Klärwerk.info / Nützliches / Allgemeine Meldungen und Berichte / Klimawandel kann zur Verbreitung von Krankheitsüberträgern führen
Klimawandel kann zur Verbreitung von Krankheitsüberträgern führen
Europäische Fachleute raten zur
verstärkten Beobachtung, um frühzeitig Gefahren zu erkennen und handeln zu
können
Martin Ittershagen, Pressestelle
Umweltbundesamt (UBA)
17.10.2007
Das Klima ist wesentlich für das Überleben und die Verbreitung von Krankheitserregern mit verantwortlich - auch für die Anzahl der im Freiland lebenden Überträger (Vektoren), beispielsweise Mücken, Zecken oder Nagetiere. So lautet das zentrale Ergebnis einer internationalen Tagung mit rund 140 Fachleuten, die das Umweltbundesamt (UBA) mit finanzieller Förderung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) in Berlin organisierte. Für die menschliche Gesundheit haben von Tieren übertragene Krankheiten eine besondere Bedeutung, weil im Freiland lebende Überträger unmittelbar auf klimatische Veränderungen reagieren. Mit dem Klimawandel steigt das Risiko, dass neue und teilweise gefährlichere Krankheiten in Deutschland heimisch werden könnten. Im Freiland lebende Überträger werden zudem über globale Transportwege in entfernte Regionen verschleppt. Treffen beispielsweise Mücken, Zecken oder Nagetiere am Ankunftsort auf für sie passende klimatische Bedingungen, Biotope und Wirte, so können sich die Überträger vermehren und verbreiten. Daher ist es nach Meinung der Expertinnen und Experten wichtig, auch in Deutschland systematisch im Freiland lebende Überträger zu überwachen (Vektorüberwachung). Nur so lassen sich mögliche Gefahren frühzeitig erkennen und Gegenmaßnahmen entwickeln.
Es gibt Anzeichen, dass einheimische Mücken- und Zeckenarten
bereits auf die sich ändernden klimatischen Bedingungen reagieren. So verkürzen
Zecken, die unter anderem Borreliose sowie Hirnhaut- und Gehirnentzündungen
übertragen, regional ihre Winterruhephase. Infolge des letzten, milden Winters
gab es dieses Jahr in Deutschland mehr Zecken. Mücken konnten zeitiger im
Frühjahr erscheinen oder schneller ihre Entwicklung abschließen. Regional kam
es diesen Sommer häufiger zu Mückenplagen. Eine in Deutschland neuerdings
vereinzelt nachgewiesene Schmetterlingsmückenart überträgt die ursprünglich im
Mittelmeerraum heimische Leishmaniose. In Deutschland erworbene
Leishmanioseerkrankungen bei einem Kind und bei einigen Hunden zeigen, was
geschehen kann, wenn bisher hier nicht heimische Vektoren und Krankheitserreger
klimatisch passende Bedingungen vorfinden.
Auch für die Ausbreitung der Blauzungenkrankheit bei Wiederkäuern, hat der
beobachtete Klimawandel eine wichtige Bedeutung bei der Ausbreitung von
Nordafrika nach Süd- und Südwesteuropa. Die Temperaturabhängigkeit der Erreger sowie
Verschleppungen, die mit Tiertransporten entstehen, gelten als wesentliche
Ursachen dafür, dass sich die Erreger seit dem letzten Jahr in Belgien, den
Niederlanden, in Deutschland und in England verbreiteten.
Um mögliche Gefahren frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen entwickeln zu
können, halten es Klima- und Insektenforscher, Zoologen sowie Mediziner aus 14
europäischen Ländern für notwendig, die Vektorvorkommen systematisch zu
überwachen. Die nationalen Überwachungsprogramme für übertragbare Krankheiten
befassen sich bisher überwiegend mit den Erkrankungen des Menschen.
Überwachungsprogramme für Überträger - wie Mücken oder Zecken - gibt es nur in
einzelnen europäischen Ländern. In Deutschland fehlen sie. Sie sind aber nach
Meinung der Fachleute erforderlich, um Gegenmaßnahmen frühzeitig mit
Infektionsschutz und dem Umweltschutz in Einklang zu konzipieren und bei Bedarf
anwenden zu können.
Ausführlichere Informationen zur Tagung "Vector-borne diseases: Impact of
climate change on vectors and rodent reservoirs" finden Sie im Internet
unter: http://www.adelphi-consult.com/climate-and-vectors.
Die Zusammenfassungen der Tagungsergebnisse stehen in Kürze auf der
UBA-Homepage.
Informationen zum Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung am Umweltbundesamt
(KOMPASS) finden Sie unter: http://www.anpassung.net/netzwerk/
Dessau-Roßlau, 17.10.2007
URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news230813




