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Hier finden Sie alle aktuellen Meldungen chronologisch geordnet. Suchen Sie frühere Meldungen, so sehen Sie in den Sachgebieten nach oder geben rechts oben einen Suchbegriff in das Suchen-Feld ein.

1)      Tägliche Meldungen

B. Forum

1)      Fragen und Antworten

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C. Fachwissen

Hier schreiben Praktiker für Praktiker. Haben Sie auch etwas Interessantes zu berichten, so schreiben Sie uns an Kontakt@Klaerwerk.info .

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3)      Kanal- und Entwässerung
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8)      Aus Bund Ländern und EU
         a) Vom Bund
         b) Aus der EU und aller Welt
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9)      Recht und Gesetze
         a) Beiträge zum Umweltgesetzbuch
         b) Beiträge zur Wasserrahmenrichtlinie (WWRL)
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10)    Neue Fachliteratur
         a) Neue Bücher
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         d) Fachzeitschriften
         e) Lexika und Wörterbücher
11)  Tipps und Tricks

D. Berufliches

Der zweite Schwerpunkt von Klärwerk.info. Hier finden Sie alles für Arbeitnehmer und Vorgesetzte und was Sie persönlich angeht.

1)      Arbeitssicherheit
         a) Unfallverhütungsvorschriften- Regeln und Information
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         c) Gesetze und Verordnungen zur Arbeitssicherheit
         d) Umsetzung der Betriebssicherheitsverordnung
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         f ) Hilfen zur Gefährdungsbeurteilung
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2)
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         a) Tarifrecht, Tarifvertrag, Gehaltsrechner und mehr
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         e) Arbeitszeugnisse
3)      Aus- und Weiterbildung
         a) Ansprechpartner
4)      Azubiseite
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         c)  Prüfungsaufgaben
         d) Übungsaufgaben
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         f)  UT-Ausbildertreffen Fachkraft für Abwassertechnik
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5)      Meisterschüler
         a) Informationen für Meisterschüler
         b) Prüfungsaufgaben
6)        Offene Stellen

E. DWA-Infos

1)      Klärwerksnachbarschaften
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         b) Kläranlagennachbarschaften in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
         c) Kläranlagennachbarschaften in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland
2)      DWA-Informationen
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1)      Links zu Kläranlagen und Abwasserverbänden
2)      Kläranlagen - Videos
3)      Meldungen von den Kläranlagen

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28.04.2017 02:38

Klärwerk.info / Ablage / Tägliche Meldungen 2010-2

Tägliche Meldungen 2010-2

 


Vorkoster in der Wasserleitung

Britta Widmann
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

Trinkwasser ist eines der am strengsten überwachten Lebensmittel. Dennoch ist auch das Versorgungsnetz nicht gegen Unfälle, Verschleiß oder gezielte Anschläge gefeit. Ein minutenschnelles Warnsystem für Gifte und andere gesundheitsschädliche Stoffe im Wasser könnte künftig sofort Alarm schlagen, wenn Gefahr droht.
Farblos soll es sein, kühl, geruchslos und geschmacklich einwandfrei. Es darf keine Krankheitserreger enthalten und die Gesundheit nicht schädigen. Trinkwasser wird deshalb in regelmäßigen Abständen einer Reihe von Screenings unterzogen. Ergänzend zu diesen Tests entsteht derzeit im Projekt »AquaBioTox« ein System für eine ständige Trinkwasserüberwachung in Echtzeit.

Derzeit beschränken sich die in der Trinkwasserverordnung vorgeschriebenen Untersuchungen auf Stichproben, die oft erst nach Stunden Ergebnisse liefern und stets auf bestimmte Substanzen zugeschnitten sind. Herzstück des AquaBioTox-Systems ist hingegen ein Bio-Sensor, der auf ein breites Spektrum potenziell gefährlicher Substanzen reagiert und bereits nach wenigen Minuten anspricht. Er arbeitet nach dem Vorkoster-Prinzip: Von der Hauptleitung wird etwas Trinkwasser in einer abzweigenden Fallstrecke durch den Sensor geleitet, der zwei verschiedene Bakterienstämme sowie Säugetierzellen enthält. Während die mikroskopisch kleinen Bakterien durch ihre große Oberfläche einen raschen Stoffaustausch gewährleisten und innerhalb von Minuten auf toxische Substanzen reagieren, sichern die Säugetierzellen durch ihre Verwandtschaft zum menschlichen Organismus das Ergebnis ab und erweitern gleichzeitig das Reaktionsspektrum. »Wir haben verschiedene Stoffklassen getestet, die im Wasser vorkommen könnten, dies aber nicht tun sollten, und bislang hat unser Sensor auf jede dieser Substanzen reagiert«, berichtet Dr. Iris Trick vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart, die den Bio-Sensor gemeinsam mit ihrer Kollegin Dr. Anke Burger-Kentischer entwickelt hat.

Die Mikroorganismen im Sensor wurden so verändert, dass sie ein rot fluoreszierendes Protein erzeugen. Kommen sie mit toxischen Stoffen in Berührung, verändert sich die Fluoreszenz. Ein am Karlsruher Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB entwickeltes, hochsensitives Kamerasystem mit Auswerteeinheit registriert selbst kleinste Veränderungen der Fluoreszenz und bewertet diese automatisch. »Die Überwachungseinheit lernt mittels maschineller Lernverfahren aus historischen Daten, welche Schwankungen der physikalischen, chemischen und biologischen Parameter normal sind. Zeigt sich ein auffälliges Muster in den Signalen, schlägt es Alarm«, erklärt Dr. Thomas Bernard, Gruppenleiter vom IOSB. Der Bio-Sensor reagiert auf kleinste Mengen gefährlicher Substanzen. »Unser Sensor kann sehr geringe Konzentrationen nachweisen«, sagt Trick. Klassische Gifte wie Cyanid oder Rizin, aber auch Pflanzenschutzmittel oder toxische Stoffwechselprodukte von Bakterien können in Konzentrationen von Nanogramm pro Liter tödlich sein.

Um den Bio-Sensor dauerhaft betreiben zu können, müssen optimale Lebensbedingungen für die Mikroorganismen sichergestellt werden. Die Forscher vom IOSB haben dafür ein System entwickelt, das automatisch wichtige Parameter wie Temperatur und Nährstoffzufuhr überwacht und regelt. Weiterer Bestandteil des Aqua-BioTox-Systems ist ein Daphnien-Toximeter des Kieler Projektpartners bbe Moldaenke - die Wasserflöhe reagieren besonders sensibel auf Nervengifte. Das Monitoringsystem wird derzeit in einer stillgelegten Leitungsstrecke auf dem Gelände der Berliner Wasserbetriebe getestet - einem weiteren Projektpartner. Ziel ist es, das System so klein und kostengünstig zu machen, dass sich ein miteinander kommunizierendes Netzwerk aus Sensoreinheiten an sensiblen Stellen über das Trinkwassernetz verteilt installieren lässt.

Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010/12/trinkwasser-bio-sensor.jsp

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Bewusst schenken: Stromsparende Kaffeemaschinen unter den Weihnachtsbaum

Romy Klupsch
Öffentlichkeit und Kommunikation
Öko-Institut e. V. - Institut für angewandte Ökologie

EcoTopTen empfiehlt 27 energieeffiziente Kaffeevollautomaten und Kapselautomaten

Die Informationsplattform für nachhaltige Produkte EcoTopTen hat kurz vor Weihnachten eine Übersicht der 27 energiesparendsten Kaffeevollautomaten und Kapselautomaten zusammengestellt. Unter http://www.ecotopten.de finden VerbraucherInnen eine Übersicht an Maschinen, die portionsweise Kaffee oder Espresso zubereiten.

Ob als Kapsel- oder als Vollautomat - EcoTopTen empfiehlt ausschließlich besonders energieeffiziente Geräte: Der Energieverbrauch im Bereit-Zustand bis zur automatischen Abschaltung („Ready-to-use") darf für Vollautomaten 35 Wattstunden und für Kapselautomaten 30 Wattstunden nicht überschreiten. Alle Geräte sind ökologische Spitzenprodukte und wechseln nach dem Bezug einer Tasse Kaffee nach maximal einer Stunde (Vollautomaten) bzw. maximal 30 Minuten (Kapselautomaten) automatisch in den Standby-Betrieb.

„An Weihnachten liegt oft eine Kaffeemaschine als Präsent unter dem Weihnachtsbaum", so Britta Stratmann, Expertin für umweltfreundliche Kaffeemaschinen am Öko-Institut. „Beim Kauf sollte man vor allem darauf achten, zu einer effizienten Maschine mit Abschaltautomatik und niedrigem Stand-by-Verbrauch zu greifen. Das senkt den Stromverbrauch um rund die Hälfte und steigert den (umwelt-) bewussten Kaffeegenuss."

Viele handelsübliche Kaffeemaschinen verbrauchen viel Strom. Ihr Anteil am Gesamtstromverbrauch eines durchschnittlichen Zweipersonenhaushalts kann bis zu 170 Kilowattstunden pro Jahr ausmachen, was etwa vier Prozent entspricht. Umgerechnet sind das rund 40 Euro der jährlichen Stromrechnung.

EcoTopTen präsentiert 27 energieeffiziente Modelle mit Auto-off-Funktion, niedrigem Stand-by-Verbauch und einem jährlichen Stromverbrauch von nur 30 bis 50 kWh. Die Marktübersicht der EcoTopTen-Kaffeemaschinen ist in Kaffeevollautomaten und Kapselautomaten unterteilt. Innerhalb einer Kategorie erfolgt das Ranking nach dem jährlichen Stromverbrauch; ganz oben sind jeweils die effizientesten Geräte zu finden. Zum Vergleich ist jeweils ein ineffizientes Modell dargestellt. So können Stromverbrauch, Anschaffungskosten und jährliche Gesamtkosten verglichen werden. Damit wird VerbraucherInnen die Kaufentscheidung durch mehr Transparenz erleichtert.

Zusatzinformationen zu Kosten pro Tasse Kaffee
Vollautomat oder Kapselautomat? Das ist wohl eine Frage des persönlichen Geschmacks. Allerdings lohnt es sich, den Kaffeekonsum auch unter finanziellen Gesichtspunkten zu betrachten: Trinken Sie regelmäßig und in großen Mengen Kaffee? Dann ist für Sie vermutlich ein Vollautomat kostengünstiger - auch wenn dieser in der Anschaffung zunächst teurer ist. Die reinen Kaffeekosten liegen hier bei nur durchschnittlich 8 Cent pro Tasse Kaffee. Die Kosten für einen Kaffee, zubereitet mit einem Kapselautomaten, belaufen sich hingegen auf durchschnittlich 30 Cent pro Kapsel. Hochgerechnet auf einen Kaffeekonsum von 2190 Tassen pro Jahr - das entspricht 6 Tassen Kaffee pro Tag - macht das 657 Euro für die Kapseln im Vergleich zu 175 Euro für die Bohnen. Damit ist die Differenz nach einem Jahr bereits so groß wie der Anschaffungspreis eines energieeffizienten EcoTopTen-Vollautomaten.

Die neue Marktübersicht steht zum Download bereit unter:
http://www.ecotopten.de/prod_kaffee_prod.php

Ansprechpartnerinnen:

Dr. Dietlinde Quack (Projektleiterin)
Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Institutsbereichs Produkte & Stoffströme
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg
Telefon: +49-761/45295-48
E-Mail: d.quack@oeko.de

Britta Stratmann (Kaffeemaschinen)
Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Institutsbereichs Produkte & Stoffströme
Öko-Institut e.V., Geschäftsstelle Freiburg
Telefon: +49-761/45295-40
E-Mail: b.stratmann@oeko.de

EcoTopTen ist eine groß angelegte Kampagne für nachhaltigen Konsum und Produktinnovationen im Massenmarkt, die das Öko-Institut initiiert hat. In regelmäßigen Abständen empfehlen die WissenschaftlerInnen eine Auswahl an hochwertigen, so genannten EcoTopTen-Produkten, die ein angemessenes Preis-Leistungsverhältnis haben und aus Umweltsicht allesamt Spitzenprodukte sind. Typische Produkte, die die EcoTopTen-Kriterien nicht erfüllen, werden zum Vergleich vorgestellt. Damit können EcoTopTen-Marktübersichten die Kaufentscheidung für rundum gute Produkte erleichtern. Sie finden sie im Internet auf http://www.ecotopten.de unter der Rubrik „Produktempfehlungen".

Das EcoTopTen-Forschungsprojekt wurde bis März 2007 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert, die EcoTopTen-Kampagne vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und der Stiftung Zukunftserbe. Seit Oktober 2007 wird EcoTopTen von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt im Rahmen des Kampagnenbündnisses energieeffizienz -jetzt! gefördert. Seit Januar 2009 wird EcoTopTen außerdem im Rahmen des Projekts EuroTopTen Plus von der EU im Programm "Intelligent Energy Europe" unterstützt. Medienpartner ist das Monatsmagazin „natur&kosmos".

Wollen Sie regelmäßig über EcoTopTen informiert werden? Abonnieren Sie den EcoTopTen-Newsletter und senden Sie eine E-Mail an anmeldung@ecotopten.de.

Das Öko-Institut ist eines der europaweit führenden, unabhängigen Forschungs- und Beratungsinstitute für eine nachhaltige Zukunft. Seit der Gründung im Jahr 1977 erarbeitet das Institut Grundlagen und Strategien, wie die Vision einer nachhaltigen Entwicklung global, national und lokal umgesetzt werden kann. Das Institut ist an den Standorten Freiburg, Darmstadt und Berlin vertreten.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Studie belegt: Emotionale Intelligenz hilft bei der Karriere

Frank Luerweg
Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Wer sich gut in die Gefühle anderer hineinversetzen kann, steigt im Beruf schneller auf. Das zeigen Wissenschaftler der Universitäten Bonn und Heidelberg zusammen mit US-Kollegen in einer aktuellen Studie. Der von ihnen entdeckte Zusammenhang gilt allerdings nur für besonders karriereorientierte Personen. Für sich allein genommen, erlaubt das Maß emotionaler Intelligenz ("EQ") kaum Voraussagen über den Berufserfolg. Die Studie erscheint im European Journal of Psychological Assessment.
In den USA enthalten Einstellungstest oft ein ganzes Bündel Fragen, die auf den "EQ" der Bewerber abzielen. Anders in Deutschland: Hierzulande spielt das Kriterium "emotionale Intelligenz" bei Besetzung von Stellen eher eine untergeordnete Rolle. Wissenschaftliche Studien schienen deutschen Personalchefs bislang Recht zu geben: Arbeitnehmer mit einem hohen EQ sind nicht unbedingt im Berufsleben besonders erfolgreich.

Doch vielleicht ist dieser Zusammenhang einfach komplexer als bislang vermutet. Denn beileibe nicht alle Menschen mit einer großen emotionalen Kompetenz wollen überhaupt Karriere machen. Das deutsch-amerikanische Forscherteam hat daher in seiner Studie untersucht, wie EQ und Ehrgeiz beim beruflichen Aufstieg zusammen spielen.

Dazu konfrontierten die Wissenschaftler insgesamt 71 Betriebswirte mit verschiedenen Situationsbeschreibungen. Die Teilnehmer sollten schätzen, wie sich die Protagonisten in der jeweils geschilderten Lage wohl fühlten. Die Ergebnisse verrieten also, inwieweit sich die Testpersonen in die Emotionen anderer hineinversetzen konnten. Diese Fähigkeit macht einen großen Teil dessen aus, was wir als "emotionale Intelligenz" bezeichnen. Darüber hinaus ermittelten die Forscher mit einem Persönlichkeitsfragebogen den beruflichen Ehrgeiz ihrer Probanden.

EQ moderiert beruflichen Erfolg

Um den Karrierefortschritt zu messen, erhoben die Wissenschaftler zudem im Abstand von zwei Jahren das aktuelle Gehalt der Teilnehmer. Ergebnis: Der Verdienst der Testpersonen entwickelte sich umso besser, je höher ihr EQ war - allerdings mit einer wichtigen Einschränkung: Das Ergebnis galt nur für diejenigen unter ihnen, denen der Persönlichkeitstest einen ausgeprägten beruflichen Ehrgeiz bescheinigt hatte.

"Bei aufstiegsorientierten Arbeitnehmern trägt ein hoher EQ signifikant zum beruflichen Erfolg bei", fasst der Bonner Psychologe Professor Dr. Gerhard Blickle das Ergebnis zusammen. "Die Formel 'hoher EQ = schneller beruflicher Aufstieg' ist also zu einfach: Dazu muss ein ausgeprägter Karrierewillen kommen. Die emotionale Intelligenz moderiert den beruflichen Erfolg lediglich."

Doch warum spielt ein hoher EQ für die Karriere überhaupt eine Rolle? "Menschen mit einem feinen emotionalen Sensorium sind oft Meister in der Kunst, zwischen den Zeilen lesen: Worauf kommt es dem Chef wirklich an?", erklärt Blickle. Zudem könne emotionale Intelligenz im Umgang mit Vorgesetzten helfen, so manches karriereschädliche Fettnäpfchen zu umgehen.

Doch ein hoher EQ helfe nicht nur beim Aufstieg. "Auch wer bereits eine Schlüsselposition inne hat, profitiert von einem hohen emotionalen Einfühlungsvermögen", betont der Psychologe. Denn im Job müsse man nicht nur Entscheidungen treffen. Es komme auch darauf an, die emotionale Reichweite dieser Entscheidungen vorauszusehen. Wer diese Kunst beherrsche, könne seine Mitarbeiter in Veränderungsprozessen besser mitnehmen.

Interessenten können das Originalpaper bei Professor Dr. Gerhard Blickle anfordern (s.u.).

Kontakt:
Professor Dr. Gerhard Blickle
Abteilung für Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie
Institut für Psychologie, Universität Bonn
Telefon: 0228/73-4375
E-Mail: gerhard.blickle@uni-bonn.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Wenn die Mehrheit entscheidet: 0 Euro für den Klimaschutz

Detlef Bremkens
Dez. 3 KIT Kommunikation, Innovation, Transfer
Hochschule Bochum

Studie über die Zahlungsbereitschaft für den Klimaschutz bringt ernüchternde Ergebnisse
Klimawandel und Klimaschutz sind seit Jahren Themen, die in der öffentlichen Debatte für große Aufmerksamkeit sorgen. Über den sogenannten Treibhauseffekt wird insbesondere in den Ländern der Europäischen Union heftig diskutiert während in den USA die Sorge über die globale Erwärmung weit weniger stark ausgeprägt scheint. Am Ende bleibt meist die Frage: Wer soll das bezahlen? Drei Wissenschaftler haben sich nun der schwierigen Aufgabe angenommen, die tatsächliche Zahlungsbereitschaft für den Klimaschutz zu untersuchen, unter ihnen auch der Bochumer Wirtschaftsprofessor Carsten Vogt.

Dummerweise ist der Klimaschutz ein sogenanntes 'öffentliches Gut'. "Alle Staaten", erläutert Carsten Vogt, "können das Gut 'stabiles Klima' unabhängig davon nutzen, ob sie einen Beitrag zur Erstellung bzw. Erhaltung des Guts geleistet haben oder nicht." Es stellt sich also die Frage, ob und in welchem Umfang Menschen bereit sind für etwas zu zahlen, das dann allen - auch denen, die nichts bezahlt haben - zugute kommt. Meinungsumfragen zeichneten bislang ein eher pessimistisches Bild.

Viele Befragte lehnten z.B. höhere Umweltsteuern oder Einschnitte beim persönlichen Lebensstandard ab. Und wenn dann mehr oder weniger komplexe Fragebogenstudien doch einmal zu dem Ergebnis kommen, dass die Menschen theoretisch bereit wären, für den Klimaschutz zu zahlen, ist eben dies das Problem: Theoretisch wären sie es, solange sie dafür kein real existierendes Geld auf einen real existierenden Tisch legen müssen. Zudem ist das Bild, das solche Studien zeichnen sehr uneinheitlich. Die gemessenen Werte für die Zahlungsbereitschaft zur Vermeidung einer Tonne CO2 reichen von 25€ bis hin zu knapp 500€.

Gemeinschaftlich haben sich die drei Wissenschaftler Andreas Löschel, Bodo Sturm und Carsten Vogt ein Verfahren überlegt, mit dem die reale Zahlungsbereitschaft für Klimaschutz in einem Kontext gemessen werden kann, in dem die Probanden tatsächlich eigenes Geld für die Vermeidung von CO2 einsetzen können. Dazu muss man wissen, dass seit 2005 in der EU ein börsenmäßiger Handel mit Emissionsrechten für Kohlendioxid stattfindet: Will ein Unternehmen, zum Beispiel ein Kraftwerksbetreiber, mehr CO2 ausstoßen, so muss dafür ein entsprechendes Recht, ein „Zertifikat" vorgelegt werden.

Die gut 200 Probanden erhielten jeweils 40€ als Aufwandsentschädigung für ihre Teilnahme. Im Verlauf des Experiments wurden ihnen zunächst die wichtigen Folgen des Klimawandels sowie die Funktionsweise des EU-Emissionshandels erklärt. Dann wurden ihnen fünf zufällig ausgewählte Preise präsentiert und sie wurden gefragt, wie viele CO2-Zertifikate sie zu dem ausgewählten Preis kaufen möchten. Die Teilnehmer hatten also die Möglichkeit, durch ihr Handeln die insgesamt in Europa emittierte Menge an CO2 zu reduzieren.

Die Ergebnisse sind ernüchternd: Im Mittel betrug die Zahlungsbereitschaft für die Vermeidung einer Tonne CO2 knapp 12€, der niedrigste bislang gemessene Wert. Sehr interessant ist zudem die Beobachtung, dass gut 60% der Teilnehmer eine Zahlungsbereitschaft von Null Euro aufwiesen. Das bedeutet, dass für eine substanzielle und kostspielige Klimaschutzpolitik letztlich keine politische Mehrheit existiert.

"Beachten muss man zudem, dass dieses Resultat mit einer deutschen Stichprobe erzielt wurde", erläutert Carsten Vogt: "Immerhin ist Deutschland ein Land, in dem der Klimawandel seit langem große Aufmerksamkeit in der öffentlichen Wahrnehmung genießt. Die deutsche Öffentlichkeit ist im internationalen Vergleich eher besorgt über die Folgen der Erderwärmung. Außerdem sind die Einkommen in Deutschland relativ hoch und ein höheres Einkommen geht im Allgemeinen mit einer höheren Nachfrage nach Umweltschutz einher."

Was bedeutet das nun für die internationale Klimaschutzpolitik?

"Wenn selbst in einem Land wie Deutschland die Zahlungsbereitschaft eher gering ist", so Vogt, "wie soll dann Chinesen und Indern in einem Kyoto-Folgeabkommen die Übernahme eigener kostspieliger Minderungspflichten zulasten von weiterem wirtschaftlichem Wachstum und Entwicklung schmackhaft gemacht werden?" Die Einbindung wichtiger Schwellenländer wäre aber unverzichtbar, wenn es künftig gelingen soll, die weltweiten CO2-Emissionen spürbar zu reduzieren.

Tatsächlich ist die geringe Zahlungsbereitschaft eine gute Erklärung, warum wichtige Vertragsstaaten nach der Aushandlung des Kyoto-Protokolls das Abkommen durch zahlreiche Nachverhandlungen zu letztlich symbolischer Politik reduziert haben. "Insgesamt", so fasst Wirtschaftsprofessor Carsten Vogt zusammen, "kann man sagen, dass die geringe Zahlungsbereitschaft für den Klimaschutz die ohnehin ungünstigen Anreize in der Klimapolitik zusätzlich verschärft."

Anhang
http://idw-online.de/pages/de/attachment5805

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Schneller Sepsistest rettet Leben

Britta Widmann
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

Blutvergiftung kann tödlich sein. Wer bislang an Sepsis litt, musste bis zu 48 Stunden auf die Laborergebnisse warten. Eine neue Diagnostik-Plattform in Scheckkartengröße soll die Analyse künftig schon nach einer Stunde liefern. Das System basiert auf Nanopartikeln, die automatisch per Magnetkraft gesteuert werden.
Die Blutvergiftung wird oftmals unterschätzt: Sie ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Hierzulande sterben jährlich rund 60 000 Menschen an einer Sepsis, fast ebenso viele wie am Herzinfarkt. Patienten, die mit einer Blutvergiftung auf die Intensivstation kommen, haben nach Angaben des Kompetenznetzes Sepsis nur eine rund 50-prozentige Überlebenswahrscheinlichkeit. Eine der Ursachen für die hohe Sterblichkeitsrate liegt in der falschen Behandlung durch die späte Diagnose. Arzt und Patient mussten bislang oft bis zu 48 Stunden auf die Analyse aus dem Labor warten. Künftig wird eine neue, mobile Diagnostik-Plattform für eine schnelle, kostengünstige Infektionsdiagnostik bereits während des Transports ins Krankenhaus sorgen. »MinoLab« besteht aus einer kreditkartengroßen Plastikkarte, die auf ein Analysegerät gesteckt wird, das kleiner als ein Notebook ist. Das System soll Ergebnisse in weniger als einer Stunde liefern und so eine lebensrettende Therapie ermöglichen. Es basiert auf magnetischen Partikeln, die an den zu untersuchenden Zellen in einer Blutprobe andocken und das System vollautomatisch per Magnetkraft durchlaufen. Am Ende des Prozesses erfolgt die Diagnose per Magnetsensorik. Entwickelt wird »MinoLab« derzeit im gleichnamigen BMBF-Projekt vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI in Leipzig in Kooperation mit der Fraunhofer-Ausgründung Magna Diagnostics. Weitere Projektpartner sind das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM in Berlin, Siemens, Dice, microfluidic ChipShop und das Austrian Institute of Technology.

»Nach der Blutentnahme binden magnetische Nanopartikel über spezifische Fängermoleküle an die Zielzellen in der Blutprobe. Über einen simplen Magneten werden die Partikel samt Krankheitserreger auf die Plastikkarte überführt und durch verschiedene miniaturisierte Reaktionskammern bewegt. Dort erfolgt die Polymerase-Kettenreaktion, eine Methode, um selbst geringste DNA-Sequenzen von Pathogenen millionenfach zu kopieren. Nach erfolgter Vervielfältigung transportieren die Nanopartikel die Pathogen-DNA weiter in die Detektionskammer, in der ein neuartiger magnetoresistiver Biochip Krankheitserreger sowie Antibiotikaresistenzen erkennen kann«, erläutert Dr. Dirk Kuhlmeier, Wissenschaftler am IZI, das Verfahren. »Sämtliche Reaktionen - von der Probenaufbereitung über die Zielmolekülisolation bis zum Nachweis - erfolgen dabei berührungsfrei und vollautomatisch«, sagt der Forscher. Der Routinebetrieb für den Laboranten wird damit deutlich vereinfacht. Zudem sinkt das Risiko einer Kontamination durch Bakterien, die über die Umwelt eingeschleust werden und einen Fehlalarm auslösen. »Durch die Kombination von magnetischen Nanopartikeln und neuartiger Mikrofluidik sparen wir nicht nur Zeit. Durch die Miniaturisierung entfällt zusätzlich ein umfangreicher apparativer Aufwand«, betont Kuhlmeier einen weiteren Vorteil.

Den Experten ist es bereits gelungen, die Sepsiserreger mit Hilfe magnetischer Nanopartikel zu isolieren und nachzuweisen. »Bis wir die Diagnoseplattform als Prototyp vorlegen können, dürften aber noch rund zwei Jahre vergehen«, sagt Kuhlmeier. Die Plattformtechnologie eigne sich jedoch nicht nur für Sepsistests, sondern könne Ärzte in Krankenhäusern und Praxen beim Beantworten verschiedenster molekularbiologischer Fragestellungen - von genetischen Prädispositionen bis zur Krebsdiagnostik - unterstützen.

Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010/12/sepsistest-minolab.jsp

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Gegen weiße Flecken auf der Landkarte: EU-gefördertes Projekt stellt Umweltverschmutzung dar

Dr. Christina Heimken
Presse- und Informationsstelle
Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Welches Ausmaß hat eine Ölverschmutzung auf hoher See? Wohin breitet sich das Öl aus? Um solche Fragen zu beantworten, stehen nun erstmals Landkarten im Internet zur Verfügung, die Luft-, Boden- und Wasserverschmutzung in Echtzeit darstellen. Dieses für jeden zugängliche Angebot ist das Ergebnis des internationalen Forschungsprojektes "Interoperability and Automated Mapping" (INTAMAP). Dabei haben Wissenschaftler eine Software entwickelt, die Umrisskarten erstellt, welche nicht nur das exakte Verschmutzungsgebiet darstellen, sondern auch zeigen, woher die Schadstoffe kommen und wohin sie sich bewegen.
"Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie Forschung helfen kann, Menschen und Umwelt zu schützen. Mit den neu entwickelten Systemen können Behörden und Bürger künftig schnell auf Gefahrenlagen reagieren und die weitere Entwicklung einer Umweltkatastrophe besser einschätzen", betont Prof. Dr. Edzer Pebesma, Koordinator des nun abgeschlossenen Projektes und stellvertretender Direktor des Instituts für Geoinformatik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Die Europäische Kommission unterstützte INTAMAP innerhalb des sechsten EU-Forschungsrahmenprogramms mit 1,8 Millionen Euro. Beteiligt waren Wissenschaftler aus Österreich, Belgien, Griechenland, den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland.

Die neue Methode löse ein Problem, sagen die Forscher: Bisher könne etwa bei einer Ölhavarie in europäischen Gewässern durch Messungen zwar das betroffene Verschmutzungsgebiet genau bestimmt werden. Oft sei aber nicht klar, wie stark die Verschmutzung ist oder woher sie kommt. Ohne diese Informationen sei es für die Behörden schwierig, schnell zu handeln und der Verschmutzung wirksam zu begegnen. So müssten beispielsweise Entscheidungen über eine Notevakuierung auf der Basis von Informationen getroffen werden, die von relativ wenigen, zum Teil weit auseinanderliegenden Messpunkten stammen. "Ohne Angaben über die Schadstoffbelastung zwischen diesen Messpunkten haben die Verantwortlichen aber keinen vollständigen Überblick über das Ausmaß des Verschmutzungsproblems", erklärt Edzer Pebesma.

Mithilfe der sogenannten Interpolationsmethode verdeutlicht INTAMAP, was zwischen den Messpunkten geschieht. Daher gibt die Karte ein genaueres Bild der Lage. Da hierfür eine lange Rechenzeit notwendig sein kann, entscheidet die Software anhand der im Ernstfall zur Verfügung stehenden Zeit, ob für eine sehr detailreiche Karte die genauste Interpolation erfolgt. Müssen beispielsweise Behörden schnell Entscheidungen über einen Rettungseinsatz treffen, erstellt das System in kurzer Zeit eine einfachere Darstellung, die zunächst einen groben Überblick über die Situation gibt und eine zeitnahe Reaktion ermöglicht.

Herzstück des Projekts ist eine quelloffene, also für jeden Interessierten zugängliche Interpolationssoftware, die über Webdienste mit der Außenwelt verbunden wird. Sie kann mit Rohdaten arbeiten, die nach den offenen Standards des "Open Geospatial Consortium" (OGC) im Internet veröffentlicht werden. Sobald die Daten verarbeitet sind, können die Karten mit Hilfe von Webdiensten, die ebenfalls den OGC-Standards entsprechen, nach Bedarf automatisch erstellt, im Web dargestellt und aktualisiert werden.

Ein mögliches Anwendungsbeispiel von INTAMAP für Privatpersonen betrifft die Partikelkonzentration aus städtischer und industrieller Luftverschmutzung. Sie kann schon in kurzen Entfernungen recht unterschiedlich sein. Wer mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, könnte mit Hilfe von INTAMAP die mittlere Schadstoffbelastung berechnen und verschiedene Fahrwege miteinander vergleichen. Ein anderes Anwendungsbeispiel betrifft Behörden und wird bereits umgesetzt: Das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz benutzt das INTAMAP-System zur Darstellung der Ergebnisse der stündlichen Gammastrahlenmessung durch die Plattform "EURDEP" (European Radiological Data Exchange Plattform).

Weitere Informationen:
http://www.intamap.org/index.php INTAMAP-Webseite
http://ifgi.uni-muenster.de/ Institut für Geoinformatik der Universität Münster

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Wer viel hat, gibt nicht immer viel

Dr. Paul Stoop
Informations- und Kommunikationsreferat
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH

Neues Buch zeigt, warum Menschen spenden
Weihnachtszeit ist Spendenzeit - rund 20 Prozent aller Spenden werden in Deutschland allein im Dezember gegeben. Warum Menschen tatsächlich spenden, ist bislang wenig erforscht. Erste Antworten auf diese Frage liefert jetzt ein neuer Sammelband, den das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) mit herausgegeben hat.

Wer viel hat, gibt auch viel - das gilt nicht zwingend für das Spenden. So spenden in Deutschland Menschen mit hohem Einkommen anteilig am wenigsten - im Vergleich zu Menschen mit geringerem Einkommen und auch im Unterschied zum Spendenverhalten der Wohlhabenden in anderen Ländern.

Für die Bereitschaft zu spenden machen die Autoren vielfältige Gründe geltend. Sie zeigen, dass Spenden nur zum Teil altruistischen Motiven entspringt. Wer spendet, erhofft sich häufig einen Nutzen - zum Beispiel Anerkennung oder Hilfe, wenn man dieser selbst bedarf. Zudem haben Faktoren wie Bildung, soziale Einbindung, eigene Erfahrungen mit Krankheit oder anderen Härtefällen in der Familie einen größeren Einfluss auf die Spendenbereitschaft als angenommen. Auch spenden Menschen oft spontan - meist dann, wenn die Medien über aktuelle Katastrophen berichten.

Der Sammelband untersucht die Frage, warum wir spenden, aus dem Blickwinkel verschiedener Disziplinen. Biologen, Historiker, Ökonomen, Politikwissenschaftler, Psychologen, Soziologen und Theologen sowie Praktiker des Fundraising und Spendenwesens kommen zu Wort.

Prosoziales Verhalten: Spenden in interdisziplinärer Perspektive, Maecenata Schriften, Ba 8, Stuttgart: Verlag Lucius & Lucius, 249 Seiten, € 44,00

Weitere Informationen:
http://www.wzb.eu

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Keimfrei ohne Chlor: Filter sichert sauberes Trinkwasser auf Schiffen

Franz-Georg Elpers
Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Mit neuer Membran Einsatz von Chemikalien minimieren - DBU fördert Projekt mit 108.000 Euro
Hamburg. Wasser ist für den Menschen der lebenswichtigste Rohstoff. Es von Bakterien und Viren frei zu halten, ist dafür die zentrale Voraussetzung. Die Desinfektion des kostbaren Guts ist also eine entscheidende Frage - auch in der Schifffahrt. Um das in großen Tanks gelagerte Trinkwasser für die Gesundheit unbedenklich aufzubereiten, wird hier meistens zu chemischen Verfahren gegriffen, oft etwa zu Chlor. Die Firma Aqua free Membrane Technology (Hamburg) erforscht aktuell ein Verfahren, das den Einsatz von Chemikalien drastisch mindern kann. Mit Hilfe einer neuartigen Membran soll Keimen beim Füllen der Tanks erst gar kein „Einlass" gewährt werden. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützt das Vorhaben mit rund 108.000 Euro. „Die Förderung nachhaltiger Chemie ist ein Schwerpunkt unserer Arbeit. Dazu gehört auch, den Einsatz von Chemikalien durch innovative Verfahren zu verringern", erklärt DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde.

Wenn Frachter und Schiffe in Häfen Frischwasser aufnehmen, ist das Risiko, dass dabei Krankheitserreger in die Tanks gelangen, groß. Statt Verunreinigungen mit chemischen Verfahren zu vermeiden, will die Aqua free Membrane Technology nun eine neue Filtertechnik entwickeln. Durch eine spezielle Membran hindurch soll das Wasser künftig in die Speicher eingefüllt werden. Diese dünnen, aber sehr stabilen Röhrchen befinden sich in einem Model, das vor das Wasserrohr gesetzt wird und so die Keime vollständig abfängt. „Der Einsatz von Chlor oder anderen desinfizierenden Chemikalien kann dadurch drastisch gemindert werden", hebt Projektleiter Dr. Stephan Brinke-Seiferth hervor.

Nach mehrfachem Gebrauch will die Firma das innovative Filtersystem wieder zurücknehmen und es für den nächsten Einsatz neu aufbereiten. „Dadurch stellen wir sicher, dass die Membran immer zu hundert Prozent funktionstüchtig ist", betont Brinke-Seiferth. Problematisch sei bei der Anwendung einer solchen Technik bislang gewesen, dass die Module sehr feinporig waren und der Prozess des Filterns dementsprechend lange dauerte. „Die Membran, die wir nun entwickeln, soll beides können: Die Bakterien zurückhalten und gleichzeitig einen schnellen Durchfluss möglich machen", erklärt Brinke-Seiferth. In einem ersten Schritt sollen nun Prototypen mit verschiedenen Membranen entstehen. Nach Versuchen im Labor werden dann der Bau einer Anlagentechnik und der Feldtest folgen, so der Projektleiter. Die Filter könnten künftig auf Containerschiffen genauso wie auf Segelbooten zum Einsatz kommen.

Das im Jahr 1999 als Start-up-Projekt an der Technischen Universität Hamburg-Harburg gegründete Unternehmen verfügt über eine langjährige Erfahrung in der Membrantechnologie und trägt mit seinen Produkten bereits im medizinischen Bereich zur verbesserten Hygiene bei. Lässt sich die in der Medizin angewandte Technik nun auch auf die Schifffahrt übertragen, kann für den DBU-Generalsekretär damit zu einer optimalen Trinkwassersicherheit beigetragen werden - „bei gleichzeitigem Schutz der Ressourcen und verminderten Einsatz von Chemie".

Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel30839_335.html

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Demografischer Wandel fordert Anpassungen in der Abwasserstruktur

Dr. Kathrin Schwabe
Pressestelle
Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Laut Statistischem Bundesamt wird Deutschland in den kommenden Jahrzehnten einen erheblichen Bevölkerungsrückgang erleben: nach jetzigem Stand um zehn bis 17 Prozent bis zum Jahr 2050. Hinzu kommen Abwanderungen aus ländlichen Gebieten in die Ballungsräume als Folge von ökonomischen Veränderungen besonders in Ostdeutschland. Aber auch Wachstums- und Schrumpfungsprozesse in enger räumlicher Nachbarschaft charakterisieren den demografischen Wandel. Für die raumbezogenen technischen Infrastrukturen wie Wasser, Abwasser oder Fernwärme bedeutet diese Entwicklung Anpassungsbedarf, da die Effizienz dieser Infrastrukturen maßgeblich von der Bevölkerungsdichte abhängt.
Wie das aussehen kann, welche Anforderungen zukünftig an die Wasserinfrastruktur zu stellen sind, aber auch welche Anpassungsmöglichkeiten bestehen, fasst eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung und der Universität Leipzig zusammen, die im Auftrag des Umweltbundesamtes im Rahmen des Umweltforschungsplanes (Förderkennzeichen 3708 16 305) erstellt und mit Bundesmitteln finanziert wurde.

Die identifizierten Auswirkungen des demografischen Wandels können unterschieden werden in betriebliche Auswirkungen für Wasserversorgung, Abwasserableitung und -behandlung und in die dadurch verursachten ökologischen und ökonomischen Effekte. Der Verbrauchsrückgang von Wasser aufgrund des demografischen Wandels wird noch verstärkt durch Wasser sparendes Verhalten in den Haushalten und den zunehmenden Einsatz von Wassereffizienztechnologien sowohl im Gewerbe als auch in den Haushalten. Projektleiter Dr. Thomas Hillenbrand geht deshalb davon aus, „das zurückgehende Nutzerzahlen für die Wasserver- als auch die Abwasserentsorgung und damit zurückgehende (Ab-) Wassermengen bei den derzeitigen Tarifstrukturen zurückgehende Einnahmen bedeuten. Aufgrund des sehr hohen Fixkostenanteils können die Kosten jedoch nur in geringem Umfang reduziert werden. Soweit nicht durch Effizienzverbesserungen oder Anpassungsmaßnahmen die Entwicklung beeinflusst werden kann, wären deutliche Erhöhungen der spezifischen Wasserpreise beziehungsweise Abwassergebühren in den vom demografischen Wandel stark betroffenen Gebieten die Folge."

Ausgehend von den identifizierten und hinsichtlich ihrer Bedeutung bewerteten Auswirkungen der demografischen Veränderungen beschreibt die gemeinsam mit dem Institut für Infrastruktur und Ressourcenmanagement der Universität Leipzig und den zwei Praxispartnern Kommunale Wasserwerke Leipzig GmbH und Emschergenossenschaft/Lippeverband erstellte Studie unterschiedliche technische sowie organisatorische Maßnahmenoptionen und erarbeitet Handlungsempfehlungen. Der Bericht stellt neben bereits gebräuchlichen Maßnahmen wie zum Beispiel Maßnahmen zur Verringerung der Ablagerungen im Kanalnetz zusätzlich neuartige technische Ansatzpunkte bei der Abwasserentsorgung bis hin zu neuen Systemkonzepten vor. Außerdem werden organisatorische Ansatzpunkte wie langfristig orientierte Sanierungs- und Investitionsplanungen, gezielte Strategien für Rückbau und Stilllegung, Möglichkeiten der interkommunalen Zusammenarbeit sowie innovative Organisationsmodelle behandelt. Solche neuen Organisationsmodelle spielen vor allem bei der Umsetzung von stärker dezentral ausgerichteten Konzepten eine wichtige Rolle und können dort langfristig einen ordnungsgemäßen Anlagenbetrieb und die geforderten Ablaufwerte sicher stellen.

In besonders betroffenen, ländlichen Regionen werden immer weniger und meist ältere Menschen leben, so dass Dienstleistungsmodelle zunehmend an Bedeutung gewinnen. Für die kommunalen Aufgabenträger könnte dies ein Anreiz sein, neue Geschäftsfelder mit marktreifen Dienstleistungsangeboten abseits der zentralen Abwasserbeseitigung zu entwickeln. Da besonders strukturschwache ländliche Gebiete von den Auswirkungen des demografischen Wandels betroffen sind, aber auch den Menschen in diesen Regionen alle kommunalen Infrastrukturkomponenten zur Verfügung gestellt werden müssen, haben die Ergebnisse des Vorhabens eine große Bedeutung für die Sicherung der öffentlichen Daseinsvorsorge in dünn besiedelten Räumen.

„Für Ver- und Entsorger sowie die Kommunen ist es entscheidend, sich frühzeitig auf die stattfindenden Veränderungen einzustellen, Stadtentwicklung sowie Unternehmensstrategie aufeinander abzustimmen und eine langfristig orientierte, die sich verändernden Rahmenbedingungen berücksichtigende Investitionsplanung durchzuführen. In diesem Sinne sind weitergehende Forschungs- und Entwicklungsprojekte aufgrund der anstehenden Herausforderungen notwendig", so Dr. Thomas Hillenbrand. Wichtigste Zielsetzung muss dabei die Entwicklung und Umsetzung all solcher Maßnahmen, Konzepte und Organisationsmodelle sein, die langfristig auch unter Berücksichtigung der zu erwartenden demografischen Entwicklung eine hohe Leistungsfähigkeit, Betriebssicherheit, Flexibilität, Ressourceneffizienz und Wirtschaftlichkeit der Abwasserentsorgung sicherstellen.

Die Studie kann unter http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3779.pdf angesehen und heruntergeladen werden.

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert die Rahmenbedingungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der breiten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI
Breslauer Straße 48
76139 Karlsruhe

Leitung Presse und Kommunikation
Dr. Kathrin Schwabe
Telefon +49 (0) 721 / 68 09 - 100
presse@isi.fraunhofer.de
www.isi.fraunhofer.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Gute Fette, böse Fette - Fettleber, die neue Volkskrankheit

Christine Jähn
Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Fett kann die Leber ebenso krank machen wie Alkohol oder Viren. Die Fettleber ist die häufigste Lebererkrankung und führt oft zu Zirrhose und Leberkrebs. Mehr als jeder fünfte Deutsche ist betroffen - auch Kinder.
Fett kann die Leber ebenso krank machen wie Alkohol oder Viren. Die Fettleber ist die häufigste Lebererkrankung und führt oft zu Zirrhose und Leberkrebs. Mehr als jeder fünfte Deutsche ist betroffen - auch Kinder.

Es gehört zu den Aufgaben der Leber, Fette zu speichern und zu verarbeiten. Aber sie können die Leber auch schädigen. Entscheidend ist, ob eine Entzündung entsteht. Im Sonderforschungsbereich Leberentzündung am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) fahnden Wissenschaftler nach den Faktoren, die Fette zu gefährlichen Krankheitserregern machen. Ihre Erkenntnisse könnten auch im medizinischen Kampf gegen die Virushepatitis und Leberkrebs helfen.

Zuviel Fett in der Leber ist ein relativ junges Krankheitsbild, das erst seit etwa 20 Jahren bekannt ist. Inzwischen ist es ein Massenphänomen. Die Ursachen sind oft eine falsche Ernährung und zu wenig Bewegung. Mehr als jeder fünfte Deutsche hat eine Fettleber, schon Kinder sind betroffen. Wenn aus der Leberverfettung eine Leberentzündung wird, gehen Zellen zugrunde und setzen Enzyme frei - die Leberwerte im Blut steigen an. Oft kommen die Ärzte erst bei einer Routineuntersuchung der drohenden Gefahr auf die Spur. "Aber warum entwickeln sich schädigende Entzündungen bei den einen, bei anderen nicht?", fragt Dr. Jörg Heeren. "Wenn wir das herausfinden, können wir den Entzündungen gezielt entgegensteuern." Der Biochemiker erforscht im Rahmen des Sonderforschungsbereichs "Leberentzündung" am UKE was Lipide in Leberzellen bewirken.

An den Arbeiten der Lipidforscher sind auch die anderen Forschergruppen in dem Sonderforschungsbereich interessiert. "Über die Lipide lernen wir, welche Prozesse in den Leberzellen der Entzündung entgegenwirken, dies lässt sich auch auf andere Lebererkrankungen übertragen", sagt Prof. Dr. Ansgar Lohse, Sprecher des Sonderforschungsbereichs. Möglicherweise ließen sich auf die Weise dann auch Leberinfektionen oder Leberkrebs beeinflussen.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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„Kommission Landwirtschaft am Umweltbundesamt" gegründet

Martin Ittershagen
Pressestelle
Umweltbundesamt (UBA)

9-köpfiges Expertenteam berät zu Umweltschutz und Landwirtschaft
Die Gründung einer „Kommission Landwirtschaft am Umweltbundesamt" (KLU) soll den Umweltschutz in und mit der Landwirtschaft stärken. Leiter der KLU wird Lutz Ribbe, Direktor der Stiftung EURONATUR.

„Die Wirkungen der Landwirtschaft auf unser Klima, auf Gewässer und Böden verursachen nach wie vor große Umweltprobleme, die dringend angegangen werden müssen. Die Kommission Landwirtschaft soll das Umweltbundesamt mit konkreten Vorschlägen zu einer umweltgerechteren Landwirtschaft beraten. Zudem soll sie dazu beitragen, dem Umweltschutz in der bis 2013 anstehenden Reformrunde der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäschen Union (CAP - Common Agricultural Policy) mehr Gewicht zu verschaffen", erklärte der Präsident des Umweltbundesamtes Jochen Flasbarth. „Die gegenwärtigen Umweltprobleme der Landwirtschaft entstehen nicht dadurch, dass Landwirte gegen Gesetze verstoßen", sagt Lutz Ribbe, „Sie sind vielmehr durch unzureichende rechtliche Vorgaben und falsche ökonomische Anreize bedingt". Die Reform der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik müsse daher zu Korrekturen genutzt werden: Ziel müsse etwa sein, die Umweltauswirkungen der Landwirtschaft insgesamt deutlich zu reduzieren.
Als konkrete wichtige Ziele der KLU nennt Lutz Ribbe die Senkung der Ammoniakemissionen, welche die Eutrophierung sowie die Versauerung von Böden und Gewässern verstärken, sowie einen anspruchsvollen Gewässerschutz. Eine neue Herausforderung der Landwirtschaft stelle der Klimaschutz dar. Hier, ebenso wie bei den voran genannten Themen, gelte es, Maßnahmen zu konkretisieren und umzusetzen.
Als Mitglieder der Kommission hat UBA-Präsident Jochen Flasbarth Fachleute aus der Landwirtschaft und dem Umweltschutz gewinnen können: Annette Freibauer und Hiltrud Nieberg vom Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI), Kurt Hülsbergen von der Technischen Universität München, Heino von Meyer von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Ulrich Peterwitz von der Gelsenwasser AG, Wolfram Güthler vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, Franz Makeschin von der Technischen Universität Dresden und Andreas Krug vom Bundesamt für Naturschutz.

Die Geschäftsstelle der KLU ist am Umweltbundesamt im Fachgebiet II 2.8 „Bodennutzung und -bewirtschaftung, Landwirtschaft" unter der Leitung von Dr. Dietrich Schulz angesiedelt, Telefon: 0340 2103-2885, E-Mail: dietrich.schulz@uba.de.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Wenn zu Rückenschmerzen auch noch Depressionen kommen

Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Heidelberg

Ärzte der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg können Betroffenen mit einer vielseitigen Therapie helfen
Chronische Rückenschmerzen gehen häufig mit Depressionen einher. Eine sogenannte multimodale Schmerztherapie, die ärztliche sowie physio-, ergo- und psychotherapeutische Behandlungen zusammenfasst, kann betroffenen Patienten besonders gut helfen. Das ist das Ergebnis, zu dem eine Forschergruppe um Professor Marcus Schiltenwolf und Dr. Haili Wang von der Orthopädischen Universitätsklinik Heidelberg in einer Studie kommt, die jetzt in der Fachzeitschrift „Arthritis Research & Therapy" erschienen ist.

„Wir haben sechs Monate lang die Therapieergebnisse bei chronischen Rückenschmerzen-Patienten mit und ohne Depression verglichen", sagt Professor Schiltenwolf, Leiter des Fachbereiches Schmerztherapie an der Orthopädischen Universitätsklinik. Bei chronischen Rückenschmerzen-Patienten mit Depression waren die Schmerzen nach sechs Monaten um 49 Prozent zurückgegangen, bei denen ohne Depression waren es nur 15 Prozent. Auch die Rückenfunktion hatte sich bei den depressiven Patienten stärker verbessert (35 Prozent) als bei nicht-depressiven (25 Prozent). „Es scheint, dass beim Vorliegen einer Depression die multidisziplinären Inhalte der Schmerztherapie einen besonders nachhaltigen Effekt erzielen können", erklärt sich Professor Schiltenwolf das Ergebnis. Die zu Therapiebeginn beeinträchtigte Lebensqualität habe sich gleichermaßen in beiden Patientengruppen deutlich verbessert.

Dass der Spiegel des sogenannten Tumor-Nekrosis-Faktors-a (TNF-a), der eine wichtige Rolle bei Entzündungen spielt, bei chronischen Rückenschmerzen signifikant erhöht ist, hatten die Forscher schon vor zwei Jahren herausgefunden. In der Zwischenzeit mehrten sich die Anzeichen dafür, dass TNF-a auch in Chronifizierungsprozesse von Schmerzen und in Verläufe von Depressionen involviert ist. Schiltenwolf und seine Kollegen stellten jedoch in einer weiteren Studie fest, dass der Spiegel bei depressiven Rückenschmerz-Patienten ähnlich hoch ist wie bei nicht-depressiven. „Für eine medikamentöse anti-TNF-a-Therapie, wie sie bei rheumatischen Erkrankungen zunehmend durchgeführt wird, gibt es deshalb bei chronischen Rückenschmerzen mit und ohne Depression aktuell keine Begründung", so Professor Schiltenwolf.

Literatur:
H. Wang, C. Ahrens, W. Rief, S. Gantz, M. Schiltenwolf, W. Richter. Influence of depression symptoms on serum tumor necrosis factor-a of patients with chronic low back pain. Arthritis Research & Therapy.
H. Wang, C. Ahrens, W. Rief, M. Schiltenwolf: Influence of comorbidity with depression on interdisciplinary therapy: outcomes in patients with chronic low back pain. Arthritis Research & Therapy.

Weitere Informationen über die Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Orthopaedische-Klinik.106690.0.html

Ansprechpartner:
Professor Dr. Marcus Schiltenwolf
Leiter Sektion Schmerztherapie
Orthopädische Universitätsklinik Heidelberg
Schlierbacher Landstraße 200a
69118 Heidelberg
Tel.: 06221 / 96 63 23
Fax: 06221 / 96 62 38
E-Mail: marcus.schiltenwolf@ok.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.600 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.400 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Typisch italienisch, oder?

Ute Schönfelder
Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Psychologinnen der Universität Jena zeigen, wie der Akzent die Wahrnehmung von Personen prägt
„Ich habe fertig!" Mit diesem Satz beendete Giovanni Trapattoni 1998 als Trainer des FC Bayern München eine Wutrede über die Leistungen der Spieler seiner Mannschaft. Und „Herr Angelo" gibt in einer Kaffee-Werbung seiner Nachbarin mit einem verschmitzten Lächeln zu verstehen: „Ich habe gar keine Auto". In beiden Fällen ist der Italiener am Akzent unverkennbar und so erscheinen das überschäumende Temperament des einen und die charmante Art des anderen gleich als „typisch italienisch".

Der Akzent, mit dem eine Person spricht, spielt eine entscheidende Rolle dabei, wie wir diese Person einordnen. Das haben Psychologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena jetzt herausgefunden. „Der Akzent ist dabei sehr viel wichtiger als etwa das Aussehen der Person", nennt Dr. Tamara Rakić ein zentrales Ergebnis der Studie, die soeben in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Journal of Personality and Social Psychology" erschienen ist. Die Studie basiert auf der Dissertation von Dr. Rakić im internationalen Graduiertenkolleg „Konflikt und Kooperation zwischen sozialen Gruppen".

„Das Einordnen in soziale Kategorien, zum Beispiel nach ethnischer Zugehörigkeit, passiert spontan und hilft uns, die komplexe Welt einfacher und damit verständlicher zu machen und so leichter mit Komplexität umgehen zu können", weiß Dr. Rakić. Allerdings, so fährt die Jenaer Psychologin fort, könne aus einer Kategorisierung auch eine unreflektierte Bewertung über Stereotype werden und zu Diskriminierung führen. Wie der Prozess der Personenwahrnehmung und sozialen Kategorisierung genau abläuft, das untersuchen die Psychologinnen der Jenaer Universität im Rahmen eines Projekts von Prof. Dr. Melanie Steffens in der Forschergruppe „Personenwahrnehmung".

In ihrer aktuellen Studie sind Dr. Rakić und ihre Kolleginnen Prof. Dr. Melanie Steffens und Prof. Dr. Amélie Mummendey dabei erstmals empirisch der Bedeutung der Sprache für die ethnische Zuordnung nachgegangen. „Mit unserer Sprache übermitteln wir nicht nur Informationen. Die Sprache selbst liefert viele Informationen über die Person, die spricht", sagt Dr. Rakić. So lasse sich an der Sprache etwas über Temperament, Alter oder Gemütszustand ableiten. „Wer mit einem Akzent spricht, der verrät zudem seine ethnische Herkunft."

Bislang sind Wissenschaftler davon ausgegangen, dass visuelle Eindrücke bei der Kategorisierung fremder Personen Priorität haben. „Die große Mehrzahl der bisherigen Studien konzentriert sich auf das Aussehen", sagt die Psychologin Rakić. Der Einfluss der Sprache, genauer des Akzents, sei dagegen bisher vernachlässigt worden. Zu Unrecht, wie die Jenaer Forscherinnen nun zeigen konnten.

Sie haben Versuchspersonen Fotos von deutsch und italienisch aussehenden Personen zusammen mit einem schriftlichen Statement der Abgebildeten gezeigt. Anschließend mussten die Versuchspersonen die Aussagen diesen Personen wieder korrekt zuordnen. Im Einklang mit früheren Befunden wurden hierbei Verwechslungsfehler bevorzugt innerhalb der Gruppen der deutsch aussehenden und der italienisch aussehenden Personen gemacht, Aussagen von deutsch aussehenden wurden aber nicht fälschlicherweise italienisch aussehenden zugeordnet (oder umgekehrt). Interessant wurde es jedoch, als Akzente hinzukamen: Nun sprachen deutsch aussehende Personen mal hochdeutsch und mal mit italienischem Akzent, ebenso italienisch aussehende Menschen. „Dabei zeigte sich, dass sich die Versuchpersonen bei der Kategorisierung nahezu ausschließlich am gesprochenen Akzent orientierten", fasst Dr. Rakić ihre Ergebnisse zusammen. Das Aussehen - das im ersten Experiment, in Abwesenheit weiterer Information, zur Kategorisierung herangezogen wurde - spielte nun keine Rolle mehr. Dies belege die große Bedeutung der Sprache als Informationsquelle bei der ethnischen Kategorisierung von Personen und steht im Einklang damit, dass akzentfreie Sprache bei der Integration die entscheidende Rolle spielt.

Original-Publikation:
Rakić T, Steffens MC, Mummendey A. Blinded by the accent! The minor role of looks in ethnic categorization. Journal of Personality and Social Psychology 2010, DOI: 10.1037/a0021522

Kontakt:
Dr. Tamara Rakić
DFG-Forschergruppe „Personenwahrnehmung"
Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Leutragraben 1, 07743 Jena
E-Mail: tamara.rakic@uni-jena.de

Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Leckagen erkennen, Wasserverluste reduzieren

Dr. Norbert Aschenbrenner
Corporate Communications, Corporate Technology
Siemens AG

Wassernetze sind komplexe Systeme, und undichte Rohrleitungen können für Kommunen und Städten einen hohen finanziellen Schaden verur­sachen. Um dies zu verhindern, hat Siemens eine Softwarelösung entwickelt, die nicht nur Leckagen in den Wasserpipelines ausfindig macht, sondern diese auch permanent überwacht. Dadurch können Wasserverluste begrenzt und der vor allem durch Instandhaltungsmaßnahmen entstehende Aufwand deutlich reduziert werden.

In einer Großstadt wie Berlin verbrauchen die Bürger rund 585.000 Kubikmeter Trinkwasser am Tag. Löcher in den Rohrleitungen können schnell hohe Kosten verursachen. Die Rohre müssen daher kontinuierlich überwacht werden. Dies ist jedoch aufgrund der oftmals vielfach verzweigten Wassernetze schwierig. Das neue Verfahren von Siemens basiert auf einem ausgeklügelten Ortungs- und Monitoringsystem: Mit Ultraschall wird die Durchflussmenge des Trinkwassers gemessen. Dazu werden Messzonen, sogenannte District-Metering-Areas, eingerichtet, in denen der Zu und -abfluss des Wassers erfasst wird. Ist der Verbrauch in einer Zone höher als gewöhnlich, kann auf eine Leckage geschlossen werden.

Die Messungen erfolgen in den Nachtstunden zwischen zwei und vier Uhr morgens. Zu dieser Zeit ist die Durchflussmenge relativ gering und gleichmäßig. Die Messergebnisse werden an das Computersystem des jeweiligen Nutzers weitergeleitet und ausgewertet. Mit Hilfe statistischer Methoden und einer modellgestützten netzweiten Massenbilanz können so Leckstellen detektiert und den einzelnen Zonen zugeordnet werden. Darauf aufbauend werden die vermuteten Leckagen durch temporär installierte Akustiksensoren bestimmt und schließlich mit Hilfen von Korrelatoren, die die unterschiedlichen Ausbreitungszeiten der Leckgeräusche zu den beiden Messpunkten berücksichtigen, metergenau lokalisiert.

SIWA LeakControl wurde von Siemens Industry Solutions in Zusammenarbeit mit Siemens Corporate Technology entwickelt. Das Ortungs- und Monitoring-System erhöht die Wirtschaftlichkeit der Wasserversorgung und vermindert Folgeschäden.

Link zu Foto:
http://www.siemens.com/press/de/pressebilder/?press=/de/pressebilder/innovationn...

Weitere Informationen:
http://www.siemens.de/innovationnews

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Strömung im Schacht - ein Wasserkraftwerk für nebenan

Dr. Ulrich Marsch
Zentrale Presse & Kommunikation
Technische Universität München

Sie ist die älteste und „sauberste" erneuerbare Energie. Doch das Potenzial der Wasserkraft schien in Deutschland ausgeschöpft, Großprojekte in Entwicklungsländern stehen wegen des starken Eingriffs in die Umwelt in der Kritik. Forscher der Technischen Universität München (TUM) haben nun ein Kleinwasserkraftwerk entwickelt, das mehrere Probleme auf einmal löst: Es ist so einfach konstruiert und damit so kostengünstig, dass es auch an geringen Gefällen rentabel arbeitet. Zudem versteckt es sich in einem Schacht, sodass Landschaft und Gewässer geschont werden. Die Kraftwerke könnten an Tausenden ungenutzten Standorten in Europa und in bislang unversorgten Regionen weltweit Strom produzieren.
Mit Wasserkraft werden in Deutschland gut drei Prozent des verbrauchten Stroms erzeugt - und daran schien sich auch nicht mehr viel zu ändern. Denn die guten Standorte für Wasserkraftanlagen sind hierzulande schon längst belegt. In einigen Schwellenländern wird dagegen über gigantische Stauseen diskutiert, die alte Kulturlandschaften überschwemmen und Ökosysteme zerstören. Ärmeren Ländern wiederum fehlen Geld und Ingenieurwissen, um Wasserkraft einsetzen zu können.

Denn auch kleinere Anlagen sind ökonomisch aufwendig und überdies ökologisch keinesfalls unbedenklich. Will man etwa die Wasserkraft an einem relativ niedrigen Wehr nutzen, muss man bislang einen Teil des Flusses am Wehr vorbei durch ein sogenanntes Buchtenkraftwerk führen - mit folgenden Nachteilen:
• Die große Dimension der Anlage mit einer betonierten Umleitung des Wassers und einem Maschinenhaus verschlingt hohe Baukosten und zerstört Uferlandschaft.
• Um eine optimale Strömung im Kraftwerk zu erreichen, muss die Konstruktion je nach Höhe des Wehres und der umliegenden Topographie individuell geplant werden: Wie wird eine bis zu den Turbinen gleichmäßige Strömung erreicht? Wie soll das Wasser von dort aus ausgeleitet werden?
• Zwar sollen Fischtreppen den Tieren helfen, das Kraftwerk zu umgehen. Der Abstieg gelingt ihnen oft aber nicht, weil sie von der Strömung Richtung Kraftwerk getrieben werden. Größere Fische werden an den Rechen gedrückt, der den „Eingang" des Kraftwerks schützt, kleinere können durch die Turbine verletzt werden.

Das Kleinwasserkraftwerk, das ein Team um Prof. Peter Rutschmann und Dipl.-Ing. Albert Sepp am Oskar von Miller-Institut, der TUM-Versuchsanstalt für Wasserbau und Wasserwirtschaft, im Modell entwickelt hat, lässt die Landschaft dagegen weitgehend unangetastet. Nur ein kleines Transformator-Häuschen am Ufer ist sichtbar. Der wesentliche Teil des Kraftwerks verbirgt sich statt in einer aufwendigen Konstruktion in einem einfachen Schacht, der vor dem Wehr in das bestehende Flussbett gegraben wird. Das Wasser strömt in die kistenförmige Anlage hinab, treibt eine Turbine an und wird unter dem Wehr zurück in den Fluss geleitet. Möglich wird dies, weil mehrere Hersteller Generatoren entwickelt haben, die unter Wasser arbeiten können - ein Maschinenhaus am Ufer wird überflüssig.
Die TUM-Forscher mussten dennoch einige Probleme lösen: Wie verhindern sie, dass sich unerwünschte Wirbel bilden, wenn das Wasser plötzlich nach unten strömt? Und wie schonen sie die Fische? Rutschmann und Sepp schlugen zwei Fliegen mit einer Klappe - genauer gesagt mit einer Klappe im Wehr oberhalb des Kraftwerkschachts. Diese lässt einen kleinen Teil des Wassers durchfließen und damit auch die Fische passieren. Außerdem verhindert diese Fließbewegung die Wirbelbildung, die zu Wirkungsverlusten und erhöhtem Verschleiß beim Antrieb der Turbine führen würde.

Kern des Konzepts aber ist nicht die Optimierung der Effizienz, sondern die Optimierung der Kosten: Standardisierte, vorgefertigte Module sollen die Bestellung einer „Kraftwerk-Kiste" wie aus einem Katalog ermöglichen. „Wir gehen davon aus, dass die Kosten gegenüber einem Buchtenkraftwerk um 30 bis 50 Prozent niedriger ausfallen werden", sagt Rutschmann. Schon bei einer Fallhöhe des Wassers von nur ein bis zwei Metern kann das Schachtkraftwerk deshalb rentabel arbeiten, während ein Buchtenkraftwerk mindestens die doppelte Höhe benötigt. Ein weiterer Vorteil der Serienproduktion: Je nach Bedarf und Finanzkraft können bei einem breiteren Gewässer mehrere Schächte nebeneinander gegraben werden - auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Damit können Investoren Standorte in den Blick nehmen, die bislang für die Nutzung der Wasserkraft kaum interessant waren. Besondere Aktualität bekommt diese Möglichkeit durch die EU-Wasserrahmenrichtlinie. Diese verlangt, auch kleinere Flüsse für Fische durchgängig zu machen. Allein in Bayern gibt es mehrere Tausend Querbauwerke, wie etwa Wehre, die deshalb umgerüstet werden müssen, etliche erfüllen gleichzeitig die Voraussetzung für ein Schachtkraftwerk. Der Bau Tausender Fischrampen würde die EU-Staaten Milliarden kosten und das Klima mit Tonnen von Kohlendioxid belasten. Würden stattdessen Schachtkraftwerke mit Fisch-Klappe und einem zusätzlichen Fischaufstieg installiert werden, übernähmen die jeweiligen Investoren die Kosten und produzierten langfristig klimafreundlichen Strom, der für eine kleine Gemeinde ausreicht - ein Wasserkraftwerk im Flüsschen nebenan.

Auch in Entwicklungsländern könnte das Schachtkraftwerk eine bedeutende Rolle übernehmen. „Große Teile der Weltbevölkerung haben überhaupt keinen Zugang zu Energie", klagt Rutschmann. „Ihre einzige Chance ist eine dezentrale Stromversorgung mit kostengünstigen, einfachen zu bedienenden Kraftwerken, die nicht oft gewartet werden müssen." Für den Fall, dass schon die Turbine nicht bezahlbar ist, hat Rutschmann eine Alternative ins Auge gefasst: „Man kann eine billige Tauchpumpe kaufen und sie rückwärts laufen lassen - das funktioniert in unserem Kraftwerk auch."

Kontakt:
Prof. Peter Rutschmann
Technische Universität München
Lehrstuhl für Wasserbau und Wasserwirtschaft
Tel.: +49 89 289 23161
E-Mail: rutschmann@tum.de

Bilder zum Download:
http://mediatum2.ub.tum.de/?cunfold=1001209&dir=1001209&id=1001209

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Direkte Demokratie: stark nachgefragt

Dr. Paul Stoop
Informations- und Kommunikationsreferat
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH

EU-Bürger fordern mehr Mitbestimmung - Politiker sind zögerlich
Die Bürger der Europäischen Union fordern eine stärkere Mitsprache bei Vertragsentscheidungen. Sie sprechen sich für die Ausweitung von EU-Referenden aus. Die politische Elite steht direktdemokratisch gefällten Entscheidungen dagegen skeptisch entgegen. Zu diesem Ergebnis kommt der Wissenschaftler Heiko Giebler in den aktuellen „WZB-Mitteilungen", der Zeitschrift des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB.

Für seine Analyse hat der Wissenschaftler Daten der Europäischen Wahlstudie von 2009 ausgewertet: Bürger und Kandidaten in allen 27 Mitgliedstaaten wurden bei den Wahlen zum Europaparlament befragt, ob künftige Entscheidungen über EU-Verträge per Referendum getroffen werden sollen oder nicht. Die Unterschiede in den Zustimmungsquoten zwischen den Bürgern und den Kandidaten der Europaparlamentswahl fallen in den Mitgliedstaaten teilweise dramatisch aus. Bei den Bürgern liegt die Forderung nach Referenden bei EU-Vertragsentscheidungen im europäischen Durchschnitt mehr als 30 Prozentpunkte über dem entsprechenden Wert bei den Kandidaten.

Bürger, die ein Vorantreiben des europäischen Einigungsprozesses befürworten, fordern ebenso eindeutig Entscheidungen per Referendum über EU-Verträge wie Bürger, die einen solchen Prozess ablehnen. Anders bei den Kandidaten der Europaparlamentswahl: Lediglich Kandidaten mit euroskeptischen Positionen plädieren mehrheitlich für Referenden über zukünftige EU-Verträge. Kandidaten mit einer neutralen oder positiven Einstellung zur europäischen Integration lehnen zu etwa zwei Dritteln eine solche Beteiligung ab.

Sollte die Nachfrage nach Referenden konstant bleiben oder sogar steigen, werden sie in beträchtlichem Maß die Gestalt der EU bestimmen. Offen lässt Giebler, ob dies eine Blockade des europäischen Einigungsprozesses zur Folge haben wird. Es lässt sich aber vermuten, dass dort, wo euroskeptische Eliten für Referenden eintreten - etwa in Frankreich, Schweden und vor allem Großbritannien -, auch eine stärkere Mobilisierung gegen die europäische Einigung vorherrschen wird.

Artikel über EU-Referenden in den WZB-Mitteilungen: http://www.wzb.eu/publikation/pdf/wm130/14-17.pdf

Pressekontakt :
Kerstin Schneider Tel.: 030-25491-506 kerstin.schneider@wzb.eu

Weitere Informationen:
http://www.wzb.eu

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Dem Wasserkreislauf auf der Spur: Abnehmende Verdunstung aus der Erdoberfläche trotz Erwärmung der Erdatmosphäre

Dr. Eberhard Fritz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Biogeochemie

Das Klimasystem der Erde ist komplex und nicht völlig verstanden. Bislang gingen Klimaforscher davon aus, dass die Erderwärmung den globalen Wasserkreislauf anheizt. Auf eine Überraschung sind nun Forscher des MPI für Biogeochemie in Jena gestoßen: Sie fanden heraus, dass zwischen 1998 und 2008 der weltweite Trend zunehmender Verdunstung der Landoberfläche deutlich abgeschwächt oder sogar umgekehrt wurde. Und das obwohl sich die Atmosphäre in derselben Zeit insgesamt erwärmt hat. Als mögliche Erklärung fanden die Forscher heraus, dass der Boden vor allem im südlichen Afrika, in Australien und in Südamerika zunehmend austrocknete. Die Ursache dafür und ob dieser Trend anhält ist noch unklar.
Ohne Wasserverdunstung würde es unter unseren Fußsohlen ziemlich heiß. Denn beim Verdampfen verbraucht die Feuchtigkeit des Bodens und der Pflanzen mehr als die Hälfte der Sonnenenergie, die auf die Kontinente trifft - und kühlt so die Erdoberfläche. Wie viel Feuchtigkeit dabei in die Atmosphäre aufsteigt, haben Wissenschaftler der Fluxnet-Initiative, die den weltweiten Stoffaustausch zwischen der Biosphäre und der Atmosphäre beobachtet, jetzt erstmals genau abgeschätzt. Demnach verdunsteten zwischen 1982 und 2008 im Durchschnitt weltweit jährlich 65.000 Kubikkilometer Wasser, das entspricht fast der Wassermenge des Kaspischen Meers, dem größten See der Erde. Dieser aus Daten abgeleitete Wert entspricht früheren Hochrechnungen aus anderen Studien. „Unsere Daten zeigen aber zum ersten Mal, wie sich die Verdunstung in diesem Zeitraum verändert hat", sagt Markus Reichstein, Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena und Koordinator der Studie.

Zunächst nahm die Menge des auf der globalen Landoberfläche verdampften Wassers bis 1997 jährlich um etwa 120 Kubikkilometer zu, mehr als das doppelte des Bodensees. Dieser Trend schwächte sich danach allerdings deutlich ab. „Da sich gleichzeitig die Temperatur der Atmosphäre leicht erhöhte, hat uns die Abschwächung der zunehmenden Verdunstung sehr überrascht", sagt Martin Jung, der die Daten am Jenaer Max-Planck-Institut maßgeblich ausgewertet hat. „Denn wärmere Luft kann bekanntermaßen mehr Feuchtigkeit aufnehmen." Klimaforscher gingen daher bislang davon aus, dass auf der wärmer werdenden Erde mehr Wasser verdampft. Doch möglicherweise gilt das nur regional begrenzt. Denn vor allem in Australien, Ostafrika und Südamerika geschah zwischen 1998 und 2008 genau das Gegenteil. Dort verdampfte deutlich weniger Wasser. Diesen starken Rückgang konnte auch die leicht erhöhte Verdunstung in China und Indien nicht wettmachen.

„Wie viel Wasser auf der Südhalbkugel verdunstet wurde, hing offenbar nicht davon ab, wie viel die Atmosphäre aufnehmen konnte, sondern wie viel Wasser im Boden zur Verfügung stand", so Jung. Und das wurde in den elf Jahren vor 2008 immer weniger. „Warum der Boden dort zunehmend trockener wird, wissen wir noch nicht", sagt der Klimaforscher. Er warnt aber ausdrücklich davor, darin schon Auswirkungen des Klimawandels zu sehen: Möglicherweise handele es sich nur um eine natürliche Schwankung, die sich bislang nicht erklären lässt. Auch periodisch auftretende Klimaphänomene wie etwa El Niño - eine alle paar Jahre auftretende warme Meeresströmung im Südpazifik - könnten den globalen Wasserkreislauf so durcheinander bringen, dass manche Gegenden der Welt vorübergehend trockener werden. „Um festzustellen, ob der Trend anhält, müssen wir den Wasserkreislauf deutlich länger beobachten", sagt Reichstein.

Sollte sich die Entwicklung tatsächlich fortsetzen, könnte das gravierende Folgen haben. Wie kräftig Pflanzen Photosynthese betreiben, und folglich wie üppig sie wachsen, hängt vor allem davon ab, ob sie ausreichend mit Wasser versorgt sind. Falls der Boden auf der Südhalbkugel weiter austrocknen würde, wäre das nicht nur für die ohnehin schwierige Landwirtschaft dieser Gebiete verheerend. Durch das verringerte Pflanzenwachstum und das reduzierte Wasserangebot würde auch weniger Kohlendioxid durch Photosynthese gebunden und somit der Treibhauseffekt weiter verstärkt. Da außerdem die kühlende Verdunstung reduziert wäre, könnte es regional zu einer weiteren Erwärmung der Landoberfläche kommen.

Dies müssen die zukünftigen Messungen zeigen. Denn die Methode der Fluxnet-Forscher ermöglicht es erstmals, die Entwicklung mit hoher Präzision zu verfolgen. „Wir lassen ausschließlich die Messdaten sprechen, wenn wir globale Kreisläufe wie etwa den Wasserzyklus untersuchen", sagt Reichstein. Die Forscher gehen also nicht wie früher üblich von hypothetischen Klimamodellen aus, um einzelne Messwerte zu interpretieren. Erstmalig lassen sie die Messwerte mit ausgefeilten Algorithmen, die aus der Forschung zur künstlichen Intelligenz stammen, selbst ein Modell erzeugen, welches auch nicht-lineare Zusammenhänge beschreiben kann. Als Datengrundlage haben die Forscher an mehr als 250 weltweiten Stationen zwischen 1997 und 2006 exakt aufgezeichnet, wie viel Wasser unter verschiedenen Klima- und Vegetationsbedingung verdunstet ist und dann mit Satellitendaten hochgerechnet.

„Wir wollen genau wissen, wie viel Wasser, Kohlendioxid und andere Stoffe der Boden und die Vegetation abgeben und aufnehmen und wie diese Kreisläufe mit der Erderwärmung zusammenhängen", sagt Reichstein. „Globale Messnetzwerke wie Fluxnet sowie Satellitendaten sind dafür auch in der Zukunft unverzichtbar und sollten klassische Klimabeobachtungen, etwa der Temperatur, verstärkt ergänzen." Denn nur dann können die Forscher die Entwicklung und den Beitrag einzelner Komponenten zum Gesamtklima erkennen und gezielte Maßnahmen empfehlen, um den Klimawandel zu begrenzen.

Originalarbeit:
Martin Jung, Markus Reichstein, Philippe Ciais, Sonia I. Seneviratne, Justin Sheffield, Michael L. Goulden, Gordon Bonan, Alessandro Cescatti, Jiquan Chen, Richard de Jeu, A. Johannes Dolman, Werner Eugster, Dieter Gerten, Damiano Gianelle, Nadine Gobron, Jens Heinke, John Kimball, Beverly E. Law, Leonardo Montagnani, Qiaozhen Mu, Brigitte Mueller, Keith Oleson, Dario Papale, Andrew D. Richardson, Olivier Roupsard, Steve Running, Enrico Tomelleri, Nicolas Viovy, Ulrich Weber, Christopher Williams, Eric Wood, Sönke Zaehle & Ke Zhang
Recent decline in the global land evapotranspiration trend due to limited moisture supply
Nature, 10. Oktober 2010; doi:10.1038/nature09396

Kontakt:
Dr. Markus Reichstein
Max-Planck-Institut für Biogeochemie, Jena
Tel.: +49 3641 576-273 oder +49 172 1096559

Weitere Informationen:
http://www.bgc-jena.mpg.de/bgc-mdi/
http://www.fluxdata.org/

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Resistenzmechanismus bei Chemo gefunden - Eine Ursache für Scheitern von Chemotherapien entdeckt

Christoph Wanko
Stabsstelle Kommunikation
Uniklinik Köln

Am 08. Oktober 2010 wurde in dem renommierten Fachjournal Molecular Cell eine Studie der Arbeitsgruppe um PD Dr. Christian Reinhardt veröffentlicht. Die Studie erbrachte Erkenntnisse rund um einen bisher unbekannten Mechanismus, der zum Scheitern von Chemotherapien beiträgt.
„Diese neuen Erkenntnisse zeigen uns nicht nur, wie Tumorzellen den Effekten einer Chemotherapie entgehen, sie bieten uns gleichzeitig einen molekularen Ansatzpunkt, um Resistenzen bei Chemotherapie zu durchbrechen und so die Wirksamkeit zu erhöhen", sagt PD Dr. Christian Reinhardt, Erstautor der neuen Studie.

Dr. Reinhardt leitet an der Klinik I für Innere Medizin der Uniklinik Köln eine durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Emmy-Noether Gruppe. Das internationale Forscherteam mit Wissenschaftlern aus den USA, den Niederlanden, England und Deutschland hat die Chemotherapieantwort verschiedener Krebszellen untersucht. Insbesondere Zellen, in denen das sogenannte p53 Gen verändert war, weckten das Interesse der Forscher. p53 wird von Tumorbiologen auch als der „Wächter des Genoms" bezeichnet.

Die genetische Inaktivierung von p53 steigert die Mutationsrate in menschlichen Zellen um ein Vielfaches. Diese Anhäufung von Fehlern in der Erbinformation führt letztendlich zur Entstehung von Krebs. Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass eine Inaktivierung von p53 sehr häufig in verschiedensten Krebsarten gefunden wird. Zusätzlich ist bekannt, dass p53-defiziente Tumoren häufig eine erhöhte Chemotherapieresistenz und eine deutlich schlechtere Prognose aufweisen.

Die Gruppe um PD Dr. Christian Reinhardt hat genetische Methoden verwendet, um Proteine zu identifizieren, die für die Chemotherapieresistenz speziell in p53-defizienten Zellen verantwortlich sind. Eines dieser Proteine ist das Enzym MK2.

Die Forscher konnten zeigen, dass MK2 essentiell ist für das Überleben von p53-defizienten Krebszellen, die mit Chemotherapie behandelt wurden. Wenn die Wissenschaftler das MK2-Protein mittels genetischer Tricks aus den p53-defizienten Krebszellen entfernten, so zeigten diese Zellen eine extrem verbesserte Chemotherapieantwort. Interessanterweise führte der Verlust von MK2 in Zellen mit intaktem p53 zu keiner Steigerung der Chemotherapieantwort. Diese Beobachtung zeigt, dass die Forscher einen Resistenzmechanismus identifiziert haben, der speziell in p53-defizienten Zellen wirkt.

Doch die Gruppe ging weiter: So konnte gezeigt werden, dass die Chemotherapiebehandlung zu einer Aktivierung des Enzyms MK2 führte. Diese MK2-Aktivierung hatte einen dramatischen Einfluss auf den RNA-Stoffwechsel der Krebszellen. Speziell die mRNA, die für das Protein Gadd45alpha kodierte wurde durch MK2 stabilisiert, was zu einer erhöhten Gadd45alpha Proteinproduktion führte. Diese Gadd45alpha Induktion wiederum verstärkte die MK2 Aktivierung. Die Forscher hatten also einen Mechanismus identifiziert, der sich selbst verstärkt und so die Chemotherapieresistenz von p53-defizienten Zellen vermittelt.

Nun ist MK2 ein Enzym, genauer gesagt eine Proteinkinase. Proteinkinasen sind in den letzten zehn Jahren vermehrt in das Interesse der großen Pharmafirmen gerückt, denn als Enzyme sind sie potentiell hemmbar. Eine pharmakologische Hemmung von MK2 stellt eine therapeutische Strategie dar, mit der man die Chemotherapieresistenz von p53-defizienten Tumoren durchbrechen kann. „Diese MK2-Hemmung sollte speziell in p53-defizienten Krebszellen zu einer Verbesserung des Ansprechens auf Chemotherapie führen, während normales Gewebe geschont bleibt, da in den gesunden Zellen p53 weiterhin aktiv ist", sagt Dr. Pia Hasskamp, Koautorin der Studie.

„MK2 ist eine Proteinkinase, die schon seit längerer Zeit genau untersucht wird, denn die Funktion dieses Proteins scheint ebenfalls eine Rolle bei der Entwicklung rheumatischer Erkrankungen zu spielen", sagt Prof. Dr. Michael Hallek, der Leiter der Klinik I für Innere Medizin. „Diese faszinierenden neuen Daten geben den behandelnden Ärzten ein Werkzeug an die Hand, mit dessen Hilfe chemotherapieresistente Tumore identifiziert werden können. Gleichzeitig zeigen die neuen Erkenntnisse einen Weg auf, mit dem eine solche Resistenz durchbrochen werden könnte", so Hallek weiter.

Die Arbeiten an diesem Projekt wurden durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die National Institutes of Health und den MIT David H. Koch Fund gefördert.

Für Rückfragen:

PD Dr. Christian Reinhardt
Emmy-Noether Gruppenleiter, Assistenzarzt
Telefon: 0221 4726-617
E-Mail: christian.reinhardt@uk-koeln.de

Christoph Wanko
Pressesprecher Uniklinik Köln
Stabsabteilung Kommunikation
Telefon: 0221 478-5548
E-Mail: pressestelle@uk-koeln.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Wenn Duschen krank macht

Dr. Bastian Dornbach

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
Braunschweiger Forscher verbessern Diagnose des Trinkwasserkeims Legionella.

Warmwasserheizungen, Klimaanlagen oder Duschen sind ein wahres Eldorado für Legionellen. Über feinste Lufttröpfchen gelangen die Keime tief in unsere Atemwege - eine Lungenentzündung droht. Weil sich Legionellen jedoch nur schwer isolieren und kultivieren lassen, ist ein Nachweis der unterschiedlichen Erregertypen sehr kompliziert. Forscher des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) haben nun ein sehr genaues und schnelles Diagnoseverfahren auf molekularer Ebene entwickelt.
Die Methode ermöglicht es, nicht nur Legionellen im Trinkwasser aufzuspüren, sondern auch festzustellen, ob sie zu einem gefährlichen Stamm gehören. Die Ergebnisse veröffentlichte das Wissenschaftsmagazin „Applied and Environmental Microbiology" in seiner jüngsten Ausgabe.

Legionellen-Erkrankungen sind weltweit verbreitet. Die für den Menschen bedeutsamste Art Legionella pneumophila verursacht die Legionellose oder Legionärskrankheit. Die stäbchenförmigen Bakterien wurden erstmals 1976 bei einem Veteranentreffen der „American Legion" in Philadelphia festgestellt, bei dem über 30 Menschen an schweren Lungeninfektionen starben. Eine Übertragung des Krankheitserregers erfolgt meist über die Luft, über sogenannte „erregerhaltige Aerosole", zum Beispiel aus Klimaanlagen oder Duschköpfen. Allein in Deutschland treten nach Schätzungen etwa 10.000 Legionella-Erkrankungen pro Jahr auf. Bis zu 2000 Erkrankungen verlaufen tödlich.

„Bisher war es oft sehr schwierig, die Ursache einer Epidemie schnell festzustellen, da man die Bakterien, ihre Virulenz und ihre Herkunft nicht genau bestimmen konnte", sagt Manfred Höfle, Forscher am HZI. „Allein bei Legionella pneumophila gibt es 14 Untergruppen, sogenannte Serotypen. Die Unterscheidung dieser verschiedenen Serotypen ist sehr aufwändig, da Legionellen sich nur schwer isolieren lassen: Sie wachsen sehr langsam oder werden von konkurrierenden Bakterien überwuchert."

Die Erreger werden daher über charakteristische Abschnitte ihrer DNA nachgewiesen. Manfred Höfle und seinen Forscherkollegen ist es jetzt gelungen, die erprobten Verfahren zur Gewinnung und Vervielfältigung von Legionellen-DNA weiterzuentwickeln und so zu verfeinern, dass ein Nachweis einzelner Bakterienstämme direkt aus Wasserproben möglich wurde.

„In der Vergangenheit waren die Konzentrierung und Aufreinigung von DNA aus Trinkwasser problematisch. Zudem wurde der notwendige genetische Auflösungsgrad bisher nicht erreicht", sagt Höfle. Sein Team, erfahren in der Analytik von Wasserproben und dem Nachweis darin enthaltener Keime, überwand die Schwierigkeiten durch verbesserte Verfahren.

„Wir können jetzt kurze, sich wiederholende DNA-Abschnitte, sogenannte tandem repeats, im Erbgut der Legionellen nachweisen", sagt Höfle. „Diese Tandemabschnitte werden farbig markiert und ergeben vergleichbare Muster für die verschiedenen Bakterienstämme. Damit können wir nicht nur überprüfen, welchen Keim die Wasserprobe enthält, sondern auch, wie krankmachend er für den Menschen ist." Die Nachweismethode kann zukünftig einen bedeutenden Beitrag für das Risikomanagement von Trinkwassersystemen leisten, um zum Beispiel tote Winkel und Biofilmaufwüchse aufzuspüren und besser zu kontrollieren, die Legionellen begünstigen.

Die Forschungsarbeit entstand im Rahmen der Doktorarbeit von Leila Kahlisch, innerhalb des von der Europäischen Union geförderten Projektes „Healthy-Water".

Originalartikel: High-Resolution In-Situ Genotyping of Legionella pneumophila Populations in Drinking Water by multiple-Locus Variable-Number Tandem-Repeat Analysis Using Environmental DNA. Leila Kahlisch, Karsten Henne, Josefin Draheim, Ingrid Brettar, and Manfred G. Höfle. Applied and Environmental Microbiology, Sept. 2010, Vol. 76, p.6186-6195

Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-hzi.de

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Mathematik sorgt für sauberes Wasser

Rudolf Kellermann
MATHEON, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Sekretariat MA 3-1
DFG Forschungszentrum MATHEON Mathematik für Schlüsseltechnologien

Noch ist die Situatuion nicht besorgniserregend, aber die Wirkstoffrückstände von Arzneimitteln in unserem Trinkwasser nehmen zu. Sowohl bei der Erkennung und Einordnung dieser Rückstände wie auch der Reduzierung will Dr. Marcus Weber, Mathematiker am DFG-Forschungszentrum MATHEON, helfen.
Trinkwasser ist für alles Leben auf der Erde die grundlegende Voraussetzung und deshalb vielleicht unser wertvollster Rohstoff. Doch auch dieser Rohstoff droht knapp zu werden. Zusätzlich ist er zunehmend vielfachen Belastungen ausgesetzt. Eine bisher kaum beachtete Belastung der Gewässer geht von unseren Medikamenten aus. Zwar noch lange nicht dramatisch aber durchaus merkbar sammeln sich die unterschiedlichsten Arzneimittelwirkstoffe im Wasser an. Die Folgen einer unbewussten Medikamentierung für Menschen, Tiere und Pflanzen über das Trinkwasser sind derzeit kaum erforscht.

Daher hatte das Umweltbundesamt (UBA) und das Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) auf Anregung des Bundesministeriums für Gesundheit im Januar in Berlin Experten des Gesundheitswesens, der pharmazeutischen Industrie, der Wasserwirtschaft, der Wissenschaft, der Umweltverbände und der Verbraucherorganisationen zu einer Tagung „Handlungsmöglichkeiten zur Minderung des Eintrags von Humanarzneimitteln und ihren Rückständen in das Roh- und Trinkwasser" eingeladen. Unter den 50 Experten war als einziger Mathematiker auch Dr. Marcus Weber, Mitarbeiter am DFG-Forschungszentrum MATHEON.

Als Ergebnis dieser Konferenz erschien nun ein Konsenspapier mit einigen sehr praktikablen Vorschlägen, deren Umsetzung in naher Zukunft beabsichtigt ist. In einigen Bereichen des Maßnahmenkatalogs ist eine wesentliche Beteiligung der Mathematik vorgesehen, die zu bisher nicht erwarteten Ergebnissen führen soll.

Schon seit Jahren arbeitet Marcus Weber im MATHEON und im Zuse-Institut an den mathematischen Voraussetzungen für eine schnelle und effiziente Simulation von Molekülen und deren Funktion in verschiedenen Arzneimitteln. Dabei wird das sog. „Schlüssel-Schloss-Prinzip" angewandt, bei dem am Rechner die Moleküle so konstruiert werden, dass sie vorhersehbar an ein schädliches Protein andocken, es blockieren und es damit unschädlich machen. Dank Visualisierung und Simulation kann das virtuelle Wirkstoffmolekül im Computer so lange umgebaut werden, bis ein optimales Ergebnis erreicht ist.

Ein Vorgang, der mit enormen Schwierigkeiten verbunden ist, denn sowohl das Wirkstoffmolekül wie auch das schädliche Protein verändern unter bestimmten Einflüssen wie z.B. Körpertemperatur ständig ihre Gestalt. Marcus Weber geht davon aus, dass derzeit weltweit bis zu 80 Prozent der Rechnerleistung moderner Großrechner alleine für die Simulation von Molekülen benötigt wird. Hier hilft die Mathematik mit neuen Algorithmen, die die Berechnungen vereinfachen und damit die Rechnerleistung optimieren. Die bisherigen Arbeiten von Marcus Weber sind hier sicherlich richtungweisend.

Und diese Forschungen von Marcus Weber und seiner Arbeitsgruppe können natürlich bei der Simulation von Schadstoffen, die möglicherweise in den Wasserkreislauf gelangen und dort in zu hoher Konzentration schädliche Auswirkungen für alle Lebewesen haben, hervorragend eingesetzt werden und zu ganz neuen Ansätzen führen.

So wurde auf der Tagung im Januar beispielsweise empfohlen, die Trinkwasserrelevanz von Medikamenten schon beim Design mit zu berücksichtigen. „Es bereitet uns keine Schwierigkeiten, nicht nur die pharmazeutische Wirkung der eigentlichen Arzneistoffe im Voraus zu simulieren, sondern wir können dabei auch deren mögliche Abbau- und Transformationsprodukte ins Auge fassen", sagt Dr. Weber. In einem weiteren Schritt können dann ebenso Medikamente entwickelt werden, die bestimmte Eigenschaften beinhalten, die ihre Bindung an Sedimente und Aktivkohle erhöhen. Damit wären diese Arzneien leichter aus dem Wasserkreislauf zu entfernen. Außerdem kann erreicht werden, dass der Wirkstoffanteil im Medikament, der den Körper ungenutzt verlässt, vermindert oder im Idealfall ganz eliminiert wird.

Ein weiteres Feld, bei dem Marcus Weber und seine mathematischen Forschungen große Fortschritte beim Rohwasserschutz erreichen könnten, ist die Risikoabschätzung der Wirkung bestimmter Arzneimittelrückstände im Trinkwasser. Viele dieser Spurenstoffe im Wasser können nicht in Tierversuchen untersucht werden, weil sie dazu isoliert oder im Labor künstlich hergestellt werden müssten, was für viele Verbindungsformen noch nicht möglich ist. Marcus Weber aber ist der Ansicht, dass „wir mit unseren Algorithmen ein virtuelles Labor schaffen können, in dem toxikologische Wirkungen von solchen Abbauprodukten simuliert werden. Das ist allerdings auch für uns eine relativ neue Fragestellung, aber eine sehr interessante und sicherlich lösbare Herausforderung", sagt der Mathematiker. Ein zusätzlicher Erfolg wäre, dass mit dem Einsatz mathematischer Grundlagen für toxikologische Untersuchungen Tierversuche ersetzt, eingeschränkt oder zumindest besser geplant werden können.

Marcus Weber ist überzeugt, dass die Fachtagung und das daraus entstandene Konsenzpapier ein wichtiger Schritt zur Reinhaltung unserer Lebensgrundlage Wasser ist. „Für mich ist dieser Aspekt ein weiteres Beispiel, auf dem unsere mathematischen Arbeiten die Grundlagen für eine erfolgreiche und vor allem die Natur schützende Maßnahme sind."

Weitere Informationen:
Dr. Marcus Weber, DFG-Forschungszentrum MATHEON, Tel.: +49-30-8 41 85-189, Email: weber@zib.de

Weitere Informationen:
http://www.matheon.de
http://www.zib.de/Numerik/DrugDesign/index.en.html

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Medikamente im Berliner Trinkwasser: Jacobs-Wissenschaftler veröffentlichen Übersichtskarte zur Gadoliniumbelastung

Dr. Kristin Beck
Corporate Communications & Media Relations
Jacobs University Bremen

Wer Arzneimittel einnimmt, belastet damit unfreiwillig das Trinkwasser. Wirkstoffe werden teilweise vom Körper ausgeschieden und die Toilette hinuntergespült. Klärwerke können diese Substanzen nur unzureichend entfernen. Die Konzentrationen sind zwar niedrig, aber die Auswirkungen des Medikamenten-Cocktails sind kaum erforscht. Wie es in der Hauptstadt um die Belastung des Trinkwassers bestellt ist, kann nun jeder Bürger im Internet einsehen.
Michael Bau, Jacobs University Professor of Geoscience, und PhD-Student Serkan Kulaksiz haben Ergebnisse ihrer Untersuchungen zur Belastung des Berliner Trinkwassers mit dem in der medizinischen Diagnostik verwendeten Kontrastmittel Gadolinium in einer Übersichtskarte zusammengefasst. Aufgeteilt nach Stadtteil zeigt die Karte die Verbreitung des Medikaments, das wie viele andere während der Trinkwasseraufbereitung nicht beseitigt wird. Gadolinium kann daher als Indikator für die Höhe der Medikamentenbelastung des Trinkwassers verwendet werden.

Die Karte und weitere Informationen zum Kontrastmittel Gadolinium unter:
http://www.jacobs-university.de/ess_geochemistry/Gadolinium_im_Berliner_Trinkwasser

Rückfragen beantwortet:
Michael Bau | Professor of Geoscience
Jacobs University Bremen
Tel.: 0421 200-3564 | E-Mail: m.bau@jacobs-university.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Auswirkungen des Klimawandels auf die Abflüsse des Rheins

Dipl.-Met. Alfred Hommes
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Bundesanstalt für Gewässerkunde

Forschungsprojekt „RheinBlick2050" präsentiert Ergebnisse

Seit Anfang 2008 haben Mitarbeiter der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) in einer international besetzten Gruppe von Hydrologen und Meteorologen der Internationalen Kommission für die Hydrologie des Rheingebietes (KHR) an der Fragestellung gearbeitet, wie sich ein zukünftiger Klimawandel auf das Abflussverhalten des Rheins und seiner großen Nebenflüsse auswirken könnte. Die Ergebnisse dieses Forschungsprojektes mit dem Kurztitel "RheinBlick2050" werden im Rahmen eines Kolloquiums am 13. und 14. Oktober 2010 in Bonn vorgestellt.
„Vorhersagen sind schwierig, insbesondere wenn sie die Zukunft betreffen" so ein geflügeltes Wort von Karl Valentin. Entsprechend dieser Grundidee wurde zwischen acht beteiligten Forschungsinstituten aus fünf Staaten ein Vorgehen abgestimmt, die Bandbreite möglicher zukünftiger Entwicklungen aufzeigen. Auf Grundlage der für Mitteleuropa verfügbaren Simulationen regionaler Klimamodelle wurden für ausgewählte Pegel entlang des Rheins, der Mosel und des Mains eine Vielzahl von gleichermaßen möglichen zukünftigen Abflusszuständen bis in das Jahr 2100 simuliert und hinsichtlich zukünftiger Änderungen der Hoch-, Mittel- und Niedrigwasserabflüsse ausgewertet.

Für die nahe Zukunft (2021 bis 2050) ergeben sich gegenüber dem Vergleichszeitraum (1961-1990) im hydrologischen Sommer (Mai bis Oktober) für mittlere und niedrige Abflüsse keine klaren Änderungstendenzen. Für die hydrologischen Wintermonate (November bis April) werden ansteigende Abflüsse in Niedrigwassersituationen angezeigt. Bei einer weiteren Zunahme der Treibhausgasemissionen bis zum Ende des 21. Jahrhunderts, würden die Änderungen des Abflussregimes nach gegenwärtigem Kenntnisstand allerdings deutlicher. Für den mittleren Abfluss werden unter diesen Bedingungen für die ferne Zukunft (2071 bis 2100) beispielsweise Zunahmen zwischen 5% und 40% im Winter und Abnahmen zwischen 5% bis 30% im Sommer simuliert.

„RheinBlick2050" liefert einen wertvollen Beitrag zur Abschätzung des zukünftigen Abflussregimes des Rheins. Die Arbeiten zeigen insbesondere, dass es nicht die eine Projektion des zukünftigen Abflussgeschehens gibt. Daher wird eine Vielzahl möglicher Entwicklungen in Form von Bandbreiten zusammengefasst. Diese finden bereits Berücksichtigung in der Expertengruppe „KLIMA" der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR). Diese Kommission hat u.a. das politische Mandat, Szenarien zum Abflussregime des Rheins zu erarbeiten, welche als Grundlage für die Entwicklung von Anpassungsstrategien an den Klimawandel in den Bereichen Ökologie, Hochwasserschutz, Infrastruktur, Transport, Energieproduktion oder Wasserversorgung dienen. Als Grundlage dafür sind entsprechende Leitwerte zur Orientierung zukünftiger Anpassungsmaßnahmen zu formulieren.
Angesichts des langen Simulationszeitraumes und der damit verbundenen Unsicherheiten, der zukünftig zu erwartenden weiteren Verbesserungen der Klimamodelle sowie der Vielzahl weiterer Einflussfaktoren auf die zukünftige Entwicklung der Abflüsse ist es erforderlich, Projekte wie "RheinBlick2050" in regelmäßigen Abständen fort zu entwickeln.

Die vollständigen Ergebnisse des Forschungsprojekts sind in Berichtsform auf den Internetseiten der KHR ( http://www.chr-khr.org/files/CHR_I-23.pdf ) verfügbar.

- Ansprechpartner:
Dr. Enno Nilson (nilson@bafg.de; Telefon: 0261/1306-5325)
Peter Krahe (krahe@bafg.de; Telefon: 0261/1306-5234)
Maria Carambia (carambia@bafg.de; Telefon: 0261/1306-5491)
alle: Bundesanstalt für Gewässerkunde, Am Mainzer Tor 1, 56068 Koblenz

- Koordination RheinBlick2050:
International Commission for the Hydrology of the Rhine basin (CHR)
Postbus 17
8200 AA Lelystad
info@chr-khr.org
+31 6 536 49 414

- Partner RheinBlick 2050:
Centre de Recherche Public - Gabriel Lippmann, Luxemburg
Deltares, Delft, Niederlande
Koninklijk Nederlands Meteorologisch Instituut, De Bilt, Niederlande
Rijkswaterstaat - Waterdienst, Lelystad, Niederlande
Bundesanstalt für Gewässerkunde, Koblenz, Deutschland
Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie, Wiesbaden, Deutschland
Cemagref, Antony, Frankreich
Bundesamt für Umwelt, Bern, Schweiz

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Dauerthema Migräne: Auslöser vermeiden ist falsch

Meike Drießen

Pressestelle
Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)
Deutscher Schmerzkongress 2010: Neue Methoden gegen ein altes Problem

„Schokolade verursacht Migräne" - mit Märchen wie diesem räumen Spezialisten beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim auf. Unter dem Motto „Visionen und Irrtümer" diskutieren Wissenschaftler neue Erkenntnisse: Migräne-Patienten sollten bekannte Auslöser nicht meiden - das macht die Sache nur schlimmer. Und nicht nur Medikamente helfen. Wissenschaftlich anerkannt sind auch Entspannung, Verhaltenstherapie und Biofeedback. Veranstaltet wird der Kongress von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes.

Irrtum: Migräneauslöser meiden

„Oft waren es gerade die Irrtümer, die zu Visionen und damit zu besseren Behandlungsmöglichkeiten geführt haben", stellt Kopfschmerzexperte Prof. Dr. Peter Kropp (Rostock), Kongresspräsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, fest. Ein Beispiel ist die irrtümliche Annahme, dass es besser wäre Migräneauslöser zu meiden. Weil man weiß, dass ein Glas Sekt oder Wein einen Migräneanfall bewirken könnte, verzichtet man lieber darauf. Neue Studien zeigen aber: Das Vermeiden von Migräne-Auslösern verstärkt die Symptome - es kommen immer mehr Auslöser hinzu. „Patienten sollten besser lernen, mit diesen so genannten Triggerfaktoren umzugehen", erklärt Prof. Kropp. Denn man kann „den Kopf" an die Migräneauslöser gewöhnen. „Löst Rotwein Migräne aus, sollten Patienten zum Beispiel ruhig ab und zu ein Glas trinken. Das funktioniert auch mit homöopathischen Dosen, also stark verdünnt."

Irrtum: Schokolade oder Streit lösen Migräne aus

Schokolade und andere Süßigkeiten werden immer wieder als Auslöser für Migräneattacken genannt. Der Hintergrund: Bis zu 70 Prozent der Patienten berichten, dass sie vor der Migräne Heißhunger auf Süßes erleben. Eine Studie hat nun gezeigt, dass die Süßigkeiten nicht Auslöser sind. Die Lust darauf ist lediglich ein Signal für den bevorstehenden Anfall. Der Grund ist einfach: „Das Hirn benötigt Energie für die kommende Attacke", so Prof. Kropp. Auch der Partnerschaftsstreit wurde zu Unrecht als Verursacher verdächtigt. Wissenschaftler haben festgestellt, dass Paare vor der Migräne eher miteinander streiten. Da vor der Migräne aber auch Gereiztheit, Nervosität, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen häufig auftreten, vermuten sie, dass der Patient kurz vor dem Anfall die Äußerungen des Gesprächspartners zu sehr „auf die Goldwaage legt" und so den Streit mit herbeiführt.

Irrtum: Kürzere Gymnasialzeit sorgt für mehr Kopfschmerz

Die Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre (G9 beziehungsweise G8) hat für eine heftige Debatte über potenzielle gesundheitliche Belastungen der Schüler gesorgt. „Wir haben deshalb im Winter 2008/2009 über 1.200 Schüler an Münchner Gymnasien des ersten G8- und des letzten G9-Jahrgangs über ihren Gesundheitszustand und ihre Lebensumstände befragt", sagt Prof. Dr. Andreas Straube von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Die gute Nachricht: Es gibt keine nachweisbaren Unterschiede zwischen den Jahrgängen bei der Häufigkeit von Kopfschmerzen oder anderen körperlichen Beschwerden. Die schlechte: Der Gesundheitszustand der Schüler ist allgemein besorgniserregend. Die Befragten beider Testgruppen gaben als häufigste gesundheitliche Beschwerden Kopfschmerzen (83,1 Prozent), Kreuz- oder Rückenschmerzen (47,7 Prozent), übermäßiges Schlafbedürfnis (45,6 Prozent) sowie Nacken- und Schulterschmerzen (45,0 Prozent) an. Experten sehen darin ein Zeichen für eine generell ungesunde Lebensweise und raten zu mehr körperlicher Aktivität und ausreichend Schlaf.

Was hilft: Neuer Wirkstoff gegen Migräne

Bei der Entstehung einer Migräne-Attacke spielt ein bestimmtes Protein - Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) - eine Schlüsselrolle. Es führt unter anderem dazu, dass sich Blutgefäße im Gehirn erweitern. Stoffe, die die Wirkung von CGRP hemmen, sollten daher die Entstehung einer Migräne-Attacke bremsen können. Aktuelle Studien haben das jetzt bestätigt. Der Wirkstoff Telcagepant hat sich dabei als ebenso wirksam erwiesen wie die gängigen Triptane, die häufig gegen Migräne eingesetzt werden. Der neue Wirkstoff schaltete die Schmerzen sogar tendenziell länger aus als Triptane.

Was hilft: Nicht nur Medikamente

Gegen Migräne helfen nicht nur Medikamente. So ist zum Beispiel die progressive Muskelentspannung nach Jacobson inzwischen grundlegender Bestandteil vieler Schmerz- und Stressbewältigungsprogramme. Sie senkt das Aktivierungsniveau für Attacken. Denn Entspannungstechniken reduzieren die Empfindlichkeit für akute Schmerzreize einerseits und aktivieren andererseits Hirnbereiche, die für die Schmerzdämpfung zuständig sind. Außerdem werden so Angstzustände abgebaut, was wiederum die Schmerztoleranz erhöht.

Was hilft: Verhaltenstherapie gegen Schmerzen

Die so genannte kognitive Verhaltenstherapie zielt auf die Veränderung der psychischen Einstellung des Patienten und das damit verbundene Körpererleben. Der Patient soll lernen, die schmerzbezogene Belastung und die Begleiterscheinungen zu bewältigen. Kognitive Ansätze helfen, flexibler und effektiver mit Schmerzen umzugehen. Dazu gehört insbesondere der Umgang mit negativen Stimmungen. „Diese Form der Psychotherapie ist ein gutes Mittel gegen Schmerzzustände- es wirkt zwar nicht so schnell wie ein Schmerzmedikament, dafür aber nachhaltiger", erklärt Prof. Kropp.

Was hilft: Biofeedback bei der Kopfschmerzbehandlung

Biofeedback ist ein wissenschaftliches Verfahren, mit dessen Hilfe normalerweise unbewusst ablaufende psychophysiologische Prozesse durch Rückmeldung (feedback) wahrnehmbar gemacht werden. Körperliche Prozesse, zum Beispiel Blutdruck oder die Atemfrequenz, werden elektronisch gemessen und dem Patienten über ein Signal zurückgemeldet. Der Patient wendet diese Signale an, um zum Beispiel Kontrolle über die Muskelspannung oder das Erregungsniveau - beide sind eng mit Schmerzzuständen verbunden - zu gewinnen und zu verändern. Das Biofeedback-Training hat sich als sehr wirkungsvoller Baustein verhaltenstherapeutischer Schmerzbehandlung erwiesen.

Link-Tipps

Anleitung für ein Entspannungstraining auf den Webseiten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft: http://www.dmkg.de
Biofeedback-Therapeuten im Internet: http://www.dgbfb.de
Alle Infos zum Schmerzkongress: http://www.schmerzkongress2010.de

Ansprechpartner

Prof. Dr. Peter Kropp, Kongresspräsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft DMKG, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie im Zentrum für Nervenheilkunde Medizinische Fakultät der Universität Rostock Gehlsheimer Straße 20, 18147 Rostock, Tel.: 0381/494-9530, peter.kropp@med.uni-rostock.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Klare Sache: Gewässerschutz beginnt vor der Haustür

Thomas von Salzen
Pressestelle
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

Das RWTH-Institut für Siedlungswasserwirtschaft sucht im Auftrag des Umweltministeriums NRW nach Möglichkeiten, die Wasserqualität zu verbessern
Im Durchschnitt verbraucht jeder Deutsche am Tag 127 Liter Wasser. Doch was so klar und frisch aus dem Hahn kommt, beinhaltet trotz aller Sorgfalt nicht selten Spurenstoffe von Arzneimitteln oder organische Industriechemikalien. Die Diskussion gewinnt aufgrund des demografischen Wandels mit immer mehr älteren Menschen in medizinischer Behandlung weiter an Gewicht. In dem vom Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz NRW ausgeschriebenen europaweiten Ideenwettbewerb zum Gewässerschutz bildete daher die Eliminierung von Spurenstoffen einen Schwerpunkt. Bei der Ausschreibung konnte sich das Institut für Siedlungswasserwirtschaft (ISA) in Zusammenarbeit mit der Aachener Verfahrenstechnik gegen die Konkurrenz durchsetzen. Bei fünf der insgesamt neun geförderten Projekte sind die RWTH-Wissenschaftler federführend und sorgen zusätzlich als Koordinator für den Austausch unter den Projektteilnehmern.

Das Forschungsvorhaben zum Gewässerschutz findet in Zusammenarbeit mit 18 Partnern statt. Die Projekte haben alle das gleiche Ziel: die Reduktion von organischen Spurenstoffe und Arzneimitteln. Dabei werden unterschiedliche Ansatzpunkte im Labor, in Technikumsanlagen oder unter großtechnischen Einsatzbedingungen verfolgt. Die Wissenschaftler untersuchen unter ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten, wie Kläranlagen die Spurenstoffe im Wasser weitgehend reduzieren können.

Im Rahmen des Projekts MIKRORUHR werden in Recherchearbeit Daten über die industrielle Einleitung in die Ruhr erhoben. Der Fluss ist ein wichtiger Trinkwasserlieferant. Daher ist es besonders wichtig herauszufinden, wo Verunreinigungen stattfinden und in welcher Konzentration Spurenstoffe eingeleitet werden. Das Projekt MIKROIND nutzt in einem nächsten Schritt diese erhobenen Daten, um verfahrenstechnische Maßnahmen zur Schadstoffreduktion an geeigneter Stelle einzubringen.

Die „Advanced Oxidation Processes" sind Versuchsgegenstand des MIKROLIGHT-Projekts. Bei diesen Verfahren werden die Spurenstoffe mittels kombinierter Verfahren, wie der UV-Bestrahlung und Ozonierung, eliminiert. Dass die Methode erfolgreich ist, wissen die Forscher bereits. Sie untersuchen nun, welche Kontaktzeiten und Konzentrationen der Oxidationsmittel mit dem Abwasser am effektivsten und dabei kostengünstig sind.

Das Projektteam MIKROMEM hat sich auf den Einsatz von Membranverfahren spezialisiert. An den Kläranlagen wird vor Ort geforscht, denn in NRW ist die Zahl der Membrankläranlagen so hoch, wie in keinem anderen Bundesland. Vereinfacht dargestellt funktioniert die Membran wie ein Kaffeefilter. Allerdings sind die eingesetzten Mikro- und Ultrafiltrationsmembranen viel feiner, sodass auch Bakterien und Viren zurückgehalten werden können. Da viele der organischen Spurenstoffe noch kleiner sind als Viren, ist eine Nanofiltration mit einer noch feineren Membran nötig. Das Wasser kann den Filter passieren, während sich die zurückgehaltenen Spurenstoffe aufkonzentrieren. Auch für den Umgang mit diesen Rückständen suchen die Forscher nach ökonomischen Lösungen.

Mit der Ertüchtigung kommunaler Kläranlagen durch die Verwendung von Aktivkohle beschäftigt sich die Projektgruppe MIKROFLOCK. Aktivkohle kann eine Vielzahl von Spurenstoffen gut adsorbieren. Das Team versucht nun herauszufinden, ob ein Granulat oder Pulver besser geeignet ist und welcher Einsatzort sich innerhalb der Kläranlage anbietet. Eine der Schwierigkeiten dieses Verfahrens besteht darin, dass die Kohle anschließend selbst wieder aus dem Wasser entfernt werden muss; dafür kommen zunächst nur Kläranlagen mit Sandfilter in Frage.

Die fünf beschriebenen Projekte werden in der ersten Phase, die zwölf Monate andauert, mit 1,9 Millionen Euro gefördert. Die Gesamtlaufzeit wird voraussichtlich zwischen 18 und 30 Monaten betragen. Insgesamt investiert das Umweltministerium NRW rund 6 Millionen Euro in die Forschung der Spurenelimination.

Das ISA ist darüber hinaus an drei weiteren Projekten dieses Forschungsschwerpunktes beteiligt. Dabei finden beispielsweise Untersuchungen in Schwerte statt. Die dortige Kläranlage verfügt über zwei verfahrenstechnisch vollständig trennbare Belebungsbeckenstraßen. Währen die eine Straße weiterhin konventionell betrieben wird, testen die Forscher in der zweiten Belebungsbeckenstraße den Einsatz von Ozon und Aktivkohle in Kombination. „Bei den Forschungsarbeiten zur Spurenstoffelimination können wir auf umfassende Erfahrungen aus zahlreichen Vorgängerprojekten wie beispielsweise die Untersuchung von Krankenhausabwässern zurückgreifen", fasst Dr. David Montag, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des ISA, zusammen. „Das ermöglicht uns eine differenzierte Sichtweise für die komplexe Problematik."

i.A. Kim-Laureen Döpke

Weitere Informationen:
Institut für Siedlungswasserwirtschaft
Dr.-Ing. David Montag
Telefon: +49 241 80 25215
E-Mail: montag@isa.rwth-aachen.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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WSI: Anteil der Löhne am Volkseinkommen wieder gesunken - Neuer Verteilungsbericht

Rainer Jung
Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Der Anteil der Gewinn- und Kapitaleinkommen am Volkseinkommen ist im ersten Halbjahr 2010 wieder deutlich gestiegen, der Anteil der Lohneinkommen ist gesunken. Damit setzt sich der langjährige einseitige Verteilungstrend in Deutschland fort. Lediglich das Krisenjahr 2009 hatte diese Entwicklung kurzzeitig unterbrochen, weil bei insgesamt sinkendem Volkseinkommen die Kapitaleinkommen zunächst noch stärker in Mitleidenschaft gezogen wurden als die Lohneinkommen. Das aktuelle Sparpaket und die geplante Gesundheitsreform der Bundesregierung verschärfen die ungleiche Verteilung weiter. Damit drohen neue Belastungen für Binnennachfrage und Wirtschaftswachstum, zumal gleichzeitig die Risiken bei der Außennachfrage zunehmen. Für eine nachhaltige Belebung der privaten Konsumnachfrage fehlen günstige verteilungspolitische Rahmenbedingungen. Zu diesen Ergebnissen kommt der neue Verteilungsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung. "Die Politik ignoriert wichtige Lehren, die die Krise noch einmal dick unterstrichen hat: Wenn die Einkommensungleichheit immer weiter wächst, destabilisiert das Wirtschaft und Gesellschaft. Unsere Binnenmarktschwäche und die soziale Polarisierung sind Hypotheken für die Zukunft", sagt Dr. Claus Schäfer, Leiter des WSI und Autor des Verteilungsberichts, der in der neuen Ausgabe der WSI Mitteilungen erscheint.

Dass das Kaufkraftpotenzial der Arbeitseinkommen in der ersten Hälfte des Jahres 2010 wieder gesunken ist, lässt sich unter anderem an der Lohnquote ablesen. Die Bruttolohnquote ging auf 65,5 Prozent zurück, nachdem sie 2009 bei gut 68 Prozent gelegen hatte (alle Zahlen in den Tabellen 1 und 2 des Verteilungsberichts; Link unten). Die Bruttogewinnquote stieg hingegen auf 34,5 Prozent, das waren knapp drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Zwar dürfte sich der Anteil der Lohneinkommen im zweiten Halbjahr etwas erhöhen, wenn viele Beschäftigte Urlaubs- und Weihnachtsgeld erhalten. Am Trend ändere das aber nichts, betont Verteilungsforscher Schäfer: "Wir sehen das alte Muster: Die Gewinn- und Kapitaleinkommen, die überwiegend einer relativ kleinen Bevölkerungsgruppe zufließen, wachsen deutlich schneller als die Lohneinkommen." Das unterstrichen auch weitere Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Danach haben die Gewinn- und Kapitaleinkommen im ersten Halbjahr 2010 gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum um 19,5 Prozent zugelegt, während die Lohneinkommen lediglich um 1,9 Prozent stiegen.

Netto - nach Abzug von Steuern und Abgaben - sank die Lohnquote von 40,9 Prozent im Jahr 2008 und 41,1 Prozent 2009 auf 39,4 Prozent im ersten Halbjahr 2010. Die Nettogewinnquote stieg zwischen 2009 und dem ersten Halbjahr 2010 von 32,6 auf 34 Prozent. Damit nähert sie sich wieder dem vom letzten Aufschwung geprägten Rekordjahr 2008, als es 34,9 Prozent waren. Vor 1990 erreichte die Nettolohnquote jahrzehntelang noch ein Niveau von über 50 Prozent, die Nettogewinnquote lag zwischen den 1960er- und dem Beginn der 1990er Jahre unter 30 Prozent.

Verschiedene Beschlüsse der Bundesregierung drohten die Verteilungsprobleme weiter zu verschärfen, warnt der WSI-Experte. So belaste die Ausweitung von Zusatzbeiträgen der Beschäftigten zur Gesundheitsfinanzierung kleine Einkommen überproportional. Und diese Beiträge müssten tendenziell wachsen weil künftig die Arbeitgeberbeiträge eingefroren werden. Hartz-IV-Empfängern würden im Zuge des Sparpakets Elterngeld und Wohngeldzuschüsse gestrichen beziehungsweise gekürzt. Gleichzeitig ermögliche die geplante Laufzeitverlängerung den Betreibern von Atomkraftwerken hohe Extragewinne. Demgegenüber fielen die zukünftigen öffentlichen Einnahmen aus der geplanten Kernbrennstoffsteuer ebenso wie die aus der Bankenabgabe "mehr als bescheiden" aus, so Schäfer.

Hoch problematisch sei auch, dass die Bundesregierung selbst bei Branchen-Mindestlöhnen in so sensiblen Bereichen wie der Leiharbeit immer noch zögere. Dabei könne ein allgemeiner Mindestlohn als beste Alternative nicht nur allen Niedriglohnbeschäftigten helfen, sondern auch den Sozialkassen, betont Schäfer. Der Forscher verweist auf Daten der Bundesregierung, nach denen die öffentliche Hand seit 2005 rund 50 Milliarden Euro dafür ausgeben musste, vor allem die Einkommen erwerbstätiger Niedrigverdiener und ihrer Familien auf Hartz-IV-Niveau aufzustocken.

Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/320_110307.html - Die PM mit Ansprechpartnern
http://www.boeckler.de/pdf/wsimit_2010_12_schaefer.pdf - Der Verteilungsbericht
http://www.boeckler.de/32014_110290.html#link - Infografik zum Download im neuen Böckler Impuls 19/2010

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Passgenaue Therapie für rastlose Beine in Sicht

Tanja Schmidhofer
Pressestelle
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München

Rastlose Beine gleich rastlose Beine? Die Unterscheidung zwischen zwei Formen des so genannten Restless-Legs-Syndroms ist mit einfachen Tests möglich wie ein
Göttinger Team um Dr. Cornelius Bachmann in Kooperation mit Dr. Roman Rolke, Universität Mainz, in der Fachzeitschrift Brain zeigen konnte. Die Forscher konnten mit einem im Deutschen Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz (DFNS)entwickelten Untersuchungsverfahren charakteristische Schmerzprofile für Patienten mit einem primären und sekundären Restless-Legs-Syndrom beschreiben - damit sind Rückschlüsse möglich, welche Therapie für welche Patienten am ehesten geeignet ist.

Sechs bis zwölf Prozent der Bevölkerung westlicher Industrienationen leiden am sog. primären Restless-Legs-Syndrom (RLS), dessen Ursache nicht fassbar ist. Dabei raubt ein Bewegungsdrang in den Beinen zusammen mit Kribbeln, Ziehen oder Reißen den Betroffenen oft den Schlaf. Die Diagnosefindung ist mit einem einzelnen Verfahren nicht möglich. Erschwerend kommt hinzu, dass es neben dem primären RLS auch eine sekundäre Form gibt, die mit einer Erkrankung feiner Nervenfasern, sog. Small Fiber Neuropathie, assoziiert ist.

Mit einfachen Tests zur Diagnose

Die Forscher konnten nun zeigen, dass eine Unterscheidung mit Hilfe der Quantitativ Sensorischen Testung (QST) nach DFNS-Standard möglich ist. Diese erfolgt mit einfachen Mitteln wie Pinsel oder Wattebausch auf der Haut und erfasst mit insgesamt 13 Parametern die Wahrnehmungs- und Schmerzschwellen für Kälte, Wärme und diverse mechanische Reize. Damit lässt sich das Schmerzprofil der einzelnen Patienten bestimmen. Das Ergebnis bei 21 Patienten mit primärem und 13 Patienten mit sekundärem RLS assoziiert mit Small Fiber Neuropathie im Vergleich mit 20 gesunden Probanden: Zwar waren alle Patienten besonders empfindlich auf spitze Nadelreize, aber Patienten mit primärem RLS nahmen Druck und Vibration stärker wahr. Patienten mit sekundärem RLS mit Erkrankung feiner Nervenfasern zeigten hingegen eine erhöhte Wahrnehmungsschwelle für Kälte und Wärme.

Passgenaue Therapie im Blick

„Mit der QST können wir nicht nur zwischen den beiden Formen des Restless-Legs-Syndroms unterscheiden - wir sind damit auch in der Lage, die Therapie zu optimieren.", freuen sich Dr. Bachmann und Dr. Rolke. Patienten, die ein sekundäres RLS assoziiert mit einer Erkrankung feiner Nervenfasern haben, helfen eher Medikamente gegen Nervenschmerzen. Patienten mit einer primären RLS profitieren eher von Wirkstoffen, die wie der Nervenbotenstoff Dopamin wirken.

Die Arbeit wurde beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim mit dem zweiten Förderpreis für klinische Schmerzforschung 2010 ausgezeichnet.

Literatur: Cornelius G. Bachmann, Roman Rolke, Uta Scheidt, Christine Stadelmann, Martin Sommer, Goran Pavlakovic, Svenja Happe, Rolf-Detlef Treede, Walter Paulus (2010) Thermal hypoaesthesia differentiates secondary restless legs syndrome associated with small fibre neuropathy from primary restless legs syndrome. Brain 133(3): 762-770. doi:10.1093/brain/awq026

Über den Deutschen Forschungsverbund Neuropathischer Schmerz (DFNS)

Ziel des DFNS ist, die medizinische Versorgung von Patienten mit Nervenschmerzen, sog. neuropathischen Schmerzen, grundlegend zu verbessern. Der Verbund wird seit 2002 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)gefördert und hat mit der Bewilligung der dritten Förderperiode bis 2012 die normalerweise vorgesehene Förderdauer von sechs Jahren überschritten. Im Netzwerk mit den beiden europäischen Forschungsverbünden Neuropain und Europain widmet sich der DFNS seit 2010 auch international der Erforschung chronischer Schmerzen und der Optimierung der Therapie. Sprecher des DFNS sind Prof. Dr. Ralf Baron (Kiel) und Prof. Dr. Dr. Thomas R. Tölle (München). Geschäftsstelle ist am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München.
http://www.neuropathischer-schmerz.de

Ansprechpartner:
Dr. med. Cornelius G. Bachmann
Abteilung Klinische Neurophysiologie
Georg-August-Universität
Robert-Koch-Strasse 40
D-37075 Göttingen
Telefon: 0551/396652
cbachma@gwdg.de
und
Dr. med. Roman Rolke
Klinik und Poliklinik für Neurologie
Universitätsmedizin der
Johannes Gutenberg Universität Mainz
Langenbeckstr. 1
55131 Mainz
Tel.: 06131-173110
rolke@uni-mainz.de

Weitere Informationen:
http://dx.doi.org/10.1093/brain/awq026

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Freiheit für den Rothirsch - der König will wandern

Eva Goris
Kommunikation
Deutsche Wildtier Stiftung

Rothirsche sind ausgeprägte Wanderer. Besonders wanderfreudig sind sie zur Brunft im Herbst. Seit Menschengedenken machen sie sich auf den Weg zu ihren traditionellen Brunftplätzen, um die nächste Generation zu zeugen. Doch der König will nicht nur wandern, um sich fortzupflanzen: Er macht sich auch auf den Weg, um zu Äsen, Ruhe zu finden und sich genüsslich unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Matsch zu suhlen. Mitunter marschieren Hirsche bis zu 100 Kilometer am Tag - wenn man sie lässt!
Doch der Mensch hat dem Hirsch seine Tour vermasselt. Städte und Straßen stören den Wander-Willen von Rotwild ganz erheblich. Neben der Zersiedelung der Landschaft gibt es noch ein gewichtiges Problem: „In neun Bundesländern Deutschlands ist unser größtes Landsäugetier in so genannte Rotwildbezirke eingesperrt", sagt Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. Außerhalb dieser „Reservate" ist Rotwild unerwünscht und muss per Gesetz erschossen werden.

Die Rotwildbezirke selbst sind klein und zersplittert. Außerdem bestehen sie fast ausschließlich aus Wald. „Und Wald ist als Lebensraum für Hirsche eher ungeeignet", sagt Baron Münchhausen. „Denn der Hirsch ist nicht der König der Wälder, sondern der König der Offenlandschaft." Mutter Natur hätte dem Tier nie ein Geweih aufgesetzt und es damit in den Wald geschickt! „Erst der Mensch hat den Hirsch in den Wald zurückgedrängt", erläutert der Geschäftsführer. Die Deutsche Wildtier Stiftung hat eine Rotwildverbreitungskarte für Deutschland erarbeitet, um das Dilemma zu verdeutlichen. „Diese Karte zeigt, wie eng es für den Rothirsch geworden ist", sagt Baron Münchhausen.

Nur in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Niedersachsen und dem Saarland darf Rotwild ungehindert wandern. Besonders unfrei ist der Hirsch im Freistaat: nur zwölf Prozent der Landesfläche sind in Bayern als Lebensraum vorsehen. Lediglich in Baden-Württemberg wird es für das Tier noch enger. Im Ländle muss er mit vier Prozent der Landesfläche auskommen. Bei Grenzüberschreitung knallt es und der Wanderer wird erschossen, denn im Süden hat der König das Image eines schäbigen Waldschädlings. „Doch auch in Bundesländern mit flächendeckender Verbreitung von Rotwild wird erfolgreich Forstwirtschaft betrieben", gibt Baron Münchhausen zu bedenken und fordert die Auflösung der Rotwildbezirke und damit: „Freiheit für den Rothirsch!"

Infos zur Rotwildverbreitungs-Karte auf: www.Rothirsch.org

Weitere Informationen:
http://Eva Goris, Pressesprecherin, Billbrookdeich 216, 22113 Hamburg, Telefon 040 73339-1874,Fax 040 7330278, E.Goris@DeutscheWildtierStiftung.de, www.DeutscheWildtierStiftung.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Arbeitszeitkonten haben sich in der Krise bewährt

Wolfgang Braun
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Jeder dritte Betrieb hat während der Wirtschaftskrise den Abbau von Guthaben oder Aufbau von Minusstunden auf Arbeitszeitkonten zur Beschäftigungssicherung genutzt, zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Krisenbedingt sind in den betroffenen Unternehmen durchschnittlich rund 45 Stunden pro Arbeitnehmer abgebaut worden.
Die Zeitguthaben der Mitarbeiter sind bis zum dritten Quartal 2009 im Durchschnitt von rund 72 auf 27 Stunden zurückgegangen. Zu diesem Zeitpunkt waren in jedem vierten von der Krise betroffenen Betrieb die Plusstunden aufgebraucht. Minusstunden wurden in fünf Prozent der betroffenen Betriebe aufgebaut.

„Der Abbau der Guthaben auf den Arbeitszeitkonten und damit der Rückgang der gesamten Arbeitszeit haben zur Stabilität der Beschäftigung beigetragen", schreibt Ines Zapf, die Autorin der IAB-Studie. Die durchschnittliche Jahresarbeitszeit hat sich im Jahr 2009 um 3,1 Prozent verringert. Ein Beschäftigungseinbruch trat trotz der schweren Wirtschaftskrise nicht ein.
„Arbeitszeitkonten sind ein effektives Instrument, das die interne Flexibilität in Unternehmen erhöht. Betriebe können so ihre Reaktionszeit im Krisenfall verkürzen und bei anziehender Konjunktur den Auslastungsgrad und die Produktivität schnell steigern", so IAB-Forscherin Zapf.

Im Jahr 2009 verfügten 51 Prozent der Arbeitnehmer über ein Arbeitszeitkonto. Im produzierenden Gewerbe sind sie weiter verbreitet als im Dienstleistungsbereich, in größeren Betrieben mehr als in Kleinbetrieben.
Grundlage der Studie sind unter anderem Daten aus einer Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts WSI bei Betriebsräten im dritten Quartal 2009.

Die IAB-Studie im Internet: http://doku.iab.de/kurzber/2010/kb2210.pdf

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Gedächtnis ist nicht gleich Gedächtnis - Wie das Gehirn unterschiedliche Gedächtnisinhalte entstehen lässt

Kornelia Suske
Pressestelle
Klinikum der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

Was im Gedächtnis hängenbleibt, ist maßgeblich davon abhängig, auf welche Aspekte eines Ereignisses wir uns konzentrieren. Magdeburger Neurowissenschaftler konnten nun zwei Netzwerke im Gehirn identifizieren, die beim Lernen qualitativ unterschiedliche Merkmale einer Information abspeichern.
Ein Streit auf der Straße kann unsere Aufmerksamkeit auf verschiedene Aspekte der Szene lenken: Konzentriert man sich auf das, was dort geschrien wird, kann man sich später vermutlich an das Thema des Streit erinnern, vielleicht aber nicht an die Kleidung der Streitenden. Konzentriert man sich dagegen sehr auf das Aussehen, kann man später wohl eher Details über die Farbe der Kleidung als über den Inhalt des Streits wiedergeben. Erfolgreiches Erinnern hängt also immer auch davon ab, welcher Teil eines Gedächtnisinhaltes (z. B. oberflächliche oder inhaltliche Merkmale) aktuell von Bedeutung ist.

In der Studie an der Universitätsklinik für Neurologie wurde die Hirnaktivität von Probanden mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) gemessen, während diese sich lange Wortlisten einprägten. Diese Lernphase wurde gefolgt von einem zweistufigen „Gedächtnistest". Dabei blitzten sukzessive Wörter für nur extrem kurze Zeit (33-66 msec) auf dem Bildschirm auf, und die Probanden sollten zunächst versuchen, diese Wörter zu identifizieren. Danach sollte zudem angegeben werden, ob es sich bei dem eben gezeigten Wort um ein zuvor gelerntes oder um ein neues Wort handelt. Zuvor gelernte Wörter konnten wesentlich besser identifiziert werden als neue Wörter. Diesen Effekt bezeichnet man als implizites (unbewusstes) Gedächtnis, weil er unabhängig davon auftritt, ob sich die Probanden bewusst daran erinnern konnten, das entsprechende Wort zuvor gelernt zu haben (explizites oder bewusstes Gedächtnis).

Die Hirnforscher analysierten nun die Hirnaktivität der Probanden während des Lernens und zwar getrennt nach Wörtern, die später bewusst, unbewusst oder überhaupt nicht erinnert werden konnten. Es zeigte sich zum einen, dass ein bereits bekanntes Netzwerk aus Hippocampus, unterem Stirnlappen und oberem Scheitellappen späteres bewusstes (explizites) Erinnern vorhersagte. Zum anderen fand sich aber auch ein unabhängiges Netzwerk von Hirnregionen des oberen Stirn- und unteren Scheitellappens, in dem erhöhte Aktivität die spätere erfolgreiche Identifikation der Wörter, also das unbewusste Gedächtnis, vorhersagte. Erstaunlicherweise entsprach dieses Netzwerk exakt den Hirnregionen, die typischerweise auch Vergessen im expliziten Gedächtnis vorhersagen. Die Magdeburger Forscher vermuten, dass dieses Netzwerk immer dann aktiv ist, wenn Menschen ihre Aufmerksamkeit auf die eher oberflächlichen Merkmale (z.B. das Aussehen) einer Information richten. Diese Arte der Verarbeitung wirkt sich positiv auf die spätere Identifikation, aber negativ auf das bewusste Erinnern aus.

Beim Lernen scheinen also unterschiedliche Netzwerke in Gehirn qualitativ unterschiedliche Aspekte von Gedächtnisinhalten zu verarbeiten und abzuspeichern. Aktivität in denjenigen Regionen, die typischerweise späteres bewusstes Erinnern vorhersagen, spiegelt vermutlich das Verarbeiten der Wortbedeutung wieder. Dies wirkt sich zwar einerseits positiv auf das explizite Gedächtnis, gleichzeitig aber auch negativ auf das unbewusste, visuelle Verarbeiten einer Information aus. Ebenso gibt es Hirnregionen, die die visuellen Aspekte einer Information verarbeiten und eine eher oberflächliche Gedächtnisspur hinterlassen, deren Aktivität aber negative Konsequenzen für das spätere bewusste Erinnern dieser Information haben kann.

Die entsprechende Studie erschien in der aktuellen Ausgabe des "Journal of Neuroscience" (October 6, doi:10.1523/JNEUROSCI.0588-10.2010):

Wimber M., Heinze H.J., Richardson-Klavehn A. (2010). Distinct fronto-parietal networks set the stage for later perceptual identification priming and episodic recognition memory. Journal of Neuroscience, 30(40), 13272-13280.

Ansprechpartner für Rückfragen:
Dr. Maria Wimber
e-mail: maria.wimber@med.ovgu.de

Dr. Alan Richardson-Klavehn
e-mail: alan.richardson-klavehn@med.ovgu.de

Ögelin Düzel-Candan
Leitung Presse-und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinik für Neurologie
und Universitätsklinik für Stereotaktische Neurochirurgie
Leipziger Str. 44, 39120 Magdeburg
Tel: 0391 / 6117535
Fax: 0391 / 6117531
e-mail: oegelin.duezel-candan@med.ovgu.de
web:http://neuro2.med.uni-magdeburg.de/

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Europäischer Donauraum interessiert sich für zukunftsweisendes Klärkonzept

Anette Schober-Knitz
Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Hochschule Biberach

Der Experte für Siedlungswasserwirtschaft der Hochschule Biberach, Prof. Dr.-Ing. Helmut Kapp, hat sein aktuelles Forschungsprojekt bei der 3. Donaukonferenz in Brüssel vorstellen. Die Tagung Anfang Oktober stand unter dem Titel „Future for the Danube Area" und beschäftigte sich mit den verschiedenen Chancen und Herausforderungen der Umwelt- und insbesondere der Wasserpolitik im europäischen Donauraum.
Teilnehmer waren Vertreter aller an die Donau angrenzenden Länder und Regionen. Prof. Kapp stellte der Konferenz die Ergebnisse des Forschungsprojektes „Adsorptive Behandlung von Abwasser mit Aktivkohle zur Entnahme von Spurenstoffen" vor, das er für das Institut für Geo und Umwelt der Hochschule Biberach in Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Klärwerk Steinhäule, Ulm, und unterstützt durch das Ministerium für Umwelt, Natur und Verkehr Baden-Württemberg, sowie in einer zweiten Phase durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, Projektträger Karlsruhe) bearbeitet hat. Dabei ist es ihm gelungen, durch den Zusatz von Aktivkohle Restverschmutzungen in Kläranlagenabläufen - z.B. Hormone oder Medikamentenrückstände - maßgeblich zu reduzieren. Diese zusätzliche Klärstufe wird derzeit in mehreren Kläranlagen in Baden-Württemberg erstellt, etwa bei der Stadt Mannheim, die als erste Kommune Deutschlands Aktivkohle im großtechnischen Maßstab zur gezielten Spurenstoffentnahme einsetzt.
Den Teilnehmern der 3. Donaukonferenz erläuterte Prof. Kapp die konkreten Möglichkeiten dieser zusätzlichen Klärstufe. Die Konferenz wurde organisiert durch die Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der Europäischen Union. Unter dem Titel „Umwelt - Environnement - Environment" will die Vertretung Perspektiven für den europäischen Donauraum entwickeln, dabei stand die Wasserqualität der Donau im Mittelpunkt der Veranstaltung.
Die Landesvertretung Baden-Württemberg hat die Makro-Region Donaubecken zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit gemacht; die an die Donau angrenzenden Ländern sollen darin - als Teilraum der Europäischen Union - zusammen kommen und gemeinsame Themen und Ziele diskutieren. Baden-Württemberg sieht sich dabei als Initiator und wichtiger, treibender Motor einer gemeinsamen Donau-Strategie, zumal der Fluss Donau seinen Ursprung in Baden-Württemberg hat und von dort bis ins Schwarze Meer fließt. Baden-Württemberg unterhalte somit enge Verbindungen zu den Ländern des Donauraumes unterhält, so ein Sprecher der Landesvertretung.

Weitere Informationen:
http://www.hochschule-biberach.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Belastende Arbeitsbedingungen: Viele Beschäftigte glauben nicht, bis zur Rente durchzuhalten

Rainer Jung
Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Aktuelle Analyse

Belastende Arbeitsbedingungen: Viele Beschäftigte glauben nicht, bis zur Rente durchzuhalten

Schlechte Arbeitsbedingungen machen krank - und die Beschäftigten wissen das. Wer mit großen Belastungen und wenig Freiraum tätig ist, äußert wenig Hoffnung auf ein langes Arbeitsleben. So glauben 60 Prozent der Arbeitnehmer, bei denen im Job körperliche und psychische Belastungen zusammenkommen (das ist bei 8 Prozent aller abhängig Beschäftigten der Fall) nicht daran, dass sie ihre Tätigkeit bis zur Rente fortführen können.

Die meisten Beschäftigten in anstrengenden Berufen sorgen sich, wie lange sie durchhalten. Mit gutem Grund, sagen Falko Trischler und Markus Holler vom Internationalen Institut für Empirische Sozialökonomie (Inifes).* Die Wissenschaftler werteten mehrere Studien und Umfragen aus, um die langfristigen Folgen von Arbeitsbelastungen zu bestimmen. Ihre von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Expertise zeigt: Nicht nur schwere und einseitige körperliche Arbeit zehrt an der Gesundheit und erzwingt häufig ein vorzeitiges Ende des Erwerbslebens. Auch psychische Belastungen und ein Mangel an Autonomie beeinträchtigen auf Dauer Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit.

Belastende Arbeit ist in der Bundesrepublik nach wie vor weit verbreitet, betonen die Wissenschaftler. Seit Ende der 70er Jahre ist der Anteil der körperlich schwer arbeitenden Beschäftigten in Westdeutschland nur noch wenig zurückgegangen. Gut jeder fünfte Beschäftigte muss beispielsweise an seinem Arbeitsplatz schwere Lasten heben - 1979 waren es kaum mehr. Nach der Wiedervereinigung waren körperlich anstrengende Arbeiten in Ostdeutschland noch weiter verbreitet. Der Anteil der Betroffenen sank zunächst stark, pendelte sich dann aber etwas oberhalb des West-Niveaus ein. In Bauberufen, der Altenpflege oder bei Installateuren etwa fallen anstrengende körperliche Aufgaben an. Wer über Jahre eine anstrengende und einseitige Tätigkeit ausübt, leidet später nachweislich häufig an Schmerzen an Knie, Hüfte, Rücken oder Armen.

„Aber auch Arbeitshetze und Zeitdruck, unwürdige Behandlung und geringe Wertschätzung stehen deutlich in Zusammenhang mit gesundheitlichen Beschwerden", fügen die Forscher an. Und psychische Belastungen haben in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen. So sind zwischen 50 und 60 Prozent der Beschäftigten heute mit hohem Termindruck und/oder monotonen Tätigkeiten konfrontiert.

Die Beschäftigten sehen die Gefahren und passen ihre Zukunftserwartungen an die Arbeitsbedingungen an. Umfragen ergaben: Wer einen belastungsarmen Arbeitsplatz hat, rechnet meist noch mit einem langen Arbeitsleben. Lediglich 14 Prozent dieser Gruppe erwarten, nicht bis zum Rentenalter im Beruf bleiben zu können. Beschäftigte, die im Job körperlich gefordert sind, haben hingegen deutlich häufiger Zweifel: 39 Prozent rechnen nicht damit, bis zur Rente arbeiten zu können, ermittelte Inifes. Verbinden sich körperliche Belastungen mit Stress, dann steigt die Quote der Skeptiker auf 60 Prozent. Und geht körperliche und psychische Belastung einher mit einem Mangel an Freiräumen, dann gehen sogar 78 Prozent der betroffenen Beschäftigten davon aus, nicht bis zum gesetzlichen Rentenalter durchzuhalten.

Ein Mangel an beruflicher Autonomie spielt für die Einschätzung der Betroffenen ebenso eine Rolle wie körperliche und psychische Belastungen. Von den Beschäftigten, die im Arbeitsalltag Freiräume vermissen, aber nicht von körperlichen und seelischen Lasten geplagt werden, zweifelt jeder vierte daran, bis zum Rentenalter im Beruf bleiben zu können. Unzureichendes Entgelt und fehlende Anerkennung wirken sich nochmals negativ aus, so Trischler und Holler.

*Quelle: Markus Holler, Falko Trischler: Einflussfaktoren auf die Arbeitsfähigkeit, Arbeitspapier Nr. 3 des Projektes Gute Erwerbsbiographien

Infografik im Böckler Impuls 18/2010: http://www.boeckler.de/pdf/impuls_2010_18_1.pdf

Ansprechpartner in der Hans-Böckler-Stiftung

Dr. Sebastian Brandl
Abteilung Forschungsförderung
Tel.: 0211-7778-194
E-Mail: Sebastian-Brandl@boeckler.de

Rainer Jung
Leiter Pressestelle
Tel.: 0211-7778-150
E-Mail: Rainer-Jung@boeckler.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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UDE: Verbundprojekt untersucht Hausinstallation - Die letzten Meter bis zum Wasserhahn

Katrin Braun
Pressestelle
Universität Duisburg-Essen

Wasser gilt als das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland. 122 Liter verbraucht jeder täglich - so das Statistische Bundesamt. Dass gerade auf den letzten Metern zum Hahn Gefahren lauern können, zeigt ein Verbundprojekt zur Trinkwasserqualität in der Hausinstallation. Die Leitung hat das Biofilm Centre an der Uni Duisburg-Essen (UDE).
Wie kommt das Trinkwasser zum Verbraucher? Es hat einen langen Weg hinter sich: aus dem Wasserwerk durch viele Leitungen ins Haus, streng überwacht und in bester Qualität. Bis zur Wasseruhr. „Dann aber beginnt eine Grauzone: die Hausinstallation. Hier kann eine wenig kontrollierte Vielfalt von Materialien eingesetzt werden, von denen einige ein Paradies für Mikroorganismen sind", erklärt Prof. Dr. Hans-Curt Flemming, Leiter des Biofilm Centre.

Unter seiner Koordination haben fünf Forschungseinrichtungen und 17 Industriepartner vier Jahre lang die Trinkwasserqualität in öffentlichen Gebäuden und speziellen Versuchsanlagen untersucht. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bewilligte zwei Millionen Euro Fördergelder. Im Blickpunkt standen dabei besonders die letzten Meter bis zum Kran - denn ausgerechnet hier kann das beste Wasser seine Qualität verlieren. Unter welchen Umständen passiert das? Wie gut ist die Überwachung, welche Materialien sind zugelassen? Kann es zu Epidemien kommen, und wie lassen sich Probleme vermeiden? Diesen Fragen gingen die Verbundpartner nach.

„Trinkwasser ist nicht steril, und muss es auch nicht sein. Es enthält Bakterien, die vollkommen ungefährlich sind", stellt Flemming klar. Das Erfolgsrezept der Wasserwerke bestehe darin, den Bakterien die Nährstoffgrundlage zu entziehen. Das ergebe so genanntes stabiles Trinkwasser. „Wenn diese ausgehungerten Keime nun auf Materialien treffen, die ihnen Nährstoffe bieten, dann eröffnet sich ihnen das Paradies. Viel brauchen sie nicht zum ihrem Glück: Kleine Mengen ausgeschwitzter Weichmacher, Stabilisatoren, Farbstoffe, Antioxidantien und andere Kunststoffzusätze reichen völlig aus", erklärt der Experte für Aquatische Mikrobiologie. „Dort setzen sie sich fest und bilden dicke Biofilme. Darin können sich auch Krankheitserreger einnisten, die wachsen, dann ausgeschwemmt werden und das Wasser kontaminieren."

Die Auswertung von mehr als 20.000 Messungen an öffentlichen Gebäuden durch die Gesundheitsämter zeigte, dass in über 13 Prozent der Warmwasser-Systeme Legionellen vorkommen. Ein besonders unangenehmer Krankheitserreger ist Pseudomonas aeruginosa, der Lungenentzündungen, Harnwegsinfekte oder hartnäckige Infektionen bei Brandwunden verursacht. Er wurde in drei Prozent der Untersuchungen nachgewiesen. Dabei haben die Gesundheitsämter erst knapp die Hälfte der Gebäude beprobt, die der Untersuchungspflicht unterliegen - vor allem aus Geld- und Personalmangel.

Wie kann man Trinkwasser sicherer machen?

Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass Duschschläuche oder kleine Dichtungen ebenfalls zum Bakterienhort werden, wenn sie aus Kunststoffen bestehen, die das Keimwachstum unterstützen. Bei einigen ließen sich Biofilme sogar mit dem bloßen Auge erkennen. Gerade preiswerte Armaturen und Schläuche enthalten oft Zusatzstoffe wie Weichmacher, Reste von Trennmitteln oder wurden bei der Herstellung verunreinigt. Eine ungünstige Kombination aus schlechter Werkstoffqualität und Wasserbeschaffenheit fördert eine starke Biofilm-Entwicklung - und bietet damit Lebensräume für Krankheitserreger.

Epidemien brechen nicht sofort aus, es kann aber durchaus zu Erkrankungen kommen. Kritische Situationen können zudem entstehen, wenn das Immunsystem geschwächt ist, beispielsweise nach einer Operation.

Wie geht man mit unliebsamen Bakterien um? Desinfektionsmittel können die Situation zwar verbessern, aber nicht grundlegend sanieren. Denn wird das Mittel abgesetzt, regeneriert sich der Biofilm sofort. Auch die Überwachungsmethoden, so gut sie auch sind, reichen nicht immer aus. Flemming und seine Kollegen stellten fest, „dass sich gerade die gesuchten Krankheitserreger in einen Dämmerzustand versetzen können - womit sie vom Radar der Standardmethoden verschwinden. Sobald ihre Lebensbedingungen wieder besser werden, wachen sie auf und können genau so infektiös sein wie vorher."

Diesem Phänomen widmen sich die Forscher in den kommenden drei Jahren. Mit neuen molekularbiologischen Methoden wollen sie die pathogenen Keime und die Bedingungen für ihr „Versteckspiel" untersuchen und die Frage beantworten, wie man das Trinkwasser hygienisch sicher machen kann. Das BMBF stellt erneut Mittel bereit, diesmal sind es mehr als zwei Millionen Euro.

Weitere Informationen: http://www.uni-due.de/biofilm-centre
Prof. Dr. Hans-Curt Flemming, Tel. 0203/379-1936, hc.flemming@uni-due.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Ozeane versauern schneller als je zuvor in der Erdgeschichte

Dipl.-Ing. Margarete Pauls
Communications Department
Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung

Erste gemeinsame Konferenz: Über 200 Wissenschaftler aus ganz Europa beraten über zunehmende Ozeanversauerung
Für vier Tage wird das Thema Ozeanversauerung im Zentrum der Meeres- und Polarforschung stehen. Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft ist Gastgeber der Konferenz, zu der mehr als 200 Wissenschaftler aus ganz Europa im „Conference Center Bremerhaven" erwartet werden.

Das Treibhausgas Kohlendioxid führt nicht nur zu einer Erwärmung des globalen Klimas und damit auch der Meere, sondern auch zunehmend zu einer Versauerung der Ozeane. Ihre jüngsten Ergebnisse zum Thema Ozeanversauerung werden die Wissenschaftler in der nächsten Woche auf der ersten gemeinsamen Konferenz der Großprojekte EPOCA (European Project on Ocean Acidification), BIOACID (Biological Impacts of Ocean ACIDification) und UKOARP (UK Ocean Acidification Research Program) diskutieren.

Die Weltmeere nehmen jährlich etwa ein Drittel des Kohlendioxids (CO2) aus der Verbrennung fossiler Energieträger auf. Wenn sich Kohlendioxid im Meerwasser löst, bildet sich Kohlensäure, und der Säuregrad des Wassers steigt (pH-Wert sinkt). Seit Beginn der Industrialisierung haben die Ozeane bereits soviel Kohlendioxid aufgenommen, dass die Säuremenge um 30 Prozent zugenommen hat. Folgen: Durch die Säure nimmt die Konzentration von Karbonat-Ionen im Meerwasser ab. Viele Meeresorganismen wie Kalkalgen, Muscheln und Schnecken haben Schwierigkeiten, ihre Schalen oder Skelettstrukturen zu bilden. Betroffen sein werden aber auch ganze Ökosysteme, wie beispielsweise Korallenriffe.

Die Auswirkungen der Ozeanversauerung, vor allem auf die Lebensgemeinschaften im Arktischen Ozean, untersucht das Alfred-Wegener-Institut im Verbund mit den drei Großforschungsprojekten auf nationaler und internationaler Ebene. Denn besonders betroffen von der Ozeanversauerung sind die Polargebiete.

„Gerade in den kalten Ozeanen polarer Regionen ist die Löslichkeit für CO2 besonders groß, so dass im Gegenzug auch die Karbonat-Ionenkonzentration geringer ist und diese Verknappung für die dort lebenden Organismen besonders schwerwiegend ist. Da bei kalten Temperaturen auch viele Stoffwechselprozesse verlangsamt ablaufen, ist die Fähigkeit polarer Organismen, eine erhöhte CO2-Konzentration zu kompensieren, möglicherweise zudem noch eingeschränkt", sagt Prof. Dr. Hans-Otto Pörtner, Tierphysiologe am Alfred-Wegener-Institut und stellvertretender Koordinator des Großforschungsprojektes BIOACID.

Die speziellen Auswirkungen auf marine Bakterien haben Forscher des Alfred-Wegener-Instituts auf einer Fahrt der Polarstern in die Arktis untersucht. Ihre neuesten Ergebnisse bestätigten die bisherigen Vermutungen. „Im angesäuerten Wasser erhöhte sich die bakterielle Produktion erheblich und führte zu einem gesteigerten Konsum von organischen Kohlenstoffverbindungen, was die Freisetzung von CO2 verstärken könnte", so Dr. Anja Engel. Wie sich der Klimawandel auf die komplexen Zusammenhänge des marinen Kohlenstoffkreislaufs auswirkt und welche Rolle Mikroorganismen für die zukünftige CO2 Bilanz im nördlichen Polarmeer spielen werden, sei bislang kaum erforscht. „Das Treffen der drei großen Forschungsprojekte bietet ein gutes Forum, um Daten auszutauschen und gemeinsam Lösungsansätze zu diskutieren", so Dr. Anja Engel.

Um die Auswirkungen der zunehmenden Ozeanversauerung in vollem Umfang zu verstehen, sind aber auch Rückblicke in die Vergangenheit von zentraler Bedeutung für die Forschung. Denn Sedimente im Ozean bilden ein wichtiges Archiv der Erdgeschichte, vergleichbar mit Büchern in einer Bibliothek. „Wer die Sprache der Sedimente beherrscht, kann dort die Evolution der Umwelt und Klimabedingungen in der Erdgeschichte erforschen", sagt Prof. Jelle Bijma, mariner Biogeologe am Alfred-Wegener-Institut. An verschiedenen Stellen in der Erdgeschichte haben Ozeanversauerungsereignisse ihre „Fingerabdrücke" im Sediment hinterlassen, so zum Beispiel an der Grenze vom Perm zur Trias vor 251 Millionen Jahren und an der Paleozän-Eozän Grenze vor 55 Millionen Jahren. Ausgelöst wurde die Versauerung in vergangenen Zeiten allerdings immer durch natürliche Ereignisse. „Heute wird sie durch den viel zu hohen Kohlendioxideintrag durch menschliche Aktivität ausgelöst, und das Meer ist immer weniger in der Lage, diese Störungen abzupuffern", so Bijma. Zudem müsse man sehen, dass die Versauerungsereignisse fast immer begleitet werden von einer globalen Erwärmung, einer erhöhten Stratifizierung der Ozeane, und einer Verringerung des Sauerstoffgehaltes der Tiefsee.

„Es ist nicht das erste Mal in der Erdgeschichte, dass die Ozeane versauern, beunruhigend ist aber, dass es diesmal sehr viel schneller passiert als je zuvor. Infolgedessen sinkt nicht nur der pH-Wert, sondern nimmt auch die Karbonatsättigung der Ozeane ab. Es brechen harte Zeiten an, speziell für kalzifizierende Organismen", so Bijma. Wie verschiedene kalkbildende Meeresorganismen auf die Versauerung reagieren und warum die Reaktionen unterschiedlich ausfallen, werden die Wissenschaftler weiter untersuchen und auch auf der Konferenz in Bremerhaven diskutieren.

Die drei großen Verbundprojekte:

BIOACID (Biological Impacts of Ocean ACIDification) ist ein Verbundprojekt, das seit 2009 die Auswirkungen der Ozeanversauerung auf Lebensgemeinschaften im Meer untersucht. An dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für drei Jahre mit 8,5 Millionen Euro finanzierten Projekt sind insgesamt 14 Forschungsinstitute und Universitäten aus ganz Deutschland beteiligt. Die Projektleitung liegt beim Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) Kiel. Das Alfred-Wegener-Institut für Polar und Meeresforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft übernimmt die stellvertretende Koordination.

EPOCA (European Project on Ocean Acidification) ist ein Europäisches Projekt über die Versauerung des Ozeans, ein so genanntes „Integriertes Projekt" im 7. Rahmenprogramm der Europäischen Union. Es wurde im Juni 2008 für eine Laufzeit von 4 Jahren ins Leben gerufen. Das EPOCA Konsortium vereinigt mehr als 100 Wissenschaftler von 32 Instituten und 10 Europäischen Ländern.

UKOARP (UK Ocean Acidification Research Program) ist Großbritanniens erstes Forschungsprogramm zur Ozeanversauerung, an dem 101 Wissenschaftlicher von 21 Instituten in Großbritannien beteiligt sind.

Mehr Informationen über EPOCA, BIOACID und UKOARP finden Sie auf den Internetseiten:
http://www.epoca-project.eu
http://www.bioacid.de
http://www.oceanacidification.org.uk/

Ihre Ansprechpartner im Alfred-Wegener-Institut sind Dr. Anja Engel (Tel.: 0471 4831-1055; E-Mail: Anja.Engel@awi.de), Prof. Dr. Hans-Otto Pörtner (Tel.: 0471 4831-1307; Hans.Poertner@awi.de), Prof. Dr. Jelle Bijma (Tel: 0471 4831-1831; Email: Jelle.Bijma@awi.de) und in der Abteilung Kommunikation und Medien Stephanie von Neuhoff (Tel.: 0471 4831-2008; E-Mail: Stephanie.von.Neuhoff@awi.de). Druckbare Bilder finden Sie auf unserer Homepage unter http://www.awi.de.

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der 16 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Erste erwachsende Krebs-Patientin profitiert von Nabelschnurbluttransplantation

Pascale Anja Dannenberg
Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

„Ich bin ganz begeistert, alles verlief perfekt", freut sich Renate M.. Sie ist die erste erwachsene Krebs-Patientin, die am Universitätsklinikum Erlangen eine Nabelschnurbluttransplantation erhielt. Ende Juli übertrugen Prof. Dr. Andreas Mackensen, Direktor der Medizinischen Klinik 5 - Hämatologie und Internistische Onkologie - und Oberarzt Dr. Wolf Rösler erstmals die blutbildenden Stammzellen aus dem Nabelschnurblut von zwei Babies in den Körper der 69-jährigen Leukämiekranken.
„Jetzt ist die Patientin mit hoher Wahrscheinlichkeit von ihrer Krankheit geheilt", sagte Prof. Mackensen heute nach einer Untersuchung der Patientin. Ein seltener Erfolg: Deutschlandweit wurden im vergangenen Jahr nur etwa 20 Nabelschnurbluttransplantationen bei Erwachsenen durchgeführt.

Erst seit Kurzem ist es möglich, durch die gleichzeitige Übertragung von zwei verschiedenen Nabelschnurbluttransplantaten die bei Kindern mittlerweile häufig angewendete Therapie auch bei Erwachsenen anzuwenden. Die besondere Schwierigkeit: Im Unterschied zu Kindern reichen bei erwachsenen Patienten aufgrund des höheren Körpergewichts die im Nabelschnurblut enthaltenen Stammzellmengen meistens nicht für eine Transplantation aus. Deshalb müssen zunächst zwei zusammenpassende Nabelschnurblutspenden gefunden werden.

Die erste Verpflanzung von Stammzellen aus Nabelschnurblut am Uni-Klinikum Erlangen war eine gemeinsame Transfusion von zwei Spenderpräparaten. „Es ist großartig, dass alles so gut geklappt hat", berichtet Dr. Rösler. Stammzellen aus Nabelschnurblut sind immunologisch toleranter als die aus dem Knochenmark. Deshalb müssen die Gewebemerkmale von Spender und Empfänger nicht so streng übereinstimmen. „Damit war die Chance ganz gut, dass in den weltweiten Zentren zwei zueinander passende Präparate gefunden werden. Dass die erste Therapie so problemlos und so schnell erfolgreich verlief, grenzt aber an ein kleines Wunder", so Dr. Rösler. Außerdem verraten die beiden behandelnden Ärzte noch ein interessantes Detail: Der Empfänger einer Nabelschnurbluttransplantation erhält zwar zwei Spenden und somit Stammzellen mit unterschiedlichem Erbgut, meist setzt sich jedoch nur eine Spende mit ihren Zellen durch - die anderen Stammzellen haben zwar zum Therapieerfolg beigetragen, verschwinden jedoch einfach wieder. Dies ist auch bei der Erlanger Patientin mittlerweile so.

Bei Renate M. hatte die allgemein übliche Chemotherapie bei der Behandlung ihrer myeloischen Leukämie (Blutkrebs) nicht angeschlagen. Weder in ihrer Familie noch in den Registern konnte damals ein geeigneter Knochenmarkspender für sie gefunden werden. Im März 2010 wurde sie von ihrem Hausarzt an das Universitätsklinikum Erlangen überwiesen und hielt sich dann fast ununterbrochen in der Medizinischen Klinik 5 auf. Jeden Tag fuhr der Ehemann aus dem Landkreis Ansbach nach Erlangen, um Renate M. beizustehen. „Fast ein halbes Jahr habe ich hier verbracht und ich kann über das ganze Team - Ärzte und Pflegende - nur das Beste sagen", sagt die jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit geheilte Patientin, die nun nur noch zu Nachsorgeterminen nach Erlangen kommen und derzeit noch Medikamente zur Immunsuppression einnehmen muss.

Bayerns größtes Zentrum für Nabelschnurblut steht in Erlangen
Das Blut der Nabelschnur ist reich an Stammzellen, die bei der Therapie von Leukämie und Lymphomen eine entscheidende Rolle spielen. Neben der bewährten Knochenmarktransplantation hat sich die Nabelschnurbluttransplantation in den vergangenen Jahren zu einer guten Alternative entwickelt, wenn kein Knochenmarkspender gefunden werden kann. Nach der Entbindung wird die Nabelschnur nicht - wie bisher meist üblich - entsorgt, sondern mit Einverständnis der Eltern wird das Restblut (60 - 100 ml) mit seinen Stammzellen aus der Nabelschnur entnommen und bei etwa -170°C eingelagert. Später können diese Stammzellen entweder dem Kind selbst oder einem passenden Empfänger zur Therapie transplantiert werden. Das größte Zentrum für Nabelschnurblut in Bayern wird von der Transfusionsmedizinischen und Hämostaseologischen Abteilung (Leiter: Prof. Dr. Reinhold Eckstein) des Universitätsklinikums Erlangen geleitet und ist eines der ersten drei Zentren in Deutschland, die eine Zulassung für die Herstellung von Stammzellpräparaten aus gespendetem Nabelschnurblut erhalten haben.

Prof. Dr. Andreas Mackensen
Tel.: 09131/85-35954
andreas.mackensen@uk-erlangen.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Untersuchung bei Primaten: Durch Männerfreundschaft zum Erfolg

Dr. Bernd Ebeling
Presse, Kommunikation und Marketing
Georg-August-Universität Göttingen

Wissenschaftler aus Göttingen und Leipzig haben herausgefunden, dass bei Makaken ein direkter Zusammenhang zwischen Männerfreundschaften und sozialem Erfolg besteht. Dr. Oliver Schülke und Prof. Dr. Julia Ostner vom Courant Forschungszentrum „Evolution des Sozialverhaltens" der Universität Göttingen konnten erstmals zeigen, dass die Stärke der sozialen Bindungen, die ein Männchen in seiner Gruppe mit meist nicht verwandten Geschlechtsgenossen eingeht, Einfluss auf seinen sozialen Aufstieg und letztlich die Anzahl seiner Nachkommen hat.
Pressemitteilung Nr. 241/2010

Untersuchung bei Primaten: Durch Männerfreundschaft zum Erfolg
Göttinger Wissenschaftler erforschen die Evolution sozialer Beziehungen unter Assam-Makaken

(pug) Wissenschaftler aus Göttingen und Leipzig haben herausgefunden, dass bei Makaken ein direkter Zusammenhang zwischen Männerfreundschaften und sozialem Erfolg besteht. Dr. Oliver Schülke und Prof. Dr. Julia Ostner vom Courant Forschungszentrum „Evolution des Sozialverhaltens" der Universität Göttingen haben mit Forschern des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig über mehrere Jahre die Evolution sozialer Beziehungen von Assam-Makaken in Thailand untersucht. Die Forscher können erstmals zeigen, dass die Stärke der sozialen Bindungen, die ein Männchen in seiner Gruppe mit meist nicht verwandten Geschlechtsgenossen eingeht, Einfluss auf seinen sozialen Aufstieg und letztlich die Anzahl seiner Nachkommen hat. Die Ergebnisse werden unter dem Titel „Social bonds enhance reproductive success in male macaques" am Donnerstag, 18. November 2010, in der Online-Ausgabe des Fachmagazins Current Biology veröffentlicht.

Im thailändischen Naturschutzgebiet Phu Khieo Wildlife Sanctuary beobachten die Wissenschaftler seit 2005 eine Gruppe von 50 bis 60 Assam-Makaken. Bei der Untersuchung des Sozialverhaltens der Männchen entdeckten sie strategisches Handeln: Wenn ein Makaken-Männchen eine enge Beziehung zu einem der anderen der zehn oder elf Männchen der Gruppe geknüpft hat, dann hilft der „beste Freund" auch in Kämpfen gegen andere Männchen. „Anders als bei Weibchen geht es dabei nicht um den Zugang zu knappen Ressourcen, sondern um die Manipulation der eigenen und der Sozialbeziehungen anderer - also Politik. Diese Männchen kämpfen gemeinsam um ihren sozialen Status", erläutert Dr. Schülke. Bislang vermuteten Wissenschaftler, dass sich die Makaken-Männchen in Konkurrenzsituationen nicht zusammenschließen, weil verwandtschaftliche Beziehungen in der Regel fehlen.

In ihrer Langzeitstudie können die Wissenschaftler nachweisen, dass nicht die Anzahl, sondern die Stärke der Bünde für die Koalitionen und den Aufstieg entscheidend ist und dass alle Koalitionspartner profitieren. „Je enger die Bindung eines Männchens zu Geschlechtsgenossen ist, desto öfter geht es erfolgreich Koalitionen gegen andere Männchen ein. Das Männchen, das im Herbst 2006 die engsten drei Bindungen in der beobachteten Gruppe hatte, ist stetig im Rang gestiegen und steht heute mit seinem besten Freund an der Spitze der Hierarchie", so Dr. Schülke. Gleichzeitig haben Männchen, die nicht in Freundschaften investierten, stetig an Status verloren oder den Aufstieg nie geschafft.

Mit dem Aufstieg in der Hierarchie steigt auch die Anzahl der gezeugten Nachkommen und damit der Reproduktionserfolg sozial gut integrierter Männchen. Diesen Zusammenhang konnten die Wissenschaftler nun erstmals nachweisen, indem sie die genetische Vaterschaft anhand aus Kot gewonnener DNA-Proben analysierten.

Von ihren Ergebnissen erhoffen sich die Forscher auch Erkenntnisse über das menschliche Sozialverhalten. „Zusammen mit anderen neueren Studien lassen unsere Ergebnisse darauf schließen, dass die engen Sozialkontakte von Menschen ihre evolutionären Wurzeln außerhalb von verwandtschaftlichen Beziehungen haben. Dies könnte erklären, warum der Verlust von Freundschaften oder sozialer Integration beim Menschen ernsthafte gesundheitliche Probleme zur Folge haben kann", so Dr. Schülke und Prof. Ostner.

Die Wissenschaftler setzen ihre Beobachtung der Affengruppe fort. Dr. Oliver Schülke erforscht die Muster von Kooperation und Konflikt zwischen Individuen am Göttinger Courant Forschungszentrum, das aus Mitteln der Exzellenzinitiative gefördert wird. Juniorprofessorin Dr. Julia Ostner leitet hier die Nachwuchsgruppe „Soziale Evolution von Primaten".

Originalveröffentlichung:
Dr. Oliver Schülke et al.: Social bonds enhance reproductive success in male macaques. Current Biology, 18. November 2010. Doi 10.1016/j.cub.2010.10.058

Kontaktadresse:
Dr. Oliver Schülke
Georg-August-Universität Göttingen
Courant Forschungszentrum „Evolution des Sozialverhaltens"
Kellnerweg 6, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-9636, Fax (0551) 39-9637
E-Mail: oliver.schuelke@biologie.uni-goettingen.de
Internet: http://www.uni-goettingen.de/de/126972.html

Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de/de/3240.html?cid=3711
http://www.uni-goettingen.de/de/126972.html

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Magnetische Nanopartikel reinigen Blut und Abwässer

Dr. Ernst Guggolz
Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Zur Dialyse könnten sich bald Alternativen bieten: magnetische Nanopartikel. Sie bestehen aus einem magnetisierbaren Kern, meist aus Eisen oder Kobalt, den eine Schicht aus Graphit oder Kohlenwasserstoffverbindungen umgibt. Diese Schicht bindet Substanzen aus der Umgebung. Ein Magnet sammelt dann die beladenen Nanopartikel. Dieses und weitere Beispiele für die Anwendungen von magnetischen Nanopartikeln dokumentiert die Septemberausgabe der „Nachrichten aus der Chemie".
Ist das Blut mit einem Schadstoff belastet, so wird es meist durch Dialyse gereinigt. Die Methode ist jedoch nicht für leichte Proteine geeignet und trennt neben dem Schadstoff oft auch nützliche Substanzen ab. Enthält die aktive Schicht des Nanopartikels einen passenden Antikörper, bindet dieser nur den gewünschten Schadstoff. Ein Magnet trennt dann die Partikel mit dem gebundenen Schadstoff vom Blut. Dabei bleibt das Blut unbeschädigt.

Magnetische Nanopartikel säubern auch Industrieabwässer, die mit Metallionen verunreinigt sind. Dabei absorbiert die aktive Schicht die Metallionen und anschließend entfernt ein Magnet die beladenen Nanopartikel. Das so behandelte Wasser erreicht Trinkwasserqualität.

Magnetische Nanopartikel verbinden sich mit Polymeren zu intelligenten Werkstoffen. Diese Materialien ändern ihre Eigenschaften beim Anlegen eines magnetischen Feldes: Sie kontrahieren und expandieren und zeigen damit ein Verhalten, das dem von Muskeln ähnelt.

Ein Autorenteam um Wendelin Stark von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich beschreibt, was mit magnetischen Nanopartikeln möglich ist. Die PDF-Datei des Beitrags gibt es bei der Redaktion der „Nachrichten aus der Chemie" unter nachrichten@gdch.de.

Nahezu 80.000 anspruchsvolle Chemiker und Chemikerinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Lehre informieren sich mit den „Nachrichten aus der Chemie" über Entwicklungen in der Chemie, in angrenzenden Wissenschaften sowie über gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte. Kennzeichen der Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker sind das breite Spektrum der Berichte, das einmalige Informationsangebot an Personalien, Veranstaltungs- und Fortbildungsterminen sowie der große Stellenmarkt.

Weitere Informationen:
http://www.gdch.de/nachrichten "Nachrichten aus der Chemie"
http://www.gdch.de/taetigkeiten/nch/jg2010/h09_10.htm Das Septemberheft der "Nachrichten aus der Chemie"

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Wie der Zucker in den Wein kommt

Gunnar Bartsch
Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Dass Pflanzen, die viel Zucker speichern, süß schmecken, ist bekannt. Neu ist hingegen, dass diese Pflanzen auch mehr Ertrag bringen und sich als deutlich resistenter gegen Kälte erweisen. Warum das so ist, haben Wissenschaftler der Universitäten Würzburg und Kaiserslautern jetzt genauer untersucht.
Winzern und Weinliebhabern ist der Effekt zumindest vom Geschmack her vertraut: Je mehr Zucker eine Weintraube in ihren Speichern, den sogenannten Vakuolen, trägt, desto süßer schmeckt sie und desto höher ist der Oechsle-Grad. Das ist aber nur ein Effekt prall mit Zucker gefüllter Vakuolen. Wie der Kaiserslauterner Biologe und Stoffwechselexperte Professor Ekkehard Neuhaus vor kurzem entdeckte, sorgt Zucker auch dafür, dass Pflanzen plötzlich einbrechende Kälteperioden besser überleben können als zuckerarme Verwandte. Außerdem wachsen sie stärker und tragen mehr Frucht - was wiederum den Winzer freuen dürfte.

Bei der Suche nach den molekularen Gründen dieser Effekte tat sich Neuhaus mit Rainer Hedrich zusammen. Hedrich ist Inhaber des Lehrstuhls für Molekulare Pflanzenphysiologie und Biophysik der Universität Würzburg und gefragter Experte auf dem Gebiet der Elektrophysiologie. Seit mehr als 20 Jahren zählt er zu den weltweit bedeutendsten Wissenschaftlern, wenn es um die Erforschung des Membrantransports geht.

Überregionale Forschergruppe untersucht den Zuckertransport

In einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten überregionalen Forschergruppe untersuchten Neuhaus, Hedrich sowie Arbeitsgruppen aus Erlangen und Heidelberg die Bedeutung von Zuckertransportern und den daran beteiligten Protonenpumpen für das Überleben und den Ertrag der Pflanze. „Für Liebhaber von fruchtigen Spätlesen könnte man die Frage auch so formulieren: ‚Wie kommen Zucker und Säure in den Wein‘", so Hedrich.

Was es mit Transportern, Protonenpumpen, Zucker und Säure auf sich hat? „Die Zusammensetzung und die Menge der Inhaltsstoffe einer Vakuole hängen davon ab, welche Transport-Proteine in der Hüllmembran dieser Vakuole sitzen", erklärt Hedrich. Wichtige Vertreter dieser Transporter sind sogenannte Protonenpumpen, denn sie treiben den Speicherprozess an.

Wie der Zucker in die Speicher gelangt

Unter Aufwendung von Energie schaffen diese Pumpen Protonen in die Vakuole hinein und sorgen so dafür, dass die Vakuole viel mehr Protonen enthält als der sie umgebende Zellsaft. In diesem Konzentrationsgefälle steckt Energie - die Protonen drängen mit aller Macht wieder hinaus aus der überfüllten Vakuole, ähnlich wie Luft aus einem prall aufgeblasenen Ballon. Dies ist der Ansatzpunkt für die Zuckertransporter, die in der Vakuolenmembran sitzen: Sie nutzen den energetisch begünstigten Ausstrom von Protonen, um nach dem Austauschprinzip gleichzeitig Zucker in die Vakuole zu schaffen. Zwei solcher Protonen-Pumpen hat Hedrich erst vor kurzem gemeinsam mit der Professorin Karin Schumacher von der Uni Heidelberg untersucht.

Über kältetolerante Mutanten zum Zuckertransporter

Obwohl das Phänomen des Protonen-getriebenen Zuckertransports schon in den 70er-Jahren entdeckt wurde, blieb die molekulare Natur des Transportproteins bis vor kurzem im Dunkeln. Ein überlegter Glücksgriff sorgte jetzt für Erhellung: Bei der Untersuchung einer bisher unbekannten Genfamilie der Modellpflanze Arabidopsis thaliana - der Ackerschmalwand - entdeckte Neuhaus, dass die Pflanze plötzlich einbrechende Kälteperioden besser überleben kann, wenn Kopien bestimmter Gene in den Transportproteinen eine verstärkte Aktivität zeigen. Der Grund dafür: Die genetisch optimierte Pflanze speichert verstärkt Glukose in der Vakuole und das wirkt wie ein Frostschutzmittel.

An diesem Punkt kam Rainer Hedrich ins Spiel, der mit der Analyse von Kanälen und Pumpen mittels hochempfindlicher biophysikalischer Verfahren bestens vertraut ist. Noch während seiner Doktorarbeit im Labor des Nobelpreisträgers Professor Erwin Neher war Hedrich 1984 mit Hilfe der sogenannten Patch-Clamp-Technik erstmals der funktionelle Nachweis pflanzlicher Ionenkanäle gelungen. Mit exakt dieser Technik konnten er und seine Mitarbeiter nun auf isolierten Vakuolen zeigen, dass Neuhaus tatsächlich den lang gesuchten Protonen-getriebenen Zuckertransporter aufgespürt hatte.

Die Zeitschrift „Plant Physiology" hat in ihrer Online-Ausgabe vom 13. August über diese Arbeit berichtet. Die „Fakulty of 1000" stuft diese Publikation als „Must read", also als „muss man lesen", ein.

Weitere ungeklärte Fragen

Natürlich bleiben auch nach dieser Entdeckung weitere Fragen bestehen. Ekkehard Neuhaus will nun herausfinden, warum die Kälte-optimierten Arabidopsis-Pflanzen mehr Ertrag geben und ob sich dieser Ansatz auch auf Nutzpflanzen ausdehnen lässt. Im Zentrum von Hedrichs Interesse stehen die Fragen: „Woran erkennt das Transportprotein, welchen Zucker es transportieren soll?" und „Wie holt die Pflanzenzelle den Zucker bei Bedarf wieder aus ihrem Zentralspeicher heraus?".

Increased Activity of the Vacuolar Monosaccharide Transporter TMT1 Alters Cellular Sugar Partitioning, Sugar Signalling and Seed Yield in Arabidopsis. Karina Wingenter, Alexander Schulz, Alexandra Wormit, Stefan Wic, Oliver Trentmann, Imke I. Hoermiller, Arnd G. Heyer, Irene Marten, Rainer Hedrich and Ekkehard Neuhaus. Plant Physiology, DOI:10.1104/pp.110.162040

Kontakt: Prof. Dr. Rainer Hedrich, Lehrstuhl für Botanik I (Molekulare Pflanzenphysiologie und Biophysik) der Universität Würzburg, T (0931) 31-86100, hedrich@botanik.uni-wuerzburg.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Studie gibt Überblick über Multitasking und Arbeitsunterbrechungen

Jörg Feldmann
Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Häufige Arbeitsunterbrechungen und Multitasking gehören zu den Merkmalen unserer modernen „beschleunigten" Arbeitswelt. Moderne Technik macht es möglich, mehrere Aufgaben parallel zu bearbeiten. Doch Befragungen unter Erwerbstätigen zeigen, dass sich viele Beschäftigte durch Unterbrechungen oder Multitasking belastet fühlen. Mit dem jetzt veröffentlichten Bericht „Arbeitsunterbrechungen und Multitasking" fasst die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) den Stand der Forschung zusammen und präsentiert ein Modell, das die wichtigsten Einflussfaktoren auf das Erleben von Stress in Zusammenhang mit Unterbrechungen und Multitasking darstellt.
Viele Chefs freuen sich über Mitarbeiter, die die Fähigkeit haben, mehrere Aufgaben parallel zu bearbeiten oder die trotz häufiger Unterbrechungen effizient arbeiten. Doch häufige Unterbrechungen können den Menschen überfordern ebenso wie Multitasking. Sie können einen Lerneffekt haben, aber auch Stress auslösen. Bei beiden laufen ähnliche Prozesse bei der Verarbeitung ab. Über die Lebensspanne hinweg nehmen die Verarbeitungsgeschwindigkeit, die Arbeitsgedächtnisleistung und die Fähigkeit zum schnellen Aufgabenwechsel ab. Diese Defizite lassen sich jedoch durch Erfahrung und einfache Hilfsmittel ausgleichen.

Der vorliegende Bericht beschreibt die Konzepte Arbeitsunterbrechungen und Multitasking im Einzelnen. Dazu bezieht er die aktuelle Forschung verschiedenster Disziplinen der Wissenschaft ein. Anschließend werden beide Konzepte gegenübergestellt und in Bezug auf das Alter diskutiert. Danach stellen die Autoren mögliche Methoden vor, mit denen sich Multitasking, Unterbrechungen und Konstrukte erheben lassen, die mit diesen Phänomenen in Beziehung stehen. Das abschließende Kapitel beleuchtet die beiden Konzepte in Bezug auf Stress. Dazu führt der Bericht in verschiedene Theorien der Stressforschung ein, um im Anschluss die Belastungsfolgen von Multitasking und Unterbrechungen zu beschreiben. Letztendlich entstand ein Modell, das einen Überblick über mögliche Wirkfaktoren auf Leistungsminderungen und das Erleben von Stress in Zusammenhang mit Unterbrechungen und Multitasking ermöglicht.

„Arbeitsunterbrechungen und Multitasking. Ein umfassender Überblick zu Theorien und Empirie unter besonderer Berücksichtigung von Altersdifferenzen"; A. Baethge, T. Rigotti; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2010; ISBN: 978-3-88261-122-9; 95 Seiten, Projektnummer F 2220, PDF -Datei
Der Bericht befindet sich zum Herunterladen unter auf der BAuA-Website http://www.baua.de in der Rubrik Publikationen.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt. Sie ermöglichen Unternehmen wie auch der gesamten Volkswirtschaft einen Vorsprung im globalen Wettbewerb. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben - im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Rund 660 Beschäftigte arbeiten am Hauptsitz in Dortmund und den Standorten Berlin, Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.

Weitere Informationen:
http://www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/F2220.html Direkter Link zum Bericht "Arbeitsunterbrechungen und Multitasking" auf der Website der BAuA

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Die Nordsee wird nicht das neue Mittelmeer - Abschluss-Workshop des DFG-Schwerpunktprogramms „Aquashift" in Kiel

Andreas Villwock
Pressestelle
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, Kiel

Sechs Jahre lang haben Wissenschaftler von 16 deutschen Forschungseinrichtungen im Rahmen des Schwerpunktprogramms „Aquashift" der Deutschen Forschungsgemeinschaft die Auswirkungen von Klimaschwankungen auf das Leben im Wasser untersucht - mit teils überraschenden Ergebnissen. Beim Abschlussworkshop vom 4. bis 7. Oktober in Kiel treffen sich rund 200 Experten, darunter Gäste aus insgesamt 18 Nationen, um die Resultate zu diskutieren.
Wein, der sogar in Dänemark gedeiht, atlantische Planktonarten, die sich plötzlich in der Arktis wohl fühlen - auf den ersten Blick verschiebt der Klimawandel die Verbreitungsgebiete vieler Pflanzen- und Tierarten immer weiter in Richtung der Pole. „Aber das ist nicht die ganze Geschichte. Die Zusammenhänge sind viel komplexer, zumindest im Wasser. Das wissen wir jetzt", sagt Professor Ulrich Sommer, Meeresbiologe am Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR). Sommer hat in den vergangenen sechs Jahren das Schwerpunktprogramm „Aquashift" der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) koordiniert. 150 Wissenschaftler von 16 deutschen Universitäten und Instituten haben sich dabei mit den Auswirkungen von Klimaschwankungen auf Tiere und Pflanzen im Süß- und Meerwasser beschäftigt. Das Projekt endet in diesem Herbst. Vom 4. bis 7. Oktober findet in Kiel der Abschlussworkshop statt.

Während des Workshops werden noch einmal zahlreiche Einzelergebnisse aus den verschiedenen Arbeitsbereichen zusammengetragen. „In einer Beziehung sind alle vergleichbar: Die Temperatur ist nur einer von sehr vielen Faktoren, die Veränderungen in einem Ökosystem bestimmen. Und jedes Ökosystem ist anders", erklärt Professor Sommer. So waren die Wissenschaftler immer wieder überrascht, weil sie auf Einflüsse stießen, die in bisherigen Überlegungen zum Klimawandel kaum eine Rolle spielten. „Ein sehr einfaches, aber plastisches Beispiel ist das Licht. Steigende Wassertemperaturen können zu früherem Phytoplanktonwachstum führen. Wenn gleichzeitig aber die Wolkenbedeckung in den entscheidenden Wachstumsphasen zunimmt, bekommt das Plankton weniger Licht, und der Effekt kann sich umkehren", erläutert Professor Sommer. Auch die Beziehungen zwischen den einzelnen Arten eines Ökosystems spielen eine wichtige Rolle. „Erst wenn man all diese Wechselbeziehungen in einem Ökosystem versteht, kann man verlässliche Aussagen treffen, wie es sich bei verändertem Klima verhält", sagt Sommer. Der Klimawandel verwandle die Nordsee also nicht automatisch in eine Kopie des Mittelmeers, sondern verändere sie in einer ganz eigenen Weise. „Wie genau, müssen viele weitere Studien in jedem Ökosystem zeigen", betont er.

Zum Abschlussworkshop in Kiel haben sich knapp 200 Wissenschaftler angemeldet, darunter auch viele Experten aus dem Ausland. „Wir begrüßen Sprecher und Gäste aus insgesamt 18 Nationen. Das zeigt das internationale Interesse an den Ergebnissen aus dem Aquashift-Programm", sagt Sommer. Auf Grundlage dieser Ergebnisse arbeiten viele Arbeitsgruppen nach dem Ende von Aquashift weiter in ihren jeweiligen Spezialgebieten, auch in internationalen Kooperationen. „Für uns in Kiel steht dabei der Ausbau einer Forschungsinfrastruktur von Mesokosmen im Vordergrund, mit der auf europäischer Ebene weitere Versuche zum Planktonwachstum bei sich verändernden Umweltbedingungen durchgeführt werden können", beschreibt Professor Sommer die Aufgaben der Zukunft.

Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de/go/aquashift Das DFG-Schwerpunktprogramm Aquashift und Details zur Abschlusskonferenz 2010

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Leber lesenswert: Das Leber-Buch der Deutschen Leberstiftung

Bianka Wiebner
Geschäftsstelle
Deutsche Leberstiftung

Heute erscheint „Das Leber-Buch". Mit diesem Buch möchte die Deutsche Leberstiftung auf unterhaltsame Weise die Leber nahebringen. Verständlich und anschaulich erläutert „Das Leber-Buch", die lebenswichtigen Aufgaben sowie mögliche Erkrankungen der Leber und die entsprechenden Behandlungen.
Wofür brauche ich meine Leber? Was passiert, wenn meine Leber krank ist? Was kann man dagegen tun? sind Fragen, die in diesem Buch beantwortet werden. Dabei werden die verschiedenen Krankheiten und ihre Ursachen genauso erläutert wie die entsprechenden Diagnose- und Therapiemöglichkeiten. Außerdem gibt es Kapitel zu Lebertransplantationen und zum Thema Lebererkrankungen und Ernährung. Die neuesten Entwicklungen im Bereich der Forschung und die Arbeit der Deutschen Leberstiftung werden ebenfalls ausführlich dargestellt. Ergänzt werden diese Kapitel durch Patientengeschichten und ein Glossar „Die Leber von A (wie Albumin) bis Z (wie Zirrhose)". Das Kapitel „50 Fragen zu Lebererkrankungen" beantwortet viele Fragen, die Interessierte und Betroffene immer wieder stellen. Der Serviceteil gibt praktische Tipps nicht nur für Patienten und enthält einen Fragenbogen, mit dem die Leser feststellen können, ob bei ihnen ein erhöhtes Risiko für das Vorliegen einer Lebererkrankung besteht.
Aufgelockert wird das Buch durch „Text-Boxen" mit interessanten Beiträgen zum Thema Leber, über die sachlichen Informationen hinaus - da geht es u. a. um Prometheus, den Leberfleck, Großbritanniens bekanntesten Lebertransplantierten und die Leberzirrhose Beethovens. Dazu kommen zahlreiche Abbildungen und speziell für „Das Leber-Buch" entwickelte Cartoons.
„Mit diesem Buch gehen wir bewusst einen neuen Weg der Kommunikation. Wir erreichen so mit Sicherheit viele Menschen, die sich sonst nicht mit dem Thema „Leber" beschäftigen. Eigentlich sollte das Buch Pflichtlektüre für jeden Menschen mit erhöhten Leberwerten sein", findet Prof. Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung. „Das Buch konnten wir nur mit Hilfe vieler Kollegen verwirklichen. Wir danken allen, die an diesem Buch mitgewirkt und damit diese Veröffentlichung möglich gemacht haben", betont er.
Das Leber-Buch informiert über ein wichtiges Thema und unterstützt die Arbeit der Deutschen Leberstiftung. Für jedes verkaufte Buch erhält die Stiftung € 1,- als Spende.

Deutsche Leberstiftung (Hrsg.)
Prof. Dr. med. Henryk Dancygier • Prof. Dr. med. Heiner Wedemeyer • Dr. med. Markus Cornberg • Prof. Dr. med. Stefan Zeuzem • Prof. Dr. med. Michael P. Manns • Alexander Hoffmann • Bianka Wiebner
Das Leber-Buch
160 Seiten, 49 Farbfotos, Grafiken und Cartoons
15,5 x 21,0 cm, Klappenbroschur
ISBN 978-3-89993-588-2
€ 14,95

Rezensionsexemplare können bei der Schlüterschen Verlagsgesellschaft angefordert werden: Maren Rheinländer, Telefon 0511 - 8550 2537, E-Mail: rheinlaender@schluetersche.de.

Die Deutsche Leberstiftung
verfolgt das Ziel, die Patientenversorgung durch die Förderung der Forschungsvernetzung zu verbessern und die öffentliche Wahrnehmung für Lebererkrankungen zu steigern. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter http://www.deutsche-leberstiftung.de.

Kontakt:
Deutsche Leberstiftung
Bianka Wiebner
Carl-Neuberg-Straße 1
30625 Hannover
Tel 0511 - 532 6815
Fax 0511 - 532 6820
presse@deutsche-leberstiftung.de
http://www.deutsche-leberstiftung.de

Weitere Informationen:
http://www.deutsche-leberstiftung.de/Leber-Buch

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Plagiatschutz durch unsichtbare Kennzeichnung in der veredelten Oberfläche

Andrea Gerlach
Forschungsmarketing
INNOVENT e.V. Technologieentwicklung Jena

In einer transparenten fluoreszierenden Schicht können Logos und Strichcodes per Laserstrukturierung aufgebracht werden, um Originalartikel von Plagiaten zu distinguieren. Die Funktionalisierung ist dabei unter Normaldruck mit niedrigen Taktzeiten auf nahezu allen Materialien möglich.
Unternehmen entstehen jedes Jahr Schäden in Milliardenhöhe durch Produktpiraterie. Betroffen sind neben Gebrauchsgütern zunehmend auch Industriegüter. Dabei erreichen Plagiate heute ein täuschend ähnliches Aussehen.

Doch durch die mangelnde Qualität der imitierten Artikel entstehen Markenanbietern neben Umsatzverlusten auch Imageschäden und Reputationsverluste. Eine Lösung zum Schutz der Originalprodukte bieten Verfahren, die eine spezielle Kennzeichnung ermöglichen. Für die Markierung hat sich in den letzten Jahren die Ausnutzung von Lumineszenz-Eigenschaften als zuverlässige Methode etabliert.

INNOVENT hat ein Verfahren zum Plagiatschutz entwickelt und patentrechtlich geschützt, das aus einer transparenten Beschichtung mit typischen strukturellen Eigenschaften in Kombination mit Fluoreszenzeigenschaften besteht.

Die spezielle Markierung kann durch flächige oder lokale Beschichtungen mittels Atmosphärendruckplasma erfolgen. Diese weit weniger als 1 micr-om dicken Beschichtungen eignen sich für nahezu alle Materialien (u.a. Glas, Kunststoff, Metalle, Holz, Stein, Pappe/Papier) und können transparent hergestellt werden. In die Beschichtungen lassen sich Fluoreszenzfarbstoff-Nanopartikel integrieren. Die Echtheit der Produkte lässt sich anhand der Markierungen durch Bestrahlung mit UV-Licht sichtbar machen.

Als Alleinstellungsmerkmal dieser neuen Methode kann die fluoreszierende Schicht mit einem Laser insofern strukturiert werden, dass die Fluoreszenz lokal aufgehoben wird. So lassen sich beispielsweise Barcodes oder Firmenlogo´s in die Schicht einarbeiten.

Diese Kombination einer innovativen Beschichtungsmethode mit neu synthetisierten Fluoreszenzfarbstoff-Nanopartikeln und der anschließenden Laserstrukturierung bietet die Möglichkeit der weiteren Optimierung bestehender Schutztechnologien. Dabei kann das geschilderte Verfahren einfach in Produktionsstrecken integriert werden und ist für die Bearbeitung von Massenware mit kurzen Taktzeiten geeignet.

Neben dem Plagiatschutz sind zahlreiche weitere Anwendungen der neuen Technologie möglich, wie z.B. die Markierung und Unterscheidung von Zwischenprodukten im Produktionsprozess oder der Nachweis von transparenten Beschichtungen auf transparenten Werkstoffen an für Messgeräte schwer zugänglichen Stellen.

INNOVENT e.V. Technologieentwicklung ist eine wirtschaftsnahe Forschungseinrichtung aus Jena, die Forschungsleistungen in den Bereichen Oberflächen, Werkstoffe und Systeme erbringt. Funktionalisierungen von Oberflächen durch Aktivierung oder Beschichtung mit Hilfe von Plasmen und Flammen bilden eine der Kernkompetenzen in der industrienahen Forschungsarbeit. Seit 10 Jahren arbeitet INNOVENT an der Entwicklung von Plasma-Oberflächenfunktionalisierungen unter Normaldruck.

Ansprechpartnerin:

Dr. Kerstin Horn
Tel. 03641 282554
E-Mail kh1@innovent-jena.de

INNOVENT e.V.
Prüssingstr. 27B
07745 Jena

http://www.innovent-jena.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Über 100 Jahre altes Geheimnis gelüftet

Rudolf-Werner Dreier
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

„Möchten Sie gerne noch ein wenig Eis in Ihr Wasser?" - „Nicht nötig, das ist bereits drin!"
Das Leben auf der Erde ist nur möglich, weil es auf unserem Planeten genügend Wasser gibt. Was aber ist das Besondere an Wasser im Vergleich zu anderen Flüssigkeiten? Vor über 100 Jahren hat Wilhelm Conrad Röntgen in seiner Schrift „Über die Konstitution des flüssigen Wassers" zur Diskussion gestellt, ob in Wasser bei Raumtemperatur gleichzeitig neben der flüssigen Form nicht auch lokale eisartige Strukturen existieren können. Neue Untersuchungen auf atomarer Ebene zeigen, dass Wasser aus vielen nebeneinander existierenden Unterstrukturen besteht, inklusive eisartiger Strukturen auch bei Raumtemperatur. Wasser verhält sich also völlig anders als andere Flüssigkeiten, die immer in homogenem Zustand vorliegen. Mithilfe dieser Beobachtung lässt sich nun vielleicht erklären, was genau Wasser und Leben so eng miteinander verbindet.

In einem gemeinsamen Projekt von Dr. Francesco Rao, Junior Fellow am Freiburg Institute for Advanced Studies, School of Soft Matter Research, und Peter Hamm, Professor am Physikalisch-Chemischen Institut der Universität Zürich, konnte ein neues theoretisches Verfahren entwickelt werden, das sowohl die Untersuchung komplexer Netzwerke wie auch molekulare Simulationen erlaubt. Ursprünglich war dieser Ansatz entwickelt worden, um das World Wide Web und soziale Beziehungen zu untersuchen. Nun konnte mit diesem Ansatz die überraschend inhomogene Struktur des Wassers enthüllt werden. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im Journal of Physical Chemistry.

Das Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) ist das Forschungskolleg der Universität Freiburg. Das Institut wird finanziert aus Mitteln der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder. Mit seinen vier Sektionen, der School of History, der School of Language & Literature, der School of Life Science - LifeNet und der School of Soft Matter Research stärkt das FRIAS die Spitzenforschung an der Universität Freiburg und steigert deren internationale Sichtbarkeit .

Rao F., Garrett-Roe S. and Hamm P. Structural inhomogeneity of water by complex network analysis, Journal of Physical Chemistry B, Article ASAP, DOI: 10.1021/jp1060792

Kontakt:
Dr. Francesco Rao
Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS)
Tel.: 0761/203-97336
Fax: 0761/203-97451
E-Mail:francesco.rao@frias.uni-freiburg.de

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Unberechenbare Grippe: Zeit für die Influenza-Schutzimpfung

Susanne Glasmacher
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Robert Koch-Institut

Gemeinsame Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und des Paul-Ehrlich-Instituts

Die vergangene Grippesaison hat mit der Verbreitung eines neuen Influenzavirus und dem Höhepunkt der pandemischen Influenza-Erkrankungswelle Mitte November 2009 wieder einmal gezeigt, wie unberechenbar Influenzaviren sind. Nach Schätzung der Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert Koch-Instituts (RKI) gab es zwischen 2,5 und 3,4 Millionen zusätzliche Arztbesuche aufgrund einer Influenza-Erkrankung. Der in diesem Sentinelsystem mögliche Vergleich mit Daten aus den Vorjahren zeigt, dass die Werte im Bereich einer mittelstarken saisonalen Influenzawelle liegen. Die Schwere einer Welle kann sehr unterschiedlich sein und lässt sich nicht vorhersagen, Todesfälle gibt es zudem auch bei moderaten Grippewellen. Doch mit einer Impfung kann man sich einfach vor einer Grippeerkrankung schützen.

Medizinisches Personal, ältere Menschen über 60 Jahre, chronisch Kranke jeden Alters sowie Schwangere sollten gegen Grippe geimpft sein. „Wer geimpft ist, schützt nicht nur sich selbst vor einer schweren Influenza-Erkrankung, sondern vermeidet auch eine Ansteckung anderer. Das ist in Arztpraxen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen besonders wichtig", betont Reinhard Burger, Präsident des RKI vor der beginnenden Influenza-Impfsaison bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI).

Der neue saisonale Impfstoff setzt sich aus den Antigenen der aktuell weltweit vorkommenden Varianten der drei zirkulierenden Influenza-Virustypen (A/H1N1, A/H3N2, B) zusammen. „Der saisonale Impfstoff enthält das Antigen des pandemischen H1N1-Influenzavirus und schützt somit auch gegen die ‚Schweinegrippe'. Nach der Impfung ist der Impfschutz in 10 bis 14 Tagen aufgebaut", sagt Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts. Bisher hat das Paul-Ehrlich-Institut die Chargenfreigabe für rund 20,5 Millionen Dosen Influenza-Impfstoff erteilt. Das Paul-Ehrlich-Institut veröffentlicht auf seiner Internetseite neben dieser regelmäßig aktualisierten Information auch eine Liste der zugelassenen Influenza-Impfstoffe.

Seit 2006 führen BZgA und RKI die gemeinsame Kampagne "Wir kommen der Grippe zuvor" zur Steigerung der Impfquoten gegen Influenza durch. Zur Information werden in Kooperation mit der Bundesärztekammer im September 2010 aktualisierte Medienpakete an alle niedergelassenen impfenden Ärzte, an sozialpädiatrische Zentren und den öffentlichen Gesundheitsdienst verschickt. Die Medienpakete enthalten allgemeine Informationen zur Influenza-Impfung sowie ein Faltblatt für Schwangere. „Bei Schwangeren besteht aufgrund der neuen Impfempfehlung in der kommenden Grippesaison ein erhöhter Informations- und Aufklärungsbedarf", erläutert Elisabeth Pott, Direktorin der BZgA.

Zur Information des medizinischen Personals wird in Kooperation mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft außerdem eine Aussendung von Informationsmaterialien an alle Krankenhäuser und Alten-/Pflegeheime erfolgen. Sie umfasst eine ausführliche Informationsbroschüre zur Influenza-Impfung sowie eine Arbeitshilfe für Betriebsmediziner zur Durchführung von Impfaktionen bei medizinischem Personal. Die Impfquote bei der saisonalen Influenza liegt bei medizinischem Personal im Krankenhaus durchschnittlich bei rund 20 Prozent und ist damit sogar geringer als bei älteren Personen und chronisch Kranken.

Darüber hinaus hat die BZgA eine neue Internetseite zum Thema Impfen eingerichtet. Unter www.impfen-info.de können sich Bürgerinnen und Bürger umfassend über die verschiedenen Impfungen und deren Nutzen sowie über ergänzende Hygienemaßnahmen informieren.

Weitere Informationen:

www.rki.de/influenza; www.impfen-info.de; www.pei.de/influenza-impfstoffe

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Herausgeber:
Robert Koch-Institut
Nordufer 20
D-13353 Berlin
www.rki.de

Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Verliebte gesucht!

Sebastian Hollstein
Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Psychologin der Universität Jena untersucht in Langzeitstudie junge Partnerschaften
Jena:  Am Anfang sind da die berühmten Schmetterlinge im Bauch. Dieses wohlige und gleichzeitig unruhige Gefühl, das sogar Hunger verschwinden lässt und den Schlaf raubt, ohne dass es einem etwas ausmacht. Doch was passiert eigentlich, nachdem der Hunger wieder eingesetzt hat und zwei Liebende beschlossen haben, eine Beziehung einzugehen?

Was nach diesem wichtigen Schritt mit den Verliebten passiert, das möchte Christine Abig vom Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena herausfinden und sucht dafür noch Teilnehmerinnen und Teilnehmer. In einer neuen Langzeitstudie will sie untersuchen, wie sich „junge" Partnerschaften über das erste Jahr hinweg entwickeln. „Ich möchte außerdem wissen, inwieweit sich die neue Beziehung auch auf die eigene Persönlichkeit auswirkt", erklärt die Jenaer Psychologin.

„Jetzt möchte ich vor allem Paare befragen, die erst frisch - mindestens einen Monat - zusammen sind", sagt Christine Abig. „Wichtig ist dabei vor allem, dass beide Partner mitmachen, denn nur so können wir etwas über die Entwicklung der Beziehung und ihren Einfluss auf beide erfahren." Wer sich an der Studie beteiligen will, dem schickt sie viermal in neun Monaten einen Fragebogen zu, der online bequem von zuhause bearbeitet werden kann. Die Antworten werden anonymisiert erfasst und ausgewertet. Mehr als eine Registrierung der E-Mail-Adresse ist daher nicht notwendig. Auch für die Testpersonen zahlt sich die Teilnahme aus: Zum einen können sie eine persönliche Rückmeldung erhalten. Zum anderen wird eines der Paare ein Wochenende in einem Luxushotel gewinnen.

Nähere Informationen und die Registrierung sind zu finden unter: http://ww3.unipark.de/uc/FSU_Jena/a101/.
Oder die potenziellen Teilnehmerinnen und Teilnehmer wenden sich per Mail (christine.abig@uni-jena.de) direkt an Christine Abig.

Kontakt:
Dipl. Psych. Christine Abig
Institut für Psychologie der Universität Jena
Humboldtstraße 11, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945163,
E-Mail: christine.abig@uni-jena.de

Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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100 Prozent Erneuerbare sind machbar und Treiber für unsere Wirtschaft

Karin Schneider
Presse und Public Relations
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

Wie kann Deutschland den Übergang zu einer nachhaltigen, sicheren, wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Energiewirtschaft schaffen? Das diskutieren Wissenschaftler, Unternehmer und PoIitiker auf den Fraunhofer-Energietagen am 23. und 24. September 2010
»Eine Energieversorgung mit 100 Prozent erneuerbaren Energien ist schon 2050 machbar«, betont Prof. Eicke R. Weber, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE und Sprecher der Fraunhofer-Allianz Energie bei der Eröffnung der Fraunhofer-Energietage. Das Motto der zweitägigen Veranstaltung in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften lautet: Energiekonzept Deutschland - Mit neuer Energie.

Die Förderung der regenerativen Energien schont nicht nur die Ressourcen, sondern stärkt auch die Unternehmen hierzulande. »Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist ein Treiber für unsere Wirtschaft. Dies zeigte sich in der Krise«, betont Prof. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft und verweist auf Fraunhofer-Studien. Für ihre Forderung nach einem beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien haben die Fraunhofer-Experten prominente Unterstützung. Prof. Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesumweltminister und einstiger Direktor des UNO-Umweltprogramms UNEP, hält das 100-Prozent-Ziel ebenfalls für realistisch: »Wir müssen alles daran setzen - etwa in der Entwicklung erneuerbarer Energien und durch die Erhöhung der Energieeffizienz -, diese Zukunft so schnell wie möglich zu erreichen«, so Töpfer, der heute das Institute for Advanced Sustainability Studies in Potsdam leitet.

Klaus Töpfer sieht im schnellen Umstieg auf erneuerbare Energien »große Chancen für den Markt und die Menschen«. Dafür sollte die Bundesregierung allerdings ambitioniertere Ziele setzen. Die strebt bis 2050 einen Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch von 60 Prozent an. Doch schon mit Technologien, die bereits heute zur Verfügung stehen oder derzeit entwickelt werden, ließe sich eine weit höhere Quote erreichen.

Ein höheres Tempo bei der Nutzung grüner Technologien hätte laut Hans-Jörg Bullinger mehrere positive Effekte: Die Abhängigkeit Europas von Rohstoffimporten würde sinken, ebenso der Ausstoß von Kohlendioxid zum Wohle des Klimas. Gleichzeitig könnte Deutschland seine starke Stellung als Exportnation von innovativer Umwelt- und Energietechnik ausbauen. Schon heute dominieren deutsche Unternehmen den Markt für grüne Technologien. So beträgt der Anteil deutscher Unternehmen am Weltmarkt für Energieerzeugungstechnologien 30 Prozent, bei Technologien für Kreislaufwirtschaft, Abfall und Recycling sind es 25 Prozent wie eine Auswertung von Markstudien und Branchenanalysen durch Roland Berger ergeben hat.

Wenn das hohe Innovationstempo beibehalten wird, könnten in den nächsten zehn Jahren zahlreiche zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden, insbesondere in den Bereichen Energiegewinnung aus Sonne, Wind und Biomasse, Energieeffizienz in Industrie und Haushalten sowie Ausbau der Stromnetze. Bis 2020 rechnet das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe mit bis zu 380.000 Beschäftigten im Greentech-Sektor, bei verstärkten Anstrengungen im Klimaschutz sind sogar 630.000 Arbeitsplätze möglich. Zudem würde das Bruttoinlandsprodukt um 70 beziehungsweise 81 Milliarden Euro steigen. Diese wirtschaftlichen Potenziale lassen sich aber nur nutzen, wenn die einzelnen Akteure der weitverzweigten Energieforschung enger zusammenarbeiten. Ein Beispiel ist der Ausgleich von dem Angebot und Nachfrage nach Strom in intelligenten Netzen und die Speicherung von erneuerbarer Energie. Um diese Verzahnung zu fördern, hat die Fraunhofer-Gesellschaft 2004 ihre Aktivitäten für Energietechnologien in der Fraunhofer-Allianz Energie gebündelt. Die 2000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in 16 Instituten betreiben international systemübergreifende Energieforschung über Technologie- und Branchengrenzen hinweg. Ziel ist, auch kleinen und mittelständischen Unternehmen, aber auch Politik und Energiewirtschaft einen leichten Zugang zu den Kompetenzen der Fraunhofer-Institute zu verschaffen. Die Fraunhofer-Allianz Energie konzentriert sich auf fünf strategische Forschungsbereiche. Die Forscher arbeiten an der Weiterentwicklung energieeffizienter Technologien, intelligenten Systemen zum Energiemanagement, neuen Speichersystemen sowie Verfahren zur Nutzung regenerativer Energien. Bullinger ergänzt »Wir sind national und international vernetzt. Um die Entwicklung von Elektrofahrzeugen voranzutreiben, arbeiten 33 Fraunhofer-Institute Hand in Hand. Sie kümmern sich nicht nur um Antriebskonzepte, sondern auch darum, wie Solartankstellen aussehen müssen oder welche Herausforderungen auf Stromversorgung und Stadtplanung zukommen. Als strategischer Partner ist Fraunhofer am Massachusetts Institute of Technology MIT ebenso aktiv wie in dem ambitionierten Ökostadtprojekt Masdar City in Abu Dhabi und der europäischen Initiative DESERTEC.«

Ansprechpartner für weitere Informationen:
Dr. Thomas Schlegl,
Geschäftsführer Fraunhofer-Allianz Energie
c/o Fraunhofer ISE
Telefon +49 761 4588-5473
info@fraunhofer-energietage.de
www.energie.fraunhofer.de

Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer-energietage.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Hypochondrie: Der Gedanke an Krankheit geht einem nicht mehr aus dem Kopf

Petra Giegerich
Kommunikation und Presse
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Wissenschaftliche Studie untersucht die Ursachen von Krankheitsängsten - Teilnehmer gesucht
Menschen mit starken Krankheitsängsten, oft auch als Hypochonder bezeichnet, zeigen im Vergleich zu anderen eine selektive Aufmerksamkeit: Sie neigen dazu, ihre Umgebung unwillkürlich nach potenziell bedrohlichen Reizen abzusuchen und wenden sich diesen Reizen dann ausführlich zu. Dies ergab eine Studie am Psychologischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass Personen mit anhaltenden Krankheitsängsten beim Lösen einer Computeraufgabe durch die Themen Krankheit und Tod stärker abgelenkt werden als gesunde Personen und als andere Patientengruppen. „Diese Menschen entwickeln Krankheitsängste, weil sie ihre Umgebung ständig nach Informationen absuchen, die mit Krankheit und Tod zu tun haben", teilen die Mainzer Psychologen dazu mit. „Solche Aufmerksamkeitsprozesse laufen meist völlig unbemerkt ab, ohne eine bewusste Absicht." Es konnte außerdem gezeigt werden, dass durch eine kognitive Verhaltenstherapie solche „Aufmerksamkeitsverzerrungen" aufgelöst werden und damit eine deutliche Besserung im Befinden der Betroffenen einhergeht.

Unter Krankheitsangst versteht man die Angst, an einer oder mehreren Krankheiten zu leiden. Fast jeder Mensch hat mehr oder weniger Krankheitsangst. Menschen mit starker Krankheitsangst befürchten, eine ernsthafte Krankheit zu haben. Oft wird dabei an Krebserkrankungen gedacht, aber auch an andere schlimme Erkrankungen wie zum Beispiel AIDS oder Alzheimer. In Fachbüchern findet man für das Krankheitsbild häufig auch den Begriff „Hypochondrie". Den Betroffenen fällt es meist sehr schwer, sich von ihren Gedanken an diese Krankheiten zu lösen. Viele fühlen sich gefangengenommen von diesen Ängsten. Häufig gelingt es ihnen nur durch wiederholte Arztbesuche, Suche in der Fachliteratur oder die Einbindung anderer Personen, Erleichterung zu erfahren - eine Erleichterung, die meist nicht von Dauer ist. Das Psychologische Institut bietet Betroffenen seit nunmehr sechs Jahren eine kognitive Verhaltenstherapie an, um der Krankheitsangst zu begegnen - mit gutem Erfolg.

Nun soll eine weitere wissenschaftliche Studie den Ursachen für die Entstehung und für die Aufrechterhaltung der Hypochondrie nachgehen. Für diese Studie unter der Leitung von Dr. Michael Witthöft werden noch Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesucht, die unter Krankheitsängsten leiden und die an einer computergestützten Untersuchung der Wahrnehmung und Bewertung körperlicher Vorgänge teilnehmen möchten. In verschiedenen Testaufgaben soll ermittelt werden, wie gut es Personen gelingt, interne köpereigene Prozesse wie z.B. den eigenen Herzschlag, aber auch externe sensorische Reize, etwa leichte Vibrationsimpulse am Zeigefinger, wahrzunehmen. Interessenten melden sich bitte bei Dipl.-Psych. Maribel Kölpin und Dipl.-Psych. Susann Krautwurst unter der Telefonnummer 06131 39-39204. Ein Anrufbeantworter nimmt Namen und Telefonnummer auf, die Anrufer werden umgehend zurückgerufen. Oder aber Interessenten schreiben eine Mail an "koelpin@uni-mainz.de".

Weitere Informationen:
Dr. Michael Witthöft / Dipl.-Psych. Maribel Kölpin / Dipl.-Psych. Susann Krautwurst
Psychologisches Institut
Abt. Klinische Psychologie und Psychotherapie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131 39-39202/39204
E-Mail: koelpin@uni-mainz.de

Weitere Informationen:
http://www.klinische-psychologie-mainz.de

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Warum Frauen (tatsächlich) schlechter einparken - Psychologin berichtet in RUBIN

Dr. Josef König
Pressestelle
Ruhr-Universität Bochum

Das Selbstvertrauen spielt eine wichtige Rolle

Kaum ein Vorurteil ist weiter verbreitet als das der mangelnden weiblichen Fahrkünste. Was ist tatsächlich dran? Das wollten Psychologen um die Doktorandin Claudia C. Wolf aus der Abteilung Biopsychologie der RUB (Leiter: Prof. Dr. Onur Güntürkün) wissen. Sie ließen Männer und Frauen nicht nur parken, sondern testeten auch ihr räumliches Vorstellungsvermögen und fragten ihre Selbsteinschätzung ab. Resultat: Frauen parken durchschnittlich langsamer und ungenauer ein als Männer. Dabei spielt aber das negative Selbstbild eine wesentliche Rolle. Also: Die Parklücke nicht als Bedrohung, sondern als Herausforderung nehmen - dann klappt`s besser.
Beitrag im Internet

Den gesamten Beitrag finden Sie im Internet unter: http://www.rub.de/rubin

Parken zwischen Schrottautos

Die Psychologen ließen 17 männliche und weibliche Fahranfänger und 48 erfahrene Autofahrerinnen und -fahrer mit einem Fahrzeug, mit dem sie keine Erfahrung hatten, in einem Parkhaus zwischen Schrottautos einparken. Vorwärts, rückwärts und seitlich, von links und rechts kommend mussten die Fahrer ihre Künste beweisen. In der Tat kam heraus, dass Männer nicht nur schneller in die Lücke kamen, sondern sie auch genauer trafen. Besonders beim seitlichen Parken lagen sie vorn: 42 Sekunden schneller und drei Prozent genauer gelang ihnen das Einparken. Aber warum?

Selbsteinschätzung ist wichtiger Faktor

Die Forscher wollten es genau wissen. Sie ließen alle Probanden einen Test zur mentalen Rotationsfähigkeit absolvieren. Denn auch beim Parken muss der Fahrer „nicht nur wissen, wie die momentane Position seines Fahrzeugs relativ zu parkenden Autos oder zur Bordsteinkante ist. Er muss auch wissen, wie sich seine Position verändert, wenn er das Gaspedal betätigt", erklärt Prof. Güntürkün. Männer schneiden bei dem Test durchschnittlich besser ab als Frauen. Da aber meistens auch soziale Faktoren eine Rolle spielen, erfragten die Forscher auch die Selbsteinschätzung der Testpersonen in Bezug auf ihr Können. Und es zeigte sich: Je besser sich die Person einschätzte, desto besser parkte sie ein. Schon bei Fahranfängern gab es diesen Zusammenhang. Und während mit wachsender Erfahrung der Einfluss der mentalen Rotationsfähigkeit sank, blieb der Einfluss der Selbsteinschätzung erhalten.

Das „weibliche Dilemma"

Das „weibliche Dilemma": Aufgrund der schlechteren Rotationsfähigkeiten haben Fahranfängerinnen Mühe mit dem Parken. Misserfolge speichern sie ab und ihr Selbstbewusstsein sinkt. Dadurch parken sie auch später unsicher ein, weil sie ihr Handeln ständig kontrollieren. Der gedankenlose Automatismus des Einparkens stellt sich bei ihnen nicht ein. „Abhilfe könnte ein Perspektivwechsel schaffen", so Claudia Wolf. „Wenn wir eine vermeintliche Bedrohung zur Herausforderung umdeuten, gehen wir selbstbewusster zu Werke und unsere Leistung steigt."

RUBIN Junge Forschung

Sie schrieben ihre „Wissenschaftsgeschichten" auf: Simone Heinemann - Das Spiel mit dem Risiko (Verantwortungsvoller Umgang mit Finanzderivaten), Christoph Kraume - Politik vom Schreibpult (Ein verschollenes Werk Ciceros als monarchistische Tendenzschrift), Olena Petrenko - Die Leben der Ljudmila Foja (Frauenschicksale im ukrainischen Widerstand), Anna Neumaier - Keine Tabus im virtuellen Bibelkreis (Religiosität online ausgelebt), Meike Mischo - Sehen und Fühlen auf der Nanoskala (Winzige Oberflächen sichtbar machen), Jan Schulze - „3+3+5=938" (Experimentalphysiker blicken in die Tiefen der Materie), Matthias Tuma - Das Blubbern der Bombe (Lernende Computer spüren Atomtests in Unterwassersignalen auf), Julia Weiler - Zeitreisen (Hirnforscher untersuchen Gedankenwanderungen in Vergangenheit und Zukunft), Annika Cimdins - Manche mögen‘s heiß (Bakterien „messen" Temperaturen mit RNA-Thermometern), Claudia Wolf - Gekonnt geparkt (Kognitive Mechanismen beim Einparken), Janina Wolf - Tatort: Reagenzglas (Die Schlafkrankheit im Visier der Biochemie), Michael Karus - Matrix reloaded again (Über die Funktion Neuronaler Stammzellen).

Weitere Informationen

Claudia C. Wolf, Abteilung Biopsychologie, Fakultät für Psychologie der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-26804, E-Mail: Claudia.C.Wolf@rub.de

Redaktion: Meike Drießen

Weitere Informationen:
http://www.rub.de/rubin - Alle Beiträge im aktuellen RUBIN

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Kalte Dusche? Nein Danke! - Hochschule Esslingen forscht an Trinkwasser-Erwärmungsanlagen

Diplom-Übersetzerin (FH) Cornelia Mack
Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing
Hochschule Esslingen

Der Energiebedarf in den Haushalten wächst stetig. Gründe sind der höhere Warmwasserverbrauch und die komfortablere Ausstattung der Wohnungen. Steigender Energiebedarf - bei ebenso steigenden Energiepreisen: eine fatale Kombination.

„Wir haben uns der aktuellen technischen Herausforderung gestellt und forschen an der hygienischen und effizienten Aufbereitung von Trinkwasser", sagt Prof. Dr.-Ing. Hans Messerschmid, Leiter des Labors Wasser- und Gastechnik der Fakultät Versorgungstechnik und Umwelttechnik.

„An die Prüfung und Zulassung von Trinkwasser-Erwärmungsanlagen werden hohe hygienische Ansprüche gestellt", erklärt Prof. Dr.-Ing. Messerschmid. Wegen der Legionelleninfektion, an der jährlich Tausende erkranken, ergeben sich besondere Anforderungen an die Konstruktion und Betriebsweise.

Ebenso groß sind die Ansprüche an die Betriebssicherheit und Energieeffizienz. Messerschmid: „Die hygienische Anforderung der Trinkwassererwärmung, die Sicherheit und Effizienz werden durch spezielle Verfahren geprüft". Nach deutscher Norm, nach komfortorientierten Normen, nach europäischer Norm mit Leistungskennzahlen, Auslaufkennzahlen, und vielen mehr. „Die Prüfverfahren entsprechen den Anforderungen nach DIN 4708, DIN 4753 und prEN 13203", sagt Prof. Dr.-Ing. Messerschmid.

Prof. Dr.-Ing. Messerschmid: „Studierende der Versorgungstechnik und Umwelttechnik lernen hier am Prüfstand im vierten Semester die Grundlagen der Thermodynamik sowie die unterschiedlichen Arten von Warmwasserversorgungssystemen und deren Auslegung kennen". Dabei sei für die Lehre auch wichtig, wie sich Speicher und Wärmeerzeuger im Zusammenspiel verhalten und wie die Kennwerte im Zusammenhang mit der Konzipierung einer Trinkwassererwärmungsanlage anzuwenden sind.

Ebenso wichtig wie für die Lehre ist der Prüfstand auch für die Industrie: „Durch unsere sehr industrienahe Forschung können wir den Prüfstand auch industriell nutzen", sagt Prof. Dr.-Ing. Messerschmid. „Wir verfügen hier über ganz spezifische Rahmenbedingungen, die in vielen Unternehmen so nicht gegeben sind". Damit sei der Prüfstand auch eine Möglichkeit zur Drittmittelforschung.

Der Verein der Freunde der Hochschule Esslingen (VDF) förderte dieses Projekt zur Erweiterung der Ausstattung im Labor für Wasser- und Gastechnik in der Fakultät Versorgungstechnik und Umwelttechnik mit 12.000 €.

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Was das Gehirn von Säugetieren wachsen lässt

Dr. Ute Schönfelder
Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Biologin der Uni Jena deckt Rolle mütterlicher Zuwendung in der Evolution des Gehirns auf
Ein großes Hirn kann Großes leisten: Wenn eine Tierart über ein besonders großes Gehirn verfügt, ist dies in der Regel ein Hinweis auf hohe Intelligenz oder Geschicklichkeit, etwa bei der Nahrungssuche. Zu diesen privilegierten Arten zählen vor allem Säugetiere. Neben den Primaten, darunter auch der Mensch, zeichnen sich auch Zahnwale sowie Wölfe, Füchse und Hunde durch ein besonders großes und leistungsfähiges Denkorgan aus. Doch warum konnte sich gerade bei diesen Tieren das Gehirn so ausgeprägt entwickeln? Antwort auf diese Frage geben Dr. Vera Weisbecker und Dr. Anjali Goswami in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences".

Die Biologinnen von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der University of Cambridge haben die Hirngröße von knapp 200 Beuteltierarten, z. B. Kängurus und Koalas, und mehr als 400 Plazentatierarten, darunter Affen, Nage- und Huftiere, verglichen. „Beide Gruppen gehören zu den Säugetieren, sind aber nur weitläufig miteinander verwandt und haben im Laufe der Evolution unabhängig voneinander relativ große Gehirne entwickelt", erläutert Dr. Weisbecker. Die Postdoktorandin vom Jenaer Uni-Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie forscht derzeit mit einem Stipendium der VolkswagenStiftung am Department of Earth Sciences in Cambridge.

Die entscheidende Rolle für die Entwicklung eines großen Hirns, so das Ergebnis der aktuellen Studie, spiele die mütterliche Zuwendung. „Je länger der Nachwuchs im Mutterleib heranreifen kann oder von seiner Mutter gesäugt wird, desto größer und leistungsfähiger kann sein Gehirn werden", unterstreicht Weisbecker. Bisher wurde vermutet, dass eine hohe Stoffwechselaktivität ebenfalls ein wichtiger Faktor in der Evolution eines großen Gehirns ist. „Dieser Faktor stimmt aber nur teilweise", so die Biologin, die sich auf die Hirnentwicklung verschiedener Säugetierarten spezialisiert hat. Eine erhöhte Stoffwechselaktivität des Gehirns hänge demnach nur bei Plazentatieren mit größeren Hirnen zusammen, während die Säugedauer und Anzahl der Jungen pro Wurf für beide Gruppen wichtig sei. Die Forscherinnen vermuten, dass ein aktiver Stoffwechsel bei Plazentatieren nur deshalb mit der Hirngröße korreliert, weil deren Junge lange über die Plazenta direkt an den Stoffwechsel ihrer Mutter angeschlossen sind und somit von einem aktiveren Stoffwechsel eher profitieren können. Diese direkte Übertragung von Nährstoffen könnte auch der Grund dafür sein, dass Plazentatiere wesentlich kürzere mütterliche Zuwendungszeiten haben als Beuteltiere, bei denen die Plazenta meist nur für wenige Tage ausgebildet ist. „Dazu passt, dass Primaten, zu denen auch der Mensch gehört, die einzigen Plazentatiere sind, die ähnlich lange mütterliche Zuwendungszeiten wie Beuteltiere haben - ihre vergleichsweise riesigen Gehirne könnten das notwendig machen", vermutet Weisbecker.

So ganz nebenbei räumten Weisbecker und Goswami auch mit einem hartnäckig verbreiteten Vorurteil auf: Beuteltiere hätten ein besonders kleines Gehirn. Das Gegenteil sei der Fall, denn kleinere Beuteltiere besitzen im Durchschnitt sogar verhältnismäßig große Gehirne. Das bisherige Missverständnis beruhe vor allem darauf, dass die Primaten mit ihren sehr großen Gehirnen die durchschnittliche Hirngröße von Plazentatieren größer erscheinen lasse, als sie tatsächlich sei.

Original-Publikation:
Weisbecker V, Goswami A. Brain size, life history, and metabolism at the marsupial/placental dichotomy, PNAS 2010, doi 10.1073/pnas.0906486107

Kontakt:
Dr. Vera Weisbecker
Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie der Universität Jena
Erbertstr. 1
07743 Jena
E-Mail: vw248@cam.ac.uk
Tel.: 0044 1223 768 329 (UK)
Mobile: 0044 7806 325 487 (UK)

Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Ingenieure dringend, Konstrukteure verzweifelt gesucht

Jessica Lumme
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz Universität Hannover

Innerhalb eines Projekts der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech) starten Wissenschaftler am Produktionstechnischen Zentrum der Leibniz Universität Hannover (PZH) zusammen mit weiteren Partnern das Projekt „Konstrukteur 2020", um das aktuelle Berufsbild sichtbar und die Ausbildung attraktiver zu machen.
Die Konstrukteure fehlen. Und es fehlen immer mehr. Das Problem ist das Image: „Es gibt dieses Bild, dass Konstrukteure den ganzen Tag nur vorm Rechner sitzen, dabei sind sie eigentlich die Treiber und Gestalter im Entwicklungsprozess, von der Ideenfindung bis zur Erprobung", sagt Friedrich Charlin, Diplom-Ingenieur und Projektbetreuer am Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW). Mit dem Projekt „Konstrukteur 2020", das am 8. Oktober offiziell startet, will ein interdisziplinäres Team aus Mitgliedern der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, des Instituts für Produktentwicklung des Karlsruhe Instituts für Technologie, der Hochschulforschung Wittenberg und des IFW der Leibniz Universität Hannover dem Klischee Fakten entgegensetzen. Ziel ist es, den Studienschwerpunkt „Konstruktion" für angehende Ingenieure attraktiver zu machen und so dem bestehenden und prognostizierten Mangel an Konstrukteurinnen und Konstrukteuren entgegenzuwirken.

Diesen Mangel haben die acatech Mitglieder Professor Dr.-Ing. Berend Denkena, Leiter des IFW, und sein Vorgänger Professor em. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. mult. Dr. h.c. Hans Kurt Tönshoff in vielen Berufsjahren in der Industrie und als Hochschullehrer im Maschinenbau feststellen müssen. „Wir haben das Problem in die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften getragen", erläutert Denkena, „und freuen uns nun über die Möglichkeit, mit dem Projekt „Konstrukteur 2020" zu einer grundlegenden Lösung beitragen zu können. Denn ohne Konstrukteure steht der Innovationsmotor der deutschen Industrie irgendwann still."

Der gestalterische Spielraum für Konstrukteure könnte kaum größer sein - gleiches gilt aber auch für die Anforderungen an sie: In den vergangenen Jahren haben sich Materialien, Produkte, Prozesse und computergestützte Entwurfstechnologien enorm verändert. Längst ist nicht mehr nur von mechatronischen, sondern auch von adaptronischen und opto-elektronischen Komponenten die Rede, zum Berufsalltag gehören komplexe Abstimmungs- und Managementaufgaben. Innovation und Wertschöpfung in der Produktion hängen daher immer mehr vom Know-how exzellent ausgebildeter Konstrukteure ab. Doch der Arbeitsmarkt entwickelt sich gegenläufig: Die ohnehin zu wenigen Absolventen der ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge meiden noch dazu die Konstruktion, offenbar erscheinen ihnen Schwerpunkte wie Produktion, Betriebsorganisation oder Logistik attraktiver. Und es fehlt nicht nur an Nachwuchs - für die bereits in der Industrie tätigen Konstrukteure gibt es kaum angemessene Weiterbildungskonzepte.

Im Projekt „Konstrukteur 2020" wird zunächst der Ist-Zustand erhoben: Was lernen Konstrukteure in deutschen Hochschulen heute, wie arbeiten sie zurzeit, welche Anforderungen kommen aus der Industrie? Daraus werden - in Zusammenarbeit mit Experten aus der Hochschullehre und der Industrie - Empfehlungen für die künftige Hochschulausbildung von Konstrukteuren und deren spätere berufsbegleitende Weiterbildung abgeleitet.

Zum Hintergrund:
Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, die erste nationale Wissenschaftsakademie Deutschlands, vertritt die Technikwissenschaften im In- und Ausland und berät Politik und Gesellschaft in technikbezogenen Zukunftsfragen. In der Akademie engagieren sich Industrievertreter und Professoren innerhalb von Themennetzwerken. Das Vorhaben „Konstrukteur 2020" ist von den Themennetzwerken „Produktentstehung" und „Bildung und Wissen" als drängendes zukunftsrelevantes Thema identifiziert und entsprechend beschlossen worden. http://www.acatech.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Deutschlandweit einzigartige Webseite zur Darstellung des Flächenverbrauchs in Stadt und Land ist gestartet

Katlen Trautmann
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V.

Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung Dresden (IÖR) bietet Planern, Architekten und interessierten Laien einen besonderen Service: eine interaktive Webseite liefert auf Basis von topographischen Daten Zahlen und graphische Darstellungen zur Nutzung von Flächen bundesweit. Die Analysen erfolgen mit Hilfe Geoinformationssystemen und neuen Auswertungsprogrammen.
Obwohl hochauflösende Luftbilder und topographische Karten in Hülle und Fülle existieren, sucht man verlässliche Zahlen zur Nutzung der Fläche, zum Grad der Überbauung mit Gebäuden und zur Bodenversiegelung für Deutschland bislang oft vergebens. Hier soll das neue Softwareprogramm „Monitor der Siedlungs- und Freiraumentwicklung" des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung Dresden (IÖR) Abhilfe schaffen.

Die Analysen erfolgen mit Hilfe von Geoinformationssystemen (GIS) und teilweise patentierten Auswerteprogrammen. Die Ergebnisse der Auswertung der Daten werden in Karten- und Tabellenform ausgegeben - für Deutschland insgesamt bis zu einzelnen Gemeinden. Damit sind sowohl räumliche als auch zeitliche Vergleiche zum Flächenverbrauch möglich. Da die Zahlen auf einfachste Weise sortiert werden, lassen sich beispielsweise Gemeinden, in denen der Flächenverbrauch besonders hoch oder niedrig ist, schnell ausmachen. „Mit der Webseite können sich Fachbehörden, Wissenschaftler, Verantwortungsträger vor Ort und die interessierte Öffentlichkeit informieren und beispielweise ihre Anstrengungen zum Flächensparen erhöhen", sagt Projektleiter Gotthart Meinel.

Noch immer werden in Deutschland jeden Tag rund 80 Hektar für Siedlungszwecke in Anspruch genommen. Damit einher geht der Verlust an naturnahen Flächen oder Böden für die Landwirtschaft. Zudem zerschneiden Straßen zunehmend die Landschaften. Da diese Entwicklung - auch angesichts schrumpfender Zahlen der Bevölkerung - sehr bedenklich ist, hat die Bundesregierung 2002 in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie die Minderung der Neuinanspruchnahme von Flächen für Siedlungen und Verkehr festgeschrieben. Nicht mehr als 30 Hektar pro Tag sollen es bis zum Jahr 2020 sein. An der Erreichbarkeit dieses Ziels wird immer stärker gezweifelt und an der derzeitigen Bilanzierungsmethode in Fachkreisen deutliche Kritik geübt - denn Zustand und Veränderung der Flächennutzung werden durch die amtliche Flächenstatistik bisher nur grob bilanziert.

Der Monitor wurde von einer Forschergruppe im Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung erarbeitet.

Ansprechpartner:
Gotthard Meinel, Tel.: 0351- 4679-254, E-Mail : G.Meinel@ioer.de
Ulrich Schumacher, Tel.: 0351-4679-203,E-Mail: U.Schumacher@ioer.de

Weitere Informationen:
http://www.ioer-monitor.de
http://www.ioer.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Neue Stellungnahme der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® - Deutschen Hypertonie Gesellschaft

Joachim Leiblein
Geschäftsstelle
Deutsche Hochdruckliga

Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® - Deutsche Hypertonie Gesellschaft empfiehlt für Typ 2-Diabetiker Blutdruckwerte im Bereich 130-139/80-85 mm Hg
Der Diabetes Typ 2 und die Hypertonie stellen hinsichtlich Mortalität und kardiovaskulären Komplikationen - sowohl makro- als auch mikrovaskulärer Art - eine Hochrisikokonstellation dar. Bis vor kurzem wurde für Typ 2-Diabetiker daher eine besonders niedrige Blutdruckeinstellung auf Werte < 130 / 80 mm Hg empfohlen, obwohl sich die Studienlage für dieses Vorgehen bisher weder eindeutig noch abschließend zeigte.

Vergleiche und Analysen mehrerer Studien (ADVANCE, UKPD, ACCORD u.a.) führten dazu, dass die Zielwerte neu diskutiert und bewertet wurden. Die Studien demonstrierten, dass Typ 2-Diabetiker hinsichtlich primärer Endpunkte wie Myokardinfarkt und letztendlich Mortalität von einer straffen Blutdruckeinstellung unter 130 mm Hg nicht profitierten, so dass die Europäischen Hochdruckleitlinien 2009 dementsprechend adaptiert wurden.

Auch die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® - Deutsche Hypertonie Gesellschaft spricht sich nun in einer aktuellen Stellungnahme für eine Anpassung der Zielblutdruckwerte aus und empfiehlt, bei Diabetikern eine Blutdruckeinstellung in den Zielkorridor von 130-139 / 80-85 mm Hg anzustreben, wobei das Optimum im unteren Korridorbereich liegt. Die ACCORD-Studie liefert keine Evidenz, dass Werte unterhalb des Zielkorridors zwangsläufig zu einer Risikozunahme führen.

Eine individuelle Einschätzung im Rahmen des patienteneigenen Risikoprofils wird insgesamt nicht weniger bedeutsam, erfuhren doch einzelne sekundäre Endpunkte (wie zerebrovaskuläre Ereignisse) in der Studiengruppe mit einem mittleren systolischen Blutdruck von 119,3 mm Hg eine Risikoreduktion von 41% gegenüber der Gruppe mit mittleren Werten von 133,5 mm Hg.

Die Versorgungsrealität in Deutschland hinsichtlich der Hypertonie zeigt darüber hinaus, dass weitaus mehr Diabetiker (und auch Nichtdiabetiker) durch zu hohe als durch zu niedrige Blutdruckwerte gefährdet sein dürften.

Die vollständige Stellungnahme finden Sie unter www.hochdruckliga.de

Weitere Informationen:
http://www.hochdruckliga.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Buntbarsch-Männchen „züchten" großflossige Weibchen

Frank Luerweg
Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Buntbarsch-Männchen finden Partnerinnen mit großen Bauchflossen deutlich attraktiver als kleinflossige Fischdamen. Diese sexuelle Vorliebe geht an den Weibchen nicht spurlos vorbei: Ihre Bauchflossen scheinen im Verlauf der Evolution im Vergleich zu anderen Flossen immer größer geworden zu sein. Darauf weisen zumindest die Daten einer aktuellen Studie an der Universität Bonn hin. Die Biologen konnten damit erstmals zeigen, dass die Partnerwahl von Männchen Auswirkungen auf das Aussehen von Weibchen hat. Die Ergebnisse der Studie sind jetzt in der Zeitschrift BMC Evolutionary Biology erschienen (doi: 10.1186/1471-2148-10-301 ).
Charles Darwin dachte noch, dass nur die Weibchen im Tierreich wählerisch seien. Die Männchen nähmen dagegen jede, die sie kriegen könnten. Dass das nicht immer stimmt, ist erst seit Ende der 1980er Jahre bekannt. Damals zeigte sich in Experimenten, dass zumindest bei manchen Tierarten auch die Männchen bei der Partnerwahl genau hinsehen.

Dass sich die weibliche Wahl auf das Aussehen der Männchen auswirkt, ahnte ebenfalls schon Darwin. So hat z.B. der Pfau im Laufe der Evolution ein prachtvolles Federkleid entwickelt, um damit den Weibchen zu imponieren. Doch jetzt fanden die Bonner Biologen am Beispiel der Buntbarschart Pelvicachromis taeniatus heraus, dass auch die Damen ihr Aussehen verändern, um den Herren zu gefallen. Es ist bislang der erste empirische Beleg für diesen Zusammenhang.

Die Forscher haben 73 Buntbarsch-Weibchen geröntgt und anhand der Knochenstrahlen die Größe der Flossen ermittelt. Mit einem interessanten Ergebnis: „Die Bauchflosse wird im Vergleich zu anderen Flossen besonders groß", sagt Dr. Sebastian Baldauf, Forscher am Institut für Evolutionsbiologie und Ökologie der Universität Bonn.

Doch warum ist das so? Die Bauchflosse ist bei Buntbarsch-Weibchen auffällig bunt. Während der Balz stellen die Weibchen sie auf und wedeln sie vor den Männchen hin und her. Daher vermuteten die Forscher, dass die Flosse bei der Partnerwahl eine Rolle spielt und durch diese beeinflusst wird.

Auf die Größe kommt es an

Um diese These zu überprüfen, haben die Forscher einen Partnerwahlversuch mittels Computeranimation durchgeführt. Aquarien mit je einem Männchen wurden zwischen zwei Computermonitore gestellt. Auf dem einen Bildschirm schwamm ein virtuelles Weibchen mit einer kleinen Bauchflosse hin und her, auf dem anderen genau dasselbe Weibchen mit einer großen Flosse. Die Männchen entschieden sich in den Experimenten für die Partnerin mit der größeren Bauchflosse.

Weibchen mit großen Bauchflossen haben es tendenziell also leichter, einen Sexualpartner zu finden und mit ihm Nachwuchs zu bekommen. Im Laufe der Evolution sollten sich die Flossen daher immer weiter vergrößern. Doch irgendwann ist Schluss: „Zu große Flossen behindern die Fische beim Schwimmen und erschweren beispielsweise die Flucht vor Feinden", sagt Sebastian Baldauf. Die Flosse kann daher in der Natur keine übertrieben großen Ausmaße annehmen, wie es häufiger bei Fischzuchten anzutreffen ist.

Nur aus purer Eitelkeit suchen sich die männlichen Buntbarsche natürlich nicht die Partnerin mit den größten Flossen aus. Die Bonner Biologen konnten zeigen, dass eine große Bauchflosse bei Weibchen eine gute Kondition signalisiert. Dadurch steigen die Überlebenschancen der Jungbarsche: „Weibchen mit guter Kondition können intensive Brutpflege betreiben", führt der Forscher aus. „Außerdem besteht nicht die Gefahr, dass sie aus Mangel an Nahrung die eigene Brut auffressen."

Kontakt:
Dr. Sebastian A. Baldauf
Institut für Evolutionsbiologie und Ökologie, Universität Bonn
Telefon: 0228/73-5749
E-Mail: sbaldauf@evolution.uni-bonn.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Können gefährliche pflanzliche Krankheitserreger in Biogasanlagen überleben?

Dr. Gerlinde Nachtigall
Pressestelle
Julius Kühn-Institut

Humboldt-Universität zu Berlin präsentiert zusammen mit Projektpartnern (Julius Kühn-Institut, Universität Rostock, Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioenergie Beratung Bornim) Ergebnisse auf der 57. Deutschen Pflanzenschutztagung in Berlin.
Immer mehr nachwachsende Rohstoffe werden in Biogasanlagen vergoren. Die Rückstände aus diesen Gärungen, die Gärreste, sind für die Landwirtschaft wertvolle organische Dünger. Die verwendeten Pflanzensubstrate wie Weizen und Mais können mit gefährlichen Viren, Bakterien oder Pilzen infiziert sein. Die Krankheitserreger müssen durch die Gärung abgetötet werden. Sonst besteht das Risiko, dass der Landwirt die Erreger mit den Gärresten wieder auf dem Feld ausbringt und für die neue Aussaat ein hoher Infektionsdruck besteht. Welchen Einfluss die anaerobe Vergärung in Laborbiogasanlagen auf die Abtötung der Schaderreger hat, stellen die Projektpartner während der 57. Deutschen Pflanzenschutztagung in Berlin vor.

Insgesamt zeigen die Laborergebnisse, dass nicht nur die thermische Stabilität des Krankheitserregers selbst eine Rolle spielt, sondern ebenso das Substrat (ganze Pflanze oder Korn) und die Lagerzeit der Gärreste nach der Vergärung. Vor allem an Mais und Getreide als Substrat wurden verschiedene Fusarium-Arten (Taubährigkeit), Claviceps purpurea (Mutterkorn), Tilletia caries (Weizensteinbrand), Alternaria alternata (an Mais und Roggen) oder Sclerotinia sclerotiorum (Weißstängeligkeit an Raps) getestet.

Viele Erreger werden nach einer sechsstündigen Inkubation bei 37 Grad Celsius abgetötet (S. sclerotiorium, R. solani, F. avenaceum (bei Mais), F. verticillioides (bei Mais), T. caries, C. purpurea). Andere getestete pilzliche Erreger benötigten längere Inkubationszeiten und waren erst nach 24 bzw. 138 Stunden komplett abgetötet. Bei den meisten Pathogenen führte die Lagerung der Gärreste zu einer Verringerung der Vermehrungsfähigkeit der Sporen. So wurden nach vierwöchiger Lagerung bei allen getesteten pilzlichen Erregern an Mais und Getreide keine lebensfähigen Schadpilze mehr festgestellt.

Auch Clavibacter michiganensis ssp. sepedonicus, die bakterielle Ringfäule an Kartoffel, ein weltweit gefürchteter, unter Quarantäne stehender Pilz, wurde untersucht. Zwar ist die wirtschaftliche Bedeutung der Kartoffel als „Nachwachsender Rohstoff" gering, aber das Risikopotenzial, das von dieser Krankheit ausgeht, ist extrem hoch. Aus den bisherigen Ergebnissen lässt sich nicht ableiten, dass die anaerobe Vergärung eine risikofreie Variante zur Verwertung von Kartoffelpartien ist, die mit der bakteriellen Ringfäule befallen sind. Der Kartoffelkrebs, Synchytrium endobioticum, - ebenfalls unter Quarantäne stehend - wurde selbst nach 138-stündiger Vergärung nicht vollständig inaktiviert. Auch eine anschließende Lagerung der Gärreste brachte keinen 100%igen Erfolg im Labor.

Die Überprüfung in Praxisbiogasanlagen steht jetzt an. Werden die Ergebnisse bestätigt, können Anforderungen an den Gärungsprozess formuliert werden, damit Gärreste hygienisch unbedenklich sind und Böden und damit Kulturpflanzen nicht zusätzlich mit Krankheitserregern infiziert werden.

Wissenschaftlicher Ansprechpartnerin:
Martina Bandte
Humboldt-Universität zu Berlin,
Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät, Fachgebiet Phytomedizin
Temporär: 14195 Berlin
Königin-Luise-Straße 19
Tel.: 030 8304-2536
martina.bandte@agrar.hu-berlin.de

Projektförderung durch Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V., Gülzow, FKZ: 22013207, Laufzeit 01.10.2009 bis 30.04.2011

Vorträge und Poster zum Thema im Tagungsband zur 57. Deutschen Pflanzenschutztagung (Julius-Kühn-Archiv, Band 428, 2010):

Vorträge:
S. 289, 42-4
S. 289, 42-5

Poster:
S. 513, 274a
S. 514, 275
Weitere Informationen:

http://www.pflanzenschutztagung.de - Alle Informationen zur Tagung und Tagungsband

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Genvariante entscheidet darüber, ob Menschen einen zu hohen Cholesterinspiegel haben oder nicht

Barbara Bachtler
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch

Weshalb haben manche Menschen einen zu hohen Cholesterinspiegel und erleiden einen Herzinfarkt, während andere offenbar geschützt sind? Forscher in Dänemark und Deutschland haben darauf jetzt eine Antwort gefunden: „schuld" ist ein Gen. Es tritt in verschiedenen Varianten auf - eine Variante des Gens schützt, die andere nicht. Forscher um Prof. Anders Nykjaer von der Universität Aarhus, Dänemark sowie Prof. Thomas Willnow vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) in Berlin konnten zeigen, dass das fragliche Gen bestimmt, wieviel Cholesterin die Leber ins Blut freisetzt (Cell Metabolism, doi: 10.1016/j.cmet.2010.08.006)*.
Bei dem Gen handelt es sich um SORT1, das die Forschungsgruppe von Prof. Willnow bereits im Zusammenhang mit neurologischen Erkrankungen erforscht. Dass dieses Gen auch eine Rolle im Bereich der Herzkreislauferkrankungen spielt, ergaben so genannte genomweite Assoziationsstudien. Dabei schauen Genetiker, ob zwischen gewöhnlichen genetischen Varianten im menschlichen Erbgut und bestimmten Erkrankungen eine Verbindung besteht. In diesem Fall interessierte Forscher, ob zwischen dem Risikofaktor für Herzkreislauferkrankungen - einem zu hohen Cholesterinspiegel - und winzigen genetischen Varianten einzelner Personen Zusammenhänge bestehen.

In groß angelegten internationalen Genomstudien war vor kurzem eine bestimmte Region auf dem menschlichen Chromosom 1 identifiziert worden, welche einen hohen Cholesterinspiegel verursacht. Die Funktion dieser Genregion auf Chromosom 1 konnten die Forscher in Aarhus und Berlin jetzt mit Hilfe von Mäusen klären. Sie hatten in diesen Mäusen das Gen für das Protein SORT1 gezielt ausgeschaltet. Die Mäuse hatten trotz fettreicher Ernährung 20 Prozent weniger Cholesterin im Blut, als Mäuse mit SORT1. Mit weiteren Untersuchungen fand das internationale Forscherteam aus Dänemark und Deutschland auch heraus, wie SORT1 wirkt. Es bildet einen Faktor, welcher dafür sorgt, dass die Leber effizienter Cholesterin freisetzt. Das bedeutet, Personen mit einer aktiven SORT1-Genvariante schütten viel Cholesterin ins Blut aus und haben damit ein höheres Risiko einen Herzinfarkt zu erleiden. Menschen dagegen, welche eine weniger aktive Genvariante tragen, schütten weniger Cholesterin aus - und sind geschützt.

Zum ersten Mal zeigt sich damit nach Ansicht von Prof. Willnow, dass der Abgleich des Erbguts vieler Tausender Menschen entscheidend dafür ist, wichtige neue Erkenntnisse über die genetischen Ursachen von Krankheiten zu gewinnen.

Forscher plädieren für gesunden Lebensstil
Der Körper benötigt Cholesterin unter anderem für seine Zellen zum Aufbau von Zellmembranen oder als Baustein für Hormone. Cholesterin wird vom Körper selbst gebildet oder über die Nahrung aufgenommen. Es wird zunächst in der Leber gespeichert und bei Bedarf ins Blut abgegeben. Überschüssiges Cholesterin muss die Leber wieder zurücknehmen, damit es nicht die Blutgefäße verstopft (Arteriosklerose). Wer einen zu hohen Cholesterinspiegel hat, läuft Gefahr einen Herzinfarkt zu erleiden, wenn er nicht mit einer entsprechenden Diät und Medikamenten gegensteuert.

Nach Ansicht der Forscher könnte das SORT1-Gen einen Angriffspunkt für neue Medikamente bieten, um die Freisetzung von „schlechtem" Cholesterin aus der Leber ins Blut zu blockieren. Allerdings ist SORT1 nur einer von vielen Herzinfarktrisikofaktoren. Es genügt daher nicht, so die Forscher, zu testen, welche Genvariante von SORT1 jemand hat. „Herzkreislaufrisiken hängen mit vielen verschiedenen Faktoren zusammen", betonen Prof. Nykjaer und Prof. Willnow. Auch Menschen mit der „gesunden Genvariante" können einen hohen Cholesterinspiegel bekommen, wenn andere ungünstige Faktoren wie ungesunde Ernährung oder Übergewicht im Spiel sind. Daher plädieren die Forscher für einen gesunden Lebenstil - keine fettreiche Ernährung und viel Bewegung.

*Sort1, Encoded by the Cardiovascular Risk Locus 1p13.3, Is a Regulator of Hepatic Lipoprotein Export
Mads Kjolby,1 Olav M. Andersen,1 Tilman Breiderhoff,3 Anja W. Fjorback,2 Karen Marie Pedersen,1 Peder Madsen,1 Pernille Jansen,1 Joerg Heeren,4 Thomas E. Willnow,3,* and Anders Nykjaer1,*
1The Lundbeck Foundation Research Center MIND, Department of Medical Biochemistry, Ole Worms Allé 1170
2MIND Center, Stereology and Electron Microscopy Laboratory Aarhus University, 8000 Aarhus C, Denmark
3Max-Delbrück-Center for Molecular Medicine, 13125 Berlin, Germany
4Department of Biochemistry and Molecular Biology II: Molecular Cell Biology, University Medical Center Hamburg-Eppendorf, Martinistraße 52, 20246 Hamburg, Germany
*Correspondence: willnow@mdc-berlin.de (T.E.W.), an@biokemi.au.dk (A.N.)

Barbara Bachtler
Pressestelle
Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Robert-Rössle-Straße 10
13125 Berlin
Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96
Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33
e-mail: presse@mdc-berlin.de
http://www.mdc-berlin.de/

Weitere Informationen:
http://dx.doi.org/10.1016/j.cmet.2010.08.00

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Neu erschienen: "Altern gestalten - Medizin, Technik, Umwelt"

Dr. Herbert von Bose
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Akademie der Wissenschaften
Heidelberger Akademie der Wissenschaften

Veröffentlichung der Vorträge des zweiten Symposiums der Heidelberger Akademie der Wissenschaften zum Thema 'demografischer Wandel'
Im Rahmen einer Serie von insgesamt drei Symposien der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, die sich dem Thema des demografischen Wandels unter unterschiedlichen Blickwinkeln annehmen, fand im November 2009 das zweite Symposium in Stuttgart in Kooperation mit der Universität Stuttgart und der Robert Bosch Stiftung statt. Unter dem Titel "Altern gestalten - Medizin, Technik, Umwelt" wurde das Thema aus der Sicht von Natur- und Ingenieurwissenschaften angegangen. Der kürzlich erschienene Band enthält die Beiträge zu diesem Symposium.

Das Buch, finanziert von der Robert Bosch Stiftung, nähert sich dem Thema "Alter(n) gestalten" in fünf Themenblöcken, von denen der Festvortrag von Axel Börsch-Supan mit dem Titel "Müssen, dürfen, sollen, können oder wollen ältere Menschen noch arbeiten?" den ersten Teil bildet. Der zweite Teil ist dem Thema "Prävention und Regeneration" gewidmet. Wolfgang Schlicht beleuchtet hierzu die positiven Auswirkungen von Bewegung im Alter in seinem Beitrag "Mit körperlicher Aktivität das Altern gestalten". Dem folgt eine Darstellung zum Thema der Veränderung des Gehirns beim Alterungsprozess. Iris Tatjana Kolassa, Franka Glöckner, Vera Leirer und Carsten Diener stellen die Grundlagen des geistigen Abbaus und Ansätze zu seiner Verhinderung in dem Beitrag "Neuronale Plastizität bei gesundem und pathologischem Altern" vor. Der dritte Teil des Buches trägt den Titel "Biologische und technische Assistenzsysteme". Zunächst berichtet Anthony D. Ho über Möglichkeiten und Perspektiven der Stammzelltherapie unter dem Titel "Das Altern im Spiegelbild der Stammzellen". Peter K. Plinkert und Mark Praetorius sprechen dann über "Elektronische Systeme zum Ersatz der defizienten Hörleistung" und Kuno Weise gibt Einblicke zu dem Thema "Endoprothetik und Alter". Der vierte Teil wird überschrieben mit "Unterstützende Systeme in Technik, Umwelt und Pflege". Jochen Wiedemann, Matthias Horn, Wolfgang Rosenstiel und Enkelejda Tafaj zeigen Aspekte zur "Fahrzeugentwicklung für eine Gesellschaft im demografischen Wandel" auf. Tilman Harlander beschäftigt sich mit "Wohnen im Alter" und Adelheid Kuhlmey thematisiert "Pflegerische Versorgung und Erhalt der Selbständigkeit im Alter". Im fünften und letzten Teil, der den Titel "Einblick und Ausblick" trägt, macht sich zunächst Johannes Siegrist Gedanken zu den "Chancen gesunden Alterns aus soziologischer Sicht". Dem folgt ein Beitrag von Andreas Meyer-Lindenberg über "Menschliches Sozialverhalten von der Jugend bis ins Alter". Abschließend vergleicht Otfried Höffe in seiner Betrachtung zu "Cicero, Jacob Grimm, Ernst Bloch" drei Altersbilder aus der Geschichte.

Die Heidelberger Akademie der Wissenschaften,
gegründet 1909, ist die wissenschaftliche Akademie des Landes Baden-Württemberg und eine der acht deutschen Akademien der Wissenschaften. Als außeruniversitäre Forschungseinrichtung verantwortet sie derzeit 22 Forschungsvorhaben, in denen etwa 230 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die rund 260 gewählten Mitglieder der Heidelberger Akademie treffen sich als herausragende Vertreter ihrer jeweiligen Disziplin regelmäßig zum fächerübergreifenden Gespräch, die Akademie veranstaltet wissenschaftliche Tagungen sowie öffentliche Vortragsreihen. Mit der 2002 erfolgten Einrichtung eines Nachwuchskollegs (WIN-Kolleg), der Ausrichtung der "Akademiekonferenzen für junge Wissenschaftler" sowie durch die Vergabe von Forschungspreisen fördert sie herausragende jüngere Exponenten der Wissenschaft.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:

Dr. Herbert von Bose
Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Karlstraße 4
69117 Heidelberg

Telefon: 06221/54 34 00
Fax: 06221/54 33 55
E-Mail: herbert.vonbose@adw.uni-heidelberg.de
Internet: www.haw.baden-wuerttemberg.de

Weitere Informationen:
http://www.springer.com

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Den Wegen des Wassers auf der Spur

Marietta Fuhrmann-Koch
Kommunikation und Marketing
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Den „Wegen des Wassers" auf der Spur sind Geographen der Universität Heidelberg: Sie untersuchen in der mongolischen Gebirgsregion Khentii die Wasserführung in den Gebirgsflüssen und damit die Wasserversorgung in den trockenen Vorländern. Die Arbeiten sind Teil eines Verbundprojektes, das sich in der „Modellregion Mongolei" mit hydro-ökologischen Fragen, insbesondere mit Blick auf eine nachhaltige Wassernutzung, befasst. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das internationale Projekt „Integriertes Wasserressourcenmanagement in Zentralasien" in einer zweiten Förderphase über einen Zeitraum von drei Jahren mit insgesamt rund 6,6 Millionen Euro.

Forschungsprojekt zum integrierten Management von Wasserressourcen in der Mongolei

Den „Wegen des Wassers" auf der Spur sind Geographen der Universität Heidelberg: Sie untersuchen in der mongolischen Gebirgsregion Khentii die Wasserführung in den Gebirgsflüssen und damit die Wasserversorgung in den trockenen Vorländern. Die Arbeiten sind Teil eines Verbundprojektes, das sich in der „Modellregion Mongolei" mit hydro-ökologischen Fragen, insbesondere mit Blick auf eine nachhaltige Wassernutzung, befasst. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das internationale Projekt „Integriertes Wasserressourcenmanagement in Zentralasien" in einer zweiten Förderphase über einen Zeitraum von drei Jahren mit insgesamt rund 6,6 Millionen Euro. Neben Wissenschaftlerteams in Deutschland sind daran auch Partner in der Mongolei beteiligt.

Die sensiblen Ökosysteme der trocken-kalten Steppengebiete und des borealen Nadelwaldes in Zentralasien sind vor allem durch allgemeine Wasserknappheit gekennzeichnet. Ausreichend Wasser wird nur über Flüsse herantransportiert, die ihren Ursprung in den Gebirgen haben, wie zum Beispiel dem Khentii im Norden der Mongolei. Im Vorland selbst fallen nur geringe Niederschläge, die zu etwa 90 Prozent verdunsten. „Das Wasser der Berge gibt der Wissenschaft allerdings Rätsel auf. Mit Messungen und Simulationsmodellen wollen wir verstehen, woher es kommt und warum es immer öfter ausbleibt", erläutert Prof. Dr. Lucas Menzel, der die Arbeiten an der Universität Heidelberg koordiniert.

In der kaum besiedelten Gebirgsregion Khentii werden nach den Worten von Prof. Menzel seit den 1990er Jahren starke klimatische Schwankungen beobachtet. Die Ursachen für dieses Phänomen, das auch Wasserführung und Wasserversorgung beeinflusst, sind umstritten: Sind es die lokalen Auswirkungen des Klimawandels oder doch eher die Folgen zyklisch wiederkehrender Dürrephasen? Die Heidelberger Forscher werden intensive Feldmessungen durchführen, Böden und Vegetation untersuchen sowie hydrologische und klimatologische Mess-Stationen aufbauen. „Wenn ausreichend Messdaten vorliegen, können wir mit Simulationsmodellen die ober- und die unterirdischen Fließwege des Wassers nachvollziehen. Wir wollen damit auch die regionalen Konsequenzen der Klimaveränderungen abschätzen und das Wissen auf andere Gebiete Zentralasiens übertragen", so Prof. Menzel.

Mit ihren Untersuchungen wollen die Forscher am Geographischen Institut der Ruperto Carola den Aufbau eines Umweltüberwachungssystems in der Mongolei unterstützen. Es soll gemeinsam mit mongolischen Wissenschaftlern und Behörden realisiert werden. Für die Ausbildung von Studenten in Deutschland und der Mongolei werden Seminare zum Thema Klima und Wasser sowie Geländepraktika angeboten. Für die Heidelberger Forschungsarbeiten stehen rund 410.000 Euro aus den BMBF-Fördermitteln zur Verfügung.

Weitere Untersuchungen im Rahmen des Verbundprojekts konzentrieren sich auf das Flussgebiet des Kharaa. Eine hohe Klimavariabilität führt hier zu starken jährlichen und saisonalen Veränderungen in der Wasserverfügbarkeit. Nur wenig verlässlich sind die Wassermengen, die für die Nutzung zur Verfügung stehen - bei steigendem Bedarf durch Bevölkerungswachstum, zunehmende ökonomische Aktivitäten sowie Landwirtschaft und Bergbau. „Damit drohen vielfältige Nutzungskonflikte um Wasser und eine ,Übernutzung‘ der Wasserressourcen. Strukturen, die eine Verteilung des Wassers regeln, fehlen hier vollständig", betont Prof. Menzel. Ziel der Forschungen ist es, unter Berücksichtigung aller Nutzungsinteressen ein nachhaltiges Wassermanagement zu etablieren, den Erhalt und die Verbesserung der Wasserqualität sicherzustellen und zu einem Schutz der Ökosysteme beizutragen.

Wie Prof. Menzel erläutert, soll dazu ein Gewässerschutzsystem und ein flächendeckendes Schutzkonzept für die besonders sensiblen Gebiete im Kharaa entwickelt werden. Neben den Wissenschaftlern der Universität Heidelberg wird das Verbundprojekt „Integriertes Wasserressourcenmanagement in Zentralasien: Modellregion Mongolei" von Experten des Helmholtz-Zentrums für Umweltsystemforschung - UFZ, des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), des Fraunhofer-Anwendungszentrums für Systemtechnik in Ilmenau, der Bauhaus-Universität Weimar und der Universität Kassel getragen. Beteiligt ist außerdem ein Konsortium aus deutschen und mongolischen Industriepartnern.

Kontakt:
Prof. Dr. Lucas Menzel
Geographisches Institut
Telefon (06221) 54-5583
lucas.menzel@geog.uni-heidelberg.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Sechs Jahre "Heidelberger Modell der Musiktherapie bei chronischem Tinnitus"

Dorothea Weber
Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e.V.

Forschungsergebnisse erfolgreich in die Praxis umgesetzt - Kompakttherapie ist effektivste Behandlungsform

Seit 2004 erforscht und entwickelt das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung in Heidelberg in engem Verbund mit der HNO-Universitätsklinik Heidelberg und der Universitätsklinik für Diagnostische und Interventionelle Neuroradiologie Homburg/Saar eine der wirksamsten Behandlungsformen bei chronischem Tinnitus.
Im Rahmen von verschiedenen Forschungsstudien wurden zwischen 2004 und 2009 am Viktor Dulger Forschungsinstitut des Deutschen Zentrums für Musiktherapieforschung in Heidelberg über 150 Patienten mit chronischem, tonalem Tinnitus und Tinnitus-Rauschen erfolgreich behandelt. Ziel war, mit Hilfe von bildgebenden (fMRT) und audiometrischen Kontrolluntersuchungen, die Wirksamkeit des Behandlungskonzepts zu überprüfen. Als effektivste Behandlungsform kristallisierte sich die nur fünf Tage andauernde Kompakttherapie heraus. In der neurowissenschaftlichen und HNO-ärztlichen Überprüfung zeigte diese Behandlungsform die besten Resultate - eine weitgehende Normalisierung der Tinnitus-bezogenen Veränderungen im Gehirn mit einer deutlich spürbaren Verbesserung für die Probanden.

Mit Gründung der Tinnitusambulanz am Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung und der Einführung der Kompakttherapie als Regelversorgung 2009 wird das Heidelberger Modell in die Praxis umgesetzt. Seitdem wurden rund 160 Patienten behandelt, von knapp 120 Patienten liegen derzeit Daten über den gesamten Nacherhebungszeitraum (3 Monate) vor.

Die Ergebnisse zeigen die erfolgreiche Umsetzung der Forschungsergebnisse in die Praxis. Die Musiktherapie nach dem Heidelberger Modell ist auch in der Regelversorgung hocheffektiv und sehr effizient. Nach einer Kompakttherapie erreichen mehr als 80 % der Patienten eine zuverlässige Verbesserung der Symptomatik, die auch über die Therapiephase hinaus stabil bleibt. Die hohe Effizienz begründet sich in der Kombination von psychologischen und musikalischen Elementen der Therapie sowie im hohen Qualitätsmanagement. Dazu zählt in den Versorgungstherapien insbesondere die regelmäßige Evaluation der Symptomatik der Patienten durch standardisierte Fragebögen, elektrophysiologische Messungen, tägliche Frequenzmessungen sowie die durchgängige Supervision der Therapeuten. Dadurch kann eine gleichbleibend hohe Therapiequalität auch außerhalb von Forschungstherapien gewährleistet werden. Die unbefriedigende Behandlungssituation von chronischem Tinnitus kann durch die Umsetzung der Forschungsergebnisse in die Praxis wesentlich verbessert werden.

Weitere Forschungsstudien zu den Themen "Tinnitus im Jugendalter" und "Musiktherapie bei akutem Tinnitus" am Viktor Dulger Forschungsinstitut sind in Planung.

Die Tinnitusambulanz bietet laufend Kompakttherapien für Patienten mit tonalem Tinnitus sowie mit Tinnitus-Rauschen an. Weitere Informationen für Patienten sind telefonisch erhältlich unter 06221 - 79 63 101 oder per E-Mail unter tinnitusambulanz@dzm-heidelberg.de.

Weitere Informationen:
Deutsches Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e.V.
Ansprechpartner: Dorothea Weber
Maaßstraße 32/1
69123 Heidelberg
Telefon: +49 (6221) 83 38 60
Telefax: +49 (6221) 83 38 74
E-Mail: dzm@dzm-heidelberg.de
Internet: http://www.dzm-heidelberg.de

Das Deutsche Zentrum für Musiktherapieforschung (Viktor Dulger Institut) DZM e.V. wurde 1995 in Heidelberg gegründet. Heute ist das DZM das größte musiktherapeutische Forschungsinstitut in Europa und vereint Forschung und Praxis unter einem Dach. Das DZM ist als gemeinnützig anerkannt und finanziert sich zum überwiegenden Teil aus Spenden und Forschungsdrittmittel. Am DZM entwickeln und erforschen Musiktherapeuten, Mediziner, Musikwissenschaftler und Psychologen in interdisziplinären Projekten musiktherapeutische und musikmedizinische Konzepte zur Verbesserung der Lebenssituation erkrankter Menschen. Außer dem Forschungsinstitut gehört eine Tinnitusambulanz zum DZM.
Weitere Informationen:
http://www.dzm-heidelberg.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Fit bis ins hohe Alter - keine Frage des Gehirnjoggings

Reiner Korbmann, presse@gdnae.de,
Pressereferat
Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte e. V.

Gehirnforscher empfiehlt körperliche und geistige Aktivität
Dresden - Geistige Fitness bis ins hohe Alter wird nicht durch Gehirnjogging oder Sudoku-Lösen erreicht. Vor allem geistige und körperliche Aktivität, so berichtete der Dresdener Hirnforscher Prof. Gerd Kempermann vom DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien bei der Tagung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ) in Dresden, erhalten das Gehirn bis ins hohe Alter flexibel. „Jogging ist besser als Gehirnjogging", sagte Kempermann.
Bessere Gedächtnisleistungen dagegen lassen sich kaum durch Training erreichen, auch wenn sich im Gehirn von Erwachsenen ständig neue Gehirnzellen bilden.

Sudoku und anderes „Gehirntraining" verbessere bestenfalls spezielle Einzelleistungen, habe aber keine Auswirkungen auf die gesamte Gehirnleistung. Eindeutig lasse sich dagegen die Flexibilität der Gehirnleistung bis ins hohe Alter durch Training aufrecht erhalten, also die Fähigkeit, sich auf neue Situationen und Fragestellungen schnell einzustellen. Das beste Training dafür seien vielseitige und verschiedenartige geistige Aktivitäten und regelmäßige körperliche Fitness.

Bei der GDNÄ-Tagung in Dresden, die am Dienstag zu Ende ging, debattierten rund 50 renommierte Wissenschaftler, darunter zwei Nobelpreisträger, vor rund 1.100 Teilnehmern über wichtige Zukunftsfragen der Menschheit unter dem Thema „Herausforderung Mensch - Energie, Ernährung, Gesundgeit". Präsident war der Tübinger Mediziner Prof. Hans-Peter Zenner. Sein Amt übernimmt für die kommenden zwei Jahre der Dresdener Physiker Prof. Ludwig Schultz. Die GDNÄ sieht als ihre Hauptaufgabe, den Dialog zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen, aber auch den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu vermitteln. Sie setzt sie sich daher besonders auch für eine wirkungsvolle naturwissenschaftliche Bildung ein. Die Gesellschaft, die 1822 in Leipzig gegründet wurde, zählt zu den ältesten wissenschaftlichen Organisationen der Welt.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Thüringer Forscher untersuchen nachhaltige Wasserbewirtschaftung in der Mongolei

Dipl.-Ing. Sibylle Wirth
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB

In der zweiten Phase des MoMo-Projektes setzen Fraunhofer-Forscher aus Ilmenau Konzepte zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung um und helfen mit systemtechnischem Know-How sowie innovativen Softwarelösungen bei der Realisierung von dringend benötigten Pilotanlagen zur Leckortung und Abwasserbehandlung. Das Forschungsprojekt wird mit insgesamt 1,5 Millionen Euro vom BMBF gefördert.
Die Mongolei ist ein Land der Extreme, und dabei machen den Bewohnern nicht nur die extremen, jahreszeitlichen Temperaturdifferenzen von bis zu 80 Grad zu schaffen: Die zunehmende Industrialisierung und der extensive Bergbau führen zu einer deutlichen Verschlechterung der Wasserqualität, hinzu kommt oft noch die veraltete, fehleranfällige Wasserversorgungsinfrastruktur sowie die Auswirkungen des Bevölkerungswachstums und des Klimawandels. Im Rahmen der zweiten Phase des IWRM-Projekts „MoMo - Modellregion Mongolei" setzt das Fraunhofer AST daher vor allem auf das Monitoring im Wasserverteilnetz. Druck- und Durchflusssensoren helfen zusammen mit modernen Softwarelösungen wie„HydroDyn" dabei, Betriebskosten und Wasserverluste innerhalb des Systems zu minimieren, denn alleine in der 100.000 Einwohner umfassenden Provinzstadt Darkhan versickert fast die Hälfte des Trinkwassers ungenutzt im Boden. Ein weiteres Problem sind die fehleranfälligen Pumpensysteme, die zum Teil noch aus den 60er Jahren stammen. „Mit unserem Monitoring-System können die Pumpen wesentlich effektiver eingesetzt werden. Auch Wassererzeugung und -verbrauch werden besser in Einklang gebracht, was sich positiv auf Kostenstruktur und Versorgungssicherheit auswirkt", erläutert Projektingenieur Thomas Westerhoff. In Zusammenarbeit mit p2mberlin, BCAT und der Bauhaus-Universität Weimar arbeitet des Fraunhofer AST auch an der Realisierung einer Pilotkläranlage. Dabei soll mittels Software-Technologie ein Entscheidungshilfesystem zur Optimierung der Anlagen entwickelt werden, das die regionalen Besonderheiten (hohe Temperaturschwankungen, ungünstige Abwasserzusammensetzung) berücksichtigt. Als Basis für dieses Vorhaben dient „POS", ebenfalls eine Softwareentwicklung des Fraunhofer AST. Die Reinigung des Wassers durch die neuen Anlagen ist besonders wichtig, da es zum Fluss Kharaa als wichtigste Trinkwasserquelle für Mensch und Tier in der Region keine Alternative gibt. In Zusammenarbeit mit der Bauhaus-Universität Weimar ist auch eine Maßnahmen-Toolbox geplant, mit der für verschiedene Zielstellungen (z.B. Kostensenkungen, Wasserverlustminimierung, Reduzierung der Wasserverschmutzung) eine Ideallösung gefunden werden kann. Mit diesem ganzheitlichen Ansatz können auch zukünftige Entwicklungen (Niederschlagsmengen, Demographie, Wirtschaftswachstum) berücksichtigt werden. „Wir beraten den örtlichen Wasserversorger allerdings nicht nur im technischen Bereich. Auch der Wissenstransfer und die Zusammensetzung der Kostenstrukturen sind wichtige Faktoren, um zukünftige Modernisierungen überhaupt realisieren zu können.", erläutert Buren Scharaw, der mit vier weiteren Wissenschaftlern die Arbeiten am MoMo-Projekt leitet. Neben dem Fraunhofer AST beteiligen sich unter anderem auch die Universität Kassel, das Leibnitz Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), das Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) sowie die Universität Heidelberg am MoMo-Projekt.

Ihr Ansprechpartner für den Bereich Presse und Öffentlichkeitsarbeit:
Dipl.-Medienwiss. Martin Käßler
PR/FuE-Marketing
Fraunhofer-Anwendungszentrum für Systemtechnik AST
Am Vogelherd 50
98693 Ilmenau
Telefon: +49 (0) 36 77 461-128
martin.kaessler@iosb-ast.fraunhofer.de

Weitere Informationen:
http://www.iosb.fraunhofer.de/servlet/is/13490/

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Einmal Gefäßpatient - immer wieder Gefäßpatient?! Neue Studie: Durchblutungsstörungen bestimmen das Gefäß-Risiko

Jens Oliver Bonnet
Konzernbereich Unternehmenskommunikation/Pressestelle
Asklepios Kliniken Hamburg GmbH

Wer einmal eine Durchblutungsstörung hatte - egal, ob Schlaganfall, Herzinfarkt oder Schaufensterkrankheit (pAVK) - hat immer ein stark erhöhtes Risiko, weitere Gefäßerkrankungen zu entwickeln. Das ist das Ergebnis der weltweiten REACH-Studie, die heute im renommierten US-Fachmagazin JAMA veröffentlicht wurde. Für diese Untersuchung wertete ein internationales Forscherteam vier Jahre lang die Daten von fast 68.000 Patientinnen und Patienten aus.
Als einziges deutsches Mitglied im Scientific Board war Prof. Dr. Joachim Röther, Chefarzt der Neurologie in der Asklepios Klinik Altona, maßgeblich an dieser wegweisenden Studie beteiligt. Deren Aussagen seien so eindeutig, sagt Röther, dass komplizierte Risiko-Scores für die Einschätzung der Herzinfarkt- und Schlaganfallgefahr nicht mehr nötig seien. Prinzipiell gelte nun vielmehr: Wer einmal gefäßkrank war, muss alles tun, um weitere Gefäßleiden zu verhindern.

Hilfreich zur Risikoabschätzung sei ein ganz einfaches Modell, so Röther:

Ein relativ niedriges Risiko habe, wer „nur" klassische Risikofaktoren aufweist, aber noch kein akutes Gefäßleiden hatte. Liegt ein Herzinfarkt, Schlaganfall oder sonstiger Gefäßverschluss länger als ein Jahr zurück, hat der Patient ein mittleres, bei kürzer zurückliegenden Ereignissen ein hohes Risiko. Höchstes Risiko bedeuten mehrere Gefäßverschlüsse, also zum Beispiel ein Herzinfarkt und ein Schlaganfall. Potenziert wird das Risiko außerdem bei Vorliegen eines Diabetes mellitus.

Diese Einteilung werde Ärzten künftig helfen, Patienten mit besonders hohem Risiko schnell zu identifizieren und durch effektive vorbeugende Behandlung vor weiteren schweren Gefäßleiden zu schützen.

Den JAMA-Artikel finden Sie unter: http://jama.ama-assn.org/cgi/content/full/jama.2010.1322v1

Bei Interesse an einem Interview mit Prof. Röther wenden Sie sich bitte an:

Jens O. Bonnet
Konzernbereich Unternehmenskommunikation
Asklepios Kliniken Hamburg GmbH
Tel. (0 40) 18 18-82 66 31 oder
j.bonnet@asklepios.com

Weitere Informationen:
http://jama.ama-assn.org/cgi/content/full/jama.2010.1322v1 REACH-Studie im Original
http://www.asklepios.com/klinik/default.aspx?cid=705&pc=0402&did3=4065 Neurologie der Asklepios Klinik Altona

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Auf die Füße geschaut: Warum Käfer nicht auf Pflanzen ausrutschen und auf welche Ideen das Pflanzenschützer bringt

Dr. Gerlinde Nachtigall
Pressestelle
Julius Kühn-Institut

Man könnte annehmen, Kartoffelkäfer trainieren täglich im Fitnessstudio. Auf glatten Oberflächen halten sie in Kraftexperimenten das bis 70fache ihres eigenen Körpergewichtes aus. Spargelhähnchen, eine andere Blattkäferart, könnten zur Klebstoffindustrie wechseln: Der Kleber, mit dem sie ihre Eier auf die ohnehin schwer benetzbaren nadelähnlichen Spargelblätter kleben, hält mehr als das 20.000fache ihres Ei-Gewichts. Forscher des Zoologischen Instituts der Christian-Albrechts-Universität Kiel untersuchen Wechselwirkungen zwischen Pflanzenoberflächen und Insekten.
In Kraftmessversuchen ermitteln sie die Haltekräfte auf definierten, unterschiedlich rauen Oberflächen, die Rückschlüsse auf deren Haftung an Pflanzenoberflächen zulassen. Die Ergebnisse zur funktionellen Morphologie und Biomechanik von Insekten helfen, neue biologische oder physikalische Ansätze für den Pflanzenschutz zu gewinnen. Sie werden während der 57. Deutschen Pflanzenschutztagung vom 6. - 9.9.2010 in Berlin vorgestellt und diskutiert.

Was passiert zwischen Insektenfuß und Blattoberfläche, wenn ein Käfer seine Füße aufsetzt und läuft? Treffen Insekten auf ihre Wirtspflanzen wie Kartoffeln oder Weizen, finden äußerst komplizierte Wechselwirkungen statt. Dazu gehört auch das Haften von Insekten auf glatten, klebrigen, schmierigen oder rauen Pflanzenoberflächen. Mit der Fähigkeit des „sich-Festhalten-könnens" überwinden sie evolutionäre Hürden, erschließen schwer zugängige Lebensräume und behaupten sich als erfolgreichste Tiergruppe der Welt.

In der Regel sind die Abläufe an diesen biologischen Oberflächen Vorbild für technische Neuerungen (Bionik). Dr. Dagmar Voigt und Professor Dr. Stanislav N. Gorb von der Christian-Albrechts-Universität Kiel (CAU) möchten jedoch das Wissen um die biomechanischen Wechselwirkungen zwischen Pflanzen und Insekten nutzen, um Pflanzen vor Schädlingen zu schützen. Mit neuesten mikroskopischen Methoden und Kraftmesstechniken gewinnen sie Informationen, welche Haftstrukturen von Insektenfüßen wie funktionieren und welche Blattoberflächen besser oder schlechter zum Festhalten und Fortbewegen geeignet sind. Das Gleiche gilt zum Beispiel für die Eiablage.

Spargelhähnchen legen ihre Eier mit der schmalsten Seite mit einer Klebkraft von 270 kPa (Kilopascal) auf die Spargel"nadeln" ab, obwohl die „Nadel"oberfläche mit Wachskristallen bedeckt ist, was die Blätter praktisch unbenetzbar macht. Voigt und Gorb fanden heraus, dass die Eier eine Verbindung mit den Wachskristallen der Blätter eingehen und der proteinhaltige Klebstoff dadurch eine besondere Festigkeit hat. Was ist, wenn die Oberflächenstruktur der Spargelblätter anders wäre? Würden die Eier weniger oder nicht mehr festkleben?

Die Möglichkeit, dass Insekten oder deren Eier auf Blättern schlechter haften, führt zu neuen Ansätzen im Pflanzenschutz. Davon gehen Voigt und Gorb aus. Mit dem Wissen über die genannten Wechselwirkungen könnten Sorten gezüchtet oder ausgewählt werden, deren Blattoberflächen zum Beispiel eine anti-adhäsive Wirkung haben.

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:
Dr. Dagmar Voigt
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Abteilung Funktionelle Morphologie und Biomechanik
Zoologisches Institut
Am Botanischen Garten 1-9
24098 Kiel
dvoigt@zoologie.uni-kiel.de
www.uni-kiel.de/zoologie/gorb/dvoigt.html

Vortrag zum Thema im Tagungsband zur 57. Deutschen Pflanzenschutztagung (Julius-Kühn-Archiv, Band 428, 2010):Seite 285, 41-7
Weitere Informationen:
http://www.pflanzenschutztagung.de - Alle Infos zur Tagung

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Keine Gefährdung des Verbrauchers durch COP aus verpacktem Fleisch

Dr. Suzan Fiack
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
Thielallee 88 - 92, D - 14195 Berlin, Telefon: 030-18412-4300, Telefax: 030-18412-4970 Presserechtlich verantwortlich: Dr. Suzan Fiack

Cholesterin aus tierischen Lebensmitteln kann bekanntermaßen zu Cholesterinoxidationsprodukten (COP) führen

Abgepacktes Fleisch in Supermarkttheken trägt häufig den Hinweis „Unter Schutzatmosphäre verpackt". Das bedeutet, dass den Verpackungen ein Gasgemisch mit einem teilweise hohen Sauerstoffanteil zugesetzt wird. Das Fleisch behält so deutlich länger seine rote Farbe, verändert aber seinen Geruch und Geschmack offenbar schneller als anderes Frischfleisch. Offenbar bilden sich aber in der sauerstoffangereicherten Atmosphäre mehr Cholesterinoxidationsprodukte (COP). Solche COP nehmen Verbraucher über alle cholesterinhaltigen Lebensmittel auf. Ihre Wirkung im menschlichen Organismus ist nicht abschließend geklärt. „Fest steht aber, dass die zusätzliche Menge an COP, die Verbraucher über Fleisch aus sauerstoffangereicherten Verpackungen aufnehmen, sehr gering ist. Ein gesundheitliches Risiko durch diese zusätzlichen Mengen an Cholesterinoxidationsprodukten besteht nach derzeitigen Erkenntnissen nicht", sagt der Präsident des BfR, Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Cholesterin ist ein lebenswichtiger Fettbestandteil, der beim Menschen vielfältige Stoffwechselfunktionen erfüllt und in hohem Maße auch vom Körper selbst gebildet wird. Übermäßige Zufuhr von Cholesterin über die Nahrung steht aber auch im Verdacht, das Risiko für Arterienverkalkung und damit verbundene Herz-Kreislauferkrankungen zu erhöhen. Cholesterin kommt in zahlreichen Lebensmitteln tierischer Herkunft vor. Unter Sauerstoffeinwirkung oxidiert es, und es bilden sich Cholesterinoxidationsprodukte (COP). So wurde festgestellt, dass die Aufbewahrung von zuvor erhitztem Fleisch zu einer deutlichen Erhöhung bestimmter COP führt. Studien liefern Hinweise darauf, dass die Cholesterinoxidation unter erhöhter Sauerstoffkonzentration, wie sie bei den beschriebenen Schutzatmosphäre-Verpackungen vorliegt, beschleunigt wird.

Die Wirkung von COP im menschlichen Organismus ist nicht abschließend geklärt. Eine erste Einschätzung des BfR lässt aber den Schluss zu, dass die COP-Aufnahme von Verbrauchern durch unter Schutzatmosphäre verpacktes Frischfleisch nur unwesentlich erhöht wird.

Die Verpackung von Fleisch unter Schutzatmosphäre mit erhöhter Sauerstoffkonzentration dient dazu, die physikalischen Eigenschaften von Fleisch zu beeinflussen: Das Fleisch behält seine rote Farbe länger, was daran liegt, dass der Sauerstoff an den Muskelfarbstoff bindet.

Gleichzeitig sorgt der erhöhte Sauerstoffanteil aber offenbar dafür, dass die Fleischqualität beeinflusst wird, da es schneller reift und damit auch schneller verderben kann, weil das Fett oxidiert und damit ranzig wird. Ein ranziger Geruch und Geschmack kann also früher eintreten als bei herkömmlich gelagertem Fleisch.

Der Begriff „Unter Schutzatmosphäre verpackt" sagt nichts über die mikrobiologische Beschaffenheit des Fleisches aus, d. h. mit welchen Keimen es möglicherweise belastet sein kann. Verbraucher sollten bei der Zubereitung von Frischfleisch aus solchen Verpackungen grundsätzlich die gleichen Küchenhygieneregeln beachten wie sonst bei Fleisch auch.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Leistungsträgern auf der Spur - ATB-Wissenschaftler erforschen die Mikrobiologie von Biogasreaktoren

Dipl.-Ing. agr. Helene Foltan
Wissens- und Technologietransfer
Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V.

Welche Mikroorganismen sind am Besten für die Biogasproduktion geeignet? Wie lassen sich leistungsfähige Mikroorganismen schnell und einfach in Biogasreaktoren ansiedeln? Wie arbeiten verschiedene Mikroorganismen zusammen, um die in Biomasse gespeicherte Energie freizusetzen? Diese Fragen stehen im Fokus von zwei Forschungsprojekten, die im September 2010 am Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V. (ATB) starten.
Eine der zentralen Aufgaben der Forschungsarbeiten wird es sein zu untersuchen, welche Mikroorganismen in Biogasanlagen für die Bildung von brennbarem Methangas verantwortlich sind. Hierfür sollen deutschlandweit unterschiedliche Biogasreaktoren untersucht und die dort vorkommenden Methanbildner isoliert und charakterisiert werden. Ziel ist der Aufbau einer Sammlung mikrobieller Kulturen. Diese Sammlung bildet eine wesentliche Voraussetzung für die Erforschung der Stoffwechselleistungen der in Biogasreaktoren auftretenden Methanbildner und schafft somit auch die Grundlage zur Entwicklung neuer biotechnologischer Anwendungen.

In einem zweiten Projekt werden die in Biogasanlagen vorhandenen Biofilme untersucht. Biofilme sind komplexe Strukturen aus unterschiedlichen Mikroorganismen, die trotz ihrer Verschiedenheit synergistisch zusammenarbeiten. Solche mikrobiellen Strukturen haben mutmaßlich einen großen Anteil an dem Abbau von Biomasse zu Methan. Daher sollte die gezielte Ansiedlung von Biofilmen in den Reaktoren eine wesentlich effizientere und damit zugleich wirtschaftlichere Biogasproduktion als bislang ermöglichen. Ungeklärt ist jedoch, welche Mikroorganismen an der Bildung besonders leistungsfähiger Biofilme beteiligt sind und wie genau diese Mikroorganismen zusammenarbeiten.

„Unsere Forschungsarbeiten sollen diese Fragen mit Hilfe modernster molekularbiologischer Analyseverfahren klären. Unser Ziel ist es, durch die gezielte Steuerung der beteiligten Mikroflora die Tür für neuartige und innovative Konzepte zur effizienteren Biogaserzeugung zu öffnen", beschreibt Projektleiter Dr. Michael Klocke die Erwartungen an die neuen Forschungsprojekte.

Beide Forschungsprojekte werden aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in Projektträgerschaft durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) sowie aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) mit insgesamt 973.000 Euro gefördert.

Kontakt:
Dr. Michael Klocke - Projektleitung
Tel.: 0331 5699-113, E-Mail: mklocke@atb-potsdam.de

Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V.
Max-Eyth-Allee 100, 14469 Potsdam

Das Leibniz-Institut für Agrartechnik Potsdam-Bornim e.V. (ATB) zählt zu den führenden agrartechnischen Forschungseinrichtungen in Europa. Die Erzeugung und die Nutzung von Biomasse - nicht nur für die CO2-neutrale Energiegewinnung sondern auch zur stofflichen Verwertung - einschließlich der ökonomischen und ökologischen Bewertungen, sind langjährige Schwerpunkte der Forschungsarbeiten am ATB. http://www.atb-potsdam.de

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 16.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 7.100 Wissenschaftler, davon wiederum 2.800 Nachwuchswissenschaftler.
Näheres unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Stromerzeugung aus Biomasse - aktueller Zwischenbericht erschienen

Antje Sauerland
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches BiomasseForschungsZentrum

Das Deutsche BiomasseForschungsZentrum (DBFZ) verfolgt im Auftrag der Bundesregierung in Zusammenarbeit mit der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft (TLL) die Stromerzeugung aus Biomasse seit Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000. Das aktuelle Monitoring-Projekt hat nun einen Zwischenbericht vorgelegt, der eine Fülle von detaillierten Informationen zur Entwicklung der Stromerzeugung aus Biomasse enthält und damit die Entwicklung seit Inkrafttreten der Neufassung des EEG am 1. Januar 2009 erstmals dokumentiert.
Der Bericht entstand im Rahmen des Projektes „Monitoring zur Wirkung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) auf die Entwicklung der Stromerzeugung aus Biomasse", welches für den Zeitraum 2008-2011 die Entwicklung der Veränderungen des Bioenergieanlagenparks für feste, gasförmige und flüssige Bioenergieträger dokumentieren soll. Ähnlich wie die Vorläuferprojekte ist die Zielstellung des aktuellen Vorhabens, spezifische Fragestellungen hinsichtlich der Wirkung des neuen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) auf die Entwicklung der Stromerzeugung aus Biomasse fortführend zu analysieren und zu bewerten.

In dem nun vorliegenden dritten Zwischenbericht werden insbesondere folgende Fragestellungen betrachtet:

• Wie hat sich die Struktur des Bioenergieanlagenbestandes im Laufe des Jahres 2009 entwickelt; sind Veränderungen gegenüber dem Stand zum Ende des Jahres 2008 erkennbar (z. B. hinsichtlich der Anlagenanzahl, installierten elektrischen Leistung, Einsatzstoffe).
• Welche Technologien und Verfahren haben sich im Markt etabliert bzw. sind Innovationen und Effizienzsteigerungen nachweisbar?
• Welche landwirtschaftlichen Flächen und Substrate werden für die Biogas- /Biomethanbereitstellung tatsächlich genutzt und welche Auswirkungen hat dies sowohl auf die nichtenergetische landwirtschaftliche Nutzung als auch auf die Markt- und Preisentwicklung von Biogasanlageneinsatzstoffen?
• Inwieweit kommt es durch den Energiepflanzenanbau zu einer Verdrängung von Grünlandflächen?

Der Bericht steht auf der Webseite des DBFZ unter http://www.dbfz.de im PDF-Format zum Download bereit. Der Vorläuferbericht (1. Zwischenbericht) mit der Marktanalyse zum Jahresende 2008 ist abrufbar unter: http://www.bmu.de/erneuerbare_energien/downloads/doc/36204.php

Weitere Informationen:
http://www.dbfz.de/web/Monitoring_zur_Entwicklung.37.0.html?&L=0 - Monitoring zur Entwicklung der Stromerzeugung aus Biomasse

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Hauptsache der Hirsch kommt mit Humor: Der Deko-Trend zu Weihnachten hat den Rothirsch im Visier

Eva Goris
Kommunikation
Deutsche Wildtier Stiftung

Geschenktipps der Deutschen Wildtier Stiftung
Die Rentiere von Santa Claus bekommen in der Weihnachtszeit harte Konkurrenz. Denn der Rothirsch kommt! Er ist DAS Trend-Tier auf dem Gabentisch, steht als Weihnachts-Deko ganz weit vorn und macht sogar Engeln und Nikoläusen den Stammplatz streitig. „Der Ölschinken mit dem röhrenden Hirsch ist out, Hirsche mit Humor sind in", sagt Birgit Radow, Geschäftsführerin der Deutschen Wildtier Stiftung und verweist auf die Angebote im WildtierShop der Stiftung. .
Wer bei „Meisterwerken" an Rubens, Rembrandt und Renoir denkt, kann sich eines Besseren belehren lassen. Der Rothirsch ist ein Meisterwerk der Natur und wie Feldhamster und Hase, Spatz und Spinne oder Frosch als Meisterwerke auf Becher, Frühstücksbretter, T-Shirts, Postkarten, Kalender und Tragebeutel gedruckt worden. „Jedes unserer Meisterwerke ist auch ein originelles Weihnachtsgeschenk", so Radow.
Es gibt Kissen für die Couch und Küchenschürzen für Platzhirsche oder Fußmatten, die das heimische Revier sauber halten. Doch Hirsch her, Hirsch hin: Wer lieber mit dem Feldhasen frühstückt, obdachlosen Nachtschwärmern in der Fledermaus-Herberge ein Quartier bieten will oder eine Piep-Show für Spatzen mit Guckloch im Vogelhäuschen für den Blick ins intime Vogel-Familienleben aufhängen möchte, um den frechen Vogel direkt beim Brüten zu beobachten, wird im WildtierShop der Deutschen Wildtier Stiftung fündig. „Wir haben Geschenke für alle Familienmitglieder", sagt die Geschäftsführerin. „Für Spatz und Spätzchen genauso wie Feldhamster-Freunde und den flotten Hirsch im Kollegenkreis."
Das Schöne am Schenken mit Produkten der Deutschen Wildtier Stiftung: die heimischen Wildtiere profitieren von dem Kauf! „Wildtier-Geschenke rühren die Werbetrommel für alle Tiere vor der Haustür", ergänzt die Geschäftsführerin. „Mit dem Kauf schöner Dinge hilft der Wildtierfreund zudem der Stiftung, neue Schutzprojekte für Wildtiere zu organisieren."

Mehr Infos unter http://www.WildtierShop.de oder http://www.DeutscheWildtierStiftung.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Händedesinfektion schützt besser vor Darminfektionen und Erkältungen als erwartet

Jan Meßerschmidt
Presse- und Informationsstelle
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Die Desinfektion der Hände am Arbeitsplatz schützt nachweisbar vor weit verbreiteten und wiederkehrenden Masseninfektionen. Das belegt eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Greifswald, die jetzt in der Zeitschrift BMC Infectious Diseases veröffentlicht wurde.
Die Untersuchungsteilnehmer litten nach regelmäßiger Händedesinfektion deutlich seltener an Erkältungskrankheiten bzw. deren Symptomen. Besonders auffällig war der Rückgang von Durchfallerkrankungen. In die Untersuchung konnten 129 Mitarbeiter der Stadtverwaltung der Universitäts- und Hansestadt, der Universität Greifswald sowie der Landesverwaltung Mecklenburg-Vorpommern einbezogen werden.

Die Untersuchungsteilnehmer wurden in zwei Gruppen unterteilt. Dabei wurde bei der Auswahl darauf geachtet, dass die Verwaltungsmitarbeiter in Bereichen mit viel Publikumsverkehr tätig sind bzw. ständig mit Akten und Dokumenten arbeiten müssen. Während die Hälfte der Untersuchungsgruppe keine Händedesinfektionsmittel benutzte (Kontrollgruppe), desinfizierte sich die andere Hälfte die Hände mehrmals täglich (mindestens fünfmal) mit alkoholhaltigen Desinfektionsmitteln (Interventionsgruppe). Ein Jahr lang füllten die Studienteilnehmer jeden Monat einen Fragebogen aus. So konnten die Forschern am Ende 1.230 Datensätze auswerten.

In der Interventionsgruppe gab es deutlich weniger Tage, an denen die Beteiligten am Arbeitsplatz mit Erkältung, Fieber und Husten kämpften. Deutlich ging auch die Zahl der Arbeitstage zurück, an denen sich die Beteiligten aufgrund von Erkältung, Fieber und Husten krank meldeten. Außergewöhnlich stark ging der Arbeitszeitausfall aufgrund von Durchfallerkrankungen zurück.

„Wir waren überrascht, dass trotz der kleinen Untersuchungsgruppe unsere Erwartungen weit übertroffen wurden. Dies ist Grund genug, die Studie demnächst mit einer noch größeren Anzahl von Teilnehmern zu wiederholen. Auf jeden Fall können wir festhalten: Händedesinfektion kann am Arbeitsplatz leicht eingeführt werden, und sie wurde in unserem Fall überraschend gut von den Mitarbeiter angenommen. Das war sicherlich eine gute Voraussetzung für den Schutz vor zahlreichen Infektionserkrankungen. Händedesinfektion ist eine kostengünstige Möglichkeit der betrieblichen Gesundheitsförderung", so Studienleiter Prof. Dr. Axel Kramer.

Krankmeldungen und verringerte Produktivität aufgrund von Infektionskrankheiten sind weltweit ein volkswirtschaftliches Problem. Da Erkältungskrankheiten oder milde Fälle von Magen-Darm-Infektionen selten tödlich sind und oft ohne ärztliche Behandlung wieder verschwinden, stehen sie meist nicht im Beobachtungsfokus und werden unterschätzt. Untersuchung in den USA haben jedoch inzwischen belegt, dass allein Nicht-Influenza-Viren, die Atemwegserkrankungen auslösen, zu einem wirtschaftlichen Verlust von ca. 40 Mrd. $ pro Jahr führen.

Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Prof. Dr. Axel Kramer
Institut für Hygiene und Umweltmedizin
Walther-Rathenau-Straße 49a, 17489 Greifswald
Telefon 03834 515-542
kramer@uni-greifswald.de

Weitere Informationen:
http://www.biomedcentral.com/bmcinfectdis/ - BMC Infectious Diseases
http://www.uni-greifswald.de/~hygiene/ - Institut für Hygiene und Umweltmedizin

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Neue Wege der Biokraftstoffproduktion - Vom Hackschnitzel zum Biomethan

Antje Sauerland
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches BiomasseForschungsZentrum

Im Rahmen eines durch die EU geförderten, wissenschaftlichen Forschungsprojekts konnten Wissenschaftler am Standort Güssing (Österreich) erfolgreich die weltweit erste großtechnische thermo-chemische Umwandlung von fester Biomasse zu Biomethan respektive synthetischem Erdgas (synthetic natural gas - SNG) als PKW-Kraftstoff demonstrieren. Der Abschlussbericht des Forschungsvorhabens ist in englischer Sprache nun als Download unter http://www.dbfz.de verfügbar.
Im Projekt, das bereits seit dem Jahr 2006 läuft, setzten die Wissenschaftler zur Bereitstellung von Biomethan erstmalig nicht auf die herkömmliche bio-chemische Umwandlung sondern auf eine thermochemische Konversion, d.h. die Vergasung biogener Festbrennstoffe (Holz-Hackschnitzel) und die anschließende Methanisierung des produzierten Synthesegases zu Bio-Synthetic Natural Gas (SNG) im Leistungsbereich von 1 MW - weltweit erstmalig.

„Das Projekt hat Symbolcharakter für die großtechnische Bereitstellung von synthetischem Biomethan auf der Basis von fester Biomasse. Wir gehen davon aus, dass es eine Vielzahl von Aktivitäten sowohl im F&E als auch kommerziellen Sektor nach sich ziehen und zur hocheffizienten Nutzung von Biomasse für eine nachhaltige Bereitstellung von Nutz- und Endenergie beitragen wird", so Projektleiter Michael Seiffert vom Deutschen BiomasseForschungsZentrum DBFZ in Leipzig.

Neben dem Konversionsprozess sowie der technischen, ökonomischen und ökologischen Analyse der Forschungsergebnisse konnten die Wissenschaftler im Rahmen des Vorhabens auch die technischen Voraussetzungen für den Betrieb und die Verteilung des bereitgestellten Biomethan bzw. Bio-SNG schaffen und erfolgreich in der Praxis testen. Hierzu zählte neben dem Aufbau einer Demonstrationsanlage auch die Inbetriebnahme einer Tankstelle zur Vertankung des Kraftstoffs. Mittels eines Langzeittests wurden darüber hinaus umfangreiche Emissionsmessungen bei PKW´s vorgenommen und wissenschaftlich evaluiert. Perspektivisch soll das aus biogenen Festbrennstoffen produzierte Biomethan über das existierende und in Europa gut ausgebaute Erdgasnetz verteilt und dem potenziellen Nutzer verbrauchernah verfügbar gemacht werden können. Damit kann Biomethan einfach, problemlos und vergleichsweise effizient neben der motorischen Nutzung in Kraftfahrzeugen (d.h. im Transportsektor) auch für die Wärme- und Stromproduktion verwendet werden.

Verbundpartner:
Deutsches BiomasseForschungsZentrum DBFZ (Projektleitung), Technische Universität Wien, Paul Scherrer Institut, Conzepte Technik Umwelt AG, Repotec, Biomassekraftwerk Güssing, Verbundnetz Gas AG, Electricité de France, Institute of chemical process fundamentals

Weitere Informationen:
http://www.dbfz.de - Deutsches BiomasseForschungsZentrum DBFZ
http://www.dbfz.de/web/Biomethan-aus-biogenen-Festbrennstoffen.101.0.html?&L...
http://www.bio-sng.com

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Proteinfabriken im Winterschlaf - Hungernde Bakterien überleben dank Energieeinsparungen

Anja Konschak
Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Biochemie

Bakterien, die in einer nährstoffarmen Umgebung leben, sparen Energie, indem sie die Produktion von Proteinen einschränken. Sie verringern die Anzahl der Protein produzierenden molekularen Maschinen (Ribosomen) und hemmen die verbleibenden Ribosomen in ihrer Aktivität. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Biochemie (MPIB) in Martinsried bei München konnten jetzt in 3D zeigen, wie sich die ruhenden Ribosomen in der Zelle anordnen. „Der inaktive Zustand ist umkehrbar", erläutert Julio Ortiz, Wissenschaftler am MPIB, „und hilft den Bakterien, die Hungerperiode zu überleben." Ihre Ergebnisse wurden kürzlich im Journal of Cell Biology veröffentlicht.
Während der Finanzkrise konnte man Strategien kennenlernen, die den Bankrott einer Firma verhindern sollen: Die Geschäftsleitung verringert zum Beispiel die Anzahl der Angestellten und verkürzt die Arbeitszeit der Übrigen. Bakterien lösen dieses Problem ähnlich. Sind nicht mehr genügend Nährstoffe vorhanden, setzen Bakterien die Proteinproduktion aus und entlassen einige der dafür zuständigen Arbeiter, die Ribosomen. Die restlichen verharren in Paaren in einem Ruhezustand. Da dieser Prozess dem Winterschlaf von Tieren ähnelt, werden die gehemmten Ribosome auch „überwinternde" Ribosomen genannt.

Dass sich Ribosomen zu Paaren zusammenlagern können, haben Wissenschaftler schon in den 50er Jahren beobachtet. Es handelte sich dabei lediglich um einzelne, aus Zellen isolierte Ribosomen. Das Problem hierbei ist, dass die paarigen Ribosomen auch als Folge der Isolation entstanden sein können. Zudem spielen viele Faktoren in der Hungerperiode von Bakterien eine Rolle und daher ist es notwendig, die Ribosomen in ihrer „natürlichen Umgebung", dem Zellinneren, abzubilden und zu untersuchen. Möglich macht dies die Kryo-Elektronentomographie.

Mit dieser Technik, die maßgeblich in der Abteilung Molekulare Strukturbiologie unter der Leitung von Wolfgang Baumeister entwickelt wurde, können zelluläre Strukturen dreidimensional abgebildet und betrachtet werden. Die Zelle wird quasi schockgefroren, sodass ihre räumliche Struktur erhalten bleibt und sie in ihren Eigenschaften nicht verändert wird. Dann nehmen die Forscher mit dem Elektronenmikroskop aus verschiedenen Blickwinkeln zweidimensionale Bilder der Zelle auf, aus denen sie schließlich ein dreidimensionales Bild rekonstruieren.

Mit Hilfe dieser Methode konnten die MPIB-Wissenschaftler um Wolfgang Baumeiser und F.-Ulrich Hartl, Leiter der Abteilung Zelluläre Biochemie, jetzt erstmals „überwinternde" Ribosomen in hungernden Bakterien nachweisen. „Wir konnten zeigen, dass diese ruhenden Ribosomen in intakten E. coli Zellen unter ernährungsbedingtem Stress existieren. Sie verschwinden jedoch, wenn Nährstoffe wieder hinzugefügt werden. Wir glauben, dass unsere Ergebnisse Aufschluss über zelluläre Mechanismen der Stressverarbeitung und Regulierung der Proteinproduktion geben", erklärt Baumeister.

Die Live-Schaltung in die Zelle hat noch etwas gezeigt: einen strukturell bisher unbekannten Bestandteil der paarweise zusammengelagerten Ribosomen. Dies zeigt, dass in Zukunft noch weitere Arbeiten nötig sind, um die Hemmung der Proteinproduktion in Stresssituationen wie Hunger auf molekularer Ebene vollständig zu verstehen. „Aufgrund ihrer entscheidenden Funktion für das Leben sind Ribosomen Angriffspunkte vieler Antibiotika", sagt Ortiz, „ein Verständnis des natürlichen Mechanismus der Ribosomen-Hemmung ist in einer Welt, in der Bakterien gegenüber den gängigen Antibiotika resistent werden, von besonderer Bedeutung."

Originalveröffentlichung:
Julio O. Ortiz, Florian Brandt, Valério R.F. Matias, Lau Sennels , Juri Rappsilber, Sjors H.W. Scheres, Matthias Eibauer, F.-Ulrich Hartl, and Wolfgang Baumeister: Structure of hibernating ribosomes studied by cryoelectron tomography in vitro and in situ. Journal of Cell Biology, 190:613-621, 2010.

Kontakt:
Prof. Dr. Wolfgang Baumeister
Molekulare Strukturbiologie
Max-Planck-Institut für Biochemie
Am Klopferspitz 18
82152 Martinsried
E-mail: baumeist@biochem.mpg.de

Anja Konschak
Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Biochemie
Am Klopferspitz 18
82152 Martinsried
Tel. ++49/89-8578-2824
E-mail: konschak@biochem.mpg.de
www.biochem.mpg.de

Weitere Informationen:
https://www.biochem.mpg.de/news/pressroom/index.html
https://www.biochem.mpg.de/baumeister/

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Mit dem Skalpell gegen Übergewicht

Dipl.-Jour. Helena Reinhardt
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Jena

Neue Sprechstunde am Universitätsklinikum Jena bietet chirurgische Hilfe bei überflüssigen Pfunden
Jena. Immer mehr Menschen kämpfen mit Übergewicht. Oft jahrelang und vergeblich - meist folgt auf Diäten ein Jojo-Effekt. Die überflüssigen Pfunde sind nicht nur psychologisch ein Problem, sie verursachen auch gesundheitliche Beschwerden und gelten als Auslöser von Herz-Kreislaufproblemen, Diabetes und Gelenkerkrankungen. Die Besserung dieser lebensbedrohlichen Erkrankungen setzt oft einen Gewichtsverlust voraus - für die Betroffenen ein Teufelskreis, den sie nur schwer durchbrechen können.
Vor allem Menschen mit besonders großem Übergewicht und Begleiterkrankungen setzen ihre Hoffnungen daher in die Hilfe der Chirurgie. Diesen Patienten bietet jetzt das Universitätsklinikum Jena (UKJ) in einer neuen speziellen Sprechstunde zu Adipositas-Chirurgie Hilfe an. Dabei rücken die Ärzte dem Gewichtsproblem nicht mit Fettabsaugungen zu Leibe, sondern mit operativen Verkleinerungen des Magens oder Verkürzungen der Darmpassage.
„Studien haben gezeigt, dass diese Verfahren oft die einzige langfristige Hilfe bei starkem Übergewicht bieten", erklärt dazu Prof. Dr. Utz Settmacher, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie am UKJ. Die Patienten verlieren nach den Operationen bis zu 70 Prozent ihres Übergewichts. Das hat ganz direkte Folgen auf viele Begleiterkrankungen. „Es hat sich beispielsweise gezeigt, dass sich bei Diabetes-Patienten nach einer Operation die Zuckerwerte deutlich bessern. Bei einigen verschwindet der Diabetes sogar völlig", so Prof. Settmacher weiter. Die UKJ-Chirurgen arbeiten daher in ihrer chirurgischen Adipositas-Sprechstunde eng mit den Internisten der endokrinologischen Stoffwechselambulanz zusammen.
Hier wird die generelle Eignung der Patienten überprüft, denn längst nicht jeder, der mit lästigen Fettpolstern kämpft, kommt für die Abspeckvariante per Skalpell in Frage
Neben Untersuchungen, um körperliche Ursachen des Übergewichts sicher auszuschließen, gehören dazu bis zu sechs Monate lange Vorbereitungen. „So stellen wir sicher, dass der Eingriff tatsächlich das individuell geeignete Mittel für die angestrebte Gewichtsreduktion ist", erklärt dazu Prof. Dr. Ulrich Alfons Müller, Leiter des UKJ-Funktionsbereichs Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen der Klinik für Innere Medizin III. Auch nach der Operation werden hier die Patienten weiter betreut. „Bei dem oft dramatischen Gewichtsverlust von 30 bis 40 Kilogramm in kurzer Zeit müssen wir genau darauf achten, wie der Körper reagiert und ob Probleme auftreten", beschreibt Prof. Müller die Nachsorge.
Zum interdisziplinären Team der Sprechstunde gehören Psychologen ebenso wie Ernährungswissenschaftler, Diätassistenten, Physiotherapeuten und plastische Chirurgen. Die UKJ-Mediziner setzen auf eine umfassende Betreuung durch ein Expertenteam, um so den langfristigen Erfolg der Eingriffe sicherzustellen. Denn dafür ist es wichtig, dass die Patienten nach der Operation ihren bisherigen Lebensstil verändern. „Wir können die Nahrungsaufnahme chirurgisch drosseln, aber für den Langzeiterfolg müssen die Patienten auch bereit sein, etwas zu tun", sagt Prof. Müller.
Für die operative Adipositas-Bekämpfung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung, die häufigsten sind das verstellbare Magenband, der Magenbypass oder die Bildung eines sogenannten Schlauchmagens. „Das angewendete Verfahren wird möglichst individuell auf den Patienten abgestimmt.", erklärt der Chirurg Oberarzt Dr. Akram Gharbi, Beim Schlauchmagen wird der Magen operativ verkleinert und verliert dabei etwa 80 Prozent seines Volumens. Im Gegensatz zum Magenband ist diese Methode nicht reversibel, der Magen bleibt dauerhaft verkleinert. „Bei allen Verfahren können heute die Risiken sehr klein gehalten werden", so Dr. Gharbi. Über den Einsatz der jeweiligen Methode, zu denen weitere verschiedene Verfahren gehören, wird jeweils individuell nach Wertung aller interdisziplinären Befunde, ausführlicher Beratung und Zustimmung des Patienten entschieden.
„Adipositas-Operationen setzen wir erst ein, wenn Patienten mit einem starken Übergewicht, also einem Body Mass Index von über 35, unter beeinträchtigenden Begleiterkrankungen leiden", betont PD Dr. Hermann Kißler. Leiter der Sprechstunde. Das sind neben Diabetes auch hoher Blutdruck und Schlafapnoe. „Die Chirurgie ist hierbei allerdings immer die letzte Option, wir operieren erst, wenn alle herkömmlichen Behandlungsmethoden gescheitert sind", so Kißler.

Informationen zur Sprechstunde:
jeweils Freitags nach telefonischer Anmeldung unter Tel. 03641/9322601.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Utz Settmacher
Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/9 32 26 01
E-Mail avg.chirugie@med.uni-jena.de

Prof. Dr. Ulrich Alfons Müller,
Leiter des Funktionsbereichs Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen, Klinik für Innere Medizin III, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/934840
E-Mail: ua.mueller@med.uni-jena.de

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Umwelt 2010: Von der Erkenntnis zur Entscheidung

Dr. Renate Hoer
Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Umweltchemie und Ökotoxikologie sind relativ junge Wissenschaften, die die Chemie unter Umweltbedingungen, ihre Wirkungen auf Organismen und Ökosysteme und die damit verbundenen Stoffrisiken untersuchen. Daher ist es verständlich, dass Umweltbehörden auf neue Erkenntnisse in diesen Wissenschaftsdisziplinen angewiesen sind. Solche Forschungsergebnisse werden auf den gemeinsamen Jahrestagungen der Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und des deutschsprachigen Zweigs der Society of Environmental Toxicology and Chemistry Europe vorgestellt. Gastgeber der 4. Jahrestagung dieser Art, Umwelt 2010, ist erstmals das Umweltbundesamt (UBA) in Dessau-Roßlau. Vom 6. bis 9. September 2010 wird dort unter dem Leitsatz „Von der Erkenntnis zur Entscheidung" über Themen wie Bioverfügbarkeit und Risikobewertung von Chemikalien, Umweltanalytik und -monitoring, oder Kombinationswirkungen verschiedener Chemikalien gesprochen.

Zu einem der Hauptthemen der Tagung „Bioverfügbarkeit - Zusammenhang von Fate und Effekt" stellt Dr. Werner Kördel vom Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie in Schmallenberg eine Literaturstudie vor, die vom UBA vergeben wurde. Ziel war es, die Beurteilung von anorganischen und organischen Schadstoffen in Böden zu verbessern, indem man ihre Bioverfügbarkeit mit einbezieht. Die Ergebnisse sollen in die behördliche Bodenbewertung einbezogen werden. Ein gutes Beispiel, wie man von der Erkenntnis zur Entscheidung gelangen kann!

Kerstin Derz vom Fraunhofer Institut in Schmallenberg wird in Dessau die Ergebnisse dieser Studie für den Transferpfad von Schadstoffen vom Boden in Mikroorganismen vertiefen, der Aussagen über die Abbaubarkeit der Stoffe macht. Außerdem wird sie Hinweise auf geeignete Verfahren geben, mit denen die Bioverfügbarkeit von Schadstoffen, beispielsweise aus Altlastenverdachtsflächen, erfasst werden kann.

Auch die biologische Abbaubarkeit von Pharmazeutika und deren Auswirkungen auf Mikroorganismen im Boden und in Wasser sind Thema in Dessau. Cristobal Giradi vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung, Abteilung Umweltbiotechnologie in Leipzig, macht darauf aufmerksam, dass Erkenntnisse über die Bioabbaubarkeit von Chemikalien Schlüsselfaktoren für die Gefahren- und Risikoabschätzung sind. Viele Daten hat man für Gewässersysteme zusammengetragen, die Vorgänge im Boden sind weniger bekannt. Giradi stellt das am Beispiel der Arzneimittelwirkstoffe Ciprofloxacin und Ibuprofen dar.

Andreas Focks wird die Frage der Bioverfügbarkeit am Beispiel der Sulfonamide im Boden erörtern. Sulfonamide gehören zu den ältesten und am häufigsten verwendeten Antibiotikaklassen. Mikroorganismen formen sie chemisch um. Solche Transformationsprodukte lassen sich chemisch analysieren. Sie hinterlassen Spuren im Leben der Mikroorganismen.

Drei Plenarvorträge in Dessau sollen richtungsweisend sein, u. a. der von Dr. Utz Tillmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Chemischen Industrie. Er spricht über „Produktsicherheit in der chemischen Industrie - von der Erkenntnis zur Entscheidung"; denn von der chemischen Industrie wird erwartet, dass ihre Produkte sicher für Mensch und Umwelt sind. Die Gesellschaft bringt die chemische Industrie immer wieder mit Risiken in Verbindung. Doch die Unternehmen dieser Branche bekennen sich zur Verantwortung und wollen mit ihren Produkten und Technologien wesentlich zum Gesundheits-, Umwelt- und Klimaschutz beitragen. Tillmann zeigt in seinem Vortrag Umfang und Ziel sowie die wichtigsten Grundsätze der Produktverantwortung der chemischen Industrie auf.

Einen Höhepunkt der Veranstaltung bildet am 8. September die Verleihung der Preise der beiden Fachgesellschaften. Der SETAC GLB Nachwuchs-Förderpreis 2010 für die beste Diplom/Magister- oder Masterarbeit wird verliehen an Rebecca Pierstorf für die Arbeit „Gefährdung von Heuschrecken durch Pflanzenschutzmitteln in Kulturlandschaften" und für die beste Dissertation an Karen Tiede mit dem Titel „Detection and fate of engineered nanoparticles in aquatic systems". Den mit 3.000 Euro dotierten Preis der GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie 2010 für eine herausragende Publikation teilen sich in diesem Jahr Dr. Annekatrin Dreyer und Dr. Marianne Matzke. Beide Auszeichnungen basieren auf herausragenden Publikationen aus dem vergangenen Jahr. Frau Dreyer hat im Rahmen ihrer Promotion am Institut für Küstenforschung des GKSS-Forschungszentrums in Geesthacht von Forschungsschiffen aus den atmosphärischen Transport von per- und polyfluorierten Substanzen untersucht und den globalen Transport dieser Substanzen bis in entlegene Gebiete dokumentieren können. Frau Matzke hat während ihrer Promotion an der Universität Bremen einen wichtigen Beitrag zur Ermittlung der terrestrischen Toxizität von ionischen Flüssigkeiten geleistet. Dabei zeigten sich interessante Einflüsse der Bodenzusammensetzung auf die ökotoxikologischen Effekte dieser Substanzen.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit rund 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 26 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie mit über 800 Mitgliedern. Anliegen dieser Fachgruppe ist u.a., alle an Umweltchemie und Ökotoxikologie interessierten Wissenschaftler und Praktiker zusammenzuführen und somit das gesamte Wissensgebiet voranzubringen. Die Fachgruppe will helfen, Kenntnislücken auszufüllen über Eintrag, Verteilung, Umwandlung und Verbleib von chemischen Stoffen in der Umwelt und über die Einwirkungen von Stoffen auf Lebewesen und Lebensräume.

Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Broschüre "Arbeitswelt im Wandel": Aktuelle Einblicke in die deutsche Arbeitswelt

Jörg Feldmann
Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Rund 47 Prozent der Bevölkerung in Deutschland war 2008 erwerbstätig. Durch Arbeitsunfähigkeit verlor die deutsche Volkswirtschaft etwa 78 Milliarden Euro an Bruttowertschöpfung. 765 Beschäftigte erlitten 2008 einen tödlichen Arbeitsunfall. Diese und viele andere gut aufbereitet Zahlen enthält die Broschüre "Arbeitswelt im Wandel", die die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) jetzt herausgegeben hat. Mit Zahlen, Daten und Fakten informiert die aktuelle Ausgabe 2010 kompakt und übersichtlich über wichtige und aktuelle Aspekte der heutigen Arbeitswelt.
Damit erhalten Akteure im Arbeits- und Gesundheitsschutz einen schnellen Überblick über Trends und Entwicklungen, die auch für den eigenen Betrieb relevant sein können. Zugleich finden sich in der Broschüre überzeugende Argumente für Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes im Betrieb. Doch nicht nur Fachleuten bietet diese Broschüre Wissenswertes über das weite Feld des Arbeitsschutzes. Auch die interessierte Öffentlichkeit erfährt vieles über die Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen und moderner Technik. Auf 90 Seiten greift die Broschüre im Kitteltaschenformat auch Aspekte des sozialen Zusammenlebens der Menschen im Betrieb oder die ökonomische Seite sicherer Arbeit auf.

Neben Basisdaten wie zur Erwerbstätigkeit, zum Unfallgeschehen oder zu den Arbeitsbedingungen in Deutschland widmet sich „Arbeitswelt im Wandel" auch aktuellen Trends und stellt neue Entwicklungen vor. So präsentiert die Ausgabe 2010 Fakten zum demografischen Wandel, zur Arbeitszeit und Arbeitsunfähigkeit. Zudem wirft sie einen vertiefenden Blick auf die Arbeitsbedingungen von Frauen und Selbstständigen und vergleicht sie mit anderen Gruppen von Erwerbstätigen.

Die kostenlose Broschüre "Arbeitswelt im Wandel - Ausgabe 2010" kann in kleinen Mengen kostenlos bezogen werden über das Informationszentrum der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Postfach 17 02 02, 44061 Dortmund, Telefon 231.90 71 20 71, Fax 0231.90 71 20 70, E-Mail: info-zentrum@baua.bund.de. Auf der BAuA-Homepage http://www.baua.de befindet sich eine Version im PDF-Format (1,4 MB) zum Herunterladen im Bereich Publikationen.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt. Sie ermöglichen Unternehmen wie auch der gesamten Volkswirtschaft einen Vorsprung im globalen Wettbewerb. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben - im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Rund 660 Beschäftigte arbeiten am Hauptsitz in Dortmund und den Standorten Berlin, Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.

Weitere Informationen:
http://www.baua.de/de/Publikationen/Broschueren/A71.html Direkter Link zur Broschüre "Arbeitswelt im Wandel - Ausgabe 2010"

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Magenkrebs: Bakterien passen sich an Menschen an

Stefan Zorn
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Medizinische Hochschule Hannover

MHH-Forscher klären Evolution einer bakteriellen Injektionsspritze auf / Relevanz für die Impfstoffentwicklung
30 bis 40 Prozent der Deutschen sind mit einem Bakterium infiziert, das Magenschleimhautentzündungen, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre sowie Krebs verursachen kann: Helicobacter pylori. Weltweit sind mehr als die Hälfte aller Menschen betroffen. Doch wie das Bakterium Krebs auslöst, ist weitgehend ungeklärt. Fest steht, dass dabei eine bestimmte bakterielle Genregion eine zentrale Rolle spielt. Diese so genannte cag-Pathogenitätsinsel untersuchen Wissenschaftler um Professorin Dr. Christine Josenhans und Professor Dr. Sebastian Suerbaum, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), gemeinsam mit einem internationalen Team. Ihre Forschungsergebnisse über die Verbreitung und Entwicklung dieser Insel veröffentlichten sie in der aktuellen Ausgabe der renommierten Zeitschrift „PLoS Genetics". „Das Bakterium hat vielfältige Möglichkeiten zum ‚Feintuning' der Inselfunktion. Sie spielen möglicherweise bei der Anpassung an den individuellen menschlichen Wirt und dessen Immunabwehr und auch bei der Krankheitsentstehung eine große Rolle", erklärt Professorin Josenhans.

Zum internationalen Team gehört die Arbeitsgruppe um Professor Dr. Mark Achtman von der Universität Cork (Irland), sowie Kollegen vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin und weitere Kooperationspartnern aus Belgien und den USA.

Auf der untersuchten Insel befinden sich Gene, die das Bakterium in die Lage versetzen, einen winzig kleinen Sekretionsapparat, eine „molekulare Injektionsspritze", zu bilden. Mit dieser Spritze kann das Bakterium ein hochaktives krebserregendes Eiweißmolekül, CagA, in die menschlichen Zellen einschleusen.

Die Wissenschaftler verglichen die Pathogenitätsinseln der Bakterien von mehr als dreißig Patienten aus allen Teilen der Welt. Sie fanden heraus, dass die Inseln praktisch gleichzeitig mit der Entwicklung des modernen Menschen und dessen Kolonisierung durch den chronischen Krankheitserreger Helicobacter pylori aufgenommen wurden. Dies fand vor der ersten Auswanderung der modernen Menschen aus der Ursprungsheimat Afrika statt. Seitdem hat sich die Insel in einem Koevolutionsprozess gemeinsam mit dem Menschen weiterentwickelt. „Diese Ergebnisse sind nicht nur eine wichtige Basis für weitere Grundlagenforschung darüber, wie Helicobacter pylori den Menschen chronisch über Jahrzehnte infiziert und Krebs auslöst, sondern haben auch Relevanz für die Impfstoffentwicklung gegen diesen Krankheitserreger", erläutert Professor Dr. Sebastian Suerbaum.

Weitere Informationen erhalten Sie von Professorin Dr. Christine Josenhans und Professor Dr. Sebastian Suerbaum, Telefon 0511 532-6770, josenhans.christine@mh-hannover.de

Die Originalarbeit finden Sie unter http://www.plosgenetics.org/doi/pgen.1001069.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Durchblick auch beim zweiten Mal: Statt Füllmittel hochwertiger Rohstoff

Evelyn Meyer-Kube
Presse/Public Relations
Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften

Recycling von Polyvinylbutyral (PVB) aus Sicherheitsgläsern
Wenn in Deutschland über Glasrecycling gesprochen wird, denkt man an Behälterglas. Nur wenigen ist bekannt, dass auch Verbundglas flächendeckend gesammelt wird. Verbundglas wird als Sicherheitsglas eingesetzt und besteht aus zwei Glasscheiben und einer dazwischen liegenden Folie aus dem Kunststoff Polyvinylbutyral (PVB). Dieses Sicherheitsglas wird als Automobil-Frontscheibe (bekannt als Verbundsicherheitsglasscheibe = VSG) und Sicherheitsglas im Baubereich z.B. in öffentlichen Gebäuden wie Sporthallen eingesetzt.

Derzeit gelangt die gebrauchte Verbundsicherheitsglasscheibe am Ende des Lebenszyklus in das Flachglasrecycling bei Fachbetrieben und das PVB endet in der Müllverbrennung oder allenfalls als Füllstoff in Fußbodenbelägen oder Stiefeln aus PVC.

Die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften und die Projektpartner Reiling Glasreycling, Folienhersteller Sekisui und die WIPAG GmbH als Recyclingunternehmen haben sich als Aufgabe die Verwertung des PVB auf höchstem Niveau zum Ziel gesetzt. Sowohl die Rückgewinnung möglichst glasfreier Kunststoffe und eine Optimierung der Foliensortierung, als auch der Wiedereinsatz des Kunststoffes in der Sicherheitsglasscheibe sind Gegenstand des Forschungsprojektes. Dabei liegt der Fokus auf energieeffizienten Recycling- und Herstellungsverfahren.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt diese Forschung im Rahmen der Förderlinie „FHprofUnt" mit gesamt 257.000 Euro und kürte das Forschungsprojekt zum besten des Monats August. Die Projektlaufzeit endet im Jahr 2012.

Weitere Informationen:
http://www.ostfalia.de/ifr/forschung/

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Felgen mit Korsett

Britta Widmann
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

Eignen sich Leichtbaumaterialien für höchstbeanspruchte und sicherheitsrelevante Bauteile wie Autofelgen? Tests und Berechnungen zeigen: Faserverstärkte Kunststoffe (FVK) sind sehr schadenstolerant und bei Fahrzeugrädern Aluminium deutlich überlegen. Einen Prototypen einer Leichtbaufelge haben Forscher bereits gefertigt.
Stellen Sie sich vor, Ihr Auto bleibt plötzlich auf einer wenig befahrenen Landstraße liegen. Dabei ist es erst vier Jahre alt. Kein schöner Gedanke. Eine Panne ist teuer. Von der Sicherheitsgefährdung der Insassen ganz abgesehen: Denn Ursache des Defekts waren die vom Autoverkäufer hoch gelobten, extrem leichten Kunststoffräder. Eines davon ist gebrochen. »Solch ein Szenario darf in der Realität natürlich nie passieren«, erklärt Prof. Dr.-Ing. Andreas Büter vom Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF in Darmstadt. Die Experten dort sind auf Betriebsfestigkeitsprüfungen an Kunststoffen im Allgemeinen und im Besonderen an Kunststoffrädern spezialisiert.

Um die Grundlagen für die Fertigung leichter und dennoch sicherer und zuverlässiger Bauteile zu legen, haben sie -­ in Kooperation mit fünf weiteren Fraunhofer-Instituten -­ das Projekt »Hochfeste Kunststoffstrukturen« gestartet. »Ziel war es, sowohl die Voraussetzungen als auch die Werkzeuge für eine betriebssichere Auslegung von extrem leichten Sicherheitsbauteilen aus SMC-Material (Sheet Moulding Compound) für die nachhaltige Nutzung in mittleren bis großen Stückzahlen zu ermöglichen. SMC ist ein faserverstärkter Verbundwerkstoff, der hauptsächlich aus anorganischen Bestandteilen besteht«, erläutert Projektleiter Professor Büter. »SMC wurde bisher nur für Sekundärbauteile im Bereich der Verkleidung etwa für Motorhauben und Heckklappen oder Türen verwendet«, erläutert Büter. »Unser Projekt sollte klären, ob sich SMC auch für sicherheitsrelevante Primärbauteile wie Autoräder eignet.« Der Werkstoff SMC ist Metall in mehreren Punkten überlegen: Er ist nicht nur leichter, sondern glänzt auch durch seine gewichtsbezogene Festigkeit. Bei mittleren bis hohen Stückzahlen ist er kostengünstig zu produzieren.

Doch welche Materialeigenschaften haben SMC? Wie sind die Fasern ausgerichtet? Welche Fertigungsverfahren eignen sich zur Verarbeitung? Gibt es Lufteinschlüsse? Welchen Belastungen halten Autoräder aus SMC stand? Diese und weitere Fragen haben die Forscher untersucht. »Auf unseren Prüfständen haben wir zum Beispiel simuliert, wie sich die Räder und Achsen eines Autos auf einer Rüttelstrecke, beim Geradeaus- oder Rückwärtsfahren verhalten, und wie lange die Bauteile das aushalten«, berichtet Andreas Büter von den Tests am LBF. Nach drei Jahren Forschungsarbeiten können die Wissenschaftler nun die Ergebnisse präsentieren. Eine wichtige Erkenntnis aus dem Projekt: »Richtig verarbeitet, sind faserverstärkte Kunststoffe sehr schadenstolerant und bei Fahrzeugrädern Aluminium deutlich überlegen«, betonte Büter beim Abschluss des Projekts.

Und wie geht es weiter? Die Forscher würden gerne zusammen mit der Industrie ein einsatzfähiges Rad kreieren, das auf dem entwickelten Prototypen basiert und hohen Belastungen standhält. Es soll über eine lokale Endlosfaserverstärkung verfügen. »Das wäre dann so etwas wie ein stützendes Korsett für die Felge«, beschreibt der Projektleiter die Visionen der Forscher.

Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010/09/felgen-mit-korsett.j... Ansprechpartner

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Fehlendes Protein verantwortlich für schuppende Haut

Gabriele Rutzen
Presse und Kommunikation
Universität zu Köln

Kölner Forscher enträtseln zusammen mit anderen Wissenschaftlern die Ursache für schwere Hautkrankheit

Fehlendes Protein verantwortlich für schuppende Haut

Eine aktuelle gemeinsame Studie von Forschern der Universität zu Köln und der Universitäten Münster, Berlin, Heidelberg und Kiel legt dar, dass ein fehlendes Protein eine seltene Hautkrankheit verursacht, die bei Betroffenen zu verhornter und schuppender Haut führt.
Das Ergebnis der Studie erscheint in der aktuellen August-Ausgabe des renommierten American Journal of Human Genetics mit dem Titel „Loss of corneodesmosin leads to severe skin barrier defect, pruritus and atopy: unravelling the peeling skin disease" („Das Fehlen von Corneodesmosin führt zu schweren Hautbarrierestörungen, Pruritus und Atopie: Peeling-Skin-Krankheit enträtselt").

Die Wissenschaftler zeigen in ihrem Forschungsergebnis, dass das Fehlen des Proteins Corneodesmosin die Ursache für eine erbliche Hauterkrankung, die so genannte Peeling-Skin-Krankheit, sein kann. Die Haut von Betroffenen löst sich bei der autosomal rezessiven Krankheit wiederholend spontan und ungleichmäßig am ganzen Körper ab. Die Folge sind schwere Hautrötungen und anhaltender Juckreiz.
Vorgegangen sind die Forscher in ihrer Untersuchung mit einer genomweiten Kopplungsanalyse, bei der eine Mutation im Gen für Corneodesmosin identifiziert werden konnte. Diese Mutation führt zum Komplettausfall des Proteins, es ist also in der kompletten Körperhaut eines Betroffenen nicht mehr vorhanden. Dies führt zu einer gravierenden Störung, da das Corneodesmosin ein wichtiges Bindemolekül der Oberhaut ist, das absterbende und abgestorbene Hautzellen aneinander bindet und molekulare Verbindungsstellen der Hornschicht (Corneodesmosomen) aufbaut.
Mit Versuchen an künstlichen Hautmodellen zeigten die Forscher, dass ohne das Corneodesmosin-Protein Barrierestörungen der Oberhaut auftreten. Erreger können leichter in die Haut eindringen, was die Ursache für allergische Krankheiten sein kann.

Die Peeling-Skin-Krankheit ist folglich nach der Verhornungsstörung Ichthyosis vulgaris ein neues Beispiel, um Funktionsstörungen der Haut bei allergischen Krankheiten aufzuzeigen. Das Ergebnis der Forschung könnte ein Schlüssel für neue therapeutische Entwicklungen sein. Bis vor kurzem waren sich Forscher nämlich nicht sicher, welche Rolle Hautbarrierestörungen bei verschiedenen Allergien spielen können. Wie mit Medikamenten die Hautbarriere für eine gesunde Oberhaut wiederhergestellt werden kann, daran wird derzeit bei den Kölner Wissenschaftlern und anderswo geforscht.

Internetseite des American Journal of Human Genetics: www.cell.com/AJHG/home.

Was: Kölner Forscher enträtseln zusammen mit anderen Wissenschaftlern die Ursache für seltene Krankheit schuppender Haut
Bei Rückfragen: Universität zu Köln
Dr. Patrick Honecker
Pressesprecher
Tel: +49 221 470-2202; 0170 5781717
E-Mail: patrick.honecker@uni-koeln.de

Inhaltliche Fragen:
Dr. Hans Christian Hennies
Cologne Center for Genomics und Zentrum für Molekulare Medizin der Universität zu Köln
Abteilung Dermatogenetik
Tel: +49 221 478-96802
E-Mail: h.hennies@uni-koeln.de
Verantwortlich: Pierre Hattenbach

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Beschäftigte mit schweren Arbeitsbedingungen: Nur Minderheit erreicht reguläres Rentenalter

Rainer Jung
Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Schlechte Arbeitsbedingungen beeinträchtigen das ganze Leben: Wer im Erwerbsverlauf meist körperlich schwere Arbeit leistet - etwa jeder Dritte Beschäftigte -, wird in der Folge häufiger arbeitslos, muss meist früher aus dem Beruf ausscheiden und hat in der Regel auch eine niedrigere Rente. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue, von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie (Inifes). Das Gros der körperlich hart Arbeitenden könne nicht bis 65 arbeiten - und erst recht nicht bis 67, schließen die Inifes-Forscher Prof. Dr. Ernst Kistler und Falko Trischler aus den Daten. Auch Beschäftigte, die bei der Arbeit seelischen Belastungen ausgesetzt sind, halten nicht so lange durch wie andere. Beschäftigte mit belastenden Tätigkeiten haben heute deutlich geringere Chancen, durch berufliche Wechsel bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen, als in den 1980er Jahren.

Die Wissenschaftler untersuchten die Lebensläufe von Beschäftigten über einen Zeitraum von 25 Jahren, um die Spätfolgen schlechter Arbeitsbedingungen zu identifizieren. Dabei zeigt sich: Wer 1985 sein Geld in einem physisch anstrengenden Beruf verdiente, musste sich häufig vorzeitig aus dem Arbeitsleben verabschieden. Unter den körperlich Schwerarbeitenden der 1980er-Jahre, die 2001 zwischen 55 und 65 Jahre alt waren, lag der Frührentner-Anteil bei 58 Prozent. Bei den zuvor weniger Geforderten war die Quote 20 Prozentpunkte niedriger.

Körperlich Belastete müssen mit zahlreichen Nachteilen leben: Neben den gesundheitlichen Problemen und dem vorzeitigen Abschied sind sie auch stärker von Arbeitslosigkeit bedroht als andere Erwerbstätige. Von den 2001 in einem körperlich anstrengenden Beruf Beschäftigten war in den folgenden fünf Jahren jeder Dritte mindestens einen Monat arbeitslos, berichten die Forscher. Die weniger belasteten Beschäftigten hatten ein geringeres Risiko: Von ihnen stand nur jeder Achte einmal ohne Job da. Die Gefahr der Langzeitarbeitslosigkeit ist für physisch Schwerarbeitende dreimal so groß, so die Studie.

Dass schlechte Arbeitsbedingungen ein Ballast für das ganze Arbeitsleben sind, ermittelten Trischler und Kistler anhand von Angaben des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Für das SOEP werden jährlich die gleichen Personen zu ihrer Lebenslage befragt. Das ermöglicht Aussagen über langfristige Erwerbsverläufe. So stellten die Wissenschaftler fest, dass die meisten Betroffenen - sofern sie nicht arbeitslos werden - über Jahre die gleichen Belastungen erdulden, "bis es nicht mehr geht und sie vorzeitig in den Ruhestand müssen". Die Wissenschaftler sehen folgendes, durch empirische Daten gestütztes Muster: Menschen mit vergleichsweise geringen Qualifikationen sind eher gezwungen, Arbeitsplätze mit körperlichen Belastungen zu übernehmen. Sie erledigen selbst in den Branchen mit vergleichsweise guten Arbeitsbedingungen die besonders anstrengenden Aufgaben. In diesen Jobs summieren sich die Nachteile der Arbeitswelt: Körperlich Schwerarbeitende haben nur wenig Freiräume bei der Arbeit und bekommen von ihren Arbeitgebern kaum Qualifizierungsangebote. Sie sind häufig als Zeitarbeiter, befristet oder in Teilzeit beschäftigt und beziehen oft nur einen Niedriglohn. Sich aus dieser Situation zu lösen, fällt inzwischen sehr schwer, denn die Aufstiegschancen in der Arbeitswelt haben abgenommen. Wer zu schlechten Bedingungen arbeitet, verbessert sich kaum noch, so Trischler und Kistler.

Beschäftigte mit körperlichen Belastungen wechseln häufiger die Stelle und berichten auch häufiger von Wechseln in Arbeitslosigkeit, Rente oder eine andere Form von Nichterwerbstätigkeit. Wo es aber zu einem Berufswechsel kommt, verschlechtert sich oft die Lage. Das war in den 1980er-Jahren noch anders: Fast zwei Drittel der Befragten erklärten damals, dass sich ihr Verdienst mit dem Wechsel verbessert habe. 2007 sagen das nur noch 42 Prozent; 29 Prozent geben stattdessen an, ihr Verdienst sei nun niedriger. Die Hälfte der Niedriglöhner des Jahres 1995 konnte ihren Status bis 2008 nicht verändern. Und auch die körperlichen und seelischen Belastungen verschwinden im neuen Job nicht, fanden die Forscher heraus. 2007 bleiben die Arbeitsbelastungen für fast die Hälfte der Befragten nach einem Wechsel ungefähr gleich, ein Viertel verschlechtert sich sogar noch. Gerade ältere Beschäftigte treffen an der neuen Stelle kaum noch bessere Bedingungen an.

Früher erwerbsunfähig, häufiger arbeitslos und schlecht vergütet - all das schlägt sich auch in der Alterssicherung nieder. Wer im Beruf körperlichen Belastungen ausgesetzt ist, sammelt weniger Rentenansprüche. Ältere Beschäftigte mit Belastungen waren von 2001 bis 2006 durchschnittlich nur 43 von 60 Monaten in Vollzeit beschäftigt, alle anderen dagegen sieben Monate länger. Das in der gesetzlichen Rentenversicherung für den so genannten "Eckrentner" angenommene Normalarbeitsleben werde für immer mehr Beschäftigte zur Illusion, warnen die Forscher.

Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/320_108710.html - Die PM mit Ansprechpartnern
http://www.boeckler.de/pdf_fof/S-2009-236-3-3.pdf - Die Untersuchung
http://www.boeckler.de/32014_108688.html#link - Infografiken zum Download im Böckler Impuls

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Warum Fische im Eismeer nicht einfrieren: RUB-Chemiker entlarven natürlichen Frostschutz

Dr. Josef König
Pressestelle
Ruhr-Universität Bochum

Der Fisch Macropteris maculatus aus dem McMurdo-Sund in der Antarktis. Das Anti-Freeze-Protein - oben die schematische Struktur mit der erweiterten Hydrathülle - verhindert, dass er im Eismeer gefriert.Der Fisch Macropteris maculatus aus dem McMurdo-Sund in der Antarktis. Das Anti-Freeze-Protein - oben die schematische Struktur mit der erweiterten Hydrathülle - verhindert, dass er im Eismeer gefriert.
Der Fisch Macropteris maculatus aus dem McMurdo-Sund in der Antarktis. Das Anti-Freeze-Protein - oben die schematische Struktur mit der erweiterten Hydrathülle - verhindert, dass er im Eismeer gefriert.
Anti-Freeze-Protein beeinflusst die Bewegung umgebender Wassermoleküle

Bochumer Forscher haben herausgefunden, wie der natürliche Frostschutz funktioniert, der Fische im Eismeer vor dem Erfrieren schützt. Sie konnten beobachten, dass ein Gefrierschutzprotein im Fischblut die Wassermoleküle in seiner Umgebung so verändert, dass ein Ausfrieren unmöglich wird und das Ganze flüssig bleibt. Dabei besteht zwischen Protein und Wasser keine chemische Bindung - die Anwesenheit des Proteins genügt.
Gemeinsam mit Kooperationspartnern aus den USA beschreiben die Forscher um Prof. Dr. Martina Havenith-Newen (Physikalische Chemie II der RUB) ihre Entdeckung in einer sog. Rapid Communication in der renommiertesten amerikanischen Chemiezeitschrift, dem Journal of the American Chemical Society (JACS). Die unabhängigen Gutachter des Journals werteten die Arbeit als eine der besten 5% aller Einsendungen.

Besser als haushaltsübliche Frostschutzmittel

Bei Temperaturen von minus 1,8° C müsste eigentlich jeder Fisch erstarren: Der Gefrierpunkt für Fischblut liegt bei ungefähr minus 0,9° C. Warum antarktische Fische bei diesen Temperaturen trotzdem beweglich bleiben, interessiert die Forschung seit langem. Schon vor 50 Jahren wurden besondere Gefrierschutzproteine im Blut dieser Fische entdeckt. Diese sog. Anti-Freeze-Proteine funktionieren besser als jedes haushaltsübliche Frostschutzmittel. Wie sie aber funktionieren, war bislang noch ungeklärt. Die Bochumer Forscher setzten ihre Spezialität ein, die Terahertz-Spektroskopie. Mit Hilfe von Terahertz-Strahlung lassen sich die kollektiven Bewegungen von Wassermolekülen und Proteinen beobachten. So konnte die Arbeitsgruppe schon zeigen, dass Wassermoleküle, die in flüssigem Wasser normalerweise einen ständigen Tanz aufführen und dabei immer neue Bindungen untereinander eingehen, in Anwesenheit von Proteinen geordneter tanzen - „aus dem Discotanz wird ein Menuett", schildert Prof. Havenith-Newen.

Mitbringsel einer Antarktis-Expedition

Gegenstand der aktuellen Untersuchungen waren Anti-Freeze-Glycoproteine des antarktischen Seehechts Dissostichus mawsoni, den einer der amerikanischen Kooperationspartner, Arthur L Devries, eigens auf einer Antarktis-Expedition gefischt hatte. „Wir konnten sehen, dass das Protein einen besonders weitreichenden Einfluss auf die Wassermoleküle in seiner Umgebung hat, wir sprechen von einer erweiterten Hydrathülle", erklärt Mitautor Konrad Meister. „Dieser Einfluss, der die Eiskristallisation verhindert, ist bei tiefen Temperaturen sogar ausgeprägter als bei Zimmertemperatur", setzt Prof. Havenith-Newen hinzu. Um das Wasser dennoch zum Gefrieren zu bringen, wären tiefere Temperaturen nötig. Wenn man das Protein durch einen speziellen Boratpuffer deaktiviert, funktioniert der Gefrierschutz nicht mehr. In diesem Fall fanden die Forscher auch keine Änderung des Terahertz-Tanzes. Mit ihrer Beobachtung entkräfteten die Forscher die bisherige Annahme, dass eine einzige Bindungsstelle zwischen Anti-Freeze-Protein und Wasser für die Aktivität des Proteins verantwortlich ist. Mit der Untersuchung gelang zum ersten Mal der Nachweis eines direkten Zusammenhangs zwischen der Funktion eines Proteins und seiner Signatur im Terahertz-Bereich. Die Untersuchungen wurden von der VolkswagenStiftung gefördert.

Titelaufnahme

Simon Ebbinghaus, Konrad Meister, Benjamin Born, Arthur L. DeVries, Martin Gruebele and Martina Havenith: Antifreeze glycoprotein activity correlates with long-range protein-water dynamics. In: Journal of the American Chemical Society. August 16, 2010, DOI: 10.1021/ja1051632

Weitere Informationen

Prof. Dr. Martina Havenith, Lehrstuhl für Physikalische Chemie II, Fakultät für Chemie der RUB, Tel. 0234/32-24249, E-Mail: martina.havenith@rub.de

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Bluttest zeigt Ursache von Krampfadern an: RUB-Mediziner entwickeln einfach Trick

Dr. Josef König
Pressestelle
Ruhr-Universität Bochum

Hormonwert prüfen - komplizierte Untersuchungen vermeiden

Wenn bei Frauen Krampfadern trotz OP immer wieder kommen, könnte die sog. pelvine Insuffizienz schuld sein. Dabei nimmt das versackende Blut im Körper einen besonderen Weg über das kleine Becken. Krampfadern, die so entstehen, werden oft verkannt und falsch behandelt, denn die Diagnostik ist bisher aufwändig und teuer. Dass es auch einfacher geht, haben RUB-Mediziner um Prof. Dr. Achim Mumme (Venenzentrum der RUB im St. Josef Hospital) gezeigt. Da das Blut bei der pelvinen Insuffizienz einen Umweg über die Eierstöcke nimmt, enthält es wesentlich mehr Östrogen als das Blut anderer Venen.

Ein Vergleich der Hormonspiegel in einer Krampfader und einer Armvene bringt Klarheit. Die Forscher berichten im European Journal for Vascular and Endovascular Surgery.

Komplizierte Prozedur schreckte viele ab

Bei den meisten Krampfaderpatienten leiern oberflächliche Venen in der Leiste aus. Dadurch schließen die Venenklappen nicht mehr, die das zum Herzen aufsteigende Blut daran hindern, ins Bein zurück zu fallen - Krampfadern entstehen. „Bei vielen Frauen liegt die Ursache aber nicht in der Leiste, sondern im Inneren des Körpers", erklärt Prof. Mumme. Die Venen im Genitalbereich weiten sich, so dass es dort zu einer Blutstauung kommt, die nicht nur zu Krampfadern in den Beinen führen kann, sondern auch zu Schmerzen im Bauch oder in den Genitalien. „Bis jetzt konnte man dieses Problem nur schwierig feststellen, indem man die Patientinnen nach der Gabe eines Kontrastmittels durch einen Katheder in der Leiste geröntgt hat", so Prof. Mumme. Die Prozedur, die nur in spezialisierten Kliniken möglich ist, schreckt vermutlich viele Ärzte und Patientinnen ab, so dass das Problem oft unerkannt und falsch behandelt bleibt.

Einfacher und kostengünster Test

„Wir nutzen jetzt einen ganz einfachen Trick", erklärt Prof. Mumme. Da das Blut bei der pelvinen Insuffizienz zuerst durch die Ovarialvene fließt, bevor es in den Beinen versackt, nimmt es unterwegs viel Östrogen aus den Eierstöcken mit. Normalerweise würde dieses Blut über die Nieren zurück zum Herzen fließen und sich dort wieder mit anderem Blut vermischen, so dass der Hormonspiegel in Armen und Beinen gleich ist. Sackt es aber vom Unterleib aus ab in die Beine, steigt dort der Hormonspiegel deutlich an. Ein Vergleich der beiden Hormonspiegel im Blut aus einer Armvene und einer Krampfader kann deswegen den Verdacht auf pelvine Insuffizienz erhärten. „Dann kann man immer noch kompliziertere Untersuchungen machen und die betroffenen Venen dabei auch gleich veröden", so Mumme. „Der Test ist einfach und kostengünstig und kann vielen Patientinnen die teure und belastende Kontrastmittelröntgenuntersuchung ersparen."

Titelaufnahme

G. Asciutto, A. Mumme, K.C. Asciutto, B. Geier: Oestradiol Levels in Varicose Vein Blood of Patients with and without Pelvic Vein Incompetence (PVI): Diagnostic Implications. In: European Journal for Vascular and Endovascular Surgery, Volume 40, Issue 1, S. 117-121 (July 2010), doi:10.1016/j.ejvs.2010.01.023

Weitere Informationen

Prof. Dr. Achim Mumme, Venenzentrum der Dermatologischen und Gefäßchirurgischen Kliniken, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, Tel.: 0234/509-2270, Achim.Mumme@rub.de, http://www.venenzentrum-uniklinik.de/

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Ursache für erbliche Netzhauterkrankung geklärt

Alexander Schlaak
Referat II/2, Kommunikation & Marketing
Universität Regensburg

Regensburger Wissenschaftler entschlüsseln Mechanismus der Genablesung in Sehzellen
Die Netzhaut des menschlichen Auges besteht - neben einer Vielzahl anderer Zellen - aus lichtempfindlichen Sehzellen, von denen etwa 120 Millionen Stäbchen- und ca. sechs Millionen Zapfenzellen sind. Diese lichtempfindlichen Sehzellen nehmen Lichtreize wahr und wandeln sie in elektrische Impulse um, die dann wiederum im Gehirn zur eigentlichen Sehwahrnehmung verarbeitet werden. Defekte in Stäbchen- und Zapfenzellen sind als erbliche Netzhauterkrankungen bekannt und können zu einer fortschreitenden Erblindung führen.

Bislang war nur in Ansätzen bekannt, wie die Produktion von Proteinen in den Sehzellen gesteuert wird, um die Funktion der Sehzellen zu sichern. Ein internationales Forscherteam, bestehend aus deutschen und US-amerikanischen Wissenschaftlern, konnte nun unter Federführung des Instituts für Humangenetik der Universität Regensburg (Priv.-Doz. Dr. Thomas Langmann und Prof. Dr. Bernhard Weber) aufzeigen, dass praktisch alle für Stäbchen- und Zapfenzellen relevanten Gene durch das Zellkernprotein CRX („Cone Rod Homeobox") gesteuert werden. So gewährleistet CRX unter anderem auch das kontrollierte „Ablesen" bzw. die Produktion essentieller Proteine wie der Sehfarbstoffe.

Auf dieser Grundlage konnten die Regensburger Forscher weitere Gene und Gendefekte als Ursache für erbliche Netzhauterkrankungen beim Menschen identifizieren. So gelang in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus Hamburg und Lausanne der Nachweis, dass Mutationen im sogenannten „FAM161A Gen" die Ursache für die Retinitis Pigmentosa vom Typ 28 (RP28) sind. Bei dieser Erkrankung sterben die Sehzellen ab dem Kindesalter ab und es kommt schon sehr früh zur Nachtblindheit und einer Einschränkung des Gesichtsfelds bis hin zum Tunnelblick. Retinitis Pigmentosa führt in einem späteren Stadium in der Regel auch zur Erblindung der Betroffenen.

Für das Regensburger Forscherteam wird es nun darum gehen, die Funktion des bisher unerforschten „FAM161A Gens" in der Netzhaut näher zu untersuchen. Darüber hinaus ist das Auffinden weiterer CRX-gesteuerter „Krankheitsgene" erklärtes Ziel. Die Ergebnisse der Forscher sind vor Kurzem in den beiden renommierten Fachzeitschriften „Genome Research" und „American Journal of Human Genetics" erschienen.

Literaturangaben:
Corbo JC, Lawrence KA, Karlstetter M, Myers CA, Abdelaziz M, Dirkes W, Weigelt K, Seifert M, Benes V, Fritsche LG, Weber BHF, Langmann T: CRX ChIP-seq reveals the cis-regulatory architecture of mouse photoreceptors. „Genome Research" (doi:10.1101/gr.109405.110)

Langmann T, Di Gioia AD, Rau I, Stöhr H, Maksimovic NS, Corbo JC, Renner AB, Zrenner E, Kumaramanickavel G, Karlstetter M, Arsenijevic Y, Weber BHF, Gal A, Rivolta C: Nonsense mutations in FAM161A cause RP28-associated recessive Retinitis Pigmentosa. „American Journal of Human Genetics" (doi:10.1016/j.ajhg.2010.07.018)

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Ausgegorene Lösungen für Bio-Energiewirte

Christian Colmer
Pressestelle
ttz Bremerhaven

Forschung an Schnelltest für mikrobiellen Zustand von Biogasanlagen

Für die Effizienz von Biogasanlagen ist ein reibungsloser Prozessablauf unerlässlich. Wichtig hierfür ist unter anderem ein guter Zustand der Biogas produzierenden Mikroben. Unter der Leitung des ttz Bremerhaven und in Kooperation mit der iSiTEC GmbH und der MT-Energie GmbH & Co. KG ist ein Forschungsprojekt angelaufen, das die Entwicklung eines Schnelltests zur Bewertung des mikrobiellen Zustandes von Biogasanlagen zum Ziel hat. Das Projekt „CH4-MikroSens" wird von der Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH (BIS) gefördert.
Bremerhaven, August 2010. Zur Erzeugung von Bioenergie wird Bio-masse zu Biogas vergoren. Biomasse gehört zu den wichtigsten Quellen für erneuerbare Energien in Deutschland. Um die Marktposition weiter zu stärken und die Zuverlässigkeit dieser Energiequelle zu erhöhen ist es unabdingbar, die Kontrollierbarkeit des Betriebes von Biogasanlagen zu verbessern. Dadurch wird es möglich, den Produktionsprozess von Biogas zu stabilisieren und die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen.

Moderne Biogasanlagen sind heutzutage in vielerlei Hinsicht optimiert. Das größte Risiko besteht jedoch immer noch darin, dass die biologischen Fermentationsprozesse in der Anlage instabil werden und damit die Gasproduktion zum Erliegen kommt. Daher ist es für die Betreiber von höchstem Interesse, eine ungünstige Zusammensetzung der Mikroorganismen so früh wie möglich zu erfassen.

Unter der Leitung des ttz Bremerhaven wird seit Juni 2010 nach Lösungen gesucht: Ziel von „CH4-MikroSens" ist es, einen Schnelltest zu entwickeln, der zeitnah Veränderungen in der mikrobiellen Zusammensetzung der Anlage anzeigt. Im Rahmen des Projektes sollen zunächst verschiedene Techniken auf ihre Eignung für diesen Zweck getestet werden. Es bieten sich optische und elektrische Verfahren an, aber auch molekularbiologische Methoden stellen einen sinnvollen Ansatzpunkt dar. In CH4-MikroSense soll die effizienteste Kontroll-Methode ermittelt werden. Ein zu entwickelnde Sensor könnte beispielsweise während des laufenden Betriebes von Biogasfermentern eingesetzt werden. Für die molekularbiologischen Ansätze ist die Umsetzung eines Schnelltest-Verfahrens angestrebt. Ziele der Forschungen sind unter anderem, nicht nur Aussagen über die Populationsdichte verschiedener Organismengruppen machen können, sondern auch Hinweise auf die Vitalität der Mikroorganismen zu erlangen.

Forschungsförderung für den Nordwesten der Republik

Die Zusammenarbeit im Rahmen des Projektes erfolgt zwischen der Bre-merhavener Firma iSiTEC GmbH, dem Biogas-Unternehmen MT-Energie aus dem niedersächsischen Zeven und dem Forschungsdienstleister ttz Bremerhaven. Der Firma iSiTEC wird die Entwicklung eines innovativen Produktes im Bereich der Biogasanlagentechnik unter wissenschaftlicher Begleitung des ttz Bremerhaven ermöglicht. Die Beteiligung der Firma MT-Energie sichert gleichzeitig eine marktorientierte, zielgerechte Produktent-wicklung und soll die spätere Markteinführung vereinfachen. Die Zusam-menarbeit der drei Projektpartmer trägt außerdem dazu bei, die Wettbe-werbsfähigkeit des Bundeslandes Bremen durch den Ausbau von Innovation und Knowhow im Bereich der Biogas-Technologien zu erhöhen, sein klimaorientiertes Profil zu schärfen und letztlich einen Beitrag zur zukünftigen Energieversorgung zu leisten. Das ttz Bremerhaven erhält durch dieses Projekt die Möglichkeit, seine Expertise im Bereich der erneuerbaren Energien auszubauen und die langjährigen Kontakte zu ortsansässigen Firmen und Biogasbetrieben zu intensivieren. Das von der Bremerhavener Gesellschaft für Investitionsförderung und Stadtentwicklung mbH (BIS) geförderte Projekt „CH4 MikroSense" wird mit Geldern des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Senators für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa der Freien Hansestadt Bremen mitfinanziert.

ttz Bremerhaven mit Bioenergie „Ausgewählter Ort im Land der Ideen 2010"

Das ttz Bremerhaven ist mit seiner Forschung im Bereich Bioenergie „Aus-gewählter Ort im Land der Ideen 2010". Prämiert wurde das EU-Projekt FARMAGAS, das von dem Forschungsdienstleister koordiniert wird. Es sorgt dafür, dass klimafreundliche Energie schneller in Osteuropa Fuß fassen kann. FARMAGAS hat zur Hauptaufgabe, biogasbezogenes Wissen im osteuropäischen Raum weiter zu verbreiten und dort die Anwendung der Biogasproduktion aus landwirtschaftlichen Reststoffen voran zu treiben.

ttz-Geschäftsführer Werner Mlodzianowski betont in diesem Zusammen-hang die ökonomische Zugkraft der ökologischen Technologien: „Die Zukunft der Energieversorgung wird auf einem Mix unterschiedlicher Energie-träger beruhen. Biogas allerdings wird unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten eine immer wichtigere Säule in diesem Mix darstellen. Anwendungsorientierte Forschung eröffnet Potenziale in diesem Markt und fördert den effizienten Einsatz neuer Entwicklungen."

Als Rohstoff klasse: Biomasse

Auf die Herausforderung des Klimawandels antwortet das ttz Bremerhaven mit Bioenergie und Ressourceneffizienz. Zum einen erforscht, entwickelt und optimiert der Forschungsdienstleister Technologien und Konzepte für die nachhaltige Nutzung regenerativer Energiequellen. Zum anderen konzipiert er Strategien und Maßnahmen für eine höhere Energieeffizienz. Durch optimierte Energienutzung in Gebäuden und Gewächshäusern, Prozess- und Anlageoptimierung, eine effektive Nutzung von Reststoffen oder durch Prozesskopplung kann dies erreicht werden. Bei allen Maßnahmen legt das ttz Bremerhaven Wert auf maßgeschneiderte, lokal angepasste Lösungen.

Bei den regenerativen Energiequellen setzt das ttz Bremerhaven in erster Linie auf Biomasse. Dazu gehört unter anderem die Gewinnung von Biogas, Bioethanol, Holzhackschnitzeln und Pellets aus nachwachsenden Rohstoffen und organischen Reststoffen.

Das ttz Bremerhaven versteht sich als innovativer Forschungsdienstleister und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Experten-Team in den Bereichen Lebensmittel, Umwelt, Gesundheit und Beratung.

Kontakt:
Christian Colmer

Leiter Kommunikation und Medien
ttz Bremerhaven
Fischkai 1
D-27572 Bremerhaven (Germany)
Phone: +49 (0)471 48 32 -124
FAX: +49 (0)471 48 32 - 129
ccolmer@ttz-bremerhaven.de
www.ttz-bremerhaven.de

Weitere Informationen:
http://www.ttz-bremerhaven.de

Anhang
http://idw-online.de/pages/de/attachment4330

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Arbeitsmarkt der Zukunft: Arbeitskräftebedarf und -angebot bis 2025

Andreas Pieper
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Wie groß könnte künftig der Bedarf an Arbeitskräften in bestimmten Berufsfeldern sein - und wie hoch wird das Angebot voraussichtlich ausfallen? Das Bonner Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg haben jetzt gemeinsam neue Modellrechnungen zur Entwicklung des Arbeitsmarktes bis zum Jahr 2025 unter dem Titel „Beruf und Qualifikation in der Zukunft" als Buch veröffentlicht.
Mit dem Nachzeichnen der Wege zwischen erlerntem und ausgeübtem Beruf (berufliche Flexibilität) betritt die Studie methodisches Neuland. Längerfristige Berufsfeld- und Qualifikationsentwicklungen können nun differenzierter aufgezeigt werden und so frühzeitig auf Handlungsbedarf für eine größere Passgenauigkeit von Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt aufmerksam machen. Die Projektionen zeigen unter anderem, in welchen Bereichen ein erheblicher Fachkräftemangel entstehen könnte und welche Qualifikationsebenen besonders von Arbeitslosigkeit bedroht sein werden.
Die jetzt vorgestellte Modellrechnung ist Teil einer langfristig angelegten Kooperation zwischen BIBB und IAB zu Berufsfeld- und Qualifikationsprojektionen.

Insbesondere bei den Fachkräften auf der mittleren Qualifikationsebene droht ein wesentlicher Engpass, da dem nahezu gleichbleibenden Bedarf an Beschäftigten bis 2025 ein zunächst bis 2015 leicht, danach aber rasanter Rückgang der Erwerbspersonen mit entsprechenden Qualifikationen gegenübersteht. Zudem scheidet ab dem Jahr 2020 eine steigende Zahl von Fachkräften aus dem Erwerbsleben aus. So könnte sich bis zum Jahr 2025 ein Mangel in einer Größenordnung von rund 1,8 Millionen Erwerbspersonen ergeben.

Bei den Erwerbstätigen ohne Berufsabschluss wird der Bedarf nach den Projektionen von BIBB und IAB bis zum Jahr 2025 zwar ebenso zurückgehen wie auch das Angebot. Dennoch wird es für diese, insgesamt kleiner werdende Gruppe zunehmend schwieriger werden, eine Beschäftigung zu finden.

„Hier sind massive Nachqualifizierungen notwendig, um einem drohenden Fachkräftemangel bei gleichzeitiger Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken und damit den Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig zu sichern", so Prof. Dr. Reinhold Weiß, stellvertretender Präsident und Forschungsdirektor des BIBB.

Prof. Dr. Ulrich Walwei, Vizedirektor des IAB, betont, dass die Systeme der Berufs- und Hochschulabschlüsse künftig durchlässiger werden müssen. „Bislang sind sie zu sehr gegeneinander abgeschottet. Hier gibt es noch vielfältige ungenutzte Potenziale. In Zukunft können wir es uns keinesfalls mehr erlauben, diese Potenziale zu vergeuden."

Noch früher und nachhaltiger werden die Engpässe auf der Ebene von Berufsfeldern erkennbar. „Der sich verschärfende Mangel an ausgebildeten Fachkräften wird sich in Gesundheits- und Sozialberufen, aber auch in Rechts-, Management- und wirtschaftswissen-schaftlichen Berufen sehr früh zeigen", so die Berufs- und Arbeitsmarktforscher und Autoren der Studie Dr. Robert Helmrich (BIBB) und Dr. Gerd Zika (IAB). „Auch in MINT-Berufen, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, wird es zu Engpässen kommen, da gerade diese Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt sehr nachgefragt sind."

Ein Arbeitskräftemangel wird sich laut Projektion beispielsweise auch bei den Verkehrs-, Lager-, Transport-, Sicherheits- und Wachberufen sowie in der Gastronomie zeigen, wobei sich diese Berufsfelder überwiegend aus fachfremden Arbeitskräften rekrutieren.

Die Entwicklungen, die in den Modellrechnungen von BIBB und IAB ausgewiesen werden, müssen nicht zwangsläufig so eintreten, weil Unternehmen wie auch Arbeitssuchende unterschiedliche Möglichkeiten haben, darauf zu reagieren. Die Analysen sollen aber vor allem auf die Bereiche hinweisen, in denen es aus heutiger Sicht Engpässe geben wird und wo mit Ausgleichsproblemen zu rechnen ist.

Ansprechpartner:
Dr. Robert Helmrich (BIBB), Tel.: 0228/107-1132, E-Mail: helmrich@bibb.de
Dr. Gerd Zika (IAB), Tel.: 0911/179-3072, E-Mail: gerd.zika@iab.de

Weitere Informationen im Internetangebot des BIBB unter http://www.qube-projekt.de

Die Veröffentlichung „Beruf und Qualifikation in der Zukunft. BIBB-IAB-Modellrechnungen zu den Entwicklungen in Berufsfeldern und Qualifikationen bis 2025" ist in der BIBB-Schriftenreihe „Berichte zur beruflichen Bildung" (ISBN 978-3-7639-1137-0) erschienen. Sie ist unter service@wbv.de zum Preis von 27,90 Euro beim W. Bertelsmann Verlag (wbv) in Bielefeld erhältlich.

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Wie Nickelallergien entstehen...

Christel Lauterbach
Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Justus-Liebig-Universität Gießen

Einen wesentlichen Beitrag zur Entschlüsselung der allergiefördernden Eigenschaften von Nickel haben jetzt Wissenschaftler der Universität Gießen gemeinsam mit Kollegen aus Mannheim, Freiburg, Münster und München geleistet. Unter Federführung der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Matthias Goebeler und Dr. Marc Schmidt (Zentrum für Dermatologie, Venerologie und Allergologie) konnte aufgeklärt werden, auf welche Weise Nickel eine Entzündung der Haut hervorruft, die einem sichtbaren Ekzem vorausgeht. Diese Ergebnisse, die für innovative Prophylaxe- und Therapieansätze von Bedeutung sein können, wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Immunology" veröffentlicht.
Allergien gehören zu den Erkrankungen, die weiter an Häufigkeit zunehmen. An der Haut äußern sich Allergien vielfach als Kontaktekzeme, die mit Juckreiz, Rötung und Schuppung einhergehen. Das mit Abstand häufigste Allergen ist Nickel: Allein in Europa reagieren nach aktuellen Schätzungen 65 Millionen Menschen allergisch auf dieses Metall, das in vielen Gegenständen des alltäglichen Lebens wie z. B. Modeschmuck, Uhren und Münzen enthalten ist. Bis heute aber sind die Mechanismen, die zur Entstehung von Kontaktekzemen auf Nickel führen, nur unzureichend verstanden.

Die Forscher konnten nun zeigen, dass Nickel einen Rezeptor der so genannten „natürlichen Immunität" aktiviert und so intrazelluläre Signalübertragungswege in Gang setzt, die zur Bildung von entzündungsfördernden Botenstoffen führen. In der Folge kann das spezifische Immunsystem aktiviert werden und über Vermittlung von T-Lymphozyten ein Ekzem entstehen. Der jetzt identifizierte Rezeptor, toll-like receptor 4 (TLR4), wurde bereits 1998 entdeckt, ist aber bislang nur als Erkennungsstruktur für bestimmte von Bakterien freigesetzte entzündungsfördernde Substanzen, die so genannten Lipopolysaccharide, bekannt. Natürlicherweise spielt TLR4 eine Schlüsselrolle bei der Abwehr von Bakterien und verhindert durch Aktivierung des angeborenen Immunsystems bei bakteriellen Infektionen deren übermäßige Vermehrung. Die Gießener Forscher, die bis vor kurzem an der Medizinischen Faktultät Mannheim der Universität Heidelberg tätig waren, beobachteten erstmals, dass Nickel seine entzündungsfördernden Eigenschaften im Menschen entscheidend über TLR4 vermittelt, dass aber die Zielstruktur für Nickel eine andere ist als jene, die von bakteriellen Lipopolysacchariden benutzt wird. Diese Beobachtung könnte einen Durchbruch bei der Therapie der bislang nur schwer behandelbaren Nicklallergie bedeuten, da es prinzipiell möglich erscheint, spezifische TLR4-Hemmstoffe zu entwickeln, welche die Aktivierung des Rezeptors durch Nickel blockieren, ohne damit die wichtige natürliche Abwehrfunktion von TLR4 bei bakteriellen Infektionen zu beeinträchtigen.

Überraschenderweise ergaben weiterführende Untersuchungen, dass nur humane TLR4-Rezeptoren, nicht aber solche aus der Maus, durch Nickel aktiviert werden, da dem entsprechenden Maus-Rezeptor die bindungsrelevanten Aminosäuren fehlen. Die Wissenschaftler vermuteten, dass dies eine Erklärung für die bislang mysteriöse Beobachtung sein könnte, dass Mäuse keine Nickelallergien entwickeln und es bisher nicht gelungen ist, ein experimentelles Mausmodell für diese häufigste aller Kontaktallergien zu etablieren. Gemeinsam mit den Arbeitsgruppen von Prof. Dr. Stefan Martin (Universitäts-Hautklinik Freiburg) und Prof. Dr. Marina Freudenberg (Max-Planck-Institut für Immunbiologie, Freiburg) konnte jetzt erstmals ein Mausmodell etabliert werden, in dem Tiere, die anstelle des Maus-TLR4 den menschlichen TLR4-Rezeptor besitzen, eine allergische Reaktion auf Nickel entwickeln. Diese Daten belegen nicht nur, dass Beobachtungen aus Tiermodellen nur begrenzt auf die menschliche Situation übertragbar sind, sondern identifizieren mit Nickel das erste Allergen, das den immunologisch wichtigen TLR4-Rezeptor des angeborenen Immunsystems direkt aktivieren kann.

Die vorgestellten Daten liefern ein weiteres Indiz für die Vermutung, dass Allergien im Wesentlichen fehlgeleitete Immunreaktionen darstellen. Die Forschungsarbeiten von Prof. Goebeler und Dr. Schmidt wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Baden-Württemberg Stiftung gefördert.

Titel der Publikation:
Schmidt M, Raghavan B, Müller V, Vogl T, Fejer G, Tchaptchet S, Keck S, Kalis C, Nielsen P, Galanos C, Roth J, Skerra A, Martin SF, Freudenberg M, Goebeler M: Crucial role for human Toll-like receptor 4 in the development of contact allergy to nickel. Nature Immunology (im Druck); online erschienen am 15. August 2010 als „advance online publication"  DOI: 10.1038/ni1919

Kontakt:
Prof. Dr. med. Matthias Goebeler
Dr. rer. nat. Marc Schmidt
Zentrum für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Gaffkystr. 14, 35392 Gießen
Telefon: 0641 99-43200
matthias.goebeler@derma.med.uni-giessen.de
marc.schmidt@derma.med.uni-giessen.de

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EU-Projekt: Was Biogas nach vorne bringt

Andrea Mayer-Grenu
Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Stuttgart

In der Europäischen Strategie zum Erreichen der Verpflichtungen des Kyoto-Protokolls wurde vereinbart, bis zum Jahr 2020 europaweit 20 Prozent des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen zu decken. Eine der zukunftsweisenden Schlüsseltechnologien ist dabei die Produktion von Biogas. Doch welche Technologien, Maßnahmen und welche Rahmenbedingungen sind geeignet, die Biogastechnologie in Europa voranzutreiben? Dies untersucht das EU-Forschungsprojekt SEBE (Sustainable and Innovative European Biogas Environment). Einer der 14 Partner ist das Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft (ISWA) der Universität Stuttgart.

Biogas ist ein vielseitiger Energieträger, er kann zur Produktion von Strom und Wärme, aber auch von Kälte genutzt, als Treibstoff eingesetzt und zur Einspeisung ins Erdgasnetz aufbereitet werden. Deutschland ist mit heute schon nahezu 5.000 Anlagen führend im Bereich Biogastechnologie; weiteres Potenzial ist vorhanden. Anders ist die Situation in einigen europäischen Ländern. Biogasanlagen werden dort teilweise als unrentabel angesehen, und der Themenbereich ist aufgrund von Erfahrungen aus gescheiterten Projekten negativ besetzt.

Vor diesem Hintergrund zielen die Projektaktivitäten darauf ab, die rechtlichen, technischen und ökonomischen Rahmenbedingungen zu identifizieren, die eine nachhaltige Entwicklung der Biogastechnologie in Europa ermöglichen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Aufbau eines Netzwerkes aus neu zu errichtenden nationalen Kompetenzzentren sowie der Know-How-Transfer in neue EU-Mitgliedsstaaten, die bisher über wenig Erfahrung mit innovativen Maßnahmen im Bereich Biogas verfügen. Der Lehrstuhl für Abfallwirtschaft und Abluft des ISWA befasst sich im Rahmen des Projekts unter anderem mit dem innovativen Themenschwerpunkt Mikrogasnetze (lokale Biogasnetze). Darüber hinaus liegt die Teilprojektleitung für die Themenbereiche rechtliche, ökonomische und logistische Rahmenbedingungen bei der Universität Stuttgart.

Das Forschungsprojekt SEBE, das im Juli mit einer Kick-Off-Veranstaltung in Graz startete, wird unter der Federführung des Internationalisierungscenter Steiermark (ICS) in Österreich durchgeführt. Es ist mit einem Gesamtbudget von über 3,2 Millionen Euro das größte Biogas-Projekt im EU-Programm „Central Europe", das aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (ERDF) finanziert wird und auf Mitteleuropa ausgerichtet ist. Zur Kommunikation der Ergebnisse wird unter anderem eine Website eingerichtet und ein regelmäßig erscheinender Newsletter verfügbar sein.

Weitere Informationen am Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft der Universität Stuttgart; Lehrstuhl für Abfallwirtschaft und Abluft; Prof. Martin Kranert, Tel. 0711/ 685-65500, e-mail: martin.kranert@iswa.uni-stuttgart.de sowie bei Dr. Sigrid Kusch, Tel. 0711 685-65438, e-mail: sigrid.kusch@iswa.uni-stuttgart.de.

Weitere Informationen:
http://www.sebe2013.eu

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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UDE: Studie zur Erwerbstätigkeit im Alter - Chancen je nach Beruf

Ulrike Bohnsack
Pressestelle
Universität Duisburg-Essen

Wer wie lange im Alter arbeitet, hängt vom Beruf ab. Vor allem ab dem 60. Lebensjahr unterscheiden sich die Chancen deutlich: Während Personen in manuellen Berufen wie Bauarbeiter oder Industriemechaniker diese überdurchschnittlich häufig nicht mehr ausüben (können), arbeiten Manager und Professionen wie Ärzte, Richter und Wirtschaftsprüfer meist bis 65. Wer als Rentner noch erwerbstätig ist, geht hauptsächlich einfachen Dienstleistungstätigkeiten für einen Zuverdienst nach, beispielsweise im Wachschutz oder in der Gebäudereinigung. Das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) zur Erwerbstätigkeit im Alter.
Welche Berufe ein besonders hohes Risiko bergen, dass die dort Beschäftigten vorzeitig ausscheiden, hat der IAQ-Arbeitsmarktforscher Dr. Martin Brussig anhand von Daten des Mikrozensus 2001 bis 2007 im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung und des Forschungsnetzwerks Alterssicherung untersucht. Bei einigen besteht das Risiko schon sehr früh. Als „alarmierend" bezeichnet Brussig, „dass es immer noch Berufsgruppen wie Werkzeugmacher, Elektriker, Mechaniker gibt, in denen die Beschäftigung schon ab 55 Jahren sehr viel häufiger beendet wird". Überdurchschnittliche Austrittsraten zwischen 52 und 68 Jahren gibt es außerdem bei qualifizierten Dienstleistungsberufen (z.B. Polizisten, Feuerwehrleuten, Lokführern).

Vor allem körperliche und psychische Arbeitsbelastungen verhindern ein gesundes Arbeiten bis ins Rentenalter. Vorschläge, aus der Not eine Tugend zu machen und Berufsfeldwechsel in der späten Erwerbsphase zu fördern, führen kaum zum Ziel, meint der Arbeitsmarktforscher. So dürfte nahezu ausgeschlossen sein, im Alter in die Berufsklasse der Manager und erst recht der Professionsberufe einzusteigen - zwei Kategorien mit hohen Chancen auf eine lange Erwerbstätigkeit. Anders herum kommt es einem beruflichen Abstieg gleich, wenn Menschen später in einfache Dienste gegenüber der früheren Tätigkeit einsteigen. Hierbei gehen auch Erfahrungswissen und Kompetenzen verloren. „Schon um das langjährig erworbene Qualifikationspotenzial bis zur Rente in die Arbeit einbringen zu können, sind Initiativen für eine alternsgerechte Arbeitsgestaltung notwendig", fordert Brussig. „Derartige Initiativen gibt es, doch sie haben bislang nicht den erforderlichen Rückhalt in den Betrieben gefunden."

Weitere Informationen:
http://www.iaq.uni-due.de/auem-report/
Dr. Martin Brussig, Tel.: 0203/379-3931, martin.brussig@uni-due.de

Redaktion:
Claudia Braczko, Tel.: 0170-8761608, presse-iaq@uni-due.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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„Einfach und genial" - Hörtest per Telefon im Innovationswettbewerb „365 Orte im Land der Ideen" ausgezeichnet

Yvonne Küchler
PressearbeitHörTech, Kompetenzzentrum für Hörgeräte-Systemtechnik

Der Hörtest per Telefon der HörTech gGmbH wurde gestern als „Ausgewählter Ort 2010" des bundesweit ausgetragenen Innovationswettbewerbs „365 Orte im Land der Ideen" ausgezeichnet. Viele Oldenburger kamen am Wochenende in die Traumgärten der Innenstadt, um bei der Hörrallye dabei zu sein, mit der die HörTech aus dem Oldenburger Haus des Hörens die Auszeichnung gefeiert hat. Bei der Festveranstaltung am Sonntag würdigte Doris Bünnemeyer von der Deutschen Bank in Oldenburg den Test als „geniale Idee, durch die Hörprobleme bei vielen Menschen frühzeitig erkannt und die Bevölkerung für das Thema Schwerhörigkeit sensibilisiert werden."
Hunderte Menschen aus Oldenburg und Umgebung erlebten am Wochenende bei schönem Wetter die Hörrallye in den Traumgärten der Oldenburger Innenstadt. Die Hörforscher vom Oldenburger Haus des Hörens sorgten dort für eine ganz ungewöhnliche Geräuschkulisse. So brüllte plötzlich ein Löwe aus dem Gebüsch, Walgesänge und Wasserbrodeln ließen die Besucher aufhorchen. Ganz Ohr widmeten zahlreiche Besucher ihre Aufmerksamkeit einmal nur dem Hören, um die Geräusche richtig zu deuten. Bis ins Ziel gut gehört haben Elisabeth und Dietrich Hillmann. Sie gewannen einen Kochkurs der AOK und auch die Gewinner der zahlreichen Kopfhörer, die die Firma Sennheiser gesponsert hat, waren sehr zufrieden. Bei der Abschlussveranstaltung am Sonntag gab es vor allem für die kleinen Ohren noch etwas ganz Besonderes zu hören: Der Rockmusiker Markus Rohde spielte witzige und schwungvolle Lieder aus seinem Programm „Piraten, Wellen und Spinat" - natürlich in angemessener Lautstärke.

Mit der Hörrallye feierte die HörTech gGmbH aus dem Oldenburger Haus des Hörens die Auszeichnung des Hörtests per Telefon, der am Sonntag im bundesweit ausgetragenen Innovationswettbewerb „365 Orte im Land der Ideen" zum „Ausgewählten Ort 2010" ernannt wurde. Damit ist der telefonische Hörtest Teil der größten Veranstaltungsreihe Deutschlands, die bereits im fünften Jahr von der Standortinitiative „Deutschland - Land der Ideen" und der Deutschen Bank unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten durchgeführt wird. Der Test bietet eine einfache, anonyme und unverbindliche Möglichkeit, den Zustand des eigenen Gehörs zu überprüfen. Mit variierender Hintergrundlautstärke wird der Teilnehmer von einer Stimme aufgefordert, bestimmte Zahlen auf der Telefontastatur zu drücken.*

Anlässlich der Preisverleihung am Sonntag im Haus des Hörens betonte Doris Bünnemeyer von der Deutschen Bank in Oldenburg: „Seit seiner Einführung haben in Deutschland bereits knapp 40.000 Menschen ihr Gehör mit dem ‚Hörtest per Telefon‘ überprüft. Durch diese einfache wie geniale Idee können Hörprobleme bei vielen Menschen frühzeitig erkannt und die Bevölkerung für das Thema Schwerhörigkeit sensibilisiert werden."

Stephan Albani, Geschäftsführer der HörTech gGmbH kommentierte die Auszeichnung: „Wir sind sehr stolz, bereits zum dritten Mal mit einer Innovation aus dem Haus des Hörens ‚Ausgewählter Ort‘ im Land der Ideen zu sein. Der Innovationswettbewerb bietet die Möglichkeit, für unsere Gesellschaft wichtige Innovationen ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit zu stellen - so auch unseren Hörtest per Telefon, der dazu beträgt, dass Hörprobleme schnell, unkompliziert und vor allem rechtzeitig erkannt werden."

Doris Bünnemeyer begründete das Engagement der Deutschen Bank mit den Worten: „Die ‚Ausgewählten Orte 2010‘ zeigen auf vielfältige Weise die Innovations- und Gestaltungskraft Deutschlands. Jeden Tag sehen wir, wie durch das enorme Potenzial, das hier in der Region steckt, das bundesweite Netzwerk an Ideen wächst."


* Der Test ist unter der Nummer 09001/217221 erreichbar. Der Anruf aus dem deutschen Festnetz kostet 0,99 € pro Anruf. Die HörTech gGmbH darf als gemeinnützige GmbH weder Verluste noch Gewinne machen. Bei einer Gebühr von einem Euro und einer durchschnittlichen Verwendung ist der Test kostendeckend. Sollten Überschüsse entstehen, werden diese in Forschung, Prävention und Qualitätssicherung investiert.

Die HörTech gGmbH wurde 2001 als Kompetenzzentrum für Hörgeräte-Systemtechnik vom Hörzentrum Oldenburg und der Universität Oldenburg gegründet. Ziel der gemeinnützigen Gesellschaft ist die Förderung von Wissenschaft und Forschung und die Gewinnung neuer Methoden und Erkenntnisse im Bereich des Hörens. Das Institut, das ursprünglich aus einem bundesweiten Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung hervorgegangen ist, genießt mittlerweile internationale Anerkennung und leistet viel beachtete Grundlagenforschung zur Verbesserung von Hörgeräte-Technik. Die Mitarbeiter der HörTech suchen nach neuen Möglichkeiten, Hörgeräte besser an die individuellen Bedürfnisse ihrer Träger anzupassen, sowie nach Methoden, die die Rehabilitation von Hörgeschädigten erleichtern. Für die wissenschaftliche Arbeit werden neueste Erkenntnisse über Audiologie und digitale Verarbeitung von Signalen zusammengeführt. Dabei greift die HörTech auf ein bundesweites Kompetenz-Netzwerk zurück. Sitz der HörTech gGmbH ist das „Haus des Hörens" in Oldenburg-Wechoy.

HörTech gGmbH
Dr. Corinna Pelz
Marie-Curie-Str. 2
26129 Oldenburg
Tel: (0441) 21 72-203, Fax: -250
E-Mail: C.Pelz@HoerTech.de

Weitere Informationen:
http://www.hoertech.de
http://www.hoertest-per-telefon.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Umweltgift und neue Krankheiten: Forscher untersuchen Einflüsse auf die Bienengesundheit

Florian Klebs
Presse- und ÖffentlichkeitsarbeitUniversität Hohenheim

Bienenforscher der Universität Hohenheim untersuchen Wechselwirkungen von Bienenkrankheiten und Pestiziden
Um über 50% sank die Zahl der Bienenvölker in Europa in den vergangenen 50 Jahren. Weltweit neue Bienenkrankheiten und zunehmende Umweltbelastung sind die Haupt-Stressfaktoren für Honigbienen.

Jetzt wollen Forscher der Universität Hohenheim Ursachen und Auswirkungen des Rückgangs erstmals im Rahmen eines EU-Kooperationsprojektes systematisch untersuchen. Drei Jahre lang werden sie Zusammenhänge zwischen Umwelt, Krankheit und dem Bienenvolk aufdecken. Die EU fördert bei einem Gesamtvolumen von 3,0 Mio. die Hohenheimer Bienenkunde mit 0,25 Mio. und macht das Projekt damit zu einem der Schwergewichte der Forschung in Hohenheim. Insgesamt elf Universitäten aus neun Ländern beteiligen sich an dem Forschungsprojekt.

Mit verkrüppelten Flügeln kommt die frisch geschlüpfte Biene zur Welt. Das fleißige Helferlein kann damit seine Aufgaben für den Bienenstock nicht oder nur unzureichend erfüllen. Die Varroa-Milbe hatte sich bereits in der Brutzelle eingenistet und dort Bienenblut von Larve und Puppe gesaugt, teilweise mit schwerwiegenden Folgen. Häufig erkranken die Bienen gleichzeitig auch an Sekundärinfektionen, wie dem "Bienenparalysevirus" oder dem „Verkrüppelten-Flügel-Virus".

Immer neue Bienenkrankheiten wie die Varroa-Milbe werden nach Europa eingeschleppt und breiten sich rasend aus. Doch für den Rückgang der Bienenvölker machen die Wissenschaftler um Dr. Peter Rosenkranz von der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim neben der Varroa-Milbe weitere Ursachen aus: Zunehmende Intensivierung des imkerlichen Managements, hinzu kommen Rückstände von Pflanzenschutzmitteln, die die Honigbienen beim Genuss des Nektars mit aufnehmen. Vor allem in der Kombination können diese Faktoren lebensbedrohlich sein. „Das Hauptproblem ist das Zusammentreffen von Varroa, dem Nosema-Erreger und verschiedene Bienenviren als Sekundärinfektionen, sowie die zunehmende Belastung der Umwelt durch Pestizide", meint Peter Rosenkranz. Im alljährlichen Überlebenskampf der Bienenvölker vor dem Winter könnten diese vielfältigen Faktoren zum Todesstoß werden.

Hohe Überwinterungsverluste in Europa und den USA

„Die Imker in Europa und den USA verzeichneten im vergangenen Winter erneut Bienenvolkverluste von 20 bis 35%. 10-15% werden noch als normal angesehen", sagt der Bienenkundler. Europaweit gesehen nimmt die Zahl der Bienenvölker immer weiter ab, wodurch nicht nur die Honigproduktion abnimmt, sondern die Dichte an Bestäubern vor allem in der Kulturlandschaft bedrohlich zurückgeht.

Erstmals in Europa wollen die Forscher jetzt testen, wie die verschiedenen Kombinationen aus Pestizid, Sekundärkrankheiten, Nosema-Erregern und Varroa-Krankheit als Haupt-Stressfaktoren auf die Bienenvölker wirken. Dazu bilden sie vier verschiedene Gruppen, die sie erst verschiedenen Umweltchemikalien und dann verschiedenen Krankheiten aussetzen.

Chemie, Krankheit, Bienenvolk

„Wir orientieren uns an einem Szenario, wie es auch bei den Honigbienen draußen vorkommen kann", sagt Peter Rosenkranz. „Die Honigbienen sind wochenlang verschiedenen Wirkstoffen aus dem Pflanzenschutz und der Varroa-Bekämpfung ausgesetzt und zwar in verschiedenen Kombinationen. Zusätzlich können sie sich die verschiedensten Krankheitserreger einfangen".

Alle diese Fälle spielen die Wissenschaftler in ihren Versuchen mit vier Bienengruppen durch. Die Kontrollgruppe soll so gesund bleiben wie sie war, sie wird möglichst ohne Belastungen gehalten. Der zweiten Gruppe füttern die Wissenschaftler geringe Mengen an Pflanzenschutzmitteln. Den Bienen in der dritten Gruppe wird ein Wirkstoff zugesetzt, das Imker im Kampf gegen die Varroa-Milbe verwenden. Die vierte Gruppe bekommt schließlich eine Kombination aus beiden Chemikalien, also ein Pestizid und das Varroa-Bekämpfungsmittel, verabreicht.

„Honigbienen sind in der Natur all diesen Belastungen über längere Zeit ausgesetzt", sagt Peter Rosenkranz. Darum werden die Gruppen mehrere Wochen zur Beobachtung gehalten. Dann kommen die Krankheitserreger ins Spiel. Mit Varroa oder Nosema werden die vier Gruppen gezielt infiziert und auf ihre Wechselwirkungen mit den Stressfaktoren getestet.

Welche Kombination schadet am meisten?

In einem sogenannten Käfigtest untersuchen die Bienenforscher dann jede einzelne Biene mit ihrem individuellen Krankheitsbild. Je nach Kombination der Stressfaktoren können insgesamt 20 bis 30 unterschiedliche Ausprägungen vorkommen.

Deren Zusammenspiel wollen die Wissenschaftler jetzt an den Bienen testen. Das Team um Peter Rosenkranz beobachtet, wie sich die beiden Krankheitserreger vermehren und welche Symptome die unterschiedlichen Bienen-Typen zeigen, je nach ihrer Vorbelastung mit anderen Faktoren.

Hintergrund: Schwergewichte der Forschung

Rund 26 bzw. 32 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Forscher der Universität Hohenheim allein in den beiden vergangenen Jahren. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung" herausragende Forschungsprojekte mit einem Drittmittelvolumen von mindestens einer Viertelmillion Euro, bzw. 125.000 Euro in den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Die Sichtweisen von Schwiegertöchtern: „Ich mag meine Schwiegermutter" - auch wenn sie manchmal nervt...

Susanne Bossemeyer
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
FernUniversität in Hagen

Es gibt Schwiegermutter-Witze, jede Menge böse Klischees und sogar einen Kaktus mit dem klangvollen Namen „Schwiegermutterstuhl". Schwiegermütter haben nicht gerade den besten Ruf, besonders das Verhältnis zu den Schwiegertöchtern gilt häufig als angespannt. Dr. Andrea Kettenbach aus dem Lehrgebiet Psychologie des Erwachsenenalters der FernUniversität in Hagen kam jetzt zu einem überraschenden Resultat.
Es gibt Schwiegermutter-Witze, jede Menge böse Klischees und sogar einen Kaktus mit dem klangvollen Namen „Schwiegermutterstuhl". Schwiegermütter haben nicht gerade den besten Ruf, besonders das Verhältnis zu den Schwiegertöchtern gilt häufig als angespannt. Die Psychologin Dr. Andrea Kettenbach aus dem Lehrgebiet Psychologie des Erwachsenenalters der FernUniversität in Hagen ist dem Wahrheitsgehalt dieser Klischees auf den Grund gegangen. Und sie kam zu einem überraschenden Resultat. „Schwiegermütter sind besser als ihr Ruf", fasst Kettenbach die Ergebnisse ihrer Doktorarbeit zusammen.

Vier verschiedene Schwiegermutter-Typen

Aus Sicht der Schwiegertöchter gibt es vier verschiedene Schwiegermutter-Typen: Typ 1 ist die liebe Schwiegermutter. Sie ist so, wie man sie sich wünscht: fürsorglich und aufmerksam. Typ 2 ist das genaue Gegenteil: die böse Schwiegermutter, gemein, hinterhältig und einmischend. Die beiden „Zwischen-Typen" 3 und 4 sind zum einen die nervige aber nützliche und zum anderen die defensive und desinteressierte Schwiegermutter.

Mit dem Ergebnis hatte Andrea Kettenbach nicht gerechnet: „Es war mir klar, dass es die ‚liebe' und die ‚böse' Schwiegermutter gibt. Aber ich hätte nicht gedacht, dass es dazwischen noch zwei Typen gibt, die sich inhaltlich so klar abgrenzen lassen."

Thema bislang unerforscht

Mit ihrer Schwiegermutter-Typologie hat die FernUni-Psychologin das Thema Schwiegermütter erstmals aus wissenschaftlicher Sicht beleuchtet. „Fast jeder kennt oder hat eine Schwiegermutter. Ich war vollkommen überrascht, dass das Thema bisher kaum wissenschaftlich erforscht wurde."

Kettenbach hat 34 verheiratete Mütter nach ihren Schwiegermüttern befragt. Die Schwiegertöchter mussten beurteilen, in wie weit Aussagen auf ihre Schwiegermutter zutreffen: positive wie „sie ist liebevoll", „sie ist respektvoll" und negative wie „sie ist bevormundend" und „sie ist hinterhältig". Im Anschluss daran führte die Psychologin Leitfadeninterviews mit den Probandinnen durch.

„Das schlechte Bild ist ein Überbleibsel"

Mehrheitlich bekamen die Schwiegermütter gute Noten. Es wurde sogar von der Schwiegermutter als Freundin geschwärmt. Das Klischee der bösen Schwiegermutter scheint demnach überholt. „Das schlechte Bild ist ein Überbleibsel aus vergangenen Jahrhunderten", weiß Kettenbach zu berichten. Wenn die jungen Frauen in das Haus des Mannes zogen, haben sie mit ihrer Schwiegermutter konkurriert: Wer ist die bessere Hausfrau, wer ist die bessere Mutter und wer ist die attraktivere Frau?

Das Konfliktpotenzial ist heutzutage deutlich geringer. Falls es mit der Schwiegermutter doch einmal zu Reibereien kommt, empfiehlt die FernUni-Psychologin ein klärendes Gespräch. „Häufig gibt es Probleme, weil Erwartungen nicht klar kommuniziert und keine Grenzen definiert werden. Vielleicht weiß die Schwiegermutter ja gar nicht, dass ihre gut gemeinten Tipps nicht auf Gegenliebe stoßen." Kettenbach selbst hat im Übrigen keine Probleme mit ihrer Schwiegermutter: „Natürlich gibt es Höhen und Tiefen, aber insgesamt komme ich gut mit ihr aus."

Weitere Informationen:
http://www.fernuni-hagen.de/universitaet/aktuelles/2010/08/24-am-schwiegermuette... - ausführlicher Text

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Der Motor im Rad revolutioniert den Fahrzeugbau

Detlef Bremkens
Dez. 3 KIT Kommunikation, Innovation, TransferHochschule Bochum

Motorwicklung eines Radnabenantriebs
Das Institut für Elektromobilität der Hochschule Bochum veröffentlicht Studie zu Radnabenantrieben

Seit 10 Jahren beschäftigen sich die Forscher der Hochschule Bochum mit allen Facetten der Elektromobilität. Unter der Federführung von Prof. Friedbert Pautzke liegen nun Ergebnisse und Erfahrungen zum aktuellen Stand der Entwicklungen in Form der Studie „Radnabenantriebe" vor. Die Autoren geben eine umfassenden Überblick zur Antriebsthematik bei Elektrofahrzeugen und legen überzeugend dar, dass jetzt schon die Elektromobilität das effizientere Fortbewegungskonzept bietet. Die Gesamtkette bilanziert für das Verbrennerfahrzeug 15%, für das E-Mobil beim aktuellen deutschen Kraftwerksmix aber 27% Wirkungsgrad. Das Elektroauto hat einen weiteren Vorteil: Verbesserungen in der Kraftwerkstechnologie und die Erhöhung des Anteils regenerativer Energie wirken sich unmittelbar auf die Effizienz und die CO2-Bilanz aus und nicht erst in 7-10 Jahren, der übliche Laufzeit von Benzin- oder Dieselgetriebenen Kraftfahrzeugen. Neben diesen grundsätzlichen Analysen widmen sich die Forscher ausführlich der Motorenproblematik bei Elektrofahrzeugen. Zentrale Antriebskonzepte, die aus derzeitigem Automobilbau für elektrisch betriebene Fahrzeuge übernommen wurden, haben nach Ansicht der Ingenieure aus Bochum keine Zukunft. Der Radnabenmotor biete die Chance, das Design von PKWs völlig neu zu gestalten, da platzraubende Komponenten wie zentraler Motor, Getriebe oder Kardanantrieb wegfallen. Die mit finanzieller Unterstützung des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen geschriebene Studie ist im Shaker-Verlag; Aachen zum Preis von 45,80 € erschienen.

Weitere Informationen:
http://www.hochschule-bochum.de/fbe/e-mobility.html - das Institut für Elektromobilität (e-Mobility)

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Wasserversorgung auf Nanobasis für Überschwemmungsgebiete

Christine Mandel
Abt. Kommunikation und InternationalesUniversität Kassel

Kassel. Die Flutkatastrophe in Pakistan hat unzählige Menschen nicht nur um ihr Hab und Gut gebracht. Nach Schätzungen von UNICEF Pakistan sind in dem asiatischen Land derzeit mehrere Millionen Menschen ohne sauberes Trinkwasser. Kasseler Forscher haben eine tragbare Wasseraufbereitungsanlage entwickelt, mit der im Notfall auch Dörfer versorgt werden können, die komplett von der Außenwelt abgeschnitten sind.
Hilfsorganisationen setzen bei Naturkatastrophen vor allem auf große mobile Anlagen, die pro Tag gewaltige Mengen Trinkwasser aufbereiten können. Für die Versorgung großer Flüchtlingslager ist diese Strategie von Vorteil. Bei der Versorgung entlegener oder durch eine Überschwemmung isolierter Ortschaften stößt sie dagegen an Grenzen.

„Wir haben uns Gedanken gemacht, wie Gegenden versorgt werden können, zu denen keine passierbare Straße mehr führt, in denen es weder Strom noch Treibstoff gibt, die für den Betrieb einer konventionellen Aufbereitungsanlage nötig sind", erklärt Prof. Dr. Franz-Bernd Frechen vom Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft der Universität Kassel. Die Lösung fanden die Forscher mit Hilfe der Nanotechnologie. Sie entwickelten eine rucksackgroße Wasseraufbereitungsanlage, deren Herzstück ein Modul mit Membranen ist. Die Membrane verfügen über mikroskopisch kleine Öffnungen in Nanogröße, die Wassermoleküle durchlassen, Bakterien und Parasiten aber wirksam aus dem Wasser herausfiltern. Das schützt vor Erkrankungen wie Cholera, Durchfall etc., speziell bei Kindern Ursache einer hohen Sterblichkeit.

„Diese Technik ist einfach und wirksam", betont Frechen: „Ein Gerät kann mehrere hundert Menschen mit sauberem Wasser versorgen." Im Dauerbetrieb ist der Wasserrucksack in der Lage, pro Tag 1.200 Liter Wasser zu filtern. Die Kasseler Umweltingenieure haben in den vergangenen Monaten mehrere Prototypen gebaut, die im Frühjahr bereits im Erdbebengebiet in Chile erfolgreich getestet wurden. Da der Wasserrucksack nur rund 20 Kilogramm wiegt, kann er von Trägern oder von Lasttieren selbst in Dörfer transportiert werden, zu denen keine Straßen mehr existieren. Auch das Absetzen vom Hubschrauber aus ist möglich. Der Hubschrauber muss nicht einmal landen.

Die Experten der Universität schätzen, dass die tragbare Aufbereitungsanlage bei Serienfertigung für weniger als 1.000 Euro pro Stück hergestellt werden könnte. Das Projekt Wasserrucksack wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und dem Bundeswirtschaftsministerium finanziell unterstützt.

Info
Universität Kassel
Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft
Prof. Dr. Franz-Bernd Frechen
tel (0561) 804 2795
e-mail frechen@uni-kassel.de

Dr. Wernfried Schier
tel (0561) 804 3817
e-mail wernfried.schier@uni-kassel.de

Dipl.-Ing. Harald Exler
tel (0561) 804 7128
e-mail exler@uni-kassel.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Forscher untersuchen Auswirkungen eintöniger Arbeit: Fließbandarbeiter altern schneller

Ole Lünnemann
Referat für Öffentlichkeitsarbeit
Technische Universität Dortmund

Wer viele Jahre stumpfe, eintönige Arbeit am Fließband verrichtet, der altert im Kopf schneller als Kollegen mit abwechslungsreichen Tätigkeiten. Das hat eine Forschergruppe um Prof. Michael Falkenstein vom Institut für Arbeitsphysiologie (IfADo) der Technischen Universität Dortmund jetzt herausgefunden. Im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales erforscht er die Stärken und Schwächen älterer Arbeitnehmer und die Besonderheiten bei der Fließbandarbeit. Über die Ergebnisse berichtet die aktuelle Ausgabe von mundo, dem Forschungsmagazin der TU Dortmund.
Mit seinen Untersuchungen ist Falkenstein deutschlandweit der erste Wissenschaftler, der sich dieser Thematik genauer angenommen hat. Dass Fließbandarbeiter mit schwierigen Arbeitsbedingungen zu kämpfen haben, ist schon länger bekannt. Durch eintönige Arbeit in teils unbequemen Positionen tragen sie häufiger körperliche Schäden davon und werden so im Alter häufiger und länger krank. Welche Auswirkungen Fließbandarbeit aber auch auf die Gehirnleistung habe kann, ist bisher kaum untersucht worden.

Prof. Falkenstein hat dafür den Fließbandarbeitern im Rahmen seines Projektes PFIFF (Programm zur Förderung und zum Erhalt intellektueller Fähigkeiten für ältere Arbeitnehmer) in die Köpfe geschaut. Gefördert wird PFIFF vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Das IfADo arbeitet daran zusammen mit der Ruhr-Universität Bochum, der Gesellschaft für Gehirntraining und der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Den Ausgangspunkt des Projekts bildet eine Untersuchung von 91 Arbeitern der Adam Opel GmbH in Bochum. Sie mussten in einem im Werk eingerichteten Untersuchungsraum Tests am Bildschirm meistern und dabei eine vielfach verkabelte Haube aufsetzten, die es Falkensteins Team erlaubte, ihre Hirnaktivität am Elektroenzephalogramm (EEG) zu verfolgen. Die Versuchsgruppe bestand aus je 23 jüngeren und 23 älteren Fließbandarbeitern sowie 23 älteren und 22 jüngeren Arbeitern, die einen Arbeitsplatz jenseits des Fließbandes haben. Die jüngeren Arbeiter waren zwischen 18 und 23, die älteren zwischen 48 und 58 Jahren alt. Zu absolvieren waren recht schwierige psychometrische Tests, bei denen die Probanden unter anderem möglichst schnell zwischen Aufgaben wechseln mussten - etwa mit Maus-Klicks auf Ziffern reagieren, die am Bildschirm erscheinen, je nachdem ob sie gerade oder ungerade sind, kleiner oder größer als fünf. Der Wechsel erfolgte zum Teil nach einem bestimmten Muster, das im Gedächtnis behalten werden musste.

Die Ergebnisse seiner Auswertung nennt Falkenstein „ernüchternd, aber nicht anders erwartet": Ältere Teilnehmer, die seit vielen Jahren stumpfe, eintönige Arbeit am Fließband verrichten, sind im Kopf deutlich schneller gealtert als ihre Kollegen mit gleicher Ausbildung, aber anregenden Tätigkeiten. Anhand der EEG erkannte Falkenstein sogar: Geistig ähneln ältere Nicht-Fließband-Arbeiter, deren Arbeitsleben recht abwechslungsreich ist, viel eher den jungen Arbeitern, als ihren gleichaltrigen Kollegen am Fließband. Die Schwachstelle im Gehirn der älteren Fließbandarbeiter ist vor allem das Arbeitsgedächtnis. »Eine zentrale Gedächtnisfunktion, die wir täglich brauchen und die immer wieder aufgefrischt werden muss, quasi das RAM des Menschen«, erklärt Falkenstein. Gleichzeitig weist Falkenstein darauf hin, dass das Ergebnis nicht bedeute, dass Fließbandarbeiter schlechtere Arbeit machen. Die Tests zeigen lediglich, dass Fließbandarbeiter ihr Gehirn bei der Arbeit abschalten würden. Die Hände funktionierten fast automatisch, der Kopf sei ganz woanders.

Mentales Training kann den Fließbandarbeitern helfen, ihre grauen Zellen wieder zu aktivieren. Daher hat das IfADo in einem Schulungsraum im Bochumer Opel-Werk 25 Computer aufgebaut und mit einem geeigneten Trainingsprogramm bestückt. Zwei Mal die Woche können die Mitarbeiter hier für eineinhalb Stunden an ihren kognitiven Fähigkeiten arbeiten. Auch den Erfolg des Trainings will Falkenstein beobachten: »Vor Beginn des Trainings haben wir die Hirnströme gemessen, und nach Abschluss werden wir es auch tun, um zu schauen, ob sich durch das Gehirnjogging etwas verändert hat im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die das Training noch nicht gemacht hat.«

Mehr zur Fließbandarbeit und weitere spannende Artikel rund um das Thema Von der Kohle zur Kultur gibt es in der aktuellen Ausgabe der mundo, dem Wissenschaftsmagazin der TU Dortmund.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Med. Michael Falkenstein
Leiter der Projektgruppe Altern und ZNS-Veränderungen
TU Dortmund, Leibniz-Institut für Arbeitsforschung
Tel. (0231) 10 84 277
E-Mail: falkenstein@ifado.de

Weitere Informationen:
http://mundo ist online als PDF-Datei verfügbar unter
http://www.tu-dortmund.de/uni/Uni/Campusleben/Campusmedien/mundo_online

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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BfN veröffentlicht ökonomische Studie zum naturnahen Hochwasserschutz

Franz August Emde
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesamt für Naturschutz

BfN veröffentlicht ökonomische Studie zum naturnahen Hochwasserschutz

Nach dem Hochwasser ist vor dem Hochwasser - Renaturierung von Auen ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll

Die jüngsten Hochwasser an Neiße und Spree zeigen, dass Hochwasserschutzmaßnahmen weiter ein Thema bleiben werden. Wie sich solch teure Maßnahmen, so gestalten lassen, dass Mensch und Natur optimal profitieren, zeigt eine gerade veröffentlichte Studie des Bundesamtes für Naturschutz (BfN). Wissenschaftler der TU Berlin konnten nachweisen, dass der Nutzen naturverträglicher Hochwasserschutzmaßnahmen die Kosten um den Faktor 3:1 überwiegt. Naturverträgliche Hochwasserschutzmaßnahmen in Form von Deichrückverlegungen und Auenrenaturierungen rechnen sich damit auch volkswirtschaftlich: „Was für die Natur gut ist, zahlt sich so auch für die Bevölkerung aus", kommentierte Prof. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) das Ergebnis der Studie, die das Bundesamt in Auftrag gab. Bei traditionellen Kosten-Nutzen-Analysen schneiden Hochwasserschutzmaßnahmen, die auch dem Naturschutz zugute kommen, vergleichsweise schlecht ab, denn die Analysen betrachten nur die Hochwasser senkende Wirkung. Mit der vorliegenden Studie wurde eine Methodik erarbeitet, die auch die Wirkung der Auen als Lebensraum für Pflanzen und Tiere, als Erholungsraum für die Menschen und als Filter für Schadstoffe und damit zusätzlich den ökonomischen Nutzen von verschiedenen Ökosystemfunktionen quantitativ erfasst. Ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 3:1 bedeutet, dass der monetäre Wert des ökologischen und ökonomischen Nutzens der Maßnahmen dreimal so hoch ist wie ihre Kosten.
In Anbetracht des zunehmenden Risikos von Schäden durch Überschwemmungen und des hohen Verlustes aktiver Auen in den vergangenen Jahrzehnten, stellt sich immer wieder die Frage, welche Hochwasserschutzmaßnahmen sinnvoll sind. Das Spektrum reicht von technisch geprägten Maßnahmen wie Deichbau und -sanierung bis hin zu Naturschutz fördernden Projekten wie Deichrückverlegungen, der Wiedergewinnung natürlicher Überschwemmungsflächen und einer Revitalisierung von Auen. Die Studie macht dabei deutlich, dass multifunktional ansetzende Maßnahmen, die neben dem Hochwasserschutz anderen Ökosystemfunktionen mit zugute kommen, auch volkswirtschaftlich gesehen einen höheren Nutzen bringen.
„Das Bundesamt für Naturschutz liefert mit der Studie ein Instrument, mit dem in Zukunft bei wasserbaulichen Entscheidungen auch die Ökosystemdienstleistungen quantifiziert berücksichtigt werden können", sagte Beate Jessel. „Erweiterte Kosten-Nutzen-Analysen können bei Planungen, z. B. im Rahmen von Umweltverträglichkeitsprüfungen als Entscheidungshilfe für nachhaltige Lösungen dienen und für neue Transparenz sorgen", erläuterte die BfN-Präsidentin.

Hintergrundinformationen
Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie erarbeiteten die Wissenschaftler der TU Berlin das methodische Grundgerüst und wendeten dieses am Fallbeispiel Elbe an. Die Forscher wählten einen ökonomischen Ansatz, um das Nutzen-Kosten-Verhältnis naturverträglicher Maßnahmen an der Elbe einschätzen zu können. Ein Wert über 1 bescheinigt dabei einen volkswirtschaftlichen Mehrwert. Die umfangreichste der untersuchten Deichrückverlegungsvarianten, bei der rund 35.000 Hektar Überflutungsflächen an der Elbe zurück gewonnen werden, erreicht einen positiven Wert von 3,1. Ein solches Programm würde durchschnittliche jährliche Kosten von 18 Millionen Euro verursachen. Der ermittelte Nutzen beläuft sich auf das Dreifache und setzt sich unter anderem aus den vermiedenen Hochwasserschäden von im Durchschnitt 6 Millionen Euro pro Jahr und den eingesparten Kosten durch eine Verkürzung der zu unterhaltenden Deichlinie von 5 Millionen Euro pro Jahr zusammen. Hinzu kommen die Einsparungen für ansonsten an anderer Stelle erforderliche Maßnahmen zur Minderung der Nährstofffracht der Elbe (z. B. durch Nutzungseinschränkungen in der Landwirtschaft oder Steigerung der Reinigungsleistung von Kläranlagen), die zur Erreichung der festgelegten Ziele der Wasserrahmenrichtlinie erforderlich sind, in Höhe von 16 Millionen Euro pro Jahr. Ferner berücksichtigten die Forscher die Wertschätzung der Bevölkerung für den Erhalt von natürlichen Auenlandschaften, die mittels der Zahlungsbereitschaft erfasst wurde, mit einem jährlichen Wert von 30 Millionen Euro.

Die Resultate der Kosten-Nutzen-Analyse zeigen deutlich: Betrachtet man nur die Hochwasserschutzwirkung würden naturverträgliche Deichrückverlegungen ein negatives Nutzen-Kosten-Verhältnis aufweisen. Berücksichtigen Entscheidungsträger auch den zusätzlichen Nutzen, der sich aus der Naturschutz- und Gewässerschutzwirkung von Deichrückverlegungen ergibt, ist mit einem positiven Nutzen-Kosten-Verhältnis zu rechnen. Deichrückverlegungen sind dann nicht nur naturschutzfachlich, sondern auch volkswirtschaftlich sinnvoll. Es ist davon auszugehen, dass eine begrenzte Zahl technischer Schutzmaßnahmen mit starker Hochwasserschutzwirkung an ausgewählten Stellen kombiniert mit großflächigen Auenreaktivierungen mit ihren vielfältigen ökologischen Vorteilen zu einem besonders wirkungsvollen und ökonomisch effizienten Schutzprogramm führen. Mit der Wiederherstellung von naturnahen Auen kann somit in Deutschland ein effizienter Beitrag zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt geleistet werden. (Weitere Informationen zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt abrufbar unter http://www.bfn.de/0304_biodivstrategie.html).

Mit der Studie verdeutlicht das BfN in einem konkreten Anwendungsfall den ökonomischen Wert von Naturschutz. Das Untersuchungsergebnis unterstreicht dabei auch die zentrale Aussage des TEEB-Berichtes (The Economics of Ecosystems and Biodiversity), dass sich Naturschutz volkswirtschaftlich lohnt. Das internationale Forschungsprojekt ermittelte, dass die Schutzgebiete der Erde jährlich Ökosystemdienstleistungen im Wert von 4,4 - 5,2 Bio. USD erbringen, wohingegen jährlich nur Investitionen in Höhe von etwa 45 Mrd. USD für den Erhalt der Ökosysteme notwendig wären. Der Forderung des TEEB-Berichtes, dass Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen in Zukunft deshalb bei allen relevanten Entscheidungen systematisch in Kosten-Nutzen-Analysen einbezogen werden müssen, kommt das BfN mit der Studie „Ökonomische Bewertung naturverträglicher Hochwasservorsorge an der Elbe und ihren Nebenflüssen" entgegen. (Weitere Informationen zu TEEB abrufbar unter www.teebweb.org)

Bezugshinweis: Die Studie ist erschienen im Landwirtschaftsverlag in der BfN Schriftenreihe unter dem Titel „Ökonomische Bewertung naturverträglicher Hochwasservorsorge an der Elbe". Naturschutz und Biologische Vielfalt Heft 89.
Bezug über:
BfN-Schriftenvertrieb im Landwirtschaftsverlag
48084 Münster oder im Internet:
ISBN 978-3-7843-3989-4

Hinweis:
Die UNO hat 2010 zum Internationalen Jahr der Biodiversität erklärt. Weitere Information unter www.wandertag.biologischevielfalt.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Ultraschall erkennt frühe Mammakarzinome: Brustkrebsdiagnostik besser als durch Tasten und Röntgen alleine

Anna Julia Voormann
PressestelleDeutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

Etwa 57.000 Frauen erkranken in Deutschland jährlich an Brustkrebs. Je eher der Tumor entdeckt wird, desto größer ist die Aussicht auf Heilung. Mehrere Studien zeigen, dass eine Ultraschalluntersuchung Brustkrebs oft entdeckt, wenn der Tumor noch nicht tastbar und häufig auch im Röntgenbild noch nicht sichtbar ist. Dies trifft besonders häufig bei Frauen mit dichtem Brustgewebe zu. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) befürwortet deshalb den vestärkten Einsatz der Sonografie in der Brustkrebsfrüherkennung.
Die DEGUM betont zudem, dass eine erfolgreiche Früherkennung diagnostische Geräte auf aktuellem technischem Stand voraussetzt und ein hohes Ausbildungsniveau der untersuchenden Ärzte.
Brustkrebsfrüherkennung durch Ultraschall gehört zu den individuellen Gesundheitsleistungen („IGEL"), die nicht von den Krankenkassen erstattet werden. Sie wird deshalb von Kritikern als unnötig eingestuft. Zu Unrecht, wie Professor Dr. med. Helmut Madjar, Fachbereichsleiter Gynäkologie von der Deutschen Klinik für Diagnostik (DKD) in Wiesbaden berichtet: „Bei jeder fünften Frau, die wir wegen eines Mammakarzinoms operieren, haben niedergelassene Frauenärzte den Tumor primär bei einer Ultraschall-Untersuchung entdeckt." Im Jahr 2007 waren dies 21 von 86 operierten Mammkarzinomen, und acht von 41 gutartigen Tumoren. Dies entspricht einer Steigerung der Krebserkennung um 24 Prozent ausschließlich durch den Ultraschall. Die Zahl der Fehlalarme, also der falsch-positiven Befunde, sei darüber hinaus geringer als von den Leitlinien gefordert.

Die beim IGEL-Ultraschall entdeckten Krebserkrankungen befanden sich fast alle in einem frühen Stadium mit besten Heilungschancen. Professor Madjar erläutert: „Keiner der Tumore war tastbar. Die meisten waren auch auf einer nachträglich durchgeführten Mammografie nicht erkennbar." Für den Experten steht deshalb fest, dass die regelmäßige systematische Ultraschalluntersuchung die Brustkrebsfrüherkennung wesentlich verbessern könnte. Professor Madjar rät vor allem jüngeren Frauen zur Ultraschallfrüherkennung. Vor den Wechseljahren habe die Brustdrüse oft eine hohe Gewebedichte, die die Tumorerkennung in der Mammografie erschwere. Aber auch nach den Wechseljahren ist die Brustdrüse vor allem bei Frauen unter hormoneller Therapie in 30 Prozent dicht und mammografisch schwer diagnostizierbar. Dies wurde in den letzten Jahren auch in zahlreichen Diagnostikstudien gezeigt.

Erfolgreich sei die Früherkennung jedoch nur, wenn die Ärzte über moderne Ultraschall-Geräte und über ausreichende Erfahrung in der Ultraschalluntersuchung verfügen. Professor Dr. med. Eberhard Merz, Vizepräsident der DEGUM, Direktor der Frauenklinik am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt am Main und Herausgeber der wissenschaftlichen Zeitschrift „Ultraschall in der Medizin" betont: „Wichtig ist neben einer fundierten Grundausbildung eine ständige Weiterbildung." Die DEGUM bietet daher eine dreistufiges zertifiziertes Qualifikationskonzept für sonografierende Ärzte aller Fächer an. „Denn es ist unser Ziel, dass Patienten stets eine hochwertige Ultraschall-Diagnostik erhalten", so Professor Merz.

Quelle:
1) H. Madjar, S. Becker, K. Doubek, T. Horchler, M. Mendoza, C. Moisidis-Tesch, B. Näther, K. Niebling, U. Pröls, A.-R. Schardt, S. Ulrich, U. Zahn
Bedeutung der Mammasonografie für die Brustkrebsfrüherkennung in der gynäkologischen Praxis
Ultraschall in der Medizin 2010; 31: 289 - 295

2) H. Madjar
Role of Breast Ultrasound fort he Detection and Differentiation of Breast Lesions.
Breast Care 2010; 5: 109-114

Weitere Informationen:
http://www.degum.de Website der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Zucker gegen Ölpest

Dr. Renate Hoer

Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Gelatoren auf der Basis natürlicher Zuckerverbindungen binden Öl auf Wasseroberflächen
Unsere Umwelt hat schon oft unter den katastrophalen Folgen einer Ölpest gelitten, jüngstes Beispiel ist der Austritt von Öl im Golf von Mexiko. Entsprechend dringend ist die Suche nach Möglichkeiten, Öl aus verseuchten Gewässern zu entfernen. Amerikanische Wissenschaftler um George John haben nun ein neuartiges Geliermittel entwickelt, das Öl zu einem Gel verfestigt, aus dem es später leicht wieder zurückgewonnen werden kann. Wie die Wissenschaftler vom City College of New York und der University of Maryland in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, basiert ihr Gelator auf natürlichen Zuckerverbindungen.

Alle bisher entwickelten Substanzen, die ausgelaufenes Öl selektiv aus Wasser herausholen und einschließen sollen, haben mit verschiedenen Nachteilen und Problemen zu kämpfen. Man unterscheidet zwischen Dispergiermitteln, die das Öl emulgieren, festen Pulvern, die das Öl adsorbieren, und Geliermitteln, die das Öl in Form eines Gels verfestigen. In der Vergangenheit wurden dazu üblicherweise Polymere eingesetzt, die sich jedoch nur schwer mit zähflüssigen Öltypen mischen und die Rückgewinnung des gebundenen Öls ist eine sehr aufwändige Angelegenheit.

John und seine Kollegen schlagen nun auf eine neue Klasse von Gelatoren vor, die auf natürlich vorkommenden Zuckeralkoholen und Fettsäuren basieren. „Sie sind kostengünstig, leicht herzustellen, nichttoxisch und bioabbaubar", erläutert John die besonderen Vorteile. Gelatoren sind so aufgebaut, dass ihre Moleküle in einem Selbstorganisationsprozess zu einem dreidimensionalen Netz aus Fasern aggregieren. Dieses Netz saugt die Ölmoleküle regelrecht auf, dabei quillt es zu einem Gel mit einem enormen Fassungsvermögen auf.

Die Forscher mischten verschiedene Öltypen, von Rohöl über Diesel und Benzin bis zu organischen Lösungsmitteln, mit Wasser und gaben dann wenige Tropfen des neuen Gelators zu. Sofort bildete sich ein Gel und trennte sich von der Wasserphase. Das Gel wird dabei so fest, dass es den Testkolben wie ein Pfropfen verschloss. Er ließ sich umdrehen, ohne dass Flüssigkeit auslief. „Im Falle einer Ölpest könnte das Gel relativ einfach von einer Wasseroberfläche abgesammelt werden", sagt John. Durch einfache Destillation unter Vakuum ließ sich das gebundene Öl anschließend vollständig aus dem Gel freisetzen. Nicht nur das Öl, auch der Gelator ist nach der Trennung wieder einsatzbereit.

„Wir sind optimistisch, dass unsere zuckerbasierten Gelatoren einen Ansatz für die Entwicklung neuer Mittel zur Bekämpfung von Ölteppichen auf Gewässer bilden", so John.

Angewandte Chemie: Presseinfo 27/2010

Autor: George John, City College of New York (USA), http://www.sci.ccny.cuny.edu/~john/index.html

Angewandte Chemie, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201002095

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany

Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Neue Studie zur Leistungsmotivation älterer Arbeitnehmer

Christian Wißler
Forschungsmarketing

Bayreuth (UBT). "Ältere Arbeitnehmer sind unmotiviert", lautet ein Vorurteil, das in Deutschland weit verbreitet ist. Aber ist es gerechtfertigt? Dr. Tanja Rabl, Wirtschaftswissenschaftlerin an der Universität Bayreuth, kommt in einer neuen Studie zu einem anderen Ergebnis: Das Lebensalter von Arbeitnehmern steht in keinem bedeutsamen Zusammenhang mit ihrer Motivation, im Unternehmen tatkräftig mitzuarbeiten. Älter zu sein, ist - für sich genommen - keine Ursache dafür, dass die Leistungsbereitschaft nachlässt und der Wille zum Erfolg erlahmt.
Allerdings lässt sich ein indirekter Zusammenhang zwischen Lebensalter und Motivation nachweisen: Wenn ältere Arbeitnehmer im Firmenalltag wiederholt erleben, dass sie allein wegen ihres Alters benachteiligt oder geringgeschätzt werden, verfestigt sich der Eindruck, dass die Unternehmensleitung ihrer Arbeit wenig Rückhalt und Verständnis entgegenbringt. So wächst die Neigung, Misserfolge eigener Initiativen für wahrscheinlich zu halten und zu fürchten. Dies, und nicht allein das Lebensalter, kann den leistungsorientierten Einsatz für das Unternehmen schwächen.

Eine empirische Studie auf dem aktuellen Stand der Forschung

Im Rahmen ihrer Studie hat Rabl, Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Personalwesen und Führungslehre, rund 1.250 Arbeitnehmer in sechs großen Unternehmen in Deutschland befragt. Ungefähr die Hälfte gehörte der Gruppe der älteren Arbeitnehmer an (50 bis 64 Jahre), die andere Hälfte einer deutlich jüngeren Altersgruppe (30 bis 40 Jahre). Für die Befragung wurden Unternehmen aus sehr verschiedenartigen Branchen ausgewählt: Mitarbeiter aus der Automobilzulieferindustrie, der Elektroindustrie und der Versicherungswirtschaft nahmen ebenso daran teil wie Arbeitnehmer aus den Bereichen IT-Dienstleistungen, Handel und Abfallwirtschaft.

Im Vorfeld ihrer Untersuchung hat Rabl sich intensiv mit der internationalen Forschungsliteratur auseinandergesetzt. Denn weltweit werden heute Verfahren entwickelt, um die Motivation von Arbeitnehmern möglichst differenziert zu erfassen. Mit Blick auf diese Diskussion hat die Bayreuther Betriebswissenschaftlerin und Psychologin ein eigenes Strukturmodell erarbeitet, in dem sie die folgenden Aspekte systematisch aufeinander bezieht:
- das Lebensalter der Befragten
- ihre persönlichen Erfahrungen mit Altersdiskriminierung
- die Unterstützung, die sie seitens ihrer Unternehmen erfahren
- die Leistungsmotive der Befragten, insbesondere Hoffnung auf Erfolg und Furcht vor Misserfolg

Die Zeitschrift "Personnel Review" hat das Design und die Ergebnisse der Studie unter dem Titel "Age, discrimination, and achievement motives. A study of German employees" in ihrer jüngsten Ausgabe veröffentlicht.

Wie Vorurteile die Motivation älterer Arbeitnehmer schwächen

Es geschieht keineswegs zwangsläufig, dass ältere Arbeitnehmer den Eindruck gewinnen, ihr Unternehmen sei kaum noch am Erfolg ihrer Arbeit und an ihrer beruflichen Zufriedenheit interessiert. Im Gegenteil, die langfristige Mitarbeit im Unternehmen kann durchaus das Selbstwertgefühl stärken. Zudem haben ältere Mitarbeiter - im Vergleich mit jüngeren Kollegen - oft ein realistischeres Bild von der Zuwendung, die sie von ihrem Unternehmen erwarten können, und werden seltener enttäuscht. Ältere Arbeitnehmer haben also durchaus das Potenzial, eine vergleichsweise hohe Arbeitszufriedenheit zu entwickeln, die dann auch ihre Leistungsmotivation stärkt.

Aber diese Chance bleibt ungenutzt, wenn Arbeitnehmer meinen, sie würden aufgrund ihres Alters geringgeschätzt und benachteiligt. Je älter die Arbeitnehmer sind, desto öfter haben sie den Eindruck, wegen ihres Alters diskriminiert zu werden. Sie glauben dann, dass man ihnen nichts mehr zutraut, und scheuen ein offensives, erfolgsorientiertes Verhalten. Unter diesen Umständen aber kann sich eine Abwärtsspirale in Gang setzen: Die wahrgenommene Altersdiskriminierung lässt die Bereitschaft zur tatkräftigen Mitarbeit schwinden; dadurch wiederum sinkt die Wertschätzung, die ältere Mitarbeiter im Unternehmen erleben; und so wird deren Leistungsmotivation noch schwächer. Das Vorurteil „Ältere Arbeitnehmer sind unmotiviert" wird zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.

Maßnahmen gegen Altersdiskriminierung stärken die Wettbewerbsposition

Schon heute zeichnet sich ab, dass Unternehmen in Deutschland zunehmend ältere Arbeitnehmer beschäftigen müssen, um der demographischen Entwicklung und dem Fachkräftemangel zu begegnen. "Deshalb sind die Betriebe gut beraten, wenn sie rechtzeitig geeignete Maßnahmen ergreifen, um die Motivation dieser Mitarbeiter aufrecht zu erhalten," erklärt Rabl. "Die Studie macht deutlich, wie wichtig es in diesem Zusammenhang ist, offensiv gegen Altersdiskriminierung vorzugehen. Je seltener ältere Mitarbeiter mit dem Vorurteil konfrontiert werden, dass sie weniger leisten können und weniger leisten wollen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich mit unverminderter Leistungsorientierung für ihr Unternehmen einsetzen. Nachhaltige Maßnahmen gegen Altersdiskriminierung sind daher ein nicht zu unterschätzendes Instrument, mit dem Unternehmen ihre Position im Wettbewerb verbessern können."

Veröffentlichung:

Tanja Rabl:
Age, discrimination, and achievement motives. A study of German employees
in: Personnel Review (2010), Vol. 39, Issue 4, pp. 448 - 467.

Kontakt für weitere Informationen:

Dr. Tanja Rabl
Lehrstuhl für Personalwesen und Führungslehre
Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Universität Bayreuth
95440 Bayreuth
E-Mail: tanja.rabl@uni-bayreuth.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Neue Empfehlungen der Ständigen Impfkommission

Susanne Glasmacher, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Robert Koch-Institut

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut hat ihre Impfempfehlungen aktualisiert und im Epidemiologischen Bulletin 30/2010 veröffentlicht, sie sind auch auf den RKI-Impfseiten im Internet abrufbar. Die wesentlichsten Neuerungen sind die Empfehlung einer generellen Masern-Schutzimpfung für junge Erwachsene sowie die Empfehlung der Influenza-Schutzimpfung für alle Schwangeren. Bei den Impfempfehlungen für Röteln, Meningokokken, Tollwut und Cholera hat die Ständige Impfkommission (STIKO) Anpassungen und Präzisierungen vorgenommen.

Die Masern-Impfung (in Form der Masern-Mumps-Röteln-Impfung) wird zukünftig für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen empfohlen, sofern sie nicht oder nur einmal geimpft sind oder der Impfstatus unklar ist. Besonders wichtig ist diese Empfehlung für Personen, die im Gesundheitsdienst, in der Betreuung von immungeschwächten Menschen oder in Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten. Grund für die Erweiterung der Empfehlung sind die immer wieder auftretenden Masernausbrüche in Deutschland und Impflücken vor allem in der Gruppe der jüngeren Erwachsenen. Auch bei Jugendlichen gibt es deutliche Lücken im Masernschutz; bei ihnen greift aber die schon seit Jahren bestehende generelle Empfehlung der STIKO, alle im Kleinkindalter versäumten Impfungen vor dem 18. Geburtstag nachzuholen.

Die Influenza-Impfung für die nächste Grippesaison wird nun auch allen Schwangeren empfohlen, weil bei Schwangeren ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe beobachtet wurde. Diese Gruppe ergänzt die bisherige Impfempfehlung für Personen ab 60 Jahre, chronisch Kranke, Medizinpersonal, Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr sowie Personen, die Risikopersonen betreuen. Der übliche saisonale Grippeimpfstoff, der sich jedes Jahr aus den drei aktuell am häufigsten auftretenden Influenza-Virustypen zusammensetzt, wird auch das pandemische Influenzavirus („A/H1N1/California/2009") enthalten. Deshalb ist die spezielle Impfempfehlung zur Pandemischen Influenza 2009 („Schweinegrippe") nicht mehr erforderlich und wurde von der STIKO bis auf Weiteres zurückgezogen.

Bei der Rötelnimpfung empfiehlt die STIKO, dass alle Frauen im gebärfähigen Alter zweimal geimpft sein sollen. Bei Meningokokken hat die STIKO die Verfügbarkeit eines neu zugelassenen viervalenten Konjugatimpfstoffs berücksichtigt. Bei den Impfempfehlungen zu Tollwut und Cholera wurden Änderungen der epidemiologischen Situation (Ausrottung der Wildtollwut in Deutschland) beziehungsweise internationalen Empfehlungen Rechnung getragen.

Alle relevanten Änderungen sind wie üblich in der STIKO-Veröffentlichung farblich markiert. Die Begründungen der STIKO zu den neuen oder veränderten Empfehlungen und eine Übersicht zu den Neuerungen werden in den kommenden Wochen im Epidemiologischen Bulletin veröffentlicht.

Die STIKO-Empfehlungen sind Grundlage der öffentlichen Impfempfehlungen der obersten Landesgesundheitsbehörden und der Schutzimpfungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. Die Mitglieder der STIKO sind ehrenamtlich tätige Experten aus unterschiedlichen Disziplinen der Wissenschaft und Forschung, aus dem Bereich des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und der niedergelassenen Ärzteschaft.

Weitere Informationen: www.rki.de/impfen

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Herausgeber:
Robert Koch-Institut
Nordufer 20
D-13353 Berlin
www.rki.de

Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit

Pressestelle:
Susanne Glasmacher (Pressesprecherin)
Günther Dettweiler
(stellv. Pressesprecher)
Heidi Golisch
Judith Petschelt

Kontakt
Tel.: 030-18754-2239, -2562 und -2286
Fax: 030-18754 2265
E-Mail: presse@rki.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Saubere Luft durch Pflastersteine

Stefanie Heyduck, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

In deutschen Städten werden die zulässigen Grenzwerte für das gesundheitsschädliche Stickoxid regelmäßig überschritten. Einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz sollen jetzt neuartige Pflastersteine leisten. Sie sind mit Nanopartikeln aus Titandioxid beschichtet und können Stickoxidkonzentrationen in der Luft reduzieren.
Um die Luftqualität in Deutschland ist es nicht zum besten bestellt. Das belegen die Daten des Umweltbundesamts für das Jahr 2009: An 55 Prozent der Luftmessstationen in Städten wurden die zulässigen Grenzwerte von gesundheitsschädlichem Stickoxid überschritten. Eine der Hauptemissionsquellen ist laut Umweltbundesamt der Autoverkehr. Neue Wege im Kampf gegen die Luftverschmutzung geht jetzt die Barockstadt Fulda. Rund um die Petersberger Straße, wo der Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (μg/m3) 2009 überschritten wurde, sollen luftreinigende Pfl astersteine verlegt werden. Deren Oberfl ächen sind mit Titandioxid (TiO2) beschichtet, das Schadstoffe wie Stickoxide in Nitrate umwandelt. Das Titandioxid als Photokatalysator nutzt für diesen chemischen Prozess das Sonnenlicht. Das heißt, es verändert die Geschwindigkeit der Reaktion unter Lichteinfl uss. Entwickelt wurde das Stickoxid reduzierende Pflaster namens AirClean von der Firma F.C. Nüdling Betonelemente. Den Beleg über die Wirksamkeit der Steine lieferte das Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME in Schmallenberg. Die IME-Forscher haben auch das Umweltrisiko des entstehenden Produkts Nitrat ermittelt. Gefördert wurde das Projekt durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt.

»Dass photokatalytische Pfl astersteine die Luftqualität verbessern können, haben bereits Untersuchungen in italienischen Städten ergeben. Wir wollten prüfen, inwieweit diese Effekte auch in Deutschland - bei geringerer Lichtintensität und Sonnenscheindauer - gemessen werden können. Denn je intensiver die Sonneneinstrahlung ist, desto schneller erfolgt der Abbau der Schadstoffe. Ziel war es also, eine Rezeptur mit der höchsten photokatalytischen Effizienz zu finden«, erläutert Dr. Monika Herrchen, Wissenschaftlerin am IME.

Zunächst fertigte der Betonhersteller Mustersteine, wobei Oberfl äche, Farbe, Zementsorte und TiO2-Gehalt variiert wurden. Da die Abbauraten von Stickoxid mit handelsüblichem photokatalytisch aktivem, also auf Sonneneinstrahlung reagierenden Zement nicht ausreichend waren, musste die Firma F.C. Nüdling eine eigene, wirksamere Rezeptur entwickeln. »In verschiedenen Tests konnten wir die Wirksamkeit der optimierten Steine belegen«, bestätigt Herrchen. Im Langzeitfeldversuch wiesen die Forscherin und ihr Team in eigens angelegten Straßenschluchten Stickoxid- Abbauraten von 20 bis 30 Prozent nach. Die Messungen erfolgten in einer Höhe von drei Metern über dem photokatalytischen Pflaster bei wechselnden Wind- und Helligkeitsverhältnissen. Bei Windstille stellten die Experten sogar Abbauraten für Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) von jeweils bis zu 70 Prozent fest.

Bei Messungen am bereits mit dem Pflasterstein AirClean belegten Gothaer Platz in Erfurt wurde in drei Metern Höhe eine durchschnittliche Abbaurate von 20 Prozent bezüglich NO2 und 38 Prozent bezüglich NO erreicht.

»Die Pflastersteine sind auch langzeitstabil. Im Zeitraum von 14 bis 23 Monaten nach dem Verlegen des Bodens konnten wir keine Veränderung der anfänglichen Abbaukapazität feststellen«, sagt die Wissenschaftlerin. Auch ein Umweltrisiko durch Nitrat, das beim photokatalytischen Abbau von Stickoxiden entsteht, bestehe nicht. Es gelangt in die Kanalisation, von dort führt der Weg in die Kläranlage und zu guter Letzt landet es auf dem Acker und im Grundwasser. Doch die maximal mögliche Nitratkonzentration, die sich auf photokatalytische Reaktionen zurückführen lässt, liegt bei fünf Milligramm pro Liter (mg/l). Zum Vergleich: Der Nitrat-Grenzwert für Grundwasser beträgt 50 mg/l. »Alles in allem kann man sagen, dass AirClean die Luftqualität signifi kant und schnell verbessert und so zum Umweltschutz beiträgt«, resümiert die Forscherin.

http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010/08/saubere-luft-durch-p...

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Ist unser Erbrecht noch zeitgemäß? Wissenschaftlerin untersucht Folgen des demographischen Wandels

Alexander Schlaak, Referat II/2, Kommunikation & Marketing
Universität Regensburg

Auf dem weitläufigen Feld des Erbrechts scheint der fortschreitende demographische Wandel auf den ersten Blick keine allzu großen Konsequenzen zu haben. So macht der Umstand, dass in Zukunft weniger potentielle Erben in den Kindergenerationen zu finden sein werden, zunächst kaum Probleme. In einer Studie hat Prof. Dr. Inge Kroppenberg von der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Regensburg aber nun darauf hingewiesen, dass auch die Erblasser - also die Personen, die vererben - immer älter werden, und dass dies weitreichende Folgen für das Erbrecht hat.
Im Jahr 2050 wird voraussichtlich jeder dritte Einwohner in Deutschland älter als 60 sein; fast jeder siebte wird das 80. Lebensjahr vollendet haben. Für das Erbrecht birgt dieser Befund neben den rein quantitativen Aspekten auch qualitative Herausforderungen. Erblasser verfügen zum einen wegen der längeren Lebensläufe häufig erst spät und aufgrund geänderter Lebensentwürfe auch mehrmals über ihren Nachlass. Der Gesetzgeber hat hier über eine Reform des Erbrechts - die am 1. Januar 2010 in Kraft getreten ist - erstmals reagiert und sich auf die Fahnen geschrieben, den Gestaltungsspielraum des Erblassers bei der Regelung des eigenen Testaments zu stärken.

Das ist die eine Seite. Die andere ist, dass mit zunehmendem Alter auch die Demenzerkrankungen zunehmen, so dass die Erblasser keine selbstbestimmten Entscheidungen treffen können und die Gefahr der Einflussnahme von dritter Seite zunimmt. „Gegenwärtig", so Kroppenberg, „reagiert unser Erbrecht darauf nur punktuell, so zum Beispiel mit einem Verbot, Testamente zugunsten von Heimpersonal zu schreiben, sofern der Erblasser Heimbewohner oder -bewerber ist". Allerdings liegt auf der Hand, dass von einer Demenz betroffene Erblasser nicht nur Menschen sind, die bereits im Heim leben. Die erbrechtliche Auseinandersetzung mit dieser Problematik steckt nach Ansicht von Kroppenberg noch in den Kinderschuhen.

Das Thema „alternde Gesellschaft" mache sich in der gesetzlichen Erbfolge aber auch bei der Frage der Ausgleichung von Pflegeleistungen bemerkbar, die ein naher Angehöriger dem Erblasser über Jahre oder gar Jahrzehnte erbracht hat. Der Reformgesetzgeber hat mit Beginn dieses Jahres erstmals das Recht eingeräumt, die erbrachte Pflegeleistung gegenüber Miterben - etwa Geschwistern, die den Vater oder die Mutter nicht gepflegt haben - bei der Erbauseinandersetzung zur Ausgleichung zu bringen. Das ist „ein Schritt in die richtige Richtung", wie Kroppenberg betont. Er bedeute zudem auch ein Stück Teilhabegerechtigkeit für Frauen, die in Deutschland einen großen Teil der Familienpflege leisten. Doch sei der Gesetzgeber auf halbem Weg stehen geblieben. Gegenwärtig wird zwar diskutiert, die Regelung auch für andere Personen, die den Erblasser zu dessen Lebzeiten gepflegt haben, zu öffnen: so zum Beispiel für die Partnerin einer nicht ehelichen Lebensgemeinschaft. In diesem Zusammenhang sind aus Sicht der Regensburger Rechtswissenschaftlerin allerdings noch eine ganze Reihe von Anpassungen oder Neuregelungen notwendig.

Kroppenbergs Einschätzungen sind vor kurzem in der Fachzeitschrift „ErbR - Zeitschrift für die gesamte erbrechtliche Praxis" erschienen. Die weitreichenden Konsequenzen einer alternden Gesellschaft für die verschiedenen Bereiche des Erbrechts werden zudem während des 68. Deutschen Juristentags, der im September in Berlin stattfindet, im Rahmen der zivilrechtlichen Sektion erstmals unter dem Stichwort „Ist unser Erbrecht noch zeitgemäß?" öffentlich diskutiert.

Literaturhinweis:
Inge Kroppenberg, Erbrechtliche Herausforderungen des demographischen Wandels, ErbR - Zeitschrift für die gesamte erbrechtliche Praxis 7 (2010), S. 206-216

Ansprechpartnerin für Medienvertreter:
Prof. Dr. Inge Kroppenberg
Universität Regensburg
Fakultät für Rechtswissenschaft
Tel.: 0941 943-2280/2281
Inge.Kroppenberg@jura.uni-regensburg.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Burnout, Mobbing, Cyberbullying: Neue Infowebsite zu psychosozialen Belastungen

Martin Wünderlich, Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Darmstadt

Vom Mobbing durch Kollegen und Vorgesetzte bis zum Cyberbullying, dem Angriff via Internet oder Handy: psychosoziale Belastungen haben längst die unterschiedlichsten Lebensbereiche durchdrungen. Im Rahmen eines Wahlpflicht-kurses konnten sich Studierende aus dem Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Soziale Arbeit der Hochschule Darmstadt (h_da) mit den verschiedenen Formen psychosozialer Belastungen auseinandersetzen. Entstanden ist daraus „Stoppt die Mobber", eine wissenschaftlich fundierte Informationswebsite für Betroffene und in die Thematik Involvierte.
http://www.stopptdiemobber.h-da.de ist das Ergebnis der im Sommersemester an der h_da angebotenen Lehrveranstaltung „Psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz". Unter der Leitung von Dr. Dr. Annemarie Rettenwander, h_da-Vertretungsprofessorin im Fach Psychologie, und Wolfgang Thau, medienpädagogischer Mitarbeiter der h_da und selbst ausgebildeter Sozialpädagoge, arbeiteten sich vierzehn Studierende in die Thematik ein. „Zunächst war offen, ob die Rechercheergebnisse am Ende in einem Flyer oder einer Broschüre münden", sagt Wolfgang Thau. Schnell habe man sich dann für eine Informationswebsite entschieden, da sich viele Studierende selbst oft im Internet aufhielten und die Seite zudem die Möglichkeit bietet, die Thematik weiterzuentwickeln. Nachdem mehrere Namen für die Website in der Diskussion waren, ging „Stoppt die Mobber" schließlich als Favorit hervor.

Zu Beginn ihrer Arbeiten hatte sich die Forschergruppe auf jene psychosozialen Belastungen konzentriert, die besonders weit verbreitet scheinen: Stress und Burnout als Folge übermäßigen Engagements sowie die unterschiedlichen Formen des psychischen Terrors am Arbeitsplatz. Dazu zählt insbesondere das Mobbing durch Kollegen und das Bossing, das Mobbing durch Vorgesetzte. In mehreren Arbeitsgruppen hatten sich die Studierenden den Thematiken genähert und anhand der Analyse vorhandener wissenschaftlicher Untersuchungen die Website mit Fakten gefüllt. „Man findet viel im Netz zu diesem Thema, mit unserer Seite möchten wir durch wissenschaftlich belegte Informationen Orientierung geben", definiert Wolfgang Thau die Funktion der Seite. Zahlreiche Quellennachweise sowie ergänzende Links sollen dem Leser die Möglichkeit bieten, sich weitergehend zu informieren.

„Schnell wurde uns klar, dass wir unser Themenspektrum erweitern müssen", sagt Annemarie Rettenwander. Stress und Mobbing im Studium sind nun weitere Schwerpunkte gewidmet und insbesondere dem Cyberbullying, dem Psychoterror durch elektronische Medien: etwa in sozialen Netzwerken im Internet oder via SMS. „Das Besondere am Cyberbullying ist, dass Betroffene nicht mehr nur am Arbeitsplatz, sondern rund um die Uhr den Tätern ausgeliefert sind", sagt Wolfgang Thau.

„Psychosoziale Probleme sind inzwischen hauptverantwortlich für Krankenstände und Frühverrentung", ordnet Annemarie Rettenwander die Brisanz der Thematik ein. Der wirtschaftliche Schaden für Unternehmen durch Fehlzeiten und nachlassende Produktivität der Mitarbeiter sei enorm. Umso wichtiger sei es, angehende Sozialpädagogen oder Sozialarbeiter für die Thematik zu sensibilisieren. Eine Spezialisierung auf den Umgang mit psychosozialen Belastungen sei für sie ein immer wichtiger werdendes Betätigungsfeld. Zudem sei es unerlässlich, auch Führungskräfte so zu schulen, dass sie ihre Aufgaben professionell und verantwortungsvoll wahrnehmen, damit gröbere Konflikte oder Mobbing gar nicht erst auftreten. Mobbing-Opfer würden hingegen oft als Querulanten abgestempelt, dabei seien in der Regel interne Strukturdefizite verantwortlich für das Problem.

Annemarie Rettenwander hofft, dass die Studierenden möglichst viel von dem Projekt „Stoppt die Mobber" für ihren weiteren Berufsweg mitnehmen. „Mir geht es um den didaktischen Wert", sagt sie. „Dass sich die Studierenden in dem Projekt wiederfinden und sich gerne daran erinnern. Denn man lernt besonders viel, wenn man sich kreativ mit einem Thema auseinandersetzt, wie es die Studierenden bei der Gestaltung der Internetseite sehr engagiert getan haben."
Wolfgang Thau verspricht sich von „Stoppt die Mobber" eine Signalwirkung in die Hochschulen hinein: denn an zu wenigen Institutionen gebe es bislang direkte Ansprechpartner für Betroffene.

Im kommenden Wintersemester setzt Wolfgang Thau die Forschungsarbeiten fort und möchte auf psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz und in der Freizeit blicken. Neben weiteren Phänomenen wie Dating Violence, sexuell motivierte Gewalt unter Jugendlichen, und Stalking soll es auch um die Boreout-Problematik gehen. Das Boreout-Syndrom entsteht durch berufliche Unterforderung und Langeweile.
Wolfgang Thau konnte darüber hinaus einen ehemaligen Burnout-Betroffenen gewinnen, der den Studierenden Rede und Antwort steht.
Die Forschungsergebnisse fassen die Studierenden erneut in Artikeln zusammen, die dann auf der Informationswebsite eingepflegt werden.

Die Seite „Stoppt die Mobber" ist im Internet zu erreichen unter http://www.stopptdiemobber.h-da.de.

Fachliche Ansprechpartner für die Medien
Hochschule Darmstadt
Fachbereich Gesellschaftswissenschaften und Soziale Arbeit
Adelungstr. 51 D-64283 Darmstadt

Wolfgang Thau
Tel +49.6151.16-8722
wolfgang.thau@h-da.de

Dr. phil. Dr. rer. nat. Annemarie Rettenwander
annemarie.rettenwander@h-da.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Bakterien als Ökosystem-Ingenieure

Albert Gerdes, Pressestelle
MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

Nature Geoscience -Studie belegt Einfluss von Bakterien auf den Phosphor-Kreislauf im Meer

In der August-Ausgabe der Zeitschrift Nature Geoscience veröffentlichen Bremer Wissenschaftler des MARUM, Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen, zusammen mit Kollegen des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie und der Universität Stockholm eine Studie zur Rolle von Bakterien im Meeresboden. Erstmalig gelang der Nachweis, dass Bakterien eine Schlüsselrolle bei der Bildung von phosphorhaltigen Mineralien im Meeresboden zukommt und sie somit den Kreislauf dieses wichtigen Nährstoffs im Meer entscheidend beeinflussen.
Im Meerwasser kommt das Element Phosphor als Phosphat vor. Es wird durch Flüsse oder gebunden an Staubpartikel in die Ozeane eingetragen und diesen durch die Bildung phosphorhaltiger Minerale im Meeresgrund wieder entzogen Dass bestimmte Schwefelbakterien den Prozess der Mineralbildung antreiben und verstärken, vermutete vor einigen Jahren schon die Bremer Biologin Dr. Heide Schulz-Vogt. Diese Annahme konnte nun ein Team um MARUM-Wissenschaftler Dr. Tobias Goldhammer experimentell beweisen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Nature Geoscience.

Mit ihren Versuchen konnten Goldhammer und Kollegen aufdecken, dass Schwefelbakterien, die in den oberen Zentimetern des Meeresbodens leben, mehr Phosphat aufnehmen als sie eigentlich benötigen. Für die Untersuchungen verwendeten sie Sedimentproben aus einem Gebiet vor der namibischen Küste, das durch seinen hohen Nährstoffgehalt als eines der produktivsten Meeresgebiete der Welt gilt. „In diesen Auftriebsgebieten wird extrem viel organisches Material gebildet, das zum Meeresboden absinkt und von Bakterien zersetzt wird. Dabei verbrauchen sie soviel Sauerstoff, dass die Wasserschicht direkt über dem Meeresboden zeitweise sauerstofffrei ist", erläutert Projektleiter Matthias Zabel, ebenfalls vom Bremer MARUM. Um für diese sauerstoffarmen Zeiten vorzusorgen, speichern die Bakterien Energie, indem sie lange, phosphorhaltige Molekülketten herstellen. Wenn sie das Phosphat wieder von den Ketten abspalten, wird die gespeicherte Energie freigesetzt. Das abgespaltene Phosphat geben die Bakterien an das Sediment ab, wo es mit Kalzium das Mineral Apatit bildet. „Durch die Verwendung von radioaktiv markierten Phosphatmolekülen haben wir diese Stoffwechselpfade sichtbar gemacht", beschreibt Timothy Ferdelman den am Max-Planck Institut durchgeführten Nachweis. „Es ist faszinierend zu sehen, dass kleinste Organismen wie Bakterien eine so zentrale Rolle in den globalen Stoffkreisläufen spielen. Die Schwefelbakterien wirken als ´Ökosystem-Ingenieure´, indem sie dem System Phosphat in großen Mengen entziehen und es so in Balance halten", so Tobias Goldhammer.

Phosphor ist ein wichtiger Nährstoff für alle Lebewesen. Phosphorverbindungen spielen eine entscheidende Rolle beim Aufbau von Zellen sowie beim Informations- und Energietransfer innerhalb einer Zelle. Ein Mangel an Phosphor in einem Ökosystem kann somit Wachstum und Vorkommen der Organismen begrenzen. Aber auch ein Phosphorüberschuss kann das Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen. Wird Phosphat aus Düngemitteln in Gewässern angereichert, kann dies zur sogenannten Eutrophierung führen, wie es beispielsweise derzeit anhand des explosiven Algenwachstums in der Ostsee beobachtet werden kann. „Es ist möglich, dass wir hier einen wichtigen, natürlichen Rückkopplungsmechanismus erkannt haben, der die Eutrophierung mariner Küstengewässer verhindern könnte", ergänzt Volker Brüchert, Professor für Biogeochemie an der Universität Stockholm.

Nach ihrer Entdeckung wollen die Autoren der Studie nun herausfinden, welche Prozesse genau in der Bakterienzelle ablaufen und ob dieser bakteriell angetriebene Mechanismus auch in anderen Meeresgebieten stattfindet.

Weitere Informationen:
http://www.marum.de

Weitere Informationen / Interviewanfragen / Bildmaterial:

Jana Stone
MARUM-Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0421 218 65541
E-mail: jstone@marum.de
www.marum.de

Dr. Tobias Goldhammer
Marine Geochemistry
MARUM Bremen
Tel.: 0421 218 65116
E-mail: goldhammer@uni-bremen.de

Dr. Volker Brüchert
Dept. of Geological Sciences
University of Stockholm
Tel.: 0046 8164755
E-mail: volker.bruchert@geo.su.se

Das MARUM entschlüsselt mit modernsten Methoden
und eingebunden in internationale Projekte
die Rolle des Ozeans im System Erde -
insbesondere im Hinblick auf den globalen Wandel.
Es erfasst die Wechselwirkungen
zwischen geologischen und biologischen Prozessen im Meer
und liefert Beiträge für eine nachhaltige Nutzung der Ozeane.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Mittelstandsaward 2010: Neue RFID-Lösungen gesucht

Claudia Garád, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Das Netzwerk Elektronischer Geschäftsverkehr (NEG) und das Projekt »RFID für kleine und mittlere Unternehmen« schreiben in diesem Jahr zum zweiten Mal den RFID Mittelstandsaward aus. Gesucht werden anwender- und kundenorientierte RFID-Lösungen, die durch Innovation und Wirtschaftlichkeit überzeugen.
Die Radio Frequenz Identifikation - kurz RFID - ermöglicht es, Objekte per Funkübertragung berührungslos zu identifizieren und Informationen über Objekte zu lesen und zu speichern. Die zahlreichen Möglichkeiten von RFID sind gerade mittelständischen Unternehmen oft nicht bekannt oder es fehlt an der nötigen Hilfestellung zur Einführung der Technologie. Der RFID-Markt als Hochtechnologiemarkt muss von den Nutzern aktiv entwickelt werden, um die Komplexität der technischen Möglichkeiten pragmatisch einzuschränken.

Mit dem Mittelstandsaward werden Unternehmen ausgezeichnet, die genau das leisten und RFID erfolgreich auf ihre individuellen Bedürfnisse abgestimmt haben. Mit ihrer Pionierarbeit dienen sie anderen Mittelständlern als Vorbild und Partner, um die Hemmschwelle gegenüber der Technologie zu senken.

In diesem Jahr wird der RFID Mittelstandsaward bereits zum zweiten Mal verliehen, diesmal zusammen mit dem Bundesverband IT-Mittelstand (BITMi vormals VDEB). Gesucht werden anwender- und kundenorientierte RFID-Lösungen, die durch Innovation und Wirtschaftlichkeit überzeugen. Der Wettbewerb findet im Rahmen des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderten Begleitvorhabens »RFID für kleine und mittlere Unternehmen« statt. Dieses wird von den regionalen NEG-Kompetenzzentren EC-Ruhr, dem vom Fraunhofer IAO geleiteten ECC-Stuttgart-Heilbronn sowie von eCOMMBrandenburg betreut.

Am Wettbewerb teilnehmen können deutsche Unternehmen, die erfolgreich eine RFID-Anwendung implementiert bzw. integriert haben und deren Anwendung anderen Mittelständlern den Nutzen von RFID verdeutlicht.

Neben Kreativität und Innovationsgeist legt die Jury besonderen Wert darauf, dass die RFID-Konzepte der Wettbewerbsteilnehmer sich auf andere Unternehmen übertragen lassen. Das soll eine Verbreitung beschleunigen und RFID zu einem Standard im deutschen Mittelstand machen.

Die Jury setzt sich zusammen aus zehn hochrangigen Vertretern aus Politik, Forschung und Lehre sowie Industrie und Verbänden.

Am 2. Dezember 2010 findet die Preisverleihung in Stuttgart auf dem RFID-Anwendersymposium 2010 unter dem Motto »RFID im Mittelstand« statt. Der Gewinner des RFID Mittelstandsaward 2010 erhält ein Preisgeld von 1000 €. Zusätzlich wird ein Film erstellt, in dem die prämierte RFID-Lösung vorgestellt wird.

Die Bewerbung erfolgt online bis zum 17. Oktober 2010 unter http://www.e-business.iao.fraunhofer.de/rfid_award.

Ihre Ansprechpartnerin:
Fraunhofer IAO
Claudia Dukino
Nobelstraße 12, 70569 Stuttgart
Telefon +49 711 970-2450
Fax +49 711 970-5111
claudia.dukino@iao.fraunhofer.de

Weitere Informationen:
http://www.e-business.iao.fraunhofer.de/rfid_award - Unternehmen können sich hier für den RFID Mittelstandsaward 2010 bewerben

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Warum Äpfel so gesund sind

Dr. Ernst Guggolz, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Pflanzenstoffe in Äpfeln reparieren geschädigte Darmzellschichten: Die Zellen schmiegen sich wieder dicht aneinander und die Zellzwischenräume schließen sich. So passieren schädliche Stoffe die Darmwand nicht und gelangen nicht ins Blut. Außerdem hemmen die Apfelinhaltsstoffe Entzündungen und verringern oxidativen Stress. Welche Substanzen schützen und wirken, berichten die „Nachrichten aus der Chemie".
Polyphenole in Äpfeln fangen in menschlichen Zellen Radikale ab und beeinflussen Signalkaskaden. Die Apfelinhaltsstoffe mobilisieren außerdem Enzyme, beispielsweise solche, die für Entgiftungen zuständig sind. Zudem bildet der Körper mit den Pflanzenstoffen weniger der Botenstoffe, die Entzündungen auslösen.

Um herauszufinden, wie genau die Substanzen aus Äpfeln wirken, reicht es nicht, die Polyphenole so zu untersuchen, wie sie in den Früchten vorliegen. Wichtig ist, wo und wie der menschliche Körper die Stoffe aufnimmt und verarbeitet. Dabei ist eine Ussing-Kammer hilfreich, die den Verdauungstrakt simuliert: Einzelne Schichten von Darmzellen zeigen darin, welche und wie viele Stoffe hindurch gelangen.

Polyphenole finden sich nicht nur in Äpfeln, sondern auch in anderen Obst- und Gemüsesorten, beispielsweise in Zwiebeln und Heidelbeeren. Beim Klären von Fruchtsäften gehen sie teilweise verloren - naturtrüber Apfelsaft enthält also mehr Polyphenole als klarer Apfelsaft. Wo ein Apfel wächst, ist für den Polyphenolgehalt nicht bedeutsam; der Reifezeitpunkt, zu dem ein Apfel geerntet wird, kann jedoch den Gehalt beeinflussen.

Die Lebensmittelchemikerin Elke Richling gibt einen Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse zu den Polyphenolen. Ihr Artikel erschien in der Märzausgabe der „Nachrichten aus der Chemie". Die PDF-Datei des Beitrags gibt es bei der Redaktion unter nachrichten@gdch.de.

Nahezu 80.000 anspruchsvolle Chemiker und Chemikerinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Lehre informieren sich mit den „Nachrichten aus der Chemie" über Entwicklungen in der Chemie, in angrenzenden Wissenschaften sowie über gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte. Kennzeichen der Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker sind das breite Spektrum der Berichte, das einmalige Informationsangebot an Personalien, Veranstaltungs- und Fortbildungsterminen sowie der große Stellenmarkt.

Weitere Informationen:
http://www.gdch.de/nachrichten "Nachrichten aus der Chemie"
http://www.gdch.de/taetigkeiten/nch/jg2010/h03_10.htm Das Märzheft der "Nachrichten aus der Chemie"

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Meeresbiologie-Forschung an der Uni Rostock: Nährstoffabbau in der Ostsee dauert noch Jahrhunderte

Ingrid Rieck, Presse und Kommunikation
Universität Rostock

Der Rostocker Biologe Ronny Marquardt, Doktorand des Instituts für Biowissenschaften der Universität Rostock untersucht mit seinen Kollegen, wie die Ostsee sich seit der Industrialisierung um 1850 verändert hat. „Viele Nährstoffe sind durch Dünger und kommunale Abwässer in die Ostsee eingeleitet worden. Das hat dazu geführt, dass vor allem in den Küstengewässern die Wasserpflanzen zurückgegangen sind und die Algenbildung zugenommen hat", sagt Marquardt. Jetzt sollen Gegenstrategien gefunden werden. Dabei spielen die Armleuchteralgen (Characeen) als Gewässerreiniger eine herausragende Rolle. Die Nährstoffablagerungen in der Ostsee deutlich zu reduzieren, wird aber noch Jahrhunderte dauern.
„Die Nährstoffbelastung in den Küstengewässern ist heute deutlich höher als vor 150 Jahren", sagt der Rostocker Biologe. Um 1900 habe man etwa 20 Meter in die Tiefe blicken können. Heute ist das nur bis zu einer Tiefe zwischen zwei und fünf Meter möglich. In den Küstengewässern ist die Situation noch dramatischer. Als Vorfluter für die Ostsee sind sie besonders stark verunreinigt. Der Wissenschaftler stellt aber klar: „die Badewasserqualität hat nichts mit dem Gewässerzustand zu tun". Sie werde durch sogenannte coliforme Bakterien bestimmt, die für Menschen schädlich sein können. Und noch eine Entwarnung vom Biologen. „Mit Ausnahme der Blaualgen (Cyanobakterien) sind die meisten Algen ungefährlich."
Die EU-Wasserrahmenrichtlinie schreibt vor, dass sich bis 2015 alle Gewässer vom kleinen Teich bis zum Meer in einem guten Zustand befinden sollen. Seit 1990 werden nicht mehr soviel belastete Abwässer in die Ostsee eingeleitet. Im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ermitteln die Rostocker Wissenschaftler den Ist-Zustand der Ostsee und vergleichen ihn mit dem Zustand vor 150 Jahren. In Zingst betreibt die Universität Rostock eine biologische Station, an der seit mehr als 30 Jahren täglich die Boddengewässer analysiert werden. „Wir haben das Problem, dass die Nährstoffe jahrzehntelang ins Sediment eingelagert wurden", sagt Marquardt. „Nach unseren Erkenntnissen wird es noch Jahrhunderte dauern, bis diese Nährstoffe abgebaut sind."
Was ist zu tun? Ausbaggern hilft kaum etwas. Es gibt aber Bemühungen, das Wachstum von Wasserpflanzen in Gang zu bringen. Dadurch kann die Algenbildung reduziert werden. Von besonderem Interesse sind hier die Armleuchteralgen (Characeen), die wie kleine Tannenbäume unter Wasser aussehen. Die in den vergangenen Jahrzehnten in die Boddengewässer eingetragenen Nährstoffe sind für die Kleinalgen zum Teil sehr gut verfügbar, werden sehr schnell umgesetzt und auch sehr schnell wieder freigesetzt. Der Nährstoffpool wird so zu großen Teilen recycelt. Dies wird durch die spezifischen Bedingungen in den Küstengewässern begünstigt, die häufig sehr flach sind, sich dadurch schnell erwärmen können und nur geringe Wasseraustauschraten mit der Ostsee aufweisen.
In seiner Promotion beschäftigt sich Marquardt mit der Aquakultur von Großalgen. So wurden Untersuchungen zur Kultivierung von Großalgen für die Nutzung als Nahrungsmittel und Zusatzstofflieferant für Medizin und Industrie (zum Beispiel als Geliermittel) durchgeführt. Gegenstand der Forschung ist auch, unter welchen Bedingungen Algen in der Lage sind, Schwermetalle wie Arsen und Uran zu binden und so verschmutzte Abwässer aus dem Bergbau zu reinigen. „Es gibt Bestrebungen, kommerziell genutzte Algen dem nährstoffreichen Abwasser von Fisch-Aquakulturanlagen auszusetzen, um die Belastung für die Gewässer zu reduzieren", sagt der Doktorand. „Das ist vergleichbar mit einer Pflanzenkläranlage."  

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Einblick in deutsche Köpfe

Peter Kuntz, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Trier

Team der Universität Trier dringt in die Gedanken- und Gefühlswelt ein
Deutschland - das Land der Dichter und Denker. Die Persönlichkeiten, denen Deutschland dieses Attribut zu verdanken hat, sind lange tot. Was aber denken und fühlen die Deutschen im Jahr 2010? Dieser Frage geht ein Forscherteam der Abteilung Sozialpsychologie an der Universität Trier wissenschaftlich auf den Grund. Um ein möglichst breites und fundiertes Bild zu erhalten, wie der Deutsche im dritten Jahrtausend tickt, hoffen die Wissenschaftler um Professorin Eva Walther und Junior Professorin Martina Kaufmann auf viele Studienteilnehmer. Die Probanden können nicht nur den wissenschaftlichen Fortschritt fördern, sondern auch eine Kamera gewinnen.

Die Deutschen gelten in der Welt gemeinhin als gründlich, ordentlich, strebsam, erfindungsreich und kopfgesteuerte Menschen. Was ihnen tatsächlich durch den Kopf geistert, was ihr Denken und Fühlen bestimmt, darüber gibt es nur wenige Erkenntnisse. Diese Wissenslücke wollen die Sozialpsychologen der Trierer Universität schließen. Sie hoffen dabei auf breite Unterstützung durch ihre „Untersuchungsobjekte" - die Deutschen. Wer deutscher Staatsbürger ist, kann an der Studie teilnehmen. Dazu sind nur ein Internet-Zugang und ein kleiner zeitlicher Aufwand erforderlich. Online ist ein Fragebogen abrufbar, der innerhalb einiger Minuten ausgefüllt werden kann. Unter den Teilnehmern wird eine Digitalkamera im Wert von 200 Euro verlost.

„Wir erwarten uns von dieser Studie, dass wir neue Einblicke nicht allein in das Denken, sondern auch in die Gefühlswelt der Deutschen erlangen", sagt Studienleiterin Prof. Dr. Eva Walther.

Den Fragebogen kann man im Internet aufrufen unter der Adresse: http://www.unipark.de/uc/studie-uni-trier/

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Warum Äpfel so gesund sind

Dr. Ernst Guggolz, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Pflanzenstoffe in Äpfeln reparieren geschädigte Darmzellschichten: Die Zellen schmiegen sich wieder dicht aneinander und die Zellzwischenräume schließen sich. So passieren schädliche Stoffe die Darmwand nicht und gelangen nicht ins Blut. Außerdem hemmen die Apfelinhaltsstoffe Entzündungen und verringern oxidativen Stress. Welche Substanzen schützen und wirken, berichten die „Nachrichten aus der Chemie".
Polyphenole in Äpfeln fangen in menschlichen Zellen Radikale ab und beeinflussen Signalkaskaden. Die Apfelinhaltsstoffe mobilisieren außerdem Enzyme, beispielsweise solche, die für Entgiftungen zuständig sind. Zudem bildet der Körper mit den Pflanzenstoffen weniger der Botenstoffe, die Entzündungen auslösen.

Um herauszufinden, wie genau die Substanzen aus Äpfeln wirken, reicht es nicht, die Polyphenole so zu untersuchen, wie sie in den Früchten vorliegen. Wichtig ist, wo und wie der menschliche Körper die Stoffe aufnimmt und verarbeitet. Dabei ist eine Ussing-Kammer hilfreich, die den Verdauungstrakt simuliert: Einzelne Schichten von Darmzellen zeigen darin, welche und wie viele Stoffe hindurch gelangen.

Polyphenole finden sich nicht nur in Äpfeln, sondern auch in anderen Obst- und Gemüsesorten, beispielsweise in Zwiebeln und Heidelbeeren. Beim Klären von Fruchtsäften gehen sie teilweise verloren - naturtrüber Apfelsaft enthält also mehr Polyphenole als klarer Apfelsaft. Wo ein Apfel wächst, ist für den Polyphenolgehalt nicht bedeutsam; der Reifezeitpunkt, zu dem ein Apfel geerntet wird, kann jedoch den Gehalt beeinflussen.

Die Lebensmittelchemikerin Elke Richling gibt einen Überblick über aktuelle Forschungsergebnisse zu den Polyphenolen. Ihr Artikel erschien in der Märzausgabe der „Nachrichten aus der Chemie". Die PDF-Datei des Beitrags gibt es bei der Redaktion unter nachrichten@gdch.de.

Nahezu 80.000 anspruchsvolle Chemiker und Chemikerinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Lehre informieren sich mit den „Nachrichten aus der Chemie" über Entwicklungen in der Chemie, in angrenzenden Wissenschaften sowie über gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte. Kennzeichen der Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker sind das breite Spektrum der Berichte, das einmalige Informationsangebot an Personalien, Veranstaltungs- und Fortbildungsterminen sowie der große Stellenmarkt.

Weitere Informationen:
http://www.gdch.de/nachrichten "Nachrichten aus der Chemie"
http://www.gdch.de/taetigkeiten/nch/jg2010/h03_10.htm Das Märzheft der "Nachrichten aus der Chemie"

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Per Anhalter durch die Wassersäule

Gesine Wiemer, Pressestelle des Forschungsverbundes Berlin e.V.
Forschungsverbund Berlin e.V.

Bakterien, so klein sie auch sind, bilden die Hauptlebensform biologischer Vielfalt. In Gewässern nehmen sie wichtige Funktionen ein und tragen wesentlich zum Stoffumsatz und daher zur Selbstreinigung von Seen bei. Doch wie bewegen sich die Winzlinge zwischen Wasserschichten, die für sie alleine unüberwindbar sind? Forscher des Leibniz-Institutes für Gewässerökologie und Binnenfischerei haben in Kooperation mit Kollegen vom Virginia Institute of Marine Science eine Studie veröffentlicht, in der sie ihre „Förderband-Hypothese" belegen: Bakterien benutzen kleine Wassertiere (Zooplankton) aktiv als Transportgelegenheit, um in Wasserschichten zu gelangen, die für sie alleine unerreichbar sind.
Tiefe Seen weisen meist Zonen mit unterschiedlichen Lebensbedingungen auf. So finden sich nahe der Wasseroberfläche Bereiche mit erhöhten Konzentrationen von Sauerstoff und organischem Material (beispielsweise von Algen), während in der Tiefe anorganische Nährstoffe in höherer Konzentration vorliegen. Die meisten größeren Lebewesen im Gewässer können sich je nach ihren Bedürfnissen in der Wassersäule bewegen, nicht so Kleinlebewesen, z.B. Bakterien. Für Mikroorganismen sind viele Grenzschichten im Gewässer, die sich beispielsweise entlang von Temperatur- oder Salzgradienten bzw. von chemischen Gradienten ausbilden, ohne fremde Hilfe unüberwindbar.
Forscher der Arbeitsgruppe von Hans-Peter Grossart vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei haben in so genannten Migrationssäulen (Abb.1) untersucht, wie Gewässerbakterien durch -für sie alleine unüberwindbare Grenzschichten- gelangen können, indem sie Wasserflohkrebse (Daphnia magna) aktiv als Transportmittel nutzen.
Die Forscher isolierten drei unterschiedliche Bakterienarten aus dem Stechlinsee, markierten sie mittels grün fluoreszierendem Protein (GFP) und gaben sie entweder in die obere oder in die untere Wasserschicht. Die Wasserflöhe fungierten als effektives Transportmittel. Die Ergebnisse zeigen, dass Bakterien sich aktiv durch das Aufspringen auf Wasserflöhe transportieren lassen. Dabei wechseln täglich bis zu einem Prozent der Bakterien die Wasserschicht. Die Wissenschaftler konnten zudem zeigen, dass sich die Zusammensetzung der auf Wasserflöhen angehefteten Bakteriengemeinschaften entsprechend ihrer Tag- und Nachtwanderung deutlich voneinander unterscheidet. Im Nehmitzsee in Brandenburg konnte die „Förderband-Hypothese" auch im Freiland belegt werden. Der erhöhte Austausch von Bakterien auf lange Distanz durch ihr aktives Anheften an verschiedene größere und wandernde Wasserorganismen hat weitreichende ökologische wie evolutionäre Konsequenzen (Abb.2).

Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Hans-Peter Grossart
Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)
Abteilung Limnologie Geschichteter Seen
Alte Fischerhütte 2
OT Neuglobsow
D-16775 Stechlin
Tel: +49 (0) 33082 699 91
Fax: +49 (0) 33082 699 17
hgrossart@igb-berlin.de

Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de - weiteres Foto
http://www.igb-berlin.de

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Mona Lisas Geheimnis

Dr. Renate Hoer, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit

Röntgenfluoreszenzspektroskopie enthüllt Da Vincis erstaunliche Sfumato-Maltechnik
Das mystische Lächeln der Mona Lisa zieht auch heute noch Betrachter in seinen Bann. Leonardo da Vinci hat die Perfektion und Finesse seiner Bilder dank einer von ihm perfektionierten Technik erreicht, die als Sfumato (italienisch für „neblig", „verschwommen") bezeichnet wird. Dabei werden mehrere Farbschichten übereinander aufgetragen. Die Farben „verschwimmen" und verleihen dem Gesicht eine geheimnisvolle Ausstrahlung. Philippe Walter und ein Team vom Louvre in Paris hat nun die Gesichter in sieben dem Meister zugeschriebenen Gemälden mit einer neuen nichtinvasiven Röntgenfluoreszenz-Technik untersucht. Wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift Angewandte Chemie berichten, ist Mona Lisas Geheimnis eine in vielen hauchdünnen Schichten aufgetragene transparente Lasur.

Da Vincis Technik ist faszinierend. Die Abstufung der Farbtöne von hell nach dunkel ist kaum wahrnehmbar und wirkt natürlich. „Kein Pinselstrich, keine Kontur ist zu sehen, Licht und Schatten verschwimmen ineinander wie Rauch," sagt Walter. Wie diese Sfumato-Technik im Detail funktionierte, konnte bisher nicht geklärt werden. Walter und seine Kollegen haben sich nun mit einer zerstörungsfreien Untersuchungsmethode, der Röntgenfluoreszenzspektroskopie, auf die Spur des Geheimnisses gesetzt. Das Gemälde wird dabei mit Röntgenstrahlung bestrahlt. Jedes chemische Element sendet dann ein charakteristisches Fluoreszenzlicht aus, anhand dessen es quantifiziert werden kann.

„Bisher ließ diese Methode nur qualitative Aussagen zu, denn die übereinander liegenden Pigmentschichten wurden gleichzeitig analysiert," berichtet Walter. „Dank technischer Fortschritte und einer neuen Software konnten wir nun auch eine Auflösung über den Querschnitt der Schichten erreichen und Zusammensetzung und Dicke der einzelnen Farbschichten quantitativ analysieren." Die sieben untersuchten Gemälde - unter anderem die Mona Lisa - überspannen mehr als 40 Jahren der Schaffensperiode des Meisters.

Bei der Mona Lisa entstanden die dunkleren Bereiche, indem eine manganhaltige Lasurschicht dicker aufgetragen wurde als in den helleren. Die darunterliegenden hellen Bleiweiß-haltigen Schichten sind dagegen überall gleich stark. Anders beim etwa zehn Jahre früher datierten Gemälde „Belle Ferronnière": „Hier entstehen die Schatteneffekte nicht durch eine durchscheinende Lasur, sondern Da Vinci scheint hier noch eine deckende Farbschicht, dunkle Pigmente in einer klassischen Öltechnik, verwendet zu haben," so Walter. „Der Meister hat seine Maltechnik immer weiter perfektioniert. In seinen späteren Gemälden war er dann in der Lage, durchscheinende Schichten aufzubringen, die aus bis zu 30 nur wenige Mikrometer dicken Filmen eines organischen Bindemittels bestand - auch aus heutiger Sicht eine erstaunliche Leistung." Die lange Trocknungszeit der einzelnen Filme, zuweilen Wochen und Monate, erklärt auch warum Da Vinci mehr als vier Jahre an der Mona Lisa gemalt und das Bild dann, laut Texten aus der Renaissance, unvollendet gelassen haben soll.

Angewandte Chemie: Presseinfo 26/2010

Autor: Philippe Walter, Centre de Recherche et de Restauration des Musées de France, Paris (France), mailto:philippe.walter@culture.gouv.fr

Angewandte Chemie 2010, 122, No. 35, 6261-6264, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201001116

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany

Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de

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Automatisierte Reinigung von ölverschmutztem Wasser

Erhard Jakobs, Pressestelle
Fachhochschule Gießen-Friedberg

Mit 315.000 Euro fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie ein Projekt der Fachhochschule Gießen-Friedberg und der DECKMA Hamburg GmbH. Das Vorhaben befasst sich mit der „Prozessintensivierung der effizienten Produced-Water-Aufbereitung durch Integration eines Online-Monitoring-Systems". Projektleiter an der FH ist Prof. Dr. Peter Czermak vom Institut für Biopharmazeutische Technologie.
Bei der Rohölförderung fällt eine große Menge Wasser an, das so genannte „Produced Water". Dieses ölbelastete „Produktionswasser" kann bis zu 97 Prozent des gesamten Fördervolumens ausmachen. Viele Ölfelder liegen in Gebieten mit zunehmendem Wassermangel und einer wachsenden Bevölkerung. Dort wird es immer wichtiger, das Produktionswasser so zu reinigen, dass es für die Bewässerung eingesetzt werden kann und Wasserreservoirs nicht gefährdet.
Im aktuellen Projekt sollen für die Reinigung neuartige keramische Membranen eingesetzt werden, die die Abtrennung von Schadstoffen verbessern. Ein Schwerpunkt liegt in der Erprobung einer integrierten Online-Messung der Qualität des gereinigten Wassers. Eine Messzelle reagiert dabei auf die Unterschiede des von Wasser und Ölpartikeln erzeugten Streulichts. Untersuchen wollen die Forscher auch, mit welchen Methoden Membranen und Messzelle automatisch gereinigt werden können. Ziel des Projektes ist laut Czermak ein wirtschaftliches und effizientes Reinigungsverfahren, das zu einem nachhaltigen Umwelt- und Ressourcenschutz beiträgt.
Das Forschungsvorhaben, das im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand gefördert wird, hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Es schließt an ein ebenfalls vom Bund unterstütztes Projekt zur Entwicklung alternativer Reinigungskonzepte für die Wasseraufbereitung aus Ölfeldern an.  

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Urlaub: Gefahren im Trinkwasser

Sven Renkel M.A., Strategie & Kommunikation / Presse
VDI Verein Deutscher Ingenieure e. V.

Der VDI rät: Wasserhähne ein paar Minuten laufen lassen

Der VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V. rät Urlaubern beim Aufdrehen des Wasserhahns in Ferienwohnungen zur Vorsicht. „Wenn das Wasser über einen längeren Zeitraum in den Leitungen steht, gerade bei hohen Temperaturen, können sich Mikroorganismen vermehren. Gesundheitliche Schädigungen können nicht ausgeschlossen werden, wenn solches Wasser getrunken wird", sagt VDI-Experte Thomas Wollstein von der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik.
Gleiches gilt für den Wasserhahn zu Hause nach einem längeren Urlaub oder auch Trinkwasser-Installationen in Schulgebäuden. Auf die Gefahren weist die Richtlinie VDI 6023 „Hygiene in Trinkwasser-Installationen" hin. Als bedenklich gilt hier eine Stagnation, wenn Trinkwasser-Installationen längere Zeit nicht genutzt werden.

Um bei sommerlichen Temperaturen das Eigenleben des Wassers einzuschränken, ist es nach VDI-Angaben ratsam, den Housesitter oder Nachbarn zu bitten, jede einzelne Trinkwasser-Zapfstelle alle drei Tage für ein paar Minuten laufen zu lassen. Auch Duschen und Toilettenspülungen gehören dazu, denn durch feine Tröpfchen in Duschen können Bakterien eingeatmet werden. Tödlich verlaufende Infektionen mit Legionellen können so entstehen.

Auch bei Ankunft im Feriendomizil gilt: „Wenn Sie nach längerer Anfahrt durstig in der Ferienwohnung ankommen, nutzen Sie nicht gleich das erste gezapfte Wasser zur Zubereitung eines Kaltgetränks. Sorgen Sie für einen kompletten Austausch des Wassers im gesamten System. Das heißt: Öffnen Sie alle Zapfstellen so lange, bis Sie bei wiederholtem Fühlen mit der Hand keine Temperaturänderung mehr feststellen und das Wasser möglichst kühl ist", rät Wollstein.

http://www.vdi.de/richtlinien

Ihr Ansprechpartner in der VDI-Pressestelle:
Sven Renkel,
Telefon: +49 (0) 211 62 14-2 76
Telefax: +49 (0) 211 62 14-1 56
E-Mail: presse@vdi.de

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Freizeit-Karriere-Index soll ungenutzte Potenziale greifbar machen

Mirko Boldt, Pressestelle
Baltic College - University of Applied Sciences
20.07.2010 10:34

Neues Forschungsforum am Baltic College eingerichtet: Nicht wenige Menschen in den entwickelten Industriegesellschaften besitzen Abitur und haben ein akademisches Studium hinter sich gebracht, können sich aber in ihren beruflichen Biographien kaum verwirklichen. Dann wird die Freizeit zum Konzentrat der persönlichen Glückssuche und Selbstästhetisierung - mit hohen zeitlichen und finanziellen Aufwänden, mit passenden Weiterbildungen und internationalen Netzwerken.
Zudem zeigen die neuen Auslastungszahlen in der Hotellerie (knapp 70%), dass Wachstumsmärkte zunehmend in der Clusterung von Leistungsketten und weniger in neuen Ansiedlungen von Hotelanlagen zu sehen sind. Daher werden Freizeit-Karrieristen für die Angebotsseite der Tourismus- und Freizeitmärkte zu einem immer wichtigeren Potenzial der Wertschöpfung, sofern sie bei der Ausbildung neuer Leistungsketten in den Märkten der Tourismus- und Hotelwirtschaft zunehmende Beachtung finden.

Um diese Potenziale für Investoren in der Freizeitwirtschaft nach Gruppen von Freizeit-Karrieristen empirisch bestimmen zu können, wurde am Baltic College im Juli 2010 das Forschungsforum „Freizeit-Karriere-Index" (FKI) unter der Federführung von Prof. Dr. Torsten Fischer eingerichtet. Dieses Forum soll Nachfrageparameter zur Marktposition von Freizeit-Karrieristen erproben und in einem quantitativen Freizeit-Karriere-Index abbilden.

Für den „Trend-Report-Freizeitwirtschaft " 2011 auf der ITB, so das Ziel, soll die Modernisierungsdebatte zu den zentralen Entwicklungsfragen von „Leisure Industry" aus der Sicht empirischer Nachfrageindizes fundiert werden. Auf dieser Grundlage wird es für potentielle Investoren in der Hotel- und Freizeitwirtschaft möglich werden, innovative Leistungsketten und neue Ansiedlungspläne auf den Punkt zu bringen.

Das Baltic College bietet als erste Hochschule Mecklenburg-Vorpommerns in privater Trägerschaft jungen Menschen die Möglichkeit auf ein anspruchsvolles Studium, um sich auf eine verantwortungsvolle Position in Wirtschaft und Gesellschaft vorzubereiten. Als junge und dynamische Hochschule reagiert das Baltic College flexibel auf die Anforderungen der Wirtschaft. Deshalb stehen die Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden, innovative Lernformen und praxisorientierte Wissenschaft im Mittelpunkt.
Die Hochschule bietet die Bachelor-Studiengänge „Unternehmensmanagement", „Management im Gesundheittourismus" sowie „Hotel- und Tourismusmanagement" an - optional als Duales Variante, den Bachelor of Arts kombiniert mit einem IHK-Berufsabschluss. Immer wieder hinterfragen, aus einem anderen Blickwinkel betrachten, neue Felder erkunden und Ideen umsetzen; das meint das Motto des Baltic College „Hochschule neu denken"!

Ihr Ansprechpartner:
Prof. Dr. habil. Torsten Fischer
Plauer Straße 81 | 18273 Güstrow
[fon] +49 3843 4642-24
[fax] +49 3843 4642-11
fischer@baltic-college.de
www.baltic-college.de/tf

Weitere Informationen:
http://www.baltic-college.de - die Webseite der Hochschule
http://baltic-college.de/hochschule/lehrende/torsten-fischer.html - Profil von Prof. Dr. Torsten Fischer

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Stuttgarter Wissenschaftler an Energieprognose bis 2030 beteiligt - Energiespar- und Umweltziele sind haltbar

Andrea Mayer-Grenu, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Stuttgart

Deutschland erfüllt wesentliche internationale energie- und umweltpolitische Ziele und Verpflichtungen. So lautet das Fazit der Studie „Die Entwicklung der Energiemärkte bis 2030 - Energieprognose 2009", die vom Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWI) erstellt wurde. Projektpartner des IER waren das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), Essen, und das Zentrum für Europäische Wirtschaftforschung (ZEW), Mannheim.
Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass der Energieverbrauch in Deutschland bis zum Jahr 2030 in allen Sektoren abnehmen wird - auch nach Überwindung der Wirtschaftskrise. Gleichzeitig steigt der Anteil erneuerbarer Energien am Primärenergieverbrauch und in der Stromerzeugung deutlich. Damit hat Deutschland keine Probleme, seine im Rahmen des Kyoto-Abkommens eingegangene Reduktionsverpflichtung beim Treibhausgasausstoß von 21 Prozent zu erfüllen beziehungsweise deutlich zu übertreffen: Im weiteren Verlauf bis 2030 sinken die Emissionen kontinuierlich, so dass die Minderung gegenüber 1990 im Jahr 2020 circa 34 Prozent und bis zum Jahr 2030 rund 44 Prozent beträgt.
Als Variante wird in der Studie auch der Einfluss einer Laufzeitverlängerung für bestehende Kernkraftwerke betrachtet. Dabei zeigt sich, dass die verlängerte Laufzeit positive energie- und volkswirtschaftliche Effekte mit sich bringt. Dies gilt sowohl für die Steigerung von Wertschöpfung, Produktionsmengen und Beschäftigung, als auch für die Reduktion der CO2-Zertifikats- und der Strompreise. Die Laufzeitverlängerung trägt zudem zu einer insgesamt höheren Energieversorgungssicherheit bei und führt zu niedrigeren Treibhausgasemissionen in Deutschland. Der Ausbau erneuerbarer Energien wird durch die verlängerte Kernenergienutzung hingegen nicht beeinträchtigt.
Nicht erreicht wird das nationale Ziel, bis 2020 den Anteil des Stroms aus Kraft-Wärme-Kopplung an der Stromerzeugung gegenüber 1990 auf 25 Prozent zu verdoppeln, ebenso wenig die „Verdopplung der Energieproduktivität" zwischen 1990 und 2020. Allerdings setzt dieses sehr ambitionierte Ziel für die Zeit von 2005 bis 2020 eine jährliche Steigerung der Energieproduktivität von rund drei Prozent voraus, während zwischen 1990 und 2008 im Schnitt lediglich 1,84 Prozent erreicht wurden.

Die vollständige Studie mit Begleitmaterial sowie eine Kurzfassung der wichtigsten Ergebnisse können wahlweise unter
www.ier.uni-stuttgart.de, www.rwi-essen.de oder www.zew.de heruntergeladen werden.

Weitere Informationen bei
Dr. Ulrich Fahl, Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung, Universität Stuttgart
Tel. +49-(0)711-685-87830; e-mail: ulrich.fahl@ier.uni-stuttgart.de

Dr. Manuel Frondel, Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung
Tel. +49 (0)201-8149-204; e-mail: frondel@rwi-essen.de

Dr. Andreas Löschel, Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung
Tel. +49 (0)621-1235-200; e-mail: loeschel@zew.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Was Landkinder vor Heuschnupfen schützt: RUB-Forscher finden Stoff im Stallstaub

Dr. Josef König, Pressestelle
Ruhr-Universität Bochum

Was Landkinder vor Heuschnupfen schützt
Der schützende Stoff schlummert im Stallstaub
RUB-Forscher berichten im Journal of Allergy and Clinical Immunology

Bochumer Forscher haben im Stallstaub den Stoff entdeckt, der Landkinder möglicherweise vor Allergien und allergischem Asthma schützt: Arabinogalaktan, ein pflanzliches Zuckermolekül, hindert das Immunsystem an überschießenden Abwehrreaktionen, wenn es im ersten Lebensjahr in hoher Konzentration eingeatmet wird. Das Molekül kommt in großen Mengen in Futterpflanzen wie dem Wiesenfuchsschwanz (Alopecurus pratensis) vor. Die Forscher aus Bochum, München und Borstel um Dr. Marcus Peters (Experimentelle Pneumologie der RUB, Prof. Dr. Albrecht Bufe) konnten experimentell nachweisen, wie das Molekül auf Zellen des Immunsystems wirkt. Sie berichten in der aktuellen Ausgabe des Journal of Allergy and Clinical Immunology.

Die Stecknadel im Heuhaufen

Dass Kinder, die auf Bauernhöfen aufwachsen, seltener an Allergien und allergischem Asthma leiden, ist lange bekannt. Was sie allerdings davor schützt, war lange rätselhaft. „Die Suche nach der schützenden Substanz war wie die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen", sagt Dr. Marcus Peters. Er konnte dazu auf Stallstaub zurückgreifen, der in den Stallungen von verschiedenen Bauernhöfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz eingesammelt worden war. Eine Analyse des Staubs ergab, dass er sich hauptsächlich aus pflanzlichen Bestandteilen zusammensetzt, darunter mehr als zehn Prozent Arabinogalaktan, einem großen Zuckermolekül, das sich somit als verdächtig qualifizierte.

Übersteigerte Wachsamkeit des Immunsystems verhindern

Die Forscher prüften also, wie sich das Immunsystem von Mäusen gegenüber potentiellen Allergenen verhält, wenn Arabinogalaktan-Moleküle anwesend sind. „Es hat sich gezeigt, dass die dendritischen Zellen, die den Immunzellen schädliche Eindringlinge präsentieren, so dass diese dagegen vorgehen, in Anwesenheit von Arabinogalaktan ihr Verhalten ändern", beschreibt Dr. Peters. „Sie produzieren dann einen bestimmten Botenstoff, der die Immunreaktion dämpft." Welche Rezeptoren der dendritischen Zellen für den Mechanismus verantwortlich sind, muss noch untersucht werden. Zuckerrezeptoren sind generell wichtig für die Erkennung von fremden Partikeln durch das Immunsystem. „Die Abschwächung der Immunreaktion auf diesem Wege ist uns nicht neu", erklärt Dr. Peters. „Auch manche Bakterien machen sich den Mechanismus gezielt zunutze, um die Immunantwort des Wirts abzuschwächen." Durch Arabinogalaktan wird aber nur die übersteigerte Wachsamkeit des Immunsystems verhindert - die Abwehr von Krankheitserregern funktioniert weiterhin normal.

Auf die Dosis kommt es an

Dass ausgerechnet ein Gras-Bestandteil vor Heuschnupfen schützt, wundert die Forscher nicht: „Das ist eine Konzentrationsfrage", meint Dr. Marcus Peters. „In kleineren Konzentrationen können die Pollen des Wiesenfuchsschwanzes Allergien auslösen, in großen Dosen und sehr früh im Leben aber auch verhindern. Nichts anderes als eine Dosissteigerung ist ja auch die Strategie bei der Hyposensibilisierung." Ob sich Arabinogalaktan zur Prophylaxe oder auch zur Therapie von Allergien und allergischem Asthma einsetzen lässt, werden die Forscher jetzt untersuchen. Denkbar wäre eine Anwendung als Spray oder Nasentropfen, da die Substanz gut wasserlöslich ist.

Titelaufnahme

Marcus Peters, Marion Kauth, Olaf Scherner, Kirsten Gehlhar, Imke Steffen, Pia Wentker, Erika von Mutius, Otto Holst, Albrecht Bufe: Arabinogalactan isolated from cowshed dust extract protects mice from allergic airway inflammation and sensitization. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology. DOI: 10.1016/j.jaci.2010.05.011

Weitere Informationen

Dr. Marcus Peters, Experimentelle Pneumologie, Ruhr-Universität Bochum, Bergmannsheil - Klinische Forschung XU19, Bürkle-de-la-Camp Platz 1, 44789 Bochum, Tel. 0234/302-4690, Fax: 0234/302-4682, E-Mail: marcus.peters@rub.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko für Neugeborene in der Umgebung von Biblis und Philippsburg

Anja Schulte-Lutz, PB2/ Pressearbeit
Bundesamt für Strahlenschutz

Kleinkinder in der näheren Umgebung der Kernkraftwerksstandorte Biblis und Philippsburg haben kein höheres Risiko, mit einer angeborenen Fehlbildung zur Welt zu kommen als Kinder in anderen Regionen Deutschlands. Das ist das Ergebnis einer Studie des Geburtenregisters der Universität Mainz im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS).
Die Studie ermittelte in der Umgebung dieser Kernkraftwerke die Häufigkeit angeborener Fehlbildungen und verglich die Daten mit der Fehlbildungshäufigkeit in einer Region ohne Kernkraftwerk.

Das BfS hatte bereits die Häufigkeit von Tumoren bei Kindern unter fünf Jahren in der Umgebung aller westdeutschen Kern-kraftwerke untersuchen lassen. Dabei zeigte sich, dass im Nahbereich der Reaktoren ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für Krebserkrankungen bei Kindern, insbesondere bei Leukämien besteht. Die Ursache dieses Risikos ist allerdings bislang nicht geklärt. Denn nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand kann der beobachtete Anstieg der Erkrankungen nicht allein durch die Strahlenbelastung aus einem Atomkraftwerk erklärt werden.

Parallel dazu wurde in der jetzt vorgestellten Untersuchung der Frage nachgegangen, ob es in der Umgebung von Kernkraftwerken möglicherweise auch ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko gibt. Hierzu wurden im Umkreis von zehn Kilometern um die Reaktoren Biblis und Phillipsburg sowie in einer kernkraftwerksfernen Vergleichsregion alle Geburten und Aborte zwischen November 2006 und Februar 2008 erfasst (prospektive Kohortenstudie). Die Studie umfasste 5.273 Kinder und Feten, davon 5.218 Lebendgeborene, 30 Totgeborene und 25 induzierte Aborte. Die Lebendgeborenen wurden von speziell geschulten Kinderärzten untersucht. Alle erfassten Fehlbildungen wurden von einem internationalen Expertengremium klassifiziert.

Dabei zeigte sich kein Unterschied in der Häufigkeit angeborener Fehlbildungen zwischen der Umgebung der beiden Kernkraftwerksstandorte und der Vergleichsregion. Außerdem zeigt sich auch kein Abstandtrend in der Umgebung der Reaktoren, der auf ein zunehmendes Risiko mit zunehmender Nähe des Wohnorts zu den Reaktoren hinweist. Mit der vorgelegten Studie wurde eine der weltweit umfangreichsten Studien zum Thema Fehlbildungen in der Umgebung von Kernkraftwerken durchgeführt.

Bei nachgelagerten Auswertungen der Daten der Fehlbildungsstudie wurde ein Hinweis gefunden, dass eine Beschäftigung der Mütter als beruflich strahlenexponierte Person im Bereich der Medizin möglicherweise mit einem erhöhten Fehlbildungsrisiko einhergehen könnte. Allerdings beruht dieser Hinweis auf wenigen Einzelfällen. Ob hier ein Zusammenhang zu Strahlenexpositionen oder zu anderen Ursachen im beruflichen Umfeld besteht und ob dieser Zusammenhang in weiteren Studien bestätigt werden kann oder möglicherweise zufällig ist, bedarf der weiteren Klärung. Das BfS wird hierzu weitere Untersuchungen beauftragen.

Der Bericht zur Fehlbildungsstudie steht auf der Internet-Seite des BfS zur Verfügung: http://www.bfs.de/de/bfs/druck/Ufoplan/Fehlbildungen_in_der_Umgebung_deutscher_L...

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Wege zum beruflichen Erfolg

Izabela Ahmad, Pressestelle
Deutsche Universität für Weiterbildung

Forsa-Umfrage der Deutschen Universität für Weiterbildung zeigt: Um im Beruf Erfolge zu erzielen, setzen die Deutschen auf fachliche und soziale Kompetenzen, Köpfchen und Weiterbildung.
Erfolg ist planbar: Die Mehrheit der Deutschen vertraut im Beruf auf die eigenen Kompetenzen und baut diese systematisch aus. Nur jeder dritte Deutsche verlässt sich für den beruflichen Erfolg auf Glück oder Zufall. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW). „Beruflicher Erfolg lässt sich systematisch vorbereiten. Weiterbildung spielt hierbei die Schlüsselrolle", sagt DUW-Präsidentin Prof. Dr. Ada Pellert. Rund drei Viertel der Deutschen messen regelmäßiger Weiterbildung einen hohen Stellenwert für den Erfolg im Beruf bei.

Kompetenz-Mix und soziale Netzwerke

Laut forsa-Umfrage setzen 90 Prozent der Befragten auf ihre fachlichen Kompetenzen. Auch Intelligenz (83 Prozent) und soziale Kompetenzen (79 Prozent) sind für die Befragten wichtige Erfolgsfaktoren. „Durch Zeugnisse belegbare Qualifikationen sagen noch nichts darüber aus, ob jemand im Berufsalltag auch in ungewohnten, ergebnisoffenen Situationen Entscheidungen fällen kann und handlungsfähig ist. Dazu sind eine Vielzahl von Kompetenzen gefragt - fachliche, soziale, aber auch persönlichkeitsbezogene", sagt Pellert. Auch sozialen Netzwerken messen 74 Prozent der Befragten einen hohen Stellenwert bei - ihre Bedeutung ist gegenüber der Vorjahres-Umfrage um 8 Prozentpunkte gestiegen. „In sozialen Netzen entwickelt man seine Persönlichkeit weiter und wird häufig zum Experten für ein bestimmtes Thema", erklärt Pellert. „Die Personalentwicklung sollte Mitarbeitern dafür mehr Freiräume gewähren."

Junge Generation setzt zunehmend auf fachliche Kompetenzen

Einen Zuwachs von 12 Prozent verzeichnet der Stellenwert von Fachwissen für die Befragten zwischen 25 und 34 Jahren: Gaben 2009 noch 82 Prozent an, fachliche Kompetenzen seien wichtig oder außer¬ordentlich wichtig für den beruflichen Erfolg, waren es in diesem Jahr bereits 94 Prozent. Auch die sozialen Kompetenzen bewerten sie mit 84 Prozent überdurchschnittlich hoch. „Trotz Wirtschaftskrise und Personalabbau suchen Unternehmen händeringend nach Fachkräften", erklärt Pellert. „Wer beruflich weiterkommen will, muss seine fachlichen und sozialen Kompetenzen regelmäßig aktualisieren. Das hat die junge Generation erkannt."

Selbständige entdecken den Erfolgsfaktor Weiterbildung

Mit Weiterbildung lassen sich fachliche, soziale und persönlichkeitsbezogene Kompetenzen auf den aktuellen Stand bringen. Vor allem Selbstständige vertrauen vermehrt auf regelmäßige Bildungs¬maßnahmen: 76 Prozent gaben an, in puncto Erfolg auf Weiterbildung zu setzen. Dies sind 16 Prozent mehr als in der Vorjahres-Umfrage. „Als Externe wird man für Projekte hinzugezogen, um neue Impulse zu geben. Aktuelle Kenntnisse und innovative Ideen sind unerlässlich. Um erfolgreich zu sein, müssen Selbstständige daher eine permanente Bereitschaft zur Weiterbildung mitbringen", sagt Kerstin Hochmüller, Gesellschafterin der kopfstand GbR, Bielefeld und MBA-Studentin an der DUW.

Zufriedenheit statt mehr Gehalt

„Beruflicher Erfolg lässt sich nicht nur am Kontostand ablesen", sagt Pellert, wissenschaftliche Leitung des berufsbegleitenden Masterstudiengangs General Management (MBA) an der Deutschen Universität für Weiterbildung. „Unsere MBA-Interessenten wollen nach einer internen Umfrage vor allem berufliche Aufgaben besser bewältigen und mit ihrer Arbeit zufrieden sein. Beförderung und Gehaltsverbesserung sind eher Nebensache." Studierende erwerben im MBA das nötige Rüstzeug, um Management- und Führungsaufgaben zu übernehmen. Sie lernen, sich sicher in Organisationen zu bewegen und entwickeln aus ihrer Berufspraxis heraus im engen Austausch mit Praktikern und Experten ihren eigenen Führungsstil.

Der berufsbegleitende Masterstudienganges General Management (MBA)

Der berufsbegleitende MBA in General Management an der DUW richtet sich an Personen ohne wirtschaftswissenschaftlichen Studienabschluss, die sich auf Aufgaben mit wirtschaftlicher und leitender Verantwortung vorbereiten möchten. Neben einem Hochschulabschluss und guten Englischkenntnissen müssen die Teilnehmer in der Regel eine zweijährige Berufserfahrung vorweisen. Interessierte können sich für den 24-monatigen Masterstudiengang „General Management" (MBA) an der DUW ab sofort bewerben, der Studienstart ist jederzeit möglich. Weitere Informationen zu Studienprogramm und Anmeldeverfahren finden sich unter www.duw-berlin.de.

Die Deutsche Universität für Weiterbildung

Die Deutsche Universität für Weiterbildung (DUW) mit Sitz in Berlin bietet wissenschaftliche Weiterbildung für Berufstätige mit erstem Studienabschluss. Das Fernstudienangebot der staatlich anerkannten Weiterbildungsuniversität umfasst Masterstudiengänge in den Departments Wirtschaft und Management, Bildung, Gesundheit und Kommunikation sowie weiterbildende Zertifikatsprogramme. Das flexible Blended-Learning-Studiensystem und die individuelle Betreuung ermöglichen es DUW-Studierenden, das Studium mit Privatleben und Beruf zu vereinbaren. Gesellschafter der DUW sind die Freie Universität Berlin und die Stuttgarter Klett Gruppe. Als Public-Private-Partnership steht die DUW für wissenschaftliche Qualität, Arbeitsmarktnähe und Dienstleistungsorientierung.

Mehr zum Thema Erfolg sowie Interessantes rund um die DUW erfahren Sie im DUW-Erfolgsblog unter: http://blog.duw-berlin.de oder unter: http://www.duw-berlin.de

Weitere Informationen:
http://www.duw-berlin.de
http://blog.duw-berlin.de

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UDE-Bevölkerungsbefragung zum Klimawandel: Umwelt noch wichtiger als Wirtschaft

Beate Kostka M.A., Pressestelle
Universität Duisburg-Essen

Globale Erwärmung und Treibhauseffekt, schmelzende Polkappen und steigender Meeresspiegel, Trockenheit und Wassermangel: Kaum ein Thema beherrscht die Medien so durchgehend wie die Klimaproblematik. Auch die Bevölkerung des Ruhrgebiets bleibt davon nicht unbeeindruckt. Klimawandel und Umweltpolitik sind die Themen, die die Menschen dort stark interessieren. Das ergab eine Umfrage des Rhein-Ruhr-Instituts für Sozialforschung und Politikberatung (RISP), einem An-Institut der Universität Duisburg-Essen.
Die Ursachen für den Klimawandel sehen die Menschen in der Metropolregion vor allem im Verkehr (83,2 Prozent) in der Industrie (79,7 Prozent) und in der Energieerzeugung (72,9 Prozent). 58,9 Prozent machen auch das Konsumverhalten der Bevölkerung mitverantwortlich. Insgesamt zeigt die RISP-Umfrage, wie hoch der Stellenwert von Klimawandel und Klimaanpassung bei der Bevölkerung des Ruhrgebiets ist: 79 Prozent der Befragten erachten den Klimawandel als bedeutsam. Umweltpolitik ist mit 89,9 Prozent der Stimmen noch vor der Wirtschaftspolitik (83,8 Prozent) der Politikbereich, dem die größte Bedeutung zugemessen wird.

Von Politik schlecht informiert

Wie kann reagiert werden, wenn sich die Erde weiter erwärmt? Wie kann man selbst zum Umweltschutz beitragen? „Mit diesen Fragen haben sich laut der RISP-Studie viele Bürger bereits beschäftigt", sagt Joachim Liesenfeld, Projektleiter beim RISP. „Sie sind gut informiert und haben eine präzise Vorstellung von den Folgen des Klimawandels." 87,6 Prozent rechnen mit einem Temperaturanstieg, 81,6 Prozent mit Starkregenereignissen und 71,2 Prozent mit wachsenden gesundheitlichen Risiken für ältere Menschen, Schwangere und Kleinkinder. Von der Politik fühlt sich die Ruhrgebiets-Bevölkerung allerdings schlecht über diese Folgen informiert: Nur 18,9 Prozent geben Politik und Verwaltung gute oder sehr gute Noten für ihr Informationsmanagement in Sachen Klimawandel.

Eigener Einsatz für die Umwelt

„Um den Klimawandel aufzuhalten und die Folgen zu beherrschen, wollen die befragten Bürger auch selbst etwas beitragen", so Joachim Liesenfeld über die weiteren Ergebnisse der Studie. „Energiesparen, erneuerbare Energien und der ÖPNV stehen hoch im Kurs". Zur Förderung erneuerbarer Energien würden Bürgerinnen und Bürger sogar höhere Stromkosten akzeptieren. „Eines stößt allerdings auf große Ablehnung: ein Wohnortwechsel in Folge von Umweltgesichtspunkten."

An der Umfrage beteiligten sich mehr als 1.000 Bürger. Sie wurde im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Forschungs- und Entwicklungsprojektes „Dynamische Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels in der Emscher-Lippe Region (Ruhrgebiet)" durchgeführt. Ziel ist eine erfolgreiche Klimaanpassung in der Region unter Einbeziehung der Bevölkerung.

Weitere Informationen:
Joachim Liesenfeld, Tel. 0203/2809914, joachim.liesenfeld@uni-duisburg-essen.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Umfrage: Menschen zweifeln an Problemlösungsfähigkeit der Politik

Ute Friedrich, Pressestelle
Bertelsmann Stiftung

Bertelsmann Stiftung: Jüngere Menschen wollen mehr direkten Einfluss auf politische Entscheidungen - Volksentscheid gilt derzeit als wirksamste Form von Bürgerbeteiligung
Die Menschen in Deutschland haben nur wenig Vertrauen in die Fähigkeit der Politik, Probleme zu lösen. Mehr als drei Viertel halten die Politik für kaum in der Lage, die drängendsten Probleme der kommenden Jahre zu bewältigen. Vor allem die Jüngeren setzen deshalb auf stärkere Beteiligung der Bürger: 59 Prozent der unter 50-Jährigen wünschen sich mehr direkten Einfluss auf politische Entscheidungen. Drei Viertel der Bevölkerung würde sich häufiger beteiligen, wenn es mehr Bürgerbegehren und Volkentscheide gäbe. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Bertelsmann Stiftung, die das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid durchgeführt hat.

Den Ergebnissen der Umfrage zufolge möchte heute nahezu jeder zweite Bundesbürger (48 Pro-zent) mehr Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen. Während dieser Wunsch bei den Jüngeren sogar eine deutliche Mehrheit findet, halten lediglich die über 50-Jährigen eine stärkere Beteiligung an politischen Entscheidungen mehrheitlich nicht für nötig. Derzeit gilt in der Bevölkerung vor allem der Volksentscheid als erfolgsversprechend. Mehr als 70 Prozent der Befragten halten ihn für die momentan wirksamste Form der Bürgerbeteiligung. Hingegen sind klassische Beteiligungsformen wie das Mitwirken in Parteien und Verbänden offenbar wenig attraktiv: Nur neun Prozent der Befragten geben an, sich schon mal in Parteien und politischen Organisationen engagiert zu haben.

Dr. Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung: „Politik ist das Suchen nach einer besten und mehrheitsfähigen Lösung. Deshalb dürfen klassische Politik und die Bemühungen der Bürger nicht miteinander konkurrieren, sie müssen sich ergänzen." Gerade jüngere Menschen möchten die Gestaltung der Zukunft nicht allein der Politik überlassen, so Dräger: „Sie setzen stattdessen auf Mitsprache und Beteiligung bei der Lösung anstehender Probleme - dies führt auch zu einer höheren Legitimation von Entscheidungen, das sollte die Politik nutzen." Dräger fügte hinzu, dass es über den Volksentscheid hinaus international mittlerweile andere und effektivere Formen der Bürgerbeteiligung gebe: „Leider sind sie hierzulande noch weitgehend unbekannt."

Mit möglichen neuen Beteiligungsformen beschäftigt sich der Reinhard Mohn Preis der Bertelsmann Stiftung, der im kommenden Jahr zum Thema „Demokratie vitalisieren - politische Teilhabe stärken" vergeben wird. Menschen aus aller Welt sind bis zum 22. August eingeladen, über die englischsprachige Website www.vitalizing-democracy.org preiswürdige Projekte vorzuschlagen, die neue, alternative Wege der Bürgerbeteiligung aufzeigen.

Der Umfrage der Bertelsmann Stiftung zufolge wünschen sich die Menschen in Westdeutschland vor allem mehr Mitspracherecht bei der Wirtschaftspolitik und bei der Bildungspolitik. Die Menschen in Ostdeutschland setzen hier andere Schwerpunkte: Sie hätten in erster Linie gerne mehr Einfluss in der Familienpolitik und in der Umweltpolitik. Nahezu jeder zweite Befragte möchte sich stärker an Entscheidungen auf Gemeindeebene beteiligen. 34 Prozent wünschen sich dies auf der Ebene der Bundesländer, 31 Prozent auf Bundesebene. Wenig Interesse besteht hingegen an stärkerer Bürgerbeteiligung auf europäischer Ebene. Dies befürworten nur 17 Prozent.

Für die repräsentative Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid im Auftrag der Bertelsmann Stiftung tausend deutschsprachige Personen ab 14 Jahren in der Bundesrepublik befragt.

Rückfragen an:Frank Frick, Telefon: 05241 / 81 81 253 | Mobil 0172 / 524 3111
E-Mail: frank.frick@bertelsmann-stiftung.de
Sarah Brabender, Telefon: 05241 / 81 81 281 / Mobil 0172 / 520 4758
E-Mail: Sarah.brabender@bertelsmann-stiftung.de

Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Forschungsbericht: Hohe Arbeitsdichte kann depressiv machen

Jörg Feldmann, Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Psychische Störungen, besonders Depressionen, führen immer häufiger zu Arbeitsunfähigkeit. Das Wissen um die Ursachen dieser Erkrankung ist daher auch für den Arbeitgeber relevant, damit er vorbeugend Maßnahmen ergreifen kann, um Fehlzeiten aufgrund von depressiven Störungen zu vermeiden. Eine Studie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat den Einfluss der Arbeitsbedingungen bei der Entstehung von Depressionen untersucht. Erstmals wurden die Arbeitsintensität und der Tätigkeitsspielraum der Angestellten objektiv gemessen, anstatt sich auf subjektive Einschätzungen zu beziehen.
Bisherige Studien belegten, dass ein Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen und Depressionen besteht. Allerdings beurteilten die Studienteilnehmer in den meisten Fällen sowohl ihre Arbeitsbedingungen, als auch ihren Gesundheitszustand. Dieses Vorgehen erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass ein Zusammenhang zwischen beiden Faktoren festgestellt wird. Hinzu kommt, dass depressiv verstimmte Menschen in ihrer Wahrnehmung gestört sein können, was zu Fehleinschätzungen der Arbeitssituation führen kann.

Die Studie der BAuA hat versucht, diese Untersuchungsmängel zu beseitigen, indem die Arbeitsbedingungen unabhängig vom Beschäftigten objektiv bewertet wurden. 517 deutsche Beschäftigte aus drei Branchen (Banken und Versicherungen, Gesundheitswesen und Öffentlicher Dienst) nahmen an der Studie teil. Es wurden objektive und subjektive Arbeitsanalysen durchgeführt. Depressionen wurden anhand des standardisierten klinischen Interviews und depressive Verstimmungen mittel eines Screening-Verfahrens diagnostiziert.

Das Ergebnis konkretisiert die bisherigen Erkenntnisse zu arbeitsbedingten Ursachen von Depression: Nur die objektiv bewertete Arbeitsintensität, nicht aber der Tätigkeitsspielraum stehen mit dem Auftreten von Depressionen in Zusammenhang. Das heißt: Je höher die objektive Arbeitsbelastung, desto häufiger traten sowohl Depressionen als auch depressive Verstimmungen bei den Beschäftigten auf. Aufgrund der objektiven Erhebungsmethode scheidet der Einfluss der verzerrten Wahrnehmung von erkrankten Mitarbeitern als Erklärung aus. Anders beim Tätigkeitsspielraum: Hier konnte ein Zusammenhang nach dem Prinzip „Je geringer der Handlungsspielraum, desto höher die Wahrscheinlichkeit an einer Depression zu erkranken" nicht bestätigt werden. Möglicherweise schätzen von Depressionen Betroffene ihren Tätigkeitsspielraum als geringer ein als er tatsächlich ist.

Der vollständige Forschungsbericht „Untersuchung arbeitsbedingter Ursachen für das Auftreten von depressiven Störungen" (F 1865) von R. Rau, N. Gebele, K. Morling und U. Rösler,
ISBN: 978-3-88261-114-4, kann kostenlos von der Website der BAuA herunter geladen werden: http://www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/F1865.html.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt. Sie ermöglichen Unternehmen wie auch der gesamten Volkswirtschaft einen Vorsprung im globalen Wettbewerb. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben - im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Rund 660 Beschäftigte arbeiten am Hauptsitz in Dortmund und den Standorten Berlin, Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.

Weitere Informationen:
http://www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/F1865.html Direkter Link zum Forschungsbericht „Untersuchung arbeitsbedingter Ursachen für das Auftreten von depressiven Störungen"

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie an der Weser: großer Handlungsbedarf

Dr. Michael Welling, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Landwirtschaft im Einzugsgebiet der Weser müsste 25 000 t Stickstoff jährlich reduzieren
Mit der Wasserrahmenrichtlinie hat die Europäische Union ein Instrument geschaffen, um die Qualität von Grund- und Oberflächenwasser im Einzugsbereich von Flüssen europaweit zu verbessern. Welche Anstrengungen seitens der Landwirtschaft nötig sind, damit die Wasserqualität der Weser den Vorgaben der EU-Richtlinie genügt, zeigt eine aktuelle Studie des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI) in Braunschweig.

Um die Wasserrahmenrichtlinie im Einzugsgebiet der Weser zu erfüllen, sind erhebliche Anstrengungen nötig, vor allem im Bereich der Landwirtschaft, auch wenn diese ihre Stickstoffüberschüsse in den letzten Jahren deutlich reduzieren konnte. Unter anderem müsste der Stickstoffeintrag in die Weser um jährlich rund 25 000 t reduziert werden. „Dies würde jährliche Kosten von über 100 Millionen Euro zusätzlich zu bisherigen Agrarumweltmaßnahmen verursachen, wenn die Beratungskosten hinzugerechnet werden", erklärt Peter Kreins, Projektleiter am vTI. Diese Ergebnisse basieren auf Berechnungen des Projektes „AGRUM Weser", die jetzt vom vTI veröffentlicht worden sind.

„Das Pilotprojekt AGRUM Weser bietet erstmals einen übergreifenden Ansatz, um Wirkungen und Kosten von der Landwirtschaft bis hin zu Einträgen in die Gewässer bis 2015 für die Weser zu quantifizieren", bestätigt Dr. Werner Ambros aus dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Das länderübergreifende Forschungsprojekt AGRUM Weser (Analyse von Agrar- und Umweltmaßnahmen im Bereich des landwirtschaftlichen Gewässerschutzes vor dem Hintergrund der EG-Wasserrahmenrichtlinie) untersuchte das gesamte Einzugsgebiet der Weser mithilfe eines Modellverbundes aus einem agrarökonomischen und zwei hydrologischen Modellen. Dadurch ist es erstmals möglich geworden, die Wechselbeziehungen zwischen landwirtschaftlichen Einträgen in die Gewässer und ihren Pfadabhängigkeiten sowie die Wirkung und Kosten von möglichen Maßnahmen im landwirtschaftlichen Gewässerschutz umfassend abzubilden und eine verbesserte Berechnung zu Umsetzungsmöglichkeiten der EU-Wasserrahmenrichtlinie vorzunehmen.

Um die Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie bis 2015 zu erfüllen, schlagen die vTI-Wissenschaftler in der Studie eine erste Maßnahmenkombination für die Landwirtschaft vor, die sich auf rund 1,3 Millionen Hektar bezieht und insgesamt über 100 Millionen Euro pro Jahr kosten würde. Dabei wurden die Maßnahmen Zwischenfruchtanbau, keine Ausbringung von Wirtschaftsdünger nach der Ernte, grundwasserschonende Ausbringungstechnik von Gülle und Festmist, Extensivierung von Grünland, Förderung von Extensivkulturen, Reduzierung der Mineraldüngung bei Getreide sowie der Anbau von Winterrübsen in Betracht gezogen. In rund 7 Prozent der Regionen konnte jedoch auch mit diesen Maßnahmen die Zielsetzung nicht erreicht werden, sodass weitere landwirtschaftliche oder wasserwirtschaftliche Maßnahmen notwendig sind.

Die Ergebnisse basieren auf einer dreijährigen Zusammenarbeit der Wissenschaftler des vTI, des Forschungszentrums Jülich (FZJ) und des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) sowie Diskussionen mit Experten aus den Landesministerien der beteiligten Bundesländer und der Flussgebietsgemeinschaft Weser. Der Abschlussbericht des AGRUM Weser Projekts wurde als Sonderheft 336 der Fachzeitschrift Landbauforschung veröffentlicht und kann ab sofort von den Internetseiten des Johann Heinrich von Thünen-Instituts als PDF heruntergeladen werden.

Weitere Informationen:
http://www.vti.bund.de/de/institute/lr/publikationen/lbf/lbf_sh336_de.pdf - Sonderheft 336 der "Landbauforschung"

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Halstabletten für Bastian Schweinsteiger und der Händedruck der Kanzlerin

Irina Urig, Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

Professor Tim Meyer, Arzt der Fußballnationalmannschaft und Leiter des Instituts für Sport- und Präventivmedizin an der Saar-Uni, war während der WM zuständig für die sportmedizinische Versorgung.
Ein tolles Fußballfest, viele Tore, eine super Leistung und am Ende Platz drei - das ist die Bilanz der deutschen Fußballnationalmannschaft. Auch ein Professor der Saar-Uni hat zu diesem Erfolg beigetragen: Tim Meyer, seit 2001 Arzt der Fußballnationalmannschaft, sorgte während der WM dafür, dass kranke Spieler und Betreuer wieder fit wurden.

„Die meisten gesundheitlichen Probleme, mit denen ich zu tun hatte, waren Infektionen und Magen-Darm-Probleme. Am häufigsten habe ich Lutschtabletten für den Hals und Grippe-Medikamente verteilt", sagt Tim Meyer. Die bekam zu Beginn der WM auch Bastian Schweinsteiger, weil er an einer Halsentzündung litt. „Er wurde konsequent behandelt und oft von mir untersucht, um den Verlauf der Erkrankung gut verfolgen und bei Veränderungen schnell reagieren zu können. Auch die Laborwerte eines Spielers sollten in so einem Fall überprüft werden, um die Trainings- und Wettkampffähigkeit engmaschig zu beurteilen", erklärt der Mannschaftsarzt. Spieler und Betreuer wurden immer wieder von kleineren Erkältungen erwischt, wie zuletzt auch Bundestrainer Joachim Löw und Mannschaftskapitän Philipp Lahm. „Das war bei den häufigen Reisen zwischen unterschiedlichen Klimabereichen und teilweise sehr trockener Luft in der Höhe oder in klimatisierten Räumen nicht zu vermeiden", sagt Tim Meyer.

Behandeln musste er während der WM auch allergische Beschwerden, Haut- und Augenerkrankungen und ein paar Verletzungen von Betreuern. „Es waren viele Kleinigkeiten dabei, die keinen großen Einfluss auf die Trainings- und Spielfähigkeiten hatten, aber viel Arbeit für mich bedeuteten. Zum Glück sind die Spieler aber insgesamt recht gesund geblieben", meint der Mannschaftsarzt. Seine „Sprechstunde" war in der Regel bis etwa 23 Uhr abends geöffnet. Für Notfälle war Tim Meyer rund um die Uhr in Bereitschaft. Noch stärker waren allerdings die Physiotherapeuten gefordert.

Während der Spiele saß der Professor der Saar-Uni gemeinsam mit Bundestrainer Joachim Löw und einem Teil des Betreuerstabs auf der Trainerbank. Dabei versorgte er die Spieler unter anderem mit Getränken. „Auf der Bank ein Spiel mitzumachen, ist etwas ganz Besonderes. Man erlebt die Begegnung viel intensiver und emotionaler", sagt der Ärztliche Direktor des Instituts für Sport- und Präventivmedizin. Die Trainerbank musste er zwischendurch immer mal wieder verlassen, da er während der Partien an der Auslosung für die Dopingkontrolle in der Halbzeit und wieder an der Bekanntgabe der Ergebnisse in der 75. Minute teilnehmen musste. Eine Erfahrung mit einem Doping-Kontrolleur hat dabei sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel gemacht. „Der Kontrolleur wollte der Kanzlerin verbieten, den ausgelosten Spielern im Dopingkontrollraum die Hand zu drücken. Das entspricht zwar den Regeln, aber manche Dinge haben vielleicht doch eine größere Bedeutung als die penible Durchführung von Dopingkontrollen, zumal durch einen Händedruck der Kanzlerin die Probe gewiss nicht verändert wird", schmunzelt Tim Meyer.

Für den Mannschaftsarzt war es bereits die dritte und wohl auch schönste Weltmeisterschaft. Mit dem Ergebnis ist er auch sehr zufrieden: „Mit dieser jungen Nationalelf ist das ein Riesenerfolg! Der Teamgeist war so gut, wie ich es noch nie erlebt habe", so das Fazit des Mannschaftsarztes. Das schönste Erlebnis war für ihn eindeutig der Sieg der deutschen Nationalelf gegen Argentinien im Viertelfinale.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Tim Meyer
Tel. 0681/302-3750
E-Mail: tim.meyer@mx.uni-saarland.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Geballte Gesundheit: Obst und Gemüse unersetzlich - ausgewogene Ernährung sichert gute Vitaminversorgung

Dr. Iris Lehmann, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max Rubner-Institut - Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel

Fast jeder weiß, dass Möhren Provitamin A enthalten, viel Vitamin C in Zitronen steckt und der Lebertran hat es wegen seines hohen Vitamin-D-Gehalts gar zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Wer sich ausgewogen und abwechslungsreich ernährt, hat in Sachen Vitamine schon gewonnen. Wie die Nationale Verzehrsstudie II - die vom Max Rubner-Institut (MRI) durchgeführt wurde - zeigt, nehmen die Menschen in Deutschland mit dem, was sie essen, von fast allen Vitaminen im Normalfall ausreichende Mengen auf. Ob Vitamin C oder Vitamin A - die natürlichen Lebensmittel enthalten genug davon, um den Bedarf bei „normaler" Ernährung zu decken.
Nur in einigen besonderen Gruppen, zum Beispiel bei Kranken oder hochbetagten Senioren, erreichen größere Anteile die empfohlenen Richtwerte nicht ganz - was aber zunächst noch kein direktes gesundheitliches Risiko bedeutet.

Lediglich für zwei Vitamine, Folsäure und Vitamin D, liegen die aus dem Verzehr abgeleiteten Aufnahmewerte für die gesamte Bevölkerung deutlich unter den Empfehlungen. Für diese beiden Vitamine ist es sinnvoll, neue Strategien zur Verbesserung der Versorgungslage zu entwickeln. „Ein Weg ist die veränderte Lebensmittelauswahl", so Prof. Gerhard Rechkemmer, Präsident des MRI. Wer häufiger zu Obst und Gemüse greift, kann seine Folsäure-Aufnahme positiv beeinflussen. Für Vitamin D müsste zunächst geklärt werden, in welchem Umfang die Bildung von Vitamin D aus Vorstufen im Körper unter Einfluss von Sonnenlicht in die Vitamin-Bilanz einbezogen werden muss. Hierzu gibt es in Deutschland bisher noch keine repräsentativen Studien.

Obst, Gemüse und andere Lebensmittel bieten nicht nur ausreichend Vitamine, sie sind auch Lieferanten für viele wertvolle Inhaltsstoffe, wie sekundären Pflanzenstoffe, deren Bedeutung zwar allgemein bekannt sind, über die aber im Einzelnen noch kaum wissenschaftliche Ergebnisse vorliegen. Die Vielfalt der Wirkungen pflanzlicher Lebensmittel kann keinesfalls durch Zufuhr synthetischer Vitaminpräparate ersetzt werden. Nicht zuletzt schmeckt gerade im heißen Sommer Gemüse wie Paprika ganz wunderbar - und ist zugleich, ebenso wie viele Blattgemüse, ein guter Folat-Lieferant.

Das Max Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, fühlt sich dem vorbeugenden Verbraucherschutz verpflichtet. An den sechs Standorten des Instituts forschen rund 200 Wissenschaftler zu Fragen der Sicherheit und Qualität von Lebensmitteln und der gesunden Ernährung.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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TU Berlin: Golf von Mexiko - Der große „Blow-out"

Stefanie Terp, Presse- und Informationsreferat
Technische Universität Berlin

Golf von Mexiko: Der große „Blow-out"
Erdölgeologe Wilhelm Dominik von der TU Berlin erklärt, wie es zu der Katastrophe kommen konnte und was die Wissenschaft zur Lösung beitragen kann

Am 20. April 2010 ereilte die Welt eine der größten Umweltkatastrophen der Neuzeit, als die Transocean-Bohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko havarierte, die im Auftrag des Ölkonzerns BP betrieben wurde und zwei Tage später sank. Seitdem strömt Öl ins Meer, Experten schätzen mittlerweile, dass täglich bis zu zehn Millionen Liter austreten.

Prof. Dr. Wilhelm Dominik ist Leiter des Fachgebiets Explorationsgeologie im Institut für Angewandte Geowissenschaften an der TU Berlin. Er beschäftigt sich mit der Aufsuchung und Bewertung von Öl- und Gaslagerstätten, der Reservoirgeologie und dem Reservoir Engineering und erklärt, wie es überhaupt dazu kommen konnte, welche Fehler gemacht wurden und welche Lösungen möglich sind:

„Bevor man das Menschenversagen der an der Havarie beteiligten Personen untersucht, muss man sich klarmachen, dass zunächst, leider muss man es so sagen, ein Versagen der Politik vorausging. Man hätte das Tiefwasser schon vor zwanzig Jahren nicht für die Exploration freigeben dürfen, ohne eine funktionsfähige Technologie für den Fall einer Havarie eingefordert und entwickelt zu haben. Die Region vor der Küste Louisianas ist bekanntermaßen sehr schwierig zu erschließen. In den Sedimentschichten und den Reservoirhorizonten herrscht ein von der Tiefe abhängiger extremer Überdruck, der sogenannte „Geo-Pressure". Immerhin bohrte man bei einer Wassertiefe von 1500 Metern bis in eine Tiefe von 5500 Metern unter dem Meeresspiegel. Die Überdrucksituation kommt in allen Schelfregionen, also den küstennahen Meeresböden, und den vorgelagerten Kontinentalabhängen der Welt vor. Es war den Beteiligten also von Anfang an bekannt, dass es sich um eine sehr kritische Bohrung handelt. Ich habe solche Bohrungen in die „Over-pressure"-Zone im Golf von Mexiko in den 80er-Jahren als Trainee selbst mitgemacht. Allerdings nur auf dem Schelf, in einer zur damaligen Zeit erreichbaren Wassertiefe von maximal 300 Metern.

90 Prozent Sicherheit

Natürlich gibt es inzwischen viele Sicherheitstechnologien. Aber man muss unterscheiden zwischen Bohr- und Produktionstechnik und Havarietechnik. Die Explorations- und Produktionstechnologien sind längst optimal entwickelt, mit einer Sicherheitswahrscheinlichkeit von deutlich mehr als 90 Prozent. Doch jedes Bohrloch hat seine Eigenheiten, insbesondere unter den angesprochenen Überdruckverhältnissen und Wassertiefen. Pannen und Havarien sind niemals gänzlich auszuschließen. Bisher wurde jedoch versäumt, die Havarietechnologie, die „Onshore" und im Flachwasser eingesetzt wird, auf den Schadensfall im Tiefwasser der Ozeane anzupassen und zu ergänzen. Diese Technik- und Methodenentwicklung muss BP jetzt unter einem immensen Zeitdruck nachholen.

Wie es denn zu den Sicherheitsproblemen und schließlich zu dem "Blow-out" kam

Im Oktober 2009 wurde mit der Bohrung begonnen. Unter großen Schwierigkeiten ist man zunächst nur bis zu einer Tiefe von 4 000 Metern vorangekommen, da die Drucke unerwartet groß waren und hohe Spülungsverluste in der Bohrung auftraten. Das ist auch ein erheblicher Kostenfaktor. Die Schwerespülung ist eine Mischung aus Wasser und Tonpartikeln, die im Bohrloch zirkulieren beziehungsweise stehen muss, um die Standfestigkeit des Bohrloches zu gewährleisten und den Gegendruck zu den Fluiden in der Lagerstätte zu erzeugen. Hier gab es also schon erhebliche, nicht eingeplante Mehrkosten. Als dann ein Hurrikan dazukam und das Bohrschiff beschädigte, musste die Bohrung abgebrochen werden und konnte erst im Januar 2010 wieder aufgenommen werden. Die neue Bohrung wurde auf 96,2 Millionen Dollar budgetiert und die ständig steigenden Kosten sollten durch Zeiteinsparungen wieder ausgeglichen werden. Immerhin kostet die eingesetzte Offshore-Bohranlage "Transocean Deepwater Horizon" 533 000 Dollar am Tag, sowie durchschnittlich weitere 500 000 Dollar für Material und entsprechende Dienstleistungen pro Tag.

Die neue Bohrung war im Februar wieder an der bekannten Problemzone bei 4000 Meter Tiefe angekommen. Erneut traten die Spülungsverluste und andere Probleme durch die gravierenden Überdruckverhältnisse in der Gesteinsabfolge auf. Mitte April erreichte man endlich das Bohrziel und fand das erhoffte Öl. Doch durch die ständigen Verzögerungen waren die Kosten deutlich aus dem Ruder gelaufen. Das Bohrschiff hatte längst an anderer Stelle in Betrieb genommen werden sollen. Nach der Fündigkeitserklärung entschloss man sich, die Bohrung für eine temporäre Aussetzung zu komplettieren, damit sie für eine spätere Förderung des Öls genutzt werden kann. Das wurde am 16. April bei der zuständigen Behörde beantragt.

Jetzt begann die Katastrophe. Die überaus kritische Bohrung hätte man zurückzementieren und aufgeben, also abschreiben müssen. "Plug and abandon" nennt man das in der Fachsprache. Mit den umfangreichen Ergebnissen der Bohrung hätte man mit Sorgfalt einen Entwicklungsplan für die Produktionsbohrungen und Installationen zur Förderung des Öls aus der Lagerstätte planen müssen.

In den folgenden vier Tagen wurde die Bohrung abschließend mit geophysikalischen Methoden durchgemessen und für die Komplettierung vorbereitet. Am vierten Tag, dem 20. April, wurden die warnenden Hinweise, dass eine Leckage in der Bohrung im Lagerstättenbereich aufgetreten war, nicht richtig gedeutet. Man hätte hier noch immer einen kontrollierten Notverschluss der Bohrung am Meeresboden vornehmen können.

Stattdessen kämpfte man mehrere Stunden gegen den sich kontinuierlich aufbauenden Druck in der Bohrung an, bis schließlich gegen 21.47 Uhr Öl und Gas aus der Lagerstätte ausbrachen, die Schwerspülung auswarfen und nach anderthalb Minuten auf dem Bohrschiff austraten, ohne dass der automatische "Blow-out-Preventer" funktionierte. Bereits 15 Sekunden später kam es zur Explosion und die Anlage stand in Flammen.

Erst sieben Minuten später wurde auf der Brücke des Bohrschiffs die manuelle Notabschaltung, die "BOP-EDS Emergency Disconnect Function" betätigt, die einen mechanischen Verschluss und das Loslösen des Schiffes von der Bohrung zur Folge gehabt hätte. Aber auch diese Funktion versagte. Das Bohrschiff versank zwei Tage später, nachdem alle Löschversuche gescheitert waren.

Vorschläge aus der Wissenschaft

BP versuchte bislang erfolglos mit unterschiedlichen Methoden, die Bohrung am Meeresboden zu verschließen. Man hat alles versucht, was vorhanden und bekannt war. Zum Einsatz kamen die verschiedensten Methoden, die man unmittelbar nach dem Irakkrieg zur Bekämpfung der brennenden Förderanlagen oder zum Einschließen von einigen kleineren Ölaustritten im Flachwasser der Schelfregionen entwickelt hatte.

Ich selbst habe am 9. Mai bei der BP in Houston zwei Vorschläge zum Verschließen der Bohrung eingereicht: zum einen den Bau einer Kuppel über dem Bohrloch am Meeresboden, um das ausströmende Öl und Gas zusammen mit dem Wasser durch eine Multiphasenpumpe zu evakuieren; zum anderen die gleichzeitige Ausstattung auch der Entlastungsbohrungen, die voraussichtlich im August die Lagerstätte erreicht haben, mit groß dimensionierten Multiphasenpumpen. Das würde einen beschleunigten Druckabfall im Drainagebereich der havarierten Bohrung erzielen. So könnte die Bohrung unter Kontrolle gebracht und verschlossen werden. Mit diesem Verfahren, dem Einsatz von in Deutschland hergestellten Multiphasenpumpen am Meeresboden, produziert BP heute bereits erfolgreich 78 000 Barrel Öl am Tag aus dem "King Field" im Mississippi Canyon bei einer Wassertiefe von 1 800 Metern in nur circa 40 Kilometer Entfernung von der Havarie. Der derzeit laufende Versuch, das Loch mit einem großen Zylinder zu verschließen, beruht noch auf einem konventionellen Bolzenverschluss-Prinzip und kann keine Dauerlösung sein. Das von uns vorgeschlagene System arbeitet nach einem anderen Prinzip. Es würde eine Fläche von etwa zehn mal zehn Metern Meeresboden mit umschließen, um auch etwaige neben dem eigentlichen Bohrloch austretenden Flüssigkeiten mit aufnehmen.

Ich selbst bin seit 2005 an dem Forschungs-Verbundvorhaben "MPT - Mehrphasenfördersysteme und -anlagentechnik für Kohlenwasserstoffe in Offshore- und Onshore-Regionen" beteiligt. Das TU-Teilprojekt befasst sich mit dem Lagerstättenverhalten bei Förderung durch Mehrphasenfördersysteme. Es wird gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

Ausblick

In drei, vier Monaten müsste das Bohrloch am Meeresboden abgedichtet sein. Die gesamte Bohrung bis zur Endtiefe in der Lagerstätte wird BP aber mindestens noch ein Jahr beschäftigen. Die ökologischen Schäden im Meer und an den Küsten kann man kaum beziffern. Zur Beseitigung der Schäden wird man, gerechnet auf die nächsten zehn Jahre, mehrere zehn Milliarden Dollar aufwenden müssen."

Fotomaterial zum Download
www.tu-berlin.de/?id=87013

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr. Wilhelm Dominik, Technische Universität Berlin, Institut für Angewandte Geowissenschaften, Fachgebiet Explorationsgeologie, Ackerstraße 76, 13355 Berlin, Tel.: 030 / 314-25903, -22250, E-Mail: wilhelm.dominik@tu-berlin.de

Weitere Informationen:

http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Ein Barcode für jedes bayerische Tier

Sebastian Tilch, Pressearbeit
Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung

Münchner Forscher verpassen als weltweite Vorreiter allen Tierarten Bayerns einen genetischen Erkennungscode. Das so genannte Barcoding soll die Arbeit der Artbestimmung revolutionär erleichtern, Handbestimmungsgeräte ermöglichen und u.a. dem Zoll helfen, kriminellen Handel mit geschützten Arten oder falsch deklarierten Lebensmitteln aufzudecken. Im NeFo-Themenschwerpunkt zur Taxonomie erklären Biodiversitätsforscher, wozu sie diese neue Bestimmungsmethode brauchen, wozu wir die Taxonomen brauchen und warum Gen-Barcoding nicht deren Jobs gefährdet.
In den 80er Jahren fanden Pharmazeuten durch Zufall in einer Liane einen Wirkstoff gegen HIV. Man hielt die Pflanze zunächst irrtümlich für Ancistrocladus abbreviatus, die weitverbreitet und häufig ist. Schnell wurden Mitarbeiter in die Tropen gesandt um weiteres Pflanzenmaterial zu besorgen. Allerdings zeigten diese neuen Proben keinerlei Wirkung gegen HIV, da sie keinen Wirkstoff enthielten. Wie konnte das sein? Eine Genanalyse von Taxonomen brachte Aufklärung: Die Forscher hatten eine neue Art gefunden.

Solche teuren Irrtümer gehören laut Prof. Gerhard Haszprunar, Direktor der Zoologischen Sammlung München und Lehrstuhlinhaber an der LMU München, künftig der Vergangenheit an. DNA Barcoding heißt die neue genanalytische Methode, mit der Haszprunar und Kollegen in aller Welt im Rahmen des internationalen Projekts „Barcoding of Life" die Bestimmung von Organismen revolutionieren wollen. Dabei werden in bestimmten standardisierten Genregionen artspezifische Sequenzen identifiziert. Diese Methode erlaubt es, nur anhand von Gewebe- oder DNA-Proben schnell bekannte aber auch neue Arten zu bestimmen. Mit ihr können beispielsweise Insekten auch in einem frühen Entwicklungsstadium, in dem einen eindeutige Bestimmung bisher kaum möglich war, bestimmt werden. Langfristiges Ziel von "Barcoding of Life" ist eine riesige globale Referenzdatenbank aller Arten der Welt, ob Pflanze, Tier oder Pilz. Und den Vorreiter in Deutschland und Europa macht ausgerechnet Bayern.

Gerhard Haszprunar und seine Kollegen wollen die gesamte Fauna des Bundeslandes durchsequenzieren. Bayern ist mit bis zu 35.000 Tierarten das artenreichste Bundesland. Über 80 Prozent der deutschen Fauna kommen hier vor. Doch auch in Deutschland gehen die Artbestände rasant zurück. Viele früher verbreitete Arten kommen nur noch vereinzelt vor und sind vom Aussterben bedroht. Um solche Zahlen erheben zu können, müssen so genannte Monitorings durchgeführt werden. Dabei wird die Populationsentwicklung von ökologisch und ökonomisch besonders wichtigen Tierarten wie bestäubende Insekten dokumentiert. Die Taxonomen waren dabei bislang vorrangig auf optische Methoden angewiesen. Doch diese stoßen an Grenzen. Wo bspw. zwei erwachsene Vertreter verschiedener Käferarten an deutlichen Merkmalen zu unterscheiden sind, fehlen diese oft im früheren Larvenstadium.

Die immer schneller und billiger werdende Technologie der Gensequenzierung macht nun Artbestimmung nur anhand von Gewebe- oder DNA-Proben möglich. In einem Partnerlabor in Kanada werden Proben der Tiere auf eine bestimmte DNA-Sequenz hin untersucht und der spezifische Code der Art zugerechnet.

Kleine Handanalysegeräte scheinen in wenigen Jahren denkbar, mit denen jedermann im Feld sofort Bestimmungsanalysen durchführen könnte. Die Methode eröffnet aber auch praktische Möglichkeiten in ganz anderen Bereichen. So kann bspw. der Zoll Betrügereien mit Nahrungsmitteln oder illegalen Handel mit geschützten Arten auf die Schliche kommen. Eine gigantische Chance, denn nach einer konservativen Schätzung von CITES (Convention on International Trade in Endangered Species) lag der umgesetzte Wert der global gehandelten Wildtiere und -pflanzen 2005 rund 249 Mrd. Euro.

Über 3000 Tierarten haben die Münchner Forscher bereits geschafft. Begonnen wurde mit den Arten, die am wichtigsten für Monitorings und Umweltgutachten sind. Barcodes für fast 2000 von 3209 bayrischen Schmetterlingsarten lagen Ende Juni 2010 vor. Über 60 Prozent der über 500 Wildbienenarten, ein Viertel der fast 1000 wasserlebenden Makro-Tierarten wie Köcherfliegen, Libellen und Wasserwanzen sowie Fische werden noch dieses Jahr komplett vorliegen. Über 10.000 sollen es bis 2014 sein. Heilpflanzen wie die genannte Lianenart werden darunter natürlich nicht sein. Doch Haszprunar ist sich sicher: Ein weltweiter Einsatz ist dann nur noch eine Frage der Zeit.

Lesen Sie das NeFo-interview mit Prof. Haszprunar: http://www.biodiversity.de/index.php?option=com_content&view=article&id=...

Kontakt:
Sebastian Tilch
Öffentlichkeitsarbeit Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ Leipzig
Department Naturschutzforschung
Tel. 0341/235-1062
Email: sebastian.tilch@ufz.de
Weitere Informationen:
http://www.biodiversity.de/index.php?option=com_content&view=article&id=... für das Themenpaket und Experteninterviews zur Bedeutung der Taxonomie

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Kann man sich gesund trommeln?

Katharina Thehos, Pressestelle
Technische Universität Chemnitz

Interdisziplinäres Team der TU Chemnitz erforscht im Projekt "The Drum Beat" verschiedene Arten des Trommelns - Kooperationen beim Einsatz in Schulen sowie in der Depressions- und Krebstherapie
Musik, Rhythmus, Bewegung: "Trommeln und Tanzen sind die einfachsten Formen der Kommunikation seit Entstehung der Menschheit und auch heute noch sehr verbreitet, vor allem in Afrika und Asien", berichtet Peter Wright, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur Sportmedizin/-biologie der Technischen Universität Chemnitz. Forscher verschiedener Fakultäten der TU beschäftigen sich im Projekt "The Drum Beat - Chemnitz Drumming Project" mit den Wirkungen und Effekten verschiedener Arten des Trommelns auf Fitness, Gesundheit und Verhalten. Initiiert von der Professur Sportmedizin/-biologie sind inzwischen neben Sportwissenschaftlern und -ingenieuren auch Psychologen, Kommunikations- und Wirtschaftswissenschaftler der TU Chemnitz am Projekt beteiligt.

27 gesunde Erwachsene und elf Kinder haben die TU-Wissenschaftler bei Trainingseinheiten des Fitnesstrends Drums Alive getestet. Zwei Trommelsticks und ein Gymnastikball sind das benötigte Equipment für Drums Alive; vereint werden Elemente von Aerobic, Tanz und Trommeln. "Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Drums Alive eine effektive Trainingsform ist. Alle gemessenen Parameter - also sowohl Herzfrequenz und Blutlaktat als auch das subjektive Belastungsgefühl - zeigen nennenswerte Anstiege, was Drums Alive als Übungsalternative im fitness- und gesundheitsorientierten Sport qualifiziert", sagt Wright. "Allerdings lagen die Blutlaktatwerte in der älteren Untersuchungsgruppe schon nah an der Grenze zum anaeroben Bereich, in dem der Körper den Sauerstoffbedarf nicht mehr decken kann. Das muss vor allem beim Einsatz von Drums Alive bei bestimmten Risikogruppen beachtet werden", deutet er den weiteren Forschungsbedarf an. Aber neben diesen physiologischen Wirkungen könne das Trainingskonzept auch zur Verbesserung verschiedener anderer Fähigkeiten und Fertigkeiten eingesetzt werden: zum Beispiel zur Steigerung der Konzentrationsfähigkeit und der interkulturellen Kompetenz, wie die beiden aktuell laufenden Teilprojekte von "The Drum Beat" zeigen.

Interkulturelle Projektwoche für Schüler

Für 60 Schüler der 8. Klassen des Chemnitzer Georgius-Agricola-Gymnasiums haben Wissenschaftler und Studierende der Professur Interkulturelle Kommunikation der TU Chemnitz kurz vor den Sommerferien eine Projektwoche konzipiert, organisiert und wissenschaftlich begleitet, die unter dem Titel "Cultural Drumming" stand, was gleichzeitig eine Unterart von Drums Alive ist. "Ziel war, die Jugendlichen im Umgang mit kultureller Differenz, Fremdheit und Andersheit zu schulen", berichtet Dr. Maik Arnold, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Professur Interkulturelle Kommunikation, und erzählt: "Cultural Drumming steht für den speziell für diese Zielgruppe entwickelten didaktischen Baustein, der zur Vermittlung interkultureller Kompetenz in Verbindung mit landeskundlichen Lerngegenständen über Japan und den ostasiatischen Kulturraum eingesetzt wurde. Roter Faden der Projektwoche war der Einsatz von Drums Alive." Die Schüler konnten im Rahmen eines fächerübergreifenden Unterrichts von Ethik, Musik, Geografie und Sport neue Themen- und Anwendungsfelder kennenlernen, wie die interkulturelle Kommunikation, kulturelle Vielfalt und Identität, Taiko-Trommeln, Landeskunde Japans und feinmotorische Koordinationsübungen. Sie wurden auch angeleitet, Trommel-Choreographien einzustudieren, und konnten sich in Rollenspielen, Workshops und interaktiven Lernsituationen ausprobieren und ihre Teamfähigkeit schulen. "Besonders gut angenommen haben die Schüler die vielen Trommelaktionen. Die Weiterführung und Wiederholung dieser Projektwoche ist für das kommende Schuljahr bereits geplant", so Arnold.

Trommeln als Therapie

Gerade abgeschlossen haben die Forscher zudem eine Datenerhebung mit 36 Kindern der Dr.-Salvador-Allende-Grundschule Chemnitz, die spezialisiert ist auf die Therapie der Lese-Rechtschreib-Schwäche. "Die Schüler haben zweimal pro Woche Drums Alive-Einheiten absolviert. Erfasst wurde neben den physiologischen Reaktionen und Veränderungen in Konzentration- und Aufmerksamkeitsfähigkeit auch der Spaßfaktor", berichtet Wright.

Dies soll zum einen Grundlage sein für eine längere Studie mit den Grundschülern ab dem kommenden Schuljahr, zum anderen ist es die Basis für eine geplante Untersuchung mit Krebspatienten. "Unsere Forschungshypothese beruht dabei darauf, dass die Nebenwirkungen einer Chemotherapie durch Sport reduziert werden und die Überlebenschance nach der Chemotherapie durch sportliche Betätigung um 70 Prozent steigt. Der besonders hohe Spaßfaktor, den wir beim Trommeln bei unseren bisherigen Studien verzeichnen konnten, lässt uns vermuten, dass das Drumming ein sehr effektives Mittel zur Unterstützung einer Krebstherapie ist", erklärt Wright. Um dies zu erforschen, wollen die Chemnitzer Wissenschaftler mit drei Testgruppen arbeiten und die Behandlung ohne und mit konventioneller Sporttherapie vergleichen zu der Therapie mit Einsatz des Trommelns. "Wir sind mit mehreren Kliniken im Gespräch, mit denen wir kooperieren möchten", so Wright. Bereits jetzt läuft eine Zusammenarbeit mit der Klinik Carolabad in Chemnitz, einem Zentrum für Verhaltensmedizin, Psychosomatik, Psychotherapie und Psychiatrische Rehabilitation. Dabei geht es vor allem um die Therapie von Depressionspatienten. Außerdem geplant sind Untersuchungen mit Senioren sowie mit Parkinson-, Adipositas-, Herz- und Diabetespatienten.

"The Drum Beat" im Internet: http://www.thedrumbeat.de

Weitere Informationen erteilt Peter Wright, Telefon 0371 531-35590, E-Mail peter.wright@hsw.tu-chemnitz.de, sowie zur Projektwoche mit dem Georgius-Agricola-Gymnasium Dr. Maik Arnold, Telefon 0371 531-35559, E-Mail maik.arnold@phil.tu-chemnitz.de.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Energieeffizienz in der Wasserversorgung: Tagung in Osnabrück

Franz-Georg Elpers, Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

auch in der deutschen Wasserwirtschaft führen steigende Energiepreise und die geforderten Anstrengungen für den Klimaschutz dazu, dass Maßnahmen zur Energieeinsparung und zur besseren Ausnutzung der Energie an Bedeutung gewinnen. Fachleute weisen allerdings darauf hin, dass vor allem kleinen und mittleren Wasserversorgungsunternehmen neben der Sicherstellung der Trinkwasserversorgung im betrieblichen Alltag oft wenig Spielraum bleibt, um sich mit Fragen der energetischen Verbesserung zu befassen. Häufig fehlten dazu Zeit, Geld oder eine fachliche Qualifikation. Die Folge: Eine Vielzahl von Einsparpotenzialen wird noch nicht genutzt.

Hier setzt ein seit 2007 von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit 104.000 Euro gefördertes Projekt der Forschungsstelle des DVGW Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches an der Technischen Universität Hamburg-Harburg in Zusammenarbeit mit 14 Wasserversorgungsunternehmen an. Systematisch und umfassend aufgearbeitet, werden darin praxisorientiert Energieeinsparpotenziale und Maßnahmen zur Erhöhung der Energieeffizienz aufgezeigt.

Die Projektergebnisse werden vor allem kleinen und mittleren Wasserversorgungsunternehmen helfen, schnell und einfach Einsparpotenziale zu finden und umzusetzen. Sie werden während der Tagung „Energieeffizienz/ Energieeinsparung in der Wasserversorgung"

am Donnerstag, 9. September,
von 10 bis ca. 16.15 Uhr
im Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK)
der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU),
An der Bornau 2, 49090 Osnabrück,

vorgestellt. Die Veranstaltung richtet sich vorrangig an Betreiber und Planer von Trinkwasserversorgungsanlagen. Wir laden Sie herzlich dazu ein. Informationen zum Programm und zur Anmeldung: www.dbu.de/index.php?menuecms=550&objektid=30322&menuecms_optik=135.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Mit der roten Karte zum Sieg

Michael Seifert, Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

Tübinger Wirtschaftswissenschaftler haben herausgefunden, dass ein Platzverweis die Chancen eines bestraften Fußballteams sogar verbessern kann
Noch zwanzig Minuten zu spielen. Die Heimmannschaft hat sich als stark erwiesen, die Gäste sind in Bedrängnis. Und dann passiert, was die Gäste am wenigsten gebrauchen können: Der Schiedsrichter pfeift und zeigt ihnen die rote Karte. Mit nur zehn Spielern stehen sie dem Heimteam gegenüber. Zwanzig Minuten später ist die Überraschung da, sowohl in den Rängen wie auf dem Spielfeld: Die Gäste haben sich mit ihrer geschrumpften Mannschaft noch verbessert, die Gastgeber lassen enttäuscht die Ohren hängen.

Zehn Spieler schaffen es besser als elf - ist an diesem alten Fußballmythos etwas dran? Diese Frage haben sich vier Wirtschaftswissenschaftler der Universität Tübingen gestellt. Mario Mechtel und Tobias Brändle vom Lehrstuhl für Finanzwissenschaft (Prof. Dr. Laszlo Goerke) haben sich mit Agnes Stribeck und Karin Vetter vom Lehrstuhl für Personal und Organisation (Prof. Dr. Kerstin Pull) zu einem Gemeinschaftsprojekt zusammengetan und den Spielverlauf von 3060 Spielen der Bundesligazeiten 1999/2000 bis 2008/2009 ausgewertet. In dieser Zeit zählten sie insgesamt 672 Platzverweise.

„Als große Fußballfans hat uns die Frage interessiert, ob an dem bekannten Fußballmythos, dass zehn Spieler besser sind als elf, wirklich etwas dran ist", so Mario Mechtel. Ein aktuelles Beispiel für diesen Mythos sei das Halbfinal-Rückspiel der Champions League-Saison 2008/2009 zwischen dem FC Chelsea und dem FC Barcelona. Den Katalanen gelang nach dem Platzverweis gegen ihren Linksverteidiger Eric Abidal in Unterzahl noch der Ausgleichstreffer, der auf Grund des Hinspielergebnisses gleichbedeutend war mit dem Einzug in das Finale. Die jüngste Fußballgeschichte habe denn auch gleich ein Beispiel parat: „Hätte Luis Suárez, Nationalspieler Uruguays, nicht in der 120. Minute des Viertelfinals gegen Ghana den Ball mit der Hand von der eigenen Torlinie gekratzt - ihm wäre der folgende Platzverweis zwar erspart geblieben, sein Team allerdings hätte durch das entscheidende (von ihm aber verhinderte) Tor den Heimflug antreten müssen."

Das Ergebnis der Studie ist differenziert, aber statistisch gut abgesichert: Eine Gastmannschaft kann in der Tat von einem Platzverweis - sei es die rote Karte oder eine wiederholte gelbe Karte - profitieren. Voraussetzung ist aber, dass die Mannschaft nur noch höchstens 20 Minuten in reduzierter Besetzung spielen muss. Sonst hält das bestrafte Gastteam nicht durch. Etwas anders sieht es für Heimmannschaften aus: Sie können von einer roten Karten überhaupt nicht profitieren. Eine personelle Schwächung schlägt sich mit großer Wahrscheinlichkeit negativ im Spielergebnis nieder.

Die vier Tübinger Wissenschaftler sind nicht die ersten, die solch eine Analyse vorgenommen haben. Doch im Unterschied zu anderen Forschern haben sie in ihre statistische Analyse zwei weitere wichtige Faktoren einbezogen: die Stärke der beiden Teams, gemessen an ihren Ergebnissen im Verlauf der jeweiligen Saison, und die Stärke der Teams bei Heimspielen. So konnten sie besonders gut zwischen Heim- und Auswärtsspielen unterscheiden, und außerdem erlaubte das Verfahren, Korrekturen für den Fall in die Analyse einzubauen, dass zwei Teams mit sehr unterschiedlicher Stärke aufeinandertrafen. Zudem berücksichtigen die vier Tübinger Forscher auch die Verläufe von Spielen ohne Platzverweise, um statistisch untersuchen zu können, ob die gefundenen Effekte wirklich von den Platzverweisen stammen oder durch andere Einflüsse erklärbar sind. Tobias Brändle: „Aus der bloßen Beobachtung heraus, dass eine Mannschaft in Unterzahl noch zwei Gegentore bekommen hat, kann man nicht sagen, ob diese wirklich durch den Platzverweis induziert waren. Wir versuchen durch unsere Analyse auch zu berücksichtigen, wie ein Spiel ohne Hinausstellung ausgegangen wäre - daher untersuchen wir auch Spiele ohne Platzverweise. So können wir einen kausalen Zusammenhang zwischen Platzverweis und Spielergebnis herleiten."

Das teilweise überraschende Ergebnis beleuchten die Forscher in ihrer Arbeit im Lichte verschiedener theoretischer Ansätze aus der Ökonomie. Einerseits führt die Hinausstellung eines Spielers zu einer suboptimalen Zusammensetzung der Mannschaft, da die verbleibenden Spieler dessen Rolle übernehmen müssen. Andererseits ruft ein Platzverweis einen Motivationseffekt bei den verbleibenden Spielern hervor. Jeder von ihnen muss nun mehr Verantwortung übernehmen und kann sich weniger gut hinter seinen Mitspielern verstecken. Des Weiteren müssen sowohl die dezimierte als auch die gegnerische Mannschaft ihre Taktik und Spielart an die neue Situation anpassen. Diese Anpassung sollte tendenziell derjenigen Mannschaft leichter gelingen, die die einfachere Aufgabe zu erfüllen hat.

Und woher kommt es, dass Gastgeber und Gäste so unterschiedlich auf eine Bestrafung reagieren? Auch dafür haben die Wissenschaftler eine Erklärung. Empirische Analysen zeigen, dass Auswärtsmannschaften im Durchschnitt defensiver auftreten als Heimteams. Dabei wird es in der Regel als leichter eingestuft, kompakt zu verteidigen, als selbst das Spiel machen zu müssen. Die Anpassung an die neue Spielsituation nach dem Platzverweis sollte daher Auswärtsmannschaften besser gelingen als Heimmannschaften. Die Heimmannschaft hat deswegen keinen Spielraum mehr, eine Schwächung durch zusätzliche Motivation auszugleichen. Der positive Motivationseffekt macht jedoch auch die geschwächten Gäste nur für eine begrenzte Zeit zu Überfliegern. Trifft sie die Strafe früher als in der siebzigsten Minute, können sie ihre personelle Unterlegenheit nicht bis zum Ende durch mehr Einsatz ausgleichen.

Im Übrigen sind die Auswirkungen eines Platzverweises auf das Spielergebnis unabhängig von der Zuschauerzahl und der Frage, ob es sich um ein Derby handelt.

Aus der Untersuchung lasse sich, so Mario Mechtel, ganz klar eine Empfehlung für das Spiel einer Gastmannschaft ableiten: „Ein Platzverweis gegen die Gastmannschaft wirkt sich nur dann negativ auf ihr Abschneiden aus, wenn er vor der 70. Minute gegeben wird. Foulspiele oder andere zu Platzverweisen führende Aktionen zahlen sich für Gastmannschaften also durchaus positiv aus, wenn sie nicht zu früh im Spiel stattfinden." Ein Platzverweis gegen die Heimmannschaft wirke sich hingegen negativ auf ihr Abschneiden aus. Im Durchschnitt verschlechtere sich das Ergebnis (gemessen am Unterschied zwischen den Toren der Heim- und der Gastmannschaft) durch den Platzverweis um ein halbes Tor.

Die Studie ist abrufbar unter http://ssrn.com/abstract=1571867

Kontakt:
Diplom-Volkswirt Mario Mechtel
Universität Tübingen, Lehrstuhl für VWL, insb. Finanzwissenschaft
Tel: 0 70 71 - 29 - 7 81 82; Fax: 0 70 71 - 29 - 55 90

Eberhard Karls Universität Tübingen
Hochschulkommunikation
Abteilung Presse und Forschungsberichterstattung
Michael Seifert
Wilhelmstr. 5 · 72074 Tübingen
Tel.: 0 70 71 · 29 · 7 67 89 · Fax: 0 70 71 · 29 · 5566
E-Mail: michael.seifert@uni-tuebingen.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Wie Wildtiere mit der Hitze fertig werden

Eva Goris, Kommunikation
Deutsche Wildtier Stiftung

Das Hoch hält Deutschland fest im Griff. Um unbeschadet auf der Hitzewelle zu surfen, soll der Mensch viel trinken, leicht essen sowie Sonne und Stress meiden. Wie aber schützen sich Wildtiere vor der Hitze?
Fell und Federn haben oft keine oder nur sehr wenige Schweißdrüsen. „Deshalb macht es der Fuchs wie unser Haushund: er hechelt", erläutert Andreas Kinser, Experte der Deutschen Wildtier Stiftung. „Speichel verdampft dabei über die Zunge und die verdunstende Feuchtigkeit kühlt den Körper ab." Selbst Vögel hecheln, wenn ihnen zu heiß ist. Außerdem suchen sie Badestellen auf. Der Storch hingegen hat ein anrüchiges „Kot-Kühlsystem" entwickelt: Er bekotet seine langen Beine, um durch Verdunstung einen Kühleffekt zu erzielen. „Der Feldhase hat eine körpereigene Klimaanlage, die über die langen Ohren funktioniert", so Kinser. „Er benutzt die Löffel als Hitzeableiter."

Ansonsten verhalten sich Wildtiere bei hohen Temperaturen in zwei wesentlichen Punkten wie der Mensch: Sie meiden die Mittagshitze und gehen gern baden! „Bei Rothirschen und Wildschweinen spricht man vom Suhlen", erläutert Andreas Kinser. Die Schlammpackung aus den sumpfigen Tümpeln wehrt gleichzeitig lästige Insekten ab und dient der Körperpflege. „Gerade bei hochsommerlichen Temperaturen genießen Wildschweine das kühlende Bad im Matsch und schützen sich dadurch auch vor Parasiten wie Mücken, Bremsen und Zecken." Hirsche gehen an heißen Tagen sogar gerne in tiefe Gewässer und nehmen ein ausgiebiges Vollbad.

Rehe hingegen meiden selbst bei allergrößter Hitze das Wasser. „Sie suhlen nie", sagt Andreas Kinser. „Dafür pflegen sie eine südeuropäische Traditionen: Sie halten bis in die kühleren Abendstunden Siesta. Erst dann werden sie wieder aktiv und gehen auf Nahrungssuche." Stress ist daher für alle hitzegeplagten Wildtiere ein Problem. Deshalb die Bitte der Deutschen Wildtier Stiftung an alle Spaziergänger, die vor der Hitze in den Wald fliehen: „Bleiben Sie auf den Wegen und leinen Sie Hunde an. Damit unsere wilden Tiere nicht in Stress geraten!"

Kostenloses Bildmaterial: www.Presse.DeutscheWildtierStiftung.de

Weitere Informationen:

Eva Goris, Pressesprecherin, Billbrookdeich 216, 22113 Hamburg, Telefon 040 73339-1874,Fax 040 7330278, E.Goris@DeutscheWildtierStiftung.de, www.DeutscheWildtierStiftung.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Startsignal für gemeinsame Wasserforschung

Dipl.-Met. Alfred Hommes, Referat Öffentlichkeitsarbeit
Bundesanstalt für Gewässerkunde

Der Präsident der Universität Koblenz-Landau, Professor Dr. Roman Heiligenthal, sowie Direktor und Professor Michael Behrendt, Leiter der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) in Koblenz, gaben heute das Startsignal zur Kooperation beider Häuser auf dem Gebiet der Forschung und Entwicklung.
Professor Dr. Roman Heiligenthal, Präsident der Universität Koblenz-Landau, und Direktor und Professor Michael Behrendt, Leiter der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) in Koblenz, gaben heute das Startsignal zur Kooperation beider Häuser auf dem Gebiet der Forschung und Entwicklung. "Wir verknüpfen die Kompetenzen und das Know-How beider Institutionen, um gemeinsam die umweltwissenschaftliche Forschung voranzutreiben. Davon wird auch die Lehre an der Universität profitieren" ist Roman Heiligenthal überzeugt.

Ziel eines jetzt gestarteten Projektes ist die Bewertung der Umweltverträglichkeit von Stoffen im Wasserbau. Dazu wurden im „Institut für Integrierte Naturwissenschaften (IfiN)" in Koblenz-Metternich sechs große Fließrinnen-Systeme aufgebaut. Das Wasser wird in jeder Rinne auf einer Länge von sieben Metern mit einer Strömung von 0,3 bis 0,4 m/s im Kreis geführt. In diesen Rinnen können die Wasserbaumaterialien 1:1 unter den Bedingungen untersucht werden, wie sie auch in Bundeswasserstraßen vorherrschen.

Michael Behrendt begrüßt die gelebte Nähe zur benachbarten Universität. Mit der Arbeitsteilung zwischen Universität und Bundesanstalt ergeben sich vielfältige Möglichkeiten der Unterstützung. Wissenschaftlichem Nachwuchs wird Praxisnähe und Gestaltungsspielraum im nachhaltigen Umgang mit den Gewässern geboten. Behrendt betont die Rolle der jungen Wissenschaftler, die heute mit anderem Selbstbewusstsein forschen und gestalten als dies noch in Zeiten des großen Abstands zwischen den technischen und ökologischen Fachrichtungen der Fall war. „Wichtig ist, die Studierenden noch mehr für die angewandte Wasserforschung zu begeistern".

Hervorzuheben ist die logistische Meisterleistung für den Start der Untersuchungen. Immerhin mussten 4000 Liter Rheinwasser zusammen mit einer acht Zentimeter dicken Rheinkies-Schicht in die Rinnen gefüllt werden. 1500 kleine wirbellose Tiere (Schnecken, Muscheln, Kleinkrebse, Würmer) wurden im Rhein gesammelt, gezählt, sortiert und auf die Rinnen verteilt. Von Elektromotoren angetriebene Schaufelräder erzeugen Strömungsverhältnisse, wie sie z. B. auch im Rhein zu finden sind.

Nachdem sich die Tiere an ihre „neue Heimat" gewöhnt haben, werden die zu testenden Steine in die Rinnen eingebracht und die Untersuchung damit gestartet. „In spätestens anderthalb Jahren werden die Ergebnisse der Versuchsläufe vorliegen", bestätigt Dr. Peter Heininger, Leiter der Abteilung „Qualitative Gewässerkunde" in der BfG.

Fachlich koordiniert wird das Projekt in der BfG durch PD Dr. Jochen Koop und am IfiN durch Prof. Dr. Werner Manz und Prof. Dr. Ulrich Sinsch.

Weitere fachliche Informationen: PD Dr. Jochen Koop, Bundesanstalt für Gewässerkunde, Am Mainzer Tor 1, 56068 Koblenz, Tel. 0261/ 1306 5404, Fax: 0261/ 1306 5302, E-mail: koop@bafg.de,

Kontakt und Adresse für Belegexemplar: Benno Dröge, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Bundesanstalt für Gewässerkunde, Am Mainzer Tor 1, 56068 Koblenz, Tel. 0261/ 1306-5461, Fax: 0261/ 1306 5333, E-mail: droege@bafg.de

Weitere Informationen:
http://www.bafg.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Förderung von Innovationen für die Aquakultur

Dr. Holger Stöppler-Zimmer, Projektträger Innovationsförderung
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Nach Angaben der Welternährungsorganisation (FAO) liefert die Aquakultur weltweit bereits 50 Prozent des für die menschliche Ernährung bestimmten Fisches. Sie ist der am schnellsten wachsende Bereich der weltweiten Tierproduktion. Die demographische Entwicklung und steigende Einkommen großer Teile der Weltbevölkerung lassen eine verstärkte Nachfrage nach hochwertigen Fischprodukten in Industrieländern, Schwellenländern und urbanen Zentren der Entwicklungsländer erwarten. Außerdem kann die Aquakultur einen Beitrag zur Sicherung der Eiweißversorgung im Sinne der weltweiten Ernährungssicherung leisten.
Zugleich birgt eine nicht standortgerechte und nicht nachhaltige Aquakulturproduktion auch erhebliche Risiken für Mensch, Tier und Umwelt. Dies wird zum Beispiel an dem hohen Fischmehlbedarf, an Krankheitsproblemen durch starken Besatz oder an Belastungen der umgebenden Lebensräume deutlich.

Gefördert werden innovative Vorhaben der industriellen Forschung und der experimentellen Entwicklung. Sie sollten geeignet sein, neue Möglichkeiten für die Aquakulturproduktion in Deutschland zu erschließen oder den Beitrag Deutschlands zur nachhaltigen Sicherung der Welternährung durch Aquakultur zu erhöhen.

Mit dem Programm zur Innovationsförderung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) sollen Forschung und Entwicklung, Wissenstransfer und bessere Rahmenbedingungen für Innovationen in der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft sowie im Verbraucherschutz unterstützt werden. Es beinhaltet die Förderung von technischen und nicht-technischen Innovationen sowie von Vorhaben zur Steigerung der Innovationsfähigkeit einschließlich des Wissenstransfers. Jährlich stehen hierfür mehr als 20 Millionen Euro zur Verfügung.

Weitergehende Informationen sowohl zum Programm zur Innovationsförderung als auch zu spezifischen Richtlinien sind auf der unten genannten BLE-Homepage unter zu finden. Hier besteht auch die Möglichkeit, sich für einen Newsletter anzumelden.

Für Fragen steht der Projektträger Innovationsförderung in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gerne zur Verfügung (Dr. Holger Stöppler-Zimmer: Tel. 0228-6845-3281; E-Mail: innovation@ble.de).

Weitere Informationen:
http://www.ble.de/innovationsfoerderung (Programm des BMELV zur Innovationsförderung, aktuelle und vergangene Bekanntmachungen zu verschiedenen Themengebieten, Merkblätter, Newsletter-Anmeldung usw.)

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Ein Drittel der psychisch kranken Arbeitnehmer wird durch Vorgesetzte und Kollegen stigmatisiert

Tanja Schmidhofer, Pressestelle
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München

Wie steht es um die psychische Gesundheit von deutschen Arbeitnehmern? Nicht zuletzt durch die 2009 aufgetretene Suizidserie bei Mitarbeitern von France Telecom und ähnliche Ereignisse bei chinesischen Arbeitern hat diese Frage eine aktuelle Brisanz. Um mehr darüber zu erfahren, befragten Wissenschaftler des Klinikums rechts der Isar der TU München 312 deutsche Psychiater. Die Untersuchung ergab eindeutige Ergebnisse:

85 Prozent der befragten Psychiater hatten den Eindruck, dass der Anteil der Patienten, bei denen die Arbeitsbedingungen einen krankmachenden Faktor darstellten, in den letzten zehn Jahren deutlich angestiegen ist: Bei 26 Prozent ihrer Patienten sind die Arbeitsbedingungen Hauptauslöser der psychischen Erkrankung.

Sind die Betroffenen erst einmal manifest erkrankt und müssen krankgeschrieben werden, wird - nach Erfahrung der Psychiater - rund ein Drittel von ihnen von Vorgesetzten und / oder Kollegen nach der Rückkehr an den Arbeitsplatz stigmatisiert. Dies könnte auch ein Grund dafür sein, warum sie 38 Prozent ihrer Patienten davon abraten, Vorgesetze über ihre psychische Erkrankung zu informieren.

Welche Möglichkeiten gibt es, das Arbeitsleben für alle Beteiligten erfolgreicher zu gestalten?
Auch hier wurden die behandelnden Psychiater nach ihrer Einschätzung gefragt. Fast alle (94 Prozent) befürworteten Schulungen von Führungskräften zum richtigen Umgang mit psychisch kranken Mitarbeitern sowie deren gezielte Unterstützung durch Einzelfallberatung in schwierigen Situationen. Die Mehrheit der Psychiater (84 Prozent) sprach sich zusätzlich für betriebsinterne Aufklärungskampagnen zum Thema Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz aus.
Ausführlichere Informationen zur Studie sind in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Wirtschaftspsychologie aktuell (2/2010) zu finden (http://www.wirtschaftspsychologie-aktuell.de).

Als Konsequenz der Forschungsergebnisse bietet das Centrum für Disease Management am Klinikum rechts der Isar inzwischen in zahlreichen Unternehmen Schulungsprogramme für Führungskräfte an, in denen diese lernen, die psychischen Belastungen ihrer Mitarbeiter zu reduzieren und Stigmatisierung zu vermeiden.

Kontakt und weitere Informationen:
Centrum für Disease Management, Technische Universität München
Dr. Rosmarie Mendel
Tel.: 089 / 4140-6683
E-Mail: r.mendel@lrz.tum.de
Homepage: http://www.cfdm.de/works

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Sahelstaub - Nature-Studie belegt menschlichen Einfluss

Albert Gerdes, Pressestelle
MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

Staub über dem Sahel

Schätzungsweise eine Milliarde Tonnen Staub werden jährlich in der Sahara und der südlich angrenzenden Sahelzone aufgewirbelt und u.a. mit den Passatwinden Richtung Atlantik transportiert. Seit mehr als 200 Jahren beeinflusst der Mensch diesen Prozess nachhaltig. Das belegt erstmals eine Studie, die MARUM-Wissenschaftler Dr. Stefan Mulitza und Kollegen am 8. Juli 2010 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichen. Demnach trug der exportorientierte, kommerzielle Ackerbau im Lauf der Kolonisierung der schwarzafrikanischen Staaten zur Verwüstung des Sahel und zur erhöhten Bodenerosion bei.
Nature-Studie belegt menschlichen Einfluss auf Bodenerosion und Staubentwicklung

Die Belege stammen aus mehreren Sedimentkernen, die Bremer Geowissenschaftler während einer Expedition mit dem Forschungsschiff METEOR etwa 30 Kilometer vor der mauretanischen Küste in 323 Meter Wassertiefe gewannen. Einer dieser Kerne ist knapp fünfeinhalb Meter lang. In ihm ist die Klima- und Umweltentwicklung des Sahel während der letzten 3.200 Jahre gespeichert. „Beim Stichwort Sahelzone denken wir meist an die schreckliche Dürre in den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts", sagt Stefan Mulitza, Fahrtleiter der Expedition und Erstautor des Nature-Artikels. „Wir können jetzt nachweisen, dass menschliche Einflüsse in den letzten 200 Jahren die natürliche Erosion und Staubentwicklung in Westafrika überprägt haben."

Im Zeitraum von 1.200 Jahren vor bis etwa 200 Jahre nach Christi Geburt herrschte im Sahel ein eher feuchtes Klima. Davon zeugen feinkörnige Ablagerungen, die viel Aluminium bzw. Eisen enthalten und vom Senegal-Fluss in den Atlantik gespült wurden. Danach wird das Klima zunehmend trockener, insbesondere zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert. Die ausbleibenden Niederschläge reißen Lücken in die Vegetationsdecke, und die Erosion nimmt zu. Gröbere, siliziumreiche Partikel, die mit den Passatwinden in den Atlantik driften, prägen die Meeresablagerungen dieses Zeitraums.

„Weniger Niederschlag, mehr Staub; dieser Zusammenhang leuchtet ein und wird durch unsere geochemischen Analysen auch bestätigt - zumindest bis ins 18. Jahrhundert", sagt Dr. Mulitza. Danach koppelt sich die Staubentwicklung allmählich von der Niederschlagsmenge ab. „Aus den Ablagerungen lesen wir heraus, dass ab dem 18. Jahrhundert trotz zunächst höherer Niederschläge auch die Staubmengen zunehmen."

Die Gründe liegen auf der Hand: Mit dem Einzug der Kolonialherren verändert sich die afrikanische Landwirtschaft grundlegend. Die Produktionsweise wird im Lauf der Zeit vom Anbau der für den Export bestimmten „Cash crops" dominiert. „Die stärkste Zunahme der Erosion bzw. der größte Anstieg des Staubeintrags in den Atlantik fällt bezeichnenderweise mit dem flächendeckenden Anbau von Erdnüssen im Senegal, in Nigeria und Gambia im 19 Jahrhundert zusammen", bilanziert Stefan Mulitza. Durchrationalisierte Erdnusspflanzungen benötigen große Flächen und viel Licht. Deshalb wird verstärkt gerodet. Die jetzt offenere, teils lückenhafte Vegetationsdecke ist anfälliger für Erosion. Als Folge wird mehr Staub aufgewirbelt und aufs Meer verweht.

„Lokal könnte der höhere Staubgehalt der Atmosphäre die Dürre im Sahel noch verstärkt haben. Mehr Staub in der Atmosphäre heißt weniger Sonneneinstrahlung und eine kühlere Erdoberfläche. Das kann sich negativ auf die während des Monsuns fallenden Niederschläge auswirken", sagt Stefan Mulitza.

Weitere Informationen/Interviewanfragen/Bildmaterial:
Albert Gerdes Dr. Stefan Mulitza
MARUM-Öffentlichkeitsarbeit MARUM
Tel. 0421 - 218-65541 Tel. 0421 - 218-65536
Email: agerdes@marum.de Email : smulitza@uni-bremen.de
www.marum.de

Das MARUM entschlüsselt mit modernsten Methoden
und eingebunden in internationale Projekte
die Rolle des Ozeans im System Erde -
insbesondere im Hinblick auf den globalen Wandel.
Es erfasst die Wechselwirkungen
zwischen geologischen und biologischen Prozessen im Meer
und liefert Beiträge für eine nachhaltige Nutzung der Ozeane.

Weitere Informationen:
http://www.marum.de/PR.html
http://www.marum.de/en/PR.html

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Roboter, mix mir einen Drink!

Stephanie Bertenbreiter, Pressestelle
Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik

Tübinger Doktorand gewinnt internationale Auszeichnung.
Gedämpftes Licht, ruhige Musik, Gelächter: Hinter der Bar wirbeln die Flaschen durch die Luft und die Eiswürfel klirren in den Gläsern, während Drink um Drink gemixt wird. Fasziniert schauen die Gäste dem Barkeeper zu. Doch dieser ist kein Mensch, sondern ein intelligenter Roboter. Diese Vision hat Oliver Kroemer: Ein Roboter der ihm Drinks mixt, am besten White Russian. Der 23-jährige Doktorand vom Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik bringt Maschinen das Denken bei. Was für einen Menschen ganz einfach ist, bedeutet viel Programmierarbeit bei einem Roboter. Das Glas muss richtig gegriffen werden - nicht zu fest, damit es nicht zerbricht, auch nicht zu locker, sonst fällt es aus der Hand. Zwischen all den Flaschen und Gläsern muss auch noch das Richtige ergriffen werden. Für seine Arbeit bekam Kroemer jetzt auf der einer internationalen Informatik und Automatisierung Konferenz (ICINCO) den Preis für das beste Forschungsergebnis.

Die Konferenz über die Anwendungen der Informationsverarbeitung in der Robotik (INCINO - International Conference on Informatics in Control, Automation and Robotics) findet jährlich in Portugal statt und ist eine der größten Tagungen in diesem Bereich. Etwa tausend Veröffentlichungen werden jedes Jahr eingereicht, von denen die Beste ausgezeichnet wird. Die Auswahl basiert auf der Originalität, der Qualität sowie der Signifikanz und der Relevanz der Arbeit auf die zukünftige Forschung. Der erst 23-jährige Doktorand Oliver Kroemer ist einer der jüngsten Gewinner.

Obwohl er in Deutschland geboren wurde, hat der junge Wissenschaftler einen Großteil seines Lebens im Ausland verbracht. Er wohnte in den Vereinigten Staaten und in Norwegen. Die längste Zeit, die er in einem Land lebte, waren die acht Jahre in England. Dort studierte er an der Universität Cambridge Ingenieurwissenschaften. Für seine Arbeit gewann er viele Preise. Seit Januar 2009 arbeitet er als Doktorand am Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen im Roboter-Lern-Labor von Jan Peters. Dort bringt er Robotern bei, was kleine Kinder ganz von alleine lernen: das Hand-Augen-System richtig zu kombinieren und dann ein Objekt fehlerfrei zu greifen. „ Seit meiner Kindheit, habe ich ein großes Interesse an Robotern." erzählt Oliver Kroemer. „Meine Eltern hatten eine Sammlung von Spielzeugrobotern und die haben mich schon immer fasziniert Ich finde es schön die Umsetzung meiner Arbeit auf den Roboter zu sehen, und das die Roboter dann in der Lage sind über vorprogrammierte Bewegungen hinaus zu lernen."

Greifen ist eine der wichtigsten Fähigkeiten für zukünftige Dienstroboter. Die klassische Robotik entwickelt Maschinen, die auf bestimmte Aufgaben zu geschnitten sind. Der Programmier legt fest, welche Bewegung der Roboter mit wie viel Kraft ausführen soll. Um einen Gegenstand aus mehreren gezielt aufzunehmen, würden traditionelle Robotertechniken einen passenden Punkt bestimmen und dann einen Bewegungsplaner benutzen um das Zielobjekt zu ergreifen. Dieser würde sehr genaue Information über die Umgebung und lange Berechnungszeiten benötigen. Daher werden Methoden benötigt, die mit Information aus Standardtechniken arbeiten können und nur die notwendigsten Annahmen über die Umgebung machen müssen. Oliver Kroemer schlägt in seiner Arbeit Techniken vor, in welchen der Roboter die programmierten und gelernten Bewegungen selbst modifizieren kann um sie der jeweiligen Situation anzupassen.

Publikation:
Kroemer, O., R. Detry, J. Piater and J. Peters: Grasping with Vision Descriptors and Motor Primitives. Proceedings of the 7th International Conference on Informatics in Control, Automation and Robotics (ICINCO 2010), 1-8 (accepted) (06 2010)

Weitere Informationen über Oliver Kroemer:
http://www.robot-learning.de/Member/OliverKroemer
http://www.robot-learning.de/Member/CVOliverKroemer

Kontakt:
Oliver Kroemer
Tel.: 07071 601-585
E-Mail: oliver.kroemer@tuebingen.mpg.de

Jan Peters
Tel.: 07071 601-585
E-Mail: jan.peters@tuebingen.mpg.de

Stephanie Bertenbreiter (Presse- Öffentlichkeitsarbeit)
Tel.: 07071 601-472
E-Mail: Presse@tuebingen.mpg.de

Das Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik forscht an der Aufklärung von kognitiven Prozessen auf experimentellem, theoretischem und methodischem Gebiet. Es beschäftigt rund 325 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus über 40 Ländern und hat seinen Sitz auf dem Max-Planck-Campus in Tübingen. Das MPI für biologische Kybernetik ist eines der 80 Institute und Forschungseinrichtungen der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Weitere Informationen:
http://tuebingen.mpg.de/startseite/detail/roboter-mix-mir-einen-drink.html

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Warum rauchen Menschen? Individueller Aufwand ist entscheidend für Einstieg und Entzug

Luise Dirscherl, Stabsstelle Kommunikation und Presse
Ludwig-Maximilians-Universität München

LMU-Soziologen haben in dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt „Theorie und Empirie des Zigarettenkonsums" untersucht, warum Menschen überhaupt rauchen. „Bisherige Studien haben sich vor allem auf das Umfeld der Raucher konzentriert", sagt der LMU-Soziologe Thomas Wimmer. „Das klingt dann etwa so: Peter raucht, weil sein bester Freund Dieter raucht.
Dieter raucht, weil seine Eltern rauchen, und Dieters Eltern rauchen, weil ihre besten Freunde damals alle geraucht haben." Weil dieses Imitationsprinzip letztlich zirkulär ist, haben die Forscher nun eine andere Herangehensweise gewählt und verstärkt auf das Individuum geachtet. Dabei gehen sie davon aus, dass es sich beim Rauchen um ein jugendtypisches Verhalten handelt, das prinzipiell für alle Jungendlichen eine gewisse Attraktivität besitzt. Ob jemand dann tatsächlich Raucher wird, hängt in erster Linie von den individuellen Kosten ab - und damit von dem Aufwand, den das Laster verlangt. Das sind zum einen die tatsächlichen finanziellen Kosten über den Zigarettenpreis. Dazu kommen aber zum Beispiel auch Kosten in Form von fehlender sozialer Anerkennung durch die Eltern, wenn Jugendliche gegen deren Willen rauchen. „Auch ein absolutes Rauchverbot in der Öffentlichkeit zählt übrigens zu den Kostenfaktoren", betont Wimmer. „Wenn das Rauchen in der Öffentlichkeit verboten ist, wird es für Raucher schlicht und ergreifend schwieriger, ihrem Laster nachzugehen."

Ausgangspunkt der nun vorliegenden Studie ist eine einfache Annahme: Rauchen ist ein typisches Verhalten für Jugendliche und damit wohl auch für nahezu jeden Heranwachsenden attraktiv. Welche Faktoren entscheiden aber dann, ob jemand tatsächlich zum Raucher wird oder dieses Laster wieder aufgibt? „Für den Raucheinstieg gibt es mehrere entscheidende Faktoren, die wir als Kosten definieren", sagt Wimmer. „So hängt es natürlich vom individuellen Budget ab, ob sich ein Jugendlicher das Rauchen leicht, gerade so oder gar nicht leisten kann. Doch der Zigarettenpreis ist nur ein Kostenfaktor. Das Verhalten der Eltern spielt auch eine wichtige Rolle, vor allem ihre Position zum Rauchen: Wenn sie ein Verbot aussprechen, steigen die Kosten für das Kind, weil es sich über die Eltern hinwegsetzen muss." Wie lange Raucher ihrem Laster frönen, hängt dagegen von der Stärke ihrer Gewohnheit, ihrem Gesundheitsbewusstsein und der Einstellung ihres Lebenspartners ab."

Eine absolute Trefferquote ist utopisch, wenn es um menschliches Verhalten geht. Prognostiziert man mit den genannten Erklärungsfaktoren, ob ein Jugendlicher rauchen wird, so liegt man jedoch in rund 80 Prozent der Fälle richtig. Dies wiederum werten die Forscher als Maß für die Aussagekraft ihrer Modelle. „Ein absolutes Rauchverbot in der Öffentlichkeit geht natürlich als Kostenfaktor in die Entscheidung für oder gegen das Rauchen ein", betont Wimmer. „Wenn es sich um ein soziales Verhalten handelt wie beim Rauchen, sollte man mit Prognosen jedoch vorsichtig sein. Da ist ein Rauchverbot per Gesetz, das alle betrifft, dann doch etwas anderes als ein nichtrauchender Lebenspartner, der darauf besteht, dass in der Wohnung nicht geraucht wird." (suwe)

Ansprechpartner:
Dipl. Soz. Thomas Wimmer
Institut für Soziologie der LMU
Tel.: 089 / 2180 - 3256
E-Mail: wimmer@soziologie.uni-muenchen.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Biologen der Uni Stuttgart identifizieren drei neue Bärtierchenarten - Vom Norden Alaskas bis zum Pazifik

Andrea Mayer-Grenu, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Stuttgart

Tardigraden, auch Bärtierchen genannt, sind Überlebenskünstler. Sie besitzen die bemerkenswerte Fähigkeit, vollständige Austrocknung oder Gefrieren zu überleben - ohne jeglichen Schaden! Von den 0,2 bis 1,0 Millimeter großen Organismen, die vor allem im Süßwasser und in Lebensräumen wie Moospolstern und feuchten Böden vorkommen, waren bisher rund 1.000 Arten bekannt. Dr. Ralph Schill vom Biologischen Institut der Universität Stuttgart und Kollegen von der Uni Würzburg entdeckten dank einer neuen Methode nun drei weitere Arten und publizierten ihre Arbeit im Journal „Organisms, Diversity & Evolution".*)
Die drei „neuen" Bärtierchen stammen von der tropischen Inselgruppe Palau im Indopazifik, aus dem kalten Norden Alaskas, sowie aus Kenia und heißen dementsprechend Paramacriobiotus palaui, Paramacriobiotus fairbanksi und Paramacriobiotus kenianus. Sie wurden schon seit einiger Zeit als kryptische Arten angesehen, die sich jedoch so ähnlich sahen, dass es nicht möglich war, sie auseinander zu halten. Daher wendeten die Forscher - erstmals bei den Bärtierchen - die so genannte CBC-Methode (Compensatory Base Change) an. Mit molekurlarbiologischen und bioinformatischen Techniken wird dabei ein Teil der ribosomalen Gene (rDNA) vervielfältigt, sequenziert, in ihre natürliche Struktur gefaltet und dann auf Basenaustausche hin untersucht. Mit einer 93-prozentigen Wahrscheinlichkeit lassen sich so neue Arten anhand ihres Erbgutes identifizieren, die mit herkömmlichen Sequenzen nicht ausreichend unterscheidbar sind. Zusammen mit weiteren molekularbiologischen, biochemischen und physikalischen Markern haben die Stuttgarter Forscher Gewissheit bekommen, dass sie es wirklich mit drei verschiedenen Arten zu tun haben.
Bärtierchen, die das Austrocknen und Gefrieren perfekt beherrschen, stellen ein ideales Modellsystem dar, um diese Überlebensmechanismen zu untersuchen. „Ein besseres Verständnis dieser Prozesse wird zu der Entwicklung neuer Methoden führen, die es ermöglichen, Zellen und ganze Organismen ohne Schäden zu konservieren. Dies wäre ein großer Vorteil für viele Gebiete im biomedizinischen Bereich und im Lebensmittelbereich", betont Schill.

Tardigraden wurden das erste Mal von dem Pastor Johann August Ephraim Goeze als „kleine Wasserbären" literarisch erwähnt. Er schrieb „...Seltsam ist dieses Thierchen, weil der ganze Bau seines Körpers ausserordentlich und seltsam ist, und weil es in seiner äusserlichen Gestalte, dem ersten Anblicke nach, die größte Ähnlichkeit mit einem Bäre im Kleinen hat. Dies hat mich auch bewogen, ihm den Namen des kleinen Wasserbärs zu geben".

*) Ralph O. Schill & Frank Förster & Thomas Dandekar & Matthias Wolf (2010). Using compensatory base change analysis of internal transcribed spacer 2 secondary structures to identify three new species in Paramacrobiotus (Tardigrada). Organisms, Diversity & Evolution. DOI 10.1007/s13127-010-0025-z
http://www.springerlink.com/content/121594/?Content+Status=Accepted

Kontakt und weitere Informationen bei Dr. Ralph Schill, Biologisches Institut der Universität Stuttgart, Tel. 0172/7304726 , e-mail: ralph.schill@bio.uni-stuttgart.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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eBay-Beschwerden: Deutsche drohen, Briten fluchen

Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

„rotten service!!", „nie wieder!!!!!!" Frustrierte eBay-Kunden nehmen im anonymen Feedback-Forum der Handelsplattform meist kein Blatt vor den Mund. Die Linguistin und Anglistin Marja Meinl war von diesen noch kaum erforschten Online-Sprechakten so begeistert, dass sie ihre Dissertation zu kulturellen Vergleichen britischer und deutscher Beschwerdeeinträge bei eBay schrieb. Ergebnis: Deutsche drohen schneller mit dem Anwalt als eBay-Kunden von der Insel. Letztere zeigen sich dafür in der Anonymität des Internet oft alles andere als britisch-höflich.
Meinl wählte für ihre Studie insgesamt 400 Beschwerdeeinträge der deutschen und englischen eBay-Seiten aus. „Die meisten beschweren sich, weil sie ihre gekaufte Ware nicht erhalten haben oder weil die Ware anders ist als erwartet oder beschrieben", erklärt sie. Hinzu kommen Doppelbeschwerden, wenn neben diesen weitere Mängel wie hohe Versandkosten beanstandet werden: „Unfortunately i have not received this item and no response to emails."

Deutsche lieben Ausrufungszeichen

Die Linguistin verglich die Datensätze auf deutschen und britischen eBay-Seiten mit Hilfe mehrerer statistischer Tests. Manche Ergebnisse waren nicht zu übersehen: So betonen deutschsprachige User ihre Aussagen häufig visuell: Sie schreiben in Großbuchstaben, verwenden so genannte „Emoticons" wie „" oder setzen sehr viele Ausrufungszeichen hintereinander. „Die Deutschen lieben Ausrufungszeichen", lacht Meinl und zitiert ein Beispiel: „Luxus Taschenuhr ! ? Mehr als Schrott ! Einmal und nie wieder !!!!!!!!!!!!!!!!!!"

Britische User, so die Linguistin, benutzen gerne Pronomina wie „you", um einen direkten Bezug zu ihrem Gegenüber herzustellen: "Have not received the goods from you"; "Can you send me my vinyl pleaseeeeeeeeeee". Deutschsprachige User dagegen sprechen ihr Gegenüber seltener direkt an, sondern wenden sich in der 3. Person Singular an die ganze Community: „Ware nie angekommen. hände weg von diesem verkäufer!"

Vulgäre Flüche, geringes Schuldbewusstsein

„Deutsche drohen zudem schneller mit dem Anwalt", erläutert Meinl weiter und erklärt: „Die Anonymität des Internets lässt Hemmschwellen sinken." Unter diesen Bedingungen scheint sich zuweilen sogar die britische Höflichkeit zu verflüchtigen. Vulgäre Flüche wie "LIAR!" oder "FRAUD!!!!!" sind keine Seltenheit und zeigen, dass auch britische User die „!"-Taste kennen. Meinl war erstaunt über diese Ergebnisse, denn: „Bei gesprochener Sprache gelten Deutsche als sehr direkt, Briten dagegen als zurückhaltend. Hier, in der anonymen Online-Welt, ist dieser Unterschied kaum noch zu finden!"

Mit ihrer Dissertation möchte die Bonner Linguistin eine wissenschaftliche Lücke schließen: Interkulturelle Vergleiche zwischen Online-Äußerungen verschiedener Sprachen gab es bislang kaum, obwohl diese eine alltägliche und immer wichtigere Kommunikationsform sind. „Ich habe nach unerforschten, vor allem aber natürlichen, also spontan entstandenen Daten gesucht", erläutert die Gymnasiallehrerin für Englisch, Biologie und Pädagogik. Im eBay-Feedback-Forum machen sich die Leute spontan online Luft - ein idealer Datenfundus. Betreut wurde Meinls Dissertation von Professor Dr. Klaus P. Schneider (Angewandte Englische Sprachwissenschaft) am Institut für Anglistik, Amerikanistik und Keltologie der Universität Bonn.

Der Volltext der Dissertation "Electronic Complaints. An Empirical Study on British and German Complaints on eBay" von Marja Ebba Meinl lässt sich unter http://hss.ulb.uni-bonn.de/2010/2122/2122.htm aus dem Internet herunterladen.

Kontakt:
Dr. Marja Meinl
Institut für Anglistik, Amerikanistik und Keltologie (IAAK) der Universität Bonn
Telefon: 0228-737308
E-Mail: Dr.Meinl@gmx.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Mit Rheuma ins Fitness-Studio?

Dr. Cornelia Rufenach, Geschäftsstelle
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.

„Go" für Rheumapatienten nur nach Check-up und unter fachlicher Anleitung

Bewegungstherapie ist wichtiger Teil bei der Behandlung entzündlichen Rheumas. Ziel ist, die Funktion von Gelenken, Muskeln und Bändern und damit die Mobilität zu erhalten. Spezielle Trainingsprogramme berücksichtigen Belastbarkeit und Funktionsstatus der Patienten. Darüber hinaus wollen aber vor allem junge Betroffene nicht auf ihren Sport im Fitness-Studio verzichten. Doch dort fehle es oft an fachlicher Expertise, um den speziellen Anforderungen der Erkrankung gerecht zu werden. Zu diesem Fazit kommt Uwe Lange, Mitglied der DGRh, in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Rheumatologie.
Es lebe der Sport! Für Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ist dieses Motto keine Selbstverständlichkeit. „Wenn Muskeln schmerzen und Gelenke geschwollen sind, meiden Betroffene meist die Bewegung", sagt Uwe Lange von der Abteilung Rheumatologie, Klinische Immunologie, Osteologie und Physikalische Medizin der Kerckhoff-Klinik Bad Nauheim. Um Finger- und Kniegelenke beweglich zu halten, gehöre Krankengymnastik aber unbedingt zur Rheumatherapie dazu. Mehrere Studien aus den letzten Jahren konnten zudem zeigen, dass spezielle gelenkschützende Übungsprogramme Schmerzen und lokale Entzündungen verringern und Patienten alltägliche Tätigkeiten wieder besser durchführen können. Dazu gehört beispielsweise schon, eine Getränkeflasche aufzuschrauben.

Inwieweit Menschen mit Rheuma diese Bewegungsübungen, die auf mehr Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer zielen, auch im Fitness-Studio durchführen können, hängt von der fachlichen Betreuung durch das Personal ab. Bevor es ans Üben und Trainieren geht, sollte zunächst ein gründlicher Check der individuellen Belastbarkeit und Beweglichkeit gemacht werden. „Nur durch eine gründliche Analyse kann ein Übungsprogramm aufgestellt werden, das die Gelenke schont und Schmerzen auf ein erträgliches Maß reduziert", sagt Uwe Lange, der Mitglied der DGRh-Kommission Rehabilitation und Sozialmedizin sowie Sprecher der DGRh-Projektgruppe Physikalische Medizin ist. Trainer müssten darauf achten, dass die Patienten sich nicht überlasten und eine gute Körperhaltung einnehmen. Zudem gelte es, fehlerhafte Bewegungsmuster auszumerzen. Hilfreich erweisen sich mehrere kleine und wenig anstrengende Übungseinheiten oder das Arbeiten mit leichten Hantelgewichten und höherer Frequenz. Auch tägliche Aufwärm- und Dehnübungen empfiehlt Lange.

Obwohl er ein Übungsprogramm im Fitness-Studio grundsätzlich befürworte, sei eine intensive und dauerhafte Betreuung dort seiner Meinung nach kaum zu leisten: „Aufgrund der unzureichenden fachlichen Expertise werden die Patienten vor dem Training fast nie untersucht. Das Übungsprogramm ist nur selten an ihren Bedürfnisse ausgerichtet und wird auch nicht überwacht oder angepasst, wenn sich der Krankheitszustand ändert." Bislang gebe es keine Studie, die den Nutzen von kommerziellem Sport im Fitness-Studio bei Rheumapatienten belege. Eine Alternative sind Kurse an Rehakliniken, bei den Selbsthilfegruppen der Rheuma-Liga und in ambulanten Praxen mit „rheumatologisch" geschulten Personal, in dem Menschen mit Rheuma Bewegungsübungen durchführen oder für zu Hause erlernen können. Für unrealistisch hält Lange, dass Patienten selbst auf die gerechte Durchführung der Übungen im Sport-Studio achten.

Weitere Informationen:
U. Lange: Schadet die „Muckibude" Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen? In: Zeitschrift für Rheumatologie 2010; 69:292-294

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Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V. (DGRh) ist mit mehr als 1.200 Mitgliedern die größte medizinische Fachgesellschaft in Deutschland im Bereich der Rheumatologie. Sie repräsentiert seit mehr als 80 Jahren die rheumatologische Wissenschaft und Forschung und deren Entwicklung in Deutschland. Als gemeinnütziger Verein arbeitet die DGRh unabhängig und ohne Verfolgung wirtschaftlicher Ziele zum Nutzen der Allgemeinheit.
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Weitere Informationen:
http://www.dgrh.de - Homepage der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie e.V.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Neue Erde aus alten Schlämmen - Sedimente aus dem Elsterbecken in Leipzig ökologisch behandelt

Tilo Arnhold, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Leipzig. UFZ-Wissenschaftler haben in Zusammenarbeit mit der BAUER Umwelt GmbH ein naturnahes Verfahren zur Sedimentbehandlung entwickelt und im Pilotmaßstab getestet. Damit gibt es künftig eine Alternative zur Deponierung von Gewässersedimenten. Bei dem neuen Verfahren wird das Sediment je nach Zustand einer Schlammkonditionierung, einem Bioleaching der Schwermetalle sowie einer Revitalisierung des gereinigten Materials unterzogen.
Sedimente werden in allen Flüssen mit dem Wasser von der Quelle in Richtung Mündung transportiert und schließlich ins Meer gespült. Wo der Mensch wassertechnische Bauwerke errichtete, wird dieser Sedimenttransport häufig unterbrochen. Die Sedimente lagern sich ab, beeinträchtigen die Funktion von Stauanlagen oder Einrichtungen zum Hochwasserschutz und müssen schließlich entfernt werden. Ein konkretes Beispiel ist das Elsterbecken in Leipzig. Hier müssen regelmäßig Sedimente entnommen werden, um den Hochwasserschutz der Messestadt zu gewährleisten. Jährlich werden so mehrere Tausend Kubikmeter Sediment ausgebaggert, für die es bisher keine sinnvolle Verwendung gab.
Das Vorbild der Natur inspirierte die Forscher zu einer neuen Methode: Auenböden demonstrieren, dass in der Natur im Laufe der Zeit aus Flusssedimenten Erde wird. Ein am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH (UFZ) entwickeltes Verfahren zur Reinigung schwermetallbelasteter Sedimente mithilfe von Pflanzen und Mikroorganismen nutzt im ersten Verfahrensschritt diesen Effekt. Durch den Einsatz gezielt ausgewählter Pflanzen wird im Zusammenspiel mit Mikroorganismen in nur einer Vegetationsperiode aus schlammig-pastösem Sediment ein krümelig-erdiges Material.
Da sich der anthropogene Eintrag von Schadstoffen in die Weiße Elster in den letzten 20 Jahren drastisch verringert hat, sind die oberflächennahen Sedimente wenig belastet und können nach der Konditionierung mit Pflanzen verwertet werden. Die älteren, tiefer liegenden Sedimente sind im Elsterbecken größtenteils mit Schwermetallen kontaminiert, die teils geogenen Ursprungs aus dem Erzgebirge, teils das Erbe früherer Industriestandorte am Flussoberlauf sind. Das Gesamtverfahren zur Reinigung der Gewässersedimente sieht sechs Teilschritte vor: Als erstes wird das Sediment nach der Korngöße sortiert und dabei der kontaminierte feinkörnige Anteil von unbelastetem Sand und Kies getrennt. Anschließend wird das feinkörnige schlammig-pastöse Material mit Hilfe von Pflanzen in eine krümelig-erdige Form überführt. Die schwermetallhaltigen Sedimente können im zweiten Verfahrensschritt mit Hilfe von Mikroorganismen von den Schwermetallen befreit werden. „Dieses so genannte BIOLEACHING kann prinzipiell auch im schlammigen Zustand durchgeführt werden", erläutert Dr. Andreas Zehnsdorf vom UFZ. „Das ist aber im Vergleich zur Behandlung von krümelig-erdigem Material viel teurer." Nachdem die Schwermetalle von den Mikroorganismen in eine lösliche Form gebracht wurden, werden sie mit Wasser ausgewaschen und im Waschwasser anschließend mit Kalkmilch ausgefällt. Mit Kalk wird das erdige biologisch verarmte Material neutralisiert und anschließend mit Kompost, der aus den inzwischen geernteten Pflanzen gewonnen wurde, revitalisiert. Heraus kommt ein von Schwermetallen befreites bodenartiges Substrat. „Schadstoffarmes vererdetes Material könnte direkt als Bodensubstrat für Deponieabdeckungen oder im Landschaftsbau eingesetzt werden", erläutert Dr. Uwe Schlenker von der BAUER Umwelt GmbH die Einsatzmöglichkeiten. „Dadurch ist eine Reduzierung der Entsorgungskosten möglich."
Die Sedimentkonditionierung mit Pflanzen, wird zurzeit gemeinsam vom UFZ und der BAUER Umwelt GmbH im Bodenreinigszentrum Hirschfeld in die Praxis überführt. Gefördert wird dieses Vorhaben aus Mitteln der EU (EFRE) und des Freistaates Sachsen (SMWK) im Rahmen des Projektes „Großversuch zur Vererdung von Sedimenten des Elsterbeckens Leipzig".
In einem Behandlungsbecken mit einer Fläche von 1.170 Quadratmetern werden unter anderem unterschiedliche Methoden der Aussaat und Bepflanzung getestet, um das Verfahren ökonomischer zu machen. Die Kosten dafür wurden durch die Nutzung spezieller Aussaatvorrichtungen auf etwa ein Zehntel verringert. Eine dieser Aussaatvorrichtungen wurde vom UFZ als Gebrauchsmuster geschützt. Außerdem konnte geklärt werden, wann die Pflanzen am günstigsten geerntet werden sollten. Die Zusammenarbeit zwischen dem UFZ in Leipzig und der BAUER Umwelt GmbH in Roßwein beschränkt sich allerdings nicht allein auf dieses Projekt. Beide Partner können inzwischen auf eine 16-jährige erfolgreiche Zusammenarbeit bei der Erprobung innovativer Forschungsergebnisse und deren Überführung in die Praxis zurückblicken. Und auch für die Zukunft sind weitere gemeinsame Vorhaben geplant.

Weitere Infos:
Dr. Andreas Zehnsdorf
Umwelt- und Biotechnologisches Zentrum (UBZ) des UFZ
Tel.: 0341-235-1850
http://www.ufz.de/index.php?de=18973
http://www.ufz.de/data/UFZeitung0209_S16-1711999.pdf
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635
E-mail: presse@ufz.de

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
http://www.ufz.de/
Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit fast 28.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 16 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).
http://www.helmholtz.de

Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=19761

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Vom scharfen Denken und dem Glück der Würfel

Stephan Laudien, Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Informatiker Jakob Erdmann untersucht an der Universität Jena den Charakter von Spielen
Jena:Wer eine Partie Backgammon gewinnen möchte, der muss kluge strategische Entscheidungen fällen und benötigt zudem eine Portion Glück im Spiel. Das Glück ist notwendig, weil die Züge des Spielers maßgeblich von den Würfeln abhängen. Doch wer entscheidet, ob es sich bei einem Spiel generell um ein Strategie- oder ein Glücksspiel handelt? „Die Bandbreite ist enorm. Sie reicht vom reinen Glücksspiel wie Roulette bis zum Strategiespiel par excellence, dem Schach", sagt Jakob Erdmann. Der 29-jährige Diplom-Informatiker steht kurz vor dem Abschluss seiner Promotion bei Prof. Dr. Ingo Althöfer an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Erdmanns Arbeit trägt den Titel: „The Characterization of Chance and Skills in Games", also etwa „Zur Einordnung von Glück und Strategie in Spielen".

Um Aussagen zur Charakteristik von Spielen treffen zu können, war es zunächst notwendig, ein Spielmodell zu entwickeln. Es entstand in Anlehnung an „EinStein würfelt nicht", ein Spiel, das Ingo Althöfer entwickelt hat. Jakob Erdmann erstellte einen Spielbaum, also ein Modell, das Spielzüge abbildet und die darauf folgenden potenziellen Züge einbezieht. „Ich habe nur Spiele betrachtet, bei denen die Bäume endlich sind", sagt Erdmann. Außerdem nutzte er ein Modell, bei dem alle Spieler den gesamten Spielzustand kennen. Ein Spiel wie Poker lässt sich damit nicht abbilden.

Mit dem Modell mussten nun viele Runden absolviert werden, um belastbare Aussagen treffen zu können. Ungefähr 20 Millionen Partien waren dazu notwendig. Also kam natürlich der Computer im Wortsinne ins Spiel. „Für ein komplexes Spiel wie Backgammon hätten meine Ressourcen nicht ausgereicht", sagt Erdmann. Um für Backgammon zu verwertbaren Ergebnissen zu kommen, hätte ein normaler PC etwa fünf Jahre rechnen müssen.

Mit seinem abstrakten Modell lassen sich generalisierend Aussagen zum Charakter von Spielen treffen. Zu den entscheidenden Einflussgrößen gehören dabei die Spieler. Jakob Erdmann verdeutlicht das an einem Beispiel: Treffen zwei Kinder für eine Partie Tic Tac Toe aufeinander, ist es für sie ihrem Spielvermögen gemäß ein Strategiespiel. „Für uns Erwachsene ist es kein Strategiespiel mehr, weil wir es komplett durchschaut haben", sagt Jakob Erdmann. Zu den Ergebnissen seiner Arbeit gehört folglich die Aussage, dass es eine saubere Skala von Glücks- zu Strategiespiel nicht geben kann. „Um ein Spiel eindeutig einordnen zu können, müsste ich es für die konkreten Spieler analysieren", sagt Erdmann.

Für ein Spiel wie Roulette lässt sich eine eindeutige Zuordnung in Korrelation zur Spieldauer feststellen. Sofern es für eine kurze Zeit gespielt wird, ist es ein reines Glücksspiel. Diesen Charakter verliert es jedoch, wenn über einen längeren Zeitraum gespielt wird. „Wenn ich Roulette lange Zeit spiele, gewinnt immer die Bank", sagt Erdmann. Diese Erkenntnis sei zwar sicher bitter für die Spieler, aber unumstößlich.

Die Arbeit des Informatikers bewegt sich im Feld reiner Grundlagenforschung. Dennoch kann Jakob Erdmann aus den Ergebnissen seiner Doktorarbeit sogar Erkenntnisse für das tägliche Leben ableiten: „Die Arbeit zeigt, dass wir im täglichen Leben unseren eigenen Einfluss systematisch überschätzen."

Am 9. Juli steht die Verteidigung der Doktorarbeit an. Für Prof. Althöfer wird sie etwas besonderes sein: „Jakob Erdmann ist der erste 3-Hirn-Stipendiat, der seine Promotion erfolgreich abschließen wird." Das 3-Hirn-Stipendium hat Ingo Althöfer 2007 gestiftet. Seinen Namen hat es von einem Versuchsaufbau, bei dem Althöfer während einer Schachpartie mit Unterstützung von zwei Schachcomputern seine Züge wählte. Ausgeschrieben wird das Stipendium für Promotionen im Bereich der Analyse und Programmierung von kombinatorischen Spielen. Aktuell kommt die Diplom-Wirtschaftsmathematikerin Nancy Kästner in den Genuss dieser Förderung. Sie ist die erste Frau im Kreis der 3-Hirn-Stipendiaten. Zur Finanzierung der Stipendien dienen die Erlöse des 3-Hirn-Verlages von Althöfer. Dabei handelt es sich - natürlich - um einen Spiele-Verlag.

Kontakt:
Jakob Erdmann
Institut für Angewandte Mathematik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 2, 07743 Jena
Tel.: 0172 3186200
E-Mail: jakob.erdmann@gmail.com

Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

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Welche Umweltwirkung haben Silbernanomaterialien in Textilien?

Eberhard Scholz, Pressestelle
Universität Bremen

BMBF finanziert bundesweiten Projektverbund UMSICHT unter Bremer Leitung.
Die Nanotechnologie hat in jüngster Vergangenheit einen ungewöhnlich steilen Aufstieg erfahren. Mittlerweile sind über 1.000 Nanopartikel enthaltende Produkte auf dem Markt, sehr viele davon ausgesprochen verbrauchernah. Etwa ein Viertel dieser Produkte enthält Silbernanopartikel, die aufgrund ihrer antimikrobiellen Eigenschaften sehr vielfältige Anwendungen erfahren - unter anderem in Hygieneartikeln, Kosmetika, Lebensmittelverpackungen und verschiedensten Textilien. Hierzu zählen beispielsweise Sportbekleidung, Socken, Vorhänge oder Haushaltswischtücher. Da beim Gebrauch der Produkte durch Abrieb und vor allem beim Waschen eine erhebliche Umweltexposition zu erwarten ist, sollten nachteilige Auswirkungen auf die Umwelt minimiert und nach Möglichkeit ganz ausgeschlossen werden.

Hierzu finanziert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit dem 1. Mai 2010 ein großes Verbundprojekt mit dem Titel UMSICHT: Abschätzung der Umweltgefährdung durch Silbernanomaterialien: vom chemischen Partikel bis zum technischen Produkt. Das Projekt mit einer Laufzeit von drei Jahren hat ein Finanzvolumen von fast 3,7 Mio. Euro. Die Koordination des 17 Mitglieder umfassenden Projektkonsortiums liegt bei Professorin Juliane Filser vom Zentrum für Umweltforschung und nachhaltige Technologien (UFT) der Universität Bremen. Weitere Beteiligte aus Bremen sind die Abteilung „Nachhaltige Chemie" (Professor Jorg Thöming, ebenfalls UFT), Professor Lutz Mädler (Fachbereich Produktionstechnik, Institut für Werkstofftechnik) sowie das Bremer Umweltinstitut. Fünf Unternehmen im Konsortium repräsentieren die gesamte textile Kette, von den Nanopartikeln bis zum fertigen Produkt. Für die staatliche Seite gehören dem Verbund das Umweltbundesamt, die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, das Bundesumweltministerium sowie das Joint Research Center (JRC) der EU an.

Im Projekt werden mit verschiedenen Methoden sowohl die Silbernanopartikel selbst als auch Nanopartikel enthaltende Fasern, Textilien und Abrieb aus diesen hergestellt. Diese Produkte werden in Reinform wie auch in den jeweiligen Testmedien chemisch und physikalisch charakterisiert und mit biologischen Testverfahren auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft. Die Verfahren reichen dabei von einfachen Labortests bis hin zu Modellkläranlagen. Untersucht werden sowohl im Wasser als auch an Land lebende Organismen. Dabei wird zum einen auf bewährte Methoden zurückgegriffen, zum anderen werden Methoden neu entwickelt, um den Besonderheiten der Partikel besser Rechnung zu tragen.

Die Grundlagenforschung zu verschiedenen Partikeltypen und Produktformen ist von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung umweltverträglicher Produkte. Die Rückkopplung mit den politischen Entscheidungsträgern sorgt dafür, dass die Ergebnisse des Projekts so früh wie möglich in die gültige Regulierungspraxis Eingang finden. Eine Produktgruppe, die so Erfolg versprechend ist und rasant anwächst wie Textilien mit Silbernanopartikeln, muss im frühen Entwicklungsstadium optimiert werden. Über die enge Kooperation von Forschung, Industrie und Behörden will UMSICHT einen entscheidenden Beitrag zur Umweltverträglichkeit dieser Textilien leisten.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Zentrum für Umweltforschung und nachhaltige Technologien (UFT)
Prof. Dr. Juliane Filser
E-Mail: filser@uni-bremen.de

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UDE: Mehr junge Ältere arbeiten länger

Ulrike Bohnsack, Pressestelle
Universität Duisburg-Essen

Die Zahl der älteren Erwerbstätigen in Deutschland wächst. Seit 2007 ist über die Hälfte der 55- bis 64-Jährigen noch im Job; zehn Jahre zuvor waren es weniger als 40 Prozent. Das zeigt der Altersübergangs-Monitor des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. Er untersucht für die Hans-Böckler-Stiftung und das Forschungsnetzwerk Alterssicherung den Übergang zwischen Erwerbsleben und Ruhestand.
Begünstigt wird diese Entwicklung durch eine besondere demografische Konstellation: Geburtenstarke Jahrgänge beginnen, in die Gruppe der „Älteren im erwerbsfähigen Alter" (55 bis 64 Jahre) hineinzuwachsen. Hauptgrund für die steigende Zahl älterer Erwerbstätiger ist, dass sie länger am Stück beschäftigt sind und auch erst später aufhören zu arbeiten. „Der Anstieg der Alterserwerbstätigenquote ist aber nicht gleichzusetzen mit besseren Jobchancen für Ältere", stellt der IAQ-Arbeitsmarktforscher Dr. Martin Brussig klar. Zwar seien auch das Erwerbsaustritts- und das Renteneintrittsalter in der Tendenz gestiegen, liegen aber nach wie vor unterhalb der aktuellen Regelaltersgrenze von 65 Jahren.

Zugenommen hat vor allem die Frauenerwerbsquote - auch in der Gruppe der Älteren ab 55 Jahre. „Das liegt auch daran, dass es mehr Teilzeit- und geringfügige Beschäftigung bei Frauen gibt", sagt Brussig.
Was die Forscher außerdem herausfanden: In allen untersuchten Gruppen (Männer und Frauen aus Ost- und Westdeutschland) stieg die Erwerbsbeteiligung zwischen 57 und 63 Jahren deutlich; dies war in den 1990er Jahren das Alter der Frühverrentung. Besonders ausgeprägt ist diese Entwicklung in Ostdeutschland.

Weitere Informationen: Dr. Martin Brussig, Tel. 0203/379-3931, E-Mail: martin.brussig@uni-due.de

Redaktion: Claudia Braczko, Tel. 0170/8761608, presse-iaq@uni-due.de

Weitere Informationen:
http://www.iaq.uni-due.de/auem-report/

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Mit Aktivkohle zur Promotion

Anette Schober-Knitz, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Biberach

Erstmals hat ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hochschule Biberach innerhalb einer Forschungskooperation die Promotion erlangt: Dr.-Ing. Steffen Metzger, Absolvent des Studienganges Bauingenieurwesen der Hochschule Biberach, hat das Promotionsverfahren an der Technischen Universität Berlin erfolgreich abgeschlossen.
Die Promotion an der Berliner Fakultät für Prozesswissenschaften, Fachgebiet Wasserreinhaltung, erreichte der Dipl.-Ing. (FH) innerhalb von drei Jahren. Kein leichtes Unterfangen, schon allein aus formalen Gründen. Denn nach wie vor dürfen Fachhochschulen keine Promotion vergeben und Diplom-Absolventen nicht selbstverständlich promovieren. Doch die TU Berlin nahm den FH-Absolventen gerne auf; allein mündliche Prüfungen musste er im Vorfeld ablegen.
Für die Universität stand die Qualität der Forschungsarbeit im Vordergrund, an der sie auch selbst ein fachliches Interesse hatte. Bereits seit sieben Jahren bearbeitet Metzger - unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr.-Ing. Helmut Kapp - ein Forschungsprojekt der Hochschule Biberach in Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Klärwerk Steinhäule, Ulm. Das Institut für Geo und Umwelt geht darin der Frage nach, wie man die Restverschmutzung in Kläranlagenabläufen -z.B. Hormone oder Medikamentenrückstände - reduzieren kann. Metzger und Kapp setzten dabei auf pulverisierte Aktivkohle - und das mit Erfolg. Die Versuche zeigten Wirkung und reale Umsetzungsmöglichkeiten.

Unterstützt vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr Baden-Württemberg konnte das Projekt bis zur technischen Reife vorangetrieben werden; diese anwendungsbezogene Forschungstätigkeit fasste Metzger für seine Dissertation zusammen („Einsatz von Pulveraktivkohle zur weitergehenden Reinigung von kommunalem Abwasser").

Auch nach seiner erfolgreichen Promotion wird Steffen Metzger das Thema weiter beschäftigen: In den kommenden 14 Monaten wird er die neue Klärstufe unter Real-Bedingungen betreuen und evaluieren. Die Stadt Mannheim wird als erste Kommune Deutschlands Aktivkohle für die gezielte Entfernung von Spurenstoffen aus dem Abwasser im großtechnischen Maßstab einsetzen. Das Vorhaben wurde jetzt bei einem Symposium des Landesverbandes Baden-Württemberg der Deutschen Vereinigung für Wasser, Abwasser und Abfall (DWA) in Mannheim vorgestellt. Schon nach ersten Tests zeichnet sich ab: Das Verfahren funktioniert - und wird richtungsweisend sein für weitere Projekte im In- und Ausland, so Prof. Kapp.

Weitere Informationen:
http://www.hochschule-biberach.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Wenn das Hören müde wird

Stefan Weller, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität

Wissenschaftler von Universitätsmedizin Göttingen und Göttinger Max-Planck-Instituten zeigen an Mausmodellen für die menschliche Schwerhörigkeit: Eine Störung der Nachlieferung von synaptischen Botenstoffbläschen führt zu einer Schwerhörigkeit mit Hörermüdung. Veröffentlichung in "Nature Neuroscience"
(umg) "Nicht Sehen können trennt von den Dingen, nicht Hören von den Menschen" - so beschrieb Immanuel Kant die Folgen der Taubheit. Weltweit beschäftigen sich Hörforscher mit der Frage, wie wir hören, wie Schwerhörigkeit entsteht und wie Schwerhörigen geholfen kann.

Bei neuralen Erkrankungen kann unser Hörsinn im Laufe von kurzer Zeit "ermüden". Warum? Wissenschaftler der Universitätsmedizin Göttingen und der Göttinger Max-Planck-Institute für experimentelle Medizin (Prof. Dr. Nils Brose) und biophysikalische Chemie (Dr. Dietmar Riedel) haben in einem Tandemprojekt der Max-Planck-Gesellschaft eine synaptische Ermüdung im Innenohr als Mechanismus einer erblichen Schwerhörigkeit identifiziert. "Bei der im Tier nachgestellten erblichen Schwerhörigkeit ist die Erbinformation für das Eiweiß "Otoferlin" gestört. Unsere Arbeit zeigt nun: Dieses Eiweiß wird für die leistungsstarke Anlieferung von Botenstoffbläschen an die Freisetzungsstellen der Synapse zwischen Haarsinneszelle und Hörnerv benötigt. "Otoferlin" spielt also eine wichtige Rolle für die Kommunikation zum Hörnerv", sagt Prof. Dr. Tobias Moser, Leiter des Innenohr-Labors der Abteilung für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde an der Universitätsmedizin Göttingen. Die Forschungsergebnisse wurden am 20. Juni 2010 in der Online-Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift "Nature Neuroscience" veröffentlicht: http://dx.doi.org/10.1038/nn.2293.

Originalveröffentlichung:
Pangrsic T, Lasarow L, Reuter K, Takago H, Schwander M, Riedel D, Frank T, Tarantino LM, Bailey JS, Strenzke N, Müller U, Brose N, Reisinger E, Moser T (2010) Hearing requires otoferlin-dependent efficient replenishment of synaptic vesicles in hair cells. Nature Neurosci doi:10.1038 nn.2293.

Hören: Hunderte von Botenstoffbläschen in der Sekunde
Wenn wir hören, werden an jeder Haarzellsynapse in jeder Sekunde unermüdlich hunderte mit dem Botenstoff Glutamat beladene Botenstoffbläschen freigesetzt. Dies geschieht je nach Hörsituation über mehrere Stunden hinweg. Mit dieser enormen Leistungsfähigkeit überbietet die Haarzellsynapse des Hörorgans die meisten anderen Synapsen des Körpers. Auch die strukturell ähnlichen und für das Sehen wichtigen Synapsen der Netzhaut liefern Botenstoffbläschen nur um etwa einen Faktor 10 langsamer nach.

Die Göttinger Wissenschaftler konnten nun mit dem Eiweiß "Otoferlin" eine erste Komponente der Haarzellsynapse identifizieren, die für deren Leistungsfähigkeit wichtig ist. Das Eiweiß "Otoferlin" ist nur in Haarsinneszellen, aber nicht in der Netzhaut vorhanden. "Interessanterweise war an den untersuchten Haarzellsynapsen der Schwerhörigkeits-Mäuse die Nachlieferung von Botenstoffbläschen immer noch dreimal schneller als an Synapsen der Netzhaut. Und dies, obwohl bei den schwerhörigen Mäusen die Otoferlinfunktion teilweise versagt", sagt Prof. Dr. Tobias Moser.

Hörermüdung durch verlangsamte Bereitstellung von Botenstoffbläschen
Die Wissenschaftler konnten mit mehreren Methoden nachweisen, dass die untersuchten Mäuse eine sehr ausgeprägte "Hörermüdung" haben. Im normalen Hörorgan setzen die Haarsinneszellen an ihren Synapsen auch in Ruhe ständig Botenstoff frei. Schallsignale modulieren dann diese Aktivität und steigern sie weiter. Wenn die Nachlieferung von Botenstoffbläschen gestört ist, "verarmen" die Synpasen an Botenstoffbläschen. Sie können nicht mehr auf Schallsignale reagieren.

Die beschriebene "Verarmung" von Botenstoffbläschen erklärt auf völlig neue Weise das Phänomen der "Hörermüdung". Die Hörermüdung ist ein typisches und tückisches Problem bei Schwerhörigkeit, die durch neurale Störungen bedingt ist. "Dabei nimmt das Hörvermögen während des Zuhörens stark ab", sagt Prof. Moser: "Das Phänomen ist grob vergleichbar mit dem verschlechterten Verstehen beim Entfernen aus dem Mobilfunknetz. Der Empfang wird zunehmend schlechter".

WEITERE INFORMATIONEN
zur Arbeitsgruppe von Prof. Dr. T. Moser: http://www.innerearlab.uni-goettingen.de
zur Arbeitsgruppe von Prof. Dr. N. Brose: http://www.em.mpg.de

WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen
Abteilung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Prof. Dr. Tobias Moser
Telefon 0551/39-8968, tmoser@gwdg.de
www.universitaetsmedizin-goettingen.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Was Roboter von Hunden mit Handicap lernen können

Dr. Ute Schönfelder, Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Forscher der Universität Jena untersuchen, wie sich beinamputierte Hunde fortbewegen
Jena:  Meist ist es ein Unfall, der in Sekundenschnelle alles verändert: Ein Zusammenprall mit einem Auto beispielsweise kann einem Hund so schwere Verletzungen zufügen, dass ihm ein Bein amputiert werden muss. Was für das Tier und seinen Besitzer zunächst tragische Folgen hat, ist für Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena ein Glücksfall. Denn genau diese Hunde mit Handicap sind es, von denen sie sich wichtige Erkenntnisse für die Entwicklung von Laufrobotern versprechen.

„Wir beobachten, wie sich die Tiere, denen entweder ein Vorder- oder Hinterlauf amputiert werden musste, fortbewegen", erläutert Martin Groß von der Uni Jena. „Mit welchen Strategien versucht das Tier das fehlende Bein zu kompensieren?", nennt der Biologe vom Lauflabor des Instituts für Sportwissenschaft eine zentrale Frage seines Forschungsansatzes. Erste Ergebnisse hat der Jenaer Forscher heute (1. Juli) auf der Internationalen Konferenz der Society for Experimental Biology in Prag der Fachwelt präsentiert.

Für ihre Studie beobachten Martin Groß und seine Kollegen beinamputierte Hunde mit jeweils zehn hochspezialisierten Infrarotkameras, während sich die Tiere auf einem Laufband fortbewegen. „Die natürliche Laufbewegung ist für vier Beine ausgelegt", so Martin Groß, „weshalb beinamputierte Tiere ihr Fortbewegungssystem komplett neu organisieren müssen." Bei ihren Experimenten konnten die Jenaer Bewegungsforscher feststellen, dass sich Hunde mit einer Amputation des Hinterbeins einfacher an die neue Situation anpassen als Vorderbeinamputierte. „Der Verlust eines Vorderbeins erfordert eine weitaus stärkere Kompensation als der eines Hinterbeins", betont PD Dr. André Seyfarth, Leiter des Lauflabors der Uni Jena. Dies, so vermuten die Forscher, liege vor allem an der höheren Lastverteilung auf den Vorderbeinen der Tiere. Bisher stützen sich die Wissenschaftler allerdings erst auf die Untersuchung relativ weniger Tiere. „Um unsere Ergebnisse zu überprüfen und zu bekräftigen, werden weitere Messungen nötig sein", sagt Martin Groß.

Ihre aktuelle Studie ist Teil des EU-Projekts „Locomorph", mit dem die Forscher der Uni Jena gemeinsam mit Biologen, Physikern und Ingenieuren in Belgien, Kanada, Dänemark und der Schweiz daran arbeiten, die Effizienz und die Handhabung von Laufrobotern in unbekannten Umgebungen zu verbessern. „Wird der Roboter durch einen Ausfall eines Bauteils gezwungen seine ‚Morphologie' zu ändern, sollte es geeignete Strategien geben, dass er sich entsprechend angepasst weiter fortbewegen kann", verdeutlicht Dr. Seyfarth. Ihre aktuellen Forschungsergebnisse wollen die Bewegungswissenschaftler der Jenaer Uni auch während des „Locomorph"-Projekt-Meetings vorstellen, zu dem vom 14. bis 16. Juli rund 25 Wissenschaftler aller beteiligten Projektpartner in Jena erwartet werden. Auf dem Programm stehen dann auch ein Workshop mit eingeladenen Fachreferenten sowie eine „Roboter-Demonstration".

Weitere Informationen zum „Locomorph"-Projekt sind zu finden unter: http://locomorph.eu und http://www.lauflabor.uni-jena.de

Kontakt:
PD Dr. André Seyfarth, Martin Groß
Lauflabor der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Dornburger Str. 23
D-07743 Jena
Tel.: 03641 / 945730, 03641 / 945745
E-Mail: andre.seyfarth@uni-jena.de, martin.gross@uni-jena.de

Weitere Informationen:
http://www.lauflabor.uni-jena.de
http://locomorph.eu

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Sonnenstrahlen wandeln Meer- in Trinkwasser um

Britta Widmann, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

Viele entlegene Gebiete mit Wassermangel haben drei Dinge häufig im Überfluss: Sonne, Wind und Meer. Wie sich regenerative Energien künftig besser nutzen lassen, um salziges Meer- und Brackwasser in Trinkwasser zu verwandeln, zeigt eine aktuelle Studie der EU-Initiative »ProDes«.
Immer mehr Menschen beziehen ihr Trinkwasser aus dem Meer oder stetig salziger werdenden Quellen im Inland. Die Analysten des Branchendienstes Global Water Intelligence schätzen, dass 2008 weltweit 52 Millionen Kubikmeter Wasser täglich aus Entsalzungsanlagen stammten, was dem drei- bis vierfachen der deutschen Tagesproduktion entspricht. Bis 2016 soll sich diese Menge mehr als verdoppeln. Der größte Teil entfällt auf die arabischen Staaten am Persischen Golf. Weltweit an vierter Stelle liegt Spanien. Auch andere europäische Staaten wie Frankreich, Griechenland oder Italien setzen verstärkt Entsalzungsanlagen ein. Sei es, um die Wasserversorgung von Inseln, Siedlungen oder ganzen Städten sicherzustellen, Tourismus-Ressorts zu versorgen oder landwirtschaftliche Flächen zu bewässern. Während die meisten großen Anlagen auf Öl oder Gas angewiesen sind, können kleinere und mittlere teilweise oder komplett mit erneuerbaren Energien betrieben werden. »Welche Möglichkeiten es hier gibt, ist den Verantwortlichen häufig gar nicht bewusst. Auch wissen sie nicht, wie zuverlässig und effizient solarbetriebene Entsalzungsanlagen oder solche, die Wind und künftig vielleicht auch die Gezeiten nutzen, arbeiten«, bedauert Diplom-Ingenieur Marcel Wieghaus vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg. Die europäische Initiative »ProDes«, der das ISE angehört, will das ändern. Ihr Ziel ist es, aufzuklären und alle Beteiligten in ein Boot zu holen, um den Einsatz erneuerbarer Energien für die Wasserentsalzung voran zu treiben: »ProDes« steht für »Promotion of Renewable Energy for Waterproduction through Desalination«.

Zur Entsalzung von Meer- und Brackwasser hat sich eine Reihe von Verfahren etabliert. Große europäische Entsalzungsanlagen basieren vorwiegend auf dem Umkehrosmose-Verfahren: Hoher Druck und eine halbdurchlässige Membran scheiden Wasser von Salz und unerwünschten organischen Inhalten. Mit konventionellen Energien betriebene Anlagen können bis zu 400.000 Kubikmeter Trinkwasser pro Tag liefern. Bei den regenerativen Entsalzungsanlagen reicht das Spektrum von einfachen Solar-Destillen mit einer Kapazität von wenigen Litern pro Tag bis hin zu windbetriebenen Umkehrosmose-Anlagen für bis zu 2000 Kubikmeter.

Es lässt sich jedoch nicht jede Anlage an jedem Standort einsetzen. Welche Technologie am besten geeignet ist, hängt vom Salzgehalt des Rohwassers, der örtlichen Infrastruktur und der benötigten Wassermenge ab. »Je abgelegener die Gebiete, desto rentabler und wirtschaftlicher ist es, regenerative Anlagensysteme zu verwenden und eine Wasseraufbereitung unabhängig von externer Energieversorgung aufzubauen«, stellt Wieghaus fest, der mit seinem Forscher-Team unter anderem auf den kanarischen Inseln Gran Canaria und Teneriffa solarbetriebene Meerwasserentsalzungsanlagen installiert hat.

Einen wegweisenden Überblick über die regenerativen Entsalzungstechnologien und den Stand der Technik bietet die »ProDes-Roadmap«, die unter der Federführung des ISE entstanden ist. Sie zeigt zudem Strategien auf, wie sich rechtliche, finanzielle und politische Hindernisse überwinden lassen. Die Studie ist über die »ProDes«-Website (www.prodes-project.org) zu beziehen. Hier finden sich außerdem Informationen über Aktivitäten wie die Workshops und den E-Learning-Kurs der Initiative. »ProDes« startete im Oktober 2008 als »Intelligent Energy«-Projekt der EU-Kommission.

Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010/07/meer-zu-trinkwasser.... Ansprechpartner

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Digitales Mammographie-Screening: Studie aus Münster belegt verbesserte Diagnostik

Simone Hoffmann, Stabsstelle Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Münster

Mikroverkalkungen weisen auf frühe Brustkrebserkrankungen hin
Münster (ukm). Fortschritt bei der Früherkennung von Brustkrebs: Durch den Einsatz moderner digitaler Röntgentechnologie entdecken Mediziner vermehrt Mikroverkalkungen. Im Vergleich zur herkömmlichen Film-Folien-Mammographie ist hier die Rate diagnostizierter Brustkrebsvorstufen und auch die Rate kleiner invasiver (in das Gewebe wachsender, nicht abgegrenzter) Brusttumoren erhöht.

Diese Ergebnisse wurden nun vom Institut für Klinische Radiologie und vom Referenzzentrum Mammographie am Universitätsklinikum Münster (UKM) in der aktuellen Juni-Ausgabe des renommierten wissenschaftlichen Journals Radiology veröffentlicht. Demnach sind Mikroverkalkungen bei Frauen in der Altersgruppe von 50 bis 69 Jahren ein diagnostisch relevantes Zeichen in der mammographischen Befundung. 32 Prozent aller Brustkrebserkrankungen wurden durch Mikrokalk in der Screening-Mammographie diagnostiziert, in 38 Prozent der Fälle handelte es sich dabei um so genannte invasive Brustkrebsformen. Diese wiesen einen signifikant geringeren Tumordurchmesser (Median 7 mm) auf als invasive Karzinome mit anderer radiologischer Charakteristik (Median 14 mm) oder invasive Karzinome mit Kombinationen radiologischer Zeichen (Median 17 mm) wie Dichteerhöhung oder Architekturstörung. Therapeutisch scheinen die entdeckten kleinen Karzinome von gleicher Relevanz zu sein und ein nicht geringeres aggressives Potential aufzuweisen.

Die Autoren folgern im internationalen Studienvergleich, dass das digitale Mammographie-Screening über das Potential verfügt, die Entdeckungsrate invasiver Brustkrebsfälle mit geringerem Tumordurchmesser zu erhöhen und so früher mit einer geeigneten Therapie zu beginnen.

Literaturquelle:
Calcifications in digital mammographic screening: improvement of early detection of invasive breast cancers?
Weigel S, Decker T, Korsching E, Hungermann D, Böcker W, Heindel W.
Radiology. 2010; 255(3): 738-45).

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Workshop zum Thema Grundwassersanierung am Helmholtz Zentrum München am 20. und 21. Oktober 2010

Sven Winkler, Kommunikation
Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Am 20. und 21. Oktober 2010 findet am Institut für Grundwasserökologie des Helmholtz Zentrums München ein Workshop zum Thema Isotopenuntersuchungen in der Altlastensanierung statt. Experten aus Politik, Behörden, Industrie und Wissenschaft können sich über den aktuellen Stand der Technik sowie zukünftige Entwicklungen informieren.
Das Symposium „Isotopen im Grundwasserschutz" vermittelt neue Erkundungsmethoden zum natürlichen Schadstoffabbau in Altlasten. Isotopenuntersuchungen liefern hier Schlüsselinformationen für nachhaltige und kostengünstige Sanierungsstrategien. Durch die Beteiligung von Politik, Behörden, Industrie und Wissenschaft wollen die Veranstalter, Dr. Heinrich Eisenmann, Geschäftsführer der Isodetect GmbH, und Dr. Martin Elsner, Arbeitsgruppenleiter am Institut für Grundwasserökologie des Helmholtz Zentrums München, den Wissens- und Technologietransfer beschleunigen.

Typische Grundwasser-Schadstoffe wie Mineralölverbindungen, chlorierte Kohlenwasserstoffe oder Pestizide sind eine erhebliche Belastung für die Umwelt und eine Gefahr für die menschliche Gesundheit. In Deutschland gibt es über 300.000 altlastenverdächtige Flächen, für die kostspielige Überwachungs- oder Sanierungskonzepte erstellt werden müssen. Bisher wurden die Schadstoffe meist mit Hilfe aufwändiger Technologien wie Auskoffern oder Hochpumpen aus dem Grundwasser entfernt. In vielen Fällen liefert jedoch die Natur selbst eine weitaus kostengünstigere Sanierungsstrategie, denn die meisten Schadstoffe können von Mikroorganismen vollständig abgebaut werden. Die Behörden verlangen allerdings einen eindeutigen und quantitativen Nachweis für die biologische Selbstreinigung. Konventionelle Konzentrationsmessungen reichen zur Evaluierung des biologischen Abbaus nicht aus.

„Mit einem Isotopenmonitoring können biologische Abbauprozesse und die Verursacher von Verunreinigungen oft eindeutig nachgewiesen und Abbauraten quantifiziert werden", so Eisenmann, dessen Firma Umwelt-Isotopenuntersuchungen anbietet.

Das Symposium findet unter dem Dach der Wasserchemischen Gesellschaft der GDCh (Gesellschaft Deutscher Chemiker) statt und soll dazu beitragen, Ingenieure, Behörden und Wissenschaftler bei der Anwendung von Isotopenuntersuchungen im Grundwasserschutz in engen Kontakt zu bringen. „Indem wir alle Beteiligten an einen Tisch holen, beschleunigen wir die Weiterentwicklung modernster umweltanalytischer Verfahren", erläutert Elsner, wissenschaftlicher Organisator der Veranstaltung. "Unser Ziel ist es, mit modernster Wissenschaft einen direkten Beitrag zum Grundwasserschutz zu leisten - und das geht nur über engen Austausch!"

Weitere Informationen zur Veranstaltung

Das Symposium „Isotopen im Grundwasserschutz - Anwendung und Forschung" findet am 20. Und 21.10.2010 am Helmholtz Zentrum München, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg statt. Informationen zu Anmeldung, Hotels, Terminen und Gebühren erhalten Sie unter http://www.grundwasser-isotopen.de.

Das Institut für Grundwasserökologie am Helmholtz Zentrum München beschäftigt sich mit dem Abbau und Transport von Schadstoffen im Grundwasser und deren Auswirkungen auf das Ökosystem. Zentrales Ziel ist die Erforschung von mikrobiellen Selbstreinigungsprozessen und Limitationen des Schadstoffabbaus. Damit werden Entscheidungsgrundlagen für das Management des Ökosystems Grundwasser als wichtige Trinkwasserquelle geschaffen. Homepage: http://www.helmholtz-muenchen.de/igoe

Das Helmholtz Zentrum München ist das deutsche Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt. Als führendes Zentrum mit der Ausrichtung auf Environmental Health erforscht es chronische und komplexe Krankheiten, die aus dem Zusammenwirken von Umweltfaktoren und individueller genetischer Disposition entstehen. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 1.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens auf einem 50 Hektar großen Forschungscampus. Das Helmholtz Zentrum München gehört der größten deutschen Wissenschaftsorganisation, der Helmholtz-Gemeinschaft an, in der sich 16 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit insgesamt 26.500 Beschäftigten zusammengeschlossen haben. Homepage: http://www.helmholtz-muenchen.de

Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-muenchen.de/presse-und-medien/pressemitteilungen/pressemitt...

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Wer wäscht die schmutzige Wäsche?

Birgit Kruse, Pressestelle
Universität Hamburg

Ergebnisse einer Studie zur Verteilung von Hausarbeit im internationalen Vergleich
Wer wäscht die schmutzige Wäsche? Wer kauft ein und stellt das Abendessen auf den Tisch? Wie erklärt sich der Anstieg des Anteiles der Hausarbeit, den Männer verrichten? Arbeiten tatsächlich mehr Männer aktiv im Haushalt oder beruht dies auf dem dramatischen Rückgang der Haushaltstätigkeit von Frauen? Warum arbeiten deutsche Frauen so viel mehr im Haushalt als schwedische oder US-amerikanische Frauen?

Sonja Drobnič, Professorin für Soziologie an der Universität Hamburg, hat mit ihrer Kollegin Judith Treas, University of California, Irvine, diese Alltagsfragen mit Unterstützung der Alexander von Humboldt Stiftung von verschiedenen Seiten wissenschaftlich beleuchtet und im Rahmen dieser Arbeiten ein internationales Netzwerk von führenden Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen ins Leben gerufen. Im Projektverbund „Dividing the Domestic/ Den Haushalt teilen" gingen sie der Frage nach, wie Staat, Kultur und Ländercharakteristika unsere Haushalte und unser Privatleben durchdringen. Ergebnis: Obwohl in Vollzeit beschäftigt, verrichten Frauen in allen untersuchten Ländern immer noch den Großteil der Hausarbeit. Auch ärmere Frauen wenden mehr Zeit für den Haushalt auf als ihre wohlhabenderen Pendants. Bildungssystem, Arbeitsrecht, Steuersystem, Regierungspolitik und kulturelle Glaubenssätze über Mutterschaft und Heirat spielen eine wichtige Rolle. Eine Erklärung des privaten „Wer macht was?" bedarf dabei einer genauen Berücksichtigung des Einflusses von so verschiedenen Seiten wie Gewerkschaften, staatlichen Schulsystemen und kulturellen Leitbildern von glücklicher Ehe.

Die Ergebnisse der länderübergreifenden Studie sind nun veröffentlicht in:

Dividing the Domestic. Men, Women, and Household Work in Cross-National Perspective. Stanford University Press, 2010, Hrsg. Judith Treas (University of California, Irvine) und Sonja Drobnič (Universität Hamburg).

Für Rückfragen:

Prof. Sonja Drobnic
Universität Hamburg
Fachbereich Sozialwissenschaften
Tel.:040-428 38-46 59
E-Mail: sonja.drobnic@uni-hamburg.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Forschung: Aktuelle Daten über Kniegelenksarthrose ermittelt

Jörg Feldmann, Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Der frühzeitige Verschleiß des Kniegelenks, die Gonarthrose, ist eine der häufigsten Gelenkerkrankungen. Im Auftrag der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ermittelte jetzt eine umfangreiche Studie Faktoren, die zum Verschleiß des Kniegelenks führen können. Neben beruflichen Belastungen wie schwerem Heben und Tragen und häufigem Knien tragen Übergewicht, Vererbung und Mannschaftssportarten zur schmerzhaften Erkrankung des Kniegelenks bei.
Für die Kniegelenksarthrose, die zu den häufigsten Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems zählt, sind berufliche Risikofaktoren bisher nicht ausreichend beleuchtet worden. Die nun veröffentlichten Ergebnisse der „Fall-Kontroll-Studie zur Bewertung von beruflichen Faktoren im Zusammenhang mit Gonarthrosen" schließen diese Lücke.

2006 gab die BAuA die Fall-Kontroll-Studie in Auftrag. Die sogenannte ArGon-Studie sollte Erkenntnisse über den Einfluss von physischen Belastungen bei beruflichen und außerberuflichen Tätigkeiten und individuellen Faktoren auf die Entstehung von Gonarthrose gewinnen. Das Institut für Arbeitsmedizin, Sicherheitstechnik und Ergonomie e.V. ASER führte die Studie gemeinsam mit dem HELIOS Klinikum Wuppertal, dem Sankt Josef Zentrum für Orthopädie und Rheumatologie Wuppertal, dem Klinikum Köln Merheim und der Universität Witten/Herdecke durch. Über 1.200 Patienten mit und ohne Kniegelenksarthrose nahmen an der Fall-Kontroll-Studie teil. Die Daten zu zurückliegenden beruflichen Belastungen und sonstigen Risikofaktoren wurden bei den 741 Frauen und 569 Männern im Alter zwischen 25 und 75 Jahren durch standardisierte Befragungen mit Hilfe von Fragebögen und Interviews erhoben. Zusätzlich wurden zur Validierung der subjektiven Angaben aus den Befragungen Tätigkeitsanalysen und Befragungen in ausgewählten Bereichen mit Knie belastenden Tätigkeiten durchgeführt.

Für beide Geschlechter konnte gezeigt werden, dass Arbeiten im Knien oder in hockender Stellung das Risiko des Verschleißes erhöhen. Hier besteht ein Zusammenhang zwischen der Dauer der Einwirkung und der Schädigung. Darüber hinaus ermittelten die Experten Übergewicht, Erbanlagen und bestimmte Sportarten als Risikofaktoren. Bei Frauen spielen zusätzlich Fehlstellungen des Beines (X-/O-Beine), Kniebeschwerden in der Kindheit und schweres Heben und Tragen eine Rolle. Hingegen erweist sich bei Frauen langes und häufiges Sitzen als Faktor, der dem Verschleiß des Kniegelenks entgegenwirkt.

Befragte Orthopäden und Sportmediziner kamen zu dem Ergebnis, dass auch bestimmte Sportarten schädlich für die Knie sein können. Mannschaftssportarten und Kampfsport wurden fast durchgängig als „eher schädlich für das Knie" eingestuft. Hier können Knieverletzungen auftreten, die nicht bemerkt werden und dem Verschleiß Vorschub leisten. Mit dem richtigen Sport kann man aber auch etwas für die Prävention von Kniegelenksarthrose tun: besonders Wassersport und Individualsportarten wie ein gezieltes Rückentraining sind gut geeignet.

Die ArGon-Studie liefert wichtige Erkenntnisse, um durch Maßnahmen wie Arbeitstechniken oder Ernährungsumstellung dem vorzeitigen Abbau des Kniegelenks vorzubeugen. Die Ergebnisse wurden auch in der internationalen Fachzeitschrift Arthritis Research & Therapy (2010,12:R88) veröffentlicht.

Bericht F2096 der BAuA „Fall-Kontroll-Studie zur Bewertung von beruflichen Faktoren im Zusammenhang mit Gonarthrosen - die ArGon-Studie", A. Klußmann, Hj. Gebhardt, M. Nübling, L. V. von Engelhardt, E. Quirós Perea, F. Liebers, B. Bouillon, M. A. Rieger; 199 Seiten; PDF-Datei 4 MB

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt. Sie ermöglichen Unternehmen wie auch der gesamten Volkswirtschaft einen Vorsprung im globalen Wettbewerb. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben - im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Rund 660 Beschäftigte arbeiten am Hauptsitz in Dortmund und den Standorten Berlin, Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.

Weitere Informationen:
http://www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/F2096.html Direkter Link zum Bericht auf der BAuA-Homepage.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Zweifel an mutmaßlicher Todesursache Tutanchamuns / Hamburger Tropenmediziner vermuten eine Sichelzellerkrankung

Dr. Eleonara Setiadi, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Mediziner des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) stehen der kürzlich aufgestellten These der Gruppe um den Ägyptologen Dr. Zahi Hawass zur Todesursache des Pharaos Tutanchamun kritisch gegenüber. „Malaria in Kombination mit der Köhler-Krankheit als Grund für den frühen Tod Tutanchamuns erscheint uns eher unwahrscheinlich", sagen Dr. Christian Timmann und Prof. Christian Meyer vom BNI. Sie vermuten vielmehr eine Erbkrankheit als eigentliche Todesursache1: „Die Sichelzellkrankheit ist eine wichtige Differenzialdiagnose, die man mit dem vorhandenen DNA-Material vermutlich bestätigen oder ausschließen kann."
Im Februar 2010 veröffentlichten Dr. Hawass und Kollegen in der amerikanischen Zeitschrift „Journal of the American Medical Association" (JAMA), dass sie in der Mumie Tutanchamuns mit Gentests spezifische Gen-Abschnitte des Malariaparasiten Plasmodium falciparum nachgewiesen hatten. Gleichzeitig zeigten computertomographische Aufnahmen neben umschriebenen Knochendefekten zwei verkürzte Mittelfußknochen des linken Fußes. Aufgrund dieser Befunde vermutete die Gruppe um Hawass eine Malaria in Kombination mit der sogenannten Köhlerschen Knochenkrankheit als Todesursache Tutanchamuns.

In einem heute veröffentlichten Kommentar (JAMA) schlagen die Forscher des BNI vor, den Pharao mit weiteren DNA-Tests zu untersuchen, um die Sichelzellkrankheit als Todesursache nachzuweisen oder auszuschließen.1 Den Forschern vom BNI war aufgefallen, dass sich die Daten, die Hawass und seine Kollegen veröffentlicht hatten, unter Berücksichtigung von Aspekten der medizinischen Radiologie, der genetischen Epidemiologie und der Malariaforschung auch anders interpretieren lassen.

Laut Timmann seien die radiologischen Ergebnisse der Gruppe um Hawass zwar mit der Köhlerschen Erkrankung vereinbar, doch seien diese Defekte ebenso für die Sichelzellkrankheit typisch. "Tropenmedizinern ist außerdem bekannt, dass in Malariagebieten Todesfälle aufgrund von Malaria meist im Kindesalter auftreten", erklärt Timmann. Tutanchamun sei jedoch erst im jungen Erwachsenenalter gestorben, womit eine tödlich verlaufende Malariainfektion wenig plausibel scheine.

Sichelzellkrankheit häufig in Malariagebieten
Bei der Sichelzellkrankheit nehmen die roten Blutzellen unter bestimmten Bedingungen eine Sichelform an, verschließen Blutgefäße und können dadurch Organe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgen. Sind Knochen betroffen, können Knochenläsionen die Folge sein.

„Die genetischen Anlagen für die Erbkrankheit werden in den Regionen gefunden, in denen Malaria gehäuft auftritt oder auftrat, unter anderem auch im alten und modernen Ägypten. Die Sichelzellkrankheit kann sich erst dann manifestieren, wenn ein Nachkomme von beiden Elternteilen Sichelzellanlagen geerbt hat - eine sogenannte rezessive Vererbung also", erklärt Meyer.

Gleich mehrere Aspekte sind grundsätzlich mit dem Erbgang und dem Auftreten einer Sichelzellkrankheit in der königlichen Pharaodynastie vereinbar. Dazu zählen der vorgeschlagene Stammbaum, die vermutliche Geschwisterschaft von Tutanchamuns Eltern und die damit erhöhte Wahrscheinlichkeit des Auftretens einer rezessiven Erbkrankheit sowie das angenommene höhere Alter vieler Familienmitglieder der Tuthmosidenlinie.

Publikation:
1 Timmann C., Meyer C.: King Tutankhamun's Family and Demise. JAMA 2010;303(24):2473
Letter: http://jama.ama-assn.org/cgi/content/full/303/24/2473

Über das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) ist Deutschlands größte Einrichtung für Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer Erkrankungen und neu auftretender Infektionskrankheiten.
Gegenstand der Forschung sind Klinik, Epidemiologie und Krankheitsbekämpfung sowie die Biologie der Krankheitserreger, ihrer Reservoirtiere und Überträger. Den aktuellen Schwerpunkt bilden Malaria, hämorrhagische Fieberviren, Tuberkulose und Gewebewürmer. Für den Umgang mit hochpathogenen Erregern wie Lassa- und Ebola-Viren verfügt das Institut über Laboratorien der höchsten biologischen Sicherheitsstufe (BSL4). Als herausragende wissenschaftliche Leistungen des Instituts in jüngster Vergangenheit gelten die Identifizierung des SARS-Coronavirus und die Entdeckung eines bisher unbekannten Entwicklungsstadiums der Malaria-Erreger im Menschen.
Versorgungsleistungen des Instituts umfassen die spezielle Labordiagnostik tropentypischer und anderer seltener Erkrankungen, eine enge Zusammenarbeit mit der Bundeswehr sowie Beratung für Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit, die wesentlich zur gesamtstaatlichen Bedeutung des Instituts beitragen. Das Institut dient als nationales Referenzzentrum für den Nachweis aller tropischen Infektionserreger, Referenzlabor für SARS und Kooperationszentrum der Weltgesundheitsorganisation für hämorrhagische Fieberviren.
Die Lehrtätigkeit umfasst einen dreimonatigen, ganztägigen Kursus über alle Aspekte der Tropenmedizin für Ärzte sowie ein Fortbildungsprogramm für Doktoranden des Instituts und eine Reihe von Weiterbildungsangeboten zu Themen der Reisemedizin und der internationalen Gesundheit.
In Zusammenarbeit mit dem ghanaischen Gesundheitsministerium und der Universität von Kumasi betreibt das Institut seit über zehn Jahren ein modernes Forschungs- und Ausbildungszentrum in Ghana, das auch externen Arbeitsgruppen zur Verfügung steht.
Als Mitglied der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz (WGL) wird das Institut als Forschungsinstitut mit überregionaler Bedeutung gemeinsam durch den Bund, die Freie und Hansestadt Hamburg und die übrigen Bundesländer finanziert.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Ein gesunder Kopf auf einem gesunden Körper - Wie Jugendliche Kopfschmerzen und Migräne vorbeugen können

Luise Dirscherl, Stabsstelle Kommunikation und Presse
Ludwig-Maximilians-Universität München

Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Beeinträchtigungen der Gesundheit überhaupt: Etwa 70 Prozent der Bevölkerung leiden unter chronischen oder wiederkehrenden Kopfschmerzen - am häufigsten unter Spannungskopfschmerz und Migräne. Auch Jugendliche sind häufig von diesen Beschwerden betroffen. Nun hat ein Forscherteam um die LMU-Epidemiologen Dr. Astrid Milde-Busch und Professor Rüdiger von Kries erstmals in einer groß angelegten Studie untersucht, wie sich der Konsum von Alkohol, Zigaretten und Kaffee sowie Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten auf die Kopfschmerzhäufigkeit auswirken.
Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass ein hoher Alkohol- und Zigarettenkonsum die Häufigkeit von Spannungskopfschmerzen und Migräne steigert. Weiterhin ließ sich ein Zusammenhang zwischen Bewegungsmangel und Kaffeekonsum und der Häufigkeit von Migräneattacken beobachten. „Bei Kopfschmerzen ist das Risiko der Chronifizierung groß", sagt von Kries. „Unsere Studie zeigt, dass vernünftige Verhaltensempfehlungen dazu beitragen könnten, die Kopfschmerzhäufigkeit zu reduzieren." (Headache: The Journal of Head and Face Pain, 7. Juni 2010)

Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Gesundheitsbeschwerden bei Jugendlichen. So sind 15 bis 25 Prozent der Heranwachsenden von Spannungskopfschmerzen, weitere fünf bis zehn Prozent von Migräne betroffen. Ebenfalls bekannt ist, dass Genussmittel wie Alkohol, Nikotin und Koffein hier eine Rolle spielen. Allerdings wurde dieser Zusammenhang bislang nur bei Erwachsenen nachgewiesen, bei Jugendlichen aber kaum erforscht. Forscher um Dr. Astrid Milde-Busch und Professor Rüdiger von Kries untersuchten nun insgesamt 1260 Jugendliche im Alter von 14 bis 20 Jahren aus den Jahrgangsstufen 10 und 11 mehrerer Gymnasien in der Münchner Region. Per Fragebogen wurde geklärt, ob die Jugendlichen in der Woche davor beziehungsweise in den vorangegangenen sechs Monaten unter Kopfschmerzen gelitten hatten und welche Symptome dabei auftraten. Zudem wurden der Lebensstil und das Ernährungsverhalten der Probanden geklärt - vor allem in Hinsicht auf den Konsum von Alkohol, Nikotin und Kaffee.

„Insgesamt haben 83 Prozent der Gymnasiasten angegeben in den letzten sechs Monaten mindestens einmal Kopfschmerzen gehabt zu haben", sagt Astrid Milde-Busch. „Dabei berichteten 49 Prozent über Spannungskopfschmerzen, 10 Prozent über Migräne und 20 Prozent sowohl über Migräne als auch über Spannungskopfschmerzen." 54 Prozent der Schüler gaben an, mindestens einmal in der Woche Alkohol zu trinken. Zumindest gelegentlich rauchen 27 Prozent der Studienteilnehmer, während 57 Prozent gelegentlich oder häufig Kaffee trinken. Dabei wurde ein deutlicher Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Kopfschmerzen und dem Lebensstil sichtbar. „Migräne etwa trat deutlich häufiger auf, wenn die Jugendlichen viel Kaffee tranken und sich wenig bewegten", so Milde-Busch. „Auch Spannungskopfschmerzen in Kombination mit Migräne hingen mit einem hohen Kaffeekonsum und Bewegungsmangel zusammen. Darüber hinaus ließ sich hier auch ein Zusammenhang mit hohem Alkohol- und Zigarettenkonsum beobachten."

Dagegen spielten die Ernährungsgewohnheiten und die tägliche Trinkmenge offenbar nur eine vergleichsweise geringe Rolle. „Unsere Untersuchung zeigt zwar, dass viele Schüler nicht regelmäßig oder gar nicht frühstücken und häufig Mahlzeiten im Tagesverlauf auslassen", sagt von Kries. „Allerdings war hier entgegen unserer Erwartungen kein Zusammenhang mit der Kopfschmerzhäufigkeit zu beobachten. Insgesamt lässt unsere Studie die Aussage zu, dass Jugendliche mit jeder Art von Kopfschmerz von regelmäßiger körperlicher Aktivität und geringem Alkoholkonsum profitieren. Wer an Migräne leidet, sollte außerdem wenig Kaffe und andere koffeinhaltige Getränke zu sich nehmen. Mit Hilfe solcher Maßnahmen ließe sich möglicherweise verhindern, dass Kopfschmerzen in jungen Jahren chronische werden." Dafür aber müssten die Jugendlichen zunächst über die Auslöser dieser Beschwerden und ein gesundes Verhalten informiert werden. Die Forscher wollen nun analysieren, ob entsprechende Programme die Beschwerden tatsächlich reduzieren helfen. (CA)

Publikation:
„Associations of Diet and Lifestyle with Headache in High-School Students";
Astrid Milde-Busch, Astrid Blaschek, Ingo Borggräfe, Florian Heinen, Andreas Straube, Rüdiger von Kries;
Headache: The Journal of Head and Face Pain,
7. Juni 2010 (online);
DOI: 10.1111/j.1526-4610.2010.01706.x

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Rüdiger von Kries
Institut für Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin der LMU
Tel.: +49-(0)89 / 71009-314
E-Mail: Ruediger.Kries@med.uni-muenchen.de
Web: www.soziale-paediatrie.med.uni-muenchen.de

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Wie der erste Schritt das (wässrige) Ergebnis bestimmt

Axel Burchardt, Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Forscher aus Jena und Erlangen-Nürnberg zeigen Weg zur effektiveren Wasserstoffbildung
Jena  Energie aus Wasserstoff - an dieser Lösung zur Überwindung der Energiekrise arbeiten Wissenschaftler weltweit und versuchen u. a., das Sonnenlicht als Triebkraft für die Wasserspaltung in Wasserstoff und Sauerstoff zu nutzen. Bei der Nachbildung der Photosynthese im Labor ist jetzt ein Team aus Wissenschaftlern der Universitäten Jena und Erlangen-Nürnberg sowie vom Institut für Photonische Technologien (IPHT) in Jena einen großen Schritt vorangekommen. Die Physiker und Chemiker konnten in ihren Versuchen nachweisen, dass der erste Schritt bereits die Effizienz der Wasserstoffbildung bestimmt. „Das ist so, als wenn man durch das Umdrehen des Zündschlüssels im Auto bereits über das Ziel entscheidet", verdeutlicht PD Dr. Michael Schmitt vom Institut für Physikalische Chemie (IPC) der Universität Jena. Wissenschaftlich formuliert: „Der Franck-Condon-Punkt muss so gestaltet werden, dass schon der initiale Elektronentransferprozess in Richtung des katalytisch aktiven Zentrums erfolgt." Die Erkenntnisse sind im renommierten Fachmagazin „Angewandte Chemie" publiziert worden.

Die Wissenschaftler setzen bei ihren Versuchen zur effizienteren Energieumwandlung auf chemische Photokatalysatoren (sog. PMDs). Licht wird dabei genutzt, um Elektronen gezielt von einer Untereinheit dieses Moleküls zu einer anderen springen zu lassen oder über eine Ligand genannte „Brücke" zu transportieren.

Wie bei der Photosynthese hat der Prozess, den die Chemiker im Labor ablaufen lassen, zwei wesentliche Stationen: Ein spezieller Metallkomplex mit Ruthenium als ausschlaggebendem Bestandteil dient als Antenne, die das Licht einfängt. Das Ruthenium gibt daraufhin ein Elektron ab, das auf das Reaktionszentrum wechselt, dessen Kern ein Palladiumatom bildet. An diesem Metallzentrum wird schließlich Wasserstoff gebildet. Entgegen der perfekten Natur gelangen im Laboraufbau noch nicht alle Elektronen vom Ruthenium auf das Palladiumzentrum, einige wählen „Abzweigungen", geraten in „Kreisverkehr" oder „Sackgassen" und gehen damit für die Reaktion verloren. „Mit Hilfe der Resonanz-Raman-Spektroskopie konnten wir beobachten und sehen, wohin das Elektron nach Lichtanregung springt", beschreibt Prof. Dr. Jürgen Popp, Direktor von IPC und IPHT. „Wir konnten dadurch ein neues Syntheseparadigma für solche Photosynthesekomplexe entwickeln", ergänzt Michael Schmitt.
Das Forscherteam konnte nachweisen, dass die Effektivität der Wasserstofferzeugung durch die Wellenlänge des Lichtes verändert wird. Sie ist umso effizienter, je roter das Licht ist, das zur Anregung verwendet wird - Licht von einer Wellenlänge von 550 nm ist optimal. „Je roter das Licht, umso mehr Elektronen gehen zum Brückenliganden, der das Ruthenium mit dem Palladium verbindet", erklärt Schmitt. Außerdem entscheidet der erste Schritt bei einer Absorption eines Liganden darüber, wohin das Elektron geht und damit, wie effektiv die Energiegewinnung ist.

„Durch diese Erkenntnisse können wir gezielt Barrieren aufbauen, damit die Elektronen nicht vom ,rechten Weg' abkommen, sondern ausschließlich beim Palladium landen", weist Prof. Popp auf das Anwendungspotenzial dieser Grundlagenforschung. Im Labor lag bei ersten Versuchen die Wasserstoffgewinnung um das vierfache über den früheren Werten, aber noch weit unter der notwendigen Rate. Nun liegt es an den Chemikern, wie dem beteiligten Prof. Dr. Sven Rau, die molekularen Katalysatorenkomplexe so zu optimieren, dass „keine Elektronen mehr vom terminalen Liganden aufgenommen werden", erläutert Schmitt.

Noch, das wissen die Wissenschaftler, ist es ein weiter Weg, die Photosynthese der Natur korrekt und effizient nachzuahmen. „Aber wir sind dank unserer spektroskopischen Analyseverfahren einen guten Schritt auf diesem Weg weitergekommen", ist sich Prof. Popp sicher.

Originalpublikation:
Stefanie Tschierlei, Michael Karnahl, Martin Presselt, Benjamin Dietzek, Julien Guthmuller, Leticia González, Michael Schmitt, Sven Rau und Jürgen Popp: „Photochemisches Schicksal: Der erste Schritt bestimmt die Effizienz der H2-Bildung mit einem supramolekularen Photokatalysator", Angewandte Chemie 2010, 122, 4073-4076.

Kontakt:
Prof. Dr. Jürgen Popp / PD Dr. Michael Schmitt
Institut für Physikalische Chemie der Universität Jena
Helmholtzweg 4, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948320 oder 948367
E-Mail: juergen.popp@uni-jena.de / m.schmitt@uni-jena.de

Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Tödliche Welten: Drei, die Millionen Menschen das Leben retteten

Michael Kroemer, Pressestelle
Bergische Universität Wuppertal

„Tödliche Welten" heißt ein im Herder-Verlag, Freiburg, erschienenes Buch des Arbeitsmediziners Prof. Dr.med. Dr. Friedrich Hofmann. Der historische Tatsachenroman erzählt „Die unglaubliche Geschichte von drei Medizinern, die Millionen Menschen das Leben retteten" (Untertitel) - Robert Koch, Emil von Behring und Paul Ehrlich.
29. April 1876: Robert Koch ist auf dem Weg nach Breslau, um die Ergebnisse seiner jahrelangen und mühevollen Forschungen über den Milzbranderreger Kollegen vorzustellen. Die Tage in Breslau sind sein Durchbruch und Beginn einer einzigartigen Erfolgsgeschichte, Geschichte der Zusammenarbeit und der Entdeckungen von Robert Koch, Emil von Behring und Paul Ehrlich. Es geht dabei um die „Geburt" der Bakteriologie. Prof. Hofmann: „Sie entwickelten die Wissenschaft zwischen 1876 und 1917 so, dass sie Weltgeltung besaß!"

Dr. Dr. Friedrich Hofmann ist Professor für Arbeitsphysiologie, Arbeitsmedizin und Infektionsschutz an der Bergischen Universität. Neben zahlreichen Fachbüchern hat er mehrere Gesundheitsratgeber und Romane verfasst. Seit 1995 ist er Mitglied und seit einigen Jahren Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (STIKO) der Bundesregierung am Robert Koch-Institut in Berlin. (Friedrich Hofmann: Tödliche Welten - Die unglaubliche Geschichte von drei Medizinern, die Millionen Menschen das Leben retteten; kartoniert, Reihe Herder spectrum, Herder-Verlag, Freiburg, 2010, 9,95 Euro.)

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Nanosilber gehört nicht in Lebensmittel, Textilien und Kosmetika

Dr. Suzan Fiack, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

BfR rät derzeit von nanoskaligem Silber in verbrauchernahen Produkten ab

Die antimikrobiellen Eigenschaften von Silberionen machen sich Hersteller von verbrauchernahen Produkten seit langem zunutze. Neuerdings werden auch Silberpartikel in Nanogröße eingesetzt. So sollen zum Beispiel die mit Nanosilber beschichteten Oberflächen in Kühlschränken das Wachstum von Keimen verhindern, und in Sportsocken soll es die Geruchsbildung vermeiden. Ob von Nanosilber ein gesundheitliches Risiko für Verbraucher ausgeht, lässt sich derzeit nicht abschließend beurteilen. „Solange wir mögliche gesundheitliche Risiken nicht sicher ausschließen können, empfehlen wir Herstellern, auf Nanosilber in verbrauchernahen Produkten zu verzichten", sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel.

Silber und Silberverbindungen setzen Silberionen frei, die das Wachstum von Keimen hemmen können. Sie werden daher zum Beispiel in kosmetischen Mitteln, Textilien und in Haushaltsgeräten verwendet. Außerdem ist Silber als Farbstoff für Lebensmittel (E174) zugelassen.

In jüngster Zeit wird von Herstellern von verbrauchernahen Produkten zunehmend Silber auch in Form von Nanopartikeln eingesetzt. Unter Nanopartikeln werden Teilchen mit einem Durchmesser kleiner als 100 Nanometern verstanden. Nanopartikel haben andere physikalische Eigenschaften als größere Teilchen des gleichen Stoffes. Diese besonderen Eigenschaften machen sie für unterschiedliche Einsatzbereiche interessant. Dabei ist nicht abschließend geklärt, ob sich ihre toxikologischen Eigenschaften ändern und sie möglicherweise zum Gesundheitsrisiko für Verbraucher werden können.

Das BfR sieht Forschungsbedarf zur Klärung grundlegender Fragen im Zusammenhang mit der Verwendung von nanoskaligem Silber als antimikrobiell wirkendes Material: In welchem Maße kommen Verbraucher mit den nanoskaligen Silberteilchen in Kontakt? Was bewirkt Nanosilber im Menschen, und wie groß ist die Gefahr der Resistenzentwicklung?

Auf die Verwendung von nanoskaligem Silber in verbrauchernahen Produkten empfiehlt das BfR bis zum Vorliegen einer abschließenden Sicherheitsbewertung ganz zu verzichten. In Lebensmitteln sind nanoskalige Zusatzstoffe ohnehin zulassungspflichtig. Nanosilber ist in Lebensmitteln nicht zugelassen. Dies begrüßt das BfR vor dem Hintergrund der offenen Fragen zur Risikoeinschätzung.

Das BfR hat eine Stellungnahme zum Thema veröffentlicht, die auf der Homepage http://www.bfr.bund.de einsehbar ist.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de/cm/216/bfr_raet_von_nanosilber_in_lebensmitteln_und_produ... Stellungnahme des BfR

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Bisphenol A - Massenchemikalie mit unerwünschten Nebenwirkungen

Martin Ittershagen, Pressestelle
Umweltbundesamt (UBA)

Umweltbundesamt liefert aktuellen Hintergrundbericht
Berichten die Medien über gefährliche Chemikalien, fällt häufig der Name Bisphenol A. Immer wieder verunsichern Meldungen über diese Substanz Verbraucherinnen und Verbraucher. Was ist das für ein Stoff, wo kommt er vor, und wie hoch sind die Risiken für Mensch und Umwelt? In einem aktuellen Hintergrundpapier erläutert das Umweltbundesamt (UBA) die Risiken von Bisphenol A und zeigt Handlungsoptionen für die Zukunft auf. UBA-Präsident Jochen Flasbarth empfiehlt Herstellern und Nutzern der Chemikalie, vorsorglich schon heute alternative Stoffe einzusetzen und so Mensch und Umwelt zu schützen.

Bisphenol A steckt in vielen Alltagsgegenständen: Konservendosen, DVDs, Thermopapier, Lebensmittelverpackungen und Babyflaschen. Aus diesen Produkten kann sich der Stoff lösen und dann auch von Menschen aufgenommen werden. Herstellung, Weiterverarbeitung und Recycling kann Flüsse und Seen mit Bisphenol A belasten. Der Ausgangsstoff für Polykarbonat-Kunststoffe und Epoxidharze gehört mit 3,8 Millionen Tonnen pro Jahr zu den am meisten produzierten Chemikalien weltweit.
Bisphenol A wirkt ähnlich wie das weibliche Sexualhormon Östrogen. Das zeigen zahlreiche Studien an Säugern oder Fischen. Die Chemikalie ist zwar weniger potent als das natürliche Sexualhormon, stört aber nachweislich bei einigen Organismen die Fortpflanzung.
Das Altstoffchemikalien-Programm der EU und die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA bewerten Produkte auf Bisphenol A-Basis für Verbraucherinnen und Verbraucher derzeit als unbedenklich. Kanada, Dänemark und Frankreich dagegen haben aus Vorsorgegründen Bisphenol A-haltige Babyflaschen und andere Produkte für Kinder verboten. Jochen Flasbarth: „Aus Sicht des Umweltbundesamtes bestehen zwar noch Datenlücken; doch die vorliegenden Kenntnisse sollten ausreichen, die Verwendung bestimmter Bisphenol A-haltiger Produkte aus Vorsorgegründen zu beschränken."
Die europäische Chemikalienverordnung REACH (Registration, Evaluation and Authorisation of Chemicals) stärkt die Eigenverantwortung der Chemieindustrie. Unternehmen, die Bisphenol A herstellen oder verwenden sind verantwortlich, die Risiken von Bisphenol A über den gesamten Lebenszyklus zu bewerten und eventuelle Risiken zu mindern. Das Ergebnis müssen Sie den europäischen Behörden in einem Registrierungsdossier bis zum 30.11.2010 darlegen. Das UBA wird dieses Dossier genau prüfen und dann entscheiden, welche zusätzlichen Maßnahmen zum Schutz von Mensch und Umwelt möglich und notwendig sind.
Vorsorglich empfiehlt das UBA den Herstellern, Importeuren und Verwendern von Bisphenol A bereits heute Verwendungen die Mensch und Umwelt belasten durch gesundheits- und umweltfreundliche Alternativen zu ersetzen - als Beitrag zum vorsorglichen Schutz von Mensch und Umwelt.
Das neue Hintergrundpapier „Bisphenol A - Massenchemikalie mit unerwünschten Nebenwirkungen" steht unter
http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/mysql_medien.php?anfrage=Kennummer... kostenlos zum Download bereit.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Womit haben wir das verdient? Weniger Geld bei besseren Leistungen

Sabine Laartz, Pressestelle

Dass Frauen im Durchschnitt 22 Prozent weniger verdienen als Männer ist eine erwiesene Tatsache. Der Grund für diesen Verdienstunterschied wird meist in der Erwerbsbiografie der Frauen gesucht. In einer Studie für die Hans-Böckler- Stiftung gehen die Professorin Dr. Kirsten Wüst und die Diplom-Psychologin Brigitte Burkart von der Hochschule Pforzheim der Frage nach, ob diese Ein-schätzung richtig ist.
Frauen haben oftmals familiär bedingte Erwerbsunterbrechungen, Frauen arbei-ten häufiger in Teilzeit, typische Frauenberufe sind schlechter bezahlt als cha-rakteristische Männerberufe, Frauen besetzen seltener eine Führungsposition - die Fakten sind bekannt. Aber sind die Gehälter von Frauen und Männer wirk-lich gleich, wenn ihre Ausgangspositionen identisch sind? Werden Frauen und Männer einheitlich entlohnt, wenn sie die identische Stelle innehaben und die gleiche Erwerbsbiografie aufweisen? Der Forschungsansatz der beiden Pforzheimerinnen ist klar: Wenn der Grund für den Gehaltsunterschied wirklich in der Erwerbsbiografie zu finden ist, müssten Frauen bei gleichem Studienabschluss und einem Vollzeitjob zumindest beim Berufseinstieg ein vergleichbares Gehalt beziehen wie ihre männlichen Konkurrenten Dass die Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern unter vergleichbaren Bedingungen auch heute noch nicht erreicht ist, zeigt die vorliegende Studie.

Grundlage der, in der Zeitschrift WSI-Mitteilungen der Hans-Böckler Stiftung, Ausgabe 06/2010 veröffentlichten Studie war eine Befragung von über 3.000 Absolventinnen und Absolventen der Pforzheimer Fakultät Wirtschaft und Recht. Die Umfrage im Zeitraum von 1998 bis 2008 ergab, dass weibliche Ab-solventen trotz besserer Noten, häufigerem Auslandsaufenthalt und größerem Engagement in studentischen Organisationen und trotz gleichem Studiengang ein um durchschnittlich acht Prozent geringeres Einstiegsgehalt erzielen als männliche Absolventen. Diese Unterschiede treten bei allen Studiengängen ohne Ausnahme auf. Im Mittel verdienen die Frauen so schon beim Berufsein-stieg pro Jahr rund 3.000 € weniger als die Männer.

Da Teilzeit, Übernahme von Führungsaufgaben sowie Erwerbsunterbrechungen als Erklärungsansätze für die Gehaltsunterschiede der Pforzheimer Absolventen ausscheiden, müssen andere Ursachen identifiziert werden. Die Autorinnen können belegen, dass ein Teil der Gehaltsunterschiede auf der höheren Mobili-tät der männlichen Absolventen basiert. Als weitere Gründe vermuten sie eine Selbstselektion der Frauen, die eine anderen Lebensplanung vorziehen und eher auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie abzielen als auf ein möglichst hohes Gehalt. Die Autorinnen schließen aber auch eine Diskriminierung von Frauen nicht aus. Arbeitgeber könnten versucht sein, Frauen im Hinblick auf zukünftig zu erwartende Erwerbsausfälle schlichtweg weniger Geld anzubieten als Männern.

Die Autorinnen fordern eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch den Ausbau von Kinderbetreuungsangeboten sowie eine in die Hochschule integrierte Karriereförderung für Frauen. Damit sollen die geschlechtsspezifischen Gehaltsunterschiede der zukünftigen Absolventen verringert und das Selbstbewusstsein der Frauen gestärkt werden.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Machen Umweltgifte den „Zappelphilipp" krank?

Stephan Laudien, Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Erziehungswissenschaftler der Universität Jena stellt Zusammenhang zwischen Umweltgiften und Verhaltensauffälligkeiten fest
Unser Kind ist anders, es benötigt besondere Hilfen, um seinen täglichen Anforderungen genügen zu können: Die Diagnose Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bedeutet für viele Eltern einen Schock. Die Frage nach den Ursachen der ADHS rückt dabei schnell in den Hintergrund. Gerade dieser Frage geht der Erziehungswissenschaftler Ulf Sauerbrey von der Universität Jena nach. Sauerbrey hat eine Meta-Studie vorgelegt, die den Ursachen von ADHS auf den Grund geht. Sein Befund: Umweltgifte sind wahrscheinlich in hohem Maße für die Entstehung der ADHS verantwortlich.

Erstaunlicherweise würden Gifte in der kindlichen Umwelt in Veröffentlichungen über ADHS kaum eine Rolle spielen, konstatiert Ulf Sauerbrey. „Aber zahlreiche Einzelstudien sprechen eine deutliche Sprache", sagt der Wissenschaftliche Mitarbeiter am Lehrstuhl für Allgemeine Pädagogik und Theorie der Sozialpädagogik. Im direkten Lebensumfeld von Kindern liegen zahlreiche potenzielle Gefahrenquellen. Dazu gehörten insbesondere Ausdünstungen aus Teppichen, Tapeten und Anstrichen, die sich zu einem brisanten Chemie-Cocktail vermischen können. Die Wechselwirkungen verschiedener Giftstoffe sind oftmals gar nicht oder nur unzureichend erforscht. „Selbst niedrigste Konzentrationen sind schädlich, vor allem, wenn sie dauerhaft auf den kindlichen Organismus einwirken", sagt Sauerbrey. Vorsicht sei geraten bei Polstermöbeln, die aus Ländern importiert wurden, in denen andere Grenzwerte gelten als in Deutschland. Gefährlich sei zudem Spielzeug aus Fernost, das häufig bleibelastet ist, betont Sauerbrey.

Über die Diagnose ADHS gibt es durchaus wissenschaftliche Kontroversen. „Im Grunde ist ADHS eine Störung erwünschten Verhaltens", sagt Sauerbrey. Die Kriterien für die Diagnose wurden um 1990 entwickelt. Die unter ADHS beschriebenen Symptome sind jedoch weit älter: Bereits die 1845 im Kinderbuchklassiker „Struwwelpeter" von Heinrich Hoffmann beschriebenen Typen Hans-Guck-in-die-Luft und Zappelphilipp weisen Merkmale der ADHS-Diagnose auf. Eine mögliche Ursache scheint offensichtlich: „Im 19. Jahrhundert war die Schadstoffbelastung der Umwelt noch viel größer als heute", sagt Sauerbrey.

Das neue Buch von Ulf Sauerbrey enthält ein Nachwort von Erik Petersen. Der Herausgeber des Magazins „Umwelt - Medizin - Gesellschaft" gibt darin konkrete Handlungsanweisungen speziell für werdende Eltern und Familien mit Kindern. So empfiehlt er, die Schwermetall-Belastung durch Trinkwasser zu reduzieren. Es genügt, das Standwasser nicht zum Trinken bzw. zur Nahrungszubereitung zu verwenden. Auch sei die Zeit um die Geburt für den „Nestbau" denkbar ungeeignet. Wird das Kinderzimmer erst im letzten Moment fertig, sieht sich der Nachwuchs vom ersten Tag an einem Chemiecocktail ausgesetzt, der das Immunsystem überfordert und das Allergierisiko steigen lässt.

In tabellarischer Form sind abschließend Tipps für den Kauf umweltfreundlicher Produkte aufgelistet.

Bibliographische Angaben:
Ulf Sauerbrey: „ADHS durch Umweltgifte? Schadstoffe in der Kinderumwelt", Verlag IKS Garamond, Jena 2010, 109 Seiten, Preis: 12,90 Euro, ISBN 978-3941854-14-7

Hinweis für die Medien:
Rezensionsexemplare können direkt beim Verlag IKS Garamond angefordert werden, Tel.: 03641 460850 oder E-Mail: garamond@iks-jena.de

Kontakt:
Ulf Sauerbrey
Institut für Bildung und Kultur der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Planetarium 4, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945313
E-Mail: Ulf.Sauerbrey@uni-jena.de

Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Fluorhaltige Feuerlöschschäume schützen - aber leider nicht die Umwelt

Martin Ittershagen, Pressestelle
Umweltbundesamt (UBA)

Umweltbundesamt, Brandschutzverband und Feuerwehren veröffentlichen Faltblatt zur umweltschonenden Verwendung
Feuerwehren retten, bergen, löschen, schützen. Oft auch die Umwelt. Besonders effektiv lassen sich Brände von Chemikalien, Treibstoffen oder Kunststoffen mit fluorhaltigen Löschschäumen bekämpfen. Das verhindert, dass giftige Verbrennungsprodukte entstehen.

Die in den Löschschäumen enthaltenen Chemikalien sind jedoch aus Umweltsicht nicht ohne: „Fluorhaltige Chemikalien sind extrem langlebig und werden über die Gewässer weltweit verbreitet. Einige Vertreter der Stoffgruppe haben zudem die Tendenz, sich im Körper anzureichern und dort giftig zu wirken. Wir sollten daher vermeiden, dass sie in die Umwelt gelangen. Klar ist aber auch, dass dieser Anspruch im Brandfall nur teilweise erfüllt werden kann; dort hat der akute Schutz menschlichen Lebens natürlich Vorrang", so Dr. Klaus Günter Steinhäuser, Fachbereichsleiter „Chemikaliensicherheit" im Umweltbundesamt (UBA). Ein neues Faltblatt gibt Feuerwehren und Betreiber stationärer Löschanlagen praktische Tipps, wie sich geeignete Löschmittel auswählen lassen und belastetes Löschwasser am besten entsorgt wird.
Das gemeinsam von Umweltbundesamt (UBA), Deutschem Feuerwehrverband e.V (DFV) und Bundesverband Technischer Brandschutz e.V. (bvfa) entwickelte Faltblatt erscheint pünktlich zur Interschutz-Messe in Leipzig. Mit über 1000 Ausstellern und mehr als 100.000 Besuchern ist die Interschutz in Leipzig die wichtigste Messe für die Bereiche Rettung, Brand-/Katastrophenschutz und Sicherheit. Organisiert wird die Messe vom Bundesverband technischer Brandschutz e.V. (bvfa). Parallel zur Ausstellung findet vom 7. bis 12. Juni 2010 der 28. Deutsche Feuerwehrtag statt. Ein zentrales Messethema ist deshalb die Brandbekämpfung.
Hintergrund: Fluorhaltige Löschschäume
Im Jahr 2000 stellte die Firma 3 M, bis dahin einer der größten Hersteller fluorhaltiger Löschschäume fest, dass ihre Beschäftigten im Blut hohe Konzentrationen der Chemikalie PFOS (Perfluoroktansulfonsäure) aufwiesen. Das war für das Unternehmen der Anlass, die Produktion einzustellen und die marktführende Rolle aufzugeben. Weltweit wurden die Umweltbehörden aktiv. Heute steht PFOS auf der Liste der sogenannten persistenten organischen Schadstoffe („Persistent Organic Pollutants", kurz POPs). POPs sind besonders gefährliche Chemikalien, die ein weltweites Problem darstellen und die die Vertragsstaaten des Stockholmer Abkommens - einer internationalen Übereinkunft über persistente organische Schadstoffe - aus dem Verkehr ziehen wollen.
PFOS war bis dahin die wichtigste Fluorkomponente in Feuerlöschschäumen. Die Lager der Werkfeuerwehren der Chemischen Industrie und der Flughafenfeuerwehren waren gefüllt mit PFOS-haltigen Löschschäumen. Einige Feuerwehren habe die Mittel auch heute noch auf Lager. Seit 27. Juni 2008 vebietet die EU das Inverkehrbringen und Verwenden von PFOS; für bereits (gelagerte) Feuerlöschmittel auf Basis von PFOS gilt jedoch eine Aufbrauchfrist bis zum Juni 2011.
Der neue Ratgeber „Fluorhaltige Schaumlöschmittel umweltschonend verwenden" kann unter
http://bit.ly/93sCRU kostenlos heruntergeladen werden - eine gedruckte Fassung kann dort ebenfalls kostenlos bestellt werden. 

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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