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Saubere Krankenhausabwässer
Dr. Janine Drexler, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft
Krankenhausabwässer sind mit Arzneimitteln belastet, die der Umwelt schaden können. Eine neu entwickelte Anlage packt das Problem an der Quelle an: Sie behandelt und reinigt Toilettenabwässer direkt, noch bevor sie in die Kläranlage gelangen.
Antibiotika,
Zytostatika, Psychopharmaka - Patienten in Krankenhäusern
schlucken viele Medikamente. Ein Teil davon wird ausgeschieden und
landet im Abwasser. Selbst nach der Behandlung
in der Kläranlage
sind sie im Wasser teilweise nachweisbar, da sie nicht biologisch
abgebaut werden. Noch können die Experten die Auswirkungen für
die Umwelt nicht vollständig absehen. Vieles deutet jedoch
darauf hin, dass verweiblichte
Fische,
die nachlassende Wirkung von Antibiotika und sogar abnehmende
Spermienzahlen bei jungen Männern auf diese Rückstände
im Wasser zurückzuführen sind.
Forscher
des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und
Energietechnik UMSICHT haben zusammen mit dem Duisburger Institut für
Energie- und Umwelttechnik e.V. IUTA ein Verfahren
entwickelt,
das Krankenhausabwässer gleich dort behandelt, wo sie anfallen -
Schadstoffe gelangen so erst gar nicht in das städtische
Wassernetz. Der Clou der Anlage: Sie greift nicht die gesamten
Abwasserströme eines Krankenhauses ab, sondern konzentriert
sich auf Teilströme,
wie die Toilettenabwässer
aus der onkologischen Abteilung. Diese sind in der Regel durch die
Medikamente, die Patienten beispielsweise während einer
Chemotherapie erhalten, besonders hoch belastet. Andere Abwässer
wie aus der Klinikwäscherei oder -küche fließen nicht
unnötigerweise durch die Anlage - die Medikamente sind daher in
kleinen Volumenmengen konzentriert. "Das
Verfahren ist
extrem effektiv", sagt Bettina Becker, Projektleiterin am
UMSICHT. "Die getesteten Substanzen sind nach der Behandlung zu
über 99 Prozent abgebaut. Analytisch sind sie nicht mehr
nachweisbar." Die Forscher testeten mit Zytostatika,
Antibiotika, Psychopharmaka und Schmerzmitteln versetztes "Abwasser".
Nach der Reinigung hatte es die toxische und erbgutschädigende
Wirkung vollständig verloren.
Und so funktioniert das
Verfahren: In einem Vorlagebehälter setzen sich zunächst
die Schwebstoffe ab. Dann gelangt das Wasser in den
Reaktionsbehälter: Hier erzeugen UV-Licht, Wasserstoffperoxid
oder Ozon Radikale, die die Arzneiwirkstoffe zerstören. Derzeit
steht die Pilotanlage, die mit Hilfe von Mitteln des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie BMWi geplant
und aufgebaut wurde, als Prototyp am IUTA. Künftig sollen
Krankenhäuser solche Kompaktanlagen in das Abwassersystem
einbauen. Das könnte auch einen finanziellen Anreiz haben:
Zuschläge, die Kliniken ansonsten für die starke
Verschmutzung des Abwassers entrichten müssen, können
gegebenenfalls entfallen.
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2007/12/Mediendienst122007Thema5.jsp Ansprechpartner
URL
dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news238519




