist die natürliche oder künstliche UV-Strahlung durch Sonne oder Solarien, insbesondere in der Kindheit und Jugend.

"Sunface App" kostenlos für iPhones: itunes.apple.com/de/app/sunface/id1226606410

"Sunface App" kostenlos für Android Smartphones play.google.com/store/apps/details

Wissenschaftliche Veröffentlichungen zur Sunface App:

1) Vorstellung der App-Funktionalität und Querschnittsdaten in Fokusgruppe: mhealth.jmir.org/2017/7/e101/
2) Querschnittsdaten bei Sekundarschülern aus Deutschland: www.jmir.org/2017/9/e319/
3) Querschnittsdaten bei Sekundarschülern aus Brasilien: mhealth.jmir.org/2018/3/e60/
4) Protokoll zu randomisierter Längsschnittstudie bei Schülern in Brasilien: bmjopen.bmj.com/content/8/3/e018299

Weitere Informationen:
http://www.nct-heidelberg.de
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Hautklinik.113977.0.html
http://www.smarthealth.de

Quelle: idw

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Neues Bakterium aus Öl des Deepwater-Horizon-Unfalls beschrieben

Dr. Corinna Dahm-Brey Presse und Kommunikation
Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Erstmals konnten Oldenburger Forscher zusammen mit Kollegen aus Braunschweig und Chapel Hill (USA) ein aus ölbelasteten Proben des Deepwater-Horizon-Unfalls von 2010 isoliertes Bakterium wissenschaftlich beschreiben. Es gehört zur Gruppe der Roseobacter und damit zu einer der wichtigsten Gruppen von Meeresbakterien.

In der März-Ausgabe des International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology zeigt das Team um Dr. Helge-Ansgar Giebel vom Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg mit Erstautorin Franziska Klotz, dass der jetzt gefundene Organismus einer neuen Gattung zuzuordnen ist. Eine ihrer herausragenden Eigenschaften: Die Fähigkeit, spezielle aromatische Verbindungen abbauen zu können. Die Frage, welche Mikroorganismen Öl abbauen und welche Rolle sie dabei konkret spielen, ist für den Umgang mit Ölunfällen besonders wichtig. Nur so sei es den Wissenschaftlern zufolge möglich, unterstützende Bedingungen zu schaffen oder sogar gezielt große Mengen ölzersetzender Organismen einzusetzen.

Das jetzt neu beschriebene Bakterium erhielt von Umweltwissenschaftler Giebel den wissenschaftlichen Namen Tritonibacter horizontis. Der Gattungsname spielt an auf Triton, einen Meeresgott der griechischen Mythologie. Der Artenname horizontis stellt die Verbindung zur Herkunft des Isolats aus dem Öl des Deepwater-Horizon-Unfalls her. „Einen solchen Organismus, der auf dem Öl des Deepwater-Horizon-Unfalls überlebt, wollten wir uns sehr genau anschauen", sagt Giebel. „Dabei wurde uns bald klar, dass wir das Bakterium einer ganz neuen Gattung zuordnen müssen". Es vereine Eigenschaften einzelner Vertreter der Roseobacter-Gruppe, während typische Charakteristika der nächst verwandten Gattung jedoch fehlten. Das Erbgut für den Abbau spezieller aromatischer Verbindungen finde sich so ansonsten nur bei weiter entfernten Gattungen, so Giebel. „Dafür kann das neue Bakterium ein bestimmtes Antibiotikum nicht produzieren, was nahverwandte Arten durchaus tun", ergänzt der Wissenschaftler.

Nach Explosion und Untergang der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko am 20. April 2010 traten bis zum 19. September des Jahres, dem Tag des Verschlusses der Ölquelle, geschätzt 800 Millionen Liter Rohöl aus. Das Ereignis gilt als die bislang schwerste Umweltkatastrophe dieser Art. Der Aufwand, den Einsatzkräfte nach dem Unglück betreiben mussten, war enorm. In unterschiedlichen Tiefen auftretende Ölschwaden wurden beispielsweise mit großen Mengen spezieller Chemikalien fein verteilt; die Mikroorganismen sollten so die Ölbestandteile schneller angreifen können.

„Ein nicht unumstrittenes Verfahren", sagt Co-Autor Prof. Dr. Andreas Teske, Meereswissenschaftler an der Universität North Carolina, derzeit Gast am ICBM. Er ergänzt: „Neue Ergebnisse in der Literatur deuten darauf hin, dass zunächst die eingesetzten Chemikalien abgebaut werden". Die Bakterien würden also von ihrer eigentlichen Aufgabe, dem Ölabbau, „abgelenkt". „Sie bilden ein Netzwerk verschiedener sich unterstützender Mikroorganismen, das wir gerade erst zu verstehen beginnen. Tritonibacter könnte sein Scherflein dazu beitragen, anderen Bakterien den Ölabbau zu erleichtern".

Umweltwissenschaftler Giebel erklärt das so: „Tritonibacter verwertet neben einem Spektrum von Zuckern und Aminosäuren auch verschiedene aromatische Verbindungen, wie sie in Öl vorkommen, als Kohlenstoff- und Energiequelle." Unter Mitwirkung anderer Bakterien entstehe aus bestimmten Ölinhaltsstoffen etwa die aromatische 4-Hydroxybenzoesäure. Über verschiedene Zwischenschritte sorge Tritonibacter dafür, dass verschiedene Abbauprodukte entstehen - die dann wiederum auch von anderen Bakterienarten verwertet werden könnten.

Für weitere Untersuchungen wird Tritonibacter am ICBM bei minus 80 Grad Celsius stabil aufbewahrt. „Erstmalig können wir so der Wissenschaftsgemeinde ein vollständig Genom-sequenziertes und taxonomisch beschriebenes Bakterium aus dem Deepwater-Horizon-Ölunfall zur Verfügung stellen."

Bereits seit dem Jahr 2010 forschen Mikrobiologen, Naturstoffchemiker, Genetiker und Bioinformatiker unter Leitung des Oldenburger Mikrobiologen und Mitautors Prof. Dr. Meinhard Simon im Sonderforschungsbereich „Roseobacter". Die Wissenschaftler befassen sich mit den evolutionären, genetischen und physiologischen Eigenschaften und Anpassungen der Bakterien in ihren verschiedenen Lebensräumen.

„Tritonibacter horizontis gen. nov., sp. nov., a member of the Rhodobacteraceae, isolated from the Deepwater Horizon oil spill", Franziska Klotz, Thorsten Brinkhoff, Heike M. Freese, Matthias Wietz, Andreas Teske, Meinhard Simon, Helge-Ansgar Giebel, Int. J. Syst. Evol. Microbiol.. 2018 Mar; 68(3):736-744. DOI:10.1099/ijsem.0.002573

Weitere Informationen:
http://icbm.de/

Quelle: idw

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Den Blutzucker fest im Griff

Dr. Gabriele Neumann Stabsstelle Hochschulkommunikation
Philipps-Universität Marburg

Internetplattform „ONSIDE" unterstützt Diabetikerinnen und Diabetiker
Ein neues Online-Portal soll Patientinnen und Patienten mit Diabetes Typ 2 unterstützen, im Alltag besser mit der Erkrankung zurechtzukommen sowie die Behandlung zu optimieren. Entwickelt wurde „ONSIDE" („Online-Selbsthilfe Diabetes") von Prof. Dr. Winfried Rief vom Fachbereich Psychologie der Philipps-Universität Marburg in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und der GAIA AG Hamburg.
Etwa sechs Millionen Erwachsene leiden in Deutschland an Diabetes mellitus Typ 2. Die Behandlung der Stoffwechselerkrankung ist umfangreich und stellt große Anforderungen an die Betroffenen, da sie meist schleichend verläuft. Betroffene spüren häufig jahrelang keine Symptome und sehen keinen Handlungsbedarf - bis es zu spät ist. So kann es langfristig zu schweren Folgeerkrankungen kommen, wie der Schädigung von Netzhaut (Retinopathie), Nerven (Neuropathie), Nieren (Nephropathie) und dem diabetischen Fußsyndrom.
„Dabei lässt sich Diabetes sehr effektiv behandeln", sagt Antje Dorothea Arlt, die das Portal „ONSIDE" mitbetreut. Neben gesundheitsfördernden Lebensgewohnheiten, wie regelmäßigem Sport und der Umstellung der Ernährung, sei häufig auch die regelmäßige Einnahme von Arzneimitteln zentral. „Einige wissenschaftliche Studien belegen, dass Online-Programme Personen mit Diabetes mellitus Typ 2 bei der Umsetzung unterstützen können."
Das neu entwickelte Online-Selbsthilfeprogramm „ONSIDE" („Online-Selbsthilfe Diabetes") basiert auf Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie und beinhaltet verschiedene wissenschaftlich fundierte Module. Das Programm vermittelt Wissen zur Erkrankung und unterstützt und motiviert zu gesundheitsfördernden Lebensgewohnheiten, um Langzeitfolgen der Erkrankung zu vermeiden. Zudem werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer angeleitet, sich persönliche Ziele zu stecken und diese umzusetzen. „Sie erhalten individuell angepasste Anregungen zur Entspannung und Stressbewältigung sowie Übungen zur Stärkung der Achtsamkeit, welche bei bestehenden Ängsten oder Depressionen helfen können", so Arlt.
Es besteht die Möglichkeit, an einer Studie teilzunehmen und die Plattform so kostenlos zu testen. Teilnehmen können Personen, die mindestens 18 Jahre alt sind, die Diagnose Diabetes Mellitus Typ 2 durch einen Arzt erhalten haben, regelmäßig ihre Kontrolltermine wahrnehmen und einen Internetzugang haben sowie ein Gerät (z.B. Computer, Smartphone), um diesen zu nutzen.

Ansprechpartnerin:
Antje Dorothea Arlt
Fachbereich Psychologie
Philipps-Universität Marburg
Tel.: 06421 28-23629
E-Mail: onside@uni-marburg.de

Quelle: idw

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Erstmals verlässliche Drei-Monats-Prognosen für Winter in Europa möglich

Birgit Kruse Referat Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hamburg

Mit einer ganz neuen Methode kann die Qualität der saisonalen Vorhersagen für den Winter in vielen Teilen Europas deutlich erhöht werden. Bisher konnten vor allem für die Tropen brauchbare Vorhersagen gemacht werden. Ein Team um Dr. Mikhail Dobrynin und Prof. Dr. Johanna Baehr vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) der Universität Hamburg veröffentlichte die Ergebnisse jetzt im Fachblatt Geophysical Research Letters.

Drei-Monats-Prognosen - auch Jahreszeiten-Vorhersagen oder saisonale Vorhersagen genannt - geben einen Durchschnittswert für das Wetter in den nächsten drei Monaten an. Mit verbesserter Zuverlässigkeit könnten sie wichtige Daten für Landwirtschaft und Industrie liefern.

Doch der Winter über Europa galt bisher als kaum vorhersagbar, die so genannte Nordatlantische Oszillation (kurz NAO) als zu chaotisch. Doch gerade dieses typische Zusammenspiel von Island-Tief und Azoren-Hoch hat auf den Winter in vielen Teilen Europas einen besonders starken Einfluss. Dies machte sich das Team um Dobrynin zunutze. Die NAO funktioniert wie ein Schalter, der jeweils den Weg der Luftströmungen über dem Atlantik beeinflusst. Kann man vorhersagen, wie der Schalter steht, erhalten wir Hinweise auf das zukünftige mittlere Wetter in Europa.

Mit einem neuen Verfahren kann Dobrynin die Schalterphasen der NAO erstmals viel sicherer vorhersagen: Wie die Auswertung der Winter von 2001 bis 2017 zeigte, haben sich die Prognosen in mehr als 50 Prozent der Fälle verbessert. Dies ist damit weltweit das erste Mal, dass eine Prognose für Europa eine ähnlich hohe Qualität wie für die Tropen erreicht.

„Zwar gibt es schon länger internationale und deutsche Projekte zu saisonalen Vorhersagen, doch bisher waren die Ergebnisse kaum besser, als wenn wir geraten hätten", so Dobrynin. „Jetzt erreichen wir zum ersten Mal eine sehr gute Trefferquote."

Der Ozeanograf bezieht dafür so genannte Telekonnektionen mit ein. Dies sind bestimmte Regionen rund um den Globus verstreut, die eine deutliche Verbindung zum mittleren Wetter einer anderen Region der Erde haben. So beeinflusst zum Beispiel die Schneedicke in Sibirien im Oktober den kommenden Winter in Europa, ebenso wie der Nordatlantische Ozean oder höhere Luftschichten über der Arktis. Telekonnektionen sind schwer zu identifizieren und verändern sich noch dazu im Laufe der Zeit. Einbezogen in Drei-Monats-Vorhersagen können sie diese aber offenbar viel genauer machen - und sind damit potenziell als neues Werkzeug für bessere Prognosen weltweit geeignet.

In einem europäischen Projekt wird Dobrynin jetzt die neue Methode in vier unterschiedliche Prognose-Systeme einbauen. Damit kann das neue Werkzeug demnächst in Echtzeit getestet und verglichen werden. Eines der Systeme ist das German Climate Forecast System, das ebenso wie die neue Methode von der Universität Hamburg, dem Max-Planck-Institut für Meteorologie, der Eidgenössisch Technischen Hochschule Zürich und dem Deutschen Wetterdienst gemeinsam entwickelt wurde.

Fachartikel:
Dobrynin M., Domeisen D. I. V., Müller W. A., Bell L., Brune S., Bunzel F., Düsterhus A., Fröhlich K., Pohlmann H., Baehr J. (2018): Improved teleconnection-based dynamical seasonal predictions of boreal winter. Geophysical Research Letters, 43. https://doi.org/10.1002/2018GL077209

Weitere Infos:
German Climate Forecast System (GCFS): Jahreszeitenvorhersagen des Deutschen Wetterdienstes:
https://www.dwd.de/DE/leistungen/jahreszeitenvorhersage/projektbeschreibung.html...

Vorhersagen:
https://www.dwd.de/DE/leistungen/jahreszeitenvorhersage/jzvhs_home_node.html

Für Rückfragen:
Dr. Mikhail Dobrynin
Universität Hamburg
Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN)
Tel.: +49 40 42838-7750
E-Mail: mikhail.dobrynin@uni-hamburg.de

Stephanie Janssen
Universität Hamburg
Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN)
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 40 42838-7596
E-Mail: stephanie.janssen@uni-hamburg.de

Quelle: idw

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Baden-Württemberg: Erblindungsrisiko bei Menschen mit und ohne Diabetes deutlich gesunken

Christina Becker Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Diabetes-Zentrum

- Rate der Neuerblindungen bei Menschen mit Diabetes in Baden-Württemberg zwischen 2008 und 2012 annähernd halbiert

- Abnahme der Neuerblindungsraten bei Menschen ohne Diabetes in diesem Zeitraum um knapp 30 Prozent

- Kontinuierlicher Rückgang vermutlich auf eine verbesserte Früherkennung und Therapie von Augenerkrankungen und Verbesserung der Versorgung bei diabetischer Retinopathie zurückzuführen

Für Deutschland fehlten bislang belastbare Zahlen zum Vergleich der Neuerblindungen bei Personen mit und ohne Diabetes und deren zeitlichen Verlauf. Forscher am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) haben nun berechnet, dass das Erblindungsrisiko in der Bevölkerung in Süddeutschland deutlich abgenommen hat - bei Personen mit Diabetes mehr als bei Personen ohne Diabetes. Das Ergebnis der Auswertung lässt vermuten, dass sich neben der Versorgung bei diabetischer Retinopathie auch die Früherkennung und Therapie des grauen und grünen Stars (Katarakt, Glaukom) sowie der altersbedingten Makula-Degeneration verbessert hat.

Fast neun Prozent der Menschen (ca. 415 Millionen) weltweit leiden an Diabetes. Dieser ist eine häufige Ursache für eine Erblindung. Bereits Anfang der 1990er Jahre wurden in Folge dessen Maßnahmen ergriffen, die Anzahl an Erblindungen bei Personen mit Diabetes zu verringern. So wurden beispielsweise in Deutschland Leitlinien eingeführt, die regelmäßige Untersuchungen des Augenhintergrundes empfahlen, um die diabetische Retinopathie frühzeitig erkennen und behandeln zu können. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) haben deshalb Neuerblindungen bei Menschen mit und ohne Diabetes in Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Landesgesundheitsamt und den örtlichen Sozialhilfeträgern Baden-Württembergs untersucht. Die Studie dazu wurde in der Zeitschrift "Diabetes Care" veröffentlicht.

Datenbasis und Ergebnisse
Die Datenbasis für die Untersuchung bilden neu anerkannte Blindengeldempfänger in etwa 50 Prozent aller Landkreise und kreisfreien Städte in Baden-Württemberg, welche für den Zeitraum 2008-2012 erfasst wurden. Insgesamt wurden dabei 1.897 Personen neu als Blindengeldempfänger registriert (davon 23,7 % Personen mit Diabetes). Zwischen 2008 und 2012 ging die Zahl der neu als Blindengeldempfänger registrierten Personen in der Gruppe der Bevölkerung mit Diabetes zurück: Von 100.000 Personen mit Diabetes waren es in 2008 rund 17 Personen, während es in 2012 nur noch rund 9 Personen waren. Ebenso wurde erstmals eine Abnahme der Zahl der neu als Blindengeldempfänger registrierten Personen ohne Diabetes festgestellt: Von 100.000 Personen ohne Diabetes waren es im Jahr 2008 rund 9 Personen. In 2012 waren 7 Personen betroffen. Dabei gab es keine geschlechterspezifischen Unterschiede - für Männer und Frauen wurden ähnliche Ergebnisse abgeleitet. Das relative Risiko, welches angibt, wie viel höher das Erblindungsrisiko in der Bevölkerung mit Diabetes im Vergleich zur Bevölkerung ohne Diabetes ist, sank von Faktor 2 im Jahr 2008 auf den Faktor 1,4 in 2012. „Die Reduktion verlief somit deutlich stärker bei Personen mit Diabetes - besonders in der letzten Dekade", erklärt Prof. Dr. Dr. Andrea Icks, Direktorin des Instituts für Gesundheitsökonomie und Versorgungsforschung am DDZ.

Fazit
Zusammenfassend lässt sich ableiten, dass das Erblindungsrisiko in Baden-Württemberg mit sowie ohne Diabetes deutlich abgenommen hat. Der beobachtete Rückgang besteht dabei unabhängig von der Alterung der Bevölkerung. Daher vermuten die Autoren der Studie, dass der kontinuierliche Rückgang der Erblindungen auf die Verbesserung der Versorgung bei diabetischer Retinopathie sowie durch das frühere Identifizieren und Behandeln anderer Augenerkrankungen wie Katarakt, Glaukom und der senilen Makula-Degeneration zurückzuführen ist.

Ein Vergleich mit Studienergebnissen aus anderen Ländern ist schwierig, da sich die Definitionen und Erfassung von Erblindungen wesentlich voneinander unterscheiden. In Deutschland ist die Definition von Erblindung - Sehfähigkeit von weniger als ein Fünfzigstel der normalen Sehkraft - sehr streng. Um einen Einblick zu bekommen, ob vergleichbare Ergebnisse auch in Deutschland in anderen Regionen für einen längeren bzw. aktuelleren Zeitraum beobachtet werden, wird derzeit eine entsprechende Auswertung für Daten aus Sachsen für den Zeitraum 2008-2016 durchgeführt.

Originalpublikation: Claessen H, Kvitkina T, Narres M, Trautner C, Zöllner I, Icks A. Decreasing incidence of blindness in people with and without diabetes in southern Germany, 2008-2012. Diabetes Care 41(3):478-484. doi: 10.2337/dc17-2031. Epub 2018 Jan 9.

Weitere Informationen:
http://ddz.uni-duesseldorf.de

Quelle: idw

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Biokraftstoffe: Im Verkehrssektor droht das Scheitern des Klimaziels für 2030

Paul Trainer M.A. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Biomasseforschungszentrum

Im Rahmen des diesjährigen Biokraftstoff-Fachgespräches haben Leipziger Forscher am gestrigen Donnerstag (19.4.) mit Entscheidungsträgern aus der Politik und hochrangigen Vertretern der Biokraftstoffbranche über das Klimaziel im Verkehrssektor bis 2030 diskutiert. Ergebnis: die Vorgaben der EU bleiben deutlich hinter den hohen Zielen der Bundesregierung zurück. Diese strebt für 2030 eine Reduktion der Klimagase um 40 - 42% gegenüber 1990 an.

Der nationale Klimaschutzplan sieht vor, bis zum Jahr 2030 mehr als 40 Prozent der Klimagase im Verkehrssektor zu reduzieren. Gleichzeitig wird prognostiziert, dass der Güter- und Personenverkehr signifikant zunehmen wird. Auf EU-Ebene ist derzeit die Änderung der maßgebenden Richtlinie in Vorbereitung und Abstimmung. Beim dreizehnten Leipziger Biokraftstoff-Fachgespräch am 19. April 2018 haben Vertreter der verantwortlichen Bundesministerien (BMEL, BMVI und BMWi) den zu erwartenden politischen Rahmen und damit die Entwicklungsperspektiven für konventionelle und fortschrittliche Biokraftstoffe für den Zeitraum bis 2030 vorgestellt. Im Anschluss erörterten Vertreter aus Forschung und Praxis (Verbio AG, Clariant, CropEnergies AG, dena und DBFZ), moderiert durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), im Rahmen einer Podiumsdiskussion die technischen Möglichkeiten und begleitenden Herausforderungen.

Im Rahmen der Diskussion zeigte sich, dass mittels der derzeit diskutierten EU-Ziele für erneuerbare Energien im Verkehr die deutschen Klimaziele bei weitem nicht erreichbar sind. Maßgeblicher Hebel für Klimaschutz im Verkehr bleiben absehbar die eingesetzten Energieträger und damit in erster Linie Biokraftstoffe. Diskutiert wurde auch das nach wie vor große und nahezu ungenutzte Potenzial für Biomethan als regenerativen Gaskraftstoff. Einigkeit herrschte zudem darüber, dass ohne die etablierten Biokraftstoffe die Implementierung sogenannter fortschrittlicher Biokraftstoffe kaum umsetzbar ist. Investitionsentscheidungen für neue Produktionsanlagen in Deutschland werden nicht nur von Marktrisiken, sondern insbesondere von klaren und verlässlichen politischen Rahmenbedingungen bestimmt, diese fehlen aber nach wie vor. Deutsche Player investieren zunehmend im europäischen und internationalen Ausland. Bis zum Jahresende soll der EU ein Maßnahmenkatalog zur Erreichung der Klimaziele durch die Bundesregierung vorgelegt werden. Zu dessen Erarbeitung sind weitere fachliche Diskussionen mit allen Akteuren erforderlich.

Wissenschaftlicher Kontakt:
Karin Naumann
Tel.: 0341 2434-711
E-Mail: karin.naumann@dbfz.de

Pressekontakt:
Paul Trainer
Tel.: (0)341 2434-437
E-Mail: paul.trainer@dbfz.de

Smart Bioenergy - Innovationen für eine nachhaltige Zukunft
Das Deutsche Biomasseforschungszentrum arbeitet als zentraler und unabhängiger Vordenker im Bereich der energetischen und stofflichen Biomassenutzung an der Frage, wie die begrenzt verfügbaren Biomasseressourcen nachhaltig und mit höchster Effizienz und Effektivität zum bestehenden und zukünftigen Energiesystem beitragen können. Im Rahmen der Forschungs-tätigkeit identifiziert, entwickelt, begleitet, evaluiert und demonstriert das DBFZ die vielversprechendsten Anwendungsfelder für Bioenergie und die besonders positiv heraus-ragenden Beispiele gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Mit der Arbeit des DBFZ soll das Wissen über die Möglichkeiten und Grenzen einer energetischen und integrierten stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe in einer biobasierten Wirtschaft insgesamt erweitert und die herausragende Stellung des Industriestandortes Deutschland in diesem Sektor dauerhaft abgesichert werden - www.dbfz.de

Weitere Informationen:
https://www.dbfz.de/presse/pressemitteilungen-2018/biokraftstoffe-im-verkehrssek...

Quelle: idw

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Rückenschmerzen - Neuer Artikel in Fachzeitschrift Lancet warnt vor Überdiagnostik

Anna Julia Voormann Geschäftsstelle der DGRh
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.

Weltweit sind 540 Millionen Menschen von Rückenschmerz betroffen. Die Ursachen sind vielfältig. Drei Artikel in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „The Lancet" beleuchten Rückenschmerz als Volkskrankheit. Die Autoren der Serie betonen, dass bei Rückenschmerzpatienten oft teure Überdiagnostik stattfindet: Sie werden zu umfassend gerätetechnisch untersucht. Auch die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) rät bei nichtspezifischem Kreuzschmerz unter sechs Wochen und ohne Warnzeichen von bildgebender Diagnostik ab. Umso mehr bedürfen entzündlich rheumatische Krankheiten dringend einer qualifizierten Diagnostik, so die Experten der DGRh.

Spezifische Erkrankungen der Wirbelsäule wie Wirbelkörperbrüche, Tumoren, Infektionen oder entzündlich rheumatische Erkrankungen sind eher selten Ursache von Rückenschmerzen. „Der Arzt muss jedoch ausreichend qualifiziert sein, um den Verdacht darauf zu formulieren und an einen Facharzt zu überweisen", betont Professor Dr. med. Hanns-Martin Lorenz, Präsident der DGRh. Nach wie vor geschieht es, dass rheumatisch entzündliche Krankheiten nicht rechtzeitig diagnostiziert werden, fortschreiten und Schäden setzen, die nicht umkehrbar sind.

Das gilt auch für die häufigste entzündlich rheumatische Erkrankung der Wirbelsäule, die axiale Spondyloarthritis - Grund für etwa fünf Prozent der Fälle von chronischem Rückenschmerz. Die oft auch „Morbus Bechterew" genannte Erkrankung befällt insbesondere Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Im Verlauf der Erkrankung versteifen die Gelenke der Wirbel. Im Endstadium zwingt dies die Betroffenen in eine gebückte Haltung. Die Betroffenen klagen im Frühstadium oft darüber, dass morgens die untere Wirbelsäule steif ist. In Bewegung bessern sich die Symptome. „Wenn der Allgemeinarzt in diesen und ähnlichen Fällen Verdacht auf eine spezifische Ursache für Rückenschmerzen hat, sollte er den Patienten an einen Rheumatologen überweisen" empfiehlt Professor Dr. med. Joachim Sieper aus Berlin, einer der Autoren der Serie in The Lancet.

„Primärer Anlaufpunkt für Patienten mit Rückenschmerzen ist jedoch die Allgemeinarztpraxis", meint Professor Sieper. Die klare Empfehlung des Rheumatologen von der Charité - Universitätsmedizin Berlin: „Aufwendige diagnostische Maßnahmen sollten in der Regel vermieden werden". Denn die Beschwerden der meisten Patienten bessern sich schon durch Beratung, physikalische Therapie und psychologische Betreuung. Es sei wichtig, so Sieper, dass Patienten aktiv bleiben, weiterhin am täglichen Leben teilnehmen und ihrem Alltag und damit auch ihrer Arbeit nachgehen.

Auch die DGRh hat diese Negativempfehlung für Ärzte schon 2016 im Rahmen der Initiative „Klug Entscheiden" formuliert: Halten nicht spezifische Kreuzschmerzen weniger als sechs Wochen an und weisen keine sogenannten „Red Flags" auf, sollte der Arzt auf Bildgebung wie Röntgen und andere Verfahren verzichten. „Red Flags" sind verschiedene eindeutige Warnhinweise auf Erkrankungen der Wirbelsäule, bei denen dringender Handlungsbedarf besteht. Die Artikelserie in The Lancet thematisiert umfassend Ursachen, Folgen und Behandlung der Volkskrankheit Rückenschmerz - von einfach therapierbaren Leiden bis hin zu ernsthaften Krankheiten, die bleibende Schäden setzen.

Literatur: The Lancet; „Low back pain 1-3"; Published Online March 21, 2018; Elsevier

Die DGRh ist mit mehr als 1.400 Mitgliedern die größte medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft in Deutschland im Bereich der Rheumatologie. Sie repräsentiert hierzulande seit 90 Jahren die rheumatologische Wissenschaft und Forschung und deren Entwicklung. Als gemeinnütziger Verein arbeitet die DGRh unabhängig und ohne Verfolgung wirtschaftlicher Ziele zum Nutzen der Allgemeinheit.

Weitere Informationen:
http://www.thelancet.com/series/low-back-pain
https://dgrh.de/Start/DGRh/Presse/Pressemitteilungen/Pressemitteilungen/2018/Pre...

Quelle: idw

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Biologische Vielfalt von grünlanddominierten Kulturlandschaften unter der Lupe

Gerhard Radlmayr ZFW - Forschungskommunikation
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Die abnehmende Biodiversität in unseren Ökosystemen ist ein wachsendes Thema in den Medien. Die nationale Biodiversitätsstrategie und die bayerischen Strategie zum Erhalt und zur Steigerung der biologischen Vielfalt haben sich zum Ziel gesetzt, gerade außerhalb von Schutzgebieten besonders artenreiche Bereiche zu erhalten und sinnvoll miteinander zu verbinden. Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf untersucht in einem dreijährigen vom Freistaat Bayern geförderten Forschungsprojekt, welche Lebensräume in grünlanddominierten Landschaften besonders artenreich sind, welche Vielfalt an Arten und Vegetationstypen vorhanden ist und was mehrjährige Naturschutzmaßnahmen bewirken können.

Die abnehmende Biodiversität in unseren Ökosystemen ist ein wachsendes Thema in den Medien. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Vogel-, Insekten- und Pflanzenbestände in bedrohlichem Tempo schwinden. Die nationale Biodiversitätsstrategie und die bayerischen Strategie zum Erhalt und zur Steigerung der biologischen Vielfalt haben sich zum Ziel gesetzt, gerade in der "Normallandschaft" außerhalb von Schutzgebieten besonders artenreiche Bereiche zu erhalten und sinnvoll miteinander zu verbinden. Vor allem Grünland als Nutzungsform nimmt immer weiter ab, bedingt durch Grünlandumbruch, Brachlegung, Aufforstung oder durch den Flächenbedarf für Infrastruktur und Siedlungsbereiche. Die sich daraus ableitende Dringlichkeit zur Untersuchung und Erhaltung der biologischen Vielfalt in grünlanddominierten Landschaften wird in dem vom Bayerischen Wissenschaftsministerium mit rund einer Viertel Million Euro geförderten Forschungsprojekt der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf aufgegriffen. Das von 2018 bis Ende 2020 am Biomasse-Institut am Campus Triesdorf laufende Projekt soll aufzeigen, welche Lebensräume im Untersuchungsgebiet "Oberes Altmühltal" besonders artenreich sind, welche Vielfalt an Arten und Vegetationstypen vorhanden ist und was mehrjährige Naturschutzmaßnahmen bewirken können. Im Projektgebiet befinden sich außerhalb der Schutzgebiete ausgedehnte Überflutungsbereiche, die eine Grünlandnutzung bedingen. Der Kern der Untersuchung konzentriert sich auf das Wiesmet, einem Natura2000-Gebiet mit einer in Bayern sehr hohen Bedeutung für Wiesenbrüter. Dort gibt es neben konventionell genutzten Wiesen und Reinsaatflächen auch Vertragsnaturschutzflächen mit spätem Erstmahdtermin. Hier soll auch ein experimenteller Blockversuch durchgeführt werden, da über das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm (VPN) die Bewirtschaftungsvarianten wie Mahdzeitpunkt oder Mähtechnik sowie der Wasserhaushalt in einem gewissen Rahmen gesteuert werden können.

Mit den Ergebnissen des Projektes hoffen die Forschenden aufzuzeigen, welche Lebensräume besonders artenreich sind, welcher Reichtum an Gefäßpflanzenarten und Vegetationstypen im Durchschnitt vertreten ist und was bei mehrjährigen Anstrengungen über die VPN-Maßnahmen maximal erreicht werden kann. Letztendlich soll beurteilt werden, wie groß der Bedarf an Maßnahmen zugunsten der Vielfalt der Gefäßpflanzen in der Normallandschaft ist. So kann entschieden werden, ob bisherige Naturschutzmaßnahmen wie bisher weitergeführt werden können. Die Ergebnisse finden Anwendung in der Praxis des Vertragsnaturschutzes und schaffen zugleich einen Bewertungsrahmen für Vielfalt. Sie unterstützen die Entscheidungen der Naturschutzbehörden und des Landschaftspflegeverbandes zur Steuerung der Nutzung und des Wasserregimes.

Weitere Informationen:
https://www.hswt.de/forschung/news/article/biologische-vielfalt-von-gruenlanddom...

Quelle: idw

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Wohnungsmarkt: mieten oder kaufen?

Robert Emmerich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Wer ein Haus oder eine Wohnung kauft, kann sich damit im Alter finanziell absichern. In Deutschland gibt es aber relativ wenige Immobilienbesitzer. Warum das so ist, erforschen Würzburger Finanzwissenschaftler mit Simulationsmodellen.

• „Können wir uns im Ruhestand die teure Miete für eine Wohnung überhaupt noch leisten? Vielleicht sollten wir uns rechtzeitig eine eigene Immobilie kaufen, damit später mehr von der Rente übrig bleibt."

• „Wenn ich im Alter in ein Pflegeheim muss, kann ich das vielleicht nicht bezahlen. Meine Kinder sollen aber auch nicht dafür aufkommen müssen. Sie können dann meine Wohnung verkaufen und mit dem Erlös meine Pflege finanzieren."

Das sind nur zwei Überlegungen, die vermutlich schon vielen Menschen in Deutschland durch den Kopf gegangen sind. Gerade in einer Gesellschaft, in der sich der Anteil älterer Menschen immer mehr erhöht, sollte es eigentlich besonders viele Haus- und Wohnungseigentümer geben - dafür sprechen mehrere gute Gründe.

Die Realität sieht aber anders aus: „In Deutschland besitzen nur rund 44 Prozent der Haushalte Wohneigentum, in Spanien oder Australien dagegen sind es etwa 80 Prozent", sagt Professor Hans Fehr, Inhaber des Lehrstuhls für Finanzwissenschaft an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Und: „Diese Zahlen verwundern einen noch mehr, wenn man die hohen Vermögen der deutschen Rentner bedenkt."

Mögliche Gründe für die geringe Wohneigentumsquote
Warum haben so wenige Deutsche Wohneigentum? Dafür gibt es womöglich auch psychologische Gründe. Manche Leute wollen vielleicht nicht die Verantwortung tragen, die mit dem Besitz eines Hauses verbunden ist - soll sich doch lieber der Vermieter um kaputte Heizungen und andere lästigen Dinge kümmern. Andere scheuen es, zur Finanzierung des Hauskaufs einen Kredit aufzunehmen. Sie wollen grundsätzlich keine Schulden machen oder haben Angst, arbeitslos zu werden und dann den Kredit nicht mehr abzahlen zu können.

„Die Schuldenphobie der Deutschen zu hinterfragen, ist Sache der Psychologie", sagt Professor Fehr. Sein Interesse als Wissenschaftler gilt mehr den ökonomischen Gründen, die erklären, warum zum Beispiel mehr Spanier oder Australier Immobilien besitzen als Deutsche. „Dafür scheinen vor allem Unterschiede in den Haushaltsstrukturen, der Steuer-, Renten-, Sozial- und Wohnungspolitik sowie in den Hypotheken- und Mietmarktregulierungen eine zentrale Rolle zu spielen", so Fehr.

Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert das Projekt
Die genannten und andere Faktoren will der JMU-Professor in seinem Projekt „Wohneigentum und Wohnungsmarkt in einer alternden Gesellschaft" analysieren. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Vorhaben, an dem Fehrs Doktorand Maurice Hofmann mitarbeitet.

„Wir möchten mit numerischen Simulationsmodellen den Einfluss verschiedener Faktoren auf die individuelle Entscheidung zwischen Wohneigentum und Miete bestimmen", sagt Fehr. Danach gelte es, mit Hilfe des Modells die Effekte unterschiedlicher wirtschaftspolitischer Instrumente auf Wohnungsangebot und -nachfrage in Deutschland zu quantifizieren.

Zwischen städtischen und ländlichen Wohnungsmärkten wird dabei nicht unterschieden, dadurch würde das Modell zu kompliziert. Auch die Psychologie muss außen vor bleiben: Die Forscher setzen voraus, dass die Menschen wirtschaftlich rational denken und ihr Verhalten nach ökonomischen Anreizen ausrichten.

Erstes Teilmodell bildet einzelnen Haushalt ab
Fehrs Team hat bereits ein Teilmodell entwickelt, in dem es zunächst um einen einzigen Haushalt geht. Abgebildet wird dabei ein Mensch in der Lebensspanne von 20 bis 100 Jahren, seine Einkommensverhältnisse und Konsumentscheidungen, sein Spar- und Anlageverhalten (Immobilien, risikolose Staatspapiere, risikobehaftete Aktien), seine Pflegekosten im höheren Alter.

An diesem Teilmodell lassen sich verschiedene Szenarien durchspielen. Ihm zufolge steigern zunehmende Pflegekosten und -risiken die Nachfrage nach Wohneigentum. „Das wird in der Zukunft ein wichtiger Punkt sein", meint Fehr. Aber noch sei in Deutschland die Sozialversicherung so gut ausgebaut, dass nicht alle Menschen daran denken, sich mit Wohneigentum fürs Alter abzusichern. In Ländern mit großzügigen Rentensystemen und einer guten Pflegeversicherung gebe es in der Tendenz generell eine niedrigere Wohneigentumsquote.

Effekte politischer Entscheidungen modellieren
Bis Ende 2018 wollen die Würzburger Finanzwissenschaftler ihr gesamtes Modell fertig haben. Um den Einzelhaushalt herum werden dann unter anderem ein Renten- und Sozialsystem sowie ein Wohnungsbausektor modelliert sein. So lassen sich die Wirkungen spezifischer deutscher Politik-Instrumente austesten - etwa die Förderung des sozialen Wohnungsbaus oder die Einführung eines Baukindergelds.

Mit dem Simulationsmodell sollten sich auch die Gewinner und Verlierer einer bestimmten Wirtschaftspolitik identifizieren lassen - zum Beispiel können dann die Auswirkungen einer Rentenreform ermittelt werden. „Im Idealfall kann am Ende des Projektes eine Art Empfehlung für die Wirtschaftspolitik herausgearbeitet werden", sagt Fehr.

Kontakt
Prof. Dr. Hans Fehr, Lehrstuhl für Finanzwissenschaft, Universität Würzburg,
T +49 931 31-82972, hans.fehr@uni-wuerzburg.de

Weitere Informationen:
https://www.wiwi.uni-wuerzburg.de/lehrstuhl/fiwi/home/ Website von Prof. Dr. Hans Fehr

Quelle: idw

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Fettleber unter Stress

Dr. Suzan Fiack Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

BfR-Forscher untersuchen, wie krankhafte Prozesse die Entgiftungszentrale des Körpers belasten

Falsche Ernährungsgewohnheiten und andere Risikofaktoren machen die Leber krank. Das Stoffwechselorgan verfettet und kann sich entzünden. Auf lange Sicht drohen unwiderrufliche und lebensgefährliche Organschäden (Leberzirrhose oder „Schrumpfleber"). Fachleute des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) in Berlin haben nun an Leberzellen in der Petrischale untersucht, wie Verfettung und Entzündung die Entgiftungszentrale des Körpers schwächen. „Die Ergebnisse zeigen, dass vor allem Entzündungen die Arbeit wichtiger Enzyme der Leberzelle blockieren", sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR. „Damit kann die Leber ihre Aufgabe, mit der Nahrung aufgenommene Fremdstoffe zu entgiften, nur noch begrenzt wahrnehmen."

Link zur Studie (Abstract):
http://dmd.aspetjournals.org/content/46/4

Bislang ist nicht vollständig geklärt, wie sich eine verfettete und entzündete Leber auf ihre Fähigkeit auswirkt, Fremdstoffe wie Chemikalien oder Medikamente zu erkennen und abzubauen. In Zusammenarbeit mit dem Dr. Margarete Fischer-Bosch-Institut für Klinische Pharmakologie in Stuttgart behandelten die BfR-Forscherinnen und Forscher menschliche Leberzellen mit Fettsäuren, entzündungsfördernden Substanzen und Fremdstoffen. Auf diese Weise stellten sie die Bedingungen in der Leber nach und zeichneten auf, wie die Zellen darauf reagierten.

Das Hauptergebnis: Während eine bloße Verfettung der Leberzelle noch keine weitreichenden Folgen für die Entgiftung hatte, änderte sich das, wenn eine Entzündung erzeugt wurde, wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Fachblatt „Drug Metabolism and Disposition" berichten. Die Fähigkeit, Fremdstoffe unschädlich zu machen, ist deshalb bei einer fettleberbedingten Entzündung vermutlich deutlich verringert.

Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Quelle: idw

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Wassergespräch Lausitz - Wie weiter mit dem Wasser in der Region?

Tina Berger Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg

Veränderung von Seewasserspiegeln in Nordostdeutschland - verschiedene Ursachen, verschiedene Wirkungen?
Während in der Lausitz - verknüpft mit dem nachbergbaulichen Grundwasserwiederanstieg - fast 30 Bergbaufolgeseen entstehen, werden seit etwa 25 Jahren in Nordostdeutschland fallende oder verstärkt schwankende See- und Grundwasserspiegel beobachtet. Das betrifft auch eine Reihe von Seen im gewässerreichen aber wasserarmen Bundesland Brandenburg. Vor allem an Grundwasserseen und an Endseen, welche von Natur aus abflusslos sind, sind diese Phänomene zu beobachten.

Veränderung von Seewasserspiegeln in Nordostdeutschland - verschiedene Ursachen, verschiedene Wirkungen?
Während in der Lausitz - verknüpft mit dem nachbergbaulichen Grundwasserwiederanstieg - fast 30 Bergbaufolgeseen entstehen, werden seit etwa 25 Jahren in Nordostdeutschland fallende oder verstärkt schwankende See- und Grundwasserspiegel beobachtet. Das betrifft auch eine Reihe von Seen im gewässerreichen aber wasserarmen Bundesland Brandenburg. Vor allem an Grundwasser-seen und an Endseen, welche von Natur aus abflusslos sind, sind diese Phänomene zu beobachten.

Für diesen »hydrologischen Wandel von Seen«, der mit erheblichen wasserwirtschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Veränderungen verbunden ist, wird in den Medien und in der Öffentlichkeit häufig der globale Klimawandel als Hauptursache festgemacht. Ohne Zweifel ist bei fortschreitender Erwärmung in den kommenden Jahrzehnten - verknüpft z.B. mit einer zunehmenden Verdunstung, einem gleich bleibenden Jahresniederschlag und mehr abflusswirksamen Extremereignissen - mit stark schwankenden Grundwasserneubildungs- und Abflussraten zu rechnen.

Leider existieren für die Seen in Nordostdeutschland keine systematischen hydrologischen bzw. landschaftswasserhaushaltlichen Untersuchungen, obwohl eine Vielfalt von Daten. Exemplarische, interdisziplinäre Untersuchungen in Nordostdeutschland zeigen aber, dass vielfältige Prozesse im Umfeld der Seen und in deren Einzugsgebieten zu Wasserspiegeländerungen führen können. Diese und die daraus resultierenden Konsequenzen für Umwelt und Nutzung werden im Vortrag dargestellt und Ansatzpunkte zu einer Stabilisierung des lokalen Seewasserhaushalts diskutiert.

Letztlich zeigt sich, dass solche Maßnahmen mit Blick auf die Seen eingebettet sind in solche, welche der generellen Verbesserung des regionalen Landschaftswasserhaushaltes dienen. Diese sind jedoch keineswegs nur wasserwirtschaftlicher, hydrologischer oder ökologischer Art, sondern sie greifen weit in andere gesellschaftliche Bereiche wie Land- und Waldwirtschaft, Tourismus und Infrastrukturentwicklung hinein.

Weitere Informationen:
https://www.b-tu.de/news/artikel/13755-oeffentliche-ringvorlesung-wassergespraec...

Quelle: idw

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Gesichtserkennung in Australien - die Privatsphäre wurde ganz offiziell abgeschafft

Sabine Ranke-Heinemann Pressestelle
Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

In Zeiten von Big Data wird der Schutz der Privatsphäre immer häufiger nicht beachtet. Oft werden unsere persönlichen Daten aber auch verwendet, ohne das wir davon wissen - so die Gesichtserkennung, für die in Australien eine gesetzliche Grundlage geschaffen wurde. Dr Monique Mann von der Queensland University of Technology in Brisbane fasst zusammen, wie die Daten der Australier genutzt werden und warum auch Führerscheine und Reisepässe nicht mehr privat sind.

Es ist allgemein bekannt, dass Handys Bewegungsprofile und Kreditkartenfirmen Einkaufsgewohnheiten sammeln. Für gewöhnlich stört dies die Betroffenen nicht, da sie vermeintlich nichts zu verheimlichen haben. Was viele Menschen jedoch nicht wissen, ist, in welchem Umfang Technologien der Gesichtserkennung im Rahmen der Gesetzesvollstreckung und zur kommerziellen Verwendung in Australien genutzt werden. "Es werden persönliche Daten gesammelt, gespeichert und freigegeben, ohne dass wir jemals zugestimmt haben oder es überhaupt wissen", meint Dr Mann vom Crime and Justice Research Centre der Queensland University of Technology (QUT) in Brisbane.

„Das wachsende Sammeln persönlicher Informationen im Rahmen der Gesetzesausübung und durch Sicherheitsbehörden wird nicht durch eine angemessene Aufsicht oder Haftungsmaßnahmen begleitet. Die Sicherheit der Privatsphäre kann nicht gewährleistet werden. Viele Menschen sind sich nicht darüber bewusst, dass mit der Inkraftsetzung der seit 2016 in Australien geltenden "National Facial Biometric Matching Capability" (NFBMC) der Grundstein für das Speichern von Gesichtern zu Gunsten der Gesichtserkennung gelegt wurde. Hierbei wurden die biometrischen Daten von jedem australischen Staatsbürger mit Reisepass genutzt, sodass die Datenbank die Gesichtsvorlagen von etwa 12 Millionen Australiern beinhaltet. Es gibt auch Versuche, die Daten der Führerscheindatenbanken miteinzubeziehen. Die Verwaltung von Queensland hat hierzu vergangene Woche bereits grünes Licht gegeben."

Laut Dr Mann wächst die Nutzung von Big Data, sodass Individuen mittlerweile ohne größere Probleme anhand ihrer Daten identifiziert werden können. „Darüber hinaus verhilft die Gesichtserkennung dazu, Individuen in der Realität zu erkennen und zu verfolgen, während gleichermaßen weiterhin Daten für die Datenbanken der Regierung, Gesetzesvollstreckung und Sicherheitsbehörden gesammelt werden."

„Die meisten von uns sind sich nicht darüber bewusst, wie viele unserer persönlichen Informationen genutzt werden. Dabei ist es unerheblich, ob wir - im Falle der Reisepässe und Führerscheine - darüber Bescheid wissen, oder - im Falle der Sozialen Medien - dies unabsichtlich geschieht. Des Weiteren wissen wir nicht, wie unsere Daten weitergeleitet oder für sekundäre Gründe verarbeitet und genutzt werden. Australische Staatsbürger haben nur begrenzte Absicherung für den Gebrauch der persönlichen Daten, die ausserdem mit erheblichen Ausnahmen versehen sind."

Weitere Informationen zur Nutzung der biometrischen Daten und Diskussionen zum Thema gibt es in dem Buch »Biometrics, Crime and Security« von Dr Mann und den Co-Autoren Dr Marcus Smith von der Charles Start University und Assistenzprofessor Gregor Urban von der University of Canterbury in Neuseeland.

Weitere Informationen:
Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
Pressestelle Friedrichstr. 95
10117 Berlin
Email: berlin@ranke-heinemann.de
Tel.: 030-20 96 29 593

Oder:

QUT Media contacts
Niki Widdowson
Email: n.widdowson@qut.edu.au
Tel.:+ 61 (0) 7-3138-2999

Das Institut ist die gemeinnützige Einrichtung zur Förderung des Austausches und der Auslandsstudien insbesondere mit allen Universitäten Australiens und Neuseelands sowie zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. In seinen Förderprogrammen stellt es SchülerInnen und Studierenden Unterstützung in der Finanzierung durch Stipendien und Coaching in der Studienberatung und Studienplatzbewerbung zur Verfügung.

Weitere Informationen:
https://www.ranke-heinemann.de

Quelle: idw

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Mikroarray-Schnelltest verkürzt Nachweis bei Legionella pneumophila Ausbruch

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Bei einem Ausbruch der Legionärskrankheit ist es wichtig, so schnell wie möglich die genaue Quelle zu finden, um weitere Infektionen zu verhindern. Bisher dauert es Tage, bis eine genaue Analyse vorliegt. Forschende der Technischen Universität München haben nun einen Schnelltest entwickelt, der dies in rund 35 Minuten kann.

Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die beim Menschen eine lebensgefährliche Lungenentzündung auslösen können. Sie vermehren sich in warmem Wasser. Über Kühltürme, Verdunstungs-Rückkühlanlagen und Warmwassersysteme können sie in die Luft gelangen.

Die gefährlichste Spezies unter den knapp 50 Legionellen-Arten ist ein Subtyp von Legionella pneumophila. Er ist für 90 Prozent aller Erkrankungen verantwortlich. Kommt es zu einem Ausbruch, muss schnellstmöglich die Quelle der Keime identifiziert werden, um weitere Infektionen zu verhindern.

Den Ausbruchsort hat man gefunden, wenn, ähnlich wie beim Vaterschaftstest, die Keime im Prozesswasser der technischen Anlage mit den beim Patienten nachgewiesenen eindeutig übereinstimmen. Dazu sind jedoch oft viele Anlagen zu testen, und die für den Test notwendige Kultivierung dauert rund zehn Tage.

Schneller Nachweis mit Antikörpern
Für den Nachweis des Legionella-Erregers in der Klinik gibt es inzwischen einen Schnelltest, der von den Legionellen gebildete Verbindungen im Urin der Patienten nachweisen kann. „Leider ist dieser Schnelltest nur ein erster Hinweis und für den Nachweis im Wasser technischer Anlagen nicht geeignet", sagt PD Dr. Michael Seidel, Leiter der Forschungsgruppe am Lehrstuhl für Analytische Chemie und Wasserchemie der TU München.

Das Wissenschaftlerteam entwickelte daher im Rahmen des vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekts „LegioTyper" einen Mess-Chip, der nicht nur den gefährlichen Erreger Legionella pneumophila nachweisen kann sondern auch zeigt, welcher der rund 20 Subtypen vorliegt.

Schnell, kostengünstig und vielseitig
Der folienbasierte Mess-Chip nutzt die Mikroarray-Analyseplattform MCR der Münchner Firma GWK GmbH. Mithilfe von 20 verschiedenen Antikörpern liefert das System eine vollständige Analyse innerhalb von 34 Minuten.

„Im Vergleich zu bisherigen Messungen, liefert die neue Methode nicht nur einen riesigen Geschwindigkeitsvorteil", sagt Michael Seidel, „sondern ist auch noch so billig, dass wir den Chip zum Einmalgebrauch einsetzen können."

Das System kann sowohl in der Umwelthygiene als auch in der klinischen Diagnostik angewandt werden. In Kombination mit einem weiteren, DNA-basierten Verfahren kann das System sogar zwischen abgestorbenen und lebenden Legionella-Erregern unterscheiden. Damit ist es möglich, den Erfolg von Desinfektionsmaßnahmen zu überwachen. Auf der Analytica 2018 in München (Halle 3, Stand 315) stellen die Projektbeteiligten ihr System erstmals öffentlich vor.

Publikationen:
Wunderlich, A.; Torggler, C.; Elsaesser, D.; Lück, C.; Niessner, R.; Seidel, M., Rapid quantification method for Legionella pneumophila in surface water. Analytical and Bioanalytical Chemistry 2016, 408(9), 2203-2213. DOI: 10.1007/s00216-016-9362-x.

Kober, C.; Niessner, R.; Seidel, M. Quantification of viable and non-viable Legionella spp. by heterogeneous asymmetric recombinase polymerase amplification (haRPA) on a flow-based chemiluminescence microarray. Biosensors and Bioelectronics, 2018, 100, 49-55. https://doi.org/10.1016/j.bios.2017.08.053

Mehr Informationen:
Das LegioTyper-Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programmes „Zivile Sicherheit - Schutz vor biologischen Gefahrenlagen und Pandemien" gefördert gefördert. Die Antikörper stellte das an der TU Dresden angesiedelte deutsche Referenzlabor für Legionellen.

Die Mikroarray-Analyseplattform MCR 3 der Münchner Firma GWK GmbH wird auch bei dem vom gleichen Lehrstuhl entwickelten Test auf Antibiotikarückstände in Milch verwendet:
https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/31075/

Kontakt
PD Dr. Michael Seidel
Technische Universität München
Lehrstuhl für Analytische Chemie und Wasserchemie
Institut für Wasserchemie und Chemische Balneologie
Marchioninistr. 17, 81377 München, Germany
Tel.: +49 89 2180 78252 - E-Mail: michael.seidel@ch.tum.de
Web: http://www.hydrochemistry.tum.de/home/

Weitere Informationen:
https://www.tum.de/nc/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/34535/ Link zur Presseinformation
http://www.bayern-innovativ.de/analytica2018/tum-chemie/
http://www.LegioTyper.de

Quelle: idw

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Upcycling von PET-Flaschen: Neue Ideen für einen Wertstoffkreislauf in Deutschland

Anke Zeidler-Finsel Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

Ein neu gestartetes Forschungsvorhaben „UpcyclePET" entwickelt ein innovatives Verfahren für eine hochwertige Kreislaufnutzung von Polyethylenterephthalat (PET). Dieses ermöglicht die Verwertung von PET-Abfällen aus gebrauchten Getränkeflaschen als Industriekunststoff und reduziert dadurch den Verbrauch von neuwertigem Kunststoff auf Basis von Polyamid. Das Projektteam besteht aus der Firma EASICOMP GmbH, dem Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF und dem Öko-Institut.

Upcycling statt Recycling
Dr.-Ing. Tapio Harmia, Geschäftsführer der Firma EASICOMP, erläutert: „Wir wollen gebrauchtes PET nicht nur einfach als Getränkeflaschen recyceln, sondern zur Herstellung hochwertiger und langlebiger Produkte einsetzen. Diese Idee bezeichnet man als Upcycling." Dr. Volker Strubel, Verbundkoordinator des Projekts, ergänzt: „Mit diesem Upcycling stellen wir aus Recycling-PET neue glasfaserverstärkte Leichtbau-Teile her und reduzieren so den Einsatz von Polyamiden zur Produktion von Automobilbauteilen wie Motorlager oder Montageträger."

Im Projekt UpcyclePET nutzen die Partner Kompetenzen aus der Material- und Prozessentwicklung, um einen integrierten Fertigungsprozess zur Herstellung glasfaser-verstärkter PET-Bauteile zu entwickeln. Dabei kommt ein Strangziehverfahren (Pultrusionsprozess) zum Einsatz, mit dem der PET-Kunststoff mit Langglasfasern verstärkt und dadurch technisch aufgewertet wird. Dieser Ansatz kombiniert die mechanischen Vorteile der besonders stabilen Langglasfasern mit den vorteilhaften Eigenschaften von PET. Dazu gehören etwa die geringe Quellfähigkeit und gute Dimensionsstabilität. „Das Besondere dieses Ansatzes besteht darin, zwei in der heutigen Praxis entkoppelt laufende Prozessschritte zu kombinieren und die Eigenschaften des eingesetzten Recycling-PET durch Additivierung und Modifikation gezielt maßzuschneidern", erläutert Dr. Frank Schönberger vom Fraunhofer LBF.

Weil alle erforderlichen Prozessschritte in nur einer Anlage erfolgen, ist die Produktion besonders kostengünstig. Am Beispiel eines Leichtbauteils aus der Automobilindustrie bewertet das Projektteam die Potenziale für den technischen Ersatz des Materials und zeigt mögliche ökologische wie ökonomische Vorteile auf. Dr. Andreas R. Köhler vom Öko-Institut dazu: „Wir erwarten vom UpcyclePET-Projekt einen Innovationsschub für ein hochwertiges Recycling von Kunststoffabfällen in Deutschland. Das Upcycling von PET-Abfällen birgt das Potenzial für deutliche Umweltvorteile, weil langlebige Produkte entstehen und Kunststoffarten mit wesentlich höherem Treibhausgaspotenzial ersetzt werden können."

Hintergrund: Recycling von PET-Flaschen
Der Trend zum Recycling von Polyethylenterephthalat (PET) aus Flaschenabfällen hat in Deutschland ein hohes Niveau erreicht. Im Jahr 2015 wurden in Deutschland dank des eingeführten Pfandsystems über 97 Prozent des Flaschen-PET wiederverwertet. Sie stellen damit eine wertvolle Quelle für Recycling-PET dar, das sowohl für die Produktion neuer PET-Flaschen Verwendung findet als auch, vor allem in Asien, zu Textilien verarbeitet wird. Diese Abfälle können aber auch im Sinne eines besonders hochwertigen Recyclings („Upcycling") dazu genutzt werden, langlebige technische Anwendungen jenseits der Verpackungs- und Textilindustrie zu erschließen. Dieser Ansatz gewinnt besonders an Bedeutung, seitdem China zum Jahresbeginn einen Importstopp von Kunststoffabfällen in Kraft gesetzt hat.

Über die Projektpartner
Die Firma EASICOMP GmbH ist einer der führenden Hersteller auf dem Gebiet von langglasfaserverstärkten Thermoplasten mittels Strangziehverfahren und zeichnet sich für die großtechnische Umsetzung des langglasfaserverstärkten UpcyclePET verantwortlich.

Das Fraunhofer LBF wendet seine umfangreiche Expertise in der Additivierung, Modifikation und Verarbeitung technischer Kunststoffe im Projekt zur maßgeschneiderten Material- und Prozessentwicklung an.

Das Öko-Institut e. V. führt ökologische und ökonomische Analysen zu den relevanten Nachhaltigkeitseffekten (Ressourcen-, Energie- und CO2-Einsparung etc.) durch. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das Projekt im Rahmen der Förderlinie „KMU Innovativ" finanziell.

Quelle: idw

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Wie die Form unserer Ohren bestimmt, was wir hören

Susann Huster Stabsstelle Universitätskommunikation/Medienredaktion
Universität Leipzig

Wenn wir unsere Augen schließen, wissen wir, aus welcher Richtung ein Ton kommt. Dadurch können wir in einer Gesprächsrunde, etwa auf einer Party, mehrere Sprecher voneinander unterscheiden und dem Sprechenden gezielt unsere Aufmerksamkeit widmen. Die Form unserer Ohren spielt dabei eine entscheidende Rolle: Sie bestimmt, wie der Schall in unser Innenohr reflektiert wird und ändert ihn dabei ganz leicht, abhängig von seiner Richtung im Raum. So kann unser Gehirn die Lage des Tons im Raum berechnen.

Wie das genau passiert, war bisher unbekannt. Neurowissenschaftler der Universität Leipzig und der Universität Montreal haben nun entschlüsselt, wie sich die gehörte Tonrichtung im Gehirn widerspiegelt. Diese Erkenntnisse könnten helfen, Hörgeräte zu verbessern.

Manche sind klein, manche groß, manche eher hängend, andere wiederum spitz nach oben ragend: Ohren. So unterschiedlich sie auch aussehen mögen, so sehr scheint ihre Form darüber zu entscheiden, was wir hören. Wissenschaftler der Universitäten Leipzig und Montreal haben in einer aktuellen Studie erkannt, dass die Form unserer Hörorgane und ihrer Wulste beeinflusst, wie die aus allen Richtungen eintreffenden Schallwellen in unser Innenohr reflektiert werden. Aus diesen individuellen Reflektionsmustern ermittelt unser Gehirn dann, ob ein Ton von oben oder unten auf uns eintrifft.

Bislang war bereits bekannt, wodurch wir erkennen, ob ein Ton von rechts oder links kommt. Klingelt rechts von uns ein Telefon, so erreichen die Schallwellen zuerst das rechte Ohr, anschließend mit etwas Verzögerung das linke. Unser Gehirn kann daraus zuordnen, woher das entsprechende Geräusch kommt. Unklar war bisher jedoch, wie es uns gelingt, einen Ton vertikal im Raum zu verorten.

"Töne aus verschiedenen Richtungen treffen unterschiedlich auf die äußeren Bereiche unserer Ohren. Die Ohrmuschel reflektiert durch ihre unregelmäßige Form den Schall in den Gehörgang. Dadurch entsteht ein kurzes Echo, das die Klangfarbe ändert", erklärt Marc Schönwiesner, Professor am Institut für Biologie der Universität Leipzig. "Unser Gehirn kann diese kleinen Unterscheide lernen und mit verschiedenen Richtungen assoziieren." Die Klangfarbe ist dabei die Eigenschaft eines Tons, die sich aus der Lautstärke der einzelnen im Ton enthaltenen Frequenzen bestimmt. Sie ist der Grund, warum ein und dieselbe Note, etwa ein hohes C, von einer Geige anders klingt als von einer Blockflöte.

Untersucht haben die Wissenschaftler die Rolle der äußeren Ohrform für unser räumliches Hören, indem sie diese bei 15 Personen veränderten. Dazu bekamen die Teilnehmer ein kleines, von außen nicht erkennbares Silikonstück eingesetzt. Zuvor und anschließend spielten sie den Teilnehmern in einem Schall-Labor Töne vor, von denen sie entscheiden sollten, ob sie von oben oder unten kamen. Obwohl diese dabei jeweils den gleichen Tönen lauschten, zeigten sich in den Hörtests deutliche Unterschiede: Vor der Veränderung ihrer Ohrform konnten sie die Töne recht präzise verorten, mit den eingesetzten Silikonstücken gelang ihnen das kaum. "Als wir ihnen etwa einen Ton oberhalb ihres Kopfes vorspielten, glaubten sie dann plötzlich, dass er von unten kam", erklärt der Neurowissenschaftler. Nachdem jedoch einige Tage vergangen waren und sie die Hörtests wiederholten, konnten die Probanden wieder an ihre früheren Hör-Erfolge anknüpfen.

Um zu beobachten, was während dieser drei Stationen im Gehirn vor sich ging, spielten die Forscher den Probanden die aus allen Richtungen eintreffenden Töne auch vor, als diese im Magnetresonanztomographen lagen. Dabei konzentrierten die Neurowissenschaftler sich auf die Aktivitäten im Hörcortex, also in dem Bereich der Großhirnrinde, der auf das Hören spezialisiert ist und erkannten: Die Neurone sind umso weniger aktiv, je höher die Quelle eines Tones über unserem Kopf liegt. Anhand der Signale des Gehirns konnten die Wissenschaftler sogar direkt auf die Lage der Töne im Raum schließen. Mit frisch eingesetzten Silikonstücken im Ohr zeigte sich ihnen jedoch ein anderes Muster: Die Neurone feuerten deutlich unorganisierter auf die eintreffenden akustischen Reize, ein Rückschluss auf die Lage der Töne im Raum war nicht möglich. Das änderte sich allerdings, nachdem sich die Freiwilligen mit ihren neuen Ohren durch den Alltag bewegt hatten. Die Hirnaktivitäten hatten sich wieder sortiert und entsprachen denen der unveränderten Ohrformen.

"Wir können mit unseren eigenen individuell gestalteten Ohren hören, weil unser Gehirn ihre Form kennt. Wenn sich diese jedoch ändert, braucht es einige Zeit, um sich anzupassen. Das ist beispielsweise auch der Fall, wenn wir wachsen", erklärt Schönwiesner.

Die Erkenntnisse des deutsch-kanadischen Forscherteams geben nicht nur Aufschluss darüber, wie unser Gehirn lernt, sich an neue Bedingungen flexibel anzupassen. Sie können auch helfen, Hörgeräte zu verbessern. "In Deutschland sind aktuell etwa 17 Prozent der Bevölkerung von Hörverlust betroffen. Mit steigender Tendenz, denn unsere Umwelt wird immer lauter, gleichzeitig werden die Menschen immer älter", erklärt der Leipziger Biologe. "Aktuell sind nach Schätzungen von Hörgeräteherstellern und Ärzten bis zu 25 Prozent der Hörgeräte nicht im Einsatz, weil Patienten häufig unterschätzen, dass das Gehirn Zeit zur Gewöhnung braucht und erwarten stattdessen eine sofortige Verbesserung. Wenn wir den Gewöhnungsprozess besser verstehen, können wir ihn vielleicht beschleunigen, sodass Patienten zielgerichtet beraten werden könnten."

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Marc Schönwiesner
Institut für Biologie
General Zoology and Neurobiology
Telefon: +49-341-9736723
E-Mail: marcs@rz.uni-leipzig.de

Weitere Informationen:
https://biologie.biphaps.uni-leipzig.de/institut/ag/neuro/

Quelle: idw

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Sicherheit ist wichtiger als Flexibilität. Wie Frauen und Männer sich ihren Arbeitsplatz wünschen

Dr. Harald Wilkoszewski Informations- und Kommunikationsreferat
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH

Frauen wünschen sich einen sicheren Arbeitsplatz und eine interessante Arbeit. Flexible Arbeitszeiten sind ihnen dagegen weniger wichtig. Dies hat Mareike Bünning vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) in einer neuen Studie zu den Arbeitsbedingungen von Erwerbstätigen in Deutschland herausgefunden.

Im Mittelpunkt der Studie stehen die Wünsche von Frauen und Männern an ihren Arbeitsplatz, den sie anhand von neun Merkmalen bewerten konnten. Eine sichere und interessante Arbeit zu haben, steht für erwerbstätige Frauen an erster Stelle; über die Hälfte der Frauen findet diese beiden Kriterien sehr wichtig. Darin unterscheiden sie sich nicht von den männlichen Erwerbstätigen, für die beide Kriterien ebenfalls auf den ersten beiden Plätzen der Liste stehen. Flexible Arbeitszeiten, ein hohes Einkommen und gute Aufstiegsmöglichkeiten landen bei Frauen wie bei Männern auf den hinteren Plätzen der Liste.

Nur 14 Prozent der Erwerbstätigen sind flexible Arbeitszeiten sehr wichtig, was angesichts der Debatten um Vereinbarkeit von Familie und Beruf besonders bei den weiblichen Erwerbstätigen erstaunt. „Mütter mit kleinen Kindern sind die Gruppe, die am meisten Wert auf flexible Arbeitszeiten legt", sagt Mareike Bünning, „aber auch von ihnen finden nur 20 Prozent flexible Arbeitszeiten sehr wichtig. Während einige Frauen flexible Arbeitszeiten als hilfreich für die Vereinbarkeit ansehen, hilft es anderen mehr, wenn sie klar geregelte, feste Arbeitszeiten haben. "

Auf die Plätze drei und vier der Liste setzen Frauen den Wunsch, bei der Arbeit Kontakt zu anderen Menschen zu haben, und die Möglichkeit, selbstbestimmt und unabhängig zu arbeiten. Jeweils 39 Prozent ist dies sehr wichtig. Hier unterscheiden sich die Geschlechter am stärksten. Männer legen im Vergleich zu Frauen mehr Wert auf Gestaltungsspielräume (sehr wichtig bei 45 Prozent) und weniger Wert auf Kontakt zu anderen Menschen (32 Prozent). Auf Platz fünf und sechs folgt bei Frauen wie bei Männern der Wunsch, anderen Menschen zu helfen und eine Arbeit auszuüben, die nützlich für die Gesellschaft ist.

Unterschiede gibt es bei den Frauen je nach Bildungsgrad: Frauen mit Abitur legen im Vergleich zu Frauen mit Haupt- oder Realschulabschluss deutlich mehr Wert auf eine interessante und unabhängige Arbeit, auch flexible Arbeitszeiten sind ihnen etwas wichtiger. Frauen mit Hauptschulabschluss wünschen sich dagegen besonders oft ein hohes Einkommen.

Auch die tatsächlichen Arbeitsplatzmerkmale wurden in der Studie untersucht: Positiv ist, dass die meisten Arbeitsplätze die Merkmale aufweisen, die den Erwerbstätigen besonders wichtig sind. Jeweils über 80 Prozent der weiblichen und männlichen Erwerbstätigen erklären, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben, einer interessanten und unabhängigen Arbeit nachzugehen und Kontakt zu anderen Menschen zu haben. Defizite gibt es laut Selbsteinschätzung der Beschäftigten bei den Aufstiegsmöglichkeiten und der Möglichkeit, ein hohes Einkommen zu erzielen. Diese beiden Bedingungen finden Frauen mit 30 Prozent zudem deutlich seltener vor als Männer (40 Prozent).

Die Daten stammen aus dem International Social Survey Programme (ISSP) 2015, einer repräsentativen internationalen Befragung. In Deutschland wurden 1.029 Erwerbstätige ab 18 Jahren befragt.

Pressekontakt
Dr. Mareike Bünning
Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Nachwuchsgruppe
Arbeit und Fürsorge
Telefon 030 25491-297
mareike.buenning@wzb.eu

Kerstin Schneider
WZB-Pressestelle
Telefon 030 25491-506
kerstin.schneider@wzb.eu

Weitere Informationen:
https://www.wzb.eu/sites/default/files/u8/tabelle_arbeitsplatzwuensche.pdf (Tabelle)
https://www.wzb.eu/de/pressemitteilung/sicherheit-ist-wichtiger-als-flexibilitae...

Quelle: idw

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Biokraftstoffe: EU-Projekt BioMates gewinnt an Fahrt

Dipl.-Chem. Iris Kumpmann Abteilung Public Relations
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Das von der Europäischen Union (EU) geförderte Projekt BioMates geht in die nächste Runde: Experten des acht Partner umfassenden Projektes entwickelten jüngst eine Pilotanlage, die erstmalig im Testbetrieb bis zu fünf Kilogramm Stroh und Nicht-Nahrungsmittelpflanzen (Miscanthus) zu Bio-Öl einer neuen Generation verarbeiten kann. Gleichzeitig hat das internationale Forscherteam die idealen Einsatzpunkte für dieses Öl innerhalb konventioneller Raffinerien identifiziert. Damit rückt das im Oktober 2016 gestartete Projekt schrittweise seinem Ziel näher, künftig aus lignocellulosehaltiger Biomasse im Demonstrationsmaßstab Kraftstoffe herzustellen.

BioMates steht für: »Bio-based Intermediates«, also ein biobasiertes Zwischenprodukt. Das Vorhaben wird vom Europäischen Rahmenprogramm für Forschung und Innovation Horizon 2020 gefördert und vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen koordiniert. Intensive Forschung und die enge Zusammenarbeit des BioMates-Teams sind die Grundlage für den Erfolg des Projekts. So konnten unter anderem in Heidelberg im Rahmen eines Workshops konkrete Systembeschreibungen erarbeitet werden, die alle wesentlichen Lebenswegabschnitte entlang der Wertschöpfungskette für die Nachhaltigkeitsbewertung umfassen.

All das ist wichtig, um mittelfristig Zwischenprodukte aus Holz oder holzartigen Reststoffen sowie Agrarprodukten wie Stroh und Gräsern herzustellen, die verlässliche Stoffeigenschaften aufweisen und für den hoch sensiblen Erdöl-Raffinerieprozess geeignet sind. Letztendlich könnte mit diesem erneuerbaren Einsatzstoff für die Raffinerien Hybridkraftstoff mit bis zu 30 Prozent Bioanteil hergestellt werden, der messbar weniger fossiles CO2 emittiert als vergleichbare herkömmliche Kraftstoffe.

Herstellung von Biokraftstoff
Der Clou: Bisher entstehen Kraftstoffe mit biogenem Anteil fast ausschließlich durch das Mischen (Blenden) von Kraftstoffen aus konventionellen Raffinerien mit fertig produzierten Biokraftstoffen, die erst am Ende beider Prozesse zusammengemischt werden. Ganz anders bei BioMates. Demnach wird die Biomasse zunächst zu so genanntem »Bio-Öl« umgesetzt. Dabei wird der Einsatzstoff bei hoher Temperatur gegen einen rotierenden Wärmeträger gepresst und so in weniger als einer Sekunde verflüssigt.

Anschließend kann das Bio-Öl mittels sogenannter milder Hydrierung zu definierten Intermediaten (BioMates) weiterverarbeitet werden, die sich als Zwischenprodukten in die Raffinerie einspeisen lassen. So wird gewährleistet, dass die zur Einspeisung in den hoch sensiblen Raffinerieprozess wichtigen Stoffeigenschaften wie zum Beispiel Säurezahl, Sauerstoff- oder Schwefelgehalt trotz schwankenden Rohstoffeigenschaften zu jeder Zeit die vorgegebenen Werte einhalten.

Betrieb im Pilotmaßstab
Die Praxistauglichkeit der Technik wird in Pilotanlagen in einer realitätsnahen Umgebung unter anderem bei Fraunhofer UMSICHT in Oberhausen und bei CERTH in Thessaloniki demonstriert. HyET aus Arnheim entwickelt und liefert die Einheit zur elektrochemischen Wasserstoffverdichtung, und Ranido aus Prag entwickelt mit Unterstützung der Universität für Chemie und Technologie Prag die Katalysatoren. IFEU aus Heidelberg steuert gemeinsam mit dem Imperial College aus London eine einheitliche Nachhaltigkeitsbewertung bei. Als Raffineriebetreiber wird BP die Analysen und ökonomische Auswertung durchführen. Schließlich wird der Einsatz der hergestellten „BioMates" in einer griechischen Pilotraffinerie praxisnah getestet.

Bei Fraunhofer UMSICHT in Oberhausen wird die Umwandlung der Einsatzstoffe Stroh und Miscanthus zum ersten Zwischenprodukt, dem Bio-Öl, durchgeführt. Während das Chinaschilf (Miscanthus sinensis) das Gelände schmückt, wird sein ertragreicherer Verwandter, das Riesen-Chinaschilf (Miscanthus × giganteus), nebenan in einer Versuchsanlage zur so genannten Ablativen Schnellpyrolyse kurzzeitig auf 550 °C erhitzt. Der entstehende Dampf wird dann passgenau in mehreren Stufen wieder abgekühlt, sodass das als Hauptprodukt erzeugte Bio-Öl schon ideale Eigenschaften für die Weiterverarbeitung bei den Projektpartnern in Prag und Thessaloniki besitzt.

Projektpartner
• Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT, Deutschland
• Centre for Research & Technology Hellas / CERTH - Chemical Process & Energy Resources Institute / CPERI, Griechenland
• University of Chemistry and Technology Prague, Tschechische Republik
• Imperial College London, Vereinigtes Königreich
• ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH , Deutschland
• Hydrogen Efficiency Technologies (HyET) B.V., Niederlande
• RANIDO, S.R.O., Tschechische Republik
• BP Europa SE, Deutschland

Förderhinweis: Das Vorhaben trägt die Horizont 2020-Fördernummer 727463. Diese Pressemitteilung spiegelt lediglich die Ansichten der Autoren wieder. Die europäische Kommission und ihr Projektträger INEA können für die Verwendung der darin enthaltenen Informationen nicht haftbar gemacht werden.

Weitere Informationen:

http://www.biomates.eu/en/ Webseite BioMates (englisch)

Quelle: idw

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50 Jahre Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Meerestechnik an der Universität Rostock

Ann-Kathrin Schöpflin Presse- und Kommunikationsstelle
Universität Rostock

Am Anfang stand ein Regierungsbeschluss der DDR. Das war 1968. Die damalige Technische Fakultät der Universität Rostock bekam den Auftrag, eine Fachrichtung zu etablieren, die Experten für die Fischereitechnik ausbildet. Sie sollten fischerei- und schiffstechnische Herausforderungen miteinander verknüpfen können. Daran erinnert sich der emeritierte Professor Harry Stengel noch sehr gut. Der jetzt 85-Jährige leitete den neu gegründeten Lehrstuhl für Fischereitechnik bis zum Herbst 1992 sehr erfolgreich. Heute ist die Universität Rostock eine der ältesten Lehr-und Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der ingenieurwissenschaftlichen Meerestechnik in Deutschland.

Am 1. Oktober 1992 erhielt der Lehrstuhl, der bis dato als Fischereitechnik firmierte, den neuen Namen Meerestechnik und agiert weiterhin international an der Fakultät für Maschinenbau und Schiffstechnik. Ein Grund für die Neuorientierung lag im Rückgang der Fischerei und des Fischereifahrzeugbaus im wiedervereinten Deutschland. Als Schlussfolgerung wurde der neue Studiengang Schiffs- und Meerestechnik eingerichtet.

Professor Stengel definiert die Aufgaben so: „Die Meerestechnik kombiniert und integriert Techniken, die für den Schutz und die Nutzung der Meere eingesetzt werden können". Dieser Satz ist bis heute gültig.

Seit 1992 leitet Professor Mathias Paschen den Lehrstuhl. Er hatte in seiner Habilitationsarbeit tiefgreifende Erkenntnisse in der Meerestechnik präsentiert und war somit genau der richtige Mann. Unter seiner Leitung werden beispielsweise theoretische und experimentelle Methoden von schwimmenden und verankerten Offshore-Systemen bzw. unbemannten Unterwasserfahrzeugen und -systemen entworfen. Dazu ein Beispiel aus der praktischen Forschung: Der Lehrstuhl von Professor Paschen hat mit Unterstützung von TenneT, einem der führenden europäischen Übertragungsnetzbetreiber, ein Modell entwickelt, das zuverlässig bestimmt, wann und unter welchen Umständen sich Munition auf dem Meeresboden zu bewegen beginnt. Denn: Eine große Herausforderung beim Ausbau der Windkraft in Nord- und Ostsee ist Altmunition. Tausende Tonnen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg sind eine Belastung für Mensch und Umwelt. Diese Kriegs-Altlasten stellen eine Gefahr beim Bau von Windparks und Offshore-Netzanschlüssen, insbesondere beim Verlegen von Kabeln, dar. Das Räumen von Munitions-Altlasten hat dabei oberste Priorität.

Die Wirtschaft weiß die Forschung und Ausbildung am Lehrstuhl zu schätzen: „Schiffbau und Meerestechnik an der Universität Rostock haben eine lange Tradition, wie die Werften in Mecklenburg-Vorpommern. Eine enge Verbindung ist uns sehr wichtig, denn wir brauchen gut ausgebildete Ingenieure für den Bau unserer XXL-Kreuzfahrt-Riesen", so Björn Cleven, Direktor Personal bei MV WERFTEN.

Das Herzstück der Forschung in der Meerestechnik der Universität Rostock ist der Windkanal. „Er ist mit seiner ringförmigen Bauart ein wichtiges Mittel für Untersuchungen von Objekten in einem strömenden Medium", erklärt Forscher Christian Semlow. Hierfür würden Windgeschwindigkeiten bis zur doppelten Orkanstärke genutzt. Mit der installierten Messtechnik in der fast drei Meter langen Messstrecke des Windkanals werden die auf die Objekte wirkenden Kräfte sowie Strömungsgeschwindigkeiten und Druckverläufe bei der An- bzw. Umströmung dieser Objekte gemessen. Für die experimentelle Strömungsanalyse kommt laut Semlow vorrangig lasergestützte Messtechnik zum Einsatz. So wurden beispielsweise Untersuchungen über die richtungsabhängigen Windbelastungen und Strömungsverteilungen an Modellen von Offshore-Arbeitsschiffen, Superyachten und großen Containerschiffen durchgeführt. Da Luft ebenso wie Wasser zu den newtonschen Flüssigkeiten zählt, ist es beispielsweise auch möglich, das Bewegungsverhalten von Unterwasserrobotern in einer Strömung mit vier im Windkanal installierten Hochgeschwindigkeitskameras zu messen. Selbst die Segeleigenschaften historischer Schiffe seien schon getestet worden, so Semlow.

Mit der Zusatzausrüstung eines Propellerversuchsstandes in der Messstrecke des Windkanals werden auch Propeller-Ruder-Interaktionen untersucht. Einen Versuchsstand dieser Art gibt es nur noch an der Universität Southampton. Das hiesige, in Kooperation mit einem Rostocker Unternehmen entwickelte Propellerdynamometer, so die korrekte Bezeichnung, wird insbesondere zur Überprüfung numerischer Simulationen eingesetzt, die u.a. für die Entwicklung von so genannten High-Performance-Schiffsrudern genutzt werden. Zum Rückblick auf ein halbes Jahrhundert Lehrstuhl Meerestechnik gehört auch, dass allein von 1964 bis 1992 217 Studenten, darunter aus Benin, Jemen, Kongo und Vietnam erfolgreich ein Studium in der Fachrichtung Fischereitechnik absolviert haben.

Dass ein begeisterter Meerestechniker wie Mathias Paschen die sich seit der Wiedervereinigung bietende Chance der Internationalisierung seiner Forschung und Lehre nutzt, ist unbestritten. Bereits 1993 etablierte er mit zahlreichen Wissenschaftlern aus Europa, Japan und Südkorea den internationalen Workshop DEMaT, der in zweijährigem Rhythmus auch Nachwuchswissenschaftlern aus ca. 12 Nationen die Möglichkeit bietet, ihre Forschungsergebnisse einem internationalen Publikum vortragen zu können. In den 1990er Jahren leitete er sein erstes EU-Projekt mit Kollegen aus Belgien und den Niederlanden. Heute bietet der Lehrstuhl Meerestechnik Vorlesungen und Experimentalveranstaltungen sowohl für deutschsprachige Studiengänge der Universität Rostock als auch für den internationalen EMship-Studiengang mit Studierenden aus Afrika, Asien, Europa und Südamerika an. Text: Wolfgang Thiel

Kontakt:
Prof. Dr.-Ing. Mathias Paschen
Universität Rostock
Fakultät für Maschinenbau u Schiffstechnik
Lehrstuhl für Meerestechnik
Tel.: + 49 381 498-9230
E-Mail: mathias.paschen@uni-rostock.de

Universität Rostock
Presse- und Kommunikationsstelle
Tel: +49 381 498-1012
Fax: +49 381 498-1032
E-Mail: pressestelle@uni-rostock.de
www.uni-rostock.de

Quelle: idw

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Trockene Augen: Bei roten, schmerzenden, brennenden Augen zum Augenarzt

Lisa-Marie Ströhlein Pressestelle
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

Trockene Augen zählen zu den häufigsten Augenleiden. Rund 20 Prozent der Augenarztpatienten sind deswegen in Behandlung. In der kalten Jahreszeit verstärken trockene Heizungsluft, eine geringe Luftfeuchtigkeit und langes Arbeiten am Computer häufig die Symptome. Experten der Stiftung Auge raten, bei roten, kratzenden und brennenden Augen dennoch in jedem Fall den Augenarzt aufzusuchen, da auch ernstere Erkrankungen dahinter stecken können. Außerdem gibt die Stiftung Auge Tipps, wie das Office-Eye-Syndrom gelindert werden kann.

Ursache für trockene Augen kann entweder ein Tränenmangel oder eine zu schnelle Verdunstung des Tränenfilms sein. „Der Tränenfilm mit einer ausreichenden Menge an Tränen ist wichtig für die Gesundheit der Augen", erklärt Professor Dr. med. Frank G. Holz, Vorsitzender der Stiftung Auge und Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn. „Er benetzt die Augenoberfläche, hält diese glatt und geschmeidig und spült Fremdkörper weg. Zudem versorgt er die Hornhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen." Verändert sich die Zusammensetzung des Tränenfilms, kann die Augenoberfläche nicht mehr richtig versorgt werden. Die unangenehmen Folge sind Schmerzen, Jucken und Tränen - ein Gefühl wie Schleifpapier in den Augen.

Es gibt allerdings auch andere Ursachen für trockene Augen. „Rheumatische Erkrankungen, Diabetes mellitus oder chirurgische Eingriffe am Auge können ebenfalls das sogenannte Sicca-Syndrom hervorrufen", erläutert Holz. Auch die langfristige Einnahme bestimmter Medikamente - dazu zählen die Anti-Baby-Pille oder Schlaf- und Beruhigungsmittel - können zu trockenen Augen führen. Gleiches gilt für Umweltbelastungen und klimatische Einflüsse wie trockene Umgebungsluft, Klimaanlagen oder Staub. Zusätzlich tritt bei trockenenen Augen oft eine Lidrandentzündung auf. Dabei sind die Drüsen im Bereich der Lidränder verstopft, die den Fettanteil der Tränenflüssigkeit produzieren - die Augen trocknen dann noch schneller aus. „Betroffene, die Symptome wie Jucken, Brennen oder Rötungen in den Augen wahrnehmen, sollten dies unbedingt durch einen Augenarzt abklären lassen", betont der Stiftungsvorsitzende. „Nur so können ernsthafte, andere Erkrankungen ausgeschlossen werden."

Es gibt unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten bei trockenen Augen. Tränenersatzmittel können helfen, die Augenoberfläche zu benetzen. Je nach Schweregrad kommen unterschiedliche Präparate in Frage. „Arzt und Patient sollten gemeinsam entscheiden, welches Tränenersatzmittel geeignet ist, da die Wirksamkeit und Verträglichkeit sehr unterschiedlich empfunden wird", rät Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Mediensprecher der Stiftung Auge. „Träger weicher Kontaktlinsen sollten nur Mittel ohne Konservierungsstoffe verwenden, da diese sich in der Kontaktlinse anreichern und dann die Hornhaut schädigen können", so Ohrloff. Bei sehr ausgeprägten Beschwerden und einer unzureichenden Benetzung können die Tränenabflusskanälchen mit einem kleinen Eingriff verschlossen werden, um die verfügbare Tränenmenge zu erhöhen. Zusätzlich können kleine Maßnahmen im Alltag dazu beitragen, die Symptome zu lindern (siehe Tipps weiter unten).

Das können Sie tun, um die Beschwerden bei trockenen Augen zu lindern:
- Lassen Sie ihre Beschwerden in jedem Fall augenärztlich abklären.
- Mehrmals täglich für frische Luft im Raum sorgen.
- Luftbefeuchter für die richtige Luftfeuchtigkeit im Raum einsetzen.
- Halten Sie die Luftzirkulation im Auto niedrig. Das Gebläse sollte selten eingesetzt und die Luft nicht zu stark aufgeheizt werden. Richten Sie das Gebläse nie direkt auf die Augen.
- Trinken Sie ausreichend, d.h. mindestens zwei Liter Wasser am Tag.
- Häufiges und bewusstes Blinzeln beim Lesen und bei der Arbeit am Computer können helfen, den Tränenfilm zu erneuern.

2008 von der DOG gegründet, setzt sich die Stiftung Auge dafür ein, vermeidbare Erblindungen und schwere Seheinschränkungen zu bekämpfen. Informationen zu den Projekten der Stiftung Auge sind unter http://www.stiftung-auge.de nachzulesen.


Weitere Informationen:
http://www.stiftung-auge.de

Quelle: idw

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Neue Arbeitswelt: Arbeitszeitgesetz verliert an Bedeutung

Mark Fallak Presse und Kommunikation
IZA - Institut zur Zukunft der Arbeit

Die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen zunehmend. Schon heute verbringen Arbeitnehmer in ihrer Freizeit durchschnittlich mehr als fünf Stunden pro Woche mit beruflichen Aktivitäten. Das geht aus einer aktuellen Auswertung der Studie „Arbeiten in Deutschland" hervor, die das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) gemeinsam mit dem Karrierenetzwerk XING durchführt. In der repräsentativen Befragung gaben 62,8 Prozent von 1.809 Beschäftigten zwischen 25 und 54 Jahren an, sich auch in ihrer Freizeit mit Tätigkeiten zu beschäftigen, die eigentlich ihrer regulären Arbeitszeit zuzurechnen sind. Unter den zusätzlich befragten 1.967 XING-Mitgliedern sind es sogar 87,6 Prozent.

Dieser Befund wirft ein Schlaglicht auf Veränderungen in der Arbeitswelt, mit denen das gegenwärtige Arbeitsrecht nur schwer Schritt halten kann. So geht beispielsweise das Arbeitszeitgesetz davon aus, dass sich Arbeitszeit eindeutig messen lässt. Wird jedoch ein wachsender Teil der Arbeitsleistung nicht mehr am Arbeitsplatz erbracht, lassen sich Arbeitszeitüberschreitungen immer schwerer erfassen. Ein Instrument, das dazu gedacht ist, Arbeitnehmer vor Überlastung zu schützen, verliert damit an Wirkung.

Die Realität überholt auch die im Arbeitsrecht gängige Definition von Arbeit als Zeit, in der Arbeitnehmer dem Weisungsrecht des Arbeitgebers unterliegen. „Wenn aber Dienstgeschäfte freiwillig außerhalb der Bürozeiten erledigt werden, erfüllt das nicht das Kriterium des Weisungsrechts und wäre somit keine Arbeit, was den Betroffenen einigermaßen absurd vorkommen dürfte", erklärte Prof. Dr. Hilmar Schneider, Leiter des IZA, im Rahmen der XING-Veranstaltung „New Work Experience", einer Konferenz zur Zukunft der Arbeit, in Hamburg.

Einerseits schafft die Digitalisierung ganz neue Möglichkeiten für Arbeitnehmer wie auch für Arbeitgeber, Arbeitszeiten flexibel an die jeweiligen Bedürfnisse anzupassen. Andererseits lösen sich auf diese Weise die Grenzen von Arbeit und Freizeit immer weiter auf. Diese Entgrenzung lässt sich empirisch beobachten. In der IZA/XING-Studie geben zwar weiterhin rund zwei Drittel (65,7%) der befragten Arbeitnehmer an, feste Arbeitszeiten zu haben. Bei den befragten XING-Mitgliedern, bei denen es sich überwiegend um „moderne Wissensarbeiter" handeln dürfte, sind es allerdings weniger als die Hälfte (45,1%). Bei den XING-Mitgliedern hat somit bereits heute eine Mehrheit flexible Arbeitszeiten. Die IZA/XING-Studie zeigt außerdem, dass enorme Potenziale für flexible Arbeitszeitregelungen noch ungenutzt bleiben. So könnten die meisten Beschäftigten (53,5%) mindestens die Hälfte ihrer Tätigkeiten auch außerhalb ihrer regulären Arbeitszeiten erledigen. Bei den XING-Mitgliedern sind dies rund zwei Drittel (67,2%).

In der IZA/XING-Studie geben vier von zehn Arbeitnehmern (41,2%) an, in ihrer Freizeit mehr als zwei Stunden pro Woche mit Tätigkeiten zu verbringen, die eigentlich ihrer regulären Arbeitszeit zuzuordnen sind (z.B. Lesen und Beantworten von dienstlichen E-Mails, Beschäftigung mit Informationsmaterial und Fachliteratur). Bei den XING-Mitgliedern sind es deutlich mehr als die Hälfte (58,1%). Der durchschnittliche Arbeitnehmer verbringt auf diese Weise gut fünf Stunden seiner wöchentlichen Freizeit mit beruflichen Tätigkeiten. Mehr als sechs Stunden pro Woche beschäftigen sich Arbeitnehmer in der Freizeit zumindest gedanklich mit Vorgängen, die mit ihrer Arbeit zusammenhängen.

Die Studie offenbart auch Unterschiede zwischen Männern und Frauen: In der repräsentativen Gruppe über alle Beschäftigen verbringen 67% der Männer, aber nur 50% der weiblichen Befragten einen Teil ihrer Freizeit mit beruflichen Aktivitäten. Die Forscher führen diese Diskrepanz zum Teil auf die immer noch ungleiche Verteilung der Arbeit im Haushalt zurück, die Frauen daheim weniger Zeit für Berufliches lässt. Ein weiterer Erklärungsansatz sind die Geschlechterunterschiede in den Tätigkeitsprofilen. So zeigt sich unter den XING-Mitgliedern, die sich von den Branchen und Tätigkeiten her ähnlicher sind als die repräsentative Gruppe, eine deutliche Angleichung von Frauen (83,7%) und Männern (88,8%) hinsichtlich Arbeit in der Freizeit.

IZA-Chef Schneider sieht durch die Studienergebnisse die These bestätigt, dass das Arbeitszeitgesetz in seiner jetzigen Form nicht mehr zeitgemäß ist: „Ein immer größerer Teil der Wertschöpfung gründet sich auf Wissensarbeit und soziale Interaktion. Beides findet zunehmend außerhalb eines physisch zu verortenden Arbeitsplatzes statt. Die Messbarkeit von Arbeitszeit gerät damit zur Illusion." So erfolge etwa die Steuerung moderner Unternehmen nicht mehr allein auf Grundlage von Inputgrößen wie der Arbeitszeit, sondern es werde zunehmend der Arbeitsoutput berücksichtigt. Eine Präsenzkultur am Arbeitsplatz, wie sie etwa aus Japan oder auch den USA bekannt ist, wirke sich dagegen eher als Kreativitätshemmnis aus.

Schneider hält deshalb auch eine grundsätzliche Debatte über die Definition von Arbeit für notwendig. Die Digitalisierung bewirke, dass selbständige Arbeit und abhängige Beschäftigung einander immer ähnlicher werden. Dadurch verliere der Arbeitnehmerschutz an Wirksamkeit und müsse an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Mit rückwärts gewandten Forderungen wie etwa dem Verbot von E-Mails außerhalb der offiziellen Bürozeiten sei dem nicht beizukommen.

Über die IZA/XING-Studie „Arbeiten in Deutschland"
Die Studie „Arbeiten in Deutschland" wurde Anfang 2017 vom Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) und XING gestartet. Anfang 2018 wurde bereits die zweite Befragungswelle dieser gemeinsamen Initiative abgeschlossen, um vor dem Hintergrund des fortschreitenden Wandels der Arbeitswelt neue Erkenntnisse über die Zukunftsperspektiven der Bevölkerung in Deutschland zu gewinnen. Die IZA/XING-Studie setzt sich aus zwei Befragungsteilen zusammen - einer nationalrepräsentativen Online-Umfrage mit rund 3.000 Teilnehmern und einer Online-Befragung von bis zu 6.000 zufällig ausgewählten XING-Mitgliedern.

Pressekontakt:
Mark Fallak
Head of Communications, IZA
fallak@iza.org
Tel +49 228 3894 223

Anhang
Vollständige Pressemitteilung mit weiteren Grafiken
https://idw-online.de/de/attachment64898

Quelle: idw

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Zukunftsprojekt zu innovativer Siedlungswasserwirtschaft und urbaner Nahrungsmittelproduktion

Dipl.-Chem. Iris Kumpmann Abteilung Public Relations
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Spül-, Waschmaschinen und Toilettenwasser fällt in deutschen Haushalten zur Genüge an. Das Verbundprojekt »ROOF WATER-FARM« untersucht, wie sich häusliches Abwasser dezentral aufbereiten und für die Gemüseproduktion nutzen lässt. Fraunhofer UMSICHT entwickelt in diesem zukunftsträchtigen Vorhaben ein neuartiges Aufbereitungsverfahren, das aus Toilettenwasser flüssigen Pflanzendünger herstellt. Eine Pilotanalage wurde in Berlin bereits erfolgreich in Betrieb genommen.

Rund 70 Prozent unseres verfügbaren Trinkwassers gehen in die Landwirtschaft über, welche wiederum 14 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen ausmacht. Um auch in der Zukunft eine ausreichende Wasser- und Nahrungsversorgung zu gewährleisten, müssen umweltschonende Alternativen zur landwirtschaftlichen Erzeugung von Lebensmitteln gefunden werden.

Frisches Gemüse und frischer Frisch direkt von den Dächern unserer Städte - das ist die Vision von »ROOF WATER-FARM«: Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt erprobt dafür die dezentrale Abwasseraufbereitung und -nutzung in Gebäuden und Siedlungsräumen. Denn statt häusliche Abwässer aus Dusche, Waschmaschine, Badewanne oder Toilette in Kläranlagen zu transportieren, lassen sie sich auch direkt vor Ort weiterverwerten.

In zwei unabhängigen Versuchstrecken wurde in der »ROOF WATER-FARM« das Toilettenabwasser (auch Schwarzwasser genannt) getrennt vom Abwasser aus Dusche, Waschmaschine, Badewanne so aufbereitet, dass schmackhafte Gurken und Salat geerntet werden konnten.

Dünger aus Abwasser
Erprobt werden alle für das Projekt »ROOF WATER-FARM« entwickelten Konzepte und Verfahren in einem Gebäudekomplex als Pilotstandort in Berlin-Kreuzberg. Hier steht auch die von Fraunhofer UMSICHT entwickelte Schwarzwasser-Flüssigdünger-Anlage, die aus Schwarzwasser mit einem hohen Gehalt an Nährstoffen (Stickstoff-, Phosphat- und Kalium) flüssiges Pflanzendüngemittel gewinnt. Seit Inbetriebnahme bereitet die Anlage zuverlässig das Abwasser von 50 Anwohnern zu Flüssigdünger auf. Dieser wird wiederum für die Gemüseproduktion in einem Gewächshaus verwendet werden, das ebenfalls am Standort in Berlin-Kreuzberg steht, allerdings in dieser ersten Pilotphase noch auf dem Boden statt dem Dach.

Ökobilanzierung
Um die Umweltwirkung der im Projekt »ROOF WATER-FARM« eingesetzten Elemente einschätzen zu können, haben Mitarbeitende von Fraunhofer UMSICHT außerdem eine Ökobilanzierung durchgeführt. Dazu wurden Treibhausgasemissionen und Energieaufwand, die im Rahmen der Abwasserwasseraufbereitung und Gemüseproduktion anfallen, berechnet und mit etablierten Technologien verglichen. Die Ergebnisse der Ökobilanzierung von Fraunhofer UMSICHT zeigen, dass aus klimarelevanten Aspekten die dezentrale Wasseraufbereitung und -nutzung eine mögliche Alternative zur zentralen Abwasseraufbereitung darstellt. Um künftig mit solchen Konzepten auch signifikante Mengen an Treibhausgasen einzusparen, müssten vor allem noch Technologien zur Wärmerückgewinnung aus Abwasser integriert werden.

Urbane Agrikultur
Fraunhofer UMSICHT gehört in Deutschland zu den Pionieren für gebäudeintegrierte Lebensmittelproduktion. Unter der Dachmarke inFarming® treibt das Institut den Aufbau und die Integration von Agrikultur in Städten voran. Durch die Verwendung von Dächern und Gebäuden als landwirtschaftliche Nutzflächen wird das Gemüse in unmittelbarer Nähe des Verbrauchers angebaut. Dadurch entfallen nicht nur weite Transportwege, auch Kohlendioxid-Emissionen werden auf diese Weise erheblich gesenkt. Um diese Ziele zu erreichen, hat das Institut vertikale Kultivierungsmethoden, Kreislaufverfahren für Nährstoffe und spezielle Belichtungsstrategien entwickelt.

Weitere Informationen:

http://www.roofwaterfarm.com/ Webseite ROOF WATER FARM
https://www.altmarktgarten-oberhausen.de/ Webseite Altmarktgarten
https://infarming.de/ Webseite inFARMING®

Quelle: idw

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Photovoltaik: Einfach integrierbar durch moderne Druckverfahren

Dr. Sandra Mehlhase Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

Unterwegs das Handy laden, weil die Jacke Strom erzeugt? Beim Fahrradfahren nicht nur Kleidung tragen, die reflektiert, sondern selber leuchtet? Was futuristisch klingt, lässt sich dank innovativer Druckverfahren schon heute einfach und effizient umsetzen.

Erneuerbare Energien sind heutzutage aus der gesellschaftlichen Debatte nicht mehr wegzudenken. Moderne Drucktechniken versprechen eine einfache und kostengünstige Herstellung von Photovoltaikelementen, und das über Anwendungen in der Architektur hinaus.

Das Fraunhofer IAP präsentiert auf der LOPEC 2018 seine Kompetenz, insbesondere in der Inkjet-Drucktechnik. Damit lassen sich beispielweise größere Fassadenelemente zur Erzeugung von Solarenergie drucken. Weitere Einsatzgebiete finden sich in der Optoelektronik und in der Medizin. Auch für textile Anwendungen können die Druckspezialisten das Verfahren einsetzen. Neben einem Fassadenelement zeigen die Forscher eine Jacke, die genug Energie erzeugt, um Handwärmer und Handy-Ladegerät zu betreiben. Die erzeugte Energie kann in dem Kleidungsstück selbst gespeichert werden. Aktuell entwickeln die IAP-Forscher gemeinsam mit Industriepartnern eine solarbetriebene LED-beleuchtete Fahrradjacke.

Hergestellt werden die gedruckten Elemente auf der institutseigenen Pilotanalage für gedruckte Elektronik. »Auf unserer Pilotanlage werden die Druckprozesse im industrienahen Maßstab entwickelt, die wir dann mit Maschinenbauern in die Anlagen von Kunden überführen. Unsere Druckverfahren optimieren wir stetig und passen sie individuell an die jeweiligen Anforderungen an«, erklärt Dr. Armin Wedel, Leiter des Forschungsbereichs Funktionale Polymersysteme am Fraunhofer IAP.

Für kleine Flächen arbeiten die Fraunhofer-Forscher an einem neuartigen Drop-on-Demand System, dem Esjet-Druck (electro-static printing). Die Technik erlaubt eine größere Bandbreite an Tinten, die für den Druck besonders feiner Strukturen essenziell sind. Insbesondere das Viskositätsspektrum der eingesetzten Tinten kann im Vergleich zum Inkjet-Druck deutlich erweitert werden. Dies eröffnet neue Perspektiven für den Druck von feinen Metallgrids mit hoher Transmission, die in der Photovoltaik als Ersatz der bisher üblichen transparenten ITO-Elektroden eingesetzt werden können.

Das Fraunhofer IAP in der German OLED Technology Alliance, GOTA
Auf der LOPEC präsentieren die Forscher auch erste Kundenprojekte der GOTA Alliance. In enger Zusammenarbeit mit den Maschinenherstellern MBraun Inertgas-Systeme GmbH in München, Notion GmbH in Schwetzingen und der ARDENNE GmbH in Dresden, entwickelt das Fraunhofer IAP Prozesse und Materialien für zukünftige OLED-Produktionsanlagen. Die vier Partner haben sich zur OLED Technology Alliance GOTA zusammengeschlossen, um auf dem Markt komplette OLED-Produktionsanlagen anzubieten.

Das Fraunhofer IAP ist seit über 25 Jahren in der organischen elektronischen Forschung tätig und konzentriert sich auf lösungsverarbeitete Devices mit Anwendungen in OLEDs, QLEDs, OTFT, OPV, Perowskit-Solarzellen, Sensoren und Aktoren. In einem großen Reinraum stehen mehrere Verarbeitungstechniken zur Verfügung, vom Spin Coating zur Materialevaluation in Laborgeräten bis hin zu fortgeschrittenen Verarbeitungstechniken wie dem Inkjet-Druck und dem High-precision-slot-die-coating auf einer robotergesteuerten S2S-Fertigungspilotlinie für Größen bis zu 150 mm x 150 mm einschließlich unterschiedlicher Verdampfungs- und Verkapselungstechniken.

Weitere Informationen:
https://www.iap.fraunhofer.de/de/Forschungsbereiche/Funktionale_Polymersysteme/f...

Quelle: idw

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Auch eine dezentrale Energiewende braucht Netzausbau

Romy Klupsch Öffentlichkeit und Kommunikation
Öko-Institut e. V. - Institut für angewandte Ökologie

Gemeinsame Pressemitteilung von Öko-Institut, Renewables Grid Initiative und Germanwatch
Auch eine dezentrale Stromerzeugung kommt nicht ohne die bis 2030 geplanten rund 4.000 Kilometer neuen Stromtrassen aus. Das ist die wichtigste Erkenntnis der heute vorgestellten Studie „Dezentralität, Regionalisierung und Stromnetze - Studie über Annahmen, Narrative und Erkenntnisse", die das Öko-Institut im Auftrag der Renewables Grid Initiative (RGI) erstellt hat. Die Studie greift damit ein heiß diskutiertes Thema auf: Insbesondere von neuen Leitungen betroffene Anwohner fragen sich, ob der Netzausbau mit einem dezentraleren Stromsystem, mehr Windkraft in Süddeutschland sowie Speichern nicht deutlich geringer ausfallen könnte.

Um dies zu beantworten hat das Öko-Institut zehn Studien analysiert und verglichen, die im Laufe der vergangenen fünf Jahre zu Dezentralitätskonzepten und den Folgen dezentraler Stromsysteme für den Netzausbau veröffentlicht wurden. Das Institut kommt in dieser Meta-Studie zu folgenden Ergebnissen:

Der bis 2030 geplante Netzausbau ist selbst dann notwendig, wenn alle Speicher und Flexibilitätsoptionen zur Verfügung stehen. Da die Potenziale für die Erzeugung von Wind- und Solarstrom über Deutschland hinweg ungleich verteilt sind und in der Nähe der großen Verbrauchszentren oft nicht ausreichen, ist eine jederzeit verbrauchsnahe Stromversorgung auf der Grundlage erneuerbarer Energien nicht vorstellbar. Dies gilt umso mehr, wenn nicht allein technische Möglichkeiten, sondern auch einschränkende Aspekte wie Naturschutz und Akzeptanz zum Beispiel von Windkraftanlagen in der Nähe von Siedlungen berücksichtigt werden.

Die untersuchten Studien, die einen geringeren Netzausbaubedarf errechnen, gehen vor allem von einem starken Ausbau der Windenergie im Süden Deutschlands aus; so werden im Vergleich zu derzeitigen Planungen zum Beispiel zwei- bis viermal höhere Ausbauzahlen für Bayern und Baden-Württemberg verwendet. Diese Annahmen hätten gravierende Folgen: neben einem höheren Flächenbedarf wäre von einem geringeren Wirkungsgrad der Windanlagen, höheren Kosten und - wegen der gasbasierten ergänzenden Kraftwerke - gegebenenfalls auch höheren Treibhausgasemissionen auszugehen. Für einen sachgerechten Vergleich müssten diese Folgen denen des geplanten Leitungsausbaus gegenübergestellt werden. Viele der betrachteten Studien berücksichtigen diese Aspekte jedoch allenfalls am Rande.

Schließlich zeigt ein Vergleich der Studienergebnisse zu den längerfristigen Entwicklungen und mit Blick auf höhere Versorgungsanteile erneuerbarer Energien, dass der aktuell geplante Leitungsausbau in jedem Fall notwendig wird. Die verbleibenden Unterschiede beziehen sich damit ganz überwiegend nicht auf das Ob, sondern das Wann und Wie des Leitungsausbaubedarfs. Insbesondere für die Zeit nach 2030 bedarf es jedoch guter vergleichbarer Studien, die prüfen, inwiefern immer günstigere erneuerbare Energien und vor allem Speicher den zusätzlichen Neubaubedarf von Stromnetzen mindern könnten.

„Die Studie bringt Gewissheit, dass derzeit geplante Übertragungsnetze für die Energiewende unabdingbar sind. Gleichzeitig werden aber deutliche Wissenslücken aufgezeigt: wir brauchen ein größeres Spektrum an Analysen zu vorstellbaren Entwicklungen des deutschen und europäischen Stromsystems mit allen damit verbundenen Folgen für Flächenbedarf, Kosten, Treibhausgasemissionen und Netzausbau. Nur so werden wir mehr Klarheit in die Debatte bringen ob Dezentralität langfristig einen weiteren Netzausbaubedarf verringern könnte", sagt Antonella Battaglini, Geschäftsführerin der Renewables Grid Initiative

„Dezentralität ist ein wichtiges Thema für ein klimafreundliches Stromsystem. Aber in der Diskussion um Dezentralität und Stromnetzausbau werden wichtige Aspekte wie die begrenzten Flächenpotenziale und die Gesamtkosten zu oft außen vor gelassen. Gerade bei den Analysen zu den hinreichend sicher erreichbaren regionalen Ausbaupotenzialen für Wind- und Sonnenenergie besteht noch ein großer und vor allem kurzfristiger Klärungsbedarf", bestätigt Dr. Felix Matthes, Forschungskoordinator Energie- und Klimapolitik des Öko-Instituts und Autor der Studie.

Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch, ergänzt: "Wo es möglich ist, sollte eine dezentrale Energiewende vorangebracht werden, die regionale Wertschöpfung und Teilhabe schafft. Angesichts der sinkenden Kosten für Wind- und Solarstrom sowie Stromspeicher kann dies in der Zukunft auch weniger Netzbedarf bedeuten. Aber da in absehbarer Zeit - auch aus gutem Grund - oft nicht ausreichend Wind vor Ort zugebaut werden kann oder soll, ist das kein Argument gegen die bisher geplanten Übertragungsleitungen." Germanwatch ist RGI-Mitglied und Teil des Projektteams.

Studie „Dezentralität, Regionalisierung und Stromnetze" des Öko-Instituts
https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Meta-Studie-Dezentralitaet-Regionalisierun...

Ansprechpartner am Öko-Institut
Dr. Felix Chr. Matthes
Forschungskoordinator Energie- und Klimapolitik
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Telefon: +49 30 405085-380
E-Mail: f.matthes@oeko.de

Ansprechpartnerin bei der Renewables Grid Initiative (RGI)
Theresa Schneider
Pressesprecherin RGI
Telefon: 0162 2056686
E-Mail: theresa@renewables-grid.eu

Ansprechpartner bei Germanwatch
Stefan Küper
Pressesprecher Germanwatch
Telefon: 0151 25211072
E-Mail: kueper@germanwatch.org

Quelle: idw

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Bremsenergie ungebremst nutzen

Julia Wunderlich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Um Massen in Schwung zu bringen, ist Energie nötig. Beim Abbremsen wird ein großer Teil dieser Energie in Wärme umgewandelt - und ist somit für eine weitere Nutzung verloren. Ein Team des „Future Energy - Institut für Energieforschung" der Hochschule OWL hat eine Schaltung entwickelt, die Bremsenergie zurück ins Stromnetz speist. Johann Austermann hat hierzu seine Promotion erfolgreich abgeschlossen.

Wenn ein Aufzug aus dem siebten Stock ins Erdgeschoss fährt, wird beim Bremsen Energie frei, die bislang vor allem als Wärme in die Umgebung eingeht. Gleiches gilt für alle bewegten Massen. Für Anwendungen, die an ein Stromnetz angeschlossen sind, haben Wissenschaftler der Hochschule Ostwestfalen-Lippe eine Lösung entwickelt: eine Schaltung, die an der Stelle des Bremswiderstands sitzt und die Bremsenergie zurück ins Stromnetz speist. „Da sich die Schaltung ähnlich wie die bisher eingesetzten Bremswiderstände verhält, können problemlos auch bestehende Antriebssysteme damit nachgerüstet werden", erklärt Johann Austermann, der am „Future Energy - Institut für Energieforschung" (iFE) der Hochschule OWL arbeitet und über die Entwicklung dieser Schaltung seine Doktorarbeit verfasst hat.

Neben dem ökologischen Ziel, Energie zu sparen, hatten die Wissenschaftler auch die ökonomischen Gesichtspunkte im Blick. „Bisher war die Rückgewinnung von Bremsenergie bei Kleinantrieben nicht wirtschaftlich genug. Deshalb konnte sie sich in der Industrie nicht durchsetzen", erklärt Austermann. Dank der Schaltung aus Ostwestfalen-Lippe soll sich das ändern: Innerhalb von zwei Jahren sollte sich der Umbau durch die eingesparten Energiekosten gerechnet haben, schätzen die Wissenschaftler der Hochschule OWL. „Mit seiner Arbeit hat Johann Austermann einen wichtigen Beitrag innerhalb der Energieeffizienzforschung für industrielle Antriebe geleistet", sagt Professor Holger Borcherding, der die Promotion an der Hochschule OWL betreute. Die Arbeit trägt den Titel „Rückspeisestromrichter mit geregeltem Zwischenkreisstrom". Die kooperative Promotion erfolgte gemeinsam mit der Technischen Universität Braunschweig. Momentan bereitet Johann Austermann die Veröffentlichung seiner Doktorarbeit im Verlag Shaker vor.

Sprung aus der Wissenschaft in die Wirtschaft
Bisher hat das Team des iFE für die Entwicklung zwei Schutzrechte zur Anmeldung eingereicht. Den Sprung in die Wirtschaft haben die Ergebnisse bereits geschafft: Die Unternehmen Lenze SE (Hameln) und MSF-Vathauer Antriebstechnik GmbH & Co. KG (Detmold) bieten Produkte an, in die die neue Technik eingeflossen ist. Darüber hinaus haben die Wissenschaftler ihre Forschung mehrfach auf der Hannover Messe präsentiert, um Anwender oder neue Projektpartner zu gewinnen. Angesprochen von der Entwicklung sind vor allem Unternehmen, die sich mit elektrischer Antriebstechnik befassen. Zudem erhielt das Team den „OWL Transferpreis 2014". Im Rahmen der Promotion sind rund 15 Studienabschlussarbeiten entstanden, die Austermann betreut hat.

Die Entwicklung wurde zwischen 2010 und 2018 durch verschiedene Projekte finanziert: zunächst über das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Programm „FHprofUnt" und anschließend über den Spitzencluster „it's OWL - Intelligente Technische Systeme OstWestfalenLippe" in den Projekten „Effiziente leistungselektronische Schaltung zur Nutzung von Bremsenergie" (gemeinsam mit Vathauer) und „Intelligente Antriebs- und Steuerungstechnik für die energieeffiziente Intralogistik" (zusammen mit Lenze). Die Wissenschaftler setzen die Forschung inzwischen im branchenübergreifenden Projekt „DC-INDUSTRIE" fort. Hier hat Johann Austermann inzwischen die Leitung des Arbeitspakets „Geräteentwicklung" übernommen.

Kontakt: Johann Austermann, Telefon 05261 702-5290, E-Mail johann.austermann@hs-owl.de

Weitere Informationen:
http://www.ife-owl.de - das „Future Energy - Institut für Energieforschung"
http://www.hs-owl.de/graduiertenzentrumnew - das Graduiertenzentrum.OWL

Quelle: idw

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Hochschule Hamm-Lippstadt entwickelt Lebensmittel-Abholbox für ländliche Regionen

Kerstin Heinemann Kommunikation und Marketing
Hochschule Hamm-Lippstadt

Packstation statt Paketzusteller: Ein Konzept, das im Onlinehandel für viele Produkte schon länger angewandt wird, steckt für Lebensmittel noch in den Kinderschuhen. Die Hochschule Hamm-Lippstadt hat im Rahmen eines Forschungsprojektes für den Hofladen Sauerland den Prototyp einer Lebensmittel-Abholbox entwickelt. Die mit mehreren Einzelfächern versehene Abholstation kann mit einem QR-Code durch Kundinnen und Kunden selbständig und zeitlich flexibel bedient werden, so dass bestellte Lebensmittel dort entnommen, aber auch neue Aufträge am Terminal platziert werden können.

Zum Einsatz kommen sollen die Abholboxen perspektivisch in ländlicheren Strukturen wie dem Sauerland, wo die Nahversorgung mit Lebensmittel über den stationären Handel immer mehr ausdünnt. Gefördert wurde das Projekt durch einen Innovationsgutschein F&E des Ministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen.

Trotz eines Umsatzes von über 180 Milliarden Euro in 2017 im deutschen Lebensmitteleinzelhandel, finden aktuell lediglich 1 bis 2 Prozent dieses Marktes online statt. Anbieter wie Amazon Fresh, AllYouNeedIsFresh oder auch die Supermarktketten Edeka und Rewe konzentrieren sich in Sachen E-Commerce mit Lieferdiensten auf Ballungsräume oder erheben hohe Gebühren für den Versand. In ländlichen Regionen sind Lieferangebote wie auch der stationäre Handel mit Lebensmitteln eher rar gesät. Diese Lücke soll mit den Abholboxen und dem Hofladen Sauerland geschlossen werden. Entwickelt wurde der Prototyp von Prof. Dr. Alexander Stuckenholz, Inhaber der Professur "Praktische Informatik" an der Hochschule Hamm-Lippstadt, unter Mitarbeit von Fabian Lehnert, Masterstudent "Business and Systems Engineering", und Lena Niedzwetzki, Bachelorstudentin "Biomedizinische Technologie".

Die smarte Abholbox, deren Kommunikationselektronik zum Beispiel erkennt, ob Türen verschlossen oder geöffnet sind, ist Ergebnis der Forschung für den Hofladen Sauerland. Mit dem Hofladen-Sauerland.de fokussiert Geschäftsführer Christian Schulte den Vertrieb regionaler Produkte von kleinen Höfen, familiengeführten Metzgereien oder Landbäckereien aus der knapp 900.000 Einwohnerinnen und Einwohner starken Gegend. Bestellungen können telefonisch, online, per WhatsApp, über spezielle Terminals an ausgewählten Punkten wie auch im stationären Hofladen aufgegeben werden. Die Lieferung erfolgt durch unternehmenseigene Lieferfahrzeuge. Um die Lieferung der Lebensmittel zu flexibilisieren, die Auslastung der Logistik zu erhöhen und ein besseres Angebot für die Nahversorgung von Lebensmitteln im ländlichen Raum zu schaffen, entstand die Idee für die Abholstationen. An diese werden Lebensmittel zugestellt, die nach einer entsprechenden Benachrichtigung an die Kundinnen und Kunden entnommen werden können. Damit die Abholbox für alle Altersgruppen nutzbar ist, wurde Wert auf eine einfache Bedienbarkeit gelegt. Die Authentifizierung gegenüber der Box erfolgt über einen QR-Code. Dieser kann per E-Mail, SMS, per Post oder direkt im Ladengeschäft dem Kunden übergeben werden. Die Box scannt mittels einer Kamera den Code und öffnet das Fach mit dem individuell bestellten Inhalt. Um ihren Dienst zu verrichten, benötigt die Abholbox Strom und Internetzugang.

"Wir möchten den 'Einkauf der Zukunft' für ländliche Regionen aktiv mitgestalten", erklärt Christian Schulte die Idee. "Innovationen müssen nicht immer nur in Großstädten stattfinden, mit den Abholboxen möchten wir die Stärken der Regionalität mit technischen Innovationen verbinden." Das Projekt zeige die Möglichkeiten eines gewinnbringenden Transfers zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, findet Prof. Alexander Stuckenholz. Christian Schulte prüft dank des Prototyps nun die Weiterentwicklung und Serienfertigung der Abholbox. "Erste Gespräche mit geeigneten Partnern, wie Kommunen und Energieversorgungsunternehmen fielen sehr positiv aus", erklärt Schulte.

Weitere Informationen:
http://www.hshl.de

Quelle: idw

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Mikropartikel aus Kunststoff im Einzugsgebiet von Rhein und Donau nachgewiesen

Dipl. Mathematiker Helmut Weinberger Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Gemeinsames Pilotprojekt von fünf Bundesländern zur Verbreitung von Mikroplastik in Flüssen abgeschlossen - Mikropartikel aus Kunststoff in unterschiedlichen Konzentrationen im Einzugsgebiet von Rhein und Donau nachgewiesen

Das Thema Mikroplastik in Gewässern wird aktuell viel diskutiert. Eine umfassende Datengrundlage zur Verbreitung von Mikroplastik in unseren Gewässern fehlt jedoch bislang. Die Ergebnisse einer umfassenden Pilotstudie in insgesamt fünf Bundesländern geben zum ersten Mal einen Überblick über das Vorkommen von Mikroplastikpartikeln in verschiedensten Regionen: vom Alpenvorland bis zum Niederrhein, vom Kleingewässer bis zu Deutschlands größtem Fluss.

Die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben oberflächennahe Wasserproben an 25 Flüssen im Einzugsgebiet von Rhein und Donau auf Mikroplastik analysieren lassen und in jedem einzelnen Gewässer unterschiedliche Konzentrationen von Mikroplastik nachgewiesen. Insgesamt 52 Proben wurden vom Projektpartner, dem Lehrstuhl für Tierökologie an der Universität Bayreuth, mit Hilfe der FTIR-Spektroskopie untersucht. Die nun vorliegenden Analysenergebnisse bilden einen der weltweit größten, methodisch einheitlich gewonnenen Datensätze zum Vorkommen von Plastikpartikeln in Flüssen.

Insgesamt mehr als 19.000 Objekte wurden analysiert, 4.335 davon als Kunststoffpartikel identifiziert. Der Anteil größerer Kunststoffobjekte (Makroplastik) war sehr gering. Rund 99 Prozent der Kunststoffpartikel waren kleiner als 5 Millimeter und damit Mikroplastik zuzuordnen. Auffallend war, dass sehr kleine Mikroplastikpartikel mit einer Größe zwischen 0,3 Millimeter bis 0,02 Millimeter mit rund 62 Prozent am häufigsten vertreten waren. Die Partikel bestanden zumeist aus den Kunststoffsorten Polyethylen oder Polypropylen, welche die höchsten Marktanteile vor allem für Verpackungen und die meisten Bedarfsgegenstände aus Kunststoff in Europa haben. Hauptsächlich handelte es sich um Kunststofffragmente, unregelmäßig geformte Partikel, die von größeren Kunststoffobjekten stammen können. Zudem wurden an einem großen Teil der Messstellen auch Plastikfasern gefunden. Andere Partikelformen wie Folienreste, sogenannte Beads (Kügelchen) und Pellets wurden seltener nachgewiesen.

Dabei variiert die Anzahl der Partikel zwischen den einzelnen Messstellen. Höhere Partikelkonzentrationen wurden vor allem in kleineren und mittleren Nebengewässern gemessen. Im größten untersuchten Gewässer, dem Rhein, wurden eher niedrige bis mittlere Konzentrationen gefunden, was vor allem damit zu tun hat, dass durch das größere Wasservolumen eine stärkere Vermischung und damit Abnahme der Partikelkonzentration folgt.

Insgesamt liegen die aktuellen Ergebnisse der Länder in der gleichen Größenordnung wie Befunde aus vergleichbaren europäischen und nordamerikanischen Gewässern. In einem nächsten Forschungsvorhaben wird nun das Mikroplastik in den Sedimenten und in verschiedenen Wassertiefen der untersuchten Flüsse analysiert.

Die Forschung zu Mikroplastik in der Umwelt und den möglichen Folgen steht noch am Anfang, gewinnt aber zunehmend an Bedeutung. Ziel der Forschungen derzeit ist, die Wissensbasis ständig zu verbreitern, um gezielter Probenahme- und Analyseverfahren zu entwickeln und zukünftige Monitoringprogramme weiter zu optimieren. Fragen zu möglichen Eintragspfaden, Auswirkungen auf die Umwelt und Minderungsmöglichkeiten werden derzeit unter anderem im Rahmen eines vom Bundesforschungsministeriums (BMBF) geförderten Forschungsschwerpunktes „Plastik in der Umwelt" bis 2021 untersucht. Erforscht werden hier vor allem Vermeidungsstrategien, um einen Eintrag von Plastikabfällen in die Umwelt zu vermindern und wenn technisch möglich komplett zu vermeiden.

Der Forschungsbericht „Mikroplastik in Binnengewässern Süd- und Westdeutschlands" kann im Internet heruntergeladen werden unter: https://www.hlnug.de/?id=11242.

Informationen zur BMBF Fördermaßnahme „Plastik in der Umwelt" sind zu finden unter https://www.fona.de/mediathek/pdf/2017_Plastik-in-der-Umwelt_Verbundprojekte_Umw...

Pressekontakte der beteiligten Landesumweltämter:
Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV)
Wilhelm Deitermann (Pressesprecher)
E-Mail: pressestelle@lanuv.nrw.de
Tel.: 0201 7995 1337

Bayerisches Landesamt für Umwelt
Pressestelle
E-Mail: pressestelle@lfu.bayern.de
Tel.: 0821 9071 5242

LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg
Tatjana Erkert (Pressesprecherin)
E-Mail: pressestelle@lubw.bwl.de
Tel.: 0721 5600-1387

Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz
Milan Sell (stv. Pressesprecher)
E-Mail: milan.sell@lfu.rlp.de
Tel.: 06131 6033 1917

Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG)
Helmut Weinberger (Pressesprecher)
E-Mail: helmut.weinberger@hlnug.hessen.de
Tel.: 0611 6939 571

Weitere Informationen:
https://www.hlnug.de/?id=11242

Abschlussbericht des Projektes
https://idw-online.de/de/attachment64997

Quelle: idw

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Neues Forschungsprojekt an der Ostfalia: Sauerstoffeintrag in Belebungsbecken

Evelyn Meyer-Kube Presse/Public Relations
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften

Die Fakultät Bau-Wasser-Boden am Campus Suderburg der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften und der Abwasserzweckverband Uelzen haben ein neues Forschungsprojekt zum Sauerstoffeintrag in Belebungsbecken gestartet.

Projektleiter Prof. Dr. Artur Mennerich von der Ostfalia erläutert dazu: „Auf unseren Kläranlagen wird das Abwasser sehr weitgehend gereinigt. Dabei ist der biologische Abbau der im Abwasser enthaltenen Schmutzstoffe durch den Belebtschlamm, einer Mischung aus in der Natur vorkommenden Mikroorganismen, der entscheidende Schritt. Damit das funktioniert, gibt es am Boden der Belebungsbecken Belüftungselemente, durch die Luft eingetragen wird - ähnlich wie in einem Aquarium, nur dass die Luftmengen und die dafür benötigten Gebläse auf einer Kläranlage viel größer sind."

Dietmar Kahrs, Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes Uelzen, sagt: „Auf der Kläranlage Uelzen gibt es dafür sechs große Gebläse, deren Elektromotoren eine Antriebsleistung von jeweils 50 Kilowatt haben. Da verwundert es nicht, dass diese Belüftung der Belebungsbecken der größte Energieverbraucher auf der Kläranlage ist. Obwohl es sich um hocheffiziente Technik handelt, wurden dazu im letzten Jahr etwa 800.000 Kilowattstunden verbraucht. Das ist ungefähr so viel wie 160 Haushalte mit vier Personen benötigen."

Mennerich sieht auf den Kläranlagen noch Optimierungspotential: „Ein Ansatz liegt darin, die Auslegung der Belüftungseinrichtungen und die Regelungstechnik besser an die sich ständig ändernde Atmung der Mikroorganismen anzupassen. Aber auch räumlich sind innerhalb der Becken Unterschiede vorhanden, über die man bisher wenig weiß."

In dem Forschungsvorhaben sollen nun in umfangreichen Messkampagnen genau diese Veränderungen messtechnisch bestimmt werden. „Natürlich gibt es Abschätzungen, in welchem Rahmen diese Änderungen liegen. Aber die Mühe, dazu wirklich Messungen zu machen, haben sich bisher nur Wenige gemacht. Wir wollen das jetzt systematisch angehen und sind froh, dass wir mit dem Abwasserzweckverband einen Partner haben, der dafür seine Anlage zur Verfügung stellt", sagt Mennerich.

Die Ergebnisse sollen in die Modellansätze einfließen, mit denen Ingenieure biologische Kläranlagen planen und dimensionieren. Dadurch sind genauer an den Bedarf angepasste Becken und Belüftungseinrichtungen möglich. Weiter sollen die Erkenntnisse auch genutzt werden, um Mess- und Regelungsstrategien so zu programmieren, dass der Stromverbrauch so klein wie möglich ist und trotzdem gute Reinigungsergebnisse erreicht werden.

Das Projekt wird mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und einer Co-Finanzierung des Landes Niedersachsen in Höhe von insgesamt 319.550 Euro gefördert. Weiterer Partner in dem anwendungsorientierten Projekt sind die Dr. Born-Dr. Ermel Ingenieure GmbH, Achim.

Quelle: idw

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Neue Studie zur Beratung in Sachen Homöopathie bescheinigt Apothekern Weiterbildungsbedarf

Carmen Voigt Pressestelle
Universität Erfurt

Das Geschäft mit der Homöopathie boomt. Globuli gehören in Deutschland zu den häufig konsumierten Arzneimitteln. Allerdings gibt es keinen belastbaren empirischen Nachweis für die Wirkung homöopathischer Präparate. Trotzdem gehören sie zum Sortiment der Apotheken. Doch wie zuverlässig klären Apotheker die Kundschaft über die pseudomedizinischen Mittel auf? Ein Team von Wissenschaftlern der Universität Erfurt unter Leitung von Tilmann Betsch, Professor für Sozial-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie, hat dies in einer Studie, die jetzt in der Zeitschrift „Skeptiker" erschienen ist, untersucht und bescheinigt der Mehrheit der Apotheker Weiterbildungsbedarf.

Zur Wirksamkeit der Homöopathie finden sich in der Literatur eine Reihe von klinischen Studien. Einige davon verfehlen jedoch die methodischen Mindeststandards für valide Untersuchungen. In den verbleibenden Studien, die wissenschaftlichen Kriterien genügen, lässt sich kein nachweisbarer Effekt homöopathischer Präparate feststellen, der über die Wirkung eines Placebos hinausginge. Patienten konsumieren aber weiterhin homöopathische Präparate. Gekauft werden sie immer noch am häufigsten in den Apotheken. Insofern kommt den Apothekern eine besondere Verantwortung zu. Nach den Leitlinien der Bundesapothekenkammer sollen Beratung und Beurteilung der Wirksamkeit von Präparaten nach pharmakologisch-toxikologischen Kriterien erfolgen. Bedeutet: Kunden dürfen erwarten, in einer Apotheke nach aktuellen wissenschaftlichen Kriterien beraten zu werden.

Ob wir das wirklich, wenn es um Homöopathie geht, haben Tilman Betsch und sein Team in einer Feldstudie untersucht. Dafür haben sie 2017 insgesamt 100 Apotheken in Stuttgart, Erfurt, Leipzig und Frankfurt zufällig ausgesucht - 25 pro Stadt. In die Stichprobe befanden sie 23 Filialen einer Kette und 77 freie Apotheken. Ihre Erhebung führten die Wissenschaftler als verdecktes Interview durch, die vier weiblichen Mitglieder des Autorenteams besuchten die ihnen zugelosten Apotheken als Kundinnen und baten um ein Mittel für ihre erkälteten Familienmitglieder. Für den Verlauf des weiteren Gesprächs hatte das Team einen Leitfaden mit standardisierten Antworten auf Fragen erstellt, die nach den Vorgaben der Bundesapothekenkammer für Beratungsgespräche zu erwarten wären. In allen Varianten fragte die Kundin zuerst, ob es sich bei vorgeschlagenen Medikamenten auch um homöopathische Präparate handelt. Wurde dies bejaht, fragte sie nach Unterschieden in der Wirksamkeit. Enthielt die Erstempfehlung keine homöopathischen Präparate, fragte die Kundin: „Ich habe gehört, dass Homöopathie vielleicht auch eine Alternative wäre. Stimmt das?" Abschließend bat die Kundin um eine konkrete Empfehlung. Direkt im Anschluss an das Beratungsgespräch wurde ein Gedächtnisprotokollbogen ausgefüllt. Zentral dabei war, ob Unterschiede in der Wirksamkeit zwischen homöopathischen und nicht-homöopathischen Präparaten thematisiert wurden, und ob die Wirksamkeit mit Bezug auf den Stand der Forschung begründet wurde.

Das Ergebnis: In 54 der 100 Fälle enthielt das Beratungsgespräch mindestens eine Frage aus den Beratungsleitlinien der Bundesapothekenkammer, z.B. das Vorliegen anderer Erkrankungen. Die Erstempfehlungen enthielten immer mehrere Präparate. Am häufigsten wurden Halsschmerzmittel empfohlen, gefolgt von schleimhautabschwellenden Nasensprays, Schmerzmitteln und Komplexmitteln. Die große Mehrheit der Erstempfehlungen enthielt kein homöopathisches Präparat, ausschließlich homöopathische Präparate wurden in keinem Fall empfohlen. In 14 der 100 Beratungen enthielten die Erstempfehlungen auch homöopathische Präparate. Nach Unterschieden in der Wirksamkeit zwischen homöopathischen und „schulmedizinischen" Präparaten gab der Apotheker in 14 Fällen an, dass keine Unterschiede in der Wirksamkeit bestünden. Unterschiede in der Wirksamkeit in den restlichen 13 Fällen wurde am häufigsten damit begründet, dass Homöopathie besser bei Kindern als bei Erwachsenen wirke und sich deshalb auch als Alternative zu stärker wirkenden schulmedizinischen Präparaten anböte. Auf empirische Evidenz wurde nur in zwei Fällen Bezug genommen. Hier wurde allerdings behauptet, dass die, wenn auch schwächere Wirkung von Homöopathie, in klinischen Studien nachgewiesen worden wäre. In den 86 Beratungsgesprächen, in denen die Erstempfehlung keine homöopathischen Präparate enthielt, fragte die Kundin, ob Homöopathie eine Alternative wäre. In 27,9 % der Fälle wurde dies verneint, in 48,8 % der Fälle wurde die Frage bejaht. In den restlichen 20 Beratungsgesprächen wurde die Frage nicht eindeutig beantwortet. Mitunter wurde dabei darauf verwiesen, dass Kunden häufig homöopathische Präparate in Kombination mit anderen „zur Unterstützung" einnähmen. Auch in diesen 86 Gesprächen fragte die Kundin nach der Wirkung von Homöopathie. In lediglich 5 der 86 Fälle verwiesen die Apotheker darauf, dass die Wirkung von Homöopathie empirisch nicht nachgewiesen sei. In 19 Fällen wurde sogar behauptet, dass die Wirkung homöopathischer Präparate durch klinische Studien eindeutig bewiesen sei. In 11 Fällen (12,8 %) wurde gesagt, dass die Wirkung durch das Erfahrungswissen nachgewiesen wäre. Abschließend fragte die Kundin immer nach einer endgültigen Empfehlung. Insgesamt blieb die überwiegende Mehrheit der Apotheker bei ihrer Erstempfehlung. Nur fünf Personen boten zusätzlich homöopathische Präparate an.

Aber was lässt sich daraus bezüglich der Beratung der Apotheker in Sachen Homöopathie schließen? „Zum einen zeigen unsere Ergebnisse, dass im Falle eines grippalen Infektes die überwiegende Mehrzahl von ihnen zu schulmedizinischen Präparaten rät, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Linderung der Symptome führen", erläutert Prof. Tilmann Betsch. Wird also laut der Erfurter Studie in Apotheken mit Bezug auf wissenschaftliche Kriterien beraten? „Was die Wirkung von Homöopathie betrifft, so zeichnet unser Untersuchungsergebnis ein eher düsteres Bild", sagt Professor Betsch. In nur 5 % aller Beratungsgespräche wurde gesagt, dass es für die Wirkung von Homöopathie keine wissenschaftlichen Belege gäbe. In 30 % aller Beratungsgespräche wurde dagegen behauptet, dass die Wirkung von Homöopathie entweder in Studien nachgewiesen sei oder sich aus dem Erfahrungswissen ergäbe. „Nach den Leitlinien der Bundesapothekenkammer soll jedoch die Beurteilung der Wirksamkeit von Präparaten nach pharmakologisch-toxikologischen Kriterien erfolgen. Zumindest was die Begründung ihrer Empfehlungen betrifft, folgte die überwiegende Mehrheit der von uns befragten Apotheker diesen Leitlinien nicht. Während ihre Empfehlungen in der Regel nachweislich wirksame Medikamente enthielten, unterschied sich ihr Wissen über die Wirkung von Homöopathie mehrheitlich nicht von Laien-Meinungen. Zumindest was letzteren Bereich betrifft, scheint ein (Weiter)-Bildungsbedarf bei vielen Apothekern zu bestehen."

Zur Studie von Tilmann Betsch, Jana Chalupny, Susanne Grünewald, Lena Hofert und Lisa-Marie Männer im „Skeptiker": https://www.gwup.org/zeitschrift-skeptiker

Weitere Informationen / Kontakt:
Prof. Dr. Tilmann Betsch
Tel.: 0361/737-2221
E-Mail: tilmann.betsch@uni-erfurt.de

Quelle: idw

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Trotz des Gender Pay Gaps empfinden Frauen häufig ihren Verdienst als gerechter als Männer

Monika Wimmer Pressestelle
Sozio-oekonomisches Panel (SOEP)

Die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen betrug bei Vollbeschäftigten zuletzt immer noch 16 Prozent. Doch obwohl die meisten Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer, bewerten sie häufig ihr eigenes Einkommen als gerechter als dies Männer tun. Ein wesentlicher Grund für diesen Befund liegt in einer immer noch weitgehend in typische Männer- und Frauenberufe unterteilten Arbeitswelt. Dies zeigt nun erstmals eine für Deutschland repräsentative Untersuchung auf Basis der Daten der Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) am DIW Berlin.

„Frauen haben kein grundsätzlich anderes Gerechtigkeitsempfinden als Männer", sagt der Soziologe Peter Valet, Autor der Studie. „Aber ein überwiegend frauendominiertes berufliches Umfeld führt offenbar dazu, dass sie die Gerechtigkeit ihrer Löhne nach anderen Vergleichsmaßstäben bewerten als Männer". Die Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift „Work and Occupations" veröffentlicht.

Das so genannte „Paradox of the contented female worker" ist unter SoziologInnen seit vielen Jahren bekannt. Den Grund dafür vermuteten viele WissenschaftlerInnen bisher darin, dass für Frauen die Höhe ihres Einkommens weniger wichtig ist als für Männer. Eine andere Annahme in der Soziologie besteht darin, dass Frauen ihren Verdienst vor allem mit dem von anderen Frauen vergleichen und ihre Einkommensnachteile gegenüber Männern daher gar nicht erkennen.

Um diese Annahme zu überprüfen, analysierte der Bielefelder Soziologe Peter Valet, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe des SOEP-Direktors Stefan Liebig, die Daten von 16837 erwerbstätigen Männern und Frauen, die zwischen 2009 und 2015 im Rahmen der Langzeitstudie SOEP immer wieder befragt wurden. Neben der Auskunft über ihr Erwerbseinkommen machten die Befragten auch alle zwei Jahre Angaben darüber, welche Einkommenshöhe sie als gerecht empfinden würden. Darüber hinaus berücksichtigte Valet, ob die Frauen in einem frauen- oder in einem männerdominierten Beruf arbeiteten.

Das Ergebnis der Analyse zeigt: Vier von fünf befragten Frauen empfanden ihren Verdienst als gerechter als das Männer in einer vergleichbaren beruflichen Position taten. Valet konnte jedoch zeigen, dass diese Frauen überwiegend in einem beruflichen Umfeld arbeiteten, in denen mehr als die Hälfte der KollegInnen ebenfalls Frauen waren. Wenn die Frauen hingegen in Berufen arbeiteten, in denen mindestens die Hälfte der Beschäftigten Männer waren, bewerteten sie ihre Einkommen als genauso gerecht oder ungerecht wie ihre männlichen Kollegen in einer vergleichbaren Position. Bei Frauen, die im Laufe ihres Berufslebens von einem frauen- in einen männerdominierten Beruf gewechselt hatten, zeigte sich der gleiche Effekt.

"Wenn Frauen in einem Beruf arbeiten, in dem mehr Frauen als Männer tätig sind, vergleichen sie ihr Erwerbseinkommen offenbar vor allem mit dem ihrer Kolleginnen", erklärt Peter Valet diesen Zusammenhang. In männerdominierten Berufen hingegen würden sich die Frauen auch mit den besser verdienenden männlichen Kollegen vergleichen. „Erst wenn sie das tun, werden sich Frauen des Gender Pay Gap bewusst und empfinden ihren Verdienst als entsprechend ungerechter", sagt Valet.

Überrascht hat den Soziologen, dass die Gerechtigkeitswahrnehmungen von Männern offenbar unabhängig davon sind, ob der Großteil der KollegInnen Männer oder Frauen sind. Wie die SOEP-Daten zeigen, orientieren sich Männer in frauendominierten Berufen daran, was Männer generell im Durchschnitt verdienen.

Insgesamt betrachtet zeigt die Studie: Eine noch immer weitgehend in frauen- und männerdominierte Berufe unterteilte Arbeitswelt führt dazu, dass Frauen ihre eigenen Einkommen - trotz des Gender Pay Gaps - für gerechter halten als Männer das tun. „Das kann dazu führen, dass sie bei Lohnverhandlungen weniger fordern als Männer und sich die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern demzufolge weiter verfestigt", sagt Peter Valet. Er empfiehlt daher, dass Arbeitgeber ihre Gehälter für alle Mitarbeitenden transparent machen sollten. So hätten alle MitarbeiterInnen dieselben Vergleichsmöglichkeiten - unabhängig davon in welchem Beruf sie arbeiten.

SOZIO-OEKONOMISCHES PANEL (SOEP)
Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP im DIW Berlin wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Ländern gefördert. Für das SOEP werden seit 1984 jedes Jahr vom Umfrageinstitut Kantar Public (zuvor TNS Infratest Sozialforschung) in mehreren tausend Haushalten statistische Daten erhoben. Zurzeit sind es etwa 30.000 Personen in etwa 15.000 Haushalten. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung, Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.

LINK ZUR STUDIE:
Valet, Peter (2018). Social Structure and the Paradox of the Contented Female Worker: How Occupational Gender Segregation Biases Justice Perceptions of Wages.
Work and Occupations (online first).

http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0730888417753048?journalCode=woxb.

Quelle: idw

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Weltwassertag: Natur bietet Kombi-Lösung für Hunger-, Wasser- & Umweltprobleme

Florian Klebs Hochschulkommunikation
Universität Hohenheim

Universität Hohenheim: Intelligente Bewirtschaftung nutzt Mega-Deltas der großen Flüsse für kombiniertes Wassermanagement, Nahrungsmittelproduktion und Umweltschutz

Die Natur bietet Lösungen für Menschheitsprobleme - vorausgesetzt, die Menschheit versteht es, ökologische Zusammenhänge zu nutzen, so das Credo von Prof. Dr. Folkard Asch von der Universität Hohenheim in Stuttgart. Als Beispiel nennt er die Mega-Deltas großer Flüsse: Sie gelten als Reis-Körbe der Menschheit mit einem Produktionspotenzial, das noch lange nicht ausgereizt sei. Doch Wassermanagement, Küstenschutz und Maßnahmen gegen Meeresspiegelanstieg und Versalzungsgefahr seien nur mit naturnahen Lösungen möglich, betont der Agrarwissenschaftler im Vorfeld des Weltwassertages am 22. März 2018. Prof. Dr. Asch ist Leiter des Graduiertenkollegs „Wasser-Mensch-Landwirtschaft", gefördert von der Anton & Petra Ehrmann-Stiftung.

Wasser ist Lebensgrundlage und Bedrohung - das zeigt sich besonders deutlich in den Mündungsgebieten großer Flüsse mit ihren Quadratkilometer großen Überschwemmungsgebieten.

Auch die Konflikte um Wasser, die die Vereinten Nationen mit dem jährlichen Weltwassertag am 22. März ins Bewusstsein rücken, träten dort gleich in außergewöhnlichen Dimensionen auf, erklärt Prof. Dr. Asch von der Universität Hohenheim: Steigende Meeresspiegel und drohende Versalzung bedrohten Ackerland, Trinkwasser verknappe, Stadt- und Landbevölkerung konkurrierten um Süßwasser für menschliche Nutzung und Bewässerung.

Falscher Umgang mit Wasser bedroht Nahrungsgrundlage der halben Menschheit
Dabei handelt es sich keineswegs um ein lokales Problem. „Vor allem in Asien bilden die großen Flussdeltas die Reis-Körbe der Menschheit - und damit eine der wichtigsten Nahrungsquellen der Welt", erklärt Prof. Dr. Asch von der Universität Hohenheim.

Weltweit lebten drei von sieben Milliarden Menschen vor allem von Reis als Grundnahrungsmittel. Bislang hielten sich Bevölkerungswachstum und Produktionssteigerung halbwegs die Waage. Dies verdanke die Menschheit vor allem den fruchtbaren Böden der Flussdeltas.

Dank ihnen habe die Reisproduktion in den vergangenen 25 Jahren um 50 Prozent gesteigert werden können. Aktuell betrage sie 890 Mio. Tonnen pro Jahr. „Bis 2050 benötigen wir eine weitere Steigerung um 27 Prozent. Dies lässt sich nicht ohne weitere Produktionssteigerung in den Flussdeltas bewerkstelligen."

Naturnahe Lösungen als Schlüssel für Umweltschutz, Wasser- und Ernährungssicherung
Der Schlüssel dazu sei eine nachhaltige Intensivierung, die ökologische Zusammenhänge nutzt. Auf diese Weise ließen sich Ernährungssicherung, Armutsbekämpfung, der Zugang zu sicherem Trinkwasser und die Balance des Wasserbedarfs von Stadt und Land ins Lot bringen mit Küstenschutz und anderen Maßnahmen gegen Erosion und Versalzung.

Das Konzept entspräche damit dem des diesjährigen Weltwassertages, den die UN unter das Motto "Nature-Based Solutions for Water" stellt. „Es ist der Mensch, der beim Thema Wasser zunehmend vor Herausforderungen gestellt wird. Die Natur stellt dazu die Lösungen."

Der Ansatz sei in vielen Fällen auch ingenieurstechnischen Großmaßnahmen überlegen. „Flussdeltas wie das des Indus, Mekong oder des Ganges-Brahmaputras haben eine Ausdehnung von mehreren 100 Kilometern. Küstenschutz durch Sperren und Deiche wie in Norddeutschland oder den Niederlanden ist hier weder sinnvoll noch finanzierbar."

Küstenschutz, Erosionsminderung und Aufbau von Grundwasser
Den Küstenschutz würde Prof. Dr. Asch lieber natürlichen Mangrovenwäldern überlassen. Diese Bäume wachsen im Brackwasser des Gezeitenbereiches. So sichern sie den Boden auch bei Sturmfluten. Ihre Wurzeln bauen zusätzlich noch Erdwälle auf.

Auch der Reisanbau im Hinterland entspräche vom Ansatz her den natürlichen Gegebenheiten. „Reis ist eine der wenigen Kulturpflanzen, die in Sumpfgebieten wächst." Das aufgestaute Süßwasser auf den Feldern erhalte auch den Boden, denn „es verhindert, dass Meerwasser aus dem Untergrund durch die Verdunstung nach oben gesaugt wird und den Boden versalzt."

Gleichzeitig lieferten die Felder einen wichtigen Beitrag zum lokalen Wetter: „Durch die Verdunstung auf den Feldern entstehen Nebel, Wolken und Regen. Dieser versickert und baut unter dem Delta eine Frischwasserblase auf, die die Großstädte mit Trinkwasser versorgt."

Shrimp-Farming: Gefahr durch neue Formen der Landnutzung
Als gefährlich wertet der Agrarwissenschaftler dagegen den Trend, die fragilen Deltas für neue, nicht angepasste Produktionsformen zu nutzen. „Ein Negativ-Beispiel ist sicher die zunehmende Shrimps-Produktion im Mekong-Delta von Vietnam", urteilt Prof. Dr. Asch. Shrimps seien lukrativ, das wecke Begehrlichkeiten. Doch die Krustentiere lebten im Brackwasser, das sich in künstlich angelegten Teichen sammle. Durch diese künstlichen Teiche gelangten Salz und große Mengen Antibiotika in den Wasserkreislauf, das natürliche System würde zerstört.

Sanfte Optimierung kann neue Einkommensquellen erschließen
Um den steigenden Wasser- und Nahrungsbedarf zu stillen sei es dagegen notwendig, das gewachsene System weiter zu optimieren. „Wir müssen das vorhandene Wasser besser ausnutzen, indem wir gewährleisten, dass die Pflanzen nur die genau notwendige Menge an Wasser erhalten und nur zu den Zeiten, in denen sie es wirklich verwerten können."

Ein Ansatz sei durch verbesserte Anbauformen zu verhindern, dass zu viel Regenwasser ungenutzt ablaufe. Gleichzeitig seien die Deltas vielfältiger, als bislang genutzt. „Auch im Flachland der Deltas gibt es erhöhte Lagen, die nicht überstaut und sumpfig sind. Hier ließen sich andere, hochwertigere Kulturen wie Gemüse oder sogar Zitrusfrüchte für zusätzliche Einkommen anbauen. Das wäre eine sinnvolle Weiterentwicklung, die sich in die Ökologie eingepasst."

Hohe Bedeutung von Forschung und Wissenstransfer
Tatsächlich bestehe in vielen Fragen auch noch Forschungsbedarf. „Die gesellschaftlichen Herausforderungen, die Deltas zu schützen, sind wesentlich größer als das Wissen und die Finanzen, um die naturnahen Lösungen umzusetzen", resümiert der Wissenschaftler der Universität Hohenheim. Wichtig sei deshalb, dass Wissenschaft und Transfermedien auch vor Ort intensiv zusammen arbeiteten.

Einen Beitrag dazu wolle die Universität Hohenheim mit der Anton & Petra Ehrmann-Stiftung durch das Graduiertenkolleg „Wasser-Mensch-Landwirtschaft" leisten. Darin beschäftigen sich derzeit 15 Doktoranden mit globalen Fragestellungen und Herausforderungen zum Thema Wasser. 50 Prozent der Nachwuchswissenschaftler stammen aus Übersee. „Für uns sind das künftige Ausbilder und Multiplikatoren in ihren Heimatländern", so Prof. Dr. Asch.

Dem Weltwassertag am 22. März 2018 widmet das Graduiertenkolleg ein eigenes Kolloquium. Unter der Überschrift „Nature-based solutions for societal challenges related to water" beschäftigen sich die Vorträge speziell mit dem Thema Flüsse, Küsten und Deltas. Das Kolloquium an der Universität Hohenheim beginnt um 13:00 Uhr in Schloss Hohenheim, 70599 Stuttgart. Programm und Informationen unter https://water4use.uni-hohenheim.de/wwd2018

Kontakt für Medien
Prof. Dr. Folkard Asch, Universität Hohenheim, Hans-Ruthenberg-Institut für Tropische Agrarwissenschaften / Anton & Petra Ehrmann-Graduiertenkollegs „Wasser-Mensch-Landwirtschaft"
T 0711 459 23550, E fa@uni-hohenheim.de
Text: Klebs

Weitere Informationen:
http://water4use.uni-hohenheim.de "Graduiertenkolleg „Wasser-Menschen-Landwirtschaft""
http://water4use.uni-hohenheim.de/wwd2018 "Kolloquium zum Weltwassertag"
http://www.uni-hohenheim.de/expertenliste-wasser "Expertenliste Wasser"

Quelle: idw

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Fünftes Symposium „Gefahrstoffe am Arbeitsplatz"

Jörg Feldmann Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Ohne Messungen am Arbeitsplatz lassen sich die Belastungen bei Tätigkeiten mit Gefahrstoffen oftmals nicht beurteilen. Im Mittelpunkt des fünften Symposiums „Gefahrstoffe am Arbeitsplatz" stehen praktische Aspekte zur Umsetzung der Regelungen, die für die Messung von Gefahrstoffen relevant sind, sowie über deren Messbarkeit. Das Gefahrstoffsymposium findet am 18. und 19. September 2018 in der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund statt.

Zum Symposium „Gefahrstoffe am Arbeitsplatz" laden die Arbeitsgruppe Analytik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) unter Federführung der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI), der Arbeitskreis „Luftanalysen" der Ständigen Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und die BAuA ein. Angesprochen sind Vertreter von Messstellen und analytischen Laboratorien, Sicherheitsingenieure und Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Behördenvertreter sowie Aufsichtspersonen der Länder und Träger der gesetzlichen Unfallversicherung.

Das Symposium greift praktische Aspekte der für die Messung von Gefahrstoffen relevanten Regelungen und der Qualitätssicherung auf. Zudem werden konkrete Beispiele und Probleme der Gefahrstoffmessung vorgestellt und diskutiert. Dabei gehen Referenten beispielsweise auf Entwicklungen im Technischen Regelwerk für Gefahrstoffe, Grenzwerte oder die Arbeit mit direkt anzeigenden Messgeräten ein. Zudem werden Ergebnisse aktueller Forschungsprojekte vorgestellt. Das gesamte Programm gibt es unter der Adresse http://analytik.bgrci.de (direkt unter Seiten-ID #70Q6). Hier ist auch eine Anmeldung möglich.

Die Tagungsgebühr für das Symposium beträgt bei Buchung bis zum 31. Mai 2018 170 Euro, inklusive Tagungsunterlagen und Abendveranstaltung am 18. September. Bei Anmeldungen nach dem 31. Mai erhöht sich die Tagungsgebühr auf 200 Euro.

Anmeldungen per Brief, Fax oder E-Mail bitte an
BG RCI
Gabriele Haass
Kurfürsten-Anlage 62
69115 Heidelberg
Telefon: 06221 5108-28105 • Fax: 06221 5108-21199
E-Mail: symposium-gefahrstoffe@bgrci.de

Die BAuA ist Partner im Wissenschaftsjahr 2018 - Arbeitswelten der Zukunft

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben - im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Über 700 Beschäftigte arbeiten an den Standorten in Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.
http://www.baua.de

Weitere Informationen:
http://www.bgrci.de/veranstaltungen/tagungen/symposium-gefahrstoffe-am-arbeitsplatz/ Direkter Link zum Programm des 5. Symposiums "Gefahrstoffe am Arbeitsplatz"

Quelle: idw

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Bis 2030 sind deutlich mehr Erneuerbare Energien möglich

Anne-Catherine Jung Pressestelle
Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Ein Anteil von bis zu 35 Prozent Erneuerbaren Energien am gesamten Energieverbrauch bis 2030 ist realistisch: Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich veröffentlichte Studie des Fraunhofer ISI für das Europäische Parlament.

Die Europäische Union strebt an, bis 2030 einen Anteil von 27 Prozent Erneuerbaren Energien (EE) am gesamten Energieverbrauch zu erreichen. Im Jahr 2016 belief sich dieser auf rund 17 Prozent, wie in der Publikation »The State of Renewable Energies in Europe - Edition 2017« ersichtlich ist.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI hat für die Studie »Renewable Energy Directive Target« zusammen mit Enerdata und SQ Consult untersucht, welche Auswirkungen ein höherer Anteil Erneuerbarer Energien am gesamten Endenergieverbrauch auf Wirtschaft und Gesellschaft hätte. Um die Möglichkeiten für einen EE-Anteil von 30 bis 35 Prozent zu prüfen, haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mehr als 30 Studien ausgewertet.

Die wichtigsten Faktoren für die Berechnungen sind die Technologiekosten, die Brennstoffpreise und die Kosten für Kapital:

• Im Hinblick auf Technologiekosten halten die Autorinnen und Autoren der Studie fest, dass die Kosten für erneuerbare Energietechnologien heutzutage geringer sind als noch vor einigen Jahren angenommen. Daraus schließen sie, dass erneuerbare Energieträger, vor allem Windenergie, eine wichtige Rolle im zukünftigen Energiesystem spielen werden, da geringere Technologiekosten generell zu einer schnellen und weiten Verbreitung führen.
• Niedrige Brennstoffpreise führen zu einem geringeren Anteil Erneuerbarer Energien. Erhöhen sich die Brennstoffpreise, erhöht sich auch der EE-Anteil. Da es aktuell starke Schwankungen bei den Brennstoffpreisen gibt, ist die Voraussage für diesen Aspekt mit großen Unsicherheiten behaftet.
• Die Höhe der Kosten für Kapital hat Einfluss auf die Erzeugungskosten und damit auf die Auswahl der Investitionen: Hohe Abzinsungssätze begünstigen in der Regel Investitionen in Anlagen, die eher niedrige Anfangsinvestitionen haben, beispielsweise Gaskraftwerke. Bei niedrigen Sätzen werden laufende Betriebskosten stärker gewichtet und somit Anlagen mit geringen Betriebskosten wie Solar- und Windanlagen begünstigt.

Nach der Auswertung aller Faktoren kommen die Autorinnen und Autoren der Studie zu dem Schluss, dass ein Anteil Erneuerbarer Energien zwischen 30 und 35 Prozent am gesamten Energieverbrauch bis 2030 ökonomisch realisierbar ist. Die Auswirkungen auf Bruttoinlandsprodukt, Beschäftigung und Gesundheit wären insgesamt gering, aber zumeist positiv. Auch im Hinblick auf Brennstoffimporte und Treibhausgasemissionen wären positive Effekte zu erwarten.

Bei einem EE-Anteil von 30 bis 35 Prozent am gesamten Endenergieverbrauch steigt laut den ausgewerteten Studien der Anteil Erneuerbarer Energien im Stromsektor auf über 50 Prozent. Für die Integration steigender Anteile Erneuerbarer Energien in das Stromsystem muss dieses hinreichend flexibel sein, beispielsweise durch flexible Nachfrage sowie flexible Erzeugungsanlagen und Speicher. Eine vor kurzem veröffentlichte Analyse des Fraunhofer ISI im 17. EurObserv'ER Report zeigt, dass für einen EE-Anteil von knapp 30 Prozent im Strombereich (2016) die gegenwärtig bestehende Flexibilität des Systems gut ausreicht.

Kontakt:
Anne-Catherine Jung MA
Telefon: +49 721 6809-100
E-Mail: presse@isi.fraunhofer.de

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Weitere Informationen:
http://www.europarl.europa.eu/RegData/etudes/STUD/2018/614201/IPOL_STU%282018%29... Studie »Renewable Energy Directive Target«Renewable Energy Directive Target
https://www.eurobserv-er.org/pdf/annual-overview-2017-en-fraunhofer-isi/ 17. EurObserv'ER Report

Quelle: idw

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Neue Studie für Greenpeace: Wälder bergen ungenutztes Potential für den Klima- und Naturschutz

Mandy Schoßig Öffentlichkeit und Kommunikation
Öko-Institut e. V. - Institut für angewandte Ökologie

Wälder in Deutschland können maßgeblich zum Klimaschutz beitragen, wenn sie stärker geschützt werden. Bis zu 48 Millionen Tonnen CO2 könnten diese Wälder pro Jahr bei einer ökologischeren Bewirtschaftung binden - dies entspricht etwa der Hälfte des jährlichen CO2-Ausstoßes von PKW in Deutschland.
Nach einer heute veröffentlichten Studie des Freiburger Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace würde der Wald bei gleichbleibender Nutzung etwa zwei Drittel weniger klimaschädliches CO2 binden.

Computersimulationen zeigen, dass der Wald bei intensiverer Bewirtschaftung als heute seine Klimaschutzfunktion zeitweilig sogar verlieren könnte. „Deutschland ignoriert das beträchtliche Potential seiner Wälder für den Klimaschutz", sagt Sandra Hieke, Waldexpertin von Greenpeace: „Im Entwurf des neuen Koalitionsvertrages beabsichtigen CDU/CSU und SPD zudem, noch mehr Holz einschlagen zu lassen. Nicht nur in der Verkehrs- und Energiepolitik, auch in der Forstpolitik nimmt die Bundesregierung ihre Klimaziele nicht ernst."

Industrieforste würden wieder zu lebendigen Laubwäldern
Die Studie untersucht die Auswirkung dreier Szenarien zur Waldbewirtschaftung auf den Schutz von Klima und Natur. Im ambitionierten Szenario „Waldvision" können sich mehr Industrieforste bis Anfang des nächsten Jahrhunderts zu naturnahen Laubmischwäldern entwickeln. Diese sind in der Regel widerstandsfähiger gegenüber Stürmen und bieten mehr Lebensraum für Tiere und Erholungsraum für Menschen. Bei diesem Szenario bindet der Wald pro Jahr im Schnitt 48 Millionen Tonnen CO2. Ein zweites Szenario schreibt die aktuelle Bewirtschaftung fort: Hier bindet der Wald im Schnitt nur 17,2 Millionen Tonnen CO2. Das dritte Szenario analysiert die von der Holzindustrie geforderte intensive Bewirtschaftung und ergibt eine CO2-Minderung um lediglich 1,4 Millionen Tonnen pro Jahr.

„Wird der Wald ökologischer und weniger intensiv bewirtschaftet, steigt sein Beitrag zum Klimaschutz, aber auch zum Naturschutz", sagt Dr. Hannes Böttcher, Experte für Waldökosysteme und Klimaschutz am Öko-Institut: „Wir zeigen mit der „Waldvision" die Synergien auf: Wälder können durch eine andere Bewirtschaftung und effizientere Holznutzung zu beidem beitragen." In der weltweiten Krise des Klimawandels sind Wälder unverzichtbar für den Klimaschutz. Sie stabilisieren das Weltklima, speichern schädliches Kohlendioxid und setzen dabei Sauerstoff frei.

Website „Waldvision" des Öko-Instituts
Alle Ergebnisse der Studie „Waldvision Deutschland" im Auftrag von Greenpeace Deutschland stellt das Öko-Institut auf seiner Website „Waldvision" vor. Interaktive Grafiken erlauben einen Blick in die Zukunft der ökologischen Waldwirtschaft und die Auswirkungen auf den Baumbestand im deutschen Wald.

Zur Website „Waldvision" des Öko-Instituts (http://waldvision.de/)

Greenpeace Waldvision online lesen (https://www.greenpeace.de/presse/publikationen/wenn-waelder-wieder-wachsen)

Infografiken zur Waldvision:
Infografik „Vom Fichtenwald zum strukturierten Laubmischwald" des Öko-Instituts (https://www.flickr.com/photos/oekoinstitut/39784191014/in/album-7215769213757775...)

Infografik „Schonende Nutzung für mehr Klasse als Masse" des Öko-Instituts (https://www.flickr.com/photos/oekoinstitut/38683884900/in/album-7215769213757775...)

Studie und Modellbeschreibung:
Studie „Waldvision Deutschland. Beschreibung von Methoden, Annahmen und Ergebnissen" des Öko-Instituts (in deutscher Sprache) (https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Waldvision-Methoden-und-Ergebnisse.pdf)

Study „Forest Vision Germany. Description of methodology, assumptions and results by
Oeko-Institut (in English language) (https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Forest-Vision-Methods-and-Results.pdf)

Beschreibung des Modells „Forestry and Agriculture Biomass Model (FABio)" des Öko-Instituts (https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/FABio-Wald-Modellbeschreibung.pdf)

Ansprechpartner am Öko-Institut
Dr. Hannes Böttcher
Senior Researcher im Institutsbereich
Energie & Klimaschutz
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Telefon: +49 30 405085-389
E-Mail: h.boettcher@oeko.de

Ansprechpartnerinnen bei Greenpeace
Sandra Hieke (Kampaignerin Wälder & Biodiversität)
Telefon: 0160 9065 9754

Simone Miller (Pressesprecherin)
Telefon: 0171 8706 647
E-Mail: presse@greenpeace.de

Mandy Schoßig
Leiterin Referat Öffentlichkeit & Kommunikation
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Telefon: +49 30 405085-334
E-Mail: m.schossig@oeko.de

Anhang
PM_Waldvision_Öko-Institut
https://idw-online.de/de/attachment64823

Quelle: idw

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Alarmierend: Nur 8% waschen ihre Hände in korrekter Weise

Janna von Greiffenstern Kommunikation und Service
SRH Hochschule Heidelberg

Hände weg von Männerhänden: Im Rahmen einer Beobachtungsstudie an 1.000 Menschen stellten Studierende der Fakultät für Angewandte Psychologie der SRH Hochschule Heidelberg fest, dass kaum einer seine Hände nach dem Toilettengang richtig wäscht.

Sie wütet wieder heftig, die Grippewelle. Dabei ist es einfach, die Erreger fernzuhalten: Das Infektionsrisiko mit Viren und Bakterien lässt sich durch eine korrekt ausgeführte Handhygiene um bis zu 99,9% verringern. Denn rund 80% aller ansteckenden Krankheiten werden über die Hände übertragen, mit denen wir im Durchschnitt 16 Mal pro Stunde unser Gesicht berühren. So gelangen die Keime durch Mund, Nase und Augen über die Schleimhäute in unseren Körper und entwickeln sich dort zur Infektion. In ihrem Experimentalpraktikum beobachteten zehn Psychologie-Studierende der SRH Hochschule Heidelberg die Besucher mehrerer öffentlicher Toiletten in und um Heidelberg. Die Ergebnisse erschütterten sie.

Die SRH-Studentinnen schauten 1.000 Toilettenbesuchern auf die Finger: Rund 7% verzichteten gänzlich auf das Händewaschen. 27% wuschen ihre Hände nur mit Wasser und rund 58% benutzten Wasser und Seife, allerdings nicht mit der erforderlichen Gründlichkeit. Lediglich rund 8% reinigten ihre Hände vorbildlich. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt hierfür eine mindestens 20 Sekunden dauernde Reinigung mit Wasser und Seife nicht nur der Handflächen, sondern auch der Fingerzwischenräume.

Auch zwischen den Geschlechtern bestand ein bedeutender Unterschied im Händewaschverhalten. Während ca. 11 % der Männer auf das Reinigungsritual gänzlich verzichteten, sind es bei den Frauen nur 3%. Mit Wasser und Seife, allerdings ohne Berücksichtigung der Intensität, rückten immerhin 82% der untersuchten Frauen den Ansteckungskeimen auf den Leib. Bei den Männern waren es nur 51%. Der Handkontakt mit Männern birgt also ein höheres Übertragungsrisiko. „Dieser Unterschied hat uns schon schockiert", gesteht die SRH-Studentin Jana Zeeb.

„Allein in Deutschland machte die Pharmaindustrie im Jahr 2016 mit Erkältungsmitteln einen Umsatz von über 700 Millionen Euro. Nicht nur die Kosten für den einzelnen, sondern auch für Gesellschaft und Wirtschaft sind enorm", erklärt Prof. Dr. Frank Musolesi, Leiter der Beobachtungsstudie. Auch die Arbeitsunfähigkeitstage bedeuten Produktionsausfälle in Höhe von mehreren Milliarden Euro für die deutsche Wirtschaft. „Dabei lassen sich Infektionskrankheiten durch regelmäßiges Händewaschen wirksam und kostengünstig vermeiden, und dies ganz ohne Nebenwirkungen", so Musolesi.

Weitere Informationen:
http://www.hochschule-heidelberg.de

Quelle: idw

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Energieeffiziente Wassernutzung in der Industrie: 5. Ausschreibungsrunde im Förderprogramm STEP up!

Wiebke Ehret Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
VDI/VDE Innovation + Technik GmbH

Bis zum 31. Mai 2018 können Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft, einschließlich wirtschaftlich tätiger kommunaler Betriebe, bei STEP up! Projektanträge zur Durchführung von Energieeffizienz-Maßnahmen stellen. Möglich sind bis zu 30 % Förderung.

STEP up! bietet auch in seiner 5. Ausschreibungsrunde wieder eine offene und eine geschlossene Ausschreibung. Die offene Ausschreibung ist technologie- und branchenoffen für stromeffiziente Projekte. Die geschlossene Ausschreibung fokussiert auf Effizienzmaßnahmen in der Wasser- und Abwassertechnik sowie der Prozesswassernutzung. Auch Kombi-Projekte "Strom-Wärme", welche neben reinen Stromeinsparungen zusätzlich auch wärmeseitige Effizienzverbesserungen an anderen Energieträger erzielen, können gefördert werden.

Wasser ist eine der am häufigsten verwendeten Ressourcen in der deutschen Industrie mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten je nach Industriezweig. Beispielsweise in der Lebensmittel- und Papierindustrie sowie in der chemischen und pharmazeutischen Industrie ist Wasser ein unersetzlicher Prozessbestandteil. Je nach Anwendungsfall muss das Wasser dabei hohen Qualitätsanforderungen genügen und bedarf mitunter aufwändiger Aufbereitungs- und Reinigungsverfahren. Doch auch bei der nachfolgenden Behandlung des Abwassers kommen energieaufwändige Prozesse zum Einsatz, bevor das Wasser wieder in Fließgewässer oder Seen eingeleitet werden kann.

Die eingesetzten Verfahren sind vielfältig, doch eines haben sie gemeinsam: Sie sind energieintensiv und weisen gleichzeitig hohe Einsparpotenziale auf. STEP up! fokussiert daher in der geschlossenen Ausschreibung Projekte aus dem genannten Bereich und unterstützt Unternehmen bei deren Umsetzung.

STEP up! ist ein Programm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Für die Pilotphase von STEP up! stehen bis zum 31.12.2018 300 Mio. Euro Fördermittel zur Verfügung.

Die neue Förderbekanntmachung, die Merkblätter und Tools sowie Projektbeispiele stehen unter http://www.stepup-energieeffizienz.de zur Verfügung.

Kontakt:
VDI/VDE Innovation + Technik GmbH
Projektträger STEP up!
Steinplatz 1
10623 Berlin
Telefon: 030 310078-5555
Telefax: 030 310078-102
stepup-information@vdivde-it.de

Weitere Informationen:
http://www.stepup-energieeffizienz.de

Quelle: idw

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Alle Pilze sind schon da: Wenn Bäume den Berg hinauf wandern, warten ihre Pilzpartner auf sie

Sabine Wendler Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum Pressestelle
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Wenn es durch den Klimawandel in tieferen Lagen wärmer wird, kann sich vielerorts die Baumgrenze nach oben verschieben. An den essentiell wichtigen Pilzpartnern der Bäume soll es jedenfalls nicht liegen, denn die sind bereits jetzt oberhalb der Baumgrenze im Boden auffindbar. Einen Haken hat die Sache allerdings: auch die für die Bäume schädlichen Pilze sind im potentiell neuen Zuhause bereits heimisch. Das hat ein Team der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Goethe-Universität bei der Untersuchung der Zirbelkiefer, die in den Zentralalpen die Baumgrenze bildet, und der mit ihr vergesellschaften Pilze herausgefunden. Die Studie ist im „Journal of Ecology" erschienen.

Für Bäume sind Mykorrhizapilze extrem wichtig, denn sie optimieren den Wasser- und Nährstofftransport zu den Wurzeln. Insbesondere für Standorte mit geringem Nährstoffgehalt an der Baumgrenze spielen sie daher eine entscheidende Rolle, damit Bäume überhaupt wachsen können. Bei der Zirbelkiefer Pinus cembra trägt beispielsweise der Pilz Rhizopogon salebrosus zum Gedeihen bei. Aber auch für die Pilze lohnt sich die Lebensgemeinschaft. Eine neue Studie zeigt jedoch: Selbst über der Baumgrenze kommen die Pilzpartner des Baumes vor.

„Das war unerwartet. Eigentlich geht man davon aus, dass solche und andere Pilze, die sich in ihrer Lebensweise voll und ganz auf Kiefern spezialisiert haben, nur in deren Nähe überleben können. Ihr Vorkommen sollte daher oberhalb der Baumgrenze signifikant zurückgehen", so der Erstautor der Studie, Dominik Merges, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. Gemeinsam mit Kollegen hatte er in den Schweizer Alpen nahe Davos in Höhen zwischen 1850 und 2250 m Bodenproben genommen und anschließend per Hochdurchsatz-DNA-Analyse die darin befindlichen Organismen bestimmt.

Darüber, wie die Pilze das Überleben ohne ihren Partner oberhalb der Baumgrenze meistern, kann das Team nur spekulieren. „Womöglich können die bisher als Spezialisten geltenden Pilze unter harschen Klimabedingungen mit anderen Pflanzen, beispielsweise Heidesträuchern, kooperieren und sind flexibler als gedacht", erklärt Dr. Eike Lena Neuschulz, Leiterin des Forschungsprojekts vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum. Möglich wäre auch, dass die DNA-Analyse bei genetischen Spuren von Pilzsporen anschlägt. Diese können weit fliegen und für sehr lange Zeit im Boden überdauern.

Die Zirbelkiefer bildet in den Zentralalpen in der Schweiz vielfach die Baumgrenze. Außerdem ist der markante Baum im angrenzenden Alpenraum in Frankreich und Österreich zu finden; in Deutschland gibt es einzelne Bestände in den Bayerischen Alpen. Merges dazu: „Der Baum steht stellvertretend für eine Reihe von Pflanzen, denen potentiell die Flucht nach oben bleibt, um ihrer präferierten klimatischen Nische hinterher zu wandern und sich so an den Klimawandel anzupassen. Unsere Studie zeigt, dass die Pilze diese Verschiebung der Verbreitungsräume nicht behindern."

Unter den Pilzen, die laut DNA-Analyse oberhalb der bisherigen Baumgrenze im Boden lauern, gibt es jedoch auch jede Menge Gegenspieler der Zirbelkiefer. Kein Entrinnen gibt es daher vor generellen Schädlingen wie Pilzen der Gattung Lophoderminum, die eine Verfärbung der Nadel und deren Abfallen verursachen, oder Gremmenia infestans, ein Pilz, der die Bäume mit der Krankheit Schneeschimmel infiziert. „Zwar können die Bäume wohl mit Pilzunterstützung potentiell oberhalb der bisherigen Baumgrenze wachsen, leicht gemacht wird es ihnen aber trotzdem nicht, sich dort zu etablieren", bilanziert Neuschulz.

Kontakt
Dr. Eike Lena Neuschulz
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. +49 (0)69- 7542 1872
eike-lena.neuschulz@senckenberg.de

Dominik Merges
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. +49 (0)69- 7542 1873
dominik.merges@senckenberg.de

Sabine Wendler
Pressestelle
Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum
Tel. +49 (0)69- 7542 1818
pressestelle@senckenberg.de

Publikation
Merges, D., Bálint, M., Schmitt, I., Böhning-Gaese, K. and Neuschulz, E. L. (2018): Spatial patterns of pathogenic and mutualistic fungi across the elevational range of a host plant. Journal of Ecology, doi:10.1111/1365-2745.12942

Die Pressebilder können kostenfrei für redaktionelle Berichterstattung zu dieser Pressemeldung verwendet werden unter der Voraussetzung, dass der genannte Urheber mit veröffentlicht wird. Eine Weitergabe an Dritte ist nur im Rahmen der aktuellen Berichterstattung zulässig.

Die Pressemitteilung sowie weiteres Bildmaterial finden Sie auch unter http://www.senckenberg.de/presse

Die Natur mit ihrer unendlichen Vielfalt an Lebensformen zu erforschen und zu verstehen, um sie als Lebensgrundlage für zukünftige Generationen erhalten und nachhaltig nutzen zu können - dafür arbeitet die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung seit nunmehr 200 Jahren. Diese integrative „Geobiodiversitätsforschung" sowie die Vermittlung von Forschung und Wissenschaft sind die Aufgaben Senckenbergs. Drei Naturmuseen in Frankfurt, Görlitz und Dresden zeigen die Vielfalt des Lebens und die Entwicklung der Erde über Jahrmillionen. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Das Senckenberg Naturmuseum in Frankfurt am Main wird von der Stadt Frankfurt am Main sowie vielen weiteren Partnern gefördert. Mehr Informationen unter http://www.senckenberg.de

Anhang
Pressemitteilung zum Download
https://idw-online.de/de/attachment64848

Quelle: idw

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BAM überprüft Energieeffizienz von Wärmepumpen

M.A., LL.M./LL.B. Venio Quinque Unternehmenskommunikation
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)

Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) hat den Energieverbrauch von Wärmepumpen überprüft. Dazu hat das Expertenteam der BAM 20 prominente Modelle verschiedener Hersteller in unabhängigen, akkreditierten Laboratorien untersuchen lassen. Das Fazit der BAM: Bei allen bislang überprüften Modellen gibt es keine Abweichung zwischen Messwert und deklariertem Energiewert auf dem Label.

Im Winter ist ein warmes Zuhause unentbehrlich. Doch wer ausgiebig heizt, wird beim Blick auf die Rechnung oft böse überrascht, denn Heizen verbraucht im Haushalt die meiste Energie. Eine intelligente Heizungstechnik hilft, den Energieverbrauch zu senken. Besonders effizient und gleichzeitig umweltfreundlich funktioniert Heizen mit Wärmequellen aus der Umwelt. Mit einer Wärmepumpe kann dem Erdboden, dem Grundwasser oder der Außenluft Wärme entzogen und für die Raumheizung oder für die Warmwassererzeugung genutzt werden.

Um den Verbraucherinnen und Verbrauchern die Auswahl der richtigen Heizung zu erleichtern, werden in Europa Heizungen in Energieeffizienzklassen eingeteilt. Seit 2012 sind diese für Wärmepumpen verpflichtend. Ob die Produktangaben zum Energieverbrauch richtig sind, überprüfen derzeit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der BAM im Projekt Unterstützung der Marktüberwachung am Beispiel von Wärmepumpen. Sie wollen Schwachstellen in den Prüfmethoden aufdecken und die Prüfungen verbessern. Damit wird auch die Marktüberwachung unterstützt.
„Das Einhalten der Vorschriften zu Ökodesign und Energieverbrauchskennzeichnung muss wirksam überwacht werden. Dies erfordert einen hohen Aufwand an technischen Prüfungen, auch, damit die Marktüberwachungsbehörden gerichtsfest nachweisen können, dass das drin ist, was auf dem Produkt draufsteht, auch bei der Energieeffizienz", so Dr. Floris Akkerman, Leiter des BAM-Referats Ökodesign und Energieverbrauchskennzeichnung.

Im Projekt Unterstützung der Marktüberwachung arbeiten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der BAM eng mit den Marktüberwachungsbehörden der Länder zusammen, denn: Marktüberwachung obliegt den Ländern. Die Erkenntnisse aus dem Projekt sollen die Marktüberwachungsbehörden unterstützen und helfen, gleiche Wettbewerbsbedingungen im Markt zu fördern. Gleichzeitig soll das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher in die Angaben zur Energieeffizienz auf den Etiketten und Datenblättern gestärkt werden.
Das Projekt Unterstützung der Marktüberwachung ist eine von vielen Maßnahmen im Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) der Bundesregierung. Das Ziel von NAPE ist es den Primärverbrauch bis 2050 zur halbieren. Weitere Informationen zum Projekt NAPE finden Sie unter www.bam.de/nape

Kontakt:
Venio Quinque, M.A., LL.M./LL.B.
Leiter Referat Unternehmenskommunikation
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)
T: + 49 30 8104-1002
presse@bam.de
www.bam.de

Über die BAM
Die BAM gewährleistet Sicherheit in Technik und Chemie.
Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.
Die BAM forscht, prüft und berät zum Schutz von Mensch, Umwelt und Sachgütern. Im Fokus aller Tätigkeiten in der Materialwissenschaft, der Werkstofftechnik und der Chemie steht dabei die technische Sicherheit von Produkten und Prozessen. Dazu werden Substanzen, Werkstoffe, Bauteile, Komponenten und Anlagen sowie natürliche und technische Systeme von volkswirtschaftlicher Dimension und gesellschaftlicher Relevanz erforscht und auf sicheren Umgang oder Betrieb geprüft und bewertet. Die BAM entwickelt und validiert Analyseverfahren und Bewertungsmethoden, Modelle und erforderliche Standards und erbringt wissenschaftsbasierte Dienstleistungen für die deutsche Wirtschaft im europäischen und internationalen Rahmen.
Sicherheit macht Märkte.

Die BAM setzt und vertritt für Deutschland und seine globalen Märkte hohe Standards für Sicherheit in Technik und Chemie zur Weiterentwicklung der erfolgreichen deutschen Qualitätskultur „Made in Germany".

Weitere Informationen:
http://www.bam.de/nape

Quelle: idw

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Warum der Chef immer Schuld ist - Studie zur Verteilung von Lob und Tadel

Anneliese Odenthal Presse und Kommunikation
Universität zu Köln

Sozialer Status spielt bei positiver oder negativer Beurteilung von handelnden Personen eine wichtigere Rolle als gedacht

In einem Experiment von Kölner und Bochumer Forschern und Forscherinnen zeigte sich, dass bei der Zuschreibung von Lob und Tadel, anders als bislang angenommen, der soziale Status der handelnden Person entscheidend ist und nicht die Tatsache, wie viel Einfluss eine Person aktiv auf die Situation genommen hat. Die Ergebnisse beschreiben der Psychologe Prof. Dr. Dr. Kai Kaspar von der Universität zu Köln und die Philosophen Prof. Dr. Albert Newen und Dr. Pascale Willemsen von der Ruhr-Universität Bochum gemeinsam in der Zeitschrift „Philosophical Psychology".

„In der Ethik wird typischerweise angenommen, dass für die Menge an Lob und Tadel, die jemand verdient, drei Faktoren relevant sind: was er getan hat, wie schlimm die Konsequenzen seines Handelns für andere sind, und welche Absichten er verfolgt hat", sagt Pascale Willemsen. „Aber so läuft es in der Praxis nicht." Die Untersuchung konnte zeigen, dass ein Chef für negative Konsequenzen seines Handelns deutlich mehr getadelt wird als ein Mitarbeiter, dessen Handeln gleiche Konsequenzen nach sich zog.
„Diese Asymmetrie in der Zuschreibung von Lob und Tadel und auch eine gewisse Kulturunabhängigkeit des Effekts konnten wir bereits in früheren Studien zeigen. Die zugrundeliegenden Bewertungsprozesse sind für lokal wie global operierende Unternehmen daher hoch interessant", ergänzt Kai Kaspar.
Bisherige Theorien waren davon ausgegangen, dass nur der Grad, zu dem man etwas kausal beeinflussen kann, die Zuschreibung von Lob und Tadel beeinflusst. „Der bisherigen Theorie nach erhielte der Chef nur deswegen mehr Tadel als der Arbeitnehmer, weil er die Entscheidung gefällt hat und somit mehr kausalen Einfluss in der Situation hat", erklärt Kai Kaspar. Die soziale Rolle als Boss hätte nach dieser Theorie keinen Einfluss.
Willemsen, Newen und Kaspar testeten genau diese Annahme in einer Online-Studie mit Probanden aus den USA. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mussten Stellung zu folgender Situation nehmen: Nicht der Chef, sondern ein Angestellter trifft eine wichtige Entscheidung im Unternehmen. Sowohl dem Angestelltem als auch dem Boss ist dabei bewusst, dass die Entscheidung zwar im Interesse der Firma ist, aber negative Nebeneffekte für die Umwelt haben wird. Beiden sind diese explizit egal.
In dem Experiment erhielt der Chef mehr Tadel als der Angestellte, obwohl er die Entscheidung gar nicht selbst getroffen hatte. „Wir haben nun guten Grund zu der Annahme, dass die soziale Rolle wesentlich mit darüber entscheidet, wie viel Tadel wir einer Person für negative Konsequenzen zuschreiben. Die philosophische Ethik vernachlässigt die soziale Verankerung ethischer Beurteilungen bislang. Dabei zeigen empirische Befunde, dass Menschen ihre moralischen Urteile auf andere Weise fällen, als Moralphilosophen es gerne hätten", resümiert Albert Newen.

Originalveröffentlichung
Willemsen, P., Newen, A. & Kaspar, K. (2018). A new look at the attribution of moral responsibility: The underestimated relevance of social roles. Philosophical Psychology. https://doi.org/10.1080/09515089.2018.1429592

Inhaltlicher Kontakt:
Prof. Dr. Dr. Kai Kaspar
Institut für Psychologie
Humanwissenschaftliche Fakultät
Universität zu Köln
+49 221 470 6828
kkaspar@uni-koeln.de

Prof. Dr. Albert Newen
Institut für Philosophie II
Fakultät für Philosophie und Erziehungswissenschaft
Ruhr-Universität Bochum
+49 234 32 22139
albert.newen@rub.de

Dr. Pascale Willemsen
Institut für Philosophie II
Fakultät für Philosophie und Erziehungswissenschaft
Ruhr-Universität Bochum
+49 234 32 28724
pascale.willemsen@rub.de

Presse und Kommunikation:
Jan Voelkel
+49 221 470-2356
j.voelkel@verw.uni-koeln.de

Quelle: idw

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Da haben wir den Salat: Erste Ernte aus aufbereitetem Abwasser im Forschungsprojekt HypoWave

Melanie Neugart Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

Salatpflanzen nur mit gereinigtem Abwasser versorgen und eine hochwertige Ernte erzielen - geht das? Im Forschungsprojekt „HypoWave" wurden erstmals Setzlinge in einem hydroponischen Verfahren angepflanzt und mit speziell aufbereitetem Bewässerungswasser aus einer Kläranlage versorgt. Die Ernte aus dem bisherigen Anbau zeigt erste gute Ergebnisse für die Umsetzbarkeit. Vor dem Hintergrund des hohen Wasserverbrauchs in der Landwirtschaft setzt das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt auf eine wassersparende Pflanzenproduktion.

Dazu werden in einem Gewächshaus auf der HypoWave-Pilotanlage bei Wolfsburg seit Sommer 2017 Salatsetzlinge in einem hydroponischen Verfahren angebaut. Die Setzlinge kommen in ihren Pflanzengefäßen ohne Erde aus, dadurch versickert kein Bewässerungswasser in den Boden und es verdunstet weniger. Das macht die hydroponische Pflanzenproduktion zu einem wassersparenden Anbauverfahren. Das Forschungsprojekt HypoWave zielt darauf, die Effizienz dieser Anbauform noch zu erhöhen, indem speziell aufbereitetes Wasser aus kommunalem Abwasser verwendet wird.

Mit der Wiederverwendung von Wasser kann nicht nur die Ressource geschützt werden. Auch die im Abwasser enthaltenen Nährstoffe bieten sich für ein gesundes Pflanzenwachstum an. „Die ersten Ergebnisse zeigen, dass schon bei geringer Nährstoffzufuhr ein gutes Wachstum der Salatpflanzen erzielt werden kann", sagt Projektleiter Thomas Dockhorn vom Institut für Siedlungswasserwirtschaft der TU Braunschweig. „Wir konnten fast alle notwendigen Nährstoffe, wie Stickstoff und Phosphor, aus dem Abwasser bereitstellen und unerwünschte Stoffe reduzieren." Mit Blick auf einen effizienten Nährstoffeinsatz sei das ein gutes Ergebnis.

Wasserwiederverwendung in der Landwirtschaft schont die Ressource
In der kommenden Vegetationsperiode soll das System durch technische Anpassungen der Abwasserbehandlungsstufen noch weiter optimiert werden. Zudem werden die Analysen möglicher organischer Spurenstoffe und mikrobiologische Untersuchungen zur Keimbelastung weitergeführt. Das interdisziplinäre Forschungsteam wird sich auch mit der Frage beschäftigen, wie effizient bei dieser Form der Bewirtschaftung die Ressource Wasser genutzt werden kann. „Durch die Verwendung von Abwasser und die Vermeidung von Wasserverlusten durch Versickern und Verdunsten können wir den Druck auf die Ressource im doppelten Sinne reduzieren", sagt Thomas Dockhorn. Das sei nicht unerheblich mit Blick auf den weltweiten Wasserverbrauch in der Landwirtschaft, der bei bis zu 70 Prozent liegt.

Ein weiterer Schwerpunkt des Forschungsprojekts gilt der Vorbereitung für die praktische Anwendung. In Zeiten des Klimawandels und steigender Wasserknappheit werden neue, ressourcenschonende Produktionsverfahren weltweit attraktiv. „Eine technische Innovation alleine ist aber nicht überlebensfähig ohne die notwendigen Rahmenbedingungen und ohne neue Geschäftsmodelle", sagt Projektkoordinatorin Martina Winker vom ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt. „Wir entwickeln deshalb schon in der Projektlaufzeit tragfähige Kooperationsformen zwischen Siedlungswasserwirtschaft und Landwirtschaft für diese spezielle Variante der Pflanzenproduktion." Hierfür werden zur Übertragung des Konzepts Fallstudien in Deutschland, Belgien und Portugal durchgeführt.

Über das Forschungsprojekt HypoWave
Das Verbundprojekt „Einsatz hydroponischer Systeme zur ressourceneffizienten landwirt-schaftlichen Wasserwiederverwendung (HypoWave)" wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Maßnahme WavE gefördert. Die Projektpartner im Forschungsverbund unter der Leitung der Technischen Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig, Institut für Siedlungswasserwirtschaft (ISWW), sind das ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung, das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, die Universität Hohenheim (UHOH), der Abwasserverband Braunschweig (AVB), WEB - Wolfsburger Entwässerungsbetriebe, ACS-Umwelttechnik GMBH & Co. KG, aquadrat ingenieure (a2i), aquatectura - studios for regenerative landscapes, aquatune - Dr. Gebhardt & Co. GmbH, BIOTEC Biologische Naturverpackungen GmbH und Co. KG sowie Xylem Services GmbH (Xylem). Die dreijährige Laufzeit von HypoWave endet am 31. August 2019.

Projektleitung
Technische Universität Braunschweig, Institut für Siedlungswasserwirtschaft
Prof. Dr.-Ing. Thomas Dockhorn
Pockelsstr. 2a
38106 Braunschweig
Tel. +49 531 391-7937
t.dockhorn@tu-braunschweig.de
www.tu-braunschweig.de/isww

Medienkontakt
Melanie Neugart
ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung (Projektpartner)
Hamburger Allee 45
60486 Frankfurt am Main
Tel. +49 69 707 6919-51
neugart@isoe.de
www.isoe.de

Weitere Informationen:
Ausführliche Informationen zum Forschungsprojekt unter www.hypowave.de
Zudem finden Sie Bildmaterial zu Ihrer Verwendung unter https://www.flickr.com/photos/102295333@N04/albums/72157688518183561
Anhang
Da haben wir den Salat: Erste Ernte aus aufbereitetem Abwasser im Forschungsprojekt HypoWave
https://idw-online.de/de/attachment64757

Quelle: idw

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Neue IOW-Studie: Birgt Mikroplastik zusätzliche Gefahren durch Besiedlung mit schädlichen Bakterien?

Dr. Kristin Beck Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Die alarmierende Allgegenwart von Mikroplastik in Flüssen, Seen und Ozeanen steht zunehmend im Fokus der Forschung. Bislang gab es aber keine gesicherten Erkenntnisse, ob Mikroplastik in Wasserökosystemen die Entstehung spezieller Bakteriengemeinschaften oder gar die Ausbreitung von Krankheitserregern fördert. Mit diesem Thema hat sich das Projekt MikrOMIK* unter Federführung des IOW befasst. In einer neuen Studie im Rahmen des Projektes wurde nun erstmals systematisch untersucht, ob sich bakterielle Biofilme auf Mikroplastik von denen auf natürlichen Materialien unterscheiden und welchen Einfluss verschiedene Umweltfaktoren dabei haben - etwa Salzgehalt oder Nährstoffe im umgebenden Wasser.

Mikroplastik - Kunststoffteilchen kleiner als 5 Millimeter - kann mittlerweile überall in der Umwelt nachgewiesen werden. In Meeren und Flüssen werden viele 100.000 Teilchen pro Quadratkilometer gefunden, und das nicht nur in der Nachbarschaft zu Zivilisationshotspots, wie etwa im Nordatlantik vor New York oder im Mündungsbereich des Rheins mit seinen insgesamt rund 60 Mio. Einwohnern im Einzugsgebiet. Auch fernab jeder menschlichen Besiedlung im arktischen Eis, den Sedimenten der Tiefsee oder mitten im Pazifik findet sich der Minimüll in riesigen Mengen. Nicht nur seine Allgegenwart hat die Wissenschaft alarmiert, sondern auch erste Befunde über die Schädlichkeit der Partikel, die Umweltgifte an ihrer Oberfläche anreichern und Tiere schädigen können, die Mikroplastik mit der Nahrung aufnehmen.

„Obwohl sich die Forschung seit fast 15 Jahren verstärkt mit dem Phänomen der Mikroplastikanreicherung in den Meeren beschäftigt, ist erstaunlich wenig darüber bekannt, welchen Einfluss die Teilchen auf Ökosysteme haben und welches Schadpotenzial tatsächlich von ihnen ausgeht", sagt Mikrobiologe Matthias Labrenz vom Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) und Leiter des Projekts MikrOMIK*, das sich über drei Jahre intensiv mit der Rolle von Mikroplastik in der Ostsee und seiner Interaktion mit verschiedenen Organismen befasst hat. Von besonderem Interesse war, welche Mikroorganismen sich auf Mikroplastik ansiedeln. Denn die im Wasser treibenden Partikel bieten trotz ihrer geringen Größe eine feste Oberfläche, auf der sich wie bei natürlichen Treibseln dichte Biofilme bilden können. „Zum einen beschäftigt uns die Frage, ob es Bakterien gibt, die sich auf die Besiedlung von Plastik spezialisiert haben. Zum anderen gab es beunruhigende Einzelbeobachtungen, die darauf hindeuteten, dass sich gesundheitsbedrohliche Keime wie etwa Wundbrand verursachende Vibrionen auf Mikroplastik anreichern könnten", sagt Labrenz. Solche Krankheitserreger gehören zur normalen Bakterienflora im Meer. Verdünnt im freien Wasser seien sie meist unproblematisch. „Eine Anreicherung als Biofilm auf Mikroplastik könnte sie deutlich gefährlicher machen, da die Plastikpartikel schneller und weiter verdriftet werden als einzelne Bakterienzellen, was eine Ausbreitung der Pathogene fördern und damit die Gefahren durch Mikroplastik für den Menschen erhöhen würden", so der IOW-Forscher.

Um zu klären, ob sich Biofilme auf Kunststoff überhaupt von solchen auf natürlichem Material unterscheiden und welche Umweltfaktoren sich auf ihre Zusammensetzung auswirken, setzte Sonja Oberbeckmann, ebenfalls IOW-Wissenschaftlerin und Autorin der kürzlich im Rahmen von MikrOMIK* publizierten neuen Studie, Pellets aus Plastik und Holz in einem Feldversuch verschiedenen Umweltbedingungen aus. Diese deckten einen Gradienten von einer nährstoffarmen, salzigen Meeresumwelt in der Ostsee über zunehmenden Süßwassereinfluss in der Warnow-Mündung bis hin zu nährstoffreichen Süßwasserbedingungen in der Unterwarnow und in einem Klärwerk ab. Die auf den Pellets neu entstehenden Biofilme wurden nach zweiwöchiger Inkubation im Freiland genetisch charakterisiert, um ihre Zusammensetzung vergleichen zu können.

„Eine gute Nachricht vorweg: Wir haben zwar Vibrionen in unseren Proben gefunden, allerdings haben sie sich nicht auf Plastik angereichert. Im Gegenteil: Wir konnten sogar zeigen, dass sie dort im Vergleich zu natürlichen Partikeln in geringeren Anzahlen vorkommen", kommentiert Projektleiter Matthias Labrenz die Ergebnisse. „Dies passt zu Ergebnissen vorangegangener MikrOMIK*-Studien. Die haben untersucht, ob Miesmuscheln und Wattwürmer, beides Organismen, die im Meer häufig und als natürliche Vibrionen-Träger bekannt sind, Mikroplastikpartikel in ihrem Verdauungstrakt mit Vibrionen anreichern. Dies war nicht der Fall", so Labrenz weiter.

„Ein anderer Befund unserer aktuellen Freiland-Studie in Warnow und Ostsee verdient allerdings besondere Aufmerksamkeit" fügt Sonja Oberbeckmann hinzu. „Im Klärwerk hat sich die Bakteriengattung 'Sphingopyxis' verstärkt auf Plastik angesiedelt, die häufig Antibiotika-Resistenz ausbildet. Mikroplastik-Partikel sind also möglicherweise Hotspots für die Weitergabe von solch potenziell gefährlichen Resistenzen. In welchem Umfang dies geschieht und ob diese Prozesse ein Umweltrisiko darstellen, dazu haben wir gerade neue Untersuchungen gestartet", so die Mikrobiologin. Das Forscherteam konnte auch andere Bakterien identifizieren, die sich vermutlich auf die Besiedlung von Plastik spezialisiert haben. „Interessant sind beispielsweise die Vertreter der Gattung 'Erythrobacter', denn sie können giftige polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe abbauen, die sich durch menschliche Aktivitäten weltweit in der Umwelt finden und die sich aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften verstärkt an Mikroplastik anlagern", erläutert Oberbeckmann.

Ob sich auf Mikroplastik spezielle Bakteriengemeinschaften entwickeln oder nicht, hängt aber im Wesentlichen von den jeweiligen Umweltbedingungen ab. An den nährstoffreichen Stationen des Freilandexperiments habe man in den Biofilmen - egal ob auf Holz oder Kunststoff - viele der „üblichen Verdächtigen" gefunden, die eine sesshafte Lebensweise auf Partikeln gegenüber dem Leben im Freiwasser bevorzugen, so Sonja Oberbeckmann. An vergleichsweise nährstoffarmen Stationen dagegen bildeten sich auf Mikroplastik Bakteriengemeinschaften, die sich von den natürlichen Gemeinschaften deutlich unterschieden. Ein endgültiges Fazit, ob Mikroplastik zusätzliche Gefahren durch die Besiedlung mit Bakterien birgt, können beide IOW-Forscher nicht ziehen. „Unsere Ergebnisse deuten aber darauf hin, dass Plastikverschmutzung in nährstoffarmer Umgebung eine weitaus höhere ökologische Relevanz hat, als bisher vermutet. Denn dort wird tatsächlich die Entstehung spezieller Plastik-Bakterienpopulationen gefördert. Dies gilt insbesondere für die Plastikakkumulationsgebiete im Meer wie beispielsweise die riesigen Plastikstrudel im Atlantik", so Sonja Oberbeckmann und Matthias Labrenz abschließend.

#Wichtige Originalpublikationen im Rahmen von MikrOMIK*
(*kurz für „Die Rolle von Mikroplastik als Träger mikrobieller Populationen im Ökosystem Ostsee", mehr unter http://www.io-warnemuende.de/mikromik-home.html):

- Oberbeckmann, S., Kreikemeyer, B., Labrenz, M. (2018): „Environmental Factors Support the Formation of Specific Bacterial Assemblages on Microplastics", Frontiers in Microbiology 8:2709, http://doi.org/10.3389/fmicb.2017.02709

- Kesy, K., Hentzsch, A., Klaeger, F., Oberbeckmann, S., Mothes, S., Labrenz, M. (2017): „Fate and stability of polyamide-associated bacterial assemblages after their passage through the digestive tract of the blue mussel Mytilus edulis", Marine Pollution Bulletin 125, 132-138

- Kesy, K., Oberbeckmann, S., Müller, F., Labrenz, M. (2016): „Polystyrene influences bacterial assemblages in Arenicola marina-populated aquatic environments in vitro", Environmental Pollution 219, 219-227

#Fragen zur Studie beantworten:
Dr. Sonja Oberbeckmann | 0381 5197 3464 | sonja.oberbeckmann@io-warnemuende.de
PD Dr. Matthias Labrenz | 0381 5197 378 | matthias.labrenz@io-warnemuende.de

#Kontakt Presse- & Öffentlichkeitsarbeit:
Dr. Kristin Beck | Tel.: 0381 - 5197 135 | kristin.beck@io-warnemuende.de
Dr. Barbara Hentzsch | Tel.: 0381 5197-102 | Barbara.Hentzsch@io-warnemuende.de

Das IOW ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, zu der zurzeit 91 Forschungsinstitute und wis-senschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung gehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Bund und Länder fördern die Institute gemeinsam. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Institute etwa 18.100 MitarbeiterInnen, davon sind ca. 9.200 WissenschaftlerInnen. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,6 Mrd. Euro. (http://www.leibniz-gemeinschaft.de)

Quelle: idw

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Faking in Bewerbungsgesprächen: Wer übertreibt, gewinnt - und ist oft besonders leistungsfähig

Annika Bingmann Pressestelle
Universität Ulm

Faking in Auswahlgesprächen ist ein verbreitetes Phänomen: Über 90 Prozent der Bewerber geben an, in solchen Gesprächen vermeintlich erwünschte Antworten zu geben, um einen besseren Eindruck zu machen. Nun konnten Psychologen der Universität Ulm und der University of Missouri - St. Louis (USA) erstmals zeigen, dass Kandidaten, die Faking einsetzen, wirklich besser beurteilt werden. Dennoch trägt Faking nicht unbedingt dazu bei, dass die "falschen", weniger qualifizierten Bewerber ausgewählt werden.

Der Traumjob oder der gefragte Masterstudienplatz scheinen zum Greifen nahe: Da ist die Versuchung groß, beim Bewerbungsgespräch vermeintlich erwünschte Antworten zu geben und dabei vielleicht sogar die eigenen Qualifikationen zu erhöhen. Psychologen der Universität Ulm haben „Faking" in Auswahlgesprächen untersucht und konnten zeigen: Kandidaten, die ihre Antworten den vermuteten Anforderungen angleichen, werden tatsächlich besser beurteilt. Dennoch müssen Personaler dieses Verhalten nicht fürchten, denn die Studie zeigt: Erfolgreiches Faking lässt auf eine hohe kognitive Leistungsfähigkeit schließen.

Die Ausgangslage ist so bekannt wie scheinbar ungerecht: Beim Bewerbungsgespräch weiß ein Kandidat seine mittelmäßigen Leistungen ins rechte Licht zu rücken und bekommt die Stelle. Sein eigentlich qualifizierterer Mitbewerber, der grundehrlich auf die Fragen des Personalers antwortet, erhält eine Absage. Bisherige Studien zum Thema Faking haben ergeben, dass über 90 Prozent der Bewerber ihre Antworten in Auswahlgesprächen anpassen, um einen besseren Eindruck zu machen - und deshalb womöglich auch übertreiben. Für Interviewer ist dieses Verhalten nur schwer zu erkennen. Doch mindert Faking überhaupt die Qualität eines Auswahlprozesses? Psychologen aus Ulm und St. Louis (USA) haben erforscht, inwiefern Personen, die Faking in Interviews einsetzen, tatsächlich besser beurteilt werden als ihre „ehrlichen" Mitbewerber. Weiterhin erhoben die Wissenschaftler um Dr. Anne-Kathrin Bühl und Professor Klaus Melchers, Leiter der Ulmer Abteilung für Arbeits- und Organisationspsychologie, die (vor allem kognitiven) Fähigkeiten der Studienteilnehmer. „Bisher gab es zahlreiche Studien, die belegen, dass Bewerber in Persönlichkeitstests durch Faking ein deutlich positiveres Bild abgeben. Inwieweit Faking in Auswahlgesprächen jedoch ebenfalls zu besseren Leistungsbeurteilungen führt und ob es die Vorhersagekraft dieser Gespräche beeinträchtigt, war bis jetzt völlig unklar", erläutert Professor Klaus Melchers.

Um Faking in Auswahlgesprächen auf die Spur zu kommen, haben die Forscher umfangreiche Erhebungen mit 111 studentischen Probandinnen und Probanden durchgeführt. Alle Studienteilnehmer wurden zu jeweils zwei Interviews eingeladen, durch die ihre akademische Leistungsfähigkeit eingeschätzt werden sollte. Bei einem Gespräch erhielten sie die Anweisung, sich bestmöglich, als idealer Bewerber für ein hochselektives Masterprogramm zu präsentieren. Darüber hinaus wurde gutes Abschneiden mit Geldpreisen belohnt. Ein weiteres Interview, bei dem vergleichbare Fragen gestellt wurden, lief in deutlich entspannterer Atmosphäre ab: In diesem Fall wurden die Probanden instruiert, ehrlich über ihr Studienverhalten zu berichten. Dabei sollten die Rahmenbedingungen ein „realistisches" Antwortverhalten fördern. Zwischen den beiden Gesprächen, die von interviewerfahrenen Universitätsmitgliedern geführt und bewertet wurden, lagen mindestens zehn Tage. Zuvor hatten die Studienteilnehmer einen Online-Fragebogen zu Persönlichkeitsmerkmalen, demographischen Variablen und ihrem Notendurchschnitt ausgefüllt. Weitere Hinweise auf ihre Studienleistung gaben Einschätzungen von Kommilitonen.

„Faking erfordert ein hohes Ausmaß an kognitiven Fähigkeiten: Bewerber müssen blitzschnell die Ziele des Interviewers erkennen und eine Antwort formulieren, die zum bisherigen Wissen des Gesprächspartners über ihre Person passt", erklären die Autoren. Deshalb absolvierten alle Probanden einen zusätzlichen Intelligenztest sowie den so genannten ATIC-Test (Ability to identify Criteria), der Rückschlüsse auf ihre Fähigkeit erlaubt, Bewertungskriterien korrekt zu identifizieren. Um Faking statistisch nachzuweisen und Auswirkungen nachzuvollziehen, wurden die bewerteten Antworten aus beiden Gesprächen gegenübergestellt sowie mit den Resultaten der weiteren Erhebungen, etwa zur Leistungsfähigkeit im Studium, verglichen.

Die Ergebnisse der Arbeits- und Organisationspsychologen dürften Personaler insgesamt beruhigen: „Tatsächlich sind Bewerber besser beurteilt worden, wenn sie „Faking" einsetzten. Das Ausmaß der Verbesserung hing jedoch systematisch mit dem Abschneiden beim Intelligenz- sowie ATIC-Test zusammen", erklärt Dr. Anne-Kathrin Bühl. Womöglich trägt Faking also gar nicht dazu bei, dass die „falschen" Bewerber mit weniger Potenzial ausgewählt werden. In der aktuellen Studie ließ sich die Studienleistung von Personen sogar besser anhand des Interviews unter „Faking-Bedingungen" vorhersagen. Eine bessere Vorhersage der so genannten kontextbezogenen Leistung im Studium, die beispielsweise das freiwillige Engagement und Hilfsbereitschaft umfasst, lieferte jedoch das „ehrliche" Interview. Demnach mindert Faking nicht unbedingt die Aussagekraft von Bewerbungsgesprächen. Vielmehr kommt es darauf an, auf welche Leistungsdimensionen Interviewer schließen wollen. Die Studie ist im Journal of Business and Psychology erschienen.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Klaus Melchers: Tel.: 0731/50-31740, klaus.melchers@uni-ulm.de
Dr. Anne-Kathrin Bühl: anne-kathrin.buehl@alumni.uni-ulm.de

Anne-Kathrin Buehl and Klaus G. Melchers, Therese Macan, Jana Kuehnel: Tell me sweet little lies: How does faking in interviews affect interview scores and interview validity? Journal of Business and Psychology. doi:10.1007/s10869-018-9531-3

Quelle: idw

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Anstatt Abfackeln: Erdölbegleitgas als Rohstoff nutzen

Dr. Karin J. Schmitz Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Bei der Erdölförderung fällt stets ein Gas als Nebenprodukt an. Derzeit wird es verbrannt oder abgeblasen. Dabei gelangen das klimaschädigende Methan und Schadstoffe wie Schwefelwasserstoff und Schwermetalle in die Atmosphäre. Stattdessen ließe sich das Begleitgas als Rohstoff für die chemische Industrie nutzen. Gereinigtes Gas kann zudem in Blockheizkraftwerken elektrische Energie und Wärme erzeugen. Wie Erdölbegleitgas sich abtrennen und nutzt lässt, steht in den „Nachrichten aus der Chemie".

Erdölbegleitgas ist bei hohem Druck im Erdinneren im Erdöl gelöst und entweicht während der Förderung des Öls. Das Gas besteht typischerweise aus Methan, Kohlenstoffdioxid, Stickstoff, weiteren Komponenten wie Aromaten und Spuren von Schwermetallen. Weltweit wurden im Jahr 2011 zirka 140 Milliarden Kubikmeter Erdölbegleitgas abgefackelt - das entspricht so viel Kohlenstoffdioxid wie 77 Millionen Autos pro Jahr emittieren. Klimaschädigend wirkt zudem das Treibhausgas Methan, das beim Abblasen in die Luft gelangt. Umweltfreundlicher und wirtschaftlich sinnvoller wäre es, das Erdölbegleitgas energetisch und stofflich zu nutzen.

Nach Förderung aus dem Bohrloch wird Erdölbegleitgas vom Roherdöl und Lagerstättenwasser abgetrennt und je nach Verwendung gereinigt. Daraufhin ist die technisch einfachste Verwertung, aus dem Gas in einem Blockheizkraftwerk elektrische Energie und Wärme zu erzeugen. Eingespeist in das örtliche Energienetz lässt sich das gereinigte Erdölbegleitgas zudem für Heizung und Warmwasser verwenden. Für die stoffliche Nutzung kann das im Gas enthaltene Kohlenstoffdioxid mit der trockenen Methanreformierung zu Synthesegas umgesetzt werden. Aus diesem kann die chemische Industrie dann Folgeprodukte herstellen.

Julian Zenner, Gunter Hördt und Volkmar M. Schmidt erläutern in den „Nachrichten aus der Chemie", welche Schritte das Erdölbegleitgas vom Bohrloch bis zur Verwertung durchläuft, und welche Möglichkeiten es derzeit zur energetischen und stofflichen Nutzung gibt. Die PDF-Datei des Beitrags gibt es bei der Redaktion der „Nachrichten aus der Chemie" unter nachrichten@gdch.de.

Nahezu 60.000 anspruchsvolle Chemiker und Chemikerinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Lehre informieren sich mit den „Nachrichten" über Entwicklungen in der Chemie, in angrenzenden Wissenschaften sowie über gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte. Kennzeichen der Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker sind das breite Spektrum der Berichte sowie das einmalige Informationsangebot an Personalien, Veranstaltungs- und Fortbildungsterminen.

Weitere Informationen:

nachrichten@gdch.de
http://www.nachrichtenausderchemie.de

Quelle: idw

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Einmal dick - immer dick?

Giulia Roggenkamp Pressestelle
Stiftung Kindergesundheit

Praktische Empfehlungen der Stiftung Kindergesundheit zur Vorbeugung gegen Übergewicht im Kindesalter

Die immense Zunahme von Fettsucht bei Kindern übertrifft alle früheren Annahmen und ist zu einer dramatischen Bedrohung ihrer Gesundheit geworden. Übergewicht und Adipositas haben epidemische Ausmaße angenommen und müssen von Gesellschaft und Politik konsequenter als bisher bekämpft werden, fordert die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Stellungnahme.

„Die Häufigkeit von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen hat in den letzten 40 Jahren um mehr als das Achtfache zugenommen! Das hat enorme Konsequenzen für die Gesundheit der betroffenen Kinder", berichtet Professor Dr. Berthold Koletzko, Stoffwechselexperte der Universitätskinderklinik München und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. Die bestürzende Zahl stammt aus einer kürzlich publizierten Analyse von 416 Studien mit mehr als 160 Millionen Kindern und Jugendlichen aus 200 Ländern. Danach hat der Anteil der fettsüchtigen Mädchen von 0,7 Prozent im Jahr 1975 auf 5,6 Prozent im Jahr 2016 und bei Jungen von 0,9 Prozent auf 7,8 Prozent zugenommen.

Nach den für Deutschland repräsentativen Daten der großen bundesweiten Erhebung KiGGS sind hierzulande 15 Prozent der 3- bis 17-jährigen Kindern übergewichtig und 6,3 Prozent adipös, also regelrecht fettsüchtig. Übergewicht und Fettsucht im Kindesalter haben jedoch erhebliche Folgen für die Gesundheit bis in das Erwachsenenalter und sind mit einer deutlich verkürzten Lebenserwartung verbunden, stellt die Stiftung Kindergesundheit fest.

Gefährlicher als Krebs
„Übergewicht ist mehr als Babyspeck, Posaunenengel leben gefährlich", sagt Professor Koletzko. Die Liste von möglichen gesundheitlichen Folgen von Übergewicht und Adipositas ist lang. Sie reicht von Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall über Leberzirrhose, Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems und bestimmte Krebsarten bis zu psychischen Belastungen, einer beeinträchtigten Leistungsfähigkeit und Depressivität.

Nach aktuellen Studien erhöht sich bei fettsüchtigen Jugendlichen im Vergleich zu Gleichaltrigen mit Normalgewicht im Laufe der nächsten vierzig Jahre ihres Lebens das Risiko für den Tod um das 4,9-fache und für den Tod durch alle Herz-Kreislauf-Ursachen um das 3,5-fache. Im Vergleich zu normalgewichtigen Kindern haben übergewichtige Jugendliche außerdem ein 1,4-fach und Adipöse ein 2,5-fach erhöhtes Risiko für psychische Auffälligkeiten. Übergewicht bei jungen Erwachsenen verkürzt ihr Leben um 2,5 Jahre, bei einer Adipositas leichten Grades um knapp sechs Jahre, bei schwerer Fettsucht sechs bis acht Jahre. Professor Berthold Koletzko: „Das bedeutet, dass eine schwer ausgeprägte Adipositas das Leben stärker verkürzt als manche bösartige Erkrankung".

Dicke Kinder werden nicht schlank
„Das verwächst sich", hoffen manche Eltern von dicken Kindern. Eine trügerische Hoffnung, sagt Professor Berthold Koletzko: „Leidet ein Kind oder ein Jugendlicher unter Adipositas, wird sich sein Gewicht später in aller Regel nicht wieder normalisieren. Ein dickes Kind wird nicht schlank".

Die Ursachen für die Fettsucht-Epidemie sind vielfältig, so die Stiftung Kindergesundheit. Eine verführerische Werbung, leicht zugängliche Lebensmittel und süße Getränke, die massive Nutzung von Bildschirmmedien, Smartphones und Handys und der damit verbundene Mangel an Bewegung begünstigen die Entstehung von Übergewicht und Adipositas.

Es zeigt sich immer deutlicher, dass zuckerhaltige Getränke ein eigenständiger Risikofaktor für eine übermäßige Gewichtszunahme sind, konstatiert die Stiftung Kindergesundheit. Sie empfiehlt: Kinder sollten schon von klein auf an das Wasser-Trinken gewöhnt werden. Zuckerhaltige Getränke, zum Beispiel Limonade, Cola-Getränke, gesüßte Tees oder Eistees, Fruchtsäfte, Fruchtnektare oder Fruchtsaftschorlen sollten die Ausnahme bleiben und nicht die Regel.

In Bildungseinrichtungen für Kinder und Jugendliche jeden Alters sollten keine zuckerhaltigen Getränke angeboten werden. Gleichzeitig sollten Kinder, Eltern und Betreuende Kenntnisse und praktische Kompetenz zu Getränken, Ernährung und Gesundheit erhalten.

Wasserspender helfen beim Abnehmen
„Dass dies tatsächlich gelingen kann, zeigt beispielsweise das von der Stiftung Kindergesundheit entwickelte Kindergartenprogramm TigerKids mit seinen einfachen und praktischen Elementen", unterstreicht Professor Berthold Koletzko. Bei diesem Projekt wird in der Kita eine Trinkstation eingerichtet, an der Wasser und zuckerfreie Tees angeboten werden. Zudem bereiten die Kinder sich selbst Obstteller mit klein geschnittenem Gemüse und Obststückchen zu. Der Erfolg zeigt sich schon nach kurzer Zeit: Für die Vorschulkinder wird es zur Gewohnheit, selbstverständlich und regelmäßig Wasser zu trinken und Gemüse und Obst zu essen. Die Gewöhnung der Kinder an das gesundheitsförderliche Verhalten führt dann auch zu Hause zu einem häufigeren Verzehr von Gemüse, Obst und Wasser und einem Rückgang des Konsums gezuckerter Getränke.

Ein weiteres Beispiel lieferte die in Nordrhein-Westfalen durchgeführte TrinkFit-Studie: Grundschulkinder erhielten eigene Trinkflaschen und konnten sich an einem Wasserspender jederzeit mit gesprudeltem oder stillem Trinkwasser versorgen. Allein die Aufstellung von Wasserspendern führte zum Trinken von mehr Wasser und weniger zuckerhaltigen Getränken und schon nach einem Schuljahr zu einer um 31 Prozent geringeren Häufigkeit von Übergewicht als in den Kontrollschulen. Auch deshalb motiviert das interaktive Grundschulprogramm „Die Rakuns" Kinder zum Trinken von Wasser anstelle von zuckerhaltigen Getränken.

Werbung für Chips und Snacks macht dick
Eine verhängnisvolle Rolle spielt die an Kinder gerichtete Werbung für Lebensmittel im Fernsehen und durch die sozialen Medien. Sie beeinflusst nachweislich die Bevorzugung, den Kauf und Verzehr von unausgewogenen und dickmachenden Produkten, wie Cola, Chips und süßen Snacks. Die Zusage einiger großer Unternehmen, die an Kinder unter zwölf Jahren gerichtete Werbung freiwillig zu begrenzen, hat sich als Augenwischerei erwiesen.

„Eine Studie in den USA zeigte, dass die von Unternehmen ausgelobte freiwillige Selbstbeschränkung der Werbung an Kinder nicht effektiv war", betont Professor Berthold Koletzko. „Die Vorschulkinder sind deshalb weiterhin täglich der Werbung für ungesunde Lebensmittel in Kinderprogrammen ausgesetzt".

Die bisherigen Versuche zur besseren Aufklärung über gesundes Essen und Trinken erwiesen sich auch hierzulande als weitgehend vergebens. Die Ernährungswirtschaft wehrt gesetzliche Regulierungen durch ihre Lobbyarbeit erfolgreich ab. Entgegen einer Forderung der Weltgesundheitsorganisation schreibt der Gesetzgeber in Deutschland weder die Bewertung der Nährstoffe noch eine einheitliche Kennzeichnung der Lebensmittelqualität durch einfache Symbole vor. Die Selbstverpflichtungen der Hersteller funktionieren nicht oder entpuppen sich sogar als Mogelpackung. Es wird höchste Zeit für strengere gesetzliche Regelungen, für eine klare und verständliche Kennzeichnung von Lebensmitteln und für ihre wirksame amtliche Überwachung, betont die Stiftung Kindergesundheit mit großem Nachdruck.

Strengere Regeln dringend erforderlich
Mögen sie noch so sinnvoll sein, Einzelmaßnahmen reichen nicht aus, um die unheilvolle Entwicklung aufzuhalten, unterstreicht die Stiftung Kindergesundheit. Wissenschaft, Gesellschaft und Politik müssen zusammenarbeiten, um die dickmachende Lebenswelt der Kinder zu verändern. Die wichtigsten Schritte dazu sind:

O Konsequente Förderung des Stillens;

O Begrenzung des hohen Zuckerkonsums durch Aufklärung und gesetzgeberische Maßnahmen;

O Förderung des Wasserkonsums durch Besteuerung stark gezuckerter Getränke;

O Einschränkung der an Kinder gerichteten Werbung in Massenmedien und in den sozialen Medien des Internets;

O Eine einfache und allgemeinverständliche Kennzeichnung von Lebensmitteln, damit der Verbraucher die besseren Produkte schnell erkennen kann (in Schweden oder Frankreich bereits mit Erfolg eingeführt).

„Wichtig sind auch regelmäßige Bewegungsaktivitäten in Kitas, Schulen und in der Freizeit", unterstreicht Professor Berthold Koletzko. „Kinder und Jugendliche sollten sich mindestens 90 Minuten am Tag bewegen. Die Eltern sollten außerdem die Nutzung audiovisueller Medien ihrer Kinder auf höchstens zwei Stunden am Tag begrenzen".

Die Bekämpfung der Fettsuchtepidemie ist auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten dringend notwendig, betont die Stiftung Kindergesundheit. Die künftig entstehenden zusätzlichen Kosten bei deutschen Kindern mit Übergewicht und Fettsucht belaufen sich auf 4.209 Euro bei Männern und 2.445 Euro bei Frauen. Daraus resultieren für diese heutige Gruppe von Betroffenen zusätzliche Lebenszeitkosten von 145 Milliarden Euro.

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Quelle: idw

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Ohren für Icarus

Dr. Harald Rösch Wissenschafts- und Unternehmenskommunikation
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Russische Rakete bringt Antenne des Tierbeobachtungssystems zur Internationalen Raumstation
Eine russische Rakete hat heute die Antenne der Icarus-Mission zur Internationalen Raumstation ISS transportiert. Damit ist nach dem Icarus-Bordcomputer eine weitere zentrale Komponente des weltraumgestützten Tierbeobachtungssystems erfolgreich im All. Mit dem von Wissenschaftlern der Max-Planck-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Russischen und Deutschen Raumfahrtagentur Roskosmos und DLR sowie der Universität Konstanz entwickelten System wollen Forscher weltweit die Bewegungen von Tieren untersuchen und die Bedingungen messen, in den diese leben.

Die russische Sojus-Progress-Rakete, die heute um 9:13 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan abgehoben hat, hatte eine wissenschaftlich besonders wertvolle Fracht an Bord: die knapp 200 Kilogramm schwere Icarus-Antenne. „Der erfolgreiche Start war ein weiterer Meilenstein dieser Mission. Nicht auszudenken, wenn dabei etwas schiefgegangen wäre - das hätte Icarus um Jahre zurückgeworfen. Umso größer war die Erleichterung, dass alles geklappt hat. Nach dem Start haben wir vor lauter Freude erstmal angestoßen - natürlich standesgemäß mit einem Gläschen Wodka", erzählt Martin Wikelski, Direktor am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und Leiter der Icarus-Mission.

Die zur ISS gebrachte Antenne besteht aus drei bis zu zwei Meter langen Empfangs- und einer Sendeantenne. Die Empfangsantennen können weltweit die Daten von 15 Millionen und mehr Sendern an jedem Ort auf der Erde empfangen. Diese fünf Gramm leichten Messgeräte im Miniaturformat beruhen auf einer neuen Technologie und wurden speziell für die Icarus-Mission entwickelt. Mit ihnen können selbst kleine Tiere wie Zugvögel ausgestattet werden. Die ersten Tiere, die mit der neuen Icarus-Technologie ausgestattet werden, sind Amseln. „Ab Juni werden wir an 35 Orten in Deutschland rund 300 Amseln mit unseren Minisendern ausstatten. So wollen wir herausfinden, wo sie leben, wohin sie fliegen, wo sie sterben", erklärt Wikelski.

Die Sendeantenne wiederum schickt den Icarus-Sendern Konfigurationskommandos und die genauen Bahndaten, wann sie das nächste Mal wieder Kontakt zur Empfangsstation haben werden. Die Antenne empfängt mit ihren beiden faltbaren Flügeln Signale aus einem 30 mal 800 Kilometer großen Gebiet. Da sich die Flugbahn der Raumstation bei jeder Erdumrundung um 2500 Kilometer nach Westen verschiebt, decken die Empfangsantennen so in einem Tag bis zu 80 Prozent der Erdoberfläche ab.

Anfang August werden sich die beiden russischen Kosmonauten Oleg Artemyev und Sergei Prokopiev auf einen fünfstündigen Weltraumspaziergang begeben und die Antenne an der Außenseite des russischen Servicemoduls der ISS montieren. Damit beginnt eine etwa zweimonatige Testphase, in der überprüft werden soll, ob alle Komponenten des Systems wie vorgesehen funktionieren. Wenn alles glattgeht, kann Icarus im Herbst seinen wissenschaftlichen Betrieb aufnehmen. Weltweit werden dann 150 Forschungsprojekte die Wanderungen unterschiedlichster Tiere untersuchen, darunter Meeresschildkröten, Jaguare, Fledermäuse und Zugvögel.

Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/11939568/ohren-fuer-icarus?c=2191 Originalmeldung
http://www.tiersensoren.mpg.de/de Leben in Bewegung

Quelle: idw

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Haushaltsdienstleistungen zugewanderter Frauen führen dazu, dass einheimische Frauen mehr arbeiten

Wolfgang Braun Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Durch die Zuwanderung wächst auch das Angebot an Haushaltsdienstleistungen, beispielsweise im Bereich der Hauswirtschaft, der Kinderbetreuung oder der häuslichen Altenpflege. Eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt: Ein Anstieg des Anteils der Migrantinnen an der Bevölkerung in einer Region erhöht bei den einheimischen Frauen die Wahrscheinlichkeit, mehr Stunden erwerbstätig zu sein. Gleichzeitig wenden die einheimischen Frauen dann im Schnitt weniger Zeit für Kinderbetreuung und Hausarbeit wie Waschen, Kochen und Putzen auf.

Ein Anstieg im Anteil der Migrantinnen an der Bevölkerung in einer Region um zehn Prozent, zum Beispiel von drei Prozent auf 3,3 Prozent, führt laut der Studie zu einer Erhöhung des Angebots von Haushaltsdienstleistungen um 18 Prozent. „Eine bessere Verfügbarkeit von Haushaltsdienstleistungen kann einheimische Frauen entlasten und damit einen möglichen Konflikt bei der Entscheidung zwischen Familie und Beruf entschärfen", heißt es in der Studie.

Ein Anstieg im Anteil der Migrantinnen an der Bevölkerung um zehn Prozent erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass einheimische Frauen länger als 30 Stunden erwerbstätig sind, um 0,9 Prozentpunkte. Die Wahrscheinlichkeit steigt dann von durchschnittlich 53 auf 53,9 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass einheimische Frauen mehr als 35 Stunden arbeiten, steigt um einen ganzen Prozentpunkt von 46 auf 47 Prozent.

Bei den einheimischen Frauen mit mittlerer Qualifikation ist der Effekt am stärksten. Hier beträgt er 1,2 Prozentpunkte bei einem Ausgangsniveau von 52 Prozent bei der 30-Stunden-Schwelle. Bei der 35-Stunden-Schwelle beträgt der Zuwachs 1,3 Prozentpunkte ausgehend von einem Niveau von 45 Prozent.

Zudem steigt bei den einheimischen Frauen mit mittlerer Qualifikation bei einem höheren Anteil der Migrantinnen an der Bevölkerung auch die Wahrscheinlichkeit, ein Kind zu bekommen. So erhöht ein Anstieg im Anteil der Migrantinnen an der Gesamtbevölkerung einer Region um zehn Prozent die Wahrscheinlichkeit, ein Kind unter einem Jahr zu haben, im Durchschnitt für einheimische Frauen mittlerer Qualifikation um 0,3 Prozentpunkte. Da diese Wahrscheinlichkeit im Durchschnitt bei 4,4 Prozent liegt, bedeutet das einen Anstieg auf 4,7 Prozent.

Dass der Effekt bei den Frauen mit mittlerer Qualifikation wie einer Berufsausbildung am stärksten ist, wird in der Studie damit erklärt, dass Akademikerinnen häufig finanziell besser gestellt seien und sich damit Haushaltsdienstleistungen oft selbst dann noch leisten können, wenn das Angebot knapper ist. Geringqualifizierte Frauen, also Frauen ohne Berufsabschluss, würden dagegen häufig so starken finanziellen Einschränkungen unterliegen, dass sie auch bei einer Ausweitung des Angebots an Haushaltsdienstleistungen diese kaum in Anspruch nehmen.

„Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass einheimische Frauen, insbesondere diejenigen mit mittlerem Qualifikationsniveau, mithilfe der Zuwanderung sowohl Erwerbstätigkeit und Hausarbeit als auch Erwerbstätigkeit und Kinderbetreuung leichter vereinbaren können", lautet das Fazit der Studie.

Weitere Informationen:
http://doku.iab.de/kurzber/2018/kb0318.pdf
https://twitter.com/iab_news

Quelle: idw

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Sonnenkonzentrat aus der Folie

Dr. Elisabeth Hoffmann Presse und Kommunikation
Technische Universität Braunschweig

Bisher sind es nur Zukunftsvisionen: Farbige Hausfassaden etwa, die auch bei miesem Wetter Sonnenstrom produzieren, oder Elektroautos, die ihre Batterien selbst im Schatten mit solaren Ampères laden können. Doch Forscher um Prof. Peter Jomo Walla von der Technischen Universität (TU) Braunschweig sind auf dem Weg zu geeigneten und bezahlbaren Photovoltaiksystemen für solche Anwendungen einen wichtigen Schritt vorangekommen. Davon berichten sie in der aktuellen Ausgabe des Fachzeitschrift Nature Communications (DOI: 10.1038/s41467-018-03103-4).

Wallas Team hat eine mit Farbstoffen gespickte, kostengünstige Kunststofffolie entwickelt, die künftig großflächig Licht einfangen und auf kleine Hochleistungssolarzellen lenken könnte - und das deutlich effizienter als bisherige Systeme. „Unser Verfahren verspricht deutlich höhere Wirkungsgrade als Siliziumsolarzellen sie jemals haben werden", sagt der Chemiker. Das Potenzial der Siliziumphotovoltaik ist mit einem Wirkungsgrad von etwa 25 Prozent praktisch ausgereizt, selbst der theoretisch maximal mögliche Wirkungsgrad liegt stoffbedingt bei nur 29 Prozent.

Die von Wallas Team anvisierten Hochleistungssolarzellen dagegen, die etwa Gallium- oder Indiumverbindungen enthalten, können schon heute Wirkungsgrade bis zu 45 Prozent erzielen. Da sie aber sehr teuer sind, werden in der Regel möglichst kleine Flächen dieser Materialien mit möglichst billigen Lichtsammelsystemen kombiniert. Üblicherweise kommen dafür optische Linsen zum Einsatz, die das Sonnenlicht auf die Solarzellen konzentrieren. „Leider funktionieren die aber nur mit direkter Sonneneinstrahlung", betont Walla. „Bei diffusem Licht, bewölktem Himmel und im Schatten liefern diese Systeme kaum noch Strom."

Um Abhilfe zu schaffen, arbeiten Forscher wie Walla mit fluoreszierenden Farbstoffmolekülen, die Licht schlucken und wieder abgeben können. Da diese Moleküle normalerweise kreuz und quer durcheinanderliegen, etwa in einer Kunststoffmatrix, trifft praktisch jeder Lichtstrahl auf ein im passenden Winkel liegendes Teilchen. Das Licht, das sie nach der Absorption wieder aussenden, findet allerdings nicht immer den Weg zur Solarzelle. „Die Verluste sind recht hoch. Nur ein kleinerer Teil wird letztlich in Strom verwandelt", erklärt Walla.

Licht einfangen wie bei der Photosynthese
Dieses Problem können die Chemiker aus Braunschweig nun durch einen besonderen Kniff beheben. Sie ziehen ihre farbstoffhaltigen Folien in eine Richtung lang, strecken sie so auf etwa das Vierfache. Dabei richten sich bestimmte Farbstoffmoleküle parallel zueinander aus und zwar so, dass sie den größten Teil des von den ungeordneten Teilchen gesammelten Lichts aufnehmen und auf die Solarzelle umlenken können. „Das geschieht mit einer hohen Effizienz. Die Verluste bisheriger Systeme können um etwa den Faktor drei verringert werden", berichtet Walla. Das Ganze funktioniere ähnlich wie Lichtsammelsysteme in Pflanzen. Auch bei der Photosynthese fangen Farbstoffe das Licht ein und lenken es zur Energiewandlung an geeignete Reaktionszentren weiter.

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse haben die Forscher noch eine Menge Arbeit vor sich. Bisher konnten sie nur für Wellenlängen aus dem blau-grünen Bereich des Lichtspektrums zeigen, dass das Prinzip funktioniert. Deshalb wollen sie als nächstes weitere Farbstoffe testen, die andere Wellenlängen schlucken. Zugleich gilt es, stabilere Farbstoffteilchen zu finden. Die Moleküle aus der veröffentlichten Studie zersetzen sich unter Licht noch recht schnell. „Wir testen deshalb zurzeit stabile Farbstoffe, die zum Beispiel in Monitoren zum Einsatz kommen", erzählt der Chemiker. Dazu arbeite sein Team mit dem Kavli Energy Nanoscience Institute der University of Berkeley, USA, zusammen, wo er sich auch gerade für ein Forschungssemester aufhält.

Bis zur praktischen Anwendung sei es noch ein gutes Stück Weg, räumt Walla ein. Gleichwohl ist er überzeugt, dass es sich lohnt, weiterzugehen. „Die Sonne strahlt an nur einem halben Tag so viel Energie zur Erde, wie die Menschheit im ganzen Jahr verbraucht. Zurzeit nutzen wir noch viel zu wenig davon", so der Forscher.

Weitere Informationen:
http://www.pci.tu-bs.de/agwalla/de/ Arbeitsgruppe Prof. Peter Jomo Walla
https://kavli.berkeley.edu/ Kavli Energy Nanoscience Institute

Quelle: idw

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Schadstoffe im Wasser abbauen: Chemiker der Uni Halle verbessern Verfahren

Tom Leonhardt Pressestelle
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Wie sich hartnäckige Schadstoffe im Wasser einfach und kostengünstig abbauen lassen, haben Chemiker der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) herausgefunden. Dafür benötigen die Forscher lediglich eine grüne LED-Leuchte, einen Katalysator und Vitamin C. So können sie eine spezielle Art von Elektronen herstellen, die die Schadstoffe im Wasser zuverlässig zerlegen. Bisher waren dafür komplexe Lasersysteme nötig. Die Studie wurde kürzlich in der internationalen Fachzeitschrift "Angewandte Chemie" veröffentlicht.

In der Photochemie arbeiten Forscher an der Frage, wie sich mit Licht chemische Reaktionen starten lassen. "Die Idee ist, dass das Licht in ein Molekül eindringt und dort eine Reaktion auslöst", sagt Chemiker Prof. Dr. Martin Goez von der MLU, dessen Arbeitsgruppe das neue Verfahren entwickelt hat. Von besonderem Interesse sind dabei Elektronen, die durch die Lichtenergie aus ihrer Molekülverbindung im Vitamin C gelöst werden und dann frei im Wasser vorliegen. "Diese sogenannten hydratisierten Elektronen sind extrem reaktionsfreudig und können zum Beispiel dabei helfen Schadstoffe abzubauen. Der Vorteil gegenüber anderen Stoffen ist, dass die Elektronen nach der Reaktion vollständig verschwunden sind, also keine schädlichen Reste zurücklassen", so Goez weiter. Diese speziellen Elektronen können sogar mit sehr stabilen Stoffen reagieren und diese in ihre einzelnen Bestandteile zerlegen.

Bisher waren teure und komplexe Hochleistungslaser nötig, um diese Art der Elektronen zu erzeugen. Der Einsatz der Anlagen ist auch an strenge Sicherheitsvorkehrungen geknüpft. Die neue Entwicklung der halleschen Chemiker ist dagegen deutlich einfacher und kostengünstiger: "Unser System besteht aus einer handelsüblichen grünen Leuchtdiode, Spuren eines Metallkomplexes als Katalysator und Vitamin C. Dieses Verfahren können Studierende zum Beispiel schon im Anfängerpraktikum umsetzen", sagt der Chemiker Goez. Die Arbeitsgruppe testete die neue Methode an der Chloressigsäure, einer extrem giftigen und sehr stabilen Substanz. Mit ihrem System konnten die Forscher die Verbindung in ihre unschädlichen Bestandteile zerlegen. Dabei zeigte sich, dass die kostengünstige Alternative der Hallenser genauso viele Elektronen erzeugen konnte wie ein Hochleistungslaser.

Die Entwicklung der Arbeitsgruppe an der MLU eignet sich nicht nur dazu, um etwa schädliche Chloride oder Fluoride abzubauen. Der Ansatz lässt sich auf viele weitere photochemische Reaktionen übertragen, die mit anderen Mitteln nur schwer in Gang zu setzen sind.

Zur Publikation:
R. Naumann, F. Lehmann, M. Goez, Generating Hydrated Electrons for Chemical Syntheses by Using a Green Light-Emitting Diode (LED). Angew. Chem. Int. Ed. 2018, 57, 1078. DOI: 10.1002/anie.201711692

Quelle: idw

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Kieler Studie zeigt: Trockene Haut und Neurodermitis führen zu einem veränderten Hautmikrobiom

Dr. Tebke Böschen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Exzellenzcluster Entzündungsforschung

Patientinnen und Patienten mit Neurodermitis haben im Vergleich zu gesunden Menschen ein deutlich verändertes und weniger vielfältiges bakterielles Besiedlungsmuster der Haut. Dies betrifft nicht nur Stellen mit akuten oder chronischen Ekzemen, sondern auch nicht entzündete Hautareale, wie ein Team des Exzellenzclusters Entzündungsforschung in einer Studie herausfand. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen Körperregionen, die mit einer unterschiedlichen Zusammensetzung der Hautlipide einhergehen.

Überraschend für Erstautor Dr. Hansjörg Baurecht vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein war, dass diese regionalen Unterschiede in den Hintergrund treten, wenn die Haut sich entzündet. „Die natürlichen Unterschiede in der Zusammensetzung des Mikrobioms an unterschiedlichen Körperstellen sind dann aufgehoben, und es entsteht ein typisches weniger vielfältiges Muster der bakteriellen Besiedelung, wenn die Hautentzündung chronisch wird." Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt im Journal of Allergy and Clinical Immunology veröffentlicht.

Die Haut des Menschen ist Lebensraum unzähliger Mikroorganismen, deren Gesamtheit als Mikrobiom bezeichnet wird. Dabei findet man an verschiedene Körperstellen jeweils typische Bakterienstämme, und die bakterielle Zusammensetzung unterscheidet sich zum Teil erheblich, zum Beispiel zwischen Stirn und Fußsohle. Das ist zunächst weder gut noch schlecht, sondern einfach durch die jeweilige Umgebung bedingt. Feuchtigkeit, pH-Wert, Temperatur und Lipidgehalt der Haut haben Einfluss auf das Besiedlungsmuster, ebenso wie genetische Faktoren und Umwelteinflüsse. Das feine Zusammenspiel von Hautzellen, Immunzellen und den Mikroben sorgt dafür, dass die Haut ihre Barrierefunktion ausübt. Veränderungen im Mikrobiom können diese Funktion beeinflussen.

Die am besten beschriebene Ursache für eine generelle Barrierestörung der Haut ist ein Mangel am Hauteiweiß Filaggrin. Bei etwa zehn Prozent der Bevölkerung ist dieser Mangel durch vererbte Mutationen entstanden. Diese Personen leiden an einer allgemeinen Hauttrockenheit und verminderter Barrierefunktion, das heißt die Haut ist durchlässiger für Einflüsse von außen. Der angeborene Filaggrinmangel führt nicht zwangsläufig zu Neurodermitis, geht aber mit einem deutlich erhöhten Erkrankungsrisiko einher. Eine Ursache dafür könnte ein verändertes Hautmikrobiom sein. Die jetzt veröffentlichte Studie stützt diese Vermutung: Die bakterielle Besiedlung bei Menschen mit Filaggrinmangel ähnelt in Teilen der von Neurodermitispatientinnen und -patienten. Kommt es dann zur Erkrankung, verändert sich das Mikrobiom weiter.

Bislang war das Mikrobiom von Menschen mit Neurodermitis nur an den typischerweise betroffenen Körperstellen wie Kniekehlen und Armbeugen gut untersucht. Die aktuelle Studie zeigte, dass dort die für die Neurodermitis typischen Veränderungen des Hautmikrobioms zwar am deutlichsten ausgeprägt sind, aber auch nicht betroffene Hautareale typische Veränderungen aufweisen. Zu diesen Besonderheiten zählen eine verminderte Vielfalt von Bakterien und eine unterschiedliche Zusammensetzung von Staphylokokken-Stämmen.

„Die Diversität, also die Bakterienvielfalt, und der Anteil bestimmter Staphylokokken nimmt von gesunder über trockene zu entzündeter Haut sukkzessive ab, während bestimmte andere Stämme, insbesondere S. aureus immer mehr dominieren", betont Dr. Hansjörg Baurecht, Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe von Clustermitglied Professor Stephan Weidinger an der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des UKSH Kiel. „Wirklich überraschend war, dass wir die für Gesunde typische körperstellenspezifischen Unterschiede im Hautmikrobiom auf akuten und chronischen Ekzemen von Neurodermitispatienten nicht mehr finden. Die Entzündung verändert das Hautmikrobiom massiv, unabhängig von der Körperstelle. Das hatten wir in dem Ausmaß nicht erwartet."

„Unsere neuen Daten vertiefen das Verständnis der wechselseitigen Abhängigkeit zwischen Hautfunktion und bakterieller Besiedlung", betont Professor Stephan Weidinger, stellvertretender Direktor der Universitäts-Hautklink Kiel und Leiter der Abteilung für entzündliche Hautkrankheiten. „Das Besiedlungsmuster der Haut ist bei Patientinnen und Patienten mit Neurodermitis generell verändert, und ist sowohl Ausdruck als auch Triggerfaktor der Entzündung und kann Ausgangspunkt für echte Infektionen sein."

Stichwort Neurodermitis
Neurodermitis (atopisches Ekzem) ist eine der häufigsten chronischen, nicht ansteckenden entzündlichen Hauterkrankungen. Sie tritt meist schon in frühester Kindheit auf und verläuft in Schüben. Schätzungsweise 10 bis 20 Prozent der Kinder und 5 bis 10 Prozent der Erwachsenen sind betroffen. Kennzeichen sind extremer Juckreiz, immer wieder kehrende Ekzeme, und meist eine generelle Hauttrockenheit. Die Ursachen der Neurodermitis liegen zum größten Teil in einer erblichen Veranlagung zu einer Überempfindlichkeit der Haut sowie Überreaktionen des Immunsystems. Bei der Neurodermitis ist die optimale Versorgung der Haut mit Feuchtigkeit und Fetten gestört und die natürliche Barrierefunktion herabgesetzt Auf diese Weise können irritierende und allergieauslösende Stoffe aus der Umwelt leichter eindringen.

Originalpublikation:
Baurecht, H, Rühlemann, MC, Rodríguez, E, Thielking, F, Harder, I, Erkens, AS, Stölzl, D, Ellinghaus, E, Hotze, M, Lieb, W, Wang, S, Heinsen, FA, Franke, A und Weidinger, S (2018): Epidermal lipid composition, barrier integrity and eczematous inflammation are associated with skin microbiome configuration. Journal of Allergy and Clinical Immunology, https://doi.org/10.1016/j.jaci.2018.01.019

Kontakt:
Dr. Hansjörg Baurecht
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am UKSH Kiel
Tel.: 0431/500 21111
hbaurecht@dermatology.uni-kiel.de

Prof. Dr. Stephan Weidinger
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am UKSH Kiel
Tel.: 0431/500 21110
sweidinger@dermatology.uni-kiel.de

Bildmaterial steht zum Download bereit:
http://inflammation-at-interfaces.de/de/newsroom/aktuelles/Grafik_NeurodermitisD...
Die bakterielle Besiedlung der Haut unterscheidet sich zwischen gesunden und an Neurodermitis erkrankten Menschen deutlich. Bei Neurodermitis-Patientinnen und Patienten ist die Bakterienvielfalt deutlich geringer, und der Anteil bestimmter Bakterienarten deutlich erhöht. Dies ist auch der Fall, wenn die Haut scheinbar gesund aussieht. Im Fall eines Ekzems, also einer akuten Entzündung der Haut, sinkt die Vielfältigkeit der Bakterien weiter ab und der Anteil bestimmter „schlechter Bakterien" steigt an.

Der Exzellenzcluster „Inflammation at Interfaces/Entzündungsforschung" wird seit 2007 durch die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder mit einem Gesamtbudget von 68 Millionen Euro gefördert; derzeit befindet er sich in der zweiten Förderphase. Die rund 300 Clustermitglieder an den insgesamt vier Standorten: Kiel (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Muthesius Kunsthochschule), Lübeck (Universität zu Lübeck, UKSH), Plön (Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie) und Borstel (Forschungszentrum Borstel - Leibniz-Zentrum für Medizin und Biowissenschaften) forschen in einem innovativen, systemischen Ansatz an dem Phänomen Entzündung, das alle Barriereorgane wie Darm, Lunge und Haut befallen kann.

Exzellenzcluster Entzündungsforschung
Wissenschaftliche Geschäftsstelle, Leitung: Dr. habil. Susanne Holstein
Postanschrift: Christian-Albrechts-Platz 4, D-24118 Kiel
Telefon: (0431) 880-4850, Telefax: (0431) 880-4894
E-Mail: spetermann@uv.uni-kiel.de
Twitter: I@I @medinflame

Weitere Informationen:
http://inflammation-at-interfaces.de/de/newsroom/aktuelles/kieler-studie-neurode...

Quelle: idw

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Lungenärzte warnen: E-Zigaretten machen abhängig und krank

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

Dresden - E-Zigaretten, Shishas und Heat Sticks machen junge Menschen nikotinabhängig und ebnen den Weg in den Tabakkonsum. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) anlässlich ihres Kongresses in Dresden hin. Damit reagiert sie auf Marketingkampagnen der Tabakindustrie, die E-Zigaretten als „gesündere Alternative" zur Tabakzigarette bewerben. Auch zur Rauchentwöhnung sei das Inhalieren von E-Zigaretten, Wasserpfeifen und Tabakerhitzern nur bedingt geeignet, betonen die Experten.

Schätzungsweise 1 Millionen Deutsche rauchten 2016 regelmäßig E-Zigaretten (1). Die Wasserpfeife ist bei Jugendlichen beliebt: nach Angaben der DAK rauchen 15 Prozent der Zehntklässler regelmäßig Shisha. „Der süße Geschmack der E-Zigarette und das breite Angebot an Aromastoffen, machen das Dampfen vor allem bei jungen Menschen beliebt und erhöhen die Akzeptanz für das Rauchen", warnt der Pneumologe Dr. med. Peter Kardos. US-amerikanische Untersuchungen zeigen, dass die E-Zigarette den Einstieg in den konventionellen Tabakkonsum bahnen kann (2). „Tabakkonzerne steigen in das E-Zigarettengeschäft ein, um das Image des Rauchens zu verbessern und mehr junge Menschen zum täglichen Konsum zu verleiten", sagt Kardos. In einem Positionspapier weist die DGP darauf hin, dass Inhalationsprodukte wie E-Zigaretten und Wasserpfeifen gesundheitsgefährdende Suchtmittel sind und deshalb den gleichen gesetzlichen Regularien unterliegen sollten wie Tabakprodukte (3)

Was das Inhalieren von Dampfen E-Zigaretten, Wasserpfeifen und Tabakerhitzern langfristig für ihre die Gesundheit bedeutet, lässt sich aufgrund der aktuellen Studienlage nicht beurteilen, sagt Kardos, der dem diesjährigen DGP-Kongress als Kongresspräsident vorsteht. Nach Beginn der industriellen Produktion hat es auch bei den konventionellen Zigaretten gut 30 Jahre gedauert, bis mit wissenschaftlicher Genauigkeit feststand, dass Rauchen Lungenkrebs verursacht. „Zwar enthalten E-Zigaretten keine Verbrennungsprodukte - aber auch das beim Dampfen dabei entstehende Aerosol enthält entzündungsfördernde, reizende und krebserregende Substanzen, die die Lunge langfristig schädigen können (5)". So fand eine andere amerikanische Studie Hinweise dafür, dass Jugendliche, die regelmäßig dampfen, doppelt so häufig an Bronchitis erkranken wie ihre nichtrauchenden Altersgenossen (6). Hinzu kommt, dass die meisten E-Zigaretten den Suchtstoff Nikotin enthalten, der möglicherweise selbst schon krebserregend ist (7).

Ob E-Zigaretten bei der Rauchentwöhnung helfen können, ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht belegt. Eine aktuelle Metaanalyse fand keine aussagekräftigen Hinweise dafür (8). Dennoch bewirbt die Industrie E-Zigaretten und sogenannte Tabakerhitzer (Heat Sticks) die das Nikotin ohne Verbrennungsprodukte abgeben - als Ersatzprodukt für Raucher. Experten geben zu bedenken, dass Heat Sticks den Rauchstopp sogar erschweren können, weil sie das Ritual des Rauchens aufrechterhalten. Viele Nutzer greifen trotzdem auch noch regelmäßig zur Tabakzigarette (sog. Dual Users), betont Kardos. „Wer sich das Rauchen abgewöhnen möchte - oder es sich aus gesundheitlichen Gründen abgewöhnen muss - sollte vorrangig in professionellen Entwöhnungsprogrammen, Medikamenten und Nikotinersatzprodukten Unterstützung suchen", so der Experte.

Quellen
(1) Eichler M, Blettner M, Singer S. The use of e-cigarettes -a population-based cross-sectional survey of 4002 individuals in 2016. Dtsch Arztebl Int 016; 113: 847- 54.
(2) Soneji S, Barrington-Trimis JL, Wills TA, et al. Association between initial use of e-cigarettes and subsequent cigarette smoking among adolescents and young adults: a systematic review and meta-analysis. JAMA Pediatr 2017; 171: 788-797
(3) D. Nowak et. al „Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V. (DGP) zur elektronischen Zigarette (E-Zigarette)". Pneumologie 2015; 69: 131-134
(4) Reidel B, Radicioni G, Clapp P et al. E-Cigarette Use Causes a Unique Innate Immune Response in the Lung, Involving Increased Neutrophilic Activation and Altered Mucin Secretion. Am J Respir Crit Care Med ePub 2018
(5) McConnell R, Barrington-Trimis JL, Wang K et al. Electronic-cigarette „Use and Respiratory Symptoms in Adolescents". Am J Respir Crit Care Med 2017; 195: 1043-1049
(6) Hyun-Wook et al., E-cigarette smoke damages DNA and reduces repair activity in mouse lung, heart, and bladder as well as in human lung and bladder cells, PNAS 2018
(7) Sun HJ, Jia YF, Ma XL. Alpha5 Nicotinic Acetylcholine Receptor Contributes to Nicotine-Induced Lung Cancer Development and Progression. Front Pharmacol. 2017 Aug 23;8:573
(8) El Dib R, Suzumura EA, Akl EA, et al. Electronic nicotine delivery systems and/or electronic non-nicotine delivery systems for tobacco smoking cessation or reduction: a systematic review and meta-analysis. BMJ Open 2017; 7: e012680.

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RWI-Stromspiegel: Nicht immer zahlt sich der Wechsel zum stromsparenden Elektrogerät aus

Jörg Schäfer Kommunikation
RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Wie hoch der mittlere jährliche Stromverbrauch von in deutschen Haushalten verbreiteten Kühlschränken oder Waschmaschinen ist, ist mangels smarter Messgeräte vielfach nicht bekannt. Dadurch ist auch ungewiss, wieviel Geld sich durch die Investition in ein neues Elektrogerät mit niedrigerem Stromverbrauch einsparen lässt. Nachrechnen lohnt sich. Das zeigt eine aktuelle RWI-Studie zum Stromverbrauch in privaten Haushalten, die auf zwei umfangreichen Erhebungen basiert.

Wie hoch der mittlere jährliche Stromverbrauch von in deutschen Haushalten verbreiteten Kühlschränken oder Waschmaschinen ist, ist mangels smarter Messgeräte vielfach nicht bekannt. Dadurch ist auch ungewiss, wieviel Geld sich durch die Investition in ein neues Elektrogerät mit niedrigerem Stromverbrauch einsparen lässt. Nachrechnen lohnt sich. Das zeigt eine aktuelle RWI-Studie zum Stromverbrauch in privaten Haushalten, die auf zwei umfangreichen Erhebungen basiert.

Da die Strompreise die Budgets privater Haushalte immer stärker belasten, erscheinen stromsparende Maßnahmen immer lohnenswerter. Um ermitteln zu können, wieviel Strom und damit Geld durch neue stromsparende Geräte eingespart werden kann, muss jedoch bekannt sein, wieviel Strom die zu ersetzenden alten Geräte verbrauchen. Laut einer aktuellen Studie des RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung sind beispielsweise für den Betrieb eines Kühlschranks durchschnittlich rund 300 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr erforderlich, für einen Gefrierschrank etwa 400 kWh. Bei einem durchschnittlichen Strompreis von aktuell rund 30 Cent pro kWh kostet der Betrieb dieser Geräte demnach jährlich 90 bzw. 120 Euro.

Grundlage der Studie sind zwei umfangreiche Erhebungen, die zur Ergänzung des Deutschen Haushaltsenergieverbrauchspanels GRECS (German Residential Energy Consumption Survey) vom Berliner Marktforschungsinstitut forsa Gmbh, Berlin, durchgeführt wurden. Sie geben Auskunft über den Stromverbrauch von mehr als 2.000 Haushalten in den Jahren 2011 bis 2013 sowie über deren Ausstattung mit Elektrogeräten.

Investition in energieeffiziente Elektrogeräte lohnt finanziell nicht immer
Würde ein Haushalt mit einem Kühlschrank mit durchschnittlichem Verbrauch von 300 kWh pro Jahr ein neues energieeffizientes Gerät (mit Gefrierfach) mit einem Verbrauch von rund 160 kWh anschaffen, könnte er demnach bei einem Strompreis von 30 Cent pro kWh jährlich rund 42 Euro einsparen. Bei einem Anschaffungspreis von 700 Euro eines solchen aktuell auf dem Markt befindlichen Gerätes würde sich eine solche Investition innerhalb der durchschnittlichen Lebensdauer von Kühlschränken von zehn Jahren jedoch nicht rechnen. Auch unter Umweltgesichtspunkten kann der Austausch des alten Kühlschranks gegen einen neuen unvorteilhaft sein, da zur Herstellung eines neuen Kühlschranks erhebliche Mengen an Energie erforderlich sind und dabei Treibhausgase emittiert werden.

Noch weniger auszahlen würde sich diese Investition, wenn der neue Kühlschrank die durchschnittliche Lebensdauer von zehn Jahren deutlich unterschreiten und früher kaputt gehen würde oder der Haushalt einen günstigen Stromtarif deutlich unterhalb des durchschnittlichen Niveaus von derzeit rund 30 Cent je kWh hätte. Eher rechnen könnten sich solche Investitionen hingegen, wenn der alte Kühlschrank einen überdurchschnittlich hohen Verbrauch aufweist, besonders in Zeiten steigender Strompreise. Es lohnt sich also, den Stromverbrauch des zu ersetzenden Gerätes zu ermitteln und auf dieser Grundlage über den Kauf eines neuen zu entscheiden.

Haushalte verwenden ein Viertel des Stromverbrauchs zur Kühlung
Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass der Stromverbrauch einzelner Geräte stark über die Haushalte hinweg variiert. So fällt bei Haushalten im untersten Viertel der Stromverbrauchsverteilung der Stromverbrauch einer einzelnen Lampe mit 5,3 kWh deutlich schwächer aus als bei Haushalten des obersten Viertels (15,9 kWh). Bei Kühlschränken beträgt der Unterschied im jährlichen Stromverbrauch zwischen Haushalten des untersten und obersten Viertels der Stromverbrauchsverteilung pro Jahr etwa 65 kWh.

Haushalte mit geringem Verbrauch verwenden zudem einen größeren Anteil des Stroms für elementare Anwendungen wie Kühlen und Kochen als Haushalte mit hohem Stromverbrauch. Eine Ursache für den hohen Stromverbrauch mancher Haushalte liegt nicht selten am Gebrauch energieintensiver Einrichtungsgegenstände wie Saunen, Wasserbetten oder Solarien.

Haushalte mit einem mittleren Stromverbrauch nutzen rund ein Viertel des Stromverbrauchs zur Kühlung, 15 Prozent für Information und Kommunikation, also den Betrieb von Fernsehgeräten, Computern oder Notebooks. Weitere alltägliche Anwendungen wie Warmwasserbereitung, Beleuchtung, Kochen, Waschen und Trocknen machen jeweils zwischen 2 und 6 Prozent des gesamten Stromkonsums aus.

Ihre Ansprechpartner:
Prof. Dr. Manuel Frondel Tel.: (0201) 8149-204
Sabine Weiler (Pressestelle) Tel.: (0201) 8149-213

Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de/rep/ Dieser Pressemitteilung liegt das Ruhr Economic Paper #722 („Heterogeneity in Residential Electricity Consumption: A Quantile Regression Approach") zugrunde.
http://www.rwi-essen.de/stromspiegel Weitere Informationen zum RWI-Stromspiegel.

Quelle: idw

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Kälte kann Herzinfarkt auslösen

Michael Wichert Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Studie zeigt Zusammenhang zwischen Minusgraden und Risiko für Herzanfälle / Deutsche Herzstiftung gibt Tipps für Herzpatienten

Niedrige Temperaturen belasten das Herz. Herzpatienten sollten daher bei Temperaturen unter null Grad besonders vorsichtig sein und große Anstrengungen vermeiden. An sehr kalten Tagen steigt sogar die Zahl an Herzinfarkten, wie eine schwedische Langzeitstudie an mehr als 280.000 Patienten zeigt.* „Brustschmerzen oder Atemnot sollten daher insbesondere im Winter nicht auf die leichte Schulter genommen werden", warnt der Herzspezialist Prof. Dr. med. Thomas Voigtländer vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung. „Geht ein bisher Gesunder in die Kälte hinaus und bekommt plötzlich Schmerzen, einen Druck oder Brennen im Brustkorb und Atemnot, dann ist das ein Warnzeichen. Umgehend sollte ein Arzt aufgesucht werden, der das Herz gründlich untersucht." Die Symptome können Vorboten eines Herzinfarkts sein (https://www.herzstiftung.de/Anzeichen-Herzinfarkt.html).
Besonders gefährdet sind Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit (KHK) und Angina pectoris-Beschwerden oder nach einem Herzinfarkt. Starke Kälte belastet die Herzkranzgefäße, indem sich die Gefäße verengen und die Blutversorgung des Herzmuskels vermindern, der dadurch weniger Sauerstoff bekommt. Gleichzeitig werden auch die Widerstandsgefäße im übrigen Körper verengt (Blutdruckanstieg!), so dass das Herz gegen einen größeren Widerstand anpumpen muss. „Besonders wachsam sollten in den Wintermonaten auch Hochdruckpatienten und Betroffene mit Herzschwäche sein." Was Herzpatienten im Winter beachten sollten, können Betroffene unter https://www.herzstiftung.de/Kaelte-Herz-Herzinfarkt.html oder in der kostenfreien Expertenschrift „Wie komme ich gut durch den Winter?" nachlesen, die per Tel. unter 069 955128400 oder per E-Mail unter bestellung@herzstiftung.de angefordert werden kann.

Große Anstrengungen bei Kälte vermeiden
Wer bereits an einer Herzerkrankung leidet, sollte bei Minusgraden auf starke körperliche Anstrengungen wie Schneeschippen verzichten. Zwar ist regelmäßige Bewegung auch im Winter empfehlenswert. Statt zu hoher Belastung rät die Deutsche Herzstiftung Herzpatienten allerdings zu weniger anstrengender Bewegung wie Spaziergängen oder Walkingrunden. Bei Minusgraden legen sich Herzpatienten zum Schutz am besten einen Schal über Mund und Nase, so gelangt die Luft bereits vorgewärmt in die Atemwege. Bei großer Kälte kann es auch sinnvoll sein, das Training in die Sporthalle oder das Schwimmbad zu verlegen. Einzelne Studien deuten darauf hin, dass auch eine kühle Wohnung den Blutdruck erhöhen und das Herz gefährden kann. Koronarpatienten sollten daher die Wohnung angenehm warm halten, ohne sie zu überheizen.

Herzmedikamente schützen - auf regelmäßige Einnahme achten
Grundsätzlich sollten Menschen mit Herzerkrankungen im Winter regelmäßig ihren Blutdruck messen und besonders sorgfältig ihre Medikamente nehmen. Eine aktuelle finnische Studie (Ryti N. R. I. et al, Sci. Rep. 2017) bestätigt, dass Kälte die Prognose bei Herzpatienten ungünstig beeinflussen kann. Gemäß der Studie schützt die Einnahme von Herzmedikamenten wie ASS, Betablockern oder Nitraten Herz-Kreislauf-Patienten vor einem akuten Koronarereignis (z. B. Herzinfarkt oder Angina pectoris).
„Bei einigen Betroffenen muss - und dies nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt! - die Dosis der Arzneien im Winter angepasst werden, da der Blutdruck in der kalten Jahreszeit oft höher liegt", betont Prof. Voigtländer, der auch Ärztlicher Direktor am Bethanien Krankenhaus, Cardioangiologisches Centrum Bethanien (CCB) in Frankfurt ist. Wichtig ist auch der Zeitpunkt der Medikamenteneinnahme: Da der Blutdruck bei den meisten Patienten nach dem Aufstehen ansteigt, sollten sie ihre Tabletten in der Regel morgens nehmen - und zwar bevor sie hinaus in die Kälte gehen.

Tipp: Wichtige Tipps zum Thema Kälte bei Herzproblemen bietet die Herzstiftung unter https://www.herzstiftung.de/Kaelte-Herz-Herzinfarkt.html kostenfrei an. Der Sonderdruck „Wie komme ich gut durch den Winter?" kann angefordert werden unter Tel. 069 955128-400 oder per E-Mail unter bestellung@herzstiftung.de

* European Society of Cardiology:
16 year study suggests air temperature is external trigger for heart attack;
https://www.escardio.org/The-ESC/Press-Office/Press-releases/16-year-study-sugge...
https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehx504.2949

Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle:
Michael Wichert /Pierre König
Tel. 069 955128-114/-140
Fax: 069 955128-345
E-Mail: wichert@herzstiftung.de/
koenig@herzstiftung.de
www.herzstiftung.de

Weitere Informationen:
https://www.herzstiftung.de/Kaelte-Herz-Herzinfarkt.html
https://www.herzstiftung.de/Anzeichen-Herzinfarkt.html
https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehx504.2949
https://www.escardio.org/The-ESC/Press-Office/Press-releases/16-year-study-sugge...

Anhang

PM_Kälte_Herzrisiko

Quelle: idw

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Den Stadtwildtieren auf der Spur: Citizen Science für alle

Steven Seet - Leibniz-IZW Pressestelle des Forschungsverbundes Berlin e.V.
Forschungsverbund Berlin e.V.

Wildtiere erobern die Städte, in Berlin und anderswo. Und so treffen viele ihr erstes Wildtier „in freier Wildbahn" im urbanen Bereich - meistens, aber nicht immer, sind das spannende Begegnungen mit einem erfreulichen Ausgang. Um das wachsende Interesse zu befriedigen, den aufkommenden Wissensdurst zu stillen und Angebote vorzustellen, die eine Beteiligung der Öffentlichkeit an wissenschaftlichen Forschungsarbeiten ermöglichen, gibt es jetzt die Internetseite für alle an Wildtieren in der Stadt Interessierte.

Die Berliner Internetseite „http://berlin.stadtwildtiere.de" bündelt Informationen und Angebote rund um Wildtiere in der Stadt. Sie wird vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und dem Verein StadtNatur in Zürich betreut. Auf dieser Seite gibt es Informationen zu allen Wildtieren, die uns in der Stadt begegnen können, Antworten auf oft gestellte Fragen zum Thema „Wildtiere in der Stadt" und Veranstaltungshinweise zum Thema Stadtökologie - und Tipps für ein gutes Miteinander zwischen Mensch und Tier.

Besonders spannend sind die interaktiven Optionen: Interessierte können Tiersichtungen und deren Spuren oder Nester melden und sich diese auf einer interaktiven Karte anzeigen lassen. Sie können sich über Forschung zu Stadtökologie informieren und Forschungsprojekte finden, die zum Mitmachen einladen. In Berlin zum Beispiel stehen Fuchs, Hase, Igel, Waschbär und mehr ab sofort unter Beobachtung. Die an den Projekten beteiligten WissenschafterInnen nutzen die aus verschiedenen Städten gemeldeten Informationen, um zum Beispiel herausfinden, ob es in Berlin mehr Igel als in Freiburg gibt. Oder warum es möglicherweise manche Tierarten vom Land in die Stadt zieht, während andere Arten die Stadt meiden.

Wer gerne mitforschen möchte, kann beispielsweise mit einer „App" fürs Smartphone Lichtverschmutzung messen oder Igel finden. Solche Projekte werden gerne mit „Citizen Science" (Bürgerwissenschaften) bezeichnet: Teilnehmende aus der Öffentlichkeit bereichern mit ihrem persönlichen Wissen das Projekt, sammeln Daten, übernehmen Aufgaben oder helfen bei der Entwicklung der Fragestellungen der Forschungsprojekte. Dabei lernen die Beteiligten nebenbei, wie Forschung heutzutage funktioniert. Die WissenschaftlerInnen profitieren ebenfalls: Sie lernen von ihren Mitforschenden viel Interessantes aus deren persönlichem Erfahrungssschatz und erhalten Daten, die sie aus Kapazitätsgründen nie alleine erheben könnten.

Die Internetseite „berlin.stadtwildtiere.de" bietet auch Antworten auf typische Fragen zum Thema Wildtiere in der Stadt. Dazu gehören: „Wohin mit dem verlassenen Krähenkind?" oder „Was sind invasive Arten?". Darüber hinaus stellen sich die zurzeit laufenden wissenschaftlichen Forschungsprojekte zu Wildtieren in Berlin und Umgebung vor.

Die Bürgerwissenschaften-Projekte „Stadtwildtiere" und „Wilde Nachbarn" wurden in Zürich entwickelt und gestartet. Inzwischen gibt es diese Projekte auch in anderen Städten und Regionen. Die Internetseite „berlin.stadtwildtiere.de" wird vom Leibniz-IZW und dem Züricher Verein „StadtNatur" betreut. Die beteiligten WissenschaftlerInnen erhoffen sich, dass in Zukunft immer mehr Städte und Regionen an dem Projekt teilnehmen. Neben Berlin wurde für Deutschland jetzt das Projekt „Wilde Nachbarn Baden-Württemberg" (http://bw.wildenachbarn.de) eingeführt.

Kontakt Leibniz-IZW:
Steven Seet: seet@izw-berlin.de, 049 30 51 68 125
Sarah Kiefer: kiefer@izw-berlin.de, 049 30 51 68 128

Weitere Informationen:
http://berlin.stadtwildtiere.de
http://bw.wildenachbarn.de

Quelle: idw

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Risikofaktoren erkennen und gegensteuern: So kann das Herz selbst im Alter jung bleiben

Janina Wetzstein Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.

Viele Beschwerden, die als „normale" Alterserscheinungen gelten, sind in Wahrheit Endpunkte eines schleichenden Krankheitsprozesses: Übergewicht und Bewegungsmangel bringen die Blutfettwerte in Schieflage und erhöhen das Diabetesrisiko. Damit einher gehen oft Bluthochdruck, Schäden an den Gefäßwänden und Arteriosklerose, die letztlich auch das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall in die Höhe treiben. Wie dieser Prozess verlangsamt und insbesondere das Herz länger gesund erhalten werden kann, war Thema auf der Pressekonferenz der Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) in Berlin.

Dass das Herz im Alter immer schwächer und anfälliger wird, schien lange Zeit unausweichlich zu sein. „Es wird aber immer deutlicher, dass man solche Alterserscheinungen nicht einfach hinnehmen muss", sagt Professor Dr. med. Ursula Müller-Werdan, die den Schwerpunkt Geriatrie der Inneren Medizin an der Berliner Charité leitet. Vielmehr lägen den schleichenden Alterungsprozessen, die sich an den verschiedenen Organen vollziehen, und den dann scheinbar unvermittelt auftretenden Alterskrankheiten ähnliche Entstehungsmechanismen zugrunde.

Für das Herz heißt das: Wer die bekannten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Leiden vermeidet, beugt auch einer vorzeitigen Alterung von Herz und Gefäßen vor. Die Liste der schädlichen Einflüsse, denen es entgegenzuwirken gilt, ist heute allgemein bekannt und oft wiederholt worden: Zigarettenrauch, Übergewicht und körperliche Inaktivität zählen dabei zu denjenigen Faktoren, die der Einzelne vermeiden oder gegen die er aktiv vorgehen kann. Andere Risikofaktoren können nicht immer vermieden werden - sie sollten aber frühzeitig erkannt und konsequent behandelt werden, um das Herz zu schützen. Dazu zählen etwa ein Diabetes, ein bereits bestehender Bluthochdruck, chronische Entzündungsprozesse oder hohe LDL-Cholesterinwerte.

All diese Faktoren beeinträchtigen zunächst die Funktion der Gefäßwände und leisten Bluthochdruck und Arteriosklerose Vorschub. „Damit steigt das Risiko für verschiedene Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die sich wechselseitig bedingen und verstärken können", erläutert Müller-Werdan. Im Rahmen dieses so genannten kardiovaskulären Kontinuums wird letztlich auch der Herzmuskel in Mitleidenschaft gezogen, der nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt wird. Wenn sich erste Krankheitszeichen bemerkbar machen, sind die zugrundeliegenden Schädigungen oft schon weit fortgeschritten. „Ein Herzinfarkt scheint dann mitunter aus heiterem Himmel aufzutreten, aus völliger Gesundheit heraus", so Müller-Werdan.

Haben sich Herz-Kreislauf-Schäden wie Arteriosklerose, Herzrhythmusstörungen oder eine Herzmuskelschwäche erst einmal etabliert, sind sie in der Regel chronisch - ihr Verlauf lässt sich dann nur noch verlangsamen, nicht aber umkehren. „Daher sollte möglichst frühzeitig auf einen gesunden Lebensstil geachtet und Risikofaktoren konsequent vermieden werden", betont Professor Dr. med. Cornel Sieber, Vorsitzender der DGIM. Damit die Jahre, die die Menschen heute durchschnittlich länger leben, auch möglichst gesunde Jahre sind.

http://www.dgim.de | http://www.facebook.com/DGIM.Fanpage/ | http://www.twitter.com/dgimev

Quelle: idw

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Wann Mitarbeiter von Handlungsspielräumen im Job profitieren

Eva Mühle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund

Wer bei der Arbeit viel zu tun hat und unter Zeitdruck steht, profitiert davon, wenn er frei über die Arbeitseinteilung entscheiden kann. Handlungsspielräume im Job können uns aber auch schaden, wie eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung zeigt. Denn es kommt darauf an, was vorrangig verlangt wird: Ist der Job eher durch Emotionsarbeit statt Zeitdruck gekennzeichnet, können Mitarbeiter von geringeren Handlungsspielräumen profitieren. Demnach erscheinen in emotional belastenden Berufen, in denen bestimmte Gefühle nach außen gezeigt werden sollen, konkrete Richtlinien hilfreicher als Freiheiten.

Die Abgabefrist rückt näher, auf ein Meeting folgt das nächste und dann wartet noch ein anspruchsvoller Kunde: Laut einer Eurofond-Erhebung beklagt rund jeder dritte Angestellte in der EU, unter zu hohem Zeitdruck arbeiten zu müssen. Gleichzeitig erfordern viele Tätigkeiten, bestimmte Emotionen nach außen zu zeigen, auch wenn diese nicht mit den tatsächlich erlebten Gefühlen übereinstimmen, z.B. im Kundenkontakt. Unsere Gefühle den Erwartungen des Unternehmens anpassen zu müssen, strengt uns enorm an und kann langfristig zu Burnout führen - ähnlich wie ein auf Dauer zu hoher Workload.

In der arbeitspsychologischen Forschung ging man bisher generell davon aus, dass Handlungsspielräumen, also die Möglichkeiten eigenständig entscheiden zu können, wann und wie eine vereinbarte Aufgabe bearbeitet wird, förderlich für das psychische Wohlergehen der Mitarbeiter sind. Fraglich war bislang jedoch, ob Handlungsspielräume bei unterschiedlichen Formen von Arbeitsanforderungen ähnlich positive Effekte aufweisen. PsychologInnen des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung an der TU Dortmund (IfADo) haben jetzt die Wechselwirkung von Handlungsspielräumen und verschiedenen Arbeitsanforderungen untersucht.

Selbsteinschätzung per Onlinebefragungen
Für die Studie haben die Forschenden Daten von rund 140 Beschäftigten eines Versorgungsunternehmens analysiert. Die Beschäftigten wurden zweimal im Abstand eines halben Jahres befragt und haben Fragen zu ihrer Arbeitssituation in Form von Online-Fragebögen beantwortet. Dabei wurde unter anderem gefragt, wie hoch sie ihre Handlungsspielräume am Arbeitsplatz einschätzen, wie erschöpft sie sich fühlen, ob sie oft unter Zeitdruck arbeiten und ob sie ihre Emotionen regulieren müssen. „Unsere Ergebnisse verdeutlichen, dass ein hohes Maß an Handlungsspielräumen während der Arbeit förderlich für die Gesundheit sein kann. Das gilt aber nicht für alle Berufe. Denn teilweise sein eigener Chef zu sein, kann uns auch schaden," sagt IfADo-Studienautorin Anne-Kathrin Konze.

Während sich Personen mit hohem Arbeitspensum und vielen Abgabefristen weniger erschöpft fühlen, wenn sie die eigenen Arbeitsabläufe selbst bestimmen können, können große Handlungsspielräume Berufstätige belasten, die bei der Arbeit ihre tatsächlichen Gefühlen anpassen müssen.

Handlungsfreiheit je nach Arbeitsanforderung
Denn wenn uns Freiheiten eingeräumt werden, sind wir selbst dafür verantwortlich, den Arbeitstag so zu strukturieren, dass wir vereinbarte Aufgaben fristgerecht erledigen. „Das erfordert ein hohes Maß an Selbstkontrolle - ähnlich wie beim Umgang mit Kunden, bei dem wir unsere Gefühle im Griff haben müssen. Beides zusammen kann schnell zu viel werden", so Arbeitspsychologin Konze.

In der Praxis sollten Arbeitgeber zunächst klären, was vom jeweiligen Beschäftigten schwerpunktmäßig verlangt wird. Ist die vorrangige Arbeitsanforderung ermittelt, kann entschieden werden, wie selbstständig jemand arbeiten sollte. Handelt es sich um Tätigkeiten unter hohem Zeitdruck, sind Spielräume förderlich.

„Bei emotional belastende Tätigkeiten beispielsweise im Service- und Verkaufsbereich können jedoch Richtlinien helfen, das Wohlbefinden des Personals zu steigern", rät Konze. Denn in anspruchsvollen Situationen wie beispielsweise dem Umgang mit Kundenbeschwerden ad-hoc selbst über eine Vorgehensweise zu entscheiden, kann die Beschäftigten zusätzlich belasten. Vorgegebene Verhaltensstrategien für solche Situationen könnten die Beschäftigten hingegen entlasten.

Publikation:
Konze, A-K., Rivkin, W., Schmidt, K-H. (2017). Is Job Control a Double-Edged Sword? A Cross-Lagged Panel Study on the Interplay of Quantitative Workload, Emotional Dissonance, and Job Control on Emotional Exhaustion. Int. J. Environ. Res. Public Health, 14, 1608. doi: 10.3390/ijerph14121608 (Open Access)

Ansprechpartnerin:
Anne-Kathrin Konze
Wissenschaftliche Mitarbeiterin „Flexible Verhaltensforschung"
Telefon: + 49 231 1084-237
E-Mail: konze@ifado.de

Pressekontakt:
Eva Mühle
Pressereferentin
Telefon: + 49 231 1084-239
E-Mail: muehle@ifado.de

Das IfADo - Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund erforscht die Potenziale und Risiken moderner Arbeit auf lebens- und verhaltenswissenschaftlicher Grundlage. Aus den Ergebnissen werden Prinzipien der leistungs- und gesundheitsförderlichen Gestaltung der Arbeitswelt abgeleitet. Das IfADo hat mehr als 200 Mitarbeiter/innen aus naturwissenschaftlichen und technischen Disziplinen. Das Institut ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, die 93 selbstständige Einrichtungen umfasst. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.600 Personen, darunter 9.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,7 Milliarden Euro.


Weitere Informationen:
http://www.mdpi.com/1660-4601/14/12/1608 Zum Paper (Open Access)

Quelle: idw

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Wilde Nachbarn

Rudolf-Werner Dreier Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Bürger können ihre Beobachtungen von Wildtieren in Städten und Dörfern Baden-Württembergs in einem Web-Portal melden

Wildtiere haben längst entdeckt, dass menschliche Siedlungen einen hervorragenden Lebensraum mit konstantem Nahrungsangebot, milderem Klima, bester Deckung und wenigen Feinden bieten. Dadurch kommt es immer wieder zu Begegnungen zwischen Mensch und Tier. Wer in Baden-Württemberg einen Waschbären hinter der Mülltonne entdeckt, nachts einen Igel auf der Terrasse zu Gast hat oder auf dem Heimweg einem Fuchs begegnet, hat jetzt die Möglichkeit, seine Beobachtung auf dem Web-Portal www.bw.wildenachbarn.de zu melden. Wildtiersichtungen, Spurenfunde, Fuchs- und Dachsbaue sowie Fundorte toter Tiere können dort in eine Karte eingetragen werden. Wem es gelingt, ein Foto seiner Beobachtung zu machen, kann dieses hochladen und sich die von anderen Nutzerinnen und Nutzern eingereichten Bilder anschauen.

„Wilde Nachbarn" ist Bestandteil des vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz geförderten Projekts „Wildtiere im Siedlungsraum Baden-Württembergs" der Professur für Wildtierökologie und Wildtiermanagement der Universität Freiburg. Das Web- Portal wird in Zusammenarbeit mit dem Verein StadtNatur betreut. Damit folgt Baden-Württemberg Städten wie Wien, Zürich und Berlin (www.berlin.StadtWildTiere.de), in denen solch eine Meldemöglichkeit schon besteht und von der dortigen Bevölkerung gerne angenommen wird. Nach dem Prinzip der „Citizen Science" gewinnen Bürgerinnen und Bürger Daten, die Forscherinnen und Forschern ein Bild von der Verteilung der einzelnen Tierarten über den Siedlungsraum vermitteln. Dadurch wird es möglich, Rückschlüsse auf Interaktionshotspots zu ziehen - also Orte, an denen sich Mensch und Wildtier besonders oft begegnen. Dieses Wissen kann für das zukünftige Wildtiermanagement, mit dem Konflikten vorgebeugt werden soll, nützlich sein. Indem Bürger aufgerufen werden, sich an der wissenschaftlichen Forschung zu beteiligen, werden sie gleichzeitig für das Thema sensibilisiert und vielleicht sogar begeistert. Dies ist dem Forschungsteam zufolge in einer Zeit, in der ein Bezug der Menschen zur Natur schwindet, sehr wichtig.

Neben der Möglichkeit zur Meldung von Sichtungen und Konfliktfällen bietet die Website auch umfassende Informationen zu diversen Tierarten sowie Tipps, wie man diese am besten beobachten kann.

www.bw.wildenachbarn.de

Kontakt:
Geva Peerenboom oder Fanny Betge
Wildtierökologie und Wildtiermanagement
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-3662
E-Mail: geva.peerenboom@wildlife.uni-freiburg.de
oder fanny.betge@wildlife.uni-freiburg.de

Weitere Informationen:
https://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2018/wilde-nachbarn?set_language=de

Quelle: idw

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Es gibt mehr und vielfältigere plastikfressende Bakterien, als bisher angenommen

Birgit Kruse Referat Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hamburg

Kunststoffe wie PET (Polyethylenterephalat), aus dem Flaschen oder Verpackungen bestehen, werden nur zu einem geringen Teil recycelt, der Großteil gelangt in die Umwelt. Dort wird er nur sehr langsam abgebaut: Laut Umweltbundesamt dauert es bis zu 450 Jahre, bis eine Kunststoffflasche sich aufgelöst hat. 2016 wurde erstmals ein Bakterium entdeckt, das Kunststoff angreift und zersetzt.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Dr. Wolfgang Streit vom Biozentrum Klein Flottbek der Universität Hamburg haben jetzt herausgefunden, dass es weitaus mehr und vielfältigere plastikfressende Bakterien gibt, als bisher angenommen. Das Forschungsteam hat seine Ergebnisse gerade in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Applied and Environmental Microbiology" veröffentlicht.

Die Mikrobiologinnen und Mikrobiologen analysierten mithilfe von globalen Datenbanken das Erbgut von Bakterien aus verschiedenen Lebensräumen zu Land und im Wasser. Dabei fanden sie heraus, dass viele Bakterien mitverantwortlich für den Abbau von PET sein können und dass die beteiligten Bakterien von ihrer stammesgeschichtlichen Entwicklung vielfältiger sind, als bisher angenommen. Das Forschungsteam untersuchte die Abbauprodukte, die in den Bakterien beim Abbau des Kunststoffs entstehen und die daran beteiligten Enzyme. Dabei konnten sie mehrere hundert neuartige Enzyme finden, die so genannten PET-Hydrolasen. „Wir waren überrascht, dass die beteiligten Bakterienarten viel diverser sind, als bisher angenommen. Unsere Charakterisierung von vier ausgewählten PET-Hydrolasen erweitert nun das Verständnis von den Abbaumechanismen. Es bestätigte sich jedoch, dass der Abbau von PET durch die Bakterien prinzipiell sehr langsam ist", so Prof. Streit.

Originalveröffentlichung:
New insights into the function and global distribution of polyethylene terephthalate (PET) degrading bacteria and enzymes in marine and terrestrial metagenomes

Dominik Danso, Christel Schmeisser, Jennifer Chow, Wolfgang Zimmermann, Ren Wei, Christian Leggewie, Xiangzhen Li, Terry Hazen, and Wolfgang R. Streit

Appl. Environ. Microbiol. AEM.02773-17; Accepted manuscript posted online 2 February 2018, doi:10.1128/AEM.02773-17, http://aem.asm.org/content/early/2018/01/29/AEM.02773-17

Für Rückfragen:
Prof. Dr. Wolfgang Streit
Universität Hamburg
Biozentrum Klein Flottbek
Tel.: +49 40 42816-463/-461
E-Mail: wolfgang.streit@uni-hamburg.de

Weitere Informationen:
http://aem.asm.org/content/early/2018/01/29/AEM.02773-17 - Originalveröffentlichung: New insights into the function and global distribution of polyethylene terephthalate (PET) degrading bacteria and enzymes in marine and terrestrial metagenomes

Quelle: idw

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Faszien: Vernetzt von Kopf bis Fuß

Dr. Anne Hardy Public Relations und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

In einem Artikel für Gray´s Anatomy fassen Sportwissenschaftler und Sportmediziner der Goethe-Uni überraschende Erkenntnisse aus der neueren Forschung zusammen.

FRANKFURT. Lange Zeit galten Faszien als vornehmlich passives Verpackungsmaterial für Muskeln ohne bedeutsame Funktionen für das Bewegungssystem. Als neuere Forschungsergebnisse zeigten, dass sie eine weitaus wichtigere Rolle spielen könnten, entwickelte sich bald das Faszientraining. In seiner neusten Ausgabe würdigt auch das renommierte amerikanische Anatomiebuch „Gray´s Anatomy" das muskelumhüllende Gewebe mit einem Eintrag. Geschrieben ist er von den Frankfurter Forschern Dr. Jan Wilke und Prof. Winfried Banzer.

In Anatomiebüchern wurden Faszien bisher nur selten exponiert dargestellt, in Anatomiekursen fielen sie meist schnell dem Skalpell zum Opfer, da das dünne, weißliche Gewebe den Blick auf die Muskeln des Körpers verstellt. Inzwischen weiß man aber, dass es eine höhere Nervendichte und Schmerzempfindlichkeit besitzt als Muskeln und somit bei verschiedenen orthopädischen Beschwerden relevant sein könnte. So erklärt sich auch der gegenwärtige Hype um das Faszientraining: Kaum ein Fitnessstudio verzichtet darauf, die Industrie entwickelt unablässig neue Trainingsgeräte und Buchläden präsentieren diverse Werke mit bunten, teils reißerischen Covers.

Mit einem Eintrag in der kürzlich erschienenen 42. Auflage des renommierten Anatomiebuchs „Gray's Anatomy" haben Faszien nun auch einen festen Platz im Lehrbuchwissen erhalten. Der Atlas zählt zu den bekanntesten und einflussreichsten Werken weltweit und ist, insbesondere im anglo-amerikanischen Sprachraum, ein Klassiker. Die Frankfurter Sportwissenschaftler Dr. Jan Wilke und Prof. Winfried Banzer, der zugleich Sportmediziner ist, wurden eingeladen, einen Kommentar zu ihren Forschungsergebnissen für Gray´s Anatomy zu verfassen. Beide Autoren beschäftigen sich mit der potenziellen mechanischen Rolle des kollagenen Bindegewebes.

Mit einer systematischen Literaturanalyse konnten Wilke und Banzer nachweisen, dass Faszien, entgegen zahlreicher Darstellungen in Standardwerken der Anatomie, die Muskeln des Körpers nicht voneinander abgrenzen, sondern - teils von Kopf bis Fuß - direkt verbinden. Möglicherweise erklären die so entstehenden Muskel-Faszien-Ketten, warum Schmerzen manchmal in entfernten Körperregionen auftreten. Da im Verlauf der Kontinuitäten auch Kräfte übertragen werden, beschränken sich die Wirkungen von klassischen Sportübungen wie Dehnen oder Krafttraining auch nicht auf den Anwendungsort. Mehrere Studien aus dem Frankfurter Institut für Sportwissenschaften zeigten, dass Dehnübungen der Beinmuskulatur sogar die Beweglichkeit der Halswirbelsäule steigern und nicht weniger effektiv sind, als lokale Übungen des Nackens selbst. Aktuell versuchen Wilke und Banzer herauszufinden, ob die Ergebnisse aus der Grundlagenforschung bei Gesunden auch auf Patienten übertragbar sind.

Hinweise:
• Die 42. Auflage von „Gray´s Anatomy" ist kürzlich als Ebook erschienen. Die gedruckte Version ist für das Jahr 2020 geplant.
• Am 27. Januar um 22.50 Uhr zeigte ARTE eine Dokumentation zum Thema Faszien, in der, neben anderen führenden Faszienforschern, auch der Frankfurter Wissenschaftler Dr. Jan Wilke zu sehen ist.

Information: Dr. Jan Wilke, Abteilung Sportmedizin, Fachbereich 5, Sportcampus Ginnheim, Tel.: (069) 798 24588, wilke@sport.uni-frankfurt.de.
Aktuelle Nachrichten aus Wissenschaft, Lehre und Gesellschaft in GOETHE-UNI online (www.aktuelles.uni-frankfurt.de)

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist sie Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main. Internet: www.uni-frankfurt.de

Herausgeberin: Die Präsidentin der Goethe-Universität Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: (069) 798-12498, Fax: (069) 798-763 12531, hardy@pvw.uni-frankfurt.de

Quelle: idw

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Medizinerin findet Weg, um Blutdrucksenkung durch Sport vorhersagen zu können

Friederike Meyer zu Tittingdorf Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

Bluthochdruck ist weit verbreitet in der Bevölkerung. Wird das Blut zu kraftvoll durch den Körper gepumpt, können zum Teil auch lebensbedrohliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Folge sein. Melissa Wegmann, Doktorandin am Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes von Professor Tim Meyer, hat in einer Teilstudie ihrer Doktorarbeit nun herausgefunden, dass ein akut niedrigerer Blutdruck nach einer kurzzeitigen Belastung auf dem Laufband ein praktikabler Indikator dafür ist, dass der Blutdruck auch dauerhaft sinken kann, wenn der Patient ein Ausdauer-Lauftraining absolviert.

Somit könnten auch niedergelassene Ärzte auf einfachem Weg herausfinden, ob eine solche Therapie bei einzelnen Patienten wirken könnte. Für ihre Erkenntnisse wird die Medizinerin mit dem Friedrich-Trendelenburg-Preis der Universität des Saarlandes ausgezeichnet.

Ein Stückchen Kuchen hier, ein kleiner Nachschlag Spaghetti am Abend da und schon am nächsten Tag schmiegt die Hose bei vielen Genießern ein wenig enger um die Hüfte. Es gibt aber auch glückliche Zeitgenossen, die ohne Reue schlemmen können und Jahre später immer noch dieselbe Kleidergröße haben. Ganz ähnlich ist es bei der Behandlung von Bluthochdruck: Ob ein Medikament anschlägt oder nicht, ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Statt einer Behandlung mit Medikamenten kann aber auch mäßiger Ausdauersport blutdrucksenkend wirken. Aber hier ist es wie beim Kuchen oder bei den Tabletten: Ob ein Patient durch den Sport tatsächlich dauerhaft seinen Blutdruck senken kann oder ob er trotz fleißigen Lauftrainings keine Wirkung erzielt, konnten Ärzte bisher nicht verlässlich voraussagen.

Melissa Wegmann, Doktorandin am Institut für Sport- und Präventivmedizin von Professor Tim Meyer, hat in ihrer Doktorarbeit nun nach genau solch einer Möglichkeit gesucht, die Wirksamkeit von Sport als blutdrucksenkendes „Medikament Bewegung" von Patient zu Patient individuell vorherzusagen. Aufbauend auf einer vorhergehenden Studie von Privatdozentin Anne Hecksteden, die ebenfalls am Institut für Sport- und Präventivmedizin arbeitet, hat die angehende Ärztin 127 Probanden (79 Frauen und 48 Männer, untrainiert, gesund, zwischen 30 und 60 Jahren) in vier Trainingsgruppen unterteilt, die ein halbes Jahr lang dreimal wöchentlich Sport machten: Eine Gruppe hat ein Ausdauer-Lauftraining absolviert, die zweite Gruppe ein Intervalltraining aus schnellem Laufen und Ruhepausen, die dritte Gruppe ein kombiniertes Kraft-Ausdauer-Training. Die vierte Gruppe hat sich über das halbe Jahr, in dem die Daten erhoben wurden, als Kontrollgruppe nicht sportlich betätigt. Außerdem hat Melissa Wegmann zu Beginn der Trainingsphase und nach Abschluss der Trainingsphase ein halbes Jahr später mit den Probanden einen Gesundheitscheck auf dem Laufband, ein sogenanntes Belastungs-EKG, durchgeführt und hierbei den Blutdruck vor der Belastung und exakt sieben Minuten nach der Belastung gemessen.

„Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang: Diejenigen Probanden, die den Blutdruck nach einer der akuten Belastung auf dem Laufband senken konnten, konnten ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit auch chronisch nach einem halben Jahr Ausdauer-Lauftraining senken", erklärt Melissa Wegmann. Für die Probanden der anderen Trainingsgruppe und der Kontrollgruppe gilt dieser Zusammenhang nicht. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass diejenigen Teilnehmer, die nach der Kurzzeit-Belastung auf dem Laufband einen niedrigeren Blutdruck aufweisen konnten, mit hoher Wahrscheinlichkeit ihren Blutdruck auch dauerhaft durch mäßiges Ausdauer-Lauftraining senken können. „Der Laufband-Test ist damit ein Indikator dafür, ob ein Patient mit Ausdauer-Lauftraining seinen Blutdruck dauerhaft senken kann", schlussfolgert Melissa Wegmann.

Für praktizierende Ärzte könnte dieses Belastungs-EKG eine einfache Methode sein, um für jeden Blutdruckpatienten individuell vorhersagen zu können, ob bereits ein leichtes Ausdauer-Training Wirkung zeigen könnte, bevor der Patient zu blutdrucksenkenden Medikamenten greifen muss. Ebenso könnten die Krankenkassen auf diese Weise Kosten für die Medikamente sparen.

Außerdem hätte diese Art der Therapie einen schmackhaften Nebeneffekt: Die durch das Lauftraining abtrainierten Kalorien könnten die Patienten - natürlich in Maßen - mit einem Stückchen Kuchen kompensieren, ob sie nun anfällig dafür sind oder nicht.

Melissa Wegmann erhält für ihre Doktorarbeit am 1. Februar den Friedrich-Trendelenburg-Preis der Universität des Saarlandes verliehen. Dieser Preis wird seit 2003 alle zwei Jahre aus den Erträgen der Friedrich-Trendelenburg-Stiftung vergeben. Er erinnert an die durch Professor Dr. Friedrich Trendelenburg initiierte Gründung des Instituts für Präventivmedizin an der Universität des Saarlandes. Er ist mit 2.500 Euro dotiert. Den Festvortrag bei der Preisverleihung am 1. Februar um 17 Uhr hält der Christoph Handschin, Professor für Pharmakologie am Biozentrum der Universität Basel, über das Thema „Die Anpassungsfähigkeit des Skelettmuskels auf Sport und Alter" (Geb. B 8 1, Raum 0.21).

Weitere Informationen:
Die Studie „Postexercise Hypotension as a Predictor for Long-Term Training-Induced Blood Pressure Reduction: A Large-Scale Randomized Controlled Trial" ist im November 2017 im "Clinical Journal of sport medicine" erschienen: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29189337

Fragen beantworten:
Melissa Wegmann
E-Mail: m.wegmann@mx.uni-saarland.de

Prof. Dr. med. Tim Meyer
Institut für Sport- und Präventivmedizin
Universität des Saarlandes
Tel. 0681 - 302 70400
E-Mail: tim.meyer@mx.uni-saarland.de

Weitere Informationen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29189337
http://www.sportmedizin-saarbruecken.de

Quelle: idw

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Neun Kommunen bei Bundeswettbewerb „Klimaaktive Kommune 2017" ausgezeichnet

Sybille Wenke-Thiem Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Urbanistik

Bundesumweltministerium und Difu prämieren vorbildliche Klimaaktivitäten von neun Kommunen mit insgesamt 225.000 Euro Preisgeld

Berlin. Neun Kommunen sind im bundesweiten Wettbewerb „Klimaaktive Kommune 2017" für ihre vorbildlichen Projekte im Klimaschutz und in der Klimafolgenanpassung prämiert worden. Heute erhielten sie in Berlin den mit jeweils 25.000 Euro dotierten Preis. Die Preisverleihung fand im Rahmen der 10. Kommunalen Klimakonferenz „Akteure im kommunalen Umfeld - Partner, Vorbilder, Impulsgeber" statt. Die Preise übergab Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, zusammen mit Vertretern der kommunalen Spitzenverbände - Detlef Raphael, Beigeordneter für Umwelt und Wirtschaft des Deutschen Städtetages; Georg Huber, Vorsitzender des Umweltausschusses des Deutschen Landkreistages und Roland Schäfer; erster Vizepräsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes - sowie Cornelia Rösler, Leiterin des Bereichs Umwelt im Deutschen Institut für Urbanistik.

Schwarzelühr-Sutter betonte die Bedeutung des kommunalen Engagements: „Der Wettbewerb zeigt erneut, dass Kommunen und Regionen eine Schlüsselrolle beim Klimaschutz und der Klimaanpassung einnehmen. Die ausgezeichneten Städte und Gemeinden nehmen dabei eine Vorbildfunktion ein. Wir stellen aber nicht nur weithin sichtbare Leuchtturmprojekte ins Rampenlicht, sondern auch die, die mit beharrlicher und oft mühsamer Überzeugungsarbeit im Kleinen wichtige Erfolge erzielen. Es freut mich, dass sich Kommunen mit über 100 Beiträgen am Wettbewerb beteiligt haben."

Die neun gleichrangigen Gewinner:
Kategorie 1: Kommunale Klimaprojekte durch Kooperation
45 Bewerbungen, Preisgeld: je 25.000 Euro
- Landkreis Oldenburg (Niedersachsen): Klimaallianz in der Landwirtschaft
- Stadt Neuötting (Bayern): Gut kombiniert - erneuerbarer Strom trifft Lärmschutz
- Region Bergisches Land (Nordrhein-Westfalen): Beratung und Vernetzung im Bergischen Energiekompetenzzentrum

Kategorie 2: Klimaanpassung in der Kommune
7 Bewerbungen, Preisgeld: je 25.000 Euro
- Stadt Neuss (Nordrhein-Westfalen): Stadtentwicklung im Wandel - Klimaanpassung planen und umsetzen
- Stadt Pirmasens (Rheinland-Pfalz): Klimaanpassung durch Überflutungsvorsorge - individuelle Maßnahmen realisieren
- Landschaftsverband Rheinland (Nordrhein-Westfalen): Konsequente Dachflächenbegrünung zur Anpassung an den Klimawandel

Kategorie 3: Kommunale Klimaaktivitäten zum Mitmachen
50 Bewerbungen, Preisgeld: je 25.000 Euro
- Ortsgemeinde Schnorbach (Rheinland-Pfalz): Förderprogramm bringt Energieeinsparung im ganzen Dorf
- Universitätsstadt Marburg (Hessen): Der Klimaschutzbecher to go
- Landkreis Fürstenfeldbruck (Bayern): Ankommen und verstehen - Geflüchtete für Ressourcenschutz sensibilisieren

Fotos von der Preisverleihung (ab ca. 20 Uhr) unter:
http://www.klimaschutz.de/wettbewerb2017
Kurzfilme über die Gewinnerprojekte unter:
http://www.youtube.com/user/KlimaKompetenz/videos

Der Wettbewerb wird seit 2009 jährlich vom Bundesumweltministerium und dem Deutschen Institut für Urbanistik ausgelobt (bis 2015 Wettbewerb „Kommunaler Klimaschutz"). Kooperationspartner sind die kommunalen Spitzenverbände. Der Wettbewerb richtet sich an Städte, Gemeinden, Landkreise und Regionen. Die Jury besteht aus Vertreterinnen und Vertretern des Bundesumweltministeriums, des Umweltbundesamtes, des Deutschen Städtetages, des Deutschen Landkreistages sowie des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Bewerbungen waren in drei Kategorien möglich.

Die Kategorien im Wettbewerb „Klimaaktive Kommune 2017"
Kategorie 1 „Kommunale Klimaprojekte durch Kooperation"
Vorbildlich realisierte Klimaprojekte, die Ergebnis einer erfolgreichen Kooperation mit verschiedenen Akteuren in der Kommune und/oder mit anderen Kommunen sind. Ausdrücklich gewünscht sind auch Kooperationen mit kommunalen Unternehmen, die sich positiv auf den Klimaschutz und/oder die Anpassung an die Folgen des Klimawandels auswirken. Grundsätzlich gefragt sind immer die Resultate der Zusammenarbeit, z.B. Mobilitätsvorhaben, Bauprojekte oder Beratungsangebote.

Kategorie 2 „Klimaanpassung in der Kommune"
Erfolgreiche kommunale Ansätze, die das Querschnittsthema der Anpassung an die Folgen des Klimawandels - wie stärkere und häufiger auftretende Starkregenereignisse, Stürme, Hitze- oder Trockenperioden - vor Ort voranbringen. Gefragt sind z.B. konkrete Maßnahmen, fachübergreifende Strategien oder Modellprojekte. Dabei sind auch Synergien von Klimaschutz und Klimaanpassung wünschenswert.

Kategorie 3 „Kommunale Klimaaktivitäten zum Mitmachen"
Erfolgreich umgesetzte Aktionen, um Menschen vor Ort zur Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen und/oder Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels zu motivieren, z.B. kommunale Kampagnen oder spezifische Angebote.

Die Projekte der Gewinnerkommunen
Kategorie 1: Kommunale Klimaprojekte durch Kooperation
Landkreis Oldenburg (Niedersachsen): Klimaallianz in der Landwirtschaft
Die „Klimaallianz in der Landwirtschaft" ist ein Zusammenschluss des Landkreises Oldenburg mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und dem Kreislandvolkverband Oldenburg, um gemeinsam die Treibhausgasemissionen in der Landwirtschaft signifikant zu reduzieren. Dazu werden landwirtschaftliche Betriebe in der Region kostenfrei beraten und erhalten individuelle Klimabilanzen sowie Maßnahmenvorschläge, um den eigenen Betrieb klimafreundlich und ressourceneffizient zu bewirtschaften.

Stadt Neuötting (Bayern): Gut kombiniert - erneuerbarer Strom trifft Lärmschutz
Mit dem Bau einer Lärmschutzwand mit integrierten Photovoltaikelementen hat die Stadt Neuötting gemeinsam mit der EnergieGenossenschaft Inn-Salzach einen innovativen Weg gefunden, Klima- und Lärmschutz sinnvoll zu kombinieren, ohne zusätzliche Flächen zu verbrauchen. Durch die enge Zusammenarbeit beider Partner konnte die 234 Meter lange PV-Lärmschutzwand realisiert werden, die ein Neubaugebiet vor Verkehrslärm schützt und eine nahe gelegene Montessori-Schule mit erneuerbarer Energie versorgt.

Region Bergisches Land (Nordrhein-Westfalen): Beratung und Vernetzung im Bergischen Energiekompetenzzentrum
Mit dem Bergischen Energiekompetenzzentrum hat die Region Bergisches Land zusammen mit zahlreichen Partnern einen zukunftsweisenden Kompetenz-, Lern- und Innovationsort für die Themen Stoffumwandlung, Ressourcenmanagement und Umwelttechnologie geschaffen, der ein ehemaliges Deponiegelände mit neuem Leben erfüllt. Durch die unterschiedlichen Beratungs- und Informationsangebote sowie eine umfassende Netzwerkarbeit gelingt es, Know-how zu bündeln und einer breiten Zielgruppe zu vermitteln. Zugleich werden Wissenschaft und Forschung zu erneuerbaren Energien vor Ort gefördert und vorangetrieben.

Kategorie 2: Klimaanpassung in der Kommune
Stadt Neuss (Nordrhein-Westfalen): Stadtentwicklung im Wandel - Klimaanpassung planen und umsetzen
Um die Anpassung an den Klimawandel nachhaltig in die Bauleit- und Grünplanung zu verankern, verfolgt die Stadt Neuss seit vielen Jahren eine Integration in institutionalisierte Planungsverfahren der Verwaltung. Durch die intensive Untersuchung des lokalen Klimas, die Schaffung einer umfangreichen Datenbasis und die Definition von Leitlinien zum Stadtklima hat sie die hierfür notwendigen Grundlagen geschaffen. Instrumente wie Planungshinweiskarten und eine breite Abstimmung mit allen an der Planung von Maßnahmen in Neubau und Bestand Beteiligten ermöglichen eine klimagerechte Planung und vermeiden bzw. vermindern Interessenkonflikte mit anderen Belangen.

Stadt Pirmasens (Rheinland-Pfalz): Klimaanpassung durch Überflutungsvorsorge - individuelle Maßnahmen realisieren
Die Stadt Pirmasens geht die Anpassung ihres Entwässerungssystems an die Folgen des Klimawandels aktiv und zielgerichtet an. Im Rahmen eines Klimaanpassungskonzepts führte sie Analysen zur Betroffenheit durch, auf deren Grundlage im Rahmen einer kommunalen Steuerungsgruppe konkrete und individuelle Maßnahmen geplant wurden. Um Schäden durch Starkregenereignisse zukünftig zu vermeiden, setzte Pirmasens zeitnah verschiedene Baumaßnahmen um. Vorbildlich ist vor allem die Anwendung von naturnahen Lösungen zur Versickerung und schadlosen Ableitung von Niederschlägen.

Landschaftsverband Rheinland (Nordrhein-Westfalen): Konsequente Dachflächenbegrünung zur Anpassung an den Klimawandel
Die Begrünung von Dachflächen birgt große Potenziale, um vor allem in bestehenden, verdichteten Siedlungsgebieten einen Beitrag zur Klimaanpassung zu leisten. Der Landschaftsverband Rheinland greift dieses Potenzial bei anstehenden Dachsanierungen bzw. einer entsprechenden Dachausführung im Neubau mit der konsequenten Begrünung seiner großflächigen Liegenschaften auf. Zugleich nutzt der Verband Synergien zwischen Klimaschutz und Klimaanpassung, indem er geeignete Gründächer zusätzlich mit Solaranlagen ausstattet.

Kategorie 3 „Kommunale Klimaaktivitäten zum Mitmachen"
Ortsgemeinde Schnorbach (Rheinland-Pfalz): Förderprogramm bringt Energieeinsparung im ganzen Dorf
Mit einem zielgerichteten Förderprogramm bietet die Ortsgemeinde Schnorbach ihren
Bürgerinnen und Bürgern finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung von Energieeinsparmaßnahmen. Getragen wird es durch Einnahmen der Gemeinde aus der Verpachtung kommunaler Flächen für Windkraftanlagen. Das Fördermodell steigert die Akzeptanz von Klimaschutz und erneuerbaren Energien in der Bevölkerung und hat Vorbildcharakter für andere Gemeinden in der Region.

Universitätsstadt Marburg (Hessen): Der Klimaschutzbecher to go
Der „Klimaschutzbecher to go", ein nachhaltig produzierter Mehrwegbecher, ist zentraler Bestandteil einer Kampagne der Stadt Marburg, um auf die Umweltbelastung und Ressourcenverschwendung durch Einweg-Getränkebecher aufmerksam zu machen. Die Aktion motiviert die Nutzerinnen und Nutzer, mit einer kleinen Verhaltensänderung im Alltag aktiv zum Klimaschutz beizutragen. Langfristig soll sich die Kampagne in den Gastronomie- und Bäckereibetrieben der Stadt etablieren und verselbstständigen.

Landkreis Fürstenfeldbruck (Bayern): Ankommen und Verstehen - Geflüchtete für Ressourcenschutz sensibilisieren
Der Landkreis Fürstenfeldbruck hat mit „Ankommen und Verstehen - Geflüchtete für Ressourcenschutz sensibilisieren" ein Schulungsprogramm erarbeitet und durchgeführt, um nach Deutschland geflüchtete Menschen in interkulturellen Gruppen zu einem verantwortungsvollen und nachhaltigen Umgang mit Energie, Wasser oder Wertstoffen zu motivieren. Damit wird eine weitere Zielgruppe erreicht, um den Ressourcen- und Klimaschutz in der Kommune zu verankern. Gleichzeitig werden die Geflüchteten auf dem Weg in die für sie neue Gesellschaft unterstützt.

Der Wettbewerb „Klimaaktive Kommune" wird im Rahmen des Projekts „KlimaPraxis" vom Deutschen Institut für Urbanistik durchgeführt. Das Projekt wird aus Mitteln der Nationalen Klimaschutzinitiative des Bundesumweltministeriums gefördert und dient der Information, Motivation und Vernetzung von Kommunen im Bereich Klimaschutz.

Kontakt:
Anna Hogrewe-Fuchs und Ulrike Vorwerk (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)
Deutsches Institut für Urbanistik gGmbH (Difu)
Bereich Umwelt
Auf dem Hunnenrücken 3, 50668 Köln
Telefon: Tel: 0221-340 308 16/-17
Fax: 0221-340 308 28
E-Mail: hogrewe-fuchs@difu.de, vorwerk@difu.de, klimaschutz@difu.de
Internet: http://www.klimaschutz.de/wettbewerb2017, http://www.difu.de

Kurzinfo: Deutsches Institut für Urbanistik
Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) ist als größtes Stadtforschungsinstitut im deutschsprachigen Raum die Forschungs-, Fortbildungs- und Informationseinrichtung für Städte, Kommunalverbände und Planungsgemeinschaften. Ob Stadt- und Regionalentwicklung, kommunale Wirtschaft, Städtebau, soziale Themen, Umwelt, Verkehr, Kultur, Recht, Verwaltungsthemen oder Kommunalfinanzen: Das 1973 gegründete unabhängige Berliner Institut - mit einem weiteren Standort in Köln (Bereich Umwelt) - bearbeitet ein umfangreiches Themenspektrum und beschäftigt sich auf wissenschaftlicher Ebene praxisnah mit allen Aufgaben, die Kommunen heute und in Zukunft zu bewältigen haben. Der Verein für Kommunalwissenschaften e.V. ist alleiniger Gesellschafter des in der Form einer gemeinnützigen GmbH geführten Forschungsinstituts.

Weitere Informationen:
http://www.klimaschutz.de/wettbewerb2017 Fotos von der Preisverleihung
http://www.youtube.com/user/KlimaKompetenz/videos Kurzfilme über die Gewinnerprojekte
http://www.klimaschutz.de/wettbewerb2017 Wettbewerbsseite
http://www.difu.de Difu Website

Anhang
Preisträger Kategorie 3
https://idw-online.de/de/attachment64384

Quelle: idw

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Entdeckte Brustkrebsvorstufen im Mammographie-Screening meist aggressiv

PD Dr. med. Stefanie Weigel, Prof. Dr. med. Walter Heindel Geschäftsbereich Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Münster

Das im Zweijahresintervall durchgeführte Mammographie-Screening hat unter den Brustkrebsvorstufen als häufigste Diagnose die biologisch aggressivste Form ermittelt. Das duktale Carcinoma in situ vom hohen Kernmalignitätsgrad trägt das höchste Risiko zum Übergang in ein „invasives Karzinom" - einen bösartigen Tumor, der in das umliegende Gewebe wächst und in die Lymphknoten und anderen Organe streuen kann.

Die aktuelle Untersuchung aus Nordrhein-Westfalen hat Screening-Ergebnisse von 714.000 Frauen ausgewertet, die im Abstand von jeweils zwei Jahren bis zu dreimal am Mammographie-Screening teilgenommen haben. Bei 1970 Frauen wurde eine Brustkrebsvorstufe entdeckt. In der Hälfte aller Fälle handelte um es sich um die aggressivste Form, wie die Folgeuntersuchungen ergaben.

Die Ergebnisse deuten auf erheblich weniger Überdiagnosen im Mammographie-Screening als oft behauptet. Bei Überdiagnosen handelt es sich um entdeckte Brustkrebserkrankungen, die im Laufe des Lebens einer Frau ohne Früherkennung nicht auffällig geworden wären. Die größte Wahrscheinlichkeit einer Überdiagnose wird den „harmlosen" Brustkrebsvorstufen zugeschrieben, die erst in mehr als zehn Jahren in einen invasiven Brustkrebs übergehen können.

Das interdisziplinäre Forscherteam der Universität Münster hat anhand großer Datenmengen gezeigt, dass die im Folgerunden-Screening entdeckten aggressiveren Brustkrebsvorstufen schneller im Vergleich zu den harmloseren Formen nachwachsen. Daher steigt ihr Anteil mit der wiederholten Screening-Teilnahme. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass gerade die regelmäßig teilnehmenden Frauen vom Mammographie-Screening besonders profitieren. Denn sind die Brustkrebsvorstufen aggressiv, werden sie durch diese Form der Brustkrebsfrüherkennung häufig entdeckt, bevor sie in einen aggressiven invasiven Brustkrebs übergehen können.

Originalarbeit:
Weigel S, Khil L, Hense HW, Decker T, Wellmann J, Heidrich J, Sommer A, Heidinger O, Heindel W.
Detection Rates of Ductal Carcinoma in Situ with Biennial Digital Mammography Screening: Radiologic Findings Support Pathologic Model of Tumor Progression.
Radiology. 2018 Feb; 286(2): 424-432 [Epub 2017 Nov 6]. Doi: 10.1148/radiol2017170673

Weitere Informationen:
http://Radiologie.ukmuenster.de

Quelle: idw

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BfS will Hautkrebsprävention rechtlich verankern

Nicole Meßmer PB2/ Pressearbeit
Bundesamt für Strahlenschutz

Treffen des UV-Schutz-Bündnisses in München

Gemeinsam mit den Partnern des UV-Schutz-Bündnisses setzt sich das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) für bessere Möglichkeiten zur Vorbeugung von Hautkrebs ein. Hierfür soll die Hautkrebsprävention im Präventionsgesetz des Bundes verankert werden. Anlässlich des Treffens des UV-Schutz-Bündnisses in Neuherberg bei München versicherte BfS-Präsidentin Inge Paulini: „Wir wollen die Zahl UV-bedingter Hautkrebserkrankungen reduzieren. Zuerst müssen wir aber deren Anstieg stoppen. Dafür bedarf es der Aufklärung und Information und des Ausbaus von gesundheitsfördernden Strukturen. Beides sieht das Präventionsgesetz zur Gesundheitsförderung und Prävention in Lebenswelten und Betrieben vor. Deshalb wollen wir darauf hinarbeiten, dass die Vorbeugung von Hautkrebs Teil dieses Gesetzes wird."

Das BfS arbeitet seit Jahrzehnten daran, UV-bedingten Erkrankungen und vor allem Hautkrebs mittels Forschung, Information und Vorbeugemaßnahmen entgegen zu wirken. Hochrechnungen auf Basis der Daten des Krebsregisters Schleswig-Holstein von 2017 zeigen allerdings, dass die Zahl der Hautkrebsneuerkrankungen weiter zugenommen hat. Demnach erkrankten 2014 rund 291.000 Menschen neu an Hautkrebs, davon etwa 254.000 an Hautkrebs hellen Typs und etwa 36.000 am schwarzen Hautkrebs, dem Melanom. Dies sind etwa zehn Prozent mehr als noch im Vorjahr. „Diese Zahlen und die Tatsache, dass sich die Zahl der Hautkrebsneuerkrankungen alle 10 bis 15 Jahre verdoppelt, zeigen ganz deutlich, dass Hautkrebs ein beachtenswertes Gesundheitsrisiko ist und wir dringend etwas dagegen tun müssen", betonte Paulini.

Gemeinsam mit den 19 weiteren Partnern im UV-Schutz-Bündnis fordert das BfS deshalb, Hautkrebsprävention als Teilziel der Gesundheitsziele „Gesund aufwachsen" und „Gesund alt werden" in das Präventionsgesetz aufzunehmen.

Das Präventionsgesetz, das im Sommer 2015 in Kraft getreten ist, zielt darauf ab, Prävention und Gesundheitsförderung im direkten Lebensumfeld der Menschen zu etablieren, also in Kindertagesstätten, Schulen, am Arbeitsplatz oder im Pflegeheim. Zuständig für das Präventionsgesetz ist das Bundesgesundheitsministerium.

Das UV-Schutz-Bündnis ist eine Kooperation namhafter Gesellschaften, Organisationen und Behörden aus Strahlenschutz, Medizin, Wissenschaft und Arbeitsschutz, die sich seit Jahren für gelebten UV-Schutz einsetzen. Gemeinsam tritt das Bündnis für einen verantwortlichen Umgang mit UV-Strahlung ein. Ziel des Bündnisses ist es, langfristig die Zahl der Neuerkrankungen an Hautkrebs und anderen Gesundheitsschäden durch UV-Strahlung zu reduzieren. Schwerpunkt des Treffens am BfS-Standort Neuherberg sollte nun sein, weitere Schritte zur Umsetzung der Ziele des im vergangenen Jahr beschlossenen Grundsatzpapiers zu besprechen. Gegründet wurde das Bündnis im Jahr 2011.

Weitere Informationen zum UV-Schutzbündnis finden Sie unter:
www.bfs.de/uv-schutz-buendnis

Quelle: idw

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Batterie oder Brennstoffzelle? Jülicher Forscher berechnen Kosten des Infrastrukturausbaus

Dipl.-Biologin Annette Stettien Unternehmenskommunikation
Forschungszentrum Jülich

Die Zukunft der Mobilität ist elektrisch. Doch noch ist unklar, welche Technologie unter der Motorhaube das Rennen machen wird: Batterien, die regelmäßig an eine Ladesäule gehängt werden müssen, oder Brennstoffzellen, die Wasserstoff von der Tankstelle benötigen. Die Kosten für die jeweilige Infrastruktur hängen stark davon ab, wie viele Fahrzeuge versorgt werden müssen. Ein Vergleich, den Experten vom Forschungszentrum Jülich angestellt haben, zeigt: Ab mehreren Millionen Fahrzeugen ist der Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur günstiger. Beide Technologien sind notwendig, um die Verkehrswende erfolgreich zu meistern.

„Deutschland hat sich ambitionierte, aber notwendige Ziele beim Klimaschutz gesetzt", sagt Martin Robinius vom Jülicher Institut für Energie- und Klimaforschung (IEK-3) und einer der Autoren der Studie. „Doch gerade im Verkehrssektor liegen wir noch weit hinter den angestrebten Reduktionen zurück." Der Übergang zu emissionsarmen Fahrzeugflotten könne aber gelingen durch E-Fahrzeuge, die ihre Energie aus erneuerbaren Quellen beziehen, argumentiert der Wirtschaftsingenieur.

Wenn die Windräder in Deutschlands Norden auf Hochtouren laufen, erzeugen sie so viel Strom, dass das Netz ihn nicht aufnehmen kann. Mit diesem Strom könnte man Fahrzeuge antreiben. Von zentraler Bedeutung dürfte es dabei sein, in welcher Form die Energie gespeichert und transportiert wird: Sollen zukünftig batteriebetriebene Elektroautos über unsere Straßen rollen oder Brennstoffzellenfahrzeuge, die mit Wasserstoff betankt werden?

Beide Technologien stehen derzeit noch am Anfang ihrer Marktentwicklung. Gerade deshalb sei es von zentraler Bedeutung, die Kosten der zukünftigen Infrastruktur frühzeitig abzuschätzen, um nicht in eine technologische Sackgasse zu geraten: „Setzen wir von Anfang an alles auf nur eine Karte, dürfte es schwierig werden, das System umzustellen, wenn sich die Rahmenbedingungen verändern", argumentiert Martin Robinius. Die Jülicher Studie, die vom Gemeinschaftsunternehmen H2 MOBILITY beauftragt wurde, soll hier für Orientierung sorgen.

Viele Experten favorisieren zurzeit die Batterie, denn das elektrische Netz existiert bereits. Es müsste bloß eine gewisse Menge an weiteren Ladesäulen aufgestellt werden. Außerdem überzeugt ein vollkommen elektrischer Prozess durch einen hohen Wirkungsgrad. Das sieht beim Wasserstoff anders aus: Ein Großteil der Infrastruktur muss noch aufgebaut werden: Das sind zum einen Elektrolyseure, die den Strom aus Rekordzeiten der Windenergie nutzen, um Wasser zu spalten. Der Wasserstoff, der dabei entsteht, kann zunächst in unterirdischen Salzkavernen gelagert werden, um dann beispielsweise über ein Pipelinesystem an die Tankstellen verteilt zu werden.

Die Experten aus Jülich haben beide Szenarien analysiert und kommen zu dem Ergebnis: Die Rentabilität hängt davon ab, wie viele Fahrzeuge mit Batterie- oder Brennstoffzellenantrieb auf den Straßen unterwegs sind. Die Investitionen in den Infrastrukturausbau sind für beide Technologien bei geringen Fahrzeugbeständen bis zu einigen Hunderttausend nahezu gleich. Der Wasserstoff würde in diesem Zeitraum noch von der Industrie aus konventionellen Quellen bereitgestellt werden.

Es dürfte dann eine Übergangsphase folgen, während der die Erzeugung und Speicherung von grünem Wasserstoff mit Hilfe von Überschussstrom ausgebaut wird. Die Kosten für die dafür notwendigen Elektrolyseure treiben den Preis für den Wasserstoff in die Höhe. Gleichzeitig ermöglichen diese es, saisonale Überschüsse der erneuerbaren Energien in Form von Wasserstoff über längere Zeiten zu speichern, was mit der Batterietechnik alleine so nicht möglich ist.

„Elektroautos mit Batterie stellen in dieser Phase den kostenoptimalen Pfad dar, langfristig sind sie aber nicht optimal", erklärt Martin Robinius. „Ab mehreren Millionen Fahrzeugen beginnt sich das Verhältnis umzukehren." Die Studie aus Jülich betrachtet eine Marktdurchdringung von bis zu 20 Millionen Fahrzeugen, was knapp der Hälfte des heutigen Bestands entspricht. Dann sind die Investitionen in eine Ladesäulen-Infrastruktur mit rund 51 Mrd. € höher im Vergleich zur Wasserstoff-Infrastruktur (40 Mrd. €). Die Mobilitätskosten hingegen unterscheiden sich in diesem Stadium kaum. Sie liegen in beiden Fällen zwischen 4,5 und 4,6 Eurocent pro Kilometer.

Die Gesamtkosten seien in beiden Fällen deutlich geringer als Investitionen in anderen Infrastruktur-Bereichen. Die Studienautoren empfehlen daher, beide Pfade auszubauen. „Wir brauchen beide Infrastrukturen, und wir können sie uns auch leisten: Batterien und Wasserstoff schließen sich nicht gegenseitig aus. Und wir müssen so schnell wie möglich damit beginnen, sie beide aufzubauen. Darin liegt sicher auch eine große Chance für die Innovationsfreudigkeit in unserem Land der Ingenieure", erklärt Institutsleiter Prof. Detlef Stolten.

Originalpublikation:
"Comparative Analysis of Infrastructures: Hydrogen Fueling and Electric Charging of Vehicles" http://www.fz-juelich.de/iek/iek-3/DE/Forschung/_Process-and-System-Analysis/New...

Weitere Informationen:
Forschungszentrum Jülich, Institut für Energie- und Klimaforschung, Elekrochemische Verfahrenstechnik (IEK-3) http://www.fz-juelich.de/iek/iek-3/

Ansprechpartner:
Dr.-Ing. Martin Robinius
Forschungszentrum Jülich, Institut für Energie- und Klimaforschung, Elekrochemische Verfahrenstechnik (IEK-3)
Telefon: +49 2461 61-3077
E-Mail: m.robinius@fz-juelich.de

Prof. Dr.- Ing. Detlef Stolten
Forschungszentrum Jülich, Institut für Energie- und Klimaforschung, Elekrochemische Verfahrenstechnik (IEK-3)
Telefon: +49 2461 61- 3076
E-Mail: d.stolten@fz-juelich.de

Pressekontakt:
Tobias Schlößer
Forschungszentrum Jülich, Unternehmenskommunikation
Tel. +49 2461 61-4771
E-Mail: t.schloesser@fz-juelich.de

Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/UK/DE/2018/2018-01-30-h2-... Pressemitteilung des Forschungszentrums Jülich
http://h2-mobility.de/news-und-infos/batterie-und-wasserstoff-h2-forschungszentr... Pressemitteilung der H2 MOBILITY Deutschland GmbH & Co. KG

Quelle: idw

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Nur selten zu hohe Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln

Nina Banspach Pressestelle
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Quote der Höchstgehaltsüberschreitungen 2016 aber leicht gestiegen
Lebensmittel, die in Deutschland und in der EU erzeugt werden, enthalten nur selten zu hohe Rückstände an Pflanzenschutzmitteln. Im Jahr 2016 wurden bei 1,7 % (Deutschland) bzw. bei 1,6 % (andere EU-Staaten) der untersuchten Erzeugnisse Überschreitungen der Rückstandshöchstgehalte festgestellt. Die Quote stieg damit zwar leicht gegenüber dem Vorjahr an, bestätigt aber das seit Jahren niedrige Niveau an Überschreitungen. Dies geht aus der „Nationalen Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln 2016" hervor, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlicht hat.

Die Untersuchungsergebnisse der Bundesländer zeigen: Bei häufig verzehrten Lebensmitteln wie Äpfeln, Karotten, Kartoffeln und beliebten saisonalen Erzeugnissen wie Erdbeeren oder Spargel sind seit Jahren kaum oder gar keine Rückstandshöchstgehaltsüberschreitungen festzustellen. Dagegen tauchen Bohnen und frische Kräuter regelmäßig in der Liste der Kulturen mit den meisten Überschreitungen (mindestens 100 Proben) auf - so auch 2016. Während sich die Quote bei Bohnen (mit Hülsen) jedoch deutlich reduziert hat (2015: 7,6 %, 2016: 2,2 %), ist diese bei frischen Kräutern mit 5,6 % auf hohem Niveau geblieben (2015: 6,0 %). Negative Spitzenreiter bei den Überschreitungen im Jahr 2016 sind wilde Pilze (12,4 %) sowie Johannisbeeren (9,5 %).

Tiefkühl-Johannisbeeren wurden im Rahmen des Projektmonitorings im Jahr 2016 verstärkt kontrolliert, um Unterschiede in der Belastung von frischem Obst gegenüber Tiefkühlware feststellen zu können. Bei den beanstandeten Proben von Johannisbeeren handelte es sich vorwiegend um Tiefkühlware. Ebenfalls vermehrt untersucht wurden 2016 wilde Pilze (auf Pflanzenschutzmittel und Elemente). Auffällig waren hier vor allem erhöhte Gehalte an Quecksilber, das aus der Umwelt stammt.

Die auffälligsten Lebensmittel kamen 2016 aus der Gruppe Mukunuwenna (Alternanthera sessilis) und Wasserspinat (Ipomea aquatica) aus Sri Lanka bzw. Thailand mit einer Überschreitungsquote von 56,5 % (23 Proben; davon 13 Überschreitungen). Insgesamt stellen beide eher Nischenprodukte dar. Bei beiden handelt es sich um amphibische Pflanzen, die vorwiegend in der asiatischen und afrikanischen Küche sowohl als Blattgemüse oder Salat verzehrt als auch für medizinische Zwecke genutzt werden.

Bei 54 von 135 Lebensmittelgruppen (mit mindestens zehn Proben) konnten in keiner der untersuchten Proben Überschreitungen der Rückstandshöchstgehalte festgestellt werden.

Der Rückstandshöchstgehalt ist die Menge an Pflanzenschutzmittelrückständen, die bei ordnungsgemäßer Anwendung nicht überschritten werden sollte. Eine Überschreitung eines Rückstandshöchstgehalts ist nicht gleichbedeutend mit einer Gesundheitsgefahr für die Verbraucher.

Wirkstoffe
Zu den Wirkstoffen mit den häufigsten Überschreitungen gehörten wie im Vorjahr Kupfer (2,6 %), Fosetyl (1,3 %), Quecksilber (1,4 %) und Acetamiprid (0,9 %). Kupfer ist auch als Futtermittelzusatzstoff zugelassen und überschreitet daher häufig in Rinder- und Schafsleber den Rückstandshöchstgehalt, der für die zulässigen Pflanzenschutzmittelanwendungen bei pflanzlichen Erzeugnissen ausgelegt ist.
Bei Glyphosat kam es 2016 zu 11 Überschreitungen bei einer Probenzahl von 4.058 Proben (0,3 %). Hierbei handelte es sich in sechs Fällen um Honig (davon fünf Proben aus Deutschland), in vier Fällen um Buchweizen und in einem Fall um Hirsekörner.

Rückstände in Säuglings- und Kleinkindernahrung
Aufgrund der Befunde an Phosphonsäure in Babynahrung in den Jahren 2014 und 2015 wurde auch 2016 wieder Säuglings- und Kleinkindernahrung auf Fosetyl (Summe aus Fosetyl und Phosphonsäure) untersucht. 2016 wurden in 19 von 440 Proben (4,3 %, 2015: 10,3 %) Rückstände von Phosphonsäure über dem Höchstgehalt von Fosetyl (Summe) von 0,01 mg/kg gefunden. Dabei hat es sich bei 12 von 19 Proben um Erzeugnisse aus ökologischem Anbau gehandelt.
Die Rückstände können als Folge der Anwendung des fungiziden Wirkstoffs Fosetyl, aber auch aus anderen Eintragsquellen wie durch die legale Anwendung von phosphonathaltigen Düngern auftreten, welche auch im ökologischen Landbau zulässig sind.

Lebensmittel aus ökologischem Anbau
Bio-Lebensmittel wurden wie in den Vorjahren besonders intensiv kontrolliert. Etwa jede zehnte Untersuchung entfiel auf dieses Marktsegment, dessen Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt unter 5 % liegt. 71% der kontrollierten Biowaren enthielten keine quantifizierbaren Rückstände. Bei konventionell hergestellter Ware waren dies nur 38,7%. Auch der Anteil der Rückstandshöchstgehaltsüberschreitungen war bei Bio-Lebensmitteln mit 1,0 % geringer als bei konventionell erzeugter Ware (2,6 %).

Unterschiede bei Betrachtung nach Herkunft
Im Rahmen der überwiegend risikoorientiert durchgeführten Kontrolle von Lebensmitteln auf das Vorhandensein von Rückständen von Pflanzenschutzmitteln wurden 2016 bei der Untersuchung von 19.899 Lebensmittelproben in den Laboren der Bundesländer mehr als 5,8 Millionen Analyseergebnisse erzeugt. Dabei wurden die Höchstgehalte für Pflanzenschutzmittelrückstände in deutschen Erzeugnissen bei 1,7 % der untersuchten Proben überschritten (2012: 1,6 %, 2013: 1,1 %, 2014: 1,9 % und 2015: 1,1 %). Bei Erzeugnissen aus anderen EU-Mitgliedstaaten wurden in 1,6 % der Proben Überschreitungen festgestellt (2015: 1,1 %), bei Erzeugnissen aus Drittländern in 6,3 % der Proben (2015: 5,5 %).

Lebensmittel, die in der Vergangenheit auffällig geworden sind, werden durch den risikoorientierten Ansatz der Kontrollen häufiger und mit höheren Probenzahlen untersucht. Der Anteil an Proben, bei denen Pflanzenschutzmittelrückstände festgestellt werden, ist dadurch überproportional groß. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die durchschnittliche Belastung von Lebensmitteln mit Rückständen von Pflanzenschutzmitteln niedriger ist.

Weiterführende Informationen
Zusammenfassung des Berichts „Nationale Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln 2016": www.bvl.bund.de/psmr_2016_zus
Bericht zur „Nationalen Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln 2016": www.bvl.bund.de/psmr_2016
Tabellen zur „Nationalen Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln 2016": www.bvl.bund.de/psmr_tabellen2016
Archiv der Berichte zur „Nationalen Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände" einschließlich der entsprechenden Tabellen: www.bvl.bund.de/nbpsm_archiv

Anhang
PI Pflanzenschutzmittelrückstände
https://idw-online.de/de/attachment64270

Quelle: idw

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Große Resonanz beim ACHEMA-Gründerpreis 2018

Dr. Christine Dillmann Öffentlichkeitsarbeit
DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.

21 potenzielle Unternehmer und Start-up-Gründer haben zum Stichtag ihre Businesspläne für den ACHEMA-Gründerpreis eingereicht. Das Spektrum reicht von analytischen Verfahren für Produktion und Medizin über Rohstoffrückgewinnung aus Klärschlamm oder Solarzellen bis zu digitalen Lösungen für die Prozessindustrie. Der ACHEMA-Gründerpreis 2018 wird am 11. Juni 2018 im Rahmen der Eröffnungssitzung der ACHEMA vergeben.

Gemeinsame Pressemitteilung von DECHEMA, Business Angels FrankfurtRheinMain und High-Tech Gründerfonds (HTGF)
Im von der DECHEMA, dem High-Tech Gründerfonds und den Business Angels FrankfurtRheinMain getragenen Wettbewerb konnten junge Entrepreneure Businesspläne aus allen Bereichen der chemischen Technik, Verfahrenstechnik und Biotechnologie einreichen. Eine hochrangig besetzte Expertenjury wird im Februar aus den Einreichungen die zehn Finalisten auswählen, die sich im Rahmen der ACHEMA am Gründerpreisstand präsentieren können.

Die drei Gesamtsieger werden erst im Rahmen der ACHEMA-Eröffnung bekanntgegeben. Sie erhalten jeweils ein Preisgeld von 10.000 Euro. „Das Bewusstsein, wie wichtig Innovationen für unsere Branchen sind, ist stark - das zeigt auch das Engagement von Partnern wie Merck, Accenture und Evonik für den ACHEMA-Gründerpreis", sagt Dr. Andreas Förster, Leiter der DECHEMA-Forschungsförderung und Organisator des ACHEMA-Gründerpreises. Dr. Michael Brandkamp, Geschäftsführer des High-Tech Gründerfonds ergänzt: „Wir sind mit der Resonanz außerordentlich zufrieden. Der ACHEMA-Gründerpreis trägt dazu bei, Gründer zu motivieren und die Stakeholder besser zu vernetzen. So entsteht eine starke Innovationslandschaft." Dr. Manfred Spindler, Vorstand der Business Angels FrankfurtRheinMain, bewertet den Effekt des Wettbewerbs ebenfalls positiv: „Die Preisträger der Erstauflage sind sehr erfolgreich. Auch diesmal belegt die Bandbreite der eingereichten Businesspläne, wieviel Innovationspotenzial in Chemie und Biotechnologie schlummert. Start-Ups spielen eine wesentliche Rolle, um es zu heben."

Der ACHEMA-Gründerpreis wird 2018 zum zweiten Mal vergeben. Träger des ACHEMA-Gründerpreises sind die DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V., die DECHEMA Ausstellungs-GmbH, die Business Angels FrankfurtRheinMain e.V. und der High-Tech Gründerfonds. Als Premiumpartner engagieren sich Accenture, Merck und Evonik besonders für den ACHEMA-Gründerpreis. Clariant und HoganLovell's fördern den Preis als Partner. Unterstützt wird der ACHEMA-Gründerpreis zudem von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI), dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) und der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) sowie dem Business Angels Netzwerk Deutschland, eXist und dem Wettbewerb GO-Bio.

Alle weiteren Informationen auf http://www.achema.de/gruenderpreis.

Über die DECHEMA
Die DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. führt Fachleute unterschiedlicher Disziplinen, Institutionen und Generationen zusammen, um den wissenschaftlichen Austausch in chemischer Technik, Verfahrenstechnik und Biotechnologie zu fördern. Die DECHEMA sucht nach neuen technologischen Trends, bewertet diese und begleitet die Umsetzung von Forschungsergebnissen in technische Anwendungen. Über 5.800 Ingenieure, Naturwissenschaftler, Studierende, Firmen und Institutionen gehören dem gemeinnützigen Verein an. Gemeinsam mit der DECHEMA Ausstellungs-GmbH ist er Veranstalter der ACHEMA.

Kontakt
DECHEMA
Theodor-Heuss-Allee 25
60486 Frankfurt
Tel.: +49 (69) 7564-277
E-Mail: presse@dechema.de
Internet: http://www.dechema.de

Über die Business Angels FrankfurtRheinMain
Der Business Angels FrankfurtRheinMain e.V., gegründet im Jahr 2000, ist mit rund 150 Mitgliedern das mitgliederstärkste Business Angels-Netzwerk in Deutschland. Mit der Matching-Veranstaltung bietet er ca. zehnmal pro Jahr ein Forum für das Zusammentreffen von innovativen Gründern und Unternehmen mit Business Angels. Business Angels bringen in der Gründungs- und frühen Wachstumsphase eigenes risikotragendes Kapital, unternehmerisches Wissen und wertvolle Kontakte gegen eine Beteiligung am Erfolg in Startups ein.

Kontakt
Business Angels FrankfurtRheinMain e.V.,
Börsenplatz 4
60313 Frankfurt am Main,
Tel.: +49 (69) 2197-1591
E-Mail: info@ba-frm.de
Internet: http://www.ba-frm.de

Über den High-Tech Gründerfonds
Der High-Tech Gründerfonds (HTGF) ist Deutschlands aktivster Frühphaseninvestor. Mit einem Volumen von rund 820 Mio. EUR in drei Fonds finanziert er junge innovative Technologie Startups und unterstützt sie aktiv bei der Umsetzung ihrer Geschäftsidee. Thematisch ist die Aufstellung breit. Die drei Investmentteams fokussieren sich auf hardwarenahe Ingenieurwissenschaften, Life Science, Chemie und Material Science sowie Software, Media und Internet. Die Investoren des Public-Private-Partnership sind das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, die KfW sowie namhafte Wirtschaftsunternehmen.

Kontakt
High-Tech Gründerfonds Management GmbH
Schlegelstr. 2
53113 Bonn
Tel.: +49 (228) 823 001-00
Fax: +49 (228) 823 000-50
E-Mail: info@htgf.de
Internet:http://www.high-tech-gruenderfonds.de

Weitere Informationen:
http://www.achema.de/gruenderpreis

Quelle: idw

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Studie zu Arbeitszeiten von Frauen und Männern: Mütter arbeiten länger und flexibler

Ulrike Bohnsack Ressort Presse - Stabsstelle des Rektorats
Universität Duisburg-Essen

Die Kluft zwischen den tatsächlichen Arbeitszeiten von Männern und Frauen ist in der letzten Dekade kleiner geworden, der Unterschied - der so genannte Gender Time Gap - bleibt mit 8,9 Stunden aber immer noch beträchtlich. Grund für die Diskrepanz ist der hohe Teilzeitanteil von Frauen; fast jede zweite Frau, aber nur knapp jeder zehnte Mann ist nicht voll beschäftigt. Das zeigt die aktuelle Arbeitszeitstudie des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE). Im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung hat das IAQ die unterschiedlichen Entwicklungen nach Geschlecht und Statusgruppen untersucht.

Insbesondere Mütter von kleinen, noch nicht schulpflichtigen, Kindern arbeiten heute länger als früher, stellen die IAQ-Forscher Dr. Angelika Kümmerling, Dominik Postels und Christine Slomka fest. Das werten sie als Hinweis darauf, dass das breitere Angebot an Kinderbetreuung, der Rechtsanspruch für einen Betreuungsplatz für ein- und zweijährige Kinder und das Elterngeld Wirkung zeigen. Allerdings existieren für Männer und Frauen weiterhin unterschiedliche Standards. Den Grund hierfür sieht die Forschungsgruppe im steuerlichen Ehegattensplitting, das verheiratete Frauen dazu bringt, im Job kürzer zu treten.

Je mehr Kinder Frauen haben, desto geringer sind ihre Arbeitszeiten. Bei Männern wirkt sich die Elternschaft deutlich geringer aus. Bei Teilzeit werden die Unterschiede weniger: Die Wochenstunden für beide Geschlechter haben sich 2014 im Vergleich zu 2005 deutlich erhöht und liegen jetzt bei 20,2 Stunden für Männer und 20,5 Stunden für Frauen.

Dabei bleibt Teilzeitarbeit weiter eine frauen- und branchenspezifische Besonderheit: Während sie in der Metall- und Elektro- sowie der Chemischen Industrie quasi keine Rolle spielt, arbeitet im Einzelhandel und im Gastgewerbe schon nahezu jeder zweite abhängig Beschäftigte nicht voll. Für Frauen ist Teilzeit eng mit Familie und Betreuungsverpflichtungen verbunden. Männer arbeiten vor allem am Anfang und Ende ihres Erwerbslebens kürzer.

Das IAQ-Team fand auch heraus: Vollzeitbeschäftigte Frauen und Männer würden im Job gerne deutlich kürzer treten (Männer -0,9 Stunden, Frauen -4,0 Stunden). Teilzeitbeschäftigte wünschen sich dagegen eine Stundenaufstockung. Kurze Teilzeit ist bei Männern und Frauen gleichermaßen unerwünscht, Frauen präferieren kurze Vollzeitmodelle. Überstunden sind Männersache, Mütter nutzen häufiger als kinderlose Männer und Frauen flexible Arbeitszeiten. Diesen Befund wertet die Forschungsgruppe als Signal an die Arbeitgeber, ihren Beschäftigten mehr Selbstbestimmung und Mitsprache bei den Arbeitszeiten einzuräumen, damit insbesondere Mütter und Väter den Spagat zwischen Beruf und Familie schaffen.

Weitere Informationen:
https://www.boeckler.de/6299.htm?produkt=HBS-006774&chunk=1

Dr. Angelika Kümmerling, angelika.kuemmerling@uni-due.de, Dominik Postels, Tel.: 0203 379 1826, dominik.postels@uni-due.de; Christine Üyük (vormals Slomka), christine.slomka@uni-due.de

Redaktion:
Claudia Braczko, Tel. 0157/71283308, claudia.braczko@uni-due.de

Quelle: idw

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Globale Wassermodelle schätzen Wasserspeicheränderungen oft falsch ein

Dr. Anne Hardy Public Relations und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Die von globalen Wassermodellen simulierten Änderungen des Wasserspeichers von Flusseinzugsgebieten weichen deutlich von unabhängigen Abschätzungen der GRACE-Satelliten ab. Das hat eine Forschergruppe unter Leitung der Universität Texas (Austin, USA) herausgefunden, an der auch Wissenschaftler der Goethe-Universität beteiligt waren. Die GRACE-Satelliten messen Änderungen im Schwerefeld der Erde, die maßgeblich von schwankenden Mengen in Wasserspeichern beeinflusst werden.

FRANKFURT. Die in den „Proceedings of the National Academy of Science" (PNAS) veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass die globalen Modelle, mit denen in den vergangenen Jahren die Wasserressourcen der Erde abgeschätzt wurden, überdacht werden müssen. Grundlage der aktuellen Studie sind Beobachtungen der Gesamtwasserspeicher von 186 Flusseinzugsgebieten weltweit im Zeitraum von 2002 bis 2014. Die Daten der GRACE-Satelliten wurden mit den Ergebnissen von sieben globalen Modellen verglichen.

Behörden und Universitäten verwenden globale Wassermodelle, um Wasserflüsse (z.B. Durchfluss und Verdunstung) und Wasserspeicheränderungen (z.B. Bodenwasser und Grundwasser) in ihrer historischen Entwicklung zu verstehen oder künftige Entwicklungen auf der Basis bestimmter Szenarien zu simulieren.

„Mehr und mehr wird globalen Modellen vertraut, um den Einfluss der anthropogenen Wassernutzung und des Klimas auf die Wasserressourcen zu beurteilen", sagt Erstautorin Bridget Scanlon, senior research scientist am Bureau of Economic Geology der Universität Texas (USA). „Wenn wir aber die von den Modellen berechneten Wasserspeicheränderungen mit GRACE-Daten vergleichen, zeigt sich, dass die Modelle große Wasserspeicheränderungen unterschätzen, und zwar in beide Richtungen."

Den von allen Einzugsgebieten stärksten Wasseranstieg im Untersuchungszeitraum gab es nach GRACE-Daten im Amazonas-Gebiet. Dort stieg der Gesamtwasserspeicher um 41 bis 43 Kubikkilometer pro Jahr. Im Gegensatz dazu simulierten die meisten Modelle eine große Absenkung des Gesamtwasserspeichers, und zwar um bis zu 70 Kubikkilometer im Jahr. Das Modell, das am besten mit den GRACE-Daten übereinstimmte, berechnete zwar einen Anstieg, aber nur um 11 Kubikkilometer im Jahr.

Im Ganges-Einzugsgebiet ermittelte GRACE eine Absenkung des Gesamtwasserspeichers um 12 bis 17 Kubikkilometer pro Jahr innerhalb des 12-Jahreszeitraumes - die größte Absenkung in der Studie. Die Vorhersagen der Modelle variieren hingegen zwischen einer Absenkung und einer Erhöhung um je sieben Kubikkilometer pro Jahr.

Im globalen Mittel berechnen die Modelle ein Absinken des Gesamtwasserspeichers im Untersuchungszeitraum, während GRACE-Daten ein Ansteigen nahelegen. Darüber hinaus wurde gezeigt, dass z.B. durch zunehmende Niederschläge der Gesamtwasserspeicher ansteigt, während die anthropogene Wassernutzung ein Absinken verursacht. In der Studie wurden 63 Prozent der Landflächen untersucht. Grönland und die Antarktis waren ausgenommen, da hier das meiste Wasser in Form von Gletschern oder Eisschilden vorliegt.

„Unsere Arbeit zeigt, dass es Gebiete gibt, in denen die globalen Modelle optimiert werden müssen. Dank des global-skaligen Ansatzes der Studie können wir besser verstehen, weshalb die Modelle in einigen Gebieten besser zu unseren Beobachtungen passen. Insbesondere sehen wir, wo die Modelle mit den Beobachtungswerten nicht übereinstimmen", meint Koautor Hannes Müller Schmied, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Physische Geographie der Goethe-Universität sowie am Senckenberg Biodiversität und Klima-Forschungszentrum.

"Basierend auf der umfassenden Analyse von Wasserspeicheränderungen können wir wichtige zusätzliche Informationen erhalten und uns nun auf die Modellierung der schwierigen Gebiete konzentrieren. So fehlen in den meisten Modellen die Dynamik von Überschwemmungsflächen in den großen Feuchtgebieten und Rückstauwasser-Effekte im Amazonas. Andere Prozesse wie anthropogene Wasserentnahmen im Ganges-Einzugsgebiet müssen ebenso verbessert - und bei manchen Modellen überhaupt erst berücksichtigt werden", so Hannes Müller Schmied weiter.

Die Arbeit zeigt auch die große Bedeutung der regionalen Forschung. „Mit GRACE erhält man das großräumige Bild des Gesamtwasserspeichers", sagt Bridget Scanlon. „Allerdings ist es in vielen Fällen eine regionale und lokale Fragestellung, wie man die Wasserressourcen quantifizieren und deren Verfügbarkeit für Mensch und Landwirtschaft sicherstellen kann. Wir sollten den Fokus auf diese kleinräumigen Skalen verstärken, da es oft einfacher ist, lokal verfügbare Daten zu integrieren. Auch die spezifische Situation lässt sich besser lokal beurteilen als wenn man ausschließlich globale Studien verwendet."

Der Forschergruppe gehören Wissenschaftler des Bureau of Economic Geology der Jackson School of Geosciences an der University of Texas, Austin (USA), der Goethe-Universität, des Senckenberg Biodiversität und Klima-Forschungszentrum, der Utrecht University (Niederlande), des NASA's Jet Propulsion Laboratory (USA), der Tsinghua University (China) und der Université de Rennes (Frankreich) an.

Publikation: Bridget R. Scanlon, Zizhan Zhangb, Himanshu Save, Alexander Y. Sun, Hannes Müller Schmied, Ludovicus P. H. van Beek, David N. Wiese, Yoshihide Wada, Di Long, Robert C. Reedy, Laurent Longuevergne, Petra Döll und Marc F. P. Bierkens: Global models underestimate large decadal declining and rising water storage trends relative to GRACE satellite data http://www.pnas.org/content/early/2018/01/16/1704665115

Ein Bild zum Download finden Sie unter: www.uni-frankfurt.de/70121344
Bildtext: Vergleich von Wasserspeicheränderungen von GRACE-Satelliten (grau) und Modellen (schwarz) im Untersuchungszeitraum 2002-2014. Die Diagramme zeigen Beispiele von Flusseinzugsgebieten mit Diskrepanzen zwischen Satellit und Modellen. Negative Zahlen bedeuten einen Wasserverlust, positive einen Wassergewinn. Die Karte zeigen Änderungen des Gesamtwasserspeichers auf Basis von GRACE-Daten
Bildrechte: Austin Jackson School of Geosciences der University of Texas.

Informationen: Hannes Müller Schmied, Institut für Physische Geographie, Fachbereich 11 sowie Senckenberg Biodiversität und Klima-Forschungszentrum, Tel.: (069) 798-40216, Hannes.Mueller.Schmied@em.uni-frankfurt.de

Aktuelle Nachrichten aus Wissenschaft, Lehre und Gesellschaft in GOETHE-UNI online (www.aktuelles.uni-frankfurt.de)

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist sie Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main. Internet: www.uni-frankfurt.de

Herausgeberin: Die Präsidentin der Goethe-Universität Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Tel: (069) 798-12498, Fax: (069) 798-763 12531, hardy@pvw.uni-frankfurt.de

Quelle: idw

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Häufige Familienmahlzeiten fördern eine gute Ernährung von Kindern

Nicole Siller Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Erfolgreiche Adipositasprävention fängt am Esstisch der Familie an. Das legt eine Metaanalyse von 57 Studien mit weltweit über 200.000 Probanden des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Universität Mannheim nahe.

Gemeinsame Mahlzeiten mit der Familie bieten enormes Lernpotenzial, denn Ernährungsgewohnheiten werden früh geformt und ausgebildet. Kinder können wiederholt mit gesundem Essen in Kontakt kommen und allgemein etwas über Ernährung und die Zubereitung von Speisen lernen. Eine jüngst veröffentlichte Metaanalyse von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin und der Universität Mannheim zeigt, dass häufige Familienmahlzeiten mit einem geringeren Body Mass Index (BMI) und gesünderer Ernährung bei Kindern zusammenhängen. Dabei spielte keine Rolle, in welchem Land die Studie durchgeführt wurde oder wie alt die Kinder waren. Auch machte es keinen Unterschied, ob Frühstück, Mittag- oder Abendessen gemeinsam gegessen wurde und ob nur ein Elternteil oder die ganze Familie mit am Tisch saß.

„Die Kindheit bietet ein einzigartiges Zeitfenster, um schädlichen Gesundheits- und Essgewohnheiten entgegenzuwirken. Eltern werden auch als sogenannte ‚Gatekeeper', also Türsteher der Ernährung, bezeichnet. Sie haben einen maßgeblichen Einfluss darauf, was, wie und wie viel Kinder essen. Familienmahlzeiten bieten eine vielfältige Lernumgebung, um eine gesunde Ernährungsweise bei Kindern zu fördern", sagt Erstautorin Mattea Dallacker vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. Familienmahlzeiten führen aber unter bestimmten Umständen nicht zwangsläufig zu einer gesünderen Ernährung. Die Ursachen und Mechanismen, die hinter der Beziehung zwischen häufigen Familienmahlzeiten und besseren Ernährungsweisen stehen, müssen noch verstanden werden. „Die derzeitige Forschung deutet darauf hin, dass bei gemeinsamen Mahlzeiten nicht nur die Qualität des Essens, sondern auch psychologische und Verhaltensaspekte wichtig sind. Zum Beispiel könnten Mahlzeitroutinen wie etwa eine gute Mahlzeitatmosphäre oder ein positives elterliches Rollenvorbild die Ernährungsweise von Kindern verbessern", sagt Co-Autorin Jutta Mata von der Universität Mannheim.

Im Rahmen ihrer Metaanalyse werteten die Wissenschaftler 57 Studien mit weltweit über 200.000 Probanden aus. In die Analyse gingen Studien ein, die sich mit dem Zusammenhang von Familienmahlzeiten und dem Ernährungszustand von Kindern beschäftigen - gemessen am Body Mass Index (BMI), den Portionen an Obst und Gemüse pro Tag (als Indikator für gesunde Ernährung) sowie dem Konsum von gesüßten Getränken, Fast Food oder salzigen Snacks (als Indikator für ungesunde Ernährung). Auch der Einfluss von Faktoren wie Alter, sozioökonomischer Status sowie Art der Familienmahlzeit und Anzahl der bei einer Mahlzeit anwesenden Familienmitglieder wurde untersucht.

„Vor dem Hintergrund, dass zunehmend beide Elternteile berufstätig sind, werden regelmäßige Familienmahlzeiten für viele Familien zur täglichen Herausforderung. Im Hinblick auf eine moderne Gesellschaft sind daher auch erste wissenschaftliche Befunde wichtig, die zeigen, dass familienähnliche Mahlzeiten, zum Beispiel in der Schule, sich ebenfalls positiv auf die Ernährung von Kindern auswirken. So zeigt eine Studie, dass auch Lehrer ein positives Rollenmodell während gemeinsamer Mahlzeiten mit Schülern darstellen können", sagt Ralph Hertwig, Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und Co-Autor der Studie.

Originalstudie
Dallacker, M., Hertwig, R., & Mata, J. (2018). The frequency of family meals and nutritional health in children: A meta-analysis. Obesity Reviews. Advance online publication. doi:10.1111/obr.12659

Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung wurde 1963 in Berlin gegründet und ist als interdisziplinäre Forschungseinrichtung dem Studium der menschlichen Entwicklung und Bildung gewidmet. Das Institut gehört zur Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V., einer der führenden Organisationen für Grundlagenforschung in Europa.

Weitere Informationen:
https://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2018/01/haeufige-familienmahlzeiten-foe...

Quelle: idw

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Neuerscheinung: Klimaschutz kommunal umsetzen

Richard Harnisch Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Institut für ökologische Wirtschaftsforschung GmbH, gemeinnützig

Welchen Beitrag zum Klimaschutz können Städte und Gemeinden leisten? Welche kommunalen Institutionen, Akteure und Verfahren spielen eine Rolle? Welche Handlungsfelder und Ansätze tun sich auf? Mit diesen Fragen befasst sich der Sammelband „Klimaschutz kommunal umsetzen" des Ecological Research Network (Ecornet). 14 Beiträge beschreiben und analysieren darin, wie auf kommunaler Ebene die Umsetzung des Pariser UN-Klimaabkommens weiter vorangebracht werden kann.

Der Sammelband bietet einen Überblick zu Herausforderungen und Chancen des kommunalen Klimaschutzes und fächert dafür eine Vielzahl unterschiedlicher Institutionen, Verfahren, Akteure und Handlungsfelder auf. Er bietet Einblicke in folgende Ansätze:
• urbane Energiewende
• Bürgerwettbewerbe zum Klimaschutz
• Dienstleistungen für Energieeffizienz
• Transition-Management
• Suffizienz im kommunalen Klimaschutz
• klimafreundliche Alltagspraktiken

Projektbeispiele aus der kommunalen Praxis
Die Autorinnen und Autoren des Sammelbandes sind an einem Ecornet-Institut beschäftigt. Ecornet (http://www.ecornet.eu) ist ein Netzwerk von acht unabhängigen, gemeinnützigen Instituten der Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland. Die Institute des Ecornets binden kommunale Praxispartner systematisch in ihre Forschungsprojekte ein. In den Beiträgen des Sammelbandes werden Erfahrungen aus einer Vielzahl solcher Projektbeispiele aufgegriffen.

Kommunen übernehmen Vorreiterrolle im Klimaschutz
2015 war nach der 21. UN-Klimakonferenz in Paris von einem „historischen Durchbruch" die Rede und zur Überraschung vieler trat das Pariser Klimaabkommen bereits im November 2016 in Kraft. Nun müssen die im Abkommen formulierten Ziele besonderer Ansporn und Motivation sein, den eingeschlagenen Weg zu mehr Klimaschutz und einem vorsorgenden Umgang mit den Folgen des Klimawandels fortzuführen. Die Aktivitäten einzelner Vorreiterinnen und Vorreiter auf kommunaler und regionaler Ebene können uns hier Orientierung bieten, wie die Vielfalt an guten Praxisbeispielen in diesem Sammelband zeigt.

Download Leseprobe
Vorwort und Einleitung stehen als Leseproben zur Verfügung:
https://www.oekom.de/fileadmin/buecher/PDF_Vorwort/9783962380052_Deckblatt_Vorwo...
https://www.oekom.de/fileadmin/buecher/PDF_Vorwort/9783962380052_Deckblatt_Einle...

Sammelband bestellen
Der Sammelband ist über den oekom Verlag zu beziehen:
https://www.oekom.de/nc/buecher/vorschau/buch/klimaschutz-kommunal-umsetzen.html

Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Camilla Bausch, Ecologic Institut (https://www.ecologic.eu/de)
Thomas Korbun, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (http://www.ioew.de)

Einleitung
Doris Knoblauch, Ecologic Institut (https://www.ecologic.eu/de)
Johannes Rupp, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (http://www.ioew.de)

Kommunaler Klimaschutz nach dem Pariser Klimagipfel,
Lena Donat

Urbane Energiewende - Wege zur Klimaneutralität in Großstädten
Bernd Hirschl, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (http://www.ioew.de)

Dekarbonisierung regional steuern! - Erfassung des Standes und der Entwicklungsdynamik der Energiewende in der Metropolregion Ruhr
Ralf Schüle, Jan Kaselofsky, Michaela Roelfes, Johannes Venjakob unter Mitarbeit von Miriam Fekkak und Jonas Fischer, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (http://www.wupperinst.org)

Mit Wettbewerben Bürgerinnen und Bürger zum Klimaschutz motivieren
Frieder Rubik, Ria Müller, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (http://www.ioew.de)
Michael Kress, Universität Freiburg

Dienstleistungen für Energieeffizienz als Beitrag zum kommunalen Klimaschutz
Britta Oertel, Lydia Illge, IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (http://www.izt.de)

Partizipation im klimagerechten Stadtumbau: Multi-Level-Konstellationsanalysen des Beteiligungsprozesses der »Innovation City«
Benjamin Best, Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie (http://www.wupperinst.org)

Schritt für Schritt zum Ziel - Transition Management und Klimaschutz in Rostock
Susanne Langsdorf, Doris Knoblauch, Philipp Voß, Ecologic Institut (https://www.ecologic.eu/de)

Suffizienz im kommunalen Klimaschutz
Leon Leuser, Lars-Arvid Brischke, ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (http://www.ifeu.de)

Die Wärmewende in Städten umsetzen - Herausforderungen und Lösungsansätze
Julika Weiß, Elisa Dunkelberg, Bernd Hirschl, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (http://www.ioew.de)

Klimafreundliche Alltagspraktiken unterstützen - Chancen und Herausforderungen für die kommunale Klimaschutzpolitik
Immanuel Stieß, ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung (http://www.isoe.de)

Change Agents in Kommunalverwaltungen
Helmut Bauer, Miriam Dingeldey, Hans Hertle, ifeu - Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (http://www.ifeu.de)

Klimaschutz lernen und erfahren - Wie Jugendliche befähigt werden, sich für Klimaschutz zu engagieren
Almuth Tharan, Unabhängiges Institut für Umweltfragen (http://www.ufu.de)

Boden - die natürliche Klimaanlage der Stadt
Fabian Stolpe, Patrick Konopatzki, Unabhängiges Institut für Umweltfragen (http://www.ufu.de)

Ausblick: Wie Klimahandeln in Städten und Gemeinden zukünftig verstärkt gelingen kann
Johannes Rupp, Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (http://www.ioew.de)
Doris Knoblauch, Ecologic Institut (https://www.ecologic.eu/de)

Inhaltsverzeichnis als Download (https://www.oekom.de/fileadmin/buecher/PDF_Inhaltsverzeichnis/9783962380052_Deck...)

Knoblauch, Doris und Johannes Rupp (Hrsg., 2018): Klimaschutz kommunal umsetzen. Wie Klimahandeln in Städten und Gemeinden gelingen kann. München: oekom Verlag, ISBN-13: 978-3-96238-005-2, 268 Seiten

Ansprechpartner:
Doris Knoblauch (doris.knoblauch@ecologic.eu), Ecologic Institut
Johannes Rupp, (Johannes.Rupp@ioew.de), Institut für ökologische Wirtschaftsforschung

Weitere Informationen:
https://www.oekom.de/nc/buecher/vorschau/buch/klimaschutz-kommunal-umsetzen.html

Quelle: idw

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Keime & Co. - Küchenhygiene mit Köpfchen

Dr. Suzan Fiack Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Das BfR informiert auf der Internationalen Grünen Woche über Lebensmittelhygiene in der Küche

Ob im Kühlschrank oder auf dem Spüllappen, auf Eiern, Fleisch oder auf dem Salat - Lebensmittel können mit Bakterien, Viren oder Parasiten verunreinigt sein. Verbraucherinnen und Verbraucher unterschätzen häufig gesundheitliche Risiken, die durch Fehler beim Lagern und Zubereiten zu Hause entstehen können. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) klärt über diese Risiken auf und informiert über Maßnahmen, um sich vor lebensmittelbedingten Erkrankungen zu schützen. „Viele Menschen haben Angst vor Chemie in der Nahrung, aber tatsächlich krank wird man von Bakterien, Pilzen oder Viren im Essen," sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Nur jeder Fünfte sorgt sich um die Lebensmittelhygiene zu Hause, dabei ist der richtige Umgang mit Lebensmitteln in der eigenen Küche das beste Mittel, um Infektionen vorzubeugen. Wir alle müssen unser Bewusstsein für gesundheitliche Risiken bei der Zubereitung von Essen schärfen." Auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin macht das Institut das Thema Küchenhygiene vom 19. bis 28. Januar hautnah erlebbar.

Das BfR präsentiert sich auf der Internationalen Grünen Woche mit Live-Kochshows, in denen ein TV-Koch über den richtigen Umgang mit Lebensmitteln in der heimischen Küche informiert. Am BfR-Stand 148 auf dem Erlebnisbauernhof (Halle 3.2) ermöglicht ein überdimensionaler Küchenschwamm Einblicke in den Kosmos der Keime. Wissenschaftliche Fakten zu Eigenschaften und Wirkungsweisen von Küchenkeimen werden hier anschaulich erklärt. In der Kinder-Keim-Rallye werden Kinder zu Keimagentinnen und -agenten und finden heraus, wo überall Mikroben lauern. Darüber hinaus können Besucherinnen und Besucher ihr Wissen auch am Keim-Karussell und am Fehlerkühlschrank testen, indem sie diesen richtig einsortieren. Und wer immer schon mal wissen wollte, was der Unterschied zwischen Bakterien, Viren und Parasiten ist, kann sich das anhand zahlreicher lebensgroß nachgebauter XXL-Keime erklären lassen.

In Deutschland werden jedes Jahr mehr als 100.000 Erkrankungen gemeldet, die wahrscheinlich auf lebensmittelbedingte Infektionen mit Mikroorganismen wie Bakterien, Viren oder Parasiten zurückzuführen sind. Dazu gehören vor allem Infektionen mit Campylobacter-Bakterien, Salmonellen und Noroviren. Die Dunkelziffer liegt jedoch weitaus höher. In den meisten Fällen sind die Erkrankungen mit Symptomen wie Magenkrämpfen, Durchfall oder Erbrechen verbunden und nach ein paar Tagen überstanden. Bei Menschen, deren Immunsystem geschwächt oder nicht vollständig ausgebildet ist, kann eine Lebensmittelinfektion aber sehr schwer verlaufen. Daher ist es wichtig, beim Lagern und Zubereiten von Lebensmitteln Hygieneregeln einzuhalten. Ziel ist es, in der eigenen Küche das Verunreinigen von Lebensmitteln mit Krankheitserregern zu vermeiden und das Vermehren von Krankheitserregern in Lebensmitteln zu begrenzen oder deren Überleben zu verhindern.

Unter dem Motto „Fernsehkochshows - Fehler im Minutentakt: Küche, Keime, Köche" findet am 24. Januar 2018 von 13:00 bis 14:30 Uhr das BfR-Forum Küchenhygiene im CityCube Berlin statt. Expertinnen und Experten diskutieren über gesundheitliche Risiken bei der Zubereitung von Lebensmitteln und erklären, mit welchen Hygienemaßnahmen man sich schützen kann. Präsentiert wird außerdem das aktuelle Forschungsprojekt „Küchenhygiene im Scheinwerferlicht: Beeinflussen TV-Köche unser Hygieneverhalten?".

Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

In diesem Jahr feiert das BfR sein 15-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hat das BfR eine Jubiläumsbroschüre herausgegeben, die unter http://www.bfr.bund.de/de/publikation/broschueren-660.html kostenlos heruntergeladen oder bestellt werden kann.

Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de/de/fernsehkochshows___fehler_im_minutentakt__kueche__keim... BfR-Forum Küchenhygiene: „Fernsehkochshows - Fehler im Minutentakt: Küche, Keime, Köche"
http://www.bfr.bund.de/cm/350/verbrauchertipps_schutz_vor_lebensmittelinfektione... Merkblatt
http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zum_schutz_vor_lebensmittelinfekt... FAQ

Quelle: idw

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Energiewende: Neuer Regler verteilt Strom einfach und effizienter im Netz

Melanie Löw Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Kaiserslautern

Bis 2050 soll die Stromversorgung in Deutschland zu 80 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen - das sieht der Plan der Bundesregierung vor. Ein großer Teil davon wird in Niederspannungsnetze eingespeist, um Haushalte mit Energie zu versorgen. Allerdings könnte es in naher Zukunft durch die Zunahme von Elektroautos zu einer Überlastung dieser Netze kommen. Zusammen mit Industriepartnern hat Ingenieur Stefan Lang an der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) einen Netzregler entwickelt, der den Stromfluss misst und gegensteuert, wenn sich der Bedarf in verschiedenen Leitungen ändert. Die Technik ist kostengünstig und kann einfach in vorhandene Niederspannungsnetze eingebaut werden.

Wenn am späten Nachmittag oder in den Abendstunden in den deutschen Haushalten Fernseher laufen, Jugendliche mit ihren Computerkonsolen spielen, Lichter leuchten, der Wäschetrockner läuft oder auf dem Herd das Essen kocht, ist der Energiebedarf besonders hoch. Der Strom aus unseren Steckdosen kommt dabei aus Niederspannungsnetzen. „Sie machen rund 65 Prozent des insgesamt 1,8 Millionen Kilometer langen Stromnetzes in Deutschland aus", sagt Stefan Lang, der sich im Rahmen seiner Promotion am Lehrstuhl für Energiesysteme und Energiemanagement bei Professor Dr. Wolfram H. Wellßow mit diesem Thema beschäftigt hat. Für diese Netze gilt: Die Spannung darf einen bestimmten Wert nicht überschreiten, da ansonsten Geräte wie Computer oder Kaffeemaschinen Schaden nehmen können. „Hinzu kommt die thermische Belastung, zu der es kommen kann, wenn zu viel Strom fließt", fährt er fort. In der Folge könnten Stromleitungen überlastet werden, schlimmsten Falls Schaden nehmen und somit der Stromfluss zum Erliegen kommen.

Ein Großteil des Stroms in Niederspannungsnetzen stammt bereits von Photovoltaikanlagen, die ihren Strom jedoch nur tagsüber einspeisen können, wenn er produziert wird. Durch Elektroautos könnte der Bedarf jedoch in den kommenden Jahren deutlich steigen, vor allem in der zweiten Tageshälfte, wenn Autobesitzer ihre Wagen zu Hause am Netz aufladen. „Für die Stromnetze stellt dies eine zusätzliche Belastung dar", sagt Lang. „Bislang gab es für diese Szenarien noch keine Lösungen."

An einer solchen hat der Ingenieur im Rahmen seiner Promotion gearbeitet. Im Fokus standen dabei sogenannte vermaschte Netze, bei denen der Strom ringförmig fließt und Netzwerkknoten miteinander verbunden sind. Sie versorgen unter anderem Wohngebiete mit Strom. Gemeinsam mit Partnern aus der Industrie hat Lang einen Netzregler entwickelt, der die Stromverteilung automatisch im Blick hat.

„An verschiedenen Punkten misst der Regler den Strom in den verschiedenen Leitungen", erklärt der Ingenieur die Technik. „Er ermittelt, wie viel Strom in welchen Leitungen fließt, regelt den Stromfluss und steuert gegen, wenn zum Beispiel in einer Leitung mehr Strom fließt, als diese führen darf." Das Besondere dabei: Es kommt konventionelle Transformatortechnik zum Einsatz, die sich leicht in vorhandene Verteilerschränke einbauen lässt.

Gemeinsam mit dem Energietechnikunternehmen Walcher hat Lang einen Prototypen gebaut und ihn auf dem Kaiserslauterer Campus getestet. Auch einen ersten Einsatz in einem Stromnetz in der Nähe von Landau hat die Technik erfolgreich absolviert.

Für diese Arbeit mit dem Titel „Konzeption einer Spannungs- und Wirkleistungsreglung für vermaschte Niederspannungsnetze" ist der Ingenieur kürzlich mit dem 2. Preis der Stiftung Energie & Klimaschutz ausgezeichnet worden. Die Preisverleihung fand im Rahmen des Abschluss-Symposiums des „EnergieCampus" am Karlsruher Institut für Technologie im November statt.

Am Projekt „Flexibler Ortsnetz Spannungs- und Wirkleistungs-Regler (FLOW-R)" waren neben der TUK und Walcher der Energieversorger Pfalzwerke AG und das Technikunternehmen Power Plus Communications AG beteiligt. Gefördert wurden die Arbeiten vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Fragen beantwortet:
Dipl.-Ing. Stefan Lang
Pfalzwerke AG
Tel.: 0621 585-2344
E-Mail: stefan.lang@pfalzwerke.de

Quelle: idw

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Beitragsfreie Kita-Betreuung führt nicht dazu, dass Frauen mehr arbeiten

Mark Fallak Presse und Kommunikation
IZA - Institut zur Zukunft der Arbeit

Mütter weiten ihr Arbeitsangebot nicht aus, wenn ihnen eine kostenlose Kindertagesbetreuung zur Verfügung steht. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlicht hat. Zwar steigert die Beitragsfreiheit die Kita-Besuchsquote von Kleinkindern, doch das familienpolitische Ziel einer Stärkung der Frauenerwerbstätigkeit wird verfehlt. Die Autorinnen halten es für sinnvoller, die Kita-Gebühren nach Haushaltseinkommen zu staffeln und die eingesparten Mittel in die Betreuungsqualität zu investieren.

Die Studie von Anna Busse und Christina Gathmann, Ökonominnen an der Universität Heidelberg, untersucht anhand von Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) aus den Jahren 2010 bis 2015, wie sich die Abschaffung der Gebühren für Kindergärten und Kindertagesstätten in verschiedenen Bundesländern auf die Betreuungssituation, Erwerbstätigkeit und kindliche Entwicklung ausgewirkt haben. Das letzte Kindergartenjahr ist inzwischen in neun der elf alten Bundesländer beitragsfrei. Drei dieser Länder haben die Beitragsfreiheit bereits auf jüngere Kinder ausgeweitet.

Die Einführung des kostenlosen letzten Kindergartenjahres hatte auf die Besuchsquote, die in dieser Altersgruppe bereits vor der Beitragsfreiheit bei 97 Prozent lag, praktisch keinen Einfluss. Bei den Zwei- bis Dreijährigen erhöhte die Reform hingegen die Besuchsquote um 8 Prozentpunkte. Besonders stark fiel der Anstieg bei Kindern aus einkommensschwachen Familien aus. „Diese Entwicklung ist positiv zu bewerten, da Kinder aus ärmeren Bevölkerungsschichten in einem qualitativ hochwertigen Betreuungsangebot besser ihre Fähigkeiten und Kompetenzen entwickeln können", erklärt Wirtschaftsprofessorin Christina Gathmann. Insbesondere Mädchen profitieren der Studie zufolge von der außerhäuslichen Betreuung.

Insgesamt habe die Einführung der Beitragsfreiheit aber hauptsächlich zu „Mitnahmeeffekten" geführt, die zwar das Familienbudget erhöhen, jedoch die gewählte Kinderbetreuung nur unwesentlich beeinflussen. Außerdem fanden die Forscherinnen kaum positive Wirkungen auf die Erwerbsbeteiligung oder die wöchentliche Arbeitsstundenzahl von Müttern. Eher scheinen die Familien das zusätzliche Einkommen zu nutzen, um das Arbeitsangebot der Mütter zu verringern.

Das Ziel, durch die Bereitstellung beitragsfreier Betreuungsplätze die Erwerbstätigkeit und damit die ökonomische Eigenständigkeit von Frauen, vor allem von Alleinerziehenden, zu erhöhen, werde jedenfalls durch diese Politik nicht erreicht, so das Fazit der Untersuchung. Die Förderung des Kita-Besuchs von Kindern aus ärmeren Familien sei kostengünstiger durch die vielerorts bereits übliche Staffelung der Gebühren nach Haushaltseinkommen zu erreichen. Die so eingesparten Mittel könnten dann in die Qualität der Kinderbetreuung investiert werden, von der alle Vorschulkinder profitieren würden.

Download der englischsprachigen Studie:
Anna Busse, Christina Gathmann: Free Daycare and its Effects on Children and their Families
IZA Discussion Paper No. 11269
http://ftp.iza.org/dp11269.pdf

Quelle: idw

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Neuer Multi-Parameter Biosensor zur Überwachung der Biogasproduktion

Team Pressestelle Presse-, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing
FH Aachen

Ausgezeichnete Wissenschaft - das darf an der FH Aachen durchaus wörtlich genommen werden. So erhielt Johanna Pilas, seit drei Jahren Doktorandin in der Arbeitsgruppe Chemo- und Biosensorik am Institut für Nano- und Biotechnologien (INB) der FH Aachen, nun den „Best Poster Award" beim „International Symposium on Sensor Science", der I3S-Tagung.

Bei der Konferenz in Barcelona wählten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Johanna Pilas Beitrag „Portable multi-analyte sensor for on-site monitoring of fermentation processes" zum Sieger des Poster-Wettbewerbs. Dabei hob sich Pilas sowohl durch ihren wissenschaftlichen Beitrag als auch durch die Möglichkeit, das Bauteil mittels Magneten auf dem Poster zusammenzusetzen, von ihren 101 Konkurrentinnen und Konkurrenten ab. Neben Johanna Pilas wirkten Prof. Dr. Michael J. Schöning und Prof. Dr. Thorsten Selmer von der FH Aachen sowie Prof. Dr. Michael Keusgen von der Philipps-Universität Marburg als Co-Autoren mit. Mit dem Gewinn des „Best Poster Awards" sind eine Urkunde sowie ein Preisgeld verbunden.

Im Rahmen des Projektes „Entwicklung eines mobilen Monitors zur Beurteilung von Biogas-Prozessen" beschäftigte sich der Beitrag zum „Best Poster Award" mit der Entwicklung eines Multi-Parameter Biosensors für die amperometrische Erfassung verschiedener Schlüsselparameter bei der Biogasproduktion. „Der Biosensor ist mit fünf Elektroden versehen, die mit verschiedenen Enzymen modifiziert wurden. Dadurch können vier Parameter gleichzeitig gemessen werden", erklärt Pilas. In den bisher üblichen Verfahren werden zur Erfassung dieser Parameter unter anderem Proben entnommen, die erst in ein externes Labor geschickt werden müssen, was sowohl zeit- als auch kostenintensiv sei. „Da ich zu Beginn meiner Arbeit mit dem Multi-Parameter Biosensor einen etwas unhandlichen Messaufbau verwendet habe, habe ich diesen optimiert. Jetzt kommt ein Messaufbau zum Einsatz, der mit 3D-Drucktechnik konstruiert wurde." Die Doktorandin konnte durch Proben aus einer Biogasanlage und einer Referenzanalyse bereits nachweisen, dass die Werte große Übereinstimmungen aufweisen. „Es besteht hohes Potenzial, dass der Sensor bald nutzbar sein wird", folgert Johanna Pilas.

Quelle: idw

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Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln

Dr. Suzan Fiack Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

BfR-Höchstmengenempfehlungen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln aktualisiert
In Deutschland greifen etwa 25 bis 30 Prozent der Erwachsenen regelmäßig zu Nahrungsergänzungsmitteln (NEM). Neben Vitaminen und Mineralstoffen enthalten die Produkte teilweise auch andere Stoffe mit physiologischer Wirkung wie Aminosäuren, Fettsäuren, Pflanzenextrakte oder Mikroorganismen. Die Werbung verspricht positive Effekte für Gesundheit, Wohlbefinden und verbesserte Leistungsfähigkeit. Doch im Allgemeinen versorgt eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung den gesunden Körper mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen. Werden zusätzlich hoch dosierte Nahrungsergänzungsmittel eingenommen und ggf. angereicherte Lebensmittel verzehrt, steigt das Risiko für unerwünschte gesundheitliche Effekte durch hohe Nährstoffzufuhren. Vor diesem Hintergrund hat das BfR seine im Jahr 2004 vorgeschlagenen Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe geprüft und anhand neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse überarbeitet. „Die Besonderheit der Risikobewertung von lebensnotwendigen Nährstoffen wie Vitaminen und Mineralstoffen liegt darin, dass sowohl die Risiken einer Mangel- als auch einer Überversorgung berücksichtigt werden müssen", so BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Produkte, die unsere Empfehlungen einhalten und entsprechend den Herstelleranweisungen eingenommen werden, bergen nach derzeitigem Stand des Wissens für Menschen ab 15 Jahren kein gesundheitliches Risiko", betont BfR-Präsident Andreas Hensel. Die Ergebnisse sind im Journal für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit veröffentlicht worden (DOI 10.1007/s00003-017-1140-y).

Zur Fachveröffentlichung: https://link.springer.com/article/10.1007/s00003-017-1140-y/fulltext.html
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat in der Vergangenheit umfangreich zu gesundheitlichem Nutzen und Risiken durch Nahrungsergänzungsmittel (NEM) Stellung genommen und die Verbraucher über Probleme informiert, die mit dem Verzehr solcher Produkte verbunden sein können. Verbindliche Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln existieren derzeit weder auf nationaler noch auf europäischer Ebene, wenngleich in Deutschland und anderen europäischen Ländern in den vergangenen Jahren verschiedene Modelle für die Höchstmengenableitung entwickelt und diskutiert wurden. Vor diesem Hintergrund hat das BfR seine im Jahr 2004 vorgeschlagenen Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe geprüft und auf Basis neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse überarbeitet.

Die Höchstmengen wurden unter Berücksichtigung von drei wesentlichen Parametern abgeleitet: den von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) abgeleiteten tolerierbaren höchsten Tagesaufnahmemengen (Tolerable Upper Intake Level, kurz UL), den Zufuhrmengen von Vitaminen und Mineralstoffen durch die übliche Ernährung sowie den jeweiligen Zufuhrreferenzwerten (Recommended Daily Allowance; RDA). Die für Nahrungsergänzungsmittel (und angereicherte sonstige Lebensmittel) zur Verfügung stehende sichere Aufnahmemenge wurde vom BfR durch Bildung der Differenz aus dem UL und der Nährstoffzufuhr aus der üblichen Ernährung abgeleitet. Um sicherzustellen, dass Produkte, die Nährstoffe in diesen Mengen enthalten, nicht nur für Erwachsene gelten, sondern auch für Jugendliche nach derzeitigem Stand des Wissens keine gesundheitlichen Risiken bergen, wurde die Altersgruppe der 15- bis 17-Jährigen als Bezugsgruppe für die Höchstmengenableitung gewählt. Zusätzlich wurde bei nahezu jedem Nährstoff ein Unsicherheitsfaktor von 2 verwendet. Damit soll einer möglichen Mehrfachexposition durch die Einnahme unterschiedlicher Nahrungsergänzungsmittel Rechnung getragen werden.

Die vom BfR vorgeschlagenen Höchstmengen zielen darauf ab, ausreichende Ergänzungsmöglichkeiten für Personen mit geringer Nährstoffzufuhr zu bieten, ohne bei adäquater Nährstoffzufuhr das Risiko für Überschreitungen der ULs wesentlich zu erhöhen. Die Höchstmengenvorschläge beziehen sich zunächst nur auf Nahrungsergänzungsmittel und gelten, sofern nicht anders vermerkt, für Jugendliche ab 15 Jahre und Erwachsene. Bei einem Teil der Höchstmengen empfiehlt das BfR zusätzlich verpflichtende Angaben auf den Produkten. Außerdem macht das BfR darauf aufmerksam, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse und zukünftige Marktentwicklungen ggf. Anpassungen der Höchstmengen erforderlich machen.

In Deutschland werden durch die herkömmliche Ernährung bis auf wenige Ausnahmen ausreichende Mengen an Mikronährstoffen aufgenommen. Aus ernährungsphysiologischer Sicht sind Nahrungsergänzungsmittel daher im Allgemeinen nicht notwendig. Dies gilt umso mehr, als Nahrungsergänzungsmittel eher von Menschen mit gesünderem Lebensstil und ausgewogener Ernährung verwendet werden. Internationale wissenschaftliche Studien belegen zudem, dass von einer zusätzlichen, über den Bedarf hinausgehenden, Aufnahme von Mikronährstoffen keine positiven Wirkungen zu erwarten sind. Angesichts dessen dienen die vom BfR vorgeschlagenen Höchstmengen vor allem dazu, den großen Teil der gut versorgten Bevölkerung vor übermäßigen Nährstoffaufnahmen zu schützen.

Die Höchstmengenvorschläge des BfR sind Grundlage für die Schaffung von gesetzlichen Regelungen in Deutschland und somit eine Entscheidungshilfe für das Risikomanagement für risikomindernde Maßnahmen.

Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

In diesem Jahr feiert das BfR sein 15-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hat das BfR eine Jubiläumsbroschüre herausgegeben, die unter http://www.bfr.bund.de/de/publikation/broschueren-660.html kostenlos heruntergeladen oder bestellt werden kann.

Quelle: idw

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Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet

Dr. Gisela Olias Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

Die Mittelmeer-Diät ist im Vergleich zu acht anderen Kostformen am besten geeignet, bei Menschen mit Typ-2-Diabetes die Blutzuckerwerte zu verbessern. Zu diesem Ergebnis kommt ein europäisches Wissenschaftlerteam unter Leitung von Lukas Schwingshackl und Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) im European Journal of Epidemiology (https://doi.org/10.1007/s10654-017-0352-x). Das Team wertete die Daten von 4.937 Studienteilnehmern aus 56 Ernährungsstudien mit Hilfe einer neuen Analysemethode aus. Diese Methode ermöglichte es erstmals, die Effekte von neun verschiedenen Kostformen auf die Nüchtern- und Langzeit-Blutzuckerwerte unmittelbar zu vergleichen.

Nach neuesten Daten der International Diabetes Federation und der World Health Organization zählt Typ-2-Diabetes zu den wichtigsten Volkskrankheiten. Schätzungsweise sind weltweit 350-400 Millionen Menschen an dieser Diabetesform erkrankt. Das Gute ist, dass sich die Krankheit über die Ernährung günstig beeinflussen lässt.

Welche Kostform hierfür am besten geeignet ist, ist allerdings nur schwer einzuschätzen. Denn in den meisten Ernährungsstudien vergleichen die Wissenschaftler nur die Effekte von wenigen Diäten direkt miteinander. Zum Beispiel erhält eine Gruppe der Studienteilnehmer für eine längere Zeit eine Low-Carb-Diät, während eine zweite Gruppe eine Low-Fat-Diät einhalten muss. Danach untersuchen die Forscher, welche Diät die stärksten Effekte auf den Stoffwechsel hat im Vergleich zur normalerweise üblichen Ernährungsweise der Teilnehmer. Mit Hilfe der neuen Analysemethode, der sogenannten Netzwerk-Meta-Analyse, ist es nun möglich, viele verschiedene Kostformen gleichzeitig auszuwerten und miteinander zu vergleichen. Voraussetzung ist, dass die in die Meta-Analyse einbezogenen Studien jeweils die Wirkung von mindestens zwei verschiedenen Kostformen auf Studienteilnehmer untersucht haben.

Zu den neun untersuchten Kostformen gehören die Low-Fat-, die Paläo-, die High-Protein-, die Low-Carb- und die Mittelmeer-Diät. Ebenso analysierten die Forscher die Wirkung einer vegetarisch/veganen Kost sowie die Effekte von Diäten mit einem moderaten Kohlenhydratanteil oder mit einem niedrigen glykämischen Index bzw. einer niedrigen glykämischen Last. Wenn die Teilnehmer im Rahmen der jeweiligen Ernährungsstudie keine vorgegebene Diät verzehrten, sondern sich wie gewohnt ernährten, werteten die Forscher dies als Kontroll-Diät. Die Forscher schlossen nur Studien in ihre Analyse ein, bei denen die Teilnehmer über 18 Jahre alt waren und mindestens für 12 Wochen eine bestimmte Kostform einhielten.

Die Mittelmeer-Diät war im Vergleich zur Kontrolldiät, gefolgt von der Paläo-Diät und der veganen Kost am besten geeignet, um den Nüchtern-Blutzuckerwert zu senken. Dieser Wert gibt die Blutzuckermenge nach einer mindestens achtstündigen Fastenperiode an, zum Beispiel am Morgen nach der Nachtruhe. Bei gesunden Menschen beträgt der Nüchtern-Blutzuckerwert 4,4 bis 5,6 mmol/l. Ein Wert von 5,6 bis 6,9 mmol/l weist auf eine beginnende Diabeteserkrankung hin.

Die Low-Carb-Diät war dagegen am besten geeignet, den Langzeit-Blutzuckerwert (HbA1c-Wert) günstig zu beeinflussen. Er verrät, wie hoch der Blutzucker in den vergangenen acht bis zwölf Wochen war. Kurzfristige Blutzuckerschwankungen beeinflussen ihn praktisch kaum. Daher nutzen Ärzte den Wert, um abzuschätzen, wie gut die Zuckerkrankheit bei ihren Patienten in der jüngeren Vergangenheit eingestellt war. Zudem kann der Wert auch zur Diabetes-Diagnose beitragen. Liegt der HbA1c-Wert über 6,5 Prozent, so liegt ein Diabetes vor. Neben der Low-Carb-Diät wirkten sich aber auch die Mittelmeer- sowie die Paläo-Diät sehr günstig auf den HbA1c-Wert aus.
Die Low-Fat-Diät zeigte hingegen die schwächsten Effekte auf den Zuckerstoffwechsel, das heißt, auf den Nüchtern- sowie den Langzeit-Blutzuckerwert. Sie war aber immer noch deutlich effektiver als die Kontroll-Diät. Im Vergleich zu letzterer trugen alle untersuchten Kostformen mit leicht unterschiedlicher Stärke dazu bei, den Nüchtern-Blutzucker-Wert um 1 bis 1,61 mmol/l zu senken. Ebenso verminderten sie die HbA1c-Werte um 0,47 bis 0,82 Prozent.

„Unsere Studie zeigt, dass eine pflanzenbasierte Kost wie die Mittelmeer-Diät eine gute Möglichkeit ist, den Zuckerstoffwechsel bei Menschen mit Diabetes günstig zu beeinflussen", sagt Erstautor Schwingshackl. Die Wissenschaftler gehen derzeit davon aus, dass die in Früchten, Gemüse, Olivenöl, Nüssen, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe sowie Ballaststoffe die Insulinempfindlichkeit der Patienten verbessern und die Produktion von Advanced Glycation Endproducts (AGEs) verringern. Letztere sind Zucker-Eiweißverbindungen, die insbesondere bei oxidativem Stress, aber auch bei zu hohen Blutzuckerwerten entstehen.
„Seit langem ist bekannt, dass bei Diabetes eine gute Blutzuckerkontrolle ein entscheidender Schritt ist, um schwere Folgeerkrankungen wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu verhindern", weiß Boeing, der am DIfE die Abteilung Epidemiologie leitet. "Menschen mit Diabetes sollten so viel wie möglich über ihre Ernährung dazu beizutragen, den Blutzucker in den Griff zu bekommen. Dies fördert auf einfache Weise das Wohlbefinden, spart Medikamente und entlastet hierdurch auch unser Gesundheitssystem."

Quelle:
Schwingshackl L, Chaimani A, Hoffmann G, Schwedhelm C, Boeing H.: A network meta-analysis on the comparative efficacy of different dietary approaches on glycaemic control in patients with type 2 diabetes mellitus. Eur J Epidemiol. 2018; doi: 10.1007/s10654-017-0352-x.

https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs10654-017-0352-x

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsassoziierter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Ursachen und Folgen des metabolischen Syndroms, einer Kombination aus Adipositas (Fettsucht), Hypertonie (Bluthochdruck), Insulinresistenz und Fettstoffwechselstörung, die Rolle der Ernährung für ein gesundes Altern sowie die biologischen Grundlagen von Nahrungsauswahl und Ernährungsverhalten. Mehr unter www.dife.de. Das DIfE ist zudem ein Partner des 2009 vom BMBF geförderten Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD). Weitere Informationen zum DZD finden Sie unter www.dzd-ev.de.

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 93 selbständige Forschungseinrichtungen. Ihre Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Forschung, auch in den übergreifenden Leibniz-Forschungsverbünden, sind oder unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer, vor allem mit den Leibniz-Forschungsmuseen. Sie berät und informiert Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Einrichtungen pflegen enge Kooperationen mit den Hochschulen - u.a. in Form der Leibniz-WissenschaftsCampi, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.700 Personen, darunter 9.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,8 Milliarden Euro. Mehr unter www.leibniz-gemeinschaft.de.

Kontakt:
Dr. Lukas Schwingshackl
Abteilung Epidemiologie
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49 33200 88-2712
E-Mail: lukas.schwingshackl@dife.de

apl. Prof. Dr. Heiner Boeing
Abteilung Epidemiologie
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49 33200 88-2711
E-Mail: boeing@dife.de

Weitere Informationen:
http://www.dife.de/forschung/abteilungen/kurzprofil.php?abt=EPI
Link zur Abteilung Epidemiologie am Deutschen Institut für Ernährungsforschung

Quelle: idw

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Umweltgeschichte aus dem Faulschlamm: Klimawandel lässt „tote Zonen" im Schwarzen Meer wachsen

Dr. Barbara Hentzsch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Erstmalig ist es GeowissenschaftlerInnen des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW), der Universitäten Oldenburg und Hannover sowie der Rutgers University (USA) gelungen, die Ablagerungsbedingungen im Schwarzen Meer während der letzten Warmzeit (Eem) vor rund 128.000 Jahren zeitlich hoch aufgelöst zu analysieren. Damit wurde ein Vergleich der heutigen sauerstofffreien Bedingungen im Tiefenwasser des Schwarzen Meeres mit denen zur Eem-Zeit möglich, als die Sommer-Temperaturen des Wassers rund 3°C höher waren. Demnach können sich die „toten Zonen" des Schwarzen Meeres bei einer Klimaerwärmung weiter ausbreiten und die produktiven Lebensräume dabei deutlich schrumpfen.

Sauerstoffmangel und giftiger Schwefelwasserstoff (Hydrogensulfid) im Tiefenwasser gehören heute zu den hervorstechendsten Eigenschaften des Schwarzen Meeres. In dem größten Brackwassermeer der Erde existiert ab einer Tiefe von 100 bis 150 m kein Sauerstoff mehr und Schwefelwasserstoff ist allgegenwärtig. Insgesamt nimmt dieser Raum, in dem kein höheres Leben existieren kann, heute rund 90 % des Wasserkörpers des Schwarzen Meeres ein. Wie werden sich diese „toten Zonen" im Schwarzen Meer im Laufe der Klimaerwärmung und eines steigenden Meeresspiegels entwickeln? Die detaillierte Analyse von Ablagerungen aus der letzten Warmzeit (Eem) im Schwarzen Meer, deren Ergebnisse kürzlich in der internationalen Fachzeitschrift „Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology" veröffentlicht wurden, ermöglicht Einblicke in eine solche Zukunft.

Die sauerstofffreien Bedingungen am Boden des Schwarzen Meeres führen dazu, dass sich herabsinkende organische Substanz nur sehr langsam zersetzt. Das Ergebnis ist die Bildung eines Faulschlamms, des sogenannten Sapropels. Diese Sapropele sind sowohl in den holozänen Ablagerungen der jetzigen Warmphase, als auch in denen der Eem-Zeit weit verbreitet. Mithilfe detaillierter Analysen redox-sensitiver chemischer Elemente in Sapropelen aus beiden Warmzeiten gelang es dem Team ein differenziertes Bild der eemzeitlichen Bedingungen im Tiefenwasser des Schwarzen Meeres zu rekonstruieren. Als Umweltzeugen dienten den GeowissenschaftlerInnen unter anderem die seltenen Spurenelemente Molybdän und Rhenium, die unterschiedlich auf Sauerstoffabwesenheit bzw. Anwesenheit von Sulfid reagieren. Insgesamt wurden mehr als 10 solcher Umweltzeugen (sog. Proxies) analysiert, um die Rekonstruktion des komplexen Gesamtbildes zu ermöglichen.

Die Warnemünder Geologin Antje Wegwerth fasst die Ergebnisse zusammen: „Das Tiefenwasser war während der Eem-Warmzeit deutlich sulfidischer, also giftiger als heute. Der für höhere Organismen lebensfeindliche Raum breitete sich im Laufe der Jahrtausende immer weiter aus und reichte schließlich bis an die so genannte photische Zone - die Licht durchflutete, produktive Schicht des Oberflächenwassers - heran."

In entsprechender Auflösung und Qualität konnten bislang noch keine Eem-Sedimente im Schwarzen Meer untersucht werden, da sie in der Regel nur durch sehr aufwendige Tiefseebohrungen gewonnen werden können. Auf einer Ausfahrt mit dem Forschungsschiff METEOR gelang es jedoch auf einem untermeerischen Rücken in Wassertiefen um 850 m, Sedimentkerne mit Ablagerungen sowohl aus dem Holozän als auch aus der Eem-Zeit mithilfe herkömmlicher Schwerelote zu gewinnen. Damit wurde erstmalig ein direkter Vergleich der beiden Warmzeiten möglich.

Die Klimaerwärmung während des Eems und des Holozäns führte im Schwarzen Meer zu wesentlichen Änderungen. Durch das Abschmelzen der polaren Inlandeismassen stieg der globale Meeresspiegel an und mit Überschreiten der Bosporus-Schwelle ergossen sich zu Beginn der jeweiligen Warmzeit salzreiche dichte Wassermassen aus dem Mittelmeer in das weitgehend ausgesüßte Schwarze Meer. Dies führte zu einer starken (Dichte)Schichtung von salzärmerem Oberflächenwasser über salzreicherem Tiefenwasser. Die ansteigenden Wasseroberflächentemperaturen führten gleichzeitig zu einer verstärkten Produktivität und einem hohen Aufkommen an organischer Substanz, die am Boden des Schwarzen Meeres unter Sauerstoffverbrauch zersetzt wurde. Das Zusammenspiel dieser Faktoren war schließlich verantwortlich für die Ausbildung der mächtigen „toten Zonen" im Schwarzen Meer.

Der vollständige Artikel ist einsehbar unter:
Wegwerth, A., Eckert, S., Dellwig, O., Schnetger, B., Severmann, S., Weyer, S., Brüske, A., Kaiser, J., Köster, J., Arz, H.W., Brumsack, H.-J. Redox evolution during Eemian and Holocene sapropel formation in the Black Sea. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology (2018) 489, 249-260
https://doi.org/10.1016/j.palaeo.2017.10.014

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:
Dr. Antje Wegwerth, 0381 5197 3481, Antje.Wegwerth@io-warnemuende.de

Kontakt Presse- & Öffentlichkeitsarbeit:
Dr. Barbara Hentzsch | Tel.: 0381 5197-102 | Barbara.Hentzsch@io-warnemuende.de

Das IOW ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, zu der zurzeit 91 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung gehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Bund und Länder fördern die Institute gemeinsam. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Institute etwa 18.100 MitarbeiterInnen, davon sind ca. 9.200 WissenschaftlerInnen. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,6 Mrd. Euro. (www.leibniz-gemeinschaft.de)

Quelle: idw

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Biogas: Forschungsprojekt erkundet ungenutzte Potenziale von Anlagen

Florian Klebs Hochschulkommunikation
Universität Hohenheim

Bundesweites Messprogramm der Universität Hohenheim ermittelt Effizienz und Zukunftspotenzial bestehender Anlagen / Vorschläge an Praxis und Politik
Der Mix macht's: Je nachdem, mit welchen Materialien die Anlagen wie gefüttert, durchmischt und gefahren werden, fällt die Biogas-Ausbeute sehr unterschiedlich aus. Drei Jahre lang vergleicht die Universität Hohenheim in Stuttgart Betriebsweise, Ausbeute und Verluste von Biogasanlagen, identifiziert Best-Practice-Beispiele, entwickelt Standards zur Anlagenbeschreibung und formuliert Verbesserungsvorschläge für Praxis und Politik. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert das Vorhaben mit 344.000 Euro über seinen Projektträger - die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR). Damit zählt das Projekt zu den Schwergewichten der Forschung der Universität Hohenheim.

29.000 Gigawattstunden (GWh) Strom erzeugten Deutschlands 8.000 Biogasanlagen 2014. Das waren 5-6 Prozent des bundesweiten Stromverbrauchs von 524.000 GWh. Aber es werden derzeit kaum noch neue Anlagen gebaut. Der Verkauf von Biogasstrom erfolgt zukünftig über Ausschreibungen.

„Das Potenzial der bestehenden Anlagen ist noch längst nicht ausgereizt", erklärt Dr. Hans Oechsner von der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie der Universität Hohenheim. „Unser Projekt soll vorbildliche Betriebsweisen identifizieren, über die sich die Effizienz erhöhen lässt, damit sich ihr Betrieb weiterhin lohnt."

Dazu legt die Universität Hohenheim eine große Messkampagne auf. Darin untersucht sie im Verbund mit drei Projektpartnern bundesweit anhand einer Stichprobe von insgesamt 60 Biogasanlagen, wie wirtschaftlich und ökologisch sie arbeiten.

Biogas-Standards sollen sich weiterentwickeln
Die bestehenden Biogasanlagen sind zum Teil sehr unterschiedlich aufgebaut. „Wir haben verschiedene Ausgangsstoffe der Biogassubstrate, außerdem variieren Mischungsverhältnis und Durchmischung der Stoffe sowie Druck und Temperatur in den Biogasreaktoren", so Dr. Oechsner.

Die Forscher prüfen, welche Technik die Anlagen benutzen und wie effizient sie arbeiten. Mit einigen Stellschrauben ließe sich ihr Betrieb verändern und optimieren. „Wir finden heraus, welche Anlagen bei der Gasausbeute in Menge und Qualität vorne liegen."

Messkampagne ermittelt Effizienzpotenziale
Die Biogasforscher der Universität Hohenheim ermitteln für jede Anlage, wie die Substrate zusammengesetzt sind, welche Gas- und Strommenge produziert wird und an welchen Aggregaten Gasverluste auftreten.

„Darüber hinaus berechnen wir mit Modellrechnungen, wie weit die produzierte Gas- und Strommenge und die aus dem Input-Substrat theoretisch zu produzierenden Mengen auseinander liegen", erläutert Benedikt Hülsemann, ebenfalls von der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie der Universität Hohenheim.

„Daraus ermitteln wir, wie wirtschaftlich und ökologisch effizient die Anlagen arbeiten." Schließlich vergleichen die Forscher die Daten aller Biogasanlagen, um besonders wirtschaftliche Anlagen zu ermitteln.

Forschungsergebnisse fließen direkt in Praxis ein
Im Rahmen des Projektes entwickeln die Forscher einheitliche Standards, um den Zustand von Biogasanlagen besser beschreiben zu können. Zwischenergebnisse und Verbesserungsmöglichkeiten präsentieren sie bei mehreren Tagungen, damit die Betreiber sie unmittelbar in der Praxis umsetzen können. Es ist außerdem eine Broschüre und eine Internetplattform mit den Daten vorgesehen.

Auch für die Politik entwickeln die Biogasforscher konkrete Vorschläge. „Wir möchten neue Standards formulieren, damit die Branche sich insgesamt weiterentwickeln kann", so Dr. Oechsner.

Hintergrund Biogas-Messprogramm III
Der genaue Titel des Verbundvorhabens lautet: Biogas-Messprogramm III - Teil 1: Faktoren für einen effizienten Betrieb von Biogasanlagen; Teilvorhaben 3: Effizienz der biologischen Prozesse (Förderkennzeichen 22403715). Die Fördersumme beträgt 344.155,72 Euro, die Laufzeit ist von 1.12.2015 bis 30.11.2018. Auch diesmal werden zusammen mit drei Partnerinstituten insgesamt 60 Praxisanlagen im gesamten Bundesgebiet untersucht, um deren Effizienz zu bewerten und den Anlagenzustand zu definieren.

Die drei Kooperationspartner von Teil 1 des Verbundvorhabens sind das Deutsche Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH (DBFZ), Leipzig; das Institut für Landtechnik und Tierhaltung, der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Freising; sowie das Kompetenzzentrum Erneuerbare Energien und Klimaschutz Schleswig-Holstein (EEK.SH), Kiel, angesiedelt bei dem Forschungs- und Entwicklungszentrum FH Kiel GmbH.

Hintergrund: Bioökonomie - Leitthema der Universität Hohenheim
Die Bioökonomie ist das Leitthema der Universität Hohenheim und einer ihrer drei Forschungsschwerpunkte. Sie verbindet die agrarwissenschaftliche, die naturwissenschaftliche sowie die wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Fakultät.

Diese interdisziplinäre Thematik an der Universität Hohenheim zu koordinieren und umzusetzen ist Aufgabe des Forschungszentrums Bioökonomie. Ziel der Bioökonomie ist es, die weltweite Ernährung zu sichern, die Agrarproduktion nachhaltig zu gestalten, gesunde und sichere Lebensmittel zu produzieren, nachhaltige Rohstoffe industriell zu nutzen sowie Energieträger auf der Basis von Biomasse auszubauen. Dabei genießt die Ernährungssicherung stets Vorrang vor anderen Nutzungen von Biomasse (Nationale Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030, BMBF).

Die Bioökonomie greift ein zentrales Anliegen von Politik und Gesellschaft auf und berücksichtigt gleichermaßen ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Belange. Homepage: bioeconomy.uni-hohenheim.de/forschungszentrum

Hintergrund Schwergewichte der Forschung
31,2 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universität Hohenheim 2015 für Forschung und Lehre. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung" herausragende Forschungsprojekte mit einem finanziellen Volumen von mindestens 250.000 Euro bei den Experimental- bzw. 125.000 Euro bei den Sozial- und Gesellschaftswissenschaften.

Weitere Informationen:
Homepage des Verbundprojekts:
https://www.uni-hohenheim.de/organisation/projekt/biogas-messprogramm-iii-bmp-ii...

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.:
http://www.fnr.de/index.php?id=911&alles=1&status=Inhalt&fkz=2240371...

Zu den Pressemitteilungen der Universität Hohenheim
https://www.uni-hohenheim.de/presse

Quelle: idw

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Biogas-Fachgespräch in Nossen diskutiert zum Thema "Emissionen von Biogasanlagen"

Paul Trainer M.A. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Biomasseforschungszentrum

Die Anforderungen im Bereich Anlagensicherheit und Emissionen im Betrieb von Biogasanlagen steigen zunehmend. Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Flexibilisierung des Anlagenbestandes richtet sich der Fokus insbesondere auf betriebsbedingte Biogasemissionen, die den ökologischen und ökonomischen Anlagenbetrieb negativ beeinflussen können. Das Biogas-Fachgespräch am 27. Februar 2018 beschäftigte sich mit dem Thema "Emissionen von Biogasanlagen" und stellt verschiedene Emissionsquellen sowie deren Vermeidung vor.

Für Biogasanlagenbetreiber ergeben sich u.a. durch die Novellierung der TA-Luft sowie den Entwurf TRAS 120 (Technische Regel für Anlagensicherheit Biogasanlagen) neue An- und Herausforderungen in der Betriebsweise ihrer Anlage. Auch vor dem Hintergrund einer zukünftig schlechteren Erlössituation müssen sich Betreiber in zunehmendem Maße mit Fragen des Biogasspeichermanagements sowie der Effizienz des biologischen Prozesses und der Gasverwertung auseinandersetzen. Im Rahmen des Biogas-Fachgespräches zum Thema "Emissionen von Biogasanlagen" am 27. Februar 2018 im Landwirtschafts- und Umweltzentrum Nossen werden verschiedene Emissionsquellen, deren Ursachen im Anlagenbetrieb sowie entsprechende Minderungsmöglichkeiten vorgestellt und mit den Teilnehmern diskutiert. Darüber hinaus werden Einblicke zum aktuellen Stand der sich ändernden gesetzlichen Rahmenbedingungen gegeben.

Zu Beginn der Veranstaltung wird Torsten Reinelt vom Deutschen Biomasseforschungszentrum über das Thema "Überwachung und Minderung betriebsbedingter und zeitlich variabler Methanemissionen aus Biogasanlagen" referieren. Anschließend geht Dr. Ralf Winterberg (CORDES + WINTERBERG GbR) in seinem Vortrag auf Emissionen offener Vorstufen zweiphasiger landwirtschaftlicher Biogasanlagen ein. Volker Aschmann (Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft) erläutert anschließend das Emissionsverhalten biogasbetriebener BHKW in Zeiten der Flexibilisierung. Nach einer Kaffeepause berichtet Peter Gamer vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) von aktuellen und künftigen Anforderungen an die Emissionsbegrenzung bei Biogasanlagen. Fallbeispiele der Über-/Unterdrucksicherung erläutert Torsten Reinelt vom DBFZ in seinem abschließenden Vortrag zur Emissionsminderung an Biogasanlagen. Im Anschluss an die Vorträge bietet sich Raum für Fragen und Diskussionen. Die Veranstaltung wird moderiert von Dr. Claudia Brückner (LfULG)

Zielgruppe:
Die "Leipziger Fachgespräche" zum Thema Biogas richten sich an ein Fachpublikum, das sich mit den verschiedensten Aspekten der Energieerzeugung aus Biogas beschäftigt. Dazu zählen insbesondere landwirtschaftliche Unternehmen und Genossenschaften, die Biogasanlagen betreiben oder dies planen. Aber auch Mitarbeiter von Kommunen sowie der lebensmittelbe- und -verarbeitenden Industrie, bei denen eine Biogaserzeugung zur Lösung des Abfallproblems beitragen kann, sind angesprochen. Neben Herstellern von Biogasanlagen bzw. Anlagenkomponenten sind auch Händler und Planer von Biogasanlagen, Mitarbeiter von Forschungseinrichtungen, Ministerien, Behörden und Verbänden zum Leipziger Biogas-Fachgespräch eingeladen.

Smart Bioenergy - Innovationen für eine nachhaltige Zukunft
Das Deutsche Biomasseforschungszentrum arbeitet als zentraler und unabhängiger Vordenker im Bereich der energetischen und stofflichen Biomassenutzung an der Frage, wie die begrenzt verfügbaren Biomasseressourcen nachhaltig und mit höchster Effizienz und Effektivität zum bestehenden und zukünftigen Energiesystem beitragen können. Im Rahmen der Forschungstätigkeit identifiziert, entwickelt, begleitet, evaluiert und demonstriert das DBFZ die vielversprechendsten Anwendungsfelder für Bioenergie und die besonders positiv herausragenden Beispiele gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Mit der Arbeit des DBFZ soll das Wissen über die Möglichkeiten und Grenzen einer energetischen und integrierten stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe in einer biobasierten Wirtschaft insgesamt erweitert und die herausragende Stellung des Industriestandortes Deutschland in diesem Sektor dauerhaft abgesichert werden - www.dbfz.de.

Ansprechpartner:
Dr. Claudia Brückner/Eveline Zschoche
(organisatorische Rückfragen)
Tel.: +49 (0)351 2612-2424
Fax: +49 (0)351 451-2610 009
E-Mail: Eveline.Zschoche@smul.sachsen.de

Tino Barchmann
(inhaltliche Rückfragen)
Tel.: +49 (0)341 2434-375
Fax: +49 (0)341 2434-133
E-Mail: Tino.Barchmann@dbfz.de

Pressekontakt:
Paul Trainer
Tel.: +49 (0)341 2434-437
E-Mail: paul.trainer@dbfz.de

Weitere Informationen:
https://www.dbfz.de/aktuelles/fachgespraeche/anmeldung-fachgespraeche
https://www.dbfz.de/aktuelles/fachgespraeche.html
https://www.dbfz.de/presse/pressemitteilungen-2018/biogas-fachgespraech-in-nosse...

Quelle: idw

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Wie Omega-3-Fettsäuren das Immunsystem fit halten

Dr. Ute Schönfelder Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Wissenschaftler der Uni Jena und der Harvard Medial School in Boston klären Stoffwechselwege auf, über die pathogene Bakterien Entzündungsprozesse regulieren

Omega-3-Fettsäuren sind essenzielle Nahrungsbestandteile und gelten als sehr gesund. Die vor allem in Pflanzenöl und Fisch vorkommenden Substanzen haben sich in zahlreichen Untersuchungen als gesundheitsfördernd für das Herz-Kreislauf-System erwiesen. Darüber hinaus spielen Omega-3-Fettsäuren auch eine wichtige Rolle bei der Immunabwehr: Sie liefern die Grundbausteine für entzündungsauflösende Substanzen - sogenannte Resolvine -, die das Abklingen von Entzündungsreaktionen zum Beispiel infolge von mikrobiellen Infektionen fördern. Ein internationales Forscherteam um Prof. Dr. Oliver Werz von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Prof. Dr. Charles N. Serhan von der Harvard Medical School in Boston hat jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Nature Communications" Studienergebnisse vorgestellt, die den zugrundeliegenden zellulären Mechanismus der Auflösungsphase von Entzündungsreaktionen erklärt (DOI: 10.1038/s41467-017-02538-5). Demnach nehmen krankheitserregende Bakterien gezielt Einfluss auf die Funktion bestimmter Immunzellen - die Makrophagen - und steuern so den gesamten Prozess der Entzündung anhand unterschiedlicher Fettsäuren.

„Bei einer Entzündung handelt es sich um eine Abwehrreaktion des Körpers auf einen schädlichen Reiz, etwa eindringende Krankheitserreger oder eine Gewebeverletzung", erläutert Prof. Dr. Oliver Werz von der Uni Jena die Grundlagen. Ziel sei es, damit den schädlichen Reiz zu eliminieren und zerstörtes oder geschädigtes Gewebe zu regenerieren. „Dazu ist es aber notwendig, dass sowohl die Auslösung des Entzündungsgeschehens als auch dessen Abklingen vom Immunsystem genau reguliert werden", macht der Inhaber des Lehrstuhls für Pharmazeutische und Medizinische Chemie deutlich. Geraten diese Prozesse aus der Balance laufe der Organismus Gefahr, dass sich chronische Entzündungen einstellen, wie es beispielsweise bei Arteriosklerose oder Autoimmunerkrankungen der Fall ist.

Makrophagen produzieren entzündungsregulierende Substanzen
In ihren Experimenten konnten die Forscher zeigen, dass pathogene Erreger wie Staphylococcus aureus und Escherichia coli in unterschiedlichen Makrophagenpopulationen gegensätzliche Wirkungen hervorrufen. So stimulieren sie die sogenannten „M1-Makrophagen", die vor allem in der Entzündungsphase aktiv sind, zur Produktion von entzündungsfördernden Signalstoffen (Prostaglandine und Leukotriene). „M2-Makrophagen" dagegen, die während des Abklingprozesses der Entzündung im Vordergrund stehen, werden von den Bakterien dazu gebracht, vermehrt entzündungsauflösende Substanzen (Resolvine, Lipoxine, Maresine, Protektine) aus Omega-3-Fettsäuren zu bilden.

Die Interaktion von M1-Makrophagen mit pathogenen Keimen war bereits bekannt. Dass Bakterien M2-Makrophagen zur Freisetzung entzündungsauflösender Substanzen aus Omega-3-Fettsäuren anregen, ist jedoch eine völlig neue Erkenntnis für die Forscher. „Die Aktivierung beider Phasen der Entzündung macht durchaus Sinn, denn so sorgt das Immunsystem dafür, dass nach einer erfolgreich abgewehrten Infektion, die unschädlich gemachten Bakterien aus dem Gewebe beseitigt und die Entzündungsreaktion gestoppt werden", sagt Oliver Werz. Für den Pharmazeuten und seine Kollegen in Jena und Boston ist nun vor allem die Frage interessant, wie sich die gewonnenen Erkenntnisse künftig für die Behandlung chronisch-entzündlicher Erkrankungen nutzen lassen.

Kooperation mit Harvard wird fortgesetzt
Die aktuell vorgelegten Befunde sind das Ergebnis einer bereits länger bestehenden engen Kooperation des Jenaer Lehrstuhls von Prof. Werz mit der Arbeitsgruppe von Prof. Serhan an der Harvard Medical School. Den Grundstein hat Werz bereits 2015 während eines Aufenthalts als Gastprofessor an der Harvard Medical School gelegt. Nach seiner Rückkehr aus Boston haben seine Mitarbeiter Dr. Jana Gerstmeier und Markus Werner die Untersuchungen in Jena fortgeführt. Aktuell fließen die neuen Erkenntnisse sowohl in die Studien von Dr. Gerstmeier im Rahmen eines Förderprogramms der Carl-Zeiss-Stiftung als auch in die Arbeiten des Teams von Werz im Sonderforschungsbereich „ChemBioSys" ein, in dem er und seine Kollegen ein Teilprojekt zur Modulation der Makrophagen durch Naturstoffe bearbeiten.

Original-Publikation:
Werz O. et al. Human macrophages differentially produce specific resolvin or leukotriene signals that depend on bacterial pathogenicity. Nature Communications 9 (2018) doi:10.1038/s41467-017-02538-5

Kontakt:
Prof. Dr. Oliver Werz
Institut für Pharmazie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Philosophenweg 14, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949801
E-Mail: oliver.werz@uni-jena.de

Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Quelle: idw

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Neues Mutterschutzgesetz: Wichtige Änderungen für Arbeitgeber

Dr. Thomas Nesseler Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V.

Um den geänderten gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen zu entsprechen, wurde das Mutterschutzrecht grundlegend reformiert. Mit Beginn des neuen Jahres traten die vom Deutschen Bundestag beschlossenen Änderungen in Kraft. Diese schließen zum einen mehr Mütter als zuvor ein, außerdem wird der Arbeitsschutz von Müttern im Betrieb verstärkt. Dadurch ergeben sich auch wichtige Auswirkungen auf die Arbeitgeberpflichten.

Ziele des Mutterschutzgesetzes (MuSchG)
Das MuSchG gewährleistet schwangeren und stillenden Frauen einen besonderen Gesundheitsschutz im Betrieb. Es soll verhindern, dass sie wegen der Schwangerschaft und Stillzeit Nachteile im Berufsleben erleiden oder die selbstbestimmte Entscheidung über ihre Erwerbstätigkeit verletzt wird. Damit werden die Chancen der Frauen verbessert und ihre Rechte gestärkt, um auch während der Schwangerschaft oder Stillzeit ohne Gesundheitsrisiko für Mutter und Kind weiterhin arbeiten zu können.

Neues Gesetz gilt für mehr Mütter
Die Änderungen im MuSchG bedeuten vor allem eine Ausweitung des geschützten Personenkreises. Bislang galt das Gesetz nur für Frauen, die in einem Arbeitsverhältnis stehen oder Heimarbeit ausführen. Ab 2018 sind alle (werdenden) Mütter eingeschlossen - also auch Praktikantinnen, weibliche Auszubildende und unter bestimmten Voraussetzungen auch Schülerinnen und Studentinnen. Danach können diese während des Mutterschutzes für Veranstaltungen, Prüfungen oder Praktika Ausnahmen beantragen, ohne deswegen Nachteile zu erleiden.

Schutzfristen werden verlängert
Auf Antrag der Mutter müssen Arbeitgeber ab 2018 eine verlängerte nachgeburtliche Schutzfrist von zwölf Wochen bei Geburten von behinderten Kindern gewähren. Bisher galt diese nur bei Früh- und Mehrlingsgeburten. Neu ist auch ist der viermonatige Kündigungsschutz, wenn sie nach der zwölften Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt erleiden.

Verbot und Zulässigkeit von Nachtarbeit
Mit dem neuen Gesetz dürfen schwangere oder stillende Frauen zwischen 20:00 Uhr und 6:00 Uhr nicht mehr beschäftigt werden. Eine Beschäftigung während dieser Zeit ist nur zulässig bei Einwilligung der werdenden Mutter, ärztlicher Bescheinigung der Unbedenklichkeit, Einhaltung des Arbeitsschutzes und behördlicher Genehmigung. Der Arbeitgeber muss daher prüfen, ob ein Einsatz nach 20:00 Uhr nötig ist und bei der Aufsichtsbehörde einen entsprechenden Antrag mit allen relevanten Unterlagen stellen.

Gefährdungsbeurteilung am Arbeitsplatz
Für jeden Arbeitsplatz muss bei der allgemeinen Gefährdungsbeurteilung im Vorfeld geprüft werden, ob sich eine Gefährdung für eine schwangere oder stillende Frau oder ihr Kind ergeben könnte, auch wenn aktuell dort keine schwangere oder stillende Frau tätig ist. Der Arbeitgeber muss das Ergebnis der Beurteilung dokumentieren und die Mitarbeiter darüber in geeigneter Form informieren. Meldet eine Frau ihre Schwangerschaft an, muss diese Gefährdungsbeurteilung entsprechend aktualisiert und individualisiert werden.

Arbeitgeber muss Arbeitsbedingungen für Mütter anpassen
Der Arbeitgeber muss die Arbeitsbedingungen so gestalten, dass eine „unverantwortbare Gefährdung" ausgeschlossen ist. Liegen Gefährdungen vor, muss er die Arbeitsbedingungen durch Schutzmaßnahmen umgestalten. Ist dies nicht oder nur unter unverhältnismäßigem Aufwand möglich, muss die schwangere Frau an einem anderen geeigneten und zumutbaren Arbeitsplatz eingesetzt werden. Ein Beschäftigungsverbot aus betrieblichen Gründen soll dann nur noch möglich sein, wenn alle anderen Maßnahmen versagen. Um eine „Überprotektion" zu vermeiden und die Arbeitgeber bei der Umsetzung zu unterstützen, sollen vom Gesetzgeber Empfehlungen erarbeitet werden - zumal der Rechtsbegriff „unverantwortbare Gefährdung" unbestimmt ist.

Weiterführende Informationen zum neuen Mutterschutzgesetz:
Leitfaden des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: https://www.bmfsfj.de/blob/94398/3b87a5363865637dd3bf2dd6e8ec87e0/mutterschutzge...

Gesetzestext:
https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&jumpTo=...

Stellungnahme Bundesrat:
https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2017/0201-0300/289-17(B).pdf?__b...

Kontakt bei Rückfragen:
Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V.
Hauptgeschäftsführer: Dr. Thomas Nesseler
Presse: Berit Kramer
Schwanthaler Str. 73 b
80336 München
Tel. 089/330 396-0
Fax 089/330 396-13
E-Mail: gs@dgaum.de
http://www.dgaum.de

Über DGAUM:
Die DGAUM wurde 1962 gegründet und ist eine gemeinnützige, wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft der Arbeitsmedizin und der klinisch orientierten Umweltmedizin. Ihr gehören heute über 1000 Mitglieder an, die auf dem Gebiet der Arbeitsmedizin und Umweltmedizin arbeiten, vor allem Ärztinnen und Ärzte, aber auch Angehörige anderer Berufsgruppen wie etwa Natur- und Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Die Mitglieder der Fachgesellschaft engagieren sich nicht nur in Wissenschaft und Forschung, um so bereits bestehende Konzepte für die Prävention, die Diagnostik und Therapie kontinuierlich zu verbessern, sondern sie übernehmen die ärztliche und medizinische Beratung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern an der Schnittstelle von Individuum und Unternehmen. Darüber hinaus beraten die Mitglieder der DGAUM alle Akteure, die ihren Beitrag zu der medizinischen Versorgung leisten und auf Fachwissen aus der betrieblichen Gesundheitsförderung und Prävention, der arbeits- und umweltbezogenen Diagnostik und Therapie, der Beschäftigungsfähigkeit fördernden Rehabilitation sowie aus dem versicherungsmedizinischen Kontext angewiesen sind.

Weitere Informationen unter:
http://www.dgaum.de

Quelle: idw

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Den Lebensmittelfälschern auf der Spur

Nina Banspach Pressestelle
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

In seiner Fälscherwerkstatt zeigt das BVL, wie Betrüger Verbraucher austricksen
Ob mit Wasser aufgespritzte Garnelen, mit Olivenbaumblättern gestreckte Gewürze oder Bio-Eier vom konventionell gehaltenen Huhn - Lebensmittelbetrug kann jeden treffen. Im Fokus der Fälscher sind sowohl hochwertige, teure Lebensmittel mit hoher Gewinnmarge als auch preiswerte Lebensmittel, wo der Profit über die Menge gemacht wird. Wie die Betrüger Verbraucher hinters Licht führen, zeigt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) an seinem Stand auf der Internationalen Grünen Woche vom 19. bis 28. Januar 2018. Außerdem informiert es über die Arbeit der Behörden im Kampf gegen Lebensmittelbetrüger.

Um den Besuchern Lebensmittelbetrug anschaulich darzustellen, schlüpfen die Expertinnen und Experten des BVL ausnahmsweise selbst in die Rolle der Lebensmittelfälscher. In einer kleinen Fälscherwerkstatt in der Halle 23a (Sonderschau des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft) panschen sie Honig. Denn das Bienenprodukt zählt zu den Produkten, bei denen besonders häufig getrickst wird. Sei es durch die Zugabe von Zuckersirup oder bei der Angabe der Herkunft oder der Sorte. Besucher können am BVL-Stand in einer Blindverkostung probieren, ob sie die Fälschung vom Naturprodukt unterscheiden können.

Bei einer weiteren Aktion erfahren die Verbraucher, warum die edle Seezunge im Restaurant ein profaner (und preiswerterer) Pangasius sein kann, und wie man erst im Labor den Betrug nachweisen kann.

Dass eine Lebensmittelfälschung auch die Gesundheit der Verbraucher gefährden kann, zeigt das Beispiel Nüsse. Während der weltweiten Aktion OPSON gegen Lebensmittelbetrug wurden 2017 in Deutschland Nussprodukte untersucht. Dabei wurden Haselnusspasten aus dem Verkehr gezogen, die teilweise große Anteile von Mandeln, Cashew- oder sogar Erdnüssen enthielten. Für Allergiker ein Betrug mit lebensgefährlichem Risiko.

Das BVL arbeitet im Kampf gegen Lebensmittelbetrüger eng mit den zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörden der Länder und mit den Strafverfolgungsbehörden (Staatsanwaltschaften, Polizei und Zollverwaltung) zusammen. Als nationale Kontaktstelle steht das BVL außerdem in Kontakt mit den anderen europäischen Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission. Über ein elektronisches System werden europaweit Informationen über Betrugsfälle ausgetauscht. So können Entwicklungen im Bereich des Lebensmittelbetrugs frühzeitig erkannt und präventiv Maßnahmen ergriffen werden, um den oft global handelnden Betrügern das Handwerk zu legen.

Diese grenzüberschreitende und interdisziplinäre Zusammenarbeit stellt das BVL verständlich und unterhaltsam in einem Comicfilm dar. Außerdem hat das BVL die wichtigsten Informationen zum Thema Lebensmittelbetrug in einem Flyer „Den Lebensmittelfälschern auf der Spur" zusammengestellt. Flyer und Film sind auf der Internetseite www.bvl.bund.de/lebensmittelbetrug frei verfügbar.

Hintergrundinformation
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist eine eigenständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Das BVL ist für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, Tierarzneimitteln und gentechnisch veränderten Organismen in Deutschland zuständig. Im Bereich der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit übernimmt es umfassende Managementaufgaben und koordiniert auf verschiedenen Ebenen die Zusammenarbeit zwischen dem Bund, den Bundesländern und der Europäischen Union.

Anhang

Presseinformation - Güne Woche - Den Lebensmittelfälschern auf der Spur
https://idw-online.de/de/attachment64246

Quelle: idw

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Fraunhofer IMWS testet umweltfreundliche Mikroplastik-Alternativen in Kosmetikartikeln

Michael Kraft Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

Nach wie vor wird in kosmetischen Pflegeprodukten Mikroplastik eingesetzt, obwohl die umweltschädigenden Folgen hinlänglich bekannt sind. Winzige Plastikpartikel aus Peelings und anderen Hautpflegeprodukten gelangen über die Abwassersysteme ins Meer und schließlich in unsere Nahrungskette. In einem Forschungsprojekt hat das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS gemeinsam mit Partnern Materialien getestet, die Mikroplastik in Kosmetikprodukten ersetzen können und biologisch abbaubar sind.

In vielen Kosmetikartikeln wie Körperpeelings oder Deodorants sind kleinste Kunststoffteilchen, sogenanntes Mikroplastik, beispielsweise aus Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) enthalten. Als »sanfte Abrasiva (Schleifmittel)« entfernen sie durch Reibung abgestorbene Hautschuppen und regen die Durchblutung der Haut an. Wegen ihrer chemischen Beständigkeit und ihrer Farb-, Geruchs- sowie Geschmacklosigkeit werden sie darüber hinaus auch häufig als Stabilisatoren und Füllmittel eingesetzt. Polyethylen und Polypropylen sind biologisch nicht abbaubar und wegen der geringen Partikelgröße von weniger als 5 Millimetern kann das mit Kosmetika ins Abwasser gelangte Mikroplastik in Kläranlagen nicht ausreichend entfernt werden. Damit gelangt es in die Umwelt und in unsere Gewässer. Im Meer werden die Mikroplastikpartikel von Lebewesen aufgenommen und gelangen so schlussendlich in unsere Nahrungskette. Viele Kosmetik-Hersteller haben daher angekündigt, auf den Einsatz von Mikroplastik zu verzichten und stattdessen in Zukunft geeignete Alternativen einzusetzen.

Mit dem jetzt abgeschlossenen Forschungsprojekt »KosLigCel« im Rahmen des Spitzenclusters BioEconomy leistet das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS einen Beitrag dazu. In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt wurden gemeinsam mit der CFF GmbH, einem Zellstoffverarbeiter aus Gehren in Thüringen, sowie der Skinomics GmbH aus Halle (Saale), die hauptsächlich für galenische und dermatologische Untersuchung der Produkte zuständig ist, erfolgreich Alternativen aus biologisch abbaubaren Materialien entwickelt und getestet.

Das Ziel war eine kostengünstige Herstellung biologisch abbaubarer Cellulosepartikel aus Buchenholz, Hafer, Weizen und Mais, die die Anforderungen an Abrasivität und Reinigungsleistung in Zahn- und Hautpflege-Produkten erfüllen. Konkret wurden Alternativen für Körperpeelings und Zahncremes getestet. Die besondere Herausforderung lag darin, die Cellulosepartikel so zu designen, dass ihre Größe, Form, Härte sowie Oberflächenstruktur zu den gewünschten Produkteigenschaften führt. Dazu wurde Cellulose aus Buchenholz speziell modifiziert und der Optimierungsprozess durch Mikrostrukturanalytik am Fraunhofer IMWS begleitet.

»Wir haben nach zweijähriger Forschungsarbeit mit den Projektpartnern sehr gute Ergebnisse erzielt: eine Testzahnpasta mit den optimierten Buchenholz-Cellulosepartikeln zeichnet sich durch eine geringe Abrasionswirkung, aber dennoch gute Reinigungsleistung aus«, sagt Dr. Sandra Sarembe, Projektkoordinatorin am Fraunhofer IMWS. Die biologisch abbaubaren Partikel in der Zahnpasta dienen der mechanischen Entfernung von bakterieller Plaque, Zahnverfärbungen und Essensrückständen, dabei dürfen sie den Zahnschmelz allerdings nicht beschädigen. »Bei der Materialcharakterisierung mehrerer Cellulose-Typen haben wir durchweg positive Daten erhoben. Dies gilt auch für den Einsatz dieser Stoffe in Waschpeelings und anderen Hautkosmetika«, sagt Sarembe weiter. Das Forscherteam konnte materialwissenschaftlich bestätigen, dass Cellulose-Partikel in Kosmetikprodukten als Ersatz für Polyethylen vergleichbare Wirkung zeigen. Zudem sind sie im Wasser biologisch abbaubar und können kostengünstig hergestellt werden. Auch als Füllstoff in Aluminium-freien Deodorants kommen die Cellulose-Partikel infrage.

»Die Nutzung von Cellulose als biobasierte Füllstoffe könnte auch in weiteren Einsatzfeldern wie in medizinischen Produkten möglich sein. Außerdem sind verschiedene Cellulose-Typen mischbar, die einen breiten Einsatz versprechen. Daher weisen die Partikel ein hohes Potenzial für neue Produktentwicklungen sowie attraktive Marketingmöglichkeiten für nachhaltige oder sogar vegane Produkte auf«, sagt Dr. Andreas Kiesow, Projektleiter am Fraunhofer IMWS.
Die gewonnen Ergebnisse können zukünftig auch für die Entwicklung in anderen Kosmetikbereichen wie etwa in der dekorativen Kosmetik für Mascara, Puder oder Lippenstift dienen.

Weitere Informationen:
https://www.imws.fraunhofer.de/de/presse/pressemitteilungen/imws-umweltfreundlic...

Quelle: idw

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Potenzial für eine grüne Wasserstoff-Wirtschaft

Christin Ernst M.A. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion

Erstmalige Charakterisierung einer sensorischen [FeFe] Hydrogenase gelungen
Hydrogenasen sind Enzyme, die in der Lage sind, Wasserstoffgas (H2) aus Protonen im wässrigen Milieu zu erzeugen. Eine Reaktion, die eine große Relevanz für eine potentielle zukünftige grüne Wasserstoffwirtschaft birgt.

Bakterien, die diese Enzyme enthalten, produzieren H2 häufig als Abfallprodukt ihres Zucker-basierten Metabolismus in Abwesenheit von Sauerstoff. Andere Bakterien können den Wasserstoff als Energiequelle nutzen. Hydrogenasen, die Schlüsselenzyme in beiden Prozessen sind nur unter speziellen Bedingungen erforderlich, d.h. ihre Synthese in dem Bakterium muss der Anwesenheit und Konzentration von H2 angepasst werden. Diese Regulation wird durch sogenannte sensorische oder regulatorische Hydrogenasen erreicht, die in der Lage sind, selbst kleinste Mengen von H2 im Medium zu detektieren und diese Information an die Protein-Synthesemaschinerie (für katalytische Hydrogenasen) weiterzuleiten.

Bis heute hat sich eine Klasse von Sensor-Hydrogenasen der Charakterisierung komplett entzogen, nämlich die der wichtigen [FeFe]-Hydrogenasen (HydS). Jetzt ist es einem Team von Wissenschaftlern am Max-Planck-Institut für Chemische Ernergiekonversion in Mülheim an der Ruhr und dem Institute of Low Temperature Science an der University of Hokkaido (Japan) gelungen, HydS aus dem thermophilen Bakterium Thermotoga maritima herzustellen und zu charakterisieren.1 Dieser Erfolg basiert auf der kürzlich entwickelten Technik der künstlichen Maturierung des Enzyms (Esselborn et al. Nat. Chem. Biol. 2013), sowie dem Einsatz moderner spektroskopischer Methoden, die zeigten wie das Protein das katalytische Zentrum in eleganter Weise feinabstimmt und es dadurch für seine sensorische Funktion optimiert.

Die Wissenschaftler zeigen, dass das katalytische Zentrum sehr empfindlich auch kleinste Mengen H2 detektiert, was dem Bakterium eine sehr effektive Signalübertragung erlaubt. Diese Ergebnisse stellen einen wesentlichen Schritt im Verständnis der Funktion der sensorischen Hydrogenasen dar. Die Kenntnis der Änderungen der Aminosäureumgebung im Sensor im Vergleich zu den katalytischen [FeFe]-Hydrogenasen ist ein wichtiges Element für das tiefere Verständnis dieser

Wasserstoff-umsetzenden bzw. -erzeugenden Proteine. Die umfassende Entschlüsselung des Mechanismus der Hydrogenasen bietet die Grundlage, um bessere bioinspirierte Katalysatoren für den Einsatz in Brennstoffzellen und Wasserelektrolyseuren zu entwickeln. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Energiewirtschaft, die auf Wasserstoff als Energieträger basiert.

1. Chongdar N, Birrell JA, Pawlak K, Sommer C, Reijerse EJ, Rüdiger O, Lubitz W, Ogata H (in press) J. Am. Chem. Soc. DOI: 10.1021/jacs.7b11287

Förderung
Diese Arbeit wurde unterstützt durch die Max-Planck-Gesellschaft und durch JSPS KAKENHI grant number 16K21748.

Original-Publikation
Nipa Chongdar, James A. Birrell, Krzysztof Pawlak, Constanze Sommer, Edward J. Reijerse, Olaf Rüdiger, Wolfgang Lubitz, Hideaki Ogata: Unique spectroscopic properties of the H-cluster in a putative sensory [FeFe] hydrogenase, Journal of the American Chemical Society, 2017, DOI: 10.1021/jacs.7b11287
http://pubs.acs.org/doi/10.1021/jacs.7b11287

Weitere Informationen:
https://cec.mpg.de/aktuelles/pressemitteilungen/pressemitteilungen/

Quelle: idw

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Fastfood macht Immunsystem langfristig aggressiver

Johannes Seiler Dezernat 8 - Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Auf eine fett- und kalorienreiche Kost reagiert das Immunsystem ähnlich wie auf eine bakterielle Infektion. Das zeigt eine aktuelle Studie unter Federführung der Universität Bonn. Besonders beunruhigend: Ungesundes Essen scheint die Körperabwehr langfristig aggressiver zu machen. Auch lange nach Umstellung auf gesunde Kost kommt es daher schneller zu Entzündungen. Diese fördern direkt die Entstehung von Arteriosklerose und Diabetes. Die Ergebnisse erscheinen in der renommierten Fachzeitschrift „Cell". ACHTUNG SPERRFRIST: Nicht vor Donnerstag, 11. Januar, 18 Uhr MEZ veröffentlichen!

Die Wissenschaftler setzten Mäuse einen Monat lang auf eine so genannte „westliche Diät": viel Fett, viel Zucker, wenig Ballaststoffe. Die Tiere entwickelten daraufhin eine massive körperweite Entzündung - fast wie nach einer Infektion durch gefährliche Bakterien. "Die ungesunde Diät hat zu einem unerwarteten Anstieg einiger Immunzellen im Blut geführt. Das war ein Hinweis auf eine Beteiligung von Vorläuferzellen im Knochenmark in dem Entzündungsgeschenen", berichtet Anette Christ, Postdoktorantin am Institut für Angeborene Immunität der Universität Bonn. Um diese Veränderungen besser zu verstehen, haben die Wissenschaftler die Vorläuferzellen von Immunzellen aus dem Knochenmark von Mäusen, die mit „westlicher Diät" oder normaler Diät gefüttert wurden, isoliert und eine systematische Analyse deren Funktion und Aktivierungsstatus durchgeführt.

„Genomische Untersuchungen zeigten tatsächlich, dass in den Vorläufer-Zellen durch die westliche Diät eine große Anzahl von Genen aktiviert wurde. Betroffen waren unter anderem Erbanlagen für ihre Vermehrung und Reifung. Fastfood führt also dazu, dass der Körper rasch eine riesige schlagkräftige Kampftruppe rekrutiert", erklärt Prof. Dr. Joachim Schultze vom Life & Medical Sciences Institute (LIMES) der Universität Bonn und vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE).

Wenn die Forscher den Nagern nun vier weitere Wochen lang arttypische Getreide-Kost anboten, verschwand die akute Entzündung. Was nicht verschwand, war die genetische Reprogrammierung der Immunzellen: Auch nach diesen vier Wochen waren in ihnen noch viele der Erbanlagen aktiv, die in der Fastfood-Phase angeschaltet worden waren.

„Fastfood-Sensor" in den Immunzellen
„Wir wissen erst seit kurzem, dass das angeborene Immunsystem über ein Gedächtnis verfügt", erklärt Prof. Dr. Eicke Latz, Leiter des Instituts für angeborene Immunität der Universität Bonn und Wissenschaftler am DZNE. „Nach einer Infektion bleibt die Körperabwehr in einer Art Alarmzustand, um dann schneller auf einen neuen Angriff reagieren zu können." Experten nennen das „innate immune training". Bei den Mäusen wurde dieser Prozess nicht durch ein Bakterium ausgelöst, sondern durch ungesunde Ernährung.

Die Wissenschaftler konnten sogar den „Fastfood-Sensor" in den Immunzellen identifizieren, der dafür verantwortlich ist. Sie untersuchten dazu Blutzellen von 120 Testpersonen. Bei einigen dieser Probanden zeigte das angeborene Immunsystem einen besonders starken Trainings-Effekt. In ihnen fanden die Forscher genetische Hinweise darauf, dass daran ein so genanntes Inflammasom beteiligt ist. Inflammasome sind Sensoren des angeborenen Immunsystems. Sie erkennen schädliche Substanzen und setzen in der Folge hoch entzündliche Botenstoffe frei.

Das in der Studie identifizierte Inflammasom wird durch bestimmte Nahrungsmittel-Inhaltsstoffe aktiviert. Das hat neben der akuten Entzündungsreaktion interessanterweise auch langfristige Konsequenzen: Die Aktivierung verändert nämlich die Art und Weise, in der die Erbinformation verpackt ist. Die Erbanlagen sind in der DNA gespeichert. Jede Zelle enthält mehrere DNA-Fäden, die zusammen ungefähr zwei Meter lang sind. Sie sind jedoch um Proteine gewickelt und stark verknäuelt. Viele Gene auf der DNA lassen sich daher gar nicht ablesen - sie sind einfach zu schlecht zugänglich.

Ungesunde Ernährung führt nun dazu, dass sich manche dieser normalerweise versteckten DNA-Teile entrollen - ungefähr so, als wenn eine Schlaufe aus einem Wollknäuel heraushängt. Dieser Bereich der Erbsubstanz wird dadurch langfristig leichter ablesbar. Wissenschaftler sprechen von epigenetischen Änderungen. „Das Inflammasom stößt solche epigenetischen Änderungen an", erläutert Prof. Latz. „Das Immunsystem reagiert in der Folge schon auf kleine Reize mit stärkeren Entzündungsantworten."

Dramatische Folgen für die Gesundheit
Diese wiederum können die Entstehung von Gefäßkrankheiten oder auch Typ 2-Diabetes drastisch beschleunigen. Bei der Arteriosklerose etwa bestehen die typischen Gefäßablagerungen, die Plaques, zum großen Teil aus Lipiden und Immunzellen. Die Entzündungsreaktion trägt direkt zu ihrem Wachstum bei, denn dabei wandern stetig neue aktivierte Immunzellen in die veränderten Gefäßwände ein. Wenn die Plaques zu groß werden, platzen sie auf, werden vom Blutstrom fortgetragen und können andere Gefäße verstopfen. Mögliche Folgen: Schlaganfall oder Herzinfarkt.

Fehlernährung kann also dramatische Konsequenzen haben. In den letzten Jahrhunderten ist die durchschnittliche Lebenserwartung in den westlichen Ländern stetig gestiegen. Dieser Trend wird gerade erstmalig durchbrochen: Wer heute geboren wird, wird im Schnitt vermutlich kürzer leben als seine Eltern. Falsches Essen und zu wenig Bewegung dürften daran einen entscheidenden Anteil haben.

„Diese Erkenntnisse haben daher eine enorme gesellschaftliche Relevanz", erklärt Latz. „Die Grundlagen einer gesunden Ernährung müssen noch viel stärker als heute zum Schulstoff werden. Nur so können wir Kinder frühzeitig gegen die Verlockungen der Lebensmittel-Industrie immunisieren - bevor diese langfristige Konsequenzen entfalten. Kinder haben jeden Tag die Wahl, was sie essen. Wir sollten ihnen ermöglichen, bei ihrer Ernährung eine bewusste Entscheidung zu treffen."

An der Arbeit waren Gruppen aus den Niederlanden, den USA, Norwegen und Deutschland beteiligt. Latz und Schultze sind Mitglieder im Exzellenzcluster „ImmunoSensation", in dem es um die Leistungen des angeborenen Immunsystems geht. Latz gilt als einer der international profiliertesten Forscher auf diesem Gebiet. Im Dezember wurde er für seine Arbeit mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ausgezeichnet. Dieser gilt als einer der renommiertesten Wissenschaftspreise in Deutschland.

Publikation: Anette Christ, Patrick Günther, Mario A.R. Lauterbach , Peter Duewell, Debjani Biswas, Karin Pelka, Claus J. Scholz, Marije Oosting, Kristian Haendler, Kevin Baßler, Kathrin Klee, Jonas Schulte-Schrepping, Thomas Ulas, Simone J.C.F.M. Moorlag, Vinod Kumar, Min Hi Park, Leo A.B. Joosten, Laszlo A. Groh, Niels P. Riksen, Terje Espevik, Andreas Schlitzer, Yang Li, Michael L. Fitzgerald, Mihai G. Netea, Joachim L. Schultze und Eicke Latz: Western diet triggers NLRP3-dependent innate immune reprograming; Cell, DOI: 10.1016/j.cell.2017.12.013

Kontakt:
Prof. Dr. Eicke Latz
Institut für angeborene Immunität der Universität Bonn
und Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)
Tel.: 0228/287-51223
E-Mail: eicke.latz@uni-bonn.de

Quelle: idw

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Klimawandel lässt Flüsse über die Ufer treten: Anpassung nötig

Jonas Viering Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Veränderte Regenfälle als Folge der globalen Erwärmung werden das Risiko von Überschwemmungen an Flüssen vielerorts stark erhöhen. Schon heute gehören derartige Fluten zu den häufigsten und verheerendsten Naturkatastrophen. Wissenschaftler haben jetzt die bis in die 2040er Jahre nötige Erhöhung des Hochwasserschutzes in allen Teilen der Welt berechnet, bis hinunter zu einzelnen Regionen und Städten. Sie stellen fest, dass der Anpassungsbedarf in den USA, in Teilen Indiens und Afrikas, in Indonesien und in Mitteleuropa einschließlich Deutschland am größten ist. Ohne Gegenmaßnahmen wären viele Millionen Menschen von schweren Überschwemmungen bedroht.

„Mehr als die Hälfte der USA müssen ihr Schutzniveau innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte mindestens verdoppeln, wenn sie einen dramatischen Anstieg der Hochwasserrisiken vermeiden wollen", sagt Leit-Autor Sven Willner vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Ohne zusätzliche Anpassungsmaßnahmen - wie Deichausbau, verbessertes Flussmanagement, Veränderung von Baustandards oder Verlagerung von Siedlungen - würde sich die Zahl der Menschen, die von den stärksten 10 Prozent der Hochwasserereignisse betroffen sind, vielerorts erhöhen: In Nordamerika von 0,1 auf 1 Million - eine Verzehnfachung. In Deutschland könnte die Zahl von 0,1 auf 0,7 Millionen steigen, also um das Siebenfache.

Die absoluten Werte sind anderswo noch erheblich größer: In Südamerika kann die Zahl der von Hochwasserrisiken betroffenen Menschen voraussichtlich von 6 auf 12 Millionen steigen, in Afrika von 25 auf 34 Millionen, und in Asien von 70 auf 156 Millionen. Die realen Zahlen betroffener Menschen könnten in Zukunft noch höher ausfallen, da in der Studie das Bevölkerungswachstum und die zunehmende Urbanisierung nicht berücksichtigt werden.

+++Auch in hoch entwickelten Ländern mit guter Infrastruktur muss viel getan werden+++
Die Untersuchung basiert auf umfassenden Computersimulationen, bei denen vorhandene Daten zu Flüssen aus einer Vielzahl von Quellen verwendet werden. „Diese Daten liegen zwar nicht für jeden Fluss in den entlegensten Winkeln unseres Planeten in höchster Präzision vor, aber sie sind hinreichend gut für all jene Orte, an denen viele Menschen leben, wo viele finanzielle Werte gebunden sind, und wo das Hochwasserrisiko erheblich ist - wir wissen also genug über die Orte, auf die es ankommt", erklärt Willner. Daten über Veränderungen von Niederschlägen, Verdunstung und Wasserkreisläufen stammen aus dem weltweit größten Projekt zum Vergleich von Modellen zur Klimawirkung (ISIMIP), koordiniert von Katja Frieler am PIK. Die räumliche Auflösung der neuen Studie ist etwa zehnmal höher als bei gängigen Computersimulationen des Klimas.

„Wir waren überrascht, dass selbst in hoch entwickelten Ländern mit guter Infrastruktur der Anpassungsbedarf so groß ist", sagt Co-Autor Anders Levermann, Leiter der globalen Anpassungsforschung am PIK und Forscher am Lamont-Doherty Earth Observatory der Columbia University in New York. „In der Studie nehmen wir an, dass die Menschen das Schutzniveau, das sie heute haben, behalten wollen - sie wollen nicht, dass es schlechter wird. Folglich muss in Ländern mit einem recht guten Schutzniveau viel getan werden, um den Standard aufrecht zu erhalten und zu verhindern, dass Menschen aufgrund von Überschwemmungen tatsächlich ihre Häuser verlassen müssen."

+++Jenseits der Zwei-Grad-Grenze wird Anpassung schwierig+++
Die Zunahme der Hochwasserrisiken in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten wird durch die Menge an Treibhausgasen verursacht, die wir bereits in die Atmosphäre gebracht haben; die Entwicklung in diesem Zeitraum hängt also nicht davon ab, ob wir die globale Erwärmung begrenzen.

„Wenn wir allerdings die vom Menschen verursachte Erwärmung nicht auf deutlich unter 2 Grad Celsius begrenzen, dann werden bis zum Ende unseres Jahrhunderts die Hochwasserrisiken vielerorts in einem solchen Maße ansteigen, dass Anpassung schwierig wird", erklärt Levermann. „Um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten, müssen klimabedingte Risiken ernst genommen und sehr schnell Geld für Anpassung bereitgestellt werden. Wenn wir jetzt handeln, können wir uns gegen die Risiken der nächsten zwei Jahrzehnte absichern. Weiter fortschreitender Klimawandel muss jedoch durch die Abkehr von fossilen Brennstoffen begrenzt werden, um Veränderungen zu vermeiden, die unsere Anpassungsfähigkeiten übersteigen. Solange wir Kohle, Gas und Öl verbrennen, steigt die Temperatur unseres Planeten und die Gefahr nimmt zu."

„Die Ergebnisse sollten eine Warnung für die Entscheidungsträger sein", so Levermann weiter. „Wenn wir das Thema zu ignorieren, werden die Folgen verheerend. Wir müssen jetzt beides tun: Anpassung an den bereits verursachten Klimawandel und Begrenzung zukünftiger Erwärmung. Nichtstun wäre gefährlich."

Artikel: Sven N. Willner, Anders Levermann, Fang Zhao, Katja Frieler (2018): Adaptation required to preserve future high-end river flood risk at present levels. Science Advances [DOI:10.1126/sciadv.aao1914]

Weblink zum Artikel, sobald er veröffentlicht ist: https://doi.org/10.1126/sciadv.aao1914

Kontakt für weitere Informationen:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
Telefon: +49 (0)331 288 2507
E-Mail: presse@pik-potsdam.de
Twitter: @PIK_Klima
www.pik-potsdam.de

Quelle: idw

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2017 steigen die Tariflöhne nominal um 2,4 Prozent - Real ein Plus von 0,6 Prozent

Rainer Jung Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Tarifbilanz des WSI-Tarifarchivs:

2017 steigen die Tariflöhne nominal um 2,4 Prozent - Real ein Plus von 0,6 Prozent
Die Tariflöhne und -gehälter haben im Jahr 2017 nominal im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt um 2,4 Prozent zugelegt. Nach Abzug des Verbraucherpreisanstiegs von 1,8 Prozent ergibt sich daraus ein realer Zuwachs der Tarifvergütungen um 0,6 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die Bilanz der Tarifpolitik des Jahres 2017, die das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung heute vorlegt.

„Da die Inflationsrate wieder spürbar höher ist, fällt der Reallohnzuwachs 2017 im Vergleich zu den Vorjahren deutlich geringer aus", sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Prof. Dr. Thorsten Schulten. „In den Jahren 2014 bis 2016 stiegen die Tariflöhne wegen der sehr geringen Preissteigerung real zwischen 1,9 und 2,4 Prozent und haben damit einen wesentlichen Beitrag für den ökonomischen Aufschwung in Deutschland gelegt. Der von den Lohnerhöhungen ausgehende Impuls für die Binnennachfrage hat sich 2017 - wenn auch in abgeschwächter Form - weiter fortgesetzt. Und auch in diesem Jahr sind spürbare Reallohnzuwächse wichtige Faktoren für eine stabile, balancierte Wirtschaftsentwicklung", so Schulten (siehe auch Abbildung 1 in der pdf-Version dieser Pressemeldung; Link unten).

Bei der Berechnung der kalenderjährlichen Tariferhöhungen für das Jahr 2017 werden sowohl die Neuabschlüsse aus dem Jahr als auch Abschlüsse aus den Vorjahren, die eine Laufzeit bis mindestens Ende 2017 haben, berücksichtigt. Insgesamt schlossen die DGB-Gewerkschaften in Deutschland im vergangenen Jahr Lohn- und Gehaltstarifverträge für rund 8,7 Millionen Beschäftigte ab, darunter etwa 7,2 Millionen in den alten und 1,5 Millionen in den neuen Bundesländern. Die Laufzeit der Verträge beträgt durchschnittlich 25,6 Monate und liegt damit höher als im Vorjahr mit 22,8 Monaten. Für weitere 10,5 Millionen Beschäftigte traten im Jahr 2017 Erhöhungen in Kraft, die bereits 2016 oder früher vereinbart worden waren.

Zwischen den verschiedenen Branchen zeigen sich deutliche Unterschiede. Am höchsten fällt 2017 die jahresbezogene Tarifsteigerung mit nominal 3,1 Prozent in der Textil- und Bekleidungsindustrie aus, gefolgt vom Metallhandwerk mit 3,0 Prozent. Etwas oberhalb des Durchschnitts liegen die Tariferhöhungen im Öffentlichen Dienst und dem Hotel- und Gaststättengewerbe mit jeweils 2,7 Prozent, der Chemischen Industrie mit 2,6 Prozent sowie der Metallindustrie und dem Privaten Verkehrsgewerbe mit jeweils 2,5 Prozent. Genau den gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt von 2,4 Prozent erreichen das Bauhauptgewerbe, die Gebäudereinigung und die Deutsche Bahn AG. Auch die verschiedenen Tarifbranchen des Nahrungs-und Genussmittelgewerbes kommen im Durchschnitt auf einen Lohnzuwachs von 2,4 Prozent. Um 2,2 Prozent steigen die Tariflöhne bei der Deutschen Telekom AG.

Im Versicherungsgewerbe beträgt die kalenderjährliche Tariferhöhung 1,9 Prozent, im Einzelhandel 1,8 Prozent, in der Druckindustrie 1,7 Prozent und in der Eisen- und Stahlindustrie 1,6 Prozent. Die Holz- und Kunststoff verarbeitende Industrie, der Großhandel, die Deutsche Post AG sowie das Bankgewerbe verzeichnen für 2017 Tariferhöhungen zwischen 1,5 und 1,1 Prozent (siehe Abbildung 2 in der pdf-Version).

Insgesamt konnte nach der WSI-Analyse im Jahr 2017 der gesamtwirtschaftliche Verteilungsspielraum - gemessen als Summe aus Preis- und Produktivitätsentwicklung - durch die Tariflohnzuwächse annähernd ausgeschöpft werden, nachdem die Tariflöhne in den Jahren zuvor teilweise deutlich darüber lagen. Berücksichtigt man hingegen bei der Kalkulation des Verteilungsspielraums nicht nur die tatsächliche Preisentwicklung, sondern auch die Zielinflationsrate der Europäischen Zentralbank von annähernd 2 Prozent, so zeigt sich, dass die Lohnentwicklung nach wie vor eher moderat verlaufen ist und immer noch erheblichen Spielraum nach oben aufweist.

„Angesichts der guten Konjunkturentwicklung und der relativ niedrigen Arbeitslosigkeit deuten die Zeichen der bereits begonnenen Tarifrunde 2018 eindeutig auf eine expansivere Lohnpolitik", sagt der WSI-Tarifexperte Schulten. „Dies wird auch durch die aufgestellten Tarifforderungen der Gewerkschaften unterstrichen, die mit zumeist 6 Prozent Lohnerhöhung sowie weiteren Komponenten zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen deutlich oberhalb der Vorjahre liegen."

Ansprechpartner in der Hans-Böckler-Stiftung
Prof. Dr. Thorsten Schulten
Leiter WSI-Tarifarchiv
Tel.: 0211 / 77 78-239
E-Mail: Thorsten-Schulten@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211 / 77 78-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Weitere Informationen:
https://www.boeckler.de/pdf/pm_ta_2018_01_11.pdf - Die PM mit Grafiken (pdf)

Quelle: idw

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Neue US-Bluthochdruck-Leitlinien: Wie tief soll der Blutdruck in Deutschland gesenkt werden?

Michael Wichert Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Herzstiftungs-Experte: „Bei gut eingestelltem Blutdruck kein zusätzlicher Handlungsbedarf" / Nur geringe Unterschiede zwischen aktuellen europäischen und neuen US-Leitlinien

Seit die amerikanische Fachgesellschaft für Kardiologie (AHA) und das American College of Cardiology (ACC) die Grenzwerte für Bluthochdruck neu definiert und von 140/90 mmHg auf 130/80 mmHg herabgesetzt haben*, stellt sich die Frage, ob wir die neuen Grenzwerte für Bluthochdruck übernehmen müssen. „Bei genauem Hinsehen werden die Unterschiede zwischen den neuen US-Grenzwerten und dem jetzigen Vorgehen in Deutschland geringer. Schon heute sollten Menschen mit einem Blutdruck über 140/90 mmHg medikamentös behandelt werden, wenn eine Lebensstiländerung den Blutdruck nicht ausreichend senkt. Für diese Gruppe ändert sich also nichts, weder in Deutschland noch in den USA", betont Herzspezialist Prof. Dr. med. Heribert Schunkert vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Klinikdirektor und stv. Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums München. Die optimale Einstellung des Blutdrucks ist wichtig, weil ein nicht oder nicht ausreichend behandelter Bluthochdruck das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzschwäche deutlich erhöht.

Zum Tragen komme die neue US-Definition bei den Werten 130/80 bis 139/89 mmHg: „In Amerika hat man nun mit diesen Werten einen Bluthochdruck, wohingegen man in Deutschland von einem hoch-normalen Bluthochdruck spricht. In jedem Fall sollte man bei diesen Blutdruckwerten einen gesunden Lebenswandel führen: So sollte das Gewicht optimal und die Ernährung salzarm und reich an Gemüse und Obst sein, wie sie die Mittelmeerküche propagiert. Auch sollte für ausreichend viel Bewegung gesorgt und der Stress reduziert werden." All diese Empfehlungen gelten für beide Seiten des Atlantiks, also gleichermaßen mit der alten und der neuen Definition.

Bei welchen Blutdruckwerten sind Medikamente einzunehmen?
Nur wenn schon eine Herzerkrankung vorliegt oder ein Schlaganfall aufgetreten war, wird mit der neuen US-Definition eine medikamentöse Behandlung der Blutdruckwerte von 130/80 mmHg und darüber empfohlen. Schunkert zufolge ist diese Empfehlung nicht ganz neu, weil Studien bereits in der Vergangenheit gezeigt hätten, dass Menschen mit hohem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, z. B. nach einem Herzinfarkt, von der Einnahme eines ACE-Hemmers profitieren, wenn der Blutdruck in diesem Bereich liegt. „Auch diese Empfehlung gilt schon heute, wenn auch nur für relativ wenige Patienten. Insgesamt betrachtet unterscheiden sich unsere aktuellen nicht so sehr von den neuen US-Empfehlungen." So soll auch nach den Verlautbarungen der AHA längst nicht jeder Patient mit Blutdruckwerten von 130/80 bis 139/89 mmHg ein Medikament einnehmen. „Nur wenn das kardiovaskuläre Risiko bei diesen Werten sehr hoch ist und die Lebensstilmaßnahmen zur Blutdrucksenkung keinen Erfolg hatten, führt der Weg an der medikamentösen Blutdrucksenkung in Amerika nicht vorbei."

SPRINT-Studie war Basis der neuen US-Bluthochdruck-Definition
Die US-Fachgesellschaften stützen ihre neuen Empfehlungen ganz wesentlich auf die in Fachkreisen viel diskutierte SPRINT-Studie (2015**), die gezeigt hat, dass bei Hochrisiko-Patienten bei niedrigeren Blutdruckwerten (um die 120 mmHg für den oberen Wert) langfristig bessere Ergebnisse erzielt werden. So konnte in dieser Studie bei einer erfolgreichen Blutdrucksenkung in diesen Bereich langfristig die Wahrscheinlichkeit für einen Schlaganfall oder gar ein Todesereignis gesenkt werden. Allerdings sind die besonderen Bedingungen der Blutdruckmessungen in der SPRINT-Studie zu beachten: die Patienten wurden in einem Raum für 10-15 Minuten alleine gelassen, bevor eine automatische Blutdruckmessung die Werte erhoben hat. So wurde verhindert, dass durch Stress oder körperliche Anstrengung höhere Werte gemessen werden. „Dadurch haben die Werte in der neuen amerikanischen Definition nur bei optimaler Blutdruckmessung Geltung, so wie sie bei der SPRINT-Studie praktiziert wurde", betont Prof. Schunkert. „Umgekehrt müssen deshalb bei einer Messung vom Hausarzt in etwa 5-10 mmHg abgezogen werden, um auf das vergleichbare Niveau der amerikanischen Leitlinien zu kommen." (Siehe dazu die Tabelle zur Blutdruckmessung in der Arztpraxis).
Bezieht man die unterschiedlichen Messmethoden für den Blutdruck mit in die Betrachtung ein, werden die Unterschiede zwischen den amerikanischen und europäischen Empfehlungen noch geringer. „Augenblicklich besteht bei einem gut eingestellten Blutdruck kein zusätzlicher Handlungsbedarf. Die US-Leitlinien erinnern jedoch daran, wie wichtig es ist, den Bluthochdruck als Risikofaktor ernst zu nehmen und konsequent zu behandeln."

*Whelton PK et al, 2017 High Blood Pressure Clinical Practice Guideline, Hypertension.2017
**Randomized Trial of Intensive versus Standard Blood-Pressure Control, NEJM, Nov. 2015

Kardiologen raten zum Blutdruck-Pass: Der kostenfreie Blutdruck-Pass der Herzstiftung kann unter www.herzstiftung.de/Blutdruckpass.html - per E-Mail unter bestellung@herzstiftung.de oder telefonisch unter 069 955128-400 angefordert werden.

Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle:
Michael Wichert /Pierre König
Tel. 069/955128114/-140
E-Mail: wichert@herzstiftung.de/
koenig@herzstiftung.de
www.herzstiftung.de

Weitere Informationen:
https://www.herzstiftung.de/Blutdruckpass.html
https://www.herzstiftung.de/presse/bildmaterial/foto-heribert-schunkert-heli.jpg
https://www.herzstiftung.de/presse/bildmaterial/blutdruck-pass-29-2016.jpg
https://www.herzstiftung.de/bildmaterial/tabelle/praxis-blutdruck-messung.jpg

Anhang
PM_DHS_Neue Bluthochdruck-Grenzwerte aus Amerika_2017-12

Quelle: idw

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Versauerung: Wie der Klimawandel die Süßgewässer belastet

Meike Drießen Dezernat Hochschulkommunikation
Ruhr-Universität Bochum

Nicht nur die Ozeane versauern durch den menschgemachten Klimawandel, auch Süßwassersysteme sind betroffen - und das könnte Folgen für die darin lebenden Organismen haben. Zu diesem Schluss kommen Biologinnen und Biologen der Ruhr-Universität Bochum nach einer Analyse von Langzeitdaten verschiedener deutscher Talsperren und kontrollierten Laborexperimenten mit Süßwasserorganismen. Die Ergebnisse veröffentlicht das Team um Dr. Linda Weiss, Leonie Pötter und Prof. Dr. Ralph Tollrian vom Bochumer Lehrstuhl für Evolutionsökologie und Biodiversität der Tiere in der Zeitschrift „Current Biology" vom 22. Januar 2018, die online bereits verfügbar ist.

„Die Versauerung der Ozeane wird oft als böser Zwilling des Klimawandels bezeichnet", sagt Weiss. „In der Tat belegen inzwischen viele Studien, dass die marinen Ökosysteme unter den steigenden Kohlendioxidmengen in den Weltmeeren leiden. Süßwassersysteme sind bislang kaum erforscht worden. Unsere Studie belegt jedoch, dass auch die Versauerung von Seen ein Problem ist."

CO2-Werte in vier Talsperren über 35 Jahre analysiert
Das Bochumer Team wertete Daten von vier deutschen Talsperren aus, die als Trinkwasserquellen dienen und monatlich kontrolliert werden. Das Wasserwirtschaftsunternehmen Ruhrverband stellte die Messwerte von 1981 bis 2015 zur Verfügung. Daten bis 1999 lagen zunächst nur in Papierform vor und wurden im mehrtägiger Arbeit von Leonie Pötter und drei freiwilligen Studierenden digitalisiert.

Die Analyse ergab, dass die CO2-Menge in den Talsperren über die Zeit kontinuierlich anstieg und der pH-Wert um durchschnittlich 0,01 pro Jahr sank. Um die ökologischen Folgen dieses Wandels abschätzen zu können, untersuchten die Bochumer Biologinnen und Biologen, wie sich die veränderten Umweltbedingungen auf eine Schlüsselart in Süßwasser-Ökosystemen auswirkt. Sie arbeiteten mit Daphnien, auch Wasserflöhe genannt, die Nahrungsquelle für viele andere Organismen sind.

Reaktion auf Fressfeinde untersucht
Daphnien bilden in Anwesenheit von Fressfeinden verschiedene Verteidigungsmechanismen aus; sie ändern etwa ihre Körperform oder lassen kleine Dornen im Nacken wachsen. Wie genau die Reaktion der Daphnien ausfällt, hängt davon ab, welcher Räuber hauptsächlich in ihrer Umgebung lebt. Die Wasserflöhe erkennen ihre Fressfeinde anhand von chemischen Signalen, die sie sozusagen riechen können, und prägen entsprechende Verteidigungen aus. Das sichert das langfristige Überleben der Population.

Die Forscherinnen und Forscher untersuchten zwei Arten von Daphnien in drei verschiedenen Kulturmedien, die sich in der Menge an CO2 im Wasser unterschieden. Zu einigen Daphnien-Proben gaben sie die chemischen Signale hinzu, über die die Wasserflöhe normalerweise die Anwesenheit ihrer Fressfeinde aufspüren: die Räuberstoffe der Büschelmückenlarve Chaoborus und der Wasserwanze Notonecta. Sie erfassten dann, wie die Daphnien auf die chemischen Signale unter den verschiedenen CO2-Bedingungen reagierten.

Erhöhte CO2-Werte bremsen Abwehrmechanismen
Die Ergebnisse waren für beide untersuchten Arten, Daphnia pulex und Daphnia longicephala, gleich: Je höher die CO2-Konzentration im Kulturmedium war, desto weniger stark waren die Verteidigungen der Daphnien ausgeprägt. Der Grund: Die erhöhten CO2-Level störten vermutlich den Riechsinn der Wasserflöhe; sie konnten die chemischen Signalstoffe und somit die Anwesenheit ihrer Fressfeinde schlechter detektieren als bei niedrigeren CO2-Werten.

„Viele Süßwasserorganismen verlassen sich auf ihren Riechsinn", erklärt Linda Weiss. „Wenn die steigenden CO2-Werte diesen Sinn auch bei anderen Spezies beeinträchtigen, könnte das weitreichende Folgen für das gesamte Ökosystem haben. Wir brauchen nun weitere Studien, um herauszufinden, ob es sich bei der Versauerung von Süßwassersystemen um ein globales Phänomen handelt und wie andere Spezies auf steigende CO2-Werte reagieren."

Förderung
Linda Weiss wurde von der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina unterstützt, Co-Autorin Leonie Pötter von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

Originalveröffentlichung
Linda Weiss, Leonie Pötter, Annika Steiger, Sebastian Kruppert, Uwe Frost, Ralph Tollrian: Rising pCO2 in freshwater ecosystems has the potential to negatively affect predator induced defenses in Daphnia, in: Current Biology, 2018, DOI: 10.1016/j.cub.2017.12.022, http://www.cell.com/current-biology/pdfExtended/S0960-9822(17)31655-X

Pressekontakt
Dr. Linda Weiss
Lehrstuhl für Evolutionsökologie und Biodiversität der Tiere
Fakultät für Biologie und Biotechnologie
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 32 25072
E-Mail: linda.weiss@rub.de

Weitere Informationen:
Fotos zu dieser Presseinformation sind online verfügbar unter:
http://news.rub.de/presseinformationen/wissenschaft/2018-01-12-versauerung-wie-d...

Quelle: idw

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Ob Fußballtrainer, Ärzte ohne Grenzen oder Trachtengruppen: Freiwilliges Engagement ist bunt

Sylvia Nagel Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Altersfragen

Jährlich am fünften Dezember werden mit dem Internationalen Tag des Ehrenamts die vielen Menschen, die freiwillig und unbezahlt in verschiedensten Bereichen tätig sind, anerkannt. An diesem Tag wird für das Engagement geworben.

Das Engagement ist bunt und erstreckt sich über eine Vielzahl gesellschaftlicher Bereiche. Sport ist mit Abstand der Bereich, in dem sich die meisten Menschen in Deutschland engagieren, sei es als Trainer im Fußball- oder Sportverein, Platzwart oder Kassenwart in einer Wandergruppe. Doch auch das Engagement im sozialen Bereich ist umfangreich und vielfältig. Menschen engagieren sich in der Obdachlosenbetreuung und Kältehilfe, sind da, wenn Katastrophenhelfer gebraucht werden oder arbeiten in ihrer freien Zeit bei den Ärzten ohne Grenzen. Vielfältig sind auch die freiwilligen Tätigkeiten im kulturellen Bereich, z.B. als Leiter einer Trachtentanzgruppe, als Regisseurin der freien Theatergruppe aber auch als Mitarbeiter in der museumspädagogischen Arbeit.

In Deutschland engagieren sich immer mehr Menschen, dies belegen die Daten des Deutschen Freiwilligensurveys. Waren es 1999 noch 34 Prozent sind es nach der aktuellen Erhebung 43 Prozent, also rund 31 Millionen Menschen ab 14 Jahren. Das freiwillige Engagement ist insgesamt in fast allen der 14 untersuchten Bereiche gestiegen, allem voran in den Bereichen Sport, Soziales und Kultur.

Das freiwillige Engagement ist für die Gesellschaft von großem Vorteil: Es stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt, trägt zum Funktionieren des Gemeinwesens bei und ist nicht zuletzt eine zentrale Form der sozialen Teilhabe.

Datengrundlage
Der Deutsche Freiwilligensurvey (FWS) ist eine repräsentative Befragung zum freiwilligen Engagement in Deutschland, die sich an Personen ab 14 Jahren richtet. Im Jahr 2014 wurde die vierte Welle der Befragung durchgeführt. Die wissenschaftliche Leitung liegt seit dieser Welle beim Deutschen Zentrum für Altersfragen. Gefördert wird der Survey aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

Der Bericht „Freiwilliges Engagement in Deutschland - Der Deutsche Freiwilligensurvey 2014" ist als Buch und als open access Publikation erhältlich: Julia Simonson, Claudia Vogel & Clemens Tesch-Römer (Hrsg.) (2017). Freiwilliges Engagement in Deutschland - Der Deutsche Freiwilligensurvey 2014. Wiesbaden: Springer VS.
http://link.springer.com/book/10.1007%2F978-3-658-12644-5

Eine ausführliche Darstellung der unterschiedlichen Engagementbereiche finden sie unter: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-12644-5_4

Quelle: idw

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Der Artnachweis aus der Wasserflasche

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Mit der Umwelt-DNA-Analyse werden Gewässerlebewesen nachweisbar, ohne dass sie gefangen werden müssen. Ein Team der Technischen Universität München (TUM) hat erstmals systematisch untersucht, wie verschiedene Umweltfaktoren auf Umwelt-DNA-Analysen wirken. Die Wissenschaftler schaffen damit eine wichtige Grundlage zur standardisierten Verwendung der Methode im Gewässermonitoring.

Beim Erstellen einer Umwelt-DNA-Analyse (eDNA) werden winzige Mengen an DNA, die Organismen ins Wasser abgeben mit modernsten molekulargenetischen Analyseverfahren nachgewiesen. Eine einzige Wasserprobe ist dafür ausreichend. Diese Methode funktioniert aber nicht in allen Gewässern gleich gut und wird daher mit großer Wahrscheinlichkeit von den jeweiligen Gegebenheiten im Gewässer beeinflusst. Dies können organische und anorganische Bestandteile im Wasser sein oder die Strömungsbedingungen. Wie stark sich die einzelnen Faktoren auf das Analyseverfahren auswirken, wurde bisher kaum erforscht.

Dr. Bernhard Stoeckle und Dr. Sebastian Beggel, Wissenschaftler des Lehrstuhls für Aquatische Systembiologie und der AG Molekulare Zoologie (Lehrstuhl für Zoologie) an der TUM haben in einem Experiment den Einfluss verschiedenster Umweltfaktoren auf die eDNA-Analyse untersucht. Die Idee für den Versuch basierte auf vorhergehenden eDNA-Untersuchungen bei einer heimischen Muschelart, für die die Methode erstmals etabliert wurde.

Systematischer Versuchsaufbau
In einem systematischen Laboraufbau wurden Fische der invasiven Schwarzmundgrundel (Neogobius melanostomus) in unterschiedlichen Dichten, unter verschiedenen Strömungsbedingungen, mit und ohne Sediment in Aquarien gehalten und nach einem definierten Zeitraum aus den Becken entfernt.

Im Anschluss nahmen die Forscher in regelmäßigen Abständen über einen Zeitraum von sechs Tagen Wasserproben, um auch die zeitliche Veränderung der Effektivität der eDNA-Analyse bewerten zu können. Zusätzlich gaben die Wissenschaftler mehrere, die molekulare Analyse potentiell hemmende Stoffe wie Algen, Huminstoffe und anorganische Schwebeteilchen ins Wasser, die ebenfalls in natürlichen Ökosystemen vorkommen.

„Das ist wichtig, da wir sonst die Ergebnisse nicht auf eDNA-Untersuchungen im Freiland übertragen können", erklärt Bernhard Stoeckle. Um herauszufinden welche Faktoren den stärksten Einfluss haben, verglichen die Forscher schließlich die eDNA-Ergebnisse aller Wasserproben miteinander.

Stärke des Einflusses von Faktoren verändert sich mit der Zeit
Die Auswertung des Experiments zeigte zum einen, dass über den gesamten Versuchszeitraum die Strömungsbedingungen, das Vorhandensein und Fehlen von Sediment sowie die Fischdichte sich nur in Kombination miteinander auf die Analysen auswirkten. Zum anderen stellte sich heraus, dass sich die Einflussstärke der Faktoren über die Zeit stark veränderte.

Von den zugegebenen Hemmstoffen beeinträchtigten am meisten organische Substanzen (Huminstoffe) die Analysen. Sie verhinderten oftmals gänzlich eine erfolgreiche Anwendung der Methode. In nur 41 Prozent der untersuchten Proben konnte DNA nachgewiesen werden. Eine vergleichbare Wirkung zeigten Algen, wenn auch weniger ausgeprägt. „Unsere Ergebnisse zeigen deutlich, wie wichtig es ist, bei eDNA-Analysen die Umweltbedingungen zu erfassen, um die Ergebnisse richtig bewerten zu können", sagt Bernhard Stoeckle.

Anhand der Ergebnisse des Experiments lässt sich schlussfolgern, dass spezifische Umweltbedingungen die Umwelt-DNA-Untersuchungen stark beeinträchtigen und Arten unter Umständen nicht oder nur schwer detektiert werden können.

Publikation:
Stoeckle, BC., Beggel, S., Cerwenka, AF., Motivans, E., Kuehn, R., Geist, J.: A systematic approach to evaluate the influence of environmental conditions on eDNA detection success in aquatic ecosystems, PLoS One 12/2017.
DOI: 10.1371/journal.pone.0189119.

Kontakt:
Prof. Dr. Jürgen Geist
Technische Universität München
Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie
Tel:08161/71-3974
geist@wzw.tum.de
http://fisch.wzw.tum.de

Weitere Informationen:
https://www.tum.de/nc/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/34398/ Zum Artikel
https://mediatum.ub.tum.de/1427106?id=1427106 Zum Bildmaterial

Quelle: idw

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Schön traurig

Dr. Anna Husemann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik

Negative Gefühle genießen - eine neue Studie zeigt, warum uns das in Film und Kunst gelingt.

Warum schauen wir uns traurige Filme an? Was reizt uns an einem Kunstwerk, Theaterstück oder Musikstück, das uns Angst macht, uns zum Weinen bringt oder andere negative Emotionen in uns hervorruft? Forscher des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik haben ein umfassendes psychologisches Erklärungsmodell für dieses scheinbar paradoxe Phänomen entwickelt.

Frankfurt - Die neuere Emotionspsychologie hat gezeigt, dass negative Gefühle besonders stark unsere Aufmerksamheit binden, besonders intensiv erlebt werden und besonders stark in Erinnerung bleiben. Max-Planck-Forscher um Winfried Menninghaus, den Direktor der Abteilung Sprache und Literatur am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik, haben diese Erkenntnisse auf eine Idee gebracht: Da die Künste ebenfalls Aufmerksamkeit binden, intensives Erleben ermöglichen und erinnert werden wollen, sind beide - die Künste und negative Gefühle - dann nicht füreinander prädestiniert?

Das in der renommierten Fachzeitschrift „Behavioral and Brain Sciences" veröffentlichte psychologische Modell bejaht diese Frage. Es erklärt, warum Kunstwerke, die negative Emotionen hervorrufen, oft als intensiver, interessanter, emotional bewegender und weniger langweilig, ja sogar als schöner wahrgenommen werden können als ein reines Bad in positiven Gefühlen.

Das Modell enthält zwei Faktoren. Der erste Faktor war bereits gut untersucht: Wir ordnen die Wahrnehmung von Kunstwerken in eine andere Kategorie von Erlebnissen ein als die der alltäglichen Realität. Diese kognitive Distanzierung schafft eine Art Sicherheitsraum, in dem wir negative Emotionen erleben können.

Der zweite Faktor, das eigentliche Herzstück des neuen Modells, enthält auf dieser Grundlage mehrere Mechanismen, kraft deren negative Emotionen sogar positiv zur Kraftquelle intensiven Kunsterlebens werden können. Der erste wird aus der großen Bedeutung von Variation und Dynamik für ästhetisches Erleben abgeleitet: Künstlerische Kompositionen, die uns in Wechselspiele positiver und negativer Gefühle verwickeln, werden als abwechslungsreicher, spannender und interessanter wahrgenommen. Zudem haben gemischte Gefühle, die positive und negative Anteile enthalten, eine große Bedeutung für die Integration negativer Gefühle in die positive Betrachtungslust. So empfinden wir etwa tiefes emotionales Bewegtsein auch dann als positiv und lustvoll, wenn es traurige Gefühle enthält. Ebenso sind positiv erregende Gefühle von narrativer Spannung nicht ohne Gefühle von „Unsicherheit", Sorge und Angst um Protagonisten zu haben.

Dazu kommt, dass auch die ästhetische Kraft der Darstellung selbst (z.B. die Schönheit der Musik, der Worte, der Sprache, Farben etc.) negative Emotionen sowohl intensiver als auch positiver erlebbar macht. Und schließlich kann die Suche nach einer Bedeutung ebenfalls in negativen Gefühlen etwas Positives entdecken.

Das scheinbare Paradox, warum negative Emotionen zur Lust an Kunstwerken gehören, wird also erklärt, indem neue Erkenntnisse der Emotionspsychologie mit grundlegenden Prinzipien ästhetischer Wahrnehmung zusammen gedacht werden. Die Ergebnisse zeigen nicht nur, warum bestimmte Kunstgattungen wie Tragödien, Horrorfilme oder Melodramen gefallen. Sie identifizieren vielmehr grundlegende psychologische Mechanismen, die der Wahrnehmung von Kunstwerken oder Medienprodukten überhaupt zugrundeliegen.

Originalpublikation:
Menninghaus, W., Wagner, V., Hanich, J., Wassiliwizky, E., Jacobsen, T., & Koelsch, S. (2017). The Distancing-Embracing model of the enjoyment of negative emotions in art reception. Behavioral and Brain Sciences, 1-58. doi:10.1017/S0140525X17000309

Über das Institut:
Das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik wurde 2013 in Frankfurt am Main gegründet und beschäftigt derzeit über 130 Mitarbeiter. Das Institut erforscht interdisziplinär, was wem warum und unter welchen Bedingungen ästhetisch gefällt. Dabei widmen sich die Forschungen in den drei Abteilungen Sprache und Literatur, Musik sowie Neurowissenschaften insbesondere den Grundlagen ästhetisch wertenden Wahrnehmens und Erlebens.
Das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik ist eines von 83 Instituten der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., einer der führenden Organisationen für Grundlagenforschung in Europa.

Weitere Informationen:
http://www.ae.mpg.de

Quelle: idw

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Mit Müsli gegen Arthritis

Dr. Susanne Langer Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Dass eine gesunde Ernährung unser allgemeines Wohlbefinden steigert, ist altbekannt. Jetzt haben Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) herausgefunden, dass eine ballaststoffreiche Kost den Krankheitsverlauf von chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen positiv beeinflussen und zu einer Stärkung der Knochen führen kann. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler im renommierten Fachmagazin Nature Communications (DOI: 10.1038/s41467-017-02490-4) veröffentlicht.

Schlüssel für die Wirkung unserer Ernährung auf die Gesundheit sind die Darmbakterien: Eine gesunde Darmflora besteht aus einer Vielzahl von Bakterienarten. Jeder erwachsene Mensch trägt etwa zwei Kilogramm an gutartigen Bakterien in seinem Darm. Diese Verdauungshelfer zerlegen Ballaststoffe in einzelne Bestandteile, so dass der Körper sie aufnehmen kann. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren, die für den Körper wichtig sind. Diese liefern Energie, regen die Darmbewegung an und wirken entzündungshemmend. Die Darmbakterien bekämpfen darüber hinaus Krankheitserreger, die in den Verdauungstrakt gelangen. Bekannt ist, dass die Zusammensetzung der Darmflora schützende, aber auch krankmachende Effekte haben kann. Ein intaktes Zusammenleben der verschiedenen Bakterien schützt die Darmwand und verhindert, dass sie für Krankheitserreger durchlässig wird.

In der aktuellen Veröffentlichung in Nature Communications zeigen die FAU-Forscher, dass es jedoch nicht die Darmbakterien selbst sind, sondern ihre Stoffwechselprodukte, die das Immunsystem beeinflussen und damit auch auf Autoimmunerkrankungen wie die rheumatoide Arthritis wirken. Unklar ist noch, wie die Verständigung zwischen Darmbakterien und Immunsystem abläuft und wie gegebenenfalls die Bakterien positiv beeinflusst werden könnten. Im Fokus der Forscher stehen dabei die kurzkettigen Fettsäuren Propionat und Butyrat, die innerhalb von Gärprozessen der Darmbakterien gebildet werden. Diese Fettsäuren sind unter anderem in der Gelenkflüssigkeit zu finden und man nimmt an, dass sie einen wichtigen Einfluss auf die Funktionstüchtigkeit der Gelenke haben.

Die FAU-Wissenschaftler um Dr. Mario Zaiss von der Medizinischen Klinik 3 - Rheumatologie und Immunologie am Universitätsklinikum Erlangen konnten zeigen, dass eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung die Darmflora so verändert, dass mehr kurzkettige Fettsäuren, vor allem Propionat, gebildet werden. Sie konnten eine erhöhte Konzentration der kurzkettigen Fettsäure unter anderem im Knochenmark nachweisen, wo das Propionat bewirkte, dass sich die Zahl der knochenabbauenden Zellen verringerte und damit auch den Knochenabbau deutlich verlangsamte. Propionat wird schon seit den 1950er Jahren als Konservierungsmittel in der Backindustrie verwendet und ist als prominenter Vertreter kurzkettiger Fettsäuren nach EU Richtlinien als Nahrungsmittelzusatzstoff überprüft und zugelassen.

„Wir konnten zeigen, dass eine bakterienfreundliche Ernährung entzündungshemmend ist und zugleich einen positiven Effekt auf die Knochenfestigkeit hat", sagt Studienleiter Dr. Mario Zaiss. „Unsere Erkenntnisse bieten einen vielversprechenden Ansatz für die Entwicklung innovativer Therapien bei entzündlichen Gelenkerkrankungen sowie für die Behandlung von Osteoporose, die häufig bei Frauen nach der Menopause auftritt. Wir können heute noch keine konkrete Empfehlung für eine bakterienfreundliche Ernährung geben, aber ein morgendliches Müsli und ausreichend Obst und Gemüse täglich hilft, einen artenreichen Bakterienmix aufrechtzuerhalten."

Quelle: idw

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Bienen-Parasit: Forscher entdecken Medikament gegen Varroa-Milbe

Florian Klebs Hochschulkommunikation
Universität Hohenheim

Lithiumchlorid verspricht Durchbruch im Kampf gegen gefährlichen Bienen-Parasiten / Veröffentlichung in international renommierter Fachzeitschrift „Scientific Report"

Hoffnung für Imker: Erstmals gelang es Forschern der Universität Hohenheim in Stuttgart ein potentielles Medikament zu entwickeln, das befallene Bienenstöcke mit geringem Arbeitsaufwand über die Fütterung von der gefürchteten Varroa-Milbe befreien kann. Die Varroa-Milbe zählt weltweit zu den gefährlichsten Feinden der Bienen: innerhalb von ein bis drei Jahren kann sie ein Bienenvolk komplett ausrotten. Bislang mussten Imker befallene Bienenstöcke mit aggressiven organischen Säuren oder chemisch hergestellten Milbenbekämpfungsmitteln behandeln, die Resistenzprobleme und Rückstände verursachen. Bei der vielversprechenden Substanz handelt es sich um leicht verfügbares Lithiumchlorid. Nach über 25 Jahren Forschung steht damit erstmals ein neuer Wirkstoff im weltweiten Kampf gegen die Varroa-Milbe zur Verfügung, der völlig anders wirkt als bisherige Mittel. Derzeit laufen bereits Gespräche mit Unternehmen mit dem Ziel einer Produktentwicklung und Zulassung. Ihre ersten Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der heutigen Online-Ausgabe der Zeitschrift „Scientific Report", www.nature.com/articles/s41598-017-19137-5.

Ein günstiger, einfach anzuwendender Wirkstoff gegen die gefährliche Milbe, der nach dem aktuellen Kenntnisstand der Forscher keine gefährlichen Nebenwirkungen für Bienen, Imker oder Verbraucher hat und in der Natur reichlich vorkommt: Das versprechen die Ergebnisse des Forschungsprojektes. Mit Lithiumchlorid hat das Forscherteam einen Wirkstoff für ein solches Medikament gefunden, der leicht zu beschaffen und zu verabreichen ist. Auch für eine Ablagerung im Honig gibt es bislang keine Anzeichen.

Dr. Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde, erklärt die Vorteile des Wirkstoffs: „Lithiumchlorid kann man Bienen in Zuckerwasser aufgelöst füttern. Bei unseren Versuchen haben bereits geringe Mengen der Salzlösung ausgereicht, um innerhalb weniger Tage die auf den Bienen aufsitzenden Milben abzutöten - ohne Nebenwirkungen für die Bienen."

Auch die Verfügbarkeit spricht für den Wirkstoff: Die weltweiten Vorräte des Leichtmetalls Lithium werden auf über 40 Millionen Tonnen geschätzt, als Lithiumchlorid-Salz findet es sich in Salzlaugen, Salzseen und Heilquellen, und das zum Teil in erstaunlich hoher Konzentration. Das leicht in Wasser lösbare Salz wird unter anderem als Trocknungsmittel und Enteiserlösung verwendet. In der Humanmedizin kommt es seit Mitte des 20. Jahrhunderts als Antidepressivum zum Einsatz.

Bevor der Wirkstoff nun als Medikament für Bienen auf den Markt kommen kann, sind dennoch weitere Tests nötig, um die beste Dosierung zu bestimmen und Nebenwirkungen für Bienen und Anwender sowie das Risiko von Rückständen auszuschließen. Dazu sei man aktuell mit Unternehmen im Gespräch, die diese Entwicklung weiterführen wollen.

Entdeckt durch Zufall
Eigentlich hatte das Team um Dr. Rosenkranz einen viel komplexeren Ansatz verfolgt: „Gemeinsam mit dem Biotechnologie-Startup SiTOOLs Biotech haben wir versucht nach dem RNA-Interferenz-Verfahren, kurz RNAi-Verfahren, gezielt bestimmte Gene auszuschalten. Dieses Verfahren erhielt 2006 den Nobelpreis für Medizin und ist seitdem weltweit zur Bekämpfung von Krankheiten in Anwendung."

Die Idee: RNA-Bruchstücke werden an die Biene gefüttert und dann von der Varroa-Milbe beim Blutsaugen aufgenommen. In der Milbe schalten die Bruchstücke gezielt lebenswichtige Gene des Parasiten aus. „Für die Bienen sind diese RNA-Bruchstücke ungefährlich, da sie ausschließlich mit varroaspezifischen Genen interagieren. Bei der Varroa-Milbe jedoch werden zentrale Stoffwechselprozesse gestört und die Milbe schließlich abgetötet", so Dr. Rosenkranz.

Der Ansatz zeigt Erfolg, doch dann bemerkten die Wissenschaftler etwas Seltsames: „Bei Kontrollexperimenten konnten wir auch mit unspezifischen RNA-Bruchstücken, die weder bei den Bienen noch bei den Milben ein genetisches Ziel finden sollten, die Milben abtöten", berichtet Dr. Rosenkranz. „Etwas in unserer „Genmischung" bekam den Milben nicht, während die Bienen keinen Schaden nahmen."

Fast zwei Jahre dauerte es, bis das Lithiumchlorid als die geheime Wunderwaffe gegen den Parasiten gefunden war. Die Forscher hatten die Chemikalie als Hilfsmittel bei der Isolierung der RNA-Bruchstücke verwendet, mit deren Hilfe die Gene im Bienenkörper ausgeschaltet werden.

Eine folgenreiche Entdeckung, denn die RNAi-Methode würde zwar wohl funktionieren, wäre allerdings teuer und aufwendig. „Lithiumchlorid hingegen ist einfach herzustellen, relativ preiswert, und unkompliziert zu lagern."

Weitere Informationen:
http://www.nature.com/articles/s41598-017-19137-5 "Artikel in „Scientific Report" "

Quelle: idw

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Herzinfarkt: Ältere Frauen zu spät im Krankenhaus

Christine Vollgraf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V.

Bei Frauen, die älter als 65 Jahre sind, dauert es am längsten bis sie nach Auftreten der ersten Symptome eines Herzinfarkts in die Notaufnahme gelangen. Dadurch geht wertvolle Zeit verloren, um die verschlossenen Blutgefäße wieder zu eröffnen und die Schädigung des Herzmuskels einzuschränken. Das ergab eine Studie des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) in Kooperation mit dem Helmholtz Zentrum München und der Technischen Universität München. Die Forscher fordern dringend gezielte Aufklärungsmaßnahmen für diese Risikogruppe.

„Der Unterschied zwischen älteren Frauen und allen anderen von uns untersuchten Gruppen, nämlich jüngeren Frauen unter 65 Jahren, sowie Männern über und unter 65 Jahren, ist eklatant", sagt der DZHK-Wissenschaftler Professor Karl-Heinz Ladwig, Gruppenleiter am Institut für Epidemiologie des Helmholtz Zentrum München und Professor für psychosomatische Medizin an der Technischen Universität München. Bei älteren Frauen vergehen durchschnittlich über viereinhalb Stunden bis sie in der Notaufnahme sind, bei jungen Frauen sind es hingegen knapp zweieinhalb Stunden. Auch junge und alte Männer stehen besser da: Bei über 65-jährigen Männern dauert es über dreieinhalb Stunden gegenüber gut drei Stunden bei jungen Männern, bis sie im Krankenhaus untersucht werden. Anders als bisher angenommen, ist es also weder allein das Alter noch das Geschlecht sondern die Kombination aus Alter und weiblichem Geschlecht, die zu langen Entscheidungszeiten zwischen Auftreten der ersten Herzinfarkt-Symptome und der Versorgung in einer Notaufnahme führt. Dabei zählt bei einem Herzinfarkt jede Minute, um das Herz mit einem Katheter zu untersuchen und das verschlossene Blutgefäß wieder zu eröffnen. Denn je schneller der Blutfluss wieder hergestellt werden kann, desto weniger Herzmuskelzellen sterben ab.

Die Daten stammen aus der MEDEA-Studie (Munich Examination of Delay in Patients Experiencing Acute Myocardial Infarction), in der über einen Zeitraum von mehr als vier Jahren 619 Patienten mit einem Herzinfarkt, bei dem sich eine ST-Strecken-Hebung im Elektrokardiogramm zeigte, befragt wurden. Gefördert wurde dieses Projekt von der Deutschen Herzstiftung. Zertifizierte Interviewerinnen führten mit den Patienten innerhalb von 24 Stunden nach dem Verlassen der Intensivstation Gespräche durch. Außerdem füllten die Studienteilnehmer einen Fragebogen aus, und aus den Krankenakten und den Angaben des medizinischen Personals wurden ihre körperlichen Risikofaktoren ermittelt. Die klinischen Eigenschaften zwischen Männern und Frauen unterschieden sich nur geringfügig, männliche Studienteilnehmer waren lediglich etwas häufiger Raucher als weibliche. Bei der Betrachtung der soziodemographischen Faktoren zeigte sich, dass die weiblichen Studienteilnehmer häufiger alleine lebten sowie älter und öfters arbeitslos waren.

Fehlender Brustschmerz: nicht typisch weiblich
Die allgemeine Annahme, dass bei einem Herzinfarkt das typische Symptom Brustschmerz nur bei Frauen häufig fehlt, und der Herzinfarkt deshalb zu spät erkannt wird, konnten Ladwig und seine Kollegen nicht bestätigen. Denn die Abwesenheit von Brustschmerz hatte nur einen geringen Effekt auf die Entscheidungszeit der älteren Patientinnen und konnte nicht die beobachteten exzessiven zeitlichen Unterschiede erklären. Vielmehr zeigen die Daten der MEDEA-Studie, dass das Fehlen von Brustschmerz ein Alterseffekt und nicht typisch weiblich ist. Denn diese fehlende Symptomatik konnten die Forscher bei älteren Männern annähernd so oft beobachten wie bei älteren Frauen. Das Auftreten von Brustschmerz lässt sich laut Ladwig auf die einfache Formel bringen: „Je älter desto weniger Brustschmerz."

„Auch bei Übelkeit und Erbrechen konnten wir keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern feststellen", sagt Ladwig. „Das hatten wir ganz anders erwartet. Denn diese atypischen Beschwerden wurden bislang immer eher Frauen zugeordnet." Fehlende oder untypische Beschwerden können daher nicht die Ursache dafür sein, dass ältere Frauen so spät in die Notaufnahme kommen.

Falsche Bescheidenheit
Ladwig und seine Kollegen sehen die Gründe für die langen Entscheidungszeiten im psychologischen Bereich, unter anderem in einer Bescheidenheit, die in diesem Fall völlig unangebracht ist: „Das wird schon wieder besser, da muss ich doch jetzt nicht den Notarzt rufen. Was sollen die Nachbarn denken, wenn der Krankenwagen vorfährt und dann doch nichts war?" Solche Gedanken sind wohl gerade bei älteren Frauen häufig und führen zu den gefährlichen Verzögerungen. Die Wissenschaftler planen bereits eine Anschlussstudie, in der sie diesen Faktoren bei älteren Frauen genauer auf den Grund gehen wollen.

Gezielte Aufklärung
Außerdem fordern sie, dass diese Risikogruppe bei der Aufklärung zum Herzinfarkt noch mehr in den Fokus geraten muss. „Eines unserer zentralen Ziele ist, zukünftig gezielt auf ältere Frauen einzuwirken, etwa über bundesweite Kampagnen oder die Ärzte", sagt Ladwig. Hausärzte sollten mit ihre alten Patientinnen sprechen, die Risikofaktoren für einen Herzinfarkt haben. Dabei sollten sie ihnen verdeutlichen, wie wichtig es ist, rechtzeitig den Notruf zu wählen und erklären, wie sie im Ernstfall richtig reagieren können. Dazu gehören auch so einfache Tipps, wie den Zettel mit der Notruf-Nummer direkt ans Telefon zu hängen und zwar so groß geschrieben, dass man sie auch ohne Brille lesen kann.

Originalarbeit:
Comparison of Delay Times Between Symptom Onset of an Acute ST-elevation Myocardial Infarction and Hospital Arrival in Men and Women <65 Years Versus ≥65 Years of Age.: Findings From the Multicenter Munich Examination of Delay in Patients Experiencing Acute Myocardial Infarction (MEDEA) Study. Ladwig KH, Fang X, Wolf K, Hoschar S, Albarqouni L, Ronel J, Meinertz T, Spieler D, Laugwitz KL, Schunkert H. Am J Cardiol. 2017 Dec 15;120(12):2128-2134.
doi: 10.1016/j.amjcard.2017.09.005.

Kontakt: Christine Vollgraf, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), Tel.: 030 3465 529 02, presse@dzhk.de

Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig, Helmholtz Zentrum München - Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Institut für Epidemiologie II, E-Mail: ladwig@helmholtz-muenchen.de

Weitere Informationen:
https://dzhk.de/aktuelles/news/artikel/herzinfarkt-aeltere-frauen-zu-spaet-im-kr...

Quelle: idw

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Im Alter leisten Männer weniger Hausarbeit als Frauen - und fühlen sich dabei gesünder

Nils Ehrenberg Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS

Eine Forschungsgruppe des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS in Bremen hat den Zusammenhang von Hausarbeit, Schlafdauer und Gesundheit bei älteren Menschen in Europa und den USA untersucht. Das Ergebnis: Ältere Frauen verbringen im Schnitt fast fünf Stunden pro Tag mit Hausarbeit, während ältere Männer mit nur drei Stunden zurückhaltender sind. Das bleibt offenbar nicht ohne Folgen für die Gesundheit: Die Senioren fühlen sich deutlich gesünder als die Seniorinnen.

Fast 21.000 Frauen und mehr als 15.000 Männer älter als 65 Jahre gaben im Rahmen von internationalen Zeitverwendungsstudien Auskunft über ihre täglichen Aktivitäten. Die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer aus Deutschland, Italien, Spanien, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und den USA sollten dabei einschätzen, wieviel Zeit sie am Tag mit unterschiedlichsten Tätigkeiten verbringen - darunter Hausarbeiten wie Putzen, Kochen, Gartenarbeiten und handwerklichen Tätigkeiten.

„Bei der Auswertung zeigte sich ein deutliches Bild. Während die Frauen im Schnitt etwa fünf Stunden mit Hausarbeit verbrachten, hielten sich die Männer zurück. Sie arbeiteten im Schnitt nur drei Stunden im Haushalt", sagt Nicholas Adjei, Doktorand in der Abteilung Prävention und Evaluation am BIPS und Erstautor der Studie. „Bei der Art der Hausarbeit gibt es deutliche Unterschiede. Frauen beschäftigen sich im Schnitt fast 220 Minuten täglich mit Kochen, Einkaufen und Putzen - Männer dagegen nur knapp 90 Minuten. Bei Gartenarbeiten und handwerklichen Tätigkeiten zeigt sich ein umgekehrtes Bild. Hier sind Männer fast 70 Minuten täglich aktiv, Frauen dagegen nur knapp 40 Minuten." Darüber hinaus zeigen sich deutliche Länderunterschiede - vor allem bei den älteren Männern. Während etwa Senioren in Italien nur 2,7 Stunden pro Tag Hausarbeit leisten, sind es bei deutschen Männern 4,2 Stunden.

Doch wie wirkt sich Hausarbeit auf die Gesundheit aus? „Hier zeigte sich ein interessantes Bild. Insgesamt scheint Hausarbeit sowohl bei Männern als auch bei Frauen mit einer besseren subjektiven Gesundheit einherzugehen", sagt Nicholas Adjei. „Betrachten wir dies allerdings in Kombination mit der Schlafdauer, so zeigt sich für Frauen ein Optimum von ein bis drei Stunden Hausarbeit bei sieben bis acht Stunden Schlaf. Bei den Männern berichteten diejenigen die beste Gesundheit, die mit sechs Stunden oder mehr besonders aktiv im Haushalt waren - unabhängig von der Schlafdauer."

Gründe für die unterschiedlichen Effekte lassen sich aus der Studie nicht sicher ableiten. „Möglicherweise spielt die Art der Aktivitäten eine große Rolle. Männer arbeiten viel im Garten, sind dabei körperlich sehr aktiv und unter freiem Himmel. Frauen dagegen sind zum Teil mit sehr repetitiven Tätigkeiten im Haus beschäftigt", sagt Nicholas Adjei. „Eine gleichmäßigere Verteilung aller Hausarbeiten auf Frau und Mann könnte also durchaus sinnvoll und fair sein."

Die Originalpublikation finden Sie hier:
https://bmcpublichealth.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12889-017-4979-z

Das BIPS - Gesundheitsforschung im Dienste des Menschen
Die Bevölkerung steht im Zentrum unserer Forschung. Als epidemiologisches Forschungsinstitut sehen wir unsere Aufgabe darin, Ursachen für Gesundheitsstörungen zu erkennen und neue Konzepte zur Vorbeugung von Krankheiten zu entwickeln. Unsere Forschung liefert Grundlagen für gesellschaftliche Entscheidungen. Sie klärt die Bevölkerung über Gesundheitsrisiken auf und trägt zu einer gesunden Lebensumwelt bei.

Das BIPS ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, zu der 93 selbstständige Forschungseinrichtungen gehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute widmen sich gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevanten Fragen. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 18.700 Personen, darunter 9.500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,8 Milliarden Euro.

Quelle: idw

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Forschungsergebnisse der Jade Hochschule dienen dem Schutz der Küstenregion vor Überschwemmung

Katrin Keller Presse & Kommunikation
Jade Hochschule - Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth

Die Kapazität des Entwässerungssystems an der ostfriesischen norddeutschen Küste ist bis Mitte des Jahrhunderts ausgeschöpft. Gründe hierfür sind höhere Niederschläge in den Wintermonaten, eine zunehmende Flächenversiegelung und der Anstieg des Meeresspiegels.

Oldenburg.Emden. Der Klimawandel führt dazu, dass die Entwässerungssysteme von Niederungsgebieten aufgrund von Meeresspiegelanstieg und zunehmenden Niederschlagsmengen an ihre Belastungsgrenze stoßen. Wissenschaftler_innen der Jade Hochschule und der Universität Oldenburg untersuchen derzeit, welche Auswirkungen der Klimawandel auf den Wasserhaushalt an der ostfriesischen norddeutschen Küste hat und welche alternativen Lösungen für die Entwässerung möglich wären.
Die Hochschulen führen das vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) geförderte Projekt „Klimaoptimiertes Entwässerungsmanagement im Verbandsgebiet Emden" (KLEVER) in Zusammenarbeit mit dem Ersten Entwässerungsverband Emden (I.EVE) und weiteren Partnern aus der Region durch.

Kapazität des Entwässerungssystems ist Mitte des Jahrhunderts ausgeschöpft
Basierend auf Klimamodellen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung berechneten die wissenschaftliche Mitarbeiterin Jenny Kebschull und Projektleiter Dr. Helge Bormann von der Jade Hochschule mithilfe eines regional angepassten hydrologischen Modells mögliche Veränderungen des Wasserhaushalts. Einflüsse, die sich in Zukunft auf das Entwässerungssystem in der Region auswirken, sind die höheren Winterniederschläge, die Versiegelung von Grünflächen und der Anstieg des Meeresspiegels.

Höhere Niederschläge in den Wintermonaten
Die Simulationsergebnisse zeigen, dass der Klimawandel einen deutlichen Anstieg des Abflussaufkommens in den Wintermonaten bewirken wird. „Niederschläge, die heute noch als Extremereignisse eingestuft werden, werden zukünftig häufiger auftreten", erklärt Bormann. In den Wintermonaten Dezember, Januar und Februar werde das zu entwässernde Wasservolumen bis Mitte des Jahrhunderts um etwa 15 Prozent ansteigen. Bis zum Ende des Jahrhunderts können es sogar 20 Prozent sein. Dies entspräche dem halben Volumen der Thülsfelder Talsperre, das im Winter zusätzlich gepumpt oder gesielt werden müsste. Im Gebiet des Ersten Entwässerungsverbandes Emden gibt es zwei Haupt Siel- und Schöpfwerke, die das Wasser ins Meer leiten. Die Kapazität dieser Werke sei jedoch schon jetzt ausgeschöpft.

Zunehmende Flächenversiegelung
Die Analyse zeigt auch, dass eine zunehmende Flächenversiegelung - Bebauung, die verhindert, dass der Niederschlag im Boden versickern kann - die Entwässerungsherausforderung noch verstärken wird. „Im Verbandsgebiet werden pro Jahr aktuell rund 63 Hektar versiegelt - das sind etwa 126 Fußballfelder Grünflächen, die durch Gebäude, Parkplätze, Verkehrswege und weitere Bauwerkezugebaut werden", erklärt Kebschull. Wenn die Versiegelung mit der aktuellen Rate weiter voranschreitet, würde der Entwässerungsbedarf bis Mitte des Jahrhunderts in den Wintermonaten um weitere zwei Prozent und bis Ende des Jahrhunderts insgesamt um vier Prozent ansteigen.

Anstieg des Meeresspiegels
Neben der Flächenversiegelung sei auch der Anstieg des Meeresspiegels ein Problem. „Bisher werden die Siele bei Ebbe geöffnet, so dass das Wasser ohne den kostenintensiven Betrieb der Pumpen abfließen kann", erklärt die Wissenschaftlerin. „Wenn der Meeresspiegel wie in den Klimaszenarien beschrieben ansteigt, wird der Wasserstand zur Ebbe seltener niedrig genug sein um die Siele zu benutzen." In dem Fall ist der Entwässerungsverband auf seine Pumpen angewiesen. „Der Energieaufwand hierfür ist enorm", sagt Kebschull. Laut Modellergebnissen wäre der Abfluss des Wassers über die Siele Ende des Jahrhunderts nicht mehr möglich: „Die Anzahl der Stunden, in denen das Sielen möglich ist, wird sich bis 2045 halbieren. Im Jahr 2070 wird der Sielzeitraum nur noch ein Viertel des jetzigen betragen, bevor das Sielen Ende des Jahrhunderts nur im besten Fall noch als Entwässerungsmöglichkeit genutzt werden kann", erklärt die Expertin.

Partner in der Region
Für den Entwässerungsverband sei es essentiell zu erfahren, wie lange er sich auf die Leistung der vorhandenen Entwässerungsinfrastruktur noch verlassen kann, so Projektleiter Bormann. „Für alle Akteure in der Region ist die Dimension der Veränderung, die auf sie oder die nächste Generation zukommen wird, ein wichtiger Anhaltspunkt, um die Folgen des Klimawandels greifbar zu machen und vorausschauend planen zu können."
Die Ergebnisse des Forschungsprojektes wurden im November auf dem 3. KLEVER-Akteursforum vorgestellt. Welche Maßnahmen für die Region denkbar sind, diskutieren die Akteure beim kommenden Forum Ende Januar. „Gerade der Prozess der Kommunikation und Vernetzung unter den Akteuren ist von zentraler Bedeutung", betont der Projektleiter, „da nur im Konsens Maßnahmen, die Auswirkungen auf die ganze Region haben, realistisch umgesetzt werden können."

Quelle: idw

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Urlaubszeit ist Warzenzeit

Stefan Dreising Stabsstelle Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Düsseldorf

Volkskrankheit Warze: Rund ein Drittel aller Kinder von vier bis zwölf Jahren ist betroffen / UKD-Experte: Urlaubsorte wie Schwimmbäder, Dampfbäder oder Hotelteppiche sind Infektionsherde

Düsseldorf (ukd/dre). Sie sind meist klein, störend, hoch ansteckend und man infiziert sich ausgerechnet da, wo man im Winterurlaub am liebsten sein möchte: Im Schwimmbad, in der Sauna, im Dampfbad oder in Hotelzimmern. Warzen sind eine Volkskrankheit: Etwa ein Drittel der Kinder zwischen vier und zwölf Jahren und rund zwei bis fünf Prozent der Erwachsenen sind betroffen.

Die kleinen, für gewöhnlich gutartigen Hautwucherungen werden durch das humane Papillomavirus (HPV) verursacht und verbreiten sich entweder durch direkten Hautkontakt, zum Beispiel beim Händeschütteln, oder durch einen Gegenstand oder eine Oberfläche, die mit dem Virus in Kontakt gekommen ist. Da Warzen recht therapieresistent sind, ist eine Behandlung häufig sehr langwierig. Die Warzensprechstunde der Klinik für Dermatologie am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) berät insbesondere zur Infektion mit Warzen im Intimbereich, den sogenannten Feigwarzen.

Kinder sind von Warzen mehr betroffen als Erwachsene
Mit humanen Papillomaviren kann sich grundsätzlich jeder infizieren. Nicht bei jedem der mit dem Virus in Berührung kommt, brechen aber Warzen aus. Das HP-Virus ist hochansteckend, ein intaktes Immunsystem ist aber in der Regel in der Lage, das Virus selbst zu eliminieren oder zu kontrollieren - viele Warzen verschwinden daher nach einiger Zeit von alleine. Ist dies nicht der Fall, stören die Warzen oder ist das Immunsystem bereits geschwächt, sollte man einen Arzt aufsuchen.

Gerade Kinder sind von oberflächigen Warzen mehr betroffen, da ihr Immunsystem noch nicht ganz ausgereift ist, erklärt PD Dr. Peter Arne Gerber, leitender Oberarzt an der UKD-Hautklinik: „Der Körper von Kindern kann sich noch nicht so gut gegen die Viren wehren und die Warzen brechen eher aus. Zudem stecken sie sich schneller bei anderen Kindern an, weil sie engeren Hautkontakt haben und vergessen zum Beispiel in Schwimmbändern eher mal ihre Badelatschen als Erwachsene. Gegen eine Infektion im Schwimmbad oder auch im Hotelzimmer sind eigene Badelatschen die beste Vorsorge. Seit ich mich mit dem Thema beschäftige, laufe ich niemals barfuß durch Hotelzimmer oder öffentliche Dampfbäder."

In diesem Zusammenhang kann der Hautexperte auch einen gängigen Mythos über Warzen bestätigen: „Unsere Eltern haben tatsächlich Recht, wenn sie sagen, dass man Warzen nicht aufknibbeln sollte, weil sie sich sonst am Körper verbreiten", schmunzelt Gerber. „Beim Knibbeln und Aufkratzen verteilen wir infizierte Hautschuppen, die dann wieder durch rissige Hautstellen in die Haut eindringen und Zellen der oberen Hautschicht infizieren. Hier können dann neue Warzen entstehen."

Viele Menschen gehen erst zum Arzt, wenn der Leidensdruck sehr hoch ist
„Viele Patienten kommen erst zu uns, wenn der Leidensdruck sehr groß ist", sagt Gerber. „Es werden Hausmittel ausprobiert, dann Mittel aus der Apotheke. Leider sind Warzen sehr therapieresistent. Wenn die Plagegeister nicht weggehen, kommen sie dann in unsere Sprechstunde." Offene Warzen auf der Haut werden vom Hautarzt meist vereist, in manchen Fällen auch gelasert. „Unsere Hauptaufgabe liegt darin, das Gewebe zu veröden, das Immunsystem zu stärken und somit den Körper dabei zu unterstützen die Warze und die Viren zu bekämpfen", so der Düsseldorfer Dermatologe: „Bei Genitalwarzen setzen wir neben dem Laser auch Medikamente ein, um das Immunsystem lokal zu aktivieren."

Außerhalb der Klinik kommen bei vielen Menschen auch Hausmittel und alternative Therapiemöglichen zum Einsatz - von Eigenurintherapie über Schneckenschleim bis zum Besprechen von Warzen. Warum viele dieser Behandlungen bei einzelnen Warzen erfolgreich sind, kann Dr. Gerber erklären: „Studien legen nahe, dass Therapien, wie das Besprechen von Warzen, durch einen neuropsychologischen Effekt das Immunsystem stimulieren und dieses anregen die Viren selbst zu bekämpfen. Weiterhin gilt aber: Bei geschwächtem Immunsystem, starkem Befall oder Warzen an besonders störenden Stellen, sollte man unbedingt zum Arzt gehen - auch um die Ansteckung von anderen Menschen zu verhindern. Das gilt insbesondere für Feigwarzen im Intimbereich."

Rund ein Prozent der sexuell aktiven Menschen leiden unter Genitalwarzen
Rund ein Prozent der sexuell aktiven Menschen in westeuropäischen Ländern leiden unter Genitalwarzen. „Sie gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen - medizinisch auch STIs (sexually transmitted infections) genannt. Entsprechend der sexuellen Aktivität sind hier Menschen im Alter von 20 bis 35 Jahren überdurchschnittlich häufig betroffen. Wie bei allen STIs steigt das Infektionsrisiko mit der Zahl der Sexualpartner", erklärt Dr. Gerber. Der Dermatologe ergänzt: „Ein gewisses Bewusstsein für alle sexuell übertragbaren Krankheiten sollte generell vorhanden sein. Anders aber als bei anderen Geschlechtskrankheiten, reduzieren Kondome zwar das Risiko sich mit Feigwarzen anzustecken, 100 Prozent verhindern können sie eine Infektion aber nicht. Die Warzen finden sich nämlich häufig auch in jenen Bereichen des Intimbereichs, die von Kondomen nicht abgedeckt werden. Bei einem Infektionsverdacht sollte man daher unverzüglich einen Arzt aufsuchen. Präventiv sind HPV-Schutzimpfungen, die für junge Frauen zugelassen und empfohlen sind."

Kontakt: PD Dr. Peter Arne Gerber, Leitender Oberarzt, Klinik für Dermatologie, Universitätsklinikum Düsseldorf, Moorenstraße 5, 40225 Düsseldorf, E-Mail: peterarne.gerber@med.uni-duesseldorf.de

Quelle: idw

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Nährstoffüberschuss lässt Ozeane ersticken

Ulrike Prange Pressestelle
MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

Kombination aus Erdumlaufbahn und Biomasse verursacht Aussterbeereignis im Devon
Was hat das Aussterbeereignis im Devon vor rund 300 Millionen Jahren begünstigt? Anhand von Gesteinsproben hat ein Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Deutschland, Belgien, China und den USA die so genannten rhythmischen Klimazyklen identifiziert und herausgefunden, warum die Ozeane damals so schnell so lebensfeindlich werden konnten. Ihre Ergebnisse haben sie jetzt unter der Leitung von Dr. David De Vleeschouwer vom MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen in der Zeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

In der gesamten Erdgeschichte unterscheiden Geologen fünf Massenaussterbeereignisse, die besonders schwerwiegend waren. Eines davon ist das Massenaussterbeereignis im Devon vor 374 Millionen Jahren - mehr als 300 Millionen Jahre vor dem Meteoriteneinschlag, der die Dinosaurier auslöschte.

Das Devon war eine eigentümliche Zeit: Große Fische regierten in den Ozeanen und Korallenriffe florierten, aber es gab noch keine großen Landtiere. „Das devonische Klima lässt sich am besten als extremes Gewächshausklima beschreiben, mit deutlich mehr Kohlenstoffdioxid (CO2) in der Atmosphäre als heute", sagt Dr. David De Vleeschouwer vom MARUM. Dennoch konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bislang nicht genau sagen, wie schnell die Erde während des devonischen Massenaussterbeereignis unbewohnbar wurde.

Aus Gründen, die noch immer von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern diskutiert werden, wurde das Meerwasser während des Devon-Massensterbens sauerstoffarm. „Dieses Ereignis hat den Großteil der Lebewesen im Ozean erstickt, und die äußerst unterschiedlichen Korallenriffe aus der devonischen Periode gehörten zu den größten Opfern", erklärt Co-Autorin Anne-Christine Da Silva von der Universität Lüttich (Belgien), wobei eine Hauptursache bislang nicht identifizierbar sei. Tatsächlich ist der Sauerstoffgehalt des Meerwassers im Laufe des Aussterbens zweimal gesunken. Nachweisen können Forscherinnen und Forscher das durch Schwarzschiefer, der sich in der Erdkruste wie in einem Archiv abgelagert hat. Schwarzschiefer ist reich an organischen Bestandteilen, denn weder zum Verrotten des organischen Materials noch zum Atmen der Unterwasserorganismen gab es Sauerstoff.

Um das nachzuweisen, haben David De Vleeschouwer und sein Team eine Technik namens Cyclostratigraphie genutzt. „Wir haben Informationen aus geologischen Abschnitten genutzt, die sich über das devonische Aussterben erstrecken, und zwar aus Belgien, Polen, China, Kanada und den USA. In allen Abschnitten haben wir die Auswirkungen gefunden, die aus den zyklischen Veränderungen der Exzentrizität der Erdumlaufbahn um die Sonne resultieren", erklärt De Vleeschouwer. Als exzentrisch wird bezeichnet, wenn die Ellipse von der Kreisform abweicht. Wenn die Exzentrizität niedrig ist, dreht sich die Erde um die Sonne auf einer Umlaufbahn, die einem perfekten Kreis sehr nahe ist. Ist die Exzentrizität hoch, kreist die Erde elliptisch um die Sonne. Dadurch unterscheidet sich die Menge an Sonnenenergie, die im Sommer und Winter auf die Erde trifft.

Änderungen in der Exzentrizität sind sehr rhythmisch, mit festen Zeiträumen von 100.000 und 405.000 Jahren. Die Autorinnen und Autoren haben diese Zyklen genutzt, um die Dauer zwischen den beiden Schwarzschieferschichten einzugrenzen und dabei herausgefunden, dass die zweite Episode mit niedrigem Sauerstoffgehalt 600.000 Jahre nach der ersten begonnen hat. Dieses Ergebnis sei die erste präzise Zeitmessung dieser Episode in der Evolution des Lebens auf der Erde, betont De Vleeschouwer. Zudem sei sie viel kürzer als erwartet. Darüber hinaus hat das Team festgestellt, dass der Hauptimpuls des Aussterbens mit einer längeren Periode geringer Exzentrizität zusammenfiel. Das bedeutet, dass die Erdumlaufbahn mehrere zehntausend bis hunderttausend Jahre lang nahezu kreisförmig war, was zu einem recht stabilen Klima führte. Diese unveränderlichen Klimata wurden durch eine verlangsamte Ozeanzirkulation und eine Schichtung der Wassersäule ersetzt, die beide einen niedrigen Sauerstoffgehalt in den Weltmeeren begünstigten.

Für das Autorenteam sind die Landpflanzen eine der Ursachen des Aussterbeereignisses. Während der Devonzeit entwickelten sie tiefe Wurzelsysteme und holzige Gewebe. Dadurch hatten sie den evolutionären Vorteil, verschiedene Umgebungen besiedeln zu können. Dieser Erfolg der Bodenpflanzen hatte allerdings seinen Preis: Wenn eine Pflanze stirbt, wird ihre Biomasse in die Gewässer und in den Ozean gespült. „Die devonischen Meere wurden also mit Nährstoffen von verrottenden Pflanzen überschüttet, ein Prozess, bei dem Sauerstoff aufgenommen und anderes Leben ausgehungert wird", erklärt David De Vleeschouwer. „Allerdings ist die Evolution der Landpflanzen ein langsamer und allmählicher Prozess. Nur wenn die Erdumlaufbahn eine verlangsamte Ozeanzirkulation begünstigte, reicht das aus, um das Erdsystem über einen Kipppunkt hinaus zu treiben, was wiederum das Aussterben der devonischen Biomasse zur Folge hatte."

Kontakt:
David De Vleeschouwer
Telefon: 0160 3353 848
E-Mail: ddevleeschouwer@marum.de

Originalveröffentlichung:
David De Vleeschouwer, Anne-Christine Da Silva, Matthias Sinnesael, Daizhao Chen, James E. Day, Michael T. Whalen, Zenghui Guo und Philippe Claeys:
Timing and pacing of the Late Devonian mass extinction event regulated by eccentricity and obliquity. Nature Communications 8, 2017; DOI: 10.1038/s41467-017-02407-1

Beteiligte Institute:
MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen
Analytical, Environmental and Geo-Chemistry (AMGC), Vrije Universiteit Brussel (Belgien)
Sedimentary Petrology Laboratory, Université de Liège (Belgien)
Paleomagnetic Laboratory, Universiteit Utrecht (Niederlande)
Institute of Geology and Geophysics, Chinese Academy of Science Beijing (China)
Department of Geography-Geology, Illinois State University (USA)
Department of Geosciences, University of Alaska, Fairbanks (USA)

Weitere Informationen:
Ulrike Prange
MARUM Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0421 218 65540
E-Mail: medien@marum.de

MARUM entschlüsselt mit modernsten Methoden und eingebunden in internationale Projekte die Rolle des Ozeans im System Erde - insbesondere im Hinblick auf den globalen Wandel. Es erfasst die Wechselwirkungen zwischen geologischen und biologischen Prozessen im Meer und liefert Beiträge für eine nachhaltige Nutzung der Ozeane. Das MARUM umfasst das DFG-Forschungszentrum und den Exzellenzcluster „Der Ozean im System Erde".

Weitere Informationen:
http://www.marum.de/Entdecken/Nhrstoffberschuss-lsst-Ozeane-ersticken.html

Quelle: idw

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Gehirnjoggings: So lässt sich das Arbeitsgedächtnis trainieren

Dr. Anne Klostermann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs)

Gezieltes Trainieren von Gedächtnisaufgaben wirkt sich positiv auf die Bearbeitung neuer Aufgaben aus, vor allem wenn diese den Trainingsaufgaben ähnlich sind. Das berichten Psychologen in einer aktuell in der Fachzeitschrift „Journal of Cognitive Enhancement" veröffentlichten Studie. Die Forscher untersuchten Aufgaben eines kommerziellen Gehirnjogging-Programms zum Training des Arbeitsgedächtnisses. Im Unterschied zu einer aktiven Kontrollgruppe verbesserte die Trainingsgruppe nicht nur ihre Leistung in den Trainingsaufgaben, sondern sogar in untrainierten Transferaufgaben.

Ein Lied, ein Gesicht oder einen Namen zu vergessen ist für viele Menschen ein alltägliches, manchmal ärgerliches oder sogar peinliches Erlebnis. Viele wünschen sich, ihr Gedächtnis „fit" halten zu können. In der Tat gibt es eine Reihe kommerzieller Anbieter sogenannter Gehirnjoggings. Das sind computergesteuerte Trainings, die zu Hause oder unterwegs verwendet werden können. Ansatzpunkt dieser Trainings ist das Arbeitsgedächtnis. Damit wird der Teil des menschlichen Gedächtnisses bezeichnet, in dem alle auf den Menschen eintreffenden Informationen kurzfristig gespeichert und mit dem Langzeitgedächtnis verknüpft werden. Es legt den Grundstein für viele weitere kognitive Fähigkeiten, wie zum Beispiel logisches Schlussfolgern, Entscheiden, aber auch für das Leseverständnis. Aus vielen Untersuchungen weiß man heute, dass die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsgedächtnisses begrenzt ist. Gehirnjoggings versprechen durch die Wiederholung bestimmter Gedächtnisaufgaben nicht nur eine Verbesserung des Arbeitsgedächtnisses, sondern auch der Aufmerksamkeit und des Lernvermögens. Was aber bringen Gehirnjoggings mit Arbeitsgedächtnistraining wirklich?

Test von Gehirnjogging unter Alltagsbedingungen
„Bislang gibt es nur wenige Versuche, die Effektivität dieser Trainings unter Alltagbedingungen systematisch zu überprüfen", sagt Tilo Strobach, Professor für Allgemeine Psychologie an der Medical School Hamburg. Mit seinem Kollegen Lynn Huestegge von der Julius-Maximilians-Universität Würzburg hat Strobach daher untersucht, inwieweit das Üben von Gehirnjogging-Aufgaben die Leistungen in Gedächtnistests verbessert. „Das Besondere an unserer Studie ist, dass wir das Gehirntraining in dem Kontext überprüft haben, in dem Menschen typischerweise kommerzielle Gehirntrainings auch verwenden - zuhause am eigenen Computer."

Für ihre Studie ließen die Forscher ihre Versuchspersonen Aufgaben eines kommerziellen Gehirnjogging-Programms bearbeiten. Die komplette Versuchsreihe wurde von 152 Probandinnen und Probanden beendet. Eine Trainingsgruppe (76 Personen) erhielt über 21 Sitzungen hinweg Trainingsaufgaben für das Arbeitsgedächtnis. Die Kontrollgruppe (76 Personen) bearbeitete im gleichen Zeitraum Aufgaben für das Wortwissen und das Langzeitgedächtnis ‒ Aufgaben, von deren Bearbeitung das Arbeitsgedächtnis also nicht profitieren sollte. Um die Wirksamkeit des Trainings überprüfen zu können, bearbeiteten beide Gruppen vor und nach diesen Maßnahmen die gleichen Leistungstests. Diese bestanden zum einen aus Transferaufgaben, die dem Arbeitsgedächtnistraining ähnlich waren, und zum anderen aus Aufgaben, die untrainierte Fähigkeiten testeten, etwa zur mentalen Flexibilität ‒ der Fähigkeit, zwischen verschiedenen Aufgaben zu wechseln.

Trainingsgruppe zeigt stärkeren Leistungszuwachs
Die Leistungsvergleiche zeigen, dass die Trainingsgruppe ihre Leistung in den Trainingsaufgaben im Gegensatz zur Kontrollgruppe verbesserte. Auch bei der Bearbeitung ähnlicher Transferaufgaben schnitt die Trainingsgruppe nachher besser ab. Diese Leistungsvorteile zeigten sich - allerdings nur vereinzelt - auch in anderen kognitiven Bereichen, wie zum Beispiel bei Aufgaben zur kognitiven Flexibilität. Außerdem berichtete die Trainingsgruppe hinterher über weniger kognitive Missgeschicke (wie zum Beispiel Textstellen erneut lesen zu müssen, weil man beim ersten Durchlesen nicht über das Gelesene nachgedacht hat). „Da die Personen der Trainings- und der Kontrollgruppe zufällig zugewiesen wurden und wir darüber hinaus sichergestellt haben, dass die Leistungen der Trainings- und Kontrollgruppe im Test vor den Maßnahmen vergleichbar waren, können wir schlussfolgern, dass die Leistungsunterschiede zwischen den Gruppen tatsächlich auf das Training zurückzuführen sind", erklärt Tilo Strobach.

Auf individueller Ebene konnten vor allem die Personen vom Training profitieren, die vor dem Training bereits relativ hohe Leistungen zeigten. Tilo Strobach fasst zusammen: „Für die untersuchten Bereiche des Arbeitsgedächtnisses und die gewählten Aufgaben konnten wir mit unserer Studie systematisch zeigen, dass sich das Trainieren von kognitiven Aufgaben positiv auf die Leistung in ähnlichen, aber auch einigen unähnlichen Aufgaben auswirkt."

Die Originalstudie findet sich hier:
Strobach, T., & Huestegge, L. (2017). Evaluating the effectiveness of commercial brain game training with working-memory tasks. Journal of Cognitive Enhancement [Online Ressource; Open Access]. DOI: 10.1007/s41465-017-0053-0

Kontakt bei Rückfragen:
Prof. Dr. Tilo Strobach
MSH Medical School Hamburg
Am Kaiserkai 1
20457 Hamburg
Tel.: 040-361 226 49357
E-Mail: tilo.strobach@medicalschool-hamburg.de

DGPs-Pressestelle:
Dr. Anne Klostermann
Pressereferentin
Tel.: 030 28047718
E-Mail: pressestelle@dgps.de

Über die DGPs:
Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs e.V.) ist eine Vereinigung der in Forschung und Lehre tätigen Psychologinnen und Psychologen. Die über 4400 Mitglieder erforschen das Erleben und Verhalten des Menschen. Sie publizieren, lehren und beziehen Stellung in der Welt der Universitäten, in der Forschung, der Politik und im Alltag.
Die Pressestelle der DGPs informiert die Öffentlichkeit über Beiträge der Psychologie zu gesellschaftlich relevanten Themen. Darüber hinaus stellt die DGPs Journalisten eine Datenbank von Experten für unterschiedliche Fachgebiete zur Verfügung, die Auskunft zu spezifischen Fragestellungen geben können.
Wollen Sie mehr über uns erfahren? Besuchen Sie die DGPs im Internet: www.dgps.de

Quelle: idw

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Die Sauerstoffarmut im Ozean nimmt zu- Science-Studie zeigt Gefahren, aber auch Lösungsansätze auf

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Die Gebiete mit extremer Sauerstoffarmut wachsen sowohl im offenen Ozean als auch in Küstenregionen. Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Wissenschaftsteam unter Beteiligung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel und des Kieler Sonderforschungsbereich 754. In der bisher umfangreichsten Studie zu diesem Thema, die heute in der Fachzeitschrift Science erscheint, zeigen die Autorinnen und Autoren auch mögliche Folgen dieser Entwicklung sowie Lösungsansätze auf.

Vor rund einem Jahr veröffentlichten Kieler Ozeanographen eine Studie, die belegte, dass der Ozean in den vergangenen 50 Jahren global zwei Prozent Sauerstoff verloren hat. Jetzt hat sich ein internationales Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erneut die weltweite Sauerstoffentwicklung in den Weltmeeren angesehen. Die neue Übersichtsstudie, die heute in der internationalen Fachzeitschrift Science erscheint, beschäftigt sich erstmals mit Ursachen und Folgen, aber auch mit möglichen Lösungen für Sauerstoffmangel weltweit sowohl im offenen Meer als auch in Küstengewässern.

„Unsere Daten zeigen, dass im vergangenen halben Jahrhundert die Wassermenge im offenen Ozean, in der jeglicher Sauerstoff fehlt, um mehr als das Vierfache gewachsen ist", sagt Prof. Dr. Andreas Oschlies vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, einer der Autoren der neuen Studie. In Küstengewässern, einschließlich Flussmündungen und Randmeeren, haben sich Standorte mit niedrigem Sauerstoffgehalt seit 1950 sogar mehr als verzehnfacht. „Wir erwarten außerdem, dass die Sauerstoffkonzentrationen auch außerhalb dieser Gebiete weiter absinken werden, wenn sich die Erde weiter erwärmt", erklärt Professor Oschlies.

„Sauerstoff ist grundlegend für das Leben in den Ozeanen", betont Denise Breitburg, Erstautorin und Meeresökologin beim Smithsonian Environmental Research Center in Washington (USA). „Der Rückgang des Sauerstoffs im Ozean zählt daher zu den gravierendsten Auswirkungen menschlicher Aktivitäten auf die Umwelt der Erde."

Die Studie ist ein Ergebnis der internationalen Zusammenarbeit im Global Ocean Oxygen Network (GO2NE). Dabei handelt es sich um eine Arbeitsgruppe, die 2016 von der Zwischenstaatlichen Ozeanographischen Kommission der Vereinten Nationen (IOC) ins Leben gerufen wurde. Für ihre Studie haben die beteiligten Autorinnen und Autoren etwa eine Viertelmillion Datensätze und auch am GEOMAR durchgeführte Klimamodellrechnungen zu Sauerstoffkonzentrationen in Meeren ausgewertet.

Für den subtropischen und tropischen Atlantik und die entsprechenden Breitengrade im Pazifik stammen viele Daten von Expeditionen und Beobachtungsmissionen des Kieler Sonderforschungsbereichs 754 „Klima und Biogeochemische Wechselwirkungen im tropischen Ozean". Seit fast zehn Jahren untersucht dieses Kieler Netzwerk intensiv die natürlich vorkommenden Sauerstoffminimumzonen an den Osträndern der beiden großen Ozeane. „Wir konnten auch dort eine Ausdehnung und Intensivierung der Sauerstoffarmut und damit eine Einschränkung des Lebensraums für Fische, Krebse und Muscheln erkennen", berichtet Oschlies, der Sprecher des SFB 754 ist. Und die am GEOMAR betriebenen Klimamodelle sagen eine sich beschleunigende Ausbreitung der sauerstoffarmen Zonen bei einer weiteren Klimaerwärmung voraus.

Als Ursachen für die zunehmende Sauerstoffarmut nennen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die globale Erwärmung. Wärmeres Oberflächenwasser enthält weniger Sauerstoff. Es führt außerdem dazu, dass die Schichtung des Ozeans stabiler wird, wodurch sich Vermischung und Zirkulation abschwächen und es schwieriger wird, das Innere des Ozeans zu belüften. Ein weiterer Faktor ist vor allem in Küstennähe die Überdüngung der Meere. Sie führt zu Algenblüten, die nach dem Absterben der Algen viel Sauerstoff verbrauchen.

Die zunehmende Sauerstoffarmut des Ozeans hat natürlich auch Auswirkungen auf die Lebensgrundlage der Menschen, vor allem in Entwicklungsländern. Kleinere handwerkliche Fischereien können möglicherweise nicht umziehen, wenn wenig Sauerstoff ihre Fanggründe zerstört oder Fische zwingt, sich andere Lebensräume zu suchen. Auch Korallenriffe, eine wichtige Tourismusattraktion in vielen Ländern, könnten ohne genügend Sauerstoff absterben.

Um die weitere Ausweitung der Sauerstoffarmut zu begrenzen und ihre Folgen zu mindern, schlagen die beteiligten Forscherinnen und Forscher drei Maßnahmen vor. „Ganz wichtig ist natürlich, die Ursachen zu bekämpfen, also die Nährstoffbelastung und den Klimawandel", hebt Professor Oschlies hervor. Gleichzeitig könnte ein Schutz gefährdeter Regionen oder Arten den Druck auf die Ökosysteme reduzieren. Um diese Maßnahmen erfolgreich durchführen zu können, sei auch eine verbesserte Überwachung des ozeanischen Sauerstoffgehalts notwendig, so das Autorenteam. „Leider haben wir noch zu wenig Beobachtungen aus den Ökosystemen im offenen Ozean. Für einen effektiven Schutz müsste man das ändern", betont Andreas Oschlies.

Originalarbeit
Breitburg, D. L. A. Levin, A. Oschlies, M. Grégoire, F. P. Chavez, D. J. Conley, V. Garçon, D. Gilbert, D Gutiérrez, K. Isensee, G. S. Jacinto, K. E. Limburg, I. Montes, S.W.A. Naqvi, G. C. Pitcher, N. N. Rabalais, M. R. Roman, K. A. Rose, B. A. Seibel, M. Telszewski, M. Yasuhara, J. Zhang (2018): Declining oxygen in the global ocean and coastal waters. Science, doi: 10.1126/science.aam7240

Hinweis:
Der Sonderforschungsbereich 754 (SFB 754) „Klima und Biogeochemische Wechselwirkungen im tropischen Ozean" wurde im Januar 2008 als Kooperation der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und des Max-Planck-Instituts Bremen eingerichtet. Der SFB 754 erforscht die Änderungen des ozeanischen Sauerstoffgehalts, deren mögliche Auswirkung auf die Sauerstoffminimumzonen und die Folgen auf das globale Wechselspiel von Klima und Biogeochemie des tropischen Ozeans. Der SFB 754 wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und befindet sich in seiner dritten Phase (2016-2019).

Kontakt:
Jan Steffen (GEOMAR, Kommunikation & Medien), Tel.: 0431 600-2811, presse@geomar.de

Weitere Informationen:
http://www.ocean-oxygen.org Ocean Oxygen - eine Initiative des SFB 754 und des GO2NE-Netzwerkes

Quelle: idw

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BAuA-Bericht: Fachkräfte für Arbeitssicherheit benötigen viele Kompetenzen

Jörg Feldmann Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

In einem Forschungsprojekt hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) untersucht, ob sowohl gegenwärtig als auch künftig ausreichend Fachkräfte für Arbeitssicherheit zur Verfügung stehen. Zudem ging das Projekt der Frage nach, inwieweit die Fachkräfte über die erforderlichen Kompetenzen verfügen, um ihre Aufgabe zu erfüllen. Der Bericht „Bedarf an Fachkräften für Arbeitssicherheit in Deutschland" fasst die Ergebnisse zusammen. Dabei zeigt sich, dass die Fachkräfte den zeitlichen Betreuungsbedarf mit hoher Wahrscheinlichkeit decken. Zugleich wird deutlich, dass Fachkräfte für Arbeitssicherheit über ein zunehmendes Maß an Kompetenzen verfügen müssen.

Die Betreuung von Betrieben durch Fachkräfte für Arbeitssicherheit regeln das Arbeitssicherheitsgesetz und die DGUV Vorschrift 2. Auf Grundlage der nach der DGUV Vorschrift 2 möglichen Formen der sicherheitstechnischen und betriebsärztlichen Betreuung hat die BAuA verschiedene Bedarfsszenarien angenommen. Im Rahmen einer Soll-Ist-Bilanzierung wurde anhand dieser Modelle der minimale sowie der maximale Betreuungsbedarf ermittelt. Dabei zeigt sich, dass die Fachkräfte für Arbeitssicherheit gegenwärtig aber auch in Zukunft den zeitlichen Betreuungsbedarf in den Betrieben mit hoher Wahrscheinlichkeit decken werden.

Fachkräfte für Arbeitssicherheit haben ein umfangreiches und anspruchsvolles Aufgaben- und Tätigkeitspektrum. Um dieses umzusetzen, benötigen sie neben fachlichen Kompetenzen eine Vielzahl weiterer Fähigkeiten. Um zu ermitteln, über welche Kompetenzen die Fachkräfte für Arbeitssicherheit verfügen, untersuchte die BAuA, welcher Kompetenzerwerb aus der Ausgangsqualifikation, der Ausbildung zum Erwerb der sicherheitstechnischen Fachkunde sowie der Fortbildung und aber auch über informelles Lernen und Erfahrung möglich ist. Neben einer intensiven Literaturstudie führte sie dazu ergänzende Experteninterviews, Datenabfragen und eine Onlinebefragung durch.

Bisher legt die Ausbildung der Fachkräfte für Arbeitssicherheit einen Schwerpunkt vor allem auf die fachlichen Kompetenzen. Im Zuge des Wandels der Arbeit nehmen immer mehr Faktoren Einfluss auf die Arbeit der Beschäftigten und auch der Betreuungsbedarf wird vielfältiger werden und sich dynamisch weiterentwickeln. Anforderungen an Lernbereitschaft sowie Kooperations- und Beratungskompetenzen im Zusammenwirken mit verschiedenen Professionen und Akteuren im Betrieb werden für die Fachkräfte für Arbeitssicherheit weiter wachsen. Kontinuierliche, systematische Kompetenzentwicklung und Fortbildung werden zwingend erforderlich.

„Bedarf an Fachkräften für Arbeitssicherheit in Deutschland"; Dortmund; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2017; doi:10.21934/baua:bericht20170921; 286 Seiten. Den baua: Bericht gibt es im Internet unter http://www.baua.de/publikationen.

Eine Kurzfassung ist als baua: Bericht kompakt erschienen und steht ebenfalls im Internet zur Verfügung.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben - im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Über 700 Beschäftigte arbeiten an den Standorten in Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.
http://www.baua.de

Weitere Informationen:
http://www.baua.de/dok/8730194
Direkter Link zum Bericht „Bedarf an Fachkräften für Arbeitssicherheit in Deutschland" im Internetangebot der BAuA.

Quelle: idw

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Ursache für kohlartigen Atemgeruch aufgedeckt

Eva Tritschler Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Rund 20 Jahre dauerte der lange Weg bis zur Entdeckung einer neuen Krankheit und eines neuen menschlichen Proteins. Jörn Oliver Sass, heute Professor für Bioanalytik und Biochemie an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, forscht seit 2003 mit 20 Kollegen aus 15 wissenschaftlichen Einrichtungen an dem Fall. Damals kam eine türkische Familie zu Prof. Dr. Karl Otfried Schwab, dem ärztlichen Leiter der Stoffwechselambulanz der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Freiburg (ZKJ) mit dem Problem, dass zwei ihrer Kinder einen unangenehmen kohlartigen Körpergeruch aufwiesen.

In dieser Familie wurden zunächst bekannte Stoffwechseldefekte ausgeschlossen, die für diesen Körpergeruch hätten verantwortlich sein können. Dr. Willy Lehnert als Leiter des ZKJ-Stoffwechsellabors entdeckte in der Analyse der organischen Säuren des Urins dieser Kinder Dimethylsulfon. Und Prof. Dr. Ron Wevers von der Universitätsklinik Nijmegen (NL) führte ergänzende Untersuchungen der Körperflüssigkeit mittels NMR-Spektroskopie durch.

Ab 2003 übersandten Jörn Oliver Sass als Nachfolger von Willy Lehnert und Karl Otfried Schwab Ausatemluft, Urin- und Blutproben zu Albert Tangerman und Ron Wevers in Nijmegen. Diese machten Methanthiol und Dimethylsulfid für den fauligen Kohlgeruch verantwortlich. Offensichtlich können diese Stoffwechselprodukte bei betroffenen Patienten nicht normal abgebaut werden und stauen sich im Körper an. Gelangen diese Schwefel-Komponenten in die Lunge oder Niere, werden sie über die Atemluft oder den Harn ausgeschieden. Die Ursache dieses Abbaudefekts war damals unbekannt, so dass die Aufklärung dieses Krankheitsbildes nicht voranschritt.

Daher wurden über den ZKJ-Neuropädiater Prof. Dr. Heymut Omran (heute am Universitätsklinikum Münster) in dieser großen türkischen Familie sogenannte Linkage-Untersuchungen veranlasst. Dadurch konnten die Wissenschaftler den chromosomalen Abschnitt eingrenzen, auf dem die vermutlich homozygoten Mutationen zu erwarten waren. Allerdings ließen sich dort keine bekannten menschlichen Proteine identifizieren, die eine Hemmung des Abbaus von Methanthiol hätten erklären können. Im Zusammenhang mit weiteren Laboruntersuchungen durchforstete Jörn Oliver Sass damals auch die Literatur zu bakteriellen Stoffwechselwegen, allerdings war zu jener Zeit die molekulare Grundlage dieses Kohlgeruches noch nicht einmal in Bakterien identifiziert worden. Wieder stockte die Aufklärung der Krankheit für Jahre.

Einige Zeit später setzte sich Ron Wevers mit Prof. Dr. Huub Op den Camp aus Nijmegen, einem Mikrobiologen und Spezialisten für die Schwefelkonversion in Bakterien, in Verbindung. Dieser hatte kurz zuvor ein Protein in dem Bakterium Hyphomicrobium beschrieben, das Methanthiol metabolisieren kann, eine Methanthiol-Oxidase. Die Forscher schauten dann nach, ob die Genabschnitte, die für das Protein in Bakterien kodieren, auch beim Menschen vorhanden waren. Das bakterielle Gen korrespondierte am engsten mit SELENBP1, einem menschlichen Selen-bindenden Protein. Aber die Funktion dieses Proteins beim Menschen war immer noch unbekannt, in der Literatur war beschrieben, dass dieses Protein eine Rolle bei der Tumorsuppression hat. Die Hypothese war aber naheliegend, dass ein Fehlen dieses Proteins den fauligen Körpergeruch bei betroffenen Patienten erklären könnte.

In zwei Familien aus den Niederlanden und Portugal wurde nicht nur ein vergleichbarer Geruch identifiziert, sondern konnten ebenfalls homozygote oder compound-heterozygote Mutationen in den Genabschnitten festgestellt werden, die für das menschliche Protein SELENBP1 kodieren und zu verminderter Methanthiol-Oxidase-Aktivität führen. Darüber hinaus ließen sich signifikant verminderte Mengen dieses Proteins in Hautzellen betroffener Patienten sowie in Mäusen nachgeweisen, bei denen man das Selenbp1-Gen ausgeschaltet hatte. Alle diese Ergebnisse führten zu der Erkenntnis, dass SELENBP1 in der Tat eine Methanthiol-Oxidase ist und das Krankheitsbild der extraoralen Halitosis (Atemgeruch, der nicht im Mund entsteht) verursachen kann. Diese Mutation ist wahrscheinlich häufiger anzutreffen, die Heterozygotenfrequenz beträgt 1:90.000. Allerdings ist die Symptomatik der Krankheit offensichtlich sehr variabel, viele der betroffenen Patienten werden ihren Geruch möglicherweise gar nicht bemerken. Prinzipiell ist die Krankheit nicht heilbar, aber unter Umständen durch diätetische Maßnahmen beeinflussbar.

Somit ist es nach 20 Jahren mit einigen Umwegen doch gelungen, den kausalen Hintergrund des Krankheitsbilds der türkischen Familie aufzudecken. Die Ergebnisse wurden online am 18. Dezember 2017 in der Zeitschrift Nature Genetics veröffentlicht (doi:10.1038/s41588-017-0006-7).

Volltext des Papers: http://rdcu.be/CoxF

Kontakt.
Prof. Dr. Jörn Oliver Sass
Fachbereich Angewandte Naturwissenschaften
Tel. 02241/865-9668
E-Mail: joern.oliver.sass@h-brs.de

Quelle: idw

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Würmer machen beliebt

Johannes Seiler Dezernat 8 - Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Stichlinge mit Würmern sind bei ihren Artgenossen beliebter. Das zeigt eine Studie an der Universität Bonn. Fische, die mit den Larven eines parasitären Wurms infiziert waren, wurden demnach häufiger als Schwarm-Partner gewählt als gesunde Tiere. Die Biologen haben auch eine Hypothese, die ihren unerwarteten Befund erklären könnte. Die Arbeit ist nun im Biological Journal of the Linnean Society erschienen.

Bei Tieren ist es wie bei Menschen - Gesunde gehen Kranken eher aus dem Weg. In der Stichlings-Studie war aber das genaue Gegenteil der Fall. „Dieser Befund hat uns selbst überrascht", erklärt Anna Rahn, die die Experimente am Institut für Evolutionsbiologie und Zooökologie der Universität Bonn geleitet hat.

Rahn hatte Stichlinge mit dem Parasiten Diplostomum infiziert, einem Wurm, der die Augenlinse von Fischen befällt. Dann hatte sie gesunde Tiere zwischen zwei Schwärmen wählen lassen - einem aus gesunden Fischen und einem, in dem die Hälfte der Tiere befallen war. Die Testfische entschieden sich signifikant häufiger für den kranken Schwarm.

Allerdings bestand für die Fische keine Ansteckungsgefahr: Diplostomum kann nicht direkt von einem kranken auf ein gesundes Tier übergehen. Dennoch ist dieses Ergebnis bemerkenswert.

Kranke Fische bedeutet schwächere Konkurrenz
Wenn sich Fische zu einem Schwarm zusammen finden, profitiert jeder von ihnen davon in mehrfacher Hinsicht: Da er nun nur einer unter vielen ist, sinkt sein individuelles Risiko, gefressen zu werden. Nach dem Motto „viele Augen sehen mehr als zwei" wird er zudem früher vor drohenden Gefahren gewarnt. Aus demselben Grund bieten Schwärme Vorteile bei der Nahrungssuche - eine lohnende Mahlzeit entgeht ihnen nicht so leicht.

Zu diesen Vorteilen gesellen sich jedoch auch Nachteile: Um jede knappe Ressource, ob um Nahrung oder um Geschlechtspartner, buhlen zahlreiche Konkurrenten. Das ist möglicherweise auch der Grund, warum wurmbefallene Stichlinge bei ihren Artgenossen so beliebt sind: „Parasitenbefall geht meist zu Lasten der körperlichen Leistungsfähigkeit", betont Rahn. „Infizierte Fische können sich daher eventuell im Kampf um Ressourcen seltener durchsetzen. Entsprechend mehr bliebe dann für die gesunden Schwarm-Partner."

Ob diese Hypothese zutrifft, lässt sich anhand der Experimente allerdings nicht belegen. Testtiere mit Würmern zeigten darin zum Beispiel keine Gewichtseinbußen, obwohl sie etwa bei der Nahrungssuche aufgrund des getrübten Augenlichts eigentlich schlechtere Karten hatten.

Dass sich die Sehschwäche nicht spürbar auswirkte, kann aber auch an dem Nahrungsangebot gelegen haben: Die Biologen fütterten ihre Tiere mit roten Mückenlarven. Und die sind selbst für Fische mit schlechten Augen gut zu erkennen.

Publikation:
Anna Rahn, Simon Vitt, Lisa Drolshagen, Jörn Scharsack, Ingolf Rick und Theo Bakker: Parasitic infection of the eye lens affects shoaling preferences in three-spined stickleback; Biological Journal of the Linnean Society; DOI: 10.1093/biolinnean/blx155

E-Mail: arahn@evolution.uni-bonn.de

Quelle: idw

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BfR bewertet Tageshöchstmenge für Magnesium in Nahrungsergänzungsmitteln

Dr. Suzan Fiack Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Eine erhöhte Aufnahme von Magnesium über Nahrungsergänzungsmittel kann leichte Durchfälle verursachen
Die Tageshöchstmenge für Magnesium in Nahrungsergänzungsmitteln sollte 250 Milligramm (mg) nicht überschreiten. Dies empfiehlt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) unter Berücksichtigung neuer Daten. „Nahrungsergänzungsmittel liegen im Trend, viele Menschen glauben, dass sie damit gesundheitliche Vorteile erzielen", sagt BfR-Präsident Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel. „Aber auch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln kann zu gesundheitlichen Risiken führen. Die beste Ernährungsstrategie ist grundsätzlich eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Sie versorgt den gesunden Körper mit allen lebensnotwendigen Stoffen. In den meisten Fällen sind Nahrungsergänzungsmittel deshalb überflüssig." Die erhöhte Zufuhr von Magnesium, z. B. über Nahrungsergänzungsmittel, zusätzlich zur Magnesiumaufnahme über die normale Ernährung kann zu Durchfällen führen.

Die genannten Beschwerden durch zu hohe Magnesium-Zufuhren sind innerhalb von ein bis zwei Tagen vollkommen reversibel und stellen für gesunde Personen mit normaler Nierenfunktion kein signifikantes Gesundheitsrisiko dar. Dennoch sind sie als unerwünschte gesundheitliche Wirkungen zu werten. Bei Zufuhren von bis zu 250 mg Magnesium pro Tag, zusätzlich zur Magnesiumaufnahme über die normale Ernährung, wurden solche Durchfälle nicht beobachtet.

Die Tageshöchstmenge gilt für Personen ab vier Jahren. Für Kleinkinder unter vier Jahren kann aufgrund fehlender Daten keine Tageshöchstmenge abgeleitet werden. Das BfR empfiehlt, die Tageshöchstmenge auf mindestens zwei Einnahmen pro Tag zu verteilen, weil in den meisten Studien, die der Höchstmengenableitung dienten, die Magnesiumzufuhr über zwei oder mehr Portionen pro Tag erfolgte und dies vermutlich die Verträglichkeit erhöht. Im Zusammenhang mit der Aufnahme von Magnesium über die normale Ernährung sind bei gesunden Verbraucherinnen und Verbrauchern bisher keine nachteiligen Effekte beobachtet worden.

Mit seiner Neubewertung lehnt sich das BfR weiterhin an der bisher von dem Wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss der Europäischen Union (Scientific Committee on Food, SCF), einem Vorläufergremium der Europäischen Lebensmittelbehörde (European Food Safety Authority, EFSA), abgeleiteten Tageshöchstmenge für zusätzliche Magnesiumzufuhren an. Das SCF leitete im Jahr 2001 einen Höchstwert von 250 mg Magnesium pro Tag für zusätzliche Magnesiumzufuhren über Nahrungsergänzungsmittel oder angereicherte Lebensmittel ab. Die aktuelle Bewertung des BfR bezieht auch die Ergebnisse neuerer Humanstudien ein.

Magnesium ist ein lebensnotwendiger Mineralstoff und ein häufiges Element der Erdkruste sowie des menschlichen Körpers. Es spielt in vielen Stoffwechselprozessen wie auch der Bildung von Nukleinsäuren, der Bildung von Knochen, der Membranphysiologie, der neuromuskulären Reizübertragung und der Muskelkontraktion eine wichtige Rolle.

Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

In diesem Jahr feiert das BfR sein 15-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass hat das BfR eine Jubiläumsbroschüre herausgegeben, die unter http://www.bfr.bund.de/de/publikation/broschueren-660.html kostenlos heruntergeladen oder bestellt werden kann.

Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de/cm/343/bfr-bewertet-empfohlene-tageshoechstmenge-fuer-die... BfR-Stellungnahme
http://www.bfr.bund.de/de/mediathek.html Video zum Thema Nahrungsergänzung durch Magnesium in der Mediathek des BfR

Quelle: idw

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„Plastikpiraten" finden viel Müll an deutschen Flüssen

Christine Rutke Redaktionsbüro Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane
Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane

Im Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane untersuchten Jugendliche die Kunststoffbelastung deutscher Flüsse und Bäche. Das traurige Ergebnis der Citizen-Science-Aktion „Plastikpiraten": Es wurde mehr Müll gefunden als erwartet, darunter vor allem Plastikverpackungen und Zigarettenstummel.

Die Plastikmüllverschmutzung der Weltmeere stand 2017 immer wieder im öffentlichen Fokus - und war auch Schwerpunkt im Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane. Mit der bundesweiten Citizen-Science-Aktion „Plastikpiraten - Das Meer beginnt hier!" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung haben Jugendliche die Müllbelastung ihrer heimischen Bäche und Flüsse erforscht. In Deutschland gibt es dazu erst wenige Untersuchungen, obwohl der Großteil des Plastikmülls im Meer auf dem Wasserweg dorthin gelangt. Die Kieler Forschungswerkstatt hat die Daten der Jungforscherinnen und -forscher in Zusammenarbeit mit der chilenischen Universität Católica del Norte nun ausgewertet. Die traurige Bilanz ist, dass an fast allen untersuchten Gewässern Müll gefunden wurde: im Durchschnitt 0,66 Müllteile pro Quadratmeter Flussufer, umgerechnet entspräche dies 33 Müllteilen pro 50 Quadratmeter Klassenzimmer. Am häufigsten gefunden wurde „Partymüll": Plastik und Zigarettenstummel.

Insgesamt 349 Schulklassen und Jugendgruppen gingen im Herbst 2016 und Frühjahr 2017 mit der Aktion „Plastikpiraten" auf Forschungsexpedition. Die Jugendlichen zwischen 10 und 16 Jahren haben sich dabei aktiv mit der Müllproblematik auseinandergesetzt und gleichzeitig wichtige Daten für die Wissenschaft gesammelt.

Große Flüsse stärker verschmutzt
Die „Plastikpiraten" haben Daten im gesamten Bundesgebiet erhoben. Die meisten beteiligten Gruppen kamen aus den bevölkerungsreichen Bundesländern Nordrhein-Westfalen (88 Gruppen), Bayern (50 Gruppen) und Baden-Württemberg (43 Gruppen). Aber auch in Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland gingen jeweils fünf Gruppen dem Plastikmüll auf die Spur.

Die Ergebnisse zeigen, dass die großen Flusssysteme am stärksten verschmutzt sind. Elbe und Rhein sowie ihre Zuflüsse liegen mit rund 0,80 und 0,75 Müllteilen pro Quadratmeter über dem bundesweiten Durchschnitt. In einem Ausnahmefall wurden an einem Nebenfluss des Rheins sogar bis zu 24,6 Müllteile pro Quadratmeter gefunden. Die Donau lag mit 0,63 Müllteilen pro Quadratmeter Uferfläche etwa im Bundesdurchschnitt. Das Flusssystem Weser und die Zuflüsse der Ostsee waren dagegen mit 0,34 Müllteilen pro Quadratmeter und 0,28 Müllteilen pro Quadratmeter deutlich sauberer.

Plastikverpackungen, Glasscherben und Fahrräder
Zu den häufigsten Fundstücken gehörten Plastikgegenstände wie Verpackungen und -Flaschen, sowie Zigarettenstummel. Auch gefährlicher Müll wie Glasscherben, verrottete Speisereste, benutzte Hygieneartikel und scharfes Metall wurden von fast allen Gruppen gefunden. Unter den teilweise skurrilen Funden waren aber auch alte Fahrräder, Fernseher und ein bemooster Gartenzwerg. Eine alte „Capri-Sonne" konnte eine Jugendgruppe mithilfe des Haltbarkeitsdatums ungefähr datieren: Seit fast 20 Jahren war die Verpackung demzufolge schon unterwegs und damit älter als deren Finder.

Achtloses Liegenlassen ist Hauptursache des Mülls
Einzelne Müllteile und Müllansammlungen (mehr als drei Teile in unmittelbarer Nähe) führten die Jugendlichen in den meisten Fällen auf Flussbesucherinnen und -besucher zurück. Statt den Müll beispielsweise nach Partys oder Picknicks ordnungsgemäß zu entsorgen, wurde er wohl einfach liegengelassen. Aber auch Müllsäcke und anderer Haushaltsmüll wurden in einigen Fällen illegal am Flussufer entsorgt. Die Funde zeigen anschaulich, dass auch die Menschen im umweltbewussten Deutschland zur Plastikmüllverschmutzung der Meere beitragen, auch wenn sie weit im Binnenland wohnen.

Bei den teilnehmenden Jugendlichen hat der persönliche Einsatz bereits in vielen Fällen zum Umdenken im Alltag geführt. „Beim Einkaufen mit den Eltern achten viele nun sehr darauf, Plastik soweit es geht zu vermeiden," berichtet Ellen Flemisch, Lehrerin an der Integrativen Montessori Schule an der Balanstraße München. Einen nachhaltigen Effekt konnte auch Lehrerin Karin Loritz von der Erich-Kästner-Realschule Offenburg bei ihren Schülerinnen und Schülern beobachten: „Aus eigenem Antrieb haben sie ein ‚Green Team‘ gegründet. Sie verabreden sich privat und sammeln Plastikmüll ein."

Weitere Informationen zu den „Plastikpiraten", den Gesamtergebnissen und den Funden der einzelnen Gruppen gibt es unter: http://www.wissenschaftsjahr.de/2016-17/jugendaktion.

Die Meeresforschung ist Thema des Wissenschaftsjahres 2016*17. Zu 71 Prozent bedecken Ozeane und Meere unseren Planeten. Sie sind Klimamaschine, Nahrungsquelle, Wirtschaftsraum - und sie bieten für viele Pflanzen und Tiere Platz zum Leben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen die Ozeane seit Jahrhunderten; und doch sind sie noch immer geheimnisvoll und in weiten Teilen unerforscht. Im Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane geht es um die Ergründung der Gewässer, ihren Schutz und eine nachhaltige Nutzung. Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD). Sie tragen als zentrales Instrument der Wissenschaftskommunikation Forschung in die Öffentlichkeit. Das Wissenschaftsjahr 2016*17 wird vom Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM) als fachlichem Partner begleitet.

Pressekontakt
Redaktionsbüro Wissenschaftsjahr 2016*17 - Meere und Ozeane
Nina Petersen | Christine Rutke
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Quelle: idw

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Klimawandel: Selbstverstärkender Effekt nicht durch Bodentiere erklärbar

Tabea Turrini Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Leipzig. Wenn sich Erdboden erwärmt, setzt er vermehrt Kohlendioxid (CO2) frei - ein Effekt, der den Klimawandel zusätzlich anheizt. Bisher hatte man angenommen, der Grund hierfür sei vor allem in kleinen Bodentieren und Mikroorganismen zu suchen, die bei wärmeren Temperaturen mehr fressen und atmen würden. Eine neue Studie in Nature Climate Change zeigt jedoch, dass dies nicht zutrifft. Im Gegenteil: Kommt zur Wärme auch noch Trockenheit hinzu, fressen die Bodentiere sogar weniger. Um die Vorhersagekraft von Klimamodellen zu verbessern, sei es nun dringend notwendig, die biologischen Vorgänge im Boden besser zu erforschen, so die Wissenschaftler.

Dass sich das Klima weltweit ändert, liegt vor allem daran, dass der Mensch fossile Brennstoffe nutzt. Dadurch gelangen große Mengen an Kohlendioxid (CO2) in die Erdatmosphäre. Zusätzlich verstärkt sich der Klimawandel aber auch selbst, denn durch die Erderwärmung ändert sich auch der natürliche Kohlenstoffkreislauf. Zwar wird auf der Erde ständig Kohlenstoff von festen Verbindungen in gasförmiges CO2 umgewandelt und umgekehrt - doch wärmere Temperaturen können dazu führen, dass dem Boden noch mehr Kohlenstoff in Form von CO2 entweicht und in die Erdatmosphäre gelangt: ein Rückkopplungs-Effekt.

Bisher waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dieser Effekt liege vor allem an jenen kleinen Tieren und Mikroorganismen im Boden, die sich von abgestorbenem organischen Material ernähren, etwa von heruntergefallenen Blättern. Denn wenn sie ihre Nahrung „verbrennen", wird CO2 frei („Atmung"). Bei wärmeren Temperaturen, so hatte man angenommen, würden zersetzende Insekten und Würmer mehr fressen. Schließlich handelt sich um wechselwarme Tiere, deren Körpertemperatur und Aktivität von der Umgebung abhängt. Auch Bakterien und einzellige Pilze seien bei wärmeren Temperaturen aktiver, so die bisherige Erklärung. Doch nun stellt eine neue Studie diese Annahme in Frage. Ein Forscherteam unter Federführung des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) und der Universität Leipzig hat in einem Experiment die Erwärmung des Bodens im Wald simuliert und überraschend festgestellt: Auf die Fressaktivität der Bodentiere haben die wärmeren Temperaturen keinen Einfluss. Als die Forscher zusätzlich zur Erwärmung noch einen zweiten Effekt des Klimawandels simulierten, nämlich Trockenheit, waren die Ergebnisse sogar umgekehrt als erwartet: Die Bodentiere fraßen weniger, und auch bei den Mikroorganismen im Boden ging die Atmung (CO2-Produktion) zurück - ein Hinweis, dass sie ebenfalls weniger Nahrung aufnahmen.

Warum diese Resultate von großer Relevanz sind, erklärt Dr. Madhav P. Thakur, Erstautor der Studie: „Der Rückkopplungs-Effekt, dass Erwärmung die Freisetzung von weiterem CO2 aus dem Boden verstärkt, spielt eine wichtige Rolle in Vorhersage-Modellen zum Klima. Daher ist es wichtig zu verstehen, wie er zustande kommt. Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Rückkopplung nicht an den Bodentieren liegt, im Gegenteil: Deren Rolle scheint genau umgekehrt zu sein wie erwartet, zumindest wenn Erwärmung und Trockenheit zusammenkommen." Der Seniorautor der Studie, Professor Nico Eisenhauer, sagt: „Am wahrscheinlichsten ist es, dass anstatt der Bodentiere und Mikroorganismen die Pflanzen für den Rückkopplungs-Effekt verantwortlich sind, denn auch sie atmen mit ihren Wurzeln. Um die Aussagekraft von Klimamodellen zu verbessern müssen wir die Abläufe im Boden nun dringend besser verstehen". Immerhin würde ein Großteil des auf der Erde vorhandenen Kohlenstoffs im Boden stecken.

Die Studie wurde innerhalb eines Langzeit-Experiments zum Klimawandel in Minnesota in den USA durchgeführt. Im Projekt „B4WarmED" (Boreal Forest Warming at an Ecotone in Danger) erwärmen Wissenschaftler in Wäldern verschiedene Parzellen künstlich um 3,4 °C. Zusätzlich reduzieren sie stellenweise Regen um 40 % indem sie bei Regenwetter Zelte aufstellen. Wie viel die zersetzenden Bodentiere bei den verschiedenen Versuchsanordnungen fraßen, haben die Wissenschaftler mit so genannten „Köder-Streifen" (Englisch: bait lamina strips) gemessen: Kleine Stäbchen, die mit Löchern versehen waren, in welche die Forscher ein Substrat füllten, das der normalen Nahrung der Zersetzer ähnelt. Diese Stäbchen steckten sie tief in den Boden. Alle zwei Wochen kontrollierten sie, wie viel Substrat aufgefressen war. Insgesamt haben die Forscher über vier Jahre mehr als 40 Messungen durchgeführt. Es ist die erste Studie dieses Umfangs, die die Auswirkungen von Erwärmung und Trockenheit auf zersetzende Bodentiere untersucht. Zusätzlich überprüften die Forscher die Atmung der Boden-Mikroorganismen indem sie in kleinen Boden-Bereichen Pflanzenwurzeln mit einem Metallring ausschlossen und dann mit einem Gas-Analysegerät maßen, wie viel CO2 aus dem Boden entwich. Tabea Turrini

Originalpublikation:
Madhav P. Thakur, Peter B. Reich, Sarah E. Hobbie, Artur Stefanski, Roy Rich, Karen E. Rice, William C. Eddy, Nico Eisenhauer (2017): Reduced feeding activity of soil detritivores under warmer and drier conditions. Nature Climate Change. doi:10.1038/s41558-017-0032-6

Finanzierung:
Deutsche Forschungsgemeinschaft im Rahmen einer Emmy-Noether-Forschungsgruppe (Ei 862/2), Europäischer Forschungsrat im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizon der Europäischen Union (grant agreement number 677232), Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG (FZT 118), das B4WarmED Projekt wird gefördert durch das US Department of Energy (Grant number DE-FG02-07ER64456) und das College of Food, Agricultural and Natural Resource Sciences an der University of Minnesota.

Ansprechpartner:
Dr. Madhav P. Thakur (spricht nur Englisch)
Postdoktorand in der Abteilung Experimentelle Interaktionsökologie, Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv),
Universität Leipzig
Tel.: Mobilnummer bitte bei iDiv Medien und Kommunikation erfragen.
E-Mail: madhav.thakur@idiv.de
Web: https://www.idiv.de/de/gruppen_und_personen/mitarbeiterinnen/mitarbeiterdetails/...

Prof. Nico Eisenhauer
Leiter der Abteilung Experimentelle Interaktionsökologie, Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv),
Universität Leipzig
Tel.: +49 341 9733167
E-Mail: nico.eisenhauer@idiv.de
Web: https://www.idiv.de/de/gruppen_und_personen/mitarbeiterinnen/mitarbeiterdetails/...

Dr. Volker Hahn
Medien und Kommunikation
Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv)
Tel.: +49 341 9733154
E-Mail: volker.hahn@idiv.de
Web: https://www.idiv.de/groups_and_people/employees/details/eshow/hahn-volker.html

Anhang
Mit Heizelementen haben die Wissenschaftler den Waldboden erwärmt.
https://idw-online.de/de/attachment64149

Quelle: idw

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WSI zieht erste Tarifbilanz 2017: Tarifabschlüsse zwischen 2 und 3 Prozent

Rainer Jung Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Die Tarifabschlüsse 2017 sahen in den meisten Branchen für dieses Jahr tabellenwirksame Tarifsteigerungen zwischen 2,0 und 3,0 Prozent vor, mit einem Schwerpunkt um 2,5 Prozent. Die Mehrzahl der Tarifabschlüsse hat eine mehrjährige Laufzeit und sieht weitere Tariferhöhungen für das kommende Jahr 2018 vor, die sich überwiegend zwischen 1,7 und 2,5 Prozent bewegen. Das zeigt eine erste Tarifbilanz des WSI-Tarifarchivs der Hans-Böckler-Stiftung für die Tarifrunde 2017. Dazu einige Beispiele (siehe auch die Übersicht in der pdf-Version dieser PM; Link unten):

- Im öffentlichen Dienst (Länder) vereinbarte ver.di eine Erhöhung der Tarifverdienste um 2,0 Prozent ab Januar 2017. Zusätzlich wurde eine soziale Komponente vereinbart, wonach die Tarifgruppen mindestens um 75 Euro pro Monat angehoben werden. Für das Jahr 2018 ist eine weitere Tariferhöhung von 2,35 Prozent vorgesehen. Die Laufzeit beträgt insgesamt 2 Jahre.

- In der westdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie erreichte die IG Metall neben einer Pauschalzahlung von 320 Euro eine Tariferhöhung von 2,7 Prozent ab August 2017 und einer weiteren Anhebung um 1,7 Prozent ab September 2018 bei einer Laufzeit von insgesamt 24 Monaten.

- In der Eisen- und Stahlindustrie vereinbarte die IG Metall nach einem Nullmonat eine Tariferhöhung von 2,3 Prozent in diesem Jahr und weiteren
1,7 Prozent im kommenden Jahr bei einer Laufzeit von insgesamt 22 Monaten.

- Im Groß- und Außenhandel (NRW) erhalten die Beschäftigten nach 3 Nullmonaten eine Tariferhöhung von 2,5 Prozent ab August dieses Jahres und weitere 2,0 Prozent ab Mai nächsten Jahres bei einer Laufzeit von 24 Monaten.

- In der Papier erzeugenden Industrie vereinbarte die IG BCE eine Tariferhöhung von 2,4 Prozent in diesem Jahr und weiteren 1,2 Prozent im kommenden Jahr bei einer Laufzeit von insgesamt 20 Monaten.

- Im Einzelhandel (NRW) erreichte ver.di nach 2 Nullmonaten eine Tariferhöhung von 2,3 Prozent ab Juli 2017 und 2,0 Prozent ab Mai 2018. Zusätzlich erhalten die Beschäftigten im März 2018 eine Einmalzahlung von 50 Euro. Die Laufzeit beträgt insgesamt 24 Monate.

- In der Systemgastronomie vereinbarte die NGG nach 7 Nullmonaten Tariferhöhungen von durchschnittlich 2,6 Prozent, wobei die unterste Entgeltgruppe um 4,7 Prozent auf 9 Euro pro Stunde angehoben wurde. Für die Jahre 2018 und 2019 sind weitere Tariferhöhungen von durchschnittlich 2,3 und 2,5 Prozent vorgesehen. Die Laufzeit beträgt insgesamt 36 Monate.

- Im Versicherungsgewerbe erhalten die Beschäftigten nach 7 Nullmonaten eine Tariferhöhung von 2,0 Prozent ab November 2017 und weitere 1,7 Prozent ab Dezember nächsten Jahres bei einer Laufzeit von 29 Monaten.

- Im Gebäudereinigerhandwerk vereinbarte die IG BAU eine endgültige Ost/West-Angleichung der Löhne bis Ende 2020. Bis dahin steigen die Löhne durchschnittlich im Westen jährlich zwischen 1,7 und 2,0 Prozent und im Osten jährlich zwischen 4,7 und 5,1 Prozent. Der Abschluss hat eine Laufzeit von 38 Monaten.

Der Anstieg der Verbraucherpreise wird in diesem Jahr mit rund 1,7 Prozent wieder deutlich stärker als in den Vorjahren ausfallen. „Die höhere Preissteigerungsrate führt zu einem geringeren Reallohnzuwachs. Auf das ganze Jahr 2017 gerechnet ist mit einer realen Steigerung der Tarifverdienste von bis zu 0,8 Prozent zu rechnen" sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs Prof. Dr. Thorsten Schulten.

In der Tarifrunde 2018 verhandeln die DGB-Gewerkschaften im nächsten Jahr für insgesamt mehr als 9,7 Millionen Beschäftigte neue Vergütungstarifverträge.

Ansprechpartner in der Hans-Böckler-Stiftung
Prof. Dr. Thorsten Schulten
Leiter WSI-Tarifarchiv
Tel.: 0211 / 77 78-239
E-Mail: Thorsten-Schulten@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211 / 77 78-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/pdf/pm_ta_2017_12_18.pdf - Die PM mit Tabelle (pdf)

Quelle: idw

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Welche Auswirkungen haben Kopfbälle im Fußball - Studie läuft an der Uni Paderborn zusammen

Nina Reckendorf Stabsstelle Presse und Kommunikation
Universität Paderborn

Eine groß angelegte Studie soll Erkenntnisse zu den Auswirkungen von Kopfbällen auf die Gehirne von Fußballspielern liefern. Unter Leitung des Neurologen Prof Dr. Dr. Claus Reinsberger, Sportmedizinisches Institut der Universität Paderborn, werden bis 2020 klinisch-neurologische, neurophysiologische, neuropsychologische und kernspintomografische Daten ausgewertet. Die Forscher aus Deutschland und der Schweiz erwarten einen wesentlichen Schritt in der Kopfball-Forschung. Gefördert wird das Projekt zunächst mit rund 800.000 Euro für drei Jahre vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp).Kooperationspartner sind die Profivereine Hamburger SV, FC Basel und SC Regensburg (Damen).

„Leichte Gehirnerschütterungen im Sport, auch Concussions genannt, werden schon seit den späten 90er Jahren erforscht. Eine konkrete wissenschaftliche Antwort auf die Frage, ob Kopfbälle im Fußball tatsächlich gefährlich sind, gibt es allerdings noch nicht", erklärt Reinsberger. „Stattdessen machen immer wieder Halbwahrheiten die Runde, die Sportler, Trainer und Eltern eher verunsichern", so der Neurologe.

„Wir wissen aus den vorliegenden Studien zu wenig, um eine fundierte Diskussion zu den Auswirkungen von Kopfbällen zu führen und klare Ergebnisse und Empfehlungen zu liefern. Unklar ist insbesondere, ob es sich bei den Kopfbällen um wiederholte schädliche Minierschütterungen des Gehirns handelt", sagt Reinsberger. Als einen der Gründe für die große Forschungslücke sieht der Leiter des Sportmedizinischen Instituts an der Universität Paderborn, dass viele Studien bislang als Querschnitt angelegt worden seien. Der objektivierbare direkte Zusammenhang zum Kopfballspiel fehle. Außerdem unterscheiden sich die untersuchten Biomarker, also die gemessenen biologischen Prozesse, von Studie zu Studie. „Zum Teil werden Äpfel mit Birnen verglichen. Eine generalisierbare Aussage ist noch nicht möglich. Daher gibt es zum Thema Kopfbälle noch keinen begründeten Handlungsbedarf, der auf harten wissenschaftlichen Daten beruht", erklärt Reinsberger, der deshalb nun mit verschiedenen Experten aus Deutschland und der Schweiz ein Studiendesign entwickelt hat, das anhand verschiedener Hypothesen überprüfen soll, ob und welche Hirnveränderungen durch das Kopfballspielen entstehen.

Mit dabei sind die Universitätsklinken Hamburg-Eppendorf, die Klinik für Neurologie in Zürich sowie die Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie, Regensburg. Dazu kommen die Forschungszentren Swiss Concussion Center in Zürich, die Medical School Hamburg, die Technische Universität München und das Martinos Center for Neuroimaging an der Harvard Medical School.

Mit den Vortests hat das Forscherteam bereits vor der laufenden Saison begonnen und hochauflösende MRT-Untersuchungen (Magnetresonanztomographie), neurophysiologische (Augen und Gleichgewichtsorgan) und kognitive/neuropsychologische Tests (Aufmerksamkeit, Konzentration, Befinden etc.) durchgeführt. Zur Erfassung von Art, Häufigkeit und den Mechanismen der Kopfbälle gibt es in allen Trainingseinheiten und Spielen der Saison Videobeobachtung und zum Teil auch eine Datenerfassung mit Beschleunigungssensoren. Darüber hinaus werden diagnostizierte Gehirnerschütterungen getrennt von den Erschütterungen durch das Kopfballspiel bewertet. Nach Abschluss der Beobachtungszeiträume erfolgen erneut neuroanatomische, -physiologische und -psychologische Untersuchungen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir in dieser Aufstellung und mit diesem Studiendesign Daten erfassen, die mehr Aufschluss darüber geben können, welche Veränderungen im Gehirn durch Kopfbälle entstehen. Nur so können wir die Diskussionen wirklich fundiert führen und zielführende Handlungsempfehlungen entwickeln", so Reinsberger.

Weitere Informationen:
http://www.upb.de

 

Quelle: idw

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Kleinste Blockheizkraftwerke für Einfamilienhäuser

Astrid Gerner Hochschulkommunikation
Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

Prof. Dr.-Ing. Thomas Metz von der TH Nürnberg untersucht die Vorteile von Nano-BHKWs auf Basis thermoelektrischer Generatoren (TEG)

Kraft-Wärme-Kopplung im Kleinstmaßstab: Prof. Dr.-Ing. Thomas Metz von der Fakultät Verfahrenstechnik der TH Nürnberg untersucht zusammen mit einem wissenschaftlichen Mitarbeiter, welche Vorzüge Nano-Blockheizkraftwerke auf Basis thermoelektrischer Generatoren (TEG) für Einfamilienhäuser bieten. Die Wissenschaftler realisieren damit ein wichtiges Ziel des Wissenstransfers: Sie zeigen die Optionen für Unternehmen mit dem Einsatz dieser Technologie auf. Das Projekt wird von der Staedtler-Stiftung mit 40.000 Euro gefördert.

Nürnberg, 21. Dezember 2017. Eine wesentliche Säule der Energiewende ist die dezentrale Energie-Erzeugung: Eine Vielzahl kleiner Erzeugereinheiten lösen die konventionelle Stromerzeugung in wenigen großen Kraftwerken ab. Im Forschungsprojekt „Energy Harvesting im Wohngebäude - Vorentwicklung eines Nano-BHKWs" untersucht Prof. Dr.-Ing. Thomas Metz von der TH Nürnberg zusammen mit einem wissenschaftlichen Mitarbeiter gezielt die Realisierbarkeit eines Blockheizkraftwerks mit ca. 300 Watt elektrischer Leistung (Nano-BHKW) für Einfamilienhäuser. Nach der Machbarkeitsstudie ist ein Entwicklungsprojekt mit einem Industriepartner vorgesehen. Gefördert wird das Forschungsprojekt mit 40.000 Euro von der Staedtler-Stiftung.

Prof. Dr.-Ing. Thomas Metz: „Während in Ballungsgebieten Abwärme bereits sehr gut zur Versorgung von Wohngebieten genutzt wird, sind Fernwärmenetze in ländlichen Regionen wegen der geringen Anschlussdichte unwirtschaftlich. Mit Nano-BHKWs können Besitzer von Einfamilienhäusern trotzdem vom Effizienzvorteil der Kraft-Wärme-Koppelung profitieren - doch noch sind diese nicht optimal auf die Anforderungen von Einfamilienhäusern zugeschnitten. Mit unserem Forschungsprojekt untersuchen wir deshalb die Vorteile von Nano-BHKW auf Basis thermoelektrischer Generatoren (TEG) im Vergleich zu den bisher am Markt verfügbaren BHKW-Systemen mit Gasmotor, Dampfmotor, Stirlingmotor oder Brennstoffzelle."

Thermoelektrische Generatoren nutzen den physikalischen Effekt eines Stromkreises, der durch zwei unterschiedliche Metalle aufgebaut wird. Weisen die Kontaktstellen unterschiedliche Temperaturen auf, entsteht ein Stromfluss. Der Umkehreffekt entsteht, wenn durch einen ausgeprägten Stromfluss unterschiedliche Temperaturen an den Kontaktstellen entstehen. Thermoelektrische Generatoren können somit auch für Kühlzwecke eingesetzt werden. Ein weiterer Vorteil der thermoelektrischen Generatoren ist, dass sie keine beweglichen Teile enthalten. Damit sind sie wartungsfrei, geräuschlos und besitzen eine lange Lebensdauer.

Das Ziel der Wissenschaftler ist es, nicht nur kommerziell verfügbare thermoelektrische Generatoren zu untersuchen, sondern auch das Potential derzeit in Entwicklung befindlicher Materialien und Herstellungsmethoden. Dabei soll das Nano-BHKW neben Erdgas auch für weitere Brennstoffe wie Heizöl, Flüssigass oder Holzbrennstoffe einsetzbar sein. Bei einem positiven Projektergebnis zielt Prof. Dr.-Ing. Thomas Metz darauf ab, das Thema mit entsprechenden Industriepartnern bis zur Marktreife weiterzuentwickeln.

Energy Harvesting (wörtlich: Energie ernten) definiert die Aufnahme elektrischer Energie aus der direkten Umgebung eines Geräts. Dabei werden zum Beispiel Temperaturunterschiede genutzt. Thermoelektrische Generatoren (TEG) funktionieren nach diesem Prinzip, sie gewinnen Strom aus Abwärme.

Quelle: idw

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Zukunftsvision für Wärme aus Biomasse

Bianca Stur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Biomasseforschungszentrum

Neues Statement-Papier skizziert eine nachhaltige und wirkungsvolle Nutzung von Wärme aus Biomasse

Die Herausforderungen der Energiewende in Deutschland liegen neben dem Strom- und Verkehrsbereich vor allem auf dem Gebiet der Wärme. Rund 87 % der erneuerbaren Wärme, eine Energiemenge von circa 500 PJ, stammen aktuell aus der Nutzung von Biomasse zur Energiegewinnung. Die Arbeitsgruppe Wärmemarkt des BMWi-Forschungsnetzwerks Bioenergie (Förderprogramm „Energetische Biomassenutzung") schlägt jetzt in einem Statement-Papier bioenergiespezifische Maßnahmen zum Gelingen der Wärmewende vor.

Das Ziel ist gesetzt: Der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur soll auf deutlich unter 2 Grad begrenzt werden. Deutschland will bis zum Jahr 2050 weitestgehend auf den Einsatz fossiler Energieträger verzichten (Energiekonzept 2010 der Bundesregierung). Im Wärmesektor ist der Anteil erneuerbarer Wärme auf 13,2 % in 2015 im Vergleich zu 1990 gestiegen. In den letzten zehn Jahren haben in der Fläche nicht nur Wärmepumpen einen starken Ausbau erlebt. Auch feste Biomasse, wie Holzpellets, wurde zur Wärmebereitstellung verstärkt genutzt.

Eine Expertengruppe bestehend aus Wissenschaftlern des DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH, der IZES gGmbH, dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH, der Hoval GmbH und des C.A.R.M.E.N. e.V. präsentiert in dem Statement-Papier "Wärme aus Biomasse" eine aktuelle Bestandsaufnahme und einen Ausblick auf die Wärmezukunft. Unterzeichnet wurde das Papier ferner von Mitgliedern der AG-Wärmemarkt des Forschungsnetzwerkes Bioenergie vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi).
„Biomasse als speicherbarer und flexibel einsetzbarer Energieträger bietet gerade auch für stark integrierte, zukünftige Konzepte eine vergleichsweise kostengünstigere Lösungsoption", resümiert Dr.-Ing. Volker Lenz vom DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gGmbH und Moderator der AG Wärmemarkt die Empfehlungen.

Die Maßnahmen:

Sechs wesentliche Maßnahmen führen die Wissenschaftler für einen erfolgreichen Wandel der Bereitstellung von Wärme aus Biomasse an:

1. Konsistente, wissensbasierte Vorschläge für weitergehende Emissionsregelungen auf kommunaler Ebene: Verbindlichkeit und regionale Differenzierung von Immissionsanforderungen je nach Emissionsvorbelastung

2. Entwicklung von emissionsarmen und kompakten Biomassekesseln als Ölheizungsersatzanlagen

3. Beförderung des Einsatzes reststoffbasierter Festbrennstoffe

4. Ausbau der Förderung von Kombinationen erneuerbarer Wärmequellen unter Berücksichtigung der Rückwirkungen auf die Stromnachfrage

5. Vereinfachung der stromnetzstabilisierenden Strom-Einspeisung durch Klein- und Kleinst-Biomasse-Wärme-Kraft-Kopplung

6. Verstärkte Forschungsförderung für die Flexibilisierung der stromnetzdienlichen Wärmebereitstellung auf Biomassebasis (Smart Bioenergy).

Für die Autoren des Statement-Papiers ist eines klar: Die Wärmewende muss beschleunigt werden. Soll die Wärmemenge, die beispielsweise von all unseren Heizanlagen abgegeben wird, vollständig aus erneuerbaren Quellen bereitgestellt werden, müssen die Erneuerbaren fünfmal mehr eingesetzt werden als bisher. Möglich ist das nur im Zusammenspiel aller Wärmequellen, wie solarthermische Anlagen, Abwärme, Geothermie, Power-to-Heat (elektrische Energie zu Wärme). Ebenso müssen alle Optionen der Vernetzung der drei Energiebereiche Strom, Wärme und Verkehr (Sektorenkopplung) ausgeschöpft werden. Die Wärmebereitstellung aus Biomasse wandelt sich von einer Grundlasttechnologie, die gleichmäßig und unabhängig von der genauen Nachfrage Energie erzeugt, hin zu einer smarten stromnetzstabilisierenden, daher flexiblen Wärmebereitstellung.

Nachzulesen ist das Statement-Papier, und die dazugehörigen Hintergrundinformationen auf der Webseite https://www.energetische-biomassenutzung.de/de/arbeitsgruppen-methoden/arbeitsgr...

WEITERE INFORMATIONEN
Auf Basis des Statement-Papiers wurden von der AG-Wärmemarkt Expertenempfehlungen zum Forschungsbedarf im Rahmen des Konsultationsprozesses für das künftige 7. Energieforschungsprogramm erarbeitet. Diese wurden offiziell am 28. November 2017 dem BMWi auf der Plattform für Forschung und Innovation (FuI) übergeben.

KONTAKT
AG Wärmemarkt des Forschungsnetzwerkes Bioenergie
(Förderprogramm „Energetische Biomassenutzung")
Dr.-Ing. Volker Lenz - Moderator der AG-Wärmemarkt
Telefon: +49 (0)341 2434-450
E-Mail: volker.lenz@dbfz.de

Weitere Informationen:
https://www.energetische-biomassenutzung.de/fileadmin/media/4_AGs_Methoden/State...
https://www.energieforschung.de/

Anhang
Statementpapier des Forschungsnetzwerks Bioenergie
https://idw-online.de/de/attachment62152

Quelle: idw

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Fernsehen schadet dem Kinderschlaf: Forscher untersuchen erstmals Schlafqualität Dreijähriger

Annika Bingmann Pressestelle
Universität Ulm

Kinder, die elektronische Medien nutzen, haben eine schlechtere Schlafqualität. Gleichzeitig scheint das Vorlesen oder Anschauen von Büchern den Schlaf der Kinder zu verbessern. Diese Zusammenhänge haben Forscher um die Ulmer Epidemiologen PD Dr. Jon Genuneit und Prof. Dietrich Rothenbacher in der Fachzeitschrift "Sleep Medicine" veröffentlicht. Im Zuge einer Geburtskohortenstudie haben sie erstmals die Auswirkungen von Medien auf die Schlafqualität einer homogenen Altersgruppe erforscht.

Dreijährige, die bereits elektronische Medien konsumieren, schlafen oft schlechter. Dabei gilt: Je mehr die Kinder fernsehen oder etwa den Computer nutzen, desto geringer ist ihre Schlafqualität. Auf der anderen Seite scheint das Vorlesen oder Anschauen von Büchern die Nachtruhe der Kinder zu verbessern. Diese Zusammenhänge beschreiben Forscher um die Ulmer Epidemiologen PD Dr. Jon Genuneit und Professor Dietrich Rothenbacher in der Fachzeitschrift „Sleep Medicine". Die Untersuchung ist Teil der Ulmer SPATZ-Gesundheitsstudie, einer Geburtskohortenstudie mit mehr als 1000 Kindern.

Bereits im Alter von drei Jahren steigt die elektronische Mediennutzung von Kleinkindern an. Gleichzeitig beschreiben wissenschaftliche Untersuchungen negative Effekte dieses Konsums auf die Schlafdauer von Kindern. Nun haben Epidemiologen aus Ulm, Bielefeld und Santiago de Chile erstmals die Auswirkungen von elektronischen Medien und Büchern auf die Schlafqualität in einer homogenen Altersgruppe erforscht. Grundlage ihrer Untersuchung ist die Ulmer SPATZ-Gesundheitsstudie: Regelmäßig werden Gesundheit und Lebensumstände von über 1000 Kindern, die 2012 und 2013 in der Ulmer Universitäts-Frauenklinik zur Welt gekommen sind, erhoben. Für die nun veröffentlichte Studie füllten die teilnehmenden Eltern zusätzlich Fragebögen zum Medienkonsum und zum Schlafverhalten (Children's Sleep Habits Questionnaire") ihres Nachwuchses aus.

Auf den ersten Blick fällt die Mediennutzung der 530 Dreijährigen, von denen alle benötigten Daten vorlagen, moderat aus. Rund 58 Prozent konsumieren täglich bis zu einer Stunde beispielsweise Filme und Videos auf unterschiedlichen Endgeräten. Allerdings verbringt jedes siebte Kind mehr als eine Stunde täglich vor einem Bildschirm, was den empfohlenen Grenzwert von 30 Minuten in diesem Alter erheblich überschreitet. „Wir dokumentieren alarmierende Zusammenhänge zwischen der Nutzung elektronischer Medien und der Schlafqualität von Kindern im Alter von drei Jahren. So geht erhöhter Fernsehkonsum mit einer statistisch signifikanten Verschlechterung von beispielsweise schlafbezogenen Ängsten und Tagesschläfrigkeit einher, berichten Jon Genuneit und Dietrich Rothenbacher vom Ulmer Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie.
Die Beschäftigung mit Büchern - ob vorgelesen oder selbst angeschaut - hatte hingegen keine negativen Auswirkung auf den Schlaf der Kinder. Vielmehr scheint die Buchnutzung die Kinder vor nächtlichem Erwachen zu schützen. Allerdings gaben die befragten Eltern an, dass sich 39 Prozent der Dreijährigen überhaupt nicht mit Büchern beschäftigen.

Insgesamt konnten die Wissenschaftler zeigen, dass der Konsum elektronischer Medien und eine geringe Schlafqualität bei Kleinkindern zusammenhängen. Ob dies zumindest teilweise auf die Nutzung dieser Medien als Einschlafhilfe bei bereits schlecht schlafenden Kindern zurückgeführt werden kann, wollen die Forscher im weiteren Verlauf der Geburtskohortenstudie klären. „Um einer Chronifizierung von Schlafproblemen vorzugreifen, sind präventive Maßnahmen in Bezug auf Mediennutzung offenbar bereits in der frühen Kindheit dringend notwendig", folgern die Ulmer Mediziner.

In der Ulmer SPATZ-Gesundheitsstudie werden unter anderem chronische Erkrankungen im Kindesalter wie Allergien, Asthma und Übergewicht erforscht. Weiterhin geht es um psychosoziale Faktoren sowie um den Schlaf der Kinder und Eltern. Die Langzeiterhebung wird aus Mitteln der Medizinischen Fakultät der Universität Ulm finanziert.

Weitere Informationen: PD Dr. Jon Genuneit: 0731/50-31067, Jon.Genuneit@uni-ulm.de

Jon Genuneit, Pablo E. Brockmann, Angelika A. Schlarb, Dietrich Rothenbacher. Media consumption and sleep quality in early childhood - results from the Ulm SPATZ Health Study. Journal of the World Association of Sleep Medicine and the International Pediatric Sleep Association. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.sleep.2017.10.013

Weitere Informationen:
http://www.sleep-journal.com/article/S1389-9457(17)31580-0/fulltext

Anhang
Prof. Dietrich Rothenbacher leitet das Ulmer Institut für Epidemiologie und Medizinische Biometrie
https://idw-online.de/de/attachment62160

Quelle: idw

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Aus Abwässern der Joghurtproduktion sollen Viehfutter und Flugzeug-Kraftstoffe entstehen

Antje Karbe Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

Biotechnologe der Universität Tübingen arbeitet an der Wiederverwertung von Abfallstoffen ‒ Ziel: ein nachhaltiger Stoffkreislauf

Wissenschaftler haben einen Prozess entwickelt, mit dem sich Sauermolke, ein Abfallprodukt der Herstellung von bestimmten Milchprodukten, weiterverwenden lässt, ohne dass zusätzliche Chemikalien eingesetzt werden müssen. Professor Lars Angenent vom Zentrum für Angewandte Geowissenschaften der Universität Tübingen und internationale Kolleginnen und Kollegen setzten lediglich Kulturen verschiedener Mikroorganismen ein, ähnlich denen im menschlichen Darm, dem sogenannten Mikrobiom. Das daraus entstandene Bio-Öl könne als Tierfutter oder nach Weiterbearbeitung als Kraftstoff für Flugzeuge verwendet werden, so das Ergebnis. Die Studie wurde im Fachjournal Joule veröffentlicht.

Für jeden Liter Milch, der in die Herstellung von Produkten wie Quark und griechischem Joghurt oder Frischkäse geht, entstehen in der Fabrik zwei Liter sogenannte Sauermolke als Abfallprodukt. Diese kann wegen des hohen Säuregehalts nicht in großen Mengen an Tiere verfüttert werden. Sie ist noch reich an organischen Stoffen wie Milchzucker und muss entsorgt oder auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht werden.

In der Studie untersucht Lars Angenent, Humboldtprofessor für Umweltbiotechnologie an der Universität Tübingen, wie sich Sauermolke in wiederverwertbare Produkte umwandeln lässt. Er nutzte dafür einen Bioreaktor mit verschiedenen Bakterienkulturen, ein sogenanntes Reaktor-Mikrobiom. „Dieses Mikrobiom ist eine offene Kultur, in der sich auch Bakterien von außerhalb ansiedeln können, ähnlich dem Mikrobiom in unserem Darm. Eine Sterilisation des Bioreaktors oder des Abwassers ist deshalb nicht nötig", erklärt er. „Bestimmte Bakterien werden dann selektiert und der Prozess so gelenkt, dass wertvollere organische Stoffe mit längeren Kohlenstoffketten entstehen."

Angenent erläutert den Prozess im Detail: „Wir haben nacheinander zwei Tanks mit unterschiedlichen Temperaturen eingesetzt. Im ersten, auf 50 Grad Celsius erhitzten Tank wandelte das Mikrobiom Zucker in Säure als Zwischenprodukt um ‒ die gleiche Säure, die entsteht, wenn Milch sauer wird. Im zweiten Tank setzte das Mikrobiom bei 30 Grad Celsius die vorhandenen Stoffe in Produkte mit sechs bis neun Kohlenstoffen in einer Reihe um." Angenents Tübinger Forschungsgruppe zur Umweltbiotechnologie untersuchte danach auch, welche Bakterien sich in den offenen Kulturen angesiedelt hatten.

Das neue entstandene Produkt könnte zur Fütterung von Tieren eingesetzt werden und durch seine antimikrobiellen Eigenschaften sogar der Vorbeugung von Tierkrankheiten dienen. Nach Bearbeitung in einer Raffinerie ließe sich damit auch Kraftstoff für Flugzeuge produzieren, sagte der Wissenschaftler. Weil das Produkt aus dem Bioreaktor-Mikrobiom viel Kohlenstoff enthalte, entwickle es ölige Eigenschaften und könne leichter vom Wasser getrennt werden, in dem es hergestellt wurde. Danach müsse das Öl gereinigt und in einer Raffinerie weiterverarbeitet werden. „Wir stellen somit Bio-Öl aus bakterieller Produktion her." Das Innovative daran sei, dass für den Prozess keine anderen kohlestoffreichen Chemikalien verwendet werden müssten, das Abwasser allein reiche aus. Bislang habe man die Herstellung von Stoffen mit langen Kohlenstoffketten nur durch Zugabe teurer Chemikalien erreicht.

Die Produktion von Bio-Öl gehört zur Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft, die alle Abfallprodukte in wertvollere Stoffen recycelt. „Eine Kreislaufwirtschaft kann nur dann wirklich nachhaltig sein, wenn die Energie aus erneuerbaren Quellen kommt und der Kohlenstoff für Chemikalien aus Kohlendioxid und anderen kohlenstoffhaltigen Abfällen wie Sauermolke", sagt Angenent. Nun müsse untersucht werden, wie andere Abwässer ebenso in nützliche Chemikalien verwandelt werden könnten.

Publikation:
Jiajie Xu, Jiuxiao Hao, Juan JL Guzman, Catherine M Spirito, Lauren A Harroff, Largus T Angenent: "Temperature-phased conversion of acid whey waste into medium-chain carboxylic acids via lactic acid: no external e-donor", Joule 10.1016/j.joule.2017.11.008: http://www.cell.com/joule/fulltext/S2542-4351(17)30179-4

Kontakt:
Prof. Dr. ir. Lars Angenent
Universität Tübingen
Zentrum für Angewandte Geowissenschaften
Umweltbiotechnologie
Telefon +49 7071 601-322
l.angenent@uni-tuebingen.de

Quelle: idw

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Belauscht: Akustische Überwachungsgeräte spüren Wilderei und illegalen Holzeinschlag auf

Juliane Röder Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft für Ökologie e.V.

Populationen großer Katzen wie Jaguare und Pumas werden auf der ganzen Welt immer kleiner. Das liegt zum einen am Verlust ihres Habitats, und zum anderen daran, dass Menschen die Katzen selbst, und auch deren Beute jagen. Neu entwickelte akustische Aufzeichnungsgeräte zeichnen die Geräusche von Schrotflinten und Kettensägen auf und zeigen so die Häufigkeit und Muster illegaler Ausbeutung natürlicher Ressourcen.
Die Ergebnisse werden heute auf der Konferenz ‚Ecology Across Borders‘ in Gent, Belgien, präsentiert. Sie werden dabei helfen Biodiversität besser zu erfassen, und Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren in tropischen Wäldern zu reduzieren.

Ökologen der Universität Southampton (Großbritannien) und der Autonomen Universität Metropolitana (Mexiko) untersuchten das Vorkommen und die Häufigkeit der schwer zu findenden Jaguare und Pumas in drei angrenzenden Regionen mit geschützten und ungeschützten Wäldern auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán.

Kamerafallen und Kotanalysen zeigten dass Jaguare und Pumas mit Vorliebe Halsbandpekaris, Hirsche und Nasenbären jagen - Arten, die regelmäßig von lokalen Gemeinschaften zur Deckung ihres Fleischbedarfs gejagt werden.

„Dorfgemeinden in der Nähe dieser Naturschutzgebiete bewirtschaften die natürlichen Ressourcen auf als ejidos bekannten Gemeinschaftsflächen. Jagd für den Eigenbedarf und Holzgewinnung durch die Anwohner ist in den ejidos erlaubt, aber es existieren keine wirksamen Maßnahmen um den Jagddruck zu regulieren", sagt Evelyn Piña Covarrubias von der Universität Southampton.

"Habitatfragmentierung durch wachsende Viehbestände und die geringer werdende Verfügbarkeit ihrer bevorzugten Beute sind eine große Gefahr für diese Großkatzen. Zusätzlich werden sie nach Angriffen auf Vieh oft aus Rache getötet, oder von Wilderern, denn es gibt immer noch einen Markt für die einzigartig getupften Felle der Jaguare", fügt sie hinzu.

Heute leben schätzungsweise noch 6000 Jaguare auf weniger als 40% der Fläche ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets in Mexiko. Gleichzeitig ist nur wenig über die Populationen der Pumas bekannt, da es schwierig ist Individuen zu identifizieren. Anders als Jaguare haben Pumas kein einzigartiges Fleckenmuster.

Obwohl zwei der untersuchten Flächen private Schutzgebiete sind, werden Schutzmaßnahmen oft durch das Fehlen von Daten ausgebremst. Es fehlt an Geld und Personal um illegale Aktivitäten zu entdecken und zu melden.

Daher testeten die Forscher Prototypen von ‘AudioMoth', einem akustischen Erfassungsgerät mit niedrigem Stromverbrauch und open-source Plänen. Die Datenlogger sind so klein wie eine Streichholzschachtel und mit 43 USD pro Einheit relativ günstig. Die Geräte können so eingestellt werden dass sie sowohl Geräusche menschlichen Ursprungs (Schrotflinten und Kettensägen) als auch Geräusche von bestimmten Arten aufzeichnen, um mit letzteren Biodiversität zu erfassen. Die Erkenntnisse des Teams wurden am 14.12.2017 in der Fachzeitschrift Methods in Ecology and Evolution veröffentlicht.
Das Endprodukt ist darauf ausgelegt einen Alarm mit Informationen zu Art und Ort der Geräusche in Echtzeit an Parkranger weiterzuleiten.

Evelyn sagt: "Schutzgebiete überall auf der Halbinsel Yucatán sind viel zu schlecht finanziert um sich effektive und sichere Patrouillen in weiten Teilen der natürlichen Waldgebieten leisten zu können. Die meisten akustischen Datenlogger auf dem Markt sind viel zu teuer um als Netzwerk installiert werden zu können, oder sie haben nur eine geringe Akkulaufzeit."

"Mit AudioMoth werden Ranger und Verwalter vor Ort Zugang zu einen Erfassungssytem haben das potentiell große Flächen abdecken kann, wodurch sie sofort auf Warnsignale reagieren können."

Das Gerät wurde von Andrew Hill und Peter Prince, zwei Doktoranden der Computerwissenschaften an der Universität Southampton, in Zusammenarbeit mit Professor Alex Rogers von der Universität Oxford entwickelt.

Links zu Ressourcen:
AudioMoth:
https://www.openacousticdevices.info/

Ecology Across Borders - Gemeinsame Jahrestagung von GfÖ, BES, NecoV und EEF:
http://www.britishecologicalsociety.org/events/annual-meeting-2017/

Die Gesellschaft für Ökologie (GfÖ)
Die Gesellschaft für Ökologie repräsentiert ÖkologInnen aus der Grundlagenforschung, a