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Konflikte entschärfen durch ein integriertes Wasserresourcenmanagement
Lösungsmöglichkeiten für dieses Dilemma suchen Wissenschaftler am Beispiel des Wassereinzugsgebietes des Toten Meeres. In kaum einer Region ist der Kampf um Wasser so spürbar eine Frage des Überlebens wie rund um den Fluss Jordan, wo sich die Grenzen von Israel, den Palästinensischen Autonomiegebieten und Jordanien treffen. Insgesamt leben hier knapp 17 Millionen Menschen. Für 2050 wird erwartet, dass sich die Einwohnerzahl verdoppelt. Allein die Bevölkerung der Palästinenser wird sich in dieser Zeit verdreifachen. Wichtigstes Trinkwasserresservoir ist der See Genezareth, der pro Jahr über 400 Millionen Kubikmeter Wasser liefert.
In
allen Ländern Nordafrikas, im Nahen Osten und vielen Ländern in Zentralasien
hat die Bevölkerung weit weniger als 1000 Kubikmeter Wasser pro Person und Jahr
zur Verfügung.
Wenn traditionelle Quellen versiegen, haben vor allem die Beduinen darunter zu
leiden, die hier das Wasser für ihre Familien und ihr Vieh bezogen. Heute
werden diese Familien mit Tanklastern versorgt.
Doch je nachdem, wo und wie viel dort entnommen wird, dringt Salzwasser von
unten in den Süßwassersee vor. Den Forschern wurde schnell klar: Das, was um
den See herum passiert, beeinflusst entscheidend die Wasserqualität. Eine
Gesamtbetrachtung ist notwendig. Zusammen mit israelischen, palästinensischen,
jordanischen und deutschen Wissenschaftlerkollegen haben sie jetzt begonnen,
Pläne für ein integriertes Wasserressourcenmanagement (IWRM) im Jordangraben zu
entwerfen, um die Wasservorräte besser zu managen. Denn die politisch ohnehin
schon unter Spannung stehende Region steuert auf eine Wasserkatastrophe zu. Es
wird mehr Grundwasser abgepumpt als sich nachbilden kann. Tendenz steigend.
"In Israel hat jeder eine Trinkwasserleitung im Haushalt - in der Westbank
kommt in manchen Orten ein, zweimal der Wasserwagen. So sind die
Unterschiede", sagt Dr. Christian Siebert.
Dabei sind die natürlichen Gegebenheiten gar nicht so ungünstig, meint der
UFZ-Hydrogeologe. "Gerade im nördlichen Bereich sind die
Niederschlagsmengen mit denen in Deutschland vergleichbar. Das Problem ist
aber, dass es als Oberflächenwasser ungenutzt in die Kloake Jordan oder ins
Tote Meer fließt." Da nur wenig Niederschlagswasser versickert, können
sich die Grundwasserreserven praktisch nicht erneuern. Die Wissenschaftler
suchen nun nach Wegen, wie das Versickern unterstützt werden kann, damit
natürlich gereinigtes Wasser die Reserven wieder auffüllt. Deutlich wird dies
auch 50 Kilometer weiter östlich. Zwischen den kargen Hügeln Nord-Jordaniens
wird intensiv nach Grundwasser gebohrt. Seit mehr als einem halben Jahr hat es
hier nicht mehr geregnet. Jetzt, am Ende der Trockenzeit, sind die Flusstäler,
die Wadis, vollständig ausgetrocknet. Wasser fließt hier nur einige Wochen im
Winter. Ghozi Al-Hamad, Mitarbeiter der staatlichen Wasserbehörde, ist Herr
über 13 Grundwasserbrunnen im Wadi Al-Arab. Ein Tal, das sich quer durch den
gesamten Nordosten Jordaniens zieht. 1986 habe man hier mit vier Brunnen
angefangen, erklärt er. Seitdem sei der Wasserbedarf ständig gestiegen. Die
nahe Universitätsstadt Irbid mit ihren derzeit rund 400.000 Einwohnern wächst
rapide. Jedes Jahr werden 3000 neue Haushalte an das Versorgungsnetz
angeschlossen. Ghozi Al-Hamad blickt auf das Kontrollfeld seiner kleinen
Wasserstation. Das Problem sei, dass die alten Grundwasserquellen immer
unergiebiger werden. Deshalb müssten ständig neue Brunnen erschlossen werden -
mit erheblichen Nebenwirkungen: Traditionelle Quellen versiegen. Quellen, die
Jahrhunderte lang - für jedermann zugänglich - aus dem Gestein flossen.
Dass die Region über ihren Verhältnissen lebt, zeigt sich eindrucksvoll am Ufer des Toten Meeres, das sich weiter zurückzieht, da immer weniger Wasser aus dem Zufluss Jordan ankommt. Pro Jahr sinkt der Wasserspiegel um einen Meter. Der überwiegende Teil des Wassers wird nicht als Trinkwasser verwendet, sondern dient zur Bewässerung in der Landwirtschaft die weltweit als der größte Wasserverbraucher gilt. Abwasser wird in vielen Ländern zu Bewässerungszwecken eingesetzt. Nicht nur das Wasser, sondern auch die Düngerkomponenten des Abwassers sind begehrt. Damit erhöht sich jedoch die Gefahr von Infektionen. Die Forscher wollen deshalb die Wiederverwendung von hygienisch gereinigtem Abwasser fördern. Dafür entwickeln sie nicht nur optimale, den Standorten angepasste Methoden zur Abwasserreinigung. Am Projekt sind auch deutsche Unternehmer, Soziologen und Ökonomen beteiligt, die die Akzeptanz der neuen Verfahren untersuchen und die Märkte dafür analysieren. Sie wollen außerdem Finanzierungsmodelle anbieten, die auf die lokalen Verhältnisse zugeschnitten sind. Das alles geschieht in enger Zusammenarbeit der Forscher und Unternehmer mit den Entscheidungsträgern aus den verantwortlichen Ministerien. Auf der jordanischen Seite wird in den nächsten Monaten eine dezentrale Forschungs- und Demonstrationsanlage gebaut, in der verschiedene Methoden wie zum Beispiel membrantechnologien oder eine Pflanzenkläranlage zu Modulen zusammengeschaltet werden können, um die kostengünstigste Kombination je nach benötigter Wasserqualität zu erhalten. "Heute gießt der jordanische und palästinensische Bauer mit Grundwasser. Statt dessen soll er dafür künftig das gereinigte Wasser aus der dezentralen Abwasseranlage nehmen und das Grundwasser trinken oder weitgehend schonen." Keine Frage, es muss etwas getan werden. Jordanien zählt zu den zehn Ländern weltweit, in denen Wasser am knappsten ist. Aber auch andere aride Gebiete profitieren von der Forschung.
UFZ-Ansprechpartner:
Dr. Stefan
Geyer,
Department Hydrogeologie
Telefon: 0345/558-5217
![]()
stefan.geyer@ufz.de
Dr. Roland
Müller
Umwelt- und Biotechnologisches Zentrum (UBZ)
Telefon: 0341/235-3000
![]()
roland.mueller@ufz.de




