Klärwerk.info - Wegweiser

Übersicht

Willkommen bei klaerwerk.info. Produkte suchen können Sie ganz einfach, indem Sie das gesuchte Produkt wie z.B. Pumpen  in das Feld „Produktsuche“ eingeben und dann die Enter-Taste drücken. Übersichtlich werden alle gelisteten Lieferanten angezeigt, die das Produkt führen, alle Artikel in www.Klärwerk.info, die sich mit dem Produkt beschäftigen sowie alle Fortbildungsveranstaltungen mit diesem Thema.

Ansonsten finden Sie alle Artikel geordnet in Sachgebiete. Klaerwerk.info bietet eine umfassende Fülle von Informationen und Links, die man täglich braucht. Damit Sie wissen, wo Sie was finden, nachfolgend eine Übersicht über die einzelnen Sachgebiete:

A. Aktuelles

Hier finden Sie alle aktuellen Meldungen chronologisch geordnet. Suchen Sie frühere Meldungen, so sehen Sie in den Sachgebieten nach oder geben rechts oben einen Suchbegriff in das Suchen-Feld ein.

1)      Tägliche Meldungen

B. Forum

1)      Fragen und Antworten

Das Forum steht allen Nutzern zur Verfügung. Hier können Sie alle Beiträge lesen, selbst Beiträge erstellen oder auf Beiträge antworten

C. Fachwissen

Hier schreiben Praktiker für Praktiker. Haben Sie auch etwas Interessantes zu berichten, so schreiben Sie uns an Kontakt@Klaerwerk.info .

1)     Abwasserreinigung
2)      Energie- und E-Technik
3)      Kanal- und Entwässerung
4)      Maschinentechnik
5)      Labor
6)      Schlammbehandlung
7)      Gaserzeugung und BHKW
8)      Aus Bund Ländern und EU
         a) Vom Bund
         b) Aus der EU und aller Welt
         c) Aus den einzelnen Bundesländern (geordnet nach Bundesländer)
9)      Recht und Gesetze
         a) Beiträge zum Umweltgesetzbuch
         b) Beiträge zur Wasserrahmenrichtlinie (WWRL)
         c) Beiträge zum Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)
10)    Neue Fachliteratur
         a) Neue Bücher
         b) CD/ DVD's
         c) Downloads
         d) Fachzeitschriften
         e) Lexika und Wörterbücher
11)  Tipps und Tricks

D. Berufliches

Der zweite Schwerpunkt von Klärwerk.info. Hier finden Sie alles für Arbeitnehmer und Vorgesetzte und was Sie persönlich angeht.

1)      Arbeitssicherheit
         a) Unfallverhütungsvorschriften- Regeln und Information
         b) Formulare und Erlaubnisscheine
         c) Gesetze und Verordnungen zur Arbeitssicherheit
         d) Umsetzung der Betriebssicherheitsverordnung
         e) Unterweisungshilfen
         f ) Hilfen zur Gefährdungsbeurteilung
         g) Ex-Schutz auf Kläranlagen
2)
      Tarif- und Arbeitsrecht
         a) Tarifrecht, Tarifvertrag, Gehaltsrechner und mehr
         b) Mitarbeitergespräche, Mitarbeiterbeurteilung
         c) Leistungsorientierte Bezahlung
         d) Tabelle TVöD (West)
         e) Arbeitszeugnisse
3)      Aus- und Weiterbildung
         a) Ansprechpartner
4)      Azubiseite
         a) Ausbildungshilfen für Ausbilder und "Azubis"
         b) Musterkläranlage
         c)  Prüfungsaufgaben
         d) Übungsaufgaben
         e) Informationen für Auszubildende
         f)  UT-Ausbildertreffen Fachkraft für Abwassertechnik
         g) Formeln, PSE und weitere Hilfen
5)      Meisterschüler
         a) Informationen für Meisterschüler
         b) Prüfungsaufgaben
6)        Offene Stellen

E. DWA-Infos

1)      Klärwerksnachbarschaften
         a) Kläranlagennachbarschaften in Bayern
         b) Kläranlagennachbarschaften in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
         c) Kläranlagennachbarschaften in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland
2)      DWA-Informationen
         a) DWA Arbeitsblätter
         b) KA-Betriebs-Infos
         c) Mitgliederrundbriefe aus den Landesverbänden
         d) Meldungen der DWA

F. Kläranlagen

1)      Links zu Kläranlagen und Abwasserverbänden
2)      Kläranlagen - Videos
3)      Meldungen von den Kläranlagen

G. Nützliches

1)      Wetter und Hochwasser
2)      Firmennachrichten
3)      Verbandsnachrichten        
4)      Nützliche Links
         a) Umweltschutzorganisationen
         b) Fachzeitschriften, Lexika und Wörterbücher
         c) Behörden
         d) Berufsverbände und Vereinigungen
         e) Fachinformationen
         f) Gesetze und Verordnungen
5)      Meldungen aus der Wissenschaft
6)      Meldungen aus aller Welt
7)      Allgemeine Meldungen und Berichte

H. Fortbildungsdatenbank

1)      Fortbildungen
2)      Fortbildungen in Österreich
3)      Fortbildungen in der Schweiz
4)      Messen und Tagungen

I. Produktsuche/ Lieferanten

J. Kontakt

1)      Impressum
2)      Über Uns
3)      Kontakt

11.08.2020 23:59

Klärwerk.info / Ablage / Tägliche Meldungen 2009 Teil2

Tägliche Meldungen 2009 Teil2

Dezember 2009

Umwelt und Forschung
Gesellschaft  
Gesundheit 
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Umwelt und Forschung
31.12.2009
Anzeiger für saubere Gewässer: Die Froschlaichalge wird Alge des Jahres 2010 
27.12.2009
Bonner Forscher setzen Zugspitz-Gipfel unter Strom 
22.12.2009
Internationales Symposium "Auen und Hochwasser" in Ingolstadt 
19.12.2009
Wider den wilden Wurzelwuchs: Kanäle umweltschonend bauen 
16.12.2009
Desertec: Wirtschaftliche Dynamik und politische Stabilität durch Solarkraft? 
12.12.2009
Nutzung von Biomasse: Chancen und Perspektiven 
09.12.2009
Sauberes Wasser in Vietnam mit Wittener Konzepten 
05.12.2009
Tag des Bodens: Mehr als nur Dreck unter unseren Füßen 
03.12.2009
Trinkwasserangebot genügt höchsten Ansprüchen 
02.12.2009
So geht es der Umwelt in Deutschland - das Umweltbundesamt macht Kassensturz 
01.12.2009
Rettungsringe für den Golfstrom?
- Klimawandel liefert vermehrt salzreiches Wasser aus dem Indischen Ozean - 
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Gesellschaft
21.12.2009
Time Magazine kürt Computer-Algorithmus für Packprobleme zu einer der 50 wichtigsten Erfindungen 2009 
13.12.2009
Wie Star Trek die Welt veränderte - Weihnachtsvorlesung an der FH KL 
10.12.2009
UDE: Wie man fährt, so zahlt man seine KFZ-Versicherung 
04.12.2009
Stabile Entwicklung der Arbeitsmarktzahlen im November 
01.12.2009
Tatort Küche 
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Gesundheit
29.12.2009
Helfen Sie mit, die Ursachen des Typ-1-Diabetes während der Pubertät herauszufinden! 
23.12.2009
Auch Plätzchen können Kopfschmerzen verursachen - Deutliche Gewichtszunahme kann Kopfschmerz auslösen 
18.12.2009
Neue Influenza: Ständige Impfkommission aktualisiert Impfempfehlungen 
14.12.2009
Braune Fettzellen lassen Fettpölsterchen schmelzen 
11.12.2009
Lesebrille adieu ! 
06.12.2009
Wurzelbehandlung aus einem Guss 
01.12.2009
Eisentherapie kann vielen Herzkranken helfen 
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November 2009

Umwelt und Forschung
Gesellschaft 
Gesundheit  
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Umwelt und Forschung 
30.11.2009
Mit „Spannung" erwartet: Das BattG-Melderegister geht online 
28.11.2009
Solarforscher Prof. Eicke Weber: Sonne ist Stromquelle der Zukunft 
25.11.2009
Weiterer Ausbau der bioliq®-Pilotanlage am KIT 
21.11.2009
Koblenzer Biennale der Gewässerkundler 
21.11.2009
Studie: Wie viel Wasser hat das Meer? 
18.11.2009
Neues internationales Netzwerk zur Klimapolitik 
16.11.2009
Sächsische Wasserforscher stellen erste Ergebnisse ihrer gemeinsamen internationalen Forschungen vor 
14.11.2009
Veränderungen der belebten Umwelt: Gesundheitsrisiken für Mensch und Tier 
06.11.2009
Deutscher Strom- und Gasverbrauch ist gesunken 
03.11.2009
Schadet zu viel feiern der Umwelt? 
01.11.2009
Praxisforum Membrantechnik 
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Gesellschaft
28.11.2009
Auch der Besuch der betrieblichen Weihnachtsfeier ist unfallversichert  
25.11.2009
Hasso-Plattner-Institut bekommt zum 10. Geburtstag eigene HPI-Primzahl geschenkt 
18.11.2009
Gene lernen aus Stress - Frühgeburtliche Traumata haben lebenslange Wirkung auf Gedächtnisleistung, Emotion und Antrieb 
16.11.2009
Wirtschaftskrise verändert das Wertesystem der Bundesbürger 
14.11.2009
Esperanto für TV, PC und Co.  
06.11.2009
Neue Mindestlöhne treten in Kraft 
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Gesundheit 
28.11.2009
Dunkle Schokolade ist gesund - Mediziner haben den Zusammenhang zwischen Magnesium im Blut und Zahnfleischentzündungen untersucht 
25.11.2009
Schweinegrippe: UKM-Geburtsexperte empfiehlt Schwangeren individuelle Beratung zur Impfung 
21.11.2009
Passivrauchbelastung in der Gastronomie 
18.11.2009
Warum erkrankt der gesunde Mensch? 
16.11.2009
Ein Drittel aller Erwerbstätigen klagt über psychische Belastungen 
14.11.2009
Infektionsprävention in Krankenhäusern 
06.11.2009
Tipps zur betrieblichen Pandemieplanung 
03.11.2009
CO2-Speicherung: Gefahr für Trinkwasser im Raum Flensburg? 
01.11.2009
Was ist chronische Herzschwäche? 
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Oktober 2009

Umwelt und Forschung 
Gesellschaft 
Gesundheit 
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Umwelt und Forschung
29.10.2009
Neu: Kartendienst zur Luftqualität 
26.10.2009
Experten erklären Klimawandel 
26.10.2009
Die Vereinten Nationen - gemeinsam für ein weltweites Chemikalienmanagement 
23.10.2009
Nanotechnik für Mensch und Umwelt - Chancen fördern und Risiken mindern 
23.10.2009
Klimaschutz mit Sicherheitsmarge 
23.10.2009
Kosten für Strom aus erneuerbaren Energien steigen 
21.10.2009
Beschäftigungsmotor Klimaschutz 
21.10.2009
Hightech fürs Fahrrad 
21.10.2009
Neues vom Wasser 
18.10.2009
Gas- und Stromverbrauch weiter rückläufig 
16.10.2009
Wettbewerb "Erfindergeist contra Wasserpest" erbrachte spannende Ideen, aber bislang nicht die erhoffte Allzweckwaffe 
12.10.2009
Europäische Chemikalienpolitik 
09.10.2009
Kleine Flüsse, große Wirkung: neue Wasserkraftanlage feiert Weltpremiere 
07.10.2009
Tunnel lösen Entsorgungsprobleme 
04.10.2009 
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin stellt Film zur Produktsicherheit vor 
04.10.2009
Materialien für die Energieversorgung - Und: Warum Energiesparlampen gar nicht so schlecht sind 
01.10.2009
Foto- und Ideenwettbewerb: Die Energie der einfachen Ideen 
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Gesellschaft 
29.10.2009
Interesse an Wasch- und Reinigungsmitteln mit EU-Umweltzeichen wächst 
18.10.2009
DGNR: Warum Angstschweiß Menschen zum Fürchten bringt 
16.10.2009
Warum Amerikaner keine Klima-Appelle hören wollen 
12.10.2009
Fahrerinnen klassischer Automobile: Frauen, die das Original lieben 
07.10.2009
Jetzt Wetterpatenschaft für 2010 sichern - Meteorologen der Freien Universität Berlin vergeben Namen für Hochs und Tiefs 2010 
01.10.2009
Maßgeschneiderte Arbeitszeitmodelle für Ältere 
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Gesundheit 
29.10.2009
Zahl der Arbeitsunfälle im ersten Halbjahr 2009 stark gesunken 
26.10.2009
HIV-Schutz aus Pflanzen 
18.10.2009
Fit durch Wii und Co? Sportmediziner untersuchen den Trainingseffekt interaktiver Videospielkonsolen 
16.10.2009
Experten warnen Sportler: Kein Schmerzmittel vorab, nicht zu viel Wasser 
12.10.2009
Schweinegrippe-Impfung für Rheumapatienten: Ja oder Nein? 
09.10.2009
Implantatgetragener Zahnersatz: Keine Belege für Zusatznutzen gegenüber konventionellen Prothesen 
09.10.2009
Für und wider den Heißhunger - Wie ein wenig bekanntes Hormon das Körpergewicht beeinflusst 
07.10.2009
Warum wir häufiger Tango tanzen sollten 
04.10.2009
Nur vergesslich oder schon dement? 
01.10.2009 Blutdrucksenker im Vergleich: Nutzen der Diuretika ist am besten belegt 
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September 2009

Umwelt und Forschung
Gesellschaft
Gesundheit  
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Umwelt und Forschung 
28.09.2009
"Meeresenergien" und "Stromnetze und intelligente elektrische Systeme" 
26.09.2009
Wenn die Weltmeere ersticken 
26.09.2009
Unsichtbare Spuren im Wasser - Die mathematische Entschlüsselung eines faszinierenden Sinnesorgans: 
23.09.2009
Ziegelsteine aus dem Klärwerk 
21.09.2009
Pestizide - Belastung und Wirkung in Gewässern jetzt einfacher nachweisbar 
18.09.2009
Schirm gegen Schwermetalle 
14.09.2009
Mit Leichtigkeit Energie sparen 
14.09.2009
Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie 
11.09.2009
Klimaschutz: Atomkraft ist keine Alternative 
08.09.2009
Chemikalien: Öffentliche Kommentierung zu besorgniserregenden Stoffen eröffnet 
08.09.2009
Von Insekten lernen - Startschuss für neue Projektgruppe »Bio-Ressourcen« 
05.09.2009
Aber bitte energieeffizient! 
05.09.2009
Aufschwung für Methanol? 
02.09.2009
Strom und Wärme vor Ort erzeugen 
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Gesellschaft 
23.09.2009
Mannheimer Forscher laden ein zu www.wahlumfrage2009.de 
21.09.2009
Fast jeder zweite Beschäftigte geht krank zur Arbeit 
18.09.2009
"Analog-Käse" - Brauchen wir strengere Gesetze?
11.09.2009
Die Deutschen - ein Volk von Neidern? 
08.09.2009
Premium-Informationen für Autofahrer 
05.09.2009
Gutes Aussehen keine Garantie für guten Umsatz 
02.09.2009
Die erstaunliche Wirkung von Cannabis auf die Morphin-Abhängigkeit 
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Gesundheit  
28.09.2009
Impfen gegen Zuckerkrankheit - Pre-POINT-Studie: Insulin kann möglicherweise Typ-1-Diabetes vorbeugen 
26.09.2009
Rapsöl macht Babynahrung gesünder 
23.09.2009
Plötzlicher Herztod bei Sportlern - wer ist gefährdet? 
21.09.2009
Ist Rheuma erblich? Lebensstil und Gene beeinflussen Rheuma gleichermaßen 
18.09.2009
Molekularer Schutzmechanismus gegen Alterung entdeckt
14.09.2009
Den Ursachen des Tinnitus auf der Spur 
11.09.2009 
Ursprung der Milch-Verträglichkeit bei Erwachsenen liegt in Südosteuropa 
02.09.2009
Sind weiche oder harte Zahnbürsten besser? 
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August 2009

Umwelt und Forschung 
Gesellschaft 
Gesundheit 
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Umwelt und Forschung
30.08.2009
EWE-Forschungszentrum eröffnet - Energiekonzern fördert Spitzenforschung in Oldenburg 
27.08.2009
Erster Turm aus lebenden Bäumen - Baubotaniker der Uni Stuttgart erfolgreich 
27.08.2009
Wasser-Recycling gegen die Trockenheit 
24.08.2009
Membranbioreaktoren entlasten Abwassermanagement 
24.08.2009
Meeresboden unter Druck 
21.08.2009
Die Wirkung kosmischer Strahlung im Weltall 
21.08.2009
Wie gesund ist die Ostsee? 
17.08.2009
Kluge Köpfe für große Aufgaben im Umwelt- und Klimaschutz gesucht 
17.08.2009
Energieeffiziente Kläranlagen 
14.08.2009 
Umweltinformatik-Spezialisten aus aller Welt kommen zur EnviroInfo 2009 nach Berlin 
14.08.2009
Wasser marsch - ohne Frost und ohne Rost 
12.08.2009
Emissionshandel für den Luftverkehr 
12.08.2009
REACH und Kunststoffrecycling 
10.08.2009
Energieeffizienz bei Elektromotoren 
08.08.2009
Hamsterkäufe von Glühlampen unsinnig 
08.08.2009
Meeresschutz: Blinden Passagieren geht es an den Kragen 
05.08.2009
Chemikalien: Umweltbundesamt schlägt fünf Anthracenöle für EU-weite Zulassungspflicht vor 
03.08.2009 Wasser kennt Grenzen - Zustand der Flüsse in Ost und West unterscheidet sich stark 
03.08.2009
Sorge der Bürger um den Erhalt unserer Umwelt 
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Gesellschaft
14.08.2009
Unsicherheit spornt Fußballer an 
12.08.2009
Studie zeigt: Gut gewollt ist noch längst nicht gut getan 
05.08.2009
Auch Minijobber müssen zur gesetzlichen Unfallversicherung angemeldet werden 
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Gesundheit
30.08.2009
"Rheuma-Video" offenbart Entzündungsherde frühzeitig 
30.08.2009
Hitze und Herz: Nicht nur genug, auch das richtige trinken 
27.08.2009
Wasserhaus bald auch in Namibia-Interesse an Potsdamer Uni-Projekt 
24.08.2009
Neues Portal zur Gefährdungsbeurteilung eröffnet 
21.08.2009
Krebs: Starker Gewichtsverlust verhindert Heilung 
17.08.2009
Biomarker identifizieren Patienten mit Alzheimer-Risiko 
10.08.2009
Wer Rind- und Schweinefleisch grillt, spielt mit dem Feuer - Endogene Dickdarmkarzinogene auf 11. IDE-Workshop diskutiert 
10.08.2009
Eine professionelle Zahnreinigung alle drei Monate ist effektiv 
08.08.2009
Nur geringe Unterschiede bei ESL-Milch - Wissenschaftler des Max Rubner-Instituts untersuchen Milch 
05.08.2009
Zu wenig Magensäurebildung führt zu Osteoporose 
03.08.2009
Die Heinzelmännchen der Trinkwasserversorgung 
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Juli 2009

Umwelt und Forschung   
Gesellschaft   
Gesundheit  
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Umwelt und Forschung
28.07.2009
Strom aus Abwärme - Freiburg ist Vorreiter in der Thermoelektrik 
20.07.2009
Wasser nur im Doppelpack mit Energie 
18.07.2009
Neuerscheinung: Flechten - Überlebenskünstler und Umweltzeiger 
14.07.2009
Designerdiesel aus Altfett - Geschäftsidee belegt 4ten Platz im Gründerwettbewerb 
14.07.2009
Per- und polyfluorierte Chemikalien: Einträge vermeiden - Umwelt schützen 
10.07.2009
Warum sind Kieselalgen so erfolgreich? 
10.07.2009 
Mini-Kunststoffkugeln statt Chemie: Kläranlagen umweltschonend sauber 
08.07.2009
Sauberes Wasser - ganz ohne Chemikalieneinsatz 
04.07.2009
Per- und polyfluorierte Chemikalien: Einträge vermeiden - Umwelt schützen 
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Gesellschaft 
29.07.2009
Gut gefedert auf die Mountainbike-Piste 
18.07.2009
Ingenieurmangel: Warum viele junge Menschen den Lockruf aus Wirtschaft und Hochschulen überhören 
14.07.2009
Urtümliche Pflanze birgt genetische Überraschungen 
10.07.2009 
Ehemalige Abgeordnete sind Politiker im Unruhestand 
08.07.2009 
Böden als Archive vergangener Kulturen 
04.07.2009
Der Siebenschläfer: Cleverer Familienplaner statt Wetterprophet 
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Gesundheit   
30.07.2009
Kochsalzreduktion kann den Blutdruck senken 
20.07.2009
Der Himmel voller Pilze 
20.07.2009
Rückenschmerzen: Bloß nicht ins Bett! 
18.07.2009
Gute Hygienestandards bei Minisalamis - Wissenschaftler des Max Rubner-Instituts belegen hygienische Qualität 
08.07.2009 
Australische Studie belegt: Bestimmte Honigsorten effektiver als Antibiotika 
04.07.2009

Frauen erklären Kopfschmerzen anders als Männer

 


Anzeiger für saubere Gewässer: Die Froschlaichalge wird Alge des Jahres 2010

Johannes Scholten, Pressestelle
Philipps-Universität Marburg

Die Algenforscher der Deutschen Botanischen Gesellschaft haben die Froschlaichalge zur Alge des Jahres 2010 gekürt. Sie möchten damit auf diese gefährdete Pflanze unserer heimischen Gewässer aufmerksam machen. Froschlaichalgen werden immer rarer, da ihr Lebensraum schwindet. Sie sind auf sauberes und kühles Wasser angewiesen, das jedoch oft zugebaut oder durch Abwässer und Pflanzenschutzmittel verunreinigt wird oder bei zu starker Wasserentnahme ganz versiegt. Die Algenspezialistin Dr. Johanna Knappe von der Philipps-Universität Marburg erklärt, was sie an der Roten-Liste-Art fasziniert.

Einzelne Arten sind sehr ähnlich

Ihren Namen verdankt die Froschlaichalge ihrer gallertartigen Gestalt sowie ihrem perlschnurartigen Aussehen, das an die Laichschnüre mancher Kröten erinnert. Die perlartigen Knoten bestehen aus regelmäßig angeordneten Wirteln aus kurzen, sich verzweigenden Fäden. "So richtig hübsch wird Batrachospermum, wie diese Alge wissenschaftlich heißt, aber erst unter dem Mikroskop", schwärmt Dr. Johanna Knappe, Spezialistin für diese Süßwasser-Lebewesen. Die Algenforscherin der Philipps-Universität Marburg wird oft von Kollegen und Laien gebeten, bei der Artbestimmung zu helfen, denn die einzelnen Arten der Forschlaichalgen sind schwer auseinander zu halten. Dazu müsse sie ganz genau hinsehen, "denn Blüten haben sie ja nicht", sagt Knappe. Sie betrachtet zur Artbestimmung die Zellen der Kurztriebe, die Rinde, und die so genannten Trichogynen, fadenförmige, weibliche Empfängnisorgane, an denen männliche Geschlechtszellen andocken können.

Anzeiger für sauberes Wasser

Wichtig sind Froschlaichalgen auch für die Mitarbeiter der Wasserwirtschaftsämter, die sie im Freiland erkennen müssen: Die vor neun Jahren verabschiedete Wasserrahmenrichtlinie der Europäischen Union fordert, den ökologischen Zustand der Gewässer anhand der vorkommenden Arten und deren Besiedlungsdichte zu bewerten. Froschlaichalgen sind dabei wichtig, weil sie sauberes Wasser anzeigen. Die exakte Arterkennung und -benennung ist zwar schwierig, aber notwendig, um mehr über ihre Verbreitung zu erfahren. "Denn leider stehen alle Froschlaichalgen auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Lebewesen", erklärt Dr. Knappe.

Lebensraum Bergbach

"Um die raren Algen zu finden, wandert man am besten zu den Quellbächen der Mittelgebirge", verrät die Phykologin Knappe. Im Schatten von Brücken siedeln die graugrünen bis bräunlichen, manchmal sogar leuchtend roten Fadenbüschel. Plätze in praller Sonne meiden sie. Meist sind die etwa zwei bis zwölf, manchmal sogar bis zu zwanzig Zentimeter langen Pflanzen auf den nackten Steinen festgewachsen, sitzen aber auch auf Holz oder auf anderen Wasserpflanzen. "Man erkennt sie an ihrer glitschigen Gestalt und ihrem Schlängeln, das durch die Wasserbewegung verursacht wird", beschreibt Knappe. Am besten beobachtet man sie im Frühjahr oder Herbst, denn in den Sommermonaten sind meist kleine Exemplare zu finden, weil das Wasser vielerorts zu warm wird.

Außergewöhnliche Energiegewinnung

Froschlaichalgen zählen zur Gruppe der Rotalgen und sind die häufigste Gattung der etwa 150 weltweit im Süßwasser vorkommenden Arten. Biologen interessiert an Froschlaich- und anderen Rotalgen zum einen wie sie aus Licht Energie gewinnen. Aufgrund ihrer Pigmentzusammensetzung nutzen sie andere Wellenlängen für die Photosynthese als etwa Grünalgen oder Samenpflanzen. Diese rötlichen Farbstoffe gaben den Rotalgen ihren Namen. Im Gegensatz zu vielen Meeresalgen erscheinen die Froschlaichalgen und die meisten Süßwasser-Rotalgen jedoch olivgrün oder graublau, weil ihre Pigmente in einem anderen Mischungsverhältnis vorliegen.

Einzigartig: Teilung und Sex wechseln dreimal

Zum anderen sind die Lebenswissenschaftler an den Generationszyklen interessiert: Rotalgen sind die einzigen Lebewesen, bei denen sich drei Generationen nacheinander abwechseln; sie vermehren sich dabei teils sexuell und teils ungeschlechtlich. Bei diesem Generationswechsel folgen auf eine Generation mit sexueller Fortpflanzung (Gametophyt) noch zwei Generationen mit doppeltem Chromosomensatz, die durch Teilungen entstehen (Karposporophyt und Tetrasporophyt). Der Karposporophyt entlässt Karposporen, aus denen der Tetrasporophyt heranwächst. Erst die zweite Teilungsgeneration bringt weibliche und männliche Sporen mit einfachem Chromosomensatz hervor. Auf Bäume übertragen würde das bedeuten, dass sie sich zuerst teilen und Sporen hervorbringen müssten, die sich zu einem eigenständigen Lebewesen entwickeln. Erst dieser Organismus würde - wenn er selbst geschlechtsreif ist - Fruchtknoten und Pollen für die sexuelle Vermehrung produzieren.

Alle Generationen bleiben zusammen

"Die Entwicklung der Froschlaichalgen verläuft sogar ganz speziell: Es entsteht zunächst ein völlig anders aussehender, kleiner fädiger Sporophyt, das sogenannte Chantransia-Stadium mit doppeltem Chromosomensatz. Daraus wächst ein wirteliger Gametophyt mit einfachem Chromosomensastz, die eigentliche Froschlaichalge. Nach deren sexueller Vermehrung entsteht ein unscheinbarer Karposporophyt mit doppeltem Chromosomensatz", berichtet Knappe. "Und alle drei Generationen bleiben zeitlebens miteinander verbunden", ist die Algenforscherin fasziniert. "Ich freue mich über jede Froschlaichalge, die ich in einem Bach entdecke. Nicht nur weil sie mein Spezialgebiet sind", fügt Knappe hinzu, "sondern weil sie mir wirklich sauberes Wasser anzeigen, das ich bei meinen Exkursionen leider immer seltener finde". (Pressetext: Dr. Esther Schwarz-Weig, http://www.WissensWorte.de)

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Die Sektion Phykologie (Algenkunde) ist eine der fünf Fachsektionen der Deutschen Botanischen Gesellschaft e. V. Die Sektion fördert die Algenforschung und unterstützt den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ihre Mitglieder untersuchen Algen wissenschaftlich und bearbeiten unter anderem taxonomische, ökologische, physiologische und molekularbiologische Fragestellungen an Mikro- und Makroalgen. Seit 2007 wählt die Sektion jedes Jahr eine Alge zum Organismus des kommenden Jahres.

Fotos: http://www.dbg-phykologie.de/pages/22PressemitteilungAlgeJahr2010.html
Die Bilder sind freigegeben zur Verwendung in Zusammenhang mit der Berichterstattung über das Thema "Alge des Jahres 2010" unter Nennung der Urheberin (Dr. Johanna Knappe, Philipps-Universität Marburg).

Weitere Informationen:
Ansprechpartnerin: Dr. Johanna Knappe,
Spezielle Botanik und Mykologie
Tel.: 06421 28-22081
E-Mail: knappe@staff.uni-marburg.de

DBG im Internet: http://www.deutsche-botanische-gesellschaft
Sektion Phykologie: http://www.dbg-phykologie.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Helfen Sie mit, die Ursachen des Typ-1-Diabetes während der Pubertät herauszufinden!

Christine Huber, Pressestelle
Forschergruppe Diabetes

Typ-1-Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung im Kindes- und Jugendalter. Neuesten Untersuchungen zufolge wird sich die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen im Jahr 2020 nahezu verdoppelt haben. Der erste Schritt zur Entwicklung von Therapien, damit Typ-1-Diabetes in Zukunft verhindert beziehungsweise geheilt werden kann, ist die Erforschung der Ursachen. Wenn bekannt ist, was die Entwicklung von Typ-1-Diabetes beeinflusst, kann daran gearbeitet werden, diese Entwicklung zu stoppen!
Die Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München führt die TEENDIAB-Studie durch, um die Faktoren zu identifizieren, die während der Pubertät die Entwicklung der Autoimmunkrankheit Typ-1-Diabetes beeinflussen.

Deshalb sucht sie Kinder ab dem Alter von acht Jahren bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres, in deren familiärem Umfeld (Mutter, Vater oder Geschwister) bereits Typ-1-Diabetes aufgetreten ist. Die Forschergruppe Diabetes möchte die Kinder und Jugendlichen, die an der TEENDIAB-Studie teilnehmen, bis zum Alter von achtzehn Jahren in regelmäßigen Abständen beobachten. Die Termine beinhalten die regelmäßige Untersuchung auf diabetesspezifische Antikörper, die typischen Vorboten einer Diabeteserkrankung.

Das bedeutet für die teilnehmenden Familien einen großen Vorteil: Durch engmaschige Untersuchungen kann die Diagnose "Typ-1-Diabetes" im Fall des Falles frühzeitig gestellt werden. Dies hilft, Komplikationen zu vermeiden.

Um zu untersuchen, welche Faktoren die Entstehung des Typ-1-Diabetes beeinflussen, ist die Forschergruppe Diabetes auf die Hilfe von Studienteilnehmern angewiesen. In die TEENDIAB-Studie werden deutschlandweit 1500 Kinder eingeschlossen. Mit dieser einzigartig hohen Anzahl an teilnehmenden Kindern ist die Repräsentativität der erlangten Daten gesichert. Auf diese Weise können die Studienärzte die Ursachen des Typ-1-Diabetes erkennen und neue Präventionsmaßnahmen entwickeln. Ohne die Unterstützung und Hilfe der teilnehmenden Familien wären diese Untersuchungen nicht möglich.

Die Forschergruppe Diabetes arbeitet daran, dass Typ-1-Diabetes in Zukunft verhindert beziehungsweise geheilt werden kann - Sie können ihr dabei helfen!

Interessierte Familien oder Ärztinnen und Ärzte, die Infomaterial für ihre Patienten anfordern möchten, melden sich bei der

Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München
Leitung: Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler
Kölner Platz 1, 80804 München
Kostenlose Hotline: 0800-828 48 68
E-Mail: TEENDIAB@lrz.tu-muenchen.de

Pressekontakt:
Christine Huber
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
--------------------------------------------------
Forschergruppe Diabetes
der Technischen Universität München
Leitung: Prof. Dr. Anette-Gabriele Ziegler

Kölner Platz 1, 80804 München
Tel. 089/30 68 33 80
E-Mail: christine.huber@lrz.uni-muenchen.de
Weitere Informationen:
http://ifdf.de/teendiab.html - Weitere Informationen zur TEENDIAB-Studie

Anhang
Flyer für interessierte Eltern
http://idw-online.de/pages/de/attachment1558

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Bonner Forscher setzen Zugspitz-Gipfel unter Strom

Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Forscher der Universität Bonn haben eine raffinierte Methode entwickelt, um die "Innentemperatur" des Zugspitz-Gipfels zu messen: Sie setzen das Gestein unter Strom und messen seine Leitfähigkeit. Daraus können sie auf die Temperaturverteilung im Fels schließen. Die Wissenschaftler haben ihre Ergebnisse nun im "Journal of Geophysical Research - Earth Surface" vorgestellt (doi:10.1029/2008JF001209). Sie wollen die Methode nutzen, um gefährliche Felsstürze vorherzusagen. Erwärmung gilt als eine wichtige Ursache derartiger Naturkatastrophen.
Vor 3.700 Jahren verlor Deutschland vermutlich seinen einzigen Dreitausender. Innerhalb weniger Minuten brach ein 900 Meter hoher Felskeil aus der Nordflanke der Zugspitze ab - darunter wahrscheinlich auch Teile des Gipfels. Fast vierhundert Millionen Kubikmeter Geröll rasten mit einem gewaltigen Donnern zu Tal. Wollte man die Trümmer wegschaffen, bräuchte man dazu einen Güterzug von 50.000 Kilometern Länge - das ist mehr als der Erdumfang. Heute leben auf den Überresten der Zugspitz-Nordflanke über 10.000 Menschen.

Der Bergsturz war wohl eine Spätfolge des Klimawandels im Holozän: Vor etwa 6.000 Jahren setzte nämlich eine Warmphase ein, in deren Verlauf sich die Durchschnittstemperatur in den Alpen um bis zu zwei Grad erhöhte. Hatten zuvor die eisigen Temperaturen den Zugspitz-Gipfel dauerhaft bei Minusgraden gehalten, begann das Gestein nun zu tauen. Dadurch wurde es zunehmend instabil: Die Katastrophe nahm ihren Lauf.

Sollte diese Theorie stimmen, stehen den Einwohnern von Garmisch-Partenkirchen eventuell gefährliche Zeiten bevor. Denn momentan steigt das Quecksilber am Zugspitz-Gipfel wieder: Die Lufttemperatur dort oben beträgt heute im Jahresschnitt -3,9 Grad Celsius - das ist fast ein Grad wärmer als noch zwischen 1961 und 1991. "Wir wollen wissen, welche Auswirkungen das auf die Stabilität des Gesteins hat", sagt Dr. Michael Krautblatter vom Geographischen Institut der Uni Bonn.

Dazu müssen die Forscher zunächst einmal herausfinden, wie viel von der Erwärmung im Inneren der Felsen ankommt. Einfach tiefe Löcher zu bohren und Thermometer hineinzustecken, funktioniert in den bereits instabilen Bereichen nicht. Stattdessen nutzen die Wissenschaftler ein elektrisches Tomographie-Verfahren. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde in die Nordwand des Zugspitz-Gipfels ein fast 300 Meter langer Stollen gegraben. "In die Wand dieses Stollens haben wir 140 Elektroden geschraubt", erläutert Krautblatter. "An jeweils zwei davon legen wir eine Spannung an - an welche zwei, wird variiert. An allen anderen messen wir, wie viel Strom dort ankommt."

Die Forscher gewinnen so pro Messtag mehr als 1.400 Werte. Hieraus können sie mit Hilfe tomographischer Algorithmen die Verteilung der elektrischen Leitfähigkeit innerhalb des Felsens bestimmen. Und diese hängt stark von der Temperatur ab. Das Gestein an sich leitet Strom nämlich nicht. Es enthält aber winzige mit Wasser gefüllte Hohlräume. Darin gelöst sind geladene Teilchen, die Ionen. Solange das Wasser flüssig ist, können sie sich bewegen. Sobald es aber gefriert, ist es mit ihrer Beweglichkeit vorbei: Die Leitfähigkeit sinkt. "Und zwar nicht abrupt, sondern in Abhängigkeit von der Temperatur", erklärt der Bonner Geophysiker Professor Dr. Andreas Kemna. "Anfangs sind nämlich nur Teile des Wassers gefroren. Dieser Anteil nimmt aber mit steigenden Minusgraden schnell zu."

Um diese Zusammenhänge zu verstehen, hatten die Forscher zunächst ein Stück Zugspitz-Gestein in ihr Bonner Labor verfrachtet. Dort ließen sie es kontrolliert auftauen und abkühlen und ermittelten dabei die Änderung der Leitfähigkeit. Ihre Ergebnisse übertrugen sie dann auf die Messwerte aus dem Feldversuch. Monat für Monat konnten sie so ein Tomographiebild des Zugspitz-Gipfels erstellen, an dem sich die Temperatur im Gestein ablesen lässt. Und das lokal für jeden Bereich zwischen Stollen und Nordwand. "Wir können also beispielsweise sagen: An dieser Stelle ist der Felsen in neun Metern Tiefe -3 bis -4 Grad kalt", sagt Kemna.

Die aktuelle Studie ist weltweit der erste Beleg, dass so etwas überhaupt geht. So ist auf den Tomographiebildern gut zu erkennen, wie sich die Temperatur im Fels während des Frühjahrs und Sommers schrittweise erhöht. Die Permafrost-Zone (das ist der Bereich, in dem dauerhaft Temperaturen unter Null herrschen) wird dabei sukzessive kleiner. Besonders trifft die saisonale Erwärmung Stellen in der Nordwand, die nicht von einer isolierenden Schneeschicht bedeckt sind.

Wärme lässt Felsen rutschen

Die Forscher haben inzwischen auch erste Anhaltspunkte, wie sich die Erwärmung auf die Stabilität des Gesteins auswirkt. "Wir konnten bei Experimenten in unserer Kältekammer zeigen, dass die Reibung zwischen zwei Felsen bei steigenden Temperaturen sinkt", erklärt Michael Krautblatter. "Die feinen Unebenheiten, die das Gestein miteinander verzahnen, werden dann instabiler und schleifen sich leichter ab. Wir beobachten an der Zugspitze momentan einen großen Steinquader, der seit ewigen Zeiten auf einer steil abschüssigen Felswand ruht. Wenn die Temperaturen sich weiter nach oben entwickeln, könnte es mit dieser Ruhe bald vorbei sein." Sollte sich der Quader tatsächlich lösen und ins Tal schießen, kann das weitere Felsstürze auslösen - ähnlich wie ein einzelner Skiläufer ein ganzes Schneefeld ins Rutschen bringen kann.

Bilder zu dieser Pressemitteilung gibt's im Internet unter
http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/365-2009

Kontakt:
Dr. Michael Krautblatter
Geographisches Institut der Uni Bonn
Telefon: 0228/73-9098
E-Mail: michael.krautblatter@giub.uni-bonn.de

Prof. Dr. Andreas Kemna
Steinmann-Institut, Lehrstuhl für Angewandte Geophysik der Uni Bonn
Telefon: 0228/73-3060
E-Mail: kemna@geo.uni-bonn.de

Weitere Informationen:
http://www3.uni-bonn.de/Pressemitteilungen/365-2009 - weitere Bilder

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Auch Plätzchen können Kopfschmerzen verursachen - Deutliche Gewichtszunahme kann Kopfschmerz auslösen

Rita Wilp, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft

Weihnachtszeit besonders kritisch

Viele Menschen vermuten einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Kopfschmerzen und ihrer Ernährung. Am besten ist der Zusammenhang für alkoholische Getränke gesichert. Sie führen bei übermäßigem Genuss zum Katerkopfschmerz. Weit weniger bekannt ist, dass auch Übergewicht zu Kopfschmerzen führen kann. Die idiopathische intrakranielle Hypertension (IIH) - früher Pseudotumor cerebri genannt - weist viele Symptome und Beschwerden auf, die auch bei Hirntumoren auftreten können. Ihre Leitsymptome sind zunehmende Kopfschmerzen, Sehstörungen und häufig auch Ohrgeräusche.
"Gerade die Vorweihnachtszeit ist für Übergewichtige besonders gefährlich. Durch die süßen Verlockungen und die Adventsfeiern kommt schon mal das eine oder andere Kilo mehr auf die Waage," sagt Privatdozentin Dr. Stefanie Förderreuther von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Eine deutliche Gewichtszunahme könne eine IIH auslösen. Betroffene entwickeln scheinbar ohne Grund vermehrt Kopfschmerzen, oft verbunden mit Übelkeit oder Erbrechen. Der Kopfschmerz kann den gesamten Kopf betont im Stirn- oder Hinterhauptsbereich oder auch nur eine Kopfhälfte betreffen. Manchmal strahlen die Schmerzen auch in die Schulterregion aus. Typisch für die IIH ist, dass der Kopfschmerz von Tag zu Tag nicht nur immer häufiger kommt, sondern auch immer intensiver wird.

Die IIH ist insgesamt selten. Sie betrifft in erster Linie übergewichtige Frauen vor Einsetzen der Wechseljahre; auch Kinder können erkranken. Männer sind deutlich seltener betroffen. Epidemiologische Untersuchungen zeigen, dass etwa eine bis 1,8 von 100.000 Frauen der Allgemeinbevölkerung und etwa ein Kind von 100.000 Kindern erkranken. Betrachtet man ausschließlich Menschen, die mindestens 20 Prozent über ihrem Idealgewicht liegen, so steigt die Zahl der betroffenen Frauen auf 19 pro 100.000 und die der Männer von 0,3 auf 1,5 pro 100.000. Mit der Zunahme Übergewichtiger in der Gesellschaft steigt auch die Zahl der Erkrankten stetig.

Im Verlauf der IIH treten typischerweise Sehstörungen auf. Tückisch ist, dass eine langsam fortschreitende Verschlechterung der Sehschärfe anfangs oft gar nicht bemerkt wird. Kommt es jedoch zusätzlich zu einem Flimmersehen oder zu sogenannten visuellen Obskurationen (Sehstörungen, bei denen es plötzlich für einige Sekunden auf einem Auge schwarz wird) suchen viele Betroffene den Augenarzt auf. Der findet dann bei der Untersuchung des Augenhintergrundes eine Schwellung des Sehnerven und häufig zusätzlich Gesichtsfeldausfälle und eine Verschlechterung der Sehschärfe, die nicht durch eine Brille korrigiert werden kann.

Bei der IIH kommt es im Schädelinneren zu einer Erhöhung des Druckes. Welche Mechanismen zu der Druckerhöhung führen ist bislang leider nicht bekannt. Unbestritten ist jedoch ein Zusammenhang mit dem Körpergewicht. Der erhöhte Druck im Schädelinneren verursacht die Kopfschmerzen und eine Schädigung der Sehnerven. Durch eine Lumbalpunktion (Nervenwasserpunktion) kann der erhöhte Druck nicht nur gemessen und damit die Diagnose gesichert werden, sondern auch durch Ablassen von Nervenwasser eine sofortige Druckentlastung herbeigeführt werden.

Unbehandelt beeinträchtigen die Kopfschmerzen die Patienten im Alltag nicht nur erheblich. Das Hauptrisiko für die Betroffenen beruht auf dem Umstand, dass die Sehstörungen unbehandelt immer weiter fortschreiten und letztlich zu dauerhaften Defiziten bis hin zur Erblindung führen können. Mit speziellen Medikamenten, die den Druck im Schädelinneren reduzieren und wiederholten Nervenwasser Entnahmen, werden die meisten Patienten rasch beschwerdefrei. Für eine dauerhafte Heilung von der IIH müssen die Patienten jedoch auch ihr Gewicht reduzieren.

Privatdozentin Dr. Stefanie Förderreuther
Neurologische Klinik der Universität München - Neurologischer Konsiliardienst am Standort Innenstadt
Ziemssenstr.1, 80336 München
Steffi.Foerderreuther@med.uni-muenchen.de
Tel. 089 / 5160 2455
Fax. 089 / 5160 4915

Generalsekretär und Pressesprecher
Prof. Dr. Dipl.-Psych. Peter Kropp
Institut für Medizinische Psychologie im Zentrum für Nervenheilkunde
an der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock
Gehlsheimer Str. 20, D-18147 Rostock
Telefon +49 381 4949530/31
E-Mail peter.kropp@med.uni-rostock.de
Weitere Informationen:
http://www.dmkg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Internationales Symposium "Auen und Hochwasser" in Ingolstadt

Dipl.-Journ. Constantin Schulte Strathaus, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Ob und wie sich Hochwasserschutz, Naturschutz sowie Land- und Forstwirtschaft durch Auen miteinander in Einklang bringen lassen, thematisiert am 10. und 11. Februar 2010 das internationale Symposium "Auen und Hochwasser" in der Kolpingakademie Ingolstadt. Veranstalter sind die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU), das Aueninstitut Neuburg/Donau, die Fachgemeinschaft Hydrologische Wissenschaften, das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit sowie die Universität der Bundeswehr (München). Die Tagung richtet sich an Wissenschaftler, Fachleute aus Verwaltung und Kommunen sowie an Ingenieure.
Zum Abschluss der Veranstaltung findet am 11. Februar eine Podiumsdiskussion unter dem Titel "Die Auen als Natur- und Lebensraum, Rückhalteraum für Hochwasser sowie land- und forstwirtschaftliche Nutzfläche - ein unlösbarer Widerspruch?" statt, an der unter anderem der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Prof. Dr. Hubert Weiger, teilnehmen wird. Interessenten haben noch Gelegenheit, sich für das Symposium anzumelden.

Die Flussauen Mitteleuropas sind in den vergangenen 150 Jahren stark verändert worden, denn sie waren schon immer bevorzugte Siedlungsgebiete. Durch den Druck von Landwirtschaft, Verkehr und Industrie, sowie von Siedlung und Gewerbe sind ihre Wasserläufe oft gestreckt und ausgebaut, ihre Überschwemmungsflächen kultiviert und ausgedeicht worden. Inzwischen ist man sich darüber im Klaren, dass Auen nicht allein der Nutzung durch den Menschen dienen, sondern dass sie in ihrer ursprünglichen Gestaltung für den Schutz vor Hochwasser unabdingbar und für das Funktionieren der Ökosysteme unverzichtbar sind. Dort treffen - wie an kaum einem anderen Ort - Belange des Naturschutzes und der Wasserwirtschaft aufeinander, die es vor dem Hintergrund der Erhaltung von Biodiversität und des Hochwasserschutzes abzustimmen gilt.

Seit wenigen Jahrzehnten werden Lösungen erarbeitet und an Beispielen in der Praxis erprobt. Erste Ergebnisse liegen bereits aus einigen Bundesländern und dem Ausland vor. Das Symposium widmet sich diesem aktuellen Thema in einer Phase, die vom Wandel gekennzeichnet ist. Was muss dabei beachtet werden? Welche Erfahrungen gibt es bereits? Aus unterschiedlichen Blickwinkeln sollen wissenschaftliche Grundlagen betrachtet, mögliche Lösungswege aufgezeigt, verschiedene Beispiele aus dem In- und Ausland vorgestellt und wertvolle Anregungen für die eigene Arbeit gegeben werden.

Nähere Informationen zu Anmeldung und Teilnahmegebühren sowie das komplette Programm der Tagung finden sich unter http://www.auen-und-hochwasser.de.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Time Magazine kürt Computer-Algorithmus für Packprobleme zu einer der 50 wichtigsten Erfindungen 2009

Petra Giegerich, Kommunikation und Presse
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Wenn es ums Packen geht, sind Mainzer Wissenschaftler unschlagbar
Das Time Magazine hat einen Computer-Algorithmus für die Optimierung von Packproblemen als eine der 50 wichtigsten Erfindungen des Jahres 2009 bezeichnet. Der Algorithmus wurde an der Universität Mainz von Privatdozent Dr. Johannes Josef Schneider, Professor Dr. Elmar Schömer und André Müller entwickelt und löst die Aufgabe, wie man mehrere, unterschiedlich große Scheiben so in einem Kreis anordnen kann, dass sie möglichst wenig Platz brauchen. Johannes Schneider konnte mit seiner Lösung alle Weltrekorde, die bei einem internationalen Wettbewerb zu diesem Problem aufgestellt wurden, einstellen oder sogar übertreffen. "Dabei ist unser Algorithmus nicht nur für das Kreisscheiben-Problem bestens geeignet, sondern er löst auch jegliches andere Packproblem und lässt sich zudem auf Fragestellungen aus der Tourenplanung, der Produktionsplanung oder der Personaleinsatzplanung anwenden", sagt Schneider.

Praktische Anwendungen des Optimierungsalgorithmus gibt es vielfach in der Automobilindustrie: Mit Hilfe des Computers kann beispielsweise für die Endmontage ermittelt werden, in welcher Reihenfolge die einzelnen vorgefertigten Karosserien aufs Fließband gebracht werden müssen, um möglichst kostengünstig zu produzieren. Derzeit untersucht die Gruppe für einen großen deutschen Automobilhersteller, wie man das Volumen eines Kofferraums am besten ausnutzen kann. Aber auch für Transportunternehmen und in der Logistik können Optimierungsalgorithmen wichtig sein. "Wir waren sehr überrascht und freuen uns, dass unser Pack-Algorithmus von dem US-Nachrichtenmagazin Time auf die Liste der 50 besten Erfindungen dieses Jahres gewählt wurde", erklärte Schneider zu der besonderen Auszeichnung.

Das beste Lösungsverfahren finden die Mainzer Wissenschaftler, indem sie sich durch Annäherung an die Lösung herantasten. Dazu werden mit Monte-Carlo-Simulationen - benannt nach Monacos Stadtteil mit dem berühmten Spielcasino - zufällige Ereignisse am Computer simuliert. "Das geht wie im Casino, wo zufällig die Zahl zwölf am Roulette-Tisch fällt, so erzeugt der Computer zufällig eine Anordnung", erläutert Schneider. Im Beispiel mit den Kreisscheiben versetzt der Rechner dann eine der Scheiben irgendwo hin und vergleicht diese neue Lösung mit der vorherigen. Diese Veränderung wird rückgängig gemacht, wenn das Ausmaß der Verschlechterung zu groß ist, ansonsten bleibt es bei der neuen Lösung. "Auf diese Weise verändert man die Anordnung der Kreisscheiben Schritt um Schritt, so lange, bis das Endergebnis vorliegt."

Kontakt und Information:
Dr. Johannes J. Schneider
Schwerpunkt für rechnergestützte Forschungsmethoden
in den Naturwissenschaften
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. +49 (0) 151-27562415
Fax +49 (0) 6131 39-25441
E-Mail: schneidj@uni-mainz.de

Weitere Informationen:
http://www.staff.uni-mainz.de/schneidj
http://www.time.com/time/specials/packages/article/0,28804,1934027_1934003_19339...

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Wider den wilden Wurzelwuchs: Kanäle umweltschonend bauen

Franz-Georg Elpers, Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Neue Bodenstruktur verhindert Schäden an Abwassersystem und sichert alten Baumbestand
Osnabrück. Unter der Erde schlummert ein unsichtbares, weit verzweigtes Netz: das Wurzelwerk von jahrzehntealten Bäumen gräbt sich in die Tiefe, wuchert um Leitungen und Rohre. Nicht selten entstehen so Schäden an unterirdischen In-frastrukturanlagen. Das Kanalsystem kann undicht werden oder verstopfen, ungeklärtes Abwasser in den Boden gelangen. Bei den Reparaturarbeiten muss zudem häufig ein Teil der Wurzeln entfernt werden. Dadurch werden Bäume oft so geschädigt, dass sie absterben. Doch das IKT - Institut für Unterirdische Infrastruktur (Gelsenkirchen) geht davon aus, dass der unkontrollierte Wurzelwuchs durch geeignete Bodenbeschaffenheiten verhindert werden kann. Heute startete es dazu eine einzigartige Versuchsanlage am Waldfriedhof Dodesheide in Osnabrück. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Vorhaben mit knapp 52.000 Euro. "Tiefbaumaßnahmen und Baumschutz können so künftig aufeinander abgestimmt werden", so DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde beim Projektauftakt.

Rund acht bis zehn Meter ragen die Testbäume für die neuartige Versuchsanlage in die Höhe. Ihre Wurzeln schlagen sie fast genauso tief - unter optimalen Wachstumsbedingungen. Und diese werden auch durch die Bodenbeschaffenheit bestimmt. "Im innerstädtischen Gebiet können sich Pflanzen aufgrund der zahlreichen unterirdischen Infrastruktursysteme nur schwer ausbreiten. Wurzeln entwickeln sich dann verstärkt in die Breite, häufig nur bis zu 1,50 Meter tief, und wachsen in Rohre und Leitungen", erklärt IKT-Geschäftsführer Roland W. Waniek. Abhilfe könne ein auf die Bäume abgestimmter Boden schaffen, in den die Kanalsysteme gebettet werden. "Porenreiche Mischungen mit einem hohen Sauerstoffgehalt durchwurzeln Bäume besonders gut", weiß Waniek. "So ließe sich durch den Boden lenken, wohin die Wurzeln wachsen." Denkbar seien Zusammensetzungen aus Sand, Kiesel oder vulkanischem Gestein. Erfahrungen aus der Praxis fehlten allerdings bislang. Diese würden jetzt auf dem neuen Testgebiet gewonnen.

Insgesamt 21 ausgewachsene Bäume werden dafür an den Rand des Waldfriedhofs Dodesheide verpflanzt. Alle stammen aus einer früheren Untersuchungsanlage des Eigenbetriebs Grünflächen und Friedhöfe der Stadt Osnabrück in unmittelbarer Nähe. Da die Stadt das Gebiet allerdings langfristig in Bauland umwandelt, wandern die Eschen, Linden und Platanen nun 500 Meter weiter an einen neuen Platz. Der Erste der rund zehn Tonnen schweren Kolosse zog heute mit Hilfe einer speziellen Baumverpflanzmaschine um. Zunächst müssen die Wurzeln der Testbäume in den unterschiedlich angereicherten Böden verwachsen. In einem zweiten Schritt werden dann exemplarisch Rohre verlegt, um die Reaktion der Pflanzen auf Böden und Leitungen zu testen. "Der unmittelbar um die Rohre liegende Bereich sollte am Besten mit porenarmen Mischungen gefüllt werden. Denn je weniger Hohlräume vorhanden sind, desto schlechter können die Wurzeln in Richtung Leitungen und Rohre wachsen", erklärt Christoph Bennerscheidt, Projektleiter am IKT.

Vor allem der Tiefbau könne von den Ergebnissen der Versuchsanlage am Waldfriedhof profitieren: "Künftige Kanalsysteme lassen sich auf Basis unserer Erkenntnisse an die Anforderungen des lokalen Baumbestandes anpassen, und später anfallende Sanierungsarbeiten werden effektiv verhindert", so Waniek. Positive Effekte sieht Brickwedde aber auch für Umwelt und Bewohner. "Bäume sind wichtige Sauerstofflieferanten und somit verantwortlich für ein angenehmes Stadtklima. Im Sommer funktionieren sie zudem als Schattenspender und natürliche Klimaanlage. Ihren Bestand zu erhalten, ist von sehr großer Bedeutung", betont der DBU-Generalsekretär. "Das Vorhaben des IKT ist daher ein wegweisendes Projekt, das für Städte und Gemeinden bundesweit von Interesse ist."

Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel29560_106.html

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Neue Influenza: Ständige Impfkommission aktualisiert Impfempfehlungen

Susanne Glasmacher, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Robert Koch-Institut

Die Impfung gegen die Neue Influenza ("Schweinegrippe") ist nach wie vor wichtig, da die momentane Welle noch andauert und davon auszugehen ist, dass nach Erreichen des Scheitelpunkts einer Welle in der Regel mindestens noch einmal so viele Fälle auftreten wie vor Erreichen des Scheitelpunktes. Außerdem kann die weitere Entwicklung der Grippeaktivität im Winter nicht vorausgesehen werden, frühere Influenzapandemien sind oft in mehreren Wellen aufgetreten. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat jetzt ihre Empfehlungen zur Schutzimpfung gegen die Neue Influenza erweitert.

Anfang Oktober war zunächst die Impfung für Medizinpersonal, chronisch Kranke und Schwangere empfohlen worden (Indikationsgruppen 1 bis 3). Nun wird empfohlen, in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit der Impfstoffe stufenweise die Impfung aller Indikationsgruppen durchzuführen. Dabei sollen zunächst Haushaltskontaktpersonen ungeimpfter Risikopersonen (zum Beispiel Eltern von Kindern unter sechs Monaten, die nicht geimpft werden können, oder Haushaltskontakte von ungeimpften chronisch Kranken) sowie Kinder und junge Erwachsene im Alter bis 24 Jahre ohne Grundkrankheit (Gruppe 5) eine Impfung erhalten. Im weiteren Verlauf sollen dann Personen im Alter von 25 bis 59 Jahren (Gruppe 6) und schließlich Personen ab 60 Jahre (Gruppe 7) geimpft werden.

Die STIKO betont, dass es weiterhin fachlich angemessen ist, in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit der Impfstoffe in zeitlicher Reihenfolge vorrangig die Indikationsgruppen 1-3 zu impfen. Bei rund drei Viertel der in Deutschland im Zusammenhang mit der Neuen Influenza verstorbenen Menschen gibt es Hinweise auf eine Grundkrankheit. Die aktuellen Daten unterstreichen jedoch auch ein erhöhtes Risiko von jungen Kindern und von Jugendlichen, sowohl an der Neuen Influenza A (H1N1) zu erkranken als auch schwere Krankheitsverläufe zu entwickeln.

Beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) liegen, wie in anderen Staaten auch, keine Hinweise für vermehrte schwere unerwünschte Wirkungen nach einer Impfung vor, Berichte dazu siehe http://www.pei.de/schweinegrippe. Aber wie vor anderen Impfungen sollte auch bei der neuen Influenza-Impfung grundsätzlich eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung vorgenommen werden. Die Organisation der Impfung ist Aufgabe der Länder.

Ergänzend zur STIKO-Empfehlung haben das PEI und das RKI mitgeteilt, dass nach derzeitigem Stand eine einmalige Impfung in allen Altersgruppen ausreicht.

Auf der Südhalbkugel, wo der Winter inzwischen vorbei ist, war die Zahl der Todesfälle durch das neue Virus auf die Bevölkerung bezogen (Mortalität) geringer als in einer saisonalen Welle. Da aber die Todesfälle vor allem in den jüngeren Altersgruppen auftraten (anders als in saisonalen Grippewellen), hält es das Europäische Zentrum für Krankheitskontrolle und Prävention (ECDC) für möglich, dass die Zahl der verlorenen Lebensjahre durch die neue Grippe höher sein könnte als in saisonalen Wellen.

Zur Verringerung des Infektionsrisikos sollten unverändert auch die persönlichen Hygienemaßnahmen - z.B. häufiges Händewaschen - beitragen, vor allem bei vielen Kontakten zu anderen (weitere Informationen siehe: http://www.wir-gegen-viren.de).

Die STIKO erinnert auch an die Impfung gegen die saisonale Influenza, die den bekannten Risikogruppen weiterhin empfohlen wird: chronisch Kranke und Personen über 60 sowie medizinisches Personal und Menschen mit viel Kontakt zu anderen.

Weitere Informationen: http://www.rki.de/influenza und http://www.rki.de/impfen

***************************

Herausgeber
Robert Koch-Institut
Nordufer 20
D-13353 Berlin
http://www.rki.de

Das Robert Koch-Institut ist
ein Bundesinstitut im
Geschäftsbereich des
Bundesministeriums für Gesundheit

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Desertec: Wirtschaftliche Dynamik und politische Stabilität durch Solarkraft?

Peter Peetz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
GIGA German Institute of Global and Area Studies

Im Juli 2009 stellten Vertreter großer deutscher Unternehmen, allen voran die Münchener Rück, das Projekt Desertec vor. Durch Solar- und Windkraftanlagen in der MENA-Region (Middle East & North Africa) solle bis zum Jahr 2050 15 Prozent des EU-weiten Strombedarfs gedeckt werden. Den MENA-Staaten wurden wirtschaftliche Dynamik auf Grundlage umweltfreundlicher Technologien und politische Stabilität durch Anbindung an die EU in Aussicht gestellt.

"GIGA Focus Nahost" von Sören Scholvin http://www.giga-hamburg.de/giga-focus/nahost

Das Desertec-Projekt weckt hohe Erwartungen für die Entwicklung der MENA-Region.
-- Ob Desertec in dem geplanten Umfang realisiert werden kann, ist jedoch fraglich. Dagegen sprechen zunächst technische und wirtschaftliche Hindernisse. Die Übertragungsverluste über mehrere Tausend Kilometer sind beträchtlich. Solar- und Windkraft verfügen in Mitteleuropa über konkurrenzfähige Produktionsbedingungen. Zudem wird die instabile Sicherheitslage in vielen MENA-Staaten - vor allem die Gefahr terroristischer Anschläge - die Umsetzung des Projektes behindern.
-- Selbst wenn Desertec umgesetzt wird, dürften substanzielle wirtschaftliche und politische Vorteile für die MENA-Region ausbleiben. Desertec ist von Planung und Finanzierung über Bau und Wartung bis hin zur Nutzung ein von europäischen Konzernen dominiertes Vorhaben, das dem Ziel dient, Europas Energieversorgung zu diversifizieren und ressourcenunabhängig zu machen.
-- Höchstens die arabischen Golfstaaten, aber kaum die Länder Nordafrikas und der Levante-Region können in Schlüsselpositionen teilhaben. Positive Entwicklungseffekte für die MENA-Staaten sind daher nur sehr begrenzt und fast ausschließlich für die ohnehin Wohlhabenden unter ihnen zu erwarten.

Das GIGA German Institute of Global and Area Studies gibt Focus-Reihen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost sowie zu globalen Fragen heraus. Zugang besteht kostenlos unter http://www.giga-hamburg.de/giga-focus.

Weitere Informationen:
http://www.giga-hamburg.de/giga-focus/nahost - GIGA Focus Nahost
http://www.giga-hamburg.de/giga-focus - GIGA Focus (aktuelle Kurzanalysen zu Afrika, Asien, Lateinamerika, Nahost und zu globalen Fragen)
http://www.giga-hamburg.de/imes - Website: GIGA Institut für Nahost-Studien
http://www.giga-hamburg.de - Homepage des GIGA German Institute of Global and Area Studies

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Braune Fettzellen lassen Fettpölsterchen schmelzen

Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Die Natur hat den Menschen mit einem speziellen Heizaggregat ausgestattet, den braunen Fettzellen. Ihr einziger Sinn ist es, Fett zu verbrennen und so Wärme zu erzeugen. Forscher der Universität Bonn haben nun einen neuen Signalweg gefunden, der die Produktion und Funktion brauner Fettzellen anregt. Sie schlagen vor, das natürliche Heizaggregat zu nutzen, um unerwünschte Fettpölsterchen einfach zu "verbrennen". An der Studie waren auch Wissenschaftler aus Heidelberg, Köln, Martinsried und des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) beteiligt. Die Ergebnisse erscheinen am 1.12. in der Zeitschrift Science Signaling (doi: 10.1126/scisignal.2000511).
Braunes Fettgewebe unterscheidet sich von weißen Fettpölsterchen: Es enthält massenhaft so genannte Mitochondrien, Minikraftwerke, die unter anderem Fett "verbrennen" können. Normalerweise erzeugen sie dabei ähnlich wie eine Batterie eine Spannung, die wiederum die Energie für zelluläre Prozesse liefert. Die Mitochondrien der braunen Fettzellen haben jedoch einen Kurzschluss: Sie laufen permanent auf Hochtouren; die Energie, die beim Abbau des Fetts frei wird, verpufft bei ihnen als Wärme.

"Das ist auch so gewollt", erklärt Professor Dr. Alexander Pfeifer vom Pharmazentrum Bonn. "Braunes Fett wirkt wie ein natürliches Heizaggregat. Säuglinge etwa würden ohne diesen Mechanismus sehr schnell auskühlen." Bislang dachte man, dass braunes Fett nur in Neugeborenen vorkommt und mit dem Alter verloren geht. In diesem Jahr konnten jedoch verschiedene Gruppen nachweisen, dass das nicht stimmt: Auch Erwachsene haben demnach in ihrer Nackenregion ein braunes Fettdepot. Bei stark übergewichtigen Personen ist dieses Depot aber nur wenig aktiv oder fehlt ganz.

PKG schaltet die Heizung an

Die Forscher aus Bonn, Heidelberg, Köln, Martinsried und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) konnten nun zeigen, welche Signale den Körper zur Produktion brauner Fettzellen anregen. Eine Schlüsselrolle übernimmt dabei ein Signalweg, der von dem Enzym PKG gesteuert wird. Dieser Signalweg bewirkt, dass sich die Stammzellen des Fettgewebes zu braunen Fettzellen entwickeln. Dazu schaltet er die massenhafte Produktion von Mitochondrien an und sorgt für die Bildung von UCP - das ist die Substanz, die den Kurzschluss hervorruft. "Wir konnten zudem zeigen, dass PKG braune Fettzellen für Insulin empfindlich macht", erklärt Pfeifer. "PKG steuert also auch, wie viel Fett überhaupt verbrannt wird."

Mäuse ohne PKG haben eine niedrigere Körpertemperatur, wie die Forscher mit einer Thermokamera zeigen konnten. Insbesondere fehlt den Tieren im Thermokamera-Bild der "Energiefleck" zwischen den Schulterblättern - also dort, wo normalerweise das braune Fett aktiv ist.

Fett mit Fett bekämpfen

Die Forscher vermuten, dass eine Störung des braunen Fettgewebes bei Erwachsenen zu Übergewicht führen kann. Könnte man bei ihnen das "natürliche Heizaggregat" wieder anschalten, dürfte es mit den unerwünschten Fettpölsterchen rasch vorbei sein: 50 Gramm aktives braunes Fettgewebe reichen nach Schätzungen aus, um den Ruheenergieverbrauch um 20 Prozent in die Höhe zu treiben. "Bei gleicher Ernährung und Aktivität würden die Fettreserven um fünf Kilo pro Jahr abschmelzen", erläutert der Bonner Pharmakologe. "Das macht unsere Ergebnisse natürlich auch aus therapeutischer Sicht interessant: Indem wir den PKG-Signalweg im braunen Fett aktivieren, wollen wir gewissermaßen Fett mit Fett bekämpfen."

Kontakt:
Professor Dr. Alexander Pfeifer
Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Universität Bonn
Telefon: 0228/6885-370 oder -373
E-Mail: alexander.pfeifer@uni-bonn.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wie Star Trek die Welt veränderte - Weihnachtsvorlesung an der FH KL

Dipl.-Kfm. Wolfgang Knerr, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fachhochschule Kaiserslautern

Seit 1996 laden die Dozenten der Fachhochschule Kaiserslautern Hubert Zitt, Markus Groß und Manfred Strauß kurz vor Weihnachten traditionell zur Star Trek-Vorlesung ein. In diesem Jahr findet die Kultveranstaltung unter dem Titel "Gesellschaft der Zukunft" am 17. Dezember im Audimax des FH-Standortes Zweibrücken statt. Wie der Titel schon erahnen lässt, stehen dieses Mal insbesondere die soziologischen Auswirkungen der Fernsehserie im Vordergrund.

In den vergangen Jahren wurden bei den Star Trek-Weihnachtsvorlesungen hauptsächlich die technischen Visionen und Aspekte der bekannten Science-Fiction-Serie Raumschiff Enterprise spektakulär vorgestellt. Die Idee, dieses Mal einen tendenziell anderen Veranstaltungsschwerpunkt zu wählen und speziell die gesellschaftspolitische Auswirkungen von Star Trek zu beleuchten, entwickelte Hubert Zitt, als ihm bekannt wurde, dass Nichelle Nichols als Stargast zur FedCon 2009 eingeladen war. Bei der FeCon handelt es sich nun um Europas größte Science-Fiction-Convention, bei der Zitt selbst regelmäßig aktiv auftritt und wer kennt nicht Nichelle Nichols aus der Rolle der Lieutenant Uhura und der legendären Brücke der U.S.S. Enterprise in der Original-Serie mit Captain Kirk und Mr. Spock aus den 1960er Jahren! Diese zeigte sich denn auch von Zitt's Vorhaben spontan derart begeistert, dass sie dem FH-Dozenten unmittelbar die Möglichkeit zu einem Exklusivinterview anbot. Dadurch erhielt Zitt natürlich die allerbeste Gelegenheit, seinen neuen Vortrag sozusagen mit Informationen aus erster Hand zu füllen und vorzubereiten.

Im Vortrag wird u. a. erläutert, wie Star Trek in den 1960er Jahren das tägliche Leben - vor allem natürlich in den USA - geprägt hat. Die Gleichstellung von Schwarz und Weiß und von Mann und Frau war seinerzeit eines der beherrschenden Themen. Vereinzelt existierten beispielsweise in den Südstaaten noch immer getrennte Wasserspender und Toiletten für schwarze und weiße Mitbürger. Frauen hatten kaum eine nennenswerte Chance, im Berufsleben in gehobene Positionen aufzusteigen. Zu dieser Zeit und in diesem gesellschaftlichen Kontext nun demonstrierte Star Trek via Fernsehen eine Zukunft, in der eine schwarze Frau namens Uhura als hochrangiger Offizier auf der Kommandobrücke eines Raumschiffes diente und gleichermaßen befehligte. Welche Brisanz in dieser Thematik steckte, dokumentiert z.B. die Weigerung einiger Südstaaten zur Ausstattung einer Star Trek-Episode, in der diese schwarze Frau zusätzlich dann auch noch sozusagen von einem weißen Mann geküsst wurde. Dieser Kuss ging als der erste Filmkuss zwischen Schwarz und Weiß in die Fernsehgeschichte ein und es steht darüber hinaus außer Frage, dass Star Trek und Nichelle Nichols einen großen Teil dazu beigetragen haben, dass im Jahre 1977 die NASA zum ersten Mal Frauen als Bewerber zum Astronautentraining zugelassen hat.

Neben Zitts Vortrag stehen natürlich auch weitere Highlights auf der Programmliste der diesjährigen Weihnachtsvorlesung. So wird - wie bereits im letzten Jahr - der Klingonischlehrer Lieven Litaer als Gastredner mit von der Partie sein. Markus Groß wird über soziologische Auswirkungen anderer Filme und Fernsehserien berichten und Manfred Strauß wird wieder für den "technical support" zuständig sein.

Es ist aber nicht nur der Anspruch der Veranstalter, mit der Weihnachtsvorlesung Informationen auf unterhaltsame und spektakuläre Art zu vermitteln, sondern Jahr für Jahr sind mit der Veranstaltung Wohltätigkeits- und Unterstützungsaktionen für kranke oder Not leidende Kinder verbunden. In diesem Jahr haben die Firmen Paramount Pictures, Trekworld Marketing und Space Store Preise, wie z.B. limitierte Sammlerstücke, DVD-Boxen, T-Shirts oder Action-Figuren für eine entsprechende Verlosung zur Verfügung gestellt. Deren Erlös sowie zusätzliche Spenden von FH-Mitarbeitern und -Studierenden gehen in diesem Jahr vollständig an die "Projektgruppe Kinder und Jugendliche" in Homburg http://www.kinderprojekte.org, die sich um die Belange von psychisch erkrankten Kindern kümmert. Die Veranstalter haben sich nicht zuletzt für diese Organisation entschieden, weil man psychisch erkrankten Kindern ihre Erkrankung in der Regel nicht unmittelbar ansieht und sie deshalb auch keine ausgeprägte Lobby und nur wenig Aussicht auf Spenden und finanzielle Unterstützung besitzen.

Wie bei jeder der bisherigen Weihnachtsvorlesungen wird sich die Fachschaft Informatik und Mikosystemtechnik um das leibliche Wohl der Gäste kümmern und Föderationsbrezeln und allerlei "extraterrestrische" Getränke anbieten. Kinder bis 12 Jahre und Gäste, die zur Veranstaltung angemessen kostümiert erscheinen, erhalten ein kleines Willkommensgeschenk. Natürlich werden die Veranstalter auch wieder mit einigen zusätzliche Überraschungsmomenten und Knalleffekten aufwarten, die allerdings der Spannung halber vorher nicht verraten werden sollen.

Die Star Trek-Weihnachtsvorlesung steigt am Donnerstag, den 17.12.2009 (Sternzeit: -313038,9) um 19 Uhr im Audimax der FH in Zweibrücken; Einlass ist ab 18 Uhr. Weitere Informationen zur Veranstaltung, die auch live im Internet verfolgt werden kann, unter http://www.startrekvorlesung.de

Ihr Ansprechpartner:
Dr. Hubert Zitt +++ Tel: 06332-914-330 +++ Mail: zitt@startrekvorlesung.de

V.i.S.d.P. Prof. Dr. Konrad Wolf, Präsident der FH Kaiserslautern +++ Tel: 0631-3724-100 +++ Mail: praesident@fh-kl.de
Red.: Pressestelle Standort Kaiserslautern ++ Elvira Grub ++ Tel: 0631/3724-163 ++ Mail: elvira.grub@fh-kl.de
Pressestelle Standort Pirmasens ++ Christiane Barth ++ Tel: 06331/2483-81 ++ Mail: christiane.barth@fh-kl.de
Pressestelle Standort Zweibrücken ++ Wolfgang Knerr ++ Tel: 06332/914-136 ++ Mail: wolfgang.knerr@fh-kl.de

Weitere Informationen:
http://www.fh-kl.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Nutzung von Biomasse: Chancen und Perspektiven

Dr. Elisabeth Zuber-Knost, Stabsabteilung Presse, Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

Biomasse bietet ein enormes Spektrum an Einsatzmöglichkeiten: Die Variationsbreite reicht von der Herstellung von Kraftstoff für Pkw und Flugzeuge über Ausgangsmaterialien für die Pharmaindustrie bis hin zur direkten Nutzung als Werkstoff etwa in Form einer Verstärkungsfaser. Mit den bioökonomischen Aspekten der Verwertung von Biomasse wird sich die Kolloquium "Sustainable BioEconomy" vom 8. bis 9. Dezember am KIT befassen. Journalistinnen und Journalisten sind herzlich eingeladen.
Erneuerbare Energien nehmen angesichts der Rohstoffverknappung eine wichtige Rolle im Energiemix der Zukunft ein. Dabei bündelt die Bioökonomie Fragestellungen zur Biomasseproduktion, zur energetischen und stofflichen Nutzung von Biomasse, zum Klimaschutz sowie zur Ökologie und bezieht auch Konsequenzen einer wachsenden Weltbevölkerung mit ein.

Eine der Referentinnen des Kolloquiums ist Dr. Kathrin Happe von der Geschäftsstelle des BioÖkonomieRats. Sie berichtet über Chancen und Perspektiven der Bioökonomie in Deutschland und zeigt Visionen für eine nachhaltige Nutzung der Biomasse auf. Der BioÖkonimieRat ist Ratgeber der Bundesregierung in Forschungs- und Technologiefragen. Zu seinem Aufgabenspektrum gehört auch die Analyse wissenschaftsstrategischer Zielsetzungen auf Bund- und Länderebene sowie der EU und anderer internationaler Partnerstaaten.

Als konkretes Beispiel der Biomassenutzung für BtL-Kraftstoffe stellt Dr. Nicolaus Dahmen vom Institut für Technische Chemie am KIT-Campus Nord den aktuellen Stand des bioliq®-Verfahrens vor. In der bioliq®-Anlage lassen sich künftig alle Schritte der Kraftstoffherstellung aus Biomasse in einer Pilotanlage realisieren. Das hohe Potential dieser Technologie liegt vor allem in der Verwendung von Rest- und Abfallstoffen, die wie Stroh im Überschuss vorhanden sind.

Die Forschung im Hinblick auf die energetische Nutzung von Biomasse im KIT beschränkt sich auf biogene Reststoffe und Nebenprodukte - somit besteht keine Konkurrenz zwischen Tank und Teller. Dennoch ist das Spannungsfeld zwischen Verwertung von Biomasse und Nahrungsmittelerzeugung ein heiß diskutiertes Thema. Über die "Herausforderung BioEnergie und Welternährung" referiert Dr. Karl-Friedrich Ziegahn, Programmleiter Erneuerbare Energien und Koordinator des Helmholtz-Verbunds "Nachhaltige BioÖkonomie".

Welche Standorte wären in Baden-Württemberg für Pilotanlagen zur Biomasseverwertung sinnvoll? Dr. Gunnar Kappler vom Instiut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) thematisiert das Potenzial von Stroh und Wald-Energieholz in Baden-Württemberg und liefert Ergebnisse einer Standortanalyse.

Veranstaltungsort für das Colloquium "Sustainable BioEconomy" ist das Fortbildungszentrum für Technik und Umwelt (FTU) am KIT-Campus Nord, Hermann-von-Helmholtz-Platz 1, Eggenstein-Leopoldshafen).

Das vollständige Programm der Veranstaltung ist zu finden unter:
Kolloquium Sustainable BioEconomy am 8. und 9.12.2009 am KIT, Campus Nord

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und staatliche Einrichtung des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Das KIT verbindet die Aufgaben Forschung - Lehre - Innovation in einem Wissensdreieck.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: www.kit.edu

Das Foto steht in druckfähiger Qualität auf www.kit.edu zum Download bereit und kann angefordert werden unter: pressestelle@kit.edu oder +49 721 608-7414.

Weiterer Kontakt:

Monika Landgraf
Pressestelle
Tel.: +49 721 608-8126
Fax: +49 721 608-3658
E-Mail: monika.landgraf@kit.edu

Nutzung von Biomasse: Chancen und Perspektiven:
http://idw-online.de/pages/de/attachment754

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Lesebrille adieu !

Dr. Annette Tuffs, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Heidelberg

Universitäts-Augenklinik Heidelberg bietet neue Laser-Behandlung bei Altersweitsichtigkeit an / Studienergebnisse im "Journal of Refractive Surgery" veröffentlicht
In 20 Sekunden wieder ohne Brille lesen können: Seit diesem Jahr bietet die Universitäts-Augenklinik Heidelberg die erste zugelassene Laser-Behandlung bei Altersweitsichtigkeit an. Das innovative und schmerzlose Verfahren mit dem sogenannten Femtosekunden-Laser bewirkt minimale, aber hoch wirksame Veränderungen in der Hornhaut des Auges. Die neue Laser-Korrektur für Sehschwächen zwischen zwei und drei Dioptrien (+) ist zudem deutlich schonender und unkomplizierter als andere Laser-Verfahren.

Die Heidelberger Augenklinik leitet federführend die erste europäische, multizentrische Studie zu diesem sogenannten INTRACOR-Verfahren. Erste Ergebnisse sind im Oktober 2009 im renommierten "Journal of Refractive Surgery" veröffentlicht worden. Danach konnten rund 70 Prozent der Patienten wieder ohne Brille aus 40 Zentimeter Entfernung lesen; 30 Prozent konnten auf eine schwächere Lesebrille umsteigen. Auch nach 12 Monaten hatte sich dieses Ergebnis nicht verändert.

Minimale Verformungen der Hornhaut korrigieren Sehschwächen

Bei dem neuen Verfahren wird der Strahl des Femtosekunden-Lasers Mikrometer genau auf die mittleren Schichten der Hornhaut ausgerichtet. Rasend schnelle Laserimpulse im Bereich von wenigen hundert Femtosekunden verdampfen kleinste Bereiche innerhalb der Hornhaut, deren Oberfläche sich daraufhin geringfügig verformt. Die so eingeprägten, feinen Ringmuster verändern die Brechkraft der Hornhaut und korrigieren die Altersweitsichtigkeit. Die eigentliche Behandlung dauert 20 Sekunden.

Einschnitte in die oberen Schichten der Hornhaut wie bei den üblichen Laser-Behandlungen sind nicht notwendig. "Es gibt keine Wunde, durch die Keime in das Auge eindringen könnten. Komplikationen sind bisher nicht aufgetreten", erklärt Professor Dr. Gerd Auffarth, Kommissarischer Ärztlicher Direktor der Augenklinik.

Sehen in der Ferne bleibt unbeeinträchtigt

Im Rahmen der Studie wurden insgesamt 63 Patienten mit voll ausgeprägter Altersweitsichtigkeit mit dem Femtosekunden-Laser behandelt, 25 davon an der Universitäts-Augenklinik Heidelberg. Rund 70 Prozent der Patienten waren anschließend wieder in der Lage, ohne Brille aus 40 Zentimeter Entfernung Zeitung zu lesen, alle anderen konnten immerhin auf eine schwächere Lesebrille umsteigen. "Das Sehen in der Ferne wird durch diese Laser-Korrektur nicht beeinträchtigt, das Nah-Sehen verbessert sich", erklärt Privatdozent Dr. Mike Holzer, Oberarzt und Leiter der Refraktiven Chirurgie an der Universitäts-Augenklinik.

Nachuntersuchungen nach drei, sechs und zwölf Monaten zeigten: Das Sehvermögen bleibt stabil, die Hornhaut verändert sich nicht mehr. Allerdings sollte vor der Behandlung die Altersweitsichtigkeit, die ab dem 40. Lebensjahr einsetzen kann, voll ausgeprägt sein. "Bei anderen Alterungserscheinungen im Auge, wie Grauer Star, wirkt diese Behandlung nicht. Mit INTRACOR korrigieren wir nur die Alterweitsichtigkeit", so Dr. Holzer.

International wurden bereits mehr als 2.000 Personen erfolgreich mit INTRACOR behandelt. "Wer sich behandeln lassen möchte, sollte abgesehen von der Altersweitsichtigkeit gesunde Augen haben", sagt Dr. Holzer. Eine gründliche Voruntersuchung klärt ab, ob dieses Verfahren für den jeweiligen Patienten in Frage kommt. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten der Behandlung nicht.

Studie wird auf Kurz- und Stabsichtigkeit ausgeweitet

Die veröffentlichte Studie wird nun auch auf Patienten mit Altersweitsichtigkeit und zusätzlicher Kurz- und Stabsichtigkeit (Astigmatismus) bis maximal 1 Dioptrien ausgeweitet. Für Studienteilnehmer ist die Behandlung kostenlos.

Interessierte Patienten haben in der "Refraktiven Sprechstunde" der Universitäts-Augenklinik die Möglichkeit, sich im Rahmen einer Voruntersuchung ausführlich über Korrekturmöglichkeiten ihres Sehfehlers beraten zu lassen. An der Heidelberger Augenklinik werden alle etablierten Verfahren der Refraktiven Laser- und Intraokularlinsenchirurgie angeboten und daher kann jede Behandlung ganz individuell an die jeweiligen Patientenbedürfnisse angepasst werden.

Anmeldung und Informationen:
Tel.: 06221 / 56 45 73
E-Mail: info@lasik-hd.de
Weitere Informationen finden Sie unter: www.lasik-hd.de

Kontakt (für Presseanfragen):
Privatdozent Dr. Mike P. Holzer
Oberarzt und Leiter der Refraktiven Chirurgie der Augenklinik
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 /56 69 99 oder 56 66 95
E-Mail: mike.holzer@med.uni-heidelberg.de

Information im Internet:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/augenklinik

Literatur:
Early outcomes of INTRACOR femtosecond laser treatment for presbyopia.
Holzer MP, Mannsfeld A, Ehmer A, Auffarth GU.
J Refract Surg. 2009 Oct;25(10):855-861.

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)

www.klinikum.uni-heidelberg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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UDE: Wie man fährt, so zahlt man seine KFZ-Versicherung

Beate Kostka M.A., Pressestelle
Universität Duisburg-Essen

Nicht mehr einen Pauschalbeitrag für die KFZ-Versicherung bezahlen, sondern eine Gebühr nach dem persönlichen Fahrverhalten - das ist die Idee eines neuen Prämiensystems der Autoversicherer namens "Pay as you drive" (PAYD).
Dabei beeinflusst der Fahrer den Preis seiner Versicherung durch die Wahl der befahrenen Straßen, seine Geschwindigkeit, die Tageszeit und durch das eigene, regelkonforme Fahrverhalten. Könnte so ein System auf dem deutschen Markt funktionieren? Das erforschen derzeit Prof. Dr. Torsten J. Gerpott und Dipl. Kff. Sabrina Berg vom Lehrstuhl für Telekommunikations-wirtschaft der Universität Duisburg-Essen in einer Studie.

Herzstück des PAYD-Systems ist die so genannte Black Box. Sie übermittelt Fahrtdaten entweder per GPS Signal oder offline an die Versicherung. Diese kann Beiträge dann gerechter ermitteln - wer wenig, verkehrsregelkonform und dazu noch vorausschauend fährt, zahlt weniger. Auch junge Fahrer könnten so schnell ihre Prämie senken. Durch den Einsatz der Black Box hat der Versicherungsnehmer außerdem die Möglichkeit, auf Zusatzdienste wie etwa eine Notruf-Funktion, Diebstahlsicherung und Unfallhergangsrekonstruktion zuzugreifen. "Technisch gesehen gehört ein derartiges Fahrzeug-Tracking im professionellen Güterverkehr bereits längst zum Standard", erläutert Prof. Gerpott.

Welche Faktoren haben Einfluss auf die Bereitschaft, PAYD zu nutzen? Gemeinsam mit der Universität Stuttgart arbeiten die UDE-Wissenschaftler in dem Sonderforschungsbereich "NEXUS" der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). "Damit PAYD-Angebote so entwickelt werden, dass sie Privatkunden auch tatsächlich nachfragen, ist es wichtig, mehr über deren Erwartungen und Zahlungsbereitschaft zu erfahren", erläutert Projektleiterin Sabrina Berg.

Aus diesem Grund planen Prof. Gerpott und sein NEXUS Team eine Befragung möglichst vieler Pkw-Fahrer - unabhängig davon, ob sie bereits von PAYD gehört haben oder nicht. Bis zum 15. Januar 2010 geht das Forscherteam online auf private Autofahrer zu. Mitmachen können diese unter http://unipark.de/uc/payd/. Die Teilnahme an der Umfrage wird mit der Verlosung von drei Handys des Typs HTC Tattoo belohnt.

Weitere Informationen: Prof. Torsten J. Gerpott, Tel.: 0203/379-3109, torsten.gerpott@uni-due.de;
Dipl.-Kff. Sabrina Berg, Tel.: 0203/379-3997, sabrina.berg@uni-due.de

Redaktion: Isabelle De Bortoli, Tel. 0203/379-2430
Weitere Informationen:
http://www.nexus.uni-stuttgart.de
http://www.msm.uni-due.de/index.php?id=4233

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Sauberes Wasser in Vietnam mit Wittener Konzepten

Kay Gropp, Pressestelle
Private Universität Witten/Herdecke GmbH

Forschungsministerium fördert das Institut für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke bei Klärwerken für Asien
Das Bundesforschungsministerium (BMBF) hat ein 9,1 Mio. € schweres Verbundprojekt genehmigt, das die Entwicklung von Abwasserkonzepten für Industriezonen in tropischen Schwellenländern vorantreiben soll. Das Institut für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke wird in Kooperation mit namhaften Industrie- und Universitätspartnern (IEEM) Pilotanlagen in einer Industriezone im Mekong-Delta aufstellen und testen. Damit läßt sich Energie aus Abwasser gewinnen, Wertstoffe lassen sich rückgewinnen und Giftstoffe können schon an der Wasserquelle vermieden und entfernt werden. Erstmalig soll es bei diesem Vorhaben auch zu einer durchgängigen Kooperation zwischen Forschung und Entwicklungshilfe kommen. Die KfW Entwicklungsbank wird am gleichen Standort ein Industrieklärwerk mit voraussichtlich 12 Mio. € finanzieren.

In Ländern wie Vietnam gibt es bereits heute sehr viele und große Industriegebiete, aus denen gefährliche Stoffe und Abwässer in die Umwelt gelangen. Die in Deutschland entwickelten und bewährten Technologien müssen für die Arbeitsbedingungen in tropischen Schwellenländern aber noch angepasst werden. In Kombination mit örtlichen Bauweisen können dann konkurrenzfähige Lösungen entstehen, auf die Deutschland als exportorientiertes Land mit Schwerpunkt Umweltsektor angewiesen ist.

"Natürlich sind wir froh und stolz, dass es uns gelungen ist, ein so großes Projekt von Witten aus zu entwickeln und nach Witten zu holen", so Prof. Dr. Karl-Ulrich Rudolph, der Leiter des Wittener Institutes für Umwelttechnik. Maßgebend für den Erfolg sei der fachübergreifende Ansatz in Zusammenarbeit von Technik und Ökonomie gewesen, den das Wittener Institut seit seiner Gründung besonders pflegt. "Wir arbeiten aber auch mit Experten vor Ort zusammen, um unser Wissen weiter zu geben", betont Rudolph. So werden die deutschen Fördergelder ergänzt durch Investitionen vietnamesischer Industriefirmen sowie Aktivitäten, die vom Wissenschaftsministerium in Hanoi gefördert werden. Beteiligt sind auch international anerkannte Universitäten in Vietnam, wie die Hanoi University of Science und die Hanoi University of Civil Engineering sowie die Can Tho University. Besonderen Wert legt Rudolph aber auch auf die Einbindung der nationalen ökonomischen Universität in Hanoi, an der er selbst eine Gastprofessur inne hat. "Wenn man alles zusammenrechnet, kann man dem Vorhaben Investitionen von fast 25 Mio. € zuordnen", rechnet Rudolph vor, "und es gibt in Vietnam allein über 200 Industriezonen, die noch über keine geordnete Abwasserentsorgung verfügen. Ganz abgesehen von anderen Schwellenländern in tropischen Regionen Fernost, Lateinamerika und in weiterer Zukunft vielleicht auch einmal Afrika." Dies zeige, wie wichtig derartige Vorhaben nicht nur für die Wissenschaft, sondern auch für die deutsche Industrie und den deutschen Arbeitsmarkt seien.

Weitere Informationen bei Prof. Dr. Dr. Karl-Ulrich Rudolph, Tel.: 0 23 02 / 9 14 01-0,
E-Mail: mail@uni-wh-utm.de

Und unter http://www.uni-wh-utm.de/html/de/forschung/akiz.html

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Das Institut für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke gGmbH (IEEM) ist eine unabhängige Forschungseinrichtung der Universität Witten/Herdecke, die anwendungsnahe wissenschaftliche Projekte im Spannungsfeld von Technik und Ökonomie bearbeitet. Der Schwerpunkt liegt dabei vor allem im Bereich der internationalen Wasserver- und -entsorgung. Weitere Informationen: www.uni-wh-utm.de.
Weitere Informationen:
http://Zum Projekt: www.uni-wh-utm.de/html/de/forschung/akiz.html
http://Zum Institut: www.uni-wh-utm.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wurzelbehandlung aus einem Guss

Bei Wurzelbehandlungen muss der Zahnarzt zu verschiedenen Materialien greifen. Diese verbinden sich jedoch nicht immer optimal - teilweise sind teure Nachbehandlungen nötig. Eine neue Materialklasse erfüllt die unterschiedlichen Anforderungen.

Der Zahn pocht ohne Unterlass - der Gang zum Zahnarzt ist unumgänglich. Ist das Kauwerkzeug zu stark durch Karies geschädigt, hilft oft nur noch eine Wurzelbehandlung. Dabei entfernt der Zahnarzt zunächst den Nerv und schließt den entstehenden Hohlraum mit einem Füllmaterial. Dieses muss so dicht sein, dass keine Bakterien durchkommen: Der Wurzelkanal könnte sich sonst erneut entzünden. Andererseits muss sich das Material gegebenenfalls wieder entfernen lassen. Ist die Zahnkrone stark zerstört, verankert der Zahnarzt mit einem Befestigungszement einen Wurzelstift in dem zuvor gefüllten Wurzelkanal. Dieser Stift dient als Verankerung für das Kompositmaterial, aus dem der fehlende Teil des Zahns - der Stumpf - wieder aufgebaut wird, und auf die der Zahnarzt wiederum die Krone setzt. Bei der Wurzelbehandlung treffen also verschiedene Materialien aufeinander, die jeweils verschiedene Anforderungen erfüllen müssen. Das Problem dabei: Die Materialien sind nicht immer miteinander kompatibel oder verbinden sich nicht optimal mit der Zahnhartsubstanz. Das kann dazu führen, dass der Stift bricht, Stumpf und Krone nicht ausreichend am Stift haften und die teure Krone erneuert werden muss. Solche Fehler treten nicht selten auf: Die Rate liegt im einstelligen Prozentbereich.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung ISC in Würzburg haben mit ihren Kollegen der VOCO GmbH nun einen Werkstoff entwickelt, der sich für alle Komponenten einer Wurzelkanalbehandlung eignet. »Basis dieses Stoffs sind ORMOCERE®«, sagt Dr. Herbert Wolter, Gruppenleiter am ISC. »Diese ORMOCERE® haben wir mit verschiedenen Nano- und Mikropartikeln kombiniert, um die höchst unterschiedlichen Eigenschaften zu erreichen - Experten sprechen von Nanohybridmaterialien.« So sollten die Stoffe, mit denen der Wurzelkanal gefüllt wird, beim Aushärten möglichst nicht schrumpfen, mit der Zahnhartsubstanz dicht abschließen und im Röntgenbild sichtbar sein. Das Material, aus dem der Zahn wieder aufgebaut wird, sollte dagegen die gleichen Eigenschaften aufweisen wie der Zahn selbst. »Hybridmaterialien eignen sich gut für diese Anforderungen. Ein Beispiel: Sie schrumpfen bei der Aushärtung nur um etwa 1,3 Prozent. Herkömmliche Stoffe schrumpfen meist um 2 bis 4 Prozent. Auch lassen sich die ORMOCERE so einstellen, dass sie gut an den unterschiedlichen Zahnbereichen haften«, sagt Wolter. Derzeit stellen die Mitarbeiter der VOCO GmbH aus den Materialien Dentalpräparate her - die Produktentwicklung ist also bereits in vollem Gange. In wenigen Jahren könnte die neue Entwicklung auf den Markt kommen.

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Tag des Bodens: Mehr als nur Dreck unter unseren Füßen

Stadtboden ist Boden des Jahres

Am 5. Dezember ist traditionell der Internationale Tag des Bodens. Anlass für das Umweltbundesamt (UBA) auf die Bedeutung intakter Böden hinzuweisen: „Im Vergleich zu den Medien Wasser und Luft wird der Boden oft noch mit Füßen getreten. Der Mensch lebt aber nicht nur auf sondern von intakten und gesunden Böden. Fruchtbare Böden sind Rohstoff- und Nahrungsquelle, Speicher für Nährstoffe, Wasser oder Treibhausgase und Lebensraum zugleich. Altlasten, der Ausbau von Siedlungen und international die Ausbreitung der Wüsten gefährden die Rolle von Böden zunehmend. Effizienter Bodenschutz ist ein Gebot der Vernunft", sagte UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Obwohl die Bedeutung unser Böden in den letzten zehn Jahren durch vielfältige Aktionen von Bund und Ländern stärker ins Licht der Öffentlichkeit gerückt ist, seien noch viele Anstrengungen nötig. Boden des Jahres ist übrigens der „Stadtboden", um das Bewusstsein auf die Böden unmittelbar unter unseren Füßen zu richten. Böden in Städten sind trotz teilweise höherer Belastungen für Wasserhaushalt und Klima besonders wichtig.

Zum zehnjährigen Jubiläum der deutschen Bodenschutzgesetzgebung luden das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) und das Umweltbundesamt (UBA) mit Beteiligung der Kommunalen Spitzenverbände und der Bodenfachverbände am 3. Dezember 2009 zu einer Fach-Tagung nach Berlin ein. Zwei Tage vor dem Internationalen Tag des Bodens diskutierten Fachleute aus Politik, Wissenschaft und Praxis Erfolge, Probleme und neue nationale und internationale Herausforderungen des Bodenschutzes.

Die versammelten Fachleute waren sich einig, dass die Dringlichkeit eines effektiven Bodenschutzes auch daraus resultiert, dass sich Böden nicht vermehren und nur sehr begrenzt erneuern lassen. Eingetretene Schäden sind häufig nicht oder nur mit erheblichem Aufwand reparabel. „Gerade in Anbetracht der möglichen Klimaänderungen ist schnelles Handeln notwendig. Während die Wüstenbildung weltweit infolge des Klimawandels zunimmt, kann die Landwirtschaft in bestimmten Regionen Deutschlands von Klimaänderungen auch profitieren. Weniger Boden wird aber mehr Menschen ernähren müssen. Auch deshalb müssen wir unsere fruchtbaren Böden schützen.", so UBA-Präsident Jochen Flasbarth.

Die Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt (KBU) empfahl Bund und Ländern zudem, den Flächenverbrauch einzudämmen: In einem Papier „Flächenverbrauch vermindern - jetzt handeln" schlagen die Wissenschaftler einen Handel mit Flächenkontingenten vor. Analog zum Emissionshandel sollten Obergrenzen für die Neuinanspruchnahme und die Möglichkeit zum Kauf und Verkauf von ungenutzten Flächen eingeführt werden. „Aktuell nehmen wir täglich 104 Hektar Fläche neu in Anspruch - weit weg von dem Ziel der Bundesregierung, dies bis 2020 auf 30 Hektar zu reduzieren. Mit unserem Konzept könnten wir es schaffen.", so Prof. Franz Makeschin, Vorsitzender der KBU.

Die Empfehlungen der Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt können unter http://www.umweltbundesamt.de/boden-und-altlasten/kbu/index.htm heruntergeladen werden. Das Papier „Flächenverbrauch vermindern - jetzt handeln" wird dort in Kürze verfügbar sein.

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Stabile Entwicklung der Arbeitsmarktzahlen im November

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen kommentiert die Arbeitsmarktzahlen für November.

Dass die Lage auf dem Arbeitsmarkt auch im November stabil geblieben ist, ist erfreulich. Die Zahlen sind besser, als das angesichts der immer noch verhaltenen Auftragslage für viele wichtige Branchen zu erwarten war. Damit hat sich der Trend, dass sich Deutschland in der größten Rezession seit Jahrzehnten deutlich besser hält als andere Staaten, auch im November fortgesetzt. Es erweist sich als große Stärke unseres Landes, dass Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Politik von Anfang an an einem Strang gezogen haben, um die Krisenfolgen für den Arbeitsmarkt so gering wie möglich zu halten. Ich sage aber auch ganz klar: Diese stabile Entwicklung ist keine Garantie für anhaltend gute Arbeitsmarktzahlen in den Wintermonaten. Wenn der wirtschaftliche Druck auf die Unternehmen in den Wintermonaten zunimmt, wird dies Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt haben.

Die Folgen der Wirtschaftskrise zeigen sich auch auf dem Arbeitsmarkt, aber nicht so stark wie erwartet. Der deutliche Rückgang von Erwerbstätigkeit und Beschäftigung Anfang des Jahres hat sich im Herbst abgeschwächt. Die Arbeitslosigkeit sinkt erneut, wenn auch weniger stark als im November üblich. Als stabilisierend erweisen sich insbesondere Branchen wie das Gesundheits- und Sozialwesen, die im Vergleich zum Vorjahr sogar Beschäftigung aufbauen konnten. Beschäftigte verloren haben in diesem Zeitraum vor allem das verarbeitende Gewerbe und die wirtschaftlichen Dienstleistungen.

Auch für die kommenden Monate gibt es keine konkreten Anzeichen, die auf einen dramatischen Einbruch auf dem Arbeitsmarkt hinweisen. Für eine Entwarnung ist es angesichts der nach wie vor unsicheren gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu früh. Die Auswirkungen der Krise sind spürbar, aber der Arbeitsmarkt hält sich besser als erwartet.

(Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales)

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Trinkwasserangebot genügt höchsten Ansprüchen

Wasserwirtschaft begrüßt geplante Aufnahme eines Grenzwertes in die Trinkwasserverordnung

"Das Trinkwasserangebot in Deutschland genügt höchsten Ansprüchen an Qualität und Gesundheitsschutz", sagte Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) anlässlich aktueller Medienberichte zum Thema Uranspuren im Trinkwasser.

In Deutschland habe die zuständige Behörde, das Umweltbundesamt (UBA), einen Leitwert für Uran von zehn Mikrogramm pro Liter Trinkwasser empfohlen. Dieser UBA-Wert schließe auch bei stetigem Genuss jegliche Gesundheitsgefährdung für alle Bevölkerungsgruppen aus - auch für Säuglinge. Daran ändert laut Umweltbundesamt auch die von foodwatch zitierte Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit nichts. "Die Wasserwirtschaft begrüßt den in der Novelle der Trinkwasserverordnung vorgeschlagenen neuen Urangrenzwert von 10 Mikrogramm pro Liter Trinkwasser. Damit wird das Vorsorgeprinzip gestärkt und die Rechtssicherheit für die Unternehmen der Wasserwirtschaft erhöht", so Weyand. Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gebe es die Empfehlung aus dem Jahr 2003, dass 15 Mikrogramm Uran pro Liter Trinkwasser nicht überschritten werden sollten.

Beim Thema Spuren von Uran im Trinkwasser geht es nicht, wie vielfach angenommen, um die Strahlung, sondern um die chemische Wirkung. Die Strahlung ist laut Bundesamt für Risikobewertung im Zusammenhang mit dem Genuss von Trinkwasser vernachlässigbar. Uran kommt in der Natur in allen Umweltmedien vor: in der Luft, im Wasser, im Boden.

Dass das Trinkwasser in Deutschland eine gute bis sehr gute Qualität hat, hatte vor kurzem das Umweltbundesamt bestätigt. Eine Studie des Amtes ergab: Die mehr als 2600 großen zentralen Wasserversorgungsanlagen halten in mehr als 99 Prozent die gesetzlichen Auflagen ein. "Die deutschen Wasserwerke sind ständig bemüht, die ohnehin schon hohe Qualität ihres Produkts noch zu steigern", betonte Weyand.

Weitere Informationen
Jan Ulland
Stv. Pressesprecher
Telefon 0 30 / 300 199-1162
E-Mail presse@bdew.de

Zur Meldung auf bdew.de:
http://www.bdew.de/bdew.nsf/id/DE_20091126_Trinkwasserangebot_genuegt_hoechsten_Anspruechen?open&WT.mc_id=BDEW_Text_Newsletter-20091126

(Quelle: Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW))

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So geht es der Umwelt in Deutschland - das Umweltbundesamt macht Kassensturz

„Daten zur Umwelt 2009" veröffentlicht

Seit einem Vierteljahrhundert berichtet das Umweltbundesamt (UBA) regelmäßig über die Entwicklung des Umweltzustandes in Deutschland. In seiner jüngsten Veröffentlichung „Daten zur Umwelt - Ausgabe 2009" zieht das Amt eine gemischte Bilanz. „Deutschland hat große Fortschritte erzielt - so hat sich zum Beispiel die Umweltsituation in den neuen Ländern seit 1990 spürbar verbessert - andererseits steht unser Land neuen Herausforderungen gegenüber", sagte Jochen Flasbarth, Präsident des UBA. Seit dem Fall der Mauer ist die Luft in Ostdeutschland sauberer geworden: In Sachsen-Anhalt etwa beträgt die Belastung durch Schwefeldioxid nur noch 0,5 bis 1 Prozent der Belastung vor 1989 und liegt deutlich unter den geltenden Grenzwerten. Im Wasser der Flüsse sank der Schadstoffgehalt ebenfalls ganz erheblich; in der Elbe ging der mittlere Quecksilbergehalt im Schwebstoff von 21,1 Milligramm/Kilogramm im Jahr 1990 auf 2,3 Milligramm/Kilogramm im Jahr 2007 zurück. Trotz vieler positiver Entwicklungen gibt es aber nach wie vor Handlungsbedarf im Umweltschutz, so Flasbarth weiter: „Vor allem bei der Energieeffizienz und der Ressourcenschonung, im Verkehrssektor und bei der Verminderung der Umweltbelastung mit Stickstoff muss noch mehr passieren".

Hier einige Beispiele für positive Entwicklungen:

· Die Treibhausgas-Emissionen gingen von 1990 bis 2007 um 22,4 Prozent zurück. Damit hat Deutschland sein Minderungsziel von durchschnittlich 21 Prozent im Zeitraum 2008 bis 2012 bereits vorzeitig erreicht und unterschritten. 2008 wurde dieser Erfolg stabilisiert. Bis 2020 müssen die Emissionen gegenüber 1990 um 40 Prozent gesenkt werden.

· Der Anteil der erneuerbaren Energien am Primärenergieverbrauch lag 2008 bei 7 Prozent, der Anteil am Bruttostromverbrauch bei 15 Prozent. Damit wurden die Ausbauziele der Bundesregierung für 2010 bereits weit überschritten. 2020 soll der Anteil der Erneuerbaren am Primärenergieverbrauch 10 Prozent und am Bruttostromverbrauch mindestens 30 Prozent betragen. Erfreulich: 2008 stellte die Branche 278.000 Arbeitsplätze bereit (2004: 160.500) und erzielte einen Gesamtumsatz von rund 29 Milliarden Euro. 109 Millionen Tonnen Kohlendioxidausstoß wurden durch die Nutzung der Erneuerbaren vermieden.

· Die Produktivität des Energieeinsatzes in der deutschen Wirtschaft erhöhte sich zwischen 1990 und 2008 um 40,7 Prozent. Allerdings reicht das Tempo dieser Entwicklung nicht aus, um das Ziel einer Verdoppelung zwischen 1990 und 2020 zu erreichen.

· Ähnliches gilt für die Rohstoffproduktivität, die zwischen 1994 und 2007 um 36,1 Prozent stieg. Diese Entwicklung ist positiv, die Wirtschaft muss aber weitere Anstrengungen unternehmen, um die Rohstoffproduktivität bis 2020 gegenüber 1994 zu verdoppeln. Auch darf nicht übersehen werden, dass wir den positiven Trend der letzten Jahre unter anderem einer zunehmenden Verlagerung des primären Wirtschaftssektors ins Ausland und einem deutlichen Anstieg des Imports an Fertigwaren verdanken.

· Umweltschutz zahlt sich aus: 2006 waren 1,8 Millionen Menschen, das waren 4,5 Prozent aller Beschäftigten, im Umweltschutz tätig. Umwelttechnologien werden voraussichtlich bis zum Jahr 2020 einen Anteil von 14 Prozent am Bruttoinlandsprodukt erwirtschaften.

Besonderer Handlungsbedarf besteht aus Sicht des Umweltbundesamtes in diesen Bereichen:

· 2007 betrug die Siedlungs- und Verkehrsfläche 46.789 Quadratkilometer gegenüber 40.305 Quadratkilometern im Jahr 1992. Täglich wurden 2007 96 Hektar für Gebäude- und Straßenbau neu in Anspruch genommen. Der Zuwachs vollzog sich weitgehend zu Lasten der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche ist etwa zu 46 Prozent versiegelt, das sind 6 Prozent des Bundesgebietes. Bis 2020 soll der Zuwachs der Siedlungs- und Verkehrsfläche auf 30 Hektar pro Tag sinken. Davon sind wir noch weit entfernt.

· Die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf Schiene und Binnenschiff ist bislang nicht gelungen. Die Anteile von Straße, Schiene und Schiff am Güterverkehr betrugen 2007 rund 71, 18 und 10 Prozent. Das Ziel der Bundesregierung, den Anteil der Schiene am Güterverkehr bis 2015 auf 25 Prozent beziehungsweise den Anteil der Binnenschifffahrt bis 2015 auf 14 Prozent zu steigern, wird bei gleichem Entwicklungstempo verfehlt werden.

· Zwischen 1991 und 2005 ging der Stickstoffüberschuss aus der Landwirtschaft um 20 Prozent von 130 auf 104 Kilogramm pro Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche zurück. Das Ziel, den Stickstoffüberschuss bis 2010 auf 80 Kilogramm pro Hektar zu reduzieren, wird voraussichtlich nicht erreicht.

Mit den „Daten zur Umwelt" trägt das Umweltbundesamt zur Erfüllung der Berichtspflicht der Bundesregierung über den Umweltzustand in Deutschland bei. Die „Daten" informieren über alle Gebiete des Umweltschutzes, von der Luftreinhaltung über die Gewässerqualität bis hin zu Abfallwirtschaft und Ressourcenschutz.

Die „Daten zur Umwelt - Ausgabe 2009" (CD-ROM, Broschüre und Faltblatt) können kostenlos beim Umweltbundesamt, c/o GVP, PF 33 03 61, 53183 Bonn, per E-Mail unter uba@broschuerenversand.de oder online unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/mysql_medien.php?anfrage=Kennummer&Suchwort=3874 bestellt werden.

Im Internet gibt es die fortlaufend aktualisierten „Daten zur Umwelt" unter www.umweltbundesamt.de/daten-zur-umwelt.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Rettungsringe für den Golfstrom?- Klimawandel liefert vermehrt salzreiches Wasser aus dem Indischen Ozean -

Dr. Andreas Villwock, Pressestelle
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, Kiel

Das Golfstromsystem ist bekannt für seinen Beitrag zum milden Klima Nordeuropas. Seit geraumer Zeit befürchten Ozeanographen und Klimaforscher, dass seine Stärke durch den Klimawandel allmählich abnehmen könnte. Unerwartete Hilfe liefern möglicherweise die Meeresströmungen südlich von Afrika: Wissenschaftler vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) und der Universität Kapstadt haben entdeckt, dass der Agulhasstrom mehr salzreiches Wasser in den Atlantik transportiert. Dieses könnte dazu beitragen, das Golfstromsystem zu stabilisieren. Die Studie erscheint am 26. November in der Fachzeitschrift Nature.
Der Agulhasstrom - wie der Golfstrom - eine der stärksten Strömungen im Weltozean, fließt im Indischen Ozean entlang der südafrikanischen Küste. Südwestlich von Kapstadt vollzieht er eine abrupte Kehrtwende zurück in den Indischen Ozean. Dabei schnüren sich alle 3 bis 4 Monate mächtige Wirbel von mehreren 100 km Durchmesser, die Agulhasringe, vom Hauptstrom ab. Diese bringen warmes und salzreiches Wasser aus dem Indischen Ozean in den Atlantik.

"Es klingt ein wenig abenteuerlich, dass Strömungen um Südafrika einen Einfluss auf unsere Breiten haben sollen", gibt der Hauptautor der Studie, Dr. Arne Biastoch vom IFM-GEOMAR, zu. "Es ist aber seit langem bekannt, dass der Agulhasstrom eine Schlüsselrolle für den Nachschub salzreichen Wassers in den Atlantik darstellt", so Biastoch weiter. "Durch die Analyse von Beobachtungsdaten und Computermodellen haben wir gezeigt, dass sich dieser Prozess als Teil des Klimawandels im südlichen Ozean verstärkt hat", erläutert Co-Autor Prof. Claus Böning vom IFM-GEOMAR. Warum ist das so? Normalerweise begrenzen die westlichen Winde im südlichen Ozean den Wasseraustausch zwischen dem Indischen Ozean und dem Atlantik. Durch Verlagerung der Westwinde nach Süden hat sich jedoch in den letzten Jahrzehnten der Korridor für einströmendes Wassers südlich von Afrika verbreitert. Dieser Trend könnte sich in Folge des Klimawandels in Zukunft noch verstärken.

Das zusätzlich in den Atlantik eingebrachte Salz findet mit den vorherrschenden Strömungen schließlich seinen Weg in den hohen Norden und könnte damit das Golfstromsystem stabilisieren. Der ständige Salznachschub von Süden wirkt im nördlichen Nordatlantik den sich verstärkenden Niederschlägen und der Eisschmelze entgegen. Ob die Änderungen im Agulhasstrom das Potenzial haben, die befürchtete starke "Aussüßung" im Nordatlantik komplett zu neutralisieren, ist allerdings noch offen. Genauere Aufschlüsse dazu sollen weitere Computersimulationen liefern. Diese erfordern noch detailliertere Modelle, welche die Feinstrukturen der Meeresströmungen darzustellen vermögen. Selbst die jüngste Generation von Supercomputern an der Universität Kiel und nationalen Höchstleistungsrechenzentren wie in Berlin, Hamburg oder Stuttgart benötigen allerdings mehrere Monate für die Simulation von nur einigen Jahrzehnten mit derartigen Modellen.

Originalarbeit:
Biastoch, A., C.W. Böning, F.U. Schwarzkopf und J.R.E. Lutjeharms, 2009: Increase in Agulhas leakage due to poleward shift of Southern Hemisphere westerlies. Nature, 462 (7272), doi:10.1038/nature08519.

Ansprechpartner:
Dr. Arne Biastoch, Tel. 0431 - 600 4013, abiastoch@ifm-geomar.de
Dr. Andreas Villwock (Öffentlichkeitsarbeit), Tel. 0431 - 600 2802, avillwock@ifm-geomar.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Tatort Küche

Dr. Helge Möller, Rektorat
Universität Flensburg

Die Küche: ein Ort, wo gebrutzelt, gebröselt, zerhackt, gedämpft, gezupft und gebacken wird, wo viele Dinge und Geräte ihren Platz erhalten, wo Sinnsprüche an den Wänden hängen oder im Handtuch eingewebt sind, wo gelagert, gepökelt, eingefroren oder weggeschmissen wird. Für Einige ist dies der Ort, an dem sie bei bestimmten Gerüchen in Erinnerungsbilder eintauchen. Andere legen Wert auf eine Hightech-Küche, ohne dass die Geräte dabei vielleicht genutzt werden. Die Küche bewirkt aber nicht nur Sättigung, sondern wirkt auf Kultur, Gesellschaft und Kunst. Und das zeigt das Buch "Tatort Küche" - herausgegeben von Manfred Blohm, Sara Burkhardt und Christine Heil von der Universität Flensburg.
"Tatort Küche" ist kein Kochbuch, wer es liest, findet keine Anleitungen zum Kochen. Dafür beleuchten 30 Autorinnen und Autoren die Küche aus unterschiedlichen Perspektiven: Alltag, Familientradition, kauziger oder gepflegter Individualismus und Hochkultur, Nationales und Regionales wie auch globales Kochen, Gewürzhandel in der kolonialen "Vorkartoffelzeit", Kücheninszenierungen in der Kunst, der Kunstpädagogik und in der Kulturvermittlung im Museum. Dabei gliedert sich das Buch in fünf Kapitel: Historisches, Alltag, Küchenhandlungen, Kunst und das Kapitel Museum; die Autorinnen und Autoren sind Kunstwissenschaftler und -wissenschaftlerinnen, eine Ökotrophologin, Historiker und Künstlerinnen oder kommen aus der Kunstpädagogik, der Kunstvermittlung und dem Museum und angrenzenden Bereichen. Das Buch "Tatort Küche" ist auch das Produkt einer deutsch-dänischen Zusammenarbeit. Autoren von Museen beider Seiten der Grenze (Schloß Gottorf, Sønderborg Slot) haben an dem Buch mitgewirkt.

Das Buch liefert eine breite Material- und Ideensammlung für ästhetische Forschungsvorhaben oder kann als Bezugsquelle für Fragen der Ernährungsbildung sowie für Kunst- und Kulturprojekte in Schule und Hochschule wie auch in Institutionen außerhalb von Schulen dienen. Es kann Ideengeber für Fachleute sein, die Ihr Gebiet, sei es beispielsweise Pädagogik Gesundheitsbildung oder Geschichte mit Hilfe der Küche einmal anders sehen wollen. Darüber hinaus ist es ein informatives und unterhaltsames Lesebuch für kulinarisch interessierte Menschen, die mehr über den "Tatort Küche" erfahren wollen.

Die Küche als Lebens- und Erfahrungsraum, herausgegeben von Manfred Blohm, Sara Burkhardt, Christine Heil, 248 S., 14,80€ (Hardcover mit Farbabb.), Flensburg University Press 2009, ISBN 978-3-939858-12-6

Kontakt: Prof. Dr. Manfred Blohm: blohm@uni-flensburg.de, Dr. Christine Heil: heil@uni-flensburg.de
Weitere Informationen:
http://www.iaekb-flensburg.de/tatort.html

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Eisentherapie kann vielen Herzkranken helfen

Kerstin Endele, GB Unternehmenskommunikation
Charité-Universitätsmedizin Berlin

Tests zeigen bessere Leistungsfähigkeit und höheres Wohlbefinden
Forscher der Charité - Universitätsmedizin Berlin haben entdeckt, dass intravenös verabreichte Eisenpräparate die Lebensqualität vieler Herzkranker deutlich verbessern können. Das Team um Prof. Stefan Anker von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie am Campus Virchow-Klinikum leitete die weltweit erste große Studie zur Wirkung einer Eisentherapie bei Patienten mit Herzschwäche durch. Über seine Ergebnisse berichtet er in der aktuellen Ausgabe des New England Journal of Medicine*.

"Eisenmangel spielt bei sehr vielen schweren Erkrankungen eine Rolle", erklärt Prof. Anker. Bekannt ist, dass bei Tumoren, Lungen- oder Nierenleiden ein Eisenmangel häufig in eine Anämie mündet. Dabei produziert der Körper entweder zuwenig roten Blutfarbstoff, das so genannte Hämoglobin, oder zuwenig rote Blutkörperchen, was zu körperlicher Schwäche, Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen, Ohnmachtsanfällen und Schlaflosigkeit führen kann. Diese Patienten bekommen schon heute oft eine Spritze mit Eisen. "Doch bisher dachte niemand daran, die Wirkung von Eisen auch bei Herzschwäche zu testen", betont Prof. Anker. "Dabei konnte unsere Gruppe feststellen, dass die Gabe von intravenösem Eisen nicht nur herzkranken Menschen mit Anämie spürbar hilft, sondern auch denen, deren Krankheit "nur" mit einem Eisenmangel ohne Anämie einher geht."

An der Studie beteiligten sich insgesamt 75 Kliniken in 11 Ländern. Die Forscher untersuchten 459 Patienten, die Symptome einer verminderten Pumpfunktion des Herzens zeigten und bei denen Eisenmangel im Blut nachgewiesen wurde. Zwei Drittel erhielten eine Therapie mit dem Wirkstoff Ferric Carboximaltose, ein Drittel ein Placebo. "Wir hatten mit einer so schnellen Besserung nicht gerechnet", berichtet Prof. Anker. Doch schon nach vier Wochen Therapie zeigten sich signifikante Resultate. Nach 24 Wochen sagten 50 Prozent der Patienten mit Eisentherapie, dass sie sich wesentlich besser fühlten - in der Placebogruppe waren es nur 27 Prozent. Die Patienten mit Eisentherapie waren auch deutlich weniger kurzatmig. Die Strecke, die sie innerhalb von sechs Minuten zu laufen imstande waren, erhöhte sich um 35 Meter im Vergleich zur Placebogruppe. Auch die Lebensqualität der Patienten hatte sich deutlich gebessert.

"Intravenöses Eisen kann also vielen Patienten mit Herzschwäche wirklich helfen", folgert Prof. Anker. "Nach unseren Ergebnissen ist es auch sehr gut verträglich. Der größte Vorteil liegt darin, dass es die Mittel schon gibt." Er rät Patienten mit Herzschwäche, den Eisenspiegel testen zu lassen und bei Eisenmangel oder Anämie mit dem Arzt über eine intravenöse Therapie zu sprechen. Sein nächstes Vorhaben ist, die Wirkung von Eisen bei Patienten mit Herzschwäche ohne Einschränkung der Pumpfunktion zu testen. "Es ist gut möglich, dass wir hier auf ein weites Forschungsfeld gestoßen sind."

*Stefan D. Anker et al.: Ferric Carboxymaltose in Patients with Heart Failure and Iron Deficiency. In: The New England Journal of Medicine. November 2009.

Kontakt
Prof. Stefan Anker
Angewandte Kachexieforschung
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie
Campus Virchow-Klinikum
Charité - Universitätsmedizin Berlin
Tel.: +49 30 450 553 463

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Mit „Spannung" erwartet: Das BattG-Melderegister geht online

Neues Batteriegesetz stärkt Hersteller-Produktverantwortung

Batterien und Akkus gehören zum alltäglichen Leben. Ob in MP3-Playern, Laptops und Mobiltelefonen, Taschenlampen, Hörgeräten oder Autos - sie sind nicht mehr wegzudenken. Am 1. Dezember 2009 tritt das Gesetz über das Inverkehrbringen, die Rücknahme und die umweltverträgliche Entsorgung von Batterien und Akkumulatoren (Batteriegesetz - BattG) in Kraft und löst die geltende Batterieverordnung ab. Damit startet auch das BattG-Melderegister für die Hersteller und Importeure von Batterien und Akkumulatoren.

Zu den neuen Aufgaben des Umweltbundesamtes (UBA) gehören die Führung eines zentralen elektronischen Melderegisters für Batteriehersteller und die bundesweite Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten. Das vom Gesetzgeber vorgesehene BattG-Melderegister ist ab dem 1. Dezember über die UBA-Internetseite zu erreichen. Ziel des BattG-Melderegisters ist, die Wahrnehmung der abfallwirtschaftlichen Produktverantwortung von Herstellern und Importeuren abzusichern. Hersteller im Sinne des Batteriegesetzes sind verpflichtet bis zum 28. Februar 2010 ihre Marktteilnahme in dem BattG-Melderegister anzuzeigen. Die Nutzung des Melderegisters ist gebührenfrei. Auch Verbraucherinnen und Verbraucher können nachvollziehen, ob der Hersteller der von ihnen genutzten Batterien angezeigt ist.

Das Batteriegesetz setzt die europäische Batterierichtlinie um und löst die bisherige Batterieverordnung ab. Die wesentlichen Änderungen des Batteriegesetzes sind:

· Vertriebsverbot für cadmiumhaltige Gerätebatterien,

· Einrichtung eines zentralen BattG-Melderegisters,

· herstellereigene Rücknahmesysteme bedürfen der behördlichen Genehmigung,

· verbindliche Sammelziele für Gerätebatterien,

· Kennzeichnungs- und Hinweispflichten.

Zusätzlich zum bereits geltenden Verbot quecksilberhaltiger Batterien - über 0,005 Gewichtsprozent; für Knopfzellen 2 Gewichtsprozent - werden cadmiumhaltige Batterien verboten. Batterien, die also mehr als 0,002 Gewichtsprozent Cadmium enthalten, dürfen nicht den Verkehr gebracht werden. Gerätebatterien, die für Not- oder Alarmsysteme, medizinische Ausrüstung oder schnurlose Elektrowerkzeuge bestimmt sind, sind von dem Verbot ausgenommen.

Die Erweiterung des Quecksilberverbots um ein Cadmiumverbot bedeutet verringerte Umweltbelastungen, stärkt aber auch den Verbraucher- und Gesundheitsschutz.

Etwa 380.000 Tonnen Geräte-, Industrie- und Fahrzeugbatterien wurden im Jahr 2008 in den Verkehr gebracht. Die Vertreiber sind weiterhin verpflichtet, Altbatterien an der Verkaufsstelle kostenfrei zurückzunehmen. Neu sind verbindliche Sammelziele für Gerätebatterien. Das Gemeinsame Rücknahmesystem wie auch die herstellereigenen Rücknahmesysteme müssen bis 2012 eine Sammelquote von 35 Prozent und bis 2016 eine Sammelquote von 45 Prozent gewährleisten. 2008 haben die drei größten deutschen Rücknahmesysteme eine Sammelquote von 41 Prozent erreicht. Damit stagniert der Wert auf dem Niveau von 2007. Weitere Bemühungen sind erforderlich, um die Sammelquote bis 2016 zu steigern, denn neben den Schwermetallen dürfen auch Nickel, Zink und Lithium sowie deren Verbindungen nicht in den Hausmüll gelangen. Erstens kann von Ihnen eine Gefährdung der Umwelt ausgehen. Zweitens handelt es sich um wertvolle Ressourcen, die nur in begrenzter Menge zur Verfügung stehen.

Verbraucherinnen und Verbraucher können Altbatterien weiterhin im Handel zurückgeben. Behälter für die unentgeltliche Rücknahme der Altbatterien und -akkus stehen überall dort bereit, wo man Batterien kaufen kann. Verbrauchte Batterien über den Hausmüll zu entsorgen, ist verboten.

Weitere Informationen zum Batteriegesetz und dem BattG-Melderegister erhalten Sie unter

http://www.umweltbundesamt.de/abfallwirtschaft/battg/index.htm

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Solarforscher Prof. Eicke Weber: Sonne ist Stromquelle der Zukunft

Sabine Recupero, Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Innovationsstiftung Schleswig-Holstein

"Solarenergie als Wirtschaftsmotor für eine nachhaltige Entwicklung" lautete der Gastvortrag von Prof. Dr. Eicke Weber, Direktor des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg, auf dem Parlamentarischen Abend der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein am 18.11.09 in Kiel. Weber unterstrich dabei seine Überzeugung, dass die Sonne die Stromquelle der Zukunft ist. Es komme darauf an, die Kosten pro Kilowattstunde zu reduzieren, bei gleichzeitig guter Effizienz. Dies könne mit so genanntem "dirty silicon" erreicht werden.
"Schauen Sie auf Fürstenfeldbruck!", forderte Weber die runde 120 Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Verbänden auf. In dem bayerischen Landkreis werde heute bereits zehn Prozent des Stroms mit Photovoltaik erzeugt. In Deutschland liege der Prozentsatz bei etwa 0,7 bis 0,8 Prozent. Daran sehe man "dass es funktioniert, dass wir die mit Photovoltaik erzeugte Strommenge noch ganz leicht verzehnfachen können", sagte der renommierte Physiker und Materialforscher. Mit "schmutzigem Silizium" könne der Weltmarktpreis für den Rohstoff zum Bau von Solarzellen um ein Vielfaches verringert werden.

"onside", die Hauspublikation der Innovationsstiftung Schleswig-Holstein, hat in ihrer November-Ausgabe ein ausführliches Interview mit Prof. Weber geführt. Nachzulesen unter folgendem Link:
Weitere Informationen:
http://www.i-sh.de/termine/7-parlamentarischer-abend-der-ish/

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Dunkle Schokolade ist gesund - Mediziner haben den Zusammenhang zwischen Magnesium im Blut und Zahnfleischentzündungen untersucht

Constanze Steinke, Pressearbeit
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Der deutsche MILLER-Preis und 10.000 Euro gehen nach Greifswald

Der seit 1908 durch die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (http://www.dgzmk.de) vergebene Preis zu Ehren des Pioniers der Zahnheilkunde, Professor Willoughby Dayton Miller (1853-1907), geht in diesem Jahr an eine Greifswalder Forschergruppe.
Anlässlich des Deutschen Zahnärzte-Tages in München wurde der Preis Anfang November im Herkulessaal der altehrwürdigen Münchner Residenz an die Arbeitsgruppe der Greifswalder Zahnklinik mit dem Pharmakologen Prof. Peter Meisel und den Zahnmedizinern Dr. Careen Springmann und Prof. Thomas Kocher übergeben. Die Wissenschaftler aus der Universitätszahnklinik Greifswald überzeugten die Gutachterkommission mit ihren Forschungsergebnissen zu Beziehungen zwischen dem Versorgungsgrad der Bevölkerung mit Magnesium und der Zahngesundheit.

Durch Untersuchungen anhand der großen Greifswalder Bevölkerungsstudie SHIP (Study of Health of Pomerania) mit über 4.000 Probanden konnten die Greifswalder Wissenschaftler aufzeigen, dass bei ausreichend hoher Magnesium-Konzentration im Blut weniger Entzündungen des Zahnfleischs auftreten und damit einhergehend ein verbesserter Erhalt der Zähne zu verzeichnen ist. Auch die altersbedingte Zunahme der Parodontitis (Entzündungen des Zahnhalteapparates) und der Zahnverlust über eine fünf Jahre dauernde Nachuntersuchungszeit verliefen bei ausreichender Magnesiumzufuhr wesentlich langsamer. "Nach den Ergebnissen dieser Studie sind insbesondere Diabetiker und junge Frauen von einer Unterversorgung mit Magnesium betroffen", erklärten die Preisträger um Prof. Peter Meisel in München. "Die gute Nachricht dabei ist, dass dunkle Schokolade reichlich Magnesium enthält und darüber hinaus auch Inhaltsstoffe mit günstigen Wirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem."

Der Deutsche MILLER-Preis wird vom Vorstand der DGZMK jährlich zur Würdigung der besten wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiet der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde ausgelobt. Er stellt die höchste Auszeichnung einer wissenschaftlichen Leistung durch die renommierte medizinische Fachgesellschaft der Zahnmediziner dar und ist zurzeit mit 10.000 Euro dotiert. Allein die Leistung und Bedeutung für die Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde sind die entscheidenden Kriterien für die Vergabe des Preises. Die drei Wissenschaftler wollen das Preisgeld nutzen, um ihre Forschungen weiterführen zu können.

Ansprechpartner am Uniklinikum Greifswald
Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Abteilung Parodontologie
Prof. Dr. Peter Meisel
Rotgerberstraße 8, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-7324
E meiselp@uni-greifswald.de
http://www.klinikum.uni-greifswald.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Auch der Besuch der betrieblichen Weihnachtsfeier ist unfallversichert

Weihnachten und der Jahreswechsel sind in vielen Betrieben willkommener Anlass zum Feiern. Was aber, wenn dabei ein Unfall passiert? Wird die Feier vom Arbeitgeber oder mit seiner Billigung und Unterstützung zur Förderung des betrieblichen Miteinanders veranstaltet, stehen Betriebsangehörige unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Darauf weisen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen hin.

Weitere Voraussetzungen für den Versicherungsschutz: Die Veranstaltung muss grundsätzlich allen Beschäftigten offenstehen, mindestens 20 Prozent der Mitarbeiter und der Unternehmer selbst oder sein Beauftragter nehmen teil. Versicherungsschutz besteht auch, wenn wegen der Größe eines Unternehmens Weihnachtsfeiern in einzelnen Abteilungen organisiert werden.

Versichert ist in all diesen Fällen auch der Hin- und Rückweg der Teilnehmer. Vom Versicherungsschutz ausgenommen sind zum Beispiel Unfälle durch starken Alkoholgenuss, oder die Unterbrechung des Heimwegs aus privaten Gründen. Nicht versichert sind mitfeiernde Familienangehörige, ehemalige Betriebsangehörige oder Gäste, ebenso wenig private Feiern, zum Beispiel anlässlich eines Geburtstages oder der Beförderung eines Mitarbeiters. Dies gilt selbst dann, wenn eine derartige Feier im Betrieb stattfindet.

(Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) )

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Hasso-Plattner-Institut bekommt zum 10. Geburtstag eigene HPI-Primzahl geschenkt

Hans-Joachim Allgaier, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik (HPI)

Potsdam/Stuttgart. Eine zertifizierte Primzahl hat das Hasso-Plattner-Institut (HPI) zu seinem zehnten Geburtstag geschenkt bekommen. Auf der Potsdamer Jubiläumskonferenz "Informatik-Impulse" überreichte Prof. Dr. Volker Diekert, Leiter der Abteilung für Theoretische Informatik an der Universität Stuttgart, am Dienstag die aus 400 Stellen bestehende Primzahl an HPI-Direktor Prof. Christoph Meinel.
Das Besondere an dem Geschenk: Die Primzahl enthält codiert den Namen "Hasso-Plattner-Institut". Da die Umwandlung des Institutsnamens in den binären Code mit Nullen und Einsen allein keine Primzahl ergeben würde, entwickelte der theoretische Informatiker aus Stuttgart ein Verfahren, das auf Grundlage des Namens eine 400-stellige Primzahl erzeugt. Primzahlen bilden eine besondere Menge unter den natürlichen Zahlen, weil sie nur durch sich selbst oder durch eins teilbar sind.

Die neue HPI-Primzahl ist "garantiert echt", da sie auf der Grundlage eines Satzes aus der Zahlentheorie berechnet wurde. Große Primzahlen werden in der Informatik unter anderem für Verschlüsselungstechniken benötigt.

Anlässlich des Jubiläums seines Potsdamer Instituts hatte Wissenschaftsmäzen Prof. Hasso Plattner gestern eine "HPI-Initiative 010" im Bereich Informationstechnologie gestartet. Er wolle damit der Spitzen-Forschung und -Lehre in der Informatik zusätzlichen Schub geben, die Innovationskraft in Deutschland verstärken und in der Jugend mehr Begeisterung für eine IT-Ausbildung wecken, sagte Plattner (65). Der SAP-Mitgründer und -Aufsichtsratsvorsitzende sprach vor mehr als 200 geladenen Gästen, die zu einem Festakt und einer Gala auf den HPI-Campus in Potsdam-Babelsberg gekommen waren.

Plattner kündigte an, im Rahmen der HPI-Initiative 010 ein Spitzenforschungslabor am Institut einzurichten. Es soll von 2010 an auf besonders schnell arbeitender Hard- und Software, die derzeit noch in Entwicklung ist, Hochleistungs-Verfahren für das so genannte Service-Oriented Computing erforschen. Auch Wissenschaftlern anderer Universitäten wird das Potsdamer "Future SOC Lab" offen stehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel lobte zum zehnten Geburtstag des Hasso-Plattner-Instituts das private Engagement des Stifters. Es habe zu Exzellenz in Forschung und Lehre geführt, schrieb Merkel in einem Grußwort.

Die Vorträge auf der HPI-Jubiläumskonferenz "Informatik-Impulse" sind in Kürze auf der HPI-Plattform http://www.tele-task.de zu finden.

Weitere Infos und Hintergrundmaterial zur HPI-Festwoche hier: http://www.hpi.uni-potsdam.de/jubilaeum

Kurzprofil Hasso-Plattner-Institut
Das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH (HPI) in Potsdam ist Deutschlands universitäres Exzellenz-Zentrum für IT-Systems Engineering. Als einziges Universitäts-Institut in Deutschland bietet es den Bachelor- und Master-Studiengang "IT-Systems Engineering" an - eine praxisnahe und ingenieurwissenschaftlich orientierte Alternative zum herkömmlichen Informatik-Studium, die von derzeit 440 Studenten genutzt wird. Insgesamt gut ein Dutzend Professoren und über 50 weitere Lehrende sind am HPI tätig. Es betreibt exzellente universitäre Forschung - auch für erste Adressen der Wirtschaft. Vor allem geht es um Grundlagen und Anwendungen für große, hoch komplexe und vernetzte IT-Systeme. Das HPI kam beim jüngsten CHE-Hochschulranking unter die besten vier Informatikstudiengänge im deutschsprachigen Raum, die sich Rang 1 teilen.
Weitere Informationen:
http://www.hpi.uni-potsdam.de/jubilaeum - Informationen zum 10. Geburtstag des Hasso-Plattner-Instituts
http://www.tele-task.de - HPI-Portal mit Videos zu allen Veranstaltungen zum HPI-Geburtstag
http://www.hpi.uni-potsdam.de/hpi/veranstaltungen/10_jahre_lehre_am_hpi/hpi_jubi... - Information zur HPI-Jubiläumskonferenz Informatik-Impulse

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Schweinegrippe: UKM-Geburtsexperte empfiehlt Schwangeren individuelle Beratung zur Impfung

Simone Hoffmann, Stabsstelle Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Münster

Münster (ukm/dre). Prof. Dr. Walter Klockenbusch rät auch Schwangeren ohne weitere Risikofaktoren angesichts der laufenden Grippewelle, sich jetzt individuell über die Chancen und Risiken einer Impfung mit "Pandemrix" aufklären zu lassen und nicht zwingend auf den angekündigten speziellen Impfstoff für Schwangere zu warten. Der Schwangerschaftsexperte und Leiter der Geburtshilfe am Universitätsklinikum Münster (UKM) erklärt: "Wir befinden uns gerade mitten in der laufenden Grippesaison. Und die Impfung von Schwangeren ab der zwölften Schwangerschaftswoche und Wöchnerinnen gegen Neue Influenza wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen, weil bei diesen Personengruppen ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe bei einer Infektion mit Neuer Influenza beobachtet werden konnte. Weil allerdings auch bei Schwangeren ohne bestehende Risikofaktoren schwere Krankheitsverläufe beobachtet wurden, empfehle ich eine Impfung nach vorheriger persönlicher Aufklärung, auch wenn keine weiteren gesundheitlichen Risikofaktoren vorliegen. Wer sich Sorgen macht, sollte sich daher auf jeden Fall durch den Arzt individuell beraten lassen und ggf. eine zeitnahe Impfung mit Pandemrix durchführen lassen."
Prof. Dr. Georg Peters, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie am UKM und Mitglied der Nationalen Pandemiekommission, ergänzt: "Sowohl Paul-Ehrlich-Institut und Robert Koch-Institut haben im Rahmen einer sorgfältigen individuellen Nutzen-Risiko-Analyse darauf hingewiesen, dass die Anwendung von einer Erwachsenendosis Pandemrix auch bei Schwangeren sinnvoll sein kann, bis ein zugelassener nicht-adjuvantierter Impfstoff zur Verfügung steht. Und bislang steht ein solcher Impfstoff nicht zur Verfügung, gleichzeitig steigt die Anzahl der Fälle von "Neuer Grippe", wie die Zahlen des Robert-Koch-Institutes deutlich machen."  

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Weiterer Ausbau der bioliq®-Pilotanlage am KIT

Dr. Elisabeth Zuber-Knost, Stabsabteilung Presse, Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

Das am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelte bioliq®-Verfahren ermöglicht es, aus Stroh und anderen land- und forstwirtschaftlichen Reststoffen vollsynthetischen Diesel- oder Ottokraftstoff herzustellen. Nach den bereits finanzierten Ausbaustufen I und II der Pilotlinie kann das KIT nun auch die noch fehlenden Stufen der Gasreinigung und der Kraftstoffsynthese realisieren. Bund und Land fördern den Ausbau der Pilotanlage auf dem KIT-Campus Nord mit insgesamt 11 Millionen Euro.
Synthesekraftstoffe, auch BtL-Kraftstoffe genannt (Biomass to Liquid), werden aus Reststoffen wie Stroh und Holzabfällen hergestellt. Solche Reststoffe eignen sich weder als Nahrungs- oder Futtermittel, noch beanspruchen sie zusätzliche Anbauflächen. In dem vierstufigen bioliq®-Verfahren wird am KIT ein Kraftstoff hergestellt, dessen Qualität über dem herkömmlicher Biotreibstoffe und selbst der Mineralölprodukte liegen wird. Für den Ausbau der Stufen III und IV im bioliq®-Prozess, der Gasreinigung und der Kraftstoffsynthese, überreichte Staatssekretär Gert Lindemann aus dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) heute dem KIT-Vizepräsidenten für Forschung und Innovation, Dr. Peter Fritz, einen Förderbescheid über 10 Millionen Euro. Das KIT erhält das Geld aus dem Sondervermögen "Investitions- und Tilgungsfonds" des Bundes, das im Rahmen des Konjunkturprogramms II unter anderem Maßnahmen in der Forschung und Entwicklung im Bereich Mobilität vorsieht. "Der vom Karlsruher Institut für Technologie entwickelte bioliq®-Prozess verspricht viele Vorteile gegenüber anderen Biomass-to-Liquid-Verfahren. Deshalb freue ich mich sehr, dass wir die Fertigstellung der Pilotlinie abschließen können", erklärte Gert Lindemann, Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) heute in Berlin.

Darüber hinaus fördert das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg das bioliq®-Verfahren mit einem Zuschuss von 1 Million Euro aus Mitteln der EU-Strukturförderung "Regionale Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung (RWB)" - Bereich Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).

In einem ersten Schritt wird beim bioliq®-Verfahren Biomasse durch eine so genannte Schnellpyrolyse in ein transportfähiges flüssiges Zwischenprodukt mit hoher Energiedichte (bioliqSynCrude®) umgewandelt. Die Herstellung des bioliqSynCrude® erfolgt dezentral. Dies hat den Vorteil, dass die Biomasse mit geringer Energiedichte nicht über weite Strecken transportiert werden muss. Für die Land- und Forstwirtschaft eröffnen sich hier noch Einkommensquellen. Die Pyrolyse-Pilotanlage auf dem KIT-Campus Nord ist bereits fertiggestellt und erfolgreich in Betrieb.

Die Anlage für die Stufe II, die Vergasung des bioliqSynCrude® in einem Hochdruck-Flugstromvergaser und die Erzeugung von Synthesegas, befindet sich derzeit im Bau auf dem KIT-Campus Nord. Dieser wie auch die nachfolgenden Schritte würden später in zentralen Großanlagen durchgeführt.

"Wir freuen uns, dass wir nun mit der Förderung den bioliq®-Prozess komplettieren können", betont KIT-Vizepräsident Dr. Peter Fritz. "Dabei gehen wir auch bei der dritten und vierten Stufe, der Gasreinigung und der Kraftstoffsynthese neue Wege und setzen nicht auf bereits etablierte Verfahren." So planen die KIT-Forscher bei der Gasreinigung ein dreistufiges Verfahren. Dies hat den Vorteil, beispielsweise gegenüber der Rectisolwäsche, dass das Gas nicht abgekühlt bzw. der Systemdruck nicht verringert werden muss. "Dies bietet enorme Energieeinsparungen, da die anschließende Kraftstoffsynthese wieder bei höheren Temperaturen und Drücken ablaufen muss", so Dr. Nicolaus Dahmen, der das bioliq®-Projekt leitet.

Beim anschließenden Syntheseprozess verwenden die KIT-Wissenschaftler eine Route über das Zwischenprodukt Dimethylether mit der anschließenden Umwandlung in Kohlenwasserstoffe mit Benzin- oder Dieseleigenschaften. Dieses vergleichsweise einfache Syntheseverfahren wird erstmals auf die Verarbeitung von Biomasse angewendet. Es erlaubt eine deutlich preisgünstigere Herstellung des Kraftstoffs als bei bisherigen Verfahren. "Wenn wir alle Stufen umgesetzt haben, wird es auch eine bioliq®-Zapfsäule am KIT geben", betont Dr. Peter Fritz.

In der Energieforschung ist das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine der europaweit führenden Einrichtungen: Das KIT-Zentrum Energie vereint grundlegende und angewandte Forschung zu allen relevanten Energieformen für Industrie, Haushalt, Dienstleistungen und Mobilität. In die ganzheitliche Betrachtung des Energiekreislaufs sind Umwandlungsprozesse und Energieeffizienz mit einbezogen. Das KIT-Zentrum Energie verbindet exzellente technik- und naturwissenschaftliche Kompetenzen mit wirtschafts-, geistes- und sozialwissenschaftlichem sowie rechtswissenschaftlichem Fachwissen. Die Arbeit des KIT-Zentrums Energie gliedert sich in sieben Topics: Energieumwandlung, erneuerbare Energien, Energiespeicherung und Energieverteilung, effiziente Energienutzung, Fusionstechnologie, Kernenergie und Sicherheit sowie Energiesystemanalyse.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und staatliche Einrichtung des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Das KIT verbindet die Aufgaben Forschung - Lehre - Innovation in einem Wissensdreieck.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: www.kit.edu

Das Foto steht in druckfähiger Qualität auf www.kit.edu zum Download bereit und kann angefordert werden unter:
pressestelle@kit.edu oder +49 721 608-7414.

Weiterer Kontakt:

Monika Landgraf
Pressestelle
Tel.: +49 721 608-8126
Fax: +49 721 608-3658
E-Mail: monika.landgraf@kit.edu

Weiterer Ausbau der bioliq®-Pilotanlage am KIT
http://idw-online.de/pages/de/attachment578

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Passivrauchbelastung in der Gastronomie

Mit Blick auf die Nichtraucherschutzgesetze in Deutschland haben das BGIA - Institut
für Arbeitsschutz der DGUV und das BGFA - Forschungsinstitut für Arbeitsmedizin
der DGUV in einem gemeinsamen Projekt die innere und äußere Passivrauchbelastung
von Arbeitnehmern in der Gastronomie messtechnisch ermittelt. Erstmals wurden
Nikotin und Acrylnitril in der Luft parallel bestimmt. Sonderdrucke des Artikels sind über
bgia-info@dguv.de kostenlos erhältlich.
Zu den Ergebnissen der Messungen: http://www.dguv.de/webcode.jsp?q=d97489

(Quelle: Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV))

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Koblenzer Biennale der Gewässerkundler

Dipl.-Met. Alfred Hommes, Referat Öffentlichkeitsarbeit
Bundesanstalt für Gewässerkunde

Hydrologen aus dem In- und Ausland ließen auf der Lahn ihre Messboote eichen.

Ein ungewöhnliches Schauspiel bot sich gestern dem Betrachter im herbstlich verträumten Lahntal bei Kalkofen. Mehr als 50 Messflöße, bestückt mit modernster Wasserschall-Technik und Satellitenortung kreuzten die Lahn. Hydrologen aus ganz Europa hatten sie mitgebracht, um ihre Geräte bei der Koblenzer Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) überprüfen zu lassen. Dazu wurde von den Mini-Flößen gleichzeitig die Wassermenge der Lahn gemessen.
"Wir ermitteln die Wassermengen der Flüsse. Diese Daten gehen bei der BfG z.B. in Klimamodelle und Hochwasservorhersagen ein. Da ist es wichtig, dass wir international einheitliche Standards und vergleichbare Messdaten haben", erläutert Matthias Adler von der BfG.

Der Markt für Messgeräte ist international, das Angebot fast unüberschaubar. Für Geräte zur Wassermengenmessung in natürlichen Gewässern gibt es keine Zulassungs- oder Zertifizierungsstellen. Der sogenannte Ringversuch der BfG, bei dem mehrere Geräte parallel messen, soll sicher stellen, dass auch unterschiedliche Systeme vergleichbare Ergebnisse liefern und fehlerfrei arbeiten.

"Wir benutzen die Stauhaltung Kalkofen als natürlichen Eichkanal", erklärt BfG-Experte Matthias Adler. "Zurzeit sind die Bedingungen auf der Lahn ideal, denn seit dem ersten November sind die Schleusen, wie in jedem Winter, gesperrt. Deshalb werden die Messungen nicht durch den sonst regen Schiffs- und Paddelbootbetrieb beeinträchtigt."

Die BfG führt seit 1999 alle zwei Jahre eine solche Veranstaltung durch. Der jetzigen sechsten "Biennale" der Hydrologen war auch eine Geräteschau angeschlossen, bei der Firmen aus Europa und den USA Innovationen der Wassermesstechnik präsentierten.

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weitere fachliche Informationen:
Matthias Adler, Referat M1 "Hydrometrie und gewässerkundliche Begutachtung", Tel.: 0261/1306-5247, E-Mail: adler@bafg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Studie: Wie viel Wasser hat das Meer?

Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Schwankungen des Meeresspiegels zu messen, ist vergleichsweise einfach. Weitaus komplizierter ist es, daraus die Änderung der Wassermasse zu berechnen. Einem Team von Geodäten und Ozeanographen der Universität Bonn, des Deutschen Geoforschungszentrums GFZ und des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft ist das nun erstmals gelungen. Die Forscher konnten kurzzeitige Schwankungen in der räumlichen Verteilung der Ozeanwassermassen beobachten. Ihre Ergebnisse sind unter anderem für bessere Klimamodelle wichtig.
Um das Ozeanvolumen in einer bestimmten Region zu berechnen, muss man (neben der Topographie des Meeresbodens) lediglich die Höhe des Meeresspiegels kennen. Dazu greifen Forscher schon seit langem auf Pegelstationen und Satellitenverfahren zurück. Die Ozeanmasse hängt aber nicht nur vom Volumen, sondern auch von der Temperatur und vom Salzgehalt ab. So dehnt sich Wasser bei Erwärmung aus. Warmes Wasser wiegt daher weniger als dieselbe Menge kalten Wassers.

Zur Berechnung der Ozeanmasse müsste man daher die Temperatur- und Salzgehalts-Profile kennen. Diese lassen sich aber nicht einfach messen. "Wir haben für unsere Studie daher verschiedene Verfahren kombiniert, um auf Masseänderungen zu schließen", erklärt Professor Dr. Jürgen Kusche. Der Bonner Geodät ist Coautor des Fachartikels, das nun im Journal of Geophysical Research erschienen ist.

Einerseits nutzten die Forscher Daten der deutsch-amerikanischen Satellitenmission GRACE. Dabei werden die Abstände zweier Satelliten (im Volksmund Tom und Jerry genannt, weil sie auf der gleichen Umlaufbahn hintereinander herjagen) auf Tausendstel Millimeter genau vermessen. Je größer die Ozeanmasse an einem bestimmten Punkt der Erde ist, desto stärker ist dort die Gravitationskraft. Das wirkt sich auf die Flughöhe der Satelliten und damit auf ihren Abstand voneinander aus. Über die Abstandsänderung lässt sich die Anziehungskraft und daher die Masse ableiten.

Meeresboden biegt sich unter der Last des Wassers

Außerdem machten sich die Wissenschaftler einen Effekt zu Nutze, den vor allem Vielleser kennen dürften: Ähnlich wie sich in einem überfüllten Bücherregal die Regalböden wölben, biegt sich der Meeresboden unter der Last der Wassermassen durch. Dadurch sinken stationäre GPS-Messstationen am Land um bis zu einem Zentimeter ab und rücken wenige Millimeters näher aneinander. Je schwerer das Wasser, desto stärker fällt diese Bewegung aus.

"Wir haben diese Messdaten mit numerischen Modellen des Ozeans kombiniert", erklärt Kusche. "So konnten wir erstmals nachweisen, dass insbesondere in den höheren Breiten regelmäßig bedeutende Schwankungen der Wassermasse auftreten, und das innerhalb von nur ein bis zwei Wochen."

Bislang wusste man lediglich, dass die Masse des weltweiten Ozeanwassers jahreszeitlich im Schnitt um etwa drei Billiarden Kilogramm schwankt - das entspricht etwa sieben bis acht Millimetern Meeresspiegelvariation. Dieser Effekt wird unter anderem durch Variationen in Niederschlag und Verdunstung sowie der Speicherung von Wasser als Schnee hervorgerufen. Aber auch das Abschmelzen der Gletscher und der Eismassen in Grönland und der Antarktis spielen eine Rolle.

Aus dem Vergleich der Massen- und Volumenänderung wollen die Forscher insbesondere auf Veränderungen der im Ozean gespeicherten Wärmemenge schließen. Demnächst sollen daher auch die langzeitlichen Veränderungen untersucht werden. Die Ergebnisse sollen unter anderem in bessere Klimamodelle einfließen.

Ein dringender Wunsch der Wissenschaftler ist die Realisierung einer rechtzeitigen Nachfolgemission für das Satellitentandem GRACE. Der Wert der mit GRACE gewonnenen Informationen, der insbesondere in der Erfassung von Trends im Erdsystem liegt, könnte sonst nicht voll für die Erdsystem- und Klimaforschung ausgeschöpft werden.

Die Arbeiten werden durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft im Schwerpunktprogramm "Massentransporte und Massenverteilungen im System Erde" gefördert. Das Programm wird am Institut für Geodäsie und Geoinformation der Universität Bonn koordiniert.

Rietbroek, R., S.-E. Brunnabend, C. Dahle, J. Kusche, F. Flechtner, J. Schröter, and R. Timmermann (2009), Changes in total ocean mass derived from GRACE, GPS, and ocean modeling with weekly resolution, J. Geophys. Res., 114, C11004, doi:10.1029/2009JC005449

Ansprechpartner:
Dr. Frank Flechtner
GFZ Potsdam
Telefon: 08153/28-1297
E-Mail: Frank.Flechtner@gfz-potsdam.de

Dr. Jens Schröter
AWI Bremerhaven
Telefon: 0471/4831-1762
E-Mail: Jens.Schroeter@awi.de

Prof. Jürgen Kusche
Universität Bonn
Telefon: 0228/73- 2629 oder - 2628
E-Mail: kusche@geod.uni-bonn.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Warum erkrankt der gesunde Mensch?

Thomas Gazlig, Kommunikation und Medien
Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren

In einer großen Studie, der Helmholtz-Kohorte, sollen rund 200.000 gesunde Menschen über zehn bis zwanzig Jahre begleitet werden, um neue Wege für die Diagnose, Prävention und Therapie der großen Volkskrankheiten zu identifizieren. Am 17. November um 19:30 Uhr spricht Prof. Dr. H.-Erich Wichmann, einer der beiden Studienleiter vom Helmholtz Zentrum München, an der Urania über die "Helmholtz-Kohorte". Im anschließenden Gespräch können Besucher Fragen stellen. Der Vortrag ist kos-tenfrei.
Die Zunahme von chronischen Krankheiten stellt die Gesundheitssysteme sowie die Gesundheitsforschung vor immense Herausforderungen. Die Helmholtz-Gemeinschaft investiert daher in den nächsten fünf Jahren rund 20 Millionen Euro in den Aufbau einer groß angelegten Langzeit-Kohorte, um die Ursachen von Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs, Diabetes und Demenzerkrankungen aufzuklären, Risikofaktoren zu identifizieren und Wege einer wirksamen Vorbeugung zu suchen. Risikofaktoren können mit genetischer Veranlagung, Umweltfaktoren oder dem Lebensstil zusammenhängen.

Die freiwilligen Teilnehmer werden regelmäßig medizinisch untersucht und nach Lebensgewohnheiten und sozioökonomischen Daten befragt. Im Laufe der nächsten Jahre werden bei einigen Teilnehmern naturgemäß bestimmte Erkrankungen auftreten, die dann rückwirkend mit den erhobenen Daten in Verbindung gebracht werden können. Die Helmholtz-Kohortenstudie ist damit ein einzigartiges Werkzeug für eine Vielzahl von epidemiologischen Fragestellungen.

Hinweis: Die Veranstaltung findet am Dienstag den 17.11.2009 um 19:30 Uhr in der Urania statt.
An der Urania 17
10787 Berlin,
Tel.: 030 218 90 91

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit fast 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 16 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

Ansprechpartner für die Medien:

Thomas Gazlig
Dipl.-Biol./Dipl.-Journ.
Leiter Kommunikation und Medien
Büro Berlin
Anna-Louisa-Karsch-Straße 2
10178 Berlin
Tel./Fax: 030 206 329-57/60
presse@helmholtz.de

Dr. Angela Bittner
Pressereferentin
Tel.: 030 206329-56
angela.bittner@helmholtz.de
Weitere Informationen:
http://www.urania.de
http://www.helmholtz.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Neues internationales Netzwerk zur Klimapolitik

Sabine Kallwitz, Pressestelle
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin

Berlin bekommt ein neues Zentrum - zur Bewertung und zum Vergleich von Klimapolitik. Finanziert von George Soros, entsteht derzeit unter dem Namen Climate Policy Initiative (CPI) ein weltweites Forschungsnetzwerk. Das erste dieser in Peking, Delhi, Rio de Janeiro und Venedig geplanten Forschungszentren wird heute in Berlin eröffnet. Angesiedelt ist es am DIW Berlin, mit dem es eine enge wissenschaftliche Zusammenarbeit geben wird.
Mit seinem Hauptsitz in San Francisco wird sich das weltweite CPI-Netzwerk vor allem der Frage widmen, wie effizient die lokale, nationale und globale Klimapolitik ist. Im Mittelpunkt steht also die Frage, welchen Effekt die bisherigen Klimaschutzmaßnahmen tatsächlich haben - und wie man sie wirksamer machen kann. Dabei werden weltweit Politikinstrumente wie administrative Regeln, Märkte und gezielter Einkauf der öffentlichen Hand eingesetzt - sowohl auf nationaler wie internationaler Ebene.

"CPI wird diese Klimapolitiken untersuchen und die Öffentlichkeit und Regierungen dabei unterstützen, ihre Klimapolitiken zu verbessern.", sagte Thomas C. Heller, Gründungsdirektor von CPI. "Wir müssen so früh wie möglich identifizieren, wo Lücken bei der Umsetzung entstehen oder Klimaziele nicht erreicht werden."

Heller, seit 1979 Ökonom und Jurist an der renommierten Stanford University, ist Experte für internationales Recht sowie Entwicklungsökonomie und ist seit 1991 mit Forschung und Politikanalyse zur Energie und Klimapolitik beschäftigt.

"Wir untersuchen, welche Förderung und welche Rahmenbedingungen Haushalte und Unternehmen für eine klimafreundliche Entwicklung benötigen. Dann können wir sie mit geeigneten Politikinstrumenten ansprechen", so Karsten Neuhoff, Leiter von CPI Berlin. "Eine spannende Herausforderung - ich freue mich dass wir sie zusammen mit Kollegen in Wissenschaft, Industrie und Finanzexperten in Berlin und Europa angehen können."

Der Ökonom und Physiker Neuhoff leitete zuvor an der Universität Cambridge mehrere Projekte in den Fachgebieten Energiemarkt, Emissionshandel und Technologiepolitik. Zu dem Berliner CPI-Team gehören außerdem Alexandra Novikova und Ferdinand Vieider. Die Umweltwissenschaftlerin Alexandra Novikova gehört zu den Autorinnen des aktuellen Berichts des IPCC. Der Ökonom Ferdinand Vieider war zuvor an der Universität Rotterdam, wo er sich mit der empirischen Untersuchung von Entscheidungsprozessen befasste.

"Es ist eine große Auszeichnung für uns, dass CPI sein allererstes Forschungszentrum am DIW Berlin eröffnet," sagte Dr. Alexander Fisher, Geschäftsführer des DIW Berlin. "CPI widmet sich der Frage, wie aus Wissenschaft harte und vor allem wirksame Politik wird - mit dieser Fragestellung passt es zu hundert Prozent ans DIW Berlin."

Berlin wird immer mehr zum Zentrum der Klimaforschung

Mit der Gründung von CPI Berlin wird die Region Berlin-Brandenburg immer mehr zum Zentrum der Erforschung von Klimawandel und Klimaschutz. Mit dem Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK), der Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt unter Leitung von Professor Claudia Kemfert am DIW Berlin und zahlreichen weiteren Instituten ist bereits heute hochkarätige Forschungskompetenz in der Region konzentriert.

Den Auftakt der CPI-Arbeit in Berlin bildet eine zweitägige internationale Konferenz. Kurz vor der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen wird sich die Eröffnungskonferenz von CPI Berlin der Frage widmen, welche Rolle Subventionen dabei spielen, den Klimaschutz zu hemmen oder voranzubringen.

Die Climate Policy Initiative wird von der Soros Foundation des US-Investmentbankers und Milliardärs George Soros finanziert. CPI hat dabei eine eigene Rechtsform als gemeinnützige Organisation zur Erforschung und Bewertung von Klimapolitiken und ist von anderen Initiativen der Soros-Stiftung unabhängig.

CPI Berlin - die ersten Themen

Die Verbesserung von Wärmedämmung im Altbau ist möglicherweise die größte Quelle von Energieeinsparungen. CPI wird untersuchen, welche Politikinstrumente dazu beitragen können.

Europa hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2020 den Anteil der Erneuerbaren am Energiemix auf 20 Prozent zu erhöhen. CPI wird untersuchen, ob die notwendigen Schritte eingeleitet werden, das Ziel zu erreichen.

Der Europäische Emissionshandel schafft Anreize für Industrie und Finanzsektor, die Klimaauswirkung von Investitionen zu berücksichtigen. CPI wird Details der Implementierung untersuchen (CDM, Auktionierung), insbesondere im Hinblick auf internationale Entwicklung und Zusammenarbeit.

CO2-Preise können nur zur Emissionsreduktion beitragen, wenn nicht zugleich Energieverbrauch subventioniert wird. Der G20-Gipfel in Pittsburgh hat sich zur Abschaffung von Energiesubventionen bekannt - die Auswirkungen von Subventionen und Möglichkeiten für deren Reduktion sind Thema der Auftaktkonferenz von CPI.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Gene lernen aus Stress - Frühgeburtliche Traumata haben lebenslange Wirkung auf Gedächtnisleistung, Emotion und Antrieb

Barbara Abrell, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Mäuse, die nach der Geburt kurz von ihrer Mutter getrennt werden, weisen eine veränderte Regulierung bestimmter Gene auf, wie Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in einer neuen Studie gezeigt haben. Dies wird durch die Anlagerung einfacher chemischer Signalflaggen an die Erbsubstanz, so genannte epigenetische Markierungen, hervorgerufen.
Infolgedessen bilden die Mäuse vermehrt Stresshormone und können mit belastenden Situationen schwer umgehen. Die neuen Erkenntnisse dokumentieren wie Umweltfaktoren auf unsere Gene einwirken und eröffnen ein besseres Verständnis für die Entwicklung von stressbedingten Erkrankungen wie z.B. der Depression (Nature Neuroscience, 8. November 2009).

Dass Belastungen in der frühen Kindheit das Risiko erhöhen, an schweren Depressionen und Angststörungen zu erkranken, ist seit langer Zeit auch beim Menschen bekannt. Der molekulare Mechanismus dahinter war allerdings bisher ungeklärt. Die Forscher um Dietmar Spengler zeigen nun in ihrer neuen Studie an Mäusen, wie Stress dauerhafte Veränderungen der Erbsubstanz hervorrufen kann. Traumatisierte Tiere können sich ihr Leben lang nur schlecht an anstrengende Situationen anpassen, Gedächtnis, Antrieb und Emotion sind gestört. Die Stresshormone sind erhöht, weil in ihrem Gehirn das Eiweißmolekül Vasopressin überproduziert wird. Vasopressin ist ein Schlüsselfaktor für die Steuerung von Stresshormonen, Gedächtnis, Emotion und Sozialverhalten. Auf der Suche nach dem Auslöser für diese Überproduktion von Vasopressin stießen die Wissenschaftler bei DNA-Analysen auf einen Genabschnitt, dessen Modifizierung durch Methylgruppen die Aktivierung des Vasopressin-Gens hemmt. Dieser Aus-Schalter fehlt in den nachgeburtlich gestressten Mäusen und führt zu einer lebenslangen Überproduktion des Botenstoffes.

Wie Gene und Umwelteinflüsse in Wechselwirkung treten, ist Gegenstand des immer wichtiger werdenden Forschungsfeldes der Epigenetik. Zahlreiche Forschungsergebnisse zeigen, dass erworbene Informationen die Gebrauchsanweisung liefern, wie das Erbgut genutzt wird. Die Regulierung von Genen ist oft entscheidender als ihre bloße Ausstattung. Methylgruppen spielen dabei als Signalflaggen auf den DNA-Strängen eine wichtige Rolle. Sie ermöglichen das Andocken von Eiweißstoffen an die DNA. Im Zusammenspiel mit diesen methylbindenden Proteinen schalten sie Gensequenzen dauerhaft aus. Das Entscheidende: Die Markierungen bleiben stabil, selbst wenn sich die Zelle teilt, sie werden von der Mutterzelle an die Tochterzellen weitergegeben. Gleichzeitig können sie sich durch einschneidende Erlebnisse im Laufe des Lebens verändern, wie auch die neue Studie zeigt.

Während der Trennung von ihren Müttern war in den Mäusen die Gehirnregion des Hypothalamus übermäßig aktiv, welche für die Stressbewältigung wichtig ist. Diese erhöhte Aktivität führte zu den Modifizierungen der Erbsubstanz in deren Folge das Gen für Vasopressin nun häufiger abgelesen wurde. Die belastende Erfahrung während der wichtigen Entwicklungsphase hatte sich langfristig in ihrer Erbsubstanz festgeschrieben. Florian Holsboer, Direktor des Max-Planck-Instituts in München, führt dazu aus: "Unsere Studie dokumentiert, wie sich Umwelteinflüsse über epigenetische Mechanismen auf die molekulare Ebene unseres Genoms niederschlagen. Früh erlittene schwere Belastung kann die Entwicklung krankmachender Prozesse einleiten, die sich später in Angsterkrankungen und Depression manifestieren. Das Verständnis dieser epigenetischen Kodierung wird zum zukünftigen Schlüssel neuer Behandlungsstrategien", so der Wissenschaftler.

Originalveröffentlichung:

Chris Murgatroyd, Alexandre V Patchev, Yonghe Wu, Vincenzo Micale, Yvonne Bockmühl, Dieter Fischer, Florian Holsboer, Carsten T Wotjak, Osborne F X Almeida & Dietmar Spengler
Dynamic DNA methylation programs persistent adverse effects of early-life stress
Nature Neuroscience, Online-Vorabpublikation, 8. November 2009, DOI: 10.1038/nn.2436

Weitere Informationen erhalten Sie von:

Dr. Barbara Meyer
Max-Planck-Institut für Psychiatrie, München
Tel.: +49 89 30622-616
Fax: +49 89 30622-348
E-Mail: bmeyer@mpipsykl.mpg.de
Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/multimedial/biomax/heft2008_23/pdfBM23... - Epigenetik - Vererbung ist mehr als die Summe der Gene
http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/dokumentation/pressemitteilungen/2009/... - Der Therapieerfolg bei Depressionen lässt sich vorhersagen
http://www.mpg.de/bilderBerichteDokumente/dokumentation/pressemitteilungen/2008/... - Das Heil liegt in den Genen

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Ein Drittel aller Erwerbstätigen klagt über psychische Belastungen

Andreas Henke, Pressestelle
Bertelsmann Stiftung

Aktuelle Ergebnisse des Gesundheitsmonitors der Bertelsmann Stiftung
Der tragische Tod des Nationaltorwarts Robert Enke wirft erneut ein Schlaglicht auf die immer noch mit Tabu belegten psychischen Erkrankungen. Dabei haben sich psychische Beschwerden längst zu einer Volkskrankheit entwickelt, wie auch die Ergebnisse des aktuellen Gesundheitsmonitors der Bertelsmann Stiftung belegen. Dieser regelmäßig durchgeführten repräsentativen Umfrage zufolge klagt jeder dritte Erwerbstätige über psychische Belastungen, mehr als 20 Prozent der deutschen Bevölkerung suchen innerhalb eines Jahres wegen psychischer Probleme einen Arzt auf.

Die unsicheren wirtschaftlichen Verhältnisse verschärfen die Situation: 52 Prozent der Menschen in befristeten Arbeitsverhältnissen klagen über psychische Belastungen. Aber auch rein subjektiv erlebte Zukunftssorgen, wie arbeitslos (46 Prozent) und durch neue Technologien überflüssig (50 Prozent) zu werden oder im Fall von Arbeitslosigkeit keine neue Arbeit zu finden (41 Prozent), gehen mit einem erhöhten Risiko psychischer Beschwerden einher.

Selbst ohne Sorgen um die berufliche Zukunft haben schwierige Arbeitsbedingungen einen negativen Einfluss auf das Wohlbefinden: Wer mehr als fünf Tage die Woche arbeitet (42 Prozent) oder täglich einen Arbeitsweg von mindestens 30 Minuten zu bewältigen hat (38 Prozent), wird häufiger psychisch krank. Ebenso kann das Betriebsklima die Psyche beeinträchtigen. Dies trifft vor allem zu, wenn der Entzug von Vergünstigungen (47 Prozent), Abmahnungen (52 Prozent) oder Kündigung (49 Prozent) im Falle von häufigerer oder längerer Krankschreibung zu erwar-ten sind.

Spätestens hier wird deutlich, dass häufige psychische Erkrankungen im Arbeitsumfeld auch auf Führungsprobleme hinweisen können. "Viele Arbeitgeber haben dies erkannt und führen intensive Schulungsmaßnahmen für ihre Führungskräfte durch", sagt Dr. Jan Böcken von der Bertelsmann Stiftung. Dies ist auch ein Ansatz, die Konflikte an den Berührungsstellen zwischen beruflichem und privatem Bereich in den Griff zu bekommen. "Wir wissen aus den Zahlen des Gesundheitsmonitors, dass das Risiko einer psychischen Beeinträchtigung beispielsweise bei Organisationsproblemen in der Kinderbetreuung doppelt so hoch ist. Diese Probleme sind häufig viel leichter zu bewältigen, wenn Führungskraft und Mitarbeiter gemeinsam nach Lösungen suchen", so Jan Böcken.

Der Gesundheitsmonitor der Bertelsmann Stiftung befragt zweimal jährlich 1.500 Personen zu aktuellen Themen im Politikfeld Gesundheit. Die Befragten repräsentieren den Bevölkerungsdurchschnitt. Aufgrund der Komplexität der Fragen werden die Fragen schriftlich gestellt.

Rückfragen an: Dr. Jan Böcken, Telefon: 0 52 41 / 81-81 462
E-Mai: Jan.Boecken@Bertelsmann-Stiftung.de

Dr. Juliane Landmann, Telefon: 0 52 41 / 81-81 245
E-Mail: Juliane.Landmann@Bertelsmann-Stiftung.de

Weitere Informationen: Jan Böcken, Bernard Braun, Juliane Landmann (Hrsg.)
Gesundheitsmonitor 2009 - Gesundheitsversorgung und Gestaltungsoptionen aus der Perspektive der Bevölkerung

Informationen für Entscheider in Ministerien und Kommunalverwaltungen, Politiker, Ent-scheidungsträger in der gesundheitlichen Selbstverwaltung, Wissenschaftler und Patientenvertreter
2009, 288 Seiten
ISBN 978-3-86793-052-9
37,00 EUR

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Sächsische Wasserforscher stellen erste Ergebnisse ihrer gemeinsamen internationalen Forschungen vor

Mathias Bäumel, Pressestelle
Technische Universität Dresden

Am Mittwoch, 11. November 2009, präsentieren Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung GmbH (UFZ), der TU Dresden und der Stadtentwässerung Dresden GmbH gemeinsam im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden erste Forschungsergebnisse ihrer Zusammenarbeit in der Internationalen Wasserforschungs-Allianz Sachsen (IWAS).

Derzeit leben knapp eine Milliarde Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und über drei Milliarden Menschen ohne Sanitärversorgung. Rapides Bevölkerungswachstum, wirtschaftliche Entwicklungen und Klimaveränderungen mit immer extremer werdenden Wetterbedingungen werden zukünftig die Bedingungen für ein nachhaltiges Management von Wasserressourcen noch verschärfen.

Angesichts dieser Herausforderungen haben sich Wissenschaftler des UFZ, der TU Dresden sowie der Stadtentwässerung Dresden zur Internationalen Wasserforschungs-Allianz Sachsen (IWAS) zusammengeschlossen, um sich drängenden Wasserproblemen weltweit zu stellen.

Gemeinsam entwickeln sie konkrete Lösungen und setzen sie beispielhaft in fünf hydrologisch sensitiven Regionen um:
- zur Verbesserung der Gewässerqualität in Osteuropa vor dem Hintergrund rascher gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Veränderungen,
- zur Bewertung der Auswirkungen globaler Trends und angewendeter Managementstrategien in Zentralasien,
- zur nachhaltigen Nutzung der Wasserressourcen in extremen Trockengebieten wie dem Mittleren Osten,
- zur Wiederverwendung gereinigten Abwassers zur Grundwasseranreicherung in Südostasien sowie
- zur nachhaltigen Wasserbewirtschaftung in den Megametropolen Lateinamerikas.

Das IWAS-Statuskolloquium dient der Vorstellung des Projektstandes und erster Forschungsergebnisse und bietet Vertretern aus Wissenschaft, Politik und Wasserwirtschaft ein Diskussionsforum über Strategien zum Management knapper Wasserressourcen vor dem Hintergrund der Auswirkungen des globalen Wandels.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der 6. Fachtagung des Dresdner Kompetenzzentrums Wasser (DKW) im Marta-Fraenkel-Saal des Deutschen Hygiene-Museums Dresden, Lingnerplatz 1, statt und beginnt am 11. November 2009 um 9.30 Uhr.

Das IWAS-Verbundprojekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms "Spitzenforschung und Innovation in den Neuen Ländern" gefördert.

Weitere Informationen zur Organisation sowie das aktuelle Veranstaltungsprogramm können unter http://www.iwas-initiative.de abgerufen werden.

Informationen für Interessierte sowie Journalisten:
Jörg Seegert, Projektkoordination (TUD), Telefon: +49 351 463 3 4616
E-Mail: joerg.seegert@tu-dresden.de

Elisabeth Krüger, Projektkoordination (UFZ), Telefon: +49 341 235 1671
E-Mail: elisabeth.krueger@ufz.de

Edda Kalbus, Projektkoordination (UFZ), Telefon: +49 341 235 1069
E-Mail: edda.kalbus@ufz.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wirtschaftskrise verändert das Wertesystem der Bundesbürger

Ute Friedrich, Pressestelle
Bertelsmann Stiftung

Persönliche Beziehungen werden wichtiger - Starker Wunsch nach sozialem Zusammenhalt - Mehrheit sieht keine Wende zu größerer Nachhaltigkeit
Gütersloh, 3. November 2009. Die Wirtschaftskrise hinterlässt erste Spuren im mentalen Bewusst­sein der Deutschen. Dies zeigt eine aktuelle demoskopische Befragung der Bertelsmann Stiftung. Danach sind persönliche Beziehungen, Ehe, Familie, Partner und Freunde für viele Menschen durch die Wirtschaftskrise wichtiger geworden. Auch die Suche nach Sinn und Orientierung wird intensiver. Gleichzeitig haben aber auch materielle Werte wie Einkommen, Wohlstand und Sicher­heit an Stellenwert gewonnen. Eine sehr große Mehrheit der Deutschen wünscht sich als Konse­quenz aus der Krise einen stärkeren Ausgleich zwischen Arm und Reich, mehr Solidarität von Alt und Jung oder die bessere Integration von Ausländern. Allerdings bezweifeln die meisten der Be­fragten, dass die Krise den sozialen Zusammenhalt tatsächlich befördern wird. Skeptisch zeigen sich die Bundesbürger auch, ob die Krise zu einem Umdenken bei den Unternehmen geführt hat. Nur jeder Dritte glaubt, dass sich die Wirtschaft zukünftig mehr an langfristiger Wohlstandssiche­rung als an kurzfristigen Gewinnen orientiert.

Die Wirtschaftskrise bedeutet für die Mehrzahl der Deutschen zwar keine "Umwertung aller Werte", aber für eine beachtliche Minderheit sind viele Dinge in Bewegung geraten. Für jeden vierten Bun­desbürger hat in den vergangenen Monaten nach eigenen Angaben die Rolle der Familie, der Kin­der oder die Beziehung zu den Eltern an Stellenwert gewonnen. Für 20 Prozent sind stabile per­sönliche Beziehungen und Freundschaften wichtiger als vor der Krise und für 15 Prozent die ei­gene Ehe oder Partnerschaft. Ebenfalls fast jeder Vierte gibt an, dass die Wirtschaftskrise Auswir­kungen auf seine persönliche Orientierung und die Frage seines Lebenssinns hat. Gleichzeitig hat aber auch die Frage der materiellen Sicherheit an Bedeutung gewonnen. So gaben mehr als ein Drittel der befragten Bundesbürger (35 Prozent) an, dass für sie durch die Krise die Fragen von Einkommen, Sicherheit und Wohlstand wichtiger geworden sind. Insbesondere gilt dies für die Gruppe der Jüngeren unter 40 Jahre, die Einkommensschwachen sowie größere Familien.

Als Konsequenz auf die Krise wünscht sich eine übergroße Mehrheit der Deutschen einen stärke­ren gesellschaftlichen Zusammenhalt. So sind 85 Prozent der Befragten der Auffassung, dass die Krise insbesondere die Solidarität zwischen Alten und Jungen wieder stärker in den Blick bringen sollte, fast genauso viele (83 Prozent) meinen, der Ausgleich zwischen Arm und Reich sollte wieder stärker befördert werden. Und auch eine klare Mehrheit von 57 Prozent meint, als Konsequenz auf die Wirtschaftskrise sollte die Integration ausländischer Mitbürger gefördert werden, weil diese auch für den gemeinsamen Wohlstand von Bedeutung sind. Doch die Mehrheit der Bundesbürger ist gleichzeitig auch skeptisch dass die Wirtschaftskrise den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken wird. Mit 45 Prozent ist davon weniger als die Hälfte überzeugt, eine Mehrheit von 53 Prozent glaubt dies dagegen nicht.

Obwohl kurzfristiges Gewinnstreben als eine der wichtigsten Ursachen der Wirtschaftskrise gese­hen wird, glaubt die Mehrheit der Deutschen nicht an ein Umdenken bei den Unternehmen. So erklären 60 Prozent der Befragten sie glaubten nicht, dass Unternehmen zukünftig mehr als bisher für eine längerfristige Wohlstandssicherung arbeiten. 37 Prozent denken, dass die Unternehmen ihre Ziele neu ausrichten würden. Die Skepsis ist dabei unter den Personen mit größerer Schulbil­dung am stärksten ausgeprägt. Auch eine nachhaltige Personalpolitik als Folge der Krise können nur wenige erkennen. So glauben nur 38 Prozent, dass Unternehmen zukünftig verantwortlicher mit ihren Mitarbeitern umgehen und auf ihre Fachkräfte achten werden.

Lediglich beim Thema Ökologie sehen viele Deutsche in der Gesellschaft einen generellen Neu­orientierungsprozess zu mehr Nachhaltigkeit. So glauben knapp die Hälfte (49 Prozent) der Befragten, durch die Krise werde die Gesellschaft besser als bisher auf den Erhalt der Umwelt achten oder mit Energie und Rohstoffen haushalten.

Dr. Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung deutet die Ergebnisse der Befragung auch als Anzeichen für einen Mentalitätswechsel: "Wir sehen auf der einen Seite deutlich das Ausmaß der Verunsicherung der Menschen und ihre Sehnsucht nach alten oder neuen Si­cherheiten. Es gibt da verständlicherweise den Rückzug in das Persönliche und Verlässliche. Aber interessanterweise mündet der Wunsch nach Sicherheit und Gerechtigkeit bei der großen Mehrheit nicht in egoistische Lösungen auf Kosten von Randgruppen wie Migranten, sondern in Forderun­gen nach mehr gesellschaftlichem Zusammenhalt und Ausgleich. Die Politik sollte dieses erkenn­bare Potenzial zur Solidarität nutzen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf allen Ebenen fördern."

Gleichzeitig, so Thielen, sei das Thema Nachhaltigkeit als Antwort auf die Krise noch nicht in der Gesellschaft angekommen. Die Umfrage bestätige erneut den großen Vertrauensverlust den Wirtschaft und Unternehmen in großen Teilen der Bevölkerung erlitten haben: "Nur eine Minderheit der Bevölkerung glaubt bislang, dass die Wirtschaft die richtigen Konsequenzen zieht. Dieses feh­lende Vertrauen können die Unternehmen nur durch glaubwürdige Strategien schaffen, durch die Überwindung von kurzfristiger Profitorientierung und eine nachhaltige Wirtschaftsweise gegenüber Mitarbeitern, Gesellschaft und Umwelt."

Die repräsentative Umfrage wurde Ende Oktober 2009 von TNS Emnid im Auftrag der Bertels­mann Stiftung unter 1.003 Bundesbürgern durchgeführt. Sie ist Teil eines Stiftungsprojektes, das die Folgen der Wirtschaftskrise und die Perspektiven Deutschlands bis zum Jahre 2020 untersucht.

Das Thema Nachhaltigkeit, Vertrauen und Werte ist auch der Schwerpunkt der aktuellen Ausgabe von "Change", dem Magazin der Bertelsmann Stiftung.

Über die Bertelsmann Stiftung:
Die Bertelsmann Stiftung setzt sich für das Gemeinwohl ein. Sie engagiert sich in den Bereichen Bildung, Wirtschaft und Soziales, Gesundheit sowie Internationale Verständigung und fördert das friedliche Miteinan­der der Kulturen. Durch ihr gesellschaftliches Engagement will sie alle Bürgerinnen und Bürger ermutigen, sich ebenfalls für das Gemeinwohl einzusetzen. Die 1977 von Reinhard Mohn gegründete, gemeinnützige Einrichtung hält die Mehrheit der Kapitalanteile der Bertelsmann AG. Die Bertelsmann Stiftung arbeitet ope­rativ und ist unabhängig vom Unternehmen sowie parteipolitisch neutral.

Rückfragen an: Norbert Osterwinter, Kommunikationsmanager; Telefon: 0 52 41 / 81-81 484; E-Mail: Norbert.Osterwinter@Bertelsmann-Stiftung.de

Weitere Informationen zum Projekt "Perspektive 2020 - Deutschland nach der Krise" unter:
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de
http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-BA779A00-7D79D923/bst/hs.xsl...
http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-2C0090AA-E17935FE/bst/hs.xsl...

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Esperanto für TV, PC und Co.

Fernseher, Handy, Set-Top-Box und Computer sind bisher Einzelgeräte, die nicht miteinander kommunizieren. Forscher haben eine gemeinsame Sprache für die Informations- und Kommunikationstechnik aus dem Web entwickelt. Ob die neuen Lösungen grenzenloses Internetfernsehen ermöglichen, untersuchen Elektronikkonzerne, Telekommunikationsunternehmen und Fernsehsender im »Open IPTV Forum InteroP TV #1« (16. bis 20. November) am Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS in Berlin.

Fernsehen via Kabel oder Satellit könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Dem Internetfernsehen - kurz IPTV von Internet-Protocol-Television - gehört die Zukunft der Unterhaltungselektronik. Laut einer Studie des amerikanischen Marktanalyseunternehmens »In-Stat« sollen bis 2011 weltweit 54 Millionen Haushalte IPTV nutzen. Doch die junge Technik hat noch einige Kinderkrankheiten. »Die unterschiedlichen Hersteller und Anbieter programmieren die Geräte mit verschiedenen Sprachen, um Information mit eigenen `Protokollen' zwischen Sender und Empfänger auszutauschen. Da passt natürlich das eine nicht zum anderen«, sagt Robert Seeliger vom Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS. »Um einer möglichst großen Anzahl an Akteuren - sowohl netzseitig als auch nutzerseitig - den Zugang zu web-basierten IPTV-Diensten zu erschließen, ist es entscheidend, standardkonforme Technologien bereitzustellen«, erklärt Dr. Stefan Arbanowski, Leiter des Kompetenzzentrums Future Applications & Media bei FOKUS.

Derzeit arbeiten FOKUS-Wissenschaftler gemeinsam mit den Partnern vom Open IPTV Forum an solch einem neuen IPTV-Standard. Im Open IPTV Forum sind Industrievertreter der Kommunikations- und Unterhaltungsindustrie aktiv. Ziel der Initiative ist es, Ende-zu-Ende Spezifikationen zu entwickeln und zu standardisieren, um die nächste IPTV-Generation für den Markt vorzubereiten. FOKUS ist das erste und bislang einzige unabhängige Forschungsinstitut, das Mitglied im Open IPTV Forum ist.

Ob die Geräte und Softwarelösungen der OIPF-Mitglieder den Standard erfüllen, soll der Interoperabilitätstest »Interop#1« in den FOKUS-Laboren zeigen. Erstmals können hier Endgeräte und Software an eine Testumgebung angeschlossen werden. Neben der technischen Funktionsprüfung bietet das »InteroP TV #1« zugleich die Möglichkeit, Standardisierungsspezifikationen - etwa für Architekturgruppen, Content-Management-Systeme oder den Schutz von Inhalten - weiter zu entwickeln.

FOKUS-Forscher haben bereits eine gemeinsame Sprache für die Info-, Spiel- und Kommunikationstechnik aus dem Web entwickelt, eine Art Online-Esperanto. »Open-IPTV-Ecosystem« heißt dieser gemeinsame Nenner, mit dem Handys, Fernseher und Computer von diversen Herstellern einerseits und Kunden, Heimelektronik-Konzerne und Telefongesellschaften andererseits kommunizieren sollen. So kann die Information sämtliche technischen Grenzen überwinden.

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigen die Forscher in ihrem Berliner Labor: Der Fernseher im Institut kann nicht nur Videos herunterladen. Die Filme werden interaktiv. Flimmert ein Video über das Zentrum von Berlin über den Bildschirm, können die Forscher den Berliner Dom oder den Reichstag berühren - und schon öffnet sich ein Zusatzfenster mit Hintergrundinformationen oder einem weiteren Kurzfilm aus dem Internet, der die Gebäude von Innen zeigt. Wer will, kann mit der FOKUS-Technik sogar die aktuellen Urlaubsbilder von einer Digitalkamera oder dem Handy auf den Fernseher spielen und via Internet an die Fernsehgeräte von Freunden und Verwandten weiterleiten - für einen gemeinsamen Dia-Abend mit den Großeltern in einer fernen Stadt zum Beispiel. Bei dem internationalen Test sollen Fernseh- und Kommunikationstechnik, Handys, Router und Sender mit dem »Open-IPTV-Ecosystem«
zu einem virtuellen Ganzen verknüpft werden. »Vorerst ist unser Open-IPTV-Ecosystem nur ein Prototyp«, sagt Seeliger. »Doch es bedarf nur wenig Aufwand, um ihn heute schon für den breiten Einsatz im Markt vorzubereiten.«

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Veränderungen der belebten Umwelt: Gesundheitsrisiken für Mensch und Tier

Doris von Eiff, Senckenberg Pressestelle
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Flöhe, Stechmücken und Zecken sind als Überträger verschiedener Krankheiten bekannt. Bekannt ist auch, dass Insekten ernst zu nehmende Erkrankungen übertragen. Nicht zuletzt deshalb lassen zwei Funde von neu nach Deutschland eingewanderten Mückenarten aufhorchen. Beunruhigend sind auch die Nachweise von West-Nil- und Usutu-Viren in unmittelbar benachbarten Ländern, wie Frankreich und Österreich. Klimawandel und Globalisierung lassen grüßen: Auch die asiatische Tigermücke hat bereits einen Dauerwohnsitz in Italien und der Schweiz. Die belebte Umwelt verändert sich. Einwandernde Überträger und neue Erreger bringen neue Gefahren für die Gesundheit. - Was tun?
Dieser Frage gingen bis zum vergangenen Wochenende 80 Wissenschaftler aus Europa, Afrika und Asien am Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt nach. Im Fokus der gemeinsam vom LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) und der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Entomologie und Acarologie (DGMEA) ausgerichteten Tagung standen die Risiken, die durch zuwandernde Überträger (Vektoren) und neue Erreger für Tiere und Menschen zu erwarten sind. Neben dem Austausch von Forschungsergebnissen wurde über die Faktoren, die diese komplexen Veränderungen in der belebten Umwelt auslösen und den sich daraus ergebenden, dringend erforderlichen Forschungsbedarf diskutiert. Um die Brisanz des Themas auch aus medizinischer Sicht zu beleuchten, waren auch Wissenschaftler vom Klinikum und Fachbereich Medizin der Goethe Universität Frankfurt im Rahmen einer Kooperation direkt eingebunden.

Nach Auffassung der Experten gehören Klimawandel und Globalisierung zur größten globalen Gesundheitsbedrohung dieses Jahrhunderts. Zu beobachten ist, dass Überträger (Vektoren) und mit ihnen auch die Erreger von Infektionskrankheiten, die sonst eher in tropischen Regionen vorkommen, nun zunehmend auch in nördlichen Arealen auftauchen. Der durch Stechmücken auf Vögel und Menschen übertragbare Erreger für das West-Nil-Fieber wie auch die das Denguefieber übertragende asiatische Tigermücke stehen in Deutschland quasi schon vor der Haustüre. Die Frage ist demnach nicht ob, sondern wann sie hier nachgewiesen werden.

"Die Natur unterliegt einem ständigen Wandel. Doch durch den Einfluss des Menschen beschleunigen sich diese Prozesse. Veränderungen in der Umwelt vollziehen sich in rasantem Tempo. Dazu trägt der Klimawandel ebenso bei, wie die expansive Landnutzung und die Zunahme des Personen- und Warenverkehrs", erläutert Dr. Ulrich Kuch die auslösenden Faktoren. Nach Auffassung des BiK-F-Wissenschaftlers geht es jedoch nicht nur darum, Fakten zu registrieren, sondern vor allem Ursachen und Wechselwirkungen genauer zu analysieren und besser zu verstehen.

Feucht-milde Winter und heiße Sommer mit warmen Nächten schaffen ideale Bedingungen für das Überleben der aus südlichen Gefilden nach Mitteleuropa eingeschleppten Organismen. Die Wissenschaftler sind sich darin einig, dass eine realistische Einschätzung der weiteren Entwicklung wie auch die Bildung vorbeugender Maßnahmen zu den großen Herausforderungen für die Zukunft der Menschheit zählen. Dazu gehören auch genaue Analysen und Nachweise sowie eine Überwachung der verschiedenen, an diesem komplexen Zusammenspiel beteiligten Mechanismen.

Die durch Insekten übertragenen Erreger sind für Tiere, oft aber auch für den Mensch ein Risiko. Nicht unwahrscheinlich ist, dass auch heimische Tierarten zunehmend "Kompetenzen" entwickeln, die sie zu Überträgern werden lassen. Um jedoch gezielt gegensteuern zu können, sind umfassende Untersuchungen und eine besondere Expertise erforderlich.

"Dringend notwendig wäre, mehr über die Verbreitung und Biologie der zuwandernden, Erreger tragenden Vektoren zu wissen", erklärt Professor Michael Faulde vom Zentralen Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr. "Dazu gehört aber auch, dass im Fach der Medizinischen Entomologie wesentlich mehr junge Wissenschaftler ausgebildet und berufliche Perspektiven geschaffen werden. Sonst kommt es in Deutschland auf diesem Gebiet schon bald zu einer Lücke zwischen den Generationen, die eklatante Wissensverluste zur Folge hat."

Seit dem Erlöschen der auch in Deutschland bis Mitte des zurückliegenden Jahrhunderts vorkommenden Malaria wurde die Medizinische Entomologie vernachlässigt und bietet heute wenig attraktive Perspektiven, so dass gut ausgebildete Wissenschaftler abwandern. Schon lange steht die Forderung im Raum, den Forschungszweig wieder zu stärken. Auch während dieser Tagung, die mit einem informativen öffentlichen Vortrag für die Allgemeinheit startete, wurde die Wiederbelebung der Medizinischen Entomologie von den Wissenschaftlern als wesentliche Voraussetzung für den zielgerichteten Umgang mit den bevorstehenden Herausforderungen betrachtet.
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Ansprechpartner:
Dr. Julia Krohmer
BiK-F, Transferstelle
Tel.: 069-7542 1837
jkrohmer@senckenberg.de

Dr. Ulrich Kuch
BiK-F-Projektgruppenleiter
Diversität u. Dynamik v. Pathogenen,
Vektoren u. Reservoirwirten unter Klimawandelbedingungen
Tel.:069-7542 1818
ukuch@senckenberg.de
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Mit dem Ziel, anhand eines breit angelegten Methodenspektrums die komplexen Wechselwirkungen zwischen Biodiversität und Klima zu entschlüsseln, wird das Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) seit 2008 im Rahmen der hessischen Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) gefördert.

Das Senckenberg Forschungsinstitut und die Goethe Universität Frankfurt sowie weitere direkt eingebundene Partner kooperieren eng mit regionalen, nationalen und internationalen Institutionen aus Wissenschaft sowie Ressourcen- und Umweltmanagement, um Projektionen für die Zukunft zu entwickeln und wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen für ein nachhaltiges Handeln zu geben.
Weitere Informationen:
http://www.bik-f.de/root/index.php?page_id=39&groupID=7
http://www.senckenberg.de/root/index.php?page_id=3744

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Infektionsprävention in Krankenhäusern

Fachveranstaltung: ABAS und KRINKO im Dialog

Zur heutigen Veranstaltung "ABAS und KRINKO im Dialog - Infektionsprävention bei Patienten und Beschäftigten" erklären das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin:

Wie lässt sich die Gefahr von Infektionen in Krankenhäusern vermindern? Dieser Frage widmen sich der Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales und die Kommission Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut. Beide haben Empfehlungen zur Prävention entwickelt.

Über diese informieren die Gremien ein geladenes Fachpublikum auf der Veranstaltung "ABAS und KRINKO im Dialog - Infektionsprävention bei Patienten und Beschäftigten" am 27. Oktober 2009 im Bundespresseamt. Dort wird diskutiert, wie die Maßnahmen des Patientenschutzes und des Schutzes der Beschäftigten in den Gesundheitseinrichtungen so aufeinander abgestimmt werden können, dass sie wirksam sind und bei den Beteiligten in der täglichen Arbeitspraxis Akzeptanz finden.

Auch das Spannungsfeld unterschiedlicher Schutzziele und Rechtsgrundlagen von Arbeits- und Patientenschutz wird thematisiert. Dazu sagt Staatssekretär Detlef Scheele vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales:

Beide Schutzziele repräsentieren gleichermaßen einen hohen ethischen Wert. Ihnen in gleichem Maße gerecht zu werden, ist unser Ziel.

Natürlich stehe im Gesundheitsdienst in erster Linie der Patient im Mittelpunkt. Das Personal dürfe darüber aber nicht vergessen werden. Dies sei Aufgabe des Arbeitsschutzes.

Seit Patienten in Einrichtungen des Gesundheitswesens behandelt werden, spielen im Krankenhaus erworbene Infektionen (nosokomiale Infektionen) eine wichtige Rolle. Auch die Infektionsgefährdung der Beschäftigten ist seit langem bekannt. Um die Risiken zu vermindern, sind Schutzmaßnahmen baulich-technischer, organisatorischer wie auch persönlicher Art erforderlich. Dies gilt angesichts der spezifischen Tätigkeiten, bei denen Beschäftigte mit Krankheitserregern Kontakt haben, ebenso wie für die Patienten.

Der ABAS ist ein Beratungsgremium des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Er erarbeitet Empfehlungen und Regelungen zum Arbeitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen; die Geschäftsstelle ist bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) angesiedelt.

Eine Dokumentation dieser Veranstaltung wird im Internet unter http://www.baua.de/abas veröffentlicht.

(Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales)

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Neue Mindestlöhne treten in Kraft

Heute sind die Mindestlohn-Verordnungen für Bergbauspezialarbeiten auf Steinkohlebergwerken, Wäschereidienstleistungen im Objektkundengeschäft und das Maler- und Lackiererhandwerk im Bundesanzeiger verkündet worden. Sie treten am Tag nach der Verkündung in Kraft. Dazu erklärt der Bundesminister für Arbeit und Soziales Olaf Scholz:

Gerecht entlohnte Arbeit ist ein Gebot der Menschenwürde. Zwei weitere Branchen sind von nun an durch Mindestlöhne vor Lohndumping geschützt. Mit dem Inkrafttreten der Mindestlohn-Verordnungen in den Branchen der Bergbauspezialarbeiten und der Wäschereidienstleistungen ist ein weiterer wichtiger Schritt zu mehr sozialer Gerechtigkeit in Deutschland getan. Die Verordnungen bilden den Abschluss des im Frühjahr dieses Jahres eingeschlagenen Weges für diese Branchen. Am 24. April waren sie in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz aufgenommen worden.

Im Maler- und Lackiererhandwerk gibt es bereits seit 2003 Mindestlöhne auf der Grundlage eines entsprechenden Tarifvertrages. Die nunmehr erlassene fünfte Mindestlohn-Verordnung in dieser Branche sichert die weitere Teilhabe aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Maler- und Lackiererhandwerk an dem Tarifvertrag und seiner schützenden Wirkung.

Die neu vereinbarten Mindestlöhne tragen zu fairen Wettbewerbsbedingungen für die Unternehmen bei und schützen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. In den drei Branchen profitieren insgesamt über 100.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von ihnen.
Ich freue mich sehr, dass wir immer mehr Menschen zu fairen Löhnen verhelfen können. In dieser Legislaturperiode wurden für über zwei Millionen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Mindestlöhne festgesetzt. Dies zeigt, dass sich unsere Politik ganz konkret für die Menschen auszahlt.

(Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales)

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Deutscher Strom- und Gasverbrauch ist gesunken

Verbrauch ging um durchschnittlich sieben Prozent zurück / Verminderte
Industrieproduktion bleibt wichtigster Einflussfaktor

Berlin, 06. November 2009 - Der Gas- und Stromverbrauch in Deutschland ist
in den ersten neun Monaten dieses Jahres deutlich gesunken: Mit 384
Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) wurde rund sieben Prozent weniger
Strom nachgefragt als im entsprechenden Vorjahreszeitraum (2008: 412 Mrd.
kWh). Der Gasabsatz sank im selben Zeitraum ebenfalls um rund sieben
Prozent auf 633 Mrd. kWh (2008: 680 Mrd. kWh) trotz kühlerer Witterung im
ersten Quartal 2009. Das ermittelte der Bundesverband der Energie- und
Wasserwirtschaft (BDEW), Berlin, in ersten Erhebungen. Das ist der stärkste
Verbrauchsrückgang, den die Strom- und Gaswirtschaft seit der
Wiedervereinigung Deutschlands verzeichnete.

Wichtigster Grund für den Rückgang des Strom- und Gasverbrauchs bleibt nach
Angaben des BDEW die anhaltend verminderte Industrieproduktion. Die
Produktionseinbußen in energieintensiven Branchen führen bereits seit
Oktober 2008 zu einem niedrigeren Energiebedarf in Deutschland. Nach
BDEW-Schätzungen ist der Gas- und Stromabsatz in den ersten neun Monaten
des Jahres 2009 allein in der Industrie um rund 14 Prozent zurückgegangen.
Die weniger konjunkturell beeinflussten Verbrauchergruppen Haushalte und
Gewerbe, Handel, Dienstleistungen haben hingegen insgesamt zur
Stabilisierung der Energienachfrage beigetragen.

Bei Betrachtung der Quartalsentwicklungen ist der Stromverbrauch im dritten
Quartal 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um durchschnittlich 8,1
Prozent gesunken. Im ersten Quartal 2009 lag dieser Wert bei minus 4,2
Prozent; im zweiten Quartal bei minus 8,5 Prozent. Im Durchschnitt beträgt
der Rückgang beim Strom im Vergleich zum Vorjahr 6,9 Prozent.

Beim Gasverbrauch sehen die Quartalsentwicklungen 2009 im Vergleich zum
Vorjahr wie folgt aus: minus acht Prozent (erstes Quartal) und minus 19
Prozent (zweites Quartal). Im dritten Quartal (plus neun Prozent) belebte
sich in den Sommermonaten die Nachfrage nach Erdgas auf niedriger Basis.

Am deutlichsten sank die Energienachfrage 2009 bislang im April: So wurden
etwa 35 Prozent weniger Gas und knapp 14 Prozent weniger Strom im Vergleich
zum Vorjahresmonat an alle Kundengruppen abgesetzt, berichtete der BDEW.
Dieses starke Minus sei aber auch durch die vergleichsweise deutlich
wärmere Witterung sowie die Osterfeiertage beeinflusst worden.

(Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW))

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Tipps zur betrieblichen Pandemieplanung

DGUV, VDBW und VDSI veröffentlichen gemeinsame Broschüre

Im Fall einer Pandemie kann der massenhafte Ausfall von erkrankten Mitarbeitern die Betriebsabläufe in einem Unternehmen empfindlich stören. Gleichzeitig besteht am Arbeitsplatz wie im Privatleben das Risiko einer Infektion mit dem Krankheitserreger. Um Arbeitgeber bei der Vorbereitung ihres Unternehmens auf eine Pandemie zu unterstützen, hat die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) daher gemeinsam mit dem Verband der Betriebs- und Werksärzte (VDBW) und dem Verband der Sicherheitsingenieure (VDSI) die Broschüre "10 Tipps zur betrieblichen Pandemieplanung" veröffentlicht. Knapp und übersichtlich informieren die drei Verbände darin über organisatorische Schutzmaßnahmen. Diese umfassen unter anderem Hinweise zur Hygiene, das Festlegen von Zuständigkeiten und Ansprechpartnern im Pandemiefall sowie Vorkehrungen des Managements, um mit erheblichem Personalausfall umzugehen.

Die Broschüre erscheint zur Arbeitsschutzmesse A+A, die heute in Düsseldorf beginnt. Betriebe können sie über ihre zuständige Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse beziehen. Im Internet steht sie unter www.dguv.de zum Download zur Verfügung.

(Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV))

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CO2-Speicherung: Gefahr für Trinkwasser im Raum Flensburg?

Barbara Debus, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung

Schleswig-Holstein gilt als besonders geeignet, um das aus Kohlekraftwerken abgeschiedene Klimagas CO2 unterirdisch zu deponieren. Für den Berliner Energieexperten Prof. Dr. Rolf Kreibich vom unabhängigen Berliner IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung steht fest: "Für Deutschland kommt die Technologie der CO2-Verpressung nicht in Betracht". Der Landesgeologe Dr. Broder Nommensen hält eine mehrjährige Risikobewertung für das Grund- und Trinkwasser für erforderlich. Mehrere Schleswig-Holsteiner Wasserverbände informierten am Wochenende die Bevölkerung über mögliche Trinkwasserrisiken.
"Es ist nach heutigem Kenntnisstand nicht auszuschließen, dass unterirdische CO2-Einlagerungen aus Kohlekraftwerken die Wasserversorgung im Flensburger Raum beeinträchtigen könnten." Mit diesen Worten referiert Ernst Kern, der Geschäftsführer des Wasserverbandes Nord, ein für ihn alarmierendes Ergebnis einer Informationstagung, zu der sich 100 Vertreter norddeutscher Wasserwerke am 15. Oktober in der Akademie Sankelmark zusammengefunden hatten. Der Geologe Dr. Broder Nommensen vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) Schleswig-Holsteins hatte auf der Veranstaltung den aktuellen Kenntnisstand seiner Behörde vorgetragen und betont: "Zur Bewertung der Risiken für die regionale Trinkwasserversorgung sind umfangreiche Forschungen sowie ein konsequent auf die Ergebnisse abgestimmtes Speichermanagement erforderlich." Die Wasserverbände informierten gestern und vorgestern mehrere zehntausend Kundinnen und Kunden in der kostenlos verteilten "Wasserzeitung" über mögliche Trinkwasserrisiken.

Zwei Regionen Schleswig-Holsteins erscheinen geeignet
Nach Darstellung von Dr. Nommensen vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) kommen aus der Sicht von Geologen deutschlandweit vorrangig zwei in Schleswig-Holstein gelegene Regionen in Betracht, um große Mengen an CO2 aus Kohlekraftwerken in tiefen salzwasserführenden Erdschichten dauerhaft zu speichern. Der nordwestliche Landesteil von Schafflund bis in das Seegebiet westlich der Inseln Sylt, Amrum und Föhr ist dabei die flächenmäßig bedeutendere Region. Ebenfalls geeignet erscheint Geologen die Ostküste zwischen der Holsteinischen Schweiz und der Insel Fehmarn. Der Energiekonzern RWE hat für diese beiden Regionen bereits Anträge auf Erkundungen gestellt.

Wasserverband Nord: "Grund- und Trinkwasser schützen"
Der Organisator der Informationstagung, der Geschäftsführer des Wasserverbandes Nord Ernst Kern, sieht hinsichtlich der möglichen Gefahren das Europarecht auf seiner Seite: "Bereits die EU-Wasser-Rahmenrichtlinie verbietet alles, was zu einer Verschlechterung der Qualität des Grundwassers führen könnte. Unser Wasser ist mehrere hundert Jahre alt und frei von Spuren jeder menschlichen Tätigkeit. Wir können es nicht zulassen, dass dieser Schatz in irgendeiner Weise berührt wird."

"'Asse' ist warnendes Beispiel"
Prof. Rolf Kreibich, Physiker und Direktor des unabhängigen und gemeinnützigen IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung in Berlin, der als Referent ebenfalls an dieser Tagung teilnahm: "Ich kann nur davor warnen, große Mengen CO2 für mehrere tausend Jahre unterirdisch einschließen zu wollen. Ich kenne keinen seriösen Wissenschaftler, der sich anmaßt, über solche langen Zeiträume Standortsicherheit zu prognostizieren. Die katastrophale Fehleinschätzungen und das Kontrollversagen beim Atommülllager 'Asse' mit allen unübersehbaren Gefahren und Folgen sollten eine letzte Warnung sein, solche Vorhaben ohne ausgereifte wissenschaftliche Erkenntnisse anzugehen."

"Sechs Jahre Forschung nötig"
Die Geologen vom Geologischen Landesdienst Schleswig-Holsteins halten die Gesteinsschichten im Nordwesten (inklusive des Seegebietes westlich der Nordfriesischen Inseln) und im Osten (inklusive Fehmarn) ihres Bundeslandes unterhalb 1000 m Tiefe für "tektonisch stabil" genug, um ernsthaft zu prüfen, ob sie abgeschiedenes CO2 aufnehmen können. Broder Nommensen: "Es bedarf Forschungsanstrengungen von rund sechs Jahren bis wir wissen, ob unsere Region für die CO2-Verpressung geeignet ist."

Geologische Besonderheit im Flensburger Raum
Das mögliche Speichergestein, der in etwa 2000 Meter Tiefe anstehende Buntsandstein, zeichnet sich u.a. dadurch aus, das seine Poren mit hochkonzentriertem Salzwasser gefüllt sind ("saliner Aquifer"). Das Salzwasser in diesen tiefen Erdschichten ("salines Formationswasser") hat einen Salzgehalt von ca. 300g pro Liter - im Vergleich dazu hat Nordseewasser einen Salzgehalt von 35g pro Liter. In Trinkwasser darf sich nur 1g Salz pro Liter befinden. Nach Angaben von Dr. Nommensen gibt es südlich von Flensburg eine geologische Besonderheit, die für die Grundwasserqualität dort problematisch sein könnte: "Durch die unterirdische Druckausbreitung der CO2-Blase wird das extrem salzhaltige Formationswasser seitlich verdrängt. Von Flensburg aus nach Süden verläuft aber eine tektonische Bewegungszone, die sogenannte 'Sieverstedter Störung' mit dem westlich angrenzenden 'Tarper Trog'. Vermutlich sind die alten Bewegungsbahnen durch Jahrmillionen andauernde Mineralisationsprozesse verschlossen, es ist nach jetzigem Wissensstand aber nicht sicher auszuschließen, dass verdrängtes salziges Formationswasser dort aufsteigt, mit Grundwasser in Berührung kommt und so die Wasserversorgung der Wasserwerke im Flensburger Raum beeinträchtigen könnte."

"Für Deutschland kommt CCS-Technologie nicht in Betracht"
Das Fazit von Prof. Dr. Rolf Kreibich vom Berliner IZT: "Für Deutschland kommt die CO2-Abscheidung aus Kohlkraftwerken und die unterirdische Verpressung, die sogenannte Carbon-Capture-and-Storage-Technologie wegen ihrer miserablen Energie-, Wirtschafts- und Umweltbilanzen nicht in Betracht. Die Gefahren für die Trinkwasserversorgung und die Gesundheitsgefährdungen der Menschen im Bundesland Schleswig-Holstein sind unkalkulierbar. Weiter besteht die Gefahr, dass der Klimaschutzeffekt selbst bei nur geringer Diffusion des CO2 an die Oberfläche nur um Jahre verschoben würde."
Kreibich ist überzeugt: "Die alten, zentralistischen und gefährlichen Energietechniken mit ihren fossilen und nuklearen Großkraftwerken würden durch die CCS-Technologie auf Dauer zementiert, obwohl sie nur noch für eine Übergangszeit zur Versorgungssicherheit nötig sind: Die Zukunft gehört der Energieeffizienz und den Erneuerbaren Energien."

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PROF. KREIBICH ZUR CCS-TECHNOLOGIE

Prof. Dr. Rolf Kreibich führte auf der Veranstaltung am 15. Oktober in der Akademie Sankelmark zahlreiche weitere grundlegende Einwände gegen die CO2-Abscheidung und unterirdische Verpressung, die sogenannte Carbon-Capture-and-Storage-Technologie (CCS) an, so u. a.:

+ CCS-Anlagen verbrauchen bis zu 40% mehr Primärenergie (Kohle) als Kondensationskraftwerke ohne CCS
+ CCS-Technologien scheiden bisher nur 65-80% CO2 dauerhaft ab (Pilotanlagen)
+ Nur das sichere und dauerhafte Zusammenspiel aller Verfahrensschritte - Abscheidung, Transport und Lagerung - sowie eine lückenlose Kontrolle der eingespeicherten CO2-Mengen würde den Einsatz der Technologie rechtfertigen
+ Weltweit gibt es bisher kein einziges Beispiel für den großtechnischen Einsatz der CCS-Technologie
+ Großtechnische Anlagen werfen u. U. ganz andere Herausforderungen auf: Sie emittieren pro Jahr ca. 3-10 Mio. t CO2; die Pilotanlage Schwarze Pumpe in der Lausitz von Vattenfall verbringt gerade einmal 60.000 t CO2. Das ist also ein Verhältnis von 50:1 bis 150:1

Für den Prozessschritt CO2-Abscheidung sieht Kreibich folgende Probleme:
+ Sehr hohe Kosten der Anlageinvestitionen und zusätzlicher Einsatz von großen Mengen an Primärenergie, Verbrauchsmaterial sowie Personal: (für ein 1000 Megawatt -(MW) -Kraftwerk ca. 1,2 Mrd. € zusätzlich)
+ Die erreichbaren Wirkungsgrade, die tatsächlichen Abscheidungsraten, die erforderliche Reinheit des Abgasstroms (wegen Korrosion beim Transport und Einlagerung) sind bisher weitgehend ungeklärt
+ Die Zuverlässigkeit der Großtechnik und ihre Rückwirkung auf die Sicherheit der Kraftwerke und die Stromproduktion sind ungeklärt
+ Es bedarf hoher Forschungs-, Entwicklungs- und Erprobungskosten
+ Der Einsatzzeitpunkt ist völlig unsicher und dürfte großtechnisch frühestens in 15 bis 20 Jahren möglich sein.

Der Transport von CO2 ist ebenfalls mit großen Unsicherheiten behaftet:
+ Grundsätzlich lässt sich CO2 zwar gut in Pipelines oder Tankschiffen transportieren, aber der Straßenverkehr wirft erhebliche Probleme auf (Tanklastwagen; Schnittstellen)
+ Hohe Transportkosten und hoher Ressourcenverbrauch; die Verbringung großer Mengeneinheiten im Straßen- und Wasserverkehr ist gefährlich; für den Pipeline-Bau und die Tankschiffe (Kraftwerke liegen nur selten in der Nähe von potentiellen Lagerstätten) sind hohe Kosten aufzuwenden
+ Hohe Anforderungen sind an die Reinheit des CO2 zu stellen (Korrosionsschäden)
+ Verbringt man nur das CO2 von einem Drittel aller fossil befeuerten Kraftwerke bedeutet das -auf Speicherdruck verdichtet -einen weltweiten Transport von rund 3 Milliarden m3 CO2. Zum Vergleich beträgt die weltweite jährliche Rohölförderung rund 5 Milliarden m3.

Offene Probleme bei der "Geologischen Speicherung"
+ Erforderlich ist eine dauerhaft sichere CO2-Speicherung. Großtechnisch ist das mit völlig unbekannten Wirkungen, Dichtigkeiten, Überprüfungen, Überwachungen, möglichen Havarien, Umweltwirkungen und Gesundheitsgefahren verbunden
+ Weltweit gibt es nur vier (kleine) Referenzprojekte mit maximal 1 Million t CO2 pro Jahr -Norwegen (Sleipner und Snoveit), Algerien (In-Salah); Kanada (Weyburn). Es soll aber eine Einlagerung von mindestens 1,5 Milliarden t pro Jahr erfolgen, was 1.500 mal so viel ist
+ CO2 ist nicht Erdgas, denn CO2 ist chemisch aktiver und aggressiver.
+ Die sichere und dauerhafte Dichtigkeit der Erdspeicher ist Voraussetzung für Klimaschutz, Sicherheit und Gesundheitsschutz; außerdem müssen zahlreiche bergbaurechtliche und umweltrechtliche Probleme überwunden werden.

Zum Monitoring und zu notwendigen nachsorgenden Maßnahmen
+ Bisher gibt es keine geeigneten Methoden für die umfassende Überwachung der CO2-Speicherung: Beobachtungen sind in großer Tiefe bis 3000m und bis zur Oberfläche erforderlich
+ Es gibt bisher keine genauen Kenntnisse über mögliche Diffusionsprozesse bei weitreichenden Diffusionsbereichen; hierzu gibt es auch keine Langzeit-Erkenntnisse
+ Notwendig ist eine Überwachung der Verdrängungsgase und des Verdrängungswassers sowie der Druckveränderungen in der Erdkruste über weite Verbreitungsbereiche; die Gefahren für die Trinkwasserversorgung sind eklatant
+ Erforderlich sind Entwicklungen und Kostenabschätzungen für nachsorgende Maßnahmen und Notfallpläne. Der Energie- und Materialaufwand ist erheblich, so dass die Gesamtkosten schwer abschätzbar sind.

Das Fazit von Professor Kreibich lautet:
1. Für Deutschland kommt die CCS-Technologie wegen der schlechten Energie-, Wirtschafts- und Umweltbilanzen nicht in Betracht; außerdem dürfte der Zeitraum bis zur großtechnischen Einsatzreife viel zu groß sein.
2. Es handelt sich um eine äußerst riskante Technologie mit der Aussicht, dass der Klimaschutzeffekt, selbst bei nur geringer Diffusion des CO2 an die Oberfläche, nur um Jahre verschoben würde. Die Gefahren für die Trinkwasserversorgung und die Gesundheitsgefährdungen der Menschen in der Region sind aus heutiger Sicht unkalkulierbar.
3. Die problematischen Sicherheits- bzw. Gefährdungsbilanzen und die enormen Entwicklungs-, Investitions- und Betriebskosten sprechen eine eindeutige Sprache: Die Technologieförderung von CCS ist gegenüber einem konsequenten Ausbau neuer Energiesysteme mit Energieeffizienztechnologien, Erneuerbaren Energien, Energiespeichertechnologien sowie neuen Energie-Systemlösungen (z. B. durch "virtuelle Kraftwerke", Nahversorgungssysteme für Strom und Wärme, Niedrig- und Plus-Energiehäuser etc.) nicht verantwortbar. Auch würden die Mittel für eine regenerative Energiewende in eine unkalkulierbare Risikotechnologie abgezogen sowie die alten fossilen und nuklearen gefährlichen zentralistischen Energietechniken (fossile und nukleare Großkraftwerke) zementiert, die ohnehin nicht mehr lange gebraucht werden.
4. Der Mehrverbrauch an fossilen Energieträgern (Kohle) von bis zu 40% ist unverantwortlich, weil diese Ressourcen als Feststoffe für Chemie, Pharmazie etc. langfristig gebraucht werden und dieser Mehrverbrauch im Widerspruch zu einer nachhaltigen und generationengerechten Entwicklung steht.
5. Es ist damit zu rechnen, dass die Bürger in Deutschland nur eine äußerst geringe Akzeptanz für die CCS-Technologie aufbringen werden. Schon jetzt formieren sich zu Recht massive Bürgerproteste und Ablehnungskampagnen aller wichtigen Umwelt-, Erneuerbarer-Energien- und Verbraucherverbände.
Aus alle diesen Gründen bleibt nur noch die weitere Entwicklung der CCS-Technologie für Einssatzgebiete in Asien, Afrika und evtl. in Südamerika. Aber auch hierfür und für die weiteren Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sollten die großen Energieversorger RWE, Vattenfall, E.on und EnBW keine öffentlichen Mittel erhalten. Wenn sie die CCS-Technik für so aussichtsreich erachten, dann sollten sie ihre überreichlich vorhandenen Eigenmittel dafür einsetzen.

Materialien / Downloads
- Grafik 1: Zwei tektonisch relativ stabile Regionen in Schleswig-Holstein (Quelle: Geologischer Landesdienst im Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, LLUR, Schleswig-Holstein)
http://www.izt.de/fileadmin/downloads/pdf/Grafik__2_Regionen_S-H_Nommensen.pdf
- Grafik 2: Geologische Besonderheit Tarper Trog / Sieverstedter Störung südlich von Flensburg (Quelle: Geologischer Landesdienst im Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, LLUR, Schleswig-Holstein)
http://www.izt.de/fileadmin/downloads/pdf/Grafik_Tarper_Trog_Nommensen.pdf
- "Wasserzeitung" des Wasserverbandes Nord vom 23. Oktober 2009 (enthält Berichte zur Veranstaltung am 15.10.) / Ein kostenloser Download ist möglich - unter folgendem LINK:
http://www.wv-nord.de/fileadmin/documents/WASSERZEITUNG_OKT_09.pdf

Kontakte / Materialversand:
Pressestelle des IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, Berlin
Barbara Debus
Tel.: 030-803088-45, Fax: 030-803088-88, E-Mail: b.debus@izt.de

Prof. Dr. Rolf Kreibich
IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, Berlin
Tel.: 030-803088-0, Fax: 030-803088-88, E-Mail: r.kreibich@izt.de

Ernst Kern
Wasserverband Nord, Oeversee
Tel. 04638-8955-11, Fax: 04638-8955-56, E-Mail: info@wv-nord.de

Günter Gertz
Wasserverband Norderdithmarschen; Heide
Tel.: 0481-901-0, E-Mail: info@wv-norderdithmarschen.de
Weitere Informationen:
http://www.izt.de, unabhängiges Berliner Forschungsinstitut
http://www.wv-nord.de, Wasserverband Nord, Oeversee
http://www.wv-norderdithmarschen.de, Wasserverband Norderdithmarschen, Heide

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Schadet zu viel feiern der Umwelt?

Marie de Chalup, Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Nach Angaben der Französischen Organisation für Umwelt- und Energiewirtschaft (ADEME) werden jährlich ca. 100.000 berufliche, sportliche und kulturelle Veranstaltungen in Frankreich organisiert. Diese Begegnungen haben jedoch auch negative Auswirkungen auf die Umwelt, sei es hinsichtlich der Abfallerzeugung, des Energie- und Ressourcenverbrauchs oder auch der Treibhausgasemissionen.
2007 haben sich zahlreiche französische Akteure [1] des Bereichs Umwelt in einer "Gemeinschaft für verantwortungsbewußte Veranstaltungen" zusammengeschlossen. Sie erarbeiteten gemeinsam ein Programm - ADERE [2] -, mit dessen Hilfe die Organisatoren die Auswirkungen ihrer Veranstaltungen auf die Umwelt einschätzen und einschränken können. Dieses Programm ist Online zugänglich.

Mit ADERE können die Auswirkungen verschiedener Aspekte der Organisation einer Veranstaltung auf die Umwelt berechnet werden, wie z.B. die Installation, der Transport, die Kommunikation, die Verpflegung, die Unterkunft, usw. Ein weiteres Ziel des ADERE ist es, Aktionen zu unterstützen, die zur Verminderung bzw. zur völligen Beseitigung dieser Auswirkungen beitragen. Auf der Grundlage der Analyse der Ergebnisse werden den Benutzern Empfehlungen unterbreitet. Die automatische Speicherung der gesammelten Informationen vereinfacht die Organisation der Veranstaltung nach umweltgerechten Kriterien.

Die ADEME weist darauf hin, dass das ADERE keine direkt umsetzbaren Aktionspläne liefert. Es versteht sich vielmehr als ein beständiges Bemühen seiner Mitglieder um umweltgerechteres Handeln.

Informationen über die ADEME sind unter folgender Adresse abrufbar: http://www.evenementresponsable.fr/

- [1] ADEME, Vereinigung von Agenturen für Eventkommunikation (ANAé), Nicolas Hulot-Stiftung für die Natur und den Menschen, Méduli Nature Vereinigung, Mountain Riders Vereinigung, Französische Union der weltlichen Hilfswerke zur Leibeserziehung (UFOLEP)
- [2] Auto Diagnostic Environnemental pour les Responsables d'Evènements - umweltbezogene Selbstdiagnose für Veranstaltungsorganisatoren

Quelle: Pressemitteilung der ADEME - 02.10.2009

Redakteur: Julien Sialelli, julien.sialelli@diplomatie.gouv.fr

Sie können "Wissenschaft-Frankreich" ganz einfach abonnieren, indem Sie eine Email an folgende Adresse senden :
sciencetech@botschaft-frankreich.de

Reproduktions- und Verbreitungsrechte
http://www.wissenschaft-frankreich.de/publikationen/wissenschaft_frankreich/inde...

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Was ist chronische Herzschwäche?

Pierre König, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Interview mit Professor Michael Böhm, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar
(Frankfurt am Main, 26. Oktober 2009) Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Betroffene nehmen die Symptome einer Herzschwäche wie Leistungsabfall, Atemnot, geschwollene Beine oft als altersbedingt resigniert hin und wissen nicht, dass man etwas dagegen tun kann. Professor Dr. med. Michael Böhm, Beiratsmitglied der Deutschen Herzstiftung beantwortet im Interview die wichtigsten Fragen zu Beschwerden, Ursachen, Diagnostik und Therapie der Herzschwäche.

Das Herz ist der Motor des Lebens. Wir sind darauf angewiesen, dass es gut funktioniert. Was passiert, wenn der Motor seine Kraft verliert, schlappmacht, so dass es zu einer chronischen Herzschwäche kommt?
Professor Böhm: Die chronische Herzschwäche ist eine Krankheit, bei der die Pumpkraft des Herzens soweit abnimmt, dass nicht mehr genügend Blut und damit Sauerstoff und Nährstoffe zu Organen wie Gehirn, Nieren oder Muskeln gepumpt wird. Das hat schwerwiegende Folgen: Der ganze Körper wird in Mitleidenschaft gezogen. Es kommt nicht nur zu einschneidenden Beschwerden, in ihrem fortgeschrittenen Stadium bedroht die Herzschwäche das Leben des Patienten. Je früher die Herzschwäche (Herzinsuffizienz) erkannt wird, umso eher kann man mit den heutigen Therapiemöglichkeiten die fatale Entwicklung der Krankheit aufhalten oder verlangsamen.

Wie erkennt man die chronische Herzschwäche?
Die chronische Herzschwäche beginnt schleichend mit Atemnot und einer Abnahme der Leistungsfähigkeit. Zunächst können die Beschwerden ganz unspektakulär sein. Zum Beispiel: Immer hat man mit Freunden eine Wanderung gemacht. Das gibt man auf, weil es bergan zu anstrengend ist. Zu Bahn und Bus rennt man nicht mehr, weil man schnell außer Puste kommt. Wenn man die Treppe hinaufsteigt, geht einem die Luft aus, so dass man zwischendurch stehen bleibt. Man ist müde, abgeschlagen, an den Knöcheln und am Schienbein stellen sich Wassereinlagerungen ein, die wie Schwellungen aussehen: so genannte Ödeme. Sie sind dadurch zu erkennen, dass durch Druck mit einem Finger bleibende Dellen in dem geschwollenen Bereich, z.B. am Schienbein, entstehen.

Viele, besonders alte Menschen, haben diese Symptome - oft ohne zu wissen, dass sie an einer Herzkrankheit leiden.
Die Herzschwäche ist weit verbreitet. In Deutschland wird die Zahl der Patienten mit Herzschwäche auf 1,8 Millionen geschätzt. 300 000 kommen jedes Jahr neu hinzu. 50 000 sterben jährlich an dieser Krankheit. Trotzdem erhält die Herzschwäche nicht die nötige Aufmerksamkeit. Die Patienten neigen dazu, Atemnot, Leistungsschwäche und Knöchelödeme nicht wahrzunehmen oder auf das Alter zu schieben. Auch manche Ärzte widmen ihr zu wenig Aufmerksamkeit.

Was sind die Ursachen der Herzschwäche?
Herzschwäche ist keine eigenständige Erkrankung. In ihr münden andere Herzkrankheiten - bei weitem am wichtigsten: die koronare Herzkrankheit und hoher Blutdruck.

Wie führt die koronare Herzkrankheit zum schwachen Herzen?
Während eines Herzinfarkts stirbt Herzmuskelgewebe ab und wird durch Narbengewebe ersetzt. Geht viel Herzmuskelgewebe während eines Herzinfarkts verloren, kann die Herzschwäche unmittelbar nach dem Infarkt auftreten. Häufig ist der Patient jedoch nach einem Herzinfarkt in seiner Leistungsfähigkeit noch wenig eingeschränkt. Die Verschlechterung des Befindens tritt erst später ein, wenn Umbauprozesse des Herzmuskels (kardiales Remodeling) das Herz weiter schädigen. Der Körper reagiert auf den Verlust von Herzmuskelgewebe durch den Infarkt damit, dass er Stresshormone ausschüttet wie Adrenalin und Nor-adrenalin und auch die Produktion von Renin und Angiotensin II erhöht - zwei Hormone, die die Gefäße verengen. Kurzfristig wird dadurch der Kreislauf stabilisiert. Aber auf Dauer bewirken diese Hormone eine weitere Schädigung oder einen Untergang von Herzmuskelzellen.

Wie wirkt der hohe Blutdruck auf das Herz?
Eine chronische Druckbelastung des Herzens, wie sie bei einem erhöhten Blutdruck vorliegt, führt zu einer Zunahme der Herzmuskeldicke. Diese Veränderung nennt man Herzmuskelhypertrophie. Das Herz wird schwerer und größer. Leistungsfähiger wird es dadurch nicht. Im Gegenteil: Je größer das Herz durch den Bluthochdruck wird, desto schwächer wird es. Hoher Blutdruck ist auch die wichtigste Ursache einer anderen Form der chronischen Herzschwäche, die weniger bekannt, aber weit verbreitet ist: die diastolische Herzschwäche. Bei der diastolischen Herzschwäche hat der Herzmuskel seine Elastizität verloren. Die linke Herzkammer kann nicht ausreichend Blut aufnehmen und deshalb wird - auch wenn die Pumpkraft des Herzens erhalten ist - zu wenig Blut in den Organismus ausgeworfen.

Welche anderen Ursachen können zu einem schwachen Herzen führen?
Defekte Herzklappen, angeborene Herzfehler, entzündliche Herzerkrankungen wie Myokarditis, dilatative Kardiomyopathie, Alkohol- und Drogenmissbrauch und anderes. Aber diese Ursachen sind insgesamt nur für etwa 20 - 30% der Fälle von Herzschwäche verantwortlich.

Wie wird die Herzschwäche diagnostiziert?
Jeder, der unter Atemnot leidet, sollte den Arzt aufsuchen, um zu klären, ob es sich um eine Herzkrankheit handelt. Der Arzt erfährt schon viel durch die Vorgeschichte des Patienten und die körperliche Untersuchung. Bedeutsam sind die sichtbaren Stauungszeichen: Wassereinlagerungen in der Lunge zeigen, dass die linke Herzkammer erkrankt ist. Wenn die Pumpfunktion der rechten Herzkammer eingeschränkt ist, kommt es zu Wassereinlagerungen an den Gelenken, besonders im Unterschenkel. Auch kann sich Körperflüssigkeit in der freien Bauchhöhle (Aszites) stauen oder zwischen Rippenfell und Lunge die Entfaltung der Lunge und damit das Atmen behindern. Eine Erweiterung der großen Halsvenen, insbesondere im Liegen, zeigt, dass die rechte Herzkammer nicht mehr genug verbrauchtes Blut aufnehmen kann. Wenn auch nur der geringste Verdacht auf eine Herzschwäche besteht, hat der Hausarzt die Aufgabe, den Patienten zu einem Kardiologen zu vermitteln, damit die Herzschwäche sicher diagnostiziert und behandelt werden kann. Leider kommt es immer wieder vor, dass die Überweisung zum Facharzt oder in eine Spezialambulanz für Herzinsuffizienz unterbleibt und dadurch die Chancen sinken, die Herzschwäche wirksam zu bekämpfen.

Welche Untersuchungen sind nötig?
Die beste Beurteilung der Herzsituation ermöglicht die Ultraschalluntersuchung (Echokardiographie). Dadurch ist zu erkennen, ob der Herzmuskel dicker oder dünner geworden ist, ob der gesamte Herzmuskel oder nur bestimmte Wandabschnitte geschädigt sind. Zu sehen ist auch, ob Herzklappendefekte Ursache der Herzschwäche sind. Im EKG kann der Arzt ebenfalls eine Vergrößerung der linken Herzkammer oder eine Verdickung des Herzmuskels feststellen. Das EKG kann auch Hinweise auf einen zurückliegenden Herzinfarkt geben. Das Belastungs-EKG zeigt, inwieweit die körperliche Belastbarkeit des Patienten eingeschränkt ist und kann auf eine koronare Herzkrankheit hinweisen. Manchmal ist eine Röntgenaufnahme nötig, um genaue Vorstellungen von der Herzgröße zu bekommen. Auch dient sie dazu, die Flüssigkeitseinlagerungen in der Lunge zu sehen. Bisweilen ist eine Katheteruntersuchung des Herzens angezeigt. Sie gibt genaue Auskunft über die Pumpfunktion der rechten und linken Herzkammer und die Funktion der Herzklappen. Insbesondere kann eine koronare Herzkrankheit als Ursache der Herzschwäche nachgewiesen werden. Bei den Laboruntersuchungen ist ein Biomarker interessant: NT-proBNP.

Was zeigt dieser Biomarker?
NT-proBNP (N-Terminal pro-Brain Natriuretic Peptide) ist ein Eiweißhormon, das bei Erhöhung der Wandspannung des Herzens, die ein Zeichen für seine Überlastung ist, vermehrt freigesetzt wird. Ist dieser Biomarker nicht erhöht, handelt es sich um eine Luftnot, die unabhängig von der Herzmuskelschwäche entstanden ist. Sind die Werte erhöht, ist es zwingend notwendig, den Patienten zum Kardiologen zu überweisen, damit die Herzschwäche abgeklärt wird. Weiterhin können erhöhte NT-proBNP-Spiegel als Maß dienen, wie gut eine Therapie mit Medikamenten anspricht. Die Patienten sollten unter Therapie die für sie möglichst niedrigen BNP-Konzentrationen erreichen. Daran kann man sehr gut die Therapieeffekte ablesen.

Wenn die Diagnose Herzschwäche feststeht - auf was muss sich der Patient gefasst machen?
Er muss wissen, dass die chronische Herzschwäche die Tendenz hat fortzuschreiten. Die Pumpkraft des Herzens nimmt bei vielen Patienten mit der Zeit immer weiter ab. Um das Fortschreiten der Krankheit zu charakterisieren, nutzen die Ärzte die Einteilung der New York Heart Association (siehe Kasten). Anfangs rufen nur große Anstrengungen Beschwerden hervor, später auch kleine. Im Endstadium ist es fast nicht mehr möglich, das Bett zu verlassen. Ist die Erkrankung fortgeschritten, kann es zu Komplikationen kommen: Bei vielen Patienten sind die Nieren so strapaziert, dass sie nicht mehr ausreichend Wasser und Salz ausscheiden. Häufig treten Herzrhythmusstörungen auf, die das Herz belasten. Blutarmut kann den Gesundheitszustand weiter verschlechtern. Ziel der modernen Therapie der Herzschwäche ist es, in die Mechanismen einzugreifen, die nach heutigem Wissen zum Fortschreiten der Erkrankung beitragen, die Verschlechterung der Krankheit aufzuhalten oder sie zumindest zu verlangsamen. Die Chancen dafür sind umso besser, je früher die Herzschwäche erkannt wird.

Wie sieht heute das Therapiekonzept aus?
Die Therapie ist nicht nur darauf ausgerichtet, das Leben zu verlängern, sondern die Beschwerden so zu bessern, dass ein glückliches Leben möglich bleibt. Das Konzept umfasst vier verschiedene Vorgehensweisen, die je nach Diagnose und Schwere der Erkrankung zur Anwendung kommen: Behandlung der Ursachen, Medikamente, Bewegung als Therapie, spezifische Schrittmacher.

Behandlung der Grundkrankheit - was bedeutet das?
Die Behandlung der Grundkrankheit ist die beste Strategie gegen die Herzschwäche, weil ihr dadurch der Boden entzogen wird. Zum Beispiel durch: gewissenhafte Einstellung des hohen Blutdrucks, Operation defekter Herzklappen, Bypassoperation oder Kathetereingriffe, um bei koronarer Herzkrankheit schlecht durchblutetes Gewebe wieder zu aktivieren.

Was erreichen Medikamente?
Betablocker schirmen das Herz gegen die Stresshormone ab. ACE-Hemmer und Sartane verhindern schädliche Umbauprozesse und steigern die Leistungsfähigkeit des Herzens. Diuretika fördern die Entwässerung des Körpers und entlasten dadurch das Herz. Eine Behandlung mit Herzglykosiden (Digitalispräparaten) kommt heutzutage nur in schweren Fällen vor oder bei Patienten, die zusätzlich Vorhofflimmern mit deutlich zu hohen Herzfrequenzen trotz einer Therapie mit Betablockern haben.

Was heißt "Bewegung als Therapie"?
Früher galt: Bei Herzschwäche muss man sich körperlich schonen. Heute weiß man: Bewegung hilft. Untersuchungen zum regelmäßigen Ausdauertraining an vielen Hundert Patienten haben gezeigt: Die Leistungsfähigkeit lässt sich um 10 - 25% verbessern - je nach Intensität und Dauer des Trainingsprogramms. Außerdem wird erreicht, dass die Zahl der Krankenhauseinweisungen zurückgeht und die Prognose sich verbessert. Bei Herzschwäche empfehlen sich körperliche Aktivitäten, bei denen viel Bewegung mit vergleichsweise geringem Kraftaufwand möglich ist: Spazierengehen, Wandern, Nordic Walking, Radfahren. Allerdings: Vor jedem körperlichen Training muss beim Kardiologen mit Ergometrie oder Spiroergometrie überprüft werden, wie gut die aktuelle körperliche Belastbarkeit ist und wie hoch sich der Patient optimal belasten sollte. Es hat sich bewährt, das Training in einem Herzzentrum oder einer Rehaklinik unter Aufsicht eines Sporttherapeuten oder Arztes zu beginnen, damit Überlastungen vermieden werden.

Wann werden Schrittmacher eingesetzt?
Die sogenannte Resynchronisationstherapie (CRT) mit speziellen Schrittmachern ist für Patienten bestimmt, bei denen eine Störung der Erregungsleitung im Herzen (Linksschenkelblock) festgestellt wurde. Dann zieht sich der Herzmuskel nicht gleichzeitig zusammen und arbeitet ineffizient. Durch den CRT-Schrittmacher kann das Herz wieder synchron arbeiten und wird dadurch leistungsfähiger. Eine ganz andere Aufgabe hat der Defibrillator: Patienten mit Herzschwäche, bei denen die Auswurffraktion unter 30% liegt, sind durch eine lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung - das Kammerflimmern - gefährdet. Davor kann der Defibrillator schützen.

Wenn trotz der heutigen Therapiemöglichkeiten die Krankheit fortschreitet?
Im Endstadium bleibt nur die Herztransplantation. Allerdings haben sich die Chancen der Patienten dadurch verbessert, dass künstliche Herzen - sogenannte Assist-Systeme - zur Verfügung stehen, die die Zeit, bis ein passendes zweites Herz gefunden ist, überbrücken.

Was kann der Patient selbst tun?
Auch die beste Therapie kann nicht erfolgreich sein, wenn der Patient sich nicht daran hält, z.B. Medikamente weglässt, vergisst oder zu bequem ist, um die Empfehlung zur Bewegungstherapie zu befolgen. Engagierte Mitarbeit des Patienten ist bei der chronischen Herzschwäche besonders wichtig. Ein gesunder Lebensstil mit allem, was dazugehört (Bewegung, gesunde Ernährung, Verzicht auf Rauchen und zu viel Alkohol), sollte sich von selbst verstehen. Eine Besonderheit besteht bei der Herzschwäche: Es ist wichtig, den Salzverbrauch sehr einzuschränken und die Flüssigkeitsaufnahme auf 2 Liter, bei fortgeschrittener Krankheit auf 1,5 Liter, zu begrenzen, um das Herz zu entlasten. Allen Patienten mit Herzschwäche wird dringend geraten, sich täglich zu wiegen, um Entgleisungen der Herzschwäche, die zur Verschlechterung der Krankheit und zu Krankenhausaufenthalten führen, rechtzeitig zu bemerken.

Immer wieder ins Krankenhaus eingewiesen zu werden - das müssen viele herzschwache Patienten erleben.
Die Krankenhausaufenthalte sind bei Herzschwäche ein großes Problem. Jedes Jahr werden 300 000 Patienten wegen Herzschwäche ins Krankenhaus eingewiesen. Wenn Patient und Arzt aufmerksam den Verlauf der Herzschwäche verfolgen, lassen sich diese Krankenhausaufenthalte oft vermeiden. Eine große Hilfe ist die tägliche Aufzeichnung des Gewichts. Wenn das Gewicht um mehr als 2kg in drei Tagen steigt, ist das ein Warnsignal dafür, dass die Herzschwäche sich verschlechtert. Dann muss der Arzt oder die Herzambulanz aufgesucht werden, damit rechtzeitig gegengesteuert werden kann und der Krankenhausaufenthalt vermieden wird. Um den Patienten vor den gefürchteten Krankenhausaufenthalten zu schützen, hat man eine Reihe von Betreuungsprogrammen entwickelt.

Wie sehen diese Programme aus?
Ein Beispiel ist das Würzburger Projekt, in dem Krankenschwestern in enger Verbindung mit Kardiologen des Herzzentrums und den Hausärzten die Patienten regelmäßig anrufen und so ihr Befinden überwachen. Dadurch ließ sich in der Würzburger Studie die Sterblichkeit deutlich reduzieren. Eine andere Form der Betreuung sind telemedizinische Überwachungen. Hier werden Gewicht, Rhythmusstörung und Blutdruck täglich an ein Behandlungszentrum gemeldet, und Hausarzt und Patient werden umgehend informiert, wenn eine Entgleisung der Herzschwäche droht. Hier gibt es Perspektiven, die Betreuung der Patienten weiter zu verbessern. Wie wertvoll diese Konzepte sind, müssen allerdings erst wissenschaftliche Studien zeigen. Eine solche große Studie ist zurzeit in Berlin im Gange.

Patienten mit Herzschwäche leiden oft unter den Einschränkungen des Alltags, unter Zukunftsangst und Depressionen. Die technische Betreuung der Patienten wird immer besser. Aber die Patienten vermissen schmerzlich die persönliche Zuwendung des Arztes, der dafür keine Zeit mehr hat.
Die chronische Herzschwäche führt zu seelischen und sozialen Problemen. Deshalb ist das intensive Gespräch nicht nur mit dem Patienten, sondern auch mit seinen Angehörigen von größter Bedeutung. In diesen Gesprächen sollte es nicht nur um die regelmäßige medizinische Betreuung und die Medikamenteneinnahme gehen, sondern auch um Fragen, wie der Patient mit der Einschränkung seines Alltags zurechtkommt und welche Möglichkeiten ihm offenstehen. Oft entwickelt sich in der Herzschwäche eine Depression, so dass überlegt werden muss, ob der Patient psychotherapeutisch oder mit Antidepressiva behandelt werden sollte. Herzinsuffizienzambulanzen an den großen Zentren können das leisten, weil sie meist eine psychotherapeutische Mitbetreuung organisiert haben. Auch viele Kardiologen haben sich in die Probleme herzschwacher Patienten hineingedacht und können Hilfe leisten.

Zum Schluss ein Satz, den jeder bis zum Überdruss gehört hat und den fast keiner ernst nimmt: Vorbeugen ist besser als heilen.
So ist es. Die Herzschwäche entwickelt sich in etwa 70% der Fälle aus koronarer Herzkrankheit und hohem Blutdruck. Beide entstehen aus den bekannten Risikofaktoren wie Rauchen, falsche Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel. Eine Änderung des Lebensstils, die die Risikofaktoren in den Griff bekommt, ist die beste Waffe gegen die Herzschwäche. Das hat gerade eine große Studie (Luc Djoussé et al., JAMA 2009;302(4):394-400) an über 20 000 amerikanischen Ärzten, die länger als 20 Jahre beobachtet wurden, gezeigt. Bei den Ärzten, die gesund und ohne Bluthochdruck lebten, war das Risiko für eine Herzschwäche halbiert. In Deutschland leiden zurzeit etwa 1,8 Millionen Menschen an Herzschwäche. Überträgt man die amerikanischen Zahlen auf Deutschland und nimmt an, die Hälfte derer, die sich achtlos verhalten, entschieden sich für einen gesunden Lebensstil, so blieben Hunderttausende, die sonst krank geworden wären, von der Herzschwäche, von Leiden und Komplikationen verschont. Ein Traum - aber ein Traum, über den nachzudenken sich lohnt.

Schweregrade der Herzschwäche (NYHA-Klassifikation)

I. Herzschwäche ohne körperliche Einschränkungen. Alltägliche körperliche Belastung verursacht keine Erschöpfung, Rhythmusstörungen oder Luftnot.
II. Herzschwäche mit leichter Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Keine Beschwerden in Ruhe. Alltägliche körperliche Belastung verursacht Erschöpfung, Rhythmusstörungen oder Luftnot.
III. Herzschwäche mit höhergradiger Einschränkung der Leistungsfähigkeit bei gewohnter Tätigkeit. Keine Beschwerden in Ruhe. Geringe körperliche Belastung verursacht Erschöpfung, Rhythmusstörungen oder Luftnot.
IV. Herzschwäche mit Beschwerden bei allen körperlichen Aktivitäten in Ruhe. Bettlägerigkeit.

20/2009

Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle
Dr. Klaus Fleck / Pierre König
Tel. 069/95 51 28-140
Fax: 069/95 51 28-345
E-Mail: koenig@herzstiftung.de
Weitere Informationen:
http://www.herstiftung.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Praxisforum Membrantechnik

Dr. Christine Dillmann, Öffentlichkeitsarbeit
DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.

Das Praxisforum Membrantechnik beschäftigt sich mit der Aufarbeitung von Biogas mit Hilfe von Membranverfahren. In diesem Forum werden neben den Grundlagen zur Membranfertigung und der Apparatetechnik auch der Einsatz dieser Technologien in der Praxis vorgestellt. Die Veranstaltung findet am 24. November 2009 in Kooperation mit der DGMT im DECHEMA-Haus, Theodor-Heuss-Allee 25, in Frankfurt/Main statt.
Biogas gilt als eine der Energiequellen der Zukunft. Ein wesentlicher Punkt für die Nutzung als Energieträger ist dabei die effiziente Aufarbeitung im Vorfeld.
Biogas besteht zu zwei Dritteln aus Methangas und zu einem Drittel aus Kohlendioxid sowie mehreren Spurengasen.

Durch die Minimierung von störenden Bestandteilen können die Nutzungsmöglichkeiten erweitert und die Wirtschaftlichkeit verbessert werden. Zu den Stoffen, die störend wirken, zählen Wasser, Schwefelwasserstoff, Ammoniak und Kohlendioxid.

Wenn Biogas einem speziellen Reinigungsverfahren unterzogen wird, kann es zur thermischen Nutzung oder auch zur Einspeisung in das Erdgasnetz eingesetzt werden. Vor allem letzteres erfordert jedoch eine gleich bleibende Qualität des Gases. Der Anteil an Methan muss mit Hilfe von technischen Verfahren auf 97 % erhöht werden. Auch Schwefelwasserstoffe und Kohlendioxid müssen vollständig entfernt bzw. abgespalten werden.

Das Praxisforum gibt einen Überblick über die unterschiedlichen Aufbereitungsmöglichkeiten für Biogas und ihre Anwendungen.
Weitere Informationen:
http://www.processnet.org/membrantechnik09 - komplettes Programm und Anmeldung

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Zahl der Arbeitsunfälle im ersten Halbjahr 2009 stark gesunken

Zahlen spiegeln Einfluss der Kurzarbeit - weniger Schulunfälle verzeichnet

Die Zahl der Arbeitsunfälle ist im ersten Halbjahr 2009 stark gesunken. Das geht aus vorläufigen Zahlen der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen hervor, die der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) vorliegen. Danach ging die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle auf rund 430.000 zurück - ein Minus von über 10 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2008. Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle sank um 43 auf 198. Insgesamt 7.823 Versicherte erhielten erstmals eine Rente aufgrund eines Arbeitsunfalls - 380 weniger als im Vorjahreszeitraum.

"Die Unfallzahlen spiegeln unter anderem den massiven Anstieg der Kurzarbeit in Deutschland", kommentierte DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Joachim Breuer die Statistiken. "Kürzere Arbeitszeiten bedeuten weniger Zeit, in der man einen Unfall haben kann." Nachdem die absolute Zahl der Arbeitsunfälle in den Boomjahren 2007 und 2008 gestiegen war, werde man für 2009 daher mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder einen Rückgang der Arbeitsunfälle verzeichnen.

Auf dem Weg von und zur Arbeit ereigneten sich dagegen mehr Unfälle als im Vorjahreszeitraum. 93.146 Versicherte wurden durch einen Wegeunfall verletzt, was einem Anstieg um rund 5.000 entspricht. Die Zahl der neuen Wegeunfallrenten blieb mit 2.762 nahezu konstant. 152 Versicherte verloren bei einem Wegeunfall ihr Leben, 59 weniger als im ersten Halbjahr 2008.

Berufsgenossenschaften und Unfallkassen erhielten zudem 31.516 Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit - rund 1.200 weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der neuen BK-Renten stieg dagegen um rund 35 Prozent auf 2.676. Dieser außerordentlichen Zunahme liegt eine Änderung der Rechtslage zugrunde. Dies hat es ermöglicht, unter anderem mehr Fälle der BK 4111 (Chronische Bronchitis/Emphysem) anzuerkennen.

Weniger Schulunfälle
Die Träger der Schüler-Unfallversicherung - Unfallkassen und Gemeindeunfallversicherungsverbände - verzeichneten im ersten Halbjahr 2009 674.478 meldepflichtige Schulunfälle. Das entspricht einem Rückgang von rund 30.000 Unfällen gegenüber dem Vorjahreszeitraum. 11 Schülerinnen und Schüler verloren beim Schulbesuch ihr Leben.

Die Zahl der Schulwegunfälle blieb mit 61.918 nahezu unverändert. 20 Schulwegunfälle endeten tödlich. Insgesamt 512 Versicherte erhielten erstmals eine Rente aufgrund eines Schul- oder Schulwegunfalls.

(Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV))

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Interesse an Wasch- und Reinigungsmitteln mit EU-Umweltzeichen wächst

Hersteller beantragen zunehmend das EU-Umweltzeichen

Seit zwei Jahren steigt das Interesse einiger Hersteller am EU-Umweltzeichen für Wasch- und Reinigungsmittel. Waren zunächst vor allem Umweltzeichen für Allzweckreiniger und Maschinengeschirrspülmittel gefragt, so sind es jetzt erstmals auch Umweltzeichen für Waschmittel. Klar ist: Mit rund 1,3 Millionen verbrauchten Tonnen an Wasch- und Reinigungsmitteln jährlich tragen wir erheblich zur Belastung des Abwassers mit Chemikalien bei. „Was wir wie selbstverständlich im Haushalt an Chemikalien einsetzen, ist für Gesundheit und Umwelt nicht immer unproblematisch. Deshalb sollten bevorzugt Wasch- und Reinigungsmittel mit dem europäischen Umweltzeichen verwendet werden, um diese Belastungen gering zu halten", sagt Dr. Klaus Günter Steinhäuser, Leiter des Fachbereichs Chemikaliensicherheit im Umweltbundesamt.

Etwa 600.000 Tonnen Waschmittel, 200.000 Tonnen Weichspüler und 450.000 Tonnen Reinigungsmittel wandern jährlich über die deutschen Ladentheken, um nach Gebrauch in der Kanalisation zu verschwinden.

Darin sind in vielen Fällen Stoffe enthalten, die zwar den gesetzlichen Vorgaben entsprechen, dennoch aber noch die Gesundheit und die Umwelt belasten können. So finden sich in Wasch- und Reinigungsmitteln weiterhin nicht vollständig biologisch abbaubare Substanzen sowie sensibilisierende Stoffe. Zusätzlich enthalten die meisten Maschinengeschirrspülmittel weiterhin gewässerbelastendes Phosphat.

Um Umweltbelastungen zu mindern und trotzdem ein gutes Reinigungsergebnis zu erzielen, sollte man daher beim Einkauf auf Produkte mit dem europäischen Umweltzeichen achten. Das Umweltbundesamt hat an der Entwicklung der Kriterien für dieses Umweltzeichen aktiv mitgewirkt.

Diese Produkte unterliegen bei den eingesetzten Rohstoffen strengeren Anforderungen hinsichtlich der Verträglichkeit für Umwelt und Gesundheit als gesetzlich vorgeschrieben. Der ebenfalls geforderte Nachweis der Reinigungsleistung garantiert zusätzlich ein sauberes Ergebnis. Das EU-Umweltzeichen gibt es derzeit für Allzweck- und Sanitärreiniger, Hand- und Maschinengeschirrspülmittel und nun auch für Waschmittel.

In Deutschland sind als Produkte mit dem EU-Umweltzeichen zum Beispiel phosphatfreie Maschinengeschirrspülmittel, Badreiniger auf Basis von Citronensäure und seit kurzem auch umweltschonende Waschmittel erhältlich. Die Vergabe des EU-Umweltzeichens an die genannten Produkte wurde vom Umweltbundesamt aktiv unterstützt. Wegen des bestehenden Herstellerinteresses am Umweltzeichen, arbeitet das Umweltbundesamt derzeit daran, auch den Blauen Engel für diese Produktkategorie wieder vergeben zu können.

Auch bei Produkten mit EU-Umweltzeichen ist die Anwendungsbeschreibung mit der Dosierangabe auf der Verpackung vor der Anwendung zu beachten.

Informationen zu Umweltzeichen bei Reinigungsmitteln finden Sie unter

http://www.umweltbundesamt.de/chemikalien/waschmittel/zeichen.htm

Weitere Fragen zu Wasch- und Reinigungsmitteln beantwortet gerne das Umweltbundesamt, Email: detergenzien@uba.de

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Neu: Kartendienst zur Luftqualität

Umweltbundesamt bietet neuen Online-Service an

Wie hoch ist die Luft in Deutschland mit Feinstaub (PM10), Stickstoffdioxid (NO2) und Ozon im Jahresdurchschnitt belastet? Antwort gibt das Umweltbundesamt ab sofort und völlig kostenlos unter http://gis.uba.de/Website/luft/index.htm. Die Daten in diesem Geografischen Informationssystem (GIS) erlauben einen schnellen Überblick über die räumliche Verteilung der Luftbelastung in Deutschland und reichen zurück bis ins Jahr 2001. Nutzerinnen und Nutzer können die Luftdaten zudem durch geografische Informationen - wie Städte, Flüsse, Ballungsräume - ergänzen und einzelne Charakteristika - etwa Belastungsschwerpunkte - hervorheben.

Parallel veröffentlicht das UBA in dem Info-Papier „Entwicklung der Luftqualität in Deutschland" Zahlen, Daten und Fakten zur Luftqualität in Deutschland seit 1995. Erfreulicherweise geht die Belastung der Menschen mit Luftschadstoffen seit Beginn der 90er Jahre deutlich zurück. Seit Anfang 2000 ist jedoch kein eindeutig abnehmender Trend mehr zu erkennen; die Luftqualität schwankt hingegen mehr oder weniger stark von Jahr zu Jahr. Trotz Erfolge in der Luftreinhaltung werden die bereits seit 2005 geltenden Grenzwerte für PM10 und die ab 2010 einzuhaltenden Grenzwerte für NO2 in Deutschland vielerorts überschritten.

Die mittlere Immissionsbelastung ist bei PM10 und NO2 in Ballungsräumen am höchsten, vor allem in der Nähe zur Quelle der Emission, etwa einer stark befahrenen Straße. Zum Land hin nehmen die Belastungen ab. Beim Ozon ist das anders: Hier treten die höchsten Belastungen oft außerhalb der Ballungsräume auf, in einiger Entfernung zu den Quellen der beiden Ozonvorläuferstoffen Stickstoffoxid und flüchtigen Kohlenwasserstoffen.

Den Kartendienst finden Sie hier: http://gis.uba.de/Website/luft/index.htm. Das neue Hintergrundpapier „Entwicklung der Luftqualität in Deutschland" steht Ihnen kostenlos zur Verfügung unter: http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/mysql_medien.php?anfrage=Kennummer&Suchwort=3760

(Quelle: Umweltbundesamt)

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HIV-Schutz aus Pflanzen

Antikörper, die vor einer Infektion mit dem Aids-Erreger HIV schützen könnten, lassen sich auch in Pflanzen produzieren. In dem EU-Projekt »PharmaPlanta« erarbeiten Fraunhofer-Forscher wichtige Grundlagen für die Herstellung des Wirkstoffs in gentechnisch veränderten Tabakpflanzen und stellen Material für die klinische Prüfung des Antikörpers bereit. Auf der Biotechnica in Hannover (6. bis 10. Oktober) präsentieren die Wissenschaftler erste Ergebnisse in Halle 9, D30.

Um die Antikörper aus den gentechnisch veränderten Pflanzen zu gewinnen, werden die Inhaltstoffe aus den Tabakblättern extrahiertJedes Jahr infizieren sich etwa 2,7 Mio Menschen mit HIV. Schutz vor Ansteckung können Antikörper gegen den AIDS-Erreger bieten - etwa der Antikörper 2G12. Er bindet an ein Eiweiß (das Protein gp120) auf der Oberfläche des Virus und der AIDS-Erreger kann nicht mehr an die Immunzellen andocken.

Bislang werden Antikörper in Zellkulturen hergestellt. Doch das ist aufwändig und teuer. Eine Alternative ist das »Molecular Farming«: In Pflanzen lassen sich Wirkstoffe deutlich kostengünstiger als in tierischen Zellen produzieren. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie IME in Aachen nutzen gentechnisch veränderte Tabakpflanzen, um den Antikörper 2G12 wirtschaftlich und sicher zu produzieren. In dem EU-Projekt »PharmaPlanta« legen sie dafür wichtige Grundlagen. An dem von der Europäischen Union geförderten Forschungsvorhaben arbeiten 39 Partner aus Wissenschaft und Industrie mit.

Damit sich die Antikörper demnächst aus Pflanzen ernten lassen, haben die Wissenschaftler das Gen für den Wirkstoff in das Erbgut einer Tabakpflanze (Nicotiana tabacum cv Petite Havana SR-1) eingeschleust. »Die gentechnisch veränderte Pflanze produziert beim Wachsen dann das neue Protein mit«, erläutert Dr. Stephan Hellwig, Leiter der Herstellung am IME.

Doch wie können die Antikörper aus den Tabakpflanzen gewonnen werden? Um den Wirkstoff auch aus mehreren hundert Kilogramm Pflanzenmaterial zu isolieren, haben die Forscher einen Prozess zur Aufbereitung der Tabakpflanzen entwickelt. Die geernteten Tabakblätter werden zunächst gewaschen und zerkleinert. Danach extrahieren die Wissenschaftler die Inhaltsstoffe und reinigen sie durch eine Serie von Filtrations- und Chromatographieschritten. Im Vorjahr haben die Wissenschaftler das Verfahren erstmals im Pilotmaßstab getestet und in vier Durchgängen, den »Engineering-batches«, insgesamt 800 Kilogramm Pflanzenmaterial aus dem institutseigenen Gewächshaus verarbeitet. »In den Testläufen haben wir die notwendigen logistischen und prozesstechnischen Daten gesammelt, um eine Pilotanlage zu entwickeln, die die hohen Anforderungen für die Herstellung von Arzneimittelwirkstoffen erfüllt«, führt Dr. Jürgen Drossard aus, Leiter der Qualitätssicherung am IME. »Der gereinigte Wirkstoff wurde Ende 2008 in präklinischen Sicherheitsstudien getestet, ohne dass negative Effekte auftraten.«

Gemeinsam mit dem Labor- und Prozesstechnologie-Anbieter Sartorius haben die Wissenschaftler in diesem Jahr eine GMP-fähige teilweise automatisierte Pilotanlage gebaut und am IME in Betrieb genommen. GMP steht für Good Manufacturing Practice, zu deutsch »Gute Herstellungspraxis«. In der Anlage lassen sich pro Woche bis zu 1000 Kilogramm Pflanzenmaterial verarbeiten - mehr gentechnisch veränderten Tabak können die Wissenschaftler nicht in den Gewächshäusern des IME anbauen. Die Pilotanlage hat einen besonderen Vorteil: Die Teile, die mit dem Produkt in Kontakt kommen, sind weitgehend »single-use«-Komponenten. Diese Einmal-Bauteile lassen sich leicht austauschen. So kann die Anlage ohne die Gefahr von Kreuzkontaminationen auch für die Gewinnung anderer Biopharmazeutika aus Pflanzen genutzt werden.

Im August 2009 haben die Wissenschaftler erfolgreich den ersten Testlauf der Pilotanlage gefahren und die Qualifizierung der Anlage durchgeführt. »Da es keine etablierten vergleichbaren Prozesse gibt, müssen wir uns mit den zuständigen Behörden abstimmen, um letztendlich eine Herstellerlaubnis für ein plant-made-pharmaceutical zur Anwendung am Menschen zu erhalten«, erläutert Drossard das Vorgehen. Sobald die Herstellungserlaubnis erteilt ist, wollen die Wissenschaftler die ersten Antikörper unter GMP-Bedingungen produzieren. Diese Wirkstoffe sollen dann in einer klinischen Studie »Phase I« bei einem der Partner in dem EU-Projekt eingesetzt werden.

Die Ergebnisse ihrer Arbeit stellen Wissenschaftler des IME auf der Biotechnica in Hannover in Halle 9, D30 vor. Auf dem Fraunhofer-Stand können sich interessierte Besucher auch über Lab-on-a-Chip-Systeme, Tissue Engineering, Kryotechnologien, weiße Biotechnologie und Screening-Systeme informieren.

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Experten erklären Klimawandel

Neue Broschüre des UBA über Erkenntnisse des Weltklimarates

Was sind die Ursachen von Klimaänderungen? Und welche Auswirkungen hat der aktuelle Klimawandel auf die Ökosysteme in einzelnen Regionen der Erde und auf die Gesundheit der Menschen? Klimaexperten des Umweltbundesamtes (UBA) beantworten diese und ähnliche Fragen in einer neu veröffentlichten Broschüre. Sie beruht auf dem vierten Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC) von 2007, der die wissenschaftliche Grundlage für die anstehende Welt-Klima-Konferenz im Dezember 2009 im dänischen Kopenhagen ist. Verständliche und einfach zugängliche Informationen zu den wissenschaftlichen Grundlagen der Klimapolitik sind wichtig, gerade weil jede und jeder einen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann.

Im Dezember dieses Jahres findet in Kopenhagen die 15. Welt-Klima-Konferenz der Vereinten Nationen statt. Dort wird über ein neues internationales Klimaschutzabkommen verhandelt, von dem abhängt, ob eine gefährliche Klimaänderung zu vermeiden ist. Die wissenschaftliche Grundlage für die internationalen Klimaverhandlungen ist der vierte Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC).

Die neue Broschüre des Umweltbundesamtes fasst die wichtigsten Erkenntnisse des IPCC-Berichts zusammen und stellt sie für Laien verständlich dar. Enthalten sind Erklärungen naturwissenschaftlicher Grundlagen des Klimawandels, Abschätzungen zu zukünftigen Klimaänderungen und Beschreibungen der Auswirkung des Klimawandels in verschiedenen Teilen der Welt - auch für Deutschland.

Ziel des Umweltbundesamtes ist es, einen breiten Leserkreis über die gegenwärtige und künftig erwartete Klimaerwärmung aufzuklären und Bürgerinnen und Bürger für Maßnahmen zum Schutz des Klimas zu sensibilisieren. Gut geeignet ist die Broschüre auch für den Einsatz in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen.

Die Broschüre steht im Internet unter: http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/mysql_medien.php?anfrage=Kennummer&Suchwort=3840 kostenlos zum Download bereit.

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Die Vereinten Nationen - gemeinsam für ein weltweites Chemikalienmanagement

Internationales Programm SAICM - für eine weltweit sichere Produktion, Verwendung und Entsorgung von Chemikalien

Der Schutz der Umwelt vor schädlichen Einflüssen - unter anderem durch Chemikalien - ist ohne die Vereinten Nationen nicht denkbar. 2006 wurde unter Federführung des UN-Umweltprogramms UNEP der Strategische Ansatz für ein Internationales Chemikalienmanagement (SAICM) ins Leben gerufen, mit dem Ziel, den Umgang mit Chemikalien weltweit sicherer zu machen. Am 24. Oktober 2009 jährt sich das Inkrafttreten der Charta der Vereinten Nationen zum 64sten Mal - ein Anlass, die Rolle der Vereinten Nationen im globalen Umweltschutz zu würdigen.

Als zwischenstaatlicher Zusammenschluss von 192 Staaten besitzen die Vereinten Nationen neben ihren Hauptorganen (wie der Generalversammlung und dem Sicherheitsrat) 22 Nebenorgane, zu denen unter anderen das Umweltprogramm UNEP gehört. UNEP wurde 1972 mit einer UN-Resolution ins Leben gerufen und hat die Aufgabe, politische Instrumente für einen erfolgreichen Umweltschutz zu entwickeln. Die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahrzehnte findet weltweite Anerkennung. Deshalb unterstützt auch das Umweltbundesamt (UBA) die politische Forderung, UNEP den Status einer eigenständigen UN-Organisation zu geben und zur United Nations Environmental Organisation (UNEO) fortzuentwickeln. Unter dem Dach von UNEP sind einige der wichtigsten, heute gültigen internationalen Übereinkommen zum Schutz der globalen Umwelt entstanden: 1987 zum Beispiel das Montrealer Protokoll zum Schutz der Ozonschicht, 1997 das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz und 2001 die Stockholmer Konvention zum Schutz vor langlebigen Chemikalien, die sich in der Nahrungskette anreichern.

SAICM ergänzt bestehende Abkommen zur Sicherheit von Chemikalien, die eine begrenzte Zahl von Stoffen mit bestimmten Eigenschaften betreffen (zum Beispiel: die Stockholmer Konvention oder das Basler Übereinkommen über eine grenzüberschreitende Abfallverbringung). SAICM bietet einen übergreifenden Ansatz für Grundregeln des sicheren Umgangs mit allen Chemikalien. Initiativen zum Chemikalienmanagement werden weltweit gesammelt, koordiniert und in Zusammenarbeit mit vielen Interessengruppen (wie etwa Nichtregierungsorganisationen, Industrievertreter, Interessenverbände) gebündelt und umgesetzt.

Chemische Produkte gehören zu unserem alltäglichen Leben. Oft jedoch besitzen wir noch zu wenige Informationen über die in den einzelnen Produkten enthaltenen Chemikalien sowie deren Auswirkungen auf Gesundheit und Umwelt. Der weltweite Handel erfordert ein international abgestimmtes Chemikalienmanagement zum Schutz von Umwelt und Gesundheit. Gemeinsame Regeln und Prinzipien helfen auch, Produkte weltweit vermarkten und Handelsbarrieren abbauen zu können. Länder, die bisher kein eigenes Chemikalienmanagement haben, finden Empfehlungen und Orientierung für die Entwicklung eigener nationaler Regeln. Das Umweltbundesamt beteiligt sich aktiv an der Entwicklung von Vorschlägen, stellt Informationen zur Verfügung und vermittelt die Ziele von SAICM an die Akteure in Deutschland.

Dass internationales Chemikalienmanagement wichtig ist, macht Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des Umweltbundesamts deutlich: „Einige gefährliche Chemikalien breiten sich über die Luft und das Wasser rasch aus und bedrohen auch Ökosysteme und Menschen in fernen Regionen. Der Handel verteilt chemische Produkte weltweit und Deutschland ist einer der wichtigsten Chemikalienproduzenten der Welt. Die Sicherheit von Chemikalien ist deshalb nicht nur ein nationales Thema, sondern erfordert internationale Zusammenarbeit."

Eine Regierungskonferenz von SAICM im Mai 2009 in Genf benannte vier zentrale Themen mit besonderer internationaler Brisanz: Gefährliche Chemikalien in unkontrolliert gehandelten Erzeugnissen, Chemikalien in Elektroschrott, bleihaltige Farben in Konsumentenprodukten wie Spielzeug sowie Chancen und Risiken der neu auf den Markt kommenden Nanomaterialien. Auch das UBA wird bei diesen Themen zu einem verbesserten Informationsaustausch und zu partnerschaftlichen Aktionen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern beitragen.

Weitere Informationen rund um SAICM finden Sie unter:

http://www.umweltbundesamt.de/chemikalien/saicm.htm

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Nanotechnik für Mensch und Umwelt - Chancen fördern und Risiken mindern

Umweltbundesamt informiert zu umweltrelevanten Aspekten

Nanotechnik gewinnt bei der Entwicklung neuer Produkte und Anwendungen zunehmend an Bedeutung. Nanotechnisch optimierte Kunststoffe können etwa das Gewicht bei Autos oder Flugzeugen senken und somit helfen, Treibstoff zu sparen. Neue, nanotechnisch optimierte Lampen - so genannte Licht emittierende Dioden (LED) - haben eine hohe Lebensdauer, wandeln den elektrischen Strom effizienter in Licht um und sparen somit Energie. Dies sind nur zwei Beispiele aus einer rasch wachsenden Zahl von Produkten, die auf den Markt kommen und sich vermutlich positiv auf Umwelt und Wirtschaft auswirken. Der zunehmende Einsatz synthetischer Nanomaterialien in Produkten führt jedoch auch zu einem vermehrten Eintrag dieser Materialien in die Umweltmedien Boden, Wasser und Luft. Die Wirkungen der Nanomaterialien in der Umwelt und mögliche gesundheitliche Risiken für den Menschen sind derzeit noch unzureichend erforscht. Das Umweltbundesamt (UBA) fasst in einem Hintergrundpapier relevante Aspekte über Umweltentlastungspotentiale zusammen, benennt Risiken für Mensch und Umwelt und formuliert Handlungsempfehlungen.

Bei der Nanotechnik handelt es sich um die gezielte Herstellung und Anwendung von Prozessen und Nanomaterialien, die aus abgrenzbaren strukturellen Bestandteilen in der Größenordnung von 100 Nanometer (1 nm = 10-9 m) oder weniger in mindestens einer Dimension bestehen, also mehr als 1.000-mal kleiner als der Durchmesser eines Menschenhaares. In diesem Größenbereich ändern sich die physikalischen und chemischen Eigenschaften der Materialien. Dies kann in vielfältiger Weise zur Entwicklung neuartiger Produkte und Anwendungen genutzt werden. Die Nanotechnik beeinflusst bereits heute die Industrie in vielen Bereichen, etwa die Automobilindustrie, den Maschinenbau, die Chemische und die Lebensmittelindustrie sowie die Bio- und die Umwelttechnik. Allein in Deutschland arbeiten heute über 800 Unternehmen im Bereich Nanotechnik.

Die Nanotechnik bietet erhebliche Potentiale für ökologische Produktinnovationen, aber auch Risiken für die Umwelt und die Gesundheit. Hier bestehen noch gravierende Wissenslücken. Daraus ergibt sich ein umfangreicher Bedarf an Forschung und Regulierung. Dafür ist eine transparente und von Industrie, Forschung und Behörden anerkannte Bewertung nanotechnischer Verfahren und Produkte hinsichtlich ihrer Chancen und Risken für Umwelt und Gesundheit notwendig. Die Hersteller sind gefragt, aussagekräftige Daten zur Wirkung und zur Exposition ihrer Produkte bereitzustellen sowie die Umweltentlastungspotentiale zu dokumentieren. Das UBA empfiehlt: Die Verwendung von Produkten, die Nanomaterialien enthalten und frei setzen können, sollte - so lange ihre Wirkung auf Mensch und Umwelt weitgehend unbekannt ist - möglichst vermieden werden.

Aus Sicht des Umweltbundesamtes ist es erforderlich, rechtliche Rahmenbedingungen für den sicheren Umgang mit Nanomaterialien zu schaffen. Ein wesentlicher Schritt hierzu ist ein Meldesystem für Nanomaterialien in Form eines Produktregisters.

Die Diskussion um Chancen und Risiken hat sowohl in Fachkreisen als auch in der Öffentlichkeit in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Die Bundesregierung hat frühzeitig mit der Einsetzung einer NanoKommission reagiert. Die Fachleute des UBA beteiligen sich in der NanoKommission sowie in weiteren nationalen und internationalen Arbeitskreisen, insbesondere innerhalb der OECD an der Entwicklung von Empfehlungen zum verantwortungsvollen Umgang mit Nanomaterialien.

Das UBA trägt aktiv dazu bei, über umweltrelevante Aspekte der Nanotechnik zu informieren, Wissensdefizite auszufüllen und den weiteren Handlungsbedarf zu ermitteln. Das Amt fördert umweltrelevante Innovationen, die durch den Einsatz der Nanotechnik möglich sind und ermittelt Umweltentlastungspotentiale. Voraussetzung ist allerdings, dass potentielle Risiken für die Umwelt und die menschliche Gesundheit bewertbar und vermeidbar sind.

Ausführliche Informationen enthält das Hintergrundpapier „Nanotechnik für Mensch und Umwelt - Chancen fördern und Risiken mindern". Es steht im Internet zum kostenlosen Download bereit unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/mysql_medien.php?anfrage=Kennummer&Suchwort=3765.

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Klimaschutz mit Sicherheitsmarge

Deutschland kann 43 Prozent seiner Treibhausgasemissionen bis 2020 einsparen

Deutschland kann 43 Prozent seiner Treibhausgasemissionen bis 2020 im Vergleich zu 1990 einsparen. Das zeigt die Studie „Politikszenarien V - auf dem Weg zum Strukturwandel; Treibhausgas-Emissionsszenarien bis zum Jahr 2030". Bis 2030 kann sogar annähernd 60 Prozent Minderung gegenüber 1990 erreicht werden. „Zugpferd wäre vor allem der Stromsektor, in dem sich zwischen 2005 und 2030 rund ein Viertel der deutschen Treibhausgasemissionen einsparen lassen", sagt Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA).

Die von einem Forschungskonsortium um das Öko-Institut - im Auftrag des UBA - erstellte Studie untersuchte die Treibhausgas-Emissionen eines „Business-as-usual"-Szenarios und eines „Strukturwandelszenarios". Das Strukturwandelszenario geht dabei von einer ambitionierten Klimapolitik aus - mit zusätzlichen Maßnahmen zur Einsparung von Strom, Wärme und Kraftstoffen und einem starken Ausbau der erneuerbaren Energien.

Im „Business-as-usual"-Szenario verringern sich die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 gegenüber 1990 dagegen nur um 29,6 Prozent, das nationale Ziel einer Treibhausgas-Minderung um 40 Prozent würde nicht erreicht. Die wichtigsten Maßnahmen dieses Szenarios sind die Ausweitung der erneuerbaren Energien, das EU-Emissionshandelssystem und das Gebäudesanierungsprogramm. Zwischen 2020 und 2030 führen die bisherigen Klimaschutzmaßnahmen aber nur noch zu einer weiteren Minderung von etwa zwei Prozent.

Im Strukturwandelszenario wird das 40 Prozent-Ziel im Jahr 2020 mit 43,1 Prozent überschritten. Annähernd die Hälfte der zusätzlichen Minderung liefern zahlreiche Maßnahmen zur Reduzierung des Stromverbrauchs. Ebenfalls wirkungsvoll sind eine verstärkte Förderung der erneuerbaren Energien, die Stärkung der Energieeinsparverordnung und ihres Vollzugs, die Verschärfung der CO2- Grenzwerte für PKW und die Besteuerung von Flugkraftstoffen. Bis 2030 würde sogar eine Minderung um 58,2 Prozent erreicht.

Die Studie ergänzt die jüngst vom UBA veröffentlichte „Konzeption zur Klimapolitik". Sie zeigt nicht nur, dass das Ziel einer Minderung um 40 Prozent machbar ist, sondern auch welche nationalen und europäischen Klimaschutzmaßnahmen dafür notwendig sind.

Die Konzeption des UBA zur Klimapolitik finden Sie hier: http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3762.pdf;

Die Studie „Politikszenarien für den Klimaschutz V - auf dem Weg zum Strukturwandel; Treibhausgas-Emissionsszenarien bis zum Jahr 2030" steht unter der Adresse http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/mysql_medien.php?anfrage=Kennummer&Suchwort=3764 zum Download bereit.

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Kosten für Strom aus erneuerbaren Energien steigen

Starker Ausbau der Erneuerbaren Energien und Wirtschaftskrise führen zu
Anstieg der "EEG-Kosten"

Der starke Ausbau der erneuerbaren Energien wird
im Jahr 2010 zu höheren Kosten führen, die über das gesetzlich festgelegte
Umlageverfahren von den Stromkunden zu tragen sind. Im Jahr 2010 müssen
Verbraucher 2 Cent pro Kilowattstunde für jede verbrauchte Kilowattstunde
zur Förderung des Ausbaus der erneuerbaren Energien zahlen. Gegenüber dem
für 2009 erwarteten Wert entspricht das einer Steigerung um rund 75
Prozent. Bereits jetzt ist abzusehen, dass die durch das
Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geförderten Strommengen im nächsten Jahr
um rund 21,7 Prozent gegenüber 2009 steigen werden. Deshalb werden die
Vergütungszahlungen an die Betreiber von Wind-, Solarstrom- und
Biomasseanlagen von rund zehn Milliarden Euro 2009 auf rund 12,7 Milliarden
Euro im Jahr 2010 steigen, teilte der Bundesverband der Energie- und
Wasserwirtschaft (BDEW) mit.

"Der weitere Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland ist wichtig
und richtig, hat allerdings auch seinen Preis. Das sollte ehrlich
kommuniziert werden. Wir kommen jetzt in die Phase, in der wir die
erneuerbaren Energien schrittweise in den Markt integrieren müssen", sagte
Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes
der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) heute in Berlin.

Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien wirkt sich nach Angaben des BDEW
auch die aktuelle konjunkturelle Lage auf die Höhe der EEG-Umlage aus: So
sinkt durch die Wirtschaftskrise der Stromverbrauch in Deutschland. Die
ermittelten EEG-Kosten müssen daher auf einen kleineren Stromabsatz
aufgeteilt werden. Zudem wirkt sich auch der durch die Wirtschaftskrise
gesunkene Börsenpreis für Strom steigernd auf die EEG-Umlage aus, denn
damit sinken trotz gesetzlich fixierter Vergütungszahlungen an die
Anlagenbetreiber die Vermarktungserlöse der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB)
beim Verkauf der EEG-Strommengen an der Leipziger Strombörse EEX.

Einen wichtigen kostendämpfenden Effekt hat hingegen die im Juli 2009 vom
Deutschen Bundestag verabschiedete Umstellung des so genannten
Wälzungsmechanismus: Diese Umstellung führt zu Kosteneinsparungen und
erhöht die Transparenz des EEG deutlich. Für die Unternehmen bringt die
Verordnung darüber hinaus Effizienzsteigerungen und Planungssicherheit,
denn mit der Abschaffung der physikalischen Wälzung entfällt das
Prognoserisiko, da sie keinen hinsichtlich der Menge monatlich schwankenden
EEG-Strom mehr abnehmen müssen.

Die EEG-Umlage tritt mit der Umstellung des Wälzungsmechanismus durch die
Ausgleichsmechanismusverordnung an die Stelle der bisherigen
EEG-Mehrkosten, die die Vertriebe in ihre Preise einkalkuliert haben. Durch
die jetzt veröffentlichte EEG-Umlage steigt der bisherige Kostenbestandteil
"EEG-Mehrkosten" des Haushaltskundenpreises. Die Bildung des Strompreises
für Haushaltskunden beruht jedoch auf mehreren Faktoren: Neben den Kosten
für die Beschaffung von Strom haben auch die Netzentgelte (2009: ca. 24
Prozent) und staatliche Belastungen (Umsatzsteuer, Stromsteuer,
Konzessionsabgabe und Umlagen (2009: ca. 39 Prozent) Einfluss auf die
Strompreise für Haushaltskunden. Inwieweit die erhöhte EEG-Umlage
kompensiert werden kann, hängt von der Entwicklung der anderen Faktoren des
Strompreises ab.

Zur Meldung auf bdew.de:
http://www.bdew.de/bdew.nsf/id/DE_20091015_PM_Kosten_fuer_Strom_aus_erneuerbaren_Energien_steigen?open&ccm=250010

(Quelle: BDEW)

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Beschäftigungsmotor Klimaschutz

UBA-Studie untersucht Wirkungen von Energieeffizienz­maßnahmen in Gebäuden, Verkehr und Unternehmen

Ambitionierter Klimaschutz führt zu mehr Beschäftigung: Rund 630.000 neue Arbeitsplätze können in Deutschland entstehen. Voraussetzung dafür: Die Bundesregierung verfolgt das Ziel weiter, die nationalen Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 insgesamt um rund 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 zu reduzieren. Einen wichtigen Beitrag leisten Maßnahmen für eine bessere Energieeffizienz. So schafft allein die schnelle und konsequente Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen in Gebäuden bis zum Jahr 2012 fast 100.000 neue Arbeitsplätze in Deutschland. Bis zum Jahr 2020 sind sogar über 350.000 neue Arbeitsplätze möglich. Dies ist das Ergebnis der neuen Studie „Gesamtwirtschaftliche Wirkungen von Energieeffizienzmaßnahmen in den Bereichen Gebäude, Unternehmen und Verkehr", die das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) durchführte. Die Ergebnisse zeigen, dass Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz nicht nur dem Klima, sondern auch der Beschäftigung nützen: Investitionen in Energieeffizienz und Emissionsminderungen stärken langfristig den Wirtschaftstandort Deutschland.

Eine verbesserte Energieeffizienz mit besserer Wärmedämmung steigert die Kaufkraft von Eigentümern und Mietern, da deren Heizkosten sinken. Die Modernisierung der Wärmebereitstellung in Gebäuden mindert zudem den Bedarf an Gas- und Heizölimporten, was die Binnennachfrage belebt und der hohen Energieimportabhängigkeit Deutschlands entgegenwirkt. Gleichzeitig schaffen die erforderlichen umfangreichen Investitionen zur Gebäudesanierung neue Beschäftigungsmöglichkeiten - vor allem im Baugewerbe und bei baunahen Dienstleistungen wie der Baufinanzierung. All das belebt die Wirtschaft und schafft Wachstum und Beschäftigung.

Mit entschiedenen Effizienzverbesserungen im Verkehrsbereich und in Unternehmen sind weitere positive Beschäftigungswirkungen möglich. Falls die Autoindustrie umgehend in die Entwicklung erheblich effizienterer Autos investiert, ergeben sich daraus Marktchancen, so dass bis 2020 fast 220.000 zusätzliche Arbeitsplätze in Deutschland entstehen. Kontinuierliche Anstrengungen von Unternehmen zur Verbesserung ihrer Energieeffizienz senkt ihre Energiekosten und schafft Spielräume für neue Arbeitsplätze: Bis 2020 sind so über 260.000 zusätzliche Stellen möglich.

Damit ist klar: Klimaschutz ist mehr als ein moralisches Gebot. Die Steigerung der Energieeffizienz schafft nachhaltig Beschäftigung und Wachstum und kann in Deutschland dazu beitragen, die Wirtschaftskrise zu überwinden.

Die Studie „Gesamtwirtschaftliche Wirkungen von Energieeffizienzmaßnahmen in den Bereichen Gebäude, Unternehmen und Verkehr" finden Sie unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/mysql_medien.php?anfrage=Kennummer&Suchwort=3763

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Hightech fürs Fahrrad

Kohlenstofffaserverbundwerkstoffe (CFK) machen nicht nur Autos und Flugzeuge leichter. Auch Radfahrer profitieren von dem neuen Werkstoff: Fraunhofer-Forscher stellen auf der Messe Composites Europe in Stuttgart (27. bis 29. Oktober) eine gefederte Sattelstütze aus CFK vor (Halle 4, Stand D04).

Bordsteinkanten, Schlaglöcher, Trambahnschienen - Radfahrer werden oft ganz schön durchgeschüttelt. Seit einigen Jahren gibt es gefederte Sattelstützen für Profis und Freizeitradler. Sie fangen die schlimmsten Stöße ab und bieten mehr Komfort für den Rücken. Doch für spürbar mehr Fahrkomfort muss man tiefer in die Tasche greifen. Jetzt haben Fraunhofer-Forscher eine funktionsintegrierte Fahrradsattelstütze aus Kohlenstofffaserverbundwerkstoffen (CFK) entwickelt, die superleicht und äußerst wirkungsvoll ist: »Ein Hardtail-Mountainbike mit dieser neuartigen CFK-Sattelstütze fährt sich, als wäre es ein Full-Suspension-Bike«, sagt Triathlon-Weltmeister Daniel Unger nach der Probefahrt. Der Profi meint damit, dass jedes am Hinterrad ungefederte Mountainbike zum voll gefederten Komfortgefährt wird. Nicht zuletzt deshalb wurde das Bauteil im September auf der Messe Eurobike 2009 in Friedrichshafen mit dem Eurobike Award ausgezeichnet, in Stuttgart ist die Hightech-Stütze für den AVK-Innovationspreis 2009 nominiert.

Die Sattelstütze wurde am Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT in Pfinztal bei Karlsruhe entwickelt, im Fraunhofer-Innovations-cluster »KITe hyLITE - Technologien für den hybriden Leichtbau«. »Den Anstoß dazu gab der fahrradbegeisterte Kollege Sergej Belaew«, erinnert sich Gruppenleiter Oliver Geiger, der in der Abteilung von Prof. Frank Henning für die Umsetzung der flexiblen Sattelstütze verantwortlich ist. »Das Bauteil basiert auf zwei CFK Profilen, die als Blattfederelemente wirken. Die Federsteifigkeit wurde dabei so eingestellt, dass die Verbiegung im Bereich von 10 bis 15 Millimetern liegt. Das steigert den Komfort für den Radfahrer spürbar.« Die Außenradien der Profile wurden so gewählt, dass sie problemlos in existierende Fahrradrahmen montiert werden können. Das Sattelgestell wird gelenkig am oberen Ende der Profile gelagert, zusammen mit der Klemmvorrichtung und dem Sattel ergibt sich ein Parallelogramm. Diese Struktur weisen bisher nur sehr teure Sattelstützen auf. Der Pluspunkt der Fraunhofer-Entwickung sind die besonderen Eigenschaften der Kohlenstofffaserverbundwerkstoffe kombiniert mit einer intelligenten Bauweise, die eine deutlich spürbare zusätzliche Dämpfungs-/Federwirkung bieten. Die Verbiegung der CFK-Profile beeinflusst die Kinematik der Sattelspitze und unterstützt im Idealfall die Trittbewegung aktiv. Die Stütze mildert zudem Belastungsspitzen schon bei geringfügigen Unebenheiten - Teerflicken, beschädigte Straßenoberflächen und Kanaldeckel sind kaum spürbar. »Mehr Fahrkomfort bei 30 Prozent weniger Gewicht«, fasst Geiger die Vorteile zusammen.

Der Prototyp der CFK-Sattelstütze wurde im Resin Transfer Moulding (RTM) Verfahren gefertigt. »Zuerst zieht man die Geflechtschläuche wie einen Strumpf auf das Formwerkzeug - einen Butylschlauch - auf und streckt sie, bis der erforderliche Faserwinkel erreicht ist. Nach dem definierten Aufpumpen der Schläuche wird das Bauteil mit einem Harz/Härter-Gemisch infiltriert. Mit Beginn der Aushärtung wird der Druck in den Butylschläuchen nochmals erhöht, um eine optimale Imprägnierung zu erreichen«, beschreibt Belaew den Herstellungsprozess.
Derzeit arbeiten die Experten daran, Werkzeugtechnik und Fertigungsablauf für die Herstellung von größeren Stückzahlen zu optimieren. Die Fraunhofer-Ausgründung »carbobike« soll künftig Produktion und Vertrieb übernehmen.

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Neues vom Wasser

Ingrid Rieck, Presse- und Kommunikationsstelle
Universität Rostock

Rostocker Chemiker haben für die traditionsreiche Zeitschrift für Physikalische Chemie einen Sonderband über die ungewöhnlichen Eigenschaften des Wassers herausgegeben. In dreizehn Arbeiten, darunter zwei der Rostocker selbst, berichten Wasserforscher aus aller Welt über die jüngsten Erkenntnisse zum kühlen Nass.
"Ich habe mich sehr darüber gefreut, diesen Sonderband über das Wasser gemeinsam mit meinem Kollegen Dietmar Paschek vom renommierten Rensselaer Polytechnic Institute in Troy in den USA gestalten zu dürfen", erklärte Professor Ludwig aus dem Institut für Chemie an der Universität Rostock. In dreizehn Artikeln geben Forscher aus aller Welt einen Überblick über aufregende Arbeiten zum Thema Wasser in Chemie, Biologie und Physik. Im Zentrum stehen dabei Struktur und Dynamik in Wasser und Eis. Die Eigenschaften an Grenzflächen spielen ebenso eine Rolle wie die in Poren und Kanälen. Auch die Bedeutung des Wassers für biologische Systeme wird diskutiert. Besondere Beachtung findet dabei die Verbindung zwischen Experiment, Theorie und Simulation.
Wasser und seine ungewöhnlichen Eigenschaften beschäftigen die moderne Wissenschaft seit mehr als einem Jahrhundert. Wasser unterscheidet sich in mehr als 60 Eigenschaften von normalen Flüssigkeiten. Diese Anomalien sind wichtig für unser Leben. Beispielsweise führt das Dichtemaximum von Wasser bei 4 Grad Celsius und die vergleichsweise geringe Dichte von Eis dazu, dass Wasser nicht vom Boden her, sondern an der Oberfläche gefriert. In einer normalen Flüssigkeit besäßen Flora und Fauna bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt keine Überlebenschance.

"Auf den Sonderband sind wir sehr stolz, denn die Zeitschrift für Physikalische Chemie hat eine große Tradition", erklärt Ludwig. Sie wurde 1887 von den Physikochemikern und späteren Nobelpreisträgern Wilhelm Ostwald und Jacobus Henricus van't Hoff gegründet. Während der Zeit der deutschen Teilung erschienen getrennte Ausgaben in Ost und West. Ehrenherausgeber der "wiedervereinigten" Zeitschrift ist Gerhard Ertl, der für seine bahnbrechenden Arbeiten über chemische Prozesse auf Festkörperoberflächen vor zwei Jahren den Nobelpreis für Chemie erhielt. Ludwig gehört seit kurzem zu den Mitherausgebern der traditionsreichen Zeitschrift, die nach bewegten Zeiten wieder neuen Schwung nehmen soll.

Prof. Dr. Ralf Ludwig
T: 0381 498-6517
Ralf.ludwig@uni-rostock.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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DGNR: Warum Angstschweiß Menschen zum Fürchten bringt

Medizin - Kommunikation, Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Köln - Menschen nehmen ständig Gerüche wahr. Obwohl dies oft unbewusst geschieht, beeinflussen uns die Geruchsinformationen in unserem Denken, Fühlen und Handeln. Riechen Menschen Angstschweiß, so führt dies zum Beispiel dazu, dass sie selbst Furcht empfinden und sich vorsichtiger verhalten. Dies zeigen Forschungsergebnisse, die im Rahmen von neuroRAD, der 44. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR), vorgestellt wurden. Der Kongress mit mehr als 1 300 Teilnehmern fand vom 8. bis zum 10. Oktober 2009 in Köln statt.
Mediziner der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München untersuchen mithilfe einer besonderen Form der Magnetresonanztomographie (MRT), der sogenannten funktionellen MRT, welche Hirnregionen durch Gerüche aktiviert werden. "Dies sind aber keineswegs nur die Bereiche, die für die bewusste Identifizierung der Gerüche notwendig sind", erläutert Privatdozent Dr. med. Martin Wiesmann, Leiter des Bereichs Funktionelle Bildgebung der Abteilung Neuroradiologie an der LMU. "Es gibt zudem direkte Verbindungen zu Zentren des Gehirns, die für Emotionen oder unser Verhalten wichtig sind. Das macht den Geruchssinn einzigartig unter all unseren Sinnen." Gerüche, so der Neuroradiologe, werden auch vom Unterbewusstsein wahrgenommen und verarbeitet - jederzeit, auch wenn wir schlafen.

Die Folgen haben die Münchner Forscher an Probanden untersucht, denen sie den Angstschweiß anderer Menschen unter die Nase hielten. "Es wurden genau die Teile des Gehirns aktiv, die sonst an der Entstehung von Angst beteiligt sind. Die Versuchsteilnehmer wurden ängstlicher, ohne dass sie sich bewusst waren warum. Zudem verhielten sie sich in bestimmten Situationen vorsichtiger", berichtet Wiesmann. Der Experte vermutet, dass Menschen über ihren Körpergeruch miteinander kommunizieren, so wie dies auch von vielen Tierarten bekannt ist. Weitere Forschungsprojekte sollen zeigen, ob neben der Warnung vor Gefahren noch andere Botschaften übertragen werden und ob sich Frauen und Männer bei der Kommunikation über den Körpergeruch unterscheiden.

Pressekontakt für Rückfragen:

Pressestelle neuroRAD
Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie (DGNR)
Silke Stark
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-572
Fax: 0711 8931-167
stark@medizinkommunikation.org
www.neurorad.de
Weitere Informationen:
http://www.neurorad.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Fit durch Wii und Co? Sportmediziner untersuchen den Trainingseffekt interaktiver Videospielkonsolen

Dr. Christina Heimken, Presse- und Informationsstelle
Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Münster (mfm/tb) - Action, Bewegung, Fitness, gesünderer Lebensstil - auf den Internetseiten der Hersteller von Videospielkonsolen wimmelt es von solchen Begriffen. Selbst eine Software zum Kalorienzählen fehlt nicht im Angebot. Diese Werbung suggeriert: Mit interaktiven Videospielkonsolen lässt sich körperliche Fitness auch vor dem heimischen Bildschirm erreichen. Der münstersche Sportmediziner Prof. Klaus Völker dämpft diese Erwartung jedoch: Ein Forscherteam unter seiner Leitung hat die Effektivität des Trainingsreizes der Konsolen anhand des Marktführers untersucht. Völkers Fazit: "Virtueller Sport ist allenfalls Bewegung und kann echten auf keinen Fall ersetzen".
Über 40 Sportstudenten - je zur Hälfte Männer und Frauen - nahmen an der Studie des von Völker geführten Instituts für Sportmedizin der Universität Münster teil. Die Anforderungen an die zwischen 21 und 29 Jahren alten Probanden: Die Teilnehmer mussten gesund und an den Videospielkonsolen Neulinge sein. Die Studierenden traten in drei Disziplinen gegen ihre Spielpartner an: im Boxen, im Tennis sowie im Vierkampf, einer Mischung aus drei Laufdistanzen und einer Schwimmstrecke. Zwischen den jeweils eine Viertelstunde dauernden Spielblöcken gab es 20-minütige Pausen, damit die Belastung der Probanden wieder auf das Normalniveau sinken konnte.

Während der Querschnittsuntersuchung beobachteten Völker und sein fünfköpfiges Team, wie sich die Werte bei verschiedenen Indikatoren für eine körperliche Belastung veränderten. Gemessen wurden beispielsweise die Herzfrequenz und der Laktatwert der Probanden. Zudem wurden diese um eine Selbsteinschätzung ihrer Anstrengung nach einem internationalen Standard, der Borg-Skala, gebeten. Die so gewonnenen Angaben wurden anschließend mit Durchschnittswerten verglichen, die aus der Forschung für die realen Sportarten bekannt sind.

Einhelliges Ergebnis für alle drei getesteten Disziplinen: Die Computerspiele kamen bei weitem nicht an das Belastungsniveau und damit den Trainingseffekt ihrer Vorbilder heran. Lediglich das Boxen führte zu einer trainingsphysiologisch relevanten, allerdings nur moderaten Belastung. Zu den Messwerten passt die Selbsteinschätzung der Teilnehmer: Diese beurteilten selbst die körperlich anspruchvollste Sportart, das Boxen, auf der Borg-Skala im Schnitt nur als "etwas anstrengend". Dass sich die Probanden nicht verausgaben mussten, hängt auch mit der Dauer der reinen Bewegungszeit zusammen: Selbst bei der hier führenden Disziplin, dem Boxen, entfielen darauf im Mittel nur knapp 9 von 15 gespielten Minuten. Beim Vierkampf wurden im Schnitt sogar nur 4 Minuten und 49 Sekunden mit dem eigentlichen Spielen verbracht.

Auch aus zwei weiteren Gründen eignen sich die Videospielkonsolen laut Völker nicht als Sportersatz. Die Nutzer merkten schnell, dass die Sensoren an den Steuergeräten der Konsolen, den so genannten Controllern, bereits bei geringen Bewegungen ansprechen. Daher neigten die Spieler mit der Zeit dazu, ihre Bewegungen auf das notwendige Minimum zu reduzieren. Ökonomisierungseffekt nennt Völker diese Erscheinung, die zwar nicht Gegenstand der Untersuchung, aber "als Trend klar erkennbar" gewesen sei. Zum zweiten habe die Studie deutlich vor Augen geführt, dass Konsolen-Fans "nicht miteinander, sondern nebeneinander spielen". Die Kommunikation als ein wichtiger, auch motivierender Faktor bei vielen Sportarten werde durch die einseitige Ausrichtung der Spieler auf den Bildschirm beeinträchtigt.

Für Völker steht daher fest: Interaktive Videospiele können ihren Besitzern zu mehr Bewegung verhelfen, aber fehlende echte sportliche Bewegung nicht ausgleichen. "Besser das ganze Erlebnis 'Sport draußen', als die virtuelle Sparversion im Wohnzimmer", so seine Empfehlung.
Weitere Informationen:
http://campus.uni-muenster.de/campus-news.html?&newsid=285&cHash=faee2c0ce0

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Gas- und Stromverbrauch weiter rückläufig

Verbrauch sank um durchschnittlich acht Prozent / Anhaltend verminderte
Industrieproduktion wichtigster Einflussfaktor

Der Gas- und Stromverbrauch in Deutschland ist im
ersten Halbjahr 2009 weiter deutlich gesunken: Mit 262 Milliarden
Kilowattstunden (Mrd. kWh) wurden rund sechs Prozent weniger Strom
nachgefragt als im entsprechenden Vorjahreszeitraum (erstes Halbjahr 2008:
278 Mrd. kWh). Der Gasabsatz sank im selben Zeitraum sogar um rund elf
Prozent auf 469 kWh (erstes Halbjahr 2008: 527 kWh). Das ermittelte der
Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Berlin, in ersten
Erhebungen. Mit zusammengenommen acht Prozent ist das der stärkste
Verbrauchsrückgang, den die Strom- und Gaswirtschaft seit der
Wiedervereinigung Deutschlands verzeichnete.

Wichtigster Grund für den Rückgang des Strom- und Gasverbrauchs ist nach
Angaben des BDEW die anhaltend verminderte Industrieproduktion. Die
Produktionseinbußen in energieintensiven Branchen führen bereits seit
Oktober 2008 zu einem niedrigeren Energiebedarf in Deutschland. Nach
BDEW-Schätzungen ist der Gas- und Stromabsatz im ersten Halbjahr 2009
allein in der Industrie um rund 15 Prozent zurückgegangen.

Am deutlichsten sank die Energienachfrage im April 2009: So wurden etwa 25
Prozent weniger Gas und knapp 14 Prozent weniger Strom im Vergleich zum
Vorjahresmonat an alle Kundengruppen abgesetzt, berichtete der BDEW. Dieses
starke Minus sei aber auch durch die vergleichsweise deutlich wärmere
Witterung sowie die Ostertage beeinflusst worden. Die Feiertage lagen
diesmal im April und nicht im März. Die kühle Witterung Anfang des Jahres
habe dagegen Absatz steigernd gewirkt. Zusätzlich haben die weniger
konjunkturell beeinflussten Verbrauchergruppen Haushalte und Gewerbe,
Handel, Dienstleistungen zur Stabilisierung der Energienachfrage
beigetragen.

(Quelle: BDEW)

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Experten warnen Sportler: Kein Schmerzmittel vorab, nicht zu viel Wasser

Meike Drießen, Pressestelle
Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)

Fast zwei Drittel der Läufer beim diesjährigen Bonn-Marathon hatten vor dem Start Schmerzmittel eingenommen, meistens aus pharmakologischer Sicht falsche Präparate oder falsche Dosen. Das ergab eine Umfrage unter 1.000 Marathoni durch Erlanger Forscher um Prof. Dr. Kay Brune, deren Ergebnisse beim Deutschen Schmerzkongress in Berlin vorgestellt wurden. Die Forscher warnen Sportler eindringlich vor solchem Leichtsinn: Studien zeigen, dass die Wirkstoffe die durch sportliche Anstrengung ohnehin verursachten Belastungen für Magen-Darm-Trakt, Niere und Kreislauf verstärken. Die Risiken seien unabsehbar.
Die Spezialisten raten dazu, wenn überhaupt, erst nach der sportlichen Aktivität Schmerzmittel einzunehmen und mit bestehenden Schmerzen gar nicht erst zu starten.

Leichtsinn unter Läufern

Über 10.000 Läufer hatten dieses Jahr am Bonn-Marathon teilgenommen, die meisten Hobbysportler. Nur 11% der befragten 1.000 Hobbyläufer hatten sich vorab Laborwerte bestimmen lassen, und nur 5% hatten Rat beim Arzt oder Apotheker eingeholt. Doch besonders die flächendeckende Einnahme von Schmerzmitteln stimmt die Forscher nachdenklich: "Schmerzlindernde Arzneimittel werden bei intensiver sportlicher Belastung unkontrolliert und ohne ärztliche Beratung eingenommen", so Prof. Brune. "Daraus können erhebliche Gesundheitsprobleme entstehen."

Häufig: Blut im Urin, Übelkeit, Erbrechen

Die in Schmerzmitteln enthaltenen Wirkstoffe verstärken die durch sportliche Anstrengung ohnehin verursachten Belastungen für Magen-Darm-Trakt, Niere und Kreislauf zusätzlich. Leichte Symptome einer Schädigung, wie Blut im Urin, Übelkeit, Erbrechen und Teerstühle, treten daher mit großer Regelmäßigkeit auf. "Bedenklich ist, dass zahlreiche Teilnehmer nach Langstreckenläufen, Langstreckenradrennen und Langstreckenschwimmveranstaltungen unter akuten Störungen der Nierenfunktion und der Funktion des Magen-Darm-Traktes leiden", erklärt Prof. Brune. "Manche müssen unmittelbar nach der sportlichen Höchstleistung operiert werden und verlieren Teile der inneren Organe." Bei häufig wiederholter Anstrengung können die Blutverluste zur bekannten "Sportleranämie" führen. In welchem Umfang die Medikation ursächlich zum Auftreten von Herz-Kreislauf-Störungen bis hin zum Infarkt und Tod durch Arrhythmie führt, ist ungeklärt. Studien über die pathogenen Mechanismen, die zu solchen Zwischenfällen führen, wurden aufgrund einiger schwerer Zwischenfälle bei Ironman-, Marathon- und Ultramarathonläufen initiiert.

Mit Schmerzen nicht starten

"Besonders schlimm ist, dass viele Freizeitsportler bereits mit Schmerzen an den Start gehen, die Belastungen als gesundheitsfördernd betrachten und daher die Schmerzen und Schmerzmittel in Kauf nehmen", unterstreicht Prof. Brune. "Wer bereits vor Beginn der sportlichen Aktivität unter Muskel- und Gelenkschmerzen leidet, sollte überhaupt nicht starten." Die Spezialisten empfehlen darüber hinaus, - wenn unbedingt nötig - die richtigen Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen, niedrig dosiert) nach der sportlichen Höchstleistung einzunehmen, wenn der Körper die Wasser- und Salzverluste wieder ausgeglichen hat. Dadurch würden Niere und Herz geschont. Das unnötige Trinken großer Mengen Mineralwasser während des Laufens erhöht die Gefährdung des Herz-Kreislauf-Systems. Weniger Wasser mit mehr Kochsalz (1g/l) wäre besser als Magnesiumtabletten in (normalem) Mineralwasser, da diese das Auftreten von Durchfällen begünstigen, ohne Krämpfe sicher zu verhindern.

Ansprechpartner

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Kay Brune, Doerenkamp-Lehrstuhl für Innovationen im Tier- und Verbraucherschutz, Institut. f. Exp. u. Klin. Pharmakologie und Toxikologie, FAU Erlangen-Nürnberg, Tel. 09131/85-22292, brune@pharmakologie.uni-erlangen.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wettbewerb "Erfindergeist contra Wasserpest" erbrachte spannende Ideen, aber bislang nicht die erhoffte Allzweckwaffe

Tilo Arnhold, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Essen / Leipzig. Die Preisträger im Ideenwettbewerb "Erfindergeist contra Wasserpest" stehen fest. Aus 34 eingereichten Ideen wählte die Jury drei Arbeiten aus. Die Auszeichnung der Bestplatzierten, die verschiedene Varianten von Mähbooten entworfen haben, fand am 8. Oktober 2009 in Essen auf dem Baldeneysee statt.
Zum Sieger des Ideenwettbewerbs kürte die Jury Nils Kerpen von der Leibniz-Universität Hannover. Seine Studienarbeit, eine viel versprechende Technik zur Ernte der Wasserpflanze Elodea nuttallii, überzeugte die Experten durch die sehr gute Analyse und die innovative Kombination verschiedener Verfahren. So ist nicht nur die Mahd möglich, sondern auch eine Trennung der Wasserpflanzen vom Sediment - eine entscheidende Voraussetzung für eine spätere Nutzung der Biomasse.
Den zweiten Platz belegte Gerd Neumann aus Düsseldorf, der eine nach dem Prinzip eines "Epiliergerätes" arbeitende Apparatur vorgeschlagen hat, die durch detaillierte Überlegungen besticht und deren erfolgreicher Einsatz nach entsprechender Optimierung aussichtsreich erscheint. Der dritte Preis ging an die beiden Studenten Sebastian Bertram und Dominic Vajen aus Hannover, die als interdisziplinäres Team der Fachrichtungen Maschinenbau und Industriedesign ein Konzept für das Mähboot "Malawi" einreichten. Auch dieser Arbeit liegt eine umfassende Analyse des Ernteproblems zugrunde, die letztendlich im detaillierten Entwurf eines Mähbootes gipfelt.

Insgesamt erhielten die Preisträger ein Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro, das der Ruhrverband, die Entwicklungs-, Betreiber- und Verwertungsgesellschaft Goitzsche mbH, der Verein der Freunde und Förderer des UFZ sowie die Leipziger Stiftung für Innovation und Technologietransfer gestiftet haben. Die Auslobung des Wettbewerbs zeigt, dass die Betreibergesellschaft des Goitzschesees und der Ruhrverband als Eigentümer der Ruhrstauseen nichts unversucht lassen, um dem Elodeaproblem Herr zu werden. Der durchgeführte Wettbewerb führt bei den Initiatoren aber bislang auch zu einer gewissen Ernüchterung. Eine "Allzweckwaffe" gegen die Wasserpflanze Elodea scheint, obwohl sich viele schlaue Köpfe mit dem Problem auseinadergesetzt haben, leider bisher nicht gefunden worden zu sein. Die eingereichten Vorschläge beinhalten zwar sehr gute Ideen, aber das mit der Elodeabeseitigung verbundene Kostenproblem werden die Vorschläge nach bisheriger Erkenntnis nicht lösen können. Zum einen ist eine Weiterentwicklung der vorgeschlagenen Maschinen bis zu ihrem praxistauglichen Einsatz sehr kostspielig und zum anderen sind bei einem erfolgreichen Einsatz die Folgekosten durch die Entsorgung des Materials und die Personalkosten zur Bedienung der Maschinen wahrscheinlich nicht wesentlich geringer als bei den herkömmlichen Mähbooten. Allerdings soll nun erst einmal gemeinsam mit den Preisträgern überlegt werden, ob und wie die eingereichten Vorschläge optimiert und einzelne eventuell in die Praxis überführt werden können.

Die ursprünglich aus Nordamerika stammende Schmalblättrige Wasserpest (Elodea nuttallii) ist in den letzten Jahren in vielen Seen und Flüssen Deutschlands zum Problem geworden. Da sie sich rasant vermehrt, sind die Flachwasserbereiche der Seen, aber auch die langsam fließenden oder aufgestauten Bereiche der Flüsse in kurzer Zeit vollkommen zugewachsen. Die für Schwimmer und Boote fast unpassierbaren Pflanzenteppiche schmälern das Freizeitvergnügen und können auch weitere Nutzungen einschränken. Deshalb hatten das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig und der Ruhrverband in Essen Anfang 2009 gemeinsam den Ideenwettbewerb "Erfindergeist contra Wasserpest" ausgeschrieben.

Die rege Beteiligung an dem Wettbewerb zeigt das enorme innovative Potenzial der Bevölkerung bei der Lösung konkreter Fragestellungen von allgemeinem Interesse. Die Bandbreite der insgesamt 34 eingereichten Ideen reichte von der detailliert beschriebenen, innovativen Erntevorrichtung bis zu dem Hinweis, "das herrliche Grünzeug" einfach aufzuessen. Eine Fachjury aus Wissenschaft und Praxis hatte dann die Aufgabe, aus dem reichen Angebot kreativer Lösungsvorschläge die drei Erfolg versprechendsten Arbeiten zu ermitteln.

Insgesamt bestätigt das Ergebnis des Wettbewerbs die bisherige Einschätzung der Fachexperten und des Ruhrverbands. Auch nach dem Wettbewerb wäre es nicht zu verantworten, bei den Wassersportlern die Hoffnung zu wecken, dass das Elodeaproblem mit vertretbarem finanziellen Aufwand leicht zu lösen sei. Letztlich bleibt es ein Kampf gegen Windmühlenflügel, bei dem abgewartet werden muss, ob das Elodeawachstum aus natürlichen Gründen heraus zurückgeht, wie dies an anderen Gewässern zuvor geschehen ist.

Weitere Informationen:
Dr.-Ing. Andreas Zehnsdorf
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ
Umwelt- und Biotechnologisches Zentrum
Tel. 0341-235-1850
http://www.ufz.de/index.php?de=16263
und
Dr. Petra Podraza
Ruhrverband
Tel. 0201-178-2817
http://www.ruhrverband.de
sowie
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Tel. 0341-235-1635
und
Markus Rüdel (Abteilung Unternehmenskommunikation, Ruhrverband)
Tel. 0201-178-1160

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

Der Ruhrverband ist ein öffentlich-rechtliches Non-Profit-Wasserwirtschaftsunternehmen und dem Allgemeinwohl verpflichtet. Sowohl beim Betrieb seiner Talsperren, die die Wasserversorgung von fünf Millionen Menschen sicherstellen, als auch bei der Abwasserreinigung für 60 Städte und Gemeinden im Einzugsgebiet von Ruhr und Lenne stehen Mensch und Umwelt im Zentrum seines Handelns, ohne dabei das Gebot der Wirtschaftlichkeit zu vernachlässigen. Beispielsweise erfüllen die Kläranlagen des Ruhrverbands alle zu 100 Prozent die neuesten gesetzlichen Vorgaben und haben im Mittel bessere Ablaufwerte als der nordrhein-westfälische und bundesdeutsche Durchschnitt. Die Abwasserentsorgungskosten im Ruhreinzugsgebiet sind dabei sogar noch etwas geringer als der NRW-Durchschnitt.
Weitere Informationen:
http://www.intern.ufz.de/index.php?de=18936
http://www.ufz.de/wasserpest
http://www.ruhrverband.de/ruhrverband_de/html/frame_rv.html?/ruhrverband_de/html/elodea/elodea.html

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Warum Amerikaner keine Klima-Appelle hören wollen,

Kay Gropp, Pressestelle
Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

sondern lieber große Geländewagen fahren, haben Prof. Dr. Markus Giesler und Dr. Marius Lüdicke in einer Studie zum US-Konsumverhalten erforscht.
Den dramatischen Appellen von Klimaforschern und Politikern zum Trotz bewegt sich in Sachen Umweltschutz in den USA nach wie vor wenig. Nach Aussagen der US-amerikanischen Landwirtschaftskammer hat sich der CO2-Ausstoß in den letzten 10 Jahren um nur 1,4 Prozent verringert. Warum nordamerikanische Konsumenten ihr Konsumverhaltens nicht ändern, erklärt eine Studie zur Soziologie des Umweltkonsums in Nordamerika.

Die Forscher Marius Luedicke (Innsbruck), Craig Thompson (Wisconsin) und Markus Giesler (Witten/Herdecke) untersuchen beispielhaft das Verhalten US-amerikanischer Hummer-Fahrer: Durch die Golfkriege wurden die Hummer-Geländewagen berühmt und beliebt. Die Fahrer dieser Wagen in den USA nehmen ihren ressourcen-intensiven Konsum als historisch verankertes Bürgerrecht wahr. "Die Beliebtheit von übergroßen Autos der Marke Hummer steht in engem Zusammenhang mit uramerikanischen Mythen, mit denen Hummer-Fahrer ihren Konsum rechtfertigen", erläutert Dr. Marius Lüdicke von der Universität Innsbruck. Die Hummer Marke repräsentiere die Vision von einem Amerika, das wie eine "City Upon a Hill" kulturelles Vorbild für die ganze Welt sein will. Zugleich verkörpere der Hummer-Fahrer den Mythos des unerschrocken, tatkräftigen Individualisten, der sich gegen alle Widerstände im Kampf um die "American Frontier" für Freiheit, Unabhängigkeit, Gleichheit und Toleranz einsetzt.

"Wenn Barack Obama derzeit vor der UNO in New York sein Volk aufruft, dem Klimawandel durch Reduktion des Klima-Konsums Einhalt zu gebieten, wird dies von konservativ patriotischen Amerikanern als Bedrohung der amerikanischen Identität ausgelegt", führt Giesler von der Universität Witten/Herdecke aus. Der Appell diene dieser einflussreichen Gruppe von Amerikanern dazu, Obama als anti-amerikanischen Trittbrettfahrer der Öko-Lobby darzustellen, der die grundlegenden Werte der Nation missachtet und somit die besondere Kultur der Nation gefährdet, so der Wissenschaftler weiter. "Ähnlich wie bei der Gesundheitsreform, die von Konservativen als "Kommunismus" verunglimpft wird, wird sein mutiger Vorstoß in der Klimapolitik ähnlich unerwünschte Reaktionen hervorrufen", meint Giesler. Die Autoren sehen den Schlüssel zu mehr amerikanischem Umweltbewusstsein daher in einem kultursensibleren Diskurs, der sich nationale Werte zu Nutze macht um ein pro-amerikanisches Umweltbewusstsein zu entwickeln.

Die Studie "Consumption as Moral Protagonism: How Myth and Ideology Animate a Brand-Mediated Moral Conflict" erscheint 2010 im renommierten Journal of Consumer Research. Die pdf-Version ist bereits auf den Seiten der University of Chicago Press online publiziert.

Kontakt:
Prof. Dr. Markus Giesler, 02302 / 926-596, markus.giesler@uni-wh.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Schweinegrippe-Impfung für Rheumapatienten: Ja oder Nein?

Dr. Cornelia Rufenach, Geschäftsstelle
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.

Impfen oder nicht? Das fragen sich viele Rheumapatienten in der letzten Wochen. Denn ob sie zum Kreis der chronisch Kranken zählen, die zuerst geimpft werden müssen, ist nicht festgelegt. Ein Expertengremium der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie hat die Datenlage diskutiert und eine Empfehlung formuliert. Darin befürworten sie die H1N1-Impfung für Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, deren Krankheit schwer verläuft oder die unter immunsuppressiver Therapie stehen. Immunsuppressiva dämpfen das Immunsystem und machen es anfälliger für Infektionen. Das Arzt-Patienten-Gespräch vor der Impfung bleibt obligatorisch.
Abseits der Debatte über den Sinn der Impfung gegen die bislang mild verlaufende Neue Influenza A steht die Frage, welche Personen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Grippeverlauf haben. Sie müssen besonders geschützt werden. In Bezug auf Menschen mit rheumatischen Erkrankungen geht das nicht eindeutig aus den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation und der Ständigen Impfkommission des Robert-Koch-Instituts hervor. Genannt werden nur Personen mit "erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens". Rheumatische Erkrankungen sind nicht explizit aufgeführt. "Patienten, deren Krankheit schwer verläuft oder die Immunsuppressiva einnehmen, gehören aber generell zur Hochrisikogruppe", sagt Kommissionssprecher Professor Klaus Krüger. Die meisten Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen erhalten diese Medikamente. "Sie sollten geimpft werden", fasst der internistische Rheumatologe aus München die Empfehlung zusammen.

Obwohl die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie die Impfung grundsätzlich befürwortet, bleiben einige Fragen offen, da spezielle Studien mit Rheumapatienten fehlen. Beispielsweise ist noch unklar, wie verträglich die H1N1-Impfung für Patienten mit rheumatischen Erkrankungen sein wird. Denn die Impfung kann ebenso wie die Infektion einen Krankheitsschub auslösen. Ungewiss ist auch, ob die Basismedikamente den Impfschutz beeinträchtigen. "Über die grundsätzliche Empfehlung zur Impfung einerseits, aber auch über den begrenzten Wissensstand andererseits muss jeder Patient aufgeklärt werden", sagt Professor Krüger und verweist damit auf das Arzt-Patienten-Gespräch, das der Impfung stets voraus gehen muss. In Hinblick auf die Immunisierung gegen die Saisonale Grippe empfiehlt die DGRh, die Impfung im Abstand von mindestens einem Tag durchführen zu lassen.

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Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) ist mit mehr als 1.200 Mitgliedern die größte medizinische Fachgesellschaft in Deutschland im Bereich der Rheumatologie. Sie repräsentiert seit mehr als 80 Jahren die rheumatologische Wissenschaft und Forschung und deren Entwicklung in Deutschland. Als gemeinnütziger Verein arbeitet die DGRh unabhängig und ohne Verfolgung wirtschaftlicher Ziele zum Nutzen der Allgemeinheit.
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Ansprechpartner für Journalisten:
Sandra Wittig
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.
Luisenstraße 41
10117 Berlin
Tel: 030/240484-80 (Zentrale: - 70)
Fax: 030/240484-79
E-Mail: sandra.wittig@dgrh.de
URL: www.dgrh.de
Weitere Informationen:
http://www.dgrh.de/rheumaschweinegrippe.html - ausführliche DGRh-Empfehlung zur H1N1-Impfung für Patienten mit rheumatischen Erkrankungen

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Fahrerinnen klassischer Automobile: Frauen, die das Original lieben

Rudolf Haupt M.A., Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Niederrhein - University of Applied Sciences

Kompetenzzentrum Frau und Auto der Hochschule Niederrhein untersuchte ein Marktsegment mit Wachstumspotenzial

Bei Oldtimertreffen sind sie (noch) in der Minderheit, aber hinter dem Steuer klassischer Automobile wie dem VW Käfer, einem Mercedes 300 SL Flügeltürer oder Jaguar XK 120 statistisch schwer im Kommen: Frauen, die beim Autofahren das Original, seinen Charakter und Stil lieben und einen Klassiker ihr eigen nennen. Die Wünsche, Einstellungen und Erwartungen von 78 von ihnen hat der Diplom-Kaufmann Nicholas Dondorf zum Abschluss seines Studiums an der Hochschule Niederrhein ermittelt und in einer neuen Studie des Kompetenzzentrums Frau und Auto veröffentlicht. Dessen Leiterin Prof. Dr. Doris Kortus-Schultes sieht auf dem Markt klassischer Automobile bei Frauen noch ein großes Wachstumspotential, das Händler und Zulieferer bei weitem noch nicht ausgeschöpft hätten. Mit Neuauflagen legendärer Modelle wie des Opel GT und des VW Scirocco greifen große Autohersteller die Sehnsucht nach einer vergangenen Zeit und ihrer automobilen Repräsentanten auf.

An die Originale reichen aber auch sie nicht heran. Zur direkten, erfolgreichen Ansprache potenzieller Kundinnen gehört das Wissen darüber, wie Klassiker-Fahrerinnen zu ihrem Hobby gefunden haben und was sie damit verbinden. Die Untersuchung, erschienen im Cuvillier Verlag Göttingen, liefert dazu eine Fülle differenzierter Aussagen. Vor allem ist es die Einzigartigkeit ihrer Modelle, die die Fahrerinnen begeistert und sich in der Formensprache, den edlen Materialien, den Gerüchen und den röhrenden Motorgeräuschen ausdrückt. Manche sehen in ihren Klassikern regelrechte Kunstwerke, die als technische Skulpturen im öffentlichen Raum alle Blicke auf sich ziehen. Hinzu kommt die Freude, sich in der Bewunderung anderer für das gefahrene Fahrzeug spiegeln zu können und Gelassenheit zu spüren beim Fahren eines Automobils, das die Zeit überdauert hat. "Menschen, die Oldtimer sehen, haben immer ein Lächeln im Gesicht", so eine interviewte Fahrerin, weshalb ihr Uralt-Käfer für eine andere ein erhebliches "Flirtpotenzial" hat.

Zu den neun Frauen, die von Nicholas Dondorf persönlich interviewt wurden, gehören die Porsche 914-6-Fahrerin Anne Koppers aus Kevelaer, die VW Karmann Ghia-Fahrerin Ruth Schumacher aus Waiblingen und die angehende Trabant 601-Fahrerin Verena Esters aus Mönchengladbach. Wo es nach Benzin und Öl rieche, habe sie schon als Kind ihre Nase reinstecken müssen, berichtet Anne Koppers, deren VW Porsche 40 Jahre alt ist, in diesem Jahr aber mit ihr am Steuer die 15. Rallye Korsika für Oldtimer gewonnen hat. Von den 170 Fahrern ihres Modells in Deutschland ist sie die einzige Frau.

Ganz stilecht liebt es auch Ruth Schumacher: Beim Fahren ihres 38 Jahre alten Karmann Ghia trägt sie meist einen Petticoat mit Pepita-Muster, kurbelt die Scheibe herunter und empfindet selbst beim Geruch von Kuhdung Genuss für alle Sinne. Klassiker fahren sei "Autofahren pur". Ihre Faszination hat nun sogar in einem Buch Ausdruck gefunden: "Klassiker in Chrom" versammelt legendäre Kühlerfiguren und Embleme, die ihr Arbeitgeber, der Kolbenhersteller Kahle, vom 12. Oktober bis 20. November in einer Ausstellung präsentiert.

Im Internet erstand die 28jährige Verena Esters vor einem Jahr einen Trabant 601 für 250 Euro. Er ist zehn Jahre älter als sie selbst, hat erst 55.000 Kilometer auf dem Tacho und liegt derzeit zerlegt in der Garage eines Bekannten. Denn vor dem Neuaufbau soll die Karosserie gesandstrahlt, neu lackiert und die Lichtanlage auf 12 Volt umgerüstet werden. Der Trabbi wird das erste Auto überhaupt von Verena Esters sein, die an der Hochschule Niederrhein als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig ist. Und warum tut sie sich die Fron des Schraubens und Schweißens an? Weil sie sich schon als junges Mädchen bei Besuchen im Osten in einen Trabbi verliebt hat! Bei Frauen und Klassikern ist eben immer Leidenschaft im Spiel!

Kontakt: Prof. Dr. Doris-Kortus-Schultes, Tel. 02161-186-6327 und 0212-331800

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Europäische Chemikalienpolitik

Umweltbundesamt empfiehlt Überprüfung der Kriterien für besonders besorgniserregende Stoffe

Im Vorfeld des 3. Treffens der zuständigen Behörden gemäß REACH- und CLP-Verordnung (CARACAL), das am 12. und 13. Oktober 2009 stattfindet, fordert das Umweltbundesamt eine Änderung des Anhangs XIII der REACH-Verordnung, der die Kriterien für die Identifizierung von PBT-/vPvB-Stoffen enthält. Mehrere Mitgliedsstaaten vertreten die Auffassung, dass die Kriterien überholt sind und nicht dem aktuellen Stand der Wissenschaft entsprechen und dass sie den wirksamen Schutz von Mensch und Umwelt vor gefährlichen Stoffen gefährden. Zurzeit arbeitet die Europäische Kommission an einem neuen Vorschlag zur Änderung von Anhang XIII. Das deutsche Umweltbundesamt (UBA) befürchtet, dass dieser Prozess enden könnte, ohne die notwendigen Änderungen zur Aktualisierung des Gesetzestextes hervorzubringen. Angesichts der besonderen Bedeutung des Anhangs XIII für den Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt bittet das Umweltbundesamt die Kommission nachdrücklich, einen Vorschlag vorzulegen, der den derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand berücksichtigt.

Persistente, bioakkumulierbare und toxische (PBT) und sehr persistente und sehr bioakkumulierbare (vPvB) Stoffe stellen ein langfristig nicht vorhersehbares Risiko für die menschliche Gesundheit und die Umwelt dar. Nach Freisetzung in die Umwelt können die schädlichen Wirkungen dieser Stoffe nicht beseitigt werden. Es bedarf deshalb konsequenter Vorsorgemaßnahmen, um die Freisetzung von PBT-/vPvB-Stoffen zu verhindern und das „hohe Schutzniveau für die menschliche Gesundheit und die Umwelt" sicherzustellen, das in der REACH-Verordnung als Ziel festgelegt ist (Art. 1 (1)).

REACH bezeichnet Chemikalien mit PBT-/vPvB-Eigenschaften als „besonders besorgniserregende Stoffe" und verlangt, dass die Registranten im Rahmen der Stoffsicherheitsbeurteilung die Stoffe hinsichtlich ihrer PBT-/vPvB-Eigenschaften bewerten. Eine wichtige Aufgabe der Mitgliedsstaaten unter REACH ist es, für besonders besorgniserregende Stoffe die Zulassungspflicht zu initiieren. Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung dieser Maßnahmen ist es jedoch, dass die Beurteilung der PBT-/vPvB-Eigenschaften auf Grundlage geeigneter PBT-/vPvB-Kriterien durchgeführt wird.

Artikel 138 (5) der REACH-Verordnung verpflichtet die Europäische Kommission, die aktuellen Kriterien des Anhangs XIII zu überprüfen. Auf Einladung der Europäischen Kommission kamen Fachleute in zwei Treffen einer Untergruppe der zuständigen Behörden im September und November 2008 zusammen, um die Überarbeitung des Anhangs XIII zu diskutieren. Die Untergruppe erklärte, dass die Kriterien nicht dem jetzigen Stand der Wissenschaft entsprechen und geändert werden müssen. Insbesondere können mit den aktuellen Kriterien nicht alle vorhandenen Informationen genutzt werden. Außerdem geben die jetzigen Kriterien die Eigenschaften, die sie beschreiben sollen, unzureichend wieder. So beschreibt der Begriff „Bioakkumulation" sowohl die Aufnahme eines Stoffes über das umgebende Umweltmedium (Biokonzentration) als auch die Aufnahme über die Nahrungskette (Biomagnifikation). Das REACH-Kriterium für die Bioakkumulation bezieht sich dagegen nur auf die Biokonzentration in Wasserlebewesen. Stoffe, die sich zwar nicht in Fischen anreichern, doch über die Nahrungskette in Säugetieren akkumulieren, werden durch ihn nicht erfasst.

Eines der Ziele bei der Regulierung von PBT-/vPvB-Stoffen ist der Schutz unberührter Gebiete. Deshalb sollte bei der Bewertung von PBT-/vPvB-Eigenschaften der Ferntransport eines Stoffes berücksichtigt werden, um zu ermitteln, ob der Stoff in der Lage ist, sich in weit entfernten Gebieten anzureichern. Im aktuellen Anhang XIII ist diese Eigenschaft nicht enthalten, deren Aufnahme auch zur Erfüllung der Anforderungen des Stockholmer Übereinkommens über persistente organische Schadstoffe (POP-Konvention) erforderlich ist.

Auf dem Treffen der zuständigen Behörden im Dezember 2008 legte die Europäische Kommission einen Vorschlagsentwurf für eine Änderung des Anhangs XIII vor, der die Kriterien unverändert beließ und nur geringfügige Verbesserungen einbrachte. Die Mehrheit der zuständigen Behörden der Mitgliedsstaaten äußerte sich ernsthaft besorgt darüber, dass der Änderungsvorschlag unzureichend ist, und forderte die Kommission auf, den Empfehlungen der Experten-Untergruppe zu folgen.

Daraufhin erklärte die Kommission, dass sie den Entwurf überarbeiten und einen neuen Vorschlag vorlegen würde. Seitdem liegen keine weiteren Informationen über die Aktivitäten der Kommission zur Überarbeitung von Anhang XIII vor, obgleich die zuständigen Behörden der Mitgliedsstaaten als auch Verbände in Schreiben an die Kommission ihre Besorgnis über das Problem zum Ausdruck brachten und die Kommission baten, über den Fortgang der Arbeiten zu berichten.

Weitere Informationen finden Sie unter:

http://www.reach-info.de/pbt.htm

http://ec.europa.eu/environment/chemicals/reach/reviews_en.htm#annex13 (Nur auf Englisch verfügbar)

http://ec.europa.eu/enterprise/sectors/chemicals/documents/reach/review-annexes/index_en.htm#h2-annex-xiii (Nur auf Englisch verfügbar)

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Kleine Flüsse, große Wirkung: neue Wasserkraftanlage feiert Weltpremiere

Franz-Georg Elpers, Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Bewegliche Unterwasseranlage in Bad Sulza - DBU fördert Pilotanlage und Studie mit 285.000 Euro
Bad Sulza. Es plätschert und gurgelt und gehört zu unserer Kulturlandschaft: Unzählige kleine Wehr- und Stauanlagen unterbrechen das Fließen von Bächen und Flüssen. Ob auch an bestehenden Wehranlagen mit geringer Wasser-Fallhöhe wirtschaftlich Strom gewonnen werden kann, soll nun in einer weltweit ersten Pilotanlage, die heute eingeweiht wurde, herausgefunden werden. Die Hydro-Energie Projekt Bad Sulza in Thüringen entwickelte eine bewegliche Unter-Wasser-Kraftanlage, die mit geringen Eingriffe in bestehende Wehre und einer speziellen und kostensparenden Modul-Bauweise Energie gewinnen soll. Auch ein neuer Fischlauf wurde in das Wehr eingeschlossen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützte Machbarkeitsstudie und Umsetzung insgesamt mit rund 285.000 Euro.

In einem beweglichen Maschinengehäuse seien Turbine und Generator vereint. Das sogenannte Krafthaus werde unter Wasser so in Fließrichtung gestellt, dass es über- und unterspült werden könne. Eine Neuheit, die den Energieertrag steigern solle und gleichzeitig dem Hochwasserschutz diene, sagt DBU-Fachreferent Dirk Schötz. "Es soll hier untersucht werden, ob sich die Wirtschaftlichkeit einer Wasserkraftnutzung durch dieses Konzept verbessert, weil das dazu führen kann, dass auch an bisher nicht genutzten Wehren die Wasserkraft wirtschaftlich genutzt werden kann", so Schötz weiter. Die Versuchsanlage soll rund 400.000 Kilowatt Strom im Jahr erzeugen - Energie für mehr als 100 Haushalte.

Das Gehäuse sei besonders umweltschonend, da Fische, Geröll und Treibgut die Anlage darüber und darunter passieren könnten. Außerdem sei auch an die Wanderung von Fischen gegen den Strom gedacht worden: Über einen stufenartigen Fischpass könnten die Tiere die Distanz überwinden. Schötz: "Energieerzeugung und Umweltschutz sind hier gut kombiniert."

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Implantatgetragener Zahnersatz: Keine Belege für Zusatznutzen gegenüber konventionellen Prothesen

Dr. Anna-Sabine Ernst, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

IQWiG sieht Nachholbedarf bei guten Studien zu zahnmedizinischen Verfahren
Mangels aussagekräftiger Studien bleibt unklar, ob Patientinnen und Patienten mit einer verkürzten Zahnreihe einen Vorteil davon haben, wenn der Zahnersatz auf ein im Kiefer fest verankertes Implantat aufgesetzt wird. Zu diesem Ergebnis kommt der am 28. September 2009 veröffentlichte Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) diese sogenannten implantatgetragenen Suprakonstruktionen mit konventionellem Zahnersatz verglichen. Dieser ist entweder herausnehmbar oder an noch vorhandenen "natürlichen" Zähnen befestigt.

Prothese wird in künstlicher Zahnwurzel verankert

Von einer verkürzten Zahnreihe sprechen Zahnärzte dann, wenn Zähne am Ende des oberen oder unteren Kiefers nicht mehr vorhanden sind. Wie bei der Zahnlücke gibt es verschiedene Möglichkeiten, Ersatz zu schaffen: Als Alternative zur konventionellen Prothese kann eine künstliche, häufig aus Titan gefertigte Zahnwurzel in den Kiefer eingepflanzt werden (enossales Implantat). Auf dem Gewinde dieses Implantats sitzt der Kronenaufbau, auf dem dann die Suprakonstruktion, also der sichtbare Teil des Zahnersatzes, verankert wird. Leitlinien empfehlen solche implantatgetragenen Suprakonstruktionen insbesondere bei Kieferdefekten, etwa bedingt durch Knochenschwund (Kieferathropie) oder Unfälle.

Keine ausreichende Evidenz

Den Nutzen für Patientinnen und Patienten macht das IQWiG an vier Zielgrößen fest: Zum einen daran, wie die Patienten ihre Mundgesundheit selbst erleben ("mundgesundheitsbezogene Lebensqualität"). Zum anderen daran, wie lange der Zahnersatz funktionstüchtig ist ("Funktionsdauer"). Weitere Zielgrößen sind die "Kaueffektivität", d.h. der Aufwand, der nötig ist, um Speisen schluckfähig zu machen sowie die Ernährung.

Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jedoch feststellen mussten, ist die Studienlage unzureichend. Dabei hatten sie sich bei ihrer Recherche nicht nur auf randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) beschränkt, sondern auch kontrollierte Studien ohne zufällige Zuteilung der Patienten einbezogen. Berücksichtigt wurden überdies Fallserien, sofern diese bestimmten Mindestanforderungen genügten.

Dennoch konnten sie für keine der vier Zielgrößen methodisch belastbare Studien bzw. belastbare Evidenz ausfindig machen, die es erlaubt, verlässliche Aussagen zu Vor- oder Nachteilen der Therapiealternativen zu machen. Das Institut kommt vielmehr zu der Schlussfolgerung, dass es für den implantatgetragenen im Vergleich zum konventionellen Zahnersatz bei verkürzten Zahnreihen weder Hinweise noch Belege für einen Zusatznutzen gibt.

Weitere Forschung notwendig

Das Institut empfiehlt dringend, weitere klinische Vergleiche anzustellen. Insbesondere zur Bewertung der "Kaueffektivität" werden Studien benötigt, die verschiedene Altersgruppen unterscheiden, prospektiv den Einsatz von Implantaten und Prothesen untersuchen und auch die Tragezeiten der Prothesen in standardisierter Form berücksichtigen.

In der Zahnmedizin gibt es zwar besondere Einschränkungen für Studien, etwa durch die Art der Kostenerstattung oder die Unmöglichkeit der Verblindung. Dennoch ist das IQWiG der Auffassung, dass auch in diesem medizinischen Bereich Studien möglich und notwendig sind, die hinreichend sichere und interpretierbare Daten liefern.

Gesundheitsökonomische Bewertung nicht möglich

Die Gesetzlichen Krankenkassen zahlen ihren Versicherten seit 2005 pauschal einen Betrag, den sogenannten Festzuschuss, unabhängig davon, für welche Art des Zahnersatzes sie sich entscheiden. Mit dem vorliegenden Bericht sollte daher nicht nur den Nutzen, sondern auch die Kosten der beiden Therapiealternativen durch das IQWiG untersucht werden.

Die Recherche nach gesundheitsökonomischen Studien zur Fragestellung verlief allerdings ergebnislos, ebenso eine Anfrage bei der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) nach den durchschnittlichen Fallkosten für die jeweiligen Versorgungsgruppen. Es war deshalb nicht möglich, wie vom G-BA gewünscht, auch die Wirtschaftlichkeit der Therapiealternativen vergleichend zu bewerten.

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Die vorläufigen Ergebnisse, den sogenannten Vorbericht, hatte das IQWiG Mitte Januar 2009 veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Nach dem Ende des Stellungnahmeverfahrens wurde der Vorbericht überarbeitet und als Abschlussbericht Ende Juli 2009 an den Auftraggeber versandt. Der Bericht wurde gemeinsam mit externen Sachverständigen erstellt.
Weitere Informationen:
http://www.iqwig.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Für und wider den Heißhunger - Wie ein wenig bekanntes Hormon das Körpergewicht beeinflusst

Luise Dirscherl, Stabsstelle Kommunikation und Presse
Ludwig-Maximilians-Universität München

Übergewicht betrifft inzwischen etwa 65 Prozent der Erwachsenen in Deutschland, rund 20 Prozent sind von Adipositas oder Fettleibigkeit betroffen. Neben anderen Hormonen wie Insulin spielen auch so genannte Melanocortine bei der Regulierung des Körpergewichts eine Rolle. Ihre Bindung an den zugehörigen Rezeptor hat eine appetithemmende Wirkung.
Gleichzeitig existiert ein weiteres Hormon, das sogenannte AGRP, das bei Bindung an den gleichen Rezeptor appetitfördernd wirkt. Wissenschaftler um Dr. Andreas Breit und Professor Thomas Gudermann von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München haben nun entdeckt, dass AGRP diese Funktion nicht nur durch einen passiven, sondern durch einen aktiven Wirkmechanismus ausübt. Übergewicht betrifft inzwischen etwa 65 Prozent der Erwachsenen in Deutschland, rund 20 Prozent sind von Adipositas oder Fettleibigkeit betroffen. Neben anderen Hormonen wie Insulin spielen auch so genannte Melanocortine bei der Regulierung des Körpergewichts eine Rolle. Ihre Bindung an den zugehörigen Rezeptor hat eine appetithemmende Wirkung. Gleichzeitig existiert ein weiteres Hormon, das sogenannte AGRP, das bei Bindung an den gleichen Rezeptor appetitfördernd wirkt. Wissenschaftler um Dr. Andreas Breit und Professor Thomas Gudermann von der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München haben nun entdeckt, dass AGRP diese Funktion nicht nur durch einen passiven, sondern durch einen aktiven Wirkmechanismus ausübt. Die Forscher hoffen, durch das Verständnis der beteiligten Prozesse in Zukunft Medikamente entwickeln zu können, die Übergewicht gezielt entgegenwirken. Die Forschungsgruppe um Breit ist seit September 2008 an der LMU und war zuvor im Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Philipps-Universität in Marburg tätig, wo ein Teil der Arbeiten durchgeführt wurde. (The Journal of Biological Chemistry, 25. September 2009).

Die Nahrungsaufnahme und das Körpergewicht werden beim Menschen durch sehr komplexe Prozesse gesteuert. Dabei ist eine Reihe von Hormonen von Bedeutung - das bekannteste von ihnen ist das Insulin, das bei einem Anstieg des Blutzuckerspiegels ausgeschüttet wird. Insulin sorgt nicht nur dafür, dass die hohe Zuckerkonzentration im Blut abgebaut wird, sondern signalisiert zugleich dem Körper, dass genügend Energie aufgenommen wurde - und hat damit einen appetithemmenden Effekt. Eine ähnliche Funktion besitzt auch das Melanocortinsystem, an dem eine andere Gruppe von Hormonen beteiligt ist: Die Melanocortine üben ihre Wirkung am Melanocortinrezeptor (MC-Rezeptor) im Hypothalamus aus - einer kleinen Region im Gehirn, die Vorgänge wie Körpertemperatur, Schlaf und Nahrungsaufnahme reguliert. "Ähnlich wie das Insulin haben auch die Melanocortine einen appetithemmenden Effekt", erläutert Dr. Andreas Breit, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Walther-Straub-Institut für Pharmakologie und Toxikologie der LMU München. "Dieser ist jedoch unabhängig vom Blutzuckerspiegel und reguliert das Körpergewicht eher im mittel- bis langfristigen Bereich. Im Prinzip sorgen Melanocortine dafür, dass das Gewicht über die ganze Lebenszeit konstant bleibt."

Kommt es aufgrund eines Gendefekts zur Fehlregulation des Melanocortinsystems, hat dies eine massive Fettleibigkeit zur Folge. "Man weiß, dass das System durch das Hormon Leptin beeinflusst wird, das von Fettzellen ausgeschüttet wird", so Breit. "Im Moment wird diskutiert, dass ein hoher Fettanteil des Körpers das Melanocortinsystem durcheinanderbringt, so dass die natürliche Regulation des Appetits nicht mehr funktioniert." Daher ist dieser Regelkreis ein wichtiger Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Wirkstoffe, die Übergewicht entgegenwirken können.

Die Forschergrupe um Dr. Andreas Breit und Professor Thomas Gudermann untersuchten nun, wie ein weiteres Hormon das Melanocortinsystem beeinflusst. Das "Agouti-related Protein" oder AGRP bindet ebenfalls an den MC-Rezeptor, hat jedoch die entgegengesetzte Wirkung der Melanocortine: Es wirkt appetitfördernd. "Bislang wurde angenommen, dass AGRP lediglich die Bindung der Melanocortine an den Rezeptor blockiert und daher den Appetit nur passiv reguliert", erklärt Breit. "Durch unsere Untersuchung ist es nun gelungen, neue Aspekte der komplizierten Wechselwirkung zwischen Melanocortinen, AGRP und dem MC-Rezeptor aufzudecken."

In ihrer Studie verwendeten die Biologen und Mediziner eine Zelllinie, die aus dem Hypothalamus von Mäusen stammt und von Natur aus MC-Rezeptoren besitzt. Anhand dieser Zellen beobachteten sie, welche Proteine durch die Bindung der beiden unterschiedlichen Hormone an den Rezeptor aktiviert werden. "Bisher wusste man, dass Melanocortine beim Andocken an den Rezeptor sogenannte G-Proteine aktivieren", sagt Breit. "Nach dem bestehenden Modell hätte AGRP den Rezeptor blockieren und damit die Aktivierung der G-Proteine verhindern müssen." Zur Überraschung der Forscher war jedoch genau das Gegenteil der Fall: AGRP war selbst in der Lage, G-Proteine zu aktivieren.

Dabei hatten Melanocortine und AGRP jeweils Einfluss auf eine bestimmte Unterart der G-Proteine. "Während die Melanocortine hauptsächlich G-Proteine vom Subtyp Gs aktivieren, führt die Bindung von AGRP an den MC-Rezeptor vor allem zur Aktivierung von Gi-Proteinen", berichtet Breit. "Bislang war man davon ausgegangen, dass der MC-Rezeptor ausschließlich mit den Gs-Proteinen kommuniziert." Demnach verhindert AGRP nicht nur passiv die Wirkung der Melanocortine, sondern übt selbst eine aktive Funktion in der Zelle aus.

"Die Ergebnisse legen nahe, dass das Melanocortinsystem beim Menschen sowohl appetithemmende als auch appetitfördernde Prozesse anstoßen kann", betont Breit. "Daraus ergibt sich in Zukunft möglicherweise die Chance, Medikamente zu entwickeln, die den Appetit und das Körpergewicht gezielt regulieren können." Allerdings müsste diese neue Funktione des Melanocortinsystems vorher in Tiermodellen und klinischen Studien weiter untersucht werden, betont der Forscher. (CA/suwe)

Publikation:
"Pertussis toxin-sensitive signaling of melanocortin-4 receptors in hypothalamic GT1-7 cells defines AGRP as a biased agonist";
Thomas R. H. Büch, Dominik Heling, Ellen Damm, Thomas Gudermann; Andreas Breit;
The Journal of Biological Chemistry, Band 284 (39), S. 26411-26420;
25. September 2009;
DOI: 10.1074/jbc.M109.039339

Ansprechpartner:
Dr. rer. nat. Andreas Breit
Walther-Straub-Institut für Pharmakologie und Toxikologie der LMU
Telefon: 089 / 2180 - 75700
Fax: 089 / 2180 - 75701
E-Mail: andreas.breit@lrz.uni-muenchen.de
Webseite: http://wsi.web.med.uni-muenchen.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Jetzt Wetterpatenschaft für 2010 sichern - Meteorologen der Freien Universität Berlin vergeben Namen für Hochs und Tiefs 2010

Carsten Wette, Kommunikations- und Informationsstelle
Freie Universität Berlin

Auch für das nächste Jahr vergeben die Meteorologen der Freien Universität Berlin unter www.wetterpate.de wieder Wetterpatenschaften, um die studentische Wetterbeobachtung an der Station Berlin-Dahlem fortführen zu können. Die Hochdruckgebiete werden im Jahr 2010 männliche und die Tiefdruckgebiete weibliche Vornamen tragen, die Preise bleiben unverändert bei 299 Euro für Hochs und bei 199 Euro für Tiefs.
Bereits seit 1954 taufen die Meteorologen der Berliner Wetterkarte am Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin Hoch- und Tiefdruckgebiete. Seit 2002 können die Bürger im Rahmen der "Aktion Wetterpate" Namen für die die Druckgebiete wählen. Damit wird die Wetterbeobachtung in Berlin-Dahlem so erfolgreich unterstützt, dass auch in diesem Jahr das Ziel erreicht wurde, eine der weltweit längsten Klimareihen aufrecht zu erhalten.

Eine Patenschaft gilt als beliebtes und originelles Geschenk zu Weihnachten, Geburtstagen oder zu besonderen Anlässen. Einige nutzen diese Möglichkeit, um ihre interessanten, aber wenig verbreiteten Vornamen bekannter zu machen. Sicher wird das Orkantief mit dem Namen "Kyrill" vielen lange in Erinnerung bleiben. Dies gilt auch für das Kältehoch "Angelika", welches Anfang 2009 für Temperaturen von unter minus 20 Grad sorgte. Mehr als 1400 Menschen aus 13 europäischen Ländern sowie Japan und den USA konnten bereits als Wetterpaten begrüßt werden.

In vielen Medien finden die Namen der Paten in den Wetterberichten Verwendung. Die Studenten und Mitarbeiter des Instituts wünschen sich dies auch für die Zukunft, denn nur eine aktive Beteiligung der Öffentlichkeit und die Präsentation in den Medien kann die Finanzierung der Wetterbeobachtung auch in den nächsten Jahren sichern.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
o Gera Rohlfing, Katrin Krüger, Telefon: 030 /838-71226
E-Mail wetterpate@met.fu-berlin.de
o Petra Grasse, Thomas Dümmel, Telefon: 030 / 838-71222

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Warum wir häufiger Tango tanzen sollten

Dr. Anne Hardy, Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Der erotische Tanz hemmt Stresshormone und vermehrt Testosteron, fand eine kolumbianische Psychologin an der Goethe-Uni heraus
FRANKFURT. Tango tanzen hebt nicht nur die Stimmung, sondern hat auch einen nachweisbaren Einfluss auf die Ausschüttung von Stress- und Sexualhormonen. Während das mit Stress assoziierte Hormon Cortisol beim Tanzen abnimmt, schüttet der Körper beider Partner in erhöhtem Maß das Sexualhormon Testosteron aus. Das fand die kolumbianische Psychologin Cynthia Quiroga Murcia im Rahmen ihrer Doktorarbeit an der Goethe Universität heraus. Wie sie in der Fachzeitschrift "Music and Medicine" berichtet, entnahm sie 22 Paaren vor und nach dem Tanzen Speichelproben, in denen sie die Hormonkonzentration ermittelte und bat die Tänzerinnen und Tänzer zusätzlich um eine Einschätzung ihrer Emotionen mithilfe eines standardisierten Testbogens.

"Ich bin selbst Tango-Tänzerin und als Kolumbianerin, die seit vier Jahren in Deutschland lebt, sehr überrascht, dass das Tanzen hier eine geringe Rolle in der Freizeitunterhaltung spielt", sagt Quiroga Murcia über die Motivation zu ihrer Studie. Bei ihrem Doktorvater Prof. Stephan Bongard stieß die DAAD-Stipendiatin dabei sofort auf Interesse: Zusammen mit Prof. Gunter Kreutz von der Universität Oldenburg hatte Bongard vor einigen Jahren in einer anderen Studie die emotionalen und hormonellen Effekte des Chorsingens ergründet - und zwar im Vergleich zum passiven Hören von Musik. "Die hormonellen Reaktionen können von einer Vielzahl an Faktoren beeinflusst werden", erklärt Bongard, der mit Kreutz ebenfalls an der Tango-Studie beteiligt war. Zur hormollen und emotionalen Reaktion auf das Tanzen gibt es bisher kaum wissenschaftliche Untersuchungen.

Um herauszufinden, ob die positiven psychobiologischen Effekte des Tango-Tanzens eher auf die Musik, die Bewegung oder die Berührung mit einem Partner zurückgehen, untersuchte Cynthia Quiroga Murcia die Faktoren getrennt und in verschiedenen Kombinationen. Es zeigte sich, dass die Reduktion des Stresshormons Cortisol vor allem der Musik zu verdanken ist, während die Ausschüttung von Testosteron auf den Kontakt und die Bewegung mit dem Partner zurückgeht. Treffen alle drei Faktoren zusammen, sind die positiven hormonellen und emotionalen Reaktionen am stärksten. Damit bestätigt sich die empirische Erkenntnis von Paartherapeuten, die Tango-Tanzen seit Neustem dazu einsetzen, verfahrene Beziehungen zu retten.

Informationen: Cynthia Quiroga Murcia, Institut für Psychologie, Campus Bockenheim, Tel: (069)798-23702, Quiroga@psych.uni-frankfurt.de

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt am Main. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit über 50 seit 2000 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigte sie sich als eine der forschungsstärksten Hochschulen.

Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation Telefon (069) 798 - 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30, E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de
Internet: www.uni-frankfurt.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Tunnel lösen Entsorgungsprobleme

Dr. Peter Saueressig, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
EML Research gGmbH

Wissenschaftler entwickeln eine neue Methode, um Funktionen von Enzymen zu verbessern
Waschmittel, Käseherstellung oder Blutzuckertests - überall dort sind Enzyme wirksam und beeinflussen chemische Reaktionen.Ein internationales Forscherteam aus Tschechien, Deutschland und Japan hat eine neue Methode entwickelt, um die Eigenschaften von Enzymen zu verbessern. Die Methode hat das Entwicklungspotenzial für weitgefächerte Anwendungen in der chemischen, medizinischen und der Nahrungsmittelindustrie.

Die Forschungsergebnisse wurden jetzt in Nature Chemical Biology veröffentlicht (Martina Pavlova Martin Klvana, Zbynek Prokop, Radka Chaloupkova, Pavel Banas, Michal Otyepka, Rebecca C Wade, Masataka Tsuda, Yuji Nagata & Jiri Damborsky: Redesigning dehalogenase access tunnels as a strategy for degrading an anthropogenic substrate. Nature Chemical Biology 2009;5(10):727-33).
Siehe auch: http://www.nature.com/nchembio/journal/v5/n10/abs/nchembio.205.html

Die veränderten Enzyme können zum Beispiel dafür verwendet werden, um gefährliche chemische Substanzen zu entsorgen, die durch den Menschen in die Umwelt gelangt sind und für Mensch und Tier äußerst gefährlich sind. Die Natur kann im Prinzip viele dieser Chemikalien abbauen, die Forscher haben jedoch einen Ansatz entwickelt, mit dem die gefährlichen Substanzen rasch und effizient entfernt werden können.

Das Prinzip der Entdeckung gründet sich auf der genetischen Manipulation eines Enzyms, das die chemische Reaktion startet und beschleunigt. "Wir können jetzt genetische Veränderungen nutzen, um die Eigenschaften der Enzyme zu verändern, damit sie schneller und leichter die gefährlichen Substanzen in der Umwelt entsorgen können", berichtet Jiri Damborsky, Leiter der Protein Engineering Group am Institut für Experimentalbiologie der Masaryk University in Brno (Tschechische Republik).

Bislang hatten sich die Wissenschaftler bei der Veränderung von Enzymeigenschaften auf die Stelle im Enzym konzentriert, an der die chemische Reaktion abläuft - auf das aktive Zentrum. Die neue Methode hingegen basiert auf der Veränderung sogenannter "Zugangstunnel" (access tunnels), die das aktive Zentrum mit der Oberfläche des Enzyms verbinden. "Mit speziellen informatischen Techniken haben wir die experimentelle Arbeit unterstützt, diese Tunnel zu manipulieren, um ihre Zugänglichkeit zu den abgebauten Substanzen zu verändern", sagt Rebecca Wade, Leiterin der Molecular and Cellular Modeling Group am EML Research, dem Forschungsinstitut der Klaus Tschira Stiftung in Heidelberg.

Die Wissenschaftler wandten diesen Ansatz der Enzymmanipulation an, um eine hochgiftige Substanz abzubauen: Trichloropropan (TCP). Diese farblose Flüssigkeit fällt in der chemischen Industrie als Nebenprodukt an. Sie bleibt im Boden und Grundwasser über hundert Jahre vorhanden, verunreinigt das Trinkwasser und ist krebserregend. Mit dem neuen Ansatz entwickelten die Proteinforscher ein verändertes Enzym, das TCP 32-mal schneller abbauen kann als das urspüngliche Enzym.

Aber die Methode kann nicht nur im Kampf gegen gefährliche Substanzen und zum Umweltschutz angewendet werden. Die gezielte Veränderung der Tunnel in Enzymen kann für verschiede Anwendungsbereichen nutzbar gemacht werden, wie zum Beispiel Biomedizin, chemische Industrie und Nahrungsmittelproduktion.

Pressekontakt:
Dr. Peter Saueressig
Pressesprecher, EML Research, Phone: +49-6221-533245
Email: Peter.Saueressig@eml-r.villa-bosch.de

Tereza Fojtova
Masaryk University spokeswoman
Phone: +420 724517335
Email: fojtova@rect.muni.cz

Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Jiri Damborsky, leader of the Protein Engineering Group at the Institute of Experimental Biology, Faculty of Science, Masaryk University Phone+420 549493467, mail: jiri@chemi.muni.cz

Dr. Rebecca Wade, leader of the Molecular and Cellular Modeling Group, EML Research, Heidelberg. Tel +49 6221 533 247; email: Rebecca.wade@eml-r.villa-bosch.de


Wieviele Forscher arbeiteten an diesem Projekt und wie lange?
Zehn Mitglieder aus vier Wissenschaftlerteams nahmen teil - Biochemiker aus dem Institute of Experimental Biology, Masaryk University, Brno (Tschechien); Physikalische Chemiker von der Palacky University, Olomouc (Tschechien), Biophysiker vom EML Research (Deutschland), und Molekularbiologen von der Sendai University (Japan). Drei Promotionsstudierende arbeiteten ebenfalls mit. Das Projekt startete 2003 und nahm sechs Jahre in Anspruch.

Was ist der Nutzen der neuen Methode?
Die neue Methode ermöglicht es, Enzymeigenschaften zu verändern, in dem man die Tunnel verändert, die das katalytische Zentrum eines Enzyms mit der Enzymoberfläche verbinden. Die Zentren für die Modifizierung werden mit Hilfe von rechnergestützten Methoden ausgewählt. Dabei werden spezielle Softwarewerkzeuge verwendet, die die Projektteilnehmer entwickelt haben. Die Methode kann dazu dienen, um die Eigenschaften von Enzymen in der Biomedizin, dem Umweltschutz und der chemischen und der Nahrungsmittelindustrie zu verbessern.

Wer hat diese Forschung finanziert?
Das Forschungsprojekt wurde durch das tschechische Bildungsministerium und die tschechische Science Foundation, durch die Klaus Tschira Stiftung (Heidelberg), durch das japanische Forschungs- und Bildungsministerium und durch die NATO finanziert.

Protein Engineering Group an der Masaryk University (loschmidt.chemi.muni.cz/peg/) betreibt Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Enzymkatalyse und entwickelt Enzyme für Umwelt-, Chemie- und Biomedizin-Anwendungen. Die Gruppe hat eine besonders hohe Kompetenz in der Enzymmanipulation zum Abbau von Halogenverbindungen.

Masaryk University (www.muni.cz) in Brno ist die zweitgrößte öffentliche Universität in Tschechien, mit mehr als 40.000 Studierenden. Sie wurde 1919 gegründet.

Molecular and Cellular Modeling Group am EML Research (www.eml-research.de/mcm) betreibt Forschung auf dem Gebiet der Entwicklung und Anwendung von computergestützten Methoden, um komplexe biomolekulare Interaktionen zu modellieren und zu simulieren.

EML Research gGmbH (www.eml-research.de) ist ein privates Forschungsinstitut für Grundlagenforschung in der angewandten Informatik. Ein Hauptschwerpunkt der Forschung liegt in der Bioinformatik. Die Forscher arbeiten eng mit Universitäten zusammen. Die EML Research gGmbH bearbeitet Forschungsprojekte der Klaus Tschira Stiftung gGmbH (KTS) (www.kts.villa-bosch.de) und der EU, der DFG und des BMBF. EML Research ist Partner des ersten deutschen Zentrums für Modellierung und Simulations in den Biowissenschaften (BIOMS), Heidelberg (www.bioms.de).
Weitere Informationen:
http://www.eml-r.org/deutsch/presse/pressemitteilungen.php?we_objectID=635 Presse-Information der EML Research
http://www.nature.com/nchembio/journal/v5/n10/abs/nchembio.205.html Abstract des Artikels in Natural Chemical Biology

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin stellt Film zur Produktsicherheit vor

Jörg Feldmann, Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

KIKOs abenteuerliche Reise vom Entwurf zum Markt

"Wie geht es KIKO?" lautet auch der Titel des Films zur Produktsicherheit, den die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund veröffentlicht hat. In knapp 15 Minuten beleuchtet der Film die Regeln und Überwachungsmaßnahmen auf dem Gebiet der Sicherheit technischer Geräte und Produkte in Deutschland. "Wie geht es KIKO?" gibt es als kostenlosen Download auf dem neuen Portal zur Produktsicherheit der BAuA http://www.portal-produktsicherheit.de oder unter http://www.wie-geht-es-kiko.de im Internet.
Rückrufaktionen, Mängelmeldungen oder Verbraucherwarnungen geistern immer wieder durch die Medien, wenn beispielsweise die heißen Reifen in Spielzeugautos gefährliche Stoffe enthalten oder die Isolierung von Kabeln nicht hält, was sie verspricht. Produkte und Geräte sollen aber sicher sein, fordert das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz. Hier kommt der BAuA eine wichtige Aufgabe zu. Als zentrale Meldestelle des Bundes fasst sie die Bemühungen aller Bundesländer im Bereich gefährlicher technischer Produkte zusammen. Dabei wertet sie die Erkenntnisse zu mangelhaften oder gefährlichen technischen Produkten aus und stellt die Erkenntnisse über schnelle Datenaustausch-Systeme den anderen Mitgliedstaaten der EU zur Verfügung. In gleicher Weise ist die BAuA auch für den umgekehrten Weg zuständig. Aufgrund dieser Arbeit entstand die Idee, Informationen zum Thema Produktsicherheit durch einen unterhaltsamen Film zu vermitteln.

Gemeinsam mit der nordisch Filmproduktion, Hamburg, entwickelten die Experten der BAuA einen Plot, der die Ziele der Produktsicherheit und Arbeit der Aufsichtsbehörden spannend erzählt. In "Wie geht es KIKO?" hält ein Universitätsprofessor, dargestellt durch den Schauspieler Jürgen Uter, eine Vorlesung zum Thema Produktsicherheit. Anhand Entwicklung, Produktion und Vermarktung des Spielzeugs KIKO erläutert er seinen "Studenten" Erfordernisse und Stolperstellen für eine sichere Konstruktion. Dabei macht er deutlich, dass alle Beteiligten innerhalb der Kette Verantwortung tragen, angefangen beim Entwickler, über den Hersteller und Händler bis hin zum Verbraucher.

Aber der Film vermittelt nicht nur Hinweise zu den Grundprinzipien des sicherheitsgerechten Konstruierens, sondern gibt auch Informationen zu den gesetzlichen Anforderungen im Bereich der Geräte- und Produktsicherheit in Deutschland und Tipps im Umgang mit den für technische Produkte zuständigen Behörden. So richtet sich der Film nicht nur an Händler, Hersteller und Konstrukteure, sondern ebenso an Auszubildende und Studierende technischer, kaufmännischer oder juristischer Fächer. Auch der interessierte Verbraucher erfährt auf unterhaltsame Weise, worauf er bei Auswahl und Kauf sicherer Produkte achten muss und an wen er sich "im Falle eines Falles" wenden kann.

Der Film "Wie geht es KIKO?" (86,6 MB) sowie ein Trailer (9,6 MB) befinden sich zum kostenlosen Download auf der neuen Internetplattform der BAuA für Rückrufmanagement, Missbrauch von Zertifikaten und Verbraucherinformationen unter der Internetadresse http://www.portal-produktsicherheit.de. Hier haben auch aktuelle Informationen über die von der BAuA wahrgenommenen Aufgaben im Bereich der Sicherheit von Produkten eine neue Heimat gefunden. Links zu anderen Institutionen und Angeboten zur Produktsicherheit runden das Portal ab, das sich zurzeit im Aufbau befindet. Über die Adresse http://www.wie-geht-es-kiko.de gelangt man direkt zum Film.

Zudem hat die BAuA für Träger von Bildungsmaßnahmen und Schulungszwecke eine DVD in hoher Auflösung in geringer Auflage produziert, die bei der BAuA angefordert werden kann.
Weitere Informationen:
http://www.wie-geht-es-kiko.de Direkter Link zum Film "Wie geht es Kiko?"

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Nur vergesslich oder schon dement?

Dr. Anne Hardy, Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

In seinem neuen Buch erklärt der Frankfurter Geriater Prof. Johannes Pantel, wie man Demenz aktiv vorbeugen kann
FRANKFURT. Viele Menschen mittleren Alters fragen sich, ob ihre zunehmende Vergesslichkeit normal ist oder das Anzeichen einer schleichenden Demenzerkrankung. Die Sorge um die geistige Fitness im Alter gehört Umfragen zufolge zu den häufigsten gesundheitsbezogenen Ängsten der Deutschen. Bei 1,2 Millionen Demenzkranken, Tendenz steigend, ist diese Furcht nicht unbegründet. Doch kann man einer Demenz aktiv vorbeugen. Auch im höheren Alter - also jenseits des 70. oder 80. Lebensjahrs - ist es dafür noch nicht zu spät. Das weiß Johannes Pantel, Professor für Gerontopsychiatrie an der Goethe-Universität, aus langjähriger Erfahrung mit Programmen zur Vorbeugung und zum Umgang mit Gedächtnisstörungen im Alter. In seinem Buch "Geistig fit in jedem Alter", das zum Welt-Alzheimer-Tag am 21. September erscheint, fasst er seine Erkenntnisse allgemein verständlich und humorvoll zusammen. Im "Haus am Dom" wird Pantel an diesem Tag um 19:00 Uhr sein Buch im Gespräch mit der Ärztin und Autorin Dr. Marianne Koch vorstellen.

Dem praktischen Leitfaden mit vielen Selbst-Tests liegen Erfahrungen mit dem Programm AKTIVA (Aktive Kognitive Stimulation - Vorbeugung im Alter) zugrunde. Es basiert auf der Erkenntnis, dass Demenzen als chronische Erkrankungen des Gehirns entstehen, weil das Verhältnis zwischen Schutzfaktoren und schädigenden Faktoren einer gesunden Hirnfunktion sich im Alter in Richtung der Risikofaktoren verschiebt. Diese unvermeidliche Entwicklung lässt sich ausgleichen, indem man die Schutzfaktoren durch eine bewusste Lebensführung verstärkt. Da soziale und geistige Aktivität hier eine zentrale Rolle spielen, geht der Ratgeber darauf ausführlich ein. Ergänzend wird auch auf die Rolle einer gesunden Ernährung hingewiesen (Mittelmeer-Diät). "Gehirn-Jogging" könne dagegen nur spezifische Gedächtnisleistungen verbessern. Tabletten, seien es Vitaminpräparate, leistungssteigernde Neuro-Enhancer oder Hormone seien nicht zu empfehlen.

Wie schwierig es ist, gute Vorsätze in die Tat umzusetzen, haben Pantel und sein Forschungsteam bei der Arbeit mit Betroffenen immer wieder erlebt. Deshalb schließt das Buch mit einem Kapitel, das praktische Anregungen zum schrittweisen Umsetzen eines Zieles gibt und hilft, motiviert und geduldig zu bleiben. Denn oft scheitern nachhaltige Veränderungen daran, dass wir zu schnell einen Erfolg erwarten.

Buchtipp
Johannes Pantel: Geistig fit in jedem Alter. Wie man mit der AKTIVA-Methode Demenz vorbeugen kann.
Mit Illustrationen von Eva Wagendristel. Beltz, EUR 14,95, 291 Seiten, broschiert. ISBN 978-3-407-85876-4 Erscheint am 21. September 2009.
Kontakt für Rezensionsexemplare: Jacob Hochrein, Pressereferent Verlagsgruppe Beltz, Werderstraße 10, 69469 Weinheim, Tel: (06201) 6007 389, j.hochrein@beltz.de

Buchpräsentation zum Welt-Alzheimer-Tag Was? Prof. Johannes Pantel im Gespräch mit der Ärztin und Autorin Dr. Marianne Koch Wann? 21. September 2009, 19 Uhr Wo? Akademisches Zentrum Rabanus Maurus, Haus am Dom, Domplatz 3, 60311 Frankfurt

Informationen: Prof. Johannes Pantel, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum, Tel: (069) 6301-7094, johannes.pantel@kgu.de.

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt am Main. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit über 50 seit 2000 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigte sie sich als eine der forschungsstärksten Hochschulen.

Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation Telefon (069) 798 - 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30, E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de
Internet: www.uni-frankfurt.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Materialien für die Energieversorgung - Und: Warum Energiesparlampen gar nicht so schlecht sind

Dr. Renate Hoer, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Forschung für die Energieversorgung der Zukunft - das bedeutet zu einem Großteil Forschung an neuen Materialien. Ob Energiesparlampen, Leuchtdioden (LEDs), Brennstoffzellen oder neue Batterie-Systeme - diese und andere Entwicklungen für eine moderne Energieversorgung konnten oder werden erst durch neue Materialien Marktreife erlangen. Mit Spannung erwarten daher Materialforscher die zwölfte European Conference on Solid State Chemistry, die vom 20. bis 23. September 2009 in Münster stattfindet. So genannte Energiematerialien machen einen Schwerpunkt der Tagung aus, die von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) organisiert wird.

Themen wie Batterien und Energiespeicherung, Festkörper-Brennstoffzellen, Elektroden- und Elektrolytmaterialien sowie Materialien für die Photovoltaik und für Superkondensatoren (Supercaps) werden in Münster diskutiert. Sehr viele Beiträge stammen auch aus der Grundlagenforschung über anorganische Materialien, die durch die vielen neuen Problemstellungen aus dem Energiesektor und aus der Elektronik auch deutlich an Fahrt gewonnen hat. "Durch die neuen Impulse, die die Grundlagenforschung zu neuen Materialien erhält, werden wir hoffentlich auch bald die vielen noch ungelösten Materialprobleme bei modernen Energiesystemen lösen können", kommentieren die Münsteraner Gastgeber der Tagung, Professor Dr. Rainer Pöttgen, Institut für Anorganische und Analytische Chemie, und Professor Dr. Martin Winter, Institut für Physikalische Chemie der Westfälischen Wilhelms-Universität.

Dem kann sich Professor Dr. Claudia Wickleder vom Institut für Anorganische Chemie der Universität Siegen, Vorstandsmitglied der GDCh-Arbeitsgemeinschaft Chemie&Energie, voll und ganz anschließen: "Als Otto Normalverbraucherin und als Wissenschaftlerin fesselt mich mein Forschungsgebiet, nämlich die Entwicklung bei den Leuchtmitteln, also von den Glühlampen über die Halogen- und Energiesparlampen bis zu den LEDs und OLEDs. Energiesparlampen sind viel, viel besser als ihr Ruf. Aber LEDs und OLEDs sind auf dem Vormarsch, und ich bin überzeugt, dass es den Materialwissenschaftlern gelingt, sie für noch mehr Anwendungsgebiete weiterzuentwickeln, als das bisher der Fall ist. Meiner Meinung nach sind die extrem energiesparenden LEDs die Lampen der Zukunft."

Energiesparlampen statt Glühbirnen sei aber ein erster richtiger Schritt; denn immerhin würden derzeit 19 Prozent der produzierten elektrischen Energie für Beleuchtungszwecke verwendet, sagt Claudia Wickleder. Mit dem Ersatz der Hälfte aller Lampen weltweit durch LEDs könnten jährlich 1,6 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden.

Energiesparlampen sind wegen ihres Quecksilbergehaltes umstritten. Der liegt aber bei den neuen Lampen nur noch bei drei Milligramm pro Lampe (im Vergleich: ein Quecksilberthermometer enthielt etwa ein Gramm, also etwa das Drei- bis Vierhundertfache), und Wissenschaftler arbeiten daran, das Quecksilber völlig zu ersetzen. Solang dürfen Energiesparlampen nicht über den Hausmüll entsorgt werden. Und noch ein Kritikpunkt lässt sich entkräften: Die Lichtfarbe der Energiesparlampe muss keineswegs "kalt" sein und somit, wie vielfach behauptet wird, zu Depressionen führen. Je nach Mischungsverhältnis der drei Leuchtstoffe (rot, grün, blau) erhält man ein eher warmes (hoher Rotanteil) oder ein eher kaltes (hoher Blauanteil) Licht, und es sind auch Lampen erhältlich, deren Lichtfarbe der des Sonnenlichts ähnlich ist.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen sowie zudem weitere Arbeitskreise und Arbeitsgemeinschaften, darunter die AG Chemie und Energie, die im März 2009 gegründet wurde. Auch die Fachgruppe Festkörperchemie und Materialforschung, gegründet 1963, nimmt sich mit ihren über 750 Mitgliedern zunehmend der Energiefragen an.
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Maßgeschneiderte Arbeitszeitmodelle für Ältere

Dr. Elisabeth Zuber-Knost, Stabsabteilung Presse, Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

Angesichts des demographischen Wandels müssen Unternehmen sich auf älter werdende Belegschaften einstellen. Eine adäquate Gestaltung der Arbeitszeit trägt dazu bei, Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter zu erhalten. Im Projekt KRONOS haben Forscher des KIT Arbeitszeitmodelle untersucht, die dem Prozess des Älterwerdens gerecht werden. Basierend auf den Ergebnissen empfehlen sie unter anderem Schichtpläne mit schneller Vorwärtsrotation sowie maßgeschneiderte Langzeitkonten, deren Guthaben sich nach den Bedürfnissen der Arbeitnehmer einsetzen lässt.
Teilzeitarbeit, Kurzpausen, alternsgerechte Schichtpläne und Langzeitkonten gehören zu den Instrumenten, mit denen sich die Forschergruppe um Professor Peter Knauth am Institut für Industriebetriebslehre und Industrielle Produktion (IIP) des KIT im Rahmen von KRONOS befasst hat. Bei der inzwischen abgeschlossenen Studie über "Lebensarbeitszeitmodelle - Chancen und Risiken für das Unternehmen und die Mitarbeiter" handelt es sich um ein Teilprojekt des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Schwerpunktprogramms "Altersdifferenzierte Arbeitssysteme". Der KRONOS Abschlussbericht ist soeben im Universitätsverlag Karlsruhe erschienen.

Die KIT-Wissenschaftler evaluierten alternsgerechte Arbeitszeitmodelle in fünf Unternehmen aus den Branchen Automobil-, Stahl-, Chemie- und Pharmaindustrie. Dabei ergab sich, dass der Erfolg solcher Modelle wesentlich von einigen grundsätzlichen Faktoren abhängt: Berücksichtigung arbeitswissenschaftlicher Empfehlungen; Möglichkeit für die Mitarbeiter, die Gestaltung ihrer Arbeitszeit zu beeinflussen; günstige Rahmenbedingungen sowie die Einbettung der Maßnahmen in eine betriebliche Gesamtstrategie in Bezug auf den demographischen Wandel.

Im Einzelnen ergeben sich aus KRONOS folgende Empfehlungen: Eine generelle Verkürzung der täglichen Arbeitszeit für alle älteren Arbeitnehmer ist nicht sinnvoll, da deren Gesundheit und Arbeitsfähigkeit individuell stark verschieden sind. Wohl aber sollten Ältere mehr Pausen machen. Schichtpläne mit schneller Vorwärtsrotation (beginnend mit der Frühschicht, auf die dann Spät- und Nachtschicht folgen), wirken sich günstiger auf die Arbeitsfähigkeit aus als die traditionellen, wöchentlich und rückwärts rotierenden Schichtpläne. Es ist sinnvoll, die Anzahl der Nachtschichten pro Person und Jahr zu verringern. Wie die Studie zeigt, lässt sich die Nachtschichtbesetzung auch bei teilautomatisierten Prozessen ausdünnen, wenn Tätigkeiten aus der Nacht in Früh- und Spätschichten verschoben werden. Die Frühschicht sollte nicht vor 6 Uhr beginnen.

KRONOS legt auch eine größere Verbreitung von Wahlarbeitszeitmodellen nahe, bei denen Arbeitnehmer im Lauf ihres Berufslebens zwischen verschiedenen Wochen- oder Jahresarbeitszeiten wechseln können. So genannte Langzeitkonten sollten nicht nur Altersteilzeit ermöglichen. Vielmehr sollten sich die Guthaben je nach individuellen Bedürfnissen aufbauen und verwenden lassen. Denkbar sind beispielsweise mehrwöchige oder mehrmonatige Auszeiten im Lauf des Arbeitslebens, etwa aus familiären Gründen, wie KRONOS Projektleiter Knauth erklärt. "Solche maßgeschneiderten Modelle erhöhen auch die Attraktivität eines Unternehmens als Arbeitgeber und verschaffen ihm damit einen Vorsprung im Wettbewerb um die infolge des demographischen Wandels knapper werdenden Fachkräfte."

Literaturhinweis:
Peter Knauth, Dorothee Karl, Kathrin Elmerich: Lebensarbeitszeitmodelle: Chancen und Risiken für das Unternehmen und die Mitarbeiter. Forschungsbericht zum Teilprojekt KRONOS des Schwerpunktprogramms "Altersdifferenzierte Arbeitssysteme" (SPP 1184) der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Universitätsverlag Karlsruhe (ISBN 978-3-86644-322-8).

Im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) schließen sich das Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft und die Universität Karlsruhe zusammen. Damit wird eine Einrichtung international herausragender Forschung und Lehre in den Natur- und Ingenieurwissenschaften aufgebaut. Im KIT arbeiten insgesamt 8000 Beschäftigte mit einem jährlichen Budget von 700 Millionen Euro. Das KIT baut auf das Wissensdreieck Forschung - Lehre - Innovation.

Die Karlsruher Einrichtung ist ein führendes europäisches Ener¬gieforschungszentrum und spielt in den Nanowissenschaften eine weltweit sichtbare Rolle. KIT setzt neue Maßstäbe in der Lehre und Nachwuchsförderung und zieht Spitzenwissenschaftler aus aller Welt an. Zudem ist das KIT ein führender Innovationspartner für die Wirtschaft.

Weiterer Kontakt:

Monika Landgraf
Pressestelle
Tel.: +49 721 608-8126
Fax: +49 721 608-3658
E-Mail: monika.landgraf@kit.edu
Weitere Informationen:
http://Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: www.kit.edu
http://Die Abbildung steht in druckfähiger Qualität auf www.kit.edu zum Download bereit und kann angefordert werden unter:
http://presse@verwaltung.uni-karlsruhe.de oder +49 721 608-7414.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Blutdrucksenker im Vergleich: Nutzen der Diuretika ist am besten belegt

Dr. Anna-Sabine Ernst, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Beim Vermeiden von Folgekomplikationen sind Diuretika keiner anderen Wirkstoffgruppe unterlegen
Für die Behandlung erhöhten Blutdrucks können Diuretika für viele Patienten als Mittel der ersten Wahl gelten. Zu diesem Ergebnis kommt der am 16. September 2009 veröffentlichte Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Das Institut ist darin der Frage nachgegangen, inwieweit der Nutzen der Therapie davon abhängt, mit welchem Einzelmedikament eine Behandlung begonnen wird.

Eine Senkung von erhöhtem Blutdruck kann Komplikationen wie Schlaganfällen, Nieren- oder Herzschäden vorbeugen und das Leben verlängern. Wie Studien zeigen, ist dies vor allem mit Hilfe von Medikamenten, sogenannten Antihypertensiva, möglich. Ungeklärt ist aber die Frage, ob es dabei Unterschiede zwischen verschiedenen blutdrucksenkenden Wirkstoffen gibt. Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), hat das IQWiG deshalb vergleichend untersucht, welche Vor- und Nachteile die bisher zur Blutdrucksenkung eingesetzten Medikamente haben können.

Fünf Wirkstoffgruppen auf dem Prüfstand

Der Abschlussbericht vergleicht den Nutzen von 5 in Deutschland zur Behandlung des Bluthochdrucks zugelassenen Wirkstoffgruppen: Diuretika (insbesondere Thiazid-Diuretika), Beta-Blocker, ACE-Hemmer, Kalziumantagonisten und Angiotensin-II-Antagonisten. Maßstab für den Nutzen war dabei nicht die Senkung des Blutdrucks, sondern die Folgekomplikationen, die Bluthochdruck verursachen kann. Aus Sicht von Patientinnen und Patienten sind dabei besonders die Auswirkungen auf folgende Therapieziele bedeutsam: Neben der Lebensverlängerung ist es vor allem die Vorbeugung von Herzerkrankungen, Schlaganfällen, anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Nierenschäden. Hinzu kommen Aspekte wie gesundheitsbezogene Lebensqualität, Therapiezufriedenheit oder die Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten. Auch unerwünschte Arzneimittelwirkungen wurden untersucht.

Nur Studien mit vergleichbarem Therapieschema einbezogen

Von einer essentiellen Hypertonie spricht man dann, wenn keine organische Ursache für die Blutdrucksteigerung erkennbar ist. Bei etwa der Hälfte dieser Patienten reicht eine Therapie mit nur einem Wirkstoff (Monotherapie) aus, um den Blutdruck zu kontrollieren. Bei den übrigen muss ein zweites oder gar ein drittes Medikament kombiniert werden. Es erscheint deshalb sinnvoll, dass Patienten eine Therapie zunächst mit einem einzelnen Wirkstoff beginnen und erst nachfolgend bei Bedarf ein zweites (oder drittes) Mittel hinzunehmen.

Um einen fairen Vergleich zu ermöglichen, bezieht der Bericht nur randomisierte kontrollierte Studien ein, in denen die Patientengruppen zu Beginn tatsächlich nur einen einzigen Vertreter der 5 Wirkstoffgruppen erhalten haben und bei denen die später zusätzlich eingesetzten Medikamente vergleichbar waren.

8 der insgesamt 10 möglichen Vergleiche sind durch Studien abgedeckt

Insgesamt konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 16 Studien in die Bewertung einbeziehen. Allerdings lagen nicht für jede Wirkstoffgruppe und zu allen Fragestellungen direkte Vergleichstudien mit allen übrigen Gruppen vor. Als am besten untersucht können so genannte Thiazid-Diuretika und die Kalziumantagonisten gelten. Die wenigsten Daten liegen für die Angiotensin-II-Antagonisten vor.

Diuretika zum Teil überlegen

Was die Vermeidung von Folgekomplikationen betrifft, waren Diuretika ebenso gut wie alle anderen Wirkstoffgruppen, in einzelnen Aspekten wie der Vorbeugung von Herzinsuffizienz, Herzinfarkten und Schlaganfällen zum Teil sogar besser. "In der Gesamtschau können Thiazid-Diuretika deshalb als Therapie der ersten Wahl gelten", sagt IQWiG-Leiter Peter Sawicki: "Soweit es bei einem Patienten nicht besondere Gründe gibt, die gegen diese Medikamente sprechen, lohnt sich der Versuch, eine Behandlung mit einem dieser Diuretika, zum Beispiel Chlortalidon, zu beginnen."

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Die vorläufigen Ergebnisse, den sogenannten Vorbericht in der Version 2.0, hatte das IQWiG im September 2008 veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Nach dem Ende des Stellungnahmeverfahrens wurde der Vorbericht überarbeitet und als Abschlussbericht Ende Juli 2009 an den Auftraggeber versandt. Eine Dokumentation der schriftlichen Stellungnahmen sowie ein Protokoll der mündlichen Erörterung werden in einem eigenen Dokument zeitgleich mit dem Abschlussbericht publiziert. Der Bericht wurde gemeinsam mit externen Sachverständigen erstellt.
Weitere Informationen:
http://www.iqwig.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Foto- und Ideenwettbewerb: Die Energie der einfachen Ideen

Dipl.-Ing. Mario Steinebach, Pressestelle
Technische Universität Chemnitz

Die Energie der einfachen Ideen
Professur Arbeitswissenschaft der TU Chemnitz startet Foto- und Ideenwettbewerb und sensibilisiert für einfache, energiesparende Produkte - Einsendeschluss: 6. November 2009

"Die Technik muss sich an den Menschen anpassen und nicht der Mensch an die Technik!" Das ist das Ziel von Forschung und Lehre an der Professur Arbeitswissenschaft der Technischen Universität Chemnitz. Um insbesondere den Menschen aus Chemnitz und Umgebung dieses Anliegen näherzubringen, veranstalten die Forscher um Prof. Dr. Birgit Spanner-Ulmer auch dieses Jahr wieder den "Tag der einfachen Produkte". Am 12. November 2009 dreht sich alles um Dinge, die das Leben einfacher machen.

Die Professur Arbeitswissenschaft ruft nun im Vorfeld dieses Tages zu einem Foto- und Ideenwettbewerb auf, für den der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) die Schirmherrschaft übernommen hat. Interessenten sind aufgefordert, Beispiele für umständlich zu bedienende Technik, die gleichzeitig auch noch Geld oder Energie verschwendet, mit dem Fotoapparat einzufangen. "Viele haben sicher schon einmal Nerven, Zeit oder gar Geld verloren, weil sie plötzlich unbemerkt mit dem Handy im Internet gesurft haben", sagt Frank Dittrich von der Professur Arbeitswissenschaft. Aus eigenem Erleben weiß er, dass zum Beispiel auch an Kopierern oft falsche Tasten gedrückt werden und dadurch Kopien nur für den Mülleimer erzeugt werden. "Wir suchen also Fotos von Produkten, die aus Sicht der Nutzer wahre Energiefresser und Bedienungsungetüme sind."

Der Ideenwettbewerb greift auch das Thema des Energieverbrauchs auf. "Wie viel Energie verschwenden wir tagtäglich? Ist es in unserer Zeit des Klimawandels noch vertretbar, dass Geräte nur einen Standby- und keinen Aus-Schalter besitzen? Wie viel Wasser fließt jeden Tag ungenutzt in den Abfluss? Das sind nur einige von zahlreichen Problemfeldern aus unserem Alltag", sagt Dittrich. Im Rahmen des Wettbewerbs seien deshalb neue Ideen gefragt, wie man den Verbrauch von Energie, Rohstoffen oder auch Zeit bei der Benutzung von Produkten kreativ und einfach sichtbar machen und reduzieren kann. Wie die kreativen Vorschläge eingereicht werden - ob als Zeichnung, als Video oder als Modell - sei egal.

Der erste Platz ist mit 300 Euro und dem "Mensch-Maschine-Preis 2009" der Professur Arbeitswissenschaft dotiert. Auf die von einer Expertenjury ausgewählten Gewinner warten Preise im Gesamtwert von über 1.000 Euro, unter anderem Handys und Gutscheine. Einsendeschluss für beide Wettbewerbe ist der 6. November 2009. Die Gewinner werden am 12. November im Rahmen des "Tages der einfachen Produkte 2009" im Universitätsteil Erfenschlager Straße von der Professur Arbeitswissenschaft der TU Chemnitz ausgezeichnet.

Teilnahmebedingungen: http://www.mensch-maschine-preis.de

Weitere Informationen erteilt Frank Dittrich, Telefon 0371 531-37878, E-Mail frank.dittrich@mb.tu-chemnitz.de.
Weitere Informationen:
http://www.mensch-maschine-preis.de - Homepage des Wettbewerbs

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Impfen gegen Zuckerkrankheit - Pre-POINT-Studie: Insulin kann möglicherweise Typ-1-Diabetes vorbeugen

Tanja Schmidhofer, Pressestelle
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München

Wenn kleine Kinder zuckerkrank werden, steckt dahinter meist eine Autoimmunerkrankung: der Typ-1-Diabetes. Eine internationale Studie soll nun klären, ob eine Art Impfung mit Insulin den Ausbruch der Krankheit verhindern kann. Der deutsche Zweig der Pre-POINT-Studie wird von der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München (TUM) unter der Leitung von Prof. Anette-Gabriele Ziegler koordiniert. Weltweit leitet Prof. Ezio Bonifacio vom DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien Dresden die Studie.
Der Typ-1-Diabetes, auch "jugendlicher" oder "insulinabhängiger" Diabetes, kann schon im frühesten Kindesalter auftreten. Das körpereigene Immunsystem greift die Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse an und zerstört sie nach und nach. Damit fehlt dem Körper der Botenstoff Insulin, den er benötigt, um Zucker aus der Nahrung in Energie umzuwandeln. Kinder mit Typ-1-Diabetes müssen sich daher ein Leben lang mehrmals täglich Insulin zuführen.

Die Ursachen von Typ-1-Diabetes sind unbekannt, allerdings gelten unter anderem bestimmte Variationen im Erbgut als Risikofaktor. Kinder, die mehrere Typ-1-Diabetiker in der Verwandtschaft haben, tragen häufig solche genetischen Veränderungen. Sie haben ein Risiko von bis zu 50 Prozent, ebenfalls zu erkranken.

Heilen lässt sich Typ-1-Diabetes nicht. Allerdings weisen erste Untersuchungen in den USA darauf hin, dass die regelmäßige Einnahme geringer Mengen an Insulin das Immunsystem an der Bildung zerstörerischer Autoantikörper hindern kann. Das Insulin dient also nicht dazu, den Blutzucker zu senken, sondern soll wie eine Schutzimpfung das Immunsystem beeinflussen.

Zwei Studien in Österreich, Italien, Großbritannien, Kanada, den USA und Deutschland werden nun untersuchen, welche Insulin-Dosis und Einnahmeart am besten geeignet ist (Pre-POINT-Studie) und ob der Diabetes tatsächlich langfristig verhindert werden kann (POINT-Studie. POINT steht für "Primary oral/intranasal insulin trial", es handelt sich also um eine Primärpräventionsstudie: Es werden Kinder behandelt, die noch keine Anzeichen einer Autoimmunreaktion zeigen. Sie erhalten das Insulin nicht über eine Spritze, sondern als Pulver zusammen mit der Nahrung oder als Nasenspray.

Alle Kinder in Deutschland zwischen 18 Monaten und sieben Jahren können an der Pre-POINT-Studie teilnehmen, wenn sie ein hohes Risiko zur Entwicklung von Typ-1-Diabetes haben. Ein erster Hinweis auf ein hohes Erkrankungsrisiko ist, wenn entweder ein Geschwisterkind oder mehrere erstgradige Verwandte (Vater, Mutter oder Geschwister) an Typ-1-Diabetes leiden. Im nächsten Schritt wird bei solchen Kindern das individuelle Diabetesrisiko bestimmt. Alle Untersuchungen und die Behandlung im Rahmen der Studie sind kostenlos.

Die Studie wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Juvenile Diabetes Research Foundation (JDRF) in den USA gefördert. Weltweit wird die Pre-POINT-Studie durch das Team von Prof. Ezio Bonifacio vom DFG- Forschungszentrum für Regenerative Therapien der TU Dresden koordiniert, in Deutschland wird die Pre-POINT-Studie von der Forschergruppe Diabetes der TUM unter Leitung von Prof. Anette-Gabriele Ziegler verwirklicht.

Alle insgesamt 40 Kinder der Pre-POINT-Studie können auch an der Folgestudie POINT teilnehmen. An der Teilnahme interessierte Familien oder Ärztinnen und Ärzte, die die Pre-POINT-Studie unterstützen möchten, melden sich bitte bei der

Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München,
Prof. Anette-Gabriele Ziegler, Dr. Peter Achenbach,
Kölner Platz 1, 80804 München,
Tel. 089 3068 5578,
E-Mail: prevent.diabetes@lrz.uni-muenchen.de

oder beim

DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien Dresden
der Technischen Universität Dresden
Prof. Dr. Ezio Bonifacio
Tatzberg 47/49, 01307 Dresden,
Tel. 0351 463 40172,
E-Mail: prevent.diabetes@crt-dresden.de
Weitere Informationen:
http://www.diabetes-point.org - Weitere Informationen zur Diabetes-Studie

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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"Meeresenergien" und "Stromnetze und intelligente elektrische Systeme"

Marie de Chalup, Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Um die Spitzenlastzeiten im Stromverbrauch besser kontrollieren zu können und die Entwicklung der erneuerbaren Energien zu beschleunigen, hat die Agentur für Umwelt und Energie (ADEME [1]) zwei neue Aufrufe zur Interessensbekundung im Bereich Meeresenergien und der intelligenten, elektrischen Systeme gestartet. Diese Aufrufe werden vom "Forschungsdemonstrationsfond" finanziert, der im Rahmen des Abkommens für Umweltschutz ("grenelle de l'environnement") eingerichtet wurde.
Die Meeresenergien
Der französische Minister für Umwelt, Energiewirtschaft und nachhaltige Entwicklung, Jean-Louis Borloo, hat beim Treffen des " Grenelle de la mer " (Programm zum Schutz des Meeres) darauf hingewiesen, dass die Energiestrategie Frankreichs verstärkt auf die erneuerbaren Meeresenergien ausgerichtet werden müsse. Derzeit werden in Frankreich nur ca. 0,5 % der produzierten Energie durch Meeresenergie gewonnen (? durch Kernenergie). Die im Rahmen der nationalen Strategie für Forschung und Innovation geleisteten Arbeiten konnten jedoch das unermessliche Potential der erneuerbaren Meeresenergien aufzeigen und die Notwendigkeit unterstreichen, die technischen Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet auszubauen, um die nachhaltige Nutzung der Meere zu verbessern. Mit seinen 5500 km Küstenlänge und seinen 11 Millionen km² Hoheitsgewässern (die Überseedepartements mitgerechnet), verfügt Frankreich, hinter den Vereinigten Staaten, über die besten natürlichen Voraussetzungen.

Um die technologischen Möglichkeiten, die im Zeitraum 2020-2030 umgesetzt werden könnten (dieses Ziel hat sich der Forschungsdemonstrationsfond gesetzt), besser einschätzen zu können, konzentrieren sich die Aufrufe zur Interessensbekundung im Bereich Meeresenergien auf 4 Schlüsselkategorien:
- die Gezeitenkraftwerke (Energie der Meeresströmungen)
- die Offshore Windenergieanlagen (Energie der Meereswinde)
- die Wellenkraftwerke (Energie der Wellen und der Brandung)
- die Wärmeenergie der Meere (Energie, die mit dem Transfer der thermischen Strömungen im Wasser zusammenhängen)

Die zukünftigen Forschungsdemonstratoren müssen die spezifischen Merkmale dieser Technologien, die mit den Meeresenergien verbundenen Ziele, die Gewässervielfalt und die Nutzungsbedingungen berücksichtigen, um die mit der Entwicklung der Meeresenergien verbundenen technischen Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen (Planung und Serienherstellung, elektrische Planung, Installation im Meer, Verankerung, etc.).

Es gilt jedoch auch anderen Problemen zu begegnen, wie z. B.:
- der Integration von Demonstrationsprojekten in eine bereits vorhandene lokale Küstenwirtschaft, insbesondere mit dem Ziel einer Diversifizierung der dortigen Wirtschaftsaktivitäten.
- den Konflikten, die mit der Nutzung der Küstenumgebung durch verschiedene Akteure (z. B. Fischer, Touristen, Lokalbevölkerung, Seefahrer) einhergehen.
- der Sicherheit der Menschen und Güter, die auf oder in unmittelbarer Nähe des Forschungsdemonstrators arbeiten.
- der Evaluierung und der Umgang mit den Umweltauswirkungen, die mit der Installation des Demonstrators in den Meeres- und Küstengebieten in Zusammenhang stehen.

Die Abgabefrist für die Aufrufe zur Interessensbekundung im Bereich Meeresenergien endet am 15. Oktober 2009.

Netzwerke und intelligente elektrische Systeme
Die Entwicklungen in der Energieproduktion und dem Konsumverhalten zwingen zu einem Umdenken in Bezug auf die Netzwerke, mittels derer die Energie transportiert wird. Angesichts der verstärkten Nutzung erneuerbarer Energiequellen müssen die Stromnetze einer unregelmäßigen Energieeinspeisung und der Veränderung des Konsumverhaltens angepasst werden. In vielen Ländern wird das Thema der intelligenten Stromsysteme und Stromnetze, die erneuerbare Energien und den Umgang mit Energie integrieren, als prioritär für die Forschung und die Demonstration erachtet.

Die Aufrufe zur Interessensbekundung im Bereich der "Netzwerke und intelligenten elektrischen Systeme, die die erneuerbaren Energien und den Umgang mit Energie integrieren", zielen ab auf:
- die Untersuchung der Bedingungen zur massiven Einspeisung erneuerbarer Energien in die Stromnetze bei gleichbleibender Strommenge und bei Aufrechterhaltung der Sicherheit des elektrischen Systems.
- die Bewertung neuer Produkte und Serviceleistungen, die mit der Ausweitung der intelligenten Systeme verbunden sind. Dies ermöglicht eine Anpassung an die Spitzenzeiten bezüglich Angebot und Nachfrage entsprechend der Entwicklung des Konsumverhaltens.

Die Entwicklung neuer technischer Lösungen ist entscheidend um:
- die Einspeisung des durch Unternehmen und Einzelpersonen vertriebenen Stroms zu erleichtern, insbesondere des Stroms, der auf der Basis erneuerbarer Ressourcen produziert wurde
- die Steuerung der Nachfrage und der unregelmäßigen Stromproduktion zu optimieren, um so das Zurückgreifen auf CO2 ausstoßende Produktionsverfahren zu beschränken und das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage zu gewährleisten.
- die Entwicklung der Netze vorauszusehen (z.B. durch den Einsatz von Elektroautos).

Intelligente Zähler ermöglichen eine Verringerung des Stromverbrauchs (Pilotstudien haben gezeigt, dass der Stromverbrauch in den Haushalten um 5 % bis 15 % reduziert werden konnte), sie erhöhen die operationelle Wirksamkeit des Stromnetzes, verbessern die Servicequalität und erlauben eine genauere und einfachere Abrechnung.

Der von Minister Borloo am 3. Juni d.J. vorgestellte Fahrplan im Energiebereich hat die Notwendigkeit aufgezeigt, die Anstrengungen zu intensivieren, die zu einer verbesserten Steuerung des Energiebedarfs in Spitzenzeiten beitragen. Jean-Louis Borloo fordert daher die Akteure auf, Innovationen zu präsentieren (Geräte, die ein genaueres Ablesen und eine Analyse des Stromverbrauchs ermöglichen, "Box" zur Fernsteuerung des Verbrauchs, usw.), die insbesondere in den Versorgungsgebieten getestet werden könnten, in denen die ERDF verbesserte Zähler installiert.

Die Bewerbungsfrist für den Aufruf zur Interessensbekundung im Bereich "Netzwerke und intelligente elektrische Systeme" endet am 30. November 2009.

[1] ADEME: Agence de l'Environnement et de la Maîtrise de l'Energie

Kontakt: Relations de presse de l'ADEME, Golin Harris - Cécile Lardillon, Delphine Launois, Stéphanie Laurent - E-Mail: servicedepresseademe@golinharris.com - Tel.: + 33 140 415 501

Quelle: Pressemitteilung der ADEME - 02.09.2009

Redakteur: Julien Bouasria, julien.bouasria@diplomatie.gouv.fr

Sie können es ganz einfach abonnieren, indem Sie eine Email an folgende Adresse senden :
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Reproduktions- und Verbreitungsrechte
http://www.wissenschaft-frankreich.de/publikationen/wissenschaft_frankreich/inde...

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wenn die Weltmeere ersticken

Dr. Andreas Villwock, Pressestelle
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, Kiel

Südfrankreich, Kiel. Erstklassige Bohrkerne geben Kieler Geologen Aufschluss über das Timing und die Ursachen eines sauerstofffreien Ereignisses im Kreideozean. Vor 119 Millionen waren die Weltmeere kurz vor dem Ersticken. Der Grund: akuter Sauerstoffmangel. Das belegen weltweit geologische Funde, zum Beispiel in Italien, Japan, Nordamerika und im Pazifik. Unklar bleiben jedoch das genaue Timing und die Ursachen dieses sogenannten ozeanischen anoxischen Ereignisses (OAE): Wie schnell kam es dazu und warum? Wie lange hat es gedauert, bis sich das System Ozean danach wieder erholt hat?
Das wollen nun Kieler Geologen des Instituts für Geowissenschaften der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) mithilfe von erstklassigen Bohrkernen aus Südfrankreich herausfinden. Die gewonnenen Daten könnten auch für zukünftige Klimaszenarien relevant sein.

Insgesamt 180 Meter lang, 11 Zentimeter dick und fast durchgehend hellgrau bis weiß gefärbt: So sehen die Bohrkerne aus, die ein Forscherteam um Prof. Dr. Wolfgang Kuhnt (CAU) und Dr. Sascha Flögel (IFM-GEOMAR) kürzlich in La Bédoule/Südfrankreich erbohrte und mit nach Kiel brachte. Das Material besteht aus ehemaligem Meeresboden, denn am Fundort erstreckte sich vor Millionen von Jahren ein Teil des Kreide-Ozeans Tethys. In 61 Metern Tiefe ändert sich die Farbgebung der Sedimentschichten. Das bestätigt die Vermutungen der Kieler Geologen und ihren französischen Partnern von der Aix Marseille Université. "Die dunkle Färbung weist auf einen geringeren Anteil von karbonatischem Material und erhöhte Gehalte an Ton und organischem Material hin", sagt Prof. Kuhnt. "Solches Sediment kann entstehen, wenn die Wassersäule über einen längeren Zeitraum von mehreren hunderttausend Jahren sehr arm an Sauerstoff oder sogar sauerstofffrei ist", so Prof. Kuhnt weiter.

Belege für OAEs werden in der Regel in geologischen Aufschlüssen entdeckt, zum Beispiel in Steinbrüchen. Dabei handelt es sich meist um nicht zusammenhängende Gesteinsstücke, die zudem oftmals verwittert und daher für hochauflösende chemische Analysen nur bedingt verwertbar sind.

"Wir haben sehr großes Glück: Unsere Bohrkerne sind von bester Qualität, weil sie frisch aus dem Boden kommen und aus zusammenhängenden Sedimentschichten bestehen", freut sich Dr. Flögel. In den Sedimentlaboren des IFM-GEOMAR und der CAU werden die Bohrkerne nun geophysikalisch untersucht. "Wir suchen nach 'Verursachern' chemischer bzw. physikalischer Natur, die das System Ozean damals zum Umkippen brachten", sagt Dr. Flögel. Dazu werden die Bohrkerne in zwei Hälften gesägt und dann Millimeter für Millimeter um die OAE-Schichten herum unter die Lupe genommen. "Wir hoffen, dass das Material gut genug ist, um sogar die Kohlendioxyd-Konzentration in der Atmosphäre kurz vor, während und nach dem OAE zu rekonstruieren", sagt Dr. Flögel. Mit den Ergebnissen können die Geologen dann auch Aussagen über die zukünftigen Entwicklungen des Klimas treffen. "Uns interessieren vor allem Schwellenwerte von atmosphärischem Kohlendioxyd, die ein OAE auch in Zukunft ankündigen könnten", fährt Dr. Flögel fort.

Bereits im November gehen die Forscher des Sonderforschungsbereichs SFB 754 "Klima - biogeochemische Wechselwirkungen im tropischen Ozean" wieder auf die Suche nach exzellenten Bohrkernen. Dann aber in Marokko.

Die Forschung an OAEs ist Teil des Kieler Sonderforschungsbereichs (SFB) 754 "Klima - biogeochemische Wechselwirkungen im tropischen Ozean", der im Januar 2008 in enger Kooperation zwischen dem IFM-GEOMAR und der CAU eingerichtet wurde und von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird. Der SFB 754 strebt ein besseres Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Klima und Biogeochemie auf einer quantitativen Grundlage an.

Ozeanische anoxische Ereignisse (OAE)
Verarmen die Weltozeane unterhalb der Oberflächenschicht vollständig an Sauerstoff, spricht man von einem ozeanischen anoxischen Ereignis (OAE). Bislang wurden weltweit Hinweise auf vier große OAEs gefunden. Das OAE1A (vor 119 Mio. Jahren) und OAE2 (vor 93 Mio. Jahren) gehören zu den stärkeren Ereignissen. Über die Ursachen und Folgen von OAEs wird bisher nur spekuliert.
Weitere Informationen:
http://www.sfb754.de - Homepage des Sonderforschungsbereichs SFB 754

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Rapsöl macht Babynahrung gesünder

Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Rapsöl in der Babynahrung wirkt sich positiv auf die Mengen bestimmter lebenswichtiger Fettsäuren im Blut aus. Das hat eine Studie des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE) nachgewiesen, einer der Uni Bonn angegliederten Einrichtung. Die FKE-Forscher empfehlen, Gläschennahrung mit Rapsöl zu versetzen. Dies sei gerade im Säuglings- und Kleinkindalter wichtig. Die Ergebnisse der Studie sind jetzt in der Zeitschrift Archives of Disease in Childhood erschienen.
An besagter Studie nahmen 102 Säuglinge aus Dortmund teil, die im Alter von zwei Monaten in die Studie aufgenommen worden waren. Die Forscher teilten sie in eine Versuchs- und in eine Kontrollgruppe ein.

Die Eltern beider Gruppen wurden gebeten, ihren Kindern vom fünften bis zum zehnten Lebensmonat mindestens fünfmal pro Woche ein Gläschen Baby-Mahlzeit aus Gemüse, Kartoffeln und Fleisch zu geben. Bei der Kontrollgruppe war das in Baby-Menus übliche Maiskeimöl enthalten, bei der Versuchsgruppe war das Maiskeimöl gegen Rapsöl ausgetauscht worden. Die Essgewohnheiten dieser Kinder wurden von ihrem zweiten Lebensmonat an bis zum Ende des Versuches genau dokumentiert.

Am Anfang und am Ende des Versuchszeitraums entnahmen die Wissenschaftler den Säuglingen eine Blutprobe. Darin bestimmten sie die Konzentration verschiedener Fettsäuren. Am Ende wiesen die 49 Kinder der Versuchsgruppe gegenüber den 53 der Kontrollgruppe einen höheren Omega-3-Fettsäure-Spiegel auf. Omega-3-Fettsäuren sind bei Säuglingen vor allem für die Entwicklung des Gehirns, der Netzhaut und für Funktionen des Immunsystems wichtig.

Warum Rapsöl gesund ist

Rapsöl enthält unter anderem die Omega-Fettsäure Alpha-Linolensäure (ALA). Sie ist essentiell, das heißt, der Körper kann sie nicht selbst bilden, sondern muss sie mit der Nahrung aufnehmen. ALA ist Ausgangsstoff für eine weitere wichtige Fettsäure, die Docosahexaensäure (DHA). Diese ist ein integraler Bestandteil von Membranen, speziell der Nervenzellen. Der Körper benötigt sie zum Aufbau des Gehirns und der Netzhaut. Das übliche in Baby-Menus enthaltene Maiskeimöl enthält nur wenig ALA, Rapsöl dagegen viel. Bisher wusste man nicht, wie sich der Austausch von Maiskeimöl durch Rapsöl in der Beikost auf den Omega-3-Fettsäure-Gehalt im Blut von Babys auswirkt und ob die Bildung der DHA gefördert wird.

Da der Körper die Ausgangsfettsäure Alpha-Linolensäure nicht selbst herstellen kann, ist es wichtig, ihm über die Nahrung genügend zur Verfügung zu stellen. "Bei Kleinkindern und speziell bei Säuglingen ist eine ausreichende Versorgung besonders wichtig, da die Organe sich in den ersten Lebensmonaten schneller entwickeln als in den späteren Lebensjahren", erklärt FKE-Studienleiterin Dr. Mathilde Kersting. Die Omega-3-Fettsäuren unterstützen diese Entwicklung. "Die Versuchsgruppe hat durch die Rapsölanreicherung ihrer Nahrung mehr Alpha-Linolensäure zu sich genommen als die Kontrollgruppe. Wir konnten auch einen höheren Gehalt an DHA in ihrem Blut nachweisen. Dieses Ergebnis ist ein schöner Erfolg, da wir auf diese einfache Weise die Versorgung der Kinder mit dieser wichtigen Fettsäure verbessert haben. Die Rapsöl-Zugabe ist daher empfehlenswert." Weitere Forschungen sollen diese Ergebnisse noch erhärten.

Kontakt:
Privatdozentin Dr. Mathilde Kersting
Forschungsinstitut für Kinderernährung an der Universität Bonn
Telefon: 0231/79-221018
E-Mail: kersting@fke-do.de

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Unsichtbare Spuren im Wasser - Die mathematische Entschlüsselung eines faszinierenden Sinnesorgans:

Dr. Ulrich Marsch, Zentrale Presse & Kommunikation
Technische Universität München

Fische und einige Amphibien verfügen über ein einzigartiges Sinnessystem, das der Seitenlinienorgane. Mit ihnen tasten sie Objekte in ihrer näheren Umgebung ab, ohne direkten Körperkontakt zu ihnen. Professor Leo van Hemmen erforscht mit seinem Team am Physik-Department der Technischen Universität München (TUM) die Grundlagen dieser Wahrnehmung. Seine Forschungsergebnisse veröffentlichte van Hemmen kürzlich in der Fachzeitschrift Physical Review Letters. Das renommierte Wissenschaftsjournal Nature stellt sie in der aktuellen Ausgabe als "Research Highlight" vor.
Mit unseren Sinnen nehmen wir nur einen Bruchteil der Informationen wahr, die uns umgeben. Infrarotlicht, elektromagnetische Wellen und Ultraschall sind nur einige Beispiele von äußeren Einflüssen, die wir Menschen nur über Messgeräte erfassen können - während bestimmte Tiere eigens dafür ausgerichtete Sinnesorgane besitzen. Ein solches fremdartiges Sinnessystem von Fischen und einigen Amphibien nimmt Professor Leo van Hemmen mit seinem Forschungsteam am Lehrstuhl für Theoretische Biophysik am Physik-Department der TU München unter die Lupe.

Selbst in trüben Gewässern, in die kaum mehr Licht eindringt, erspüren Hechte und Zander ihre Opfer, noch bevor sie diese tatsächlich berühren. Der blinde mexikanische Höhlenfisch weicht mühelos Hindernissen aus und kann Strukturen seiner Umgebung erahnen. Welse verfolgen auf der Jagd eine unsichtbare Fährte, die sie direkt zu ihrer Beute führt. Das geheimnisvolle Organ, das sie dabei leitet, ist das Seitenliniensystem, das Strömungsänderungen registriert und so besonders im Dunklen oder in trübem Wasser den Sehsinn unterstützt.

Dieser auf den ersten Blick mysteriöse Fern-Tastsinn beruht auf einer Messung der Druckverteilung und des Geschwindigkeitsfeldes im umgebenden Wasser. Die dafür zuständigen Seitenlinienorgane ziehen sich links und rechts am Fischkörper entlang und umgeben zusätzlich Augen und Maul. Sie bestehen aus gallertartigen, biegsamen Fähnchen, die etwa einen Zehntel Millimeter messen, so genannten Neuromasten. Diese sitzen entweder direkt auf der Oberfläche der Tiere oder in Kanälen dicht unter ihrer Haut, in die über Poren Wasser eindringt. Sensibel folgen die Fähnchen bereits kleinsten Wasserbewegungen. Daran gekoppelt sind Haarsinneszellen, die den Schalldrucksensoren im menschlichen Innenohr ähneln. Nerven leiten die Signale aus den Haarsinneszellen weiter zur zentralen Verarbeitung im Gehirn, das mögliche Quellen der Strömungsänderungen lokalisiert und identifiziert.

Diese Änderungen können auf unterschiedliche Weise entstehen: Ein vorbei schwimmender Fisch erzeugt Schwingungen, die direkt auf das Organ übertragen werden. Darüber erkennen Schwarmfische einen nahenden Angreifer und synchronisieren ihre Schwimmbewegungen so, dass sie einem einzigen großen Organismus gleichen. Der mexikanische Höhlenfisch schiebt hingegen eine regelrechte Bugwelle vor sich her, die von Hindernissen zurück geworfen wird. Der Wels wiederum nutzt die Tatsache aus, dass ein schwimmender Beutefisch, der mit seiner Schwanzflosse schlägt, eine Spur aus Wasserstrudeln hinterlässt, eine so genannte Wirbelstraße, die über eine Minute lang bestehen bleibt und ihn verraten kann.

Leo van Hemmen und sein Team erforschen seit fünf Jahren die Leistungen des Seitenliniensystems und ermitteln sein Potential für eine mögliche technische Umsetzung. Wie weit ist die Reichweite eines solchen Sinnesorgans und welche Auskunft kann es über bewegte Objekte geben? Welche Stimuli erhalten die Seitenlinien aus dem Wassersog eines anderen Fisches und wie werden diese verarbeitet? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, erstellen die Wissenschaftler mathematische Modelle und vergleichen diese mit tatsächlichen elektrischen Nervensignalen, so genannten Aktionspotentialen. Die Daten dafür gewinnen experimentelle Biologen, mit denen sie zusammenarbeiten, aus Messungen an Seitenlinienorganen von Krallenfröschen oder Höhlenfischen. "Biologische Systeme folgen eigenen, aber innerhalb der Biologie universell gültigen Gesetzmäßigkeiten. Man kann sie mathematisch beschreiben, wenn man nur die richtigen biophysikalischen beziehungsweise biologischen Begriffe und damit die richtige Formel findet", so van Hemmen.

Jeder Fisch überträgt eindeutige und differenzierte Informationen über sich selbst in das Strömungsfeld. Die Untersuchungen zeigten, dass Fische in einem Umkreis, dessen Radius ihrer eigenen Körperlänge entspricht, andere Fische verlässlich orten können. So kann ein Raubfisch dank der Informationen über Größe und Gestalt eines Beutefisches entscheiden, ob sich eine Verfolgung lohnt oder nicht. Gleichzeitig kann so auch der Beutefisch zwischen Artgenossen und Räubern unterscheiden.

Mit einer weiteren am Lehrstuhl entwickelten Formel kann aus den Signalen, die ein Seitenliniensystem erhält, der Winkel zwischen Fischachse und einer Wirbelstraße berechnet werden - und das auf einem Leistungsniveau, das dem des Nervensystems der Fische entspricht. Erstaunlich genau stimmen die rechnerischen ermittelten Werte für die Nervensignale am Sinnesorgan der Tiere mit den tatsächlich gemessenen elektrischen Impulsen aus der Ableitung von Nervenzellen überein.

"Der Seitenliniensinn hat mich sofort fasziniert, da er nicht nur auf den ersten, sondern auch auf den zweiten Blick grundlegend anders ist als beispielsweise der Seh- oder Hörsinn. Er beschreibt nicht nur eine andere Qualität der Wirklichkeit, sondern wird auch statt von nur zwei Augen oder Ohren von cira 180 einzelnen Seitenlinienorganen beim Krallenfrosch und mehreren Tausenden beim Fisch gespeist, die jeweils aus mehreren Neuromasten bestehen. Die Integration dahinter ist eine Meisterleistung." begründet van Hemmen sein Interesse.

Die neuronale Verarbeitung und Integration verschiedener Sinneseindrücke zu einem einheitlichen Abbild der Wirklichkeit ist ein Schwerpunkt an seinem Lehrstuhl, sie wird auch am Beispiel der Infrarotwahrnehmung von Wüstenschlangen, Vibrationssensoren an den Füßen von Skorpionen oder dem Gehör von Schleiereulen untersucht. "Die Technik ist der Natur zwar in einigen Bereichen überlegen, doch in der kognitiven Verarbeitung gewonnener Eindrücke hinkt sie der Natur weit hinterher. Mein Traum ist es, Roboter mit mehr als einer Sinnesmodalität auszustatten. Statt ihnen immer mehr Kameras einzubauen, sollte man ihnen zusätzlich Sensoren für Schall und Tastempfinden mit auf den Weg geben," sagt van Hemmen.

Mit einem nach gebauten Seitenliniensystem, das in Luft näherungsweise ebenso gut funktioniert wie unter Wasser, könnten sich Roboter in Menschenmengen bewegen, ohne anzuecken. Aber auch im Wasser bietet das System viel versprechende Anwendungen: Unterwasserroboter könnten sich bei der Erforschung von unzugänglichen Höhlensystemen und Tiefseevulkanen orientieren, Tauchboote auch in trüben Gewässern Hindernisse orten. Ein solches Unterwasserfahrzeug wird zurzeit im Rahmen des EU-Projektes "CILIA" in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Steuerungs- und Regelungstechnik entwickelt.

Kooperationen mit dem Exzellenzcluster CoTeSys (Cognition for Technical Systems) und des neu geschaffenen Leonardo da Vinci Zentrums für Bionik an der TUM, vom Bernstein Center for Computational Neuroscience sowie mit dem Lehrstuhl für humanoide Roboter bieten die ideale Grundlage für weitere Forschung.

Kontakt:

Prof. Dr. Leo van Hemmen
Technische Universität München
Physik Department T35, Lehrstuhl für Theoretische Biophysik
James-Franck-Str., D 85747 Garching
Tel.: +49 89 289 12362
Fax: +49 89 289 14656
E-Mail: lvh@tum.de
Weitere Informationen:
http://www.T35.ph.tum.de/ Website des Lehrstuhls
http://dx.doi.org/10.1038/4601061a Following in the wake, Nature 460, 1061 (27 August 2009)
http://dx.doi.org/10.1103/PhysRevLett.103.078102 Physical Review Letters 103, 078102 (2009)
http://dx.doi.org/10.1103/PhysRevLett.102.058104 Physical Review Letters, 102, 058104 (2009)

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Plötzlicher Herztod bei Sportlern - wer ist gefährdet?

Dr. Ellen Katz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Tübingen

Am Uniklinikum Tübingen startet Projekt zur Risikoabschätzung
und wird von der Deutschen Stiftung für Herzforschung unterstützt

Jährlich sterben in Deutschland mehrere hundert Athleten am plötzlichen Herztod. Trotz intensiver Bemühungen gelingt es leider bisher nicht immer ausreichend, entsprechende Risikopersonen im Vorfeld zu erkennen. Im Rahmen eines Kooperationsprojektes am Universitätsklinikum Tübingen mit den Abteilungen für Sportmedizin (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. med. Andreas Nieß) und für Diagnostische Radiologie (Ärztlicher Direktor Prof. Dr. med. Claus Claussen) soll untersucht werden, ob die Kernspintomographie des Herzens eine genauere Risikostratifizierung gefährdeter Athleten erlaubt. Dazu wird bei 100 Athleten zusätzlich zur sportmedizinischen Routinediagnostik eine Kernspintomographie des Herzens durchgeführt. Die Deutsche Stiftung für Herzforschung wird das Projekt für die Dauer von zunächst einem Jahr fördern.

Athleten mit einem wöchentlichen Trainingsumfang von mindestens 10 Stunden, die an der Studie teilnehmen möchten, können sich am Universitätsklinikum Tübingen bei Privatdozent Dr. Christof Burgstahler (christof.burgstahler@med.uni-tuebingen.de) für weiterführende Informationen melden.

Die Sportmedizin des Tübinger Universitätsklinikums verfügt über eine ausgewiesene Expertise bei sportmedizinisch-internistischen Untersuchungen im Profisportbereich und bietet u.a. die jährlich vorgeschriebenen Sportmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen für Landes- und Bundeskaderathleten an. Ziel dieser Vorsorgeuntersuchungen ist, Erkrankungen, Verletzungen oder Einschränkungen der sportlichen Belastbarkeit frühzeitig zu erkennen und die Sportler in ihrer Sportausübung sportmedizinisch zu beraten. Darüber hinaus wird die individuelle Leistungsentwicklung und -perspektive untersucht. Dazu gehört auch die Vorortbetreuung von Leistungssportlern in Training und Wettkampf wie beispielsweise in der Leichtathletik, im Profi-Fussball und im Basketball. Am Olympiastützpunkt Stuttgart sichern die Tübinger Experten die sportmedizinisch- internistische und leistungsdiagnostische Betreuung der dortigen Bundes- und Landeskaderathleten.

Ansprechpartner für nähere Informationen

Universitätsklinikum Tübingen
Medizinische Klinik - Sportmedizin
Privatdozent Dr. med. Christof Burgstahler
Silcherstrasse 5, 72076 Tübingen
Tel. 07071/29-8 51 60, Fax 07071/29-51 62
christof.burgstahler@med.uni-tuebingen.de

Deutsche Stiftung für Herzforschung
www.dshf.de.

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Mannheimer Forscher laden ein zu www.wahlumfrage2009.de

Achim Fischer, Pressestelle
Universität Mannheim

Online-Befragung soll helfen, das Wahlverhalten besser zu verstehen / Wissenschaftler erwarten starke Dynamik während der "heißen" Wahlkampfphase
Welche Koalition wünschen sich die Bürgerinnen und Bürger und mit welchem Bündnis rechnen sie? Hat die aktuelle Bundesregierung rückblickend gute Arbeit geleistet? Und wie beurteilen die Menschen ihre persönliche wirtschaftliche Lage in Zeiten der Krise?

Unter www.wahlumfrage2009.de warten zentrale Fragen zu Politik und Wahlen auf Beantwortung - die Teilnehmer benötigen dafür nur etwa zehn bis zwölf Minuten Zeit. Von den Antworten versprechen sich die Mannheimer Politikwissenschaftler Professor Thorsten Faas, Sascha Huber und Ansgar Wolsing wichtige Aufschlüsse über das Wahlverhalten: "Wir möchten nachvollziehen, wie sich die Wahlabsicht der Bürgerinnen und Bürger bis zum Wahltermin entwickelt, welche aktuellen Themen ihnen wichtig sind und wie sie die politische Situation einschätzen. In der heißen Phase des Wahlkampfs rechnen wir mit deutlichen Bewegungen", erklärt Faas.

Faas, der bereits bei der letzten Bundestagswahl eine ähnliche Umfrage leitete, hofft wie 2005 auf rund 10.000 ausgefüllte Online-Fragebögen: "Es wäre toll, wieder auf eine ähnlich starke Resonanz zu stoßen. In jedem Fall bedanken wir uns ganz herzlich bei allen Teilnehmenden."

Kontakt und weitere Informationen:

Thorsten Faas
Juniorprofessor für Politikwissenschaft, insbesondere Wählerverhalten
Universität Mannheim
Tel.: +49-(0)621-181-2065
Fax: +49-(0)621-181-2067
E-Mail: Thorsten.Faas@uni-mannheim.de

Ansgar Wolsing, M.A.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES)
Universität Mannheim
Tel.: +49-(0)621-181-2843
Fax: +49-(0)621-181-2845
E-Mail: Ansgar.Wolsing@mzes.uni-mannheim.de
Weitere Informationen:
http://www.wahlumfrage2009.de

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Ziegelsteine aus dem Klärwerk

Kay Gropp, Pressestelle
Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Umweltinstitut an der Universität Witten/Herdecke entwickelt neuen Baustoff aus Klärwerksrückständen / EU-Förderung für Praxisanwendung
Das Institut für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke (www.uni-wh-utm.de) entwickelt einen neuartigen Baustein "EcoBrick". Er soll mit Energie und Reststoffen aus der Abwasserklärung hergestellt werden. Dadurch spart er bei der Herstellung mehr als 50 % Energie und 10 % Rohstoffe gegenüber konventionellen Bausteinen. Gleichzeitig sinken die Wärmeverluste gegenüber Kalksandsein oder Ziegelstein um mehr als 20 %, so dass sich der Energieverbrauch für die Gebäudeheizung reduziert. EcoBrick ist nicht nur für Deutschland interessant, sondern mehr noch für die europäischen Beitrittsstaaten und Schwellenländer weltweit. Dort boomt einerseits der Bausektor und gleichzeitig existiert noch keine geordnete Abwasserentsorgung oder Klärschlammbehandlung.

Bisher scheiterte die Rohstoff sparende Beimengung von Recyclingstoffen zu Ziegeln aus Ton, Beton oder Kalksandsteinen: Der Wasseranteil der Beimengung erhöhte den Energieverbrauch beim Brennen enorm oder die Zuschlagstoffe störten die chemische Reaktion beim Abbinden. Der technologische Durchbruch wurde durch eine Erfindung am Umweltinstitut an der Universität Witten/Herdecke erzielt. Anstatt das Recyclingmaterial direkt bei der Herstellung von Kalksandstein aus Sand, Kalk und Wasser einzumischen, wird erst ein Granulat aus schadstofffreiem, vorbehandeltem Klärschlamm mit Kalk und Sand produziert. Dieses Granulat kann dann im Kalksandstein verteilt werden, so dass sich die Produktqualität nicht verschlechtert. Farbe und Festigkeit sind nur unwesentlich verändert, ähnlich wie bei gutem Recyclingpapier. "Natürlich waren wir alle begeistert, als die ersten Prototypen aus dem Labor so gut aussahen", so Professor Dr. Karl-Ulrich Rudolph vom Umweltinstitut an der Universität Witten/Herdecke. "Trotzdem wird es noch ein langer Weg sein, bis wir die grosstechnische Umsetzung unter industriellen Bedingungen getestet, optimiert und demonstriert haben".

Das Umweltinstitut an der Universität Witten/Herdecke wird dabei durch das EU-Programm "EU-LIFE+" mit 3,3 Mio. Euro gefördert. Die EU hat aus einer Vielzahl von Anträgen insgesamt 195 Projekte ausgewählt, darunter 18 aus Deutschland. Unter den 195 Siegern befanden sich nur acht Universitäten. Die Universität Witten/Herdecke hat als einzige deutsche Universität ein EU Life+ Projekt gewonnen und wurde gleichzeitig mit dem größten Vorhaben unter allen Universitäten Europas am höchsten prämiert.

Im EU-LIFE+-Programm fördert die Europäische Union die praxisorientierte Umsetzung innovativer Technologien und Methoden im Bereich Natur und Umweltschutz (http://ec.europa.eu/life). Die Universitäten konkurrieren hier direkt mit der Industrie und großen, zumeist staatlich geförderten Forschungsinstituten. Mehr als 50 % der Kosten müssen durch den Anwender oder Industriebeteiligte getragen werden, was in Zeiten der Wirtschaftskrise die "Latte der Anforderungen" besonders hoch gehängt hat. Gefördert werden nur solche Projekte, die sich gesichert in der Praxis umsetzen lassen und gleichzeitig so deutliche technisch-ökologische Vorteile oder Kostenersparnisse bringen, dass sich ein industrieller Investor dafür findet. Projektpartner sind der mittelständische Kalksandsteinfabrikant Brinkhege Engineering aus Hilter, Osnabrück, und das Ver- und Entsorgungszentrum VEZ aus Freren im Emsland, der regional führende Klärschlammverwerter. Fachliche und finanzielle Unterstützung kommen außerdem von Aqua Europa, dem industriellen Fachverband aus Brüssel, und der Technischen Universität Prag.

Bereits vor zwei Jahren war die Universität Witten/Herdecke europaweit im EU-LIFE-Programm am erfolgreichsten und hatte mit 12,5 Mio. € Gesamtprojektvolumen das größte Vorhaben für den Wasserverband Wittlage gewonnen, und zwar für das Projekt "IWPM" (Integrierte Abwasserbehandlung; www.eu-life-iwpm.de). Der Erfolg bei der Realisierung dieses Vorhabens war Voraussetzung dafür, dass das Umweltinstitut an der Universität Witten/Herdecke von der EU jetzt erneut gefördert wird. "Wenn es um die Kombination von Innovation und Anwendung geht, ist die Universität Witten/Herdecke aufgrund der Flexibilität und Praxisnähe hervorragend aufgestellt und international wettbewerbsfähig", sagt der wissenschaftliche Geschäftsführer der Universität Witten/Herdecke, PD Dr. Martin Butzlaff.

Weitere Informationen am Institut für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke (www.uni-wh-utm.de),
Prof. Dr. Dr. Rudolph oder Daniel Gregarek, Tel.: 02302 / 914 01 0, mail@professor-rudolph.de
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh-utm.de

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Fast jeder zweite Beschäftigte geht krank zur Arbeit

Ute Friedrich, Pressestelle
Bertelsmann Stiftung

Bertelsmann Stiftung: Gutes Betriebsklima senkt Kosten
Gütersloh, 9. September 2009. 42 Prozent der abhängig und selbstständig Beschäftigten gibt an, in den vergangenen zwölf Monaten zweimal oder öfter krank zur Arbeit gegangen zu sein. Experten re­den in diesem Zusammenhang von Präsentismus. Zwei Drittel der Befragten tun dies vor allem aus Pflichtgefühl und weil sonst Arbeit liegen bleibt. Das zeigt der aktuelle Gesundheitsmonitor der Ber­telsmann Stiftung.

Alleinstehende sind besonders vom Präsentismus betroffen. Singles (78 Prozent) berichteten deutlich häufiger, krank zur Arbeit zu gehen, als Paare und Familien (69 Prozent). Ein Grund könnte die unter­schiedliche Neigung zu Krankheitsverleugnung sein. Die Annahme, dass es vor allem Selbstständige sind, die besonders oft krank arbeiten, kann allerdings nicht bestätigt werden. Das Gegenteil ist der Fall. Der Anteil an Selbstständigen (52 Prozent) ist deutlich kleiner als der Anteil der abhängig Be­schäftigten (74 Prozent).

Ein "gesunder" Umgang mit Krankheit bei der Arbeit ist Führungssache. 65 Prozent der Befragten be­richteten in diesem Zusammenhang über positive Erfahrungen und dass sie auf Hilfe und Unterstüt­zung bei Kollegen sowie auf Verständnis bei Vorgesetzten hoffen konnten. Als weiterer Beweis dafür kann gelten, dass die Wahrscheinlichkeit eines vernünftigen Umgangs mit Krankheiten am Arbeits­platz mit erhöhter Arbeitsfreude und gutem Betriebsklima zunimmt.

"Der unerwartet niedrige Anteil der Selbstständigen, die im Vergleich zu den abhängig Beschäftigten auch krank zur Arbeit gehen, unterstreicht vermutlich die Kostenrelevanz von Präsentismus", kom­mentiert Dr. Stefan Empter, Senior Director der Bertelsmann Stiftung, die Untersuchungsergebnisse. "Studien zeigen, dass Kosten von Präsentismus deutlich über denen liegen, die infolge von Krank­meldungen anfallen. Die engagierte Führungskraft ist der Schlüssel, wenn es um Prävention von Prä­sentismus geht."

Rückfragen an: Dr. Jan Böcken, Telefon: 0 52 41 / 81-81 462; E-Mail: Jan.Boecken@Bertelsmann-Stiftung.de

Dr. Juliane Landmann, Telefon: 0 52 41 / 81-81 245; E-Mail: Juliane.Landmann@Bertelsmann-Stiftung.de

Weitere Informationen:

Jan Böcken, Bernard Braun, Juliane Landmann (Hrsg.)
Gesundheitsmonitor 2009

Gesundheitsversorgung und Gestaltungsoptionen aus der Perspektive der Bevölkerung

Informationen für Entscheider in Ministerien und Kommunalverwaltungen, Politiker, Entscheidungsträ­ger in der gesundheitlichen Selbstverwaltung, Wissenschaftler und Patientenvertreter
2009, ca. 300 Seiten
ISBN 978-3-86793-052-9
ca. 37,00 EUR
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

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Ist Rheuma erblich? Lebensstil und Gene beeinflussen Rheuma gleichermaßen

Dr. Cornelia Rufenach, Geschäftsstelle
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.

Gene und Umweltfaktoren bestimmen etwa zu gleichen Teilen, ob ein Mensch an Gelenkrheuma erkrankt. Der erbliche Anteil einer Rheumatoiden Arthritis verteilt sich dabei auf verschiedene Gene. Erheblichen Einfluss übt der Konsum von Zigaretten aus: Rauchen verschlechtert den Verlauf der Krankheit und führt zu höherem Therapiebedarf. Wie Gene und Umwelt in ihrem Einfluss auf Rheuma zu bewerten sind, diskutieren Experten auf dem 37. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh), der vom 23. bis 26. September 2009 im Congress-Centrum Ost in Köln stattfindet.
Kinder von Rheumapatienten brauchen sich keine übertriebenen Sorgen zu machen: "Die Möglichkeit, dass sie wie Vater oder Mutter an einer rheumatoiden Arthritis erkranken, ist nur im Zusammenspiel bestimmter Faktoren gegeben", sagt DGRh-Vorstandsmitglied Professor Dr. med. Ulf Müller-Ladner, Direktor der Abteilung für Rheumatologie und Klinische Immunologie, Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim. Denn anders als bei klassischen Erbkrankheiten wie etwa Rot-Grün-Blindheit löst nicht ein einzelnes Gen das Gelenkrheuma aus. Sondern eine Vielzahl von Genen bildet zusammen etwa ein Drittel des genetischen Risikos für Rheuma ab, so der Experte. Zudem spielen nicht nur die Gene selbst dafür eine Rolle. Auch die Frage, ob und wie sie bei jedem Einzelnen ausgeprägt sind, entscheidet darüber.

Neben den Genen bestimmen Lebensstil und Umwelt den Verlauf einer Rheumatoiden Arthritis. Dazu zählen laut Müller-Ladner ein niedriger sozioökonomischer Status und Zigaretten: Rauchende Rheumapatientenverschlimmern den Verlauf ihrer Krankheit und brauchen mehr Medikamente. "Einige Rheumatologen sind deshalb dazu übergegangen, bestimmte Therapien nur dann zu verordnen, wenn Patienten mit dem Rauchen aufgehört haben", führt der Rheumatologe an. Über die Rolle von Genen und Lebensstil bei Rheuma spricht Professor Müller-Ladner im Rahmen einer Pressekonferenz auf dem 37. Kongress der DGRh in Köln.

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Unter dem Begriff Rheuma fassen Experten mehr als 100 verschiedene entzündliche Erkrankungen des Bewegungsapparates zusammen. Auch die verschleißbedingten Krankheiten wie Arthrose zählen zum sog. "rheumatischen Formenkreis". Menschen jeden Alters sind von diesem oft schweren, schmerzhaften und vielgestaltigen Leiden betroffen: Etwa 1,5 Millionen Deutsche leiden allein an einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung. Durchschnittlich dauert es 13 Monate bis Betroffene mit einer rheumatoiden Arthritis zu einem Rheumatologen gelangen und dort Hilfe finden.
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Kontakt für Journalisten:
Kongress-Pressestelle
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-552
Telefax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org
Weitere Informationen:
http://www.dgrh.de/kongress2009.html - alle Informationen zum Jahreskongress der DGRh

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Pestizide - Belastung und Wirkung in Gewässern jetzt einfacher nachweisbar

Tilo Arnhold, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Leipzig. Die Langzeitfolgen von Pflanzenschutzmitteln auf die Lebewesen und die Qualität des Wassers in Flüssen kann jetzt einfacher als je zuvor ermittelt werden: Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) haben ein Werkzeug entwickelt, mit dem innerhalb von Minuten die schädliche Wirkung von Pestiziden abgeschätzt werden kann, die zum Beispiel von landwirtschaftlichen Flächen in Flüsse und Bäche gespült worden sind.
"Bisher war es sehr schwierig nachzuweisen, welche chronischen Wirkungen auftreten", erläutert Dr. Matthias Liess, Leiter des UFZ-Departments System-Ökotoxologie. Bei ihrem neuen Ansatz machen es sich die Helmholtz-Forscher zu nutze, dass Pestizide charakteristische Änderungen in der Zusammensetzung der jeweils betroffenen Lebensgemeinschaft bewirken.

"Man muss lediglich ermitteln, welche und wie viele Tiere wie etwa Insekten und Krebse an einer bestimmten Stelle des Flusslaufs zu finden sind", beschreibt es Liess. Die mit der Wasserwirtschaft befassten Ämter hätten solche Daten in der Regel vorliegen, fügt er hinzu. Liess und seine Kollegen haben nun einen Dienst im Internet eingerichtet, über den diese Daten eingegeben werden können und in deren Auswertung sofort feststellbar ist, wie hoch die Belastung der untersuchten Gewässer tatsächlich ist. Von der Internetseite http://www.systemecology.eu/SPEAR/Start.html kann eine gewöhnliche Exel-Tabelle heruntergeladen werden, in die in wenigen Schritten eingetragen wird, an welchen Probestellen welche Lebewesen in welcher Häufigkeit vorkommen. Ist die Tabelle fertig ausgefüllt, wird sie in den so genannten SPEAR-Rechner geladen und angegeben, in welcher Region die Proben genommen wurden. Sofort erfährt man, wie es um die Wasserqualität im untersuchten Gebiet bestellt ist. Daten zu den Regionen liegen derzeit für Deutschland, Frankreich, Finnland und West-Sibirien vor, erprobt wurde das System aber auch schon in Großbritannien und Australien. Die Nutzung des Angebots ist kostenlos.

Mit den Ergebnissen der Berechnungen können die Verantwortlichen laut Liess geeignete Maßnahmen ergreifen, um die Belastung von Gewässern mit Pestiziden zu verringern. "Unser Werkzeug kann aber mehr, als nur Problembereiche identifizieren", unterstreicht der Helmholtz-Wissenschaftler. Es zeigt auch an, wo unbelastete Gewässerabschnitte die Wirkung der Belastung kompensieren. Das ist deshalb von enormer Bedeutung, weil so gezeigt werden kann, wenn Schutzmaßnahmen gegriffen haben. Weiterer Vorteil des neuen Werkzeugs: Aufwändige und teure chemische Analysen sind häufig nicht mehr notwendig.
Jörg Aberger

Mehr zu diesem und weiteren Themen lesen Sie in der September-Ausgabe des UFZ-Newsletters:
http://www.ufz.de/index.php?de=10690

Weitere fachliche Informationen:
Dr. Matthias Liess
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1578, 0151-527 390 36
http://www.ufz.de/index.php?en=3714
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1269
E-mail: presse@ufz.de

Publikation:
Beketov M.A., Foit K., Schäfer R.B., Schriever C.A., Sacchi A., Capri E., Biggs J., Wells C., Liess, M. (2009):
SPEAR indicates pesticide effects in streams - comparative use of species- and family-level biomonitoring data.
Environmental Pollution 157(6), June 2009, 1841-1848
http://dx.doi.org/10.1016/j.envpol.2009.01.021
Die Untersuchungen wurden von der Environment Agency of England and Wales und der Europäischen Union gefördert.

Weiterführende Links:
http://www.systemecology.eu/SPEAR/Start.html

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weitreichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
http://www.ufz.de
Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,4 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).
http://www.helmholtz.de
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=18595

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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"Analog-Käse" - Brauchen wir strengere Gesetze?

Dr. Renate Hoer, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Berichte der Medien über Lebensmittelimitate wie "Analog-Käse" oder Formfleisch-Schinken haben in den vergangenen Monaten in der breiten Öffentlichkeit großes Aufsehen erregt und nicht selten die Forderung nach einem verbesserten Verbraucherschutz durch strengere Gesetze laut werden lassen. Brauchen wir tatsächlich neue Gesetze oder muss die Einhaltung der bestehenden Anforderungen besser überwacht werden? Auf dem Deutschen Lebensmittelchemikertag, den die Lebensmittelchemische Gesellschaft, die größte Fachgruppe in der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) vom 14. bis 16. September 2009 in Berlin veranstaltet, diskutieren etwa 500 Lebensmittelchemiker neben dieser Frage weitere aktuelle Themen aus den Bereichen Verbraucherschutz und Lebensmittelwissenschaften.

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder öffentliche Diskussionen über die Verwendung von Lebensmittelimitaten. Verbraucherzentralen, Verbrauchervereine und Spitzenpolitiker haben vor allem im Zusammenhang mit Begriffen wie "Analog-Käse" und Formfleisch-Schinken wiederholt den Vorwurf einer groben Verbrauchertäuschung erhoben und nicht selten strengere Gesetze zum Schutz der Verbraucher gefordert.

Lebensmittelimitate zählen seit Jahrzehnten zu unserem Lebensmittelangebot und spielen zum Teil eine bedeutende Rolle in den Speiseplänen. Margarine (als Ersatz für Butter), kakaohaltige Fettglasur (als Ersatz für Schokolade) oder Kunsthonig (als Ersatz für Bienenhonig) sind nur einige besonders hervorragende Beispiele. Die meisten Lebensmittelimitate sind aufgrund ihrer Zutaten geringwertiger als ihre Vorbilder. Die Gefahr einer Verbrauchertäuschung liegt bei diesen Erzeugnissen auf der Hand.

Bereits seit den 1960er Jahren enthalten unser Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) und seine Vorgänger deshalb strenge Verbotsvorschriften zum Schutz der Verbraucher vor Täuschung und Irreführung. Lebensmittelimitate, so genannte nachgemachte Lebensmittel, dürfen demnach nicht ohne ausreichende Kenntlichmachung, die eine Verwechslung mit dem Vorbild verhindern muss, in den Verkehr gebracht werden. Von dem Vorbild abweichende Bezeichnungen und Zutatenlisten müssen eine eindeutige Unterscheidung der Imitate vom Vorbild zulassen. Für einige Lebensmittel gibt es zusätzlich einen EU-weit geltenden Bezeichnungsschutz. Erzeugnisse aus Pflanzenfetten und anderen Zutaten, die wie Käse aussehen, dürfen weder als "Käse" oder "Analog-Käse" bezeichnet werden, noch darf der Begriff "Käse" in der Kennzeichnung verwendet werden. Dies gilt auch, wenn die Lebensmittelimitate als Zutat anderer Lebensmittel verwendet werden. Verstöße gegen diese Vorschriften sind in der Regel Ordnungswidrigkeiten, die bei ihrer Erkennung mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden.

Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass Verstöße gegen die genannten Verbote zum Schutz vor Täuschung im Zusammenhang mit nachgemachten Lebensmitteln nur sehr selten bei Produkten zu finden sind, die in Fertigpackungen und somit mit einer vollständigen Kennzeichnung angeboten werden. Relativ häufig werden dagegen Lebensmittelimitate unter falscher Bezeichnung in gastronomischen Betrieben sowie im Thekenverkauf, wo keine Zutatenlisten angegeben werden können und müssen, angeboten.

Die systematische Kontrolle von Lebensmitteln aus der Gastronomie und handwerklichen Lebensmittelbetrieben wie Bäckereien ist mit einen sehr großen Personal- und Sachaufwand verbunden. Industriebetriebe und große Einzelhandelsunternehmen lassen sich dagegen vergleichsweise leicht überwachen, weil die Stückzahlen, der unter gleichen Bedingungen und nach gleichen Rezepturen hergestellten Produkte groß sind. Die angespannte Lage der meisten öffentlichen Haushalte verhindert oftmals eine flächendeckende Überwachung der handwerklichen Lebensmittelbetriebe und der Gastronomie. Die Abgabe einer mit Formfleischerzeugnissen belegten "Schinken-Pizza", einer mit Margarine bestrichenen "Butter-Brezel" oder eines mit Pflanzenfetterzeugnissen hergestellten "Käsebrötchens" an den Verbraucher bleiben deshalb zu häufig unbemerkt durch die Behörden der Lebensmittelüberwachung.

Die Lebensmittelchemische Gesellschaft (LChG) vertritt die Auffassung, dass eine Verbesserung des Schutzes der Verbraucher vor Täuschung durch Lebensmittelimitate nicht durch zusätzliche gesetzliche Anforderungen an die Lebensmittelkennzeichnung erreicht werden kann. Vielmehr hält es die LChG für sinnvoller, die amtliche Lebensmittelüberwachung und -untersuchung durch Zuweisung von ausreichenden Sach- und Personalmitteln in die Lage zu versetzen, auch Lebensmittel aus gastronomischen Betrieben und Lebensmittel, die im Thekenverkauf angeboten werden, umfassender zu kontrollieren.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit über 28.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie unterhält 26 Fachgruppen und Sektionen. Mit rund 2.800 Mitgliedern ist die Lebensmittelchemische Gesellschaft die größte Fachgruppe in der GDCh. Sie veranstaltet mit dem Deutschen Lebensmittelchemikertag die zentrale Jahrestagung der Lebensmittelchemikerinnen und Lebensmittelchemiker in Deutschland. Mehr als 500 Wissenschaftler aus der Wirtschaft sowie aus Behörden, Handelslaboratorien, Hochschulen oder anderen Forschungseinrichtungen treffen sich hier, um die Weiterentwicklung ihrer Wissenschaft in Vorträgen und Postern vorzustellen und zu diskutieren. 2009 findet der Deutsche Lebensmittelchemikertag vom 14. bis 16. September in Berlin statt. Einen Einblick in ihre Arbeiten gibt die Lebensmittelchemische Gesellschaft in diesem Jahr auch in der Aktuellen Wochenschau (www.aktuelle-wochenschau.de).
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Schirm gegen Schwermetalle

Dr. Ute Schönfelder, Referat Öffentlichkeitsarbeit
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Mikrobiologin der Universität Jena koordiniert neuen Forschungsverbund "Umbrella" - EU fördert das Vorhaben mit knapp 3 Millionen Euro
Jena "Man nehme" - ähnlich einfach wie nach einem Kochbuch sollen sich künftig schwermetallbelastete Böden sanieren lassen: Je nach Art der Kontamination und der Bedingungen vor Ort, stellt man sich das beste "Sanierungsrezept" zusammen - so das Ziel eines gerade gestarteten europaweiten Forschungsprojekts. "Umbrella" (engl. Schirm) heißt das Forschungsvorhaben, das von der Friedrich-Schiller-Universität Jena aus koordiniert wird. "Umbrella" steht dabei für Using MicroBes for the REgulation of heavy metaL mobiLity at ecosystem and landscape scale, was so viel bedeutet wie, die Schwermetallbelastung durch den Einsatz von Mikroben zu regulieren.

"Die Idee ist, dass wir eine Art Werkzeugkasten entwickeln, aus dem sich die Anwender das für sie am besten passende Werkzeug für die Sanierung belasteter Böden aussuchen", sagt Prof. Dr. Erika Kothe von der Jenaer Universität. Die Professorin für Mikrobielle Phytopathologie koordiniert das internationale "Umbrella"-Team, das 13 Partner aus acht europäischen Ländern vereint. Im Rahmen des 7. Forschungsrahmenprogramms der EU wird das Projekt in den kommenden drei Jahren mit knapp 3 Millionen Euro gefördert. Neben dem Team von Prof. Kothe sind auch Geowissenschaftler in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Georg Büchel von der Jenaer Universität an "Umbrella" beteiligt.

Mit "Werkzeug" für die Bodensanierung meint Mikrobiologin Kothe natürlich Mikroorganismen. Das Prinzip ist einfach: Bakterien nehmen Schwermetalle - etwa Cadmium, Nickel oder Kupfer - aus dem Boden auf und speichern sie. "Damit sind die Giftstoffe für einige Zeit in den Mikroben gebunden und können nicht mehr in Flüsse und Grundwasser gelangen", erklärt Prof. Kothe, wie der "Schirm" gegen Schwermetalle im Boden funktioniert. Neben Mikroorganismen können auch Pflanzen Kontaminationen aufnehmen und so dem Boden entziehen.

Finden lassen sich solch nützliche Bakterien und Pflanzen überall dort, wo Schwermetalle im Boden vorkommen, etwa in den belasteten Böden der Wismutregion im ehemaligen Uranerzbergbaugebiet in Ostthüringen und Sachsen. Diese Organismen systematisch aufzuspüren und zu charakterisieren, darum wird es nun bei "Umbrella" gehen. Doch nicht nur hier. "Europaweit wollen wir sechs ehemalige Bergbauregionen untersuchen", so Prof. Kothe. Neben den Wismuthalden werden die Wissenschaftler auch belastete Gebiete in Rumänien, Schweden, Großbritannien, Polen und Italien unter die Lupe nehmen.

Zunächst geht es darum, diejenigen Mikroorganismen und Pflanzen zu identifizieren, die - unter den jeweiligen klimatischen, biologischen und geologischen Gegebenheiten - besonders effizient dem Boden Schwermetalle entziehen. "Langfristig wollen wir bestehende Sanierungsverfahren verbessern und verallgemeinern", so Kothe. Bisherige Richtlinien würden oftmals Boden- und Gewässerschutz separat betrachten, bedauert die Mikrobiologin von der Jenaer Universität. "Ziel von Umbrella ist es, diese Trennung zu überwinden und Schwermetallverunreinigungen vom Ort ihres Entstehens über den Eintrag und Transport in Grundwasser und Flüsse im Zusammenhang zu sehen." Deshalb kooperieren nicht nur Wissenschaftler verschiedener Disziplinen im Umbrella-Verbund. Die Forscher arbeiten auch eng mit zuständigen Behörden zusammen, wie beispielsweise der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG).

Kontakt:
Prof. Dr. Erika Kothe
Institut für Mikrobiologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Neugasse 25
07743 Jena
Tel.: 03641 949291
E-Mail: erika.kothe[at]uni-jena.de
Weitere Informationen:
http://www.umbrella.uni-jena.de
http://www.uni-jena.de

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news331832

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Molekularer Schutzmechanismus gegen Alterung entdeckt

Willi Baur, Pressestelle
Universität Ulm

Alterung geht mit einem Verlust der Funktion und des Erhaltes verschiedener Organe einher, wodurch die Lebensqualität im Alter eingeschränkt wird. Adulte Stammzellen sind in fast allen Geweben und Organen im Menschen nachweisbar und tragen zeitlebens zur Regeneration und dem Erhalt der Organfunktion bei. Es gibt zunehmend Hinweise, dass die Funktion von 'adulten Stammzellen' im Alter nachlässt und dies zum Funktionsverlust von alternden Organen beiträgt.
In neuen Forschungsarbeiten haben Yvonne Begus-Nahrmann und Professor Karl Lenhard Rudolph, Direktor des Instituts für Molekulare Medizin und der Max-Planck-Forschungsgruppe für Stammzellalterung der Universität Ulm, entdeckt, dass das im menschlichen Körper vorkommende p53-Protein vor Alterung schützt. Das Protein wird durch Instabilitäten in der DNS der Zelle aktiviert und führt zum Abtöten solcher instabilen Zellen. Dieser Mechanismus wird seit langem als Schutz vor Krebsentstehung angesehen. Die neuen Arbeiten der Forschergruppe zeigen, dass der gleiche Mechanismus zur Entfernung von instabilen Stammzellen aus alternden Geweben führt. Fehlt das p53-Protein, kommt es zum Überleben von instabilen Stammzellen und dadurch zu einer Beschleunigung der Gewebealterung.

"Diese Arbeiten sind sehr interessant, da ein Nachlassen der p53 Funktion im Alter bekannt ist" sagt Professor Rudolph, Leiter des Forschungsteams in Ulm. Nach seiner Auffassung ist es nun denkbar, p53-Aktivatoren zu entwickeln, die zu einer verbesserten Abräumung von instabilen Stammzellen führen und damit die Alterung von Geweben verzögern. Rudolph, in diesem Jahr mit dem höchstdotierten deutschen Forschungspreis (Gottfried-Wilhelm-Leibniz Preis) ausgezeichnet, will einen Teil des Preisgeldes für die Fortführung dieses Forschungsansatzes verwenden. "Das Ziel ist es nicht die Lebensdauer zu verlängern, sondern die Lebensqualität im Alter zu verbessern" erklärt er zur Zielsetzung seiner Forschung. Seiner Meinung nach könnte die Beeinflussung von körpereigenen Stammzellen durch neu entwickelte Medikamente schneller zu einem klinischen Einsatz führen als die Transplantation von induziert pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen).

Weitere Informationen: Frau Yvonne Begus-Nahrmann, Tel. 0731/50-36114 oder Prof. Dr. Karl Lenhard Rudolph, Tel. 0731/50-36100

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Mit Leichtigkeit Energie sparen

Faserverbundwerkstoffe sollen nicht nur Flugzeuge und Fahrzeuge, sondern auch Maschinenelemente leichter und damit energiesparender machen. In Augsburg erfolgte am 7. September der erste Spatenstich für die Fraunhofer-Projektgruppe »Funktionsintegrierter Leichtbau« und das »Zentrum für Leichtbauproduktionstechnologie« des DLR. Bundeswirtschaftminister Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil, Dr. Kurt Gribl, Oberbürgermeister der Stadt Augsburg, Prof. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, und Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des DLR, hoben in ihren Ansprachen die besondere Bedeutung des Themas Leichtbau für den Wirtschaftsstandort Deutschland hervor.

Neue, leichte Werkstoffe helfen den Energieverbrauch und den Ausstoß von Schadstoffen bei Flug- und Fahrzeugen zu senken. In den Flugzeugen der nächsten Generation werden verstärkt Faserverbundkunststoffe (FVK) eingesetzt, die aus in eine Kunststoffmatrix eingebetteten Verstärkungsfasern bestehen. Das Material ist leicht und verfügt dennoch über eine hohe spezifische Steifigkeit. Das macht den Werkstoff auch für den Fahrzeug- und Maschinenbau interessant.

»Der Leichtbau gehört im Zeichen eines steigenden Umweltbewusstseins und schwindender Ressourcen zweifelsohne zu den wichtigsten Zukunftstechnologien im Flugzeug-, Fahrzeug- sowie Maschinenbau. Eine besondere Rolle kommt hierbei den Hochleistungsfaserverbundwerkstoffen zu, die nicht nur das höchste Leichtbaupotenzial, sondern gleichzeitig vielfältige funktionale Vorteile bieten«, betont Prof. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Die größte Bedeutung haben hierbei kohlenstofffaserverstärkte Kunststoffe. Sie sind etwa 30 Prozent leichter als Aluminium und 60 Prozent leichter als Stahl. Voraussetzung für die Nutzung dieses enormen Leichtbaupotenzials sind neue Konzepte, die eine faser- und textilgerechte konstruktive Gestaltung, neuartige Bauweisen, aber auch neue Struktur- und Werkstoffkonzepte sowie großserienfähige Fertigungstechnologien mit hohem Automatisierungsgrad einschließen.

Schwerpunkt der Fraunhofer-Projektgruppe »Funktionsintegrierter Leichtbau« ist es, neue Werkstoffe und Verfahren für die Automobil- und Maschinenbauindustrie zu entwickeln. Die Projektgruppe wurde im Februar diesen Jahres als Außenstelle des Fraunhofer-Instituts für Chemische Technologie ICT in Augsburg gegründet. Sie wird vom Land Bayern gefördert und soll sich in den kommenden Jahren zu einem eigenständigen Institut entwickeln. Für den Aufbau der Fraunhofer-Einrichtung stellt das Land Bayern 22 Mio Euro zur Verfügung. Die Stadt Augsburg beteiligt sich mit 3,5 Mio Euro am Neubau.

Nun wurde der erste Spatenstich für das Gebäude der Fraunhofer-Projektgruppe ausgeführt. Der 2600 m² große Bau wird auf fünf Etagen gut ausgestattete Büros, Laboratorien, Technika und Werkstätten für die Bearbeitung der Forschungsaufträge zur Verfügung stellen und den Ausbau der Projektgruppe auf etwa 65 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis Ende 2013 ermöglichen.

Im ZLP arbeiten Forscher des DLR an automatisierten Produktions- und Montagemethoden, flexiblen Robotersystemen sowie mechatronischen Handhabungssystemen. »Das DLR wird im Zentrum für Leichtbauproduktionstechnologie vor allem an neuen automatisierten Produktionsmethoden für FVK-Strukturen der Luftfahrzeuge der nächsten Generation forschen«, erläutert Prof. Dr. Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des DLR. Das Land Bayern und das Bundeswirtschaftsministerium fördern die Einrichtung des neuen Zentrums.

»Deutschland ist im Automobil-, Flugzeug-, Maschinen- und Anlagenbau sehr gut aufgestellt. Der Einsatz neuer Leichtbauwerkstoffe kann helfen, die Position deutscher Unternehmen verschiedener industrieller Sektoren im internationalen Wettbewerb zu stärken. Dazu wollen wir mit der Förderung des Zentrums für Leichtbauproduktionstechnologie und der Projektgruppe Funktionsintegrierter Leichtbau beitragen.«

Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil hebt beim Spatenstich das Ziel der Bayerischen Staatsregierung hervor, die weltweite Spitzenstellung Bayerns bei den Faserverbundwerkstoffen weiter auszubauen. »Das neue Zentrum für Leichtbauproduktionstechnologie und die Fraunhofer-Projektgruppe Funktionsintegrierter Leichtbau sind dabei weitere wichtige Schritte. Gerade in der aktuellen Wirtschaftskrise müssen wir die langfristigen Zukunftschancen des Wirtschaftsstandorts Bayern sichern. Wir setzen dabei konsequent auf die Unterstützung von Forschung und Innovationen, um die Wachstumskräfte im Freistaat zu fördern«, erklärt Zeil.

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie

Magdalena Schaeffer, Pressestelle
Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI)

In ihrem neuen Buch "Das Ende der Welt, wie wir sie kannten. Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie" (S. Fischer Verlag, September 2009) zeigen Politikwissenschaftler Claus Leggewie und Sozialpsychologe Harald Welzer, welche Auswirkungen voranschreitender Klimawandel, Ressourcenknappheit und Bevölkerungswachstum und der damit einhergehende Kulturwandel für die westlichen Demokratien haben. Sie plädieren dafür, das auf Wachstum basierende westliche Erfolgsmodell zu überdenken, um die Demokratien des Westens zukunftsfähig zu machen. Moderator ist Nils Minkmar von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Im Hintergrund der Welt, wie wir sie kannten, türmen sich seit Jahrzehnten Megakrisen auf, die wir nur deshalb ignorieren können, weil unsere komfortablen Lebensumstände die Illusion befördern, alles werde schon irgendwie gut ausgehen. Aber der Klimawandel, die schwindenden Energieressourcen, die Verschmutzung der Umwelt, die Ernährungskrisen und das Bevölkerungswachstum zeigen die Endlichkeit unserer Kultur und unseres Lebensstils an. Hier befindet sich ein System an seiner Funktionsgrenze, und die Finanzkrise zeigt es in aller Deutlichkeit: In dem Augenblick, in dem die westliche Wirtschaftsform ihren weltweiten Siegeszug vollendet, kollabiert sie, denn die globalisierte Welt ist eine Insel. Sie hat kein Außen, aus dem sie Treibstoff für ihr Wachstum beziehen könnte. Sind die Demokratien des Westens in der Lage, sich so zu modernisieren, dass sie zukunftsfähig werden? Ist es möglich, das erreichte Niveau dafür zu nutzen, eine Form des Wirtschaftens und Lebens zu entwickeln, die nicht auf Wachstum, sondern auf Gerechtigkeit und Lebensqualität setzt? Erst das Ende der Illusion, dass unser Erfolgsmodell auch unter den Bedingungen einer globalisierten Welt funktioniert, bietet Chancen auf eine Zukunft der Demokratie.

Autoren:
Claus Leggewie, Professor für Politikwissenschaft und Direktor des KWI, an dem er den Forschungsschwerpunkt KlimaKultur ins Leben rief. Von 1995 bis 1997 war er erster Inhaber des Max Weber-Chair an der New York University; er bekleidete Gastprofessuren an der Université Paris-Nanterre und am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien und war 1999 bis 2000 Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.

Harald Welzer, Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research (CMR) und Leiter des Forschungsschwerpunkts KlimaKultur am KWI sowie Forschungsprofessor für Sozialpsychologie an der Universität Witten/Herdecke. Zuletzt erschien im S. Fischer Verlag sein Buch "Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird".

Moderation:
Nils Minkmar, Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

Datum: 8. September 2009, 20:00 Uhr
Ort: Café Central im Grillo-Theater, Theaterplatz 11, 45127 Essen

Die Veranstaltung ist öffentlich.

WEITERE TERMINE:

22. September 2009, 19:00 Uhr
Vortrag mit Harald Welzer und Claus Leggewie
Moderation: Reinhard Kahl
Ort: Literaturhaus Hamburg, Schwanenwik 38,22087 Hamburg

23. September 2009, 19:00 Uhr
Vortrag mit Harald Welzer und Claus Leggewie
Ort: Museum für Naturkunde, Leibniz-Institut an der Humboldt-Universität, Invalidenstraße 43, 10115 Berlin

9. Oktober 2009, 19:00 Uhr
"Streitfall"
Harald Welzer und Claus Leggewie im Gespräch mit Franziska Augstein, Micha Brumlik und Martin Lüdke, Moderation: Peter Kemper (HR)
Ort: Literaturhaus, Schöne Aussicht 2, 60311 Frankfurt

25. Oktober 2009, 12:00 Uhr
Vortrag mit Harald Welzer in der Reihe "Sonntagsgespräche"
Ort: Geschwister-Scholl-Haus, Ritterstraße 8-10, 04109 Leipzig

12. November 2009, 19:30 Uhr
Vortrag mit Harald Welzer
Ort: Kultur- und Bildungszentrum, Mühlenstraße 15, 85737 Ismaning

Kontakt:
Magdalena Schaeffer, Pressesprecherin, Kulturwissenschaftliches Institut Essen (KWI),
Tel. 0201 7204 -152, magdalena.schaeffer@kwi-nrw.de.

Weitere Informationen erhalten Sie im Internet unter
http://www.kulturwissenschaften.de/home/veranstaltung-219.html und
>www.fischerverlage.de>

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Den Ursachen des Tinnitus auf der Spur

Dr. Anne Hardy, Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Manuela Nowotny erforscht, welche Schädigungen der Hörschnecke die belastenden Ohrgeräusche erzeugen
FRANKFURT. Fast drei Millionen Menschen leiden in Deutschland an Tinnitus. Die Ohrgeräusche, für die es keine äußere Schallquelle gibt, äußern sich als Brummen, Zischen, Rauschen, Pfeifen, Klopfen oder Knacken. Für etwa 800.000 Betroffene ist dieses Leiden mit Schlafstörungen, Angstzuständen, Depressionen und Arbeitsunfähigkeit verbunden. Eine wirksame Therapie gibt es bislang nicht, weil die Ursachen für die Entstehung des Tinnitus und sein Fortbestehen durch einen Lerneffekt im Gehirn nicht verstanden sind. Hier setzt ein interdisziplinäres Forschungsprojekt von Neurobiologen der Goethe-Universität ein.

Zurzeit geht man davon aus, dass der Tinnitus mit einer Schädigung des Innenohrs beginnt. Diese kann durch einen Hörsturz, ein Knalltrauma, zu laute Musik, aber auch Medikamente ausgelöst werden. Allerdings 'verselbständigt' sich das Phänomen, wie man von Patienten weiß, denen der Hörnerv auf eigenen Wunsch durchtrennt wurde. Da der Tinnitus dadurch nicht verschwand, nimmt man an, dass er durch einen Lerneffekt des Gehirns aufrecht erhalten wird. "Wir müssen also verstehen, wie der Tinnitus im Innenohr entsteht, andererseits aber auch die Gehirnregionen ausfindig machen, in denen er sich dauerhaft manifestiert", erklärt Dr. Manuela Nowotny, die für ihr Forschungsprojekt kürzlich mit dem Adolf Messer-Stiftungspreis ausgezeichnet wurde.

Die Neurobiologin untersuchte bereits an Heuschrecken, wie Schallwellen von den Sinneszellen in elektrische Reize umgewandelt werden. Bei Heuschrecken liegt das Hörorgan auf den Vorderbeinen, wo es für Experimente leichter zugänglich ist als bei Säugern. Für die Untersuchungen zum Tinnitus wählte die Forscherin aber die Wüstenrennmaus, weil deren Hörbereich mit demjenigen des Menschen weitgehend übereinstimmt. Einen vorübergehenden Tinnitus kann man bei dem Tier medikamentös durch Salizylat hervorrufen. Dies ist ein Bestandteil des Schmerzmittels Acetylsalicylsäure.

Doch woher weiß die Forscherin, dass der Tinnitus bei der Rennmaus eingesetzt hat? "Früher war dazu ein relativ langes Verhaltenstraining notwendig", sagt sie, "beispielsweise wurde das Tier darauf trainiert, bei Geräuschsignalen an einer Trinkflasche zu lecken, und dann bestimmte man die Leckrate." Weniger Aufwand ist es, den Schreckreflex der Tiere zu nutzen. Das unwillkürliche Aufzucken bei einem lauten Geräusch lässt sich auf einer Messplattform in ein elektrisches Mess-Signal umwandeln, das Aufschluss über die Intensität der Schreckreaktion gibt. Man weiß, dass ein leises Signal, das kurz vor einem Knall kommt, die Schreckreaktion stark abschwächt. Denn dann merkt das Tier auf und erschrickt weniger heftig. Wüstenrennmäuse mit einem Tinnitus können solche leisen Hinweise nicht hören und erschrecken daher genauso stark wie zuvor. Dass sie für diese Art von Versuchen geeignet sind, konnten Nowotny und ihre Kollegen Priv. Doz. Bernhard Gaese (Goethe-Universität Frankfurt) und Prof. Peter Pilz von der Universität Tübingen in einer kürzlich publizierten Arbeit nachweisen.

Um die Ursache des Tinnitus im Innenohr zu verstehen und dann gezielt Medikamente testen zu können, will Nowotny herausfinden, welche Bereiche der Hörschnecke jeweils geschädigt sind. Diese ist so aufgebaut, dass hohe Frequenzen an der Basis des Hörorgans wahrgenommen werden, die niedrigen dagegen an der Spitze. Bei einem Tinnitus, der durch laute Musik oder einen Knall hervorgerufen wurde, erwartet sie somit, eine Schädigung in dem Bereich der Schnecke zu finden, der mit der Frequenz des schädigenden Schalls übereinstimmt. "Ob diese Schädigung auch den resultierenden Tinnitus beeinflusst, ist für die medikamentöse Therapie von fundamentaler Bedeutung", erläutert die Forscherin, "denkbar wäre auch, dass die Randbereiche der Schädigung die Quelle der Fehlfunktion sind". Ergänzend dazu untersuchen die Neurobiologen Prof. Manfred Kössl und Priv. Doz. Bernhard Gaese, welche Hirnregionen bei Tinnitus aktiv sind und wie der 'Lerneffekt' entsteht.

Die notwendigen Laborgeräte für ihre Arbeit konnte die Nachwuchswissenschaftlerin Dank des mit 25.000 Euro dotierten Adolf Messer-Preises anschaffen. Sie ist außerdem Stipendiatin der Main Campus Stiftung der Polytechnischen Gesellschaft, die unter anderem Habilitierende mit Kindern unterstützt. Das von den Stipendiaten gewünschte soziale Engagement leistet Manuela Nowotny schon länger als Schöffin am Frankfurter Landgericht. So hat sie abends noch Zeit für ihren zweijährigen Sohn.

Informationen:
Dr. Manuela Nowotny, Neurobiologie und Biosensorik, Bio-Campus Siesmayerstraße,
Tel: (069)798-24744, nowotny@bio.uni-frankfurt.de.

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt am Main. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit über 50 seit 2000 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigte sie sich als eine der forschungsstärksten Hochschulen.

Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation
Telefon (069) 798 - 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30,
E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de
Internet: www.uni-frankfurt.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Klimaschutz: Atomkraft ist keine Alternative

Christiane Rathmann, Öffentlichkeit und Kommunikation
Öko-Institut e. V. - Institut für angewandte Ökologie

Kernkraft als Klimaretter? Das Öko-Institut positioniert sich in der aktuellen Debatte: In der Broschüre "Streitpunkt Kernenergie" werden die Argumente im Streit um die Rückkehr zur Atomenergie beleuchtet. Die Publikation - finanziert von der Stiftung Zukunftserbe - richtet sich an Fachexperten, Politiker, Journalisten und andere Interessierte.

Angesichts von Klimawandel und Ressourcenknappheit gibt es weltweit eine neue Diskussion um die Zukunft der Kernenergie: Kann Atomkraft fossile Energieträger ersetzen und CO2-Emissionen einsparen? Stehen wir vor einer Renaissance der Kernenergie? Frankreich und Finnland bauen neue Kernkraftwerke (KKW), die USA und Großbritannien planen welche. Auch in Deutschland verschärft sich vor der Bundestagswahl die Debatte: Atomlobby und CDU fordern verlängerte Laufzeiten für KKWs. Nur so ließen sich Klimaschutzziele und Versorgungssicherheit langfristig gewährleisten. Die Wissenschaftler des Öko-Instituts kommen zu einem anderen Ergebnis "Wir haben unsere wichtigsten Studien zusammen-gefasst und mit neuen Fakten und Zahlen untermauert", sagt Dr. Christoph Pistner, einer der Autoren. "Die Broschüre belegt wissenschaftlich fundiert, dass die Atomenergie vor ungelösten Problemen steht. Die vermeintlich neuen Argumente der Kernenergiebefürworter erweisen sich als leere Versprechen."

Atomkraft: Kein Klimaretter
Das Resümee der Publikation: Atomenergie kann nur einen geringen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Weltweit wird mit Kernenergie rund 15 Prozent des Strombedarfs produziert, insgesamt rund sechs Prozent des globalen Primärenergie-Verbrauchs. "Nur wenn die bestehenden 436 Atommeiler auf 1000 bis 1500 neue Anlagen ausgebaut würden, könnte Kernenergie überhaupt eine wichtige Rolle beim Klimaschutz spielen", betont der Kernenergie-Experte aus dem Öko-Institut Dr. Christoph Pistner. Doch die Uranreserven sind begrenzt: Bei einer Verdopplung der Nuklearkapazitäten in den nächsten 40 Jahren wären die Uranvorräte bald erschöpft. Zudem stehen den Ausbauszenarien erhebliche ökologische, sicherheitspolitische und wirtschaftliche Bedenken entgegen.

Risikofaktor Kernenergie
Philippsburg, Brunsbüttel, Forsmark, Bärsebeck - auch nach dem Super-Gau in Tschernobyl wurden immer wieder gefährliche Störfälle und Sicherheitsmängel gemeldet. Die Broschüre zeigt, dass auch heute noch die Sicherheit der Kernkraftwerke nicht garantiert werden kann. Der Schwachpunkt von KKWs liegt in ihrer hohen Komplexität. Menschliche Fehler bei der Bedienung lassen sich nicht ausschließen. Auch fehlt weltweit eine gesellschaftlich akzeptierte Lösung zur Entsorgung des Atommülls. Weitere Sicherheitsbedenken kommen hinzu: Atomanlagen sind potenzielle Terror-Anschlagsziele, ein Ausbau der zivilen Kernenergie könnte die Verbreitung von kernwaffenfähiger Technik und Material erhöhen und damit internationale Spannungen verstärken.

Kernkraft ist nicht klimaneutral
Anders als manche Experten behaupten, ist Kernenergie keine CO2-freie Technologie. Wer den gesamten Lebenszyklus von KKWs betrachtet - vom Uranabbau über die Anreicherung bis hin zur Endlagerung - stellt fest, dass auch bei der Produktion von Atomstrom CO2 freigesetzt wird. Fazit der Broschüre: Mit Strom aus regenerativen Energiequellen lässt sich genauso viel oder mehr CO2 einsparen wie mit Atomstrom.

Kernkraft lohnt sich nicht
Die Atomlobby behauptet: Ohne Rückkehr zur Kernenergie seien die Klimaziele nicht wirtschaftlich zu erreichen. Die Wissenschaftler des Öko-Instituts machen eine andere Rechnung auf: Neue Kernkraftwerke erfordern hohe Anfangsinvestitionen. Die Amortisationszeiträume sind sehr lange und es ist oft unsicher, ob sich die Investitionen überhaupt auszahlen. Ob Kernkraftwerke heute auch ohne Staatshilfen rentabel sind, ist fragwürdig. Das zeigt das Beispiel Südafrika: Dort wurden wegen der hohen Kosten und der unkalkulierbaren Risiken Neubauvorhaben gestoppt.

Auf die richtigen Alternativen setzen!
Die Wissenschaftler des Öko-Instituts halten verlängerte KKW-Laufzeiten für die falsche Lösung. Angesichts der Tatsache, dass in Deutschland der Primärenergieverbrauch zu 80 Prozent durch fossile Energieträger gedeckt wird, fordern sie stattdessen verstärkte Energiesparmaßnahmen und einen raschen Ausbau regenerativer Energien. Auch weltweit ließen sich aus ihrer Sicht die Klimaschutzziele selbst dann erreichen, wenn alle Staaten auf die Kernenergie verzichten. "Wir haben bessere Alternativen als die Kernenergie um unsere ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen, vorausgesetzt der politische Wille dafür ist vorhanden", fasst Dr. Pistner die Ergebnisse zusammen.

Die Broschüre "Streitpunkt Kernenergie - Eine neue Debatte über alte Probleme" ist jetzt veröffentlicht und steht als pdf-Fassung zum kostenlosen Download bereit: http://www.oeko.de/kernenergie
In den nächsten Tagen erscheint zudem eine Druckfassung der Broschüre. Diese kann kostenlos bestellt werden: Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg, Romy Klupsch, Telefon 0761/452 95-24, r.klupsch(at)oeko.de.

Öko-Institut und Stiftung Zukunftserbe stellen die Inhalte zudem mit einem eigenen Internetauftritt vor: http://www.streitpunkt-kernenergie.de

Ansprechpartner:
Dr. Christoph Pistner
Öko-Institut e.V.
Telefon: 06151/81 91-90
E-Mail: c.pistner(at)oeko.de

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten. Mehr unter http://www.oeko.de

Die Stiftung Zukunftserbe versteht sich als "Vordenkerin" zukunftsorientierter Lösungen und will gesellschaftliche Innovationen ankurbeln, die sich mit den strukturellen Problemen des 21. Jahrhunderts befassen. Vorrangige Ziele sind dabei die Förderung von Umweltschutz und einer nachhaltigen, zukunftsverträglichen Entwicklung. Mehr unter: http://www.zukunftserbe.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Die Deutschen - ein Volk von Neidern?

Ulrike Jaspers, Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

FRANKFURT.Leben die Deutschen in einer Neidgesellschaft? Gehen Menschen in den westlichen Bundesländern anders mit Neid um als in den östlichen Bundesländern? Macht Neid krank? "Seit Jahren geht die neo-liberale Transformation der sozialen Marktwirtschaft mit verschiedenen Etiketten einher. Eines davon ist das Etikett der 'Neidgesellschaft', das im politischen Kampf vielfach Verwendung findet - nicht zuletzt im Bundestagswahlkampf", so der Frankfurter Sozialpsychologe Rolf Haubl, der jetzt die Auswertung einer repräsentativen Befragung zum Thema 'Neid und Neidbewältigung in Deutschland' vorstellte.
Er kommt darin zu dem Schluss, dass die Deutschen ihre Gesellschaft durchaus als 'Neidgesellschaft' wahrnehmen, was im doppelten Sinne zu verstehen ist: neidisch sein, weil andere einen neidisch machen. Haubl, Professor für Soziologie und psychoanalytische Sozialpsychologie an der Goethe-Universität sowie Direktor des Sigmund-Freud-Instituts, und Elmar Brähler, Professor für Medizinische Soziologie und Medizinische Psychologie an der Universität Leipzig, befragten im Juli 2008, also noch vor der Finanzkrise, über 2.500 Männer und Frauen in Ost und West. 45 Prozent der Deutschen halten Leistungsgerechtigkeit für das gerechteste Prinzip der Güterverteilung: Wer mehr leistet, soll auch mehr bekommen.

Wer an dieses Prinzip glaubt, erlebt sich vergleichsweise weniger neidisch und ist auch weniger darauf aus, andere neidisch zu machen. Dies sind insbesondere die Deutschen, die eine höhere Bildung haben. "Die gesellschaftliche Wirklichkeit bleibt allerdings hinter den beiden regulativen Prinzipien Chancengleichheit und Leistungsgerechtigkeit immer wieder zurück - und das fördert den Neid insbesondere bei Deutschen mit einem geringeren Bildungsstatus, wie unsere Befragung deutlich zeigt", so Haubl. "Privilegierte haben ein Interesse daran, die Forderungen von Unterprivilegierten als Sozialneid darzustellen und auch so zu erleben, während Unterprivilegierte ihre Position als Forderungen nach mehr sozialer Gerechtigkeit sehen und ebenso empfinden."

Neid wird in den öffentlichen Debatten oft nur als 'feindselig schädigend' bewertet, doch die beiden Wissenschaftler weisen darauf hin, dass Neid ganz unterschiedliche Ausprägungen haben kann - eben auch 'ehrgeizig stimulierend', 'empört rechtend' oder auch 'depressiv lähmend'. "Neid geht immer ein sozialer Vergleich voraus, bei dem diejenigen, die schlechter abschneiden, die Verteilung der Gewinne nicht hinnehmen, sondern zu korrigieren suchen. Und dazu wählen Menschen ganz unterschiedliche Wege." Das ist nicht nur abhängig von der jeweiligen Persönlichkeitsstruktur, sondern auch von den sozialen Verhältnissen, wie der Vergleich von Bürgern in Ost und West deutlich macht: Westdeutsche, die Deutschland als Neidgesellschaft wahrnehmen, meinen damit etwas anderes als Ostdeutsche: Ostdeutsche erleben sich in Anbetracht ungleicher Güterverteilung eher ungerechtfertigt benachteiligt und reagieren häufiger mit empört rechtendem Neid. Westdeutsche fühlen sich dagegen eher ehrgeizig stimuliert, denen nachzueifern, die mehr haben.

Nimmt man an, dass Ostdeutsche aufgrund des bestehenden Wohlstandsgefälles zwischen den alten und neuen Bundesländern tatsächlich mehr Grund haben, neidisch zu sein, dann spiegeln ihre Antworten lediglich eine soziale Ungleichheit, die sich nicht leugnen lässt. "Womöglich ist es für sie dann auch weniger sozial erwünscht, sich als nicht neidisch darzustellen. Liest man die Antworten, als seien sie mit einem gewissen trotzigen Unterton gegeben, dann kann man sie auch als Kritik von Ostdeutschen hören, jetzt im Kapitalismus angekommen zu sein, der ja als Neid erregende Gesellschaftsform gilt", interpretiert der Frankfurter Sozialpsychologe. Aufschlussreich sind auch die Antworten auf die Frage, wie die Befragten die Forderung nach Einführung einer 'Reichensteuer' einschätzen: Während Ostdeutsche dies eher mit einer Forderung nach mehr sozialer Gerechtigkeit verbinden, halten Westdeutsche dies eher für einen Ausdruck von Sozialneid.

Auch den Unterschied im Neidverhalten von Männer und Frauen haben die beiden Wissenschaftler untersucht: Männer und Frauen unterscheiden sich nur darin, wie sie auf die Ungleichverteilung von Gütern, die sie neidisch machen könnten, emotional reagieren: Frauen fühlen sich eher traurig, wenn sie weniger haben, Männer ärgern sich eher über sich selbst. Traurig zu sein, ist eine vornehmlich passive Haltung. Es wird - notgedrungen - hingenommen, das begehrte wertvolle Gut nicht zu besitzen. Im Vergleich dazu findet sich jemand, der sich über sich selbst ärgert, etwas nicht zu besitzen, nur schwer damit ab, weil er von sich erwartet hat, es zu besitzen.

Wie wirkt Neid auf die Gesundheit? Bisher gibt es dazu keine umfassenden wissenschaftlichen Untersuchungen. In dieser Studie lassen sich erste Hinweise erkennen, die die These stützen: Je mehr sich jemand als neidisch wahrnimmt, desto geringer ist seine psychische Gesundheit. So konnten Haubl und Brähler beispielsweise messen, dass eine positive Korrelation zwischen der Selbstwahrnehmung, neidisch zu sein, und der Belastung mit depressiven Symptomen besteht.

Informationen: Prof. Rolf Haubl, Institut für die Grundlagen der Gesellschaftswissenschaften, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften,
Campus Bockenheim. Tel: (0177) 6846656, haubl@soz.uni-frankfurt.de
Die Langfassung des Ergebnisberichts auf der Homepage des Sigmund-Freud-Instituts: www.sfi-frankfurt.de
Weitere Informationen:
http://www.sfi-frankfurt.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Ursprung der Milch-Verträglichkeit bei Erwachsenen liegt in Südosteuropa

Petra Giegerich, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Studie verortet den Beginn der Milchwirtschaft nicht in Nord-, sondern in
Südosteuropa - Veröffentlichung in PLoS Computational Biology

Die Fähigkeit, Milch auch im Erwachsenenalter zu verdauen, ist vor etwa 7500 Jahren in einer Region zwischen dem zentralen Balkan und Mitteleuropa unter Milchwirtschaftsbauern entstanden. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des University College London (UCL) und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in einer neuen Studie, die das Fachmagazin PLoS Computational Biology heute als Titelgeschichte veröffentlicht hat. Die sogenannte Laktosetoleranz, also die Verträglichkeit von Milchzucker über die Säuglingszeit hinaus, nahm demnach nicht in Nordeuropa ihren Anfang.

"Wir gehen jetzt davon aus, dass die Milch-Verträglichkeit vor etwa 7500 Jahren im Gebiet des heutigen Ungarn, Österreichs oder der Slowakei aufgekommen ist, vielleicht in der Kultur der Linearbandkeramiker, und sich von dort aus mit unglaublicher Durchsetzungskraft unter der gesamten mittel- und nordeuropäischen Bevölkerung verbreitet hat", erklärt Prof. Dr. Joachim Burger vom Institut für Anthropologie der Universität Mainz. Heute liegt die Milch-Verträglichkeit unter Erwachsenen bei durchschnittlich 60 Prozent in Mitteleuropa im Vergleich zu nur 20 Prozent in Südeuropa und einer nahezu kompletten Milch-Unverträglichkeit in den meisten anderen Regionen der Welt.

Erwachsene Menschen konnten nicht schon seit eh und je Milch verdauen und ein großer Teil der Weltbevölkerung kann es auch heute noch nicht. Die Fähigkeit, den Milchzucker Laktose zu spalten, verliert sich normalerweise nach der Säuglingszeit. Dann geht die Bildung des Enzyms Laktase, das den Milchzucker in verwertbare Zuckerarten aufteilt, zurück. Reine Milch kann dann kaum noch verdaut werden, sondern muss durch spezielle Prozesse wie Käse- oder Joghurtherstellung verträglicher gemacht werden. "Andere Völker haben die Milch-Intoleranz sozusagen kulturell gelöst", so Burger. "Unter unseren jungsteinzeitlichen Vorfahren in Mitteleuropa hat sich dagegen eine Genmutation herausgebildet, die sogenannte Laktasepersistenz. Dieses Merkmal hat sich rasant demographisch durchgesetzt wie kaum ein anderes". Wie genau sich die neue Fähigkeit verbreitet hat und mit dem Aufkommen der Tierhaltung - die ersten Hausrinder kamen vor ungefähr 8000 Jahren aus Anatolien nach Europa - einherging, muss noch untersucht werden.

Bei der jetzigen Arbeit hat das Team, zu dem Wissenschaftler der britischen Elite-Universität UCL, der University of Reading und des Instituts für Anthropologie der Universität Mainz gehören, eine Computersimulation verwendet. Simuliert wird die mögliche Verbreitung der Variante in Milchwirtschaft betreibenden Ackerbauern, die von Jäger- und Sammlerpopulationen umgeben sind. "Wir waren etwas überrascht, dass der Ursprung der Laktasepersistenz offenbar nicht im nördlichen Europa beheimatet ist", sagt Mark Thomas, Seniorautor der Studie und Professor für Evolutionsbiologie in London. "Die heutige Verteilung der Genmutation hätte diesen Rückschluss begünstigt, liegt doch die Milch-Verträglichkeit unter Nordeuropäern in Skandinavien und Irland bei rund 90 Prozent."

Dass sich die Milch-Verträglichkeit in evolutionsgeschichtlich gesehen so kurzer Zeit so schnell verbreitet hat, dürfte verschiedene Gründe haben, die jeweils einen Entwicklungsvorteil bedingen. Im Gegensatz zu anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist Milch beispielsweise ständig verfügbar, aber auch die Energie, die aus einer Kuh beim Melken gewonnen wird, ist höher als die durch Schlachten. Aber auch rein demographische Gründe, nämlich der sogenannte Surf-Effekt in einer sich ausbreitenden Bevölkerung, können für die hohe Häufigkeit im Norden verantwortlich sein.

Außer in Europa ist in Afrika noch eine Reihe von kleineren Bevölkerungsgruppen mit veränderter Laktaseproduktion bekannt, wobei drei davon vermutlich die Mutation unabhängig entwickelt haben.
Weitere Informationen:
http://www.ploscompbiol.org/doi/pcbi.1000491 ; http://www.uni-mainz.de/FB/Biologie/Anthropologie/MolA/Deutsch/Home/Home.html ;
http://www.uni-mainz.de/presse/31471.php (Bildergalerie)

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Chemikalien: Öffentliche Kommentierung zu besorgniserregenden Stoffen eröffnet

REACH-Verordnung schafft mehr Beteiligung und Transparenz

Ab heute ist die Öffentlichkeit gefragt: Die Europäische Chemikalienbehörde (ECHA) fordert sie auf, die Vorschläge für besonders besorgniserregende Stoffe zu kommentieren. Die Mitgliedstaaten schlagen vor, 14 Chemikalien wegen schädlicher Wirkungen auf Umwelt und Gesundheit, gemäß der Chemikalienverordnung REACH, streng zu regulieren. Ein weiterer Vorschlag stammt von der ECHA selbst. Bis zum 15. Oktober 2009 können Umwelt- und Verbraucherverbände, Behörden, Unternehmen, aber auch interessierte Bürgerinnen und Bürger ihre Kommentare zu den Vorschlägen abgeben.

Die REACH-Verordnung enthält weitreichende Elemente der Beteiligung und der Transparenz. „Diese Partizipation ist völlig neu in der Chemikalienpolitik und noch zu wenig bekannt", sagt Dr. Klaus Günter Steinhäuser, Leiter des Fachbereiches Chemikaliensicherheit im Umweltbundesamt. „Bürgerinnen und Bürger können sich zum Verfahren informieren und sich daran beteiligen. Ich hoffe, dass diese Rechte nicht nur von der Industrie sondern auch von betroffenen Bürgerinnen und Bürgern genutzt werden".

Weitgehend unbekannt ist zudem: Mit REACH wurde ein Auskunftsrecht für Verbraucherinnen und Verbraucher eingeführt. Steinhäuser erläutert: „Sobald die europäischen Gremien entscheiden, besonders besorgniserregende Stoffe in die REACH-Kandidatenliste aufzunehmen, können Bürgerinnen und Bürger vom Handel kostenfrei erfragen, ob diese Stoffe in Produkten mit mehr als 0,1 Prozent enthalten sind. Mit ihrem Kaufverhalten können die Konsumenten den Markt steuern. Dazu stellt ihnen das Umweltbundesamt eine Musteranfrage bereit."

Die so genannte Kandidatenliste ist der erste Schritt zu einer europaweiten Regulierung. Für Stoffe aus dieser Liste kann die ECHA der Europäischen Kommission eine Zulassungspflicht vorschlagen. Damit wird die Verwendung der Chemikalie in der EU verboten. Nur einzelne, unersetzbare Verwendungen können auf Antrag weiter zugelassen werden. So möchte die EU besorgniserregende Stoffe durch weniger umwelt- und gesundheitsschädigende Chemikalien und Verfahren ersetzen.

Acht der 15 Vorschläge für besonders besorgniserregende Stoffe kommen von den deutschen Behörden. Das Umweltbundesamt benannte fünf Anthracenöle. Diese Öle enthalten polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die in der Umwelt kaum abgebaut werden, sich in den Nahrungsketten anreichern können und als krebserzeugende Stoffe giftig sind (siehe Presseinformation Nr. 54/2009).

Weitere Informationen und den Musterbrief für das Anschreiben finden Sie unter www.reach-info.de.

Auf der Webseite der ECHA unter http://echa.europa.eu/consultations/authorisation/draft_recommendations/recommendations_en.asp. können Sie die Vorschläge der Mitgliedstaaten einsehen und kommentieren.

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Von Insekten lernen - Startschuss für neue Projektgruppe »Bio-Ressourcen«

Oft nicht sichtbar, sind sie überall um uns herum: Insekten. Mit über einer Million beschriebener Arten zeigen sie die mit Abstand größte Vielfalt aller Organismen auf der Erde. Für viele bionische Systeme dienen sie als Vorbilder. Nun wollen Wissenschaftler herausfinden, wie sich heimische Insekten nutzen lassen, um neue Wirkstoffe für Medizin, Pflanzenschutz oder industrielle Biotechnologie zu entwickeln.

Insekten-Biotechnologie heißt dieser neue Forschungsschwerpunkt, den die Justus-Liebig Universität Gießen und die Fraunhofer-Gesellschaft gemeinsam aufbauen wollen. Das Land Hessen unterstützt das Vorhaben mit vier Millionen Euro aus dem Förderprogramm LOEWE, der Landes-Offensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz. »Bisher gibt es keine Einrichtung, die das Potenzial der Insekten-Biotechnologie systematisch erschließt und wirtschaftlich nutzt. Daher versprechen wir uns eine Alleinstellung in Europa«, sagt Prof. Ulrich Buller, Vorstand Forschungsplanung der Fraunhofer-Gesellschaft.

Erklärtes Ziel der Projektgruppe ist es, in heimischen Insekten neue Wirkstoffe oder Enzyme zu identifizieren, die sich in der Medizin, im Pflanzenschutz oder in der industriellen Biotechnologie einsetzen lassen. So wurden in Insekten zahlreiche bisher unbekannte Substanzen entdeckt, mit denen sie sich erfolgreich gegen Mikroben zur Wehr setzen. Die Fraunhofer Projektgruppe erforscht künftig, inwieweit aus den von Insekten stammenden Wirkstoffen neue Antibiotika entwickelt werden können, gegen die Krankheitserreger des Menschen nicht resistent sind und die deshalb die Grundlage für neue Therapien bilden sollen.

Die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva Kühne-Hörmann, hob hervor: »Durch die strategische Allianz der beiden Partner ergeben sich erhebliche Synergieeffekte im Bereich Medizin-Ernährung-Umwelt. Nicht zuletzt wird durch diese Strukturförderung Mittelhessen wissenschaftlich und wirtschaftlich gestärkt: Mittelfristig ist die Gründung eines Fraunhofer-Standorts an der Universität geplant.« Und Prof. Dr. Joybrato Mukherjee, Erster Vizepräsident der JLU, sagte: »Wir können nun ein in vielerlei Hinsicht neuartiges Forschungsfeld intensiv bearbeiten, um die Grundlagen für die angestrebte dauerhafte Fraunhofer-Ansiedlung in Gießen zu schaffen. Wir hoffen auf ein langfristiges Engagement des Landes bei dieser für alle lebenswissenschaftlichen Fachbereiche unserer Universität zukunftsweisenden Strukturentwicklungsperspektive.«

Die Fraunhofer-Projektgruppe wird zunächst als Außenstelle des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und angewandte Ökologie IME mit seinen Standorten in Aachen (Molekularbiologie) und Schmallenberg (angewandte Ökologie) am Technologie- und Innovationszentrum Gießen (TIG) untergebracht. Drei Themenschwerpunkte haben Prof. Vilcinskas und sein Team im Blick: Die Entwicklung neuer Medikamente sowie innovativer Strategien im Pflanzenschutz und dem »Integrated Risk Management«. Dabei sollen mit Hilfe von bestimmten Insektenarten, wie dem Reismehlkäfer, äußert empfindliche Testsysteme entwickelt werden, mit denen die Qualität und die Sicherheit von Lebensmitteln künftig kostengünstig und zuverlässig überwacht werden kann.

Vorrangig widmen die Forscher ihre Aufmerksamkeit solchen Insekten, die über ein schlagkräftiges Immunsystem verfügen müssen, wie die Rattenschwanzlarven. Dies sind Larven von bestimmten Schwebfliegen mit der außerordentlichen Eigenschaft, als einzige bekannte Tierart in Jauche- und Güllegruben überleben und sich dort von Mikroben ernähren zu können.

Aber auch der Pflanzenschutz wird eine wichtige Rolle spielen. Denn Insekten sind auf der einen Seite sowohl auf den Feldern als auch bei den gelagerten Vorräten die größten Schädlinge, auf der anderen Seite gehören Arten wie die Biene zu den größten Nützlingen, ohne deren Leistung als Pflanzenbestäuber viele Menschen verhungern würden. Die Aufgabe ist also, neue Strategien zu entwickeln, mit denen Schadinsekten wirksam bekämpft werden, ohne die Nützlinge und damit die Umwelt zu beeinträchtigen.

Darüber hinaus verfügen Insekten über Enzyme, mit denen sie so unverdauliche Stoffe wie Holz als Nahrung nutzen können. Mit der gebündelten Forscherkompetenz soll nun in Hessen das Potenzial von Insekten als Ressource für neue Enzyme erschlossen werden - für den Einsatz in der Weißen Biotechnologie. Die Forscher wollen zum Beispiel die Frage klären, inwieweit künftig hochwertige Rohstoffe oder Enzyme mit Hilfe von Zellen aus Schmetterlingen in industriellen Anlagen produziert werden können.

(Quelle: Fraunhofer-Institut)

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Premium-Informationen für Autofahrer

Verstopfte Zufahrtsstraßen, überfüllte Parkplätze - in vielen Innenstädten
ist das Verkehrschaos alltäglich. Künftig sollen Premium-Dienste
den Fahrern helfen, zügig ans Ziel zu kommen: aktuelle Informationen
über freie Parkplätze oder die Witterungsverhältnisse, die auf der
ins Navigationssystem eingegebenen Strecke herrschen. Die Informationen
werden per mobilem Internet oder digitalem Rundfunksystem
übertragen und zum Beispiel in der Straßenkarte angezeigt. Auch
Warnhinweise bei dynamischen Geschwindigkeitsbegrenzungen sind
denkbar: Überschreitet der Fahrer die aktuelle Vorgabe beispielsweise
eines Verkehrsleitsystems, könnte ein Signal aufleuchten.
Grundlage des Services ist der Übertragungsstandard TPEG, kurz für
Transport Protocol Experts Group. Automobil- und Endgerätehersteller,
Informationsdienstleister, Forschungseinrichtungen und andere haben
sich zu einem Konsortium zusammengeschlossen, um TPEG auch als
europäischen und internationalen Standard zu etablieren. Der Vorteil
von TPEG: Es ist erheblich schneller und vielseitiger als das herkömmliche
System »Traffic Message Channel TMC«. Während TMC etwa 60
Meldungen pro Minute verbreiten kann, sind es bei TPEG 3000.
Die neuen Premium-Dienste bieten eine Fülle von Informationen, die
auf bestimmte Kundengruppen zugeschnitten sind: zum Beispiel Fahrer
einer speziellen Automarke, Besitzer eines bestimmten tragbaren
Navigationsgerätes oder Mitglieder eines Automobil-Clubs, die etwa
aktuelle Parkplatzdaten übermittelt bekommen. Informationen über
Staus, Baustellen und Unfälle sind dagegen wie bisher frei zugänglich.
Andere Informationen, etwa zu freien Parkplätzen, sollen gezielt
bestimmten Kundengruppen zugute kommen: Forscher des Fraunhofer-
Instituts für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen verschlüsseln
diese Premium-Dienste. »Der Sicherheitsgedanke verschiedener Anbieter
kann ganz unterschiedlich sein«, sagt Birgit Bartel-Kurz, Projektleiterin
am IIS. »So legt ein Hersteller, der ein günstiges nachrüstbares
Navigationssystem anbietet, eventuell weniger Wert darauf als namhafte
Autohersteller, dass die Dienste nicht unberechtigt genutzt werden
können. Wir haben die Dienste der einzelnen Anbieter gekapselt
verschlüsselt. Wird ein Schlüssel eines Gerätetyps geknackt, bleiben die
anderen dennoch sicher.« Das Verschlüsselungssystem kommt mit sehr
wenigen Zusatzinformationen aus - die verschlüsselte Datei selbst ist
nicht größer als die unverschlüsselte. Auf der Messe IBC in Amsterdam
präsentieren die Forscher das System mit ihren Partnern der Bayerischen
Medientechnik GmbH BMT (Halle 8, Stand C81). 

(Quelle: Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS)

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Aber bitte energieeffizient!

Umweltbundesamt informiert auf der IFA in Berlin - aktualisierte Broschüre „Computer, Internet und Co" veröffentlicht

Auch 2009 ist das Umweltbundesamt (UBA) wieder Aussteller auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin, der Messe für Unterhaltungselektronik, Informations- sowie Kommunikationstechnik und Hausgeräte. Vom 4.bis 9. September 2009 können sich Verbraucherinnen und Verbraucher am UBA-Stand Nr. 108 in Halle 2.2.a rund um das Thema Energiesparen informieren - mit gleich doppeltem Nutzen: Sparsamer Umgang mit Energie entlastet die Haushaltskasse und schont unser Klima. Ein nicht zu unterschätzender Faktor. Denn 2007 verursachte allein die Informations- und Kommunikationstechnik rund 33 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) und damit mehr als der gesamte deutsche Luftverkehr. Pünktlich zur IFA informiert das UBA in der aktualisierten Broschüre „Computer, Internet und Co" über Energiespartipps beim Surfen, Spielen oder Chatten.

Ob Computer oder Kühlschrank, Flachbildschirm oder Waschmaschine - technische Geräte verbrauchen Strom. Doch wie viel, das können wir ganz leicht selbst beeinflussen. Deshalb sollten Verbraucherinnen und Verbraucher beim Kauf neuer Geräte nicht nur nach dem Design oder dem Anschaffungspreis gehen, sondern genauer hinschauen und beim Händler nachfragen, wie viel Strom das Gerät über die Lebensdauer verbraucht. Klar ist: Energieeffiziente Modelle lohnen sich auf lange Sicht immer; energiesparende Geräte müssen in der Anschaffung übrigens nicht teurer sein. Bei Haushaltsgeräten wie Kühlschränken oder Waschmaschinen können sich alle Verbraucherinnen und Verbraucher an der EU-Energiekennzeichnung in den Klassen A bis G orientieren.

Größer, bunter, lauter - sinnvoll? Die Unterhaltungselektronik-Branche bringt ständig neue Modelle auf den Markt. Die Fernseher werden größer, die Computer leistungsfähiger. Doch damit steigt auch der Energiebedarf, mit Folgen für die Stromrechnung. Deshalb: Wählen Sie nicht das maximal Mögliche, sondern das für Sie persönlich Sinnvolle. Zum Vergleich: Ein PC für aufwändige Spiele kann zum Beispiel bis zu 767 Kilowattstunden pro Jahr benötigen und damit rund 151 Euro Stromkosten verursachen. Ein sparsamer Multimedia-PC, der für viele Zwecke völlig ausreichend ist, kommt auf nur 88 Kilowattstunden und rund 17 Euro. Spitzenreiter im Energieverbrauch sind übrigens große Plasmabildschirme mit über einem Meter Diagonale und bis zu 600 Kilowattstunden Verbrauch. Hierfür ließen sich sechs Kühlschränke gleichzeitig betreiben.

Richtig abschalten: Viele Geräte verbrauchen auch ausgeschaltet Strom und belasten so ganz unnötig Ihre Haushaltskasse. Allein in Deutschland kostet der Stromverbrauch durch diese so genannten Leerlaufverluste - unter anderem Stand-by - Haushalte und Büros pro Jahr mindestens 4 Milliarden Euro.

Das UBA informiert an seinem Stand auf der IFA, wie Sie richtig abschalten und stellt Geräte vor, die die Stromsparer-Plakette tragen. Diese lassen sich wirklich abschalten oder verbrauchen im Stand-by-Modus weniger als 1 Watt.

Besuchen Sie uns auf der IFA in Berlin, Halle 2.2.a / Stand Nr.108. Mehr zur IFA: www.ifa-berlin.de

Die aktualisierte Broschüre „Computer, Internet und Co." steht kostenlos unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/mysql_medien.php?anfrage=Kennummer&Suchwort=3725 zum Download bereit und kann kostenlos bestellt werden bei: Umweltbundesamt, c/o GVP, Postfach 30 03 61, 53183 Bonn, Servicetelefon: (030) 18 305 33 55, Service Fax: (030) 18 305 33 56 oder uba@broschuerenversand.de.

Weitere Informationen rund ums Energiesparen finden Sie unter: http://www.umweltbundesamt.de/energie/sparen.htm

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Gutes Aussehen keine Garantie für guten Umsatz

Sabine Ranke-Heinemann, Pressestelle
Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

Einzelhändler, die glauben, dass das Geheimnis für hohe Verkaufszahlen in der Anstellung von sehr attraktiven Verkäuferinnen liegt, könnten sich sehr irren. Einer neuen Studie der University of South Australia zufolge hat die Magie hübscher junger Frauen im Geschäft einige klare Grenzen.

Bianca Price, Doktorandin der University of South Australia, hat bei ihren Untersuchungen festgestellt, dass vor allem junge Kundinnen seltener zum Kauf eines Produkts bereit waren, wenn sie glaubten, dass die weiblichen Angestellten hübscher waren als sie selbst. Die Kaufbereitschaft war dabei unabhängig davon, ob das Produkt mit gutem Aussehen in Zusammenhang stand oder nicht - beispielsweise Kosmetik im Vergleich zu einem Mobiltelefon.

Für ihre Studie untersuchte Price die Kaufabsichten junger Frauen zwischen achtzehn und sechsundzwanzig in Situationen mit attraktiven und unattraktiven Verkäuferinnen. Die Ergebnisse spiegeln laut Price die soziale Vergleichstheorie wider, nach der Menschen sich mit anderen vergleichen, um so Feedback zu ihrem eigenen Erscheinungsbild zu erhalten. Ein Aufwärtsvergleich, bei dem ein Vergleich mit Menschen erfolgt, die als sozial überlegen wahrgenommen werden, kann Angst auslösen, zu einem schlechteren Selbstbewusstsein führen und das Gefühl von Unzulänglichkeit vermitteln. "In bestimmten Situationen kann ein Aufwärtsvergleich in einem ausgeprägten Vermeidungsverhalten enden", erläutert Price. "Auf die Verkaufsituation übertragen, bedeutet Vermeidung weniger Verkäufe und damit letztendlich weniger Gewinn für das Geschäft."

Laut Bianca Price liegt die Erklärung der Studienergebnisse unter anderem in der zunehmenden Bedeutung von Aussehen und Körperbild bei jungen Frauen. Frauen, vor allem jüngere Frauen, betrachten ihr Aussehen als ihr Kapital. Es kann die Größe des Freundeskreises, das Glück bei der Partnersuche und den Erfolg im Beruf bestimmen. "Frauen sind von Natur aus konkurrierend - wenn sie eine andere Frau als direkte soziale Bedrohung wahrnehmen, kann dies ihr Verhalten in dieser Situation beeinflussen", so Price. Ladenbesitzer glauben oft, schöner ist besser. Ähnlich wie bei Stars, die zur Bewerbung eines Produkts eingesetzt werden, sollen hübsche Verkäuferinnen das Produkt verkörpern und Kundinnen zum Kauf animieren. Doch während ein Star nicht unbedingt als direkte soziale Bedrohung wahrgenommen wird, kann die junge Frau im heimischen Einkaufszentrum durchaus eine sein.

Für Price sollten Ladeninhaber auf Vielfalt in der Wahl ihrer Belegschaft achten, um so den unterschiedlichen Kundenbedürfnissen gerecht zu werden. In weiteren Schritten möchte sie nun untersuchen, wie bestimmte Schönheitstypen die Einstellungen und Kaufabsichten von Kunden beeinflussen. Darüber hinaus möchte sie klären, ob ähnliche Zusammenhänge auch bei männlichen Kunden auftreten.

Weitere Informationen:
Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
Pressestelle
Friedrichstr. 95
10117 Berlin
Email: berlin@ranke-heinemann.de
Tel.: 030-20 96 29 593

Das Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund ist die zentrale Einrichtung aller australischen und neuseeländischen Universitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, zuständig für Wissens- und Forschungstransfer, Forschungsförderung sowie Studenten- und Wissenschaftleraustausch und für die Betreuung von Studierenden und Schülern, die ein Studium Down Under vorbereiten.

Weitere Informationen:
http://www.ranke-heinemann.de
http://www.ranke-heinemann.at
http://www.wissenschaft-australien.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Aufschwung für Methanol?

Dr. Renate Hoer, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Neuer fester Katalysator für die direkte Niedertemperaturoxidation von Methan zu Methanol
Als Energieträger für Brennstoffzellen oder als Ersatz für Benzin rückt Methanol zunehmend in den Brennpunkt des Interesses - über seine Rolle als wichtiger Grundstoff für die chemische Industrie hinaus. Es ist erheblich effizienter und kostengünstiger zu speichern als Wasserstoff und ließe sich über das bestehende Tankstellennetz verteilen. Wermuthstropfen ist die doch recht aufwendige Synthese von Methanol aus Erdgas oder Erdöl über den Umweg Synthesegas. Als hochinteressante Alternative gehandelt, dann aber wieder fallengelassen wurde die so genannte direkte Niedertemperaturoxidation von Methan zu Methanol. Ein Team um Ferdi Schüth vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim und Markus Antonietti vom Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung in Potsdam-Golm hat nun einen neuartigen Katalysator entwickelt. Wie die Forscher in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, könnte dieser dem Verfahren einen neuen Aufwind, wenn nicht gar den Durchbruch bescheren.

"Die Entwicklung von Katalysatoren für die direkte Niedertemperaturoxidation von Methan zu Methanol ist eine der bedeutendsten Herausforderungen der letzten Jahrzehnte in der Katalyse," sagt Schüth. Das Problem: Die Bindungen im Methan sind sehr stark und lassen sich nur schwer knacken. Zudem neigt Methanol dazu, unter den entsprechenden Reaktionsbedingungen zu Kohlendioxid weiterzureagieren. Es sind daher nicht nur hochaktive, sondern auch sehr selektive Katalysatoren notwendig.

Ein Durchbruch war die Entwicklung eines Platin-Komplexes durch eine Arbeitsgruppe um Roy Periana, der die Niedertemperaturoxidation von Methan in konzentrierter Schwefelsäure als Reaktionsmedium bei Temperaturen um 200 °C zu Methylsulfat - das sich weiter zu Methanol umsetzen lässt - bei guter Ausbeute und Selektivität katalysiert. Trotz vielversprechender Ergebnisse erschwerten aber unter anderem die aufwendige Abtrennung und das schwierige Recycling dieses gelöst vorliegenden Katalysators eine kommerzielle Anwendung des Verfahrens. Die Entwicklung wurde bis zur Pilotanlage vorangetrieben, dann aber nicht weiter verfolgt. "Ein fester Katalysator, der sich leicht abtrennen lässt, könnte einen solchen Prozess im kleinen Maßstab wieder interessant machen und so eine effektive, dezentrale Nutzung von Erdgas ermöglichen," sagt Schüth.

Den deutschen Wissenschaftlern ist es nun gelungen, einen solchen festen Katalysator zu entwickeln, dessen hohe Aktivität und Selektivität sowie ausgezeichnete Stabilität über etliche Recyclingschritte die Hoffnungen hinsichtlich einer technischen Nutzung rechtfertigen. "Unsere Entwicklung basiert auf einer kürzlich entdeckten Klasse von Hochleistungspolymeren," erklärt Antonietti. Durch Polymerisierung eines ringförmigen Moleküls, eines aromatischen Nitrils, entsteht ein Netzwerk, das der Chemiker "triazinbasiertes Polymer" nennt, abgekürzt als CTF (covalent triazin-based framework). Mit Platin beladen wird daraus ein hochwirksamer, leicht abtrenn- und wiederverwendbarer Katalysator.

Angewandte Chemie: Presseinfo 33/2009

Autor: Ferdi Schüth, Max-Planck-Institut für Kohlenforschung (Germany), http://www.mpi-muelheim.mpg.de/kofo/mpikofo_home.html

Angewandte Chemie 2009, 121, No. 37, 7042-7045, doi: 10.1002/ange.200902009

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69495 Weinheim, Germany
Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Sind weiche oder harte Zahnbürsten besser?

Kay Gropp, Pressestelle
Private Universität Witten/Herdecke gGmbH

Studie der Uni Witten/Herdecke zeigt: Harte putzen am besten, schädigen aber das Zahnfleisch. Weiche sind sanfter, putzen aber schlechter
Mit einer klinischen Studie hat Prof. Dr. Stefan Zimmer die Putzleistung weicher, mittlerer und harter Zahnbürsten untersucht. Sein Ergebnis: Weiche Zahnbürsten putzen am schlechtesten, die harten am besten, schädigen aber das Zahnfleisch, die mittelharten sind die Kompromisslösung. 120 Probanden bekamen eine Zahnbürste zugelost und mussten acht Wochen zwei mal täglich zwei Minuten putzen. Die drei Gruppen wurden vorher und nachher auf Zahnbelag und Zahnfleischzustand untersucht.

"Die harte Bürste schrubbt den Zahnbelag am besten runter und das soll sie ja, um den Bakterienfilm zu entfernen, der für Karies verantwortlich ist", erklärt Prof. Dr. Stefan Zimmer, Inhaber des Lehrstuhls für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin. Aber er fügt auch hinzu: "Bei falscher Putztechnik (z.B. horizontalem Schrubben) oder zu starkem Druck führt die harte Bürste zu kleinen Verletzungen. Diese Schäden sind schlimmer, als ein bisschen Restbelag." Seine Empfehlung: Bei der Auswahl einer Zahnbürste individuelle Besonderheiten zu berücksichtigen. Die harten Bürste ist gut für alle, bei denen besonders viel Zahnbeläge vorhanden sind, die aber keine Probleme mit Zahnfleischverletzungen haben. Diejenigen, die regelmäßig unter Zahnfleischverletzungen leiden und möglicherweise auch schon Putzdefekte an den Zähnen haben, sollten eine weiche Zahnbürste verwenden. Sie müssen aber wissen, dass deren Reinigungskraft geringer ist und daher noch sorgfältiger putzen. Für alle anderen die mittlere, die in Bezug auf Belagentfernung und Zahnfleischschädigung im Mittelfeld rangiert. "Die klarste Aussage aus unserer Studie ist, dass es nicht sinnvoll ist, jedem die gleiche Zahnbürste zu empfehlen. Am besten, Sie fragen ihren Zahnarzt beim nächsten Besuch", fasst Zimmer zusammen.

Weitere Informationen bei Prof. Dr. Stefan Zimmer, 02302/926-663, stefan.zimmer@uni-wh.de

Diese Studie wurde als Vortrag auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung am 16. Mai in Hannover vorgestellt.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Strom und Wärme vor Ort erzeugen

Rüdiger Mack, Stabsabteilung Kommunikation
Fachinformationszentrum Karlsruhe

Neues BINE-Informationspaket "Blockheizkraftwerke" erschienen
In Blockheizkraftwerken (BHKW) Strom und Wärme zusammen zu erzeugen, hat grundsätzlich ökologisch, ökonomisch und technisch viele Vorteile. Bislang haben diese effizienten Klein-Kraftwerke aber in der Praxis ihr Marktpotenzial bei weitem noch nicht ausschöpfen können. Noch immer müssen Betreiber mancherlei Hürden auf dem Weg zum eigenen Kraftwerk überwinden. Das aktualisierte Buch "Blockheizkraftwerke - Ein Leitfaden für den Anwender" aus der Reihe der BINE-Informationspakete rückt Technik, Betriebskonzepte, Wirtschaftlichkeit und organisatorische Fragen in den Mittelpunkt.

Die aktualisierte Neuauflage konzentriert sich auf die praktische Anwendung von Blockheizkraftwerken. Ein Schwerpunkt beschäftigt sich mit den aktuellen gesetzlichen Rahmenbedingungen und den öffentlichen Förderprogrammen. Besonders durch das Impulsprogramm "Mini-KWK-Anlagen" wird eine starke Marktbelebung erwartet. Der Technik und dem Entwicklungsstand dieser Mini-BHKW, die auch in Mehrfamilienhäusern und vergleichbaren Gebäuden eingesetzt werden können, ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Hier werden kleine dampfgetriebene Kolbenmotoren, Stirling-Motoren, Brennstoffzellen sowie die kombinierte Kälteerzeugung aus KWK- und Absorptionskälteanlage vorgestellt.

Autor dieses BINE-Informationspakets ist Wolfgang Suttor. Er arbeitet seit mehr als 30 Jahren als freier Berater schwerpunktmäßig im Bereich der Kraft-Wärme-Kopplung. In diesem Fachgebiet hat Herr Suttor eine Reihe von Büchern publiziert und er ist Herausgeber des Loseblattwerkes "Praxis Kraft-Wärme-Kopplung".

Blockheizkraftwerke - Ein Leitfaden für Anwender
Wolfgang Suttor
7., vollständig überarbeitete Auflage 2009
Preis: 24,80 Euro zzgl. Versandkosten
ISBN 978-3-934595-99-6
160 Seiten, durchgehend farbig

Pressekontakt

BINE Informationsdienst
Uwe Milles
Tel. 0228/9 23 79-26
Fax 0228/9 23 79-29
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Kaiserstraße 185-197
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(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Die erstaunliche Wirkung von Cannabis auf die Morphin-Abhängigkeit

Marie de Chalup, Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

THC ist der Hauptwirkstoff der Hanfpflanze. Wird dieser in Ratten injiziert, die seit der Geburt von ihren Muttern getrennt sind, verlieren diese Jungtiere ihre Abhangigkeit von Opiaten (Morphin, Heroin). Diese Ergebnisse von Valerie Dauge und ihrer Arbeitsgruppe des Labors fur Physiopathologie der ZNSKrankheiten (UPMC / CNRS / Inserm) wurden in der Fachzeitschrift Neuropsychopharmacology vom 24. Juni 2009 veroffentlicht [1]. Sie konnten zur Entwicklung therapeutischer Alternativen von Ersatztherapien fuhren.
Zur Untersuchung der psychischen Erkrankungen haben die Neurobiologen Tiermodelle entwickelt, wie zum Beispiel das Model der Trennung Mutter/Neugeborenes. Bei diesem Model werden die Ratten taglich mehrere Stunden von ihren Muttern getrennt, was spater zu einer langfristigen Hirnfunktionsstorung fuhren kann. Die Arbeitsgruppe um Valerie Dauge hat die Auswirkungen dieser Trennung, verbunden mit THCInjektionen, auf das Verhalten gegenuber Opiaten analysiert.
Zuvor hatten die Forscher bereits gezeigt, dass die von ihren Muttern getrennten Jungratten besonders empfanglich fur Morphin und Heroin waren, und schnell abhangig wurden. Wahrend ihrer "Jugendzeit" (zwischen 35 und 48 Tage nach der Geburt) wurde die verabreichte THC-Dosis (5 oder 10 mg/kg) regelmasig erhoht. Die Forscher haben spater den Morphin-Konsum im Erwachsenenalter gemessen und dabei festgestellt, dass die Tiere kein typisches morphinabhangiges Verhalten mehr entwickelten, wie es sonst zu beobachten war.
Diese Tiermodelle sollen es den Forschern ermoglichen, sich ein besseres Bild von den Auswirkungen der postnatalen Bedingungen auf die Neurobiologie und das Verhalten der Menschen zu verschaffen. In diesem Zusammenhang bilden die gewonnenen Ergebnisse die Grundlage fur die Entwicklung neuer Therapien zur Behandlung von Entzugserscheinungen und zum Unterdrucken der Drogenabhangigkeit.

[1] Adolescent Exposure to Chronic Delta-9-Tetrahydrocannabinol Blocks Opiate Dependence in Maternally Deprived Rats - Morel, Giros & Dauge - Neuropsychopharmacology - 24.06.2009

Kontakt: Valerie Dauge - Labor fur Physiopathologie der ZNS-Krankheiten (UPMC / CNRS / Inserm) -
Tel: +33 1 44 27 61 09 - E-Mail: valerie.dauge@snv.jussieu.fr

Quelle: Pressemitteilung des CNRS - 03.07.2009

Redakteurin: Lena Prochnow, lena.prochnow@diplomatie.gouv.fr

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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EWE-Forschungszentrum eröffnet - Energiekonzern fördert Spitzenforschung in Oldenburg

Dr. Corinna Dahm-Brey, Presse und Kommunikation
Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Heute ist das EWE-Forschungszentrum für Energietechnologie NEXT ENERGY in Oldenburg feierlich eröffnet worden. Rund 50 Wissenschaftler sollen dort Lösungen für eine zukünftige Energieversorgung finden. Das Forschungszentrum wurde vom Energiekonzern EWE zusammen mit der Universität Oldenburg und mit Unterstützung des Landes Niedersachsen ins Leben gerufen.
Der EWE-Vorstandsvorsitzende Dr. Werner Brinker sieht in der Institutsgründung einen wichtigen Beitrag für zukünftige Unternehmenserfolge: "Mit der Finanzierung ermöglichen wir als Energiedienstleister Spitzenforschung an wichtigen Energie- und Zukunftsfragen. Denn gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftskrise dürfen Forschung und Entwicklung nicht vernachlässigt werden." Das Forschungszentrum ist als unabhängiges und gemeinnütziges An-Institut der Universität Oldenburg konzipiert. Die Schwerpunkte der Forschung bei NEXT ENERGY bilden die Bereiche erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Stromspeicherung.

Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann betonte während der Eröffnungsfeier: "Das Forschungsinstitut ist für den Wissenschaftsstandort Niedersachsen eine hervorragende Bereicherung. Hier wird an Themen geforscht, die von zentraler Bedeutung für die Energieversorgung von morgen sind." Dr. Heide Ahrens, Kommissarische Präsidentin der Universität Oldenburg, sagt: "Als An-Institut der Universität Oldenburg trägt NEXT ENERGY wesentlich zur nationalen und internationalen Profilierung unserer Hochschule in der Energieforschung bei."

Die ersten Wissenschaftler haben die neuen Räume des EWE-Forschungszentrums bereits bezogen, unter ihnen auch Institutsdirektor Prof. Dr. Carsten Agert: "Seit heute steht uns eine moderne Infrastruktur zur Verfügung, die wir dazu nutzen, Materialien, Komponenten, Systeme und Produktionstechniken für eine effiziente und umweltfreundliche Energieversorgung zu erforschen. Im engeren Fokus unserer Arbeiten liegen die technologischen Gebiete der Silizium-Dünnschichtphotovoltaik, Brennstoffzellen und Stromspeicher."

Das EWE-Forschungszentrum für Energietechnologie NEXT ENERGY wird von einem eingetragenen Verein getragen, der das Institut trägt. Diesem gehören neben der EWE AG u.a. auch das Land Niedersachsen und die Universität Oldenburg an. Das Gebäude des Forschungszentrums erfüllt bereits jetzt die von der Bundesregierung vorgegebenen energetischen Anforderungen der Energieeinsparverordnung 2009, die zum 1. Oktober 2009 in Kraft tritt.

EWE mit Hauptsitz in Oldenburg ist eines der größten Energieunternehmen in Deutschland. Das Leistungsspektrum des Konzerns umfasst Strom-, Gas- und Wasserversorgung, Energie- und Umwelttechnik, Gastransport und -handel sowie Telekommunikation und Informationstechnologie. Damit bietet EWE klassische und innovative Dienstleistungen aus einer Hand. Die Netz-Infrastruktur von EWE zeichnet sich aus durch hohe technische Qualität, Versorgungssicherheit und wirtschaftlich effizienten Betrieb. Frühzeitig hat EWE seine Kernkompetenzen zum Betreiben komplexer Netze und sein umfassendes Know-how an Fernwirk- und Regeltechnik zu einem zukunftsorientierten Multi-Service-Angebot ausgebaut. Über das angestammte Geschäftsgebiet in Norddeutschland hinaus ist EWE auch in den neuen Bundesländern, Polen und in der Türkei erfolgreich tätig. Der EWE-Konzern beschäftigte Ende 2008 rund 5.300 Mitarbeiter und setzte 5,3 Mrd. Euro um.
Weitere Informationen:
http://www.ewe-next-energy.de/

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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"Rheuma-Video" offenbart Entzündungsherde frühzeitig

Dipl.-Journ. Erika Schow, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)

Von der PTB entwickeltes Verfahren könnte in der Rheumadiagnostik zur Alternative für teure Kernspin-Aufnahmen werden
Es kann jeden treffen: Rheuma ist genauso häufig wie Diabetes, Arteriosklerose und Krebs zusammen - ca. 1 % der Bevölkerung erfasst die Krankheit, die medizinisch exakt "rheumatoide Arthritis" heißt. Meist beginnt sie mit ersten Entzündungen an den Fingergelenken. Werden sie rechtzeitig entdeckt und eine Therapie begonnen, stehen die Chancen gut, dass es nicht zu den gefürchteten Gelenkschäden kommt. Jetzt haben Wissenschaftler der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB), Institut Berlin, in einem Kooperationsprojekt mit mehreren Partnern eine solche Früherkennungsmethode entwickelt. Ihr optisches Rheuma-Bildgebungsverfahren arbeitet mit einem Fluoreszenz-Farbstoff, der von nah-infrarotem Licht angeregt wird, und ist absolut unschädlich. Mit dem Verfahren können Rheumaherde früher als mit einem Röntgengerät und preiswerter als mit einem Kernspintomographen entdeckt werden. Nach vielversprechenden Ergebnissen einer noch laufenden klinischen Vorstudie hat die Berliner Medizintechnikfirma mivenion die Lizenzrechte von der PTB erworben, um eine größere Studie vorzubereiten. Auch die gesetzlichen Krankenkassen haben bereits Interesse an dem Bildgebungsverfahren gezeigt, das die Rheumadiagnostik und -behandlung deutlich kostengünstiger machen dürfte - zumal ein neues, spezifisches Rheuma-Kontrastmittel es zukünftig noch einen Schritt besser machen könnte. Eine Hoffnung für Rheumakranke - und ein Beispiel für den erfolgreichen Technologietransfer von Forschungsergebnissen der PTB.

Zuerst leuchten die Fingerspitzen, dann wandert das Kontrastmittel in Richtung des Handgelenkes weiter, live unter den Augen von Patient und Arzt. Sammelt sich der Farbstoff an bestimmten Gelenken, dann ist das für den Arzt ein Hinweis auf einen Rheumaherd. Wenige Minuten dauert die Untersuchung; sie ist schmerz- und nebenwirkungsfrei. Denn was den Farbstoff zum Leuchten anregt, das Nahinfrarotlicht (NIR-Licht), ist gerade eben nicht mehr sichtbar, sondern schon nah an der Infrarot- oder Wärmestrahlung und dringt daher deutlich weiter in den Körper ein als sichtbares Licht. Trifft es im Körper auf ein Farbstoffmolekül, dann beginnt dieses zu leuchten und verrät so den Ort, an dem es sich gerade aufhält. Da der zurzeit noch verwendete Farbstoff passiv mit dem Blut mitschwimmt, liefert eine hochempfindliche, bildhafte Detektion des Fluoreszenzlichtes Aufschluss über die Stärke der Durchblutung am jeweiligen Ort; in einem Rheumaherd ist die Durchblutung höher als in gesundem Gewebe. Noch besser ist es, wenn man einen Farbstoff einsetzt, der nicht passiv im Blut mitschwimmt, sondern eine spezifische Wechselwirkung mit entzündlichen Prozessen eingeht. Einen solchen Farbstoff, ein fluoreszierendes Antikörperkonjugat namens AP39-TSC, entwickelt von der Bayer Schering Pharma GmbH, haben Forscher der PTB und Charité gemeinsam mit dem neuen Gerät getestet. Und tatsächlich ließen sich damit bei Ratten Rheumaherde in den Sprunggelenken noch besser darstellen.

Weil es sehr aufwendig ist, bis ein neues Kontrastmittel für den Einsatz beim Menschen zugelassen ist, wird in den klinischen Studien bislang mit dem bewährten Farbstoff Indocyaningrün gearbeitet. An der aktuellen klinischen Studie, die von der Firma mivenion koordiniert wird und fast abgeschlossen ist, sind neben der PTB die HELIOS-Kliniken in Berlin-Buch und Bad Saarow beteiligt. Die Studie wird von der Investitionsbank Berlin (IBB) gefördert und mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) unterstützt. Weil die aktuelle Studie vielversprechende Ergebnisse liefert, soll bald eine multizentrische klinische Studie folgen, an der bundesweit mehrere Kliniken beteiligt sein werden. Zu deren Vorbereitung, insbesondere zur Herstellung weiterer Geräte zur Fluoreszenz-Rheumabildgebung, hat nun die Berliner Medizintechnikfirma mivenion die Lizenzrechte von der PTB erworben. Inzwischen sind die ersten Geräte bereits an rheumatologische Kliniken geliefert worden.

Für Rheumapatienten könnte eine bessere Diagnostik zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Darüber hinaus sollten sich massive finanzielle Vorteile für das Gesundheitssystem ergeben. Denn die Behandlung von Rheuma, ob mit Arzneimitteln, in der Praxis oder in der Klinik, kostet viel Geld. Auf chronische Krankheiten wie Rheuma sind immerhin 75 % aller Gesundheitskosten zurückzuführen. Und Vertreter der gesetzlichen Krankenkasse haben auch bereits Interesse an dem neuen Verfahren gezeigt. ms/es/ptb

Ansprechpartner:
Dr. Bernd Ebert, PTB-Arbeitsgruppe 8.31 Gewebeoptik und molekulare Bildgebung, Tel. (030) 8431- 7384, E-Mail: bernd.ebert@ptb.de

Weitere Informationen:
http://www.mivenion.de/

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Hitze und Herz: Nicht nur genug, auch das richtige trinken

Pierre König, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Deutsche Herzstiftung gibt Tipps für heiße Sommertage
Hochsommerliche Sonne erfreut das Gemüt, hochsommerliche Hitze hingegen kann zur Herausforderung für Herz und Kreislauf werden. Das gilt besonders - aber längst nicht nur - für ältere Menschen und solche, die bereits wegen Herz- oder Blutdruckproblemen in Behandlung sind. Mögliche Folgen der hohen Temperaturen sind Müdigkeit und Schwindel bis hin zum Kreislaufkollaps, außerdem Herzrhythmusstörungen oder auch Muskelkrämpfe. Wer diesen Komplikationen vorbeugen will, dem rät die Deutsche Herzstiftung, ein paar einfache Tipps zu befolgen.

Besonders wichtig ist es ausreichend zu trinken. "Schnell können beim Schwitzen mehrere Liter Flüssigkeit verloren gehen" betont Prof. Dr. med. Thomas Wendt, Ärztlicher Leiter des Rehabilitationszentrums Bad Nauheim und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung. Auch Menschen, die zum Beispiel wegen einer Herzschwäche normalerweise nicht so viel trinken dürfen, sollten an heißen Tagen ihre Trinkmenge etwas steigern. Wem die ideale Menge unklar ist, der sollte dies am besten mit dem behandelnden Arzt besprechen.

Verlust von Kochsalz und Elektrolyten ausgleichen

Zudem spielt die richtige Getränkewahl eine bedeutende Rolle. Denn beim Schwitzen gehen große Mengen an Kochsalz, Magnesium und anderen Elektrolyten verloren, die dem Körper wieder zugeführt werden müssen. Geeignet sind zum Beispiel Mineralwasser oder Fruchtsäfte, die auch miteinander gemischt werden können. Ebenfalls sinnvoll (Ausnahme: Patienten mit schwer einstellbarem Bluthochdruck) sind Gemüsebrühen, die den hohen Kochsalzverlust bei starkem Schwitzen ausgleichen. Abzuraten ist von alkoholischen Getränken. Zwar löscht ein kühles Bier kurzfristig den Durst, aber langfristig wird damit dem Körperkreislauf Flüssigkeit entzogen, was für den Organismus eine unnötige Belastung darstellt. Auch sollten die Getränke nicht zu kalt sein, da dies die körpereigene Wärmeproduktion anregen kann.
Immer wieder wird auch die Frage gestellt, ob man sich an heißen Tagen überhaupt körperlich betätigen sollte. "Zwar kann Hitze das Herzkreislauf-System massiv schwächen, aber dennoch ist Bewegung auch im Sommer wichtig", so Prof. Wendt. "Allerdings sollte man sportliche Aktivitäten an wirklich heißen Tagen auf die frühen Morgenstunden oder auf den späten Abend verschieben." Empfehlenswerte Betätigungen sind zum Beispiel Spaziergänge im kühleren Wald oder eine kleine Fahrradtour, bei der einem der Fahrtwind erfrischend um die Ohren bläst. Selbstverständlich sollte man nicht mit Höchstleistungen beginnen, sondern dem Körper Zeit zum Akklimatisieren lassen.

Auch die Essgewohnheiten sollte man der Sommerhitze anpassen. Die Devise lautet: lieber viele kleine als wenige üppige Mahlzeiten einnehmen. Besonders verträglich ist die Mittelmeerküche mit frischem Obst und Gemüse. Als ideales Mittagessen hat sich zum Beispiel ein einfacher Salat mit frischen Tomaten, Gurken und Paprika bewährt. Dazu ein wenig Zitrone und Olivenöl. Und auch am Grillabend muss die gesunde Ernährungsweise nicht auf der Strecke bleiben. Statt Schweinshaxe, Bauchspeck und Bratwurst bieten sich Geflügel oder Fisch an. Außerdem schmecken Paprika, Zucchini und Pilze gegrillt ganz hervorragend.

15/2009
Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle
Dr. Klaus Fleck / Pierre König
Tel. 069/95 51 28-140
Fax: 069/95 51 28-345
E-Mail: koenig@herzstiftung.de
Weitere Informationen:
http://www.herzstiftung.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Erster Turm aus lebenden Bäumen - Baubotaniker der Uni Stuttgart erfolgreich

Ursula Zitzler, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Stuttgart

Seit mehreren Jahren beschäftigen sich Wissenschaftler der Forschungsgruppe Baubotanik am Institut Grundlagen Moderner Architektur und Entwerfen (Igma) der Universität Stuttgart damit, Tragstrukturen aus lebenden Holzpflanzen zu bilden. Kürzlich konnte der erste baubotanische Turm aus lebenden Bäumen fertig gestellt werden. Das in der Gemeinde Wald zwischen Stockach und Pfullendorf errichtete prototypische Bauwerk ermöglicht praxisnahe Tests, von denen sich die Gruppe um Institutsleiter Prof. Gerd de Bruyn Fortschritte für die Forschung erwartet.

Der knapp neun Meter hohe Turm mit einer Grundfläche von etwa acht Quadratmetern veranschaulicht die architektonischen und ökologischen Potentiale der Baubotanik: Bäume leisten durch ihren Stoffwechsel einen wichtigen Beitrag zum Mikroklima unserer Städte und bereichern mit ihrem Erscheinungsbild unseren Alltag - meist vergehen jedoch Jahrzehnte, bis ein Baum voll ausgebildet ist. Ziel baubotanischer Forschung ist es, lebende pflanzliche Strukturen als frei formbare, architektonische Baum-Tragwerke in der Dimension ausgewachsener Bäume zu konstruieren. In kurzer Zeit können so Grünräume gebildet werden, die die ästhetischen und ökologischen Qualitäten von Bäumen mit baulichen Nutzungsfunktionen verbinden.

Ein Organismus aus mehreren hundert Pflanzen
Basis des Turms ist eine fachwerkartige Struktur aus mehreren hundert jungen, nur zwei Meter großen Silberweiden. Nur die untersten Pflanzen wurden in den Erdboden gesetzt, alle anderen wurzeln in von einem temporären Stahlgerüst getragenen Pflanzcontainern. Die Stuttgarter Architekten nutzen dabei eine alte Erfahrung: Pflanzen gleicher Art können durch mit dem "Pfropfen" verwandten Methoden zu einem einzigen Organismus verwachsen. Wenn die untersten Pflanzen des baubotanischen Turms in wenigen Vegetationsperioden ein leistungsfähiges Wurzelsystem im Erdboden entwickelt haben, werden die Pflanzcontainer entfernt. Im Rahmen seiner Promotion konnte Ferdinand Ludwig vom Igma in Versuchen zeigen, dass und wie diese Verwachsungsmethode funktioniert.

Noch in diesem Jahr werden die Pflanzen des Turmes durch ihren Austrieb eine grüne Wand ausbilden, und im weiteren Verlauf der Entwicklung werden die momentan noch sehr dünnen Stämme immer dicker. Sobald die lebende Struktur stabil genug ist, um die drei einwachsenden Ebenen aus verzinktem Stahl tragen und die Nutzlasten des Bauwerks übernehmen zu können, wird das Gerüst entfernt. Wie lange dieser Prozesse dauern wird, hängt von vielen Faktoren ab und soll an diesem Turmbauwerk untersucht werden - gerechnet wird mit einer Zeitspanne von fünf bis zehn Jahren.

Das Pilotprojekt Turm entstand im Rahmen der Promotion von Ferdinand Ludwig bei Prof. Gerd de Bruyn (Igma, Universität Stuttgart) und Prof. Thomas Speck (Plant Biomechanics Group Freiburg, Universität Freiburg) in Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Cornelius Hackenbracht (Neue Kunst am Ried, Wald-Ruhestetten). Das Projekt wird von der Bundesstiftung Umwelt, zahlreichen Fachbetrieben, Ingenieurbüros und weiteren Sponsoren unterstützt.

Am 19. September 2009 wird der Turm der Öffentlichkeit vorgestellt. Medienvertreter sind dazu herzlich eingeladen; um Anmeldung bei Ferdinand Ludwig wird gebeten. Am Standort ("Neue Kunst am Ried", Wald-Ruhestetten) kann ein bereits 2005 realisierter baubotanischer Steg besichtigt werden. Nach Vereinbarung können auch die Stuttgarter Versuchsanlagen der Forschungsgruppe an den Wagenhallen besichtigt werden.

Kontakt und weitere Informationen bei
Ferdinand Ludwig, Forschungsgruppe Baubotanik - Lebendarchitektur
Institut Grundlagen Moderner Architektur und Entwerfen der Universität Stuttgart
Tel. 0176/23338496
e-mail: ferdinand.ludwig@igma.uni-stuttgart.de

Standort:
Neue Kunst am Ried
Riedstraße 26
88639 Wald-Ruhestetten
Tel: 07578/1336
e-mail: info@neue-kunst-am-ried.de
Weitere Informationen:
http://www.igma.uni-stuttgart.de
http://www.forschung.baubotanik.de
http://www.baubotanik.de

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news329974

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wasserhaus bald auch in Namibia-Interesse an Potsdamer Uni-Projekt

Sylvia Prietz, Referat für Presse-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit
Universität Potsdam

Ein an der Universität Potsdam für Südafrika projektiertes kommunales Wasserhaus zur besseren Versorgung der ländlichen Bevölkerung mit Frischwasser könnte bald auch in Namibia gebaut werden. Der Botschafter der Republik Namibia, Neville Gertze, informierte sich in Potsdam über das am Lehrstuhl Vegetationsökologie und Naturschutz entwickelte Konzept, mit dem ländliche Siedlungen ihre Wasserver- und entsorgung eigenständig und dezentral organisieren können. Gegenüber Projektleiter Dr. Konrad Soyez zeigte sich der Botschafter besonders an den Methoden zur Verbesserung der Wasserqualität und an einer effizienten Verbindung von Energie- und Wasserversorgung interessiert. Ziel sei es, die Lebensbedingungen in den ländlichen Gebieten nachhaltig zu verbessern. Aber auch für den zunehmenden Tourismus im Land werde eine stabile Wasserversorgung und umweltverträgliche Reinigung des Abwassers unerlässlich. Neville Gertze lud die Potsdamer Wissenschaftler ein, ihr Konzept vor Ort zu präsentieren und mit den Kommunen Möglichkeiten der Umsetzung zu diskutieren. Hierbei sollen auch Fachleute der Universität Windhoek einbezogen werden.
Vorbild könnte der südafrikanische Prototyp eines kommunalen Wasserhauses in der Ikwezi Municipality in der Halbwüstenlandschaft der Großen Karoo sein, das im vergangenen Jahr in Kooperation der Universität Potsdam mit deutschen und südafrikanischen Firmen erbaut wurde. An einem zentralen Standort wird dort das Wasser jetzt im Kreislauf geführt und seine Qualität dem Bedarf angepasst. Für das Duschen und Waschen reichen Recyclingqualitäten, das so genannte Grauwasser. Restwasser wird für die Toilettenspülung und für technische oder gartenbauliche Zwecke genutzt. Zudem ersetzt Solarenergie bei der Wassererwärmung den Klima belastenden Verbrauch fossiler Brennstoffe. Neben den ökologischen und hygienischen Effekten schafft das Wasserhaus auch neue Arbeitsmöglichkeiten für die Bevölkerung. Junge Menschen werden ausgebildet, um die Anlage selbstständig warten zu können.

Hinweis an die Redaktionen:
Als Ansprechpartner steht Ihnen Dr. Konrad Soyez, Lehrstuhl Vegetationsökologie und Naturschutz, Tel. 0331/977 4693, E-Mail: soyez@uni-potsdam.de zur Verfügung.

Diese Medieninformation ist auch unter
http://www.uni-potsdam.de/pressmitt/2009/pm _09.htm im Internet abrufbar.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wasser-Recycling gegen die Trockenheit

Britta Rollert, Pressestelle
ttz Bremerhaven

Auch blühende Hotelgärten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Wasserknappheit beliebte Urlaubsdomizile in Südeuropa und Nordafrika im Sommer fest im Griff hat. Landwirtschaft, Tourismus und Trinkwasserversorgung konkurrieren um die knappe Ressource. Im Zuge der globalen Klimaerwärmung sinken die Niederschlagsmengen, aber Perspektiven für einen Ausgleich fehlen derzeit noch. Das Recycling von Abwasser kann Abhilfe schaffen. Wissenschaftler des ttz Bremerhaven setzen Membranbioreaktoren ein, um Abwasser für die erneute Nutzung aufzubereiten.

Membrantechnologie stärkt wichtigsten Wirtschaftsfaktor der Mittelmeerregion

Die Aussicht auf einige Wochen wolkenlosen Himmel und Sonnengarantie lockt viele Touristen in südliche Gefilde. Damit der Erholungswert stimmt, setzen Ferienanlagen gewaltige Mengen von Wasser ein, um den Gästen eine grüne Oase zu bieten. Schließlich ist der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle im Mittelmeerraum. Ähnlich ist die Situation beim Anbau von Obst und Gemüse, der z.B. in Tunesien und Marokko sowohl der Eigenversorgung dient, als auch für den Export eine wichtige Größe ist. Doch die zur Verfügung stehenden Wassermengen sind begrenzt. In einigen Regionen ist die Situation schon so angespannt, dass selbst die Grundversorgung der Bevölkerung nicht mehr gesichert ist. Meldungen von Versorgungsstopps und Rationierungen werden häufiger. Die vielerorts angewendete Entsalzung von Meerwasser ist energieintensiv und schafft Probleme bei der Entsorgung des Rückstandes Salzsole.

Ein Ausweg ist die Aufbereitung von Abwasser. Dafür werden robuste Technologien eingesetzt, die ein gesamtes Dorf mit 500 Einwohnern oder eben eine große Ferienanlage versorgen können. "Die Herausforderung in dem Projekt Puratreat war, einen Membranbioreaktor so zu bauen und zu betreiben, dass er auch bei hohen Umgebungstemperaturen effizient arbeitet und nur einen geringen Energiebedarf für den Betrieb benötigt", erklärt Dr. Gerhard Schories, technischer Leiter des ttz-Bereiches Wasser-, Energie- und Landschaftsmanage-ment.

Bei diesem Verfahren wird die biologische Abwasserreinigung, die Schadstoffe eliminiert, mit der Membrantechnologie kombiniert, die die Reinigungsleistung steigert und zudem Keimfreiheit im gereinigten Wasser sicherstellt. Dies ist eine Grundvoraussetzung für die Wiedernutzung in der Landwirtschaft. Das Konzept mit getauchten Membranen ermöglicht, dass auch auf einem kleinen Volumen eine große Filterfläche realisiert werden kann. Aufgrund der hohen Temperatur-schwankungen in den Zielgebieten musste der Anlagenbetrieb so angepasst werden, dass die Membranen sowie eine sich anpassende Bakterienkonzentration diese Schwankungen ausgleicht.

Die europäische Union fördert die Entwicklung dieser Technologie, die organische Fracht sowie humanpathogene Keime aus dem Wasser entfernt, aber für das Pflanzenwachstum wichtige Nährstoffe zurückhält. Das gereinigte Wasser ist aufgrund der definierten Nährstoffkonzentration besonders gut zur Bewässerung von Nutzpflanzen geeignet. Die im Abwasser enthaltenen Stickstoffverbindungen werden in dem Membranbioreaktor durch Sauerstoffzufuhr in Nitrat umgewandelt, das von Pflanzen gut aufgenommen werden kann. Zusammen mit Phosphorverbindungen aus dem Abwasser kann das Nitrat die Pflanzen mit Nährstoffen versorgen. Auch bestehende Kläranlagen können mit dieser Technologienachgerüstet werden.

Neben dem Design und der Anpassung der Membranbioreaktortechnologie für die Einsatzbedingungen im Mittelmeerraum war auch die Vorstellung der Technologie bei potenziellen Anwendern in der Zielregion eine Aufgabe des EU-Projektes Puratreat. Die Mitarbeit des staatlichen Wasserver- und -entsorgers in Tunesien und die Einbindung grenzüberschreitend tätiger Akteure leistete dazu einen wich-tigen Beitrag. Durch eine internationale Konferenz mit Regierungsvertretern und kommunalen Entscheidungsträgern aus den beteiligten Regionen wurde zum Abschluss des Projektes noch einmal ein organisatorisch wichtiger Grundstein für die Verbreitung der Technologie in der Region festgeklopft.

Nach der erfolgreichen Technologieentwicklung ist das ttz Bremerhaven nun be-müht, ein Nachfolgeprojekt auf den Weg zu bringen. Eine weitere wichtige Per-spektive, die sich mit der Technologie realisieren ließe, ist die Aufbereitung von Abwasser auf Trinkwasserqualität durch Erweiterung um eine Umkehrosmosestufe.

Das ttz Bremerhaven versteht sich als innovativer Forschungsdienstleister und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Team ausgewiesener Experten in den Bereichen Lebensmitteltechnologie und Bioverfahrenstechnik, Analytik sowie Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement, Gesundheitssysteme sowie Verwaltung & Software.

Kontakt:
ttz Bremerhaven
Britta Rollert, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0471 / 4832-121/-124; Fax: 0471 / 4832-129
E-Mail: brollert@ttz-bremerhaven.de
Weitere Informationen:
http://www.ttz-bremerhaven.de
http://www.puratreat.com

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Neues Portal zur Gefährdungsbeurteilung eröffnet

Jörg Feldmann, Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Per Mausklick Handlungshilfen zur Gefährdungsbeurteilung abrufen

Unter der Adresse www.gefaehrdungsbeurteilung.de bietet die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ab sofort ihr neues Onlineportal zur Gefährdungsbeurteilung an. Es unterstützt Unternehmen bei der Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung, zu der sie das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet. Darüber hinaus schafft die Gefährdungsbeurteilung Grundlagen für einen systematischen und erfolgreichen Arbeits- und Gesundheitsschutz im Betrieb.
Risiken und Gefährdungen bei der Arbeit können in unterschiedlichen Branchen und Betriebsgrößen schwanken. Hier benötigen Betriebe Handlungshilfen, die ihren Anforderungen gerecht werden. Das neue Portal www.gefaehrdungsbeurteilung.de der BAuA schafft Abhilfe. Dazu macht es nicht nur den Prozess der Gefährdungsbeurteilung transparenter, sondern erleichtert auch den Zugang zu relevanten Handlungshilfen.

Das Portal gliedert sich in vier Hauptrubriken. In der Rubrik Basiswissen erhalten Nutzer grundlegende Informationen zur Gefährdungsbeurteilung. Sie erfahren, was den Prozess der Gefährdungsbeurteilung kennzeichnet, warum man sie machen sollte und wie man sie ganz konkret durchführt.
Den Schwerpunkt der Rubrik Handlungshilfen bildet eine Datenbank, die den Zugang zu Handlungshilfen erleichtert. Neben der Freitextsuche lässt sich die Suchanfrage über erweiterte Suchkriterien, wie Anbieter, Branchen und Gefährdungsart eingrenzen.
Die Rubrik Expertenwissen gibt Hilfestellung, um alle grundsätzlich möglichen Gefährdungen zu prüfen. Die fortlaufend aktualisierten Inhalte in dieser Rubrik beruhen auf dem "Ratgeber zur Ermittlung gefährdungsbezogener Arbeitsschutzmaßnahmen im Betrieb" der BAuA.
Schließlich rundet die Rubrik Service das Angebot ab. Hier finden sich Hinweise und Tipps zur Nutzung des Portals, Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQs), Beratungsangebote, ein Glossar sowie eine umfangreiche Literaturzusammenstellung.

Das Portal wurde in enger Abstimmung mit den Trägern der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) entwickelt. Deshalb können Nutzer davon ausgehen, dass die in der Datenbank angebotenen Handlungshilfen den Qualitätsgrundsätzen der Träger der GDA (Bund, Länder, Unfallversicherungsträger) entsprechen.

Mit dem Portal beteiligt sich die BAuA aktiv an der europaweiten Informationskampagne 2008-2009 "Gesunde Arbeitsplätze" der Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA). Diese Kampagne zielt darauf ab, arbeitsbedingte Unfälle und Krankheiten durch verbesserte Gefährdungsbeurteilungen zu verringern. Hierzu erklärt Jukka Takala, Direktor der EU-OSHA: "Wir begrüßen diese exzellente Initiative der BAuA, eine zentrale Plattform zur Gefährdungsbeurteilung bereitzustellen. Dieses Portal gibt Arbeitgebern und Arbeitnehmern notwendige Instrumente zur sektor- oder risikospezifischen Gefährdungsbeurteilung an die Hand und zeigt Maßnahmen zur Steigerung von Sicherheit, Gesundheit und Produktivität am Arbeitsplatz auf."

Das Portal www.gefaehrdungsbeurteilung.de richtet sich an alle Akteure im betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz wie Arbeitgeber, Arbeitnehmer und ihre Vertretungen, Sicherheitsbeauftragte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Betriebsärzte, Sicherheitsbeauftragte und Mitarbeiter der gesetzlichen Unfallversicherung und Aufsichtsbehörden.
Weitere Informationen:
http://www.gefaehrdungsbeurteilung.de Direkter Link zum Onlineportal zur Gefährdungsbeurteilung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Membranbioreaktoren entlasten Abwassermanagement

Britta Rollert, Pressestelle
ttz Bremerhaven

Bei der Lebensmittelproduktion fallen als Nebenprodukt große Mengen Abwasser an. Seine Reinigung führt zu einem hohen Klärschlammaufkommen, das eine wirtschaftliche Belastung für die Milch- und Fleischindustrie darstellt. Der Einsatz einer speziellen biotechnologischen Wirkstoffkomposition reduziert das Schlammaufkommen und erhöht die Reinigungsleistung spürbar. Im Bereich der kommunalen Kläranlagen hat sich der Einsatz der Komposition, die die Bildung mikroskopisch kleiner Cluster aus Mikroorganismen bewirkt, bereits bewährt. Das EU-Forschungsprojekt WASTEred soll nun diese Anwendung an die Faktoren im Bereich der Lebensmittelindustrie anpassen.

Weniger Klärschlamm in der Lebensmittelindustrie

Die Produktion von Nahrungsmitteln und Getränken ist durch ein hohes Abwasseraufkommen gekennzeichnet. Der Aufwand und die Kosten zur Abwasserreinigung sind in den letzten Jahren stetig angestiegen. Die Produzenten beschäftigt daher nicht nur die Qualität und Kundenakzeptanz des Endproduktes, sondern zunehmend auch das Abwassermanagement, das für viele Betriebe inzwischen einen bedeutenden Kostenfaktor darstellt.

Besonders Schlachthöfe und Fleischverarbeitungsbetriebe sowie Molkereien er-zeugen Abwässer, die aufgrund ihrer hohen Schmutzfracht eine kosten- und energieintensive Aufbereitung erfordern. Bei der Abwasserreinigung entsteht Klärschlamm, der meistens verbrannt werden muss und dadurch hohe Entsor-gungskosten verursacht. Jährlich fallen allein in diesen Branchen europaweit 25 Millionen Tonnen an. Dieser Kostendruck auf die vorwiegend mittelständisch geprägte Milch- und Fleischindustrie in Europa macht die Suche nach Auswegen dringlich. Ein vielversprechender Ansatz ist die Reduzierung des zu entsorgenden Klärschlammaufkommens.

Bisher entwickelte Verfahren zur Verringerung des Klärschlammaufkommens - zum Beispiel der Einsatz von Enzymen, oberflächenaktiven Chemikalien oder die Behandlung mit Ultraschall - sind entweder nur für bestimmte Anwendungen geeignet oder befinden sich noch in der Entwicklung und Erprobung. Ein Konsor-tium mit Verbänden aus Spanien und Europa soll unter der Leitung des Projekt-koordinators Bioazul eine wirtschaftliche Alternative aufzeigen. Der spanische Abwasserspezialist hat bereits in Zusammenarbeit mit dem ttz Bremerhaven eine wirkungsvolle Lösung für den Einsatz in kommunalen Klärwerken entwickelt.

Die spezielle biotechnologische Wirkstoffkomposition LODOred-100k bewirkt im Belebtschlamm die Bildung von Mikro-Membranbioreaktoren, mikroskopisch klei-nen Clustern aus Mikroorganismen. Sie werden von einer dünnen organischen Hülle umschlossen, die das Cluster von der Umgebung abgrenzt und wie eine Membran wirkt. Die dadurch erreichte Intensivierung der Stoffwechselprozesse steigert die Reinigungsleistung und reduziert das Schlammaufkommen. Bisher wurde das Konzept in zahlreichen Kläranlagen mit Ausbaugrößen von 5.000 bis 300.000 EW erfolgreich eingesetzt. Die Wirksamkeit kann bereits nach einer Anlaufzeit von sieben bis zehn Tagen einsetzen.

Das Abwasser von milch- und fleischproduzierenden Betrieben unterscheidet sich in der Zusammensetzung, z.B. Fettgehalt, Stickstoff-Kohlenstoff-Verhältnis oder den enthaltenen Feststoffen erheblich von kommunalem Abwasser. In dem Projekt WASTEred wollen die Partner erreichen, dass LODOred-100k auch unter den Einsatzbedingungen in der Lebensmittelindustrie die Schlammbildung im biologi-schen Aufbereitungsprozess um rund ein Viertel reduziert. Die EU fördert dieses Projekt im Rahmen des Programms Eco-Innovation. Kosten-Nutzen-Analysen auf Basis aktueller Untersuchungsergebnisse liefern Produzenten eine Entschei-dungsgrundlage. Anwenderspezifische Trainings und Lehrmaterialien für den Ein-satz des Produktes sollen Einsparpotentiale aufzeigen.

Das ttz Bremerhaven versteht sich als innovativer Forschungsdienstleister und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Team ausgewiesener Experten in den Bereichen Lebensmitteltechnologie und Bioverfahrenstechnik, Analytik sowie Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement, Gesundheitssysteme sowie Verwaltung & Software.

Kontakt:
ttz Bremerhaven
Britta Rollert, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0471 / 4832-121/-124; Fax: 0471 / 4832-129
E-Mail: brollert@ttz-bremerhaven.de
Weitere Informationen:
http://www.ttz-bremerhaven.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Meeresboden unter Druck

Albert Gerdes, Pressestelle
MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

Kürzlich wurde Japan erneut von Erdbeben erschüttert. Im Rahmen des Forschungsprojekts NanTroSEIZE versuchen Wissenschaftler zu verstehen, warum die Erde hier so oft bebt. Während einer Expedition mit dem Bohrschiff CHIKYU vor die japanische Westküste konnte MARUM-Wissenschaftler Dr. Michael Strasser mit internationalen Kollegen Bohrproben vom Meeresboden gewinnen. Demnach leiten Risse in der Erdkruste Bewegungen, die bei Beben entstehen, ab. Interessant ist, dass diese Störungen im Lauf der Zeit unterschiedlich aktiv sind. Nature Geoscience veröffentlicht die Befunde des Forscherteams in seiner gestrigen Online-Ausgabe (16. August) bzw. im gedruckten September-Heft.
Die Reise der CHIKYU führte zum Nankai-Trog, eine der aktivsten Erdbebenzonen weltweit. Hier taucht die ozeanische Philippinische Platte mit einer Geschwindigkeit von 4 Zentimeter pro Jahr unter die Eurasische Kontinentalplatte ab. Dabei schabt die obere Eurasische Platte Teile des Meeresbodens von der unteren Philippinischen Platte. Eingekeilt zwischen den mächtigen Erdplatten gerät das abgeschabte Sedimentmaterial unter enormen Druck. Risse entstehen, sogenannte Störungen. Vor Japan ist der landwärts gelegene Teil des Nankai-Sedimentkeils von einer prominenten Störung durchzogen, die sich parallel zur Küste über eine Länge von 120 Kilometer erstreckt. "Wir bezeichnen solche gigantischen Störungen als Megasplays", sagt Nature-Autor Dr. Michael Strasser. "Sie können die Bewegungen, die bei Erdbeben in großen Tiefen entstehen bis zum Meeresboden übertragen. Unter Umständen löst das dann Tsunamis aus."

Bislang waren die Kenntnisse über Megasplay-Störungen lückenhaft. Sie stammten aus seismischen Untersuchungen und aus Modellrechnungen. "Mit den Bohrkernen vom Meeresboden, die wir an Bord der CHIKYU gewonnen haben, ist es nun erstmals möglich, die geologische Vergangenheit solcher Störungen im Detail nachzuzeichnen," sagt der aus der Schweiz stammende MARUM-Mitarbeiter. Zusammen mit seinen Kollegen fand Strasser heraus, dass sich die Störung im Nankai-Trog vor etwa zwei Millionen Jahren entwickelte. Mit den Informationen aus den Bohrkernen, können die Wissenschaftler beschreiben, in welchen geologischen Zeiträumen die Störung besonders aktiv war.

"Unser wichtigstes Ergebnis ist, dass die Aktivität der Nankai-Störung über die Jahrhunderttausende schwankt," sagt der Geowissenschaftler. Nach einer anfänglichen Phase hoher Aktivität, ließ die Bewegung entlang der Störung nach. "Aber vor etwa 1,55 Millionen Jahren wurde die Störung reaktiviert. Seitdem begünstigt sie die Ausbreitung der Erdbebenwellen aus der Tiefe."

Der Nankai-Trog ist für die Erdbebenforschung auch deshalb besonders geeignet, weil historische Aufzeichnungen über Beben und Tsunamis in dieser Region bis ins siebte Jahrhundert zurückreichen. Zudem liegt hier die sogenannte seismogene Zone, also jene Region, in der Erdbeben ihren Ausgang nehmen, nur etwa sechs Kilometer unter dem Meeresboden. Ziel des Projekts NanTroSEIZE ist es, im Lauf der kommenden Jahre von Bord der CHIKYU Bohrungen bis hinab in diese Zone abzuteufen. Das Kürzel NanTroSEIZE steht für Nankai Trough Seismogenic Zone Experiment und ist Teil des Integrierten Ozeanbohr-Programms IODP.

"Letztendlich hoffen wir, eines Tages Signale aufzuspüren, die direkt vor einem Erdbeben auftreten. Das wäre ein großer Schritt vorwärts in unserem Bestreben, den Ablauf von Erdbeben und Tsunamis besser zu verstehen", sagt der 32jährige Wissenschaftler, dessen Arbeiten aus Mitteln des Bremer Exzellenzclusters MARUM und des Schweizer Nationalfonds gefördert werden.

Weitere Informationen/Interviewanfragen/Bildmaterial:
Albert Gerdes
MARUM-Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 0421 - 218-65540
Email: agerdes@marum.de
www.marum.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Die Wirkung kosmischer Strahlung im Weltall

Satelliten und Raumfahrzeuge haben komplexe mikroelektronische Bauteile an Bord, deren Ausfall katastrophale Folgen hat. Die kosmische Strahlung im Weltall kann die empfindliche Elektronik beschädigen. In einem gemeinsamen Forschungs-projekt vom Fraunhofer-Institut für Naturwissenschaftlich- Technische Trendanalysen INT in Euskirchen, der European Space Agency (ESA) und dem GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt untersuchen die Wissenschaftler den Einfluss der Strahlung auf die Elektronik.

Am Teilchenbeschleuniger des GSI bestrahlen die Forscher mikro- elektronische Bauelemente unter Leitung der INT-Wissenschaftler mit relativistischen Ionen. Die GSI-Beschleunigeranlage ist die einzige in Europa, an der sich Ionenstrahlung so herstellen lässt, wie sie als kosmische Strahlung im Weltall auftritt. Ziel des Forschungsprojekts ist es, die Eignung verschiedener Mikrochips für den Einsatz im Weltraum zu testen. Darüber hinaus sollen Grundlagen erforscht werden, um in Zukunft strahlungsfeste, leichtere und kompaktere Elektronik zu entwickeln, um Platz und Gewicht zu sparen. So kann in der Raumfahrttechnik in Zukunft auf die bisher nötigen Abschirmungen und auch auf Ersatzelektronik, die für manche Bauteile mitgeführt wird, verzichtet werden.

»Wir wollen erstmals systematisch untersuchen, wie die Energie der Ionenstrahlen die Mikroelektronik beeinflusst. Die GSI-Beschleunigeranlage bietet dazu optimale Voraussetzungen. Hier können wir hochenergetische Ionen, von den leichtesten bis zu den schwersten Elementen, erzeugen. Damit decken wir das gesamte Spektrum an Ionenstrahlung ab, wie es im Universum permanent auftritt«, sagt Stefan Metzger, Projektleiter am Fraunhofer-Institut. Die Mitarbeiter des INT sind Experten auf dem Gebiet der Strahlenschäden in Elektronik. Neben der fachlichen Expertise unterstützt das INT das Projekt mit einer speziellen Mess-Infrastruktur, mit der sich solche Fehler in elektronischen Bauteilen feststellen lassen.

In einem ersten Experiment haben Wissenschaftler einen von der ESA bereit gestellten Mikrochip mit Gold-Ionen bestrahlt. Die Analyse bestätigte die Vermutung, dass die Störanfälligkeit des Chips stark von der Energie der Ionen abhängt. Für eine genaue Untersuchung sind in den nächsten Jahren weitere systematische Bestrahlungen verschiedener Bauteile unter dem Einfluss unterschiedlicher Ionen und Energien vorgesehen.

»Ionenstrahlen sind Hauptbestandteil der kosmischen Strahlung und haben die größte Wirkung auf die Mikroelektronik. Eine genaue Kenntnis dieses Einflusses ist die Voraussetzung, um in Zukunft gezielt Elektronik für Raumfahrt optimieren zu können«, sagt Marco Durante, Leiter der Abteilung Biophysik am GSI. Bereits ein einzelnes Ion kann in mikroelektronischen Bauteilen Schäden verursachen. Durch die hohe elektrische Ladung und die Energie des Ions können in den Halbleitermaterialen des Mikrochips freie Ladungsträger erzeugt werden, die zu kleinen elektrischen Stromflüssen führen und so Funktionsfehler oder einen Ausfall des Chips verursachen können.

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Wie gesund ist die Ostsee?

Dr. Michael Welling, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Fischereiökologen des von Thünen-Instituts (vTI) untersuchen Auswirkungen von Umweltschadstoffen / Internationales Verbundprojekt mit 16 Instituten
Am 17. August 2009 startet das Fischereiforschungsschiff "Walther Herwig III" zu seiner 325. Forschungsreise, die in die Ostsee führt. Wissenschaftler des zum Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) gehörenden Instituts für Fischereiökologie werden dort die Auswirkungen von Umweltschadstoffen auf den Gesundheitszustand von Fischen untersuchen. Dabei legen sie besonderes Augenmerk auf Krankheiten und Parasiten, Veränderungen im Blutbild, Fortpflanzungsstörungen, die Beeinträchtigung biochemischer und physiologischer Vorgänge sowie die Schadstoffbelastung. Die Reise ist eingebettet in das internationale Projekt BEAST.

An diesem drei Jahre dauernden Forschungsprojekt, das durch nationale Beiträge und durch die EU finanziert wird, beteiligen sich Wissenschaftler aus insgesamt 16 Instituten der Ostsee-Anrainerstaaten. In fünf Regionen der Ostsee (Beltsee, Danziger Bucht, Bucht von Riga, Finnischer Meerbusen, Bottnischer Meerbusen) werden Schadstoffgehalte im Boden und in Organismen sowie biologische Schadstoffeffekte an Fischen, Muscheln und Krebsen gemessen. Basierend auf diesen Ergebnissen wollen die Wissenschaftler einen Statusbericht über den Gesundheitszustand der Ostsee erstellen, der in Empfehlungen für ein zukünftiges international abgestimmtes Ostsee-Überwachungsprogramm einmünden soll.

Die "Walther Herwig III" nimmt zunächst Kurs auf Helsinki, wo sie das finnische Forschungsschiff "Aranda" trifft. Gemeinsam werden beide Schiffe dann acht bis zehn Tage lang Arbeiten im Finnischen Meerbusen durchführen. Die Walther Herwig wird sich dabei auf Fische, die Aranda auf Wasser und Boden konzentrieren. Im Anschluss daran wird die Walther Herwig auf dem Rückweg noch weiter westlich gelegene Ostseegebiete anlaufen. Am 8. September wird das deutsche Forschungsschiff wieder in seinem Heimathafen Bremerhaven zurück erwartet.

Kontakt:
Fahrtleiter Dr. Thomas Lang, vTI-Institut für Fischereiökologie, 27472 Cuxhaven,
E-Mail: thomas.lang@vti.bund.de
Weitere Informationen:
http://www.vti.bund.de/de/aktuelles/forschungsreisen/WHIII.htm - Nähere Informationen über die "Walther Herwig III"

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Krebs: Starker Gewichtsverlust verhindert Heilung

Dr. med. Eva M. Kalbheim, Pressestelle
Deutsche Krebshilfe e. V.

Forscher untersuchen molekulare Ursachen für Auszehrung
Heidelberg (ng) - Krebs-Patienten verlieren im Laufe der Erkrankung oftmals sehr viel an Gewicht. Dieser extreme Zustand der Abmagerung wird als Auszehrung oder Kachexie (griech.: "schlechter Zustand") bezeichnet. Der ungewollte Gewichtsverlust beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität der Patienten. Auch die Heilungschancen verschlechtern sich dadurch dramatisch: "Für rund ein Drittel aller Krebstodesfälle wird diese Auszehrung verantwortlich gemacht", erklärt Dr. Stephan Herzig. Der Wissenschaftler untersucht am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg die molekularen Ursachen der Tumorkachexie. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Forschungsprojekt mit 165.600 Euro.

Eine Tumorkachexie tritt nicht bei allen Krebsarten auf. Häufig betroffen sind beispielsweise Patienten mit einem bösartigen Tumor der Bauchspeicheldrüse oder der Lunge. Selten ist starker Gewichtsverlust hingegen bei Brust- oder Blutkrebs. "Leider ist es im Frühstadium einer Krebserkrankung nicht möglich, vorherzusagen, wie groß die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten oder die Schwere der Abmagerung bei einem Krebs-Patienten ist", erklärt Herzig, Abteilung für Molekulare Stoffwechselkontrolle am DKFZ. "Denn die grundlegenden molekularen Mechanismen der Tumorkachexie sind noch weitgehend unbekannt. Zudem wird sie häufig zu spät erkannt." Dies ist ein schwerwiegendes Problem in der gegenwärtigen Krebstherapie, da es bisher keine effektive Behandlungsmethode gibt.

Infolge der Abmagerung werden insbesondere Fettgewebe und Muskulatur in starkem und lebensbedrohlichem Maße abgebaut und die körpereigenen Energiespeicher aufgezehrt. Meist sind die Patienten dadurch so geschwächt, dass sie die notwendige, aber kräftezehrende Chemotherapie nicht mehr aushalten. "Es reicht dann in den meisten Fällen nicht aus, dass der Betroffene mehr isst und die Kalorienzufuhr erhöht", erklärt Herzig. Denn wesentliche Organsysteme des Körpers seien offensichtlich auf einen nicht umkehrbaren 'Abbau-Modus' geschaltet. Zudem leiden viele Krebs-Patienten infolge der Therapie unter Appetitlosigkeit oder Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall oder Erbrechen.

Die Heidelberger Wissenschaftler wollen nun die molekularen Ursachen für die Tumorkachexie untersuchen. In früheren Arbeiten haben sie bereits herausgefunden, dass aufgrund des Tumorwachstums bestimmte Botenstoffe vermehrt im Blut vorhanden sind, welche die Abbauprozesse im Körper in Gang setzen könnten. "Diese Substanzen werden vermutlich vom Tumor selbst ausgeschüttet", so Herzig. "Über das Blut gelangen die Botenstoffe dann an die Zielorgane Fett und Muskulatur und geben hier das 'Signal zum Abbau'." In der Folge werden sowohl Eiweißreservoirs des Muskels als auch die Fett- und Energiespeicher des Fettgewebes abgebaut und aufgezehrt.

Die Wissenschaftler untersuchen nun, über welche Signalwege die ausgeschütteten Botenstoffe den Abbau bewirken. Dabei konzentriert sich die Arbeitsgruppe zunächst auf die Prozesse im Fettgewebe. "Unser Ziel ist es, neue molekulare Zielstrukturen zu identifizieren, um die Tumorkachexie zukünftig behandeln zu können", sagt Herzig. "Dadurch könnten die Heilungschancen vieler Krebs-Patienten deutlich verbessert werden."

Quelle: Tisdale, Nat. Rev. Cancer 2, 862, 2002

Interviewpartner auf Anfrage!

Infokasten: Ernährung bei Krebs
Müssen Menschen, die an Krebs erkrankt sind, andere Lebensmittel essen als gesunde Menschen? Der neueste Bericht des World Cancer Research Fund empfiehlt, dass sich Krebskranke grundsätzlich ähnlich ernähren sollten, wie es allen Gesunden geraten wird, die Krankheiten vorbeugen möchten - also möglichst gesund und ausgewogen. Manche Krebs-Patienten sind jedoch wegen bestimmter Beschwerden oder durch die Behandlung auf eine spezielle Ernährung angewiesen. In ihrem blauen Ratgeber "Ernährung bei Krebs" gibt die Deutsche Krebshilfe Hinweise, Tipps und praktische Hilfen, wie die Ernährung den Heilungsprozess unterstützen kann. Die Broschüre ist kostenlos erhältlich bei der Deutschen Krebshilfe, Postfach 1467, 53004 Bonn und im Internet unter www.krebshilfe.de.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Biomarker identifizieren Patienten mit Alzheimer-Risiko

Dr. Annette Tuffs, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Heidelberg

Frühzeitige Diagnose möglich / Heidelberger Wissenschaftler an internationaler Multicenter-Studie im "Journal of the American Medical Association" beteiligt
Eine groß angelegte, multizentrische Studie hat belegt, dass neue Biomarker im Liquor (Nervenwasser, das Gehirn und Rückenmark umspült) mit hoher Zuverlässigkeit (83 Prozent) voraussagen können, ob ein Patient mit leichten kognitiven Defiziten später eine Alzheimer-Demenz entwickeln wird. Bei den Biomarkern handelt es sich um Proteine, die zur Stützfunktion der Zellen beitragen, sowie um Beta-Amyloid, ein Peptid, das sich im Gehirn der Patienten ablagert. Im Nervenwasser von Patienten mit beginnender Alzheimer-Erkrankung findet man veränderte Konzentrationen.

Zusammen mit elf weiteren Zentren in Europa und den USA hat auch die Sektion Gerontopsychiatrie des Universitätsklinikums Heidelberg (Leiter: Professor Johannes Schröder, Studienarzt: Dr. Elmar Kaiser) an der Studie teilgenommen, die von Dr. Niklas Mattsson, Universität Gothenburg, Schweden, koordiniert wurden. Die Ergebnisse wurden im "Journal of the American Medical Association" veröffentlicht.

Der Morbus Alzheimer ist die häufigste Ursache für eine Demenz und betrifft 15 Millionen Patienten weltweit. Der Beginn einer Demenzerkrankung, egal welcher Art, ist in der Regel charakterisiert durch milde Gedächtnisstörungen. Man spricht von einer leichten kognitiven Beeinträchtigung, wenn der Verlust der intellektuellen Fähigkeiten wie Gedächtnisleitung und Flexibilität unter den altersgerechten Normwerten liegt, aber noch nicht so ausgeprägt ist, dass man eine Demenz diagnostizieren würde. Um die Alzheimer Erkrankung in Zukunft besser behandeln zu können, muss eine frühzeitige Diagnose möglich sein, bevor die neurodegenerativen Prozesse zu weit fortgeschritten sind.

Zuverlässige Biomarker im Nervenwasser

Tau-Proteine bilden bei Alzheimer Patienten Ablagerungen, sogenannte Neurofibrillen im Gehirn. Bei der Schädigung von Nervenzellen sind die Werte für Tau-Proteine im Nervenwasser erhöht, das phosphorylierte Tau-Protein ist speziell nur bei der Alzheimer Erkrankung vermehrt nachzuweisen. Ein weiteres Kennzeichen für die Alzheimer-Krankheit sind die Ablagerungen an Nervenzellen, die größtenteils aus sogenanntem Beta-Amyloid bestehen. Im Nervenwasser sind die Werte für Beta-Amyloid erniedrigt.

Die Studie zeigt, dass diese Biomarker 83 Prozent der Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen identifizieren können, die in den folgenden Jahren Alzheimer entwickeln werden. Für die Studie wurden insgesamt 1.200 Patienten untersucht. Zunächst wurden 529 Patienten mit einer Alzheimer-Demenz mit 304 gesunden Testpersonen verglichen, um die Grenzwerte festzulegen. Dann wurden 750 Patienten mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung über mindestens zwei Jahre bzw. solange, bis eine klinische Demenz manifest wurde, im Verlauf beobachtet.

Klinische Bedeutung im Moment noch gering

"Obwohl die Voraussagekraft der Marker sehr gut ist, können wir die Anwendung für die klinische Routinediagnostik noch nicht empfehlen. Solange es noch keine Medikamente gibt, die die Alzheimer Erkrankung verhindern oder zumindest verzögern können, hat die frühzeitige Diagnose keine klinische Konsequenz", so die Autoren der Studie. Dennoch handelt es sich bei den Biomarkern um nützliche Screeningwerte, um gefährdete Patienten weiter unter klinischer Beobachtung zu halten. Außerdem können so diejenigen Patienten ausgewählt werden, die für eine Therapie mit neuentwickelten Medikamenten in Frage kommen.

Literatur:
CSF Biomarkers and Incipient Alzheimer Disease in Patients With Mild Cognitive Impairment, Niklas Mattsson, Henrik Zetterberg, Oskar Hansson, et al., JAMA, 2009, 302(4): 385-393.

Weitere Informationen im Internet:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Gerontopsychiatrische-Forschung.1854.0.html

Ansprechpartner:
Dr. med. Elmar Kaiser oder Prof. Dr. med. Johannes Schröder
Sektion Gerontopsychiatrie
Klinik für Allgemeine Psychiatrie
Universitätsklinikum Heidelberg
Voßstr. 4
69115 Heidelberg
Tel: 06221 / 56 44 48
E-Mail: Elmar.Kaiser@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Kluge Köpfe für große Aufgaben im Umwelt- und Klimaschutz gesucht

Franz-Georg Elpers, Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

DBU-Herbstsymposium hat naturwissenschaftlich-technischen Nachwuchs im Blick - 29./30. Oktober in Benediktbeuern
Benediktbeuern. Zur Tagung "Kluge Köpfe für große Aufgaben - Herausforderungen im Umweltschutz meistern" laden die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) und die Freunde und Förderer des Zentrums für Umwelt und Kultur (ZUK) Benediktbeuern am 29./30. Oktober ins ZUK ein.

"Wir müssen neue Wege gehen, um den Menschen die enormen Herausforderungen des Klima- und Umweltschutzes klar zu machen. Und wir brauchen kluge Köpfe: naturwissenschaftlich-technischen Nachwuchs, um Lösungen für drängende Zukunftsaufgaben zu finden", so DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde. Deutschland sei - wie aktuelle Studien zeigten - führend in der Umweltindustrie. Aber es drohe ein Fachkräftemangel in naturwissenschaftlich-technischen Berufen. Hier könne der Umweltschutz eine Brücke bauen: "Aktuelle Umweltthemen eignen sich hervorragend, um Naturwissenschaft und Technik für jede Altersstufe spannend zu vermitteln." Anmeldungen zur Tagung sind bis zum 6. Oktober möglich (www.dbu.de/klugekoepfe)."Die Bedeutung des Klima- und Ressourcenschutzes wird weiter zunehmen, für die Gesellschaft und für jeden Einzelnen", ist Brickwedde überzeugt. Um die Klimaveränderungen zu meistern, bedürfe es neuartiger naturwissenschaftlich-technischer Lösungen. "Wir sollten Umwelt- und Wissenschaftsthemen miteinander verknüpfen. Denn der Umweltschutz bietet mit seinen facettenreichen Fragestellungen viele spannende Themen, um Heranwachsende jeden Alters zu interessieren und ihnen naturwissenschaftliche und technische Zusammenhänge im Alltag immer wieder nahe zu bringen." So könne auch dem anstehenden Mangel an Naturwissenschaftlern und Ingenieuren begegnet werden. Wenn dieser Fachkräftenachwuchs ausbleibe, seien die Folgen "dramatisch für die Innovationsfähigkeit von Wissenschaft und Wirtschaft, für den Wachstumsmarkt Grüner Technologie und für den Klima- und Umweltschutz."

Denn engagierte Naturwissenschaftler und Ingenieure seien die Grundvoraussetzung für die Innovations- und Wachstumsfähigkeit von Unternehmen, vor allem der Umwelttechnik-Branche, so der DBU-Generalsekretär. Deshalb seien aktuelle Befunde alarmierend. So möchte zum Beispiel laut dem von der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften und dem Verein Deutscher Ingenieure (VDI) im Juli vorgestellten "Nachwuchsbarometer Technikwissenschaften" nur jeder zehnte Schüler Ingenieur werden. Von den an Technik und Naturwissenschaften Interessierten zieht es danach nicht einmal die Hälfte in Berufe dieser Disziplinen.
"Angesichts dieser nachteiligen Entwicklungen müssen wir etwas tun. Interdisziplinär - und vor allem schnell", fordert der Chef der weltweit größten Umweltstiftung. Es sei wichtig, sich zu fragen: "Von der Wiege bis zum Berufseintritt: Wie können wir das Interesse von jungen Menschen an naturwissenschaftlich-technischen Themen altersgemäß wecken und fördern? Wie können wir sie für Fragen des Klima- und Umweltschutzes sensibilisieren und für Lösungen fit machen?"
Die Tagung in Benediktbeuern sei ein Anfang. Sie richtet sich an Mitglieder naturwissenschaftlicher und technischer Fachverbände, Lehrer naturwissenschaftlicher Fächer, Institute der Lehrerfortbildung und -ausbildung, Lehrerseminare, Hochschulen, Fach- und Forschungsinstitute, Umweltbildungszentren, Schülerlabore, Wissenschafts-Zentren und an Technikmuseen. Sie solle einen Überblick geben über bereits bestehende Aktivitäten und Initiativen in umweltrelevanten Branchen. "Nicht zuletzt sollen Impulse für strategische Partnerschaften gesetzt werden", gibt Brickwedde das Tagungsziel vor.
Zu den Referenten zählen unter anderem Ralph Caspers, Autor und Fernsehmoderator ("Wissen macht Ah!"/ Westdeutscher Rundfunk); Dr.-Ing. Willi Fuchs, Direktor des VDI; Prof. Dr. Ute Harms, Direktorin am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften, Kiel; Dr. Torsten Henzelmann, Umwelttechnik-Experte bei Roland Berger Strategy Consultants und Autor der im Auftrag des Bundesumweltministeriums durchgeführten aktuellen Studie "GreenTech made in Germany 2.0"; Helmut Jäger, Geschäftsführer der Firma Solvis und stellvertretender DBU-Kuratoriumsvorsitzender; Prof. Dr. Hans Jürgen Prömel, Präsident der Technischen Universität Darmstadt und Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz.

Durch die Tagung führt die Fernseh-Moderatorin Angela Elis. Sie findet statt in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Deutscher Chemiker, dem Lernort Labor - Zentrum für Beratung und Qualitätsentwicklung, dem VDI und dem Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland. Weitere Informationen zur Veranstaltung inklusive des ausführlichen Programms und einer Anmeldemöglichkeit finden sich unter www.dbu.de/klugekoepfe.

Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/klugekoepfe

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Energieeffiziente Kläranlagen

Stefanie Heyduck, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

In großen Klärwerken ist die Hochlastfaulung mit Mikrofiltration Stand der Technik. Sie baut den anfallenden Schlamm effektiv ab und produziert gleichzeitig Biogas, aus dem sich Energie gewinnen lässt. Eine Studie zeigt jetzt: Das Verfahren lohnt sich auch für kleine Anlagen.
Kläranlagen entfernen organische Inhaltsstoffe aus dem Abwasser. Verfault der dabei anfallende Schlamm, entsteht als Produkt Biogas. Allerdings verfügen nur 1156 der 10 200 Kläranlagen in Deutschland über einen Faulturm. Vor allem kleinere Betreiber scheuen die Kosten, die durch den Neubau eines Faulturms entstehen. Stattdessen reichern sie den Klärschlamm im ohnehin vorhandenen Belebungsbecken mit Sauerstoff an und stabilisieren ihn. "Die Belebungsbecken benötigen sehr viel Strom. Gleichzeitig geht ein enormes Potenzial an Energie verloren, da bei diesem Verfahren kein Biogas entsteht", sagt Dr. Brigitte Kempter-Regel vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart. "In Kommunen ist die Kläranlage der größte Stromverbraucher, noch vor Krankenhäusern."

In einer Kosten-Nutzen-Studie hat die Wissenschaftlerin jetzt nachgewiesen, dass es sich auch für kleine Klärwerke lohnt, auf energieeffizientere Verfahren umzusteigen - selbst wenn sie dafür in eine Schlammfaulung investieren müssen. "Am Beispiel einer Kläranlage für 28 000 Einwohner haben wir berechnet, dass die Anlage ihre jährlichen Entsorgungskosten von 225 000 Euro um bis zu 170 000 Euro reduzieren kann, wenn sie den Schlamm nicht aerob, sondern in einer Hochlastfaulung mit Mikrofiltration abbaut", sagt Kempter-Regel.

Dieses Verfahren wurde am IGB entwickelt und ist wesentlich effektiver als die konventionelle Faulung. Statt der üblichen 30 bis 50 Tage befindet sich der Schlamm nur noch fünf bis sieben Tage im Turm. Rund 60 Prozent der Organik werden dabei zu Biogas umgesetzt - damit ist die Ausbeute etwa ein Drittel höher als beim herkömmlichen Faulungsprozess. Das gewonnene Biogas lässt sich für den Betrieb der Anlage nutzen. Im Fallbeispiel aus der Studie sinken die Energiekosten dadurch um mindestens 70 000 Euro jährlich. Weiterer Vorteil: Bei der Hochlastfaulung fallen geringere Mengen Restschlamm an, die entsorgt werden müssen. "Dadurch spart der Betreiber nochmals 100 000 Euro ein", sagt Kempter-Regel. Denn neben den hohen Energiepreisen schlagen vor allem die steigenden Entsorgungskosten zu Buche. Die Verwertung von Restschlamm in der Landwirtschaft ist umstritten, in Baden-Württemberg beispielsweise wird bereits häufig darauf verzichtet. Schlämme dürfen auch nicht mehr deponiert werden. Die Alternative, den Schlamm zu verbrennen, ist jedoch sehr teuer. Eine effektive Schlammreduzierung durch Faulung lohnt sich daher. Auch kleine Kläranlagen sind der Empfehlung des Stuttgarter Instituts bereits gefolgt und haben auf das Verfahren der Hochlastfaulung umgerüstet.

Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2009/08/EnergieeffizienteKlaeranlagen.jsp

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Unsicherheit spornt Fußballer an

Gunter Grittmann, Informationsdienste und Öffentlichkeitsarbeit
Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW)

Fußballer, deren Nominierung für die Nationalelf unsicher ist, sind in den Monaten vor einer Welt- oder Europameisterschaft deutlich einsatzfreudiger als bereits sicher nominierte Spieler. Letztere lassen sogar in ihrer spielerischen Leistung nach. Die Chance, im Nationalkader zu spielen, motiviert besonders jüngere Fußballer zu erhöhter Leistung. Das belegt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). In ihr wurden mit Daten aus der deutschen Fußball-Bundesliga die Leistungsanreize von Nominierungswettbewerben untersucht.
Die Studie wertet verschiedene Leistungsmerkmale wie etwa erzielte Tore, gewonnene Zweikämpfe oder angenommene Pässe aus der Bundesliga-Saison 2006/ 2007 sowie 2007/ 2008 aus. In diesen Zeitraum fiel die Qualifikation zur Fußball-Europameisterschaft 2008, die in Österreich und der Schweiz ausgetragen wurde. Das heißt, viele Spieler der deutschen Fußball-Bundesliga hatten in den Monaten vor der Euro 2008 Gelegenheit, sich durch ihre gezeigten Leistungen dem Nationalteam ihres jeweiligen Landes zu empfehlen. Die Studie betrachtete insgesamt 165 Spieler aus 12 Ländern, die am Nominierungswettbewerb für die Euro 2008 teilnahmen und verglich deren Leistungen mit 81 Spielern aus 33 Ländern, die von vornherein nicht als Teilnehmer an der Euro 2008 in Frage kamen, also nicht am Nominierungswettbewerb teilnahmen.

Es zeigt sich, dass die Leistungsanreize im Nominierungswettbewerb asymmetrisch verteilt sind. Spieler mit einer mittleren Wahrscheinlichkeit in den Nationalkader aufgenommen zu werden, reagierten stark positiv auf die Möglichkeit, bei der Euro 2008 für das Heimatland auf dem Platz zu stehen. Für Fußballer, deren Nominierungswahrscheinlichkeit sehr hoch war, wurde dagegen kein positiver, zum Teil sogar ein negativer Effekt des Nominierungswettbewerbs nachgewiesen. So erzielten in den Monaten vor der Euro 2008 Spieler mit mittleren Nominierungswahrscheinlichkeiten durchschnittlich 27 Prozent mehr Torschüsse als Spieler, die nicht am Nominierungswettbewerb teilnahmen. Sicher nominierte Fußballer erzielten dagegen nicht mehr Torschüsse als die Spieler der Vergleichsgruppe. Sie gewannen sogar im Schnitt 1,5 Zweikämpfe pro Spiel weniger als Kameraden und Gegner, die außerhalb des Nominierungswettbewerbs spielten. Im Durchschnitt wurden 12,2 Zweikämpfen pro Spiel gewonnen.

Leistung auf dem Platz zu zeigen, lohnt sich also am meisten für die Sportler, deren Nominierung ungewiss ist, da sie die Nominierungsentscheidung weitgehend selbst in der Hand haben. Spieler, die sich ihrer (Nicht-)Nominierung sicher sind, haben dagegen kaum Anreize sich überdurchschnittlich anzustrengen, da sie die Entscheidung kaum mehr selbst beeinflussen können. Spieler, deren Nominierung sicher ist, halten sich sogar eher zurück, um Verletzungen zu vermeiden und damit ihre Teilnahme am Wettbewerb nicht zu gefährden.

Schließlich belegt die Studie, dass jüngere Spieler am stärksten auf die Möglichkeit reagieren, in die Nationalelf ihres Landes berufen zu werden. So erzielten Fußballer im Alter von 20 Jahren im Nominierungswettbewerb für die Euro 2008 durchschnittlich 4,5 Balkontakte pro Spiel mehr als ihre Altersgenossen, die nicht am Nominierungswettbewerb teilnahmen. 30 jährige Spieler, die die Möglichkeit hatten, sich für den Nationalkader zu empfehlen, erzielten im Durchschnitt sogar knapp einen Ballkontakt weniger als Gleichaltrige, die nicht am Nominierungswettbewerb teilnahmen. Im Durchschnitt erzielten Bundesligaspieler ca. 57 Ballkontakte pro Spiel. Dies zeigt, dass die Teilnahme an einem internationalen Turnier für die zukünftige Karriere eines jungen Spielers von größerer Bedeutung ist als für die Karriere eines älteren Spielers, der möglicherweise schon auf das Ende seiner aktiven Zeit zusteuert.

Die Erkenntnisse der Studie haben Relevanz in zahlreichen Situationen des Berufs- und Alltagslebens. Inwiefern beispielsweise die Perspektive einer möglichen Beförderung die Motivation von Mitarbeitern im Unternehmen erhöht, hängt entscheidend von den Chancen ab, die sich der einzelne Mitarbeiter ausmalt. Ein Mitarbeiter mit einer realistischen, aber nicht zu hohen Erfolgschance wird positiv auf eine solche Karrieremöglichkeit reagieren. Ein Mitarbeiter, der sich seiner anstehenden Beförderung so gut wie sicher ist, wird möglicherweise sogar weniger motiviert sein als er es andernfalls wäre. Ferner ist es einfacher, jüngere Mitarbeiter, die noch eine lange Karriere vor sich haben, durch Beförderungschancen zu motivieren.
Weitere Informationen:
http://www.zew.de/publikation5416 - zur vollständige Studie in englischer Sprache

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Umweltinformatik-Spezialisten aus aller Welt kommen zur EnviroInfo 2009 nach Berlin

Gisela Hüttinger, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin

Teilnehmer/-innen aus rund 25 Ländern werden zur 23. internationalen Umweltinformatik-Konferenz EnviroInfo 2009 in Berlin erwartet. Sie findet vom 9. bis 11. September 2009 an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) statt. "Die zahlreichen Anmeldungen aus Australien, Ghana, Südafrika und den USA zeigen ganz deutlich, dass die Umweltinformatik auf dem besten Weg ist, sich weiter zu internationalisieren", konstatiert Prof. Dr. Volker Wohlgemuth, der die Konferenz mit seinem Team organisiert. Nach der Durchführung in Lüneburg, Warschau, Graz, Brno und Genf kehrt die EnviroInfo 2009 nach Deutschland zurück. In Berlin findet sie zum ersten Mal an einer Fachhochschule statt.
Im Mittelpunkt der Vielzahl von Sitzungen, Workshops und Keynotes stehen Anwendungen der Informationstechnologie im Bereich des Umweltschutzes. Dabei reicht die Palette von klassischen Themen der Umweltinformatik, beispielsweise Anwendungen von Geografischen Informationssystemen, Modellbildung und Simulation im Umweltbereich, Umweltmonitoring, Softwaretools und Datenbanken, Integrationsmethoden, Umweltkommunikation und Webanwendungen, bis hin zu so speziellen Fragestellungen wie Green IT und Ressourceneffizienz. Mit Spannung erwartet werden hochkarätige Keynote-Speaker, beispielsweise Dr. Thomas Holzmann, der Vizepräsident des Umweltbundesamts, und Walter Radermacher, Generaldirektor des Statistischen Amts der Europäischen Gemeinschaften.

Ein Schwerpunkt der diesjährigen Tagung werden Konzepte, Methoden und Softwaretools des betrieblichen Umweltschutzes sein. Das Spektrum hier reicht von betrieblichen Umweltinformationssystemen (BUIS) über Nachhaltigkeitsberichtserstattungen und Carbon Footprints bis zur Simulation von Produktionssystemen. Konferenzsprache ist Englisch. Besondere Aufmerksamkeit schenken die Konferenzteilnehmer/-innen dem wissenschaftlichen Nachwuchs. Die drei besten studentischen Arbeiten auf dem Gebiet der Umweltinformatik werden mit dem "Environmental Informatics Prize" ausgezeichnet. Die Preisträger werden ihre Arbeiten auch vorstellen. Außerdem werden angehende Umweltinformatiker der HTW in Eigenregie einen studentischen Workshop veranstalten.

EnviroInfo 2009
Mittwoch, 9. September, bis Freitag, 11. September 2009
HTW Berlin, Treskowallee 8, 10318 Berlin

Ansprechpartner für die Presse
Prof. Dr. Volker Wohlgemuth
E-Mail: volker.wohlgemuth@htw-berlin.de
Weitere Informationen:
http://www.enviroinfo2009.org

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wasser marsch - ohne Frost und ohne Rost

Katharina Thehos, Pressestelle
Technische Universität Chemnitz

Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung der TU Chemnitz verhindert mit Hybridkuppelmuffen, dass die Armaturen von Wasser- und Gasleitungen einfrieren
Fließendes Wasser in jedem Haushalt ist deutschlandweit selbstverständlich - dazu liegen zahlreiche Kilometer Rohre unter der Erdoberfläche. Gesteuert wird der Wasserfluss durch Absperr- und Regelarmaturen, die mit dem Bedienelement Einbaugarnitur betätigt werden. An Hydranten kann darüber mehr Wasser angefordert werden, beispielsweise wenn die Feuerwehr Löschwasser benötigt. "Aus Kostengründen wird die Rohrüberdeckung beim Verlegen der Leitungen immer weiter reduziert. Dadurch kann Kälte von der Erdoberfläche über das Gestänge der Einbaugarnitur bis zur Armatur geleitet werden und dort zum Einfrieren der Armaturenspindel führen", berichtet Prof. Dr. Lothar Kroll, Leiter der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung der TU Chemnitz. Folge ist zum einen, dass das Wasser nicht mehr reguliert werden kann, zum anderen kann die Armatur zerstört werden.

Forscher der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung und der Schönborner Armaturen GmbH haben ein hybrides Bauteil der Einbaugarnituren, die Kuppelmuffe, weiterentwickelt. Kuppelmuffen verbinden das Gestänge der Einbaugarnitur mit der Spindel der Absperrarmatur. Stand der Technik bei Wasser- sowie Gasleitungen sind bisher Kuppelmuffen aus metallischen Werkstoffen. Hier gibt es keine Isolation zwischen der Straßenoberfläche und der Armatur, sodass nicht nur die Kälte ohne Hindernis geleitet wird, sondern auch Strom. Der Kontakt mit einer gerissenen Oberleitung oder einem defekten Baustellenkabel kann dadurch erhebliche Schäden verursachen. Verwendet werden in der Regel wenig hochwertige Materialien, der Einsatz von Edelstahl beschränkt sich auf teure Spezialanfertigungen. Anspruch bei der Optimierung des Bauteils war, dass nicht nur Kälte- und Stromfluss verhindert, sondern auch hohe Ansprüche an Festigkeit und Rostbeständigkeit erfüllt werden - außerdem musste das Produkt bei Serienfertigung einen marktfähigen Preis erlauben.

Forschungsergebnis ist eine Hybridkuppelmuffe aus Zink und Kunststoff. "Durch die Verwendung von Kunststoff ist zum einen die Isolation gesichert, zum anderen werden Gewicht und Material verringert sowie die Produktionskosten gesenkt. Das Metall verleiht der Konstruktion die nötige Festigkeit", fasst Dr. Wolfgang Nendel, Leiter der Fachgruppe Leichtbautechnologien und Maschinenkonstruktion, zusammen. Für die mediale Belastung im Erdreich gibt es keinen genormten Test für ein solches Bauteil - die Chemnitzer Wissenschaftler verwendeten einen Salzsprühtest, der in der Automobilindustrie zum Einsatz kommt. "Das ist der härteste Test und er zeigt oft schon nach 100 Stunden erste Ergebnisse: Die alten Bauteile sind extrem gerostet, die neuen Hybridbauteile sind korrosionsbeständig und nach dem Test noch genauso leistungsfähig wie vorher", fasst Professurmitarbeiter Jörg Kaufmann zusammen. Um weitere Ergebnisse zu erlangen, wird der Salzsprühtest auch noch über eine Dauer von 1.000 Stunden durchgeführt.

"Bei der internationalen Messe Wasser Berlin 2009 hat unser Projektpartner die Hybridkuppelmuffe vorgestellt und gleich zwei Kunden für dieses Produkt gefunden", sagt Kaufmann. Das Unternehmen hat insgesamt drei Patente und Gebrauchsmuster für die Erfindung mit den Forschern der TU Chemnitz angemeldet. Das Projekt wurde von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) für eine Laufzeit von zwei Jahren mit rund 300.000 Euro gefördert.

Weitere Informationen erteilt Jörg Kaufmann, Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung, Telefon 0371 531-36473, E-Mail joerg.kaufmann@mb.tu-chemnitz.de.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Emissionshandel für den Luftverkehr

Luftfahrzeugbetreiber müssen jetzt aktiv werden, um künftig kostenlose Zertifikate zu erhalten

Offiziell hat der Emissionshandel für den Luftverkehr noch nicht begonnen, doch bereits jetzt laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Nur diejenigen Luftfahrzeugbetreiber, die jetzt so genannte Monitoringkonzepte für die Erfassung der Transportdaten und Emissionen ihrer Flugzeuge bei der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt einreichen, können in Zukunft bei der kostenlosen Zuteilung von Zertifikaten sicher berücksichtigt werden.

Die neue EU-Emissionshandelsrichtlinie schreibt vor, dass der Luftverkehr ab 2012 in den Emissionshandel der Europäischen Union einbezogen wird; die Berichtspflichten betreffen bereits das Jahr 2010. Von dieser Erweiterung des Emissionshandels betroffen sind grundsätzlich alle Betreiber, deren Luftfahrzeuge in der Europäischen Union starten oder landen. Zukünftig gilt wie auch bei bestimmten Energie- und Industrieanlagen: Luftfahrzeugbetreiber müssen jährlich Emissionsberichte vorlegen und - erstmalig für das Jahr 2012 - Emissionsberechtigungen (Zertifikate) in Höhe ihrer tatsächlichen Kohlendioxidemissionen abgeben.

Das Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz (TEHG) regelt die Infrastruktur für das europäische Emissionshandelssystem in Deutschland. Am 22. Juli 2009 trat eine Änderung des Gesetzes in Kraft. Zusammen mit der Datenerhebungsverordnung 2020 (DEV 2020) vom 25. Juli 2009 ist die TEHG-Änderung die rechtliche Grundlage für die Datenerhebung zur Einbeziehung des Flugverkehrs in den Emissionshandel. Die DEV 2020 legt unter anderem die Frist zum Einreichen der Monitoringkonzepte bei der DEHSt fest: Sie endet sechs Wochen nachdem die Liste der Deutschland zugeordneten Luftfahrzeugbetreiber (Verwaltungsmitgliedstaatenliste) veröffentlicht wurde. Derzeit erarbeitet die Europäische Kommission die Liste. Mit der Veröffentlichung wird im August gerechnet, so dass die Frist voraussichtlich im September/Oktober enden wird. Die DEHSt sichert allen Betreibern, die ihre Monitoringkonzepte bereits bis zum 31. August 2009 vorlegen, einen Bescheid noch im laufenden Jahr zu. Zur Unterstützung der Betreiber stellt die DEHSt zahlreiche Informationen und Hilfsmittel - wie zum Beispiel Muster-Monitoringkonzepte - auf ihrer Homepage zur Verfügung.

Die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt ist die zuständige nationale Behörde in Deutschland für die Umsetzung des europaweiten Emissionshandels für stationäre Anlagen ebenso wie für den Luftverkehr. Zu ihren Aufgaben gehören die Zuteilung und Ausgabe der Emissionsberechtigungen, die Prüfung der Emissionsberichte sowie die Führung des Emissionshandelsregisters.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.dehst.de/.

(Quelle: Umweltbundesamt)

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REACH und Kunststoffrecycling

Anforderungen und Handlungsempfehlungen an die Marktakteure

Mit Inkrafttreten der europäischen Chemikalienverordnung REACH sieht sich die Wirtschaft mit umfassenden Pflichten im Zusammenhang mit der Herstellung, dem Import und der Verarbeitung von Chemikalien konfrontiert. Angesichts einer erheblichen Verunsicherung über die Auswirkungen von REACH auf das Kunststoffrecycling haben sich mehrere Verbände der Kunststoffindustrie und Unternehmen zusammen mit dem Umweltbundesamt (UBA) im Rahmen des Umweltforschungsplans auf ein Projekt „REACH und Kunststoffrecycling" verständigt.

Ziel des Projektes ist, eine Handreichung für die Marktakteure des Kunststoffrecyclings zu erstellen. Diese soll wesentliche REACH-Anforderungen darstellen und Hilfestellung bei der Umsetzung der neuen Chemikalienverordnung geben. Die Fertigstellung wird für Herbst 2009 erwartet. Bereits jetzt zeichnen sich folgende Ergebnisse und Schwerpunktsetzungen ab:

· Registrierungspflichten
Die bestehenden Registrierungspflichten sind durch das Recyclingprivileg nach REACH Artikel 2.7.d und eine pragmatische Interpretation der Stoffidentifizierung hinsichtlich der Berücksichtigung von Verunreinigungen für Recyclingunternehmen weitgehend unproblematisch.

· Informationspflichten
Nach REACH müssen Recycler das Gefährlichkeitsprofil ihrer Rezyklate bestimmen und Informationen an ihre Kunden weitergeben. Anhand verschiedener Fallbeispiele sollen pragmatische Schritte zur Wahrnehmung der Einstufungs- und Kennzeichnungspflichten und zur Kundeninformation - zum Beispiel mittels Sicherheitsdatenblatt - aufgezeigt werden. Die Diskussion um den sachgerechten Umgang mit offenen Fragen in Bezug auf die stoffliche Zusammensetzung von Abfällen - etwa nicht bekannte Verunreinigungen - und die Erstellung von Kundenunterlagen spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.

Diese Anforderungen bestehen allerdings - unabhängig von den REACH-Regelungen - schon seit langem.

Im Abschlussbericht wird unter anderem auch auf Aktivitäten der europäischen Kunststoff-industrie im Zusammenhang mit der Einführung von REACH verwiesen.

Die Ökopol GmbH bearbeitet das Projekt. Nach Abschluss des Projektes ist ein Gespräch für die interessierte Fachöffentlichkeit vorgesehen.

Weitere Informationen zu REACH finden Sie unter http://www.reach-info.de.

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Studie zeigt: Gut gewollt ist noch längst nicht gut getan

Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Dass unsere Werte Einfluss auf unser Verhalten haben, scheint auf den ersten Blick kaum mehr als eine Binsenweisheit. Doch ist diese Verbindung wohl weniger eindeutig, als sie auf den ersten Blick scheint. Das zeigen Ökonomen und Psychologen der Universitäten Bonn und Helsinki in einer aktuellen Studie. In der Regel sind es mehrere Werte, die unser Handeln bestimmen. Diese können unter Umständen auch in Konkurrenz zueinander treten. Welcher Wert dann den stärksten Einfluss entfaltet, hängt von der Situation ab. Diesen Zusammenhang konnten die Forscher experimentell nachweisen. Ihre Ergebnisse sind nun im British Journal of Social Psychology erschienen (doi: 10.1348/014466608X377396).
Die Forscher rekrutierten für ihr Experiment Studenten der Universität Helsinki. Zum Zeitpunkt der Studie wurde in Finnland gerade diskutiert, ob lesbische Frauen einen rechtlichen Anspruch auf künstliche Befruchtung erhalten sollten. Die Probanden sollten angeben, ob sie für oder gegen eine entsprechende Gesetzesänderung seien. An dem eigentlichen Experiment nahmen nur die Befürworter einer solchen Regelung teil - insgesamt 50 Studierende. Sie alle wurden mit den Daten einer angeblichen uni-weiten Umfrage zum fraglichen Gesetz konfrontiert. Einige Probanden erhielten durch entsprechend gewählte Umfragewerte den Eindruck, sie stünden mit ihrer pro-homosexuellen Haltung relativ allein da. Die anderen Teilnehmer durften sich dagegen als Angehörige einer deutlichen Mehrheit fühlen.

Im Anschluss daran wurden die Teilnehmer befragt, ob sie bereit wären, sich für die Gesetzesänderung einzusetzen: etwa durch die Wahl einer entsprechenden Partei, die Unterzeichnung einer Petition oder auch die Teilnahme an einer Demonstration. "Während niemand sieht, wo ich an der Wahlurne mein Kreuzchen mache, muss ich mich bei einer Demo öffentlich exponieren", erklärt Dr. Philipp Wichardt von der Universität Bonn. "Wir haben untersucht, inwieweit die öffentliche Meinung einen Einfluss auf die politische Aktivität hat und ob dabei auch persönliche Werte eine Rolle spielen."

Individuelles Werteprofil

Dazu hatten die Forscher ihren Probanden im Vorfeld einen Fragenkatalog vorgelegt. "Aus den Antworten lässt sich die Gewichtung von zehn grundlegenden Werten ablesen", erläutert der Bonner Ökonom Gari Walkowitz. "Dazu zählt beispielsweise der Universalismus - für Universalisten steht gewissermaßen das Interesse aller Teilnehmer einer Gesellschaft im Vordergrund. Ein anderer Wert ist der Konformismus: Konformisten halten es für wichtig, sich an gesellschaftliche Regeln zu halten." Ergebnis des Fragebogens war eine Art individuelles Werteprofil jedes Teilnehmers.

Die Forscher konzentrierten sich nun zunächst auf einen Wert, den Konformismus. Sie untersuchten, inwieweit dieser Wert die Bereitschaft der Teilnehmer bestimmt, politisch aktiv zu werden. Ergebnis: Das hängt davon ab. "Wenn sich Konformisten als Teil einer Mehrheit empfinden, engagieren sie sich gerne auch öffentlich für ihre Meinung - also durch Teilnahme an einer Demo oder durch die Sammlung von Unterschriften", sagt der finnische Psychologe Dr. Jan-Erik Lönnqvist. "Bei öffentlichem Gegenwind handeln sie dagegen eher dort, wo es nicht sichtbar wird - also etwa an der Wahlurne." Teilnehmer mit niedrigen Konformismus-Werten zeigten sich dagegen von der öffentlichen Meinung unbeeindruckt.

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust

Allerdings müssen dass hohe Konformismus-Werte nicht unbedingt bedeuten, dass sich die entsprechende Person dem gesellschaftlichen Druck beugt. So kann ein Konformist durchaus auch Universalist sein. Jedoch geraten diese beiden Werte in manchen Situationen in einen Konflikt: Der Universalist möchte sich engagieren, der Konformist der Gruppennorm anpassen. Philipp Wichardt: "Die Antwort auf die Frage, welcher Wert dann den stärksten Einfluss entfaltet, ist eine typische Ökonomenantwort: Es hängt davon ab - in diesem Fall von der Bezugssituation."

Kontakt:
Dr. Philipp C. Wichardt
Abteilung für Wirtschaftswissenschaften, Universität Bonn
Telefon: 0228/73-7994
E-Mail: philipp.wichardt@uni-bonn.de

Gari Walkowitz
Laboratorium für experimentelle Wirtschaftsforschung, Universität Bonn
Telefon: 0228/73-9196
Email: gari.walkowitz@uni-bonn.de
Weitere Informationen:
http://bpsoc.publisher.ingentaconnect.com/content/bpsoc/bjsp/2009/00000048/00000003/art00008

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Energieeffizienz bei Elektromotoren

Mindestanforderungen für Umweltentlastungen und Stromeinsparungen beschlossen

Ab dem 16. Juni 2011 dürfen nur noch hocheffiziente Asynchron-Drehstrommotoren des Leistungsbereichs 0,75 Kilowatt (kW) bis 375 kW in Verkehr gebracht werden. Das beschloss der Ökodesign-Regelungsausschuss für Elektromotoren für die EU-Mitgliedstaaten und veröffentlichte die Mindestanforderungen für Energieeffizienz von Asynchron-Drehstrommotoren im Amtsblatt der EU (640/2009). Diese Motorenart kommt vorwiegend in Industrie und Gewerbe zum Einsatz und verursachte im Jahr 2005 fast 90 Prozent des Stromverbrauchs der Elektromotoren in den 27 EU-Mitgliedstaaten. Mit effizienteren Elektromotoren ließen sich EU-weit bis zum Jahr 2020 voraussichtlich 135 Milliarden kWh und 63 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) einsparen. „Das rechnet sich auch für Deutschland", sagt der UBA-Vizepräsident Dr. Thomas Holzmann, „denn allein in Deutschland können so bis zum Jahr 2020 circa 27 Milliarden Kilowattstunden Strom weniger verbraucht und damit rund 16 Millionen Tonnen CO2-Emissionen vermieden werden. Zum Vergleich: Wir könnten auf den Bau von acht Großkraftwerken mit einer elektrischen Leistung von je 700 Megawatt verzichten."

Effizienzklassen ermöglichen, elektrische Antriebe nach ihrem Stromverbrauch und ihrem Wirkungsgrad zu klassifizieren. Die bisherigen europäischen Effizienzklassen (EFF) werden nach einer Übergangsfrist künftig durch die weltweit gültigen Effizienzklassen IE1 (entspricht EFF2), IE2 (entspricht EFF1) sowie IE3 und später IE4 ersetzt und ergänzt.

Der Einsatz der IE2- und der noch effizienteren IE3-Motoren sowie der Drehzahlregelung ist in den meisten Fällen sehr wirtschaftlich. Eine Drehzahlregelung ermöglicht eine höhere Stromeinsparung als die alleinige Steigerung des Wirkungsgrads der Motoren. Bereits nach wenigen Jahren erbringen die neuen Effizienzvorgaben finanzielle Entlastungen für die Unternehmen. Zudem stärken sie die Konkurrenzfähigkeit der europäischen Motorenhersteller und sichern Arbeitsplätze.

Auch nach 2020 ermöglicht der zunehmende Einsatz hocheffizienter Elektromotoren mit höherer Lebensdauer enorme Einsparpotentiale bei Energie. Ohne die Einführung verpflichtender Mindeststandards ließe sich diese Stromeinsparung nicht erreichen.

In Europa ist der Verkaufsanteil der Hocheffizienzmotoren - trotz ihrer hohen Wirtschaftlichkeit - in zehn Jahren von zwei Prozent auf rund neun Prozent gestiegen. In den nächsten Jahren wird sich dieser Anteil erhöhen.

Laut EU dürfen ab 2011 Motoren der bisherigen Effizienzklasse EFF2 nicht mehr verkauft werden. Außerdem können in Europa nur noch asynchrone Drehstrommotoren des Leistungsbereichs von 0,75 kW bis 375 kW in Verkehr gebracht werden, falls sie den künftigen Effizienzstandard IE2 erfüllen. Ein weiterer Schritt, den Wirkungsgrad der Elektromotoren zu erhöhen folgt ab Januar 2015: Dann dürfen in der Effizienzklasse IE2 im Leistungsbereich 7,5 kW bis 375 kW nur noch Elektromotoren mit Drehzahlregelung in Verkehr gebracht werden. Andernfalls müssen sie die höhere Effizienzklasse IE3 erfüllen. Ab Januar 2017 gilt dies auch für Elektromotoren des Leistungsbereichs 0,75 kW bis 7,5 kW.

In den USA gelten seit Jahren Mindesteffizienzstandards. Dort erreichen die Hocheffizienzmotoren (IE2) bereits einen Anteil von 54 Prozent und die noch effizienteren IE3-Motoren derzeit schon 16 Prozent. In Deutschland und Europa liegt der Anteil der IE3-Motoren noch bei unter einem Prozent.

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Wer Rind- und Schweinefleisch grillt, spielt mit dem Feuer - Endogene Dickdarmkarzinogene auf 11. IDE-Workshop diskutiert

Dr. Rolf Vajna, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Danone GmbH

Im Sommer eint die Deutschen eine heiße Leidenschaft für das Grillen. Schwein, Rind und Lamm stehen dabei besonders hoch im Kurs. Allerdings wird aufgrund epidemiologischer Studien schon seit längerem ein Zusammenhang zwischen dem Verzehr von rotem (eisenhaltigen) Fleisch und Dickdarmkrebs vermutet. Diese zweihäufigste Tumorerkrankung in Deutschland, an der jedes Jahr etwa 70.000 Menschen erkranken, ist nur zu 10% genetisch bedingt. Die restlichen 90% der Fälle werden durch Umweltfaktoren induziert. Vor allem die Ernährung spielt dabei eine zentrale Rolle.
N-Nitrosoverbindungen im Verdacht
Auf dem 11. Workshop des Institut Danone Ernährung für Gesundheit e.V. (IDE) am 14. und 15. Mai an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover stellte Prof. Dr. Pablo Steinberg neue Ergebnisse zur Entstehung von Dickdarmkrebs vor (Ref.1). Neben polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, heterozyklischen aromatischen Aminen und exogenen gebildeten N-Nitrosoverbindungen werden inzwischen auch endogen gebildete N-Nitrosoverbindungen wie Nitrosyl-Häm und S-Nitroso-Thiole als mögliche Karzinogene diskutiert (Ref.2). Diese Substanzen entstehen bereits im Dünndarm und später auch im Dickdarm in Abhängigkeit vom Häm-Gehalt im verzehrten Fleisch. Durch Reaktion der N-Nitrosoverbindungen mit Aminosäuren kommt es zur Bildung diverser Zwischenprodukte, wie z.B. Diazoacetat. Aus dieser Substanz entstehen wiederum kurzlebige Verbindungen, die sich in den Darmzellen an die Basen der DNS anlagern und so genannte DNS-Addukte bilden können. Die derart modifizierten Basen können nur schlecht von den DNS-Reparaturenzymen wiederhergestellt werden. Entsprechende DNS-Addukte konnten in Stuhlproben von Probanden nach Verzehr großer Mengen roten Fleisches bereits nachgewiesen werden. Ob diese Verbindungen zur Bildung von Dickdarmkrebs beitragen, muss noch im Detail gezeigt werden.

Diet and Healthy Study: Verzehr von rotem Fleisch erhöht Gesamtmortalität
Ein deutlicher Beleg für die erhöhte Mortalität durch den Verzehr von rotem Fleisch sind die zuletzt publizierten Daten der Diet and Healthy Study des National Institute of Health (Ref.3). In dieser Studie werden eine halbe Million Amerikaner im Alter zwischen 50 und 71 Jahren auf ihre Lebens- und Ernährungsgewohnheiten hin beobachtet. Im 10-Jahres-Follow-up ergab sich für Menschen, die häufig unverarbeitetes rotes Fleisch aßen, ein erhöhtes Risiko für die Gesamtmortalität (Hazard ratios (HR) von 1,31 für Männer und 1,36 für Frauen). Dasselbe galt auch für verarbeitetes rotes Fleisch, etwa in Form von Wurstwaren. Die erhöhte Sterberate ließ sich z.B. auf ein erhöhtes Risiko einer Krebserkrankung (HR von 1,22 für Männer und 1,20 für Frauen) und auf eine Erhöhung des kardiovaskulären Risikos (HR von 1,27 für Männer und 1,50 für Frauen) zurückführen. Der Verzehr von weißem Fleisch (Geflügel, Fisch) war dagegen mit einem geringeren Risiko für Karzinome assoziiert.

Referenzen:
1 Pablo Steinberg: "Die Bildung schädlicher Stoffe als Reaktionsprodukte des Stoffwechsels"; Vortrag im Rahmen des Journalisten-Workshops "Schadstoffe im Essen! - Bedrohung oder Panikmache?". Tierärztliche Hochschule Hannover, 14./15.Mai 2009.
2 Kuhnle GGC et al. Diet-induced endogenous formation of nitroso compounds in the GI tract. Free Radical Biology & Medicine 43:1040-47 (2007).
3 Sinha R. et al. Meat intake and mortality: a prospective study of over half a million people. Arch Int Med 169(6):562-71 (2009).

IDE-Journalisten Workshop
Der IDE Workshop wird jährlich in Kooperation mit einem renommierten wissenschaftlichen Institut auf den Gebieten Ernährung und Gesundheit für Fachjournalisten ausgerichtet. Den 11. Workshop veranstaltete das IDE in Zusammenarbeit mit der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover unter dem Titel: "Schadstoffe im Essen! - Bedrohung oder Panikmache? Aktuelle Forschungsergebnisse der Lebensmitteltoxikologie und deren gesundheitliche Relevanz". Ein Bericht mit wissenschaftlichen Kurzfassungen zu allen Vorträgen kann kostenlos angefordert werden. Der ausführliche Kongressbericht wird 2010 veröffentlicht.

Vortragsthemen:
Die Sicherheit von Lebensmitteln aus Verbrauchersicht
Grundlagen und wissenschaftliche Methoden der Toxikologie
Strategien zur Minimierung oder Vermeidung schädlicher Inhaltsstoffe bei der Produktion von Lebensmitteln
Bedeutung der Lebensmittelhygiene bei der industriellen Produktion und im privaten Haushalt
Perfluorierte Tenside als Kontaminanten von Lebensmitteln
Toxikologische Bewertung von Acrylamid und 3-Monochlorpropandiolen
Bewertung von Mehrfachrückständen in Lebensmitteln
Das Entstehen von AGEs (Advances Glycation Endproducts) im Rahmen der Maillard-Reaktion und ihre gesundheitliche Bedeutung
Anreicherung von Lebensmitteln mit Nährstoffen und deren gesundheitliche Bedeutung
Alkoholmissbrauch als individuelles Risiko für Organschäden
Die Bildung schädlicher Stoffe als Reaktionsprodukte des Stoffwechsels
Probleme und Strategien der Risikokommunikation

Das Institut Danone Ernährung für Gesundheit e.V.
Das 1992 gegründete Institut Danone Ernährung für Gesundheit e.V. (IDE) ist eine unabhängige Einrichtung, die ausgewählte Forschungsprojekte im Bereich Ernährungswissenschaft und Ernährungsmedizin fördert und für verschiedene Zielgruppen aktuelle Materialien für die Ernährungsaufklärung erstellt. Eingebunden in ein internationales Netzwerk bietet das IDE Wissenschaftlern, Ärzten, Pädagogen und allen Interessierten eine Plattform für den Austausch sowie Zugriff auf aktuelle ernährungswissenschaftliche, psychologische und medizinische Erkenntnisse.

Institut Danone für Ernährung e.V.
Richard-Reitzner-Allee 1
85540 Haar
Email: kontakt@institut-danone.de
www.institut-danone.de

Weitere Informationen zu diesen Themen:
Fleishman-Hillard Germany GmbH,
Dr. Rolf Vajna, Frankfurt am Main,
Tel.: 069/ 40 57 02 - 365
Fax: 069/ 43 03 73
Email: Rolf.Vajna@fleishmaneurope.com

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Eine professionelle Zahnreinigung alle drei Monate ist effektiv

Dr. Annette Tuffs, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Heidelberg

Mundgesundheit von älteren Menschen kann mit geringem Aufwand entscheidend verbessert werden / Preisgekrönte Heidelberger Studie
Bereits eine professionelle Zahnreinigung alle drei Monate verbessert die Mundgesundheit bei älteren Menschen. Zusätzliche Motivation zur Mund- und Prothesenpflege und die Betreuung durch professionelles Personal haben keinen weiteren positiven Einfluss.

Dies ist das Ergebnis einer Pilotstudie unter Leitung von Privatdozent Dr. Alexander Hassel von der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik des Universitätsklinikums Heidelberg. Die Forschungsarbeit wurde anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung mit dem Wrigley-Prophylaxe-Preis 2009 in Höhe von 4.000 Euro (1. Preis) ausgezeichnet. Gestiftet wird der Preis von Wrigley Oral Healthcare Programs.

Die tägliche Zahn- und Prothesenpflege kommt häufig zu kurz

Je mehr Zahnersatz sich im Mund befindet, desto komplizierter wird die Pflege. Mit dem Alter wird jedoch gerade diese häufig vernachlässigt. Hinzu kommt eine Umstellung der Lebensgewohnheiten: "Ältere Menschen essen mehr Süßes und Weiches, gleichzeitig nimmt die Regelmäßigkeit der Zahnarztbesuche ab", sagt Dr. Alexander Hassel. Angehörige und Pflegepersonal in Altersheimen sind oft nicht über die speziellen Anforderungen der Mundhygiene bei älteren Menschen informiert. "Der Zahnarzt wird oft nur in Seniorenheime gerufen, wenn ein Zahn oder ein Zahnersatz bricht", sagt Dr. Alexander Hassel.

Wie lässt sich mit wenig Aufwand die Mundhygiene verbessern?

In der prämierten Forschungsarbeit wurde die Wirksamkeit von vorbeugenden Maßnahmen bei 102 Senioren, die geistig und körperlich noch recht fit waren, aus acht Seniorenheimen des Rems-Murr-Kreises untersucht. Die Senioren wurden in drei Therapie- und eine Kontrollgruppe eingeteilt. Alle Therapiegruppen erhielten zu Beginn der dreimonatigen Studie eine professionelle Zahn- und Prothesenreinigung; außerdem wurden die Teilnehmer über die weitere Pflege ihrer Zähne informiert, erhielten kostenlose Pflegemittel und wurden später nochmals motiviert. Eine Therapiegruppe blieb ohne weitere Motivation, die zweite Therapiegruppe wurde im weiteren Studienverlauf von einem Zahnarzt und die dritte Therapiegruppe von vorab geschultem Pflegepersonal betreut.

Zusätzliche Motivation blieb ohne Effekt

Das Ergebnis: Alle drei Therapiegruppen zeigten eine deutliche Verbesserung der Mundhygiene gegenüber der Kontrollgruppe. Zwischen den Therapiegruppen konnte jedoch kein Unterschied festgestellt werden - eine zusätzliche, persönliche Motivation oder eine zusätzliche Betreuung durch Zahnarzt oder geschultes Pflegepersonal hat keinen Effekt. Im nächsten Schritt sollen diese Informationen nun für interessierte Seniorenheime und Zahnärzte aufbereitet werden.

Der Wrigley-Prophylaxe-Preis

Der Wrigley-Prophylaxe-Preis gilt innerhalb der Zahnheilkunde als bedeutender Preis und ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert. Die Jury aus vier renommierten Wissenschaftlern und einem Vertreter der Krankenkassen zeichnete diese Studie neben drei weiteren prämierten Arbeiten aus, um die praktische Umsetzung von neuen Kariesvorsorgestrategien zu beschleunigen.

Weitere Informationen:
www.wrigley-dental.de
www.klinikum.uni-heidelberg.de/index.php?id=91

Ansprechpartner:
Privatdozent Dr. med. dent. Alexander Hassel
Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
Mund-, Zahn- und Kieferklinik des Universitätsklinikums Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 400
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 36 035
Fax: 06221 / 56 53 71
E-Mail: alexander.hassel@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)

www.klinikum.uni-heidelberg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Hamsterkäufe von Glühlampen unsinnig

Energiesparlampen sind in allen Belangen die bessere Wahl

Die Energieexperten sind sich einig: Kosten- und Umwelt­betrachtungen zeigen gute Gründe, von der Glühlampe Abschied zu nehmen. Einige sehen das anders und hamstern Glühlampen. Der Grund dafür dürfte auch in alten Vorurteilen gegen Energiesparlampen liegen. Stromsparexperten des Verbraucherzentrale Bundesverbandes und des Umweltbundesamtes räumen mit diesen Vorurteilen auf. Klar ist: Klassische Glühbirnen sind wahrlich keine Leuchten: Sie wandeln nur etwa fünf Prozent ihrer aufgenommenen Energie in Licht um. Besser sind moderne Energiesparlampen: Sie sparen Energie, halten länger und entlasten so die Haushaltskasse.

Häufigste Kritik an den als „Energiesparlampen" bekannten Kompaktleuchtstofflampen: Sie bräuchten lange, bis sie hell werden, gäben kaltes Licht und gingen schnell kaputt. Tatsächlich wurde bei Qualitäts-Kompaktleuchtstofflampen die Aufhellzeit verkürzt. Bei der Lichtfarbe gibt es verschiedene Ausführungen: Warmweiß kommt dem Glühlampenlicht nahe. Und gute Kompaktleuchtstofflampen lassen sich 30.000 Mal an- und ausschalten, bevor sie kaputt gehen, so die Energieexperten. Auch die manchmal diskutierten Gesundheitsrisiken durch elektromagnetische Felder sind nicht belegt. Bei Kompaktleuchtstofflampen ist zwar die Herstellung aufwändiger als bei Glühlampen. Eine Studie im Auftrag der EG-Kommission zeigte aber: Berücksichtigt man den gesamten Lebensweg, schneiden die Kompaktleuchtstofflampen in der Bilanz für alle betrachteten Umweltwirkungen erheblich besser ab.

Wichtig für die Verbraucherinnen und Verbraucher ist, nicht die billigste Lampe zu kaufen, sondern auf Qualität zu achten. Markenprodukte sind oft besser als Billig- oder „No Name"-Lampen. Gutes kostet etwas mehr, hält aber dafür länger und ist auf Dauer günstiger. Verbraucherinnen und Verbraucher können sich bei unabhängigen Stellen informieren. Das Heft 03/2008 der Stiftung Warentest etwa gibt Auskunft über Qualitätslampen.

Mehr Informationen zu Fragen der Lichttechnik gibt es unter www.verbraucherzentrale-energieberatung.de/ und unter www.uba.de/energie/licht sowie im Flyer „Bye bye Glühbirne: Warum Energiesparlampen besser sind" des Umweltbundesamtes unter www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3754.pdf sowie in einem Papier des Verbraucherzentralen Bundesverband www.verbraucherzentrale-energieberatung.de/web/fileadmin/presse/pms/Hintergrundpapier_Energiesparlampen.pdf.

Mit der neuen EG-Verordnung zu Haushaltslampen sollen bis zum Jahr 2020 EG-weit etwa 39 Terawattstunden Energie im Verhältnis zum Trend gespart werden, so viel wie 11 Millionen Haushalte in einem Jahr verbrauchen. Durch die Umstellung auf Energiesparlampen können in der EU bis 2020 mehr als 15 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Die Verordnung sorgt dafür, dass die ineffizienten herkömmlichen Glühlampen bis 2012 schrittweise aus den Regalen des Handels verschwinden. Sie stellt auch bei anderen Haushaltslampen Anforderungen an die Effizienz sowie an weitere Gebrauchseigenschaften wie die Lebensdauer. Die Anforderungen erfüllt neben einem Teil der Kompaktleuchtstofflampen auch ein Teil der Halogenglühlampen und der LED-Lampen. Minderwertige Lampen sollen so vom Markt verschwinden und die Qualität des Angebotes für die Verbraucherinnen und Verbraucher steigen. Glühlampen zu hamstern, ist also gar nicht nötig. Es belastet nur Umwelt und Haushaltskasse.

Nicht überall reagieren die Verbraucherinnen und Verbraucher gleich. Während in Deutschland der Absatz von Glühlampen im ersten Quartal 2009 um 17 Prozent stieg, sank er nach Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) in Frankreich um 8,6 Prozent, in Großbritannien um 22,5 Prozent und in den Niederlanden sogar um 34,5 Prozent.

Ansprechpartner vzbv:
Peter Kafke, Energietechnischer Referent, Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., Markgrafenstr. 66, 10969 Berlin, Tel: (030) 258 00-141, Fax: (030) 258 00-138, kafke@vzbv.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Meeresschutz: Blinden Passagieren geht es an den Kragen

Martin Ittershagen, Pressestelle
Umweltbundesamt (UBA)

Zwei neue Ballastwasser-Desinfektionssysteme aus Deutschland international anerkannt
Die internationale Seeschifffahrtsorganisation (IMO) hat zwei in Deutschland entwickelte Systeme zur Desinfektion von Ballastwasser auf Schiffen anerkannt. Am 17. Juli 2009 ließ der IMO-Umweltausschuss (MEPC - Marine Enviroment Protection Committee) die neuen Verfahren international zu. Nun kann die Typen-Zulassung in Deutschland erfolgen. Insgesamt stehen weltweit jetzt 30 Ballastwasserdesinfektionssysteme zur Verfügung. Deutschland ist neben Japan und Südkorea Marktführer.

UBA-Vizepräsident Holzmann begrüßte die Entscheidung: "Moderne Verfahren zur Desinfektion von Ballastwasser sind wichtig - sie geben der weltweiten Verbreitung fremder Tier-, Pflanzen- und Bakterienarten endlich Einhalt. Dies ist ein großer Schritt für das ökologische Gleichgewicht der Meere." Nach einer Studie des Germanischen Lloyds könnten alleine mit der in Deutschland zur Verfügung stehenden Produktionskapazität im Jahr 2010 etwa 800 Anlagen auf den Markt gebracht werden.
Schiffe pumpen nach vorsichtigen Schätzungen jährlich rund 10 Milliarden Kubikmeter Wasser zum Gewichtsausgleich in spezielle Ballasttanks, um die Weltmeere sicher befahren zu können. Das Ballastwasser stabilisiert die Schiffe und verhindert die Verformung des Schiffskörpers etwa bei unvollständiger Beladung. Mit dem Ballastwasser gelangen aber auch Bakterien, Algen, Krebse oder sogar Fische als blinde Passagiere in die Tanks. So können diese weltweit verbreitet werden und einheimische Organismen verdrängen. Dies gefährdet nicht nur die Meeresumwelt. Auch erhebliche wirtschaftliche Verluste können entstehen, zum Beispiel in der Fischerei, wenn fremde Quallen die Nahrung heimischer Fische oder Fischlarven fressen. Auch für den Menschen gefährliche Krankheiten wie Cholera können über unbehandeltes Ballastwasser unter Umständen eingeschleppt werden. Für die IMO zählt der Kampf gegen die weltweite Verbreitung fremder Arten zu den Hauptanliegen beim Meeresschutz.
Um eine weitere Belastung der Meere durch im Ballastwasser reisende Arten zu verhindern, verabschiedete die IMO im Jahr 2004 die Ballastwasserkonvention. Damit diese in Kraft treten kann, müssen 30 Staaten, die 35 Prozent der weltweiten Handelstonnage in der Schifffahrt repräsentieren, dieser Konvention beitreten. Bis April 2009 haben erst 18 Staaten - diese decken etwa 15 Prozent der Handelstonnage ab - die Konvention ratifiziert. Deutschland als maßgeblicher Akteur bei der Erarbeitung dieses internationalen Regelwerkes hat die Ballastwasserkonvention bis heute noch nicht ratifiziert. Als erster Schritt hat die Bundesregierung im April 2008 das Seeaufgabengesetz novelliert, in dem Anforderungen an die Ballastwasserdesinfektion festgeschrieben sind. UBA-Vizepräsident Holzmann: "Deutschland sollte die Ballastwasserkonvention rasch ratifizieren, damit das Übereinkommen bald in Kraft tritt und damit weltweit endlich verbindlich wird."
Weltweit arbeiten Fachleute an der Entwicklung neuer Ballastwasser¬Managementsysteme (BWMS). Ein Ballastwasserbehandlungssystem muss strengen Kriterien entsprechen, um zugelassen zu werden: Neben ökonomischen Fragen und der Schiffsicherheit, spielt auch der Umweltschutz eine wichtige Rolle. Die Zulassung der Anlagen liegt in der nationalen Zuständigkeit der einzelnen Staaten. Systeme, die Biozide zur Desinfektion des Wassers verwenden, bedürfen darüber hinaus der internationalen Anerkennung durch die IMO. Weltweit haben bis heute insgesamt 19 Anlagen zur Ballastwasserbehandlung die erste Hürde im zweistufigen Zulassungsverfahren der IMO, das so genannte Basic Approval, genommen. Die zweite Stufe, das Final Approval, haben insgesamt elf Systeme erreicht.
Auf der MEPC-Sitzung am 17. Juli 2009 erhielt nun das CleanBallast®-BWM-System der Firma RWO ein Final Approval. Damit hat nach dem von Hamann entwickelten SEDNA®-System eine zweite deutsche Anlage diese Voraussetzung erfüllt. Eine dritte deutsche Anlage, das AquaTriComp®-System der Firma Aquaworx, bekam auf der Sitzung ein Basic Approval. Im Gegensatz zu den anderen zwei Anlagen werden bei diesem System keine Desinfektionsmittel verwendet, sondern das Wasser nach Filtrierung mit UV-Licht desinfiziert. Die abschließende Zertifizierung dieser Systeme - die Erteilung der Typen-Zulassung - kann nun von den deutschen Behörden eingeleitet werden. Deutschland liegt zusammen mit Japan und Südkorea weltweit an der Spitze der bisher erteilten Zulassungen. Deutsche Firmen haben sich gute Chancen in einem globalen Markt gesichert.
Das UBA prüft die Risiken der bei der Desinfektion eingesetzten Chemikalien für die Umwelt. Denn die Meere müssen auch vor einer Gefährdung durch das mit Desinfektionsmitteln behandelte Ballastwasser geschützt werden. Das UBA und die anderen beteiligten Behörden, darunter das federführende Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), beteiligten sich innerhalb der IMO richtungweisend an der Erarbeitung strenger international geltender Richtlinien für die Ballastwasserbehandlung. "Ich freue mich, dass unsere Vorschläge für strenge Vorschriften bei der Umweltrisikobewertung von Ballastwasser-Managementsystemen maßgeblich in die internationalen Vorschriften eingeflossen sind", so Thomas Holzmann.

Mehr Infos unter http://www.umweltbundesamt.de/wasser/themen/meere/ballastwasser-uebereinkommen.htm

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Nur geringe Unterschiede bei ESL-Milch - Wissenschaftler des Max Rubner-Instituts untersuchen Milch

Dr. Iris Lehmann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max Rubner-Institut - Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel

"Die Ergebnisse der Vitaminbestimmung bei ESL-Milch lassen sich dahingehend zusammenfassen, dass die vorliegende Studie - im Vergleich zu kurzzeiterhitzter Milch - keinen Hinweis für niedrigere Konzentrationen an Vitaminen in ESL-Milch erbracht hat." Dies ist eine der Schlussfolgerungen, die die Wissenschaftler des Max Rubner-Instituts am Standort Kiel aus der Untersuchung von 30 Milchproben aus 17 Unternehmen der deutschen Milchwirtschaft ziehen. Es könne zusammenfassend festgestellt werden, dass ESL-Milch - unabhängig vom Herstellungsverfahren - als hochwertiges Lebensmittel anzusehen sei.
Verglichen wurden Milchproben der gängigen Herstellungsverfahren, von kurzzeiterhitzter Milch (im allgemeinen Sprachgebrauch als "frische Milch" bezeichnet), verschieden hergestellter ESL-Milch und ultrahocherhitzter Milch (UHT-Milch). Die Ergebnisse stellen somit eine Momentaufnahme der Konsummilch-Qualität in Deutschland dar.
Wie die Kieler Forscher feststellten, bestehen aus mikrobiologisch-hygienischer Sicht keine relevanten Unterschiede zwischen der traditionell hergestellten "Frischmilch" und der ESL-Milch. Je nach angewandtem Herstellungsverfahren weist ESL-Milch dagegen Unterschiede im Zustand der Molkenproteine und im Furosin-Gehalt auf - Parameter, die zur analytischen Differenzierung von Milchsorten geeignet sind. Molkenproteine sind in Abhängigkeit vom Herstellungsverfahren unterschiedlich denaturiert, wobei betont werden muss, dass die Denaturierung von Molkenproteinen keinen Nährwertverlust darstellt. Furosin ist ein Indikator, der die während der Erhitzung von Lebensmitteln ablaufende Maillard-Reaktion aus Proteinen und Zucker nachweist. Wird ESL-Milch mittels Hocherhitzungsverfahren hergestellt, weist die Milch einen höheren Furosin-Gehalt auf, als Milch, die zur Keimreduktion durch Mikrofiltration gefiltert wurde. Ein Verfahren, das jeweils durch eine Erhitzung ergänzt wird.

Umfangreiche sensorische Prüfungen haben gezeigt, dass kurzzeiterhitzte Milch in der Tendenz positiver bewertet wird als ESL-Milch oder zwei bis drei Wochen alte UHT-Milch. Die Unterschiede sind aber so gering, dass eine sichere Zuordnung der Milch zum Herstellungsverfahren über den Geschmack nicht möglich ist - zumal der Zeitpunkt der Verwendung der Milch einen Einfluss auf die sensorische Eigenschaften hat.

Weitere Informationen: www.mri.bund.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Chemikalien: Umweltbundesamt schlägt fünf Anthracenöle für EU-weite Zulassungspflicht vor

Dennoch bleibt REACH bislang hinter den Erwartungen zurück

Sie machen Gummi geschmeidig, sind aber giftig: Die aus Steinkohle gewonnenen Anthracenöle gehören zu den Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK). PAK verbleiben generell lange in der Umwelt, reichern sich in der Nahrungskette an und sind giftig. Noch immer werden sie in Produkten wie Badelatschen oder Gummigriffen eingesetzt. Aus Autoreifen und Lebensmitteln hat die Europäische Union (EU) die PAK bereits weitgehend verbannt. Das Umweltbundesamt (UBA) möchte aber weiter gehen und schlägt der EU vor, für fünf Anthracenöle eine Zulassungspflicht einzuführen.

Am 3. August 2009 ist es wieder soweit: Zum zweiten Mal nominieren die EU-Mitgliedstaaten der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) besonders besorgniserregende Chemikalien für eine Zulassungspflicht nach REACH, der EU-Chemikalienverordnung. Im vergangenen Jahr bemängelten Umwelt- und Verbraucherschutzorganisationen, dass nur 16 Vorschläge eingingen; sie forderten, 276 Stoffe sofort zu ersetzen. REACH verlangt aber eine detailierte Risikobewertung der vorgeschlagenen Stoffe (Annex XV-Dossier) durch die Behörden der EU-Mitgliedstaaten. Vermutlich deswegen gehen auch in diesem Jahr lediglich 14 Vorschläge ein, davon fünf aus dem UBA.

Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des UBA, bedauert die zögerliche Haltung einiger EU-Mitgliedstaaten: „Bisher nutzen nur wenige Staaten die großen Chancen von REACH, Umwelt und Gesundheit besser zu schützen. Wir bieten anderen Mitgliedstaaten an, bei der Bewertung von Umweltgiften zu kooperieren und gemeinsam besonders besorgniserregende Chemikalien zu identifizieren."

Denn es gibt genug zu tun: Eine Arbeitsgruppe aus EU-Fachleuten unter Beteiligung deutscher Experten identifizierte über 400 Stoffe, die krebserzeugend, erbgutverändernd, fortpflanzungsgefährdend oder umweltschädigend sind. „Die Behörden der Mitgliedstaaten müssen jetzt zügig zusammenarbeiten, um diese Stoffe schnell EU-weit zu regulieren.", so Holzmann. Die ECHA hat diese Idee bereits aufgegriffen und für den 24. September 2009 alle zuständigen Behörden nach Helsinki eingeladen.

Sind die Stoffe erst einmal als besonders besorgniserregend identifiziert, müssen Unternehmen dem Handel sowie den Verbraucherinnen und Verbrauchern auf Anfrage mitteilen, ob diese Stoffe mit mehr als 0,1 Prozent in Produkten enthalten sind. Damit gibt die EU Bürgerinnen und Bürgern die Chance, sich für umweltfreundlichere Produkte zu entscheiden. Den Grundstein dazu legen die EU-Mitgliedstaaten mit ihren Vorschlägen - auch als ersten Schritt zu einer EU-weiten Zulassungspflicht. So sollen langfristig die schlimmsten Chemikalien vom Markt und aus der Umwelt verschwinden.

Das UBA hat sich vorgenommen, weiterhin seinen Beitrag für einen Erfolg von REACH zu leisten: Schon jetzt stehen noch mehr PAK und weitere Umweltgifte auf der Agenda für 2010. Darunter sind auch Chemikalien, die das Hormonsystem stören.

Weitere Informationen zu REACH und der UBA-Strategie, besonders besorgnis­erregende Chemikalien zu identifizieren, finden sich unter www.reach-info.de. Dort kann man auch einen Musterbrief für Verbraucheranfragen an den Handel herunterladen.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Auch Minijobber müssen zur gesetzlichen Unfallversicherung angemeldet werden

Wer einen Minijobber beschäftigt, muss diesen zur gesetzlichen Unfallversicherung anmelden. Darauf weisen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen hin. Denn immer wieder gibt es das Missverständnis, dass der Beitrag zur Minijob-Zentrale der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See auch die Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung enthält. Das ist jedoch nur beim so genannten Haushaltsscheckverfahren der Fall, mit dem die Sozialversicherungsbeiträge für Haushaltshilfen in privaten Haushalten überwiesen werden, die bis zu 400 Euro im Monat verdienen. Alle anderen geringfügig Beschäftigten müssen der Berufsgenossenschaft oder der zuständigen Unfallkasse direkt gemeldet werden.

Die gesetzliche Unfallversicherung übernimmt die Haftung des Arbeitgebers für Arbeits- und Wegeunfälle sowie Berufskrankheiten. Bei einem Unfall trägt sie daher die Kosten für die Heilbehandlung und Rehabilitation. Bleibt die Erwerbsfähigkeit in Folge des Unfalls dauerhaft gemindert, zahlt die Unfallversicherung eine Rente.

Weitere Fragen zu Beitrag und Anmeldung beantwortet die BG-Infoline unter der Telefonnummer 01805 188088 (14 Cent/Minute aus dem deutschen Festnetz der Deutschen Telekom AG, Mobilfunkpreis ggf. abweichend). Einzelheiten, Broschüren und Kontaktadressen zum Haushaltscheckverfahren der Minijob-Zentrale sind unter www.minijob-zentrale.de veröffentlicht.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Zu wenig Magensäurebildung führt zu Osteoporose

Maren Puttfarcken, Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben nachgewiesen, dass eine gestörte Magensäurebildung, wie sie unter anderem auch durch Säureblocker (Protonen-pumpenhemmer) erreicht wird, zu Osteoporose, also einem Verlust der Knochendichte, und zu Knochenbrüchen führt. Die Einnahme von Calciumglukonat kann Osteoporose verhindern. Diese Ergebnisse wurden jüngst im führenden medizinischen Wissenschaftsjournal "Nature Medizin" [Nat Med. 2009 Jun; 15(6):674-81] veröffentlicht.
Die UKE-Autoren konnten nachweisen, dass bei einem krankhaft erhöhten PH-Wert des Magens, also einer verminderten Magensäurebildung, die Calciumaufnahme aus der Nahrung gestört ist. Die Konsequenz ist, dass sich eine Osteoporose entwickelt und die Knochen brüchig werden. Damit fanden die Wissenschaftler die Ursache des in großen klinischen Studien gezeigten und bisher unverstandenen erhöhten Knochenbruchrisikos von Patienten mit unterschiedlichen Magen-erkrankungen, die mit Säureblockern therapiert werden [JAMA. 2006 Dec 27;296(24):2947-53].

Das interdisziplinäre Team um Priv.-Doz. Dr. Thorsten Schinke und Prof. Dr. Michael Amling, Klinik und Poliklinik für Unfall-, Hand-, und Wiederherstellungschirurgie des UKE, hat festgestellt, dass eine Osteoporoseentstehung bei gestörter Magensäurebildung durch eine gleichzeitige Behandlung mit einem Calcium-Präparat auf Basis von Calciumglukonat verhindert werden kann. Calciumglukonat wird - im Gegensatz zu Calciumcarbonat - vom Körper magensäureunabhängig aufgenommen.

Derzeit werden jedoch über 95 Prozent aller in Deutschland verkauften Calciumpräparate nicht auf Basis von Calciumgluconat sondern auf Basis von Calciumcarbonat hergestellt, das gemäß den Studienergebnissen, vom Körper gar nicht aufgenommen wird.

Die Osteologische Schwerpunktambulanz des UKE behandelt bereits heute alle betroffenen Patienten mit Calciumgluconat.

Die Untersuchung hat bereits jetzt für ein weltweites Echo in der Wissenschaftsszene geführt. So wurde die soeben erst in "Nature Medicine" veröffentlichte UKE-Studie bereits in weiteren Beiträgen in "Nature Medicine" [Nat Med. 2009 Jun;15(6):610-2; Nat Med. 2009 Jul;15(7):710] sowie auch in "Cell Metabolism" [Cell Metab. 2009 Jul;10(1):7-8] kommentiert und diskutiert.

Allein in Deutschland leiden 7,8 Millionen Menschen an Osteoporose. Von einer altersbedingten Abnahme der Magensäurebildung sind bis zu 30 Prozent der Menschen über 60 Jahre betroffen.

Kontakt für Patienten: Termin zur Osteoporose-Sprechstunde des UKE unter der Telefonnummer 040-7410-56373

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Sorge der Bürger um den Erhalt unserer Umwelt

Heike Schäfer, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Wie und welche neuen Wege beschreiten engagierte Bürger im Umwelt- und Naturschutz?
Diesen Fragen stellen sich eine Gruppe von Nachwuchswissenschaftlern unter dem Namen CIVILand, am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. in Müncheberg. Dafür stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen seines Programms "Sozial-ökologische Forschung" nun insgesamt 1,2 Millionen Euro für die Gruppe zur Verfügung.

Wer die Umweltprobleme unserer Gesellschaft lösen will, muss sie an ihrer Wurzel anpacken; bei den wirtschaftlichen Zusammenhängen. Laut einer unter Ökonomen weit verbreiteten Ansicht entstehen Umweltprobleme vor allem dadurch, dass Luft, Wasser, Boden und andere Naturgegebenheiten als selbstverständlich und überall verfügbar gelten. Was einfach da ist, kann man auch einfach nutzen. Seit einigen Jahren wird versucht, dies zu verändern. Gute Luft, frisches Wasser und fruchtbarer Boden werden dabei als Dienstleistungen der Natur für menschliche Gesellschaften definiert. Auf dieser Grundlage werden sie ökonomisch in Wert gesetzt. Was kostet es, ein Wassereinzugsgebiet zu restaurieren oder die Filterfähigkeit von Böden zu erhalten? Wie können solche Ökozahlungen gestaltet werden und wer zahlt dafür an wen?

Ziel der Forschergruppe ist es zu untersuchen, wie mit wirtschaftlichen Anreizen die Dienstleistungen der Natur erhalten oder auch unsere Kulturlandschaft gepflegt werden kann. Im Zentrum des Interesses stehen Initiativen aus der Zivilgesellschaft, vor allem Stiftungen. Welchen Beitrag leisten Umweltstiftungen finanziell zum Erhalt und zur Entwicklung ökologischer Dienstleistungen? Dieser Frage möchte CIVILand durch Untersuchungen in Deutschland, Großbritannien, den USA und der Schweiz nachgehen.
Im Vergleich der Länder wollen die Forscher unter anderem abschätzen, wie das Engagement von Umweltstiftungen für diese Aufgaben verstärkt und zum Nutzen für die Natur und Gesellschaft entwickelt werden kann.

Dr. Bettina Matzdorf, Leiterin des Projektes, hatte die Idee sich zu derartigen Fragen mit anderen jungen Wissenschaftlern zu beschäftigen und bewarb sich 2007 beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) um eine Projektförderung unter dem Titel "Bedeutung und Innovationspotential der Zivilgesellschaft für die Honorierung ökologischer und kulturlandschaftlicher Leistungen" (CIVILand). Nach einer achtmonatigen Vorbereitungsphase, in der das vorhandene Wissen gesichtet, Kontakte geknüpft und die Forschungspläne ausgearbeitet wurden, stellt das Ministerium im Rahmen seines Programms "Sozial-ökologische Forschung" nun insgesamt 1,2 Millionen Euro für die Gruppe zur Verfügung. Das mittlerweile achtköpfige Team wird zusätzlich mit Mitteln des ZALF unterstützt und begann Anfang Juli 2009 mit seiner Arbeit. Im Projekt wirken weitere starke Partner aus der Praxis und der Wissenschaft mit so z. B. das renommierte Gund Institut für Ökologische Ökonomie der Universität Vermont (USA).

Zeitgleich startete auch die Internetseite von CIVILand: http://www.civiland-zalf.de

Weitere Informationen erteilt:
Dr. Bettina Matzdorf
Matzdorf@zalf.de
http://www.civiland-zalf.org
Weitere Informationen:
http://www.zalf.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Die Heinzelmännchen der Trinkwasserversorgung

Bernd Hegen, Referat Öffentlichkeitsarbeit
Universität Koblenz-Landau

In den Leitungen der meisten Wasserversorger leben Tiere. "Tiere im Trinkwasser sind aber nicht immer schlecht. Wenige, echte Grundwassertiere in geringer Anzahl zeigen, dass es sich um gutes, wohlgeschütztes und sauberes Wasser handelt", erklärt Dr. Hans Jürgen Hahn, Leiter der Arbeitsgruppe Grundwasserökologie am Campus Landau der Universität Koblenz-Landau. Wasserasseln (Asselus aquaticus) oder andere Tiere aus Oberflächengewässern gefährdeten dagegen die Qualität des Trinkwassers - besonders, wenn sie in Massen vorkommen würden.

In den letzten Wochen wurde - zum Teil sehr erregt - über Wasserasseln in Trinkwasserleitungen berichtet. Die dargestellten Probleme wie verstopfte Wasserhähne und Asselkot und -kadaver im Trinkwasser seien aber die Ausnahme, betont Hahn. Ein solcher Massenbefall komme nur dort vor, wo die Leitungsnetze sehr alt und überdimensioniert seien und das Rohwasser hohe Mengen organischer Stoffe enthalte. Dringen in solche Netze Arten aus Oberflächengewässern ein, wie die Wasserassel, könnten sie sich explosionsartig vermehren.

Fast immer finden sich dagegen echte Grundwassertiere in geringer Zahl in den Leitungsnetzen. Sie seien die "Heinzelmännchen der Trinkwasserversorgung". "Dass unser Trinkwasser so sauber aus der Leitung kommt wie wir es erwarten, verdanken wir vor allem den Lebewesen im Grundwasser. Sie fressen und zersetzen eingetragene Schadstoffe und reinigen so unser Trinkwasser. Echte Grundwasserorganismen weisen darauf hin, dass es sich um sauberes Grundwasser handelt - ein Qualitätsmerkmal" so Hahn.

Aber nicht nur diese Ökosystemdienstleistungen, wie Fachleute sagen, machen die Tiere des Grundwassers so wertvoll. Viele von ihnen sind uralt und sehr selten. Brunnenkrebse zum Beispiel sind lebende Fossilien die schon vor 300 Millionen Jahren, lange vor den Dinosauriern, die Oberflächengewässer der Steinkohlenzeit besiedelten. Irgendwann damals müssen sie in das Grundwasser eingewandert sein, wo sie heute noch fast unverändert leben. Sie zählen zu den seltensten Grundwassertieren mit 8 Arten in Deutschland. Zwei davon, besonders urtümliche Brunnenkrebsarten, wurden in den letzten Jahren in Württemberg neu entdeckt und gelten als wissenschaftliche Sensation.

Biologen gehen davon aus, dass im Grundwasser Deutschlands noch viele unbekannte Tierarten ihrer Entdeckung harren. Aber nur wenige Wissenschaftler, wie zum Beispiel die Arbeitsgruppe Grundwasserökologie an der Universität in Landau, erforschen die Tierwelt des Grundwassers. Die Landauer Wissenschaftler wollen herausbekommen, wie Grundwasserökosysteme überhaupt funktionieren und welche Umweltfaktoren darüber entscheiden ob bestimmte Arten vorkommen oder nicht. "Letztendlich geht es um Bioindikation, das bedeutet, wie lässt sich anhand der Tiere der Zustand und die Qualität des Grundwassers beschreiben. Lassen sich anhand von Veränderungen der Grundwasserfauna Schädigungen an Feuchtgebieten vorhersagen und wie lassen sich Grundwassertiere schützen", erläutert Hahn. Nur gesunde Grundwasserökosysteme mit all ihrer Tieren und Mikroorganismen lieferten auch gesundes Trinkwasser.

Deshalb untersuchen die Biologen derzeit auch mit einem mehrjährigen Forschungsprojekt, finanziert durch die KSB-Stiftung in Frankenthal/Pfalz, das Vorkommen und die Verteilung von Grundwassertieren im Leitungsnetz eines großen süddeutschen Wasserversorgers. "In unserem Wasserwerk kommen nur sehr wenige Tiere vor - alles echte Grundwasserbewohner" begeistert sich Jörg Bork, der Projektleiter. "Es ist wirklich spannend herauszufinden, wie die Tiere in das Leitungsnetz gelangen, wo sie sich dauerhaft aufhalten können, und warum sie dort aber unter normalen Umständen keine Massenvorkommen ausbilden".

Wichtig sei, so Bork und Hahn, dass die Wasserversorger das Vorkommen von Tieren in ihrem Leitungsnetz akzeptieren und differenziert betrachten. Entscheidend sei, zu wissen, um welche Arten es sich handelt und wie hoch die Besiedlungsdichten sind. Die Kunden erwarteten schließlich von ihrem Wasserversorger klare Informationen über den Zustand ihres wichtigsten Lebensmittels.

Kontakt:
Arbeitsgruppe Grundwasserökologie
Universität Koblenz-Landau, Campus Landau
Fortstr. 7, D-76829 Landau

Dr. habil. Hans Jürgen Hahn
Tel.: 06341-280-211
E-Mail: hjhahn@uni-landau.de

Dipl.-Geogr. Jörg Bork
Tel.: 06341- 280-159
E-Mail: bork@uni-landau.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wasser kennt Grenzen - Zustand der Flüsse in Ost und West unterscheidet sich stark

Gesine Wiemer, Pressestelle des Forschungsverbundes Berlin e.V.
Forschungsverbund Berlin e.V.

Etwa 150 Wissenschaftler von Irland bis zum Ural haben sich an einem einzigartigen Projekt beteiligt: Den Zustand der Flüsse in Europa zu beschreiben. Insgesamt untersuchten sie 165 Flusseinzugsgebiete, die mehr als 7 Millionen Quadratkilometer bedecken. Das entspricht etwa Dreiviertel der Fläche von Europa.
Die Forscher haben einen auffälligen Unterschied zwischen Osteuropa und Westeuropa festgestellt: Im Osten gibt es noch viele naturbelassene Flussläufe, deren Wasser aber oft hochgradig verschmutzt ist, während im Westen die Flüsse sehr stark verbaut sind, aber das Wasser relativ sauber ist. Hier greifen schon Maßnahmen zum Wasserschutz. Das Naturpotenzial ist besonders in den osteuropäischen Ländern sehr groß. Mit Maßnahmen zur Reinhaltung des Wassers ließen sich hier wieder weitgehend intakte Ökosysteme herstellen. Leider schreitet der Ausbau dieser Flüsse derzeit rasch voran.

Dabei sieht die EU-Wasserrahmenrichtlinie vor, bis 2015 für alle natürlichen Gewässer einen "guten Gewässerzustand" zu gewährleisten. Prof. Klement Tockner, Direktor des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), gibt dazu eine vorsichtige Prognose: "Anhand der Informationen, die wir in jahrelanger Recherche zusammengetragen haben, mussten wir leider feststellen, dass bereits viele Flüsse unwiederbringlich verändert worden sind." Die Wissenschaftler haben anhand der Daten einen Belastungsindex für die 165 Flusseinzugsgebiete berechnet. Die Gebiete mit der höchsten Belastung durch den Menschen sind unter anderem die Iberische Halbinsel, die Balkan-Region und die Türkei. Tragischerweise sind das zugleich die Regionen mit dem höchsten Anteil an bedrohten Fisch- und Amphibienarten.

In den Flüssen Europas leben bereits bis zu fünfzig Prozent gebietsfremde Fische. Dabei gibt es zwei entgegengesetzte Phänomene: Die Verbauung mit Dämmen und Wehren zerstört den Lebensraum von Wanderfischen wie Stör, Lachs oder Aal. Andererseits werden durch Kanäle und Schifffahrtsstrassen Flüsse verbunden. So sind alle Flüsse von der Rhone bis zur Wolga bereits durch Kanäle miteinander verknüpft, so dass Arten leichter in neue Gebiete wandern können. So gleichen sich die Lebensgemeinschaften immer weiter an und ein Teil der Vielfalt verschwindet. In Bezug auf Restaurierungs- und Erhaltungsmaßnahmen sagt Tockner: "Unser Hauptaugenmerk muss auf Regionen liegen, die den höchsten Erhaltungswert haben. Es steht außer Frage: Der Erhaltung der letzten frei fließenden Flüsse muss höchste Priorität eingeräumt werden. Wir müssen dabei gerade auch den ökonomischen Nutzen eines gesunden Flusses im Auge behalten. Intakte Flüsse schützen uns vor Hochwasser, reinigen Abwasser, stellen sauberes Trinkwasser zur Verfügung, sind Zentren der biologischen Vielfalt und besitzen einen hohen ästhetischen und kulturellen Wert."

Dabei betont Tockner, wie wichtig es ist, über Ländergrenzen hinweg zusammenzuarbeiten: "Nehmen Sie die Donau, der internationalste Fluss weltweit. Er ist auch der artenreichste Fluss Europas, der ein Viertel aller Fischarten Europas beheimatet, und ein Drittel der Arten der Donau kommen nur dort vor, sind also endemische Arten. Um sie zu schützen entwickeln die Anrainer, insgesamt neunzehn Staaten, gemeinsame Konzepte."

Ein weiterer Rat der Wissenschaftler in Richtung Politik: Vereinzelte und kleinräumige Maßnahmen bringen wenig und kosten trotzdem viel. Ein wegweisendes Beispiel ist der Fluss Skjern in Dänemark. Hier wurde nicht nur der Flusslauf wieder zurückgebaut und Auen wurden wiederhergestellt, auch Landwirte wurden in die Planungen einbezogen und es wurden Konzepte für Ökotourismus entwickelt. Tockner: "Wir benötigen ein umfangreiches Schutz- und Revitalisierungskonzept für die Flüsse und Bäche Europas".

Die Ergebnisse der Wissenschaftler sind in dem Buch "Rivers of Europe" zusammengetragen. Es ist das erste umfassende Werk über den Zustand der Flüsse in Europa. Das Buch spiegelt nicht nur die ökologische, sondern auch die kulturelle und sozioökonomische Vielfalt Europas wider. Und es liefert eine wichtige wissenschaftliche Grundlage für politisches Handeln.

Klement Tockner, Christopher T. Robinson, Urs Uehlinger (Hrsg.): Rivers of Europe. Academic Press, Heidelberg 2009. 700 Seiten.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Klement Tockner
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Tel.: (030) 64181-601
E-Mail: tockner@igb-berlin.de
Weitere Informationen:
http://www.igb-berlin.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Kochsalzreduktion kann den Blutdruck senken

Dr. Anna-Sabine Ernst, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Studien liefern keine Belege für positiven Einfluss auf Folgeerkrankungen der essenziellen Hypertonie
Erwachsene, die mit der Nahrung weniger Kochsalz zu sich nehmen, können ihren Blutdruck mittelfristig etwas senken. Ob Menschen mit dauerhaft erhöhtem Blutdruck, sogenannter essenzieller Hypertonie, auf diese Weise auch langfristig das Risiko für Folgeerkrankungen vermindern können oder weniger blutdrucksenkende Medikamente einnehmen müssen, bleibt allerdings eine offene Frage. Zu diesem Ergebnis kommt der am 20. Juli 2009 in Form eines Rapid Report veröffentlichte Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Er ist Teil eines vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) erteilten Auftragspakets, in dem der Nutzen verschiedener nicht medikamentöser Behandlungsstrategien bei Bluthochdruck bewertet werden soll. Stressbewältigung und mehr körperliche Bewegung gehören ebenso dazu wie Rauchverzicht und weniger Alkoholkonsum. Einen Bericht zu der Frage, wie sich Abnehmen auf den Blutdruck auswirken kann, hat das IQWiG bereits abgeschlossen.

Bewertung anhand von Sekundärliteratur

Nutzenbewertungen des IQWiG basieren in der Regel auf der systematischen Recherche und Auswertung von klinischen Studien, also von Primärliteratur. Der vorliegende Rapid Report wurde dagegen anhand von Sekundärliteratur erstellt. Dies ist prinzipiell dann möglich - und in den Allgemeinen Methoden des IQWiG vorgesehen - wenn bereits qualitativ hochwertige und aktuelle systematische Übersichten zu einer Fragestellung existieren. Wie die Vorrecherche des IQWiG ergab, war dies beim Thema Kochsalzreduktion bei Hypertonie der Fall.

Gesucht haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach systematischen Reviews, also einer zusammenfassenden Analyse von Studien, die folgende Patientinnen und Patienten mit essenzieller Hypertonie miteinander verglichen: eine Interventions-Gruppe, die sich über einen längeren Zeitraum salzärmer ernähren sollte mit einer Kontroll-Gruppe, bei der diese Absicht entweder nicht bestand oder die beabsichtigte Kochsalzreduktion geringer war als in der Interventions-Gruppe. Die Laufzeit der Studien sollte mindestens 4 Wochen betragen. Um dennoch keine aktuellen und möglicherweise relevanten Studien zu übersehen, recherchierte das IQWiG ergänzend auch kürzlich veröffentlichte Primärstudien.

In die Bewertung einbeziehen konnte das IQWiG 7 Übersichten, in denen zwischen 520 und 3391 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus insgesamt 62 randomisierten kontrollierten Studien zusammenfassend analysiert wurden.

Keine Aussagen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Sterblichkeit möglich

Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler feststellten, lassen die verfügbaren Daten keine Aussagen zu Folgekomplikationen zu. Das liegt daran, dass keine der Studien in erster Linie darauf ausgerichtet war zu untersuchen, wie sich eine salzärmere Kost auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder die Gesamtsterblichkeit auswirkt. Zudem liefen die meisten Studien nur über wenige Monate und hatten meist geringe Teilnehmerzahlen, weshalb möglicherweise vorhandene Unterschiede bei den Folgeerkrankungen nicht mit Sicherheit aufgefallen wären.

Nachhaltigkeit des blutdrucksenkenden Effekts ist ungewiss

Die Untersuchungen zeigen jedoch durchgehend, dass eine verminderte Kochsalzzufuhr helfen kann, den Blutdruck zu senken: Die systolischen Werte sanken innerhalb von bis zu einem Jahr um durchschnittlich 3,6 bis 8 mmHg, die diastolischen Werte um durchschnittlich rund 2 bis 3 mmHg. Dies gilt im Wesentlichen für Patientinnen und Patienten, die keine zusätzlichen blutdrucksenkenden Medikamente einnahmen.

Wie nachhaltig dieser Effekt ist, bleibt allerdings unklar. Autoren zumindest einer Übersichtsarbeit berichten, dass der beobachtete Vorteil verschwindet, wenn man die Analyse auf Studien mit einer längeren Laufzeit (mindestens 6 Monate) einschränkt.

Keine der Übersichten berücksichtigte ausschließlich Patientinnen und Patienten, die gleichzeitig blutdrucksenkende Medikamente einnahmen oder wertete Daten für Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Begleitmedikation getrennt aus. Welchen zusätzlichen blutdrucksenkenden Effekt eine kochsalzarme Kost bei diesen Patienten haben kann, ist deshalb ungewiss.

Generell bleibt die Frage unbeantwortet, ob Menschen mit essenzieller Hypertonie durch eine geringere Salzaufnahme ihren Bedarf an blutdrucksenkenden Medikamenten vermindern können.

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Rapid Reports, sogenannte Schnellberichte, sollen zeitnahe Informationen zu einem aktuellen Thema bieten. Sie sind nicht auf Richtlinienentscheidungen des G-BA ausgelegt. Um eine kürzere Erarbeitungszeit zu gewährleisten, unterscheidet sich der Ablauf der Erstellung von dem der übrigen Berichte vor allem in zwei Punkten: Arbeitsdokumente, Berichtspläne oder Vorberichte werden nicht publiziert und es gibt auch kein Stellungnahmeverfahren. Zudem erfolgt die Bewertung in der Regel auf Basis bereits publizierter Informationen, d.h. das IQWiG bemüht sich nicht, beispielsweise bei Herstellern von Arzneimitteln unveröffentlichte Studiendaten zu bekommen.

Der vorliegende Rapid Report wurde zusammen mit externen Sachverständigen erarbeitet. Eine vorläufige Version wurde von einer weiteren unabhängigen Forschergruppe begutachtet, die endgültige Fassung wurde am 22.6. 2009 an den G-BA versandt.
Weitere Informationen:
http://www.iqwig.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Gut gefedert auf die Mountainbike-Piste

Katharina Thehos, Pressestelle
Technische Universität Chemnitz

Leichter und steifer: Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung der TU Chemnitz optimiert Bauteil für vollgefederte Mountainbikes
Bei vollgefederten Mountainbikes sind der Fahrradrahmen und das Hinterrad baulich getrennt - verbunden werden sie über ein Bauteil mit drei Bolzen-Schrauben-Verbindungen, den so genannten Rocker. Der vollgefederte Rahmen ist dadurch schwerer als ein ungefederter und das gesamte Fahrrad verliert an Steifigkeit. In einer Studienarbeit hat Maschinenbaustudent Norbert Schramm unter Betreuung von Prof. Dr. Lothar Kroll und Jörg Kaufmann von der Professur Strukturleichtbau und Kunststoffverarbeitung der TU Chemnitz ein solches Bauteil der Firma GHOST Bikes GmbH unter die Lupe genommen und optimiert.

Ausgangspunkt waren Serienbauteile aus Aluminium sowie kohlenfaserverstärktem Kunststoff (CFK). "Wir haben die Bauteile mit Dehnungsmessstreifen ausgestattet und sind mit dem Fahrrad eine größere Treppe herunter gesprungen, um Extrembelastungen unter realistischen Bedingungen nachzuvollziehen", berichtet Kaufmann. Anschließend haben die Wissenschaftler den "Treppensprung" auf eine klassische Druckprüfung übertragen, um den realen mehrachsigen Belastungsfall zu vereinfachen und auf ein numerisches Modell zu übertragen. Der Vergleich zwischen Aluminium- und CFK-Bauteil ergab, dass die CFK-Variante bei halbem Gewicht eine etwas geringere Steifigkeit aufweist.

Durch umfangreiche numerische Simulationen sowie eine aus der Luft- und Raumfahrt bekannte Festigkeitsbewertung entwickelten die Wissenschaftler ein aus 34 Materialschichten bestehendes optimiertes CFK-Bauteil. Wesentlicher Vorteil ist dabei, dass dieses Bauteil bei einem Gewicht von 65 Gramm steifer als das 114 Gramm schwere Aluminiumbauteil ist und somit zu einer wesentlichen Verbesserung der Fahreigenschaften beiträgt.

"Die im Rahmen der Projektarbeit gewonnenen Erkenntnisse sind bereits in die Entwicklung der ab September erhältlichen neuen Modellpalette des Unternehmens GHOST Bikes GmbH eingeflossen", sagt Kaufmann und ergänzt: "Weitere Kooperationen zwischen dem Unternehmen und der TU sind geplant." Forschungs- und Entwicklungsbedarf besteht beispielsweise bei der Untersuchung der Belastung des Bauteils in Abhängigkeit von der Rahmengröße des Fahrrads, bei der numerischen Simulation des gesamten Fahrrades unter Gesichtspunkten der Dauerfestigkeit und bei der Auslegung sowie der Optimierung der Schraubverbindung zwischen Rocker und Fahrradrahmen. Die Wissenschaftler setzen dabei voll auf den schwarzen Zukunftswerkstoff CFK.

Weitere Informationen erteilt Jörg Kaufmann, Telefon 0371 531-36473,
E-Mail joerg.kaufmann@mb.tu-chemnitz.de.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Strom aus Abwärme - Freiburg ist Vorreiter in der Thermoelektrik

Holger Kock, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

Vom 27. bis 30. Juli 2009 präsentiert sich Freiburg wieder einmal als Vorreiter in Sachen Energietechnologie: Die Green City begrüßt mehr als 500 Experten aus rund 40 Ländern zur weltweit bedeutendsten Thermoelektrik-Tagung. Gastgeber ist das Freiburger Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM, an dem Deutschlands größte Thermoelektrik-Arbeitsgruppe die Entwicklung zum effizienten und alltagstauglichen Abwärme-Recycling weiter vorantreibt.
Im Vergleich zur Solarenergie ist die Thermoelektrik in der breiten Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt. Experten aus Forschung und Industrie wissen jedoch: Die Nutzung von Abwärme durch thermoelektrische Energiewandler birgt große Potenziale für Wirtschaft und Umwelt. Wenn es gelingen würde, die ungenutzte und im Übermaß anfallende Abwärme für die Umwandlung in elektrischen Strom nutzbar zu machen, so ließen sich nicht nur großtechnische Prozesse optimieren, sondern auch der Wirkungsgrad eines Automotors deutlich erhöhen. Die Abwärme wäre damit der weltweit größte Energiemarkt.

Stichwort: Abwärme-Recycling
In Zeiten immer knapper werdender Rohstoffe ist Energiesparen angesagt. Viele technische Prozesse nutzen die eingesetzte Energie jedoch zu weniger als einem Drittel. Das gilt insbesondere für Automobile: Dort verpuffen zwei Drittel des Kraftstoffs ungenutzt als Wärme. Etwa 30 Prozent gehen über den Motorblock und andere Bauteile verloren, weitere 30 bis 35 Prozent im Abgas. In Freiburg treffen sich nun über 500 Experten aus Industrie und Wissenschaft, um über das Ernten der ungenutzten Abwärme von Autos, Maschinen und Kraftwerken mit Hilfe der Thermoelektrik zu diskutieren. Das sich das lohnt, steht außer Frage: Rüstet man z. B. alle der rund 50 Millionen Fahrzeuge in Deutschland mit einem Thermoelektrischen Generator (TEG) zur Nutzung der Abwärme aus, so ließe sich die CO2-Bilanz Deutschlands durch die Treibstoffeinsparungen um einige Millionen Tonnen jährlich senken. Das entspricht einer Energieersparnis von 10 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr und damit der Menge, die ein Kernkraftwerk pro Jahr bereitstellt.

Thermoelektrische Generatoren
Thermoelektrische Generatoren (TEGs) verwandeln Wärme in elektrische Energie, indem sie ein Temperaturgefälle nutzen. Je größer die Temperaturunterschiede, desto mehr Strom können sie produzieren. "Beim Auto beträgt der Temperaturunterschied zwischen Abgasrohr und Kühlflüssigkeitsleitung bis zu mehreren Hundert Grad Celsius", sagt Harald Böttner, Leiter der Abteilung Thermoelektrische Systeme am Fraunhofer IPM. Diesen großen Unterschied nutzen TEGs aus: Durch den Wärmefluss zwischen den heißen Abgasen und der kalten Seite an einer Kühlleitung getrieben, wandern elektrische Ladungsträger - und es fließt Strom. "TEGs könnten einen beträchtlichen Anteil des Strombedarfs im Auto decken und senken nach Angaben der Kfz-Industrie den Spritverbrauch um fünf bis sieben Prozent", sagt Böttner.

Hintergrund: Tagung - ICT2009/ECT2009
Vom 27. bis 30. Juli 2009 findet im Freiburger Konzerthaus die 28th International Conference on Thermo¬electrics zusammen mit der 7th European Conference on Thermoelectrics statt. Über 500 Experten aus rund 40 Ländern diskutieren über aktuelle Forschungen und den Stand der Anwendung.
Die Konferenz wird am 27. Juli vom baden-württembergischen Wirtschaftsminister Pfister eröffnet. Hierzu sowie dem anschließenden Presserundgang sind Interessierte herzlich eingeladen (siehe gesonderten Veranstaltungshinweis). http://www.ict2009.its.org

Hintergrund: Green City - Freiburg
Mit ihrer Umweltpolitik und einem klaren Bekenntnis zu erneuerbaren Energiequellen hat sich Freiburg als Green City weltweit einen Namen gemacht. Der Veranstalter der Thermoelektrik-Tagung ICT2009 stieß daher bei der Stadt Freiburg auf Begeisterung. Das Ergebnis war eine vorbildliche Unterstützung durch Stadt und FWTM (Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH & Co. KG). http://www.fwtm.freiburg.de

Hintergrund: Veranstalter - Fraunhofer IPM
Das Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM entwickelt und realisiert schlüsselfertige optische Sensor- und Belichtungssysteme. Auf dem Gebiet der Thermoelektrik ist das Institut führend in der Material-forschung, der Simulation und dem Aufbau von Systemen. In der Dünnschichttechnik arbeitet Fraunhofer IPM an Materialien, Herstellungsprozessen und Systemen, ein weiteres Betätigungsfeld ist die Halbleiter-Gassensorik. http://www.ipm.fraunhofer.de

Ihr Ansprechpartner:
Dr. Harald Böttner
Abteilungsleiter Thermoelektrische Systeme
Telefon +49 761 8857-121
harald.boettner@ipm.fraunhofer.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Der Himmel voller Pilze

Kirsten Achenbach, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Chemie

Mainzer Wissenschaftler finden große Vielfalt von Pilzarten in der Luft

Die Menge und Artenvielfalt an Pilzsporen in der Luft ist wesentlich höher als bisher angenommen. Dies haben Wissenschaftler des Max-Planck-Institut für Chemie und des Geocycles-Programms der Universität in Mainz festgestellt. Mittels DNA-Analyse identifizierten sie mehrere 100 Pilzarten in der Luft. In jedem Kubikmeter Luft schweben zwischen 1000 und 10000 Pilzsporen. Diese erste systematische Studie über Pilz-Erbgut in der Luft zeigt, dass die Vielfalt der Pilze, die Allergien auslösen, Pflanzen schädigen und Krankheiten erregen können, größer ist als bisherige Untersuchungen zugrunde legten.

Die neue Methode birgt große Möglichkeiten für die Charakterisierung von luftgetragenen biologischen Schwebteilchen. Diese sind nicht nur relevant in der Landwirtschaft, beispielsweise für die Überwachung von genmodifizierten Pflanzen, sondern auch für die Medizin und die Klimawissenschaften. Die Ergebnisse werden in der Woche vom 13. Juli in der Zeitschrift PNAS Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht.

"Insgesamt kennen wir heute über 100.000 Arten von Pilzen", erläutert Janine Fröhlich, Wissenschaftlerin in Geocycles. "Hochrechnungen gehen aber davon aus, dass es über 1,5 Millionen Arten gibt." Die in der Luft gefundenen Arten gehören überwiegend zu den Gruppen der Schlauch- oder der Ständerpilze, zu deren Vertretern sowohl beliebte Speisepilze wie Champignons oder Trüffel, aber auch potentielle Krankheitserreger wie Schimmel- und Rostpilze zählen. Beide Gruppen schleudern zur Vermehrung ihre Sporen aktiv in die Luft. Und wenn sie in die Lunge von Mensch oder Tier gelangen oder in Kontakt mit Pflanzen kommen, können viele von ihnen Allergien oder Krankheiten auslösen. Immerhin: "Der Mensch atmet zwischen 10.000 und 20.000 Liter Luft täglich, jeder Atemzug enthält zwischen einer und zehn Pilzsporen. Über den Tag gerechnet nehmen wir mit dem Feinstaub sieben Nanogramm DNA auf. Das entspricht dem 10.000-fachen Informationsgehalt des menschlichen Erbguts", berichtet Viviane Després von der Universität Mainz, die die Analysemethode entwickelte. Gemeinsam mit Ulrich Pöschl vom Max-Planck-Institut für Chemie (MPIC) in Mainz haben die beiden Biologinnen den DNA-Gehalt der Luft in einer einmaligen Langzeitstudie untersucht. Dazu haben sie über ein Jahr lang Fein- und Grobstaub aus der Luft gefiltert und auf DNA untersucht.

Ihre Methode hatten die Forscher in den letzten zwei Jahren verfeinert: " Um die verschiedenen Arten aus der Gen-Suppe unserer Proben herauszufischen, benutzen wir eine Art genetischen Angelhaken. Im Gegensatz zu vorhergegangenen Studien haben wir aber mehrere verschiedene Köder für unterschiedliche Pilze benutzt. So haben wir einen wesentlich größeren Anteil der vorhandenen Arten identifizieren können", erklärt Fröhlich. "Außerdem haben wir über ein Jahr lang Proben gesammelt und analysiert - und damit wesentlich umfangreichere und aussagekräftigere Daten erhalten als vorhergehende Studien."

"Uns interessiert die Anzahl der Pilzsporen in der Luft aus drei Gründen", zählt Ulrich Pöschl vom Max-Planck-Institut für Chemie und Leiter der Studie auf: "Erstens können wir über den Nachweis der Sporen untersuchen, ob sich die Ökosysteme durch den Klimawandeln verändern. Zweitens spielen Pilzsporen eine große Rolle als Allergieauslöser, Pflanzenschädlinge und Krankheitserreger bei Mensch, Pflanze und Tier." Am meisten interessiert den Aerosolforscher jedoch die Möglichkeit, dass Pilzsporen eine Rolle bei der Bildung von Niederschlag spielen können. "Pilzsporen und andere biologische Aerosolpartikel können als Kondensations- und Kristallisationskeime für Wassertropfen und Eiskristalle dienen und dazu beitragen, dass Wolken, Nebel und Niederschlag entstehen." Eine genaue Analyse der Anzahl und Eigenschaften der Pilzsporen in der Luft kann daher, dabei helfen, die Abläufe im Klimasystem besser zu verstehen. "Die Wechselwirkungen sind so komplex, dass wir immer noch neue Prozesse und Faktoren finden, die wir beachten müssen", so Pöschl über die Verbindung von Pilzen, Biosphäre und Klima.

Originalartikel: High Diversity of Fungy in Air Particulate Matter, J. Fröhlich, D. Pickersgill, V. Després, U. Pöschl, PNAS, DOI: 10.1073/pnas.0811003106

Weitere Informationen oder Bilder:
Kirsten Achenbach
Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz
Öffentlichkeitsarbeit
Tel: 06131/305 - 465
Mail: k.achenbach@mpic.de

Jochen Körner
Forschungszentrum Erdsystemwissenschaften Geocycles
Öffentlichkeitsarbeit
Tel: 06131/3920 - 477
Mail: koerner@uni-mainz.de
Weitere Informationen:
http://www.mpic.de - Webseite des Max-Planck-Institut für Chemie
http://www.geocycles.de - Webseite der Forschungszentrum Erdsystemwissenschaften Geocycles

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wasser nur im Doppelpack mit Energie

Dipl.-Ing. Sibylle Wirth, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Informations- und Datenverarbeitung IITB

Karlsruhe. Eine ausreichende Versorgung der unverändert anwachsenden Weltbevölkerung mit Nutz- und vor allem Trinkwasser wird zunehmend auch ein Problem des Energieverbrauchs. Da der Mensch einen nennenswerten Speicher für Wasser nicht besitzt, muss jederzeit zumindest Trinkwasser verfügbar sein. Und das gibt es nicht ohne Energieeinsatz, verbunden mit den entsprechenden Kosten.
97% des globalen Wassers bestehen aus Salzwasser; nur knapp 3% sind potentiell zu Trinkwasser aufbereitbar. Mit ansteigender Weltbevölkerung und steigendem Wasserverbrauch reicht die alleinige Versorgung mit Niederschlagswasser aus natürlicher Verdunstung nicht mehr aus. Schon heute leben rund 1,1 Mrd. Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und 2,4 Mrd.
Entscheidend ist die Wasserqualität! Trinkwasser für Mensch und Tier (ca. 10% des Wasserverbrauches) muss frei von pathogenen Keimen und Schadstoffen sein sowie erträglich schmecken. Für die Bewässerung (ca. 70%) und die Verwendung als Brauchwasser (ca. 20%) gelten weniger hohe Qualitätsanforderungen. Das durch den menschlichen Gebrauch entstehende Abwasser muss aufbereitet werden, um es dem Süßwasservorrat der Erde wieder zuführen zu können; dies kostet Energie (ca. 45 KWh pro Nutzer und Jahr).

Wir müssen einerseits Wasser und Energie einsparen und andererseits in Trockengebieten neue Wasservorräte erschließen.. Dass Technologien zum Einsparen von Wasser in der Landwirtschaft wirken, ist nachweisbar: Zum Beispiel effizientere Verfahren der Bewässerung (Wurzelbewässerung statt Flutung mit hoher Verdunstung), Anbau von Früchten mit geringerem Wasserbedarf (Getreide statt Reis) sowie Nutzung von geeignet aufbereitetem Abwasser (z. B. Belassung von Nitraten und Phosphaten als Düngemittel). Diese Technologien sparen teilweise sogar Energie ein.

IITB-Wasserexperte Prof. Steusloff: "Die Erschließung der immer noch erheblichen globalen Grundwasservorräte erfordert zumindest Pump-Energie. Grundwasser wird heute schon aus großen Tiefen gefördert, in der nordostchinesischen Ebene z. B. aus bis zu 200 m Tiefe. Ein Absinken des Grundwasserpegels um derzeit mehr als 1m jährlich wegen nicht ausreichender Grundwasserneubildung führt im Großraum Peking mittelfristig zur nachhaltigen Vernichtung dieser Wasserressource."

Meerwasser wie Grundwasser enthalten gelöste Stoffe, die - je nach Verwendungszweck- mit Energieeinsatz entfernt werden müssen. Süßwasser kann aus Meerwasser durch sehr energieaufwändige Verfahren gewonnen werden. Je nach Technologie liegen die Kosten für 1 m3 Wasser allerdings bei 60 bis 80 Eurocent, d. h. bei etwa dem Doppelten der direkten Grundwassernutzung. Zwar ist die Rückführung der entstehenden Sole problematisch; dennoch nutzt die Meerwasserentsalzung eine praktisch unerschöpfliche "Rohstoffbasis" und ist bei Erzeugung der notwendigen Energie durch Solarkraftwerke auch nachhaltig.

Ein weiteres Energieproblem stellt der Transport von Wasser über Tankfahrzeuge (Kraftstoff!) oder Leitungen (Pump-Energie!) und offene Kanäle (Verdunstungsverluste) dar. Eine großräumige Ergänzung von Oberflächen- und Grundwasserressourcen im Landesinneren durch entsalztes Meerwasser erfordert also Transportenergie, die im Gefolge des Verbrauches lokaler Wasserressourcen unvermeidbar sein wird.

Entscheidend für die Wirksamkeit all dieser Maßnahmen ist ein überregionales, zukünftig globales Wassermanagement. Wasserverfügbarkeit und die zugehörige Energieverfügbarkeit müssen global optimiert werden (z.B. Versorgung von Küstenregionen mit ergiebiger Sonneneinstrahlung durch entsalztes Meerwasser plus Wassertransport ins Landesinnere). Die Energie dazu muss direkt aus der Sonne kommen, muss die mangelnden natürlichen Niederschläge systemisch ergänzen. Ein solcher Aufwand erfordert einen angemessenen Wasserpreis: Wasser ist ein kostbares Gut, dessen Wert als Lebensmittel und Rohstoff uns über die Kosten immer mehr bewusst werden muss. Auch diese Sicht wird zum schonenden Umgang mit Wasser und Energie beitragen.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Hartwig Steusloff
Fraunhofer IITB
0721 6091-330
hartwig.steusloff@iitb.fraunhofer.de
Weitere Informationen:
http://www.iitb.fraunhofer.de/servlet/is/28368/

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Rückenschmerzen: Bloß nicht ins Bett!

Meike Drießen, Pressestelle
Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)

Behandlung ist zu oft von gestern - Ärzte verordnen zu viel passive Therapie

Rückenschmerzen hat fast jeder einmal, und in den meisten Fällen sind sie harmlos, kommen und gehen wir eine Erkältung. Die besten Chancen auf schnelles Wohlbefinden haben Patienten, die ganz normal weiterleben, sich bewegen und in der schlimmen Phase höchstens kurzzeitig Schmerzmittel einnehmen. Diese Erkenntnis schlägt sich zwar in den aktuellen Behandlungsleitlinien nieder; Ärzte befolgen diese allerdings nur selten, wie eine Heidelberger Studie zeigt. Noch viel zu häufig werden Bettruhe, Spritzen, Wärme- oder Kälteanwendungen als sog. passive Therapiemaßnahmen verordnet,
auch Krankschreibungen sind an der Tagesordnung. Aufklärung für Patienten und Fortbildungen für Ärzte sind notwendig, folgern die Autoren. Die Ergebnisse sind veröffentlicht in "Der Schmerz", dem offiziellen Organ der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS).

Widerspruch zu den aktuellen Leitlinien

Die Forscher um Dr. Eva-Kristin Renker (Stiftung Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg) hatten 630 Rückenschmerzpatienten in orthopädischen Praxen via Fragebogen befragt, einmal vor der Behandlung und einmal sechs Monate später. Es zeigte sich, dass neben Physiotherapie vor allem Ruhe/Bettruhe und Spritzen verordnet wurden, oft kombiniert mit einer Krankschreibung. Je höher der Chronifizierungsgrad, desto mehr Therapien nahmen die Patienten parallel in Anspruch, allerdings auch desto mehr passive. Diese Verordnungspraxis steht in deutlichem Widerspruch zu den aktuellen Therapieempfehlungen, die vor allem die Aufklärung des Patienten sowie die Ermunterung zu Bewegung beinhalten.

Subjektiver Eindruck trügt

Als Gründe dafür nehmen die Autoren der Studie an, dass Ärzte zum einen noch alten Therapieempfehlungen nachhängen. Zum anderen zeigte die Befragung auch, dass Patienten subjektiv den Eindruck haben, Ruhe helfe am besten gegen ihre Schmerzen. Ihre Erwartungshaltung und der Wunsch, ernst genommen zu werden, könnten dazu führen, dass Ärzte, um den Patientenwünschen nachzukommen, die Leitlinienempfehlungen vernachlässigen. Dass der subjektive Eindruck einer Schmerzlinderung durch passive Therapien nicht der Realität entspricht, zeigte die Befragung nach sechs Monaten. Bei 66 Prozent der Patienten, deren Schmerzen anfangs noch nicht chronisch gewesen waren, verschlechterte sich die Lage. Bei über der Hälfte der Patienten mit chronischen Rückenschmerzen änderte sich nichts an ihren Beschwerden, bei knapp 13 Prozent verschlechterten sie sich sogar. Nur ein Drittel profitierte von der Behandlung.

Aufklärung und Fortbildung sind nötig

Die Autoren der Studie empfehlen daher Fortbildungen für Ärzte und Informationen für die Bevölkerung - immerhin gehen 18 Milliarden Euro der gesellschaftlichen Kosten jedes Jahr auf das Konto von Rückenschmerzen.

Titelaufnahme

E.-K. Renker et.al.: Therapie bei Patienten mit Rückenschmerzen. In: Schmerz 2009, 23:284-291, DOI: 10.1007/s00482-009-0785-6, Online: http://www.springerlink.com/content/a77655gv7x478r37/

Ansprechpartnerin

Dr. Eva-Kristin Renker, Stiftung Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg, Schlierbacher Landstraße 200 a, 69118 Heidelberg, E-Mail: eva-kristin.renker@ok.uni-heidelberg.de

Geschäftsstelle der DGSS, Obere Rheingasse 3, 56154 Boppard, Telefon 06742/800-121, Fax: - 122, E-Mail: info@dgss.org

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Neuerscheinung: Flechten - Überlebenskünstler und Umweltzeiger

Dr. Ellen Latzin, Pressestelle
Bayerische Akademie der Wissenschaften

Die Bayerische Akademie der Wissenschaften veröffentlicht einen Berichtsband über die ökologische Rolle von Flechten.
Flechten, symbiontische Lebensgemeinschaften aus Pilzen und photosynthetisch aktiven Algen oder Cyanobakterien, besiedeln in verschiedenen Wuchsformen - von krustig-schuppig über blatt- und strauchartig bis hin zu bartförmig-herabhängend - eine große Vielfalt von Substraten in fast allen Lebensräumen. Dadurch sind sie ein allgegenwärtiger Bestandteil unserer Umwelt und bieten vielen Tieren Lebensraum, Nahrung und Tarnung vor Fraßfeinden. Besonders bemerkenswert ist einerseits das Vordringen einiger Flechtenarten in für andere Organismen höchst lebensfeindliche Gebiete, wie zum Beispiel Hitze- und Kältewüsten, in denen sie bestimmende Elemente der Ökosysteme sind. Andererseits zeigen viele Flechten eine hohe Empfindlichkeit gegenüber anthropogenen Umweltbelastungen, wodurch sie sich als Bioindikatoren eignen. Flechten sind folglich nicht nur für die Wissenschaft von Interesse, sondern auch in angewandten Bereichen wie Biomonitoring oder Natur- und Denkmalschutz von wesentlicher Bedeutung.

Der Berichtsband enthält die überarbeiteten Vorträge und Diskussionen der gleichnamigen Fachtagung der Kommission für Ökologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, ergänzt mit einer Liste der im Band erwähnten Flechtenarten und einem Schlagwortverzeichnis. Er richtet sich nicht nur an Fachleute, sondern an alle am Umweltgeschehen interessierten Leser und will den Blick öffnen für die faszinierende Welt der Flechten, für ihre interessante und wichtige ökologische Bedeutung, für ihre Schutzwürdigkeit und vielleicht auch für ihre oft liebenswerte Schönheit, die in vielen der Farbbilder zum Ausdruck kommt. Organisiert wurde das Rundgespräch von Dr. Andreas Beck (Botanische Staatssammlung München) und Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Otto L. Lange (Universität Würzburg).

Rezensionsexemplare für Medienvertreter können unter Angabe der Zeitung bzw. Fachzeitschrift, in der das Buch besprochen werden wird, bei der Kommission für Ökologie der BAdW angefordert werden (post@oekologie.badw.de).

Ökologische Rolle der Flechten. Rundgespräche der Kommission für Ökologie, Band 36 (2009), 192 S., 60 Farb- und 48 s/w-Abbildungen, 11 Tabellen, Paperback; Hrsg.: Bayer. Akademie der Wissenschaften. Verlag Dr. Friedrich Pfeil, Wolfratshauser Straße 27, 81379 München, www.pfeil-verlag.de. ISBN 978-3-89937-096-6. - 30,00 Euro.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Ingenieurmangel: Warum viele junge Menschen den Lockruf aus Wirtschaft und Hochschulen überhören

Jann Gerrit Ohlendorf, Geschäftsstelle München
acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

Schülerinnen und Schüler in Deutschland haben falsche Vorstellungen von Technikberufen. Sie unterschätzen die Anforderungen des Studiums und rechnen sich vergleichsweise schlechte Berufsperspektiven aus. Nur jeder zehnte Schüler zieht den Beruf des Ingenieurs in Erwägung. 90 Prozent der Berufstätigen dagegen sind mit ihrer Wahl zufrieden. Das sind zentrale Befunde des Nachwuchsbarometers Technikwissenschaften, einer gemeinsamen Studie von acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und des Vereins Deutscher Ingenieure, die heute in Berlin vorgestellt wird. Dazu wurden 13.000 Schüler, Studierende sowie Ingenieure und Naturwissenschaftler befragt.
Wissenschaftler der Universität Stuttgart haben für das "Nachwuchsbarometer Technikwissenschaften" im Auftrag von acatech und VDI umfangreiche empirische Befunde zur Techniksozialisation, Technikbildung und den Einflussfaktoren auf die Studien- und Berufswahl in Deutschland zusammengetragen. Der Erhebung zufolge will nicht einmal die Hälfte der an Technik und Naturwissenschaft interessierten Schüler einen Beruf in diesen Bereichen ergreifen. Dabei ist das Image der Ingenieurberufe unter den Schülern besser als vielfach angenommen: Ingenieurberufe werden als anstrengend, komplex und lernintensiv eingeschätzt, aber auch als fortschrittlich, praktisch und wichtig für die Weiterentwicklung der Gesellschaft.

Gleichwohl entsprechen die Eigenschaften, die Schüler technischen Berufen zuschreiben, nicht ihren Vorstellungen eines idealen Berufs. Arbeitsplatzsicherheit, gute Aufstiegschancen, hohes Einkommen, persönlichen Entwicklungsmöglichkeiten und eine vielseitige Tätigkeit sind wichtige Kriterien für die Berufswahl. Die Schüler bezweifeln, dass technische und naturwissenschaftliche Berufe diese Kriterien erfüllen.

"Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Nicht einmal jeder zweite technisch interessierte Schüler wählt eine entsprechende Laufbahn. Dagegen würden 90 Prozent der Ingenieure und Naturwissenschaftler ihren Beruf ein zweites Mal wählen. Mehr als jeder Dritte hat seinen Traumberuf gefunden. Ingenieurberufe bieten also offensichtlich mehr, als junge Menschen in Deutschland annehmen. Diese Botschaft müssen wir in die Schulen tragen und dort die Informationsmöglichkeiten stark verbessern. Nach den Schulen sind die Medien die wichtigste Informationsquelle. Vor allem für Fernsehen und Internet müssen wir es erleichtern, ein Bild jenseits der gängigen und teils falschen Vorstellungen zu vermitteln", sagte Projektleiter und acatech Präsidiumsmitglied Ortwin Renn.

Schüler wissen, dass ein technisches Studium schwierig ist. Doch ihre Erwartungen werden von der erlebten Realität der Studierenden noch übertroffen - im negativen Sinn. Ob Leistungsdruck, Prüfungsstress, Anonymität oder auch Benachteiligungen: All diese negativen Urteile wurden von Studierenden noch stärker bestätigt als von Schülern vorausgesetzt. Das Nachwuchsbarometer bestätigt, dass die Hürde eines Studiums junge Menschen von einer technischen Laufbahn abschreckt.

"Genau hier müssen wir ansetzen", sagt VDI-Direktor Dr. Willi Fuchs. "Zum einen müssen wir schon in der Schule Grundlagen legen, wodurch der Einstieg ins Ingenieurstudium leichter fällt, beispielsweise durch flächendeckenden Technikunterricht. Zum anderen müssen die Bedingungen an den Hochschulen verbessert werden, etwa durch eine bessere didaktische Vermittlung der Inhalte."

Das Nachwuchsbarometer bestätigt, dass Frauen im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich immer noch spezifische Hürden überwinden müssen: Rund zwei Drittel der befragten Frauen gaben an, nach eigener Einschätzung im Studium hin und wieder benachteiligt und diskriminiert worden zu sein. Ähnliches gilt für stereotype Vorstellungen und Zuschreibungen eigener Kompetenzen. Schülerinnen dominieren beispielsweise die Gruppe der Befragten, die sich für eher technisch unbegabt hält. Bei der Gruppe mit hohem Selbstvertrauen in technischen Fragen kehrt sich das Verhältnis um. Die Studie weist einen starken Zusammenhang zwischen diesen Selbstzuschreibungen und der späteren Berufswahl nach.

Das Nachwuchsbarometer benennt drei Bausteine, die besonders zu einem vertieften Technikinteresse und auch zu einer höheren Wahrscheinlichkeit einer entsprechenden Studien- und Berufswahl beitragen:
- Kinder sollten früh Technik begegnen und in spielerischer Auseinandersetzung kennenlernen.
- Einzelne Schlüsselerlebnisse, in denen Technik als interessant und herausfordernd erlebt wird, sind oftmals der Anstoß zu einer entsprechenden Laufbahn, wenn sie in Elternhaus und Schule weiter gefördert und vertieft werden.
- Wichtig ist auch eine kontinuierliche und didaktisch gut aufbereitete Technikausbildung in der Schule.

Ein Generationenvergleich ergab, dass sich Kinder heute seltener aktiv mit Technik auseinandersetzen und stattdessen digitale Medien konsumieren. Zugleich nehmen sich Eltern heute weniger Zeit, gemeinsam mit ihren Kindern Natur und Technik zu entdecken. Diese Aufgabe müssen Kindergarten und Schule zunehmend übernehmen, die auch dementsprechend ausgestattet und ausgebildet sein sollten. Technikunterricht motiviert der Befragung zufolge am besten zu einer technischen Laufbahn. Wo er nicht flächendeckend eingeführt ist, kann der Physikunterricht noch am ehesten diese Rolle übernehmen - auch wenn Schüler ihn oftmals als praxisfern empfinden.

Das Nachwuchsbarometer ist Teil der "acatech Strategie Techniknachwuchs". Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften macht mit einer Reihe von Initiativen, Veranstaltungen und Forschungsprojekten den besten Stand des Wissens zum Thema verfügbar. Im März hat acatech eine umfassende Strategie zur Förderung des technisch-naturwissenschaftlichen Nachwuchses vorgelegt. Beim Round Table Wissenschaft-Wirtschaft hat acatech Experten mit Wirtschafts- und Medienvertretern zusammengebracht, um das strukturelle Problem Nachwuchsmangel auch in Zeiten einer akuten Wirtschaftskrise auf der Agenda zu halten.

Ergänzend erleichtert eine frei zugängliche Datenbank (www.motivation-technik-entdecken.de) die Recherche von derzeit rund 890 Initiativen zum Thema. Sie ist ein Zwischenergebnis der Studie "MoMoTech" (Monitoring von Motivationskonzepten für den Techniknachwuchs), deren Ergebnisse im Frühjahr 2010 vorgestellt werden. Sie bewertet die bestehenden Initiativen und benennt Erfolgsfaktoren einer nachhaltigen Nachwuchsförderung.

Die Publikation sowie Hintergrundinformationen und druckfähige Fotos und Grafiken sind zu finden unter www.acatech.de/nachwuchsbarometer.


Über acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften

acatech - DEUTSCHE AKADEMIE DER TECHNIKWISSENSCHAFTEN vertritt die Interessen der deutschen Technikwissenschaften im In- und Ausland in selbstbestimmter, unabhängiger und gemeinwohlorientierter Weise. Als Arbeitsakademie berät acatech Politik und Gesellschaft in technikwissenschaftlichen und technologiepolitischen Zukunftsfragen auf dem besten Stand des Wissens. Darüber hinaus hat es sich acatech zum Ziel gesetzt, den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu unterstützen und den technikwissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern.

Zu den Mitgliedern der Akademie zählen herausragende Wissenschaftler aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. acatech finanziert sich durch eine institutionelle Förderung von Bund und Ländern sowie durch Spenden und projektbezogene Drittmittel. Um die Akzeptanz des technischen Fortschritts in Deutschland zu fördern und das Potenzial zukunftsweisender Technologien für Wirtschaft und Gesellschaft deutlich zu machen, veranstaltet acatech Symposien, Foren, Podiumsdiskussionen und Workshops. Mit Studien, Empfehlungen und Stellungnahmen wendet sich acatech an die Öffentlichkeit.

acatech, dessen Name für die Verbindung von Academia und Technik steht, besteht aus drei Organen: Die Mitglieder der Akademie sind in der Mitgliederversammlung organisiert; das Präsidium, das von den Mitgliedern und Senatoren der Akademie bestimmt wird, lenkt die Arbeit; ein Senat mit namhaften Persönlichkeiten vor allem aus der Industrie, aus der Wissenschaft und aus der Politik berät acatech in Fragen der strategischen Ausrichtung und sorgt für den Austausch mit der Wirtschaft und anderen Wissenschaftsorganisationen in Deutschland.

Präsidenten von acatech sind Prof. Dr. Henning Kagermann und Professor Dr. Reinhard Hüttl; den Vorsitz des Senats hat Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Roman Herzog inne. Die Geschäftsstelle von acatech befindet sich in München; zudem ist acatech mit einem Hauptstadtbüro in Berlin vertreten. Auf internationaler Ebene wirkt acatech mit im European Council of Applied Sciences, Technologies and Engineering (Euro-CASE) und im International Council of Academies of Engineering and Technological Sciences (CAETS).

Kontakt und weitere Pressematerialien:

Jann Gerrit Ohlendorf
Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit acatech
Residenz München
Hofgartenstraße 2
80539 München
Tel. +49(0)89/5 20 30 940
mob.+49(0)/176 23 88 61 65
Fax +49(0)89/5 20 30 99
ohlendorf@acatech.de
Weitere Informationen unter www.acatech.de

Verein Deutscher Ingenieure (VDI)

Der VDI ist die größte technisch-wissenschaftliche Vereinigung in Deutschland. Der 1856 gegründete Verein ist national und international Dienstleister und Sprecher der Ingenieure und der Technik. Er ist eine gemeinnützige, von wirtschaftlichen und parteipolitischen Interessen unabhängige Organisation mit rund 136.500 Mitgliedern

Der VDI pflegt und entwickelt ein lebendiges Netzwerk auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene. Die Regionalstruktur des VDI umfasst 45 Bezirksvereine und 15 Landesverbände. In den Landesverbänden koordiniert der VDI die Zusammenarbeit mit der Politik und den Behörden einzelner Bundesländer. International kooperiert der VDI mit mehreren Ingenieurvereinen, um die Erfahrungen von Ingenieuren in aller Welt zusammenzubringen. Auf EU-Ebene ist der VDI durch ein eigenes Büro in Brüssel vertreten, in Berlin unterhält der Verein ein Hauptstadtbüro.

Der VDI verbindet Technik und Wissenschaft. Das Herzstück der technisch-wissenschaftlichen Arbeit sind die VDI-Fachgesellschaften mit ihren über 10.000 ehrenamtlich tätigen Mitgliedern, in denen in über 800 Ausschüssen neueste technische Entwicklungen aufgegriffen und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden, beispielsweise durch die VDI-Richtlinien, den anerkannten Regeln zum Stand der Technik.

Der VDI-Bereich "Beruf und Gesellschaft" befasst sich mit den Zusammenhängen zwischen technischer und gesellschaftlicher Entwicklung. Dazu gehört auch die Bildungspolitik für Schule und Hochschule. Das VDI-Wissensforum bietet Veranstaltungen zu allen Fragen der beruflichen Praxis. Die Förderung zukünftiger Technologien und Politikberatung sind Aufgaben der beiden Technologiezentren des VDI in Düsseldorf und - zusammen mit dem VDE - in Berlin.

Weitere Informationen unter www.vdi.de

Pressekontakt:
Sven Renkel
Stellvertretender Pressesprecher im VDI
VDI-Platz 1
40469 Düsseldorf
Telefon: 0211-6214-276
Fax: 0211-6214-156
E-Mail: renkel@vdi.de
Weitere Informationen:
http://www.acatech.de/nachwuchsbarometer

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Gute Hygienestandards bei Minisalamis - Wissenschaftler des Max Rubner-Instituts belegen hygienische Qualität

Dr. Iris Lehmann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max Rubner-Institut - Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel

"Minisalamis sind aufgrund der Herstellungstechnologien prinzipiell als mikrobiologisch stabile Rohwurstprodukte mit guter Reifungs- und Herstellungstechnologie einzustufen," fasst Dr. Manfred Gareis, Leiter des Instituts für Mikrobiologie und Biotechnologie des Max Rubner-Instituts das Ergebnis einer zweijährigen Studie zusammen. Alle Produkte, die im Handel eingekauft und von den Wissenschaftlern untersucht wurden, waren mikrobiologisch nicht zu beanstanden. Selbst in Salamis, die - im Rahmen des Forschungsprojektes - während der Herstellung bewusst mit gefährlichen Keimen geimpft wurden, konnten zum Ende des Prozesses keine Belastungen mehr nachgewiesen werden.
Nachdem im Sommer 2007 eine überregionale Häufung von Salmonellosen bei Kindern aufgetreten war, war vom Bundesministerium für Ernährung, Lebensmittel und Verbraucherschutz (BMELV) eine entsprechende Studie initiiert worden. Für die Handelsstudie wurden 2008 und im Januar 2009 insgesamt 206 Minisalamiprodukte verschiedener Kategorien (geräuchert, luftgetrocknet, schimmelpilzgereift) von 15 unterschiedlichen Herstellern gekauft und untersucht. Mit dem erfreulichen Ergebnis, dass in keiner der Proben Salmonellen gefunden wurden. Dies sei ein Hinweis auf die gute Qualität der verwendeten Rohmaterialien und auf die durchweg gute Reife- und Herstellungstechnologie, so die MRI-Wissenschaftler.
Um das Wachstum eventuell vorhandener pathogener Mikroorganismen und deren Absterben im Verlauf des Reifeprozesses zu erfassen, wurden zudem standardisierte Versuche durchgeführt. Dabei wurde Brät mit verschiedenen Keimen beimpft und dann nach industriellen Vorgaben Minisalamis produziert. Die Wissenschaftler des Max Rubner-Instituts konnten nachweisen, dass aufgrund der raschen Abtrocknung der Produkte Salmonellen und pathogene Escherichia coli keine Überlebenschance in Minisalamis haben und rasch absterben.

Das Max Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, hat seinen Hauptsitz in Karlsruhe. Weiter Standorte sind Kiel, Detmold und Kulmbach sowie derzeit noch Münster und Hamburg.

Weitere Informationen: www.mri.bund.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Urtümliche Pflanze birgt genetische Überraschungen

Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Botaniker der Universitäten Bonn und Bielefeld sind bei genetischen Analysen des Brachsenkrauts auf einige Absonderlichkeiten gestoßen. Die Forscher haben das Erbgut der so genannten Mitochondrien unter die Lupe genommen - das sind gewissermaßen die "Kraftwerke" der Zelle. Dabei stellte sich unter anderem heraus, dass die Erbanlagen mehr als 1.500 Fehler enthalten, die die Pflanze vor Umsetzen der Information korrigieren muss. Dazu steht ihr wahrscheinlich ein kompletter "Werkzeugkasten" mit vielen hundert Korrektur-Enzymen zur Verfügung. Möglicherweise gibt es sogar für jeden Fehler ein eigenes Werkzeug.
Mitochondrien zählen zu den Organellen. Das sind Zellbestandteile, die - ähnlich wie im größeren Stil Organe - spezielle Aufgaben übernehmen. So erzeugen Mitochondrien das energiereiche Molekül ATP. Sie werden daher oft auch als "Zellkraftwerke" bezeichnet.

Mitochondrien sind vor mehr als einer Milliarde Jahren aus Bakterien entstanden, die von höheren Zellen aufgenommen wurden. Für diese Endosymbiontentheorie spricht unter anderem, dass die Zellkraftwerke über eine eigene DNA verfügen. "Das Erbgut pflanzlicher Mitochondrien ist dabei häufig viel exotischer aufgebaut als das von Tieren", erklärt Felix Grewe vom Institut für Zelluläre und Molekulare Botanik. "Das ist auch im urtümlichen Brachsenkraut, Isoetes engelmannii, nicht anders."

Die Bonner Botaniker haben das Erbgut der Zellkraftwerke von Isoetes genauer unter die Lupe genommen. Dabei haben sie unter anderem entdeckt, dass die Erbanlagen mehr als 1.500 Fehler enthalten. Das scheint die Pflanze aber nicht weiter zu stören: Die Fehler werden nämlich bei Bedarf korrigiert - und zwar durch einen Satz von vielen hundert spezialisierten Werkzeugen.

Im Grunde genommen ist DNA nichts anderes als eine Art Bibliothek, deren Originalschriften viel zu wichtig sind, als dass man sie verleihen würde. Wer Informationen benötigt, kann jedoch eine Kopie bestellen. Diese enthält dann beispielsweise die Bauanleitung für ein spezielles Protein. In Isoetes ist der Original-Bibliotheksbestand an 1.500 Stellen fehlerhaft. Würde man die Bauanleitungen ungeprüft übernehmen, würden die danach konstruierten Proteine wahrscheinlich gar nicht oder nur schlecht funktionieren. Es gibt aber molekulare "Korrekturleser", die die Fehler berichtigen - allerdings nur in den Kopien. "Möglicherweise gibt es für jeden einzelnen Fehler ein spezialisiertes Molekül, das ihn korrigiert", erklärt Institutsleiter Professor Dr. Volker Knoop.

Letztlich bedeutet das nichts anderes, als dass die korrekte Information in Form dieser Moleküle (deren Bauanleitung ebenfalls Teil der DNA ist) gespeichert ist. Dieses sehr komplexe Prinzip kennt man inzwischen von einigen Pflanzen. Nirgendwo ist es aber so ausufernd anzutreffen wie beim Brachsenkraut. "So eine Korrekturmethode ist naturgemäß sehr fehleranfällig", sagt Knoop. "Das wirft die Frage auf, warum sie sich in Isoetes - und nicht nur dort - bis heute erhalten hat."

Kopien setzen sich selbst zusammen

Eine weitere Entdeckung elektrisierte die Forscher fast noch mehr. Die kopierten Bauanleitungen enthalten nämlich jede Menge "Datenmüll", die so genannten Introns. Diese müssen herausgeschnitten werden, bevor der Rest als Vorlage zur Protein-Produktion verwendet werden kann. Auch beim Menschen werden die "Arbeitskopien" entsprechend nachbearbeitet.

Manche Kopien können ihre Introns sogar selbst entsorgen - sie sind gewissermaßen ihre eigene Schere. Im Brachsenkraut fanden die Bonner Botaniker nun einen noch exotischeren Mechanismus: Dort ist die Bauanleitung eines bestimmten Proteins im Laufe der Evolution innerhalb eines Introns zerbrochen. Um dieses Protein herzustellen, muss man also zwei verschiedene Kopien aus der Bibliothek ausleihen. Beide Kopien enden mit einer Intronhälfte, die herausgeschnitten werden muss. Die beiden Reste müssen dann noch passend zusammengeklebt werden, damit die Bauanleitung komplett ist.

Das hört sich ziemlich komplex an. Und dennoch scheinen die beiden Kopien dafür nicht einmal fremde Hilfe zu benötigen. Hand in Hand arbeiten sie wie Schere und Klebstoff: Sie entfernen den Datenmüll und verknüpfen den Rest zu einer lesbaren Kopie, die die komplette Bauanleitung des Proteins enthält. Das Phänomen nennt sich "trans-spleißen" und wurde für diese Art von Introns zum ersten Mal nachgewiesen. Felix Grewe, der über Isoetes seine Doktorarbeit schreibt: "Das es ein interessantes Thema sein würde, war mir klar - mit so vielen molekularen Neuigkeiten hatten wir aber nicht gerechnet." Volker Knoop ergänzt: "Und es bleibt spannend: Warum die DNA-Evolution in den Mitochondrien bei Pflanzen in den letzten 500 Millionen Jahren so exotisch und ganz anders verlief als bei Tieren, wissen wir noch nicht."

Die Studie ist in der Zeitschrift "Nucleic Acids Research" erschienen.

Kontakt:
Professor Dr. Volker Knoop
Institut für Zelluläre und Molekulare Botanik der Uni Bonn
Telefon: 0228/73-6466
E-Mail: volker.knoop@uni-bonn.de

Felix Grewe
Telefon: 0228/73-5507
E-Mail: mail@felixgrewe.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Designerdiesel aus Altfett - Geschäftsidee belegt 4ten Platz im Gründerwettbewerb

Dipl.-Chem. Iris Kumpmann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Eine gute Idee, das passende Marktsegment und Managerqualitäten - das sind die Zutaten, die Gründer brauchen, um ein Unternehmen aufzubauen. Werden diese Zutaten perfekt in einem guten Businessplan verbunden, fehlt nur noch das gewisse Quäntchen Glück, um es Bill Gates oder den Aldi-Brüdern Karl und Theo Albrecht gleich zu tun. Forscher vom Fraunhofer-Institut UMSICHT überzeugten im bundesweiten Businessplan-Wettbewerb Science4life mit ihrem Konzept, Designerdiesel aus Altfett zu produzieren und belegten den 4ten Platz.
Dagobert Duck hat es vom Sohn einer verarmten Glasgower Adeligenfamilie zur reichsten Ente der Welt geschafft. Ob bei dieser Bilderbuchkarriere des legendären Comic-Fantastilliardärs und Großunternehmers ein Businessplan im Spiel war, bleibt im Dunkeln. Doch wer sich fernab von Fiktion mit dem Gedanken trägt, ein Unternehmen zu gründen, ist gut beraten, einen Geschäftsplan zu entwickeln. Er hilft, Ziele und Strategie des Gründungsvorhabens zu formulieren und lässt künftige Unternehmer systematisch an den Unternehmensaufbau herangehen. Gleichzeitig ist er die erste Visitenkarte des künftigen Unternehmens für Gespräche mit Geldgebern, zukünftigen Partnern oder Kunden. Und somit gilt: Ein Geschäftsplan ist immer nur so gut, wie man ihn präsentiert.

"Geschäftsplan gut, Präsentation gut", so lautet das Urteil für das Greasoline-Team bestehend aus Dr. Gunter Festel von Festel Capital, Dr. Volker Heil, Dr. Axel Kraft, Andreas Menne und Dr. Christoph Unger, alle Fraunhofer UMSICHT. Sie sind mit Ihrer Geschäftsidee, "Altfett zu Designerdiesel", mit der sie ein Verfahren zu Herstellung hochwertiger Biokraftstoffe am Markt etablieren wollen, beim Science4Life-Gründerwettbewerb gestartet.

Das Verfahren ermöglicht das katalytische Cracken biogener Fette, Öle und Altöle zu Diesel- und Benzinkraftstoffen. Im Gegensatz zu Biodiesel ist das Produkt weitgehend chemisch identisch mit fossilen Kraftstoffen und kann u. a. auch zur Veredelung von Kraftstoffen verwendet werden. Das Verfahren wurde in den letzten Jahren am Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen entwickelt. Auf Basis dieser Technologie soll im Laufe des Jahres 2009 mit Unterstützung der Fraunhofer-Gesellschaft ein Start-up Unternehmen gegründet werden.

Wir gratulieren dem Team zum Titel "Gründer des Jahres 2009" und wünschen viel Glück beim Unternehmensaufbau.
Weitere Informationen:
http://www.greasoline.de/de/ Informationen über greasoline
http://www.science4life.de/Preistraeger/Default.aspx Informationen über sämtliche prämierten Gründer des Jahres 2009 auf einen Blick

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Per- und polyfluorierte Chemikalien: Einträge vermeiden - Umwelt schützen

Martin Ittershagen, Pressestelle
Umweltbundesamt (UBA)

Umweltbundesamt empfiehlt Grenzwerte zum Schutz von Umwelt und Gesundheit
Die Meldungen über per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) in der Umwelt reißen nicht ab. Neue Messungen in Kläranlagen, Gewässern, im Trinkwasser, in der Innenraumluft und vor allem im menschlichen Blut halten die Diskussion in Gang.
Zwar werden toxikologisch kritische Konzentrationen nur in einzelnen Fällen erreicht, aber: "Perfluorierte Chemikalien in Umwelt, Trinkwasser und Blut sind bedenklich, auch weil wir sie oft an entlegenen Orten finden, fernab der Produkte, die mit perfluorierten Chemikalien behandelt sind. Diese Fremdstoffe gehören eindeutig nicht in die Umwelt und schon gar nicht ins Blut von Menschen", sagt Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des Umweltbundesamtes (UBA) anlässlich der Veröffentlichung "Perfluorierte Verbindungen: Einträge vermeiden - Umwelt schützen".
Zum Schutz der menschlichen Gesundheit empfehlen das UBA und die Trinkwasserkommission (TWK) die Einhaltung eines lebenslang gesundheitlich duldbaren Trinkwasserleitwertes von 0,3 Mikrogramm PFC pro Liter Wasser. Als Vorsorgewert schlagen die Expertinnen und Experten einen Jahresmittelwert von maximal 0,1 Mikrogramm PFC pro Liter vor.
Wegen ihrer wasser-, schmutz- oder fettabweisenden Eigenschaften kommen verschiedene PFC in Bekleidung und anderen Textilien, Kochgeschirr, Papier oder vielen anderen Verbraucher¬produkten zum Einsatz. Neue Studien zeigen: Flüchtige PFC können aus Verbraucherprodukten entweichen und eingeatmet werden. Der Körper wandelt diese Vorläuferverbindungen dann zu langlebigen PFC um. Weltweit finden sich perfluorierte Chemikalien aus verschiedenen Quellen im Blut der Menschen, werden nur langsam wieder ausgeschieden und reichern sich so im Laufe der Zeit dort an. PFOS, ein prominenter Vertreter der PFC, wurde deshalb jüngst in die Verbotsliste der Stockholm-Konvention für POPs (persistente organische Schadstoffe) aufgenommen.
PFC gelangen auch über das Abwasser aus Haushalten und der Industrie in die Klärwerke. Da die meisten PFC chemisch sehr stabil sind, werden sie nicht abgebaut. Wasserlösliche PFC werden so in Flüsse, Seen und das Meer eingetragen. PFC reichern sich auch im Klärschlamm an. Wird derart kontaminierter Klärschlamm dann landwirtschaftlich verwertet, könnten perfluorierte Chemikalien auch in Boden, Oberflächen- oder Grundwasser gelangen.
Dass PFC auf diese Weise auch ins Trinkwasser für den Menschen gelangen können, zeigte sich im Jahr 2006 am Möhnestausee in Nordrhein-Westfalen: Landwirte setzten Bodenver¬besserer in der Nähe dieses Trinkwasserspeichers ein, die - für sie unerkannt - mit stark PFC-haltigen als Bioabfallgemisch deklariertem Klärschlamm versetzt waren. In der Folge gelangten die PFC bis ins Trinkwasser - und dann auch ins Blut der Bevölkerung. Obwohl dies ein Einzelfall war, steht er doch beispielhaft für die Herausforderungen der landwirtschaftlichen Klärschlamm-Verwertung: Da Klärschlamm eine universelle Schadstoffsenke ist, besteht die Gefahr, dass auch bei Einhaltung aktuell gültiger Grenzwerte und sonstiger Beschränkungen neue, bislang nicht bekannte und geregelte Schadstoffe in unbekannter Menge in Wasser und Böden gelangen.
Um die negativen Eigenschaften der PFC bereits an der Wurzel zu packen, schlägt das UBA rechtlich verbindliche Qualitätsstandards und Minderungsziele für Gewässer, Abwasser, Klärschlamm und Böden vor. In der Düngemittelverordnung wurde bereits ein Grenzwert von 100 Mikrogramm pro Kilogramm Trockensubstanz aufgenommen. Ergänzend sollten zum Beispiel in die Abwasserverordnung und die Klärschlammverordnung abgestimmte PFC-Grenzwerte aufgenommen werden. Für industrielle Prozesse, etwa in der Textil- oder Papierindustrie, setzt sich das UBA für geschlossene Wasserkreisläufe ein. Außerdem sollten Länderbehörden Gewässer, Abwasser und Klärschlämme routinemäßig auf PFC untersuchen.
Verbraucherinnen und Verbraucher sollten genau überlegen, ob schmutz-, fett- und wasserabweisende Eigenschaften in alltäglichen Produkten wie Textilien wirklich notwendig sind. "Perfluorierte Chemikalien begegnen uns täglich und die Segnungen der Fluorchemie sind unbestritten. Doch wie immer gilt: Weniger ist manchmal mehr und unbehandelte Haushaltsprodukte und -textilien sind für viele Zwecke völlig ausreichend", so UBA-Vizepräsident Holzmann.
Das neue Hintergrundpapier "Perfluorierte Verbindungen: Einträge vermeiden - Umwelt schützen" steht unter http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3812.pdf kostenlos zum Download bereit.
Die Trinkwasserkommission ist eine nationale Fachkommission des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), die beim UBA angesiedelt ist. Sie berät beide Behörden in den Fragen der Trinkwasserhygiene. Das BMG beruft unter Beteiligung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) und der zuständigen obersten Landesbehörden die Mitglieder der Kommission für drei Jahre: http://www.umweltbundesamt.de/wasser/themen/trinkwasser/trinkwasserkommission.htm

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Ehemalige Abgeordnete sind Politiker im Unruhestand

Axel Burchardt, Referat Öffentlichkeitsarbeit
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Forscher der Universität Jena untersuchen Karrieren nach dem politischen Mandat
Während ihrer Zeit im Parlament stehen Abgeordnete oft im Rampenlicht. Über ihre Werdegänge und ihr Wirken nach dem Mandat war jedoch bislang kaum etwas bekannt. Das ist nun anders dank zwei neuer Veröffentlichungen von Sozialwissenschaftlern der Universität Jena. Die Studie "Leben nach dem Mandat" widmet sich dem weiteren politischen und beruflichen Weg der Ehemaligen und ihrer rückblickenden Selbsteinschätzung der Zeit im Parlament. Sie wird ergänzt durch eine zweite Publikation, einer Dokumentation wichtiger Ergebnisse in Form von Grafiken und Tabellen. Anliegen beider Publikationen ist es, auch über die Fachwissenschaft hinaus zu einem besseren Verständnis von politischen Karrieren beizutragen.

"In den Medien wird allenfalls über die Schröders und Clements berichtet, deren post-parlamentarische Karrieren aber untypisch sind", sagt Dr. Michael Edinger von der Universität Jena. "Uns geht es hingegen um ein repräsentatives Bild von den Entwicklungen, Erfahrungen und auch Problemen, die mit dem Ausscheiden aus der parlamentarischen Politik verbunden sind", erläutert der Ko-Autor der Studie. Um dies zu erreichen, wurden von Mitarbeitern des Forschungsprojekts "Parlamentarische Führungsgruppen" unter Leitung von Professor Heinrich Best in den vergangenen Jahren etwa 800 Telefoninterviews mit ehemaligen Abgeordneten geführt. In Verbindung mit den bereits vorliegenden Forschungsergebnissen zur Rekrutierung und zu Funktionen während des Mandats können damit nun die Karrieren von Abgeordneten von den Anfängen bis zum Ende verfolgt werden.

Die Untersuchungsergebnisse kontrastieren in einigen Punkten mit der öffentlichen Wahrnehmung. So zeigen die Befunde, dass viele Abgeordnete freiwillig aus dem Parlament ausgeschieden, aber nur wenige in der beruflichen Politik verblieben oder von ihrer Partei mit Positionen im politiknahen Bereich "versorgt" worden sind. Überschätzt werden auch die Möglichkeiten eines "fliegenden" Wechsels von Ex-Parlamentariern in lukrative Top-Positionen großer Unternehmen. Unabhängig davon, ob die Betroffenen ihr Mandat verloren oder es freiwillig aufgegeben haben: Ihr politisches Engagement innerhalb wie außerhalb der Partei ist auch danach noch beachtlich. Die meisten befinden sich auch am Ende ihres Berufslebens eher im "Unruhestand".

"Die Analyse der Karrierewege ehemaliger Abgeordneter bestätigt uns in der Auffassung, dass sich politische Karrieren trotz des mit den periodischen Wahlen verbundenen Risikos durchaus erfolgreich planen lassen", nennt Michael Edinger eine weitere zentrale Erkenntnis der Untersuchungen. "Auch wenn den Parlamentariern selbst Vieles zufällig und unplanbar erscheint, gibt es typische Karriereverläufe - und es lassen sich Voraussetzungen für Karrieresprünge angeben", so der Politikwissenschaftler von der Universität Jena.

Kontakt:
Dr. Michael Edinger
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Sonderforschungsbereich 580
07737 Jena
Tel.: 03641 / 945055
E-Mail: michael.edinger@uni-jena.de
Weitere Informationen:
http://www.sfb580.uni-jena.de/typo3/uploads/media/SFB_Heft35.pdf - die Studie.
http://www.sfb580.uni-jena.de/typo3/uploads/media/EhemaligeAbgeordnete.pdf - die Dokumentation.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Warum sind Kieselalgen so erfolgreich?

Dipl.-Ing. Margarete Pauls, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts finden Hinweise in der Evolution dieser Algen
Kieselalgen (Diatomeen) spielen eine Schlüsselrolle für die Photosynthese in den Weltmeeren und werden deshalb intensiv untersucht. Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft haben in internationaler Zusammenarbeit eine neue Entdeckung zur Evolution der Photosynthese in Diatomeen gemacht. Bisher ging man davon aus, dass Diatomeen ihre Fähigkeit zur Photosynthese ausschließlich von Rotalgen geerbt haben. Die Molekularbiologen haben jetzt gezeigt, dass sich im Genom der Diatomeen erhebliche Mengen an Erbmaterial finden, das von Grünalgen abstammt. Die photosynthetischen Zellstrukturen der Diatomeen, vereinen somit Eigenschaften aus Rotalgen- und Grünalgenvorfahren, was ihren enormen Erfolg in den Weltmeeren erklären könnte.

Die Ergebnisse werden nun in der jüngsten Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift "Science" vorgestellt.

Die Photosynthese, Basis allen Lebens auf der Erde, wird je etwa zur Hälfte auf dem Land und im Meer erbracht. An Land sind vor allem komplexe grüne Pflanzen dafür verantwortlich, in den Meeren die Algen und zwar vorwiegend einzellige Vertreter. Darunter stellen die Kieselalgen (Diatomeen) mit einem Anteil von etwa 40 Prozent die wichtigste Gruppe. Landpflanzen, Rot- und Grünalgen unterscheiden sich in ihrer evolutionären Geschichte grundsätzlich von den Diatomeen: Sie entstammen der Symbiose eines photosynthetischen Bakteriums (Cyanobakterium) mit einer höher entwickelten, farblosen Wirtszelle mit Zellkern (eukaryotische Zelle). Da dabei eine Zelle als Symbiont in einer anderen Zelle lebt, nennt man den Vorgang Endosymbiose. Im Ergebnis entstanden so die photosynthetischen Organellen in Pflanzen- und Algenzellen, die Plastiden oder Chloroplasten.

Auch Diatomeen besitzen Plastiden, doch diese entwickelten sich, in dem zwei höhere Zellen miteinander verschmolzen: Eine eukaryotische Wirtszelle nahm einen photosynthetischen Rotalgen-Einzeller auf. Bei dieser sekundären Endosymbiose entstehen so genannte sekundäre Plastiden. Bisher ging man davon aus, dass die aufnehmende Zelle farblos und nicht photosynthetisch war. "In einer internationalen Zusammenarbeit gelang es uns zu zeigen, dass die aufnehmende Wirtszelle bereits Chloroplasten besaß, die denen von Grünalgen ähneln. In den Genomen von zwei Diatomeen-Arten konnten wir Spuren dieser "kryptischen" Chloroplasten entdecken", erklärt Klaus Valentin, Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung. Tatsächlich fänden sich in den Genomen sogar mehr Spuren des Grünalgen- als des Rotalgen-Vorfahren. Daraus könne man schließen, dass die Plastiden heutiger Diatomeen tatsächlich eine Mischform aus zwei Plastidentypen, denen aus Grünalgen und Rotalgen, darstellen. "Diatomeen verfügen dadurch wahrscheinlich über mehr stoffwechselphysiologisches Potenzial als jede der beiden Ausgangstypen einzeln, was den großen Erfolg der Diatomeen in den Meeren erklären könnte", so Valentin weiter. "Ihre Plastiden könnten quasi das "Beste beider Welten" vereinen."

Mittlerweile haben Valentin und sein Kollege Bànk Beszteri Spuren einer grünen Endosymbiose auch in anderen Meeresalgen entdeckt, die ähnlich wie Diatomeen ebenfalls aus einer sekundären Endosymbiose hervorgegangen sind. Dazu gehören beispielsweise die Braunalgen. "Unser nächstes Ziel ist es nun herauszufinden, welchen Vorteil diese Form der Symbiose den Meeresalgen genau gebracht hat. Wir wollen diesen Vorteil quantifizieren und die Stoffwechselwege identifizieren, die in Diatomeen zusätzlich vorhanden sind oder besser funktionieren als in Rot- oder Grünalgen alleine. Vielleicht können wir so verstehen, warum die Algen mit sekundären Plastiden in den Meeren so erfolgreich sind während an Land Pflanzen mit primären Plastiden das Rennen gemacht haben."

Hinweise für Redaktionen: Der Originaltitel der Science-Veröffentlichung lautet:
"Genomic footprints of a cryptic plastid endosymbiosis in diatoms. During their evolution the dominant phytoplankters in the world's oceans sampled genes from both red and green algae." (Autoren: Ahmed Moustafa, Bánk Beszteri, Uwe G. Maier, Chris Bowler, Klaus Valentin, Debashish Bhattacharya)

Ihr Ansprechpartner im Alfred-Wegener-Institut ist Dr. Klaus Valentin, vormittags zu erreichen unter 0471 4831-1452, nachmittags unter 0173 3241067 (E-Mail: Klaus.Valentin@awi.de), sowie in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Magdalena Hamm (Tel. 0471 4831-2008, E-Mail: medien@awi.de).

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der 16 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Mini-Kunststoffkugeln statt Chemie: Kläranlagen umweltschonend sauber

Franz-Georg Elpers, Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Fachhochschule Osnabrück und Wiesbadener Firma erproben neues Membranverfahren - DBU gibt 440.000 Euro
Osnabrück. Wasser gehört zu den wertvollsten Ressourcen unseres Planeten. Deshalb werden kommunale und industrielle Abwässer aufwändig gereinigt. In modernen Kläranlagen geschieht das biologisch und mit einer speziellen Membrantechnologie. Doch die Membranen, viele dünne Kunststoffbahnen, die Bakterien und Viren sowie andere gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe aus dem Abwasser herausfiltern, verschmutzen und müssen chemisch gereinigt werden. Das belastet die Umwelt. An der Kläranlage Eversburg in Osnabrück will die Fachhochschule (FH) Osnabrück gemeinsam mit der Firma Microdyn-Nadir (Wiesbaden) nun in der Praxis erproben und optimieren, was sie in der Theorie bereits entwickelt hat: Durch den Einsatz von Kunststoffgranulaten sollen die Membrane ohne umweltgefährdende Chemikalien gereinigt werden, ohne dass die teuren Membrane zu schnell verschleißen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt mit rund 440.000 Euro.

Bei der Übergabe des Bewilligungsschreibens durch DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde wies heute Frank Peter Helmus, Professor für Mechanische Verfahrenstechnik und Anlagenplanung der FH Osnabrück, darauf hin, dass die Ablagerungen auf den Membranen den Reinigungsprozess massiv behinderten. Um diesem "Fouling" zu begegnen, seien regelmäßige Reinigungsmaßnahmen erforderlich. Dabei würden typischerweise Chemikalien eingesetzt, deren Umweltgefährdungspotenzial sehr hoch sei.

Genau hier setze das Forschungsvorhaben an: Durch den Einsatz der so genannten Wirbelschichttechnologie solle der Einsatz umweltgefährdender Chemikalien überflüssig gemacht werden. Dabei werde das Fouling durch Kunststoffgranulate, die immer wieder an der Membranoberfläche entlangströmen, ständig beseitigt. Die FH Osnabrück habe im Rahmen ihrer Forschungsarbeit die prinzipielle Machbarkeit dieser neuen Technologie nachgewiesen. Wobei es auch hier zurzeit noch einen Haken gebe: Je stärker man mit den Kunststoffgranulaten reinige, umso schneller verschlissen die empfindlichen und auch teuren Membrane.
"Zusammen mit der Firma Microdyn-Nadir arbeiten wir an einer Technologie, die einen langfristig chemikalienfreien Betrieb von Membranbioreaktoren in Kläranlagen zulässt. Die Förderung durch die DBU und die Möglichkeit, unsere Forschungsanlage an der Kläranlage Eversburg der Stadtwerke Osnabrück aufstellen und betreiben zu dürfen, sind für unsere Forschung ein Meilenstein. Es ermöglicht uns, die entwickelte Methode unter realen Bedingungen in der Praxis zu untersuchen und zu optimieren", erklärte Helmus.

Sandra Rosenberger, Professorin für Nachhaltige Energietechnik, betonte: "Der chemikalienfreie Betrieb von Kläranlagen mit Membranbioreaktoren soll nicht nur für neue Anlagen möglich sein. Durch die Einfachheit der neuen Wirbelschicht-Technologie soll die Übertragung auch auf bereits bestehende Anlagen mit nur geringfügigen Veränderungen möglich werden." Hier erweise sich die Kooperation mit Microdyn-Nadir als besonders vorteilhaft, da das Unternehmen über langjährige Erfahrungen in Membrantrennverfahren verfüge. Rosenberger: "Fachhochschule und Unternehmen halten dieses Projekt für das Modell von einer gelungenen Partnerschaft."

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Fotos nach IPTC-Standard zur kostenfreien Veröffentlichung unter www.dbu.de

Ansprechpartner
Franz-Georg Elpers
- Pressesprecher -
Stephanie Kaßing
Isabel Krüger
Anneliese Grabara

Kontakt DBU:
An der Bornau 2
49090 Osnabrück
Telefon: 0541|9633521
Telefax: 0541|9633198
presse@dbu.de
www.dbu.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Böden als Archive vergangener Kulturen

Michael Seifert, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Eberhard Karls Universität Tübingen

Böden sind wichtige Archive, die klimatische Veränderungen und verschiedene Nutzungen durch den Menschen aufzeichnen. Geographen und Bodenkundler können viele dieser Ereignisse rekonstruieren, auch wenn sie weit zurückliegen. Dr. Dana Pietsch arbeitet in einem Oasengebiet des Jemen mit Archäologen zusammen, um den Böden Informationen über die Kultur der Sabäer sowie deren Umwelt vor rund 3000 Jahren zu entlocken.
Geographen unterstützen Archäologen bei Erforschung der sabäischen Zeit im Jemen

Die Sabäer gelten als reiches antikes Handelsvolk, das in vorislamischer Zeit vom zweiten Jahrtausend v. Chr. an im Südwesten der Arabischen Halbinsel im Gebiet des heutigen Jemen lebte. Die sabäische Kulturepoche erforscht dort das Deutsche Archäologische Institut (DAI) in Zusammenarbeit mit Dr. Dana Pietsch und Dr. Peter Kühn vom Lehrstuhl für Physische Geographie von Prof. Thomas Scholten am Geographischen Institut der Universität Tübingen. Auf der Basis bodenkundlicher Untersuchungen in einem Oasengebiet am östlichen Rand der Wüste Ar-Rub' Al-Khali rekonstruieren die Tübinger Forscher die Umwelt der Sabäer, sammeln aber auch Bodeninformationen aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit. Böden verändern sich infolge klimatischer Veränderungen, durch unterschiedliche Nutzung, Verwitterungs- und Umlagerungsprozesse. Die Sedimentschichtung in den Böden kann den Forschern als eine Art Geschichtsbuch dienen. Das Projekt liefert erste Seiten dazu, unter welchen Umweltbedingungen die Sabäer in diesem Gebiet gesiedelt haben und warum sie vor rund 3000 Jahren begonnen haben, mit einer hochentwickelten Technik eine riesige Fläche von mehr als 9600 Hektar zu bewässern.

Die Geographin Dana Pietsch arbeitet seit mehr als zehn Jahren in verschiedenen Projekten im Jemen und auf der Insel Soqotra. Die aktuellen Entführungen und Morde an Ausländern im Jemen erwecken das Bild einer gefährlichen Region. "Terroranschläge, die mit traditionellen Entführungen nichts zu tun haben, werfen seit einigen Jahren einen Schatten über das Land", sagt sie. "Die Ökonomie und die Menschen im Jemen, vor allem die demokratisch gesinnten Kräfte, die das Land weiter nach außen öffnen wollen, leiden besonders unter dem zunehmend negativen Image." Im Jahr 2000 sei es noch in nahezu allen Landesteilen möglich gewesen, sich frei zu bewegen. Seit Beginn ihrer Forschungen in den Oasen Ma'rib und Sirwah sind sie und ihre Kollegen vorsichtiger, da neben traditionellen Entführungen terroristische Anschläge wahrscheinlicher geworden sind. Bewacht werden das DAI-Team und die Geowissenschaftler von Angehörigen der beiden Stämme Ashraf und Dschahm sowie dem Militär. "Ohne den Schutz der Stämme könnte man in der Region nicht arbeiten. Bei ihnen ist man relativ sicher, da es der Ehrenkodex vorschreibt, in den Stamm aufgenommene Fremde zu schützen", erzählt Dana Pietsch. Die Forscherin hat sich inzwischen an diese Verhältnisse gewöhnt. Sie hält die Berichterstattung über den Jemen in den Medien für einseitig: "Die Jemeniten sind - wenn man sie respektiert und die Gründe der wissenschaftlichen Arbeit transparent macht - ein offenes und sehr gastfreundliches Volk", sagt sie.

In Kooperation mit Dr. Iris Gerlach, der Leiterin der Außenstelle Sana'a des DAI, arbeitet Dana Pietsch in den beiden antiken Oasen Ma'rib und Sirwah am Wüstenrand. Ma'rib liegt rund 130 Kilometer östlich von Sana'a, Sirwah etwa 40 Kilometer westlich von Ma'rib, beide am Rand der Wüste Ar-Rub' Al-Khali. In der Oase Sirwah werden vom DAI und der jemenitischen Behörde GOAM derzeit Tempelanlagen ausgegraben. Die Tübinger Arbeitsgruppe befasst sich mit Sedimenten und Böden in und um den berühmten Al-Maqqah-Tempel. Diese Untersuchungen tragen zur Erforschung der Bebauungsphasen bei. In der Umgebung der antiken Oase Ma'rib werden natürliche Böden und Sedimente über den gesamten Zeitraum des Holozäns seit 10.000 Jahren v. Chr. untersucht. Einerseits sollen dabei natürliche Böden von künstlichen Bewässerungssedimenten, die mindestens seit 600 v. Chr. bestehen, unterschieden werden. Andererseits soll der Übergang vom Nomadentum der Menschen und dem Regenfeldbau zur späteren Bewässerungslandwirtschaft zeitlich eingegrenzt werden. Das Gebiet um Ma'rib war einst ein Handelsknotenpunkt an der Weihrauchstraße. "Es gibt dort den weltberühmten Großen Damm von Ma'rib, dessen Vorgängerbauten aus der Zeit um 1200 v. Chr. stammen. Der Schweizer Forscher Dr. Ueli Brunner hatte bereits in den 1980er Jahren Fragen aufgeworfen, warum eine so großflächige Bewässerung notwendig wurde", berichtet die Forscherin. Gab es im Umfeld der Oase keine ausreichenden Bodenressourcen oder reichten die Niederschläge nicht mehr aus? Oder wuchs die Bevölkerung und die Größe der Karawanen in der Antike so stark an, dass viel mehr Getreide produziert werden musste?

Mithilfe eines Damms, der aus Sedimenten bestanden hat, zwei Schleusen und zwei Hauptverteilern konnten fruchtbare Feinsedimente angehäuft werden, die eine intensive Landwirtschaft über Jahrhunderte, bis mindestens 600 n. Chr., ermöglichten. Geographen und Bodenkundler der Universität Tübingen wollen die Forschungsfragen beantworten und untersuchen die ersten Spuren einer künstlichen Bewässerung: In einem Seitenwadi in vulkanischen Lavafeldern nordwestlich der Bewässerungsoase wurde vermutlich gegen Ende der Bronzezeit auf kleinen Feldern Getreide angebaut. Die Arbeitsgruppe untersucht die Ausdehnung überdeckter alter Böden und erhebt bodenphysikalische und bodenchemische Daten. Hinweise auf frühere Bodenbearbeitung und Pflanzenbau geben sogenannte Rhizolithe, verfüllte Wurzelgänge von Pflanzen. Außerdem werden Vesikelkrusten herangezogen, an deren Oberflächen das Wasser abläuft, sodass die darunter liegenden Böden weitgehend ungestört geblieben sind. "Das Mosaik der fossilen Böden im Untersuchungsgebiet ist heterogen, aber die jüngsten sandigen Ablagerungen darüber sind relativ einheitlich, was ein Zeichen der zunehmenden Austrocknung und Ausbreitung der Wüste infolge des Klimawandels sein kann", sagt Dana Pietsch.

Auch eine relative Datierung der Sedimente und Böden ist möglich. "Dafür nutzen wir einen fossilen Leithorizont, einen schmalen dunklen Streifen im Boden, der sich im gesamten Oasenumfeld immer wieder finden lässt und der organische Substanz und fossile Schnecken enthält, die mittels der AMS-14C-Methode datiert werden können", sagt die Forscherin. Die Zeitmessung, durchgeführt in der Physik der Universität Erlangen, läuft über unterschiedlich stabile Kohlenstoffatome, die die früheren Lebewesen in einem für die jeweilige Zeit typischen Verhältnis in ihre Substanz eingebaut haben. Der Leithorizont in der Oase Ma'rib ist aktuellen Untersuchungen zufolge im Frühholozän, 7000 bis 4000 v. Chr., entstanden. Die absolute Datierung der Sedimentation wird derzeit mit einer weiteren, davon unabhängigen Methode von Forschern der Universität Heidelberg vorgenommen, der sogenannten optisch stimulierten Lumineszenz (OSL). Dabei wird gemessen, wann bestimmte Mineralkörner im Boden wie Quarz und Feldspat zuletzt dem Sonnenlicht ausgesetzt waren. Quarz und Feldspat speichern sozusagen die natürliche Radioaktivität, geben sie aber bei Einstrahlung von Licht als kaltes Leuchten oder Lumineszenz ab. Die Methode liefert verlässliche Daten bis rund 150.000 Jahre zurück. Mithilfe dieser Verfahren wird auch annäherungsweise das Alter künstlicher Steinansammlungen bestimmt, bei denen es sich um bronzezeitliche bis frühsabäische Gräber handelt, von den Archäologen Turmgräber genannt. Erfasst wird das Alter der unter den Steinen liegenden Sedimente, das ein mögliches Maximalalter der Steinsetzungen wiedergibt. Andere Steinanhäufungen sind Reste früherer Tierfanganlagen.

Auch über die Geschichte des Sabäischen Reichs hinaus bleiben Fragen offen: Zur Zeit der Sabäer gab es im Hochland des Jemen zwei weitere Reiche namens Qataban (ab 800 v. Chr.) und später Himyar (ab 100 v. Chr.). Inwieweit zwischen den Reichen am Wüstenrand und dem Hochland Austausch bestanden hat und auf welchen Wegen, ist bisher nicht fundiert untersucht worden. Es sei auch nicht klar, sagt die Geographin, ob die Menschen im Jemen zuerst am Wüstenrand oder im Hochland gesiedelt haben. Am Wüstenrand sei heute aus Wassermangel nur noch Pflanzenanbau mit Tiefbrunnen möglich, so Dana Pietsch. Im Umfeld der Oase gebe es Beduinenbetrieb mit Kamelen sowie die Stadt Ma'rib mit rund 20.000 Einwohnern. Viel dichter besiedelt und intensiver bewirtschaftet sei das regenbegünstigte Hochland, das "Grüne Herz des Jemen". (8042 Zeichen)

Nähere Informationen:

Dr. Dana Pietsch
Geographisches Institut
Rümelinstraße 19-23
72070 Tübingen
Tel.: (07071) 29-77533
Fax: (07071) 29-5391
E-Mail dana.pietsch@uni-tuebingen.de

Der Pressedienst im Internet:
www.uni-tuebingen.de/aktuell/veroeffentlichungen/pressedienst-forschung-aktuell.html

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Australische Studie belegt: Bestimmte Honigsorten effektiver als Antibiotika

Sabine Ranke-Heinemann, Pressestelle
Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

In einer bisher einzigartigen Studie haben Forscher der University of Sydney Beweise dafür gefunden, dass manche Honigsorten bei der Behandlung von oberflächlichen Wunden und Infektionen effektiver wirken als Antibiotika.

Antibiotika wirken in der Regel nur gegen bestimmte Bakterien. Die meisten Bakterien, die Infektionen in Krankenhäusern verursachen, sind noch dazu gegen mindestens ein Antibiotikum resistent. Die in der Studie eingesetzten Honigsorten wirkten jedoch gegen alle gestesteten Erreger, darunter auch multiresistente Bakterien. Was besonders entscheidend ist, die Bakterien passten sich nicht an und entwickelten keine Resistenz gegenüber dem Honig, wie dies bei Antibiotika der Fall ist.

Die von den Wissenschaftlern verwendeten Honigsorten waren Manuka und Jelly Bush aus Neuseeland bzw. Australien. Beide sind zwar als medizinische Varianten erhältlich, werden jedoch in Krankenhäusern kaum eingesetzt. Mit der vorliegenden Studie konnte erstmals gezeigt werden, dass der medizinische Honig in vielen Fällen antibiotische Cremes auf Wunden oder an Kathetern ersetzen könnte. In Anbetracht einer immer kürzeren Lebensdauer vieler Antibiotika sind alternative Behandlungswege gegen Infektionen unerlässlich.

Den getesteten Honigsorten ist gemein, dass sie von Bienen produziert werden, die sich von Pflanzen der Gattung Leptospermum - allgemein auch als Teebaum bekannt - ernähren. Bisher wissen die Forscher nicht genau, wie der Honig Infektionen vermeidet und abtötet. Sie vermuten, dass ein Bestandteil namens Methylglyoxal eine Wechselwirkung mit anderen, bisher unbekannten, Bestandteilen des Honigs eingeht und so infektionsauslösende Bakterien daran hindert, neue Stämme zu bilden, die gegen den Honig resistent sind.

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(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Sauberes Wasser - ganz ohne Chemikalieneinsatz

Miriam Riemann, Presse- und Informationsstelle
Fachhochschule Osnabrück

An der FH Osnabrück forschen Prof. Dr. Sandra Rosenberger und Prof. Dr. Frank Peter Helmus erfolgreich an einer chemikalienfreien Lösung für den Betrieb von Kläranlagen. Das Kooperationsprojekt, das die Fachhochschule zusammen mit dem Wiesbadener Unternehmen Microdyn-Nadir betreibt, wird nun von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit rund 440.000 Euro gefördert - DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde übergab die Förderungsurkunde an das Projekt-Team.
Dass Wasser zu den wertvollsten Ressourcen unseres Planeten gehört ist kein Geheimnis. Das Leitungswasser, das wir täglich verbrauchen, wird deshalb durch den Einsatz aufwändiger Verfahren gereinigt. In modernen Kläranlagen kommt hierzu eine Kombination aus biologischer Reinigung und sogenannten "getauchten Modulsystemen" zum Einsatz. Man spricht von Membranbioreaktoren (MBR). Die darin befindlichen Membranen sind in der Lage, z.B. Bakterien und Viren sowie andere gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe aus dem Abwasser herauszufiltern. Diese Methode ist zwar teurer als die konventionelle Kläranlagentechnologie, setzt sich aber vor dem Hintergrund zunehmenden Umwelt- und Gesundheitsbewusstseins immer mehr durch.

Der einzige Haken: Auf den Membranen bilden sich Deckschichten - es entstehen Ablagerungen, die den Reinigungsprozess behindern. Um diesem sogenannte "Fouling" zu begegnen sind regelmäßige Reinigungsmaßnahmen erforderlich. Dabei wird typischerweise Natriumhypochlorid eingesetzt, dessen Umweltgefährdungspotenzial sehr hoch ist. Und genau hier setzt das Forschungsvorhaben an: Durch den Einsatz der sogenannten Wirbelschichttechnologie soll der Einsatz umweltgefährdender Chemikalien überflüssig gemacht werden. Dabei wird das Fouling durch Kunststoffgranulate, die immer wieder an der Membranoberfläche entlangströmen, ständig beseitigt. Bereits seit zwei Jahren wird an der Fachhochschule Osnabrück zu diesem Thema geforscht. Dabei konnte die prinzipielle Machbarkeit dieser neuen Technologie nachgewiesen werden. Aber auch hier gibt es ein Problem: Je stärker man mit den Kunststoffgranulaten reinigt, umso schneller verschleißen die empfindlichen und auch teuren Membranen.

"Zusammen mit der Firma Microdyn-Nadir arbeiten wir an einer Technologie, die einen langfristig chemikalienfreien Betrieb von MBR in Kläranlagen zulässt. Die Förderung durch die DBU ist für unsere Forschung ein Meilenstein, weil sie uns ermöglicht, die entwickelte Methode unter realen Bedingungen in der Praxis zu untersuchen und zu optimieren. An dieser Stelle möchten wir uns auch für die Möglichkeit bedanken, unsere Forschungsanlage an der Kläranlage Eversburg der Stadtwerke Osnabrück aufstellen und betreiben zu dürfen", erklärt Frank Peter Helmus, Professor für Mechanische Verfahrenstechnik und Anlagenplanung der FH Osnabrück.

Sandra Rosenberger, Professorin für Nachhaltige Energietechnik, betont: "Der chemikalienfreie Betrieb von Kläranlagen mit MBR-Technologie soll nicht nur für neue Anlagen möglich sein. Durch die Einfachheit der neuen Technologie mit Wirbelschicht soll die Übertragung auch auf bereits bestehende Anlagen mit nur geringfügigen Modifikationen ermöglicht werden."

Hier erweist sich die Kooperation mit Microdyn-Nadir als besonders vorteilhaft, da das Unternehmen über eine langjährige Expertise im Bereich Membrantrennverfahren verfügt. Von den Fördergeldern sollen zirka 150.000 Euro an die Firma und rund 290.000 Euro an die Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik der FH Osnabrück gehen. Die voraussichtliche Laufzeit des Projekts beträgt drei Jahre. Sowohl die Fachhochschule als auch das Unternehmen sprechen von einer "gelungenen Partnerschaft."

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Der Siebenschläfer: Cleverer Familienplaner statt Wetterprophet

Eva Goris, Kommunikation
Deutsche Wildtier Stiftung

Wetter-Kapriolen haben Deutschland derzeit fest im Griff. Interessiert blickt die meteorologisch geteilte Republik morgen auf die Wetterkarte, denn am 27. Juni ist Siebenschläfer-Tag. Nach einer alten Bauernregel entscheidet sich am Samstag wie das Wetter in den nächsten sieben Wochen wird. Gibt es Regen oder wird die Sonne scheinen?
"Der Siebenschläfer ist zwar kein tierischer Meteorologe, wie ihm zugeschrieben wird, aber auch für ihn ist das Wetter in den nächsten Wochen nicht ganz unwichtig", sagt Birgit Radow, Geschäftsführerin der Deutschen Wildtier Stiftung. "Denn jetzt macht der kleine Nager Familienplanung!" Dabei verfügt er über eine besondere Fähigkeit.

"Der mausähnliche Nager mit den rundlichen Ohren 'erahnt' offenbar schon im Juni, ob das Jahr ein gutes Jahr für die Bucheckern-Ernte ist oder nicht", so Radow. Bucheckern sind die Hauptnahrungsquelle für Siebenschläfer (Glis Glis). Mit den Samen frisst er sich seine Reserven an Winterspeck an und füttert den Nachwuchs. "Wachsen nur wenige Bucheckern, gibt es kaum Futter für den Nachwuchs und es kommen deshalb auch weniger Siebenschläfer auf die Welt", erklärt die Geschäftsführerin der Deutschen Wildtier Stiftung.

Nach welchen Mechanismen und Zusammenhängen diese biologische Empfängnisverhütung funktioniert, ist längst nicht erforscht. Noch gibt der Siebenschläfer der Wissenschaft Rätsel auf. Mit ihrem Forschungspreis fördert die Deutsche Wildtier Stiftung deshalb eine Biologin, die über den Siebenschläfer forscht.

Der Siebenschläfer gilt als bedroht. Mittlerweile gehört das knapp 100 Gramm schwere Tier mit dem buschigen Schwanz in Deutschland zu den geschützten Arten. "Eigentlich müsste der Siebenschläfer Langschläfer heißen", so Radow. "Denn er ist quasi gerade erst aus dem Winterschlaf erwacht." Von Anfang September bis in den Mai hinein hat das Nagetier geschlafen. "Auch jetzt lässt er sich tagsüber nur ungern blicken. Nachts wird er dann oft für einen Einbrecher gehalten, denn der kleine Kerl macht Lärm wie ein Großer", sagt die Geschäftsführerin.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Per- und polyfluorierte Chemikalien: Einträge vermeiden - Umwelt schützen

Umweltbundesamt empfiehlt Grenzwerte zum Schutz von Umwelt und Gesundheit
Die Meldungen über per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) in der Umwelt reißen nicht ab. Neue Messungen in Kläranlagen, Gewässern, im Trinkwasser, in der Innenraumluft und vor allem im menschlichen Blut halten die Diskussion in Gang. Zwar werden toxikologisch kritische Konzentrationen nur in einzelnen Fällen erreicht, aber: „Perfluorierte Chemikalien in Umwelt, Trinkwasser und Blut sind bedenklich, auch weil wir sie oft an entlegenen Orten finden, fernab der Produkte, die mit perfluorierten Chemikalien behandelt sind. Diese Fremdstoffe gehören eindeutig nicht in die Umwelt und schon gar nicht ins Blut von Menschen", sagt Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des Umweltbundesamtes (UBA) anlässlich der Veröffentlichung „Perfluorierte Verbindungen: Einträge vermeiden - Umwelt schützen". Zum Schutz der menschlichen Gesundheit empfehlen das UBA und die Trinkwasserkommission (TWK) die Einhaltung eines lebenslang gesundheitlich duldbaren Trinkwasserleitwertes von 0,3 Mikrogramm PFC pro Liter Wasser. Als Vorsorgewert schlagen die Expertinnen und Experten einen Jahresmittelwert von maximal 0,1 Mikrogramm PFC pro Liter vor.

Wegen ihrer wasser-, schmutz- oder fettabweisenden Eigenschaften kommen verschiedene PFC in Bekleidung und anderen Textilien, Kochgeschirr, Papier oder vielen anderen Verbraucher­produkten zum Einsatz. Neue Studien zeigen: Flüchtige PFC können aus Verbraucherprodukten entweichen und eingeatmet werden. Der Körper wandelt diese Vorläuferverbindungen dann zu langlebigen PFC um. Weltweit finden sich perfluorierte Chemikalien aus verschiedenen Quellen im Blut der Menschen, werden nur langsam wieder ausgeschieden und reichern sich so im Laufe der Zeit dort an. PFOS, ein prominenter Vertreter der PFC, wurde deshalb jüngst in die Verbotsliste der Stockholm-Konvention für POPs (persistente organische Schadstoffe) aufgenommen.

PFC gelangen auch über das Abwasser aus Haushalten und der Industrie in die Klärwerke. Da die meisten PFC chemisch sehr stabil sind, werden sie nicht abgebaut. Wasserlösliche PFC werden so in Flüsse, Seen und das Meer eingetragen. PFC reichern sich auch im Klärschlamm an. Wird derart kontaminierter Klärschlamm dann landwirtschaftlich verwertet, könnten perfluorierte Chemikalien auch in Boden, Oberflächen- oder Grundwasser gelangen.

Dass PFC auf diese Weise auch ins Trinkwasser für den Menschen gelangen können, zeigte sich im Jahr 2006 am Möhnestausee in Nordrhein-Westfalen: Landwirte setzten Bodenver­besserer in der Nähe dieses Trinkwasserspeichers ein, die - für sie unerkannt - mit stark PFC-haltigen als Bioabfallgemisch deklariertem Klärschlamm versetzt waren. In der Folge gelangten die PFC bis ins Trinkwasser - und dann auch ins Blut der Bevölkerung. Obwohl dies ein Einzelfall war, steht er doch beispielhaft für die Herausforderungen der landwirtschaftlichen Klärschlamm-Verwertung: Da Klärschlamm eine universelle Schadstoffsenke ist, besteht die Gefahr, dass auch bei Einhaltung aktuell gültiger Grenzwerte und sonstiger Beschränkungen neue, bislang nicht bekannte und geregelte Schadstoffe in unbekannter Menge in Wasser und Böden gelangen.

Um die negativen Eigenschaften der PFC bereits an der Wurzel zu packen, schlägt das UBA rechtlich verbindliche Qualitätsstandards und Minderungsziele für Gewässer, Abwasser, Klärschlamm und Böden vor. In der Düngemittelverordnung wurde bereits ein Grenzwert von 100 Mikrogramm pro Kilogramm Trockensubstanz aufgenommen. Ergänzend sollten zum Beispiel in die Abwasserverordnung und die Klärschlammverordnung abgestimmte PFC-Grenzwerte aufgenommen werden. Für industrielle Prozesse, etwa in der Textil- oder Papierindustrie, setzt sich das UBA für geschlossene Wasserkreisläufe ein. Außerdem sollten Länderbehörden Gewässer, Abwasser und Klärschlämme routinemäßig auf PFC untersuchen.

Verbraucherinnen und Verbraucher sollten genau überlegen, ob schmutz-, fett- und wasserabweisende Eigenschaften in alltäglichen Produkten wie Textilien wirklich notwendig sind. „Perfluorierte Chemikalien begegnen uns täglich und die Segnungen der Fluorchemie sind unbestritten. Doch wie immer gilt: Weniger ist manchmal mehr und unbehandelte Haushaltsprodukte und -textilien sind für viele Zwecke völlig ausreichend", so UBA-Vizepräsident Holzmann.

Das neue Hintergrundpapier „Perfluorierte Verbindungen: Einträge vermeiden - Umwelt schützen" steht unter http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3812.pdf kostenlos zum Download bereit.

Die Trinkwasserkommission ist eine nationale Fachkommission des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), die beim UBA angesiedelt ist. Sie berät beide Behörden in den Fragen der Trinkwasserhygiene. Das BMG beruft unter Beteiligung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) und der zuständigen obersten Landesbehörden die Mitglieder der Kommission für drei Jahre: http://www.umweltbundesamt.de/wasser/themen/trinkwasser/trinkwasserkommission.htm.

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Frauen erklären Kopfschmerzen anders als Männer

Rita Wilp, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft

Behandlung von Migräne und Kopfschmerz sollte geschlechtsspezifisch ausgerichtet sein

Frauen haben andere Erklärungen für ihre Kopfschmerzen als Männer. Das ergab eine große internetbasierte Umfrage an über 6.500 Migräne-Patienten, die von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), der deutschen Sektion der International Headache Society und in Zusammenarbeit mit MSD (Merck Sharp & Dohme) durchgeführt wurde. Sie beschäftigte sich mit der Frage nach den Auslösern von Kopfschmerz, hier Migräne-Attacken. Dazu wurden die Patienten gebeten, eine Auswahl aus einer Reihe von Antworten zu treffen, mehrfache Nennungen waren möglich.
Zum Katalog gehörten unter anderen die Fragen nach Auslösern wie Wetterfühligkeit, täglichem Stress, hormonelle Gründe, familiäre Disposition und mehrere andere. "Frauen gaben im Mittel mehr verschiedene Auslöser für ihre Kopfschmerzen an als Männer," sagte Prof. Dr. Andreas Straube von der DMKG, der die Studie betreute. Die befragten 5.800 Frauen gaben vorwiegend Stress (92,3 %) (bei den Männern waren es 87 %) als Ursache an sowie Veränderungen der Halswirbelsäule (Frauen 57,3 % und Männer 50,8 %) und hormonelle Faktoren. Männer (ca. 800 wurden befragt) dagegen sahen einen Zusammenhang mit früher erlittenen Schädel-Hirn-Verletzungen öfter als relevanten Auslöser an (Männer 7,1%, Frauen 3,9%).

Diese Unterschiede in den subjektiv erlebten Auslösern können einerseits in einer unterschiedlichen Empfindlichkeit von Frauen und Männer bezüglich der verschiedenen Auslöser begründet sein, andererseits könnte der Unterschied allein in der unterschiedlichen Selbstwahrnehmung von Belastungsmomenten zwischen den beiden Geschlechtern bedingt sein. Ebenso zeigte die Studie eine unterschiedliche Umgehensweise mit den genannten Gründen für Kopfschmerzen und Migräne in Abhängigkeit mit dem Lebensalter. Dieses äußerte sich in einer mit dem zunehmendem Alter abnehmenden subjektiven Empfindlichkeit gegenüber Wetteränderungen und dem täglichen Stress. Auf jeden Fall sollten diese geschlechtsspezifischen Unterschiede sowie die Disposition bei unterschiedlichen Altersklassen der Patienten bei der Behandlung berücksichtigt werden. So sollten die von den Patienten vermuteten Triggerfaktoren explizit angesprochen werden. Dies könnte den Patienten helfen, ein individuelles Krankheitsverständnis zu entwickeln und besser mit den Kopfschmerzattacken umzugehen. Ergänzend könnten vermeidbare Triggerfaktoren im Rahmen der nicht-medikamentösen Prophylaxe, zum Beispiel durch progressive Muskelrelaxation bei Stress oder Physiotherapie bei Veränderungen der Halswirbelsäule angegangen werden.

Ansprechpartner:

Klinikum der Universität München
Prof. Dr. Andreas Straube
Dr. Christoph Schankin
Neurologische Klinik und Poliklinik
Marchioninistr. 15
D-83177 München
Tel. 089/7095 3901
Andreas.Straube@med.uni-muenchen.de
christoph.schankin@med.uni-muenchen.de

Generalsekretär und Pressesprecher
Prof. Dr. Dipl.-Psych. Peter Kropp
Institut für Medizinische Psychologie im Zentrum für Nervenheilkunde
an der Medizinischen Fakultät der Universität Rostock
Gehlsheimer Str. 20, D-18147 Rostock
Telefon +49 381 4949530/31
E-Mail peter.kropp@med.uni-rostock.de
Weitere Informationen:
http://www.dmkg.de

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news322666

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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