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A. Aktuelles

Hier finden Sie alle aktuellen Meldungen chronologisch geordnet. Suchen Sie frühere Meldungen, so sehen Sie in den Sachgebieten nach oder geben rechts oben einen Suchbegriff in das Suchen-Feld ein.

1)      Tägliche Meldungen

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C. Fachwissen

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1)     Abwasserreinigung
2)      Energie- und E-Technik
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8)      Aus Bund Ländern und EU
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         b) Beiträge zur Wasserrahmenrichtlinie (WWRL)
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Der zweite Schwerpunkt von Klärwerk.info. Hier finden Sie alles für Arbeitnehmer und Vorgesetzte und was Sie persönlich angeht.

1)      Arbeitssicherheit
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         c) Gesetze und Verordnungen zur Arbeitssicherheit
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26.03.2017 09:14

Klärwerk.info / Nützliches / Allgemeine Meldungen und Berichte / Bioenergie macht Bier nicht teurer

Bioenergie macht Bier nicht teurer

Antworten aus der Wissenschaft: Dr. Hans Oechsner, Agrartechniker an der Universität Hohenheim, zu Preissteigerungen bei Lebensmitteln und der Rolle der Bioenergie

Florian Klebs, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Universität Hohenheim
Korrektur vom 16.11.2007

Bild Akt-Bier-F.jpgAnbauflächen sind begrenzt, wird für Bioenergie angepflanzt, bleibt kein Platz für Nahrungsmittel-Anbau. Als Folge werden Milch und Brot derzeit teurer. Richtig?

Dr. Oechsner: Nein, das wäre zu kurz gegriffen. Ursachen sind vielmehr weltweite Ereignisse, das heißt, schlechte Ernten und die veränderten Ernährungsgewohnheiten in Schwellenländern wie Indien und China. Hauptproblem in Deutschland ist jedoch der jahrelange Preisverfall, den wir vor dem jetzigen Preisanstieg erlebt haben. Die angebliche Krise ist also hausgemacht.

Das müssen Sie erklären.

Dr. Oechsner: Für einen Doppelzentner Getreide bekommen Sie derzeit 17 bis 18 Euro - das ist das gleiche Preisniveau wie vor 30 Jahren: Der Getreidepreis war in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gefallen. Das Preistief war vor ca. zwei Jahren mit maximal 10 Euro für den Doppelzentner erreicht. Bei diesen Preisen gab es keinen Anreiz, in Züchtung oder Anbau zu investieren - und das rächt sich jetzt. Bei den derzeit angestiegenen Preisen für die Produkte besteht nun wieder mehr Investitionsanreiz. Und das betrifft natürlich nicht nur die deutsche Landwirtschaft, sondern auch in besonderem Maße zum Beispiel die neuen EU-Staaten.

Und wie wirken sich globale Ereignisse aus?

Dr. Oechsner: Wegen Dürre erlebt Australien seit mehreren Jahren Missernten, die Getreide im asiatischen Raum knapp werden lassen. Hinzukommen veränderte Ernährungsgewohnheiten in Schwellenländern: Die Nachfrage an tierischen Produkten wie Milch und Fleisch steigt. Um ein Kilo Fleisch zu erzeugen, braucht man aber drei Kilo Futtergetreide, und auch das treibt die Preise am Weltmarkt in die Höhe.

Dann hat die Bioenergie also keinerlei Schuld am Preisanstieg?

Dr. Oechsner: In Deutschland ist ihr Einfluss minimal. Von bundesweit grob elf Millionen Hektar Ackerland werden laut aktuellen Zahlen der Bundesregierung nur 400.000 Hektar für Biogas, 250.000 Hektar für Zucker und Stärke zur Bioethanolproduktion und 1.120.000 Hektar für Biodiesel genutzt. Das sind nur ca. 15 Prozent der Ackerfläche Deutschlands. Gleichzeitig mussten bisher zehn Prozent der Ackerflächen still gelegt werden - dort durften die Landwirte also keine Nahrungsmittel, wohl aber Energiepflanzen anbauen. Bioenergie kann also nicht für den Preisanstieg von Lebensmittel verantwortlich gemacht werden.

Schauen wir über den Tellerrand: Besteht nicht trotzdem die Gefahr, dass landwirtschaftlich orientierte Länder die Nahrungsmittelproduktion vernachlässigen, um Bioenergie für die Industriestaaten zu produzieren?

Dr. Oechsner: Für ein vertretbares Nebeneinander von Lebensmittel und Bioenergie muss sicher die Effizienz der Pflanzenproduktion gesteigert werden. Dass das sehr gut möglich ist, zeigt zum Beispiel Russland: Früher Importeur, heute in der Lage zu exportieren. Auch in Polen oder Rumänien werden weite Flächen äußerst extensiv genutzt, weil es keinen Anreiz gab, in die Produktion zu investieren.

Sie vertreten eine Intensivierung der Landwirtschaft. Gerade das ist aber auch eine Kritik an der Bioenergie: dass sie hochintensive Monokulturen erzeugt, die ökologisch problematisch sind?

Dr. Oechsner: Mit Steigerung der Produktivität meine ich eine nachhaltige Pflanzenproduktion mit regelmäßigem Fruchtwechsels, die auf keinen Fall nur auf der Basis von Monokulturen betrieben werden darf. Weltweit gibt es aber auch Nischen, die noch gar nicht erschlossen sind: So könnten zum Beispiel organische Abfälle verwendet werden. Und gerade in Entwicklungsländern fallen oft Stoffe mit energetischem Potential an, die aber nicht genutzt werden - dazu gehören auch häusliche Abwässer oder Klärschlamm. Für solche Einsatzideen gibt es häufig leider noch wenig Bewusstsein. Ein weiterer Punkt: Die Ausbeute der Energienanlagen sollte gesteigert werden. In Biogasanlagen wird meist nur Strom produziert, die Wärme wird häufig gar nicht oder nur zum Teil genutzt. Alternativ könnte das Gas gereinigt und ins Netz eingespeist oder komprimiert und als Treibstoff verkauft werden. Letztlich bleibt es aber immer eine Güterabwägung, was auf dem Acker angebaut wird.

Wieso?

Dr. Oechsner: Die Gesellschaft muss wissen, welchen Wert für sie Nahrung, Landschaftsschutz, Kulturlandschaften und Energie haben. Bislang ist der Stellenwert von Nahrung in der Gesellschaft immer noch zu gering. Selbst der aktuelle Weizenpreis von 18 Euro pro Doppelzentner liegt unter dem energetischen Wert von Weizen von mehr als 25 Euro. Es bleibt also billiger, mit Weizen zu heizen, als Brot daraus zu backen.

Fragen: Sandra Leppin

Kontakt:
Dr. Hans Oechsner, Universität Hohenheim, Landesanstalt für Landwirtschaftliches Maschinen- und Bauwesen
Tel.: 0711 459-22683, E-mail: oechsner@uni-hohenheim.de

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news235858