Klärwerk.info - Wegweiser

Übersicht

Willkommen bei klaerwerk.info. Produkte suchen können Sie ganz einfach, indem Sie das gesuchte Produkt wie z.B. Pumpen  in das Feld „Produktsuche“ eingeben und dann die Enter-Taste drücken. Übersichtlich werden alle gelisteten Lieferanten angezeigt, die das Produkt führen, alle Artikel in www.Klärwerk.info, die sich mit dem Produkt beschäftigen sowie alle Fortbildungsveranstaltungen mit diesem Thema.

Ansonsten finden Sie alle Artikel geordnet in Sachgebiete. Klaerwerk.info bietet eine umfassende Fülle von Informationen und Links, die man täglich braucht. Damit Sie wissen, wo Sie was finden, nachfolgend eine Übersicht über die einzelnen Sachgebiete:

A. Aktuelles

Hier finden Sie alle aktuellen Meldungen chronologisch geordnet. Suchen Sie frühere Meldungen, so sehen Sie in den Sachgebieten nach oder geben rechts oben einen Suchbegriff in das Suchen-Feld ein.

1)      Tägliche Meldungen

B. Forum

1)      Fragen und Antworten

Das Forum steht allen Nutzern zur Verfügung. Hier können Sie alle Beiträge lesen, selbst Beiträge erstellen oder auf Beiträge antworten

C. Fachwissen

Hier schreiben Praktiker für Praktiker. Haben Sie auch etwas Interessantes zu berichten, so schreiben Sie uns an Kontakt@Klaerwerk.info .

1)     Abwasserreinigung
2)      Energie- und E-Technik
3)      Kanal- und Entwässerung
4)      Maschinentechnik
5)      Labor
6)      Schlammbehandlung
7)      Gaserzeugung und BHKW
8)      Aus Bund Ländern und EU
         a) Vom Bund
         b) Aus der EU und aller Welt
         c) Aus den einzelnen Bundesländern (geordnet nach Bundesländer)
9)      Recht und Gesetze
         a) Beiträge zum Umweltgesetzbuch
         b) Beiträge zur Wasserrahmenrichtlinie (WWRL)
         c) Beiträge zum Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)
10)    Neue Fachliteratur
         a) Neue Bücher
         b) CD/ DVD's
         c) Downloads
         d) Fachzeitschriften
         e) Lexika und Wörterbücher
11)  Tipps und Tricks

D. Berufliches

Der zweite Schwerpunkt von Klärwerk.info. Hier finden Sie alles für Arbeitnehmer und Vorgesetzte und was Sie persönlich angeht.

1)      Arbeitssicherheit
         a) Unfallverhütungsvorschriften- Regeln und Information
         b) Formulare und Erlaubnisscheine
         c) Gesetze und Verordnungen zur Arbeitssicherheit
         d) Umsetzung der Betriebssicherheitsverordnung
         e) Unterweisungshilfen
         f ) Hilfen zur Gefährdungsbeurteilung
         g) Ex-Schutz auf Kläranlagen
2)
      Tarif- und Arbeitsrecht
         a) Tarifrecht, Tarifvertrag, Gehaltsrechner und mehr
         b) Mitarbeitergespräche, Mitarbeiterbeurteilung
         c) Leistungsorientierte Bezahlung
         d) Tabelle TVöD (West)
         e) Arbeitszeugnisse
3)      Aus- und Weiterbildung
         a) Ansprechpartner
4)      Azubiseite
         a) Ausbildungshilfen für Ausbilder und "Azubis"
         b) Musterkläranlage
         c)  Prüfungsaufgaben
         d) Übungsaufgaben
         e) Informationen für Auszubildende
         f)  UT-Ausbildertreffen Fachkraft für Abwassertechnik
         g) Formeln, PSE und weitere Hilfen
5)      Meisterschüler
         a) Informationen für Meisterschüler
         b) Prüfungsaufgaben
6)        Offene Stellen

E. DWA-Infos

1)      Klärwerksnachbarschaften
         a) Kläranlagennachbarschaften in Bayern
         b) Kläranlagennachbarschaften in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
         c) Kläranlagennachbarschaften in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland
2)      DWA-Informationen
         a) DWA Arbeitsblätter
         b) KA-Betriebs-Infos
         c) Mitgliederrundbriefe aus den Landesverbänden
         d) Meldungen der DWA

F. Kläranlagen

1)      Links zu Kläranlagen und Abwasserverbänden
2)      Kläranlagen - Videos
3)      Meldungen von den Kläranlagen

G. Nützliches

1)      Wetter und Hochwasser
2)      Firmennachrichten
3)      Verbandsnachrichten        
4)      Nützliche Links
         a) Umweltschutzorganisationen
         b) Fachzeitschriften, Lexika und Wörterbücher
         c) Behörden
         d) Berufsverbände und Vereinigungen
         e) Fachinformationen
         f) Gesetze und Verordnungen
5)      Meldungen aus der Wissenschaft
6)      Meldungen aus aller Welt
7)      Allgemeine Meldungen und Berichte

H. Fortbildungsdatenbank

1)      Fortbildungen
2)      Fortbildungen in Österreich
3)      Fortbildungen in der Schweiz
4)      Messen und Tagungen

I. Produktsuche/ Lieferanten

J. Kontakt

1)      Impressum
2)      Über Uns
3)      Kontakt

19.11.2018 02:04

Klärwerk.info / Aktuelles / Tägliche Meldungen

Tägliche Meldungen


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November 2018
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
18.11.2018
Wie die Alpen von unten aussehen 
16.11.2018
Bio-Sprit aus dem Container 
13.11.2018
Hohe Akzeptanz für Seilbahnen in Innenstädten 
10.11.2018
Biologisch abbaubares Plastik 
05.11.2018
Multiresistente Keime aus Abwasser filtern - korrigierte Version 
02.11.2018
Hochwasserrisiko kann deutlich gesenkt werden 
01.11.2018
Umweltingenieurinnen und -ingenieure entwickeln neuartiges Sanitärsystem 
Gesundheit
17.11.2018
Eine Tasse Kaffee oder Tee am Tag fördert die Sportlichkeit 
12.11.2018
Blutdruckgeräte im Test - oder: wer prüft eigentlich was? 
09.11.2018
Von Antitranspirantien mit Aluminium bis Zahnpasta mit Zinksalzen: 50 Jahre Kosmetik-Kommission 
07.11.2018
Kinder sollten Wasser trinken! 
04.11.2018
Test zeigt Erfolgsaussichten von Heuschnupfen-Therapien 
01.11.2018
Lachen ist die beste Medizin - wie Humor hilft, Stress am Arbeitsplatz abzubauen 
Gesellschaft
15.11.2018
Krähen stellen Werkzeuge aus mehreren Komponenten her 
14.11.2018
Frauen an der Spitze bringen Teams zu besseren Leistungen 
11.11.2018
Erwerbstätige im Rentenalter arbeiten nur zum Teil des Geldes wegen 
08.11.2018
Arbeitszeit: Beginnt der Job im Zug? 
01.11.2018
Positive Erinnerung an eigene Macht lässt Frauen schneller in den Wettbewerb eintreten 
Oktober 2018
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
30.10.2018
Methan als umweltfreundlicher Kraftstoff für LKW, Busse und andere Nutzfahrzeuge 
27.10.2018
Biogas-Fachgespräch: Was können Enzyme, Mühlen und Co. wirklich für den Biogasprozess leisten? 
25.10.2018
Gutachten zur Behandlung biologisch abbaubarer Kunststoffe 
22.10.2018
Deutsche Wassertechnologien für indische Städte 
21.10.2018
Ätna: Neues Messsystem belegt Abrutschen des Südosthangs 
17.10.2018
Risiken von Mikroschadstoffen bewerten, Stauräume nachhaltig bewirtschaften, Dürre sichtbar machen 
16.10.2018
Wasser - zu viel oder zu wenig? Tagung zu regionalen Auswirkungen des Klimawandels 
15.10.2018
Gegen Straßenschmutz im Regenwasser 
12.10.2018
Erstmals systematische Untersuchungen von Arzneimitteleinträgen in die Ostsee 
10.10.2018
Umweltauswirkungen der Krabbenfischerei im Nationalpark Wattenmeer 
09.10.2018
Das Hochwasserrisiko besser abschätzen 
08.10.2018
Neue Studie: Wasserelektrolyse hat Potenzial zur Gigawatt-Industrie 
06.10.2018
Versauert die Ostsee? IOWForscher adaptiert erstmals präzise optische pH-Messmethode für Brackwasser 
03.10.2018
Energiewende auf den Flüssen Europas 
01.10.2018
Insektensterben durch Lichtverschmutzung vermeiden 
Gesundheit
31.10.2018
Das Gewicht der Liebe: Wer zusammenzieht, nimmt zu 
28.10.2018
„Wer (alkoholfreies) Bier trinkt, lebt hundert Jahre" 
26.10.2018
Grippe - Gefahr unter Kontrolle? 
24.10.2018
Entwarnung für Elektroautos: Keine Störung von implantierten Schrittmachern und Defis 
19.10.2018
Warum Vitamin E-Wirkung bisher oft reine Glückssache ist 
18.10.2018
Übergewicht entwickelt sich bereits in der frühen Kindheit - und bleibt dann bestehen 
13.10.2018
Eine Tablette Aspirin täglich hat keinen gesundheitlichen Vorteil für fitte und gesunde Senioren 
11.10.2018
Ein neuer preiswerter Filter macht es möglich: giftiges Wasser wird sicher und trinkbar 
05.10.2018
Experten klären auf: Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird 
02.10.2018
Nach der schweren Grippewelle und vor der nächsten Grippewelle: Schutzmöglichkeiten besser nutzen! 
01.10.2018
Weniger ist manchmal mehr - neue Substanz reduziert das Körpergewicht 
Gesellschaft
29.10.2018
Tarifrunde 2019: Für rund 7,3 Millionen Beschäftigte werden neue Vergütungstarifverträge verhandelt 
23.10.2018
Kinder, Job und Rente: Wie und mit wem wir unsere Zeit verbringen 
04.10.2018
Wohnort und Situation beeinflussen, wie stark wir uns mit anderen vergleichen 
01.10.2018
Gut die Hälfte der rentennahen Erwerbstätigen kann Konsum im Ruhestand nicht halten 
September 2018
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
28.09.2018
Mit Polyphosphat gegen die Plastikberge in den Weltmeeren 
26.09.2018
Geringere Kosten und sauberes Wasser durch neueste Sensortechnologie 
24.09.2018
Verringerung der Stickstoffeinträge verhindert Algenblüten in Seen 
22.09.2018
Der Verlauf von Dürren: Flüsse werden früher und stärker beeinträchtigt als die Landwirtschaft 
20.09.2018
Tiefseebergbau hinterlässt tiefe Narben -Massiver Artenverlust 26 Jahre nach Abbau nachgewiesen 
17.09.2018
360° - Film nimmt Zuschauer mit auf einen faszinierenden Tauchgang durch ein Korallenriff 
14.09.2018
Natürlicher Hochwasserschutz an der Donau: EU-Projekt mit Aueninstitut der KU 
11.09.2018
DBFZ Jahrestagung 2018: Experten diskutieren die Nutzungsoptionen von Biomasse 
09.09.2018
China als globaler Ozon-Brennpunkt 
06.09.2018
Neue Quallenart im Nord-Ostsee-Kanal 
05.09.2018
Forscher aus Mecklenburg-Vorpommern entwickeln effiziente Biogasanlagen 
02.09.2018
Bienen brauchen es bunt 
Gesundheit
29.09.2018
Vitaminpillen nutzlos gegen Schlaganfall und Herzinfarkt 
27.09.2018
Stirnfalten können Hinweise auf Herz-Sterberisiko geben 
25.09.2018
Kurzer Nachtschlaf verdoppelt das Herz-Kreislauf-Risiko 
23.09.2018
Neue Europäische Blutdruck-Leitlinie: 140/90 mm Hg bleibt «rote Linie» 
21.09.2018
Neue Studie: Wer länger Urlaub macht, lebt länger 
18.09.2018
Joggen in der Stadt. Ist das gesund? 
16.09.2018
Was die Forschung heute weiß: Sieben Ernährungsmythen aufgeklärt 
12.09.2018
Schwachstelle Knie: Präventionsübungen senken Risiko für Verletzung des vorderen Kreuzbands 
10.09.2018
Woher Muskeln wissen, wie spät es ist 
07.09.2018
Sehschwäche in der Schwangerschaft: Bei diesen Warnzeichen sollten Sie zum Augenarzt 
03.09.2018
Valsartan-Rückruf: Verunreinigte Blutdrucksenker 
02.09.2018
Scharfstoff aus Ingwer mindert üblen Atem 
Gesellschaft
30.09.2018
Ausnahmen für Unternehmen bei der EEG-Umlage senken die Zahlungsbereitschaft privater Haushalte 
19.09.2018
Ängste abbauen geht anders - Prof. Christoph M. Schmidt über die Ausweitung der Rentengarantien 
15.09.2018
Füße kribbeln, brennen, sind taub: Neue Biomarker der Entzündung als Risikofaktoren für Neuropathie 
13.09.2018
„Im Alten Rom kannten Beschimpfungen in der Politik kaum Grenzen" 
08.09.2018
Das Gegenüber entscheidet, wie ich mich verhalte 
04.09.2018
Wie sich die Gehirne von Aufschiebern und Machern unterscheiden 
02.09.2018
Neue Ausgabe forscher - Das Magazin für Neugierige erklärt Kindern den Roboter
August 2018
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
30.08.2018
Leuphana Wissenschaftler warnt: Abwasserreinigung steht vor großen Problemen 
28.08.2018
Sauber durch Sonnenkraft 
27.08.2018
Gefährliche Altlasten in Nord- und Ostsee 
26.08.2018
Nachweis von Mikroplastik im Wasser: Fraunhofer CSP entwickelte smarte Filteranlagen 
25.08.2018
Warum die Stadt nachts heiß bleibt 
24.08.2018
Wie Nährstoffe im sauerstoffarmen Meer verloren gehen 
23.08.2018
Dieselskandal: Ultrafeinstaub deutlich schädlicher als Stickoxide 
21.08.2018
Spurenschadstoffe im Wasser: Welche Klärtechniken Fischen helfen 
19.08.2018
Neues Standardwerk zu Energietechnologien in Deutschland 
16.08.2018
Durchbruch bei industrieller CO2-Nutzung 
15.08.2018
Forschungsoffensive zu regenerativen Kraftstoffen 
13.08.2018
Erneuerbarer Kraftstoff aus der Kläranlage 
09.08.2018
Designerzellen schlucken das Klimagas CO2 
07.08.2018
Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft - MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main 
05.08.2018
Begrünte Fassaden in den Städten helfen gegen Feinstaub, Stickoxide und Hitze 
03.08.2018
Tonnenweise CO2 einsparen - Klimaschutzprojekt ‚InSekt‘ startet 
01.08.2018
Sauberer Strom ist nicht genug: Mehr Klimaschutz in Industrie, Verkehr und Gebäuden nötig 
Gesundheit
29.08.2018
Stillen in Deutschland aus wissenschaftlicher Sicht 
22.08.2018
Warum macht Lesen kurzsichtig? Aktuell in Scientific Reports veröffentlicht 
20.08.2018
Studien belegen: Migränepatienten besitzen erhöhtes Risiko für Gefäßkrankheiten 
17.08.2018
Sicherer Auto fahren ohne Grauen Star: Geringeres Unfallrisiko nach Linsenoperation 
14.08.2018
Risikofaktor für Darmkrebs entschlüsselt 
12.08.2018
Die richtige Bluthochdruckeinstellung, auch im Urlaub! 
08.08.2018
Erfahrungen mit Essstörungen 
04.08.2018
Fakten: Häufige Arbeit am Limit belastet stark 
02.08.2018
Lebensmittel im Blickpunkt: Vorgeschnittenes Obst und Blattsalate können mikrobiell belastet sein 
01.08.2018
Mengensteigerung bei Knie-OPs: „Weckruf" für die Gesundheitspolitik 
Gesellschaft
31.08.2018
Im europäischen Vergleich werden Pkw in Deutschland gering besteuert 
18.08.2018
Studie: Kein kausaler Zusammenhang zwischen Heirat und Gehalt bei Männern 
10.08.2018
Brustimplantate mit Tomaten-DNA fälschungssicher kennzeichnen 
06.08.2018
Nach unten treten: Studie zeigt, wie Mitarbeiter zukünftige Rivalen kleinhalten 
01.08.2018
Naturbewusstseinsstudie: Deutsche wollen besseren Meeresschutz und keine Genpflanzen 
Juli 2018
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
28.07.2018
Was Bäume, Gesellschaft und Gewässer über das Klima sagen 
26.07.2018
Klimaschutz: Weniger Lachgas aus der Landwirtschaft 
24.07.2018
35 Jahre Meeresschutz: Fehlende Strategie erhöht Bedarf an Schutzflächen 
22.07.2018
Nachhaltige Fischzucht am Viktoriasee mit dem EU-Projekt VicInAqua 
18.07.2018
BAM-Forschungsprojekt will Mikroplastik im Wasser genauer nachweisen 
15.07.2018
FlexFuture! Biogas sorgt für stabile Netze 
11.07.2018
Weitere Ursachen von Sauerstoffverlust der Ozeane identifiziert 
09.07.2018
SOLUTIONS - für eine bessere Wasserqualität europäischer Flüsse 
06.07.2018
Deutsche Unternehmen gefährden Umwelt und Menschenrechte 
03.07.2018
Planungssicherheit für Kommunen: Den Wasserbedarf der Zukunft prognostizieren
Gesundheit
31.07.2018
"Gemeinschaftsschutz": Warum wir mit Impfungen nicht nur uns selbst, sondern auch andere schützen 
29.07.2018
Volkskrankheit „Fersenschmerz": Stoßwellentherapie als Kassenleistung 
27.07.2018
Neue Europäischen Leitlinien für Bluthochdruck: Was ändert sich? 
25.07.2018
Aufwärmen wie die Fußballprofis und Knieverletzungen vermeiden 
23.07.2018
Elektroautos: Keine Einschränkungen für Träger von Herzschrittmachern & Co. 
21.07.2018
Schlaflosigkeit - nur ein böser Traum? 
19.07.2018
Wenn die Kraft im Alter fehlt 
17.07.2018
Studienplattform für Allergiepatienten geht online 
13.07.2018
Erst impfen, dann reisen - Deutsche Leberstiftung warnt vor Hepatitis-Gefahren auf Reisen 
10.07.2018
Bananenschalen statt Pflaster? Forschung zur heilenden Kraft der Banane an der Jacobs University 
07.07.2018
Tattoos: Körperschmuck mit Risiken 
02.07.2018
„Das wurde auch höchste Zeit" - HPV-Impfung für Jungen empfohlen
Gesellschaft
30.07.2018
Fußball als Wissenschaft: Mit Elfmetern und Gelben Karten menschliches Verhalten erklären 
20.07.2018
Mehr als die Hälfte der Beschäftigten hat ein Arbeitszeitkonto 
16.07.2018
Studie zu Druck im Profi-Fußball: Wenn Perfektionismus zum Problem wird 
12.07.2018
Ein „durchgestyltes" Fußballerlebnis 
07.07.2018
Fußball durch die Augen des Computers 
05.07.2018
Fußball-WM 2018: Statistik sieht Brasilien vorne 
Juni 2018
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
29.06.2018
Schützen Biberdämme vor Hochwassern? HSWT erforscht Grundlagen zum Wasserrückhalt durch Biberdämme 
26.06.2018
Biomasse effizient nutzen 
25.06.2018
Achema 2018: Bierbrauen - Braurückstände sollen nachhaltige Verwendung finden 
21.06.2018
Zweites „Leben" für Phosphor: Wie Phönix aus der Klärschlammasche 
20.06.2018
Biomasseforschungszentrum skizziert Änderungsvorschläge für das Ausschreibungsdesign im EEG 2017 
18.06.2018
Das Klärwerk der Zukunft - Abwasser als Energiequelle 
15.06.2018
Wenn Bakterien Häuser bauen 
14.06.2018
KIT: Wasseraufbereitung: Neues Verfahren eliminiert Hormone 
10.06.2018
UDE: FutureWaterCampus - Neuer Forschungsbau in Sicht 
07.06.2018
Vorläufige Entwarnung 
04.06.2018
Innovatives Verfahren zur umweltschonenden Gülleaufbereitung kommt auf den Markt 
02.06.2018
Wasser reinigen und Boden düngen mit Pflanzenkohle 
01.06.2018
Projekt Klimalandschaften lädt zum Mitmachen ein 
Gesundheit
28.06.2018
Brustkrebs-Verdacht: Bis zu 45 Prozent mehr Tumore per Ultraschall entdecken 
24.06.2018
Studie: Schlafqualität beeinflusst Leistungsfähigkeit stärker als Schlafdauer 
22.06.2018
Bei BMI größer 40 und Typ 2-Diabetes: Neue S3-Leitlinie empfiehlt sofortige Operation 
19.06.2018
Molekül identifiziert, das anfällig für Magersucht macht 
16.06.2018
Solanin in Kartoffeln: Grüne und stark keimende Knollen sollten aussortiert werden 
13.06.2018
LED-Sitzhocker gegen Rückenschmerzen 
11.06.2018
„Stressfresser" aus dem Kuhstall - Landbewohner mit Nutzierkontakt können Stress besser bewältigen
09.06.2018
Konzentrierter arbeiten im Büro 
08.06.2018
Todesfalle Krankenhauskeim 
05.06.2018
Beeinflusst körperliche Aktivität die Gesundheit künftiger Nachkommen? 
01.06.2018
Die Emotion liegt im Auge des Hörers: Warum überraschende Geräusche die Pupille weiten 
Gesellschaft
27.06.2018
Der gläserne Fußballer 
23.06.2018
WM 2018: Fußball-Fans am Arbeitsplatz - Was ist erlaubt? 
17.06.2018
Männer und Frauen wünschen sich oft kürzere Arbeitszeiten 
12.06.2018
Studie der Hochschule Fresenius zeigt: Muskulöse Männer haben bessere Karrierechancen 
06.06.2018
baua: Praxis: Ungestört arbeitet es sich viel besser 
03.06.2018
Studie zeigt: Sind wir glücklich mit unserem Job, dann fühlen wir uns auch privat wohler 
01.06.2018
Wenn es um Geld geht, ticken Menschen rund um den Globus ähnlich 
Mai 2018
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
30.05.2018
Stärkere Belege für Abschwächung des Golfstromsystems 
28.05.2018
Alternativer Waldzustandbericht: Deutschlands Wäldern geht es schlecht 
26.05.2018
Phosphorgewinnung aus Klärschlamm und andere regionale Nutzungskonzepte für Biomassen 
25.05.2018
BAM@Hannover Messe: Phosphor-Recycling aus Klärschlamm für den Dünger der Zukunft
24.05.2018
Bottrop testet Mülltonne mit bunten Beuteln und bestellter Abholung bei Bedarf 
22.05.2018
Zweite Wärmequelle optimiert Wärmepumpenanlage 
20.05.2018
Bewertung von Sicherheitsventilen: SIL-Einstufung nicht sinnvoll 
18.05.2018
Neues Bakterium aus Öl des Deepwater-Horizon-Unfalls beschrieben 
15.05.2018
Erstmals verlässliche Drei-Monats-Prognosen für Winter in Europa möglich 
13.05.2018
Biokraftstoffe: Im Verkehrssektor droht das Scheitern des Klimaziels für 2030 
11.05.2018
Biologische Vielfalt von grünlanddominierten Kulturlandschaften unter der Lupe 
08.05.2018
Wassergespräch Lausitz - Wie weiter mit dem Wasser in der Region? 
05.05.2018
Upcycling von PET-Flaschen: Neue Ideen für einen Wertstoffkreislauf in Deutschland 
02.05.2018
Biokraftstoffe: EU-Projekt BioMates gewinnt an Fahrt 
01.05.2018
50 Jahre Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Meerestechnik an der Universität Rostock 
Gesundheit
31.05.2018
Folgen eines Zeckenstichs sicher erkennen und behandeln: Leitlinie Neuroborreliose veröffentlicht 
27.05.2018
Europäische Impfwoche 2018 - BM Spahn fordert bessere Zusammenarbeit bei der Masernimpfung 
21.05.2018
Chemikalien im Trinkwasser: Projekt „Neurobox" der h_da untersucht gesundheitliche Auswirkungen 
19.05.2018
Was wird aus "gesunder Bräune" in 25 Jahren? Die App zeigt's! 
17.05.2018
Den Blutzucker fest im Griff 
14.05.2018
Baden-Württemberg: Erblindungsrisiko bei Menschen mit und ohne Diabetes deutlich gesunken 
12.05.2018
Rückenschmerzen - Neuer Artikel in Fachzeitschrift Lancet warnt vor Überdiagnostik 
09.05.2018
Fettleber unter Stress 
06.05.2018
Mikroarray-Schnelltest verkürzt Nachweis bei Legionella pneumophila Ausbruch 
04.05.2018
Wie die Form unserer Ohren bestimmt, was wir hören 
01.05.2018
Trockene Augen: Bei roten, schmerzenden, brennenden Augen zum Augenarzt 
Gesellschaft
23.05.2018
Wenn der Job zur Persönlichkeit passt, ist das Gehalt höher 
10.05.2018
Wohnungsmarkt: mieten oder kaufen? 
07.05.2018
Gesichtserkennung in Australien - die Privatsphäre wurde ganz offiziell abgeschafft 
03.05.2018
Sicherheit ist wichtiger als Flexibilität. Wie Frauen und Männer sich ihren Arbeitsplatz wünschen 
01.05.2018
Neue Arbeitswelt: Arbeitszeitgesetz verliert an Bedeutung 
April 2018
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
30.04.2018
Zukunftsprojekt zu innovativer Siedlungswasserwirtschaft und urbaner Nahrungsmittelproduktion 
28.04.2018
Auch eine dezentrale Energiewende braucht Netzausbau 
27.04.2018
Bremsenergie ungebremst nutzen 
25.04.2018
Mikropartikel aus Kunststoff im Einzugsgebiet von Rhein und Donau nachgewiesen 
24.04.2018
Neues Forschungsprojekt an der Ostfalia: Sauerstoffeintrag in Belebungsbecken 
21.04.2018
Weltwassertag: Natur bietet Kombi-Lösung für Hunger-, Wasser- & Umweltprobleme 
18.04.2018
Bis 2030 sind deutlich mehr Erneuerbare Energien möglich
17.04.2018
Neue Studie für Greenpeace: Wälder bergen ungenutztes Potential für den Klima- und Naturschutz 
15.04.2018
Energieeffiziente Wassernutzung in der Industrie: 5. Ausschreibungsrunde im Förderprogramm STEP up! 
14.04.2018
Alle Pilze sind schon da: Wenn Bäume den Berg hinauf wandern, warten ihre Pilzpartner auf sie 
13.04.2018
BAM überprüft Energieeffizienz von Wärmepumpen 
10.04.2018
Da haben wir den Salat: Erste Ernte aus aufbereitetem Abwasser im Forschungsprojekt HypoWave 
09.04.2018
Neue IOW-Studie: Birgt Mikroplastik zusätzliche Gefahren durch Besiedlung mit schädlichen Bakterien? 
07.04.2018
Anstatt Abfackeln: Erdölbegleitgas als Rohstoff nutzen 
05.04.2018
Ohren für Icarus 
03.04.2018
Sonnenkonzentrat aus der Folie 
02.04.2018
Schadstoffe im Wasser abbauen: Chemiker der Uni Halle verbessern Verfahren 
01.04.2018
RWI-Stromspiegel: Nicht immer zahlt sich der Wechsel zum stromsparenden Elektrogerät aus 
Gesundheit
23.04.2018
Neue Studie zur Beratung in Sachen Homöopathie bescheinigt Apothekern Weiterbildungsbedarf 
19.04.2018
Fünftes Symposium „Gefahrstoffe am Arbeitsplatz" 
16.04.2018
Alarmierend: Nur 8% waschen ihre Hände in korrekter Weise 
06.04.2018
Einmal dick - immer dick? 
01.04.2018
Lungenärzte warnen: E-Zigaretten machen abhängig und krank 
Gesellschaft
29.04.2018
Photovoltaik: Einfach integrierbar durch moderne Druckverfahren 
26.04.2018
Hochschule Hamm-Lippstadt entwickelt Lebensmittel-Abholbox für ländliche Regionen 
22.04.2018
Trotz des Gender Pay Gaps empfinden Frauen häufig ihren Verdienst als gerechter als Männer 
11.04.2018
Warum der Chef immer Schuld ist - Studie zur Verteilung von Lob und Tadel 
08.04.2018
Faking in Bewerbungsgesprächen: Wer übertreibt, gewinnt - und ist oft besonders leistungsfähig 
04.04.2018
Haushaltsdienstleistungen zugewanderter Frauen führen dazu, dass einheimische Frauen mehr arbeiten 
01.04.2018
Kieler Studie zeigt: Trockene Haut und Neurodermitis führen zu einem veränderten Hautmikrobiom 
März 2018
Umwelt
Gesundheit
Gesellschaft
Umwelt
30.03.2018
Den Stadtwildtieren auf der Spur: Citizen Science für alle 
27.03.2018
Wilde Nachbarn 
26.03.2018
Es gibt mehr und vielfältigere plastikfressende Bakterien, als bisher angenommen 
23.03.2018
Neun Kommunen bei Bundeswettbewerb „Klimaaktive Kommune 2017" ausgezeichnet 
20.03.2018
Batterie oder Brennstoffzelle? Jülicher Forscher berechnen Kosten des Infrastrukturausbaus 
18.03.2018
Große Resonanz beim ACHEMA-Gründerpreis 2018 
16.03.2018
Globale Wassermodelle schätzen Wasserspeicheränderungen oft falsch ein 
14.03.2018
Neuerscheinung: Klimaschutz kommunal umsetzen 
12.03.2018
Energiewende: Neuer Regler verteilt Strom einfach und effizienter im Netz 
10.03.2018
Neuer Multi-Parameter Biosensor zur Überwachung der Biogasproduktion 
07.03.2018
Umweltgeschichte aus dem Faulschlamm: Klimawandel lässt „tote Zonen" im Schwarzen Meer wachsen 
06.03.2018
Biogas: Forschungsprojekt erkundet ungenutzte Potenziale von Anlagen 
05.03.2018
Biogas-Fachgespräch in Nossen diskutiert zum Thema "Emissionen von Biogasanlagen" 
02.03.2018
Fraunhofer IMWS testet umweltfreundliche Mikroplastik-Alternativen in Kosmetikartikeln 
01.03.2018
Potenzial für eine grüne Wasserstoff-Wirtschaft 
Gesundheit
31.03.2018
Kälte kann Herzinfarkt auslösen 
29.03.2018
Risikofaktoren erkennen und gegensteuern: So kann das Herz selbst im Alter jung bleiben 
25.03.2018
Faszien: Vernetzt von Kopf bis Fuß 
24.03.2018
Medizinerin findet Weg, um Blutdrucksenkung durch Sport vorhersagen zu können 
22.03.2018
Entdeckte Brustkrebsvorstufen im Mammographie-Screening meist aggressiv 
21.03.2018
BfS will Hautkrebsprävention rechtlich verankern 
19.03.2018
Nur selten zu hohe Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln 
15.03.2018
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13.03.2018
Keime & Co. - Küchenhygiene mit Köpfchen 
09.03.2018
Höchstmengen für Vitamine und Mineralstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln 
08.03.2018
Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet 
04.03.2018
Wie Omega-3-Fettsäuren das Immunsystem fit halten 
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Den Lebensmittelfälschern auf der Spur 
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28.03.2018
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17.03.2018
Studie zu Arbeitszeiten von Frauen und Männern: Mütter arbeiten länger und flexibler 
11.03.2018
Beitragsfreie Kita-Betreuung führt nicht dazu, dass Frauen mehr arbeiten 
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Neues Mutterschutzgesetz: Wichtige Änderungen für Arbeitgeber 
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Umwelt
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Umwelt
27.02.2018
Klimawandel lässt Flüsse über die Ufer treten: Anpassung nötig 
22.02.2018
Versauerung: Wie der Klimawandel die Süßgewässer belastet 
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Der Artnachweis aus der Wasserflasche 
17.02.2018
Bienen-Parasit: Forscher entdecken Medikament gegen Varroa-Milbe 
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11.02.2018
Nährstoffüberschuss lässt Ozeane ersticken 
08.02.2018
Die Sauerstoffarmut im Ozean nimmt zu- Science-Studie zeigt Gefahren, aber auch Lösungsansätze auf 
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Würmer machen beliebt 
03.02.2018
„Plastikpiraten" finden viel Müll an deutschen Flüssen 
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Klimawandel: Selbstverstärkender Effekt nicht durch Bodentiere erklärbar 
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Kleinste Blockheizkraftwerke für Einfamilienhäuser 
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 Fastfood macht Immunsystem langfristig aggressiver
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Neue US-Bluthochdruck-Leitlinien: Wie tief soll der Blutdruck in Deutschland gesenkt werden? 
18.02.2018
Mit Müsli gegen Arthritis 
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Herzinfarkt: Ältere Frauen zu spät im Krankenhaus 
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Umwelt
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Umwelt
31.01.2018
Zukunftsvision für Wärme aus Biomasse 
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28.01.2018
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27.01.2018
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Umweltzone senkt Gesundheitsbelastung deutlich 
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Aquakultur: Neues Verfahren spürt Umweltbelastungen durch Lachsfarmen schneller auf 
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Spektakuläre Filmaufnahmen vom Oberrhein online 
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08.01.2018
Saisonale unterirdische Wärmespeicher können Kohlekraftwerke bei der Wärmeversorgung ersetzen 
06.01.2018
Forschung für die Energiewende in Kommunen und Regionen 
03.01.2018
Plastik in Binnengewässern: Verbundprojekt „PLASTRAT" gestartet 
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Wenn Kontinente zerbrechen, wird es warm auf der Erde 
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Sonne ernten auf zwei Etagen - Agrophotovoltaik steigert die Landnutzungseffizienz um über 60% 
Gesundheit
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Marketing für Hülsenfrüchte 
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Neu aus dem ÄZQ: Patientenleitlinie "Kreuzschmerz" 
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Masthähnchen sind häufig mit dem Zoonoseerreger Campylobacter belastet 
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Schutz gegen die Wintersonne: Augenärzte geben Tipps für den Kauf der Skibrille 
01.01.2018
Neue Zeckenart in Deutschland entdeckt: Überträgt sie Viren? 
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22.01.2018
Jobticket nach Europa 
09.01.2018
Der Reiz von Verschwörungstheorien und Fake News 
04.01.2018
Risiken und Nebenwirkungen des Mindestlohns 
01.01.2018
Digitale Balance in der Arbeitswelt 

 


Wie die Alpen von unten aussehen

Meike Drießen Dezernat Hochschulkommunikation
Ruhr-Universität Bochum

Was wir von den Bergen der Alpen sehen können, ist noch lange nicht alles: Ähnlich wie Eisberge, deren größerer Teil unter Wasser liegt, haben die Alpen eine Wurzel, die weit in die Tiefe bis hinein in den Erdmantel reicht. Um sie zu erforschen, werten Geologinnen und Geologen der Ruhr-Universität Bochum gemeinsam mit Kollegen aus ganz Europa Erdbebenwellen aus aller Welt aus. Für das Projekt Alp Array haben sie rund 600 Seismometer im gesamten Alpenraum installiert.

Wellen breiten sich unterschiedlich schnell aus
Hintergrund der Forschung ist, dass sich Erdbebenwellen in verschiedenen Gesteinsarten unterschiedlich schnell ausbreiten. Aus ihrer Geschwindigkeit lassen sich also Rückschlüsse darauf ziehen, durch welche Art von Untergrund sie gelaufen sein müssen.

„Die kontinentale Erdkruste und damit auch die Wurzel der Berge besteht vorrangig aus Gestein geringerer Dichte, wie zum Beispiel Kalkstein, Granit, Gneis oder Sedimenten. Der darunterliegende Erdmantel besteht eher aus dichterem Gestein", beschreibt Dr. Kasper Fischer, Leiter des Seismologischen Observatoriums der RUB, das Prinzip.

Daten werden zentral gesammelt
Nach dem Projektstart im Jahr 2015 war das dichte Netz aus Messpunkten zwei Jahre später fertig aufgebaut. Alle Daten sämtlicher Messpunkte werden an zentralen Stellen in Europa gesammelt und können jedem, der ihre Nutzung beantragt, zur Verfügung gestellt werden.

„Kleinere auswertbare Erdbeben finden fast täglich statt, größere Ereignisse natürlich wesentlich seltener", sagt Kasper Fischer. Je nachdem, wo ein Erdbeben seinen Ursprung hat, kommen seine Wellen früher oder später in der Alpenregion an und verlaufen aus verschiedenen Richtungen durch das Messnetz.

Detaillierte Auswertung
Besonders interessant sind für die Forscher die sogenannten Raumwellen. Diese Wellen gehen kugelförmig vom Ursprung eines Bebens aus, der meist in großer Tiefe liegt, und verbreiten sich durch den Erdkörper. Im Gestein des Erdmantels breiten sie sich schneller aus als in der Erdkruste. Durch die Wurzel der Alpen laufen sie also auch langsamer als durch das umgebende Gestein. Das enge Netz des Alp Array erlaubt es, die Informationen, die in den Oberflächenwellen enthalten sind, ebenfalls detailliert auszuwerten.

Erkenntnisse zur Dynamik der Kontinentalplatten
Über die Kenntnis des Untergrunds der Alpen hinaus erhoffen sich die am Projekt beteiligten Forscherinnen und Forscher Rückschlüsse auf die Dynamik der Kontinentalplatten Afrikas und Europas, deren Kollision zur Bildung der Alpen geführt hat. „Nach der gängigen Auffassung taucht Europa unter die adriatische Platte ab", erläutert Kasper Fischer, „aber ganz so einfach ist das nicht. Vielleicht ist es auch umgekehrt, oder an verschiedenen Stellen unterschiedlich." Mehr Wissen über den Untergrund in dieser Region erlaubt dann möglicherweise auch Rückschlüsse auf Strömungen im Erdmantel und die genauen Folgen der Bewegungen der Kontinente.

Initiative Alp Array
Die europäische Initiative Alp Array ist eingebunden in das Schwerpunktprogramm 2017 „4D-MB - Gebirgsbildungsprozesse in vier Dimensionen", das die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert. Mehr als 50 Einrichtungen aus 18 Ländern sind zurzeit daran beteiligt.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Kasper Fischer
Institut für Geologie, Mineralogie und Geophysik
Fakultät für Geowissenschaften
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 32 27574
E-Mail: kasper.fischer@rub.de

Weitere Informationen:
http://news.rub.de/wissenschaft/2018-10-31-seismologie-wie-die-alpen-von-unten-a... ausführlicher Beitrag in Rubin

Quelle: idw

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Eine Tasse Kaffee oder Tee am Tag fördert die Sportlichkeit

Sabine Ranke-Heinemann Pressestelle
Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

Zu müde oder zu energielos für sportliche Aktivitäten? Wissenschaftler der University of Queensland haben herausgefunden, dass Tee oder Kaffee helfen können, in Schwung zu kommen. Frauen, die täglich nur eine Tasse davon trinken, sind häufig aktiver als solche, die darauf verzichten.

Eine Studie der School of Human Movement and Nutrition Sciences der University of Queensland ergab, dass Frauen, die eine oder zwei Tassen Tee oder Kaffee pro Tag trinken, häufiger das empfohlene Level an moderatem bis intensivem Sport absolvieren als jene, die diese Getränke seltener konsumieren.

Dr. Tina Skinner sagt, der Koffeinkonsum durch Kaffee und Tee kann sportliche Aktivitäten von Frauen im mittleren Alter fördern, weil er Müdigkeit und Energielosigkeit reduziert.

„Sportliche Aktivität ist wichtig, um gesund alt zu werden. Müdigkeit und Energielosigkeit halten mittelalte bis alte Frauen oft davon ab, das notwendige Pensum zu schaffen", so Dr. Skinner.

„Der Konsum von dem natürlich und reichlich in Kaffee und Tee vorkommenden Alkaloid Koffein wurde schon mit verschiedenen gesundheitlichen Nutzen in Verbindung gebracht, etwa einem reduzierten Anstrengungsgefühl bei Bewegung und einer selbstgewählten erhöhten Intensität von sportlichen Übungen", sagt Dr. Skinner. „Koffein wird auch damit in Verbindung gebracht, das Risiko für Typ-2-Diabetes, Demenz und einige Krebsarten zu reduzieren".

In der Studie wurden die Gewohnheiten von 7.580 Frauen untersucht, die zwischen 1946 und 1951 geboren wurden und an einer australischen Langzeitstudie zur Frauengesundheit teilnehmen. Die Teilnehmerinnen wurden gebeten, nicht nur ihren durchschnittlichen Tee- und Kaffeekonsum der letzten zwölf Monate zu dokumentieren, sondern auch ihr Bewegungs- und Sportverhalten aus der Vorwoche zu erfassen.

„Kaffee- und Teetrinkerinnen fühlen sich seltener müde und haben mehr Energie", sagt Dr. Skinner. „Für diejenigen, die eine oder zwei Tassen Kaffee am Tag trinken, ist die Wahrscheinlichkeit 17 Prozent höher, dass sie das empfohlene Level an Bewegung erreichen. Bei denen, die ein bis zwei Tassen Tee am Tag trinken, lag der Wert bei 13 bis 26 Prozent. Sportliche Aktivität ist in jedem Abschnitt des Lebens wichtig. Besonders bei Menschen mittleren Alters sorgt sie für körperliche Funktionalität und Unabhängigkeit und hilft, das Risiko für Altersschwäche möglichst gering zu halten."

Die Studie wurde im „International Journal of Environmental Reasearch and Public Health" veröffentlicht.

Weitere Informationen:
Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
Pressestelle Friedrichstr. 95
10117 Berlin
Tel.: 030 209629593
Email: berlin@ranke-heinemann.de

oder

Dr Tina Skinner
+61 7 3346 8810
Email: t.skinner@uq.edu.au
Dani Nash, UQ Communications
Tel.: +61 7 3346 3035
Email: dani.nash@uq.edu.au

Das Institut ist die gemeinnützige Einrichtung zur Förderung des Austausches und der Auslandsstudien insbesondere mit allen Universitäten Australiens und Neuseelands sowie zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. In seinen Förderprogrammen stellt es SchülerInnen und Studierenden Unterstützung in der Finanzierung durch Stipendien und Coaching in der Studienberatung und Studienplatzbewerbung zur Verfügung.

Weitere Informationen:
https://www.ranke-heinemann.de

Quelle: idw

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Bio-Sprit aus dem Container

Britta Widmann Kommunikation
Fraunhofer-Gesellschaft

Aus organischen Abfällen, die bisher nicht verwertet wurden, lässt sich Bio-Sprit gewinnen. Eine Technologie dafür haben Forscherinnen und Forscher im EU-Projekt BIOGO entwickelt.

Mehr als vier Milliarden Tonnen Rohöl werden jedes Jahr gefördert. Strom aus Wind-, Solar- und Wasserkraftwerken reicht nicht aus, um fossile Energieträger zu ersetzen. Damit lässt sich im günstigsten Fall der Energiebedarf aller Elektroautos decken und der Wasserstoff für Fahrzeuge mit Brennstoffzellen herstellen. Doch dann fehlt immer noch Benzin für die Verbrennungsmotoren, die noch Jahrzehnte in Betrieb sein werden. Eine nachhaltige Mobilität ist nur möglich, wenn es gelingt, Benzin durch alternative Treibstoffe zu ersetzen.

Eine Technologie zur Erzeugung eines solchen ökologisch unbedenklichen Bio-Sprits haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Mikrotechnik und Mikrosysteme IMM zusammen mit zwölf Forschungsgruppen aus sieben Ländern im EU-Projekt BIOGO entwickelt. Die Zutaten für den neuen Treibstoff kommen aus dem Wald: »Holzabfälle und Baumrinden sind europaweit in großen Mengen verfügbar, werden bisher aber kaum genutzt. Das macht sie zu einem idealen Rohstoff - man muss sie nicht extra anbauen und tritt daher auch nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion«, erklärt Prof. Gunther Kolb vom Fraunhofer IMM, der das EU-Projekt koordiniert hat. Die Nutzung der Holzabfälle ist zudem klimaneutral: Verwandelt man sie in einen Treibstoff und verbrennt diesen, so wird nur Kohlendioxid freigesetzt, das die Bäume der Atmosphäre zuvor beim Wachsen entzogen haben. Es gelangen daher keine zusätzlichen Treibhausgase in die Atmosphäre. Und dann kann der Treibstoff aus Holzabfällen überall hergestellt werden, wo Bäume wachsen. Man muss ihn nicht - wie Erdöl - von der Quelle erst zur Raffinerie und zu den Tankstellen transportieren. »Ein wichtiger Baustein des BIOGO-Konzepts ist eine dezentrale Produktion«, betont Kolb. »Um dies zu realisieren, haben wir mobile Produktionseinheiten entwickelt, die sich in Containern unterbringen und dort installieren lassen, wo sie gerade gebraucht werden.«

Mobile Produktionseinheiten
Der Prototyp der neuen Anlage zur Gewinnung von Bio-Sprit steht auf dem Hof hinter dem Fraunhofer-Institut: In dem weißen Container werden Abfallprodukte der Holzindustrie in hochwertiges Benzin verwandelt. »Ziel des BIOGO-Projekts war es, eine Anlage zu entwickeln, die sich in einen 40-Fuß-Container mit den Standardmaßen 12 mal 3 mal 3 Metern unterbringen lässt, der alle Verfahrens- und Prozessschritte beinhaltet«, erläutert Kolb das Ergebnis der vierjährigen intensiven Forschungs- und Entwicklungsarbeit. »Gleichzeitig sollte das Herstellungsverfahren möglichst ökologisch und ressourcenschonend sein.«

In einer ersten Prozessstufe, die von dem italienischen Unternehmen Spike Renewables entwickelt wurde, erhitzt man die Holzreste, bis sich ein dunkles, zähflüssiges Pyrolyseöl bildet. Dieses lässt sich in der mobilen Anlage weiterverarbeiten. Die Reaktionskammern hierfür, die Mikroreaktoren, haben die Forschenden am Fraunhofer-Institut in Mainz entwickelt. Der erste Reaktor verwandelt das Pyrolyseöl unter Zufuhr von Wärme, Luft und Wasserdampf in Synthesegas. Aus dem wird im zweiten Schritt Methanol gewonnen. Entzieht man diesem den Sauerstoff, entsteht synthetisches Benzin. »Die Herausforderung lag darin, den Prozess so zu optimieren, dass am Ende ein Treibstoff herauskommt, der sich chemisch nicht von Normalbenzin unterscheidet«, berichtet Kolb.

Nanokatalysatoren sparen Ressourcen
Um die chemischen Abläufe zu beschleunigen, werden Katalysatoren benötigt. Für deren Herstellung braucht man bisher große Mengen Edelmetall und seltene Erden. Im BIOGO-Projekt haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Firma Teer Coatings eine Methode entwickelt, mit der sich winzige Cluster von katalytisch aktiven Substanzen auf Oberflächen aufbringen lassen. Auf diese Weise entstehen leistungsfähige und ressourcenschonende Nanokatalysatoren.

Der letzte Schritt bei der Entwicklung der mobilen Produktionsanlage bestand darin, die gesamte Technik in einen Container zu integrieren, der alle Anforderungen an Sicherheit und Brandschutz erfüllt. Das Know-how für den Bau der Anlage steuerten Fraunhofer-Forschende und der Partner Microinnova Engineering aus Österreich bei. Die Containertechnik, EcoTrainer@, stammt von der Firma Evonik. Der Prototyp ist bereits so konzipiert, dass auch größere Reaktoren darin Platz finden. In den kommenden Jahren wollen die BIOGO-Teams die Anlage weiterentwickeln. Ziel ist es, bis zu 1000 Liter Ökotreibstoff am Tag zu produzieren.

Gibt es Benzin also schon bald nicht mehr an der Tankstelle, sondern im Wald am Container? Kolb antwortet: »Das hängt von den politischen Rahmenbedingungen ab. Bei den derzeitigen Ölpreisen ist die neue Technik nicht konkurrenzfähig. Entscheidend wird sein, ob wir in Europa wirklich von den fossilen Rohstoffen wegkommen möchten und dafür bereit sind, Ökotreibstoffe von der Steuer zu befreien oder ihre Herstellung zu subventionieren.«

Das Know-how für die Gewinnung von nachhaltigem Treibstoff ist dank BIOGO vorhanden. Da der Holz-Sprit dieselben chemischen Eigenschaften hat wie klassisches Benzin, kann man ihn zumischen oder nach und nach komplett auf den neuen Rohstoff umsteigen. Bis es so weit ist, möchten das Mainzer Forscherteam die dezentral und flexibel einsetzbaren Container auch für andere Anwendungen nutzen: Das Prinzip der Mini-Fabrik ist etwa für die chemische und die petrochemische Industrie hochinteressant. So könnten Chemieunternehmen Container nutzen, um ihre Prozesse zu flexibilisieren und schneller auf Kundenwünsche zu reagieren.

Weitere Informationen:
https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2018/november/bio-sprit-...

Quelle: idw

(nach oben)

Krähen stellen Werkzeuge aus mehreren Komponenten her

Dr. Sabine Spehn Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Ornithologie

Ein internationales Team von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen und der Universität Oxford haben herausgefunden, dass Geradschnabelkrähen mehrere, für sich alleine zu kurze Elemente kombinieren, um an einen Leckerbissen heran zu kommen - eine Fähigkeit, die bisher nur bei Menschen und Menschenaffen beobachtet wurde. Die Krähen können also neuartige Probleme schnell und flexibel lösen. Welche Vorgänge dabei im Gehirn ablaufen, ist jedoch noch unklar.

Das Verbinden mehrerer einzelner Komponenten zu einem neuen, funktionsfähigen Werkzeug wurde bisher nur bei Menschen und Affen beobachtet. Anthropologen sehen die Entstehung dieser Fähigkeit bei unseren Vorfahren als wichtigen Schritt in der Evolution des menschlichen Gehirns. Auch in der menschlichen Indiviualentwicklung treten ähnliche Fähigeiten erst spät auf. Babys beginnen ungefähr im Alter von 18 Monaten, Werkzeuge zu benutzen. Jedoch fangen sie erst im Alter von ca. fünf Jahren an, neue Werkzeuge zu erfinden, um ein bestimmtes Problem zu lösen. Das Gehirn muss sich die neuen Objekte dafür vermutlich zunächst in Gedanken vorstellen und dann die Ausführung planen. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass Verbundwerkzeuge erst spät in der kulturellen Entwicklung des Menschen aufgetaucht sind und möglicherweise mit der Entwicklung von komplexem Bewusstsein und Sprache einhergehen.

Für geschickten Werkzeuggebrauch sind auch Geradschnabelkrähen (Corvus moneduloides) bekannt. Wissenschaftler um Auguste von Bayern vom Max-Planck-Institut für Ornithologie Seewiesen und Alex Kacelnik von der Universität Oxford wollten nun wissen, ob die Krähen auch in der Lange sind, Verbundwerkzeuge herzustellen, um an Futter außer Reichweite zu gelangen.

Dazu haben sie in ihrer Studie, die heute in der Fachzeitschrift Scientific Reports erschien, acht Geradschnabelkrähen eine Kiste präsentiert, die diese zuvor noch nie gesehen hatten. Sie enthielt einen kleinen Behälter mit einem Leckerbissen, der hinter einer durchsichtigen Tür mit einem Spalt für die Schnäbel nicht zu erreichen war. Zu Beginn der Versuchsreihe stand den Tieren ein langer Stab zur Verfügung, den sie durch den Spalt in die Kiste stecken konnten, um damit das Futter durch eine seitliche Öffnung heraus zu schieben. Alle acht Vögel schafften das ohne Schwierigkeiten. Dann platzierten die Wissenschaftler das Futter nach hinten in die Box und stellten den Krähen verschiedene längliche und hohle Elemente zur Verfügung, die diese zusammenstecken konnten. Für sich alleine waren sie aber zu kurz, um bis zum Futter zu reichen.

Am Ende des Experiments mit fünf Schwierigkeitsstufen blieb immerhin noch ein Vogel übrig, der Werkzeuge aus drei und sogar vier Einzelteilen bastelte. "Dieses Ergebnis ist bemerkenswert, denn die Geradschnabelkrähen bekamen keine Hilfe und auch kein Training, um diese Werkzeuge zu bauen, sie haben ganz alleine herausgefunden, wie sich das Problem lösen lässt", sagt Auguste von Bayern, Erstautorin der Studie.

Die zugrundeliegende mentale Verarbeitung konnten die Forscher mit diesem Versuch jedoch nicht klären. Alex Kacelnik von der Universität Oxford sagt: "Die Ergebnisse zeigen, dass diese Tiere ausgeprägte flexible Fähigkeiten haben, mit denen sie in der Lage sind, neuartige Probleme schnell zu lösen. Eventuell simulieren sie das Problem, in dem sie mögliche Abläufe im Gehirn wieder und wieder durchspielen. Haben sie eine funktionierende Möglichkeit entdeckt, führen sie diese dann aus."

Die Tatsache, dass Geradschnabelkrähen Verbundwerkzeuge erstellen können, bedeutet aber nicht, dass die zugrunde liegenden Prozesse im Gehirn die gleichen sein müssen, wie bei Menschen oder Menschenaffen. Für die Wissenschaftler eröffnet sich aber damit eine Möglichkeit, die gedanklichen Prozesse, die für das Erfinden und den Bau von neuen Werkzeugen nötig sind, weiter zu erforschen.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Auguste von Bayern
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Seewiesen
Email: avbayern@orn.mpg.de
Telefon: +49 178 555 333 9

Originalpublikation:
A.M.P. von Bayern, S. Danel, A.M.I. Auersperg, B. Mioduszewska, A. Kacelnik. Compound tool construction by New Caledonian crows. Scientific Reports, 24. Oktober 2018.
www.nature.com/articles/s41598-018-33458-z (frei verfügbar)

Weitere Informationen:
https://www.youtube.com/watch?v=EryZPmOxwC0

Quelle: idw

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Frauen an der Spitze bringen Teams zu besseren Leistungen

Mark Fallak Presse und Kommunikation
IZA - Institut zur Zukunft der Arbeit

Arbeitsgruppen unter weiblicher Leitung erzielen bessere Prüfungsergebnisse. Trotzdem beurteilen männliche Teammitglieder die Führungsleistung von Frauen schlechter. Das sind die Ergebnisse einer Studie, die das Bonner Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) jetzt veröffentlicht hat. Grundlage war ein breit angelegtes Teamwork-Feldexperiment an einer italienischen Universität.

Das Experiment umfasste 430 Studierende, die sich freiwillig entschieden hatten, einen Teil ihrer Prüfung als Teamarbeit zu absolvieren. Die Zusammensetzung der Dreierteams und die Führungsrolle wurden ausgelost. So konnten die Forscher den Effekt unterschiedlicher Geschlechterkonstellationen in einem realen Arbeitsumfeld messen. Bislang waren Teamwork-Experimente meist nur unter Laborbedingungen durchgeführt worden.

Die Teamleitungen hatten die Aufgabe, gemeinsame Arbeitstreffen zu organisieren und die Vorbereitung auf die Abschlussprüfung zu koordinieren. Bei gutem Abschneiden ihres Teams wurden sie für ihren Mehraufwand mit Extrapunkten belohnt.

Trotz gleichem Zeiteinsatz erzielten die frauengeführten Teams signifikant bessere Abschlussnoten. Ausschlaggebend waren die individuellen Leistungen der Teammitglieder. Insbesondere Frauen liefen unter weiblicher Führung zu besserer Form auf. Dieser Effekt war den Teamleiterinnen gar nicht bewusst - sie beurteilten ihre eigene Führungsleistung nicht besser als männliche Teamleiter.

Die Teamleiterinnen selbst erbrachten hingegen schwächere Prüfungsleistungen als weibliche Teammitglieder. Die Forscher vermuten, dass Frauen mehr Zeit zum Wohle der Gruppe investierten, etwa durch betreuende und koordinierende Tätigkeiten, auch wenn dabei ihr eigenes Lernpensum zu kurz kam. Dafür spricht auch, dass Teamleiterinnen ihre Aufgabe als besonders zeitintensiv empfanden und das Engagement der anderen Teammitglieder kritischer beurteilten als Männer.

Die Teilnehmerbefragung im Anschluss an das Experiment ergab außerdem, dass die weiblichen Teamleitungen von männlichen Teammitgliedern tendenziell schlechter bewertet wurden. „Männer scheinen immer noch Vorbehalte gegen weibliche Führung zu haben, obwohl - oder vielleicht gerade weil - diese sich als besonders effektiv erweisen kann", sagt IZA-Fellow Vincenzo Scoppa von der Universität Kalabrien, der die Studie gemeinsam mit Maria De Paola (ebenfalls Universität Kalabrien und IZA) sowie Francesca Gioia von der Universität Mailand verfasst hat.

Den Autoren zufolge profitierten frauengeführte Teams im untersuchten Beispiel vom uneigennützigen Engagement der Teamleiterinnen sowie deren Organisations- und Motivationstalent. Diese „typisch weiblichen" Eigenschaften gewännen in modernen, von Kooperation geprägten Arbeitsumgebungen zunehmend an Bedeutung. In anderen Kontexten könnten jedoch auch „typisch männliche" Führungseigenschaften wie Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen durchaus vorteilhaft sein, heißt es in der Studie.

Download des IZA-Forschungspapiers (nur in englischer Sprache verfügbar):
Maria De Paola, Francesca Gioia, Vincenzo Scoppa:
"Teamwork, Leadership and Gender"
IZA Discussion Paper No. 11861
http://ftp.iza.org/dp11861.pdf

Pressekontakt:
Mark Fallak
Head of Communications, IZA
E-Mail: fallak@iza.org
Tel.: (0228) 3894-223

Quelle: idw

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Hohe Akzeptanz für Seilbahnen in Innenstädten

Michael Brauns Pressestelle
Universität der Bundeswehr München

Wie können Städte den weiter steigenden Verkehr besser in den Griff bekommen?

Das Transportmittel der Zukunft für Innenstädte könnte die Seilbahn sein. Metropolen wie Ankara, La Paz oder Portland nutzen sie bereits als Verkehrsmittel. In München steht dies auch zur Diskussion. Leise, umweltfreundlich und billiger als die U-Bahn.

Der Verkehrsexperte Prof. Klaus Bogenberger von der Universität der Bundeswehr München untersuchte mit seinem Team die Akzeptanz von urbanen Seilbahnen bei den Einwohnern im Großraum München.

Die Umfrage wurde vom 02.05.2018 bis 15.06.2018 online durchgeführt. Insgesamt haben mehr als 700 Personen an der Umfrage teilgenommen, von denen 70% angegeben haben, in München zu wohnen oder zu arbeiten. Zwischen 9 und 86 Jahren waren alle Altersgruppen vertreten. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer liegt bei 40,7 Jahren.

Eine große Mehrheit von 87% gab an urbane Seilbahnen nutzen zu wollen. 7,3% der Befragten gaben an, im Allgemeinen nicht dazu bereit zu sein den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Zudem gaben weitere 5,7% an, im Allgemeinen nicht bereit zu sein eine urbane Seilbahn zu nutzen.
Als Hauptgründe für die Ablehnung einer Seilbahn wurden die Zerstörung des Stadtbilds sowie Angst (Höhenangst und Platzangst) genannt. Den übrigen Teilnehmern wurden verschiedene Szenarien vorgestellt, in denen sie sich zwischen zwei Routenvorschlägen entscheiden müssten: Eine mit Seilbahn und eine ohne. Die Szenarien unterschieden sich neben den Transportmodi auch in Fahrtzeit und in Anzahl der Umstiege.

Lieber Seilbahn als Bus
Im Augenblick wird der Streckenabschnitt zwischen Oberwiesenfeld und Studentenstadt von verschiedenen Bussen bedient. Im direkten Vergleich zwischen einer Strecke mit dem Bus oder mit einer Seilbahn haben 85 % der Teilnehmer angegeben, dass sie bei gleicher Reisezeit eine Seilbahnfahrt einer Busfahrt vorziehen würden. Selbst wenn der Bus bis zu sechs Minuten schneller ist als die Seilbahn, würden die Teilnehmer mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % die Seilbahn bevorzugen.

Knapp ein Drittel (32,7%) der Teilnehmer gaben an, dass sie sogar einen zusätzlichen Umstieg (von Seilbahn auf Tram oder U-Bahn) in Kauf nehmen würden, um eine Busfahrt bei gleicher Reisedauer zu vermeiden.

Wenn durch die Seilbahnfahrt ein Umstieg vermieden werden kann (z.B. von U-Bahn zu U-Bahn, oder von Tram zu U-Bahn) würden bei gleicher Reisezeit 90,8% die Seilbahn bevorzugen. Bei einer Zeitdifferenz bis knapp 8 Minuten ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Fahrgast die Seilbahn nutzt gleich der Wahrscheinlichkeit, dass er eine Alternativroute wählt, bei der er von U-Bahn zu U-Bahn wechseln muss.

Universität der Bundeswehr München
Michael Brauns
Pressesprecher
Werner Heisenberg Weg 39
85577 Neubiberg
Tel.: 089/6004-2004
Fax: 089/6004-2009

Quelle: idw

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Blutdruckgeräte im Test - oder: wer prüft eigentlich was?

Dr. Bettina Albers Geschäftsstelle
Deutsche Hochdruckliga

Die Stiftung Warentest hat heute die Ergebnisse des neuen Tests von Blutdruckmessgeräten veröffentlicht. Von den getesteten Geräten wurde nur ein Gerät für gut befunden. Die Messgenauigkeit der geprüften Geräte wurde maximal mit befriedigend eingestuft. Die Deutsche Hochdruckliga verwendet ein anderes Verfahren zur Bewertung der Qualität von Blutdruckmessgeräten. Beide Verfahren sind nicht vergleichbar. Dennoch begrüßt die Hochdruckliga die Veröffentlichung der Stiftung Warentest. „Dadurch wird die Blutdruckmessung in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gerückt."

Die Stiftung Warentest ist die bekannteste gemeinnützige Verbraucherorganisation in Deutschland. Sie testet und vergleicht verschiedene Produkte und hat sich damit deutschlandweit einen Namen gemacht. Heute wurden die Ergebnisse eines neuen Tests von Blutdruckmessgeräten zur Selbstmessung veröffentlicht [1] - die Testsieger sind jedoch nicht deckungsgleich mit den Geräten, die das Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und Prävention erhalten haben [2]. Was viele nicht wissen: Die Deutsche Hochdruckliga prüft auf Antrag der Gerätehersteller Blutdruckmessgeräte und verleiht ein Prüfsiegel für deren Messgenauigkeit. Die Tests finden durch unabhängige Prüfinstitute statt, welche dem Auftraggeber nicht benannt werden. Das Prüfinstitut muss bei seiner Validierung detaillierte Vorgaben bei der Prüfungsvorbereitung, Prüfungsdurchführung und Prüfungsauswertung beachten [3].

Wie lässt sich nun das Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga mit dem Test der Stiftung Warentest vergleichen? Ganz einfach, gar nicht: Beide Organisationen testen anders und letztlich auch etwas Anderes. Die Deutsche Hochdruckliga testet einzig und allein die Messgenauigkeit, die Stiftung Warentest bewertet aber zusätzlich auch die Handhabung und Störanfälligkeit. Die Handhabung fließt sogar mit 30% in das Gesamtergebnis ein. Dazu zählen die Verständlichkeit der Gebrauchsanleitung, Anzeigen und Bedienelemente und die Batterie-/ bzw. Akkulaufzeit. Zur Störanfälligkeit gehört beispielsweise ein Falltest aus Tischhöhe. Es wird geschaut, ob das Gerät nach zwölf Stürzen aus Tischhöhe noch korrekt misst.

„All das steht nicht im Fokus unserer Testung, zumal viele dieser Dinge auch subjektiv sind. Der eine Anwender findet die eine Bedienoberfläche nutzerfreundlich, der andere präferiert eine andere. Für den anderen ist ein Messwertspeicher für zwei Personen wichtig. Der andere trägt die Werte sofort nach der Messung graphisch in sein Blutdrucktagebuch ein. Warum in einen Test einfließen muss, wie viel Schaden das Gerät nimmt, wenn es vom Tisch fällt, ist schwer nachzuvollziehen, solange vom Gesetzgeber keine Vorgaben hierzu kommen.", erklärt Professor Bernhard Krämer, Mannheim, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und Prävention „Für uns Mediziner ist die Messgenauigkeit das wichtigste Kriterium. Bei näherer Betrachtung liegen die von der Stiftung Warentest geprüften Oberarmgeräte bei der Messgenauigkeit gar nicht so weit auseinander. Das deckt sich mit unseren eigenen Untersuchungen. Wir verzichten daher bewusst auf eine Benotung der von uns validierten Geräte. Das macht keinen Sinn. Geräte die bei uns nicht gelistet sind, wurden entweder nicht validiert bzw. wurden nicht erfolgreich validiert [4].

Die Hochdruckliga kritisiert auch, dass diese „weichen Kriterien" vom „harten Kriterium" der Messgenauigkeit ablenken. Ein Gerät, das nicht ganz so genau misst, aber evtl. einen Sturz vom Tisch gut übersteht und vom Tester als sehr bedienfreundlich eingestuft wird, könnte im Gesamtergebnis noch relativ zufriedenstellend abschneiden. Umgekehrt ist es möglich, dass messgenaue Geräte wegen einer schlechteren Beurteilung der Handhabung und Störanfälligkeit ebenfalls nur im Mittelfeld landen.

„Das ist am Ende auch der Grund, warum beide Tests nicht miteinander vergleichbar sind. Stellt man beide Tests gegenüber, so ist es, als vergleiche man Äpfel mit Birnen - beide Prüfverfahren haben unterschiedliche Kriterien", so Professor Bernd Sanner, Wuppertal, Mitglied des Vorstands der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und Prävention und Sprecher der Sektion Hochdruckdiagnostik. Es kommt aber noch etwas dazu: Auch wenn man Äpfel mit Äpfeln vergleicht und nur die Messgenauigkeit beider Tests betrachtet, erkennt man Unterschiede bei der Erhebung. Aus Sicht der Deutschen Hochdruckliga sind mindestens 96 Personen erforderlich, um ein hinreichend sicheres Urteil abzugeben [5]. Von der Stiftung Warentest wurden die Geräte an lediglich 32 Probanden getestet, also deutlich weniger. Je grösser die Anzahl der Probanden, desto aussagekräftiger ist das Ergebnis. Statistiker sprechen auch vom Gesetz der großen Zahlen. Aus Sicht der Hochdruckliga wird auch der Patientensimulator abgelehnt. Es macht keinen Sinn, die Beschaffenheit der menschlichen Gefäße sowie das Pump- und Druckverhalten des Herzens künstlich nachzubilden. Die Messgenauigkeit von Blutdruckmessgeräten sollte unter realen Bedingungen an einer ausreichend großen Probandenzahl validiert werden.

„Dennoch sind wir froh, dass die Stiftung Warentest die Testung von Blutdruckgeräten durchführt. Die z.T. etwas unterschiedlichen Einstufungen einiger Geräte lassen sich im Großen und Ganzen mit den unterschiedlichen Messkriterien erklären, die angelegt wurden. Jeder Verbraucher muss für sich entscheiden, welche Prüfkriterien für ihn von Bedeutung sind. Wir sehen uns auch nicht im Prüfwettbewerb mit der Stiftung Warentest, sondern freuen uns darüber, dass sie auch Blutdruckmessgeräte testet. Denn dadurch wird die Blutdruckmessung in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gelenkt. Das bei weitem größte Problem ist schließlich, dass auch heute noch zu wenig Menschen ihre Blutdruckwerte kennen und selbst Menschen mit zu hohen Werten nicht regelmäßig unter standardisierten Bedingungen ihren Blutdruck messen", erklärt Professor Krämer.

Um vergleichbare Messwerte zu erhalten, ist die regelmäßige Messung mit der passenden Manschettengröße nach fünf minütiger Pause wichtig. Nur so lassen sich die individuellen Messwerte auch mit den Normwerten vergleichen. Bei der Selbstmessung sollte der obere (systolische) Wert nicht über 135 mm Hg liegen bzw. der untere (diastolische) Wert nicht unter 85 mm Hg. Morgens sollte vor der etwaigen Einnahme von blutdrucksenkenden Medikamenten gemessen werden. Der Messarm sollte nicht durch Kleidung oder Schmuck abgeschnürt sein. Zur Messung sollte man neben einem Tisch auf einem Stuhl sitzen und beide Beine auf den Boden stellen. Der Oberarm liegt bei der Oberarmmessung entspannt auf dem Tisch auf bzw. alternativ wird der Arm mit dem Handgelenksgerät entspannt auf Herzhöhe gehalten. Das geht am besten, wenn ein Kissen untergelegt wird. Dreißig Minuten vor der Messung sollten körperliche Aktivitäten vermieden werden. Während der Messung sollte man sich nicht bewegen und auch nicht sprechen. Wichtig ist auch, zweimal im Minutenabstand zu messen und den zweiten (meist niedrigeren) Wert aufzuschreiben. Bei unregelmäßigen Herzschlägen wird empfohlen, dreimal im Minutenabstand zu messen und den Durchschnitt zu notieren [6].

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Kontakt/Pressestelle
Dr. Bettina Albers
albers@albersconcept.de
Telefon: 03643/ 776423
Mobile: 0174/ 2165629

Originalpublikation:

[4] The German Hypertension League (Deutsche Hochdruckliga) Quality Seal Protocol for blood pressure-measuring devices: 15-year experience and results from 105 devices for home blood pressure control.
Tholl, Ulrich; Lüders, Stephan; Bramlage, Peter; Dechend, Ralf; Eckert, Siegfried; Mengden, Thomas; Nürnberger, Jens; Sanner, Bernd; Anlauf, Manfred.
Blood Pressure Monitoring: August 2016 - Volume 21 - Issue 4 - p 197-205.
doi: 10.1097/MBP.0000000000000186

Weitere Informationen:

http://[1] https://www.test.de/shop/test-hefte/test_11_2018/
http://[2] https://www.hochdruckliga.de/messgeraete-mit-pruefsiegel.html
http://[3] https://www.hochdruckliga.de/tl_files/content/dhl/downloads/DHL-Anforderungen-Pr...
http://[5] https://www.hochdruckliga.de/tl_files/content/dhl/downloads/DHL-XXXXX-16-Pru%cc%...
http://[6] www.blutdruckmessen-aber-richtig.de

Quelle: idw

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Erwerbstätige im Rentenalter arbeiten nur zum Teil des Geldes wegen

Wolfgang Braun Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Als Grund für eine Erwerbstätigkeit im Rentenalter geben Befragte einer repräsentativen Studie überwiegend soziale und persönliche Motive an: Jeweils rund 90 Prozent der erwerbstätigen Rentner haben Spaß bei der Arbeit, brauchen den Kontakt zu anderen Menschen oder wünschen sich weiterhin eine Aufgabe. Mehr als die Hälfte der Befragten nennt allerdings auch finanzielle Gründe für die Erwerbsarbeit. Das gilt insbesondere für Frauen, die nach eigenen Angaben häufiger als Männer auf einen Hinzuverdienst zur Altersrente angewiesen sind. Das geht aus einer aktuellen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

In Deutschland ist weit mehr als ein Viertel aller Rentnerinnen und Rentner in den ersten drei Jahren nach Übergang in eine Altersrente erwerbstätig: Bei den Frauen beträgt der Anteil 31 Prozent, bei den Männern 28 Prozent.

Eine Beschäftigung bis zum Renteneintritt steigert die Wahrscheinlichkeit, auch nach dem Übergang in die Altersrente erwerbstätig zu sein. Bei den bis zuletzt erwerbstätigen Frauen ist diese Wahrscheinlichkeit fast doppelt so hoch wie bei den vormals nicht erwerbstätigen Frauen (41 Prozent gegenüber 26 Prozent). Bei den Männern liegen die entsprechenden Anteile bei 31 bzw. 24 Prozent.

Eine gute finanzielle Lage nach dem Renteneintritt geht bei Frauen wie bei Männern mit einer höheren Erwerbstätigenquote im Rentenalter einher. Während 29 Prozent der befragten Rentnerinnen bzw. 26 Prozent der befragten Rentner mit einem Einkommen unter 1.000 Euro erwerbstätig sind, erhöhen sich die Werte bei einem Einkommen von 2.500 Euro und mehr auf 58 bzw. 59 Prozent. Das zusätzlich erwirtschaftete Erwerbseinkommen ist bei den ermittelten Einkommensgrenzen von 1.000 bzw. 2.500 Euro nicht enthalten.

Unter den nicht erwerbstätigen Rentenbeziehern würden 13 Prozent aller Frauen und 20 Prozent der Männer gerne eine Erwerbsarbeit aufnehmen. „Politik und Betriebe sollten mit flexiblen Regelungen günstige Rahmenbedingungen schaffen, damit Erwerbswünsche im Rentenalter besser realisiert werden können", heißt es in der Studie. So könnte beispielsweise in Tarifverträgen generell auf die Festlegung einer automatischen Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit Erreichen der Regelaltersgrenze verzichtet werden.

Die IAB-Studie beruht auf den Angaben von rund 1.000 Personen im Alter von 58 bis 69 Jahren.

Weitere Informationen:
http://doku.iab.de/kurzber/2018/kb2418.pdf

Quelle: idw

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Biologisch abbaubares Plastik

Jasmin Bauer Hochschulkommunikation
Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

Forschungsprojekt der TH Nürnberg generiert eine Alternative für herkömmliche Kunststoffe

Kunststoffe sind aus dem alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Die Auswirkungen sind jedoch fatal, wenn sie in die Kreisläufe der Umwelt gelangen. Prof. Dr. Stephanie Stu-te von der Fakultät Verfahrenstechnik der TH Nürnberg forscht an biobasiert hergestellten Kunststoffen, die biologisch abbaubar sind. In ihrem Projekt „Biobasierte Herstellung des biologisch abbaubaren Bio-Kunststoffes Polybuttersäure" entwickelt sie ein kontinuierli-ches und damit wirtschaftlicheres Herstellungsverfahren für den Bio-Kunststoff Polybuttersäure. Die Staedtler-Stiftung fördert das Projekt mit 40.000 Euro.

Kunststoffe finden sich in allen Lebensbereichen. Für die Herstellung verbraucht die Industrie wertvolle Ressourcen wie Erdöl. Besonders problematisch ist die Verwendung von Kunststoffen für Verpackungen mit einmaliger Nutzung. Der Plastikmüll landet oft in der Umwelt. Ein Resultat daraus ist die größte Müllinsel im Pazifik, die 80.000 Tonnen Plastik umfasst und mit 1,6 Millionen Quadratkilometern mehr als viermal so groß wie Deutschland ist. Das Folgenschwere daran ist, das beispielsweise PET-Flaschen rund 450 Jahre brauchen, bis sie im Wasser zerfallen und als Mikroplastik auf den Meeresgrund sinken.

Die Bundesregierung zählt in ihrer „Hightech-Strategie 2020 für Deutschland. Ideen. Innovation. Wachstum." die Biotechnologie zu den Schlüsseltechnologien für eine zukunftsfähige deutsche Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund forscht Prof. Dr. Stephanie Stute von der Fakultät Verfahrenstechnik an der TH Nürnberg an biobasiert hergestellten Kunststoffen, die biologisch abbaubar sind. In ihrem Projekt „Biobasierte Herstellung des biologisch abbaubaren Bio-Kunststoffes Poly-buttersäure" entwickelt sie ein kontinuierliches und damit wirtschaftlicheres Herstellungsverfahren für den Bio-Kunststoff Polybuttersäure (PHB). „Die Polybuttersäure ist ein farbloser Polyester und gilt als vielversprechendster Ersatz für petrochemische Polymere. Bisher sind die Herstellungskos-ten für diesen Bio-Kunststoff sehr hoch, weshalb die Industrie ihn noch nicht im großen Maßstab einsetzt", so Prof. Dr. Stephanie Stute. Das derzeitige Herstellungsverfahren von Polybuttersäure durch Bakterien kann hinsichtlich der Produktivität noch deutlich verbessert werden.

Viele Bakterien-Arten lagern PHB als Speicherstoff in ihren Zellen ein. Um den Stoffwechselprozess der Bakterien bei der PHB-Synthese im großen Maßstab nutzen zu können, ist es erforder-lich, für die Anzucht der benötigten Bakterienzellen und für die nachfolgende PHB-Produktion un-terschiedliche Prozessbedingungen technisch zu realisieren. „Eine rasche Zellteilung und das da-mit verbundene mikrobiologische Wachstum sind nur bei einer optimalen Versorgung der Bakteri-enzellen mit Nährstoffen und Sauerstoff möglich. Für die Einlagerung von Polybuttersäure benöti-gen die Bakterien allerdings Mangelbedingungen", erklärt Prof. Dr. Stephanie Stute. Der neue An-satz basiert auf zwei hintereinandergeschalteten Bioreaktoren, die kontinuierlich unter Zulauf von Nährstoffen betrieben werden. In der ersten Stufe herrschen optimale Wachstumsbedingungen. In der zweiten Stufe wird gezielt ein Nährstoffmangel eingestellt, so dass die Einlagerung von PHB in den Bakterien beginnt und durch den Zulauf ausgewählter Nährstoffe verstärkt wird. Die Bakterien bilden so große Mengen des Produkts. Am Auslauf des zweiten Bioreaktors trennt das Team von Prof. Dr. Stephanie Stute die Bakterienzellen vom Nährmedium ab und bereitet das Produkt PHB aus den Bakterienzellen auf. Das Bakterium C. necator lagert beispielsweise PHB von bis zu 80 Prozent der Biotrockenmasse ein und bietet damit das Potenzial zur Massenproduktion. Die Kos-ten für die benötigten Rohstoffe können einen Großteil der Gesamtkosten betragen, so dass die Nutzung von kostengünstigen industriellen Restströmen von großem Interesse ist. Pro Tonne her-gestelltem Biodiesel entstehen etwa 100 kg Rohglycerin, das die Industrie in Deutschland häufig nur gegen niedriges Entgelt verkaufen kann oder sogar kostenpflichtig entsorgen muss. Das Roh-glycerin steht daher in ausreichender Menge zur Verfügung, und hat das Potenzial die Produkti-onskosten des Bio-Kunststoffs erheblich zu reduzieren. Prof. Dr. Stephanie Stute generiert auf der Basis dieses Reststoffs ein wirtschaftliches Herstellungsverfahren für PHB, um dadurch biobasier-te und biologisch abbaubare Kunststoffe zu produzieren. Das Projekt „Biobasierte Herstellung des biologisch abbaubaren Bio-Kunststoffes Polybuttersäure" wird mit 40.000 Euro von der Staedtler-Stiftung gefördert und markiert den Startpunkt der Forschungsarbeiten im Fachgebiet Bioverfah-renstechnik an der TH Nürnberg - ein Beitrag zu einer nachhaltigen und wissensbasierten Wirtschaftsform.

Quelle: idw

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Von Antitranspirantien mit Aluminium bis Zahnpasta mit Zinksalzen: 50 Jahre Kosmetik-Kommission

Dr. Suzan Fiack Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Externe, ehrenamtliche Sachverständige beraten das BfR zu wissenschaftlichen Fragen hinsichtlich der Inhaltsstoffe von kosmetischen Mitteln

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Kosmetik-Kommission hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) am 16. Oktober 2018 das Symposium „50 Jahre Kosmetik-Kommission: Wissenschaft im Dienste des Verbraucherschutzes" veranstaltet. Auf ihrer Jubiläumssitzung befassten sich die Expertinnen und Experten mit wissenschaftlichen Fragen zur allergischen Reaktion der Haut auf kleinmolekulare Substanzen, wie sie in kosmetischen Mitteln enthalten sein können, mit hormonell wirksamen Substanzen in Sonnenschutzmitteln sowie mit Methoden zur Bestimmung des Lichtschutzfaktors von Sonnenschutzmitteln. „Die Themenauswahl zeigt, wie breit die Kommission fachlich aufgestellt und zusammengesetzt ist", sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Die Beratungsergebnisse und Empfehlungen der Kommission spiegeln den neuesten Wissensstand auf dem Gebiet der kosmetischen Mittel wider. „Ich freue mich, dass wir diesen exzellenten Sachverstand nun schon seit 50 Jahren nutzen können", so Hensel weiter. 1968 tagte die Kommission für kosmetische Erzeugnisse - wie sie damals hieß - zum ersten Mal beim damaligen Bundesgesundheitsamt.

Aufgabe der Kommission ist es, sich mit aktuellen Fragen zu möglichen gesundheitlichen Risiken kosmetischer Mittel sowie der Regulation und Fortschreibung der EU-Kosmetik-Verordnung und ihrer Anlagen zu befassen. Auch im Krisenfall soll das Expertinnen- und Expertennetzwerk dem BfR wissenschaftlich beratend zur Seite stehen.

In diesem Jahr hat sich die Kosmetikkommission beispielsweise mit der Wirkung von Sonnenschutzmitteln befasst. Sie sind wegen ihrer schützenden Wirkung vor Hautkrebs wichtige Produkte. Es wurde diskutiert, ob der Zusatz von Entzündungshemmern wie Bisabolol die experimentelle Bestimmung des Lichtschutzfaktors verfälscht, weil diese Stoffe die Hautrötung nach Sonneneinstrahlung verzögern. Die Beratung ergab, dass diese Annahme unbegründet war.

In der Kosmetikkommission wurde auch beraten, ob zinkhaltige Mundhygiene-Produkte wie Mundwasser und Zahnpasta bei ihrer Verwendung zu einer zu hohen Zinkaufnahme führen könnte. Aus Sicht der daraufhin erfolgten Risikobewertung des BfR kann die regelmäßige und längerfristige Verwendung von zinkhaltigem Mundwasser für Erwachsene gesundheitlich bedenklich sein, wenn darin das gesetzliche Zinkkonzentrations-Maximum ausgeschöpft wird. Das BfR hat daraufhin empfohlen, die zugelassenen Höchstkonzentrationen von Zink in Mundwasser zu verringern und dass Zahnpasta, die gezielt für Kinder ausgelobt wird, zinkfrei sein sollte bzw. Produkte für Erwachsene entsprechend gekennzeichnet werden.

Allergien sind wegen des oft langen Hautkontaktes von Kosmetika auch nach 50 Jahren Kommissionsarbeit noch ein wichtiges Thema der Kommission. So hat sie sich z. B. gegen die Verwendung des Begriffs „hypoallergen" in Kosmetikwerbung ausgesprochen, da dieser teilweise mit „löst keine Allergien aus" gleichgesetzt wird, obwohl der Begriff tatsächlich nur beinhaltet, dass bei weniger Menschen Allergien auftreten.

Die Kommission hat das BfR auch zum Thema Aluminium in Antitranspirantien beraten und einen wichtigen Beitrag zu der Thematik geleistet. In seiner anschließenden Risikobewertung kam das BfR zu dem Ergebnis, dass die regelmäßige Benutzung eines aluminiumhaltigen Antitranspirants über Jahrzehnte hinweg möglicherweise zu einer Erhöhung der Aluminiumbelastung des Körpers führt, die zu einem späteren Zeitpunkt zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen beitragen kann. Zur Abschätzung der Langzeitfolgen chronischer Aluminiumexpositionen fehlen dem BfR derzeit noch weitere wissenschaftliche Daten, um eine abschließende Risikobewertung durchführen zu können. Verbraucherinnen und Verbraucher können die Aluminiumaufnahme durch Antitranspirantien vor allem senken, indem diese nicht unmittelbar nach der Rasur bzw. bei geschädigter Achselhaut verwendet werden. Es kann auch ein Deodorant ohne Aluminiumsalze verwendet werden.

Die Geschäftsführung der Kosmetik-Kommission hat das BfR inne. Die Kommission besteht aus 16 berufenen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Universitäten, den Länderbehörden, der Industrie und anderen Bereichen sowie aus benannten Sachverständigen, die bei Bedarf für spezifische und fachübergreifende Fragestellungen hinzugezogen werden können. Sie tagt turnusmäßig zwei Mal im Jahr. Mit dem Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS), dem wissenschaftlichen Expertengremium, welches die EU-Kommission zu Fragen der Sicherheit von Verbraucherprodukten berät, besteht seit langen Jahren ein enger wissenschaftlicher Austausch. Alle Kommissionsprotokolle werden auf der BfR-Internetseite veröffentlicht. Die Risikobewertungen des BfR werden aber allein von eigenen Beschäftigten des Instituts erarbeitet. Kommissionsempfehlungen haben für das BfR allein beratenden Charakter.

Die Kosmetikkommission ist eine von 15 BfR-Kommissionen. Jede BfR-Kommission beruft für vier Jahre über ein offenes Ausschreibungs- und Bewerbungsverfahren ihre Mitglieder, die sich durch wissenschaftliche Expertise auf ihrem jeweiligen Fachgebiet auszeichnen. Die Kommissionsmitglieder sind hinsichtlich ihrer Kommissionsarbeit zur Unparteilichkeit verpflichtet. Um eventuellen Interessenkonflikten zu einzelnen Sitzungsthemen vorzubeugen, werden diese transparent abgefragt und in jedem Protokoll offengelegt.

Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Quelle: idw

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Arbeitszeit: Beginnt der Job im Zug?

Melanie Hahn Presse & Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Fresenius

Viele Arbeitnehmer pendeln täglich zur Arbeit oder gehen auf Dienstreisen. Unklar ist häufig, ob diese Wege bereits zur vergütungspflichtigen Arbeitszeit zählen. In einem aktuellen Rechtsstreit hatte ein Arbeitnehmer geklagt: Er wurde von seinem Arbeitgeber auf eine Baustelle in den Nordosten Chinas geschickt, wofür er die volle Reisezeit als Überstunden ausbezahlt haben wollte. Das Bundesarbeitsgericht gab ihm heute im Grundsatz Recht: Der Arbeitgeber muss für die erforderliche Reisezeit zahlen. Was Arbeitnehmer im Einzelfall tatsächlich als Arbeitszeiten anrechnen können, erläutert Prof. Dr. Michael Fuhlrott, Arbeitsrechtler und Professor an der Hochschule Fresenius.

"Grundsätzlich ist zwischen der „vergütungsrechtlichen" und der „arbeitszeitrechtlichen" Arbeitszeit des Arbeitsschutzrechts zu unterscheiden werden", erklärt Prof. Dr. Fuhlrott. Ersteres betreffe die Frage, für welche Zeiten der Arbeitnehmer entlohnt wird. Hier bestehe Gestaltungsspielräume für den Arbeitgeber. Letzteres beziehe sich auf die Frage, wie lange der Arbeitnehmer arbeiten darf und wann er zwingend Pausen machen oder Ruhezeiten einlegen muss. Insoweit - aus Gründen des Arbeitnehmerschutzes - habe der Arbeitgeber hinsichtlich der Arbeitszeitregelung kaum Gestaltungsspielraum. „Für „Vollarbeit" ist der Arbeitnehmer natürlich zu vergüten und diese zählt auch als arbeitsschutzrechtliche Arbeitszeit", so Fuhlrott. „Bei anderen Tätigkeiten, die nur mittelbar mit der eigentlichen Arbeitsleistung zusammenhängen, wie etwa Reisezeiten, Umkleidezeiten oder Rufbereitschaft können allerdings abweichende Regelungen getroffen werden".

Kriterium: Beanspruchung des Arbeitnehmers durch die Tätigkeit?
Gerade bei Reisezeiten komme es darauf an, inwieweit der Arbeitnehmer durch die Tätigkeit beansprucht wird. „Führt der Arbeitnehmer selbst einen PKW, kann er nicht abschalten. Diese Zeit ist dann auch als Arbeitszeit zu vergüten. Nimmt der Arbeitnehmer hingegen für die Anreise die Bahn und kann während der Fahrt ein privates Buch lesen oder einen Kaffee im Bordbistro trinken, so ist die Beanspruchung des Arbeitnehmers gering. Diese Zeit zählt für Ruhepausen und Höchstarbeitszeitgrenzen nicht mit. Der Arbeitgeber kann hier mit dem Arbeitnehmer Regelungen treffen, wonach diese Zeit nicht zu vergüten ist. Üblich sind auch Pauschalierungsabsprachen, wonach Tage mit kompletter Reisetätigkeit etwa pauschal mit acht Arbeitsstunden berechnet werden", erläutert der Arbeitsrechtler. Entscheidend sei hier aber auch der Einzelfall - basierend auf der Frage, was der Arbeitnehmer während der Reise macht: „Liest der Arbeitnehmer etwa eine Akte in der Bahn zur Vorbereitung auf einen späteren Termin, handelt es sich klar um Arbeitszeit", so Fuhlrott.

Aktueller Fall des BAG: Erforderliche Reisezeit ist zu vergüten
Die Richter des Bundesarbeitsgerichts gaben dem klagenden Arbeitnehmer heute im Grundsatz Recht: Entsendet ein Arbeitgeber einen Arbeitnehmer vorübergehend ins Ausland, erfolgen die Reisen zur auswärtigen Arbeitsstelle und von dort zurück ausschließlich im Interesse des Arbeitgebers, so das BAG (PM Nr. 51/2018 / BAG, Urt. v. 17.10.2018, Az.: 5 AZR 553/17). Erforderlich sei aber nur die Zeit, die für einen Flug in der Economy-Klasse anfalle. Da der Arbeitnehmer einen Business-Klasse Flug gebucht hatte, der einen Zwischenstopp aufwies und damit länger andauerte, muss das Landesarbeitsgericht den Sachverhalt weiter aufklären und sodann erneut entscheiden.

Der Weg zur Arbeitsstätte ist grundsätzlich Privatsache
Wie der Arbeitnehmer hingegen täglich zu seinem Büro gelange, sei seine Privatsache. Diese Fahrtzeit werde nicht vergütet - der Arbeitnehmer dürfe entsprechend auch frei wählen, wo er wohnt, führt Fuhlrott weiter aus. „Für Arbeitnehmer, die auf wechselnden Arbeitsstätten, etwa Baustellen eingesetzt werden, gelten hingegen andere Vorgaben. Hier beginnt die Arbeitszeit oftmals mit dem Erreichen des Betriebsgeländes, von dem aus der Weg zur aktuellen Arbeitsstätte angetreten wird", so der Jurist.

Der Autor Prof. Dr. Michael Fuhlrott ist Professor für Arbeitsrecht an der Hochschule Fresenius sowie Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner bei der Kanzlei FHM - Fuhlrott Hiéramente & von der Meden Partnerschaft von Rechtsanwälten mbB in Hamburg.

Weitere Informationen:
http://www.hs-fresenius.de

Quelle: idw

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Kinder sollten Wasser trinken!

Giulia Roggenkamp Pressestelle
Stiftung Kindergesundheit

Stiftung Kindergesundheit rät dringend zur Einschränkung des Konsums von zuckerhaltigen Limos, Colas und Energydrinks, um die Fettsucht-Welle zu stoppen

Marco ist ein durchschnittlicher deutscher Teenager. Er trinkt durchschnittlich einen knappen halben Liter Cola am Tag. Auch seine Freunde im Alter zwischen 11 und 13 Jahren trinken jeden Tag durchschnittlich 0,45 Liter Cola, Limo oder ein anderes zuckerhaltiges Getränk. Das bedeutet durchschnittlich 1.260 Kalorien pro Woche. Klingt eigentlich nicht nach besonders viel, ist es aber: Würde Marco statt Cola einfach nur Wasser trinken, wäre er schon nach 2,8 Wochen ein ganzes Pfund schlanker. Mit diesem fiktiven Beispiel macht die Stiftung Kindergesundheit auf die dickmachende Wirkung von zuckerhaltigen Getränken aufmerksam.

„Eine kürzlich publizierte Analyse von elf internationalen Studien kommt zu dem Ergebnis, dass ein regelmäßiger Konsum zuckerhaltiger Getränke für etwa ein Fünftel des Risikos der Fettleibigkeit im Kindes- und Jugendalter verantwortlich ist", sagt Kinder- und Jugendarzt Prof. Dr. Berthold Koletzko, Ernährungsexperte der Universitäts-Kinderklinik München und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Auch Studien aus den USA folgern, dass dort rund 20 Prozent der Gewichtszunahmen der Bevölkerung allein auf das Konto zuckerhaltiger Getränke geht".

Die Häufigkeit von Übergewicht und krankhafter Fettleibigkeit (Adipositas) hat in den letzten vier Jahrzehnten weltweit und auch in Deutschland alarmierend zugenommen. Die aktuellen Zahlen der bundesweiten Gesundheitsstudie KiGGS lassen keinen Durchbruch erkennen: Auch aktuell leidet fast jedes sechste Kind in Deutschland zwischen drei und 17 Jahren (15,3 Prozent der Mädchen und 15,6 Prozent der Jungen) unter Übergewicht. 5,9 Prozent (5,5 Prozent der Mädchen und 6,3 Prozent der Jungen) sind bereits krankhaft fettleibig. „Die Hoffnung vieler Eltern, dass sich das Problem mit dem Babyspeck im Laufe der Pubertät auswächst und dass auch aus einem pummeligen Backfisch später eine gertenschlanke junge Frau wird, ist leider trügerisch", betont Professor Koletzko. „Aus dicken Kindern werden in aller Regel dicke Erwachsene."

Weniger Einkommen, mehr Übergewicht
Besonders groß ist die Gefahr von Übergewicht für Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien, hebt Professor Koletzko hervor. Nach den aktuellen Zahlen der KiGGS-Studie sind Mädchen aus sozioökonomisch benachteiligten Familien im Vergleich zu Mädchen mit einem hohen sozioökonomischen Status 4,05-fach häufiger adipös. Bei Jungen aus benachteiligten Familien ist das Risiko sogar 4,4-fach höher (11,4 gegenüber 2,6 Prozent) als in Familien mit hohem Bildungsgrad und Einkommen.

Die Stiftung Kindergesundheit hat bereits zum wiederholten Male auf die dickmachende Wirkung von gezuckerten Getränken hingewiesen. Sie empfiehlt: Kinder sollten schon von klein auf lernen, Wasser zu trinken. Limonade, Cola-Getränke, gesüßte Tees oder Eistees, zuckerhaltige Fruchtsäfte, Fruchtnektare oder Fruchtsaftschorle sollten die Ausnahme bleiben und nicht die Regel. In Kindertagesstätten und Schulen sollten keine zuckerhaltigen Getränke angeboten werden.

Was spricht für eine Zuckerabgabe?
Die Stiftung spricht sich auch für die Einführung einer Abgabe auf gezuckerte Getränke aus. Ihre Begründung:

o Der höhere Preis würde den Konsum und dadurch das Risiko für Fettsucht, Fettleber und Karies in der Bevölkerung vermindern.
o Der Staat könnte die zusätzlichen Steuereinnahmen in die Förderung der öffentlichen Gesundheit investieren.
o Der Bevölkerung würde klar gemacht werden, dass gezuckerte Getränke nicht zur gesunden Ernährung gehören.
o Die Hersteller erhielten einen starken Anreiz, ihre Produkte mit weniger Zucker zu süßen und gesünderen Alternativen anzubieten.

Ein gutes Beispiel bietet Mexiko: Dort wurde bereits vor vier Jahren eine Steuer von einem Peso pro Liter gezuckerter Getränke eingeführt. Professor Koletzko: „In diesem Land mit besonders häufigem Auftreten von Adipositas bei Kindern und Erwachsenen führte die Steuer zu einer Abnahme des Verkaufs gezuckerter Getränke um 6,3 Prozent, während der Absatz von abgepacktem Wasser um 16,2 Prozent stieg. Die stärksten Effekte wurden in Haushalten mit niedrigem und mittlerem Einkommen erzielt, die auch die höchste Häufigkeit von Fettsüchtigkeit aufweisen".

Viele andere Länder folgten bereits dem Beispiel Mexikos. So werden gezuckerte Getränke bereits in Brunei, Katalonien, Portugal, Saudi-Arabien, Thailand, den Vereinigten Arabischen Emiraten und in fünf Städten der USA besteuert. In diesem Jahr wird die Steuer auch in Estland, Großbritannien, Irland, Südafrika und der Stadt Seattle (USA) eingeführt.

Dass die Besteuerung der Süßgetränke tatsächlich positive Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen haben kann, beweist das Beispiel Großbritanniens, berichtet die Stiftung Kindergesundheit. Dort müssen Hersteller und Importeure seit April 2018 für zuckergesüßte Getränke Abgaben leisten. Für Getränke mit mehr als fünf bis maximal acht Prozent Zucker werden pro Liter 18 britische Pence und für Getränke mit mehr als acht Prozent Zucker 24 Pence veranschlagt. Wissenschaftler errechneten, dass durch diese Maßnahmen und den verminderten Zuckerkonsum mit Getränken in Großbritannien 144.000 weniger fettsüchtige Kinder und Erwachsene, 19.000 weniger auftretende Fälle von Diabetes Typ 2 und 270.000 weniger durch Karies geschädigte Gebisse pro Jahr erreicht werden können, mit entsprechend enorm hohen unmittelbaren Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen.

Weniger Zucker? Es geht doch!
Der Zuckerkonsum der Briten ging aber schon kurz nach der Ankündigung einer Besteuerung deutlich zurück. Wie das? Um von der günstigeren Steuerstufe zu profitieren, haben viele Hersteller haben den Zuckeranteil ihrer Produkte so reduziert, dass für sie nur eine geringere oder gar keine Besteuerung gilt. So hat beispielsweise Coca-Cola in Großbritannien den Zuckergehalt von Fanta von 6,9 auf 4,6 Gramm pro 100 ml und von Sprite von 6,6 Gramm auf 3,3 Gramm gesenkt. Auch Supermarktketten haben den Zuckergehalt vieler Eigenmarken unter die Fünf-Gramm-Grenze gesenkt.
In Deutschland dagegen beträgt der durchschnittliche Zuckergehalt der zuckergesüßten Getränke nach aktuellen Erhebungen von Foodwatch 7,3 Prozent. Das sind nach wie vor etwa sechs Zuckerwürfel je 250 ml Glas.

„Übergewicht wird sowohl durch Essen und Trinken als auch durch das Bewegungsverhalten beeinflusst. In der Praxis allerdings ist der relative Anteil der Bewegung daran deutlich geringer als die Bedeutung der Ernährung", führt Professor Berthold Koletzko aus. Der Münchner Ernährungsexperte verdeutlicht das am fiktiven Beispiel von Carlo, der im Durchschnitt täglich 450 ml zuckerhaltige Getränke zu sich nimmt. „Wenn er diese Menge gezuckerter Getränke durch von Wasser ersetzen würde, könnte Carlo in fünfeinhalb Wochen ein Kilogramm Gewicht einsparen. Dagegen müsste er 19 Wochen lang jede Woche eine Stunde zusätzlich Fußball spielen, um sein Gewicht um ein Kilogramm zu reduzieren. Für die gleiche Gewichtsänderung müsste er 33 Wochen lang eine Stunde zusätzlich Schwimmen oder fast 40 Wochen lang zusätzlich Fahrrad fahren".

Wasser marsch - auch in der Schule!
Dass die Förderung des Wassertrinkens auch in Deutschland funktioniert, bewies die Trinkfit-Studie bei über 3.000 Grundschülern in Nordrhein-Westfalen. Die an der Studie beteiligten Kinder bekamen eigene Trinkflaschen und konnten sich an einem Trinkwasserspender jederzeit mit gesprudeltem oder stillem Trinkwasser versorgen, während die Abgabe zuckerhaltiger Getränke in der Schule unterbunden wurde. Den Kindern der Kontrollschulen wurden Flasche, Wasserspender und Unterrichtsmaterialien erst am Ende des Schuljahres zur Verfügung gestellt. Die Studie ergab: Wenn Kinder in der Schule regelmäßig und ausreichend Wasser trinken, reduziert sich ihr Risiko, übergewichtig zu werden. Insgesamt war bei den Kindern, die an der Aktion teilnahmen, das Risiko des Übergewichts um 31 Prozent geringer, als bei denen, die nicht beteiligt waren.

Eine Sonderabgabe auf zuckerhaltige Getränke, wie sie in Großbritannien, Mexiko und vielen anderen Ländern schon existiert, könnte auch in Deutschland die gesündere Getränkeauswahl erleichtern, betont die Stiftung Kindergesundheit. Professor Dr. Berthold Koletzko: „Wir hoffen sehr auf die Bereitschaft der Politik zu konsequenten Maßnahmen, denn die Lasten des heute bestehenden kindlichen Übergewichts für Krankheitsfolgen und eingeschränkte Lebenschancen sind enorm hoch. Allein die Gesundheitskosten für die heute in Deutschland übergewichtigen Kinder und Jugendlichen belaufen sich auf 1,8 Milliarden Euro. Es ist also höchste Zeit zum Handeln".

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Quelle: idw

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Multiresistente Keime aus Abwasser filtern - korrigierte Version

Monika Landgraf Strategische Entwicklung und Kommunikation - Gesamtkommunikation
Karlsruher Institut für Technologie

700 bis 800 Tonnen Antibiotika pro Jahr wurden 2014 laut dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Deutschland allein in der Humanmedizin eingesetzt, in der Veterinärmedizin wurden 2017 rund 730 Tonnen an Tierärzte abgegeben. Durch den hohen Einsatz von Antibiotika bilden aber immer mehr Bakterien Multiresistenzen, die eine medizinische Therapie bei einer Erkrankung erschweren. Über Abwässer gelangen die resistenten Erreger in die Umwelt und letztendlich zurück zum Menschen. Forschende des KIT untersuchen im Verbundprojekt HyReKA die Verbreitung der Bakterien und bewerten Maßnahmen wie die Ultrafiltration, um sie effektiv aus dem aufbereiteten Abwasser zu entfernen.

Multiresistente Bakterien haben als Überlebensstrategie gelernt, sich der Wirkung verschiedener Antibiotika zu entziehen - sie haben Abwehrmechanismen gebildet. Nicht alle sind für den Menschen gefährlich, doch können sie ihre Resistenzgene auch an krankmachende Erreger weitergeben. So gibt es immer mehr widerstandsfähige Keime in der Umwelt. „Wenn sich die Bakterien verbreiten, kommt der Mensch auch immer häufiger mit ihnen in Kontakt. Gehen wir nicht gegen die Verbreitung vor, gibt es am Ende immer weniger Antibiotika oder sogar keine Wirkstoffe, mit denen wir eine Erkrankung dieser Bakterien bekämpfen können", sagt Professor Thomas Schwartz vom Institut für Funktionelle Grenzflächen (IFG) des KIT.

Der Mikrobiologe und sein Team untersuchen in Gewässern das Vorkommen und die Verbreitung klinisch relevanter Antibiotikaresistenzen und Bakterien, die vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem, Kleinkinder und alte Menschen eine Gefahr darstellen können. „Resistente Bakterien gelangen über das Abwasser von Kliniken und Pflegeheimen, häuslichen Bereichen, Schlachthöfen und Landwirtschaft in Kläranlagen. Hier konnten wir die Bakterien nicht nur in den Zuläufen, sondern auch in den Abläufen nachweisen", so Schwartz. Die derzeitige Abwasseraufbereitung filtere also nur einen Teil der Bakterien heraus, der Rest werde mit dem aufbereiteten Wasser in Flüsse und Bäche geleitet.

Deshalb testen und bewerten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedene Methoden für Kläranlagen, um gerade diese kritischen Erreger aus dem Wasser zu entfernen: eine Ultrafiltrationsanlage, eine Ozon- sowie eine UV-Behandlung, eine Kombination aus beiden und eine Aktivkohlebehandlung. „Bei der Ultrafiltration, bei der das Wasser durch extrem feine Membranstränge fließt, gelingt es uns, die antibiotikaresistenten Bakterien so weit zu reduzieren, dass wir sie kaum mehr nachweisen können. Mit der Ozonbehandlung - auch in Kombination mit UV-Strahlen - ist eine geringere, aber auch vielversprechende Reduktion der Keime möglich. Bei der Aktivkohle konnten wir keine effektive Veränderung, das heißt keine Reduktion, feststellen", zeigt der Mikrobiologe die bisherigen Ergebnisse auf.

Innerhalb HyReKA wollen die Wissenschaftler die Ultrafiltrationsanlage serienreif machen und die Ozon- und UV-Behandlung weiter optimieren, um die Reduktionsleistung zu steigern. Die Forscherinnen und Forscher des KIT erstellen außerdem ein Bewertungskonzept für die einzelnen Verfahren, sodass die Untersuchungsparameter auch auf andere Maßnahmen zur Abwasserbehandlung anwendbar sind. „So könnten wir Kliniken, Pflegeheime oder auch landwirtschaftliche Bereiche, die ebenfalls aufgrund des hohen Einsatzes von Antibiotika ein hohes Risiko für resistente Bakterien vermuten lassen, mit diesen Techniken ausstatten, um auch die Belastungssituationen an kommunalen Kläranlagen zu reduzieren", blickt Schwartz in die Zukunft.

HyReKA
HyReKA steht kurz für „Biologische beziehungsweise hygienisch-medizinische Relevanz und Kontrolle Antibiotika-resistenter Krankheitserreger in klinischen, landwirtschaftlichen und kommunalen Abwässern und deren Bedeutung in Rohwässern". Der Forschungsverbund will einen aktiven Beitrag zum umweltbezogenen Gesundheitsschutz der Bevölkerung leisten. Zu seinen Zielen gehört, den Eintrag antibiotikaresistenter Bakterien und Antibiotikarückstände in die Umwelt zu untersuchen, deren Verbreitungswege, Risikopotenziale und Übertragungsrisiken abzuschätzen, technische Verfahren der Abwasseraufbereitung an Kläranlagen zu entwickeln und Handlungsempfehlungen zu formulieren. Der Verbund setzt sich aus Forschern verschiedener Fachrichtungen wie Medizin, Biologie, Geografie, Ingenieurwesen, Agrarwissenschaft, Lebensmitteltechnologie und Ernährungswissenschaft sowie Partnern aus kommunalen Wasserwirtschaftsbetrieben und der Industrie zusammen.

Zu den Forschungspartnern des Verbundprojektes HyReKA zählen neben dem KIT das Universitätsklinikum Bonn, die Universität Bonn, die Technische Universität Dresden, die RWTH Aachen, das Umweltbundesamt (UBA), das Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe (TZW) und kommunale Partner, wie der Erftverband Bergheim, der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV), der Zweckverband Klärwerk Steinhäule und der Industriepartner XYLEM Services GmbH.

Korrekturhinweis:
In der am 16. Oktober 2018 versandten Version dieser Presseinformation wurden leider veraltete Zahlen zum Anitbiotikagebrauch in Deutschland genannt. Wir bitten dies zu entschuldigen.

Im aktuellsten Bericht „GERMAP 2015: Antibiotika-Resistenz und -Verbrauch" (Herausgegeben von Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit und Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie e.V. im Jahre 2016) wird angegeben, dass im Jahre 2014 1238 Tonnen Antibiotika an Tierärzte abgegeben wurden. „Die Gesamtmenge der im humanmedizinischen Bereich in Deutschland eingesetzten Antibiotika dürfte ca. 700-800 Tonnen pro Jahr betragen", so der Bericht. Mehr dazu unter: https://www.bvl.bund.de/DE/05_Tierarzneimittel/05_Fachmeldungen/2016/2016_09_29_...

In seiner Pressemeldung vom 23.Juli 2018 gibt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit an, dass die Menge der in der Tiermedizin abgegebenen Antibiotika in Deutschland im Jahr 2017 auf 733 Tonnen gesunken ist. Mehr dazu unter: https://www.bvl.bund.de/DE/08_PresseInfothek/01_FuerJournalisten_Presse/01_Press...

Weiterer Pressekontakt:
Sandra Wiebe, SEK-Gesamtkommunikation, Tel.: +49 721 608-21172, E-Mail: sandra.wiebe@kit.edu

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft" schafft und vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie, Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. Seine 25 500 Studierenden bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: http://www.sek.kit.edu/presse.php

Anhang
Multiresistente Keime aus Abwasser filtern
https://idw-online.de/de/attachment66949

Quelle: idw

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Test zeigt Erfolgsaussichten von Heuschnupfen-Therapien

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Eine spezifische Immuntherapie kann den Alltag für Allergiker deutlich angenehmer machen und langfristig vor Asthma schützen. Was dabei genau geschieht, ist jedoch unklar. Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München hat die Prozesse im Körper während einer dreijährigen spezifischen Immuntherapie untersucht. Die Forscherinnen und Forscher fanden dabei Hinweise darauf, warum die Allergieimpfung so viel Zeit benötigt und wie sich die Erfolgsaussichten schon früh bestimmen lassen.

Bei einer spezifischen Immuntherapie, früher Hyposensibilisierung genannt, geben Ärztinnen und Ärzte Injektionen mit den Substanzen, auf die der Körper allergisch reagiert, zumeist Pollen- oder Milbenextrakte. In der ersten Phase der Therapie erhöhen sie die Dosis nach und nach. Ist eine sogenannte Erhaltungsdosis erreicht, werden über einen längeren Zeitraum - in der Regel drei Jahre - Spritzen mit dieser Dosis gegeben. Wenn alles gut geht, sind die allergischen Reaktionen nach dieser Behandlung dauerhaft schwächer.

Bis heute ist unklar, was genau bei diesen Therapien im Körper geschieht. Ein Team um PD Dr. Adam Chaker, Leiter der Allergieambulanz an der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde des TUM-Universitätsklinikums rechts der Isar und Prof. Carsten Schmidt-Weber, Leiter des Zentrum für Allergie und Umwelt (ZAUM) von TUM und Helmholtz Zentrum München, haben jetzt erstmals während einer Immuntherapie über drei Jahre das komplexe Wechselspiel verschiedener Zelltypen und Substanzen des menschlichen Immunsystems beobachtet.

Viele verschiedene Abwehrzellen beteiligt
Bislang hat sich die Allergie-Forschung besonders auf die Rolle verschiedener Typen sogenannter T-Zellen konzentriert. Pro-allergische T-Zellen (Th2- und auch Th17-Zellen), so das stark vereinfachte Modell, verstärken allergische Reaktionen im Körper, wenn sie auf bestimmte Substanzen treffen. Regulatorische T-Zellen (T-Regs) dagegen hemmen die allergische Reaktion gegen ein Allergen.

„Unsere Daten zeigen, dass die Vorgänge bei einer Immuntherapie komplexer sind als bislang angenommen", sagt Adam Chaker. „Es sind Zelltypen beteiligt, die bislang in diesem Zusammenhang kaum beachtet wurden. Wir sind insbesondere überzeugt, dass regulatorische B-Zellen eine deutlich wichtigere Rolle spielen als bisher gedacht."

Test zeigt: Zweite Therapiephase ist kein Roulette-Spiel
„In der zweiten Phase der Behandlung entscheidet sich das Abwehrsystem des Körpers, ob ein Allergen weiterhin massiv bekämpft wird und daher zu Heuschnupfen, Asthma oder anderen allergischen Erkrankungen führt oder ob der Körper lernt, dass Allergen zu tolerieren", erläutert Adam Chaker. Dabei ändere sich das Verhältnis von pro-allergischen T-Zellen, T-Regs und regulatorischen B-Zellen laufend - in der Studie war, auch abhängig vom Pollenflug und anderen Faktoren, mal ein Zelltyp stärker vertreten, mal ein anderer. Erst nach drei Jahren pendelte sich das Verhältnis ein.

Ein Roulette-Spiel mit zufälligem Ausgang ist diese Phase jedoch nicht. Bei den Patientinnen und Patienten, die die Therapie regulär beendeten, gab es Übereinstimmungen, die schon früh Voraussagen über den Therapie-Erfolg ermöglichten. Wenn direkt nach der ersten Behandlungsphase, also dem Abschluss der Einleitungsphase, besonders viele regulatorische B-Zellen und wenige TH-17-Zellen messbar waren, wurden nach drei Jahren deutlich weniger Allergiesymptome festgestellt.

Argumente fürs Durchhalten
„Wir haben diesen Test patentieren lassen", sagt Adam Chaker. „Wenn er Serienreife erreicht, könnten wir Patientinnen und Patienten eine aufwendige Behandlung mit geringen Erfolgsaussichten ersparen. Bei einem positiven Ergebnis liefert so ein Test dagegen gute Argumente, eine dreijährige Therapie durchzuziehen. Bislang brechen viele Menschen früher ab."

Ein besseres Verständnis der molekularen Mechanismen kann zudem die Grundlage für effektivere Therapien sein. Dafür sei es jedoch wichtig, die Ergebnisse der aktuellen Studie in weiteren Untersuchungen zu bestätigen und mehr über die Wirkungsmechanismen herauszufinden, sagt Adam Chaker.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
PD Dr. Adam M. Chaker
Technische Universität München
Klinikum rechts der Isar
Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde und
Zentrum für Allergie und Umwelt (ZAUM)
Tel: +49 89 4140 2370
adam.chaker@tum.de

Originalpublikation:
U.M. Zissler, C.A. Jakwerth, F.M. Guerth, L. Pechtold, J.A. Aguilar-Pimentel, K. Dietz, K. Suttner, G. Piontek, B. Haller, Z. Hajdu, M. Schiemann, C.B. Schmidt-Weber, A.M. Chaker. "Early IL-10 producing B-cells and coinciding Th/Tr17 shifts during three year grass-pollen AIT". EBioMedicine (2018) DOI: https://doi.org/10.1016/j.ebiom.2018.09.016 (Open Access)

Weitere Informationen:
https://www.zaum-online.de Zentrum Allergie und Umwelt (ZAUM)
http://www.hno.mri.tum.de/ Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde

Quelle: idw

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Hochwasserrisiko kann deutlich gesenkt werden

Katrin Keller Presse & Kommunikation
Jade Hochschule - Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth

Forschungsergebnisse der Jade Hochschule dienen dem Schutz der Küstenregion vor Überschwemmung
Oldenburg.Emden. Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wasserhaushalt an der ostfriesischen norddeutschen Küste und mögliche Anpassungen für das Entwässerungssystem, haben Wissenschaftler_innen der Jade Hochschule und der Universität Oldenburg jetzt untersucht. „Vor dem Hintergrund des globalen Wandels steht die Binnenentwässerung vor einer immensen Herausforderung", sagt Projektleiter Dr. Helge Bormann von der Jade Hochschule. „Die bestehende Entwässerungsinfrastruktur wird zukünftig nicht mehr ausreichen." Durch die mit regionalen Partnern erarbeiteten Maßnahmen könne das Hochwasserrisiko jedoch bis Ende des Jahrhunderts deutlich gesenkt werden. Die Ergebnisse des Forschungsprojektes „Klimaoptimiertes Entwässerungsmanagement im Verbandsgebiet Emden" (KLEVER) wurden gestern im Beisein des niedersächsischen Umweltministers Olaf Lies im Siel- und Schöpfwerk Knock präsentiert.

Kapazität des Entwässerungssystems ist Mitte des Jahrhunderts ausgeschöpft
Basierend auf Klimamodellen vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung berechneten Dr. Helge Bormann und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Jenny Kebschull von der Jade Hochschule mögliche Veränderungen des Wasserhaushalts. Einflüsse, die sich in Zukunft auf das Entwässerungssystem in der Region auswirken, sind die höheren Winterniederschläge, die Versiegelung von Grünflächen und der Anstieg des Meeresspiegels.

Höhere Niederschläge in den Wintermonaten
Die Simulationsergebnisse zeigen, dass der Klimawandel einen deutlichen Anstieg des Abflussaufkommens in den Wintermonaten bewirken wird. „Niederschläge, die heute noch als Extremereignisse eingestuft werden, werden zukünftig häufiger auftreten", erklärt Bormann. In den Wintermonaten Dezember, Januar und Februar werde das zu entwässernde Wasservolumen enorm ansteigen: Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts können es sogar 25 Prozent sein. Dies entspräche dem halben Volumen der Thülsfelder Talsperre, das im Winter zusätzlich gepumpt oder gesielt werden müsste. Im Gebiet des Ersten Entwässerungsverbandes Emden gibt es zwei Haupt Siel- und Schöpfwerke, die das Wasser ins Meer leiten. Die Kapazität dieser Werke sei jedoch schon jetzt ausgeschöpft.

Zunehmende Flächenversiegelung
Die Analyse zeigt auch, dass eine zunehmende Flächenversiegelung - Bebauung, die verhindert, dass der Niederschlag im Boden versickern kann - die Entwässerungsherausforderung noch verstärken wird. „Im Verbandsgebiet werden pro Jahr aktuell rund 63 Hektar versiegelt - das sind etwa 126 Fußballfelder Grünflächen, die durch Gebäude, Parkplätze, Verkehrswege und weitere Bauwerke zugebaut werden", erklärt Kebschull. Wenn die Versiegelung mit der aktuellen Rate weiter voranschreitet, würde der Entwässerungsbedarf bis Mitte des Jahrhunderts in den Wintermonaten um weitere zwei Prozent und bis Ende des Jahrhunderts insgesamt um vier Prozent ansteigen.

Anstieg des Meeresspiegels
Neben der Flächenversiegelung sei auch der Anstieg des Meeresspiegels ein Problem. „Bisher werden die Siele bei Ebbe geöffnet, so dass das Wasser ohne den kostenintensiven Betrieb der Pumpen abfließen kann", erklärt die Wissenschaftlerin. „Wenn der Meeresspiegel wie in den Klimaszenarien beschrieben ansteigt, wird der Wasserstand zur Ebbe seltener niedrig genug sein um die Siele zu benutzen." In dem Fall ist der Entwässerungsverband auf seine Pumpen angewiesen. „Der Energieaufwand hierfür ist enorm", sagt Kebschull. Laut Modellergebnissen wäre der Abfluss des Wassers über die Siele Ende des Jahrhunderts nicht mehr möglich: „Die Anzahl der Stunden, in denen das Sielen möglich ist, wird sich bis 2045 halbieren. Im Jahr 2070 wird der Sielzeitraum nur noch ein Viertel des jetzigen betragen, bevor das Sielen Ende des Jahrhunderts nur im besten Fall noch als Entwässerungsmöglichkeit genutzt werden kann", erklärt die Expertin.

Maßnahmen um das Hochwasserrisiko zu senken
Die bestehende Entwässerungsinfrastruktur wird zukünftig nicht mehr ausreichen. Im Rahmen des KLEVER-Akteursforums wurde in Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern eine Reihe von Maßnahmenvorschlägen erarbeitet, wie der Herausforderung entgegengetreten werden kann. Diese umfassen vor allem technische Maßnahmen wie die Erweiterung der Pumpkapazitäten der Schöpfwerke. Auch die Speicherkapazitäten in bestehenden Gewässern auszubauen wäre denkbar, sowie die Möglichkeit zusätzliche Retentionsräume zu schaffen.
„Bei vollständiger Umsetzung aller vorgeschlagenen Maßnahmen könnte das Hochwasserrisiko bis Ende des Jahrhunderts deutlich gesenkt werden.", sagt Bormann. Ein Restrisiko werde aber bestehen bleiben. Für den Umgang damit müssten zukünftig geeignete Risikomanagementkonzepte entwickelt werden.

Kooperationen
Die Hochschulen führten das vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) geförderte Projekt in Zusammenarbeit mit dem Ersten Entwässerungsverband Emden (I.EVE) und weiteren Partnern aus der Region durch.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Helge Bormann, helge.bormann@jade-hs.de, 0441 7708 - 3775

Quelle: idw

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Umweltingenieurinnen und -ingenieure entwickeln neuartiges Sanitärsystem

Marvin Hamann Universitätskommunikation
Bauhaus-Universität Weimar

Im Rahmen des Verbundprojektes »AWAS« konzipiert die Bauhaus-Universität Weimar in Zusammenarbeit mit Partnern aus der Industrie ein innovatives System zur Trennung häuslicher Abwässer. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 130.000 Euro geförderte zweijährige Vorhaben läuft bis August 2020.

Ziel der Projektpartner ist es, Grauwasser aus Badezimmer und Küche sowie Schwarzwasser aus der Toilette separat zu erfassen, zu transportieren und wiederzuverwerten. Auf dieser Basis werden Rohstoffe gezielt zurückgewonnen, um damit einerseits Ressourcen zu schonen und andererseits die Entsorgungskosten zu senken. Das Besondere daran: Das technische System zur Teilstromerfassung soll mit minimalen baulichen Eingriffen auch in Bestandsgebäuden eingebaut werden können.

»In der Abfallwirtschaft hat sich das Prinzip der getrennten Erfassung von sortenreinen Abfällen bereits erfolgreich durchgesetzt«, erläutert Projektleiter Prof. Dr.-Ing. Jörg Londong von der Bauhaus-Universität Weimar. »Vergleichbare Überlegungen werden in der Siedlungswasserwirtschaft jedoch sehr zögerlich angestellt, da solche neuartigen, kreislauforientierten Sanitärsysteme in bestehenden Siedlungen bislang nur bedingt umgesetzt werden können«, fährt Prof. Londong fort.

Abwasserbehandlung ohne große Eingriffe in Gebäudesubstanz
Hier setzt das Forschungsvorhaben »Entwicklung einer Abwasserweiche und getrennten Abwassersammlung als Vorstufe einer effizienten Wasserwiederverwendung und Energiegewinnung (AWAS)« an. Das technische System, welches das Projektteam zur teilstromspezifischen Erfassung der häuslichen Abwässer entwickelt, besteht im Kern aus einer Abwasserweiche auf Hausbasis und wird ergänzt durch die anschließende getrennte Sammlung von Grau- und Schwarzwasser in einem Zwei-Kammer-Abwasserschacht.

Die Abwasserweiche soll nah am Ort des Abwasseranfalls eingesetzt werden. An den Eintragsstellen, z.B. Toilette, Waschmaschine, Geschirrspülmaschine etc., wird entsprechende Sensorik die Trennung der Abwässer anhand des Zeitpunkts ihrer Einleitung ermöglichen. In einer Vakuumleitung werden die Abwasserteilströme zeitlich getrennt aus dem Zwei-Kammer-Schacht abgeleitet. Durch den separaten Transport können die Nährstoffe aus dem hochkonzentrierten Abwasser rückgewonnen und wiederverwertet sowie zur Energieerzeugung genutzt werden. So eröffnet das Projekt »AWAS« neue Möglichkeiten der Abwasserbewirtschaftung, ohne in die bestehende Bausubstanz der Gebäude eingreifen zu müssen.

Das Verbundprojekt ist Teil der BMBF-Fördermaßnahme »KMU-innovativ: Ressourceneffizienz und Klimaschutz«. Die Maßnahme gehört zum BMBF-Programm »Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA³)«.

»Entwicklung einer Abwasserweiche und getrennten Abwassersammlung als Vorstufe einer effizienten Wasserwiederverwendung und Energiegewinnung«

Projektförderung:
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF); Fördermaßnahme: KMU-innovativ: Ressourceneffizienz und Klimaschutz, Anwendungsbereich: Nachhaltiges Wassermanagement

Projektlaufzeit:
September 2018 - August 2020

Projektpartner:
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Siedlungswasserwirtschaft (https://www.uni-weimar.de/de/bauingenieurwesen/professuren/siedlungswasserwirtsc...)
Kubra GmbH (https://www.kubra-gmbh.de/)
MFPA Weimar (https://www.mfpa.de/)
Synantik GmbH - Industrielle Mess- und Regelungstechnik (http://www.synantik.de/)
VAB VakuumanlagenBau GmbH (www.vabgmbh.de)
Abwasserzweckverband „Nordkreis Weimar" (assoziiert) (https://www.azv-nordkreis-weimar.de/wop/)
QUNDIS GmbH (assoziiert) (https://qundis.de/)

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Für Rückfragen steht Ihnen gerne Prof. Dr.-Ing. Jörg Londong, Fakultät Bauingenieurwesen der Bauhaus-Universität Weimar, unter +493643/58 46 15 oder joerg.londong@uni-weimar.de zur Verfügung.

Quelle: idw

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Positive Erinnerung an eigene Macht lässt Frauen schneller in den Wettbewerb eintreten

Anneliese Odenthal Presse und Kommunikation
Universität zu Köln

Positive Erinnerung an eigene Macht lässt Frauen schneller in den Wettbewerb eintreten
Frauen treten schneller in einen Wettbewerb ein, wenn sie sich an Situationen erinnern, in der sie Kontrolle über andere Menschen hatten / Wirtschaftswissenschaftler verwenden Methode des „Primings" um den Gender Gap bei Karriere und Bezahlung zu schließen

Männer haben im Vergleich zu Frauen eine größere Bereitschaft sich in einen Wettbewerb zu begeben, was wahrscheinlich zu den Unterschieden in Gehältern und Karriereentwicklungen zwischen Männern und Frauen beiträgt. Der Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Matthias Sutter vom Department of Economics der Uni Köln zeigt in einer neuen Arbeit, dass eine einfache und praktisch kostenlose Methode die Einkommens- und Karrierekluft zwischen Männern und Frauen schließen kann. Der Artikel „Closing the gender gap in competitiveness through priming" ist in der aktuellen Ausgabe von Nature Communications erschienen.

Sutter und seine Kollegen Loukas Balafoutas und Helena Fornwagner von der Universität Innsbruck benutzten dafür die Methode des sogenannten „primings with power", der Bahnung von Reizen durch Erinnerungen an Machtsituationen, bei den Probanden. Unter Priming verstehen die Psychologen die Beeinflussung eines Reizes durch einen gezielten vorhergehenden Reiz, zum Beispiel Erinnerungen. Im Ergebnis der Versuche wurde das Gefühl der weiblichen Probanden gefördert, sich bei der Ausübung von Macht wohlzufühlen. Damit schlossen sie in ihrer Wettbewerbsbereitschaft zu den Männern auf.

Um einen kognitiven Vorgang in einem Menschen auf diese Weise zu beeinflussen, muss er zum Beispiel durch eine Erinnerung an ein vorhergehendes positives oder negatives Ereignis in eine reizverändernde „Stimmung" versetzt werden. Dadurch kann sich seine Reaktion auf eine folgende Situation verändern. Im Falle des Wettbewerbsverhaltens von Männern und Frauen setzten die Wissenschaftler einen positiven Reiz im Bereich der Macht über Mitmenschen. Die Probanden sollten sich Situationen aus ihrem Leben vorstellen, in der sie entweder in einer neutralen Machtposition waren, einer Position, in der sie von anderen beherrscht wurden und in einer Position, in der sie Kontrolle über andere Individuen hatten. Danach konnten die männlichen und weiblichen Probanden entscheiden, ob sie sich in einem einfachen Wettbewerb, dem Addieren von Zahlen in einer kurzen Zeit, engagieren oder nicht.

Waren die Probanden nicht „geprimet" (neutral) oder durch eine Erfahrung beeinflusst waren, in der sie beherrscht worden waren, schlugen Männer deutlich öfter den Weg des Wettbewerbs ein als Frauen. „Der Unterschied zwischen Geschlechtern verschwand, wenn die Probanden durch eine Erinnerung an eine Situation vorbereitet wurden, in der sie Kontrolle über andere hatten", so Sutter. „Diese Erinnerungen beeinflussten das Verhalten der weiblichen Probanden so sehr, dass sie genauso oft wie ihre männlichen Konkurrenten in einen Wettbewerb eintraten. Interessanterweise hat sich die Wettbewerbsbereitschaft von Männern sogar reduziert in dieser Situation, wodurch der Geschlechterunterschied verschwand."

Firmen und ihre Personalabteilungen könnten in Zukunft von solchen Techniken profitieren, da sie den besten Kandidaten/die beste Kandidatin für eine Aufgabe möchten, ungeachtet des Geschlechts, wobei die Kandidaten/innen sich in einer Wettbewerbssituation wohl fühlen müssen.

Presse und Kommunikation:
Robert Hahn
+49 221 470-2396
r.hahn@verw.uni-koeln.de

Internet:
https://socialsciences.nature.com/users/181362-loukas-balafoutas/posts/39985-the...

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Professor Dr. Matthias Sutter
E-Mail: matthias.sutter@coll.mpg.de
Tel.: 0043 660 710 8525

Originalpublikation:
Zur Publikation:
https://rdcu.be/9AVt

Quelle: idw

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Lachen ist die beste Medizin - wie Humor hilft, Stress am Arbeitsplatz abzubauen

Sabine Ranke-Heinemann Pressestelle
Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Das gilt auch am Arbeitsplatz in Situationen, in denen vielen vielleicht nicht zum Lachen zumute ist. Wissenschaftler der Australian National University haben herausgefunden, dass schon ein wenig Humor am Arbeitsplatz helfen kann, besser mit Aggression und stressigen Situationen umzugehen.

Dr. David Cheng vom ANU College of Business and Economics sagt, dass aggressives Verhalten und Mobbing im Job weit verbreitete Probleme sind, die sich auf die mentale Gesundheit der Opfer auswirken. Das kann auch teuer für den Arbeitgeber werden.

Seine Forschungsergebnisse zeigen, dass Humor den negativen Einfluss von aggressivem Verhalten gegenüber anderen Angestellten reduzieren kann. „Während das Vermeiden von unangebrachtem Verhalten am Arbeitsplatz, wie etwa Aggressivität, natürlich die beste Lösung ist, zeigt unsere Studie, dass ein Lachen in stressigen Situationen helfen kann", so Dr. Cheng.

Für die Studie wurden die Teilnehmer zunächst einer Simulation ausgesetzt, in der sie von einem Kollegen aggressiv angeschrien wurden. Anschließend wurde ihnen entweder ein lustiges oder ein nicht lustiges Video vorgespielt.

„Das Experiment zeigt, dass witzige Stimuli für Menschen, die aggressivem Verhalten ausgesetzt sind, hilfreich sein können", erklärt Dr. Cheng. „Humor verbessert das psychische Wohlergehen des Opfers, indem er ihm ein neues Gefühl der Stärke verleiht. Die Teilnehmer fühlten sich handlungsfähiger und hatten das Gefühl, dass die Menschen ihnen eher zuhören würden. Das ist wichtig, denn durch Aggressivität am Arbeitsplatz, beispielsweise durch Anschreien, fühlt sich der Angegriffene herabgewürdigt. Humor kann diesem Gefühl offensichtlich entgegenwirken und neue Kraft verleihen."

Die Studie ist Teil eines größeren Forschungsprojekts, das den Einfluss von Lachen am Arbeitsplatz untersucht. Eine andere Studie von Dr. Cheng zeigt, dass Humor auch die Produktivität anheben kann.

In dieser Studie aus dem Jahr 2015 mussten die Teilnehmer langweilige, sich wiederholende Aufgaben ausführen (einfache mathematische Fragen beantworten). Nach einer bestimmten Zeit machten die Probanden eine zehnminütige Pause. Einer Gruppe sah sich währenddessen lustige Videos an.

„Nach der Pause sagten wir den Leuen, dass sie zu jederzeit aufhören können zu arbeiten. Dann haben wir gemessen, wie lange sie weitergemacht haben und wie gut sie sich dabei angestellt haben", sagt Dr. Cheng. „Die Gruppe, die die lustigen Videos gesehen hat, machte doppelt so lange und auf dem gleichen Qualitätslevel weiter."

Die Forschungsergebnisse wurden in dem Paper „Laughter Is (Powerful) Medicine: the Effects of Humor Exposure on the Well-being of Victims of Aggression" in der wissenschaftlichen Zeitschrift "Business and Psychology" veröffentlicht.

Weitere Informationen:
Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
Pressestelle Friedrichstr. 95
10117 Berlin
Email: berlin@ranke-heinemann.de
Tel.: 030-20 96 29 593

oder:

Aaron Walker
Tel.: +61 2 6125 7979
Email: media@anu.edu.au

Das Institut ist die gemeinnützige Einrichtung zur Förderung des Austausches und der Auslandsstudien insbesondere mit allen Universitäten Australiens und Neuseelands sowie zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. In seinen Förderprogrammen stellt es SchülerInnen und Studierenden Unterstützung in der Finanzierung durch Stipendien und Coaching in der Studienberatung und Studienplatzbewerbung zur Verfügung.

Weitere Informationen:
https://www.ranke-heinemann.de

Quelle: idw

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Das Gewicht der Liebe: Wer zusammenzieht, nimmt zu

Kerstin Skork Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Paare leben in der Regel gesünder und länger als Singles. Jedoch wiegen sie im Durchschnitt auch mehr als Alleinlebende. Unklar war bisher, wie sich Veränderungen von Beziehungen auf das Körpergewicht auswirken und wann Paare am meisten zunehmen. Um das herauszufinden, haben Wissenschaftler*innen des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, der Universität Mannheim, der Universität Leipzig und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Daten von 20.000 Menschen über einen Zeitraum von 16 Jahren ausgewertet. Die Ergebnisse wurden im Journal Health Psychology veröffentlicht.

Paare haben ein höheres Körpergewicht als Singles - ganz gleich, ob mit oder ohne Trauschein. Anders als bisher oft vermutet, ist es aber weniger die Eheschließung, als vielmehr das erste Zusammenziehen, dass zu einer Gewichtszunahme führt. So nehmen Paare nach dem Zusammenziehen etwa doppelt so viel zu, wie Paare in den ersten vier Ehejahren. Dieser Effekt bleibt bestehen, auch wenn man wichtige Einflüsse wie Alter, Kinderkriegen, Sport, Rauchen, Gesundheitszustand oder Stress herausrechnet. „Das heißt, dass diese Gewichtszunahme vor allem mit der Beziehungsveränderung zusammenhängt. Denn eine Änderung des Beziehungsstatus bedeutet oft auch eine Änderung der alltäglichen Essgewohnheiten - zum Beispiel gemeinsames Frühstücken, das allein vielleicht nicht stattgefunden hätte oder bescheidener ausgefallen wäre. In Gesellschaft isst man in der Regel mehr und nimmt somit mehr Kalorien zu sich", sagt Ralph Hertwig, Ko-Autor der Studie und Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Trennen sich Paare, so sinkt der Body-Mass-Index (BMI), der das Körpergewicht eines Menschen in Relation zu seiner Körpergröße setzt, bei Frauen und Männern hingegen wieder weitestgehend auf den Wert vor dem Zusammenziehen. Das entspricht der Vorhersage der sogenannten Heiratsmarkthypothese, wonach Menschen auf Partnersuche sich um ein niedrigeres Körpergewicht bemühen, da dies mit mehr Attraktivität verbunden wird. Interessanterweise nehmen beide Geschlechter aber bei Scheidungen, die auf Trennungen folgen, am meisten zu. Eine mögliche Erklärung dazu ist, dass viele Menschen - vor allem Männer - bei der Scheidung wieder in einer neuen Beziehung sind.

„Mit Blick auf die Gewichtszunahme sind Zusammenziehen und Scheidung wichtige Zeitfenster für Prävention. Bisher wurden soziale Einflüsse - zu denen auch Beziehungsveränderungen zählen - in der Entstehung von Übergewicht kaum beachtet. Stattdessen wurden vor allem individuelle Faktoren wie Wissen oder Willensstärke diskutiert. Dabei zeigen unsere Ergebnisse, dass ein unverheirateter Mann, der vor dem Zusammenziehen leicht übergewichtig ist, im Durchschnitt etwa 7,5 Kilogramm zunimmt, nachdem er je mindestens vier Jahren ohne Trauschein zusammengelebt hat, verheiratet, getrennt und geschieden war. Dadurch erhöht er sein allgemeines Sterblichkeitsrisiko um bis zu 13 Prozent", sagt Jutta Mata, Professorin für Gesundheitspsychologie an der Universität Mannheim und assoziierte Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.

Mit dieser Studie wurden erstmals die Langzeiteffekte von Veränderungen im Beziehungsstatus auf den BMI untersucht. Dafür verglichen die Wissenschaftler*innen Daten von 20.950 Einzelpersonen zwischen 19 und 100 Jahren in Deutschland über einen Zeitraum von insgesamt 16 Jahren. Die Daten stammen aus der Längsschnittstudie des „Sozio-oekonomischen Panels" (SOEP), mit der das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung repräsentative Daten über die Bevölkerung in Deutschland erhebt. In Interviews wurden die demographischen Daten, wie Alter, Geschlecht, Familienstand, aber auch Größe und Gewicht abgefragt. Zusätzlich wurde nach wichtigen Lebensereignissen, wie Geburt oder Veränderungen im Berufsleben, wahrgenommenem Stress, dem subjektiven Gesundheitsempfinden und dem Verhalten mit Blick auf Ernährung, Sport und Rauchen gefragt.

Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung wurde 1963 in Berlin gegründet und ist als interdisziplinäre Forschungseinrichtung dem Studium der menschlichen Entwicklung und Bildung gewidmet. Das Institut gehört zur Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e. V., einer der führenden Organisationen für Grundlagenforschung in Europa.

Originalpublikation:
Mata, J., Richter, D., Schneider, T., & Hertwig, R. (2018). How cohabitation, marriage, separation, and divorce influence BMI: A prospective panel study. Health Psychology, 37(10), 948-958. dx.doi.org/10.1037/hea0000654

Weitere Informationen:

https://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2018/10/das-gewicht-der-liebe-wer-zusam...

Quelle: idw

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Methan als umweltfreundlicher Kraftstoff für LKW, Busse und andere Nutzfahrzeuge

Dipl.-Volkswirt Thomas Jung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Kaiserslautern

„Deutschland wird die für 2020 gesetzten CO2-Ziele deutlich verfehlen" - so der aktuelle Klimaschutzbericht der Bundesregierung. Schnell wirksame Maßnahmen zur Reduktion der CO2- wie auch der Schadstoffemission des Verkehrs sind gefragt. Dies stellt gerade Busunternehmen und Speditionen vor Herausforderungen. Eine Lösung bieten alternative Kraftstoffe wie Erdgas, das hauptsächlich aus Methan besteht. Bei seiner Nutzung fallen weniger CO2, Stickoxide und Feinstaub an. Methan als Kraftstoff steht am Mittwoch, den 17. Oktober, 9:30 Uhr, Gebäude 42, Hörsaal 110, im Fokus einer Tagung an der TU Kaiserslautern. Experten diskutieren dabei über seinen Einsatz in Nutzfahrzeugen und seine Rolle bei der klimaneutralen Energieversorgung.

Damit Busse, LKW, Transporter und andere Nutzfahrzeuge künftig weiter in Städten fahren können, braucht es neue Antriebstechniken und Kraftstoffe. „Methan ist ein solches Beispiel", sagt Professor Dr. Michael Günthner von der TU Kaiserslautern (TUK). „Es ist in Sachen Umweltfreundlichkeit, aber auch aufgrund der guten Verfügbarkeit und vergleichsweise einfachen Handhabung attraktiv." Zum einen fallen deutlich weniger Feinstaub und Stickoxide an als beim Einsatz von Dieselkraftstoff, aber auch die Kohlenstoffdioxid-Emission ist bis zu 30 Prozent geringer - und das bereits bei Verwendung von Erdgas aus fossiler Gewinnung. Zudem lässt sich Methan sowohl mit biologischen Verfahren als auch mit großtechnischen chemischen Syntheseprozessen klimaneutral herstellen. „Synthetische Kraftstoffe wie unter Verwendung von Ökostrom hergestelltes Methan könnten in Zukunft eine weitgehend klimaneutrale Energieversorgung für den Verkehrsbereich ermöglichen", so der Professor weiter.

Auf dem Markt gibt es außerdem bereits entsprechende Gasantriebe, die komprimiertes oder verflüssigtes Erdgas (Compressed Natural Gas, CNG, oder Liquefied Natural Gas, LNG) verwenden. Im Unterschied zum vorwiegend im Pkw-Bereich als Alternativkraftstoff eingesetzten „Autogas" (LPG) besteht LNG wie auch CNG zum Großteil aus Methan. „Durch den Einsatz von verflüssigtem Erdgas kann auch die Reichweite deutlich erhöht werden", fährt Professor Günthner fort. Dies macht LNG insbesondere für Langstrecken zum Beispiel im Speditionsverkehr interessant. „Bislang fehlt für LNG allerdings ein flächendeckendes Tankstellen-Netz", so Günthner. Auch für komprimiertes Erdgas müsse die Infrastruktur weiter zügig ausgebaut werden.

Bei der Tagung „Methan als Kraftstoff für Nutzfahrzeuge" beleuchten Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft, welche Chancen Methan als Kraftstoff bietet. Dabei geht es gleichermaßen um Fragen der technischen Weiterentwicklung wie um Aspekte der Wirtschaftlichkeit von Gasantrieben. Auch zeigen die Referenten auf, wie der Kraftstoff in der Zukunft hergestellt und verteilt werden könnte, und welche Rolle synthetische Kraftstoffe in zukünftigen, sektorübergreifenden Energieszenarien spielen. Hierbei geht es insbesondere darum, wie bei einer Umsetzung der Energiewende mit weitgehender Umstellung auf regenerative Energieträger die Versorgungssicherheit durch eine energetische „Vernetzung" der verschiedenen Sektoren - Energieerzeugung/Kraftwerke, Verkehr, Industrie, Haushalte und Landwirtschaft - sichergestellt werden kann („Sektorkopplung"). Entwickler berichten zudem über konkrete Einsatzmöglichkeiten gasförmiger Kraftstoffe in verschiedenen Anwendungsbereichen von Nutzfahrzeugen und zeigen die Vorteile auf. Darüber hinaus stehen für Interessierte Probefahrten mit erdgasbetriebenen Nutzfahrzeugen (CNG/LNG) auf dem Programm.

Organisiert wird die Veranstaltung von Professor Dr. Michael Günthner, Dr. Thorsten Fuchs und Dr. Jörg Neugärtner vom Lehrstuhl für Antriebe in der Fahrzeugtechnik (LAF) in Kooperation mit der IVECO Süd-West Nutzfahrzeuge GmbH. Die Tagung wird darüber hinaus unterstützt von „We move it", einer Initiative des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau.

Weitere Informationen zur Veranstaltung unter https://laf.mv.uni-kl.de/lehrstuhl-fuer-antriebe-in-der-fahrzeugtechnik/news/met...

Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Michael Günthner
Lehrstuhl für Antriebe in der Fahrzeugtechnik
E-Mail: guenthner@mv.uni-kl.de
Tel.: 0631/205-5796

Quelle: idw

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Tarifrunde 2019: Für rund 7,3 Millionen Beschäftigte werden neue Vergütungstarifverträge verhandelt

Rainer Jung Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Service des WSI-Tarifarchivs
Tarifrunde 2019: Für rund 7,3 Millionen Beschäftigte werden neue Vergütungstarifverträge verhandelt - Die Kündigungstermine

Die Tarifrunde 2018 geht in die Schlussphase: In einigen Bereichen wird in den verbleibenden Wochen und Monaten des Jahres noch verhandelt. Dazu gehören zum Beispiel die Deutsche Bahn AG, wo die Verhandlungen morgen beginnen, oder das Bewachungsgewerbe. Zugleich laufen bereits in vielen Branchen die Vorbereitungen für die Tarifrunde 2019. Insgesamt verhandeln die DGB-Gewerkschaften im nächsten Jahr für rund 7,3 Millionen Beschäftigte neue Vergütungstarifverträge.

Wann in welchem Bereich verhandelt wird, zeigt der tarifliche Kündigungsterminkalender, den das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung jetzt vorlegt. Einige ausgewählte Beispiele (in Klammern: Beschäftigtenzahlen):

Dezember 2018:
Öffentlicher Dienst Länder (Inklusive Berlin und Hessen) (935.700)*

Januar 2019:
Bankgewerbe (o. Genossenschaftsbanken) (217.900)
Textilindustrie (46.200)

Februar:
Bekleidungsindustrie Westdeutschland (30.200)
Papier erzeugende Industrie (39.000)
Private Energieversorgung Baden-Württemberg (37.000)

März:
Einzelhandel Hessen, Saarland, Baden-Württemberg (498.000)
Groß- und Außenhandel Bayern (180.800)

April:
Einzelhandel Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Bayern (1.392.100)
Groß- und Außenhandel Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Hessen, Rheinland-Rheinhessen, Pfalz, Saarland, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt (411.200)

Mai:
Kfz-Gewerbe Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Pfalz, Saarland, Baden-Württemberg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern (281.500)

Juni:
Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (64.000)

Juli:
Kunststoff verarbeitende Industrie Baden-Württemberg (59.200)

August:
Versicherungsgewerbe (170.500)
Privates Verkehrsgewerbe Schleswig-Holstein (23.500)

September:
Holz- und Kunststoff verarbeitende Industrie Niedersachsen/Bremen, Westfalen-Lippe, Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen (180.600)
Kfz-Gewerbe Rheinland-Rheinhessen (12.400)

Oktober:
Chemische Industrie Nordrhein, Hessen, Rheinland-Pfalz (268.000)

November:
Chemische Industrie Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen, Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern, Berlin-West (284.800)
Privates Verkehrsgewerbe Hessen, Rheinland-Pfalz (90.800)

Dezember:
Zeitarbeit (BAP und iGZ), 980.000)
Systemgastronomie (100.000)
Chemische Industrie, Saarland, Ost (46.300)

*Die Tarifverträge bei den Ländern beeinflussen darüber hinaus die Einkommensentwicklung von etwa 2,1 Mio. Beamten und Versorgungsempfängern.

In einigen Branchen wird im kommenden Jahr nicht verhandelt, weil die Verträge bis ins Jahr 2020 gelten. Dies gilt z. B. für die Metall- und Elektroindustrie, Bund und Gemeinden des öffentlichen Dienstes oder das Bauhauptgewerbe. Der ausführliche Überblick in der PDF-Version dieser Pressemitteilung informiert über die Kündigungstermine in zahlreichen weiteren Branchen bis Ende des Jahres 2020. In der Tabelle ist auch ausgewiesen, wie viele Beschäftigte in den jeweiligen Tarifbereichen tätig sind.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Thorsten Schulten
Leiter WSI-Tarifarchiv
Tel.: 0211 / 77 78-239
E-Mail: Thorsten-Schulten@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211 / 77 78-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Originalpublikation:
Die Pressemitteilung mit Kündigungsterminkalender bis Ende 2020 (pdf): https://www.boeckler.de/pdf/pm_ta_2018_10_10.pdf

Quelle: idw

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„Wer (alkoholfreies) Bier trinkt, lebt hundert Jahre"

Dr. Susanne Langer Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

FAU-Forscher untersuchen gesunde Inhaltsstoffe im Bier
Bierinhaltsstoffe als Mittel gegen Entzündungen und Fettleibigkeit? Forscher um Prof. Dr. Claus Hellerbrand, Institut für Biochemie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), haben für ihr Forschungsprojekt, das Bierinhaltsstoffe hinsichtlich ihrer entzündungshemmenden Wirkung untersucht, den Forschungspreis der European Foundation for Alcohol Research und der European Brewery Convention über 60.000 Euro erhalten.

„Wer Bier trinkt, lebt hundert Jahre", so lautet ein italienisches Sprichwort, in dem vielleicht mehr Wahrheit steckt, als erwartet. Bier enthält die Stoffe Xanthohumol und Iso-Alphasäuren. Laut Studien der Arbeitsgruppe von Prof. Hellerbrand hemmt Xanthohumol die durch Übergewicht und Fehlernährung hervorgerufene Leberverfettung und verhindert, dass die Leber vernarbt. Zudem tötet es Leberkrebszellen ab und verhindert bei Überernährung die Gewichtszunahme. Auch die Iso-Alphasäuren haben eine positive Wirkung auf die Gesundheit. Sie hemmen Leberschäden und beeinflussen den Fett- und Zuckerstoffwechsel positiv.

In neuen Forschungsarbeiten fanden die Wissenschaftler gemeinsam mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Ina Bergheim, Universität Wien, außerdem heraus, dass die beiden Substanzen biologische Prozesse besonders in der Kombination günstig beeinflussen. Zusammen hemmen sie beispielsweise Entzündungsprozesse noch effektiver. Bereits sehr niedrige Konzentrationen bremsen deutlich die Produktion von Entzündungsfaktoren in Leber- und Blutzellen. Ob auch noch weitere Krankheitsmechanismen wie Diabetes oder Krebs durch die Kombination der beiden Substanzen effektiver bekämpft werden können, soll in dem nun geförderten Forschungsprojekt untersucht werden. Ferner sollen die Mechanismen, die dieser guten kombinatorischen Wirkung zugrunde liegen, entschlüsselt werden.

Hopfen - Gelbes Gold
Xanthohumol gehört zu den Pflanzenpolyphenolen - den aromatischen Verbindungen, die für Farbe und Geschmack der Pflanzen sorgen. Der Stoff ist ausschließlich im Hopfen zu finden und für den gelben Farbton der Hopfenblüten verantwortlich. Hopfen spielt eine wichtige Rolle beim Brauen von Bier, bei dem Xanthohumol jedoch in großen Teilen abgebaut wird. Im Bier selbst liegt nur ein geringer Anteil des Stoffes vor. Ein weiterer Inhaltsstoff des Hopfens sind die Bittersäuren, die den typischen Biergeschmack hervorrufen. Eine Gruppe von ihnen sind die alpha-Säuren, die durch die Erhitzung beim Brauprozess in Iso-Alphasäuren umgewandelt werden.

Minuspunkt: Alkohol
Die derzeit einzige Art, wie Xanthohumol und Iso-Alphasäuren vom Menschen aufgenommen werden, ist über den Genuss von Bier, wenn auch hier in relativ geringer Konzentration. Bier ist jedoch keine Medizin. Der Grund: der Alkoholgehalt. „Es ist jedoch denkbar, dass durch den Konsum von alkoholfreiem Bier oder anderen hopfenhaltigen Nahrungsmitteln und Getränken wie Hopfenlimonade oder Hopfentee eine positive Wirkung zu erzielen ist. Gerade zur Behandlung oder Prävention von Leberschädigung durch Fettleibigkeit scheinen Xanthohumol und Iso-Alphasäuren sehr vielversprechend", erläutert Hellerbrand.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Weitere Informationen:
Prof. Dr. Claus Hellerbrand
Tel.: 09131/85-24191 (Sekretariat)
claus.hellerbrand@fau.de

Quelle: idw

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Biogas-Fachgespräch: Was können Enzyme, Mühlen und Co. wirklich für den Biogasprozess leisten?

Paul Trainer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Biomasseforschungszentrum

Steigende Substratpreise und geänderte förderpolitische Ziele erfordern ein Umdenken und Reagieren von Biogasanlagenbetreibern. Optimierungen von prozesstechnischen Abläufen sowie der Einsatz alternativer Substrate sind meist die Folge. Neben technischen Optimierungen der Anlagen spielen auch Verfahren zum Substrataufschluss eine entscheidende Rolle. Das Leipziger Biogas-Fachgespräch am 28. November setzt sich vor diesem Hintergrund mit der Frage auseinander, welchen Einfluss Enzyme, Mühlen und Co. auf den Biogasprozess haben. Anmeldungen zur Veranstaltung sind unter der Adresse www.leipziger-fachgespraeche.de möglich.

Der Aufschluss schwer abbaubarer Substratbestandteile kann die Beschleunigung und ggf. Erhöhung des Substratabbaus im Biogasprozess bewirken sowie Schwimm- und Sinkschichten vermeiden oder verringern. Viele Möglichkeiten des Substrataufschlusses sind bereits am Markt verfügbar, der Nachweis der Wirkung erfolgt jedoch meistens nur unzureichend. Im Rahmen des Leipziger Biogas-Fachgespräches am 28. November sollen die vorhandenen Verfahren, Effekte und Möglichkeiten der Bewertung aufgezeigt und diskutiert werden, was Enzyme, Mühlen und Co. zum Biogasprozess beitragen können.

Zu Beginn der Veranstaltung wird Josephine Hofmann vom Deutschen Biomasseforschungszentrum die Möglichkeiten des Substrataufschlusses bei der Desintegration darstellen. Dr. Liane Müller (DBFZ) erläutert anschließend, wie der Effekt des Substrataufschlusses am Beispiel des Einsatzes von Enzymen bewertet werden kann. Burkhard Heidler (NAWARO BioEnergie) referiert in seinem Erfahrungsbericht zum Einsatz von Desintegrationsverfahren im Biogasanlagenbetrieb und Michael Korn (Biokraft Burgioß GmbH & Co. KG) stellt dar, wie sich Enzyme für vielfältige Substrate in Biogasanlagen einsetzen lassen. Abschließend bietet sich Raum für eine Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse. Die Veranstaltung wird moderiert von Herrn Tino Barchmann vom DBFZ.

Der Termin noch einmal zusammengefasst:
Termin: 28. November 2018, 11:30 bis 16:30 Uhr
Ort: Deutsches Biomasseforschungszentrum, Torgauer Str. 116, 04347 Leipzig
Anmeldung: bis zum 22. November 2018 unter www.leipziger-fachgespraeche.de
Kosten: Die Teilnahmegebühr beträgt 20,- Euro. Dies beinhaltet Pausengetränke sowie -verpflegung und ist umsatzsteuerbefreit (§4 Abs. 22a UStG)

Hinweis: Im Vorfeld der Veranstaltung besteht die Möglichkeit, im Rahmen einer Führung die Forschungsbiogasanlage des DBFZ zu besichtigen. Bitte melden Sie sich hierfür explizit an.

Ziel der Veranstaltungsreihe "Leipziger Biogas-Fachgespräche"
Das Leipziger Biogas-Fachgespräch ist ein Forum, in dem die Chancen, aber auch die Grenzen der Energiegewinnung aus Biogas analysiert und diskutiert werden. Darüber hinaus geht es um aktuelle Themen aus der landwirtschaftlichen und kommunalen Biogaserzeugung und -nutzung. Primär kommen Referenten aus der Region und externe Referenten zu besonders interessanten Fragestellungen zu Wort. Ziel ist es, ein Branchennetzwerk zu etablieren, mit dem der Informationsfluss nachhaltig verbessert werden kann. Hierdurch soll ein merklicher Beitrag zu einer optimierten Produktion und Nutzung von Biogas als regenerativem Energieträger in Sachsen und den angrenzenden Bundesländern geleistet werden.

Veranstalter der Leipziger Biogas-Fachgespräche ist das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ), unterstützt vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) sowie dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und dem Umweltinstitut Leipzig e.V.

Smart Bioenergy - Innovationen für eine nachhaltige Zukunft
Das Deutsche Biomasseforschungszentrum arbeitet als zentraler und unabhängiger Vordenker im Bereich der energetischen und stofflichen Biomassenutzung an der Frage, wie die begrenzt verfügbaren Biomasseressourcen nachhaltig und mit höchster Effizienz und Effektivität zum bestehenden und zukünftigen Energiesystem beitragen können. Im Rahmen der Forschungstätigkeit identifiziert, entwickelt, begleitet, evaluiert und demonstriert das DBFZ die vielversprechendsten Anwendungsfelder für Bioenergie und die besonders positiv herausragenden Beispiele gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Mit der Arbeit des DBFZ soll das Wissen über die Möglichkeiten und Grenzen einer energetischen und integrierten stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe in einer biobasierten Wirtschaft insgesamt erweitert und die herausragende Stellung des Industriestandortes Deutschland in diesem Sektor dauerhaft abgesichert werden - www.dbfz.de.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Tino Barchmann
Tel.: +49 (0)341 2434-375
E-Mail: tino.barchmann@dbfz.de

Pressekontakt:
Paul Trainer
Tel.: +49 (0)341 2434-437
E-Mail: paul.trainer@dbfz.de

Weitere Informationen:
https://www.dbfz.de/presse/pressemitteilungen-2018/leipziger-biogas-fachgespraec...
http://www.leipziger-fachgespraeche.de

Quelle: idw

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Grippe - Gefahr unter Kontrolle?

Susanne Thiele Presse und Kommunikation
Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Auftakt der HZI-Vortragsreihe „KrankheitsErregend" mit aktuellen Antworten aus der Grippeforschung

Jetzt beginnt die alljährliche Grippesaison, und mit ihr stellen sich wieder die Fragen: Wie kann ich mich schützen? Soll ich mich impfen lassen? Was geschieht, wenn ich schwer krank werde? Die Grippewelle des vergangenen Winters war eine der schwersten seit langem. Wie die Bedrohung durch die Grippe sogar die Geschichte veränderte und wie sie aktuell erforscht wird, darüber informiert das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig am 20. Oktober 2018 zum Auftakt der Vortragsreihe „KrankheitsErregend", die es bereits zum siebten Mal ausrichtet.

Besonders verheerend wirkte 1918 - am Ende des ersten Weltkriegs - die sogenannte Spanische Grippe, die fast 50 Millionen Todesopfer forderte. Hatte diese Epidemie einen Einfluss auf den Verlauf des Krieges, und stehen wir - genau 100 Jahre später - der nächsten schweren Grippewelle noch immer so hilflos gegenüber wie im frühen 20. Jahrhundert? Seitdem traten immer wieder schwerste Influenza-Epidemien auf, zuletzt im Winter 2017/18. Informationen hierzu präsentiert der Wissenschaftliche Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung, Prof. Dirk Heinz, am 20. Oktober 2018 ab 11 Uhr bei der ersten Veranstaltung der diesjährigen Vortragsreihe. Prof. Klaus Schughart, Leiter der Abteilung „Infektionsgenetik" am HZI, zeigt im zweiten Vortrag, welchen Herausforderungen sich die moderne Grippeforschung heute stellt. Denn: Die Infektionsforschung ist die beste Vorbereitung auf die nächste mögliche Pandemie.

Die Vortragsreihe:
Bei der diesjährigen Ausgabe der Vortragsreihe „KrankheitsErregend" werden ganz verschiedene Aspekte der Grippe beleuchtet: Am HZI informieren Experten an drei Samstagvormittagen darüber, was Sie tun können, um gesund zu bleiben, und wie genau die neuesten Medikamente im Krankheitsfall wirken. Ebenso stehen die Entwicklung und Wirkweise von Impfstoffen und der aktuelle Stand der Grippeforschung im Fokus. Am 27. Oktober 2018 geht es um Impfstoffe und Impfforschung und am 3. November 2018 um die vielfältigen Möglichkeiten, wie Sie sich vor einer Ansteckung schützen können und welche Therapiemöglichkeiten im Krankheitsfall zur Verfügung stehen.

Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 11:00 Uhr im Forum des HZI in der Inhoffenstraße 7, 38124 Braunschweig. Der Eintritt ist frei, eine Voranmeldung ist nicht nötig. Im Anschluss bietet eine moderierte Diskussion Gelegenheit für Zuschauerfragen. Bei Interesse vermitteln wir gern Interviews mit den Referenten.

Nähere Informationen und den Programmflyer finden Sie unter http://www.helmholtz-hzi.de/krankheitserregend/epidemie/. Rückfragen beantwortet gern die Pressestelle des HZI (Telefon: 0531/6181-1404, E-Mail: veranstaltungen@helmholtz-hzi.de).

Diese Pressemitteilung finden Sie auch auf unserer Homepage unter dem Link https://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/ansicht/article/complete/grippe_g...

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung:
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern. Das HZI ist Mitglied im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF). http://www.helmholtz-hzi.de

Ihre Ansprechpartnerinnen:
Susanne Thiele, Pressesprecherin
susanne.thiele@helmholtz-hzi.de
Christine Bentz, Veranstaltungsmanagement
christine.bentz@helmholtz-hzi.de

Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung GmbH
Presse und Kommunikation
Inhoffenstraße 7
D-38124 Braunschweig

Tel.: 0531 6181-1400; -1166

Quelle: idw

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Gutachten zur Behandlung biologisch abbaubarer Kunststoffe

Dipl.-Chem. Iris Kumpmann Abteilung Public Relations
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Auch biologisch abbaubare Kunststoffmaterialien können in der Umwelt mehrere Monate und teilweise sogar einige Jahre beständig sein. Dies ist das Fazit eines Gutachtens, das vom Umweltbundesamt publiziert wurde. Das sechsköpfige Autorenteam bestand zur Hälfte aus Expertinnen und Experten von Fraunhofer UMSICHT. Das Gutachten ist kostenfrei als pdf zugänglich.

In Deutschland und in Europa besteht ein kleiner, jedoch stetig wachsender Markt für biologisch abbaubare Kunststoffe. Die Produkte aus den betreffenden Materialien werden in der Landwirtschaft und im Gartenbau sowie als Sammelbeutel für Bioabfälle eingesetzt. Zusätzlich ist ein wachsender Einsatz im Verpackungs- und Bedarfsgegenständesektor zu beobachten. Der Einsatz biologisch abbaubarer Kunststoffe in Produkten und besonders der Umgang mit biologisch abbaubaren Kunststoffabfällen werden jedoch kontrovers diskutiert. So wird die biologische Abbaubarkeit als Chance im Kampf gegen die langfristige Vermüllung der Umwelt, aber auch als Risiko für eine Verschärfung der Litteringproblematik und für einen potenziell verstärkten Eintrag in die Umwelt betrachtet.

Gutachten zum Abbau von Kunststoffen
Vor diesem Hintergrund hat das Umweltbundesamt ein Gutachten in Auftrag gegeben, in welchem Materialien, Produkte und Standards der biologischen Abbaubarkeit beschrieben und die Verwertung betreffender Abfälle in fünf Mitgliedsstaaten der EU vergleichend dargestellt wurden. Zudem erfolgte eine Auswertung wissenschaftlicher Veröffentlichungen, welche sich mit dem Abbau von abbaubaren Kunststoffen in terrestrischen, aquatischen und marinen Ökosystemen beschäftigen. Das Fazit ist, dass auch biologisch abbaubare Materialien in der Umwelt mehrere Monate und teilweise sogar einige Jahre beständig sein können. (Quelle: Umweltbundesamt)

Quelle: idw

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Entwarnung für Elektroautos: Keine Störung von implantierten Schrittmachern und Defis

Prof. Dr. Eckart Fleck Pressesprecher
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Die aktuell eingesetzten Elektroautos führen nicht zu elektromagnetischen Wechselwirkungen und in der Folge nicht zu Störungen von implantierten Herzschrittmachern oder Defibrillatoren. Zu diesem Ergebnis kam ein Forscherteam vom Deutschen Herzzentrum München in einer Studie, die bei den Deutschen Herztagen in Berlin präsentiert wurde.

Berlin, Freitag 12. Oktober 2018 - Entwarnung für herzkranke Lenker von Elektroautos, die einen implantierten Herzschrittmacher oder Defibrillator tragen: Die aktuell eingesetzten Elektroautos führen nicht zu elektromagnetischen Wechselwirkungen und in der Folge nicht zu Störungen solcher Implantate mit potenziell gefährlichen Auswirkungen auf die Gesundheit. Zu diesem Ergebnis kam ein Forscherteam vom Deutschen Herzzentrum München, nachdem es 108 Schrittmacher- und ICD-Patienten untersucht hatte. Die aktuelle Arbeit wurde bei den Deutschen Herztagen in Berlin präsentiert.

Die Studienteilnehmer wurden dem elektromagnetischen Feld von vier gebräuchlichen Elektroautos (Nissan Leaf, Tesla Model S, BMW i3, VW eUp) ausgesetzt. Schrittmacher- oder ICD-Fehlfunktionen während des Fahrens oder des Aufladens der Elektroautos wurde durch EKG-Überwachung und Device-Abfragen untersucht. Studien-Erstautor Dr. Amir Brkic: „Es wurden keine Geräte-Fehlfunktionen oder Umprogrammierungen beobachtet. Das elektromagnetische Feld im Fahrzeuginneren war mit 2.0 bis 3.6 Mikrotesla klein, das heißt die Fahrgastzellen sind gut abgeschirmt."

Die Patienten wurden im Rahmen einer Routine-Geräte-Kontrolle in die Studie eingeschlossen. Die Untersuchung auf potenzielle Interferenzquellen erfolgte auf einem Rollenprüfstand für Autos unter standardisierten Bedingungen in Kooperation mit Wissenschaftlern für Fahrzeugtechnik. Die Patienten fuhren im Rahmen des Tests die Fahrzeuge unter Lastwechseln und beschleunigten auch über 100km/h.

Die größten elektromagnetischen Felder (EMF) wurden während des Ladevorgangs identifiziert (bis 116 Mikrotesla ). Dr. Brkic: „Der Ladevorgang stellt die potenziell gefährlichere EMF-Exposition dar und sollte in Hinblick auf die Schnellladetechnik weiter untersucht werden."

Elektroautos werden immer häufiger als öffentliches oder privates Verkehrsmittel eingesetzt und stellen eine potenzielle Interferenzquelle (EMI) für Schrittmacher- oder Defibrillatorträger dar. Die mögliche Beeinträchtigung von Patienten mit implantierten Schrittmachern bzw. Defibrillatoren reicht von einer unnötigen Nutzungseinschränkung bis zur lebensbedrohlichen Fehlfunktion des implantierten Geräts.

Quelle: A. Brkic et al.: Störbeeinflussungen von implantierten Schrittmachern und Defibrillatoren durch Elektroautos nicht nachweisbar: eine cross-sectional, in-vivo Studie; Clin Res Cardiol 107, Suppl 3, October 2018

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 10.500 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien. Weitere Informationen unter www.dgk.org

Weitere Informationen:
http://www.dgk.org/presse
http://www.kardiologie.org

Quelle: idw

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Kinder, Job und Rente: Wie und mit wem wir unsere Zeit verbringen

Silvia Leek Öffentlichkeitsarbeit und Pressestelle
Max-Planck-Institut für demografische Forschung

Wovon es abhängt, ob getrennte Väter regelmäßigen Kontakt zu ihrem Kind halten und wie sich eine Wirtschaftskrise auf die Lebensarbeitszeit auswirkt, lesen Sie in der neuen Ausgabe von „Demografische Forschung Aus Erster Hand".

1. Wie lang ist ein Arbeitsleben?
Ökonomische Krise hat die erwartete Lebensarbeitszeit in Spanien stark schrumpfen lassen

In Zeiten des demografischen Wandels wird häufig über ein späteres Renteneintrittsalter diskutiert. Doch unsere Arbeitslebenszeit hängt auch stark davon ab, wie kontinuierlich wir arbeiten. In Spanien etwa sank die erwartete Arbeitslebenszeit während der Wirtschaftskrise drastisch, wie eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung zeigt.

2. Das Recht zur Sorge
Getrennt lebende Väter, die das Sorgerecht haben, sehen ihr Kind häufiger

Wenn Eltern sich trennen, leben die Kinder in den allermeisten Fällen im Haushalt der Mutter. Ob und wie der Vater dann den Kontakt zu ihnen hält, hängt sehr stark vom Sorgerecht, aber auch vom Bildungsniveau, dem Erwerbsstatus und der Lebensform des Vaters ab. Das zeigt eine neue Studie des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels.

3. Die dritte Phase
Enkelkinder betreuen oder weiter arbeiten? Studie untersucht die Aktivitätsmuster von Rentnern

Wer das Rentenalter erreicht, steht vor vielen Entscheidungen: Möchte ich noch weiter erwerbstätig sein, mich um die Enkel oder kranke Familienangehörige kümmern, engagiere ich mich ehrenamtlich, oder genieße ich die hinzugewonnene Zeit einfach für mich selbst? Welche Aktivitätsmuster es bei den 60- bis 70-Jährigen gibt, untersucht eine neue Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden.

Kontakt:
Silvia Leek
Max-Planck-Institut für demografische Forschung
Konrad-Zuse-Str.1
18057 Rostock, Deutschland
Telefon: +49 (381) 2081-0
Telefax: +49 (381) 2081-443
E-Mail: redaktion@demografische-forschung.org

Herausgeber:
Das Magazin ist eine gemeinsame Publikation des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung, des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels, des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung, des Vienna Institute of Demography / Austrian Academy of Sciences und des Wittgenstein Centre for Demography and Global Human Capital.

http://www.demogr.mpg.de - Max-Planck-Institut für demografische Forschung
http://www.oeaw.ac.at - Österreichische Akademie der Wissenschaften
http://www.rostockerzentrum.de - Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels
http://www.bib-demografie.de - Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung

Originalpublikation:
https://www.demografische-forschung.org/

Anhang
Demografische Forschung Aus Erster Hand Nr. 3 2018
https://idw-online.de/de/attachment66843

Quelle: idw

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Deutsche Wassertechnologien für indische Städte

Dr. Claudia Vorbeck Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

Verschmutzte Flüsse und Seen, fehlende Abwasserkanäle und Kläranlagen - Indiens schnell wachsende Städte kommen beim Ausbau der kommunalen Infrastruktur kaum nach. Am größten ist der Bedarf an angepassten Lösungen für die kommunale Abwasserreinigung und die Überwachung der Wasserqualität. Dies zeigen erste Ergebnisse des Projekts »Smart Water Future India«, das vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB koordiniert wird. Als Basis für eine langfristige Zusammenarbeit soll ein Water Innovation Hub dienen. Deutsche Firmen sind willkommen, sich an dieser deutsch-indischen Plattform zu beteiligen.

»Smart Water Future India« heißt das vom Bundesumweltministerium (BMU) geförderte Projekt, in dem intelligente und nachhaltige Wassermanagementstrategien für die südindische Stadt Coimbatore entwickelt werden. Damit es nicht bei Konzepten und Strategien bleibt, sondern diese auch in die Praxis umgesetzt werden, wird im Rahmen des Projekts ein sogenannter »Water Innovation Hub« aufgebaut. In diesem Netzwerk arbeiten deutsche und indische Firmen eng mit Nichtregierungsorganisationen und Stadtverwaltung zusammen, um auch langfristig die dringend benötigten Lösungen für ein bedarfsgerechtes Wassermanagement bereitzustellen. Das Angebot reicht dabei von der Identifizierung von Maßnahmen über die Suche nach geeigneten Finanzierungsmitteln und Industriepartnern bis zur Koordinierung von Pilotprojekten und Demonstration von Prototypen.

Zugang zum indischen Markt durch Water Innovation Hub
»Deutsche Unternehmen aus der Wasserbranche zeigen großes Interesse am dynamisch wachsenden indischen Markt, haben jedoch oft Schwierigkeiten, ihre Produkte hier abzusetzen«, berichtet Philip Okito, geschäftsführender Gesellschafter der trAIDe GmbH und im Projekt für die Einbindung der Unternehmen zuständig. Angesichts der Herausforderungen in ganz Indien kann der geplante Water Innovation Hub deutschen Firmen das Tor zum indischen Markt der Wasser- und Abwasserwirtschaft öffnen.

Ende November will das Team um Projektleiter Dr. Marius Mohr, Wasserexperte am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB, mit indischen Partnern einen ersten Fahrplan aufstellen, bevor im Februar 2019 der Strategieplan für das Wassermanagement der Stadt und das finale Konzept für den Water Innovation Hub vorgestellt werden. Interessierte deutsche Firmen sind daher aufgerufen, bereits im Vorfeld Kontakt zum Projektteam aufzunehmen.

Stadtanalyse und Stakeholder-Workshop identifizieren zwei Handlungsfelder
»In Coimbatore besteht - wie in vielen anderen indischen Städten - dringender Handlungsbedarf, da sind sich alle Stakeholder vor Ort einig«, berichtet Mohr vom Dialog mit lokalen Interessensgruppen am 26. Juli. Auf der Grundlage einer umfassenden Stadtanalyse und mit der Leitfrage, wie deutsche Wasserexperten zur Verbesserung der wasserwirtschaftlichen Situation in Coimbatore beitragen können, identifizierte das Projetteam dabei zwei konkrete Themenfelder, die von lokalen Akteuren aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft als besonders wichtig eingeschätzt wurden. Sie können zugleich erste Ansatzpunkte für eine langfristige Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Indien liefern: Ein integriertes semi-zentrales kommunales Wassermanagement, das auch die Sektoren Energie und Ernährung berücksichtigt, sowie Technologien, um die Wasserqualität von gereinigtem Industrieabwasser, Oberflächengewässern und Grundwasser zu überwachen sowie die Ergebnisse zu visualisieren.

Kommunales Wassermanagement: Semi-zentral und integriert
Wie in anderen schnell wachsenden indischen Städten fehlen auch in Coimbatore Abwasserkanalisation und Kläranlagen: Nicht einmal 40 Prozent des städtischen Abwassers wird zentral gesammelt; vielmehr wird der Großteil der Abwässer unkontrolliert in Flüsse und Seen eingeleitet. Doch wie können gangbare Lösungen aussehen? Da die Bevölkerung der Stadt nach wie vor wächst und mit ihr der Verkehr auf Coimbatores Straßen, ist es kommunalpolitisch problematisch, Hauptverkehrsadern und weitere stark frequentierte Straßen aufzureißen, um Kanäle für die steigende Abwasserfracht zu legen.

Einen sinnvollen Lösungsansatz liefern semi-zentrale Konzepte, in denen die Abwässer von Quartieren, die etwa 5.000 bis 50.000 Einwohner umfassen, gesammelt und gereinigt werden. Der Vorteil: Die Leitungsquerschnitte für die benötigten Abwasserkanäle sind geringer, Hauptverkehrsstraßen können ausgeklammert werden, viele kleinere Abwasserreinigungsanlagen sind einfacher, schneller und kostengünstiger zu realisieren als eine große Zentralkläranlage. »Darüber hinaus erlauben modulare semi-zentrale Systeme, gleichzeitig mit dem Abwasser organische Abfälle zu behandeln und aufbereitetes Wasser wiederzuverwenden, beispielsweise zur Bewässerung von Grünanlagen oder Straßenreinigung«, weiß Mohr.

System zur Überwachung der Wasserqualität
Die Renaturierung von Flüssen und Seen, in die jahrelang ungeklärtes Abwasser eingeleitet wurde, ist oberstes Gebot und wurde im Rahmen der Förderung im »100 Smart Cities«-Programm der indischen Zentralregierung beschlossen. Noch fehlt es jedoch an der Infrastruktur, die Ergebnisse der Renaturierungsmaßnahmen zu analysieren und zu dokumentieren. Und wie wird sichergestellt, dass Stadtteile oder Unternehmen nicht doch unbehandeltes Abwasser einleiten?

»Die Stakeholder waren sich auch hier schnell einig, dass ein Überwachungssystem für die Wasserqualität installiert werden muss, um Erfolge bei der Wasseraufbereitung - aber auch Verstöße - verfolgen zu können«, berichtet Mohr. Für ein solches System werden Sensoren für die automatisierte Erfassung der wichtigsten physikalischen, chemischen und biologischen Parameter der Wasserqualität an kritischen Einleitstellen und ein zentrales Labor zur qualitätsgesicherten Analyse weiterer Proben benötigt. Die Vernetzung, Auswertung und Bereitstellung der Informationen ist dann durch entsprechende IT-Lösungen zu gewährleisten. Werden Echtzeitdaten mittels GIS-gestützter Systeme verknüpft und für alle zugänglich veröffentlicht, kann dies eine gesicherte Grundlage für weitere städtische Investitionsentscheidungen liefern und die notwendige Transparenz verbessern.

Technologien für die industrielle Abwasserreinigung in den Unternehmen, obschon neben den Kommunen weiterer maßgeblicher Verursacher von verschmutztem Grund- und Oberflächenwasser, sind aus Sicht aller lokalen Akteure dagegen durchaus vorhanden und - in der Nachbarstadt Tiruppur beispielsweise - auch erfolgreich im Betrieb. Es hapert hier vielmehr an der Durchsetzung der bestehenden Regelungen. Überwachungssysteme und damit eine größere Transparenz würden den Druck auf alle Beteiligten erhöhen, die Gesetze zu befolgen.

Informationen und Kontakt
Erste Skizzen für den Water Innovation Hub und die geplanten Projekte sind hier zu finden: www.igb.fraunhofer.de/swfi.

Hintergrund: Smart City Coimbatore
Mit 1,7 Millionen Einwohnern auf 257 Quadratkilometern ist Coimbatore eine der über 50 typischen von der Industrie geprägten Millionenstädte Indiens. Schätzungen gehen davon aus, dass die Bevölkerung in den kommenden 30 Jahren um eine weitere Million Menschen wachsen wird. Die Sicherung der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung ist eines der dringendsten Probleme der Stadt.

Im Rahmen der deutsch-indischen Zusammenarbeit unterstützt Deutschland Coimbatore, das von der indischen Zentralregierung für das »100 Smart Cities«-Programm ausgewählt wurde, bei der Umsetzung ihrer Smart-City-Pläne.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr.-Ing. Marius Mohr
Gruppenleiter Bioverfahrenstechnik in der Wasser- und Kreislaufwirtschaft
Tel.: +49 711 970-4216
E-Mail: marius.mohr@igb.fraunhofer.de

Weitere Informationen:
https://www.igb.fraunhofer.de/de/presse-medien/presseinformationen/2018/deutsche...

Anhang

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https://idw-online.de/de/attachment66885

Quelle: idw

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Ätna: Neues Messsystem belegt Abrutschen des Südosthangs

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Die Südostflanke des Ätna rutscht langsam in Richtung Meer. Ein Team des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und des Kieler Exzellenzclusters „Ozean der Zukunft" konnte mithilfe eines neuen, schallbasierten Vermessungsnetzes erstmals nachweisen, dass sich der Hang auch unter Wasser weiterbewegt. Innerhalb von acht Tagen bewegte er sich um circa vier Zentimeter. Ein plötzliches und schnelles Abrutschen des gesamten Hangs könnte zu einem Tsunami mit schwerwiegenden Folgen für die gesamte Region führen. Die Ergebnisse wurden heute in der internationalen Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht.

Als aktivster Vulkan Europas wird der Ätna von der Wissenschaft und den Behörden intensiv überwacht. Dabei zeigen satellitengestützte Messungen seit einiger Zeit, dass der Südosthang des Vulkans langsam in Richtung Meer abrutscht, während die anderen Hänge stabil sind. Unklar war bisher, ob sich die Bewegung auch unter Wasser fortsetzt, da Messungen per Satellit oder GPS dort nicht möglich sind. Mithilfe eines neuartigen Vermessungsnetzes, das Teil des GEOMAR GeoSEA Arrays ist, konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Schwerpunkt Meereswissenschaften, und des Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia (INGV) nun erstmals unter Wasser die Bewegung des Hangs in horizontaler und vertikaler Richtung nachweisen.

Die Ergebnisse bestätigen die Vermutung, dass der gesamte Südosthang in Bewegung ist. Ursache für die Bewegung des Hangs ist aller Wahrscheinlichkeit nach hauptsächlich die Schwerkraft, und nicht, wie bisher angenommen, aufsteigendes Magma. Ein schlagartiges Abrutschen der gesamten Flanke kann nicht ausgeschlossen werden und würde einen starken Tsunami in der Region auslösen. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden heute in der internationalen Fachzeitschrift Science Advances veröffentlicht.

„Am Ätna haben wir zum ersten Mal die schallbasierte Vermessung unter Wasser, die sogenannte marine Geodäsie, an einem Vulkan genutzt", erklärt Dr. Morelia Urlaub, Erstautorin der Studie. Sie leitete die Untersuchungen im Rahmen des Projekts „MAGOMET - Marine geodesy for offshore monitoring of Mount Etna". Entlang der Störungslinie, die die Grenze zwischen rutschender Flanke und stabilem Hang darstellt, platzierte das GEOMAR-Team dafür im April 2016 insgesamt fünf Transponder-Messstationen. „Drei platzierten wir auf dem abrutschenden Hang, zwei auf der anderen Seite der Störungslinie", sagt Urlaub.

Die Transponder sendeten sich dann alle 90 Minuten ein akustisches Signal. Da die Geschwindigkeit des Schalls unter Wasser bekannt ist, können über die Zeitdauer, die das Signal unterwegs ist, relative Bewegungen des Meeresbodens zentimetergenau bestimmt werden. „Wir stellten eindeutig fest, dass der Hang im Mai 2017 innerhalb von acht Tagen um vier Zentimeter Richtung Meer abrutschte und dabei einen Zentimeter tiefer sank", erklärt Urlaub. Diese Bewegung kann dabei mit einem langsamen Erdbeben verglichen werden, ein sogenannter „Slow Slip". Es war das erste Mal, dass die horizontale Bewegung eines solchen Slow-Slip-Ereignisses unter Wasser erfasst wurde. Insgesamt war das System rund 15 Monate im Einsatz.

Im Vergleich mit per Satellit gewonnenen Daten zeigte sich, dass der Südosthang sich an Land im selben Zeitraum ähnlich weit bewegt hat. „Der komplette Südosthang hat also seine Position verändert", sagt Dr. Urlaub.

„Insgesamt deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass der Hang aufgrund der Schwerkraft abrutscht und nicht etwa durch den Aufstieg von Magma", erläutert sie weiter. Würde Magma im Zentrum des Vulkans die Bewegung auslösen, müsste sich der Hang an Land stärker fortbewegen als unter Wasser. Diese Erkenntnis ist wichtig für die weitere Gefahrenabschätzung. „Der gesamte Hang befindet sich durch die Schwerkraft in Bewegung. Daher ist es durchaus möglich, dass er plötzlich abrutscht, was einen Tsunami im gesamten Mittelmeer auslösen könnte", erklärt Professor Heidrun Kopp, Koordinatorin des GeoSEA-Arrays und Co-Autorin der Studie. Allerdings ist durch die Untersuchungsergebnisse keine Voraussage möglich, ob und wann es zu diesem Ereignis kommen könnte.

„Um die geologischen Vorgänge rund um den Ätna und anderen an Küsten gelegenen Vulkanen zu verstehen, ist weitere Grundlagenforschung nötig. Unsere Untersuchung zeigt aber, dass das schallbasierte Vermessungsnetz uns dabei hervorragend unterstützen kann", fasst Dr. Urlaub zusammen.

Originalpublikation:
Urlaub, M., F. Petersen, F. Gross, A. Bonforte, G. Puglisi, F. Guglielmino, S. Krastel, D. Lange, H. Kopp (2018): Gravitational collapse of Mount Etna's southeastern flank. Science Advances 2018; 4: eaat9700, https://doi.org/10.1126/sciadv.aat9700

Weitere Informationen:
http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
https://www.geomar.de/index.php?id=5286&L=1 Das GEOMAR GeoSEA Array

Quelle: idw

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Warum Vitamin E-Wirkung bisher oft reine Glückssache ist

Dr. Ute Schönfelder Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Pharmazeuten und Biochemiker der Universität Jena entschlüsseln mit internationalem Forscherteam die entzündungshemmende Wirkungsweise von Vitamin E und seiner Stoffwechselprodukte / Ergebnis zeigt Nutzen einer personalisierten Medizin auf / Patentierter Wirkstoffkandidat wird nun weiter erforscht

Es soll die Hautalterung bremsen, Gelenkverschließ bei Rheuma und Arthrose lindern und sogar vor Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen schützen. Seit fast 100 Jahren erforschen Wissenschaftler die Wirkungen von Vitamin E, fachsprachlich Alpha-Tocopherol, und haben die chemischen Grundlagen weitgehend geklärt. „Vitamin E ist ein Antioxidans, es neutralisiert zellschädigende freie Radikale", erläutert PD Dr. Andreas Koeberle von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Doch obwohl dies in Zell- und Tiermodellen unter Laborbedingungen hinreichend belegt ist, überzeugt Vitamin E in klinischen Studien bisher nicht: „Hier finden wir sehr heterogene Ergebnisse", sagt Koeberle. „Nicht nur, dass die positiven Effekte oft nicht in der erwarteten Stärke auftreten, manchmal zeigt die Gabe von Vitamin E sogar nachteilige Effekte", so der Biochemiker vom Lehrstuhl für Pharmazeutische Chemie.

Eine mögliche Ursache dafür haben Dr. Koeberle und seine Kollegen nun gefunden: Wie das Jenaer Forscherteam in einer breit angelegten interdisziplinären Studie gemeinsam mit Partnern aus Frankreich, Österreich, Italien und Deutschland belegt, beruht die Wirkung von Vitamin E, das als Tablette oder Kapsel eingenommen wird, gar nicht auf dem Vitamin selbst, sondern auf der eines Stoffwechselprodukts. Diese Substanz mit Namen Alpha-Carboxychromanol besitzt unter anderem eine vielversprechende entzündungshemmende Wirkung. Ihre Ergebnisse haben die Forscher in der Fachzeitschrift „NATURE Communications" veröffentlicht (DOI: 10.1038/s41467-018-06158-5).

Alpha-Carboxychromanol wird in der Leber gebildet. „In welchem Maße das passiert, ist von Patient zu Patient aber sehr verschieden", berichtet Prof. Dr. Oliver Werz, der die Studie gemeinsam mit Dr. Koeberle geleitet hat. Wie die Jenaer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gezeigt haben, weist der Spiegel des Metaboliten im Blut von Versuchspersonen eine sehr große individuelle Spannweite auf. „Wenn der Effekt von Vitamin E davon abhängt, in welchem Maße der bioaktive Metabolit gebildet wird, dann erklärt das sehr gut, wieso die gleiche Menge Vitamin E bei einer Person eine bestimmte Wirkung zeigt und bei einer anderen Person womöglich eine wesentlich geringere", macht Werz deutlich. Dies belege, so der Jenaer Pharmazeut weiter, den großen Nutzen, den eine personalisierte Medizin zu bieten hat. „Wenn wir zuvor den Stoffwechsel eines Patienten charakterisieren, lässt sich ein Therapieerfolg - nicht nur für Vitamin E - wesentlich präziser erzielen."

Schlüsselenzym im Entzündungsprozess wird gehemmt
In der vorliegenden Studie haben die Forschenden das entzündungshemmende Potenzial von Alpha-Carboxychromanol detailliert untersucht. Der bioaktive Metabolit hemmt ein Schlüsselenzym von Entzündungsprozessen (5-Lipoxygenase, kurz 5-LO). Dies sei eine vielversprechende Erkenntnis, sagt Koeberle, denn die 5-LO spiele eine zentrale Rolle bei Entzündungserkrankungen wie Asthma oder Arthritis. „Bislang gibt es aber nur ein einziges zugelassenes Arzneimittel, das die 5-LO hemmt, das aber aufgrund starker Nebenwirkungen nur sehr eingeschränkt eingesetzt werden kann." Die Jenaer Forscher wollen ihre Erkenntnisse nutzen, um einen neuen Wirkstoffkandidaten für die Behandlung entzündlicher Erkrankungen zu entwickeln. Ein erster von Alpha-Carboxychromanol abgeleiteter Kandidat sei bereits patentiert, so Koeberle.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
PD Dr. Andreas Koeberle und Prof. Dr. Oliver Werz
Institut für Pharmazie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Philosophenweg 14, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949815
E-Mail: andreas.koeberle@uni-jena.de; oliver.werz@uni-jena.de

Originalpublikation:
Pein H et al. Endogenous metabolites of vitamin E limit inflammation by targeting 5-lipoxygenase. Nature Communications (2018), volume 9, Article number: 3834, DOI: 10.1038/s41467-018-06158-5

Weitere Informationen:
https://rdcu.be/7gHO

Quelle: idw

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Übergewicht entwickelt sich bereits in der frühen Kindheit - und bleibt dann bestehen

Dr. Katarina Werneburg Stabsstelle Universitätskommunikation/Medienredaktion
Universität Leipzig

Forscher der Leipziger Universitätsmedizin haben herausgefunden, dass schon die frühe Kindheit entscheidend für die Entwicklung von Übergewicht und Adipositas ist. Sie analysierten dazu die Entwicklung des Gewichts von mehr als 51.000 Kindern von der Geburt bis in die Adoleszenz. Das Ergebnis ist eindeutig: Fast 90 Prozent der Kinder, die im Alter von drei Jahren übergewichtig waren, waren es auch als Jugendliche. Bei ihnen erfolgte der stärkste Gewichtszuwachs im Kleinkindalter von zwei bis sechs Jahren. Die Ergebnisse haben die Wissenschaftler aktuell im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Noch bevor ein Kind in die Schule geht, wird der Grundstein für Übergewicht und Adipositas gelegt. „Die Erkrankung manifestiert sich häufig schon sehr früh in der Kindheit. Zugleich liegt die Wahrscheinlichkeit, dass kleine Kinder mit Adipositas zu einem Normalgewicht in der Jugend zurückkehren, bei weniger als 20 Prozent. Diese Effekte konnten wir in einer großen Längsschnittstudie nachweisen mit direkten Implikationen für die Praxis", sagt Prof. Dr. Antje Körner, Professorin für Pädiatrische Forschung an der Universität Leipzig und Arbeitsgruppenleiterin am Center for Pediatric Research Leipzig (CPL) des Universitätsklinikums Leipzig. In der Untersuchung analysierten die Wissenschaftler um Studienleiterin Antje Körner Daten zum Gewichtsverlauf von 51.505 Kindern aus dem CrescNet Register im Alter von 0 und 18 Jahren.

Das Kleinkindalter von zwei bis sechs Jahren ist das kritische Alter des Gewichtsanstiegs
In ihrer statistischen Analyse konnten die Forscher feststellen, dass in den ersten zwei Lebensjahren die Chancen für Kinder, die adipös waren, später zu einem Normalgewicht zurückzukehren gerade einmal bei 50:50 stehen. Waren die Kinder hingegen schon drei Jahre alt, waren es nur noch knapp zehn Prozent - das bedeutet: Rund 90 Prozent dieser Kinder waren auch als Jugendliche übergewichtig oder adipös. „Wir konnten mit unseren Daten zeigen, dass das Gewicht von Jugendlichen mit Übergewicht und Adipositas am stärksten zwischen zwei und sechs Jahren zugenommen hat", so Körner. Auch danach stiegen der BMI weiter stetig an, wodurch sich das Ausmaß der Adipositas weiter Jahr für Jahr verschlimmerte.

Auch Geburtsgewicht und Gewicht der Mutter haben Einfluss
Mit Daten der LIFE Child-Studie konnten auch die Bedeutung von Geburtsgewicht und Gewicht der Mutter auf das kindliche Adipositasrisiko nachgewiesen werden. So hatte fast die Hälfte der Babys, die zur Geburt sehr groß und schwer waren, einen höheren BMI in ihrer Kindheit und Jugend. Demgegenüber entwickelten weniger als 30 Prozent der Kinder mit normalem oder niedrigem Geburtsgewicht Übergewicht oder Adipositas im Jugendalter. Kinder von Müttern mit Übergewicht hatten ein deutlich höheres Risiko für kindliches Übergewicht als Kinder von Müttern, die normalgewichtig waren.

Übergewicht im frühen Kindesalter bleibt meist bestehen
„Die meisten Kinder und Jugendliche mit Übergewicht haben es auch noch im Erwachsenenalter. Natürlich ist die Prävalenz, das heißt die Häufigkeit, von Übergewicht bei Erwachsenen noch höher und nicht jeder übergewichtige Erwachsene war ein übergewichtiges Kind. Wenn jedoch Übergewicht bereits im (frühen) Kindesalter einsetzt, bleibt es zuallermeist bestehen - mit allen Konsequenzen beispielsweise für die Entwicklung von Folgeerkrankungen bereits im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter. Eine übermäßige Gewichtszunahme bei Kindern unter sechs Jahren kann ein frühes Anzeichen für spätere Adipositas sein. Wachstum und Gewicht müssen von Kinderärzten, Erziehern und Eltern schon früh genau beobachtet werden, um Kinder mit erhöhtem Risiko zu erkennen", sagt Prof. Dr. Antje Körner.

Die Studie wurde durch den DFG-Sonderforschungsbereich „Mechanismen der Adipositas" (SFB 1052), durch das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum AdipositasErkrankungen (IFB) sowie durch das Leipziger Forschungszentrum für Zivilisationserkrankungen (LIFE Child) unterstützt.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Antje Körner
Telefon: +49 341 97-26500
Email: antje.koerner@medizin.uni-leipzig.de

Originalpublikation:
„Acceleration of BMI in Early Childhood and Risk of Sustained Obesity"; DOI: 10.1056/NEJMoa1803527

Weitere Informationen:
https://www.nejm.org/do/10.1056/NEJMdo005405/full/?requestType=popUp&related...

Quelle: idw

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Risiken von Mikroschadstoffen bewerten, Stauräume nachhaltig bewirtschaften, Dürre sichtbar machen

Monika Landgraf Strategische Entwicklung und Kommunikation - Gesamtkommunikation
Karlsruher Institut für Technologie

Wasser gilt als einer der wichtigsten Rohstoffe des 21. Jahrhunderts. Wie die Verfügbarkeit in ausreichender Qualität gewährleistet werden kann, erforschen Universitäten des Landes gemeinsam im Förderprogramm „Netzwerk Wasserforschung Baden-Württemberg", einer Initiative des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK). Die Geschäftsstelle am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) veranstaltet ein Statuskolloquium, um Ergebnisse der drei großen Verbundprojekte vorzustellen.

„Aktuelle und zukünftige Herausforderungen in der Wasserforschung verlangen angesichts des globalen Wandels und der komplexen Nutzungskonflikte um Wasserressourcen ein hohes Maß an inter- und transdisziplinären Herangehensweisen", sagt Harald Horn, Professor am Engler-Bunte-Institut (EBI) des KIT und Sprecher des Netzwerks. „Nur mit einer engen Verzahnung von Natur-, Ingenieur-, Geistes- und Sozialwissenschaften kann die Wasserforschung zukunftsweisende Lösungsansätze entwickeln und umsetzen."

Die vielfältigen Aktivitäten der Hochschulen des Landes auf diesem Gebiet besser zu vernetzen, ist Ziel des „Netzwerks Wasserforschung Baden-Württemberg". Zentrale Komponenten sind dabei drei interdisziplinäre Verbundprojekte, in denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von je drei Hochschulen in Baden-Württemberg jeweils ein gemeinsames Thema aus unterschiedlichen Perspektiven bearbeiten:

Effect-Net: Wirkungszusammenhänge für die Risikobewertung von Chemikalien in Gewässerökosystemen
Im Projekt Effect-Net (Effect Network in Water Research) arbeiten Natur- und Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der Universitäten Heidelberg und Tübingen sowie des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zusammen. Sie erforschen, ob sich Arzneimittel und künstliche Süßstoffe in Gewässern nachteilig auf Fische und wirbellose Organismen auswirken. Zusätzlich will das Projektteam herausfinden, wie Gesellschaft und Politik diese Thematik wahrnehmen. Zum Nachweis der Substanzen selbst sowie deren Um- und Abbauprodukte in Oberflächenwasser, Abwasser und Organismen haben die Forscherinnen und Forscher chemisch-analytische Methoden entwickelt und optimiert. Ziel von Effect-Net ist, biologische Risiken zu identifizieren, ihnen entgegenzuwirken sowie Konzepte zur Steuerung von Konsumentenverhalten und für die Umweltgesetzgebung zu entwickeln.

Sprecher: Professor Thomas Braunbeck, Universität Heidelberg
Weitere Informationen: http://www.effect-net-wasser.de

CHARM: Stauräume verstehen - Stauräume nachhaltig bewirtschaften
Talsperren und Stauräume wie Speicher und Rückhaltebecken spielen eine bedeutende Rolle für die Wasser- und Energieversorgung, den Hochwasserschutz und die Freizeitgestaltung. Bau und Betrieb sind jedoch mit vielen Herausforderungen verbunden: Ablagerung von Sedimenten, Wachstum von Blaualgen, Emission von Treibhausgasen oder gesellschaftliche Akzeptanz. Im Projekt CHARM (CHAllenges of Reservoir Management) erforscht ein interdisziplinäres Team der Universitäten Stuttgart, Konstanz und Freiburg die Eigenschaften von Stauräumen im Schwarzwald und im Fränkischen Seenland und die damit assoziierten Prozesse. Die Ergebnisse können zu einem verbesserten Speichermanagement beitragen, um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen (z.B. Wasserkraft, Hochwasserschutz), Gefährdungen zu reduzieren (z.B. Treibhausgasemissionen, gesundheitliche Risiken durch Blaualgentoxine) und den Betrieb aus ökologischer Sicht zu verbessern.

Sprecherin: Professorin Silke Wieprecht, Universität Stuttgart
Weitere Informationen: www.charm-bw.de

DRIeR: Auswirkungen von Dürre - Das Unsichtbare sichtbar machen
Die Dürre dieses Jahres zählt zu den folgenreichsten Ereignissen der letzten zwei Jahrzehnte. Solche Extremereignisse könnten in Anbetracht des Klimawandels auch in Baden-Württemberg häufiger auftreten. Ein interdisziplinäres Team an den Universitäten Freiburg, Heidelberg und Tübingen untersucht im Forschernetzwerk DRIeR die komplexen Auswirkungen von Dürre auf Natur und Gesellschaft. Die Forscherinnen und Forscher analysieren Dürreereignisse und deren Auswirkungen seit dem 16. Jahrhundert und verbinden diese mit gegenwärtiger Prozessforschung, um insbesondere die versteckten Auswirkungen, beispielsweise auf Wasserqualität und Biodiversität, sichtbar zu machen. DRleR beschäftigt sich darüber hinaus mit der Frage, wie Staat und Gesellschaft mit dem Risiko einer Dürre umgehen und umgehen sollten.

Sprecherteam: Professorin Kerstin Stahl und Professor Jens Lange, Universität Freiburg
Weitere Informationen: www.drier.uni-freiburg.de

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) unterstützt das „Netzwerk Wasserforschung in Baden-Württemberg" über einen Zeitraum von fünf Jahren bis 2020. Die drei interdisziplinären Verbundprojekte erhalten jeweils zwei Millionen Euro. Beim Statuskolloquium stellen die Wasserforscherinnen und -forscher erste Ergebnisse vor.

Das MWK fördert zudem die Geschäftsstelle des Netzwerks Wasserforschung Baden-Württemberg, die am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) beim Sprecher des Netzwerks, Professor Harald Horn, eingerichtet wurde. Die Geschäftsstelle organisiert Workshops und Veranstaltungen zu vielfältigen Themen, um neue Kooperationen aufzubauen und weitere Forschungsideen zu entwickeln. Auch der wissenschaftliche Nachwuchs wird dabei schon frühzeitig in den interdisziplinären Austausch und die Ideenentwicklung eingebunden.

Weitere Informationen:
http://www.wassernetzwerk-bw.de

Weiterer Kontakt:
Sarah Werner, Redakteurin/Pressereferentin, Tel.: +49 721 608 21170, E-Mail: sarah.werner@kit.edu

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft" schafft und vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie, Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. Seine 25 500 Studierenden bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: http://www.sek.kit.edu/presse.php

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Sarah Werner, Redakteurin/Pressereferentin, Tel.: +49 721 608 21170, E-Mail: sarah.werner@kit.edu

Originalpublikation:
http://www.kit.edu/kit/pi_2018_123_risiken-von-mikroschadstoffen-bewerten-staura...

Weitere Informationen:

http://sarah.werner@kit.edu
http://www.sek.kit.edu/presse.php
http://www.wassernetzwerk-bw.de
http://www.effect-net-wasser.de

Anhang
KIT: Risiken von Mikroschadstoffen bewerten, Stauräume nachhaltig bewirtschaften, Dürre sichtbar machen
https://idw-online.de/de/attachment66819

Quelle: idw

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Wasser - zu viel oder zu wenig? Tagung zu regionalen Auswirkungen des Klimawandels

Josef Zens Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Klimawandel in Regionen verstehen, Folgen erkennen und Auswirkungen diskutieren: Die 8.. Regionalkonferenz des Forschungsverbunds REKLIM legt den Schwerpunkt auf die Auswirkungen des Klimawandels in Nordost-Deutschland und beantwortet Fragen rund um das Thema Wasser. Nach dem heißen Sommer und der massiven Dürre in weiten Teilen Deutschlands zeichnen sich die Folgen dieser extremen Wetterbedingungen ab: Ernteausfälle, Einbußen für die Binnenschifffahrt, großflächige Waldbrände sowie Belastungen für Mensch und Natur. Forschende des Verbunds REKLIM „Regionale Klimaänderungen" der Helmholtz-Gemeinschaft diskutieren mit Politik und Verwaltung die Herausforderungen.

Klimawandel in Regionen verstehen, Folgen erkennen und Auswirkungen diskutieren: Die mittlerweile achte Regionalkonferenz des Forschungsverbunds REKLIM legt in diesem Jahr den Schwerpunkt auf die Auswirkungen des Klimawandels in Nordost-Deutschland und beantwortet insbesondere Fragen rund um das Thema Wasser. Nach dem sehr warmen Sommer im Norden und Osten und der massiven Dürre in weiten Teilen Deutschlands zeichnen sich die Folgen dieser extremen Wetterbedingungen in vielen Bereichen ab: Ernteausfälle, Einbußen für die Binnenschifffahrt, großflächige Waldbrände sowie Belastungen für Mensch und Natur. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungsverbunds REKLIM „Regionale Klimaänderungen" der Helmholtz-Gemeinschaft diskutieren mit Vertretern aus Politik und Verwaltung, vor welche Herausforderungen der Klimawandel die Gesellschaft bereits heute stellt.

Die in diesem Jahr vom Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) vorbereitete 8. REKLIM Regionalkonferenz findet am 25. September 2018 im Hörsaalgebäude „H" auf dem Telegrafenberg in Potsdam statt. Neben Expertinnen und Experten des Helmholtz-Forschungsverbunds REKLIM gestalten Entscheidungsträger aus Politik und Verwaltung das Programm aktiv mit. Es geht dabei besonders um Fragestellungen der Anpassung, wie z. B. der Historischen Gärten in Potsdam, dem Regenwassermanagement in Berlin oder wie sich die Wasserwirtschaft der Stadt Potsdam der Zukunft stellt. Ergänzt wird der Tag durch aktuelle Forschungsergebnisse aus der Wissenschaft.

„Gerade die Frage, ob extreme Wetterereignisse wie Starkregen oder Trockenheit häufiger und intensiver werden, spielt für die Anpassung eine enorm wichtige Rolle", erklärt der wissenschaftliche Koordinator des Forschungsverbundes, Prof. Dr. Peter Braesicke, der am 1. September 2018 die wissenschaftliche Leitung des Forschungsverbundes von Prof. Dr. Peter Lemke übernommen hat. Er ergänzt: „Die REKLIM-Konferenz bietet eine hervorragende Dialog-Plattform, um mehr über die aktuelle Forschung und ihre Möglichkeiten, Extreme zu verstehen und vorherzusagen, zu erfahren und die Bedürfnisse der Gesellschaft herauszuarbeiten."

Aber auch die Frage der Einordnung dieser Extremereignisse in den Kontext der Klimawissenschaften wird diskutiert. Seespiegeländerungen als Indikatoren für Klimaänderungen in der Vergangenheit und heute werden ebenso erörtert wie die Klimawirksamkeit wiedervernässter Moore oder die Rolle von Bäumen als Indikatoren von Wärmeinseln in der Stadt. Die Veranstaltung wird von Staatssekretärin Dr. Ulrike Gutheil vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg (MWFK) eröffnet.

Die 8. REKLIM Regionalkonferenz schließt mit einem Premierenabend von Kurzfilmen zum Thema Klimawandel, die der Forschungsverbund REKLIM in Kooperation mit der DEKRA Hochschule für Medien, Berlin, entwickelt hat.

Unter dem Titel „Ich wünschte, ich würd‘ in dieser Welt leben" werden sieben Filme von jungen Filmemachern gezeigt, in denen kurze Geschichten und sehr persönliche Vision über die Folgen des Klimawandels erzählt werden. REKLIM engagiert sich seit 2013 in einer intensiven Kooperation mit der DEKRA Hochschule für Medien, um das Thema Klimawandel mit und insbesondere für die junge Generation fassbar und erfahrbar zu machen.

Über REKLIM
Die Helmholtz-Klimainitiative REKLIM (Regionale Klimaänderungen) ist ein 2009 gegründeter Verbund von neun Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft. REKLIM nutzt die in der Helmholtz-Gemeinschaft gebündelte Kompetenz für regionale Beobachtungs- und Prozessstudien in Kombination mit Modellsimulationen zur Verbesserung von regionalen und globalen Klimamodellen, die eine solide Basis für klimabezogene Entscheidungshilfen bieten sollen. Weitere Informationen: www.reklim.de

 

In der Pressestelle
des Deutschen GeoForschungsZentrums
steht Ihnen Josef Zens (0331-288-1040; Mail: josef.zens@gfz-potsdam.de) zur Verfügung,

in der des Alfred-Wegener-Instituts
steht Ihnen Dr. Folke Mehrtens (Tel.: +49(0)471 4831-2007; E-Mail: medien@awi.de
gern für Rückfragen zur Verfügung.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Ihr wissenschaftlicher Ansprechpartner am Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam ist:
Prof. Dr. Achim Brauer (Tel.: +49 (0)331 288-1330; E-Mail: brau@gfz-potsdam.de)

Ihr Ansprechpartner für den REKLIM Verbund ist:
Dr. Klaus Grosfeld (Tel.: +49(0)471 4831-1765; E-Mail: klaus.grosfeld@awi.de)

Weitere Informationen:
https://www.reklim.de/konferenz-2018/

Quelle: idw

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Gegen Straßenschmutz im Regenwasser

Katharina Thehos Dezernat Kommunikation und Marketing
Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Autos verschmutzen nicht nur die Luft, sondern auch die Straßen, auf denen sie fahren. Abrieb von Reifen und Bremsen oder Verlust von Öl - wenn es regnet, gelangen Schadstoffe von den Straßen ins Abwasser. Wie dieses bestmöglich gereinigt werden kann, erforschen Wissenschaftler der Hochschule OWL im Rahmen eines vom NRW-Umweltministerium geförderten Projektes. Die Untersuchungen finden an der Bundesstraße 64 in Höxter statt.

Wenn Regen auf versiegelte Flächen fällt, wäscht er von diesen Verunreinigungen ab, bevor er im Abflusssystem verschwindet. Auf Straßen handelt es sich bei den Verunreinigungen nicht nur um Laub oder Staub, sondern auch um Partikel, die nicht natürlichen Ursprungs sind: Abrieb von Bremsen oder von Reifen, Öl oder metallische Teilchen, die beispielsweise von rostenden Leitplanken stammen. All diese Partikel gelangen mit dem Regenwasser in den Straßenablauf. Dort wird versucht, sie mit Filtern oder durch Einrichtungen, in denen sie sich absetzen, aus dem Wasser zu eliminieren - bisher sind die Ergebnisse jedoch nicht zufriedenstellend: „Wir haben in einem inzwischen abgeschlossenen Forschungsprojekt Abscheider untersucht, mit denen das Wasser behandelt wird. Dazu haben wir Messungen in Straßenabläufen durchgeführt und mit Labordaten verglichen. Dabei fällt auf, dass die Abscheider im Einsatz an der Straße nicht so gut arbeiten wie sich aus dem Verhalten im Labor erwarten ließ", sagt Professor Joachim Fettig vom Fachgebiet Wassertechnologie der Hochschule Ostwestfalen-Lippe.

Er und sein Team bearbeiten jetzt ein Folgeprojekt mit dem Titel „Erfassung und weitergehende Charakterisierung der Fraktion AFS-fein im Zu- und Ablauf von dezentralen Anlagen zur Behandlung des Niederschlagswassers von Verkehrsflächen". Dabei geht es darum, die Eigenschaften der Schmutz-Partikel genauer zu verstehen, um diese besser als bisher aus dem Wasser abscheiden zu können. Das Projekt wird seit Mai 2018 für zwei Jahre mit 160.000 Euro vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Die Wissenschaftler arbeiten an einem Versuchsstand an der Bundesstraße 64 im Stadtgebiet Höxter. Dort entnehmen sie bei Regen automatisiert Proben aus dem abfließenden Wasser. „Die vorhandenen Partikel analysieren wir anschließend mit unterschiedlichen Messmethoden, beispielsweise hinsichtlich ihrer Größe und Dichte", so Fettig, der auch Sprecher des Forschungsschwerpunktes „Nachhaltige Wasserwirtschaft und vorsorgender Gewässerschutz" der Hochschule OWL ist. Die betrachteten Partikel, die im Projektnamen als „Fraktion AFS-fein" benannt sind, sind abfilterbare Stoffe (AFS), die kleiner als 63 Tausendstel eines Millimeter sind.

Die Forscher sammeln über einen Zeitraum von zwei Jahren Daten bei mehreren Dutzend Regengüssen. Neben Metallen und organischen Verunreinigungen steht dabei auch das Thema Mikroplastik im Fokus. „Mikroplastik wird aktuell stark diskutiert, allerdings vor allem im Bereich der Kläranlagen. Der Nachweis im Straßenwasser ist nicht nur für uns neu, sondern allgemein Pionierarbeit", sagt Fettig. Die Wissenschaftler der Hochschule OWL kooperieren in diesem Gebiet mit der Hochschule Rhein-Main, in deren Labors die Mikroplastik-Analysen stattfinden. Das Projekt in Höxter zeichnet sich zudem durch zwei weitere Besonderheiten aus: Zum einen verfolgt es den zeitlichen Verlauf des Regens und geht damit der Frage nach, ob bzw. inwieweit das am Anfang eines Regengusses fallende Wasser am stärksten verschmutzt wird. Zum anderen bringen die Wissenschaftler die Wasserverunreinigungen mit Verkehrsdaten in Verbindung. Hierzu haben sie ein Messsystem installiert, das erfasst, wie viele Fahrzeuge - getrennt nach PKW, LKW und Bussen - den Versuchsstand passieren.

Forschungsschwerpunkt „Nachhaltige Wasserwirtschaft und vorsorgender Gewässerschutz"
Der Forschungsschwerpunkt „Nachhaltige Wasserwirtschaft und vorsorgender Gewässerschutz" der Hochschule OWL befasst sich mit der Gewässerreinhaltung und Gewässergütebestimmung, der Wassermengenwirtschaft, der Gewässer- und Auenökologie sowie der Gewässerentwicklung. Zusätzlich berücksichtigen die Forscherinnen und Forscher wasserwirtschaftliche Aspekte der Geotechnik, Abfallwirtschaft und Deponietechnik. Dabei kommen Methoden der Modelltechnik und der modernen Datenverarbeitung zur Anwendung. Ein Schwerpunkt liegt auf der interdisziplinären Forschung. Beteiligt sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus acht Fachgebieten der beiden Höxteraner Fachbereiche Umweltingenieurwesen und Angewandte Informatik sowie Landschaftsarchitektur und Umweltplanung. www.hs-owl.de/fb8/forschung

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Kontakt: Professor Dr. Joachim Fettig, Telefon 05271 687-7851, E-Mail joachim.fettig@hs-owl.de

Quelle: idw

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Eine Tablette Aspirin täglich hat keinen gesundheitlichen Vorteil für fitte und gesunde Senioren

Sabine Ranke-Heinemann Pressestelle
Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

Viele gesunde Menschen über 70 nehmen jeden Tag eine geringe Dosis Aspirin zu sich, um sich vor Herzinfarkt und Schlaganfall zu schützen. Wissenschaftler der Monash University in Melbourne haben nun herausgefunden, dass sich die Gesundheit der betroffenen Personen hierdurch nicht verbessern lässt. Im Gegenteil: die bekannte Nebenwirkung des erhöhten Blutungsrisikos wurde bestätigt. Also lieber Finger weg vom Aspirin?

Millionen von Senioren nehmen jeden Morgen eine geringe Dosis Aspirin zu sich, ohne dass es hierfür eine medizinische Indikation gibt. Sie tun dies in der Hoffnung, so unter anderem dem ersten Herzinfarkt oder Schlaganfall vorzubeugen. Dabei gibt es in der Forschung kaum Beweise, die diese Annahme unterstützen.

Obwohl in klinischen Richtlinien durchaus auf diesen Mangel an Nachweisen hingewiesen wird, sieht es in der Praxis ganz anders aus: Schon seit Jahrzehnten wird vor diesem Hintergrund täglich Aspirin eingenommen.

Jetzt hat eine große Studie der Monash University ergeben, dass die tägliche Einnahme von niedrig dosiertem Aspirin (100 mg), wenn es gesunde Menschen ab einem Alter von 70 Jahren nehmen, nicht dazu beiträgt, dass das Risiko eines erstmaligen Herzinfarktes oder Schlaganfalls in erheblichem Ausmaß verringert wird.

Die Studie, welche 2010 ihren Anfang genommen hat, wurde in Australien von den Professoren John McNeill und Robyn Woods von der Monash University geleitet. Beide forschen und lehren an der School of Public Health and Preventive Medicine.

Die Studie war eine Zusammenarbeit australischer und amerikanischer Wissenschaftler und vergleicht die Wirkung von niedrig dosiertem Aspirin mit einem Placebo-Wirkstoff bei gesunden Menschen ab 70 Jahren.

Mehr als 19.000 Menschen in Australien und den USA - 16.700 davon im südöstlichen Australien - wurden über einen Zeitraum von sieben Jahren untersucht. Die Studie nannte sich ASPREE: Aspirin in Reducing Events in the Elderly (Aspirin-Einnahme in Hinsicht auf das Vermeiden von Herzinfarkt oder Schlaganfall bei Senioren).

Die Ergebnisse zeigen, dass niedrig dosiertes Aspirin ein gesundes Leben nicht verlängert. Es trägt auch nicht dazu bei, länger zu leben oder die Gefahr eines Herzinfarktes oder eines Schlaganfalls in erheblichem Ausmaß zu reduzieren. Zwischen den Versuchsgruppen mit Aspirin und denen mit Placebo gibt es nur sehr geringfügige Unterschiede.

„Aus dieser komplexen, groß-angelegten und durch Placebo-Präparate kontrollierten Studie kann geschlussfolgert werden, dass gesunde, ältere Menschen, die darüber nachdenken, wie sie ihre Gesundheit am besten fördern können, sehr wahrscheinlich keinen Nutzen aus der Aspirin-Einnahme ziehen.", sagt Professor McNeil, der Leiter des Department of Epidemiology and Preventive Medicine an der Monash University.

Erhöhtes Blutungsrisiko, eine bekannte Nebenwirkung von Aspirin, konnten von der Studie bestätigt werden. Es lässt sich ein kleiner Anstieg (3,8 Prozent) in Fällen von ernsten Blutungen bei den Probanden, welche Aspirin nahmen, feststellen. Bei den Placebo einnehmenden Probanden beträgt der Anstieg hingegen nur 2,8 Prozent.

„Das bedeutet, dass Millionen von gesunden, älteren Menschen weltweit, welche ohne einen medizinischen Grund niedrig dosiertes Aspirin nehmen, dieses völlig unnötig einnehmen. Die Studie zeigt, dass es keinen größeren Vorteil gibt, der das möglicherweise erhöhte Blutungsrisiko wettmacht.", sagt Professor McNeil.

Des Weiteren führt er aus, dass Aspirin ein relativ sicheres Medikament bleibt. Dennoch ist es nicht völlig bedenkenlos einzunehmen, und Patienten sollten sich im Hinblick auf den täglichen, niedrig dosierten Gebrauch an die Anweisungen ihres Arztes halten.

Gleichzeitig warnte er, dass sich die Ergebnisse der Studie nicht auf jene Menschen beziehen lassen, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben oder von einer Angina Pectoris betroffen sind. In diesen Fällen ist Aspirin als wichtiges Medikament zur Vorbeugung empfohlen.

Was passiert als Nächstes?
Laut Professor McNeil werden die ASPREE-Ergebnisse dazu führen, dass globale Richtlinien rund um die Aspirin-Verwendung zur Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Alter überdacht werden.

„Obwohl Aspirin schon seit mehr als 100 Jahren auf dem Markt ist, wussten wir bislang nicht, ob ältere Menschen es zur Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen einnehmen sollten und ob es ihnen ein längeres Leben in Gesundheit ermöglicht. Die Studie hat die Antwort auf diese Fragen nun geliefert", sagte Professor McNeil.

„Diese Ergebnisse werden dabei helfen, die verschreibenden Ärzte darüber zu informieren. Die Ärzte waren lange Zeit unsicher, ob die Empfehlung von Aspirin für gesunde Patienten ohne klaren medizinischen Grund Sinn ergibt."

Professor McNeil erläuterte, dass präventive Versuchsreihen in der älteren Bevölkerungsgruppe - so wie ASPREE - zunehmend wichtig werden, da es einen enormen Anstieg von dieser Bevölkerungsgruppe gibt. Deshalb ist es notwendig, neue Methoden zu entdecken, um die Lebensqualität dieser Altersgruppe aufrecht zu erhalten und das Auftreten von gesundheitlichen Einschränkungen zu verzögern.

„Es wird prognostiziert, dass es bis 2056 in Australien 8,7 Millionen Menschen in dieser Altersgruppe geben wird. Und bis 2096 werden 12,8 Millionen Menschen 65 Jahre oder älter sein. Ohne neue Strategien, um das Einsetzen von körperlichen Einschränkungen und Demenz zu verzögern, werden die Kosten in der Pflege die folgenden Generationen signifikant treffen", erläuterte er.

Die durchgeführte Studie, ASPREE, wurde vom US National Institute of Health, vom Australian National Health and Medical Council, von der Victorian Cancer Agency und der Monash University finanziert.

In den Vereinigten Staaten wurde die Studie von den Professoren Anne Murray und Brenda Kirpach geleitet, welche am Berman Center for Outcomes and Clinical Research in Minneapolis forschen und lehren.

Diese neuen Ergebnisse werden in drei Aufsätzen im New England Journal of Medicine dargelegt.

Weitere Informationen:
Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
Pressestelle Friedrichstr. 95
10117 Berlin
Email: berlin@ranke-heinemann.de
Tel.: 030-20 96 29 593

oder:
John McNeil
john.mcneil@monash.edu

Das Institut ist die gemeinnützige Einrichtung zur Förderung des Austausches und der Auslandsstudien insbesondere mit allen Universitäten Australiens und Neuseelands sowie zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. In seinen Förderprogrammen stellt es SchülerInnen und Studierenden Unterstützung in der Finanzierung durch Stipendien und Coaching in der Studienberatung und Studienplatzbewerbung zur Verfügung.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
https://www.ranke-heinemann.de

Quelle: idw

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Erstmals systematische Untersuchungen von Arzneimitteleinträgen in die Ostsee

Dr.-Ing. Bodo Weigert Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
KompetenzZentrum Wasser Berlin gGmbH (KWB)

In dem von der EU finanzierten Projekt CWPharma wurde damit begonnen, aktive pharmazeutische Wirkstoffe in sechs Flusseinzugsgebieten zu untersuchen, um ein besseres Bild der Eintragspfade, Emissionen und umweltrelevanten Konzentrationen von Arzneimitteln in der Ostseeregion zu erhalten.

„Wir haben bereits Proben aus sechs Flusseinzugsgebieten und mehreren Kläranlagen in Estland, Finnland, Deutschland, Lettland, Polen und Schweden gesammelt. Ziel des Screenings ist es, den gesamten Eintrag von Pharmazeutika in die Ostseeregion abschätzen zu können", sagt Projektleiterin Noora Perkola vom Finnischen Umweltinstitut. „Wir analysieren gerade die Proben in unseren Labors in Helsinki im Hinblick auf etwa 80 pharmazeutische Wirkstoffe. Zum ersten Mal wird ein derart umfassendes und systematisches Screening von unterschiedlichen Proben aus verschiedenen Ländern durchgeführt. Damit werden die Ergebnisse tatsächlich vergleichbar und können für eine solide Abschätzung der Emissionen und potenziellen Hotspots genutzt werden."

Die Beprobung verschiedener Flüsse und Flussmündungen aus Flusseinzugsgebieten in Deutschland wurden bereits vom Kompetenzzentrum Wasser Berlin durchgeführt. Im Fokus waren die Tollense vor und nach der Einleitstelle des Klärwerks Neubrandenburg, die Peenemündung, die Warnow im Stadtgebiet Rostock sowie die Warnowmündung am Leuchtturm in Warnemünde. Um jahreszeitliche Konzentrationsschwankungen in den Oberflächengewässern zu erfassen, erfolgten Probenahmen im Sommer und im Winter. Zusätzlich wurde in der Nähe vom Küstenort Rerik Bodenproben von Agrarflächen genommen, auf denen Klärschlamm ausgetragen wird. Zusätzlich organisierte der DWA-Landesverband Nord-Ost in Kooperation mit dem Betreiber der Kläranlage Rostock eine Beprobung des dortigen Kläranlagenzulaufs sowie des Klärschlamms. Die Proben werden derzeit analysiert. Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Weitere Informationen über Medikamente und die Umwelt sind erforderlich!
Während Pharmazeutika nützlich und manchmal lebensrettend für Menschen und Haustiere sind, können sie für die Umwelt schädlich sein. Helcoms Hintergrundbericht zu pharmazeutischen Konzentrationen und Auswirkungen in der Ostsee (2016) wies bereits auf viele Wissenslücken hinsichtlich des Ostseeraumes hin.
Das Projekt CWPharma will diese Wissenslücken schließen, indem u.a. Emissionen aus der Pharmaindustrie, Krankenhäusern, Mülldeponien, Fisch- und Geflügelfarmen und kommunalen Kläranlagen geprüft werden. „Ziel der Beprobungen in Deutschland war es, die Relevanz von Klärwerksemissionen für die Qualität der Ostsee zu erfassen", sagt Dr. Ulf Miehe, Leiter der Untersuchungen beim Kompetenzzentrum Wasser Berlin.

Es ist bereits bekannt, dass Medikamente für den menschlichen Verbrauch in den Abwässern der Kläranlagen zu finden sind und bestimmte weit verbreitete Arzneimittel wie Codein auch in Fischen der Ostsee gefunden wurden. Dennoch ist in vielen Bereichen sehr wenig über die Menge der in die Umwelt gelangende Medikamente bekannt, und noch weniger wissen wir über die Auswirkungen dieser Substanzen auf die Umwelt.
Der veterinärmedizinische Einsatz von Arzneimitteln ist ein noch größeres Problem. Deshalb nehmen wir auch Proben aus Gewässern in der Nähe von Fisch- und Geflügelfarmen und von Feldern, die mit Mist oder Gülle gedüngt werden.

Wie können die Emissionen reduziert werden?
Zusätzlich zum Screening von Pharmazeutika wird CWPharma verschiedene emissionsmindernde Maßnahmen evaluieren, wie bspw. die Veröffentlichung von Umweltdaten zu pharmazeutischen Produkten und die Erteilung von Umweltgenehmigungen für pharmazeutische Betriebe. "Einige dieser Maßnahmen sind hochtechnisch, wie die weitergehenden Methoden der Abwasserbehandlung, bei anderen wiederum handelt es sich um Low-Tech-Verfahren, die dennoch eine Menge bewirken können, darunter die Rücknahme- und Entsorgungsprogramme für nicht verwendete Arzneimittel ", sagt Noora Perkola.

Bewährte Methoden, wie sie in den Partnerländern bereits praktiziert werden, werden gemeinsam genutzt, um den nachhaltigen Umgang mit Arzneimitteln in der Ostseeregion voranzubringen. Zu diesem Zweck werden im Rahmen des Projekts Leitlinien für eine fortschrittliche Abwasserbehandlung und Emp-fehlungen für Low-Tech-Verfahren zur Kontrolle und Verringerung der Emissionen erarbeitet sowie ein umfassender Aktionsplan für die effizientesten Maßnahmen zur Emissionsminderung.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Kontakt Deutschland:
Dr. Ulf Miehe, Kompetenzzentrum Wasser Berlin, +49 30 53653 821

Projektleitung CWPharma:
Noora Perkola, Finnish Environment Institute tel. +358 295 251 507
Helene Ek Henning, County administrative board of Östergötland

Weitere Informationen:

http://www.cwpharma.fi
http://www.swedishepa.se/Hazards/Pharmaceuticals
https://youtu.be/oIll3vw63as

Quelle: idw

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Ein neuer preiswerter Filter macht es möglich: giftiges Wasser wird sicher und trinkbar

Sabine Ranke-Heinemann Pressestelle
Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

Eine Erfindung in der Flüssigmetall-Chemie könnte dabei helfen, ein Zehntel der Weltbevölkerung kostengünstig mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. Das fanden Forscher der UNSW Sydney und des RMIT in Melbourne in einer bahnbrechenden Studie heraus.

Forscher von der University of New South Wales in Sydney und des Royal Melbourne Institute of Technology haben eine revolutionäre und günstige Methode entwickelt, Filter herzustellen, die mit Schwermetallen kontaminiertes Wasser in wenigen Minuten in sicheres Trinkwasser verwandeln.

Prof. Kourosh Kalantar-zadeh, seit kurzem an der UNSW tätig, und seine früheren Kollegen am RMIT konnten zeigen, dass Nano-Filter aus Aluminiumoxid günstig und mit extrem geringem Energieaufwand mit Hilfe von flüssigem Gallium hergestellt werden können.

Der Hauptautor Dr. Ali Zavabeti (RMIT) und Prof. Kalantar-zadeh erklären, dass ein Stück Aluminium, welches bei Zimmertemperatur in flüssiges Gallium gelegt wird, schnell an der Oberfläche des Galliums Schichten von Aluminiumoxid bildet. Sie entdeckten, dass die Schichten des Aluminiumoxids sehr porös waren. Sie konnten nachweisen, dass Aluminiumoxid geeignet ist, sowohl Schwermetall-Ionen als auch Ölverschmutzungen in noch nie da gewesener Geschwindigkeit zu filtern.

Prof. Kalantar-zadeh, der kurz nach seinem Beitritt in die UNSW School of Chemical Engineering mit dem ARC Australian Laureate Fellowship ausgezeichnet wurde, sagt, dass die kostengünstigen und tragbaren Filter, die durch den neuen Prozess hergestellt werden, von Menschen genutzt werden können, die bisher keinen Zugang zu sauberen Trinkwasser hätten. Sie könnten damit Blei und andere giftige Schwermetalle in wenigen Minuten herausfiltern.

„Weil es sehr porös ist, wird das Wasser sehr schnell durchgefiltert", so Professor Kalantar-zadeh. „Blei und andere Schwermetalle sind eng verwandt mit Aluminiumoxid. Wenn das Wasser die Milliarden Schichten durchläuft, wird jedes einzelne Blei-Ion von den Aluminiumoxid-Schichten angezogen. Zugleich ist die Methode sehr sicher, denn auch nach wiederholter Nutzung kann das Wasser die Schwermetallionen nicht vom Aluminiumoxid lösen".

Prof. Kalantar-zadeh ist der Ansicht, dass die Technologie in Afrika und Asien besonderes gut an den Orten eingesetzt werden kann, an denen die Konzentration von Schwermetallionen im Wasser besonders hoch - und damit für Menschen schädlich - ist. Es wird geschätzt, dass 790 Millionen Menschen, also einer von zehn der gesamten Weltbevölkerung, keinen Zugang zu sauberem Wasser haben.

„Wenn die Wasserqualität schlecht ist, nimm einfach einen dieser Filter", so Prof. Kalantar-zadeh. „Man schüttet das kontaminierte Wasser in eine Flasche mit einem Aluminiumoxid-Filter. Dann wartet man zwei Minuten, und das durch den Filter gelaufene Wasser ist sauber und trinkbar. Und das Gute daran ist, dass der Filter auch noch günstig ist."

Es gäbe zwar bereits tragbare Filter, die Schwermetalle aus dem Wasser filtern, aber diese seien im Vergleich teuer. Sie kosteten oft mehr als 100 Dollar. Im Gegensatz dazu könnten die Aluminiumoxid-Filter, die mit flüssigem Gallium hergestellt werden, für nur 10 Cent produziert werden, was sie für mögliche zukünftige Investoren interessant macht.

„Um Aluminiumoxid herzustellen, musste man Aluminium bislang auf über 1.000 Grad erhitzen oder andere energieintensive Prozesse nutzen", sagt Prof. Kalantar-zadeh. „Es würde eigentlich sehr viel Energie kosten, etwas wie diesen Filter herzustellen, wodurch der Prozess sehr teuer wäre. Jetzt reden wir von etwas, was man sogar bei 35 Grad in der Sonne machen kann."

„Während Aluminium reichlich vorkommt und billig ist, ist Gallium recht teuer. Aber was Gallium in diesem Prozess zum Helden macht, ist die Tatsache, dass es nach der Produktion des Aluminiumoxids rein und unverändert bleibt. Man fügt einfach Aluminium zum Gallium hinzu, und sobald es mit der Wasseroberfläche in Berührung kommt, erhalten wir Aluminiumoxid. Man kann das Gallium wieder und wieder verwenden. Gallium reagiert nicht mit den anderen Stoffen", erklärt Prof. Kalantar-zadeh.

Prof. Kalantar-zadeh sagt, der Herstellungsprozess sei so günstig und benötige nur so wenig Energie, dass die Filter sogar in der Küche hergestellt werden könnten. „Wir veröffentlichen dieses Konzept und machen es zum Allgemeingut, damit alle Menschen auf der Welt die Idee kostenlos nutzen und ihre Lebensqualität verbessern können", so Prof. Kalantar-zadeh.

„Hierbei geht es um ein neues Paradigma. Wir haben noch nicht einmal damit angefangen herauszufinden, wir wir flüssige Metalle als Basis für Dinge nutzen können, die günstig, grün und sicher für die Menschheit sind."

Das Paper wurde im wissenschaftlichen Magazin „Advanced Functional Materials" veröffentlicht.

Die Arbeit, die von Prof. Kalantar-zadeh und Dr. Zavabeti geleitet wurde, wurde vom ARC Centre for Future Low-Energy Electronics Technologies (FLEET) finanziert.

Weitere Informationen:
Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
Pressestelle Friedrichstr. 95
10117 Berlin
Email: berlin@ranke-heinemann.de
Tel.: 030-20 96 29 593

oder:

Isabelle Dubach
Media and Content
+61 2 9385 7307
i.dubach@unsw.edu.au

Das Institut ist die gemeinnützige Einrichtung zur Förderung des Austausches und der Auslandsstudien insbesondere mit allen Universitäten Australiens und Neuseelands sowie zur Förderung von Wissenschaft und Forschung. In seinen Förderprogrammen stellt es SchülerInnen und Studierenden Unterstützung in der Finanzierung durch Stipendien und Coaching in der Studienberatung und Studienplatzbewerbung zur Verfügung.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
https://www.ranke-heinemann.de

Quelle: idw

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Umweltauswirkungen der Krabbenfischerei im Nationalpark Wattenmeer

Dr. Michael Welling Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Thünen-Institut erhält Zuschlag für ein neues, bundesländerübergreifendes Forschungsprojekt

Die deutsche Nordseeküste gehört fast vollständig zum Nationalpark Wattenmeer, einem besonders schützenswerten Ökosystem. In diesem Gebiet sind rund 190 Krabbenfischerei-Betriebe tätig. Hohe Anforderungen an die Nachhaltigkeit sind nötig, um die Garnelenfischerei mit den Nationalparkzielen und der Natura2000-Richtlinie in Einklang zu bringen. Bei ihren Fangfahrten setzen die Krabbenfischer Grundschleppnetze ein, sogenannte Baumkurren, die durch Rollen und Kufen stetigen Kontakt zum Meeresboden haben. Wie stark dies das Ökosystem beeinträchtigt, wird in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert.

Die Auswirkungen der Baumkurren auf den Meeresboden und seine Lebensgemeinschaften besser zu verstehen, ist Ziel des neuen Forschungsprojekts „CRANIMPACT - Auswirkungen der Garnelenfischerei auf Habitate und Lebensgemeinschaften im Küstenmeer der Norddeutschen Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen". Unter Leitung des Thünen-Instituts für Seefischerei hat sich für dieses Projekt ein Konsortium aus Universitäten, staatlichen Forschungseinrichtungen und Wirtschaftspartnern zusammengefunden; die Kosten von rund 1,4 Millionen Euro werden zu 75 % aus Mitteln des Europäischen Meeres- und Fischereifonds bereitgestellt, die übrigen 25 % tragen die beiden Bundesländer Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

Das Projekt hat zwei sich ergänzende Ansätze: Analysen der Zusammensetzung der Bodenlebensgemeinschaften entlang von Gradienten fischereilicher Nutzung und die Untersuchung der Erholungsraten der Lebensgemeinschaften und Bodenstrukturen nach experimenteller Befischung. Als Referenzgebiet dient dabei erstmals ein Teil des dänischen Wattenmeeres, wo Krabbenfischerei seit Jahrzehnten verboten ist. Zusätzlich wird untersucht, wie tief die Baumkurren in die verschiedenen Bodentypen des Küstenmeeres eindringen, um deren physikalische Empfindlichkeit gegenüber der Fischerei herauszuarbeiten.

Für die Arbeiten auf See kommen sowohl kommerzielle Krabbenkutter der Erzeuger-gemeinschaft der Deutschen Krabbenfischer zum Einsatz als auch kleinere Forschungsschiffe, die speziell für den Einsatz im flachen Wattenmeer konzipiert sind. Die Untersuchungsgebiete erstrecken sich vom Lister Tief nördlich der Insel Sylt bis zur Blauen Balje südlich des Jadebusens im Niedersächsischen Wattenmeer.

Neben den praktischen Arbeiten auf See werden verschiedene Datensätze, unter anderem Langzeiterhebungen der Bodenlebensgemeinschaften und Satellitenüberwachungsdaten, ausgewertet, um abschätzen zu können, wie sich die Ökosysteme längerfristig an die Fischerei anpassen. In den biologischen Analysen stehen die Auswirkungen der Fischerei auf die Ökosystemfunktionalität und -leistungen besonders im Fokus.

Die Projektergebnisse liefern eine fundierte wissenschaftliche Grundlage für Management-maßnahmen und Bewirtschaftungspläne für die Krabbenfischerei im Küstenmeer, wie sie z.B. im Rahmen der MSC-Zertifizierung eingefordert werden. Darüber hinaus liefern Sie wichtige Fakten, die die Diskussion über die Vereinbarkeit von Naturschutz und fischereilicher Nutzung im Nationalpark Wattenmeer weiterbringen können.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Gerd Kraus
Thünen-Institut für Seefischerei, Bremerhaven
Tel.: 0471 94460-101
E-Mail: gerd.kraus@thuenen.de

Quelle: idw

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Das Hochwasserrisiko besser abschätzen

Dr. Julia Weiler Dezernat Hochschulkommunikation
Ruhr-Universität Bochum

Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum haben ein neues statistisches Modell entwickelt, das vorhersagt, wie wahrscheinlich extreme Hochwasserereignisse in Deutschland sind. Anders als in früheren Modellen unterscheiden sie dabei drei Typen von Hochwasser mit verschiedenen Ursachen, etwa Starkregen oder Dauerregen. Das Modell kann helfen, das Hochwasserrisiko in bestimmten Gebieten einzuschätzen und entsprechende Schutzmaßnahmen zu planen. Über ihre Arbeit berichtet das Team um Prof. Dr. Andreas Schumann vom Lehrstuhl für Hydrologie, Wasserwirtschaft und Umwelttechnik im Bochumer Wissenschaftsmagazin Rubin.

Drei Ursachen für Hochwasser
In ihrem Modell unterscheiden die Hydrologen drei Arten von Hochwasser, die auf verschiedene Ursachen zurückgehen: Starkregen, der ein oder zwei Tage andauert; Dauerregen über vier bis fünf Tage; und schneebeeinflusste Hochwasser.

Früher wurden die Jahreshöchstwerte statistisch analysiert, das Modell unterschied also nicht zwischen den drei Hochwassertypen. Genau das ist aber notwendig, um die Hochwasserwahrscheinlichkeit abzuschätzen. Ein kurzer, lokal begrenzter Starkregen kann zum Beispiel in kleineren Gebieten die Flüsse über die Ufer treten lassen, in größeren Gebieten aber nicht.

Wetterdaten und Pegelstände zusammenbringen
Schumanns Gruppe rechnete die drei Hochwassertypen für das neue Modell auseinander. Als Grundlage erhielten sie von den jeweiligen Landesämtern Aufzeichnungen der Pegelstände bestimmter Flüsse und setzten diese mit meteorologischen Daten des Deutschen Wetterdienstes zum gleichen Zeitpunkt in Beziehung. So erhielten sie eine Statistik, welche Wetterereignisse welche Effekte in den Flüssen auslösen, und können darauf basierend Aussagen zum Hochwasserrisiko für die Zukunft ableiten. Das Modell basiert auf Daten des Flusses Mulde und der Region Ostharz. Prinzipiell funktioniert es für ganz Deutschland, allerdings muss es für jedes Gebiet angepasst werden.

Wichtig für eine möglichst gut treffende Aussage sind auch die Randbedingungen jeder Region, die das Modell ebenfalls berücksichtigt. Dazu zählen Bodenfeuchte, Bewaldung, ob und wie ein Gebiet landwirtschaftlich genutzt oder bebaut ist sowie das Relief des Geländes, das zum Beispiel bedingt, ob es eine steile oder flache Flutwelle gibt und wie schnell das Hochwasser abläuft.

Hochwasser treten unregelmäßig auf
„Wir können nun ausrechnen, wie wahrscheinlich es ist, dass in einem beliebigen Jahr eine bestimmte Art von Hochwasser auftritt", sagt Andreas Schumann. Allerdings sind die Ereignisse nicht gleichmäßig über die Zeit verteilt. Gemeinsam mit Meteorologinnen und Meteorologen der Goethe-Universität Frankfurt suchen die Bochumer Ingenieure derzeit nach einer Erklärung für hochwasserarme und -reiche Perioden.

Kein Beleg für den Klimawandel
Klar ist: Seit ungefähr 1993 befindet sich Deutschland in einer hochwasserreichen Zeit. „Natürlich stellt sich immer die Frage, ob das die Folgen des Klimawandels sind", weiß Andreas Schumann. „Aber bislang sind die Messreihen nicht lang genug, um einen solchen Zusammenhang zu belegen. Hochwasserreiche Perioden hat es auch schon früher gegeben." Trends zeichnen sich hingegen ab: Schneehochwasser sind seltener geworden; Hochwasser durch Starkregen häufiger - statistisch signifikant ist das jedoch derzeit nicht.

Die beschriebenen Arbeiten erfolgen im Rahmen der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsgruppe „Space-Time Dynamics of Extreme Floods".

Ausführlicher Beitrag in Rubin
Einen ausführlichen Beitrag (http://news.rub.de/wissenschaft/2018-09-17-umwelttechnik-hochwasserrisiko-besser...) zum Thema finden Sie im Wissenschaftsmagazin Rubin. Texte auf der Webseite und Bilder aus dem Downloadbereich dürfen unter Angabe des Copyrights für redaktionelle Zwecke honorarfrei verwendet werden.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Andreas Schumann
Lehrstuhl für Hydrologie, Wasserwirtschaft und Umwelttechnik
Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwissenschaften
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 32 24693
E-Mail: andreas.schumann@rub.de

Weitere Informationen:
http://news.rub.de/leute/2018-05-18-volker-medal-andreas-schumann-fuer-hochwasse...

Quelle: idw

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Neue Studie: Wasserelektrolyse hat Potenzial zur Gigawatt-Industrie

Karin Schneider Presse und Public Relations
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

Die Wasserelektrolyse zur Erzeugung von Wasserstoff auf Basis von regenerativ erzeugtem Strom entwickelt sich immer mehr zu einer Kerntechnologie der Energiewende. Der steigende Anteil volatilen Wind- und Solarstroms kann in Form von Wasserstoff saisonal gespeichert, rückverstromt oder zu Kraftstoffen und chemischen Grundstoffen weiterverarbeitet werden. Allein für Deutschland wird bis 2050 eine installierte Anlagenleistung im dreistelligen Gigawattbereich prognostiziert, unter der Maßgabe, dass die Klimaschutzziele der Bundesregierung erreicht werden.

Im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) haben das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie und Automatisierung IPA und das Beratungsunternehmen E4tech einen Fahrplan für die Etablierung der Wasserelektrolyse in Deutschland entwickelt.

In der heute veröffentlichten Studie »Industrialisierung der Wasserelektrolyse in Deutschland: Chancen und Herausforderungen für nachhaltigen Wasserstoff für Verkehr, Strom und Wärme« zeigen die Partner auf, wie die notwendigen industriellen Fertigungskapazitäten für Elektrolyseure in den nächsten Jahren aufgebaut werden können. Sie untersuchten hierfür die Herausforderungen beim Aufbau einer Gigawatt-Elektrolyse-Industrie in Deutschland, insbesondere mit Blick auf kritische Komponenten. Unter Einbeziehung von Industrie und Anwendern wurden die technologischen, herstellungstechnischen und akteursspezifischen Handlungsbedarfe diskutiert und Handlungsempfehlungen abgeleitet.

Der künftige Elektrolysebedarf für die Sektoren Verkehr, Wärme und Strom wurde mit dem am Fraunhofer ISE entwickelten Tool REMod-D in einer Energiesystemsimulation für Deutschland ermittelt. Insgesamt wurden sechs Ausbauszenarien betrachtet, um unter anderem die Bandbreite der in der Industrieumfrage ermittelten Leistungsparameter zu berücksichtigen; in allen betrachteten Szenarien gilt dabei die Randbedingung, dass das deutsche Klimaziel einer Absenkung der energie-bedingten CO2-Emissionen um 80 % ohne einen großskaligen Import von synthetischen Energieträgern erreicht wird. Zugleich wird davon ausgegangen, dass energieintensive Industrien auch weiterhin am Standort Deutschland betrieben werden. Im Ergebnis resultiert - abhängig von den jeweils zugrunde gelegten Randbedingungen - ein Ausbaukorridor von größer 100 bis weit über 200 Gigawatt an installierter Elektrolysekapazität im Jahr 2050. Bereits in der zweiten Hälfte des kommenden Jahrzehnts müsste die Zubaurate ein Gigawatt Neuinstallation pro Jahr deutlich übersteigen, und ab den 2030er Jahren gehen die Szenarien von mehreren Gigawatt Neuinstallation pro Jahr aus. »Bereits heute sind die beiden wichtigsten Technologien, die alkalische und die PEM-Elektrolyse, in einem technisch ausgereiften Zustand. Einer großskaligen Nutzung der Elektrolyse steht aus technologischer Sicht nichts im Wege«, erklärt Dr. Tom Smolinka, Abteilungsleiter Chemische Energiespeicherung am Fraunhofer ISE. Einzelne Forschungsthemen müssen jedoch noch weiter verfolgt werden. So ist beispielsweise die Hochtemperatur-Elektrolyse noch nicht wettbewerbsfähig, sie hat aber wegen des geringeren Strombedarfs und der in Deutschland vorhandenen industriellen Abwärme durchaus Potenzial. Auch aus produktionstechnischer Sicht konnten nur wenige hinderliche Aspekte identifiziert werden. »Die zur Produktion der Komponenten nötigen Verfahren werden bereits in anderen Branchen großindustriell angewendet. Eine Skalierung der Produktion ist mit einem vergleichsweise geringen Maschinen- und Kapitaleinsatz möglich«, so Steffen Kiemel, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer IPA. Bei den als potenziell kritisch eingestuften Komponenten wurde aufgezeigt, dass weder kurz- noch langfristig mit Lieferengpässen zu rechnen ist.

Markthemmnisse beseitigen
»Handlungsbedarf besteht vor allem auf Seiten des Gesetzgebers: der Markthochlauf, der für die weitere Technologieentwicklung und Kostenreduktion der zentrale Hebel ist, muss durch Anpassungen des regulatorischen Rahmens, insbesondere beim Strombezug unterstützt werden, damit Elektrolyseanwendungen wirtschaftlich werden können«, bekräftigt Franz Lehner, Managing Consultant beim Beratungsunternehmen E4tech. Die Autoren der Studie schlagen daher ein »Marktaktivierungsprogramm Wasserelektrolyse« vor, das den Herstellern und Anwendern Planungssicherheit für Investitionen bietet.

Studie
Die Studie »Industrialisierung der Wasserelektrolyse in Deutschland: Chancen und Herausforderungen für nachhaltigen Wasserstoff für Verkehr, Strom und Wärme« wurde durch die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW GmbH) koordiniert und durch den Projektträger Jülich betreut.

Originalpublikation:
https://www.now-gmbh.de/content/service/3-publikationen/1-nip-wasserstoff-und-br...

Weitere Informationen:
https://www.ise.fraunhofer.de/de/presse-und-medien/presseinformationen/2018/neue...

Anhang

Presseinformation [PDF]
https://idw-online.de/de/attachment66627

Quelle: idw

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Versauert die Ostsee? IOWForscher adaptiert erstmals präzise optische pH-Messmethode für Brackwasser

Dr. Kristin Beck Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Großer Fortschritt für das pH-Monitoring in der Ostsee: Um mögliche Versauerungstrends besser beobachten zu können, entwickelte Jens Müller, Meereschemiker am Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW), eine sehr genaue optische pH-Messmethode, die bislang nur bei hohen Salzgehalten im Ozean anwendbar war, so weiter, dass sie auch bei geringer Salinität im Ostsee-Brackwasser einsatzbereit ist. Das adaptierte Messverfahren, für das bereits ein marktreifes Gerät konstruiert wurde, empfiehlt sich daher für den routi-nemäßigen Einsatz im Rahmen der Ostsee-Umweltüberwachung der Helsinki-Kommission (HELCOM). Durchgeführt wurden die Arbeiten im Rahmen des EU-Projektes BONUS PINBAL*.

Der durch den Menschen verursachte übermäßige CO₂-Ausstoß ist nicht nur ein Problem für das Weltklima, sondern auch für die Weltmeere: Kohlendoxid löst sich im Meerwasser, bil-det Kohlensäure und setzt dadurch Wasserstoff-Ionen frei, die zu einer Versauerung führen. Seit Beginn der Industrialisierung ist der durchschnittliche pH-Wert der Ozeane von 8,2 auf rund 8,1 gefallen. Auch als „das andere CO₂-Problem" bezeichnet, beeinflusst die Absen-kung des pH-Wertes fast alle biochemischen und biologischen Prozesse im Meer. Sehr emp-findlich reagieren beispielsweise Muscheln, Krebse und Korallen, da der Aufbau ihrer Kalkschalen, -panzer oder -skelette in dem zunehmend sauren Milieu erschwert wird.

Obwohl sich die Wissenschaft bereits seit rund zwei Jahrzehnten mit der Ozeanversauerung befasst, ist es nicht leicht, die aktuelle Dynamik des Phänomens mitzuverfolgen: Langzeit-Messreihen im offenen Ozean zeigen, dass sich der pH-Wert im Schnitt jährlich um ca. 0,002 Einheiten vermindert. Um diese geringen Veränderungen zu erfassen, bedarf es hochgenauer Messmethoden. In der Ozeanographie hat sich dafür die optische pH-Messung als Standard etabliert hat. Sie beruht auf der Zugabe des Farbstoffs m-Kresolpurpur zur Wasserprobe und dessen pH-abhängigen Farbumschlag von Violett nach Gelb. Die Farbigkeit kann mit einem Photometer äußerst exakt bestimmt und in Abhängigkeit von Salzgehalt und Temperatur in pH-Einheiten umgerechnet werden.

Und wie sieht es mit der Ostsee aus? „Wir haben Daten der letzten 20 Jahre analysiert und keinen eindeutigen Versauerungstrend feststellen können - ein ziemlich bemerkenswertes Ergebnis angesichts der bereits nachgewiesenen allgemeinen Ozeanversauerung", sagt Jens Müller vom IOW, der sich im Rahmen seiner Doktorarbeit intensiv mit dem CO₂-System der Ostsee befasst hat. Dafür kämen verschiedene Gründe in Frage; zwei besonders wichtige seien die folgenden, erklärt der Meereschemiker: 1. Die Datenqualität ist in Bezug auf Mess-genauigkeit unzureichend. 2. Es gibt tatsächlich keinen abnehmenden pH-Trend, da die Versauerung durch konträr wirkende Einflüsse abgepuffert wird.

Dass es in der Ostsee derzeit in der Tat Prozesse gibt, die der Versauerung entgegenwirken, zeigen umfangreiche Analysen zur Alkalinität, also zum Säurebindungsvermögen des Meer-wassers. Der seit 1995 beobachtete Anstieg der Alkalinität in der Ostsee ist wahrscheinlich durch kontinentale Gesteinsverwitterung bedingt, deren Produkte mit den Flüssen in das Binnenmeer gewaschen werden. Wie lange dieser Alkalinitätsanstieg jedoch anhält und eine Versauerung abpuffern kann, ist unbekannt. „Um zu verstehen, was in der Ostsee in Sachen pH passiert, muss ausgeschlossen werden, dass ein Nachweis von Versauerung einfach an Methodenungenauigkeit scheitert", betont Jens Müller. Derzeit basiert die Erfassung des pH-Werts im Rahmen von Ostsee-Routine-Untersuchungen auf Messungen mit einer Glaselektrode; der Messfehler dieses Verfahrens ist zu groß, um Versauerungstrends sicher nachzuweisen. Jens Müller mahnt daher an, ein entsprechendes Monitoring mit genauester Methodik und möglichst guter zeitlicher und räumlicher Auflösung durchzuführen, damit man bei so einem Schlüsselparameter immer auf dem neusten Stand sei. Müller: „Wir haben deshalb die deutlich genauere optische pH-Messmethode, die bislang nur in den offenen Ozeanen mit hohen Salzgehalten zwischen 20 und 40 anwendbar war, so weiterentwickelt, dass sie auch im Ostsee-Brackwasser bei geringerer Salinität von 5 bis 20 funktioniert und für ein routinemäßiges Monitoring einsatzbereit ist."

Dazu glich Jens Müller in Kooperation mit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) in künstlichen Meerwasserstandards durchgeführte optische pH-Messungen erstmals mit pH-Messungen nach dem primären, messtechnisch definierten elektrochemischen Stan-dardverfahren ab und charakterisierte systematisch das Farbumschlagsverhalten des Indi-katorfarbstoffs m-Kresolpurpur für niedrige Salzgehalte. „Mit Hilfe dieser auf Primärstandards zurückführbaren Daten können wir nun erstmals pH-Messgeräte auch für den Salinitätsbereich der Ostsee eichen und die Farbigkeit des Indikators zuverlässig in pH-Einheiten umrechnen", erläutert Müller. In einem letzten Schritt konnte der IOW-Forscher noch experimentell ausschließen, dass sich Schwefelwasserstoff und größere Mengen organischen Materials, beides typisch für Brackwasserökosysteme wie die Ostsee, störend auf das neue Messverfahren auswirken.

Um das optische pH-Messverfahren nicht nur auf chemisch-physikalischer Ebene für den Einsatz in der Ostsee startklar zu machen, erarbeitete Jens Müller zusammen mit einer Kieler Meerestechnik-Firma und zwei wissenschaftlichen Partnerinstitutionen eine für den Feldein-satz anwendungsreife technische Umsetzung, die mittlerweile erprobt und auf dem Markt ist. „Unser ‚Roter Kasten‘, in dem alles eingebaut ist, was man zur optisch-photometrischen pH-Messung braucht, kann leicht auf jedem Forschungsschiff installiert werden und auch auf sogenannten ‚voluntary observing ships‘ (VOS) mitfahren", sagt Müller.

VOS sind regelmäßig auf den Ozeanen und auch auf der Ostsee verkehrende Schiffe, die nicht primär für die Forschung unterwegs sind, aber dennoch Messgeräte an Bord nehmen und wissenschaftliche Daten erheben. „Einer routinemäßigen Verwendung des angepassten Verfahrens für ein deutlich präziseres, hochaufgelöstes und flächendeckendes pH-Monitoring in der Ostsee steht damit nichts mehr im Wege. Wir halten das nun auch Brackwasser-taugliche Verfahren daher für geeignet, als offizielle neue Standard-Messmethode im Ostsee-Monitoring zum Einsatz zu kommen. Dafür machen wir uns bei der HELCOM (Helsinki-Kommission zum Schutz der Ostsee) stark", kommentiert Gregor Rehder, Leiter der IOW-Arbeitsgruppe „Biogeochemie Umweltrelevanter Gase" und Koordinator des PINBAL-Projekts, die Forschungsergebnisse seines ehemaligen Doktoranden und jetzigen Kollegen abschließend.

Originalpublikationen im Rahmen von BONUS PINBAL* zur pH-Messung im Brackwasser:
(*kurz für „Development of a spectrophotometric pH-measurement system for monitoring in the Baltic Sea", weitere Infos: http://www.bonusportal.org/pinbal)

- Jens D. Müller, Frank Bastkowski, Beatrice Sander, Steffen Seitz, David R. Turner, Andrew G. Dickson, Gregor Rehder (2018): „Metrology for pH Measurements in Brackish Waters - Part 1: Extending Electrochemical pHT Measurements of TRIS Buffers to Salinities 5 - 20", Front. Mar. Sci. 5:176, doi: 10.3389/fmars.2018.00176

- Jens D. Müller and Gregor Rehder (2018): „Metrology for pH Measurements in Brackish Waters - Part 2: Experimental Characterization of Purified meta-Cresol Purple for Spectrophotometric pHT Measurements", Front. Mar. Sci. 5:177, doi: 10.3389/fmars.2018.00177

- Jens D. Müller, Bernd Schneider, Steffen Aßmann, Gregor Rehder (2018): „Spectrophotometric pH measurements in the presence of dissolved organic matter and hydrogen sulfide", Limnol. Oceanogr.: Methods 16, 2018, 68-82, doi: 10.1002/lom3.10227

BONUS PINBAL-Partner:
- Kongsberg Maritime Contros GmbH, Kiel
- University of Gothenburg, Göteborg, Schweden
- Institute of Oceanology of Polish Academy of Science, Warschau, Polen

Kontakt IOW-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit:
Dr. Kristin Beck | Tel.: 0381 - 5197 135 | kristin.beck@io-warnemuende.de
Dr. Barbara Hentzsch | Tel.: 0381 - 5197 102 | barbara.hentzsch@io-warnemuende.de

Das IOW ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, zu der zurzeit 93 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung gehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Bund und Länder fördern die Institute gemeinsam. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Institute etwa 19.100 MitarbeiterInnen, davon sind ca. 9.900 WissenschaftlerInnen. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,9 Mrd. Euro. http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Jens Müller | Tel.: 0381 - 5197 3458 | jens.mueller@io-warnemuende.de
Prof. Gregor Rehder | Tel.: 0381 - 5197 336 | gregor.rehder@io-warnemuende.de

Quelle: idw

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Experten klären auf: Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Lisa-Marie Ströhlein Pressestelle
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

Berlin - Die übermäßige Nutzung von Smartphones und Tablets fördert die Entwicklung von Kurzsichtigkeit bei Kindern. Das belegen Studien. Doch wieviel Zeit am Handy ist aus Sicht des Augenarztes erlaubt? Auf einer Pressekonferenz im Vorfeld des 116. Kongresses der DOG Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft geben Experten konkrete Empfehlungen zum altersangemessenen Umgang mit elektronischen Medien. Die DOG 2018 findet vom 27. bis 30. September 2018 in Bonn statt.

In den vergangenen Jahren ist die Anzahl kurzsichtiger Menschen vor allem in den Industrieländern rasant angestiegen. So sind in Deutschland inzwischen 50 Prozent aller jungen Erwachsenen von einer Kurzsichtigkeit betroffen, in einzelnen asiatischen Ländern beläuft sich die Quote sogar auf bis zu 95 Prozent. „Die Zunahme ist vor allem auf sehr frühen und intensiven Gebrauch von PCs, Smartphones und Tablets bei gleichzeitig immer kürzeren Tagesaufenthalten im Freien zurückzuführen", sagt Frau Professor Dr. med. Nicole Eter, Präsidentin der DOG und Direktorin der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Münster.

Ist Kurzsichtigkeit - in der Fachsprache auch Myopie genannt - einmal vorhanden, bleibt sie bestehen. Eine Myopie beginnt meist im Grundschulalter und nimmt bis ins Erwachsenenalter zu. Es gilt: Je früher sie einsetzt, desto stärker ist ihr Ausmaß. Dabei hat Kurzsichtigkeit nicht nur das Tragen von Brillen oder Kontaktlinsen zur Konsequenz. „Myope Menschen haben auch ein größeres Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Netzhautablösung, Schädigungen der Makula oder für erhöhten Augeninnendruck, der zu grünem Star führt", betont Frau Professor Dr. med. Bettina Wabbels, Leiterin der Abteilung für Orthoptik, Neuro- und pädiatrische Ophthalmologie an der Universitäts-Augenklinik Bonn.

Übermäßiger elektronischer Medienkonsum hat aber vermutlich noch weitere negative Auswirkungen. So kann der ständige Blick auf den Screen kindliche Augen reizen, ermüden und austrocknen. Auch steht der abendliche Griff zu Smartphone & Co. in Verdacht, Schlafstörungen auszulösen. „Der hohe Blaulichtanteil der Bildschirme hemmt die Ausschüttung des Hormons Melatonin, das schläfrig macht", erläutert die Bonner DOG-Expertin. Gehen schon Kleinkinder häufig online, leidet womöglich sogar deren räumliches Vorstellungsvermögen. „Zu viel Smartphone kann zudem Probleme beim Wechsel zwischen Nah- und Fernsicht verursachen, etwa in Form von verschwommenem Sehen oder Schielen", setzt Bettina Wabbels die Liste schädlicher Folgen fort.

Eltern sollten daher unbedingt die Nutzungsdauer digitaler Medien bei ihrem Nachwuchs begrenzen. „Aus augenärztlicher Sicht sind PC, Smartphone oder Tablet für Kinder bis zu einem Alter von drei Jahren gänzlich ungeeignet", betont die DOG-Expertin. Für Vier- bis Sechsjährige empfiehlt sie eine tägliche Nutzungsdauer von bis zu dreißig Minuten - so lautet auch die Einschätzung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. „Im Grundschulalter wäre eine Medienzeit von maximal einer Stunde täglich aus augenärztlicher Sicht vertretbar, ab einem Alter von etwa zehn Jahren von bis zu zwei Stunden pro Tag", ergänzt die Ophthalmologin.

Besitzen Kinder eigene Geräte, die sie außer Haus mitnehmen, sollten die Eltern entweder klare Regeln aufstellen oder die Nutzungsdauer über technische Einstellungen beschränken, etwa mit einer App oder Kindersicherung. Ebenfalls wichtig: „Um Schlafstörungen zu vermeiden, sind elektronische Medien ein bis zwei Stunden vor dem Zubettgehen tabu", sagt Bettina Wabbels. Das digitale „Daddeln" sollte im Übrigen stets mit analoger Freizeitgestaltung kombiniert werden. „Es ist der Gesundheit zuträglich, wenn sich Kinder täglich mindestens zwei Stunden bei Tageslicht im Freien aufhalten, das wirkt auch einer Kurzsichtigkeit entgegen", betont die Expertin.

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG)
Pressestelle
Kerstin Ullrich
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-641
Telefax: 0711 8931-167
ullrich@medizinkommunikation.org
www.dog.org

Weitere Informationen:
http://www.dog.org

Quelle: idw

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Wohnort und Situation beeinflussen, wie stark wir uns mit anderen vergleichen

Gabriele Meseg-Rutzen Presse und Kommunikation
Universität zu Köln

Sozialpsychologen zeigen, dass die menschliche Neigung sich mit anderen zu vergleichen in bestimmten Situationen und in manchen US-Bundesstaaten weiter verbreitet ist als in anderen.

Wohnort und Situation beeinflussen, wie stark wir uns mit anderen vergleichen
Sozialpsychologen zeigen, dass die menschliche Neigung sich mit anderen zu vergleichen in bestimmten Situationen und in manchen US-Bundesstaaten weiter verbreitet ist als in anderen.

Eine aktuelle Reihe von sozialpsychologischen Studien an der Universität zu Köln und der London Business School hat erstmals gezeigt, dass die menschliche Tendenz, sich mit anderen zu vergleichen, von zwei grundlegenden kulturellen Merkmalen abhängt. Dr. Matthew Baldwin (Social Cognition Center Cologne) and Professor Dr. Thomas Mussweiler (London Business School) fanden heraus, dass Menschen sich zum einen in Situationen, in denen strenge soziale Normen herrschen und ein Abweichungen von diesen bestraft wird, stark mit anderen vergleichen. Zum anderen ist die Neigung zum sozialen Vergleich in Situationen höher, in denen sich Menschen mit anderen stark verbunden fühlen. Eine strenge soziale Situation, in der das richtige Verhalten klar definiert ist, kann beispielsweise ein Vorstellungsgespräch sein. Eine weniger strenge soziale Situation, in der man sich mit jedoch mit anderen Menschen stark verbunden fühlt, ist beispielsweise eine Party.

Dieses Phänomen ist in unterschiedlichen Situationen und Kulturen zu beobachten. Die Ergebnisse aus drei Studien wurden nun unter dem Titel „The culture of social comparison" in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlicht.

In den ersten beiden Studien, die Baldwin und Mussweiler online mit dem Tool MTurk von Amazon durchgeführt haben, befragten sie insgesamt rund 1.000 Amerikaner und Amerikanerinnen zu ihrem Verhalten in Alltagssituationen der sozialen Strenge (Vorstellungsgespräch) und der sozialen Verbundenheit (Party). Dabei stellten sie fest, dass besonders in diesen beiden Arten von Situationen die Neigung zum sozialen Vergleich besonders hoch ist. „Die Reaktionen von Menschen, die viele Kilometer voneinander entfernt lebten und sich nicht kannten, sind dabei bemerkenswert ähnlich", sagt Baldwin. „Das bedeutet, dass soziale Vergleiche zum Teil in der sozialen Welt verankert ist: es ist nicht nur eine Frage der individuellen Wahrnehmung."

In der letzten Studie analysierten die beiden Psychologen öffentlich zugängliche Daten von Google mit dem Online-Tool Google Correlate. Für jeden Bundesstaat in den USA schauten sie sich die Suchfrequenzen für eine Vielzahl von Emotionswörtern an, die auf soziale Vergleich hinweisen (z.B. Eifersucht, Stolz). Ein hoher Wert für einen Bundesstaat zeigt, dass Menschen dort öfter nach den Wörtern suchen als Menschen in anderen Staaten. Menschen in Staaten, die kulturell und sozial strenger und kollektivistischer sind, neigen demnach stärker dazu, nach Emotionen des gesellschaftlichen Vergleichs zu suchen. Eine interaktive Karte zu den Forschungsergebnissen in verschiedenen US-Bundesstaaten ist hier verfügbar: www.mattwbaldwin.com/blog/the-culture-of-social-comparison-map.
Sich mit anderen zu vergleichen ist gesellschaftlich weit verbreitet und ein grundlegender Aspekt der menschlichen Kognition. Die Tendenz des Menschen, durch das Denken, Fühlen und Verhalten anderer Informationen zu erhalten, trägt maßgeblich zum Funktionieren der hochkomplexen und vernetzten globalen Welt bei. Allerdings weiß die Wissenschaft noch sehr wenig über den Zusammenhang von kulturellen Unterschieden und sozialen Vergleichen. Die Studie trägt zu einem besseren Verständnis der Ursprünge sozialer Vergleiche und seiner Rolle im menschlichen Zusammenleben bei.

Inhaltlicher Kontakt:
Dr. Matthew Baldwin
+49 221 470-1101
mbaldwin@uni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Eva Schissler
+49 221 470-4030

Publikation:
https://doi.org/10.1073/pnas.1721555115

Quelle: idw

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Energiewende auf den Flüssen Europas

Katharina Vorwerk Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Ingenieure der Universität Magdeburg haben mobile Wasserkraftanlagen und fischfreundliche Wehre für umweltfreundliche Energiegewinnung entwickelt

Ingenieurinnen und Ingenieure der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg arbeiten intensiv an Lösungen für eine umweltfreundliche Energiegewinnung auf den Flüssen Europas. In naher Zukunft will das Bündnis aus Instituten und Unternehmen ökologisch verträgliche Fluss-Wasserkraftanlagen und fischfreundliche Wehre serienreif realisieren, die auf Elbe, Bode oder Tiber mobil eingesetzt werden können.

„In Zeiten steigender Energiekosten und knapper werdender Primärenergiequellen hat die Energienutzung durch Flusskraftwerke ein erhebliches Potenzial", so der Projektleiter und Sprecher des Bündnisses, Dipl.- Ing. Mario Spiewack. Diese Form der Energiegewinnung habe zudem eine lange Tradition, so Spiewack. „Bis in das 19. Jahrhundert hinein standen mehr als 700 so genannte Flussmühlen auf den Flüssen Europas - allein in Magdeburg mehr als 20. Mit ihrem einfachen Wirkungsprinzip aus Schwimmkörpern und einem Wasserrad versorgten sie ganze Städte mit Mahl- und Schleiferzeugnissen. Erst mit der Nutzung von Kohle und Erdöl verschwanden sie von den Gewässern. Die Zeit für die Renaissance moderner Schiffmühlen ist reif."

Prof. Dr.-Ing. Dominique Thévenin von der Fakultät für Verfahrens- und Systemtechnik simuliert, zum Beispiel, die komplizierte Strömung und Verwirbelung in Flüssen, um die neu entwickelten Turbinen und Wasserräder zu optimieren. „Die Forschung mit Wasserrädern wurde Ende des 19. Jahrhunderts gestoppt, da dank der Wasserstauung klassische Turbinen viel effizienter wurden. Wir fangen also wieder dort an, wo Kollegen vor 130 Jahren aufgehört haben, aber mit vollkommen neuen Methoden. Ich bin sehr neugierig zu sehen, was wir mit moderner Technik herausholen werden", so der Strömungsexperte.

Im Forschungsschwerpunkt des Teams von Prof. Dr.-Ing. Roberto Leidhold aus der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik steht der Einsatz von innovativen Generatoren in Flusskraftwerken, sogenannten Transversalflussmaschinen. Der Fokus dieser Technologie liegt darauf, Verluste im Zusammenspiel mit der verwendeten Leistungselektronik sowie Regelungs- und Steuerungsverfahren zu minimieren. Zusätzlich wurden Methoden zur optimalen Integration der Generatoren in die Fluss-Strom-Anlagen erarbeitet und erfolgreich getestet.

Der regionale Wachstumskern Fluss-StromPlus wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF bis 2018 in insgesamt sechs Verbund- und 30 Teilprojekten mit ca. 11 Millionen Euro gefördert. www.flussstrom.eu.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Mario Spiewack, Tel.: +49 391 544 8619 217, E-Mail: mario.spiewack@exfa.de

Weitere Informationen:
http://www.flussstrom.eu

Quelle: idw

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Nach der schweren Grippewelle und vor der nächsten Grippewelle: Schutzmöglichkeiten besser nutzen!

Susanne Glasmacher Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Robert Koch-Institut

Die Grippewelle im Winter 2017/18 ist außergewöhnlich schwer gewesen. Das zeigt der neue Influenza-Saisonbericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) des Robert Koch-Instituts mit seinen umfangreichen Auswertungen.

So gab es zum Beispiel geschätzte neun Millionen influenzabedingte Arztbesuche, zwei Millionen mehr als in den starken Grippesaisons 2012/13 und 2014/15. Besonders ältere Menschen können schwer an der Grippe erkranken oder sogar versterben. „Die Schutzmöglichkeiten müssen besser genutzt werden", betont RKI-Präsident Lothar H. Wieler. Die Impfung ist trotz der von Saison zu Saison unterschiedlichen Wirksamkeit die wichtigste Schutzmaßnahme. Außerdem werden vor allem gründliches Händewaschen mit Seife und Abstandhalten zu Erkrankten empfohlen, um das Erkrankungsrisiko zu verringern.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für alle Personen über 60, für chronisch Kranke aller Altersstufen, für Schwangere und für Medizin- und Pflegepersonal. „Mit keiner anderen Impfung lassen sich hierzulande mehr Leben retten", unterstreicht Wieler. Erst im Juli hatten RKI-Wissenschaftler über die viel zu niedrigen Impfquoten in Krankenhäusern berichtet. Demnach waren in der Grippesaison 2016/2017 in der Ärzteschaft 61,4 % geimpft, beim Pflegepersonal 32,5 % und bei therapeutischen Berufen 34,2 %, in der Bevölkerung waren gerade einmal 34,8 % der Personen über 60 Jahre geimpft.

Das RKI erhebt Daten mit mehreren Systemen, um die Influenza-Aktivität umfassend bewerten zu können. In der AGI wird die Krankheitslast mit dem Praxisindex gemessen, für den rund 550 Arztpraxen bundesweit ehrenamtlich die Zahl ihrer Patienten mit akuten Atemwegserkrankungen melden. Der Praxisindex war in der Grippewelle 2017/18 so hoch wie in keiner der früheren Saisons, seit das RKI 2001 die wissenschaftliche Federführung der AGI und 2009 die vollständige Durchführung übernommen hat. Besonders betroffen waren die Altersgruppen ab 35 Jahren.

Auf Intensivstationen übertraf die Zahl der Patienten mit schweren akuten respiratorischen Erkrankungen die drei Vorsaisons deutlich. Die Schwere der Grippesaison zeigt sich auch in der Auswertung der „Übersterblichkeit" im Zeitraum der Grippewelle, die für Berlin bereits vorliegt. Die im Bericht gezeigten Daten für Berlin übertreffen mit geschätzten 1.100 zusätzlichen Todesfällen die bereits hohen Schätzwerte für 2016/17.

Das Nationale Referenzzentrum für Influenza am RKI untersucht Proben von Patienten mit Grippesymptomen und charakterisiert die zirkulierenden Viren. Von Beginn an dominierten Influenza B-Viren. Sie gehörten fast ausschließlich zur Yamagata-Linie und nicht zur Victoria-Linie, die die Weltgesundheitsorganisation als B-Komponente für den weltweit gebräuchlichsten Dreifachimpfstoff empfohlen hatte (neben den zwei Komponenten für die Influenza A-Subtypen H1N1 und H3N2). Die STIKO-Empfehlung für Vierfachimpfstoffe war im Januar 2018 veröffentlicht worden. Da die Produktion von Grippe-Impfstoffen mehrere Monate in Anspruch nimmt, können die Hersteller diese Empfehlung für die kommende Saison erstmals berücksichtigen. Vierfachimpfstoffe enthalten Vertreter beider B-Linien. Allerdings ist die Influenzaimpfung auch bei guter Übereinstimmung der zirkulierenden Viren nicht so gut wirksam wie andere Impfungen. Aufgrund der Häufigkeit der Influenza können mit der Impfung dennoch sehr viele Erkrankungen, schwere Verläufe und Todesfälle verhindert werden.

Weitere Informationen:
http://www.rki.de/influenza & http://www.rki.de/influenza-impfung

Herausgeber
Robert Koch-Institut
Nordufer 20
D-13353 Berlin

http://www.rki.de
Twitter: @rki_de

Pressestelle
Susanne Glasmacher
(Pressesprecherin)
Marieke Degen
(stellv. Pressesprecherin)
Heidi Golisch
Claudia Paape
Judith Petschelt

Kontakt
Tel.: 030-18754-2239, -2562 und -2286
E-Mail: presse@rki.de

Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit

Quelle: idw

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Insektensterben durch Lichtverschmutzung vermeiden

Dr. Carolin Liefke, Haus der Astronomie Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Astronomie

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg - Studien haben in den vergangenen Jahren einen dramatischen Rückgang von Anzahl und Artenvielfalt bei Fluginsekten festgestellt. Der Lichtverschmutzung - der Aufhellung der Nacht durch künstliche Lichtquellen - fallen nachweislich große Zahlen von nachtaktiven Insekten zum Opfer. Angesichts dessen fordert die Fachgruppe Dark Sky der Vereinigung der Sternfreunde e.V. Maßnahmen zur Reduzierung der Lichtverschmutzung.

Der natürliche Wechsel von hellem Tag und dunkler Nacht ist der grundlegendste Rhythmus der meisten Lebewesen und ein wichtiges Element funktionierender Ökosysteme. Unterbrechungen bedeuten immer eine Störung. Künstliches Licht bei Nacht sollte daher so belastungsarm wie möglich eingesetzt werden.

Durch aktuelle Forschungsergebnisse über den dramatischen Rückgang der Insekten im letzten Jahr rückt das Thema Lichtverschmutzung als eine der wichtigen Ursachen in den Fokus, beispielsweise im Eckpunktepapier der deutschen Bundesregierung [1].

In Anbetracht der Dringlichkeit des Problems fordert die VdS-Fachgruppe Dark Sky, Empfehlungen für umweltfreundliche und verantwortungsvolle Beleuchtung schnellstens bei Planungen und Umsetzungen zu berücksichtigen, die im wesentlichen Lichtlenkung, Lichtmenge und Lichtfarbe umfassen. Die entsprechende Technik ist bereits seit Jahren vorhanden und muss endlich genutzt werden.

Die ehrenamtlich arbeitende Fachgruppe „Dark Sky - Initiative gegen Lichtverschmutzung" der Vereinigung der Sternfreunde e.V. beschäftigt sich bereits seit über 20 Jahren mit diesem Umweltthema und hat schon vor 10 Jahren an Untersuchungen der Universität Mainz zur Auswirkung künstlichen Lichts auf Insekten mitgewirkt [2]. Diese Untersuchungen in Düsseldorf zeigten, dass Leuchtmittel mit geringen Blau- und Ultraviolettanteilen deutlich weniger Insekten anziehen. In dem Zusammenhang wurde damals bereits auf die rapide Abnahme der Insekten hingewiesen [3].

Die Fachgruppe veröffentlichte vor zwei Jahren gemeinsam mit der „Kommission Lichtverschmutzung" der Astronomischen Gesellschaft und der Gesellschaft Deutschsprachiger Planetarien Empfehlungen zur Reduzierung der Lichtverschmutzung [4]. Diese Hinweise sind weiterhin aktuell und werden durch neuere wissenschaftliche Studien unterstützt. Sie helfen auf einfache und effektive Weise, das Sterben von Insekten an künstlichen Lichtquellen zu reduzieren. Dadurch werden auch andere Arten und der Mensch gezielt vor negativen Auswirkungen durch künstliches Licht bei Nacht verschont. Diese Empfehlungen für eine nachhaltige künstliche Beleuchtung, die weit über eine reine Energieeffizienz reichen, werden bereits in den Kommunen der Sternenparks, die in den letzten Jahren mit Unterstützung der Fachgruppe Dark Sky als Modellregionen errichtet wurden, praktisch umgesetzt.

Die Fachgruppe Dark Sky arbeitete zudem an der Erstellung einer Broschüre „Nachhaltige Beleuchtung" des hessischen Umweltministeriums mit, in der Hinweise für Industrie und Gewerbe gegeben werden [5].

Diese von der Fachgruppe Dark Sky empfohlenen Maßnahmen umfassen folgende Punkte:
- Künstliches Licht nachts nur einsetzen, wenn es unbedingt notwendig ist. Insbesondere naturnahe Bereiche sollten nicht beleuchtet werden.
- Licht sollte mithilfe von voll abgeschirmten Leuchten nur dorthin gelenkt werden, wo es benötigt wird, auf die Verkehrs- oder tatsächlich zu beleuchtende Fläche. Insbesondere sollten keine Naturelemente (Bäume, Felsen, Gewässer) angestrahlt werden. Zudem darf kein Licht unnütz nach oben und horizontal abstrahlen. Diese Maßnahme hilft auch Blendung zu vermeiden.
- Die Lichtmenge sollte möglichst gering gewählt werden, oft ist eine gleichmäßige Beleuchtungsstärke von wenigen Lux ausreichend.
- Licht sollte nur bedarfsorientiert eingeschaltet werden, etwa durch Einsatz von Zeitschaltuhren, Schaltern oder Bewegungsmeldern.
- Weißes Licht sollte möglichst wenige Blauanteile enthalten. Deswegen ist warmweißes und gelbes Licht mit einer äquivalenten Farbtemperatur von weniger als 2700 Kelvin (K), keineswegs aber über 3000 K, einzusetzen.

Da diese Maßnahmen leicht zu realisieren sind, fordert die VdS-Fachgruppe Dark Sky endlich ihre schnelle Umsetzung:
- Kommunen sollten sie bei ihren Planungen und Umrüstungen berücksichtigen, etwa indem sie sie in Lichtsatzungen, Lichtmasterplänen oder in Bebauungsplänen einbringen.
- Fördermittel sollten an die Umsetzung dieser Maßnahmen geknüpft werden.
- Architekten, Lichtplaner und ausführende Elektrofirmen sind für diese Maßnahmen zu sensibilisieren.
- Private Haushalte und Handel sollten durch umfassende Informationen zur Umsetzung der Maßnahmen angeregt werden.

Für Fragen und Unterstützungen steht die VdS-Fachgruppe Dark Sky im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Möglichkeiten zur Verfügung.

Referenzen:
[1] www.bmu.de/pressemitteilung/bundeskabinett-beschliesst-eckpunkte-fuer-aktionsprogramm-zum-insektenschutz/

[2] Gerhard Eisenbeis: Straßenbeleuchtung und Umwelt - Wirkung konventioneller und moderner Straßenbeleuchtungslampen auf das Anflugverhalten von Insekten, Landeshauptstadt Düsseldorf, Jan. 2009
Gerhard Eisenbeis und Klaus Eick: Studie zur Anziehung nachtaktiver Insekten an die Straßenbeleuchtung unter Einbeziehung von LEDs, Natur und Landschaft 86, 2011, S. 298

[3] "This growing body of evidence strongly suggest that the diversity of insects has declined dramatically in Germany and England during the last decades. The implementation of insect friendly lighting systems may reduce the negative impacts on insects, but if the absolute lighting levels continue to increase then our cities will develop to nearly insect (and perhaps bird) free ghost towns far away from the formerly rich animal life." in: Gerhard Eisenbeis und Andreas Hänel: Light pollution and the impact of artificial night lighting on insects, in M.J. McDonnell, A.K. Hahs, J.H. Breuste (ed.): Ecology of Cities and Towns, Cambridge, 2009, p. 260

[4] http://www.lichtverschmutzung.de/zubehoer/download.php?file=Resolution_gegen_Lic...

[5] M. Schmidt, A. Hänel: Nachhaltige Außenbeleuchtung - Informationen und Empfehlungen für Industrie und Gewerbe, Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Wiesbaden, 2017, https://umwelt.hessen.de/presse/pressemitteilung/wie-lichtverschmutzung-reduzier...

Die Vereinigung der Sternfreunde e.V. (VdS) ist mit über 4000 Mitgliedern der größte Verein von Amateurastronomen im deutschsprachigen Raum. Sie widmet sich der Pflege und Förderung der Amateurastronomie durch Beratung und Erfahrungsaustausch bei der astronomischen Arbeit. Zudem fördert sie Kontakte zur Fachastronomie und die astronomische Volksbildung, etwa mit der Organisation des jährlich stattfindenden Astronomietags. Außerdem steht den Mitgliedern die Nutzung der Sternwarte in Kirchheim offen und viermal jährlich wird eine Zeitschrift, das VdS-Journal für Astronomie, veröffentlicht.

Kontakt:
Vereinigung der Sternfreunde e.V., Postfach 1169, 64629 Heppenheim, www.vds-astro.de

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Andreas Hänel
Fachgruppe Dark Sky der Vereinigung der Sternfreunde e.V., c/o Museum am Schölerberg, Osnabrück
Tel. 0541-5600326
ahaenel@uos.de

Sabine Frank
Sternenpark Rhön
Landkreis Fulda
Tel. 0661-60061659,
info@sternenpark-rhoen.de

Weitere Informationen:
https://www.vds-astro.de/index.php?id=74&tx_ttnews%5Byear%5D=2018&tx_ttn... - Webversion der Meldung bei der Vereinigung der Sternfreunde
http://lichtverschmutzung.de/ - Webseiten der Fachgruppe Dark Sky der Vereinigung der Sternfreunde e.V.

Quelle: idw

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Gut die Hälfte der rentennahen Erwerbstätigen kann Konsum im Ruhestand nicht halten

Rainer Jung Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Forscher: Riester & Co. helfen kaum
Gut die Hälfte der rentennahen Erwerbstätigen kann Konsum im Ruhestand nicht halten - Absenken der gesetzlichen Rente verschärft Problem

Viele Erwerbstätige, die kurz vor der Rente stehen, werden sich im Ruhestand einschränken müssen: Mehr als die Hälfte, 58 Prozent, der 55- bis 64-jährigen Erwerbstätigen hätten nicht genug Ansprüche an die gesetzliche, betriebliche oder private Altersversorgung, um ihr aktuelles Konsumniveau aufrecht zu erhalten, wenn sie jetzt in Rente gingen. Falls sie noch bis zum durchschnittlichen Renteneintrittsalter auf ihrer aktuellen Position weiterarbeiten können, sind immer noch rund 50 Prozent davon betroffen.

Ein weiteres Absenken des gesetzlichen Rentenniveaus würde das Problem verschärfen. Entlastend würde eine Stärkung der gesetzlichen ersten Säule wie in Österreich wirken. Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)*.

- Gesetzliche Rente weiter Fundament -
Die gesetzliche Rente ist nach wie vor das Fundament der Altersversorgung. Allein reicht sie heute in der Regel aber nicht aus, um das gewohnte Konsumniveau zu halten. Die betriebliche Alterssicherung leistet ebenfalls einen wichtigen Beitrag - wobei jedoch gerade Geringverdiener oder prekär Beschäftigte oft nicht in den Genuss einer Betriebsrente kommen. Im Vergleich dazu bringt die private Altersversorgung wenig, zeigt die Untersuchung. „Die gesetzliche Rente ist und bleibt der Anker der Altersversorgung", sagt Dr. Dorothea Voss, die die Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung leitet. „Jedes weitere Absinken des Rentenniveaus muss verhindert werden - nicht nur bis 2025, sondern dauerhaft."

Die DIW-Wissenschaftler haben anhand von repräsentativen Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) aus dem Jahr 2012 untersucht, wie hoch die Rente ausfällt, die Erwerbstätigen aus rentennahen Jahrgängen zusteht. In einem zweiten Schritt haben die Forscher für den hypothetischen Fall, dass diese Erwerbstätigen sofort in Rente gehen würden, berechnet, inwieweit die Rente ihren derzeitigen Konsum mit den bis dahin erworbenen Anwartschaften decken kann. Arbeitslose, frühverrentete oder anderweitig nicht erwerbstätige Personen sind nicht in die Berechnung einbezogen.

Bei 69 Prozent der Erwerbstätigen im Alter von 55 bis 64 Jahren, die nur Anspruch auf eine gesetzliche Rente haben, fällt der aktuelle Konsum höher aus als die bisher erworbenen Rentenanwartschaften. Nimmt man zur gesetzlichen Rente noch die Betriebsrenten hinzu, reduziert sich der Anteil auf 50 Prozent. Im Durchschnitt aller älteren Beschäftigten ergibt sich damit ein Wert von 58 Prozent. Rechnet man noch private Versicherungen mit ein, sinkt er lediglich von 58 auf 56 Prozent (siehe auch Tabelle 1 in der Studie; Link unten). „Die Ergebnisse zeigen, dass private Versicherungen als dritte Säule der Alterssicherung insgesamt nur wenig dazu beitragen, die Versorgungslücke zu schließen", schreiben die Forscher. Insbesondere bei Riester- und Rürup-Renten seien die eingezahlten Beiträge gering, das erreichte Sparguthaben falle auch aufgrund geringer Verzinsung eher klein aus.

Wenn man annimmt, dass die untersuchten Erwerbstätigen durchgängig bis zum durchschnittlichen Renteneintrittsalter in ihrer bisherigen Position weiterarbeiten können, sinkt der Anteil der Betroffenen zwar merklich. Doch auch dann müssen von den Ruheständlern, die Geld aus gesetzlicher und betrieblicher Rente bekommen, 50 Prozent ihren Konsum einschränken. Rechnet man Leistungen aus privaten Versicherungen hinzu, sind es 48 Prozent.

- Zum aktuellen Konsumniveau fehlen im Schnitt 700 Euro -
Bei denjenigen 55- bis 64-jährigen Erwerbstätigen, die eine potenzielle Versorgungslücke haben, beträgt die Differenz zwischen aktuellem Konsumniveau und dem zum Untersuchungszeitpunkt bestehenden Rentenanspruch im Durchschnitt rund 700 Euro. Die Versorgungslücke ist bei Erwerbstätigen, die nur Anspruch auf eine gesetzliche Rente haben, mit knapp 740 Euro am größten. Liegen auch Anwartschaften an Betriebsrenten vor, reduziert sich die Lücke auf rund 620 Euro. Der Einfluss privater Versicherungen ist erneut relativ gering (siehe auch Tabelle 2 in der Studie).

Je nach Erwerbseinkommen gibt es große Unterschiede: Bei betroffenen Menschen im untersten Zehntel der Einkommensverteilung beträgt die Versorgungslücke im Alter rund 300 Euro, im obersten Zehntel sind es knapp 1800 Euro. Doch auch wenn die Lücke bei ihnen absolut betrachtet höher erscheint, können die Besserverdiener diese meist besser ausgleichen, da sie häufig auf weitere Geldanlagen zurückgreifen können und Immobilien besitzen. Für Menschen mit kleinem Einkommen macht es dagegen einen großen Unterschied, wenn am Ende des Monats 300 Euro fehlen. Am schwierigsten sei die Lage für Geringverdiener, Frauen und Alleinlebende, aber auch für Selbständige ohne Angestellte, konstatieren die Forscher. „Entscheidend sind also die Dauer der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung und die daraus erzielten Einkommen", sagt Dorothea Voss von der Hans-Böckler-Stiftung. „Wer die Alterssicherung stärken will, muss deshalb für eine aktive Beschäftigungspolitik, bessere Löhne und Gehälter sorgen."

- Alternative Szenarien mit niedrigerem Konsumniveau im Alter -
Diese grundsätzlichen Zusammenhänge bestehen auch in einem weiteren Szenario, das die DIW-Forscher berechnet haben. Es greift die Annahme vieler Experten auf, dass Menschen im Ruhestand weniger ausgeben als Berufstätige. Wenn man daher annimmt, dass Rentner mit 70 Prozent ihres vorherigen Konsums auskommen, fällt die potenzielle Versorgungslücke nach den Berechnungen des DIW geringer, aber weiterhin oft erheblich aus: Betroffen sind dann noch 38 Prozent der rentennahen Erwerbstätigen, bezieht man private Versicherungen ein, sind es 35 Prozent. Die potenzielle Versorgungslücke bei den Betroffenen beträgt beim 70-Prozent-Szenario im Schnitt gut 320 Euro. Beschäftigte mit einer betrieblichen Altersvorsorge hätten gemessen an einem 70-Prozent-Niveau noch eine Versorgungslücke von 200 Euro (Tabelle 2). Allerdings sind das selten Beschäftigte mit niedrigeren Einkommen.

In einem weiteren Szenario haben die Wissenschaftler berechnet, was passieren würde, wenn man das gesamte private Vermögen zur Sicherung des aktuellen Konsums im Alter heranzieht. Das Ergebnis: Selbst wenn sie alle Ersparnisse einsetzen und, falls vorhanden, die selbst genutzte Immobilie zur Finanzierung des Ruhestands verkaufen würden, hätten 41 Prozent der Erwerbstätigen aus rentennahen Jahrgängen eine Versorgungslücke. Würden die untersuchten älteren Erwerbstätigen bis zur Rente auf ihrer Stelle weiterarbeiten, wären es immer noch 33 Prozent. In Ostdeutschland wäre der Anteil höher als in Westdeutschland, da Ostdeutsche nach wie vor über weniger Vermögen verfügen. Wesentlich geringer wäre der Anteil der Betroffenen unter den Selbständigen mit Mitarbeitern, da diese häufig selbst fürs Alter in Form von privatem Vermögen vorsorgen.

- Rentenniveau nicht weiter senken -
Die Wissenschaftler raten dazu, das Rentenniveau nicht weiter abzusenken. Stattdessen solle sich die Politik „stärker am österreichischen Modell orientieren", das mehr auf die erste Säule der Alterssicherung setzt. Zudem empfehlen sie, Personen mit geringen Anwartschaften stärker zu unterstützten. Möglich wäre das durch eine Modifizierung des strikten Äquivalenzprinzips, womit die Höhe der Rentenleistungen nicht mehr eins zu eins an die Einzahlungsbeiträge gekoppelt wäre. Gerade Geringverdiener sollten dann höhere Leistungen erhalten.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Dorothea Voss
Leiterin Abteilung Forschungsförderung
Tel.: 0211-7778-194
E-Mail: Dorothea-Voss@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Originalpublikation:
*Markus M. Grabka, Timm Bönke, Konstantin Göbler und Anita Tiefensee: Große Lücke in der Sicherung des Lebensstandards bei rentennahen Jahrgängen, DIW-Wochenbericht 37, September 2018. Download: Studie http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.597903.de/18-37-3.pdf

Quelle: idw

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Weniger ist manchmal mehr - neue Substanz reduziert das Körpergewicht

Stephan Wiegand, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

In einer weltweiten Studie haben Forscherinnen und Forscher erstmals die Wirksamkeit von Semaglutid wissenschaftlich untersucht. Mit diesem Medikament lässt sich künftig nicht nur das Gewicht reduzieren, sondern auch der Blutdruck verbessern. Die neuen in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlichten Erkenntnisse bedeuten einen großen Fortschritt in der Adipositastherapie. Mitautor ist Prof. Andreas Birkenfeld, Leiter des Studienzentrums Metabolisch-Vaskuläre Medizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus.

„Diäten und Magenverkleinerungen sind sicherlich wichtig und auch so etwas wie der Königsweg, wenn es darum geht, das Gewicht zu reduzieren. Allerdings sind heute auch andere wirksame Methoden gefragt, um einer drohenden Diabetesepidemie etwas entgegenzusetzen", sagt Prof. Andreas Birkenfeld, Stoffwechselexperte der Medizinischen Klinik III am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus an der TU Dresden und Leiter des neu gegründeten Universitätsstudienzentrums für Stoffwechselerkrankungen. In einer weltweiten Phase-2-Studie (erstmalige Wirksamkeitserprobung am Patienten) mit mehr als 900 Patienten wurde nun erstmals die Wirksamkeit und die Sicherheit von Semaglutid in der Therapie der Adipositas untersucht. Das Medikament ist eine neue Substanz. Sie gehört in die Klasse der Glucagon-like Peptid-1 (GLP-1)-Analoga. Die Wirkungsweise ist ähnlich der körpereigenen Darmhormone, die das Sättigungsgefühl erzeugen. Semaglutid soll einmal wöchentlich verabreicht werden.

Das Studienteam um Prof. Andreas Birkenfeld fand heraus, dass alle Semaglutid-Dosen im Vergleich zu Placebo deutlich das Körpergewicht reduzieren. In der höchsten Dosierung konnte eine Gewichtsabnahme von bis zu 17 Prozent des Ausgangskörpergewichts beobachtet werden. Damit war es möglich, einen Patienten, der zuvor einen BMI von 35 kg/m2 und formal eine Adipositas Grad 2, also eine mittelschwere Adipositas aufwies, auf einen BMI von 29 kg/m2 zurückzuführen. Kurzum: er schaffte den Schritt von formal fettleibig zu übergewichtig. Zeitgleich wurden der Blutzucker, der Blutdruck, und die Blutfette deutlich gesenkt. Prof. Andreas Birkenfeld bewertet die Reaktion positiv: „Der Patient hat nicht nur abgenommen, sondern Semaglutid gut vertragen, die Nebenwirkungen entsprachen denen anderer bekannter GLP-1 Analoga und sind nicht als kritisch einzustufen."

Diese Wirkung von Semaglutid auf das Körpergewicht läutet jetzt eine neue Ära der pharmakologischen Adipositastherapie ein. Es wird erstmals eine Gewichtsreduktion erreicht, die sonst meist nur mit einer chirurgischen Therapie möglich war. Nachdem Semaglutid in der Typ-2-Diabetestherapie zugelassen wurde, ist absehbar, dass es auch bei Adipositaspatienten zum Einsatz kommt. Denn es wurde bei Patienten mit Typ 2 Diabetes bereits bewiesen: Semaglutid bewirkt nicht nur eine Gewichtsreduktion, sondern reduziert auch das Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen. Die Ergebnisse der Adipositastherapie wurden kürzlich in der Fachzeitschrift Lancet veröffentlicht. Momentan ist Semaglutid ist noch nicht für die Adipositastherapie zugelassen.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Medizinische Klinik III
Prof. Dr. med. Andreas Birkenfeld
Leiter Studienzentrum Metabolisch-Vaskuläre Medizin, Fiedlerstraße 34, 01307 Dresden
Tel.: 0351 4583651
E-Mail: andreas.birkenfeld@uniklinikum-dresden.de

Originalpublikation:
THE LANCET. 2018 Aug 25;392(10148):637-649
doi: 10.1016/S0140-6736(18)31773-2
PMID: 30122305

Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-dresden.de/mk3
https://tu-dresden.de/med/mf/die-fakultaet/newsuebersicht/weniger-ist-manchmal-m...
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(18)31773-2/abstra...

Quelle: idw

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Ausnahmen für Unternehmen bei der EEG-Umlage senken die Zahlungsbereitschaft privater Haushalte

Sabine Weiler Kommunikation
RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

Die Ausnahmeregelung für stromintensive Unternehmen beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ist seit Jahren umstritten. Eine neue Studie des RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, die heute in der renommierten energiewirtschaftlichen Fachzeitschrift Nature Energy erscheint, zeigt nun, dass solche indirekten Subventionen die Zahlungsbereitschaft von privaten Haushalten beeinflussen: Würden die Ausnahmeregelungen für Unternehmen wegfallen, könnte die Akzeptanz für die Kosten der Energiewende demnach deutlich zunehmen.

Die wichtigsten Ergebnisse:
• Ein großer Teil der Haushalte wäre bereit, den Ausbau der erneuerbaren Energien mit höheren Strompreisen zu finanzieren, wenn die Ausnahmeregelungen für stromintensive Unternehmen entfallen würden. Das ist das Ergebnis eines Experiments mit mehr als 11.000 Teilnehmern des forsa-Haushaltspanels.

• Die Teilnehmer des Experiments wurden nach ihrer Bereitschaft befragt, eine höhere EEG-Umlage zu zahlen, um den Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland zu steigern. Einer zufällig ausgewählten Gruppe wurde dabei mitgeteilt, dass die Ausnahmeregelung für die energieintensive Industrie bei der EEG-Umlage bestehe. In einer zweiten zufällig ausgewählten Gruppe sollte die Ausnahmeregelung bei der Erhöhung der EEG-Umlage wegfallen. In dieser zweiten Gruppe zeigten sich - je nach Höhe des Preisaufschlags - zwischen 61 und 74 Prozent der Teilnehmer bereit, eine höhere EEG-Umlage zu akzeptieren. In der Gruppe, bei der die Ausnahmeregelung für Unternehmen bestehen bleiben sollte, waren es dagegen nur rund 23 bis 38 Prozent.

• Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Abschaffung der Ausnahmeregelungen, etwa durch deren Steuerfinanzierung, ein entscheidendes Kriterium für die Akzeptanz weiterer Erhöhungen der EEG-Umlage sein könnte.

Der Leiter des Kompetenzbereichs „Umwelt und Ressourcen" am RWI und Professor für Energieökonomik und angewandte Ökonometrie an der Ruhr-Universität Bochum, Manuel Frondel, sagt: „Die Einstellung zur Energiewende hängt nicht allein von der Höhe des Strompreises ab. Wenn die Belastungen gleichmäßig verteilt sind, ist eine große Mehrheit durchaus bereit, mehr Geld für Strom aus erneuerbaren Energien zu bezahlen." Die aus Wettbewerbsgründen etablierte Ausnahmeregelung für energieintensive Unternehmen bei der EEG-Umlage sollte daher künftig aus Steuermitteln finanziert werden und nicht dadurch, dass die übrigen Stromverbraucher mehr zu bezahlen haben.

Die Daten aus dem forsa-Haushaltspanel wurden im Rahmen des RWI-Projekts AKZEPTANZ erhoben, das die gesellschaftliche Einstellung zur Energiewende erforscht. Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert.

Ihre Ansprechpartner dazu:
Prof. Dr. Manuel Frondel, Tel. (0201) 81 49-204
Leonard Goebel (Pressestelle), Tel. (0201) 81 49-210

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Manuel Frondel, Tel. (0201) 81 49-204

Originalpublikation:

Dieser Pressemitteilung liegt der Artikel M. Andor, M. Frondel und S. Sommer (2018), Equity and the willingness to pay for green electricity in Germany, Nature Energy, zugrunde. Er ist unter http://www.nature.com/articles/s41560-018-0233-x online abrufbar. Eine frühere Version der Studie ist als Ruhr Economic Paper #759 erschienen und unter http://www.rwi-essen.de/media/content/pages/publikationen/ruhr-economic-papers/r... im Open Access frei zugänglich.

Quelle: idw

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Vitaminpillen nutzlos gegen Schlaganfall und Herzinfarkt

Pressesprecher: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen Pressestelle der DGN
Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

Nahrungsergänzungsmittel wie Vitamine und Mineralien senken nicht das Risiko, an einem Hirninfarkt oder einer Herzkrankheit zu sterben. So lautet das Ergebnis einer aktuellen Übersichtsstudie mit mehr als zwei Millionen Teilnehmern. Verbraucher sollten ihr Geld deshalb lieber in einen Sportverein investieren und auf eine gesunde Ernährung achten, raten Experten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG).

Jeder vierte deutsche Verbraucher schluckt sie, doch die wenigsten brauchen sie: Mit Nahrungsergänzungsmitteln wie Vitamin A, C, D und E, mit Kalzium, Magnesium oder Eisen setzte der Handel im Jahr 2015 laut Verbraucherzentrale Bundesverband rund 1,1 Milliarden Euro um. Dass dieses Geld schlecht angelegt ist, bestätigt nun eine Metaanalyse zum Einsatz der Präparate gegen Schlaganfall und Herzinfarkt.

Insgesamt 3249 Studien aus den Jahren 1970 bis 2016 haben US-Mediziner um den Kardiologen
Dr. Joonseok Kim, Juniorprofessor an der University of Alabama in Birmingham, für die Metaanalyse berücksichtigt. Um zu klären, wie die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln das Risiko für Schlaganfälle und Herzerkrankungen beeinflusst, analysierten die Forscher 18 besonders hochwertige Studien, an denen insgesamt mehr als zwei Millionen Menschen teilgenommen hatten.

Sterblichkeit ist mit und ohne Nahrungsergänzung gleich
„Das Ergebnis ist ernüchternd und lautet, dass es keinen Nutzen einer solchen Maßnahme für die Gesamtbevölkerung gibt", sagt Professor Dr. Peter Berlit, DGN-Generalsekretär und ehemaliger Chefarzt der Klinik für Neurologie am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen. Fasst man die Sterblichkeit für alle Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusammen, so war das relative Risiko (RR) bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln exakt 1,00. Das bedeutet: Es machte keinen Unterschied, ob die Teilnehmer eine Extradosis Vitamine, Mineralstoffe oder Spurenelemente einnahmen oder nicht. Zum gleichen Ergebnis kamen die Forscher - im Rahmen der statistischen Schwankungen - bei der separaten Betrachtung von Herzsterblichkeit (RR 1,02), Tod durch Schlaganfall (RR 0,95) und der Häufigkeit von Schlaganfällen (RR 0,98).

Lediglich das Risiko für Herzerkrankungen schien mit einem RR von 0,88 für Nahrungsergänzungs-mittel zu sprechen. Es besteht aber auch hier kein Zusammenhang: Zieht man lediglich die höherwertigen, sogenannten randomisierten und kontrollierten Studien zur Berechnung heran, ergibt sich ein relatives Risiko von 0,97. „Zu diesem unbefriedigenden Resultat kommt noch das alarmierende Ergebnis einer systematischen Metaanalyse von 78 randomisierten Studien aus dem Jahr 2012 durch die Cochrane Collaboration, wonach die Nahrungsergänzung mit Antioxidantien nicht nur nicht hilft, sondern sogar die Sterblichkeit erhöht!", so Professor Berlit.

Dabei hatten die Forscher sich in der aktuellen Studie die größte Mühe gemacht, auch Untergruppen zu erkennen, die möglicherweise doch von Nahrungszusätzen profitieren könnten. Das Ergebnis blieb jedoch stets negativ, egal, wie lange die Präparate eingenommen wurden, wie alt die Studienteilnehmer waren, ob Mann oder Frau, Raucher oder Nichtraucher, sportlich oder nicht.

Es gibt bessere Investitionen in die Gesundheit
„Mit Multivitamin-Tabletten werden jährlich Milliardenumsätze gemacht, die Metaanalyse zeigt jedoch klar, dass diese Pillen weder Schlaganfälle verhindern noch die Sterblichkeit an Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken", fasst der 1. Vorsitzende der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), Professor Dr. Armin Grau, zusammen: „Von diesen Pillen profitieren nur Hersteller und Verkäufer. Es ist hingegen eindeutig erwiesen, dass Salat, Obst und Gemüse Gefäßerkrankungen entgegenwirken. In Salat, Obst und Gemüse kommen Vitamine in ihrer natürlichen Umgebung vor. Fünf Portionen am Tag gelten als optimal." Weitere effektive Maßnahmen, die sogar den Geldbeutel schonen, sind der Verzicht aufs Rauchen und auf größere Mengen von Alkohol sowie regelmäßige körperliche Bewegung.

„Wenn man schon Geld ausgeben will, dann ist es ist viel lohnenswerter, in einen Sportverein oder ein Fitnessstudio zu investieren als in Vitamine und Mineralstoffe", rät Professor Berlit.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren rund 9000 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu sichern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist Berlin. www.dgn.org

Präsident: Prof. Dr. med. Gereon R. Fink
Stellvertretende Präsidentin: Prof. Dr. med. Christine Klein
Past-Präsident: Prof. Dr. med. Ralf Gold
Geschäftsführer: Dr. rer. nat. Thomas Thiekötter
Geschäftsstelle: Reinhardtstr. 27 C, 10117 Berlin, Tel.: +49 (0)30 531437930, E-Mail: info@dgn.org

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. med. Peter Berlit
Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Reinhardtstr. 27 C
10117 Berlin
Tel.: +49 (0)30 531437930
E-Mail: berlit@dgn.org

Prof. Dr. med. Armin J. Grau
1. Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
Direktor der Neurologischen Klinik
Klinikum der Stadt Ludwigshafen a.Rh.
Bremserstr. 79
D-67063 Ludwigshafen a.Rh.
Tel.: +49 (0)621 5034200
Fax: +49 (0)621 5034202
e-mail: graua@klilu.de

Originalpublikation:
Kim J et al.: Association of Multivitamin and Mineral Supplementation and Risk of Cardiovascular Disease: A Systematic Review and Meta-Analysis. Circ Cardiovasc Qual Outcomes. 2018 Jul;11(7):e004224. doi: 10.1161/CIRCOUTCOMES.117.004224.

Weitere Informationen:

https://www.dgn.org/presse/pressemitteilungen/56-pressemitteilung-2018/3656-vita...

Anhang

Pressemitteilung als PDF
https://idw-online.de/de/attachment66469

Quelle: idw

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Mit Polyphosphat gegen die Plastikberge in den Weltmeeren

Katharina Kipp Pressestelle
Fachhochschule Münster

Max Volhard vom Fachbereich Chemieingenieurwesen der FH Münster forscht in seiner Doktorarbeit an einem Verfahren, das Kunststoffe im Salzwasser zersetzt. Das Patent ist bereits angemeldet.

Münster/Steinfurt (3. September 2018). Die Zahl ist gewaltig: 335 Millionen Tonnen Kunststoff wurden 2016 laut Plastics Europe auf der Erde produziert - Tendenz steigend. Rund 40 Prozent davon sind Verpackungsmaterialien. „Solche Kunststoffe sind prädestiniert dafür, sie in der Umwelt zu vergessen oder auf den Weltmeeren durch die Schifffahrt auszubringen", sagt Max-Fabian Volhard der FH Münster. Die Bilder von riesigen Müllinseln und Müllbergen mitten im Ozean sprechen für sich. Aber der Doktorand am Fachbereich Chemieingenieurwesen und sein betreuender Professor Dr. Thomas Jüstel haben eine Idee: Sie wollen Kunststoffe so verändern, dass sie für ihren Einsatz - zum Beispiel als Flasche - stabil sind, sich aber im Meer von alleine zersetzen. „Normalerweise dauert es Jahrzehnte bis Jahrhunderte, bis das Plastik vollständig abgebaut ist", sagt Volhard.

Ein ungiftiger Zusatz im Kunststoff soll das jetzt aber deutlich beschleunigen. „Genauer gesagt wollen wir einen Katalysator hinzufügen, der auf Sonnenlicht reagiert", erklärt Volhard. „Denn der Katalysator Titandioxid ist spezialisiert darauf, Radikale zu bilden, die den Kunststoff zersetzen beziehungsweise mineralisieren können." Was zum Schluss vom Plastik übrig bleibt: Wasser und Kohlenstoffdioxid. Es gibt aber ein kleines Problem. Der Katalysator fängt sofort an, die Radikale zu bilden, wenn die Sonne scheint - egal, ob die Flasche gerade im Meer schwimmt oder noch im Einkaufswagen steht. „Deshalb wollen wir ihn optimieren, und das ist unsere Kernidee: Wir wollen den Katalysator beschichten, damit die Radikale nicht nach außen dringen können und den Kunststoff nicht zu früh mineralisieren."

Dabei setzen Volhard und Jüstel auf eine Polyphosphat-Beschichtung. Sie reagiert sehr sensitiv auf Salze. Der Gedanke: Im Kontakt mit Leitungs- oder Mineralwasser passiert nichts. Aber im salzigen Meerwasser löst sich das Polyphosphat auf und gibt somit die Radikale frei, die den treibenden Plastikmüll zersetzen. Die Idee hat Jüstel aus der Biochemie adaptiert, das Patent haben die beiden Wissenschaftler bereits angemeldet.

„Jetzt ist es meine Aufgabe zu überprüfen, ob das Konzept wirklich funktioniert", erklärt Volhard. Bisher hat er den Abbau von Kunststoffen im Labor untersucht, die im Leitungswasser und im Meerwasser gelöst sind. Genau mit der Idee: per Polyphosphat-Katalysator und Sonnenlicht - imitiert durch einen UV-LED-Photoreaktor. Das hat funktioniert, die ersten Versuche stimmen ihn zuversichtlich. „Aber die Kunststoffe liegen im Meer ja nicht gelöst vor. Deshalb muss ich jetzt noch näher an die Realität und an die Verpackungsmaterialien kommen."

Darum verarbeitet Volhard gerade Kunststoffe und Katalysatoren in der Knetkammer des Labors für Kunststofftechnologie von Prof. Dr. Reinhard Lorenz und wird verschiedene Experimente im Labor durchführen. Die neuen Kunststoffe sollen im Idealfall nur noch maximal zehn Jahre brauchen, bis sie sich vollständig zersetzt haben. „Aber so lange kann ich ja nicht auf meine Versuche warten. Um trotzdem valide Aussagen treffen zu können, muss ich mir noch eine neue Methode zur Überprüfung einfallen lassen", bemerkt Volhard.

Weitere Informationen:

Fachbereich Chemieingenieurwesen
https://www.fh-muenster.de/ciw/index.php
Prof. Dr. Thomas Jüstel
https://www.fh-muenster.de/ciw/personal/professoren/juestel/index.php
Forschungsaktivitäten am Fachbereich Chemieingenieurwesen
https://www.fh-muenster.de/ciw/forschung/index.php?p=6
Labor für Kunststofftechnologie
https://www.fh-muenster.de/ciw/laboratorien/kt/kunststoff.php?p=7,6

Quelle: idw

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Stirnfalten können Hinweise auf Herz-Sterberisiko geben

Prof. Dr. Eckart Fleck Pressesprecher
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Menschen mit mehreren tiefen Falten auf der Stirn können ein erhöhtes Risiko haben, an einer Kreis-Kreislauf-Krankheit zu sterben. Eine Untersuchung im Hinblick auf Falten im Augenbrauen-Bereich könnte eine einfache und kostengünstige Methode sein, Menschen mit hohem Sterbe-Risiko zu identifizieren.

Menschen mit mehreren tiefen Falten auf der Stirn können ein erhöhtes Risiko haben, an einer Kreis-Kreislauf-Krankheit zu sterben. Eine Untersuchung im Hinblick auf Falten im Augenbrauen-Bereich könnte eine einfache und kostengünstige Methode sein, Menschen mit hohem Sterbe-Risiko zu identifizieren. Das berichtet Dr. Yolande Esquirol (Toulouse, F) auf einer Pressekonferenz des Europäischen Kardiologiekongresses. In München werden von 25. bis 29. August 31.000 Teilnehmer aus 150 Ländern zusammen kommen, der Kongress der Europäischen Kardiologiegesellschaft (ESC) ist einer der weltweit größten Medizinkongresse.

„Wir untersuchten Stirnfalten als Marker", sagt Dr. Esquirol. „Ein Blick auf das Gesicht eines Patienten reicht, um Alarm zu schlagen, und wir können ihm Ratschläge geben, wie das Risiko verringert werden kann."

Die Studienautoren hatten 3.200 gesunde Erwachsenen auf die Anzahl ihrer Stirnfalten hin untersucht, sie je nach dem Ergebnis in Untergruppen eingeteilt und 20 Jahre lang nach verfolgt. Von den 233 Studienteilnehmern, in dieser Zeit verstarben, hatten 15,2 Prozent zwei oder drei Stirnfalten, 6,6 Prozent eine Stirnfalte und 2,1 Prozent keine. Studienteilnehmer mit den meisten Stirnfalten hatten ein zehnmal erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu jenen ohne Stirnfalten.

Die Forscher kennen die genaue Ursachen dieser Zusammenhänge noch nicht. Vermutlich sei Arteriosklerose oder eine Verhärtung der Blutgefäße infolge von Ablagerungen (Plaque) beteiligt. Veränderungen im Collagen-Protein und oxidativer Stress scheinen sowohl bei Arterioskleroseals auch bei Stirnfalten eine Rolle zu spielen. „Außerdem sind Blutgefäße in der Stirn sehr klein undreagieren möglicherweise sensibler auf die Plaqueentstehung und könnten somit ein früheres Zeichen von Gefäßalterung sein", so Dr. Esquirol. „Unsere ersten Ergebnisse müssen in künftigen Studien bestätigt werden. Aber sie können schon jetzt in Arztpraxen und Krankenhäusern praktisch angewendet werden. Das kostet nichts und bedeutet keinerlei Risiko."

Quellen:
ESC Abstract N° 85605; Esquirol et al.: Forehead Wrinkles and risk of all cause and cardiovascular mortality over 20year follow-up in working population: VISAT study
Poster session 2: Risk assessment

Über die Europäische Gesellschaft für Kardiologie
Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) vereinigt Medizinerinnen, Mediziner und Angehörige anderer Gesundheitsberufe aus mehr als 150 Ländern. Sie setzt sich dafür ein, die Herz-Kreislauf-Medizin weiter zu entwickeln und unterstützt die Menschen dabei, länger und gesünder zu leben.

Über den ESC-Kongress 2018
Der ESC-Kongress ist weltweit die größte und einflussreichste wissenschaftliche Veranstaltung im Bereich der Herz-Kreislauf-Medizin. Der ESC-Kongress 2018 findet vom 25. bis 29. August in der Messe München satt. Das wissenschaftliche Programm ist unter http://bit.do/esc2018scientificprogramme zu finden.

ESC-Medienkontakt für deutschsprachige Medien:
B&K - Bettschart & Kofler Kommunikationsberatung (www.bkkommunikation.com)
Roland Bettschart: +43 6766356775; bettschart@bkkommunikation.com
Dr. Birgit Kofler: +43 6766368930; kofler@bkkommunikation.com

Quelle: idw

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Geringere Kosten und sauberes Wasser durch neueste Sensortechnologie

Jasmin Bauer Hochschulkommunikation
Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm

Das Institut Polymer Optical Fiber Application Center (POF-AC) der TH Nürnberg entwickelt einen innovativen Sensor für die Wasseraufbereitung

Wasser ist ein kostbares Gut. Der Aufbereitung von Frischwasser kommt deshalb eine große Bedeutung zu. Prof. Dr.-Ing. Rainer Engelbrecht von der TH Nürnberg forscht mit seinem Team am Polymer Optical Fiber Application Center (POF-AC) an einer Sensortechnologie zur Vermeidung von Ablagerungen in Membranmodulen zur industriellen Wasseraufbereitung. Das Ziel der Forschung ist die Steigerung der wirtschaftlichen Prozessperformance und eine ökologische Ressourcenschonung durch eine verbesserte Regelung der Wasseraufbereitungsanlagen. Die Bayerische Forschungsstiftung fördert das Projekt mit insgesamt 398.900 Euro, davon erhält die TH Nürnberg 214.300 Euro.

Nürnberg, 3. September 2018. Frischwasser in gleichmäßig guter Qualität wird bei der Herstellung von Lebensmitteln beispielsweise in Brauereien sowie für viele chemische und technische Industrieprozesse benötigt. Dies wird häufig durch Aufbereitungsanlagen zur Wasserenthärtung und Entsalzung realisiert, die mit einem Membranfilter und dem Prinzip einer umgekehrten Osmose arbeiten. Mögliche Ablagerungen auf der Membran (sog. Membran-Fouling) sind eine Herausforderung für die Betreiber: Die Reinigung und ein vorsorglicher Membranwechsel verursachen Kosten und Stillstandszeiten. Im Forschungsprojekt „POF_MEM: POF-Foulingsensor für Membranen zur Wasseraufbereitung" erforscht das Polymer Optical Fiber Application Center (POF-AC) der TH Nürnberg unter der Projektleitung von Prof. Dr.-Ing. Rainer Engelbrecht eine Sensortechnologie zur Vermeidung von Ablagerungen in membranbasierten Wasseraufbereitungsanlagen. Das Team kooperiert in dem Projekt mit der TU München (TUM), Lehrstuhl für Lebensmittelchemie und molekulare Sensorik, Abteilung Wassertechnologie unter Leitung von Dr. Karl Glas sowie den Unternehmen Grünbeck GmbH, Ingenieurbüro Heinl und der Staatsbrauerei Weihenstephan.

Prof. Dr.-Ing. Rainer Engelbrecht, einer der Leiter des Instituts POF-AC: „Unser Ziel ist es, die Prozessführung in Wasseraufbereitungsanlagen wirtschaftlicher zu machen und zugleich die ökologischen Ressourcen zu schonen. Davon profitieren sowohl Menschen als auch die Umwelt. Dazu planen wir gemeinsam mit den Kollegen von der TUM und unseren Industriepartnern einen innovativen optischen Sensor zu entwickeln, der buchstäblich Licht ins Dunkel dieser Membranmodule bringt."

Das Forschungsteam um Prof. Dr.-Ing. Rainer Engelbrecht untersucht in diesem Kontext
einen Sensor, der auf der Leitung von Licht in polymeren optischen Fasern beruht. Wird der Mantel einer solchen Faser bereichsweise entfernt und die Faser in das Membranfiltermodul eingelegt, so kommt das Wasser in direktem Kontakt mit dem lichtführenden Kern. Wenn sich Ablagerungen auf Membran und dem Kern der optischen Faser bilden, wird die Lichtleitung behindert. Dies ist durch die Messung der übertragenen Lichtmenge zu erkennen. Für eine zuverlässige Funktion verbessert das Forschungsteam in diesem Projekt die Geometrie und die Struktur der faseroptischen Sensoren, entwickelt eine stabile Optoelektronik und klärt wasserchemische Fragen. Anschließend testen die Forscherinnen und Forscher das Sensorsystem unter realitätsnahen Bedingungen im Umfeld einer Brauerei.

Prof. Dr.-Ing. Rainer Engelbrecht: „Der Einsatz des Sensors kann nach diesem Projekt auf verschiedenste Membransysteme übertragen werden, darunter fallen vor allem die Meerwasseraufbereitung sowie die Ultra- und Mikrofiltration. Zudem sind Membranreinigungen in einem frühen Stadium der Ablagerung deutlich effizienter und oftmals nur dann möglich."

Gefördert wird das Projekt von der Bayerischen Forschungsstiftung mit insgesamt 398.900 Euro, davon erhält die TH Nürnberg 214.300 Euro.

Polymer Optical Fiber Application Center (POF-AC), Technische Hochschule Nürnberg
Das 2001 gegründete Polymer Optical Fiber Application Center (POF-AC) ist ein Institut der TH Nürnberg und beschäftigt sich mit angewandter Forschung und Entwicklung mit Schwerpunkt auf POF für die Bereiche Datenübertragung, Sensorik und Messtechnik, Energieübertragung und Beleuchtung. Das POF-AC hat sich seit seiner Gründung zu einem der führenden Institute für Polymerfasern in Deutschland und Europa entwickelt, wie auch die Teilnahme an großen EU-Förderprojekten wie „POF-ALL" und „POF-Plus" oder aktuell am EFRE-Programm (Europäischer Strukturfonds, Projekt OHM-Netze) zeigt. Geleitet wird das POF-AC heute von Prof. Dr.-Ing. Olaf Ziemann, einem erfahrenen Wissenschaftler und renommierten Experten im Bereich Polymerfasern und optischer Datenübertragung, sowie von Prof. Dr.-Ing. habil. Rainer Engelbrecht, der seit 2016 seine Kompetenzen im Bereich Faseroptik und optischer Sensorik einbringt.

Quelle: idw

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Kurzer Nachtschlaf verdoppelt das Herz-Kreislauf-Risiko

Prof. Dr. Eckart Fleck Pressesprecher
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Männer mittleren Alters, die pro Nacht nur fünf Stunden oder weniger schlafen, haben ein doppelt so hohes Risiko, in den folgenden 20 Jahren ein schweres Herz-Kreislauf-Event zu erleiden, als Männer mit 7 oder 8 Stunden Nachtschlaf. Das berichten Forscher aus Schweden auf dem Europäischen Kardiologiekongress in München.

Männer mittleren Alters, die pro Nacht nur fünf Stunden oder weniger schlafen, haben ein doppelt so hohes Risiko, in den folgenden 20 Jahren ein schweres Herz-Kreislauf-Event zu erleiden, als Männer die sieben oder 8 Stunden schlafen. „Menschen mit einem aktiven Lebensstil mag Schlafen als Zeitvergeudung erscheinen, unsere Studie zeigt jedoch, dass kurze Schlafdauer mit zukünftigen Herz-Kreislauf-Krankheiten verknüpft sein kann", sagt Studienautorin Moa Bengtsson (Goetheborg, Schweden) auf einer Pressekonferenz auf dem Europäischen Kardiologiekongress. In München kommen von 25. bis 29. August 31.000 Teilnehmer aus 150 Ländern zusammen - der Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) ist einer der weltweit größten Medizinkongresse.

Nach der Untersuchung von 759 Männern, die in vier Gruppen eingeteilt worden waren, zeigte sich, dass hoher Blutdruck, Diabetes, starkes Übergewicht, aktuelles Rauchen, wenig körperliche Aktivitäten und schlechte Schlafqualität weit verbreiteter unter Männern mit einem Nachtschlaf von 5 Stunden oder weniger war als bei jenen, die sieben oder 8 Stunden schliefen. „Männer mit einem Alter von 50 Jahren, die die kürzeste Schlafdauer aufwiesen, hatten ein doppelt so hohes Risiko mit 71 Jahren ein Herz-Kreislauf Ereignis zu erleiden, als jene mit normaler Schlafdauer. Das galt auch, nachdem alle anderen Risikofaktoren berücksichtigt wurden", sagte Bengtsson in München. „Die Erhöhung des kardiovaskulären Risikos bei unzureichendem Schlaf ist vergleichbar mit jener durch Rauchen oder Diabetes im Alter von 50 Jahren. Unsere Ergebnisse betonen die hohe Bedeutung des Schlafes."

Quellen:
ESC-Abstract Nr. 83093; Bengtsson et al.: Middle age men with short sleep duration have two times higher risk of cardiovascular events than those with normal sleep duration, a cohort study with 21 years followup
Pressekonferenz: The ZZZs of heart health: the art of good sleeping
Best Posters 3: Best Posters in preventive cardiology

Über die Europäische Gesellschaft für Kardiologie
Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) vereinigt Medizinerinnen, Mediziner und Angehörige anderer Gesundheitsberufe aus mehr als 150 Ländern. Sie setzt sich dafür ein, die Herz-Kreislauf-Medizin weiter zu entwickeln und unterstützt die Menschen dabei, länger und gesünder zu leben.

Über den ESC-Kongress 2018
Der ESC-Kongress ist weltweit die größte und einflussreichste wissenschaftliche Veranstaltung im Bereich der Herz-Kreislauf-Medizin. Der ESC-Kongress 2018 findet vom 25. bis 29. August in der Messe München satt. Das wissenschaftliche Programm ist unter http://bit.do/esc2018scientificprogramme zu finden.

ESC-Medienkontakt für deutschsprachige Medien:
B&K - Bettschart & Kofler Kommunikationsberatung (www.bkkommunikation.com)
Roland Bettschart: +43 6766356775; bettschart@bkkommunikation.com
Dr. Birgit Kofler: +43 6766368930; kofler@bkkommunikation.com

Quelle: idw

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Verringerung der Stickstoffeinträge verhindert Algenblüten in Seen

Nadja Neumann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

Seit Jahrzehnten wird diskutiert, ob ein verringerter Eintrag der Stickstoffverbindungen Nitrat und Ammonium die Gewässergüte nachhaltig verbessert, obwohl Stickstoff auch durch Blaualgen aus der Luft gebunden werden kann. Um das zu klären fehlten Langzeitbeobachtungen von Seen, in denen Stickstoff verringert wurde - bis jetzt: Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) haben nachgewiesen, dass eine Reduzierung von Stickstoff im Berliner Müggelsee der Schlüssel zur Vermeidung von Algenblüten im Sommer ist.

Bereits in den 1970ern wurden Nährstoffeinträge durch die Landwirtschaft und Abwassereinleitungen als Hauptverursacher für ein übermäßiges Pflanzen- und Algenwachstum in Seen und Flüssen erkannt. Seither setzt man im Gewässermanagement auf eine Verringerung der Phosphoreinträge. „Diese Strategie ist oft erfolgreich, allerdings längst nicht in allen Gewässern: in flachen Seen gibt das Sediment im Sommer große Mengen Phosphor ab. Dann könnte eine Verringerung des Stickstoffangebotes helfen, weil die Algen sowohl Phosphor als auch Stickstoff zum Wachsen brauchen. Bisher fehlten allerdings stichhaltige Beweise dafür, dass die - aufwendigere und teurere - Reduzierung von Stickstoffeinträgen langfristig erfolgreich ist", erklärt Dr. Tom Shatwell, Gewässerökologe am IGB, den Ausgangspunkt der Untersuchung.

Langzeitdaten lassen tief blicken
Für ihre Untersuchung haben die Wissenschaftler Daten aus 38 Jahren (1979-2016) statistisch ausgewertet. Im Rahmen eines Langzeitprogramms werden der Müggelsee und seine Zuflüsse seit den 1970ern wöchentlich beprobt und unter anderem die Konzentrationen von Phosphor und Stickstoff sowie die Artenzusammensetzung der Algengemeinschaften untersucht. Der Müggelsee ist einer der wenigen Seen weltweit, dessen Belastung mit Phosphor und Stickstoff deutlich abgenommen hat und der gleichzeitig schon lange genug untersucht wird, um Rückschlüsse auf die Auswirkungen verringerter Stickstoffeinträge zu ziehen.
Phosphor war im Müggelsee jeden Sommer im Überfluss vorhanden, weil er aus den Seesedimenten freigesetzt wurde. Die Algenmenge nahm allein durch die Verringerung des Stickstoffangebotes ab - und die Klarheit des Wassers zu. Die Annahme, dass bestimmte Blaualgenarten den fehlenden Stickstoff aus den Zuflüssen langfristig durch Luftstickstoff ersetzen würden, hat sich im Müggelsee nicht bestätigt. Tatsächlich haben sich die Blaualgen nicht vermehrt und kaum Stickstoff aus der Luft gebunden. „Die Fixierung von Luftstickstoff erfordert sehr viel mehr Energie als die Nutzung von Nitrat oder Ammonium aus dem Wasser. Die Blaualgen nutzen diese Methode offenbar nur dann, wenn es unbedingt nötig ist und wenn ausreichend Sonnenenergie zur Verfügung steht", erklärt Dr. Jan Köhler, Mitautor und Leiter der Arbeitsgruppe „Photosynthese und Wachstum von Algen und Makrophyten" am IGB.

Vom Müggelsee lernen
Bislang ist der Müggelsee das einzige Fallbeispiel im großen Stil. Allerdings ist die starke Freisetzung von Phosphor aus dem Sediment und von Stickstoff aus dem Wasser in die Luft typisch für Flachseen im Sommer, sodass sich viele andere flache Seen ähnlich verhalten dürften. „In jedem Fall sollten die Ergebnisse Ansporn genug sein, um eine gezielte Reduzierung von Stickstoff auch für andere Seen zu testen. Unsere Studie ist ein Baustein für ein effektiveres Gewässermanagement", fasst Tom Shatwell die Relevanz der Ergebnisse zusammen.

Über das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB):
Das IGB ist das bundesweit größte Forschungszentrum für Binnengewässer. Es verbindet Grundlagen- und Vorsorgeforschung, bildet den wissenschaftlichen Nachwuchs aus und berät Politik und Gesellschaft in Fragen des nachhaltigen Gewässermanagements. Forschungsschwerpunkte sind u.a. die Langzeitentwicklung von Seen, Flüssen und Feuchtgebieten angesichts sich rasch ändernder Umweltbedingungen, die Renaturierung von Ökosystemen, die Biodiversität aquatischer Lebensräume sowie Technologien für eine ressourcenschonende Aquakultur. Die Arbeiten erfolgen in enger Kooperation mit den Universitäten und Forschungsinstitutionen der Region Berlin-Brandenburg und weltweit. Das IGB gehört zum Forschungsverbund Berlin e. V., einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft.
www.igb-berlin.de/

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Tom Shatwell, Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Abteilung 1 Ökohydrologie, +49 (0)30 64181 690, shatwell@igb-berlin.de (Interviews in Englisch und Deutsch möglich)

Dr. Jan Köhler, Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Abteilung 2 Ökosystemforschung, +49 (0)30 64181 687, koehler@igb-berlin.de, (Interviews in Deutsch und Englisch möglich)
Originalpublikation:

Tom Shatwell, Jan Köhler (2018) Decreased nitrogen loading controls summer cyanobacterial blooms without promoting nitrogen-fixing taxa: long-term response of a shallow lake. Limnology and Oceanography. doi: 10.1002/lno.11002

Weitere Informationen:
https://youtu.be/oIME72cZy4M

Quelle: idw

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Neue Europäische Blutdruck-Leitlinie: 140/90 mm Hg bleibt «rote Linie»

Dr. Bettina Albers Geschäftsstelle
Deutsche Hochdruckliga

Auch in der neuen Europäischen Blutdruck-Leitlinie [1], die aktuell publiziert wurde, markiert der Grenzwert von 140/90 mm Hg die «rote Linie». Erst dann kommen Blutdrucksenker ins Spiel. Lebensstilmaßnahmen zum Gegensteuern werden bereits davor empfohlen: Das ist effektiv und schützt vor einem kardiovaskulären Ereignis wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Gefahr einer möglichen Untertherapie sieht die Deutsche Hochdruckliga nicht.

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Diskussionen um Blutdruckgrenzwerte, da diese in den USA in Folge der SPRINT-Studie [2] 2017 abgesenkt wurden. Krank und somit therapiebedürftig ist dort, wer Blutdruckwerte ≥ 130/80 mm Hg aufweist. Die Frage war, ob auch die Europäer dem amerikanischen Beispiel folgen und den Grenzwert in ihrer Leitlinie absenken. Die neue Leitlinie der europäischen Gesellschaften für Hypertonie und Kardiologie (ESH/ ESC) wurde nun anlässlich des Kongress der European Society of Cardiology (ESC) in München publiziert, sieht aber weiterhin vor, Hypertoniker erst ab einem Blutdruck von ≥ 140/90 mm Hg medikamentös zu behandeln.

Prof. Dr. Bernhard K. Krämer, Mannheim, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und Prävention e.V. erklärt: „Viele Studien zeigen ein Ansteigen des kardiovaskulären Risikos bereits ab einem Blutdruck von 130/ 80 mm Hg auf. Mit der roten Linie, dem Grenzwert, wird der Schwellenwert definiert, ab dem der Einsatz von blutdrucksenkenden Medikamenten empfohlen wird. Dieser Grenzwert bleibt bei 140/90 mm Hg. Die neue Leitlinie definiert aber erstmals einen niedrigeren, individuell festzulegenden Zielwert (je nach Ausgangsrisiko in Abhängigkeit von Alter, manifesten Organschäden und körperlicher Verfassung) bei der medikamentösen Hochdruckbehandlung. Dieser Zielwert liegt für Patienten unter 65 Jahre erstmals bei 120/70 bis 130/80 mm Hg (nur bei guter Verträglichkeit).

Professor Dr. med. Peter Trenkwalder, Stellv. Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention, erklärt: „Bei uns bleibt 140/90 mm Hg die «rote Linie». Erst ab da muss der Blutdruck medikamentös gesenkt werden. Lebensstilmaßnahmen zur Blutdrucksenkung werden aber bereits bei hochnormalen Blutdruckwerten (130-139/85-89 mm Hg) empfohlen. Hier haben es die Menschen selbst in der Hand, durch ausreichend Bewegung, gesunde Ernährung und Abnehmen bei Übergewicht ihren Blutdruck zu senken. Erst wenn diese Maßnahmen nicht greifen und der Blutdruck über den Grenzwert von 140/90 mm Hg steigt, sollten zusätzlich medikamentöse Blutdrucksenker eingesetzt werden."

Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention sieht in den neuen Leitlinien keine mögliche Gefährdung oder Untertherapie der Patienten: „Unserer Meinung nach ist das eine Empfehlung mit Augenmaß", so das Fazit von Prof. Dr. Bernhard K. Krämer. Professor Trenkwalder ergänzt: „Es nützt nichts, die Patienten durch das Absenken der Grenzwerte kränker zu machen. Die Herausforderung und Verantwortung für den Arzt gegenüber seinen Patienten liegt darin, sie in der Therapietreue medikamentös und nichtmedikamentös zu unterstützen."

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Kontakt/Pressestelle

Dr. Bettina Albers
albers@albersconcept.de
Telefon: 03643/ 776423
Mobile: 0174/ 2165629

Originalpublikation:
Quelle:

[1] Williams B, Mancia G et al. 2018 ESC-ESH Guidelines for the Management of Arterial Hypertension. J Hypertens 2018 (in press)
[2] Wright JT, Jr., Williamson JD, Whelton PK et al. A Randomized Trial of Intensive versus Standard Blood-Pressure Control. N Engl J Med 2015; 373: 2103-2116

Quelle: idw

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Der Verlauf von Dürren: Flüsse werden früher und stärker beeinträchtigt als die Landwirtschaft

Dr. Eberhard Fritz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Eine Studie von Klimaforschern aus Deutschland und Schweden offenbart, wie Auswirkungen heftiger Dürreperioden zeitlich verlaufen. Bei ausbleibendem Regen trocknet zunächst der Boden binnen Tagen aus, bevor innerhalb weniger Wochen die Wasserstände der Flüsse zurückgehen. Erst Monate später vertrocknet die Vegetation, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Die Studie wurde unter Federführung des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie im Fachjournal „Nature Communications" veröffentlicht. Die Forscher folgern, dass sich wirkungsvolle Strategien zur Vermeidung von Dürreschäden an dem beschriebenen Verlaufsmuster orientieren sollten.

Dürreperioden, wie in diesem Sommer, können große wirtschaftliche Schäden verursachen. Sie beeinträchtigen unter anderem die Wassertransportwege, die Stromerzeugung, die Trinkwasserversorgung und die landwirtschaftliche Bewässerung. Leidet die Pflanzenwelt durch Dürren, so drohen Ernteausfälle sowie Verluste in der Forstwirtschaft. Hervorgerufen werden Dürren in der Hauptsache durch zu geringe Niederschläge. Ihr Auftreten wird aber auch durch die erhöhte Verdunstung aufgrund steigender Temperaturen begünstigt, sowie durch eine von den Menschen veränderte Wasser- und Landnutzung.

Um den zeitlichen und räumlichen Verlauf von Dürren und deren Auswirkungen zu verstehen, kombinierten und verrechneten Forscher aus Deutschland und Schweden große Datensätze zum Wasserkreislauf. Die Daten decken mehrere Jahrzehnte ab und beziehen sich auf Gebiete, die über ganz Europa und somit über verschiedene Klimaregionen verteilt sind. Als wichtige Grundlage verwendeten die Forscher dabei Messungen von Wasserständen von über 400 kleinen und von Menschen kaum beeinflussten Flussläufen. Diese verglichen sie mit Modelldaten zu dürrebedingten Veränderungen der Verdunstung und dem Wassergehalt der Böden in der jeweiligen Region. So konnten sie für jedes Teilgebiet und über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten den Weg des Wassers mit täglicher Genauigkeit beschreiben. Diese Ergebnisse verglichen sie abschließend mit dem Gesundheits- und Aktivitätszustand der Pflanzenwelt, der routinemäßig von Forschungssatelliten erfasst wird.

Nach statistischer Auswertung der komplexen und viele Variablen betreffenden Daten ergibt sich für die Forscher ein eindeutiges Bild darüber, wie sich Dürren entwickeln: ausbleibender Regen führt innerhalb weniger Tage zu trockeneren Böden, und im Verlauf von Wochen zu sinkenden Flusspegeln. Die Pflanzenwelt wird dagegen erst nach Monaten beeinträchtigt, erkennbar an der reduzierten Verdunstungsrate und der verringerten Vegetationsaktivität. Letztere sind hauptsächlich in Südeuropa zu beobachten. Nur dort ist das Klima so trocken, dass Dürren so lange Zeiträume anhalten können.

Interessanterweise erholt sich die Vegetation meist unmittelbar nach Ende der Dürre, während Flusspegel trotz wieder einsetzendem Regen noch Wochen oder Monate unter ihren Normalwerten verharren. Der Wasserkreislaufs ist also teilweise blockiert: Das Regenwasser wird zunächst in den Böden und im Grundwasser aufgenommen, bevor es die Flüsse erreicht und deren Pegel wieder ansteigen lässt.

Dürreperioden entwickeln sich also etappenweise und mit jeweils verschiedenen, charakteristischen Auswirkungen auf die Wirtschaft und den globalen Wasserkreislauf. Das ganze Ausmaß der negativen Folgen ist daher meist nicht so unmittelbar ersichtlich wie bei schneller verlaufenden Klimaextremen, wie Überschwemmungen oder Hitzewellen. „Doch dieser Sommer ist außergewöhnlich: Die lange Trockenheit, gepaart mit den hohen Temperaturen, hat in weiten Teilen Westeuropas die Dürre deutlich spürbar gemacht. Sie hat bereits zu starken Beeinträchtigungen der Ökosysteme und auch der Bevölkerung geführt", bestätigt René Orth, Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena.

Mit den neuen Erkenntnissen können die Strategien zur Vermeidung von Dürreschäden verbessert werden, sagen die Forscher. Dazu sollten Maßnahmen stufenweise ergriffen werden und sich an dem beschriebenen Verlaufsmuster orientieren: In frühen Stadien einer Dürre sollten Anpassungen an gesunkene Flusspegel im Vordergrund stehen, und erst später wird z.B. die Bewässerung landwirtschaftlicher Anbauflächen immer wichtiger. „Da wir wissen, dass der Klimawandel stärkere oder vermehrt auftretende Dürren hervorrufen könnte, ist ein verbessertes Trockenheitsmanagement besonders wichtig", bemerkt Georgia Destouni, Koautorin von der Universität Stockholm. Die derzeitige Dürreperiode hat die vielfältige Abhängigkeit der Wirtschaft vom Wasserkreislauf aufgezeigt und die Problematik stärker in das gesellschaftliche Bewusstsein gerückt. Damit, und mit den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ist der Grundstein gelegt für ein besseres Dürremanagement in der Zukunft.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Renè Orth, Max-Planck-Institut für Biogeochemie
Gruppenleiter Wechselwirkungen zwischen Hydrologie-Biosphäre-Klima
Email: rene.orth@bgc-jena.mpg.de
Tel: +49 3641 576250

Originalpublikation:
Orth R. and G. Destouni, 2018. Drought reduces blue-water fluxes more strongly than green-water fluxes in Europe, Nat. Commun. 9, (2018) 9:3602
https://www.nature.com/articles/s41467-018-06013-7

Quelle: idw

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Neue Studie: Wer länger Urlaub macht, lebt länger

Prof. Dr. Eckart Fleck Pressesprecher
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Wer sich Urlaub nimmt, kann damit sein Leben verlängern, kürzere Urlaube sind mit einer höheren Sterblichkeit verknüpft. Diese Ergebnisse der „Helsinki Businessmen Study", die 1.222 männliche Manager umfasste, wurden auf dem Europäischen Kardiologiekongress in München vorgestellt.

Wer sich Urlaub nimmt, kann damit sein Leben verlängern. „Niemand soll glauben, dass man mit einem ansonsten gesunden Lebensstil zu lange Arbeitszeiten und den Verzicht auf Urlaub wettmachen kann. Ferien können eine gute Methode sein, um Stress abzubauen", sagt Professor Dr. Timo Strandberg (Helsinki) auf einer Pressekonferenz des Europäischen Kardiologenkongresses. In München kommen von 25. bis 29. August 31.000 Teilnehmer aus 150 Ländern zusammen - der Kongress der Europäischen Kardiologengesellschaft (ESC) ist einer der weltweit größten Medizinkongresse.

Die von Prof. Strandberg vorgestellte Studie umfasst 1.222 männliche Manager, die zwischen 1919 und 1934 geboren wurden und in die „Helsinki Businessmen Study" eingeschlossen wurden. Teilnehmer hatten zumindest einen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die in München präsentierten Ergebnisse bezogen ein verlängertes Follow-up von 40 Jahren mit ein, bei dem auch Faktoren wie Arbeitszeiten, Schlafdauer und Urlaubszeiten berücksichtigt wurden. In einer Interventionsgruppe wurden Teilnehmer fünf Jahre lang alle vier Monate mündlich und schriftlich zu einem gesunden Lebensstil aufgefordert und bekamen bei Bedarf Medikamente gegen Risikofaktoren. Mitglieder der Kontrollgruppe erhielten bloß eine übliche Behandlung.

Fazit: In der Interventionsgruppe zeigte sich, dass kürzere Urlaube mit einer höheren Sterblichkeit verknüpft waren. Studienteilnehmer mit drei Wochen oder weniger Jahresurlaub hatten ein um 37 Prozent erhöhtes Risiko, zwischen 1974 und 2004 zu versterben, als Studienteilnehmer mit längerer Urlaubszeit. „Studienteilnehmer mit kürzeren Urlauben arbeiteten länger und schliefen weniger als jene mit längeren Urlauben. Dieser stressreiche Lebensstil hat vermutlich einen stärkeren Einfluss, als die Gesundheits-Interventionen Vorteile bringen", so Prof. Strandberg. „Stressreduktion sollte ein wesentlicher Bestandteil von Programmen sein, die auf eine Verringerung der Risiken für kardiovaskuläre Krankheiten abzielen."

Zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Ereignissen bei Menschen mit hohem Risiko sollten Ratschläge zum Lebensstil vernünftig mit modernen Medikamenten kombiniert werden, empfiehlt Prof. Strandberg.

Quellen:
ESC Abstract: Strandberg et al.: Increased mortality despite successful multifactorial cardiovascular risk reduction in healthy men. 40-year follow-up of the Helsinki businessmen study intervention trial"; J Nutr Health & Aging. 2018, in press.
Pressekonferenz: Is this really good for you? Challenging conventional wisdom

Über die Europäische Gesellschaft für Kardiologie
Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) vereinigt Medizinerinnen, Mediziner und Angehörige anderer Gesundheitsberufe aus mehr als 150 Ländern. Sie setzt sich dafür ein, die Herz-Kreislauf-Medizin weiter zu entwickeln und unterstützt die Menschen dabei, länger und gesünder zu leben.

Über den ESC-Kongress 2018
Der ESC-Kongress ist weltweit die größte und einflussreichste wissenschaftliche Veranstaltung im Bereich der Herz-Kreislauf-Medizin. Der ESC-Kongress 2018 findet vom 25. bis 29. August in der Messe München satt. Das wissenschaftliche Programm ist unter http://bit.do/esc2018scientificprogramme zu finden.

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B&K - Bettschart & Kofler Kommunikationsberatung (www.bkkommunikation.com)
Roland Bettschart: +43 6766356775; bettschart@bkkommunikation.com
Dr. Birgit Kofler: +43 6766368930; kofler@bkkommunikation.com

Quelle: idw

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Tiefseebergbau hinterlässt tiefe Narben -Massiver Artenverlust 26 Jahre nach Abbau nachgewiesen

Judith Jördens Senckenberg Pressestelle
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Gemeinsam mit einem internationalen Team haben Senckenberg-Wissenschaftlerinnen die Auswirkungen von Tiefseebergbau - wie den Abbau von Manganknollen - auf die Artenvielfalt am Meeresboden untersucht. Sie zeigen, dass auch 26 Jahre nach dem Abbau ein erheblicher Verlust bodenlebender Organismen zu verzeichnen ist. Insbesondere filtrierende Tiere sind betroffen - über zwei Jahrzehnte nach dem Abbau bleiben knapp 80 Prozent dieser Arten verschwunden. Die Studie erschien kürzlich im Fachjournal „Biogeosciences".

Das Bergbau Spuren hinterlässt ist selbstverständlich - das gilt auch für den Abbau von Rohstoffen am Meeresboden. „Es gibt belastbare Studien, die zeigen, dass sich beispielsweise der Abbau von Manganknollen negativ auf das Tiefsee-Leben auswirkt", erläutert Dr. Lidia Lins vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt und fährt fort: „Ob und wann sich die Tiere wieder von dem Eingriff erholen, ist aber noch weitestgehend unerforscht."

Die Zweitautorin der kürzlich erschienenen Studie hat daher mit einem internationalen Team die Auswirkungen des "DISturbance and reCOLonization (DISCOL)"-Experiments auf bodenlebende Tiefsee-Organismen untersucht. Während der 1989 beginnenden wissenschaftlichen Versuchsreihe wurden 22 Prozent eines insgesamt 10,8 Quadratkilometer großen manganknollenreichen Gebietes im südöstlichen Pazifik mit schwerem Gerät umgepflügt.
Das Areal wurde einen Monat, sechs Monate, drei, sieben und 26 Jahre nach der Störung erneut untersucht, um die Vielfalt der Makro- und Megafauna und die Fischhäufigkeit zu beurteilen.

„Wir haben diese einzigartige Zeitreihe aus der Tiefsee genutzt, um Nahrungskreisläufe für karbonatproduzierende und -fressende Organismen zu entwickeln. Aus diesen können wir dann ableiten, welche Auswirkungen das Umgraben des Meeresbodens innerhalb und außerhalb des gepflügten Bereiches hat", erklärt Lins.

Die Ergebnisse sind besorgniserregend: Sogar noch 26 Jahre nach dem Experiment lag die Gesamtmasse von kalkbildenden Organismen innerhalb des gestörten Bereiches 54 Prozent unterhalb der Masse außerhalb des Gebietes. Am wenigsten betroffen waren dabei die auf dem Meeresboden fressenden Organismen - sie verzeichneten einen Verlust von 2,6 Prozent.
„Die filtrierende und suspensionsfressende Fauna hat es umso härter getroffen. Hier gibt es knapp 80 Prozent weniger Aktivität", ergänzt Lins und fügt hinzu: „Wir konnten zeigen, dass sich die Ökosysteme in der Tiefsee nur sehr langsam von Eingriffen erholen - fast 30 Jahre nach einer vergleichsweisen kleinen Störung ist gerade mal die Hälfte an Leben in das Gebiet zurückgekehrt. Wir plädieren daher für Schutzzonen in den Ozeanen!"

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Lidia Lins Pereira
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt
Tel. 069- 7542 1303
Lidia.Lins@Senckenberg.de

Originalpublikation:
Stratmann, T., Lins, L., Purser, A., Marcon, Y., Rodrigues, C. F., Ravara, A., Cunha, M. R., Simon-Lledó, E., Jones, D. O. B., Sweetman, A. K., Köser, K., and van Oevelen, D.: Abyssal plain faunal carbon flows remain depressed 26 years after a simulated deep-sea mining disturbance, Biogeosciences, 15, 4131-4145, https://doi.org/10.5194/bg-15-4131-2018, 2018.

Quelle: idw

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Ängste abbauen geht anders - Prof. Christoph M. Schmidt über die Ausweitung der Rentengarantien

Sabine Weiler Kommunikation
RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung

RWI-Präsident Prof. Christoph Schmidt erläutert in seinem Statement, warum eine Ausweitung der Rentengarantien über das Jahr 2025 hinaus aus ökonomischer Sicht kaum nachvollziehbar ist und vor allem mehr Unsicherheit erzeugt. Er schlägt vor, ab dem Jahr 2030 das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln, um zu verhindern, dass die Rentenbezugsdauer eins-zu-eins mit ihr steigt.

"Die jüngste Diskussion um eine Ausweitung der Rentengarantien über das Jahr 2025 hinaus ist aus ökonomischer Sicht kaum nachvollziehbar. Schließlich hat die große Koalition gerade erst eine Haltelinie bis dahin beschlossen und eine Rentenkommission damit beauftragt, Reformvorschläge für die Zukunft auszuarbeiten. Sinnvoll wäre es nun, deren Ergebnisse abzuwarten. Der aktuelle Aktionismus erzeugt hingegen trotz aller Beteuerungen vor allem eines: mehr Unsicherheit.

Das Rentenniveau bis zum Jahr 2040 einzufrieren, bürdet der jüngeren Generation zudem die Hauptlast des demographischen Wandels auf. Denn dieser führt in unserem umlagefinanzierten Rentensystem dazu, dass sich das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentnern drastisch ändert. Werden nun gleichzeitig das Rentenniveau und das Renteneintrittsalter fixiert, müssen entweder die Beiträge noch stärker erhöht werden als ohnehin vorgesehen, oder die Steuerbelastung muss steigen.

Eine kluge Möglichkeit wäre es stattdessen, ab dem Jahr 2030 das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung zu koppeln, um zu verhindern, dass die Rentenbezugsdauer eins-zu-eins mit ihr steigt. Eine weitere Möglichkeit, um eine ausgewogenere Lastenverteilung zwischen den Generationen zu erreichen, ist die Stärkung der privaten und betrieblichen Altersvorsorge. Dagegen ist es mehr als kurzsichtig, die Leistungen des Rentensystems sogar noch auszuweiten, etwa durch die Mütterrente."

Prof. Dr. Christoph M. Schmidt ist Präsident des RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, Vorsitzender des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und Professor an der Ruhr-Universität Bochum.

Ansprechpartnerin:
Sabine Weiler (Pressestelle), Tel. 0201/8149-213

Weitere Informationen:
http://www.rwi-essen.de/presse/mitteilung/328/ 
hier finden Sie das Statement von RWI-Präsident Prof. Christoph Schmidt auf der RWI-Homepage

Quelle: idw

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Joggen in der Stadt. Ist das gesund?

Dr. Ulrich Kümmel Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Atemwegsliga e.V.

Bewegung ist wichtig - Bewegung ist gesund. Stimmt das wirklich? Fast täglich erfahren wir, dass Städte über Fahrverbote diskutieren, dass schlechte Luft gesundheitsschädlich ist. Dieselfahrzeuge sollen aus Städten verbannt werden. Sollten wir deshalb in der Stadt besser keinen Sport treiben, um uns nicht zu gefährden? Das Thema des diesjährigen Deutschen Lungentages lautet deshalb „Dicke Luft - Gefahr für die Lunge". Im Rahmen des Deutschen Lungentages finden im September bundesweit viele Informationsveranstaltungen statt.

Die Luftqualität wird belastet durch den Straßenverkehr, die Industrie, die Landwirtschaft und Kleinfeuerungsanlagen. Der Autoverkehr und insbesondere Dieselmotoren tragen maßgeblich zur Belastung mit Stickoxiden (NOx) bei. Feinstaub wird eher durch ältere Dieselfahrzeuge freigesetzt. Die Konzentrationen von Feinstaub, NOx und Ozon in der Außenluft werden landesweit gemessen. Es gibt Grenzwerte, die der Gesetzgeber festgelegt hat. Werden diese nicht eingehalten, müssen zum Schutz der Bevölkerung Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Dies kann u.U. auch Fahrverbote bedeuten.

Wie schädlich sind die Emission durch den Verkehr wirklich und ist der Zusammenhang zwischen Gesundheitsschädigung und Verkehr tatsächlich nachgewiesen?
Die schädlichen Wirkungen von Feinstaub, NOx und Ozon sind ausreichend belegt. Der spezielle Zusammenhang mit den Emissionen des Autoverkehrs kann jedoch lediglich abgeleitet werden, da die eingeatmete Luft ein Gemisch von Schadstoffen aus unterschiedlichen Quellen ist. Personen, die an verkehrsreichen Straßen wohnen, haben ein höheres Erkrankungsrisiko, und Kraftfahrzeugabgase enthalten Schadstoffe. Dies wird als Indizienbeweis gewertet.

Das ESCAPE-Projekt (European Study of Cohorts) untersucht derzeit die Langzeitwirkung von Luftschadstoffen in Europa. Das Besondere ist, dass die individuelle Schadstoffexposition errechnet werden kann, um so einen genaueren Zusammenhang zwischen Exposition und Risiko herzustellen.

Erste Daten wurden bereits analysiert: Feinstaub der Partikelgröße von 10 µm (PM10) erhöhte signifikant das Risiko für Lungenkrebs. Der Zusammenhang zwischen Schadstoffexposition und COPD wurde tendenziell gezeigt. Niedrige Werte der Lungenfunktion ließen sich auf Exposition mit PM10 und NOx zurückführen. Für Kinder erhöhte sich das Risiko für Asthma, wenn auch nicht signifikant. Luftschadstoffe begünstigten das Auftreten von Lungenentzündung, ein Einfluss auf Pseudokrupp wurde nicht beobachtet.

Eine Studie aus England zeigte, dass die Lungenfunktion beim Laufen in hoch belasteten Gegenden schlechter wurde. Dennoch haben diese Studie und weitere Studien zeigen können, dass die positiven Effekte der körperlichen Aktivität, die Nachteile, die mit einer höheren Luftschadstoffexposition verbunden sind, überwiegen. Es gibt also gute Gründe, sich körperlich zu betätigen, und das auch in Gegenden, die durch Straßenverkehr belastet sind, wenn es keine anderen Möglichkeiten in unbelasteten Gebieten gibt.

Jeder ist auf Luft zum Atmen angewiesen. Ziel muss es deshalb sein, saubere Luft für Alle und überall sicher zu stellen.
Grenzwerte sind dabei häufig nur ein vernünftiger Kompromiss, das Wünschenswerte mit dem Machbaren zu vereinen. Vieles kann getan werden, um die Luftqualität zu verbessern. Zu den Maßnahmen gehören neben sauberen Motoren und verkehrsorganisatorischen Maßnahmen ein attraktiver Nahverkehr und Umweltzonen. Eine Verlagerung des Verkehrs an den Messstationen vorbei, verlagert das Problem lediglich. Erste Analysen belegen, dass z.B. ausreichend große Umweltzonen tatsächlich die Luftqualität verbessern.
Wir alle können dazu beitragen, dass unsere Luft besser wir, z.B. indem wir das Auto einmal stehen lassen.

„Dicke Luft - Gefahr für die Lunge" ist das Thema des diesjährigen Lungentages. Im Rahmen des Deutschen Lungentages finden bundesweit viele Informationsveranstaltungen statt. https://www.lungentag.de/veranstaltungen/page/1.html

Die diesjährige Zentralveranstaltung des Lungentags findet in Berlin statt:
Samstag, 29. September 2018, 10 bis 14 Uhr
Charité Berlin, CCO Auditorium und Foyer, Virchowweg 6

Weitere Informationen:
Deutscher Lungentag
Raiffeisenstr. 38
33175 Bad Lippspringe
www.lungentag.de
Email: info@lungentag.de
Sektionssprecher: Prof. Dr. M. Lommatzsch

Quelle: idw

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360° - Film nimmt Zuschauer mit auf einen faszinierenden Tauchgang durch ein Korallenriff

Dr. Susanne Eickhoff Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

2018 ist das Internationale Jahr des Riffes. Als einen Beitrag hierzu veröffentlicht das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) gemeinsam mit der Filmagentur „The Jetlagged" einen 360°-Film, der in einem tropischen Korallenriff aufgenommen wurde.

2018 ist das Internationale Jahr des Riffes, eine weltweite Initiative der „International Coral Reef Initiative", die erstmalig 1997 ausgerufen wurde und nun bereits zum dritten Mal stattfindet. Als einen Beitrag hierzu veröffentlicht das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) gemeinsam mit der mehrfach preisgekrönten Filmagentur „The Jetlagged" einen 360°-Film, der in einem tropischen Korallenriff aufgenommen wurde.

Der Film nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch das Korallen-Dreieck in Südostasien und seine beeindruckenden Riffe. Mit einem VR-Headset kann der Betrachter die Unterwasserwelt mit einem Blickumfang von 360° erleben, sich wie ein Taucher rundherum umschauen und diesen spannenden Lebensraum erkunden. Das Korallen-Dreieck, das sich von den Inseln der Salomonen über Neuguinea und Borneo bis zu den Philippinen ausstreckt, ist eine der artenreichsten Meeresregionen der Erde.

Während sich unser Planet weiter erwärmt, verändern sich die Ozeane: Korallenbleiche und Ozeanversauerung, dazu noch Überfischung und Verschmutzung bedrohen weltweit die empfindlichen Korallenriffe. Rund 30% der Riffe weltweit gelten aufgrund menschlicher Einflüsse bereits als zerstört, und Klimamodelle sagen ein regelmäßiges Ausbleichen von nahezu 90% aller Riffe bis Mitte des Jahrhunderts voraus. So ist es dringend erforderlich, Menschen für dieses einzigartige Ökosystem zu begeistern und auf die Notwendigkeit eines umfassenden Riffschutzes aufmerksam zu machen.

Der 360°-Film ist Teil eines Forschungsprojektes von Dr. Katie Nelson und Prof. Dr. Achim Schlüter, beide Sozialwissenschaftler am ZMT. Er ist mit verschiedenen Textversionen unterlegt und soll in Kombination mit anderen Medien eingesetzt werden, um herauszufinden, mit welchen Anreizen sich Menschen ökologischer Probleme bewusst werden und lernen, einen Naturraum wertzuschätzen.

In Indonesien führten die beiden Forscher bereits eine Versuchsreihe mit mehr als 1000 Personen durch. Getestet wurde deren Bereitschaft, nach einem virtuellen Tauchgang mithilfe des Films für ein Korallenschutzprojekt zu spenden.

Das ZMT wird den Film mit entsprechender VR-Ausrüstung am 22. und 23. September auf der Forschungsmeile an der Weserpromenade im Rahmen der Maritimen Woche in Bremen zeigen. Im Oktober soll der Film auf der internationalen Our Ocean-Konferenz zum Meeresschutz in Bali präsentiert werden.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Katie Nelson (nur Englisch)
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)
katie.nelson@leibniz-zmt.de
Tel: 0421 / 23800 - 128

Prof. Dr. Achim Schlüter
Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)
achim.schlueter@leibniz-zmt.de
Tel: 0421 / 23800 - 104

Weitere Informationen:
https://www.leibniz-zmt.de/de/neuigkeiten/im-fokus/film-nimmt-zuschauer-mit-auf-...

Quelle: idw

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Was die Forschung heute weiß: Sieben Ernährungsmythen aufgeklärt

Dr. Katarina Werneburg Stabsstelle Universitätskommunikation/Medienredaktion
Universität Leipzig

Auch diese August-Woche verspricht wieder heiße Temperaturen und wenig Abkühlung. Dabei vergeht manchem die Lust auf warme Speisen und üppige Mahlzeiten. Doch wie gesund sind die Alternativen? Machen Obst und Essen am Abend wirklich dick? Und sind Übergewichtige dann selbst schuld an ihrem Gewicht? „Nein", sagt Prof. Dr. Matthias Blüher, Leiter der Adipositas-Ambulanz für Erwachsene am Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen der Leipziger Universitätsmedizin. Denn Adipositas sei eine Erkrankung, die von vielen Faktoren bestimmt wird. Im Interview spricht der Mediziner über vermeintliche gesunde Obst-Snacks und die Ursachenforschung bei Adipositas.

Im Sommer benötigen wir weniger Kalorien, weil der Körper für die Abkühlung weniger Energie verbraucht.
Prof. Dr. Matthias Blüher: Das stimmt nicht. In Situationen extremer Hitze oder Kälte ist der Energieverbrauch unseres Körpers generell erhöht: Sowohl beim Frieren als auch beim Abkühlen benötigen wir mehr Energie. Allerdings ist nicht davon auszugehen, dass man im Sommer oder im Winter unterschiedlich gute Chancen hat, abzunehmen. Der einzige Unterschied liegt tatsächlich im Ernährungsverhalten: Im Sommer nehmen viele typischerweise leichtere und kalorienärmere Mahlzeiten zu sich, im Winter legt man sich eher den klassischen Winterspeck zu.

Gerade bei heißen Temperaturen setzen viele auf Obst-Snacks. Davon kann man so viel essen, wie man will - Obst ist in jedem Fall gesund.
Prof. Dr. Matthias Blüher: Leider ist das nicht ganz richtig, denn auch beim Obst macht die Dosis das Gift. Früchte können auch eine ganze Menge an Kalorien und Kohlenhydraten enthalten. Ein aktuelles Beispiel aus der Forschung zeigt, dass gerade die Fruktose, die wir verstärkt in Obst finden, einen ganz wesentlichen Beitrag bei der Entstehung der Fettleber leisten kann.

Auch wenn sich die Temperaturen dann etwas abgekühlt haben: Abends essen macht dick.
Prof. Dr. Matthias Blüher: Das stimmt und stimmt auch nicht. Auch hier kommt es wieder darauf an, wie viel zum Abendessen auf den Tisch kommt. Man geht zwar davon aus, dass die Kalorien am Abend nicht gleich wieder verbrannt werden können, weil man dann ins Bett geht. Letztendlich gibt es aber keinen Beweis dafür, zu welcher Tageszeit Kalorien fürs Gewicht schädlicher sind - die Gesamtmenge, die man über den Tag verteilt zu sich nimmt, zählt. Vielen Menschen fällt es aber leichter, abends auf Essen zu verzichten, um ihr Gewicht zu reduzieren. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Menschen, die regelmäßig frühstücken, eine höhere Chance haben, Gewicht zu verlieren.

Mit Light-Produkten hingegen nimmt man ab.
Prof. Dr. Matthias Blüher: Das stimmt leider nicht. In Light-Produkten wird Zucker oft durch Zuckerersatzstoffe ausgetauscht. Diese Ersatzstoffe können mehr Appetit machen oder direkt auf unsere Darmbakterien wirken. Light-Produkte können also indirekt dazu beitragen, dass man mehr Appetit hat und doch nicht abnehmen kann - auch wenn es der Name anders verspricht.

Übergewichtige und adipöse Menschen sind selber schuld an ihrem Übergewicht.
Prof. Dr. Matthias Blüher: Stimmt nicht. Wir wissen heute zum Beispiel, dass genetische Faktoren eine ganz große Rolle bei der Ausprägung von Übergewicht und Adipositas spielen. Auch hormonelle Aspekte und unser gesellschaftliches Umfeld bedingen die Entstehung von Übergewicht. All diese Faktoren kann der Einzelne nicht aktiv beeinflussen.

Übergewichtige müssen einfach weniger essen und mehr Sport treiben, dann nehmen sie schon ab.
Prof. Dr. Matthias Blüher: Eigentlich stimmt das. Leider muss man sagen, dass Abnehmkonzepte, die nur darauf basieren weniger zu essen und sich mehr zu bewegen, langfristig versagt haben. Woran das liegt, wissen wir nur zum Teil. Es ist sehr wahrscheinlich, dass unser Körper ein einmal erreichtes Gewicht hervorragend verteidigen kann. Hier greifen verschiedene Mechanismen ineinander, die dazu führen, dass der Körper immer wieder zu seinem maximal erreichten Gewicht zurück möchte. Zu diesen Faktoren gehören beispielsweise die Ausschöpfung der aufgenommenen Kalorien aus der Nahrung sowie die Regulation von Grundumsatz, Appetit und Sättigung. Auch diese Faktoren können wir nicht bewusst kontrollieren.

Adipositas ist eine Erkrankung und die Ursachen der Adipositas sind der Wissenschaft in Gänze bekannt.
Prof. Dr. Matthias Blüher: Den ersten Teil der These kann ich bejahen. Wir sehen Adipositas als eine Erkrankung an und stehen damit nicht allein da - auch die Weltgesundheitsorganisation definiert Adipositas mittlerweile als eine Erkrankung. Den zweiten Teil des These muss ich verneinen: Wir sind immer noch bemüht, die Ursachen der Adipositas-Entstehung für den einzelnen Menschen und auf gesellschaftlicher Ebene komplett zu verstehen. Nur für wenige, einzelne Fälle können wir bislang einen klaren Zusammenhang etwa zwischen dem Defekt eines Gens und der Ausprägung von Adipositas herstellen.

Adipositas-Forschung in Leipzig
Die Adipositas-Forschung ist seit vielen Jahren ein Schwerpunkt der Universität Leipzig. Auch der Wissenschaftsrat attestiere dem Standort zuletzt herausragende Kompetenzen in diesem Bereich. Im Februar 2018 hat die Universität Leipzig einen Vollantrag für das Exzellenzcluster "Adipositas verstehen" in der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder eingereicht. Das Projekt verfolgt einen interdisziplinären Ansatz, der die Medizin mit den Sozial- und Geisteswissenschaften verbindet. Denn Ursachen und Folgen von Adipositas sind kein rein medizinisches Thema, sondern eingebettet in unsere Kultur und Gesellschaft. Wirksame Präventions- und Therapiestrategien müssen daher in diesem Kontext entwickelt und gedacht werden. Die Universität Leipzig stellt die Wissenschaftler und ihre Forschungsarbeit hinter dem Cluster-Antrag vor: Vom Historiker, über Bioinformatiker und Mediziner bis hin zur Kommunikationswissenschaftlerin.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Matthias Blüher

Weitere Informationen:
http://www.adipositas-verstehen.de

Quelle: idw

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Füße kribbeln, brennen, sind taub: Neue Biomarker der Entzündung als Risikofaktoren für Neuropathie

Christina Becker Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Diabetes-Zentrum

Die Polyneuropathie gehört zu den häufigsten Komplikationen bei Menschen mit Diabetes. Sie kann aber auch bei bestimmten Risikofaktoren oder Erkrankungen bereits vor der Manifestation eines Diabetes auftreten. Erste Symptome sind häufig Missempfindungen in den Füßen. Obwohl eine Polyneuropathie bei etwa 30% der Menschen mit Diabetes vorliegt, bleibt sie häufig undiagnostiziert. Wissenschaftler aus dem Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf konnten in Kooperation mit Kolleginnen aus dem HelmholtzZentrum München (HMGU), beide Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD), nun erstmals zeigen, dass sechs Biomarker der Entzündung das Risiko für eine Polyneuropathie anzeigen.

Obwohl viele Patienten an Polyneuropathie leiden, weiß man derzeit relativ wenig über ihre Entstehung, was auch die therapeutischen Möglichkeiten begrenzt. Bislang ist bekannt, dass Entzündungsprozesse zu anderen diabetischen Komplikationen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall beitragen. Ziel dieser neuen Studie war daher die umfangreiche Analyse von Biomarkern, die Entzündungsprozesse als Risikofaktor für die sogenannte distale sensorische Polyneuropathie charakterisieren. Dabei wurden sowohl Menschen mit Typ-2-Diabetes als auch Menschen in der älteren Allgemeinbevölkerung untersucht. Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Diabetes veröffentlicht.

„In unserer Studie haben wir neue Biomarker identifiziert, die das Risiko für die Entstehung einer Polyneuropathie anzeigen. Erstmals konnten wir auch Hinweise darauf finden, dass neben dem angeborenen Immunsystem das adaptive Immunsystem an der Entwicklung der Krankheit beteiligt sein könnte", erläutert Prof. Dr. Christian Herder, Leiter der Studie am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ). „Diese Befunde könnten neue therapeutische Perspektiven eröffnen. Das Ziel könnte dabei sein, das Immunsystem entsprechend zu beeinflussen und damit letztlich die Entstehung beziehungsweise das Fortschreiten der Neuropathie zu verhindern", ergänzt der Neurodiabetologe Prof. Dr. Dan Ziegler, Stellvertretender Direktor des Instituts für Klinische Diabetologie am DDZ.

Studie - Ablauf und Design
Die Studie umfasste 513 Männer und Frauen der bevölkerungsbasierten KORA (Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg) F4/FF4-Kohorte im Alter von 62 bis 81 Jahren, die zu Studienbeginn keine distale sensorische Polyneuropathie hatten. Von diesen Personen entwickelten während der 6,5-jährigen Nachbeobachtungszeit 127 Personen eine DSPN. Der Serumspiegel von insgesamt 71 Biomarkern der Entzündung wurde unter Verwendung der neuen Proximity-Extension-Assay-Technologie gemessen. Der Serumspiegel von 26 dieser 71 Biomarkern war bei Personen, die während der Studie eine Polyneuropathie entwickelten, höher als bei den Personen, die keine Polyneuropathie aufwiesen. Nach statistischer Korrektur für multiples Testen blieben höhere Konzentrationen von sechs Biomarkern mit dem DSPN-Risiko verbunden. Drei dieser Proteine (MCP-3/CCL7, MIG/CXCL9, IP-10/CXCL10) waren Chemokine, während die anderen drei (DNER, CD40, TNFRSF9) lösliche Formen von Transmembranrezeptoren waren.

Die Chemokine zeigten neurotoxische Wirkungen in einem Zellkultur-Modell, was für ihre Beteiligung an der Entstehung der Neuropathie spricht. Wenn die Daten für diese sechs Biomarker zu einem klinischen Risikomodell hinzugefügt wurden, verbesserte sich die Vorhersagegüte des Modells signifikant. Weiterführende Pathway-Analysen wiesen darauf hin, dass wahrscheinlich verschiedene Zelltypen von angeborener und adaptiver Immunität an der Entwicklung von DSPN beteiligt sind. Insgesamt konnte diese Studie daher neuartige Assoziationen zwischen Biomarkern der Entzündungen und dem Polyneuropathie-Risiko zeigen und Hinweise darauf liefern, die auf ein komplexes Zusammenspiel von angeborener und adaptiver Immunität in der Entstehung dieser Komplikation hinweisen.

Fazit
Mit dieser Studie verbessert sich das Verständnis für die Rolle von Entzündungsprozessen in der Entstehung der distalen sensorischen Polyneuropathie, sowohl bei älteren Personen ohne als auch mit Typ-2-Diabetes erheblich. Die Hauptbefunde müssen nun in anderen Kohorten repliziert werden. Dabei sind neben den biochemischen Untersuchungen auch Untersuchungen von Immunzellen wichtig. Langfristig soll mit diesen Arbeiten geklärt werden, ob und wie eine Modulation von Entzündungsprozessen die Optionen hinsichtlich Prävention und Therapie der distalen sensorischen Polyneuropathie ergänzen kann.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Christian Herder
Deutsches Diabetes-Zentrum (DDZ)
Auf'm Hennekamp 65, 40225 Düsseldorf
Tel. +49 211 3382 649
E-mail: christian.herder@ddz.uni-duesseldorf.de

Originalpublikation:
Herder C, Kannenberg J, Carstensen-Kirberg M, Strom A, Bönhof G, Rathmann W, Huth C, Koenig W, Heier M, Krumsiek J, Peters A, Meisinger C, Roden M, Thorand B, Ziegler D. A Systemic Inflammatory Signature Reflecting Crosstalk Between Innate and Adaptiv Immunity Is Associated With Incident Polyneuropathy: KORA F4/FF4 Study. Diabetes. 2018 Aug 16. db180060. DOI: 10.2337/db18-0060. [Epub ahead of print]

Weitere Informationen:
http://ddz.uni-duesseldorf.de/de/
http://diabetes.diabetesjournals.org/content/early/2018/08/13/db18-0060.full-tex...

Quelle: idw

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Natürlicher Hochwasserschutz an der Donau: EU-Projekt mit Aueninstitut der KU

Dipl.-Journ. Constantin Schulte Strathaus Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

In den vergangenen Jahrzehnten sind die Anrainerstaaten der Donau, die von der Quelle bis zur Mündung zehn europäische Länder durchfließt, von schweren Flutkatastrophen betroffen gewesen. Mit Beteiligung des Aueninstituts Neuburg der Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) untersucht in den kommenden zwei Jahren ein europäisches Forschungskonsortium von mehr als 20 Kooperationspartnern, wie sich das Risiko von Überschwemmungen durch eine Wiederherstellung von Auen entlang der Donau reduzieren lässt.

Dabei knüpft das Aueninstitut der KU an seine langjährige Expertise an, die es etwa bei der Renaturierung der Donauauen zwischen Ingolstadt und Neuburg oder internationalen Projekten in China gesammelt hat. „Wasser macht nicht an Grenzen halt. Deshalb ist es ein Anliegen des Projektes, auf internationaler Ebene umfassende Perspektiven für das Wassermanagement und die Prävention von Überflutungen zu untersuchen - verbunden mit dem Aspekt von Artenvielfalt, die durch Auen bewahrt und gefördert wird", erklärt Prof. Dr. Bernd Cyffka, Leiter des Aueninstituts und Inhaber der Professur für Angewandte Physische Geographie. Neben Cyffka und seinem Team sind für die deutsche Seite noch Forscher der TU München am Projekt „Danube Floodplain" beteiligt. Weitere Mitwirkende sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Österreich, der Tschechischen Republik und der Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien und Bulgarien. Die Leitung des Gesamtprojektes liegt bei der nationalen Wasserbehörde Rumäniens. Für die Teilprojekte des Aueninstituts der KU stellt die Europäische Union rund 250.000 Euro an Fördermitteln zur Verfügung.

Viele Auen entlang der Donau sind im Lauf der Zeit durch Ansiedlungen, Landwirtschaft und Infrastrukturmaßnahmen verloren gegangen. Anhand einer einheitlichen Methodik wollen die beteiligten Wissenschaftler in mehreren Pilotregionen untersuchen, welche positiven Effekte noch bestehende Auengebiete haben bzw. welches Potenzial derzeit trocken liegende Auen aufweisen. Im Vergleich zu aufwändigen und teuren technischen Maßnahmen für den Hochwasserschutz bietet die Renaturierung von Auen darüber hinaus die Gelegenheit, Biodiversität zu erhalten bzw. neue Grundlagen für Artenreichtum zu schaffen.

Da bei solchen Renaturierungsprojekten die Perspektiven vieler Interessensgruppen zu berücksichtigen sind - wie etwa von anliegenden Gemeinden, Waldbesitzern, Fischereiverbänden oder landwirtschaftlichen Betrieben - wird das Aueninstitut der KU die Stakeholderanalysen von anderen Projektbeteiligten zusammenfassen, um daraus sogenannte Ökosystemleistungen von Auen abschätzen zu können. Gemeint sind damit Leistungen der Auen für Mensch und Natur - als Lebensraum für Pflanzen und Tiere, als Erholungsraum, als Filter für Schadstoffe oder als Beitrag zum Hochwasserschutz. Die wechselseitige Abwägung der verschiedenen Anforderungen an das Ökosystem Auen soll in einem zweiten Schritt als Grundlage für ein Modell zur Kosten-Nutzen-Analyse dienen, an dessen Entwicklung das Aueninstitut ebenfalls beteiligt ist. Das Modell wird in einen Leitfaden einfließen, mit dem Regionen entlang der Donau Kriterien und Schritt-für-Schritt-Anleitungen zur Umsetzung eigener Renaturierungsmaßnahmen aufgezeigt bekommen - auch bezogen auf die Lösung möglicher Konflikte mit einzelnen Interessensgruppen.

„Ziel des Projektes ist es auch, zu belegen, dass sich Renaturierungsmaßnahmen im Vergleich zum herkömmlichen Hochwasserschutz in vielerlei Hinsicht als profitabel erweisen können - sowohl für Bevölkerung und Wirtschaft als auch für die Natur", sagt Professor Cyffka.
Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Bernd Cyffka (bernd.cyffka@ku.de; Tel. 08421/932-3039)

Weitere Informationen:
http://www.interreg-danube.eu/approved-projects/danube-floodplain

Anhang
Der Auenwald an der Donau zwischen Neuburg und Ingolstadt. Die Erfahrungen aus der Renaturierung dieses Gebietes wollen Wissenschaftler des Aueninstituts der KU auf das EU-Projekt übertragen.
https://idw-online.de/de/attachment66433

Quelle: idw

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„Im Alten Rom kannten Beschimpfungen in der Politik kaum Grenzen"

Viola van Melis Zentrum für Wissenschaftskommunikation
Exzellenzcluster „Religion und Politik" an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

52. Deutscher Historikertag beleuchtet Schmähungen und „Hate Speech" in allen Epochen - Althistoriker Martin Jehne: Unter römischen Senatoren waren persönliche Attacken gängig - Das Volk in der Volksversammlung durfte beleidigen, selbst aber nicht gekränkt werden - „Ungeheure Spaltung zwischen Arm und Reich" - „Moderne Gesellschaften könnten im Umgang mit Beschimpfungen etwas römische Robustheit brauchen"

Das Alte Rom hat politische Debatten Historikern zufolge mit großer Härte und persönlichen Angriffen geführt, die mancher Hassrede im Internet in nichts nachstehen. „Die Angriffe, auch Invektiven genannt, gehörten für Senatoren der römischen Republik fest zum öffentlichen Leben", erläutert der Althistoriker Prof. Dr. Martin Jehne von der Technischen Universität Dresden, der auf dem 52. Deutschen Historikertag im September in Münster in einer Sektion über Schmähungen von der Antike bis heute zur Streitkultur im antiken Rom spricht. „Heftige Abwertungen des politischen Gegners schweißten die Unterstützergruppe zusammen und sorgten für Aufmerksamkeit, Unterhaltung und Empörung - ähnlich wie Beleidigungen, Drohungen und Hate Speech heute im Internet." Der Ton in der stark hierarchisierten römischen Politik sei rau gewesen, so Jehne, aber nicht ohne Regeln. „Politiker beschimpften einander rücksichtslos. Zugleich mussten sie sich in der Volksversammlung vom Volk beleidigen lassen, ohne es selbst schmähen zu dürfen - ein Ventil, das in einer tiefen Spaltung in arm und reich die Allmachtsphantasien der Elite begrenzte." Politiker und Publikum hätten Schmähungen kaum für bare Münze genommen. Auch wenn der Vergleich zu heute teils hinke, so Jehne: „Eine gewisse römische Robustheit im Umgang mit Schmähgemeinschaften wie AfD oder Pegida könnte helfen, den Aufregungspegel zu senken und sachlicher zu werden."

Kränkungen auszuhalten und zu überwinden, kann nach den Erkenntnissen des Historikers für das Alte Rom letztlich politisch stabilisierend wirken. Die üble Nachrede in der römischen Republik (509-27 v. Chr.) ging durchaus weit: „Der berühmte Redner und Politiker Marcus Tullius Cicero (106-43 v. Chr) etwa schreckte, als er seinen Unterstützer Sestius verteidigte, nicht davor zurück, dem Feind Clodius öffentlich Inzest mit Brüdern und Schwestern vorzuwerfen", so Prof. Jehne. Eine Sexualpraxis, die auch in Rom als unzulässig galt. „Clodius warf Cicero wiederum vor, er hätte sich als Konsul wie ein König aufgeführt. Eine schwere Anschuldigung, war doch das Königtum in der römischen Republik verpönt." So gab es im politischen Streit kaum Grenzen, wie der Historiker betont. Das unterscheide sich von heute, wo intensiv über Grenzen des Erlaubten in Debatten auf der Straße oder im Web nachgedacht werde. „Die Römer scheint das wenig interessiert zu haben. Es gab zwar das Delikt der iniuria, zu der auch verbale Verletzungen gehörten - aber kaum solche Anklagen."

„Keine Morde aus gekränkter Ehre"
Die Stadtrömer waren dem Historiker zufolge stolz auf ihren bissigen, rücksichtslosen Witz auf Kosten anderer: „Sie hielten das für einen wichtigen Teil von urbanitas, den Kommunikationsformen der Hauptstädter, im Gegensatz zur rusticitas der Landeier." Man habe sich regelrecht gerühmt, dass die üble Nachrede in der Stadt besonders blühte. „Als Geschmähter hielt man das aus, und wenn möglich, revanchierte man sich." Oft arbeiteten Invektivgegner schon bald danach wieder zusammen und pflegten normalen Umgang. Das politische Klima blieb leidlich stabil: Morde aus gekränkter Ehre gab es nur in der Ausnahmesituation des Bürgerkriegs.

Dass das Volk vom scharfen Umgang der Senatoren in politischen Arenen ausgenommen war, selbst aber die politische Elite beleidigen und auspfeifen durfte, zeigt nach Prof. Jehne, dass die Politiker der Republik die Volksversammlung „unbestritten als politisches Volk anerkannten". An heutigen demokratischen Wahlverfahren gemessen habe es sich zwar höchstens um drei Prozent der Abstimmungsberechtigten gehandelt, „doch die Senatoren sahen darin das Volk als Entscheidungsinstanz für das Gemeinwesen verkörpert". So versuchte Cicero zwar in der Debatte um das Agrargesetz im Jahr 63 vor Christus das Volk umzustimmen. „Er versprach aber, sich dem Volk zu beugen und seine Meinung zu ändern, wenn ihm das nicht gelinge." Wer das Volk als Entscheidungsinstanz in Frage stellte, riskierte, dass die Menge aufbrüllte und die Rednertribüne stürmte. „Diese Macht des Volkes galt allerdings nur in offiziellen politischen Kommunikationsarenen", betont Jehne. „Wenn Angehörige des ‚einfachen Volkes‘ den Senatoren und ihrem Gefolge in den Straßen nicht rechtzeitig Platz machte, wurden sie rüde angegangen und keineswegs hofiert."

„Etwas mehr Gelassenheit in aktuellen Debatten"
Heutige Debatten in sozialen Netzwerken sieht Jehne persönlich gelassener, seit er Schmähungen in der römischen Republik untersucht. „Die empörenden Grenzüberschreitungen von Schmähgemeinschaften wie Pegida oder AfD, mit denen sie ihre Unterstützer integrieren wollen, erhalten in der überschießenden Medienvielfalt eine Resonanzverstärkung. Meine Forschung hat mich aber dazu gebracht, meinen Aufregungspegel bei neuen Schmähungen der Gegenwart erheblich zurückzufahren - die Schmähungen waren es jedenfalls nicht, die den Untergang der römischen Republik herbeiführten."

Auf dem 52. Deutschen Historikertag in Münster leitet der Althistoriker Prof. Dr. Martin Jehne die Sektion „Invektive Spaltungen? Exkludierende und inkludierende Dynamiken von Schmähungen von der Antike bis zur Zeitgeschichte" am Donnerstag, 27. September, gemeinsam mit den Dresdener Historikern Prof. Dagmar Ellerbrock und Prof. Gerd Schwerhoff. Dabei werden neben den Schmähungen der römischen Republik auch Beschimpfungen zwischen Geistlichen und Laien im christlichen Mittelalter, Schmähungen unter aufgeklärten Philosophen und die Situation in den USA der 1960er Jahre und im kolonialen Afrika beleuchtet. Hintergrund sind Forschungen am Sonderforschungsbereich 1285 „Invektivität. Konstellationen und Dynamiken der Herabsetzung", der TU Dresden, an dem Prof. Jehne das Teilprojekt „Invektivität in Arenen ritualisierter Kommunikation während der römischen Republik und Kaiserzeit" leitet. (sca/vvm)

„Gespaltene Gesellschaften" - 52. Deutscher Historikertag
Mit dem Thema „Gespaltene Gesellschaften" in allen Epochen und Kontinenten befasst sich der 52. Deutsche Historikertag vom 25. bis 28. September 2018 an der Universität Münster. Rund 3.500 Wissenschaftler aus dem In- und Ausland tauschen sich auf dem größten geisteswissenschaftlichen Kongress in Europa in mehr als 90 Sektionen über aktuelle Forschungsthemen aus. Als Gastredner werden auch erwartet Wolfgang Schäuble, Christopher Clark, Herfried Münkler, Ulrich Raulff, Aladin El-Mafaalani und Birgit Schäbler. Das Gastland Niederlande vertreten etwa die Parlamentsvorsitzende Khadija Arib und der Autor Geert Mak.

Die Sektionen befassen sich in vielen Fallbeispielen mit sozialen, ökonomischen, religiösen oder ethnischen Spaltungen, die nicht erst die Gegenwart, sondern auch frühere Epochen herausforderten. Erörtert werden etwa Flüchtlingsdebatten vom Altertum bis zur Gegenwart, die soziale, wirtschaftliche und rechtliche Ausgrenzung bestimmter Gruppen in verschiedenen Epochen, die Frage nach dem Westfälischen Frieden als Vorbild für Nahost, ökonomische Spaltungen in der Bundesrepublik etwa zwischen „Hartz-IV-Familien und Helikoptereltern" oder die politische Instrumentalisierung von Geschichtsbildern in heute gespaltenen Gesellschaften wie Katalonien, Schottland und Kosovo.

Ausrichter des Historikertags sind der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands (VHD), der Verband der Geschichtslehrer Deutschlands (VGD) und die Westfälische Wilhelms-Universität Münster (WWU). Der Kongress geht auf die „erste Versammlung deutscher Historiker" 1893 in München zurück, wird alle zwei Jahre ausgetragen und widmet sich drängenden Fragen in Geschichtswissenschaft und Gesellschaft. (vhd/sca/vvm)

Weitere Informationen:

https://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2018/aug/PM_Schmaehungen_im_Alten_Rom_und_Hassrede_heute.html

Quelle: idw

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Schwachstelle Knie: Präventionsübungen senken Risiko für Verletzung des vorderen Kreuzbands

Anne-Katrin Döbler und Lisa Ströhlein, Thieme-PR Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V.

Pressemitteilung zum DKOU 2018
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie
23. bis 26. Oktober 2018, Messegelände Süd, Berlin

Berlin - Wer regelmäßig spezielle Übungen zur Prävention von vorderen Kreuzbandverletzungen macht, eine Innendrehung des Knies beim Sport vermeidet und auf eine korrekte Bewegungstechnik achtet, halbiert sein Risiko für entsprechende Verletzungen oder gar einen Kreuzbandriss. Frauen profitieren noch mehr als Männer von diesen Übungen. In Situationen ohne Kontakt zu anderen Sportlern sinkt ihr Verletzungsrisiko um zwei Drittel. Das schließen Orthopäden und Unfallchirurgen aus mehreren großen Studien (1).

Experten raten Trainern, ihre Sportler gezielt auf Präventionsprogramme hinzuweisen. Wie Knie- und Muskelverletzungen vermieden und effektiv behandelt werden, erklären Experten auf einer Pressekonferenz im Rahmen des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) 2018.

Verletzungen am vorderen Kreuzband zwingen Sportler häufig zu monatelangen Ruhepausen mit Operationen und Reha. Für professionelle Athleten können sie auch das Karriere-Aus bedeuten: Eine Untersuchung hat gezeigt, dass nur zwei Drittel der Sportler in den 41 Monaten nach der Verletzung wieder mit dem üblichen Einsatz spielen können (2). „Präventionsübungen sind deshalb keine verlorene Zeit, sondern eine wichtige Investition in einen verletzungsfreien Sport", sagt Dr. med. Gerd Rauch, Kongresspräsident des Berufsverbands für Orthopädie und Unfallchirurgie für den DKOU 2018. Zudem erhöht eine Knieverletzung auch das Risiko, im späteren Leben an einer Kniearthrose zu erkranken - auch nach einer operativen Behandlung des vorderen Kreuzbands.

Sportarten mit vielen Sprüngen, abrupten Stopps, schnellen Richtungswechseln und Drehbewegungen belasten das Knie in besonderer Weise. Deswegen verletzen sich vor allem Fuß-, Hand- und Basketballer sowie Skifahrer, Feldhockeyspieler und Judokämpfer am vorderen Kreuzband. Frauen sind dabei zwei- bis achtmal häufiger betroffen als Männer (3). Kreuzbandverletzungen entstehen meist, wenn das Knie in die sogenannte X-Beinstellung gerät: Das bedeutet, dass das Knie sich nach innen dreht, während der Schwerpunkt des Körpers gleichzeitig hinter den Knien liegt und die Beine ungleichmäßig belastet werden. Das passiert meist, wenn der Sportler nach einem Sprung landet, abrupt die Laufrichtung ändert, plötzlich stoppt oder sich dreht. „Verliert der Sportler dabei die Kontrolle über den Bewegungsablauf, ist eine Verletzung des vorderen Kreuzbands quasi vorprogrammiert", erklärt Rauch, der als Mannschaftsarzt die Handballer vom MT Melsungen betreut. Die Deutsche Kniegesellschaft hat ein Trainingsprogramm entwickelt, das Sportler darin schulen soll, die X-Beinstellung zu vermeiden. In einer 30-seitigen Broschüre beschreiben Experten verschiedene Lauf-, Balance-, Sprung- und Kraftübungen, die die Gelenke und die umliegende Muskulatur stabilisieren. „Diese Übungen sollten zwei- bis dreimal pro Woche in ein 20- bis 30-minütiges Aufwärmtraining eingebaut werden", empfiehlt Rauch. Ein weiteres Präventionsprogramm heißt FIFA 11+ und wurde vom Weltfußballverband entwickelt.

Ob ein Sportler zur X-Beinstellung neigt, lässt sich mit einem einfachen Sprungtest feststellen. Dazu springt der Athlet von einem Kasten, landet und springt dann mit maximaler Kraft in die Höhe und landet wieder. Sind die Knie bei der Landung nach innen geneigt, sprechen Orthopäden und Unfallchirurgen von der X-Beinstellung. Diese Menschen sind besonders gefährdet und sollten gezielt an einer Änderung dieses Bewegungsmusters arbeiten. „Auch wenn wir viele Knieverletzungen erfolgreich behandeln können, ist Vorbeugen immer die beste Variante", betont Rauch. „Vor allem im Breitensport findet Prävention immer noch zu wenig Aufmerksamkeit." Sportverletzungen und Verletzungsprävention stehen deshalb wieder groß auf der Agenda des DKOU 2018.

Die Broschüre „Stop X - Programm zur Prävention von Sportverletzungen am Kniegelenk" ist zum kostenlosen Download erhältlich: https://stop-x.de/
Das Präventionsprogramm FIFA 11+ kann unter folgendem Link heruntergeladen werden:
https://www.dfb.de/fileadmin/_dfbdam/16988-Elf-Plus-Manual-Deutsch.pdf

Quellen:
(1) Webster KE, Hewett TE. Meta-Analysis of meta-analyses of anterior cruciate ligament injury reduction training programs. J Orthop Res. (2018)
Doi:10.1002/jor.24043
(2) Ardern CL et al. Return to sport following anterior cruciate ligament reconstruction surgery: a systematic review and meta-analysis of the state of play. Br J Sports Med. (2011) 45:596-606
(3) Joseph AM et al. A multisport epidemiologic comparison of anterior cruciate ligament injuries in Highschool athletics. J Athl Train (2013). 48:810-817

Terminhinweis
Kongress-Pressekonferenz im Rahmen des DKOU 2018
Donnerstag, 25. Oktober 2018, 12.30 bis 13.30 Uhr
Ort: Messe Berlin, Eingang Süd, Halle 6.3, Raum 411

Wie Sportverletzungen im Breitensport entstehen und wie sie verhindert werden können
Dr. med. Gerd Rauch, Kongresspräsident

Muskelverletzungen im Sport: Entstehungsmuster, ACP/PRP-Therapie und internistische Aspekte
Professor Dr. med. Tim Meyer, Deutscher Fußballbund

Return-to-Play: Der sportliche Wiedereinstieg nach Verletzung
Finn Lemke, Handballprofi

Neues bei der Therapie und der Rehabilitation von vorderen Kreuzbandverletzungen
Dr. med. Christian Schoepp, MSV Duisburg

Behandlungs- und optimierte Rehabilitationskonzepte
Privatdozent. Dr. med. habil. Raymond Best

Wie die Digitalisierung hilft neue Versorgungskonzepte in O & U zu entwickeln
Dr. med. Johannes Flechtenmacher

Ihr Kontakt für Rückfragen/zur Akkreditierung:
Lisa Ströhlein, Heinke Schöffmann
Pressestelle DKOU 2018
Pf 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-459, Fax: 0711 8931-167
stroehlein@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen:
http://www.dkou.de

Quelle: idw

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DBFZ Jahrestagung 2018: Experten diskutieren die Nutzungsoptionen von Biomasse

Paul Trainer M.A. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Biomasseforschungszentrum

Zum dritten Mal präsentiert das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) am 19./20. September 2018 den aktuellen Stand der Bioenergieforschung. Unter dem Motto „Energie und Stoffe aus Biomasse: Konkurrenten oder Partner?" soll u.a. die Frage diskutiert werden, wie und in welchem Maße nachwachsende Rohstoffe gleichzeitig zu einer nachhaltigen Energieversorgung wie auch zu einer biobasierten Wirtschaft beitragen können. Parallel zur Jahrestagung werden vom DBFZ auch das Fachforum "Hydrothermale Prozesse" sowie das 1. Deutsche Doktorandenkolloquium Bioenergie ausgerichtet. Die Anmeldung zu allen Veranstaltungen ist unter www.bioenergiekonferenz.de möglich.

Biomasse stellt mit einem aktuellen Anteil von rund 60 % den wesentlichsten Part der erneuerbaren Energieversorgung. In zunehmendem Maße werden nachwachsende Rohstoffe jedoch auch stofflich, z.B. für Werkstoffe oder in der chemischen Industrie eingesetzt. Ergibt sich hieraus ein Dilemma für die zukünftige Energieversorgung oder vielmehr eine Möglichkeit zur Synergie? Auf welchem Weg befindet sich die Bioenergieforschung und welche politischen Rahmenbedingungen sind für eine erfolgreiche Umsetzung der Energiewende notwendig? Fragen, welche die diesjährige Jahrestagung des DBFZ unter dem Motto „Energie und Stoffe aus Biomasse: Konkurrenten oder Partner?" mit zahlreichen Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft sowie Vertretern verschiedener Bundesministerien zu beantworten sucht. Neben einem abendlichen Netzwerk-Event bietet die Veranstaltung mit Posterausstellung und Science-Slam sowie dem sich anschließenden 1. Deutschen Doktorandenkolloquium Bioenergie eine Vielzahl von Möglichkeiten zur wissenschaftlichen Vernetzung mit namhaften Experten und dem wissenschaftlichen Nachwuchs aus allen Bereichen der Bioenergieforschung. Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung finden sich unter: www.bioenergiekonferenz.de

Fachforum Hydrothermale Prozesse

Parallel zur Jahrestagung wird vom DBFZ am 19./20. September 2018 auch wieder das Fachforum „Hydrothermale Prozesse zur stofflichen und energetischen Wertschöpfung" ausgerichtet. In verschiedenen Vorträgen sowie Poster-Speedpräsentationen verfolgt die Spezialveranstaltung das Ziel, die neuesten Trends und Entwicklungen von hydrothermalen Prozessen (HTP) als Schlüsseltechnologie darzustellen und insbesondere den gegenseitigen Erfahrungsaustausch zwischen Forschung und Wirtschaft zu fördern. Die Veranstaltung richtet sich an Institutionen und Entscheidungsträger aus Wissenschaft und Forschung, Beteiligte aus der Agrar-, Energie- und Umweltpolitik, Fachleute aus regional und überregional ansässigen Unternehmen, Verbände und Vereine der Energiebranche, Vertreter aus Industrie und Wirtschaft, kommunale und staatliche Einrichtungen sowie Wissenschaftler von universitären und außeruniversitären Einrichtungen. Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Anmeldung unter www.dbfz.de/htp

Die Termine noch einmal zusammen gefasst:
Veranstaltungen: DBFZ Jahrestagung 2018 / HTP-Fachforum / Doktorandenkolloquium Bioenergie
Termine: 19./20./21. September 2018
Ort: Veranstaltungszentrum Hotel de Pologne (Leipziger Foren), Hainstr. 16, 04109 Leipzig
Anmeldung: www.bioenergiekonferenz.de / www.htp-inno.de / www.dbfz.de/doktoranden

Smart Bioenergy - Innovationen für eine nachhaltige Zukunft

Das Deutsche Biomasseforschungszentrum arbeitet als zentraler und unabhängiger Vordenker im Bereich der energetischen und stofflichen Biomassenutzung an der Frage, wie die begrenzt verfügbaren Biomasseressourcen nachhaltig und mit höchster Effizienz und Effektivität zum bestehenden und zukünftigen Energiesystem beitragen können. Im Rahmen der Forschungstätigkeit identifiziert, entwickelt, begleitet, evaluiert und demonstriert das DBFZ die vielversprechendsten Anwendungsfelder für Bioenergie und die besonders positiv herausragenden Beispiele gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Mit der Arbeit des DBFZ soll das Wissen über die Möglichkeiten und Grenzen einer energetischen und integrierten stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe in einer biobasierten Wirtschaft insgesamt erweitert und die herausragende Stellung des Industriestandortes Deutschland in diesem Sektor dauerhaft abgesichert werden - www.dbfz.de.

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Dr. Michael Nelles
Tel.: +49 (0)341 2434-112
E-Mail: michael.nelles@dbfz.de

Organisatorischer Kontakt:
Katja Lucke
Tel.: +49 (0)341 2434-119
E-Mail: katja.lucke@dbfz.de

Weitere Informationen:
https://www.dbfz.de/presse/pressemitteilungen-2018/dbfz-jahrestagung-am-1920-sep...

Anhang

DBFZ Jahrestagung am 19./20. September 2018: Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik diskutieren die Nutzungsoptionen von Biomasse
https://idw-online.de/de/attachment66317

Quelle: idw

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Woher Muskeln wissen, wie spät es ist

Sonja Opitz, Abteilung Kommunikation
Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Wie bereiten sich Muskelzellen auf einen anstrengenden Arbeitstag vor? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums München und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), Mitglieder im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD), haben diese Frage untersucht und die Ergebnisse in ‚PLOS Biology‘ publiziert. Die Arbeit deckt ein ganzes Stoffwechselnetzwerk auf, das wider Erwarten nicht durch das Gehirn, sondern über die ‚innere Uhr‘ der Muskelzellen gesteuert wird.

Quasi alle Zellen des menschlichen Körpers besitzen eine eigene innere Uhr. Sie steuert sämtliche Vorgänge, die nicht gleichzeitig stattfinden oder nicht mit immer gleicher Intensität ablaufen sollen. „Das betrifft beispielsweise die Verwertung von Nährstoffen wie Fett und Proteinen", erklärt Prof. Dr. Henriette Uhlenhaut. Sie ist Gruppenleiterin am Institut für Diabetes und Adipositas des Helmholtz Zentrums München (IDO) sowie am Genzentrum der LMU. „Gerät die innere Uhr des Körpers aber aus dem Takt, so kann das schwere Folgen für den Stoffwechsel haben. So ist beispielsweise bekannt, dass Menschen, die viel im Schichtdienst arbeiten, besonders anfällig für Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes sind."

In der aktuellen Arbeit konzentrierte sich das Team um Uhlenhaut nun erstmals auf den 24-Stunden-Stoffwechsel-Rhythmus der Muskeln. „Wir hatten speziell zwei Proteine im Blick, die als sogenannte Master Regulatoren der inneren Uhr fungieren", sagt Dr. Kenneth Dyar, Wissenschaftler am IDO und Erstautor der aktuellen Studie. „Diese beiden Moleküle binden an die DNA und stoßen alle nachfolgenden Prozesse an." In Muskelzellen von Mäusen konnten die Wissenschaftler die Aktivität dieser beiden Proteine im Tagesverlauf sehr genau ermitteln. „Dabei haben wir angefangen bei der Bindung an das Erbgut über die zu- oder abnehmende Genaktivität bis hin zu den entsprechenden Gen- und Stoffwechselprodukten alles gemessen", erklärt Kenneth Dyar den umfassenden Ansatz. Aufbauend auf früheren Studien untersuchten die Wissenschaftler den Auf- und Abbau von Fetten und Proteinen - ein Ansatz der auch für Sportler interessant sein dürfte.

Stoffwechselnetzwerk aufgedeckt
In Zusammenarbeit mit italienischen und österreichischen Kollegen (vom Venezianischen Institut für Molekulare Medizin sowie den Universitäten von Padua, Triest und Graz) arbeiteten die Wissenschaftler bestimmte Vorgänge heraus, die nachts von den Regulatoren der inneren Uhr angeschaltet werden: „Darunter fällt beispielsweise das Speichern von Fett, der Zuckerstoffwechsel oder die Sensitivität gegenüber dem Hormon Insulin", erklärt Henriette Uhlenhaut. Gleichzeitig würden gegenläufige Prozesse wie die Fettsäureoxidation oder der Proteinabbau heruntergefahren, so die Autoren. Diese Muster seien vor allem in den Stunden vor dem Aufwachen besonders ausgeprägt und bereiten die Muskeln auf den kommenden Tag vor.

Im letzten Schritt untersuchten die Wissenschaftler Eingriffsmöglichkeiten in diese Vorgänge. Dazu beobachteten sie Mäuse, bei denen einer der Master Regulatoren fehlte. Ohne ihre innere Uhr bildeten die Tiere deutlich weniger Fettmasse und die Produktion von Muskelproteinen wurde erhöht. „Zusammengenommen deckt unsere Arbeit auf mehreren Ebenen ein ganzes Stoffwechselnetzwerk auf", erklärt Studienleiterin Uhlenhaut. „Biologisch spannend dabei ist auch, dass der Taktgeber dafür nicht wie zu vermuten zentral im Gehirn sitzt, sondern die innere Uhr der Muskelzellen selbst ist." Langfristig wollen die Autoren die Mechanismen auch im Menschen untersuchen und eine Möglichkeit finden, darin einzugreifen. So wäre es demnach denkbar, eine Insulinresistenz bei Typ-2-Diabetes zu bekämpfen, oder die Energieverbrennung anzukurbeln, um krankhaftes Übergewicht zu reduzieren.

Weitere Informationen
Hintergrund:

Konkret verglichen die Autoren die genomweite Bindung der beiden Transkriptionsfaktoren BMAL1 und REV-ERBα. Die Autoren Michaël Hubert und Katrin Fischer sind Teilnehmer am Doktoranden-Ausbildungsprogramms Helmholtz Graduate School Environmental Health, kurz HELENA.

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus, Allergien und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. http://www.helmholtz-muenchen.de

Das Institut für Diabetes und Adipositas (IDO) erforscht die Erkrankungsmechanismen des Metabolischen Syndroms mit systembiologischen und translationalen Ansätzen. Mittels zellulärer Systeme, genetisch modifizierter Mausmodelle und klinischer Interventionsstudien sollen neue Signalwege und Zielstrukturen entdeckt werden. Ziel ist die interdisziplinäre Entwicklung innovativer Therapieansätze zur personalisierten Prävention und Behandlung von Adipositas, Diabetes und deren Begleiterkrankungen. Das IDO ist Teil des Helmholtz Diabetes Center (HDC). http://www.helmholtz-muenchen.de/ido

Das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung e.V. ist eines der sechs Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. Es bündelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Ziel des DZD ist es, über einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen, maßgeschneiderten Prävention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten. Mitglieder des Verbunds sind das Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt, das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Düsseldorf, das Deutsche Institut für Ernährungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrücke, das Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrum München an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und das Paul-Langerhans-Institut Dresden des Helmholtz Zentrum München am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden, assoziierte Partner an den Universitäten in Heidelberg, Köln, Leipzig, Lübeck und München sowie weitere Projektpartner. http://www.dzd-ev.de

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Henriette Uhlenhaut, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Institut für Diabetes und Adipositas, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel. +49 89 3187 2052 - E-Mail: henriette.uhlenhaut@helmholtz-muenchen.de

Originalpublikation:
Dyar, K. et al. (2018): Transcriptional programming of lipid and amino acid metabolism by the skeletal muscle circadian clock. PLOS Biology, DOI: 10.1371/journal.pbio.2005886

Quelle: idw

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China als globaler Ozon-Brennpunkt

Dipl.-Biologin Annette Stettien Unternehmenskommunikation
Forschungszentrum Jülich

Eine neue Studie von chinesischen, amerikanischen und Jülicher Wissenschaftlern zeigt, dass China zu einem globalen Ozon-Hotspot geworden ist. Im Gegensatz zum allgemeinen Rückgang der Ozonbelastung in den USA und Europa zeigen die verfügbaren Daten in China seit den 1990er Jahren deutliche Zuwächse. Die Forscher verwendeten für ihre Studie die neuesten Ozonmessungen des chinesischen Überwachungsnetzes, und kombinierten sie mit der globalen Datenbank des Tropospheric Ozone Assessment Reports (TOAR) für andere Industrieregionen. Eine vergleichende Auswertung der letzten fünf Jahre zeigt, dass der Anstieg des Oberflächen-Ozons noch immer zunimmt.

Weit oben schützt uns Ozon vor gefährlicher UV-Strahlung, in den unteren Luftschichten ist es ein Schadstoff. Erhöhte Ozon-Konzentrationen in Bodennähe haben negative Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum, das Klima - und die Gesundheit: Neuere Untersuchungen zeigen, dass selbst relativ niedrige Ozonwerte chronische Atemwegserkrankungen zur Folge haben können.

In einer neuen Studie hat ein internationales Team von Wissenschaftlern aus China, den USA und Jülich die Konzentrationen von bodennahem Ozon in China ausgewertet - und kamen zu dem Schluss, dass China zu einem globalen Brennpunkt der Ozonbelastung geworden ist: Während die mittleren Ozonwerte mit denen in anderen Industrieregionen in Europa und Nordamerika vergleichbar sind, sind Extremwerte in China nicht nur höher als in diesen Gebieten, sie treten auch häufiger auf. "Nach unserem Wissen gibt es keine andere Region in der Welt, in der die Ozonbelastung so hoch und so häufig ist", erklärt Dr. Martin Schultz vom Jülich Supercomputing Centre.

Die sommerliche Ozonbelastung ist in China in den letzten Jahren zu einem wachsenden Problem geworden: Im Sommer 2017 wurde in vielen chinesischen Städten besonders hohe Konzentrationen von bodennahem Ozon gemessen. "Im Gegensatz zum allgemeinen Rückgang der Ozonkonzentrationen in den USA und Europa zeigen die verfügbaren entsprechenden Daten für China seit 1990 deutliche Zuwächse", so Schultz. "Trotz der zunehmenden Aufmerksamkeit wurde jedoch die Schwere der Ozonbelastung in China - anders als in anderen Industrienationen - bisher nicht auf Grundlage einer umfassenden Ozonüberwachung genau erfasst."

Die Daten
Für ihre Studie verwendeten die Forscher die kürzlich verfügbar gemachten Daten der chinesischen landesweiten Oberflächen-Ozonmessungen. Das Beobachtungsnetz zur Überwachung der städtischen und vorstädtischen Luftverschmutzung auf dem chinesischen Festland wurde 2013 in ersten Großstädten in Betrieb genommen und umfasst bis 2017 knapp 1600 nicht-ländliche Gebiete in 454 Städten.

Zum globalen Vergleich diente der Tropospheric Ozone Assessment Report (TOAR). Grundlage für TOAR ist eine im Herbst letzten Jahres veröffentlichte, vom Jülich Supercomputing Centre betriebene Datenbank. Dabei handelt es sich um die weltweit umfangreichste Datensammlung bodennaher Ozonmessungen, die alle global verfügbaren Messdaten von 1975 bis heute in einheitlichem Format frei zugänglich macht. "Die TOAR-Ozondatenbank enthält Ozonstatistiken und -metriken, die für Studien über Klima, menschliche Gesundheit und Vegetationsexposition relevant sind, berechnet aus stündlichen Ozonmessungen an mehr als 9.000 Messstellen weltweit", erklärt Schultz.

Rasante Urbanisierung
Bodennahes Ozon entsteht unter dem Einfluss von Sonnenlicht aus sogenannten Vorläuferschadstoffen: Vor allem Stickoxide und flüchtige organische Verbindungen, daneben auch Kohlenmonoxid und Methan. Um den Ausstoß dieser Schadstoffe zu begrenzen, sind in Europa und Nordamerika seit den 90er Jahren strenge Luftreinhaltungsmaßnahmen in Kraft: Das hat die schädlichen Ozonkonzentrationen in den westlichen Industrienationen erheblich verringert. "In Süd- und Ostasien jedoch haben eine rasante Urbanisierung und Industrialisierung alle Anstrengungen zur Luftreinhaltung überholt und so zu einem deutlichen Anstieg der Emissionen von Ozon-Vorläuferschadstoffen geführt", so Schultz.

Um der zunehmenden Luftverschmutzung Herr zu werden, startete die chinesische Regierung 2013 einen Aktionsplan. "Durch diesen konnten primäre Luftschadstoffe wie Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid oder Kohlenmonoxid erfolgreich reduziert werden", erklärt der Autor der Studie, Dr. Lin Zhang von der Universität Peking. "Die sich nun abzeichnende Schwere der Ozonbelastung stellt eine neue Herausforderung für die Emissionskontrolle dar."

Die Wissenschaftler konnten auch zeigen, dass die Ozonwerte in China in den letzten fünf Jahren stetig gestiegen sind. "Auch wenn der betrachtete Fünfjahreszeitraum zu kurz ist, um statistisch belastbare Trendschätzungen abzuleiten, deuten unsere Ergebnisse auf eine zunehmende Ozonbelastung von Menschen, Pflanzen und Ökosystemen in ganz China hin", erklärt Martin Schultz. "Aus historischer Sicht ist das heutige Ozon in chinesischen Großstädten vergleichbar mit der Situation von 1980 in den USA, als dort Emissionskontrollen gerade erst begonnen hatten, die Ozon-Spitzenwerte zu beeinflussen."

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
PD Dr. Martin Schultz
Jülich Supercomputing Centre
Tel.: +49 2466 61-96870
E-Mail: m.schultz@fz-juelich.de

Originalpublikation:
Severe Surface Ozone Pollution in China: A Global Perspective
Xiao Lu , Jiayun Hong, Lin Zhang, Owen R. Cooper, Martin G. Schultz, Xiaobin Xu, Tao Wang, Meng Gao, Yuanhong Zhao, and Yuanhang Zhang
Environ. Sci. Technol. Lett., 2018, 5 (8), pp 487-494
DOI: 10.1021/acs.estlett.8b00366

Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/UK/DE/2018/2018-08-23-chi...
Pressemitteilung des Forschungszentrums Jülich

Quelle: idw

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Das Gegenüber entscheidet, wie ich mich verhalte

Jennifer Hohensteiner Public Relations und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Sozialpsychologische Studie belegt: Das Aufwachsen in einer sozialen Klasse ist prägend für das spätere Auftreten, noch mehr aber die Kommunikationssituation

FRANKFURT. Sind Menschen mit mehr Geld und Bildung dominanter und weniger warmherzig? Eine sozialpsychologische Studie an der Goethe-Universität hinterfragt Stereotypen.

Wie wird unser Verhalten durch unsere soziale Klasse beeinflusst? Diese Frage beschäftigt die Soziologie schon seit jeher. Je nachdem, ob Menschen in einem Arbeitermilieu aufwachsen oder in einem Akademikerhaushalt, übernehmen sie für diese Schicht charakteristische Verhaltensweisen, so die Hypothese. Die Frankfurter Sozialpsychologin Dr. Anna Lisa Aydin hat neue Belege für diese Hypothese gefunden. Ihre gemeinsam mit Forschenden aus Zürich, Hagen, Idaho und Tel Aviv erarbeitete Studie, die im Fachmagazin Social Psychological and Personality Science erschienen ist, zeigt jedoch auch, dass Menschen nicht nur stur ihr klassenspezifisches Verhalten zeigen, sondern flexibel auf ihr Gegenüber aus anderen sozialen Klassen reagieren.

Ein Großteil der Forschung zum Einfluss sozialer Klasse beruht auf den Ideen des Soziologen Pierre Bourdieus. Er beschreibt, wie sich das Umfeld, in dem wir aufwachsen, tief in unsere Identität einschreibt. Sozialpsychologische Autoren argumentieren, dass Menschen aus einer niedrigeren sozialen Klasse über weniger Ressourcen verfügen und ihre Umwelt in geringerem Maße beeinflussen können. Sie seien somit stärker auf gegenseitige Hilfe angewiesen, was dazu führe, dass Zusammenhalt ein wichtiger Wert sei. Die Menschen identifizierten sich mit diesem Wert und verhielten sich dementsprechend kooperativ. Menschen aus einer höheren sozialen Klasse hingegen verfügten über mehr Ressourcen, sie könnten zwischen mehreren Alternativen entscheiden und seien weniger auf gegenseitige Hilfe angewiesen. Dies resultiere in individualistischeren Selbstkonzepten, bei denen es zentral sei, seine Umwelt nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Die unterschiedlichen Verhaltensweisen stellen somit eine Anpassungsleistung an das jeweiliges Lebensumfeld dar.

Diese Theorie ließ sich in den vorliegenden Studien zum Teil stützen. Insgesamt wurden mehr als 2000 Personen in Deutschland befragt. So war den Befragten, die sich einer niedrigeren sozialen Klasse zugehörig fühlten, ein warmherziger und kooperativer Umgang mit anderen Menschen aus ihrer sozialen Klasse wichtiger als jenen, die sich einer höheren sozialen Klasse zugehörig fühlten. Darüber hinaus legten diejenigen, die mehr verdienten und besser gebildet waren, mehr Wert darauf, im Kontakt mit anderen ihre Kompetenz zu zeigen und dominant aufzutreten als die Angehörigen der Gruppe mit geringerem Verdienst und weniger guter Ausbildung.

Die Befürchtung der Autoren: Derartige Verhaltensunterschiede könnten zu einer weiteren Zunahme sozialer Ungleichheit in Deutschland führen. Denn wer dominanter auftritt, hat bessere Chancen auf sozialen Aufstieg. Die beobachteten Verhaltensunterschiede waren jedoch relativ klein. Deutlich grösser war der Einfluss der sozialen Klasse des Gegenübers. Wie verhalten sich Menschen, wenn sie es mit jemandem aus einer niedrigeren oder höheren Klasse zu tun haben? Die Mehrheit der Befragten bezeichnete die sozialen Unterschiede in Deutschland als nicht bzw. weniger gerechtfertigt. Sie fanden es folglich wichtig, sich gegenüber Menschen mit weniger Geld und Bildung warmherzig und kooperativ zu verhalten. Umgekehrt legten sie Wert darauf, gegenüber Menschen mit mehr Geld und Bildung kompetent zu erscheinen und sich zu behaupten.

Diese Befunde sind insbesondere vor dem Hintergrund relevant, dass die soziale Ungleichheit in Deutschland und vielen anderen Teilen der Welt zunimmt, obwohl sie von den meisten Menschen als ungerechtfertigt wahrgenommen wird. Während die auf soziologischen Theorien basierende Forschung erklären kann, wie sich diese Ungleichheit durch die Prägung in den unterschiedlichen sozialen Klassen noch verstärken kann, bietet die aktuelle Studie einen etwas optimistischeren Ausblick: Sobald es nämlich zum Austausch zwischen Personen unterschiedlicher Klassen kommt und die Klassenunterschiede als illegitim empfunden werden, zeigt sich Solidarität gegenüber Armen und ein Selbstbehauptungswille gegenüber Reichen.

Publikation: Aydin, A. L., Ullrich, J., Siem, B., Locke, K. D., & Shnabel, N. (in press). The effect of social class on agency and communion: Reconciling rank-based and identity-based perspectives.
Manuscript accepted for publication in Social Psychological and Personality Science. http://journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1177/1948550618785162
https://psyarxiv.com/waz8e/
Informationen: Dr. Anna Lisa Aydin, Institut für Psychologie, Theodor-W.-Adorno-Platz 6, PEG, 5.G030, Telefon ++49(0)69 798 35287, E-Mail Aydin@psych.uni-frankfurt.de

Aktuelle Nachrichten aus Wissenschaft, Lehre und Gesellschaft in GOETHE-UNI online (www.aktuelles.uni-frankfurt.de)

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 mit privaten Mitteln überwiegend jüdischer Stifter gegründet, hat sie seitdem Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Heute ist sie eine der drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geistes- und Sozialwissenschaften. Zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt und der Universität Mainz ist sie Partner der länderübergreifenden strategischen Universitätsallianz Rhein-Main(siehe auch www.uni-frankfurt.de/59086401/rhein-main-allianz). Internet: www.uni-frankfurt.de

Herausgeberin: Die Präsidentin der Goethe-Universität Redaktion: Dr. Anke Sauter, Referentin für Wissenschaftskommunikation, Abteilung PR & Kommunikation, Theodor-W.-Adorno-Platz 1, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 069 798-13066, Fax 069 798-763-12531, sauter@pvw.uni-frankfurt.de
Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Anna Lisa Aydin, Institut für Psychologie, Theodor-W.-Adorno-Platz 6, PEG, 5.G030, Telefon ++49(0)69 798 35287, E-Mail Aydin@psych.uni-frankfurt.de

Originalpublikation:
http://journals.sagepub.com/doi/pdf/10.1177/1948550618785162
https://psyarxiv.com/waz8e/

Weitere Informationen:
https://aktuelles.uni-frankfurt.de/aktuelles/sozialpsychologische-studie-das-geg...

Quelle: idw

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Sehschwäche in der Schwangerschaft: Bei diesen Warnzeichen sollten Sie zum Augenarzt

Lisa-Marie Ströhlein Pressestelle
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

Jede sechste werdende Mutter ist während der Schwangerschaft von Augenproblemen betroffen. Die meisten Beschwerden sind harmlos und bilden sich nach der Schwangerschaft von selbst zurück, sagen Experten der DOG - Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft. In seltenen Fällen können aber auch Symptome auftreten, die auf einen Schwangerschaftsdiabetes oder eine Schwangerschaftsvergiftung - die sogenannte Präeklampsie - hinweisen. Bei wechselnder Sehschärfe, Flimmern oder Schatten vor den Augen oder bei komplettem Sehverlust sollten Schwangere sofort einen Augenarzt aufsuchen.

Viele Schwangere bekommen bräunliche Flecken um die Augen herum, die zum Nasenrücken auslaufen. Diese Pigmenteinlagerungen sind harmlos und verschwinden nach der Schwangerschaft von selbst. Seltener kommt es zu leichten Einblutungen unter die Bindehaut, die zwar beängstigend aussehen, das Sehvermögen jedoch nicht beinträchtigen.

Trockene Augen und Sehschwäche - auf Kontaktlinsen und Lasern vorerst verzichten
Schwangerschaftshormone können auch die Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit verändern. Dadurch trocknen die Augen schneller aus, sind häufig gereizt und brennen. „Während einer Schwangerschaft ist es deshalb ratsam, auf Kontaktlinsen zu verzichten oder Augentropfen mit künstlicher Tränenflüssigkeit zu verwenden", empfiehlt Privatdozent Dr. med. Thomas Neß von der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg. Bei 14 Prozent der werdenden Mütter ändert sich in den Schwangerschaftsmonaten die Brillenstärke - eine Kurzsichtigkeit kann sich um bis zu 1,5 Dioptrien verschlechtern. „Das liegt daran, dass sich Flüssigkeit in der Linse und in der Hornhaut einlagert, die die Brechkraft verändert", erklärt Neß. Bei den meisten Frauen bilden sich diese Veränderungen laut dem Experten nach der Geburt wieder zurück, sodass der Kauf einer neuen Brille in der Regel nicht lohnt. Aus diesem Grund sollten Schwangere sich auch nicht die Augen lasern lassen - frühestens ein Jahr nach der Geburt ist die Brillenstärke wieder ausreichend stabil dafür.

Wechselnde Sehschärfe - Auf Diabetes untersuchen lassen
Ändert sich die Sehschärfe plötzlich oder mehrmals am Tag, kann das ein Zeichen für einen Schwangerschaftsdiabetes sein - eine Form der Zuckerkrankheit, die erstmals in der Schwangerschaft auftritt: Durch die hormonelle Umstellung kann der Körper Zucker aus der Nahrung nicht so schnell verarbeiten wie vor der Schwangerschaft. Durch die Blutzuckerschwankungen kommt es zu Wassereinlagerungen in der Augenlinse, die die Brechkraft verändern, sodass das scharfe Sehen verloren geht. „Wer solche Anzeichen bei sich bemerkt, sollte unbedingt einen Augenarzt aufsuchen", rät DOG-Experte Neß. Der Arzt kann mit einer Spiegelung des Augenhintergrundes die Gefäße der Netzhaut untersuchen und diabetesbedingte Veränderungen erkennen, bevor die Stoffwechselerkrankung sich mit anderen Symptomen bemerkbar macht. Erhärtet sich der Verdacht, wird die Patientin an den Hausarzt oder Internisten überwiesen, der sie auf Diabetes hin untersucht. Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft einen Diabetes haben, müssen engmaschig überwacht werden, da die diabetesbedingten Veränderungen an der Netzhaut im Laufe der Schwangerschaft behandlungsbedürftig werden können.

Schatten, Flimmern, Sehverlust - Gefahr für Mutter und Kind
Wenn Teile des Gesichtsfelds schwarz werden oder Blitze vor den Augen auftreten, können das Anzeichen einer Präeklampsie sein, einer gefährlichen Schwangerschaftskomplikation, die unter anderem durch einen erhöhten Blutdruck hervorgerufen wird. Bis zu zehn Prozent aller Schwangeren leiden - nicht selten unbemerkt - an Bluthochdruck. „Bei vielen Betroffenen lässt sich der Hochdruck an einer veränderten Netzhaut ablesen", sagt Neß. „Diese müssen dringend weiter untersucht werden, denn Bluthochdruck kann Mutter und Kind in Gefahr bringen", betont der Experte. Bei nahezu allen Augenerkrankungen ist eine normale Entbindung möglich. Weder Kurzsichtigkeit noch ein Glaukom, eine vorherige Netzhautablösung oder eine vorherige Augenoperation sind ein Grund für einen Kaiserschnitt.

DOG: Forschung - Lehre - Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 7.400 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste augenärztliche Fachgesellschaft der Welt und die älteste fachärztliche Gesellschaft Deutschlands.

Weitere Informationen:
http://www.dog.org

Quelle: idw

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Neue Quallenart im Nord-Ostsee-Kanal

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Eine neue Quallenart hat sich im Nord-Ostsee-Kanal etabliert. Die Brackwasser-liebende Blackfordia virginica ist seit Sommer 2016 ein neuer Spieler im dortigen Ökosystem. Das ergab die Auswertung von regelmäßigen biologischen Monitoring-Fahrten der vergangenen zehn Jahre, die Forschende des GEOMAR-Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, der Technischen Universität Dänemark und der Universität Kiel jetzt veröffentlich haben. Eine weitere Ausbreitung von Blackfordia virginica in die Ostsee ist demnach wahrscheinlich.

Globale Studien zeigen, dass die Zahl der Arten, die in fremde Ökosysteme einwandern, ständig zunimmt. Zwar können sich bei weitem nicht alle Spezies in den neuen Umgebungen etablieren. Doch die erfolgreichen Bio-Invasoren haben das Potenzial, betroffene Ökosysteme stark zu verändern. Auch in der Ostsee konnten in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche bislang fremde Arten nachgewiesen werden. Ein prominentes Beispiel ist die amerikanische Rippenqualle Mnemiopsis leidyi, auch Meerwalnuss genannt.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, der Technischen Universität Dänemark (DTU Aqua) und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) haben jetzt bei der Auswertung von regelmäßigen Monitoringfahrten im Nord-Ostsee-Kanal und in der Ostsee eine weitere, für diese Region neue Quallenart entdeckt. Ihr fachlicher Name lautet Blackfordia virginica.

„Unsere Langzeit-Daten zeigen, dass diese Quallen-Art seit dem Sommer 2016 im Nord-Ostsee-Kanal etabliert ist und sich aktiv vermehrt, also einen neuen Bestandteil des Ökosystems bildet", sagt Dr. Cornelia Jaspers, die als Biologische Ozeanographin am GEOMAR und am Nationalen Institut für Aquatische Ressourcen der DTU in Lyngby arbeitet.

Die Art Blackfordia virginica wurde 1904 erstmals in den Gewässern vor dem US-Bundesstaat Virginia wissenschaftlich beschrieben. Spätere Studien lassen aber vermuten, dass sie ursprünglich aus dem Schwarzen Meer stammt. „Mittlerweile findet sie sich aber auch in Indien, Südamerika und Südafrika. Seit den 1970er Jahren kommt sie in Brackwassergebieten Nord-Frankreichs und seit den 1980er Jahren auch in Portugal vor", erklärt Dr. Jaspers. „Wir haben es also mit einer Art zu tun, die auf eine lange Erfolgsgeschichte als Eroberer fremder Ökosysteme zurückblicken und dort sehr große Populationsdichten erreichen kann".

Wie die Quallen in den Nord-Ostsee-Kanal gelangt sind, ist nicht genau nachweisbar. Da der Kanal die am stärksten befahrene künstliche Wasserstraße der Welt ist, haben höchstwahrscheinlich Schiffe die Quallen eingeschleppt. Ballastwasser darf im Kanal allerdings nicht abgepumpt werden. „Deshalb sind die Quallen wohl über Quallenpolypen an Schiffsrümpfen, die Jungquallen, sogenannte Ephyren, ins Wasser abgegeben haben, hier angekommen", sagt Dr. Jaspers.

Auch außerhalb des Kanals, in der Kieler Förde, konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bereits Exemplare nachweisen. Dort gibt es bislang aber keine Belege, dass sich die Art aktiv vermehrt. „Im Rahmen unserer Studie haben wir jedoch gezeigt, dass die Ostsee als Brackwassergebiet einen geradezu idealen Lebensraum für Blackfordia virginica darstellt. Wir erwarten deshalb eine weitere Ausbreitung", sagt Dr. Jaspers.

Welche Folgen das für die Ostsee haben könnte, ist noch unklar. Aus anderen Regionen ist bekannt, dass Blackfordia virginica eine erhebliche Konkurrenz zu anderen Planktonfressern darstellt. Außerdem kann sie den Nachwuchs von Fischarten beeinträchtigen, weil sie deren Larven frisst. Das könnte letztendlich auch wirtschaftliche Folgen haben.

Unterstützt wurde die Untersuchung von Studierenden des Kieler Master-Studiengangs „Biological Oceanography", die während ihrer Ausbildungs-Seereise mit dem Forschungsschiff ALKOR im August 2017 mehrere tausend Kubikmeter Wasser von Flensburg bis nach Finnland durchfischt und inspiziert haben.

„Insgesamt zeigt die Entdeckung, wie wichtig regelmäßiges Monitoring der Artenzusammensetzung in küstennahen Gewässern ist, da diese Gebiete besonders starken anthropogenen Einflüssen ausgesetzten sind. Besonders das gelatinöse Plankton, also Quallen, müssen wir dabei noch stärker als bisher berücksichtigen", betont Dr. Jaspers.
Originalpublikation:

Jaspers, C., B. Huwer, N. Weiland-Bräuer, C. Clemmesen (2018): First record of the non-indigenous jellyfish Blackfordia virginica (Mayer, 1910) in the Baltic Sea. Helgoland Marine Research, https://doi.org/10.1186/s10152-018-0513-7

Weitere Informationen:

http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.aqua.dtu.dk Das National Institut für Aquatische Ressourcen der DTU
http://www.uni-kiel.de Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
http://www.metaorganism-research.com Der Sonderforschungsbereich 1182 „Metaorganism" in Kiel

Quelle: idw

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Forscher aus Mecklenburg-Vorpommern entwickeln effiziente Biogasanlagen

Henning Kraudzun Stab - Wissenschaftsmanagement
Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie e.V.

Durch eine innovatives Technologie, die Ultraschall- und Plasmaverfahren vereint, soll der Aufschluss organischer Verbindungen deutlich verbessert und somit die Wirtschaftlichkeit von Biogasanlagen erhöht werden.

Mecklenburg-Vorpommern ist Spitzenreiter bei der Umsetzung der Energiewende. Der Nordosten deckt seinen Primärenergiebedarf bereits zu mehr als einem Drittel aus regenerativen Quellen. Damit diese Entwicklung weiter vorangetrieben wird, muss die Effizienz der Energieerzeugung gesteigert werden, da es immer weniger Ausbaukapazitäten gibt. Während neue Generationen von Windkraftanlagen bereits installiert werden, gewinnt auch die Nachrüstung von Biogasanlagen, mit denen 17 Prozent des Stroms in MV erzeugt werden, eine größere Bedeutung. Mit diesen technischen Fragen beschäftigt sich ein Projekt des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung und Technologie (INP), der Universität Rostock und des Unternehmens PRE Power Recycling Energyservice aus Neubrandenburg. Das auf zwei Jahren angelegte Verbundvorhaben wird vom Landesministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit mit einer Million Euro gefördert.

Das Projekt verfolgt das Ziel, die Aufbereitung der Einsatzstoffe - pflanzliche Abfälle, Gülle, Klärschlämme und Bioabfälle - in den Vergärungsprozessen zu verbessern. Bislang werden in herkömmlichen Anlagen nur rund 65 Prozent der schwer abbaubaren organischen Anteile von den Bakterien aufgeschlossen und hauptsächlich zu Methan umgewandelt. Der Rest bleibt ungenutzt. Mittels Ultraschall kann schon ein Teil der zuvor nicht verfügbaren Organik verwertet und zur Energieerzeugung genutzt werden, wie die „Wave-Box" (s. Abb.) des Forschungspartners PRE bewiesen hat. Diese Erfahrungen bilden die Grundlage des innovativen Geräts „Kombi-Max", welches Ultraschall- und Plasmaverfahren vereint.

Aus der Synergie beider Technologien erwarten die Projektbeteiligten einen Quantensprung in der Effizienzsteigerung bei der Auflösung organischer Verbindungen. Einen Schwerpunkt bildet die Untersuchung geeigneter Plasmaquellen, die in Verbindung mit Ultraschall zur Prozessoptimierung eingesetzt werden können. Im Fokus der Forscher stehen insbesondere schwer aufzubrechende biomolekulare Verbindungen wie Lignin, aber auch unerwünschte Chemikalien. Gleichzeitig wollen die Wissenschaftler mit dem neuen Verfahren eine Verringerung der Stickstoffemissionen erreichen.

„Wir haben die berechtigte Hoffnung, dass durch den Einsatz beider Technologien der Wirkungsgrad und somit die Wirtschaftlichkeit der Biogasanlagen spürbar erhöht werden kann", sagt Volker Brüser, Abteilungsleiter für Plasmaprozesstechnik im INP und zugleich Verantwortlicher für ein Teilprojekt von „Kombi-Max". Dies sei für die Zukunft dieser Energietechnologie von großer Bedeutung. Norbert Rossow, Geschäftsführer von PRE, betont: „Mit unserem Hochleistungs-Ultraschallgerät, der Wave Box, haben wir in der Biomasse-Aufbereitung für Biogasanlagen eine sehr gute Effizienzsteigerung von bis zu 20 Prozent erreicht. Die Kombination beider Aufschluss-Systeme im neuen Gerätetyp wird, wie aus wissenschaftlichen Veröffentlichungen ersichtlich, die Effizienzsteigerung multiplizieren. Hierbei erwarten wir eine deutliche Minderung der eingesetzten Energie, Verdoppelung des Aufschlussgrades und deutliche Verkleinerung der Gerätegröße." Aus der Zusammenarbeit des INP mit der PRE Neubrandenburg und den ersten konstruktiven Schritten zu dem neuen Gerät sei bereits ein neues internationales Patent beider Partner entstanden. Im Jahr 2020 sind industrienahe Tests der Demonstrationsanlage geplant.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Volker Brüser
Abteilungsleiter Plasmaprozesstechnik
Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP)
Tel. +49 3834 5543808
E-Mail: brueser@inp-greifswald.de

Norbert Rossow
Geschäftsführer
PRE Power Recycling Energyservice
Tel. +49 395 7074709
E-Mail: nr@pre-mv.de

Anhang
PM INP 15/08/18 Forscher aus Mecklenburg-Vorpommern entwickeln effiziente Biogasanlagen
https://idw-online.de/de/attachment66333

Quelle: idw

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Wie sich die Gehirne von Aufschiebern und Machern unterscheiden

Dr. Julia Weiler Dezernat Hochschulkommunikation
Ruhr-Universität Bochum

Warum manche Menschen Aufgaben eher vor sich herschieben als sofort zu handeln, haben Forscherinnen und Forscher der Ruhr-Universität Bochum untersucht. Mittels Kernspintomografie identifizierten sie zwei Hirnbereiche, deren Größe und funktionelle Verknüpfung damit zusammenhängt, wie gut eine Person ihre Handlungen kontrollieren kann. Die Ergebnisse berichtet das Team um Caroline Schlüter, Dr. Marlies Pinnow, Prof. Dr. Dr. h. c. Onur Güntürkün und Dr. Erhan Genç von der Arbeitseinheit Biopsychologie in der Zeitschrift Psychological Science vom 17. August 2018.

Zwei Hirnregionen hängen mit Handlungskontrolle zusammen
Die Biopsychologinnen und Biopsychologen untersuchten 264 Frauen und Männer im Kernspintomografen. Sie bestimmten das Volumen einzelner Hirnareale und ihre funktionelle Vernetzung. Außerdem füllten alle Probanden einen Fragebogen aus, mit dem ihre Fähigkeiten zur Handlungskontrolle eingeschätzt wurden.

Menschen mit schlechter Handlungskontrolle hatten eine größere Amygdala. Außerdem war bei ihnen die funktionelle Verbindung zwischen der Amygdala und dem sogenannten dorsalen anterioren cingulären Kortex (dorsaler ACC) weniger stark ausgeprägt. „Die beiden Hirnregionen sind bereits in früheren Studien mit der Steuerung von Handlungen in Verbindung gebracht worden", sagt Erhan Genç.

Handlungen bewerten und auswählen
Die Funktion der Amygdala ist es vor allem, eine Situation und ihren jeweiligen Ausgang zu beurteilen und uns vor möglichen negativen Konsequenzen einer Handlung zu warnen. Der dorsale ACC nutzt hingegen Informationen über den potenziellen Ausgang einer Handlung, um Handlungen auszuwählen, die in die Tat umgesetzt werden. Er unterdrückt auch konkurrierende Handlungen und Emotionen, sodass eine ausgewählte Handlung erfolgreich abgeschlossen werden kann.

Ist das Zusammenspiel zwischen Amygdala und dorsalem ACC gestört, kann die Handlungskontrolle nicht mehr erfolgreich ausgeführt werden, so die Theorie der Forscherinnen und Forscher. „Menschen mit höherem Amygdala-Volumen könnten eine größere Furcht vor den negativen Konsequenzen einer Handlung haben - sie zögern und schieben Dinge auf", vermutet Erhan Genç. „Die geringe funktionelle Kopplung zwischen der Amygdala und dem dorsalen ACC könnte diesen Effekt weiter verstärken, indem störende negative Emotionen und Handlungsalternativen unzureichend reguliert werden."

Trainierbar oder nicht?
Künftige Studien sollen zeigen, ob die unterschiedlich gut ausgeprägte Handlungskontrolle durch spezifische Trainings oder Hirnstimulation verändert werden kann. „Obwohl die individuellen Unterschiede in der Fähigkeit zur Handlungskontrolle einen großen Einfluss auf unseren persönlichen und beruflichen Erfolg sowie unsere psychische und physische Gesundheit haben, sind ihre neuronalen Grundlagen bisher nur wenig erforscht", sagt Caroline Schlüter, die sich dem Thema in ihrer Promotion widmet.

Förderung
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft förderte die Arbeiten im Rahmen der Grants mit den Nummern GU 227/16-1 und GE 2777/2-1 sowie im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 1280. Weitere Unterstützung kam vom Mercator Research Center Ruhr durch den Grant An-2015-0044.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Caroline Schlüter
Arbeitseinheit Biopsychologie
Fakultät für Psychologie
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 32 21775
E-Mail: caroline.schlueter@rub.de

Originalpublikation:
Caroline Schlüter, Christoph Fraenz, Marlies Pinnow, Patrick Friedrich, Onur Güntürkün, and Erhan Genç: The structural and functional signature of action control, in: Psychological Science, 2018, DOI: 10.1177/0956797618779380

Quelle: idw

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Valsartan-Rückruf: Verunreinigte Blutdrucksenker

Pierre König Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Was müssen Herzpatienten jetzt tun?
Seit Anfang Juli rufen die Aufsichtsbehörden europaweit Blutdrucksenker mit dem Wirkstoff Valsartan zurück. In bestimmten Valsartan-haltigen Präparaten wurde die potenziell gefährliche Verunreinigung N-Nitrosodimethylamin (NDMA) gefunden, eine Substanz die von der internationalen Agentur für Krebsforschung, der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der EU als wahrscheinlich krebserregend für Menschen eingestuft wird. N-Nitrosodimethylamin und andere so genannte Nitrosamine finden sich beispielsweise im Zigarettenrauch und in gepökeltem oder geräuchertem Fleisch. Aktuell sind zahlreiche betroffene Chargen Valsartan-haltiger Arzneimittel vom Markt genommen. Betroffen sind zum jetzigen Zeitpunkt Nachahmerprodukte (Generika) der Originalprodukte. Es ist möglich, dass noch weitere Sartane von der Verunreinigung betroffen sind. Mittlerweile hat sich bestätigt, dass die zurückgerufenen Valsartan-Tabletten bis zu 22 Mikrogramm pro Tablette NDMA enthalten. Konkrete Grenzwerte für die täglich erlaubte Menge von NDMA gibt es nicht. Die mittlere Aufnahme von Nitrosaminen aus Lebensmitteln wird auf insgesamt 0,3 Mikrogramm pro Tag geschätzt. Bei Menschen, die täglich 20 Zigaretten rauchen, kann die Belastung mit Nitrosaminen auf 17 bis 85 Mikrogramm pro Tag ansteigen. Eine aktuelle Übersicht über die mit NDMA verunreinigten Valsartan-haltigen Präparate ist abrufbar unter
http://www.abda.de/amk-nachricht/artikel/online-nachricht-amk-liste-der-chargenbezogenen-rueckrufe-valsartan-haltiger-arzneimittel/ .*

Was können betroffene Patienten tun?
Viele Patienten sind verunsichert. Sie wissen nicht, ob ihr Valsartan-Präparat von der Verunreinigung betroffen ist, auf welches andere Valsartan sie umsteigen können, ob sie es ganz absetzen oder durch ein anderes Sartan ersetzen sollen. „Patienten sollten ihren Hausarzt aufsuchen und um eine Alternative bitten. In der Regel sollten Betroffene auf ein anderes gleichdosiertes Valsartan-Präparat umsteigen, das nicht von der Verunreinigung betroffen ist", empfiehlt der Kardiologe und Pharmakologe Professor Dr. Thomas Meinertz von der Deutschen Herzstiftung. Spätestens bei der Ausstellung eines neuen Rezepts sollte die Umsetzung auf ein anderes, nicht betroffenes Valsartan oder ein anderes Sartan, beispielsweise Candesartan oder Telmisartan, in gleich effektiver Dosierung erfolgen. „Generell sollten Blutdrucksenker nicht abgesetzt werden", warnt Meinertz. Ein plötzliches Absetzen blutdrucksenkender Medikamente kann bei Bluthochdruck-Patienten Blutdruckspitzen erzeugen, die Herz und Kreislauf gefährlich belasten können.

Langfristige Folgen wissenschaftlich untersuchen
Ob für Patienten, die über lange Jahre mit NDMA verunreinigtes Valsartan eingenommen haben, die Gefahr besteht an Krebs zu erkranken, muss wissenschaftlich untersucht werden, fordert die Deutsche Herzstiftung. Zum Schutz der Patienten gilt es darüber hinaus, die bisherigen Kontrollmechanismen zu überprüfen. Im Fall der verunreinigten Valsartan-haltigen Präparate hatte die chinesische Hersteller-Firma der europäischen Aufsichtsbehörde (EDQM) gemäß der rechtlichen Bestimmungen gemeldet, den Wirkstoff nach einem veränderten Verfahren zu produzieren. Nach Angaben des Herstellers gab es keinen Hinweis darauf, dass es aufgrund der neuen Synthese zur Verunreinigung mit der potenziell krebserzeugenden Substanz kommen könnte. Auch die Experten der europäischen Aufsichtsbehörde (EDQM) hatten aufgrund der vom Hersteller vorgelegten Unterlagen keinen Verdacht geschöpft. Das deutet auf Lücken im Prüfverfahren hin. „Der Gesetzgeber sollte deshalb die Kontrollen von Generika verstärken, beispielsweise durch Eingangsprüfungen. Eine andere Maßnahme wäre die Einführung bundeseinheitlich verbindlicher Tests durch eine zentrale Bundesbehörde."

* Quelle: Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK)

Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle:
Michael Wichert /Pierre König
Tel. 069 955128-114/-140
presse@herzstiftung.de
https://www.herzstiftung.de

Weitere Informationen:

https://www.herzstiftung.de
http://www.abda.de/amk-nachricht/artikel/online-nachricht-amk-liste-der-chargenb...

Anhang
Valsartan-Rückruf: Verunreinigte Blutdrucksenker
https://idw-online.de/de/attachmentdata66284.pdf

Quelle: idw

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Bienen brauchen es bunt

Corinna Russow Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Das Bienensterben aufhalten, ist ein Ziel von Wissenschaftlern. Forscher unter Leitung der Universität Würzburg haben herausgefunden, dass eine vielfältige Pflanzenlandschaft Bienen hilft, stabile Populationen aufrecht zu erhalten.

Bisher vermuteten Wissenschaftler, dass landwirtschaftlich intensiv genutzte Habitate generell schlecht für Bienen sind, da sie dort Pestiziden ausgesetzt sind und nur eine sehr geringe Auswahl an Nahrungsressourcen und Nistmöglichkeiten finden. Auch darauf führte man das weltweite Bienensterben zurück. Bienen können jedoch durchaus in landwirtschaftlich genutzten Flächen gut leben. Voraussetzung ist, dass die Bienen Zugang zu sogenannten Habitatinseln mit hoher Pflanzendiversität haben.

Das zeigten Wissenschaftler der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), zusammen mit anderen deutschen und australischen Forschern nun erstmals in einer Studie. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in „Scientific Reports".

Soziale Bienen untersucht
„Tetragonula carbonaria" heißt die australische, stachellose Bienenart, die die Wissenschaftler über mehr als zwei Jahre untersuchten. „Beispielhaft beobachteten wir an ihr, ob die Fitness und der Fortpflanzungserfolg sozialer Bienen von der sie umgebenden Diversität der Pflanzen und der damit verbundenen Qualität der Nahrungsressourcen abhängt", sagt Dr. Sara Leonhardt, die Leiterin der Studie an der JMU. Zu sozialen Bienen gehören unter anderen Honigbienen und stachellose Bienen. Sie sind für einen Großteil der weltweiten Bestäubungsleistung verantwortlich.

Für die Studie installierten die Wissenschaftler Bienenkolonien in drei verschiedenen Habitaten. „Wir wählten naturbelassene Wälder, urbane Gärten und landwirtschaftlich intensiv genutzte Macadamia-Plantagen und beobachteten das Wachstum und die Produktion von Arbeiterinnen, Königinnen und neuen Kolonien", sagt Dr. Benjamin Kaluza, der Erstautor der Studie. Außerdem analysierten sie die Nahrungsqualität des gesammelten Pollens und Honigs und kartierten die Pflanzendiversität in diesen Habitaten.

Rückgang der Biodiversität als Ursache für das Bienensterben
Das Ergebnis: Die Lebensqualität der Bienen war in Gärten und artenreichen Wäldern am höchsten und in Plantagen am geringsten. Nehme die Pflanzenvielfalt in der Umgebung ab, produzieren die Bienen weniger Nachkommen, folglich schrumpfen die Kolonien. „Bienen brauchen Diversität", sagt Kaluza. „Nur in Landschaften mit hohem Pflanzenarten-Reichtum finden sie kontinuierlich ausreichend ausgewogene und qualitativ hochwertige Nahrung und andere Ressourcen."

Laut Leonhardt ist dieser Effekt bereits sichtbar, wenn die Bienen auch nur kleine Habitatinseln mit hoher Blütendiversität in Flugdistanz haben. „Denn dann können sie sowohl den negativen Einfluss von Pestiziden als auch von Monokulturen kompensieren", sagt sie und ergänzt: „Dieses Ergebnis bedeutet, der weltweite massive Rückgang der Biodiversität könnte eine Hauptursache für das Bienensterben sein."

Die Folgen ihrer Erkenntnisse: „Wir erhoffen uns jetzt natürlich verstärkten Schutz und Re-etablierung biodiverser Habitate, vor allem in landwirtschaftlich stark genutzten Regionen, wie zum Beispiel Plantagen", sagt Kaluza.

Zusammenarbeit mit anderen Forschern
Die Forschung wurde finanziell von der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt. Beteiligt waren Professorin Helen Wallace von der University of the Sunshine Coast (Australien), Dr. Tim Heard, Bienenberater aus Brisbane (Australien), Dr. Vanessa Minden von der Universität Oldenburg und Professorin Alexandra-Maria Klein von der Universität Freiburg. In weiteren Forschungen wollen Sara Leonhardt und ihr Team nun untersuchen, wie genau die Bienen ihre Ressourcen finden und wie sie von den unterschiedlichen Ressourcen profitieren.
Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Sara Leonhardt, Zoologie III,sara.leonhardt@uni-wuerzburg.de, T.: +49 931 31-80168

Originalpublikation:
Social bees are fitter in more biodiverse environments, Benjamin F. Kaluza, Helen M. Wallace, Tim A. Heard, Vanessa Minden, Alexandra Klein, Sara D. Leonhardt, DOI: 10.1038/s41598-018-30126-0, https://rdcu.be/4FDx

Quelle: idw

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Neue Ausgabe forscher - Das Magazin für Neugierige erklärt Kindern den Roboter

Luise Wunderlich Wissenschaftsjahr 2018 - Arbeitswelten der Zukunft
Wissenschaftsjahr 2018 - Arbeitswelten der Zukunft

Die neue Ausgabe der Kinder- und Jugendzeitschrift „forscher" ist ab sofort kostenfrei erhältlich - Magazin für Neugierige erklärt Kindern den Roboter

Es sind knifflige Fragen, die im neuen „forscher - Das Magazin für Neugierige" unter die Lupe genommen werden. Mit der aktuellen Ausgabe der Kinder- und Jugendzeitschrift, die sich an junge Leserinnen und Leser zwischen acht und zwölf Jahren richtet, können diese jedoch im Handumdrehen beantwortet werden. Passend zum Wissenschaftsjahr 2018 dreht sich auch in dieser Ausgabe fast alles um die Arbeitswelten der Zukunft.

Welche Technik steckt eigentlich in Robotern? Und wie funktionieren diese menschenähnlichen Maschinen? Auf diese und viele weitere spannende Fragen unter anderem zu modernen Technologien und den Arbeitswelten von heute, morgen und übermorgen gibt das Magazin interessante Antworten. „forscher" wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung herausgegeben. Die neue Ausgabe ist ab sofort kostenfrei erhältlich.

Die preisgekrönte Zeitschrift bereitet die Themen in vielfältigen Formaten altersgerecht auf - von Reportagen über Illustrationen bis hin zu einer Bauanleitung für einen Mini-Roboter. So zeigt die Titelgeschichte „Hallo, Roboter!", wie automatische Maschinen funktionieren, die den Menschen eines Tages zum Beispiel in der Lehre oder in der Pflege unterstützen können. Im Interview mit Biologieprofessor Till Roenneberg dreht sich alles um die Innere Uhr des Menschen. Ein weiterer Artikel erklärt anschaulich, wie es Computerfachleuten gelingt, Maschinen mit künstlicher Intelligenz auszustatten.

Warum interessieren sich Forscherinnen und Forscher für den Tastsinn des Elefantenrüsselfisches? Welche Tiere helfen dem Menschen schon seit Jahrtausenden bei der Arbeit? Auch auf diese Fragen findet „forscher - Das Magazin für Neugierige" faszinierende Antworten, die die jungen Leserinnen und Leser begeistern werden.

Das Kinder- und Jugendmagazin erscheint zweimal jährlich mit einer Auflage von rund 250.000 Exemplaren und wird von mehr als 1.300 Vertriebspartnern kostenfrei verteilt, darunter Schulen, Unternehmen, Vereine, Jugendherbergen und Museen. „forscher - Das Magazin für Neugierige" ist Träger des begehrten Best of Content Marketing Award (Kategorie: Customer-Print-Magazine B2C, Non-Profit/Verbände/Institutionen).

Die neue Ausgabe ist ab sofort kostenfrei erhältlich unter http://www.forscher-online.de/bestellen, telefonisch unter +49 30 182722721 (14 Cent/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunk max. 42 Cent/Min.) oder per E-Mail (obligatorisch ab 100 Exemplaren) an vertrieb@forscher-online.de.

Weitere Informationen:
https://www.wissenschaftsjahr.de/ | http://www.forscher-online.de/

Wissenschaftsjahr 2018 - Arbeitswelten der Zukunft
Das Wissenschaftsjahr 2018 widmet sich dem Thema Arbeitswelten der Zukunft. Durch die Digitalisierung, alternative Arbeitsmodelle und die Entwicklung künstlicher Intelligenz stehen Forschung und Zivilgesellschaft vor neuen Chancen und Herausforderungen: Wie werden die Menschen in Zukunft arbeiten? Wie machen sie sich fit dafür? Und welche Rolle spielen Wissenschaft und Forschung bei der Gestaltung eben dieser neuen Arbeitswelten? Das Wissenschaftsjahr 2018 zeigt, welchen Einfluss soziale und technische Innovationen auf die Arbeitswelten von morgen haben - und wie diese nicht nur den Arbeitsalltag verändern, sondern auch neue Maßstäbe im gesellschaftspolitischen Dialog setzen. „Erleben. Erlernen. Gestalten." - unter diesem Motto werden Bürgerinnen und Bürger im Wissenschaftsjahr 2018 dazu aufgerufen mitzumachen, Fragen zu stellen und gemeinsam Lösungsansätze zu finden.

Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemein-sam mit Wissenschaft im Dialog (WiD). Sie tragen als zentrales Instrument der Wissenschaftskommunikation Forschung in die Öffentlichkeit und unterstützen den Dialog zwischen Forschung und Gesellschaft.

Weitere Informationen:
https://www.wissenschaftsjahr.de
https://www.facebook.com/wissenschaftsjahr
https://www.youtube.com/user/wissenschaftsjahr
https://twitter.com/w_jahr

Anhang
Neue Ausgabe "forscher - Das Magazin für Neugierige"
https://idw-online.de/de/attachment66273

 

Quelle: idw

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Scharfstoff aus Ingwer mindert üblen Atem

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Der im Ingwer enthaltene Scharfstoff 6-Gingerol stimuliert ein Speichelenzym, das übelriechende Substanzen abbaut. Es sorgt damit für frischen Atem und einen besseren Nachgeschmack. Zitronensäure erhöht dagegen den Natriumionen-Gehalt im Speichel, sodass Salziges weniger salzig wirkt. Um mehr über Lebensmittelinhaltsstoffe herauszufinden, untersuchte ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Leibniz-Instituts für Lebensmittel-Systembiologie deren Effekte auf die im Speichel gelösten Moleküle.

Viele Lebensmittelinhaltsstoffe tragen direkt durch ihren Eigengeschmack, ihren Duft oder ihre Schärfe zum typischen Geschmack von Speisen und Getränken bei. Sie beeinflussen aber auch indirekt über andere, noch weitgehend unbekannte biochemische Mechanismen unser Geschmacksempfinden. Dies hat ein Team um Professor Thomas Hofmann vom Lehrstuhl für Lebensmittelchemie und Molekulare Sensorik nun genauer erforscht.

6-Gingerol sorgt für frischen Atem
Wie die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, lässt das im Ingwer enthaltene, scharf schmeckende 6-Gingerol innerhalb weniger Sekunden den Spiegel des Enzyms Sulfhydryl-Oxidase 1 im Speichel um das 16-fache ansteigen. Die an jeweils vier Frauen und Männern durchgeführten Speichel- und Atemluftanalysen belegen, dass das Enzym übelriechende schwefelhaltige Verbindungen abbaut. Auf diese Weise ist es in der Lage, den lang anhaltenden Nachgeschmack vieler Lebensmittel wie Kaffee zu vermindern. „Auch unser Atem riecht dadurch besser", erklärt Studienleiter Prof. Hofmann, Direktor des Leibniz-Instituts für Lebensmittelsystembiologie an der TUM. Der entdeckte Mechanismus könne zukünftig dazu beitragen, neue Mundpflegemittel zu entwickeln.

Zitronensäure mindert unser Salzempfinden
Zitronensäure beeinflusst dagegen laut der Studie unsere Geschmackswahrnehmung über einen ganz anderen Mechanismus. Wie jeder aus eigener Erfahrung weiß, stimulieren saure Lebensmittel wie zum Beispiel der Saft von Zitronen den Speichelfluss. Proportional zur Speichelmenge erhöht sich dabei auch die Menge der im Speichel gelösten Mineralstoffe.

Laut Prof. Hofmann steigt der Natriumionen-Spiegel nach der Stimulation mit Zitronensäure rasch um das etwa Elffache an. Dieser Effekt lässt uns dann weniger sensitiv auf Kochsalz reagieren. Der Lebensmittelchemiker erklärt dies so: „Kochsalz ist nichts anderes als Natriumchlorid, wobei die Natriumionen beim Menschen für den Salzgeschmack verantwortlich sind. Enthält der Speichel bereits höhere Konzentrationen an Natriumionen, müssen verkostete Proben einen deutlich höheren Salzgehalt aufweisen, um sie vergleichsweise salzig zu empfinden."

Hofmann sieht noch viel Forschungsbedarf, um das komplexe Zusammenspiel zwischen den geschmacksgebenden Molekülsystemen in Lebensmitteln, den biochemischen Prozessen, die im Speichel ablaufen, und unserem Geschmacksempfinden zu verstehen. Mittels eines systembiologischen Ansatzes verfolgt Hofmann das Ziel, eine neue wissenschaftliche Basis für die Produktion von Lebensmitteln zu entwickeln, deren Inhaltsstoff- und Funktionsprofile an den gesundheitlichen und sensorischen Bedürfnissen der Verbraucherinnen und Verbraucher ausgerichtet sind. Hierfür kombinieren er und sein Team Methoden der biomolekularen Grundlagenforschung mit analytischen Hochleistungstechnologien und Methoden der Bioinformatik.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Thomas Hofmann
Lehrstuhl für Lebensmittelchemie und molekulare Sensorik
Leibniz-Institut für Lebensmittel-Systembiologie an der TUM
E-Mail: thomas.hofmann@tum.de
Telefon +49 (89) 289 - 22201 oder
Telefon 2: +49 (8161) 71-2902

Originalpublikation:
Chemosensate-Induced Modulation of the Salivary Proteome and Metabolome Alters the Sensory Perception of Salt Taste and Odor-Active Thiols. Bader M, Stolle T, Jennerwein M, Hauck J, Sahin B, Hofmann T. J Agric Food Chem. 2018 Jul 13. doi: 10.1021/acs.jafc.8b02772.

Quelle: idw

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Im europäischen Vergleich werden Pkw in Deutschland gering besteuert

Renate Bogdanovic Pressestelle
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin

Reform der Fahrzeug- und Kraftstoffbesteuerung ratsam - Bei einem systematischen Europa-Vergleich aller Abgaben auf Pkw belegt Deutschland einen Platz im unteren Drittel - Pkw-Abgaben sind hierzulande weder fiskalisch ausreichend ergiebig, noch setzen sie hinlänglich Anreize für einen weniger umweltbelastenden Pkw-Verkehr

Deutschland sollte die Besteuerung von Personenkraftwagen und Kraftstoffen reformieren, Priorität sollte dabei die schrittweise Erhöhung der Dieselsteuer haben. Zu diesem Schluss kommt Uwe Kunert, Verkehrsökonom am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Kunert hat das Abgabensystem für Pkw in 30 europäischen Ländern (EU-28, Norwegen und Schweiz) in einer neuen Studie systematisch analysiert und verglichen. „Es zeigt sich eine sehr variantenreiche Gestaltung der Steuersysteme, mit vielfältigen Bemessungsgrundlagen und im Ergebnis recht unterschiedlicher Steuerlast", fasst Uwe Kunert das Ergebnis zusammen. Die Summe der Abgaben, die beim Erwerb (Umsatzsteuer, Zulassungssteuer und -gebühren), bei der Haltung (Kfz-Steuer, Versicherungssteuer) sowie bei der Nutzung (Steuern auf Kraftstoffe) für einen Mittelklassewagen im Erstgebrauch mit einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 Kilometern anfallen, liegen für die Mehrzahl der Länder zwischen 1.200 und 2.000 Euro. Für die Länder mit noch höheren Abgaben ist die Zulassungssteuer - die in Deutschland nicht existiert - ausschlaggebend. Zudem ergibt diese Beispielrechnung unter dem Strich in 26 Ländern eine geringere Abgabenbelastung für Pkw mit Dieselmotor als für die mit Ottomotor. Unter den untersuchten Ländern erheben nur die osteuropäischen EU-Länder, die baltischen Länder sowie die Schweiz und Luxemburg geringere Steuern auf Pkw-Besitz und -nutzung als Deutschland. Berücksichtigt man die Kaufkraftparität in den jeweiligen Ländern, liegt Deutschland zusammen mit Luxemburg und der Schweiz ganz am Ende der Skala.

„Zumindest was die Steuern angeht, kosten Autobesitz und -nutzung in Deutschland deutlich weniger als in den meisten Nachbarländern", kommentiert Uwe Kunert. „Die verschiedenen Abgaben sind zudem für den Staat fiskalisch nicht ergiebig. Gleichzeitig werden offensichtlich nicht ausreichend Anreize für weniger umweltschädliche Technologien gesetzt, denn die CO2-Emissionen im Verkehrssektor steigen und die Luftqualität - vor allem in Städten - ist unzureichend. Das Abgabensystem ist dringend reformbedürftig."

Energiesteuer und Kfz-Steuer reformieren
Priorität sollte dabei eine schrittweise Angleichung des Steuersatzes auf Dieselkraftstoff auf das Niveau von Vergaserkraftstoff haben, so Kunert. In Deutschland wird wie in den meisten europäischen Ländern die Dieseltechnologie mit einem niedrigeren Satz der Energiesteuer, die auf jeden Liter verbrauchten Kraftstoffs entfällt, stark begünstigt (47 Cent für Diesel und 65,5 Cent für Benzin). Das hat Dieselfahrzeugen zu einem stattlichen Marktanteil verholfen.

In einem weiteren Reformschritt sollten beide Steuersätze angehoben werden. Die Energiesteuer, die auf jeden verbrauchten Liter Kraftstoff entfällt, wurde hierzulande seit dem Jahr 2003 nicht mehr erhöht. Dagegen haben seit dem Jahr 2009 die meisten der untersuchten Länder ihren Steuersatz für Benzin und für Diesel angehoben. Hieraus erzielte Mehreinnahmen sollte der Fiskus zum Beispiel durch die Senkung anderer Steuern, die nicht am Umweltverbrauch ansetzen, ausgleichen.

Ein dritter Reformansatz ist die Bemessungsgrundlage der Kfz-Steuer. Der Pkw-Bestand ist seit dem Jahr 2008 um etwa 13 Prozent gewachsen. Dennoch stagnieren die Einnahmen aus der Kfz-Steuer, weil sie sich am Hubraum der Fahrzeuge und an offiziellen Angaben von CO2-Emissionswerten orientieren. Sowohl Hubraum als auch angegebene CO2-Emissionen sinken. Dabei liegen die offiziellen Angaben zu den Emissionen weitaus niedriger als die tatsächlich emittierten Mengen. „Die Basis für die Kfz-Steuer erodiert, und das Aufkommen der Steuer reflektiert keinesfalls die Tatsache, dass immer mehr Autos auf den deutschen Straßen sind. Als alternative Bemessungsgrundlagen würden sich stattdessen das Gewicht oder die Motorleistung eignen", so Uwe Kunert. „Beide Größen sind objektiv messbar, beide stehen im Zusammenhang mit Umweltaspekten, und beide steigen kontinuierlich."

Weitere Informationen:
http://www.diw.de

Quelle: idw

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Leuphana Wissenschaftler warnt: Abwasserreinigung steht vor großen Problemen

Henning Zuehlsdorff Pressestelle
Leuphana Universität Lüneburg

Für Chemiker Prof. Dr. Klaus Kümmerer und seine Kollegen von der Leuphana Universität Lüneburg steht fest: Chemische Substanzen müssen künftig in der Umwelt schnell unschädlich werden, sonst steht die Abwasserreinigung vor fast unlösbaren Problemen.

Lüneburg. Chemische Stoffe gelangen über eine Vielzahl von Konsumartikeln oder Arzneimitteln in das Abwasser. Künftig muss schon bei ihrer Herstellung viel stärker darauf geachtet werden, diesen Eintrag frühzeitig zu verringern, sonst kann eine wirkungsvolle Abwasserreinigung nicht mehr sichergestellt werden. In einem jetzt in der renommierten Wissenschaftszeitschrift Science erschienenen Beitrag beschreibt der Chemiker Professor Dr. Klaus Kümmerer von der Leuphana Universität Lüneburg zusammen mit Kollegen die aktuellen Probleme der Abwasserreinigung und Trinkwasseraufbereitung. Für die Forscher ist klar: Chemische Substanzen müssen künftig in der Umwelt schnell unschädlich werden, sonst steht die Abwasserreinigung vor fast unlösbaren Problemen.

Chemikalien sind aus dem modernen Leben nicht wegzudenken, sichern sie doch Wohlstand, Gesundheit und Lebensqualität. Viele chemische Stoffe bereiten aber auch Probleme, weil sie in den Wasserkreislauf und über diesen auch in die Nahrungskette gelangen. Schon heute stößt die Abwasserreinigung an ihre Grenzen, wenn es darum geht, alle kritischen Stoffe zu entfernen. Immer aufwendigere Verfahren werden dafür benötigt. Dadurch steigen die Kosten und auch der Einsatz zusätzlicher Chemikalien wird erforderlich. Trotzdem wird das Wasser nicht immer sauber, manchmal sogar zusätzlich verschmutzt.

Ein weiteres Problem ergibt sich aus dem Klimawandel: Starkregenereignisse und in deren Folge Überschwemmungen können Kläranlagen beschädigen. Der Großteil des Wassers gelangt dann an der Kläranlage vorbei ungereinigt in die Oberflächengewässer. Das führt zu weiteren Gefahren für das Grundwasser. Hinzu kommt, dass in 80 Prozent der Länder dieser Erde überhaupt keine Abwasserreinigungsanlagen existieren.

„Wir müssen viel größeren Wert darauf legen, dass kritische chemische Stoffe gar nicht erst ins Abwasser gelangen. Wo dies unvermeidlich ist, müssen chemische Stoffe und Arzneimittel von Anfang an so designt werden, dass sie in der Umwelt keinen Schaden anrichten", ist Kümmerer überzeugt. Es sei viel effektiver, die Verschmutzung der Umwelt schon an der Quelle zu bekämpfen, als immer aufwendigere Reinigungsverfahren zu entwickeln. Für die Industrie bedeute dies, die Anzahl der verwendeten Chemikalien in den Produkten zu reduzieren, nicht-abbaubare durch abbaubare Stoffe zu ersetzen und unterschiedliche Abwässer möglichst getrennt zu halten, um sie leichter und besser reinigen zu können.

Aus Produktionsabwässern lassen sich auch Stoffe zurückgewinnen und erneut verwenden, wie etwa Salz oder Farbstoffe bei der Textilfärbung. Mikroplastik, das in der Kosmetik-Industrie häufig eingesetzt wird und große Probleme in der Umwelt verursacht, kann durch ungefährliche Materialien problemlos ersetzt werden. In der aktuellen Diskussion um die Vermeidung problematischer Abwässer besteht ein aussichtsreicher Ansatz darin, die Funktion chemischer Substanzen für den Produktionsprozess und im Produkt genau zu analysieren und nach nicht-chemischen Alternativen zu suchen, die den gleichen Zweck erfüllen.

„Wir werden weiter Chemikalien und Arzneimittel benötigen. Der beste Weg, das Problem der damit einhergehenden Umweltverunreinigung zu lösen, lautet aber ‚benign by design'", ist sich Kümmerer sicher. „Wir müssen dahin kommen, chemische Stoffe so zu gestalten, dass sie in der Umwelt schnell und vollständig wieder abgebaut werden können", sagt der Experte für nachhaltige Chemie. Damit das künftig besser zum Tragen kommen könne, benötige man neben guten Anreizsystemen auch eine entsprechende Regulierung, eine bessere Innovationskultur und ein Bewußtsein dafür, dass mit neuen, serviceorientierten Geschäftsmodellen und umweltverträglicheren Stoffen auch Geld verdient werden kann.

Quelle: idw

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Stillen in Deutschland aus wissenschaftlicher Sicht

Dr. Suzan Fiack Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Themenheft des Bundesgesundheitsblattes erschienen

Ist Stillen wirklich besser? Über diese Frage wird seit Jahrzehnten intensiv diskutiert, wobei die Debatten oft kontrovers und emotional aufgeladen geführt werden. Stillen ist mehr als die Ernährung des Babys. Sowohl bei Kindern als auch bei Müttern geht Stillen mit körperlichen und psychischen Veränderungen einher. Die Herausforderung für die Forschung: Welche unterschiedlichen Effekte hat das Stillen für Mutter und Kind? Das neu erschienene Heft gibt einen wissenschaftlichen Überblick über das Thema „Stillen in Deutschland" und widmet sich insbesondere der Verbreitung des Stillens, dem Nutzen und möglichen Risiken des Stillens sowie Maßnahmen zur Stillförderung. Das Fazit: Die positiven Effekte des Stillens für Kind und Mutter sind klar belegt. Das Themenheft wurde mit Unterstützung der Nationalen Stillkommission (NSK) am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erstellt und umgesetzt. Das Heft kann abgerufen werden über:
https://link.springer.com/journal/103/61/8/page/1

Muttermilch ist ein komplexes Getränk mit vielen Inhaltsstoffen, das in Millionen von Jahren der Evolution entwickelt und optimiert wurde. Aus Sicht der Wissenschaft ist es jedoch eine Herausforderung, die Wirkung des Stillens auf Mutter und Kind genauer zu bestimmen. Kontrollierte Studien zu diesem Thema sind schwer umsetzbar, oft fehlt es auch an langfristigen Daten. Hinzu kommt: In Deutschland gibt es derzeit kein flächendeckendes nationales Stillmonitoring. Stillhäufigkeit und Stilldauer können auf Basis der vorhandenen Daten bislang nicht nach einheitlichen wissenschaftlichen Kriterien bestimmt werden.

Die Autorinnen und Autoren des Themenhefts greifen diese methodologischen Schwierigkeiten auf und stellen Konzepte zur systematischen Datenerhebung in Deutschland vor. In einem Artikel werden erstmals aktuelle Daten zum Stillen aus der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS) veröffentlicht, während ein anderer Beitrag Stillquoten und Stillförderung in ausgewählten Ländern in Europa vergleicht. Zwei weitere Artikel beschreiben kurz- und langfristig positive Effekte für das Kind bzw. die Mutter, wenn entsprechend der Empfehlung vier bis sechs Monate ausschließlich gestillt wird. In diesem Fall haben Säuglinge ein geringeres Risiko für Atemwegsinfekte und erkranken seltener an Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2. Allerdings können sich durch Fremdstoffe und Krankheitserreger auch Risiken für den Säugling ergeben. Diese erläutern Forscherinnen und Forscher der Berliner Charité und des BfR in einem gemeinsamen Beitrag. Hier der Link:
https://link.springer.com/article/10.1007/s00103-018-2764-5

Zudem stellen Fachleute Handlungsfelder zur Stillförderung vor. In einer Studie des Bundesinstituts für Risikobewertung zur öffentlichen Wahrnehmung des Stillens in Deutschland nannte jede zehnte Mutter, die bereits abgestillt hatte, die ablehnende Haltung in der Öffentlichkeit als einen Grund für das Abstillen. Hier der Link:
https://link.springer.com/article/10.1007/s00103-018-2785-0

Über die Nationale Stillkommission am BfR
Die Nationale Stillkommission wurde 1994 mit dem Ziel gegründet, die Entwicklung einer neuen Stillkultur in der Bundesrepublik Deutschland zu unterstützen und dazu beizutragen, dass Stillen zur normalen Ernährung für Säuglinge wird. Der Kommission gehören Mitglieder aus medizinischen Berufsverbänden und Organisationen an, die sich für die Förderung des Stillens in Deutschland einsetzen. Weitere Informationen zur Arbeit der Nationalen Stillkommission sind auf der folgenden Website veröffentlicht:
https://www.bfr.bund.de/de/nationale_stillkommission-2404.html

Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Quelle: idw

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Sauber durch Sonnenkraft

Britta Widmann Kommunikation
Fraunhofer-Gesellschaft

In Verbindung mit den richtigen Materialien können Sonnenstrahlen Wunder wirken: Sie reinigen Gebäudefassaden, zersetzen Schadstoffe aus der Luft oder im Wasser. Photokatalyse heißt das Zauberwort. Doch die Wirksamkeit dieses »Wundermittels« in der Praxis schwankt stark, je nach eingesetztem Material und Umwelteinflüssen. Mit einem neuen Messgerät wollen Forscher jetzt die photokatalytische Wirksamkeit von Oberflächen genauer und schneller bestimmen und damit die Effizienz erhöhen.

Fahrverbote, Dieselnachrüstung oder blaue Plakette - es wird derzeit viel diskutiert, wie sich die Stickoxid- und Feinstaubbelastung in Städten reduzieren lassen. Wie praktisch wäre es, wenn Häuserfassaden und Dächer die Stadtluft einfach nebenbei reinigen würden? Und wenn sich Gebäude gleich selbst von Schmutz befreien könnten? Die gute Nachricht ist: Mit Photokatalyse ist das bereits möglich. Mischt man Baumaterialien einen sogenannten Katalysator wie zum Beispiel Titandioxid (TiO2) bei, löst Sonnenlicht in Verbindung mit Sauerstoff eine chemische Reaktion aus. Das Titandioxid bildet dabei reaktive Substanzen, die Schmutz und Schadstoffe abbauen. Ob Beton, Glas oder Fassadenfarbe, fast jedes Material kann man photokatalytisch aufrüsten.

Doch es gibt gleich mehrere Haken: Je nach Trägermaterial, Oberflächenstruktur und Umwelteinflüssen schwankt die photokatalytische Effizienz in Abhängigkeit von Schadstoff und Produkt um bis zu 100 Prozent und mehr. Die Wirksamkeit ist auch eine Frage der richtigen Mischung: Beschichtet man nur die Oberfläche, wäscht sich der Katalysator schnell ab oder erodiert. Mischt man ihn ins Material, ist ein Großteil nicht wirksam. Das Optimum ist noch nicht gefunden. Auch das Langzeitverhalten und die Stabilität solcher Baumaterialien lassen sich außerhalb des Labors nur schwer vorhersagen.

Erschwerend kommt hinzu, dass es eine hohe Diskrepanz zwischen den im Labor erreichbaren Wirksamkeiten und den draußen im praktischen Einsatz erzielten gibt. All dies ist bislang kaum untersucht worden. Ein besseres Verständnis dieser Zusammenhänge strebten die elf Partner im Verbundprojekt PureBau an. Ihr Ziel war es, die Effizienz von Materialverbindungen zu steigern, so dass bessere photokatalytisch wirksame Baustoffe entwickelt werden können.

Ein neues Werkzeug für effiziente Forschung
Als einer der Partner arbeitet das Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik IST in Braunschweig an einem Messverfahren, das genau das ermöglicht. »Die bisherige Erforschung und Entwicklung von photokatalytisch aktiven Baumaterialen lief mangels eines geeigneten Messverfahrens oft nach dem Versuch-Irrtum-Prinzip. Zudem war es schlichtweg noch nicht möglich, zuverlässige Messungen im Feld durchzuführen. Zwar lassen sich Effekte anhand von Simulation berechnen, doch dies ist aufwändig und zudem noch wenig verbreitet«, sagt Dipl.-Ing. (FH) Frank Neumann, Leiter Arbeitsgruppe Photokatalyse am Fraunhofer IST.

Neumann und seine Mitarbeiter hatten bereits ein Verfahren patentiert, um die photokatalytische Selbstreinigung von Produkten schnell und reproduzierbar im Labormaßstab zu messen. Damit lässt sich bestimmen, wie schnell ein Material mit einem bestimmten Katalysator zum Beispiel eine Fassade oder ein Ziegeldach reinigt. Das Grundprinzip: Ein lumineszierender Farbstoff wird auf eine Oberfläche aufgedampft und dann gemessen, wie schnell er unter Lichteinfluss verblasst. Zusammen mit den Parametern Dicke der Farbschicht und Lichtintensität lässt sich daraus der Wirkungsgrad ermitteln.

Vom Labor ins Feld
Die Herausforderung war nun, dieses Prinzip auf ein portables Gerät zu übertragen, das ohne Vakuumbedingungen funktioniert, und die Messung gleichzeitig deutlich zu beschleunigen. Die Forscher erreichten das in Zusammenarbeit mit dem Institut für Hochfrequenztechnik (IHF) der TU Braunschweig in zwei Schritten: Da die bislang im Labor verwendete Farbstoffsynthese im Feld zu viele ungewünschte chemische Reaktionen zeigte, mussten sie neue Farbstoffe finden. Zum Einsatz kamen Farbstoffe mit Europium-Metallkomplexen, wie sie auch in OLEDs angewendet werden. Zudem funktionierte das bisherige Verfahren des Aufdampfens für den mobilen Zweck nicht mehr. »Stattdessen transferierten wir die Farbstoffe in einer Mono-Lage auf eine polymere Trägerfolie und verbanden beides chemisch durch sogenannte Ankergruppen «, erklärt Neumann. Die Trägerfolie hat die Vorteile, dass sie sich jeder Oberfläche gut anpasst, chemische Reaktionen mit dem Material minimiert und durch Messungen direkt an Fassaden entstehende Schäden (z.B. durch Farbauftrag) vermeidet. Die Beschichtung mit einer einzelnen Lage Farbstoff gewährleistet die Reproduzierbarkeit des Verfahrens.

Im nächsten Schritt wurde zusammen mit der Firma Omicron Laserage Laserprodukte GmbH ein Demonstrator einer mobilen Messpistole entwickelt. In einen Bajonettverschluss wird dort die Folie mit der Farbbeschichtung eingespannt und auf die zu prüfende Oberfläche gepresst. Das Gerät misst dann das Abklingen der Lumineszenz durch den UV-Einfluss und bestimmt darüber die photokatalytische Wirksamkeit - sowohl qualitativ als auch quantitativ durch den Effizienzgrad. Die Messdauer hat sich bei diesem Prozedere im Vergleich zu einschlägigen Normprüfverfahren von zum Teil drei Stunden auf etwa 15 Minuten reduziert.

Neumann ist zuversichtlich, dass die Messlösung in ein bis zwei Jahren marktreif sein könnte. Interessant wäre dies dann für Baustoffhersteller, Beschichtungsexperten und Messdienstleister, aber auch für Anwender: »Vor allem die Qualitätskontrolle derzeit eingesetzter Produkte wäre damit erstmals vor Ort möglich, aber auch die Entwicklung wirksamer photokatalytischer Materialien ließe sich so beschleunigen«. Langfristig könnte dies wiederum die weitreichende Selbstreinigung von Fassaden, Dächern und Verkehrswegen fördern und für ein besseres Klima in unseren Städten sorgen.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2018/august/Sauber-durch...

Quelle: idw

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Gefährliche Altlasten in Nord- und Ostsee

Britta Widmann Kommunikation
Fraunhofer-Gesellschaft

Millionen Tonnen alter Munition und Giftgasgranaten liegen auf dem Grund von Nord- und Ostsee - gefährliche Hinterlassenschaften der beiden Welt- kriege. Denn die alten Kampfmittel rosten und geben ihre giftigen Inhaltstoffe frei. Die Beseitigung ist gefährlich, aufwendig und teuer. Deshalb entwickeln Fraunhofer-Forscher gemeinsam mit Bergungsunternehmen ein Roboter- system, das eine teilautomatische Entsorgung ermöglicht.

Etwa 1,6 Millionen Tonnen konventionelle und 220 000 Tonnen chemische Kampfmittel, so die aktuellen Schätzungen, lagern am Grund von Nord- und Ostsee und rotten seit Jahrzehnten vor sich hin - ein enormes Gefahrenpotenzial für Flora und Fauna wie auch für das Bergungspersonal. Immer häufiger werden diese explosiven Hinterlassenschaften der Kriege zum Problem. Denn die Baustellen auf dem Meer nehmen zu, neue Fahrrinnen müssen freigelegt, Pipelines gebaut, Seekabel für die Landanbindung von Windparks verlegt werden. Das Waffenarsenal, das die Kampfmittelräumdienste aufspüren, reicht von Pistolenpatronen und Panzerfäusten über Seeminen, Sprengbomben, Brandbomben und Torpedos bis hin zu Giftgasgranaten. Der Großteil der explosiven Fracht wurde am Ende des zweiten Weltkriegs im Meer versenkt. Fischer sollten im Auftrag der Alliierten die Kampfmittel in ausgewiesenen Gebieten weit draußen auf See verklappen. Doch offensichtlich kippten einige die Fracht viel früher ins Meer, um Treibstoff zu sparen. Daher befindet sich auch außerhalb der markierten Munitionsgebiete viel Munition. Zudem werden alte Minen, Torpedos und Bomben durch starke Strömungen und Grundschleppfischerei umgelagert.

Minen in Schifffahrtsrinnen
So müssen die Taucher des Kampfmittelräumdienstes immer wieder auch Munition aus Fahrrinnen räumen, die als minenfrei galten. Dank empfindlicher Sonartechnik und Magnetsonden kann der Kriegsschrott inzwischen besser aufgespürt werden - und umso mehr Bomben, Granaten und Minen werden entdeckt. Die Räumung ist aber bisher nur in gefährlicher Handarbeit durch Taucher der Kampfmittelräumdienste oder spezialisierter Firmen möglich. Große Bomben können nicht geborgen werden: Oft reicht die Druckveränderung schon aus, dass sie explodieren. Deshalb verlagert man sie in die bekannten Munitionsgebiete oder sprengt sie vor Ort. Dabei verteilt sich aber ein Teil des giftigen Sprengstoffs weiträumig im Wasser. Außerdem können durch eine Explosion Meereslebewesen wie z. B. Schweinswale oder Fische tödlich verletzt werden.

Für die Beseitigung großer Mengen des explosiven Kriegserbes sind neue umweltschonende, ungefährliche und wirtschaftliche Lösungen gefragt. So entwickeln, gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Forscher des Fraunhofer-Instituts für Chemische Technologie ICT in Pfinztal gemeinsam mit der Universität Leipzig und mehreren Industriepartnern ein »Robotisches Unterwasser-Bergungs- und Entsorgungsverfahren inklusive Technik zur Delaboration von Munition im Meer«, kurz RoBEMM. Die Koordination des Vorhabens hat das Kampfmittelräumunternehmen Heinrich Hirdes EOD Services GmbH übernommen. »Langfristiges Ziel des Projektes ist es«, erklärt Paul Müller vom Fraunhofer ICT, »die Munition bereits direkt am Fundort unter Wasser teilautomatisiert unschädlich zu machen und umweltgerecht zu entsorgen.« Für die Automatisierung und Anbindung der Teilkomponenten ist die automatic Klein GmbH zuständig.

Das Fraunhofer ICT bringt seine Kernkompetenz in der sicherheitstechnischen Betrachtung und Charakterisierung von Gefahrstoffen ein. Aufgabe war, die Handhabung mit den Explosivstoffen in allen Prozessschritten so auszulegen, dass das unvermeidliche Restrisiko einer spontanen Explosion minimiert wird. Das reicht vom Munitionshandling über die Zerlegung bis hin zur Sprengstoffvernichtung und Reststoffbehandlung. Wichtiges Element ist das Herabsetzen der Empfindlichkeit des Sprengstoffs durch die Zugabe von Wasser und die anschließende Zerkleinerung. Dann werden die Metallhülsen gereinigt und der Sprengstoff wird verbrannt, so dass nur Metallschrott an Land gebracht wird.

Jede Bombe ist anders
Selbst nach mehr als 70 Jahren sind die Kampfstoffe gefährlich. Der Sprengstoff kann nach wie vor explodieren, die Abbaustoffe sind hochgiftig. Die Forscherinnen und Forscher am Fraunhofer ICT haben beispielsweise festgestellt, dass die Schlagempfindlichkeit der Explosivstoffe sogar erhöht sein kann. Um eine spontane Detonation zu vermeiden, muss beim Handling größte Vorsicht gewährleistet sein. Ein großes Problem sind die extrem unterschiedlichen Munitionsformate. Am Ende des Krieges wurden für die Herstellung von Munition alle noch verfügbaren Materialien verwendet. Daher weiß man nie wirklich, welche Inhaltsstoffe vorhanden sind und wie sie unter Umständen plötzlich miteinander reagieren. »Aus den sicherheitstechnischen Untersuchungen der damals tatsächlich verwendeten Explosivstoffgemische konnten wir ableiten, was beim Handling zu beachten ist«, sagt der Sicherheitsexperte Paul Müller. Bald beginnen erste Tests mit dem neuen Bergungs- und Entsorgungssystem RoBEMM, das die derzeit gefährlichen Tauchereinsätze und die oftmals alternativlosen Sprengungen der Munition ersetzen kann.

Weitere Informationen:
https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2018/august/gefaehrliche...

Quelle: idw

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Nachweis von Mikroplastik im Wasser: Fraunhofer CSP entwickelte smarte Filteranlagen

Michael Kraft Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

Mikroplastikpartikel im Wasser sind ein zunehmendes Problem für die Umwelt. Ein neues Filtersystem, mit dem sich die Belastung von Gewässern schneller und einfacher messen lässt, entwickelt das Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik CSP gemeinsam mit Partnern. Das Forschungsprojekt unter Federführung der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) will eine Datenbasis schaffen, um die Belastung von Gewässern analysieren und anschließend verringern zu können.

Der Eintrag von Mikroplastikpartikeln - also Plastikteilchen mit einer Größe von weniger als 1 Millimeter - in unser Ökosystem wird zunehmend problematischer. Doch wie gelangt Mikroplastik in Gewässer und Abwässer? Und wie kann es dort untersucht und nachgewiesen werden? Momentan fehlt eine verlässliche, wissenschaftliche Datenbasis über die Quellen, das Vorkommen sowie die Auswirkungen von Mikroplastikpartikeln auf die Umwelt.

Das Forschungsprojekt »Repräsentative Untersuchungsstrategien für ein integratives Systemverständnis von spezifischen Einträgen von Kunststoffen in die Umwelt (RUSEKU)«, das von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) ins Leben gerufen wurde, will bis zum Jahr 2021 ein Untersuchungsverfahren entwickeln, mit dem sich der Partikeleintrag in Gewässer einheitlich und schneller messen lässt. Dadurch soll sich auch feststellen lassen, an welchen Orten eine besonders hohe Belastung von Gewässern durch Mikroplastik vorliegt.

Das Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik CSP entwickelt im Rahmen des Verbundforschungsprojektes gemeinsam mit der SmartMembranes GmbH ein spezielles Filtersystem als wichtigen Baustein für ein einheitliches und unkompliziertes Verfahren zur Entnahme von Proben. Die Kaskaden-Filtrationsanlage soll spezielle Siliziumfilter mit definierten Lochdichten und -größen einsetzen, in denen die Plastikpartikel hängen bleiben.

»Wesentlich für tragfähige Aussagen über die Mengen von Mikroplastik im Grund-, Trink- sowie Schmutzwasser oder in Oberflächengewässern ist die Methodik für die Probenentnahme. Geplant ist eine Art Probenentnahme-Set, das dazu einen entscheidenden Beitrag leisten soll«, sagt Dr. Christian Hagendorf, der auf Seiten des Fraunhofer CSP für das Forschungsprojekt verantwortlich ist. »Mithilfe von Laser- und chemischen Ätzprozessen werden wir auf dem Siliziumträger passende Lochgrößen schaffen, in denen die Partikel zurückgehalten werden. Bei der späteren Analyse im Labor machen wir uns die chemische Zusammensetzung von Silizium zunutze, das in einem breiten Wellenlängenbereich des Infrarotlichtes im Transmissionsverfahren durchsichtig ist und darauf liegende Mikroplastikteilchen für die spektroskopische Messtechnik sichtbar macht«, sagt Hagendorf weiter.

Eine weitere wichtige Kenngröße für die Qualität der Filter ist die mechanische Festigkeit. Denn Lastzustände, die durch Wasserströmungen während der Probenentnahme verursacht werden, dürfen nicht zum Bruch der Filter führen. Außerdem müssen die Filter eine »smarte«, optimierte Lochgeometrie und Oberflächenbeschaffenheit besitzen. Ein weiteres Arbeitsziel ist es, zusammen mit den Partnern einen vorgeschriebenen Arbeitsablauf von der Probenahme über die Aufreinigung bis zur Analyse der Mikroplastikpartikel zu definieren. Durch »Smart Sampling« wird der Nachweis von Mikroplastik von der Probenahme bis zur Schnellanalytik perfekt abgestimmt.

Das damit ermöglichte Verfahren zur effizienten und zuverlässigen Mikroplastik-Probenentnahme bietet eine Grundlage für Strategien und Regelungen, die helfen, Mikroplastik im Wasserkreislauf zu verringern. Das Verbundforschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und findet im Rahmen des Forschungsschwerpunktes »Plastik in der Umwelt« statt. Beteiligt sind neben dem Fraunhofer CSP sechs weitere wissenschaftliche Einrichtungen sowie drei mittelständische Unternehmen.

Über das Fraunhofer-Center für Siliziumphotovoltaik CSP
Das Fraunhofer CSP betreibt angewandte Forschung in den Themengebieten der Siliziumkristallisation, Waferfertigung, Solarzellencharakterisierung und der Modultechnologie. Es entwickelt dabei neue Technologien, Herstellungsprozesse und Produktkonzepte entlang der gesamten photovoltaischen Wertschöpfungskette.

Schwerpunkte sind die Zuverlässigkeitsbewertung von Solarzellen und Modulen unter Labor- und Einsatzbedingungen sowie die elektrische, optische, mechanische und mikrostrukturelle Material- und Bauteilcharakterisierung. Basierend auf dem Verständnis von Ausfallmechanismen werden dadurch Messmethoden, Geräte und Fertigungsprozesse für Komponenten und Materialien mit erhöhter Zuverlässigkeit entwickelt.

Ergänzt wird das Portfolio der Photovoltaik durch Forschungen im Bereich der regenerativen Wasserstofferzeugung, -Speicherung und -Nutzung, hierbei insbesondere der Entwicklung, Charakterisierung und Testung neuer Materialien für Brennstoffzellen und Elektrolyseure sowie der Simulationen und der Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen von dezentralen Photovoltaik-Elektrolysesystemen.

Das Fraunhofer CSP ist eine gemeinsame Einrichtung des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS und des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE.

Über die SmartMembranes GmbH
SmartMembranes, im Jahr 2009 von Dr. Petra Göring und Monika Lelonek in Halle (Saale) gegründet, ist der weltweit führende Hersteller von porösen hochgeordneten Materialien aus Aluminiumoxid und Silizium mit definiert einstellbaren Membraneigenschaften und Strukturparametern für eine Vielzahl von innovativen Anwendungen. Ein weiteres wichtiges Standbein neben der Produktion der Membrane nach Kundenwunsch ist die Entwicklung neuer Prozesse und Produkte rund um das Kerngeschäft.

Die SmartMembranes GmbH ist ein Spin-Off des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS in Halle. Die am Standort - dem Technologie- und Gründerzentrum Halle - vorhandene Infrastruktur mit einer Vielzahl an F&E-Einrichtungen wie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, dem Max-Plack-Institut für Mikrostrukturphysik und dem Fraunhofer IMWS ermöglichen eine enge Zusammenarbeit, Kooperation und Vernetzung.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr. Christian Hagendorf, Telefon +49 345 5589-5100, christian.hagendorf@csp.fraunhofer.de

Weitere Informationen:

https://www.imws.fraunhofer.de/de/presse/pressemitteilungen/filteranlage-mikropl...

Quelle: idw

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Warum die Stadt nachts heiß bleibt

Robert Emmerich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Die Hitzewelle geht weiter. Dabei kann es in der Würzburger Innenstadt nachts sehr viel wärmer sein als am Stadtrand: Im Forschungsprojekt „Klimaerlebnis Würzburg" wurde ein Unterschied von 5,4 Grad Celsius gemessen.

Der Juli 2018 ist sehr heiß verlaufen; vielerorts wurden die Monatsrekorde gebrochen. Spitzenreiter war am Dienstag, 31. Juli, die Kreisstadt Bernburg in Sachsen-Anhalt mit 39,5 Grad Celsius. Aber auch in Unterfranken war Schwitzen angesagt: In Kitzingen zum Beispiel zeigte das Thermometer 39 Grad Celsius an.

„Ursache für die Hitzewelle ist sehr warme Luft vom Mittelmeer, die über eine südwestliche Strömung zu uns gelangt", erklärt Klima-Experte Professor Heiko Paeth vom Institut für Geographie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU). Dazu komme eine sehr stabile Wetterlage mit Hochdruckeinfluss. Diese beeinflusse - mit kurzen Unterbrechungen - seit April das Wettergeschehen in Deutschland. In vielen Regionen habe sie für extreme Trockenheit gesorgt.

Acht Messstationen sammeln Daten
Auch in Würzburg war es in den vergangenen Tagen sehr heiß. Hier haben die acht Messstationen des Forschungsprojekts „Klimaerlebnis Würzburg" fleißig Daten gesammelt.

„In der Würzburger Innenstadt haben wir am 30. Juli und am Tag danach Spitzenwerte von 36,6 und 37,0 Grad Celsius gemessen", sagt Paeths Doktorand Christian Hartmann. „Das ist zwar bei weitem nicht auf dem Niveau des Rekords mit 39,4 Grad vom 7. August 2015, für einen Sommertag jedoch schon sehr beachtlich."

Wärmeinseleffekt ist deutlich ausgeprägt
In der Hitze fiebern viele Menschen den Abendstunden entgegen, wenn die Luft langsam wieder abkühlt und sie die Wohnung noch einmal richtig durchlüften können. Dann aber stellt so mancher enttäuscht fest, dass die Luft draußen bei weitem wärmer ist als gedacht.

In der Innenstadt macht sich der sogenannte städtische Wärmeinseleffekt bemerkbar. „Bebaute Gebiete mit ihren Straßen und Häuserfassaden heizen sich tagsüber stärker auf und können abends schlechter abkühlen als das Umland", erklärt Hartmann. Besonders in den frühen Nachtstunden geben Asphalt, Steine und Beton die gespeicherte Wärme wieder ab.

Deutlich zeigte sich das beispielsweise am Montag (30. Juli 2018): Gegen 22 Uhr war es am grünen Ortsrand der stadtnahen Gemeinde Gerbrunn rund 5,4 Grad Celsius kühler als in der Würzburger Innenstadt. Dabei liegen die beiden Messstationen nur etwa vier Kilometer Luftlinie voneinander entfernt.

„Wie lange die Hitze in Deutschland noch bleibt, weiß nur Petrus" sagt Hartmann. Für die kommenden Tage stünden die Weichen auf jeden Fall weiter für Temperaturen von über 30 Grad Celsius.

Forschungsprojekt „Klimaerlebnis Würzburg"
Drei Jahre lang werden das Würzburger Stadtklima und die Lebensbedingungen der Stadtbäume genau unter die Lupe genommen: Im Forschungsprojekt „Klimaerlebnis Würzburg" kooperiert die JMU mit der TU München im Rahmen des Zentrums für Stadtnatur und Klimaanpassung. Das bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz fördert das Projekt.

Bei dem Projekt wird unter anderem gemessen, ob die Stadtbäume über genug Wasser verfügen oder wieviel CO2 sie speichern. Alle Interessierten können die Messwerte in Echtzeit über das Internet abrufen unter http://www.klimaerlebnis.de

Dort lässt sich zum Beispiel sehen, dass es einer Linde, die im Ringpark nahe der Residenz steht, in Sachen Wasserversorgung aktuell nicht so gut geht. Oder dass sie seit Jahresbeginn 3,9 Kilogramm CO2 gespeichert hat. Auch wieviel Wasser sie pro Stunde verdunstet und um wie viel kühler es direkt unter dem Baum ist als in Umgebung, lässt sich von der Website ablesen.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Kontakt

Christian Hartmann, Institut für Geographie und Geologie der JMU, T +49 931 31-89696, christian.hartmann@uni-wuerzburg.de

Quelle: idw

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Wie Nährstoffe im sauerstoffarmen Meer verloren gehen

Dr. Boris Pawlowski Presse, Kommunikation und Marketing
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Kieler Forschungsteam beschreibt erstmals genetische und evolutionäre Mechanismen der Nitratumwandlung bei Foraminiferen

Im Zuge der globalen Klimaveränderungen beobachten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eine Zunahme sauerstoffarmer Gebiete im Ozean, die sie auch als Sauerstoffminimumzonen bezeichnen (Englisch: Oxygen Minimum Zones, OMZ). In großer Ausdehnung existieren sie zum Beispiel im Pazifik vor der Küste Südamerikas oder im Indischen Ozean. Da dort in Abhängigkeit von der Wassertiefe wenig bis gar kein Sauerstoff vorhanden ist, sind Lebewesen im Vorteil, deren Stoffwechsel sauerstoffunabhängig ablaufen kann. Zu diesen Organismen zählen einige Vertreter der Foraminiferen: einzellige, gehäusebildende Kleinstlebewesen, die bereits über einen Zellkern verfügen und damit zu den sogenannten Eukaryoten zählen. Ihre Lebensweise geht mit einem bestimmten Stoffwechselweg einher, der als anaerobe Atmung bezeichnet wird. Dabei wandeln sie im Wasser vorhandenes Nitrat in Abwesenheit von Sauerstoff in molekularen Stickstoff um. Dieser mehrstufige Prozess ist auch als Denitrifizierung bekannt und bildet einen zentralen Teil in der globalen Verwertung von Stickstoff, einem für die Lebensprozesse aller Organismen essentiellem Element. In Meeresgebieten mit besonders geringem Sauerstoffanteil treten Foraminiferen auffallend häufig auf. Sie binden dort Nitrat in großem Umfang und entziehen es so dem globalen Nährstoffkreislauf. Damit tragen Foraminiferen möglicherweise entscheidend zum Nährstoffverlust in den OMZ bei. Einem Forschungsteam vom Institut für Allgemeine Mikrobiologie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), dem Sonderforschungsbereich (SFB) 754 "Klima-Biogeochemische Wechselwirkungen im tropischen Ozean" am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und dem Kiel Evolution Center (KEC) gelang es nun, den bislang unbekannten Denitrifizierungsprozess in Foraminiferen anhand zweier Arten zu beschreiben: Die Forschenden konnten nachweisen, dass Globobulimina turgida sowie die verwandte Art Globobulimina auriculata über einen einzigartigen, eukaryotischen Stoffwechselweg zur Denitrifizierung verfügen. Dazu veröffentlichte das Forschungsteam heute, (Donnerstag, 2. August) erstmals eine Charakterisierung der dazu nötigen genetischen Ausstattung dieser Foraminiferenarten in der renommierten Fachzeitschrift Current Biology.

Zunächst nahm das Forschungsteam Sedimentproben im südschwedischen Gullmarfjord. Er weist durch seine besondere Form und die damit verbundene Wasserschichtung saisonal ein ähnliches Sauerstoffvorkommen auf wie die großen ozeanischen OMZ. Im Fjord leben Foraminiferen in den obersten Zentimetern des Meeresbodens. Hier ist mehrere Monate im Jahr kaum Sauerstoff vorhanden. Den Forschenden gelang es, die Kleinstlebewesen in einem eigens entwickelten Verfahren im Labor zu halten: „Um die stark auf ihre besonderen Umweltbedingungen spezialisierten Foraminiferen im Detail untersuchen zu können, mussten wir die natürlichen Sauerstoffverhältnisse in etwa 120 Metern Tiefe künstlich erzeugen", betont Dr. Alexandra-Sophie Roy aus der Arbeitsgruppe Genomische Mikrobiologie an der CAU. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. Christian Wöhle ist sie Erstautorin der nun erschienenen Studie, die im Rahmen des SFB 754 entstanden ist.

Anschließend untersuchten die Forschenden die gesamten genetischen Informationen der Foraminiferen auf Hinweise, ob sie eigenständig zur Denitrifizierung fähig sind oder ob zum Beispiel symbiotische Bakterien dafür verantwortlich sind. Bereits bekannt war, dass Bakterien und Pilze denitrifizieren können und daher über eine entsprechende genetische Ausstattung verfügen. Die Forschenden suchten also im Genom der Foraminiferen nach bereits von Bakterien oder Pilzen bekannten spezifischen Genen, die dort an der Nitratumwandlung beteiligt sind. „Wir sind auf drei proteincodierende Gene gestoßen, die definitiv nicht von symbiotischen Bakterien stammen", hebt Wöhle hervor. Bei der vollständigen Denitrifizierung wird Nitrat in vier Schritten zum Endprodukt, dem molekularen Stickstoff, umgewandelt. Um die dafür notwendigen Moleküle bilden zu können, verfügen alle denitrifizierenden Organismen über eine ähnliche genetische Ausstattung. Zwar habe man nicht alle an der Nitratumwandlung beteiligten Gene gefunden, die nun entdeckten Erbinformationen sind aber Teil des Foraminiferen-eigenen Genoms. Ihr Stoffwechsel unterscheide diese marinen Kleinstlebewesen auf jeden Fall von allen anderen eukaryotischen Organismen, unterstreichen Roy und Wöhle die Bedeutung der Forschungsarbeit.

Gestützt wird diese Theorie auch vom offenkundigen ökologischen Erfolg der Foraminiferen in der sauerstoffarmen Meeresumwelt: Untersuchungen der OMZ vor der peruanischen Küste haben zum Beispiel gezeigt, dass die Kleinstlebewesen dort eine Schlüsselrolle im Nitratzyklus einnehmen und mit mehr als 500 Individuen pro Kubikzentimeter im Sediment auftreten können. Diese Dominanz erlangten sie offenbar auch durch den evolutionären Erwerb der Fähigkeit zur vollständigen Denitrifizierung. Eine Beteiligung symbiotischer Bakterien an der Umsetzung des Nitrats in großen Mengen kann ausgeschlossen werden, da diese Form des Zusammenlebens mit den Foraminiferen zu selten vorkommt, um das Phänomen zu erklären. Die eukaryotischen Kleinstlebewesen müssen also eigenständig zur Denitrifizierung in der Lage sein. In weiteren Forschungsarbeiten möchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler künftig die übrigen bei Globobulimina daran beteiligten Gene identifizieren. Weiterhin wollen sie klären, ob sich die an bestimmten Spezies und einem besonderen Meeresgebiet gewonnenen Erkenntnisse auch auf andere Foraminiferen und grundsätzlich auf Sauerstoffminimumzonen übertragen lassen.

„Besser zu verstehen, wie sich die genetischen Grundlagen der Denitrifizierung im Laufe der Evolution bei verschiedenen Organismen entwickelt haben, liefert uns ein wichtiges Puzzleteil, um ein größeres Bild der biogeochemischen Kreisläufe im Meer zusammensetzen zu können", hebt Professorin Tal Dagan, Co- Autorin der Studie und Leiterin der Arbeitsgruppe Genomische Mikrobiologie an der CAU, hervor. Anhand der Evolution der beteiligten Gene könne man die erdgeschichtliche Entstehung dieser Stoffkreisläufe und den Anteil einzelner Lebewesen daran besser nachvollziehen, so Dagan weiter. „Im Zusammenhang globaler Umweltveränderungen wird ein genaueres Verständnis des Umsatzes und der Verteilung von elementaren Stoffen im Ozean immer wichtiger. Mit den neuen Ergebnissen tragen wir ein Stück dazu bei, den Einfluss des Klimawandels auf vom Sauerstoffgehalt abhängige Nährstoffkreisläufe im Meer besser zu verstehen", ergänzt der ebenfalls an der Studie beteiligte Dr. Joachim Schönfeld vom SFB 754. So könne man zum Beispiel künftig besser abschätzen, wie sich geänderte Umweltbedingungen auf das Nährstoffangebot und damit die Nahrungsbeziehungen zwischen verschiedenen Lebewesen im Ozean auswirken, fasst Schönfeld zusammen.

Originalarbeit:
Christian Wöhle, Alexandra-Sophie Roy, Nicolaas Glock, Tanita Wein, Julia Weissenbach, Philip Rosenstiel, Claas Hiebenthal, Jan Michels, Joachim Schönfeld, Tal Dagan (2018) "A novel eukaryotic denitrification pathway in foraminifera". Current Biology, Published on August 2, 2018, https://doi.org/10.1016/j.cub.2018.06.027

Bilder stehen zum Download bereit:
www.uni-kiel.de/fileadmin/user_upload/pressemitteilungen/2018/256-currbio-1.jpg
Mit einem Gerät zur Entnahme von Sedimentproben, dem sogenannten Multicorer, können die Forschenden Sedimente vom Grund des Gullmarfjords gewinnen.
Foto/Copyright: Tal Dagan

www.uni-kiel.de/fileadmin/user_upload/pressemitteilungen/2018/256-currbio-2.jpg
In einem Inkubationsbehälter befinden sich in jeder Öffnung jeweils steriler Sand und ein einzelnes Foraminiferen-Individuum.
Foto/Copyright: Tal Dagan

www.uni-kiel.de/fileadmin/user_upload/pressemitteilungen/2018/256-currbio-3.jpg
Eine der beiden untersuchten Foraminiferen-Arten, Globobulimina turgida, hat eine Größe von etwa 700 Mikrometern.
Foto/Copyright: Jan Michels

Kontakt:
Prof. Tal Dagan
Genomische Mikrobiologie,
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
Telefon: 0431 880-5712
E-Mail: tdagan@ifam.uni-kiel.de

Dr. Christian Wöhle
Genomische Mikrobiologie,
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
Telefon: 0431 880-5744
E-Mail: cwoehle@ifam.uni-kiel.de

Dr. Alexandra-Sophie Roy
Genomische Mikrobiologie,
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
Telefon: 0431 880-5714
E-Mail: sroy@ifam.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
Genomische Mikrobiologie (AG Dagan),
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
www.mikrobio.uni-kiel.de/de/ag-dagan

Sonderforschungsbereich (SFB) 754 "Klima-Biogeochemische Wechselwirkungen im tropischen Ozean", GEOMAR:
www.sfb754.de/de

Forschungszentrum „Kiel Evolution Center", CAU Kiel:
www.kec.uni-kiel.de

Ocean Deoxygenation Conference, Öffentliche Vorträge am 5.9.2018,
Sonderforschungsbereich (SFB) 754:
conference.sfb754.de/event/1/page/15-public-event-teacher-workshop

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Presse, Kommunikation und Marketing, Dr. Boris Pawlowski, Text/Redaktion: Christian Urban
Postanschrift: D-24098 Kiel, Telefon: (0431) 880-2104, Telefax: (0431) 880-1355
E-Mail: presse@uv.uni-kiel.de, Internet: www.uni-kiel.de, Twitter: www.twitter.com/kieluni
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Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Tal Dagan
Genomische Mikrobiologie,
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
Telefon: 0431 880-5712
E-Mail: tdagan@ifam.uni-kiel.de

Dr. Christian Wöhle
Genomische Mikrobiologie,
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
Telefon: 0431 880-5744
E-Mail: cwoehle@ifam.uni-kiel.de

Dr. Alexandra-Sophie Roy
Genomische Mikrobiologie,
Institut für Allgemeine Mikrobiologie, CAU
Telefon: 0431 880-5714
E-Mail: sroy@ifam.uni-kiel.de

Originalpublikation:
Christian Wöhle, Alexandra-Sophie Roy, Nicolaas Glock, Tanita Wein, Julia Weissenbach, Philip Rosenstiel, Claas Hiebenthal, Jan Michels, Joachim Schönfeld, Tal Dagan (2018) "A novel eukaryotic denitrification pathway in foraminifera". Current Biology, Published on August 2, 2018, https://doi.org/10.1016/j.cub.2018.06.027

Weitere Informationen:
https://www.uni-kiel.de/de/detailansicht/news/wie-naehrstoffe-im-sauerstoffarmen...

Quelle: idw

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Dieselskandal: Ultrafeinstaub deutlich schädlicher als Stickoxide

Dr. Thomas Nesseler Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V.

Seit bekannt ist, dass Automobilhersteller die Motorsteuerung ihrer Fahrzeuge durch illegale Abschalteinrichtungen manipulierten um Abgasnormen zu umgehen, kocht die Debatte um den Dieselskandal immer wieder hoch. Es gibt Studien, die meinen den Nachweis erbringen zu können, dass europaweit jährlich etwa 5.000 Menschen vorzeitig sterben, weil Dieselautos im realen Straßenverkehr diese Grenzwerte überschreiten. Neuste Erkenntnisse weisen nun allerdings darauf hin, dass vermutlich nicht Stickoxide, sondern ultrafeine Partikel die Ursache für Gesundheitsgefahren sind. Dabei sind diese Feinstäube besser zu beseitigen.

Was ist Stickstoffdioxid?
Stickstoffdioxid (NO2) entsteht beim Verbrennen von Brenn- und Treibstoffen, insbesondere bei hohen Verbrennungstemperaturen, wie in Dieselmotoren. Als Hauptquelle für die Bildung von NO2 gilt der Straßenverkehr. NO2 ist stark gesundheitsgefährdend - insbesondere für Asthmatiker, Kinder oder ältere Menschen. In der EU gilt daher seit 2010 ein Jahresmittel-Grenzwert von 40 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft. Zum Vergleich: Der Grenzwert in den UBA liegt etwa bei 100 Mikrogramm, in der Schweiz dagegen sind nur 30 Mikrogramm erlaubt.

Was ist an Dieselabgasen so gefährlich?
Feinstaub dringt tief in Lunge und Herzkreislaufsystem ein und kann Krankheiten wie Schlaganfall, Herzerkrankungen, Lungenkrebs oder Atemwegsinfekte verursachen. Laut jüngsten Berichten der Weltgesundheitsorganisation WHO erleiden jährlich ca. 7 Millionen Menschen schwerwiegende gesundheitliche Beeinträchtigungen durch Feinstaub. In diesem Bericht wird NO2 als Schadstoff allerdings nicht explizit erwähnt, sondern vielmehr auf ultrafeine Partikel (UFP) und Metallabrieb aus dem Motor hingewiesen, die für die lebensbedrohenden Gesundheitsschäden verantwortlich sein sollen.

Medizin und Umweltschutz haben den technischen Fortschritt übersehen
Wenn nicht NO2 die tödlichen Gesundheitsschäden auslöst sondern ultrafeine Partikel, haben dann Umweltmedizin und Umweltschutz den technischen Fortschritt und neuesten Stand der Forschung übersehen? Dieser Auffassung ist Dr. Heinz Fuchsig, Arbeitsmediziner und Umweltreferent der Tiroler und Österreichischen Ärztekammer. In der aktuellen Ausgabe der ASU - Zeitschrift für Prävention fasst er die aktuellen Kenntnisse zusammen. Fuchsig erklärt darin, dass durch technische Weiterentwicklung und Erhöhung des Motorendrucks die erzeugten Partikel in den letzten Jahrzehnten immer kleiner geworden sind. Diese „neuen", ultrafeinen Partikel seien bei aktuelleren Vermessungen nicht erfasst und in der medizinischen Forschung daher schlicht übersehen worden. Aber auch das Verkennen von Emissionen durch mechanischen Motorenabrieb oder die starke Emissionserhöhung infolge der Schwefelentfernung aus Schiffsdiesel hätten zu der „Täuschung" beigetragen, NO2 sei der gesundheitsschädigende Übeltäter statt ultrafeine Partikel.

Die Lösung: Partikelfilter müssen unbedingt nachgerüstet werden
In der weiteren Dieseldebatte muss unbedingt diesen ultrafeinen Partikeln die Hauptaufmerksamkeit gelten, so Heinz Fuchsig. Eine Nachrüstung großer Schwerfahrzeuge mit entsprechenden Filtern wäre daher wesentlich wichtiger als die Nachrüstung von PKWs mit Hardware zur Verminderung der weniger relevanten Stickoxide aus Auspuffabgasen. Die Technik ist dabei nicht nur erheblich günstiger, sondern auch wirksamer: Studien ergeben eine Partikel-Reduktion um 99,99%. Die Schweiz hat 95% der öffentlichen Busse mit Filtern nachgerüstet und kann dadurch einen Grenzwert von 12 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft vermutlich bald einhalten. In Deutschland werden währenddessen doppelt so hohe Grenzwerte sogar überschritten. Notwendig wird auch ein zielgerichtetes Handeln in der Politik, sei es durch steuerliche Vergünstigungen nachgerüsteter Fahrzeuge, die Förderung von Elektromobilität oder das Schaffen höherer Anreize, ein autofreies Leben zu führen - zum Schutz der Gesundheit in der Bevölkerung.

Mehr zu diesem Thema erfahren Sie im Beitrag „Dieselskandal: Sind Stickoxide das geringere Übel?" von Dr. Heinz Fuchsig in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Arbeitsmedizin | Sozialmedizin | Umweltmedizin (ASU) unter: https://www.asu-arbeitsmedizin.com/Archiv/ASU-Heftarchiv/article-831861-110576/d...

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen:
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Dr. med. Annegret Schoeller
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Über ASU - Zeitschrift für medizinische Prävention:
Die Zeitschrift Arbeitsmedizin Sozialmedizin Umweltmedizin ist das Leitmedium der deutschsprachigen Arbeitsmedizin. Das Publikationsorgan der Fachinstitutionen DGAUM, ÖGA, SGARM, VDBW, Vereinigung Deutscher Staatlicher Gewerbeärzte e.V. sowie der arbeitsmedizinischen Akademien und richtet sich an Betriebsärzte, Arbeitsmediziner und Akteure in wichtigen Schnittstellenbereichen zur Arbeitsmedizin. Die Zeitschrift ist peer reviewed. 1965 gegründet, erscheint ASU monatlich und erreicht nahezu alle arbeits- und präventionsmedizinisch orientierten Akteure im deutschsprachigen Raum. Weitere Informationen unter http://www.asu-arbeitsmedizin.com.

Kontakt DGAUM:
Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V.
Hauptgeschäftsführer: Dr. Thomas Nesseler
Presse: Berit Kramer
Schwanthaler Str. 73 b • 80336 München
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Über DGAUM:
Die DGAUM wurde 1962 gegründet und ist eine gemeinnützige, wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft der Arbeitsmedizin und der klinisch orientierten Umweltmedizin. Ihr gehören heute über 1000 Mitglieder an, die auf dem Gebiet der Arbeitsmedizin und Umweltmedizin arbeiten, vor allem Ärztinnen und Ärzte, aber auch Angehörige anderer Berufsgruppen wie etwa Natur- und Sozialwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler. Die Mitglieder der Fachgesellschaft engagieren sich nicht nur in Wissenschaft und Forschung, um so bereits bestehende Konzepte für die Prävention, die Diagnostik und Therapie kontinuierlich zu verbessern, sondern sie übernehmen die ärztliche und medizinische Beratung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern an der Schnittstelle von Individuum und Unternehmen. Darüber hinaus beraten die Mitglieder der DGAUM alle Akteure, die ihren Beitrag zu der medizinischen Versorgung leisten und auf Fachwissen aus der betrieblichen Gesundheitsförderung und Prävention, der arbeits- und umweltbezogenen Diagnostik und Therapie, der Beschäftigungsfähigkeit fördernden Rehabilitation sowie aus dem versicherungsmedizinischen Kontext angewiesen sind. Weitere Informationen unter http://www.dgaum.de.

Quelle: idw

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Warum macht Lesen kurzsichtig? Aktuell in Scientific Reports veröffentlicht

Bianca Hermle Kommunikation und Medien
Universitätsklinikum Tübingen

Andrea C. Aleman, Min Wang und Frank Schaeffel haben einen unerwarteten Grund gefunden, warum Lesen kurzsichtig machen könnte. Die Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen leiten eine überraschend einfache Strategie gegen die Entwicklung einer Myopie ab. Heute haben sie dazu in Scientific Reports Nature publiziert.

Etwa die Hälfte der Abiturienten in Deutschland ist kurzsichtig. Bei Kurzsichtigkeit (Myopie) wächst das Auge zu lang, das Bild wird vor der Netzhaut scharf abgebildet und man sieht in der Ferne unscharf. Kurzsichtigkeit ist der Preis für gute Ausbildung: pro Jahr Ausbildung wird man im Mittel etwa eine Viertel-Dioptrie kurzsichtiger. Weltweit nimmt die Myopie zu, denn gute Ausbildung ist immer wichtiger.

Kinder, die viel Zeit im Freien bei Tageslicht verbracht haben, werden später kurzsichtig. Spätestens jedoch, wenn sie im Laufe ihrer Ausbildung viel Lesen, steigt das Risiko eine Myopie zu entwickeln. Was genau in der Schule beim Lesen kurzsichtig macht, ist immer noch nicht klar erforscht. Lange wurde angenommen, dass zu wenig Akkommodation beim Lesen das scharfe Bild etwas hinter die Netzhaut verlegt, was die Netzhaut veranlasst, das Auge schneller wachsen zu lassen. Diese Daten waren aber nie vollständig überzeugend. Andrea C. Aleman, Min Wang und Frank Schaeffel vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen haben nun einen unerwarteten Grund gefunden, warum Lesen kurzsichtig machen könnte.

Anders als eine Digitalkamera, die jeden Pixel ausliest, misst die Netzhaut hauptsächlich Unterschiede zwischen benachbarten „Pixeln", den Photorezeptoren. Dies wird erreicht, in dem Zellen die Helligkeit in der Mitte und der Peripherie ihres lichtempfindlichen Bereiches vergleichen, und nur den Unterschied an das Gehirn weiterleiten. Die Sehinformation wird also massiv reduziert, was notwendig ist, da die Netzhaut zwar über rund 125 Millionen „Pixel" verfügt, der Sehnerv aber nur über etwa eine Million „Kabel". Der Sehnerv ist also der Flaschenhals der Informationsübertragung.

In der Netzhaut gibt es Zellen, die bewerten, ob in ihrem lichtempfindlichen Bereich (rezeptiven Feld) die Mitte heller und die Umgebung dunkler ist (ON-Zellen). Andere wiederum bewerten, ob die Mitte dunkler, und die Umgebung heller ist (OFF-Zellen). Während unserer normalen Seherfahrung werden beide Typen ähnlich stark gereizt. Aber wie ist das beim Lesen von Text?

Schaeffel hat eine Software entwickelt, die die Reizstärke für ON und OFF-Zellen in unserer visuellen Welt quantifiziert. Dabei hat sich gezeigt, dass dunkler Text auf hellem Hintergrund hauptsächlich die OFF-Zellen reizt (Abbildung 1A), während heller Text auf dunklem Hintergrund hauptsächlich die ON-Zellen reizt (Abbildung 1B).
Von früheren Experimenten mit Hühnern und Mäusen war bereits bekannt, dass die Stimulation der ON-Zellen das Augenwachstum eher hemmen, Stimulation der OFF-Zellen es aber verstärken kann.

Spielt dieser Mechanismus auch beim Menschen eine Rolle spielt?
Mittels der optischen Kohärenztomographie (OCT) kann im lebenden Auge die Dicke der Gewebsschichten genau vermessen (Mikrometerbereich) werden. Bei Hühnern, verschiedenen Affenarten und bei Kindern wurde bereits erforscht, dass die Veränderung der Dicke der Aderhaut, das ist die Schicht hinter der Netzhaut, vorhersagt, wie das Auge in nächster Zeit wachsen wird. Wird die Aderhaut dünner, weist das auf die Entwicklung einer Myopie hin, wird sie dicker, bleibt das Augenwachstum gehemmt, es entwickelt sich keine Myopie.

Alleman, Wang und Schaeffel haben Probanden dunklen Text auf hellem Hintergrund lesen lassen sowie hellen Text auf dunklem Hintergrund. Bereits nach 30 Minuten konnten sie messen, dass die Aderhaut dünner wurde, wenn schwarzer Text gelesen wurde, und dicker, wenn Text mit umgekehrtem Kontrast gelesen wurde (Abbildung 2).

Dies lässt erwarten, dass schwarzer Text auf hellem Hintergrund die Myopieentwicklung fördert, und heller Text auf dunklem Hintergrund die Myopie hemmt. Den Textkontrast umzukehren, wäre deshalb eine einfach umzusetzende Maßnahme, die Myopieentwicklung aufzuhalten, denn immer mehr Zeit wird beim Arbeiten und Lesen an Computerbildschirmen und Tablets verbracht.

Diese Strategie gegen die Entwicklung von Kurzsichtigkeit muss noch verifiziert werden. Dazu haben die Tübinger Wissenschaftler bereits eine Studie mit Schulkindern geplant. Ihre aktuelle Untersuchung zeigt aber bereits im Experiment, dass die Aderhautdicke sich in beide Richtungen ändern kann, nur durch Lesen mit verschiedenem Textkontrast.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Universitätsklinikum Tübingen
Forschungsinstitut für Augenheilkunde
Professor Frank Schaeffel
Elfriede-Aulhorn-Str. 7, 72076 Tübingen
Tel. 07071 29-80739
E-Mail frank.schaeffel@uni-tuebingen.de

Originalpublikation:
http://www.nature.com/articles/s41598-018-28904-x
Reading and Myopia: Contrast Polarity Matters. Andrea C. Aleman, Min Wang & Frank Schaeffel. Scientific Reports volume 8, Article number: 10840 (2018)
DOI:10.1038/s41598-018-28904-x

Quelle: idw

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Spurenschadstoffe im Wasser: Welche Klärtechniken Fischen helfen

Dr. Karl Guido Rijkhoek Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

Forschungsteam der Universität Tübingen untersucht, wie Abwasserreinigungsanlagen zum Schutz der Wasserlebewesen aufgerüstet werden sollten

Schadstoffe in Flüssen und Seen können selbst in kleinen Spuren eine Gefahr für Wasserorganismen darstellen. Diese Umweltproblematik ist im vergangenen Jahrzehnt stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangt. Zu den Spurenschadstoffen zählen Rückstände aus im täglichen Leben eingesetzten Chemikalien wie zum Beispiel aus Spültabs, Waschmitteln oder Duschgels ebenso wie aus Medikamenten, Kosmetika oder Pflanzenschutzmitteln. Die Stoffe gelangen über häusliche Abwässer in Kläranlagen, wo sie durch konventionelle Reinigungsmethoden vielfach nicht vollständig zurückgehalten oder abgebaut werden können. Über das gereinigte Abwasser werden sie deshalb in unsere Gewässer eingetragen. Unter der Leitung von Professorin Rita Triebskorn hat eine Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern vom Institut für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen untersucht, welche Auswirkungen verschiedene Klärtechnologien auf die Gesundheit von Fischen haben. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass in Abhängigkeit von der Zusammensetzung des Abwassers im Einzelfall entschieden werden sollte, mit welchen Reinigungstechniken Wasserorganismen nachhaltig geschützt werden können. Ihre Studie wurde im Fachjournal Environmental Sciences Europe veröffentlicht.

In konventionellen Kläranlagen durchläuft das Abwasser aus privaten Haushalten und der Industrie mechanische, biologische und chemische Reinigungsstufen. Seit einigen Jahren werden zunehmend zusätzliche Reinigungstechnologien zum Beispiel auf der Basis von Aktivkohle oder Ozonierung als vierter Reinigungsstufe eingesetzt. „Im Rahmen einer Untersuchung am Bodensee konnten wir zeigen, dass sich durch eine zusätzliche Aktivkohlestufe Spurenstoffe effizient entnehmen lassen und dass sich die Gesundheit der Gewässerorganismen im Vorfluter dadurch deutlich verbesserte", sagt Rita Triebskorn. „Doch bisher gibt es leider immer noch relativ wenige Studien dazu, wie sich die Spurenstoffelimination langfristig auf Gewässerökosysteme auswirkt."

Standardisierte Versuchsbedingungen
In ihre vergleichende Untersuchung bezogen die Forscher drei konventionelle Kläranlagen ein, von denen eine, das Klärwerk Langwiese auf der Gemarkung Ravensburg, im Studienverlauf zusätzlich mit einer Aktivkohlefilteranlage ausgerüstet wurde. Sie setzten jeweils ober- und unterhalb der Ein-leitungsstelle der Kläranlage Käfige mit Regenbogenforellen ins Wasser. „Gegenüber der Untersuchung von Wildfischen hat das den Vorteil, dass wir viele Eigenschaften der Fische, wie Alter, Ernährung und Entwicklungsstand, standardisieren können. So lassen sich etwaige Effekte auf die Gesundheit der Tiere klarer erkennen", sagt die Erstautorin der Studie Sabrina Wilhelm aus dem Forschungsteam. Sie untersuchte mit etablierten Verfahren zum einen, ob die Zellkerne der Regenbogenforellen vermehrt gentoxische Veränderungen aufwiesen. Zum anderen wurde anhand bestimmter Leberwerte der Fische gemessen, ob sie verstärkt Entgiftungsprozesse zum Ab- und Um-bau von Spurenstoffen einsetzen mussten.

Von Fall zu Fall entscheiden
„Während wir bei einer der konventionellen Kläranlagen keine negativen Auswirkungen von Spurenschadstoffen auf die Gesundheit der Fische feststellen konnten, waren die kritischen Leberwerte bei den Regenbogenforellen unterhalb der zweiten konventionellen Anlage stark erhöht", fasst Sabrina Wilhelm die Ergebnisse zusammen. „Auch beim Klärwerk Langwiese haben wir vor der Aufrüstung solche negativen Effekte gemessen." Hier habe die Ausstattung der Anlage mit dem zusätzlichen Aktivkohlefilter sowohl die fraglichen Leberwerte der Fische als auch gentoxische Effekte deutlich reduziert.

„Die Investitionen in moderne Klärtechniken kommen dem Wasserökosystem vor allem dann zugute, wenn konventionelle Technologien die Schadstoffe nicht ausreichend entfernen", sagt Rita Triebskorn. „Je nach Zusammensetzung des Abwassers lassen sich jedoch negative Einflüsse auf Wasserlebewesen auch durch eine optimierte konventionelle Reinigung reduzieren." Unter dem Strich lohne es, in gute Abwasserreinigung zu investieren, um unsere Umwelt nachhaltig zu schützen.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Rita Triebskorn
Universität Tübingen
Institut für Evolution und Ökologie
Telefon +49 7071 29-78892
rita.triebskorn@uni-tuebingen.de

Originalpublikation:
Sabrina Wilhelm, Stefanie Jacob, Michael Ziegler, Heinz-R. Köhler, Rita Triebskorn: Which kind of wastewater treatment do we need to avoid genotoxicity and dioxin-like toxicity in effluent-exposed fish?. Environmental Sciences Europe, https://doi.org/10.1186/s12302-018-0154-0.

Quelle: idw

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Studien belegen: Migränepatienten besitzen erhöhtes Risiko für Gefäßkrankheiten

Pressesprecher: Prof. Dr. Hans-Christoph Diener Pressestelle der DGN
Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

Menschen mit Migräne besitzen ein erhöhtes Risiko für Gefäßerkrankungen. „Zwei große aktuelle Studien aus den USA und aus Dänemark zeigen, dass Migränepatienten etwas häufiger Herzinfarkte, Schlaganfälle und venöse Thrombosen erleiden", so Privatdozent Dr. med. Charly Gaul, Generalsekretär der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). „Zwar ist die Sterblichkeit von Menschen mit Migräne insgesamt nicht höher als in der Allgemeinbevölkerung. Ärzte, die Migränepatienten behandeln, sollten sich des Risikos aber bewusst sein", sagt Prof. Dr. Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN).

Menschen mit Migräne besitzen ein erhöhtes Risiko für Gefäßerkrankungen. „Zwei große aktuelle Studien aus den USA und aus Dänemark zeigen, dass Migränepatienten etwas häufiger Herzinfarkte, Schlaganfälle und venöse Thrombosen erleiden", so Privatdozent Dr. med. Charly Gaul, Generalsekretär der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). „Zwar ist die Sterblichkeit von Menschen mit Migräne insgesamt nicht höher als in der Allgemeinbevölkerung. Ärzte, die Migränepatienten behandeln, sollten sich des Risikos aber bewusst sein", sagt Prof. Dr. Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Er rät dazu, insbesondere Frauen mit häufiger Migräne mit Aura auf Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu untersuchen und diese dann proaktiv zu behandeln.

Etwa ein Fünftel aller Frauen und acht Prozent der Männer sind von Migräne betroffen, berichten DGN und DMKG in ihrer aktuellen medizinischen Leitlinie, die Ende April erschienen ist. Damit ist Migräne die häufigste neurologische Erkrankung in Deutschland. Heftige, häufig einseitige Kopfschmerzen, die mit Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen einhergehen, zählen zu den typischen Merkmalen der Kopfschmerzerkrankung. Für die Behandlung und Vorbeugung von Migräneattacken steht zwar eine Vielzahl von Arzneien zur Verfügung, doch ein erheblicher Anteil der Migränepatienten wird nicht oder nicht ausreichend behandelt, wie eine Repräsentativbefragung der DMKG belegt.
Die klinische Wissenschaft stellt sich in jüngerer Zeit die Frage, ob Menschen mit Migräne häufiger von zerebro- und kardiovaskulären Ereignissen betroffen sind als andere. Hinweise darauf hatten in den vergangenen Jahren mehrere Untersuchungen an ausgewählten Bevölkerungsgruppen ergeben, die nun gleich durch zwei große Studien bestätigt werden.

Vergleichsstudien mit 450.000 Patienten
„Die größte bisher publizierte Metaanalyse zum Zusammenhang zwischen zerebro- und kardiovaskulären Erkrankungen mit Migräne stützt sich auf die Daten von 16 Studien", erläutert DMKG-Generalsekretär Gaul. Eingeschlossen wurden annähernd 400.000 Migränepatienten und ca. 750.000 nicht Betroffene als Kontrolle. Nimmt man alle vaskulären Ereignisse zusammen, so war das Risiko der Migränepatienten um 42 Prozent erhöht, für den Schlaganfall um 41 Prozent und für Herzinfarkte um 23 Prozent. Dabei war das Risiko unter den verschiedenen Formen der Migräne ungleich verteilt: Jenes Drittel der Patienten, die bei ihren Anfällen eine Aura erleben - das sind Sehstörungen wie flimmernde Blitze oder Gesichtsfeldausfälle -, hatte ein um 56 Prozent höheres Risiko für Schlaganfälle. Und während die Sterblichkeit an Krankheiten aller Art in der gesamten Gruppe nicht höher war als bei den Kontrollen, galt dies nicht für die Migräne mit Aura. Die Gesamtsterblichkeit dieser Patienten war um 20 Prozent erhöht.
Zu ganz ähnlichen Ergebnissen kommt eine Studie aus Dänemark, wo man die Daten aller mehr als 50.000 Patienten im Land über einen Zeitraum von bis zu 19 Jahren mit denen von 500.000 Kontrollen verglichen hat.

Keine Sorge, aber Vorsicht
„Von dem erhöhten Risiko sollten Patienten sich nicht verängstigen lassen, denn die absolute Zahl der Ereignisse ist relativ gering", so Diener, der zusammen mit Gaul und dessen Kollegen Peter Kropp auch die aktuelle Migräne-Leitlinie koordiniert hat. Eine Gruppe von Patienten erfordere jedoch besondere Aufmerksamkeit, wie sich aus den Studiendaten ergibt: „Frauen mit häufigen Migräneattacken mit Aura sollten nach ihren vaskulären Risikofaktoren befragt und diese dann konsequent behandelt werden. Von besonderer Bedeutung sind hier das Rauchen und die orale hormonelle Kontrazeption." Die Frage, ob durch eine wirksame Behandlung der Migräne auch das Risiko für vaskuläre Ereignisse gesenkt werden kann, ist noch nicht beantwortet. „Um dies nachzuweisen, müssten Studien mit einer Beobachtungszeit von mehr als zehn Jahren durchgeführt werden", so Gaul.

Quellen
Mahmoud AN et al.: Migraine and the risk of cardiovascular and cerebrovascular events: a meta-analysis of 16 cohort studies including 1 152 407 subjects. BMJ Open. 2018 Mar 27;8(3):e020498. doi: 10.1136/bmjopen-2017-020498.

Adelborg K et al.: Migraine and risk of cardiovascular diseases: Danish population based matched cohort study. BMJ. 2018 Jan 31;360:k96. doi: 10.1136/bmj.k96.

Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), 26. April 2018. Online.

Neue Migräne-Leitlinie veröffentlicht: Patienten in Deutschland müssen besser versorgt werden. Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), 26. April 2018. Online.

Gemeinsame Presseinformation der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG)

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen
Priv.-Doz. Dr. med. Charly Gaul
Generalsekretär der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft
Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein
Ölmühlweg 31, 61462 Königstein im Taunus
Tel.: +49 (0)6174-29040, E-Mail: , www.dmkg.de

Prof. Dr. Hans-Christoph Diener
Seniorprofessor für klinische Neurowissenschaften
Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Essen,
Universität Duisburg-Essen
Tel.: +49 (0)201 723 6540, E-Mail:

Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
c/o albertZWEI media GmbH, Oettingenstraße 25, 80538 München
Tel.: +49 (0)89 46148622, E-Mail:

Weitere Informationen:
https://www.dgn.org/presse/pressemitteilungen/56-pressemitteilung-2018/3626-stud...

Anhang

Pressemitteilung als PDF
https://idw-online.de/de/attachment66040

Quelle: idw

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Neues Standardwerk zu Energietechnologien in Deutschland

Christin Hasken Kommunikation
Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH

Technologieberichte bilden Grundlage für 7. Energieforschungsprogramm
Im Herbst wird das neue 7. Energieforschungsprogramm (EFP) der Bundesregierung verabschiedet. Das Leitprojekt „Trends und Perspektiven der Energieforschung", Teilvorhaben: „Technologien für die Energiewende" - kurz TF_Energiewende - liefert eine wesentliche wissenschaftliche Basis für die Entwicklung des Programms. Das Projekt führte das Wuppertal Institut federführend mit 12 weiteren renommierten Forschungseinrichtungen durch. Nun liegen die Ergebnisse öffentlich zugänglich vor: Sie geben einen umfassenden Überblick zum Innovations- und Marktpotenzial der einzelnen Energietechnologien, bewerten Chancen und Risiken sowie den möglichen Beitrag zur Umsetzung der Energiewende und zeigen den Forschungs- und Entwicklungsbedarf. Zwei umfangreiche Bände mit 31 einzelnen Technologieberichten, ein zusammenfassender Bericht sowie ein Methodikband wurden jetzt offiziell an den parlamentarischen Staatssekretär Thomas Bareiß des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) überreicht.

Technologische Innovationen sind ein Schlüssel für den Erfolg der Energiewende. Nachhaltige Energietechnologien zu erforschen und zur Marktreife zu entwickeln ist das Ziel der Energieforschung. Nur durch beständige Forschung und Entwicklung neuer Technologien ist es möglich, kontinuierlich eine höhere Energieeffizienz im Energiesystem zu erreichen, erneuerbare Energien noch stärker nutzen zu können, die Systemstabilität aufrechtzuerhalten und zugleich die Kosten zu senken. Energieforschung kann zudem einen wichtigen Beitrag dafür leisten, die Marktposition der deutschen Wirtschaft auf dem Weltmarkt zu festigen. Das Energieforschungsprogramm der Bundesregierung, das gerade überarbeitet wird, bildet hierfür den zentralen Rahmen.

Das Wuppertal Institut liefert federführend mit dem Leitprojekt „Trends und Perspektiven der Energieforschung", Teilvorhaben: „Technologien für die Energiewende" - kurz TF_Energiewende - eine zentrale und umfassende wissenschaftliche Grundlage für diesen Prozess. Zu den Verbundpartnern gehören das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI und das Institut für ZukunftsEnergie- und Stoffstromsysteme (IZES); zehn weitere renommierte wissenschaftliche Institute unterstützten das Großprojekt. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) förderte das Projekt von August 2016 bis April 2018 mit rund 1,3 Millionen Euro.

Detaillierte Bewertung von Energietechnologien
Ein zentrales Ergebnis des Projekts sind 31 Technologieberichte, die auf insgesamt über 1.700 Seiten den aktuellen Wissensstand zusammenfassen. Jeder einzelne Bericht gibt einen Überblick über zentrale Technologien, die nach heutigem Stand für die Energiewende derzeit und künftig einen relevanten Beitrag leisten können. Innerhalb von „TF_Energiewende" führte das Konsortium eine umfassende multikriterielle Bewertung des Potenzials von Energietechnologien durch. Diese umfasst unter anderem das Innovations- und Marktpotenzial einzelner Energietechnologien sowie die damit verbundenen Chancen und Risiken. „Mit dem Projekt liegt eine umfassende Wissensbasis vor, die eine Einschätzung über die große Bandbreite der heute in der Diskussion befindlichen Energietechnologien ermöglicht. Sie zeigt auf, welchen Beitrag sie zur Umsetzung der Energiewende grundsätzlich leisten können und wo auch noch Technologielücken bestehen, die zukünftig geschlossen werden müssen", sagt Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts.

Die Technologieberichte geben dem BMWi konkrete Hinweise, die bei der Weiterentwicklung der Energieforschungspolitik und der Vorbereitung des 7. Energieforschungsprogramms (EFP) berücksichtigt werden können. Zusätzlich dienen sie der Wirtschaft als wichtige Grundlage - etwa für die Entscheidung über Entwicklungsschwerpunkte - und sollen Forschungseinrichtungen dabei helfen, Prioritäten bei Forschung und Entwicklung zu formulieren. Zudem unterstützt das neue Technologiekompendium die interessierte Fachöffentlichkeit bei der Meinungsbildung. Damit legen die Verbundpartner ein umfassendes und aktuelles Standardwerk vor. „Die Berichte dienen auch in den kommenden Jahren als umfassendes Nachschlagewerk mit vielfältigen Informationen zu 31 Technologiefeldern des Energiesektors", erläutert Dr. Peter Viebahn, stellvertretender Leiter der Abteilung Zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen am Wuppertal Institut.

Begleitet wurden die Berichte durch eine Innovationslückenanalyse auf Grundlage aktueller sektorübergreifender Zielszenarien für Deutschland und die Welt. Mittels ihrer Hilfe zeigte das Konsortium auf, wo mögliche Forschungslücken bestehen, die sich durch bestehende Kompetenzen, oder aufgrund des erwarteten globalen Potenzials durch noch zu entwickelnde Kompetenzen, füllen lassen.

Die 31 Technologieberichte sind in folgende sechs Kategorien unterteilt:
• Erneuerbare Energien
Einzelberichte zu den Themen Bioenergie, Tiefengeothermie, Photovoltaik, solare Wärme und Kälte, solarthermische Kraftwerke, Windenergie mit Exkurs Meeresenergie und Umweltwärme

• Konventionelle Kraftwerke
Einzelberichte zu zentralen Großkraftwerken und dezentralen Kraftwerken (Brennstoffzellen sowie Motoren und Turbinen), CO2-Abscheidung und Lagerung (Carbon Capture and Storage, CCS) sowie CO2-Nutzung

• Infrastruktur
Einzelberichte zu den Themen Stromtransport und -verteilung, Wärmetransport und -verteilung, Energiespeicher (elektrisch, elektrochemisch sowie thermisch, thermochemisch, mechanisch) sowie Nutzung von Erdgas- und Erdölinfrastrukturen und Raffinerien für strombasierte Brennstoffe

• Sektorenkopplung
Einzelberichte zu den Themen Power-to-Gas (Wasserstoff, Methanisierung chemisch-katalytisch sowie biologische Methanisierung), Power-to-Liquids/Power-to-Chemicals und Verfahren der CO2-Abtrennung aus Faulgasen und Umgebungsluft

• Energie- und ressourceneffiziente Gebäude
Ein Einzelbericht zu den Themen energieeffiziente Gebäude und Gebäudetechnik

• Energie- und Ressourceneffizienz in der Industrie
Einzelberichte zu den Themen energieeffiziente Prozesstechnologien, energieeffiziente Querschnittstechnologien, Technologien zur Abwärmenutzung sowie Low-Carbon- und ressourceneffiziente Industrie

Die Berichte beinhalten zusätzlich eine übergreifende Kategorie mit integrativen Aspekten, die energiewirtschaftliche Themen der Elektromobilität in zwei Einzelbänden für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge sowie Hybrid-Oberleitungs-Lkw, Fragen der Digitalisierung, Informations- und Kommunikationstechnologien sowie Entwicklungen im Bereich der Systemintegration, -innovation und -transformation thematisieren.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fassten die für die Bewertung genutzten Kriterien in einem gesonderten Bericht zusammen. Ein separater Politikbericht enthält vierseitige Zusammenfassungen zu jedem Technologiebericht sowie eine Kurzdarstellung der Bewertungsmethodik.

Beispiele des Forschungsbedarfs
In der Studie bewertete das Projektkonsortium lang bewährte Energietechnologien und solche, die erst im Zuge der fortschreitenden Energiewende benötigt werden. Die Photovoltaik (PV) ist beispielsweise eine schon seit vielen Jahren zur Stromerzeugung aus Solarenergie etablierte Technik. Die Forschungsförderung des 6. EFP trug dazu bei, die Modulwirkungsgrade kristalliner PV innerhalb von zehn Jahren von 12 bis 17 Prozent auf heute 16 bis 22 Prozent zu erhöhen. Gleichzeitig stieg die Lebensdauer von 20 auf 30 Jahre.

Vielfältigen Entwicklungsbedarf sehen die Forscherinnen und Forscher bei der kristallinen Photovoltaik und der Dünnschicht-Technologie. Beispielsweise müssen die bisher erreichten wesentlich höheren Laborwirkungsgrade in die Praxis übertragen werden. „Weiteren Forschungsbedarf sehen wir unter anderem bei bauwerkintegrierter Photovoltaik, die energieerzeugendes Solarmodul und zugleich Funktions- und Designelement ist", ergänzt Peter Viebahn.

Ein Beispiel für großen Forschungs- und Entwicklungsbedarf stellt zudem die Sektorenkopplung dar - also die Verknüpfung des Stromsektors mit dem Wärme-, Verkehrs- und Industriesektor. Da die Energiewende bisher hauptsächlich eine sogenannte „Stromwende" ist und es in den anderen Sektoren bislang nur eine geringe Reduktion der CO2-Emissionen gibt, gehen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in mehreren Technologieberichten auf diesen Handlungsbedarf ein, um die klimaverträgliche Versorgung dieser Sektoren über Stromanwendungen zu ermöglichen.

Konsultationsprozess für das 7. Energieforschungsprogramm der Bundesregierung
Das Teilvorhaben „Technologien für die Energiewende" des Leitprojekts unterstützte zusammen mit einem weiteren Teilvorhaben namens „Handlungsempfehlungen für die Energieforschungspolitik", kurz EnFo-2030, unter der Leitung der TU München, den öffentlichen Konsultationsprozess, den das BMWi als federführendes Ministerium der Bundesregierung für die Erarbeitung des 7. EFP bis Ende Januar 2018 durchführte. Der Prozess, der von der Energiewende-Plattform „Forschung und Innovation" des BMWi begleitet wurde, setzt sich aus Empfehlungen der Forschungsnetzwerke Energie, Onlineumfragen sowie Stellungnahmen von Bundesländern, Verbänden, Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen zusammen. In sieben technologiespezifischen Forschungsnetzwerken - Energiewendebauen, Systemanalyse, Stromnetze, Erneuerbare Energien, Energie in Industrie und Gewerbe, Flexible Energieumwandlung und Bioenergie -, die das BMWi ab 2015 sukzessive initiiert hat, sowie im Rahmen des Statusseminars Brennstoffzelle, haben sich Arbeitsgruppen mit den energiepolitischen und energietechnischen Herausforderungen sowie dem daraus abzuleitenden Forschungsbedarf beschäftigt.

Bildunterschrift:
Übergabe der Technologieberichte „TF_Energiewende" an den parlamentarischen Staatssekretär Thomas Bareiß des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie durch Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts und Dr. Peter Viebahn, stellvertretender Leiter der Abteilung Zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen am Wuppertal Institut sowie die Verbundpartner Prof. Dr. Martin Wietschel des Fraunhofer ISI und M.Sc. Wirtschafts-Ing. Juri Horst der IZES gGmbH.
Ebenfalls anwesend: Vertreter des zweiten Projekts, Dr.-Ing. Christoph Pellinger der Forschungsstelle für Energiewirtschaft FfE und Dipl.-Ing. Patrick Wimmer der TU München.
Quelle: Susanne Eriksson/BMWi

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts (https://wupperinst.org/c/wi/c/s/cd/5/)

Dr. Peter Viebahn, stellvertretender Leiter der Abteilung Zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen am Wuppertal Institut (https://wupperinst.org/c/wi/c/s/cd/98/)

Originalpublikation:
Projektwebsite TF_Energiewende
https://wupperinst.org/p/wi/p/s/pd/626/

Technologien für die Energiewende - Kriterienraster
Wuppertal Report Nr. 12
https://wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/4380/

Technologien für die Energiewende - Technologiebericht Band 1
Wuppertal Report Nr. 13.1
https://wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/4381/

Technologien für die Energiewende - Technologiebericht Band 2
Wuppertal Report Nr. 13.2
https://wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/4382/

Technologien für die Energiewende - Politikbericht
Wuppertal Report Nr. 14
https://wupperinst.org/a/wi/a/s/ad/4379/

Weitere Informationen:
https://wupperinst.org/p/wi/p/s/pd/626/ (Projektwebsite TF_Energiewende)

Quelle: idw

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Studie: Kein kausaler Zusammenhang zwischen Heirat und Gehalt bei Männern

Melanie Löw Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Kaiserslautern

„Verheiratete Männer haben ein höheres Gehalt." - Dieser kausale Zusammenhang wird in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften schon seit Jahrzehnten behauptet; immer wieder belegt durch Studien. Vor allem in den USA ist das nach wie vor ein großes Thema. Zu einem ganz anderen Schluss hingegen kommen zwei Sozialwissenschaftler aus Kaiserslautern und München in ihrer aktuellen Studie. Sie haben Daten von über 4.000 US-amerikanischen Männern ausgewertet und mit neuen Statistikverfahren untersucht. Ihr Fazit: Ein kausaler Zusammenhang zwischen Heirat und hohem Gehalt lässt sich nicht nachweisen. Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift „American Sociological Review" veröffentlicht.

Der Schritt vor den Traualtar lässt das Einkommen von Männern steigen. Zu diesem Fazit sind in den vergangenen Jahrzenten zahlreiche Untersuchungen gekommen. Literatur zu dem Gehaltsunterschied von verheirateten und unverheirateten Männern gibt es reichlich. „Vor allem in den USA ist dazu viel geforscht worden", sagt Juniorprofessor Dr. Volker Ludwig vom Fachgebiet Angewandte Soziologie an der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK). „Es wird dort stärker thematisiert als bei uns in Europa." Als ein Grund dafür wurde oftmals aufgeführt, dass sich der Ehemann auf die Karriere konzentriert, während die Frau ihm den Rücken freihält und sich um Haushalt und Erziehung der Kinder kümmert.

Das grundlegende Problem bei solchen Themen sei, so der Professor weiter, ob es wirklich einen kausalen Zusammenhang gebe. „Kann man also wirklich davon ausgehen, dass die Heirat Männer produktiver macht", sagt er. „Oder ist es vielleicht nicht eher so, dass Männer, die mehr verdienen, eher heiraten."

Mit dieser Thematik hat sich Ludwig gemeinsam mit seinem Kollegen Professor Dr. Josef Brüderl von Lehrstuhl für Quantitative Ungleichheits- und Familienforschung der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München in einer aktuellen Studie befasst. Sie haben mit neuen statistischen Verfahren die Daten von über 4.000 US-amerikanischen Männern ausgewertet, die bis zu 33 Jahre lang regelmäßig zu ihrer Lebenssituation befragt worden sind.

„Bei solchen Untersuchungen gibt es immer bestimmte Variablen, die man nicht berücksichtigen kann", sagt Brüderl. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von einem Selektionsproblem. Zum Beispiel können Faktoren wie Aussehen, Gesundheit oder Charaktereigenschaften, die wichtig für die Partnerwahl sind, durchaus auch eine Rolle für die berufliche Karriere und das Gehalt spielen. Auch kann es sein, dass Frauen sich auf dem Heiratsmarkt eher für die Männer interessieren, die gut verdienen. „Was ist hierbei auf selektive, was auf kausale Zusammenhänge zurückzuführen", sagt Brüderl weiter.

In vergangenen Studien wurde die „Selektion von Besserverdienern in die Ehe", wie es im Fachjargon heißt, nur teilweise berücksichtigt und konnte mit den herkömmlichen Verfahren auch nicht vollständig herausgerechnet werden. Mit neuen statistischen Methoden hingegen konnten die beiden Sozialwissenschaftler nun die Datensätze „bereinigen". „Wir kommen zu dem Schluss, dass es keinen kausalen Zusammenhang zwischen Lohn und Heirat gibt", resümiert Ludwig. „Vielmehr spielt die Selektion hierbei eine größere Rolle, als es bislang berücksichtigt worden ist. Nicht die Heirat führt zu höherer Produktivität und damit höheren Löhnen, sondern produktivere, besser verdienende Männer werden eher geheiratet. Was das Gehalt betrifft, lohnt es sich nicht, zu heiraten."

Mit ihrer Arbeit möchten die beiden Wissenschaftler auch auf einen methodisch bedingten Trugschluss hinweisen, bei dem es sich wahrscheinlich um ein allgemeineres Problem handeln dürfte. „Es gibt zahlreiche Studien, die sich mit den Vorteilen der Ehe befassen", erläutert der Professor. Beispielsweise haben solche Untersuchungen in der Vergangenheit gezeigt, dass in der Ehe die Lebenszufriedenheit höher ist oder dass Verheiratete länger leben. „Auch bei diesen Fällen müsste überprüft werden, ob es sich wirklich um einen rein kausalen Zusammenhang handelt", so Brüderl.

Angesichts dieser Ergebnisse stellt sich die Frage, ob dies auch in Europa so gilt. Erste Ergebnisse für Deutschland liegen vor und zeigen, dass auch bei uns die Heirat nicht produktiver macht, sondern besserverdienende Männer eher heiraten. Allerdings ist in Deutschland das Ausmaß der Selektion in die Ehe geringer als in den USA. Gegenwärtig dehnen die beiden Forscher ihre Analyse mit den neuen Verfahren auf weitere europäische Länder aus.

Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift „American Sociological Review" veröffentlicht: „Is There a Male Marital Wage Premium? New Evidence from the United States"
DOI: https://doi.org/10.1177/0003122418784909
http://journals.sagepub.com/doi/10.1177/0003122418784909

Fragen beantworten:
Juniorprof. Dr. Volker Ludwig
TU Kaiserslautern / Fachbereich Sozialwissenschaften
Tel.: 0631-2055786
E-Mail: ludwig@sowi.uni-kl.de

Professor Dr. Josef Brüderl
Ludwig-Maximilians-Universität
Tel.: 0170-6610025
E-Mail: bruederl@lmu.de
Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Juniorprof. Dr. Volker Ludwig
TU Kaiserslautern / Fachbereich Sozialwissenschaften
Tel.: 0631-2055786
E-Mail: ludwig@sowi.uni-kl.de

Professor Dr. Josef Brüderl
Ludwig-Maximilians-Universität
Tel.: 0170-6610025
E-Mail: bruederl@lmu.de
Originalpublikation:

American Sociological Review: "Is There a Male Marital Wage Premium? New Evidence from the United States"
DOI: https://doi.org/10.1177/0003122418784909

Quelle: idw

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Sicherer Auto fahren ohne Grauen Star: Geringeres Unfallrisiko nach Linsenoperation

Lisa-Marie Ströhlein Pressestelle
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

Patienten, die einen Grauen Star operieren lassen, haben ein um 9 Prozent geringeres Risiko, als Autofahrer einen schweren Verkehrsunfall zu verursachen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, die kürzlich im Fachjournal JAMA Ophthalmology erschien. Die DOG - Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft weist vor diesem Hintergrund darauf hin, dass schlechtes Sehen das Unfallrisiko im Straßenverkehr erhöhen kann. Vor allem ältere Menschen ab dem 60. Lebensjahr sollten ihre Augen deshalb regelmäßig auf Anzeichen eines Grauen Stars untersuchen und, wenn nötig, operieren lassen.

Die Autoren beobachteten über 500 000 Menschen im durchschnittlichen Alter von 76 Jahren über einen Zeitraum von dreieinhalb Jahren bevor und ein Jahr nachdem sie wegen eines Grauen Stars (Katarakt) operiert wurden. Nach dem Eingriff verzeichneten die Studienautoren 9 Prozent weniger Verkehrsunfälle, die durch ihre Patienten verursacht wurden. Die Autoren notierten nur Unfälle, bei denen der Fahrer mit schweren Verletzungen in der Notaufnahme behandelt werden musste. Nach Schätzung der DOG wechseln deutsche Augenärzte mindestens 800 000 Augenlinsen pro Jahr und verhindern dadurch - glaubt man der Studie - rund 200 schwere Verkehrsunfälle. Professor Dr. med. Bernd Lachenmayr von der Verkehrskommission der DOG und des Berufsverbands der Augenärzte erklärt: „Angesichts der hohen Sterblichkeit und der Tatsache, dass Senioren sich meist nicht vollständig von einem Unfall erholen, ist jede Maßnahme, die das Unfallrisiko verringert, ein Schritt in die richtige Richtung."

Ab dem 60. Lebensjahr kann die menschliche Augenlinse trüb werden. Bei fast 10 Millionen Menschen in Deutschland schreitet die Trübung so weit voran, dass das Sehen dadurch stark eingeschränkt wird. „Besonders im Straßenverkehr, wo es auf gutes Sehvermögen ankommt, kann der Graue Star zu Unfällen führen", betont Lachenmayr. Dadurch, dass die Trübung oft schleichend verläuft, merken viele Patienten nicht, dass sie schlechter sehen, ergänzt der Münchener Ophthalmologe: „Viele Betroffene sehen noch ausreichend, um einen Fahreignungstest zu bestehen - aber beim Autofahren können auch kleine Einschränkungen schon zu einem Unfall führen." Damit sie nicht unentdeckt in dieser Grauzone bleiben, sollten Menschen ab dem 60. Lebensjahr regelmäßig zur Kontrolluntersuchung beim Augenarzt gehen.

Die Katarakt-Operation ist ein Routineeingriff, der fast immer ohne Komplikationen verläuft. Dabei tauscht der Augenarzt die getrübte Linse gegen eine künstliche Linse aus, mit der der Patient wieder scharf sehen kann. Die Kosten dafür trägt die Krankenkasse.

DOG: Forschung - Lehre - Krankenversorgung
Die DOG ist die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft für Augenheilkunde in Deutschland. Sie vereint unter ihrem Dach mehr als 7.200 Ärzte und Wissenschaftler, die augenheilkundlich forschen, lehren und behandeln. Wesentliches Anliegen der DOG ist es, die Forschung in der Augenheilkunde zu fördern: Sie unterstützt wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und gibt wissenschaftliche Fachzeitschriften heraus. Darüber hinaus setzt sich die DOG für den wissenschaftlichen Nachwuchs in der Augenheilkunde ein, indem sie zum Beispiel Stipendien vor allem für junge Forscher vergibt. Gegründet im Jahr 1857 in Heidelberg ist die DOG die älteste augenärztliche Fachgesellschaft der Welt und die älteste fachärztliche Gesellschaft Deutschlands.

Weitere Informationen:
http://www.dog.org

Quelle: idw

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Durchbruch bei industrieller CO2-Nutzung

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Professor Arne Skerra von der Technischen Universität München (TUM) ist es zum ersten Mal gelungen, in einer biotechnischen Reaktion gasförmiges CO2 als einen Grundstoff für die Produktion eines chemischen Massenprodukts zu verwenden. Es handelt sich um Methionin, das als essentielle Aminosäure vor allem in der Tiermast in großem Maßstab eingesetzt wird. Das neu entwickelte enzymatische Verfahren könnte die bisherige petrochemische Produktion ersetzen. Die Ergebnisse wurden nun in der Zeitschrift "Nature Catalysis" veröffentlicht.

Die heute gängige industrielle Herstellung von Methionin erfolgt in einem 6-stufigen chemischen Prozess aus petrochemischen Ausgangsstoffen, bei der unter anderem hochgiftige Blausäure benötigt wird. Im Rahmen einer Ausschreibung lud das Unternehmen Evonik Industries - einer der weltweit größten Hersteller von Methionin - im Jahr 2013 Hochschulforscherinnen und -forscher ein, neue Verfahren vorzuschlagen, mit dem sich die Substanz gefahrloser herstellen lässt. Im Laufe des bisher verwendeten Prozesses entsteht das technisch unproblematische Zwischenprodukt Methional, das in der Natur als Abbauprodukt von Methionin vorkommt.

„Ausgehend von der Überlegung, dass Methionin in Mikroorganismen von Enzymen unter Abgabe von CO2 zu Methional abgebaut wird, versuchten wir diesen Prozess umzukehren", erklärt Professor Arne Skerra, Inhaber des Lehrstuhls für Biologische Chemie an der TUM. „Denn jede chemische Reaktion ist im Prinzip umkehrbar, allerdings oft nur unter hohem Einsatz von Energie und Druck." Mit diesem Konzept beteiligte sich Skerra an der Ausschreibung. Evonik prämierte die Idee und förderte das Projekt.

Zusammen mit dem Postdoc Lukas Eisoldt begann Skerra, die Rahmenbedingungen für den Herstellungsprozess zu ermitteln und die nötigen Biokatalysatoren (Enzyme) herzustellen. Die Wissenschaftler unternahmen erste Versuche und erprobte, welcher CO2-Druck nötig wäre, um in einem biokatalytischen Prozess Methionin aus Methional herzustellen. Überraschend ergab sich eine unerwartet hohe Ausbeute schon bei relativ niedrigem Druck - etwa entsprechend dem Druck in einem Autoreifen von zirka zwei Bar.

Aufgrund der bereits nach einem Jahr erzielten Erfolge verlängerte Evonik die Förderung, und nun untersuchte das Team, verstärkt durch die Doktorandin Julia Martin, die biochemischen Hintergründe der Reaktion und optimierte mit Hilfe von Protein-Engineering die beteiligten Enzyme.

Effizienter als die Photosynthese
In mehrjähriger Arbeit gelang es schließlich, die Reaktion im Labormaßstab nicht nur bis zu einer Ausbeute von 40 Prozent zu verbessern, sondern auch die theoretischen Hintergründe der biochemischen Abläufe aufzuklären.

„Im Vergleich zur komplexen Photosynthese, in der die Natur ebenfalls auf biokatalytischem Wege CO2 als Baustein in Biomoleküle einbaut, ist unser Verfahren hochelegant und einfach", berichtet Arne Skerra. „Die Photosynthese verwendet 14 Enzyme und hat eine Ausbeute von nur 20 Prozent, während unsere Methode bloß zwei Enzyme benötigt."

Das Grundmuster dieser neuartigen biokatalytischen Reaktion kann künftig auch Vorbild für die industrielle Herstellung anderer wertvoller Aminosäuren oder von Vorprodukten für Arzneimittel sein. Das Team von Professor Skerra wird das inzwischen patentierte Verfahren durch Protein-Engineering nun so weit verfeinern, dass es sich für die großtechnische Anwendung eignet.

Damit könnte es zum ersten Mal einen biotechnologischen Herstellungsprozess geben, der gasförmiges CO2 als unmittelbaren chemischen Grundstoff nutzt. Bisher scheiterten Versuche, das klimaschädliche Treibhausgas stofflich zu verwerten, an dem äußerst hohen Energieaufwand, der dazu nötig ist.

Weitere Informationen:
Methionin ist eine Aminosäure, also ein Grundbaustein von Eiweißstoffen, der für viele Lebewesen - vor allem den Menschen - essentiell ist, aber von diesen nicht selbst produziert werden kann. Diese Aminosäure muss deshalb mit der Nahrung aufgenommen werden. Ähnlich wie Mineraldünger das Wachstum von Pflanzen beschleunigt, verbessert Methionin das Wachstum von Masttieren wie etwa Geflügel oder Fisch. Die Jahresproduktion von Methionin beträgt derzeit etwa eine Million Tonnen weltweit.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Arne Skerra
Technische Universität München
Lehrstuhl für Biologische Chemie
Tel.: +49 (0)8161 71-4351
E-Mail: skerra@tum.de

Originalpublikation:
Martin, J., Eisoldt, L. & Skerra, A.: Fixation of gaseous CO2 by reversing a decarboxylase for the biocatalytic synthesis of the essential amino acid L-methionine, Nature Catalysis 1, 555-561, 07/2018. DOI 10.1038/s41929-018-0107-4

Weitere Informationen:

https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/34836/

Quelle: idw

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Forschungsoffensive zu regenerativen Kraftstoffen

Monika Landgraf Strategische Entwicklung und Kommunikation - Gesamtkommunikation
Karlsruher Institut für Technologie

Der von fossilen Kraftstoffen getriebene Verkehr trägt durch den CO2-Ausstoß wesentlich zum Klima-wandel bei. Synthetische Kraftstoffe - „reFuels" - lassen sich auch aus nicht-fossilen Kohlenstoffquellen wie bio-genen Reststoffen in Kombination mit der direkten Umwandlung von CO2 und erneuerbarem Wasserstoff herstellen. Das KIT will mit Partnern aus der Automobil-, Automobilzuliefer- und Mineralölindustrie und mit Unterstützung der Landesregierung Baden-Württembergs die Chancen, die diese Kraftstoffe für Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt bieten, in einem breit angelegten Programm erforschen. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde heute in Stuttgart unterzeichnet.

Beim Projekt „reFuels - Kraftstoffe neu Denken" sollen Verfahren, mit denen Otto- und Dieselkraftstoffe aus nachhaltig zugänglichen Rohstoffen wie etwa Pflanzenteilen auch in großem Maßstab produziert werden können, betrachtet werden. Untersucht werden soll außerdem, wie sich die regenerativen Kraftstoffe auf den Schadstoffausstoß der bestehenden Flotte und auf die Funktion der Fahrzeuge sowie einzelner Komponenten auswirken. Schließlich wollen die Projektpartner bei Gesellschaft und Verbrauchern schon heute Akzeptanz für die neuartigen Treibstoffe schaffen. All dies haben Landesregierung und KIT heute am Rande des Jahrestreffens des Strategiedialogs „Automobilwirtschaft" in Stuttgart vereinbart.

„Um die vorgegebenen Klimaziele zu erreichen, benötigen wir einen intelligenten Mix aus unterschiedlichen alternativen Antrieben. Effiziente synthetische Kraftstoffe aus nachhaltigen Quellen können dabei mittel- und langfristig eine mögliche klimaneutrale Perspektive für den Verbrennungsmotor sein", sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann. „Indem wir nun gemeinsam mit den Partnern aus der Automobil- und Zulieferindustrie, der Mineralölwirtschaft und der Zivilgesellschaft die Forschung dazu intensivieren, gehen wir einen wichtigen Schritt auf dem Weg hin zu klimafreundlicher Mobilität."

Verkehrsminister Winfried Hermann sagte: „Synthetische Kraftstoffe aus regenerativen Energiequellen könnten in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur dringend notwendigen Verringerung des CO2-Ausstoßes im Verkehrssektor darstellen. Nur wenn wir alle Instrumente für den Klimaschutz im Verkehrssektor nutzen, können wir die international vereinbarten Ziele von Paris erreichen. Ich freue mich daher, dass wir mit dem Projekt reFuels die Effizienz solcher Kraftstoffe in Baden-Württemberg weiterentwickeln und sinnvolle Anwendungsbereiche ausloten können."

„reFuels sind ein wichtiger Schritt hin zum Wirtschaften in einem geschlossenen CO2-Kreislauf", sagte der Präsident des KIT, Professor Holger Hanselka. „Mit dem Klimawandel geht das KIT nicht nur eines der drängendsten gesellschaftlichen Probleme an. Regenerative Kraftstoffe können entlang der gesamten Wertschöpfungskette zukünftig auch ganz neue Geschäftsfelder eröffnen", so Hanselka weiter.

„Da Effizienzgewinne bei Benzin- und Dieselmotoren in den vergangenen Jahren durch die Zunahme des Verkehrs ausgeglichen wurden, aber Verbrennungsmotoren bei der Beförderung schwerer Lasten und weiten Strecken auf absehbare Zeit weiter eine wichtige Rolle spielen werden, können umweltfreundliche und motorenverträgliche synthetische Kraftstoffe einen substantiellen Beitrag für einen nachhaltigeren Verkehr leisten", sagte Professor Thomas Hirth, Vizepräsident des KIT für Innovation und Internationales.

Mit „bioliq" und dem „Energy Lab 2.0" verfügt das KIT schon jetzt über zwei Plattformen für die Herstellung von „reFuels". Für das bioliq-Verfahren, mit dem hochwertige Kraftstoffe aus biogenen Roh- und Reststoffen wie etwa Stroh erzeugt werden können, existiert eine Pilotanlage, die bereits Musterkraftstoffe liefert. Das Energy Lab 2.0, das gerade aufgebaut wird, ist ein Anlagenverbund, der unterschiedliche Technologien zur Erzeugung und Nutzung elektrischer, thermischer und chemischer Energie wie beispielsweise Gasturbinen, Power-to-Methan und Wasserelektrolyse verknüpft und unterschiedliche Kraftstoffkomponenten wie Dieselkraftstoffe oder Jetfuels produzieren kann.

Folgende Partner (in alphabetischer Reihenfolge) haben bereits ihre Mitwirkung an dem Projekt „reFuels" zugesagt:
AUDI AG, Caterpillar Energy Solutions GmbH (MWM), Daimler AG, Eberspächer GmbH & Co. KG, Freudenberg Sealing Technologies GmbH & Co. KG, KS Kolbenschmidt GmbH, Mahle GmbH, Mann + Hummel GmbH, Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Robert Bosch GmbH, Rolls-Royce Powersystems AG (MTU) sowie ENBW AG und MiRO GmbH & Co. KG mit Unterstützung des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV).

Weitere Materialien:
Bilder von der Unterzeichnung in Kürze hier: http://www.kit.edu/kit/pi_2018_088_forschungsoffensive-zu-regenerativen-kraftsto...

Weiterer Kontakt:
Dr. Felix Mescoli, Redakteur/Pressereferent, Tel.: +49 721 608-48120, E-Mail: felix.mescoli@kit.edu

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft" schafft und vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie, Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. Seine 25 500 Studierenden bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: http://www.sek.kit.edu/presse.php

Anhang

Forschungsoffensive zu regenerativen Kraftstoffen
https://idw-online.de/de/attachment66154

Quelle: idw

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Risikofaktor für Darmkrebs entschlüsselt

Dr. Annegret Burkert Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung

Kölner Forscher klären Zusammenhang zwischen Übergewicht und Tumorwachstum auf

Laut Deutschem Krebsforschungszentrum zählt Darmkrebs hierzulande bei Männern zur dritt- und bei Frauen zur zweithäufigsten Tumorerkrankung. Auch bei Neuerkrankungen liegt Deutschland im internationalen Vergleich mit an der Spitze. Dabei scheinen vor allem die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten eine grundlegende Rolle zu spielen, denn Übergewichtige haben ein erhöhtes Risiko zu erkranken. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln entschlüsselten nun die detaillierten Zusammenhänge dieses Phänomens und liefern damit die Grundlage für neue Therapieansätze.

„Wenn der Körper immer mehr überschüssiges Fett speichern muss, entsteht im Fettgewebe eine Stressreaktion", erklärt Forschungsgruppenleiter und Privatdozent Dr. Thomas Wunderlich. Die Stressreaktion alarmiert die körpereigene Immunabwehr, die wiederum im Fettgewebe eine Entzündung auslöst. Anhaltendes Übergewicht versetzt den Körper in Dauerstress und die Entzündung breitet sich über das Blut im ganzen Körper aus. Dies führt letztlich zu einer Umprogrammierung von Zellen der Immunabwehr, die dadurch Krebszellen nicht mehr bekämpfen, sondern ihr Überleben fördern und so das Tumorwachstum unterstützen.

Diese neuen molekularbiologischen Erkenntnisse veröffentlichten die Wissenschaftler kürzlich in der Fachzeitschrift Nature Communications. Erstautorin Dr. Claudia Wunderlich, die einen Großteil der Forschungsarbeit leistete, betont aber: „Nur weil man dick ist, erkrankt man noch lange nicht an Krebs. Doch sollten entartete Zellen im Körper vorhanden sein, begünstigt Übergewicht das Tumorwachstum."

Die Studie gibt aber nicht nur Aufschluss darüber, wie Übergewicht und Darmkrebs zusammenhängen. „Anhand von Mausmodellen konnten wir spezifische Angriffspunkte für mögliche Therapieansätze beim Menschen herausarbeiten", erläutert Dr. Claudia Wunderlich. In übergewichtigen Mäusen konnten die Forscher das Erkrankungsrisiko bereits senken. Hierzu eliminierten sie zum einen spezielle Immunzellpopulationen, zum anderen veränderten sie die Genetik der Tiere so, dass bestimmte Immunzellen trotz fettreicher Ernährung nicht mehr umprogrammiert werden konnten. In beiden Fällen schwächte sich die Entzündung ab, entartete Zellen wurden wieder bekämpft und die Darmkrebsentwicklung vermindert.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Thomas Wunderlich
Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung, Köln
+49 221 47260 678
thomas.wunderlich@sf.mpg.de

Originalpublikation:Claudia M. Wunderlich, P. Justus Ackermann, Anna Lena Ostermann, Petra Adams-Quack, Merly C. Vogt, My-Ly Tran, Alexei Nikolajev, Ari Waisman, Christoph Garbers, Sebastian Theurich, Jan Mauer, Nadine Hövelmeyer, F. Thomas Wunderlich.

Obesity exacerbates colitis-associated cancer via IL-6-regulated macrophage polarisation and CCL-20/CCR-6-mediated lymphocyte recruitment.
Nature Communications, 2018.

Quelle: idw

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Erneuerbarer Kraftstoff aus der Kläranlage

Monika Landgraf Strategische Entwicklung und Kommunikation - Gesamtkommunikation
Karlsruher Institut für Technologie

Einen wichtigen Schritt zu einem geschlossenen Kohlendioxid-Kreislauf gehen die Ausgründung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) INERATEC und das spanische Energieunternehmen GAS NATURAL FENOSA: Im katalonischen Sabadell haben sie eine Anlage errichtet, die aus klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2) und erneuerbarem Wasserstoff synthetisches Erdgas erzeugt. Das Verfahren basiert auf der Herstellung von Wasserstoff durch Elektrolyse und deren Reaktion mit CO2 aus biogenen Quellen - zum Beispiel aus Klärschlamm.

In der Kläranlage der 200.000-Einwohner-Stadt Sabadell im Großraum Barcelona sind die Grundstoffe reichlich vorhanden, wie INERATEC-Geschäftsführer Tim Böltken erläutert. „Der Prozess nutzt Energie aus erneuerbaren Quellen und speichert diesen im chemischen Energieträger Methan. Spanien hat in den vergangenen vier Jahren bereits 40 Prozent seiner Elektrizität aus erneuerbaren Energiequellen - meist Windkraft - erzeugt", sagt Böltken, Alumnus des KIT. Das Power-to-Gas-Verfahren wandelt nun überschüssigen oder dezentral anfallenden Strom aus erneuerbaren Quellen wie Sonnen- oder Windkraft in Methan um.

Ziel ist, erneuerbare Gase zu produzieren, die mit der bestehenden Erdgasversorgung in Spanien kompatibel sind. Der große Vorteil: Das erneuerbare Gas kann in der bestehenden Gasinfrastruktur gespeichert und in Gebiete in ganz Spanien transportiert werden. Die Gasspeicherkapazität in Spanien beträgt etwa 30 Terawattstunden, was bedeutet, dass der in dortigen Windkraftanlagen erzeugte Strom ein halbes Jahr lang gespeichert werden kann.

Bislang war solch eine dezentrale Produktion nicht wirtschaftlich möglich, weil für das chemische Verfahren normalerweise extrem teure, großtechnische chemische Anlagen nötig sind. Den Ineratec-Gründern gelang der Durchbruch, indem sie eine passende chemische Reaktortechnologie entwickelten, die zum Beispiel in einen Schiffscontainer passt. Die fertig montierten, modularen Kompaktanlagen sind nach dem Baukastensystem konzipiert, sodass sich die Kapazität ganz nach Bedarf erweitern lässt.

Die Pilotanlage in Sabadell soll vorerst 100 Kubikmeter Gas pro Tag produzieren. Sie ist zusätzlich mit einem Katalysator ausgestattet, der vom katalonischen Institut für Energieforschung (IREC) für die Umsetzung von CO2 aus biogenen Quellen entwickelt wurde. Die Anlage ist Teil des spanischen Projekts Synthetic Fuels - Combustibles Sintètics (CoSin), das vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert wird.

Weiterer Kontakt:
Dr. Felix Mescoli, Redakteur/Pressereferent, Tel.: +49 721 608 48120, E-Mail: felix.mescoli@kit.edu
Details zum KIT-Zentrum Energie: http://www.energie.kit.edu

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft" schafft und vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie, Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. Seine 25 500 Studierenden bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: http://www.sek.kit.edu/presse.php

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
felix.mescoli@kit.edu
http://www.energie.kit.edu
http://www.sek.kit.edu/presse.php

Anhang
Erneuerbarer Kraftstoff aus der Kläranlage
https://idw-online.de/de/attachment66095

Quelle: idw

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Die richtige Bluthochdruckeinstellung, auch im Urlaub!

Dr. Bettina Albers Geschäftsstelle
Deutsche Hochdruckliga

Eine optimale Blutdruckeinstellung ist wichtig - auch im Urlaub. Eine wichtige Botschaft, denn manche Patienten machen auch einfach „Medikamentenferien", was regelrecht gefährlich werden kann. Die richtige Bluthochdruckeinstellung ist aber nicht nur eine Frage der inneren Einstellung, sondern auch der Information und Organisation: Was ist bei einem Langstreckenflug zu beachten? Und wie verhält sich der Blutdruck bei hohen Temperaturen? Was muss ich bei der Tabletteneinnahme im Sommer beachten? So kommen Blutdruckpatienten „ohne Druck" und gesundheitliche Komplikationen durch den Hochsommer und die Feriensaison.

Bei hohen Temperaturen im Sommer ist der Blutdruck in der Regel niedriger als in den Wintermonaten: Die Blutgefäße erweitern sich bei Hitze, es kommt zu vermehrten Verlusten von Kochsalz und Wasser beim Schwitzen und in der Folge fällt der Druck ab. Das kann zur Folge haben, dass bei einigen Patienten die „normale" Dosis der blutdrucksenkenden Medikamente bei Hitzeperioden zu hoch ist und es unter Umständen zu Schwindel, Müdigkeit und Schwäche kommen kann. Wenn sich eines dieser Symptome bei Hochdruckpatienten im Sommer einstellt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Blutdruckmedikamente für die Jahreszeit zu stark dosiert sind. „Mit der täglichen Blutdruckmessung haben die Patienten den Werteverlauf im Blick und sehen, wenn der Blutdruck stärker als sonst abgefallen ist, obwohl sie die Medikamente wie gewohnt eingenommen haben. Das ist der Grund, warum wir die tägliche Selbstmessung vor allem in den Sommermonaten empfehlen", erklärt Professor Bernhard Krämer, Präsident der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention. Ist der Blutdruck deutlich niedriger als üblich bei gleicher Medikamenteneinnahme, empfiehlt Prof. Krämer den Gang zum Hausarzt. Der kann dann einen neuen Dosierungsplan für die heißen Tage erstellen. „Patienten sollten es erst gar nicht so weit kommen lassen, dass ihr Blutdruck im Sommer (oder im Urlaub) unter normaler Dosierung zu stark abfällt, dass sich Symptome wie Schwindel entwickeln", so der Experte. Gerade wenn ein Urlaub in warmen Gefilden geplant ist, sollte das vorab mit dem Hausarzt besprochen werden. „Vor Ort ist es immer schwierig, einen Arzt zu finden, zumal oft auch Verständigungsschwierigkeiten dazu kommen. Außerdem möchte man den Urlaub ja auch genießen und nicht beim Arzt sitzen". Daher empfiehlt es sich also, vorher mit den Arzt zu sprechen und einen reduzierten Einnahmeplan dabei zu haben, für den Fall, dass der Blutdruck unter der normalen Blutdruckmedikation zu weit abfällt. „Ein Blutdruckmessgerät gehört bei Patienten mit Bluthochdruck sowieso ins Reisegepäck", so der Experte, „denn Bluthochdruck macht keine Ferien!"

Will man keine gefährlichen Folgekrankheiten wie Schlaganfall oder Herzinfarkt riskieren, muss der Blutdruck ganzjährig gut eingestellt sein. „Die tägliche Kontrollmessung ist dafür wichtig, aber auch die regelmäßige Einnahme der Tabletten, und zwar ohne Pause. Patienten sollten sicherstellen, dass sie ihre Medikamente im Urlaub dabeihaben - und zwar in ausreichender Menge. Wenn´s knapp wird, lieber noch schnell ein Rezept beim Hausarzt anfordern und gut vorbereitet auf die Reise gehen, als dass es einem im Urlaub schlecht geht.

Beim Thema „Langzeitflüge" muss darüber hinaus beachtet werden, dass es durch die Zeitverschiebung zu Änderungen kommen kann. Grundsätzlich sind alle Flüge, die zu einem Zeitunterschied von bis zu 3 Stunden führen, problemlos, da muss bei der Einnahme nichts geändert werden. Wer seine Blutdruckmedikamente morgens um 9 Uhr einnimmt, kann sie dann auch im Urlaubsziel zur Ortszeit 9 Uhr einnehmen.

Bei Langstreckenflügen, die zu einem Zeitunterschied von mehr als 3 Stunden führen, kommt es darauf an, in welche Richtung man fliegt. Eine Zeitverschiebung von mehr als 3 Stunden bei Flügen in Richtung Osten führt dazu, dass der Reisetag deutlich verkürzt ist. Bleibt man an dem Tag beim normalen Einnahmeschema, kann das zu einer Überdosierung der Medikamente führen, eine Reduktion der Standardmedikation oder Verschiebung des Einnahmezeitpunktes sollte also erwogen werden. Umgekehrt kommt es bei langen Flügen in Richtung Westen zu einer Verlängerung des Tages, die eventuell eine Zusatzdosis notwendig macht. Vor einem Langstreckenflug sollten sich Bluthochdruck-Patienten von ihrem Hausarzt beraten lassen, wie sie während des Flugs und auf der Reise ihre Medikamente einnehmen sollten.

Wichtiger Tipp zum Schluss: Nehmen Sie Ihre Medikamente immer im Handgepäck mit. Denn sollte einmal der Koffer verloren gehen, ist sichergestellt, dass Sie das Wichtigste, Ihre Medikamente, bei sich haben! Da einige Länder restriktive Zoll-Einfuhrbestimmungen haben, empfiehlt es sich auch, eine Bescheinigung des Arztes mitzuführen, die bestätigt, dass die Medikamente für den eigenen Gebrauch sind. Der ADAC bietet ein entsprechendes mehrsprachiges Formular an, dass vorm Urlaub vom Arzt ausgefüllt werden muss, siehe: https://www.adac.de/_mmm/pdf/Formular-Aerztliches-Attest_Texteingabe_290174.pdf

Kontakt/Pressestelle
Dr. Bettina Albers
albers@albersconcept.de
Telefon: 03643/ 776423
Mobile: 0174/ 2165629

Weitere Informationen:
https://www.hochdruckliga.de/

Quelle: idw

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Brustimplantate mit Tomaten-DNA fälschungssicher kennzeichnen

Britta Widmann Kommunikation
Fraunhofer-Gesellschaft

Jahrelang hat ein französisches Unternehmen Brustimplantate aus billigen Industrie-Silikonkomponenten verkauft. Der Skandal, der 2010 erstmals für Schlagzeilen sorgte, beschäftigt bis heute die Gerichte. Ein Forscherteam des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung IAP hat jetzt ein Verfahren entwickelt, das derartigen Betrug verhindert. Künftig können Hersteller Implantate fälschungssicher kennzeichnen - mit Hilfe von verkapselter Tomaten-DNA.

Produktfälschungen erweisen sich im Zuge der Globalisierung als wachsendes Problem für Hersteller. Für den Verbraucher wird es riskant, wenn Fälscher sensible Produkte wie Medizintechnik und Medikamente ins Visier nehmen. Die Plagiate sind meist minderwertig und können die Gesundheit der Patienten erheblich beeinträchtigen oder sich sogar als lebensgefährlich erweisen. Dies hat der Skandal um Brustimplantate einer französischen Firma gezeigt, die bei der Herstellung der Implantate nicht zugelassene Silikone zugemischt hatte, um die Produktionskosten zu senken (siehe Kasten »So werden Brustimplantate hergestellt«).

Die unerlaubte Manipulation nachzuweisen, ist nachträglich kaum möglich. Ob minderwertiges Silikon verwendet wurde, lässt sich im Nachhinein nur mit erheblichem analytischen Aufwand aufdecken. »In der Regel kaufen die Fälscher hochwertige Einzelkomponenten von renommierten Lieferanten und strecken diese mit billigem Silikon, das einen Bruchteil des erstklassigen Materials kostet. Der finanzielle Gewinn der Produktpiraten ist immens«, weiß Dr. Joachim Storsberg, Wissenschaftler am Fraunhofer IAP in Potsdam und Gutachter in Gerichtsverfahren, die Brustimplantate betreffen. Eine Methode, die eine nachträgliche Manipulation einer oder mehrerer Komponenten sowohl qualitativ als auch quantitativ nachweist, wäre ideal.

Keine Chance für Produktpiraterie
Ein solches Verfahren haben Storsberg und sein Team - dem unter anderem Marina Volkert von der Beuth Hochschule für Technik Berlin angehört - entwickelt, es ist bereits patentiert. Die Idee: Mithilfe von DNA-Sequenzen könnten Implantate permanent und identitätssicher markiert werden. Hersteller hätten so die Möglichkeit, Produkte fälschungssicher zu kennzeichnen und so für mehr Patientensicherheit zu sorgen. Der Clou: Als Marker nutzen die Forscher Tomaten-DNA, die sich in diversen Experimenten als ideales Markierungsmaterial erwies. »Wir haben aus Tomatenblättern genomische DNA (gDNA) isoliert und in die Silikonmatrix eingebettet. Dabei haben wir zum Herstellen von Brustimplantaten zugelassene Siloxane, Bausteine für Silikonprodukte, verwendet«, erläutert Storsberg. In Modellversuchen konnten die Forscherinnen und Forscher die Temperaturbeständigkeit der extrahierten DNA demonstrieren. Hierfür wurde das Silikon, in dem sich die gDNA befindet, über einen Zeitraum von fünf Stunden bei 150 Grad vulkanisiert, und anschließend per PCR, einer Technik zur Vervielfältigung der DNA, und einem speziellen Analyseverfahren, der Gelelektrophorese, überprüft. Das Ergebnis: Die DNA wurde nicht abgebaut, sie blieb stabil.

»Brustimplantate bestehen aus Komponenten, sprich aus mehreren Silikonpolymeren, die vernetzt werden und ein Gel bilden. Der Hersteller der Komponenten hat nun die Möglichkeit, gleich beim Produktionsprozess die Silikone mit der verkapselten Tomaten-DNA-Sequenz zu markieren. Die eingesetzte DNA sowie deren Konzentration sind nur ihm bekannt. Erst dann werden die Komponenten an den Produzenten des eigentlichen Implantats verkauft. Streckt dieser nun die Komponenten nachträglich mit minderwertigen Materialien oder verwendet er eine niedrigere Konzentration, so lässt sich dies per PCR nachweisen. Das funktioniert im Prinzip wie ein Vaterschaftstest«, führt Storsberg aus. Der Vorteil der Tomaten-DNA: Sie ist quasi kostenlos und eignet sich zum Kennzeichnen vieler polymerbasieren Implantate, also beispielsweise auch zum fälschungssicheren Markieren von Linsenimplantaten.

Die Ergebnisse der IAP-Forscher wurden bereits in der Fachzeitschrift »Plastische Chirurgie« veröffentlicht.

Weitere Informationen:
https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2018/august/brustimplant...

Quelle: idw

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Designerzellen schlucken das Klimagas CO2

Christina Mühlenkamp Stabsstelle Hochschulkommunikation
Philipps-Universität Marburg

Marburger Forschergruppe erhält 1,5 Millionen Euro der VolkswagenStiftung zur Erforschung neuer CO2-Umwandlungswege

Im Projekt „BRILIANCE" (BRinging Inorganic carbon to LIfe with Artificial CO2-fixation in a minimal Cell) sollen Designerzellen so umprogrammiert werden, dass sie einen komplett neuen Stoffwechselweg entwickeln, mit dem sie das Klimagas CO2 binden und umwandeln können. Hierfür kooperieren in Marburg am Zentrum für Synthetische Mikrobiologie (Synmikro) die Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Roland Lill (Institut für Zytobiologie der Philipps-Universität) und Dr. Tobias Erb (Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie) mit dem J. Craig Venter Institute in den USA. Das Konsortium erhält im Rahmen der Förderlinie „Leben? - Ein neuer Blick der Naturwissenschaften auf die grundlegenden Prinzipien des Lebens" 1,5 Millionen Euro der VolkswagenStiftung über einen Zeitraum von fünf Jahren.

Der neue Weg der CO2-Umwandlung kann als Alternative zu natürlich entstandenen CO2-Umwandlungswegen dienen, wie sie etwa während der Photosynthese bei Pflanzen vorkommen. Durch die neuen Synthesewege von CO2 sollen organische Verbindungen leicht hergestellt werden können, die wir im täglichen Leben benötigen - etwa für die Produktion von Nahrungsmitteln, Treibstoffen und Pharmazeutika direkt aus CO2. Die fundamentale Eigenschaft des Lebens, unbelebten Kohlenstoff in organische Verbindungen umzuwandeln, soll somit genau erforscht, nachgeahmt und neu erfunden werden.

Insgesamt wurden 95 Anträge bei der VolkswagenStiftung eingereicht. Davon werden nun sieben Projekte mit einer Gesamtsumme von 9,8 Millionen Euro gefördert. Alle geförderten Projekte widmen sich der fundamentalen Frage nach den Grundprinzipien des Lebens. Die wissenschaftlichen Vorhaben haben beispielsweise die Bildung von mehrzelligen Lebewesen aus Einzelzellen oder die Herkunft der ersten Eiweiße in der Zelle zum Thema.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Roland Lill
Institut für Zytobiologie
Fachbereich Medizin
Philipps-Universität Marburg
Tel.: 06421 28-66449
E-Mail: lill@staff.uni-marburg.de
Website: www.uni-marburg.de/fb20/cyto

Dr. Tobias J. Erb
Department für Biochemie & Synthetischer Metabolismus
Max Planck Institut für terrestrische Mikrobiologie
35043 Marburg
Tel.: 06421 178-700
E-Mail: toerb@mpi-marburg.mpg.de
Website: http://www.mpi-marburg.mpg.de/erb

Weitere Informationen:
http://www.volkswagenstiftung.de/leben

Quelle: idw

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Erfahrungen mit Essstörungen

Rudolf-Werner Dreier Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Die Website www.krankheitserfahrungen.de präsentiert ein neues Modul zum Thema Anorexie und Bulimie

Erfahrungen, Informationen, Unterstützung: Das neue Modul „Essstörungen: Anorexie und Bulimie" auf der Website www.krankheitserfahrungen.de ist veröffentlicht. Auf der Internetplattform erzählen Menschen von ihrem Leben zwischen Gesundheit und Krankheit. Die verschiedenen Krankheitsbilder und Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem werden wissenschaftlich aufbereitet und präsentiert. Im Mittelpunkt stehen die Schilderungen von betroffenen Menschen in Form von Video-, Audio- und Textausschnitten.

Das neue Modul bedeutet für das Projekt ein Jubiläum: Mit der Veröffentlichung ist nun der zehnte Erfahrungsbereich auf der Internetplattform verfügbar. Das Modul berichtet von Erfahrungen mit einer Essstörung - von Betroffenen für Betroffene, Angehörige sowie Professionelle. Beteiligt haben sich 19 Frauen zwischen 18 und 63 Jahren, die zwischen einem Jahr und 40 Jahren mit einer Essstörung leben oder gelebt haben. Zum Zeitpunkt der Interviews waren sie in unterschiedlichen Krankheitsstadien: Einige waren akut betroffen, andere haben die Erkrankung komplett hinter sich gelassen. Die Berichte der Erzählerinnen umfassen unter anderem den Beginn ihrer Essstörung, deren Auswirkungen auf den Alltag sowie verschiedene Erfahrungen mit Hilfsangeboten. Die Nutzerinnen und Nutzer der Website können Ausschnitte zum jeweiligen Thema aus den Interviews anschauen, anhören oder lesen.

Die Internetplattform www.krankheitserfahrungen.de gibt es seit nunmehr acht Jahren. Sie ist ein Projekt der Abteilung Rehabilitationspsychologie und Psychotherapie am Institut für Psychologie der Universität Freiburg und des Instituts für Allgemeinmedizin der Universität Göttingen in Kooperation mit dem Institut für Public Health der Berliner Universitätsmedizin Charité.

Zur Website
www.krankheitserfahrungen.de

Kontakt:
Dr. Lisa Schäfer-Fauth
Institut für Psychologie
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-3041
lisa.schaefer@psychologie.uni-freiburg.de

Weitere Informationen:
https://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2018/erfahrungen-mit-essstoerungen?set_languag...

Quelle: idw

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Materialien für eine Nachhaltige Wasserwirtschaft - MachWas-Konferenz in Frankfurt am Main

Dr. Christine Dillmann Öffentlichkeitsarbeit
DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.

Die Fördermaßnahme MachWas des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) fördert Werkstoff- und Materialentwicklungen, um wirkungsvolle Impulse für eine nachhaltige Wasserwirtschaft durch Minimierung des Wasserverbrauchs, Maximierung der Wasserverfügbarkeit sowie Technologien zur Wasseraufbereitung und -gewinnung zu erzeugen.

Auf der MachWas-Konferenz Ende Mai.2018 in Frankfurt am Main stellten die Verbundprojekte ihre Fortschritte und Ergebnisse vor. Experten aus der Materialforschung für nachhaltige Wasserwirtschaft trafen sich bei dieser öffentlichen Veranstaltung zum Austausch und Diskurs über die neuen Erkenntnisse und Entwicklungen aus den geförderten Projekten.

Zusätzlich lud der MachWas-Marktplatz mit Postern und Exponaten dazu ein, sich weitergehend zu informieren. In ihrem Grußwort betonte MinR'in Liane Horst vom BMBF die Wichtigkeit, im Hinblick auf bestehende Herausforderungen wie z.B. übermäßige Wassernutzung, Schadstoffen und Plastikmüll in Gewässern mit Forschung zu Materialinnovationen für den Einsatz in der Wasserwirtschaft einen Beitrag zum Schutz der wertvollen Ressource Wasser zu leisten.

In MachWas entwickeln Akteure aus Wissenschaft, Wirtschaft und Praxis in 13 Verbundprojekten in vier Themenfeldern technologische Lösungen und neue Materialkonzepte.

Projekte aus dem Themenfeld „Materialien für Membranverfahren" beschäftigen sich mit Mikro-, Ultra- und Nanofiltration sowie Umkehrosmose, welche sich als Alternativen zu konventionellen Trennverfahren in der Wasserreinigung etablieren konnten und mittlerweile als Schlüsseltechnologien auch für die betriebliche Wasserkreislaufschließung und Wertstoffrückgewinnung gelten.

Das zweite Themenfeld befasst sich mit oxidativen und reduktiven Verfahren, welche auf eine Umwandlung von kritischen Substanzen abzielen. Mittels chemischer Reaktionen sollen diese Substanzen in weniger kritische Substanzen überführt und zum Teil dauerhaft immobilisiert werden. Aufgrund der in Prozess-, Ab- und Grundwasser in der Regel vorhandenen großen Anzahl verschiedener Substanzen ist die Selektivität der oxidativen und reduktiven Verfahren von hoher Bedeutung, um einen gezielten Abbau im Wasser zu ermöglichen.

Das Themenfeld „Adsorptionsmaterialien" zeigt auf, dass neben der Filtration die Adsorption eine bedeutende Rolle in der Wasserreinigung und -aufbereitung spielt. Besonders die Gewässerbelastung mit organischen, endokrinen und persistenten Stoffen (z. B. Medikamente und deren Metabolite) bereitet zunehmend Besorgnis. Adsorptionsmaterialien können dabei helfen, diese Stoffe zu binden und auf diesem Weg aus dem Wasserkreislauf zu entfernen.

Darüber hinaus werden in einem vierten Themenfeld Materialentwicklungen für weitere Anwendungen in der Wassertechnik gefördert. Fokus dieser Projekte sind die Reduzierung bzw. Entfernung von Mikroplastik in Wasserkreisläufen; Beschichtungen zur Verringerung von Fouling oder Scaling sowie die Umweltverträglichkeit von Hilfsstoffen.

Die in den Projekten angestrebten neuen Materialkonzepte bilden die Grundlage für weitere Fortschritte in der Entwicklung einer modernen und nachhaltigen Wassertechnologie.

Die DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. unterstützt mit dem wissenschaftlichen Begleitvorhaben MachWasPlus die BMBF-Fördermaßnahme durch die fachliche Begleitung und Vernetzung der geförderten Verbundprojekte. Darüber hinaus werden die Verbundprojekte bei der Identifizierung von Anwendungsfeldern und dem Transfer der Ergebnisse über die Wertschöpfungskette Materialien - Wassertechnologie - Anwendungsfelder in die Praxis unterstützt.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Thomas Track (thomas.track@dechema.de)
Katja Wendler (katja.wendler@dechema.de)
Alexander Frey (alexander.frey@dechema.de)

Weitere Informationen:
http://www.machwas-material.de - weitere Informationen zum Projekt

Quelle: idw

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Nach unten treten: Studie zeigt, wie Mitarbeiter zukünftige Rivalen kleinhalten

Kristina Brümmer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Kühne Logistics University - Wissenschaftliche Hochschule für Logistik und Unternehmensführung

Wettbewerb unter Kollegen führt nicht immer zu den besten Ergebnissen. Ist das Arbeitsklima zu kompetitiv, beginnt der Konkurrenzkampf unter den Mitarbeitern. Dabei sabotieren sie nicht nur Chefs und Mitarbeiter mit höherem Ansehen und Status, sondern verhindern auch den beruflichen Aufstieg von Kollegen, die sie in Zukunft überflügeln könnten. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Kühne Logistics University (KLU) in einer aktuellen Studie.

Es beginnt mit flapsigen Sprüchen, damit, dass man „vergisst", wichtige Informationen weiter zu geben, und reicht bis zur Sabotage einer Karriere: Social Undermining lautet der Fachbegriff, der ein subtiles negatives Verhalten gegenüber Kollegen beschreibt. In vielen Unternehmen ist dieses Verhalten an der Tagesordnung und schadet auf lange Sicht dem beruflichen Erfolg der Opfer. Bisher ging man davon aus, dass der Konkurrenzkampf vor allem zwischen Kollegen auf der gleichen Hierarchieebene tobt oder sich gegen Mitarbeiter mit höherem Status richtet. Zu Unrecht, wie eine aktuelle Studie zeigt. „Neid und daraus folgendes negatives Verhalten können sich auch auf Personen beziehen, die eigentlich auf einer niedrigeren beruflichen Ebene stehen", erklären Susan Reh, Christian Tröster und Niels Van Quaquebeke von der KLU. Die Doktorandin hat zusammen mit den beiden Professoren für Leadership and Organizational Behavior Vergleichsprozesse in Unternehmen und daraus resultierendes Verhalten untersucht. Für ihre Studie haben sie verschiedene Experimente durchgeführt.

„Wenn ich sehe, dass ein Kollege sich in der Vergangenheit besonders schnell beruflich entwickelt hat, nehme ich an, dass er das auch in Zukunft tun wird und mir damit meine Position streitig machen könnte." Grund genug für manche Mitarbeiter, den aufstrebenden Kollegen auf subtile Art zu sabotieren. „Aus Angst um meine eigene Position versuche ich, die Weiterentwicklung des anderen zu behindern", fasst Tröster das Phänomen zusammen.

Dieses Verhalten lässt sich nicht nur in bestehenden Teams beobachten. Es kann sogar Auswirkungen auf die Auswahl neuer Mitarbeiter haben. „Ein Vorgesetzter, der auf seinem Gebiet sehr gut ist, erwartet auch viel von seinen Mitarbeitern und wird nur Top-Leute in sein Team holen", erklärt Van Quaquebeke. „Ein Chef mit geringerem Potential wird dagegen eher Mitarbeiter einstellen, deren Fähigkeiten noch unter seinen eigenen liegen. Aus Angst, von kompetenteren Mitarbeitern überflügelt zu werden, arbeitet er lieber mit einem mittelmäßigen Team."

Besonders häufig kommen die Sabotageversuche laut den Wissenschaftlern in Unternehmen mit einem ausgeprägten Wettbewerb unter den Mitarbeitern vor. Der kann zum Beispiel durch leistungsbasierte Bonussysteme angefacht werden. „Wenn alle nur nach dem Bonus schielen, führt das zu Vergleichen, Konkurrenz und Missgunst untereinander. Dann geht es nur noch darum, den eigenen Vorteil zu wahren. Auf Kosten der Kollegen." sagt Van Quaquebeke.

Aus ihren Ergebnissen ziehen die Wissenschaftler verschiedene Schlüsse. „Unternehmen sollten gut überlegen, ob und in welcher Form sie Bonussysteme einführen", gibt Doktorandin Reh zu bedenken. Manager und Personalverantwortliche müssten sich die Frage stellen, wie viel Konkurrenz dem Team gut tut. „Sonst werden die mühsam geförderten High Potentials von den eigenen Kollegen sabotiert und an der Karriere gehindert."

Auch für Mitarbeiter hat Reh eine Empfehlung: Sich möglichst leistungsstarke Chefs und Kollegen zu suchen. „Auf den ersten Blick scheint es anstrengender zu sein, mit hohen Leistungsstandards mitzuhalten. Auf lange Sicht ist das aber besser als von Vorgesetzten, die sich um ihre Position sorgen, am eigenen Fortschritt gehindert zu werden."

Der Artikel "Keeping (Future) Rivals Down: Temporal Social Comparison Predicts Coworker Social Undermining via Future Status Threat and Envy" ist im Journal of Applied Psychology erschienen.
http://dx.doi.org/10.1037/apl0000281

Über die KLU
Die Kühne Logistics University - Wissenschaftliche Hochschule für Logistik und Unternehmensführung (KLU) ist eine private Hochschule mit Sitz in der Hamburger HafenCity. Die Schwerpunkte der unabhängigen, staatlich anerkannten Hochschule liegen in den Bereichen Logistik und Management. Mit einem Bachelor- und drei Masterstudiengängen, einem strukturierten Doktorandenprogramm und einem berufsbegleitenden MBA bietet die KLU ihren 330 Vollzeit-Studierenden eine hohe Spezialisierung und exzellente Studienbedingungen. Fach- und Führungskräfte profitieren in offenen und maßgeschneiderten Managementseminaren von der Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse auf praktische Fragestellungen.

Die KLU richtet sich an Studierende aus dem In- und Ausland, ein internationales Team von 22 Professoren unterrichtet auf Englisch. Die Forschung an der KLU konzentriert sich um die Kompetenzschwerpunkte Sustainability, Digital Transformation und Creating Value in den Bereichen Transport, globale Logistik und Supply Chain Management.

2017 hat die KLU das Promotionsrecht erhalten und ist damit eine von nur 15 der 118 privaten Hochschulen in Deutschland, die eigenständig Doktortitel vergeben dürfen.
Im neuesten CHE-Hochschulranking erreicht die KLU in allen Hauptkriterien die Höchstbewertung.

Mehr Informationen unter www.the-klu.org. Regelmäßige Neuigkeiten auf Twitter unter @THE_KLU.

Pressekontakt:
Kristina Brümmer
PR Manager
Tel.: +49 40 32 87 07-152
kristina.bruemmer@the-klu.org

Quelle: idw

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Begrünte Fassaden in den Städten helfen gegen Feinstaub, Stickoxide und Hitze

Anneliese Odenthal Presse und Kommunikation
Universität zu Köln

Kölner Wissenschaftler zeigen, dass Fassadenbegrünung in Städten messbare Vorteile für Luftqualität, Sauerstoffproduktion und Artenvielfalt mit sich bringt

Wissenschaftler von der Universität zu Köln und dem Forschungszentrum Jülich haben gezeigt, dass grüne Fassaden nicht nur das Hausklima positiv regulieren, sondern auch gesundheitsschädliche Stickoxide und Feinstaubpartikel absorbieren und filtern.

Das Team um Professor Dr. Hans Georg Edelmann vom Institut für Biologiedidaktik der Uni Köln hatte die Tagestemperatur-Verläufe von Efeu-begrünten Fassaden im Vergleich zu klassischen, verputzten Hausfassaden sowie die fassadennahe Luftfeuchte über mehrere Wochen aufgezeichnet. Dabei zeigte sich, dass Efeu, wie auch andere (Kletter-)Pflanzen, im Sommer nachhaltig kühlend, im Winter wärmeisolierend auf die Fassaden wirkt: Es gab keine starken Temperaturunterschiede wie bei den unbegrünten Hausfassaden. So zeigte die grüne bewachsene Fassade im Sommer im unteren Temperaturbereich Temperaturschwankungen von 10 bis 13 Grad Celsius am Tag, während die Temperatur von blanke Hausfassade um bis zu 35 Grad Celsius schwankten.

Zusammen mit dem Forschungsinstitut Jülich untersuchten die Kölner Forscher zudem die Wirkung von Efeu auf die Absorption von Stickoxiden (NOx) und die Adsorption (Bindung und Anreicherung von Stoffen an die Blattfächen) von Feinstaub mit einer durchschnittlichen Größe von 2,5 Mikrometer (PM 2,5). Sie konnten zeigen, dass Efeu die gesundheitsschädlichen Stickoxide absorbierte und den Feinstaub filtrierte. Zudem hat die Bepflanzung einen positiven Effekt auf die Absorption des Treibhausgases CO2.

Städte sind durch sehr hohe Verkehrsdichten sowie intensive Verbauung gekennzeichnet. Den wenigen freien Grünflächen stehen ein Vielfaches an Asphalt-, Beton- sowie Dach- und Fassadenflächen gegenüber, die im Sommer intensiv aufgeheizt werden und im Winter recht schnell auskühlen. Das führt im Rahmen des Klimawandels neben anderen negativen Effekten (Stickoxidbelastung, CO2-Belastung) zunehmend zu einer Überhitzung der Städte und zu einer Konzentrierung von Feinstaubpartikeln, deren gesundheitsschädliche Wirkung im Zusammenhang mit Krebs, Diabetes, Asthma, Herzinfarkt und weiteren Krankheiten wie Demenzerkrankungen diskutiert wird.

„Begrünte Fassaden stellen eine sehr sinnvolle Maßnahme zur Anpassung an den Klimawandel dar - nicht nur im Hinblick auf die Stadttemperatur, sondern auch hinsichtlich der Feinstaubproblematik", erläutert Biologe Edelmann. Grundsätzlich trügen grüne Fassaden zu einer ganzen Reihe städteklimatisch vorteilhafter Eigenschaften bei, so Edelmann weiter: „Fassadenbepflanzung verbessert sowohl das Stadt- als auch das Raumklima, mindert Überhitzung und Smog, sie produziert Sauerstoff und trägt zur Erhaltung und Erhöhung der Artenvielfalt in der Stadt als Lebensraum für Fauna und Flora bei."

Edelmann beobachtet: „Leider haben mit Kletterpflanzen bewachsene Fassaden zumindest in der deutschen Gesellschaft bislang kein gutes Image. Sie werden von vielen Menschen als Indikator für Vernachlässigung und Verfall von Gebäuden, als gebäudeschädigend und betreuungsintensive Gewächse angesehen." Im Kontext des Klimawandels und der zu erwartenden, noch stärkeren Aufheizung der Städte sowie der anhaltenden Verschlechterung der Luftqualität vor allem durch Autoabgase scheine sich dieses Image jedoch zu ändern.

Typische Fassaden-Kletterpflanzen sind der Efeu (Hedera helix) mit zahlreichen Sorten oder der Wilde Wein (Parthenocissus). Sie sind sehr anpassungsfähig und trockenheitsverträglich und gedeihen auch an verhältnismäßig anspruchslosen Standorten.

Inhaltlicher Kontakt:
Prof. Dr. Hans Georg Edelmann
Institut für Biologiedidaktik
+49 221 478-1893
h.edelmann@uni-koeln.de

Presse und Kommunikation:
Anneliese Odenthal
+49 221 470-5602
odenthal@uni-koeln.de

Quelle: idw

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Fakten: Häufige Arbeit am Limit belastet stark

Jörg Feldmann Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Etwa jeder sechste abhängig Beschäftigte arbeitet häufig an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit. Dabei sehen sie sich sowohl höheren körperlichen Belastungen wie schwerem Heben und Tragen als auch höherer psychischer Belastung beispielsweise durch Termin- und Leistungsdruck ausgesetzt als die übrigen Erwerbstätigen. Nur jeder fünfte Betroffene bezeichnet seinen Gesundheitszustand als sehr gut oder ausgezeichnet. Bei den übrigen Erwerbstätigen ist es etwa jeder Dritte. Das zeigen Ergebnisse der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2012.

Das jetzt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlichte Faktenblatt „Arbeiten an der Leistungsgrenze" fasst die Ergebnisse zusammen. Dabei geht das Faktenblatt dezidiert auf die Pflegeberufe ein, die besonders betroffen sind.

Häufiges Arbeiten an der Grenze der Leistungsfähigkeit geht mit gesundheitlichen Beschwerden einher und wird von den Betroffenen als belastend wahrgenommen. 16 Prozent der abhängig Beschäftigten arbeiten häufig an der Leistungsgrenze. In den Pflegeberufen verdoppelt sich fast dieser Anteil (30 Prozent). Der Löwenanteil der Betroffenen fühlt sich durch diese Anforderung belastet (74 Prozent bei den Beschäftigten/85 Prozent in den Pflegeberufen). Rund vier von fünf Beschäftigten, die häufig ihre Leistungsgrenze erreichen, sehen sich starkem Termin- und Leistungsdruck ausgesetzt. Bei den übrigen Beschäftigten ist es nur knapp jeder Zweite (46 Prozent). Sie werden auch deutlich seltener bei der Arbeit gestört, müssen seltener sehr schnell arbeiten oder mehrere Aufgaben gleichzeitig betreuen, als Erwerbstätige, die oft an ihre Leistungsgrenze gehen. In dieser Personengruppe berichtet zudem jeder Dritte über häufige gefühlsmäßige Belastung (31 Prozent), während das bei den übrigen Beschäftigten nur jeder zwölfte tut. Wer häufig seine Leistungsgrenze erreicht, arbeitet doppelt so häufig unter Zwangshaltung (28 Prozent) oder bewegt schwere Lasten (40 Prozent) als die übrigen Erwerbstätigen. Im Pflegebereich sind die körperlichen Belastungen, beispielsweise aufgrund des notwendigen Patiententransfers, noch deutlich höher.

Die höheren körperlichen und psychischen Belastungen von Menschen, die häufig an ihre Leistungsgrenze gehen, spiegeln sich in ihrer gesundheitlichen Situation wider. Rund zwei Drittel der Betroffenen geben an, unter drei oder mehr psychosomatischen Beschwerden wie Müdigkeit, Erschöpfung oder Reizbarkeit zu leiden. Bei den Beschäftigten, die manchmal, selten oder nie an ihre Grenzen gehen, ist es nur etwa jeder Dritte. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Beschwerden im Bewegungsapparat.

Deshalb sollte gerade in Berufen mit besonders hohen psychischen und körperlichen Anforderungen, wie etwa in der Pflege, die Gestaltung guter Arbeitsbedingungen in den Mittelpunkt rücken. Führungskräfte sollten geeignete Maßnahmen ergreifen, indem sie beispielsweise mehr Personal einplanen, realistische Ziele vereinbaren und Fort- und Weiterbildungen anbieten. Auch neue Technologien sollten daraufhin beurteilt werden, ob sie den Arbeitsalltag der Beschäftigten erleichtern können.

baua: Fakten „Arbeiten an der Leistungsgrenze" gibt es als PDF im Internetangebot der BAuA unter http://www.baua.de/dok/8749542.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des BMAS. Sie betreibt Forschung, berät die Politik und fördert den Wissenstransfer im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Zudem erfüllt die Einrichtung hoheitliche Aufgaben im Chemikalienrecht und bei der Produktsicherheit. An den Standorten Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz arbeiten über 700 Beschäftigte.
http://www.baua.de

Die BAuA ist Partner im Wissenschaftsjahr 2018 - Arbeitswelten der Zukunft

Quelle: idw

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Tonnenweise CO2 einsparen - Klimaschutzprojekt ‚InSekt‘ startet

Ulrike Bohnsack Ressort Presse - Stabsstelle des Rektorats
Universität Duisburg-Essen

Immer noch stößt Deutschland zu viele Treibhausgase aus. Ein Projekt der Universität Duisburg Essen (UDE), der Bergischen Universität Wuppertal sowie der Stadtwerke Lemgo könnte den Klimaschutz voranbringen. Ihre Idee: Eine umweltfreundliche Abwasser-Wärmepumpe wird durch eine neuartige Automatisierung so gesteuert, dass jährlich etwa 3.200 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. ‚InSekt‘, so der Name des vielversprechenden Vorhabens, wird aus EU- und Landesmitteln gefördert.*

Aus Abwasser lässt sich sehr gut Wärme gewinnen - genau das möchten die Stadtwerke Lemgo tun: Sie beginnen demnächst mit dem Aufbau einer großen Wärmepumpe an ihrer zentralen Kläranlage. Dort soll mithilfe von Wind- und Solarenergie Wärme aus dem Abwasser gewonnen und ins örtliche Netz eingespeist werden. Etwa 1.600 Haushalte und Betriebe ließen sich dadurch beheizen und mit warmem Wasser versorgen.

Zwar haben Fernwärmenetze einen hohen Wirkungsgrad, es geht aber auch immer Energie verloren, sei es bei der Einspeisung oder dem Transport durchs Leitungssystem. Um die Verluste möglichst gering zu halten, entwickeln die Wissenschaftler beider Universitäten eine neue Betriebsstrategie. So genannte Softwareagenten steuern und regeln die Anlagen automatisch. Diese eigenständig arbeitenden Computerprogramme kennt man etwa aus der industriellen Fertigung; sie in Wärmeversorgungsystemen zu installieren, ist hingegen neu.

Die Energietechniker der UDE, die das Projekt leiten, sind Experten für Wärmenetze. Sie sorgen im Projekt dafür, dass Messwerte und Faktoren - etwa Netztemperaturen - korrekt berücksichtigt werden und die Anlagen stabil Wärme liefern. Die Wirtschaftsinformatiker der UDE entwickeln die Software weiter und integrieren beispielsweise Netzdaten der Stadtwerke oder aktuelle Wettervorhersagen in das Programm.

Die Wuppertaler Fachleute für Elektrische Energieversorgungstechnik bringen ihr Wissen zu den Stromnetzen ein. Da die Wärmepumpe mit einer hohen Leistung (etwa 1,1 Megawatt) versorgt werden muss, wirkt sich das auf die Stabilität des Lemgoer Stromnetzes aus. Dies muss bei der Regelung der Wärmepumpe berücksichtigt werden.

Die drei Projektpartner sind überzeugt, dass sich mit dieser intelligenten Kopplung von Strom und Wärme jährlich um die 3.200 Tonnen Kohlendioxid einsparen lassen. Spätestens im Frühjahr 2021 werden sie wissen, ob sie damit richtigliegen. Anschließend möchten sie die Steuerung mittels Softwareagenten auf andere Anlagen, beispielsweise Solaranlagen, übertragen. So ließe sich künftig überschüssige Solarenergie in das Wärmenetz einspeisen.

* InSekt (Intelligente Sektorenkopplung zur Reduktion von CO2-Emissionen in Energieversorgungssystemen) gehört zu den Gewinnern im Klimaschutzwettbewerb EnergieSektorenkopplung.NRW. Das Projekt erhält aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) knapp 700.000 Euro für drei Jahre.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Universität Duisburg-Essen: Christian Thommessen, Energietechnik, Tel. 0203/37-9-2745, christian.thommessen@uni-due.de
Nils Loose, Wirtschaftsinformatik und Softwaretechnik, Tel. 0201/18-32467, nils.loose@icb.uni-due.de
Bergische Universität Wuppertal: Marcel Ludwig, Elektrische Energieversorgungstechnik, Tel. 0202/439-1978, marcel.ludwig@uni-wuppertal.de
Stadtwerke Lemgo: Ralf Settertobulte, Bereichsleiter Netze, Tel. 05261/255-107, settertobulte@stadtwerke-lemgo.de

Quelle: idw

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Lebensmittel im Blickpunkt: Vorgeschnittenes Obst und Blattsalate können mikrobiell belastet sein

Nina Banspach Pressestelle
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Obstbecher und in Folien verpackte Blattsalate müssen gekühlt angeboten und aufbewahrt werden

Praktisch, appetitlich und vitaminreich - aufgeschnittenes Obst und vorgeschnittene Blattsalate werden gerade im Sommer gerne für unterwegs mitgenommen. Doch vom Anbau bis zur Verpackung besteht das Risiko einer mikrobiellen Kontamination, wie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin betont. Die Untersuchungsergebnisse der Bundesländer der vergangenen Jahre zeigen, dass Enterobakterien, Schimmelpilze und Hefen vermehrt auftreten. Bei vorgeschnittenen, verpackten Blattsalaten wurden in Einzelfällen auch potentiell krankmachende Keime nachgewiesen. Verbraucher sollten daher darauf achten, dass Obst und Salate, die vorgeschnitten sind, im Handel immer gekühlt angeboten und zu Hause im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Sowohl zerkleinertes Obst als auch zerkleinerte, in Folien verpackte Blattsalate gehören zu den leicht verderblichen Lebensmitteln. Lebensmittelunternehmer müssen daher bei diesen Produkten strenge Hygienevorschriften beachten. Ob diese eingehalten werden, überprüfen die Lebensmittelüberwachungsbehörden der Bundesländer regelmäßig. So werden im Rahmen des risikoorientierten Bundesweiten Überwachungsplanes (BÜp) und des repräsentativen Zoonosen-Monitorings Lebensmittel regelmäßig auf mikrobiologische Parameter untersucht.
Im BÜp 2016 wurden 745 Proben vorverpackten aufgeschnittenen Obstes (Obstmischungen und exotisches Obst) auf diverse Mikroorganismen untersucht. Dabei wurde nicht jede Probe auf alle Untersuchungsparameter untersucht. 80 % der Proben wurde im Handel gekühlt angeboten.

Am häufigsten konnten Schimmelpilze nachgewiesen werden - 135 von 737 Proben (18 %) enthielten Gehalte über dem DGHM-Richtwert (Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie). In 81 (11 %) bzw. 31 (4,3 %) der 713 darauf untersuchten Proben wurden die Richt- bzw. Warnwerte für Enterobakterien überschritten. Dies ist ein möglicher Hinweis darauf, dass die Prinzipien einer guten Hygienepraxis nicht eingehalten wurden. Die Anzahl an Hefen überschritt in 65 (9 %) von 738 auswertbaren Proben den DGHM-Richtwert. In fünf von 745 Proben konnte Escherichia coli nachgewiesen werden, zwei Proben davon überschritten den DGHM-Richtwert. In zwei von 700 Proben wurden die Richtwerte für koagulase-positive Staphylokokken überschritten. Salmonellen konnten in keiner der 632 ausgewerteten Obstproben nachgewiesen werden.

Keine Salmonellen in Melonen
Ein Jahr zuvor standen ungekühlte und aufgeschnittene Wasser-, Honig-, Cantaloupe- und Netzmelonen im Fokus der Überwachungsämter. Sie wurden auf Salmonellen untersucht. Hier war das Ergebnis erfreulicher. Von den 486 untersuchten Proben waren alle mikrobiologisch unauffällig - in keiner der Proben konnte Salmonella spp. nachgewiesen werden.

Die im Zoonosen-Monitoring des Jahres 2015 untersuchten Proben von vorgeschnittenen, verpackten Blattsalaten waren in Einzelfällen mit potentiell krankmachenden Keimen kontaminiert. In einer der 391 Proben (0,3 %) wurden Salmonellen nachgewiesen. Den gesetzlichen Anforderungen gemäß gilt vorzerkleinerter Salat, in dem Salmonellen nachgewiesen werden, als gesundheitsschädlich und muss vom Markt genommen werden. 2 % der 344 Proben von vorgeschnittenen, verpackten Blattsalaten waren mit Listeria monocytogenes kontaminiert. Allerdings wurden nur niedrige Keimgehalte festgestellt, die üblicherweise keine Gesundheitsgefahr für den Menschen darstellen.

Tipps für Verbraucher
Aufgrund der Anbaubedingungen können Obst und Salate in Kontakt mit diversen Mikroorgansimen kommen. Vorgeschnittene Salate und abgepackte Obststücke werden roh verzehrt und durchlaufen in aller Regel keinen Produktionsschritt, der geeignet ist, die Mikroorganismen abzutöten. Während das Obst durch das Aufschneiden und den damit verbundenen Kontakt mit der Schale kontaminiert werden kann, sorgen bereits kleine Schnitt- und Bruchstellen bei Salatblättern und dem dort austretenden Saft für das Wachstum verschiedener Mikroorganismen. Das häufig säurearme Fruchtfleisch der angebotenen Obstsorten und das feuchte Milieu der folienverpackten Salatmischungen fördern das Wachstum der Keime. Werden die Produkte dann noch ungekühlt gelagert, können sich die Bakterien noch schneller vermehren. Das BVL rät daher, beim Kauf von vorgeschnittenem Obst und Salaten auf Folgendes zu achten:

- Eine hohe Keimbelastung ist selten mit bloßem Auge zu erkennen. Trotzdem lohnt ein gezielter Blick, um den Frischezustand des Produktes zu erkennen. Farbverlust, braune Stellen oder viel Flüssigkeit weisen auf eine mangelnde Frische hin. Ebenso kritisch ist eine gewölbte Verpackung, da die gebildeten Gase Zeichen der einsetzenden Gärung sind.

- Achten Sie beim Kauf darauf, dass vorgeschnittenes Obst und Salate im Kühlregal liegen, und halten sie das Verbrauchs- bzw. Mindesthaltbarkeitsdatum ein.

- Verzehren Sie das aufgeschnittene Obst bzw. den bereits zerkleinerten Salat rasch oder bewahren Sie es im Kühlschrank oder einer Kühltasche auf. Entsorgen Sie Produkte, die längere Zeit einer hohen Temperatur ausgesetzt waren, also beispielsweise ungekühlt gelagert oder gar dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt wurden.

Hintergrundinformation
Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ist eine eigenständige Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Das BVL ist für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, Tierarzneimitteln und gentechnisch veränderten Organismen in Deutschland zuständig. Im Bereich der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit übernimmt es umfassende Managementaufgaben und koordiniert auf verschiedenen Ebenen die Zusammenarbeit zwischen dem Bund, den Bundesländern und der Europäischen Union. In der Rubrik „Lebensmittel im Blickpunkt" stellt das BVL regelmäßig Informationen zu bestimmten Lebensmitteln zusammen.

Weiterführende Informationen
Berichte zur Lebensmittelsicherheit - Bundesweiter Überwachungsplan (BÜp):
http://www.bvl.bund.de/buep

Berichte zur Lebensmittelsicherheit - Zoonosen-Monitoring:
http://www.bvl.bund.de/zoonosenmonitoring

Fragen und Antworten des Bundesinstituts für Risikobewertung zum Schutz vor Lebensmittelinfektionen im Privathaushalt: http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zum_schutz_vor_lebensmittelinfekt...

Anhang
2018 06 28 PI Obst und Salate
https://idw-online.de/de/attachment66007

Quelle: idw

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Naturbewusstseinsstudie: Deutsche wollen besseren Meeresschutz und keine Genpflanzen

Ruth Schedlbauer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesamt für Naturschutz

Umfrage: Plastikmüll im Meer wird als Bedrohung gesehen, große Unterstützung für Meeresschutzgebiete
Eine große Mehrheit der Deutschen sieht die Vermüllung der Meere durch Plastik als Gefahr für den Naturschutz und unterstützt die Einrichtung von Meeresschutzgebieten. Die große Mehrheit der mehr als 2.000 Befragten der aktuellen Naturbewusstseinsstudie wünscht sich auch strengere Regeln und Gesetze, damit die Fischerei mehr für den Schutz der Meeresumwelt tut. Verbraucherinnen und Verbraucher wollen sich zudem darauf verlassen können, dass der Handel keine Produkte von bedrohten Fischarten anbietet.

Ein Großteil der Bevölkerung spricht sich außerdem für eine Kennzeichnungspflicht von tierischen Produkten aus, die mit gentechnisch manipulierter Nahrung gefüttert wurden. Das sind einige Ergebnisse der alle zwei Jahre erscheinenden Naturbewusstseinsstudie, die Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz, heute in Berlin vorgestellt haben.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: „Im Kampf gegen den Plastikmüll in unseren Meeren unterstützt uns fast die gesamte Bevölkerung. Die Vermüllung gefährdet Ökosysteme auf dem ganzen Planeten. Wir müssen daher weltweit überflüssiges Plastik vermeiden und den Rest im Kreislauf halten und recyceln. Eine große Mehrheit der Befragten unterstützt zudem Meeresschutzgebiete und strengere Regelungen für die Fischerei zum Schutz der Natur. Auch die Bedenken der Bürgerinnen und Bürger gegenüber der Gentechnik nehme ich sehr ernst. Wir brauchen endlich bundesweit einheitliche Regelungen, um den Anbau von Genpflanzen zu verbieten."

BfN-Präsidentin Beate Jessel: „Die Bevölkerung in Deutschland gibt uns starke Signale, dass wir uns für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der Meere einsetzen sollen: Neun von zehn Befragten befürworten die Einrichtung von Naturschutzgebieten in Nord- und Ostsee. Wir brauchen derart geschützte Gebiete, in denen Tiere und Pflanzen möglichst ungestört leben können. Die Menschen wissen auch um die Gefährdung dieser Lebensräume durch Abfälle und Schadstoffeinträge. Die Schädigung von Arten und Lebensräumen in den Meeren durch die Fischerei ist ebenfalls sehr stark in ihrem Bewusstsein verankert. Damit besteht in der Bevölkerung Deutschlands ein großer Rückhalt für stringentere Regelungen hin zu einer nachhaltigen Fischerei."

Zum ersten Mal wurde in der Naturbewusstseinsstudie auch die Einstellung der Deutschen zum Meeresnaturschutz detailliert abgefragt. Die Auswertung zeigt, dass der Bevölkerung der Schutz und die nachhaltige Nutzung der Meere ein großes Anliegen ist. So befürwortet eine überwältigende Mehrheit von 94 Prozent der Befragten Naturschutzgebiete in Nord- und Ostsee, 53 Prozent halten solche Gebiete sogar für „sehr wichtig". Zudem sprechen sich 83 Prozent der Befragten für strengere Regeln und Gesetze aus, damit die Fischerei mehr für den Naturschutz tut, selbst wenn dadurch die Fischpreise steigen. 92 Prozent der Befragten möchten sich darauf verlassen können, dass der Handel keine Fischprodukte von bedrohten Arten anbietet, 90 Prozent befürworten die Kennzeichnung von Fischprodukten aus naturschonender Fischerei. Unter den wahrgenommenen Gefährdungsursachen steht Plastikmüll an erster Stelle, 78 Prozent sehen darin ein „sehr großes Problem". Erdölverschmutzung (71 Prozent) und radioaktive Abfälle (66 Prozent) folgen dicht darauf.

Gegenüber dem Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft vertritt eine große Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland eine skeptische Position: So sprechen sich 79 Prozent der Befragten für ein Verbot von Gentechnik in der Landwirtschaft aus. 93 Prozent sind der Meinung, dass mögliche Auswirkungen auf die Natur immer untersucht werden sollten, wenn Pflanzen gezielt gentechnisch verändert werden. Ebenso sprechen sich 93 Prozent der Befragten dafür aus, Lebensmittel von Tieren, die mit gentechnisch veränderter Nahrung gefüttert werden, im Handel zu kennzeichnen.

Der aktuellen, mittlerweile fünften Naturbewusstseinsstudie liegt eine bundesweite Befra-gung zugrunde, die zum Jahresende 2017 durchgeführt wurde. Insgesamt 2.065 zufällig ausgewählte Personen aus der deutschsprachigen Wohnbevölkerung im Alter ab 18 Jahren nahmen an der Studie teil. Die Naturbewusstseinsstudie erfasst die gesellschaftlichen Einstellungen zur Natur und biologischen Vielfalt in Deutschland. Sie stellt aktuelle und empirisch abgesicherte Daten bereit, die für die Naturschutzpolitik, den öffentlichen Diskurs und die Bildungsarbeit wertvolle Grundlagen sind. Die Naturbewusstseinsstudien werden im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für Naturschutz seit 2009 alle zwei Jahre veröffentlicht.

Die Naturbewusstseinsstudie 2017 sowie ein Informationspapier mit wesentlichen Aussagen der Studie steht zum Download unter: https://www.bmu.de/PU496

Weitere Informationen:

https://www.bmu.de/PU496

Quelle: idw

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Sauberer Strom ist nicht genug: Mehr Klimaschutz in Industrie, Verkehr und Gebäuden nötig

Jonas Viering Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Kohle versus Wind- und Solarenergie - die Debatte über die Pariser Klimaziele dreht sich oft um die Stromversorgung. Doch selbst in einer Welt strenger Klimapolitik und sauberer Stromerzeugung könnte die verbleibende Nutzung fossiler Brennstoffe in der Industrie, dem Verkehr und im Wärmesektor noch genügend CO2-Emissionen verursachen, um die von der internationalen Gemeinschaft vereinbarten Klimaziele zu gefährden. Das hat jetzt ein internationales Forscherteam ermittelt. Die in Nature Climate Change veröffentlichte Studie ist die erste, die sich speziell auf die fossilen Rest-Emissionen jener Sektoren konzentriert, die nicht so leicht dekarbonisiert werden können wie die Stromerzeugung.

+++GRAFIK und VIDEO auf Anfrage verfügbar+++
"Wir wollten herausfinden, was wirklich zählt bei Kohlenstoffbudgets und Rest-Emissionen. Um entscheidende Engpässe auf dem Weg zu einer CO2-freien Wirtschaftsweise in Richtung einer Klimastabilisierung bei 1,5 oder 2 Grad Celsius zu erkennen, haben wir uns auf die Rolle der Emissionen fossiler Brennstoffe konzentriert, die in Industrien wie der Zementproduktion oder Stahlherstellung entstehen, die unseren Transportsektor vom Auto über die Fracht bis zur Luftfahrt antreiben, und die unsere Gebäude beheizen", erklärt Shinichiro Fujimori, Forscher des Nationalen Institutes für Umweltstudien (NIES) und der Universität Kyoto in Japan. "Diese Sektoren sind viel schwieriger CO2-frei zu bekommen als unsere Energieversorgung, da es hier keine so offensichtlichen Alternativen wie die Erzeugung von Wind- und Solarstrom gibt."

Dabei zeigt sich, dass es tatsächlich diese Sektoren sind, die entscheidend bestimmen, wieviel CO2 in diesem Jahrhundert ausgestoßen wird, sowie ob und wieviel die Welt auf sogenannte negative Emissionen angewiesen sein wird - Technologien also, die der Atmosphäre CO2 entziehen. Und letztlich sind diese Sektoren dafür entscheidend, ob die international vereinbarten Klimaziele erreicht werden können.

+++Für 1,5° Celsius sind negative Emissionen nicht mehr eine bloße Möglichkeit - sondern eine Notwendigkeit+++
Das Pariser Ziel, die globale Erwärmung deutlich unter 2° Celsius und vielleicht sogar bei 1,5° zu halten, bedeutet eine enge Beschränkung der CO2-Emissionen bis 2100. Nach gegenwärtigen Abschätzungen beträgt das verbleibende Emissions-Budget für das 1,5°C-Ziel möglicherweise lediglich 200 Gigatonnen CO2, was in krassem Gegensatz zu den 4.000 Gigatonnen CO2 steht, die bei einer Fortsetzung der aktuellen Trends ausgestoßen würden. Die von den Nationalstaaten bisher zugesagten Minderungsmaßnahmen reichen nicht aus, um die Emissionen ausreichend zu reduzieren. Dies gibt Anlass zur Sorge, dass wir zunehmend von unsicheren und potenziell risikoreichen Technologien für negative Emissionsen abhängig werden. Diese entziehen der Atmosphäre CO2, indem sie beispielsweise die Bioenergienutzung mit dem Abscheiden und Speichern von CO2 aus Kraftwerksabgasen deutlich ausbauen (Carbon Capture and Storage, CCS).

Daher untersuchten die Forscher verschiedene Dekarbonisierungspfade zu den Pariser Klimazielen. Mit ernüchternden Ergebnissen: "Wir haben errechnet, dass selbst bei enormen Anstrengungen aller Länder, einschließlich einer frühzeitigen und substanziellen Stärkung der beabsichtigten nationalen Beiträge, im Fachjargon NDCs oder nationally determined contributions genannt, die verbleibenden fossilen Kohlenstoffemissionen bei etwa 1000 Gigatonnen CO2 verbleiben werden", erklärt Gunnar Luderer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK, Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft), Hauptautor der Studie. "Dies scheint das untere Ende dessen zu sein, was selbst mit sehr ehrgeiziger Klimapolitik erreicht werden kann, da ein Großteil der Rest-Emissionen aufgrund der vorhandenen Infrastrukturen und der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen bereits fest im System drin ist." Um das 1,5°C-Ziel für die Erwärmung am Ende des Jahrhunderts anzustreben, wäre eine unglaublich große Menge von mindestens 600 Gigatonnen CO2-Entfernung erforderlich - das entspricht dem 15-fachen der derzeitigen jährlichen CO2-Emissionen, betont Luderer. "Negative Emissionen wäre also nicht mehr eine unter mehreren möglichen Optionen, sondern eine geophysikalische Notwendigkeit."

Das Team von Modellierern aus ganz Europa, den USA und Japan arbeitete mit sieben hochmodernen Integrated Assessment Models - ausgefeilte Computersimulationen, welche die sozialen und wirtschaftlichen Wechselwirkungen, die den Klimawandel bestimmen, sowie die Möglichkeiten zur Stabilisierung des Klimas durch Reduzierung der Treibhausgasemissionen unter Berücksichtigung der Temperaturziele sowie der wirtschaftlichen Kosten und technologischen Optionen beschreiben. Ihre Studie ist der erste Multi-Modell-Vergleich im Lichte der Pariser Vereinbarung, der Szenarien einer frühzeitigen Stärkung der politischen Ambitionen im Einklang mit den 1,5-2°C-Zielen mit Szenarien kontrastiert, die keine Stärkung der Klimaversprechen der Länder vor 2030 unterstellen.

+++Jede Verzögerung bindet die Welt noch enger an fossile Infrastrukturen+++
"Unsere Analyse zeigt, dass die Stabilisierung der Erwärmung im Bereich von 1,5 bis 2° Celsius neben einer schnellen vollständigen Dekarbonisierung der Energieversorgung auch eine erhebliche Reduzierung des Energiebedarfs in Sektoren wie Industrie, Verkehr und Gebäude erfordert", betont Zoi Vrontisi vom E3MLab der Nationalen Technischen Universität Athen. "Um die für die 1,5°-Stabilisierung erforderlichen zusätzlichen Einsparungen an fossilen Brennstoffen zu erreichen, müssen wir die Verbesserung der Energieeffizienz und eine weitgehende Elektrifizierung des gesamten Energiebedarfs beschleunigen." Die Forscher zeigen auch, dass eine Verzögerung der Stärkung der von den Nationen angekündigten Treibhausgasreduktionen (NDCs) vor 2030 nicht nur bedeuten würde, dass zu einem späteren Zeitpunkt noch mehr Emissionen reduziert werden müssten. Es würde vor allem auch die Abhängigkeit von Technologien zur Kohlendioxid-Entfernung erhöhen, da sie noch mehr Investitionen in fossilen Infrastrukturen bindet, so die Studie. Dies dürfte das 1,5°C-Ziel insgesamt außer Reichweite bringen.

"Klimaschutz mag eine komplexe Herausforderung sein, aber am Ende geht es nur um einfache Mathematik: Um die Pariser Ziele zu erreichen, müssen die zukünftigen CO2-Emissionen innerhalb eines begrenzten Budgets gehalten werden", fasst Elmar Kriegler vom Potsdam-Institut zusammen. „Je mehr das Budget überschritten wird, desto relevanter werden Technologien zur Kohlendioxid-Entnahme aus der Luft, die mit großen Unsicherheiten behaftet sind. Auch wenn es immer noch schwierig ist, das verbleibende CO2-Budget für 1,5° Celsius genau zu bestimmen, so ist doch eines ganz klar: Die Treibhausgase müssen deutlich schneller reduziert werden als bisher geplant, um die Pariser Ziele zu erreichen."

Artikel: Gunnar Luderer, Zoi Vrontisi, Christoph Bertram, Oreane Y. Edelenbosch, Robert C. Pietzcker, Joeri Rogelj, Harmen Sytze De Boer, Laurent Drouet, Johannes Emmerling, Oliver Fricko, Shinichiro Fujimori, Petr Havlík, Gokul Iyer, Kimon Keramidas, Alban Kitous, Michaja Pehl, Volker Krey, Keywan Riahi, Bert Saveyn, Massimo Tavoni, Detlef P. Van Vuuren, Elmar Kriegler (2018): Residual fossil CO2 emissions in 1.5-2°C pathways. Nature Climate Change [DOI: 10.1038/s41558-018-0198-6]

Weblink zum Artikel, sobald er veröffentlich ist: https://doi.org/10.1038/s41558-018-0198-6

Förderung: Die Forschung, die zu diesen Ergebnissen geführt hat, wurde durch das Siebte Forschungsrahmenprogramm (Projekt-Nr. 308329 ADVANCE) und das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 (CD-LINKS, Nr. 642147) der Europäischen Union gefördert. Mehrere Forscher des PIK wurden zudem im Rahmen von ENavi, einem der vier Kopernikus-Projekte zur Energiewende, durch das BMBF gefördert.

Kontakt für weitere Informationen:
Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Pressestelle
Telefon: +49 (0)331 288 2507
E-Mail: presse@pik-potsdam.de
Twitter: @PIK_Klima
www.pik-potsdam.de

Wer wir sind: Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) ist eines der weltweit führenden Institute in der Forschung zu globalem Wandel, Klimawirkung und nachhaltiger Entwicklung. Natur- und Sozialwissenschaftler erarbeiten hier interdisziplinäre Einsichten, welche wiederum eine robuste Grundlage für Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft darstellen. Das PIK ist ein Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.

Quelle: idw

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Mengensteigerung bei Knie-OPs: „Weckruf" für die Gesundheitspolitik

Susanne Herda, Swetlana Meier Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V.

In der am 19. Juni 2018 von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Studie unter dem Titel „Knieprothesen - starker Anstieg und große regionale Unterscheide" werfen die Autoren die Frage auf: „Wird vorschnell operiert?" Dazu beziehen die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik (AE), die Deutsche Kniegesellschaft (DKG) und der Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) wie folgt Stellung: Der Anstieg für den Ersatz eines künstlichen Kniegelenkes seit 2009 liegt mit acht Prozent im internationalen Durchschnitt.

Die Fachgesellschaften erwarten aufgrund des demografischen Wandels jedoch noch höhere Zahlen: Denn Deutschland befindet sich beim Altersdurchschnitt der Bevölkerung weltweit in einer Spitzengruppe.Daher verstärken die Fachgesellschaften DGOU, AE, DKG und BVOU seit Jahren ihre Maßnahmen im Bereich der Kniegelenkerkrankungen - sowohl für die qualitätsgesicherte chirurgische Versorgung durch die Initiative EndoCert® zur Zertifizierung von endoprothetischen Versorgungszentren als auch für gelenkerhaltende Behandlungsmaßnahmen. „Diese Strategie kann aber nur dann noch erfolgreicher sein, wenn die Qualität und konservative Behandlung zukünftig wieder besser vergütet werden", sagt Professor Dr. Carsten Perka, DGOU-Vizepräsident und AE-Präsidiumsmitglied.

Im Interview sprechen DGOU-Experte Professor Dr. Klaus-Peter Günther und BVOU-Präsident Dr. Johannes Flechtenmacher über die Gründe der Mengensteigerung bei Knie-Operationen, regionale Unterschiede, Maßnahmen der Fachgesellschaften und des Berufsverbandes und die Studie, die sie auch als Weckruf an die Gesundheitspolitik verstehen.

Wie werten Sie die Studie der Bertelsmann-Stiftung?
Günther: Der erschienene Bertelsmann-Report zur Entwicklung der Knie-Endoprothetik in Deutschland wird in weiten Teilen von den Fachgesellschaften unterstützt. Leider weisen die Autoren nicht darauf hin, dass das Verfahren der regionalen Bestimmung von Operationsraten in der Endoprothetik bereits vor Jahren mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) und des AOK-Bundesverbands etabliert wurde. Damals schon wiesen diese Institutionen auf eine auffällige Ungleichverteilung von Operationsraten in den einzelnen Bundesländern hin. Vor allem die Fachgesellschaften haben seither eine Reihe von Maßnahmen entwickelt, die eine patientengerechte operative Versorgung unterstützen.

Welche Gründe gibt es für die Mengenentwicklung aus Sicht der Fachgesellschaften?
Günther: Betrachtet man den Anstieg der Endoprothesenzahlen nicht nur in den letzten drei Jahren, sondern - wie im Bericht der Bertelsmann-Stiftung eigentlich dargestellt - im Gesamtverlauf seit 2009, fällt die Steigerungsrate deutlich moderater aus und liegt mit etwa acht Prozent im internationalen Durchschnitt. Die wichtigste Ursache dafür ist der demografische Wandel. Hier würden eigentlich noch höhere Zahlen zu erwarten sein, denn Deutschland liegt im Altersdurchschnitt der Bevölkerung weltweit in einer Spitzengruppe.
Vor allem aber sind die Ergebnisse in der Knie-Endoprothetik in den letzten Jahren nochmals deutlich verbessert worden, wovon nicht nur ältere, sondern auch jüngere Patienten mit hohem Leistungsanspruch profitieren. Die besseren Ergebnisse führen auch zu einer verstärkten Nachfrage nach dieser Versorgung auch in dieser Altersgruppe, verbunden mit dem Ziel, wieder voll funktionstüchtig zu werden. Konservative Maßnahmen wie Physiotherapie, medikamentöse Therapie und Injektionen können dies in dieser Altersgruppe meist nicht im gewünschten Umfang leisten.

Welche Gründe gibt es für die Mengensteigerung, die im Vergütungssystem begründet liegen?
Günther: Der Bericht weist zu Recht auf wichtige Faktoren hin, die in der Mengenentwicklung von künstlichen Kniegelenken eine zentrale Rolle spielen. Dazu gehört in erster Linie das im Gegensatz zu anderen Ländern exzessiv betriebene Refinanzierungssystem mit DRG-Fallpauschalen. Seit Jahren wird die alternative konservative Behandlung unzureichend vergütet. Wenn ärztliche Beratung und konservative Maßnahmen nicht angemessen honoriert werden, ist die frühere Entscheidung zum Kunstgelenkersatz keine Überraschung. Auch ist nach wie vor die Zahl der Einrichtungen, in denen der Kniegelenkersatz angeboten wird, zu groß.

Flechtenmacher: Eine konservative Behandlung zur Abwendung einer Operation braucht Zeit. Patienten mit Arthrose muss man intensiv beraten: Wie wichtig ist es abzunehmen? Welche Begleiterkrankungen sind zu beachten, bevor man Schmerzmittel empfiehlt? Warum ist Bewegung wichtig? Die Zeit dafür fehlt in den stark frequentierten Praxen, sie wird auch nicht vergütet. Und die Budgets erlauben es nicht, so engmaschig wie manchmal nötig Krankengymnastik zu verordnen.

Geht es auch anders, zum Beispiel mit einer intensivierten konservativen Therapie?
Flechtenmacher: Das funktioniert aktuell leider vor allem in Selektivverträgen. Darüber kann dann beispielsweise eine Option „Alternative konservative Behandlung bei drohenden Operationen" angeboten und finanziert werden. Ein gutes Beispiel ist der gemeinsam von BVOU und der Deutschen Arzt AG verhandelte Selektivvertrag für Versicherte von DAK, Barmer und einigen Betriebskrankenkassen. Bei diesem Modell arbeiten Orthopäden und Physiotherapeuten eng mit dem Patienten zusammen, um unter anderem durch eine hohe Frequenz an Krankengymnastik und eventuell einem Gerätetraining eine Operation hinauszuzögern oder zu vermeiden. So schöpfen Patienten oft erst wieder Hoffnung, mit ihren Beschwerden und Schmerzen gut leben zu können - auch ohne eine Operation. Aber selbst die Patienten, bei denen eine Operation unumgänglich ist, profitieren von dem Angebot. Sie werden intensiv darauf vorbereitet und sind nach der OP rascher wieder mobil.
Auch der erfolgreiche Orthopädie-Facharztvertrag von AOK Baden-Württemberg, MEDI und dem BVOU ist ein gutes Bespiel für eine strukturierte und intensivierte ambulante Betreuung mit dem Fokus auf einer leitlinienorientierten konservativen Therapie bei Knie- und Hüftarthrosepatienten. Leider sind das bisher zu wenige regionale Leuchtturm-Ansätze. Die Schlussfolgerungen der Bertelsmann-Stiftung zeigen aber, wie notwendig die Implementierung und Finanzierung konservativer Therapiekonzepte ist. Das sollte als Appell an die Kostenträger verstanden werden.

Muss die Gesundheitspolitik an dieser Stelle wirksamer werden?
Flechtenmacher: Hochwertige Medizin ist sowohl in der konservativen Therapie als auch in der Endoprothetik nicht zum Billigtarif zu haben. Im Vergleich zu den von den Fachgesellschaften und vom Berufsverband bereits eingeleiteten Maßnahmen bleiben die Steuerungsmöglichkeiten der Gesundheitspolitik aktuell noch deutlich zurück - zum Beispiel hinsichtlich Qualitätsverträgen und Zentrumszuschlägen. Die umfassenden Möglichkeiten der ambulanten konservativen Therapie werden derzeit vom GKV-System nur über Selektivverträge vergütet und stehen damit weder flächendeckend noch für alle Versicherten gleichermaßen zur Verfügung.

Günther: Die jetzt beobachtete Mengensteigerung muss auch als starker Weckruf an die Gesundheitspolitik verstanden werden. Die Fachgesellschaften arbeiten seit Jahren an qualitätsfördernden Maßnahmen im Bereich der Endoprothetik. Dazu gehört in erster Linie die EndoCert-Initiative der DGOOC gemeinsam mit der AE und dem BVOU. Dort werden hohe Qualitätsstandards gefordert - insbesondere auch für die Indikationsstellung. Aktuell wird in allen EndoCert-Kliniken und darüber hinaus die ebenfalls mit Unterstützung von DGOOC und AE erstellte AWMF-Leitlinie für die Entscheidung zum Kunstgelenkersatz eingeführt. Diese Initiative soll sicherstellen, dass durch eine ausführliche ärztliche Beratung die Entscheidung zur Operation nicht zu früh getroffen wird und zuvor eine angemessene konservative Behandlung erfolgt ist.
Gleiches gilt für den Mehraufwand, den zertifizierte Kliniken in der Patientenfürsorge betreiben. Seit Jahren verstärken Fachgesellschaften wie die AE und die DKG gerade im Bereich der Kniegelenkerkrankungen die Schulung in gelenkerhaltenden Behandlungsmaßnahmen. Sollte nach allen ausgeschöpften gelenkerhaltenden Maßnahmen dann aber das Kunstgelenk notwendig werden, muss sichergestellt sein, dass die Behandlung in Einrichtungen mit ausreichend hohen Fallzahlen und geprüften Behandlungsstandards erfolgt. Beides sind entscheidende Voraussetzungen für den Behandlungserfolg, wie mittlerweile nicht nur international, sondern auch an deutschen Daten nachgewiesen werden konnte: im EndoCert-Verfahren wie auch dem von der DGOOC etablierten Deutschen Prothesenregister EPRD.

Hier ist zu wünschen, dass einige der im Bertelsmann-Bericht gezogenen Schlussfolgerungen auch gehört werden.

Zu den Personen:
Professor Dr. Carsten Perka ist Ärztlicher Direktor des Centrums für Muskuloskeletale Chirurgie, Charité - Universitätsmedizin Berlin.
Professor Dr. Klaus-Peter Günther ist Geschäftsführender Direktor des Universitätscentrums für Orthopädie & Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden.
Er hat als Mitautor an der 2013 erschienenen Publikation „Knieoperationen - Regionale Unterschiede und ihre Einflussfaktoren" aus der Reihe Faktencheck Gesundheit der Bertelsmann-Stiftung mitgearbeitet.
Dr. Johannes Flechtenmacher ist niedergelassener Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Ortho-Zentrum in Karlsruhe.

Weitere Informationen:
www.dgou.de
https://www.ae-germany.com/
http://deutsche-kniegesellschaft.de/
https://www.bvou.net/

Kontakt für Rückfragen:
Susanne Herda, Swetlana Meier
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) e.V.
Straße des 17. Juni 106-108, 10623 Berlin
Telefon: +49 (0)30 340 60 36 -06 oder -00
Telefax: +49 (0)30 340 60 36 01
E-Mail: presse@dgou.de

Quelle: idw

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"Gemeinschaftsschutz": Warum wir mit Impfungen nicht nur uns selbst, sondern auch andere schützen

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.

Wer sich impfen lässt, schützt nicht nur sich selbst - schließlich kann man eine Infektion, die man sich selbst gar nicht erst zuzieht, auch nicht auf andere übertragen. Oft sind es Säuglinge, die auf diesen Gemeinschaftsschutz angewiesen sind, bevor sie selbst geimpft werden können. Aber auch Erwachsene profitieren von dem Effekt, der auch als Herdenimmunität bezeichnet wird. Über die wechselseitigen Schutzbeziehungen, die Impfungen mit sich bringen, sagten Experten auf der heutigen Pressekonferenz anlässlich des Kongresses für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2018) in Köln.

Mit den Impfempfehlungen, die die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts für Deutschland formuliert, werden eine ganze Reihe unterschiedlicher Ziele verfolgt. „Neben dem Individualschutz vor Infektionskrankheiten und deren möglichen Folgen spielen auch gesellschaftlich relevante Ziele wie die Unterbrechung von Infektionsketten oder die Ausrottung von Erregern eine Rolle", sagt Professor Dr. med. Markus Knuf, Direktor der Klinik für Kinder und Jugendliche der Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden und Kongress-Präsident von Seiten der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI). Auch der Aufbau einer Herdenimmunität falle in diese zweite Kategorie - denn nur durch sie können Menschen, die selbst nicht geimpft werden können, vor den betreffenden Infektionen und möglichen Komplikationen geschützt werden.

Auch wenn Säuglinge und Kleinkinder diesen Schutz besonders benötigen, tragen sie umgekehrt wesentlich zur Herdenimmunität bei, wie Knuf am Beispiel der Pneumokokken und der von ihnen hervorgerufenen Erkrankungen zeigt: Weil das Erkrankungsrisiko bei Kindern unter fünf Jahren besonders groß ist, sieht der Impfkalender bereits im Säuglings- und Kleinkindalter eine Impfung gegen häufige Pneumokokken-Varianten vor. „Genau diese Varianten treten seitdem auch bei Senioren deutlich seltener auf", sagt Knuf. Auch diese Gruppe sei durch Pneumokokken-Infektionen und deren Komplikationen besonders gefährdet.

Ob der Aufbau einer Herdenimmunität als Argument ausreicht, um auch die jährliche Grippeimpfung für alle Kinder zu empfehlen, ist unter Experten umstritten. Bisher sieht das RKI die Impfung nur für Kinder vor, die selbst ein erhöhtes Risiko für Komplikationen haben. Für Markus Knuf gibt es dennoch gute Gründe, auch gesunde Kinder gegen die Influenza zu impfen. „Zwar verläuft die Grippe bei ihnen meist unkompliziert, doch kommt es auch hier immer wieder zu schweren Verläufen", erklärt er. Zudem seien Kinder der Dreh- und Angelpunkt der Influenza in der Gesellschaft. Kinder im Vorschulalter scheiden über einen langen Zeitraum hinweg eine große Anzahl von Viren aus, haben eine hohe Kontaktrate und wissen noch nichts von Hygiene. Viele Erwachsene stecken sich daher gerade bei Kleinkindern mit der Grippe an.

Meist sind es jedoch die Jüngsten, die den Herdenschutz benötigen. Als Beispiel dafür, wie geimpfte Erwachsene zum Schutz von Säuglingen beitragen, nennt Knuf die Impfung gegen Keuchhusten (Pertussis). Diese für Säuglinge gefährliche Krankheit wird meist über Jugendliche oder Erwachsene übertragen, bei denen der Impfschutz bereits nachlässt. „Es ist daher sinnvoll, den Schutz gegen Pertussis im Jugend- oder Erwachsenenalter aufzufrischen", sagt der DGPI-Experte. Auch die sogenannte maternale Immunisierung, also die Impfung einer werdenden Mutter im letzten Schwangerschaftsdrittel, kann ein Konzept sein, das Neugeborene zu schützen.

Weitere Informationen:
http://www.kit2018.de

Quelle: idw

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Fußball als Wissenschaft: Mit Elfmetern und Gelben Karten menschliches Verhalten erklären

Susanne Bossemeyer Stabsstelle 2 - Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
FernUniversität in Hagen

Argentinien wird Fußball-Weltmeister. So lautete der Tipp von Fußballfan Dr. Hendrik Sonnabend. Als Wissenschaftler der FernUniversität in Hagen dürften ihn bei der laufenden WM in Russland insbesondere unberechtigt gegebene Elfmeter und der Missbrauch der Gelbsperren-Regel interessieren. Denn mit Hilfe von Strafstößen und Gelben Karten erforscht Dr. Hendrik Sonnabend Verhalten im Wettbewerb.

„Daten aus dem Profifußball eignen sich gut, um ökonomische Hypothesen zu testen. Das Umfeld zeichnet sich durch extrem hohe Anreize aus. Die Daten sind sehr gut dokumentiert, die Leistung ist leicht zu messen und die Fußballer sind Profis in ihrer Aufgabe", erklärt der Wissenschaftliche Mitarbeiter am Lehrstuhl für VWL, insb. Wirtschaftspolitik. „So lassen sich Erkenntnisse gewinnen, die auch Rückschlüsse auf menschliches Verhalten in anderen Lebensbereichen zulassen."

Um das Erleben unfairer Vorteile auf das Leistungsvermögen geht es in einem gemeinsamen Projekt mit Dr. Mario Lackner von der Universität Linz. Werden unberechtigt gegebene Elfmeter häufiger verschossen? Ins Spiel kommen hier 857 Strafstöße aus der Fußball-Bundesliga, die sich im Merkmal „korrekte Entscheidung" und „nicht korrekte Entscheidung" unterscheiden. Die Analyse zeigt, dass es grundsätzlich keinen Zusammenhang zwischen der Qualität der Schiedsrichterentscheidung und der Trefferwahrscheinlichkeit gibt. Wird allerdings der Spielstand berücksichtigt, werden unberechtigt gegebene Elfmeter häufiger verschossen, wenn die Mannschaft in Führung liegt. Konkret reduziert sich die Trefferwahrscheinlichkeit um 14 Prozent. „Die Führung lässt mehr Raum für Gerechtigkeitsbedenken. Außerdem könnte es eine unbewusste Neigung geben, den erwarteten Sieg nicht beschmutzen zu wollen", interpretiert Dr. Hendrik Sonnabend die Ergebnisse.

Sollte Bundestrainer Jogi Löw bei der Fußball-WM vor der Entscheidung stehen, wer einen unberechtigt gegebenen Elfmeter schießt, ist es für die Trefferwahrscheinlichkeit übrigens egal, ob der Gefoulte selbst den Strafstoß ausführt oder nicht.

Mit Blick auf die Spiele in Russland ist auch der Missbrauch der Gelbsperren-Regel interessant. „Diese Regel wird strategisch genutzt, um Ressourcen zu sparen", sagt Dr. Hendrik Sonnabend. In einem weiteren Projekt hat der FernUni-Wissenschaftler mit Prof. Dr. Christian Deutscher (Universität Bielefeld), Prof. Dr. Marco Sahm (Universität Bamberg) und Dr. Sandra Schneemann (Universität Bielefeld) strategisches und antizipierendes Verhalten in Turnieren untersucht.

Bei der WM gilt: Zwei Gelbe Karten aus zwei unterschiedlichen Spielen ziehen eine Sperre für das nächste Spiel nach sich. Eine „weiße Weste" (Streichung aller einzelnen Gelben Karten) gibt es erst ab dem Viertelfinale, um Gelbsperren im Finale zu verhindern. „Dies lässt Raum für die Art von strategischem Missbrauch der Regel, den wir mithilfe von Bundesliga-Daten nachweisen können", sagt Dr. Hendrik Sonnabend.

Gewinnt eine Mannschaft in Russland die ersten beiden Spiele der Gruppenphase und sieht sich im dritten Spiel einem schwachen Gegner gegenüber, so besteht folgender Anreiz: Im ersten Spiel verwarnte Spieler könnten im zweiten Spiel eine weitere gelbe Karte provozieren, um dann im dritten Spiel auszusetzen und somit „unbelastet" in das Achtelfinale zu gehen.

Der Fairplay-Gedanke gerät dabei ins Wanken. „Es ist ein schwieriger Konflikt, in dem Spieler während der WM stehen", sagt Dr. Hendrik Sonnabend. „Sie bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Erfolgs- und Fairnesserwartungen."

Quelle: idw

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Volkskrankheit „Fersenschmerz": Stoßwellentherapie als Kassenleistung

Friederike Gehlenborg Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

Berlin - Stechende Schmerzen beim Auftreten und keine sichtbare Veränderung am Fuß?! Wer das kennt, leidet wahrscheinlich unter der Plantarfasziitis - einer Gewebeveränderung in der Sehnenplatte der Fußsohle. Eine wirksame Methode ist die extrakorpale Stoßwellentherapie (EWST). Der Gemeinsame Bundeausschuss (G-BA) hat entschieden, dass diese Therapie ab sofort zur Kassenleistung wird. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) begrüßt das. Sie fordert jedoch auch, dass Patienten diese Therapie frühzeitiger in Anspruch nehmen können sollten und betont, dass es für den Therapieerfolg unerlässlich sei, dass Ultraschall-Experten diese durchführen.

Die Plantarfasziitis verursacht bei Betroffenen einen starken Fersenschmerz. „In Anbetracht der Erkrankungshäufigkeit und weil viele Patienten sogar bis zu zehn Jahre mit diesen Fersenschmerzen leben müssen - was ihre Lebensqualität erheblich einschränkt - begrüßen wir die G-BA-Entscheidung zur Erstattung der ESTW", betont Dr. med. Rainer Berthold, stellvertretender Leiter des Arbeitskreises Bewegungsorgane der DEGUM und niedergelassener Orthopäde.

Eine Plantarfasziitis entsteht üblicherweise, wenn der Fuß längerfristig stark belastet wird und sich die Sehnen an der Fußsohle im Bereich der Ferse entzünden. Ursache hierfür sind meist starkes Übergewicht, Tragen von Schuhen mit harten Absätzen, Überbelastung beim Sport, stehende Berufe, eine genetisch bedingte Verkürzung des Waden- oder Oberschenkelmuskels oder ein Hohl- beziehungsweise Plattfuss. Die Patienten klagen über Anlaufschmerz in der Ferse bei den ersten morgendlichen Schritten und nach längerem Sitzen. Der Schmerz an der medio-plantaren Ferse („loco tipico") wird als stechend beschrieben. Er bessert sich häufig nach einigen Schritten oder im Laufe des Tages. Zudem leiden Betroffene an einer Bewegungseinschränkung im oberen Sprunggelenk. Im Erkrankungsverlauf klagen sie über einen dumpfen Schmerz unterschiedlicher Lokalisation, der teilweise auch in Ruhe besteht. Helfen konservative Therapien mit Schuheinlagen, Dehnübungen, Medikamenten oder Physiotherapie nicht, kann die Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESTW) eingesetzt werden.

„Üblicherweise gilt die Extrakorpale Stoßwellentherapie (ESTW) für rund zehn Prozent der Betroffenen als letzte Therapiemöglichkeit bevor es zu einer Operation kommt", erläutert Berthold. Bei der ESTW werden über die Haut Ultraschallstoßwellen in die betroffene Region gebracht. Dadurch wird eine mechanische Reizung der Plantaraponeurose am so genannten kalkanearen Ursprung bewirkt. Die Reizung führt zu Mikrorissen, die einen reaktiven Heilungsprozess des Körpers auslösen, was wiederum die Durchblutung erhöht. Ferner wirkt die ESTW häufig schon während der Anwendung schmerzstillend. Die Methode hat wegen ihres guten Erfolgs in der physikalischen Therapie zur Bewegungsverbesserung und Schmerzreduktion zunehmend an Bedeutung gewonnen. „Da die Behandlungskosten im Vergleich zu den sonst übrigen Pauschalen der gesetzlichen Krankenversicherung relativ hoch sind, hat der G-BA nun entschieden, dass nur chronisch Erkrankte und Patienten, die auf andere konservative Maßnahmen nicht ansprechen, eine Erstattung durch die Krankenkasse erhalten", erklärt Berthold. „Hier sehen wir das Problem, dass viele Patienten zunächst einen langen Leidensweg von mindestens sechs Monaten gehen müssen, bis sie die ESTW kostenfrei erhalten können. Wir riskieren damit, dass diese Patienten über die Plantarfasziitis hinaus noch einen größeren Fersensporn entwickeln und Zeiten unnötiger Arbeitsunfähigkeit hinzukommen.

Die DEGUM weist überdies darauf hin, dass bei der Diagnose und Therapie der Ultraschall-Anwender eine Schlüsselrolle einnimmt, die der G-BA in seinem Beschluss nicht berücksichtigt hat. Als schonendste und günstigste Diagnosemaßnahme gilt der Ultraschall. Dieser sollte jedoch durch einen ausgewiesenen Ultraschall-Spezialisten erfolgen. „Nur ein erfahrener Sonografie-Spezialist kann zum Beispiel bei beidseitigem Befall eine generalisierte Enthesiopathie rheumatischer Genese - also eine schmerzhafte Erkrankung des Sehnenansatzes - schnell erkennen und so eine nicht sinnvolle Behandlung vermeiden", erklärt Berthold. „Die Plantarfaszie - also die Sehnenplatte an der Unterseite des Fußes - hat bei einem gesunden Menschen eine Dicke von drei bis vier Millimetern, während bei einer Plantarfasziitis die Faszienschichten oft auf sieben bis zehn Millimeter verdickt sind." Auch diffuse hypoechogene Strukturen, die als Ödeme aufgrund von kleinsten Rissen interpretiert werden - im Ultraschall dunkel dargestellte Flächen - kann der Spezialist erkennen. „Der Erfolg einer ESWT-Therapie hängt ebenso wie die Diagnostik stark vom Anwender ab", betont Berthold. Der Experte empfiehlt deshalb, sich an DEGUM-zertifizierte Orthopäden zu wenden, die Erfahrungen mit dieser Therapie haben. Denn es komme bei der ESWT neben Dauer, Intensität und Frequenz auch auf die exakte Applikation der Stosswellen an. „Es gibt bislang kein einheitliches Behandlungsschema bei der Stosswellentherapie. Daher ist es wichtig, dass der behandelnde Arzt langjährige Erfahrungen vorzuweisen hat", so Berthold abschließend.

Quellen:
G-BA: Extrakorporale Stoßwellentherapie kann zukünftig auch ambulant zur Fersenschmerz-Behandlung eingesetzt werden
https://www.g-ba.de/institution/presse/pressemitteilungen/743/

Über die DEGUM:
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bietet ein Forum für den wissenschaftlichen und praktischen Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des medizinischen Ultraschalls. Sie vereint rund 10 000 Ärzte verschiedener Fachgebiete, medizinische Assistenten, Naturwissenschaftler und Techniker. Ultraschalldiagnostik ist heute das am häufigsten eingesetzte bildgebende Verfahren in der Medizin. Ultraschallanwendern bescheinigt die DEGUM eine entsprechende Qualifikation mit einem Zertifikat der Stufen I bis III. DEGUM-zertifizierte Ärzte finden Patienten im Internet unter: http://www.degum.de

Weitere Informationen:
https://www.g-ba.de/institution/presse/pressemitteilungen/743/
http://www.degum.de

Quelle: idw

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Was Bäume, Gesellschaft und Gewässer über das Klima sagen

Dr. Susanne Langer Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Wie wirken sich Großwetterlagen auf bayerische Waldökosysteme aus? Welche Rolle spielen regionale Klimaverhältnisse? Was wissen Schülerinnen und Schüler über den Klimawandel? Mit diesen Fragen befassen sich Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) im neuen Verbundprojekt BayTreeNet und setzen dabei auf sogenannte Talking Trees. Das Projekt verbindet naturwissenschaftliche Klimamodellierung und Dendroökologie mit sozialwissenschaftlicher Bildungsforschung in einem bisher einzigartigen interdisziplinären Ansatz.

Der Klimawandel ist eine der gewaltigsten globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst fördert deshalb seit Mai 2018 für eine Laufzeit von fünf Jahren das Bayerische Klimaforschungsnetzwerk bayklif mit Geldern in Höhe von insgesamt 18 Millionen Euro. Wissenschaftler des Departments Geographie und Geowissenschaften der FAU sind in drei Verbundprojekten von bayklif vertreten und erhalten Fördermittel in Höhe von rund 1,7 Millionen Euro.

BayTreeNet
Im Projekt BayTreeNet unter Leitung der FAU untersuchen die Forscher systematisch, wie Waldökosysteme auf die Dynamik des Klimas reagieren. Erstmals tun sie dies flächendeckend - bisher gab es nur punktuelle Klimarekonstruktionen, zum Beispiel zur lang anhaltenden Nordwest-Wetterlage im Frühjahr 2015. Diese hatte in Franken zu extremer Trockenheit geführt, in Oberbayern dagegen zu Überschwemmungen im Wolkenstau der Nordalpen. Wie Bäume auf diese extreme klimatische Schwankung reagiert haben, können Forscher auch Jahre später an den Jahresringen ablesen und mit aktuellen Daten in Beziehung setzen - diese Wissenschaft heißt Dendroökologie.

Für BayTreeNet etabliert Prof. Dr. Achim Bräuning vom Lehrstuhl für Geographie (Physische Geographie) der FAU ein dendroökologisches Netzwerk mit zehn sogenannten Talking Trees. Sie stehen in verschiedenen Regionen Bayerns in klimatisch unterschiedlichen Gebieten, fünf in einer Hochlage, fünf in einer Tieflage. Der Clou an der Sache ist: Die Bäume sind mit einer internetfähigen Übertragungseinheit ausgestattet - und jede Reaktion des Baumes auf die lokalen Witterungsbedingungen ist in Echtzeit über das Internet abrufbar. In beiden Lagen entnehmen die Wissenschaftler monatliche Holzproben der Wachstumszone der Bäume, messen mit elektronischen Sensoren die aktuellen Zuwachsschwankungen sowie den Wassertransport an Bäumen und speisen die Daten dann in die Hochleistungsrechner der FAU ein. Diese nutzt auch Prof. Dr. Thomas Mölg, Professur für Geographie, der am Computer das künftige Auftreten von Großwetterlagen und die zugrundeliegenden atmosphärischen Zirkulationsmuster modelliert. Diese steuern die räumliche und zeitliche Verteilung von Wasserdefizit oder -überschuss sowie von Hitze und Kälte.

Talking Trees
Die Talking Trees werden von einem Netzwerk von Partnerschulen betreut und sind auch für die interessierte Öffentlichkeit zugänglich. Die Schülerinnen und Schüler übersetzen im Unterricht die ökologischen und meteorologischen Messdaten des Baumes in menschliche Sprachbotschaften, so dass auch die breite Öffentlichkeit versteht, was die sprechenden Bäume zu sagen haben. Das Unterrichtskonzept zu den Talking Trees wird von Prof. Dr. Jan Christoph Schubert vom Lehrstuhl Didaktik der Geographie der FAU forschend begleitet. Mit Methoden der empirischen Sozialforschung untersucht er, wie der Transfer der Daten in schulische Bildungsarbeit gelingt. Dafür füllen die Schülerinnen und Schüler Fragebögen aus und nehmen an leitfadengestützten Interviews teil. Der Bildungsforscher sieht so, welches Wissen und welche Einstellungen sie mitbringen und wie sich beides durch den Unterricht verändert.

Insgesamt verbindet das Projekt Pflanzenwissenschaften, Klimaforschung und Bildungsforschung - und es stärkt die Verbindung zwischen Hochschulen und Schulen im Bereich der MINT-Fächer.

BLIZ und AQUAKLIF
Auch an zwei weiteren Verbundprojekten von bayklif sind Wissenschaftler des Departments Geographie und Geowissenschaften der FAU beteiligt.

Prof. Dr. Perdita Pohle, Lehrstuhl für Geographie (Kulturgeographie und Entwicklungsforschung), arbeitet im Verbundprojekt „BLIZ - Blick in die Zukunft: Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, Landnutzung, Ökosystemleistungen und Biodiversität in Bayern bis 2100" mit. Es ist an der Technischen Universität München (TUM) angesiedelt und untersucht die Auswirkungen des Klimawandels auf ökologische und sozio-ökonomische Systeme und deren Wechselwirkungen. Das Teilprojekt von Prof. Pohle befasst sich mit sozial-ökologischen Transformationen in der Landwirtschaft in Anpassung an den Klimawandel. Aus Sicht verschiedener Akteure aus Politik, Umwelt, Wirtschaft und Zivilgesellschaft analysiert sie die Akzeptanz und Präferenz von nachhaltigen Landnutzungsoptionen und diskutiert Umsetzungsmöglichkeiten mit Partnern aus der Praxis.

Prof. Johannes Barth, Lehrstuhl für Angewandte Geologie am GeoZentrum Nordbayern der FAU, ist im Projekt AQUAKLIF aktiv. Das Projekt wird von der Universität Bayreuth geleitet und untersucht die Auswirkungen klimatischer Einflussfaktoren. Hierzu gehören Änderungen der Temperatur und des Niederschlages sowie veränderte Feinsedimentfrachten als wichtige Faktoren, die auf die Gewässerökologie und Wasserqualität Einfluss nehmen. Entscheidend für den angestrebten „guten Zustand" eines Gewässers ist der gelöste Sauerstoff im Wasser. Prof. Barth untersucht mit einer neuen Messmethode der „stabilen Isotopenverhältnisse" den Sauerstoff und kann so seine Umsetzungen in Bächen und ihren Sedimenten sowie im Grundwasser bestimmen.

Ansprechpartner für Medien:
BayTreeNet
Prof. Dr. Achim Bräuning
Tel.: 09131/85-29372
achim.braeuning@fau.de

BLIZ
Prof. Dr. Perdita Pohle
Tel.: 09131/85-22639
perdita.pohle@fau.de

AQUAKLIF
Prof. Johannes Barth, Ph.D.
Tel.: 09131/85- 22621
johannes.barth@fau.de

Quelle: idw

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Neue Europäischen Leitlinien für Bluthochdruck: Was ändert sich?

Dr. Bettina Albers Geschäftsstelle
Deutsche Hochdruckliga

Auf dem Kongress der „European Society of Hypertension" (ESH) wurden am vergangenen Wochenende in Barcelona die neuen europäischen Leitlinien für die Behandlung von Bluthochdruck vorgestellt. Die ESH/ESC-Leitlinie hält an der Definition von Bluthochdruck von ≥140/90 mm Hg fest und setzt verstärkt auf Prävention und Früherkennung: Menschen mit optimalen Blutdruckwerten unter 120/80 mm Hg sollen sich alle 5 Jahre eine Blutdruck-Screening-Messung unterziehen, Erwachsene mit hochnormalen Blutdruckwerten (130-139/85-89 mm Hg) mindestens jährlich. Die Therapietreue soll durch den Einsatz von Fixdosis-Kombinationen verbessert werden.

Auf dem Kongress der „European Society of Hypertension" (ESH) wurden erstmals die neuen Europäischen Leitlinien für die Behandlung von Bluthochdruck präsentiert, die zusammen von der ESH und der „European Society of Cardiology" (ESC) erstellt wurden und deren Publikation im August erwartet wird [1]. Die neuen Leitlinien halten nach wie vor an der bestehenden Krankheitsdefinition von ≥140/90 mm Hg fest, empfehlen aber, eine Senkung in den Normalbereich (<130/80 mm Hg) anzustreben.

Professor Dr. med. Peter Trenkwalder, Stellv. Vorstandsvorsitzender der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention kommentiert: „Die US-Leitlinien definieren Bluthochdruck bereits ab Werten ≥130/80 mm Hg, der Grenzwert wurde 2017 u.a. als Reaktion auf die SPRINT-Studie [2] abgesenkt. Die europäische Leitlinienkommission hingegen sah für eine solche Empfehlung keine ausreichende Evidenz. Die neue Leitlinie sieht weiterhin vor, die Mehrzahl der Hypertoniker erst ab einem Blutdruck von 140/90 mm Hg medikamentös zu behandeln." Wie die vorherige Leitlinie differenziert sie zwischen einem optimalen Blutdruckbereich (<120/80 mm Hg), einem normalen (120-129/80-84 mm Hg) und einem hochnormalen (130-139/85-89 mm Hg). Erst darüber liegende Werte werden als krankhaft eingestuft und sollten medikamentös behandelt werden, wenn eine Lebensstiländerung, die bereits Patienten mit hochnormalen Werten empfohlen wird, keine Erfolge gezeigt hat.

„Generell gilt aber: Bluthochdruck ist ein komplexes Erkrankungsbild und die moderne Bluthochdrucktherapie sollte individualisiert erfolgen, die Leitlinien setzen lediglich den groben Rahmen", erklärt Professor Krämer, Präsident der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention. „Primäres Ziel muss ein, alle Hypertoniker erfolgreich unter diesen Wert von 140/90 mm Hg, nach Möglichkeit aber in den Normalbereich (<130/80 mm Hg) zu bringen. Doch derzeit ist die Hälfte aller Menschen mit Bluthochdruck nicht bzw. nicht erfolgreich behandelt", so der Experte. Die Gründe dafür liegen in einer mangelnden Therapietreue der Patienten und in einer immer noch bestehenden Dunkelziffer der Erkrankung.

Diese beiden Probleme adressiert die neue Leitlinie, was die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® | Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention ausdrücklich begrüßt. Zum einen empfiehlt sie, dass normotensive Erwachsene mit optimalen Blutdruckwerten unter 120/80 mmHg alle 5 Jahre eine Blutdruck-Screening-Messung erhalten und Erwachsene mit hochnormalen Blutdruckwerten (130-139/85-89 mmHg) mindestens jährlich. Um die Therapietreue zu stärken, empfiehlt sie den Einsatz von Fixdosis-Kombinationen (im engl. „single pill combinations" = SPC; 2-3 blutdrucksenkende Substanzen in einer einzigen Tablette) - es ist bekannt, dass die Therapietreue nachlässt, je mehr verschiedene Tabletten die Patienten einnehmen müssen. Entsprechend hat sich auch ein Paradigmenwechsel in der Therapie ergeben: „Die medikamentöse Therapie soll nun primär als 2-fach-Kombinationstherapie aus ACE-Hemmern oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) und Kalziumantagonist oder Thiaziddiuretikum erfolgen, die Monotherapie hat als Erstlinientherapie ausgedient", kommentiert Professor Krämer.

Literatur
[1] Williams B., Mancia G. et al. 2018 Guidelines of the ESC/ESH in press Eur Heart J / J Hypertens
[2] Wright JT, Jr., Williamson JD, Whelton PK et al. A Randomized Trial of Intensive versus Standard Blood-Pressure Control. N Engl J Med 2015; 373: 2103-2116.

Kontakt/Pressestelle
Dr. Bettina Albers
albers@albersconcept.de
Telefon: 03643/ 776423
Mobile: 0174/ 2165629

Weitere Informationen:
https://www.hochdruckliga.de/

Quelle: idw

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Klimaschutz: Weniger Lachgas aus der Landwirtschaft

Monika Landgraf Strategische Entwicklung und Kommunikation - Gesamtkommunikation
Karlsruher Institut für Technologie

Lachgas gehört mit Kohlendioxid und Methan zu den bedeutendsten Treibhausgasen: Es ist etwa 300-mal so klimaschädlich wie Kohlendioxid. In Deutschland ist überwiegend die Landwirtschaft für die Emissionen von Lachgas verantwortlich, vor allem bedingt durch den intensiven Einsatz von Stickstoffdünger. Die möglichen Folgen - mit Blick auf Nahrungsmittelproduktion und Klimawandel - wird eine neue Forschergruppe am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) im Programm „Make Our Planet Great Again - German Research Initiative" untersuchen. Ziel des deutsch-französischen Programms ist es, die Klimaforschung im Anschluss an das Pariser Abkommen zu stärken.

Mit dem gemeinsamen Förderprogramm, das auf die Initiative „Make Our Planet Great Again" des französischen Staatspräsidenten zurückgeht, können exzellente Forscherinnen und Forscher aus dem Ausland an einer deutschen oder französischen Einrichtung ihrer Wahl an Projekten forschen, die die Pariser Klimaziele unterstützen. Leiter der neuen Gruppe am KIT wird Dr. Clemens Scheer, der von der Queensland University of Technology Brisbane, Australien, kommt.

Distickstoffmonoxid (N2O) - auch bekannt als Lachgas - wirkt erderwärmend, schädigt die Ozonschicht und wird mikrobiologisch in (überdüngten) Böden, Gewässern oder Kläranlagen gebildet, entsteht aber auch bei Verbrennungsprozessen. Am Institut für Meteorologie und Klimaforschung - Atmosphärische Troposphärenforschung des KIT (IMK-IFU) beschäftigen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit langen mit der Quantifizierung der Quellstärke von landwirtschaftlichen Systemen für N2O. Unter anderem fanden Sie heraus, dass Emissionen reduziert werden können, wenn Landwirte den Düngemitteleinsatz besser auf das Pflanzenwachstum abstimmen und Zwischenfrüchte anbauen.

Diese - bisher regionalen - Untersuchungen erweitert die neue Forschergruppe nun sowohl um die globale Komponente als auch um den Aspekt der Nahrungsmittelproduktion. „Im Mittelpunkt steht die Frage, wie mehr Nahrungsmittel zu geringeren Umweltkosten produziert werden können, um den wachsenden Bedarf einer zunehmenden Weltbevölkerung abzudecken", so Professor Klaus Butterbach-Bahl vom IMK-IFU, der unter anderem in Steppen und Savannen zu N2O-Emissionen aus der Tierhaltung forscht. Begleitend werde ein globales Netzwerk von Forscherinnen und Forschern initialisiert, die an solchen Fragen arbeiten, um gemeinsam Standards für Messungen und Modellierungen zu entwickeln.

Der Forschungsschwerpunkt von Dr. Clemens Scheer liegt in den Auswirkungen von Landnutzung und Landwirtschaft auf den Austausch von umweltwirksamen Gasen zwischen Boden, Pflanzen und Atmosphäre. „Das Programm bietet ideale Voraussetzungen, um meine Forschungsinteressen zu Landwirtschaft und Klimawandel voranzutreiben", erläutert Scheer. „Ich freue mich sehr über die Möglichkeit, die nächsten vier Jahre am KIT arbeiten zu können: Es bietet mir modernste Technik und beste Ausstattung sowie ein stimulierendes akademisches Umfeld."

Eine Expertenjury des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) hat Clemens Scheer als einen von insgesamt 13 renommierten internationalen Forscherinnen und Forscher als Leiter für Projekte in Deutschland ausgewählt, die die Pariser Klimaziele unterstützen. Sie sind Teil eines deutsch-französischen Förderprogramms, das beide Regierungen nach dem Pariser Klimaabkommen vereinbart haben. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördern die Projekte mit insgesamt 15 Millionen Euro. Insgesamt bewarben sich mehr als 700 Forscher aus allen fünf Kontinenten und rund 70 Ländern.

Clemens Scheers Gruppe am KIT erhält von DAAD und BMBF eine Förderung von 775.000 Euro, das KIT leistet einen zusätzlichen Eigenbeitrag in gleicher Höhe, um das neue Forschungsprojekt voraussichtlich Anfang 2019 zu realisieren.

Details zum KIT-Zentrum Klima und Umwelt: http://www.klima-umwelt.kit.edu

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft" schafft und vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie, Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. Seine 25 500 Studierenden bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: http://www.sek.kit.edu/presse.php

Weitere Informationen:
http://www.klima-umwelt.kit.edu
http://www.sek.kit.edu/presse.php

Anhang
Klimaschutz: Weniger Lachgas aus der Landwirtschaft
https://idw-online.de/de/attachment65976

Quelle: idw

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Aufwärmen wie die Fußballprofis und Knieverletzungen vermeiden

Susanne Herda, Swetlana Meier Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V.

Auch für Freizeitsportler gilt: vor dem Fußballspielen aufwärmen. Mit speziellen Aufwärmprogrammen lässt sich das Verletzungsrisiko von Knieverletzungen um bis zu 50 Prozent reduzieren. Denn aufgrund der spieltypischen Sprung- und Abbremsbewegungen kommen Kreuzbandrupturen im Ballsport besonders häufig vor. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft hin. Geeignet ist ein 20- bis 30-minütiges Zirkeltraining mit Lauf-, Balance-, Sprung- und Kraftübungen.

Mit einem Sprungtest können Sportler zudem klären, ob bei ihnen eine funktionelle X-Bein-Stellung vorliegt und damit das Risiko für eine Knieverletzung erhöht ist. Der Sprungtest und die Präventionsübungen werden in der neuen Broschüre „Stop X" der DGOU-Sektion Deutsche Kniegesellschaft (DKG) ausführlich beschrieben.

Das 30-seitige Programm zur Prävention von Sportverletzungen am Kniegelenk steht kostenfrei zum Download auf der DGOU-Website zur Verfügung. „Prävention im Sport muss noch eine viel größere Beachtung bekommen. Denn damit können Verletzungen deutlich reduziert werden", sagt DGOU-Präsident Professor Dr. Dr. Werner Siebert.

Eine Verletzung am Knie ist der Alptraum eines jeden Profi-Kickers. Ist das Knie verdreht, das Kreuzband gerissen oder der Meniskus verletzt, hat das weitreichende Folgen: Operation, monatelange Reha, Trainingsausfall und die Ungewissheit, ob und wann das Comeback gelingt. Um Knieverletzungen zu reduzieren, enthält das Training beim Profifußball daher auch immer Aufwärmübungen zur Verletzungsprävention. Beim Amateurfußball sieht das noch anders aus: „Der Verletzungsprävention wird in Deutschland bisher leider noch zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet", sagt Prof. Dr. Wolf Petersen, DKG-Vizepräsident und Mitautor der Broschüre „Stop X". Dabei ist eine schwere Knieverletzung, egal ob beim Profi oder beim Hobbysportler, eine lebensverändernde Erfahrung - viele Verletzungen wären vermeidbar.

Das DKG-Programm „Stop X" zur Prävention von Sportverletzungen am Kniegelenk vereint verschiedene internationale wissenschaftlich etablierte Präventionsprogramme und enthält auch Elemente aus dem Aufwärmprogramm der FIFA mit dem Titel „11+". Studien zeigen, dass Verletzungen des Kniegelenkes durch regelmäßig durchgeführte Aufwärm- und Präventionsprogramme um 27 Prozent und Rupturen des vorderen Kreuzbandes um 51 Prozent reduziert werden können. Daher betont Professor Dr. Thomas Tischer, Incoming-Präsident der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) und Leiter der neugegründeten GOTS-Kommission für Prävention: „Wer mit kalten Muskeln an den Ball geht, der riskiert ein Eigentor für seine Gesundheit."

Oft treten Knieverletzungen beim Landen nach einem Sprung oder bei Drehbewegungen auf: Ist das Knie dabei nach innen geknickt - in der sogenannten X-Bein-Position - und der Körperschwerpunkt befindet sich hinter dem Knie, kommt es zu einer starken Anspannung des Streckmuskels im Oberschenkel. Diese Kraft kann dann zur Ruptur des vorderen Kreuzbandes führen. Das Einbrechen des Kniegelenks nach innen wird begünstigt, wenn Hüft- und Rumpfmuskulatur ungenügend trainiert sind.

Daher raten die Experten von DGOU, DKG und GOTS, es den Profis gleich zu tun und geben folgende Tipps zur Verletzungsprävention:

Sprungtest: Bei einem Sprungtest lässt sich feststellen, ob der Sportler aufgrund einer X-Bein-Position ein erhöhtes Risiko für Knieverletzungen hat. Dazu springt der Sportler von einem Kasten, landet und springt dann mit maximaler Kraft in die Höhe. Beim Landen wird die Stellung der Beine analysiert:
X-Bein: Risiko
Gerades Bein: geringes Risiko
O-Bein: geringes Risiko

Liegt eine X-Bein-Stellung vor, sollte der Patient versuchen, dieses Risiko mit Hilfe eines Präventionsprogrammes auszuschalten.

Folgende Übungen eignen sich für Aufwärmübungen:
Beachte: Alle folgenden Übungen müssen so ausgeführt werden, dass Hüfte, Knie und Fußgelenk in einer Linie stehen - die X-Bein-Stellung wird vermieden.

1) Für Laufübungen eignen sich: Geradeauslaufen, Laufen mit Hüftdrehung nach außen, Laufen mit Richtungswechsel, Laufen mit Hoch-Weit-Sprüngen
2) Für Balanceübungen eignen sich: Einbeinstand mit Ball, Einbeinige Balanceübung auf dem Wackelbrett, Einbeinige Balanceübungen auf einem Balancekissen mit gegenseitigem Zuwerfen eines Balles
3) Für Sprungübungen eignen sich: Sprung auf Weite, Sprung auf Höhe
4) Für Kraftübungen eignen sich: Kniebeuger, Statischer Unterarmstütz, Dynamischer Unterarmstütz mit wechselndem Anheben der Beine, Seitlicher Unterarmstütz, Abspreizen der Hüfte gegen einen Widerstand, Kniebeugen auf einem Bein mit Partner, Kniebeugen im Ausfallschritt

Alle Übungen werden in der Broschüre ausführlich beschrieben und mit Bildern erklärt.

Download der Broschüre „Stop X" - Programm zur Prävention von Sportverletzungen am Kniegelenk" unter:
deutsche-kniegesellschaft.de/wp-content/uploads/2017/02/DKG_Stop-X_Pr%C3%A4vention-von-Sportverletzungen-am-Kniegelenk.pdf

Referenzen:
1) Wolf Petersen et al., Prävention von Knieverletzungen und VKB-Rupturen, Deutscher Ärzteverlag, Orthopädische und Unfallchirurgische Praxis, 2016;5 (10)
2) Thomas Stoffels, Andrea Achtnich, Wolf Petersen, Prävention von Knieverletzungen - besteht Evidenz?, Elsevier, Sports Orthopaedics and Traumatology 33, 344-352 (2017)

Weitere Informationen:
https://dgou.de/dgou/
http://deutsche-kniegesellschaft.de/
http://www.gots.org/

Kontakt für Rückfragen:
Susanne Herda, Swetlana Meier
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) e.V.
Straße des 17. Juni 106-108, 10623 Berlin
Telefon: +49 (0)30 340 60 36 -06 oder -00
Telefax: +49 (0)30 340 60 36 01
E-Mail: presse@dgou.de

Weitere Informationen:
http://deutsche-kniegesellschaft.de/wp-content/uploads/2017/02/DKG_Stop-X_Pr%C3%...
https://dgou.de/dgou/
http://deutsche-kniegesellschaft.de/
http://www.gots.org/

Quelle: idw

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35 Jahre Meeresschutz: Fehlende Strategie erhöht Bedarf an Schutzflächen

Birgit Kruse Referat Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hamburg

Obwohl mehr als 16 Prozent aller nationalen Meeresflächen geschützt sind, bilden diese Flächen viele Ökoregionen und Länder nicht ab. Die heutige Ausdehnung ist ebenso teuer wie ineffizient, wie Dr. Kerstin Jantke und Team in einer aktuellen Studie des Centrums für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit der Universität Hamburg zeigen. Hätte man von Anfang an strategisch geplant, könnte längst jede Ökoregion angemessen geschützt sein.

In internationalen Vereinbarungen wie den Sustainable Development Goals (SDG) und den Aichi-Zielen der Vereinten Nationen (UN) ist festgelegt, dass bis zum Jahr 2020 mindestens zehn Prozent der Küsten und Ozeane unter Naturschutz stehen sollen. Dieses Flächenziel wurde mit heute rund 16,8 Prozent bereits erreicht. Wo diese Flächen liegen ist jedoch nicht beliebig: So ist vereinbart, dabei jeden der marinen Lebensräume zu erfassen, um den Verlust von biologischer Vielfalt weltweit aufzuhalten.

Gemeinsam mit Forscherinnen und Forschern der Universität Queensland, Australien, analysierte die Umweltwissenschaftlerin Kerstin Jantke Meeresschutzgebiete von den Anfängen im Jahr 1982 bis 2016. Das Team betrachtete dabei nur die nationalen Gewässer (39 Prozent der Ozeanfläche), da internationale Gewässer bisher schwer unter Schutz zu stellen sind. Die nationalen Gewässer bestehen aus 258 Ökoregionen. Das sind relativ große Gebiete, die sich in Artenzusammensetzung und Umweltbedingungen geografisch abgrenzen lassen. Jede dieser Regionen sollte zu zehn Prozent ihrer Fläche unter Schutz stehen. Die Studie zeigt, dass mehr als die Hälfte der Ökoregionen (157) nicht ausreichend geschützt sind, zehn davon noch überhaupt nicht.

Besonders wichtig ist, die Flächen in Zukunft strategisch auszuwählen. Das Team verglich deren Größe von Jahr zu Jahr und simulierte eine optimale Ausdehnung der Schutzgebiete. Hätte man schon im Jahr 1982 begonnen, taktisch zu planen, wären dafür nur 10,3 Prozent der nationalen Meeresfläche nötig gewesen. Noch bis zum Jahr 2011 hätte eine Fläche von knapp 13 Prozent ausgereicht, um alle Ökoregionen wie vereinbart zu zehn Prozent zu schützen. Das Ziel hätte also längst erreicht sein können und auch die Folgekosten, die beispielsweise durch eine eingeschränkte Nutzung für die Fischerei entstehen, wären weitaus geringer gewesen.

„Die Länder müssen systematisch vorgehen und strategisch zusammenarbeiten. Nur so lassen sich die massiven Lücken im bisherigen System schließen", sagt Jantke. „Doch nationale und wirtschaftliche Interessen gehen meist vor. In Zukunft sollten neue Schutzzonen zunächst in den wenig geschützten Ökoregionen ausgewiesen werden."

Im Jahr 2020 werden in China unter Federführung der UN neue Ziele zum Naturschutz verhandelt. Viele Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass die Zukunft einer Ökoregion nur gesichert ist, wenn mindestens 30 Prozent ihrer Fläche unter Schutz stehen. „Ich bin dafür, weitere Flächen zu schützen. Denn Biodiversität bildet letztlich unsere Lebensgrundlage", sagt Jantke. „Dazu kommt, dass der Klimawandel auch vor einem Schutzgebiet nicht haltmacht. Doch sind die Gebiete geschützt, können sie sich wahrscheinlich besser an veränderte Klimabedingungen anpassen." Die aktuelle Studie liefert jetzt die Basis für einen zukünftigen Meeresschutz mit System.

Fachartikel:
Jantke K., Jones K.R., Allan J.R., Chauvenet A.L.M., Watson J.E.M., Possingham H.P. (2018): Poor ecological representation by an expensive reserve system: evaluating 35 years of marine protected area expansion. Conservation Letters, DOI: 10.1111/conl.12584
https://doi.org/10.1111/conl.12584

Bilder zum Download finden Sie unter:
https://www.cen.uni-hamburg.de/about-cen/news/1-news-2018/2018-06-26-meeresschut...

Das Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit, kurz CEN, ist ein zentrales Forschungszentrum an der Universität Hamburg. Das CEN arbeitet interdisziplinär: Es verknüpft Natur- und Gesellschaftswissenschaften und beantwortet so grundsätzliche Fragen aus Klima-, Umwelt und Erdsystemforschung.

Kontakt:
Dr. Kerstin Jantke
Universität Hamburg
Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN)
Tel.: +49 40 42838-2147
Mobil: +49 170 55 00 778
E-Mail: kerstin.jantke@uni-hamburg.de

Stephanie Janssen
Universität Hamburg
Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN)
Öffentlichkeitsarbeit CliSAP/CEN
Tel.: +49 40 42838-7596
E-Mail: stephanie.janssen@uni-hamburg.de

Quelle: idw

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Elektroautos: Keine Einschränkungen für Träger von Herzschrittmachern & Co.

Christine Vollgraf Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung e.V.

Patienten mit Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen wird häufig ein Herzschrittmacher oder ein Defibrillator eingesetzt, um die Herzfunktion zu regulieren. Diese kleinen Geräte sind jedoch anfällig für elektromagnetische Interferenzen, wie sie auch in Elektroautos potenziell auftreten können. Dr. Carsten Lennerz, Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) am Deutschen Herzzentrum München, Klinik an der Technischen Universität München kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass von derzeitigen Elektroautos keine Gefahr für Träger von Herzschrittmachern und anderen implantierten elektrischen Herzgeräten ausgeht.

„Wir wollten eine sichere Datengrundlage für Menschen mit Herzschrittmachern und Defibrillatoren schaffen, vor allem um unnötige Restriktionen zu vermeiden", so Dr. Carsten Lennerz. Schließlich würden Elektroautos zunehmend für den öffentlichen und privaten Transport eingesetzt. Deshalb hat er mit Patienten überprüft, welche Auswirkungen die elektromagnetischen Felder eines Elektroautos auf ihre implantierten elektrischen Herzgeräte (kurz CIEDs für cardiac implantable electronic devices) haben.

Befürchtete Komplikationen sind etwa, dass die CIEDs durch das elektromagnetische Feld Signale wahrnehmen, die nichts mit dem Herzschlag zu tun haben und daraufhin falsch reagieren. Zum Beispiel könnte ein Herzschrittmacher Signale empfangen, die einen Herzschlag vortäuschen, woraufhin das Gerät fälschlicherweise aussetzen würde. Das Herz des Patienten würde dann nicht mehr ausreichend bei seiner Pumparbeit unterstützt. Defibrillatoren könnten auch fälschlicherweise Schocktherapien abgeben, falls das elektromagnetische Feld als Kammer-Rhythmusstörung fehlinterpretiert würde. Außerdem wird diskutiert, dass elektromagnetische Felder die implantierten elektrischen Herzgeräte umprogrammieren könnten. Die Studie mit 108 Trägern von Herzschrittmachern oder Defibrillatoren gab DZHK-Wissenschaftler Lennerz und seinen Kollegen jedoch keinen Hinweis darauf, dass die Funktion der implantierten Geräte durch Elektroautos gestört wird. Dabei haben sie Elektroautos von vier unterschiedlichen Herstellern untersucht, deren Modelle einen großen Marktanteil haben.

Maximale Leistung
Anders als in vorausgegangenen Studien, bei denen die Autos bei laufendem Motor lediglich angehoben wurden, fuhren die Patienten bei dieser herstellerunabhängigen Studie mit den Elektroautos auf einem Rollprüfstand der Technischen Universität München. So wollten die Wissenschaftler sicherstellen, dass die Motoren auch tatsächlich die maximale Leistung erbringen. Während der Fahrt auf dem Rollprüfstand wurde bei den Probanden ein Elektrokardiogramm (EKG) aufgezeichnet, um eventuelle, durch elektromagnetische Interferenzen ausgelöste Abweichungen der Schrittmacher- oder Defibrillatorfunktion zu registrieren. Außerdem wurde auch die Stärke des elektromagnetischen Feldes gemessen und mit Messwerten verglichen, die beim Fahren auf der Straße aufgezeichnet wurden. Damit konnten die Forscher zeigen, dass auf dem Rollprüfstand die gleichen elektromagnetischen Felder wirken wie im Straßenverkehr.

Die stärksten elektromagnetischen Felder maßen Lennerz und seine Kollegen, wenn die Patienten die Autos aufluden. „Die Autos sind innen so ausgestattet, dass die Insassen gut abgeschirmt sind. Deshalb ist das Aufladen der kritischere Moment", erläutert Lennerz. Aber auch dann traten keine Wechselwirkungen mit den CIEDs auf.

„Obwohl unsere Untersuchungen zeigen, dass Fehlfunktionen sehr unwahrscheinlich sind, kann man keine dauerhafte Entwarnung geben", sagt Lennerz. Schließlich entwickelten sich die Elektroautos und die Ladetechnik immer weiter, sodass dann neue Untersuchungen nötig wären. Aber mit den derzeitigen Modellen können laut dem Münchener Wissenschaftler auch Patienten mit Herzschrittmachern und Defibrillatoren Elektroautos ohne Angst benutzen.

**Originalarbeit**: Electric Cars and Electromagnetic Interference With Cardiac Implantable Electronic Devices: A Cross-sectional Evaluation. Lennerz C, O'Connor M, Horlbeck L, Michel J, Weigand S, Grebmer C, Blazek P, Brkic A, Semmler V, Haller B, Reents T, Hessling G, Deisenhofer I, Whittaker P, Lienkamp M, Kolb C. Ann Intern Med. 2018 Apr 24. DOI: 10.7326/M17-2930

Kontakt: Christine Vollgraf, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), Tel.: 030 3465 529 02, presse@dzhk.de

Dr. Carsten Lennerz, Deutsches Herzzentrum München des Freistaates Bayern, Klinik an der Technischen Universität München, lennerz@dhm.mhn.de

Weitere Informationen:
https://dzhk.de/das-dzhk/presse/artikel/elektroautos-keine-einschraenkungen-fuer...

Quelle: idw

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Nachhaltige Fischzucht am Viktoriasee mit dem EU-Projekt VicInAqua

Anette Mack Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Steinbeis-Europa-Zentrum

Im EU-Projekt VicInAqua wird ein effizientes, flexibles und robustes System für Abwasserreinigung und -Wiederverwertung in Fischzucht und Bewässerung für die Region des Viktoriasees entwickelt. Die Demonstrationsanlage in Kenia bietet einen innovativen Ansatz für umweltfreundliche Aufbereitung und Wiederverwertung vom Abwasser.

Das Institut für Angewandte Forschung an der Hochschule Karlsruhe ist Koordinator des Projekts und errichtet mit zehn weiteren europäischen und afrikanischen Partnern eine Demonstrationsanlage in der Stadt Kisumu in Kenia. Auf der Grundlage vergangener Projekte im Bereich der Wasser- und Abwasserbehandlung hat die Hochschule Karlsruhe mit der Steinbeis 2i GmbH (S2i) über Umweltthemen wie z .B Eutrophierung im Wasser des Viktoriasees diskutiert und mit weiteren Partnern gemeinsam ein Konzept erarbeitet, das zur Verbesserung der sozioökonomischen Situation am Viktoriasee beitragen soll. Das entstandene Projekt VicInAqua wird von der Europäischen Kommission im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogramms Horizont 2020 gefördert (GA Nr. 689427). Unter den Projektpartnern sind industrielle, wissenschaftliche und öffentliche Organisationen aus Dänemark, Deutschland, Italien, Kenia, Malta, Tansania und Uganda. Die S2i unterstützt als Projektpartner die Verbreitung und Verwertung der Projektergebnisse, das administrative und finanzielle Management und die Kommunikation über Projektziele und Fortschritte.

Die Partner verfolgen einen integrierten Ansatz, um eine nachhaltige Kombination aus Abwasserbehandlung und einem re-zirkulierenden Aquakultursystem (recirulating aquaculture system, RAS) für die Wiederverwendung des Wassers und die Qualitätssteigerung der Fischzucht im Viktoriaseebecken zu entwickeln. Das System soll zur Verminderung der Belastung des empfindlichen Ökosystems und zur Steigerung der Ernährungs- und Gesundheitssicherheit beitragen. Im RAS werden Fischlaiche großgezogen, die durch die optimale und ständig überprüfte Wasserqualität und Versorgung eine besonders hohe Qualität besitzen. Die Fischlaiche werden später an lokale Fischteichbetreiber zur weiteren Aufzucht übergeben.

Darüber hinaus wird ein neuartiger selbstreinigender Wasserfilter entwickelt und eingesetzt, der aus einem Membranbioreaktor (MBR) als Hauptbehandlungseinheit in einem kombinierten Behandlungssystem besteht. In Bezug auf MBR besteht das Hauptproblem in Membranverschmutzung, die eine häufige Reinigung mit teuren Chemikalien erfordert. VicInAqua entwickelt neuartige selbstreinigende Membranmaterialien, die zu einer besseren und umweltschonenderen Langzeitleistung beitragen. Ein innovatives, leicht bedienbares Monitoringsystem ermöglicht es, die gesamte Anlage vor Ort und über das Smartphone zu überwachen. Das gefilterte, nährstoffreiche Abwasser fließt wieder in das RAS und wird zusätzlich für die landwirtschaftliche Bewässerung genutzt. Der gefilterte Überschussschlamm aus dem Filtersystem wird mit organischen Abfällen aus der Umgebung verwendet, um Biogas zu produzieren. Zusammen mit einer fortgeschrittenen Photovoltaikanlage sorgt dieses Biogas für eine flexible, dezentrale Energieversorgung.

„In VicInAqua entwickeln wir eine innovative Rundumlösung, die für einen erfolgreichen Betrieb in Afrika aber auch weiteren Regionen der Welt mit Wasser- oder Nahrungsmittelknappheit angepasst werden und die letztendlich dazu beitragen sollen, neue Geschäftsmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung zu entwickeln. Die größte Herausforderung neben den technischen Innovationen besteht darin, den gegenseitigen kulturellen und technischen Austausch zwischen der europäischen und der afrikanischen Gesellschaft zu fördern, um den Menschen in Afrika eine Perspektive in ihren Heimatländern zu bieten," sagt Prof. Dr. Jan Hoinkis, Projektkoordinator und Professor an der Hochschule Karlsruhe.

„Uns gefällt der innovative Ansatz von VicInAqua, der sich insbesondere mit den Problemen in Kenia und den weiteren Ländern des Viktoriasees, Uganda und Tansania befasst. Es geht nicht nur um den allgemeinen technologischen und ökologischen Fortschritt, sondern auch darum, eine afrikanische Lösung für die effiziente Wiederverwendung von Wasser und die Kontrolle der Umweltverschmutzung vorzuschlagen", ergänzt Susan Clare Adhiambo, Chief Fisheries Officer, verantwortlich für Kisumu East Sub-County im Ministerium für Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei (Department of Agriculture, Livestock and Fisheries , DALF) des Kisumu County in Kenia und Partner in VicInAqua. Das DALF bringt seine langjährige Expertise in der Planungs-, Umsetzungs- und Regelungspolitik von Fischzucht und Fischerei in Kenia und am Viktoriasee ein. Da das DALF die Pilotanlage auch nach Projektende betreiben wird, spielt es eine wichtige Rolle bei der Koordinierung der Bauarbeiten, die im Frühling 2018 begonnen haben.

Wenn die Technologie von Fischern oder lokalen Behörden am Viktoriasee eingesetzt wird, wird dies zu neuen und nachhaltigen Beschäftigungschancen und einer verstärkten qualitativen Fischproduktion durch Aquakultur führen.

Eine der größten Herausforderungen des Projekts ist es, eine für den lokalen Markt finanziell erschwingliche technologische Lösung zu finden. Um die lokale Bevölkerung, Unternehmen und Entscheidungsträger zu überzeugen, dass die Anlage und deren innovativen Technologie funktionieren und sich lohnen, konzentriert sich das Projektkonsortium gleichzeitig darauf, verschiedene Schulungen zu den VicInAqua Technologien, Studienbesuche und runde Tische zum Kompetenzaufbau und zur Aufklärung durchzuführen.

Weitere Informationen:
http://www.vicinaqua.eu/get-involved/ - mehr über das Projekt erfahren

Quelle: idw

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Schlaflosigkeit - nur ein böser Traum?

Benjamin Waschow Stabsstelle Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Freiburg

Schlaflosigkeit ließ sich bisher im Labor kaum nachweisen. Forscher des Universitätsklinikums Freiburg zeigen jetzt: Schlaflose Nächte finden oft nur im Traum statt. Das macht sie nicht weniger belastend, ermöglicht aber neue Therapien.

Schlaflosigkeit wird von Betroffenen als sehr belastend wahrgenommen. Sie fühlen sich müde, wenig leistungsfähig und unkonzentriert. Doch messen lässt sich die Schlaflosigkeit oft nicht. „Die meisten Patienten, die eine stark ausgeprägte Schlaflosigkeit schildern, schlafen im Schlaflabor rund 80 Prozent des normalen Pensums", sagt Dr. Bernd Feige, Forschungsgruppenleiter an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg. Nach dem Grund für diese Diskrepanz zwischen subjektiver Wahrnehmung und objektiv messbarer Schlafdauer suchen Wissenschaftler seit rund 20 Jahren. Erstmals liefern jetzt Forscher der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg eine objektiv messbare Erklärung. Sie beschreiben im Fachmagazin Sleep, dass Schlaflosigkeit in vielen Fällen nur ein böser Traum ist.

Für ihre Studie baten die Freiburger Forscher 27 Probanden mit schweren Schlafstörungen und 27 gesunde Schläfer ins Schlaflabor. In den ersten beiden Nächten gewöhnten sich die Probanden an die Umgebung. In den beiden Folgenächten weckten die Forscher die Probanden mit einem Signalton aus der REM-Phase, die auch als Traumphase bezeichnet wird.

REM-Schlaf wird von Sorgen um Schlaflosigkeit beherrscht
Sobald sie aufgewacht waren, drückten die Studienteilnehmer einen Knopf und ein Studienmitarbeiter befragte sie im abgedunkelten Zimmer. Die erste Frage war: ‚Haben Sie gerade geschlafen oder waren Sie wach?‘

Das erstaunliche Resultat: „Obwohl alle Probanden aus dem Traumschlaf geweckt wurden, war sich jeder sechste Proband mit Schlafproblemen sicher, wachgelegen zu haben", sagt Dr. Feige. Gesunde Probanden wähnten sich hingegen fast nie wach.

Befragt nach ihrer letzten Erinnerung vor dem Signalton - also nach ihren Träumen -, berichteten die vermeintlich wachen Probanden von quälenden Gedanken darüber, nicht schlafen zu können. „Offensichtlich bauen manche Menschen die Sorge vor einer Schlafstörung in ihre Träume ein. Sie träumen also ‚nur‘ von einer Schlafstörung", sagt Dr. Feige.

Bei ihrer Befragung vermieden die Mitarbeiter Begriffe wie „Träumen", „Wecken" und „Schlafen", um den Probanden keinen Hinweis auf ihren Zustand zu geben.

Traumtherapie könnte helfen
„Ganz wichtig ist: Für die Belastung der Patienten macht es keinen Unterschied, ob die Schlafstörung objektiv messbar oder nur im Traum vorhanden ist. Aber die Erkenntnis gibt uns wertvolle Hinweise zur Behandlung der Schlafstörung", sagt Studienleiter Prof. Dr. Dieter Riemann, Sprecher des Schlafmedizinischen Zentrums am Universitätsklinikum Freiburg. So können etablierte Traumtherapien den Betroffenen helfen oder auch Medikamente, die auf eine Stärkung der Traumphase abzielen.

Schlaflosigkeit als psychische und körperliche Belastung
„Schlaflosigkeit kann eine schwere Krankheit sein und das Risiko für andere schwere Krankheiten erhöhen, etwa Depression oder Schlaganfall", sagt Prof. Riemann. Viele Insomnie-Patienten sind sehr leistungsorientiert, fokussiert und geplant. „Genau diese Strategie funktioniert aber beim Schlaf nicht. Schlaf kommt, wenn man sich von Erwartungen löst", so Prof. Riemann.

Original-Titel der Studie: Insomnia-perchance a dream? Results from a NREM/REM sleep awakening study in good sleepers and patients with insomnia

DOI: 10.1093/sleep/zsy032

Link zur Studie: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29432570

Weitere Informationen:
Kontakt:
Dr. Bernd Feige
Forschungsgruppenleiter
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-68240
bernd.feige@uniklinik-freiburg.de

Johannes Faber
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-84610
Johannes.faber@uniklinik-freiburg.de

Weitere Informationen:
https://www.uniklinik-freiburg.de/psych/forschung-research/research-groups/rg-fe... Forschungsgruppe Dr. Feige
https://www.uniklinik-freiburg.de/psych/forschung-research/research-groups/rg-ri... Forschungsgruppe Prof. Dieter Riemann

Quelle: idw

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Mehr als die Hälfte der Beschäftigten hat ein Arbeitszeitkonto

Wolfgang Braun Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Seit 1999 ist der Anteil der Beschäftigten mit einem Arbeitszeitkonto um 21 auf 56 Prozent gestiegen. Der Anteil der Betriebe mit Arbeitszeitkonten hat sich um 17 auf 35 Prozent erhöht. Besonders häufig werden Konten mit einem kürzeren Ausgleichzeitraum genutzt. Langzeitkonten bleiben weiterhin die Ausnahme. Das geht aus einer am Dienstag erschienenen Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

Bei zwei von zehn Betrieben, die Arbeitszeitkonten führen, beträgt der Ausgleichszeitraum maximal ein halbes Jahr. Bei vier von zehn Betrieben müssen die Zeitguthaben oder -schulden innerhalb eines Zeitraums zwischen einem halben und einem Jahr ausgeglichen werden bzw. darf an einem Stichtag ein bestimmter Wert nicht über- oder unterschritten werden. Ebenfalls vier von zehn Betrieben haben Arbeitszeitkonten ohne einen feststehenden Ausgleichszeitraum. Hier sind die Ausgleichszeiträume entweder nicht geregelt oder aber nur grundsätzlich festgelegt und kurzfristig modifizierbar. So könnten Betriebe den Arbeitseinsatz an kurzfristige Schwankungen der Auftragslage anpassen, erklären die IAB-Forscher Peter Ellguth, Hans-Dieter Gerner und Ines Zapf. Beschäftigte wiederum könnten die Spielräume nutzen, um die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben zu verbessern.

Obwohl das im Jahr 2009 in Kraft getretene Gesetz zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen („Flexi-II-Gesetz") die Nutzung von Langzeitkonten auf eine neue rechtliche Grundlage gestellt hat, machen nur wenige Betriebe davon Gebrauch: Lediglich zwei Prozent führen separate Langzeitkonten. Dort angesparte Guthaben werden am häufigsten für längere Freistellungen sowie für Familien- oder Weiterbildungszeiten genutzt. Weniger bedeutend hingegen sind Konten, die eine Verkürzung der Lebensarbeitszeit ermöglichen.

Arbeitszeitkonten sind je nach Branche deutlich unterschiedlich verbreitet. Mit 76 Prozent haben am häufigsten Betriebe der öffentlichen Verwaltung und Sozialversicherung Arbeitszeitkonten, gefolgt von 59 Prozent der Betriebe im Bereich Energie, Wasser, Abfall und Bergbau sowie 54 Prozent im Bereich Produktionsgüter. Im Bereich Finanz- und Versicherungsdienstleistungen liegt der Anteil dagegen bei 26 Prozent, im Gastgewerbe bei 24 Prozent.

Weitere Informationen:
http://doku.iab.de/kurzber/2018/kb1518.pdf
https://twitter.com/iab_news

Quelle: idw

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Wenn die Kraft im Alter fehlt

Gunnar Bartsch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Altersbedingte Veränderungen in den peripheren Nerven können die Lebensqualität drastisch einschränken. Würzburger Wissenschaftler haben jetzt einen Auslöser dieser Veränderungen identifiziert.

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen ist so hoch wie nie zuvor und nimmt weiter zu. Damit einhergeht ein Zuwachs an altersbedingten Krankheiten, die das Nervensystem betreffen, wie beispielsweise Morbus Alzheimer und andere Formen der Demenz. Solche krankhaften Veränderungen finden sich allerdings nicht nur im Gehirn. Auch im peripheren Nervensystem, das beispielsweise Muskeln und die Sinnesstrukturen der Haut versorgt, steigt das Risiko für Degenerationserscheinungen mit zunehmendem Alter.

Zunehmende Muskelschwäche
Die Folgen für die Betroffenen sind ernst: Sie leiden oft unter Missempfindungen und quälenden Schmerzen in den Extremitäten. Die zunehmende Muskelschwäche ist besonders bedeutungsvoll, schränkt sie doch die Betroffenen in ihrer Mobilität deutlich ein und führt nicht selten zu gefährlichen Stürzen, die dann häufig den Verlust der Selbstständigkeit nach sich ziehen.

Obwohl die Konsequenzen der altersbedingten Degeneration peripherer Nerven von großer Bedeutung für die Lebensqualität im Alter und für die Volkswirtschaft sind, wurden deren Ursachen bislang nicht systematisch untersucht. Das hat sich jetzt geändert: In einem neuen Projekt haben Wissenschaftler der Neurologischen Klinik des Würzburger Universitätsklinikums einen wichtigen und möglicherweise therapierbaren Teilaspekt der altersbedingten Nervendegeneration genauer untersucht. Verantwortlich dafür war Professor Rudolf Martini, Leiter der Sektion Experimentelle Entwicklungsneurobiologie an der Neurologischen Klinik. In der Fachzeitschrift Journal for Neuroscience haben die Forscher die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlicht.

Makrophagen im Visier
„In Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität Aachen haben wir zuerst systematisch die Veränderungen erfasst, die sich in peripheren Nerven von Menschen im Alter zwischen 65 und 79 Jahren finden", beschreibt Rudolf Martini die Vorgehensweise seines Teams. In ihren Proben stießen die Forscher dabei auf eine erhöhte Anzahl von Makrophagen. Makrophagen sind Zellen, die zum Abwehr- und Entsorgungssystem des Körpers gehören. Sie nehmen beispielsweise Krankheitserreger, Fremdpartikel sowie alternde Körperzellen auf und verdauen und entsorgen diese. Sie setzten Entzündungsprozesse in Gang, helfen dabei, Wunden zu heilen, und reinigen das Gewebe. Unglücklicherweise richten sie aber auch bei einigen Erkrankungen Schaden an.

Ob dies bei den altersbedingten degenerativen Veränderungen in den Nerven ebenfalls der Fall war, haben die Wissenschaftler im Experiment mit Mäusen studiert. „Wir haben dafür die Nerven von 24 Monate alten Mäusen genau untersucht, was für Mäuse schon ein ziemlich hohes Alter ist", erklärt Rudolf Martini. Dabei zeigte sich, dass die altersbedingten Veränderungen in den peripheren Nerven der Mäuse denen in den Nerven der Menschen stark ähnelten. Wie beim Menschen war auch bei den Mäusen die Anzahl der Makrophagen erhöht. Ebenso hatten die älteren Tiere weniger Kraft als jüngere Exemplare, und ihre motorischen Endplatten - die Synapsen zwischen Nerven und Muskelfasern - waren ebenfalls weniger intakt.

Erfolgreiche Therapie im Tierversuch
In einem weiteren Schritt untersuchten Martini und sein Team, ob tatsächlich Makrophagen als Auslöser dieser Veränderungen in Frage kommen. Dafür haben sie Mäusen im fortgeschrittenen Alter von 18 Monaten eine spezielle Substanz im Futter verabreicht, die ein Absterben der Makrophagen bewirkte. „Nach sechsmonatiger Behandlung konnten wir feststellen, dass die degenerativen Altersveränderungen in den behandelten Mäusen wesentlich schwächer ausgeprägt waren", schildert Martini das Ergebnis. Dementsprechend verfügten die Tiere über stärkere Muskeln und ihre motorischen Endplatten waren besser erhalten, verglichen mit unbehandelten Exemplaren.

Für Martini und seine Kollegen steht damit fest: „Unsere Studie zeigt nicht nur einen kausalen Zusammenhang von entzündlichen Reaktionen in alternden Nerven mit degenerativen Alterungsprozessen, sondern auch eine potenzielle Therapierbarkeit." Ihrer Ansicht nach kann eine gezielte und möglichst spezifische Behandlung altersbedingter, Makrophagen-vermittelter Entzündungsreaktionen zu einer Verbesserung von Struktur und Funktion der Nerven führen - und damit einhergehend - zu einer verbesserten Mobilität und höheren Lebensqualität.

Für Infektionen und Diabetes von Bedeutung
Die Interpretation der jetzt gewonnenen Erkenntnisse lässt allerdings noch weitergehende Schlüsse zu: Weil bei Infektionen oder im Alter häufig auftretenden chronischen Krankheiten wie Diabetes mellitus im Körper ebenfalls Entzündungsreaktionen ablaufen, bilden diese ein zusätzliches Risiko für alternde Nerven. Die Forscher hoffen deshalb, dass ihre Erkenntnisse dazu beitragen, die Erforschung und Entwicklung von Wirkstoffen anzustoßen, die speziell an Makrophagen ansetzen.

Martini und sein Team wollen in weiteren Experimenten untersuchen, wie es zur altersbedingten Entzündungsreaktion im Nerven kommt. Sie wollen herausfinden, welche Zellen im Nerven für die erhöhte Anzahl der Makrophagen verantwortlich ist, und ob es neben einer medikamentösen Therapie möglicherweise andere Ansätze zur Behandlung der degenerativen Veränderungen gibt - beispielsweise spezielle physiotherapeutische Trainingsprogramme, wie man sie von anderen entzündlichen Erkrankungen kennt. Neben diesen wichtigen Erkenntnissen zur Entstehung von Nervendegeneration im Alter zeigt diese Studie erneut die Unverzichtbarkeit von präzise geplanten Tierversuchen für die Entwicklung von Therapien bei bislang unbehandelbaren Erkrankungen des Menschen.

Macrophage depletion ameliorates peripheral neuropathy in aging mice. Xidi Yuan, Dennis Klein, Susanne Kerscher, Brian L. West, Joachim Weis, Istvan Katona and Rudolf Martini. Journal of Neuroscience 30 April 2018, 3030-17; DOI: https://doi.org/10.1523/JNEUROSCI.3030-17.2018

Kontakt
Prof. Dr. Rudolf Martini, Universitätsklinikum Würzburg, Neurologische Klinik, Sektion Experimentelle Entwicklungsneurobiologie, E-Mail: rudolf.martini@mail.uni-wuerzburg.de

Quelle: idw

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BAM-Forschungsprojekt will Mikroplastik im Wasser genauer nachweisen

M.A., LL.M./LL.B. Venio Quinque Unternehmenskommunikation
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)

Ein neues Forschungsverbundprojekt unter Leitung der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) will herausfinden, über welche Wege Mikroplastik in Gewässer gelangt. Ziel ist es, die Verfahren für die Entnahme repräsentativer Proben aus Wasser und Abwasser zu optimieren. Nur durch eine repräsentative Probenentnahme können die Quellen von Mikroplastik genauer erfasst und daraus Vermeidungsstrategien abgeleitet werden.

Dass Plastikpartikel in die Umwelt gelangen, wird bereits seit über 40 Jahren beobachtet. In den letzten Jahren hat sich die Aufmerksamkeit auf die winzigen Zersetzungsprodukte von Plastik, dem Mikroplastik, verlagert. Bislang fehlen verlässliche Daten über Quellen, Vorkommen und Auswirkungen von Mikroplastik auf Menschen und Ökosysteme. Fest steht nur, dass Mikroplastik in der Umwelt fast überall zu finden ist.

Hier setzt das Projekt „Repräsentative Untersuchungsstrategien für ein integratives Systemverständnis von spezifischen Einträgen von Kunststoffen in die Umwelt (RUSEKU)" an. Bis Anfang 2021 will das Verbundprojekt Untersuchungsverfahren entwickeln, die den Mikroplastikgehalt über die verschiedenen Bereiche des Wasserkreislaufs besser und schneller messen können. Im Fokus stehen dabei Probeentnahmeverfahren.

„Die aktuellen Probenentnahmeverfahren sind nicht auf Kunststoffe abgestimmt und liefern daher oft fehlerhafte Ergebnisse bei der Bestimmung des Mikroplastikgehalts", so Dr. Ulrike Braun, Leiterin des RUSEKU-Projekts und Wissenschaftlerin an der BAM. „Wir wollen ein verlässliches, praxisnahes Verfahren für die Wasserbeprobung entwickeln, welches gleichzeitig auf unsere bewährte Mikroplastik-Analytik abgestimmt ist. Nur so können wir Daten sammeln, um künftige Einträge von Mikroplastik in Gewässer zu verhindern."

Braun und ihre Kooperationspartner wollen Mikroplastikpartikel verschiedener Größen und Formen im Labor und in Simulationsanlagen hinsichtlich ihrer Wiederfindung testen und bewerten. Zusätzlich will das Team numerische Berechnungen entwickeln, die die Dynamik und vertikale Verteilung von Mikroplastikpartikeln in turbulenten Fließgewässern voraussagen. Die neuen Verfahren werden auch in realen Abwassersystemen in Kaiserslautern geprüft.

An dem Forschungsprojekt sind neben der BAM sieben wissenschaftliche Institutionen und drei mittelständische Unternehmen beteiligt. Gefördert wird RUSEKU vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Forschungsschwerpunkts „Plastik in der Umwelt".

Weitere Informationen zum Projekt RUSEKU finden Sie hier: https://netzwerke.bam.de/Netzwerke/Navigation/DE/Projekte/RUSEKU/ruseku.html

Kontakt:
Venio Quinque, M.A., LL.M./LL.B.
Leiter Referat Unternehmenskommunikation
Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM)
T: + 49 30 8104-1002
presse@bam.de
www.bam.de

Über die BAM
Die BAM gewährleistet Sicherheit in Technik und Chemie.
Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Die BAM forscht, prüft und berät zum Schutz von Mensch, Umwelt und Sachgütern. Im Fokus aller Tätigkeiten in der Materialwissenschaft, der Werkstofftechnik und der Chemie steht dabei die technische Sicherheit von Produkten und Prozessen. Dazu werden Substanzen, Werkstoffe, Bauteile, Komponenten und Anlagen sowie natürliche und technische Systeme von volkswirtschaftlicher Dimension und gesellschaftlicher Relevanz erforscht und auf sicheren Umgang oder Betrieb geprüft und bewertet. Die BAM entwickelt und validiert Analyseverfahren und Bewertungsmethoden, Modelle und erforderliche Standards und erbringt wissenschaftsbasierte Dienstleistungen für die deutsche Wirtschaft im europäischen und internationalen Rahmen.

Sicherheit macht Märkte.
Die BAM setzt und vertritt für Deutschland und seine globalen Märkte hohe Standards für Sicherheit in Technik und Chemie zur Weiterentwicklung der erfolgreichen deutschen Qualitätskultur „Made in Germany".

Quelle: idw

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Studienplattform für Allergiepatienten geht online

Sonja Opitz, Abteilung Kommunikation
Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Der Allergieinformationsdienst am Helmholtz Zentrum München baut die bundesweit erste Plattform für klinische Studien zu Allergien auf. Ziel ist, für Patienten ein unabhängiges, transparentes Forum zu schaffen, auf dem sie sich über Möglichkeiten informieren können, an Studien zu ihrem allergischen Krankheitsbild teilzunehmen. Im Fokus stehen zu Beginn insbesondere Studien zu häufigen allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen, allergisches Asthma oder Neurodermitis.

Zwischen 20 und 30 Millionen Menschen in Deutschland leiden an mindestens einer Allergie. Viele von ihnen müssen deutliche Einschränkungen ihrer Lebensqualität hinnehmen. Dem gegenüber stehen vergleichsweise wenige neue Behandlungsansätze. Umso wichtiger sind Erfolge in der klinischen Forschung.

Der Allergieinformationsdienst des Helmholtz Zentrums München, der vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert wird, baut nun sein online-Angebot aus und richtet eine Studienplattform als Orientierung für Patienten, Mediziner und Forschende ein. Dort finden sich für jede Studie neben Angaben zum Krankheitsbild, zu Aufnahmekriterien und Untersuchungsrahmen auch Informationen über Finanzierungsquellen und Ansprechpartner in den teilnehmenden Studienzentren. Außerdem gibt es umfangreiche Hinweise zur Organisation von Studien und zu den Rechten der Patienten.

„Die Studienplattform ist ein weiteres Angebot, mit dem wir Patienten direkt aus der Forschung unterstützen wollen", betont Prof. Günther Wess, CEO des Helmholtz Zentrums München. „Sie erhalten damit die Möglichkeit, sich schnell einen Überblick über aktuelle Studien zu allergischen Krankheitsbildern zu verschaffen." Doch könne dies nur ein Anfang sein. „Generell muss die Allergieforschung in Deutschland einen deutlich höheren Stellenwert erhalten", erklärt Prof. Wess.

Eine Steuerungsgruppe aus fünf führenden Allergologinnen und Allergologen deutscher Universitäten und Forschungseinrichtungen begutachtet jede Studie, ehe sie auf der Plattform veröffentlicht wird. „So stellen wir sicher, dass nur Informationen zu seriösen wissenschaftlichen Studien die Patienten erreichen", erläutert Prof. Dr. Thomas Werfel, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und Mitglied der Steuerungsgruppe im wissenschaftlichen Beirat des Allergieinformationsdienstes. „Die DGAKI unterstützt dieses neue Angebot ausdrücklich."
Die Initiatoren der Plattform legen großen Wert auf Transparenz, beispielsweise bei der Offenlegung gegebenenfalls beteiligter Firmen.
Das Helmholtz Zentrum München hat in den letzten fünf Jahren zu allen drei medizinischen Forschungsschwerpunkten eigene Informationsdienste und darin verankerte Studienplattformen entwickelt. Neben dem Allergieinformationsdienst stehen Angebote für Diabetes und Lungenerkrankungen zur Verfügung. Alle drei Dienste wurden mit dem Ziel aufgebaut, bundesweit Standards zu setzen für qualitätsgesicherte, evidenzbasierte und gleichzeitig allgemein verständliche Patienteninformation im digitalen Zeitalter.

Weitere Informationen
Link zur Studienplattform des Allergieinformationsdienstes:
https://www.allergieinformationsdienst.de/forschung/studienplattform-allergie.ht...

Link zur Studienplattform des Diabestesinformationsdienstes:
https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/studien/index.html

Link zur Studienplattform des Lungeninformationsdienstes:
https://www.lungeninformationsdienst.de/klinische-studien/index.html

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten angehören. www.helmholtz-muenchen.de

Ansprechpartner für die Medien:
Abteilung Kommunikation, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel. +49 89 3187 2238 - E-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de

Fachliche Ansprechpartnerin:
Ulrike Koller, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Abteilung Kommunikation, Informationsdienste, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel. +49 89 3187 2526 - E-Mail: koller@helmholtz-muenchen.de

Quelle: idw

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Studie zu Druck im Profi-Fußball: Wenn Perfektionismus zum Problem wird

Dipl.-Journ. Carsten Heckmann Stabsstelle Universitätskommunikation/Medienredaktion
Universität Leipzig

Fußball-Weltmeister Per Mertesacker hat im März eine große Debatte ausgelöst um den Druck, dem Profifußballer ausgesetzt sind. Nun stehen ab Donnerstag wieder große Duelle an, K.O.-Spiele, Elfmeterschießen, vor einem Millionenpublikum - die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland beginnt. Zum Trainingsprogramm sollte und wird der Umgang mit Druck gehören, sagt Anne-Marie Elbe, Professorin für Sportpsychologie an der Universität Leipzig. Der Bedarf sei immens. In einer Studie mit dänischen und schwedischen Profi-Fußballern fand die Sportpsychologin heraus: Fast 17 Prozent der Teilnehmer zeigten Symptome einer Depression.

"Was viele Leistungssportler auszeichnet, ist der Perfektionismus", sagt Anne-Marie Elbe. "Der wirkt erstmal positiv, motivierend. Aber er kann auch Angst erzeugen, nämlich die Angst davor, nicht perfekt zu sein. Und die treibt viele Profi-Fußballer um, gepaart mit der Angst vor der Bewertung durch andere, der sogenannten sozialen Angst. Diese Zusammenhänge hat unsere Studie deutlich aufgezeigt."

Gefühle von Hilflosigkeit und Schuld, wenig Appetit und Schlafstörungen und eine depressive Stimmung könnten die Folge sein - und wurden von fast 17 Prozent der Befragten geäußert. Für die Leipziger Forscherin kein überraschendes Ergebnis: "Mentale Probleme können im Profisport gehäuft auftreten. Wichtig ist, ihnen professionell zu begegnen. Denn wenn die genannten Verstimmungen über einen längeren Zeitraum andauern, spricht man von Depression, und dann braucht es Hilfe seitens der klinischen Psychologie."

323 Spieler der ersten und der U19-Mannschaften der dänischen und schwedischen Erstligisten beantworteten die Fragen der Wissenschaftler - drei Viertel der angefragten Fußballer. Anne-Marie Elbe war bis 2017 an der Universität Kopenhagen tätig und leitete die Studie. Die Ergebnisse, die nach Elbes Einschätzung in anderen Ländern ähnlich zu erwarten wären, veröffentlichten die Forscher in der renommierten Fachzeitschrift "Psychology of Sport and Exercise."

"Die Verantwortlichen in den Vereinen und die Spieler selbst waren sehr offen, das hat uns die Arbeit natürlich erleichtert", berichtet Elbe. Allgemein sei das Thema Depression in der Branche kein Tabu mehr, auch in Deutschland nicht. "Es gab prominente Fälle, und es gibt inzwischen nicht nur bei der Nationalmannschaft einen Sportpsychologen, sondern auch bei den meisten Bundesligavereinen und deren Nachwuchsleistungszentren."

Letzteres sei auch zwingend nötig. "Generell gilt es, sportpsychologische Trainingsmethoden stärker in die Nachwuchsausbildung zu integrieren. Bereits im Jugendalter sollten Fußballer darauf vorbereitet werden, wie sie mit Drucksituationen umgehen können. "Das sollte genauso dazugehören wie das technische und taktische Training."

Aber kann man sich wirklich darauf vorbereiten, in das Elfmeterschießen eines WM-Finales zu gehen und vor einer Kulisse von 80.0000 lauthals skandierenden Zuschauern den entscheidenden Elfmeter zu halten? "Ja, das kann man trainieren", sagt Sportpsychologin Elbe. "Es gibt diverse Methoden dafür, neuerdings auch Simulationsmöglichkeiten mithilfe der sogenannten virtuellen Realität. Wichtig ist dabei immer: Jeder Spieler braucht eine individuelle Betreuung, denn jeder hat seine eigene Version dessen, was wir in der Fachsprache optimale Funktionszone nennen. Was braucht er also in welcher Situation? Muss er sich rauf- oder runterregulieren? Welche Methode wirkt bei ihm am besten? Das gilt es herauszufinden."

Die Entwicklung gehe in die richtige Richtung, nicht nur im Fußball. "Aber wir sollten die psychologischen Faktoren weiter erforschen, um die Prävention zu erleichtern. Auslöser für Depressionen sind bei Leistungssportlern eben andere als zum Beispiel bei Lehrern. Ungewöhnlich sind sie nicht, die Profi-Fußballer können den Druck nicht loswerden. Aber dass einem Spieler vor einem WM-Match in der Kabine vor Angst schlecht wird, das sollte nicht passieren."

Die Publikation:
Jensen, S.N., Ivarsson, A., Fallby, J., Dankers, S. und Elbe, A.-M: "Depression in Danish and Swedish Elite Football Players and its relation to perfectionism and anxiety." In: Psychology of Sport and Exercise, Ausgabe Mai 2018.

Hinweis:
Prof. Dr. Anne-Marie Elbe ist eine von mehr als 150 Expertinnen und Experten der Universität Leipzig, auf deren Fachwissen Sie mithilfe unseres Expertendienstes zurückgreifen können.

Weitere Informationen:
https://doi.org/10.1016/j.psychsport.2018.02.008 Publikation in "Psychology of Sport and Exercise"
http://www.uni-leipzig.de/experten Expertendienst der Universität Leipzig

Quelle: idw

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FlexFuture! Biogas sorgt für stabile Netze

Bianca Stur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Biomasseforschungszentrum

Biogasanlagen gelten als die Joker des erneuerbaren Energiesystems, denn sie können flexibel Strom und Wärme einspeisen und so Fluktuationen ausgleichen. An einer Praxisanlage wurde nachgewiesen, dass Engpässe und Überlastungen im Stromnetz vermieden werden können, wenn Photovoltaik- und Biogasanlage aufeinander abgestimmt Strom einspeisen.

Die Stabilität der Stromnetze und damit die Versorgungssicherheit in Deutschland jederzeit zu gewährleisten, ist ein wesentlicher Schwerpunkt der Energiewende. Gerade bei der zunehmenden Einspeisung fluktuierender erneuerbarer Stromerzeuger, wie Windkraft oder Photovoltaik (PV), kommt es jedoch vermehrt zu Engpässen oder zu einer Überlastung der Verteilnetze. Das Nadelöhr zum Mittelspannungs-Verteilnetz, in das PV- und Biogasanlagen einspeisen (bis 50 kV), ist der sogenannte Netzverknüpfungspunkt (NVP), der für eine maximale Stromeinspeisung ausgelegt ist. Bei Überschreiten dieser Leistung werden die Anlagen abgeregelt, um die Netzstabilität zu sichern. Diese Belastung ohne kostenintensiven Netzausbau zu reduzieren, hat sich das Institut für neue Energie-Systeme (InES) gemeinsam mit den Projektpartnern im Projekt „FlexFuture - Integration von Biogasanlagen in Netze mit hohem Anteil fluktuierender Stromerzeuger" (FKZ: 03KB102) zum Ziel gesetzt. Die Wissenschaftler nutzten die Regelbarkeit von Biogasanlagen für den Lastausgleich. Das heißt, kurzfristige Schwankungen im Stromnetz werden über die regelbare Stromproduktion der Biogas-Blockheizkraftwerke (BHKW zur Erzeugung von Strom und Wärme) ausgeglichen. Auf Basis von Prognosen der PV-Einspeisung wird der Lastausgleich vorgenommen.

„Wir haben im Realbetrieb an der Biogasanlage Zellerfeld in Bayern gezeigt, dass durch eine intelligente Anlagensteuerung Stromspitzen in der Einspeisung erneuerbaren Stroms vermieden werden können", erklärt Prof. Wilfried Zörner, Projektleiter am Institut für neue Energie-Systeme (InES) an der Technischen Hochschule Ingolstadt. Zusammen mit dem Biogas-Technik-Hersteller UTS Products GmbH und dem Standortentwickler PROLIGNIS Energie Consulting GmbH wurde ein Steuerungskonzept zur automatisierten und verteilnetzorientierten Fahrweise von Biogasanlagen entwickelt, welches auf Praxisanlagen übertragbar ist. So können durch die Installation weiterer BHKW und entsprechend dimensionierter Gasspeicher an der Biogasanlage zusätzliche Kapazitäten für die Erzeugung von Strom bereitgestellt werden. Im Fall einer hohen PV-Einspeisung kann die Stromerzeugung am Biogas-BHKW heruntergefahren oder sogar ausgesetzt werden. In Zeiträumen geringer Sonneneinstrahlung wird durch die BHKW mehr Biogas zu Strom und Wärme umgewandelt.

Die Entwickler hatten dabei nicht nur die Netzdienlichkeit, d. h. den Beitrag zur Stabilisierung der Stromnetze, sondern auch die Ertragssteigerung für den Biogasanlagenbetreiber im Blick. Für den BHKW-Betrieb wurden im Projekt Fahrpläne für jeweils 32 Stunden im Voraus generiert. Diese berücksichtigen einerseits den Füllstand des Biogasspeichers und die tagesaktuellen Wetter- und Einstrahlungsprognosen und andererseits die Preisentwicklung an der Strombörse EPEX SPOT SE. So konnte der Biogasstrom vor allem in Zeiten hoher Strompreise bereitgestellt werden. Durch die flexible Fahrweise der Biogasanlage wurde zeitgleich die lokale PV-Einspeisung ausbalanciert.

Das Projektteam sieht nach dem erfolgreichen Projekt noch einige Herausforderungen: So ist das Anlagenmonitoring beider Stromerzeuger mit einem hohen technischen Kommunikations- und Vernetzungsaufwand verbunden. In einer Zukunft mit zunehmend vernetzten Energieanlagen müssen diese sensibler aufeinander reagieren können. Die wichtige Prognose der PV-Einspeisung kann beispielsweise durch die Installation eines Wolken-Tracking-Systems verbessert werden. Damit kann eine noch gezieltere Anpassung der Stromerzeugung aus Biogasanlagen an die PV-Einspeisung ermöglicht werden. Des Weiteren bieten die derzeitigen Rahmenbedingungen und Gewinnmöglichkeiten keine Anreize für Anlagenbetreiber ihre Biogasanlagen im Hinblick auf die Netzdienlichkeit zu flexibilisieren.

Die konkreten Ergebnisse werden demnächst im Endbericht des Projektes veröffentlicht.

Neugierig geworden? Weitere Informationen zum Projekt:
Das Projekt „FlexFuture - Integration von Biogasanlagen in Netze mit hohem Anteil fluktuierender Stromerzeuger" (FKZ-Nr. 03KB102) wurde im Rahmen des Programms „Energetische Biomassenutzung" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert.
Projektsteckbrief FlexFuture: https://www.energetische-biomassenutzung.de/proj/flexfuture-458/

Kontakt Projektkoordination
Technische Hochschule Ingolstadt
Institut für neue Energie-Systeme (InES)
Esplanade 10, 85049 Ingolstadt
- Prof. Dr.-Ing. Wilfried Zörner - Projektleiter
Telefon: +49 (0)841 9348 2270
E-Mail: wilfried.zoerner‍@‍thi.de
- Katharina Bär M.Sc. - Direkte Ansprechpartnerin
Telefon: +49 (0)841 9348 6453
E-Mail: katharina.baer‍@‍thi.de

Partner
- UTS Products GmbH
Oestinghausener Straße 12, 59510 Lippetal
- PROLIGNIS Energie Consulting GmbH
Friedrichshofener Straße 1, 85049 Ingolstadt

Assoziierte Partner
- Biogas Zellerfeld GmbH & Co. KG
- Lechwerke AG
- LEW Verteilnetz GmbH

Programmbegleitung des Förderprogramms „Energetische Biomassenutzung"
Diana Pfeiffer - Projektkoordination
Telefon: +49 (0)341 2434-554 E-Mail: diana.pfeiffer‍@‍dbfz.de
Angela Gröber - Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: +49 (0)341 2434-457 E-Mail: angela.groeber‍@‍dbfz.de
Förderprogramm: http://www.energetische-biomassenutzung.de

Publikationen:
Bär, K. / Sonnleitner, M. / Zörner, W. (2017): Optimierung der Betriebsweise von Biogasanlagen in Netzen mit hohem Anteil fluktuierender Stromerzeuger. In: VDI-Berichte, 2303, Fachtagung Optimierung in der Energiewirtschaft, 12, S. 81-84.
Bär, Katharina / Zörner, Wilfried (2018): Solareinstrahlungsprognose und Leistungssimulation von Photovoltaik-Freiflächenanlagen. In: Conexio GmbH, PV-SYMPOSIUM 2018, S. 644-672.

Themenrelevante Projekte im Förderprogramm:
Projektsteckbrief BioStrom: https://www.energetische-biomassenutzung.de/proj/biostrom-392/
Projektsteckbrief Optflex: https://www.energetische-biomassenutzung.de/proj/optflex-biogas-416/
Projektsteckbrief RegioBalance: https://www.energetische-biomassenutzung.de/proj/regiobalance-442/

Das Förderprogramm
Im Juni 2008 startete das Förderprogramm „Energetische Biomassenutzung". Das Programm wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert und war bisher mit rund 57 Millionen Euro ausgestattet. Nach fast achtjähriger Laufzeit umfasst das Programm 133 Verbundprojekte bzw. über 330 Einzelprojekte, die zum Thema Biomasse als Energieträger forschen. Im Fokus stehen Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur praxistauglichen Weiterentwicklung wettbewerbsfähiger Technologien, insbesondere in den Bereichen Verbrennung, Vergasung und Vergärung von Biomasse. Weitere Forschungsschwerpunkte sind systemflexible Anlagenkonzepte und Produkte für eine nachhaltige und effiziente Erzeugung von Strom und Wärme aus Biomasse, hier vor allem aus biogenen Rest- und Abfallstoffen. Fördermittelempfänger sind klassische Forschungseinrichtungen, aber vor allem auch klein- und mittelständische Unternehmen, die die Markteinführung bestimmter Technologien anstreben. Insgesamt sind seit 2009 rund 220 Institutionen im Programm beteiligt, davon über 120 KMUs. Die Programmbegleitung angesiedelt am DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH ist für die wissenschaftliche Begleitung und Öffentlichkeitsarbeit des Förderprogramms zuständig. Mit der fachlichen und administrativen Koordination desselben wurde der Projektträger Jülich (PtJ) beauftragt.

Weitere Informationen:
http://www.energetische-biomassenutzung.de - Förderprogramm
https://www.energetische-biomassenutzung.de/proj/flexfuture-458/ - Projektsteckbrief FlexFuture

Anhang
PM FlexFuture
https://idw-online.de/de/attachment65804

Quelle: idw

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Erst impfen, dann reisen - Deutsche Leberstiftung warnt vor Hepatitis-Gefahren auf Reisen

Rita Wilp externe Pressestelle
Deutsche Leberstiftung

„Gut geplant ist halb gewonnen" lautet ein Sprichwort, das auch auf das „Projekt" Urlaub zutrifft. Bald startet die Ferienzeit und viele Erholungssuchende werden die „schönste Zeit des Jahres" im Ausland verbringen. Für die Planung nutzen viele Menschen To-do-Listen, in denen oft auch aufgeführt ist, sich über die für das Reiseziel notwendigen und empfohlenen Impfungen zu informieren - und sich gegebenenfalls impfen zu lassen. Infektionsrisiken für die Ansteckung mit Hepatitis-Viren gibt es schon in der nahen Mittelmeer-Region. Wie wichtig der Impfschutz gegen eine Infektion mit Hepatitis-Viren speziell für Reisende ist, erklärt die Deutsche Leberstiftung zum Ferien-Beginn 2018.

Die Erwartungen, die Reisende an einen perfekten Urlaub stellen, sind sehr unterschiedlich. Einige suchen Entspannung, andere möchten sich mehr bewegen und dann gibt es auch noch die Urlauber, die maximalen Spaß suchen. Wie unterschiedlich die Ansprüche auch sind, einen Wunsch haben alle Reisenden gemeinsam: gesund nach Hause zurückzukehren. Damit dies gewährleistet wird und die Leber bei der Rückkehr so virenfrei wie bei der Anreise ist, sollten Reisende über Risikogebiete, Ansteckungswege und Schutzmöglichkeiten informiert sein. „Über die Hälfte aller neu diagnostizierten Hepatitis A-Virusinfektionen in Deutschland sind ein ungewolltes Reisesouvenir", sagt Professor Dr. Michael P. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung und ergänzt: „Die Hepatitis A wird als ‘Reisehepatitis‘ bezeichnet. Sie tritt häufig in beliebten Urlaubsländern mit geringen Hygienestandards auf wie beispielsweise im Mittelmeerraum, Südostasien, Russland, Afrika, Mittel- und Südamerika sowie dem Vorderen Orient."

Übertragen wird das Hepatitis A-Virus (HAV) fäkal-oral durch Schmier- oder Kontaktinfektion. Der Erreger wird von infizierten Personen über den Darm ausgeschieden und verfügt über eine ausgeprägte Umweltstabilität sowie über hohe Thermostabilität und Desinfektionsmittelresistenz. Beispielsweise kann der Verzehr von ungenügend gegartem Gemüse oder das Trinken von belastetem oder verunreinigtem Trinkwasser (auch als Eiswürfel) zu einer Infektion mit dem HAV führen. Diese Infektion mit dem HAV kann eine akute Leberentzündung verursachen, die jedoch nicht chronisch verläuft und bei gesunden Menschen oft ohne ernsthafte Komplikationen ausheilt. Die Symptome sind meist unspezifisch und können Fieber sowie eine „Gelbsucht" umfassen. In seltenen Fällen wie beispielsweise bei älteren Menschen kann Hepatitis A auch zu einem akuten Leberversagen führen. Gegen Hepatitis A gibt es keine spezifische Therapie. Die prophylaktische Impfung - die auch noch kurz vor Reiseantritt erfolgen kann - ist der sicherste Schutz.

Auch gegen das Hepatitis B-Virus (HBV), das ein weiteres Infektionsrisiko im Urlaub darstellen kann, ist eine Impfung der sicherste Schutz. Bei der Verwendung von Kombinations-Impfstoffen, die gegen Hepatitis A und B schützen, ist die Anzahl der notwendigen Injektionen vermindert. Mit der Impfung gegen Hepatitis B ist sogar ein doppelter Schutz gewährleistet: Der Impfstoff gegen das HBV schützt auch gegen die Hepatitis delta, da es eine Hepatitis delta nur mit einer Hepatitis B geben kann.

Weltweit sind etwa 240 Millionen Menschen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) chronisch mit dem HBV infiziert. Die Ansteckung mit dem HBV erfolgt über Körpersekrete wie Blut, Sperma oder Speichel. Neben ungeschütztem Sex zählen Tätowierungen oder Piercings, die nicht steril durchgeführt werden, zu den häufigsten Übertragungswegen. Auch bei Kontakten mit der Gefahr kleinster Hautverletzungen wie beim Barbier, bei der Fußpflege oder bei unvorhergesehenen ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen besteht ein Infektionsrisiko, wenn unhygienische Bedingungen im Reiseland herrschen. Meist bemerken Infizierte nichts von ihrer Erkrankung. Kommt es jedoch zu einer chronischen Leberentzündung, besteht ein erhöhtes Risiko für bindegewebsartige Veränderungen der Leber (Fibrose) oder für eine Zirrhose.

Gegen das Hepatitis C-Virus (HCV), einem weiteren Hepatitis-Erreger, steht bisher keine Schutzimpfung zur Verfügung. Das HCV wird fast ausschließlich über Blut-Kontakte übertragen. Unsterile Tätowiernadeln, Piercings oder Rasiermesser sind die Haupt-Infektionsquellen. In einigen Regionen Asiens oder Afrikas tragen mehr als fünf Prozent der Bevölkerung das Hepatitis C-Virus in sich. Es gibt heute sehr wirksame Therapien gegen Hepatitis C. Die Heilungsraten liegen in der Regel zwischen 90 und 100 Prozent. Allerdings wird die Erkrankung oft spät erkannt und kann unbehandelt in einer Leberzirrhose oder einem Leberzellkrebs münden. Laut WHO sind etwa 71 Millionen Menschen weltweit chronisch mit HCV infiziert. Die chronische Hepatitis C zählt nach der Fettleberhepatitis zur zweithäufigsten Ursache von Leberzirrhose und Leberzellkrebs in Deutschland.

„Bei allen Infektionen mit einem Hepatitis-Virus ist die frühe Entdeckung die Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Der beste Schutz der Gesundheit ist die Vermeidung einer Infektion. Impfung und Vorsichtsmaßnahmen tragen dazu bei, dass Reisende so gesund aus dem Urlaub zurückkehren, wie sie es beim Reisestart waren", betont Professor Manns.

Die Deutsche Leberstiftung bietet Informationsfaltblätter über Hepatitis B für Ärzte und Hepatitis C für Ärzte sowie beide Ausgaben für Betroffene und ihre Angehörigen an. Bestellmöglichkeiten und Download auf der Serviceseite unter http://www.deutsche-leberstiftung.de

Deutsche Leberstiftung
Die Deutsche Leberstiftung befasst sich mit der Leber, Lebererkrankungen und ihren Behandlungen. Sie hat das Ziel, die Patientenversorgung durch Forschungsförderung und eigene wissenschaftliche Projekte zu verbessern. Durch intensive Öffentlichkeitsarbeit steigert die Stiftung die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen, damit diese früher erkannt und geheilt werden können. Die Deutsche Leberstiftung bietet außerdem Information und Beratung für Betroffene und Angehörige sowie für Ärzte und Apotheker in medizinischen Fragen. Diese Aufgaben erfüllt die Stiftung sehr erfolgreich.
Weitere Informationen: http://www.deutsche-leberstiftung.de.

BUCHTIPP:
„Das Leber-Buch" der Deutschen Leberstiftung informiert umfassend und allgemeinverständlich über die Leber, Lebererkrankungen, ihre Diagnosen und Therapien - jetzt in dritter, aktualisierter und erweiterter Auflage! „Das Leber-Buch" ist im Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3-89993-899-9, 16,99 Euro.
Weitere Informationen: http://www.deutsche-leberstiftung.de/Leber-Buch.

Kontakt:
Deutsche Leberstiftung
Bianka Wiebner
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Tel 0511 - 532 6815
Fax 0511 - 532 6820
presse@deutsche-leberstiftung.de
http://www.deutsche-leberstiftung.de

Weitere Informationen:
http://www.deutsche-leberstiftung.de
http://www.deutsche-leberstiftung.de/aktuelles/presseportal

Quelle: idw

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Ein „durchgestyltes" Fußballerlebnis

Stephan Düppe Stabsstelle 2 - Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
FernUniversität in Hagen

Egal ob auf dem Bolzplatz, in der Fankurve oder beim Public Viewing - die Deutschen lieben Fußball. Besonders bei Weltmeisterschaften wird Begeisterung spürbar: Zu Hunderttausenden finden sich die Menschen in Stadien, vor Bildschirmen und Leinwänden zusammen, um die 90-minütige Torjagd zu feiern. Aber warum ist das so? Dr. Jasper Böing, Soziologe an der FernUniversität in Hagen, deutet den Sport als Ventil.

„Wir leben in einer modernen, ökonomisierten Gesellschaft. Der Alltag wird zunehmend rationalisiert. In der hochemotional aufgeladenen Arena oder beim Fußballschauen auf dem Sofa kriegt man dazu einen Ausgleich", so Böing. Ein weiterer Grund ist das positive Wir-Gefühl im Kontext von Sportveranstaltungen. „Man hat ein Gemeinschaftserlebnis, das an relativ wenige Vorrausetzungen gebunden ist", erklärt der Sozialwissenschaftler. „Um dabei zu sein, muss man nicht reich oder besonderes gebildet sein."

Fans als „Ware"?
Jasper Böing ist seit rund zehn Jahren am Soziologischen Institut der FernUniversität tätig - anfänglich als Wissenschaftliche Hilfskraft, dann als Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Seit 2014 arbeitet er im Lehrgebiet „Soziologie I: Allgemeine Soziologie und Soziologische Theorie" von Prof. Dr. Frank Hillebrandt. Dort begleitet der Postdoc-Stipendiat unter anderem ein Forschungsprojekt zum Thema „Ökonomisierung". Ein potenzielles Untersuchungsfeld ist dabei auch der Sport.

Millionenschwere Übertragungsrechte, gewichtige Werbedeals und FIFA-Skandale machen den starken Einfluss von ökonomischen Interessen auch bei der Weltmeisterschaft in Russland spürbar. Böing hat sich mit der Kommerzialisierung im Fußball auseinandergesetzt. Aus seiner Sicht ist die Rationalisierung ein wichtiger Aspekt: „Das ganze Fußball-Erlebnis wird immer mehr ‚durchgestylt‘". Was in der Arena passiert, soll möglichst gut planbar sein, organisiert und kalkulierbar ablaufen. Fraglich ist aus Sicht des Soziologen, wie weit diese Praxis gehen kann, ohne die Atmosphäre im Stadion zu gefährden. „Um das Produkt ‚Fußball‘ aus ökonomischer Sicht bestmöglich zu vermarkten, braucht es emotionalisierte Fans, die aber gleichzeitig unter Kontrolle gehalten werden müssen", erklärt Böing die Gratwanderung zwischen wirtschaftlich zuträglicher und schädlicher Restriktion.

Problematisch wird es dann, wenn sich Fußballfans nur noch als „Ware" verstanden wissen. Denn viele von ihnen identifizieren sich auf einer sehr persönlichen Ebene mit ihrem Nationalteam oder Club. „Identifikation bedeutet, sich als Person, als Mensch einzubringen", erklärt der Soziologe. „Es ist einfach verletzend, von der Interaktionspartnerin oder dem Interaktionspartner gespiegelt zu bekommen, dass man nur eine ‚Nummer‘ ist." Der Frust über mangelnde Wertschätzung durch Vereine und Verbände kann sich auf verschiedene Weise bahnbrechen - schlimmstenfalls in Form gewaltsamer Ausschreitungen während Fußballevents.

Professionalisierung auf dem Rasen
Parallel zur Ökonomisierung des Sportevents wird das eigentliche Spielgeschehen zusehends professionalisiert. Ein Novum bei der diesjährigen Weltmeisterschaft ist zum Beispiel der sogenannte „Videobeweis" zur nachträglichen Prüfung von Torschüssen. Böing erkennt in dem Verfahren Vor- und Nachteile: „Am Fußball ist das eigentlich Spannende, dass man vorher nicht weiß, wie es ausgeht. Auch Schwächere können gewinnen. Dieses ‚Unerwartete‘ wird durch den Videobeweis - zumindest in der Theorie - ein Stück weit zurückgeschraubt. Abgesehen von technischen Unzulänglichkeiten macht er das Spiel aber gerechter."

Von einem persönlichen Standpunkt aus beargwöhnt der Soziologe den psychischen Druck und die Zwänge, unter denen die Teams stehen. Oftmals wird natürliches menschliches Verhalten sanktioniert. Zum Beispiel dürfen sich Trainerinnen und Trainer im Überschwang ihrer Gefühle nicht frei am Spielfeldrand bewegen, sondern müssen in den streng bemessenen „Coaching-Zones" verharren. „Diese ‚Verregelung‘ ist eigentlich eine Zumutung", findet Böing. „Gewisse Emotionen gehören nun einmal zum Fußballspiel dazu."

Quelle: idw

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Weitere Ursachen von Sauerstoffverlust der Ozeane identifiziert

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Messungen in den Ozeanen und Modellrechnungen zeigen gleichermaßen, dass der Sauerstoffgehalt der Ozeane abnimmt. Allerdings unterschätzen die Modelle diese Abnahme deutlich. Das macht Prognosen für die Zukunft schwierig. In einer Studie, die heute in der internationalen Fachzeitschrift Nature Geoscience erscheint, zeigen vier GEOMAR-Forscher die Lücken der Modelle auf und identifizieren weitere, bisher unterschätzte Ursachen des Sauerstoffverlustes.

Die Ozeane verlieren Sauerstoff. Zahlreiche Studien auf lokaler, regionaler und globaler Ebene belegen diesen Trend. So hat eine von Kieler Ozeanographen Anfang 2017 veröffentlichte umfangreiche Datenanalyse gezeigt, dass die Meere in den vergangenen 50 Jahren weltweit zwei Prozent ihres Sauerstoffgehalts eingebüßt haben. Auch Computermodelle der Ozeane und des Erdsystems zeigen diesen Trend und prognostizieren eine Beschleunigung in der Zukunft. Dabei gibt es aber ein Problem. „Die uns zur Verfügung stehenden Modelle schaffen es nicht, die bisherige Entwicklung exakt nachzuvollziehen. Sie zeigen deutlich weniger Sauerstoffverlust als die tatsächlich gemessenen Werte", sagt Prof. Dr. Andreas Oschlies vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel.

Diese Diskrepanz macht die Prognosen für die Zukunft unsicher. In der internationalen Fachzeitschrift Nature Gesoscience veröffentlicht Professor Oschlies heute zusammen mit seinen Kollegen Prof. Dr. Peter Brandt, Dr. Lothar Stramma und Dr. Sunke Schmidtko vom GEOMAR eine Studie, die die Lücken der Modelle und damit gleichzeitig weitere, bisher unterschätzte Treiber des Sauerstoffverlustes aufzeigt. „Der Vergleich mit unseren Beobachtungsdaten zeigt verschiedene Unzulänglichkeiten der Modelle und gibt uns Hinweise, in welche Richtungen wir unsere Forschungsanstrengungen konzentrieren müssen", sagt Co-Autor Peter Brandt.

Gesichert ist, dass die globale Erwärmung Hauptursache für die Sauerstoffabnahme ist. Doch sie wirkt sich auf mehreren Wegen auf die Ozeane aus. So beeinflusst sie unter anderem die Löslichkeit von Sauerstoff im Wasser. Je wärmer das Wasser, desto weniger Gase kann es aufnehmen. „Dieser Prozess betrifft vor allem die obersten Wasserschichten, die in direkterem Kontakt zur Atmosphäre stehen", erklärt Dr. Schmidtko. Dieser Effekt könne bis zu 20 Prozent der bisherigen Sauerstoffabnahme erklären und sei in den Modellen auch schon gut nachvollziehbar, führt er weiter aus.

Die Erwärmung verändert aber auch Muster der globalen Ozeanzirkulation. Da das komplexe System von Oberflächen- und Tiefenströmungen die tieferen Bereiche der Meere mit Sauerstoff versorgt, könnten diese Veränderungen den Sauerstoffgehalt im gesamten Ozean beeinflussen. „Hier haben viele Modelle Probleme, weil Transportprozesse oft nicht gut genug aufgelöst oder fehlerhaft wiedergegeben werden", sagt Co-Autor Dr. Lothar Stramma.

Auch die äußerst komplexen Wechselwirkungen zwischen biologischen, chemischen und physikalischen Prozessen im Ozean sind bisher nur unzureichend in den Modellen repräsentiert. „Uns fehlen in diesem Bereich oft einfach die Daten oder das Wissen über die vielen Faktoren, die bei der Reaktion des Ozeans auf die globale Erwärmung ineinander greifen", betont Andreas Oschlies, der auf die Modellierung biogeochemischer Prozesse spezialisiert ist. „Unsere Studie zeigt, dass bisherige Modelle die Auswirkungen dieses Zusammenspiels zumindest auf die Sauerstoffverteilung deutlich unterschätzen."

Um diese aufgezeigten Lücken zu schließen, plädieren die vier Autoren für eine intensivere und international koordinierte Ozeanbeobachtung. „Wir benötigen multidisziplinäre Prozessuntersuchungen, um das delikate Gleichgewicht von Sauerstoffversorgung und Sauerstoffverbrauch im Ozean besser zu verstehen" betont Andreas Oschlies, „internationale Initiativen wie das Global Ocean Oxygen Network sind dabei hilfreich."

Eine Verbesserung der Modelle in Bezug auf das Sauerstoff-Budget der Ozeane hätte nebenbei noch einen weiteren Vorteil: „Sauerstoff eignet sich hervorragend zur Eichung von Modellen, die die Aufnahme von Kohlendioxid im Ozean berechnen. Wir würden also gleichzeitig unser Wissen über den Kohlenstoffkreislauf verbessern", sagt Oschlies.

Originalarbeit
Oschlies, A., P. Brandt, L. Stramma, S. Schmidtko (2018): Drivers and mechanisms of ocean deoxygenation. Nature Geoscience, http://dx.doi.org/10.1038/s41561-018-0152-2

Weitere Informationen:
http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.sfb754.de Der Sonderforschungsbereich 754
https://www.ocean-oxygen.org/ Nachrichten-Seite des Global Ocean Oxygen Networks

Quelle: idw

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Bananenschalen statt Pflaster? Forschung zur heilenden Kraft der Banane an der Jacobs University

Thomas Joppig Corporate Communications & Public Relations
Jacobs University Bremen gGmbH

Bananen schmecken nicht nur gut, sie heilen auch. Statt mit einem Pflaster werden in vielen Entwicklungsländern offene Wunden mit Bananenblättern oder -schalen bedeckt, selbst größere Wunden lassen sich erfolgreich behandeln. Ein Team von Wissenschaftlern an der Jacobs University Bremen um den Chemie-Professor Dr. Nikolai Kuhnert hat nun die heilende Kraft von Bananen genauer unter die Lupe genommen und 70 verschiedene Inhaltsstoffe identifiziert, die für die Wundheilung verantwortlich sein könnten.

Bananen schmecken nicht nur gut, sie heilen auch. Statt mit einem Pflaster werden in vielen Entwicklungsländern offene Wunden mit Bananenblättern oder -schalen bedeckt, selbst größere Wunden lassen sich erfolgreich behandeln. Ein Team von Wissenschaftlern an der Jacobs University Bremen um den Chemie-Professor Dr. Nikolai Kuhnert hat nun die heilende Kraft von Bananen genauer unter die Lupe genommen und 70 verschiedene Inhaltsstoffe identifiziert, die für die Wundheilung verantwortlich sein könnten.

Den Anstoß für das Forschungsprojekt gab eine von der Alexander von Humboldt Stiftung finanzierte Gastprofessur der aus Nigeria stammenden Pharmazeutin Prof. Dr. Mubo Sonnibare an der Jacobs University. Im westlichen Afrika wie in weiten Teilen Asiens sind Bananen traditionelle Heilmittel. Allerdings handelt es sich dabei nicht um die in deutschen Supermärkten gängige Cavendish-Banane, der keine Heilkraft zugeschrieben wird, sondern um Musa acuminata, eine andere Pflanzenart.

Wie Kaffee oder Tee zeichnet sich die Banane durch viele polyphenolische, also aromatische Verbindungen aus. Einige wirken antibakteriell und desinfizierend, was zum Schutz einer Wunde vor bakteriellen Infektionen beiträgt. Andere wiederum wirken adstringierend, also zusammenziehend - ein Effekt, der etwa auf der Zunge spürbar ist. Wenn diese Verbindungen auf die Haut treffen, verändern sie deren Eiweiße und bilden eine Art Schutzschicht über der Wunde.

Um genau festzustellen, welche Heilkraft die einzelnen Verbindungen haben, müssten weitere, aufwändige Versuche durchgeführt werden, denn für die Wundheilung spielt eine ganze Reihe von Faktoren eine Rolle. „Durch die Forschung haben wir ein tieferes Verständnis über ein traditionelles Arzneimittel gewonnen", sagt Kuhnert. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden jetzt im "Journal of Food Measurement and Characterization" veröffentlicht.

Quelle:
Sonibare, M. A.; Ayoola, I. O.; Gueye, B.; Abberton, M. T.; D'Souza, R.; Kuhnert, N., Leaves metabolomic profiling of Musa acuminata accessions using UPLC-QTOF-MS/MS and their antioxidant activity. Journal of Food Measurement and Characterization 2018, 1-14.

Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Nikolai Kuhnert | Professor of Analytical Chemistry
n.kuhnert@jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-3120

Über die Jacobs University Bremen:
In einer internationalen Gemeinschaft studieren. Sich für verantwortungsvolle Aufgaben in einer digitalisierten und globalisierten Gesellschaft qualifizieren. Über Fächer- und Ländergrenzen hinweg lernen, forschen und lehren. Mit innovativen Lösungen und Weiterbildungsprogrammen Menschen und Märkte stärken. Für all das steht die Jacobs University Bremen. 2001 als private, englischsprachige Campus-Universität gegründet, erzielt sie immer wieder Spitzenergebnisse in nationalen und internationalen Hochschulrankings. Ihre fast 1400 Studierenden stammen aus mehr als 100 Ländern, rund 80 Prozent sind für ihr Studium nach Deutschland gezogen. Forschungsprojekte der Jacobs University werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder dem Europäischen Forschungsrat ebenso gefördert wie von global führenden Unternehmen.

Für weitere Informationen:

https://www.jacobs-university.de
https://www.facebook.com/jacobs.university
https://www.youtube.com/user/JacobsUni
https://twitter.com/jacobs_bremen
https://www.instagram.com/jacobsuniversity/
https://www.weibo.com/jacobsuniversity

Quelle: idw

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SOLUTIONS - für eine bessere Wasserqualität europäischer Flüsse

Susanne Hufe Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Viele europäische Flüsse enthalten Chemikalien-Cocktails, die Algen und Wassertieren nicht gut bekommen. Zwar werden die Konzentrationen bestimmter Schadstoffe in den EU-Gewässern überwacht. Doch es gibt Zweifel, ob die richtigen Schadstoffe im Fokus der Untersuchungen stehen und welche Rolle Abbauprodukte und Schadstoffmischungen dabei spielen. Im europäischen Projekt SOLUTIONS haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter Leitung des UFZ Werkzeuge, Methoden und praktische Lösungen erarbeitet, mit denen vorrangig zu behandelnde Schadstoffe erkannt, das Risiko der Chemikaliencocktails bewertet und dazu beigetragen werden kann, die Schadstoffbelastung zu minimieren.

Lösungen zu finden, wie die vielen Stoffe überwacht und gemanagt werden können, die als komplexe Mischungen in unseren Gewässern vorkommen und die dort unsere Ökosysteme und unsere Gesundheit gefährden - das war das ambitionierte Ziel, mit dem das EU-Projekt SOLUTIONS 2013 gestartet ist. Mehr als 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben dafür neue Methoden und Modelle entwickelt und getestet, mit denen die Überwachung der Wasserqualität angepasst werden kann. Sie haben relevante Schadstoffe identifiziert und Empfehlungen erarbeitet, die das Regelwerk der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WWRL) verbessern können. Zudem haben sie große Fallstudien durchgeführt, mit denen überprüft werden konnte, inwieweit die erarbeiteten Methoden, Modelle und Werkzeuge funktionieren. Laut Projektkoordinator Dr. Werner Brack vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) konnten damit alle wesentlichen Ziele des Projekts erreicht werden.

Überwachung, Bewertung und Management verbessern
Derzeit sind in der EU-Wasserrahmenrichtlinie 45 Schadstoffe, sogenannte prioritäre Schadstoffe, gelistet. Sie dürfen in einem Gewässer mit guter Wasserqualität nicht oder nur in geringem Maße vorkommen. Demgegenüber stehen allerdings mehr als 100.000 verschiedene chemische Substanzen, die wir täglich benutzen und die in unsere Umwelt und Gewässer gelangen. Die meisten Substanzen werden bei der Bewertung der Gewässerqualität nach der derzeitigen EU-Wasserrahmenrichtlinie also gar nicht berücksichtigt. „Das gegenwärtige Monitoring ist teuer, ignoriert den größten Teil der Schadstoffe und läuft den eigentlichen Problemen hinterher. Denn die meisten prioritären Schadstoffe sind längst vom Markt und durch andere sehr ähnlich wirkende chemische Substanzen ersetzt. Neue Stoffe auf die Liste zu bekommen, ist ein langwieriger politischer Prozess", kritisiert Werner Brack. Außerdem beschränkt sich die WRRL bislang nur auf die Prüfung von Einzelstoffen. Schadstoffe wirken in der Umwelt aber nicht einzeln, sondern in Kombination, und können sich dadurch in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken. „Nicht das Vorkommen eines Schadstoffes ist ausschlaggebend, sondern seine Wirkung im Gewässer", sagt Brack. Deshalb empfehlen die SOLUTIONS-Wissenschaftler, die Überwachung der Gewässerqualität von der chemischen Analytik einzelner Schadstoffe auf effektbasierte Methoden - wie etwa biologische Wirkungstests - umzustellen. So würden alle Stoffe mit derselben Wirkung erfasst, auch Stoffgemische. Und teure chemische Analytik wäre nur noch erforderlich, falls bestimmte Wirkschwellen überschritten werden. Für ihren Vorschlag haben die Forscher vorhandene biologische Testverfahren geprüft und auf dieser Basis eine Testbatterie aus organismischen und sehr spezifischen zellbasierten Testsystemen entwickelt. Diese Testbatterie kann sowohl akut toxische Effekte auf Wasserorganismen als auch Langzeitwirkungen z.B. auf die Reproduktion von Organismen detektieren. Für die Unterscheidung zwischen problematisch und unproblematisch wurden außerdem entsprechende Grenzwerte formuliert. Dass dieser effektbasierte Ansatz funktioniert und hilft, nicht nur die Stoffe, sondern auch die Quellen ausfindig zu machen, zeigte sich laut Projektkoordinator Brack nicht zuletzt in den zahlreichen Fallstudien an europäischen Flüssen wie Donau und Rhein, die wichtiger Bestandteil der fünfjährigen Projektarbeit waren.

Die SOLUTIONS-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler haben außerdem zahlreiche Modelle entwickelt und verbessert, mit denen es möglich wird, die Verteilung, den Transport und den Abbau von Schadstoffen sowie deren Risiko abzuschätzen und damit die Umweltüberwachung zu unterstützen. Um die Konzentrationen tausender Stoffe in den europäischen Flussgebieten vorhersagen zu können, haben sie die Modelle wie Waggons in einem Eisenbahnzug verknüpft. „Dass wir damit auf dem richtigen Weg sind, zeigt die oft verblüffend hohe Übereinstimmung von modellierten und gemessenen Werten", sagt Werner Brack, „auch wenn das nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass es weiterhin viele Unsicherheiten gibt." Die sind v.a. den fehlenden Daten zu Produktionsmengen und zur Nutzung vieler Stoffe geschuldet, was dazu führt, dass die Wissenschaftler derzeit an vielen Stellen ihre Modelle nur mit Schätzungen füttern können. Trotzdem zeigen sie schon jetzt, dass Chemikalien neben den Nährstoffen ein wichtiger Faktor für den schlechten ökologischen Zustand vieler europäischer Gewässer sind. Die Modelle können helfen, Stoffe auszusondern, die mit hoher Wahrscheinlichkeit kein Problem für die Gewässer darstellen.

Alleiniges Messen und Bewerten der Gewässerqualität reicht aber nicht aus, um den Zustand eines Gewässers zu verbessern - es müssen entsprechende Maßnahmen folgen. „Deshalb geben wir Empfehlungen für ein stärker lösungsorientiertes Gewässermanagement, bei dem Überwachung, Bewertung und mögliche Maßnahmen von Anfang an viel enger miteinander verzahnt sein sollten, als dies heute der Fall ist", sagt Brack. Eindrucksvoll zeigten beispielsweise die Untersuchungen am Oberrhein, welche Wirkung die Aufrüstung von Kläranlagen in der Schweiz mit einer vierten Reinigungsstufe hat: Es konnte eine deutliche Verbesserung der Wasserqualität im Hinblick auf die Konzentration von Arzneiwirkstoffen oder Kosmetikbestandteilen festgestellt werden.
„Auch nach dem Abschluss von SOLUTIONS bleibt jedoch noch viel zu tun", resümiert Brack. Im Hinblick auf das effektbasierte Monitoring wäre es wichtig, wenn für alle wichtigen Wirkweisen der Schadstoffe spezifische Werkzeuge zur Verfügung stünden. „So weit sind wir leider noch nicht", bedauert der Wissenschaftler. Im Laufe der Projektarbeit zeigte sich außerdem die Bedeutung chemischer und toxikologischer Fingerabdrücke von verschiedenen Belastungsquellen. Die zu erforschen, war im Forschungsprogramm von SOLUTIONS jedoch nicht vorgesehen. „Deshalb haben wir jetzt mit einer Studie begonnen, die Kläranlagenausläufe und Einträge durch die Landwirtschaft erfasst. Wir können damit direkt an SOLUTIONS anknüpfen. Auch bei der Priorisierung von Minderungsmaßnahmen ist noch Einiges zu tun, vor allem in Bezug auf wissenschaftlich fundierte Prioritätensetzung und Erfolgskontrolle."

Hintergrund
2000 trat die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) in Kraft. Sie legt fest, dass Flüsse, Seen, Küstengewässer und Grundwasser einen "guten Zustand" erreichen müssen - ursprünglich bis 2015, nach Verlängerung nun bis spätestens 2027. Das heißt, die Gewässer sollen möglichst nur geringfügig durch Schadstoffe belastet sein und Pflanzen und Tieren einen naturnahen Lebensraum bieten. Von der Erreichung dieses Ziels ist Europa jedoch noch weit entfernt. Derzeit geht man davon aus, dass nur wenige Prozent der europäischen Gewässer in einem guten Zustand sind.

Das EU-Projekt SOLUTIONS (SOLUTIONS for present and future emerging pollutants in land and water resources management) vereinigt 39 Partner aus weltweit 17 Ländern. Über fünf Jahre Laufzeit wurde es mit insgesamt 12 Millionen Euro von der Europäischen Union gefördert.

Konferenzprogramm
https://www.solutions-project.eu/wp-content/uploads/2018/05/Agenda_Final_Confere...

weitere Informationen:
PD Dr. Werner Brack
Leiter des UFZ-Departments Wirkungsorientierte Analytik und Projektleiter SOLUTIONS
Telefon: ++49 341 235 1531
werner.brack@ufz.de

Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=36336&webc_pm=20/2018

Quelle: idw

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Fußball durch die Augen des Computers

Julia Wandt Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Universität Konstanz

Konstanzer Informatiker realisieren eine automatisierte grafische Spielanalyse für Fußballübertragungen - live und ohne Zeitverzögerung

Fußball im Fernsehen: Ein Pass nach links außen, eine Lücke in der Verteidigung, ein freistehender Stürmer kurz vor dem Strafraum. Plötzlich friert das Fernsehbild ein. Linien und Diagramme erscheinen zwischen den Spielern. Ein Pfeil zeigt einen sicheren Pass zu dem freien Stürmer an, weitere Linien signalisieren dessen Schussfeld aufs Tor. Grafische Analysen wie diese sind aus Fußballübertragungen nicht mehr wegzudenken. Sie helfen, das Spiel in seiner Dynamik und Taktik zu verstehen und die Entscheidungen der Spieler nachzuvollziehen. Hinter den Kulissen bedeuten sie aber zunächst einmal viel Arbeit. Das Fernsehteam muss die Grafiken live während des Spiels unter Zeitdruck erstellen. Bis die Diagramme fertig sind, ist die Spielsituation längst vorbei, so dass die Grafiken typischerweise im Nachhinein als Rückblenden eingespielt werden. Wie einfach wäre es, wenn all dies von selbst ginge, wenn der Fernseher all diese Grafiken ohne Zeitverzug selbst einblenden könnte? Informatiker der Universität Konstanz machen nun genau dies möglich: Sie entwickeln eine Software, die all diese Arbeitsschritte automatisiert. Die Konstanzer Software analysiert das Spielgeschehen bis zu 30 mal pro Sekunde und blendet die entscheidenden Diagramme live und ohne Zeitverzug direkt ins Fernsehbild ein. Sie ist unter anderem in der Lage, Dominanzbereiche der Mannschaften im Spielfeld anzuzeigen und Passmöglichkeiten in Echtzeit einzublenden. Sie signalisiert, wie stark einzelne Spieler unter Druck gesetzt werden, und ist sogar in der Lage, Was-wäre-wenn-Szenarien von alternativen Spielverläufen durchzuspielen.

Der Kopf hinter dieser Software ist Manuel Stein, Informatiker und Doktorand an der Universität Konstanz im Forschungsbereich „Collective Behaviour" (Kollektivverhalten). Mit seiner Software will er einerseits Fußballanalysten die Arbeit erleichtern, andererseits die Muster eines Fußballspiels sichtbar machen - die wechselseitigen Einflüsse und Interaktionen zwischen den Spielern und Mannschaften. „Jeder versucht, Daten im Fußball zu sammeln, aber kaum einer weiß, was er damit anfangen soll. Wir versuchen, Wissen daraus zu generieren", schildert Manuel Stein.

Dem Computer Fußball beibringen
Um den Computer zum Spielfeld-Analytiker zu machen, muss Manuel Stein ihm aber zunächst einiges über Fußball beibringen. Nicht die Regeln, auch nicht Mannschaftsnamen oder Tabellenplätze, sondern ein sehr viel grundlegenderes Unterscheidungsvermögen: Was auf dem Fernsehbild ist ein Spieler, was ist der Ball? Wohin schaut der jeweilige Spieler, wie schnell bewegt er sich, wie rasch könnte er beim Ball sein? Bis zu 30 mal pro Sekunde ermittelt der Computer die Position, Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung jedes einzelnen Spielers sowie des Balls. Auf dieser Grundlage berechnet er nun für jeden Quadratmeter des Spielfelds, welcher Spieler dort zuerst sein könnte und wie viele Feldspieler jeder Mannschaft diesen Punkt bedrohen. Sein Ergebnis legt er im Bruchteil einer Sekunde als Diagramm über das laufende Fernsehbild: Eine dynamische, sich stets wandelnde Karte der Einflusszonen jeder Mannschaft. Durch einfache Farbsignale zeigt Manuel Steins Software unter anderem, wie stark jeder Spieler von der gegnerischen Mannschaft bedroht ist, wo Freiräume sind und wo sich sichere Pässe anbieten. Für all dies sind weder GPS-Sender an den Trikots der Spieler nötig, noch komplizierte Techniken der Kamera-Erfassung. Alles, was Manuel Stein braucht, ist das bloße Fernsehbild.

Intelligente Filter
Mit all diesen Farbsignalen kann ein Spielfeld schnell sehr bunt werden. Damit der Zuschauer nicht Gefahr läuft, „den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen", lassen sich die verschiedenen Analysefunktionen separat an- und ausschalten und als Filter übereinanderlegen. Die intelligente Software macht zudem Vorschläge, welche Filter in der aktuellen Situation sinnvoll sind, und schaltet sie auf Wunsch auch automatisiert zu oder ab, um das Spielgeschehen übersichtlich zu halten.

An den Fernsehzuschauer auf dem heimischen Sofa richtet sich die Software jedoch nur sekundär. Als Zielgruppe hat Manuel Stein vielmehr Fußballanalysten und Sportjournalisten im Blick. Ihnen erlaubt die Software, Diagramme von Spielsituationen im Bruchteil von Sekunden zu erstellen und diese ohne Zeitverlust als Fernsehbild aufzubereiten.

Was wäre wenn?
Aktuell arbeitet Manuel Stein an einer „Was-wäre-wenn"-Analyse - einer Prognose, wie das Spiel unter anderen Bedingungen verlaufen wäre - auf Grundlage seiner Software. In dieser Funktion können Schlüsselsituationen eines Spiels aufgerufen und in alternativen Szenarien neu abgespielt werden. Der Computer berechnet dabei auf Grundlage der Positionsdaten und Einflussfaktoren jedes Spielers einen schlüssigen, realistischen Verlauf des Szenarios. Was wäre geschehen, wenn der Spieler den Ball nach rechts und nicht nach links gepasst hätte? Wie hätte sich die Dynamik des Spielfelds verändert, wenn ein Verteidiger fünf Meter weiter rechts gestanden hätte? Wie hätte sich eine Mannschaft optimal positionieren können, um dem Gegner keinen Raumgewinn zuzulassen? Diese Analyse-Tools sind mit Sicherheit auch für Trainer wertvoll, zum Beispiel in der Nachbesprechung eines Spiels.

Zusammenarbeit mit Mannschaften und Sendern
Je mehr Daten Manuel Steins Software vorliegen, desto präziser kann sie das Spielfeld einschätzen und ihre Auswertungen treffen. In der aktuellen Praxis sind die Informationen jedoch auf das Fernsehbild beschränkt. Was sich außerhalb der Kamera abspielt, weiß der Rechner nicht und kann es nur vage abschätzen. Die Konstanzer Informatiker sind daher an Kooperationen mit Mannschaften und Fernsehsendern interessiert, die Bild- und Positionsdaten von Fußballspielen erheben. Wenn diese ihre Daten zur Verfügung stellen, können die Informatiker im Gegenzug präzisere Analysen liefern. Das Angebot ist nicht auf Fußball begrenzt; die Analyse-Software kann auf jeden Mannschaftssport angewendet werden.

Collective Behaviour
Manuel Steins Forschung findet im Rahmen des Konstanzer Forschungsbereichs „Collective Behaviour" statt. Dieses junge Forschungsfeld befasst sich mit den wechselseitigen Einflüssen und Interaktionen zwischen Mitgliedern eines Kollektivs. Die Wissenschaftler interessieren sich insbesondere für das Entscheidungsverhalten innerhalb einer Gruppe und die Frage, wie sich die Individuen eines Schwarms gegenseitig koordinieren. Beispiele sind das Verhalten von Tierschwärmen und Schwarmintelligenz, die Koordination von selbstfahrenden Autos, aber auch ökonomische Netzwerke oder das Verhalten von Menschengruppen. Im Sportbereich finden die wissenschaftlichen Methoden unter anderem in der Analyse von Mannschaftsverhalten Anwendung: Welche Muster zeichnen sich in der Taktik einer Mannschaft ab? Wie reagieren zwei Mannschaften aufeinander und wie beeinflussen sich die Spieler in ihren Entscheidungen gegenseitig?

Faktenübersicht:
- Konstanzer Informatiker realisieren eine automatisierte Spielanalyse für Fußballübertragungen.
- Der Computer ermittelt Position, Geschwindigkeit und Richtung jedes einzelnen Spielers sowie des Balls. Aus diesen Daten berechnet er unter anderem Einflussbereiche beider Mannschaften, Passmöglichkeiten und Was-wäre-wenn-Szenarien.
- Die Auswertung wird als Diagramm live und ohne Zeitverzögerung in laufende Fernsehübertragungen eingeblendet. Grundlage der Computeranalyse ist das reine Fernsehbild, weitere Daten sind nicht erforderlich.
- Die Software richtet sich insbesondere an Fußballanalysten und Sportjournalisten, aber auch an Trainer. Sie ist prinzipiell auch für andere Mannschaftssportarten einsetzbar.

Ein Video kann im Folgenden heruntergeladen werden:
http://www.uni-konstanz.de/shared/Fussballanalyse.mp4
Erläuterung: So nimmt der Computer ein Fußballspiel wahr: Diese Erfassung von Spielern und Ball bildet die Grundlage für die automatisierten Analysegrafiken, die im folgenden Schritt in das reale Fernsehbild eingeblendet werden.
Copyright: Universität Konstanz

Für Videobeispiele der Analysegrafiken können Sie sich gern an Manuel Stein, E-Mail: stein@dbvis.inf.uni-konstanz.de, wenden.

Fotos können im Folgenden heruntergeladen werden:
1) https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2018/Bilder/Fussball_durch_d...
Bildunterschrift: Screenshot der automatisierten Spielanalyse. Die Farbflächen markieren freie Räume, die für die Torsituation relevant sind. Die Software reagiert dabei in Echtzeit auf die Ereignisse und passt die eingeblendeten Markierungen bis zu 30 mal pro Sekunde an. Weitere Analysegrafiken können mit eingeblendet werden, darunter Dominanzbereiche der Mannschaften und Passmöglichkeiten.
Copyright: Dietmar Wallner

2) https://cms.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2018/Bilder/Fu%C3%9Fballanal...
Bildunterschrift: Manuel Stein, Entwickler der Analyse-Software. Manuel Stein ist Informatiker und Doktorand im Forschungsbereich „Collective Behaviour" (Kollektivverhalten) an der Universität Konstanz.
Bild: Manuel Stein

Kontakt:
Universität Konstanz
Kommunikation und Marketing
Telefon: + 49 7531 88-3603
E-Mail: kum@uni-konstanz.de

Quelle: idw

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Tattoos: Körperschmuck mit Risiken

Dr. Suzan Fiack Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

Tätowierungen sind Schwerpunktthema des aktuellen BfR-Wissenschaftsmagazins BfR2GO

Trotz ihrer großen Verbreitung werden Tattoos bislang selten im Zusammenhang mit gesundheitlichen Risiken diskutiert. Dabei können Tätowierungen unerwünschte gesundheitliche Folgen haben wie Infektionen, Entzündungen, Narben und Allergien. Zudem sind Langzeitwirkungen möglich, über die bislang kaum Erkenntnisse vorliegen. Verschiedene Forschungsprojekte am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) liefern Ergebnisse, die weltweit Beachtung finden und in der aktuellen Ausgabe des BfR-Wissenschaftsmagazin BfR2GO vorgestellt werden. „Farbpigmente von Tattoos bleiben nicht lokal unter der Haut, sondern wandern im Körper", sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Durch UV-Licht und Alterung zerfallen manche Pigmente in toxische Substanzen. Wer die aktuelle Ausgabe von BfR2GO liest, erhält Einblicke in die Forschung und Bewertung des BfR auf dem Gebiet der gesundheitlichen Risiken durch Tätowiermittel."

BfR2GO 1/2018: www.bfr.bund.de/cm/350/bfr-2-go-ausgabe-1-2018.pdf
Eine wichtige Aufgabe des BfR ist es, die Öffentlichkeit über mögliche Risiken gesundheitlicher Art zu informieren. BfR2GO ist ein neues Publikationsformat des BfR, das wichtige Themen des gesundheitlichen Verbraucherschutzes aufgreift. In jeder Ausgabe von BfR2GO wird ein aktuelles Thema aus dem Arbeitsbereich des BfR schwerpunktmäßig vorgestellt: In der aktuellen Ausgabe sind es die Risiken des Tätowierens. Daneben finden sich Berichte, Interviews und Meldungen aus den Arbeitsgebieten des BfR - Risikokommunikation, Lebensmittelsicherheit, Produkt- und Chemikaliensicherheit sowie Schutz von Versuchstieren. Weitere Themen dieser Ausgabe sind: Küchenhygiene in TV-Kochshows, Nudging-Maßnahmen im gesundheitlichen Verbraucherschutz, „Botanicals" für Sportlerinnen und Sportler, Neues zur Europäischen Chemikalienverordnung REACH, Begasungen von Schiffscontainern sowie ein Interview mit dem Leiter des Deutschen Zentrums zum Schutz von Versuchstieren am BfR.

Das Wissenschaftsmagazin BfR2GO erscheint zweimal im Jahr in deutscher und englischer Sprache und wird auf der BfR-Website unter www.bfr.bund.de/de/publikation/wissenschaftsmagazin-201894.html veröffentlicht. Dort kann es kostenlos heruntergeladen oder direkt bestellt werden. Interessenten können sich per E-Mail (publikationen@bfr.bund.de) für ein kostenloses Abonnement des Magazins vormerken lassen.

Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Das BfR ist 15 Jahre alt. Aus diesem Anlass hat das BfR eine Jubiläumsbroschüre herausgegeben, die unter www.bfr.bund.de/de/publikation/broschueren-660.html kostenlos heruntergeladen oder bestellt werden kann.

Quelle: idw

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Deutsche Unternehmen gefährden Umwelt und Menschenrechte

Mandy Schoßig Öffentlichkeit und Kommunikation
Öko-Institut e. V. - Institut für angewandte Ökologie

Deutsche Firmen sollten Produkte, die in der Europäischen Union wegen möglicher Gefahren für die Menschenrechte und die Umwelt nicht zugelassen sind, auch im Ausland nicht vertreiben. Eine aktuelle Fallstudie des Öko-Institut zeigt jedoch, dass deutsche Chemieunternehmen besonders gefährliche, in der EU verbotene Pestizide im Ausland anbieten. Ein anderes Beispiel zur Abwrackung von Schiffen belegt, dass deutsche Reedereien ihre Schiffe in Bangladesch entsorgen lassen, obwohl dies verboten ist.

Das Öko-Institut fordert in seinem Spendenprojekt „Umweltschutz wahrt Menschenrechte", dass die deutschen Unternehmen ihrer globalen Verantwortung gerecht werden und ihre Sorgfaltspflichten zum Schutz von Mensch und Umwelt ernst nehmen. Der deutsche Staat muss dafür sorgen, dass im Ausland EU-Standards nicht unterlaufen werden - dieser Pflicht kommt er heute teilweise nur unzureichend nach. Diese Forderungen gelten für alle untersuchten Fälle, darunter auch für den Kupferbergbau in Peru.

Pestizide: Hochgiftige Stoffe aus Produktsortiment verbannen
In seiner Fallstudie zu Pestiziden legt das Öko-Institut den Schwerpunkt auf besonders gefährliche Chemikalien. Viele von ihnen sind unmittelbar toxisch; sie führen beim Einatmen oder bei der Anwendung zu schweren Vergiftungen. Andere wirken langfristiger, indem sie krebserregend sind, den Hormonhaushalt negativ beeinflussen oder das Erbgut schädigen. Gelangen sie in Böden und Gewässer, können sie ihren Weg in Nahrungsmittel und Trinkwasser finden. Andere Chemikalien sind äußerst schädlich für Bienen. Das Öko-Institut fordert ein Exportverbot der hochgiftigen, in der EU nicht zugelassenen Pestizide.

Schiffsrecycling: Bestehende Regelungen einhalten
Zumeist über Zwischenhändler gelangen Schiffe deutscher Reedereien zur Verschrottung nach Bangladesch. Dort werden sie statt in geeigneten Recyclingeinrichtungen direkt am Strand auseinandergenommen. Dabei gelangen Schweröle, Asbest und weitere Gefahrstoffe ins Meer; Arbeiter kommen häufig ungeschützt mit ihnen in Berührung. Die Folge sind Arbeitsunfälle und Vergiftungen sowie Verseuchungen des Meerwassers. Nach internationalem und europäischem Recht ist die nicht fachgerechte Entsorgung ausgedienter Schiffe in Bangladesch verboten. Das Öko-Institut fordert, dass die bestehenden Regelungen eingehalten und vom deutschen Staat konsequent durchgesetzt werden.

Risiken kennen, Gegenmaßnahmen ergreifen
„Alle drei Fallstudien zeigen, dass deutsche Unternehmen ihrer Verantwortung zur Wahrung von Menschenrechten und Umweltschutz nur unzureichend nachkommen", kritisiert Dr. Nele Kampffmeyer, Expertin für nachhaltige Unternehmensführung am Öko-Institut. „Solange keine gesetzlichen Regelungen existieren, können Unternehmen zwischen Geschäftsinteressen und Menschenrechten abwägen. Aus unserer Sicht muss der Schutz von Mensch und Umwelt jedoch über finanziellen Interessen stehen."
Um diesen Prioritäten folgen zu können, müssen die Unternehmen entlang ihrer Wertschöpfungskette - also von der Herstellung, über die Nutzung bis zur Entsorgung ihrer Produkte - die Risiken für Menschen und Umwelt analysieren. Dabei sollten Betroffene vor Ort, etwa Kleinbauern, einbezogen werden. In einem zweiten Schritt sollten sie dann wirksame Schutzmaßnahmen ergreifen. Dazu gehört auch die Einrichtung von Beschwerdestellen, an die sich mögliche Betroffene wenden können.

Das Projekt wurde mit Hilfe von privaten Spenden finanziert. Diese geben dem Öko-Institut die Möglichkeit, Themen wissenschaftlich zu bearbeiten, die es als besonders wichtig erachtet, für die aber kein Auftragsmandat vorliegt.

Working Paper „Umweltschutz wahrt Menschenrechte! Deutsche Unternehmen in der globalen Verantwortung" des Öko-Instituts (https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/WP-Umweltschutz-wahrt-Menschenrechte.pdf)

Kurzfassung „Umweltschutz wahrt Menschenrechte! Unternehmen und Politik in der Verantwortung" des Öko-Instituts (https://www.oeko.de/fileadmin/oekodoc/Umweltschutz-wahrt-Menschenrechte-Kurzfass...)

Ansprechpartnerin am Öko-Institut
Dr. Nele Kampffmeyer
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institutsbereich
Umweltrecht & Governance
Öko-Institut e.V., Büro Berlin
Telefon: +49 30 405085-346
E-Mail: n.kampffmeyer@oeko.de

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Neues vom Öko-Institut auf Twitter: twitter.com/oekoinstitut

Das Öko-Institut bloggt unter: blog.oeko.de

Aktuelle Ausgabe des Onlinemagazins eco@work: www.oeko.de/e-paper

Anhang
PM_Umweltschutz-wahrt-Menschenrechte_Öko-Institut
https://idw-online.de/de/attachment65842

Quelle: idw

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Fußball-WM 2018: Statistik sieht Brasilien vorne

Dr. Dirk Frank Public Relations und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Auf fussballmathe.de kann man den Ausgang der Weltmeisterschaft berechnen. Umfangreiches Material für den schulischen Einsatz

FRANKFURT. Die deutschen Fußballfans sehnen sich nach einem weiteren Stern auf dem Trikot, was für den fünften Gewinn der Fußballweltmeisterschaft stünde. Doch nach der Prognose des Portals fussballmathe.de hat das Team Brasiliens die größten Chancen: Die Siegwahrscheinlichkeit Brasiliens liegt bei 25,67 Prozent, Deutschland folgt mit 17,84 Prozent, knapp dahinter Spanien mit 17,11 Prozent. Prof. Matthias Ludwig, Mathematik-Didaktiker an der Goethe-Universität, betreibt mit seinem Team seit sechs Jahren das Portal fussballmathe.de: Das Instrument ermöglicht eine spannende Beschäftigung mit Statistik im schulischen Kontext. Umfangreiches Material kann kostenfrei auf fussballmathe.de heruntergeladen werden. Der Didaktiker möchte mit dem Portal vor allem das Verständnis für die mathematischen Grundlagen der Statistik stärken, Fußball ist dafür ein geeigneter Anwendungsbereich.

Anhand dreier Parameter werden die fußballerischen Wahrscheinlichkeiten berechnet: historische Ergebnisse, die erreichten ELO-Punkte (ein Ranglistensystem) sowie der aktuelle Mannschaftswert fließen in die Prognose ein. Die aktuellen Spielergebnisse der Fußball-WM 2018 werden natürlich eingearbeitet. Die online abrufbaren und jeweils aktuellen Prognosen erfreuen sich auch bei wettfreudigen Zeitgenossen jenseits von Schule und Hochschule einer großen Beliebtheit, Ludwig rechnet während der WM mit gewaltigen Zugriffszahlen.

Weitere Informationen:
Prof. Matthias Ludwig, Institut für Didaktik der Mathematik und Informatik. Tel. (069) 798-28695; ludwig@math.uni-frankfurt.de; http://www.fussballmathe.de

Weitere Experten der Goethe-Universität zum Thema „Fußball-WM 2018":
Prof. Robert Gugutzer ist Sportsoziologe und beschäftigt sich mit der Soziologie des Fußballs; er hat unter anderem das Phänomen „Public Viewing" untersucht. In diesem Sommersemester ist die Fußball-WM auch Thema in seinem Seminar „Medien und Sport". Tel. (069)798-24529; gugutzer@sport.uni-frankfurt.de

Prof. Winfried Banzer ist Sportmediziner und leitet die Abteilung Sportmedizin; er war u.a. einige Jahre lang der Mannschaftsarzt der deutschen Tennis-Daviscup-Spieler. Tel. (069) 798-24543; winfried.banzer@sport.uni-frankfurt.de

Der Politologe Prof. Reinhard Wolf ist Professor für Internationale Beziehungen mit dem Schwerpunkt Weltordnungsfragen; er beschäftigt sich mit dem Verhältnis alter und neuer Großmächte und ist ein guter Kenner der Außen- und Sicherheitspolitik der Russischen Föderation. Tel. (069) 798-36608; wolf@soz.uni-frankfurt.de

Quelle: idw

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Planungssicherheit für Kommunen: Den Wasserbedarf der Zukunft prognostizieren

Melanie Neugart Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

Es gehört zu den Aufgaben von Kommunen, eine sichere Wasserversorgung zu garantieren. Eine realistische Planung gestaltet sich aber immer schwieriger, denn die Einflüsse auf den Wasserbedarf sind vielfältig: Demografische und klimatische Entwicklungen beeinflussen die Bedarfswerte ebenso wie sich verändernde Wirtschaftsstrukturen, neue Wassertechnologien oder Gewohnheiten verschiedener Verbrauchsgruppen. Damit Kommunen trotzdem langfristig planen können, sind sie auf Wasserbedarfsanalysen für ihr Gemeindegebiet angewiesen.

Das ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung hat ein Prognosemodell entwickelt, das die komplexen Einflüsse in einem Versorgungsgebiet erstmals verlässlich und kleinräumig abbilden kann.

Ein typisches Phänomen in vielen deutschen Städten: Obwohl die Bevölkerungszahlen steigen, ist der Wasserbedarf rückläufig. Das hat vielfältige Gründe - effizientere Haushaltsgeräte, die immer weniger Wasser benötigen, oder eine modernere Sanitärausstattung und ein sparsameres Verbrauchsverhalten. All diese Veränderungen frühzeitig zu erkennen, kann die Planungssicherheit für Kommunen erhöhen. Selbstverständlich auch im umgekehrten Fall, wenn ein steigender Bedarf zu Engpässen in der Wasserversorgung führt.

Weil Investitionen in die Infrastruktur lange Vorlaufzeiten benötigen, sind Kommunen auf langfristige Prognosen ihres Wasserbedarfs angewiesen. „Für ihre Planungssicherheit reichen die üblicherweise verwendeten Daten wie bundesweite Durchschnittswerte des Pro-Kopf-Verbrauchs oder Bevölkerungszahlen nicht aus", sagt ISOE-Wasserforscher Stefan Liehr, der am ISOE ein Prognosemodell für die Ermittlung des Wasserbedarfs mitentwickelt hat.

Trends frühzeitig erkennen, um Wasserbedarfsprognosen auf Stadtteilebene zu berechnen
„Im Vergleich zu früher liegen heute viel detailliertere Daten zu sozio-ökonomischen, siedlungsstrukturellen oder technischen Faktoren vor. Diese erlauben ein deutlich genaueres und kleinräumigeres Bild über die zu erwartende Bedarfsentwicklung", sagt Liehr. Auch müssten Trends wie ein unter Umständen wasserintensives Konsumverhalten oder die zunehmende Nutzung alternativer Wasserquellen wie Regen- und Brauchwasser berücksichtigt werden. Das integrierte Prognosemodell des ISOE schließt alle relevanten Einflussfaktoren ein und ermöglicht Kommunen einen hohen Detailierungsgrad bis hin zu einzelnen Stadtteilen oder Quartieren.

Zu den besonders relevanten Einflussfaktoren zählt Wasserforscher Liehr neben den technologischen Wassersparpotenzialen bei Haushalten und Betrieben vor allem die dynamische Bevölkerungsentwicklung und die wirtschaftliche Entwicklung. „Zudem ist zu erwarten, dass in den nächsten Jahrzehnten extreme Witterungsverläufe zu Schwankungen im Wasserbedarf führen", sagt Liehr. Grundlegend für die Analyse seien eine kleinräumlich gegliederte Verbrauchsstatistik, Daten der Bevölkerungs-, Wohnraum-, Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur, statistische und räumliche Analysen mittels eines Geografischen Informationssystems (GIS) sowie Kunden- und Expertenbefragungen.

ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung, Frankfurt am Main
Das ISOE gehört zu den führenden unabhängigen Instituten der Nachhaltigkeitsforschung. Seit mehr als 25 Jahren entwickelt das Institut wissenschaftliche Grundlagen und zukunftsfähige Konzepte für Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft - regional, national und international. Zu den Forschungsthemen gehören Wasser, Energie, Klimaschutz, Mobilität, Urbane Räume, Biodiversität und sozial-ökologische Systeme.

Ansprechpartner:
Melanie Neugart
Pressekontakt
Tel. 069 707 69 19-51
neugart@isoe.de

Dr. Stefan Liehr
Forschungsschwerpunkt Wasserressourcen und Landnutzung
Tel. 069 707 69 19-36
liehr@isoe.de

Weitere Informationen:

http://www.isoe.de

Anhang
Planungssicherheit für Kommunen: Den Wasserbedarf der Zukunft prognostizieren
https://idw-online.de/de/attachment65859

Quelle: idw

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„Das wurde auch höchste Zeit" - HPV-Impfung für Jungen empfohlen 

Dr. Sibylle Kohlstädt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts hat soeben beschlossen, die Impfung gegen krebserregende humane Papillomviren (HPV) nun auch für Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren zu empfehlen. Diese Empfehlung ist die Grundlage für eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen. Der Medizin-Nobelpreisträger Harald zur Hausen, Wegbereiter der HPV-Impfung, fordert bereits seit Jahren, auch die Jungen zu impfen.

Herr zur Hausen, seit der HPV-Impfstoff 2007 in Deutschland zugelassen wurde, fordern Sie, nicht nur Mädchen, sondern auch Jungen gegen HPV zu impfen. Freuen Sie sich über die STIKO-Entscheidung?
Zur Hausen: Das wurde auch höchste Zeit! Es gibt ja schon seit langem eine ganze Reihe an zwingenden Gründen dafür, auch Jungs zu impfen: Das offensichtlichste Argument ist, dass in nahezu allen Kulturen die jungen Männer mehr Sexualpartner haben als Frauen der gleichen Altersgruppe. Damit sind Männer die wichtigsten Verbreiter der Infektion. Ich habe immer plakativ gesagt: Würden wir nur die Jungs impfen, würden wir wahrscheinlich mehr Fälle von Gebärmutterhalskrebs verhüten als mit der ausschließlichen Impfung der Mädchen!

Profitieren denn die Männer selbst auch von der Impfung?
Zur Hausen: Auf jeden Fall, denn Männer sind nicht nur die Überträger, sondern auch die Opfer der Viren! Die Impfung schützt ja nicht nur vor Gebärmutterhalskrebs, sondern auch vor verschiedenen anderen Krebsarten, die auch Männer treffen können, und die durch die gleichen HPV-Typen ausgelöst werden, etwa Mund-Rachen-Krebs oder Analkrebs. Insgesamt gehen pro Jahr in Deutschland etwa 1.000 Krebsfälle bei Männern auf das Konto von HPV.
Neben dem wirksamen Schutz vor Krebs kann die Impfung auch vor den weitverbreiteten Genitalwarzen schützen, die zwar nicht lebensbedrohlich, dafür aber sehr hartnäckig und unangenehm sind. Werden Jungen geimpft, so profitieren außerdem auch homosexuelle Männer, die ein besonders hohes Risiko für HPV-bedingte Krebsarten haben.

Auch bislang war der Impfstoff schon für Jungen ab neun Jahren zugelassen - doch die Eltern mussten die Impfung selbst bezahlen. Was war die Konsequenz?
Zur Hausen: Das hatte zur Folge, dass bislang nur ein verschwindender Bruchteil der Jungen gegen die krebserregenden HPV geschützt ist. Ohne eine Impfung der Jungen können wir nie eine so genannte Herdenimmunität erreichen. Darunter versteht man eine ausreichend hohe Immunisierungsrate, die eine weitere Ausbreitung der HPV-Infektion verhindert. Die dafür erforderliche Impfrate unterscheidet sich je nach Krankheitserreger. Bei HPV schätzen wir, dass etwa 85 Prozent aller Jugendlichen geimpft sein müssen, um die Infektionskette zu durchbrechen. Doch angesichts der in Deutschland skandalös niedrigen HPV-Impfrate von Mädchen, die gerade mal bei 40 Prozent liegt, sind wir meilenweite von einem solchen Gemeinschaftsschutz entfernt.
Ich kann daher nur an die Eltern aller Jungs appellieren: Nutzen Sie die Chance und schützen Sie Ihren Sohn und seine zukünftigen Partnerinnen vor diesen vermeidbaren Krebserkrankungen!

Gibt es inzwischen Zahlen zum Rückgang von Gebärmutterhalskrebs unter den geimpften Frauen?
Zur Hausen: Kürzlich haben finnische Kollegen die Frauen untersucht, die im Rahmen der Zulassungsstudien die Impfung erhalten haben. Bei den geimpften Frauen wurde kein einziger Fall von HPV-bedingten Krebsarten festgestellt, bei den nicht geimpften Kontrollen dagegen in der erwarteten Anzahl.
Für die Frauen, die erst nach der Markteinführung der Vakzine, also nach 2006, geimpft wurden, ist es noch immer zu früh für statistisch gesicherte Aussagen zum Rückgang von Gebärmutterhalskrebs: Nach einer HPV-Infektion dauert es schätzungsweise 15 bis 30 Jahre, bis eine Krebserkrankung festgestellt werden kann. Aber der signifikante Rückgang von behandlungspflichtigen Krebsvorstufen, aus denen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Krebs entsteht, spricht eine deutliche Sprache.

Harald zur Hausen, von 1983 bis 2003 Vorstandvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums hat mit seiner Forschung den Zusammenhang von Viren und Gebärmutterhalskrebs belegt und damit die Grundlage für die Entwicklung der HPV-Impfstoffe geschaffen. Dafür wurde er 2008 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

Die STIKO empfiehlt für Jungen eine Nachholimpfung bis zum Alter von 17 Jahren. Die HPV-Impfempfehlung für Mädchen bleibt unverändert.

Die Empfehlung der STIKO gilt erst mit der Veröffentlichung im Epidemiologischen Bulletin 34/2018 des Robert-Koch Instituts. Im Anschluss an diese Veröffentlichung prüft der Gemeinsame Bundesausschuss die Kostenübernahmen durch die gesetzlichen Krankenversicherer. Eltern, die ihre Söhne umgehend impfen lassen möchten, sollten bis dahin eine mögliche Kostenübernahme direkt mit ihrer Krankenkasse besprechen.

Ein Foto von Harald zur Hausen steht zur Verfügung unter:
www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2018/bilder/ZurHausen_Harald.jpg

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, interessierte Bürger und Fachkreise über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren.

www.dkfz.de

Quelle: idw

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Schützen Biberdämme vor Hochwassern? HSWT erforscht Grundlagen zum Wasserrückhalt durch Biberdämme

Gerhard Radlmayr ZFW - Forschungskommunikation
Hochschule Weihenstephan-Triesdorf

Die Wissenschaftler Prof. Dr. Volker Zahner und Prof. Dr. Carsten Lorz vom Institut für Ökologie und Landschaft der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf erarbeiteten in dem Forschungsprojekt "Die Wirkung des Europäischen Bibers (Castor fiber) auf den natürlichen Wasserrückhalt an ausgewählten Fließgewässern Bayerns" die Grundlagen der hydraulischen und hydrologischen Wirkung von Biberdämmen bei Hochwasserereignissen in Europa. In dem damit in Verbindung stehenden Projekt "ProNaHo" des Lehrstuhls für Hydrologie und Flussgebeitsmanagement der TU München erfolgt dann die prozessbasierte Modellierung.

Nach März 1988, Pfingsten 1999, dem August 2002 und 2005 trat im Juni 2013 das fünfte außergewöhnliche Hochwasserereignis in Bayern innerhalb eines verhältnismäßig kurzen Zeitraums auf. Die bayerische Staatsregierung beschloss daraufhin die Anstrengungen im Hochwasserschutz zu verstärken. Neben dem "Technischen Hochwasserschutz" und der "Hochwasservorsorge" gilt in diesem Zusammenhang auch dem "Natürlichen Rückhalt" besondere Aufmerksamkeit. Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) sollte in einem vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz geförderten Forschungsprojekt untersuchen, inwieweit Biberdämme einen wirksamen Beitrag für den natürlichen Wasserrückhalt leisten können. Bayern ist heute wieder weitgehend vom Biber besiedelt. Dabei weisen rund 30-40 % der Reviere Dämme auf. Diese Dämme haben einen hohen Stellenwert für den Naturschutz, weisen aber auch ein hohes Konfliktpotenzial auf. Gerade unter hydraulischen und hydrologischen Aspekten gab es bislang wenig belastbare Informationen zur Bewertung und Modellierung im Hochwasserfall.

Die Wissenschaftler Prof. Dr. Volker Zahner und Prof. Dr. Carsten Lorz vom Institut für Ökologie und Landschaft der HSWT erarbeiteten in dem Forschungsprojekt "Die Wirkung des Europäischen Bibers (Castor fiber) auf den natürlichen Wasserrückhalt an ausgewählten Fließgewässern Bayerns" die Grundlagen der hydraulischen und hydrologischen Wirkung von Biberdämmen bei Hochwasserereignissen in Europa. In dem damit in Verbindung stehenden Projekt "ProNaHo" des Lehrstuhls für Hydrologie und Flussgebeitsmanagement der TU München erfolgt dann die prozessbasierte Modellierung. Mit einer bayernweiten Umfrage wurden in verschiedenen Naturräumen die Anzahl und Verteilung von Biberdämmen erfasst und nach relevanten Parametern typisiert. Dabei zeigte sich, dass Biber nur an kleinen Fließgewässern Dämme bauen, die meist weniger als sechs Meter breit und weniger als 70cm tief sind sowie mindestens einen Gehölzsaum aufweisen. Dämme werden nur in nicht zu steilem Gelände errichtet, bei über 7% Gefälle finden sich in aller Regel keine Dämme mehr. Je nach Topographie und Geländeneigung entstehen Dammkaskaden. Das durch die Dämme zurück gehaltene Sedimentvolumen schwankt dabei in Abhängigkeit der Fläche der Biberteiche zwischen 42 und 3858 Kubikmetern.

Vor allem der als Freibord bezeichnete Abstand zwischen dem Wasserspiegel und der Oberkante des Dammes entscheidet in Verbindung mit der Biberteichgröße darüber, wie viel der anströmenden Wassermenge aufgenommen und zurückgehalten wird. Die bei den stabilsten Dämmen im Bayerischen Wald ermittelte Maßzahl HQ10 sagt dabei aus, dass die dortigen Biberdämme zehnjährigen Hochwasserereignissen standgehalten haben. Mit ansteigender Biberpopulation steigt auch die Zahl der Dämme, jedoch nicht zwangsläufig proportional. Wenn die günstigsten Reviere besetzt sind, führt der Populationsdruck dazu, dass marginalere (kleinere) Gewässer besiedelt werden, die ohne Dammbauten für den Biber nicht bewohnbar wären. So entstehen Dämme vor allem in Kleingewässern und in Oberläufen, wie es zum Beispiel in Unterfranken der Fall war. Die potentielle Wirkung von Biberdämmen auf den Hochwasserabfluss wird durch die Verringerung der Fließgeschwindigkeit, die durch das Freibord zurückgehaltene Wassermenge sowie längerfristig von der Dammstabilität bestimmt.

Weitere Informationen:
https://forschung.hswt.de/web/915/show_new

Quelle: idw

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Brustkrebs-Verdacht: Bis zu 45 Prozent mehr Tumore per Ultraschall entdecken

Friederike Gehlenborg Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

Berlin - Brustkrebs?! Sobald dieser Verdacht besteht, ist die Sorge bei Patientinnen groß. Bei einer frühen Diagnose sind die Heilungschancen zwar recht hoch, jedoch bleiben viele Tumore zu lange unentdeckt. Das Problem: Mit der Röntgenuntersuchung der Brust - dem hierzulande häufigsten Diagnoseverfahren - kann ein Großteil der sogenannten Mammakarzinome häufig nicht eindeutig identifiziert werden. Wenn jedoch die Ultraschalldiagnostik ergänzend eingesetzt wird, können bis zu 45 Prozent mehr invasive Karzinome erkannt werden.

Auf einer Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) fordern Experten deshalb, dass die Brustuntersuchung per Ultraschall schon bei Routineuntersuchungen zur Früherkennung von Krebs standardmäßig zum Einsatz kommen sollte. Die Pressekonferenz findet am Dienstag, den 19. Juni in Berlin statt.

„Der hohe Mehrwert der Sonografie zur Krebsfrüherkennung ist viel zu wenig bekannt", bemängelt DEGUM-Experte Professor Dr. med. B. Joachim Hackelöer, der unter anderem Professuren für Gynäkologie und Geburtshilfe an Universitäten in Hamburg und Marburg innehatte. So habe der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) den Nutzen dieser Untersuchung vor kurzem in einem Beurteilungsverfahren von mehreren Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL-Leistungen) als unklar eingestuft. Nach Ansicht von Hackelöer besteht vor diesem Hintergrund ein dringender Aufklärungsbedarf.

Doch warum ist der Nutzen des Brustultraschalls so groß? „Die weibliche Brust besteht aus einem Milchdrüsengewebe. Bindegewebe und Fett hüllen dieses Drüsengewebe ein", so Hackelöer. „Durch die Ultraschalluntersuchung der Brust wird das Drüsen- und Bindegewebe mit hellen Echos dargestellt, Karzinome hingegen oft mit dunklen Echos." So entsteht ein Echokontrast, der die Diagnose wirksam ermöglicht. Im Gegensatz dazu weist die Röntgenuntersuchung der Brust - die sogenannte Mammografie - keinen so klaren Kontrast zwischen dem Tumor und dem übrigen Drüsen- und Bindegewebe auf. Hier werden die Karzinome hell oder weiß abgebildet und können deshalb durch das übrige restliche Drüsen- und Bindegewebe maskiert oder verborgen werden. Besonders häufig ist das bei Frauen mit dichtem Gewebe - also einem hohen Anteil an Milchdrüsengewebe - der Fall. Diese Frauen sollten nach Ansicht der DEGUM deshalb dringend auch per Ultraschall untersucht werden - und das sind zahlreiche: „Nach neuesten Daten hat fast die Hälfte der Frauen ab 50 Jahren ein dichtes Brustgewebe. „Problematisch ist, dass derzeit im Deutschen Mammographie Screening-Programm die Brustdichte nicht systematisch erfasst und mitgeteilt wird. Frauen mit extrem dichtem Drüsengewebe haben jedoch ein höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken", sagt Professor Dr. med. Alexander Mundinger, Chefarzt der Brustzentrum-Sektion Bildgebende und minimal-invasive Mammadiagnostik der Niels-Stensen-Kliniken am Franziskus-Hospital Harderberg in Georgsmarienhütte. Gleichzeitig sei das Risiko der Maskierung von Brustkrebs bei diesen Patientinnen am höchsten. „Aber auch ihnen wird zur Früherkennung von Brustkrebs hierzulande lediglich alle zwei Jahre eine Röntgenuntersuchung empfohlen und finanziert. Das muss sich dringend ändern."

Damit zukünftig mehr Brustkrebstumore frühzeitiger entdeckt werden, fordern die DEGUM-Experten ein neues Konzept: „Wir benötigen in Deutschland dringend ein risikoadaptiertes, optimiertes Screening-Programm. Hier sollte die Mammografie zwingend durch die Ultraschall-Diagnostik der Brust ergänzt werden", meint Hackelöer. „Zudem muss die Früherkennung sehr individualisiert durchgeführt werden." Ideal wäre es nach Ansicht der DEGUM-Experten, wenn die Ultraschall- und die Röntgenuntersuchung - je nach Dichtegrad der Brust - bei Frauen ab dem 40. Lebensjahr etwa einmal pro Jahr standardisiert angewendet würde. Diese Untersuchungen sollten möglichst DEGUM-zertifizierte Gynäkologen und Radiologen durchführen. Nach Ansicht der Ultraschall-Experten sollte das DEGUM-Konzept bereits in die Screening-Ausbildung der angehenden Ärzte integriert werden - so könne eine hohe Qualität in der Sonografie am besten gewährleitet werden.

Weiterführende Informationen:
https://www.mds-ev.de/presse/pressemitteilungen/neueste-pressemitteilungen/2018-...

Quelle: idw

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Der gläserne Fußballer

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Wie wird Erfolg im Fußball messbar? Mit der heute verfügbaren Menge an Positionsdaten im Fußball scheint diese Frage vor einer Weltmeisterschaft besonders interessant. Trainingswissenschaftler Dr. Daniel Link von der Technischen Universität München (TUM) hat ein Modell entwickelt, mit dem sich die Torgefährlichkeit einer Mannschaft messen lässt.

Tore lassen im Fußball nur bedingt eine Aussage über die Leistung einer Mannschaft und die Qualität ihrer Spieler zu: Sie fallen selten, manchmal durch eine einzige Unaufmerksamkeit oder einer hochdominanten Mannschaft fehlt das Quäntchen Glück.

Indikatoren wie Torschüsse, erfolgreiche Pässe, Zweikämpfe, Ballbesitz und zurückgelegte Distanzen sind insbesondere in den Medien weit verbreitet, jedoch auch ihr Nutzen ist als Maßeinheit für Leistung zu hinterfragen. Im Halbfinale der letzten Weltmeisterschaft 2014 beispielsweise hatte Deutschland weniger Torschüsse als Brasilien (im Verhältnis 14:18), aber kaum ein Zuschauer würde an der Überlegenheit Deutschlands in diesem Spiel (7:1 Tore) zweifeln.

Für das Buch „Data Analytics in Professional Soccer" von Dr. Daniel Link sind Situationen, in denen die Möglichkeit besteht ein Tor zu erzielen, zentrales Kriterium für die „Leistung" im Fußball. „Im Fußball kommt es primär darauf an, dass eine Mannschaft mit dem Ball in den torgefährlichen Bereich um das Tor kommt und den Gegner umgekehrt daran hindert", sagt der Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Trainingswissenschaft und Sportinformatik der TUM. In dem gerade veröffentlichten Werk präsentiert er sechs Einzelstudien mit innovativen mathematischen Ansätzen zur Spielanalyse und Spielerbewertung im Profifußball.

Echtzeit-Analyse mithilfe von optischem Tracking
Der Trainingswissenschaftler stellt in dem ursprünglich in „PLOS One" veröffentlichten Kapitel 3 objektive Kriterien vor, um in Echtzeit die Mannschaftsleistung mit einem eigens dafür entwickelten Algorithmus festzustellen. Mit seinem Verfahren ermittelt er für jeden Zeitpunkt, zu dem ein Spieler im Ballbesitz ist, eine quantitative Darstellung der Wahrscheinlichkeit, dass ein Tor erzielt wird - „ich bezeichne dies als Dangerousity", sagt Link. Die Berechnung dieser Metrik basiert auf der räumlichen Konstellation von Spieler und Ball und besteht aus den vier Komponenten Druck, Dichte, Ballkontrolle und Spielfeldzone. Der englische Begriff Dangerousity wird in der Sportdaten-Community inzwischen weltweit referenziert.

Mit diesem Ansatz hat der Autor in Zusammenarbeit mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) 64 Bundesligaspiele ausgewertet. Die Positionsdaten der Spieler und des Balls wurden über ein optisches Tracking-System erfasst. Außerdem wurde die automatische Bewertung durch Links Algorithmus mit Bewertungen durch semi-professionelle Fußballtrainer bei hundert Spielszenarien verglichen. Hierbei zeigte sich eine hohe Übereinstimmung zwischen der Einschätzung der Szenen zwischen der Maschine und dem Menschen. Die Auswertung erfolgte mit Unterstützung des DFL-Tochterunternehmens Sportec Solutions (STS).

„Aus der Gefährlichkeit lassen sich weitere Metriken ableiten, mit denen Fragen zur Analyse des Spiels beantwortet werden können", erklärt der Sportwissenschaftler seinen neuen Ansatz. „Wir verwenden diese Metriken, um einzelne Aktionen in einem Spiel zu analysieren, Spielpassagen zu beschreiben und die Leistung als auch Effizienz von Teams über die Saison zu charakterisieren." Für zukünftige Studien würden sie ein zufalls- und ergebnisunabhängiges Kriterium darstellen, um den Einfluss von zentralen Ereignissen in einem Fußballspiel, verschiedenen Spielsystemen oder taktischen Gruppenkonzepten auf den Erfolg hin zu untersuchen.

Publikation:
Daniel Link: Data Analytics in Professional Soccer - Performance Analysis Based on Spatiotemporal Tracking Data, Springer Vieweg 2018. ISBN 978-3-658-21177-6

Kontakt:
PD Dr. Daniel Link
Technische Universität München
Lehrstuhl für Trainingswissenschaft und Sportinformatik
Tel: +49.89.289.24498
daniel.link@tum.de

Weitere Informationen:
https://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/detail/article/34675/

Quelle: idw

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Biomasse effizient nutzen

Britta Widmann Kommunikation
Fraunhofer-Gesellschaft

Große Waldgebiete und Industriestandorte liegen meist weit voneinander entfernt. Wegen des schwierigen Transports wird Holz daher nur begrenzt als industrieller Rohstoff genutzt. Im EU-Projekt SteamBio haben Forschende des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB gemeinsam mit Partnern ein spezielles Dampftrocknungs-Verfahren entwickelt. Damit lassen sich die Transportkosten in Zukunft deutlich senken. Ein weiterer Pluspunkt: Das Verfahren wird bereits in einer spanischen Pilotanlage angewendet. Vom 11. bis 15. Juni wird ein Modell der Anlage auf der Messe ACHEMA in Frankfurt am Main (Halle 9.2, Stand D66) präsentiert.

Die industrielle Nutzung von Holz bietet große Chancen, Erdöl und Erdgas zu ersetzen. Die Herausforderung besteht darin, mit innovativen Verfahren die Biomasse so zu behandeln, dass nachhaltige Produkte und Produktionswege entstehen.

Üblicherweise werden Waldrestholz, Schwachholz und anderes minderwertiges Holz zu Hackschnitzeln zerkleinert. Hackschnitzel sind ein wichtiger Rohstoff für die holzverarbeitende Industrie. Außerdem dienen sie in Heizkraftwerken und Hackschnitzelheizungen als Brennstoff. Der hohe Wassergehalt der frischen Hackschnitzel verursacht zwei Probleme: Das Transportgewicht ist sehr hoch und die feuchte Masse lässt sich schlecht lagern. Schützt man die Hackschnitzel nicht vor Regen, verrottet das Material schnell.

Hackschnitzel transportfähig machen
Ein neues Verfahren, Hackschnitzel transport- und lagerfähig zu machen, haben Forscherinnen und Forscher des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB nun im EU-Projekt SteamBio entwickelt - gemeinsam mit zehn weiteren Projektpartnern aus vier europäischen Ländern. »Statt die Biomasse gehäckselt zu transportieren, torrefizieren wir sie«, erläutert Siegfried Egner, Abteilungsleiter am IGB und Koordinator des Projekts SteamBio. »Wir erhitzen die Biomasse in einer Dampfatmosphäre ohne Sauerstoff. Von den drei Hauptbestandteilen der Biomasse - Cellulose, Lignin und Hemicellulose - treiben wir auf diese Weise einen komplett aus, und zwar die Hemicellulose.« Das Gewicht wird erheblich reduziert, der spezifische Heizwert deutlich erhöht und das Material kann zu hochreaktivem Pulver vermahlen werden.

Die torrefizierte Biomasse ist wasserabweisend und hat ein deutlich besseres Brennverhalten, da sie nur noch aus Wasserstoff und Kohlenstoff besteht. Die Biomasse kann als offenes Schüttgut transportiert werden, da Regen an der Oberfläche abperlt, ohne in das Innere einzudringen. Zudem ist die torrefizierte Biomasse deutlich leichter als das unbehandelte Material - das spart erheblich Transportkosten.

Kohle durch Biomasse ersetzen
Die torrefizierten Holzhackschnitzel lassen sich leicht zwischen zwei Fingern zerreiben. Man kann sie zu Pellets pressen oder zu Staub vermahlen. Durch die größere Oberfläche hat der Biomasse-Staub bei der stofflichen Nutzung eine höhere Reaktivität als größere Materialstückchen. Zum anderen kann er bei der energetischen Nutzung mit Steinkohle-Staub vermischt und in die Feuerung von Kohlekraftwerken eingeblasen werden. Die Kohle ließe sich sogar bei gleicher Feuerungstechnik gänzlich durch Biomasse ersetzen.
Chemikalien nachhaltig erzeugen

Besonders wertvoll sind die flüchtigen Substanzen, die bei der Torrefizierung entstehen. Aus ihnen lassen sich Chemikalien gewinnen, die als Ausgangsmaterial für viele andere Industrieprodukte dienen. Diese Plattformchemikalien wurden bisher aus Erdöl oder Erdgas gewonnen, über die Torrefizierung lassen sie sich dagegen nachhaltig erzeugen. »Die Plattformchemikalien werfen bei vielen Biomasse-Materialien so viel Gewinn ab, dass sie den gesamten Torrefizierungsprozess finanzieren«, sagt Dr. Antoine Dalibard, Gruppenleiter am Fraunhofer IGB.

Dampftrocknung bei über 200 Grad
Doch was genau geschieht bei der Wärmebehandlung? »Die Torrefizierung an sich ist kein neues Verfahren«, erklärt Bruno Scherer, Projektingenieur am IGB. »Im SteamBio-Projekt setzen wir auf die am IGB entwickelte Dampftrocknungs-Technologie, die wir für diesen Prozess angepasst haben. Wir arbeiten hier bei Temperaturen zwischen 200 bis 250 Grad Celsius.« Das Besondere an der Technologie: Die in der Biomasse enthaltene Feuchte sowie dampfförmige Reaktionsprodukte der Torrefizierung werden kontrolliert im Prozessraum gehalten und bilden selbst das Prozessmedium. »Wir arbeiten also mit überhitztem Dampf«, verdeutlicht Scherer.

Die hohe Temperatur trocknet die Biomasse und führt dazu, dass niedrig siedende organische Verbindungen flüchtig werden. Während Cellulose und Lignin als Feststoff zurückbleiben, gehen die flüchtigen Stoffe in die Gasphase über. Mithilfe spezieller Kondensatoren fangen die Forscher diese gasförmigen Substanzen auf, kühlen sie selektiv ab und gewinnen sie auf diese Weise als Flüssigkeiten zurück.

Eine Pilotanlage ist bereits im Einsatz: Sie wurde beim Projektpartner Heckmann Metall- und Maschinenbau GmbH gefertigt und dort bereits betrieben - sieben Tage die Woche rund um die Uhr. Als Biomasse wurde Buche verwendet. Seit Januar 2018 steht die Anlage in Spanien. Hier torrefizieren Projektpartner Kiefern-, Eichen- und Buchenholz sowie Rebschnitt und Reststoffe der Olivenproduktion. Auf der Messe ACHEMA 2018 in Frankfurt am Main zeigten die Forscherinnen und Forscher vom Fraunhofer IGB eine Modell-Pilotanlage sowie getrocknete und torrefizierte Proben am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand in Halle 9.2, Stand D66.

Weitere Informationen:

https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2018/juni/biomasse-effiz...

Quelle: idw

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Achema 2018: Bierbrauen - Braurückstände sollen nachhaltige Verwendung finden

Melanie Löw Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Kaiserslautern

Um die 104 Liter Bier hat jeder Deutsche 2016 im Schnitt getrunken. Beim Brauen des Gerstensafts fallen viele Rückstände an, europaweit kommen pro Jahr circa 400.000 Tonnen zusammen. Nur ein Teil davon wird als Tierfutter wiederverwertet. Wie dieser Abfall nachhaltig genutzt werden kann, zum Beispiel als Rohstoff für die Chemie-Industrie oder als Quelle für pharmakologische Wirkstoffe, daran arbeiten Forscherteams aus drei Fachbereichen an der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK) in einem europäischen Projekt.

Beim Brauen setzen Hefen die im Malz enthaltenen Zucker während der Gärung zu Alkohol und Kohlendioxid um. Weitere Bestandteile aus dem Getreidemalz benötigen die Mikroorganismen, um zu wachsen und sich zu vermehren. Trotzdem fällt hierbei viel Abfall an. In diesen Rückständen, in Fachkreisen auch Treber genannt, stecken noch etliche wertvolle Inhaltstoffe. Hier setzt das Projekt an, an dem drei Arbeitsgruppen der TUK gemeinsam mit Kooperationspartnern forschen: Sie untersuchen, wie der Treber künftig nachhaltig und ressourcenschonend genutzt werden kann.

Bei Professor Dr. Roland Ulber im Lehrgebiet Bioverfahrenstechnik geht das Team um die Doktoranden Jens Weiermüller und Alexander Akermann der Frage nach, welche Substanzen anfallen, wenn die Brau-Rückstände weiter fermentiert werden. „Wir nutzen dazu verschiedene Mikroorganismen wie Pilze und Bakterien", sagt Akermann. Bei diesen Prozessen fallen eine Vielzahl von chemischen Produkten an, wie etwa Milchsäure. Sie könnte zum Beispiel in Zukunft als Ausgangsstoff für Bioplastik für die Industrie dienen.

In der Anorganischen Chemie beschäftigt sich das Forscherteam um Professor Dr. Werner Thiel und die Doktoranden Ranja Saynisch und Pascal Weingart mit den Fetten, die im Treber vorkommen. „Sie enthalten beispielsweise zahlreiche ungesättigte Fettsäuren, die die Hefen bei der Gärung nicht brauchen", sagt Thiel. Diese Stoffe möchten die Chemiker zunächst genauer identifizieren. In einem nächsten Schritt möchten sie daraus Produkte für die Industrie aufbereiten. „Aus den Fetten lässt sich etwa Glyzerin gewinnen, das zu Zwischenprodukten für die chemische Industrie umgewandelt werden kann", fährt der Professor fort. „Aus den ungesättigten Fettsäuren kann man unter anderem Vorprodukte für die Kunststoffherstellung gewinnen. Dazu werden wir die nötigen Katalysatoren entwickeln."

Das Team vom Fachgebiet Lebensmittelchemie und Toxikologie um Professorin Dr. Elke Richling mit den Doktorandinnen Daniela Becker und Verena Kirsch wird Substanzen als auch Extrakte, die unter anderem von Projektpartnern aus dem Treber gewonnen werden, auf ihre biologische Aktivität untersuchen. So werden diese zunächst hinsichtlich möglicher toxikologischer Wirkungen geprüft. „Wir müssen uns rückversichern, dass bei den Stoffen keinerlei Gefahr für die Gesundheit besteht", sagt Kirsch. Darüber hinaus werden sie untersuchen, wie die Substanzen den Zuckerstoffwechsel des Menschen beeinflussen. „Es gibt einige Hinweise darauf, dass verschiedene Stoffe aus dem Treber die Aufnahme von Zucker ins Blut unterbinden", sagt Becker weiter. „Wir werden uns anschauen, welchen Einfluss sie genau haben." Möglicherweise ließe sich mit den gewonnenen Erkenntnissen eines Tages der Glukosestoffwechsel beeinflussen. Dies ist bei der Behandlung von Diabetes von großer Bedeutung.

Am Projekt „BIOVAL" sind neben der TUK die Saar-Uni sowie die Universitäten in Lothringen, Luxemburg und Lüttich sowie das belgische Unternehmen Celabor beteiligt. Der Europäische Strukturfond zur regionalen Entwicklung (EFRE) fördert es mit 1,84 Millionen Euro. Das Gesamtbudget liegt bei über drei Millionen Euro.

Der Auftritt der Forscher der TU Kaiserslautern auf der Messe wird von Klaus Dosch vom Referat für Technologie und Innovation organisiert. Er ist Ansprechpartner für Unternehmen und vermittelt unter anderem Kontakte zur Wissenschaft.
Kontakt: Klaus Dosch, E-Mail: dosch@rti.uni-kl.de, Tel.: 0631 205-3001

Quelle: idw

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Studie: Schlafqualität beeinflusst Leistungsfähigkeit stärker als Schlafdauer

Thomas Joppig Corporate Communications & Public Relations
Jacobs University Bremen gGmbH

Um tagsüber fit und leistungsfähig zu sein, spielen eine gesunde, fettarme Ernährung sowie ungestörter Schlaf eine wichtige Rolle. Von geringerer Bedeutung ist dagegen die Dauer des Schlafes. Das ist das Ergebnis einer jetzt in der Zeitschrift „Health Behavior & Policy Review" veröffentlichten Studie, die an der Jacobs University Bremen entstanden ist.

Dr. Sonia Lippke, Professorin für Gesundheitspsychologie, hat gemeinsam mit zwei Kolleginnen aus ihrer Forschungsgruppe die Wechselbeziehungen zwischen Lebensqualität und Wohlbefinden einerseits und Schlaf und Ernährung andererseits untersucht. Konkret ging es dabei um den Fettgehalt der Nahrung sowie die Dauer und die Qualität des Schlafes.

Unzureichender Schlaf gilt generell gerade bei älteren Erwachsenen als Risikofaktor für eine Reihe von chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Probleme oder Diabetes. Die Wissenschaft widmet sich dem Faktor Schlaf deshalb in jüngster Zeit vermehrt. Allerdings ist bislang wenig bekannt über die Zusammenhänge zwischen Schlaf und verschiedenen Lebensstilfaktoren wie etwa Ernährung. „Es war und ist uns deshalb wichtig, wechselseitige Einflüsse in diesem Bereich zu erkunden", sagt Sonia Lippke. „Denn dies ermöglicht Empfehlungen und Maßnahmen, die wiederum die Lebensführung verbessern können."

Für ihre Studie haben sie und ihr Team 126 Erwachsene befragt, die älter als 50 Jahre waren. Auffällig war insbesondere der positive Einfluss von fettreduzierter Ernährung und einem ungestörten, als gut empfundenen Schlaf auf die Leistungsfähigkeit tagsüber. Bei Untersuchungsteilnehmern, die von dieser Kombination profitierten, war die Dauer des Schlafes hingegen von untergeordneter Bedeutung. Sieben bis acht Stunden Schlaf gelten als ausreichend, aber es kommt insbesondere darauf an, dass diese erholsam sind.

Quelle:
Tan, S. L., Whittal, A., & Lippke, S. (2018). Associations among Sleep, Diet, Quality of Life, and Subjective Health. Health Behavior & Policy Review, 5(2), 46-58.

Über die Jacobs University Bremen:
In einer internationalen Gemeinschaft studieren. Sich für verantwortungsvolle Aufgaben in einer digitalisierten und globalisierten Gesellschaft qualifizieren. Über Fächer- und Ländergrenzen hinweg lernen, forschen und lehren. Mit innovativen Lösungen und Weiterbildungsprogrammen Menschen und Märkte stärken. Für all das steht die Jacobs University Bremen. 2001 als private, englischsprachige Campus-Universität gegründet, erzielt sie immer wieder Spitzenergebnisse in nationalen und internationalen Hochschulrankings. Ihre fast 1400 Studierenden stammen aus mehr als 100 Ländern, rund 80 Prozent sind für ihr Studium nach Deutschland gezogen. Forschungsprojekte der Jacobs University werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder dem Europäischen Forschungsrat ebenso gefördert wie von global führenden Unternehmen.

Weitere Informationen unter
www.jacobs-university.de

Thomas Joppig | Jacobs University Bremen gGmbH
Corporate Communications & Public Relations
t.joppig@jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-4504

Quelle: idw

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WM 2018: Fußball-Fans am Arbeitsplatz - Was ist erlaubt?

Melanie Hahn Presse & Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Fresenius

Am 14. Juni war Anpfiff: Mit dem Eröffnungsspiel startet die Fußball-WM 2018 in Russland. Vier Wochen lang wird nahezu ganz Deutschland wieder mit der deutschen Nationalmannschaft mitfiebern - auch während der Arbeitszeit. Welche Freiheiten Arbeitnehmer haben und was der Arbeitgeber nicht durchgehen lassen muss, erklärt der Arbeitsrechtler und Professor an der Hochschule Fresenius in Hamburg, Dr. Michael Fuhlrott.

Die Deutschen sind ein fußballbegeistertes Volk - besonders zu großen Turnieren wie der Weltmeisterschaft. Bis zu 35 Millionen Zuschauer verfolgten 2014 allein in Deutschland das Finale im Fernsehen. Einen Monat steht auch in diesem Sommer alles ganz im Zeichen des Fußballs. In der Vorrunde finden einige Spiele bereits während der Arbeitszeit um 16 Uhr statt. Für viele Arbeitnehmer ist es selbstverständlich, dass sie diese Spiele im Fernsehen, Radio oder auch im Internet live am Arbeitsplatz verfolgen. Doch wie sieht es arbeitsrechtlich aus? Dürfen Mitarbeiter für dieses Event ihre Arbeit unterbrechen? „Das dürfen sie nicht", stellt Prof. Dr. Michael Fuhlrott eindeutig klar. „Weder für die Fußball-WM noch für andere Sportereignisse dürfen Mitarbeiter ihre Arbeit unterbrechen, um die Spiele zu verfolgen. Es sei denn, dies wurde ausdrücklich vom Arbeitgeber genehmigt." Der Arbeitgeber sei zudem dazu berechtigt, das Einschalten des Radios zu untersagen, auch wenn die Mitarbeiter parallel weiterarbeiten könnten. Dies trotzdem zu machen, sei zwar kein Grund für eine Kündigung, wohl aber für eine Abmahnung. Auch ein Anspruch auf Urlaub oder Freistellung besteht nicht: „Wollen alle Arbeitnehmer das Finale sehen und dafür einen Urlaubstag einreichen, so wird der Arbeitgeber anordnen dürfen, dass eine gewisse Mindestbesetzung weiterhin im Betrieb bleibt." Nach Siegen der Nationalelf wird häufig lange und ausgiebig gefeiert. Hier gilt: Alkoholisiert am Arbeitsplatz zu erscheinen, ist ebenfalls ein Grund für eine Abmahnung, in gravierenden Fällen sogar für eine Kündigung. „Um ein gutes Betriebsklima zu schaffen, sollte der Arbeitgeber allerdings während der WM auch mal ein Auge zudrücken," so der Jurist. „Gefährdet man weder die eigene Sicherheit noch die anderer, kann im Einzelfall auch in der Mittagspause ein Glas Bier oder Sekt erlaubt sein." Wichtig sei aber, so der Arbeitsrechtler Fuhlrott, dass man sich vorher dazu abstimme. Denn dann könne das gemeinsame Fiebern und Feiern auch integrativ wirken und das Betriebsklima stärken, wenn der Arbeitgeber etwa zum gemeinsamen WM-Spiel-Schauen einlädt und vielleicht sogar noch Würstchen und Bier stellt.

Weitere Informationen:
http://www.hs-fresenius.de

Quelle: idw

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Bei BMI größer 40 und Typ 2-Diabetes: Neue S3-Leitlinie empfiehlt sofortige Operation

Helena Reinhardt Pressestelle / Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Leipzig AöR

UKL-Chirurg Prof. Dietrich gestaltet neue Handlungsempfehlungen maßgeblich mit
Operieren statt Insulin spritzen: Übergewichtigen Patienten mit einem „Body Mass Index" (BMI) von 40 oder höher, die gleichzeitig an einer Typ 2-Diabetes leiden, wird zukünftig eine sofortige Operation empfohlen, weil konservative Therapien in diesen Fällen nicht zu einer Reduzierung des Risikos von Schlaganfällen und Herzinfarkten führen und eine nachhaltige Gewichtsreduktion meist nicht erreicht wird. Dieser metabolische Chirurgie genannte Eingriff ist einer der Kernpunkte der neuen S3-Leitlinie „Chirurgische Therapie der Adipositas und metabolischer Erkrankungen". Über zwei Jahre haben Ärzte, Patientenvertreter und Selbsthilfegruppen aus ganz Deutschland daran gearbeitet. Geleitet hat diese Kommission Prof. Arne Dietrich, Geschäftsführender Direktor der Klinik und Poliklinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie am UKL.

Gemeinsam mit Dr. Tatjana Schütz vom IFB Adipositas-Erkrankungen gestaltete er die neue Leitlinie der Deutschen Adipositas-Gesellschaft somit maßgeblich mit. Sie stellt ein Instrument dar, die Behandlung von Adipositas und metabolischen Erkrankungen zu optimieren. Allgemein gelten Leitlinien als wissenschaftlich fundierte, praxisorientierte Handlungsempfehlungen, sind jedoch keine gesetzlichen Regelungen.
Erstmals wird hier nun zwischen der klassischen Adipositas-Chirurgie und der metabolischen Chirurgie unterschieden.
Auch bei ersterer setzt das Papier nun viel eindeutigere Formulierungen als früher. Bei Patienten mit einem BMI von mehr als 50 soll von nun an sofort über eine OP nachgedacht werden, da konservative Therapien in diesem hohen BMI-Bereich kaum Erfolgsaussichten haben. „Operationen zeigen nachhaltig guten Erfolg, vor allem was Langzeitüberleben und Lebensqualität betrifft", sagt Prof. Dietrich, „Diät und Sport, was natürlich jeder Übergewichtige oder Adipöse zuerst versuchen sollte, führen nur extrem selten zu einem bleibendem Erfolg im BMI-Bereich über 50."

Adipositas sei heute eine von der Weltgesundheitsorganisation WHO anerkannte Krankheit mit komplexen Ursachen, betont der UKL-Experte. Es liege nicht einfach nur an falscher Ernährung.
Gleichwohl sei Essen weiterhin „ein Mittel zum Glücklich sein", Lebensmittel seien hierzulande überall und preiswert zu haben. „Adipositas - davon spricht man ab einem BMI von 30 - kann man leider zu oft nicht einfach durch eine reine Änderung des Lebensstils rückgängig machen", hebt Prof. Dietrich hervor.
Ziel aller Operationen, so steht es in der neuen Leitlinie, sei nicht primär die Gewichtsreduktion, sondern ebenso ein verbesserter Gesundheitszustand, höhere Lebensqualität und Lebenserwartung - erreicht über die Gewichtsreduktion.

Das Körpergewicht der Menschen in den westlichen und Schwellenländern stieg in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich an. Adipositas geht oft mit einer Reihe bedeutsamer Erkrankungen einher, wie zum Beispiel Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck, Asthma, Schlafapnoesyndrom, bestimmte Krebsarten oder Lebererkrankungen. Sie reduziert bemerkbar die Lebenserwartung.

„Die Zahl adipositas-chirurgischer Eingriffe ist in den vergangenen Jahren auch in Deutschland gestiegen. Dazu beigetragen haben unter anderem neue Techniken, eine enorme Zunahme wissenschaftlicher Studien und die Erkenntnis, dass eine nachhaltige Gewichtsreduktion bei einem BMI von mehr als 40 bei der Mehrheit der Betroffenen nur durch einen chirurgischen Eingriff erreicht werden kann", erklärt Prof. Dietrich.

Weitere Informationen:

http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/088-001.html

Quelle: idw

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Zweites „Leben" für Phosphor: Wie Phönix aus der Klärschlammasche

Franz-Georg Elpers Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

DBU unterstützt Verfahren zur Düngergewinnung mit 119.000 Euro - Als fertiges Produkt einsetzbar
Phosphor fördert in Form von Phosphat das Pflanzenwachstum und ist oft die Basis für Dünger. Doch der Abbau des Mineralstoffs birgt viele Probleme. Das macht die rund zwei Millionen Tonnen Klärschlamm, die in Deutschland pro Jahr anfallen und recyclingfähiges Phosphor enthalten, zu einer wichtigen Quelle. Mit der Firma Seraplant (Haldensleben) und der Materialforschungs- und Prüfanstalt an der Bauhaus-Universität Weimar hat die Firma Glatt Ingenieurtechnik (Weimar) eine Möglichkeit gefunden, phosphorhaltigen Dünger aus der Asche verbrannten Klärschlamms zu erzeugen. Dabei wird in einem zweistufigen Verfahren aus der Asche ein pflanzenverfügbares Düngergranulat gefertigt. So lässt sich der Kreislauf des Phosphors schließen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt das Projekt fachlich und finanziell mit rund 119.000 Euro. DBU-Experte Dr. Maximilian Hempel: „Hier zeigt sich, wie Phosphor nicht nur umweltverträglich zurückgewonnen, sondern in Form eines marktfähigen Produktes direkt eingesetzt werden kann."

Von der Klärschlammasche zum Dünger in zwei Schritten
Würde der in Deutschland anfallende Klärschlamm getrocknet, läge sein Gewicht bei rund zwei Millionen Tonnen pro Jahr - rund 60.000 Tonnen davon seien Phosphor, der lebensnotwendige Stoff für alle Organismen. „Bisher wird jedoch weniger als die Hälfte des Klärschlamms und damit seiner wertvollen Inhaltsstoffe genutzt. Das wollen wir mit unserem Verfahren ändern", so Projektleiter Dr. Lars Leidolph von Glatt Ingenieurtechnik. In dem von seiner Firma entwickelten Verfahren wird in zwei Hauptverfahrensschritten aus der Asche des verbrannten Klärschlamms einsatzbereiter Standarddünger. Zunächst wird der Asche Phosphorsäure hinzugefügt, um die Phosphatumwandlung anzustoßen. Ohne diesen Schritt könnten die in der Asche enthaltenen Nährstoffe nicht von den Pflanzen aufgenommen werden. Indem die Minerale mit der Säure reagieren, entstehen für Pflanzen verfügbare und daher für die Düngemittelindustrie interessante Phosphate. Der Mischung aus Feststoff und Flüssigkeit (Suspension) können bei Bedarf weitere Nährstoffe in flüssiger sowie fester Form oder zusätzliche Phosphatquellen zugesetzt werden. Zudem ist das Verfahren für unterschiedliche Aschen geeignet. Anschließend wird die Suspension granuliert, sodass am Ende phosphorhaltiger Dünger entsteht. „Der so gewonnene Dünger entspricht den gesetzlichen Anforderungen und kann direkt in der Landwirtschaft verwendet werden", so Leidolph weiter.

Bisherige Probleme durch zweistufiges Verfahren gelöst
Ein wichtiger Vorteil des Verfahrens sei die einfache technische Umsetzbarkeit. Zudem würde kein Rohphosphat sowie weniger Energie benötigt, und es entstünden keine Abfälle. Hempel: „Die Grundidee des Verfahrens wird schon länger getestet. Doch bisher verhinderten technische Probleme, dass es auch eingesetzt wird." Unkontrollierte Reaktionen der einzelnen Bestandteile, die schwankende Qualität des Düngers und schneller verschleißende Anlagen hätten aufgrund des zweistufigen Aufbaus im Rahmen des Projektes beseitigt werden können. Darüber hinaus können Schwankungen in der Zusammensetzung der Klärschlammaschen einfach ausgeglichen werden, indem die Rezeptur angepasst werde. Das sichere eine gleichbleibend hohe Qualität. Nun seien die Projektpartner dabei, das Verfahren in die industrielle Anwendung zu überführen. Zudem soll getestet werden, ob beispielsweise auch Gülle oder andere Stoffe mithilfe des Verfahrens in Dünger umgewandelt werden können. „Mit dem neuen Verfahren kann wirkungsvoll eine Lücke im Phosphor-Kreislauf geschlossen werden, die einen nachhaltigen Umgang mit dem Stoff bisher erschwert hat", fasst Hempel zusammen.

Zum Hintergrund:
Phosphor ist Teil unserer Lebensgrundlage und kann nicht durch andere Stoffe ersetzt werden. Er fördert beispielsweise das Wachstum von Pflanzen, weshalb große Mengen davon als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Bisher wird Phosphor im Tagebau abgebaut. Doch das hat große Auswirkungen auf die Umwelt, findet häufig in Ländern mit schwieriger politischer Lage statt und benötigt viel Energie. Zudem ist er häufig mit Schadstoffen belastet. Über unsere Nahrung landet ein großer Teil des Phosphors schließlich im Klärschlamm. Dieser kann jedoch nicht mehr ohne weiteres in der Landwirtschaft wiederverwendet werden, da er häufig zu viele Schadstoffe enthält. Zwar gibt es alternative Rückgewinnungs-Verfahren. Sie benötigen bisher jedoch große Mengen Chemikalien und Energie.
So lange Phosphor nicht wiederverwendet wird, besteht die Gefahr, eine der von internationalen Experten definierten Belastungsgrenzen des Erdsystems zu überschreiten und die Chance zu verpassen, die 2015 beschlossenen globalen nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen langfristig zu erreichen. Sie sollen eine nachhaltige Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene sichern.

Weitere Informationen:
https://www.dbu.de/123artikel37663_2442.html

Quelle: idw

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Biomasseforschungszentrum skizziert Änderungsvorschläge für das Ausschreibungsdesign im EEG 2017

Paul Trainer M.A. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Biomasseforschungszentrum

Mit der aktuellen Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurde die zukünftige Förderung von Biomasseanlagen und anderen erneuerbaren Energieträgern auf ein Ausschreibungsverfahren umgestellt. Obwohl das Volumen von ca. 122 MWel installierter Leistung in der ersten Ausschreibungsrunde nicht vollständig ausgeschöpft wurde, lassen sich aus den ersten Erfahrungen bereits konkrete Vorschläge zur Verbesserung des Ausschreibungsdesigns ableiten. In einer jetzt vorgelegten Stellungnahme haben Wissenschaftler des DBFZ insgesamt sechs Änderungsvorschläge skizziert, welche auch Vorschläge von Verbänden aus der Bioenergiebranche berücksichtigen.

Im September 2017 wurde im Rahmen des novellierten Erneuerbare-Energien-Gesetzes die erste Ausschreibungsrunde für Bioenergieanlagen durchgeführt. Unter anderem aufgrund der langen durchschnittlichen Vergütungs-Restlaufzeit der meisten Bioenergieanlage, zeigte sich, dass das Interesse bislang noch verhalten ist. Das Ausschreibungsvolumen betrug ca. 122 MWel installierte Leistung. Von 33 Geboten mit einem Volumen von rund 41 MWel erhielten 24 Gebote mit einem Volumen von rund 28 MWel einen Zuschlag.

Obwohl das Volumen in der ersten Ausschreibungsrunde folglich nicht ausgeschöpft wurde, lassen sich aus den ersten Erfahrungen bereits konkrete Änderungsvorschläge zur Verbesserung des Ausschreibungsdesigns ableiten. So fordert das DBFZ in der jetzt vorgelegten Stellungnahme u.a. eine Verhinderung des Abbruchs der Flexibilisierung von Bestandsanlagen, die Erhöhung des Wettbewerbs im Ausschreibungsverfahren, eine Förderung der Güllevergärung außerhalb des Ausschreibungsverfahrens sowie die Verlängerung des Ausbaukorridors mit dem Ziel, den Technologiepfad zu erhalten. Auch eine Förderung von Kleinanlagen sowie ein Anreize zur Sektorkopplung sollten im Zuge der nächsten Novellierung angestrebt werden.

"Das Ziel des Ausschreibungsdesigns muss sein, den Wettbewerb innerhalb der Ausschreibungen für Biomasseanlagen zu erhöhen und Perspektiven für die Entwicklung des Anlagenbestands aufzuzeigen. Die Politik muss sich entscheiden, wie die Bioenergie im Rahmen des EEG weiterentwickelt werden soll. Sowohl für den möglichen Ausbau zur Flexibilisierung von Biogasanlagen als auch dem Ausbaupfad nach 2022 muss der politische Rahmen festgelegt werden", so Mattes Scheftelowitz, einer der Autoren der Stellungnahme.

Download:
Das Dokument des DBFZ kann unter dem folgenden Link heruntergeladen werden:
www.dbfz.de/referenzen-publikationen/statements

Hintergrund EEG:
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) regelt seit dem Jahr 2000 den Ausbau der erneuerbaren Energien und wurde seither in mehreren Stufen novelliert. Ziel ist es, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromversorgung bis zum Jahr 2050 auf bis zu 80 Prozent zu steigern. Deutschland hatte im Jahr 2016 ca. 7,2 GW installierter elektrischer Leistung von Biomasseanlagen im EEG, die insgesamt 41 TWhel Strom produziert haben. 2017 sind geschätzte 200 Anlagen hinzugekommen - vor allem im Kleinanlagenbereich, der außerhalb der Ausschreibungsverpflichtung liegt. Bedingt durch die politischen Rahmenbedingungen und das aktuelle EEG 2017 gehen Schätzungen des DBFZ aktuell von einer Absenkung der Stromerzeugung von derzeit 33 TWh (2017) auf unter 40 % im Jahr 2035 aus.

Smart Bioenergy - Innovationen für eine nachhaltige Zukunft
Das Deutsche Biomasseforschungszentrum arbeitet als zentraler und unabhängiger Vordenker im Bereich der energetischen und stofflichen Biomassenutzung an der Frage, wie die begrenzt verfügbaren Biomasseressourcen nachhaltig und mit höchster Effizienz und Effektivität zum bestehenden und zukünftigen Energiesystem beitragen können. Im Rahmen der Forschungstätigkeit identifiziert, entwickelt, begleitet, evaluiert und demonstriert das DBFZ die vielversprechendsten Anwendungsfelder für Bioenergie und die besonders positiv herausragenden Beispiele gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Mit der Arbeit des DBFZ soll das Wissen über die Möglichkeiten und Grenzen einer energetischen und integrierten stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe in einer biobasierten Wirtschaft insgesamt erweitert und die herausragende Stellung des Industriestandortes Deutschland in diesem Sektor dauerhaft abgesichert werden - www.dbfz.de.

Wissenschaftlicher Kontakt:
Mattes Scheftelowitz
Tel.: (0)341 2434-592
E-Mail: mattes.scheftelowitz@dbfz.de

Pressekontakt:
Paul Trainer
Tel.: (0)341 2434-437
E-Mail: paul.trainer@dbfz.de

Weitere Informationen:
https://www.dbfz.de/presse/pressemitteilungen-2018/biomasseforschungszentrum-ski...
https://www.dbfz.de/referenzen-publikationen/statements

Quelle: idw

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Molekül identifiziert, das anfällig für Magersucht macht

Anke Schlee Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Psychiatrie

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPI) haben ein Molekül in der Plazenta identifiziert, das dafür verantwortlich sein könnte, dass Nachkommen, deren Mutter während der Schwangerschaft Stress ausgesetzt waren, an Magersucht erkranken.

Die Anfälligkeit für Essstörungen wurde oft mit Stress in der frühen Kindheit in Verbindung gebracht. Stress allein führt jedoch nicht zwangsläufig zu einer Essstörung, es ist vielmehr eine Kombination aus Veranlagung und einer Vielzahl von Faktoren aus dem frühen Leben, die zur Erkrankung führt.

In einer Studie, die kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht wurde, liefern Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie entscheidende biologische Einblicke in diese Krankheit. Mariana Schroeder, Autorin der Studie und Projektgruppenleiterin im Team von Alon Chen, dem Geschäftsführenden Direktor des MPI, ging davon aus, dass die Anfälligkeit für Anorexie bereits im Mutterleib entsteht. Sie testete heranwachsende Mäuse mit einem Modell, das aktivitätsbasierte Magersucht nachbildet, indem es den Tieren die Wahl zwischen Bewegung und Fressen lässt. Im Ergebnis zeigten weibliche Mäuse eine hohe Anfälligkeit für aktivitätsbasierte Magersucht, sie zogen die Bewegung dem Fressen vor. Schroeder ergänzt: „Interessanterweise haben sich die weiblichen Mäuse in zwei Gruppen geteilt, wenn sie dem Aktivitätsmodell ausgesetzt wurden. Ungefähr 40 Prozent wurden magersüchtig, die anderen 60 Prozent nicht. Die Männchen waren weitgehend resistent." Schröder fährt fort: „Erstaunlicherweise unterband pränataler Stress diese Anfälligkeit."

Im nächsten Schritt wollten die Wissenschaftler den molekularen Mechanismus identifizieren, der dieser Programmierung in der Schwangerschaft zugrunde liegt. Dazu untersuchten sie die micro-RNA-Niveaus in der Plazenta. - Micro-RNA´s sind Moleküle, die wichtig für die Genregulation sind. - Eine micro-RNA stach besonders hervor, die so genannte miR-340. Diese war bei Weibchen hochgradig variabel, während sie in der Plazenta männlicher Nachkommen kaum nachweisbar war.

Die Forscher manipulierten die Expression dieser micro-RNA künstlich, um ihren Anteil in der Plazenta zu erhöhen. Daraufhin stieg die Anfälligkeit für Magersucht sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Mäusen an. MiR-340 beeinflusste den Nährstofftransfer von der Mutter auf den Fötus indirekt und veränderte dabei das Gehirn des Fötus.

Chen, folgert daraus: „Diese Studie liefert bedeutsame Einblicke in die frühe Entstehung dieser kaum verstandenen Essstörung."

Magersucht, lateinisch anorexia nervosa, ist eine Essstörung, die durch selbstauferlegtes Hungern geprägt ist. Sie tritt häufig erstmals im Teenageralter oder im jungen Erwachsenenalter auf und zwar etwa zehnmal so oft bei Frauen wie bei Männern. Von allen psychischen Erkrankungen zeigt sie die höchste Sterblichkeitsrate. Trotzdem weiß man wenig darüber. Ihre Behandlung führt daher auch nur selten zur vollständigen Genesung.

Weitere Informationen:
http://www.psych.mpg.de/2365972/pm1618-magersucht

Quelle: idw

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Das Klärwerk der Zukunft - Abwasser als Energiequelle

Dr.-Ing. Bodo Weigert Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
KompetenzZentrum Wasser Berlin gGmbH (KWB)

Nach dreijähriger Forschungsarbeit und Praxisuntersuchungen unter der Leitung des Kompetenzzentrums Wasser Berlin stellt das Projekt POWERSTEP gemeinsam mit 15 europäischen Partnern aus Forschung und Industrie seine Ergebnisse vor. Die Untersuchungen haben gezeigt, dass in häuslichem Abwasser enthaltene Energiepotenziale umfangreicher als bisher mit schon heute verfügbaren Technologien genutzt werden kann. Mit diesen Erkenntnissen können Kläranlagen vom Energievernichter zum Energieproduzenten umgestaltet werden.

In Deutschland wird Abwasser fast flächendeckend in öffentlichen Kläranlagen gereinigt. Für den Betrieb wird Energie in der Größenordnung von zwei Großkraftwerken benötigt. Abwässer enthalten jedoch viel chemische Energie, die umgerechnet einer Leistung von 12 Großkraftwerken entspricht. Um diese Energiequelle richtig nutzen und verwerten zu können, wurden im Projekt POWERSTEP in sechs über Europa verteilten Klärwerken mit Fallstudien verschiedene neue Konzepte der Abwasserreinigung aber auch Energieverwertung untersucht. Die Reinigungsleistung der Klärwerke sollte dabei nicht beeinträchtigt werden.

Der Koordinator des Vorhabens POWERSTEP am Kompetenzzentrum Wasser Berlin, Dr. Christian Loderer, erklärt: „POWERSTEP hat gezeigt, dass eine signifikante Erzeugung von Energie aus Abwasser mit bereits heutige am Markt verfügbaren Technologien keine Vision mehr ist."

Die Bedeutung der Ergebnisse von Powerstep für Europa wurde kürzlich in einem Fersehinterview mit Dominique Ristori, dem Generaldirektor der Generaldirektion Energie der europäischen Union, besonders gewürdigt.

POWERSTEP Projektvolumen: 5.2 Millionen Euro; 15 Partner; Laufzeit: 2015-2018.
POWERSTEP wird gefördert im Europäischen Programm für Forschung und Innovation „Horizon 2020" unter dem Förderkennzeichen n°641661.

Dr. Christian Loderer, Koordinator POWERSTEP, Ansprechpartner für technische Fragen
Kompetenzzentrum Wasser Berlin gGmbH
+49 176 20106787
Christian.Loderer@kompetenz-wasser.de

Weitere Informationen:
http://powerstep.eu/powerstep-final-conference

Anhang
Presseinformation: Das Klärwerk der Zukunft - EU-Verbundvorhaben POWERSTEP hat neue Verfahren zur Nutzung von Abwasser als Energiequelle getestet
https://idw-online.de/de/attachment65511

Quelle: idw

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Männer und Frauen wünschen sich oft kürzere Arbeitszeiten

Wolfgang Braun Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

50 Prozent der männlichen und gut 40 Prozent der weiblichen Beschäftigten würden ihre Arbeitszeit gerne um mindestens 2,5 Wochenstunden verkürzen. Überdurchschnittlich häufig wollen Beschäftigte mit höheren Bildungsabschlüssen und größerer beruflicher Autonomie weniger arbeiten. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

„Gerade in anspruchsvollen Jobs besteht ein hohes Risiko, in Wochenstundenzahlen hineinzurutschen, die man eigentlich nicht wollte", erklärt Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen". Flexible Arbeitszeitmodelle wie eine lebensphasenorientierte Arbeitszeitgestaltung, Langzeit-Arbeitszeitkonten sowie ein Recht auf Rückkehr in Vollzeit wären hier mögliche Lösungsansätze.

Mindestens 2,5 Stunden pro Woche länger arbeiten würden gerne 17 Prozent der weiblichen Beschäftigten. Oft stehen diesem Wunsch jedoch Haushaltsverpflichtungen sowie fehlende Kinderbetreuungsangebote entgegen. Eine partnerschaftliche Aufgabenteilung auch im Haushalt, umfassende und flexible Kinderbetreuungsmöglichkeiten sowie bessere steuerliche Anreize für eine Ausweitung der Erwerbstätigkeit von Ehefrauen könnten hier Veränderungen bringen, heißt es in der Studie. Derzeit würden das Ehegattensplitting und die Minijob-Regelungen einer Ausweitung der Arbeitszeiten von Frauen tendenziell entgegenwirken. Der Anteil der männlichen Beschäftigten, die mindestens 2,5 Stunden mehr arbeiten wollen, liegt bei knapp zehn Prozent. Männer geben als Grund für Teilzeitarbeit am häufigsten an, dass eine Vollzeitstelle nicht zu finden sei, wohingegen Frauen in Teilzeit insbesondere familiäre Verpflichtungen nennen.

Jeweils rund 40 Prozent der männlichen und weiblichen Beschäftigten sind mit dem Umfang ihrer Arbeitszeit zufrieden. Im Durchschnitt würden Männer gerne rund 37 Wochenstunden arbeiten, Frauen rund 30.

Die Daten zu den Arbeitszeitwünschen und den tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden stammen aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), einer jährlich durchgeführten Befragung von 30.000 Personen. Je nach Befragungsweise können die gemessenen Arbeitszeitdiskrepanzen variieren. Daher fallen sie beispielsweise im Mikrozensus geringer aus.

Weitere Informationen:
http://doku.iab.de/kurzber/2018/kb1318.pdf
https://twitter.com/iab_news

Quelle: idw

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Solanin in Kartoffeln: Grüne und stark keimende Knollen sollten aussortiert werden

Dr. Suzan Fiack Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

BfR erinnert an die üblichen Empfehlungen zur Lagerung und Zubereitung von Kartoffeln
Anlässlich eines Vergiftungsfalles durch ein Kartoffelgericht erinnert das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) an einen sachgerechten Umgang mit Kartoffeln. Glykoalkaloide, darunter Solanin als ein wichtiger Vertreter, sind natürliche Inhaltstoffe in der Kartoffel. Die Aufnahme einer bestimmten Menge an Glykoalkaloiden kann beim Menschen zu Vergiftungen führen. „Aus den letzten 100 Jahren sind nur wenige Vergiftungsfälle durch Kartoffelgerichte bekannt und dokumentiert", sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. „Um gesundheitliche Risiken zu vermeiden, sollten dennoch grüne und stark keimende Kartoffelknollen nicht verzehrt werden." Das BfR leitet auf Basis des aktuellen Kenntnisstandes einen vorläufigen NOAEL (No Observed Adverse Effect Level) von 0,5 Milligramm (mg) Glykoalkaloide pro Kilogramm (kg) Körpergewicht und Tag ab. Dies entspricht der höchsten Dosis, bei der keine unerwünschten gesundheitlichen Wirkungen beobachtet wurden. Um ein Überschreiten des NOAEL zu vermeiden, sollte der Glykoalkaloidgehalt in Speisekartoffeln bei unter 100 mg pro kg Frischgewicht liegen. Bisher werden im Allgemeinen Kartoffeln mit einem Glykoalkaloidgehalt von bis zu 200 mg pro kg als unbedenklich eingestuft.

Link zur Stellungnahme:
http://www.bfr.bund.de/cm/343/speisekartoffeln-sollten-niedrige-gehalte-an-glyko...

Um die Aufnahme an Glykoalkaloiden möglichst gering zu halten, erinnert das BfR an folgende übliche Empfehlungen im Zusammenhang mit der Lagerung und Zubereitung von Kartoffeln:

- Kartoffeln sollten kühl, dunkel und trocken gelagert werden
- Alte, eingetrocknete, grüne oder stark keimende Kartoffeln, sowie Kartoffelschalen als Snacks, die überwiegend aus Kartoffelschalen bestehen, sind für den Verzehr nicht geeignet
- Grüne Stellen und sogenannte „Augen" in Kartoffeln sollten großzügig entfernt werden
- Wenn Verbraucherinnen und Verbraucher die Schale mitessen wollen, sind hierfür grundsätzlich nur unverletzte, frische Kartoffeln geeignet
- Kartoffelgerichte sollten nicht verzehrt werden, wenn sie einen bitteren Geschmack aufweisen
- Insbesondere kleine Kinder sollten keine ungeschälten Kartoffeln essen
- Verbraucherinnen und Verbraucher sollten das Kochwasser von Kartoffeln nicht wieder verwenden
- Frittierfett für Kartoffelprodukte sollte regelmäßig gewechselt werden

Glykoalkaloide sind natürliche Inhaltsstoffe, die in Nachtschattengewächsen wie z. B. Kartoffeln enthalten sind. Sie reichern sich dabei insbesondere in grünen, keimenden und beschädigten Kartoffeln sowie in Kartoffelschalen an. In der Kartoffel finden sich insbesondere die beiden Glykoalkaloide α-Solanin und α-Chaconin. Sie dienen der Pflanze zur Abwehr von Schädlingen und Krankheitserregern. Beim Menschen äußern sich leichte Vergiftungen durch Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall, mitunter begleitet von Fieber. Bei schweren Vergiftungsfällen können zusätzlich Bewusstseinsstörungen, sehr selten bis zum vollständigen Bewusstseinsverlust, sowie weitere Störungen der Hirnfunktion, der Atmung oder des Kreislaufes auftreten. Einzelne tödliche Vergiftungen wurden in der Literatur berichtet. Aus den letzten 50 Jahren sind jedoch keine Todesfälle aufgrund von einer Vergiftung durch Glykoalkaloiden beschrieben worden. Darüber hinaus sind insgesamt nur wenige Vergiftungsfälle aus den letzten 100 Jahren bekannt und dokumentiert. Aufgrund der unspezifischen Symptome, insbesondere im Fall von leichteren Vergiftungen, könnte allerdings eine nicht unerhebliche Dunkelziffer bestehen.

Anlässlich eines Vergiftungsfalles durch ein Kartoffelgericht, bei dem im November 2015 eine Familie erkrankt war, nachdem sie ein Kartoffelgericht mit hohen Gehalten an Glykoalkaloiden verzehrt hatte, hat das BfR den Verzehr von Glykoalkaloiden über Speisekartoffeln bewertet. Das BfR leitet einen NOAEL (No Observed Adverse Effect Level - höchste Dosis, bei der keine unerwünschten gesundheitlichen Wirkungen beobachtet wurden) von 0,5 mg pro kg Körpergewicht und Tag ab. Um ein Überschreiten des NOAELmöglichst zu vermeiden, sollte der Glykoalkaloidgehalt von Speisekartoffeln bei unter 100 mg pro kg Frischgewicht liegen. Diese Empfehlungen sind angesichts der derzeitigen unvollständigen Datenlage als vorläufig zu betrachten. Zur Verbesserung der Datenlage bezüglich der bestehenden Glykoalkaloidgehalte in handelsüblichen Speisekartoffeln hat das BfR die Durchführung von entsprechenden Untersuchungen (Lebensmittelmonitoring) angeregt.

Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftlich unabhängige Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_solanin__glykoalkaloiden__in_k...
Fragen und Antworten zu Solanin

Quelle: idw

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Wenn Bakterien Häuser bauen

Dipl.-Geogr. Anja Wirsing Pressestelle des Forschungsverbundes Berlin e.V.
Forschungsverbund Berlin e.V.

Biofilme sind schleimartige Schichten an Grenzflächen, in denen Mikroorganismen hausen und widrigen Umweltbedingungen trotzen. Das Bakterium Bacillus subtilis baut diese Schutzhütten mit einer bisher unbekannten Strategie, wie ein Team um die Berliner Forscherinnen Anne Diehl vom Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP) und Yvette Roske vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) im Fachblatt PNAS berichtet.

Der wichtigste Baustein des Biofilms - das Protein TasA - wird überraschenderweise bereits im Zellinneren vorgeformt. Gelangt TasA nach außen, bilden diese Bausteine längere Ketten, sogenannte Fibrillen, die wie ein Grundgerüst bzw. Mauern den Biofilm stabilisieren.

Biofilme können auch für den Menschen eine Gefahr darstellen, da sie Krankheitserregern Schutz vor den Waffen des Immunsystems und Antibiotika bieten. Um die Ausbildung von Biofilmen zu hemmen und die Wirksamkeit von Antibiotika zu garantieren, ist es notwendig, die Struktur der Bausteine zu kennen.

TasA ist ein überraschend dynamisches Protein
Auf Anregung des B. subtilis-Experten Kürşad Turgay von der Universität Hannover haben die Berliner Forscherinnen die molekulare Struktur des wichtigsten Proteins in diesem Biofilm, TasA, nun gelöst. Anne Diehl aus der von Hartmut Oschkinat geleiteten Abteilung „NMR-unterstützte Strukturforschung" des FMP startete mit der Produktion von TasA und studierte die verschiedenen Erscheinungsformen des Proteins, die leicht ineinander übergehen.

Dabei tat sich dafür eine unerwartete Hürde auf: "Ich habe in den 32 Jahren meiner Berufstätigkeit auf dem Gebiet der Proteinstrukturforschung noch nie mit einem so dynamischen Protein gearbeitet. Bereits nach kurzer Zeit lagern sich die löslichen TasA-Proteine zusammen und erzeugen einen Gelee-artigen Zustand", so Anne Diehl im Rückblick auf die erfolgreiche Charakterisierung der einzelnen Zustände.

Ein robuster Kern mit flexiblen Schlaufen
Einen möglichen Grund fand Yvette Roske aus der Abteilung „Makromolekulare Strukturen und Interaktionen" des MDC, geleitet von Udo Heinemann. Ausgehend von frisch gereinigtem TasA züchtete sie Kristalle, analysierte diese mittels hochenergetischer Röntgenstrahlung am BESSY in Berlin-Adlershof und entschlüsselte so die dreidimensionale Faltung des Proteins.

„Es zeigte sich, dass die Struktur von TasA in weiten Bereichen hoch geordnet ist. Ein großer Anteil an ß-Faltblatt-Elementen verleiht dem Protein einen robusten Kern, der jedoch mit flexiblen Schlaufen dekoriert ist", fasst Yvette Roske ihre Erkenntnisse zusammen.

Interessanterweise gehört die Aminosäure Arginin nicht zu den Bestandteilen von TasA. Durchschnittlich bestehen Proteine zu 10 % aus dieser basischen Aminosäure, das ist doppelt so viel, wie eine statistische Verteilung aller 20 vorkommender Aminosäuren erwarten lässt. „Dass ein Protein gänzlich auf diesen Grundbaustein verzichtet, muss einen Grund haben", erläutert Anne Diehl.

Arginin dient häufig als Ansatzpunkt für Proteasen - Enzyme, die andere Proteine zerschneiden. Die Abwesenheit von Arginin erklärt möglicherweise die außerordentliche Stabilität von TasA gegenüber Proteasen und macht dieses Protein damit zu einem robusten Stützpfeiler des schützenden Biofilms.

TasA könnte erklären, warum Bacillus subtilis nicht pathogen ist
Dabei ähnelt die Aminosäureabfolge in TasA einer Protease mit Namen Camelysin, die viele pathogene Bacillus-Stämme an Stelle von TasA als Grundgerüst für ihre Biofilme nutzen. Die Struktur von TasA erlaubte daher die Konstruktion eines Modells für Camelysin. "Unser Strukturmodell für Camelysin zeigt, dass die dreidimensionale Faltung der beiden Proteine mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr ähnlich ist", sagt Yvette Roske. Doch während das Camelysin des Milzbrand-Erregers B. anthracis eine Protease ist, fehlt dem TasA des harmlosen B. subtilis diese Eigenschaft. TasA scheint im Laufe der Evolution diese enzymatische Aktivität und damit seine Pathogenität verloren zu haben.

Die Erforschung der Biofilme geht nun in die nächste Phase. Mit Hilfe der Festkörper-NMR konnten die Teams vom FMP und MDC bereits zeigen, dass sich zuvor ungeordnete flexible Teile von TasA neu ausrichten, wenn sich die Bausteine zu Fibrillen zusammenlagern. Weitere Untersuchungen der Fibrillen sollen dazu beitragen, die Stabilität der Biofilme besser zu verstehen und vielleicht sogar neue Ansätze im Kampf gegen Krankheitserreger zu finden.

Quelle:
Anne Diehl, Yvette Roske, Linda Ball, Anup Chowdhury, Matthias Hiller, Noel Molière, Regina Kramer, Daniel Stöppler, Catherine L. Worth, Brigitte Schlegel, Martina Leidert, Nils Cremer, Natalja Erdmann, Daniel Lopez, Heike Stephanowitz, Eberhard Kraus, Barth-Jan van Rossum, Peter Schmieder, Udo Heinemann, Kürşad Turgay, Ümit Akbey, and Hartmut Oschkinat. Structural changes of TasA in biofilm formation of Bacillus subtilis, PNAS 12. März 2018, DOI 10.1073/pnas.1718102115

Kontakt:
Prof. Dr. Hartmut Oschkinat
Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
oschkinat@fmp-berlin.de
Tel. +49 30 94793-160
www.leibniz-fmp.de/oschkinat

Dr. Anne Diehl
Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
diehl@fmp-berlin.de
Tel. +49 30 94793-310

Öffentlichkeitsarbeit
Silke Oßwald
Leibniz-Forschungsinstitut für Molekulare Pharmakologie (FMP)
osswald@fmp-berlin.de
Tel. +49 30 94793-104

Das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie (FMP) gehört zum Forschungsverbund Berlin e.V. (FVB), einem Zusammenschluss von acht natur-, lebens- und umweltwissenschaftlichen Instituten in Berlin. In ihnen arbeiten mehr als 1.900 Mitarbeiter. Die vielfach ausgezeichneten Einrichtungen sind Mitglieder der Leibniz-Gemeinschaft. Entstanden ist der Forschungsverbund 1992 in einer einzigartigen historischen Situation aus der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR.

Weitere Informationen:
http://www.pnas.org/content/early/2018/03/07/1718102115
http://www.leibniz-fmp.de/oschkinat

Quelle: idw

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KIT: Wasseraufbereitung: Neues Verfahren eliminiert Hormone

Monika Landgraf Strategische Entwicklung und Kommunikation - Gesamtkommunikation
Karlsruher Institut für Technologie

Hormone und andere Mikroschadstoffe gefährden die Gesundheit, wenn ihre Rückstände über das Trinkwasser in den Körper gelangen. Breit einsetzbare Lösungen zu ihrer Beseitigung gibt es bislang aber nicht. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat nun ein Verfahren entwickelt, mit dem Hormone schnell und energieeffizient aus dem Abwasser eliminiert werden können. Die Forschungsergebnisse sind im Journal of Hazardous Materials publiziert.

„Die Verunreinigung des kommunalen Trinkwassers mit Mikroschadstoffen könnte sich zu einer der größten Herausforderungen für den Schutz unserer Gesundheit und Umwelt entwickeln", erklärt Professorin Andrea Schäfer von der Membrantechnologie am Institut für funktionelle Grenzflächen (IFG). Die Expertin und ihr Team führen Studien zur Beseitigung der Hormone Estrone, Estradiol, Progesteron und Testosteron durch. Ihr Anteil in einem Liter Wasser, in das behandelte Abwässer eingeleitet werden, beträgt rund 100 Nanogramm. „Das gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen", sagt Schäfer. „Und doch sind diese Hormone in solchen Konzentrationen wirksam". Die geringe Konzentration und Größe der Hormon-Moleküle erschweren nicht nur ihren Nachweis mittels analytischer Verfahren, sondern vor allem auch ihre Beseitigung.

Ein neues, in der Membrantechnologie entwickeltes Verfahren verbindet die Vorteile der Adsorption (Bindung) von Mikroschadstoffen durch eine von einem Industriepartner gefertigte Aktivkohle mit denen der Ultrafiltration von Schadstoffpartikeln durch eine semipermeable Membran. In einem integrierten System wird das Abwasser zunächst durch eine Polymermembran „gedrückt", die Mikroorganismen und größere Verunreinigungen herausfiltert. Dahinter liegt eine Schicht aus spezieller Aktivkohle, die ursprünglich für Luftfilter entwickelt wurde. Ihre Oberfläche hat nicht nur eine besondere Affinität gegenüber Hormonen, das heißt die Kohlenstoff- und Hormonmoleküle gehen leicht Verbindungen ein. Sie bietet auch die Kapazitäten, um große Wassermengen durchfließen zu lassen und viele Moleküle zu binden. Dies alles geschieht mit sehr viel weniger Energie als bei Alternativverfahren wie der Umkehrosmose.

„Die spezielle Konfiguration aus aktiviertem Kohlenstoff und einer Polymermembran ist wasserabweisend, erlaubt dank der großen spezifischen Oberfläche der eingesetzten Kohlenstoffpartikel einen hohen Wasserdurchfluss und sie arbeitet schnell und energiesparsam", fasst Schäfer die Vorteile zusammen. Die Adsorptionsschicht ist mit rund zwei Millimetern extrem dünn, sorgt aber für eine Beseitigung von Hormonmolekülen in einer realistischen Größenordnung. In Laborversuchen hat sich gezeigt, dass mit diesem Verfahren bei einem Inhalt von neun Litern Wasser und einer sehr kleinen Membranfläche von 38 Quadratzentimetern 60 Prozent der hormonellen Schadstoffe eliminiert werden können. Abhängig von der Dicke der Adsorptionsschicht kann dieser Wert auf bis zu 90 Prozent steigen.

„Wir glauben, dass wir eine vielversprechende Technologie entwickelt haben, mit der wir bei der Elimination von hormonellen Mikroschadstoffen aus Wasser einen großen Schritt weiter kommen", betont Matteo Tagliavini, Doktorand in Schäfers Gruppe und Mitautor der aktuellen Publikation. Die Kompositmembran ist flexibel und in unterschiedlichen Modulen einsetzbar. Damit eignet sie sich für industrielle Großanlagen ebenso wie für Anwendungen in kleinerem Maßstab bis hin zum häuslichen Wasserhahn. Dass das eingesetzte Material bereits zugelassen ist, erleichtert die Überführung des neuen Verfahrens in die Praxis. Ein erstes Industrieprojekt ist bereits in Planung.

Weitere Informationen:
http://mt.ifg.kit.edu

Originalpublikation:
https://doi.org/10.1016/j.jhazmat.2018.03.032

Weiteres Material:
Veröffentlichung im Journal of Hazardous Materials:
https://doi.org/10.1016/j.jhazmat.2018.03.032

Weiterer Kontakt:
Tu-Mai Pham-Huu, Redakteurin/Pressereferentin, Tel.: +49 721 608-48122, E-Mail: tu-mai.pham-huu@kit.edu

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft" schafft und vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie, Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. Seine 25 500 Studierenden bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: http://www.sek.kit.edu/presse.php

Weitere Informationen:

http://www.sek.kit.edu/presse.php
https://doi.org/10.1016/j.jhazmat.2018.03.032
https://doi.org/10.1016/j.jhazmat.2018.03.032
http://mt.ifg.kit.edu
http://tu-mai.pham-huu@kit.edu

Anhang
Wasseraufbereitung: Neues Verfahren eliminiert Hormone
https://idw-online.de/de/attachment65518

Quelle: idw

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LED-Sitzhocker gegen Rückenschmerzen

Britta Widmann Kommunikation
Fraunhofer-Gesellschaft

Stundenlanges Sitzen - sei es im Büro, in der Schule, im Auto oder auf der Couch - schadet. Rückenschmerzen, Fettleibigkeit, Diabetes und andere Krankheiten sind die Folge von Bewegungsmangel. Wichtig ist es daher, dynamisches Sitzen in den Alltag zu integrieren. Fraunhofer-Forscher demonstrieren auf der MS Wissenschaft, wie man dies mit den entsprechenden Hilfsmitteln trainieren kann. Der Spaß bleibt dabei nicht auf der Strecke.

Viele Menschen verbringen einen Großteil ihres Tages im Sitzen: Beim Essen, bei der Fahrt zum Arbeitsplatz, bei Meetings und Schreibarbeiten im Büro, beim Fernsehen, im Kino. Doch wer sich zu wenig bewegt, erhöht sein Risiko für viele Erkrankungen. Durch das lange Sitzen entstehen Verspannungen und Haltungsschäden. Die wiederum lösen Rückenschmerzen aus, ein Großteil der deutschen Bevölkerung leidet darunter. Betroffene sitzen oftmals verkrümmt, dadurch werden die Muskeln noch mehr belastet - ein Teufelskreis. Aber auch Herz-Kreislauf-Probleme, Übergewicht und Bluthochdruck können auf das Konto eines inaktiven Lebensstils gehen.

Personal Trainer für gesundes Sitzen
Um den Teufelskreis aus Schmerzen und schlechter Sitzhaltung zu durchbrechen, helfen nur aktive und bewusste Bewegungen im Sitzen und im Stehen. Um diese gezielt zu unterstützen, haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und für Silicatforschung ISC einen Personal Trainer für gesundes Sitzen und Bewegen konzipiert. Die Technologieentwicklung liegt beim Fraunhofer ISC, die Produktentwicklung beim Fraunhofer IAO.

Ein mit Sensoren und Leuchtdioden ausgestatteter Sitzhocker gibt per Farbsignal oder alternativ über eine App Feedback, ob man ergonomisch sitzt. »Durch viele Interviews mit Betroffenen, Firmen und Experten haben wir herausgefunden, dass ein starker Bedarf nach Hilfsmitteln besteht, die die Rückengesundheit beim Sitzen unterstützen. Wichtig ist, dass man ein wenig Zeit investieren muss«, erläutert Truong Le, Wissenschaftler am Fraunhofer IAO, die Grundidee des LED-Sitzhockers.

Drucksensoren erkennen die Gewichtsverteilung
In der Standard-Funktion erkennen mehrere Drucksensoren anhand der Gewichtsverteilung in der Sitzfläche die Haltung, also z. B. schiefes oder zu langes Sitzen in derselben Position. Die Auswertung der Daten wird auf einen PC, Laptop, Tablet oder Smartphone übertragen. Dann erfolgt eine Erinnerung über ein Feedback in der Sitzfläche. Auf Wunsch erscheint eine Anzeige am Bildschirm oder auch eine Statistik über einen bestimmten Zeitraum. Ein Video zeigt, dass die Sitzhaltung beziehungsweise die Neigung des Körpers als empfindlich erkannt wird. Gegebenenfalls erfolgt eine konkrete Aufforderung, sich zu bewegen. Per Videoanleitung kann man bestimmte Bewegungsübungen durchführen, die die Sensoren ebenfalls registrieren.

Bei den Drucksensoren handelt es sich um weiche, sensible Sensoren, die sich in unterschiedlichste Umgebungen integrieren, etwa in Matten, Autositze, aber auch in die Fahrzeugdecke oder das Lenkrad. Sie senden elektrische Impulse aus, um Dinge zu steuern. Zu diesem Zweck sind sie wie ein elektrischer Kondensator aufgebaut: Zwei Elektrodenschichten aus leitfähigem Silikon unten und oben, eine isolierende Folienschicht dazwischen.

Auf der MS Wissenschaft präsentieren die Forscher vom Fraunhofer IAO eine spezielle Variante des intelligenten Sitzhockers. Eine bewegungs- und gleichzeitig spaßorientierte Anwendung erfahren spielorientierte Nutzer durch die Funktion des Hockers mit Bewegungsspielen. Von den Sensoren aufgenommene Hüftbewegungen werden hier dazu genutzt, ein Ping-Pong-Spiel am Bildschirm mit dem Gesäß zu steuern.

Weitere Informationen:
https://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2018/Mai/LED-Sitzhocker-...

Quelle: idw

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Studie der Hochschule Fresenius zeigt: Muskulöse Männer haben bessere Karrierechancen

Melanie Hahn Presse & Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Fresenius

Gibt es bei Männern einen Zusammenhang zwischen dem Streben nach Muskulösität und dem Karriereerfolg? Das hat Dr. Dominic Gansen-Amman in einer experimentellen Studie mit 115 Studierenden der Psychologie (B.Sc.) an der Hochschule Fresenius, Fachbereich Wirtschaft & Medien, untersucht. Der Psychologe präsentierte das Ergebnis im Rahmen der diesjährigen Kölner Wissenschaftsrunde im Fitnessstudio „Point of Power".

Wer seine Karriere vorantreiben will, kann sich beispielsweise coachen lassen oder Ratgeber lesen. Dass auch ein Besuch im Fitnessstudio besonders für Männer in wirtschaftsnahen Tätigkeitsfeldern hilfreich sein kann, scheint zunächst absurd. Doch das für den Muskelaufbau notwendige körperliche Training kann mit einem hohen Maß an Leistungsorientierung und Selbstmanagement einhergehen - Eigenschaften, die auch in der Berufswelt gefragt sind. Ob die Zuschreibungen dieser Attribute auch tatsächlich zu besseren Chancen auf der Karriereleiter führen, dieser Frage ist Dr. Dominic Gansen-Amman, Studiengangsleiter für Psychologie (B.Sc.), in seiner aktuellen Studie nachgegangen. In einem experimentellen Forschungsdesign sollten die Probanden Begriffe, die für eine erfolgreiche Berufslaufbahn stehen - wie Gewissenhaftigkeit oder Geselligkeit - Fotos von muskulösen und nicht-muskulösen Männern zuordnen. Das Ergebnis: Die Versuchsteilnehmer wiesen karriereförderliche Merkmale eher muskulösen Männer zu.

„Dies liegt daran, dass körperliche Aktivität und Muskulösität mit Eigenschaften einhergehen können, die im Arbeitskontext leistungsförderlich sind und für Arbeitgeber wünschenswert erscheinen. Zum Beispiel: ein besserer körperlicher und psychischer Gesundheitszustand, höhere Kreativität und geistige Flexibilität, Leistungs- und Wettbewerbsorientierung, höhere Gewissenhaftigkeit und niedrigerer Neurotizismus", erklärt Gansen-Ammann. Man müsse jedoch zwischen einem ungesunden Muskulösitätsstreben, das pathologische Züge aufweise, und einem gesunden unterscheiden. Übertreiben es Männer mit dem Muskelaufbau, führe dies nicht zu besseren Karrierechancen. Der Psychologe rät: „Demonstrieren Sie auf angemessene Art und Weise, dass Sie sich körperlich fit halten. Als aktiver Mitarbeiter werden Sie wahrscheinlich in besserem Licht dastehen als inaktive Kollegen."

Der Diplomwissenschaftler und Mitgründer von „Point of Power", Till Ebener, empfiehlt für Einsteiger ein moderates, aber regelmäßiges Training. „Wer etwas für seinen Körper tun möchte, der sollte mit den Grundlagen beginnen, um die Basis für ein erfolgreiches Training zu schaffen. Wichtige Komponenten sind: ein gut ausgearbeiteter Trainingsplan, die nötige Lust, die richtige Ernährung, aber auch Zeit, um sich wieder zu regenerieren", so Ebener.
Weitere Informationen:

http://www.hs-fresenius.de

Quelle: idw

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„Stressfresser" aus dem Kuhstall - Landbewohner mit Nutzierkontakt können Stress besser bewältigen

Andrea Weber-Tuckermann Pressestelle
Universität Ulm

Was macht das Landleben eigentlich so gesund? Die dörfliche Ruhe, die frische Luft oder die intakte Nachbarschaft? Wissenschaftler der Universität Ulm haben darauf eine ganz andere Antwort: Landbewohner mit engem Kontakt zu Nutztieren können Stresssituationen immunologisch viel besser bewältigen als Großstädter, die ohne Haustiere aufgewachsen sind. Hilfe bekommen sie dabei von den „old friends" unter den Mikroben.

Was macht das Landleben eigentlich so gesund? Die dörfliche Ruhe, die frische Luft oder die intakte Nachbarschaft? Wissenschaftler der Universität Ulm haben darauf eine ganz andere Antwort: Landbewohner mit engem Kontakt zu Nutztieren können Stresssituationen immunologisch viel besser bewältigen als Großstädter, die ohne Haustiere aufgewachsen sind. Hilfe bekommen sie dabei von den „old friends" unter den Mikroben. „Damit gemeint sind Umweltbakterien, mit denen der Mensch seit Jahrtausenden recht friedlich zusammenlebt, und die es in der Großstadt heute schwer haben", erklärt Professor Stefan Reber, Leiter der Sektion für Molekulare Psychosomatik an der Ulmer Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Der Ulmer Wissenschaftler hat gemeinsam mit Kollegen aus dem Universitätsklinikum Ulm und Forschern aus Erlangen, London und Boulder (Colorado) herausgefunden, dass Männer, die die ersten 15 Lebensjahre auf einem Bauernhof mit Nutztierhaltung aufgewachsen sind, psychosozialen Stress besser verarbeiten können als Männer, die die ersten 15 Lebensjahre in einer Großstadt mit über 100 000 Einwohnern und ohne Haustiere verbracht haben. Für ihre Studie, die kürzlich im renommierten Fachmagazin PNAS veröffentlicht wurde, haben die Forscher insgesamt 40 gesunde männliche Probanden einem Stresstest unterzogen und begleitend dazu Stresshormone und immunologische Parameter erhoben. „Gestresst" wurden die Probanden in einem standardisierten Laborexperiment mit dem sogenannten „Trier-Social-Stress-Test" (TSST). Dabei werden die Versuchsteilnehmer einer fingierten Bewerbungssituation ausgesetzt und mehr und mehr unter Druck gesetzt. Sie müssen zwischendurch Kopfrechenaufgaben lösen und bei Fehlern erneut von vorne beginnen. Vor und nach dem Test haben die Wissenschaftler Blut- und Speichelproben entnommen, um bestimmte Immunzellen wie mononukleäre Zellen des peripheren Blutes (PBMC) zu gewinnen oder Stressparameter wie Cortisol zu erfassen.

Dabei kam heraus, dass die „Landbewohner" im Test zwar einerseits höhere Stresswerte zeigten als die „Großstädter"; dabei waren sowohl die basalen Stresshormonlevel höher als auch das im Fragebogen abgefragte subjektive Stressempfinden. Andererseits ließ sich das Immunsystem der „Landbewohner" nicht so stark zu einer Reaktion provozieren wie das der „Großstädter", die in ihrer Kindheit keinen Kontakt zu Tieren hatten. So war bei den Probanden, die in der Großstadt ohne Tiere aufgewachsen sind, nicht nur der stressinduzierte PBMC-Anstieg größer, sondern auch die Werte für den Entzündungsmarker Interleukin 6 blieben länger erhöht als bei der Vergleichsgruppe.
Und ein weiteres klares Indiz, dass das Immunsystem der „Landbewohner" Stress besser verkraftet, fanden die Wissenschaftler. Dafür wurden die isolierten mononukleären Zellen des peripheren Blutes auf die Ausschüttung des Entzündungshemmers Interleukin 10 untersucht. Das Ergebnis: nach dem Stresstest war bei den tierlosen Städtern die Abgabe dieser antientzündlich wirkenden Substanz deutlich verringert, nicht jedoch bei den nutztiernahen Ländlern.

Für die Gesundheit sind überschießende Immunantworten ein Problem, weil diese häufig zu chronischen Entzündungsreaktionen führen. „Solche Prozesse spielen beispielsweise bei der Entstehung von Asthma und allergischen Erkrankungen eine Rolle, vergrößern aber auch das Risiko für psychische Erkrankungen wie beispielsweise Depressionen und Posttraumatische Belastungsstörungen, erläutert der Ulmer Psychoneuroimmunologe Stefan Reber.
Schon länger ist bekannt, dass die Anfälligkeit für Asthma und Allergien sowie für psychische Erkrankungen bei Menschen, die in der Großstadt leben, überdurchschnittlich hoch ist. Mit dem globalen Trend zur Verstädterung - immer mehr Menschen zieht es vom Land in die Metropolen - gewinnt dieser Befund noch an Brisanz. Dass dabei der fehlende Kontakt zu bestimmten Bakterien eine Schlüsselrolle spielt, wie die sogenannte „missing microbes"-Hypothese besagt, wird in der Forschung seit ein paar Jahren vermutet. In einem früheren Experiment mit Mäusen konnte ein Forscherteam um Professor Reber bereits zeigen, dass sich die Stressresilienz der Tiere durch die „Impfung" mit solchen altbekannten Umweltbakterien verbessern lässt. Schön wäre es natürlich, wenn sich die Ergebnisse von der Maus auf den Menschen übertragen ließen. Möglicherweise könnte eine solche Impfung in Zukunft auch bei menschlichen Risikogruppen funktionieren. Ob es in der Stadt vielleicht auch der frühe Kontakt mit Haustieren tut, wollen die Wissenschaftler in einer Folgestudie herausfinden.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Stefan Reber, Leiter der Sektion für Molekulare Psychosomatik, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Universitätsklinikum Ulm,
Tel.: 0731 / 500 61943, E-Mail: stefan.reber@uniklinik-ulm.de;

Literaturhinweis:
Boebel T, Hackl S, Langgartner D, Jarczok MN, Rohleder N, Rook GA, Lowry CA, Guendel H, Waller C, Reber SO: Less imune acitvation following social stress in rural vs. urban participants raised with regular or no animal contact, respectively, PNAS April 30, 2018, published ahead of print April 30
http://www.pnas.org/content/early/2018/04/24/1719866115

Text und Medienkontakt: Andrea Weber-Tuckermann

Weitere Informationen:
http://www.pnas.org/content/early/2018/04/24/1719866115

Quelle: idw

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UDE: FutureWaterCampus - Neuer Forschungsbau in Sicht

Beate Kostka M.A. Ressort Presse - Stabsstelle des Rektorats
Universität Duisburg-Essen

Acht Projekte wurden jetzt zum Auf- und Ausbau von Forschungseinrichtungen in Nordrhein-Westfalen ausgewählt. Erfolgreich war dabei auch das Konzept des FutureWaterCampus (FWC) der Universität Duisburg-Essen (UDE), das zur Antragstellung aufgefordert wurde. Demnächst kann also ein neuer Forschungsbau auf dem Thurmfeld am Essener Uni-Campus entstehen, der die Aktivitäten im Bereich der Wasserforschung bündeln wird.

„Dies ist ein hervorragendes Signal für unsere breit aufgestellte Wasserforschung, die bislang hauptsächlich virtuell zusammen