Klärwerk.info / Nützliches / Allgemeine Meldungen und Berichte / Löchrigen Wasserleitungen auf der Spur
Löchrigen Wasserleitungen auf der Spur
Ein Großteil des Frischwassers kommt nicht bei den Verbrauchern an, sondern strömt durch Löcher aus den Leitungen hinaus und versickert ungenutzt im Boden. Ein neuer, kostengünstiger Sensor soll diese Lecks nun finden. Zurzeit laufen erste Tests im italienischen Pisa.
Die Bilanz ist erschreckend: Bis zu 40 Prozent des Frischwassers, das durch die Leitungen strömt,
kommen nicht beim Verbraucher an. Sie dringen durch Lecks ins Erdreich und
versickern ungenutzt. Denn viele Leitungen sind mehr als hundert Jahre alt und
entsprechend löchrig. Bisher mangelte es an einer kostengünstigen Möglichkeit,
die Lecks aufzuspüren: Konventionelle High-End-Flusssensoren sind mit 1000 bis
2000 Euro für den flächendeckenden Einsatz zu
teuer.
Im Auftrag des Wasserversorgungsverbands Pisa, Acque S.p.A., haben Forscher des
Fraunhofer-Instituts für Siliziumtechnologie ISIT in Itzehoe gemeinsam mit
italienischen Kollegen der Firma Sensordynamics eine kostengünstige Alternative entwickelt: Siliziumbasierte Sensoren.
Ihre Kosten liegen nur bei etwa fünf Prozent der "High-End" Sensoren.
Die neuen Messfühler funktionieren nach demselben Prinzip wie die
Luftmassen-Sensoren, die in Automotoren bereits seit einiger Zeit die angesaugte
Luftmenge messen. "Erstmals können wir diese Sensoren in Flüssigkeiten
anwenden", sagt Dr. Peter Lange, Projektleiter am ISIT.
Herzstück des Sensors sind zwei Heizdrähte, die hintereinander auf einer dünnen
Membran angebracht sind. Elektrischer Strom, der durch die Drähte fließt,
erhitzt sie auf eine konstante Temperatur. Strömt kälteres Wasser an diesen
beiden Heizdrähten vorbei, gibt der vordere mehr Wärme an das Wasser ab als der
hintere, der quasi in dessen "Windschatten" steht -, es muss
entsprechend mehr Strom durch den vorderen Draht fließen, um die Temperatur
konstant zu halten. Über diese Stromdifferenz lässt sich die Geschwindigkeit
des Wassers ermitteln sowie die Wassermengen, die durch die Leitungen strömen.
Der Clou liegt im gepulsten Betrieb des Sensors: Die Drähte werden nicht
ständig geheizt, sondern nur etwa drei Sekunden pro Minute. So bleiben die Heizdrähte
die meiste Zeit kalt - Kalkablagerungen und Luftblasen, die die Messung
verfälschen, reduzieren sich. Ein weiterer Vorteil: Durch den gepulsten Betrieb
arbeiten die Sensoren sehr energiesparend, die Batterien halten lange. Erste
Tests waren erfolgreich: Die Sensoren überstanden drei Monate im Wasser
unbeschadet. Für weitere Tests integrierten die Forscher vor wenigen Wochen 70
Prototypen in die Wasserleitungen von Pisa. Dort sollen sie nun einige Monate
bei voller Funktion dem Wasser trotzen und messen, wie viel Wasser durch die
Kanäle strömt und wo es verloren geht. "Die Ergebnisse lassen sich
entweder per Handy oder per Funk abfragen", sagt Lange. Verlaufen die
Tests erfolgreich, sei eine Fertigung von 50 000 bis 500 000 Sensoren pro Jahr
durchaus realistisch.
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2007/12/Mediendienst122007Thema1.jsp
URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news238415




