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Bio-P auf dem Rückzug?
Der Abwasserzweckverband Heidelberg umfasst die Städte Heidelberg,
Eppelheim und Neckargemünd sowie die Gemeinde Dossenheim. Er ist
zuständig für die Abwasserableitung und die Abwasserreinigung im
Verbandsgebiet. Hauptaufgabe ist daher der Betrieb des Großklärwerkes
mit einer Ausbaugröße von 380.000 E + EGW. Die Anlage ging 1983 in
Betrieb und war ursprünglich ausgelegt auf den Abbau der organischen
Abwasserinhaltsstoffe CSB und BSB sowie des Phosphors mittels
Simultanfällung durch
Eisenchloridsulfat. Die zusätzlichen Anforderungen an die
Nährstoffelimination, insbesondere von Stickstoff, wurde in Heidelberg
durch Verfahrensoptimierung erfüllt. Durch Verkürzung und Umbau der
Vorklärung in Grobentschlammung und anoxische Zonen ließ sich der
Stickstoffablaufwert von 13 mg/l einhalten. Zudem stellte sich eine
biologische P-Elimination ein, die 2005 durch eine chemische
P-Elimination ersetzt wurde. Gründe und Betriebserfahrungen sind im
Nachfolgenden zusammengestellt.
Nach Umbau der Vorklärung in Grobentschlammung und anoxische Zonen
stellte sich neben der gezielten Stickstoffentfernung gleichzeitig eine
biologische Phosphorelimination
ein. Ein Verfahrensbild ist in Abb. 1 dargestellt. Mit dieser Betriebsweise wurde die Anlage bis 2005 betrieben.
Biologische P-Elimination
Unterstützt und positiv beeinflusst wurde dieser Prozess durch die
Abwasserzusammensetzung. Im Einzugsgebiet der Kläranlage befindet sich
ein Lebensmittebetrieb, der Fruchtsäfte
und Fruchtsaftkonzentrate herstellt. Das Abwasser des Betriebes war sehr
hoch belastet mit leicht abbaubaren Kohlenstoffverbindungen (70.000
EGW). Zur Unterstützung und Sicherstellung des Ablaufwertes wurden
Fällmittel in der Größenordnung von 0,3 mol Fe pro mol P zugegeben.
Unter
diesen Voraussetzungen ist es gelungen, einen P-Ablaufwert von kleiner 1
mg/l einzuhalten. Bei mittleren Zulaufkonzentrationen von 9 mg P/l
betrug der Ablaufwert bei dieser
Betriebsweise 0,7 mg P/l im Jahresdurchschnitt.
Im Jahr 2005 veränderte sich die Abwasserzusammensetzung im Zulauf der
Kläranlage deutlich. Der Lebensmittelbetrieb hatte eine eigene
Vorbehandlungsanlage gebaut, was zu einer deutlichen Reduzierung der
Abwasserfracht bzw. Belastung, insbesondere der leicht abbaubaren
Kohlenstoffverbindungen führte (Tabelle1). Die biologische P-Elimination
war unter
diesen Umständen nicht aufrechtzuerhalten. Neben der reduzierten
Zulauffracht machten insbesondere auch Belastungsschwankungen am
Wochenende Probleme. Versuche einer belastungs- und/oder
zuflussabhängigen Zudosierung von C-Quellen führten nicht zum Erfolg, so
dass man sich
entschied, die Phosphorelimination wieder auf chemischem Wege zu betreiben.
Chemische P-Elimination
Die Umstellung von biologische auf chemische P-Elimination erfolgte im
Jahr 2005. Bei analogen Zulaufwerten wie vor der Umstellung von 9 mg P/ l
betrug der Ablaufwert im Jahresmittel
0,45 mg P/l. Als Fällmittel wurde bzw. wird Eisen-IIIChloridsulfat in der Größenordnung von 1,4 Mol Fe pro Mol P eingesetzt.
Vergleich biologische versus chemische P-Elimination
Im Nachfolgenden sind erste Erfahrungen und Daten der unterschiedlichen
Verfahren zusammengestellt. In den Jahren 2003 und 2004 erfolgte die
P-Elimination wie beschrieben auf biologische, im Jahr 2006 auf rein
chemische Weise. Die Umstellung geschah im Jahr 2005. Nach einem Jahr
Betrieb
hat die Umstellung im Wesentlichen folgende Faktoren beeinflusst:
Prozessstabilität, Fällmittelmenge, Schlammmenge,
Entwässerungseigenschaften des Faulschlamms (Flockungsmittelmenge und
Entwässerungsgrad).
Den ganzen Bericht lesen Sie unter:
http://www.die-wasserlinse.de/download/ausgabe_1210/wl12_komplett.pdf
Zusammenfassung
Der Abwasserzweckverband hat im Jahr 2005 die biologische durch die
chemische P-Elimination ersetzt. Dies hat sich sehr positiv auf die
Prozessstabilität ausgewirkt. Hinsichtlich der Kosten lässt sich nach
einem Betriebsjahr eine leichte Steigerung um etwa 1,2 Cent/m³
gebührenfähige Abwassermenge
feststellen. Sowohl bei der Prozessstabilität als auch bei der
Kostenbetrachtung handelt es sich um erste Erkenntnisse, die in der
Folgezeit noch weiter betrachtet und vertieft werden müssen.
Autor:
Dipl.-Ing. Jürgen Weber
Abwasserzweckverband Heidelberg




