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Das Hirn des Torwarts beim Elfmeter: Spickzettel half Jens Lehmann tatsächlich
Wie man seine Reaktion verbessern kann
Blitzschnell hechtete Jens Lehmann, Torwart der deutschen Nationalmannschaft
bei der Fußball-WM 2006, genau in die richtige Ecke und hielt zwei von
vier Elfmeterschüssen der Argentinier auf sein Tor - Argentinien war besiegt,
Lehmann ein Star. Welche Rolle hat dabei der Spickzettel gespielt, auf
den Lehmann zwischen den Torschüssen immer mal wieder blickte? Hat es geholfen,
zu lesen, dass Cruz häufig nach rechts schießt und Ayala nach links unten?
Diese Frage versuchen Neurobiologen der Ruhr-Universität um Prof. Dr.
Klaus-Peter Hoffmann zu beantworten. Sie untersuchen den Zusammenhang zwischen
Vorhersagbarkeit und der Reaktionszeit bestimmter Bewegungen steuernder
Nervenzellen im Gehirn.
Ein Affe blickt auf den springenden Punkt
Wichtige Hirnstruktur für die Verarbeitung von visuellen Informationen und die
Steuerung von Bewegungen ist der Colliculus Superior. Er liegt wie ein
Hügelchen auf dem Dach des Mittehirns und setzt eingehende Sinneseindrücke in
Bewegungen der Augen, des Kopfes, der Arme und des Rumpfs um. Unter anderem
werden hier die Blicksprünge (Sakkaden) gesteuert, die wir etwa dreimal pro
Sekunde ausführen. Um die Auswirkungen von Vorbereitung auf die Reaktionszeit
der Nervenzellen im Colliculus Superior zu untersuchen, trainierten die
Forscher einen Rhesusaffen auf ein einfaches Experiment: Er sollte einen
kleinen Punkt auf einem Monitor vor ihm mit den Augen fixieren und ihm mit den
Augen folgen. Der Punkt wechselte zweimal seine Position: In einer Phase sprang
er immer an dieselbe, vorhersagbare Stelle, in einer Phase sprang er an
wechselnde, unvorhersagbare Orte.
Reaktionszeit verkürzt sich deutlich
Die Forscher beobachteten während dieses Experiments die Augenbewegungen des
Affen und maßen die Aktivität seiner Hirnzellen im Colliculus Superior. Es
zeigte sich, dass die Zeitverzögerung, mit der das Auge dem Punkt folgt, bei
vorhersagbaren Sprüngen deutlich kürzer war als bei unvorhersagbaren: Sie
verkürzte sich von durchschnittlich 223 auf 165 Millisekunden. Wenn der Affe
sowohl wusste, wohin, als auch wann der Punkt springen würde, war die
Reaktionszeit besonders kurz, und auch die Nervenzellaktivität im Colliculus
Superior unterschied sich deutlich von der bei unvorhersagbaren Sprüngen.
Fazit: Die Vorbereitung durchs Spicken hat Jens Lehmann also tatsächlich helfen
können.
Weitere Informationen
Prof. Dr. Klaus-Peter Hoffmann, Fakultät für Biologie der Ruhr-Universität
Bochum, 447780 Bochum, Tel. 0234/32-24363, E-Mail: kph@neurobiologie.rub.de
Über das Projekt berichtet auch das aktuelle Wissenschaftsmagazin RUBIN: http://www.rub.de/rubin
Weitere Informationen:
URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news239346




