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25.02.2020 07:17

Klärwerk.info / Ablage / Tägliche Meldungen 2011-2

Tägliche Meldungen 2011-2

 


Falsch geschätzt ist halb gewonnen - Modell beschreibt, wie Erfahrung unsere Wahrnehmung beeinflusst

Johannes Faber
Bernstein Koordinationsstelle
Nationales Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience

Wenn wir etwas abschätzen, nutzen wir unbewusst kürzlich gemachte Erfahrungen. Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und des Bernstein Zentrums München ließen Probanden in einer virtuellen Umgebung Entfernungen schätzen. Deren Ergebnisse tendierten jeweils zum Mittelwert aller bis dahin gelaufenen Wege. Erstmals konnten die Wissenschaftler die experimentellen Ergebnisse mit einem mathematischen Modell sehr gut vorhersagen. Es verbindet zwei altbekannte Gesetze der Psychophysik mit Hilfe eines Satzes aus der Wahrscheinlichkeitstheorie. Damit könnte die Studie für die Wahrnehmungsforschung von grundsätzlicher Bedeutung sein.
(Journal of Neuroscience, 23. November 2011)

Warum schätzen wir dieselbe Entfernung das eine Mal lang und das andere Mal kurz ein? Entscheidend ist, welche Strecken wir direkt zuvor zurückgelegt haben. Was trivial klingen mag, gibt wichtige Aufschlüsse darüber, wie das Gehirn Reize unterschiedlicher Stärke und selbst abstrakte Elemente wie Zahlen verarbeitet. Dies untersuchten Dr. Stefan Glasauer (LMU), Projektleiter am Bernstein Zentrum München, und seine Doktorandin Frederike Petzschner experimentell und theoretisch. Sie ließen Probanden in einem virtuellen Raum Entfernungen zurücklegen und diese anschließend dort so genau wie möglich reproduzieren. Die Ergebnisse waren, wie in früheren Studien, immer vom richtigen Wert hin zum Mittelwert der zuvor gelaufenen Strecken verschoben.

Die Forscher liefern nun erstmals eine allgemeine Erklärung für dieses Phänomen. Mit Hilfe eines mathematischen Modells können sie berechnen, wie sich vorangegangene Reize auf die aktuelle Schätzung auswirken. „Dieser Einfluss von Vorerfahrungen folgt höchstwahrscheinlich einem allgemeinen Prinzip und gilt wohl auch für das Abschätzen von Mengen oder Lautstärken", erklärt Glasauer. Versuchspersonen, die sich bei der Streckenschätzung stark von vorheriger Erfahrung beeinflussen ließen, legten auch bei Winkelschätzung mehr Gewicht auf ihre Vorerfahrung. In beiden Fällen lernten sie auch ohne über den Erfolg oder Misserfolg ihrer Leistung Bescheid zu wissen. Viele Lernverfahren setzen dagegen ein solches Feedback voraus.

Bislang war umstritten, ob ein grundlegendes Prinzip die Wahrnehmung von Reizstärken wie Lautstärke, Helligkeit oder auch Entfernungen bestimmt. Zwei wichtige Gesetze der Psychophysik schienen sich dabei zu widersprechen: das vor 150 Jahren veröffentlichte Weber-Fechner-Gesetz und die 50 Jahre alte Stevens‘sche Potenzfunktion. Die Münchner Wissenschaftler zeigten nun aber, dass sich die beiden Gesetze zumindest in bestimmten Fällen sehr gut miteinander in Einklang bringen lassen. Dafür wird das Weber-Fechner-Gesetz mit dem wahrscheinlichkeitstheoretischen Satz von Bayes (1763), der die Gewichtung von Ergebnissen erlaubt, kombiniert und so in die Stevens‘sche Potenzfunktion überführt. „Wir konnten damit zur Lösung eines Problem beitragen, das Wahrnehmungsforscher schon über 50 Jahre beschäftigt", zeigt sich Glasauer überzeugt. Als nächstes wollen die Forscher historische Daten analysieren und klären, ob sich das Modell bei unterschiedlichen Reizmodalitäten wie Lautstärke und Helligkeit bestätigt.

Das Bernstein Zentrum München ist Teil des Nationalen Bernstein Netzwerks Computational Neuroscience (NNCN). Das NNCN wurde vom BMBF mit dem Ziel gegründet, die Kapazitäten im Bereich der neuen Forschungsdisziplin Computational Neuroscience zu bündeln, zu vernetzen und weiterzuentwickeln. Das Netzwerk ist benannt nach dem deutschen Physiologen Julius Bernstein (1835-1917).

Originalveröffentlichung:
Petzschner F, Glasauer S (2011): Iterative Bayesian estimation as an explanation for range and regression effects - A study on human path integration. J Neurosci 2011, 31(47): 17220-17229

Weitere Auskünfte erteilt Ihnen gerne:
Dr. Stefan Glasauer
sglasauer@nefo.med.uni-muenchen.de
Bernstein Zentrum München und
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Klinische Neurowissenschaften
Marchioninistr. 23
81377 München
Tel: +49-89-7095-4839



Weitere Informationen:
http://www.bccn-muenchen.de Bernstein Zentrum München
http://www.nncn.de Nationales Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience
http://www.lmu.de Ludwig-Maximilians-Universität München

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Redoxpotenzial als Mess- und Steuergröße für Biogasanlagen

Dr. Torsten Gabriel
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Ascorbinsäure/Ascorbat erfolgreiches Reduktionsmittel im Technikumsversuch

Die Schmack Biogas GmbH hat umfangreiche Versuche zur Beeinflussung des Redoxpotenzials in Biogasanlagen durchgeführt. Als geeignetes Mittel zu dessen Erhöhung und damit zur Steigerung der Biogasproduktion erwies sich das Reduktionsmittel Ascorbinsäure in Kombination mit Ca-L-Ascorbat. Die Versuche wurden in einem Technikumsfermenter mit Maissilage durchgeführt, die Übertragung auf Praxisanlagen mit diesem Substrat steht noch aus.
Gefördert wurde das Vorhaben vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) über seinen Projektträger, die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR). Der Abschlussbericht steht auf www.fnr.de - Projekte & Förderung - Projekte unter dem Förderkennzeichen 22014008 zur Verfügung.

Das Redoxpotenzial ist eine elektrochemische Größe, die in Millivolt gemessen wird. Ein Stoff oder eine Flüssigkeit mit einem stark negativen (= hohen) Redoxpotenzial von zum Beispiel -400 mV ist reich an Elektronen und arm an Sauerstoff. Ein stark negatives Redoxpotenzial ist somit ein Indikator für ein anaerobes, sauerstoffarmes Milieu. Reduktionsmittel wiederum sind in der Lage, das Redoxpotenzial von Stoffen oder Flüssigkeiten „negativer werden zu lassen", also zu erhöhen, in dem sie ihnen Sauerstoff entziehen und Elektronen an sie abgeben.

Diese Phänomene will die Schmack Biogas GmbH für die Steuerung von Biogasprozessen nutzen. Denn die Mikroorganismen insbesondere der letzten Stufe der Vergärung, der Methanogenese, sind strikt anaerob. Bei Anwesenheit von Luftsauerstoff kommt ihr Stoffwechsel zum Erliegen, die Biogasproduktion ist gestört. Bei einer stabilen Vergärung hingegen liegen die Redoxpotenziale etwa in einem Bereich von -350 bis -550 mV.

In dem Projekt untersuchten die Forscher anhand mehrerer mit Maissilage befüllten Laborfermenter, welche Reduktionsmittel geeignet sind, das Redoxpotenzial zu erhöhen und die Biogasproduktion positiv zu beeinflussen. Im Ergebnis erhöhte sich zum Beispiel nach Einsatz des sehr starken Reduktionsmittels Natriumsulfid die Gasausbeute deutlich, gleichzeitig stiegen jedoch auch die Schwefelwasserstoffgehalte im Gas. Dies kann bei Anlagen ohne Entschwefelung Probleme bei der Verbrennung im BHKW verursachen. Als bestes Reduktionsmittel erwies sich schließlich Ascorbinsäure in Kombination mit Ca-L-Ascorbat, allerdings musste parallel die Raumbelastung des Fermenters verringert werden.

Als Praxisanlage stand im Projekt nur eine Anlage mit dem Substrat Gülle zur Verfügung. Hier erzielte die Ascorbinsäure keine vergleichbaren Effekte, was die Wissenschaftler auf das elektropositive Redoxpotenzial der Gülle und die zu geringe Reduktionskraft der Ascorbinsäure zurückführten.

Die Forscher testeten auch die Presssäfte verschiedener Substrate selbst auf ihr Redoxpotenzial. Im Ergebnis liegt Maissilage bei -134 mV, während Welsches Weidelgras und Senf mit Schoten ein besonders hohes Redoxpotenzial von -400 bzw. -434 mV aufweisen. Versuche zeigten, dass sich durch Zugabe dieser Substrate ein optimales Milieu im Fermenter einstellen lässt, wenngleich der Effekt langsamer eintritt als bei der Gabe von Reduktionsmitteln.

Noch sind weitergehende Versuche zur Übertragung auf Praxisanlagen notwendig. Wenn sich die positiven Erfahrungen aus dem Technikum bestätigen, steht mit der Einstellung des Redoxpotenzials über chemische Zusätze ein direkt und schnell wirkendes Mittel zur Verfügung, um Störungen im Biogasprozess zu beheben.

Nicole Paul

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)
OT Gülzow
Hofplatz 1
18276 Gülzow-Prüzen
Tel.: 03843/69 30-0
Telefax: 03843/69 30-102
e-Mail: info@fnr.de
Internet: http://www.fnr.de
V.i.S.d.P.: Dr.-Ing. Andreas Schütte
Nr. 2011-68 vom 29. November 2011

Weitere Informationen:
http://www.fnr.de
http://www.biogasportal.info
http://www.nachwachsenderohstoffe.de/projekte-foerderung/projekte/suche/

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Forschung gegen stinkende Gullis

Dr.-Ing. Bodo Weigert
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
KompetenzZentrum Wasser Berlin gGmbH (KWB)

Zum 10. Jubiläum zeigt das Kompetenzzentrum Wasser Berlin erstmals den Einsatz von elektronischen Nasen im Abwasserkanal.
Gestank aus dem Gulli ist nicht nur unangenehm. Einzelne Bestandteile des Abwassers, auf die der Geruch hindeutet, sind so aggressiv, dass sie sogar Betonrohre angreifen und zerstören. Ursache sind Ablagerungen, möglicherweise aufgrund sinkender Wassernutzung. Das Abwasser wird „dicker" mit der Folge, dass Fäulnisprozesse schon im Abwasserkanal einsetzen.
In der Pressekonferenz stellt das Kompetenzzentrum Untersuchungen mit so genannten elektronischen Nasen vor. Mit den Sensoren sollen Informationen zu Intensität und Zusammensetzung von Gerüchen gesammelt werden. Die Ergebnisse dienen der gezielten Entwicklung von Maßnahmen gegen Gerüche und zur Vermeidung von Korrosion. Dies macht das fast 9.600 Kilometer lange Abwassernetz Berlins sicherer und spart Kosten.
Das Projekt steht für die anwendungsorientierte Forschung im KWB, das in diesen Tagen zehn Jahre alt wird und in dieser Zeit mehr als 50 Forschungsvorhaben im Umfang von mehr als 30 Mio. Euro durchgeführt hat. Am 16. Dezember werden wir diesen Anlass mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und Verwaltung im Sony-Center feiern.

Ihre Gesprächspartner sind
• Norbert Quinkert, Vorstandsvorsitzender der TSB Technologiestiftung Berlin und Vorsitzender des Aufsichtsrats des Kompetenzzentrums sowie
• Andreas Hartmann, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Wasser Berlin.
Auch Fachleute der Berliner Wasserbetriebe stehen bereit.

Kontakt:
Kompetenzzentrum Wasser Berlin gGmbH
Dr.-Ing. Bodo Weigert, Sprecher
Tel: +49 30 53653 841
bodo.weigert@kompetenz-wasser.de
www.kompetenz-wasser.de

Weitere Informationen:
http://www.kompetenz-wassser.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Neue Schneckenart vor Südenglands Küste entdeckt

Sabine Wendler
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Ein Wissenschaftler des Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) hat gemeinsam mit einem deutschen Kollegen vor der Küste Cornwalls gefundene Schnecken als neue Art erkannt und erstmals beschrieben. Wie die Forscher in der Titelgeschichte des Fachmagazins „Molluscan Research" berichteten, handelt es sich um eine Eischneckenart, die als Parasit auf einer temperaturempfindlichen Fächerkorallenart lebt. Aus dem Auftreten der Schnecken könnten daher Informationen über den Zustand mariner Lebensräume gewonnen werden.
Ein orange-glänzendes Gehäuse und darüber ein braun gestreifter, transparenter Mantel - so sieht sie aus, die neu entdeckte Atlantikbewohnerin. Dabei war zunächst unklar, ob es sich bei der Schnecke Simnia hiscocki tatsächlich um eine eigene Art handelt. Eine Analyse von Gehäuse und Mundwerkzeugen brachte nun ans Licht, dass es um eine bisher unbeschriebene Art aus der Familie der Eischnecken (Ovulidae) handelt. Eine ebenfalls vor der Küste Cornwalls, den Isles of Scilly und im Atlantik vor der französischen Küste vorkommende Schwesterart wurde bereits Ende des 18. Jahrhunderts beschrieben.

Dass die mit circa zwei Zentimetern als groß geltende Schnecke bisher nicht aufgefallen ist, ist eher ungewöhnlich. „Die biologische Vielfalt der europäischen Gewässer ist eigentlich gut erforscht, es werden nur noch selten neue Spezies dieser Größe entdeckt. Dieser Fund zeigt, dass es sich noch immer lohnt, die marine Biodiversität Europas genauer zu untersuchen." so Dr. Christian Melaun, Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), einer der Leitautoren der Beschreibung.

Mitbewohner auf Fächerkoralle
Eischnecken sind Parasiten, die auf der Außenseite von Weichkorallen leben. Die Schneckenarten dieser Familie sind vornehmlich in tropischen und subtropischen Gewässern zu finden; nur wenige kommen in kälteren Gewässern vor. Während andere Arten aus der Familie mehrere Weichkorallenarten besiedeln können, hat sich Siminia hiscocki auf die pinkfarbene, circa 20 Meter unter der Wasseroberfläche lebende, Warzige Fächerkoralle spezialisiert. Diese eindeutige Präferenz für einen Wirt diente ebenfalls als Abgrenzungsmerkmal zu Schwesternarten. Der Klimawandel führt dazu, dass sich die durchschnittliche Wassertemperatur der Ozeane langsam aber stetig erhöht. Weichkorallen, wie die Warzige Fächerkoralle, reagieren jedoch sehr empfindlich auf Wassertemperaturen oberhalb einer gewissen Toleranzschwelle.

Indikator für Veränderungen in marinen Lebensräumen
Je ungünstiger die Umweltbedingungen, desto höher ist auch die Anfälligkeit der Weichkorallen für Parasiten und damit für die neue beschriebene Schnecke. Je schlechter es der Warzigen Fächerkoralle geht, desto stärker könnte sie also durch die Schnecken besiedelt werden - so die These der Forscher. Laut Melaun könnte daher die Erhebung des Auftretens und der Anzahl von Eischnecken, die sich auf einen bestimmten Wirt spezialisiert haben, ein vielversprechender Beitrag zum Monitoring von Umweltfaktoren wie Verschmutzung und Klimawandel sein.

Publikation
Lorenz, F. & Melaun, C. (2011) A new species of Simnia from England (Caenogastropoda: Ovulidae). Molluscan Research 31(3): 167-175.

Online verfügbar unter
http://www.mapress.com/mr/content/v31/2011f/n3p175.pdf

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Dr. Christian Melaun
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
Tel.: 069 7542 1817
E-Mail: christian.melaun@senckenberg.de

oder

Sabine Wendler
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), Pressereferentin
Tel.: 069 7542 1838
E-Mail: sabine.wendler@senckenberg.de

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LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Frankfurt am Main
Mit dem Ziel, anhand eines breit angelegten Methodenspektrums die komplexen Wechselwirkungen von Biodiversität und Klima zu entschlüsseln, wird das Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) seit 2008 im Rahmen der hessischen Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich ökonomischer Exzellenz (LOEWE) gefördert. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und die Goethe Universität Frankfurt sowie weitere direkt eingebundene Partner kooperieren eng mit regionalen, nationalen und internationalen Institutionen aus Wissenschaft, Ressourcen- und Umweltmanagement, um Projektionen für die Zukunft zu entwickeln und wissenschaftlich gesicherte Empfehlungen für ein nachhaltiges Handeln zu geben. Mehr unter http://www.bik-f.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Kosten der Klimaanpassung im Wasserbereich bisher unsicher

Tilo Arnhold
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Halle/Leipzig. Der Klimawandel spielt bei den Planungen der Wasserversorger in Sachsen-Anhalt noch eine untergeordnete Rolle. Stattdessen steht bislang die Anpassung an die durch den Bevölkerungsrückgang und das veränderte Verbrauchsverhalten rückläufige Wassernachfrage im Mittelpunkt der Überlegungen. Insgesamt seien die Anpassungskosten im Wasserbereich auf Grundlage der bestehenden Datenlage nur schwer abzuschätzen, schreiben Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung im Fachblatt „Wasser und Abfall".
Wirtschaft und Wissenschaft sollten sich stärker mit dem Thema befassen, so das Resümee der Studie, die in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe „Klimawandel" des Landes Sachsen-Anhalt entstand.

Seit der Wende hat sich der Trinkwasserverbrauch in Sachsen-Anhalt auf ein Drittel verringert, weil die Bevölkerung um eine halbe Million gesunken ist, aus Kostengründen mehr Wasser eingespart wird und durch die Modernisierung des Leitungsnetzes weniger Verluste entstehen. Aus Sicht der Umweltökonomen steht einer entsprechenden Anpassung des Leitungsnetzes durch die Wasserversorger jedoch der anhaltend hohe Wasserbedarf in den Sommermonaten entgegen. „Eine wesentliche Anpassungsmaßnahme besteht demnach darin, die Re-Dimensionierung der Leitungen zu unterlassen, auch wenn diese jetzt vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und dem veränderten Verbrauchsverhalten sinnvoll erscheint. Denn in Zukunft ist durch die trockeneren Sommer mit häufiger auftretenden und länger andauernden Nachfragespitzen zu rechnen", so Prof. Bernd Hansjürgens vom UFZ und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Die nicht eingesparten Absetzungen für Abnutzungen könnten daher als Anpassungskosten an den Klimawandel interpretiert werden.

Die Einschätzungen der Studie basieren auf Klimaprojektionen, die erwarten, dass bis zum Ende des Jahrhunderts die durchschnittlichen Temperatur um zwei bis drei Grad ansteigt und sowohl die Häufigkeit von heißen Tagen (≥ 30°C) als auch von Hitzewellen zunimmt, so der Leiter des Mitteldeutschen Klimabüros Dr. Andreas Marx. Im Sommer können die Niederschläge dann um ein Fünftel abnehmen. „Da große Gebiete Sachsen-Anhalts schon heute zu den trockensten Regionen Deutschlands zählen, kann trotz der bestehenden Unsicherheiten für Teile des Landes in den Sommermonaten mit einer Verschärfung der Versorgungssituation gerechnet werden", ergänzt der Ökonom Oliver Gebhardt vom UFZ. Höhere Wassertemperaturen in den Leitungssystemen sowie eine Zunahme von Schadstoffkonzentrationen durch zusätzliche Einträge oder durch geringere Wassermengen können die Wasseraufbereitung künftig verteuern.

Untersucht wurden in der Studie auch Anpassungskosten im Bereich Hochwasserschutz. Anders als in Bayern und Baden-Württemberg werden in Sachsen-Anhalt keine Annahmen über die klimawandelbedingte Veränderung der Hochwassergefahrenlage in den Planungen berücksichtigt. Dies wird u.a. damit begründet, dass die Datenlage zu unsicher sei, um bei der Ermittlung hydrologischer und wasserbaulicher Bemessungsgrundlagen die Nutzung von Klimazuschlägen zu rechtfertigen. Die bestehenden Hochwasserschutzpläne würden jedoch regelmäßig angepasst und geeignete Vorsorgemaßnahmen, wie Deichrückverlegungen oder die Einrichtung von Rückhaltebecken, durchgeführt. Vor diesem Hintergrund konnten die Wissenschaftler des UFZ aktuell keine klimabedingten Anpassungskosten für den Hochwasserschutz in Sachsen-Anhalt ermitteln.
Tilo Arnhold

Mit seiner Expertise trägt das UFZ dazu bei, die Folgen des Klimawandels zu erforschen und Anpassungsstrategien zu entwickeln. So ist das UFZ beispielsweise für die wissenschaftliche Begleitung, Koordination und Synthese (GLUES) im Modul A des BMBF-Förderschwerpunktes "Nachhaltiges Landmanagement" zuständig, das auf der UN-Klimakonferenz Ende November in Durban vorgestellt wird. Über den Stand der Verhandlungen wird aus Durban der Klimaökonom Prof. Reimund Schwarze für das UFZ und CSC berichten ().

Publikation:
Oliver Gebhardt und Bernd Hansjürgens (2011): Kosten der Klimaanpassung im Wasserbereich. Ein Bottom-up-Ansatz am Beispiel Sachsen-Anhalts. Wasser und Abfall 13 (7-8), 14 - 18

Weitere Informationen:
Prof. Bernd Hansjürgens/ Oliver Gebhardt
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1233, -1477
http://www.ufz.de/index.php?de=1643
http://www.ufz.de/index.php?de=12751
sowie
Dr. Andreas Marx
Mitteldeutsches Klimabüro am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1074
http://www.ufz.de/index.php?de=19530
oder über

Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635
http://www.ufz.de/index.php?de=640

Links:
Abschlussbericht zum Forschungsvorhaben "Innovative Ansätze der ökonomischen Anpassungsforschung mit Bezug zu Sachsen-Anhalt"(Gefördert durch das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt):
http://www.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Elementbibliothek/Master-Bibliothek/Landw...
Mitteldeutsches Klimabüro:
http://www.ufz.de/index.php?de=17016
Helmholtz-Klimainitiative REKLIM (Regionale Klimaänderungen):
http://www.reklim.de/de/

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 1000 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
http://www.ufz.de/
Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit über 31.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 17 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).
http://www.helmholtz.de

Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=640

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Blutvergiftung schnell erkennen

Britta Widmann
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

Geschwindigkeit kann Leben retten - etwa bei einer Blutvergiftung. Je schneller und gezielter die Ärzte eine Sepsis erkennen und behandeln, desto größer sind die Überlebenschancen für den Patienten. Mit einem neuen Biochip können Mediziner das Blut künftig direkt in der Arztpraxis untersuchen.
Leidet der Patient an einer Blutvergiftung? Um diese Frage zu klären, nimmt der Arzt Blut ab und schickt es zur Untersuchung an ein Zentrallabor. Dabei geht wertvolle Zeit verloren, die dem Patienten unter Umständen das Leben kosten kann. Künftig sollen Mediziner das Blut direkt vor Ort untersuchen können - innerhalb von zwanzig Minuten liegt das Ergebnis vor. Möglich macht dies ein Biochip, den Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechik IPM in Freiburg entwickelt haben. »Der Biochip wird in einem ebenfalls von uns konstruierten Gerät ausgewertet, das alle Untersuchungsschritte vollautomatisch durchführt«, erklärt Dr. Albrecht Brandenburg, Gruppenleiter am IPM. »Der Arzt muss lediglich die Blutprobe in das System stellen und auf das Ergebnis warten.«

Im Gerät geschieht unterdessen einiges: Zunächst bereitet es die Blutprobe vor. Rote Blutkörperchen werden vom Blut getrennt, das zurückbleibende Blutplasma wird auf den Biochip geleitet. Leidet der Patient an einer Sepsis, bildet sein Immunsystem als Abwehrreaktion bestimmte Proteine aus. Diese nutzt der Biochip zur Diagnose: Auf dem Chip sind Antikörper verankert, die wie ein Schlüssel zum Schloss an genau diese Proteine ankoppeln können. Falls also Proteine im Blut sind, fischen die Antikörper diese aus der Flüssigkeit heraus und fixieren sie auf dem Chip. Doch woher weiß das System, ob Proteine gefangen wurden? »Es spült eine Lösung mit passenden Antikörpern über den Chip, die wiederum mit einem fluoreszierenden Farbstoff markiert sind«, erläutert Dr. Manuel Kemmler, Wissenschaftler am IPM. »Diese binden an die Proteine - Antikörper, Protein und fluoreszenzmarkierter Antikörper sind damit fest aneinander und an die Oberfläche gekoppelt. Beleuchtet man den Chip, leuchtet der Farbstoff auf.« Das System sieht viele kleine Leuchtpunkte, die verraten, dass Protein im Blut war. Ist der Patient dagegen gesund, bleibt der Chip dunkel.

Mit ihrer Entwicklung können die Forscher sogar verschiedene Proteine in einem Ablauf gleichzeitig untersuchen. In diesem Fall befinden sich unterschiedliche Fängermoleküle auf dem Chip, an die jeweils ganz bestimmte Moleküle aus dem Blut andocken. Durch eine geschickte Wahl der nachgewiesenen Proteinmarker gewinnen die Wissenschaftler wichtige Zusatzinformationen über die Schwere und die Ursache der Erkrankung.

Einen Prototyp des Geräts und des Biochips haben die Forscher bereits gemeinsam mit Kollegen einer Universitätsklinik erfolgreich getestet. Der Biochip wird jeweils nur einmal verwendet - entsprechend preisgünstig muss er sein. »Wir rechnen damit, dass er bei entsprechender Stückzahl langfristig nicht mehr als einen Euro kosten wird«, sagt Brandenburg. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig: So lassen sich auch andere Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Krebs untersuchen. Weiterhin ermöglicht der Chip Doping- und Urintests und Qualitätsprüfungen an Lebensmitteln.

Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2011/dezember/blutvergift...

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Schlanke Wärmedämmung

Britta Widmann
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

Vakuumisolationspaneele, kurz VIPs, dämmen zehnmal besser als konventionelle Dämmungen gleicher Dicke.

Dünne und trotzdem leistungsfähige Dämmplatten sind teuer. Als High-end-Produkte werden sie heute in energiesparende Kühlschränke eingebaut. Innovative Komponenten und Produktionsverfahren sollen jetzt die Kosten senken - damit auch Häuslebauer von der neuen Technik profitieren.
Steigende Heizölkosten haben in Deutschland einen Renovierungsboom ausgelöst. Um die Energiekosten zu senken, investieren immer mehr Hausbesitzer in wärmedämmende Fassaden. Die marktüblichen Dämmschichten haben jedoch einen Nachteil: Sie tragen auf. Die etwa 20 Zentimeter dicke Außenhaut verändert die Optik des Gebäudes und kann erhebliche Folgekosten verursachen - neue, tiefere Fensterbretter müssen montiert, mitunter sogar Dächer verlängert werden. Fraunhofer-Forscher entwickeln jetzt Folien für ein Material, mit dem sich Häuser künftig ohne große, zusätzliche Umbaumaßnahmen dämmen lassen: Vakuumisolationspaneele, kurz VIPs. Die Platten sind etwa zwei Zentimeter dick und dennoch genauso leistungsfähig wie eine klassische 15 Zentimeter starke Dämmschicht aus Polyurethanschaum. Das Innenleben der VIPs besteht meist aus pyrogener Kieselsäure. Eine Hightech-Folie hält das Material zusammen - sie sorgt dafür, dass keine Luft nach innen dringt.

Dr. Klaus Noller vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV in Freising und Prof. Gerhard Sextl vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg waren an der VIP-Entwicklung von Anfang an beteiligt. Jetzt wollen sie die Platten fit machen für eine kostengünstige Massenproduktion. »Der Dreh- und Angelpunkt sind dabei die Folien: Sie entscheiden über Qualität, Lebensdauer und Preis«, weiß Noller. »Das derzeit gängige Herstellungsverfahren ist aufwändig und teuer: Drei von fünf Lagen Kunststoff müssen mit Aluminium bedampft und miteinander verklebt werden. Dafür sind sieben Prozessschritte notwendig, das treibt die Preise in die Höhe.« Die teuren VIPs kommen derzeit nur dort zum Einsatz, wo Platzsparen etwas kosten darf: beispielsweise in hochwertigen Kühl- und Gefrierschränken.

Die neue Folie lässt sich einfacher produzieren, denn sie besteht aus nur zwei Kunststofffolien mit drei Barriereschichten: Eine mit Aluminium bedampfte Kunststofffolie wird mit einer Mikrometer dünnen Lage ORMOCER® beschichtet - eine Erfindung des ISC, und dann nochmal mit Aluminium bedampft. ORMOCER®e enthalten ein anorganisches Silizium-Sauerstoff-Netzwerk, das über eine organische Matrix vernetzt ist. Die Mischung macht das Material ungewöhnlich dicht und stabil. »Damit ist es ideal für die Isolation der Dämmplatten«, resümiert Noller. »Gase und Flüssigkeiten können die ORMOCER®-Schicht nur schwer passieren.« Die neuen Isolationsfolien lassen sich in nur fünf Schritten fertigen. Zunächst wird eine Folie bedampft, dann die ORMOCER®-Schicht aufgebracht, ein zweites Mal bedampft, bevor man zum Schluss die Barrierefolie auf einer Siegelfolie fixiert. »Das Endprodukt ist besser und günstiger als die Isolationsfolien, die bisher auf dem Markt sind«, erläutert Sextl.

Auch die Herstellung der VIP-Dämmelemente haben die Forscher optimiert: Am Fraunhofer-Anwendungszentrum für Verarbeitungsmaschinen und Verpackungstechnik AVV in Dresden haben sie ein automatisiertes Verfahren zur automatischen und schonenden Umhüllung der Kieselsäurekerne mit der Hochbarrierefolie entwickelt. Folie und Herstellungsverfahren sind mittlerweile patentiert. Sobald die neuen VIPs in großen Stückzahlen produziert würden, werde der Preis fallen. Dann seien die dünnen Paneele auch für die Bauindustrie interessant, davon sind Sextl und Noller überzeugt.

Im nächsten Schritt wollen die Forscher den Produktionsprozess noch weiter vereinfachen und Langzeittests durchführen. Bisher mussten die Paneele nur zwölf Jahre durchhalten - das entspricht der mittleren Lebensdauer eines Kühlschranks. Die Baubranche stellt höhere Anforderungen: Fünfzig Jahre sollte eine Fassade halten. Noller und seine Kollegen testen jetzt die Stabilität von Folien und Dämmelementen in Klimakammern, die den jahreszeitlichen Wechsel von Hitze und Frost, Feuchtigkeit und Trockenheit simulieren. Die Ergebnisse sollen schon in wenigen Monaten vorliegen.


Weitere Informationen:

http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2011/dezember/schlanke-wa...

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Menschen im Süden Deutschlands sorgen sich mehr um die biologische Vielfalt als im Norden

Dr. Anne Hardy
Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Die Begriffe Biodiversität und biologische Vielfalt sind in den letzten fünf Jahren in der deutschen Bevölkerung bekannter geworden, heute kennen den Begriff in Deutschland rund sieben Millonen Menschen mehr als noch vor fünf Jahren. Aber: Nur ein gutes Drittel der Deutschen hat schon einmal von den Begriffen gehört. Die Bayern äußern sich deutlich häufiger besorgt zur Bedrohung der biologischen Vielfalt als die übrigen Deutschen. Zu diesen Ergebnissen kommt das Netzwerk BioFrankfurt, das erstmals eine repräsentative Trendanalyse zu Wissen und Einstellungen der Deutschen zum Thema Biodiversität von Anfang 2007 bis Herbst 2011 ausgewertet hat.
„Haben Sie schon einmal von "Biodiversität" oder "biologischer Vielfalt" gehört oder gelesen?" Wer auf diese Frage mit "nein" antwortet, gehört zur Mehrheit in Deutschland: 2007 sagten 74,3% "nein" und Ende 2011 waren es immer noch 63,1%. Über die Hälfte der Menschen in Deutschland ordnet den Begriff biologische Vielfalt zwar richtig zu und entscheidet sich für die Vielfalt der Gene, Arten und Ökosysteme, wenn mehrere Antworten vorgegeben werden. Knapp ein Drittel der Deutschen versteht darunter jedoch gesunde Nahrungsmittel aus biologischem Anbau. Unter Personen mit Abitur und Universitätsabschluss ist der Begriff Biodiversität deutlich häufiger bekannt und sie können der biologischen Vielfalt häufiger die richtige Bedeutung zuweisen als der Bevölkerungsdurchschnitt.
Die Bewohner Baden-Württembergs wissen am besten über die biologische Vielfalt Bescheid: Mindestens die Hälfte aller Befragten entschied sich in diesem Bundesland bei den vier Befragungen von 2007 bis 2011 für die richtige Antwort, im Jahr 2011 bereits fast zwei Drittel. Die Rheinland-Pfälzer und Saarländer wissen dagegen am wenigsten etwas mit dem Begriff anzufangen und wählen häufiger eine falsche Antwort.
Das Bewusstsein um die globale Bedeutung der Biodiversität ist in der Bevölkerung nur wenig gestiegen. Die Frage "Glauben Sie, dass die Bedrohung der Biologischen Vielfalt ein großes Problem für die Menschheit ist, ähnlich dem Problem des Klimaschutzes?" bejahte mit geringem Anstieg in allen vier Befragungen rund die Hälfte der Bevölkerung. Menschen mit Abitur und Universitätsabschluss erklärten sich hier problembewusster zur Bedrohung der Vielfalt.
Im Ländervergleich ist dieses Problembewusstsein in Bayern am ausgeprägtesten: 60 Prozent der Bewohner Bayerns, jedoch nur 46 Prozent derjenigen Nordrhein-Westfalens waren im Herbst 2011 der Ansicht, die Bedrohung der Biologischen Vielfalt sei ein großes Problem für die Menschheit.
"Es ist bedenklich, dass zu Beginn der von den Vereinten Nationen ausgerufenen Dekade der Biodiversität weiterhin fast zwei Drittel der Bevölkerung den Schlüsselbegriff zur größten globalen Krise, dem Verlust an Genen, Arten und Ökosystemen, noch nie gehört haben und selbst nach der Begriffserläuterung fast die Hälfte dennoch keine Problematik in der Bedrohung der biologischen Vielfalt erkennt", so Prof. Dr. Bruno Streit, Projektleiter der Studie und Sprecher von BioFrankfurt.
Im Rahmen einer repräsentativen Trendanalyse wurden im Abstand von ca. 18 Monaten vom Frühjahr 2007 bis Herbst 2011 jeweils bundesweit 2000 Personen befragt. Die Ergebnisse dokumentieren erstmals die Entwicklungen bei Wissensstand und Meinungen der deutschen Bevölkerung zum Thema Biodiversität von 2007 bis 2011. In den Studienzeitraum fallen zwei Vertragsstaatenkonferenzen der Biodiversitätskonvention, von denen eine im Mai 2008 in Bonn stattfand und für wenige Tage eine erhebliche Medienaufmerksamkeit für das Thema generierte. Die Studienergebnisse werden detailliert im Frühjahr 2012 in der Zeitschrift ‚Natur und Landschaft‘ veröffentlicht.

Weitere Informationen:
http://www.biofrankfurt.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Hilfe nach Zeckenstich

Britta Widmann
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

Im Frühling kommen sie hervor und jedes Jahr breiten sie sich weiter aus - die Zecken. 30 Prozent der Parasiten übertragen Borrelien, Erreger der Lyme-Borreliose, die Gelenke und Organe schädigen kann. Die Krankheit bleibt oft unerkannt. Ein neuartiges Gel soll künftig - nach dem Zeckenstich aufgetragen - einer Infektion vorbeugen.
Jahrelang litt Frau S. an Gelenk- und Kopfschmerzen. Nach einer Odyssee durch die Wartezimmer von Ärzten diagnostizierte ein Mediziner Lyme-Borreliose - eine Infektionskrankheit, die durch Zecken übertragen wird. Beim Stich hatte der Parasit die Bakterien eingeschleust, die sich dann im ganzen Körper ausbreiteten. Frau S. ist kein Einzelfall - die Krankheit wird oft zu spät, gar nicht erkannt oder falsch behandelt. Vor allem, wenn die charakteristische Rötung rund um die Stichstelle ausbleibt, sind Ärzte ratlos. Unbehandelt kann eine Lyme-Borreliose Rheuma-ähnliche Beschwerden auslösen, Gelenke, Muskeln sowie Nerven schädigen und Organe befallen.

Rechtzeitig entdeckt lässt sie sich gut therapieren. Weisen Patienten krankheitsspezifische Symptome wie die Wanderröte auf, verschreiben Ärzte für einige Wochen Antibiotika. Ist die Krankheit jedoch weit vorgeschritten oder wie im Fall von Frau S. chronisch, lässt sie sich nur noch schwer bekämpfen. Eine zugelassene Therapie zur Prophylaxe liegt derzeit nicht vor, ein Impfstoff gegen die Infektion fehlt. Künftig soll ein neuartiges Gel die Infektion bereits im Keim ersticken: Betroffene müssen es sofort nach dem Zeckenstich lokal auftragen. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI in Leipzig entwickeln das Medikament in enger Zusammenarbeit mit der Schweizer Ixodes AG und dem Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen der LMU München. Für die Rezeptur des Präparates zeichnet die Ixodes AG verantwortlich, die präklinischen Studien und die serologischen Untersuchungen führen das IZI und die LMU durch.

»Trägt man das Gel gleich nach dem Entfernen der Zecke an der Stichstelle auf und wartet gar nicht erst eventuelle Symptome ab, könnte die Lyme-Borreliose verhindert werden. Denn die Bakterien halten sich die ersten Tage um die Zeckenstichstelle auf und breiten sich erst dann aus. Der aktive Wirkstoff des Gels ist Azithromyzin, das sehr effektiv gegen Borrelien wirkt und diese lokal in der Haut abtötet«, sagt Dr. Jens Knauer, Projektleiter am IZI. Im Gegensatz zu anderen Antibiotika sind keine Resistenzen von Borrelienstämmen gegen Azithromyzin bekannt. Ein weiterer Vorteil des Wirkstoffs: Er ist nebenwirkungsarm, belastet den Körper daher nicht. Außerdem zeichnet er sich durch seine gute Depotwirkung von bis zu fünf Tagen im Gewebe aus. Die Behandlung ist nur dann erfolgreich, wenn das Arzneimittel innerhalb der ersten fünf Tage nach dem Zeckenstich aufgetragen wird. »Eine etablierte Infektion lässt sich mit dem Gel jedoch nicht therapieren, es eignet sich ausschließlich zur Prophylaxe«, betont Knauer.

Die präklinischen Studien wurden bereits erfolgreich abgeschlossen, das Gel war in Untersuchungen selbst fünf Tage nach erfolgtem Zeckenstich bei Mäusen noch wirksam. Die Anwendung ist patentiert. Seit diesem Sommer testen die Forscher das Medikament an Personen mit nachgewiesenen Zeckenstichen in einer klinischen Phase-III-Studie (www.zeckenstudie.com). »Sollten sich die Ergebnisse der präklinischen Untersuchungen an Menschen bestätigen, kann das Gel helfen, die Zahl der Neuinfektionen deutlich zu senken«, sagt der Experte. Allein in Deutschland erkranken nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts jährlich bis zu 60 000 Menschen an der Lyme-Borreliose. Tendenz steigend - denn aufgrund des Klimawandels breiten sich Zecken immer mehr aus. »Sobald das Gel in Apotheken zu kaufen ist, sollten besonders gefährdete Personen wie beispielsweise Forstbedienstete, Jäger, Jogger oder Fußballspieler es immer bei sich tragen«, empfiehlt Knauer.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Versorgen durch Entsorgen - BMBF fördert Energie- und Entwässerungskonzept

Julia Wunderlich
Presse- und Informationsstelle
Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Regenerativer Energiegewinnung in Verbindung mit innovativer Stadtentwässerung - das ist das Thema eines Forschungsverbundes, der jetzt in Millionenhöhe vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt wird. Professor Martin Oldenburg vom Fachgebiet Biologische Abwasserreinigung und Abwasserverwertung am Campus Höxter ist an diesem Projekt mit Forschungen zu Unterdruckentwässerungssystemen beteiligt.
Vor dem Hintergrund des Klimawandels, des demografischen Wandels und der Notwendigkeit, Ressourcen immer effektiver einzusetzen, sind im Wassermanagement neuartige Ansätze notwendig, um einen nachhaltigen Umgang mit der essentiellen Ressource Wasser auch in der Zukunft zu sichern. Professor Martin Oldenburg vom Fachgebiet Biologische Abwasserreinigung und Abwasserverwertung der Hochschule OWL ist an der Entwicklung eines innovativen Energie- und Entwässerungskonzept für neues Wohnquartier in Hamburg beteiligt. Als Projektpartner des Verbundprojekts „Demonstrationsvorhaben Stadtquartier Jenfelder Au - Die Kopplung von regenerativer Energiegewinnung mit innovativer Stadtentwässerung (KREIS)" wird er jetzt BMBF in Höhe von rund 270.000 Euro für drei Jahre gefördert. Die vom BMBF geförderte wissenschaftliche Begleitung des von „Hamburg Wasser" geplanten Entwässerungskonzeptes ist in dieser Größenordnung bisher einmalig in Deutschland.

Gemeinsam mit fünf weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen und vier Praxispartnern sollen innovative Konzepte für ein innerstädtisches Quartier in Hamburg entwickelt und umgesetzt werden. Oldenburg ist an diesem Projekt mit Untersuchungen zur Optimierung von Unterdruckentwässerungssystemen und zu ökonomischen Fragestellungen beteiligt. Das Ziel ist, Ergebnisse dieses Modellprojektes auf andere Standorte mit anderen Rahmenbedingungen zu übertragen.

Die Freie und Hansestadt Hamburg wird in den kommenden Jahren auf einem ehemaligen Kasernengelände im Stadtgebiet das neue Stadtquartier Jenfelder Au mit etwa 770 Wohneinheiten für rund 2.000 Menschen sowie dazu gehöriger sozialer, kultureller und gewerblicher Infrastruktur errichten. Darin soll neben modernsten Wärmedämm- und Lüftungsstandards für klimaneutrales Wohnen auch ein innovatives und nachhaltiges Entwässerungs- und Energiegewinnungskonzept als Demonstrations- und Forschungsvorhaben umgesetzt werden: der Hamburg Water Cycle.

Das technische Entwässerungskonzept sieht eine getrennte Ableitung von Toilettenwasser (Schwarzwasser) und sonstigem häuslichen Abwasser (Grauwasser) vor. Das Grauwasser soll energiesparend dezentral behandelt und an die Gewässer abgegeben werden. Das Schwarzwasser wird mit Vakuumtechnik konzentriert erfasst und in einer Biogasanlage gemeinsam mit organischen Abfällen behandelt. Das dabei produzierte Biogas soll in einem Block-Heizkraftwerk in Elektrizität und Wärme umgewandelt werden. Aus den Reststoffen der Biogasanlage (Gärresten) sollen hochwertige Produkte zur Bodenverbesserung und Düngung hergestellt werden.

Ziel des Verbundprojektes KREIS ist es, den Planungs- und Bauprozess sowie die Inbetriebnahme der technischen Systeme zu unterstützen und den Betrieb der Anlagen durch Hamburg Wasser wissenschaftlich zu begleiten und zu optimieren. Hamburg Wasser ist das Trinkwasserversorgungs- und Abwasserbeseitigungsunternehmen der Hansestadt. Im Ergebnis sollen wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen gesammelt werden, die sowohl direkt verwertbar als auch übertragbar auf ähnliche Projekte sind. Die so gewonnenen ganzheitlichen, innovativen, modellhaften und zukunftsweisenden Lösungen vereinen auf intelligente Weise die städtischen Entsorgungsaufgaben für Abwasser und Abfall mit den Versorgungsaufgaben im Energiebereich sowie mit stadtplanerischen Aspekten. Forschungskoordinator für das Gesamtprojekt ist Professor Jörg Londong von der Bauhaus-Universität Weimar. Insgesamt erhalten alle Verbundpartner des Forschungsverbundes KREIS im Rahmen des Programmes "Forschung für Nachhaltige Entwicklungen (FONA)" des BMBF rund 3,9 Millionen Euro für die wissenschaftliche Begleitung.

Weitere Informationen zum Bauvorhaben der Stadt Hamburg im Stadtquartier Jenfelder Au:
http://www.iba-hamburg.de/de/01_entwuerfe/6_projekte/projekte_jenfeld.php
und http://www.hamburgwatercycle.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Länger arbeiten in Deutschland

Dr. Monica Fröhlich
Dezernat Kommunikation
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Bamberger und Göttinger Forscher veröffentlichen Studie zu Erwerbschancen und finanzieller Absicherung alter Menschen
Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union sollen immer später in Rente gehen - das ist eines der zentralen Ziele, die sich die Staats- und Regierungschefs der EU im Jahr 2000 beim Treffen des Europäischen Rates in Lissabon gesteckt haben. Der Grund: Die EU soll zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt werden.

Tatsächlich zeichnet sich seit 2000 ein Anstieg der Alterserwerbstätigen-quote in Deutschland ab. Eine neue, international vergleichende Studie, vorgelegt von Bamberger und Göttinger Forschern, verdeutlicht jedoch auch die Probleme dieser Entwicklungen: Die Verlängerung der Lebens-arbeitszeit in Deutschland gelingt nämlich, anders als in anderen europäischen Ländern, nur einem bestimmten Teil der älteren Bevölkerung - den Höherqualifizierten. „Insbesondere gering qualifizierte ältere Menschen in Branchen, die unter wirtschaftlichen Druck stehen, wie beispielsweise im verarbeitenden Gewerbe, schaffen es nicht, länger zu arbeiten", so Prof. Dr. Hans-Peter Blossfeld, Soziologe an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und einer der Leiter der Forschergruppe, die diese Studie durchgeführt hat. Fehlende Weiterbildungsmaßnahmen, das Nachlassen der körperlichen Fähigkeiten und Versuche, den deutschen Arbeitsmarkt zu entlasten, führten in den vergangenen Jahrzehnten dazu, dass ältere Menschen mit Frühverrentungsmaßnahmen vom Arbeitsmarkt verdrängt wurden. „Vielen dieser Arbeitnehmer gelingt es nicht einmal, bis zum 60. Lebensjahr zu arbeiten."

Wie die Ergebnisse von Blossfeld und seinem Team zeigen, kann Deutschland diesbezüglich also noch einiges lernen - insbesondere von den skandinavischen Ländern. Gerade auch geringer Qualifizierten werde hier deutlich erfolgreicher eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit ermöglicht. „Dies liegt vor allem daran, dass skandinavische Länder anders als Deutschland viel stärker in die Beschäftigungsfähigkeit von Menschen investieren - beispielsweise durch eine aktivere Arbeitsmarktpolitik und durch eine viel stärkere Orientierung in Richtung des lebenslangen Lernens", erklärt Blossfeld.

In Deutschland dagegen zielen die politischen Bemühungen zur Verlängerung der Lebensarbeitszeit bisher einseitig auf Reformen des Rentensystems, ohne gleichzeitig auch umfassendere Beschäftigungs- und Qualifizierungsangebote für ältere Menschen auszubauen. „Das heißt also: Heute wird zwar von älteren Menschen in Deutschland erwartet, länger zu arbeiten, ermöglicht wird es ihnen aber nicht", fasst Blossfeld zusammen.

Letztlich führen diese einseitigen, politischen Bemühungen in Deutsch-land nicht nur dazu, dass das Land hinter den Alterserwerbsquoten gerade skandinavischer Länder zurückbleibt. Auch habe sich die Un-gleichheit alter Menschen in Deutschland schon jetzt verstärkt und werde sich in den kommenden Jahren noch weiter verstärken.

Die Ergebnisse der Studie sind im Rahmen des Projektes „flexCAREER - Flexbilitätsformen am Arbeitsmarkt" entstanden. Durchgeführt wurden die Untersuchungen unter der Leitung von Hans-Peter Blossfeld und Prof. Dr. Karin Kurz an den Universitäten Bamberg und Göttingen. Die Forschungsergebnisse sind beim Verlag Edward Elgar unter dem Titel „Aging Populations, Globalization and the Labor Market - Comparing Late Working Life and Retirement in Modern Societies" am 11. November 2011 veröffentlicht worden.

Quellenangabe:
Blossfeld, H.-P., Buchholz, S. & Kurz, K. (2011): Aging Populations, Globalization and the Labor Market - Comparing Late Working Life and Retirement in Modern Societies. Cheltenham (UK): Edward Elgar Publi-shing Ltd.

Kontakt:
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Lehrstuhl für Soziologie 1
Professor Dr. Dr. h.c. Hans-Peter Blossfeld
Telefon: 0951/863-2596
E-Mail: soziologie1@uni-bamberg.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Sporttherapie hilft bei Migräne und Kopfschmerzen

Rita Wilp
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft

Studie zeigt: Walken und Joggen mindert Migränetage und Kopfschmerzstunden deutlich

Sportliche Betätigung wirkt sich deutlich positiv auf die Stärke, die Häufigkeit und die Dauer einzelner Migräneattacken von Patienten aus. Das hat jetzt eine Studie am Universitätsklinikum Kiel gezeigt, die mit Unterstützung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) durchgeführt wurde. „Vor allem der Sport im aeroben Herzfrequenzbereich zur Steigerung der Ausdauer, zum Beispiel durch ein ausreichend effizientes Lauftraining, soll hierfür in besonderem Maße geeignet sein", sagt Dr. Stephanie Darbaneau, die die Studie begleitet hat.
In der vorliegenden Studie zu Sport bei Migräne wurde die Wirkung von Joggen und von Walking auf Migräne verglichen. Das Walken wurde dabei als moderate Bewegungsart gewählt, weil es mit den Patienten zwar eine Aktivität, aber keine Leistungssteigerung im Sinne eines Fitnesslevel-Anstiegs erreicht. Das Ansteigen des Fitnesslevels hatte sich in Vorstudien als maßgeblich für den Erfolg für Sport bei Migräne erwiesen. Von insgesamt 52 Patienten hielten 28 den Trainingsplan (3 x die Woche für 30 Minuten) über den gesamten Zeitraum von zehn Wochen durch. Bei diesen Patienten zeigte sich am Ende der Studie, dass die Migränetage in der Jogginggruppe um 17,2 Prozent und die Kopfschmerzstunden um 21,8 Prozent pro Monat zurückgingen. In der Walkinggruppe kam es durch die moderate Bewegung zu durchschnittlich 1,3 Attacken pro Monat weniger.

Während der Untersuchung beobachteten die Forscher die Entwicklung der Migränesymptome acht Wochen vor und nach dem Training bei Patienten, die durchschnittlich bereits seit 20 Jahren erkrankt waren. In beiden Gruppen (Joggen und Walken gleichermaßen) zeigte sich, dass sich Sport bei der Migräneerkrankung positiv auswirkt. Walking scheint dabei die Reduzierung der Attackenanzahl besonders positiv zu beeinflussen. Ob dafür eine Steigerung des Fitnesslevels notwendig ist, müssen zukünftige Studien zeigen, da es in dieser Studie auch in der Walkinggruppe zu einer Fitnesssteigerung kam. Sporttherapie ist nicht für jeden Patienten das Richtige. Das zeigt die hohe drop out Rate. Allerdings zeigt auch die Erfahrung der Münchner Kopfschmerzambulanz, dass viele Migräne-Patienten den Sport schließlich dauerhaft in den Alltag integrieren. „Von all den nicht-medikamentösen Maßnahmen, ist Sport das, was die Patienten auch nach einem Jahr noch am häufigsten regelmäßig praktizieren", sagt Prof. Andreas Straube von der DMKG.

Bislang gibt es nur wenige Studien, die den erwarteten positiven Effekt des Sports belegen. Bisher haben zehn Studien den Effekt von Sport auf die Migräneerkrankung untersucht. Dabei verfolgte der größte Anteil dieser Studien ein prospektives Design, das die Migränesymptomatik vor und nach einer Trainingsphase untersuchte. Insgesamt konnten fünf dieser zehn Studien nach einem Ausdauerlauftraining (Dauer zwischen sechs und zehn Wochen) einen positiven Effekt auf die Reduzierung der Attackenhäufigkeit nachweisen. Bei den restlichen fünf Studien blieb der Effekt unklar oder konnte nicht nachgewiesen werden.
Als Erklärung für die vom Ausdauersport erwarteten Effekte wird ein Ansteigen der Schmerzschwelle diskutiert. Ausdauersport soll den Abbau von unter Stress ausgeschütteten Hormonen beschleunigen, den Stresshormonpegel der Patienten senken und dadurch die individuelle Schmerzschwelle beeinflussen.

Generalsekretärin und Pressesprecherin DMKG
PD Dr. Stefanie Förderreuther
Neurologische Klinik der LMU München
Ziemssenstrasse 1, 80336 München
Tel. 089/5160 2307
E-Mail Steffi.Foerderreuther@med.uni-muenchen.de

Dr. Stephanie Darabaneanu
Wissenschaftliche Angestellte am Institut für Medizinische Psychologie der Universität Kiel
Diesterwegstr. 10-12, 24113 Kiel
Tel.: 0431-65946-52
Email:darabaneanu@med-psych.uni-kiel.de

Weitere Informationen:
http://www.dmkg.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Insektenvernichtungsmittel künftig ein zunehmendes Problem für Gewässer in Europa

Tilo Arnhold
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Leipzig. Europas Gewässer werden in Zukunft stärker mit Insektenvernichtungsmitteln belastet sein als bisher. Das ist das Ergebnis einer Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), für die Wissenschaftler die Situation von 1990 mit Szenarien zum Klima- und Landnutzungswandel im Jahre 2090 verglichen haben. Die Risiken für Gewässer, die durch den Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft entstehen, würden in vielen Regionen Europas deutlich steigen - vor allem aber in Skandinavien, im Baltikum und in Mitteleuropa, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt „Ecological Applications".
Auch weite Teile Deutschlands gehören dann zu den rund 40 Prozent der Fläche Europas, in denen die Gewässer wegen Pestiziden aus der Landwirtschaft keinen guten ökologischen Status mehr erreichen. Das Ziel der EU-Wasserrahmenrichtlinie, einen guten chemischen und ökologischen Zustand der Gewässer herzustellen und dauerhaft zu halten, wird daher in Zukunft noch schwerer zu erreichen sein. Die Wissenschaftler empfehlen deshalb, den Eintrag von Pflanzenschutzmitteln drastisch zu minimieren. Neben einer Verminderung des Pestizideinsatzes kann dies durch die Einrichtung von Pufferzonen am Gewässer erfolgen. So wird die Menge von Pestiziden reduziert, die durch Regen vom Acker in den Fluss gespült werden. Diese Pufferzonen dienen auch als Refugium für bedrohte Arten, von denen aus eine Wiederbesiedlung erfolgen kann.

Für ihre Studie hatten die Wissenschaftler unter anderem Daten zur Menge der eingesetzten Insektizide, zu den angebauten Kulturpflanzenarten und der Landnutzung für die europäische Union ausgewertet und die Ergebnisse als Karten visualisiert. Nicht berücksichtigt werden konnten aus Mangel an Daten lediglich Slowenien, Zypern sowie die jüngsten EU-Mitglieder Bulgarien und Rumänien. Der Ausgangssituation von 1990 stellten sie dann ein Klimaszenario für 2090 gegenüber. Der Prognose liegen daher verschiedenste Annahmen zugrunde, wie sich Klima und Landnutzung in Europa in den nächsten Jahrzehnten entwickeln könnten. „Bei den zu erwartenden Klimaveränderungen haben wir jene Werte genommen, die der Weltklimarat IPCC 2007 als sogenanntes A1B-Szenario veröffentlicht hat. Damals war das ein Worst-Case-Szenario, das mit einem Anstieg der globalen Mitteltemperatur um 2.8 Grad am Ende des 21. Jahrhunderts rechnete. Inzwischen rechnen viele Wissenschaftler damit, dass die tatsächliche Erwärmung dann aber auch deutlich darüber liegen könnte", erklärt PD Dr. Matthias Liess vom UFZ. „Sind die CO2-Emissionen und damit die Temperaturerhöhung höher, dann werden auch die ökologischen Risiken für die Gewässer schneller ansteigen und schon wesentlich früher die erwarteten Belastungen erreichen."

Studien, die die Auswirkungen des Klimawandels auf Umweltrisiken durch Pflanzenschutzmittel für Wasserlebewesen großflächig untersucht haben, sind bisher Mangelware. Lediglich für 12 Küstenstaaten der USA gibt es Schätzungen, die einen generellen Anstieg des Insektizideinsatzes im Zeitraum 2000 bis 2100 von bis zu 28 Prozent erwarten. Die europäische Studie dagegen rechnet mit einem wesentlichen höheren Anstieg von bis zum 23fachen des momentanen Insektizideinsatzes in einzelnen Ländern je nach Stärke des Temperaturanstiegs und der zugrunde gelegten Landnutzungsänderung. Beim Einsatz von Insektiziden konnten die UFZ-Forscher einen Zusammenhang zur Temperatur nachweisen. Die klimatischen Veränderungen werden bei Insekten zu einer Erhöhung der Entwicklungsgeschwindigkeit und der Überlebensrate im Winter führen. Aufgrund dieser generellen Verbesserungen der Entwicklungsbedingungen wird auch mit einer verstärkten Ausbreitung der Individuen gerechnet. Deshalb werden umso mehr Insektizide eingesetzt, je wärmer es in einer Region ist. Denn Insektizide, also sogenannte Pflanzenschutzmittel, werden in der Landwirtschaft verwendet, um die Kulturen vor Schadinsekten zu schützen. „Wir haben uns in dieser Studie auf Insektizide konzentriert, weil die Wirbellosen in den Gewässern stärker von dieser als von anderen Gruppen an Pestiziden beeinflusst werden", begründet Dr. Mira Kattwinkel vom UFZ den Fokus der Studie.

Die Ausgangssituation und folglich auch die aus den Szenarien abgeleiteten Vorhersagen für 2090 sind in Europa sehr unterschiedlich: Gebiete mit sehr hohem ökologischem Risiko befinden sich gegenwärtig vor allem in Spanien, Italien und Frankreich. Aber auch das Risiko in großen Teilen Mitteldeutschlands, Tschechiens, Nordfrankreichs und des südöstlichen Großbritanniens stuften die Forscher als hoch ein. Dagegen waren die ökologischen Risiken für Gewässer in Schweden, Finnland und den drei baltischen Staaten bisher sehr gering. Die stärksten Veränderungen erwarten die Forscher künftig in diesen Staaten, aber auch zu einem gewissen Maße in Zentraleuropa. „Wir rechnen damit, dass dort die landwirtschaftliche Nutzung und dadurch auch der Einsatz von Insektiziden bei steigenden Temperaturen deutlich zunehmen wird", erklärt Mira Kattwinkel. Die momentan im Bezug auf den Insektizideinsatz ökologisch noch vorbildlichen nordischen Länder würden dann teilweise auf mitteleuropäisches Niveau sinken, was die Belastung der Gewässer angeht. Das Szenario für 2090 rechnet damit, dass sich der Einsatz von Insektiziden europaweit im Durchschnitt gegenüber 1990 mehr als verdoppeln wird, wobei allerdings große Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern gegeben sind.

Mit seiner Expertise trägt das UFZ dazu bei, die Folgen des Klimawandels zu erforschen und Anpassungsstrategien zu entwickeln. So ist das UFZ beispielsweise für die wissenschaftliche Begleitung, Koordination und Synthese (GLUES) im Modul A des BMBF-Förderschwerpunktes "Nachhaltiges Landmanagement" zuständig, das auf der UN-Klimakonferenz Ende November in Durban vorgestellt wird. Über den Stand der Verhandlungen wird aus Durban der Klimaökonom Prof. Reimund Schwarze für das UFZ und CSC berichten (http://blog.ufz.de/klimawandel/ ).

Publikation:
Mira Kattwinkel, Jan-Valentin Kühne, Kaarina Foit, Matthias Liess (2011): Climate change, agricultural insecticide exposure, and risk for freshwater communities. Ecological Applications, 21(6), 2011, pp.2068-2081
http://dx.doi.org/10.1890/10-1993.1

Weitere Informationen:
PD Dr. Matthias Liess/ Dr. Mira Kattwinkel
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1578, -1497
http://www.ufz.de/index.php?de=3714
http://www.ufz.de/index.php?en=17788
sowie
Dr. Andreas Marx
Mitteldeutsches Klimabüro am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1074
http://www.ufz.de/index.php?de=19530
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635
http://www.ufz.de/index.php?de=640

Links:
Um die Wasserqualität in Deutschlands Flüssen ist es schlecht bestellt (Pressemitteilung vom 18. August 2011) http://www.ufz.de/index.php?de=22059
Pestizide - Belastung und Wirkung in Gewässern jetzt einfacher nachweisbar (Pressemitteilung vom 4. September 2009) http://www.ufz.de/index.php?de=18595
Mitteldeutsches Klimabüro:
http://www.ufz.de/index.php?de=17016
Helmholtz-Klimainitiative REKLIM (Regionale Klimaänderungen):
http://www.reklim.de/de/

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 1000 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert. http://www.ufz.de/

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit über 31.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 17 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894). http://www.helmholtz.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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Oxidativer Stress: harmloser als gedacht?

Dr. Stefanie Seltmann
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum

Oxidativer Stress gilt als Mitverursacher einer Vielzahl krankhafter Prozesse und wird auch mit Alterungserscheinungen in Verbindung gebracht. Wissenschaftlern aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum gelang es erstmals, oxidative Veränderungen in einem lebenden Organismus direkt zu beobachten. Ihre an Fruchtfliegen erzielten Ergebnisse lassen Zweifel an der Gültigkeit gängiger Thesen aufkommen: Die Forscher fanden keine Hinweise darauf, dass die Lebensspanne durch die Bildung schädlicher Oxidantien begrenzt wird.
Arterienverkalkung und koronare Herzleiden, neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer, Krebs oder sogar das Altern selbst stehen im Verdacht, durch oxidativen Stress mitverursacht oder beschleunigt zu werden. Oxidativer Stress entsteht in Zellen oder Geweben, wenn ein Übermaß an so genannten reaktiven Sauerstoffverbindungen vorliegt. „Bislang konnte aber niemand oxidative Veränderungen oder gar deren Zusammenhang mit krankhaften Prozessen in einem lebenden Organismus direkt verfolgen", sagt Privatdozent Dr. Tobias Dick aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum. „Es waren nur relativ unspezifische oder indirekte Nachweise darüber möglich, welche oxidativen Prozesse in einem intakten Organismus tatsächlich ablaufen."

Tobias Dick und seinen Mitarbeitern gelang es nun erstmals, diese Vorgänge an einem lebenden Tier zu beobachten. Gemeinsam mit Dr. Aurelio Teleman (ebenfalls DKFZ) schleusten sie Gene für Biosensoren in das Erbgut von Fruchtfliegen ein. Die Biosensoren sind spezifisch für unterschiedliche Oxidantien und zeigen durch ein Lichtsignal den oxidativen Status jeder einzelnen Zelle an - in Echtzeit, im ganzen Organismus und über die gesamte Lebensspanne.

Bereits in den Fliegenlarven entdeckten die Forscher, dass Oxidantien in den verschiedenen Gewebetypen sehr ungleichmäßig gebildet werden. So produzieren die Blutzellen in ihren Energiefabriken, den Mitochondrien, wesentlich mehr Oxidantien als beispielsweise Darm- oder Muskelzellen. Auch spiegelt sich das Verhalten der Larve in der Bildung von Oxidantien in einzelnen Geweben wider - die Forscher konnten am oxidativen Zustand des Fettgewebes unterscheiden, ob die Larven gerade fraßen oder sich fortbewegten.

Bislang gingen viele Wissenschaftler davon aus, dass es mit dem Altern zu einer generellen Zunahme an Oxidantien im ganzen Körper kommt. Genau dies konnten die DKFZ-Forscher aber nicht bestätigen, als sie die erwachsenen Tiere über ihre gesamte Lebensspanne verfolgten: Eine alternsabhängige Zunahme von Oxidantien fand sich überraschenderweise fast ausschließlich im Darm der Fliege. Beim Vergleich von Fliegen mit unterschiedlicher Lebensspanne stellten die Forscher überdies fest, dass sich die Ansammlung der Oxidantien im Darmgewebe bei einer längeren Lebensdauer sogar beschleunigte. Die Forscher fanden demnach keine Unterstützung für die häufig geäußerte Vermutung, dass die Lebensspanne eines Organismus durch die Bildung schädlicher Oxidantien begrenzt wird.

Obwohl umfangreiche Studien bis heute einen Nachweis schuldig bleiben, werden Antioxidantien oft als Schutz vor oxidativem Stress und damit als gesundheitsfördernd angepriesen. Dick und Kollegen fütterten ihre Fliegen mit N-Acetyl-Cystein (NAC), einer Substanz der eine antioxidative Wirkung zugeschrieben wird und manchen Wissenschaftlern als geeignet erscheint, den Körper vor mutmaßlich gefährlichen Oxidantien zu schützen. Interessanterweise zeigten sich bei den NAC-gefütterten Fliegen aber keine Hinweise auf eine Abnahme der Oxidantien. Im Gegenteil, zur Überraschung der Forscher veranlasste NAC die Energiefabriken verschiedener Gewebe zu einer deutlich stärkeren Oxidantien-Produktion.

„Vieles, was wir mit Hilfe der Biosensoren an den Fliegen beobachtet haben, war für uns überraschend. Offenbar sind viele Ergebnisse, die an isolierten Zellen gewonnen wurden, nicht ohne weiteres auf die Situation in einem lebenden Organismus übertragbar", fasst Tobias Dick zusammen. „Das Beispiel NAC zeigt uns auch, dass wir derzeit nicht in der Lage sind, oxidative Prozesse im lebenden Organismus auf vorhersagbare Weise pharmakologisch zu beeinflussen." Er fügt hinzu: „Natürlich lassen sich die Ergebnisse nicht ohne weiteres von der Fliege auf den Menschen übertragen. Unser nächstes Ziel ist es, mit den Biosensoren oxidative Prozesse in Säugetieren zu beobachten, vor allem bei Entzündungsreaktionen und bei der Entwicklung von Tumoren."

Simone C. Albrecht, Ana Gomes Barata, Jörg Großhans, Aurelio A. Teleman und Tobias P. Dick: In vivo mapping of hydrogen peroxide and oxidized glutathione reveals chemical and regional specificity of redox homeostasis. Cell Metabolism 2011, DOI:10.1016/j.cmet.2011.10.010.

Ein Bild zur Pressemitteilung steht im Internet zur Verfügung unter:
http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2011/images/Wandernde-Larve.jpg

Legende:
Ein Biosensor macht die Oxidantienproduktion (gelb) im Gewebe einer wandernden Fliegenlarve sichtbar

Quelle:
Tobias Dick, Deutsches Krebsforschungszentrum

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Ansätze, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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REACH: Erster Erfolg gegen hormonähnlichen Stoff

Hormonell wirkende Chemikalie Octylphenol besonders besorgniserregend

Mit Octylphenol wird erstmals eine Chemikalie wegen ihrer hormonellen Wirkung in die europäische Kandidatenliste der besonders besorgniserregenden Stoffe aufgenommen. Das Umweltbundesamt (UBA) hatte den Vorschlag für Deutschland ausgearbeitet, der zuständige Ausschuss der Mitgliedsstaaten bei der Europäischen Chemikalienagentur hat ihn einstimmig bestätigt. Octylphenol wird bei der Herstellung von Farben, Klebstoffen und Reifen eingesetzt. UBA-Präsident Jochen Flasbarth: „Wir forschen seit Jahren zu hormonellen Wirkungen von Stoffen und beraten über Bewertungskriterien. Mit dieser Entscheidung der Europäischen Union (EU) beginnen wir, hormonell wirkende Stoffe wegen dieser Eigenschaften zu regulieren. Das ist ein sehr wichtiges Signal für den Umwelt- und Verbraucherschutz."

Wissenschaftliche Studien belegen, dass Octylphenol das Hormonsystem von Fischen beeinträchtigt. Schon in niedrigen Konzentrationen schädigt der Stoff deren Entwicklung und Fortpflanzung. Verwendet wird die Chemikalie - chemisch korrekt als 4-tert-Octylphenol bezeichnet - bei der Herstellung von Farben, Klebstoffen oder Reifen. Octylphenol trägt damit ab sofort den Status „besonders besorgniserregend" - wie es die EU-REACH-Verordnung für Stoffe vorsieht, die ersetzt werden sollen. Damit folgten die EU-Staaten einstimmig einem Vorschlag des UBA. Jochen Flasbarth: „Das UBA hat noch weitere besonders besorgniserregende Stoffe im Fokus. Mit der Bestätigung unseres Vorschlags ist der Weg frei, weitere hormonell wirksame Chemikalien zu regulieren." Die Entscheidung hat direkte Folgen für den Verbraucherschutz: „Auf Anfrage muss der Handel Verbraucherinnen und Verbrauchern kostenfrei Auskunft erteilen, ob ein Produkt diese oder eine andere besonders besorgniserregende Chemikalie enthält. Mit Ihren Anfragen signalisieren sie dem Handel, dass sie keine besonders besorgniserregenden Stoffe in Produkten wünschen.", sagt Flasbarth.

Welche Folgen hat das für andere Chemikalien, die nachweislich die Fortpflanzung und Entwicklung von Menschen und Tieren aufgrund ihrer hormonellen Eigenschaften stören können? Bei entsprechenden Nachweisen können diese Stoffe durch REACH als „besonders besorgniserregend" eingestuft werden. Erhält eine Chemikalie diesen Status, können weitere regulatorische Maßnahmen folgen, z.B. eine Zulassungspflicht. Alternativ können kritische Verwendungen oder der Import - auch als Bestandteil von Produkten - über eine Beschränkung verboten werden. Langfristig sollen besonders besorgniserregende Stoffe gänzlich aus dem Verkehr gezogen und ersetzt werden. Ein erster Schritt dorthin ist die Aufnahme in die „Kandidatenliste" von REACH, wie soeben bei Octylphenol geschehen.

Deutschland leistet mit diesem Vorschlag einen wichtigen Beitrag zum Ziel der EU-Kommissare für Umwelt, Janez Potočnik, und Unternehmen, Antonio Tajani, die Kandidatenliste bis Ende 2012 mit 136 besonders besorgniserregenden Chemikalien zu füllen. Mit der Entscheidung des Ausschusses tragen derzeit 73 Stoffe den Status „besonders besorgniserregend", 19 davon auf deutsche Initiative.

Weitere Links und Downloads:
Die aktuelle Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe (REACH Kandidatenliste) ist auf der Internetseite der Europäischen Chemikalienagentur zu finden: http://echa.europa.eu/chem_data/authorisation_process/candidate_list_table_en.asp

Weitere Informationen zu besonders besorgniserregenden Stoffen und zu Ihren Auskunftsrechten mit einer Musteranfrage finden Sie unter:
http://www.reach-info.de

Informationen zu REACH:
http://www.reach-clp-helpdesk.de/de/Startseite.html

Quelle: Umweltbundesamt

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Tipps zum sicheren Transport des Weihnachtsbaumes

Die Vorbereitungen für die Weihnachtsfeiertage laufen in der Adventszeit auf Hochtouren. Ein zentraler Bestandteil ist dabei in vielen Familien, aber auch in den Betrieben die Anschaffung eines Weihnachtsbaumes. Um das Fest nicht im Krankenhaus feiern zu müssen, muss beim Transport auf die fachgerechte Ladungssicherung geachtet werden. Darauf weisen Berufsgenossenschaften und Unfallkassen im Rahmen ihrer Präventionskampagne "Risiko raus!" hin.

Dr. Karl Schories, Präventionsfachmann am Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA), sagt: "Selbst kleine Gegenstände können durch die Wirkung einer abrupten Bremsung zu gefährlichen Geschossen werden - bei einem Baum, der sich selbständig macht, ist die Verletzungsgefahr für die Insassen und andere Verkehrsteilnehmer umso höher."

Die folgenden Hinweise helfen, den Transport so sicher wie möglich zu machen:

- Wenn möglich sollte der Baum zu Fuß transportiert oder vom Händler geliefert werden. Ansonsten ist der Transport im Kofferraum am Sichersten. Dazu muss der Baum aber sehr klein, oder der Kofferraum sehr groß sein.

- In einem Kombi, bei umgelegter Rückbank oder auf einer Ladefläche stellt der Baum für die Insassen und andere Verkehrsteilnehmer keine Gefahr dar, wenn er entsprechend verzurrt wird.

- Besonders wenn der Transport nur auf dem Dach des Fahrzeugs möglich ist, muss der Baum mithilfe von Spanngurten so fixiert werden, dass er auch bei einer Vollbremsung, oder einem Unfall nicht zu einem gefährlichen Geschoss für Andere wird. Es sollten keine Zweige die Sicht beeinträchtigen oder seitlich vom Autodach hängen.

- Die Ladung sollte möglichst nicht seitlich oder nach hinten über das Fahrzeug hinausragen. Nach hinten darf eine Ladung bis zu 1,50 m hinausragen. Ab 1 m Überhang muss man das Ende tagsüber durch eine Warnflagge, ein weiß-rotes Schild oder einen zylindrischen, hellroten Körper von mindestens 30 x 35 cm Durchmesser kennzeichnen. Wenn es dämmert oder dunkel ist, muss man mindestens eine geprüfte Leuchte mit rotem Licht und einen Rückstrahler anbringen. Nach vorne darf die Ladung nicht über das Fahrzeug hinausragen.

Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)

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Lebensmittelkontrolle mit Millimeterwellen

Wir können durch Glas, Wasser und Luft hindurchsehen, nicht aber durch Packpapier, Plastik oder Pappe. Was dem menschlichen Auge verborgen bleibt, macht ein neuer Millimeterwellensensor sichtbar: Er durchleuchtet optisch nicht transparente Stoffe und arbeitet anders als Röntgenscanner nicht mit gesundheitsschädlichen Strahlen.

Ist die Packung richtig befüllt? Befinden sich in der Schokolade Verunreinigungen? Sind die Plastiknähte korrekt verschweißt? Verbirgt sich in dem Päckchen ein Messer? Antworten auf all diese Fragen liefert der Materialscanner SAMMI, kurz für Stand Alone MilliMeter wave Imager. Der Millimeterwellensensor durchleuchtet alle optisch nicht transparenten Materialien. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR in Wachtberg haben das Gerät entwickelt, das mit einer Breite von 50 und einer Höhe von 32 Zentimeter nicht größer ist als ein kompakter Laserdrucker. Alle nicht-metallischen Stoffe stellen für SAMMI kein Hindernis dar. »Das System erkennt Holzsplitter im Zellstoff von Windeln, Luftblasen im Kunststoff, Brüche im Marzipanriegel, Fremdkörper in Lebensmitteln. Es kann sogar den Austrocknungsprozess in Pflanzen beobachten und feststellen, wie stark diese durch Trockenperioden gestresst wurden«, sagt Dr. Helmut Essen, Leiter der Abteilung Millimeterwellenradar und Höchtstfrequenzsensorik vom FHR. Daher ist der Scanner vielseitig einsetzbar - er eignet sich sowohl für die industrielle Produktkon-trolle und Qualitätssicherung als auch für die Materialanalyse im Labor. Da das System gefährliche Substanzen wie Sprengstoffpulver in Briefen detektieren kann, lassen sich auch gefährdete Personen wie etwa Politiker oder Mitarbeiter in Frachtunternehmen mit dem Millimeterwellenradar schützen.

Der Clou: SAMMI macht kleinste Materialunterschiede sichtbar, die im Röntgenbereich verborgen bleiben. Denn anders als Röntgenscanner unterscheidet SAMMI beispielsweise zwischen den unterschiedlichen Füllungen von Pralinen oder Gummimischungen, die eine ähnliche oder identische Absorption aufweisen. Ein weiterer Vorteil: Der Materialscanner arbeitet nicht mit ionisierender Strahlung, die zu Gesundheitsschäden führen kann. Er ist zudem wartungsarm, regelmäßige Prüfungen wie bei Röntgenröhren entfallen.

Doch wie funktioniert SAMMI? Im Gehäuse des Systems sind auf zwei sich gegenüberliegenden rotierenden Scheiben je eine Sende- und eine Empfangsantenne angebracht. Ein Förderband fährt die Probe - etwa ein Paket mit unbekanntem Inhalt - zwischen den Antennen hindurch, wobei diese elektromagnetische Wellen im Hochfrequenzbereich von 78 GHz senden. Die verschiedenen Zonen der Probe dämpfen das Signal mit unterschiedlicher Intensität. Auf diese Weise zeigen die diversen Materialzusammensetzungen einer Probe einen unterscheidbaren Kontrast an. »Im Prinzip untersuchen wir die zu durchleuchtenden Gegenstände auf Unähnlichkeiten«, erläutert Essen. Der Probeninhalt wird in Echtzeit auf einem ausklappbaren Display dargestellt, das Bestandteil des Scanners ist. Enthält ein Paket beispielsweise ein Messer, so ist sogar die Maserung des Griffs erkennbar. Sollte dieser hohl sein, zeigt der Millimeterwellensensor dies ebenfalls an. Das Gerät scannt eine Fläche von 30 mal 30 Zentimeter in rund 60 Sekunden.

»Unser System lässt sich ohne Sicherheitsvorkehrungen und -einweisungen bedienen und durch sein geringes Gewicht von rund 20 Kilogramm mobil einsetzen. Zudem ist es für unterschiedliche Messfrequenzen auslegbar«, betont der Wissenschaftler. Künftig wollen die Forscher das System für Terahertzfrequenzen von 2 THz »aufrüsten«. »Dann werden wir in der Lage sein, nicht nur unterschiedliche Strukturen zu erkennen, sondern auch feststellen können, aus welchem Kunststoff ein Produkt ist. Das ist im Augenblick noch nicht möglich«, so Dr. Essen.

Derzeit eignet sich SAMMI nur für Stichprobenkontrollen. Doch die FHR-Forscher sind dabei, den Millimeterwellensensor für eine Produktionsstraße in einer Industrieanlage zur schnellen, automatisierten Kontrolle von Waren anzupassen: Hierfür bringen sie eine Zeile von Sensoren über dem Förderband an. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu sechs Meter pro Sekunde sollen die Produkte künftig durchleuchtet werden.

Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft

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Blutvergiftung schnell erkennen

Geschwindigkeit kann Leben retten - etwa bei einer Blutvergiftung. Je schneller und gezielter die Ärzte eine Sepsis erkennen und behandeln, desto größer sind die Überlebenschancen für den Patienten. Mit einem neuen Biochip können Mediziner das Blut künftig direkt in der Arztpraxis untersuchen.

Leidet der Patient an einer Blutvergiftung? Um diese Frage zu klären, nimmt der Arzt Blut ab und schickt es zur Untersuchung an ein Zentrallabor. Dabei geht wertvolle Zeit verloren, die dem Patienten unter Umständen das Leben kosten kann. Künftig sollen Mediziner das Blut direkt vor Ort untersuchen können - innerhalb von zwanzig Minuten liegt das Ergebnis vor. Möglich macht dies ein Biochip, den Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechik IPM in Freiburg entwickelt haben. »Der Biochip wird in einem ebenfalls von uns konstruierten Gerät ausgewertet, das alle Untersuchungsschritte vollautomatisch durchführt«, erklärt Dr. Albrecht Brandenburg, Gruppenleiter am IPM. »Der Arzt muss lediglich die Blutprobe in das System stellen und auf das Ergebnis warten.«

Im Gerät geschieht unterdessen einiges: Zunächst bereitet es die Blutprobe vor. Rote Blutkörperchen werden vom Blut getrennt, das zurückbleibende Blutplasma wird auf den Biochip geleitet. Leidet der Patient an einer Sepsis, bildet sein Immunsystem als Abwehrreaktion bestimmte Proteine aus. Diese nutzt der Biochip zur Diagnose: Auf dem Chip sind Antikörper verankert, die wie ein Schlüssel zum Schloss an genau diese Proteine ankoppeln können. Falls also Proteine im Blut sind, fischen die Antikörper diese aus der Flüssigkeit heraus und fixieren sie auf dem Chip. Doch woher weiß das System, ob Proteine gefangen wurden? »Es spült eine Lösung mit passenden Antikörpern über den Chip, die wiederum mit einem fluoreszierenden Farbstoff markiert sind«, erläutert Dr. Manuel Kemmler, Wissenschaftler am IPM. »Diese binden an die Proteine - Antikörper, Protein und fluoreszenzmarkierter Antikörper sind damit fest aneinander und an die Oberfläche gekoppelt. Beleuchtet man den Chip, leuchtet der Farbstoff auf.« Das System sieht viele kleine Leuchtpunkte, die verraten, dass Protein im Blut war. Ist der Patient dagegen gesund, bleibt der Chip dunkel.

Mit ihrer Entwicklung können die Forscher sogar verschiedene Proteine in einem Ablauf gleichzeitig untersuchen. In diesem Fall befinden sich unterschiedliche Fängermoleküle auf dem Chip, an die jeweils ganz bestimmte Moleküle aus dem Blut andocken. Durch eine geschickte Wahl der nachgewiesenen Proteinmarker gewinnen die Wissenschaftler wichtige Zusatzinformationen über die Schwere und die Ursache der Erkrankung.

Einen Prototyp des Geräts und des Biochips haben die Forscher bereits gemeinsam mit Kollegen einer Universitätsklinik erfolgreich getestet. Der Biochip wird jeweils nur einmal verwendet - entsprechend preisgünstig muss er sein. »Wir rechnen damit, dass er bei entsprechender Stückzahl langfristig nicht mehr als einen Euro kosten wird«, sagt Brandenburg. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig: So lassen sich auch andere Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Krebs untersuchen. Weiterhin ermöglicht der Chip Doping- und Urintests und Qualitätsprüfungen an Lebensmitteln.

Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft

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Deutsche Wasserwirtschaft diskutiert neue europäische Wasserstrategie mit EU-Spitzenvertretern

Die Herausgeber des Branchenbildes der deutschen Wasserwirtschaft ATT, BDEW, DBVW, DVGW, DWA und VKU stellen sich dem europäischen Dialog. Anlässlich der Präsentation des Branchenbildes "Profile of the German Water Sector 2011" haben die Vertreter der deutschen Wasserwirtschaft, Fachleute der Europäischen Kommission und Abgeordnete des Europäischen Parlaments gestern zu einem Expertenforum in die EU-Landesvertretung Niedersachsen in Brüssel eingeladen. Unter dem Titel "Blueprint 2012 - A 'Fitness check' from the German perspective" führten Politik und Wasserwirtschaft eine intensive Diskussion über die geplante neue EU-Wasserstrategie.

"Das Branchenbild ist die wichtigste Publikation der deutschen Wasserwirtschaft. Es ist nur konsequent, die Erfahrungen und Ergebnisse in den Dialog zur europäischen Wasserstrategie 'Blueprint to Safeguard Europe's Waters' einzubringen". Dies betonten die herausgebenden Verbände im Rahmen des Forums. Die deutsche Wasserwirtschaft begrüßt den "Blueprint" und den vorbereitenden Evaluierungsprozess der Europäischen Kommission ("fitness check") als wichtige Voraussetzung für die Weiterentwicklung der europäischen Wasserpolitik. Die Verbände machten deutlich, dass der langfristige Schutz und die nachhaltige Nutzung der europäischen Gewässer nach wie vor eine große Herausforderung seien und nur gelingen könnten, wenn relevante Politikfelder, wie beispielsweise die Agrarpolitik oder die Chemikalienrichtlinie (REACH) auf wasserwirtschaftliche Belange konsequent abgestimmt werden. Zudem müsse die Bekämpfung von Wasserknappheit und Dürren den großen regionalen Unterschieden innerhalb Europas Rechnung tragen. Eine Weiterentwicklung der europäischen Wasserpolitik durch den "Blueprint" kann aus Sicht der deutschen Wasserwirtschaft nur gelingen, wenn die unterschiedlichen natürlichen und infrastrukturellen Gegebenheiten adäquat berücksichtigt werden.

Die Vertreter der europäischen Institutionen würdigten die Vorbildfunktion der deutschen Wasserwirtschaft in Europa. Sie bestätigten, dass es keine Pauschallösung geben werde, etwa bei der Bekämpfung der Wasserknappheit und Dürren. Ein zentrales Handlungsfeld sahen die EU-Vertreter in der Reduktion von Schadstoffen an der Eintragsquelle. Abschließend luden sie die deutsche Wasserwirtschaft zum weiteren aktiven Dialog ein.

Mit dem Branchenbild der deutschen Wasserwirtschaft 2011 haben die herausgebenden Verbände bereits zum dritten Mal ein umfangreiches Gesamtbild der Wasser- und Abwasserbranche in Deutschland vorgelegt. Der europaweit einmalige Bericht verdeutlicht den Leistungsstand und die wirtschaftliche Effizienz der Wasserwirtschaft. Politik und Öffentlichkeit erhalten so die Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit der deutschen Wasserwirtschaft zu beurteilen.

Der "Blueprint to Safeguard Europe's Waters" wird in 2012 den Rahmen der neuen europäischen Wasserpolitik vorgeben und damit langfristig die nationale Wasserpolitik der Mitgliedsstaaten bestimmen.

Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)

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Fraunhofer-Forscher erhalten Deutsch-Französischen Wirtschaftspreis 2011

Fraunhofer Forscher entwickeln gemeinsam mit ihren französischen Kollegen des Carnot-Instituts Laboratoire d‘électronique des technologies de l‘information CEA-LETI wiederverwendbare Substrate für III-V Mehrfachsolarzellen - und erhielten dafür am 5. Dezember 2011 den deutsch-französischen Wirtschaftspreis 2011.

Die Photovoltaik boomt - auf den Dächern werden immer mehr Solarmodule angebracht, und auch große Sonnen-Kraftwerke speisen zunehmend Strom ins Netz ein. Besonders effizient sind Mehrfachsolarzellen: Sie erzielen Wirkungsgrade von bis zu 43 Prozent, also fast doppelt so viel wie herkömmliche Solarzellen aus kristallinem Silizium. Der Trick: Sie bestehen aus mehreren Halbleiterschichten, die zusammen das gesamte Sonnenspektrum in elektrische Energie umwandeln. Eingesetzt wird die Technik in der Konzentrator-Photovoltaik. Dort fokussieren Linsen das Sonnenlicht 500fach auf winzige Solarzellen. Diese Konzentratorsysteme produzieren vor allem in Solarkraftwerken in sonnenreichen Regionen Solarstrom im großen Maßstab. Hergestellt werden sie unter anderem von der Firma SOITEC Solar GmbH in Freiburg, einer ehemaligen Ausgründung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE.

Die Mehrfachsolarzellen selbst bestehen aus etwa 30 Halbleiterschichten, die Schicht für Schicht auf hochreinen Kristallen aus Germanium oder Galliumarsenid aufwachsen. Diese Materialien sind jedoch sehr teuer. In einer deutsch-französischen Kooperation entwickeln Forscher des ISE in Freiburg und ihre Kollegen des Carnot-Instituts Laboratoire d‘électronique des technologies de l‘information CEA-LETI in Grenoble neuartige Substrate für Mehrfachsolarzellen. Die neue Technik ersetzt die teuren Materialien durch Substrate, die wiederverwendbar sind. Während bislang die Solarzellen auf den Germanium- oder Galliumarsenidkristallen verbleiben müssen, lassen sich die Solarzellen von dem neuen Substrat ablösen. Bereiten die Forscher das Substrat auf, können sie weitere Solarzellen darauf herstellen. Die Kosten für die Solarzellen lassen sich daher um bis zu 20 Prozent reduzieren.

»Im Projekt Solar-Bond kombinieren zwei Hightech-Institute ihre Kompetenzen«, sagt Dr. Frank Dimroth, Abteilungsleiter am ISE. »Das CEA-LETI ist führend im Bereich der Mikroelektronik, das Fraunhofer ISE in der Photovoltaik.« Die französischen Kollegen entwickeln das Substrat und passen es an die Anforderungen für das Wachstum der Mehrfachsolarzellen an, die deutschen Wissenschaftler bringen die Solarzellen dann auf diese Substrate auf und prozessieren sie zu fertigen Bauelementen. Dabei arbeiten die Forscher eng mit der französischen Firma SOITEC zusammen: Die neuen Solarzellen sollen künftig in deren Konzentrator-Modulen verwendet werden.

Für ihre internationale Forschungsarbeit wurden die Wissenschaftler am 5. Dezember 2011 in Paris mit dem deutsch-französischen Wirtschaftspreis 2011 der deutsch-französischen Industrie- und Handelskammer AHK ausgezeichnet. Der Wirtschaftspreis zeichnet »Best-Practice« der vergangenen zwei Jahre aus. Er steht unter der Schirmherrschaft des französischen Wirtschaftsministers François Baroin sowie des Bundesministers für Wirtschaft und Technologie Dr. Philipp Rösler.

SOLARBOND ist eines von 26 Projekten, die durch das Programm Inter Carnot Fraunhofer (http://www.programme.inter.carnot.fraunhofer.org) gefördert werden. Das gemeinsam vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Fraunhofer und der Agence Nationale de la Recherche durchgeführte Joint Program hat das Ziel, strategische Partnerschaften zwischen französischen und deutschen Forschungs-und Industrieorganisationen aufzubauen.

Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft

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Sicher auf die Weihnachtsfeier

Unfallversicherungsschutz auf der Weihnachtsfeier Hier ein Gang zum Buffet, dort ein Tänzchen mit dem Kollegen - wenn der Chef zur Weihnachtsfeier lädt, geht es mitunter bewegt zu. Ein unsicherer Tritt und schon ist der Fuß schmerzhaft umgeknickt. Ob Angestellte in dieser Situation unfallversichert sind, hängt von den Umständen ab, unter denen eine Feier veranstaltet wird.

Sicher essen, tanzen und spielen
Generell gilt: Im Verlauf einer Weihnachtsfeier stehen die Mitarbeiter unter dem Schutz der Unfallversicherung, und zwar bei allen Tätigkeiten, die dem Zweck der Gemeinschaft dienen. Dazu zählen der Genuss von Speisen, sportliche Betätigungen und natürlich Tanzen. Darauf weist die Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) explizit hin. Allerdings gelten folgende Voraussetzungen:

Die Feier muss von der Leitung des Unternehmens geplant und veranstaltet werden.
Die Unternehmensleitung muss selbst mitfeiern.
Alle Angestellten eines Unternehmens müssen zur Feier eingeladen sein.

Der gesetzliche Unfallversicherungsschutz schließt auch die An- und Abreise mit ein. Dabei gelten die gleichen Voraussetzungen, die für normale Arbeitswege zutreffen. Wo und wann die Feier stattfindet, ist für den Versicherungsschutz nicht von Bedeutung.

Schluss ist, wenn's der Boss sagt
Eingeladene Gäste, die nicht zur Unternehmensbelegschaft gehören oder auch mitgebrachte Partner sind vom Versicherungsschutz ausgeschlossen.

Der Unfallversicherungsschutz endet, sobald die Unternehmensleitung die Feier für beendet erklärt.

Quelle: arbeitssicherheit.de

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Schnellerer Schutz der Wasserressourcen nötig

Tilo Arnhold
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Bonn/ Dresden. Maßnahmen zum Wassermanagement müssen weltweit schneller umgesetzt werden, da der globale Wandel eine starke Dynamik hat und bereits jetzt zu irreversiblen Schäden der Wasserressourcen in vielen Regionen der Welt führt. Das fordert eine Gruppe internationaler Wasserexperten in einer Dresdner Erklärung, die sich an die Teilnehmer der Bonner Konferenz zu Wasser-, Energie- und Nahrungsmittelsicherheit wendet.
Die internationale Konferenz „Bonn2011 Conference: The Water Energy and Food Security Nexus - Solutions for the Green Economy" findet vom 16. bis 18. November statt und wurde von der Bundesregierung als ein wesentlicher Beitrag Deutschlands zur UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung „Rio2012" angekündigt. Im November haben die Vereinten Nationen eine Zusammenfassung ihres „Water Report for Rio+20" vorgestellt, der einen Überblick zum aktuellem Zustand der globalen Wasserressourcen gibt.

Zu den Unterzeichnern der Dresdner Erklärung gehören neben Experten aus Deutschland unter anderem auch Wasserspezialisten der Vereinten Nationen, aus Mexiko, Südafrika, Indien, Kanada und China. In ihrer Erklärung weisen die Unterzeichner darauf hin, dass das Konzept des Integrierten Wasserressourcen-Managements (IWRM) in den letzten 20 Jahren eine breite Akzeptanz in der Mehrheit der Länder weltweit gewonnen hat. Doch während es erhebliche Fortschritte gegeben hätte, um IWRM in die nationalen Politiken, Strategien und Gesetze zu integrieren, sei die tatsächliche Umsetzung des IWRM immer noch im Rückstand. Die Konsequenzen könnten daher große Teile der Gesellschaft betreffen, da diese Wasserinfrastrukturen vielfältige Aufgaben übernehmen wie zum Beispiel das Abwasser-Management für den Schutz der Umwelt und die menschliche Gesundheit, die Wasserbereitstellung für die Energiegewinnung oder Nahrungsmittelproduktion sowie die Abschwächung von Extremereignissen wie Hochwasser und Dürren. Es sei notwendig, die wissenschaftlichen Grundlagen der Bewirtschaftung von Wasserressourcen weiter auszubauen. Die benötigten Forschungsansätze müssten interdisziplinär sein, Entwicklung und Innovation einschließen, handlungsorientiert sein und eine funktionierende Schnittstelle zur Politik umfassen.

Die Dresdner Erklärung ist das Ergebnis einer Konferenz zum Integrierten Wasserressourcen-Management (IWRM), die am 12./13. Oktober 2011 in Dresden stattfand. Über 350 Wissenschaftler und Mitarbeiter von Politik, Verwaltung, Unternehmen und der Entwicklungszusammenarbeit aus über 50 Ländern widmeten sich in über 100 Vorträgen, Diskussionen und zahlreichen Posterbeiträgen der nachhaltigen Bewirtschaftung von Wasser. Behandelt wurden aktuelle Fragen des Wassersektors wie z.B.: Wie kann die Wasserbewirtschaftung in Zeiten des Klimawandels nachhaltig geplant werden? Welche Technologien tragen zu einer effizienten und sparsamen Nutzung von Wasser bei? Wie kann deutsches Know-how in Schwellen- und Entwicklungsländern genutzt werden? Wie kann ein flexibles und integratives Wasserressourcen-Management konzipiert werden? Die Konferenz wurde vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) organisiert, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und von der International Water Association (IWA) sowie dem Global Water Systems Project (GWSP) unterstützt.
Tilo Arnhold
http://www.ufz.de/index.php?de=640

Die Dresdner Erklärung "Message from the Dresden International Conference on Integrated Water Resources Management" ist online unter:
http://www.bmbf.iwrm2011.de/_media/Dresden_to_Bonn_Message_IWRM_2011_11_01.pdf

Links:
Rio+20: Water Resource Report:
http://www.unwater.org/rio2012/report/index.html
Konferenz „Bonn2011 Nexus Conference" (Bonn, 16. bis 18.11.11):
http://www.water-energy-food.org/de/home.html
Konferenz „IWRM 2011" (Dresden, 12./13.10.11):
http://www.bmbf.iwrm2011.de/
Förderschwerpunkt Integriertes Wasserressourcen-Management (IWRM):
http://www.bmbf.wasserressourcen-management.de/
UFZ-Schwerpunktthema „Wasser und Globaler Wandel":
http://www.ufz.de/index.php?de=21285
UFZ-Spezial „In Sachen Wasser":
http://www.ufz.de/index.php?de=21987

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Dietrich Borchardt
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0391-810-9757
http://www.ufz.de/index.php?de=15581
und
Prof. Dr. Peter Krebs
Technische Universität Dresden
Telefon: 0351-463-35257
http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/fakultaet_forst_geo_und_hydrowis...
oder über
Tilo Arnhold (Pressestelle des UFZ)
Telefon: 0341-235-1635
http://www.ufz.de/index.php?de=640
sowie
Kim-Astrid Magister (Pressesprecherin der TU Dresden)
Telefon: 0351-463-32398
http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/verwaltung/dezernat_5/sachgebiet_5_7/gruppe_...

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 1000 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
http://www.ufz.de/

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit über 31.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 17 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).
http://www.helmholtz.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Luftverschmutzung und Vulkanasche lassen Wolken stärker vereisen

Tilo Arnhold
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Troposphärenforschung e. V.

Forscher registrieren starken Kontrast in den Wolkeneigenschaften zwischen Nord- und Südhemisphäre

Leipzig. In Wolken auf der Nordhalbkugel der Erde bildet sich Eis bei viel höheren Temperaturen als in Wolken auf der Südhalbkugel. Das geht aus Laser-gestützten Untersuchungen am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (IfT), an der Magellan-Universität in Chile, der Stellenbosch-Universität in Südafrika und während transatlantischer Überfahrten des Forschungsschiffs Polarstern hervor. Die Studie dokumentiere die Bedeutung von Partikeln bei der Eisbildung in flachen Wolkenschichten der nördlichen Hemisphäre, schreiben die Forscher im Fachblatt Geophysical Research Letters.
Auch die höhere Luftverschmutzung auf der Nordhalbkugel steht im Verdacht, zu dem gefundenen Effekt beigetragen zu haben. Partikel aus Vulkanasche haben ebenfalls starken Einfluss auf die Eisbildung in Wolken. Das konnten die IfT-Forscher zusammen mit der Ludwig-Maximilians-Universität München in einer zweiten Studie nachweisen, für die Daten vom Ausbruch des Eyjafjallajökull-Vulkans auf Island im April 2010 ausgewertet wurden und die nun im Fachblatt Journal of Geophysical Research veröffentlicht wurde.

Um die hemisphärischen Unterschiede in den Wolkeneigenschaften zwischen Nord- und Südhalbkugel der Erde zu untersuchen, nutzten die Leipziger Wissenschaftler 2009 und 2010 die An- und Abreise des Forschungsschiffs Polarstern in die Antarktis, um die auf die in dieser Zeit gesammelten Daten mit einem bestehenden Wolkendatensatz aus Leipzig zu vergleichen. Auf den Fahrten nach Punta Arenas in Chile und Kapstadt in Südafrika konnten sie dabei die Wolkenbildung mittels Laser beobachten. Ein am IfT entwickeltes LIDAR-System sendet dazu Laserimpulse mit Wellenlängen von 355, 532 und 1064 Nanometern aus, die von in der Atmosphäre schwebenden Partikeln reflektiert werden. Durch die Drehung der Schwingungsrichtung des Laserlichts, der sogenannten Depolarisation, lässt sich der Aggregatszustand der Wolken bestimmen. Beim Vergleich mit den Messungen über Leipzig zeigte sich ein starker Unterschied in der Häufigkeit Eis enthaltender Wolken.

In Mitteleuropa bilden bereits rund 70 Prozent der Wolken bei Temperaturen um -18 Grad Celsius Eis. Im Süden Chiles und in Südafrika sind es hingegen nur 20 bzw. 35 Prozent. Ursache für einen derartigen Kontrast ist höchstwahrscheinlich die größere Anzahl und größere Vielfalt an in der Luft schwebenden Aerosolpartikeln, sogenannten Eiskeimen, auf der Nordhalbkugel, die Voraussetzung sind, dass sich Eis in Wassertropfen zwischen -40 und 0 Grad Celsius bilden kann. Die Partikel bestehen hauptsächlich aus Mineralstaub, Ruß und feiner Asche, deren Quellen die zahlreichen Wüsten und Waldbrände sind, aber auch die stärkere Luftverschmutzung durch den Menschen kann eine mögliche Ursache sein. "Verglichen mit der verschmutzten Atmosphäre auf der Nordhalbkugel ist die Luft über Punta Arenas am Rande der Antarktis regelrecht sauber. Die größte Stadt an der Südspitze Amerikas liegt mitten im antarktischen Tiefdruckgürtel. Die meiste Zeit des Jahres kommt die Luft daher aus Westen direkt vom Pazifik", erklärt Thomas Kanitz, Doktorand am IfT.

Dass kleinste Aersolpartikel als Keime für die Wolkentropfenkondensation und die Eisbildung dienen und damit die Wolkenentstehung stark beeinflussen, ist schon lange bekannt. Reine, partikelfreie Wolkentropfen würden normalerweise erst bei etwa -40 Grad Celsius gefrieren. Diese Temperatur kann durch Kontakt mit wasserunlöslichen Partikeln und zum Teil auch durch bestimmte Bakterienarten wesentlich erhöht werden. Unklar ist jedoch immer noch, wie groß dieser Partikeleinfluss im Vergleich zu meterologischen Faktoren ist und ob die globalen Modelle, die Aussagen über künftige Klimaveränderungen machen, diesen Einfluss korrekt wiedergeben. Verbunden damit ist auch die Frage, ob sich die Wolken- und somit die Niederschlagsbildung in Regionen mit starker Luftverschmutzung von Regionen mit geringerer Luftverschmutzung unterscheidet. In den mittleren Breiten der Nordhalbkugel ist die freie Troposphäre zwischen zwei und zwölf Kilometern Höhe durch Aerosolpartikel aus vom Menschen verursachter Luftverschmutzung, Wüstenstaub und Biomasseverbrennung geprägt. In den mittleren Breiten der Südhalbkugel fehlen diese Partikel größtenteils, weil dort mehr Ozeane und wesentlich weniger Industrie, Waldgebiete und Wüsten zu finden sind.

Auch Vulkanausbrüche haben einen Einfluss auf die Eisbildung in Wolken. Mit Hilfe von zwei LIDAR-Systemen untersuchten Forscher vom IfT Leipzig und der Ludwig-Maximilians-Universität München während des Ausbruchs des Eyjafjallajökull-Vulkans auf Island im April 2010 die Wirkung der Aschepartikel auf die Wolkenvereisung über Leipzig und Maisach bei München. Dabei zeigte sich, dass es in allen von der Vulkanasche beeinflussten Wolken bereits zur Eisbildung gekommen ist, sobald deren Temperatur unter -15 Grad Celsius betragen hat. „Befindet sich Vulkanasche in der Atmosphäre, dann kann sich offenbar in jeder Höhe bei relativ hohen Temperaturen Eis bilden sobald ausreichend Feuchtigkeit verfügbar ist", berichtet Dr. Patric Seifert, Wissenschaftler am IfT. Ohne Vulkanasche entsteht Eis an der Wolkenoberkante jedoch oft erst bei -25 Grad Celsius.
Tilo Arnhold

Publikationen:
Kanitz, T., P. Seifert, A. Ansmann, R. Engelmann, D. Althausen, C. Casiccia, and E. G. Rohwer (2011), Contrasting the impact of aerosols at northern and southern midlatitudes on heterogeneous ice formation, Geophys. Res. Lett., 38, L17802, doi:10.1029/2011GL048532.
http://www.agu.org/pubs/crossref/2011/2011GL048532.shtml
Die Untersuchungen wurden mit Mitteln des Paktes für Forschung und Innovation der Leibniz-Gemeinschaft gefördert.

Seifert, P., et al. (2011), Ice formation in ash-influenced clouds after the eruption of the Eyjafjallajökull volcano in April 2010, J. Geophys. Res., Vol. 116, D00U04, 14 PP., doi:10.1029/2011JD015702.
http://www.agu.org/pubs/crossref/2011/2011JD015702.shtml
Die Untersuchungen wurden von der Europäischen Kommission im Rahmen des Lidar-Forschungsnetzwerkes EARLINET gefördert.

Weitere Infos:
Thomas Kanitz/ Dr. Patric Seifert
Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (IfT), AG Optische Fernmessungen
Tel. 0341-235-2918, -2411, -2149
http://www.tropos.de/ift_personal.html

Links:
Worldwide observations with the portable Raman lidar systems (Polly)
http://polly.tropos.de/lidar/index.php
Lidar-Forschungsnetzwerk EARLINET:
http://www.earlinet.org/
Die Expedition ANT-XXVI/1 der Polarstern:
http://www.awi.de/de/infrastruktur/schiffe/polarstern/wochenberichte/alle_expedi...
Die Expedition ANT-XXVI/4 der Polarstern:
http://www.awi.de/de/infrastruktur/schiffe/polarstern/wochenberichte/alle_expedi...
Die Expedition ANT-XXVII/1 der Polarstern:
http://www.awi.de/de/infrastruktur/schiffe/polarstern/wochenberichte/alle_expedi...

Weitere Informationen:
http://www.tropos.de/ift_aktuell.html

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Nicht nur sauber sondern rein - Wie viel Hygiene braucht mein Haushalt?

Christin Hasken
Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Rhein-Waal

„Sauber oder steril: Wie viel Hygiene braucht mein Haushalt?" - so heißt der nächste Vortrag des Studium Generale, der im Rahmen des Themenfeldes „Mikrobiologie und Hygiene" am Donnerstag, 17. November 2011 um 18:00 Uhr, in der Hochschule Rhein-Waal an der Landwehr 4 in Kleve stattfindet. Referent ist Professor Dr. Dirk Bockmühl, Professor für Hygiene und Mikrobiologie an der Hochschule Rhein-Waal.
Kleve/Emmerich/Kamp-Lintfort, 15. November 2011: Gerade im häuslichen Umfeld ist es wichtig, mögliche Hygienerisiken zu kennen und adäquat auf sie zu reagieren, denn nicht immer sind die vermeintlich kritischen Orte im Haushalt auch tatsächlich die mikrobiologisch heikelsten. Hinzu kommen mit sicherer Regelmäßigkeit alarmierende Berichte über neue, bedrohliche Erkrankungen und mögliche „Keimnester", die uns auch und gerade in unserem eigenen Heim über die Notwendigkeit hygienischer Maßnahmen nachdenken lassen. Doch welches Risiko bergen Bakterien in der Küche und im WC wirklich? Und welche Interventionen sind sinnvoll und notwendig? Wenn wir uns mit Augenmaß, gesundem Menschenverstand und wissenschaftlicher Neugier dem Thema „Haushaltshygiene" nähern, werden wir feststellen, dass wir manche Gewohnheit hinterfragen müssen und einige Bereiche im Haushalt einen zweiten Blick durchs Mikroskop verdienen, bevor sich wirklich entscheiden lässt, ob es sauber sein muss, oder vielleicht doch rein...

Das Programm richtet sich an alle Bürgerinnen und Bürger, ebenso an die Studierenden und Mitarbeiter der Hochschule Rhein-Waal. „Wir laden alle ein, egal welchen Alters, an diesen herausragenden Vorträgen teilzunehmen", sagt Präsidentin Professor Dr. Marie-Louise Klotz. Gleichzeitig sieht sie das Programm auch als Dank an die Bürgerinnen und Bürger der beiden Hochschul-Standorte.

Interessiert? Dann melden Sie sich an und erwerben Sie eine Hörerkarte für alle fünf Vorträge in Kleve oder Kamp-Lintfort. Wer einzelne Vorträge besuchen möchte, zahlt pro Vortrag an der Abendkasse.

Weitere Informationen:
http://www.hochschule-rhein-waal.de/studium/studium-universale

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Weltweit erstes Klimaforschungsprojekt mit dem Einsatz einer unbemannten Drohne

Marietta Fuhrmann-Koch
Kommunikation und Marketing
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Mit einem neuartigen optischen Spektrometer beteiligen sich Physiker der Universität Heidelberg an dem weltweit ersten Atmosphären- und Klimaforschungsprojekt, bei dem eine unbemannte Drohne zum Einsatz kommt. Im Rahmen des deutsch-amerikanischen Forschungsprojekts NASA-ATTREX wird die NASA-Drohne „Global Hawk" für Messflüge in der tropischen Tropopausenregion eingesetzt. Diese atmosphärische Höhenschicht, die nur schlecht zu erreichen ist und daher kaum experimentell untersucht werden konnte, ist für die chemische Zusammensetzung und Entwicklung der Ozonschicht sowie wegen ihrer Strahlungswirksamkeit für das Klima der Erde äußerst bedeutsam.

Weltweit erstes Klimaforschungsprojekt mit dem Einsatz einer unbemannten Drohne
Institut für Umweltphysik der Universität Heidelberg beteiligt sich mit optischem Spektrometer an Messflügen

Mit einem neuartigen optischen Spektrometer beteiligen sich Physiker der Universität Heidelberg an dem weltweit ersten Atmosphären- und Klimaforschungsprojekt, bei dem eine unbemannte Drohne zum Einsatz kommt. Im Rahmen des deutsch-amerikanischen Forschungsprojekts Airborne Tropical TRopopause Experiment (NASA-ATTREX) wird die NASA-Drohne „Global Hawk" für Messflüge in der tropischen Tropopausenregion eingesetzt. Diese atmosphärische Höhenschicht, die nur schlecht zu erreichen ist und daher kaum experimentell untersucht werden konnte, ist für die chemische Zusammensetzung und Entwicklung der Ozonschicht sowie wegen ihrer Strahlungswirksamkeit für das Klima der Erde äußerst bedeutsam. Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Klaus Pfeilsticker vom Institut für Umweltphysik der Ruperto Carola beteiligt sich zusammen mit Prof. Dr. Jochen Stutz von der University of California in Los Angeles mit dem neu entwickelten Spektrometer an dem Projekt.

Unbemannte hochfliegende Drohnen wie die „Global Hawk" ermöglichen einen neuen Zugang zur tropischen Tropopausenregion, die sich in 14 bis 18 Kilometern Höhe befindet. „Bei den Forschungsflügen für NASA-ATTREX misst unser optisches Spektrometer einige für die Ozonchemie wichtige atmosphärische Radikale. Außerdem wollen wir die optischen Eigenschaften und das Vorkommen von luftgetragenen Partikeln, sogenannten Aerosolen, und Wolkenteilchen in der tropischen Tropopausenregion untersuchen", erklärt Prof. Pfeilsticker. Mit den Instrumenten der am Projekt beteiligten Forschergruppen aus den USA werden weitere atmosphärische Spurenstoffe, die Menge und die chemische Zusammensetzung der Aerosole und Wolkenteilchen sowie der klimarelevante atmosphärische Strahlungshaushalt erfasst. Die Erkenntnisse aus den Messungen sollen globale Wetter- und Klimamodelle verbessern.

Ende Oktober startete von der in Kalifornien liegenden Edwards Air Force Base (EAFB) ein erster, knapp 24 Stunden dauernder Testflug in den tropischen Ostpazifik. „Dieser Testflug war äußerst erfolgreich, so dass im November zwei weitere Testflüge von der EAFB stattfanden, mit denen wir die Atmosphäre südlich von Hawaii untersuchten", erklärt Prof. Pfeilsticker. Die eigentlichen Forschungsflüge mit insgesamt 600 Flugstunden Dauer werden in den Jahren 2013 und 2014 starten. „Diese sollen dann von EAFB, der Insel Guam und vom australischen Darwin aus jeweils während der Regenzeit durchgeführt werden. Damit wollen wir vor allem die tropische Tropopauseregion über dem warmen Westpazifik eingehender untersuchen, denn dort kommt es in der Atmosphäre wegen der hohen Wassertemperaturen und Luftfeuchtigkeit zu hochreichenden Gewitterwolken und starken Tiefdruckgebieten, die direkt und indirekt einen erheblichen Einfluss auf das Erdklima und die Ozonschicht ausüben", erklärt Prof. Pfeilsticker.

Das NASA-ATTREX-Projekt wird von der amerikanischen Regierung bis Ende 2015 mit 30 Millionen US-Dollar unterstützt. Für ihren Beitrag zu dem Projekt haben die Heidelberger Forscher einen Antrag bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eingereicht.

Kontakt:
Prof. Dr. Klaus Pfeilsticker
Universität Heidelberg
Institut für Umweltphysik
Telefon +49 6221 54-6401
klaus.pfeilsticker@iup.uni-heidelberg.de

Prof. Dr. Jochen Stutz
University of California, Los Angeles
Department of Atmospheric and Oceanic Sciences
Telefon +1 310 825-5364
jochen@atmos.ucla.edu

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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COPD - eine Volkskrankheit ohne Beachtung

Dr. Ulrich Kümmel
Pressearbeit
Deutsche Atemwegsliga e.V.

Schätzungen zufolge leiden allein in Deutschland fast 6 Millionen Menschen an der chronischen Lungenkrankheit COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease). Trotz steigender Patientenzahlen, ist die COPD in der Bevölkerung kaum bekannt. Anlässlich des Welt-COPD-Tages am 16. November 2011, verschickt die Deutsche Atemwegsliga, solange der Vorrat reicht, kostenlos innerhalb Deutschlands ihren COPD-Ratgeber. Diese Aktion ist Teil einer Informationskampage mit Specials zum Thema "COPD" auf der Facebookseite der Deutschen Atemwegsliga.
Schätzungen zufolge leiden allein in Deutschland fast 6 Millionen Menschen an der chronischen Lungenkrankheit COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease). Trotz steigender Patientenzahlen, ist die COPD in der Bevölkerung im Vergleich zu anderen Volkskrankheiten nur wenig bekannt. Dabei stehen die Chancen, ein Fortschreiten der Erkrankung durch frühzeitige Diagnose und richtige Behandlung zu verhindern, gut.

Anlässlich des Welt-COPD-Tages am 16. November 2011, verschickt die Deutsche Atemwegsliga, solange der Vorrat reicht, kostenlos innerhalb Deutschlands ihren COPD-Ratgeber. Der COPD-Ratgeber enthält auf 112 Seiten alle wichtigen Informationen zum Thema „COPD" für Betroffene, deren Angehörige und die interessierte Öffentlichkeit. Der COPD-Ratgeber als Teil einer Informationskampagne der Atemwegsliga zum Welt-COPD-Tag kann über den Link www.facebook.com/atemwegsliga.de angefordert werden.

COPD entwickelt sich über Jahre hinweg schleichend und von den Betroffenen meinst unbemerkt. Warnhinweise sind häufiger Husten und Auswurf am Morgen sowie zunehmende Atemnot zunächst nur unter Belastung, im fortgeschrittenen Stadium auch in Ruhe. Bleibt die COPD unerkannt und wird nicht richtig behandelt, besteht die Gefahr, dass das Lungengewebe unwiederbringlich geschädigt wird. Die wichtigste Maßnahme zur Eindämmung der COPD ist es, das Einatmen von Schadstoffen zu vermeiden. In den meisten Fällen bedeutet das den sofortigen Rauchstopp. Neben Tabakrauch können auch andere Schadstoffe, wie z. B. Feinstäube COPD verursachen.

Weitere Informationen:
http://www.facebook.com/atemwegsliga.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Quartier für Quälgeister: Was machen Mücken eigentlich im Winter?

Eva Goris
Kommunikation
Deutsche Wildtier Stiftung

Deutsche Wildtier Stiftung: Hausmücken stechen auch, wenn es kalt ist

Jetzt verschwinden auch die letzten Sonnenstrahlen: Die kalte Jahreszeit ist gekommen. Viele Wildtiere verkriechen sich. Aber was machen eigentlich die Quälgeister des Sommers, die uns so gepeinigt haben, im Winter? Wo sind all die Stechmücken geblieben?
„Die Männchen erleben den Winter nicht", sagt Eva Goris, Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. „Denn sie sterben schon im Herbst." Männliche Mücken sind ohnehin nicht am „Blutrausch" beteiligt. Die eigentlichen Plagegeister sind die Weibchen, die Blut für ihren Mücken-Nachwuchs brauchen. „Und genau die überleben den Temperatursturz", sagt Goris.
Es gibt zahlreiche Stechmückengattungen mit den unterschiedlichsten Überwinterungsstrategien. Die meisten Arten überwintern wie die Waldmücken im Eistadium. Bei Hausmücken hingegen kommen befruchtete Weibchen problemlos über die kalte Jahreszeit. So können sie im Frühjahr möglichst frühzeitig ihre Eier legen. Kühle, feuchte und geschützte Stellen im Keller, in Höhlen, Viehställen und Häusern bieten ihnen ideale Überlebensbedingungen.
„Dort verfallen die Insekten in eine Art Kältestarre", erklärt die Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. Dafür scheiden sie überschüssige Körperflüssigkeit aus. In die verbleibende Flüssigkeit wird ein Zucker eingebaut, der wie ein Frostschutzmittel wirkt. Schafft es eine Mücke jedoch, sich ins Haus einzuschleichen, treibt sie dort ihr Unwesen und sticht die Bewohner! „Den ganzen Winter übersteht sie allerdings meist nicht", beruhigt die Pressesprecherin.
Auch die bereits von Stechmücken gelegten Eier nehmen bei Frost nur sehr selten Schaden. Die Mückeneier können im Schlamm eines Gewässerbodens problemlos überwintern, solange dieser nicht gefriert", erläutert Goris. Entscheidend für eine Mückenplage sind die Entwicklungsbedingungen im Frühjahr und im Sommer. Lange anhaltende Regenfälle sorgen für ideale Brutstätten der Larven. Wenn dann noch warme Temperaturen hinzukommen, sind die Voraussetzungen für eine neue Mückenplage perfekt.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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„Solide Entwicklung am Arbeitsmarkt"

Die Bundesarbeitsministerin zu den Arbeitsmarktzahlen für Oktober 2011

Ursula von der Leyen: „Wir hatten auch im Oktober eine erfreuliche und solide Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die von vielen befürchtete Trendwende zeichnet sich nicht ab. Der Arbeitsmarkt bleibt bisher eine stabile Bank, trotzdem ist angesichts der gesamtwirtschaftlichen Risiken Vorsicht geboten.

Drei Indikatoren weisen auf eine gesunde Grundstruktur hin: Zum einen sinkt die Arbeitslosigkeit weiterhin auf breiter Front: bei Männern wie Frauen, Jungen und Älteren. Zweiter Indikator ist die Unterbeschäftigung, die weiter sinkt. Drittens nehmen sowohl Beschäftigung als auch Erwerbstätigkeit weiter zu, bei gleichzeitiger Abnahme der Arbeitslosigkeit. Der Einsatz der arbeitsmarktpolitischen Instrumente geht zurück, wir müssen weniger in geförderte Beschäftigung investieren, die Integration gelingt."

Quelle: BMAS 

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Ablagerungen in der Nase weisen Jahre vor ersten Symptomen auf Alzheimer-Erkrankung hin

Jörg Feuck
Kommunikation
Technische Universität Darmstadt

Chemiker der Technischen Universität Darmstadt haben ein neues Diagnoseverfahren für die Alzheimer-Krankheit entwickelt. Dazu machen sie Eiweiß-Ablagerungen in der Nasenschleimhaut sichtbar, die sich dort bereits Jahre vor Ausbruch der Krankheit nachweisen lassen.
Die Alzheimer-Erkrankung ist bislang nicht heilbar und nur schwer zu diagnostizieren. Aufschluss geben aufwendige radiologische Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie, Berichte von Angehörigen oder Gedächtnistests. Damit ist eine frühe Diagnose der Krankheit jedoch kaum möglich - und wenn erste Symptome im Kurzzeitgedächtnis auftreten, sind schon erhebliche Schädigungen des Gehirns vorhanden.

Chemiker der TU Darmstadt und Pathologen vom Klinikum Darmstadt haben nun eine vielversprechende neue Methode für die Alzheimer-Früherkennung entwickelt. Sie stellten fest, dass sich Ablagerungen des Tau-Proteins, die bei Alzheimer-Patienten zum Absterben betroffener Hirnzellen führen, bereits vor Beginn einer Demenz in der Nasenschleimhaut nachweisen lassen.

„Bisher war lediglich bekannt, dass sich die schädlichen Ablagerungen nicht nur in Hirnzellen, sondern auch in den Nervenzellen der Augen zeigen. Daher wurde eine Diagnose per Retina-Scan favorisiert. Dabei sollen fluoreszierende Farbstoffe die Ablagerungen im Auge für den untersuchenden Arzt sichtbar machen", erklärt Professor Boris Schmidt vom Clemens-Schöpf-Institut für Organische Chemie und Biochemie der TU Darmstadt. Bei Forschungsarbeiten an solchen Farbstoffen entdeckten die Chemiker und der Pathologe Roland Heyny-von Haußen, dass diese auch Ablagerungen in der Nasenschleimhaut sichtbar machten. „Wir haben die typischen Ablagerungen an den sogenannten Bowman-Drüsen in der Nase gefunden, die unter anderem das Nasensekret produzieren", so Schmidt.

Genauere Aussagen über Krankheitsstadium möglich

Da die Veränderungen in der Nasenschleimhaut sehr hoch mit den Ablagerungen im Gehirn korrelieren, erlaubt die Untersuchung der Nasenschleimhaut bislang genauere Aussagen über das Krankheitsstadium als ein Retina-Scan, erläutert Schmidt: „Je mehr Tau-Ablagerungen wir in den Nasen der Patienten gefunden haben, desto stärker waren auch die Hirnstrukturen befallen - ein solcher Zusammenhang konnte bei den Ablagerungen im Auge bislang nicht sicher festgestellt werden."

Einen weiteren Vorteil der Nasen-Untersuchung sehen die Wissenschaftler in der geringeren Beeinträchtigung der Patienten. Eine mögliche Vorsorgeuntersuchung könnte Schmidt zufolge so aussehen, dass die Farbsubstanz in Tablettenform oder per Nasenspray verabreicht wird. Die eigentliche Untersuchung könnte dann mit einem Licht-Endoskop erfolgen.

In einer klinischen Studie untersuchen die Darmstädter nun zunächst die Nasenschleimhaut von 100 verstorbenen Alzheimer-Patienten, um den frühestmöglichen Diagnosezeitpunkt feststellen zu können. Parallel dazu wird an der Ludwig-Maximilians-Universität in München die endoskopische Diagnostik an Alzheimer-Patienten erprobt.

Hintergrund: Die Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende, unheilbare Gehirnstörung mit unbekannter Ursache. Zu den Symptomen der Erkrankung zählen Gedächtnisverlust, Verwirrtheit und Desorientierung. Dazu kommen Veränderungen des Wesens, ein beeinträchtigtes Urteilsvermögen und der Verlust der Sprachfähigkeit. Alzheimer ist die häufigste Form irreversibler Demenz; derzeit leiden in Deutschland schätzungsweise 1,2 Millionen Menschen an der Alzheimer-Krankheit, für das Jahr 2030 wird in Deutschland mit 2,3 Millionen, weltweit mit 42 Millionen Erkrankten gerechnet. Da Alzheimer bis heute nicht heilbar ist, liegt die Hoffnung in Therapien, die ein Fortschreiten der Krankheit verzögern oder aufhalten. Unabdingbar für deren wirkungsvollen Einsatz ist jedoch eine möglichst frühzeitige Diagnose der Erkrankung.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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10. Forum Wasseraufbereitung in Mülheim a. d. Ruhr

Beate Kostka M.A.
Pressestelle
Universität Duisburg-Essen

Wasser ist eine der wichtigsten Ressourcen der Erde. Gerade in Zeiten, in der die Weltbevölkerung die Sieben-Milliarden-Grenze knackt, wird die Aufbereitung immer wichtiger. Doch welche Schadstoffe verunreinigen das Trinkwasser? Welche Anlagentechnik ist die umweltfreundlichste? Damit beschäftigt sich das Forum Wasseraufbereitung am 24. November in Mülheim. Es wird vom Technischen Komitee des DVGW und dem IWW Zentrum Wasser, einem An-Institut der Universität Duisburg-Essen (UDE), veranstaltet.
Auf der Fachtagung tauschen sich Experten aus ganz Deutschland über aktuelle Entwicklungen und neue Forschungsergebnisse in der Wasseraufbereitung und benachbarter Fachgebiete aus. In vielen informativen Vorträgen geht es z.B. um Nanopartikel in der aquatischen Umwelt oder die Risiken des so genannten „Frackings" - einer umstrittenen Methode der Gasgewinnung, die das Grundwasser bedroht. Darüber hinaus wirft Dr. Stefan Panglisch vom IWW einen kritischen Blick in die Zukunft: Er spricht über Anpassungsstrategien für Wasserwerke an den Klimawandel. Außerdem stellt Gerhard Odenkirchen vom Umweltministerium NRW das Projekt „Reine Ruhr" vor, das die Wasserqualität in der Region langfristig verbessern soll.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Medica 2011 in Düsseldorf: Heilung durch Spinne und Axolotl

Stefan Zorn
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Medizinische Hochschule Hannover

Experten des MHH-Labors für Regenerationsbiologie zeigen ihre Arbeit / Goldene Radnetzspinne ist live dabei
Mit Spinnenseide Nerven reparieren oder künstliche Haut züchten, mit dem Molch Ambystoma Mexicanum (oder kurz Axolotl) die Wundheilung beschleunigen - dieser Forschung hat sich das „Labor für Regenerationsbiologie in der Plastischen Chirurgie" der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) verschrieben. Auf der Medica 2011 zeigen die Forscher vom 16. bis zum 18. November als Mitaussteller auf dem Stand der BioRegioN ihre Arbeit und ihre bisherigen Erfolge. Zum ersten Mal ist eine der Hauptdarstellerinnen live dabei: die Goldene Radnetzspinne aus Tansania.

Im Labor für Regenerationsbiologie der MHH-Klinik für Plastische-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie geht es neben Biomedizin auch um Artenschutz, um Synergien zu nutzen und Ressourcen zu wahren. Der Axolotl ist mit seinen ausgeprägten regenerativen Fähigkeiten ein idealer Modellorganismus, allerdings mittlerweile vom Aussterben bedroht. Im Labor werden die Tiere deswegen nach strengen Regeln gezüchtet. Mit der Spinnenseide arbeiten die Forscher bereits seit 2004 und können schon einige Erfolge nachweisen, zum Beispiel die Überbrückung größerer Nervendefekte oder der erfolgreiche Einsatz für das Tissue Engineering verschiedener Gewebetypen.

Weitere Informationen erhalten Sie in der Pressestelle der MHH unter Telefon (0511) 532-6774.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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UDE: 3,6 Millionen verdienen unter 7 Euro

Beate Kostka M.A.
Pressestelle
Universität Duisburg-Essen

Fast 3,6 Mio. Beschäftigte in Deutschland arbeiteten im Jahr 2009 für weniger als 7 Euro brutto pro Stunde. Dies entspricht gut elf Prozent aller Beschäftigten. Mehr als 1,2 Mio. bekamen sogar einen Stundenlohn von weniger als 5 Euro. Das zeigen neue Auswertungen des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen.
„Selbst bei einer Vollzeitbeschäftigung liegt das monatliche Erwerbseinkommen bei solchen Stundenlöhnen nur bei rund 800 Euro oder sogar darunter, was selbst bei Alleinstehenden nicht zum Leben reicht", rechnet Dr. Claudia Weinkopf, Stellvertretende IAQ-Direktorin. Unter 8,50 Euro, also der von den Gewerkschaften als Mindestlohn geforderten Bezahlung pro Stunde, arbeiteten 2009 fast 5,8 Mio. Beschäftigte. Die Zahl der Betroffenen dürfte sogar noch höher liegen, da bei den Berechnungen aus methodischen Gründen Schüler, Studierende und Rentner sowie Nebenjobber nicht einbezogen wurden.

Mehrere Mio. Beschäftigte würden also nach den Berechnungen des IAQ von einer verbindlichen Lohnuntergrenze profitieren. Wie viele genau, hängt aber von der Höhe eines Mindestlohns und davon ab, wie der Geltungsbereich ausgestaltet wird. Würde die Lohnuntergrenze, wie von der CDU vorgesehen, nur für Beschäftigte in Branchen gelten, in denen es überhaupt keine tariflichen Regelungen gibt, würden viele der gering bezahlten Beschäftigten leer ausgehen.

Arbeitgeber in Branchen ohne tarifliche Regelungen könnten versuchen, Tarifverträge mit Splittergewerkschaften abzuschließen, damit ihre Branche nicht unter die Mindestlohnregelung fällt. Gewerkschaften in Branchen mit Tariflöhnen unter der verbindlichen Lohnuntergrenze kämen in die paradoxe Situation, dass sie im Interesse der Beschäftigten künftig eigentlich darauf verzichten müssten, überhaupt Tarifverhandlungen zu führen, weil die Beschäftigten sonst nicht von der Lohnuntergrenze profitieren würden.

„Um Niedrigstlöhne in Deutschland wirksam zu unterbinden, müsste eine Lohnuntergrenze für alle Beschäftigten verbindlich sein. Diese dürfte in keiner Branche unterschritten werden. Den Tarifvertragsparteien stünde es jedoch weiterhin frei, höhere Tariflöhne zu vereinbaren, die über das Arbeitnehmer-Entsendegesetz auch als branchenbezogene Mindestlöhne für allgemeinverbindlich erklärt werden können", schlägt Dr. Claudia Weinkopf vor.

Weitere Informationen: Dr. Claudia Weinkopf, Tel.: 0203/379-1353
Redaktion: Claudia Braczko, Tel. 0170-8761608, presse-iaq@uni-due.de, www.iaq.uni-due.de

Weitere Informationen:
http://www.uni-due.de/imperia/md/images/samples/2011/bilderpressemitteilungen/im...

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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TU Berlin: Wie Ostdeutschland zum Vorreiter einer Energiewende werden kann

Stefanie Terp
Presse- und Informationsreferat
Technische Universität Berlin

Publikation des Innovationsverbunds Ostdeutschlandforschung an der TU Berlin erschienen
Eine Energiewende ist zwar in aller Munde, aber wer beginnt damit? Ostdeutschland könnte durch einen Ausbau erneuerbarer Energien und eine Verbesserung der Energieeffizienz zum Vorreiter einer Energiewende werden. So überwindet es möglicherweise Entwicklungsblockaden, die aus dem Modell „Nachbau West" erwachsen sind, und kann Startvorteile nutzen. Der Innovationsverbund Ostdeutschlandforschung und der Bereich Klima und Energie des Zentrums Technik und Gesellschaft (ZTG) an der TU Berlin haben diese These im Rahmen des kürzlich veröffentlichten Sammelbandes entwickelt. Er heißt „Neue Energie im Osten - Gestaltung des Umbruchs. Perspektiven für eine zukunftsfähige sozial-ökologische Energiewende".

Die Voraussetzungen für die Erzeugung von Windenergie, Biogas oder eine konkurrenzfähige Photovoltaik- oder (Offshore-)Windanlagen-Industrie sind in den neuen Bundesländern bereits sehr gut: Es gibt geeignete Flächen und vor allem aufgrund der Fördermöglichkeiten hat die Industrie gute Startbedingungen. Brandenburg wurde zum Spitzenreiter beim Ausbau erneuerbarer Energien gekürt; in Mecklenburg-Vorpommern wurde in den Koalitionsverhandlungen die Stärkung der Erneuerbare-Energien-Wirtschaft beschlossen. Der neue Sammelband beleuchtet aus verschiedenen Perspektiven, wie die Ausgangsvoraussetzungen für eine ostdeutsche Energiewende sind und was in verschiedenen Handlungsfeldern - vom Netzausbau bis zur Mobilisierung privaten, regionalen Kapitals - getan werden könnte.

„Ostdeutschland kann bei der erneuerbaren Energieproduktion, bei der Technologie, beim Aufbau von Wertschöpfungsketten, aber gerade auch bei Beteiligungsmodellen zum Vorreiter werden. Dafür braucht es aber eine starke politische Initiative auf kommunaler und Länderebene", so Dr. Benjamin Nölting, Mitherausgeber des Buches. In den Analysen wird nämlich deutlich, dass eine Energiewende, die den Bedingungen nachhaltiger Entwicklung genügt, mehr als der Austausch von Energieträgern und Technologien ist. Es handelt sich um einen tiefgreifenden ökonomischen, politischen und sozialen Reorganisationsprozess. Daher ist die Teilhabe der Bevölkerung an den politischen Strategien, an der Finanzierung und den Erlösen sowie an der Gestaltung von „Energielandschaften" entscheidend dafür, wie die Energiewende aussehen wird.

Der Innovationsverbund Ostdeutschlandforschung wird vom Berliner Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung im Rahmen der Förderung interdisziplinärer Forschungsverbünde unterstützt. Weitere Informationen finden Sie unter www.ostdeutschlandforschung.net.

Keppler, Dorothee; Nölting, Benjamin; Schröder, Carolin (Hg) (2011). Neue Energie im Osten - Gestaltung des Umbruchs. Perspektiven für eine zukunftsfähige sozial-ökologische Energiewende. Frankfurt a.M. Peter Lang. ISBN 978-3-631-61009-1. 36,80 Euro

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Dr. Benjamin Nölting, TU Ber-lin, Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG), Leiter des Bereichs Nachhal-tigkeitsforschung, Tel.: 030/314-26368, E-Mail: noelting@ztg.tu-berlin.de, und Dorothee Keppler, TU Berlin, Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG), Bereich Klima und Energie, Tel.: 030/314-23796, E-Mail: keppler@ztg.tu-berlin.de, Internet: www.ztg.tu-berlin.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Permafrost vor der Küste Ostsibiriens noch nicht in Gefahr

Andreas Villwock
Pressestelle
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, Kiel

- Kieler Meeresforscher schließen aktuellen Klimawandel als Ursache für hohe Methankonzentrationen im arktischen Ozean aus -

Hohe Methankonzentrationen in sibirischen Küstengewässern, die auf tauende Permafrostböden zurückgeführt wurden, machten 2010 weltweit Schlagzeilen. Eine Studie deutscher, kanadischer und russischer Wissenschaftler unter Leitung des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) zeigt jedoch, dass in diesem Fall nicht der aktuelle Klimawandel schuld ist. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe der internationalen Fachzeitschrift „Journal of Geophysical Research - Oceans" erschienen.
Die globale Erwärmung birgt viele Gefahren. Dazu gehört auch das mögliche Auftauen von Permafrostböden in der Arktis. Methan, das bisher im Permafrost gebunden war, könnte in die Atmosphäre gelangen und als effektives Treibhausgas die Erwärmung der Atmosphäre weiter beschleunigen, so die Befürchtung. Tatsächlich belegten wissenschaftliche Studien in den vergangenen Jahren hohe Methankonzentrationen in den flachen Küstenmeeren Ostsibiriens. Der Schluss lag nahe, dass der Permafrost im Meeresboden bereits abtaut und Methan ins Wasser entlässt. Wissenschaftler des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR) haben zusammen mit Kollegen aus Russland und Kanada diese Vermutung überprüft. Ihr Ergebnis: „Die Methankonzentrationen vor den sibirischen Küsten sind keine Folge der aktuellen Klimaerwärmung, sondern Spätfolgen einer Klimaveränderung, die vor etwa 10.000 Jahren begann", erklärt Dr. Igor Dmitrenko vom IFM-GEOMAR. Er ist Erstautor der Studie, die in der aktuellen Ausgabe der internationalen Fachzeitschrift „Journal of Geophysical Research - Oceans" erschienen ist.

Für ihre Studie nutzten die Wissenschaftler unter anderem hydrographische und meteorologische Daten des Staatlichen Instituts für Arktis und Antarktisforschung (AARI) Russlands, die bis ins Jahr 1920 zurückreichen. Sie ergänzten diesen umfangreichen Datensatz mit neueren Messungen, die zwischen 1993 und 2009 im Rahmen des deutsch-russischen Projektes „System Laptev-See" in den ostsibirischen Schelfgebieten gewonnen wurden. „Tatsächlich zeigen diese Daten eine deutliche Erwärmung der unteren bodennahen Wasserschichten von 2,1 Grad Celsius seit Mitte der 1980er Jahre", sagt Dr. Dmitrenko. Diese Ergebnisse verbanden die Forscher mit Modellrechnungen zur Entwicklung des Permafrostbodens. Dabei fanden sie heraus, dass der angenommene Tauprozess im unterseeischen Permafrost nicht mit dem aktuellen Temperaturanstieg erklärt werden kann.

Gebildet haben sich die Permafrostböden während der Eiszeiten, als der heutige Meeresboden der sibirischen Schelfgebiete noch Land war. Erst vor rund 8500 Jahren wurden sie am Ende der jüngsten Eiszeit überschwemmt. Damals stieg die Temperatur im Boden von durchschnittlich minus 13,5 Grad Celsius auf nur noch minus 1,5 Grad Celsius „Das war der radikalste Temperaturwechsel seitdem", betont Dr. Dmitrenko. Die Modellrechnungen zeigen, dass damals ein sehr langsamer Tauprozess begonnen hat, der bis heute anhält. „Die hohen Methankonzentrationen im Wasser der sibirischen Schelfgebiete sind also wahrscheinlich keine Folge des jüngsten Temperaturanstieges in der Arktis, sondern Spätfolgen der Erwärmung am Ende der Eiszeit", so Dmitrenko.

Bis der aktuelle, von Menschen verursachte Klimawandel die unterseeischen Permafrostböden erreicht, kann noch viel Zeit vergehen. „Die dicken Sedimentschichten, die sich in den vergangenen Jahrtausenden auf dem Meeresboden abgelagert haben, sind eine gute Isolierschicht", erklärt der Meereswissenschaftler. Wie lange sie hält, ist schwer zu ermitteln. „Das hängt von sehr vielen Faktoren ab, deshalb sind das eher spekulative Werte." Entwarnung in Sachen Klimawandel will Dmitrenko trotzdem nicht geben: „Erstens gelten unsere Ergebnisse nicht für Permafrostböden an Land. Und zweitens haben die von uns nachgewiesenen Temperaturerhöhungen im arktischen Ozean andere gravierende Auswirkungen auf das Klimasystem und die Ökologie der Arktis."

Originalarbeit:
Dmitrenko, I. A., S. A. Kirillov, L. B. Tremblay, H. Kassens, O. A. Anisimov, S. A. Lavrov, S. O. Razumov, M. N. Grigoriev. (2011:), Recent changes in shelf hydrography in the Siberian Arctic: Potential for subsea permafrost instability. J. Geophys. Res., 116, C10027, http://dx.doi.org/10.1029/2011JC007218


Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de Das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR)
http://www.ifm-geomar.de/go/polynja Das deutsch-russischen Projekt „Laptev-See-Polynja"

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Die Leber leidet im Stillen - richtig essen hilft! - Vorbeugen schon im Kindesalter

Rita Wilp
externe Pressestelle
Deutsche Leberstiftung

Wenn es der Leber zuviel wird, dann wird sie fett. Sie ist das zentrale Speicher- und Stoffwechselorgan unseres Körpers, das wie ein kompaktes Kraftwerk arbeitet. Sie filtert Schadstoffe aus dem Blut, sondert mit der Galle Stoffwechselprodukte über den Darm ab und reguliert unter anderem Fett- und Zuckerstoffwechsel wie auch den Mineral- und Vitaminhaushalt. Sie fungiert wie eine Art chemische Fabrik.
In dieser Fabrik werden Eiweiße aus der Nahrung in ihre Bausteine, die Aminosäuren, zerlegt und dann zu körpereigenen Proteinen wie Enzyme, Gerinnungsfaktoren und Hormone umgebaut. Wird sie mit zuviel Aufgaben betraut, dann kann sich schnell eine so genannte Fettleber entwickeln. Das Fatale daran: Die Leber schmerzt nicht, wenn sie krank wird. Sie leidet im Stillen. Um einer Lebererkrankung vorzubeugen, sind unter anderem richtige Ernährung, Bewegung und ein gesunder Lebensstil der richtige Weg. „Der Ansatzpunkt hierfür sollte schon sehr früh gelegt werden. Bereits in der Schule sollte gesunde Ernährung und viel Bewegung ein Thema sein. Denn aus übergewichtigen Kindern werden dicke Erwachsene, und damit steigt das Risiko an einer Lebererkrankung aufgrund von Übergewicht und falscher Ernährung zu leiden", sagt Prof. Dr. Peter Galle, Mitglied des Vorstands der Gastro-Liga e.V. anlässlich des 12. Deutschen Lebertages (20. November 2011). Jedes 6. bis 7. Kind oder Jugendliche in Deutschland sei übergewichtig, jedes 16. Kind im Grundschulalter und jeder 12. Jugendliche ab 14 Jahren adipös (krankhaft übergewichtig). In Deutschland habe sich die Adipositasrate bei den Jugendlichen ab 14 nahezu verdreifacht im Vergleich zu Daten aus den Jahren 1985 bis 1999. Entwickelt sich dann im Erwachsenenalter eine Fettleber, so kann daraus Leberzirrhose und Leberkrebs entstehen. Der 12. Deutsche Lebertag steht unter dem Motto „Leber - lebenswichtig!". In ganz Deutschland finden in vielen Städten Veranstaltungen dazu statt. Eine Liste der Veranstaltungen finden Sie unter www.lebertag.org

Von der Fettleber zur Leberzirrhose und zum Leberkrebs
Bis zu 30 Prozent der Deutschen, so schätzen Experten, leiden unter einer Fettleber. Folgeerkrankung ist eine Fettleberentzündung, die bei etwa fünf bis 15 Prozent der Fettleberpatienten eintritt. „Das bedeutet, das bis zu etwa drei Millionen Menschen, an einer Fettleberentzündung in Deutschland erkrankt sind," sagt Prof. Galle. Insgesamt sei eine Fettleber immer häufiger die Indikation für eine Tumorerkrankung, zum Beispiel der Leber aber auch von Brust- oder Dickdarmkarzinomen. Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLE) beschreibt ein Erkrankungsspektrum, dass Leberverfettung (Steatosis hepatitis), die nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH) und die Fettleberzirrhose umfasst. Bisher ist keine spezifische medikamentöse Therapie zur Behandlung der NAFLE zugelassen. Das bedeutet, jeder sollte seine eigenen Risikofaktoren für eine Erkrankung erkennen und sie verändern. Dazu gehört unter anderem: Gewicht reduzieren, Sport treiben und sich gesund ernähren. Für viele Risikopatienten ist allerdings eine Gewichtsabnahme nur mit begleitender Ernährungs- oder Verhaltenstherapie erfolgreich. Bei sehr hohem Übergewicht helfen häufig nur bariatrische Therapien, z.B. Magenverkleinerungen durch Magenband. Medikamentös kann die Reduktion des Körpergewichts durch Einsatz von Orlistat, das die Fettresorption im Darm hemmt, unterstützt werden.

Metabolisches Syndrom
Die Wahrscheinlichkeit an einer Fettleber zu erkranken, steigt mit der Erkrankung an Diabetes mellitus, bei Übergewicht und bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Kombination wird auch das Metabolische Syndrom genannt. Die Aussicht für die Zukunft ist also: Bei der ständig steigenden Zahl der Übergewichtigen in Deutschland wird es auch immer mehr Patienten mit einer Fettlebererkrankung geben. „Gesunde Ernährung ist in Deutschland auch ein soziales Problem. Wir können heute für wenig Geld mehr ungesunde Nahrung kaufen als gesunde. Würden wir die gleiche Kalorienzahl, die zum Beispiel eine fetthaltige Tiefkühlpizza hat, mit frischem Gemüse und Obst erreichen wollen, so müssen wir wesentlich mehr bezahlen", sagt Prof. Galle. Das sei für viele gar nicht möglich.

Diagnose wegen fehlender Symptome oft schwierig
Um eine NAFLE zu diagnostizieren zu können, müssen erst andere Lebererkrankungen ausgeschlossen werden. Patienten können sehr unterschiedliche Symptome zeigen, wie zum Beispiel Müdigkeit und Abgeschlagenheit, Oberbauchschmerz oder auch Völlegefühl. Zur Stufendiagnostik haben sich Anamnese und Untersuchung, Labordiagnostik mit Bestimmung von nüchtern Insulin- und Glukosewerten (HOMA-Index) sowie Ultraschalldiagnostik bewährt. Zur Diagnostik gehört neben serologischen und sonographischen Untersuchungen auch die Leberbiopsie (Gewebeentnahme). Die histologische Untersuchung des Leberparenchmys (spezifisches Lebergewebe) dient dabei nicht nur dem Ausschluss anderer Lebererkrankungen (Hepatopathien), sondern kann auch herangezogen werden, um die Prognose abzuschätzen. Auch ein oraler Glukosetoleranztest kann helfen, Patienten mit Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Peter Galle,
Vorstand Gastro-Liga e.V.
Direktor Medizinische Klinik I - Universitätsmedizin Mainz
www.gastro-liga.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Umfrage: Deutsches Jobwunder hat auch Schattenseiten

Ute Friedrich
Pressestelle
Bertelsmann Stiftung

Unsicherheit am Arbeitsmarkt hat zugenommen - gleiche Aufstiegschancen und "Lohngerechtigkeit" werden bezweifelt
Das deutsche Jobwunder hat auch seine Schattenseiten. Obwohl die Arbeitslosenzahl unter drei Millionen gesunken ist und die Beschäftigungsquote die Marke von 70 Prozent übersprungen hat, glaubt nur eine Minderheit der Deutschen an Gerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt. Nach einer aktuellen infas-Umfrage im Auftrag der Bertelsmann Stiftung sind nur 32 Prozent der Befragten davon überzeugt, dass alle die gleichen Aufstiegschancen haben. 62 Prozent geben an, Leistung lohne sich nicht. Und für 75 Prozent der Deutschen haben die Unsicherheiten auf dem Arbeitsmarkt in den letzten Jahren zugenommen.

Bezogen auf die "Lohngerechtigkeit" stimmen 96 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass Wochenend- und Nachtarbeit besser bezahlt werden müsse. Eine breite Mehrheit von 87 Prozent plädiert für gleichen Lohn für Frauen und Männer. 82 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass Leiharbeiter und Stammbelegschaften für gleiche Arbeit den gleichen Lohn bekommen sollten. 77 Prozent der Befragten finden, dass "Denkarbeit" nicht besser bezahlt werden sollte als "Handarbeit".

Überraschende Ergebnisse bieten die Aussagen zu den Arbeitsbedingungen: Den Deutschen ist ein gutes Betriebsklima (74 Prozent) wichtiger als eine leistungsgerechte Bezahlung (35 Prozent), ein sicherer Arbeitsplatz (11 Prozent) oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf (8 Prozent). Die Vorstellungen über das Alleinernährer-Modell sind traditionell stark ausgeprägt: 69 Prozent der Befragten geben an, dass ein Gehalt ausreichen sollte, um eine Familie zu ernähren.

Die Unsicherheiten für Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt haben in den letzten zehn Jahren zugenommen: 75 Prozent der Deutschen stimmen dieser Aussage zu. Um diese Unsicherheiten teilweise aufzufangen, sollten die Leistungen der Arbeitslosenversicherung an die Länge der Beitragsjahre gekoppelt werden, sagen die Befragten. Eine breite Zustimmung (75 Prozent) gibt es auch für die bestehende hälftige Aufteilung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

"Die erfolgreiche Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik der vergangenen Jahre hat zu einem erheblichen Rückgang der Arbeitslosigkeit geführt", sagte Aart De Geus, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, bei der Vorstellung der Umfrage. "Vorrangiges Ziel muss es nun sein, das hohe Maß an Erwerbsintegration gerechter zu gestalten und vor allem die Aufstiegschancen zu verbessern."

Die repräsentative Bevölkerungsumfrage wurde zwischen dem 26. September und dem 28. Oktober 2011 durchgeführt. Infas befragte im Auftrag der Bertelsmann Stiftung insgesamt 1.005 Personen.

Rückfragen an:
Juliane Landmann, Telefon: 0 52 41 / 81 81 245
E-Mail: juliane.landmann@bertelsmann-stiftung.de

Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de und www.beschäftigungsdynamik.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Pflanzenhandel via Internet

Dr. Gerlinde Nachtigall
Pressestelle
Julius Kühn-Institut

Julius Kühn-Institut warnt vor unbedarftem Kauf mit fatalen Folgen
(Braunschweig) Wenige Maus-Klicks genügen und schon wird die exotische Pflanze geliefert. Immer häufiger bestellen Privatpersonen Pflanzen aus fernen Ländern direkt nach Hause. Was kann dabei schon passieren? Ein jetzt erschienenes Faltblatt des Julius Kühn-Instituts (JKI) informiert über Gefahren und Risiken. „Kaum einer denkt daran, dass mit den gekauften Pflanzen Schädlinge oder Krankheiten eingeschleppt werden, die immense Schäden an unseren heimischen Pflanzen und Kulturpflanzen anrichten können", so Katrin Kaminski vom JKI.

Das Faltblatt zeigt wichtige bestehende Regelungen auf und wie man sich vor falschen Käufen schützen kann. Ein Schutz nicht nur für den Einkäufer selbst, sondern vor allem für unsere Umwelt. So steht z. B. der Citrusbockkäfer weit oben auf der der „Not-wanted-Liste" der Insekten, die bei uns erhebliche Schäden anrichten würden. Unsere Witterungsbedingungen verträgt der Käfer gut. Er hat hier keine natürlichen Feinde und kann selbst gesunde heimische Laubbäume zum Absterben bringen. Auch die gekauften Pflanzen selbst können gefährlich werden, wenn sie in der Lage sind, sich rasch auszubreiten und einheimische Pflanzen massiv zu verdrängen. Man spricht dann von invasiven Pflanzenarten.

Eine vom JKI veranlasste Studie hat ergeben, dass sich viele Internet-Händler außerhalb der Europäischen Union nicht an die Einfuhrbestimmungen halten. Zum Teil wird wissentlich gegen bestehende Einfuhrverbote verstoßen. Auch die erforderlichen amtlichen Gesundheitsuntersuchungen vor dem Versand der Pflanzen werden häufig nicht durchgeführt. Der unbedarfte Käufer ahnt dies in der Regel nicht.

Für bestimmte Pflanzen aus Ländern, die nicht zur Europäischen Union (EU) gehören, ist die Einfuhr grundsätzlich verboten. Dazu gehören zum Beispiel Kartoffeln oder Zitruspflanzen. Auch darf Erde aus vielen Ländern nicht in die EU eingeführt werden. Artenschutzgründe spielen ebenfalls eine Rolle. Hier gilt das Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES). Für andere Pflanzen gelten Einfuhrbestimmungen, die der Händler und jeder, der Pflanzen einführt, einhalten muss.

Das Faltblatt kann als PDF auf der Webseite des JKI heruntergeladen werden http://www.jki.bund.de/de/startseite/veroeffentlichungen/broschueren-und-faltbla... oder gegen Einsendung des Rückportos (45 Cent-Briefmarke) kostenlos bestellt werden bei:

Julius Kühn-Institut
Referat für Presse und Information
Messeweg 11-12
38104 Braunschweig

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Die Erfolgsgeschichte der Apps hat gerade erst begonnen

Till Breitung
Pressearbeit
Münchner Kreis

Intelligente Dienstprogramme für die Wettervorhersage, für Nachrichten, zum Spielen oder Navigieren werden massenhaft von Konsumenten auf Smartphones und Tablets geladen und eingesetzt. In den vergangenen zwei Jahren ist mit der App-Economy ein Markt entstanden, dessen Umsätze für das Jahr 2012 auf vier Mrd. US Dollar geschätzt werden. Die Nutzung von Business-Apps mit Einbindung in Unternehmensanwendungen und Geschäftsprozesse befindet sich hingegen noch in den Kinderschuhen. Der Münchner Kreis hat nun gezeigt, dass kleine Softwareprogramme auch für mobile Geschäftsprozesse vieler Anwenderbranchen und damit für Deutschland als Industriestandort von entscheidender Bedeutung sein können
Rund 200 Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft haben auf Einladung des Münchner Kreises die Zukunftsperspektiven für die Entwicklung, Vermarktung und Nutzung von so genannten Apps diskutiert. Apps sind Softwareprogramme, die auf mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets ausgeführt werden können. „Erfolgreiche Apps sind in der Regel auf wesentliche Funktionen reduziert und äußerst intuitiv und schnell zu bedienen. Sie sind auch nicht auf lokale Daten im Gerät limitiert", sagte Prof. Claudia Linnhoff-Popien von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Aktuell lässt sich eine große und rasant steigende Verbreitung mobiler Apps vor allem bei Konsumenten beobachten, sei es zur Unterhaltung, Kommunikation oder als Helfer für fast jede Lebenslage. Wurden nach einer Studie des Analystenhauses Gartner im Jahr 2010 schon acht Milliarden Apps geladen, so steht der eigentliche Boom noch bevor: bis Ende 2014 sollen 185 Milliarden App-Downloads erfolgen. Neben vielen kostenfreien gibt es heute hunderttausende Bezahl-Apps, für die Nutzer durchschnittlich 3,50 Euro ausgeben. „Die App-Economy hat damit von Beginn an ein Problem gelöst, das die Web Economy seit Jahren mit sich herum trägt: die Durchsetzung von Paid Content - also von bezahlten Inhalten", sagte Prof. Michael Dowling vom Lehrstuhl für Innovations- und Technologiemanagement der Universität Regensburg.

Die Verbreitung von Apps, die in der Geschäftswelt eingesetzt werden, hinkt allerdings noch deutlich hinterher. Insbesondere Geschäftsvorgänge mit kurzer Interaktion, wie beispielsweise eine Reisegenehmigung oder geringfügige Änderungen in Dokumenten, wären mit ihrem Einsatz erheblich zu beschleunigen. Es existieren seit Jahren Insellösungen auf spezieller Hardware für Servicetechniker oder Paketboten. Aber die Verbreitung für andere - ebenfalls zunehmend mobile - Mitarbeiter in den Unternehmen lässt noch auf sich warten. Die Integration von Apps in die betrieblichen Kernsysteme mit Kunden-, Mitarbeiter oder Produktionsdaten findet erst zögerlich statt. Dabei sind mobile Geschäftsprozesse, intelligente Software und Kommunikationselemente in Industrien wie Maschinenbau, Automobil oder Anlagenbau von immer größerer Bedeutung.

Gerade etablierte Unternehmen treffen ihre Investitionsentscheidungen meist auf der Basis eindeutiger Quantifizierungen von Marktpotenzial und Renditeabschätzungen. „Bei disruptiven Innovationen, wie denen der App-Economy, agieren sie oft zunächst sehr zurückhaltend, fast gelähmt", bemerkte Prof. Arnold Picot, Vorstandsvorsitzender des Münchner Kreises. „Selbst die klassische Medienbranche ist mit ihren Investitionen in die App Economy so verhalten, dass ihr immer wieder von innovativen Start-Ups die Butter vom Brot genommen wird". So wundert es nicht, dass erfolgreiche, bereits existierende Business-Apps von unabhängigen - und meist kleinen - Softwarehäusern entwickelt und vertrieben werden. Die Anwendungen reichen hier von der Fahrtenbuch-Applikation über Word- und Excel-Editoren bis zur App zum Scannen von Dokumenten. „Es ist allerdings davon auszugehen, dass es noch große Wachstumsfelder in allen Industrien gibt. Social Media, Location-based Services und Augmented Reality sind nur einige Funktionen, die in der Zukunft Industrieprozesse beeinflussen, verändern oder sogar ersetzen werden", resümierte Prof. Nikolaus Mohr, Managing Director der Accenture GmbH.

Über den Münchner Kreis:
Der Münchner Kreis ist eine gemeinnützige übernationale Vereinigung für Kommunikationsforschung. An der Nahtstelle von Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien befasst er sich mit Fragen der Technologie, der Gesellschaft, der Ökonomie und der Regulierung im Bereich von Informations- und Kommunikationstechniken sowie der Medien. Er begleitet und fördert die Entwicklung der Informationsgesellschaft in verantwortungsvoller Weise, und wirkt an der Verbesserung der Rahmenbedingungen durch wissenschaftlich qualifizierte Beiträge und sachlichen Dialog konstruktiv mit. http://www.muenchner-kreis.de

Weitere Informationen:
http://www.muenchner-kreis.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Phosphor-Rückgewinnung aus Schlammkonzentrat

Monika Landgraf
Presse, Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

Phosphor ist ein lebenswichtiges Element, endlich und nicht ersetzbar. Die weltweit wirtschaftlich erschließbaren Reserven reichen noch circa 100 Jahre. Wissenschaftler des KIT haben ein Verfahren zur Rückgewinnung von Phosphor entwickelt, das derzeit auf der Kläranlage Neuburg an der Donau eingesetzt wird. In Zusammenarbeit mit der Firma MSE aus Karlsbad-Ittersbach will das KIT nun eine mobile Anlage zur Schlammentwässerung so um dieses Verfahren ergänzen, dass aus dem entstehenden Schlammkonzentrat Phosphor zurückgewonnen werden kann.
Derzeit laufen mit der MSE (Mobile Schlammentwässerungs GmbH), einer Tochter der EnBW Kraftwerke AG, Versuche zur Charakterisierung der verschiedenen Abwässer, die sich unter Zentrifugalkraft von den Feststoffen abgetrennt haben. Dies sei „ein wichtiger Schritt vor den Kurz- und Langzeitexperimenten, die anschließend folgen werden", erklärt Dr. Rainer Schuhmann, der Leiter des Kompetenzzentrums für Materialfeuchte (CMM) am KIT.

Mit dem Einsatz der neuen Technik „könnten auch Kläranlagen ihren Verpflichtungen nachkommen, deren Schlammrückstand mobil entwässert wird", so der Projektleiter der MSE, Dr. Rudolf Turek. Und diese Anforderungen werden drängender: Der Bund diskutiert derzeit eine prozentuale Rückgewinnungsverpflichtung auf der Grundlage eines Arbeitsentwurfs des Bundesumweltministeriums vom April 2011. Darin verlangt dieses von Wissenschaftlern wie auch von der Industrie und Kläranlagenbetrieben, nach Möglichkeiten der Rückgewinnung zu suchen.

Der Phosphor wird in einem am KIT entwickelten Verfahren zurückgewonnen. Die Wissenschaftler des Fachbereiches Umwelttechnologie des CMM gewinnen mittels Kristallisation in der Abwasserphase gelöstes Phosphat zurück. Dieses einfache und effektive Prinzip, so erklärt Rainer Schuhmann, „liefert ein hochwertiges Düngemittel, das neben Phosphor noch weitere Pflanzennährstoffe enthält und hervorragend pflanzenverfügbar ist".

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung - Lehre - Innovation.

Weiterer Kontakt:
Klaus Rümmele
Presse, Kommunikation und Marketing (PKM)
Tel. +49 721 608-48153
Fax: +49 721 608-45681
E-Mail: klaus.ruemmele@kit.edu

Anhang
Phosphor-Rückgewinnung aus Schlammkonzentrat
http://idw-online.de/de/attachment12184

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Wann setzen Patienten auf Homöopathie, Akupunktur & Co?

Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Heidelberg

Abteilung für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg sucht Studienteilnehmer für einstündiges Interview
Ob Traditionelle Chinesische Medizin, Kneipp, Homöopathie, Bioresonanz oder Bachblüten: Das Interesse an der sogenannten Komplementär- und Alternativmedizin ist groß. Aber aus welchen Gründen nehmen Patienten diese Therapieverfahren in Anspruch und wie sind ihre Erfahrungen damit? Diesen Fragen geht eine Studie der Abteilung für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg nach. Ab sofort werden Studienteilnehmer für ein ca. einstündiges Interview gesucht.

Teilnehmen kann jeder, der mindestens 18 Jahre alt ist und bereits Erfahrungen mit Komplementärmedizin bei einem Arzt oder Heilpraktiker gemacht hat. Die Daten werden anonym ausgewertet. Teilnehmer erhalten eine Aufwandsentschädigung von 20 Euro.

Ziel der Studie ist es u.a. herauszufinden, bei welchen Erkrankungen Patienten Komplementärmedizin in Anspruch nehmen, aus welchen Gründen sie sich für diese Therapieverfahren entscheiden und wie zufrieden sie mit der Behandlung sind. Ebenso soll geklärt werden, unter welchen Umständen Patienten einen Heilpraktiker oder einen Arzt aufsuchen und welche Kriterien dabei ausschlaggebend sind.

„Studien belegen, dass das Interesse an der Komplementärmedizin seit Jahren wächst. Es ist daher wichtig, dass sich die Wissenschaft auch mit diesen Therapieverfahren auseinandersetzt", erklärt Studienärztin Katharina Glassen, Fachärztin für Allgemeinmedizin in der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung. „Diese Studie erhebt erstmalig Daten aus diesem wichtigen, aber bisher wenig erforschten Bereich der Patientenversorgung. Auf diesen ersten Ergebnissen können dann zukünftige Forschungsprojekte aufbauen."

Unter dem Begriff Komplementär- und Alternativmedizin werden unterschiedliche Diagnose- und Therapieverfahren zusammengefasst, die am Rande oder außerhalb der Schulmedizin anzusiedeln sind. Dazu zählen z.B. klassische Naturheilverfahren, Homöopathie, Akupunktur, Manuelle Medizin, Osteopathie, Heilpflanzenkunde, Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Anthroposophische Medizin, Neuraltherapie, Bioresonanz, Eigenbluttherapie, Bachblüten, Irisdiagnostik und vieles mehr.

Interessenten wenden sich bitte an:
Studienärztin Katharina Glassen
Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 82 32 (vormittags)
E-Mail: katharina.glassen@med.uni-heidelberg.de,

Weitere Informationen im Internet:
http://www.allgemeinmedizin.uni-hd.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 10.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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VKU zur Woche der Abfallvermeidung

Nahaufnahme zweier Müllcontainer mit der Aufschrift 'Alttextilien und Schuhe'

Vom 19. bis 27. November 2011 findet die Europäische Woche der Abfallvermeidung statt. In dieser Zeit sind in ganz Europa und in vielen deutschen Kommunen zahlreiche Veranstaltungen, Seminare und Aktionen geplant, um die Bevölkerung für das Thema Abfallvermeidung zu sensibilisieren. „Wir müssen sparsam mit unseren Ressourcen umgehen. Das schont die Umwelt und das Klima. Recycling ist ein Weg. Der beste Abfall ist jedoch der, der gar nicht erst entsteht", so der Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) Hans-Joachim Reck.

Rund 580 Kilogramm Siedlungsabfälle produziert Eurostat, dem Statistischen Amt der Europäischen Union, zufolge ein Bundesbürger pro Jahr - das sind etwa 350 Kilogramm mehr als bei einem Bürger aus Polen. Deutschland hat zwar mit 64 Prozent die höchsten Recyclingzahlen in der Europäischen Union, liegt aber beim Abfallaufkommen im oberen Drittel. Die hohen Recyclingzahlen sind nicht zuletzt dem disziplinierten Trennverhalten der Bürger zu verdanken. „Mülltrennen ist richtig und wichtig - und ist sogar so etwas wie ein Markenzeichen der Deutschen geworden. Dies ist ein Erfolg der Abfallberatung der vergangenen zwanzig Jahre, in denen die Kommunen die Bürger intensiv zum Thema Abfalltrennung beraten haben. Nun gilt es, für das Thema Abfallvermeidung zu sensibilisieren", so Reck.

Zahlreiche kommunale Unternehmen bieten den Bürgern daher Gebrauchtwarenkaufhäuser, wo gut erhaltene Gegenstände, die sonst auf dem Müll gelandet wären, aufbereitet und für wenig Geld erstanden werden können. Und die Kommunen leisten Aufklärungsarbeit insbesondere für Kinder und Jugendliche, wie sie Abfall vermeiden können. Dazu Reck: „Die kommunalen Abfallwirtschaftsbetriebe sind nah dran am Bürger. Sie kennen die lokalen Abfallaufkommen und können daher gezielt informieren und sensibilisieren. Aufklärungsarbeit zu Abfallvermeidung und Mülltrennung ist ein Teil der kommunalen Daseinsvorsorge."

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) vertritt über 1.400 kommunalwirtschaftliche Unternehmen in den Bereichen Energie, Wasser/Abwasser und Abfallwirtschaft. Mit 236.000 Beschäftigten wurden 2009 Umsatzerlöse von rund 94 Milliarden Euro erwirtschaftet und etwa 8 Milliarden Euro investiert. Die VKU-Mitgliedsunternehmen haben im Endkundensegment einen Marktanteil von 54,2 Prozent in der Strom-, 67,7 Prozent in der Erdgas-, 76,3 Prozent in der Trinkwasser-, 58,2 Prozent in der Wärmeversorgung und 12,8 Prozent in der Abwasserentsorgung.

Quelle: VKU

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Abwasser kontrolliert reinigen mit UV-Licht

Dr. Claudia Vorbeck
Pressestelle
Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

Viele Industrieabwässer enthalten organische Verunreinigungen, die in kommunalen Kläranlagen nicht abgebaut werden können. Forscher am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart haben in Zusammenarbeit mit europäischen Partnern ein automatisiertes Reinigungssystem entwickelt, das die organischen Schadstoffe mittels UV-Licht abbaut und bereits während der Behandlung den Reinigungserfolg kontrolliert.
Ob Steak oder Käse, Karosserieblech oder Kolben, Farben oder Papier: Für den Herstellungsprozess von Lebensmitteln, Metallteilen und Chemikalien sowie die Reinigung von Produktionsanlagen wird Wasser benötigt. Ein Teil dieses Prozesswassers wird dabei mit organischen Verbindungen verunreinigt, die in den kommunalen Kläranlagen nicht oder nur schwer abgebaut werden. In diesen Fällen müssen die Abwässer bereits vor der Einleitung in das Kanalnetz behandelt werden. Derzeitige Verfahren stoßen an ihre Grenzen: Denn gelöste Verunreinigungen können nicht durch Filtration entfernt werden. Membranverfahren konzentrieren die Schadstoffe, bauen sie aber nicht ab und thermische Verfahren verbrauchen generell viel Energie.

Eine Lösung, mit der organische Schadstoffe oxidativ - ohne den Einsatz von Chemikalien - aus dem Wasser entfernt werden, haben Forscher am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in dem von der Europäischen Union geförderten Projekt »Light4CleanWater« entwickelt. In Zusammenarbeit mit ihren Partnern haben sie eine Demonstrationsanlage gebaut, welche die oxidative Behandlung mittels UV-Licht mit einer Echtzeit-Messung des gesamten organisch gebundenen Kohlenstoffs (total organic carbon, TOC) als Maß für den Reinigungserfolg und einer vollautomatischen Steuerung kombiniert.

Im Reaktionstank der Anlage strahlt wahlweise eine Mitteldruck- oder ein Vakuum-UV-Lampe energiereiches UV-Licht in das Abwasser. Treffen für das Auge unsichtbare, sehr energiereiche Strahlen von nur 172 Nanometer Wellenlänge auf Wassermoleküle, werden aus diesen hochreaktive Hydroxidionen abgespalten. In einer Kettenreaktion lösen diese die Bildung weiterer Radikale aus. »Treffen diese Radikale auf organische Schadstoffe, werden sie in kleinere, biologisch abbaubare Verbindungen wie kurzkettige organische Säuren zerlegt« erläutert Verfahrensingenieurin Christiane Chaumette die Wirkung der UV-Strahlung.

Um sicherzustellen, dass nur sauberes Wasser die Anlage verlässt, wird während der UV-Behandlung kontinuierlich eine Probe aus dem Reaktionstank gezogen und auf den Gehalt an organischem Kohlenstoff (TOC) analysiert. Ist der zuvor eingestellte Grenzwert erreicht, wird das gereinigte Abwasser automatisch heraus- und weiteres verunreinigtes Wasser in den Reaktionstank hineingepumpt. »100 Liter Abwasser pro Stunde kann der Laborprototyp auf diese Weise behandeln. Im Praxistest wurde der Farbstoff Methylenblau innerhalb nur weniger Minuten vollständig entfernt. Und selbst bei hoch belastetem Abwasser aus der Papierherstellung konnten wir den TOC auf den erforderlichen Grenzwert reduzieren«, so Chaumette.

Der Prototyp steht nun Industriebetrieben zur Verfügung, um den Abbau organischer Verunreinigungen in realem Abwasser zu untersuchen. Denn kein Abwasser gleicht dem anderen. »Kriterien für den Erfolg der Abwasserreinigung sind neben der Art der Verunreinigungen auch deren Konzentration und das anfallende Volumen«, weiß die Verfahrensingenieurin. Letzteres ist wichtig, um den Energieverbrauch abzuschätzen. »Die Daten liefern uns die Grundlage für ein kostengünstiges industrielles System, welches im Betrieb Abwässer effektiv und ohne den Einsatz chemischer Hilfsstoffe behandelt«, ergänzt Abteilungsleiter Siegfried Egner im Hinblick auf geplante Arbeiten.

Das Projekt »Light4CleanWater« wurde im 7. Forschungsrahmenprogramm von der EU gefördert. Projektpartner waren SICO Technology GmbH (Österreich), HECKMANN POLSKA Produkcja Metalowa i Maszyn Sp. z o.o. (Polen), UVASOL Limited (Großbritannien), E.R.S. - Steuerungstechnik - GmbH & Co. KG und LFE Laboratorium für industrielle Forschung GmbH & Co Entwicklungs KG (Deutschland), BAMO Mesures SAS (Frankreich), ADINSA Aditivos industriales y servicios para el agua S.L und VILA Electroquimica, S.A. (Spanien). Als Forschungspartner war neben dem Fraunhofer IGB die spanische ITAV Technologias avanzadas inspiralia SL beteiligt.

Weitere Informationen:
http://www.igb.fraunhofer.de/de/presse-medien/presseinformationen/2011/abwasser-...

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Experten beantworten Fragen zur seelischen Gesundheit am Arbeitsplatz

Dr. Thomas Nesseler
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)

Wo liegen die psychischen Belastungen im Arbeitsalltag? Was kann ich tun, um psychisch gesund zu bleiben? Wie gehe ich mit psychisch kranken Kollegen bzw. Mitarbeitern um? Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) und das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit informieren am 26. November 2011 in Berlin über die seelische Gesundheit am Arbeitsplatz.
Die Themen „Burnout" und „Stress am Arbeitsplatz" sind derzeit in aller Munde. Zwar sollte in der gegenwärtigen Diskussion nicht vergessen werden, dass für die allermeisten Menschen ihre Arbeit mehr ist als bloßer Broterwerb. Tatsächlich aber haben die Anforderungen der modernen Arbeitswelt dazu geführt, dass arbeitsbedingte psychische Belastungen zunehmen. Nach Angaben der AOK ist der Anteil der Krankheitstage durch psychische Erkrankungen in den letzten 15 Jahren um 70 bis 80 Prozent gestiegen. Immer mehr Arbeitnehmer müssen aufgrund einer psychischen Erkrankung wie Depression oder Angststörungen in Frührente gehen. Laut Deutscher Rentenversicherung (DRV) sind psychische Erkrankungen mit fast 40 Prozent der Hauptgrund für Erwerbsunfähigkeit. Auch werden die Betroffenen immer jünger. Viele müssen ihren Beruf aufgrund einer psychischen Störung noch vor dem 50. Lebensjahr aufgeben. Rechtzeitig krankmachende Faktoren aufzudecken und vorzubeugen gewinnt so an Bedeutung.

Was Arbeitnehmer tun können, um am Arbeitsplatz seelisch gesund zu bleiben, erfahren Interessierte am Samstag, den 26. November 2011, in Berlin. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) und das Aktionsbündnis Seelische Gesundheit laden zur Veranstaltung „Macht Arbeit krank? - Psychische Belastungen am Arbeitsplatz für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer" ein. Die kostenfreie Veranstaltung findet im Rahmen des diesjährigen DGPPN-Kongresses statt und steht unter dem Motto „Laien fragen, Experten antworten".

Die Veranstaltung auf einen Blick:

Titel: Macht Arbeit krank? Psychische Belastungen am Arbeitsplatz für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
Datum: Samstag, 26.11.2011, 11.00 - 13.00 Uhr
Ort: ICC Berlin, Neue Kantstr./ Messedamm
Veranstalter DGPPN in Kooperation mit dem
Aktionsbündnis Seelische Gesundheit
Kosten: keine
Zielgruppe: Arbeitnehmer, Führungskräfte, Interessierte, Medienvertreter
Kontakt: Nicole Siller; Tel: 030-24 04 77 211; Mail: n.siller@dgpp.de

Weiterführende Informationen:
http://www.dgppn.de/veranstaltungen/arbeit

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Viagra gegen schwarzen Hautkrebs

Dr. Stefanie Seltmann
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum

Viele Tumoren rufen chronische Entzündungen hervor, die wiederum die gezielten Angriffe des Immunsystems gegen den Krebs unterdrücken. Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum und der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg zeigten nun an melanomkranken Mäusen, dass der Wirkstoff Sildenafil - besser bekannt unter dem Handelsnamen Viagra® - die Hemmung der spezifischen Immunabwehr aufhebt. Krebskranke Mäuse, die mit dem Medikament behandelt wurden, überlebten mehr als doppelt so lange wie unbehandelte Artgenossen.
Zunächst klingt es nach einer guten Nachricht: Das körpereigene Immunsystem tritt fast bei jeder Krebserkrankung in Aktion - leider aber nicht unbedingt zugunsten des Patienten. „Wir unterscheiden zwei verschiedene Immunreaktionen", sagt Professor Dr. Viktor Umansky, Immunologe am Deutschen Krebsforschungszentrum und an der Universitätsmedizin Mannheim: „Auf der einen Seite greifen Zellen des Immunsystems Tumorzellen gezielt an. Auf der anderen Seite dagegen ruft fast jeder Krebsherd in seiner Umgebung eine chronische entzündliche Immunreaktion hervor, die die gezielte krebsspezifische Immunabwehr unterdrückt."

Bei entzündlichen Immunreaktionen wandern bestimmte Abwehrzellen in die Umgebung des Tumors und setzen charakteristische Immunbotenstoffe frei. „Unser Ziel ist es, die chronischen Entzündungen einzudämmen und damit das Immunsystem dabei zu unterstützen, den Krebs aktiv zu bekämpfen", erläutert Umansky.

Er und sein Team untersuchten nun die chronische Entzündung, die der schwarze Hautkrebs, das Melanom, hervorruft. Dazu arbeiteten sie mit Mäusen, die aufgrund einer genetischen Veränderung spontan Hautkrebs entwickeln, der dem Melanom des Menschen sehr ähnlich ist. In der Umgebung der Tumoren sowie in den von Metastasen befallenen Lymphknoten der Tiere wiesen die Forscher entzündliche Botenstoffe wie etwa Interleukin-1-β oder Interferon-γ nach. Die Immunbotenstoffe locken so genannten mds-Zellen („myeloid derived suppressor cells") an. Diese Immunzellen sind dafür bekannt, dass sie die wichtigsten krebsspezifischen Akteure des Immunsystems, die T-Zellen, unterdrücken.

Was genau geschieht, wenn T-Zellen unter den Einfluss der mds-Zellen geraten? Brachten die Wissenschaftler mds-Zellen in der Kulturschale mit T-Zellen aus der Milz einer gesunden Maus in Kontakt, so stellten diese ihr Wachstum ein. Außerdem drosselten die T-Zellen die Menge eines wichtigen Aktivierungsmoleküls. „Das zeigt uns, dass die krebsspezifischen T-Zellen tatsächlich aktiv von den mds-Zellen unterdrückt werden", erläutert der Forscher das Ergebnis.

Die hautkrebskranken Mäuse erhielten daraufhin den Wirkstoff Sildenafil. Diese Substanz, besser bekannt unter dem Handelsnamen Viagra®, hatte in experimentellen Tiermodellen schon mehrfach die Immunabwehr gegen Tumoren verbessert. Von den Mäusen, die den Wirkstoff mit dem Trinkwasser erhielten, lebten nach rund sieben Wochen mehr als doppelt so viele wie von ihren untherapierten Artgenossen. In den behandelten Tieren hatte sich tatsächlich sowohl die Anzahl der krebsspezifischen T-Zellen als auch die Menge der Aktivierungsmoleküle wieder normalisiert - Sildenafil neutralisiert also erfolgreich die chronische Entzündung in der Umgebung des Melanoms und bekämpft die immunsupprimierende Wirkung der mds-Zellen.

„Das Besondere an unserem Forschungsansatz ist, dass die Erkrankung der Mäuse klinisch sehr ähnlich verläuft wie das Melanom beim Menschen", erklärt Viktor Umansky die medizinische Relevanz seiner Ergebnisse. „Daher ist es sehr gut möglich, dass Sildenafil auch bei melanomkranken Menschen die immunsupprimierenden Effekte der Entzündung unterdrücken und so die Immunabwehr gegen den Krebs verbessern kann. So könnte das Medikament dazu beitragen, schwarzen Hautkrebs erfolgreicher zu behandeln."

Quelle: Dr. Alexandra Sevko, Deutsches Krebsforschungszentrum
Legende: mds-Zellen (myeloid derived suppressor cells) unterdrücken die krebsspezifische Immunreaktion

Christiane Meyer, Alexandra Sevko, Marcel Ramacher, Alexandr V. Bazhin, Christine S. Falk, Wolfram Osen, Ivan Borrello, Masashi Kato, Dirk Schadendorf, Michal Baniyash und Viktor Umansky: Chronic inflammation promotes myeloid-derived suppressor cell activation blocking antitumor immunity in transgenic mouse melanoma model. Proceedings of the National Academy of Science (PNAS) USA, 2011; DOI: 10.1073/pnas.1108121108

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Ansätze, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Daneben klären die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Biomasse sinnvoll nutzen

Dr. Renate Hoer
Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Eine chemische Industrie auf der Basis erneuerbarer Ressourcen
Unsere industrialisierte Welt ist in hohem Maße abhängig von fossilen Rohstoffen, ob zur Energieerzeugung, als Treibstoff oder als Ausgangsbasis für die chemische Industrie. Die damit verbundenen Umweltprobleme sind bekannt, zudem gehen die Vorräte irgendwann zur Neige. Neben Wind-, Wasser-, geothermischer und Solarenergie rückt auch Biomasse als erneuerbare Ressource immer stärker in den Blickpunkt. Esben Taarning und Kollegen von der Katalysatorfirma Haldor Topsøe sowie dem Lindoe Offshore Renewables Center (Dänemark) erläutern in einem Essay in der Zeitschrift Angewandte Chemie, wie ein sinnvoller Übergang von der Petrochemie zu einer chemischen Industrie auf Biomasse-Basis aussehen könnte.

Bisher wird der größte Teil der in der Industrie verwendeten Biomasse zur Stromgewinnung verbrannt. Dies sei auf lange Sicht nicht die optimale Nutzung, so die Autoren. „Es ist auch nicht die sinnvollste Lösung, Biomasse in Kraftstoffe zu überführen", so Taarning. „Zum einen reicht die Menge der verfügbaren Biomasse gar nicht zur Deckung des Treibstoffbedarfs, zum anderen unterscheiden sich die chemischen Charakteristika von Kraftstoffen und Biomasse viel zu stark, entsprechend aufwendig und unwirtschaftlich wären die Verfahren." Transportmittel sollten nach und nach auf Batterien oder Brennstoffzellen umgestellt werden. Taarning: „Wirklich sinnvoll ist es dagegen, Biomasse als Rohstoff für die chemische Industrie zu verwenden. Die verfügbare Biomasse sollte ausreichen, um fossile Ressourcen bei der Chemikalienproduktion zu ersetzen. Die chemischen Charakteristika von Biomasse und vielen Massenchemikalien sind zudem sehr ähnlich, die Prozesse sollten daher wirtschaftlicher sein als bei der Umsetzung zu Kraftstoffen."

Dabei solle man sich aber von etablierten Wertschöpfungsketten verabschieden: Statt den Rohstoff mit aller Gewalt in bestimmte Grundchemikalien umzuwandeln, die ursprünglich wegen der einfachen Zugänglichkeit aus fossilen Ressourcen ausgewählt wurden, solle man lieber nutzen, was bereits an interessanten chemischen Charakteristika in den Biomasseressourcen steckt, und günstige katalytische Reaktionswege optimieren. „Durch kluge Wahl der Zielchemikalien lässt sich der Wertzuwachs wesentlich vergrößern", sagt Taarning. Da die Kosten für die Entwicklung erheblich und die ersten Verfahren ineffizient sein werden, sei es sinnvoll, sich zunächst auf hochwertige Produkte zu konzentrieren, was eine schnellere breite Einführung ermögliche.

Aber auch viele Haupt- und Begleitprodukte der heutigen Biokraftstoff-Industrie könnten zu interessanten Grundchemikalien werden: Ethanol etwa als Ausgangspunkt für die Herstellung von Essigsäure, Ethylen sowie Ethylenglycol und Glycerol als Ausgangspunkt für Acrylsäure, ein Zwischenprodukt für Polymere.

„Der Übergang von einer Petro-basierten chemischen Industrie zu einer Industrie auf der Grundlage von Biomasse ist eine große Herausforderung", so Taarning, „bietet aber enorme Chancen: die Entwicklung einer nachhaltigeren chemischen Industrie mit vielseitigerer Rohstoffversorgung und die Herstellung von neuen Produkten mit überlegenen Eigenschaften."

Angewandte Chemie: Presseinfo 46/2011

Autor: Esben Taarning, Haldor Topsøe, Lyngby (Denmark), mailto:esta@topsoe.dk

Angewandte Chemie 2011, 123, No. 45, 10686-10694, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201102117

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany

Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Fünf Gründe gegen das Modewort Burnout

Prof. Dr. Ulrich Hegerl
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stiftung Deutsche Depressionshilfe

Über zahlreiche Titelstories, Leitartikel, Buchpublikationen und Fernsehsendungen hat sich der Begriff Burnout zu einem der Modeworte des Jahres emporgeschwungen. Selbsternannte „Burnout-Kliniken" springen auf den Zug auf und hoffen auf eine Klientel von Managern mit Privatversicherung. Unternehmen führen betriebsinterne gesundheitsfördernde Maßnahmen zur Stressreduktion ein, um dem „Burnout" und auch damit verbundenen Produktivitätsverlusten vorzubeugen. Auch wenn zu begrüßen ist, dass hierdurch die große Bedeutung psychischer Erkrankungen deutlicher und die diesbezügliche Sensibilität erhöht wird, so wird der inflationäre Gebrauch des schwammigen Begriffs Burnout von vielen Betroffenen und Experten aus mehreren Gründen als verwirrungstiftend, irreführend und längerfristig stigmaverstärkend eingeschätzt:

1. Der Begriff Burnout ist nicht klar definiert und in den maßgeblichen internationalen Klassifikationssystemen gibt es keine Diagnose Burnout. Entsprechend liegen für die bunten psychischen Störungen, die alle unter Burnout zusammengefasst werden, auch keine Behandlungen mit Wirksamkeitsbelegen aus methodisch guten Studien vor.

2. Ein Großteil der Menschen, die wegen „Burnout" eine längere Auszeit nehmen, leidet defacto schlicht an einer depressiven Erkrankung. Alle für die Diagnose einer Depression nötigen Krankheitszeichen liegen vor, wozu immer auch das Gefühl tiefer Erschöpftheit gehört.

3. Wird Burnout als weniger stigmatisierende alternative Bezeichnung zu Depression verwendet, so wäre dies akzeptabel. Problematisch und nicht selten in gefährlicher Weise irreführend ist jedoch, dass der Begriff eine Selbstüberforderung oder Überforderung von außen als Ursache suggeriert. Auch wenn ausnahmslos jede Depression mit dem tiefen Gefühl der Erschöpftheit einhergeht, ist jedoch nur bei einer Minderheit der depressiv Erkrankten eine tatsächliche Überforderung der Auslöser der Erkrankung. Viele depressive Episoden werden durch Verlusterlebnisse, Partnerschaftskonflikte, durch eher positive Veränderungen im Lebensgefüge, wie Urlaubsantritt, Beförderung, Umzug, etc. getriggert und bei zahlreichen Menschen mit einer depressiven Episode ist beim besten Willen kein bedeutsamer Auslöser festzustellen. Viele depressiv Erkrankte fühlen sich in einer schweren depressiven Episode zu erschöpft, um ihrer Arbeit nachzugehen, ja um sich selbst zu versorgen; nach erfolgreicher Behandlung und Abklingen der Depression empfinden sie die zuvor als völlige Überforderung wahrgenommene berufliche Tätigkeit wieder als befriedigenden und sinnvollen Teil ihres Lebens. Wäre Burnout oder gar Depression in erster Linie Folge einer beruflichen Überforderung, so sollte diese Erkrankung in Hochleistungsbereichen - sei es im Sport oder sonstigen Bereichen - häufiger sein als bei Rentnern, Studenten oder Nicht-Berufstätigen. Eher das Gegenteil ist jedoch der Fall.

4. Mit dem Begriff Burnout ist die Vorstellung verbunden, dass langsamer treten, länger schlafen und Urlaub machen gute Bewältigungsstrategien sind. Verbirgt sich hinter diesem Begriff eine depressive Erkrankung, so sind dies jedoch oft keine empfehlenswerten und oft sogar gefährliche Gegenmaßnahmen. Menschen mit depressiven Erkrankungen reagieren auf längeren Schlaf und eine längere Bettzeit nicht selten mit Zunahme der Erschöpftheit und Stimmungsverschlechterung. Dagegen ist Schlafentzug eine etablierte antidepressive Behandlung bei stationärer Behandlung. Dies ist sehr gut belegt und für die Betroffenen überraschend, da diese nichts mehr als den sehnlichsten Wunsch haben, endlich tief zu schlafen und am Morgen erholt aufzuwachen. Beim Schlafentzug wird den Patienten empfohlen, die zweite Nachthälfte wach zu bleiben. Die Patienten verspüren dann in der Mehrzahl eine deutliche Besserung und oft völliges Abklingen der depressiven Krankheitszeichen. Diese Besserung hält jedoch nur bis zum nächsten Schlaf an. Trotzdem ist für viele depressive Erkrankte der Schlafentzug ein positives Zeichen, da allein hierdurch die als unveränderlich erlebte depressive Verstimmung durchbrochen werden kann. Sehr viele depressive Erkrankte merken auch, dass mit Dauer des Wachseins, d.h. gegen Abend, die Erschöpftheit nicht zu- sondern eher abnimmt und sich auch die Stimmung besser als morgens ist. Auch ist Urlaubsantritt etwas, was jedem depressiv Erkrankten dringend abgeraten wird, da die Depression mitreist und der eigene Zustand mit Antriebsstörung und der Unfähigkeit, irgendeine Freude zu empfinden, im Urlaub in fremder Umgebung besonders bedrückend und schmerzlich erlebt wird. Ob eine Krankschreibung, die bei schweren Depressionen unvermeidlich ist, auch bei Betroffenen mit leichteren Depressionen sinnvoll ist, muss im Einzelfall entschieden werden. Es gibt nicht wenige depressiv Erkrankte, die als besonders belastend erleben, wenn sie nach der Krankschreibung grübelnd zu Hause im Bett liegen. Manche Betriebe haben die Möglichkeit das Arbeitspensum während der depressiven Episode deutlich zu reduzieren, den Betroffenen aber zu ermöglichen, zur Arbeit zu kommen, sodass dieser durch den strukturierten Arbeitsrhythmus und Einbindung in Arbeitsabläufe Halt und Tagesstruktur erfährt.

5. Eine Vermengung von Stress, Burnout und Depression führt zu einer Verharmlosung der Depression. Stress, gelegentliche Überforderungen, Trauer sind Teil des oft auch bitteren und schwierigen Lebens und müssen nicht medizinisch behandelt werden. Depression dagegen ist eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung, die sich wesentlich von dem Gefühl der Erschöpftheit unterscheidet, dass wohl jeder Mensch bisweilen morgens vor dem Aufstehen und auch nach einem langen Arbeitstag kennt. Die Verharmlosung der Depression verstärkt das Unverständnis gegenüber depressiv Erkrankten und das damit assoziierte Stigma. Der beste Weg zu einem optimalen Umgang mit der Erkrankung Depression ist es eine Depression auch Depression zu nennen.

Prof. Dr. Ulrich Hegerl
Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig
Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe

Weitere Informationen:
http://www.deutsche-depressionshilfe.de/

Anhang
Gründe gegen das Modewort Burnout
http://idw-online.de/de/attachment12007

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Neue tektonische Mikroplatte unter Tibet entdeckt

Dipl.Met. Franz Ossing
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Feineres Bild der Kollision von Indien und Eurasien

In Zentraltibet existiert eine eigene, relativ homogene tibetanische Platte mit etwa 100 Kilometern Mächtigkeit. Diese Platte wird von Süden nach Nordosten über die Eurasische Platte geschoben und drückt diese dabei bis zu 250 Kilometer tief in den Erdmantel hinein. Dieses neue Bild der plattentektonischen Kollision von Indien und Eurasien stellte ein Team von Wissenschaftlern des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ in Kooperation mit chinesischen, amerikanischen und englischen Wissenschaftlern in der aktuellen Ausgabe von „Nature Geosciences" (Advance Online Publication on Nature Geoscience) vor.
Die indische tektonische Platte bewegt sich gegenwärtig mit einer Geschwindigkeit von etwa fünf Zentimetern pro Jahr nach Nordosten. „Bei ihrer Kollision mit Eurasien schiebt sie wie ein Bulldozer den Himalaya und das Hochland von Tibet auf, bohrt sich dabei 500 Kilometer weit unter Tibet und ist bis zu einer Tiefe von etwa 250 Kilometern deutlich nachweisbar. Das hatten bereits unsere früheren Untersuchungen gezeigt", erklärt Professor Rainer Kind vom GFZ (Helmholtz-Gemeinschaft). „Bisher gab es aber noch nicht genügend Messdaten, um zu sehen, wie sich die tektonischen Platten am nördlichen Rand von Tibet bei der Kollision verhalten."
Das Geoforscherteam hat deshalb in Fortsetzung früherer gemeinsamer Experimente ein zusätzliches großes seismologisches Projekt in Nordtibet durchgeführt. Bei dieser „Receiver Function" genannten Methode werden die Grenzschichten verschiedener Materialien im Erdinneren mit Hilfe seismischer Wellen weit entfernter Erdbeben kartiert, die den Untergrund von Tibet gewissermaßen von unten durchleuchten. Daraus können die Deformationen der tektonischen Platten bestimmt werden. Die mit dieser Methode erhaltenen Abbildungen des Erdinneren bis zu mehreren hundert Kilometern Tiefe sind weitaus höher auflösend als alle bisherigen Abbildungen. Im Resultat zeigte sich die jetzt entdeckte Tibetanische Platte als deutlich abgegrenzter, eigener Bereich in diesem Teil der Lithosphäre zwischen Indien und Eurasien, südlich des Tarim-Beckens.
Wenjin Zhao, Prakash Kumar, James Mechie, Rainer Kind, Rolf Meissner, Zhenhan Wu, Danian Shi, Heping Su, Guangqi Xue, Marianne Karplus, Frederik Tilmann: „Tibetan plate overriding the Asian plate in central and northern Tibet", Nature Geosciences, DOI: 10.1038/NGEO1309

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Mit dem Partner durch dick und dünn

Marietta Fuhrmann-Koch
Kommunikation und Marketing
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Wer in einer glücklichen Partnerschaft lebt, neigt eher zum Dickwerden als Singles. Ursache dafür ist unter anderem der Konkurrenzdruck auf dem Partnermarkt, wie eine Untersuchung am Max-Weber-Institut für Soziologie der Universität Heidelberg zeigt: „Wenn die Konkurrenz bei der Partnersuche hoch ist, achten Singles eher auf ihr Gewicht, um attraktiver zu sein", erklärt Prof. Dr. Thomas Klein. „Bei weniger Konkurrenz sind die Gewichtsunterschiede zwischen Singles und Menschen in einer Partnerschaft geringer."

Heidelberger Soziologen erklären Einfluss der Partnerschaft auf das Körpergewicht

Wer in einer glücklichen Partnerschaft lebt, neigt eher zum Dickwerden als Singles. Ursache dafür ist unter anderem der Konkurrenzdruck auf dem Partnermarkt, wie eine Untersuchung am Max-Weber-Institut für Soziologie der Universität Heidelberg zeigt: „Wenn die Konkurrenz bei der Partnersuche hoch ist, achten Singles eher auf ihr Gewicht, um attraktiver zu sein", erklärt Prof. Dr. Thomas Klein. „Bei weniger Konkurrenz sind die Gewichtsunterschiede zwischen Singles und Menschen in einer Partnerschaft geringer." Ähnlichkeiten beim Gewicht, die bei Paaren sehr häufig vorkommen, gehen nach Erkenntnis des Heidelberger Soziologen nicht auf Anpassungsprozesse während der Partnerschaft zurück, sondern beruhen darauf, dass bei der Partnerwahl Menschen mit ähnlichem Gewicht bevorzugt werden.

Die Mechanismen der „negativen Protektion" und der „Selektion" auf dem Partnermarkt sind der Wissenschaft bereits bekannt. Partnerschaften gehen oft mit einer Gewichtszunahme einher, das heißt, während sie sich nachweislich positiv auf Gesundheit und Lebenserwartung auswirken und so schützend wirken (Protektion), tritt beim Körpergewicht ein negativer Effekt ein. Ebenso ist belegt, dass ein niedrigeres Gewicht die Chancen verbessert, einen Partner zu finden (Selektion). Bisher war wegen mangelnder Daten aber unklar, welche Rolle der Partnermarkt beim Effekt der negativen Protektion spielt und inwieweit die Gewichtsähnlichkeit von Partnern auf Partnerwahl oder Anpassung zurückzuführen ist.

Das Team um Prof. Klein wertete für diese Fragestellungen die Daten des „Partnermarktsurvey 2009" aus. Diese repräsentative Befragung der Heidelberger Soziologen von rund 2.000 Personen zwischen 16 und 55 Jahren berücksichtigt erstmals die Bedingungen des Partnermarkts, an denen sich die Motivation zur Gewichtskontrolle orientiert. Dabei zeigte sich, dass die „negative Protektion" in einer Partnerschaft deutlich reduziert ist, wenn Singles vor der Partnerschaft wenig Konkurrenz fürchten mussten. „Daraus kann man ableiten, dass Singles bei einem entspannten Partnermarkt weniger auf ihr Gewicht achten und daher in einer Partnerschaft auch nicht deutlich zunehmen ¬- wenn sie dagegen starke Konkurrenz fürchten, achten sie verstärkt auf ihr Gewicht und nehmen zu, sobald sie in einer Partnerschaft quasi aus der Konkurrenzsituation entlassen werden", erklärt Prof. Klein.

Gestützt wird dieser Befund dadurch, dass eine kriselnde Partnerschaft oft mit niedrigerem Gewicht der Beteiligten verbunden ist als in problemlosen Partnerschaften. „Das kann zwar auch daran liegen, dass man weniger gemeinsame Mahlzeiten einnimmt oder dass sich die Probleme psychosomatisch auswirken, aber das Abnehmen lässt sich auch als eine Art ‚Vorbereitung auf den Partnermarkt' interpretieren - als Bemühen um körperliche Attraktivität, weil man damit rechnet, bald wieder auf Partnersuche gehen zu müssen", erklärt Thomas Klein.
Aus den Daten ergab sich auch, dass der Body Mass Index (BMI) der Befragten umso höher ist, je höher der BMI des Partners ist. Mit zunehmender Dauer der Partnerschaft gibt es aber keine weitere Gewichtsannäherung zwischen den Partnern. „Die BMI-Ähnlichkeit von Partnern beruht somit auf Prozessen der Partnerauswahl und nicht auf Annäherungen während der Partnerschaft - Dünne wählen in der Regel Dünne und Dickere wählen Dickere", erklärt Prof. Klein.

Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Klein
Max-Weber-Institut für Soziologie
Telefon (06221) 54-2972
thomas.klein@soziologie.uni-heidelberg.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Grippeschutzimpfung ja oder nein?

Grippeschutzimpfung Hatschi! Zu Beginn der kalten Jahreszeit, schnupft, hustet und niest ganz Deutschland. Mit den sinkenden Temperaturen steigt die Zahl der Erkälteten. Dr. Peter Egler, Facharzt für Arbeitsmedizin, verrät, warum man sich impfen lassen sollte, wer die Kosten trägt und welche Nebenwirkungen auftreten können.

arbeitssicherheit.de: Herr Dr. Egler, was genau ist die Grippe und warum sollten Arbeitnehmer sich gerade jetzt dagegen impfen lassen?
Dr. Peter Egler: Die »echte« Grippe, auch saisonale Influenza genannt, ist nicht zu verwechseln mit der banalen Erkältung, die gelegentlich auch grippaler Infekt genannt wird. Vielmehr ist sie eine saisonale Virusinfektion, die sich jährlich wellenförmig um den Erdball verbreitet. Die Welle erreicht Deutschland meistens um die Weihnachtzeit. Nach der Impfung braucht der Körper ein bis zwei Wochen, um den Schutz aufzubauen. Ziel ist es natürlich, vor Beginn der Welle diesen Schutz zu erreichen, so dass deutlich vor Weihnachten, also im Oktober beziehungsweise November geimpft werden sollte.

Wovor genau schützt die Impfung?
Nur vor der saisonalen Influenza, die auch in jedem Jahr eine andere Impfstoffzusammensetzung erforderlich macht, da es jeweils Unterarten des Virus gibt.

Gibt es Personenkreise, die sich nicht impfen lassen sollten?
Nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) ist die Influenza-Impfung für alle Personen über 60 Jahre, für alle Schwangeren, für Personen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens (wie etwa chronische Krankheiten der Atmungsorgane, Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Diabetes oder andere Stoffwechselkrankheiten, chronische neurologische Grundkrankheiten oder HIV) und auch für Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen empfohlen. Außerdem sollten Personen mit erhöhter Gefährdung (zum Beispiel medizinisches Personal) und Personen, die eine mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute ungeimpfte Risikopersonen darstellen, geimpft werden. Für alle anderen nicht genannten Personen besteht keine Impfempfehlung, weil eine Erkrankung an Influenza in diesen Bevölkerungsgruppen in der Regel ohne schwerwiegende Komplikationen verläuft. Das bedeutet nicht, dass sie sich nicht grundsätzlich auch impfen lassen. Sie sollten dies mit ihren Haus- oder Betriebsarzt besprechen.

Und wer sollte sich nicht impfen lassen?
Nicht geimpft werden sollen Personen, die an einer akuten fieberhaften Erkrankung (Körpertemperatur über 38,5 Grad Celsius) oder schwereren akuten Infektion oder bei denen eine Allergie gegen Hühnereiweiß oder einen anderen Bestandteil des Impfstoffs vorliegt. Für letztere gibt es möglicherweise Alternativimpfstoffe. Dies muss genau vom Arzt geprüft werden. Für erstere kann die Impfung nach Abklingen der akuten Erkrankung nachgeholt werden.

Wer bezahlt die Impfung?
Die Krankenkasse, gelegentlich auch der Arbeitgeber im Rahmen einer betrieblichen Impfaktion auf freiwilliger Basis.

An wen wenden sich Interessierte, wenn Sie eine Impfung haben möchten?
Am besten an ihren Haus- oder Betriebsarzt.

Man hört immer wieder, dass Menschen auf die Impfung empfindlich reagieren beziehungsweise nach der Impfung erst richtig erkranken. Warum ist das so?
Der Impfstoff wird in der Regel gut vertragen und Nebenwirkungen sind selten. Es kann in Einzelfällen vorübergehend zu Lokalreaktionen (leichte Schmerzen, Rötung und Schwellung an der Impfstelle) kommen. Gelegentlich treten vorübergehend Allgemeinsymptome wie bei einer Erkältung auf (Fieber, Frösteln oder Schwitzen, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- oder Gelenkschmerzen). In der Regel klingen diese Beschwerden innerhalb von ein bis zwei Tagen folgenlos wieder ab.

Dies liegt daran, dass der Körper und das Immunsystem natürlich (und ja gewollt!) sich mit dem Impfstoff auseinandersetzen müssen.

Quelle:  arbeitssicherheit.de

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VKU zur EU-Energieeffizienzrichtlinie 

Zusammen mit dem Verband kommunaler Unternehmen Österreichs (VKÖ) unterstützt der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) das Ziel der Europäischen Union (EU), die Energieeffizienz bis 2020 um 20 Prozent zu verbessern. Damit das gelingt, schlagen die Verbände dem Europäischen Parlament (EP) vor, dieses Ziel als verbindliche Regelung in die zukünftige EU-Energieeffizienzrichtlinie aufzunehmen. Über den Richtlinienentwurf werden demnächst EP und Ministerrat verhandeln. "Die Mitgliedsstaaten sollten allerdings selbst entscheiden, wie man diese Ziele erreicht", so VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck. "Ein verpflichtendes Ziel räumt den EU-Staaten ein, zur Zielerreichung eigene Instrumente in Kombination mit oder auf Basis bereits bestehender Instrumente zu entwickeln." Zudem würde dabei dem Subsidiaritätsprinzip Rechnung getragen.

Nach Einschätzung des VKU ist das Erreichen der Klimaschutzziele eine gesamtwirtschaftliche Aufgabe, die auch gesamtwirtschaftlich gelöst werden muss. Den Energieversorgern komme hierbei eine wichtige Rolle zu, die sie bereits im besonderen Maße ausfüllen. Reck: "Bereits heute bieten kommunale Energieversorger sowohl Haushalts- als auch Gewerbekunden attraktive Energiedienstleistungsangebote an. Diese Dienstleistungen werden zukünftig noch weiter ausgebaut." Dazu benötige es aber nicht den Aufbau parallel verpflichtender und bürokratischen Maßnahmen.

Insbesondere durch den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) lässt sich die Energieeffizienz enorm verbessern. Allein in Deutschland spart die KWK aufgrund ihrer hohen Wirkungsgrade von bis zu 90 Prozent Emissionen in einer Größenordnung von ca. 40 bis 50 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ein. "Wir begrüßen daher ausdrücklich die Stärkung des KWK-Ausbaus mit dem Ziel, hierfür die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu verbessern, zum Beispiel durch den vorrangigen Netzzugang für KWK-Strom.

Quelle: VKU

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550 Bewerber für die „Woche der Umwelt" im Park von Bellevue

Franz-Georg Elpers
Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Jury wählt nun 170 Aussteller für die Umwelt-Schau im Juni 2012 am Berliner Amtssitz des Bundespräsidenten aus
Berlin. „Das Interesse an der ‚Woche der Umwelt' ist stark gestiegen. Mehr als 550 Unternehmen, Forschungsinstitute, Vereine und Verbände haben sich beworben. Die enorme Resonanz freut uns sehr und zeigt, dass die Umweltbranche der Leitmarkt der Zukunft ist", sagte heute Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Zum vierten Mal findet die zweitägige Leistungsschau innovativer Umweltprojekte im Park von Schloss Bellevue statt. Bundespräsident Christian Wulff lädt in Kooperation mit der DBU an seinen Berliner Amtssitz ein. Doch nur rund 170 Aussteller werden sich am 5. und 6. Juni in Berlin präsentieren können. Eine unabhängige Jury wird im Dezember nach den Kriterien Qualität, Innovation und Modellhaftigkeit festlegen, welche Vorhaben ein so hohes technisches, wirtschaftliches oder gesellschaftlich bedeutsames Umsetzungspotenzial haben, dass sie den Zuschlag für die Teilnahme erhalten.

Zur Woche der Umwelt werden über 12.000 Besucher aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft erwartet. Kernstück der Veranstaltung wird eine 3.000 Quadratmeter große Zeltstadt im Park von Schloss Bellevue mit umfangreichen und anschaulichen Projektpräsentationen sein, darunter auch DBU-Modellprojekte. Auf der Hauptbühne werden Diskussionsrunden stattfinden, ebenso etwa 80 Foren zu Fachthemen wie „Innovative Umwelttechnik", „Energie- und Materialeffizienz sowie Ressourcenschutz", „Naturschutz, Sport, Freizeit und Tourismus", „Mobilität" und „Ernährung, Bauen und Wohnen". Weitere Informationen zur Veranstaltung sind unter www.woche-der-umwelt.de abrufbar.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Sicherer Stopp, wenn der Fahrer nicht mehr kann - Gesundheitscheck während der Fahrt

Dr. Ulrich Marsch
Corporate Communications Center
Technische Universität München

Die Sicherheit im Straßenverkehr ist von vielen Faktoren abhängig. Ein entscheidender Aspekt ist die Fahrtüchtigkeit. In Zusammenarbeit mit Forschern der BMW Group ist es Wissenschaftlern der Technischen Universität München (TUM) gelungen, eine lenkradintegrierte Sensoreinheit zu entwickeln, die den Gesundheitszustand der Fahrzeuglenker während der Fahrt überwachen kann. Der Fahrer kann damit die Zeit im Auto sinnvoll für einen kleinen Gesundheitscheck nutzen. Gleichzeitig könnte das Gerät in Zukunft zur Früherkennung von Schwächeanfällen oder Infarkten dienen.
Wer viel Zeit im Auto verbringt, kann in Zukunft nicht nur Radio hören oder telefonieren, sondern auch einen kleinen Gesundheitscheck durchführen. Zusammen mit Forschern der BMW Group haben Wissenschaftler unter der Leitung von Professor Tim C. Lüth am Lehrstuhl für Mikrotechnik und Medizingerätetechnik (MiMed) der TU München nun ein System entwickelt, das Vitalparameter wie Herzfrequenz, Hautwiderstand und Sauerstoffsättigung im Blut über einfache Sensoren im Lenkrad ermittelt.

Im Zuge von Studien beispielsweise zur Stressbelastung beim Autofahren wurde bereits eine Reihe von Systemen entwickelt, die Vitalparameter während der Fahrt messen können. Keines dieser Systeme wäre aber in eine automobile Serienproduktion überführbar. Indem sie geeignete Sensoren in das Lenkrad integrierten, vermieden die Wissenschaftler bei ihrer Neuentwicklung die aufwändige Verkabelung des Fahrers. Über Funk werden die Messwerte an einen Mikrocontroller weiter gegeben. Dieser kann dann die Messergebnisse auf dem Display des Fahrzeuginformationssytems anzeigen.

Über den Hautleitwert des Fahrers lässt sich nun beispielsweise erkennen, ob dieser unter akutem Stress steht oder der Blutdruck einen kritischen Wert übersteigt. Voraussetzung dafür ist lediglich, dass die Hände die lenkradintegrierten Sensoren berühren. Erste Tests mit Probanden in Kooperation mit dem Seniorenbeirat München verliefen vielversprechend. Während vier Fünftel der Fahrzeit lieferten die im Lenkrad integrierten Sensoren Messdaten. Mehr als die Hälfte der Testpersonen fühlten sich durch das System animiert, öfter mal einen Check durchzuführen.

Das Ziel des Projekts geht aber weit über die Erfassung der Parameter und das Erkennen einzelner Dysfunktionen hinaus. „Unsere Vision ist, dass das Fahrzeug merkt, wenn der Fahrer sich nicht mehr wohl fühlt und dann geeignete Maßnahmen einleitet", sagt Professor Lüth. „Wird eine Stresssituation mittels des Hautleitwerts erkannt, können beispielsweise Anrufe automatisch blockiert oder die Lautstärke des Radios selbständig reduziert werden. Bei schwerwiegenderen Problemen könnte das System auch die Warnblinkanlage einschalten oder die Geschwindigkeit reduzieren, bis hin zur automatischen Notbremsung".

Zentraler Bestandteil der fahrzeugintegrierten Vitalparametermessung sind zwei marktübliche Sensoren. Einer sendet Infrarotlicht in die Finger und ermitteln aufgrund des reflektierten Lichts die Herzfrequenz sowie die Sauerstoffsättigung des Blutes, ein zweiter misst bei Berührung den elektrischen Widerstand der Haut.

Die Wissenschaftler am MiMed entwickelten darüber hinaus eine Mikrocontrollerapplikation, die die Daten verarbeitet und sie zum Fahrzeug überträgt. Um die Datenbasis zu erweitern und möglichst zuverlässige Aussagen über den Gesundheitszustand des Fahrers treffen zu können, lässt sich per Funk auch eine Verbindung zu weiteren externen Instrumenten, wie beispielsweise einem Blutdruckmessgerät, herstellen.

Die Ergebnisse entstanden im Rahmen des Forschungsprojekts Fit4Age in der Gruppe der "Assistenzsysteme für die älter werdende Gesellschaft" und wurden von der Bayerischen Forschungsstiftung (BFS) gefördert. Den technischen Einbau der Komponenten in das Fahrzeug übernahmen die Kooperationspartner in der BMW Group.

Originalpublikation:
Integrierte Systeme zur ablenkungsfreien Vitalparameter-Messung in Fahrzeugen,
Lorenzo T. D'Angelo, Tim C. Lüth, atz, 11/2011

Kontakt:
Prof. Dr. Tim C. Lüth
Technische Universität München
Lehrstuhl für Mikro- und Medizingerätetechnik (MiMed)
Boltzmannstr. 15,
85748 Garching, Germany
Tel.: +49 89 289 15171 - Fax.: +49 89 289 15192
Internet: www.mimed.de - E-Mail: sekretariat@mimed.mw.tum.de


Weitere Informationen:
http://www.mimed.de Website des Lehrstuhls
http://www.atzonline.de/Artikel/3/13921/Integrierte-Systeme-zur-ablenkungsfreien... Publikation

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Schädigt der Ozean die Ozonschicht?

Andreas Villwock
Pressestelle
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, Kiel

Trotz internationaler Abkommen zum Schutz der Ozonschicht schließt sich das Ozonloch erwartungsgemäß nur sehr langsam. Vorhersagen über die weitere Entwicklung sind unter anderem deshalb sehr schwierig, weil die Rolle von Spurengasen natürlichen Ursprungs beim Ozonabbau noch unbekannt ist. Mit einer umfangreichen Messkampagne im Südchinesischen Meer wollen Wissenschaftler aus Europa und Malaysia diese Prozesse genauer untersuchen. Ein zentraler Teil der Kampagne sind Messungen am Übergang von Meer und Atmosphäre. Ausgeführt werden sie mit dem deutschen Forschungsschiff SONNE unter Fahrtleitung des Kieler Leibniz-Instituts für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR).
Ozon kommt in der Erdatmosphäre nur in winzigen Konzentrationen vor. Doch ohne dieses Spurengas wäre Leben auf der Erde wie wir es kennen kaum möglich, da die Ozonschicht in der Stratosphäre uns vor der extrem schädlichen ultravioletten Strahlung aus dem Weltraum schützt. Als 1985 erstmals ein „Ozonloch" über der Antarktis entdeckt wurde, handelte die Politik rasch: Das 1989 in Kraft getretene Protokoll von Montreal begrenzt die Emission von ozonschädlichen Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW). Erholt hat sich die Ozonschicht allerdings noch lange nicht. Ein Grund ist die Langlebigkeit vieler ozonabbauender Substanzen, die die Menschheit schon vor langer Zeit frei gesetzt hat. Doch es gibt auch natürliche Quellen für halogenhaltige Verbindungen, die Ozon in der Atmosphäre abbauen. Dazu gehören vor allem Brom- und Jodverbindungen, die Mikroorganismen und Pflanzen im Meer produzieren und die bei Austauschprozessen zwischen Wasser und Luft in die untere Atmosphäre gelangen. Starke Aufwärtsströmungen warmer Luft (hoch reichende Konvektion) transportieren sie weiter in die Stratosphäre und damit bis in die Ozonschicht. „Wir müssen die Menge dieser ozonschädlichen Substanzen kennen und die Chemie- sowie Transportprozesse besser verstehen, um zuverlässige Aussagen über die Entwicklung der Ozonschicht treffen zu können", sagt die chemische Ozeanographin Dr. Birgit Quack vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR). Sie leitet zusammen mit der Meteorologin Dr. Kirstin Krüger die Expedition SO218 mit dem deutschen Forschungsschiff SONNE, die vom 15. bis 29. November 2011 diese Prozesse im Südchinesischen Meer und in der Sulu See vor Malaysia und den Philippinen erforschen wird.

Die Expedition ist Teil des EU Forschungsprojekts SHIVA (Stratospheric Ozone: Halogen Impacts in a Varying Atmosphere), in dem Wissenschaftler aus fünf europäischen Staaten und aus Malaysia die natürlichen Ursachen für Ozonabbau erforschen. „In den Küstengewässern vor Borneo und Malaysia gibt es bisher überhaupt keine Messungen halogenhaltiger Gase, obwohl dort starke Quellen für die Atmosphäre vermutet werden", erklärt Dr. Krüger. Außerdem ist die hoch reichende Konvektion, die als effektiver Transportweg der Spurengase in die Stratosphäre gilt, vor allem im tropischen Westpazifik stark ausgeprägt. „Deshalb ist diese Region besonders interessant für uns", ergänzt Dr. Quack.
Um ein möglichst umfassendes Bild der Transportwege dieser Gase zu erlangen, ist im Rahmen der SHIVA-Messkampagne auch das Forschungsflugzeug FALCON des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) auf Borneo stationiert. Es wird in Abstimmung mit den Wissenschaftlern auf der SONNE eine Vielzahl atmosphärischer Parameter untersuchen. Weiterhin werden Beobachtungen des Umweltsatelliten ENVISAT genutzt, die mit Schiffs- und landgestützten Messungen verglichen werden. So wird der Weg der relevanten Spurengase von den südost-asiatischen Küstengewässern bis an die Grenze zwischen Troposphäre und Stratosphäre in rund 15 Kilometern Höhe verfolgt.

„Im Rahmen der Expedition wollen wir einen möglichst umfangreichen Beobachtungsdatensatz gewinnen, um qualitative und quantitative Abschätzungen über die Mengen des transportierten Materials und deren Wege sowie deren chemischen Umwandlungen zu erhalten", so Dr. Krüger. „Am IFM-GEOMAR verfügen wir über langjährige Erfahrung bei der Messung des Austauschs von Spurengasen zwischen Ozean und Atmosphäre." Dank der engen Zusammenarbeit der Forschungseinrichtungen und der Verknüpfung so unterschiedlicher Messplattformen wie Schiff, Flugzeug und Satellit besteht nun die Chance, das Problem des globalen Ozonabbaus besser zu verstehen. „Wir sind sehr gespannt auf die Ergebnisse", sagt SONNE-Fahrtleiterin Dr. Quack.

Hintergrundinformationen:
Die Messkampagne im Südchinesischen Meer ist Teil des im 7. Rahmenprogramm der EU finanzierten Projekts SHIVA (Stratospheric Ozone: Halogen Impacts in a Varying Atmosphere). Wissenschaftler aus Belgien, Deutschland, Frankreich Großbritannien, Norwegen und Malaysia erforschen darin gemeinsam die Entstehung und den Weg von ozonschädigenden Gasen. Die Koordination des Gesamtprojekts liegt bei Prof. Dr. Klaus Pfeilsticker von der Universität Heidelberg.

Weitere Informationen:
http://shiva.iup.uni-heidelberg.de/index.html Das Projekt SHIVA
http://www.ifm-geomar.de/expeditionen Übersicht über die Expedition SO218 und aktuelle Berichte von Bord

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Unkonventionelle Methoden für bessere Gewässer

Wissenschaftler entwickeln Verfahren zur Bestimmung der optimalen Stellen von Renaturierungsmaßnahmen an Flüssen

Dresden. Die schrittweise Renaturierung von Flüssen kann eine kosteneffektive Möglichkeit sein, die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen, wonach alle Flüsse in den nächsten Jahren einen guten ökologischen und chemischen Zustand erreichen müssen. Zu diesem Ergebnis kommen Ökonomen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Die Forscher hatten in ihrer Untersuchung ein bereits früher entwickeltes Verfahren zum Management von Flusseinzugsgebieten auf die aktuellen Bedürfnisse angepasst. Ihre Ergebnisse werden am Donnerstag auf einer Wasserkonferenz in Dresden vorgestellt.

Während sich knapp 90 Prozent der Flüsse in Deutschland in einem guten chemischen Zustand befinden, ist es beim ökologischen Zustand genau umgekehrt. Dort erfüllen nur rund zehn Prozent diese Vorgabe. Hauptprobleme sind dabei Barrieren, Begradigungen und Verbauungen im Fluss sowie Nährstoffeinträge aus dem Umland. Entsprechend groß ist der Bedarf bei den Behörden, in den nächsten Jahren geeignete Maßnahmen zu planen, um den ökologischen Zustand dieser Flüsse zu verbessern.

Ein vielversprechender Ansatz könnte dafür das vom Deutschen Rat für Landschaftspflege entwickelte Trittstein-Konzept sein, wonach nicht der ganze Fluss renaturiert werden muss, sondern optimale Bedingungen in einzelnen Abschnitten geschaffen werden, von denen die Organismen später die übrigen Abschnitte aus wiederbesiedeln können. Allerdings dürfen diese Nischen eine Mindestgröße nicht unterschreiten und sollten auch nicht zu weit auseinander liegen. "Um den guten ökologischen Status eines gesamten Flusses zu erreichen, sollte mindestens die Hälfte so renaturiert werden, dass sich dort Wasserorganismen vermehren können. In Anbetracht des großen Anteils von degradierten Flüssen in Deutschland wird deutlich, dass kostengünstige Maßnahmen zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie eine große Rolle spielen werden, um das Ziel eines guten Zustands der Gewässer in den nächsten Jahren zu erreichen", erklärt Dr. Bernd Klauer, der zusammen mit seinen Kollegen ein auf dem Trittstein-Konzept aufbauendes Verfahren entwickelt hat, das die Kosteneffizienzanalyse mit einem multikriteriellen Bewertungsansätzen verknüpft. "Unser Tool "BASINFORM-M" bietet ein systematisches Verfahren zur Auswahl von Maßnahmen für die Verbesserung von Gewässermorphologie und durchgängigkeit, das dem Kosteneffizienzprinzip Rechnung trägt, ohne andere wichtige Aspekte wie die Umsetzbarkeit der Maßnahmen zu vernachlässigen."

Das Verfahren wurde zunächst für die Gewässerentwicklungskonzepte im Bundesland Brandenburg ausgearbeitet. Die Wissenschaftler hoffen, dass ihr Verfahren auch in weiteren Bundesländern und EU-Staaten genutzt wird.

Am 12./13. Oktober 2011 fand in Dresden eine Konferenz zum Integrierten Wasserressourcenmanagement (IWRM) statt. Etwa 400 Wissenschaftler und Mitarbeiter von Politik, Verwaltung, Unternehmen und der Entwicklungszusammenarbeit aus über 50 Ländern widmen sich in über 100 Vorträgen, Diskussionen und zahlreichen Posterbeiträgen der nachhaltigen Bewirtschaftung von Wasser. Behandelt werden aktuelle Fragen des Wassersektors wie z.B.: Wie kann die Wasserbewirtschaftung in Zeiten des Klimawandels nachhaltig geplant werden? Welche Technologien tragen zu einer effizienten und sparsamen Nutzung von Wasser bei? Wie kann deutsches Know-how in Schwellen- und Entwicklungsländern genutzt werden? Wie kann ein flexibles und integratives Wasserressourcen-Management konzipiert werden? Die Konferenz wird vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) organisiert, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und von der International Water Association (IWA) sowie dem Global Water Systems Project (GWSP) unterstützt.
Tilo Arnhold

Link zur Konferenz:
http://www.bmbf.iwrm2011.de

Quelle: Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)

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Fachkraft für Arbeitssicherheit wandelt sich zum Sicherheitsmanager

Jörg Feldmann
Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Dortmund - Über die künftige Rolle der Fachkraft für Arbeitssicherheit (Sifa) diskutierten die Teilnehmenden der Veranstaltung „Quo vadis Sifa?", die Mitte Oktober in der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund stattfand. Vorträge und Diskussionen machten deutlich, dass sich die veränderten Rahmenbedingungen in Wirtschaft und Regelwerk bereits jetzt konkret auf die Arbeit der Sifas auswirken. Das Themenfeld Sicherheit wird sich für die Sifas voraussichtlich erweitern. Zudem kommen immer mehr Managementaufgaben auf die Fachkräfte zu.
Dr. Ralf Brauksiepe, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), ging zu Beginn der Veranstaltung auf die europäische Strategie für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit ein. Hier will die Europäische Union die Zahl der Unfälle um ein Viertel senken und bis 2020 in allen EU-Staaten ein einheitlich hohes Schutzniveau erreicht haben. Zudem werden die Maßnahmen gegen arbeitsbedingte Erkrankungen verstärkt. Dabei will man nicht auf Gesetze setzen sondern auf strategischen Arbeitsschutz auf nationaler Ebene. Darunter verstünde man, so Brauksiepe, Deregulierung, die Abschaffung von Detailregelungen und die Verpflichtung zur Übernahme von Eigenverantwortung bei den Unternehmen einerseits sowie stärkere Kontrolle durch die staatlichen Aufsichtsbehörden andererseits. Dazu lieferte Elke Lins, Referentin beim Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales NRW, Zahlen für Nordrhein-Westfalen. Hier fanden in 2010 rund 8000 unangekündigte Kontrollen statt. Keinen Anlass zu Beanstandungen gab nur jeder zweite Betrieb, während jeder fünfte Betrieb gravierende Mängel aufwies.

Mehr Spielraum für die eigenverantwortliche Gestaltung des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutz räumt die DGUV Vorschrift 2 „Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit" ein. Im Kontext dieser Entwicklung ist die neue Sifa-Ausbildung zu sehen, die von Wieland Wettberg, BAuA, vorgestellt wurde. Das Ausbildungsmodell steht und die Umsetzung wird geplant. Voraussichtlich sei mit der Einführung in 2014 zu rechnen, so Wettberg.

Aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen sei auch die Stellung der Sifa in Stabsfunktion in Frage zu stellen, erklärte Dr. Klaus Große, Verband Deutscher Sicherheitsingenieure e.V. (VDSI). Große brach eine Lanze für den Wandel der Fachkraft zum Manager für Sicherheit und Gesundheit. Diese Perspektive unterstützte Dr. Ulrich Winterfeld, ehemaliger Projektleiter und Initiator der Langzeitstudie über die Wirksamkeit der Sifa-Tätigkeit. Nur kommunikativ und kooperativ eingestellte Sifas, die von ihrer Mission überzeugt und vom Management unterstützt würden, hätten eine gute Chance, Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz im Betrieb wirkungsvoll umzusetzen.

Die Sichtweise der International Security Academy (ISA) geht noch darüber hinaus. Sicherheit im Unternehmen sei ganzheitlich für alle Ressorts koordiniert umsetzen, so ISA-Vorstand Michael Sigesmund. Dies schlösse Bereiche wie den Umwelt-, Brand- oder Objektschutz in den Aufgabenbereich ein. Nur so ließen sich Risiken wirtschaftlich und effizient verringern. Bereits heute gäbe es laut einer Umfrage der ISA nur noch wenige Sifa in Stabsfunktion. So habe die Sifa durchschnittlich drei Zusatzaufgaben und sei als „Einzelkämpfer" oft überlastet oder schon längst zum Manager geworden. Sigesmund forderte deshalb dazu auf, über sinnvolle Varianten der Sifa-Position in Unternehmen nachzudenken.

„Quo vadis Sifa?" wurde von der BAuA, der ISA, dem VDSI, der Bergischen Universität Wuppertal und der Hochschule Bochum gemeinsam veranstaltet. Die Ergebnisse machten die veränderten Anforderungen der Praxis noch einmal deutlich. Angesichts der positiven Resonanz ist eine weitere Veranstaltung in 2012 geplant.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben - im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Über 600 Beschäftigte arbeiten an den Standorten in Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.
http://www.baua.de

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Mehr Sicherheit für die Trinkwasserqualität in Gebäuden

Martin Ittershagen
Pressestelle
Umweltbundesamt (UBA)

Mehrere Neuerungen in der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) stärken die Qualitätsstandards für Trinkwasser. Im Fokus stehen die Trinkwasser-Installationen in Gebäuden. Diese müssen ab November auch in gewerblich genutzten Gebäuden wie Mietshäusern auf Legionellen untersucht werden. „Diese Verbesserung des Verbraucherschutzes wird dazu beitragen, Legionellenkontaminationen im Trinkwasser zu verhindern.", sagte Thomas Holzmann, der Vizepräsident des Umweltbundesamtes (UBA). Verbindlich sind nun auch technische Regeln für den Bau und Betrieb von neuen Trinkwasserversorgungsanlagen. Als erstes Land in der Europäischen Union (EU) führt Deutschland zudem einen Grenzwert für Uran im Trinkwasser ein.
Trinkwasser-Installationen in gewerblich genutzten Gebäuden, also entsprechend Trinkwasserverordnung auch in Mietshäusern, müssen ab November 2011 auf Legionellen untersucht werden. Das legt die 1. Verordnung zur Änderung der Trinkwasserverordnung vom 3. Mai 2011 fest. Bisher galt diese Regelung nur für Gebäude, in denen Wasser an die Öffentlichkeit abgegeben wird. Die Verordnung führt zudem für Legionellen erstmals einen so genannten „technischen Maßnahmenwert" ein. Er liegt bei 100 „koloniebildenden Einheiten" in 100 Milliliter Wasser. Wird dieser Wert erreicht oder überschritten, kann das Gesundheitsamt den Anlagenbetreiber dazu verpflichten, die Ursache der Belastung zu ermitteln und zu beheben. Legionellen können schwere, teils tödliche Lungenentzündungen sowie das grippeähnliche Pontiac-Fieber hervorrufen. Sie sind nicht von Mensch zu Mensch ansteckend, sondern gelangen durch das Einatmen von Aerosolen in den Körper. Gefährliche Legionellenmengen können im warmen Wasser entstehen, wenn zum Beispiel durch Baufehler in den Anlagen die erforderlichen Temperaturen (Kaltwasser < 25 und Warmwasser > 55 °C) nicht eingehalten werden. So können auch stillgelegte und regelwidrig nicht abgetrennte Stränge in der Trinkwasserleitung das Legionellenwachstum fördern, weil hier das Wasser stagniert.

Um die Qualität des Trinkwassers in Deutschland noch besser vor Verunreinigungen zu schützen, regelt die Trinkwasserverordnung nun den Einsatz von Installationsbauteilen strenger: Installationsbetreiber werden auf die Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik verpflichtet. Sie dürfen ab sofort nur Leitungen und Armaturen einsetzen, die allenfalls ein Minimum an Stoffen abgeben und nachweislich entsprechend geprüft wurden. Ein solcher Nachweis geht aus Prüfzeichen hervor. Wer nicht geprüfte Installationsbauteile neu einbaut, begeht ab jetzt eine Ordnungswidrigkeit. Der Hintergrund für die Neuregelung: Aus fehlerhaft ausgewählten Installationsmaterialien können sich Chemikalien lösen und ins Trinkwasser gelangen. Das kann seine Qualität beeinträchtigen und auch das Wachstum von Bakterien nach sich ziehen, etwa Legionellen. Hinzu kommt ferner ein besserer Schutz vor Verunreinigung mit Wasser, das keine Trinkwasserqualität hat, wie Regenwasser oder Wasser aus der Heizungsanlage. Betreiber müssen durch Einbau einer so genannten „Sicherungseinrichtung" nun dafür sorgen, dass kein Wasser minderer Qualität durch Rückfließen in das Trinkwassernetz gelangen kann.

Eine weitere Änderung der TrinkwV betrifft das Schwermetall Uran. Ab dem 1. November führt Deutschland als einziges Land in der EU einen Uran-Grenzwert für Trinkwasser ein. Er legt eine Obergrenze von 10 Mikrogramm pro Liter Wasser fest. Relevant ist diese Änderung aber nur für wenige, meist kleine Trinkwassergewinnungsgebiete, in denen Uran lokal in höheren Konzentrationen vorkommen kann. Das Metall ist relativ giftig und unterliegt jetzt in Deutschland einem Trinkwasser-Grenzwert, der im weltweiten Vergleich sehr niedrig ist. Dieser schützt auch empfindliche Personen zuverlässig vor dem nierentoxischen Potenzial des Urans. Dagegen ist die Strahlungsaktivität von Uran erst ab einer etwa zehnmal höheren Konzentration gesundheitlich relevant.

Weitere Informationen und Links:

Die geänderte Trinkwasserverordnung:
http://www.gesetze-im-internet.de/trinkwv_2001/BJNR095910001.html

UBA-Broschüre „Rund ums Trinkwasser":
http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/4083.html

UBA-Hintergrundpapier „Legionellen im Trinkwasser":
http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/3983.html

Kurzbegründung des UBA vom 09.12.2009 (aktualisiert zum 01.11.11) für die Höhe des neuen Grenzwertes für Uran im Trinkwasser:
http://www.umweltdaten.de/wasser/themen/trinkwassertoxikologie/kurzbegruendung_u...

Stellungnahme der Trinkwasserkommission beim UBA (TWK) vom 03.11.2008 zu sechs häufig gestellten Fragen zu Uran im Trinkwasser:
http://www.umweltdaten.de/wasser/themen/trinkwasserkommission/twk_zu_uran_im_tri...

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Digitales Umweltlexikon komplett aktualisiert

Martin Ittershagen
Pressestelle
Umweltbundesamt (UBA)

Das beliebte Rechercheportal „Daten zur Umwelt" ist vollständig aktualisiert worden. Interessierte finden hier Antworten auf alle wichtigen Umweltfragen: Wie sauber ist unserer Atemluft? Wie verschmutzt sind Deutschlands Flüsse und Seen? Auf einen Klick erhält man Hintergrundinformationen zu relevanten Gesetzen und umweltpolitischen Zielen. Diagramme und Tabellen verdeutlichen den Rückgang der Treibhausgase in Deutschland oder die negativen Effekte des Verkehrslärms. „Die ‚Daten zur Umwelt‘ sind ein zentraler Einstieg in das Thema Umwelt", so Umweltbundesamt-Präsident Jochen Flasbarth. „Bürgerinnen und Bürger erhalten hier fundierte Informationen über den Umweltschutz in Deutschland."
Das Internetangebot Daten zur Umwelt verweist nun auf alle Neuerungen beim Umweltrecht, insbesondere im Bereich des Klimaschutzes. Außerdem beschreibt es die umweltpolitischen Ziele der Bundesregierung. Für viele Stichworte gibt es relevante Literaturhinweise und weiterführende Links.

Mit dem digitalen Umweltlexikon „Daten zur Umwelt" lässt sich der aktuelle Zustand der Umwelt in Deutschland schnell herleiten. Eine positive Entwicklung zeigt sich etwa bei der Reduktion der Treibhausgas-Emissionen. Hier liegt Deutschland im europäischen Vergleich vorn. Bis 2010 ging der Ausstoß der klimaschädlichen Gase gegenüber 1990 um rund 289 Millionen Tonnen zurück, das entspricht einem Rückgang von 23,1 Prozent. Damit unterschritt Deutschland zum vierten Mal in Folge die Zielgröße des Kyoto-Protokolls. Einen wesentlichen Teil dazu trug der Ausbau der erneuerbaren Energien bei. Ganze 119 Millionen Tonnen Treibhausgase konnten dadurch allein im Jahr 2010 eingespart werden.

Dagegen verdeutlichen die Daten zur Lärmbelastung, dass hier starker Handlungsbedarf besteht. Modellrechnungen des Umweltbundesamtes zeigen, dass derzeit etwa 13 Millionen Deutsche ein erhöhtes Herzkrankheitsrisiko aufgrund von Verkehrslärm besitzen. Und noch eine Zahl lässt aufhorchen: momentan erreichen nur 8 Prozent der deutschen Fließgewässer den „guten" oder „sehr guten" ökologischen Zustand, der von der Europäischen Union (EU) gefordert wird. Die häufigsten Ursachen hierfür sind Verbauung, Begradigung und fehlende Durchgängigkeit sowie die größtenteils aus der Landwirtschaft stammenden Nährstoffbelastungen. Positiv ist zu vermerken, dass fast alle deutschen Badegewässer (Seen und Küstengewässer) den Qualitätsanforderungen der EU-Badegewässerrichtlinie entsprechen.

Weitere Informationen und Links

Das Internetangebot „Daten zur Umwelt" finden Sie unter:
http://www.umweltbundesamt-daten-zur-umwelt.de

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Gute Mitarbeiter finden? Nach Leistung bezahlen!

Peter Kuntz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Trier

Wissenschaftler: Leistungsentlohnung stärkt die Arbeitszufriedenheit
Macht eine Entlohnung auf Leistungsbasis Arbeitnehmer glücklich? Dieser Frage sind Prof. Dr. Uwe Jirjahn von der Universität Trier, Thomas Cornelissen (University College London) und John S. Heywood (University of Wisconsin-Milwaukee) nachgegangen. Ihre Antwort: Ja, insbesondere bei überdurchschnittlich produktiven Mitarbeitern steigert eine Leistungsentlohnung die Arbeitszufriedenheit. Mit den Ergebnissen ihrer Studie treten die Wissenschaftler einer in der Personalwirtschaftslehre häufig anzutreffenden Vorstellung entgegen, dass Leistungsentlohnung die intrinsische Motivation von Mitarbeitern untergräbt, also deren eigenen Antrieb.

Die Forscher gelangen unter Verwendung ökonometrischer Analyseverfahren zu dem Ergebnis, dass Arbeitnehmer mit einer Leistungsentlohnung eine höhere Arbeitszufriedenheit aufweisen als Arbeitnehmer, die einen reinen Zeitlohn erhalten. Der positive Effekt ist darauf zurückzuführen, dass eine Leistungsentlohnung insbesondere für überdurchschnittlich produktive Arbeitskräfte attraktiv ist, so dass sich diese Arbeitskräfte verstärkt in Tätigkeiten mit einer Leistungsentlohnung sortieren. Ihre überdurchschnittliche Produktivität verschafft ihnen auf der Basis der Leistungsentlohnung ein größeres Einkommen, das wiederum die Arbeitszufriedenheit erhöht.

Für die Praxis der Personalwirtschaft ergibt sich aus diesen Ergebnissen eine Handlungsempfehlung, die Uwe Jirjahn als „Selbstselektionsmechanismus" beschreibt. Arbeitgeber können Leistungsentlohnung als Instrument einsetzen, um besonders produktive Mitarbeiter zu rekrutieren und zu binden. Arbeitnehmer, die sich auf das Modell einer Leistungsentlohnung einlassen, sehen sich in der Lage und sind dazu bereit, durch höhere Produktivität und Engagement ihr Einkommen zu steigern. Weniger produktive Mitarbeiter werden sich selten um leistungsbezogen dotierte Stellen bemühen.

Die Ökonomen nutzten für ihre Studie Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Beim SOEP handelt es sich um eine große repräsentative Haushaltsbefragung in Deutschland, die im Auftrag des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung von TNS Infratest Sozialforschung durchgeführt wird.

Publiziert ist die Studie in:
Cornelissen, T., J.S. Heywood and U. Jirjahn. 2011. "Performance Pay, Risk Attitudes and Job Satisfaction," Labour Economics, Vol. 18, pp. 229 - 239.

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Nur wenige wissen: Alpträume lassen sich effektiv behandelt

Ulrike Jaspers
Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Etwa fünf Prozent aller Menschen leiden regelmäßig unter Alpträumen - und das meist über Jahre. Damit gehören diese belastenden Träume, die die Betroffenen oft den ganzen Tag über verfolgen, zu einer weit verbreiteten Schlafstörung. „Dass Alpträume psychotherapeutisch schnell und effektiv behandelt werden können, wissen die wenigsten", so Prof. Stagnier, vom Institut für Psychologie der Goethe-Universität. In der dortigen Verhaltenstherapie-Ambulanz läuft zurzeit eine groß angelegte Studie, in der die Wirksamkeit von zwei Behandlungskonzepten miteinander verglichen werden soll.
In der ersten Therapie sollen sich die Betroffenen unter geschützten Bedingungen mit den Inhalten ihrer Alpträume auseinandersetzen. Eine andere therapeutische Methode zielt darauf ab, dass die Betroffenen versuchen, in ihrer Vorstellung die Inhalte des Alptraums zu verändern. Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Kathrin Hansen nennt ein Beispiel: „Eine Studienteilnehmerin quälte sich nächtens mit folgendem Traum: Sie geht an einer Straße entlang, ein Auto mit verdunkelten Scheiben rollt langsam näher, plötzlich ist die Straße sehr steil, so dass sie nicht weglaufen kann. Von dem Auto geht eine große Bedrohung aus. Ihre Beine werden so schwer, dass sie gar nicht mehr gehen kann, das Auto bleibt direkt neben ihr stehen, maskierte Männer steigen aus." An diesem Punkt erwacht die Frau mit Herzrasen. In der Therapie lernt sie den Traum zu verändern, sie wählt eine Variante, in der Freunde aus dem Auto aussteigen.

Was bezeichnen die Psychologen als Alptraum? Träume, aus denen die Betroffenen erwachen und an die sie sich sehr detailliert und lebhaft erinnern; in diesen Träumen geht es zumeist um Themen wie Bedrohung des eigenen Lebens, der persönlichen Sicherheit oder der Selbstachtung. Nach dem Aufwachen erleben diese Menschen Furcht oder Angst, die oft auch mit körperlichen Reaktionen wie Herzrasen einhergehen. „Alpträume wirken sich nicht nur negativ auf den Schlaf und das Ausmaß der Erholung aus, sondern können auch zu einer deutlichen Belastung in anderen Lebensbereichen führen. Beispielsweise lösen sie depressive Verstimmungen, Angst und ein erhöhtes Stressempfinden aus", erläutert Hansen. „Betroffene haben aus diesem Grund häufig starke Angst vor dem Einschlafen."

Für die geplante Vergleichsstudie suchen die Psychologinnen betroffene Personen. Insgesamt sollen 90 Personen im Rahmen dieser Untersuchung behandelt werden. „Natürlich informieren wir die Mitwirkenden auch ausführlich darüber, wie diese Alpträume entstehen", ergänzt die Studientherapeutin Diplom-Psychologin Tana Kröner.

Informationen:
Dipl.-Psych. Tana Kröner und Dipl.-Psych. Kathrin Hansen, Abteilung Klinische Psychologie und Psychotherapie, Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaften, Campus Bockenheim, Tel.: (069) 798 - 25107, studie-alptraum@stud.uni-frankfurt.de

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Umweltfreundlich Energie erzeugen

Dr. Julia Biederlack
GB Unternehmenskommunikation
Charité-Universitätsmedizin Berlin

Neue Erkenntnisse zur biologischen Wasserstoffproduktion
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Charité - Universitätsmedizin Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin ist es erstmals gelungen, den genauen strukturellen Aufbau eines speziellen wasserstoffbildenden Enzyms zu entschlüsseln. Damit liefern sie neue Erkenntnisse zur Entwicklung biotechnologischer Verfahren für die Herstellung von Wasserstoff, der zur umweltfreundlichen Energiegewinnung und -speicherung genutzt werden kann. Die Ergebnisse der Arbeit wurden jetzt online in der renommierten Fachzeitschrift Nature* veröffentlicht.

Wasserstoff gilt als Energieträger der Zukunft und befindet sich als alternative Energiequelle, beispielsweise als Treibstoff für Kraftfahrzeuge, bereits in der Testung. Bestimmte Mikroorganismen, wie Algen und Bakterien besitzen Enzyme, mit denen sie Wasserstoff selber freisetzen können. Forscherinnen und Forscher verfolgen das Ziel, mithilfe dieser wasserstoffbildenden Enzyme, den sogenannten Hydrogenasen, in künstlichen Systemen Wasserstoff zu produzieren, um daraus zukünftig Energie zu gewinnen. Die meisten Hydrogenasen werden allerdings durch Sauerstoff inaktiviert oder sogar zerstört, was diese Enzyme für eine biotechnologische Anwendung nur bedingt verwendbar macht. Aus diesem Grund rücken die wenigen Hydrogenasen, die auch in einer sauerstoffreichen Umgebung arbeiten können, in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses. Die Forschungsgruppe um Prof. Spahn, Direktor des Instituts für Physik und Biophysik der Charité und Patrick Scheerer, Leiter der Arbeitsgruppe Proteinstrukturanalyse am Institut, konnte erstmals die genaue dreidimensionale Struktur einer solchen Hydrogenase darstellen. In Kooperation mit Prof. Bärbel Friedrich und Dr. Oliver Lenz von der Humboldt-Universität zu Berlin gelang es, eine bisher einzigartige Eisen-Schwefel-Verbindung im Zentrum des Enzyms zu identifizieren. Dieses Eisen-Schwefel-Zentrum erlaubt es der Hydrogenase, zum einen Wasserstoff herzustellen und zum anderen den unerwünschten Sauerstoff in unschädliches Wasser umzusetzen.

„Diese Ergebnisse können großen Einfluss auf das Design neuer biotechnologischer Katalysatoren zur Umsetzung von Wasserstoff haben", so Patrick Scheerer. Diese Studie ist bereits die fünfte seit 2008, die das Institut für Physik und Biophysik der Charité in der Zeitschrift „Nature" veröffentlicht.

*Johannes Fritsch, Patrick Scheerer, Stefan Frielingsdorf, Sebastian Kroschinsky, Barbel Friedrich, Oliver Lenz, Christian M. T. Spahn: The crystal structure of an oxygen-tolerant hydrogenase uncovers a novel iron-sulphur centre. Nature, [epub ahead of print], doi: 10.1038/nature10505 (2011)

Kontakt:
Prof. Christian Spahn
Direktor des Instituts für Physik und Biophysik
Charité Campus Mitte
t: +49 30 450 524 131
christian.spahn@charite.de

Patrick Scheerer
Arbeitsgruppe Proteinstrukturanalyse des Instituts für Physik und Biophysik
t: +49 30 450 524 178
Charité Campus Mitte
patrick.scheerer@charite.de

Weitere Informationen:
Link zum Institut für Physik und Biophysik: http://biophysik.charite.de/

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Wieviel Humus wird dem Boden durch Biogas-Gärreste zugeführt?

Dr. Torsten Gabriel
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte (IASP) an der Humboldt-Universität zu Berlin erhebt pflanzenbauliche Daten

Das Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte (IASP) an der Humboldt-Universität zu Berlin führt bis 2014 umfangreiche Versuche zur Frage durch, wieviel Humus durch die Düngung mit Biogas-Gärresten in den Boden zurück geführt wird. Die Ergebnisse sollen in die weitere Optimierung der gängigen Humusbilanzmethoden einfließen und der Praxis zur Verfügung gestellt werden.

Gefördert wird das Vorhaben durch die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV).
Die gesetzlichen Anforderungen an den Boden-, Klima- und Gewässerschutz steigen. Eine ausgeglichene Humusbilanz ist für diese Schutzgüter sowie allgemein für die Erhaltung der Ertragsfähigkeit der Böden von großer Bedeutung. Bei hohen Energiepflanzenanteilen und einer Ganzpflanzenverwertung ist diese in der Regel nur über die Düngung mit organischen Reststoffen möglich, die im Biogasbereich überwiegend auf Basis von Gärrückständen erfolgt. Auf ca. 60 Millionen Tonnen jährlich wird der Gärrestanfall der rund 6.800 Biogasanlagen Deutschlands aktuell geschätzt. Wie gut die Humusreproduktionsleistung unterschiedlicher Gärrestqualitäten tatsächlich ausfällt, ist noch mit einigen Unsicherheiten verbunden. Derzeit erfolgt die Bilanzierung in der landwirtschaftlichen Praxis über vereinfachte Modellierungs-Rechnungen. Für die weitere Verbesserung der Modelle werden systematische pflanzenbauliche Untersuchungen benötigt.

Mit dem jetzt startenden Projekt des IASP wollen die Forscher hierzu einen Beitrag leisten. Mit Hilfe von Bebrütungsversuchen im Labor, Abbauversuchen im Gewächshaus und Freilandversuchen wird die Humusreproduktion genau erfasst. Dabei kommen in erster Linie Gärprodukte aus NaWaRo-Anlagen auf den Prüfstand, außerdem steht der Einfluss des Faktors Gärrestqualität, etwa in Form verschiedener Ausgangssubstrate, im Fokus. In anderen durch das BMELV geförderten Projekten wird parallel die Auswirkung unterschiedlicher Standort- und Bodenqualitäten untersucht.

Am Ende des Vorhabens soll auf Basis der erhobenen Daten ein Berechnungsmodell entwickelt werden, um Humuswirkung, Kohlenstoff-Umsatz und Stabilität der mit den Gärresten ausgebrachten organischen Substanz zu erheben. Das Modell kann gängige Humusbilanzmethoden wie VDLUFA oder REPRO ergänzen. Die Wissenschaftler wollen zudem Anwendungsempfehlungen zur Düngung mit Gärresten für die Praxis veröffentlichen.

Informationen zum Projekt stehen auf http://www.fnr.de im Menü Projekte und Förderung - Projekte unter dem Förderkennzeichen 22013010 bereit.

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Nicole Paul

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR)
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V.i.S.d.P.: Dr.-Ing. Andreas Schütte

Weitere Informationen:
http://www.nachwachsenderohstoffe.de/projekte-foerderung/projekte/suche/
http://www.nachwachsenderohstoffe.de/presseservice/pressemitteilungen/aktuelle-m...

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Für bessere Gewässer: neues Verfahren zur Optimierung von Renaturierungsmaßnahmen

Tilo Arnhold
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Dresden. Die schrittweise Renaturierung von Flüssen kann eine kosteneffektive Möglichkeit sein, die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie zu erreichen, wonach alle Flüsse in den nächsten Jahren einen guten ökologischen und chemischen Zustand erreichen müssen. Zu diesem Ergebnis kommen Ökonomen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Die Forscher hatten in ihrer Untersuchung ein bereits früher entwickeltes Verfahren zum Management von Flusseinzugsgebieten auf die aktuellen Bedürfnisse angepasst. Ihre Ergebnisse werden am Donnerstag auf einer Wasserkonferenz in Dresden vorgestellt.
Während sich knapp 90 Prozent der Flüsse in Deutschland in einem guten chemischen Zustand befinden, ist es beim ökologischen Zustand genau umgekehrt. Dort erfüllen nur rund zehn Prozent diese Vorgabe. Hauptprobleme sind dabei Barrieren, Begradigungen und Verbauungen im Fluss sowie Nährstoffeinträge aus dem Umland. Entsprechend groß ist der Bedarf bei den Behörden, in den nächsten Jahren geeignete Maßnahmen zu planen, um den ökologischen Zustand dieser Flüsse zu verbessern. Ein vielversprechender Ansatz könnte dafür das vom Deutschen Rat für Landschaftspflege entwickelte Trittstein-Konzept sein, wonach nicht der ganze Fluss renaturiert werden muss, sondern optimale Bedingungen in einzelnen Abschnitten geschaffen werden, von denen die Organismen später die übrigen Abschnitte aus wiederbesiedeln können. Allerdings dürfen diese Nischen eine Mindestgröße nicht unterschreiten und sollten auch nicht zu weit auseinander liegen. „Um den guten ökologischen Status eines gesamten Flusses zu erreichen, sollte mindestens die Hälfte so renaturiert werden, dass sich dort Wasserorganismen vermehren können. In Anbetracht des großen Anteils von degradierten Flüssen in Deutschland wird deutlich, dass kostengünstige Maßnahmen zur Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie eine große Rolle spielen werden, um das Ziel eines guten Zustands der Gewässer in den nächsten Jahren zu erreichen", erklärt Dr. Bernd Klauer, der zusammen mit seinen Kollegen ein auf dem Trittstein-Konzept aufbauendes Verfahren entwickelt hat, das die Kosteneffizienzanalyse mit einem multikriteriellen Bewertungsansätzen verknüpft. „Unser Tool „BASINFORM-M" bietet ein systematisches Verfahren zur Auswahl von Maßnahmen für die Verbesserung von Gewässermorphologie und ‑durchgängigkeit, das dem Kosteneffizienzprinzip Rechnung trägt, ohne andere wichtige Aspekte wie die Umsetzbarkeit der Maßnahmen zu vernachlässigen." Das Verfahren wurde zunächst für die Gewässerentwicklungskonzepte im Bundesland Brandenburg ausgearbeitet. Die Wissenschaftler hoffen, dass ihr Verfahren auch in weiteren Bundesländern und EU-Staaten genutzt wird.

Am 12./13. Oktober 2011 findet in Dresden eine Konferenz zum Integrierten Wasserressourcenmanagement (IWRM) statt. Etwa 400 Wissenschaftler und Mitarbeiter von Politik, Verwaltung, Unternehmen und der Entwicklungszusammenarbeit aus über 50 Ländern widmen sich in über 100 Vorträgen, Diskussionen und zahlreichen Posterbeiträgen der nachhaltigen Bewirtschaftung von Wasser. Behandelt werden aktuelle Fragen des Wassersektors wie z.B.: Wie kann die Wasserbewirtschaftung in Zeiten des Klimawandels nachhaltig geplant werden? Welche Technologien tragen zu einer effizienten und sparsamen Nutzung von Wasser bei? Wie kann deutsches Know-how in Schwellen- und Entwicklungsländern genutzt werden? Wie kann ein flexibles und integratives Wasserressourcen-Management konzipiert werden? Die Konferenz wird vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) organisiert, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und von der International Water Association (IWA) sowie dem Global Water Systems Project (GWSP) unterstützt.
Tilo Arnhold
http://www.ufz.de/index.php?de=640

Konferenz IWRM2011:
http://www.bmbf.iwrm2011.de/
Konferenzprogramm:
http://www.bmbf.iwrm2011.de/_media/IWRM_Progr_final_Web.pdf

Weitere Informationen:
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Dr. Bernd Klauer/ Dr. Johannes Schiller/ Frauke Bathe
Telefon: 0341-235-1702, -1690, -1729
http://www.ufz.de/index.php?de=1653
http://www.ufz.de/index.php?de=1663
http://www.ufz.de/index.php?de=20817
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635
http://www.ufz.de/index.php?de=640

Links:
Verantwortung für Nachhaltigkeit - Die Bewirtschaftung von Wasserressourcen in der EU
http://www.ufz.de/index.php?de=21741

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 1000 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
http://www.ufz.de/
Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit über 31.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 17 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).
http://www.helmholtz.de

Weitere Informationen:
IWRM2011
http://www.bmbf.iwrm2011.de/
Konferenzprogramm:
http://www.bmbf.iwrm2011.de/_media/IWRM_Progr_final_Web.pdf

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Energiebranche fordert Ende der Zeitumstellung

Spareffekt konnte nie nachgewiesen werden / Konzentration auf Einsparmöglichkeiten im Wärmemarkt und Gebäudebestand

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) fordert, die Zeitumstellung abzuschaffen. "Seit Jahren kann die Energiewirtschaft kaum eine Sparwirkung durch den Dreh am Zeiger erkennen. Eines der wichtigsten Argumente für die Einführung der Sommerzeit war, das Tageslicht besser zu nutzen, um Energie zu sparen. Dieses Argument hat sich aber als nicht stichhaltig erwiesen", sagte Hildegard Müller, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Nach Angaben des BDEW wird zwar an hellen Sommerabenden weniger Strom für Licht verbraucht, dafür aber mehr Strom bei der abendlichen Freizeitgestaltung - zum Beispiel durch erhöhten Fernsehkonsum - benötigt. Dadurch könne sogar insgesamt mehr Energie verbraucht werden, da der Anteil des Lichts am Stromverbrauch der rund 40 Millionen deutschen Haushalte durchschnittlich nur rund acht Prozent ausmache. Durch den flächendeckenden Einsatz von Energiesparlampen sinkt laut BDEW der ohnehin geringe Lichtspareffekt weiter.

"Abends das Licht etwas später anzumachen, hat keinerlei positive Effekte. Es gibt modernere Instrumente, um Energie einzusparen", sagte Müller. So dürften stattdessen die erheblichen CO2-Senkungspotenziale im Wärmemarkt und die Energiesparmöglichkeiten im Gebäudebestand nicht weiter ignoriert werden. "Die Bundesregierung will in diesem Bereich immerhin fast die Hälfte der angestrebten Reduzierung der CO2-Emissionen bis 2020 erreichen. Das sind Schlüsselelemente für nachhaltigen Klimaschutz", fügte Müller hinzu.

Darüber hinaus haben im Gegensatz zur Zeitumstellung moderne Haushaltsgeräte und ihr effizienter Einsatz ein erhebliches Sparpotenzial. Fast alle Energieunternehmen bieten inzwischen als Service Energieberatungsstellen an. Diese Energieberatung umfasse auch Informationen über Förderprogramme und Investitionszuschüsse beispielsweise zur Heizungs- und Wohnungsmodernisierung.

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Aufgepasst: Winterzeit - Bluthochdruckzeit!

Joachim Leiblein
Geschäftsstelle
Deutsche Hochdruckliga

Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle im Winter etwa 20 bis 50 Mal häufiger
Die kalte Jahreszeit birgt weit mehr Gesundheitsgefahren als Erkältungskrankheiten und Grippeinfekte. So sind Herz-Kreislauf-bedingte Todesfälle im Winter etwa 20- bis 50-fach häufiger als in der warmen Jahreszeit. "Der Blutdruck schwankt nicht nur im Laufe eines Tages, sondern auch im Verlauf der Jahreszeiten. Das gleiche gilt für Folgeerkrankungen wie Schlaganfall oder Durchblutungsstörungen des Herzens. Im Winter ist der Blutdruck deutlich höher und damit auch das Risiko für schwere Komplikationen", so Professor Dr. med. Dr. h.c. Björn Lemmer, Direktor des Instituts für Experimentelle und Klinische Pharmakologie und Toxikologie der Universität Heidelberg. Warum der Blutdruck im Winter ansteigt, ist noch nicht vollends geklärt, beobachtet wurde aber, dass die Herzfrequenz niedriger ist und zudem auch die Konzentration von gefäßerweiterndem Stickstoffmonoxid abnimmt. Die Gefäße werden enger und lassen den Blutdruck steigen, was die besinnliche Winterzeit für die geschätzten 35 Millionen Menschen, die in Deutschland unter Bluthochdruck leiden, zu einer besonders risikoreichen Zeit macht.

Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® - Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention empfiehlt daher allen, vor allem aber Menschen mit Bluthochdruck, eine regelmäßige Blutdruckkontrolle. "Die strikte Einhaltung des Zielwerts unter 140/90 mm Hg ist aufgrund des saisonalen Risikos gerade im Winter wichtig", so Geschäftsführer Dr. Joachim Leiblein, "wer drüber liegt, sollte in jedem Fall mit seinem Hausarzt sprechen." Möglicherweise reicht eine leichte Änderung des Lebensstils aus, um die Werte in den Normbereich zu bringen - denn gerade im Winter neigt man zu weniger Bewegung und deutlich kalorienreicherer Kost. Viele Betroffene können ihr Risiko also bereits senken, indem sie weniger Adventsgebäck und Weihnachtsbraten, stattdessen mehr Obst und Gemüse essen und auch Sporteinheiten ins Festtagsprogramm einbauen. Auch Salz sollte vom Speiseplan gestrichen werden. Einige Patienten benötigen aber auch eine intensivere medikamentöse Therapie, um den Blutdruck erfolgreich zu senken. In jedem Fall gilt: Um gesundheitlich nicht ins Schlittern zu kommen, ist gerade im Winter eine strikte Blutdruckkontrolle wichtig!

Weitere Informationen finden Sie online unter http://www.hochdruckliga.de/jahreszeitabhaengiger-blutdruck.html

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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EU-Infrastrukturpaket weist in die richtige Richtung

Branche unterstützt Pläne der EU-Kommission, Planungszeiten für Netzausbau zu verkürzen / EU-Vorschriften müssen stimmig sein

"Dem Ausbau der Energieinfrastruktur in Europa kommt eine Schlüsselrolle bei der Energiewende zu. Neue Netze sind eine unerlässliche Voraussetzung dafür, den europäischen Binnenmarkt für Energie zu verwirklichen und unsere ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen", sagte Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) anlässlich der heutigen Gesetzesvorschläge zur Umsetzung des EU-Infrastrukturpakets vom November 2010. Es sei das richtige Zeichen, dass Brüssel jetzt ernst mache und die Nationalstaaten beim Ausbau ihrer Energienetze unterstützt werden.

Die Energiebranche befürwortet die Initiative der EU-Kommission, die Planungs- und Genehmigungszeiten für neue Leitungen von europäischem Interesse zu verkürzen. Es sei jedoch inkonsequent, dass die Hürden, die durch europäische Vorschriften errichtet wurden, fortbestehen sollen. "Es ist an der Zeit, dass auch die EU-Kommission die eigenen europäischen Vorschriften einer kritischen Bestandsaufnahme unterzieht. Eine solche Überprüfung muss nicht zu Lasten der Umwelt gehen", sagte Müller.

Die Kommission habe darüber hinaus richtig erkannt, dass die Netzausbauplanung keine einmalige Angelegenheit ist und ständig überprüft werden muss. "Es ist deshalb wichtig, dass die Liste der Projekte von europäischem Interesse regelmäßig fortgeschrieben wird und regionale Expertengruppen hierbei eine wichtige Rolle erhalten. In die Expertengruppen und in die jeweiligen Konsultationen müssen alle relevanten Akteure einbezogen werden", forderte Müller.

Quelle:  Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW)

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Pestizide belasten Gewässer stärker als gedacht

Tilo Arnhold
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Leipzig. Pestizide sind ein größeres Problem als lange angenommen. Das geht aus einer Studie hervor, für Daten zu 500 organischen Substanzen in den Einzugsgebieten von vier großen europäischen Flüssen ausgewertet wurden. Dabei zeigte sich, dass 38 Prozent dieser Chemikalien in Konzentrationen vorkommen, bei denen Wirkungen auf Organismen nicht auszuschließen sind. Dieses Ergebnis zeige klar, dass die Verschmutzung mit organischen Chemikalien ein europaweites Problem sei, schreiben Wissenschaftler im Fachmagazin „Science of the Total Environment".
Die meisten der Substanzen, die in der in der Studie als Risiko für die Umwelt eingestuft wurden, waren Pestizide, deren Mehrzahl sich nicht auf der europäischen Liste prioritärer Stoffe findet, welche regelmäßig überwacht werden müssen. Deshalb sei eine Überarbeitung der Chemikalienliste, die die EU-Wasserrahmenrichtlinie den nationalen Behörden zur Beobachtung vorschreibt, dringend notwendig.

Ziel der EU-Wasserrahmenrichtlinie ist es, dass Oberflächengewässer und Grundwasserkörper bis 2015 einen guten ökologischen und chemischen Zustand erreichen sollen. Der chemische Zustand wird anhand einer Liste bewertet, auf der 33 sogenannte prioritäre Schadstoffe aufgeführt sind. Da insgesamt über 14 Millionen Chemikalien auf dem Markt sind und davon über 100 000 im industriellen Maßstab produziert werden, müssen sich die Behörden bei ihren Kontrollen auf eine überschaubare Anzahl an Schadstoffe beschränken. Europaweit arbeiten Wissenschaftler daher an Methoden, um herauszufinden, welche Stoffe das sein sollten.

Einen wichtigen Beitrag dazu leistet jetzt eine Studie, die Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) zusammen mit Kollegen in Frankreich, der Slowakei, Belgien und Spanien erstellt haben. Dazu werteten sie eine Datenbank aus, die im Rahmen des EU-Forschungsprojektes MODELKEY entstanden ist und die fünf Millionen Einträge zu physiko-chemischen Daten enthält. Der Schwerpunkt der Arbeit lag dabei auf den organischen Schadstoffen, die bei über 750.000 Wasseranalysen in den Einzugsgebieten der Flüsse Elbe (Tschechien/Deutschland), Donau (10 Europäische Anrainerstaaten), Schelde (Belgien), und des Llobregat (Spanien) registriert wurden. Der Europäischen Kommission zufolge handelt es sich dabei um die erste Studie, die ein System entwickelt hat, das organische Schadstoffe nach Bewertungskriterien und Handlungsbedarf klassifiziert.

Eine der am häufigsten registrierten Verbindungen war Diethylhexylphthalat (DEHP), ein Weichmacher aus der Chemieproduktion, der die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen kann und daher ab 2015 in der EU verboten ist. Daneben folgen mit Bisphenol A (BPA) ein weiterer Weichmacher, der ebenfalls als fortpflanzungsschädigend gilt, sowie mit Diclofenac und Ibuprofen zwei Arzneistoffe, die häufig in Schmerzmitteln eingesetzt werden.

Insgesamt stuften die Wissenschaftler 73 Verbindungen als potenzielle prioritäre Schadstoffe ein. Rund zwei Drittel davon sind Pestizide, also so genannte Pflanzenschutzmittel, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden, um die Kulturen vor Krankheiten, Schädlingen oder Unkräutern zu schützen. Die problematischsten Pestizide waren dabei Diazinon, das in Deutschland und Österreich bereits nicht mehr zugelassen ist, und die in Mitteleuropa erlaubten Stoffe Azoxystrobin und Terbuthylazin. „Beide Pestizide stehen nicht auf der Liste der 33 prioritären Schadstoffe, die die Behörden EU-weit kontrollieren müssen", erklärt der UFZ-Forscher Dr. C. Peter von der Ohe. „Terbuthylazin ist strukturell sehr ähnlich den beiden prioritären Stoffen Simazin und Atrazin, die längst nicht mehr zugelassen sind. Dies ist ein Beispiel wie kleine Änderungen der chemischen Struktur zu einer scheinbaren Verbesserung des chemischen Zustands führen, ohne dass die Gefährdung für aquatische Ökosysteme tatsächlich abnimmt." Die Wissenschaftler halten daher die regelmäßige Überarbeitung der Liste prioritärer Stoffe für sehr wichtig. Die Mehrzahl der aktuell problematischen Stoffe ist nicht gelistet, während eine ganze Reihe der überwachten Chemikalien längst verboten und nicht mehr im Gebrauch ist. „Überrascht waren wir auch, dass Substanzen, die bisher als harmlos eingestuft wurden wie HHCB, das als synthetischer Moschus-Duftstoff in Körperpflegemitteln eingesetzt wird, in der Umwelt in bedenklichen Konzentrationen vorkommen", ergänzt Dr. Werner Brack vom UFZ, der die Europäische Kommission in verschiedenen Gremien und Projekten bei der Überarbeitung der Schadstoffliste berät. „Aus unserer Sicht sollte bei der Weiterentwicklung der Wasserrahmenrichtlinie darauf geachtet werden, dass in Zukunft nicht nur das Vorkommen von chemischen Stoffen beobachtet wird, sondern auch deren Wirkungen registriert werden", schlägt Brack vor.

Bei aller Kritik, dass die Wasserbehörden in Europa zurzeit den Pestiziden zu wenig Aufmerksamkeit widmen und die prioritäre Schadstoffliste überarbeitet werden sollte, zeigt die Studie nach Meinung der Wissenschaftler auch erste Erfolge der Wasserrahmenrichtlinie. Ein Drittel der von der EU vor einigen Jahren als prioritär eingestuften Schadstoffe stellen inzwischen keine Gefahr mehr für die untersuchten Flüsse dar.

Am 12./13. Oktober 2011 findet in Dresden eine Konferenz zum Integrierten Wasserressourcenmanagement (IWRM) statt. Etwa 400 Wissenschaftler und Mitarbeiter von Politik, Verwaltung, Unternehmen und der Entwicklungszusammenarbeit aus über 50 Ländern widmen sich in über 100 Vorträgen, Diskussionen und zahlreichen Posterbeiträgen der nachhaltigen Bewirtschaftung von Wasser. Behandelt werden aktuelle Fragen des Wassersektors wie z.B.: Wie kann die Wasserbewirtschaftung in Zeiten des Klimawandels nachhaltig geplant werden? Welche Technologien tragen zu einer effizienten und sparsamen Nutzung von Wasser bei? Wie kann deutsches Know-how in Schwellen- und Entwicklungsländern genutzt werden? Wie kann ein flexibles und integratives Wasserressourcen-Management konzipiert werden? Die Konferenz wird vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) organisiert, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert und von der International Water Association (IWA) sowie dem Global Water Systems Project (GWSP) unterstützt. (http://www.bmbf.iwrm2011.de/)

Publikation:
Von der Ohe PC, Dulio V, De Deckere E, Slobodnik J, Kühne R, Ebert R-U, Schüürmann G, Brack W 2011. A new risk assessment approach for the prioritization of 500 classical and emerging organic microcontaminants as potential river basin specific pollutants under the European Water Framework Directive. Sci. Total Environ. 409: 2064-2077.
http://dx.doi.org/10.1016/j.scitotenv.2011.01.054
Die Studie wurde von der Europäischen Kommission im Rahmen der EU-Forschungsprojekte MODELKEY (http://www.modelkey.org/) und OSIRIS (http://www.osiris.ufz.de/), dem Forschungsnetzwerk NORMAN (http://www.norman-network.net/) sowie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG, http://www.dfg.de) gefördert.

Beteiligte Einrichtungen:
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), INERIS (Verneuil-en-Halatte, Frankreich), Environmental Institute (Kos, Slowakei), Universität Antwerpen (Belgien), Spanish Council for Scientific Research (IDAEA-CSIC, Barcelona, Spanien), Flämische Umweltagentur (VMM, Erembodegem, Aalst, Belgien), Technische Universität Bergakademie Freiberg

Weitere Informationen:
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Dr. Peter von der Ohe
Telefon: 0341-235-1581
http://www.ufz.de/index.php?en=14838
und
Dr. Werner Brack
Telefon: 0341-235-1531
http://www.ufz.de/index.php?en=17477
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635
http://www.ufz.de/index.php?de=640

Links:
Um die Wasserqualität in Deutschlands Flüssen ist es schlecht bestellt (Pressemitteilung vom 18. August 2011)
http://www.ufz.de/index.php?de=22059
Weiterentwicklung der Wasserrahmenrichtlinie notwendig. Europäische Experten berieten über Risiken für Flüsse (Pressemitteilung vom 14. November 2007)
http://www.ufz.de/index.php?de=15562
Pharmaka in der aquatischen Umwelt - Ergebnisse aus Forschung & Praxis (Informationen zum 3. Pharmaka-Workshop 2006):
http://www.ufz.de/index.php?de=10339
MODELKEY - Ein Schlüssel für saubere Gewässer. Neues EU-Großprojekt untersucht Flussökosysteme (Pressemitteilung vom 24. Februar 2005)
http://www.ufz.de/index.php?de=5366

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 1000 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
http://www.ufz.de/
Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit über 31.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 17 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).
http://www.helmholtz.de

Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=22196
http://www.bmbf.iwrm2011.de/

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Wie Äpfel die Gesundheit fördern

Sabine Ranke-Heinemann
Pressestelle
Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

Forscher der University of Western Australia (UWA) und dem australischen Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung sind dem alten britischen Sprichwort „An apple a day keeps the doctor away" auf den Grund gegangen und haben eine aufschlussreiche Studie durchgeführt.

Im Rahmen der dreijährigen Studie hat das Forscherteam herausgefunden, dass Äpfel mit einem hohen Gehalt an Flavonoiden, einem häufig auftretenden Pflanzenstoff, zu einem gesunden Herzen beitragen können. Die Untersuchung wurde vom Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung und dem australischen Forschungsrat finanziert und schafft die Grundlage für die Entwicklung neuer Apfelsorten, die gesundheitliche Vorteile versprechen.

Die Ergebnisse der Studie wurden im Oktober 2011 in der Wissenschaftszeitschrift Free Radical Biology and Medicine Journal veröffentlicht. Jonathan Hodgson, Professor an der Fakultät für Medizin und Pharmakologie der UWA, und der Forschungsbeauftragte des Ministeriums für Landwirtschaft und Ernährung, Michael Considine, leiteten die Untersuchungen.

Professor Hodgson zufolge wollte das Forscherteam den gesundheitsfördernden Einfluss flavonoidhaltiger Äpfel untersuchen. Flavonoiden werden häufig antioxidative Eigenschaften zugeschrieben. „Die akute Wirkung von Äpfeln mit einem hohen Flavonoid-Gehalt wurde an 30 gesunden Männern und Frauen einen Tag lang getestet. Die Probanden aßen zum einen Mahlzeiten mit Apfel-Flavonoiden und zum anderen Mahlzeiten, die nicht mit Flavonoiden bereichert waren. Im Abstand von mindestens einer Woche wurde gewechselt, so dass alle Teilnehmer letztlich Äpfel mit und ohne Flavonoiden zu sich genommen hatten. Dabei haben wir herausgefunden, dass der Verzehr von Äpfeln mit einem hohen Flavonoid-Gehalt zu einer Entspannung der Blutgefäße führt und den Stickstoffmonoxid-Spiegel im Blut erhöht. Bei Stickstoffmonoxid handelt es sich um ein Molekül, das für die Entspannung der Blutgefäße verantwortlich ist. Können sich die Blutgefäße nicht mehr richtig entspannen, kann dies zu erhöhtem Blutdruck und Herzerkrankungen führen", erklärte Professor Hodgson mit.

Assistenzprofessor Considine teilte mit, dass 25 neu entwickelte und sieben im Handel bereits erhältliche Apfelsorten nach Flavonoiden untersucht wurden. Die beliebte Apfelsorte Pink Lady wies dabei den höchsten Gehalt an Flavonoiden auf, die sich vorwiegend in der Schale konzentrierten.

„Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Äpfel die Gesundheit eines Menschen nachweislich verbessern können. Die gewonnenen Einblicke werden zur Entwicklung neuer Apfelsorten mit einem erhöhten Flavonoid-Gehalt in der Schale, im Apfelmark oder in der gesamten Frucht beitragen. Dabei handelt es sich wohl um eine langfristige Investition, denn es dauert mehrere Jahre, um eine neue Apfelsorte zu entwickeln", sagte Professor Considine.

Weitere Informationen:
Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
Pressestelle
Friedrichstr. 95
10117 Berlin
Email: berlin@ranke-heinemann.de
Tel.: 030-20 96 29 593

Das Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund ist das gemeinnützige Studierendensekretariat aller australischen und neuseeländischen Universitäten in Europa, zuständig für Wissens- und Forschungstransfer, Forschungsförderung sowie Studenten- und Wissenschaftleraustausch und für die Betreuung von Studierenden und Schülern, die ein Studium Down Under vorbereiten.

Weitere Informationen:
http://www.ranke-heinemann.de
http://www.ranke-heinemann.at
http://www.ranke-heinemann.tv

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Molekularer Mechanismus der anaeroben Ammoniumoxidation gefunden

Dr. Manfred Schloesser
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

Die anaerobe Ammoniumoxidation (Anammox) ist ein wichtiger Stoffwechselweg im Stickstoffkreislauf, der erst in den 1980er Jahren entdeckt wurde. Derzeit schätzen die Wissenschaftler, dass etwa 50% des Stickstoffs in der Atmosphäre durch diesen Prozess gebildet wird. Eine Gruppe spezialisierter Bakterien führt die Anammox-Reaktion aus, aber lange tappten die Forscher im Dunklen wie diese Bakterien Ammonium zu Stickstoff unter Ausschluss von Sauerstoff umsetzen. Nun, 25 Jahre nach ihrer Entdeckung, haben sie den molekularen Mechanismus von Anammox endlich entschlüsselt. Dr. Marc Strous, seit 2 Jahren am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen, ist einer der Projektleiter.
Anammox-Bakterien besitzen eine Organelle und sind dahingehend sehr ungewöhnlich, da Organellen gewöhnlich nur bei Eukaryonten vorkommen. In dieser speziellen Organelle, dem so genannten „Anamoxosom", findet die Anammox-Reaktion statt. Die Membran des Anammoxosoms schützt die Zellen vermutlich vor den hochreaktiven Zwischenprodukten der Anammox-Reaktion. Diese Zwischenprodukte könnten Hydrazin und Hydroxylamin sein, wie Mikrobiologen vor vielen Jahren vorgeschlagen haben. Dies war eine sehr aufregende Möglichkeit, denn niemand hatte bisher zeigen können, dass Hydrazin, ein sehr starkes Reduktionsmittel, das auch als Raketentreibstoff verwendet wird, als Substrat in biologischen Systemen vorkommt. Diese frühen Experimente waren jedoch sehr einfach und konnten viele Fragen nicht beantworten.

Es war ein schwieriges Unterfangen, den Stoffwechselweg experimentell nachzuweisen. Der Projektleiter Marc Strous vom Max-Planck-Institut in Bremen sagt: „Die Anammox-Organismen sind schwierig zu kultivieren, denn sie teilen sich nur alle zwei Wochen. Deshalb mussten wir eine Technik entwickeln, die zur Kultivierung von so langsam wachsenden Mikroorganismen geeignet ist. Selbst nach 20jährigen Bemühungen können wir die Organismen nur in Bioreaktoren kultivieren und das auch nicht in Reinkultur." Für die Kultivierung der Anammox-Bakterien verwenden die Forscher die neueste Entwicklung auf dem Gebiet der Bioreaktortechnologie: einen Membran-Bioreaktor. In dieser Art Reaktor wachsen die Zellen in einer Suspension anstatt in Oberflächen-Biofilmen, und relativ wenige andere Organismen verunreinigen die Kultur. Dies war für die Aufreinigung von Proteinen günstig, die für den experimentellen Teil notwendig war, denn Proteine lassen sich wegen des Schleims, den die Biofilme bilden, nicht gut aus Biofilmen aufreinigen.

Um das Rätsel um den Anammox-Stoffwechselweg zu lösen, konnten die Forscher auf die Genom-Sequenz des bekanntesten Anammox-Bakteriums, Kuenenia stuttgartiensis, zurückgreifen. Dies half ihnen zu erkennen, welche Enzyme an der Reaktion beteiligt sein könnten. So konnten sie beispielsweise voraussagen, dass möglicherweise Stickoxid anstelle von Hydroxylamin das Vorgängermolekül von Hydrazin sei. Mit einer Reihe weiterer hochmoderner molekularbiologischer Methoden konnten die Wissenschaftler dem Anammox-Stoffwechselweg auf die Spur zu kommen und die Rolle von Hydrazin und Stickoxid endlich nachweisen.
„Wir haben einen großen Schritt getan, den Stickstoffkreislauf besser zu verstehen. Jetzt wissen wir endlich, aus was der Stickstoff in der Luft, die wir atmen, gebildet wird: Raketentreibstoff und Stickoxid!" fasst Marc Strous die Studie zusammen. Die Entdeckung, dass Stickoxid sowohl bei Anammox als auch bei der Denitrifikation eine wichtige Rolle spielt, lässt die Entwicklung des Stickstoffkreislaufs in der Erdgeschichte in einem neuen Licht erscheinen. Marc Strous erklärt: „In der frühen Entwicklung der Erde hat sich Stickoxid durch vulkanische Aktivität in der Atmosphäre angesammelt. Stickoxid war also vermutlich einer der ersten Elektronenakzeptoren auf der Welt und hat dafür gesorgt, dass sich die mikrobiellen Stoffwechselwege Anammox und Denitrifikation entwickeln konnten."

Weitere Informationen:
http://www.mpi-bremen.de

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Bluthochdruck - eine letale Gefahr

Joachim Leiblein
Geschäftsstelle
Deutsche Hochdruckliga

41% aller Todesfälle sind auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen - und die werden oft durch Bluthochdruck verursacht
Gemäß neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes verstarben 2010 in Deutschland 352.689 Menschen an den Folgen einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Damit führen diese Erkrankungen die Liste der Todesursachen an, und zwar mit deutlichem Abstand zu anderen Erkrankungen. Krebs, beispielsweise, verursacht nur knapp ein Viertel aller Todesfälle. Zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören alle Krankheiten des Herzens und des Gefäßsystems, allen voran Herzinfarkt und Schlaganfall. Allein diese beiden Krankheiten sind für den Großteil der Todesfälle innerhalb der Kategorie Herz-Kreislauf-Erkrankungen verantwortlich: 2010 verstarben in Deutschland 133.126 Menschen an einem Herzinfarkt und über 61.000 an einem Schlaganfall.

Ein Hauptrisikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist der Bluthochdruck (Hypertonie), insbesondere wenn er längerfristig nicht behandelt wird und so die Gefäße irreparabel schädigen kann. In Deutschland leben derzeit etwa 35 Millionen Menschen mit Bluthochdruck, viele von ihnen wissen aber nicht um ihre Erkrankung, werden daher auch nicht behandelt und haben ein erhöhtes Risiko für gefährliche, oft lebensbedrohliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Deshalb ist es wichtig, die Dunkelziffer der von Bluthochdruck Betroffenen zu senken. Jeder sollte seinen Blutdruck kennen und wissen, dass Blutdruckwerte über 140/90 mm Hg einer Behandlung bedürfen", so Dr. Joachim Leiblein, Geschäftsführer der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® - Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und Prävention. In der frühzeitigen Erkennung und Behandlung von Bluthochdruck sieht Dr. Leiblein die große Chance, die hohe Todesrate durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen effektiv und nachhaltig zu senken.

Weitere Informationen finden Sie online unter http://www.hochdruckliga.de/presse.html

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Ozonierung macht Abwasser sauberer

Bernd Hegen
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Universität Koblenz-Landau

Mit der Zufuhr von Ozon in Abwässer können problematische Mikroverunreinigungen wie Pharmaka, Pflanzenschutzmittel oder Kosmetika erfolgreich aus Abwässern entfernt werden. Das weist eine am Institut für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Bundesamt für Umwelt im Rahmen des Schweizerischen Pilotprojektes „Strategie MicroPoll" neu entwickelte Test-Methode nach, die in der Fachzeitschrift „Water Research" vorgestellt worden ist. Bei dieser Test-Methode, die auf einem ganzheitlichen ökologischen Ansatz basiert, wird anhand der Laubfraßrate des Bachflohkrebses Gammarus fossarum untersucht, wie wirksam Abwässer durch die Ozonierung gereinigt werden. Bislang wird diese Reinigungstechnologie aufgrund fehlender gesetzlicher Grundlagen in der Europäischen Union und der Bildung möglicherweise toxischer Reaktionsprodukte, die aus Sicht des Gewässerschutzes unerwünscht sind, nicht verbreitet eingesetzt. Dabei ist es, wie Untersuchungen zeigen, besonders in dicht besiedelten Regionen aufgrund des hohen Abwasseraufkommens notwendig, Mikroverunreinigungen aus diesen zu entfernen. Technologien wie Ozonierung oder Aktivkohle werden daher auf ihre Eignung hin evaluiert. Das Ergebnis der vorliegenden Studie bescheinigt der Ozonierung überwiegend positive Eigenschaften.

Moderne Kläranlagen haben es möglich gemacht: In Flüsse, die vor wenigen Jahrzehnten noch als stark verschmutzte Kloaken durch die Landschaft strömten, kehrte die Natur zurück. Dieser Erfolg basiert zu einem wesentlichen Teil auf der dreistufigen Reinigung der Abwässer: Grober Dreck wird mechanisch mit Rechen und Absetzbecken entfernt, in der biologischen Stufe fressen Milliarden von Mikroorganismen gelöste Stoffe und schließlich wird Phosphat chemisch durch Fällung entfernt. Doch Mikroverunreinigungen wie Medikamente, Kosmetika und Industriechemikalien werden in den Kläranlagenausläufen noch in einer Konzentration im Nano- und Milligramm-pro-Liter-Bereich gemessen. Insbesondere in dicht besiedelten Regionen können Fließgewässer einen hohen Anteil an biologisch gereinigtem Abwasser aufweisen. In solch belasteten Gewässern wirken sich die Mikroverunreinigungen nachteilig auf die Gesundheit der Wasserlebewesen aus und belasten Trinkwasservorkommen. Daher werden geeignete Technologien zur Reduzierung dieser Mikroverunreinigung gesucht, um Einträge in das Ökosystem und somit negative Auswirkungen auf Gesundheit des Menschen oder Umwelt zu verhindern.

Bei der Ozonierung wird Ozon in der dritten Reinigungsstufe in die weitestgehend geklärten Abwässer geleitet. Dort reagiert Ozon hauptsächlich mit organischen Substanzen und oxidiert diese auf, heißt, bei dieser chemischen Reaktion werden die Substanzen aufgebrochen und verändern damit ihre Wirkweise.

Die Methode
Im Zentrum der Untersuchungen stand der ökologische Prozess rund um den Bachflohkrebs Gammarus fossarum, ein in mitteleuropäischen Gewässern sehr verbreitetes wirbelloses Lebewesen. Dieser typische Bachbewohner hat die wichtige Aufgabe im Gewässerökosystem, die im Falllaub gebundene Energie anderen Organismen nutzbar zu machen. Welche Auswirkungen Mikroverunreinigungen und die Ozonierung von Abwasser auf dieses Mikrosystem der Energiebereitstellung hat, untersuchten die Landauer Wissenschaftler anhand der Laubfraßrate der Gammariden, also wie eifrig die Tierchen das Laub verspeisten oder eben nicht. In zahlreichen Experimenten im Labor und im Freiland zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen Ozonierung, Schadstoffgehalt und dem Fressverhalten der Gammariden. In Wasser, das nicht mit Ozon behandelt war und somit eine erhöhte Schadstoffbelastung aufwies, war die Laubfraßrate träge, wohingegen die Gammariden in ozoniertem Wasser eifrig fraßen. Andere Einflussgrößen auf das Fressverhalten wie veränderter Geschmack der Blätter oder der Anteil von gelöstem Kohlenstoff im Gewässer konnten die Wissenschaftler als Ursache ausschließen.

Mit diesem Testsystem zeigt sich darüber hinaus ganz deutlich: „Mikroverunreinigungen können die chemische und ökologische Beschaffenheit von Gewässern stark beeinflussen", unterstreicht Dr. Mirco Bundschuh, Leiter der Studie am Landauer Institut für Umweltwissenschaften. Damit die Vorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie eingehalten werden können, die bis 2015 eine gute chemische und ökologische Qualität in Gewässern vorsieht, sollten die Einträge von Mikroverunreinigungen durch Kläranlagen dringend reduziert werden, so Bundschuh weiter. Mit den derzeitigen Reinigungstechnologien in Kläranlagen könne nicht ausreichend sichergestellt werden, dass das Abwasser hinreichend sauber und frei von Schadstoffen werde. „Die effiziente Reinigung von Abwassern ist ein Zukunftsthema", betont Bundschuh. Denn aufgrund des Klimawandels wird es künftig teilweise weniger Niederschlag im Sommer geben, so dass der Anteil an Abwasser in Oberflächengewässern aufgrund der mangelnden Verdünnung durch Regenwasser prozentual, zumindest lokal, zunehmen wird.

Die Studie ist nachzulesen in „Water Research" unter http://www.elsevier.com/locate/watres oder direkt bei den Autoren zu beziehen unter bundschuh@uni-landau.de oder r.schulz@uni-landau.de

Die Studie:
Mirco Bundschuh, Ralf Schulz: „Ozonation of secondary treated wastewater reduces ecotoxicity to Gammarus fossarum (Crustacea; Amphipoda): Are loads of (micro)pollutants responsible?", Water Research (2011), doi: 10.1016/j.watres.2011.05.007

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Bilder erklären erstmals, warum Migräne attackenartig auftritt

Meike Drießen
Pressestelle
Deutsche Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V. (DGSS)

Förderpreis für Schmerzforschung an Hamburger Forscherin

Bestimmte Hirnbereiche, deren Aktivität bei Migränepatienten im Gegensatz zu Ge¬sunden schwankt, sind offenbar an der Entstehung von Kopfschmerzattacken beteiligt. Das fanden Hamburger Forscher um Dr. Anne Stankewitz mittels funktioneller Kern¬spintomografie heraus. Für ihre Arbeit wurde sie beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim mit dem mit 7.000 Euro dotierten ersten Preis der Kategorie Klinische For¬schung des Förderpreises für Schmerzforschung 2011 ausgezeichnet. Der Preis wird jährlich vergeben von der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Schmerzes e.V., Stifterin ist die Grünenthal GmbH (Aachen).
Ursache: Noch ungeklärt

Trotz intensiver Forschung ist die Ursache der Migräne noch nicht eindeutig geklärt. Wissenschaftliche Studien weisen jedoch auf die fundamentale Rolle des trigemino-vaskulären Systems und des Hirnstamms hin. Die Hamburger Forscher machten sich also daran, die trigeminale Schmerzverarbeitung von Migränepatienten und den Einfluss einer nahenden Migräneattacke zu untersuchen. Sie untersuchten 20 Migränepatienten während der schmerzfreien Phase, zehn Patienten in den letzten drei Tagen vor einer Attacke und 14 Patienten während einer Kopfschmerzattacke, sowie gesunde Kontrollprobanden. Allen Versuchsteilnehmern wurden Schmerzreize (Ammoniak) durch die Nase verabreicht, während sie sich einer funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT)-Messung unterzogen. Die fMRT-Messung zeigt an, welche Gehirnbereiche stärker durchblutet und somit aktiv sind.

Signifikanter Unterschied der Hirnaktivierung

Die fMRT-Daten zeigten, dass bei gesunden Probanden, verglichen mit den schmerzfreien Migräne¬patienten, die Aktivität der so genannten spinalen trigeminalen Kerne signifikant erhöht war. Die Signalstärke in diesem spezifischen Kerngebiet war jedoch von einem zweiten biologischen Wert abhängig: Die Aktivität nahm zur Attacke hin signifikant zu und erreichte unmittelbar vor dieser das Maximum. Der Grad der Aktivierung in diesem Areal erlaubt es sogar, die nächste Kopfschmerzattacke vorherzusagen. „Interessanterweise fiel das Aktivierungsniveau innerhalb der ersten Stunden nach Beginn einer spontanen und unbehandelten Kopfschmerzattacke wieder auf ein niedriges Ausgangsniveau", erklärt Dr. Stankewitz. „Zudem konnten wir erstmals mittels fMRT den in Positronen-Emissions-Tomographie (PET)-Studien beschriebenen spezifischen ‚Migränegenera¬tor‘ in der akuten Kopfschmerzattacke zeigen."

Attackenartiges Auftreten erklärt

Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass der Aktivitätsgrad von bestimmten Hirnstammkernen direkt abhängig vom Migränezyklus ist. Zum ersten Mal konnten Forscher beobachten, dass ein oszillierendes System im Bereich des Hirnstamms das attackenartige Auftreten von Kopfschmerzen erklären könnte. Inwiefern sich die beiden identifizierten Hirnstammstrukturen gegenseitig beeinflussen und ob ihre Aktivität wiederum von anderen Strukturen moduliert wird, wird Gegenstand zukünftiger Studien sein.

Kontakt

Dr.rer.nat. Anne Stankewitz, Psychologin, M.Sc., Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Institut für Systemische Neurowissenschaften, Martinistr. 52, 20246 Hamburg, stankewitz@lrz.tu-muenchen.de

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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TU Berlin: Wärmeenergie aus dem Gewächshaus

Stefanie Terp
Presse- und Informationsreferat
Technische Universität Berlin

TU-Wissenschaftler entwickeln Pflanzenheizung / Salzlake speichert Energie effizient und verlustarm
Weniger fossile, mehr erneuerbare Energien bis 2020! Diese Verpflichtung hat das Europäische Parlament seinen Mitgliedsstaaten mit der Richtlinie Erneuerbare Energien auferlegt. Doch gerade in einem Bereich, der 40 Prozent der Gesamtenergie Deutschlands verschlingt, hapert es noch bei der Umsetzung: bei der Wärmeversorgung. Nur ein Prozent des Verbrauchs wird mit Solarenergie abgedeckt. Das Problem: Die Sonne scheint vor allem im Sommer, eine Heizung aber braucht man im Winter. Dr. Martin Buchholz hat mit seinen Kollegen vom Fachgebiet Gebäudetechnik und Entwerfen der TU Berlin ein eher ungewöhnliches System entwickelt, das Wärme unabhängig von der Jahreszeit generieren und speichern soll: eine Pflanzenheizung, die zwar auch Sonne benötigt, aber wesentlich weniger als thermische Kollektoren.

Das Kernstück der Erfindung ist ein schwarzer Füllkörper aus Plastik, der sich im Inneren eines Niedrigenergiehauses in Berlin Dahlem befindet. Obwohl er nur zwei Meter hoch ist und ein Volumen von einem Kubikmeter besitzt, hat er eine Oberfläche von etwa 80 Quadratmetern. Der sogenannte Absorber ist das Energiezentrum des Hauses und verbindet die übrigen Komponenten der Heizung miteinander: Er ist mit einem Gewächshaus verbunden, in dem Buchholz Schilf angepflanzt hat. Es verdunstet schon bei niedrigen Temperaturen das leicht verschmutzte Abwasser, welches in das Treibhaus geleitet wird. „Die Heizung funktioniert auch mit anderen wintergrünen Pflanzen wie Bambus, die frostresistent sind", sagt Buchholz.

Die warme feuchte Luft aus dem Gewächshaus wird nun in den Absorber geführt, durch den eine Salzlösung rieselt. Buchholz nutzt hier die hygroskopische Eigenschaft der Sole aus, die Eigenschaft des Salzes also, Feuchtigkeit aus der Umgebung aufzunehmen. Bei diesem Phasenwechsel, dem Übergang von Wasserdampf zu Wasser, wird Wärme frei und die Sole erwärmt sich auf bis zu 45° Celsius. Die Wärme kann zum Heizen direkt in das Gebäude geführt werden.

Wird sie nicht sofort benötigt, kann die warme Salz-Wasser-Lösung in den neun Tanks gespeichert werden, die an den Absorber angeschlossen sind und jeweils einen Kubikmeter fassen. Die thermochemische Energiespeicherung über die Sole ist das eigentlich Neue des Systems, an dem Martin Buchholz und sein Team aus Energietechnikern und Architekten forschen: Salzlake aus relativ billigem Magnesium-Chlorid speichert Energie sehr effizient und verlustarm.

Über ein Erdwärmerohr kann im Winter vorgewärmte Außenluft in den Füllkörper geleitet und so die Sole wieder regeneriert werden. Auf diese Weise wird der Salzgehalt der Lösung von 20 auf 35 Prozent gebracht, so dass die konzentrierte Sole wieder Wasserdampf aus dem Gewächshaus aufnehmen kann, bei wesentlich höheren Temperaturen im Vergleich zur eingesetzten Erdwärme.

Eine derartige Heizung funktioniert nicht nur mit Pflanzen, sondern überall dort, wo Dampf entsteht. „Es gibt viele andere Quellen von Feuchtigkeit, die man nutzen könnte", sagt Buchholz. „Im Kleinen wären das zum Beispiel der elektrische Wäschetrockner oder der Dampf, der beim Duschen und in der Küche beim Kochen entsteht. Im Großen könnte man solche Systeme in Schwimmbädern oder in der Industrie, wo getrocknet wird, anwenden: bei der Herstellung von Milchpulver, Papier oder Spanplatten zum Beispiel." Theoretisch sei es sogar möglich, derartige Solelösungen in den Kühltürmen von großen Kraftwerken zu regenerieren und eine Energiequelle zu erschließen, die bisher völlig ungenutzt bleibt. Mit dieser Lake könnte dann in den Städten geheizt werden. Das Heizmaterial käme weiterhin per Pipeline oder per LKW. Nur dass ihre Fracht eine andere ist: Sole statt Öl.

Susanne Hörr

Bildmaterial finden Sie unter www.tu-berlin.de/?id=108820

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: TU Berlin, Fachgebiet Gebäudetechnik und Entwerfen, Dr. Martin Buchholz, Tel.: 030/314-23301 (Sekretariat), E-Mail: martin.buchholz@tu-berlin.de, http://blog.gte.tu-berlin.de

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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BASA II deckt Gefährdungen durch ungünstige Arbeitsbedingungen auf

Jörg Feldmann
Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Berlin - Belastungen am Arbeitsplatz können vielfältiger Natur sein. Bisher ist aber wenig erforscht, wie etwa Lärm oder Staub aus Sicht der Beschäftigten bewertet werden. Daher hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) am Standort Berlin unter der Leitung von Dr. Gabriele Richter das Screeningverfahren BASA (Psychologische Bewertung von Arbeitsbedingungen - Screening für Arbeitsplatzinhaber) entwickelt. Mit dieser kostenlosen Software können Betriebe Gefahren für die Beschäftigten erkennen und frühzeitig Schutzmaßnahmen ergreifen sowie Ressourcen zur Bewältigung von Belastungen aufbauen.
In zwei Studien wurde BASA inzwischen auf die Gültigkeit seiner Aussagen untersucht. Rund 2.800 Beschäftigte an etwa 150 verschiedenen Arbeitsplätzen in unterschiedlichen Branchen nahmen an den Befragungen teil. Möglich wurde diese hohe Teilnehmerzahl durch Kooperationen mit der Deutschen Telekom NO sowie der Techniker Krankenkasse.

BASA ergänzt sowohl Verfahren der Gefährdungsbeurteilung, die überwiegend Beobachtungsverfahren sind, als auch psychologische Arbeitsanalyseverfahren, die überwiegend Arbeitsinhalte bewerten. Neu bei BASA ist, dass nicht nur Negatives in die Bewertung einfließt, sondern auch positive Einflüsse berücksichtigt werden. Diese werden als Ressourcen bei der Ausführung der Arbeitsaufgaben angesehen. Außerdem sind je nach Bedarf und Betriebs- und Gruppengröße unterschiedliche Vorgehensweisen möglich: anonyme schriftliche Mitarbeiterbefragung, Beobachtungsinterview oder Gruppendiskussionen. Die kostenlose Software erlaubt die Erstellung von Fragebogen oder Merkmalslisten und die Auswertung der erfassten Daten. Die bisherigen Studienergebnisse lassen erkennen, dass Defizite bei den Arbeitsbedingungen weniger gestaltungsrelevant sind. Handlungsbedarf entsteht in vielen Fällen durch unzureichende Ressourcen.

BASA lässt sich an die untersuchten Arbeitstätigkeiten in jedem Unternehmen anpassen: Nicht zutreffende Merkmale können weggelassen werden. Auch können betriebspezifische Arbeitsbedingungen in die Bewertung aufgenommen werden.

Das Ziel von BASA besteht darin, förderliche und beeinträchtigende Bedingungen der Arbeit zu ermitteln, sie zu bewerten, um den Gestaltungs- und Diskussionsbedarf zu erkennen und anschließend geeignete Maßnahmen zu ergreifen. BASA soll außerdem Erkenntnisse darüber liefern, an welchen Stellen aus psychologischer Sicht eine bessere Gestaltung der Arbeitsbedingungen und der Aufbau von Ressourcen notwendig sind. Bei einzelnen Fragestellungen zeigt BASA-II auch einen möglichen Qualifizierungsbedarf an.

„Psychologische Bewertung von Arbeitsbedingungen - Screening für Arbeitsplatzinhaber II (BASA II). Validierung‚ Anwenderbefragung und Software"; Gabriele Richter, Martin Schatte, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2011; ISBN 987-3-88261-134-2, 175 Seiten. Der Bericht kann kostenlos unter http://www.baua.de/publikationen von der BAuA-Homepage heruntergeladen werden.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben - im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Über 600 Beschäftigte arbeiten an den Standorten in Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.
http://www.baua.de

Weitere Informationen:
http://www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/F1645-2166-2.html Direkter Link zum Bericht „Psychologische Bewertung von Arbeitsbedingungen - Screening für Arbeitsplatzinhaber II (BASA II). Validierung‚ Anwenderbefragung und Software"

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Mehr Biogasertrag aus Biomasse - Ultrawaves-Ultraschallreaktor erobert Weltmarkt

Jutta Katharina Werner
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Pressestelle
Technische Universität Hamburg-Harburg

Manchmal riecht bereits die Post. Aber darüber wundern sich die Mitarbeiter bei Ultrawaves auf dem Campus der TU Hamburg schon lange nicht mehr. Drei- bis viermal pro Woche bekommt das Unternehmen Päckchen mit mehr oder weniger stark muffelndem Inhalt zugeschickt: Biomasse-Proben aus aller Welt.
Ob Klärschlamm, Maishäcksel oder Grasschnitt - im firmeneigenen Labor werden diese Proben auf ihre spezifische Konsistenz geprüft und im Testlauf mit einem von Ultrawaves patentierten Verfahren behandelt, das bereits rund um den Globus erfolgreich in Kläranlagen und Biogasanlagen angewendet wird. Mit dem Ultraschallreaktor gelingt es, bei Biomasse, die vergoren wird, die Energieausbeute erheblich zu steigern. „Durch den Einsatz von hochfrequentem Ultraschall werden die Biomassezellen für den biologischen Abbauprozess besser verfügbar gemacht, wodurch bis zu 30 Prozent mehr Biogas entsteht," sagt Ultrawaves-Gründer und Geschäftsführer Dr. Klaus Nickel.

Das Hamburger Unternehmen, das 2001 als Ausgründung der TU Hamburg entstand, hat es mit seiner patentierten Ultraschall-Umwelttechnologie in kurzer Zeit zum Weltmarktführer gebracht. Für seinen Ultraschall-Reaktor wurde die Ultrawaves GmbH 2006 mit dem Innovationspreis des Bundesverbandes der Deutschen Industrie ausgezeichnet und 2007 mit dem Innovationspreis des Landes Baden-Württemberg. Dort, in der Nähe von Karlsruhe, liegt auch der Sitz der Herstellerfirma des Ultraschall-Reaktors „Sonotronic".

Interessierte Journalisten sind eingeladen am Dienstag den 11. Oktober 2011 an einer Einführung in die Ultrawaves-Technologie und einer Besichtigungstour zur Kläranlage Ahrensburg teilzunehmen. Treffpunkt; 9:30 Uhr im Büro Ultrawaves, Raum 1.17. im 1. Stock des Gebäude des Northern Instituts of Technology auf dem Campus der Technischen Universität Hamburg-Harburg. (Kasernenstraße 12).

Biogas spielt bei der Suche nach neuen regenativen Formen der Energiegewinnung eine wesentliche Rolle und Energie aus Biomasse zu gewinnen ist mittlerweile auch von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Während in Deutschland der Ultraschall-Reaktor in landwirtschaftlichen Biogasanlagen zum Einsatz kommt, stehen auf dem internationalen Markt die Kläranlagen im Fokus. „Heute geht es darum, dass eine Kläranlage nicht mehr nur eine Entsorgungsstätte für Abwasser ist, sondern mindestens soviel Energie erzeugt, wie sie verbraucht, vielleicht sogar mehr. Dafür sorgt unsere Technologie", sagt Nickel. Weltweit sind 55 Kläranlagen in 20 Ländern damit ausgerüstet, zuletzt in Taiwan.

Internationale Trainingssession in Hamburg
Regelmäßig kommen Vertreter der neuen internationalen Vertriebspartner nach Hamburg, um sich in einer Trainingswoche mit der Technologie vertraut zu machen. Vom 10. bis 14 Oktober 2011 wird eine Delegation von Technikern und Ingenieuren aus Indien, Taiwan, Italien und Großbritannien erwartet. Neben Fachvorträgen und der Besichtigung des Unternehmens steht ein Besuch des Instituts für Abwasserwirtschaft an der TUHH, ein Besuch bei der Herstellerfirma des Ultraschall-Reaktors, "Sonotronic", in Karlsbad-Ittersbach sowie die Besichtigung mehrerer mit Ultraschalltechnik laufender Klär- und Biogasanlagen auf dem Programm. Die Gäste erhalten die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch mit den Betreibern direkt vor Ort und können den Ultraschall-Reaktor in Betrieb sehen.

Erfolgreiche Ausgründung der TUHH

Der Reaktor selbst ist überraschend klein und kompakt, kaum koffergroß. „Die Entwicklung war echte Pionierarbeit, darin stecken fast 20 Jahre Forschung und Erfahrung von der TUHH", sagt Nickel, der an der TU Hamburg Verfahrenstechnik studierte und im Bauwesen promovierte. Sowohl Mitgründer Professor Dr.-Ing. Uwe Neis als auch Dr. Klaus Nickel kommen ursprünglich aus der Abwasserwirtschaft und Kläranlagentechnik, haben an der TUHH seit 1996 Grundlagenuntersuchungen zum Ultraschall geleistet und dort ein international geschätztes Zentrum der Hochleistungs-Ultraschalltechnik aufgebaut.

„Das wissenschaftliche Know-how ist heute unser großer Vorteil, dadurch wissen wir sehr genau, was diese Technik bringt", so Nickel. Im Laborversuch lässt sich bereits anhand einer Probe präzise prognostizieren, wie viel mehr Gas eine bestimmte Biomasse später mit der Ultraschall-Technologie in der Großanlage erbringen wird. Zudem öffne sich der Biogasmarkt derzeit sehr schnell und neue Biomassetypen seien von ihrer Konsistenz her nicht mehr so leicht zu vergären. „Künftig wird unsere Technik also noch mehr benötigt werden, um diese Stoffe aufzuschließen". Wenn es darum im Hamburger Labor noch ein bisschen häufiger merkwürdig muffelt - ihn freut es.

Autor : Uta Bangert

Für Rückfragen:
ULTRAWAVES GmbH
Wasser & Umwelttechnologien
Dr. Klaus Nickel
Tel.: 040/ 32507203
E-Mail : nickel@ultrawaves

TU Hamburg-Harburg
Pressestelle
Jutta Katharina Werner
Tel. 040 /42878-4321
E-Mail: j.werner@tuhh.de

Weitere Informationen:
http://www.ultrawaves.de

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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SOEP-Studie: Nur die Gesunden treiben Sport

Monika Wimmer
Pressestelle
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin

Egal ob Herzsportgruppe, Nordic Walking oder Rückenschule - Sport fördert die Gesundheit. Das Problem dabei: Gerade Menschen, die etwas für ihre Gesundheit tun müssten, zieht es relativ selten in die Turnhallen. „Je weniger zufrieden Männer und Frauen mit ihrer Gesundheit sind, desto seltener treiben sie Sport", sagt die Heidelberger Soziologin Simone Becker. Das ist das Ergebnis ihrer kürzlich als 400. SOEPpaper veröffentlichten Studie.
Die SOEP-Daten zeigen: Im Laufe des Lebens lässt die Gesundheitszufriedenheit der Deutschen immer mehr nach. Gleichzeitig geht die sportliche Aktivität zurück. Zwar ist der Anteil der Deutschen, die mindestens einmal pro Woche Sport treiben, in den vergangenen 15 Jahren um 16 % gestiegen. Aber mit zunehmendem Alter zieht es die Deutschen immer seltener in die Turnhallen. „Je weniger zufrieden Männer und Frauen mit ihrer Gesundheit sind, desto eher geben sie frühere sportliche Aktivitäten auf", sagt Simone Becker. „Und desto seltener beginnen sie damit, regelmäßig Sport zu treiben."

Die Folge: Im Alter von 18 Jahren treiben knapp 70 % der Männer und 42 % der Frauen wöchentlich Sport. Mit 35 Jahren zieht es etwa ebenso viele Frauen wie Männer, nämlich jeweils ca. 30 %, auf die Sportplätze. Unter den älteren Menschen ab 68 Jahren sind es nur noch jeweils 18 % der Frauen und Männer.

Warum lässt mit zunehmendem Alter nicht nur die Gesundheitszufriedenheit, sondern auch die Sportbegeisterung nach? „Natürlich kostet es mehr Überwindung Sport zu treiben, wenn man sich nicht fit fühlt", sagt Simone Becker. Sie kritisiert aber auch das Konzept vieler Präventions- oder Rehabilitationsangebote, wie etwa Herzsportgruppen. „Solche Kurse werden meist nur zeitlich begrenzt angeboten", so Becker. „Danach haben die Teilnehmer oft keine Möglichkeit mehr, das Training fortzusetzen."

Für ihre Untersuchung hatte Simone Becker Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ausgewertet, die zwischen 1986 und 2005 erhoben wurden. In den SOEP-Befragungen geben die Befragten auf einer Skala von 0 (gar nicht zufrieden) bis 11 (sehr zufrieden) an, wie zufrieden sie mit ihrer Gesundheit sind. Außerdem geben sie darüber Auskunft, wie oft sie Sport treiben.

Kontakt zur Wissenschaftlerin Dr. Simone Becker:
simone.becker@soziologie.uni-heidelberg.de

In der Publikationsreihe „SOEPpapers on Multidisciplinary Panel Data Research" werden ausgewählte wissenschaftliche Studien veröffentlicht, die auf Basis der Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) entstanden sind.

STICHWORT SOEP
Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP ist am DIW Berlin angesiedelt und wird als Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland unter dem Dach der Leibniz Gemeinschaft (WGL) von Bund und Ländern gefördert. Für das SOEP werden jedes Jahr mehr als 20 000 Menschen in rund 11 000 Haushalten vom Umfrageinstitut TNS Infratest Sozialforschung befragt. Die Daten des SOEP geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung und Gesundheit. Weil jedes Jahr dieselben Personen befragt werden, können nicht nur langfristige gesellschaftliche Trends, sondern auch die gruppenspezifische Entwicklung von Lebensläufen besonders gut analysiert werden.

Bibliografischer Hinweis:
„Sport zur Gesundheitsförderung oder treiben nur Gesunde Sport?" Eine empirische Längsschnittanalyse. Simone Becker, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2011, 39,95 Euro

Weitere Informationen:
http://www.diw.de/sixcms/detail.php?id=diw_01.c.379404.de Volltext der Studie
http://www.diw.de/soeppapers kostenloser Download aller SOEPpapers

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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„Solarförderung ist ökonomisch und ökologisch unsinnig"

Kay Gropp
Pressestelle
Universität Witten/Herdecke

Prof. Dr. André Schmidt zieht negative Bilanz des Gesetzes für den Vorrang erneuerbarer Energien
In seiner Untersuchung der ökonomischen und ökologischen Auswirkungen des Gesetzes für den Vorrang erneuerbarer Energien (EEG) für das Bundesforschungsministerium kommt Prof. Dr. André Schmidt, Volkswirt an der Universität Witten/Herdecke zu einem vernichtenden Urteil: Kontraproduktiv! „Das Gesetz erspart uns in Europa kein Mikrogramm Kohlendioxid, subventioniert die Kohlekraftwerke im Ausland, die Solarmodulhersteller in China und die deutsche Solarindustrie kommt dadurch auch nicht besser auf den Markt."

Scharfe Worte, für die er Argumente hat: „Durch das EEG erzielt Strom aus Solarzellen den achtfachen Preis (34 Cent/KWh) von konventionell erzeugtem Strom", rechnet er vor und fragt sich, wie die Gegenrechnung aussieht.

Stichwort Kohlendioxid: Wenn durch das EEG der Ausstoß des Klimagases sinkt, steigt das Angebot an verkäuflichen Emissionsrechten, deren Preis sinkt also. (Einen funktionierenden Emissionshandel vorausgesetzt.) „Die großen Dreckschleudern im In- und Ausland können sich nun preiswert einen Freifahrschein kaufen, statt über Filter nachzudenken." Für Schmidt eine schlechte Wirkung des gut gemeinten Gesetzes, denn die Wechselwirkungen zum Emissionshandel werden häufig übersehen. Allein das Emissionshandelsgesetz schafft die entsprechenden Anreize zur Einsparung von Kohlendioxidemissionen, nicht jedoch das EEG.

Stichwort Beschäftigung: Für die 48.000 Beschäftigten (Quelle: Bundesverband Solarwirtschaft für 2009) flossen 2008 Subventionen in Höhe von 8,4 Mrd. Euro. „Das sind 175.000 Euro pro Arbeitsplatz! Da steht der viel gescholtene Steinkohlebergbau mit seinen vergleichsweise bescheidenen 75.000 Euro pro Arbeitsplatz ja noch richtig gut da!", ärgert sich Schmidt.

Stichwort Wettbewerbsfähigkeit: 48% aller in Deutschland montierten Solaranlagen stammen aus China, auch weil die deutschen Kapazitäten nicht ausreichen. Der Weltmarktanteil deutscher Unternehmen liegt bei 15 %, Tendenz sinkend: „Wenn die Inder und Indonesier demnächst auf den Markt kommen, liegen wir bei 8-10%. Hier in Deutschland investieren die Unternehmen zu wenig in Forschung und Entwicklung, der Produktivitätsfortschritt ist unterdurchschnittlich, der Absatz stagniert. 2010 fuhr der Handel mit Solarmodulen ein Minus von 4,3 Mrd. Euro ein", zählt Schmidt auf. In seinen Augen eine vernichtende Bilanz der Regierungsbemühungen durch eine Leitmarktstrategie die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Im Gegenteil, sagt Schmidt: „Die überhöhten und gleichzeitig garantierten Einspeisevergütungen haben die Innovationskräfte in diesem Industriezweig eher lahmgelegt."

Schmidts Beitrag ist nachzulesen in der Publikation des Bundesforschungsministeriums „Wettbewerbsfähiger durch Leitmarktstrategie?
http://www.inno.tu-berlin.de/fileadmin/a38335100/PDF_Dateien/Dokumentation_BMBF_...

Weitere Informationen bei Prof. Dr. André Schmidt, 02302/926- 562
Andre.Schmidt@uni-wh.de

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 1.300 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsbildung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

Anhang
PDF Leitmarktstrategien/Studie Schmidt
http://idw-online.de/de/attachment11243

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Tinnitus-Behandlung mit maßgeschneiderter Musik: Auf die Frequenz kommt es an

Dr. Christina Heimken
Presse- und Informationsstelle
Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Eine in Münster entwickelte Kurzzeit-Therapie mit maßgeschneiderter Musik hilft Tinnitus-Patienten - allerdings nur denjenigen, deren Ohrgeräusche eine Frequenz bis zu acht Kilohertz haben. Das hat ein Team um Dr. Henning Teismann vom Institut für Biomagnetismus und Biosignalanalyse der Universität Münster herausgefunden und damit die eigenen Forschungsergebnisse ergänzt. Die neuen Erkenntnisse sind nun in der Online-Fachzeitschrift PLoS One veröffentlicht worden.
An der Studie nahmen 20 Personen teil, die unter chronischem tonalem Tinnitus (das ist ein Tinnitus, der wie ein Pfeif- oder Piepton klingt) leiden. Bei der einen Hälfte der Teilnehmer liegt die Tinnitus-Frequenz bei höchstens acht Kilohertz, bei der anderen Hälfte darüber. Alle Teilnehmer wurden kurz und intensiv - an fünf aufeinanderfolgenden Tagen über jeweils sechs Stunden - mit maßgeschneiderter Musik behandelt. Jeder Teilnehmer durfte Musik auswählen, deren Frequenzspektrum anschließend individuell verändert wurde. Das Ziel der Therapie: Die Tinnitus-„Lautheit" - und damit die „Lästigkeit" - soll reduziert werden.

Von der Kurzzeit-Behandlung profitierten nur Teilnehmer mit Tinnitus-Frequenzen unter acht Kilohertz, bei den Teilnehmern mit extrem hohen Frequenzen hingegen gab es keine signifikanten Effekte. In der Studie zeigte sich außerdem, dass die mit der Kurzzeit-Therapie erreichten Veränderungen nicht dauerhaft sind - das legt nahe, die neue Therapie über längere Zeiträume anzuwenden, um so eine nachhaltigere Wirkung zu erzielen.

Derzeit sucht das Institut 300 Probanden für die weitere Erforschung der neuen Tinnitus-Therapie (Ansprechpartner: Dr. Henning Teismann, h.teismann@uni-muenster.de).

Redaktion: Dr. Thomas Bauer (Telefon: 0251 83-58937, E-Mail: thbauer@uni-muenster.de)

Literatur: Teismann H, Okamoto H, Pantev C (2011): Short and Intense Tailor-Made Notched Music Training against Tinnitus: The Tinnitus Frequency Matters. PLoS ONE 6(9): e24685. doi:10.1371/journal.pone.0024685

Weitere Informationen:
http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0024685 Originalpublikation in PLoS ONE

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Dürre & Wolkenbrüche - Klimawandel & Wasserwirtschaft

Dr.-Ing. Bodo Weigert
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
KompetenzZentrum Wasser Berlin gGmbH (KWB)

Wie bereiten sich europäische Wasserversorger auf den Klimawandel vor?
Für zwei Tage sind das Kompetenzzentrum Wasser Berlin und die Berliner Wasserbetriebe Gastgeber eines internationalen Workshops, der im Rahmen des EU-Forschungsvorhaben PREPARED - oder zu Deutsch „vorbereitet sein" - in Berlin durchgeführt wird.
Der Projekttitel ist Programm: Fachleute aus Wasserunternehmen und der Forschung bereiten sich mit der Entwicklung von Managementszenarien auf möglichee Effekte des Klimawandels vor. Alle rechnen mit der Häufung von Extremereignissen. Die Gefahr heftiger Wolkenbrüchen wird steigen, gleichzeitig werden aber auch Trockenperioden zunehmen.
Allerdings ist allen Beteiligten klar, dass es in Europa keine technischen Normlösungen geben wird. Zu unterschiedlich sind die regionalen Randbedingungen und Ausprägungen von Klimaeffekten. Beispielsweise werden sich in Istanbul langanhaltende Trockenperioden ganz anders auswirken als in Berlin, wo die Wasserversorgung sich auf hohe Grundwasserstände verlassen kann.
Dennoch haben alle beteiligten Städte ein gemeinsames gravierendes Problem: Es ist sehr schwer, die Eintrittswahrscheinlichkeit und Intensität der als sicher geltenden Klimaeffekte in wasserwirtschaftliche Planungsabläufe zu integrieren. Wie lassen sich vor diesem Hintergrund Investitionen in neue Infrastruktur rechtfertigen? Genau in solchen Fragen haben die elf am Projektkonsortium beteiligten europäischen Städte großen Bedarf an Erfahrungsaustausch. Die Wissenschaft steuert zur Unterstützung von Planungsabläufen Werkzeuge zur Entscheidungshilfe, Berechnung von unterschiedlichen Szenarien und Prognosemodelle für das Wassermanagement bei.

Am Projekt beteiligt sind die Städte: Barcelona, Berlin, Eindhoven, Genua, Istanbul, Gliwice, Lissabon, Lyon, Oslo, Simferopol, Aarhus sowie die Region Wales.

Kompetenzzentrum Wasser Berlin gGmbH
Dr.-Ing. Bodo Weigert
Forschungskommunikation
Tel: +49 30 53653 841

Berliner Wasserbetriebe
Stephan Natz
Pressesprecher
Tel.: +49 30 86446864

Weitere Informationen:
http://www.kompetenz-wasser.de

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Warum sich Schmerzen ausbreiten

Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Heidelberg

Millionen-Förderung für die Erforschung neuer diagnostischer und therapeutischer Ansätze bei chronischen Muskel- und Gelenkschmerzen / Forschungsverbund unter Federführung der Heidelberger Universitätsklinik für Psychosomatik
Was tut sich in Muskeln, Gelenken, Nerven und Haut, wenn Schmerzen nicht mehr abklingen, sondern sich im Gegenteil ausbreiten? Wie kommt es, dass einige Patienten eine Ausbreitung ihrer Schmerzen erfahren, während bei anderen Menschen die Beschwerden z.B. auf den Rücken beschränkt bleiben?

Diesen Fragen gehen Wissenschaftler aus Heidelberg, Mannheim, Mainz und Marburg nun gemeinsam im Rahmen eines neuen Forschungsverbundes (LOGIN) auf den Grund. Ihr Ziel ist es, die Ausbreitung chronischer Schmerzen aufzuklären und so neue Ansatzpunkte für Diagnostik und Therapie zu identifizieren. Koordinator des Gemeinschaftsprojektes, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 3,5 Millionen Euro gefördert wird, ist Professor Dr. Wolfgang Eich, Spezialist für chronische Schmerzen am Universitätsklinikum Heidelberg.

Etwa jeder Vierte in Deutschland leidet unter anhaltenden Schmerzen der Muskeln und Gelenke in Rücken, Nacken, Schultern oder Beinen, sogenannten chronischen muskuloskelettalen Schmerzen. Chronisch sind diese Schmerzen dann, wenn sie trotz Einnahme von Medikamenten oder Krankengymnastik nach drei Monaten noch unverändert andauern. Teils fangen sie in einer umschriebenen Stelle des Körpers an und breiten sich im Laufe der Zeit aus, so dass Schmerzen im Knie, der Hüfte, den Schultern oder Armen hinzukommen. Betroffene sind in ihren alltäglichen Bewegungen - z. B. bei der Arbeit - erheblich eingeschränkt.

Ungeklärt ist bisher die Frage, warum zum Beispiel Kreuzschmerzen ohne erkennbaren Grund andauern und warum plötzlich auch an anderen Stellen des Körpers Schmerzen hinzukommen. Ausbreitung kann dabei auf zweierlei Art und Weise verstanden werden, nämlich zeitlich und örtlich. Wenn sich Schmerzen zeitlich ausdehnen, wenn sie also über Monate andauern, spricht man von chronischen Schmerzen. Wenn sie sich örtlich und von einem Körperteil zum nächsten ausbreiten spricht man von Generalisierung. Chronifizierung und Generalisierung sind die beiden bislang nicht verstandenen Mechanismen, die eine Therapie erschweren.

„In unseren Projekten untersuchen wir mit einer breiten Palette an Methoden, wie es dazu kommt, dass Schmerzen nicht abklingen, sondern sich sogar ausbreiten", erklärt Professor Eich, Leiter der Sektion für Integrierte Psychosomatik an der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik des Universitätsklinikums Heidelberg. Der Forschungsverbund umfasst sieben eng vernetze Projektgruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Genaue Einteilung chronischer Schmerzen erlaubt gezielte Therapie

Ein wichtiges Ziel der Verbundprojekte ist es, die Schmerzen bestimmten Auslösern und Entstehungsmechanismen zuzuordnen, um für jede Gruppe geeignete Behandlungsansätze zu entwickeln. Zudem wollen die Wissenschaftler erforschen, wer besonders gefährdet ist, Schmerzen an vielen Stellen des Körpers zu entwickeln, und warum. „Solange wir die Mechanismen und Auslöser chronischer Schmerzen nicht ausreichend verstehen, bleiben Therapien unspezifisch und nur bedingt erfolgreich", so Eich.

Professor Dr. Siegfried Mense, Centrum für Biomedizin und Medizintechnik Mannheim (CBTM), und sein Team untersuchen mit anatomischen und physiologischen Methoden die Mechanismen die dazu führen, dass sich chronische Rückenschmerzen in andere Körperregionen ausbreiten. Den Zusammenhang von chronischen Schmerzen und Depression sowie die Rolle körpereigener Signalstoffe der Schmerzverarbeitung (Endocannabinoide), untersucht Professor Dr. Beat Lutz, Universitätsklinikum Mainz.

Wie beeinflussen Depressionen oder soziales Umfeld das Schmerzempfinden?

Für ein genaueres Verständnis der normalen Abläufe der Schmerzentstehung und
-verarbeitung sind Studien mit gesunden Probanden unerlässlich: So untersucht Professor Dr. Martin Schmelz, Universitätsklinikum Mannheim, den Einfluss bestimmter Proteine in Nerven (Nervenwachstumsfaktoren) auf die Empfindlichkeit gegenüber Schmerzen. Das Team um Professor Dr. Rolf-Detlef Treede, CBTM, prüft mit Hilfe spezieller Reizverfahren, wie sich die Tiefenschmerzwahrnehmung bei gesunden Probanden und Schmerzpatienten mit und ohne generalisiertem Schmerz unterscheidet.

Ziel der Studie von Professor Dr. Herta Flor, Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, ist es u.a., die vom Gehirn ausgehende Schmerzhemmung bei Patienten mit chronischem Rückenschmerz und generalisiertem Schmerz (Fibromyalgie) zu erfassen. Auch der Einfluss von Endocannabinoiden, Wachstumsfaktoren und Psychotherapie wird dabei berücksichtigt. Das Team um Professor Eich beschäftigt sich mit der Rolle psychischer Erkrankungen wie Ängsten oder Depressionen bei der Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerz und welche Auswirkungen dies auf Schmerz-Biomarker hat. Wie sich der individuelle Umgang mit Rückenschmerzen oder das soziale Umfeld der Patienten auf die Ausweitung der Schmerzen auswirken und was einzelne Patienten davor bewahrt eine Ausbreitung ihrer Schmerzen zu erfahren, ist Forschungsgegenstand von Professor Dr. Annette Becker, Universität Marburg.

Weitere Informationen im Internet:
http://www.login-verbund.de/
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Psychosomatik-des-Bewegungssystems.5547.0.html

Kontaktinformation für Patienten:

Wenn Sie Interesse haben unsere Forschung zu unterstützen und unter Rückenschmerzen leiden, können Sie sich per Telefon (Projekttelefon mit Anrufbeantworter: 0621-1703-6321) unter Angabe des Stichwortes "Chronische Schmerzen" mit uns in Verbindung setzen. Ein Mitarbeiter des Forschungsverbundes wird Sie kontaktieren und Ihnen nähere Auskünfte zur Studienteilnahme geben. Wegen der erfahrungsgemäß großen Anzahl von Anrufen bitten wir Sie um etwas Geduld.

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 10.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Informationen:
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Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Umweltzonen können Sinn haben, selbst wenn sie ihren eigentlichen Zweck nicht erfüllen

Tilo Arnhold
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Leipzig. Feinstaubpartikel erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und führen besonders zu Blutdruckproblemen. Dass es einen deutlichen Zusammenhang gibt, konnte jetzt eine weitere Studie zeigen, die die Einsätze des Rettungsdienstes in Leipzig ausgewertet hat. Dazu verglichen die Forscher ein Jahr lang alle knapp 24.000 Notfalleinsätze mit Daten zur Feinstaubbelastung in der Stadt. Es sei im öffentlichen Interesse notwendig, Möglichkeiten zur Reduzierung dieser Art von gesundheitsschädlichen Partikeln zu finden, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin Science of the Total Environment. Umweltzonen könnten eine Maßnahme dazu sein.
So genannte Umweltzonen wurden und werden eingeführt, um zur EU-weit vorgegebenen Einhaltung der Feinstaubgrenzwerte beizutragen. Dazu wird der Betrieb von Fahrzeugen vor allem mit älteren Dieselmotoren eingeschränkt, um die Freisetzung von Feinstaub, d.h. hier Dieselruß aus dem Auspuff zu verringern. Dieselruß besteht aus sehr vielen Partikeln, wiegt aber wenig, weil die Partikel sehr klein sind. Das senkt die Gesamtmasse des Feinstaubs in der Luft etwas, so dass möglicherweise etwas weniger Grenzwertüberschreitungen zu erwarten sind, auch wenn die Belastungen wesentlich von der Wetterlage abhängen. Feinstaubmassenkonzentrationen kurz unter dem Grenzwert sind aber für die Gesundheit erst einmal kaum weniger schädlich als solche kurz über dem Grenzwert.

Eine soeben veröffentlichte Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), die u.a. Messdaten des Leibniz-Instituts für Troposphärenforschung (IfT) verwendet, zeigt nun, dass eine hohe Anzahl kleiner Partikel, die in Städten zu großen Teilen aus Dieselruß bestehen, die Gesundheit der Bewohner schädigen kann. Dazu wurden sämtliche medizinischen Notfalleinsätze von Februar 2002 bis Januar 2003 in Leipzig ausgewertet und unter Berücksichtigung anderer Einflussgrößen wie z.B. der Temperatur mit den Massen von Feinstaub verschiedener Größen in Beziehung gesetzt. „Nach unserem Wissen ist es das erste Mal, dass auf diese Art und Weise Tageswerte von Herz-Kreislauf-Notfalleinsätzen und Feinstaubbelastungen für alle Bewohner einer ganze Stadt in Zusammenhang gesetzt wurden", berichtet Dr. Ulrich Franck vom UFZ. Über zwei Drittel der Notfalleinsätze hatten ihre Ursache in Herz-Kreislauf- und in Atemwegserkrankungen. Die genauere Auswertung ergab, dass auch die Anzahl der ultrafeinen Partikeln (kleiner als 100 Nanometer) einen großen Einfluss hat. Bereits ein Anstieg der Anzahl dieser sehr kleinen Partikel um 1.000 pro Kubikzentimeter führte zu etwa fünf Prozent mehr Notfalleinsätzen wegen einer plötzlich auftretenden Fehlregulation des Blutdrucks (so genannte hypertensive Krise). Die mittlere Konzentration dieser Partikel lag im Beobachtungszeitraum in Leipzig aber viel höher - bei über 12.000 pro Kubikzentimeter - und kann an stark befahrenen Straßen auch in der Größenordnung von 100.000 liegen. Auch wenn die toxikologischen Zusammenhänge zwischen der Belastung der Luft und den Erkrankungen nicht vollständig geklärt sind, so bestätigt diese Studie die Einflüsse der Luftbelastung mit kleinen Partikeln auf den Gesundheitszustand zumindest von empfindlichen Personen.

Diese in Leipzig durchgeführte Studie zeigt, dass nicht nur die Masse des Feinstaubes in der Luft eine gesundheitliche Bedeutung hat, sondern gerade für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch die Anzahl der Feinstaubpartikel, wie sie von den meisten modernen Dieselfahrzeugen wesentlich weniger freigesetzt werden. „Eine Verringerung der Fahrleistung von Dieselfahrzeugen mit veralteter Technik kann deshalb tatsächlich die gesundheitliche Gefährdung der Stadtbewohner verringern", erläutert Dr. Ulrich Franck vom UFZ. „Und das auch dann, wenn ein möglicher Effekt auf die Einhaltung der gesetzlichen massenbezogenen Grenzwerte wegen des Witterungseinflusses erst über mehrere Jahre hinweg nachgewiesen werden kann." Um eine Aussage zur möglichen Verringerung von gesundheitlich bedenklichen Belastungen zu treffen, muss zusätzlich bestimmt werden, welchen Einfluss eine Umweltzone auf die Belastung mit Dieselrußpartikeln hat. „Die Dieselruß-Konzentration hat sich in diesem Sommer im Stadtzentrum gegenüber dem Vorjahr verringert", ergänzt Prof. Alfred Wiedensohler vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung. „Dies kann ein erster Indikator für die Wirksamkeit der Umweltzone bzgl. der Verringerung der Dieselrußemissionen sein". Das Leibniz- Institut für Troposphärenforschung misst an fünf Stellen in Leipzig und Umgebung Konzentrationen von ultrafeinen Partikeln und Dieselruß, die als Grundlage für die Studie dienten.

Fazit: Die Bestimmung der Massenkonzentration allein genügt aus Sicht der Forscher nicht, um die Schädlichkeit der Luftpartikel zu bewerten. Die Diskussion um die Wirksamkeit der Umweltzone, wie sie zurzeit beispielsweise gerade in Leipzig geführt wird, geht daher teilweise am Ziel vorbei, wenn nur beobachtet wird, wie sich die Gesamtmasse an Feinstaub in der Luft (PM10) entwickelt hat, aber die Konzentration des Dieselrußes im Feinstaub nicht berücksichtigt wird.

Publikation:
Franck U, Odeh S, Wiedensohler A, Wehner B, Herbarth O. (2011): The effect of particle size on cardiovascular disorders - The smaller the worse. Sci Total Environ. 2011 Sep 15; 409(20):4217-21.
http://dx.doi.org/10.1016/j.scitotenv.2011.05.049

Weitere fachliche Informationen:
Zur Gesundheitsstudie:
Dr. Ulrich Franck
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), STUDIEN
Telefon: 0341-235-1540
und
zu Feinstaubmessungen in der Außenluft:
Prof. Dr. Alfred Wiedensohler
Leibniz-Institut für Troposphärenforschung
Telefon: 0341-235- 2467
http://www.tropos.de/info/wiedensohler_a.pdf

Das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (IfT) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Ihr gehören zurzeit 87 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung sowie zwei assoziierte Mitglieder an. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesamtgesellschaftlich relevante Fragestellungen strategisch und themenorientiert. Dabei bedienen sie sich verschiedener Forschungstypen wie Grundlagen-, Groß- und anwendungsorientierter Forschung. Sie legen neben der Forschung großen Wert auf wissenschaftliche Dienstleistungen sowie Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Sie pflegen intensive Kooperationen mit Hochschulen, Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Das externe Begutachtungsverfahren der Leibniz-Gemeinschaft setzt Maßstäbe. Jedes Leibniz-Institut hat eine Aufgabe von gesamtstaatlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 16.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 7.800 Wissenschaftler, davon wiederum 3.300 Nachwuchswissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,4 Mrd. Euro, die Drittmittel betragen etwa 330 Mio. Euro pro Jahr.
http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Quelle:  Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Zwei Handys in einem

Unternehmen stellen ihren Mitarbeitern zunehmend Smartphones zur Verfügung. Dabei müssen die Firmen ihre Daten möglichst gut schützen, während die Mitarbeiter auch privat Apps installieren möchten. Sicherheitsexperten haben die Gerätesoftware nun so weiterentwickelt, dass es zwei getrennte Bereiche gibt: den geschäftlichen und den privaten. Auf der Messe IT-SA vom 11. bis zum 13. Oktober in Nürnberg stellen die Forscher die Entwicklung erstmals vor (Halle 12, Stand 461).

Das Smartphone der Firma, das Privathandy, Haus- und Autoschlüssel, Portemonnaie - die Gegenstände, die man täglich mit sich herumträgt, werden immer mehr. Viele Menschen nutzen ein Geschäfts-Smartphone daher auch privat. Das ist zwar praktisch, Mitarbeiter und IT-Abteilung haben jedoch unterschiedliche Interessen: Die meisten Arbeitnehmer möchten das Gerät möglichst uneingeschränkt verwenden, beliebig Programme installieren und nutzen. Dies kann Hackern aber ermöglichen, die Unternehmen anzugreifen. IT-Abteilungen versuchen deshalb oft, die Nutzung von Smartphones entsprechend einzuschränken. Sicherheitsexperten des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie SIT und des Centers for Advanced Security Research Darmstadt CASED haben jetzt für Android-basierte Smartphones die Sicherheitslösung 'BizzTrust for Android' entwickelt: Sie trennt auf dem Gerät die privaten Anwendungen von den geschäftlichen.

BizzTrust-Smartphones bieten für Daten und Apps zwei Schutzbereiche. Sie erkennen, ob die Inhalte zu einer privaten oder geschäftlichen Anwendung gehören, speichern diese getrennt im jeweiligen Abschnitt ab und kontrollieren den Zugriff auf diese Daten während des Betriebs. Dies erhöht die Sicherheit der Geschäftsdaten, der Mitarbeiter kann trotzdem privat beliebige Apps installieren. Selbst wenn Angreifer eine unsichere App einschleusen, können sie damit nicht auf die Firmendaten zugreifen - die Auswirkungen des Angriffs bleiben auf die privaten Daten des Smartphones begrenzt. »Unsere Entwicklung verbessert die Sicherheit heutiger mobiler Endgeräte wesentlich, ohne die Benutzerfreundlichkeit der Geräte einzuschränken,« sagt Prof. Dr. Ahmad-Reza Sadeghi, Leiter der Cyber-Physical Systems Security am Fraunhofer SIT/CASED. Durch ein farbiges Symbol im Display erkennt der Anwender jederzeit, ob er sich im geschäftlichen, dem »roten«, oder dem priveten, dem »grünen« Areal befindet. Zwei »Klicks« auf dem Touchscreen, und das Smartphone wechselt auf die jeweils andere Seite.

Um diese beiden virtuellen Smartphones in einem Gerät zu realisieren, haben die Experten das Android-Betriebssystem so modifiziert, dass alle Daten aus vertrauenswürdigen Anwendungen entsprechend markiert werden. Welche Anwendungen fürs Geschäftliche freigegeben sind und wer auf welche Bereiche der Firmen-IT zugreifen darf, entscheidet das Unternehmen selbst. Da sich diese Regelungen ändern können, werden die geschäftlichen Anwendungen bei Bedarf aktualisiert oder gelöscht, sobald der Nutzer sich mit dem Unternehmensnetz verbindet. Ein weiterer Vorteil dabei: Die Firmen haben die Möglichkeit, eigene Apps für Mitarbeiter bereitzustellen und regelmäßig zu aktualisieren. Die Sicherheit ist auch dabei stets gewährleistet: Bevor das Telefon sich über eine gesicherte VPN-Verbindung in das Unternehmen einwählt, wird die Software des Telefons überprüft. Wurde diese verändert, können kritische Anwendungen gesperrt werden.

Auf der Messe it-sa stellen die Forscher das System BizzTrust for Android vor. In einem nächsten Schritt wollen sie Smartcards in Smartphones integrieren, die weitere Sicherheitsfunktionen zur Verfügung stellen. Als Ergänzung zu BizzTrust entwickeln die Forscher des SIT jetzt gemeinsam mit Partner-Firmen Werkzeuge, mit denen IT-Administratoren Smartphones im Alltag verwalten können: Sie bauen eine sichere Verbindung zu dem mobilen Gerät auf, synchronisieren gespeicherte Daten drahtlos, sichern die Inhalte oder löschen sie - falls das Gerät verloren geht oder gestohlen wird.

Quelle:  Fraunhofer-Gesellschaft

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Algen als nachhaltige Energiequelle

Monika Landgraf
Presse, Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

Biomasse aus Algen hat das Potenzial, nachhaltige Energie zu liefern und erheblich dazu beizutragen, das Klimagas CO2 zu reduzieren. In dem neuen EU-Projekt „EnAlgae" („Energetic Algae") bündeln 19 Partner ihre Kompetenzen, um die Entwicklung einer algenbasierten Biomasseproduktion in Nordwesteuropa voranzutreiben. Als einer der deutschen Partner wirkt das KIT federführend bei einer Nachhaltigkeitsanalyse für verschiedene Produktionsverfahren. Das Projekt ist auf vier Jahre ausgelegt und wird mit insgesamt 14 Millionen Euro gefördert.
Algen können bis zu fünf Prozent des Sonnenlichts in chemische Energie umwandeln - Raps und Mais demgegenüber nur etwa ein Prozent - und dabei große Mengen CO2 aus der Atmosphäre aufnehmen. Da Algen sich in technischen Systemen kultivieren lassen, beanspruchen sie keine landwirtschaftlich nutzbaren Flächen und treten nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Sie gedeihen in Salz- und Brackwasser oder auch in nährstoffreichen Abwässern, was den Konkurrenzdruck um Wasser und Düngemittel verringert. „Aus Nachhaltigkeitssicht besitzen Algen enormes Potenzial", erklärt Projektleiterin Dr. Christine Rösch vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT. „Ihre energetische Nutzung steht allerdings noch am Anfang, und der Bedarf an wissensbasierter Entscheidungsunterstützung für Politik und Wirtschaft ist groß."

EnAlgae ist eine strategische Initiative im INTERREG IVB Nordwesteuropa Programm, gefördert aus Mitteln aus dem European Regional Development Fund und von weiteren Geldgebern. Beteiligt sind 19 Partner und 13 sogenannte Observer, die in die Arbeiten eingebunden sind und laufend Feedback geben, aus acht europäischen Ländern - Großbritannien, Irland, Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Schweiz und Deutschland. Die Projektleitung hat die Universität Swansea in Wales inne. Zu den deutschen Partnern gehören neben dem KIT die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) und die Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes.

Unter Federführung des ITAS am KIT nehmen Experten eine Nachhaltigkeitsanalyse für verschiedene Produktionsverfahren auf der Basis von Mikro- und Makroalgen vor. Ziel ist, die effizientesten und aus ökologischer, ökonomischer und sozialer Sicht vorteilhaftesten algenbasierten Prozessketten sowie geeignete Standorte für die Algenkultivierung zu ermitteln. Darüber hinaus soll ein Konzept für eine nachhaltige Algenproduktionsanlage entstehen.

Nordwesteuropa emittierte aufgrund der hohen Einwohnerdichte, des starken Industrialisierungsgrads und der intensiven Landwirtschaft 2009 mehr als 40 Prozent der Treibhausgase in Europa, wie aus dem „EC Greenhousegas Inventory 2009" hervorgeht. Ziel von EnAlgae ist, die CO2-Emissionen zu reduzieren und die Abhängigkeit von nicht nachhaltigen Energien mithilfe von algenbasierter Biotechnologie zu verringern. Die EnAlgae Initiative ermöglicht den nordwesteuropäischen Expertenzentren, dazu ein Pilot-Netzwerk aufzubauen.

Das Projekt bietet einzigartige Voraussetzungen für die nachhaltige Entwicklung dieses Sektors und wird damit die europäische Politik in Bezug auf die Produktion von Algenbiomasse und ihre energeti-sche sowie stoffliche Nutzung beeinflussen. Eine aktualisierte Datenbasis zu den Entwicklungen in diesem Bereich in Nordwest-europa wird zudem die Kalkulierbarkeit der entsprechenden Nut-zungspotenziale erhöhen und damit das Entwicklungsrisiko für die Kommerzialisierung dieses Sektors reduzieren.

„Bioenergie aus Algen hat mit dem INTERREG IVB NWE Programm eine strategische Priorität in Europa erhalten. Die EnAlgae Partnerschaft erlaubt, Techniken, die auf Sozioökonomie und Umweltbedingungen in Nordwesteuropa zugeschnitten sind, zu entwickeln und umzusetzen", sagt Projekt-Manager Dr. Robin Shields, Direktor des Centre for Sustainable Aquatic Research (CSAR) in Großbritannien.

Weitere Informationen unter www.enalgae.eu

In der Energieforschung ist das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine der europaweit führenden Einrichtungen: Das KIT-Zentrum Energie vereint grundlegende und angewandte Forschung zu allen relevanten Energieformen für Industrie, Haushalt, Dienstleistungen und Mobilität. In die ganzheitliche Betrachtung des Energiekreislaufs sind Umwandlungsprozesse und Energieeffizienz mit einbezogen. Das KIT-Zentrum Energie verbindet exzellente technik- und naturwissenschaftliche Kompetenzen mit wirtschafts-, geistes- und sozialwissenschaftlichem sowie rechtswissenschaftlichem Fachwissen. Die Arbeit des KIT-Zentrums Energie gliedert sich in sieben Topics: Energieumwandlung, erneuerbare Energien, Energiespeicherung und Energieverteilung, effiziente Energienutzung, Fusionstechnologie, Kernenergie und Sicherheit sowie Energiesystemanalyse.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung - Lehre - Innovation.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: www.kit.edu

Anhang
http://idw-online.de/de/attachment11202

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Vor allem ältere Frauen mögen Männer mit Brusthaar

Thorsten Mohr
Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

Die eine Frau mag sie, die andere dreht sich schaudernd weg: An der männlichen Brustbehaarung scheiden sich die Geister. Eine Psychologin der Saar-Uni hat nun in Zusammenarbeit mit dem ZDF untersucht, welche Frauen besonders auf den Brustpelz stehen und welche ihn überhaupt nicht mögen. Das Ergebnis: Frauen nach den Wechseljahren haben die größte Vorliebe für haarige Herren.
Sean Connery und Tom Selleck konnten in den 60er und 70er Jahren gar nicht genug Brusthaar auf die Leinwand bringen, um die Frauen im Kinopublikum reihenweise zu verzücken. Zwei Jahrzehnte später war der Brustpelz hingegen ziemlich verpönt. Die Herren griffen zum Rasierer und machten mit der Oberkörpermähne kurzen Prozess. Ist die Brustbehaarung nun angesagt oder nicht bei Frauen?

Dieser Frage ist die Psychologin Johanna Lass-Hennemann auf den Grund gegangen. Für die ZDF-Sendung TerraXpress hat sie 200 Frauen die behaarten Oberkörper von 20 Männern gezeigt. Danach haben sich die Männer die Brust rasiert. Anschließend haben die Frauen die Herrenoberkörper wieder betrachtet und ihre Meinung abgegeben. „Es war ein bunter Mix, vom Bierbauch bis zum Waschbrettbauch, zwischen 20 und 60 Jahre", erklärt Johanna Lass-Hennemann die zufällige Auswahl der Männer. Die Frauen haben die Männer einzeln betrachtet und wurden in einem Fragebogen danach gefragt, ob sie die Männer mit oder ohne Brusthaar attraktiver finden. Darüber hinaus sollten sie Angaben zu ihrem Alter, ihrer Fruchtbarkeit sowie ihrer Verhütungsmethode machen.

„Wir haben festgestellt, dass ältere Frauen nach den Wechseljahren die stärkste Vorliebe für Brustbehaarung haben", sagt Psychologin Johanna Lass-Hennemann. Diese Gruppe entschied sich in rund 60 Prozent der Fälle für den Mann mit Brusthaar.
Etwas weniger beliebt ist der Brustpelz bei Frauen, die in ihren fruchtbaren Tagen waren sowie bei Frauen, die gerade nicht fruchtbar waren und nicht hormonell, also mit der Pille, verhüten. Diese Frauen entschieden sich in 40 bis 50 Prozent der Fälle für die haarige Brustvariante gegenüber der rasierten.
Die schlechtesten Karten haben behaarte Männer bei Frauen, die die Pille nehmen. Diese hormonell verhütenden Frauen entschieden sich in nur rund 30 Prozent der Fälle für die behaarte Brust.

„Dafür gibt es zwei Interpretationsmöglichkeiten", so Johanna Lass-Hennemann. „Die Pille verändert den Gedächtnisprozess und die Emotionen der Frauen derart, dass sie die Attraktivität behaarter Männer signifikant anders beurteilen als Frauen, die ihren Hormonspiegel nicht künstlich verändern. Meine favorisierte Interpretation ist aber, dass Frauen, die ihrem Körper Hormone zuführen, also bereit sind, ihn stark zu verändern, auch eher bereit sind, auch den Körper ihres Partners zu verändern. Die generelle Tendenz zur Natürlichkeit ist bei diesen Frauen geringer."

Kontakt und weitere Informationen:

Dr. Johanna Lass-Hennemann
Tel.: (0681) 302 71011
E-Mail: Lass-Hennemann@mx.uni-saarland.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Warum AUTAN so erfolgreich gegen Mücken und andere Insekten wirkt

Dr. Jan-Wolfhard Kellmann
Forschungskoordination
Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Der Wirkstoff DEET macht Insekten orientierungslos, indem er die Signalstärken ihrer Antennen verfälscht
DEET wird schon seit Jahrzehnten gegen verschiedene stechende und beißende Insekten erfolgreich eingesetzt. Wissenschaftler der Rockefeller Universität, New York, in Kooperation mit dem Max Planck Institut für chemische Ökologie, Jena, sind jetzt der Wirkungsweise von DEET (N,N-diethyl-meta-toluamide) auf die Spur gekommen. Der Stoff ist nämlich nicht, wie lange vermutet, ein Blockierer von anlockenden Duftsignalen blutspendender Säugetiere, und er löst auch nicht ein aktives Fluchtverhalten von Mücken oder Fruchtfliegen aus. Seinen Siegeszug als Antimückenmittel konnte er antreten, weil er die Nervensignale von Geruchsrezeptoren unterschiedlicher Insektenarten individuell moduliert. Diese als odorant receptors (OR) bezeichneten Proteine dienen der Wahrnehmung von speziellen Duftsignalen, an denen die Insekten ihren Wirt oder ihre Nahrungsquelle erkennen und gezielt dorthin fliegen. DEET verstärkt oder schwächt die durch einen Duftstoff ausgelösten Nervensignale je nach Art des Rezeptors und des stimulierenden Duftstoffes - mit der Folge, dass die Tiere die Orientierung verlieren. (NATURE, ahead of print publication, DOI 10.1038/nature10438)

Seit 1946 im Einsatz

Mit der jetzt in NATURE erschienen Arbeit aus der Gruppe um die Neurobiologin Leslie Vosshall von der Rockefeller University, USA, konnte ein jahrzehntelanger wissenschaftlicher Diskurs auf diplomatischem Wege aufgeklärt werden. DEET, im Jahr 1946 als wirksames Mittel gegen Mückenstiche entwickelt und seitdem im weltweiten Einsatz, wirkt nämlich weder als Reizblocker noch als aktives „repellent" (Abwehrstoff): Der für uns Menschen schwach riechende Stoff ist für Insekten sehr wahrscheinlich ein „confusant" - ein Verwirrstoff. In Kooperation mit Bill Hansson und Marcus Stensmyr vom Max-Planck-Institut für chemische Ökologie in Jena, die die Duftstoffanalytik durchgeführt haben, konnten die Wissenschaftler den Wirkmechanismus von DEET mittels moderner neuro-, molekularbiologischer und chemischer Verfahren aufklären.

Ein Nerv, ein Rezeptor

Für ihre Experimente kam den Forschern die Anatomie des Geruchsapparats ein Stück weit entgegen. Die Antennen des Versuchsobjekts Drosophila melanogaster (Fruchtfliege) besitzen in ihren Riechhärchen (Sensillen) spezifische Geruchsrezeptoren (ORs), die sich in der Zellmembran eines dazugehörigen Nervs (olfactory sensory neuron - OSN) befinden. Mindestens zwei solcher OSNs sind in einem Sensillum verborgen. In den Versuchen wurden die elektrischen Signale je eines OSN gleichzeitig aufgenommen und miteinander verglichen. Bei Zugabe eines ausgesuchten Duftstoffs, beispielsweise Linalool, wurde dann festgestellt, dass DEET einen stimulierenden Effekt auf das OSN mit dem Rezeptor Or59b und parallel einen inhibierenden Effekt auf das OSN mit dem Rezeptor Or85a hatte. Insgesamt wurden die Reaktionen von vier OSNs auf zehn verschiedene Duftstoffe verglichen. Alle Nerven reagierten, und dies sogar abhängig von der Konzentration der Gerüche in der Umgebung, bis auf drei Ausnahmen unterschiedlich im Beisein von DEET. In Abwesenheit eines Duftstoffes wirkte DEET hingegen so gut wie gar nicht. Der Stoff verändert somit die "mentale Duftkodierung" der Tiere, die demzufolge nicht mehr gezielt, sondern verwirrt reagieren.

Natürliche Variabilität der Duftrezeptoren könnte der Grund für das breite Wirkspektrum von DEET gegen verschiedenste Insektenarten sein

Um den Wirkmechanismus von DEET zu entschlüsseln, wurde der Rezeptor Or59b genauer analysiert. Die Duftreaktionen von 18 an verschiedenen Orten der Welt gesammelten Fruchtfliegen wurden miteinander verglichen und zeigten ähnliche Ergebnisse wie der Laborstamm - bis auf einen Stamm aus Brasilien, der sich als insensitiv gegen DEET herausstellte und gegenüber bestimmten Düften andere Aktivierungsmuster zeigte. Das Or59b kodierende Gen aus dem südamerikanischen Stamm wurde daraufhin mit dem Gen des Laborstammes verglichen und zeigte mehrere Abweichungen in den abgeleiteten Aminosäuresequenzen. Die individuelle Untersuchung der einzelnen Aminosäureaustausche unter Einsatz von transgenen Fruchtfliegen zeigte, dass schon eine Veränderung von Valin nach Alanin im brasilianischen Stamm ausreichte, um die DEET Wirkung aufzuheben - ein Beweis, dass der Stoff direkt mit einem OR interagiert und nicht mit ebenfalls im Rezeptorkomplex vorhandenen konservierten Untereinheiten wie beispielsweise Orco (olfactory receptor coreceptor). Weil das Repertoire an unterschiedlichen ORs in verschiedenen Insektenarten und deren Ökotypen groß ist, könnte hierin der Grund für das enorm breite Wirk- und Wirtsspektrum von DEET liegen. [JWK]

Originalveröffentlichung:

Maurizio Pellegrino, Nicole Steinbach, Marcus C. Stensmyr, Bill S. Hansson, Leslie B. Vosshall: A natural polymorphism alters odour and DEET sensitivity in an insect odorant receptor. NATURE, ahead of print publication, DOI 10.1038/nature10438

Weitere Informationen:

Bill S. Hansson, MPI chemische Ökologie, Jena
Tel.: 03641 - 57 1400, hansson@ice.mpg.de

Leslie B. Vosshall, The Rockefeller University, New York, NY, USA
Tel: +1 212 327 7236, leslie@mail.rockefeller.edu

Bildmaterial:

Angela Overmeyer M.A., Tel. 03641 - 57 2110, overmeyer@ice.mpg.de
oder per Download via http://www.ice.mpg.de/ext/735.html

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Verlustreich für Mensch und Fisch

Andreas Villwock
Pressestelle
Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, Kiel

Granatbarsche zählen zu den bekanntesten Tiefseefischen. Die Bestände sind bereits überfischt, Australien und Neuseeland haben die Fischerei eingestellt.

- Tiefseefischerei ist wirtschaftlich und ökologisch unrentabel -

Die Polargebiete und die offenen Ozeane haben sie längst erobert, jetzt erschließen sich die großen Fischfangflotten ein neues Jagdrevier: Die Tiefsee. In der renommierten Fachzeitschrift „Marine Policy" warnen Fischereibiologen aus sieben Ländern, darunter auch Dr. Rainer Froese vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR), vor den möglichen Folgen. Denn die auf den ersten Blick ertragreichen Fischbestände in den Tiefen der Ozeane könnten noch viel schneller vernichtet sein als Bestände in küstennahen Gewässern.
Fischereibiologen warnen regelmäßig vor dem Zusammenbruch von Fischbeständen. Doch die Auslagen in Europas Fischgeschäften sind gut gefüllt. Dieser scheinbare Widerspruch löst sich schnell auf, wenn man weiß, dass die großen Fischfangflotten immer neue Fischbestände in immer neuen Meeresgebieten ausbeuten. Längst fangen europäische Trawler in großem Maßstab vor afrikanischen und asiatischen Küsten, in der Arktis und Antarktis, und japanische Fangflotten durchziehen den gesamten Indischen und Pazifischen Ozean auf der Suche nach lohnenden Schwärmen. Weil die Erträge trotzdem zurückgehen, sind die Fischereiindustrien mittlerweile dabei, ein weiteres Feld abzuernten: Die Tiefsee. „Bevor dort unreparierbare Schäden entstehen, wollten wir untersuchen, ob Tiefseefischerei überhaupt nachhaltig betrieben werden kann", erklärt Dr. Rainer Froese vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften (IFM-GEOMAR). Zusammen mit Kollegen aus den USA, aus Kanada, Großbritannien, Portugal, der Schweiz und Neuseeland kommt er zu einem klaren Ergebnis: „Die Tiefseefischerei sollte mit ganz wenigen Ausnahmen eingestellt werden", fasst er die gemeinsame Studie zusammen, die online in der renommierten Fachzeitschrift „Marine Policy" erschienen ist und international bereits Aufmerksamkeit erregt hat. Ende der Woche wird sie Diskussionsgrundlage für einen Workshop der Vereinten Nationen in New York zum Thema „Nachhaltige Fischerei" sein.

Die Studie legt dar, dass Tiefseefischerei gleich aus mehreren Gründen problematisch ist. Die tieferen Regionen der Ozeane sind zum größten Teil auch für marine Organismen lebensfeindlich. Das Leben konzentriert sich daher an bestimmten Orten, zu Beispiel an Unterwasserbergen, deren Gipfel relativ dicht unter der Wasseroberfläche liegen. An den Bergflanken steigen nährstoffreiche Strömungen auf, die zusammen mit dem Licht von oben eine ausreichende Lebensgrundlage für Korallen, Kleinstlebewesen und Fische bedeuten. So begrenzt diese Oasen des Lebens in der Tiefsee sind, so schnell sind sie auch zerstört. Tiefseetrawler arbeiten vielfach mit Grundschleppnetzen, die an einem neu erschlossenen Unterwasserberg zunächst die Bodenlebensgemeinschaften vernichten und erst anschließend die begehrten Fische fangen. „Zurück bleibt eine öde Landschaft", sagt Froese. Zudem ist die Art der Fischerei extrem aufwendig. Da erst ein Bruchteil der Meeresboden exakt kartiert ist, sind die Trawler mit modernster Sonartechnologie ausgestattet. „Da wäre so manches Forschungsschiff neidisch", sagt Froese.

Trotz der hohen Investitionen in Technik und die weiten Anfahrten schien sich die Tiefeseefischerei zunächst zu lohnen. Tiefseefische können sehr groß und schwer werden. Der Riesen-Antarktisdorsch zum Beispiel, der in bis zu 1600 Metern Wassertiefe vorkommt, bringt es auf bis zu 175 Zentimeter Länge und bis zu 80 Kilogramm Gewicht. Wegen der niedrigen Temperaturen und der wenigen verwertbaren Nährstoffe in der Tiefe wachsen diese Fische aber extrem langsam. „Weil neue Generationen nicht rechtzeitig nachwachsen können, ist ein Bestand von Tiefseefischen viel schneller überfischt, als ein küstennaher Bestand", betont Froese. So gilt der häufig gehandelte Granatbarsch schon heute als extrem gefährdet. Neuseeland und Australien haben als Konsequenz den Fang dieser Art auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. „Insgesamt muss man sagen, dass diese extrem teure Fischerei in bisher wenig erforschten Regionen schwere Schäden an der globalen Artenvielfalt anrichtet, die eigentlich das Erbe der gesamten Menschheit ist", sagt Froese. So können er und seine Kollegen nur sehr wenige Tiefseefischereien als ökologisch und ökonomisch sinnvoll einstufen. „Dabei handelt es sich um Fischereien, die mit wenig Technik und in begrenztem Rahmen ausgeführt werden", sagt Froese. Er und seine Kollegen hoffen nun auf entsprechende Resolutionen der Vereinten Nationen, damit das Leben der Tiefsee nicht zerstört wird, bevor wir es richtig kennen gelernt haben.

Originalarbeit:
Norse, E.A., S. Brooke, W.W.L. Cheung, M.R. Clark, I. Ekeland, R. Froese, K.M. Gjerde, R.L. Haedrich, S.S. Heppell, T. Morato, L.E. Morgan, D. Pauly, R. Sumaila, R. Watson: Sustainability of deep-sea fisheries, Marine Policy, 36 (2), 307-320, ISSN 0308-597X, 10.1016/j.marpol.2011.06.008 (gedruckt: März 2012).
Online: (http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0308597X11001102)

Weitere Informationen:
http://www.ifm-geomar.de Das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR
http://www.fishbase.de Weitere Informationen über Granatbarsche, Riesen-Antarktisdorsche sowie weitere 30.000 Fischarten
http://www.fishbase.de/rfroese Persönliche Seite von Dr. Rainer Froese

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Lebensmittelabfälle effektiv nutzen

Lisa Dittrich
Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Justus-Liebig-Universität Gießen

Chemiker der JLU an Projekt zu Biomasse-Reststoffen beteiligt
20 Millionen Tonnen Lebensmittel landen allein in Deutschland jährlich auf dem Müll: Mit Botschaften wie dieser schockiert derzeit der Dokumentarfilm „Taste the Waste" die Menschen. Gleichzeitig werden die Anbauflächen für Nahrungsmittel weltweit knapper, weil die Nachfrage nach erneuerbarer Energie aus Biomasse stetig wächst. Dieser Problematik widmet sich seit Anfang September ein neues Kooperationsprojekt zwischen der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und der Hochschule Bremen, das sich die Bestandsaufnahme des Reststoffpotenzials der deutschen Lebensmittel- und Biotechnnologie-Industrie zum Ziel gesetzt hat. Das Projekt der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz läuft bis August 2012 und wird allein an der JLU mit 90.000 Euro gefördert.

Um Konflikte zwischen der Nutzung von Biomasse als Energieträger einerseits und einer ausreichenden Nahrungsmittelversorgung andererseits weitgehend zu vermeiden, sollten Biomassereserven, die zum Verzehr nicht mehr in Frage kommen, möglichst effizient genutzt werden. Bislang spielten Untersuchungen zur besseren Verwertung von Reststoffen der Lebensmittel- und Biotechnologieindustrie eine untergeordnete Rolle, obwohl gerade dort entsprechende Stoffe in erheblichen Mengen sortenrein und regelmäßig anfallen.

Ziel des gemeinsamen Forschungsprojektes ist es, das jeweilige regionale Aufkommen sowie die aktuellen Verwertungswege von Reststoffen der Lebensmittel- und Biotechnologie-Industrie ebenso zu erfassen wie die wichtigsten chemischen Charakteristika der biogenen Reststoffe. So soll eine breite Datenbasis zur zukünftig optimierten Nutzung von Biomasse-Abfällen als Rohstoff geschaffen werden.

Kontakt:
Prof. Dr. Holger Zorn
Institut für Lebensmittelchemie und Lebensmittelbiotechnologie
Heinrich-Buff-Ring 58, 35392 Gießen
Telefon: 0641 99-34900

Weitere Informationen:
http://www.uni-giessen.de/cms/lcb

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Pflanzeninhaltsstoff senkt Brustkrebs-Sterblichkeit

Dr. Stefanie Seltmann
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum

Viele Untersuchungen schreiben den Phytoöstrogenen, Pflanzeninhaltsstoffen mit hormonähnlicher Wirkung, krebshemmende Eigenschaften zu. Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum konnten nun erstmals nachweisen, dass die Substanzen bei Brustkrebs nach den Wechseljahren auch das Sterblichkeitsrisiko sowie das Risiko, Metastasen oder Zweittumoren zu entwickeln, um bis zu 40 Prozent verringern
Phytoöstrogene sind Pflanzeninhaltsstoffe, die im menschlichen Körper an die Rezeptoren für das weibliche Geschlechtshormon Östrogen andocken können und die mit der täglichen Ernährung aufgenommen werden. Aufgrund einer Reihe von Ergebnissen werden den Pflanzenhormonen krebshemmende Eigenschaften zugeschrieben. Im Deutschen Krebsforschungszentrum hatten Wissenschaftler um Prof. Dr. Jenny Chang-Claude bereits im vergangenen Jahr in einer Metaanalyse die Ergebnisse mehrerer Studien zusammenfasst und so gezeigt, dass eine phytoöstrogenreiche Nahrung das Risiko reduziert, nach den Wechseljahren an Brustkrebs zu erkranken. Nun wollten die Heidelberger Forscher herausfinden, ob die Phytoöstrogene auch einen Einfluss auf den Verlauf einer Brustkrebserkrankung haben. Frühere Untersuchungen dazu hatten einander widersprechende Ergebnisse erzielt.

Die wichtigste Klasse von Phytoöstrogenen in unserer westlichen Ernährung bilden die Lignane, die in Saaten, insbesondere in Leinsamen, aber auch in Getreide und Gemüse vorkommen. Im Darm werden die Substanzen zu Enterolakton umgewandelt, das von der Schleimhaut absorbiert wird und das die Heidelberger Forscher als Biomarker im Blut der Patientinnen bestimmten.

Zwischen 2002 und 2005 nahmen die DKFZ-Forscher im Rahmen der MARIE-Studie Blutproben von 1140 Frauen, die nach den Wechseljahren an Brustkrebs erkrankt waren. Nach einer mittleren Beobachtungszeit von sechs Jahren setzten sie den Enterolakton-Spiegel in Bezug zum klinischen Verlauf der Erkrankung.

Das Ergebnis: Verglichen mit den Teilnehmerinnen mit dem niedrigsten Enterolakton-Spiegel hatten die Frauen mit den höchsten Blutwerten für diesen Biomarker ein etwa 40 Prozent geringeres Sterblichkeitsrisiko. Berücksichtigten die Wissenschaftler zusätzlich das Auftreten von Metastasen und Zweittumoren, kamen sie zu einem ähnlichen Ergebnis: Frauen mit den höchsten Enterolakton-Werten hatten ebenfalls ein geringeres Risiko für einen solchen ungünstigen Krankheitsverlauf.

„Wir haben nun erste deutliche Hinweise darauf, dass Lignane nicht nur das Erkrankungsrisiko für Brustkrebs nach den Wechseljahren senken, sondern auch das Sterblichkeitsrisiko", sagt Jenny Chang-Claude. In früheren Untersuchungen wurde die Lignan-Zufuhr meist durch Ernährungsbefragungen ermittelt. Die Ergebnisse solcher Befragungen sind oft unzuverlässig, außerdem gibt es große individuelle Unterschiede, wie jeder Einzelne die Pflanzensubstanzen zu den tatsächlich wirksamen Stoffwechselprodukten weiterverarbeitet. Deshalb setzten die Heidelberger Forscher auf die zuverlässigere Messung von Biomarkern.

Allerdings schränkt Chang-Claude ein: „Signifikant war das Ergebnis nur für die Gruppe der Tumoren, die keinen Rezeptor für das weibliche Geschlechtshormon Östrogen tragen („ER-negative Tumoren"). Das legt die Vermutung nahe, dass Enterolakton den Schutz vor Krebs nicht nur über seine hormonartige Wirkung vermittelt." Tatsächlich hatten Untersuchungen an Zellen und Tieren bereits Hinweise darauf gegeben, dass die Substanz auch östrogen-unabhängig das Krebswachstum beeinflusst: Sie fördert zum Beispiel den Zelltod und hemmt das Aussprießen neuer Blutgefäße.

„Um herauszufinden, ob Enterolakton auch die Aggressivität von Östrogenrezeptor-positiven Tumoren hemmt, müssen wir diese Untersuchung noch auf wesentlich größere Gruppen von Frauen ausdehnen", erklärt Jenny Chang-Claude. Außerdem betont die Wissenschaftlerin nachdrücklich: „Mit einer Kost reich an Vollkornprodukten, Saaten und Gemüsen, die ohnehin als gesundheitsfördernd gilt, kann sich jeder ausreichend mit Lignanen versorgen. Von zusätzlichen Nahrungsergänzungsmitteln können wir zu diesem Zeitpunkt nur abraten."

Phytoöstrogene sind seit Jahren Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Debatten: Einerseits sprechen die Ergebnisse mehrerer Studien an Zellen sowie epidemiologische Befunde für eine krebshemmende Wirkung. Auch die Beobachtung, dass Asiatinnen seltener an Brustkrebs erkranken, lässt sich in diese Richtung deuten. Ihre sojareiche Ernährung liefert große Mengen an Isoflavonen, einer anderen Klasse von Phytoöstrogenen. Auf der anderen Seite befürchten Wissenschaftler, dass Isoflavone die wachstumsfördernden Eigenschaften der echten Hormone imitieren und dadurch hormonabhängige Tumoren wie Brust- oder Prostatakrebs beschleunigen könnten. „Es ist noch nicht abschließend geklärt, ob Lignane im Körper die Hormonwirkung nachahmen oder, im Gegenteil, ihr entgegenwirken, sagt Jenny Chang-Claude. „Unsere Studien sollen dazu beitragen, in dieser wichtigen Frage, die auch unsere tägliche Ernährung betrifft, Klarheit zu schaffen."

Katharina Buck, Alina Vrieling, Aida Karina Zaineddin, Susen Becker, Anika Hüsing, Rudolf Kaaks, Jakob Linseisen, Dieter Flesch-Janys, und Jenny Chang-Claude: Serum Enterolactone and Prognosis of Postmenopausal Breast Cancer. Journal of Clinical Oncology, 2011,
DOI: 10.1200/JCO.2011.34.6478

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Ansätze, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Daneben klären die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Verfahren für selbstreinigende Oberflächen erhält Patent

Johannes Scholten
Pressestelle
Philipps-Universität Marburg

Marburger Forscher entwickelten neuartige Herstellungsmethode für hydrophobe Oberflächen
Die unter dem Begriff „Lotuseffekt" bekannt gewordenen hydrophoben Eigenschaften selbstreinigender Oberflächen konnten in den vergangenen Jahren eine stark ansteigende öffentliche Aufmerksamkeit verzeichnen. Am Fachbereich Chemie der Philipps-Universität Marburg ist unter der Leitung von Professorin Dr. Seema Agarwal und Professor Dr. Andreas Greiner ein neuartiges Verfahren zur Anfertigung superhydrophober fluorierter Polymeroberflächen entwickelt worden, das sich vor allem durch eine einfache und reproduzierbare Herstellung derartiger Oberflächen auszeichnet. Das für dieses Verfahren bereits im vergangenen Jahr erteilte Patent hat nun für den gesamten europäischen Markt volle Rechtskraft erlangt.

Angesichts der außerordentlichen Vielfalt gegenwärtiger und zukünftiger Einsatzmöglichkeiten eröffnet sich mit der europäischen Patenterteilung ein sehr hohes Marktpotenzial für die vorliegende Erfindung. Die Anwendungsfelder superhydrophober selbstreinigender Oberflächen erscheinen nahezu unbegrenzt und werden in den kommenden Jahren in den verschiedensten Lebensbereichen eine zunehmende technische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung erlangen. Das Spektrum reicht dabei von Gebäudefassaden und Dachziegeln über Funktionstextilien oder Beschichtungen im Automobilbereich bis hin zu Nanobeschichtungen für Photovoltaikanlagen oder Spezialbeschichtungen für Bootsrümpfe.

Von besonderem Interesse sind überdies alle hygienerelevanten Lebensbereiche, in welchen hochgradige Sauberkeit unabdingbar ist. Spiegel, Scheiben und Solarzellen können ebenso von schmutzabweisenden Oberflächen profitieren wie medizinische Geräte und Apparaturen. Dies gilt auch für Behälter, die wässrige Flüssigkeiten enthalten, von Getränkeflaschen über Joghurtbecher und Nahrungsmittelfolien bis hin zu Pipetten und Spritzen.

„Als Substrat für die erfindungsgemäßen Polymerbeschichtungen eignen sich grundsätzlich alle Unterlagen, insbesondere solche aus Kunststoff, Metall oder einer Legierung", betont Agarwal und hebt die auch wirtschaftlich bedeutsamen Vorzüge des Herstellungsverfahrens hervor: „Ein großer Vorteil der Beschichtungen liegt in deren einfacher und reproduzierbarer Herstellbarkeit, etwa durch Elektrospinnen einer entsprechenden Polymerlösung."

Auf der Grundlage des an der Philipps-Universität Marburg entwickelten wissenschaftlichen Know-hows sowie zahlreichen industriellen Kooperationen und Patenten wurden von beiden Hochschullehrenden und deren Mitarbeitern im Rahmen der „TransMIT-Business Unit PolyNanoTec" (PNT) in den vergangen Jahren verschiedene Elektrospinnverfahren konzipiert. Seit geraumer Zeit stellt „PolyNanoTec" speziell für das Elektrospinnverfahren konzipierte Formulierungen kommerziell zur Verfügung. Ein besonderer Fokus bei der Entwicklung und Herstellung der Formulierungen liegt zum einen auf der Sicherheit und hohen Produktivität des Elektrospinnverfahrens sowie andererseits in den Eigenschaften der elektrogesponnenen Fasern. „PolyNanoTec" bietet, neben den Kompetenzen im Bereich Nanofasern und Elektrospinnen auch hochwirksame antibakterielle Additive für Kunststoffe an.

Die „TransMIT GmbH" ist die Verwertungsgesellschaft der Philipps-Universität Marburg, der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Technischen Hochschule Mittelhessen. Die „TransMIT GmbH" erschließt und vermarktet - mit rund 140 Angestellten - im Schnittfeld von Wissenschaft und Wirtschaft professionell die Potenziale von rund 6.000 Wissenschaftlern aus mehreren Forschungseinrichtungen in und außerhalb Hessens. Der Geschäftsbereich Patente, Innovations- und Gründerberatung widmet sich der Bewertung (Marktanalyse, Patentrecherche), dem Schutz und der Umsetzung von nationalen und internationalen Innovations- und Wachstumsvorhaben. Die „TransMIT GmbH" hat bei mehreren Rankings im Auftrag verschiedener Bundesministerien jeweils Platz 1 unter den 21 größeren Technologietransfer-Unternehmen in Deutschland erreicht.
(Pressetext: Holger Mauelshagen, TransMIT)

Weitere Informationen:
Ansprechpartner: Professor Dr. Andreas Greiner,
Fachgebiet Makromolekulare Chemie
Tel.: 06421 28-25573
E-Mail: greiner@staff.uni-marburg.de
Internet: http://www.polynanotec.com

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Bakterien mit Bakterien bekämpfen: Probiotika mildern Beschwerden bei Reizdarmsyndrom

Medizin - Kommunikation
Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Leipzig - Etwa jeder fünfte Deutsche leidet an einem Reizdarmsyndrom (RDS): Schmerzen oder Unwohlsein im Bauchraum verbunden mit Durchfällen oder Verstopfung. Experten gehen davon aus, dass eine gestörte Darmflora das RDS begünstigt. Sie erhoffen sich von ihren Erkenntnissen neue therapeutische Ansätze. Insbesondere die Behandlung mit Probiotika, also Mikroorganismen wie etwa Milchsäurebakterien, werden nach aktuellen Studien zunehmend empfohlen, so die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Auf der Fachtagung „Viszeralmedizin 2011" vom 14. bis 17. September 2011 in Leipzig diskutieren Mediziner den aktuellen Wissensstand.
Das Reizdarmsyndrom ist eine chronische Funktionsstörung des Verdauungstraktes. Blähungen, Bauchschmerzen, Verstopfung oder Durchfall schränken die Lebensqualität von Menschen mit RDS erheblich ein. „Wir vermuten, dass die Zusammensetzung der Bakterien im Darm ein entscheidender Faktor für die Entstehung des Reizdarmsyndroms ist", erläutert Professor Dr. med. Stephan C. Bischoff, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Ernährungsmedizin in Stuttgart. Der Darm beherbergt zehnmal mehr Mikroben, als der gesamte menschliche Körper Zellen hat - insgesamt sind es 1,5 Kilogramm. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass diese vielfältige Darmflora bei RDS-Patienten anders zusammengesetzt ist als bei Gesunden: Einzelne Bakterienarten kommen seltener, andere Arten häufiger vor. „Diese Unterschiede sind vermutlich ein Schlüssel zu einer geeigneten Therapie", vermutet auch Professor Dr. med. Peter Malfertheiner, Kongresspräsident der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), aus Magdeburg.

Bereits seit zehn Jahren behandeln Ärzte RDS-Patienten mit Probiotika - dies sind mit lebensfähigen Mikroorganismen angereicherte Nahrungs- und Arzneimittel. Probiotika bestehen aus verschiedenen Bakterienstämmen wie Bifidobakterien, Lactobazillus-Stämmen oder Streptococcus faecalis. Sie sollen ausgleichend auf die Darmflora wirken. Doch bisher fehlten Studien, die deren Wirksamkeit belegen. „In den vergangenen fünf Jahren hat die Forschung jedoch weitestgehend gezeigt, dass die Behandlung mit Probiotika Therapieerfolge mit sich bringt", sagt Professor Bischoff, der auch Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Ernährungsmedizin der DGVS ist. Welche Bakterien die Darmflora bei einem Reizdarmsyndrom am günstigsten beeinflussen, ist jedoch weiterhin ungeklärt.

In einer S3-Leitlinie haben die DGVS und die Deutsche Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) Informationen zur Diagnostik und Therapie des Reizdarmsyndroms zusammengetragen. Ärzte können sich darin über den aktuellen Wissensstand informieren und ihren Patienten eine zielgerichtete Behandlung gewährleisten. Im Rahmen der Fachtagung „Viszeralmedizin 2011" diskutieren Ärzte und Wissenschaftler den Einsatz von Probiotika als Alternative zu herkömmlichen Medikamenten und den weiteren Forschungsbedarf auf diesem Gebiet.

Information: S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der DGVS und der DGNM.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Künstliche Feuchtgebiete können Pestizideinträge in Oberflächengewässern vollständig reduzieren

Bernd Hegen
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Universität Koblenz-Landau

Wie können Chemikalien, die in der Landwirtschaft zur Krankheits- und Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden, dem Kreislauf frühzeitig entzogen werden, um unerwünschte Umweltauswirkungen möglichst gering zu halten oder gar zu vermeiden? Dieser Frage sind Umweltwissenschaftler der Universität Koblenz-Landau nachgegangen. Das Ergebnis: Zwischen 70 und 100 Prozent der Pestizideinträge, die zum Beispiel durch Regen in Oberflächengewässer gespült werden, können durch so genannte künstliche Feuchtgebiete wie bepflanzte Regenrückhaltebecken oder Bäche aufgefangen und abgebaut werden. Die komplette Studie ist nachzulesen im Fachmagazin „Journal of Environmental Quality".

„Künstliche Feuchtgebiete funktionieren wie natürliche KIäranlagen", erläutert Sebastian Stehle vom Institut für Umweltwissenschaften und Leiter der Studie. „Und das mit dem Vorteil, dass sie leicht umsetzbar und kostengünstig sind." Obwohl künstliche Feuchtgebiete bereits als gängige „Best Management Practice" weltweit eingesetzt werden, um Pestizide der Umwelt zu entziehen, wusste die Wissenschaft bislang nur wenig darüber, welche Mengen an Pestizideinträgen damit tatsächlich abgebaut werden können und welches die wirkungsvollsten Designs für solche Systeme sind, so Stehle weiter.

Diesen offenen Fragen gingen die Landauer Wissenschaftler mit Kooperationspartnern aus Frankreich nach, indem sie zunächst alle wissenschaftliche Veröffentlichungen über künstliche Feuchtgebiete analysierten und die jeweiligen Pestizidkonzentrationen auflisteten, bevor und nachdem das belastete Wasser durch die künstlichen Feuchtgebiete geleitet worden war. Daneben sammelten sie Daten über die physikalisch-chemischen Eigenschaften bestimmter Pestizide und die Beschaffenheit der jeweiligen Feuchtgebiete wie Ausmaß, Tiefe, Pflanzendichte und Wasserfließgeschwindigkeit.

Diese Daten kombinierten die Wissenschaftler mit Ergebnissen aus dem von der EU geförderten vierjährigen Projekt „ArtWET", in dem sie die Schadstoffreduzierung in fünf Prototypen künstlicher Feuchtgebiete in Frankreich und Deutschland untersuchten. Ziel von ArtWET: Herauszufinden, wie die Hauptmechanismen solcher Becken, also Sorption der Pestizide an der Pflanzenoberfläche, der Abbau und die Verringerung der Wasserfließgeschwindigkeit durch die Vegetation, optimiert werden können.

Das Ergebnis dieser Meta-Analyse: Je nach Pflanzendichte, Löslichkeit der Pflanzenschutzmittel und Durchflussgeschwindigkeit können künstliche Feuchtgebiete eine Reinigungsleistung von bis zu 100 Prozent erzielen. „Diese Leistung ist überwältigend", so Sebastian Stehle. „Denn in über 50 Prozent der Fälle lag die Schadstoffbelastung der Gewässer oberhalb der Reinigungsbecken deutlich über dem zugelassenen Grenzwert". Voraussetzung für eine Verringerung der Pestizidbelastung von Oberflächengewässern ist allerdings, dass die künstlichen Feuchtgebiete so nah wie möglich an den Flächen eingerichtet werden, auf denen Pestizide ausgebracht werden.

Die effektive Reinigungsleistung solcher künstlicher Feuchtgebiete ist noch aus einem weiteren Grund spannend: Durch die Erderwärmung wird wohl der Insektenbefall zunehmen, was einen erhöhten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln mit sich führen dürfte, so die Einschätzung der Wissenschaftler. Managementmaßnahmen zur Reduzierung der Pestizideinträge in der Umwelt sind daher notwendig. Auf Basis der Studienergebnisse werden nun europaweit implementierbare Maßnahmen bereitgestellt.

Die Studie:
Sebastian Stehle, David Elsaesser, Caroline Gregoire, Gwenaël Imfeld, Engelbert Niehaus, Elodie Passeport, Sylvain Payraudeau, Ralf B. Schäfer, Julien Tournebize, Ralf Schulz: „Pesticide Risk Mitigation by Vegetated Treatment Systems: A Meta-Analysis. Journal of Environmental Quality, DOI 10.2134/jeq2010.0510, Vol. 40 No. 4, p. 1068-1080

Kontakt:
Universität Koblenz-Landau, Campus Landau
Institut für Umweltwissenschaften
Sebastian Stehle
Tel.: 06341 280-31314
E-Mail: stehle@uni

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DUW-Studie: Jeder fünfte Erwerbstätige fühlt sich fehl am Platz

Izabela Ahmad
Pressestelle
Deutsche Universität für Weiterbildung

Studie der Deutschen Universität für Weiterbildung untersucht, wie Erwerbstätige mit ihren Anforderungen im Beruf zurechtkommen. Nach Ansicht von Expertinnen und Experten können Personalverantwortliche ihre Mitarbeitenden besser einsetzen.
Jeder fünfte Erwerbstätige (22 Prozent) fühlt sich in seinem Beruf nicht richtig eingesetzt. Das zeigt eine aktuelle Umfrage unter 1.005 Berufstätigen im Rahmen der Studie „Kompetenz- und Talentmanagement" der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW). Jeweils 11 Prozent der Befragten fühlen sich überfordert oder unterfordert. „Unternehmen müssen die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besser nutzen", sagt Prof. Dr. Ada Pellert, Präsidentin der DUW. Wenn Anforderungen und Kompetenzen nicht zusammenpassen, entsteht für Unternehmen eine Existenz bedrohende Gefahr. Davor warnen die Personalexpertinnen und -experten, die die DUW auf Basis der Studie „Talentpolitik auf dem Prüfstand" befragte.

Zu hohes Arbeitspensum, anspruchslose Aufgaben
Mehr als die Hälfte der Unterforderten (53 Prozent) gibt in der Forsa-Umfrage an, zu wenig anspruchsvolle Aufgaben zu bekommen. Über mangelnde Verantwortung klagen 48 Prozent dieser Gruppe, 37 Prozent empfinden ihren Beruf als zu wenig abwechslungsreich. „Langeweile im Job führt dazu, dass sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer weniger zutrauen und schließlich tatsächlich Kompetenzen verlieren. Dies wird schnell zur Abwärtsspirale", warnt Pellert. Die Überforderten leiden vor allem unter ihrem hohen Arbeitspensum (73 Prozent). Jeder dritte dieser Gruppe meint, zu viel Verantwortung zu tragen (35 Prozent) oder sehnt sich nach mehr Routine (30 Prozent).

Per Weiterbildung aus der Unzufriedenheit
Wer über längere Zeit an Überforderung oder Unterforderung leidet, läuft auf Dauer in die Gefahr eines Burnouts oder Boreouts. Jeder dritte Unzufriedene hat sich mit seiner Situation abgefunden. Fast die Hälfte will jedoch an sich selbst (22 Prozent) oder an der Situation im Job (22 Prozent) etwas ändern - etwa durch Weiterbildung oder ein Gespräch mit den Vorgesetzten. „Weiterbildung kann Überforderten helfen, sich selbst besser zu strukturieren und in ungewohnten Situationen handlungsfähig zu bleiben", erklärt Pellert. „Unterforderte sollten sich aktiv um neue Herausforderungen bemühen." 18 Prozent der Unzufriedenen geben an, dass sie sich einen anderen Arbeitgeber suchen wollen.

Unternehmen setzen auf Kompetenzprofile
In so genannten „Kompetenzprofilen" legen immer mehr große Unternehmen detailliert fest, welche Fähigkeiten für bestimmte Aufgaben gefordert sind. Führungskräfte können durch Gesprächsleitfäden herausfinden, ob die Produktmanagerin ihre Durchsetzungsfähigkeit trainieren müsste und der neue Servicemitarbeiter die nötige Kundenorientierung mitbringt. Neben den fachlichen Kompetenzen schätzen die befragten Personalexpertinnen und -experten insbesondere Selbstorganisation, aber auch Kooperation und interkulturelle Kommunikation als wichtige Zukunftskompetenzen ein. Mehr Informationen zur Studie und zum Thema Kompetenzmanagement unter http://www.duw-berlin.de/de/presse/duw-studie.html

Die Deutsche Universität für Weiterbildung (DUW) mit Sitz in Berlin bietet wissenschaftliche Weiterbildung für Berufstätige mit erstem Studienabschluss. Das Fernstudienangebot der staatlich anerkannten Weiterbildungsuniversität umfasst Masterstudiengänge in den Departments Wirtschaft und Management, Bildung, Gesundheit und Kommunikation sowie weiterbildende Zertifikatsprogramme. Das flexible Blended-Learning-Studiensystem und die individuelle Betreuung ermöglichen es DUW-Studierenden, das Studium mit Privatleben und Beruf zu vereinbaren. Gesellschafter der DUW sind die Freie Universität Berlin und die Stuttgarter Klett Gruppe. Als Public-Privat-Partnership steht die DUW für wissenschaftliche Qualität, Arbeitsmarktnähe und Dienstleistungsorientierung.

Bitte wenden Sie sich bei Rückfragen an:
Pressebüro der Deutschen Universität für Weiterbildung, Annika Noffke,
Telefon: 030/2000 306 106, E-Mail: annika.noffke@duw-berlin.de

Weitere Informationen:
http://www.duw-berlin.de/de/presse.html
http://blog.duw-berlin.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Vorpommersches Erbgut im Dienst der Weltgesundheit

Constanze Steinke
Pressearbeit
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Greifswalder SHIP-Daten helfen auf der Suche nach Bluthochdruck-Genen

Die Ergebnisse der wohl bislang größten internationalen Genuntersuchung zu erblich bedingten Bluthochdruckursachen wurden diese Woche gleich in zwei renommierten Fachblättern veröffentlicht.
Zu den Erbinformationen gehören auch diejenigen von über 4.000 Menschen aus Vorpommern, die sich als Probanden für die Bevölkerungsstudie SHIP (Study of Health in Pomerania) zur Verfügung gestellt und der Analyse ihres Erbguts zugestimmt hatten. Bei der Analyse von Genvarianten von mehr als 200.000 Personen sind die Wissenschaftler auf 28 Gene gestoßen, die den Bluthochdruck maßgeblich beeinflussen. „Das ist ein großer Erfolg, weil wir eigentlich noch nicht viel über die erblichen Veranlagungen der weit verbreiteten Volkskrankheit wissen", sagte der Direktor des Greifswalder Institutes für Physiologie, Prof. Rainer Rettig (Foto). Die wichtigsten Erkenntnisse wurden in der NATUTRE* und NATURE GENETICS** publiziert.

Etwa jeder vierte Erwachsene in Deutschland leidet an Bluthochdruck. Die Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall sind schwerwiegend und können tödlich sein. Um wirksame Mittel im Kampf gegen Bluthochdruck zu finden, müssen die körperlichen Zusammenhänge besser verstanden werden. Ein internationales Wissenschaftskonsortium (International Consortium for Blood Pressure Genome-wide Association Studies, ICBP-GWAS) unter Beteiligung von 200 Zentren aus 24 Ländern hat deshalb die Erbinformationen von über 200 000 Europäern, Asiaten und Afrikanern analysiert, um den genetischen Auslösern für diese häufige Erkrankung auf die Spur zu kommen.

In der in NATURE veröffentlichten Arbeit konzentrierten sich die Forscher auf den oberen und den unteren Blutdruckwert, die beim gesunden Menschen unter 140 bzw. 90 mmHg liegen sollten. „Dabei wurden 28 Regionen im menschlichen Erbgut identifiziert, in denen mit hoher Wahrscheinlichkeit Gene lokalisiert sind, die an der Regulation des Blutdrucks beteiligt sind", erläuterte Rettig. Bei 16 dieser Regionen war der Zusammenhang mit dem Blutdruck bisher noch nicht bekannt. Bei einigen Regionen können sich die Forscher vorstellen, wie die dort lokalisierten Gene an der Regulation des Blutdrucks beteiligt sein könnten. Bei anderen Regionen ist das bisher völlig unklar. „Gerade diese neuen Regionen sind für uns besonders interessant" so der Greifswalder Wissenschaftler, „weil hier möglicherweise Informationen verborgen liegen, über die wir bisher noch nicht einmal spekulieren konnten."

In einer zweiten Arbeit in NATURE GENETICS standen die Differenz zwischen dem oberen und dem unteren Blutdruckwert (Blutdruckamplitude) und der mittlere arterielle Blutdruck im Vordergrund. Diese beiden Parameter sind ebenfalls eng mit dem Risiko einer Herzerkrankung verknüpft. „Die Blutdruckamplitude ist ein wichtiger Indikator für die Durchlässigkeit der Arterien und damit für das Ausmaß der Blutgefäßverkalkungen. In dieser Studie wurden vier neue Regionen gefunden, deren Gene sich auf die Blutdruckamplitude auswirken. Weitere zwei neu entdeckte Regionen können mit dem mittleren Blutdruck in Zusammenhang gebracht werden."

Nach Auffassung des Greifswalder Pharmakologen und Wissenschaftlichen Vorstands der Universitätsmedizin Greifswald, Prof. Heyo K. Kroemer, stellen die am Montag veröffentlichten Ergebnisse einen bedeutenden Fortschritt auf dem Gebiet der Herz-Kreislaufforschung dar. „Sie eröffnen neue Möglichkeiten für die Entwicklung wirksamer Medikamente gegen Bluthochdruck und die damit verbundenen Folgeerkrankungen. Die großen systematischen Bevölkerungsstudien sind inzwischen für eine moderne und zukunftsweisende Medizinforschung unersetzlich. Mit SHIP und der in dieser Woche gestarteten größten Gesundheitsstudie in Deutschland, der Nationalen Kohorte, sind wir am Wissenschaftsstandort Greifswald optimal aufgestellt", unterstrich Kroemer.

Weltweit sind etwa 1 Milliarde Menschen von der Volkskrankheit Bluthochdruck betroffen, in Deutschland allein etwa 15 bis 20 Millionen. Bluthochdruck ist ein wesentlicher Risikofaktor für Herzerkrankungen und Schlaganfall und verursacht pro Jahr weltweit etwa sieben Millionen Todesfälle. Wichtige Ursachen für Bluthochdruck sind ein hoher Kochsalzkonsum, Übergewicht, Bewegungsmangel, Alkoholmissbrauch und eine genetische Veranlagung.

Weitere Informationen
http://www.nationale-kohorte.de
http://www.medizin.uni-greifswald.de/cm/fv/ship.html

*NATURE, doi:10.1038/nature10405
http://www.nature.com
Genetic variants in novel pathways influence blood pressure and cardiovascular disease risk
http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/full/nature10405.html

**NATUR GENETICS, doi:10.1038/ng.922
http://www.nature.com/ng/index.html
Genome‐wide association study identifies six new loci influencing pulse pressure and mean
arterial pressure
http://www.nature.com/ng/journal/vaop/ncurrent/full/ng.922.html

Ansprechpartner
Universitätsmedizin Greifswald
Institut für Physiologie
Direktor: Prof. Dr. med. Rainer Rettig
Greifswalder Straße 11 a, 17405 Karlsburg
T +49 3834 86-19 320
E rettig@uni-greifswald.de
http://www.medizin.uni-greifswald.de/physiol/
http://www.medizin.uni-greifswald.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Die Ursache der größten Umweltkatastrophe der Erdgeschichte

Dipl.Met. Franz Ossing
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

Sibirische Flutbasalte und ihre Beziehung zum Massen-Aussterben vor 250 Millionen Jahren. Ausschlaggebend offenbar die Zusammensetzung des Magmas

Die Ursache der größten Umweltkatastrophe der Erdgeschichte
Sibirische Flutbasalte und ihre Beziehung zum Massen-Aussterben vor 250 Millionen Jahren

Der Ausbruch gewaltiger Mengen von Flutbasalten in Sibirien führte vor 250 Millionen Jahren zum Permo-Triassischen Massenaussterben, der größten Umweltkatastrophe der Erdgeschichte, bei der 90 % aller Arten ausgelöscht wurden. Über die Ursache der sibirischen Eruptionen und den Zusammenhang zu dem massenhaftem Artensterben berichtet ein internationales Forscherteam von geodynamischen Modellierern des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ, Geochemikern der Fourier-Universität Grenoble, des Max Planck-Instituts in Mainz sowie der Vernadsky-, Schmidt- and Sobolev-Institute der Russischen Akademie der Wissenschaften in der aktuellen Ausgabe von Nature am 15. September (vol. 477, p. 312-316).
Als Magmatische Großprovinzen werden Gebiete der Erde bezeichnet, in denen sich große Mengen magmatischer Gesteine angesammelt haben. Innerhalb einer kurzen geologische Zeitspanne von oft weniger als einer Million Jahren überdeckten dort Ausbrüche mehrere hunderttausend Quadratkilometer mit bis zu vier Kilometer mächtigen Lavaströmen. Die Sibirische Magmatischen Großprovinz gilt als die größte ihrer Art weltweit.
Einer allgemein anerkannten These zufolge entstehen Magmatische Großprovinzen durch das Schmelzen von Gesteinen in thermalen Manteldiapiren innerhalb des Erdmantels. Diese heißen Gesteinsblasen, sog. Mantel-Plumes, steigen von der Kernmantelgrenze bis zur Lithosphäre, der festen Gesteinshülle der Erde, auf. Der hohe Auftrieb eines rein temperaturgetriebenen Diapirs müsste eigentlich bei Erreichen der Lithosphäre die Erdoberfläche um etwa einem Kilometer anheben. Diese Anhebung tritt aber nicht bei allen Magmatischen Großprovinzen auf. Außerdem reicht die geschätzte Freisetzung von Gasen bei vielen Magmatischen Großprovinzen nicht aus, um klimatische Katastrophen auszulösen. Das Wissenschaftlerteam präsentiert ein numerisches Modell und neue geochemische Daten, mit denen diese ungelösten Fragen jetzt beantwortet werden.
Ihren Ergebnissen zufolge bestand der Sibirische Mantelplume zu etwa 15 Prozent aus ozeanischer Erdkruste, die vor langer Zeit in den tiefen Erdmantel subduziert ist und durch den Mantelplume zurück zur Lithosphäre gebracht wurde. Das Krustenmaterial lag in dem Plume in Form von Eklogit vor, einem sehr schweren Gestein, das durch sein Gewicht den Auftrieb des Plumes verringert. Deswegen bewirkte der Plume bei seiner Ankunft an den obersten Gesteinsschichten nur eine geringe Anhebung der Lithosphäre. Zudem schmolz die recycelte Kruste bei viel geringeren Temperaturen als das normale Mantelmaterial Peridotit, wodurch der Plume außergewöhnlich große Magmamengen erzeugte und dadurch in der Lage war, innerhalb von nur einigen hunderttausend Jahren die dicke Sibirische Lithosphäre thermisch, chemisch und mechanisch zu zerstören. Weil das wiederverwertete Krustenmaterial besonders viel CO2 und Halogene enthielt, setzte es während dieses Prozesses viele Gase frei, die durch die obersten Erdschichten hindurch in die Atmosphäre gelangten und das Massenaussterben auslösten. Dem Modell zufolge sollte das Artensterben noch vor den größten magmatischen Eruptionen stattgefunden haben. Obwohl bislang nur wenige hochpräzise Datierungen der Eruptionen und der Massenaussterben vorliegen, scheint diese Aussage für viele Magmatische Großprovinzen gültig.

Stephan V. Sobolev, Alexander V. Sobolev, Dmitry V. Kuzmin et al., Linking mantle plumes, large igneous provinces and environmental catastrophes, Nature, vol. 477, p. 312-316, 2011

Bilder und Animationen finden sich unter:
http://www.gfz-potsdam.de/portal/gfz/Public+Relations/M40-Bildarchiv/LIP+Siberia

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Unnütze Teamarbeit

Brigitte Nussbaum
Presse- und Informationsstelle
Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Es gibt kaum belastbare Nachweise, dass Teamarbeit zusätzlich motiviert. Der Wirtschafts- und Organisationspsychologe Prof. Dr. Guido Hertel von der Universität Münster, in welchen Zusammenhängen sie trotzdem positive Auswirkungen haben kann.
Es gibt Mythen, die gerne geglaubt werden, auch wenn sie von keinerlei wissenschaftlichen Daten gestützt werden: so führt Brainstorming in Gruppen immer zu schlechteren Ergebnissen als wenn die gleiche Zahl an Teilnehmern alleine nachdenkt. Gruppenarbeit kann also ausgesprochen kontraproduktiv sein. Auch nervende Kollegen oder fehlende Anerkennung, weil die eigene Leistung in der Gruppe untergeht, können demotivieren. Wie Teamarbeit trotzdem bereichernd sein kann, untersucht der Organisations- und Wirtschaftspsychologe Prof. Dr. Guido Hertel von der Universität Münster. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat dafür 320.000 Euro für die nächsten drei Jahre bewilligt.

Das ist bereits der dritte Abschnitt der Untersuchungen, die die DFG fördert. Seit mehr als zehn Jahren widmet sich Guido Hertel, was gute Teamarbeit ausmacht. "Es gab bislang nur wenig zuverlässige Belege, wann und warum Teamarbeit zusätzlich motiviert", erklärt der Wirtschaftspsychologe. Eigene Studien belegen nun, dass neben Wettbewerb vor allem auch soziale Verantwortung zu zusätzlicher Anstrengungsbereitschaft im Team führt, sagt Guido Hertel. Das Credo, dass in der Wirtschaft immer nur über Eigennutz motiviert werden kann, sei überholt. Wichtig ist auch, welche Konsequenzen die eigene Arbeit für die Kollegen hat.

Um diese Verantwortung aller für alle zu erreichen, gibt es verschiedene Mittel. Das wichtigste ist eine intelligente Zusammensetzung des Teams. Das bedeutet zum Beispiel: Expertisen, also besondere Qualifikationen der Mitarbeiter, sollten nicht doppelt vorhanden sein, jeder braucht das Gefühl dass es besonders auf sein Expertenwissen ankommt. Die Aufgabe sollte so gestaltet werden, dass die Teammitglieder sehen, welche Auswirkungen ihre Teilleistung auf die Arbeit der Anderen hat. Das heißt, die große Gruppenaufgabe wird in kleine Verantwortungsbereiche aufgeteilt und der Aufgabenverlauf transparent gemacht, so dass jeder weiß: Wenn er seine Aufgabe nicht erledigt, werden auch alle anderen scheitern.

"Wir wollen nicht durch zusätzliches Geld für Einzelne motivieren, sondern durch soziale Prozesse",erklärt Guido Hertel. So sollten "Incentives", Belohnungen, an den Team-Erfolg geknüpft sein. Versagt einer, kann sich das ganze Team die Belohnung abschminken. "Die Mitarbeiter brauchen das Gefühl, dass sie bedeutsam sind", so der Psychologe, der seit 2008 an der Uni Münster forscht und lehrt.

Dass diese Regeln funktionieren, hat Guido Hertel in den vergangenen zehn Jahren durch Befragungsstudien und Beobachtungen in Laborsituationen und Unternehmen nachweisen können. Aber wie zeitstabil sind solche Motivationsgewinne durch Teamarbeit? Treten sie nur einmalig auf, oder sind sie auch langfristig wirksam? Sind sie am Ende gar doch kontraproduktiv, weil Mitarbeiter sich übernehmen? Für diese nachhaltigere Fragestellungen hat die DFG die 320.000 Euro bereit gestellt. Aber warum sollte ein eigentlich positiver Effekt ins Gegenteil umschlagen? "Ganz einfach: Stellen Sie sich beispielsweise vor, ein Mitarbeiter ist so übermotiviert, dass er sich übernimmt und nach drei Monaten ausgebrannt ist. Das hilft einem Unternehmen überhaupt nichts", sagt Guido Hertel.

Passieren könne es aber auch, dass sich Menschen nicht nur für wichtig in der Gruppe halten, was angestrebt wird, sondern gleich für unersetzlich, was wiederum zur Demotivation der anderen Gruppenmitglieder führen könne. "Teamarbeit ist ein Instrument, das verantwortungsbewusst eingesetzt werden muss", warnt Guido Hertel. Als Wirtschaftspsychologe hat er großes Interesse daran, seine Erkenntnisse gleich in die Praxis zu tragen. Für die Studie werden noch Unternehmen oder Verwaltungen gesucht, die an ganz aktuell gewonnenem Wissen partizipieren können. Die Ergebnisse dieser Forschung fließen außerdem in eine neue Weiterbildungsveranstaltung für Führungskräfte ein, die im Januar 2012 das nächste Mal startet.

Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/OWMS/ Wirtschafts- und Organisationspsychologie an der Universität Münster
http://weiterbildung.uni-muenster.de/weiterbildungsangebote/executive-management... Weiterbildungsstudiengang EMQ

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Wie sich das Immunsystem an Gluten gewöhnen lässt

Caroline Link
Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Justus-Liebig-Universität Gießen

Gießener Mediziner erhalten den mit 15.000 Euro dotierten Forschungspreis 2011 der Deutschen Zöliakie Gesellschaft - Neue Therapieansätze im Fokus
Christian Zimmermann und Prof. Dr. Klaus-Peter Zimmer von der Abteilung Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) sind mit dem Forschungspreis 2011 der Deutschen Zöliakie Gesellschaft (DZG) ausgezeichnet worden. Der Preis ist mit einer Fördersumme von 15.000 Euro dotiert. Die beiden Wissenschaftler beschäftigen sich mit neuen Therapieansätzen für Zöliakie. Diese Erkrankung wird durch das in Weizen vorkommende Klebereiweiß (Gluten) ausgelöst. Gluten führt bei betroffenen Personen zu Überreaktionen des Immunsystems, vor allem zu Immunreaktionen gegen körpereigene Zellen. Der Dünndarm entzündet sich und wird geschädigt, Nahrungsbestandteile können nur noch vermindert aus dem Darm aufgenommen werden. Typische Symptome der Zöliakie sind Darmbeschwerden wie Durchfälle, Gedeih- und Wachstumsstörungen, eine verzögerte Pubertät und Eisenmangel. Bis jetzt stellt eine lebenslange, streng glutenfreie Ernährung die einzige Therapie dar, die auch nach Abklingen der Symptome beibehalten werden muss.

Zöilakie ist eine der häufigsten entzündlichen Erkrankungen des Dünndarms. Die Entwicklung dieser Krankheit ist sowohl von Umwelt- als auch von genetischen Faktoren abhängig. Weitgehend unklar ist bislang, warum nur ein geringer Prozentsatz der genetisch Prädisponierten das Krankheitsbild entwickelt. Die Gründe hierfür werden nun von den Gießener Wissenschaftlern erforscht.

Christian Zimmermann und Prof. Dr. Klaus-Peter Zimmer untersuchen in ihrem von der DZG geförderten Forschungsprojekt, warum manche Menschen eine Toleranz gegenüber Gluten besitzen und andere nicht. Bei Zöliakiepatienten führt der Kontakt mit sogenannten Gliadinpeptiden zur Aktivierung von entzündungsförderlichen Immunzellen. Es wird vermutet, dass der erste Kontakt des Immunsystems mit Gliadinpeptiden eine entscheidende Rolle für die Immunantwort spielt. Die Gießener Wissenschaftler untersuchen, ob eine Veränderung von entzündungsverursachenden Gliadinpeptiden zu einer oralen Toleranz gegenüber diesen führt. Dazu verändern sie toxisch wirkende Gliadinpeptide chemisch und beobachten deren Einfluss auf die Immunantwort.

Aus den Ergebnissen könnte ein therapeutischer Ansatz entwickelt werden, der bei Zöliakiepatienten eine entzündungsfördernde in eine entzündungshemmende Immunantwort umwandelt, was eine Schädigung des Dünndarms verhindern würde.

Kontakt:
Prof. Dr. Klaus-Peter Zimmer
Abteilung Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie
Feulgenstraße 10-12, 35392 Gießen
Telefon: 0641 985-43411

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Tequila - umweltschonender Treibstoff für Autos?

Sabine Ranke-Heinemann
Pressestelle
Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

Nach Ansicht eines Wissenschaftlers der University of Sydney könnte das Agavengewächs, das bislang nur für die Herstellung von Tequila verwendet wurde, in Australiens trockenem Landesinneren großflächig angebaut werden und den problematischen Kraftstoffverbrauch des Landes somit in umweltschonende Bahnen lenken.
Der Pflanzenphysiologe Dr. Daniel Tan der University of Sydney und Wissenschaftler der University of Oxford haben untersucht, inwiefern sich die Agave für die Herstellung von Bioethanol (Biokraftstoff) eignet. Bei dem Gewächs handelt es sich um eine Wasser speichernde Pflanze mit hohem Zuckeranteil, die in weiten Teilen Mexikos für die Erzeugung des alkoholischen Getränks Tequila angebaut wird.

Dr. Tan und seine Kollegen sind davon überzeugt, daß die Agave im Vergleich zu anderen Pflanzen, wie Zuckerrohr oder Mais, die bereits für die Herstellung von Ethanol verwendet werden, einige bedeutende Vorteile aufweist. „Die Agave scheint für die Herstellung von Biokraftstoff äußerst vielversprechend zu sein. Sie wächst auch in trockenen Gegenenden ohne Bewässerung, sie gilt nicht als Nahrungsmittel, und ihr Anbau geht nicht auf Kosten unserer knappen Wasservorräte" sagte Dr. Tan, Dozent an der Faculty of Agriculture, Food and Natural Resources der University of Sydney.

Im Rahmen eines Pilotprojekts wurde im Kalamia Estate im australischen Bundesstaat Queensland bereits eine erste Agavenfarm zur Ethanolherstellung in Betrieb genommen. Und es wartet noch viel Arbeit. Dr. Tan und seine Kollegen weisen darauf hin, daß noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden müssen, um die Eigenschaften der Agave besser zu verstehen und entsprechende Technologien zu entwickeln.

Sie analysierten die Ethanolproduktion des Agavengewächs und entdeckten dabei einige weitere Vorteile der Pflanze. „Aus Agaven gewonnenes Ethanol weist eine positive Energiebilanz auf - die gewonnene Energie ist fünfmal höher als die Energie, die aufgewendet werden muss. Damit schneidet die Pflanze im Vergleich zu dem hoch effizienten Zuckerrohr und dem weniger effizienten Mais positiv ab. Auch aufgrund der Reduzierung von Treibhausgasemissionen, gemessen in CO2-Äquivalenten, hält die Agave dem Vergleich mit dem Zuckerrohr stand. Wenn wir den gesamten Lebenszyklus des Gewächses betrachten - vom Pflanzen und Ernten bis zur Produktion und Bearbeitung - werden pro Jahr und Hektar schätzungsweise 7,5 Tonnen CO2-Äquivalente ausgestoßen," so Dr. Tan.

Xiaoyu Yan, Wissenschaftler an der Smith School of Enterprise and the Environment der University of Oxford, fasst die Forschungsergebnisse wie folgt zusammen:

„Unsere Untersuchung hebt die vielversprechenden Möglichkeiten der Bioenergieerzeugung durch Agaven in ariden oder semi-ariden Gegenden hervor. Die Erzeugung geht dabei kaum zu Lasten der Nahrungsmittelherstellung und der Wasservorräte. Wenn man die Energie- und Treibhausgasbilanz (Nettoreduktion der Treibhausgasemissionen pro Fläche) sowie die Höhe der Ethanolproduktion mit den Ergebnissen von Mais, Rutenhirse und Zuckerrohr vergleicht, schneidet das Agavengewächs besser oder zumindest ebenso gut ab."

Eine Agavenproduktionsstätte könnte sich aufgrund der holzigen Nebenprodukte der Pflanze, wie Bagasse und sonstigen Rückständen, außerdem selbst mit der für den Betrieb erforderlichen Energie versorgen, so Dr. Tan.

Weitere Informationen:

Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund
Pressestelle
Friedrichstr. 95
10117 Berlin
Email: berlin@ranke-heinemann.de
Tel.: 030-20 96 29 593

oder

Dr. Daniel Tan
daniel.tan@sydney.edu.au
University of Sydney

Das Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund ist die zentrale Einrichtung aller australischen und neuseeländischen Universitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, zuständig für Wissens- und Forschungstransfer, Forschungsförderung sowie Studenten- und Wissenschaftleraustausch und für die Betreuung von Studierenden und Schülern, die ein Studium Down Under vorbereiten.

Weitere Informationen:
http://www.ranke-heinemann.de
http://www.ranke-heinemann.at
http://www.ranke-heinemann.tv

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Immer häufiger Osteoporose bei Männern

Bettina-Cathrin Wahlers
Pressestelle der DGU
Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.

Urologen empfehlen frühzeitige Risikoabklärung und Prävention

Wer bei Osteoporose immer noch von einer typischen Frauenkrankheit nach der Menopause ausgeht, muss umdenken: Von den mehr als acht Millionen Deutschen, die an Osteoporose leiden, sind etwa ein Drittel Männer - Tendenz zunehmend. Die Volkskrankheit des fortgeschrittenen Lebensalters steht eng in Zusammenhang mit dem sinkenden Spiegel an Sexualhormonen.
„Angesichts unserer häufig älteren männlichen Patienten sind Urologen für die Risikoabklärung von Osteoporose beim Mann gefragt", sagt Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg. Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) sieht die Notwendigkeit, das Bewusstsein für Osteoporose beim Mann zu schärfen. Denn oft werde eine entsprechende Diagnose zu spät - nämlich erst nach Knochenbrüchen bei geringsten Anlässen - gestellt. Frühzeitige Kenntnis über das Osteoporoserisiko, das mit steigender Lebenserwartung zwangsläufig zunehme, ermögliche jedoch wirksame Präventionsmaßnahmen.

Bei der Osteoporose führen alters- und krankheitsbedingte Veränderungen im Stoffwechselhaushalt zu einer kontinuierlichen Verringerung von Dichte und Masse der Knochen. Im Gefolge des Abbaus der Substanz der Knochen nimmt deren Brüchigkeit zu. Grundsätzlich wird zwischen primärer und sekundärer Osteoporose unterschieden. Bei der primären sind keine krankhaften Ursachen festzustellen, während bei der sekundären eine andere Erkrankung oder auch deren Therapie der Auslöser der Osteoporose ist.

Prof. Dr. Sabine Kliesch, Urologin und Andrologin am Universitätsklinikum Münster: „Bei Männern diagnostizieren wir mehrheitlich sekundäre Osteoporosen. Bei ihnen ist die Suche nach den krankheitsbedingten Ursachen vorrangig, um eine kausale Therapie einleiten zu können." Die DGU-Pressesprecherin sieht den Hypogonadismus, also den Mangel am Sexualhormon Testosteron, als einen wichtigen Risikofaktor für Osteoporose beim Mann. Besonders bei Prostatakrebs-Patienten werde ein solcher Mangel durch eine antiandrogene Therapie induziert. Da durch die Behandlung die Lebenserwartung dieser Patienten deutlich zunehme, steige deren Osteoporoserisiko im Alter. Hier gelte es, frühzeitig präventiv gegenzusteuern. Unter den zahlreichen weiteren Risikofaktoren weist Prof. Dr. Kliesch besonders auf Langzeittherapien mit Kortisonpräparaten sowie auf Nierenfunktionsstörungen hin, aber auch auf eine ungesunde Lebensführung mit falscher Ernährung, Nikotin, Alkohol und Bewegungsmangel.

Dr. Axel Schroeder, Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Urologen e.V. (BDU), empfiehlt Männern jenseits der 50, bei ihren Routineterminen beim Urologen auch ihr Osteoporoserisiko abklären zu lassen - besonders wenn sie zu den Risikogruppen gehörten oder typische Symptome zeigten. „Typische Symptome sind akut auftretende Schmerzen des Skeletts, ungewollter Gewichtsverlust um mehr als zehn Prozent sowie besonders das Schrumpfen der Körpergröße um mehr als vier Zentimeter in einem Jahr", so der Urologe aus Neumünster. Eine Röntgen-Messung der Knochendichte gebe klaren Aufschluss.

Die therapeutischen Schwerpunkte bei diagnostizierter Osteoporose liegen laut Dr. Schroeder für Männer und Frauen gleichermaßen in Ernährung und Bewegung sowie je nach Schwere des Befundes auch in verschiedenen Medikamenten. Bei sekundärer Osteoporose, wie sie beim Mann in etwa 60 Prozent der Fälle vorliege, biete eine Behandlung der auslösenden Ursachen weitere Möglichkeiten. Grundsätzlich hält er für ältere Männern eine Osteoporose-Prophylaxe mit ausreichend Bewegung und einer ausgewogenen, kalziumreichen Ernährung für wichtig. Wie das ebenfalls notwendige Vitamin D könne die tägliche Kalziumdosis von etwa 1300 Milligramm für ältere Menschen notfalls auch in Präparatform eingenommen werden. Der wichtigste präventive Faktor sei jedoch regelmäßige körperliche Aktivität - und zwar je früher, desto besser.

Weitere Informationen:
DGU/BDU-Pressestelle

Bettina-Cathrin Wahlers
Sabine Martina Glimm
Stremelkamp 17
21149 Hamburg
Tel: 040 - 79 14 05 60
Mobil: 0170 - 48 27 28 7
E-Mail: redaktion@bettina-wahlers.de

Weitere Informationen:
http://www.urologenportal.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Drei Monate nach EHEC - LANCET veröffentlicht erste Ergebnisse des neuen HUS-Behandlungskonzeptes

Constanze Steinke
Pressearbeit

Enge Zusammenarbeit der Wissenschaftler und Ärzte in Greifswald und Hannover hat den Patienten geholfen

Auf dem Höhepunkt der EHEC-Krise Anfang Juni haben Wissenschaftler aus Greifswald und Hannover mit einem neuen Therapieansatz einen Fortschritt bei der Behandlung der schweren HUS-Infektion erzielt. Die Greifswalder Ärzte haben damals vermutet, dass immunologische Abwehrreaktionen und die damit verbundene Bildung von Antikörpern für die schweren Verläufe mit verantwortlich sein könnten. Die Medizinische Hochschule Hannover hat das Behandlungskonzept übernommen und erfolgreich eingesetzt.
Die renommierte britische Fachzeitschrift THE LANCET* veröffentlichte diese Woche erstmals die wissenschaftliche Analyse der ersten Therapiestudie bei schweren neurologischen Komplikationen des Hämolytisch Urämischen Syndroms (HUS). „Die Kooperation mit der Medizinische Hochschule Hannover in einer Phase, als es den Patienten wirklich sehr schlecht ging und wir alle extrem unter Druck standen, war einzigartig in der damaligen Ausnahmesituation", betont der Greifswalder Transfusionsmediziner und Gerinnungsexperte Prof. Dr. Andreas Greinacher.

Vor allem Norddeutschland war von Mai bis Juli 2011 dieses Jahres durch eine Häufung von Erkrankungen mit hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) schwer betroffen, verursacht durch ein Bakterium, dem so genannten enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) des Serotyps O104. Etwa die Hälfte der HUS-Patienten litt an neurologischen Symptomen, die von Erinnerungslücken und Wortfindungsstörungen bis zu anhaltenden Krampfanfällen reichten. Professor Andreas Greinacher von der Universitätsmedizin Greifswald vermutete zu diesem Zeitpunkt aufgrund des klinischen Verlaufs und des zeitlich versetzten Auftretens der Symptome, dass Antikörper die Ursache für die Komplikationen sind.

Vor diesem Hintergrund behandelten die Ärzte der Universitätsmedizin Greifswald und der Medizinischen Hochschule Hannover gemeinsam zwölf Patienten im Alter von 38 bis 63 Jahren mit schwersten neurologischen Ausfällen mit einer Blutwäsche (Immunadsorption), bei der die Antikörper gezielt herausgefiltert werden. Alle Patienten haben die Erkrankung überlebt, zehn zeigten keine neurologischen Symptome mehr und alle Patienten sind trotz Nierenversagen nicht mehr auf eine Dialyse angewiesen. Die behandelnden Ärzteteams in Hannover und Greifswald bewerteten täglich die neurologischen Ausfälle wie Halluzinationen, Sprachstörungen und Krampfanfälle und konnten so einen deutlichen Effekt der Therapie mittels Immunadsorption feststellen. „Der Erfolg war unmittelbar spürbar. Vor der Therapie mittels Immunadsorption hatte weder der Plasma-Austausch (Plasmapherese) noch die Gabe eines Antikörpers (Eculizumab) zu einem durchschlagenden therapeutischen Erfolg geführt", erläutert der hannoversche Nierenspezialist Privatdozent Dr. Jan T. Kielstein. „Die zielgerichtete Entfernung von IgG-Antikörpern aus dem Blut der Patienten mit neurologischen Komplikationen führte zu einer nachweislichen deutlichen Verbesserung."

Beispielhafte Kooperation

Zusätzlich zum HU- Syndrom, das durch den Giftstoff Shigatoxin der EHEC Bakterien verursacht wird und die Niere schädigt, hatten insbesondere die neurologischen Auswirkungen auf das Gehirn wie Bewusstseinsstörungen und Epilepsien zu einer großen Verunsicherung in der Öffentlichkeit und Medizin geführt. Die Antikörper waren entweder gegen das eigene Gewebe des Patienten gerichtet, so genannte Autoantikörper, oder sie sind eine gefährliche Verbindung mit den EHEC-Giften eingegangen, die zu den ernsthaften Gerinnungsproblemen geführt haben. Die Antikörper könnten so die Durchblutung wichtiger Gehirnregionen und der Nebenniere maßgeblich beeinflusst haben. „Obwohl der genaue Mechanismus der Wirkung in den kommenden Monaten noch in weiteren Laboranalysen untersucht werden muss, eröffnen die Erkenntnisse aus dieser gemeinsamen Therapiestudie einen komplett neuen Blickwinkel auf die Krankheitsentstehung", sagt der Greifswalder Wissenschaftler.

Greinacher und Kielstein hoben hervor, dass es insbesondere die beispielhafte schnelle und enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Universitäten und ihren Forschungszentren ermöglicht hat, schwerkranken HUS-Patienten effektiv zu helfen und gleichzeitig eine Erklärung für den ungewöhnlich dramatischen Verlauf der Erkrankung zu finden. Neben den Kliniken hat in Greifswald das Zentrum für Innovationskompetenz für die Erforschung durch Antikörper verursachten Herz-Kreislauf Erkrankungen (ZIK-HIKE) zu diesem Fortschritt beigetragen. Es handelt sich dabei um ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes interdisziplinäres Forschungszentrum (http://www.hike-autoimmunity.de).

Weitere Informationen
http://www.thelancet.com
http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(11)61253-1/fulltext
Lancet 2011, DOI:10.1016/S0140-6736(11)61253-1

THE LANCET ist die führende internationale Wochenzeitschrift für die Krebsforschung, Neurologie und Infektionskrankheiten.

Ansprechpartner
Universitätsmedizin Greifswald
Institut für Immunologie und Transfusionsmedizin
Abteilung Transfusionsmedizin
Leiter: Prof. Dr. med. Andreas Greinacher
Sauerbruchstraße, 17475 Greifswald
T + 49 3834 86-54 82
E greinach@uni-greifswald.de
http://www.medizin.uni-greifswald.de

Medizinische Hochschule Hannover
Klinik für Nieren- und Hochdruckerkrankungen
PD Dr. med. Jan T. Kielstein
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625 Hannover
M +49 171-26 416 01
E kielstein@yahoo.com
http://www.mh-hannover.de

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Deutsche Studie: Kleiner Eingriff kann Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen günstig beeinflussen

Christiane Limberg
Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Vom 27. - 31. August 2011 findet in Paris der Kongress der European Society of Cardiology (ESC) statt
Erfreuliche neue Entwicklungen für Menschen mit starkem Bluthochdruck, der auf blutdrucksenkende Medikamente nicht ausreichend anspricht: Überaktive Nierennerven können mittels Hochfrequenzstrom ausgeschaltet werden („interventionelle renale Sympathikus-Denervation"), wodurch sich nicht nur der Bluthochdruck verringert, sondern auch das Entstehen von Herzrhythmusstörungen („Arrhythmogenese") günstig beeinflusst werden kann.

Das Forscherteam von Dr. Frank Himmel (Universitätsklinikum Schleswig-Holstein) hatte erstmals an 14 Patienten die Auswirkung dieses kaum eingreifenden, per Katheter durchgeführten Eingriffs auf die Herzfrequenzvariabilität (HRV) untersucht (die Schwankungen der Herzfrequenz um einen durchschnittlichen Herzfrequenz-Wert). Die Ergebnisse zeigten drei Monate nach erfolgter renaler Denervation eine Verringerung des Blutdrucks um 23/9 (systolische Senkung 23 mmHg, diastolische Senkung 9 mmHg) sowie eine Verbesserung der Herzfrequenzvariabilität (signifikante Zunahme der mittleren RR-Intervalle, Abnahme der LF-Spektralkomponenten, Abnahme der LF/HF-Ratio). Ursache dafür, so Dr. Himmel auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in Paris, ist die Verringerung einer erhöhten Aktivität des sympathischen Nervensystems (Stressnervensystem) am Herzen.

Die Studienteilnehmer hatten zuvor einen systolischen Blutdruck von mindestens 150 mmHg trotz Einnahme von mindestens drei Blutdruck-senkenden Medikamenten. Die Medikation wurde während des Beobachtungszeitraums beibehalten.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute mehr als 7800 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.

Kontakt:
Pressestelle der DGK
Achenbachstraße 43
40237 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 600692 - 51
Fax: 0211 / 600692 - 10
Prof. Dr. Eckart Fleck (Pressesprecher, Berlin)
E-Mail: fleck@dhzb.de
Christiane Limberg (Pressereferentin, Düsseldorf)
E-Mail: limberg@dgk.org

Weitere Informationen:
http://www.dgk.org

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Klimawandel: Biologische Vielfalt könnte stärker schwinden als bisher angenommen

Sabine Wendler
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Wenn die Klimaerwärmung wie erwartet fortschreitet, könnten weltweit nahezu ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten aussterben. Wie Wissenschaftler des Biodiversität und Klima Forschungszentrums und der Senckenberg Gesellschaft für Naturkunde herausfanden, muss die Rate des tatsächlichen Biodiversitätsverlusts möglicherweise deutlich nach oben korrigiert werden: Bis zum Jahr 2080 könnte in bestimmten Organismengruppen über 80 % der genetischen Vielfalt innerhalb von Arten verschwinden, so die Forscher in der Titelstory des Fachjournals „Nature Climate Change". Die Studie ist die erste weltweit, die den Verlust der biologischen Diversität auf Basis der genetischen Vielfalt quantifiziert.
Die meisten gängigen Modelle zur Auswirkung des Klimawandels auf die Tier- und Pflanzenwelt, konzentrieren sich auf „klassisch" beschriebene Arten, also Gruppen von Organismen, die morphologisch klar voneinander getrennt sind. Bislang nicht berücksichtigt wird die sogenannte kryptische Diversität, die die Vielfalt genetischer Variationen und Abweichungen innerhalb beschriebener Arten umfasst und erst seit der Entwicklung molekulargenetischer Methoden voll erfasst werden kann. Sie ist neben der Vielfalt der Ökosysteme und Arten ein zentraler Teil der globalen Biodiversität. In einer Pionierstudie haben Wissenschaftler des Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) und der Senckenberg Gesellschaft für Naturkunde daher den Einfluss der Klimaerwärmung auf die genetische Vielfalt innerhalb von Arten untersucht.

Über 80 Prozent der genetischen Varianten könnten aussterben
Dazu wurde die Verbreitung von neun europäischen Wasserinsektenarten, die heute noch in mehreren höheren Gebirgslagen Mittel- und Nordeuropas im Oberlauf von Bächen vorkommen, modelliert. Sie sind bereits gut untersucht, so dass die regionale Verteilung der innerartlichen Vielfalt und das Vorkommen von morphologisch kryptischen, evolutionären Linien bekannt sind. Wenn die durch den Weltklimarat IPCC prognostizierte Klimaerwärmung eintritt, werden sie nach den Modellberechnungen im Jahr 2080 auf wenige, kleine Inseln, z.B. in Skandinavien und den Alpen, zurückgedrängt. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Erwärmt sich Europa nur um bis zu zwei Grad, so überleben acht der untersuchten Arten zumindest in Teilgebieten; bei einer Erwärmung um 4 Grad können 2080 wahrscheinlich noch sechs Arten in Teilgebieten überleben. Die genetische Vielfalt wird aber durch das Aussterben lokaler Populationen in weitaus dramatischerem Umfang zurückgehen. In der pessimistischsten Projektion würden bis 2080 84 Prozent aller genetischen Varianten aussterben; im „günstigsten" Fall verschwänden immerhin gut zwei Drittel aller genetischen Varianten. Die untersuchten Wasserinsekten sind repräsentativ für viele Arten der Bergregionen Mitteleuropas.

Langfristig geringere Chancen für Entstehung neuer Arten und deren Überleben
Carsten Nowak, Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) und Senckenberg Gesellschaft für Naturkunde, erläutert: „Unsere Modelle der zukünftigen Verbreitung zeigen, dass die „Art" als solche meist überleben wird. Ein Großteil der jeweils nur an bestimmten Orten vorkommenden genetischen Varianten wird jedoch nicht überleben. Dabei gehen eigenständige evolutionäre Linien in anderen Regionen, wie beispielsweise den Karpaten, Pyrenäen oder den deutschen Mittelgebirgen verloren. Viele dieser Linien sind derzeit dabei, sich zu eigenständigen Arten zu entwickeln, werden aber nach den Modellberechnungen bereits auf dem Weg zur Artbildung aussterben." Außerdem ist die genetische Variation innerhalb der Art wichtig für die Anpassungsfähigkeit an sich ändernde Lebensräume und klimatische Bedingungen. Ihr Verlust reduziert damit langfristig auch die Überlebenschancen einer Art.

Neuer Ansatz für Naturschutz
Hinter dem Artensterben verbirgt sich also ein Verlust viel größeren Ausmaßes in Form des massiven Schwunds genetischer Vielfalt. „Die Verluste der biologischen Vielfalt, die im Zuge der Klimaerwärmung zu erwarten sind, werden in den bisherigen Studien, die sich nur auf Artenzahlen beziehen, vermutlich deutlich unterschätzt.", kommentiert Steffen Pauls, Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), die Ergebnisse. Hier liegt aber auch die Chance, die genetische Vielfalt zu nutzen, um den Natur- und Umweltschutz effizienter zu machen. Ein derzeit viel diskutiertes Thema ist der Umgang mit Schutzgebieten unter Klimawandelbedingungen. Die Autoren der Studie plädieren dafür, Schutzgebiete auch danach auszurichten, wo in Zukunft sowohl geeigneter Lebensraum für die Art als auch ein hohes Maß an innerartliche genetischer Diversität erhalten werden könnte. „In jedem Fall ist es an der Zeit", so Nowak, „Biodiversität nicht als eine starre Anhäufung von Arten zu sehen, sondern als eine Vielzahl evolutionärer Linien, die in ständiger Änderung begriffen sind. Der Verlust einer solchen Linie, egal ob sie heute als eigene „Art" definiert ist oder nicht, kann potentiell einen massiven zukünftigen Biodiversitätsverlust bedeuten".

Publikation:
Bálint, M., Domisch, S., Engelhardt, C.H.M., Haase, P., Lehrian, S., Sauer, J., Theissinger, K., Pauls, S.U., Nowak, C., Cryptic biodiversity loss linked to global climate change. Nature Climate Change (2011). doi:10.1038/NCLIMATE1191.

http://dx.doi.org/10.1038/NCLIMATE1191

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Dr. Steffen Pauls
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
Tel.: 069 7542 1884
E-Mail: steffen.pauls@senckenberg.de

und

Dr. Carsten Nowak
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F)
Tel.: 06051 61954 3122
E-Mail: cnowak@senckenberg.de

oder

Sabine Wendler
LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F), Pressereferentin
Tel.: 069 7542 1838
E-Mail: sabine.wendler@senckenberg.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Bluthochdruck lässt sich regeln!

Joachim Leiblein
Geschäftsstelle
Deutsche Hochdruckliga

Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® - Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention hilft Betroffenen mit breitem Informations- und Serviceangebot
Mehrere Patientenbroschüren der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® - Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und Prävention informieren über die Erkrankung „Bluthochdruck" und geben zahlreiche Tipps, um den Blutdruck wieder in den Griff zu bekommen. Neu sind die Broschüren „Bluthochdruck - das lässt sich regeln!" und „Antworten auf 10 Fragen zu Bluthochdruck", in denen verständliche Informationen rund um das Thema Bluthochdruck im ansprechenden Design aufbereitet wurden. Zudem informiert das Magazin für Prävention und Behandlung des Bluthochdrucks und seiner Folgen „Druckpunkt" vierteljährlich über aktuelle Forschungs- und Gesellschaftshighlights, lässt prominente Leidensgenossen - wie schon Hans-Dietrich Genscher oder Senta Berger - zu Wort kommen und gibt viele nützliche Tipps, die von speziellen Sporteinrichtungen bis hin zu saisonalen Rezeptideen für eine gesunde, blutdruckfreundliche Kost reichen.

Betroffene können aber auch ganz individuellen Rat (telefonisch oder auch schriftlich) bei der Deutschen Hochdruckliga e.V. DHL® - Deutschen Gesellschaft für Hypertonie und Prävention einholen: Das Herz-Kreislauf-Telefon ist wochentags von 9-17 Uhr unter 06221/588555 zu erreichen, Experten beantworten dann die Fragen der Betroffenen und können sie in ihrer Situation konkret beraten.

In Deutschland leiden ca. 35 Millionen Menschen unter Bluthochdruck (Hypertonie). Man geht davon aus, dass bei den über 60-Jährigen sogar jeder Zweite einen zu hohen Blutdruck hat. Für diese Menschen hält die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® - Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention ein umfassendes Informations- und Serviceangebot bereit. Damit lässt sich das Problem Bluthochdruck regeln, bevor es zu den typischen Folgeerscheinungen, wie z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nieren- und Gefäßschäden kommt.

So lässt sich Blutdruck regeln - und natürlich finden Sie auch alle Informationen online unter: www.hochdruckliga.de !

Kontakt:
Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® -
Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention
Berliner Str. 46
69120 Heidelberg
Tel. 06221/ 58855-0, Fax 06221/ 58855-25
hochdruckliga@t-online.de

Weitere Informationen:
http://www.hochdruckliga.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Studien: Regelmäßiger Schokoladen-Genuss kann Herz-Kreislauf-Risiko stark verringern

Christiane Limberg
Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Schokolade hat einen positiven Einfluss auf die Gesundheit. Sie wirkt antioxidativ und entzündungs-hemmend, kann den Blutdruck senken, die Insulin-Sensitivität verbessern und damit vor Diabetes schützen, so berichtet ein Forscherteam um Dr. Oscar Franco (University of Cambridge) auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in Paris. Gezeigt wurde auch ein Zusammenhang zwischen dem individuellen Schokoladenkonsum und dem Herz-Kreislauf-Risiko: Demnach hatten Studienteilnehmer mit dem höchsten Schokoladenkonsum ein um 37 Prozent niedrigeres Herz-Risiko und ein um 29 Prozent geringeres Schlaganfall-Risiko als Studienteilnehmer mit dem geringsten Schokoladenkonsum. Dies zeigte eine Auswertung von Studien mit insgesamt mehr als 100.000 Teilnehmern.

Die ausgewerteten Studien, kritisiert Dr. Franco, unterschieden allerdings nicht zwischen schwarzer Schokolade und Milchschokolade und berücksichtigten auch Schokoriegel, Schoko-Drinks, Kuchen und Desserts. Aussagen über die gesundheitsfördernde Wirkung der Schokolade müssen deshalb mit Vorsicht interpretiert werden, insbesondere weil die im Handel erhältliche Schokolade oft sehr viele Kalorien hat - etwa 500 Kalorien pro 100 Gramm - und ein zu hoher Konsum deshalb zu Gewichtszunahme und einem erhöhten Risiko von Diabetes und Herzkrankheiten beitragen kann.

Im Sinne des Herzschutzes wäre es sinnvoll, so die Studienautoren, den hohen Fett- und Zuckergehalt vieler Schokolade-Produkte zu reduzieren, ohne deren Geschmack negativ zu beeinflussen.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute mehr als 7800 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.

Kontakt:
Pressestelle der DGK
Achenbachstraße 43
40237 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 600692 - 51
Fax: 0211 / 600692 - 10
Prof. Dr. Eckart Fleck (Pressesprecher, Berlin)
E-Mail: fleck@dhzb.de
Christiane Limberg (Pressereferentin, Düsseldorf)
E-Mail: limberg@dgk.org

Weitere Informationen:
http://www.dgk.org

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Neue Akkus braucht das Land

Dr. Renate Hoer
Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Mikroporöses Polymer als außergewöhnlich leistungsfähiger Superkondensator
Für zukünftige Elektrofahrzeuge, leistungsfähige Notebook und andere tragbare elektronische Geräte wird eine neue Generation von Stromspeichermedien benötigt, die den Anforderungen besser gewachsen sind als heutige Akkus. So genannte Superkondensatoren sind hier das Material der Wahl. Ein Team um Dinglin Jiang von den National Institutes of Natural Sciences in Okazaki (Japan) stellt in der Zeitschrift Angewandte Chemie nun ein neues Material mit herausragenden Superkondensator-Eigenschaften vor.

Für Fahrten in der Stadt sind abgasfreie Elektroautos gut geeignet, für Langstrecken dagegen bisher nicht. Probleme bereiten die zu geringe speicherbare Strommenge, die nur relativ kurze Strecken bis zum nächsten Nachladen erlauben, und die begrenzte Stromstärke, die Geschwindigkeit und Beschleunigung der Fahrzeuge limitiert. So genannte Superkondensatoren könnten diese Herausforderungen meistern, denn sie vereinen die Vorteile von herkömmlichen Kondensatoren und Batterien: Wie ein Kondensator können sie bei Bedarf rasch hohe Stromdichten liefern, gleichzeitig speichern sie wie eine Batterie eine hohe Menge elektrischer Energie.

Superkondensatoren arbeiten nach einem anderen Prinzip der Ladungsspeicherung als Akkus: Sie bestehen aus elektrochemischen Doppelschichten auf Elektroden, die mit einem Elektrolyt befeuchtet sind. Beim Anlegen einer Spannung sammeln sich an beiden Elektroden Ionen entgegengesetzter Ladung und bilden hauchdünne Zonen von unbeweglichen Ladungsträgern. Anders als bei Akkus tritt nur eine Ladungsverschiebung, aber keine chemische Stoffänderung auf. Verschiedene Materialien eignen sich als Superkondensatoren, aber das wirklich perfekte Material wurde bisher noch nicht gefunden. Den Wissenschaftlern in Japan gelang nun ein wichtiger Meilenstein auf diesem Weg.

Eine Stoffklasse mit interessanten Eigenschaften sind spezielle gerüstartig aufgebaute, mikroporöse organische Polymere. Aufgrund der Anordnungen ihrer Doppelbindungen kann sich ein Teil ihrer Elektronen in ausgedehnten Bereichen des Gerüsts frei bewegen. Daher sind solche Materialien elektrisch leitfähig. Die hohe innere Oberfläche ist wichtig für die Bildung von elektrostatischen Ladungstrennungs-Schichten in den Poren. Jiang und sein Team haben jetzt ein stickstoffhaltiges Gerüst synthetisiert, dessen Porengröße optimal ist, um Ionen rasch hinein- und hinauszulassen - Voraussetzung für eine schnelle Aufladung und Entladung. Die Stickstoffzentren treten zudem mit Ionen des Elektrolyten in Wechselwirkungen, die die Ansammlung von Ladungen und die Bewegung von Ionen begünstigen.

Das Zusammenwirken dieser verschiedenen vorteilhaften Eigenschaften verleiht dem neuen Material ganz außergewöhnlich hohe Stromspeicher-Kapazitäten und hohe Energiedichten. Jiang und seine Kollegen konnten zeigen, dass ihre mikroporösen Gerüste viele Ladezyklen gut überstehen.

Angewandte Chemie: Presseinfo 32/2011

Autor: Donglin Jiang, National Institutes of Natural Sciences, Okazaki (Japan), http://groups.ims.ac.jp/organization/jiang_g/Welcome.html

Angewandte Chemie, Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201103493

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany

Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Arbeitsbelastung und Überstunden geben Hinweise auf Herzkrankheit und Sterblichkeit

Christiane Limberg
Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Vom 27. - 31. August 2011 findet in Paris der Kongress der European Society of Cardiology (ESC) statt
Hohe berufliche Anforderungen in Kombination mit niedriger Kontrolle über die eigene Arbeit sind schädlich fürs Herz. Solche sehr stark belastenden Tätigkeiten („High strain jobs") können höheres Herzrisiko und erhöhte Sterblichkeit bedeuten, heißt es in einer Studie der Universität Helsinki (Finnland), die auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in Paris vorgestellt wurde. Lange Arbeitszeiten mit vielen Überstunden, analysieren die Studienautoren, stehen der Gesundheit entgegen und gehen einher mit abnehmenden kognitiven Funktionen, mehr Herzkrankheiten und höherer Mortalität.
Die Arbeitsgesundheit, so Studienautorin Dr. Tea Lallukka, spielt eine Schlüsselrolle im Gesundheitsstatus einer Gesellschaft. Das psychosoziale Arbeitsumfeld und die Stunden, die mit stressender Arbeit verbracht werden, sind wichtige Prediktoren für die Gesundheit und das Wohlbefinden in Arbeitsumfeldern. Stress und Überstunden sind außerdem assoziiert mit ungesundem Verhalten, Gewichtszunahme und Fettleibigkeit. Allerdings, so Dr. Lallukka, seien „die Zusammenhänge nicht immer eindeutig".
Körperlich anstrengende Arbeitsplätze sind zwar in den vergangenen Jahrzehnten in der europäischen Arbeitsrealität seltener geworden, heute sei die moderne Arbeitswelt charakterisiert durch hohe Arbeitslast, Jobunsicherheit und andere psychosoziale Stressoren. Erforderlich seien deshalb organisatorische Interventionen zur Verbesserung der Arbeitssituation, zum Beispiel Rotation bei Schichtarbeit und Verringerung von Überstunden. Aber auch Interventionen auf der individuellen Ebene. „Denn", so Dr. Lallukka, „persönliche Eigenschaften beeinflussen die Art und Weise, wie Menschen ihr Arbeitsumfeld sehen."

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute mehr als 7800 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft in Europa. Weitere Informationen unter www.dgk.org.

Kontakt:
Pressestelle der DGK
Achenbachstraße 43
40237 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 600692 - 51
Fax: 0211 / 600692 - 10
Prof. Dr. Eckart Fleck (Pressesprecher, Berlin)
E-Mail: fleck@dhzb.de
Christiane Limberg (Pressereferentin, Düsseldorf)
E-Mail: limberg@dgk.org

Weitere Informationen:
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Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Austernpilze senken den Cholesterinspiegel

Jessica Lumme
Referat für Kommunikation und Marketing
Leibniz Universität Hannover

Studie des Instituts für Lebensmittelwissenschaft und Humanernährung zeigt positiven Einfluss auf Blutfette
Wer zu erhöhten Cholesterinwerten neigt, sollte öfter Austernpilze auf seinem Speisezettel haben. Eine Studie des Instituts für Lebensmittelwissenschaft und Humanernährung der Leibniz Universität hat ergeben, dass der regelmäßige Verzehr von Austernpilzen den Blutfettspiegel positiv beeinflussen kann. Die Untersuchung unter der Leitung von Prof. Dr. Andreas Hahn und Dr. Inga Schneider wurde als Teilprojekt des Forschungsverbundes Agrar- und Ernährungswissenschaften durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert. Dabei wurde erstmals die Wirkung von Inhaltsstoffen der Austernpilze auf das Lipidprofil beim Menschen untersucht.

Drei Wochen lang stellten 20 Studierende mit leicht erhöhtem Cholesterinspiegel ihre Ernährung in den Dienst der Wissenschaft. Eine Gruppe löffelte täglich 600 ml Suppe aus getrockneten Austernpilzen, die Kontrollgruppe aß die gleiche Menge Tomatensuppe. Bei den Männern und Frauen, die Pilzsuppe aßen, ergab sich eine signifikante Senkung der Triglyceride im Blut im Vergleich zur Kontrollgruppe. Hohe Triglycerid-Werte gelten als Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall oder können zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis) führen. Außerdem wurde während der drei Wochen bei der Gruppe, die Pilzsuppe zu sich nahm, eine wesentliche Senkung von oxidiertem LDL-Cholesterin (Low-Density-Lipoprotein) sowie der Gesamtcholesterin-Konzentration im Blut gemessen. Auch ein leichter Abfall der LDL-Cholesterin-Spiegel wurde nachgewiesen. LDL (Low-Density-Lipoprotein) wird im Gegensatz zum HDL (High-Density-Lipoprotein) als „schlechtes" Cholesterin bezeichnet. LDL wird maßgeblich für die Entwicklung einer Gefäßverkalkung (Ateriosklerose) verantwortlich gemacht.

„In Austernpilzen ist eine Substanz enthalten, die die Cholesterinsynthese hemmen kann. Außerdem enthalten sie relativ viele Ballaststoffe, die durch die Bindung von Gallensäuren im Darm, die zu 80 Prozent aus Cholesterin bestehen, zur Ausscheidung von Cholesterin beitragen", erklärt Dr. Inga Schneider. „Damit kann der regelmäßige Verzehr von Austernpilzen zur Vorbeugung kardiovaskulärer Erkrankungen beitragen."

Das Verbundprojekt endet im Dezember 2011. Zuvor war die positive Wirkung von Austernpilzen lediglich bei Untersuchungen an Tieren nachgewiesen worden. „Nach wie vor können wir aber nur Vermutungen anstellen", sagt Dr. Schneider. „Die genaue Wirkung ist noch nicht erforscht, deshalb würden wir unsere Untersuchungen gerne weiterführen und mit einem Extrakt aus dem Austernpilz arbeiten."

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Spielend Strom sparen

Britta Widmann
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

Die Bundesregierung hat die beschleunigte Energiewende beschlossen. Doch der Umstieg gelingt nur mithilfe der Verbraucher. Sie sind aufgefordert, Energie aus erneuerbaren Quellen effizienter zu nutzen. Wie dies funktioniert, ist vielen jedoch ein Rätsel. Ein neues Online-Spiel hilft beim Strom sparen.
Röste ich meine Brötchen im Backofen oder auf dem Toaster? Soll ich Wasser auf dem Herd oder im Wasserkocher erwärmen? Starte ich die Waschmaschine am Nachmittag oder nach 22 Uhr? Wie kann ich durch meinen Stromverbrauch CO2-Emissionen verringern? Antworten auf solche und ähnliche Fragen gibt das Online-Spiel »RED« - kurz für »Renewable Energy Drama«. Forscher vom Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Erfurt haben die Web-Anwendung im Projekt »RESIDENS« entwickelt. In dem Projekt untersuchen die Forscher gemeinsam mit der TU Ilmenau, dem Fraunhofer-Anwendungszentrum für Systemtechnik AST in Ilmenau, den Stadtwerken Ilmenau sowie der Friedrich Schiller Universität Jena, wie Stromkunden motiviert werden können, Energie aus erneuerbaren Quellen effizienter zu nutzen. In Online-Spielen sehen die Experten großes Potenzial, das Thema »Strom im eigenen Haushalt sparen« auf unterhaltsame Weise zu vermitteln und zu zeigen, dass das eigene Verhalten die Höhe der Stromkosten beeinflussen kann. »Mit Online-Spielen lassen sich Alltagssituationen sehr anschaulich darstellen. Der Mitmachcharakter unterstützt das Lernen sehr gut, denn der Nutzer erhält jederzeit individuelles Feedback. Daher haben wir RED als aktionsorientierte, interaktive 3D-Anwendung konzipiert«, erläutert Imke Hoppe, Wissenschaftlerin am IDMT.

Die Software wendet sich an Erwachsene und Jugendliche, die sich für erneuerbare Energien interessieren und erfahren wollen, wie sie Strom sparen können. »Wieviel Strom verbrauchen die einzelnen Haushaltsgeräte, welches sind die Energieräuber, liegt die hohe Rechnung an den gestiegenen Preisen oder sind die ständig eingeschalteten Deckenfluter verantwortlich - RED schafft Klarheit. Dabei muss der User nicht einmal viel Zeit investieren, das Spiel dauert nur zehn bis fünfzehn Minuten«, sagt Hoppe.

RED führt durch den Alltag einer fiktiven dreiköpfigen Familie. Am Bildschirm werden alle Räume eines Hauses dargestellt. Der Anwender gelangt mit seiner Spielfigur ­- einem der drei Familienmitglieder - in jedes Zimmer und kann per Mausklick die üblichen Haushaltsaktivitäten erledigen wie Tiefgefrorenes aufbacken oder Wäsche waschen. Klickt er beispielweise die Waschmaschine an, informiert ihn eine Infobox über den CO2-Verbrauch und die Stromkosten für einen Waschgang, wenn das Gerät voll, zu dreiviertel oder halbvoll beladen ist, und rechnet hoch, wie viel Kosten dadurch in einem Jahr entstehen.

In einem zweiten Modul informiert das Online-Spiel den Anwender, wie er mit Smart Metern Strom sparen kann. Diese elektronischen Stromzähler werden derzeit deutschlandweit in Pilotprojekten bei Energieversorgern getestet. In Neubauten und bei Totalsanierungen müssen sie laut Energiewirtschaftsgesetz seit Januar 2010 eingebaut werden. Sie messen tageszeitabhängig den exakten, tatsächlichen Stromverbrauch der Kunden und zeigen die aktuellen Tarife an. So erkennt der Verbraucher die Einsparpotentiale und startet zum Beispiel erst nachts - wenn Strom besonders günstig ist - die Spülmaschine. Er erfährt auch, wann Öko-Strom preiswert ist.

Das Modul »Strom im eigenen Haushalt sparen« geht am 29. September 2011 online. Das zweite RED-Modul »Strom mit Smart Metern sparen« schalten die IDMT-Forscher Ende 2011 frei. Das Online-Spiel lässt sich unter www.residens-projekt.de kostenfrei spielen.

Das Projekt wird vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur gefördert.

Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2010-2011/21/spielend-strom-...

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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DGRh-Kongress: Rheumatologen stellen aktualisierte Leitlinie vor

Dr. Cornelia Rufenach
Geschäftsstelle
Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.V.

München - Dauerhafte Schäden an den Gelenken lassen sich bei der rheumatoiden Arthritis durch eine frühzeitige und leitliniengerechte Behandlung verhindern. Jede Neuerkrankung ist deshalb ein medizinischer Notfall, dessen Therapie in die Hände eines Rheumatologen gehört. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) anlässlich der neu überarbeiteten Leitlinie zum Management der frühen rheumatoiden Arthritis hin. Experten stellen die Leitlinie im Rahmen des 39. DGRh-Kongresses in München vor.
Bei der rheumatoiden Arthritis, der häufigsten entzündlich-rheumatischen Erkrankung, greift das Immunsystem körpereigenes Gewebe in den Gelenken an. In Deutschland leiden rund 450 000 Menschen an rheumatoider Arthritis, Frauen deutlich häufiger als Männer. Die Erkrankung beginnt meist mit einer schmerzhaften Schwellung eines oder mehrerer Gelenke, die mit einer Morgensteifigkeit einhergeht. „Betroffen sind oft die Gelenke an Hand, Fingern oder Zehen. Nicht selten kommt es zu grippeähnlichen Allgemeinbeschwerden", erklärt Professor Dr. med. Matthias Schneider vom Universitätsklinikum Düsseldorf, einer der Mitautoren der aktualisierten Leitlinie. „Ein Verdacht auf eine rheumatoide Arthritis erhärtet sich, wenn die Entzündung länger als sechs Wochen anhält."

In jedem Fall sollte ein Arzt die Beschwerden abklären. Die neue Leitlinie enthält hierfür einen klaren Handlungspfad, mit dem Hausärzte und Orthopäden die Erkrankung schnell erkennen und von Gelenkverschleiß, der Arthrose, unterscheiden können. „Unser Ziel ist es, dass alle Neuerkrankten innerhalb von zwölf Wochen eine fachgerechte Behandlung erhalten", sagt Schneider. Davon sei man derzeit leider noch weit entfernt, gesteht der Experte ein.

Die Behandlung, die nach Empfehlung der DGRh ein Facharzt koordinieren sollte, besteht in der frühzeitigen Gabe sogenannter krankheitsmodifizierender Medikamente (Disease Modifying Anti-Rheumatic Drug, DMARD). Für diese Basistherapie stehen den Ärzten eine Reihe bewährter Substanzen zur Verfügung. Am häufigsten kommt der Wirkstoff Methotrexat zum Einsatz. Er schwächt den Angriff des Immunsystems ab, der für die Zerstörung der Gelenke verantwortlich ist. Seit einigen Jahren setzen Ärzte aber auch sogenannte Biologika ein. Diese molekularbiologisch hergestellten Medikamente hemmen ganz gezielt bestimmte entzündungsfördernde Botenstoffe des Körpers.

Entscheidend ist der rechtzeitige Beginn der Therapie. Das Zeitfenster - Ärzte sprechen vom sogenannten „window of opportunity" - ist kurz. Unbehandelt entwickeln zwischen der Hälfte und zwei Drittel der Patienten im Verlauf von fünf Jahren schwere dauerhafte Gelenkschäden. Um dies zu verhindern, sollte die Therapie spätestens sechs Monate nach Krankheitsbeginn einsetzen. „Je eher, desto besser", betont Schneider. „Wenn jeder Patient mit rheumatoider Arthritis von Beginn der Symptome an leitliniengerecht behandelt würde, könnten mehr als 90 Prozent dieser Menschen ein ganz normales Leben führen", ergänzt der Experte, der die Leitlinie auch mit seinen Kollegen auf dem DGRh-Kongress diskutiert.
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Unter dem Begriff Rheuma fassen Experten mehr als 100 verschiedene entzündliche Erkrankungen des Bewegungsapparates zusammen. Auch die verschleißbedingten Krankheiten wie Arthrose zählen zum sog. „rheumatischen Formenkreis". Menschen jeden Alters sind von diesen oft schweren, schmerzhaften und vielgestaltigen Erkrankungen betroffen: Etwa 1,5 Millionen Deutsche leiden allein an einer entzündlich-rheumatischen Erkrankung. Durchschnittlich dauert es 13 Monate bis Betroffene mit einer rheumatoiden Arthritis zu einem Rheumatologen gelangen und dort Hilfe finden.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Statt E10-Strafzahlungen: Ökonomieprofessor plädiert für höhere Steuer auf Superbenzin

Florian Klebs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hohenheim

Prof. Dr. Michael Ahlheim von der Universität Hohenheim:
„Die Mineralölkonzerne tun, was die Bundesregierung längst hätte tun sollen."

„Jeder vorsorgliche Unternehmer hätte das getan, um Rückstellungen für zu erwartende Strafzahlungen zu bilden", verteidigt Prof. Dr. Michael Ahlheim, Experte für Umweltökonomie an der Universität Hohenheim, die derzeit kritisierten Preiserhöhungen von Superbenzin im Vergleich zu E10. Statt den Mineralölkonzernen mit Strafzahlungen zu drohen, hätte die Bundesregierung besser selbst höhere Steuern auf Superbenzin eingeführt, um durch diesen finanziellen Anreiz den Verbrauch von Benzin mit Biosprit-Anteil zu erhöhen. Als Ausweg empfiehlt der Ökonomieprofessor, dies nachzuholen und die Steuern auf Superbenzin schrittweise zu erhöhen.

Bis zu 400 Millionen Euro Strafe drohen den Mineralölkonzernen, sollten sie die vom Staat festgesetzte Biosprit-Quote von 6,25 Prozent nicht erfüllen. Allem Anschein nach wird diese Quote nicht erreicht: Noch immer wird zu wenig des neuen Biokraftstoffs E10 getankt.

Die dadurch zu erwartende Strafe legen die Mineralölkonzerne bereits seit diesem Frühjahr auf die übrigen Spritpreise um. „Jeder vorsorgliche Unternehmer hätte das getan, um Rückstellungen für die Strafzahlungen zu bilden", verteidigt Prof. Dr. Ahlheim die Preissteigerung.

Preissteigerung der Konzerne dient dem guten Zweck

Mehr noch: Mit ihrer Preisgestaltung hätten die Mineralölkonzerne das aus umweltökonomischer Sicht Richtige getan, nämlich den Preis für den umweltschädlicheren Treibstoff im Vergleich zum Preis des umweltfreundlicheren Treibstoffs zu erhöhen, sodass "Umweltsünder" für die von ihnen verursachten Umweltschäden in Form eines Preisaufschlags zahlen. „Ziel der Bundesregierung war es, einen Preisanreiz für E10 zu geben, um Autofahrer zum umweltfreundlicheren Tanken zu motivieren. Dies haben die Konzerne umgesetzt."

Ein Fehler der Bundesregierung sei es gewesen, dass sie unpopuläre Steuern vermeiden wollte. „Stattdessen wurde versucht, den Mineralölkonzernen den schwarzen Peter zuzuschieben."

Bundesregierung in der Pflicht: Besteuerung auf Superbenzin sinnvoll

Wolle man am E10-Ziel festhalten, wäre es sinnvoll, die gewünschte Preisdifferenz durch eine gezielte Besteuerung von Superbenzin herbeizuführen. „Man muss hier einen direkten Stoß wagen, anstatt ein Spiel über die Bande zu betreiben", so Prof. Dr. Ahlheim.

Als Grund für den schleppenden Absatz von E10-Benzin sieht der Ökonom den zu geringen Preisunterschied zwischen E10- und Superbenzin. „Ein paar wenige Cents bieten den Verbrauchern zu wenig Anreiz E10 zu tanken, zumal die Kilometerleistung pro Liter bei E10 geringer ist als bei Superbenzin.

Lösungsansatz auf lange Sicht: Schrittweise Steuererhöhung

Der Professor für Umweltökonomie hält eine für den Verbraucher transparente, vorhersehbare Preissteigerung für sinnvoll: „Denkbar wäre eine sogenannte „Korridor-Lösung", bei der die Steuer schrittweise erhöht wird, d.h. im ersten Jahr wird das Superbenzin beispielsweise um drei Cent teurer, im zweiten Jahr um weitere drei Cent usw.- solange bis der gewünschte E10-Anteil erreicht ist."

Von dieser Regelung verspricht sich Prof. Dr. Ahlheim die nötige Akzeptanz unter den Verbrauchern, da sie diesen eine gewisse Planungssicherheit biete: „Die Verbraucher sollten wissen, wann sie mit welcher Preissteigerung zu rechnen haben, damit sie sich bei der Planung zukünftiger Autokäufe hinsichtlich der E10-Verträglichkeit des Motors darauf einstellen können."

Umsetzung der EU-Klimaziele bis 2020

Zeit genug sei laut Prof. Dr. Ahlheim für die „Korridor-Lösung" vorhanden: „Grund für die E10-Einführung sind die Klimaziele der EU, die vorschreiben, dass der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Energieverbrauch im Verkehrssektor bis zum Jahr 2020 auf zehn Prozent gesteigert werden soll. Bis dahin kann noch einiges getan werden."

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e. V.

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Wertvolle Rohstoffe wieder verwerten

Wie lassen sich die wertvollen Rohstoffe, die in vielen Produkten stecken, intelligent und kostengünstig zurück gewinnen und nachhaltig wieder verwerten? Wie kann man ein Produkt von vornherein so gestalten, dass Recycling und Nachnutzung optimal möglich sind? Diesen und anderen akuten Fragen rund um das Thema Wert- und Rohstoffe widmet sich die neue Fraunhofer-Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS. Am 5. September 2011 startete sie ihre Aktivitäten und bezog die Räumlichkeiten am Standort Alzenau.

Nicht nur die Nachfrage für Rohstoffe wie Kupfer, Nickel, Eisen, Öl, Kohle und Co. steigt kontinuierlich, auch die Preise klettern nach oben. 2010 schoss der Rohstoffpreisindex des Weltwirtschaftsinstituts - in Euro berechnet - um mehr als 30 Prozent nach oben. Denn trotz aller Krisen, die Wachstumsdynamik in den Schwellen- und Entwicklungsländer wird die Nachfrage nach Rohstoffen langfristig vervielfachen. Besonders schnell wächst der Bedarf an raren Metallen und Seltenen Erden. Vielfach stecken die Stoffe schon in vorhandenen Produkten, aber sie lassen sich nur schwer wieder in den Stoffkreislauf zurückholen. »Genau hier beginnt die Aufgabe der Fraunhofer-Projektgruppe für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS«, erklärt Prof. Gerhard Sextl, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung ISC, der gemeinsam mit Partnerfirmen des Materials Valley e.V. die Gründung maßgeblich initiierte. »Zunächst sollen dort valide Daten zu den globalen Stoffkreisläufen zusammengetragen und analysiert werden, um Ressourcenstrategien erstellen zu können. Parallel dazu werden neue Verfahren zum Recycling von kritischen Wertstoffen unter ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten entwickelt«.

Das umschreibt in knappen Worten zwei der drei Bereiche, auf denen das IWKS arbeiten wird: Unter der Überschrift »Wertstoffkreisläufe und Resourcenstrategien«, geht es darum, Wertstoffströme zu analysieren. Welche Rohstoffe benötigen einzelne Industriezweige und Produkte? Stehen die erforderlichen Mengen zu Verfügung und können sie geliefert werden? Aufbauend auf diesen Fragestellungen will das Team am IWKS Studien und Ressourcenstrategien erstellen, so dass sich aufkommende Engpässe voraussehen, vermeiden oder ausgleichen lassen, sowie Handlungsoptionen für Wirtschaft und Politik abgeleitet werden können. Im Bereich »Recycling-Technologien« ist das Ziel der Wissenschaftler möglichst viele Wertstoffe unter strengen wirtschaftlichen Kriterien zurück zu gewinnen. So will das Team am IWKS beispielsweise Schlacken und Industrieabfälle untersuchen, um herauszufinden, welche Metalle sie enthalten, die sich weiter nutzen lassen und dann auch die entsprechende Technologie für die Rückgewinnung entwickeln. Ebenso stehen Produktionsabfälle und Produkte aus der kunststoffverarbeitenden und der Spezialglasindustrie auf dem Forschungsprogramm der Projektgruppe.

Feinverteilung von Funktionsmetallen macht Rückgewinnung schwierig

Ein anderes Beispiel ist Elektroschrott: Unsere Unterhaltungs- und Kommunikationsgeräte stecken voller unterschiedlichster Funktionsmetalle. Fast das ganze Periodensystem kommt hier zum Einsatz, im Handy sind es bis zu 30 verschiedene, in einem Computer bis zu 50. Aber oft sind diese Metalle - ohne die nichts funktioniert - nur in winzigen Mengen in einem Gerät. »Betrachtet man das Produkt Handy wird schnell deutlich wie sich die Feinverteilung der Metalle - man sagt dazu auch Dissipation - auswirken«, erklärt Prof. Armin Reller, Leiter der Projektgruppe.

»Die Weltjahresproduktion von Indium liegt bei etwa 600 Tonnen. In Handys eingebaut - hier liegt die Weltproduktion weit über 1 Milliarde Stück pro Jahr - ist es im einzelnen Produkt nur in kleinen Mengen vorhanden. Dadurch wird es fein verteilt und - wenn kein optimiertes Recycling stattfindet - dissipiert. Das Problem ist, dass uns durch diese Feinverteilung in Alltagsprodukten manche Rohstoffe zwischen den Fingern zerrinnen, weil es nicht gelingt, sie wirtschaftlich dem Stoffkreislauf wieder zu zuführen«.

Am besten ist es da, direkt beim Produktdesign anzusetzen und schon Entwurf und Konstruktion so anzulegen, dass sich die Wertstoffe erneut oder weiter nutzen lassen. Enormes Potential sieht Prof. Dr. Armin Reller auch im Bereich der erneuerbaren Energien: »Betrachtet man den Boom bei den neuen Energietechnologien - Solar- und Windkraftwerke - dann muss man eigentlich heute schon an den Re-Use, das Re-Manufacturing oder das Recycling der eingesetzten Funktionsmaterialien denken. Denn für viele dieser Wertstoffe ist es lohnenswert, sie wiederzugewinnen und weiter zu verwenden«.

Im dritten Themengebiet der Fraunhofer-Projektgruppe IWKS geht es um die Substitution von Rohstoffen. Die Wissenschaftler werden Werkstoffe, Prozesse und Produkte identifizieren und entwickeln, die zum einen die Rohstoffeffizienz erhöhen und zum anderen kritische Rohstoffe ersetzen können. Kritisch bedeutet in diesem Zusammenhang, Stoffe die knapp sind oder werden, weil die Quellen endlich sind oder weil ihr Abbau in Krisengebieten erfolgt. Die Projektgruppe soll ökonomisch und ökologisch sinnvolle Werkstoffalternativen entwickeln, für eine langfristig gesicherte Rohstoffversorgung der verarbeitenden Industrie.

Das Land Bayern hat für den Aufbau der Projektgruppe eine Anschubfinanzierung in Höhe von 5 Millionen Euro für die ersten drei Jahre zugesagt. Anlässlich der Einweihung übergab der bayerische Wirtschaftsminister Martin Zeil den Bewilligungsbescheid an Prof. Gerhard Sextl. Und vor kurzem hat auch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst grünes Licht gegeben und eine Förderung für einen zukünftig in Hanau ansässigen Teil der Projektgruppe angekündigt, der Lösungen für die Substitution von kritischen Rohstoffen entwickeln wird.

Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft

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Erhebliche Nachbesserungen beim neuen Pflanzenschutzgesetz erforderlich

BDEW: Konsequente Regelungen für Gewässerrandstreifen notwendig / Internet- und Versandhandel von Pflanzenschutzmitteln problematisch

Die Wasserwirtschaft im BDEW fordert deutliche Nachbesserungen beim neuen Pflanzenschutzgesetz, das in der heutigen Kabinettsitzung der Bundesregierung verabschiedet wurde: "Der Schutz der Gewässerressourcen hat für die Wasserwirtschaft hohe Priorität. Das neue Pflanzenschutzgesetz muss eine Balance zwischen den Interessen der landwirtschaftlichen Produktion und dem Ressourcenschutz finden. Der Ressourcenschutz wurde aus unserer Sicht bislang nicht ausreichend berücksichtigt", so Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) heute in Berlin.

"Im neuen Pflanzenschutzgesetz müssen insbesondere klare und verbindliche Vorgaben zu den Gewässerrandstreifen gemacht werden. Wir fordern konkret, Gewässerrandstreifen mit einer Breite von zehn Metern verbindlich festzuschreiben - und das ohne Ausnahmen für Pflanzenschutzmittelanwendungen", so Weyand. Die Festlegung solcher Pufferzonen gehöre zu den wichtigsten und effektivsten Maßnahmen zum Schutz unserer Gewässer. Sie seien besonders geeignet, um den Eintrag unerwünschter Stoffe beispielsweise von angrenzenden Ackerflächen in die Gewässer zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln in Wasserschutz- und Trinkwassergewinnungsgebieten müsse zudem gesondert geregelt werden. Dabei müsse der Fokus darauf liegen, eine Gefährdung der Grund- und Oberflächengewässer in solchen Gebieten unter allen Umständen zu vermeiden.

Der BDEW setze sich zudem weiter für die Beibehaltung des Umweltbundesamtes als Einvernehmensbehörde bei allen für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln wichtigen Fragen ein. Diese Regelung werde zurzeit in Frage gestellt. "Wir befürchten, dass Umweltbelange in Zukunft nicht mehr ausreichend berücksichtigt werden, wenn das Umweltbundesamt diese wichtige Aufgabe verliert", so Weyand.

Mit dem neuen Pflanzenschutzgesetz muss der Gesetzgeber darüber hinaus auch neuen Trends wie dem zunehmenden Internet- und Versandhandel von Pflanzenschutzmitteln ausreichend Rechnung tragen. "Aus BDEW-Sicht besteht hier die große Gefahr einer Ausweitung des illegalen Handels. Der Gesetzgeber sowie die zuständigen Behörden müssen dafür sorgen, dass in Deutschland nur zugelassene Pflanzenschutzmittel verkauft und eingesetzt werden. Es gilt, den Verbraucher und die Umwelt, Gewässer inklusive des Trinkwassers vor diesen Chemikalien zu schützen. Wir plädieren deshalb mit Nachdruck dafür, Maßnahmen zum Erkennen und Vermeiden von illegalen Anwendungen deutlich stärker im Gesetz zu verankern. Die Sachkunde des Käufers muss zum Beispiel auch im Internet- und Versandhandel geprüft werden. Hier brauchen wir gesetzliche Regelungen", so Weyand.


Weitere Informationen
Jan Ulland
Stv. Pressesprecher
Telefon 0 30 / 300 199-1162
E-Mail presse@bdew.de

Zur Meldung auf bdew.de:
http://www.bdew.de/internet.nsf/id/91517463B4FAE977C12578FD00397E7E?open&WT.mc_id=Pressemeldung-20110831

Quelle: BDEW

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Monopol der gesetzlichen Unfallversicherung rechtmäßig

Das Landessozialgericht Chemnitz hat am vergangenen Mittwoch die letzte noch anhängige Klage gegen die Pflichtversicherung der Unternehmen bei den Berufsgenossenschaften abgewiesen. Die Revision zum Bundessozialgericht wurde nicht zugelassen. Damit ist eine Streitfrage entschieden, die über mehrere Jahre hinweg nahezu alle deutschen Sozialgerichte sowie den Europäischen Gerichtshof (EuGH) beschäftigt hat.

Das Sozialgesetzbuch schreibt vor, dass Unternehmen automatisch der Berufsgenossenschaft angehören, die für ihre Branche zuständig ist. Mit der Behauptung, diese Gesetzeslage verstoße gegen höherrangiges Europarecht hatte eine Reihe von Unternehmen vor nahezu allen deutschen Sozialgerichten geklagt. Das Landessozialgericht (LSG) Sachsen legte die Frage der Vereinbarkeit des Monopols mit europäischem Recht schließlich dem EuGH vor. Dieser verneinte einen Verstoß gegen europäisches Wettbewerbsrecht und gab Hinweise zur Auslegung der europäischen Dienstleistungsfreiheit. Ob das Monopol verhältnismäßig und damit gerechtfertigt sei, müsse entsprechend der Aufgabenverteilung zwischen europäischem und nationalem Gericht das vorlegende LSG prüfen. Das LSG holte im weiteren Verfahren ein wirtschaftswissenschaftliches Gutachten ein, das die Auffassung von Bundesarbeitsministerium und Berufsgenossenschaften bestätigte. Nunmehr hat der Senat des LSG entschieden, dass die Regelung des
Sozialgesetzbuchs europarechtskonform ist. Zum selben Ergebnis war bereits zuvor das Bundessozialgericht in drei Parallelfällen gekommen.

"Berufsgenossenschaften und Unfallkassen begrüßen dieses Urteil", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, Dr. Joachim Breuer, in Berlin. "Wir freuen uns, dass nach gut einem Jahrzehnt ein Schlussstrich unter diesen Rechtsstreit gezogen werden kann." Breuer betonte, dass die Pflichtversicherung der Unternehmen in der gesetzlichen Unfallversicherung nicht nur rechtlich, sondern auch sachlich richtig sei: "Seit über hundert Jahren bietet die gesetzliche Unfallversicherung eine verlässliche Absicherung für Betriebe und Versicherte gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten - und das zu stabilen Beitragssätzen."

Mit den Urteilsgründen wird in circa drei bis vier Monaten gerechnet.

Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)

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Spielend Strom sparen

Die Bundesregierung hat die beschleunigte Energiewende beschlossen. Doch der Umstieg gelingt nur mithilfe der Verbraucher. Sie sind aufgefordert, Energie aus erneuerbaren Quellen effizienter zu nutzen. Wie dies funktioniert, ist vielen jedoch ein Rätsel. Ein neues Online-Spiel hilft beim Strom sparen.

Röste ich meine Brötchen im Backofen oder auf dem Toaster? Soll ich Wasser auf dem Herd oder im Wasserkocher erwärmen? Starte ich die Waschmaschine am Nachmittag oder nach 22 Uhr? Wie kann ich durch meinen Stromverbrauch CO2-Emissionen verringern? Antworten auf solche und ähnliche Fragen gibt das Online-Spiel »RED« - kurz für »Renewable Energy Drama«. Forscher vom Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Erfurt haben die Web-Anwendung im Projekt »RESIDENS« entwickelt. In dem Projekt untersuchen die Forscher gemeinsam mit der TU Ilmenau, dem Fraunhofer-Anwendungszentrum für Systemtechnik AST in Ilmenau, den Stadtwerken Ilmenau sowie der Friedrich Schiller Universität Jena, wie Stromkunden motiviert werden können, Energie aus erneuerbaren Quellen effizienter zu nutzen. In Online-Spielen sehen die Experten großes Potenzial, das Thema »Strom im eigenen Haushalt sparen« auf unterhaltsame Weise zu vermitteln und zu zeigen, dass das eigene Verhalten die Höhe der Stromkosten beeinflussen kann. »Mit Online-Spielen lassen sich Alltagssituationen sehr anschaulich darstellen. Der Mitmachcharakter unterstützt das Lernen sehr gut, denn der Nutzer erhält jederzeit individuelles Feedback. Daher haben wir RED als aktionsorientierte, interaktive 3D-Anwendung konzipiert«, erläutert Imke Hoppe, Wissenschaftlerin am IDMT.

Die Software wendet sich an Erwachsene und Jugendliche, die sich für erneuerbare Energien interessieren und erfahren wollen, wie sie Strom sparen können. »Wieviel Strom verbrauchen die einzelnen Haushaltsgeräte, welches sind die Energieräuber, liegt die hohe Rechnung an den gestiegenen Preisen oder sind die ständig eingeschalteten Deckenfluter verantwortlich - RED schafft Klarheit. Dabei muss der User nicht einmal viel Zeit investieren, das Spiel dauert nur zehn bis fünfzehn Minuten«, sagt Hoppe.

RED führt durch den Alltag einer fiktiven dreiköpfigen Familie. Am Bildschirm werden alle Räume eines Hauses dargestellt. Der Anwender gelangt mit seiner Spielfigur ­- einem der drei Familienmitglieder - in jedes Zimmer und kann per Mausklick die üblichen Haushaltsaktivitäten erledigen wie Tiefgefrorenes aufbacken oder Wäsche waschen. Klickt er beispielweise die Waschmaschine an, informiert ihn eine Infobox über den CO2-Verbrauch und die Stromkosten für einen Waschgang, wenn das Gerät voll, zu dreiviertel oder halbvoll beladen ist, und rechnet hoch, wie viel Kosten dadurch in einem Jahr entstehen.

In einem zweiten Modul informiert das Online-Spiel den Anwender, wie er mit Smart Metern Strom sparen kann. Diese elektronischen Stromzähler werden derzeit deutschlandweit in Pilotprojekten bei Energieversorgern getestet. In Neubauten und bei Totalsanierungen müssen sie laut Energiewirtschaftsgesetz seit Januar 2010 eingebaut werden. Sie messen tageszeitabhängig den exakten, tatsächlichen Stromverbrauch der Kunden und zeigen die aktuellen Tarife an. So erkennt der Verbraucher die Einsparpotentiale und startet zum Beispiel erst nachts - wenn Strom besonders günstig ist - die Spülmaschine. Er erfährt auch, wann Öko-Strom preiswert ist.

Das Modul »Strom im eigenen Haushalt sparen« geht am 29. September 2011 online. Das zweite RED-Modul »Strom mit Smart Metern sparen« schalten die IDMT-Forscher Ende 2011 frei. Das Online-Spiel lässt sich unter www.residens-projekt.de kostenfrei spielen.

Das Projekt wird vom Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur gefördert.

Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft

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Energie- und Wasserwirtschaft bildet über Bedarf aus

BDEW-Unternehmen halten Ausbildungsquote auf einem hohen Niveau / Eklatanter Mangel an Fachkräften nicht zu verzeichnen

Die Unternehmen der Energie- und Wasserwirtschaft bilden nach wie vor über Bedarf Nachwuchs aus. Mit einer Ausbildungsquote von 6,3 Prozent im Jahr 2011 konnte der Vorjahreswert stabil gehalten werden und liegt weiter über dem Durchschnitt anderer Branchen. Das ermittelte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bei einer Erhebung unter seinen Mitgliedsunternehmen zu Beginn des neuen Ausbildungsjahrs. Rund zwei Drittel der Unternehmen bilden dabei mehr Lehrlinge aus, als es ihrem eigenen Bedarf an Nachwuchskräften entspricht. Fast die Hälfte der befragten Unternehmen will im kommenden Jahr gleich viele oder mehr Auszubildende einstellen.

"Für die Energie- und Wasserwirtschaft ist die Ausbildung junger Menschen nicht nur eine wichtige Investition in die Zukunft, sondern auch ein Beitrag zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung. Die Mitgliedsunternehmen des BDEW haben einen hohen Bedarf an Auszubildenden sowie an qualifizierten Fachkräften und bieten gute berufliche Entwicklungschancen", sagte Hildegard Müller, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.

Laut den Ergebnissen der BDEW-Umfrage ist bislang noch kein eklatanter Mangel an Fachkräften in den Branchen Energie und Wasser zu verzeichnen. Trotzdem räumen bereits heute 44 Prozent der Unternehmen Maßnahmen gegen einen zukünftigen Mangel an qualifiziertem Personal eine hohe Priorität ein. Konkret hilft zum Beispiel ein Drittel dabei, zukünftigen Mitarbeitern die Ausbildungsreife zu ermöglichen. "Damit engagieren sich Unternehmen vor Ort weiterhin vorbildlich im gesellschaftlichen Bereich - ein Engagement, das die Bürgerinnen und Bürger schätzen", sagte Müller.

Um die Attraktivität für qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber zu erhöhen, bieten die Unternehmer zahlreiche Maßnahmen an. Neben Fortbildungen werden den Mitarbeitern Aufstiegschancen und flexible Arbeitszeiten angeboten. "Erfreulich ist auch, dass in mehr als 37 Prozent der Unternehmen mehr Mitarbeiter Elternzeit beansprucht haben, seit diese 2007 eingeführt wurde", sagte Müller. An der Erhebung beteiligten sich über 1000 Unternehmen, die 96 Prozent der Beschäftigten der Energie- und rund 50 Prozent der Wasserwirtschaft repräsentieren.


Weitere Informationen
Henning Jeß
Pressereferent
Telefon 030 / 300 199-1161
E-Mail presse@bdew.de

Zur Meldung auf bdew.de:
http://www.bdew.de/internet.nsf/id/EFF7F94C074CA0F0C12578FD0030DEB9?open&WT.mc_id=Pressemeldung-20110831


Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Berlin, vertritt rund 1 800 Unternehmen. Das Spektrum der Mitglieder reicht von lokalen und kommunalen über regionale bis hin zu überregionalen Unternehmen. Sie repräsentieren rund 90 Prozent des Stromabsatzes, gut 60 Prozent des Nah- und Fernwärmeabsatzes, 90 Prozent des Erdgasabsatzes sowie 80 Prozent der Trinkwasser-Förderung und rund ein Drittel der Abwasser-Entsorgung in Deutschland.

Quelle: BDEW

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IFA 2011: Wenn das Internet ins Fernsehen kommt

Im Werbespot fährt das Traumauto über den Bildschirm und mit nur einem Klick verwandelt sich der Fernseher in ein virtuelles Autohaus: Es erscheinen Preislisten, Kontaktdaten und ein Modell des Wagens, das der Kunde nach seinen Wünschen variieren kann. Auf der IFA 2011 in Berlin vom 2. bis 7. September in Halle 11.1, Stand 8 zeigen Fraunhofer-Forscher, wie mit HbbTV die Werbung der Zukunft aussehen kann.

Der klassische Fernsehabend sah bisher so aus: Der Zuschauer sitzt vor seinem Gerät, entspannt bei einem Film und zappt sich ab und an durch die Kanäle. Aber das war einmal. Eine neue Generation von Fernsehern ermöglicht Mitmach-Fernsehen. Hybrid-TV oder Smart-TV genannte Geräte verfügen über den offiziellen Standard Hybrid Broadcast Broadband TV, kurz HbbTV. Dieser verbindet das lineare Fernsehen mit der interaktiven Welt des Internets. Dabei geht es aber nicht nur darum, vom Fernseh-sessel aus im Internet zu surfen. Vielmehr ermöglicht diese Verbindung vollkommen neue Werbe- und TV-Formate. Mit HbbTV kann der Zuschauer sein Programm interaktiv gestalten, etwa indem er während eines Werbespots zusätzliche Informationen im Internet abruft. Einige Beispiele, die auf dieser Technologie basieren, gibt es bereits: Den HD-Teletext der zusätzliches Audio- oder Filmmaterial enthält, oder die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender. Das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS in Berlin hat in Kooperation mit Volkswagen und SevenOne Media, dem Vermarkter der ProSiebenSat.1 Group, eine neue Anwendung entwickelt: Den interaktiven Car Configurator. Mit ihm kann der Fernsehzuschauer das Auto aus der aktuell laufenden Werbung selbst gestalten und verändern oder sich mit der Fernbedienung durch ergänzende Infos klicken.

Mitmachen statt Zuschauen
Wer also gerade ein neues Auto sucht und im Fernsehen sein Wunschmodell sieht, muss sich nicht mehr Markenname oder Nummer merken und zum Computer laufen. HbbTV bringt Informationen und zusätzliche Animationen oder Videos direkt auf den Fernsehbildschirm. Gibt es zu einem Werbespot noch ein Zusatzangebot, wird eine entsprechende Information eingeblendet. Denn der Sender überträgt zusätzlich zum Werbespot einen kleinen Datenstrom, den Link zur HbbTV-Werbeintegration. Der Großteil der Zusatzinhalte, die der Werbekunde, in diesem Fall VW, bereitstellt, liegt online bereit. Ein Tastendruck auf den roten Knopf auf der Fernbedienung aktiviert den Link und schon landet der Zuschauer in einer interaktiven Umgebung. Während parallel in einem kleineren Fenster das reguläre Programm weiterläuft, kann man sich vom Sofa aus sein persönliches Wunschauto zusammenstellen, verschiedene Modelle und Preise vergleichen oder gleich die Probefahrt beim Händler in seiner Nähe buchen. Videos, Animationen, Fotoslideshows - alles ist möglich und lässt sich mit der Fernbedienung steuern. Ist das Auto perfekt und der Kunde zufrieden, genügt ein weiterer Knopfdruck um ins normale Programm zurückzukehren.

Persönlich und interaktiv
Für Werbetreibende bietet ein solches Konzept neue Möglichkeiten, an den Kunden heranzutreten und sich über besondere, personalisierte Inhalte sein Interesse zu sichern. Außerdem lässt sich über die Zahl der Zugriffe schnell messen, wie gut die Kampagne ankommt. Für den Wissenschaftler Robert Seeliger vom FOKUS liegt der Reiz dieser Entwicklung im Zusammenspiel der unterschiedlichen Medientechnologien: »Wir bringen hier verschiedene Welten zusammen und machen Fernsehen interaktiv. Es ist eine spannende Herausforderung mehrere unterschiedliche Systeme zu verbinden.« Die Aufgabe der Fraunhofer-Forscher ist, dafür zu sorgen, dass Webinhalte auf dem Fernseher dargestellt und bedient werden können und die Eingaben der Nutzer auch ihren Weg zurück ins Netz finden. Dabei müssen sie sowohl die unterschiedliche Bauart der Programme, als auch die Umgebung und das veränderte Nutzerverhalten berücksichtigen.

Indem sie die unterschiedlichen Technologien in einer für das Fernsehen optimierten Weise zusammenführen, ermöglichen die Entwickler neue Anwendungen. Bisher konnte man entweder im Web surfen oder einen Fernsehfilm schauen. Inzwischen gibt es aber einen einheitlichen Standard um spezielle Online-Angebote für den Fernseher aufzubereiten und Empfänger, die beide Signale verarbeiten können. Um die HbbTV-Angebote nutzen zu können, braucht der Kunde ein Gerät, das über eine Internetfunktion verfügt und einen Sender, der das Angebot mit seinem Programm kombiniert verschickt. Momentan gibt es den Car Configurator nur für Demozwecke, aber Werbetreibende, TV-Sender und Gerätehersteller schaffen derzeit die technischen Grundlagen, um interaktive Werbung als neuestes hybrides TV-Angebot schon in den kommenden Monaten live zu schalten.

Den Möglichkeiten sind in Zukunft noch lange keine Grenzen gesetzt. »Im Prinzip schaffen wir spezielle Webseiten für den Fernseher, mit denen wir das gewöhnliche Programmangebot erweitern«, erklärt Seeliger. Je mehr der Zuschauer selbst aktiv gestalten kann, desto persönlicher wird das TV-Programm. Der allabendliche Streit um die Fernbedienung könnte sich also bald darum drehen, wer sich mit dem roten Knopf durch interaktive Werbung drücken darf.

Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft

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REACH: Umweltbundesamt rät zur Regulierung von Octylphenol

Amt empfiehlt ersten hormonell wirksamen Stoff für Bewertung nach EU-Chemikalienrecht

Als erster EU-Mitgliedstaat hat Deutschland mit Octylphenol einen hormonell wirkenden Stoff als besonders besorgniserregend identifiziert und seine Bewertung offiziell bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) eingereicht. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Octylphenol das Hormonsystem in Fischen beeinträchtigt und dadurch die Entwicklung und Fortpflanzung schädigt. Bereits minimale Konzentrationen von wenigen millionstel Gramm reichen aus. Stimmen die anderen Mitgliedsstaaten im Dezember dem deutschen Vorschlag zu, gilt Octylphenol als „besonders besorgniserregender Stoff" und wird in die REACH-Kandidatenliste aufgenommen. Das ist der erste Schritt zu einer EU-weiten Zulassungspflicht oder Beschränkung. Octylphenol wird etwa bei der Herstellung von Farben, Beschichtungen, Klebstoffen oder Reifen eingesetzt.

Das UBA hält es generell für erforderlich, hormonell wirkende Stoffe strenger zu regulieren. Die EU Chemikalienverordnung REACH macht dies möglich: Im Einzelfall können hormonell wirkende Stoffe als besonders besorgniserregend identifiziert werden. Damit werden sie genauso bewertet wie Stoffe, die Krebs erregen oder die Fortpflanzung schädigen. Doch bisher wurde dieses REACH Instrument noch nicht genutzt. "Wir dürfen nicht nur über die Bewertung hormonell wirkendender Stoffe diskutieren, sondern müssen handeln", so UBA-Präsident Jochen Flasbarth. Das UBA geht mit der Identifizierung von Octylphenol hier einen ersten Schritt.

Octylphenol (chemisch korrekt: 4-tert-Octylphenol) gehört zu den Alkylphenolen. Die bekannteste Chemikalie der Gruppe ist das ebenfalls hormonell wirkende Nonylphenol, dessen Ethoxylate jüngst in einer Greenpeace Studie in Textilien nachgewiesen wurden. Nonylphenol und seine Ethoxylate sind in der Europäischen Union in zahlreichen Verwendungen verboten. Octylphenol dagegen bisher nicht. Neben den oben genannten Verwendungen kommt eine Abwandlung der Chemikalie (Octylphenol-Ethoxylat) auch bei der Erdgasgewinnung durch Fracking zum Einsatz und wird zusammen mit Wasser unter hohem Druck in Gestein gepresst, um Erdgas freizusetzen.

45 Tage lang können Unternehmen, Umwelt- und Verbraucherverbände, Behörden aber auch interessierte Bürgerinnen und Bürger nun den UBA-Vorschlag öffentlich kommentieren. Denn REACH ist ein Verfahren mit breiten Beteiligungsmöglichkeiten. Danach entscheidet der Ausschuss der Mitgliedstaaten der ECHA. Ist ein Stoff in die Kandidatenliste aufgenommen, können Bürgerinnen und Bürger beim Handel kostenfrei erfragen, ob der Stoff in einem Produkt enthalten ist.

Der UBA-Vorschlag für 4-tert-Octylphenol kann in Englisch kommentiert werden unter http://echa.europa.eu/consultations/authorisation/svhc/svhc_cons_en.asp

Weitere Informationen zur Auskunftspflicht und die Musteranfrage zu besonders besorgniserregenden Stoffen in Produkten finden Sie unter www.reach-info.de

Quelle: Umweltbundesamt

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Risiko raus! Umfrage: Mehrheit der Deutschen hält Frauen für die sichereren Autofahrer

Frauen werden am Steuer als gelassener und defensiver als Männer angesehen

Die Mehrheit der Deutschen hält Frauen für die sichereren Autofahrer. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von "Risiko raus!", der Präventionskampagne der gesetzlichen Unfallversicherung zum sicheren Fahren und Transportieren. Nach Einschätzung der Befragten haben Frauen aufgrund einer besseren Selbstbeherrschung und eines defensiveren Fahrstils am Steuer in punkto Sicherheit die Nase vorn.

Insgesamt sehen die Befragten die Einhaltung der Verkehrsregeln und Geschwindigkeitsbegrenzungen (41 Prozent) und die volle Konzentration auf den Straßenverkehr (25 Prozent) als die wichtigsten Eigenschaften, um beim Autofahren unfallfrei ans Ziel zu gelangen. Seltener genannt wurden dagegen eine defensive Fahrweise (11 Prozent), die Fahrzeugbeherrschung (10 Prozent) und eine langjährige Fahrpraxis (10 Prozent).

49 Prozent der Befragten antworteten auf die Frage, welches Geschlecht sicherer Auto fahre: Frauen. Der Grund für ihre Einschätzung: Frauen lassen sich weniger schnell von anderen Verkehrsteilnehmern herausfordern und reagieren in Stresssituationen gelassener als Männer. 29 Prozent hatten größeres Vertrauen in das Sicherheitsbewusstsein von Männern, 16 Prozent sahen keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern.

"Tatsächlich sind Männer in absoluten Zahlen häufiger in Unfälle verwickelt als Frauen", sagt Dr. Walter Eichendorf, stv. Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR), mit Verweis auf eine Auswertung des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2009. Unterschiedliches Fahrverhalten von Frauen und Männern könnte ein möglicher Grund dafür sein. "Fairerweise muss man allerdings sagen: Ob Männer tatsächlich eine höhere Unfallwahrscheinlichkeit haben als Frauen, ließe sich nur mit erheblich mehr Daten - zum Beispiel zur Fahrdauer oder zum Kontext der Fahrt - klären."

Richtig sei allerdings, so der stv. DGUV-Hauptgeschäftsführer, dass die Einhaltung der Verkehrsregeln - vor allem der Geschwindigkeitsbegrenzungen - und die Konzentration auf den Straßenverkehr wesentlich zur Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer beitragen. "Umgekehrt gilt: Wer sich ablenken lässt oder die Beherrschung am Steuer verliert, geht damit auch ein höheres Unfallrisiko ein", sagt Eichendorf. "Eigentlich eine Binsenweisheit, aber tausende Unfälle wegen unangepasster Geschwindigkeit sowie der Nichtbeachtung der Vorfahrt und des Vorranges zeigen, dass man daran immer wieder erinnern muss." Im Rahmen von "Risiko raus!" werben derzeit mehr als 700 Plakate an Autobahnen und Raststätten für mehr Aufmerksamkeit und Risikobewusstsein im Straßenverkehr.

Sich selbst halten die meisten Menschen der Umfrage zufolge übrigens für eher gelassen: Mehr als die Hälfte gab an, sich tendenziell weniger schnell von anderen Verkehrsteilnehmern aus der Ruhe bringen zu lassen.

Eine Grafik mit den Umfrageergebnissen können Sie hier herunterladen: http://www.risiko-raus.de/files/1074/DGUV_Infografik.jpg

Hintergrund "Risiko raus!"
In der Präventionskampagne "Risiko raus!" arbeiten die Berufsgenossenschaften, Unfallkassen, ihr Spitzenverband Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), die Landwirtschaftliche Sozialversicherung, der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) und die Bundesländer sowie weitere Partner zusammen. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, das Unfallrisiko beim Fahren und Transportieren zu verringern. Weitere Informationen unter www.risiko-raus.de.

Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)

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Blutgefäße aus dem Drucker

Gewebe und Organe im Labor zu züchten, daran arbeiten Forscher schon lange. Mithilfe von Tissue Engineering kann man inzwischen zwar künstliches Gewebe aufbauen, an größeren Organen ist die Wissenschaft bisher aber gescheitert. Fraunhofer-Forscher entwickeln jetzt im Projekt »BioRap« mit neuartigen Verfahren künstliche Blutgefäße. Diese könnten künftig die Versorgung solcher Organe gewährleisten. Auf der Biotechnica, die vom 11. bis 13. Oktober in Hannover stattfindet, stellen sie ihre Ergebnisse vor.

Mehr als 11 000 Menschen standen allein in Deutschland Anfang dieses Jahres auf der Warteliste für eine Organtransplantation. Doch im Durchschnitt werden kaum halb so viele Transplantationen durchgeführt. Ziel von Tissue Engineering ist es, Organe im Labor herzustellen und hier neue Möglichkeiten zu erschließen. Weil das nötige Gefäßsystem fehlte, ist es Forschern allerdings noch nicht gelungen künstliches Gewebe mit Nährstoffen zu versorgen. Fünf Fraunhofer-Institute haben sich im Jahr 2009 zusammengeschlossen, um biokompatible künstliche Blutgefäße zu entwickeln. Es schien unmöglich, solch kleine und komplexe Strukturen wie Kapillargefäße zu bauen, besonders Verzweigungen und Hohlräume machten den Forschern zu schaffen. Hilfe kam schließlich aus der Produktionstechnik: Mittels Rapid Prototyping lassen sich Werkstücke direkt nach einem beliebig komplexen 3-D-Modell aufbauen. Nun ist es den Fraunhofer Wissenschaftlern gelungen, diese Technik auch auf elastische Biomaterialien zu übertragen. Dazu kombinierten sie zwei verschiedene Verfahren: die im Rapid Prototyping etablierte 3-D-Drucktechnik und die in der Polymerwissenschaft entwickelte Multiphotonenpolymerisation.

Erfolgreiche Kombination
Der 3-D-Inkjet-Drucker kann sehr schnell dreidimensionale Körper aus den verschiedensten Materialien erzeugen. Er trägt das Material in Schichten auf, nur an bestimmten Stellen werden diese Lagen chemisch verbunden. Damit entstehen bereits Mikrostrukturen, für die feinen Strukturen von Kapillargefäßen ist die 3-D-Drucktechnik jedoch immer noch zu ungenau. Daher kombinierten die Forscher diese Technik mit der Multiphotonenpolymerisation. Kurze, intensive Laserpulse treffen dabei das Material und regen die Moleküle so stark an, dass diese miteinander reagieren und sich zu längeren Ketten verbinden. Das Material polymerisiert und wird fest, es bleibt aber so elastisch wie natürliche Materialien. Diese Reaktion lässt sich derart gezielt steuern, dass der Aufbau von feinsten Strukturen nach einem dreidimensionalen Bauplan möglich ist. »Die einzelnen Techniken funktionieren schon und arbeiten momentan in der Testphase; der Prototyp für die kombinierte Anlage ist im Aufbau«, beschreibt Projektleiter Dr. Günter Tovar vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart den aktuellen Stand der Kooperation.

Wenn aus Tinte Röhren werden
Zur erfolgreichen Herstellung dreidimensionaler elastischer Körper braucht es noch das richtige Material. Deshalb haben die Forscher spezielle Tinten entwickelt, denn die Drucktechnik fordert sehr spezifische Eigenschaften: Die späteren Blutgefäße müssen flexibel und elastisch sein und mit dem natürlichen Gewebe interagieren. Dafür werden die synthetischen Röhrchen nachträglich biofunktionalisiert, so dass lebende Körperzellen an ihnen andocken können. Dazu integrieren die Wissenschaftler modifizierte biologische Strukturen - wie etwa Heparin - und Ankerproteine in die Innenwände. Oft verwenden sie auch Tinten aus Hybridmaterialen, die von vornherein eine Mischung aus synthetischen und natürlichen Polymeren enthalten. In einem zweiten Schritt können sich in den Röhrensystemen Endothelzellen anheften. Diese Zellen bilden im Körper die innerste Wandschicht eines jeden Gefäßes. »Die Auskleidung ist wichtig damit die Bestandteile des Blutes nicht kleben bleiben, sondern weitertransportiert werden«, erklärt Günter Tovar. Nur wenn es gelingt, eine komplette Schicht lebender Zellen anzusiedeln, kann das Gefäß so arbeiten wie seine natürlichen Vorbilder und die Nährstoffe an ihr Ziel dirigieren.

Chancen für die Medizin
Die virtuelle Simulation der fertigen Werkstücke ist ebenso bedeutsam für den Erfolg des Projekts, wie die neuen Materialien und die Herstellungsverfahren. Die Forscher müssen den Aufbau der Strukturen und den Verlauf der Gefäßsysteme genau berechnen, um optimale Fließgeschwindigkeit zu gewährleisten oder einen Stau zu verhindern. Noch stehen die Fraunhofer-Wissenschaftler am Anfang dieser ganz neuen Technologie zum Aufbau elastischer dreidimensional geformter Biomaterialien, doch die Technik bietet die Grundlage für weitere Entwicklungen. »Wir wenden hier erstmalig Rapid Prototyping auf elastische, organische Biomaterialien an. Die Gefäßsysteme illustrieren sehr schön die Möglichkeiten dieser Technologie, aber das ist noch längst nicht alles, was geht«, betont Günter Tovar. Mit den so erzeugten Blutgefäßen ließen sich komplett künstliche Organe an einen Kreislauf anbinden und mit Nährstoffen versorgen. Diese eignen sich dann zwar noch nicht für eine Transplantation, dafür kann der Organkomplex als Testsystem genutzt werden und so Tierversuche ersetzen. Auch die Behandlung von Bypass-Patienten mit künstlichen Gefäßen ist denkbar. Bis Organe aus dem Labor mit eigenen Blutgefäßen tatsächlich implantiert werden, wird es allerdings noch einige Zeit dauern.

An dem Projekt beteiligt sind das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP in Potsdam, das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart, das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT in Aachen, das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart und das Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg. Auf der Biotechnica in Halle 9, Stand D10 zeigen sie ein Modell eines künstlichen Gefäßes, das mit Rapid Prototyping-Technik gedruckt wurde.

Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft

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Nature: Wie das Treibhausgas N2O abgebaut wird

Monika Landgraf
Presse, Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

Lachgas (N2O) ist ein schädliches Klimagas. Es wirkt als Treibhausgas 300-mal stärker als Kohlendioxid und zerstört die Ozonschicht. In der industriellen Landwirtschaft entsteht es auf überdüngten Feldern, wenn Mikroorganismen Nitrat-Dünger zersetzen. Der Abbau von Lachgas läuft oft unvollständig ab und hängt stark von den Umweltbedingungen ab. Forscher aus Freiburg, Konstanz und Karlsruhe KIT haben nun die Struktur und den Mechanismus des Lachgas-abbauenden Enzyms aufgeklärt und in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht (AOP; DOI:10.1038/nature10332).
In der aktuellen Studie konnte gezeigt werden, dass das Enzym N20-Reduktase aktive Zentren besitzt, welche aus vier Kupferatomen und zwei Schwefelatomen gebildet wird. „Die überraschende Erkenntnis war, dass die Mikrobiologen weltweit bislang von der falschen Struktur ausgegangen waren", erklärt Professor Oliver Einsle, Gruppenleiter am Institut für Organische Chemie und Biochemie der Universität Freiburg. Bislang war man von nur einem Schwefelatom ausgegangen und konnte den Mechanismus des Lachgasabbaus nicht vollkommen aufklären. Die neuen Daten erlauben es, den Reaktionsablauf des Enzyms besser zu modellieren. Kommenden Untersuchungen sollen weitere Details liefern und helfen zu verstehen, welchen Einfluss die Umweltbedingungen auf den Prozess haben.

„Entscheidend war es, dass wir bei allen Untersuchungsschritten unter Ausschluss von Luftsauerstoff arbeiten konnten", betont Walter G. Zumft, Professor im Ruhestand am Karlsruher Institut für Technologie. Bei Kontakt mit Sauerstoff reagieren Teile des Enzyms und es verändert seine Struktur. Zusammen mit Dr. Anja Pomowski von der Universität Freiburg wurden unter einer sauerstofffreien Schutzatmosphäre die Bakterien kultiviert, die Enzyme in großem Maßstab isoliert sowie kristallisiert und anschließend eine Strukturanalyse mit Röntgenstrahlen vorgenommen. Das vierköpfige Autorenteam wurde von Professor Peter Kroneck von der Universität Konstanz ergänzt.

„Die aktuelle Studie liefert uns einen interessanten komplementären Blick auf den Stickstoffkreislauf", sagt Dr. Ralf Kiese vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung des KIT. Die Lachgas- und Stickstoffproduktion auf Äckern, Weiden und in Wäldern hängt von vielen, oft gegenläufigen Effekten ab. So hat eine KIT-Studie im vergangenen Jahr gezeigt, dass unter bestimmten Bedingungen mehr Viehwirtschaft zu weniger Lachgas führen kann (doi:10.1038/nature08931). Genauere Erkenntnisse über die mikrobiellen Vorgänge und ihre Abhängigkeit von den Umweltbedingungen könnten helfen, den Beitrag des Lachgases fürs Klima besser zu modellieren. Langfristig wäre es sogar denkbar, das Wissen zu nutzen, um zu vermeiden, dass Lachgas in die Atmosphäre entweicht; etwa durch Zusatzstoffe in Düngern, die die Funktionsfähigkeit der N20-Reduktase erhalten, oder durch optimierte Prozesse in Klärwerken.

KIT- Presseinformation zu weiteren Studien rund um Lachgas
„Treibhausgase aus Waldböden"
http://www.kit.edu/besuchen/pi_2011_6446.php
„Vieh verringert Lachgas-Emissionen": http://www.kit.edu/besuchen/pi_2010_883.php

Homepage der Arbeitsgruppe von Prof. Einsle an der Universität in Freiburg: http://portal.uni-freiburg.de/xray

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung - Lehre - Innovation.

Anhang
Wie das Treibhausgas N2O abgebaut wird
http://idw-online.de/de/attachment10469

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Dynamische Maut macht Verkehrsfluss zügiger

Dr. Norbert Aschenbrenner
Corporate Communications, Corporate Technology
Siemens AG

Mit einer dynamischen Maut kann der Verkehr auf Autobahnen zügiger fließen. Siemens hat für Verkehrssteuerungssysteme einen speziellen Algorithmus entwickelt, der die Straßengebühren an die Verkehrssituation anpasst. Als Gegenleistung bietet das System den Fahrern ein schnelleres Vorankommen. So werden Staus vermieden und Kraftstoff eingespart sowie der CO2-Ausstoß verringert. Die erste Sonderfahrspur mit dem innovativen Steuerungssystem, die sogenannte Fast Lane, befindet sich auf der israelischen Autobahn zwischen Jerusalem und Tel Aviv.

Viele Ballungsräume haben zu Stoßzeiten Probleme mit Staus und stockendem Verkehr. Um den Verkehrsfluss zu verbessern und die Menschen zu Fahrgemeinschaften und der Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewegen, werden oft gebührenpflichtige Sonderfahrspuren eingerichtet. Die größte Herausforderung ist es dort, die Gebühren so festzulegen, dass die Spur ausreichend ausgelastet ist und gleichzeitig Staus vermieden werden. Siemens Mobility hat dafür ein Verkehrssteuerungssystem entwickelt, das eine gleichmäßige Reisegeschwindigkeit unter optimaler Auslastung ermöglicht. Dazu erfassen Induktionsschleifen in der Fahrbahn die Geschwindigkeit und Anzahl der Fahrzeuge auf den freien Fahrspuren und der Fast Lane. Kernstück des Systems ist ein komplexer Algorithmus, der aus den Messwerten die Gebühren minutengenau berechnet. Dies führt letztlich zu einer gleichmäßigen Verkehrsdichte auf der Sonderspur: Bei geringem Verkehr sinkt die Gebühr; damit steigt die Bereitschaft der Autofahrer, die Spur zu benutzen. Bei großer Verkehrsdichte wird es teurer, und der Preis hält manchen Autofahrer ab. So kommt es nicht zum Stau. Die aktuelle Gebühr wird auf Wechselverkehrszeichen vor der Fast Lane angezeigt. Für die Abrechnung erfasst ein Videosystem an der Einfahrt das Nummernschild. Hat sich der Fahrer vorher registriert, wird die Gebühr von seinem Konto abgezogen. Ansonsten bekommt er später eine Rechnung zugeschickt. Busse und voll besetzte Fahrzeuge fahren umsonst. Die zwölf Kilometer lange Fast Lane ermöglicht eine Fahrzeit von etwa 12 Minuten - im Vergleich zu 30 bis 60 Minuten zu Stoßzeiten.

Gebaut wurde die Fast Lane von der israelischen Baufirma Shapir Civil & Marine Engineering Ltd. Für die Gebührenabrechnung ist das israelische Unternehmen R.S. Industries / Orad Group zuständig. Einen vielversprechenden Markt für das neue Verkehrssteuerungssystem sieht Siemens zukünftig in USA, wo schon viele Fast Lanes mit bisher wenig flexibler Gebührenberechnung existieren.

Foto: http://www.siemens.com/press/de/pressebilder/?press=/de/pressebilder/2011/mobili...

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Um die Wasserqualität in Deutschlands Flüssen ist es schlecht bestellt

Bernd Hegen
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Universität Koblenz-Landau

Der durch die EU-weite Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) geforderte gute chemische und gute ökologische Zustand wird in großen deutschen Gewässern bis 2015 wahrscheinlich nicht erreicht werden können. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Koblenz-Landau, des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung und der Technischen Universität Bergakademie Freiberg, die nun in der internationalen Fachzeitschrift für Umweltwissenschaften „Environmental Science & Technology" erschienen ist. Über einen Zeitraum von zehn Jahren wurden Daten von den vier größten Flüssen Norddeutschlands ausgewertet: Elbe, Weser, Aller und Ems.

„Diese Studie ist weltweit die bislang größte ihrer Art", erklärt Ralf B. Schäfer, Juniorprofessor am Institut für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau. Die Wissenschaftler werteten behördliche Gewässer-Monitoring-Daten aus einem Zeitraum von zehn Jahren von 1994 bis 2004 aus. Ausgewertet werden konnten die Daten erst jetzt dank einer neuen Methode zur Vorhersage der Toxizität von bisher ungetesteten Stoffen. „Spätere Daten lagen aufgrund der Auflösung des niedersächsischen Landesamtes für Ökologie nicht mehr in dem erforderlichen Umfang vor", so Schäfer. 331 organische Schadstoffe wurden auf ihr Vorkommen und mögliche toxische Effekte hin untersucht. Auf dieser Basis wurde dann die Belastung der Flüsse eingestuft. Das Ergebnis: 257 der im Visier der Wissenschaftler stehenden Stoffe wurden in den Gewässern gefunden, und das zum Teil in Konzentrationen, die akute toxische Effekte auf Gewässerorganismen wahrscheinlich erscheinen lassen. Viele der Substanzen, die schädlich für Gewässerorganismen sind, fallen jedoch nicht unter die von der Europäischen Union als prioritär eingestuften Stoffe, die zur Beurteilung des chemischen Zustandes von Oberflächengewässern im Sinne der Wasserrahmenrichtlinie herangezogen werden. Lediglich zwei der EU-weiten 33 prioritären Stoffe überschritten die entsprechenden Grenzwerte. Darüber hinaus wurden auch nicht zugelassene Pestizide in den Gewässern nachgewiesen.

„Zwar sind die Trends rückläufig", so Schäfer. Insgesamt seien die Belastungen beispielsweise durch Pestizide und Industriechemikalien allerdings so hoch, dass die toxischen Auswirkungen auf Flora und Fauna sehr wahrscheinlich seien. „Die Annahme, dass durch die Verdünnung der Chemikalien in großen Gewässern diese nicht so stark beeinträchtigt würden, lässt sich durch diese Ergebnisse widerlegen", so Peter C. von der Ohe vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Bleiben die Belastungen in den großen Strömen auf dem heutigen Niveau, werden die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie schwer zu realisieren sein, sind sich die Wissenschaftler einig.

Zur Beurteilung der Gewässerkonzentration glichen die Wissenschaftler die Daten aus dem behördlichen Monitoring mit Laborwerten aus Standardtests mit Wasserflöhen, Fischen und Algen ab. „Wir haben teilweise Stoffe in besorgniserregender Konzentration ausgemacht, die in vorliegender Höhe unter Laborbedingungen bei 50 Prozent der Wasserflöhe tödlich wären und zu einer großen Abnahme des Algenbestands führen könnten", so Schäfer. Auch sei zu beachten, so von der Ohe, dass die verwendeten Monitoringdaten durch punktuelle Probenahme erfasst wurden, Pestizide dagegen eher episodisch auftreten würden und die Belastungen daher in der Praxis zeitweise noch höher sein könnten. Derzeit werde behördliches Gewässermonitoring nur punktuell und aus Kostengründen immer mehr mit Blick auf die 33 prioritären Stoffe durchgeführt, die in der vorliegenden Studie größtenteils keinen Anteil an der Gewässerbelastung hatten. Das größte Risiko würden dagegen andere Substanzen bergen, so die Einschätzung der Wissenschaftler. Diese sollten zukünftig stärker bei der Gewässerüberwachung in den Blick genommen und die genauen Quellen identifiziert werden.

Die Studie:
Ralf B. Schäfer, Peter C. von der Ohe, Ralph Kühne, Gerrit Schüürmann, Matthias Liess: „Occurence and Toxicity of 331 Organic Pollutants in Large Rivers of North Germany over a Decade (1994 to 2004). http://pubs.acs.org/est
DOI: 10.1021/es2013006

Beteiligte Einrichtungen: Institut für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau, Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung, Technische Universität Bergakademie Freiberg.

Die Methodenstudie zur Vorhersage von Toxizität
Gerrit Schüürmann, Ralf-Uwe Ebert, and Ralph Kühne, „Quantitative Read-Across for Predicting the Acute Fish Toxicity of Organic Compounds". http://pubs.acs.org/est DOI: 10.1021/es200361r

Kontakt:
Universität Koblenz-Landau, Campus Landau
Institut für Umweltwissenschaften
Jun.-Prof. Dr. Ralf B. Schäfer
Tel.: 06341 280-31536
E-Mail: schaefer-ralf@uni-landau.de

und

Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Department Wirkungsorientierte Forschung
Dr. Peter C. von der Ohe
Tel. 0341-235-1581
E-Mail: peter.vonderohe@ufz.de
http://www.ufz.de/index.php?en=14838

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Stickstoff im Boden sorgt für saubere Luft

Dr. Wolfgang Huisl
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Chemie

Nitrithaltiger Ackerboden bildet eine Quelle für Hydroxylradikale, die die Atmosphäre von Schadstoffen reinigen
Überdüngung schadet der Umwelt in vielerlei Hinsicht. Auf unerwartete Weise kann Stickstoffdünger ihr aber auch nutzen. Und auch sauren Böden, die das Waldsterben begünstigen, lässt sich offenbar etwas Positives abgewinnen. Wie Forscher der Abteilung Biogeochemie des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz festgestellt haben, stärkt Stickstoffdünger nämlich indirekt die Selbstreinigungskraft der Atmosphäre. Ihrer Studie zufolge entsteht in gedüngtem Ackerboden salpetrige Säure, die in die Atmosphäre entweicht - und zwar desto mehr je saurer der Boden ist. In der Luft bewirkt die salpetrige Säure die Bildung von Hydroxylradikalen, die Schadstoffe oxidieren, so dass sie ausgewaschen werden. Bislang hatten Geowissenschaftler diesen Effekt nicht berücksichtigt. Die Lücke haben die Max-Planck-Forscher nun geschlossen.

Unsere Luft reinigt sich teilweise selbst, indem Schadstoffe durch Hydroxylradikale oxidiert und durch Regen ausgewaschen werden. Forscher des Max-Planck-Instituts in Mainz und Kollegen aus Peking haben jetzt herausgefunden, woher ein Großteil der salpetrigen Säure stammt, die neben Ozon als Quelle für Hydroxylradikale wirkt. Demnach wird die Säure in beachtlichen Mengen vom Erdboden an die Atmosphäre abgegeben. In stickstoffhaltigen Böden entsteht die Säure aus Nitrit-Ionen, die wiederum aus mikrobiologischen Umwandlungen von Ammonium- und Nitrat-Ionen stammen. Je saurer der Boden ist und je mehr Nitrit er enthält, umso mehr salpetrige Säure wird freigesetzt. Über diesen Weg entweicht also auch ein Teil des Stickstoffs aus gedüngten Ackerböden in die Luft.

In der neuesten Ausgabe des Forschungsmagazins Science beschreiben die Mainzer Forscher, wie sie den bisher unbeachteten Pfad im Stickstoffkreislauf nachgewiesen haben. Sie maßen die Konzentration an HONO - so lautet eine chemische Darstellung für gasförmige salpetrige Säure -, die aus einem definierten Volumen Ackerboden entweicht. Dazu setzen sie einer Bodenprobe Nitrit zu und veränderten anschließend den Wassergehalt. Die dabei freigesetzte HONO-Menge stimmt gut mit der Menge überein, die die Forscher in Berechnungen der Säure-Basen- und Löslichkeitsgleichgewichte abgeschätzt hatten. Damit konnten sie auch die hohen HONO-Werte erklären, die in früheren Untersuchungen über gedüngten landwirtschaftlichen Böden gemessen wurden.

Lange war die Quelle der beobachteten großen HONO-Konzentrationen in der bodennahen Atmosphäre ein Rätsel geblieben. „Böden sind sehr komplexe Systeme, in denen zahlreiche chemische Substanzen und Mikroorganismen miteinander wechselwirken", sagt Hang Su, Erstautor der Veröffentlichung. „Den Austausch von salpetriger Säure zwischen Boden und Luft scheint bisher niemand untersucht zu haben."

Die Emission von salpetriger Säure aus dem Erdboden hat den Forschern zufolge nicht nur lokale, sondern auch globale Bedeutung für die Luftqualität und den Stickstoffkreislauf. „In interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Boden- und Klimaforschern wollen wir daher als nächstes den Effekt für verschiedene Bodentypen und Umgebungsbedingungen quantifizieren", sagt Forschungsgruppenleiter Ulrich Pöschl. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sollen dann in ein globales Modell einfließen.

Die Max-Planck-Forscher vermuten nämlich, dass die Freisetzung von HONO aus Ackerböden aufgrund vermehrten Einsatzes von Düngemitteln, zunehmender Bodenversauerung, und klimabedingter Temperaturerhöhungen besonders in Entwicklungsländern deutlich ansteigen könnte. Dadurch werden voraussichtlich mehr Hydroxylradikale entstehen, die die Oxidationskraft der Luft erhöhen.

Über das Max-Planck-Institut für Chemie
Am Max-Planck-Institut für Chemie (260 Mitarbeiter) werden die Erde und ihre Atmosphäre in unterschiedlichen Größenbereichen, vom Nanopartikel bis zum Planeten und von der Ökosystemdynamik bis zum globalen Klimawandel erforscht. Drei Abteilungen untersuchen das Erdsystem in Feldstudien, unter Laborbedingungen und mit Hilfe von computergestützten Modellsystemen. Somit trägt das Institut zum grundlegenden Verständnis der natürlichen Ressourcen der Erde bei und liefert notwendige Methoden für deren nachhaltige Nutzung und den Schutz der Umwelt. Mit einer International Research School und einem E-Learning Programm beteiligt sich das Institut auch aktiv an der Wissenschaftsausbildung. Das Max-Planck-Institut für Chemie beteiligt sich aktiv am Veranstaltungsprogramm 2011 zur Stadt der Wissenschaft in Mainz. Im nächsten Jahr feiert das Institut sein 100-jähriges Bestehen.
Weitere Informationen: http://www.mpic.de

Originalveröffentlichung:
Hang Su, Yafang Cheng, Robert Oswald, Thomas Behrendt, Ivonne Trebs, Franz X. Meixner, Meinrat O. Andreae, Peng Cheng, Yuanhang Zhang & Ulrich Pöschl
Soil nitrite as a source of atmospheric HONO and OH radicals
Science, 18 August 2011

Kontakt:
Dr. Hang Su
Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz
Tel.: +49 6131-305 426
E-Mail: h.su@mpic.de

Dr. Ulrich Pöschl
Max-Planck-Institut für Chemie, Mainz
Tel.: +49 6131-305 422
E-Mail: u.poschl@mpic.de

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Einweghandschuhe: Beim Putzen eher Gefahr als Schutz

Holger Ostermeyer
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden

Eine wissenschaftliche Auswertung der Behandlungsdaten von mehr als 800 Reinigungskräften mit Hauterkrankungen belegt, dass sich die Mitarbeiter dieser Branche nicht effektiv vor den Gefahren des Berufs schützen. In einer aktuellen Studie stellten die Wissenschaftler der Klinik für Dermatologie des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden fest, dass besonders der Gummi-Zusatz Thiuram und die in vielen Desinfektionsmitteln enthaltenen Chemikalien wie Formaldehyd, Glyoxal, Glutaraldehyd und Benzalkoniumchlorid Ursache für schwere Hautreizungen und -allergien der Reinigungskräfte sind.
Würden die Betroffenen ihre Hände nach den einschlägigen Arbeitsschutz-Regelungen schützen, blieben sie weitestgehend von diesen Hauterkrankungen verschont. Auch im Haushalt verhalten sich viele Menschen falsch: Sie setzen ebenfalls auf einfache oft gepuderte Einweg-Gummihandschuhe, die Unverträglichkeitsreaktionen der Haut hervorrufen können und zudem nicht vor vielen in Putzmitteln und Haushaltschemikalien enthaltenen Stoffen schützen. Dabei stellen einfachste Verhaltensregeln einen wirksamen Schutz der Haut sicher.

Im Haushalt beliebt und in der Reinigungsbranche weit verbreitet sind Einmalhandschuhe aus Naturlatex, die sich an die Haut anschmiegen und sehr preiswert sind. Kaum bekannt ist jedoch, dass besonders dieser Typ von Handschuhen für Reinigungsarbeiten völlig ungeeignet ist und schwere Hautreaktionen provozieren kann. So hält die dünne Gummischicht zwar zumeist Viren, Pilze und Bakterien zurück und bietet damit dem medizinischen Personal in Krankenhäusern einen guten Schutz, sofern die Mitarbeiter nicht allergisch auf Latexprodukte und Gummichemikalien reagieren. Doch die in Reinigungsmitteln enthaltenen Chemikalien können oft die besonders dünnen Einmalhandschuhe problemlos durchdringen und so die Haut schädigen. Eine aktuelle Studie der Klinik für Dermatologie des Dresdner Uniklinikums, deren Ergebnisse die Wissenschaftler um Privatdozentin (PD) Dr. Andrea Bauer in der britischen Zeitschrift „Contact Dermatitis" veröffentlichten, machte den Gummi-Zusatz Thiuram und die in vielen Desinfektionsmitteln enthaltene Chemikalien Formaldehyd, Glyoxal, Glutaraldehyd und Benzalkoniumchlorid als Hauptursachen für allergische Hautreizungen - sogenannte allergische Kontaktekzeme aus: „Kontaktekzeme sehen anfänglich oft harmlos aus und werden nicht ernst genommen. Zunächst entstehen Irritationen der Haut, die sich nur durch Rötungen und Schuppungen bemerkbar machen. Wenn sich aber auf der Basis der gestörten Hautbarriere Allergien gegen Berufsstoffe entwickeln, kann das im schlimmsten Fall zur Berufsunfähigkeit führen", sagt PD Dr. Andrea Bauer. Die Oberärztin an der Klinik für Dermatologie hat sich auf das Fachgebiet der Berufsdermatologie spezialisiert. Neben der Diagnostik und Therapie berufsbedingter Hauterkrankungen engagiert sich die Hautärztin in der Vorbeugung dieser Leiden.

Der Hautkontakt zu Thiuramen ebenso wie zu Chemikalien in Desinfektionsmitteln ließe sich mit dem richtigen Schutzhandschuh leicht vermeiden: Für Reinigungskräfte, die auf den Gummi-Zusatz reagieren, gibt es eine Vielzahl von thiuramfreien Alternativen aus Nitril oder beispielsweise Handschuhe aus PVC, sogenannte Vinylhandschuhe. Wer mit aggressiven Reinigern oder Chemikalien arbeitet, sollte zudem auf chemikalienundurchlässige dickere Mehrweg-Handschuhe zurückgreifen: Das Latex der Einmalhandschuhe ist in der Regel kaum dicker als ein Zehntel Millimeter und bildet keine wirksame Barriere. „Die in der Studie ermittelte Häufigkeit der Ursachen für die Hauterkrankungen der Reinigungskräfte deutet darauf hin, dass viele Firmen die Gesundheit ihrer Mitarbeiter durch falsche Arbeitshandschuhe aufs Spiel setzen", sagt Dr. Bauer.

Doch nicht nur professionelle Reinigungskräfte sollten unbedingt dicke, chemikalienundurchlässige Handschuhe tragen: Auch bei Arbeiten im Haushalt sind medizinische Einweghandschuhe fehl am Platz. Ein Blick in die Auslage der Drogeriemärkte zeigt jedoch, dass neben den tatsächlich schützenden Handschuhen eine Vielzahl preiswerter aber nicht schützender Einmalhandschuhe verkauft werden. Aber es sind nicht nur Allergie auslösende Stoffe und Chemikalien, die die Haut angreifen: Auch häufiges Händewaschen oder übermäßiges Schwitzen senken deren Widerstandskraft. Eine durch Feuchtigkeit gequollene oder durch Hautreizungen geschädigte Oberhaut ist ein ideales Einfallstor für Keime. „Am besten ist es, wenn unter dem Schutzhandschuh noch ein dünner Baumwollhandschuh getragen wird, der die Schwitzneigung der Haut verringert und sich heiß waschen lässt", rät deshalb die Hautärztin.

Um die Hände beim berufsmäßigen Putzen, aber auch bei der Arbeit im Haushalt umfassend zu schonen, sollten folgende Punkte beachtet werden:
- Nur dicke, wieder verwendbare Gummihandschuhe sorgen für einen adäquaten Schutz.
- Die Schutzhandschuhe sollten mit Baumwolle beflockt oder mit Baumwollstrick ausgekleidet sein, damit die Haut nicht so leicht schwitzt und ein direkter Kontakt zum Gummi vermieden wird.
- Der Handschuh sollte locker sitzen, um ein übermäßiges Schwitzen der Hand zu verhindern.
- Wer besonders zu schwitzenden Händen neigt, sollte unter dem Schutzhandschuh dünne, in Apotheken erhältliche Baumwollhandschuhe tragen.
- Bei längerem Arbeiten mit Schutzhandschuhen sind spätestens bei beginnender Durchfeuchtung die Innenhandschuhe durch saubere, trockene zu ersetzen. Die dünnen Innenhandschuhe lassen sich gut waschen und danach wieder nutzen.
- Wenn - wie im medizinischen Bereich - dünne Einmal-Gummihand­schuhe vorschriftsmäßig zum Einsatz kommen, sind nur noch Handschuhe ohne den Allergie erregenden Gummi-Zusatzstoff Thiuram zu verwenden.
- Das Wasser zum Putzen und Abwaschen sollte lediglich Körpertemperatur haben, um die Schwitzneigung der Haut zu minimieren.
- Um die Haut auch im Handschuh möglichst gut zu schützen, empfehlt es sich, zwei unterschiedliche Cremes zu verwenden: Während der Arbeit Hautschutzcremes, nach dem Händewaschen und nach der Arbeit Pflegecremes. Welche Creme die richtige ist, kann mit dem Hautarzt oder dem Apotheker besprochen werden. Die Wahl hängt vom Hauttyp und der Art der Tätigkeit ab.
- Wer empfindliche Haut hat, sollte sich nicht zu oft Hände waschen und dabei lauwarmes Wasser und milde Flüssigseifen verwenden.

Jeder Arbeitgeber ist gesetzlich dazu verpflichtet, seinen Angestellten die für die spezielle Tätigkeit geeigneten Handschuhe und Hautschutzcremes zur Verfügung zu stellen. Diese Vorschrift wird jedoch in der Praxis in vielen Arbeitsbereichen kaum umgesetzt - zum Schaden der Angestellten. „Die bestehenden Arbeitsschutzregelungen werden oft ignoriert. Im Grunde müssten Einweghandschuhe komplett aus der Reinigungsbranche verschwinden", sagt Andrea Bauer und rät Betroffenen, die an berufsbedingten Hautirritationen leiden, sofort zum Hautarzt zu gehen. Neben der kompetenten fachärztlichen Versorgung kann hier eine besondere Betreuung der Patienten über die Berufsgenossenschaften eingeleitet werden. Die Berufsgenossenschaften stellen in diesem Fall unkompliziert und kostenlos Hautschutzmittel und Therapien zur Verfügung, um die Erkrankung möglichst frühzeitig einzudämmen und zu heilen und einen Verlust des Arbeitsplatzes zu verhindern.
Neben dem richtigen Schutzhandschuh ist auch die richtige Pflege für eine gesunde Haut wichtig: Die Hände sollten daher regelmäßig mit geeigneten Hautschutzmitteln und Pflegecremes eingerieben werden, über die man sich beim Hautarzt und in der Apotheke informieren kann. Beim Händewaschen sollten schonende Flüssigseifen zum Einsatz kommen. Alle verwendeten Produkte sollten frei von Farb-, Duft- und Konservierungsstoffen sein. Andrea Bauer rät dazu, Hautreizungen an den Händen in keinem Fall zu unterschätzen: „Die Hände sind unsere wichtigsten Werkzeuge - sie müssen gesund bleiben, sonst kann das die berufliche Existenz gefährden."

Publikation
„Contact allergy in the cleaning industry: analysis of contact allergy surveillance data of the Information Network of Departments of Dermatology"; Britische Zeitschrift „Contact Dermatitis" (DOI: 10.1111/j.1600-0536.2011.01937.x)

Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-dresden.de/der

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Demographischer Wandel in der Praxis - Wie Unternehmen heute die Zukunft meistern"

VBG_Gesundheitsmagazin4
Wie meistern Unternehmen die Folgen der Überalterung der Gesellschaft? Folge 4 des VBG Gesundheitsmagazins zeigt, wie Betriebe beispielhaft den „Demographischen Wandel" in der Praxis angehen. VBG-Präventionsexperten geben Tipps und Anregungen zum Umgang mit diesem Thema, das in den nächsten Jahren für viele Betriebe immer wichtiger wird.

http://www.vbg.de/praevention/aktuelles/VBG_gesundheitsmagazin_demographie.html

Quelle: Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG)

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Biogas 2011 - Kongressprogramm veröffentlicht

Hervorragende Referenten aus Praxis und Wissenschaft in Offenburg / Rund 40 Fachvorträge im Vortragsprogramm / Frühbucher-Vorteil für Teilnehmer bis zum 23. September 2011

OFFENBURG. Das Kongressprogramm der diesjährigen Biogas - expo & congress, die am 26. und 27. Oktober 2011 in Offenburg stattfindet, ist veröffentlicht. Rund 40 Fachvorträge aus Praxis und Wissenschaft bieten ein anspruchsvolles Vortragsprogramm. Parallel zur diesjährigen Fachmesse mit Kongress findet zudem die 20. Jahrestagung „Biogas und Bioenergie in der Landwirtschaft" auf dem Messegelände in Offenburg statt.

Eröffnet wird die Veranstaltung am 26. Oktober 2011 von Herr Prof. Dr. Ernst Ulrich Freiherr von Weizsäcker sowie Herr Werner Räpple, Präsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes.

Zu den Themenblöcken des Vortragsprogramms zählen:

• Biomethan: Erzeugung - Einspeisung - Nutzungsformen
• Biogas im Netzverbund mit anderen Erneuerbaren Energien
• Umsetzung von Biogasprojekten - Möglichkeiten zur Akzeptanzsteigerung
• Biogas in der Praxis - Erfahrungsberichte
• Alternative Biomasse
• Cofermentation - Vergärung von Reststoffen
• Gesteigerte Effizienz beim Anlagenbetrieb unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte
• Innovationsforum Technik & Substrate

Das komplette Programm finden Sie online unter www.biogas-offenburg.de.

Zu den Fachbesuchern der Biogas zählen insbesondere: Planer & Ingenieure, Land- & Forstwirtschaft, Lieferanten von Cofermenten, Unternehmen der Biogaswirtschaft, Kommunen & Verwaltungen, Stadtwerke & Energieversorger, Investoren & Betreiber sowie Wissenschaft & Forschung.

Das Kongress- und Fachmesse-Ticket:
1-Tages-Ticket: 28,00 EUR (Frühbucher-Vorteil bis zum 23. September 2011)
2-Tages-Ticket: 48,00 EUR (Frühbucher-Vorteil bis zum 23. September 2011)
Weitere Ticketpreise für Fachmesse oder Jahrestagung finden Sie unter www.biogas-offenburg.de

Veranstaltungsort und Veranstalter: Messe Offenburg, Schutterwälder Str. 3, 77656 Offenburg.
Weitere Informationen zur Veranstaltung erhalten Sie unter www.biogas-offenburg.de oder direkt bei der Messe Offenburg unter Fon +49 (0)781 - 9226 - 32 oder E-Mail: biogas@messeoffenburg.de.

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Burn-out-Gefahr: Erfahrungen und Erkenntnisse

- Burn-out erkennen, verstehen, bekämpfen
Wie Führungskräfte erste Anzeichen von Burn-out-Prozessen erkennen können,
welche Ursachen infrage kommen und wie Burn-out erfolgreich bekämpft oder
sogar vermieden werden kann, erläutert die Verwaltungs-BG in einer Broschüre.
Zum Download der Broschüre
http://www.vbg.de/downloads?step=25&strg=Einzel&/Produkt/OBJKT=/5/20/21/232360

- DVD-Magazin: Fit für Job und Leben mit dem Schwerpunktthema " Burn-out"
Was sind Ursachen von Burn-out, welche Therapie ist die richtige und was kann
ein Unternehmen tun, um seine Mitarbeiter gesund zu erhalten? Antworten auf
diese Fragen sowie weitere Tipps rund um das Thema "Burn-out -Vorbeugung"
gibt die neunte Ausgabe des Gesundheitsmagazins "Fit für Job und Leben"
der BG Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI).
Weitere Informationen der BG RCI:
http://www.stbg.de/site.aspx?url=medien/video/fit9.htm

- Seminar: "Ausgepowert? Leistungsfähig und gesund durch den richtigen Umgang mit den eigenen Ressourcen"
Burn-out ist ein schleichender Prozess, an dessen Ende häufig die Diagnose
psychosomatischer Erkrankungen steht. Lange Fehlzeiten sind die Folge. In
einem Seminar des Instituts für Arbeit und Gesundheit der DGUV (IAG) lernen
die Teilnehmer ihren Kräftehaushalt einzuschätzen und zu verbessern.
Weitere Informationen zum Seminar:
https://app.ehrportal.eu/dguv/webmodul/suchergebnis/seminardaten.jsp;jsessionid=6D91CDE4621EA6049BE374B00EDD7812?key=1%7C550028%7C2011

Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)

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Risiko raus! Mehrheit der Deutschen fährt Fahrrad oben ohne

Umfrage zur Nutzung von Fahrradhelmen und zur Helmpflicht -
90 Prozent würden bei ihren Kindern auf den Fahrradhelm achten

Fahrradfahren mit Helm ist leider noch nicht die Regel. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage für "Risiko raus!", die Präventionskampagne der gesetzlichen Unfallversicherung zum sicheren Fahren und Transportieren. Danach gab nur einer von zehn Radfahrern an, beim Fahrradfahren konsequent Helm zu tragen. Eine deutliche Mehrheit der Befragten würde bei den eigenen Kindern jedoch darauf achten, dass diese einen Helm tragen. Insgesamt spricht sich auch eine Mehrheit für eine Helmpflicht aus.

"Fahrradhelme retten Leben", sagt Dr. Walter Eichendorf, stv. Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR). "Sie können zwar keine Unfälle verhindern, aber das Risiko schwerer Kopfverletzungen deutlich verringern." Umso bedauerlicher sei es, dass nicht alle Fahrradfahrer einen Helm tragen.

Interessant ist, dass der eigene Kopf etwas seltener als schützenswert angesehen wird, wohl aber der der Kinder. Rund 90 Prozent antworteten auf die Frage, ob sie bei eigenen Kindern im Schulalter auf den Helm beim Fahrradfahren achten würden, mit ja. Und fast zwei Drittel der Radfahrer würden als Eltern anfangen einen Helm zu tragen, um ihrer Vorbildfunktion gerecht zu werden.

Zur Helmpflicht für Fahrradfahrer gibt es unterschiedliche Ansichten. Insgesamt sprechen sich 59 Prozent der Befragten für eine Helmpflicht aus, aber mit unterschiedlichen Akzenten: 25 Prozent sind für eine generelle Helmpflicht für alle. 27 Prozent befürworten ebenfalls eine Helmpflicht, aber nur für Kinder und Jugendliche. Weitere 7 Prozent sind für eine Helmpflicht je nach Lage der Straße (5 Prozent außerhalb geschlossener Ortschaften, 2 Prozent innerhalb geschlossener Ortschaften). 41 Prozent sind gegen eine Helmpflicht.

Für die Präventionskampagne "Risiko raus!" befragte TNS Emnid gut 1.000 Personen zu ihren Einstellungen zur Helmnutzung und Helmpflicht beim Fahrradfahren.
Infografik (http://www.risiko-raus.de/files/1074/DGUV_Infografik_Helm.pdf)zur Umfrage sowie weitere detaillierte Darstellungen (http://www.risiko-raus.de/files/1074/DGUV_Infografik_Helm_Tabellen1-7.pdf)der Ergebnisse

Hintergrund "Risiko raus!"
In der Präventionskampagne "Risiko raus!" arbeiten die Berufsgenossenschaften, Unfallkassen, ihr Spitzenverband Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), die Landwirtschaftliche Sozialversicherung, der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) und die Bundesländer sowie weitere Partner zusammen. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, das Unfallrisiko beim Fahren und Transportieren zu verringern.

Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)

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Fachkräfte-Nachwuchs gesucht: DBU fördert naturwissenschaftlich- technische Umweltbildungsprojekte

Franz-Georg Elpers
Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Neuer Förderschwerpunkt eingerichtet - Auftakt mit Tagung in Osnabrück am 26./27. September
Osnabrück. „Grüne Umwelttechnik ist Wachstumsmarkt und Jobmotor zugleich. Schon jetzt werden hier weltweit 1,4 Billionen Euro umgesetzt. GreenTech gehört zu den globalen Schlüsselindustrien wie die Elektronikbranche oder der Maschinenbau", sagte heute Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Mit einem neuen Förderschwerpunkt „Naturwissenschaftlich-technische Umweltbildung und Kommunikation" wolle die Stiftung deshalb junge Menschen für diese Kernthemen begeistern. Das sei wesentlich, denn Deutschland gehöre zu den Top-GreenTech-Nationen: „Um die internationale Vorreiterrolle zu bewahren, brauchen wir auch in Zukunft gut ausgebildete Fachkräfte mit Umweltbewusstsein. Hier droht ein Engpass", erläuterte Brickwedde. Der neue Förderschwerpunkt werde in der Fachtagung „Kluge Köpfe für große Aufgaben - Tüfteln und Erfinden für die Umwelt" am 26. und 27. September in der DBU in Osnabrück vorgestellt. Anmeldungen sind ab sofort möglich.

Während der Tagung würden modellhafte Vorhaben präsentiert, die die DBU unterstützt habe, erläuterte Ulrike Peters, Leiterin des Referats „Umweltinformationsvermittlung". Danach könnten sich Institutionen und Organisationen dann - gut informiert - mit innovativen Umweltbildungsprojekten um eine Förderung bewerben. Die Teilnahme an der Tagung sei empfehlenswert, jedoch keine Grundvoraussetzung für eine DBU-Förderung, unterstrich Peters.

Brickwedde sagte, dass es in den letzten Jahren zwar verschiedene Nachwuchsinitiativen für die Technikbranche in Deutschland gegeben habe. Diese hätten sich jedoch selten auf den Umweltaspekt konzentriert: „Ohne moderne Umwelttechnik sind aber Bevölkerungswachstum, Globalisierung, die heutige Ressourcen zehrende Lebensweise in den Industrienationen und die Industrialisierung der Schwellenländer ein hohes Risiko." GreenTech sei daher unverzichtbar, um die schädlichen Auswirkungen dieser Megatrends auf das Ökosystem Erde zu begrenzen, erläuterte Brickwedde. Die DBU wolle durch das Fördern von modellhaften Umweltbildungsprojekten schon frühzeitig junge Menschen für die Umweltbranche interessieren. Zudem hätten die jungen Menschen viele Fragen und auch Ängste in Bezug auf Umweltprobleme wie Klimawandel oder Energieversorgung. Neue Konzepte der naturwissenschaftlich-technischen Umweltbildung seien dringend nötig, um den jungen Menschen Antworten auf ihre Fragen zu geben und ihnen zu zeigen, wie sie sich ganz persönlich für den Umweltschutz einsetzen könnten, in der Freizeit und über die Berufswahl: „Gerade neue experimentelle Angebote sollen junge Leute motivieren, sich mit anspruchsvollen technischen oder wissenschaftlichen Umweltthemen zu befassen", so der DBU-Generalsekretär.

Wichtig seien für den neuen Förderschwerpunkt vor allem die so genannten „MINT"-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Themen wie nachhaltige Chemie, Biotechnologie, Produkt- und produktionsintegrierter Umweltschutz, erneuerbare Energien, Energie- und Ressourceneffizienz und Recycling könnten berücksichtigt werden. Projekte für alle Altersstufen zwischen Kindergarten und Hochschule seien erwünscht. Auch Vorhaben für Multiplikatoren - von Erziehern und Betreuern über Lehrer bis hin zu Professoren - würden im neuen Förderschwerpunkt prinzipiell gefördert. „Träger der neuen Bildungskonzepte können zum Beispiel Schülerlabore, Schülerforschungszentren, Zentren für Lehrerfortbildung, so genannte ‚Science Center' und ähnliche außerschulische Lernorte sein", umriss Brickwedde das Arbeitsfeld. Auch das Erproben neuer Kooperationsformen - zum Beispiel zwischen mittelständischen Unternehmen, Forschungsinstituten und Schulen - sei erwünscht. Wichtig sei aber, dass die Umweltbildungsprojekte tatsächlich innovative Ansätze verfolgten.

Informationen zur DBU-Fachtagung „Kluge Köpfe für große Aufgaben - Tüfteln und erfinden für die Umwelt" am 26. und 27. September in Osnabrück sind unter http://www.dbu.de/550artikel31744_135.html zu finden. Kooperationspartner der Tagung sind die Akademie der Technikwissenschaften (acatech) und Lernort Labor (Bundesverband der Schülerlabore). Am 28. und 29. April findet zudem die Messe „Perspektive Umweltberufe" im Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) der DBU in Osnabrück statt, Kooperationspartner ist unter anderem die Industrie- und Handelskammer. Generelle Informationen zur Antragstellung und zu den DBU-Förderleitlinien finden Interessenten unter http://www.dbu.de/338.html. Ansprechpartnerin für potenzielle Antragsteller ist Ulrike Peters, Referat Umweltinformationsvermittlung, Telefon 0541/9633410, Fax 0541/963319.

Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel31770_335.html

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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In der Dordogne fährt man mit Entenfett!

Marie de Chalup
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Das Erdöl wird knapp und seine Verbrennung verstärkt den Treibhauseffekt.

Im Südwesten Frankreichs (Dordogne) kamen zwei Landwirte auf die Idee, eine Produktionskette für Biokraftstoffe aus Fettabfällen zu entwickeln. Jules Charmoy und Benoit Delage, Landwirte aus dieser Gegend, versuchten seit 2009 einen lokalen "Kohlenwasserstoff" aufzubereiten: das Entenfett.
Jedes Jahr fallen rund 1.500 Tonnen Fettabfall an, die in diesem Departement verwertet werden könnten, um über 1 Million Liter Biodiesel zu produzieren. Jules Charmoy hat dafür sein eigenes Rezept: "Durch Veresterung [1] wird das Fett auf 120°C erhitzt, um so das Wasser zu entfernen. Anschließend wird die Temperatur auf 65° reduziert und Alkohol und Kaliumhydroxid beigemischt. Alles eine Stunde lang vermischen und dann ruhen lassen: am Boden bildet sich Glyzerin und darüber der Biodiesel."

Vor ein paar Monaten erhielten die beiden Landwirte die Genehmigung, ihr Projekt fortzusetzen. 2010 produzierten sie insgesamt 20.000 Liter. Die Maschinen der Genossenschaft für die gemeinsame Nutzung von Landmaschinen (Cuma), der sie angehören, fahren zum Teil mit ihrem Biodiesel. Nur zum Teil, denn obwohl die Zollbehörden ihre Zustimmung erteilt haben, darf die fertige Tankmischung nicht mehr als 30% "hausgemachten" Kraftstoff enthalten (gegenüber 70% des klassischen Erdölprodukts). Unterstützt vom Technologischen Hochschulinstitut für Chemietechnik [2] in Périgueux, vom Europäischen Institut für die prädiktive Überwachung von Maschinen (IESPM) [3] in Lyon und vom Verband für Abfallwirtschaft der Dordogne [4] wollen diese Landwirte nun ihre Erfindung weiter optimieren. Ihr Ziel ist die Produktion von reinem Biodiesel, das für alle Motoren tauglich ist, auch für die jüngsten Modelle.

[1] Veresterung: Die Veresterung (auch Esterbildung) ist eine Gleichgewichts- und Kondensationsreaktion, bei der ein Alkohol oder Phenol mit einer Säure zu einem Ester reagiert. Die Säurekomponente kann eine organische Carbonsäure (z.B. Essigsäure, Benzoesäure, Zitronensäure) oder eine anorganische Säure (z. B. Schwefelsäure, Salpetersäure, Phosphorsäure) sein.
[2] Technologisches Hochschulinstitut für Chemietechnik - http://www.perigueux.u-bordeaux4.fr/iut/gc
[3] Europäisches Institut für die prädiktive Überwachung von Maschinen (IESPM) - http://www.iespm.com/web/biocarburant.asp
[4] Verband der Abfallwirtschaft der Dordogne - http://www.smd3.fr/fr/gestion-dechets/les-filieres/les-filieres/index.html

Quelle: Pressemitteilung des Futura-Sciences -
http://www.futura-sciences.com/fr/news/t/developpement-durable-1/d/en-dordogne-o...

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Wie die Heilung von Schnarchen das Herzinfarktrisiko vermindern kann

Sabine Ranke-Heinemann
Pressestelle
Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund / Institut Ranke-Heinemann

Forscher der University of Sydney haben herausgefunden, dass erfolgreich behandelte Schlafapnoe-Patienten niedrigere Blutfettwerte und ein geringeres Herzinfarktrisiko aufweisen, als Menschen, die sich nicht behandeln lassen.

Bis zu 20 Prozent der Erwachsenen leiden an Schlafapnoe, einer Krankheit, bei der die Atmung während des Schlafs kurzzeitig aussetzt. Im Rahmen einer Studie, die am NHMRC Centre for Integrated Research and Understanding of Sleep (CIRUS) der University of Sydney durchgeführt und Anfang August 2011 in der Zeitschrift „American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine" veröffentlicht wurde, fand das Forschungsteam heraus, dass die Blutfettwerte (Triglyceride) durch eine Behandlung mit Überdruckmasken (CPAP) nach Mahlzeiten gesenkt werden können.

24 Stunden lang beobachteten die Wissenschaftler die Blutfettwerte von 38 Schlafapnoe-Patienten, nachdem diese reguläre Mahlzeiten zu sich genommen hatten. Der Zustand der Patienten wurde zwei Monate vor und zwei Monate nach der Behandlung mit Überdruckmasken sowie nach einer zweimonatigen Behandlung mit einer Placebo-Maske dokumentiert.

„Wir wissen, dass die Blutfettwerte nach Mahlzeiten entscheidende Indikatoren für spätere Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind. Unsere Studie liefert eine mögliche Antwort auf die Frage, warum Schlafapnoe-Patienten einem höheren Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko ausgesetzt sind", sagte der Hauptautor des Artikels, Dr. Craig Phillips, der eng mit CIRUS und dem Royal North Shore Hospital zusammenarbeitet. Obwohl die Forschungsergebnisse im Rahmen weiterer Untersuchungen überprüft werden müssen, gehen wir davon aus, dass die durch Überdruckmasken hervorgerufene Verbesserung der Blutfettwerte bei den Patienten auch zu einer Verringerung des Herzinfarktrisikos um bis zu 25 Prozent führen könnte, so Dr. Phillips.

Professor Ron Grunstein von CIRUS teilte außerdem mit: „Ein weiterer interessanter Aspekt der Studie ist, dass die Blutfettwerte nachts im Schlaf besonders hoch waren - und das fast sieben Stunden nach dem Abendessen. Es könnte also etwas geben, dass sich auf unsere innere Uhr auswirkt und die Blutfettwerte zu diesen Zeiten in die Höhe treibt. Ist dies der Fall, so könnte die Tatsache, dass Nachtschichtarbeiter häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, darauf zurückzuführen sein, dass sie zu Zeiten fettreich essen, in denen unser Körper die Blutfettwerte nicht richtig kontrollieren kann."

Die Wissenschaftler gehen dieser Frage derzeit nach und machen sich dabei die Spezialeinrichtungen des Woolcock Institute der University of Sydney zunutze, die Nachtschichtbedingungen simulieren sollen.

Die aktuelle Studie wurde von den CIRUS Forschern der Royal North Shore und der Royal Prince Alfred Hospitals sowie dem Woolcock Institute of Medical Research der University of Sydney durchgeführt.

Weitere Informationen:

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Tel.: 030-20 96 29 593

Das Institut Ranke-Heinemann / Australisch-Neuseeländischer Hochschulverbund ist die zentrale Einrichtung aller australischen und neuseeländischen Universitäten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, zuständig für Wissens- und Forschungstransfer, Forschungsförderung sowie Studenten- und Wissenschaftleraustausch und für die Betreuung von Studierenden und Schülern, die ein Studium Down Under vorbereiten.

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Milde Witterung dämpft Gas- und Stromverbrauch

Gasabsatz sank um mehr als acht Prozent gegenüber Vorjahreszeitraum / Stromverbrauch stieg wegen guter Konjunktur um 1,5 Prozent

Die milde Witterung hat den Gas- und Stromverbrauch im ersten Halbjahr 2011 deutlich gedämpft: Die Energiewirtschaft setzte mit 477 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) über acht Prozent weniger Erdgas bei ihren Kunden ab als im entsprechenden Vorjahreszeitraum (1. Halbjahr 2010: 522 Mrd. kWh). Der Stromverbrauch stieg im selben Zeitraum vor allem wegen der guten konjunkturellen Lage um 1,5 Prozent auf 269 (266) Mrd. kWh. Das meldete der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) nach ersten Erhebungen.

Die im Vergleich zum Vorjahreszeitraum höher liegenden Temperaturen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres bewirkten vor allem eine deutlich geringere Nachfrage nach Heizgas. Dadurch wurden nach Angaben des BDEW Verbrauchszuwächse aufgrund der positiven wirtschaftlichen Entwicklung überlagert: So stieg der um den Witterungseffekt bereinigte Erdgasverbrauch im 1. Halbjahr 2011 um rund fünf Prozent. Dieser Zuwachs sei insbesondere auf die gestiegene Erdgasnachfrage der Industrie zurückzuführen.

Die höhere Industrieproduktion sorgte auch für den Anstieg der Stromnachfrage. Trotz des erneuten Zuwachses liege der Stromabsatz aber noch unter dem Niveau vor Beginn der Wirtschaftskrise 2009. Dies ist auch Folge der verbesserten Energieeffizienz und des wachsenden Energiebewusstseins der Verbraucher, die sich dämpfend auf die Zuwachsraten des Stromverbrauchs auswirken, so der BDEW.


Weitere Informationen
Ricarda Ballhaus
Redaktion Fachpresse
Telefon 0 30 / 300 199-1163
E-Mail presse@bdew.de

Quelle: BDEW

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Bio-Kläranlage versorgt sich selbst mit Energie

Dr. Norbert Aschenbrenner
Corporate Communications, Corporate Technology
Siemens AG

Eine neue biologische Kläranlage von Siemens erzeugt die zu ihrem Betrieb notwendige Energie in Form von Methangas gleich selbst. Außerdem produziert sie deutlich weniger Klärschlamm als herkömmliche Verfahren. Die Pilotanlage steht auf dem Gelände der Wasserwerke Singapurs. Seit Juni 2010 arbeitet sie energieneutral. Derzeit entsteht in Singapur eine 300-mal größere Pilotanlage. Sie könnte dann das Abwasser von etwa 1.000 Einwohnern reinigen.

Eine typische städtische Kläranlage ist für 10.000 bis 100.000 Einwohner ausgelegt. Heute wird das Abwasser aufbereitet, indem Bakterien dessen Verunreinigungen verdauen und in neue Bakteriensubstanz umsetzen. Der gesamte Prozess läuft an der Luft ab, also aerob. Dabei entstehen Bakterienflocken mit eingelagerten Verunreinigungen. Dieses Gemisch bildet den Klärschlamm, der abgetrennt und deponiert oder verbrannt wird. Doch die organischen Verunreinigungen, die dabei mit entsorgt werden, enthalten zehnmal mehr Energie, als für die Aufbereitung des Wassers verbraucht wird. Man könnte sie nutzen, indem man daraus Methan gewinnt. Das Gas könnte dann in Gasturbinen oder Blockheizkraftwerken verbrannt werden und Energie liefern. Allerdings sind die Schmutzkonzentrationen in kommunalen Abwässern zu niedrig, um daraus wirtschaftlich Strom zu gewinnen.

Die Entwickler von Siemens Water Technologies greifen deshalb zu einem Trick: Sie beladen die Bakterienflocken unter Luftzufuhr nur kurze Zeit mit den organischen Verunreinigungen, sodass sich die Bakterien kaum vermehren. Nach Abtrennung der größeren Menge des Wassers vergären die Bakterien die Verunreinigungen anaerob, also ohne Luftzufuhr, zu Methan. Insgesamt wird in zwei aeroben und einer anaeroben Stufe der Schmutz so abgebaut, dass möglichst wenig Schlamm und möglichst viel Methan entsteht, wie die aktuelle Ausgabe der Forschungszeitschrift Pictures of the Future berichtet.

Die Pilotanlage reinigt etwa einen halben Kubikmeter Abwasser am Tag. Dafür benötigt eine herkömmliche Kläranlage etwas weniger als 0,25 Kilowattstunden Energie. Die Pilotanlage erzeugt mit Methan genau diese Menge. Eine große Anlage könne demnach völlig energieneutral betrieben werden. Die Markteinführung der Technologie ist für 2012 geplant.

Weitere Informationen:
http://www.siemens.de/researchnews

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Empfehlungen der Ständigen Impfkommission veröffentlicht

Günther Dettweiler
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Robert Koch-Institut

„Impfungen schützen. Sie gehören zu den wirksamsten und wichtigsten präventiven Maßnahmen auf dem Gebiet der Medizin". Daran erinnert Reinhard Burger, Präsident des Robert Koch-Instituts, anlässlich der Veröffentlichung der aktuellen Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) im Epidemiologischen Bulletin (Ausgabe 30/2011). Die Impfempfehlungen sind gegenüber dem Vorjahr inhaltlich unverändert. Hingegen wurde die Darstellung der Empfehlungen im Impfkalender übersichtlicher gestaltet. Zusammen mit einer redaktionellen Überarbeitung des Empfehlungstexts ist dadurch die Nutzerfreundlichkeit verbessert worden. Zuletzt hatte die STIKO im Jahr 2010 die Influenza-Schutzimpfung für alle Schwangeren und eine generelle Masern-Schutzimpfung für junge Erwachsene empfohlen.

Grund für die Erweiterung der Masern-Impfempfehlung im Jahr 2010 waren die immer wieder auftretenden Masernausbrüche in Deutschland und Impflücken vor allem in der Gruppe der jüngeren Erwachsenen. Auch bei Jugendlichen gibt es deutliche Lücken im Masernschutz; bei ihnen greift aber die schon seit Jahren bestehende generelle Empfehlung der STIKO, alle im Kleinkindalter versäumten Impfungen vor dem 18. Geburtstag nachzuholen. Die Zahl der dem RKI übermittelten Masernfälle ist bereits jetzt deutlich höher als in den Vorjahren. Nach 571 Fällen im Jahr 2009 und 780 Fällen in 2010 wurden dem RKI im ersten Halbjahr 2011 bereits 1.318 Masernfälle übermittelt. Die meisten Fälle im laufenden Jahr wurden aus Baden-Württemberg (493), Bayern (322) und Berlin (122) übermittelt.

Die Empfehlungen der STIKO sind Grundlage der öffentlichen Impfempfehlungen der obersten Landesgesundheitsbehörden und der Schutzimpfungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses. Die Mitglieder der STIKO sind ehrenamtlich tätige Experten aus unterschiedlichen Disziplinen der Wissenschaft und Forschung, aus dem Bereich des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und der niedergelassenen Ärzteschaft.

Die STIKO-Mitglieder werden vom Bundesministerium für Gesundheit im Benehmen mit den obersten Landesgesundheitsbehörden alle drei Jahre neu berufen, zuletzt Anfang 2011. Neuer Vorsitzender der STIKO ist seither Jan Leidel, ehemaliger Leiter des Gesundheitsamtes der Stadt Köln. Stellvertretender Vorsitzender ist Rüdiger von Kries, Institut für Soziale Pädiatrie und Jugendmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die weiteren STIKO-Mitglieder sind Hilke Bertelsmann, Christian Bogdan, Edeltraut Garbe, Ulrich Heininger, Hartmut Hengel, Eva Hummers-Pradier, Stefanie Klug, Thomas Ledig, Thomas Mertens, Hanna Oppermann, Marianne van der Sande, Frank Falkner von Sonnenburg, Martin Terhardt, Sabine Wicker und Fred Zepp (ausführliche Informationen zu den Mitgliedern sind im Internet abrufbar).

Die STIKO, unterstützt von ihrem Wissenschaftlichen Sekretariat am RKI, analysiert kontinuierlich neue Daten und Fakten zu impfpräventablen Erkrankungen, Impfquoten und Impfstoffen, und passt ihre Empfehlungen bei Bedarf an. Großen Wert legt die STIKO auch auf die weitere Standardisierung der Entscheidungsprozesse bei der Entwicklung ihrer Impfempfehlungen, um die Transparenz und den wissenschaftlichen Standard der Empfehlungen zu gewährleisten. Dabei arbeitet sie eng mit Impfkommissionen in anderen Ländern sowie mit internationalen Organisationen wie WHO und ECDC zusammen.

Weitere Informationen: www.rki.de/stiko

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Herausgeber:
Robert Koch-Institut
Nordufer 20
D-13353 Berlin
www.rki.de

Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit

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UDE-Studie: Arbeitnehmer immer unzufriedener

Ulrike Bohnsack
Pressestelle
Universität Duisburg-Essen

Die Arbeitszufriedenheit in Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten deutlich abgenommen. Wurden 1984 noch Durchschnittswerte von 7,6 Punkten auf der Skala von 0 bis 10 gemessen, ist der Wert bis 2009 auf 6,8 Punkte gefallen. Im europäischen Vergleich bewerten die Arbeitnehmer in Deutschland ihre Situation besonders schlecht. Das zeigen Untersuchungen des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE), die soeben veröffentlicht wurden (IAQ-Report 2011-03).
Prof. Dr. Marcel Erlinghagen, Friedrich Scheller und Yan Bohulskyy haben Daten aus der jährlichen Haushaltsbefragung des Sozio-Oekonomischen Panels von 1984 bis 2009 ausgewertet. Auf die Frage „Wie zufrieden sind Sie mit Ihrer Arbeit?" konnten die Befragten im Alter zwischen 20 und 64 Jahren auf der 11er Skala von „ganz und gar unzufrieden" bis „ganz und gar zufrieden" antworten.

Besonders stark zurückgegangen ist die positive Einschätzung bei Beschäftigten über 50. Mitte der 1980er Jahre verzeichneten sie mit 7,9 die höchsten Zufriedenheitswerte aller Altersgruppen, 2009 gaben sie im Durchschnitt noch 6,6 Punkte an. Und: Ostdeutsche Arbeitnehmer waren lange Zeit unzufriedener als ihre Kollegen im Westen, allerdings haben sich die Unterschiede inzwischen angeglichen. Auch das zeigt die Untersuchung: Generell sind Personen höherer Bildung mit ihrer Arbeitssituation glücklicher als Erwerbstätige mit niedrigen Bildungsabschlüssen.

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland bei der Arbeitszufriedenheit nach Daten des European Social Survey (ESS) für 2006 auf dem 18. Platz, lediglich die ehemaligen Ostblockstaaten Slowakei, Ukraine, Bulgarien und Russland erzielen noch niedrigere Werte. Am glücklichsten ist man dagegen in Dänemark, der Schweiz und in Finnland.

Die Ursachen sind nach Einschätzung der UDE-Wissenschaftler in zunehmender Arbeitsbelastung, Problemen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, geringen Lohnsteigerungen und wachsender Unsicherheit über die berufliche Zukunft zu suchen.

Da Arbeitszufriedenheit und Leistungsbereitschaft eng zusammenhängen, darf man sich Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands machen. Die Ergebnisse könnten, so Prof. Erlinghagen, „für Unternehmen langfristig fatal sein, wenn nicht endlich eine längst überfällige Debatte um bessere Arbeitsbedingungen in den Betrieben einsetzt. Dazu gehört nicht nur eine entsprechende Lohnentwicklung, sondern auch der Stressabbau und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind dringend anzugehen".

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Marcel Erlinghagen, Tel. 0203/379-2733, marcel.erlinghagen@uni-due.de

Redaktion:
Claudia Braczko, Tel.: 0170-8761608, presse-iaq@uni-due.de

Weitere Informationen:
http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/ IAQ-Report 2011-03

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Projekt erforscht Einsatzmöglichkeiten zukunftsweisender Abwassersysteme

Claudia Weinreich
Universitätskommunikation
Bauhaus-Universität Weimar

Forscher an der Bauhaus-Universität Weimar entwickeln flexible biologische Kläranlagen
Am 1. August 2011 startet an der Professur Siedlungswasserwirtschaft der Fakultät Bauingenieurwesen das Forschungsprojekt „easypure - Entwicklung eines neuartigen Abwasserreinigungssystems mit natürlicher Belüftung". Darin beschäftigen sich die Forscher unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Jörg Londong mit der Entwicklung kleiner und flexibler biologischer Kläranlagen, die in nicht erschlossenen Gebieten, beispielsweise als Hauskläranlagen, zum Einsatz kommen und platzsparend installiert werden können. Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt ist auf die Dauer von zwei Jahren angelegt und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) mit 160.000 Euro gefördert. In einem Kooperationsprojekt ist die Kubra GmbH - Industrie- und Kunststofftechnik aus Globig als Projektpartner für die Herstellung der Anlagentechnik verantwortlich.

Das Abwasser von kleineren Gemeinden und Siedlungen unterliegt in seiner Menge und Qualität starken Schwankungen. Daher ist es mitunter schwierig zu entsorgen, vor allem, wenn die Siedlungen nicht an zentrale Abwasserentsorgungssysteme angeschlossen sind. Aus diesem Grund hat das Forschungs- und Entwicklungsprojekt „easypure" die Entwicklung einer neuen, energiearmen Verfahrenstechnik zur Behandlung häuslichen Abwassers zum Ziel. Diese sieht vor, Abwasser mit Hilfe von Biofilm, also auf Oberflächen von Trägermaterialien wachsenden Mikroorganismen, in kleinen, flexiblen und unterirdisch installierten Anlagen biologisch zu behandeln. Diese vollbiologischen Kleinkläranlagen sollen serienmäßig herstellbar und modular aufgebaut sein, um sie auf individuelle Bedürfnisse anzupassen und platzsparend zu installieren.

Kernelemente des neuen Anlagentyps werden industriell gefertigte Module sein, in denen die Abwasserreinigung mit Hilfe von Biofiltration mit natürlicher Belüftung erfolgt. Mittels Stecksystem lassen sich mehrere Module vor Ort zu einer Anlage in unterschiedlichen Größenordnungen zusammensetzen, wodurch der übliche hohe Flächen- bzw. Raumbedarf minimiert wird. Dabei stellt die Sauerstoffversorgung der Mikroorganismen durch eine natürliche Belüftung der unterirdisch verbauten Module eine besondere Herausforderung dar.

Kontakt:
Prof. Dr.-Ing. Jörg Londong
Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Bauingenieurwesen
Professur Siedlungswasserwirtschaft
Tel.: +49 (0) 36 43 / 58 46 15
E-Mail: siwawi@bauing.uni-weimar.de

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Feuchthaltemittel in Wasserpfeifentabak erhöhen das gesundheitliche Risiko

Dr. Suzan Fiack
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

BfR - Presseinformation
Bundesinstitut für Risikobewertung
Thielallee 88 - 92, D - 14195 Berlin, Telefon: 030-18412-4300, Telefax: 030-18412-4970

BfR empfiehlt Begrenzung des Feuchthaltemittelgehalts auf fünf Prozent beizubehalten

Wasserpfeifentabak enthält Feuchthaltemittel wie zum Beispiel Glycerin oder 1,2-Propandiol. Je höher der Gehalt an Feuchthaltemittel ist, desto stärker ist die Rauchbildung. In Deutschland ist der Feuchthaltemittelgehalt im Wasserpfeifentabak durch die Tabakverordnung auf fünf Prozent begrenzt. Eine experimentelle Studie des BfR zeigt, dass die Feuchthaltemittel während des Rauchens größtenteils verdampfen und in erheblichem Maße vom Raucher aufgenommen werden können. Zu den bekannten gesundheitlichen Risiken des Wasserpfeiferauchens, wie zum Bespiel der hohen Kohlenmonoxidbelastung, kommt damit ein weiteres Risiko hinzu: „Das Einatmen hoher Konzentrationen an Glycerin oder 1,2-Propandiol kann beispielsweise zu Veränderungen des Zellepithels im Kehlkopf oder zu Reizungen der Nasenschleimhaut führen", sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstitutes für Risikobewertung (BfR). Das BfR bleibt daher bei seiner Empfehlung, die Begrenzung des Feuchthaltemittelgehalts im Wasserpfeifentabak auf höchstens fünf Prozent beizubehalten.

Wasserpfeifen, auch bekannt als orientalische Tabakpfeifen, werden in weiten Teilen der Welt geraucht. Je nach Herkunftsland werden sie als Shisha, Boory, Narghile, Arghile, Hookha, Goza oder Hubble-Bubble bezeichnet. In den letzten Jahren hat die Verwendung von Wasserpfeifen weltweit deutlich zugenommen. Laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gaben 2008 knapp 40 Prozent der in Deutschland befragten 13- bis 17-Jährigen an, bereits einmal eine Wasserpfeife geraucht zu haben.

In Deutschland beschränkt die Tabakverordnung den Gehalt an Feuchthaltemitteln wie Glycerin oder 1,2-Propandiol im Wasserpfeifentabak auf maximal fünf Prozent. Dadurch kommt es zu einer reduzierten Rauchentwicklung. In Ländern wie Jordanien, Ägypten oder der Schweiz enthält Wasserpfeifentabak dagegen einen deutlich höheren Anteil an Feuchthaltemitteln.

Experimentelle Studien des BfR belegen, dass ein Großteil der im Tabak enthaltenen Feuchthaltemittel (Glycerin und 1,2-Propandiol) in den Rauch übergeht und inhaliert werden kann. Aus der wissenschaftlichen Literatur ist bekannt, dass die Inhalation von Glycerin und 1,2-Propandiol zu Veränderungen des Zellepithels im Kehlkopf und zu Reizungen der Nasenschleimhäute bis hin zum Nasenbluten führen kann. Das BfR bleibt daher bei seiner Empfehlung, den maximal zulässigen Gehalt für Feuchthaltemittel von fünf Prozent im Wasserpfeifentabak beizubehalten.

Die Untersuchungen des BfR bestätigten darüber hinaus, dass eine Vielzahl weiterer Schadstoffe wie Kohlenmonoxid (CO), Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und tabakspezifische Nitrosamine (TSNA) im Wasserpfeifenrauch enthalten sind. Daher ist zu erwarten, dass mit dem regelmäßigen Wasserpfeiferauchen ähnliche gesundheitliche Risiken verbunden sind wie mit dem Zigarettenrauchen.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

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Achtung: Mücken fliegen auf Füße!

Eva Goris
Kommunikation
Deutsche Wildtier Stiftung

Die Deutsche Wildtier Stiftung rät zu Basilikum im Blumentopf gegen die Plagegeister
Die wochenlangen Regenfälle dieses Sommers haben überall in Deutschland ideale Brutplätze für Mücken geschaffen. „Sie legen alle paar Tage zwischen 80 und 200 Eier in stehende Gewässer. In großen Pfützen und auf überschwemmten Wiesen schlüpft jetzt gerade die nächste Generation der Plagegeister, die uns an lauen Sommerabenden zu schaffen machen", erklärte Eva Goris, Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. Die Expertin hat simple Tricks parat, wie man sich vor juckenden Stichen schützen kann. „Basilikum im Blumentopf, der Verzicht auf Parfüm und andere Duftstoffe, hilft gegen den Stechangriff der Mücken", sagt sie.

Blutgruppe, Alter und Geschlecht der Opfer sind für Mücken ziemlich bedeutungslos. Aber der Atemgeruch des „Blutspenders" ist ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl der Opfer. „Was der Mensch gegessen hat, ist dagegen wichtig und kann Mücken vermehrt anlocken", sagt die Expertin der Deutschen Wildtier Stiftung. „Bei der Verdauung von Reis gibt der menschliche Körper nämlich eine höhere Kohlendioxidausdünstungen ab - darin vermuten Wissenschaftler einen Zusammenhang", sagt Goris. Der Verzehr von Kohlgemüse hält die Quälgeister dagegen eher fern.

„Mücken sind wahre Fußfetischisten", sagt Eva Goris. „Dort stechen sie besonders gern, denn der Geruch von Ammonium und Buttersäure, die als Zerfallsprodukte von Fußschweiß entstehen, wirken auf diese Insekten besonders attraktiv. Dass die kleinen Plagegeister selbst durch dicke Jeans stechen, obwohl man sich die Haut darunter mit Anti-Mückenmitteln eingerieben hat, ist schnell erklärt. Die Antwort ist verblüffend: „Mücken schmecken mit den Füßen", sagt Goris. „Wenn die Haut unter der Kleidung eingerieben ist, landen sie problemlos auf der unbehandelten Kleidung, schieben ihren Stechrüssel wie eine Injektionsnadel selbst durch den Stoff und kommen problemlos ans Blut ihrer Opfer. Dagegen hilft nur, die Kleidung mit einem Repellent einzusprühen. Geeignete Abwehrmittel gibt es im Fachhandel.

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Zum Start der Fußballsaison: Uni beginnt Untersuchung der Twitter-Beiträge deutscher Vereine

Dr. Victoria Meinschäfer
Stabsstelle Kommunikation
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Pünktlich zum Start der Bundesligasaison beginnt an der Heinrich-Heine-Universität eine Untersuchung über die Twitter-Beiträge deutscher, englischer und australischer Fußballvereine und -fans.
In einer vergleichenden Studie wollen Dr. Katrin Weller (Informationswissenschaft) und Dr. Cornelius Puschmann (Anglistik) gemeinsam mit Kollegen von der Universität in Brisbane (Australien) analysieren, wie die Fußball-Erstligisten Twitter - auch im Vergleich mit anderen sozialen Netzwerken - nutzen.

„Was twittern die Vereine? Berichten sie vom Training, von Vorbereitungsspielen, interagieren sie mit den Fans, kurz: gibt es eine Strategie für die Nutzung von Twitter", beschreibt Dr. Weller das Forschungsprojekt. Die Düsseldorfer Wissenschaftler möchten mit der Studie Aussagen über „Metriken von Twitter", d.h. einheitliche Kennwerte und Methoden, z.B. die Erfassung von Zeitreihen und Kommunikationsnetzen, gewinnen.

Doch Weller und Puschmann interessieren sich nicht nur für die Twitter-Kommunikation über Fußball: Die Düsseldorfer Nachwuchswissenschaftler reisten im Juni für einen zweiwöchigen Forschungsaufenthalt nach Brisbane, um dort zusammen mit den Projektpartnern Prof. Axel Bruns, Dr. Jean Burgess, Dr. Stephen Harrington und weiteren Mitgliedern des ACR Centre of Excellence for Creative Industries and Innovation an der Queensland University of Technology (QUT) Methoden für die Auswertung von Twitter-Datensätzen zu verfeinern und zu vereinheitlichen.
Beim Web-Dienst Twitter können Nutzer kurze Nachrichten von 140 Zeichen veröffentlichen. Diese Statusmeldungen von einer wachsenden weltweiten Nutzergemeinschaft ermöglichen Einblicke in die Aktivitäten und Kommunikationsformen der Twitter-Nutzer. Untersucht werden kann beispielsweise, wie Twitter-Nutzer auf konkrete Ereignisse (z.B. Wahlen, Naturkatastrophen oder Medienereignisse wie die königliche Hochzeit in Großbritannien) reagieren oder wie sie über Twitter mit öffentlichen Accounts z.B. von Politikern oder Marken kommunizieren.
Daneben interessieren sie auch Fragen nach dem Nutzen von Twitter für die Soforthilfe während Naturkatastrophen wie Erdbeben und Großbränden. Wie können Twitter und andere Social Media Services im Gesundheitswesen eingesetzt werden? Wie verändert Twitter die Art und Weise, wie Wissenschaftler kommunizieren und zusammenarbeiten?

Diese und weitere Fragen rund um die Nutzung des Kurznachrichtendienstes Twitter standen am 28. Juni 2011 auf dem Programm des interdisziplinären Workshops „The World According to Twitter" in Brisbane, Australien. Dieser Workshop markierte den Auftakt der internationalen Kooperation der Düsseldorfer Nachwuchsforschergruppe Wissenschaft und Internet mit Mitgliedern des ARC Centre of Excellence for Creative Industries and Innovation an der Queensland University of Technology (QUT). Das gemeinsame Projekt zur „Entwicklung computergestützter Methoden für die Analyse von Blog- und Mikroblog-Diskursen und -Öffentlichkeiten" wird vom Australian Technologies Network (ATN) und vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) für die Dauer von zwei Jahren gefördert.

Kontakt:
Dr. Katrin Weller
Abteilung für Informationswissenschaft
Institut für Sprache und Information
Tel.(0211) 81-10803 oder -10663 oder -15237 (am Freitag)
E-Mail: weller@uni-duesseldorf.de

Dr. Cornelius Puschmann, M.A.
Anglistik III: English Language and Linguistics
Instituts für Anglistik und Amerikanistik
Tel.: 0211/81-15927
E-Mail: Cornelius.puschmann@uni-duesseldorf.de

Weitere Informationen:
http://nfgwin.uni-duesseldorf.de/ über die Nachwuchsforschergruppe Wissenschaft und Internet
http://www.mappingonlinepublics.net/ über das Mapping Online Publics Project des ARC Centre of Excellence for Creative Industries and Innovation

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Daten unterwegs mit Licht

Lampen sind künftig nicht nur Beleuchtung, sondern übernehmen auch den Datentransfer. Sie bringen Filme in HD-Qualität verlustfrei, schnell und sicher auf iPhone oder Laptop. Mit nur wenigen Zusatzbauteilen können normale LEDs zum optischen WLAN werden. Möglich macht das Visible Light Communication, kurz VLC.

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Vier Personen haben es sich in einem Raum gemütlich gemacht. Jeder von ihnen kann auf einem eigenen Laptop einen anderen Film aus dem Internet in HD-Qualität genießen. Möglich wird dies dank optischem WLAN. Als Medium für die Datenübertragung dient Licht aus den LEDs der Deckenbeleuchtung. Das war lange eine Zukunftsvision. Doch seit Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut HHI in Berlin im EU-Projekt OMEGA eine neue Übertragungstechnologie für Videodateien entwickelt haben, rückt ihre Realisierung in greifbare Nähe. Ende Mai konnten die Forscher das Projektergebnis in Rennes, Frankreich präsentieren: Es gelang, mit Decken-LEDs, die mehr als zehn Quadratmeter eines Raums ausleuchteten, Daten mit 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) verlustfrei zu übertragen. Der Empfänger lässt sich innerhalb dieser zehn Quadratmeter beliebig platzieren. »Das heißt, wir haben vier Videofilme in HD-Qualität gleichzeitig auf vier Laptops gebracht«, sagt Dr. Anagnostis Paraskevopoulos, Wissenschaftler am HHI.

»Die Grundlagen für Visible Light Communication - VLC - wurden im Projekt gemeinsam mit den Industriepartnern Siemens und France Telecom Orange Labs entwickelt«, sagt der Experte. Zusammen mit einem Team um Projektleiter Klaus-Dieter Langer wird die neue Technologie jetzt am HHI weiterentwickelt. »Bei VLC dienen die Lichtquellen - in diesem Fall Weißlicht-LEDs - gleichzeitig für die Raumbeleuchtung und für die Informationsübertragung. Mithilfe eines Spezialbauteils, des Modulators, knipsen wir die LEDs ganz schnell ein und aus, und übertragen die Informationen als Einsen und Nullen. Das menschliche Auge nimmt die Lichtmodulation nicht wahr. Als Empfänger am Laptop reicht eine schlichte Photodiode. Sie fängt das Licht auf, eine Elektronik dekodiert die Information und übersetzt sie in elektrische Impulse, also die Sprache des Computers«, erläutert Langer. Ein Vorteil: Die LEDs lassen sich mit nur wenigen Bauteilen so präparieren, dass sie als Überträger dienen. Ein Nachteil: Sobald etwas zwischen Lampe und Photodiode gerät, wenn also jemand eine Hand dazwischenhält, wird die Übertragung beeinträchtigt. Als mögliche Endgeräte kommen Laptop, Palm oder Handy in Frage.

VLC solle kein Ersatz für herkömmliches WLAN, PowerLAN oder UMTS werden, betonen die Wissenschaftler. Dort wo Funknetze unerwünscht oder nicht möglich sind, eignet es sich vielmehr als zusätzliche Datenübertragungsoption - ohne dass im Haus neue Kabel oder Geräte nötig werden. Dabei sind auch Kombinationen möglich, etwa für eine Richtung optisches WLAN und für den Rückkanal PowerLAN. So lassen sich Filme auf den PC übertragen und auch wieder von dort zurückspielen und auf einen anderen Rechner senden.

Die neue Übertragungstechnologie eignet sich etwa für Krankenhäuser. Denn hier sind Funknetze nicht erwünscht. Dennoch müssten hohe Datenraten verlustfrei und unkomprimiert übertragen werden, meinen die Experten. Wenn ein Teil der Kommunikation über die OP-Lampe läuft, ließen sich drahtlos OP-Roboter steuern oder Röntgenbilder übermitteln. In Flugzeugen könnte jeder Passagier sein eigenes Unterhaltungsprogramm auf einem Display sehen, die Flugzeughersteller könnten gleichzeitig Kilometer an Kabeln sparen. Ein weiterer möglicher Einsatzort sind Fabrikhallen. Auch hier stören Funknetze oft die Abläufe.

Derzeit entwickeln die Forscher ihre Systeme weiter in Richtung höherer Bitraten. »Im Labor konnten wir mit einer rot-blau-grünen Weißlicht-LED 800 Mbit/s übertragen«, sagt Langer »Das ist Weltrekord für die VLC-Methode.« Auf der Internationalen Funkausstellung IFA vom 2. bis 7. September in Berlin zeigen die HHI-Wissenschaftler in Halle 11.1, Stand 8 wie Videos per Licht übertragen werden.

Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft

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Kritik an der WHO: Das Feierabendbier schadet nicht

Dr. Christina Heimken
Presse- und Informationsstelle
Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

Alkohol-Forscher reagieren auf Bericht der Weltgesundheitsorganisation
Keine Angst vorm Feierabendbier: Wer Alkohol in Maßen trinkt, schadet seiner Gesundheit nicht. „Ein Glas Bier oder Wein am Tag beugt vielen Leiden des Alters vor", erklärt der münstersche Epidemiologie-Professor Dr. Ulrich Keil: „Studien der letzten 30 Jahre haben gezeigt, dass Menschen mit moderatem Alkoholkonsum ein geringeres Risiko für koronare Herzkrankheit, Schlaganfall, Diabetes, Demenz und Osteoporose haben als Menschen, die vollständig verzichten." Keil, Gründer und langjähriger Direktor des Instituts für Epidemiologie und Sozialmedizin der Universität Münster, gehört dem International Scientific Forum on Alcohol Research an, das jetzt kritisch auf einen Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) reagiert hat.

Die rund 30 renommierten Ärzte und Wissenschaftler aus der ganzen Welt beanstanden die aus ihrer Sicht einseitige Darstellung des „WHO Global Status Report on Alcohol and Health for 2011". Richtig sei einerseits, dass Alkoholmissbrauch massive gesundheitliche und gesellschaftliche Folgen habe. Andererseits konzentriere sich der Bericht fast ausschließlich auf die negativen Effekte. „Die WHO verteufelt den Alkoholkonsum geradezu", so Keil. „Dabei führen 10 bis 30 Gramm Alkohol pro Tag nicht nur zu einer verbesserten Lage des Herz-Kreislauf-Systems, sondern zu einer höheren Lebenserwartung insgesamt." Das bestätige auch eine kürzlich im British Medical Journal veröffentlichte Meta-Analyse, die auf 84 Studien aus vielen Ländern der Welt beruht. Klares Ergebnis: Das Risiko vieler Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist bei leichtem bis moderatem Alkoholkonsum um rund ein Viertel niedriger als bei Menschen, die gar keinen Alkohol trinken.

Eine kleine Flasche Bier (0,33 Liter, 5 %-Vol.) enthält etwa 13 Gramm, ein Glas Wein (0,2 Liter, 11 bis 13%-Vol.) rund 20 Gramm reinen Alkohol. Die Wirkungsweise des Alkohols auf das Herzkreislaufsystem ist aus der Forschung weitestgehend bekannt: Das „gute" Cholesterin (HDL-Cholesterin) wird erhöht und die Gerinnungsfaktoren werden günstig beeinflusst. So verdünnt der Alkohol ähnlich wie Aspirin das Blut und beugt damit Thrombosen vor. In Deutschland werden pro Person und Jahr rund zehn Liter Alkohol konsumiert, das Land gehört damit zur Spitzengruppe weltweit. Werbung für mehr Alkoholkonsum zu machen, sei völlig verfehlt, stellt Keil klar. Ziel des Internationalen Forums sei vielmehr, wissenschaftliche Erkenntnisse sachlich zu vertreten - und das Kulturgut Alkohol nicht zu verteufeln.

Ausdrücklich lobt Keil - der einzige Deutsche im Forum - die maßvolle Trinkkultur in vielen Ländern Südeuropas: „Beim Essen steht neben dem Weinglas das Wasser. Mit dem Wasser wird der Durst gelöscht, für Genuss und Wohlbefinden kommt der Wein dazu." Und was der griechische Arzt Hippokrates vor fast 2.500 Jahren über den Wein sagte, treffe auch auf Bier zu: Das Getränk sei für den Menschen wundervoll geeignet - vorausgesetzt, es werde bei guter und schlechter Gesundheit im rechten Maß genossen, übereinstimmend mit der individuellen Konstitution des Konsumenten.

Literaturangaben

WHO-Report: Global status report on alcohol and health. World Health Organization 2011. ISBN 978 92 4 156415 1 (NLM classification: WM 274).
http://www.who.int/substance_abuse/publications/global_alcohol_report/en/

Stellungnahme des International Scientific Forum on Alcohol Research:
Critique 047: Overall health effects of alcohol consumption. Comments on a WHO report - 10 July 2011. http://www.bu.edu/alcohol-forum/critique-047-overall-health-effects-of-alcohol-c...

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Beschäftigte aus dem Ausland aktiv in den Arbeitsschutz einbeziehen

Wie kann das gelingen? - Tipps der gesetzlichen Unfallversicherung

In Deutschland fehlen bereits heute in vielen Branchen Arbeits- und Fachkräfte. Um diese Lücke zu schließen, werden Unternehmen in Zukunft auch vermehrt Beschäftigte aus dem Ausland einstellen müssen. Um die Qualität im Arbeits- und Gesundheitsschutz weiter zu garantieren, sollten die Betriebe auf diesen Wandel in den Belegschaften reagieren. Darauf weist die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hin.

Vordringlich ist die Frage der Sprachkompetenz der Mitarbeiter, das hat eine Umfrage des Instituts für Arbeit und Gesundheit der DGUV (IAG) unter Präventionsexperten der Unfallversicherung ergeben. Sind die Beschäftigten in der Lage, wichtige Unterweisungen zu Sicherheitsvorkehrungen und zur richtigen Schutzkleidung überhaupt zu verstehen? "Da ist es wichtig nachzuhaken", sagt Katrin Boege vom IAG. "Manchen Mitarbeitern ist es peinlich, dass sie nicht ausreichend Deutsch sprechen. Sie melden sich dann nicht, obwohl sie nur wenig verstanden haben." Hinzu komme, dass viele Migranten in ihrem Heimatland keine oder nur wenig praktische Erfahrungen im Umgang mit dem Arbeitsschutz gemacht hätten.

Die Befragung ergab auch: In der Regel sind es nicht die gut ausgebildeten Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen mit Migrationshintergrund, die eine Herausforderung für die Prävention darstellen. Vielmehr bedürfen die schlecht ausgebildeten Migranten mit geringer Sprachkenntnis einer speziellen Ansprache, um sie für den Arbeitsschutz zu sensibilisieren. Denn gerade diese Migranten arbeiten häufig in Branchen und an Orten, an denen sie besonderen Gefährdungen ausgesetzt sind.

Was muss Arbeitschutz für fremdsprachige Beschäftigte berücksichtigen?

- Bei fehlenden Sprachkenntnissen helfen mehrsprachige Broschüren oder bildgestützte Anweisungen (Filme, Schilder) die Inhalte zu vermitteln.
- Es sollte - wie auch bei deutschen Mitarbeitern - kontrolliert werden, ob die Unterweisungsinhalte so verstanden wurden, dass sie in kritischen Situationen auch umgesetzt werden können.
- Schon bei der Personalauswahl sollte auf die Sprachkompetenz des Bewerbers geachtet werden. Fehlt sie, sollte bereits zu Beginn der Beschäftigung Maßnahmen vereinbart werden, um die Defizite zu beseitigen.
- Führungskräfte sollten für das Thema Unterweisung von fremdsprachigen Mitarbeitern sensibilisiert werden.
- Bewährt haben sich auch so genannte Peersysteme: Wenn in einem Betrieb mehrere Beschäftigte einer Nationalität arbeiten, kann es sinnvoll sein, einen Vertreter dieser Gruppe der beide Sprachen spricht, für diese Gruppe zum Ansprechpartner in Fragen des Arbeitsschutzes zu machen.

Langfristig ist es wichtig, Beschäftigte mit Migrationshintergrund aktiv in Fragen der Prävention einzubeziehen. So werden sie nicht zu bloßen "Empfängern" von Dienstleistungen, sondern können sich persönlich mit einbringen.

Quelle: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV)

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Forsa-Umfrage im Wissenschaftsjahr Gesundheitsforschung: Hepatitis - das verkannte Risiko

Victoria Vigener
Redaktionsbüro Wissenschaftsjahr 2011
Wissenschaftsjahr 2011 - Forschung für unsere Gesundheit

Die Leberentzündung Hepatitis zählt zu den meistverbreiteten Infektionserkrankungen weltweit - doch mehr als ein Drittel der Deutschen weiß nicht, um welche Krankheit es sich dabei überhaupt handelt. Das ergab eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Wissenschaftsjahres Gesundheitsforschung zum Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli. Dieser will das Thema verstärkt in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit rücken, denn insbesondere bei jungen Menschen sind die Wissenslücken groß.
Laut der World Health Organization (WHO) sind weltweit mehr als 500 Millionen Menschen von chronischer Hepatitis B oder C betroffen. Auch in Deutschland ist die Zahl der Infizierten mit rund einer Millionen Patienten groß. Trotzdem konnten 24 Prozent der Befragten kein Krankheitsbild mit Hepatitis verbinden. Nur 62 Prozent wussten auf Anhieb, dass es sich um eine Erkrankung der Leber handelt. Das Wissen hängt stark vom Alter der Befragten ab: Den Umfrageteilnehmern über 45 Jahre war mit rund 70 Prozent überdurchschnittlich häufig bekannt, was Hepatitis ist. Bei den Jüngeren zwischen 18 und 29 Jahren wussten nur 35 Prozent, welches Organ von der Infektion betroffen ist.

„Das Problem ist, dass die Funktionen der Leber kaum bekannt sind - entsprechend gering ist die Kenntnis über Erkrankungen dieses lebenswichtigen Organs", erklärt Professor Heiner Wedemeyer von der Medizinischen Hochschule Hannover und Mitarbeiter der Deutschen Leberstiftung. „Hinzu kommt der heimtückische Verlauf von Hepatitis: Symptome wie Müdigkeit, Fieber oder Übelkeit machen sich nur schleichend bemerkbar, oft erst Jahre nach der Infektion." Vorurteile, zum Beispiel dass hauptsächlich Drogen- oder Alkoholabhängige betroffen sind, verringern das Risikobewusstsein zusätzlich, so der Hepatitis-Experte. Dass die Krankheit in der Bevölkerung eine unterschätzte Gefahr ist, zeigt auch die Sorglosigkeit der Befragten: 80 Prozent erklärten, sich bislang keine Gedanken über eine Ansteckung zu machen. Bei den jüngeren Studienteilnehmern gaben sogar 85 Prozent an, noch nie Angst vor einer Hepatitis-Infektion gehabt zu haben.

Es gibt im Wesentlichen drei Infektionsquellen für Hepatitis, von denen eine allerdings hierzulande fast keine Rolle spielt: Hepatitis A wird meist über Nahrungsmittel oder Wasser übertragen. Diese Form zählt zu den häufigsten Reisekrankheiten und heilt meist ohne Komplikationen wieder aus. Hepatitis B und C dagegen können chronisch werden. Hauptquellen sind nach wie vor Blutkontakte durch beispielsweise kontaminierte Nadeln von Drogensüchtigen, aber auch der Austausch von Körperflüssigkeiten, etwa beim Geschlechtsverkehr. Die Mehrheit der Befragten kannte diese Übertragungswege nicht: Körperflüssigkeiten war nur 40 Prozent und Blut 32 Prozent der Befragten als Infektionsquelle geläufig, verunreinigtes Wasser und Essen nannten 27 Prozent.

Trotz der Wissenslücken betreibt fast jeder zweite Befragte Vorsorge: 46 Prozent der Umfrageteilnehmer sind gegen Hepatitis geimpft. Besonders hoch ist die Rate bei den 18- bis 29-Jährigen. Bei ihnen sind zwei von drei Befragten geschützt - wohl ein Ergebnis der verstärkten Präventionsarbeit in Deutschland, die speziell auf junge Menschen abzielt: Seit 1995 empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut eine generelle Schutzimpfung gegen Hepatitis B im Kindesalter. Zudem wurde 1998 die sogenannte J1-Untersuchung für 12- bis 14-Jährige eingeführt, die Haus-, Kinder- und Jugendärzte anbieten und unter anderem die Möglichkeit einschließt, Impfungen nachzuholen.

Laut der Deutschen Leberstiftung besteht nach einer Hepatitis-A-Vorsorge wahrscheinlich ein lebenslanger Schutz: Es sind keine Infektionen nach erfolgreicher Impfung bekannt. Bei Hepatitis B dagegen gibt es in fünf bis zehn Prozent der Fälle sogenannte "Impfversager". Trotzdem: Laut Ständiger Impfkommission sollten vor allem Reisende in Tropengebiete vorbeugen. Auch zwei von drei Studienteilnehmern halten eine Impfung vor einem Aufenthalt in bestimmten Ländern für notwendig.

Die meisten Befragten sind mit einer Kombination gegen Hepatitis A und B geschützt. Für Hepatitis C existiert keine Impfung, allerdings laufen derzeit mehrere Forschungsprojekte, um einen Schutz vor der Erkrankung zu ermöglichen. Die Therapieforschung macht ebenfalls Fortschritte: So gibt es beispielsweise neue virushemmende Substanzen, die eine Infektion ausheilen können. Auch das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gegründete und von der Deutschen Leberstiftung getragene „Kompetenznetz Hepatitis" treibt die Grundlagenforschung voran, um die Behandlung der Patienten zu verbessern. „Zum Beispiel wird derzeit erforscht, warum bei manchen Betroffenen die Erkrankung spontan ausheilt, damit wir Rückschlüsse auf neue Therapien erhalten", sagt Professor Heiner Wedemeyer. „Ich hoffe, dass uns die nächsten Jahre bei der Bekämpfung von Hepatitis einen großen Schritt voranbringen."

Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD). Seit 2000 dienen sie als Plattform für den Austausch zwischen Öffentlichkeit und Wissenschaft entlang ausgewählter Themen. Im Wissenschaftsjahr 2011 - Forschung für unsere Gesundheit steht der Mensch im Mittelpunkt - und mit ihm die Individualisierte Medizin als Zukunft von Vorsorge, Diagnostik und Therapie.

Kontakt
Redaktionsbüro Wissenschaftsjahr 2011 - Forschung für unsere Gesundheit
Katja Wallrafen | Victoria Vigener
Saarbrücker Straße 37 10405 Berlin
Tel.: +49 30 319864053 | Fax: +49 30 818777-25
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Weitere Informationen:
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Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft

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Solarstrom sofort verbrauchen

Strom zu speichern ist aufwändig und teuer. Doch gerade für Strom-Selbstversorger weit ab vom regulären Stromnetz führt oft kein Weg an großen Batterien vorbei. Günstiger wäre es, den Strom gleich dann zu verbrauchen, wenn er anfällt. Möglich wird dies durch ein ausgeklügeltes Energie-Management-System.

Orangen, Weizen, Bohnen, Oliven - damit Obst, Getreide oder Hülsenfrüchte auch in heißen und trockenen Gebieten wachsen, müssen sie regelmäßig bewässert werden. Das Wasser dafür stammt häufig aus tiefen Brunnen. In Ägypten setzen viele Bauern bislang Dieselgeneratoren ein, um ihr Land zu bewässern. Ein Modellprojekt im oberägyptischen Wadi El Natrun zeigt, dass es auch anders geht. Ein Photovoltaik-Inselsystem sorgt hier für die Bewässerung eines Weizenfelds. Den Strom liefern konzentrierende Photovoltaik-Module (CPV), die wegen ihres höheren Wirkungsgrades und ihrer besonderen Bauweise wesentlich weniger Fläche einnehmen als konventionelle PV-Module: Fresnel-Linsen bündeln die Sonnenstrahlen auf stecknadelkopfgroße Mehrfachsolarzellen. Für eine optimale Ausbeute des Sonnenlichts folgen die beweglich auf einem Standbein befestigten CPV-Zellen dem Sonnenstand mit Hilfe eines Tracking-Motors. Sie liefern zum einen den Strom für eine Tauchpumpe, die das Wasser aus einem rund 35 Meter tiefen Brunnen fördert, für die Bewässerungspumpen sowie für eine kleine Entsalzungseinheit, die den Trinkwasserbedarf der Farmer deckt. Zum anderen versorgen die CPV-Zellen die Tracker der PV-Module, das Überwachungs- und Steuerungssystem und eine Klimaanlage, die den Technikraum der Anlage kühlt.

Um das Gesamtsystem möglichst kostengünstig zu gestalten, haben die Entwickler auf teure Batterien zum Zwischenspeichern des Solarstroms weitestgehend verzichtet. »Wo es kein öffentliches Stromnetz gibt, arbeiten PV-Anlagen aufgrund ihrer niedrigen Betriebskosten heute wirtschaftlich. Problematisch sind nur die hohen Investitionskosten am Anfang, an denen die Batterien einen erheblichen Anteil haben«, erklärt Jakob Wachtel vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg. »Indem wir den größten Teil der erzeugten Energie direkt nutzen, können wir teure Speicherkapazitäten einsparen«, ergänzt sein Kollege Alexander Schies. Ein ausgeklügeltes Energie-Management überwacht die Erzeugung des Stroms und sorgt dafür, dass er immer sofort dahin fließt, wo er gerade gebraucht wird: Zur Tauchpumpe, um das Wasserreservoir aufzufüllen, zur Bewässerungspumpe, wenn es Zeit ist, das Feld zu bewässern oder zur Entsalzungseinheit. Lediglich für den Betrieb der CPV-Tracker und des Messsystems speichern die Entwickler einen Teil des Sonnenstroms in einer relativ kleinen Batterie zwischen. »Diese Reserve brauchen wir vor allem, um die CPV-Module morgens in Position zu fahren«, erläutert Jakob Wachtel. Anders als konventionelle Silizium-Solarmodule liefern konzentrierende Photovoltaik-Systeme nur dann Strom, wenn sie exakt nach dem Sonnenstand ausgerichtet sind.

Alle Komponenten der Bewässerungsanlage sind mit Mikrocontrollern ausgestattet, über die sie ihre Zustandsdaten an das Energie-Management-System übermitteln und von diesem gesteuert werden können. Die Form der Kommunikation beschreibt das am ISE entwickelte Universal Energy Supply Protocol (UESP), das speziell auf diese Art des Energie- und Lastenmanagements ausgelegt ist. UESP wird derzeit als Anwendungsprofil für netzunabhängige Energieversorgungssysteme in das CANopen-Protokoll CiA454 der CiA (CAN in Automation) Organisation integriert. CANopen ist in der Automatisierungstechnik weit verbreitet und hat sich auch als Standard zum Steuern elektrischer Geräte etabliert. »Alle Systeme, die mit solchen Protokollen arbeiten, lassen sich jederzeit mit Geräten erweitern, die CANopen oder UESP >verstehen< - völlig unabhängig vom Hersteller. Dies ist praktisch, wenn ein defektes Bauteil ersetzt werden muss«, betont Alexander Schies. Auch dies trägt dazu bei, Kosten zu sparen. Gleichzeitig vereinfacht es Erhalt und Ausbau des CPV-Inselsystems.

Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft

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TU Berlin: Wertvolles Abwasser

Stefanie Terp
Presse- und Informationsreferat
Technische Universität Berlin

Die Idee der Rieselfelder lebt wieder auf: So sollen die Folgen des Klimawandels eingedämmt werden
Der Klimawandel macht sich in Brandenburg bereits heute durch längere Trockenperioden und sinkende Grundwasserstände bemerkbar. In den Landkreisen Barnim und Uckermark sind sie zum Beispiel zwischen 1976 und 2005 teilweise über drei Zentimeter jährlich gesunken. Feuchtgebiete und die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen sind dadurch gefährdet.

Mit den Folgen dieser Entwicklung wird sich in den nächsten fünf Jahren der Forschungsverbund „Entwicklung eines integrierten Landmanagements durch nachhaltige Wasser- und Stoffnutzung in Nordostdeutschland" („ELaN") beschäftigen. Ausgangspunkt ist die bisher gängige Praxis, dass gereinigte Abwasser über Havel und Spree abgeleitet werden und damit für die Region verloren gehen. Aufgrund der klimatischen Bedingungen kann sich die Region diese Praxis jedoch nicht mehr länger leisten: Das Wasser - ebenso wie die darin enthaltenen Nährstoffe - sollten in die Landschaft zurückgeführt werden.

Manch einer mag sich da an die Rieselfelder erinnert fühlen. Das Prinzip soll jedoch unter anderem Vorzeichen und mit innovativen Technologien wieder aufgegriffen werden. Martina Schäfer, Professorin am Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin, die die an der Universität angesiedelten Teilprojekte koordiniert, erläutert: „Das Problematische an den über fast 100 Jahre betriebenen Rieselfeldern war, dass das Abwasser ungereinigt auf Flächen vor die Tore Berlins geleitet wurde, was zu einer Belastung der Böden und des Grundwassers führte. Nun aber soll die Qualität des Abwassers so sein, dass keine Gefahr für das Grundwasser besteht und es zur Stabilisierung des Wasserhaushalts beiträgt."

„ELaN" wird im Rahmen des Förderprogramms „Innovative Systemlösungen für ein nachhaltiges Landmanagement" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung als eins von zehn ausgewählten Projekten mit fünf Millionen Euro gefördert. Neben der Erforschung der naturwissenschaftlich-technischen und politisch-rechtlichen Voraussetzungen, gereinigtes Abwasser in die Natur zu leiten, sollen bereits an zwei Standorten innovative Abwassertechnologien und Landnutzungsformen erprobt und hinsichtlich einer dauerhaften Umsetzung untersucht werden.

Bei den Rieselfeldern Hobrechtsfelde im Norden Berlins handelt es sich um Flächen, die aufgrund ihrer früheren Nutzung eine hohe Schadstoffbelastung und gestörte Bodenstrukturen aufweisen. Hier wird erforscht, ob die Flächen bei einer Wiedervernässung zum Beispiel für den Anbau von Energiepflanzen oder Beweidung genutzt werden können. Bei dem zweiten Versuchsareal, der Randow-Welse-Niederung in Biesenbrow, handelt es sich um empfindliche Niedermoorgebiete. Sie sollen durch Klarwasser stabilisiert werden.

Ziel des „ELaN"-Projekts ist es, übertragbare Lösungen für die gesamte Region Berlin-Brandenburg zu erarbeiten. Außerdem soll nach Möglichkeiten gesucht werden, wie die gewonnenen Erfahrungen und entwickelten Technologien in anderen Regionen Deutschlands vermarktet und eingesetzt werden können. Neben zwei weiteren TU-Fachgebieten Standortkunde und Bodenschutz von Prof. Dr. Gerd Wessolek und Siedlungswasserwirtschaft von Prof. Dr.-Ing. Matthias Barjenbruch sind an dem Forschungsverbund das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung e.V., die Humboldt-Universität zu Berlin, die Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde, das Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung in Erkner und die Berliner Wasserbetriebe beteiligt.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr. Martina Schäfer, Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG) der TU Berlin, Hardenbergstr. 16-18, 10623 Berlin, Tel.: 030/314-26854, E-Mail: martina.schaefer@tu-berlin.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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MRT endlich auch für Schrittmacherpatienten möglich

Ricarda Wessinghage
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M.

Magnetresonanztomografie (MRT) bei Patienten mit implantiertem Herzschrittmachersystem erstmals ermöglicht. Premiere am Frankfurter Uniklinikum durch Kooperation des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und der Klinik für Kardiologie.
Die MRT-Untersuchung, auch Kernspintomografie genannt, von Patienten mit Herzschrittmachern war bisher verboten, da sie zu erheblichen Störungen der Geräte führen und somit für Patienten gefährlich werden konnte. Diese implantierten Geräte sorgen mit kleinen elektrischen Impulsen dafür, dass das Herz bei spezifischen Erkrankungen schnell genug schlägt. Hierbei setzt das Herzschrittmachersystem Impulse frei, die über feine Leiter, so genannte Elektroden, ins Herz übertragen werden. Herkömmliche Schrittmacher sind jedoch empfindlich gegen stärkere elektromagnetische Felder, demnach auch bei MRT-Untersuchungen. In Deutschland leben schätzungsweise 500.000 Menschen mit einem Herzschrittmachersystem.

„Die Kernspintomografie wird immer wichtiger für die Diagnosestellung bei Patienten mit chronischen Herzerkrankungen, die häufig eben auch auf einen Herzschrittmacher angewiesen sind. Daher werden diesen Patienten an der Klinik für Kardiologie im Schwerpunkt Elektrophysiologie seit kurzem weltweit neuartige „MRT-fähige" Schrittmachersysteme implantiert. Diese sind so konstruiert, dass weder die Elektronik Schaden nimmt noch die Elektroden unerwünschte Ströme ins Herz leiten. Dies erschließt weitläufige, bisher fehlende Diagnosemöglichkeiten für Herzpatienten.

Erstmals wurde jetzt vergangene Woche eine Herz-MRT-Untersuchung bei einem Patienten mit einem solchen MRT-fähigen Herzschrittmacher durchgeführt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: „Die Untersuchungsqualität ist durch Störimpulse (Artefakte) kaum eingeschränkt, so dass selbst die Untersuchung des Herzens ein gutes Bildergebnis liefert", fasst die Radiologin Dr. Iris Burck begeistert die Maßnahme an der Uniklinik Frankfurt zusammen. Die enge Kooperation von Radiologie und Kardiologie hat dieses dieser Innovation möglich gemacht. „Allerdings ist es nach wie vor wichtig, dass die Indikation und die MRT-Fähigkeit des jeweiligen Herzschrittmachersystems bei jedem Patienten individuell geprüft und freigegeben wird, denn die Patientensicherheit steht an erster Stelle", so Prof. Vogl, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie.

Weitere Informationen:
http://www.kgu.de
http://www.radiologie-uni-frankfurt.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Stressschutz: Wie Blaualgen Energie hamstern

Dr. Josef König
Pressestelle
Ruhr-Universität Bochum

In der Wildtypzelle (links) wird die durch Photosynthese erzeugte Energie zur Herstellung von ATP verwendet. In der gentechnisch veränderten Zelle (rechts) kann ein beachtlicher Teil der Energie in Form von Protonen (H+) ohne ATP-Erzeugung die Membran durchqueren. Infolge dieser "Undichtigkeit" der ATPase können bestimmte Photosyntheseprozesse mindestens doppelt so schnell ablaufen. Die zusätzlich gewonnenen Elektronen könnten biotechnologisch nutzbar gemacht werden (siehe Fragezeichen), z.B. durch Einführung eines Enzyms, welches Wasserstoff erzeugt (Hydrogenase).
In der Wildtypzelle (links) wird die durch Photosynthese erzeugte Energie zur Herstellung von ATP verwendet. In der gentechnisch veränderten Zelle (rechts) kann ein beachtlicher Teil der Energie in Form von Protonen (H+) ohne ATP-Erzeugung die Membran durchqueren. Infolge dieser "Undichtigkeit" der ATPase können bestimmte Photosyntheseprozesse mindestens doppelt so schnell ablaufen. Die zusätzlich gewonnenen Elektronen könnten biotechnologisch nutzbar gemacht werden (siehe Fragezeichen), z.B. durch Einführung eines Enzyms, welches Wasserstoff erzeugt (Hydrogenase).
Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt, legen unter normalen Bedingungen ein Energiepolster an, das es ihnen erlaubt, unter Stress wie langer Dunkelheit zu überleben. Verantwortlich dafür ist ein molekularer Schalter in einem Enzym. Entfernt man diesen Schalter, sollte man die überschüssige Energie der Bakterien für biotechnologische Zwecke wie z.B. die Wasserstoffproduktion nutzen können, ohne dass es ihnen dadurch schlechter geht.
Das haben Forscher der Ruhr-Universität um Prof. Dr. Matthias Rögner (Biochemie der Pflanzen, Fakultät für Biologie & Biotechnologie) herausgefunden. Ihre Ergebnisse, die sie zusammen mit einer japanischen Arbeitsgruppe vom Tokyo Institute of Technology gewonnen haben, sind im Journal of Biological Chemistry veröffentlicht.

Molekularer Schalter verhindert Energieverschwendung

Als Speicher für die mittels Photosynthese gewonnene Energie in Pflanzen dient das energiereiche Molekül ATP. Auf- und bei Bedarf auch wieder abgebaut wird es vom Enzym ATPase. Um das Bakterium gegen Stresssituationen mit zu viel oder zu wenig Licht zu wappnen, verfügt die ATPase der Cyanobakterien über einen kleinen Bereich, der wie ein Schalter wirkt. Er verhindert, dass das ATP bei Dunkelheit, wenn keine Photosynthese läuft, vorschnell wieder abgebaut wird. Das Bakterium legt so einen Vorrat an Energie an, der ihm über Stressphasen hinweg hilft. Allerdings verlangsamt dieser Schalter auch die Geschwindigkeit des photosynthetischen Elektronentransports mit der Wasserspaltung im Licht: „Man muss sich das so vorstellen, als würde man gegen einen Widerstand etwas in einen vollen Speicher pressen wollen", verdeutlicht Prof. Rögner.

Auf dem Weg zum biotechnologischen Wasserstoff

Er und seine Kollegen haben im Experiment den Schalter-Bereich der ATPase bei Cyanobakterien gentechnisch entfernt. „Wir haben natürlich erwartet, dass es den Bakterien danach viel schlechter gehen würde und dass sie viel langsamer wachsen würden", erklärt er. „Aber das traf nicht zu." Die Bakterien wuchsen unter Laborbedingungen - also ohne Lichtstress - ganz wie gewöhnlich. Allerdings legen sie einen geringeren ATP-Energiespeicher an, weswegen sie sehr lange Dunkelphasen schlechter überleben als der Wildtyp. Andererseits steht nun prinzipiell die überschüssige Energie im Licht, die sonst in den Speicher wandert, zur biotechnologischen Nutzung zur Verfügung. „Dies sollte es ermöglichen, zukünftig mindestens 50% der aus der lichtgetriebenen Wasserspaltung gewonnenen Energie für andere Prozesse zu verwenden, z.B. für eine solargetriebene biologische Wasserstoffproduktion durch cyanobakterielle Massenkulturen in Photobioreaktoren", schätzt Prof. Rögner.

Titelaufnahme

Imashimizu, M., Bernát, G., Isato, K., Broekmans, M., Konno, H., Sunamura, E.-I., Rögner, M., Hisabori, T. (2011) Regulation of F0F1-ATPase from Synechocystis sp. PCC 6803 by the  and  subunits is significant for light/dark adaptation, J. Biol. Chem. 286, 26595-26602, doi: 10.1074/jbc.M111.234138

Weitere Informationen

Prof. Dr. Matthias Rögner, Lehrstuhl für Biochemie der Pflanzen, Fakultät für Biologie und Biotechnologie der Ruhr-Universität Bochum, Tel. 0234/32-23634, matthias.roegner@rub.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Enthaarungscreme nicht großflächig auftragen

Dr. Suzan Fiack
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

BfR - Presseinformation
Bundesinstitut für Risikobewertung
Thielallee 88 - 92, D - 14195 Berlin, Telefon: 030-18412-4300, Telefax: 030-18412-4970 Presserechtlich verantwortlich: Dr. Suzan Fiack

Enthaarungscreme nicht großflächig auftragen

BfR empfiehlt, unbedingt auf Anwendungshinweise zu achten

Die in Enthaarungscreme enthaltene Thioglykolsäure kann bei nicht sachgemäßer Anwendung leichte bis mittelschwere Hautreizungen hervorrufen. Wiederholte nicht sachgemäße Anwendung kann auch zu allergischen Reaktionen führen. „Deshalb sollten Beipackzettel von Enthaarungscremes entsprechende Hinweise enthalten und die Produkte nur nach diesen Hinweisen angewendet werden", sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Insbesondere sollten sie nicht großflächig aufgetragen werden, und Schleimhautkontakt sollte vermieden werden.

Offenbar wenden Verbraucherinnen und Verbraucher Enthaarungscremes zunehmend großflächig an. Dem BfR sind Fälle bekannt, in denen Verbraucher dadurch Hautreizungen erlitten. Nicht geklärt ist, ob der extrem basische pH-Wert der Produkte Auslöser dafür ist oder die in Enthaarungscremes enthaltene Thioglykolsäure. Diese wirkt auf das Keratin im Haar ein und zerstört die Haarstruktur. Der gewünschte Effekt tritt ein: Das Haar lässt sich entfernen.

Thioglykolsäure darf laut Kosmetikverordnung in Enthaarungsmitteln in einer Konzentration von bis zu fünf Prozent enthalten sein. Dieser Grenzwert ist für die übliche Anwendung von Enthaarungscremes gedacht, die sich auf begrenzte Hautflächen beschränkt. Die Hersteller geben auf der Verpackung oder in einer Verpackungsbeilage in der Regel an, wie ihre Produkte angewendet werden sollen. Das BfR empfiehlt Verbrauchern, sich an solche Herstellerhinweise unbedingt zu halten, da eine nicht sachgemäße Anwendung Hautreizungen und allergische Reaktionen hervorrufen kann. Die Produkte sind nicht für die großflächige Anwendung gedacht, und Schleimhautkontakt sollte vermieden werden.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de/cm/343/gesundheitliche_bewertung_von_thioglykolsaeure_in_... Stellungnahme des BfR

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Kraftstoffe aus Kompost

Dr. Ernst Guggolz
Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Nachwachsende Rohstoffe sind der Traum vieler Klimaschützer: Kraftstoffe aus Pflanzen zu gewinnen, ist nicht nur nachhaltig, sondern - zumindest in der Theorie - auch CO2-neutral. Allerdings sind für die rentable Produktion von Biodiesel, Bioethanol und Co riesige Anbauflächen notwendig, so dass Energiepflanzen wie Zuckerrohr oder Raps mit Nahrungspflanzen um die Felder konkurrieren. Weniger problematische Rohstoffe sind einerseits landwirtschaftliche Abfallprodukte wie Stroh und andererseits Gräser, die sogar auf kargen Böden wachsen. Was sich aus dieser pflanzlichen Biomasse alles machen lässt und wie, lesen Sie in den „Nachrichten aus der Chemie".
Ein gängiges Verfahren, um aus der Biomasse verwertbare Produkte zu gewinnen, besteht darin, sie zu erhitzen. Geschieht dies in einem geschlossenen Reaktor, also unter Druck, spricht man von einer hydrothermalen Umwandlung - das in der noch nassen Biomasse enthaltene Wasser dient als Reaktionsmedium, das die großen Molekülstrukturen der Pflanzenreste aufspaltet. Je nach Temperatur und Druck entstehen dabei Methan, Wasserstoff und Öle, die sich weiter veredeln lassen, sowie künstliche Kohlearten, die sich als Hightech-Trägermaterial für Katalysatoren oder als Grillkohle eignen.

Zudem lässt sich Biomasse chemisch und biochemisch umwandeln. Dabei werden die enthaltenen pflanzlichen Substanzen als Ausgangsstoffe für die gezielte Gewinnung von Basischemikalien oder Kraftstoffkomponenten genutzt. So lässt sich die Cellulose im Stroh zu Glukose zersetzen und anschließend zu Ethanol vergären. Auch die als Biodiesel bekannten Fettsäuremethylester sind fermentativ zugänglich.

Welche Anlagen zur Biomasseverwertung es derzeit gibt, und ob Biokraftstoffe über Rohstoffengpässe hinweghelfen, auch darüber berichten die Chemiker Andrea Kruse, Stefan Ernst und Michael Katzberg. Die PDF-Datei des Beitrags gibt es bei der Redaktion der „Nachrichten aus der Chemie" unter nachrichten@gdch.de.

Nahezu 80 000 anspruchsvolle Chemiker und Chemikerinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Lehre informieren sich mit den „Nachrichten" über Entwicklungen in der Chemie, in angrenzenden Wissenschaften sowie über gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte. Kennzeichen der Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker sind das breite Spektrum der Berichte, das einmalige Informationsangebot an Personalien, Veranstaltungs- und Fortbildungsterminen sowie der große Stellenmarkt.

Weitere Informationen:
http://www.nachrichtenausderchemie.de „Nachrichten aus der Chemie"
http://www.gdch.de/taetigkeiten/nch/inhalt/h03_11.htm Das Märzheft der „Nachrichten aus der Chemie"

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SOEP-Studie: Risikofreudige Menschen sind zufriedener

Renate Bogdanovic
Pressestelle
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin

Männer wagen mehr als Frauen. Große Menschen sind risikofreudiger als kleine. Wer Eltern mit Abitur hat, geht eher Risiken ein als andere. Und: Wer mehr wagt, ist in seinem Leben zufriedener. Das sind die zentralen Ergebnisse einer kürzlich im „Journal of the European Economic Association" veröffentlichten Studie über den Umgang mit Risiken. Für ihre Untersuchung hatten die Wissenschaftler Daten der Langzeiterhebung „Sozio-oekonomisches Panel" (SOEP) ausgewertet.
„Jeder Mensch hat eine grundlegende Neigung zur Risikobereitschaft, die sein Verhalten in nahezu allen Lebensbereichen beeinflusst", sagt SOEP-Leiter Jürgen Schupp, einer der Autoren. „Im Laufe des Lebens lässt die individuelle Bereitschaft, Risiken einzugehen, jedoch immer mehr nach". An der Studie beteiligt waren Wissenschaftler des DIW, der Universität Bonn, der Universität Maastricht, der Universität von St. Gallen und des Swarthmore College in den USA. Insgesamt flossen die Daten von mehr als 20 000 Menschen in die Befragung ein.

Die SOEP-Daten zeigen: Wie viel ein Mensch riskiert, hängt unter anderem von seinem Geschlecht, seiner Größe und dem Bildungsgrad der Eltern ab. Und: Risikobereite Menschen sind zufriedener als andere. Warum, das lässt sich schwer deuten. „Möglicherweise führt eine höhere Risikobereitschaft zu mehr Erfolg im Leben und damit zu einer größeren Zufriedenheit", sagt der Ökonom Thomas Dohmen von der Universität Maastricht.

Auch die Art des Risikos bestimmt, wie mutig jemand ist. „Am größten war die Risikobereitschaft der Befragten, wenn es um ihre Karriere ging", sagt Thomas Dohmen. Etwas weniger risikobereit waren sie in Sport und Freizeit, im Straßenverkehr und wenn es um ihre Gesundheit ging. Am häufigsten scheuten sie finanzielle Risiken. So waren mehr als 60 Prozent der Befragten nicht bereit, in ein Finanzprodukt zu investieren, dessen Wert sich innerhalb von zwei Jahren mit gleicher Wahrscheinlichkeit entweder verdoppeln oder halbieren konnte.

Die Risikoneigung der Deutschen wird im SOEP seit 2004 erhoben: Auf einer Skala von Null (= gar nicht risikobereit) bis Zehn (= sehr risikobereit) schätzen die Befragten ihre Risikobereitschaft selbst ein. Doch wie aussagekräftig sind solche Selbsteinschätzungen? Das hat der Verhaltensökonom Armin Falk von der Universität Bonn mit Hilfe eines Experiments überprüft.

Zunächst wurden 450 repräsentativ ausgewählte Versuchsteilnehmer ähnlich wie in der SOEP-Umfrage von geschulten Interviewern darüber befragt, wie sie ihre eigene Risikobereitschaft einschätzen. Danach nahmen sie an einem Experiment teil: Sie konnten wählen zwischen einer Lotterie, in der sie 300 Euro mit einer 50-prozentigen Wahrscheinlichkeit gewinnen konnten und einer sicheren Auszahlung. In der ersten Spielrunde boten die Forscher 10 Euro als sichere Auszahlung, in der nächsten 20 Euro und in der letzten Spielrunde 200 Euro. Die Forscher notierten, bei welcher Summe die Teilnehmer den Fixbetrag der Lotterie vorzogen. „Die Ergebnisse des Experiments decken sich sehr gut mit den Umfragedaten", sagt Armin Falk. „Wer im Interview angab, risikofreudig zu sein, zeigte dieses Verhalten auch im Experiment".

Individual Risk Attitudes: Measurement, Determinants, and Behavioral Consequences / Thomas Dohmen, Armin Falk, David Huffman, Uwe Sunde, Jürgen Schupp, Gert G. Wagner. In: Journal of the European Economic Association 9 (2011) Heft 3 ; S. 522-550

Weitere Informationen:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1542-4774.2011.01015.x/abstract

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Nutzen einer normnahen Blutzuckersenkung bleibt unklar

Dr. Anna-Sabine Ernst
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Hinweise auf Vorteile aber auch auf Nachteile / Weniger nichttödliche Herzinfarkte stehen häufigeren Unterzuckerungen gegenüber
Ob Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 davon profitieren, wenn man versucht, ihren Blutzucker durch eine Therapie auf normnahe Werte abzusenken, bleibt eine ungeklärte Frage. Die derzeit verfügbaren Studien liefern Hinweise auf einen Nutzen aber auch Hinweise auf einen möglichen Schaden. Zu diesem Ergebnis kommt ein am 5. Juli 2011 veröffentlichter Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass bei Menschen mit Typ-2-Diabetes das Risiko für gefäßbedingte Erkrankungen oder Todesfälle mit der Höhe der Blutzuckerwerte steigt. Um diabetesbedingte Folgeschäden zu vermeiden, empfehlen Leitlinien deshalb die Senkung der Blutzuckerwerte auf Werte im "normnahen" Bereich. Darunter versteht man Werte, die denen von Menschen ohne Diabetes nahekommen. In dem jetzt vorgelegten Bericht, einem sogenannten Rapid Report, hat das IQWiG untersucht, ob diese Therapiestrategie, also das Anstreben von (nahezu) normalen Blutzuckerwerten tatsächlich auch das Risiko für Diabetes-Folgekomplikationen vermindert.

Vergleich von zwei Therapiestrategien

Das IQWiG hat dazu randomisierte kontrollierte Studien gesucht, die zwei Therapiestrategien bei Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes miteinander verglichen: In einer Gruppe sollten die Maßnahmen darauf zielen, den Blutzucker langfristig auf normnahe Werte zu bringen. In der Vergleichsgruppe sollte es diese Absicht nicht oder nicht in gleichem Maße gegeben haben. Maßgebliche Kriterien für die Bewertung des Nutzens oder Schadens waren dabei die Sterblichkeit (Gesamtsterblichkeit), Diabetes-Folgekomplikationen (Herzinfarkte, Schlaganfälle, Nieren- oder Augenschädigungen u.a.) sowie die Lebensqualität.

Drei Studien nach 2000 durchgeführt

Insgesamt konnte das IQWiG sieben Studien in die Bewertung einbeziehen, an denen insgesamt 28.000 Patientinnen und Patienten teilgenommen hatten. Die Studien waren recht unterschiedlich: Vier Studien waren bereits zwischen den 1960er und 1990er Jahren entstanden, die übrigen nach dem Jahr 2000. Teils handelte es sich um Patienten einer bestimmten Ethnie (Japan) und in einigen Studien wurden Medikamente breit eingesetzt, die heute nicht mehr auf dem Markt sind (Rosiglitazon).

IQWiG findet bei wichtigen Therapiezielen keine Unterschiede

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden bei der Auswertung dieser Studien bei maßgeblichen Aspekten der Therapie keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen: Weder zur Gesamtsterblichkeit noch zu tödlichen Herzinfarkten, (tödlichen und nichttödlichen) Schlaganfällen, zu Niereninsuffizienz (und ihren Vorstufen), Amputationen oder Vorstufen der Erblindung gibt es Belege oder Hinweise darauf, dass eine der beiden Therapiestrategien mehr Vor- oder Nachteile bietet. Was die Zielgrößen Lebensqualität und Erblindung betrifft, gibt es nicht genügend Daten.

Lediglich beim Therapieziel nichttödliche Herzinfarkte fand das Kölner Institut in den Studien Hinweise, dass Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes von einer normnahen Blutzuckersenkung einen Vorteil hatten. Gleichzeitig gibt es aber auch Hinweise, dass schwere Unterzuckerungen sowie andere schwerwiegende Ereignisse zum Teil deutlich häufiger auftreten als bei einer weniger intensiven Blutzuckersenkung.

In der Gesamtschau decken sich die Ergebnisse des aktuellen IQWiG-Berichts mit denen von Übersichtsarbeiten und Metaanalysen, die andere Wissenschaftler in jüngerer Zeit durchgeführt und vorgelegt haben.

Frage nach der besseren Therapiestrategie bleibt weiter unbeantwortet

"Es ist schon erstaunlich: Einzelne Interventionen, vor allem Medikamente sind zum Teil gut in Studien untersucht. Über Vor- und Nachteile von Therapiestrategien wissen wir aber relativ wenig", kommentiert IQWiG-Leiter Jürgen Windeler den aktuellen Bericht. "Wenn Ärzte also vor der Frage stehen, was sie ihren Diabetes-Patienten konkret anbieten können, ob sie den Blutzucker möglichst weit absenken sollen und bei welchen Patienten dies vielversprechend ist, und bei welchen weniger, bekommen sie noch immer keine befriedigenden Antworten." Obwohl dies eine zentrale Fragestellung bei der Versorgung von Menschen mit Typ-2-Diabetes sei, lassen die wenigen Studien keine zuverlässigen Aussagen zu.

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte das IQWiG beauftragt, den Bericht in einem beschleunigten Verfahren, als sogenannten Rapid Report zu erarbeiten. Im Unterschied zum sonst üblichen Prozedere werden hier keine Vorberichte veröffentlicht. Zwar wird eine Vorversion des Berichts extern begutachtet, es entfällt aber die Anhörung, bei der alle Interessierten Stellungnahmen abgeben können. Der Bericht wurde in Zusammenarbeit mit externen Sachverständigen erstellt und Anfang Juni 2011 an den Auftraggeber versandt.

Weitere Informationen:
http://www.iqwig.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Den Stromertrag aus Photovoltaikanlagen kann man jetzt rund um die Uhr für jedes Dorf vorhersagen

Saar - Uni - Presseteam
Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

Wenn die Sonne scheint, fließt viel Strom aus Solaranlagen ins Netz. Schiebt sich eine Wolkenfront dazwischen, sieht es für den Stromertrag schnell düster aus. Für Stadtwerke lässt sich daher die Sonnenenergie nur schwer einplanen. Einfacher wird das jetzt mit einer Software, die Informatiker der Universität des Saarlandes gemeinsam mit der Firma Luxea GmbH und den Stadtwerken in Sulzbach entwickelt haben. Dabei werden die Vorhersagedaten des Deutschen Wetterdienstes über Wolkenzug und Lichtintensität kleinräumig mit den vorhandenen Photovoltaikanlagen abgeglichen. Für jedes Netzgebiet kann man damit vorhersagen, welcher Stromertrag aus Solarenergie in den kommenden Stunden zu erwarten ist.
Für Energieunternehmen und Hausbesitzer wird es mit der neuen Software einfacher, den stark schwankenden Ertrag aus der Solarproduktion besser zu nutzen. „Mit unseren Prognosen könnte man zum Beispiel die Waschmaschine oder den Geschirrspüler so steuern, dass sie erst dann laufen, wenn viel Solarstrom ins Netz eingespeist wird", erläutert Holger Hermanns, Professor für Verlässliche Systeme der Saar-Uni. Auch beim Laden von Elektro-Autos oder dem Betrieb von Wärmepumpen käme es oft nicht so genau auf eine Stunde an. „Da die Stromspeicherung teuer und aufwändig ist, sollte man die Sonnenenergie möglichst nutzen, wenn sie anfällt", erläutert der Informatiker. Die Energieversorger könnten außerdem durch die kurzfristige Vorhersage der Solarproduktion ihren Energiemix besser planen. Damit werde der Bedarf an teurer Regelenergie vermindert. „Wenn man abschätzen kann, wie viel Sonnenlicht an einem Tag die Photovoltaikanlagen in der Region erreicht, muss man zum Beispiel Gasturbinen erst gar nicht anschalten oder kann auf den Zukauf von Atomstrom verzichten", erklärt Holger Hermanns. Auch könne man kritische Überversorgungen und Engpässe deutlich besser vorhersagen.

Für das Forschungsprojekt haben die Stadtwerke im saarländischen Sulzbach die Daten über die Photovoltaikanlagen in ihrem Bezirk zur Verfügung gestellt. Diese haben die Informatiker mit den präzisen Radarbildern des Deutschen Wetterdienstes abgeglichen und ein Rechenverfahren entwickelt, mit dem sich der zu erwartenden Solarertrag recht präzise bestimmen lässt. Die Firma Luxea in Saarbrücken hat daraus eine Software erarbeitet, die jetzt an interessierte Stadtwerke und Hausbesitzer vertrieben wird. Das IT-Unternehmen konnte dabei seine Erfahrungen aus dem Computerprogramm SOLinvest einbringen, mit dem Planer und Hausbesitzer berechnen können, welcher Solarertrag auf ihren Dächer zu erwarten ist.

Pressefotos unter: http://www.uni-saarland.de/pressefotos

Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Holger Hermanns
Lehrstuhl für Verlässliche Systeme
Tel. 0681/302-5631
Mail: hermanns@cs.uni-saarland.de

Weitere Informationen:
http://depend.cs.uni-sb.de
http://www.luxea.de

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Bewegung: Medizin, die wirkt

Dr. Anne Hardy
Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Wer Sport- und Bewegungsprogramme besonders nötig hat, ist meist zu krank oder unmotiviert, um sich selbst darum zu kümmern. Frankfurter Sportmediziner bemühen sich deshalb, Patienten mit chronischen Erkrankungen, Langzeitarbeitslose über 50 Jahre und Krebspatienten zu erreichen. Die auf die spezifischen Bedürfnisse zugeschnittenen und wissenschaftlich begleiteten Angebote erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Lesen Sie mehr dazu in der neuen Ausgabe des Forschungsmagazins "Forschung Frankfurt".
FRANKFURT. Die Betreuung von Leistungssportlern hat in der deutschen Sportmedizin lange Tradition, so auch in der Abteilung Sportmedizin am Institut für Sportwissenschaften der Goethe-Universität. Ihr Leiter, Prof. Winfried Banzer, war viele Jahre Teamarzt der deutschen Tennis Daviscup-Mannschaft und betreut heute national und international erfolgreiche Leistungssportler. Doch auch das zweite wichtige Standbein der Frankfurter Sportmedizin, der Bereich „Gesundheit und Prävention" gewinnt immer mehr an Bedeutung. In der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Forschung Frankfurt" berichten Banzer und Kollegen über ermutigende Studien zu Bewegungsprogrammen für chronisch Kranke, Arbeitslose und sogar krebskranke Kinder.

Dass Bewegung gesund ist, wissen die Deutschen seit den Tagen vor Turnvater Jahn. Aber damals turnten vor allem junge und gesunde Menschen. Die Erkenntnis, dass Bewegung auch hilft, wenn der Mensch schon alt und/oder krank ist, setzt sich erst allmählich bei den Betroffenen und in der Gesellschaft durch. Dazu haben Banzer und sein Team in den vergangenen Jahren in erheblichem Maße beigetragen, wobei die Bewegungsprogramme für onkologische Patienten in Kooperation mit der Stiftung „Leben mit Krebs" inzwischen am bekanntesten sein dürften. Wie die Betroffenen die wöchentlichenTreffen zum Nordic Walking erleben, lesen Sie in der Reportage von Marita Dannenmann.

Adipositas, Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind typische, zum Teil durch Bewegungsmangel und falsche Ernährung verursachte Zivilisationskrankheiten. Auch hier konnte Banzer mit seinen Kollegen Prof. Lutz Vogt und Dr. Christian Thiel nachweisen, dass Bewegungsprogramme eine äußerst sinnvolle und nebenwirkungsarme Ergänzung zu einer medikamentösen Therapie sind. Im fortgeschrittenen Lebensalter profitieren Patienten mit „Verschleißerscheinungen" wie Osteoporose oder Arthrose von gezielter Bewegungstherapie. Und auch die Gedächtnisleistung verbessert sich, wenn das Gedächtnistraining durch Spaziergänge, Fahrradfahren, Treppensteigen oder Gartenarbeit ergänzt wird.

Damit die Bewegungsangebote auch diejenigen erreichen, die sie besonders dringend benötigen, kooperieren die Frankfurter Sportmediziner nicht nur mit Krankenhäusern der Rhein-Main-Region, sondern beispielsweise auch mit den Jobcentern. Langzeitarbeitslose über 50 Jahre gehören zu den gesundheitlich und psychisch gefährdeten Gruppen, die durch klassische Sport- und Gesundheitsangebote nur schwer zu erreichen sind. Durch ein niederschwelliges und stufenweises Beratungsangebot ist es in den vergangenen fünf Jahren zunehmend gelungen, die Betroffenen an einen aktiven Lebensstil heranzuführen. Dadurch verbessert sich nicht nur das Allgemeinbefinden der Teilnehmer. Auch ihr Selbstbewusstsein wird gestärkt, was sich positiv auf die Jobsuche auswirkt.

Jetzt schon vormerken: Der 42. Deutsche Sportärztekongress der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention findet in diesem Jahr vom 6. bis 8. Oktober auf dem Campus Westend der Goethe-Universität statt. Bei dieser bedeutenden wissenschaftlichen Veranstaltung deutschsprachiger Experten treffen sich Sportmediziner, Sport- und Gesundheitswissenschaftler, Physiotherapeuten, Ökotrophologen sowie Vertreter des Vereins- und Fitnesssports.

Beiträge zum Thema Sportmedizin in „Forschung Frankfurt"

* Bewegung - vielseitige Medizin, die wirkt Dosierte körperliche Aktivität bei chronischen Erkrankungen steigert Gesundheit und Lebensqualität von Christian Thiel, Lutz Vogt und Winfried Banzer

* „Eigentlich ist es nichts Besonderes - und genau das ist gut so!" Nordic Walking in der Onkologie Von Marita Dannenmann

* Belastungssteuerung im Spitzensport
Informations-Vorsprung für Trainer und Athleten von Christian Thiel und Winfried Banzer

* Verantwortung für die eigene Gesundheit fördern Bewegungsprogramme stärken Langzeitarbeitslose über 50 von Lars Gabrys und Lutz Vogt

* Kinder-Onkologie: Freude durch und an Bewegung Pädiatrische Stammzelltransplantation und Bewegungstherapie von Beate Meichsner

* Ein Personal Trainer mit Allround-Angebot Goethe-Unibator ebnet Lehramtsstudenten den Weg in die Selbstständigkeit von Anne Hardy

„Forschung Frankfurt" kostenlos bestellen: hennings@pvw.uni-frankfurt.de

Informationen: Prof. Winfried Banzer, Institut für Sportwissenschaften, Sport-Campus Ginnheim, Tel: (069) 798- 24543; winfried.banzer@sport.uni-frankfurt.de

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn drittmittelstärksten und größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Parallel dazu erhält die Universität auch baulich ein neues Gesicht. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht ein neuer Campus, der ästhetische und funktionale Maßstäbe setzt. Die „Science City" auf dem Riedberg vereint die naturwissenschaftlichen Fachbereiche in unmittelbarer Nachbarschaft zu zwei Max-Planck-Instituten. Mit über 55 Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität laut Stifterverband eine Führungsrolle ein.

Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation Telefon (069) 798 - 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30, E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de
Internet: www.uni-frankfurt.de


Weitere Informationen:
http://www.forschung-frankfurt.uni-frankfurt.de/2011/index.html

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Neues Gärtnern in der Stadt?

Monique Luckas
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Das BMBF-Projekt INSULA startet am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung und untersucht die Bedeutung urbaner Landwirtschaft als Innovation für nachhaltige Entwicklung
Gärtnern in der Stadt klingt nach Balkontomaten, Petersilie auf dem Küchenfenster und Gemüsebeeten im Hinterhof - kein wirklich neues Konzept. Der städtische Gemüseanbau in Kleingärten etablierte sich bereits vor gut 160 Jahren.
Der neue Trend Urban Agriculture hingegen verheißt gemeinschaftliches und mobiles Gärtnern sowie Kombinationen von Fischproduktion und Salatzucht - klingt modern und verspricht Innovationen. Doch wie viel Innovation verbirgt sich hinter dem neuen Trend?
Jährlich werden in einer Stadt wie Berlin rund 140 kg Obst und Gemüse von privaten Stadtgärtnern selbst gezogen, gepflegt und geerntet. Damit wird ein nicht unbedeutender Beitrag zur Selbstversorgung mit frischen Lebensmitteln geleistet. Doch wofür steht "Urbane Landwirtschaft" darüber hinaus? Inwiefern beeinflusst sie die Umwelt, das soziale Miteinander in der Stadt und dient als kreativer Ansatz für Start-up Unternehmen?
Bei der Auftaktveranstaltung im Juli 2011 des Projekts INSULA (Innovationsanalyse Urbane Landwirtschaft) saßen Wissenschaftler, Mitarbeiter der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sowie Akteure aus der Praxis in Berlin an einem Tisch, um diese Problematik zu diskutieren. Eine Exkursion führte zu drei ganz unterschiedlichen Projekten urbaner Landwirtschaft in Berlin: dem Allmende Kontor auf dem Tempelhofer Feld, dem interkulturellen Garten „Bunte Beete" und der Containerfarm Rostlaube, Malzfabrik.

Zum Projekt
Das Projekt INSULA erforscht das aktuelle Thema Urbane Landwirtschaft im Spannungsfeld Nachhaltigkeit und Zukunftschancen. Das durch das BMBF geförderte Projekt prüft die Relevanz urbaner Landwirtschaft als Innovation für nachhaltige Entwicklung. Das Projekt hat eine Laufzeit bis Mai 2014 und wird am ZALF vom Institut für Sozioökonomie und für Landnutzungssysteme bearbeitet.
Wissenschaftliches Konzept und Vorgehensweise
Grundlage der Forschungsarbeit sind Erhebungen und Befragung in mindestens zehn deutschen Städten und drei Städten in Nordamerika, Großbritannien und der Schweiz. Ziel ist eine qualitative Erfassung und Analyse von Situationen, Prozessen und individuellen Einschätzungen durch Experten, Akteure, Verwaltung und weitere Bezugsgruppen.
Im Mittelpunkt der Analyse stehen folgende drei Hauptthemenkomplexen:
• Innovation(-stypen) und Urbane Landwirtschaft
• Nachhaltigkeit und Urbane Landwirtschaft
• Strategisch-politische Konzepte und Urbane Landwirtschaft
sowie ihre Verknüpfungen. Zudem wird eine umfangreiche Erfassung verschiedener urbaner Landwirtschaftsprojekte, deren Ansprechpartner und nationale wie internationale Experten in diesem Bereich erfolgen und in eine praxisorientierte Online-Wissenssammlung überführt werden. Gleichzeitig soll ein analytischer Rahmen für urbane Landwirtschaftsprojekte definiert sowie dazu Strukturierungskriterien ermittelt und erhoben werden.

Weitere Informationen erhalten Sie auch über die Pressestelle des ZALF:
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Monique Luckas
033432/82 405
0151/405 455 00
monique.luckas@zalf.de

Susanne Hecker
033432/82 309
0151/405 455 03
susanne.hecker@zalf.de

Anhang
http://idw-online.de/de/attachment10242

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Effizientere Biogasanlagen mit optischen Analysen

Dr. Norbert Aschenbrenner
Corporate Communications, Corporate Technology
Siemens AG

Siemens entwickelt optische Messtechniken, um Biogasanlagen genauer auszusteuern und damit ihre Effizienz zu erhöhen. Beim Vergären von Biomasse zu Methan bilden sich Säuren. Wird ihre Konzentration zu hoch, kippt der Prozess und die Anlage muss gereinigt und neu angefahren werden. Heute prüfen die Betreiber die Chemie im Kessel alle paar Tage anhand von Stichproben, die sie zur Analyse in ein Labor geben. Das neue Verfahren der Siemens- Forscher bei Corporate Technology misst den Säuregehalt direkt am Fermenter. Das Risiko einer unerwarteten Übersäuerung fällt weg, und die Anlagen können voll ausgefahren werden. Experten schätzen, dass dadurch der Energieertrag um fünf bis zehn Prozent steigt. Nach erfolgreichen Labortests soll nun ein Pilotprojekt starten, wie die jüngste Ausgabe des Forschungsmagazins Pictures of the Future berichtet.

In Biogasanlagen verarbeiten Bakterien organisches Material wie Mais, Holz oder Gülle zu Methangas. Zunächst entstehen dabei verschiedene Säuren, die in weiteren Reaktionsstufen zu Methan abgebaut werden. Bilden sich zu viele Säuren in zu kurzer Zeit, sinkt die Effizienz der Methanproduktion. Es wird noch weniger Säure abgebaut und der Prozess kommt zum Erliegen. Die Betreiber können der Übersäuerung durch Zugabe geeigneter Biomasse - beispielsweise von schwer abbaubarem Holz - entgegensteuern. Gleichzeitig aber arbeitet die Anlage am effizientesten nahe der Belastungsgrenze. Weil sie den aktuellen Säuregehalt im Fermenter nicht kennen, halten viele Betreiber sicheren Abstand zu einem möglichen Ausfall und nehmen dabei Verluste von bis zu hunderttausenden Euro in Kauf.

Infrarot-Spektroskopie kann dieses Problem lösen. Moleküle emittieren charakteristische Lichtspektren, wenn sie mit infrarotem Licht bestrahlt werden. Diese Spektren liefern Informationen über chemische Bindungen, woraus auf bestimmte Elemente oder Stoffgruppen geschlossen werden kann. Das von Siemens entwickelte Gerät strahlt infrarotes Licht durch ein Glasfenster in den Fermenter und misst so den Säuregehalt. Die Forscher entwickeln auch einen Test für die Güte von Biomasse, damit eine Anlage gezielter gefüttert werden kann.

Techniken zur Anlagensteuerung sind ein wichtiger Beitrag, um Biostrom wirtschaftlich konkurrenzfähig zu machen. Heute produzieren mehr als 5000 Biogasanlagen über vier Prozent des deutschen Stroms. Experten erwarten, dass sich ihre Zahl bis 2020 verdoppelt.

Foto: http://www.siemens.com/press/de/pressebilder/?press=/de/pressebilder/innovationn...

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Wissenschaftler der TU Darmstadt entwickeln Therapie gegen den „Mausarm"

Jörg Feuck
Kommunikation
Technische Universität Darmstadt

Psychologen der TU Darmstadt haben ein Übungsprogramm entwickelt, das innerhalb weniger Wochen dem Repetitive Strain Injury (RSI-)-Syndrom, dem so genannten „Mausarm", vorbeugt und auch bereits vorhandene Schmerzen deutlich lindert oder beseitigt.
Tausende Mausklicks und Tastatur-Anschläge bei der täglichen PC-Arbeit können sich auf Dauer schmerzhaft in der Hand und im Unterarm bemerkbar machen: Die ständig wiederholten kleinen Bewegungen belasten Muskeln, Sehnen, Nerven und Gelenke, am Ende stehen im schlimmsten Fall chronische Schmerzen und der so genannte „Mausarm". Wissenschaftler vom Fachbereich Psychologie der TU Darmstadt haben in Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für Arbeitsschutz Nordrhein-Westfalen ein Übungsprogramm für Bildschirmarbeitskräfte entwickelt, um dem Mausarm vorzubeugen und bereits vorhandene Schmerzen zu lindern.

Die Teilnehmer durchlaufen an nur zwei Tagen fünf Module von der Muskelentspannung über Arbeitsorganisation, Ergonomie und Stressmanagement bis zur Physiotherapie, werden über die Funktion des „Schmerzgedächtnis" aufgeklärt, probieren Alternativen zur Computer-Maus und erlernen Übungen, die sie in den darauffolgenden fünf Wochen am Arbeitsplatz vertiefen. Ziel des Trainings ist eine langfristige Veränderung des Arbeitsverhaltens am PC, um die Arbeitsfähigkeit dauerhaft zu gewährleisten. „Unsere bisherigen Ergebnisse zeigen, dass sich unser RSI-Interventionskurs sowohl zur Prävention als auch zur Therapie eignet", sagt TU-Professor Hardo Sorgatz, der sich seit Jahren mit dem RSI-Syndrom befasst und den Kurs entwickelt hat. In Zusammenarbeit mit einem speziell geschulten Physiotherapeuten bietet die TU Darmstadt zweimal jährlich einen RSI-Interventionskurs für jeweils 12 Teilnehmer an.

Dem Mausarm vorbeugen

Wer viel am PC arbeitet und dem Mausarm vorbeugen will, sollte laut Sorgatz auf jeden Fall seinen Arbeitsplatz ergonomisch korrekt einrichten, immer wieder kurze Pausen bei der Bildschirmarbeit einlegen und statt der herkömmlichen Computer-Maus alternative Eingabegeräte wie Vertikal-Mäuse oder Stift-Tablets nutzen.

Weitere Informationen:
http://www.rsi-online.de

Anhang
http://idw-online.de/de/attachment10008

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Mit wenig Energie Meerwasser entsalzen

Dr. Norbert Aschenbrenner
Corporate Communications, Corporate Technology
Siemens AG

Siemens hat den Energieaufwand für die Entsalzung von Meerwasser mehr als halbiert. Eine Pilotanlage in Singapur verarbeitet 50 Kubikmeter Wasser am Tag und braucht dabei pro Kubikmeter nur 1,5 Kilowattstunden elektrischen Strom. Die bisher effizienteste Entsalzungstechnik, die Umkehrosmose, kostet mehr als doppelt so viel Energie. Wie die Zeitschrift Pictures of the Future berichtet, zieht das neue Verfahren das Salz mit Hilfe eines elektrischen Felds aus dem Wasser. Bis Mitte 2012 sind Demonstrationsanlagen in Singapur, den USA und der Karibik geplant.

Experten schätzen, dass der weltweite Wasserverbrauch in den nächsten 15 Jahren um 40 Prozent steigen wird. Wüstenstaaten oder kleine Länder wie Singapur haben wenig Süßwasserquellen und setzen zunehmend auf entsalztes Meerwasser. Das kostet aber bisher viel Energie. Etwa zehn Kilowattstunden Strom pro Kubikmeter Wasser fällt für die Verdampfung von Salzwasser an. Die Umkehrosmose, die Wasser durch einen Filter presst, verbraucht für die gleiche Menge etwa vier Kilowattstunden.

Das neue, energiesparende Verfahren von Siemens basiert auf Elektrodialyse. Es entzieht dem Wasser die positiv und negativ geladenen Ionen der Salze mit Hilfe eines elektrischen Felds. Spezielle Membranen, die nur jeweils eine Ionenart passieren lassen, bilden Kanäle, in denen sich Salzlauge beziehungsweise gereinigtes Wasser sammelt. Mit sinkender Salzkonzentration wird der Prozess jedoch ineffizient, weil der elektrische Widerstand des Wassers zunimmt. Das letzte Prozent Salz extrahiert deshalb eine kontinuierliche Elektrodeionisation (CEDI). Dabei nehmen Ionentauscherharze zwischen den Membranen die Ionen auf und transportieren sie weiter.

Experten von Siemens Corporate Technology arbeiten derzeit an einem Simulationsmodell, um das Verfahren weiter zu optimieren. Im Rahmen eines vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekts wollen sie die Abläufe auf molekularer Ebene nachbilden. Das Modell soll helfen, den Ionentransport durch die Membranen und die Strömungsdynamik des Wassers im elektrischen Feld besser zu verstehen.

Siemens hat die Entsalzungstechnik an der Singapurer Waterhub, einem Forschungszentrum für Wasseraufbereitung, entwickelt. Die Technologie ist Teil des Siemens-Umweltportfolios, mit dem das Unternehmen im Geschäftsjahr 2010 rund 28 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftete

Foto: http://www.siemens.com/press/de/pressebilder/?press=/de/pressebilder/2011/indust...

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Wenn Nebengeräusche zur Hauptsache werden - Altersbedingte Hörverluste beginnen im Gehirn

Luise Dirscherl
Stabsstelle Kommunikation und Presse
Ludwig-Maximilians-Universität München

In geselliger Runde fällt es älteren Menschen oft schwer, einem Gespräch zu folgen - und nicht immer liegt das am schlechten Hörvermögen: Die Ergebnisse einer Studie des LMU-Neurowissenschaftlers Professor Benedikt Grothe legen vielmehr nahe, dass im Alter die umgebende Geräuschkulisse nicht mehr so effektiv ausgeblendet werden kann wie in jüngeren Jahren. „Wahrscheinlich liegt diesem Problem ein Defizit in der zeitlichen Verarbeitung der Information im Gehirn zugrunde", sagt Grothe. Die Ursache ist vermutlich ein Missverhältnis bestimmter Botenstoffe, die Informationen zwischen Nervenzellen übertragen. Medikamente, die die Botenstoffe wieder ins Gleichgewicht bringen, könnten daher altersbedingte Hörverluste effektiver therapieren als dies bisher möglich ist. (The Journal of Neuroscience, 6. Juli 2011)

Für das Sprachverständnis ist es essenziell, den zeitlichen Verlauf der Sprache, etwa verschiedene Tonhöhen und winzige Pausen im Sprachfluss, zu hören und voneinander abzugrenzen. Ein Team von Wissenschaftlern um Grothe konnte nun für Wüstenrennmäuse zeigen, dass die Nervenzellen älterer Tiere weniger selektiv auf Geräusche reagieren. Die geringere Selektivität führt dazu, dass die sogenannten rezeptiven Felder weniger heterogen sind. Als rezeptives Feld einer Nervenzelle bezeichnet man die physikalischen Parameter, die diese Zelle bearbeitet. Die rezeptiven Felder der Nervenzellen sind Grundlage für die Verarbeitung und Interpretation von Sinneseindrücken.

Je heterogener die rezeptiven Felder verschiedener Nervenzellen sind, desto höher ist der Informationsgehalt der Signale, die von den Nervenzellen übertragen werden. „Entsprechend liefert unsere Studie Hinweise, dass die Nervenzellen älterer Tiere weniger informativ über natürliche Reize sind, als Nervenzellen jüngerer Tiere", erklärt Grothe. „Dieses Defizit in der Kodierung könnte die Verarbeitung von komplexeren akustischen Situationen erheblich erschweren." Die Folge: Ältere Menschen hören in echoreichen Umgebungen wie etwa Restaurants einen verwirrenden Geräuschbrei, aus dem sich nur schwer einzelne Stimmen isolieren lassen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass der veränderten zentralnervösen Signalverarbeitung im Alter ein Ungleichgewicht sogenannter Neurotransmitter zugrunde liegt: Dies sind biochemische Botenstoffe, die Informationen von einer Nervenzelle zur nächsten übertragen. Stimmt das Verhältnis hemmender und aktivierender Botenstoffe nicht mehr, kommt die Signalübertragung aus dem Takt. Sollte sich das bestätigen, wird man bei der Therapie altersbedingter Hörverluste umdenken müssen. „Sind die zentralnervösen Veränderungen, die wir und andere beobachten in der Tat auf ein gestörtes Neurotransmittergleichgewicht zurückzuführen, würden entsprechende Medikamente die derzeit üblichen Therapien erweitern", sagt Grothe. „Denkbar ist auch eine derartige Behandlung in Ergänzung zu einem Hörgerät, was eine effektivere Therapie altersbedingter Hörverluste als bisher ermöglichen würde." (göd)

Publikation:
„Impaired Auditory Temporal Selectivity in the Inferior Colliculus of Aged Mongolian Gerbils";
L. Khouri, N.A. Lesica, B. Grothe;
The Journal of Neuroscience, 31(27):9958-9970; 6. Juli 2011;
doi: 10.1523/JNEUROSCI.4509-10.2011

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Benedikt Grothe
Abteilung Neurobiologie am Biozentrum der LMU
Tel.: 089 / 2180 - 75300
E-Mail: neurobio@lmu.de
Web: http://sci.bio.lmu.de/neurobiologie/

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Konzepte für eine nachhaltige industrielle Wassernutzung - Projekt ChemWater gestartet

Dr. Christine Dillmann
Öffentlichkeitsarbeit
DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.

Industrielles Know-How für den Erhalt der Wasserressourcen: Das ist die Quintessenz des europäischen Projekts ChemWater, das soeben seine Arbeit aufgenommen hat. Über die Laufzeit von 30 Monaten wollen elf internationale Partner aus Forschung, Industrie und Wasserwirtschaft eine langfristige Strategie zur nachhaltigen industriellen Nutzung von Wasser entwerfen und dabei bestehende Initiativen und Projekte zusammenführen. Besonderes Augenmerk liegt auf der Erschließung technologischer Potenziale im Bereich der Nanotechnologie, der Materialforschung und der Prozessinnovation.
Angesichts regionaler Wasserknappheit, die durch verschiedene Faktoren wie etwa den Klimawandel verschärft wird, muss Europa seine Wasserressourcen effizienter nutzen. Die chemische Industrie spielt dabei eine wesentliche Rolle: Sie ist einer der größten Wassernutzer und stellt gleichzeitig Schlüsseltechnologien für die Wassernutzung bereit.

Das EU-geförderte Projekt ChemWater soll europäische Initiativen im Rahmen bestehender Technologieplattformen und darüber hinaus vernetzen, um neue Erkenntnisse vor allem aus den Bereichen Nanotechnologie, Materialforschung und Prozessinnovation auszuwerten und für ein nachhaltiges industrielles Wassermanagement zu nutzen.

Kerngedanke des Projektes ist, nicht nur den Nutzen von Wasser für die Chemie zu berücksichtigen, sondern auch den Nutzen der Chemie für das Wassermanagement. Damit soll die Rolle der Prozessindustrien als Technologieanbieter und Know-How-Träger unterstrichen werden. Die chemische Industrie als Ausgangspunkt bietet den Vorteil, dass Erkenntnisse auf eine Vielzahl anderer Branchen wie Bergbau, Biotechnologie, Pharma, Lebensmittel, Elektronik, Papierherstellung und Energiewirtschaft übertragen werden können.

Die einzelnen Schritte des Projekts bauen logisch auf diesem Ansatz auf: Anhand industrieübergreifender Synergien soll eine Roadmap 2050 für Technologie- und Prozessentwicklung aufgestellt werden, aus der der Forschungsbedarf und wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten abgeleitet werden können. Gleichzeitig sollen Konzepte für die praktische Markteinführung neuer Lösungen und entsprechende Informationsangebote entwickelt werden. ChemWater unterstützt so mit einer einheitlichen, interdisziplinären und branchenübergreifenden Strategie die Realisierungder „Water Efficient Europe"-Initiative im Rahmen der europäischen Innovationspartnerschaften. Die Ausgestaltung einer solchen Partnerschaft wird auf einem ChemWater Workshop Anfang 2012 diskutiert werden.

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Mini-Stimulator im Oberkiefer schaltet Kopfschmerzen ab

Rita Wilp
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft

Erste Studienergebnisse eines neuartigen Neurostimulators auf dem Internationalen Kopfschmerzkongress in Berlin vorgestellt

Auf dem Internationalen Kopfschmerzkongress in Berlin (23. Bis 26. Juni 2011) hat Prof. Dr. Jean Schoenen, Koordinator der Kopfschmerz-Forschungseinheit an der Universität Lüttich (Belgien), positive Studienergebnisse eines Neurostimulators zur Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen vorgestellt. Entwickler des neuartigen Implantatsystems zur Behandlung schwerer Kopfschmerzen ist Autonomic Technologies, Inc. (ATI).
Prof. Dr. Arne May, Neurowissenschaftler am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und Präsident der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), ist an der Studie beteiligt: „Bisher gab es für Cluster-Kopfschmerzpatienten nur wenige Behandlungsoptionen. Die gängigen Ansätze umfassten die präventive Medikation und abortive Therapien zur Akutbehandlung wie z.B. teure injizierbare Substanzen und das Inhalieren von Sauerstoff. Diese Behandlungsformen können jedoch bei manchen Patienten nicht angewendet werden, z.B. wenn kardiovaskuläre Risikofaktoren vorliegen; bei anderen Patienten treten erhebliche Nebenwirkungen auf. Ich hoffe, dass sich dieser neue therapeutische Ansatz weiterhin bei vielen Cluster-Patienten als chancenreich erweist."

Cluster-Kopfschmerz ist eine neurologische Erkrankung mit äußerst intensivem, stechendem Schmerz, der einseitig um das Auge auftritt. Außer den Schmerzen kann es auch zu tränenden Augen und Schwellungen sowie einer verstopften Nase kommen. Diese Art von Schmerz wird auch „Selbstmord-Kopfschmerz" bezeichnet und zählt zu den schlimmsten Schmerzformen beim Menschen. Die Attacken können mehrmals täglich auftreten und dauern zwischen 15 Minuten bis 3 Stunden an. Man schätzt, dass mindestens 1 von 1.000 Menschen an Cluster-Kopfschmerz leidet.

An der Pathway CH-1 Studie, die die Sicherheit und Wirksamkeit des ATI Neurostimulators untersucht, nehmen bislang 22 Personen teil; insgesamt sind für die Studie rund 40 Patienten vorgesehen. Von 7 dieser 22 Patienten liegen Stimulationsdaten aus der Titrationsphase vor. Eine Schmerzlinderung innerhalb von 15 Minuten -primärer Endpunkt der Studie- wurde bei 66 Prozent der behandelten Kopfschmerzattacken (n=57) erreicht. Gleichzeitig hat sich mit der Stimulation die Häufigkeit der Kopfschmerzen bei der Mehrheit der Patienten verringert; im Vergleich zu dem 4-Wochen-Zeitraum vor Beginn der Studie sank die Kopfschmerz-Häufigkeit während der Studie bei 70 Prozent der Patienten um mindestens 50 Prozent ab.

„Die Ergebnisse sind sehr ermutigend", sagte Prof. Dr. Schoenen. „Chronischer Cluster-Kopfschmerz verursacht schwerste Beeinträchtigungen und starke Schmerzen, die es den Betroffenen oft unmöglich machen, ein normales Leben zu führen. Gemeinsam mit den Studienärzten freue ich mich auf die Fortsetzung der Forschungsarbeit zu dieser neuartigen Kopfschmerz-Therapie sowie auf die künftige Erforschung dieses Therapieansatzes bei schwerer Migräne."

Ben Pless, Präsident und CEO von Autonomic Technologies, kommentierte die Studienergebnisse so: „Wir sind mit diesen vielversprechenden ersten Daten äußerst zufrieden und sind gespannt auf den weiteren Verlauf unserer Studien mit dieser neuen Technologie für die Behandlung von Cluster-Kopfschmerz und Migräne. Es ist unsere Hoffnung, dass sich durch unsere Arbeit eines Tages das Leiden von Millionen von Menschen lindern lässt."

Das ATI Neurostimulationssystem
Das in der Erprobungsphase befindliche Neurostimulationssystem besteht aus einem neuartigen implantierbaren Mini-Stimulator. Er ist etwa mandelgroß und wurde für die Behandlung starker Kopfschmerzen einschließlich Cluster-Kopfschmerz und Migräne entwickelt. Dieser Neurostimulator wird ohne sichtbare Narben oder kosmetische Beeinträchtigungen in das Zahnfleisch implantiert. Die Spitze des Implantats wird an dem als Ganglion sphenopalatinum (GSP) oder Meckel-Ganglion bezeichneten Nervenbündel hinter dem Wangenknochen platziert. Schon seit Jahren konzentriert man sich in der Klinik bei der Behandlung starker Kopfschmerzen auf das GSP, um dort vor allem Lidocain oder sonstige Substanzen zu injizieren, um so die Nervenblockade auszulösen.

Nach Implantation des Mini-Stimulators kann der Patient über eine externe Fernsteuerung, die einem großen Mobiltelefon ähnelt, bei Bedarf die Stimulation auslösen, die zur Linderung des Kopfschmerzes führt. Nach Behandlung der Schmerzen wird das Fernsteuergerät einfach wieder von der Wange genommen und die Stimulationstherapie damit ausgeschaltet.

Die Pathway CH-1 Studie
An der multizentrischen Pathway CH-1 Studie sind sieben führende Kopfschmerzzentren in sechs europäischen Ländern beteiligt. Insgesamt soll die Studie 40 Patienten umfassen. In einer Titrationsphase werden die Stimulationsparameter eingestellt und ggf. angepasst. Danach werden die Kopfschmerzen der Patienten im Rahmen einer experimentellen Phase in randomisierter Form mit einer von drei verschiedenen Stimulationsdosen behandelt, darunter ein Placebo. Dieses strenge Studiendesign ist üblich bei Kopfschmerzstudien. Prof. Dr. Schoenen präsentierte auf dem Kongress die ersten Daten von sieben Patienten aus der Titrationsphase. Ergebnisse der randomisierten Phase wurden noch nicht vorgestellt.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Ruperto Carola gründet neues Zentrum für Umweltforschung

Marietta Fuhrmann-Koch
Kommunikation und Marketing
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Die Universität Heidelberg richtet ein neues Zentrum auf dem Gebiet der Umweltforschung ein. Der Rektor der Ruperto Carola, Prof. Dr. Bernhard Eitel, wird am 19. Juli das Statut für das Heidelberg Center for the Environment (HCE) unterzeichnen und damit die Gründung des Umweltzentrums besiegeln. Aufgabe des HCE wird es sein, die bestehenden Kompetenzen in den Umweltwissenschaften zu vernetzen und die Aktivitäten in Forschung, Lehre und Wissenstransfer zu intensivieren und weiter auszubauen. Ziel ist es, die Herausforderungen und ökologischen Auswirkungen des natürlichen, technischen und gesellschaftlichen Wandels über Fächer- und Disziplinengrenzen hinweg wissenschaftlich zu untersuchen.

Ruperto Carola gründet neues Zentrum für Umweltforschung
Statut für das Heidelberg Center for the Environment wird am 19. Juli 2011 unterzeichnet

Die Universität Heidelberg richtet ein neues Zentrum auf dem Gebiet der Umweltforschung ein. Der Rektor der Ruperto Carola, Prof. Dr. Bernhard Eitel, wird am Dienstag, 19. Juli 2011, das Statut für das Heidelberg Center for the Environment (HCE) unterzeichnen und damit die Gründung des Umweltzentrums besiegeln. Aufgabe des HCE wird es sein, die bestehenden Kompetenzen in den Umweltwissenschaften zu vernetzen und die Aktivitäten in Forschung, Lehre und Wissenstransfer zu intensivieren und weiter auszubauen. Ziel ist es, die Herausforderungen und ökologischen Auswirkungen des natürlichen, technischen und gesellschaftlichen Wandels über Fächer- und Disziplinengrenzen hinweg wissenschaftlich zu untersuchen.

Bereits seit einigen Jahren bestehen an der Ruperto Carola Forschungsvorhaben und Forschungsverbünde, die umweltwissenschaftliche Themen fächerübergreifend bearbeiten. Dazu gehören zum Beispiel das am Marsilius-Kolleg angesiedelte Projekt zum Thema Climate Engineering oder der Verbund „Global Change and Globalization". In zahlreiche weitere Initiativen sind Forscher aus den Naturwissenschaften sowie den Geistes- und Kulturwissenschaften eingebunden. An der Gründung des HCE wirken zehn Institute und Einrichtungen der Universität Heidelberg mit. Dies sind das Geographische Institut, das Institut für Geowissenschaften, das Institut für Umweltphysik, die Forschungsstelle Biodiversität, das Forschungszentrum für Umweltökonomik, die Forschungsstelle für Nachhaltigkeitsrecht, das Max-Weber-Institut für Soziologie, das Institut für Politische Wissenschaft, das Institut für Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie sowie das Südasien-Institut.

Das HCE versteht sich als Initiator für neue Projekte in der Forschung und der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses und soll als Plattform für den Informationsaustausch dienen. Anliegen des neuen Zentrums ist es, mit Kolloquien, Vorträgen und Symposien den Dialog mit anderen Forschern und der Öffentlichkeit zu vertiefen. Vorgesehen sind auch Aktionen für Schüler.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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„Arbeitswelt im Wandel - Ausgabe 2011" erschienen

Jörg Feldmann
Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Dortmund - Mit einer Fülle von Zahlen, Daten und Fakten wartet die aktuelle Ausgabe der Broschüre „Arbeitswelt im Wandel" auf, die jetzt von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) veröffentlicht wurde. Kompakt und übersichtlich informiert die Ausgabe 2011 über wichtige und aktuelle Aspekte der heutigen Arbeitswelt. So war fast jeder zweite der deutschen Gesamtbevölkerung im Jahr 2009 erwerbstätig (47 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr sanken sowohl die Quote bei den meldepflichtigen Arbeitsunfällen auf 25,8 je 1.000 Vollarbeiter als auch die Zahl der tödlichen Unfälle, bei denen 622 Personen in 2009 starben. Durch Arbeitsunfähigkeit gingen der deutschen Volkswirtschaft rund 75 Milliarden Euro an Bruttowertschöpfung verloren.

Neben Basisdaten beispielsweise zur Erwerbstätigkeit, zum Unfallgeschehen oder zu den Arbeitsbedingungen in Deutschland widmet sich „Arbeitswelt im Wandel" auch aktuellen Trends und stellt neue Entwicklungen vor. Dabei wirft sie einen vertiefenden Blick auf die Arbeitsbedingungen von Frauen und Selbstständigen und vergleicht sie mit anderen Gruppen von Erwerbstätigen. Akteure im Arbeitsschutz erhalten mit den grafisch gut aufgearbeiteten Statistiken einen schnellen Überblick über aktuelle Trends, Schwerpunkte und Zusammenhänge, die auch für den eigenen Betrieb relevant sein können. Zugleich finden sich in der Broschüre überzeugende Argumente für Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes im Betrieb.

Der interessierten Öffentlichkeit bietet die Broschüre im Taschenformat kompaktes Wissen über das weite Feld des Arbeitsschutzes. Zusammenhänge zwischen Arbeitsbedingungen und moderner Technik werden auf den 88 Seiten ebenso betrachtet wie das soziale Zusammenleben der Menschen im Betrieb oder die ökonomische Seite sicherer Arbeit.

Die Broschüre "Arbeitswelt im Wandel - Ausgabe 2011" kann in kleinen Mengen kostenlos bezogen werden über das Informationszentrum der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Postfach 17 02 02, 44061 Dortmund, Telefon 0231 90 71 20 71, Fax 0231 90 71 20 70, E-Mail: info-zentrum@baua.bund.de. Auf der BAuA-Homepage befindet sich eine Version im PDF-Format (2 MB) zum Herunterladen unter http://www.baua.de/publikationen.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt. Sie ermöglichen Unternehmen wie auch der gesamten Volkswirtschaft einen Vorsprung im globalen Wettbewerb. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben - im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Über 600 Beschäftigte arbeiten an den Standorten in Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.
Internet: http://www.baua.de

Weitere Informationen:
http://www.baua.de/de/Publikationen/Broschueren/A74.html Direkter Link zur Broschüre "Arbeitswelt im Wandel - Ausgabe 2011" im PDF-Format

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Talkumhaltiger Babypuder ist ein Gesundheitsrisiko

Dr. Suzan Fiack
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

BfR - Presseinformation
Bundesinstitut für Risikobewertung

Talkumhaltiger Babypuder ist ein Gesundheitsrisiko
Schwere Gesundheitsstörungen bei unsachgemäßem Gebrauch möglich

Talkumhaltiger Babypuder kann bei Babys und Kleinkindern zu schweren Gesundheitsstörungen führen. Atmet ein Baby oder Kleinkind versehentlich den Puder ein, kann er in die Lunge gelangen und zu Atembeeinträchtigungen bis hin zu schweren Lungenschäden führen. „Eine typische Unfallsituation besteht, wenn das Kind zum Wickeln auf dem Rücken liegt, sich die Puderdose unbeabsichtigt über ihm öffnet und der Puder herausrieselt", sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Um zukünftig solche Unfälle zu vermeiden, sollten die Puderdosen entweder auf sichere Verschlusssysteme umgestellt oder talkumhaltiger Babypuder verboten werden.

Anlass für die Empfehlung des BfR, talkumhaltigen Babypuder zu verbieten oder die Dosen mit sicheren Verschlüssen auszustatten, war der schwere Vergiftungsfall eines zweijährigen Mädchens. Das Kind hatte beim Wickeln mit einer verschlossenen Puderdose gespielt, bis sich die Dose öffnete. Der Puder ergoss sich über das Gesicht des Kindes und wurde von ihm eingeatmet. In der Folge musste das Kind mehrere Tage lang intensivmedizinisch behandelt werden.

Bereits in der Vergangenheit waren dem BfR ähnliche Fälle gemeldet worden. Insgesamt haben für den Zeitraum von 1979 bis 2008 die Giftinformationszentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz 113 Aspirationsunfälle mit Babypuder dokumentiert. In den meisten Fällen waren Kinder im Alter von einem halben bis zu zwei Jahren betroffen. In den dokumentierten Fällen haben die Kinder keine bleibenden Schäden davon getragen.

Nach Ansicht vieler Kinderärzte ist aus medizinischer Sicht die Verwendung von talkumhaltigem Babypuder nicht notwendig. Zur Vermeidung von Aspirationsunfällen empfiehlt das BfR daher die Puderdosen entweder auf sichere Verschlusssysteme umzustellen oder talkumhaltigen Babypuder zu verbieten.

Über das BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de/cm/350/risiko_vergiftungsunfaelle_bei_kindern.pdf Informationsbroschüre: Risiko Vergiftungsunfälle bei Kindern

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Umwelttechnikpreis für Karlsruher Firma: „DBU-Förderung trägt schöne Früchte"

Franz-Georg Elpers
Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Hydro-Energie Roth siegt in der Kategorie „Energieeffizienz" bei Landeswettbewerb in Baden-Württemberg
Stuttgart/Osnabrück. Mit dem Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg ist heute Abend in Stuttgart die von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderte Wasserkraftanlage (WKA) der Firma Hydro-Energie Roth aus Karlsruhe ausgezeichnet worden. Die bewegliche, über- und unterströmbare WKA gewann in der Kategorie „Energieeffizienz" den ersten Preis. „Wir gratulieren der Hydro-Energie Roth ganz herzlich zu dieser wichtigen Auszeichnung. Gleichzeitig freuen wir uns, dass unsere Förderung solche schönen Früchte trägt", lobte DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E.h. Fritz Brickwedde. Diese Auszeichnung sei ein gutes Beispiel dafür, dass die Investition in die deutsche Umwelttechnik lohne, weil sie sowohl die Umwelt entlaste als auch der „Jobmotor der Zukunft" sei. Die Stiftung hatte die Entwicklung der neuartigen Anlage mit 160.000 Euro unterstützt. Aktuell wird auch die Erprobung der Technik in einer Versuchsanlage mit zusätzlichen 125.000 Euro gefördert.

„Wir freuen uns sehr, dass unsere Entwicklung eine solche Anerkennung erfährt. Die DBU hat durch ihre Förderung maßgeblichen Anteil daran gehabt, dass wir das Projekt überhaupt erfolgreich umsetzen konnten", unterstrich Peter Roth, Geschäftsführer der Firma. Die DBU sei ein verlässlicher Partner für die mittelständische GreenTech-Branche in Deutschland, wenn man umweltfreundliche Hochtechnologie vorantreiben wolle.

Mit dem neuartigen System könnten jährlich je nach Standort und Wassermenge bis zu 40 Prozent mehr Leistung erzeugt werden als mit herkömmlichen Wasserkraftwerken, erläuterte Roth. Neben dem hohen Wirkungsgrad seien die Generatoren zudem sehr wirtschaftlich, wartungsarm und leise. Auch der optische Eingriff in das Landschaftsbild bleibe gering, da die wenigen Bauteile überwiegend unter Wasser installiert seien. Außerdem ergebe sich aus naturschutzfachlicher Sicht ein deutlicher Vorteil: „Unser neuartiges System steht Fischen und anderen Tieren bei Auf- oder Abstieg im Fluss nicht mehr im Weg, weil es nicht mehr als Querbauwerk den kompletten Flussgrund blockiert, sondern im Freiwasser installiert wird. So kann auch das Sediment - also zum Beispiel Schlamm, Kies, aber auch Holz - vom Fluss transportiert werden, ohne durch die Anlage davon abgehalten zu werden", erläuterte Roth die Vorzüge des Systems.

Für die neuartige Technik hatte die Hydro-Energie Roth bereits im Dezember 2010 den Innovationspreis der Technologie Region Karlsruhe erhalten.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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EHEC und andere Bakterieninfektionen und der Wunsch nach alternativen Bekämpfungsmaßnahmen

Dipl.-Phys. Annette Maurer
Presse, Öffentlichkeitsarbeit und Marketing
Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT

Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT entwickelt alternative antimikrobiell wirksame Verfahren für die Isolation und Diagnostik sowie für die Bekämpfung und Inaktivierung bakterieller, fungaler und viraler Keime und Erreger
Im Mai 2011 diagnostizierte das Berliner Robert-Koch-Institut, das seit der Abschaffung des Bundesgesundheitsamts im Jahre 1994 für die Dokumentation und die Überwachung von meldepflichtigen Erkrankungen und Epidemien zuständig ist, aus den blutigen Durchfällen von Patienten einen in Deutschland neuen aggressiven Darmkeim. Dies markierte einen in Deutschland noch nie dagewesenen Beginn einer durch eine Variante von Escherichia coli, einem eigentlich trivialen Darmkeim, ausgelösten bakteriellen Epidemie durch eine Stammvariante von EHEC (enterohämorrhagische Escherichia coli), das Isolat O104:H4 alias HUSEC041.

Die im Zuge dieser Epidemie und retrospektiv erneut verstärkt geführte Diskussion um Antibiotikaresistenzen und eine notwendige alternative Bekämpfung von bakteriellen Erregern ist schon seit geraumer Zeit Gegenstand der Forschungsaktivitäten des Fraunhofer IBMT, das sich dieser Problematik seit Jahren angenommen hat.

Neben gentechnisch basierten Verfahren arbeitet eine Arbeitsgruppe des Fraunhofer IBMT am Standort Potsdam-Golm bereits seit 2009 in Verbindung mit mittelständischen Unternehmen (KMU) der Region an antimikrobiell wirksamen Peptiden (kurze Eiweißmoleküle) für die Isolation und Diagnostik, als auch für die Bekämpfung und Inaktivierung bakterieller, fungaler und viraler Keime bzw. Erreger.

Diese Forschungsprojekte werden durch die Finanzierung des Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sowie der EU in Verbindung mit dem Land Brandenburg gefördert und umfassen ein Gesamtforschungsvolumen von knapp 1,9 Millionen Euro.

Von natürlicherweise und ubiquitär vorkommenden antimikrobiellen Peptiden hat das Fraunhofer IBMT im Verlauf der Forschung eine Anzahl geeigneter Peptide selektiert und modifiziert, die in der Lage sind Bakterien und Pilze wirksam abzutöten. Dies ist sowohl in gelöster Form, also in Flüssigkeiten, als auch aufgebracht auf entsprechende Oberflächen möglich. Die antibakterielle Wirkung konnte im Verlauf der Projekte bereits an unterschiedlichen Gram-positiven und Gram-negativen Bakterien und Pilzen aufgezeigt werden. Durch ihren biologischen Ursprung und ihre Struktur als Eiweißstoff (Protein) sind diese Peptide biologisch leicht abbaubar und verträglich. Das bedeutet, dass diese kurzen antibakteriell wirksamen Eiweißmoleküle auch auf Lebensmittel aufgebracht eine schützende Wirkung erzielen, ohne den Verzehr beispielsweise eines Apfels in irgendeiner Form zu beeinträchtigen - geschmacksneutral und ungiftig für Mensch und Tier.

Ziel der Forschung ist es, ein universell einsetzbares »Desinfektionsmittel« zu entwickeln, das lebensmittelneutral und unter Umgehung bestehender Antibiotikaresistenzen vor Infektionen durch pathogene Erreger schützt.

Projektpartner
Freie Universität Berlin, Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen
ILBC (Internationales Laboratorium für Biotechnologie und Consulting) GmbH, Potsdam
CONGEN Biotechnologie GmbH, Berlin
InVivo Biotech Services GmbH, Hennigsdorf

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Frank F. Bier
Telefon: +49 (0) 331 / 58187-200
E-Mail: frank.bier@ibmt.fraunhofer.de

Weitere Informationen:
http://www.ibmt.fraunhofer.de
http://www.ibmt.fraunhofer.de/fhg/ibmt/biomedizintechnik/nanobiotechnologie_nano...

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Vollzeitbeschäftigung steigt stärker als Teilzeitbeschäftigung

Wolfgang Braun
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten stieg im ersten Quartal 2011 um 1,6 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal, berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Unter dem Einfluss der kräftigen Wirtschaftsentwicklung setzte sich damit die starke Dynamik des vierten Quartals 2010 fort. Die Teilzeitbeschäftigung expandierte im gleichen Zeitraum mit einem Plus von 1,5 Prozent etwas weniger als die Vollzeitbeschäftigung.
„Aufgrund der guten Konjunktur nimmt die Vollzeitbeschäftigung derzeit kräftiger zu als die Teilzeitbeschäftigung. Die Vollzeitbeschäftigten hängen stärker als die Teilzeitbeschäftigten von der Konjunktur ab", erklärten die IAB-Arbeitsmarktforscher Eugen Spitznagel und Susanne Wanger am Mittwoch in Nürnberg.

„Im Zuge der anhaltenden wirtschaftlichen Belebung wird in Deutschland insgesamt wieder länger gearbeitet", so die Nürnberger Arbeitsmarktforscher. Die tarifliche bzw. betriebsübliche Arbeitszeit der Vollzeitbeschäftigten lag im ersten Quartal 2011 mit 38,23 Wochenstunden etwas höher als im ersten Quartal 2010. Auch die Guthaben auf den Arbeitszeitkonten nahmen zu, und es wurden zudem etwas mehr bezahlte Überstunden geleistet als im entsprechenden Vorjahresquartal. Die Zahl der Kurzarbeiter belief sich im Monatsdurchschnitt des ersten Quartals 2011 nur noch auf rund 300.000 Personen - nach 933.000 im ersten Quartal des Vorjahres. Die Krankenstandsquote nimmt seit Mitte des Jahres 2009 tendenziell zu und lag im ersten Quartal 2011 mit rund 4,27 Prozent deutlich über dem Niveau des Vorjahresquartals (3,77 Prozent).

Im Ganzen leisteten die Erwerbstätigen dem IAB zufolge im ersten Quartal 2011 im Schnitt 364,5 Arbeitsstunden, das sind 5,1 Stunden oder 1,4 Prozent mehr als vor einem Jahr. Damit ist der Rückgang der Arbeitszeit, der die Wucht der großen Rezession 2008/2009 großenteils abgefedert hatte, inzwischen nahezu ausgeglichen. So ist die Arbeitszeit im ersten Quartal des Jahres 2011 um gut 11 Stunden länger als im ersten Quartal des Rezessionsjahres 2009.

Da auch die Zahl der Erwerbstätigen im ersten Quartal 2011 um 1,4 Prozent stieg, nahm das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen um 2,8 Prozent zu und belief sich auf 14,7 Milliarden geleistete und bezahlte Arbeitsstunden. Die Produktivität je Arbeitsstunde erhöhte sich erstmals seit fünf Jahren wieder kräftig und lag um 2,3 Prozent über ihrem Vorjahreswert, denn die gesamtwirtschaftliche Produktion war im ersten Quartal 2011 um 5,2 Prozent größer als im Vorjahr.

Eine Tabelle zur Entwicklung aller Komponenten der Arbeitszeit hat das IAB unter http://doku.iab.de/grauepap/2011/tab-az11q1.pdf veröffentlicht.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Magenbakterium Helicobacter pylori schützt vor Asthma

Dipl.-Betriebswirtin (FH) Caroline Bahnemann
Stabsstelle Kommunikation und Presse
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Die Infektion mit dem Magenbakterium Helicobacter pylori schützt zuverlässig vor Allergie bedingtem Asthma. Dies können Immunologen der Universität Zürich gemeinsam mit Allergiespezialisten der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz am Tiermodell nachweisen. Ihre Ergebnisse haben sie in der Fachzeitschrift «Journal of Clinical Investigation» publiziert. Sie bestätigen damit die kürzlich geäußerte Hypothese, dass die dramatische Zunahme von Allergieerkrankungen in Industriegesellschaften mit dem fortschreitenden Verlust an spezifischen Mikroorganismen zusammenhängt, welche den menschlichen Körper besiedeln.
Allergie bedingtes Asthma ist in der industrialisierten Welt seit Jahrzehnten auf dem Vormarsch und nimmt inzwischen geradezu epidemische Ausmasse an. Erklärt wird die rapide Zunahme an allergischen Atemwegserkrankungen mit Luftverschmutzung, Rauchen, der Hygiene-Hypothese und dem weit verbreiteten Einsatz von Antibiotika. Die Hygiene-Hypothese besagt, dass moderne Hygienemassnahmen zu einem Mangel an infektiösen Reizen geführt haben, welche für die normale Reifung des Immunsystems wichtig wären. Jetzt weisen Wissenschaftler der Universität Zürich und der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in einem Artikel im «Journal of Clinical Investigation» nach, dass die Zunahme an Asthmaerkrankungen möglicherweise auf das gezielte Ausmerzen des Magenbakteriums Helicobacter pylori (H. pylori) in den westlichen Gesellschaften zurückzuführen ist.
Bei H. pylori handelt es sich um ein Bakterium, das gegen Magensäure resistent ist. Gemäss Schätzungen dürfte rund die Hälfte aller Menschen weltweit von H. pylori befallen sein. Der Befall ist häufig ohne Symptome, kann aber unter gewissen Voraussetzungen Gastritis, Magen- bzw. Zwölffingerdarmgeschwüre und Magenkrebs auslösen. Aus diesem Grund wird H. pylori oft prophylaktisch mit Antibiotika ausgerottet, selbst wenn keine Beschwerden vorliegen.
Frühe Infektion mit H. pylori schützt vor Asthma
Für ihre Untersuchungen infizierten die Forscher Mäuse mit H. pylori-Bakterien. Wurden die Mäuse im Alter von wenigen Tagen infiziert, entwickelten sie immunologische Toleranz gegenüber dem Bakterium und reagierten selbst auf starke, Asthma auslösende Allergene nicht oder nur geringfügig. Mäuse, die erst im adulten Alter mit H. pylori infiziert wurden, genossen dagegen einen weitaus schwächeren Schutz. «Die frühe Infektion verhindert den Reifeprozess der dendritischen Zellen in der Lunge und führt zu einer Anreicherung von regulatorischen T-Zellen, die für die Unterdrückung von Asthma entscheidend sind», erläutert Anne Müller, Professorin für molekulare Krebsforschung an der Universität Zürich, den Schutzmechanismus.
Wurden regulatorische T-Zellen von infizierten auf nicht-infizierte Mäuse übertragen, genossen auch diese einen wirkungsvollen Schutz vor allergisch bedingtem Asthma. Doch auch früh infizierte Mäuse verloren ihre Resistenz gegen Asthma auslösende Allergene, wenn bei ihnen nach der Sensibilisie-rungsphase H. pylori mit Hilfe von Antibiotika ausgerottet wurde. Gemäss dem Lungen- und Allergie-Spezialisten Christian Taube, Oberarzt an der III. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitäts-medizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, bestätigen die neuen Resultate die Hypothese, dass die Zunahme von allergischem Asthma in den Industrienationen mit dem weitverbreiteten Einsatz von Antibiotika und dem daraus folgenden Verlust an Mikroorganismen, die den menschlichen Körper dauerhaft besiedeln, zusammenhängen: «Die Erforschung dieser grundlegenden Mechanismen ist für unser Verständnis der Asthma-Erkrankung sehr wichtig, um daraus später präventive und therapeutische Strategien entwickeln zu können.»

Literatur:
Isabelle C. Arnold, Nina Dehzad, Sebastian Reuter, Helen Martin, Burkhard Becher, Christian Taube, Anne Müller, Helicobacter pylori infection prevents allergic asthma in mouse models through the in-duction of regulatory T-cells, Journal of Clinical Investigation, Vol. 121, Nr. 8, doi 10.1172/YCI45041

Kontakte:
Prof. Dr. Anne Müller, Universität Zürich, Institut für molekulare Krebsforschung
Tel. +41 44 635 34 74, E-Mail: mueller@imcr.uzh.ch

PD Dr. Christian Taube, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
E-Mail: christian.taube@unimedizin-mainz.de

Dr. Renée Dillinger-Reiter
Stabsstelle Kommunikation und Presse, Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. +49 6131 177424, E-Mail: pr@unimedizin-mainz.de

Die Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Zürich zählt 13 Institute und gehört zu den besten europäischen Zentren für naturwissenschaftliche Forschung und Lehre. In vielen Fachbereichen zählt sie zur Weltspitze und ist über ihre Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in bedeutende internationale Forschungsprojekte eingebunden.
http://www.mnf.uzh.ch

Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen sowie zwei Einrichtungen der medizinischen Zentralversorgung - die Apotheke und die Transfusionszentrale - gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet. http://www.unimedizin-mainz.de

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Klimaschutz in Kommunen - Ein Leitfaden für die Praxis

Sybille Wenke-Thiem
Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Urbanistik

Neue Difu-Veröffentlichung unterstützt Kommunen beim Klimaschutz

Worauf kommt es bei der Entwicklung eines kommunalen Klimaschutzkonzepts an? Wie können Klimaschutzaktivitäten initiiert und begleitet werden? Welche guten Beispiele können Orientierung bieten? Welche Handlungsmöglichkeiten zum Klimaschutz bieten sich innerhalb von Verwaltungen? Diesen und weiteren wichtigen Fragen rund um den kommunalen Klimaschutz widmet sich der neue vom Difu herausgegebene Praxisleitfaden „Klimaschutz in Kommunen".

Printexemplar: 14,40 Euro, als PDF kostenfrei,
http://www.difu.de/presse/2011-06-29/klimaschutz-in-kommunen-ein-leitfaden-fuer-...
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Berlin/Köln. Klimaschutz auf lokaler Ebene hat einen Bedeutungszuwachs erfahren: durch die aktuellen Entwicklungen und weltweit geführten Debatten über die Auswirkungen des Klimawandels, das 2007 beschlossene Energie- und Klimaprogramm der Bundesregierung und die erweiterten gesetzlichen Rahmenbedingungen für Maßnahmen des Klimaschutzes.

Die Umsetzung von Strategien, Programmen und Gesetzen stellt für Kommunen jedoch eine große Herausforderung dar. Ein aktueller Leitfaden soll Kommunen dabei wertvolle Unterstützung bieten.

Worauf kommt es bei der Entwicklung eines kommunalen Klimaschutzkonzepts an? Wie können Klimaschutzaktivitäten initiiert und begleitet werden? Welche guten Beispiele können Orientierung bieten? Welche Handlungsmöglichkeiten zum Klimaschutz bieten sich innerhalb von Verwaltungen? Diesen und weiteren wichtigen Fragen rund um den kommunalen Klimaschutz widmet sich der neue Praxisleitfaden „Klimaschutz in Kommunen".

Der Leitfaden wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) unter Federführung des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) in Kooperation mit dem Institut für Energie- und Umweltforschung (ifeu) und dem Klima-Bündnis erarbeitet. Der Leitfaden ist die vielfach nachgefragte, inhaltlich und strukturell grundlegend überarbeitete und um aktuelle Schwerpunkte und Handlungsfelder ergänzte Neufassung des bewährten 1997 herausgegebenen Handbuchs „Klimaschutz in Kommunen".

Der umfangreiche übersichtlich gestaltete Ordner kann gegen eine Schutzgebühr beim Difu in gedruckter Form bezogen oder auch kostenfrei von der Website www.leitfaden.kommunaler-klimaschutz.de heruntergeladen bzw. dort „nachgeschlagen" werden.

Bibliographische Angaben:
Hrsg. Deutsches Institut für Urbanistik in Kooperation mit Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH (ifeu) und Klima-Bündnis - Climate Alliance - Alianza del Clima e.V., Frankfurt/M.; Sonderveröffentlichung, 2011, 514 S., Loseblattsammlung im Ordner, farbig, zahlreiche Abbildungen, Tabellen und Praxis-Beispiele, innerhalb Deutschlands versandkostenfrei gegen Schutzgebühr, ISBN: 978-3-88118-496-0, Erhältlich im Buchhandel oder bei: Deutsches Institut für Urbanistik , Preis: 14.40€ (Schutzgebühr)

Ansprechpartnerin:
Dipl.-Ing. Cornelia Rösler,
Telefon: 0221/34 03 08 18, E-Mail: roesler@difu.de

Download der Publikation:
www.leitfaden.kommunaler-klimaschutz.de

Der Text ist selbstverständlich frei zum Abdruck - über ein Belegexemplar bzw. einen Beleglink an die Difu-Pressestelle würden wir uns sehr freuen!

Kurzinfo: Deutsches Institut für Urbanistik
Das Deutsche Institut für Urbanistik (Difu) ist als größtes Stadtforschungsinstitut im deutschsprachigen Raum die Forschungs-, Fortbildungs- und Informationseinrichtung für Städte, Kommunalverbände und Planungsgemeinschaften. Ob Stadt- und Regionalentwicklung, kommunale Wirtschaft, Städtebau, soziale Themen, Umwelt, Verkehr, Kultur, Recht, Verwaltungsthemen oder Kommunalfinanzen: Das 1973 gegründete unabhängige Berliner Institut - mit einem weiteren Standort in Köln (Bereich Umwelt) - bearbeitet ein umfangreiches Themenspektrum und beschäftigt sich auf wissenschaftlicher Ebene praxisnah mit allen Aufgaben, die Kommunen heute und in Zukunft zu bewältigen haben. Der Verein für Kommunalwissenschaften e.V. ist alleiniger Gesellschafter des in der Form einer gemeinnützigen GmbH geführten Forschungsinstituts.

Weitere Informationen:
http://www.leitfaden.kommunaler-klimaschutz.de Download der Publikation kostenfrei
http://www.difu.de
http://www.kommunaler-klimaschutz.de/ Servicestelle: Kommunaler Klimaschutz

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Wann wir Wut einfach überhören

Dr. Ute Schönfelder
Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Psychologen der Universität Jena veröffentlichen Studie zur Wahrnehmung von emotionalen Reizen
Eine gute Nachricht für alle Ehepaare: Wenn er mal wieder das Gesicht hinter der Zeitung verbirgt und sich in die Sportberichte vertieft, während sie sich mit ihm unterhalten möchte und er auch auf die dritte Frage von ihr - inzwischen in deutlich verärgertem Ton - noch immer nicht reagiert, dann ist das nicht etwa Desinteresse. „Der Mann kann die Frau in dieser Situation gar nicht hören", sagt PD Dr. Thomas Straube von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. „Die Konzentration auf eine visuelle Aufgabe blockiert in diesem Augenblick die Aufnahme und Verarbeitung der auditiven Reize", erläutert der Psychologe vom Lehrstuhl für Biologische und Klinische Psychologie. Zu diesem Ergebnis sind Straube und seine Kollegen in einer aktuellen Studie gekommen, die die Jenaer Psychologen in der heute erschienenen Ausgabe der Fachzeitschrift „Journal of Neuroscience" veröffentlichen (DOI:10.1523/JNEUROSCI.6665-10.2011).

„Bisher sind wir davon ausgegangen, dass soziale emotionale Reize - insbesondere Wut - vom Gehirn automatisch verarbeitet werden", sagt Martin Mothes-Lasch aus Straubes Team. Schließlich könnten sie ein Hinweis auf eine potenzielle Gefahrenquelle sein, so der Erstautor der Studie weiter. Gefahren zu erkennen, gehöre zu den überlebensnotwendigen Fähigkeiten eines jeden Organismus. Auch der Mensch ist mit dieser Fähigkeit ausgestattet. „Spricht jemand in hörbar wütendem Tonfall zu uns, wird unser Gehirn in Alarmbereitschaft versetzt", erläutert Doktorand Mothes-Lasch. Das funktioniere allerdings nur, wenn wir nicht von visuellen Informationen abgelenkt sind.

In der Studie haben die Jenaer Psychologen Versuchspersonen verschiedene Begriffe hören lassen, die entweder von einer wütenden oder einer neutralen Stimme gesprochen wurden. Gleichzeitig bekamen die Probanden auf einem Bildschirm zwei verschiedene Symbole angezeigt. Während sie so schnell wie möglich zu entscheiden hatten, ob sie eine männliche oder eine weibliche Stimme gehört haben und ob das gesehene Symbol ein Kreuz oder ein Kreis war, wurde die Gehirnaktivität der Versuchspersonen mittels Kernspintomographie aufgezeichnet.

„Es zeigte sich deutlich, dass eine wütende Stimme eine deutlich höhere Aktivierung der Gehirnregion zur Folge hat, die für die Verarbeitung emotionaler Reize zuständig ist", sagt Mothes-Lasch. „Und zwar unabhängig davon, ob diese Stimme männlich oder weiblich ist." Offenbar habe die Stimmfärbung eine wichtige Signalwirkung. Zur Überraschung der Psychologen bleibt aber die Aktivierung dieser Gehirnregion komplett aus, wenn sich die Probanden beim Hören der Stimme auf die visuelle Aufgabe konzentrieren müssen. „Das hatten wir anders erwartet", betont Dr. Straube. Offenbar, so schlussfolgert der Psychologe, stoße die automatische Verarbeitung emotionaler Reize ab einer bestimmten Menge zu verarbeitender Informationen an ihre Grenzen. „Ist diese Kapazitätsgrenze erreicht, haben die visuellen Reize Priorität."

Gestressten Paaren bleibt also nur der Tipp, abzuwarten - bis der Partner die Zeitungslektüre beendet hat und wieder „ganz Ohr" ist.

Original-Publikation:
Mothes-Lasch, M. et al. Visual Attentation Modulates Brain Activation to Angry Voices, The Journal of Neuroscience, June 29, 2011, 31(26): 9594-9598

Kontakt:
Martin Mothes-Lasch, PD Dr. Thomas Straube
Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Steiger 3 / Haus 1, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945145, 03641 / 945154
E-Mail: martin.mothes-lasch@uni-jena.de, straube@biopsy.uni-jena.de

Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Kicken bis der Arzt kommt

Irina Urig
Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

Saar-Uni-Professor Tim Meyer koordiniert bei der Fifa-Fußball-WM der Frauen in Deutschland die medizinische Versorgung
Ab dem kommenden Sonntag rollt der Ball: Am 26. Juni beginnt die Fifa-Fußball-WM der Frauen in Deutschland. Insgesamt 16 Mannschaften aus der ganzen Welt kämpfen um den Titel. Schon im Vorfeld der WM war der Saarbrücker Professor Tim Meyer im Einsatz. Der Sportmediziner, der auch Arzt der deutschen Fußballnationalmannschaft der Männer ist, hat als General Medical Officer (GMO) ein Netzwerk von Ärzten organisiert, die sich an den jeweiligen Austragungsorten um die Gesundheit der Spielerinnen kümmern.

„Wenn alles gut läuft, werde ich während der WM selbst kaum gebraucht", sagt Professor Tim Meyer. Der Ärztliche Direktor des Saarbrücker Instituts für Sport- und Präventivmedizin wurde bereits im Vorfeld der WM als General Medical Officer ernannt. Zusammen mit Bernd Lasarzewski, dem Arzt der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft, rekrutierte er an allen Spielorten der WM wie beispielsweise in Berlin, Dresden, Bochum oder Augsburg so genannte Venue Medical Officers (VMO). „Wir haben uns überlegt, welche Ärzte wir vor Ort aus dem Frauen- oder Männer-Fußball kennen und die Kandidaten angerufen. Einige der VMOs waren schon bei der Fußball-WM der Männer 2006 im Einsatz. Ein erstes Treffen mit allen VMOs fand bereits im Januar 2010 statt. In weiteren Meetings haben wir mit allen Beteiligten die detaillierten Aufgaben besprochen", erklärt Tim Meyer.

Aufgabe der VMOs war es, im Vorfeld der WM ein Netzwerk von Ärzten an den verschiedenen Austragungsorten zu organisieren, die sich um eventuelle gesundheitliche Probleme der Spielerinnen kümmern. Vom Gynäkologen bis zum Zahnarzt ist dabei das ganze Spektrum abgedeckt, an manchen Spielorten sind sogar ganze Krankenhäuser für die medizinische Versorgung der Fußballerinnen zuständig. Die Mannschaftsärzte vor Ort können sich bei Verletzungen oder Krankheiten der Spielerinnen an die VMOs wenden, diese vermitteln die Fußballerinnen an die Ärzte, die sie dann behandeln. Haben die VMOs selbst Fragen, können sie sich mit Tim Meyer besprechen, der während der WM 24 Stunden Rufbereitschaft hat.

„Insgesamt garantieren wir die gleiche Qualität der medizinischen Betreuung wie bereits bei der Fußball-WM der Männer 2006 in Deutschland. Der einzige Unterschied ist, dass wir auch Gynäkologen organisiert haben. Außerdem haben Fußballerinnen im Vergleich zu den Männern ein etwas anderes Verletzungsspektrum", erläutert Tim Meyer die Unterschiede. Für die Untersuchungen halten die Ärzte an den Spielorten medizinische Geräte wie etwa Röntgenapparate, Kernspintomographen oder CT-Geräte bereit. Auch Laborwerte können jederzeit erhoben werden. So ermitteln die Ärzte im Zweifelsfall, ob eine Fußballerin spielfähig ist. Häufig werden während einer WM Zahnbehandlungen benötigt oder es kommt zu Infektionen, beispielsweise im Magen-Darm-Bereich. Tim Meyer hofft, dass die EHEC-Problematik während der WM weiter zurückgegangen sein wird. „Der Austragungsort Deutschland ist für eine Weltmeisterschaft aus sportmedizinischer Sicht sehr günstig: Das Klima ist nicht kritisch, es gibt in der Regel keine übermäßige Luftfeuchtigkeit und die hygienischen Bedingungen sind sehr gut", sagt der Sportmediziner.

Während der WM hat Tim Meyer seine Basis in Saarbrücken. Zu einigen Spielen fährt er auch persönlich. Auf jeden Fall wird er beim Eröffnungsspiel der deutschen Frauen gegen Kanada im Berliner Olympiastadion und beim Finale am 17. Juli dabei sein. Die Leistung der deutschen Fußballfrauen schätzt der General Medical Officer als gut ein: „Es wäre eine echte Überraschung, wenn das deutsche Team nicht ins Finale einziehen würde. Die deutschen Fußballerinnen sind meine Favoritinnen für den WM-Titel."

Kontakt:
Prof. Dr. med. Tim Meyer
Tel.: 0681/302-70400
E-Mail: tim.meyer@mx.uni-saarland.de
Weitere Informationen:
http://www.sportmedizin-saarbruecken.de

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ACHEMA 2012: Bereit für die Energiewende

Dr. Kathrin Rübberdt
Öffentlichkeitsarbeit
DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.

„ Innovative Energieträger und -speicher" sind Thema der ACHEMA-Sonderschau.
Erneuerbare Energien und mobile Applikationen sind angewiesen auf neue Speichertechnologien. Die ACHEMA-Sonderschau 2012 stellt die neuesten Technologien und Konzepte vor. Die Kombination mit dem wissenschaftlichen Kongress und die enge Verknüpfung zur gesamten Bandbreite der Verfahrenstechnik bieten ein einmaliges Umfeld zur Diskussion integrierter und innovativer Lösungen.

Nicht nur Deutschland befindet sich mitten in der Energiewende - viele andere Länder haben sich den Ausbau der erneuerbaren Energien auf die Fahnen geschrieben. So zählt Indien nach Angaben des BMU zu den weltweit größten Wachstumsmärkten für erneuerbare Energien weltweit, und auch China setzt auf regenerative Energieerzeugung. Voraussetzung dafür sind jedoch neue und effiziente Technologien zur Energiespeicherung. Gleichzeitig stellen Applikationen vom Smartphone bis zum Elektromobil neue Anforderungen an die Batterietechnik. Die weltweiten Märkte hungern nach entsprechenden Lösungen, und angesichts der drängenden Nachfrage in Verbindung mit verstärkten Fördermaßnahmen ist ein immenser Innovationsschub zu erwarten.
Die Sonderschau im Rahmen der ACHEMA 2012 vom 18.-22. Juni in Frankfurt stellt die neuesten Entwicklungen für Energiespeicherung und -transport vor. Chemische Energiespeicher, Brennstoffzellen, Fotovoltaik und solarchemische Prozesse werden ebenso abgedeckt wie Konzepte für die E-Mobilität, innovative Batterietechnik und die Nutzung von Wasserstoff als Energieträger. Diese Themen stehen im Kontext der ACHEMA, die die chemische Prozessindustrie und die Biotechnologie in ihrer gesamten Breite abbildet. So bietet sich die Möglichkeit zur Entwicklung integrierter Konzepte und zur Diskussion möglicher Synergien.
Auch Energieeinsparungen sind wesentlicher Bestandteil der Energiekonzepte. Fragen der Prozessintensivierung und der Energieeffizienz werden in Anlagenbau und Verfahrenstechnik intensiv diskutiert und sind ebenfalls ein Schwerpunktthema der ACHEMA 2012.
Das Kongressprogramm greift die Themen der Sonderschau in Vortragssträngen zu Prozessintensivierung, Energieeffizienz und Werkstoffen für die Energiewirtschaft auf. Podiumsdiskussionen und Plenarvorträge runden das Programm rund um die ACHEMA-Sonderschau „Innovative Energieträger und -speicher" ab.

ACHEMA - Internationaler Ausstellungskongress für Chemische Technik, Umweltschutz und Biotechno-logie findet seit 1920 im Dreijahres-Rhythmus in Frankfurt am Main statt. Etwa 4.000 Aussteller und 180.000 Besucher aus aller Welt nutzen diese internationale Leitveranstaltung für die Ausrüster der Chemischen Industrie und aller Branchen der stoffumwandelnden Industrie zum Erfahrungsaustausch und zur Knüpfung neue Kontakte.

Weitere Informationen:
http://www.achema.de/downloads/pdf/Flyer%20Special%20Show.pdf - Alle Informationen zur Sonderschau

http://www.achema.de - Die gesamte ACHEMA 2012 in der Übersicht

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Multitalent für die Energieversorgung der Zukunft

Petra Schmidt-Bentum
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fachhochschule Köln

Fachhochschule Köln untersucht im Praxistest die
Einsatzmöglichkeiten eines effizienten Minikraftwerks

Ein privates Kraftwerk im Keller des Eigenheims? Mit einer modernen Brennstoffzelle könnte künftig jeder Hausbesitzer zum Energieerzeuger werden. Die sogenannten Mikro-Blockheizkraftwerke wandeln Erdgas vor Ort sauber und umweltschonend in Strom und Wärme um. Da sie außerdem nicht größer als eine Waschmaschine sind und nahezu geräuschlos arbeiten, verheißen Energieexperten den kleinen Kellerkraftwerken eine große Zukunft.

Im Labor für Heizungstechnik des Institutes für Technische Gebäudeausstattung der Fachhochschule Köln steht diese Zukunft derzeit auf dem wissenschaftlichen Prüfstand. In einem auf zwei Jahre angelegten Forschungsvorhaben untersuchen Prof. Dr.-Ing. Klaus Sommer und sein Team die Praxistauglichkeit einer Brennstoffzelle unter Realbedingungen. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die »BlueGEN«-Brennstoffzelle des australisch-deutschen Herstellers Ceramic Fuel Cells GmbH mit Sitz in Heinsberg bei Aachen.

Das Mikro-Blockheizkraftwerk nutzt Erdgas als Brennstoff und wandelt diesen elektrochemisch in Strom und Wärme um. Besonderheit der BlueGen-Anlage ist dabei der besonders hohe elektrische Wirkungsgrad von bis zu 60 Prozent. Der Strom kann im Gebäude genutzt oder in das öffentliche Netz eingespeist werden. Die bei der Stromerzeugung entstehende Abwärme dient als Zusatzheizung für Wohnräume und Warmwasserbereitung. Durch die doppelte Nutzung des Brennstoffs kommt das Gerät auf einen hohen Gesamtwirkungsgrad von über 80 Prozent und spart aktiv CO2 ein: Im Vergleich zur herkömmlichen, getrennten Strom- und Wärmeerzeugung senkt BlueGen den CO2-Ausstoß um bis zu 50 Prozent. Ein weiterer Vorteil: Durch die Energieerzeugung vor Ort entstehen keine Transportverluste. Die BlueGEN-Anlage kann maximal zwei Kilowatt Strom und ein Kilowatt Wärme erzeugen.

Der Fokus des vom KlimaKreis Köln geförderten Forschungsprojekts liegt auf der bestmöglichen Integration dieser Mikro-KWK-Anlage in die gebäudetechnische Infrastruktur von Einfamilienhäusern. »Wir wollen ermitteln, wie sich die neue Technik am besten in die Heizungs- und Energieversorgungssysteme integrieren lässt«, erklärt Projektleiter Prof. Dr.-Ing. Klaus Sommer vom Institut für Technische Gebäudesausrüstung der Fachhochschule Köln. Dazu haben die Forscher in ihrem Labor reale heizungstechnische Installationen etabliert, die den Energieverbrauch eines Einfamilienhauses simulieren. Das Projekt ist auch Gegenstand von Master- und Bachelorarbeiten im Studiengang Energie- und Gebäudetechnik mit den Schwerpunkten Technische Gebäudeausrüstung, Elektrische Gebäudesystemtechnik und Green Building Engineering. Geplant sind auch kooperative Doktorarbeiten mit Universitäten im In- und Ausland. »Die Fachhochschule Köln hat ihre Forschungen in zehn Clustern gebündelt. Das Brennstoffzellen-Projekt passt hervorragend zum Forschungscluster »Wasser - Energie - Umwelt« betont Prof. Dr. Klaus Becker, Vize-Präsident für Forschung und Wissenstransfer der Fachhochschule Köln.

»Die dezentrale Erzeugung von Strom und Wärme in kleinen Anlagen spielt in den Konzepten für die Energieversorgung in der Zukunft eine wichtige Rolle. Dabei setzt man auf die Brennstoffzellen große Hoffnungen, die hier in der Fachhochschule Köln mit Fakten belegt werden. Wir freuen uns, dass der KlimaKreis Köln und die RheinEnergie mit diesem Projekt dazu beitragen kann, die Praxistauglichkeit dieser Zukunftstechnologie wissenschaftlich zu untersuchen«, sagte Dr. Matthias Dienhart, Geschäftsführer des KlimaKreises Köln und Leiter der Abteilung energiewirtschaftliche Grundsatzfragen bei der RheinEnergie.

Die Fachhochschule Köln ist die größte Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Deutschland. 17500 Studierende werden von rund 420 Professorinnen und Professoren unterrichtet. Das Angebot der elf Fakultäten und des Instituts für Tropentechnologie umfasst rund 70 Studiengänge, jeweils etwa die Hälfte in Ingenieurwissenschaften bzw. Geistes- und Gesellschaftswissenschaften: von Architektur über Elektrotechnik und Maschinenbau, Design, Restaurierung, Informationswissenschaft, Sprachen und Soziale Arbeit bis hin zu Wirtschaftsrecht und Medieninformatik. Neu hinzugekommen sind im Herbst 2009 die Angewandten Naturwissenschaften. Zur Hochschule gehört neben Standorten in Köln-Deutz und in der Kölner Südstadt auch der Campus Gummersbach; im Aufbau ist der Campus Leverkusen. Die Fachhochschule Köln ist Vollmitglied in der Vereinigung Europäischer Universitäten (EUA), sie gehört dem Fachhochschulverbund UAS 7 und der Innovationsallianz der nordrhein-westfälischen Hochschulen an. Die Hochschule ist zudem eine nach den europäischen Öko-Management-Richtlinien EMAS und ISO 14001 geprüfte und zertifizierte umweltorientierte Einrichtung.

Der KlimaKreis Köln ist ein Zusammenschluss der wichtigsten Kompetenz- und Verantwortungsträger aus dem Raum Köln in Sachen Klimaschutz. Das im Januar 2009 von der RheinEnergie AG gegründete Gremium tritt an, innovative und beispielgebende Modell- und Demonstrationsprojekte rund um den Klimaschutz zu fördern, um deren Realisierung in der Region zu ermöglichen. Über die konkrete Förderarbeit hinaus wird der KlimaKreis Köln seine Verantwortung als regionale Plattform rund um das Thema Klimaschutz in Köln wahrnehmen. Ziel ist es, konkrete Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen, um mit allen gesellschaftlichen Gruppen sowie den Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam weitere Initiativen anzustoßen und in einen aktiven Austausch einzutreten.
www.klimakreis-koeln.de

www.fh-koeln.de
www.fh-koeln.de/40jahre
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Weitere Informationen:
http://www.f09.fh-koeln.de/institute/tga/

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„Bleiben meine Kinder gesund?" - Neues zu familiärem Risiko bei Typ 1 Diabetes

Cordula Falk
Pressestelle
Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München

Die Vorhersagbarkeit von Typ 1 Diabetes bei Kindern und Jugendlichen wird mittels genetischer und immunologischer Verfahren zunehmend besser. Insbesondere Kinder mit familiärem Risiko für Typ 1 Diabetes profitieren von solchen Untersuchungen.
Inzwischen ist es kein Geheimnis mehr: Typ 1 Diabetes gehört in Deutschland zu der häufigsten Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen. Dem Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2011 zu folge leben derzeit etwa 15.000 (bis 14 Jahre) von ihnen in Deutschland. Jährlich kommen zwischen 2.100 und 2.300 Neuerkrankungen hinzu. Auch sind die betroffenen Kinder zum Zeitpunkt des Ausbruchs immer jünger. Man erwartet, dass sich die Zahl der Neuerkrankungen bis zum Jahre 2020 bei den unter 5-jährigen sogar noch verdoppelt.

Univ.-Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler, Leiterin der Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München, widmet sich bereits seit 25 Jahren der Erforschung von Typ 1 Diabetes, der Ursachen und einer möglichen Prävention des Krankheitsaus-bruchs. „Es geht aber auch darum, eine mögliche Krankheitsent-wicklung rechtzeitig zu erkennen oder sogar vorherzusagen.", so Professor Ziegler. Um einordnen zu können, ob jemand eines Tages an Typ 1 Diabetes erkrankt, messen die Wissenschaftler im Rahmen mehrerer klinischer Studien Biomarker und Genotypen, die eine Abschätzung des Erkrankungsrisikos messbar machen.

Die bisher zuverlässigste genetische Risikoabschätzung konnte bislang anhand von HLA-Genotypen (Humane Leukocytes Antigene) gemacht werden. Diese Genotypen lassen sich häufig bei Kindern nachweisen, die ein familiäres Risiko für die Entwicklung von Typ 1 Diabetes besitzen. Dabei steigt das Risiko mit der Anzahl der erkrankten Familienmitglieder ersten Grades. Aber auch bei Kindern ohne familiäre Vorbelastung (gesunde Eltern und Geschwisterkinder), die einen Hochrisiko-HLA-Typen aufweisen, liegt das Erkrankungsrisiko für Typ 1 Diabetes bei 5%. Stammt das Kind aber aus einer Familie, in der Vater, Mutter oder Geschwisterkind bereits an Typ 1 Diabetes erkrankt sind und weist gleichzeitig HLA-Risikogene auf, so steigt das Erkrankungsrisiko bereits auf 10 bis 20%. Sind mehrere Mitglieder der Familie erkrankt und HLA-Risikogene können beim betroffenen Kind
nachgewiesen werden, liegt die Wahrscheinlichkeit an Typ 1 Diabetes zu erkranken sogar bei 50%.

Das Wissen um die genetischen Einflüsse auf die Entwicklung der Erkrankung schafft aber auch Sicherheit: „Je eher wir eine Krankheitsentwicklung absehen können, desto früher besteht die Möglichkeit im Einzelfall darauf Einfluss zu nehmen.", erklärt Professor Ziegler und bezieht sich dabei auf die internationale Studie „Pre-POINT", die durch eine Art Impfung die Entwicklung von Typ 1 Diabetes verhindern soll. Die Studie richtet sich an Kinder zwischen 18 Monaten und 7 Jahren, in deren Verwandtschaft ersten Grades ein Geschwisterkind oder zwei enge Verwandte bereits erkrankt sind und die damit ein sehr hohes Risiko in sich tragen ebenfalls zu erkranken. „Die Kinder erhalten täglich Insulin in Form von Pulver oral verabreicht. Vorläuferstudien aus den USA haben bereits gezeigt, dass durch die tägliche Insulingabe das Immunsystem günstig beeinflusst werden kann. Demzufolge könnte die Entwicklung von Inselautoantikörpern, welche Vorboten des Typ 1 Diabetes sind, verhindert werden.", erläutert Professor Ziegler.

Die Pre-POINT-Studie nimmt noch weitere Teilnehmer auf. Interessierte Familien können sich bei folgenden Stellen informieren:

Forschergruppe Diabetes der Technischen Universität München
Leiterin: Univ.-Prof. Dr. med. Anette-Gabriele Ziegler
Lehrstuhl Diabetes und Gestationsdiabetes
Kölner Platz 1, 80804 München,
kostenlose Tel. 0800 8284868, E-Mail: prevent.diabetes@lrz.uni-muenchen.de

oder beim

DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien Dresden
der Technischen Universität Dresden
Prof. Dr. Ezio Bonifacio
Tatzberg 47/49, 01307 Dresden,
Tel. 0351 458 3772, E-Mail: prevent.diabetes@crt-dresden.de

Quellen:
Ziegler AG, Nepom GT. Prediciton and Pathogenesis in Type 1 Diabetes. Immunity 32, April 23, 2010
Deutscher Gesundheitsbericht 2011, diabetesDE, www.diabetesde.org

Weitere Informationen:
http://www.diabetes-point.org
http://www.helmholtz-muenchen.de/idf1

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Wasserprojekt der Uni Witten/Herdecke als "Success Story" vor dem Europäischen Parlament

Kay Gropp
Pressestelle
Universität Witten/Herdecke

Kläranlagen am Dümmer See profitieren von Beratung durch Umweltinstitut / Aus 215 Projekten zur Vorstellung herausgehoben worden
Das Generaldirektorat "Umwelt" der Europäischen Kommission hat am 25. und 26. Mai 2011 im Europäischen Parlament Brüssel die Ergebnisse und Perspektiven des Förderprogrammes LIFE UMWELT vorgestellt. Eines der 215 geförderten Projekte kommt aus der Universität Witten/Herdecke und es wurde im Rahmen dieser Präsentation als Erfolgsgeschichte (Success Story) vor dem Parlament aus dem Bereich Wasserwirtschaft besonders hervorgehoben: Der Wasserverband Wittlage in Bad Essen hat mit innovativer Technologie und elektronischer Fernwirktechnik zwei Kläranlagen so verknüpft, dass die Abwasserbelastung erheblich reduziert werden konnte. Außerdem senkte der Umbau die Investitions- und Betriebskosten. Das Einzugsgebiet ist der international bekannte Dümmer See, ein von der EU registriertes Naturschutzgebiet von hoher ökologischer Bedeutung.

Das von Professor Rudolph vom Umweltinstitut an der Universität Witten/Herdecke entwickelte und betreute Projekt, berichtet über die Planungs-, Bau- und Betriebsphase dieses, mit 12,5 Mio. € vergleichsweise großen, EU Life-Vorhabens: „Es war nicht einfach, zwei Städte dazu zu bewegen, ihre Klärwerke zusammenzulegen. Am Ende haben beide davon profitiert, weil mit weniger Geld mehr an Schadstoffen aus dem Abwasser entfernt werden. Dadurch konnten beide Städte ihre Entsorgungsgebühren stabilisieren und sind so wettbewerbsfähiger. Ein schönes Beispiel für die so oft gescholtene ‚Europäische Politik'"

Kommunalvertreter aus England, Irland und Spanien interessierten sich dann auch für die Ergebnisse aus diesem und anderen erfolgreichen EU-LIFE-Projekten. „Wir wollen, dass das Know-How aus den Projekten nun in ganz Europa genutzt werden kann. Auch andere europäische Kommunen könnten dem Beispiel folgen, und es gibt auch beim deutschen Forschungsministerium im Verbundprogramm IWRM gute Vergleichsprojekte dafür", rät Rudolph deutschen Interessenten. Auch gehört ist das Wittener Umweltinstitut mit Forschungsaktivitäten in Südafrika, Vietnam und im Iran zu den erfolgreichsten Wissenschaftsvertretern international.

Weitere Informationen bei Dipl.-Ökonom Daniel Gregarek, 02302 91 40 1-0
mail@uni-wh-utm.de

Weitere Informationen:
http://uni-wh-utm.de/

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Sportmediziner: "Alkoholfreies Weißbier fördert die Gesundheit von Sportlern"

Tanja Schmidhofer
Pressestelle
Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München

Weltweit größte Marathonstudie „Be-MaGIC" belegt positive Effekte auf Immunsystem und Entzündungen

Viele Freizeitsportler haben es längst vermutet, was Forscher des Lehrstuhls für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin der TU München am Klinikums rechts der Isar nun herausgefunden haben: In der weltweit größten Marathonstudie „Be-MaGIC" (Beer, Marathon, Genetics, Inflammation and the Cardiovascular system) konnten sie belegen, dass der Konsum von alkoholfreiem Weißbier positive Auswirkungen auf die Gesundheit von Sportlern hat. Unter Leitung von Dr. Johannes Scherr untersuchten die Sportmediziner 277 Probanden drei Wochen vor und zwei Wochen nach dem München Marathon 2009.
Im Zentrum der Studie standen gesundheitliche Risiken eines Marathons für die Läufer sowie mögliche positive Auswirkungen von Polyphenolen. Die aromatischen Verbindungen kommen in Pflanzen als Farbstoffe, Geschmackstoffe oder Tannine vor. Vielen dieser Stoffe wird eine gesundheitsfördernde und krebsvorbeugende Wirkung zugeschrieben. Neu an der Marathonstudie war, dass die Kombination aus verschiedenen Polyphenolen an einer großen Zahl von Studienteilnehmern untersucht wurde. Den wissenschaftlichen Anforderungen wurde das Forscherteam mit einer randomisierten, doppelt verblindeten und Placebo-kontrollierten Studie gerecht.

Als Testgetränk wurde Erdinger Alkoholfrei ausgewählt, da es zahlreiche Polyphenole enthält und bei Marathonläufern und Triathleten beliebt ist. Eine Gruppe trank ein bis 1,5 Liter des Testgetränks am Tag, die andere Gruppe erhielt die gleiche Dosierung eines Placebo-Getränks, das sich vom Testgetränk nur durch die fehlenden Polyphenole unterschied.

Ein Ergebnis der Studie ist, dass nach einem Marathonlauf bei den Sportlern verstärkte Entzündungsreaktionen auftreten, das Immunsystem aus dem Gleichgewicht gerät und die Läufer vermehrt an Infekten der oberen Atemwege leiden. Diese Anfälligkeit gegenüber Krankheitserregern nach sportlichen Belastungen wird auch als „Open-Window" bezeichnet. Weiterhin zeigte sich, dass das Polyphenol-haltige alkoholfreie Weißbier gesundheitsfördernd auf den Organismus wirkt: Die Entzündungsparameter im Blut waren signifikant niedriger, gleichzeitig traten Infekte seltener oder mit geringeren Symptomen auf.

Reduzierte Entzündungsreaktion: Dr. Scherr, der auch die deutsche Skinationalmannschaft medizinisch betreut, erklärt: „Die Untersuchung der Leukozyten, der weißen Blutkörperchen, die einen der wichtigsten Parameter für Entzündungen darstellen, ergab bei der Testgruppe um 20 Prozent niedrigere Werte als bei der Placebogruppe."

Unterstützung für das Immunsystem: Die im Testgetränk enthaltenen Stoffe wirkten ausgleichend auf das Immunsystem. Dr. Scherr: "Wir konnten belegen, dass ein durch körperlichen Stress geschwächtes Immunsystem gestärkt wird und ein überschießendes gebremst wird."

Vorbeugend gegen Erkältungen: Die Läufer, die das alkoholfreie Weißbier tranken, waren um den Faktor 3 weniger anfällig für Infekte als die Placebogruppe. Dr. Scherr: „Wenn Sie das alkoholfreie Testgetränk trinken, ist Ihr Risiko auf ein Drittel reduziert, dass Sie eine Erkältung bekommen."

Besserung bei Infekten der oberen Atemwege: Bei den Testpersonen, die eine Erkältung durchmachten, fiel diese milder oder kürzer aus als bei der Kontrollgruppe. Dr. Scherr: „Es zeigte sich eine Number Needed to Treat (NNT) von 8. Das bedeutet, dass acht Personen das Testgetränk erhalten müssen, um eine Erkrankung zu verhindern."

Zusammenfassend erklärt Dr. Scherr: „Dass Polyphenol-haltige Lebensmittel positive Auswirkungen auf die Gesundheit von Sportlern haben könnten, wurde bereits in mehreren Aufsätzen angedeutet. Dennoch waren wir teilweise selbst überrascht, wie deutlich das Ergebnis ausfiel. Für das untersuchte Getränk mit seiner speziellen Mixtur von Polyphenolen, Vitaminen und Mineralstoffen haben wir nun die Annahmen wissenschaftlich bestätigt."

Die Studie wurde beim weltweit größten Kongress für Sportmedizin in Denver, USA, vor rund 5.000 Wissenschaftlern, Ärzten und Trainern vorgestellt, der vom American College of Sports (ACSM) veranstaltet wird. Die Studie wird im Januar in der Fachzeitschrift Medicine & Science in Sports & Exercise (MSSE) in gedruckter Form veröffentlicht.

Peter Liebert, Geschäftsführer Technik, Einkauf, Personal und Logistik bei Erdinger Weißbräu, freut sich über die Studienergebnisse: „Zusammengefasst bestätigt die Be-MaGIC Studie die Vorteile für die Sportler und belegt neue, gesundheitsfördernde Effekte. Erdinger Alkoholfrei ist somit mehr als ein isotonischer Durstlöscher."

Unter www.bemagic-studie.de erhalten Sie weitere Details zur Studie.

Weitere Informationen:
http://www.bemagic-studie.de

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Warum Männer besser zuhören: Neue Erkenntnisse aus der Aufmerksamkeitsforschung

Dr. Ellen Katz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Tübingen

Trifft es tatsächlich zu, dass Frauen besser (zu)hören können? Diese Frage wurde von Wissenschaftlern der Neurologischen Klinik und Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung (HIH) am Universitätsklinikum Tübingen am Beispiel des bekannten „Cocktailpartyphänomens" untersucht.
Auf einer Party sind zahlreiche Stimmen aus unterschiedlichen Richtungen gleichzeitig zu hören. Konzentrieren möchten wir uns in einer Gesprächssituation aber nur auf eine Stimme, nämlich die unseres Gegenübers. Hierzu müssen wir uns auf genau diese eine Stimme konzentrieren und gleichzeitig alle anderen Stimmen und Geräuschquellen unterdrücken. Dies stellt eine hohe Anforderung an unser Aufmerksamkeitssystem und tatsächlich ist es so, dass diese Leistung bei Männern besser als bei Frauen ausgeprägt ist. Möglicherweise liegt der Grund dafür in unterschiedlichen evolutionären Anforderungen an die beiden Geschlechter. (Cortex, Juni 2011)

Mithilfe unterschiedlich platzierter Lautsprecher, aus denen verschiedene Alltagsgeräusche ertönten, untersuchten Ida Zündorf und Prof. Dr. Dr. Hans-Otto Karnath von der Neurologischen Universitätsklinik und dem Hertie-Institut für klinische Hirnforschung in Zusammenarbeit mit Privatdozent Dr. Jörg Lewald vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung der TU Dortmund, ob ein Geschlechterunterschied bezüglich der räumlichen Aufmerksamkeitsleistung beim Hören besteht - sprich ob Männer oder Frauen besser ein bestimmtes Geräusch aus mehreren, unterschiedlich lokalisierten Schallquellen „heraushören" können.

Tatsächlich fand sich ein Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern. „Männer können die Schallquelle viel genauer ermitteln als Frauen", so Zündorf. Einerseits überraschend, da doch Frauen diejenigen sind, die angeblich „mehrere Dinge gleichzeitig tun können". Die mögliche Ursache dafür sehen Zündorf und Karnath in der menschlichen Evolution: „Männer waren diejenigen, die jagen, um Nahrung zu besorgen. Dabei waren räumliche Aufmerksamkeitsleistungen extrem wichtig. Sowohl im visuellen als auch im auditorischen Bereich. Beispielsweise konnten Beutetiere durch Geräusche lokalisiert werden, lange bevor sie zu sehen waren. Auch wenn in der heutigen Zeit derartige Funktionen für den Alltag nicht mehr von Nöten sind, so hinterließen sie doch Spuren in der Organisation unseres Gehirns und dementsprechend in unserem Verhalten.

Originaltitel der Publikation
Male advantage in sound localization at cocktail parties
Autoren: Ida Zündorf, Hans-Otto Karnath, Jörg Lewald
Cortex 47 (2011): 741-749
DOI: 10.1016/j.cortex.2010.08.002

Kontakte:
Universitätsklinikum Tübingen, Sektion Neuropsychologie,
Zentrum für Neurologie
Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)
Ida Zuendorf und Prof. Dr. Dr. Hans-Otto Karnath
Tel. 0 70 71/29-8 04 76 (Sekretariat), Fax: 0 70 71/29-59 57
ida.zuendorf@medizin.uni-tuebingen.de

Universitätsklinikum Tübingen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Ellen Katz
Telefon: 07071-2980112
ellen.katz@med.uni-tuebingen.de

Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)
Externe Pressestelle:
Kirstin Ahrens
Tel. 07073-500 724, Mobil: 0173 - 300 53 96
mail@kirstin-ahrens.de

Weitere Informationen:
http://www.hih-tuebingen.de Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH)
http://www.medizin.uni-tuebingen.de/ Universitätsklinikum Tübingen

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Nach Chemieunfällen sicher entscheiden

Monika Landgraf
Presse, Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

Türen und Fenster geschlossen halten oder die Anwohner evakuieren? Nach Chemieunfällen, wie im Fall des Mitte Mai in Müllheim entgleisten Güterzugs, müssen die Einsatzkräfte häufig schwerwiegende Entscheidungen treffen. Um dies zu erleichtern, hat das Institut für Industriebetriebslehre und Industrielle Produktion (IIP) des KIT mit Partnern aus ganz Europa das Informations- und Kommunikationssystem DIADEM entwickelt. Die Entwickler haben DIADEM nun bei einem Workshop in Kopenhagen vorgestellt - und gemeinsam mit Anwendern getestet.
„Bei einem Chemieunfall geht es darum, Informationen zu sammeln - etwa: Gibt es eine Gaswolke und wohin zieht sie?", sagt Tina Comes vom IIP. Davon hängt unter anderem die Entscheidung ab, ob die Anwohner evakuiert werden müssen. Hierzu kann DIADEM beispielsweise Informationen von Sensoren zur Gaserkennung und -beobachtung sowie aus entsprechenden Ausbreitungsmodellen einbeziehen. Um die Information über die Gaswolke und ihre Ausbreitung zu verbessern, kann diese Komponente von DIADEM SMS an die Anwohner versenden, um bei ihnen Informationen einzuholen. Bei strategischen Entscheidungen, so Comes, sei es auch notwendig sich detailliert mit den Risiken verschiedener Maßnahmen für alle Beteiligten auseinander zu setzen: „In der Praxis fehlen häufig präzise, sichere Informationen zu den möglichen Auswirkungen der Maßnahmen. Um dennoch belastbare Entscheidungen treffen zu können, sind Methoden der Entscheidungsunterstützung notwendig, die diese Unsicherheiten berücksichtigen." Gemeinsam mit Wissenschafts- und Industriepartnern aus den Niederlanden, Schweden, Dänemark, Belgien und Rumänien hat das Team um IIP-Leiter Professor Frank Schultmann DIADEM (Distributed Information Acquisition and Decision Making in Environmental Management) entwickelt: ein Informations- und Kommunikationssystem, das den Schutz von Bevölkerung und Umwelt nach Chemieunfällen unterstützt. Anwender können über einen Computer oder einen PDA (Personal Digital Assistant) auf das System zugreifen und Text, Sprache oder auch Karten eingeben oder abrufen. Die Europäische Union fördert das Projekt im siebten Forschungsrahmenprogramm.

Das IIP hat Werkzeuge entwickelt, die gemeinschaftliche Entscheidungen unterstützen. Auf den jeweiligen Fall zugeschnitte Szenarios bilden die Grundlage, auf der die Einsatzkräfte Maßnahmen diskutieren können. Ein Szenario ist dabei eine plausible Entwicklung der Situation. Um unsichere Informationen zu berücksichtigen, werden verschiedene Szenarien entwickelt. Zieht die Gaswolke beispielsweise über ein dicht bevölkertes Gebiet? Um verschiedene mögliche Handlungsalternativen vergleichen zu können, setzen die Wissenschaftler zusätzlich auf die Mehrzielentscheidungsunterstützung: Das ist eine Methode, die eine Reihe unterschiedlicher Gesichtspunkte einbezieht: von der möglichen Gesundheitsgefährdung über den Aufwand einer Evakuierung bis zu den wirtschaftlichen Folgen. Die entwickelten Methoden erlauben es, die Prioritäten aller beteiligten Akteure einzubeziehen und so zu einem Konsens zwischen verschiedenen Interessengruppen zu gelangen. So werden beispielsweise wirtschaftliche Interessen hinter das Wohl der Bevölkerung zurückgestellt. „Mit der Kombination dieser beiden Methoden vermeiden wir die Konzentration auf einzelne, möglicherweise besonders beeindruckende oder einleuchtende Szenarien, und die Nutzer können eine ausgewogene Entscheidung treffen", sagt Tina Comes.

Vertreter von Behörden, Polizei und Feuerwehr haben DIADEM nun bei einem Workshop in Kopenhagen getestet. Der Anwendungsfall: Ein Gefahrguttransport entgleist, Chlor tritt aus. Im Praxistest mussten die Einsatzkräfte den Schutz der Bevölkerung sicherstellen, das Leck im Waggon abdichten, das zurückgebliebene Chlor abtransportieren und den Zugverkehr wieder herstellen. „Wir wollten zum einen das Zusammenspiel zwischen den Beteiligten - vom Meteorologen bis hin zu jenen, die die Entscheidung übernehmen und verantworten müssen - ausprobieren", so Comes. „Zum anderen wollten wir das Feedback der künftigen Anwender einholen: Ist die Nutzeroberfläche bedienerfreundlich? Sind die Visualisierungen verständlich?" Die Workshopteilnehmer schätzten laut Tina Comes vor allem das Training und die Entscheidungshilfe insbesondere bei seltenen Ereignissen.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung - Lehre - Innovation.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: www.kit.edu

Weiterer Kontakt:
Margarete Lehné
Presse, Kommunikation und
Marketing
Tel.: +49 721 608-48121
Fax: +49 721 608-43658
E-Mail: margarete.lehne@kit.edu

Anhang
http://idw-online.de/de/attachment9598

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Kaltes Plasma beseitigt Ehec-Bakterien

Barbara Abrell
Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

In ersten Experimenten reduzieren Prototypen alltagstauglicher Geräte die Zahl der gefährlichen Erreger drastisch.
Die nächste Welle von Infektionen mit Ehec-Bakterien lässt sich möglicherweise verhindern. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik in Garching und des Münchener Klinikums Schwabing haben verschiedene Ehec-Bakterienstämme wirkungsvoll mit kaltem Plasma abgetötet. Kaltes Plasma besteht aus einem Gas, das bei moderater Temperatur stark ionisiert wird. Es erwies sich nun auch als wirkungsvolles Mittel gegen die Erreger des Stamms O104:H4, der den aktuellen Ausbruch mit tausenden schweren Krankheitsverläufen ausgelöst hat. Für ihre Experimente benutzten die Forscher Prototypen von Geräten, die sich für den kostengünstigen Einsatz in Lebensmittelbetrieben und in privaten Haushalten eignen könnten.

Mehr als 100 Kulturen der Ehec-Bakterien reduzierten die Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik und des Städtischen Klinikums Schwabing mit kaltem Plasma drastisch. Bei allen Bakterien handelte es sich um Shiga-Toxin produzierende E. coli Bakterien des Serotyps O104:H4, die während der aktuellen Ehec-Welle von fünf Patienten mit HUS-Syndrom isoliert wurden. Die Kulturen der Erreger behandelten die Wissenschaftler in der Mikrobiologie-Abteilung des Schwabinger Krankenhauses mit zwei Prototypen, die kalte Plasmen erzeugen und am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik konstruiert wurden. „Die Resultate sind aus unserer Sicht sehr überzeugend", sagt Gregor Morfill, Direktor am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik und Leiter der Untersuchung. „Die Ehec-Bakterien sind zwar etwas widerstandfähiger als normale E. coli Bakterien, für die Inaktivierung spielt das aber keine Rolle."

Den Geschmack oder den Vitamingehalt der Lebensmittel dürfte die Plasmabehandlung nicht verändern - das zumindest vermuten die Forscher, und zwar aus mehreren Gründen: Ihre Plasmen sind stark verdünnt und daher gerade einmal handwarm. Die Moleküle der Luft werden auch nur für kurze Zeit ionisiert. Anschließend bilden sie sich zurück, so dass das Plasma keine Spuren hinterlässt. Zudem wirkt das Plasma nur oberflächlich. Das haben auch Untersuchungen an der menschlichen Haut gezeigt. Darin haben die Forscher an der behandelten Haut keinerlei Veränderung festgestellt. Und diese Studien zeigten, dass das Plasma kaum in die Haut eindringt. „Um eine umfassende Antwort auf die Frage zu geben, ob das Plasma Geschmack und Nährstoffgehalt verändert, müssten man jedoch alle einschlägigen Lebensmittel testen", sagt Julia Zimmermann, die als Wissenschaftlerin des Garchinger Max-Planck-Instituts an der aktuellen Studie beteiligt war.

Eines der Geräte kann nach einer entsprechenden Weiterentwicklung modular zu großen Anlagen ausgebaut werden. Darin könnten Betriebe, die Nahrungsmittel verarbeiten, gefährliche Ehec-Bakterien, aber auch andere Bakterien, Viren, Pilze und die im Lebensmittelbereich besonders problematischen Sporen während der Produktion und Aufbereitung beseitigen. In den aktuellen Experimenten verminderte der Test-Apparat die Zahl der Ehec-Erreger in 15 Sekunden auf ein 10 000stel - das reicht, damit Obst und Gemüse bedenkenlos verzehrt werden können. Das andere Instrument könnten Verbraucher nutzen, um die Krankheitserreger in der heimischen Küche abzutöten. Es ist in etwa so groß wie eine Taschenlampe, könnte für rund 100 Euro gefertigt werden und dezimierte die Krankheitskeime in 20 Sekunden sogar auf ein 100 000stel. „Diese Prototypen müssen nun noch zur industriellen Reife gebracht werden", sagt Gregor Morfill.

Plasmen finden bereits heute Anwendung in der Medizin und dienen etwa dazu, chirurgisches Besteck zu sterilisieren. Doch solche Plasmen sind zu heiß, um damit frische Lebensmittel zu behandeln. Diesen Zweck hatten Garchinger Max-Planck-Forscher auch nicht im Sinn, als sie ihre kalten Plasmen entwickelten. Sie untersuchen damit unter anderem auf der Weltraumstation ISS, wie sich Kristalle bilden und wie Flüssigkeiten fließen. „Weil unsere Plasmen kalt sind, hat es sich natürlich angeboten, sie in der Medizin anzuwenden", sagt Gregor Morfill. So testen die Forscher, ob sich mit den kalten Plasmen chronisch entzündete Wunden behandeln lassen oder ob Krankenhaus-Mitarbeiter damit ihre Hände desinfizieren können. Den aktuellen Experimenten zufolge könnten sie nun auch dazu beitragen, die Lebensmittel-Hygiene zu verbessern.

Kontakt:
Prof. Dr. Gregor Morfill
MP extraterrestrische Physik

Dr. Julia Lutz
MP extraterrestrische Physik
zimmermann@mpe.mpg.de
Tel.: +49 89 30000-3639
Fax: +49 89 30000-3569

Weitere Informationen:
http://www.mpg.de/924902/Wissen_und_Wirtschaft - Wie aus Wissen Wirtschaft wird
http://www.mpg.de - Weitere Pressemitteilungen finden Sie auf der Homepage der Max-Planck-Gesellschaft

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Taillenumfang als Alternative zum Body-Mass-Index. Studie prüft Gradmesser für Krankheitsrisiken

Alexander Schlaak
Referat II/2, Kommunikation
Universität Regensburg

Zahlreiche Erkrankungen lassen sich auf Übergewicht zurückführen. Einige von ihnen enden sogar tödlich. Gemeinhin gilt dabei der sogenannte Body-Mass-Index (BMI) als der wichtigste Indikator und Gradmesser für Übergewicht oder gar Fettleibigkeit. Für Kinder und Jugendliche sowie Erwachsene mittleren Alters trifft dies ohne größere Einschränkungen zu. Dann aber stößt der BMI an seine Grenzen. Denn er unterscheidet nicht zwischen Fettmasse und Muskelmasse. Im Falle von älteren Menschen hat der BMI demnach gewichtige Nachteile, denn durch das Altern nimmt die Muskelmasse im Körper beständig ab - ohne Folgen für das Gesamtgewicht einer Person. Für die Medizin und insbesondere für die Behandlung von älteren Menschen sind somit Alternativen gefragt, die den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krankheitsrisiken oder - im extremen Fall - zwischen Übergewicht und verschiedenen Todesursachen herstellen können.

In diesem Zusammenhang konnten nun Forscher der Universität Regensburg gemeinsam mit Kollegen aus den USA und den Niederlanden nachweisen, dass der Bauch- bzw. Taillenumfang - unabhängig vom BMI - Aufschlüsse über das jeweils individuelle Krankheitsrisiko liefern kann. Das Forscherteam um Prof. Dr. Michael Leitzmann vom Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin der Universität Regensburg untersuchte dafür die Gesundheitsdaten von mehr als 225.000 US-Bürgern (Frauen und Männern) zwischen 50 und 71 Jahren. Die Daten wurden über einen Zeitraum von neun Jahren (1996-2005) gesammelt und vor kurzem ausgewertet. Die Grundlage der Studie bildeten Fragebögen, die von den beteiligten Personen ausgefüllt wurden und unter anderem Angaben zum allgemeinen Gesundheitszustand, den Rauch- und Trinkgewohnheiten und zu den jeweiligen Körpermaßen beinhalteten.

Für den gesamten Untersuchungszeitraum von neun Jahren ermittelten die Forscher - durch den Abgleich mit den Daten der US-Sterberegister - insgesamt 20.977 Todesfälle. Häufig konnten die Wissenschaftler dabei direkte Bezüge zur Entwicklung des Taillenumfangs nachweisen. Unter anderem Todesfälle von Lungenkrebs-Patienten oder von Personen, die an chronischen Atemwegserkrankungen litten, stehen demnach in Verbindung mit einem jeweils vergrößerten Taillenumfang. Eine ähnliche Beziehung zwischen Todesursache und Körpermaße konnte für den BMI nicht nachgewiesen werden.

Die Untersuchungen der Forscher haben weitreichende Konsequenzen für die medizinische Forschung und für die klinische Behandlung. Denn die Ergebnisse der umfassenden Studie zeigen, dass der Taillenumfang - mit Blick auf Lungenkrebs und Atemwegserkrankungen und damit auf zwei der wichtigsten Todesursachen - einen wesentlich besseren Indikator für das individuelle Krankheitsrisiko darstellt als der BMI.

Die Analysen des internationalen Forscherteams sind vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift „PLoS One" erschienen (DOI: 10.1371/journal.pone.0018582.t004).

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Wie viel Wasser in welcher Qualität werden wir in Zukunft haben?

Tilo Arnhold
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Berlin. Dürren im Frühjahr, Algenblüte im Hochsommer, Trockenheit und schlechte Wasserqualität im Herbst? Wie lassen sich räumliche und zeitliche Wasserverfügbarkeit und -qualität besser vorhersehen?
Für Prognosen entwickeln Wissenschaftler verschiedenste Modelle, die jedoch mit großen Unsicherheiten behaftet sein können. Wasserforscher aus der ganzen Welt wollen daher ihre Modelle auf den Prüfstand stellen, um bessere Vorhersagen zu möglichen Auswirkungen des Globalen Wandels auf Wasserverfügbarkeit und -qualität erstellen zu können. Die Initiative „HydroBench" wird dazu auf der internationalen 2. Water Research Horizon Conference (WRHC) am 8. und 9. Juni in Berlin diskutiert. Dort treffen sich 200 deutsche und internationale Wissenschaftler, um ihre Konzepte und Modelle zur Vorhersage von Wasser- und Stoffflüssen zu diskutieren.

2. Water Research Horizon Conference am 8. und 9. Juni 2011 in Berlin:
http://www.water-research-horizon.ufz.de/

Weiterführende Links:
Water Science Alliance / Wasserforschung in Deutschland:
http://www.watersciencealliance.de

Publikation:
Water Science Alliance: White Paper. Prioritäre Forschungsbereiche. (übersetzte Fassung, Mai 2011)
http://www.watersciencealliance.ufz.de/data/WhitePaper_deutsch_final_web15075.pd...

Weitere fachliche Informationen:
Elisabeth Helen Krüger/ Prof. Georg Teutsch/ Prof. Olaf Kolditz/ Prof. Sabine Attinger
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Tel.: 0341-235-1671, -1671, -1250, -1250
(am 8./9.6.11 via 0341-235-1635 oder 030-422613130)
http://www.ufz.de/index.php?de=5170
http://www.ufz.de/index.php?de=17299
http://www.ufz.de/index.php?de=4664
oder über
Tilo Arnhold, UFZ-Pressestelle
Tel.: 0341-235-1635
http://www.ufz.de/index.php?de=640

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit über 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 17 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

http://www.helmholtz.de
Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 1000 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
http://www.ufz.de/

Weitere Informationen:
http://www.water-research-horizon.ufz.de/

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Ekel am Ticket-Automat: Keime und Pilze auf öffentlichen Touchscreens

Claudius Kroker
PressestelleInnovationsAllianz der NRW-Hochschulen e.V.

Viele Deutsche ekeln sich vor Touchscreens an Fahrkartenautomaten oder anderen Geräten in der Öffentlichkeit. Im Rahmen einer Kooperation des Unternehmens TipTapTo mit der Hochschule Niederrhein wurden Touchscreens unter anderem an Bahnhöfen und Flughäfen, in Parkhäusern und im Lebensmittelhandel untersucht. Die Zusammenarbeit war durch Vermittlung der InnovationsAllianz der NRW-Hochschulen zustande gekommen.
Vielen Deutschen sind Touchscreens an öffentlichen Fahrkarten- oder Bankautomaten zu schmutzig. Nach einer Studie des Instituts für Arbeitssicherheit, Umweltschutz, Gesundheitsförderung und Effizienz (AUGE) der Hochschule Niederrhein meiden 54 Prozent der Menschen die Geräte, wenn sie verunreinigt sind. Einige Befragte gaben sogar an, sich grundsätzlich vor Touchscreens zu ekeln.

Dabei geht es auch um die Frage, ob durch die Benutzung von Touchscreens durch viele Tausend Menschen leichtfertig Krankheitserreger übertragen werden können. Ergänzend zur Befragung der Nutzer hat daher das Competence Center für Mikrobiologie und Biotechnologie (CCMB) der Hochschule Niederrhein http://www.hs-niederrhein.de/ccmb/ Touchscreens unter anderem von Fahrkarten-Terminals an Bahnhöfen und Flughäfen, Kassenautomaten in Parkhäusern und im Lebensmittelhandel, wie etwa die Waage in einer Gemüseabteilung untersucht. Dabei konnte zwar kein unmittelbares gesundheitliches Risiko für die Benutzer nachgewiesen werden. Bei der mikrobiologischen Untersuchung fiel aber eine sehr hohe Anzahl von Keimen und Hefen auf, was ein hygienisches Problem darstellt.

Die Untersuchungen erfolgten im Auftrag des Unternehmens TipTapTo mit Sitz in Lotte (Kreis Steinfurt). Geschäftsinhaber Peter Riepe bietet seit 19 Jahren Servicedienstleistungen und Catering im Schienenverkehr an und hat einen patentierten Fingertippschutz für die Benutzung von Touchscreens entwickelt.

Durch die Zusammenarbeit mit der Hochschule Niederrhein kann er den Bedarf für einen Tippschutz an öffentlichen Touchscreens ermitteln. Demnach würden 48 Prozent der Befragten einen Fingertippschutz benutzen, wenn es ihn gibt. "Der Fingertippschutz schließt eine Lücke beim hygienischen Schutz der Bevölkerung vor Verunreinigungen an öffentlichen Touchscreens", erklärt Peter Riepe. "Er wird bei noch unentschlossenen Nutzern zu einer höheren Akzeptanz und damit zu einer stärkeren Frequentierung der Geräte beitragen."

Nach der Befragung der Hochschule machen sich rund 30 Prozent der Bevölkerung Gedanken über gesundheitliche Risiken beim Benutzen öffentlicher Touchscreens. Die meisten von ihnen befürchten, sich bei beim Tippen mit bloßem Finger eine Grippe-Erkrankung oder bakterielle Infektionen zuzuziehen. 70 Prozent der Befragten haben sich bisher keine Gedanken über Verunreinigungen oder gesundheitliche Gefahren gemacht. Befragt wurden rund 460 Menschen in sechs Großstädten mit mehr als 200.000 Einwohnern. Die Hälfte der Befragten gab an, öffentliche Geräte mit Touchscreens mindestens einmal pro Woche zu benutzen.

Die Zusammenarbeit von TipTapTo mit der Hochschule Niederrhein war durch Vermittlung der InnovationsAllianz der NRW-Hochschulen zustande gekommen. Die InnovationsAllianz stellt für externe Auftraggeber bei Forschungs- und Entwicklungsfragen den Kontakt zu passenden Wissenschaftlern und Einrichtungen in den Hochschulen her. Der Vorteil liegt darin, dass die Unternehmen über eine zentrale Anlaufstelle Zugang zu allen beteiligten 29 Hochschulen in Nordrhein-Westfalen erhalten. Auf diese Weise wurden seit Gründung der InnovationsAllianz im Jahr 2007 bereits mehrere hundert Kooperationen vermittelt.

Mehr Informationen zur InnovationsAllianz, zum Leistungsangebot der NRW-Hochschulen und weitere Kooperationsbeispiele im Internet unter http://www.innovationsallianz.nrw.de.

Quelle: Umweltbundesamt

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Umweltbundesamt gibt Entwarnung vor EHEC im Trinkwasser

Trinkwasserkommission verneint EHEC-Ausbreitung

Für Trinkwasser kann eine Gefahr durch den EHEC-Ausbruchsstamm ausgeschlossen werden. In größeren Wasserversorgungen mit täglicher mikrobiologischer Überwachung kommen Darmbakterien fast nie vor. Auch bei sehr kleinen öffentlichen Wasserwerken und Hausbrunnen, die weniger überwacht werden, ist das Auftreten des aktuellen EHEC-Ausbruchsstammes äußerst unwahrscheinlich. UBA-Präsident Jochen Flasbarth warnte vor unbegründeter Panikmache: „Die mit unabhängigen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen besetzte Trinkwasserkommission beim Umweltbundesamt hat eine Gefahr für das Trinkwasser durch den aktuellen EHEC-Ausbruchsstamm verneint." Das gilt auch für kleine Wasserwerke und Trinkwasserbrunnen.

EHEC-Bakterien des Ausbruchsstamms kommen im Abwasser und in Gewässern äußerst selten vor. Da der Anteil an EHEC-Kranken in der Bevölkerung sehr gering ist, gibt es unter den im Abwasser vorkommenden Darmbakterien nur in Ausnahmen EHEC. Dies bestätigen die vorliegenden Daten: in den vielen inzwischen untersuchten Wasserproben wurde der Ausbruchsstamm bislang nur ein einziges Mal gefunden - in den Nachuntersuchungen bereits nicht mehr. Bislang gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass der EHEC-Stamm, der die aktuelle Erkrankungswelle auslöste, sich in Gewässern vermehren kann.

Der aktuelle EHEC-Ausbruchsstamm zählt zu den E. coli. Das Trinkwasser wird täglich nach diesen Bakterien untersucht. Alle Wasserwerke mit mehr als 5000 angeschlossenen Einwohnern müssen E. coli-Befunde an das Umweltbundesamt melden. Diese Daten zeigen: E. coli kommen im Trinkwasser fast nie vor.

Von einigen sehr kleinen öffentlichen Wasserwerken und aus bestimmten Gegenden mit Hausbrunnen sind zeitweilige E. coli-Befunde bekannt. Bei E. coli handelt es sich aber oft um harmlose Darmbewohner. Dort wo sie auftreten, zeigen sie an, dass möglicherweise auch andere Krankheitserreger vorkommen könnten. Deshalb muss der Schutz und die Überwachung kleinerer öffentlicher wie privater Trinkwasserversorgungen von Behörden, Betreibern und Eigentümern sicher gestellt werden. Eine Gefahr durch den aktuellen EHEC-Ausbruchsstamm hat die Trinkwasserkommission in ihrer intensiven Beratung am 22.6.2011 jedoch ausgeschlossen. Dazu müsste ein Brunnen in einer Gegend mit vielen Erkrankten direkt mit Abwasser in Kontakt stehen - angesichts der abebbenden Erkrankungswelle ist das nicht zu erwarten.

Weitergehende Informationen:
Bericht des Bundesministeriums für Gesundheit und des Umweltbundesamtes an die Verbraucherinnen und Verbraucher über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch (Trinkwasser) in Deutschland
http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-medien/mysql_medien.php?anfrage=Kennummer&Suchwort=3616

Quelle: Umweltbundesamt

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Kühlen und Heizen mit oberflächennaher Geothermie

Rüdiger Mack
Stabsabteilung Kommunikation
Fachinformationszentrum Karlsruhe

Das Kühlen gewinnt besonders in Büro- und Verwaltungsgebäuden immer größere Bedeutung. Oft belasten innere Wärmequellen und einfallende Sonnenwärme den Nutzerkomfort erheblich. Oberflächennahe Geothermie für Kühlen und auch Beheizen derartiger Gebäude zu nutzen, bietet sich wegen der konstanten Temperaturverhältnisse im Boden an. Damit wird auch dem seit 2009 geltenden Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz Rechnung getragen. Für Neubauten schreibt das Gesetz den anteiligen Einsatz erneuerbarer Energien zum Heizen, Kühlen und fürs Warmwasser vor. Das neue BINE-Fachbuch „Erdwärme für Bürogebäude nutzen" stellt Konzepte und Technologien erdgekoppelter Systeme vor und präsentiert die Ergebnisse wissenschaftlich begleiteter Demonstrationsprojekte.

Im Fokus des Buches für Planer und Bauherren stehen Gebäude mit Erdwärmesonden, Energiepfählen bzw. Bodenabsorbern zur saisonalen Speicherung von Wärme und Kälte. Allgemeine Konzeptlösungen und Planungsgrundlagen bis hin zum Energie- und Betriebsmonitoring werden ausführlich vorgestellt. Neben einem Technologieüberblick konzentriert sich das BINE-Fachbuch auf Planung, Normen und Genehmigungsfragen. Abgerundet wird das Thema mit den Erfahrungen realisierter Projekte. Das neue BINE-Fachbuch erscheint im Fraunhofer IRB Verlag und ist auch als E-Book erhältlich.

Die Autoren des BINE-Fachbuchs, Prof. M. Norbert Fisch, Franziska Bockelmann und Herdis Kipry vom Institut für Gebäude- und Solartechnik (IGS) der TU Braunschweig, haben intensiv zu dem Thema geforscht. Im Forschungsprojekt „WKSP - Wärme- und Kältespeicherung im Gründungsbereich energieeffizienter Bürogebäude" untersuchten und verbesserten sie die Performance erdgekoppelter Anlagen hinsichtlich Energieverbrauch, Nutzerkomfort und Betrieb. Das neue BINE-Fachbuch basiert auf den Ergebnissen.

BINE Informationsdienst ist ein Service von FIZ Karlsruhe und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert.

FIZ Karlsruhe - Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur ist eine gemeinnützige Gesellschaft, die im öffentlichen Auftrag weltweit publizierte wissenschaftliche Information zugänglich macht und entsprechende Dienstleistungen zur Verfügung stellt. FIZ Karlsruhe hat die Aufgabe, den nationalen und internationalen Wissenstransfer und die Innovationsförderung zu unterstützen.
» http://www-fiz-karlsruhe.de

Weitere Informationen:
http://www.bine.info/fileadmin/content/Produkte-im-Shop/Buchreihe/Leseprobe_Erdw... - Leseprobe BINE-Fachbuch "Kühlen und Heizen mit oberflächennaher Geothermie"
http://www.bine.info - Homepage BINE Informationsdienst
http://www.bine.info/en - BINE Informationsdienst englisch
http://www.bine.info/topnavigation/presse/bine-pressedienst/ - Abo zu den Pressenews
http://www.twitter.com/bineinfo - Folgen Sie BINE Informationsdienst aktuell auf Twitter

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Protein schützt vor Darmkrebs

Dr. Manuela Rutsatz
Pressestelle
Universität Leipzig

Wie ein körpereigenes Protein Darmtumore verhindern kann, haben ein Forscherteam der Universität Leipzig zusammen mit Wissenschaftlern der italienischen Universität Bari herausgefunden. Das Protein namens PGC1alpha kann in Tumorzellen eine ungewöhnlich hohe Mitochondrienaktivität auslösen. Dabei werden verstärkt zellschädigende Radikale erzeugt, so dass die Tumorzellen in den programmierten Tod getrieben werden. Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the U.S.A. (PNAS) veröffentlicht.

PGC1alpha spielt aktive Rolle
"In unserem Forschungsverbund ist es gelungen, PGC1alpha als das Protein zu identifizieren, das Darmtumoren absterben lässt oder sogar bereits in der Entstehung stört", sagte Peter Seibel, Professor für Molekulare Zelltherapie der Medizinischen Fakultät am Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrum (BBZ). PGC1alpha (Kurzform für Peroxisome proliferator-activated receptor-gamma coactivator 1alpha) ist ein körpereigenes Protein, das seit langem bekannt ist. Bisher unbekannt war jedoch, wie es im Darmgewebe arbeitet. "Seine besondere Eigenschaft liegt in der Rolle als Regulator," so Seibel. "Dieses Protein ist in der Lage, die Herstellung anderer Proteine in einer Zelle einzuschalten und damit Prozessabläufe zu steuern. Man bezeichnet es deswegen auch als Schlüsselregulator im Energiestoffwechsel einer Zelle." So kann es auch die Vermehrung von Mitochondrien anschalten. Die "Kraftwerke der Zelle" erzeugen dann mehr Energie.

Zelltod durch freie Radikale
Als schädliche Nebenprodukte einer angeregten Energieproduktion entstehen in den Mitochondrien einer jeden Zelle große Mengen an zellschädigenden Sauerstoffradikalen. Normalerweise schützt sich eine Zelle durch "Radikalfänger", die für eine schnelle Entsorgung der Sauerstoffradikale sorgen. Da PGC1alpha zwar die Mitochondrien vermehrt, aber die zur Entsorgung notwendigen Radikalfänger nicht im selben Maß mitvermehrt wurden, entsteht ein Ungleichgewicht zwischen vielen Radikalen auf der einen Seite und wenigen Entsorgern auf der anderen. Das hat Konsequenzen: Nimmt die Zellschädigung ein solches Ausmaß an, dass ihr Überleben nicht gesichert werden kann, wird das Programm "gezielter Zelltod" abgerufen. Dieser natürliche Mechanismus sorgt dafür, dass Zellen erkannt und entsorgt werden, die zu einer Belastung geworden sind, beispielsweise weil sie unwiderruflich beschädigt sind.

Der Weg der Aufklärung
Diesen Mechanismus haben die Wissenschaftler sich nun in Tumorzellen zu nutze gemacht.
"Wir haben Labormäuse genetisch so verändert, dass das Protein PGC1alpha in deren Darmzellen überproduziert wird," berichtet Prof. Seibel. "Danach konnten wir beobachten, dass diese Mäuse gegen Darmkrebs geschützt sind."
Bei der Aufklärung des Reaktionsmechanismus waren Zellen ohne mitochondriale DNA (sogenannte RhoZero-Zellen) im Einsatz, die durch ein am BBZ entwickeltes Verfahren eigens hergestellt wurden.
Indem den Mitochondrien das Erbgut weggenommen wird, verlieren sie ihre Fähigkeit, Energie herzustellen. Damit fehlt ihnen auch die chemische Nebenreaktion, die für die Herstellung der zellschädigenden Sauerstoffradikale notwendig ist. Nicht nur sie bleiben aus, sondern in der Folge auch der Selbstzerstörungsmechanismus der Zelle. Gleiches gilt für Tumoren, die auf den im Labor modifizierten Zellen beruhten. Sie wurden weder in ihrer Entwicklung gestört noch abgetötet. Aufgrund dieser Erkenntnis konnten die Forscher die tumorschützende Wirkung von PGC1alpha direkt mit dem durch die Sauerstoffradikale ausgelösten programmierten Zelltod in Verbindung bringen.

Erdnüsse, Beeren, Weintrauben
Blieb nur noch die Frage, wie das Protein in Darmzellen gezielt so angeschaltet werden kann, dass eine wirksamer Schutz vor Darmtumoren ermöglicht wird. Prof. Seibel weist den Weg: "Es scheint so zu sein, dass durch bestimmte Ernährungsgewohnheiten vermehrt PGC1alpha in Darmzellen hergestellt wird. Andere Forschungsgruppen konnten nämlich nachweisen, dass die Menge des Proteins durch den pflanzlichen Wirkstoff Resveratrol erhöht werden kann. Er ist in Erdnüssen, Beeren und den Schalen von roten Weintrauben reichlich vorhanden."

Veröffentlichung:
Proc Natl Acad Sci USA 108(16), 6603-6608.
http://www.pnas.org/content/early/2011/04/04/1016354108.abstract

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Peter Seibel
Telefon: +49 341 97-31370
E-Mail: peter.seibel@bbz.uni-leipzig.de
www.mitonet.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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UFZ-Spezial "In Sachen Wasser" erschienen

Tilo Arnhold
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Seit Juli 2010 gibt es ein Menschenrecht auf sauberes Wasser - die praktische Umsetzung hinkt weit hinterher: Nach wie vor haben weltweit knapp eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. 2,6 Milliarden Menschen leben ohne Toiletten und hygienische Abwasserentsorgung.
Seit Juli 2010 gibt es ein Menschenrecht auf sauberes Wasser - die praktische Umsetzung hinkt weit hinterher: Nach wie vor haben weltweit knapp eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. 2,6 Milliarden Menschen leben ohne Toiletten und hygienische Abwasserentsorgung.

Ob Wassermangel, Hochwasser, Verunreinigungen, Übernutzung oder schlechtes Wassermanagement - sie stellen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft vor große Herausforderungen. Das UFZ leistet mit seiner breiten Expertise in der interdisziplinären Wasserforschung einen wichtigen Beitrag für ein nachhaltiges Management von Wasserressourcen.
Die 2011er Spezialausgabe des UFZ-Newsletters ist daher unter dem Titel "In Sachen Wasser" erschienen.


"In Sachen Wasser"
Die 2011er Spezialausgabe des UFZ-Newsletters befasst sich mit dem Thema "Wasser".

Themen dieser Ausgabe sind:

Wasser - Beobachten, Erkunden, Verstehen und Modellieren
* Mit TERENO die Umwelt beobachten
* Den Untergrund effizienter erforschen
* Standpunkt: Giftige Chemikalien in unseren Gewässern - Ein Problem von gestern?
* Der Fluss der Stoffe
* Interview: Führende Wasserforscher verbinden sich
* Den Dürren auf der Spur
* Dreidimensionaler Blick in den Untergrund
* SARISK macht Hochwasser berechenbar

Wasser - Ressourcen managen
* Teuren Altlasten innovativ begegnen
* Smarte Lösungen für die Abwassernutzung
* Nomadenleben adé
* Wasserbilanzen präzise ermitteln
* So schnell verzeiht die Aue nicht
* Interview: Wir haben keine Zeit mehr zu diskutieren
* Standpunkt: Wassernutzungsabgaben erhalten und weiterentwickeln!
* Gemeinsam zu guten Gewässern
* Standpunkt: Zehn Jahre Umsetzung WRRL - Ein kritisches Fazit

Den UFZ-Spezial vom Juni 2011 können Sie hier als PDF herunterladen:
http://www.ufz.de/data/UFZ_Spezial_Jun11_Dt_2011053015100.pdf
oder
kostenfrei bestellen unter
http://www.ufz.de/index.php?de=14958

Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=10690

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Ungerechte Löhne begünstigen Herzerkrankungen

Monika Wimmer
Pressestelle
Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DIW Berlin

Ungerechte Löhne sind schlecht für das Herz. Das ist das Ergebnis der kürzlich veröffentlichten Studie einer Forschergruppe um den Bonner Ökonomen Armin Falk und den Düsseldorfer Soziologen Johannes Siegrist. „Menschen, die ihre Bezahlung als unfair empfinden, geraten schnell unter Stress", sagt Falk. „Außerdem leiden sie eher unter Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Depressionen." Falk hatte mit Hilfe eines Experiments untersucht, wie sich das Gefühl von Ungerechtigkeit auf die Gesundheit auswirkt. Außerdem hatte er Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) ausgewertet.
Für sein Experiment teilte Armin Falk 80 Studierende in 2-köpfige Teams aus Chef und Arbeiter auf. Die Arbeiter bekamen Blätter mit Nullen und Einsen. 25 Minuten lang mussten sie die Nullen zählen, während die Chefs sich entspannen durften. Je mehr Zahlen die Arbeiter addierten, desto mehr Geld erwirtschaftete das Team. Danach teilten die Chefs den Gewinn nach eigenem Gutdünken auf. In der Regel bedachten sie die Arbeiter mit einem geringeren Gewinnanteil als diese erwartet hatten.

Die erlebte Ungerechtigkeit versetzte die Arbeiter in Stress, den die Wissenschaftler anhand der Herzfrequenz messen konnten: Je stärker die Bezahlung von der Summe abwich, die die Arbeiter als angemessenen Lohn ansahen, desto weniger variierte ihre Herzfrequenz. Die Herzfrequenzvariabilität gibt an, wie sehr die Länge zwischen den Herzschlagintervallen schwankt. Im allgemeinen sprechen größere Schwankungen für eine höhere vegetative Regulationsfähigkeit des Organismus und damit für eine stärkere Lebensenergie. „Wenn das Gefühl von Ungerechtigkeit die Varianz der Herzfrequenz auf Dauer beeinflusst, kann sich das negativ auf die Gesundheit auswirken"; sagt Armin Falk. „Eine verringerte Herzfrequenz ist zum Beispiel ein Frühindikator für Herzerkrankungen".

Die Auswertung der Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) bestätigte Falks These. Diejenigen Befragten, die ihr Einkommen als unfair betrachteten, bewerteten ihren Gesundheitszustand schlechter als die Anderen. Außerdem litten sie signifikant häufiger unter Herzkrankheiten, Bluthochdruck und Depressionen.

HINTERGRUND: Stichwort SOEP

Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist die größte und am längsten laufende multidisziplinäre Langzeitstudie in Deutschland. Das SOEP ist Teil der Forschungsinfrastruktur in Deutschland und wird unter dem Dach der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) von Bund und Ländern gefördert. Angesiedelt ist das SOEP am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Für das SOEP befragen jedes Jahr etwa 600 Interviewerinnen und Interviewer vom Umfrageinstitut TNS Infratest Sozialforschung mehr als 20 000 Menschen in rund 11 000 Haushalten. Die so erhobenen Daten geben unter anderem Auskunft über Einkommen, Erwerbstätigkeit, Bildung und Gesundheit. Forscherinnen und Forscher im In- und Ausland nutzen die SOEP-Daten für ihre Studien. Bis heute sind mehr als 6 000 Veröffentlichungen auf Basis der SOEP-Daten erschienen.

Kontakt:
Prof. Dr. Armin Falk
Tel.: +49 (228) 73 9240
Mail: armin.falk@uni-bonn.de

Studie:
Cardiovascular Consequences of Unfair Pay. Armin Falk, Ingo Menrath, Pablo Emilio Verde, Johannes Siegrist 25 S. 380 / 2011.SOEPpapers 380

Weitere Informationen:
http://www.diw.de/de/diw_01.c.369051.de/soeppapers.html Link zur Studie

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Für effizientere Energiegewinnung aus Abwärme

Lisa Dittrich
Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Justus-Liebig-Universität Gießen

BMBF-Staatssekretär Dr. Helge Braun übergibt JLU Zuwendungsbescheid über 800.000 Euro - Gießener Materialwissenschaftler erforschen im Konsortium IN-TEG neue Stoffe für Thermobatterien
Woher kommt in Zukunft unsere Energie? Diese Frage steht längst weit oben auf der politischen Agenda. Daher werden auch die Energieeinsparung und Energie-effizienz herausragende Rollen spielen. Ein wichtiges Konzept ist die Umwandlung von Abwärme - etwa aus dem Abgasstrang von Autos - in elektrische Energie. Die so genannte Thermoelektrik ist ein Spezialgebiet der Gießener Materialwissen¬schaft¬ler, die sich jetzt im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und For¬schung (BMBF) geförderten Projektes mit der Entwicklung entsprechender neuer Materialien beschäftigen werden.

Das BMBF investiert insgesamt 5,5 Millionen Euro in das Projekt IN-TEG, davon gehen rund 800.000 Euro an die Materialwissenschaftler der JLU. Die Arbeitsgrup-pe von Prof. Dr. Jürgen Janek bildet gemeinsam mit sieben Partnern aus Wissen-schaft und Industrie ein Forschungs-Konsortium, das aus der BMBF-Ausschreibung „ThermoPower - Strom aus Wärme mit thermoelektrischen Generatoren" hervor¬ging.

Dr. Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, wird den Zuwendungsbescheid über 800.000 Euro am 17. Juni 2011 um 10 Uhr in Gießen übergeben. Die Übergabe findet im Chemiegebäude, 9. Stock, Raum 929 statt.

Neben dem JLU-Präsidenten Prof. Dr. Joybrato Mukherjee werden auch einige Vertreter der IN-TEG-Projektpartner BASF SE, BASF Future Business GmbH, Daimler AG, Friedrich Boysen GmbH & Co. KG, DLR, MPI für Chemische Physik fester Stoffe Dresden und der TU Darmstadt erwartet.

Vereinfacht ausgedrückt liefern Thermoelektrika eine elektrische Spannung, wenn sie einer Temperaturdifferenz ausgesetzt sind. Der Durchbruch der thermoelek-trischen Technologie krankt heute in erster Linie an fehlenden Materialien, die eine hinreichend große thermoelektrische Effizienz unter typischen Betriebsbedingungen bieten. Entsprechend widmet sich IN-TEG der Entwicklung neuer Materialien für Thermobatterien größerer Effizienz. Auf dem Weg dahin soll parallel auf Basis bereits existierender Materialien ein thermoelektrisches System für den Auto-Abgasstrang entwickelt werden. Die Gießener Arbeitsgruppe wird sich dazu in erster Linie den Problemen widmen, die für die Langzeitstabilität solcher Systeme wichtig sind.

Kontakt:
Dr. Joachim Sann, Physikalisch-Chemisches Institut
Heinrich-Buff-Ring 58 D, 35392 Gießen
Telefon: 0641 99-34512
E-Mail: joachim.sann@phys.chemie.uni-giessen.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Hungrig auf Belohnung - Insulin im Mittelhirn beeinflusst Essverhalten

Dr Harald Rösch
Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Kölner Max-Planck-Forscher entdecken Insulin als Botenstoff in Nervenzellen des Mittelhirns und finden einen Zusammenhang zu dem Belohnungssystem
Sind wir noch hungrig oder schon satt? Das Gehirn steuert das Essverhalten und drosselt beizeiten unseren Appetit, wenn der Körper genügend Energie aufgenommen hat. Seine Informationen über den Sättigungsgrad erhält es über verschiedene Botenstoffe, von denen das Insulin eine wichtige Rolle spielt. Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für neurologische Forschung in Köln und des Exzellenzclusters CECAD der Universität zu Köln fanden nun an Mäusen heraus, dass Insulin nicht nur, wie bisher bekannt, im Hypothalamus als Signalgeber des Energiestoffwechsels wirksam ist, sondern auch in Dopamin-produzierenden Zellen des Mittelhirns. Ein Ausschalten der Insulin-Rezeptoren in diesen Nervenzellen führt zu Gefräßigkeit und Übergewicht.

Das Hormon Insulin, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, spielt eine Schlüsselrolle bei der Regulierung des Blutzuckerspiegels. Störungen in diesem System können zu Übergewicht und zu Diabetes mellitus führen. Bereits seit einigen Jahren wissen die Forscher, dass diese Regulation des Energiegleichgewichts sich nicht nur im Muskel- und Fettgewebe abspielt. Das Team um Jens Brüning, Direktor am Max-Planck-Institut für neurologische Forschung und Leiter des Exzellenzclusters CECAD („Cellular Stress Responses in Aging-Associated Diseases") an der Universität zu Köln, konnte zeigen, dass im Hypothalamus - einer wichtigen Schaltzentrale im Zwischenhirn - Insulin-Rezeptoren auf bestimmten Zellen vorhanden sind. Insulin passiert demnach die Blut-Hirn-Schranke, bindet an Nervenzellen und gibt dort das Signal für Sättigung. Sind diese Rezeptoren nicht vorhanden, fehlen dem Gehirn die entscheidenden Informationen, um die Weichen auf „satt" zu stellen: Es kommt zu weiterer Nahrungsaufnahme und in der Folge zu Übergewicht.

In der aktuellen Veröffentlichung haben die Kölner Wissenschaftler nun einen weiteren Insulin-abhängigen Regelkreis im Gehirn gefunden, und zwar in dopaminergen Zellen des Mittelhirns. „Wir haben damit einen Mechanismus entdeckt, der dem im Hypothalamus übergeordnet ist", erklärt Christine Könner, Erstautorin der Publikation, die im Kölner Team um Jens Brüning forscht. Dabei ist außerdem ein Zusammenhang zum „Belohnungssystem" hergestellt worden. Denn die untersuchten Nervenzellen enthalten Dopamin, einen Neurotransmitter, der als „Glückshormon" bekannt ist und beim Suchtverhalten eine Rolle spielt. Ob das Insulin hemmend oder aktivierend auf dopaminerge Zellen wirkt, war bisher nicht bekannt. Klar ist den Wissenschaftlern bereits jetzt, dass sie einen weiteren wichtigen Mosaikstein in der komplexen Regulation des Energiegleichgewichts gefunden haben.

Für ihre Studie haben die Kölner Forscher sich die Methode der Knock-out-Mäuse zunutze gemacht. Um die Rolle von Insulin im lebenden Tier herauszufinden, wurden die Insulin-Rezeptoren in den Dopamin-produzierenden Nervenzellen des Mittelhirns gezielt ausgeschaltet. In diesen Zellen werden die Insulin-Rezeptoren zusammen mit der Tyrosinhydroxylase gebildet - einem Schlüsselenzym und Marker für die Dopamin-Synthese. Das zentrale Resultat der Versuche: Die Knock-out-Mäuse wurden gefräßiger und nahmen stärker an Gewicht und Fettmasse zu als ihre nicht manipulierten Artgenossen mit intakten Insulin-Rezeptoren. Ganz offensichtlich spielt also das Insulin auch in diesen Zellen eine entscheidende Rolle in der Kontrolle von Nahrungsaufnahme und Energiegleichgewicht. Die Knock-out-Mäuse reagierten außerdem unter bestimmten Versuchsbedingungen anders auf eine Zuckerlösung und auf Kokain. Beide Ergebnisse sind für die Wissenschaftler Hinweise darauf, dass Insulin als Botenstoff eine direkte Rolle im Belohnungssystem des Gehirns spielt.

Es bleiben offene Fragen: Warum es ein weiteres regulierendes System im Gehirn gibt, können die Wissenschaftler derzeit noch nicht genau erklären. Die Arbeitshypothese lautet: Der Hypothalamus hält das Energiegleichgewicht im Körper stabil und die Nahrungsaufnahme und der Energieumsatz des Körpers werden dem Energiestatus entsprechend angepasst. Über die dopaminergen Zellen des Mittelhirns scheint das Gehirn dann die Signale des Belohnungssystems zu integrieren. „Die Signale aus dem Mittelhirn können das hypothalamische System überrennen", erklärt Könner. So kommt es vielleicht bei entsprechender Belohnung zu erhöhter Nahrungsaufnahme, auch wenn eigentlich genügend Energie vorhanden ist, nach dem Motto: „Wir sind längst satt und essen dennoch Schokolade."

Originalveröffentlichung
A. Christine Könner, Simon Hess, Sulay Tovar, Andrea Mesaros, Carmen Sánchez-Lasheras, Nadine Evers, Linda A.W. Verhagen, Hella S. Brönneke, André Kleinridders, Brigitte Hampel, Peter Kloppenburg und Jens C. Brüning: Role for insulin signaling in catecholaminergic neurons in control of energy homeostasis.
Cell Metabolism, 7. Juni 2011

Ansprechpartner
Dr. Christine Könner
Universität zu Köln
Telefon: +49 221 4704586
Fax: +49 221 470 5185
E-Mail: christine.koenner@uni-koeln.de

Prof. Jens C. Brüning, M.D.
Max-Planck-Institut für neurologische Forschung
Telefon: +49 221 4726200
Fax: +49 221 470 5185
E-Mail: bruening@nf.mpg.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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UDE: Jeder vierte Beschäftigte ist „Ü50"

Katrin Braun
Pressestelle
Universität Duisburg-Essen

Noch nie arbeiteten in Deutschland so viele Ältere: Mehr als sieben Millionen oder über ein Viertel aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten war im Jahr 2010 über 50 Jahre alt, und ihr Anteil wird weiter wachsen. Das zeigt der aktuelle Altersübergangsreport aus dem Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. Er wurde im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung und des Forschungsnetzwerks Alterssicherung erstellt.
Die Arbeitswelt wird nicht nur aufgrund des demographischen Wandels „älter", also weil die geburtenstarken Jahrgänge in die Jahre kommen. Auch mehr Frauen arbeiten und ein Trend zum späteren Renteneintritt ist festzustellen - für beide Geschlechter, in Ost- und Westdeutschland sowie in allen Qualifikationsstufen. „Angesichts dieser positiven Entwicklungen darf aber nicht aus dem Blick geraten, dass nur eine Minderheit die heutige Regelaltersgrenze von 65 Jahren in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung erreicht", warnt der IAQ-Arbeitsmarktforscher Dr. Martin Brussig.

Wie die IAQ-Berechnungen auf Grundlage der Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit zeigen, bestehen zwischen den Branchen große Unterschiede: überdurchschnittlich viele Ältere sind etwa in der öffentlichen Verwaltung tätig, in der vier von zehn Mitarbeitern über 50 sind (39,1 Prozent). Auf jeden Dritten trifft das im Bergbau, in der Energieversorgung, Abwasserwirtschaft und im Wohnungswesen zu. Allerdings gibt es in diesen Branchen einen hohen Anteil von Altersteilzeit - viele der als beschäftigt Registrierten sind faktisch nicht mehr im Betrieb tätig.

Besonders niedrig ist die Zahl der Älteren im Gastgewerbe sowie in der Informations- und Kommunikationsbranche. Auch im Baugewerbe liegt der Ü50-Anteil mit 23 Prozent klar unter dem Durchschnitt aller Beschäftigten (26,2 Prozent).

Weitere Informationen:
http://www.iaq.uni-due.de/auem-report/2011/auem2011-02.php
Dr. Martin Brussig, Tel. 0203/379-3931, martin.brussig@uni-due.de

Redaktion:
Claudia Braczko, Tel. 0170/8761608, presse-iaq@uni-due.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Klimawandel und Meeressäuger: Gewinner und Verlierer

Rudolf-Werner Dreier
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Ob Robben, Wale oder Delfine: Die Artenvielfalt von Meeressäugetieren ist vor allem in der gemäßigten Zone der Südhalbkugel hoch - und daran wird auch der Klimawandel in den kommenden 40 Jahren wahrscheinlich wenig ändern. In Hinblick auf die verschiedenen Arten ist das Bild uneinheitlich: Während es für knapp die Hälfte durch den Verlust von Lebensraum enger werden könnte, vergrößern sich die Verbreitungsgebiete der anderen Hälfte um bis zu 40 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die ein Forscherteam um die Meeresbiologin Dr. Kristin Kaschner, Gastwissenschaftlerin am Institut für Biologie I der Universität Freiburg, in dem Internet-Fachportal PlosOne veröffentlicht hat.
Die Forscherinnen und Forscher aus den USA, Kanada, Brasilien und Deutschland haben erstmals Karten auf der Basis eines Vorhersagemodells erstellt, die zeigen, wo die Artenvielfalt der Meeressäuger im weltweiten Vergleich besonders hoch ist. Dafür haben sie sowohl ozeanografische Daten wie Wassertiefe, Oberflächentemperatur oder Eisbedeckung als auch Sichtungsdaten zu den verschiedenen Tierarten ausgewertet. Anschließend haben sie simuliert, wie sich ein Anstieg der Oberflächentemperatur des Meerwassers und die Abnahme des Polareises bis zum Jahr 2050 auf das Vorkommen der einzelnen Arten und damit auf die Verteilung der besonders artenreichen Gebiete auswirken würden. Diese befinden sich derzeit vor den pazifischen Küsten Nordamerikas und Japans, nördlich von Neuseeland und in den Gewässern mehrerer subantarktischer Inseln.

In der Simulation veränderten sich die Verteilungsmuster der Meeressäuger bis 2050 weltweit nur geringfügig. Am stärksten beeinflusst der Klimawandel die derzeit vergleichsweise artenarmen Polarregionen, in denen gebietsweise ein Verlust von mehr als 80 Prozent der ursprünglichen Arten zu erwarten ist. Gleichzeitig könnte sich die Artenvielfalt dort mehr als verzehnfachen, weil Meeressäuger aus subpolaren und gemäßigten Gebieten zuwandern. Auch in tropischen Gewässern steht ein Artenverlust bevor, jedoch in geringerem Ausmaß. Allerdings betonen die Forscher, dass die Ergebnisse der Studie die Auswirkungen des Klimawandels eher unterschätzen, da die indirekten Folgen der Erderwärmung, etwa die veränderte Verteilung von Beutetieren oder der Verlust von Lebensraum bei polaren Arten, nicht im Modell berücksichtigt werden konnten.

Da Säugetiere für die Nahrungsnetze in Meeren eine wichtige Rolle spielen, geben Informationen über ihre Verbreitung wertvolle Hinweise auf die gesamte biologische Artenvielfalt. Auf der Basis von Vorhersagemodellen wie dem hier angewandten ist es möglich, besonders schützenswerte Meeresgebiete zu identifizieren. Eines der Hauptziele des internationalen Übereinkommens über die biologische Vielfalt besteht darin, ein Netzwerk von Meeresschutzgebieten auszuweisen, das bis zum Jahr 2020 mindestens zehn Prozent der globalen Meeresoberfläche umfassen soll. Mit derzeit knapp über einem Prozent ausgewiesener Schutzgebiete ist die Staatengemeinschaft von diesem Ziel aber noch weit entfernt.

Kontakt:
Dr. Kristin Kaschner
Institut für Evolutionsbiologie und Ökologie
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/2171293, 0178/5477760
E-Mail: kristin.kaschner@biologie.uni-freiburg.de

Weitere Informationen:
http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0019653 - Veröffentlichung in PlosOne

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Allergiegefahr: „Halbe Kuh" im Bett

Stefan Weller
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität

Ausgezeichnet: Forschung mit Tipps zum Schutz vor Rinder-Allergie. E.W. Baader-Preis für UMG-Arbeitsmedizinerin.
(umg) „Manchmal liegt fast eine ‚halbe Kuh‘ mit im Bett" - hinter dem flapsigen Spruch steckt Forschungserkenntnis: Dr. Astrid Heutelbeck, Arbeitsmedizinerin und Allergologin an der Universitätsmedizin Göttingen, weiß sehr genau um die Faktoren, die im Alltag von Bauernfamilien eine „Rinder-Allergie" auslösen und befördern können. Sie plädiert deshalb dafür, Arbeits- und Wohnbereich in der Landwirtschaft strikt zu trennen. Oft genug bedeu-ten allergische Reaktionen auf sonst harmlose Ausscheidungen und Ausdünstungen eines Rindes schwere Atemwegserkrankungen und im äußersten Fall den Berufsausstieg für Menschen, die im beruflichen Alltag intensiv mit den Tieren zu tun haben.

Dr. Astrid Heutelbeck, Oberärztin in der Abteilung Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universitätsmedizin Göttingen, hat jetzt für ihre Forschung und ihre praktischen Vor-beugetipps zur „Rinder-Allergie" den höchsten Preis der Deutschen Gesellschaft für Ar-beitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) erhalten. Mit dem E.W. Baader-Preis würdigt die DGAUM die Verdienste der Göttinger Arbeitsmedizinerin um die Vorbeugung von be-rufsbedingten Atemwegserkrankungen, die vor allem Landwirte und deren Familien betref-fen. Der E.W. Baader-Preis wurde in diesem Jahr geteilt und war mit jeweils 2.500 Euro dotiert.

„Präventivmedizinische Ansätze bei berufsbedingten Atemwegserkrankungen in der Land-wirtschaft unter besonderer Berücksichtigung der Rinderhaltung" lautet der Titel ihrer wis-senschaftlichen Habilitationsschrift. Die Ergebnisse dieser Arbeit konnten schon einiges bewegen gegen die „Rinder-Allergie. So gibt es neue und konkrete Empfehlungen, wie sich Landwirte und Klauenpfleger vor der Berufserkrankung „Rinder-Allergie" besser schützen können. Einige landwirtschaftliche Berufsschulen wie beispielsweise wie die LVA Echem (Lehr- und Versuchsanstalt für Tierhaltung der Landwirtschaftskammer Niedersachsen) haben Tipps zum Schutz vor der „Rinder-Allergie" in den Unterricht eingebaut. Die jungen Landwirtinnen und Landwirte sollen so schon während ihrer Ausbildung für mögliche Früh-symptome einer Erkrankung sensibilisiert werden, die sonst ihren frühzeitigen Berufsaus-stieg bedeuten könnte. Auch auf Veranstaltungen für Klauenpfleger, einer besonders stark betroffenen Berufsgruppe, finden regelmäßig Seminare zum Gesundheitsschutz statt.

„Mit den Maßnahmen zum Schutz und zur Vorbeugung vor der Rinderallergie müssen wir früh ansetzen. Über eine verbesserte Früherkennung können weiterreichende Folgen der Erkrankung eingedämmt werden", sagt Dr. Heutelbeck. Dies belegte bereits eine nationale Studie zur „Rinderallergie". Danach ist ein Großteil der Betroffenen von Rinderallergie eher jung, aber bereits deutlich von Leistungseinschränkungen der Lunge betroffen. Ein wichti-ger Risikofaktor, eine Rinderallergie zu entwickeln, ist die Atopie. Diese ererbte Überempfindlichlickeit auf sonst harmlose Substanzen aus der Umwelt führt zu schweren allergischen Reaktionen der Haut oder der Atemwege. Um das Risiko genauer einschätzen zu können, waren Kenntnisse zur Belastungssituation in der Raumluft mit allergieauslö-senden Stoffen wichtig. Die Daten dafür hat Dr. Heutelbeck mit ihrer Arbeit jetzt erhoben. Ihr Fazit: „Die messbaren Spuren von Allergie-auslösenden Stoffen reichen bei sehr vielen landwirtschaftlichen Betrieben bis in den Wohnbereich hinein."

Kommerzielle Allergie-Testverfahren reichen oft nicht aus, um die vielen verschiedenen Rinder- und Schimmelpilzallergenextrakte zu entdecken, die da in der Luft schwirren. Das ist ein weiteres Ergebnis von Dr. Heutelbecks Untersuchungen. Sie fordert daher, eine Testung mit selbsthergestellten Extrakten anzuschließen. Dieser zusätzliche Aufwand sollte beim Verdacht auf „Rinder-Allergie" auch dann gemacht werden, wenn mit konventionellen Testverfahren zunächst ein negatives Ergebnis erzielt wird. Auch mögliche Zusammenhänge zwischen einer genetischen Vorbelastung und einer berufsbedingten Sensibilisierung für eine „Rinder-Allergie" hat die UMG-Arbeitsmedizinerin untersucht und Ansätze für die Forschung der kommenden Jahre aufgezeigt.

„Wir hoffen, dass sich der angestoßene Umdenkprozess in der Landwirtschaft fortsetzt und das Augenmerk im Betrieb stärker auf die Trennung von Arbeits- und Wohnbereich gerichtet wird. Nur so lässt eine übermäßige Allergenexposition ‚rund um die Uhr‘ vermeiden", sagt Arbeitsmedizinerin Dr. Astrid Heutelbeck.

E.W. Baader-Preis
Der von der E.W. Baader-Stiftung zur Förderung der Arbeitsmedizin in der Bundesrepublik gestiftete Preis gilt als die höchste Auszeichnung, die die Deutsche Gesellschaft für Ar-beitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) vergibt. Mit dem Preis würdigt die Fachgesell-schaft bedeutende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Arbeitsmedizin aus dem Inland und dem deutschsprachigen Ausland. Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen und ist mit 5.000 Euro dotiert.

WEITERE INFORMATIONEN
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Abteilung Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin
Dr. med. Astrid Heutelbeck, aheutel@gwdg.de
Waldweg 37 B, 37073 Göttingen, Telefon 0551/39-6189, Fax 0551/39-6184

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Kunststoffe aus Abwässern gewinnen

Erhard Jakobs
Pressestelle
Technische Hochschule Mittelhessen

Bei der Papierherstellung fallen große Mengen von belasteten Abwässern an. Sie werden bisher aufwändig in Kläranlagen gereinigt. Prof. Dr. Michael Herrenbauer von der Technischen Hochschule Mittelhessen will daraus Rohstoffe für die Kunststoffindustrie gewinnen. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 250.000 Euro gefördert.
Das Forschungsteam des Gießener Fachbereichs Krankenhaus- und Medizintechnik, Umwelt- und Biotechnologie hat es auf das Lignin abgesehen, das in großen Mengen in den Abwässern der Papierindustrie enthalten ist. Lignin ist ein in die pflanzliche Zellwand eingelagertes Makromolekül und bewirkt die Verholzung der Zelle. Bei der Papierherstellung wird es aus dem Rohstoff Holz entfernt und landet im Abwasser.

„Der Rohstoff für Kunststoffe ist üblicherweise Erdöl", so Herrenbauer. „Wir wollen ihn direkt aus biologischen Quellen gewinnen und so den Zyklus der Erdölentstehung aus Holz umgehen. Die Herstellung dieser Stoffe aus regenerativen Quellen ist gegenüber der chemischen nachhaltig und bietet Kostenvorteile gegenüber anderen Polymeren biogenen Ursprungs."

In dem Projekt wird ein Rohrreaktor eingesetzt, in dem Titanoxid auf einer Sinterglasoberfläche aufgebracht wird. Titanoxid ist ein Halbleiter mit photokatalytischen Eigenschaften, das heißt, bei ihm werden durch Licht chemische Reaktionen ausgelöst. Die Katalysatorröhren werden von ligninhaltigem Wasser durchströmt und kontinuierlich mit Licht bestrahlt. Zwei plattenähnliche Leuchtmittel sorgen für eine gleichmäßige Bestrahlung von einer Wellenlänge zwischen 200 und 400 Nanometern. In der Folge wird das Lignin gespalten. Dabei können die gewünschten Grundstoffe - zum Beispiel Phenole - entstehen, aus denen die Chemische Industrie Kunststoffe wie etwa Nylon oder Kunstharz herstellt.

Das Gießener Forscherteam arbeitet aktuell an der Optimierung der Beschichtung der Katalysatorröhren und entwickelt Verfahren zur Bestimmung von Prozessparametern wie zum Beispiel des ph-Werts, der Salzkonzentration oder der Verweilzeit im Reaktor auf die Produktbildung. Kooperationspartner des Projekts, das bis 2013 läuft, sind Prof. Dr. Peter Czermak vom Institut für Bioverfahrenstechnik und Pharmazeutische Technologie der TH Mittelhessen, Prof. Dr. Detlef Bahnemann, Arbeitsgruppe Photocatalysis and Nanotechnology der Universität Hannover, und mehrere Industrieunternehmen.

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