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Energie aus Speisen
RWZ Kurhessen-Thüringen baut neuartige Biogasanlage in Bebra
Kassel/Bebra Der Startschuss zum Bau einer großen Biogasanlage
auf dem Firmengelände der Raiffeisen-Warenzentrale Kurhessen-Thüringen (RWZ) in
Bebra (Kreis Hersfeld-Rotenburg) ist gefallen. Am Dienstagabend übergab
Regierungspräsident Lutz Klein der RWZ-Geschäftsführung die Baugenehmigung
einschließlich der Genehmigung einschließlich der Genehmigung nach dem
Bundesimmissionsschutzgesetz. Damit steht dem sofortigen Baubeginn nichts mehr
im Wege. Die RWZ wird gut drei Millionen Euro in das Projekt investieren. Im
August kommenden Jahres soll die Anlage nach Angaben von
RWZ-Geschäftsführungsmitglied Detlef Beate in Betrieb genommen werden.
Anlage nimmt fast alles
Die geplante Biogasanlage unterscheidet
sich erheblich von anderen in der Region. Denn die Biomasse, die in Bebra
zu Methangas vergoren wird, wird nicht aus Pflanzen, sondern aus Speiseresten
und Lebensmitteln gewonnen, die verdorben oder verunreinigt sind oder deren
Mindesthalbarkeitsdatum überschritten wurde. Ob pflanzliche oder tierische
Produkte, ob Milch, Joghurt oder Gemüse, Getränke oder Abfälle aus Großküchen
Hotels, Schlachtereien, Molkereien, Lebensmitteleinzelhandel oder von
Nahrungsmittelproduzenten - die geplante Anlage nimmt fast alles. und auch in
Sachen Verpackungen ist sie nicht sonderlich wählerisch. Ganz gleich ob
Kunststoff, Tetrapak, Glas, Dosen oder Pappen, die moderne Anlage entfernt sie
alle - vollautomatisch.
In einem geschlossenen Kreislauf wird die Gärmasse zunächst eine Stunde lang
gekocht, um mögliche Krankheitserreger abzutöten. Danach wird sie vergoren. Das
gewonnene Gas wird in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) in etwa zu gleichen
Teilen zu Strom und Wärme verfeuert. Einen Teil der Wärme braucht die Anlage
für den Gärprozess. Den Rest verkauft die RWZ an einen benachbarten Betrieb,
der damit sein Holz trocknet. Den Strom - jährlich etwa 5,7 Millionen
Kilowattstunden, die dem Jahresverbrauch von gut 1600 Drei-Personen-Haushalten
entsprechen - speist Raiffeisen ins Netz der Stadtwerke Bebra und kassiert
dafür etwa 570 000 Eur im Jahr. Hinzu kommen Einnahmen aus dem Wärmeverkauf
sowie für die Entsorgung der angelieferten Abfälle.
Demgegenüber stehen aber erhebliche Kosten für den Betrieb der Anlage, die
Abwasserbeseitigung und Entsorgung von Gärresten und Restmüll. Denn beim
Gärprozess fällt eine große Menge Abwasser an, das nach einer Vorklärung auf
dem RWZ-Gelände in die öffentliche Kanalisation eingeleitet wird. Hinzu kommen
der organische Gärrest sowie Verpackungsmittelrückstände, die sachgemäß
entsorgt werden müssen.
Beate und der Leiter der RWZ-Recycling-Sparte, Rolf Klapp, haben aber keinen
Zweifel, dass die Anlage nach einer Anlaufphase Gewinne abwirft. Beate betonte,
dass die geplante Anlage die erste ihrer Art im Umkreis von etwa 150 Kilometern
sei. In ganz Deutschland gebe es nur fünf vergleichbare Objekte. Er lobte das
Regierungspräsidium für die schnelle Genehmigung. Trotz der Komplexität habe
das Verfahren nur viereinhalb Monate gedauert.
Regierungspräsident Lutz Klein lobte das Engagement der RWZ und betonte, dass
Nordhessen auf dem Weg zur "Biokraftstoffregion" sei.
HINTERGRUND
Agrar- , Bau- und Energiespezialist RWZ
Die Raiffeisen-Warenzentrale Kurhessen-Thüringen (RWZ) in Kassel setzte im
vergangenen Jahr mit gut 1000 Beschäftigten 506,9 Millionen Euro um. Das waren
8,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Beim Überschuss legte die RWZ sogar um gut 71
Prozent auf 8,4 Millionen Euro zu. Das Agrar-, Baustoff-, Landtechnik-,
Energiehandels- und Recycling Unternehmen ist in Hessen, Thüringen und mit
einem Standort auch in Sachsen-Anhalt aktiv. Die Gesellschaft gehört einer
Reihe von genossenschaftlichen Banken sowie großen Agrarbetrieben in Hessen und
Thüringen an.(jop)
(Quelle: HNA, José Pinto, Wirtschaft, 14. November 2007)
http://www.raiffeisen-kassel.de/presse/archiv/archiv_detail.php?PresseID=139




