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Forschung für die Menschen
Wasser und Energie sind die Voraussetzung allen Lebens - und damit
auch der menschlichen Existenz. Die Forscher der Fraunhofer-Gesellschaft
erarbeiten Lösungen für die drängenden Probleme der Zukunft: Sie entwickeln heute
Technologien, die das Leben morgen einfacher, gesünder und sicherer machen.
Dr. Janine Drexler, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft
11.10.2007
Die große Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist die Versorgung
einer noch immer wachsenden Weltbevölkerung mit den lebensnotwendigen
Ressourcen. Mehr als sechs Milliarden Menschen brauchen saubere Luft zum Atmen,
Trinkwasser und Grundnahrungsmittel, Arbeit, Wohnraum, Gesundheitsversorgung
und sie wünschen sich darüber hinaus Sicherheit. Die Wissenschaftler und
Ingenieure der Fraunhofer-Gesellschaft leisten mit ihren Forschungsprojekten
einen wichtigen Beitrag zur Lösung aktueller und künftiger Probleme. Energie,
Wasser, Gesundheit und Sicherheit sind strategische Schwerpunkte der
Fraunhofer-Gesellschaft.
Forschungsschwerpunkt Energie
Der Ölpreis steigt. Die fossilen Rohstoffe gehen zur Neige. Doch die Menschen
brauchen in Zukunft Energie - zum Kochen, Heizen, um sich fortzubewegen. Die
Konsequenzen liegen auf der Hand: Energie muss künftig effektiver genutzt, Öl
zunehmend durch regenerative Energiequellen ersetzt werden. Die Forscher haben
diese Herausforderung erkannt. Im Fraunhofer Themenverbund Energie arbeiten sie
beispielsweise institutsübergreifend und interdisziplinär an der Entwicklung
einer neuen Generation von Brennstoffzellen, an der technischen Verbesserung
von Windkraftanlagen, aber auch an Innovationen für die Solartechnik.
Noch spielt die Photovoltaik - die Stromgewinnung aus Sonnenenergie - nur eine
geringe Rolle. Doch das soll sich ändern: Die Experten rechnen mit einer
Steigerung von derzeit 0,1 Prozent der Gesamtenergieproduktion auf bis zu 50
Prozent im Jahr 2050. Die Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass
Solarzellen billiger werden. Die Kosten lassen sich auf zweierlei Weise
reduzieren: durch Einsparungen bei den Produktionskosten und durch Erhöhung des
Wirkungsgrads. Die Forscher verfolgen beide Ansätze und entwickeln Lösungen,
die den Unternehmen helfen, die Kosten zu senken und so auf dem Weltmarkt
konkurrenzfähig zu bleiben. Derzeit liegen deutsche Solarzellenhersteller
hinter Japan an der Weltspitze. Um den Unternehmen den Zugang zu neuen
Technologien zu erleichtern, baut die Fraunhofer-Gesellschaft jetzt an zwei
Standorten neue Forschungseinrichtungen auf: In Halle an der Saale entsteht das
Fraunhofer Center for Silicon Photovoltaics CSP und in Freiberg, Sachsen, das
Fraunhofer-Technologiezentrum Halbleitermaterialien THM, eine gemeinsame
Abteilung des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Systeme und
Bauelementetechnologie IISB und des Fraunhofer-Instituts für Solare
Energiesysteme ISE.
Außerdem suchen die Forscher am ISE nach neuen Rohstoffen für die
Solarzellenproduktion: Bisher benötigen die Hersteller hochreines Silizium, das
teuer und nicht unbegrenzt verfügbar ist. Eine Alternative könnte künftig
metallurgisches Silizium werden, das günstig ist aber Unreinheiten enthält.
Durch verschiedene Prozessschritte wollen die Ingenieure dieses Material
solarzellenfähig machen.
Forschungsschwerpunkt Wasser
Sauberes Trinkwasser ist in den meisten Ländern der Welt Mangelware. Für die
Zukunft prognostizieren die Experten sogar Kriege ums Wasser. Die verbesserte
Gewinnung, Aufbereitung und Verteilung der knappen Ressource ist daher auch bei
Fraunhofer ein strategisch wichtiger Forschungsschwerpunkt. Die Wissenschaftler
und Ingenieure bündeln jetzt in der neuen Allianz SysWasser ihr Know-how, das
sie bei Projekten im In- und Ausland über Jahrzehnte gesammelt haben. Das
Spektrum der Kompetenzen reicht von der Trinkwasserreinigung mit Elektroden,
UV-Lampen und Membranfiltern bis hin zu Konzepten zum Wassermanagement in
Wüstengebieten oder Megastädten.
Auch in Deutschland, einem Land, in dem kein Wassermangel herrscht, können neue
Technologien helfen, den Verbrauch von kostbarem Trinkwasser zu verringern.
Derzeit benötigt jeder Deutsche täglich 130 Liter sauberes Wasser, wobei er ein
Drittel davon durch die Toilette spült. Pure Verschwendung. "Wasser ist
eine unserer wertvollsten Ressourcen, viel zu schade, um sie für den Transport
von Fäkalien zu vergeuden", sagt Prof. Dr. Walter Trösch vom Fraunhofer-Institut
für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart. Gemeinsam mit Dr.
Werner Sternad vom IGB und Dr. Harald Hiessl vom Fraunhofer-Institut für
System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe hat er das Dezentrale Urbane
Infrastruktursystem DEUS 21 konzipiert und umgesetzt. Dieses Modell arbeitet
mit bisher ungenutzen Ressourcen wie Regenwasser. Dieses lässt sich sammeln und
dezentral als Brauchwasser ins Versorgungsnetz einspeisen. Für ihre Leistungen
erhalten die Forscher den Joseph-von-Fraunhofer-Preis 2007.
Forschungsschwerpunkt Sicherheit
Terroristische Angriffe, Industrieunfälle und Pandemien sind die Bedrohungen
der Gegenwart. Forschung ermöglicht, etwas dagegen zu tun - ein Garant für
Sicherheit kann sie nicht sein. "Eine der wesentlichen Aufgaben der
zivilen Sicherheitsforschung ist, Risiken für unsere Gesellschaft zu erkennen,
zu analysieren und schließlich Vorschläge zur Minderung oder Vermeidung des
Risikos zu entwickeln", erklärt Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger, Präsident
der Fraunhofer-Gesellschaft. "Um die Sicherheitsforschung voran zu
bringen, kann bereits vorhandenes Wissen aus unterschiedlichen
Forschungsbereichen genutzt werden."
Die Fraunhofer-Gesellschaft hat die Sicherheitsforschung als eines von 12
Innovationsthemen identifiziert und liegt damit voll im Trend: Nationale
Sicherheitsforschung ist auch ein wichtiger Teil der Hightech-Strategie der
Bundesregierung. Und europaweit sollen im 7. Forschungsrahmenprogramm der EU
1,4 Milliarden Euro investiert werden. Hintergrund dieses Engagements ist dabei
nicht nur das Bedürfnis des Menschen nach besserem Schutz, sondern auch ein
wirtschaftlicher Trend: Sicherheitstechnik entwickelt sich zu einem immer
wichtigeren Geschäftsfeld. Der europäische Sicherheitsmarkt liegt derzeit mit
20 Prozent Weltmarkt-Anteil auf Platz zwei hinter den USA. Die Schwerpunkte
sind: Sicherheitsdienstleistungen, elektronische Sicherheitssysteme sowie
Sicherheit von Information und Kommunikation. Die Fraunhofer-Forscher helfen
der Industrie durch neue technologische Entwicklungen, sich auf dem Weltmarkt
zu behaupten. Von dieser Forschung profitierten allerdings nicht nur
Unternehmen: Die fertigen Produkte kommen dem Menschen zugute, denn sie machen
seine Welt ein kleines Stück sicherer.
Forschungsschwerpunkt Gesundheit
Nichts ist mehr wert als ein Menschenleben. Heute können mit Medikamenten und
medizintechnischen Geräten Krankheiten besiegt werden, die früher tödliche
Folgen gehabt hätte. Gleichzeitig sind die Anforderungen, die an die
Wirksamkeit der Medikamente gestellt werden, gestiegen. Die Forscher vom
Fraunhofer-Verbund Live Sciences steuern hier neue Technologien bei, die die
Entwicklung beschleunigen und gleichzeitig Kosten sparen:
In-Vitro-Testplattformen, Arrays zur Identifizierung der Wirkstoffe sowie Analysemethoden
zur Untersuchung der Wirkung und Toxizität.
Eine weitere gravierende Veränderung, die sich derzeit vollzieht, ist der
demographische Wandel: Schon bald wird das Gros der Bevölkerung der älteren
Generation angehören. Die Menschen werden mehr medizinische Versorgung
brauchen, viele werden Pflege benötigen. Neue Technologien tragen dazu bei,
diese Anforderungen zu erfüllen. Die Forscher der Fraunhofer-Gesellschaft
erarbeiten beispielsweise intelligente Umgebungen, die Pflegebedürftigen helfen
ihren Alltag allein zu meistern - im Notfall aber sofort Arzt oder Krankenhaus
alarmieren. Eine andere vielversprechende Entwicklung ist der Digitale
Patientenbegleiter: Das mobile Endgerät - Mobiltelefon oder PDA - erinnert an
Arzttermine, gibt beim Einkaufen Ernährungstipps und spornt zu körperlicher
Bewegung an. Zielgruppe sind Erwachsene, die ihre Lebens- und
Ernährungsgewohnheiten aus medizinischen Gründen umstellen müssen, aber auch
übergewichtige Kinder.
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/fhg/press/pi/2007/10/Presseinformation11102007.jsp
URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news229720




