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Kostenlos: Fussabdrücke von Pestiziden aufspüren - mit SPEAR
Wenn Pflanzenschutzmittel in Gewässer
gelangen, hinterlassen sie Spuren – unter
anderem bei den dort anzutreffenden
Tieren. Diesen Umstand haben sich die
Forscher des UFZ-Departments SystemÖkotoxologie
zu Nutze gemacht und ein
Instrument entwickelt, mit dem der Einfluss
von Pestiziden auf Lebewesen und die
Qualität des Wassers, in dem diese ihren
Lebensraum haben, nachgewiesen werden
kann. „SPEAR – das ist die Abkürzung für
SPEcies At Risk – spürt die ‚Fußabdrücke‘
auf, die Pestizide dadurch hinterlassen, dass
sie charakteristische Änderungen in der
Zusammensetzung der jeweils betroffenen
Lebensgemeinschaft bewirken“, erklärt PD
Dr. Matthias Liess.
Mit ihrem Ansatz haben die UFZ-Wissenschaftler
Neuland betreten und stellten fest,
dass kein Riesenaufwand nötig ist, um die
Wirkung von Pestiziden auf das Ökosystem
darzustellen. „Man muss lediglich ermitteln,
welche und wie viele Tiere wie etwa
Insekten und Krebse an einer bestimmten
Stelle des Flusslaufs zu finden sind“, veranschaulicht
Liess. Mit Hilfe dieser Daten
kann leicht nachgewiesen werden, wieviel
Pflanzenschutzmittel in die Gewässer gespült
worden sind und wie die ökologischen
Auswirkungen zu bewerten sind. Besonders
interessant ist in diesem Zusammenhang,
dass die UFZ-Forscher endlich ein Werkzeug
in der Hand haben, mit dem auch Langzeitfolgen
von solchen Pestizideinträgenaufgezeigt werden können. „Bisher war es
sehr schwierig nachzuweisen, welche chronischen
Wirkungen auftreten“, so Liess.
Bislang standen nämlich meist nur Verfahren
zur Verfügung, mit denen auf einzelne
Probleme aufmerksam gemacht werden
konnte. Selbst wenn zum Beispiel ein
negativer Effekt von Pestiziden auf einzelne
Lebewesen im Laborversuch nachweisbar
war, so war die Vorhersage der Auswirkung
auf komplette Populationen und Artgemeinschaften
schwierig. Außerdem fanden
biologische Interaktionen dabei bisher
kaum Beachtung. Mit SPEAR ist dies nun
anders: Ist erst einmal ermittelt, welche und
wie viele Tiere wie Insekten und Krebse an
einer bestimmten Stelle des Flusslaufs zu
finden sind – das sind Daten, die den mit
der Wasserwirtschaft befassten Ämter in
der Regel vorliegen – , kann mithilfe des
SPEAR-Rechners sofort die Wasserqualität
im untersuchten Gebiet in Bezug auf Pflanzenschutzmittel
bestimmt werden. Dazu
wird die Datentabelle einfach in den frei
zugänglichen Online-Rechner geladen.
(Weitere
Informationen zum Projekt, vorbereitete
Excel-Tabellen zum Download und der
SPEAR-Rechner sind im Internet unter www.systemecology.eu/SPEAR/Start.html zu
finden.) Die im Hintergrund ablaufenden Berechnungen
beruhen auf den ökologischen
Eigenschaften der Organismen. Grundlage
des Systems sind regionale Datensätze
aus Deutschland, Frankreich, Finnland und West-Sibirien; es wurde aber auch schon in
Großbritannien und Australien erprobt.
Werden Auffälligkeiten festgestellt, können
unmittelbar Gegenmaßnahmen ergriffen
werden, um den weiteren Eintrag von Pflanzenschutzmitteln zu verhindern. „Aber
SPEAR geht noch einen Schritt weiter: Es
lässt sich außerdem überprüfen, ob unbelastete
Gewässerabschnitte die Wirkung
der Belastung kompensieren und sich
Lebewesen wieder angesiedelt haben“,
umreißt Liess. Dies sei deshalb von großer
Bedeutung, weil so gezeigt werden könne,
ob Schutzmaßnahmen gegriffen haben.
Zusätzlich hat das neue Werkzeug nach den
Worten des Wissenschaftlers einen weiteren,
nicht zu unterschätzenden Vorteil:
Aufwändige
und teure chemische Analysen sind
häufig nicht mehr notwendig, und zugleich
ist SPEAR nicht nur schnell, sondern obendrein
kostenlos.
http://www.ufz.de/data/ufz_newsletter_sep_09_11199.pdf




