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Rauchen - Suchterkrankung oder schlechte Angewohnheit?
Schwere
Raucher weisen ähnliche neurobiologische
Fehlfunktionen auf wie
andere Suchtkranke - Ergebnisse einer Studie im "American
Journal of Psychiatry" veröffentlicht
Nikotin-abhängige
Raucher weisen in der Funktion des Dopamin-Systems im Gehirn ähnliche
Defizite auf wie andere Suchtkranke. Das haben Mainzer, Aachener und
Dresdner Wissenschaftler um Dr. Christoph Fehr, Oberarzt an der
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, und Prof. Dr. Mathias
Schreckenberger, kommissarischer Direktor der Klinik und Poliklinik
für Nuklearmedizin des Mainzer Universitätsklinikums,
mithilfe der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) herausgefunden.
Die Studie, die gerade in der online Ausgabe des renommierten
"American Journal of Psychiatry" erschienen ist, zeigt
klar, dass die neurobiologischen Auswirkungen von Nikotin ähnlich
denen von Alkohol, Kokain, Heroin oder Amphetamin sind - und ist
damit ein konkreter Befund, der dem Rauchen die gleichen
charakteristischen Merkmale zuschreibt, die auch beim Alkohol- und
Drogenmissbrauch auftreten.
Die
Frage, ob Rauchen eine echte Suchterkrankung oder doch eher eine
schlechte Angewohnheit ist, beschäftigt die Forschung schon seit
längerem. Insbesondere ging man nicht davon aus, dass Nikotin
die gleichen neurobiologischen Folgen hat wie die so genannten harten
Drogen. Diese Annahme haben Wissenschaftler nun in einer Studie
widerlegt.
Mithilfe der Positronen-Emissions-Tomographie (PET)
haben sie den Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn von insgesamt 17 starken
Rauchern untersucht und mit demjenigen von insgesamt 21 Nichtrauchern
verglichen. Nikotin setzt - ebenso wie Alkohol oder Drogen - in einem
Teil des Mittelhirns den Botenstoff Dopamin frei. Rezeptoren auf der
Oberfläche von Nervenzellen binden Dopamin und werden in die
Zelle geschleust. Bei chronischem Nikotinkonsum kann sich in Folge
einer dauerhaften Dopamin-Freisetzung die Dichte der Rezeptoren
verändern. So zeigt die aktuelle Studie, dass in einem Teil des
Gehirns - dem so genannten bilateralen Putamen - die Verfügbarkeit
bestimmter Dopamin-Rezeptoren bei den Rauchern gegenüber den
Nichtrauchern stark erniedrigt ist. Eine ähnlich niedrige
Rezeptorverfügbarkeit in diesem Teil des Gehirns tritt auch bei
Patienten auf, die Alkohol-, Kokain-, Heroin- oder
Amphetamin-abhängig sind. Das Dopamin-System im bilateralen
Putamen - ein Teil des Striatums - ist entscheidend daran beteiligt,
neues interessant zu finden bzw. eine Belohnung bei bestimmten
Auslösern zu antizipieren. Eine niedrige Verfügbarkeit von
Dopamin-Rezeptoren in diesem Bereich verschlechtert die natürliche
Dopamin-Wirkung. "Dieses Muster ist auch von Patienten mit
anderen Suchterkrankungen bekannt", erläutert der Erstautor
der Studie, Dr. Christoph Fehr. "Dies ist ein Beleg dafür,
dass Rauchen eine dem Alkohol- oder Drogenmissbrauch vergleichbare
Sucht ist."
In anderen Teilen des Gehirns stellten die
Wissenschaftler keine Unterschiede in der
Dopamin-Rezeptorverfügbarkeit zwischen Rauchern und
Nichtrauchern fest. Die starken Raucher wurden zudem insgesamt
zweimal untersucht - einmal unmittelbar nach dem Rauchen, also unter
Konsumbedingungen, und einmal 24 Stunden nach der letzten Zigarette,
also unter Entzugsbedingungen. "Auch hier konnten wir keine
Unterschiede bzgl. der Dopamin-Rezeptorverfügbarkeit im Striatum
feststellen - die niedrige Verfügbarkeit war auch unter
Entzugsbedingungen noch gegeben", beschreibt Christoph Fehr ein
weiteres Ergebnis der Studie. "Wenn diese niedrige Verfügbarkeit
noch länger anhält, wäre dies eine mögliche
Erklärung, warum es Rauchern so schwer fällt, mit dem
Rauchen aufzuhören. Denn eine anhaltende Unterfunktion des
Dopamin-Systems scheint ein charakteristisches Merkmal für
Abhängigkeit und Rückfallrisiko bei einer Suchterkrankung
zu sein."
Schließlich haben die Wissenschaftler
innerhalb der Gruppe der untersuchten Raucher die Verfügbarkeit
der Dopamin-Rezeptoren mit dem subjektiv erlebten "Rauchverlangen"
der Raucher korreliert. "Dieses Ergebnis hat uns zunächst
überrascht, denn je größer das Verlangen war, desto
höher war die Dopamin-Rezeptorverfügbarkeit in Teilen des
bilateralen Putamens, aber desto niedriger in bestimmten Teilen des
anterioren und temporalen Cortex", erläutert Christoph
Fehr. "Diese charakteristischen Verschiebungen der
Dopamin-Rezeptorverfügbarkeit könnten ein wichtiges
neuronales Substrat des 'Rauchverlangens' darstellen. Zur genaueren
Einordnung sind hierzu allerdings noch weitere Untersuchungen
nötig."
Originalarbeit
Christoph
Fehr et al. " Association of Low Striatal Dopamine D2 Receptor
Availability With Nicotine Dependence Similar to That Seen With Other
Drugs of Abuse"; American Journal of Psychiatry, published
online March 3, 2008
(http://ajp.psychiatryonline.org/pap.dtl)
Weitere
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Dr. Renée Dillinger, Pressestelle,
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06131 / 17-7424, Fax 06131 / 17-3496,
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Petra Giegerich, Presse-
und Öffentlichkeitsarbeit
Johannes
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