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A. Aktuelles

Hier finden Sie alle aktuellen Meldungen chronologisch geordnet. Suchen Sie frühere Meldungen, so sehen Sie in den Sachgebieten nach oder geben rechts oben einen Suchbegriff in das Suchen-Feld ein.

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Das Forum steht allen Nutzern zur Verfügung. Hier können Sie alle Beiträge lesen, selbst Beiträge erstellen oder auf Beiträge antworten

C. Fachwissen

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         a) Vom Bund
         b) Aus der EU und aller Welt
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         a) Beiträge zum Umweltgesetzbuch
         b) Beiträge zur Wasserrahmenrichtlinie (WWRL)
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         d) Fachzeitschriften
         e) Lexika und Wörterbücher
11)  Tipps und Tricks

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Der zweite Schwerpunkt von Klärwerk.info. Hier finden Sie alles für Arbeitnehmer und Vorgesetzte und was Sie persönlich angeht.

1)      Arbeitssicherheit
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         c) Gesetze und Verordnungen zur Arbeitssicherheit
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         a) Ansprechpartner
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19.06.2019 14:51

Klärwerk.info / Ablage / Tägliche Meldungen 2013-2

Tägliche Meldungen 2013-2

 


Energie sinnvoller nutzen - Potenzial der Abwärme

Dr. Norbert Aschenbrenner Corporate Communications, Corporate Technology
Siemens AG

Siemens-Forscher untersuchen, wie verschiedene Komponenten eines künftigen Energiesystems möglichst optimal miteinander zusammenspielen. In seiner neuesten Ausgabe berichtet das Forschungsmagazin "Pictures of the Future" über die Chancen dieses multimodalen Energiesystems. Wissenschaftler der globalen Siemens-Forschung Corporate Technology (CT) wollen langfristig verschiedenste Energiequellen wie Öl und Gas, Wind, Sonne, Biomasse und Abwärme so kombinieren, dass sie möglichst effizient und umweltschonend Strom, Wärme, Kälte und Trinkwasser erzeugen. Bisher wurden meist nur einzelne Aspekte solcher Systeme betrachtet, etwa die Einspeisung erneuerbarer Energien. Nun beschäftigen sich die CT-Forscher mit Netzen aus vielen Komponenten und untersuchen ihre Wechselwirkungen und deren Einfluss auf die Gesamtstabilität.

Einen Aspekt, den die Forscher derzeit besonders untersuchen, ist die Nutzung von Abwärme, etwa von Maschinen oder Industrieanlagen. Vor allem Abwärme bei niedrigen Temperaturen wird heute noch kaum wirtschaftlich genutzt. Dennoch steckt auch darin wertvolle Energie - etwa für die Trinkwassererzeugung. Dafür haben Forscher aus Erlanger eine Demonstrationsanlage entwickelt: Abwärme im Temperaturbereich von 70 bis 120 Grad Celsius wird genutzt, um Abwasser zu verdunsten. Der entstandene Wasserdampf wird in einen Kondensator geleitet, wo er sich wieder niederschlägt. So entstehen reines Wasser und eine reduzierte Menge konzentrierten Abwassers.

In dem Prototypen strömt Schmutzwasser von oben durch isolierte Rohre und passiert mehrere Wärmetauscher, in denen es unter anderem durch die Abwärme erwärmt wird. Danach rieselt es im Verdunster nach unten und verdunstet. Ein Gebläse erzeugt einen Luftstrom, der das verdunstete Wasser mit nach oben nimmt, so dass es rechts auf der Kondensatorseite wieder kondensieren kann - und schon ist die Trennung perfekt. Um mit einem Minimum an elektrischer Energie so viel Wasserdampf wie möglich zu transportieren, muss die Temperaturverteilung und die Luftmenge präzise gesteuert werden. Der nächste Schritt wäre eine Pilotanlage, die pro Stunde 25 Kubikmeter Wasser reinigen kann. Das würde genügen, um in der Getränkeindustrie das Abwasser aus der Flaschenabfüllung zu reinigen. Die Technologie eignet sich aber auch dafür, Abwasser einer Brauerei oder Wasser aufzubereiten, das bei der Ölförderung anfällt.

Die Forscher entwickelten zudem eine neuartige Wärmepumpe, die sich auf maximal 140 Grad aufheizen kann - bisher lag die Obergrenze bei 90 Grad. Sie erreichen das durch ein spezielles Arbeitsmedium für den Wärmepumpenkreislauf. Mit der neuen Wärmepumpe ließen sich zum Beispiel 70 bis 90 Grad Celsius heiße Abwärme aus der Industrie oder die Wärme aus geothermischen Quellen auf die im Fernwärmenetz üblichen 130 Grad erhitzen und für die Heizung von Gebäuden nutzen.

http://www.siemens.com/press/de/pressebilder/?press=/de/pressebilder/innovationn...

Weitere Informationen:
http://www.siemens.de/innovationnews

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Wie das „gute Cholesterin" Entzündungen stoppt

Johannes Seiler Dezernat 8 - Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Das Lipoprotein hoher Dichte (HDL), umgangssprachlich als „gutes Cholesterin" bekannt, schützt vor gefährlichen Ablagerungen in den Arterien. Eine wichtige Funktion des HDL's ist seine anti-inflammatorische Eigenschaft. Ein internationales Forscherteam unter Federführung des Instituts für Angeborene Immunität am Bonner Universitätsklinikum und des LIMES-Instituts der Universität Bonn hat nun einen zentralen Schalter gefunden, über den das HDL die Entzündungsreaktionen steuert. Die Ergebnisse werden in der aktuellen Ausgabe von „Nature Immunology" vorgestellt.

Hohe Cholesterinwerte gelten als eine Ursache für gefährliche Ablagerungen in der Blutbahn, die zur Arterienverkalkung (Arteriosklerose) führen. In der Folge können sich Thrombosen, Schlaganfälle und Herzinfarkt entwickeln, die zu den häufigsten Todesursachen in den Industrienationen zählen. Das Lipoprotein geringer Dichte (LDL) gilt umgangssprachlich als das „böse Cholesterin", weil es Arteriosklerose fördert. Das Lipoprotein hoher Dichte (HDL) hilft dagegen als „gutes Cholesterin" beim Abtransport überschüssigen Cholesterins aus der Blutbahn und kann einer Entzündungsreaktion in geschädigten Gefäßwänden entgegenwirken.

„Es ist seit langem bekannt, dass HDL eine schützende Funktion bei Herzkreislauferkrankungen hat, die auf Atheriosklerose beruhen", berichtet Prof. Dr. Eicke Latz, Direktor des Instituts für Angeborene Immunität des Universitätsklinikums Bonn und zugleich Forscher am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und an der University of Massachusetts Medical School in den USA. „Auf welche molekularen Ursachen diese protektive Wirkung von HDL zurückzuführen ist, war bislang jedoch unklar." So hatten Studien gezeigt, dass eine Erhöhung der HDL-Werte im Blut von Patienten durch entsprechende Medikamente nicht ausreicht, um Patienten zu schützen. HDL hat anti-inflammatorische Funktionen auf Immunzellen. Allerdings waren die Mechanismen dieser Funktion bisher wenig verstanden. Die Forschergruppe hat nun untersucht, wie HDL auf Entzündungsprozesse einwirkt.

Bioinformatische Methoden brachten ein Kandidaten-Gen ans Licht

Die beiden Erstautoren Dr. Dominic de Nardo und Larisa Labzin kommen beide aus Australien und befinden sich in der Ausbildung im Labor von Prof. Latz. Warum das HDL chronischen Entzündungen vorbeugt, hat unter Federführung der Immunologen des Universitätsklinikums Bonn und weiterer Arbeitsgruppen der Universität Bonn nun ein internationales Forscherteam aus Japan, Australien, China, USA und Deutschland herausgefunden. In sehr aufwendigen, rund zweijährigen Versuchsreihen testete es an Immunzellen von Mensch und Mäusen, welche Gene durch einen hohen HDL-Gehalt reguliert werden. „Wir tappten zunächst vollkommen im Dunkeln", berichtet Prof. Latz. Eine enge Kooperation mit der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Joachim L. Schultze vom Life & Medical Sciences (LIMES) Institute der Universität Bonn brachte die Wissenschaftler schließlich auf die Spur. „Mit Hilfe genomischer und bioinformatischer Methoden konnten wir aus der Fülle von regulierenden Genen schließlich ein Kandidaten-Gen herausfiltern", ergänzt Prof. Schultze.

Dieses Gen kommt in Fresszellen vor, die im Körper wie Polizisten auf Streife gehen und als Teil der angeborenen Immunabwehr Eindringlinge festsetzen. Die Streifenpolizisten unterstützt eine Art „Verbrecherkartei", die so genannten Toll-ähnlichen Rezeptoren (TLR). Mit ihrer Hilfe können die Fresszellen zwischen „gut" und „böse" unterscheiden. Handelt es sich um einen gefährlichen Eindringling, können die TLR auch über biochemische Reaktionsketten die Ausschüttung von entzündungsfördernden Stoffen veranlassen. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der Transkriptionsregulator ATF3. „Er stoppt das Auslesen des Gens und verhindert, dass über die Toll-ähnlichen Rezeptoren die Entzündungsprozesse weiter stimuliert werden", erläutert Erstautor Dr. Dominic De Nardo aus dem Team von Prof. Latz.

Anhaltende Entzündungsreaktionen können zum Organversagen führen

Das Immunsystem nutzt Entzündungsprozesse, um Krankheitserreger in Schach zu halten, geschädigtes Gewebe abzustoßen und danach zu reparieren. Bei anhaltenden Entzündungsreaktionen kommt es aber zu gefährlichen Folgen - bis hin zur Blutvergiftung oder zum Organversagen. „Der Transkriptionsregulator ATF3 stoppt diese überschießenden Entzündungsreaktionen, indem er die sich hochschaukelnde Signalkette nach der übermäßigen Aktivierung von Immun-Rezeptoren durch eine Unterdrückung der Aktivierung von inflammatorischen Genen unterbricht", berichtet Dr. De Nardo. Letztlich ist das Lipoprotein hoher Dichte (HDL) für die Herunterregulation der Entzündungsreaktion verantwortlich, weil es wiederum ATF3 aktiviert. „Vereinfacht sind hohe HDL-Gehalte im Blut ein wichtiger Schutz vor andauernden Entzündungen", fasst Prof. Latz zusammen.

„Unsere Resultate weisen darauf hin, dass die Menge von HDL im Blut nicht allein ausschlaggebend für die Schutzfunktion des HDLs ist, sondern dass die anti-inflammatorische Funktion wahrscheinlich von großer Bedeutung ist. Außerdem weisen diese Studien auf einen molekularen Ansatz hin, über den sich die Entzündungsreaktion bei anderen Volkskrankheiten wie Diabetes therapieren lassen könnten", resümiert Prof. Latz.

Publikation:
High-density lipoprotein mediates anti-inflammatory reprogramming of macrophages via the transcriptional regulator ATF3, Nature Immunology, DOI: 10.1038/ni.2784

Kontakt:
Prof. Dr. Eicke Latz
Institut für Angeborene Immunität
des Universitätsklinikums Bonn
Tel. 0228/28751223
E-Mail: eicke.latz@uni-bonn.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Bakterien entschärfen giftiges Kadmium im Boden

Dr. Karl Guido Rijkhoek Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

Geomikrobiologen der Universität Tübingen untersuchen das Potenzial der unsichtbaren Helfer bei der Sanierung

Kadmium ist eines der weitverbreitetsten Schwermetalle auf Agrarflächen in der ganzen Welt und findet sich häufig in zu hohen Konzentrationen in Gemüse und Tabak. Die dauerhafte Einnahme von Kadmium kann bei Menschen zu Knochendeformationen und Krebs führen. Im Boden liegt Kadmium an Minerale gebunden vor. In dieser Form ist es nicht mobil und kaum schädlich. Seine Mobilität - und Gefährlichkeit - steigt jedoch durch den Einfluss von Bakterien, die Minerale auflösen und umsetzen können. Wie die Bakterien umgekehrt aber auch zur Reinigung kadmiumverseuchter Böden genutzt werden können, hat die Geomikrobiologin Eva Marie Mühe unter der Leitung von Professor Andreas Kappler und Dr. Martin Obst vom Zentrum für Angewandte Geowissenschaften der Universität Tübingen untersucht. Die Ergebnisse wurden in zwei Studien in der Fachzeitschrift "Environmental Science and Technology" publiziert.

Kadmium kommt in natürlichen Phosphatlagerstätten vor und gelangt so in phosphathaltige Düngemittel. Während die Gesetze in Deutschland vorschreiben, dass Phosphatdünger nicht mehr als 50 Milligramm Kadmium pro Kilogramm Phosphorpentoxid enthalten darf, fehlen solche Richtlinien auf EU-Ebene und in vielen anderen Ländern. Da die Ressource Phosphat sich weltweit dem Ende zuneigt, wird der Abbau auf qualitativ schlechtere Abbaustätten verlegt. Die Entfernung des Kadmiums aus dem abgebauten Phosphat ist kostspielig und unterbleibt in vielen Fällen. Das hat zur Folge, dass immer häufiger qualitativ schlechte Phosphatdünger auf Agrarflächen ausgebracht werden. Durch den steigenden Einsatz von Düngemitteln steigt auch insgesamt der Gehalt an Schwermetallen in Böden stetig an.

Die Verfügbarkeit des mineralgebundenen Kadmiums wird im Boden verringert, indem es in neu gebildete Eisenminerale eingebaut wird, zum Beispiel in das Mineral Magnetit. Dieses wird aufgrund seiner Stabilität, Reaktivität und Fähigkeit, Metalle zu binden, immer öfter zur Sanierung kontaminierter Böden und Gewässer eingesetzt. Das Tübinger Forscherteam konnte in Laborexperimenten mit kontaminierten Böden zeigen, dass es Bakterien sind, die kadmiumhaltige, rostige Eisenoxid-Minerale biologisch umsetzen und dadurch auflösen. Für genauere Untersuchungen haben sie ein geeignetes Bakterium aus einem kadmiumhaltigen Boden isoliert und als Laborkultur herangezüchtet. Dieser Stamm kommt selbst mit sehr hohen Kadmiumkonzentrationen zurecht.

„Die Studien zeigten, dass dieses Bakterium während der Auflösung des Eisenminerals das gebundene Kadmium zunächst in Lösung bringt, bevor dieses sich fast vollständig an neu gebildete Minerale, insbesondere den stabilen Magnetit, bindet", erklärt Andreas Kappler. Die Forscher halten es daher für möglich, dass dieses kurzzeitig mobile Kadmium aus kontaminierten Böden durch Pflanzen, die Metalle in ihren Organen ansammeln, aufgenommen werden könnte. „Wenn sich das als umsetzbar erweist, ließe sich das Metall verhältnismäßig einfach durch das Abernten der kadmiumspeichernden Pflanzen entsorgen", sagt der Geomikrobiologe.

Diese Arbeiten wurden finanziell von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) in Form eines Promotionsstipendiums für Eva Marie Mühe unterstützt.

Publikationen:
Muehe E M, Obst M, Hitchcock A P, Tylsizczak T, Behrens S, Schröder C, Byrne J M, Michel M, Krämer U, Kappler A. Fate of Cd during microbial Fe(III) mineral reduction by a novel and Cd-tolerant Geobacter species. Environmental Sci-ence and Technology, in press. DOI : 10.1021/es403365w

Muehe E M, Adaktylou I J, Obst M, Zeitvogel F, Behrens S, Planer-Friedrich B, Kramer U, Kappler A. Organic carbon and reducing conditions lead to cadmium immobilization by secondary Fe mineral formation in a pH neutral soil. Environmental Science and Technology (2013), 47,13430-13439. DOI: 10.1021/es403438n

Kontakt:
Prof. Dr. Andreas Kappler
Universität Tübingen
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Zentrum für Angewandte Geowissenschaften/ Arbeitsgruppe Geomikrobiologie
Tel. +49 7071 29-74992
andreas.kappler@uni-tuebingen.de

Weitere Informationen:
http://www.geo.uni-tuebingen.de/arbeitsgruppen/angewandte-geowissenschaften/fors... - die Arbeitsgruppe Geomikrobiologie

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Biogasproduktion: Hocheffiziente Allesfresser sollen Biomethan „on demand" liefern

Florian Klebs Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hohenheim

Insgesamt 1,7 Mio. Euro Fördermittel: Forscherteam der Universität Hohenheim entwickelt Prototyp für neue Generation zweiphasiger Biogasanlagen

Heute Stroh, morgen Küchenabfälle, übermorgen Mais: Die Biogasanlagen von morgen sollen anspruchslose Allesfresser sein, die das Maximum aus verschiedensten Ausgangsstoffen herausholen und bei niedrigen Betriebskosten reinstes Methangas liefern. Je nach Energiebedarf sollen sie außerdem Gas in unterschiedlichen Mengen produzieren, das ohne weitere Aufbereitung direkt ins Erdgasnetz eingespeist werden kann. Agrartechniker der Universität Hohenheim sind diesen Zielen bereits denkbar nah. In drei Forschungsprojekten feilen sie am Prototyp einer zweiphasigen Biogasanlage, die im Inneren unter selbst erzeugtem Hochdruck von bis zu 100 Bar steht. In einem Jahr soll sie in den Pilotbetrieb gehen. Im Rahmen der drei Projekte AG-HiPreFer, Elast2P und MethanoQuant wird die Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie an der Universität Hohenheim mit einem Betrag von über 1,7 Mio. Euro gefördert. Damit gehören die Projekte zu den Schwergewichten der Forschung an der Universität Hohenheim.

Um Biomasse vergären zu können, muss sie zuerst in verschiedene organische Säuren, Zuckerverbindungen und Alkohole umgesetzt werden, um diese Substanzen in einem zweiten Schritt in Methan verwandeln zu können. In herkömmlichen Biogasanlagen geschieht das in einem einzigen Fermenter. Eine neue Generation von Biogasanlagen teilt diesen Prozess auf zwei Fermenter auf.

„Es gibt eine Reihe zweiphasiger Biogasanlagen, die bereits im Pilotbetrieb laufen", berichtet Dr. Andreas Lemmer von der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie an der Universität Hohenheim. „Die neue Technologie macht sie gewissermaßen zu Allesfressern, die ganz unterschiedliche Arten von Biomasse vergären können. Außer Energiepflanzen z.B. auch Heu, Stroh oder Küchenabfälle. Auch der kurzfristige Wechsel unterschiedlicher Ausgangsstoffe ist dann für die Anlagen kein Problem. Das steigert die Flexibilität im Betrieb gegenüber herkömmlichen Anlagen enorm. "

Ein Ziel der Agrartechniker der Universität Hohenheim ist es nun, den vielversprechenden neuen Anlagen-Typ noch weiterzuentwickeln und insbesondere die Effizienz erheblich zu steigern.

Unter Hochdruck: Vom Bioreaktor direkt ins Netz

Unter anderem arbeiten die Wissenschaftler an einem Verfahren, mit dem das Bio-Methangas ohne weitere Aufbereitung direkt vom Gärkessel ins Erdgasnetz eingespeist werden kann. Der Schlüssel dazu liegt im zweiten Fermenter. Die Wissenschaftler lassen das erzeugte Gas dort so lange nicht entweichen bis eine Druckatmosphäre von ca. 100 bar erreicht ist.

„Das autogenerative Hochdruckverfahren ist eine Innovation, von der wir uns zwei entscheidende Vorteile erwarten", erklärt Dr. Lemmer. „Zum einen lassen sich die beiden entstehenden Gase Methan und Kohlendioxid durch den Druck einfach voneinander trennen. Das Methan ist danach so rein, dass es nur geringfügig weiter aufbereitet werden muss. Zum zweiten entfällt die energieaufwendige Verdichtung des Methans außerhalb des Bioreaktors. Bei herkömmlichen Biogasanlagen ist dies bisher notwendig, damit es in die unter Hochdruck betriebenen Erdgasleitungen eingespeist werden kann. In unserer Modellanlage wird Druck durch die Bakterien, die am Gärprozess beteiligt sind, selbst erzeugt. Es fällt also kein zusätzlicher Energieaufwand für die Verdichtung an."

Pilzkulturen recyceln Gärreste für maximale Methan-Ausbeute

Auch Substrate, die in herkömmlichen Anlagen so gut wie nicht abbaubar sind wollen die Agrartechniker mit ihrer Anlage verarbeiten. Möglich werden soll dies durch ein neues Verfahren, mit dem die Biomasse für das Vergären aufbereitet wird.

„Bisher konzentrierte sich die Forschung darauf, das Substrat zu bearbeiten bevor es in die Biogasanlage eingespeist wird", erklärt Dr. Simon Zielonka der Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie an der Universität Hohenheim. „Wir gehen den umgekehrten Weg und bereiten Reste wieder auf, die am Ende des Hydrolyse-Prozesses anfallen, damit sie ein zweites mal vergärt werden können. Das ist effizienter, weil wir genau den Teil der Biomasse behandeln, den die Bakterien nicht verarbeiten konnten."

Für die Wiederaufbereitung wird der Gärrest zuerst in einer speziellen Mühle zermahlen und anschließend durch eine Pilzkultur zersetzt. Nach dem zweiten Durchlauf in der Biogasanlage falle der Rest dann deutlich geringer aus, so Dr. Zielonka. Was nach dem zweiten Durchlauf übrig bleibe, könne schließlich als Dünger verwendet werden.

Biogas „on demand" federt Spitzenbedarf ab

Die Nachfrage nach Energie schwankt je nach Tageszeit. Herkömmliche Biogasanlagen liefern jedoch kontinuierlich dieselbe Gasmenge. Das An- und Ausschalten der Anlagen dauert sehr lange und Biogas zu speichern ist aufwendig und kostenintensiv. Um einen Spitzenbedarf abzufedern, entwickeln die Agrartechniker deshalb eine Steuertechnik, mit der die Methan-Produktion der zweiphasigen Biogasanlagen innerhalb von kürzester Zeit herauf- oder heruntergefahren werden kann.

Dazu wollen die Agrartechniker der Universität Hohenheim zwischen den beiden Fermentern einen Sensor anbringen. Dieser soll die Konzentration der Zuckerverbindungen, Alkohole und Fettsäuren in dem Flüssigkeitsgemisch erfassen, das vom ersten in den zweiten Fermenter gepumpt wird. Je nach Stromnachfrage soll der Sensor dann steuern wie viel von dem Flüssigkeitsgemisch weitergeleitet wird.

„Wenn weniger gebraucht wird als vorhanden, wird der Überschuss in einem Tank zwischengelagert", erklärt Dr. Zielonka „So können die Betreiber von Biogasanlagen einen Energie-Vorrat anlegen, der sich in Zeiten großer Gasnachfrage kurzfristig zu Gas verarbeiten und ins Netz einspeisen lässt."

Insgesamt 1,7 Mio. Euro Fördermittel

Die Arbeit der Forscher gliedert sich in drei Projekte, die insgesamt mit rund 4,6 Mio. Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung über den Projektträger Jülich GmbH gefördert werden. Davon erhält die Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie einen Anteil von 1,73 Mio. Euro.

Das Projekt AG-HiPreFer soll die technischen Voraussetzungen für die Hochdruck-Vergärung schaffen. Der Name steht für „Autogenerativ Two-Phase High Pressure Fermentation". Das Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Projektträger Jülich fördern das Teilprojekt der Landesanstalt mit 832.000 Euro. Projektpartner sind die DVGW-Forschungsstelle an der Universität Karlsruhe (DVGW-EBI), das Institut für Mikrobiologie und Weinforschung der Johannes Gutenberg Universität Mainz (IMW) und Centre de Recherche Public Gabriel Lippmann in Luxemburg (CRP).

Das Teilprojekt ELAST2P beschäftigt sich mit der Regulierung der Methan-Produktion je nach Strombedarf sowie mit der Wiederaufbereitung der Gärreste durch Pilzkulturen. Die Abkürzung ELAST2P steht für „Entwicklung von Sensortechnik und Grundlagen einer flexiblen lastabhängigen Steuerung der Intermediatbildung in zweiphasigen Biogas-Prozessen unter Berücksichtigung einer vollständigen Substratausnutzung". Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Teilprojekt der Universität Hohenheim mit knapp 421.000 Euro. Die Projektpartner kommen von der Goethe-Universität Frankfurt am Main, von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und von dem Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte e.V. an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Ziel des Teilprojekts MethanoQuant ist es biochemische Vorgänge innerhalb der Biogasanlage besser zu verstehen und zu quantifizieren. Der Name MethanoQuant steht für „Quantifizierung der Wege zur Methanentstehung". Das Projekt ist, wie die beiden anderen Projekte,Teil der Förderinitiative BioProFi (Bioenergie - Prozessorientierte Forschung und Innovation) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und wird von diesem mit über 476.000 Euro gefördert. Projektpartner sind die Goethe-Universität Frankfurt am Main (Koordination), die Brandenburgische Technische Universität Cottbus sowie das Steinbeis Forschungs- und Innovationszentren GmbH, Stuttgart.

Hintergrund: Schwergewichte der Forschung

Rund 27 Millionen Euro an Drittmitteln akquirierten Wissenschaftler der Universität Hohenheim im vergangenen Jahr für Forschung und Lehre. In loser Folge präsentiert die Reihe „Schwergewichte der Forschung" herausragende Forschungsprojekte mit einem Drittmittelvolumen von mindestens 250.000 Euro bei den Experimental- bzw. 125.000 Euro bei den Buchwissenschaften.

Dr. Simon Zielonka, Universität Hohenheim, Landesanstalt für Agrartechnik und Bioenergie
Tel.: 0711/459 22531, E-Mail: simon.zielonka@uni-hohenheim.de

Text: Weik / Leonhardmair

Weitere Informationen:
http://uhoh.de/pm-bilder/18200 "BIlder zur Pressemitteilung"

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Abfallwirtschaft profitiert vom Umweltschutz

Barbara Schönleben Öffentlichkeitsarbeit
Bayerische Forschungsallianz GmbH

Interesse für aktives Umweltmanagement bei europäischen Abfallwirtschaftsunternehmen gesteigert: Wissenstransfer-Initiative WE-EEN zieht positive Bilanz

München - Zum Ende ihrer zweijährigen Laufzeit zieht die Wissenstransfer-Initiative WE-EEN (Wizard of the Environment: the Enterprise Europe Network) eine positive Bilanz: Das von der Europäischen Kommission mit rund 870.000 Euro geförderte Projekt konnte zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen (KMU) aus der Abfallwirtschaft in Europa von den Vorteilen eines verstärkten Engagements zum Schutz der Umwelt überzeugen.

Seit Dezember 2011 hat WE-EEN europäischen Abfallwirtschaftsunternehmen Wege aufgezeigt, wie sie ökologische Herausforderungen in ökonomische Chancen wandeln können. Vielen dieser Firmen war nicht bewusst: Durch aktives Umweltmanagement haben sie die Möglichkeit, die Umwelt zu schonen und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile zu erlangen, wovon letztlich alle profitieren. So spart beispielsweise ein ausgearbeitetes Energiemanagement Kosten, liefert Transparenz hinsichtlich des Energieverbrauchs und zeigt mögliche Optimierungsbereiche auf. Es verbessert die eigene CO2-Bilanz, unterstützt den Klimaschutz und trägt darüber hinaus zu einem guten Image in der Öffentlichkeit bei.

Die Beratung der Unternehmen erfolgte durch erfahrene Umweltdienstleister, die sich im Rahmen von WE-EEN als Kooperationspartner engagiert haben. Auf diese Weise konnte das Projekt den Umweltschutz in der Abfallwirtschaft erfolgreich vorantreiben: An den Workshops zur Einführung von Umwelt- und Energiemanagementsystemen nahmen insgesamt über 120 KMU teil. Konkret wollen zehn Unternehmen Umweltmanagementsysteme implementieren beziehungsweise Energie-Audits durchführen. Sieben davon haben bereits mit den Audits begonnen und werden den Zertifizierungsprozess 2014 abschließen. In ihrer Funktion als internationale Plattform für Kooperation und Kommunikation hat WE-EEN zudem dazu beigetragen, dass Firmen ein zusätzliches Instrument für grenzüberschreitende Vernetzung erhielten.

Großes Interesse bei WE-EEN-Messeauftritten
Während der RENEXPO in Augsburg, einer internationalen Fachmesse für erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Energieinnovation, konnte WE-EEN im September 2013 eine kostenlose Informationsveranstaltung zum Thema „Energieeffizienz in Unternehmen" durchführen. Erfahrene Berater referierten über den konkreten Nutzen von Energiemanagementsystemen, über deren Rahmenbedingungen sowie Fördermöglichkeiten für die Implementierung dieser Systeme. Diese Informationen sind vor dem Hintergrund wichtig, dass Firmen seit Anfang 2013 den Spitzenausgleich, also Steuererleichterungen bei der Energie- und Stromsteuer, nur noch erhalten, wenn sie ein zertifiziertes und den internationalen Normen entsprechendes Energiemanagementsystem nachweisen können.
Im Oktober 2013 hat die Bayerische Forschungsallianz (BayFOR), das einzige deutsche Mitglied im WE-EEN-Konsortium, mit mehreren KMU an der „Ecomediu Environmental Fair" in Rumänien teilgenommen. Ecomediu ist eine internationale Messe mit dem Schwerpunkt „Technologien für die Abfallwirtschaft". Der Veranstalter dieser Messe - die Industrie und Handelskammer Arad - ist gleichzeitig auch als Projektpartner in WE-EEN beteiligt. Ziel des Besuchs war einerseits die Stärkung der Zusammenarbeit innerhalb des Konsortiums, andererseits ermöglichte er den Informationsaustausch zwischen den in WE-EEN beteiligten Regionen und somit die Anbahnung weiterer grenzüberschreitenden Kooperationen innerhalb des Projekts. Die deutschen Firmen stellten neue, hocheffiziente Technologien für die reststofffreie Abfallverwertung mit Energiegewinnung vor, die großes Interesse bei den Teilnehmern weckten. Der Fokus lag dabei auf dem Umgang mit gemischten, nicht getrennten Haushaltsabfällen, die eine beachtliche Kosteneinsparung für Gemeinden und Abfallentsorger generieren kann. Mehr als 200 Besucher informierten sich auf der Veranstaltung über die Unternehmen und das Projekt. Daraus resultierten zahlreiche bilaterale Treffen mit privaten Firmen und öffentlichen Einrichtungen. Über ein Dutzend lokale Behörden und Betriebe waren im Anschluss an einer Zusammenarbeit mit den deutschen teilnehmenden KMU interessiert.

Über die Wissenstransfer-Initiative WE-EEN
WE-EEN (Wizard of the Environment: the Enterprise Europe Network) war ein Projekt im Rahmen des Enterprise Europe Network (EEN). Das EEN ist ein europäisches Netzwerk, das KMU Beratung und Unterstützung rund um die Themen Fördermittel, Forschungsprogramme, öffentliches Auftragswesen, Markterschließung und Innovationsförderung auf europäischer Ebene bietet. Ziel von WE-EEN war es, das Umweltbewusstsein in KMU aus der Abfallwirtschaft durch Beratungen und Schulungen zu erhöhen sowie Möglichkeiten für die Zusammenarbeit durch internationale Veranstaltungen zu schaffen. Dem Konsortium gehörten neben Koordinator Italien Deutschland (Bayern), Rumänien, Griechenland, Bulgarien, Slowenien, Montenegro, Kroatien, Mazedonien und Serbien an. Die BayFOR war dafür verantwortlich, bayerische Umweltdienstleister und Experten der Abfallwirtschaft zu identifizieren, die bereit sind, den Wissenstransfer in den beteiligten Ländern zu unterstützen und zu etablieren.

Über die Bayerische Forschungsallianz GmbH (BayFOR)
Die Bayerische Forschungsallianz GmbH berät und unterstützt bayerische Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft umfassend beim Einwerben von europäischen Forschungsgeldern mit dem Ziel, den Wissenschafts- und Innovationsstandort Bayern im Forschungsraum Europa fortzuentwickeln. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem neuen Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, Horizon 2020. Als Partner im Enterprise Europe Network (EEN) bietet die BayFOR zudem gezielte Beratung und Unterstützung für bayerische Unternehmen - insbesondere KMU - an, die sich für eine Teilnahme an EU-Forschungs- und Innovationsprojekten interessieren. Des Weiteren koordiniert die BayFOR die gemeinsamen Aktivitäten der Bayerischen Forschungsverbünde und unterstützt ihre Vernetzung auf europäischer Ebene. Die BayFOR beheimatet außerdem die Wissenschaftliche Koordinierungsstelle Bayern-Québec/Alberta/International der Bayerischen Staatsregierung, die den Aufbau gemeinsamer Forschungsprojekte mit Wissenschaftlern aus diesen Regionen gezielt unterstützt. Die BayFOR ist eine Partner-Organisation im bayerischen Haus der Forschung (http://www.hausderforschung.bayern.de). Weitere Informationen finden Sie unter http://www.bayfor.org.

Kontakt:
Dipl.-Oec. Cristina Saftoiu
Projektmanagerin WE-EEN in der BayFOR
Prinzregentenstraße 52
D-80538 München
Tel.: +49 (0)89 9901888-206
E-Mail: saftoiu@bayfor.org
Internet: http://www.bayfor.org/we-een_projekt

Christine Huber
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der BayFOR
Tel.: +49 (0)89 9901888-113
E-Mail: huber@bayfor.org

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Wenn Aggressionen krankhaft sind

Robert Emmerich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Aggressionen gehören zum normalen Verhaltensrepertoire des Menschen. Warum nehmen sie manchmal krankhafte Ausmaße an? Wie lässt sich die Therapie verbessern? Das erforscht ein neuer europäischer Verbund, an dem Würzburger Mediziner beteiligt sind.

Sie streiten oft, sie stören den Unterricht, sie bekommen Wutanfälle. Sie zerstören Gegenstände und sie attackieren andere Menschen - verbal und körperlich. Die Rede ist von Kindern und Jugendlichen, die an einer Verhaltensstörung mit gesteigerter Aggression leiden.

Übermäßige Aggressionen treten auch häufig bei ADHS-Patienten auf: Wer das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom hat, reagiert oft schon bei nichtigen Anlässen so überschießend impulsiv, dass er auf andere Menschen aggressiv wirkt.

Diese beiden Patientengruppen hat der neue europäische Forschungsverbund „Aggressotype" im Blick. Sein Ziel ist es, die biologischen Grundlagen der Aggression noch besser zu erforschen. Zudem will er neue Möglichkeiten für die Früherkennung und Behandlung entwickeln. Dem Verbund zufolge liegt die Zahl der betroffenen Patienten in Europa bei über 5,4 Millionen.

Zwei Würzburger Forscher beteiligt

Von der Uni Würzburg sind an dem Verbund die Teams der Professoren Andreas Reif und Klaus-Peter Lesch beteiligt. Sie befassen sich vorrangig mit der Neurobiologie von Aggressionen und forschen beide an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik.

Reif und Lesch wollen herausfinden, welche Gene an der Entstehung des krankhaft-aggressiven Verhaltens mitwirken. Zudem werden sie die Vorgänge in den Gehirnregionen genauer untersuchen, die bei Aggressionen aktiv sind. Für ihre Vorhaben bekommen sie von der Europäischen Union rund 1,4 Millionen Euro Fördergeld.

Therapien könnten besser sein

Der Verbund „Aggressotype" hofft darauf, dass sich aus seiner Arbeit auch neue Therapien für Aggressionen ableiten lassen. „Prinzipiell werden Aggressionen derzeit psychotherapeutisch und bei Bedarf zusätzlich mit Medikamenten behandelt", sagt Professor Reif. Beide Ansätze seien verbesserungsfähig: „Die wenigen verfügbaren Medikamente wurden nicht speziell für Aggressionen entwickelt, und die Therapie mit ihnen verläuft nicht immer erfolgreich."

Die Europäische Union fördert das Projekt „Aggressotype" in den kommenden fünf Jahren mit insgesamt sechs Millionen Euro. Eingebunden sind 23 Partnerinstitutionen aus elf Ländern. Das Projekt ist im November 2013 gestartet.

Kontakt
Prof. Dr. Andreas Reif, Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Universität Würzburg, T (0931) 201-76402, reif_a@ukw.de

Weitere Informationen:
http://ec.europa.eu/research/health/medical-research/brain-research/projects/agg... Mehr Infos über das EU-Projekt „Aggressotype"

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Übung führt zum Erfolg: Aufgabensammlung Chemie für Studium und Beruf

Dr. Wolfgang Weber Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Amberg-Weiden

Im November 2013 erschien im Verlag Springer Vieweg die „Chemie Aufgabensammlung für Ingenieure und Naturwissenschaftler" von Prof. Dr. Peter Kurzweil, Fakultät Maschinenbau/Umwelttechnik der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden in Amberg. Nach dem Konzept der gleichnamigen Physik-Aufgabensammlung begleitet das Chemie-Übungsbuch durch ein breites Spektrum von Fragestellungen.

Alle Teilgebiete der klassischen und modernen Chemie werden durch Rechenaufgaben, Wissensfragen und Lösungstipps abgedeckt. Anwendungen aus der physikalischen Chemie, Elektrochemie, Werkstoff-, Energie- und Verfahrenstechnik, Strukturaufklärung, Polymerchemie und Toxikologie stellen den praktischen Bezug zur Arbeitswelt her. Neben Aufgaben für Studienanfänger(innen) zur Wiederholung der Schulchemie finden sich auch umfangreichere und komplexere Aufgaben für Fortgeschrittene in Bachelor- und Masterstudiengängen. Das detaillierte Stichwortverzeichnis und der übersichtliche Formelsatz führen zielsicher zu Lösungswegen bei der Prüfungsvorbereitung und in der beruflichen Praxis.

Querverweise in die bei Springer Vieweg erschienene Physik-Formelsammlung und das Chemiebuch stellen einen hilfreichen Bezug der Werke untereinander her. Das Aufgabenbuch wendet sich an Studierende aller technischen, naturwissenschaftlichen und medizinischen Fächer, an Schüler(innen) in Gymnasien und Fachschulen, an Praktiker(innen) in Laborberufen sowie Dozentinnen und Dozenten.

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Wie Schokolade glücklich macht

Dr. Ute Schönfelder Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Bioinformatiker der Universität Jena entwickeln mit Forschern aus Norwegen umfassendes Computermodell für den Stoffwechsel der Aminosäure Tryptophan

Gefüllte Lebkuchenherzen, Dominosteine, Schokoladennikoläuse - die süßen Vorboten der Weihnachtszeit stapeln sich schon seit einigen Wochen in den Läden. Und dank der gerade beginnenden Adventszeit kann das große Naschen nun auch endlich beginnen. Schon beim Gedanken daran, wie die süße Leckerei auf der Zunge zergeht, werden vermutlich viele Naschkatzen von einem wohligen Glücksgefühl erfasst.

Und das kommt nicht von ungefähr, wie Prof. Dr. Stefan Schuster von der Friedrich-Schiller-Universität Jena weiß. Der Bioinformatiker hat jetzt gemeinsam mit Forschern aus Norwegen ein Computermodell entwickelt, mit dem sich simulieren lässt, was in unserem Körper abläuft, wenn wir die Aminosäure Tryptophan zu uns nehmen, die in Schokolade enthalten ist. In der aktuellen Ausgabe des Journal of Biological Chemistry stellt das Wissenschaftlerteam das bislang umfassendste Modell des komplexen Stoffwechsels von Tryptophan vor, die neben anderen Substanzen bei der Wirkung von Schokolade eine Rolle spielt (DOI: 10.1074/jbc.M113.474908).

„Aus Tryptophan entsteht im Körper Serotonin", erläutert Schuster. Serotonin wiederum ist ein Hormon und Botenstoff im Gehirn, das ein Wohlgefühl auslöst. Da unser Körper selbst Tryptophan nicht herstellen kann, müssen wir es mit der Nahrung aufnehmen, etwa aus Sojabohnen und Geflügel oder eben Kakao und Schokolade. Doch nicht nur als „Zutat" für Glücksmomente brauchen wir Tryptophan. Auch für das Schlafhormon Melatonin ist die Aminosäure der entscheidende Baustein. „Abbauprodukte von Tryptophan spielen wiederum bei einigen neurodegenerativen Erkrankungen sowie bei Alterungsprozessen eine Rolle", macht Schuster die Vielfalt der Wirkungen deutlich.

Der komplexe Tryptophan-Stoffwechsel war bislang biochemisch zwar weitgehend bekannt. „Allerdings lässt sich erst anhand eines Computermodells das Zusammenspiel der Einzelreaktionen und Zwischenprodukte sowie ihrer Regulationsmechanismen als Gesamtsystem erfassen", verdeutlicht Prof. Dr. Ines Heiland, eine der Erstautorinnen der Studie. Die Wissenschaftlerin von der Universität Tromsø war bis vor etwa einem Jahr am Lehrstuhl von Prof. Schuster in Jena tätig und hat mit den Kollegen hier den systembiologischen Forschungsansatz erarbeitet.

Für ihr Modell des Tryptophan-Stoffwechsels im Menschen haben die Bioinformatiker sehr umfangreiche experimentelle Daten zum Ablauf der weit verzweigten Stoffwechselwege und der dazugehörenden Transportvorgänge zusammengetragen. Diese wurden anschließend in ein Gesamtmodell integriert, das es nun erstmals ermöglicht, detailliert die Wirkungen von Tryptophan und seiner Stoffwechselprodukte in einzelnen Geweben oder Organen realitätsnah zu simulieren.

Vielversprechende Anwendungsmöglichkeiten sehen die Forscher vor allem in der medizinischen Diagnostik und bei der Entwicklung neuer Therapien für neurodegenerative Erkrankungen, wie Parkinson oder Alzheimer. Das Computermodell erlaube es nun nicht nur, den Krankheitsverlauf besser zu verstehen. „Wir können daran auch testen, an welchen Stellen des Stoffwechsels regulierend eingegriffen werden kann und wie sich diese Veränderungen auf den gesamten Metabolismus auswirken", erläutert Prof. Heiland.

Original-Publikation:
Stavrum A.-K. et al.: Model of Tryptophan Metabolism, Readily Scalable Using Tissue-specific Gene Expression Data, The Journal of Biological Chemistry, Vol. 288, Issue 48, 34555-34566, November 29, 2013 (DOI: 10.1074/jbc.M113.474908)

Kontakt:
Prof. Dr. Stefan Schuster
Lehrstuhl für Bioinformatik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Ernst-Abbe-Platz 2, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949580
E-Mail: stefan.schu@uni-jena.de

Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

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Kostbares Nass: Hochwertige Produkte aus feuchter Biomasse

Christian Colmer Pressestelle
ttz Bremerhaven

EU-Projekt "NEWAPP" fokussiert auf Anwendung des HTC-Prozesses

Mit einem neuen EU-Forschungsprojekt sollen innovative Anwendungsmöglichkeiten für den Abfallstrom „feuchte Biomasse" gefunden werden. Insgesamt werden acht Projektpartner aus vier EU-Ländern für die nächsten 30 Monate an dem im November gestarteten Projekt „NEWAPP" arbeiten. Der Fokus liegt auf der Anwendung des HTC-Prozesses, mit dem feuchte Biomasse in kohleähnliche Produkte umgewandelt werden kann.

Bremerhaven, Dezember 2013. Unter den Teilnehmern sind Forschungseinrichtungen und Branchenexperten von Verbänden und Unternehmen. Die EUBIA (European Biomass Industry Association) mit Sitz in Brüssel koordiniert das Konsortium an dem auch der Spanische Oberste Rat für wissenschaftliche Forschung (CSIC, Spain), die belgische Association of cities and regions for recycling and sustainable resource management (ACR+), der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) die Technische Universität Dänemark sowie Ingelia S.L (Spanien), Terra Preta (TP, Deutschland) und das ttz Bremerhaven teilnehmen.

Nach Angaben der Projektgruppe fallen pro Jahr in der EU zwischen 120 und 140 Millionen Tonnen Bioabfälle an, beispielsweise feuchte landwirtschaftliche Rückstände und feuchte kommunale Abfälle wie Laub, Gras oder Nahrungsreste. 67% der Materialien werden verbrannt oder deponiert. Eine geringe Menge wird kompostiert, anaerob vergärt oder als Viehfutter genutzt. „Feuchte Biomasse ist in großen Mengen verfügbar, jedoch existieren kaum intelligente Verfahren für die Behandlung. Diese Materialien sind eine wertvolle Ressource und können in Produkte umgewandelt werden, die Vorteile für die Abfallbehandlung, die erneuerbaren Energien und die Industrie haben. Wir wollen deshalb eine Abkehr von der Deponierung dieser Materialien hin zu einer in ressourceneffizienten Verwertung", erklärt Projektteilnehmer Andrea Salimbeni (EUBIA).

Nach Einschätzung von NEWAPP ist HTC (Hydrothermale Carbonisierung) ein kosten- und ressourceneffizientes sowie umweltfreundliches Verfahren, um Abfälle zu vermeiden und gleichzeitig Primärbrennstoffe zu ersetzen. Während des HTC-Prozesses wird Biomasse unter Anwesenheit von Wasser moderaten Temperaturen und Drücken ausgesetzt. Dabei entstehen zwei Hauptprodukte: ein kohleähnlicher Stoff (HTC Kohle) und eine nährstoffreiche Wasserlösung.

Zu Beginn der nächsten 2,5 Jahre wird NEWAPP die HTC-Anlage von Ingelia nutzen, um Versuche mit fünf verschiedenen Biomasseströmen zu fahren. Dann liegt der Fokus auf der Entwicklung eines neuen technischen Nutzungspfads für die Umwandlung von Bioabfällen in hochwertige Produkte. Die Gruppe wird erforschen, welche verschiedenen Produkte aus den ausgewählten Stoffströmen durch den HTC-Prozess gewonnen werden könne. Schließlich soll es um Qualitäts- und Sicherheitsstandards sowie Techniken für die Wertschöpfung von HTC-Produkten gehen. Mögliche Anwendungsfelder der HTC-Produkte sind Energiegewinnung, Wasserbehandlung, Bodenaufbereitung und Kohlenstoffbindung. Zu vielversprechenden Anwendungsfeldern sollen auch Business- Pläne erstellt werden.

Das Projekt ist Teil des 7. Rahmenprogramms der Europäischen Union. Das Budget beläuft sich auf rund 2,58 Mio. Euro. Der Förderanteil beträgt rund 1,76 Mio. Euro. (Textquelle: bvse/ EU-Forschungsprojekt "NEWAPP")

Ansprechpartner für das Projekt:
Anna Wagner, wagner@bvse.de (bvse)
Bárbara De Mena Pardo, bdemena@ttz-bremerhaven.de (ttz Bremerhaven)

Weitere Informationen:
http://www.ttz-bremerhaven.de
http://www.facebook.com/ttzBremerhaven
http://www.twitter.com/ttzBremerhaven
http://www.xing.com/companies/ttzbremerhaven

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Schwarm-Intelligenz: Zankende Erdmännchen treffen die besseren Entscheidungen

Kerstin Skork Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Wenn die Mitglieder einer Gruppe, wie beispielsweise Erdmännchen, unterschiedliche Interessen verfolgen, kommt die Gruppe zu besseren gemeinsamen Entscheidungen. Dies zeigt eine Studie von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung (MPIB) in Berlin und der London School of Economics (LSE).

Konflikte innerhalb einer Gruppe können zu besseren Ergebnissen führen als die Übereinstimmung ohne jeglichen Widerspruch. Bisherige Studien, die sich mit dem Thema Schwarm-Intelligenz in der Biologie beschäftigten, haben Interessenskonflikte weitestgehend ausgeklammert. Doch nun legte die Forschergruppe des MPIB und der LSE in der vorliegenden Untersuchung einen Fokus auf das Thema. Die Wissenschaftler werteten dafür theoretische Daten von Tieren aus, die in sozialen Gruppenverbänden leben. Die Ergebnisse wurden in der Novemberausgabe der Zeitschrift „The American Naturalist" publiziert.

Die Studie zeigt, dass es für die Erreichung eines gemeinsamen Ziels in einer Gruppe am besten ist, wenn unterschiedliche Interessen zusammen kommen. Wichtig ist lediglich, dass die einzelnen Tiere ein gemeinsames Hauptziel verfolgen, wie zum Beispiel die Futtersuche oder den Schutz vor möglichen Angreifern. Ein von den Wissenschaftlern entwickeltes Entscheidungs-Modell demonstriert, dass Individuen in einer Gruppe mit unterschiedlichen Interessen weniger häufig die gleichen Fehler machen. Stattdessen machen sie unterschiedliche Fehler. Da sich in einer kollektiven Entscheidung jedoch unterschiedliche (aber nicht gleiche) Fehler gegenseitig ausgleichen, kommt es in einer Gruppe mit Interessenskonflikten zu akkurateren Gruppenentscheidungen. „Gemeinsame Entscheidungen in Gruppen basieren auf kleineren Meinungsverschiedenheiten, die Fehler ausgleichen. Dies heißt, dass sich die Qualität einer Gruppenentscheidung durch die Anzahl der unterschiedlichen Entscheidungsträger verbessern kann", sagt Professor Christian List von der LSE.

Ein Beispiel ist die Futtersuche: Auf der Suche nach Nahrung wählen Gruppen mit unterschiedlichen Interessen zuverlässiger die reichhaltigeren Futterplätze aus als Gruppen mit vollkommen übereinstimmenden Interessen. Auf diese Art profitiert jeder in der Gruppe von dem Konflikt, der letztendlich zum besseren Ergebnis führt. Und schließlich werden Entscheidungen trotz Konflikten getroffen, da es nicht im Interesse von sozialen Gruppen wie den Erdmännchen liegt, dass die Gruppe auseinander geht.

„Unsere Ergebnisse zeigen auch, dass gemeinsame Entscheidungen, die ohne Interessenskonflikte zustande kamen, häufig überraschend schlecht sind. Dies liegt daran, dass gleichgesinnte Tiere oftmals in denselben Situationen die gleichen Fehler machen, die sich dann im Kollektiv nicht gegenseitig ausgleichen können. Es ist möglich, dass dies auch auf menschliche Gruppenentscheidungen anwendbar ist und würde dann ein starkes Argument dafür liefern, verschiedene Interessensgruppen und Minderheiten nicht von gemeinsamen Entscheidungen auszuschließen", sagt Studienleiterin Dr. Larissa Conradt, Wissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin und Expertin für das Gruppenverhalten von Tieren.

Originalstudie
Conradt, L., List, C., Roper, T. J. (2013). Swarm Intelligence: When Uncertainty Meets Conflict. American Naturalist.
Volume: 182 Issue: 5 Pages: 592-610
doi: 10.1086/673253

Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Das MPI für Bildungsforschung wurde 1963 in Berlin
gegründet und ist als interdisziplinäre
Forschungseinrichtung dem Studium der mensch
lichen Entwicklung und Bildung gewidmet. Das
Institut gehört zur Max-Planck-Gesellschaft z
ur Förderung der Wissenschaften e.V., einer der
führenden Organisationen für Grundlagenforschung in Europa.

Weitere Informationen:
http://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2013/12/schwarm-intelligenz-zankende-erd...

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Grafiken zu Grippe: Impfraten in Deutschland zu niedrig // Ausgeprägte regionale Unterschiede

Barbara Ritzert Pressestelle Versorgungsatlas - ProScience Communications
Versorgungsatlas

NACHTRAG GRAFIKEN:
In Deutschland lassen sich zu wenig Menschen gegen Grippe impfen, obwohl
jährlich 5000 bis 10000 an dieser Virusinfektion sterben. Das belegt eine
Analyse des Wissenschaftler-Teams vom Versorgungsatlas.

KONTAKT:
Versorgungsatlas
Pressestelle: Dipl. Biol. Barbara Ritzert · ProScience Communications - die Agentur für Wissenschaftskommunikation GmbH
Andechser Weg 17 · 82343 Pöcking · Fon 08157 9397-0 · presse@versorgungsatlas.de

Weitere Informationen:
http://www.versorgungsatlas.de

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Neue Studie der Universität Halle: Ernährung von heute ist umweltfreundlicher als vor 20 Jahren

Manuela Bank-Zillmann Pressestelle
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Eine neue wissenschaftliche Untersuchung zeigt, dass das aktuelle Ernährungsverhalten der Deutschen nicht nur gesünder, sondern auch umweltfreundlicher als noch vor 20 Jahren ist. Dazu werteten Forscher der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg repräsentative Daten aus den nationalen Verzehrstudien aus und verglichen diese mit den offiziellen Ernährungsempfehlungen. Die heutige Ernährung mit - weniger Fleisch- und Wurstprodukten sowie einem gestiegenen Verzehr an Getreideprodukten, Gemüse und Obst - hat deutlich positive Auswirkungen auf die Umwelt. Allerdings werden diese Fortschritte durch ein stärkeres Wegwerfverhalten zum Teil wieder ausgebremst, so die Wissenschaftler.

Für die Studie werteten die Forscher beide nationale Verzehrsstudien aus, die in den Jahren 1985 bis 1989 und im Jahr 2006 durchgeführt wurden. In beiden Studien wurden jeweils rund 20.000 Menschen in Deutschland ausführlich zu ihrem Ernährungsverhalten befragt.

Beim Großteil der untersuchten Umwelteffekte zeigte sich im Jahr 2006 im Vergleich zum Ernährungsverhalten in den 1980er Jahren deutliche Umweltentlastungen. Gleichzeitig näherte sich das Ernährungsverhalten der Deutschen den offiziellen Ernährungsempfehlungen an. „Das ist unter gesundheitlichen Gesichtspunkten positiv zu bewerten", sagt Studienleiter Dr. Toni Meier vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften. Mit einer vegetarischen Ernährung oder einer gänzlich pflanzenbasierten Kost ließe sich der negative Einfluss der Ernährung auf die Umwelt noch weiter reduzieren. „Allerdings muss jeder für sich selbst entscheiden, welche Kostform die geeignetste ist, da individuelle Faktoren berücksichtigt werden müssen", betont Meier.

Neben einer prinzipiell positiven Entwicklung wurden in der Studie jedoch auch Problemfelder der derzeitigen Ernährung identifiziert. Neben einem deutlich gestiegenen Verbrauch an Wasser wird die Umwelt durch übermäßige Nahrungsmittelabfälle zusätzlich belastet. „Wasser als knappe Ressource stellt vor allem bei importiertem Obst, Nüssen und Gemüse aus sonnenreichen, aber auch trockenen Südländern ein Problem dar", fasst der Leiter der Studie zusammen. Gerade diese Produkte hätten aber im Verbrauch stark zugenommen. Um diesem Dilemma aus dem Weg zu gehen, sollten Verbraucher stattdessen einheimischer Ware den Vorzug geben.

Beim Thema Abfälle wirkt sich ungünstig aus, dass heutzutage verschwenderischer mit Nahrungsmitteln umgegangen wird als Ende der 1980er Jahre. „Würden die Menschen heutzutage noch so sorgsam mit Nahrungsmitteln umgehen wie vor 20 Jahren, wäre der Umwelt deutlich geholfen", so Meier.

Die Studie wurde in der Zeitschrift Environmental Science and Technology veröffentlicht. Download unter: www.nutrition-impacts.org

Ansprechpartner:
Dr. Toni Meier
Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften
Lehrstuhl für Allgemeinen Pflanzenbau/Ökologischen Landbau
Telefon: 0345 55 22 633
toni.meier@landw.uni-halle.de

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Resistent gegen Grippe

Dr. Jan Grabowski Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

Gendefekt schützt Mäuse vor Infektion mit bestimmten Influenza-Viren

Fehlt Mäusen ein Eiweiß namens Tmprss2, dann erkranken sie nicht mehr an bestimmten Grippe-Viren. Das haben Forscher des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig jetzt in Zusammenarbeit mit Kollegen aus Göttingen und Seattle entdeckt. Ihre Ergebnisse veröffentlichen sie im wissenschaftlichen Journal PLOS Pathogens.

Ob H1N1, H5N1 oder H7N9: Vom Grippevirus Influenza A existiert eine Vielzahl von Typen, da die beiden Hüllproteine Hämagglutinin (HA) und Neuraminidase (NA) immer wieder neu kombiniert werden. Theoretisch sind über 100 verschiedene Paarungen möglich. Aber auch die Hüllproteine selbst verändern sich immer wieder. Diese Wandelbarkeit des Virus ist einer der Gründe, warum die Grippe-Schutzimpfung jedes Jahr wiederholt werden muss.

Das Hämagglutinin dient dem Virus dabei als Schlüssel, um in die Wirtszellen zu gelangen. Diese kapert es für die Herstellung neuer Viruspartikel. Das Hüllprotein muss, um seine endgültige Form und damit auch seine Funktionalität zu erhalten, durch eine molekulare Schere gespalten werden. Diese Aufgabe übernimmt ein Enzym des infizierten Wirtes. In Zellkultur-Arbeiten konnten bereits verschiedene solcher Proteasen genannte Enzyme identifiziert werden, die genau dies tun.

Wie wichtig diese Enzyme für den Infektionsverlauf sind, zeigen jetzt Wissenschaftler des Braunschweiger Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung: Mäuse mit einer Mutation im Gen für die Protease Tmprss2 erkranken nicht an Grippeviren, die ein Hämagglutinin vom Typ H1 besitzen. Sie sind damit unter anderem resistent gegen H1N1, also den Erreger der „Schweine-Grippe" aus dem Jahr 2009 oder gegen die gefürchtete „Spanische Grippe" aus dem Jahr 1918. „Diese Mäuse erleiden keinen Gewichtsverlust und ihre Lungen werden kaum geschädigt", sagt Prof. Klaus Schughart, Leiter der Abteilung Infektionsgenetik am HZI. „Zwar vermehren sich die Viren in der Lunge, aber es werden keine aktiven Viruspartikel gebildet, die die umliegenden Zellen infizieren können." Die Infektion kommt rasch zum Erliegen.

Dass es sich bei der Protease Tmprss2 um einen „Wirtsfaktor" handelt, also ein Werkzeug aus dem Repertoire des infizierten Organismus, macht sie zu einem möglichen Angriffspunkt für neue Medikamente. Bisherige Mittel, beispielsweise das bekannte Tamiflu, greifen Bestandteile des Virus an und haben deswegen einen entscheidenden Nachteil: Wenn sich das Virus verändert, kann es resistent werden und die Therapie schlägt nicht mehr an.

Bei einem medikamentösen Eingriff in den Stoffwechsel des Kranken hingegen droht diese Gefahr nicht. Darüber hinaus sind die von Schughart und seinem Team untersuchten Mäuse völlig unauffällig. „Wir haben bei den Mäusen keinen veränderten Phänotyp beobachten können. Sie zeigen keine Beeinträchtigungen im Verhalten oder der Lebenserwartung, vermutlich weil das Fehlen von Tmprss2 im Organismus von verwandten Proteinen kompensiert wird", sagt Dr. Bastian Hatesuer, einer der an dem Projekt beteiligten Wissenschaftler. Da also nicht mit starken Nebenwirkungen zu rechnen ist, wäre eine kurzzeitige Blockierung von Tmprss2 eine potentielle neue Therapiemöglichkeit.

Auch wenn ein entsprechendes Medikament noch lange nicht in Sicht ist, hat die Beobachtung der Forscher eine andere wichtige Bedeutung: „Bisher wurde nur in Zellkulturen gezeigt, dass die Virusvermehrung von der Protease abhängt", sagt Schughart. „Aber im lebenden Organismus hat das vor uns noch niemand nachweisen können."

Vermutlich gibt es, analog zu den Mäusen von Schughart, auch Menschen, die durch einen Defekt in der entsprechenden Protease resistent gegen bestimmte Grippeviren sind. Jedoch bleiben diese bisher unerkannt: „Diese Menschen werden nicht krank und gehen auch nicht zum Arzt", sagt Hatesuer. „Also wissen sie auch nichts von ihrer Resistenz."

Originalpublikation:
Bastian Hatesuer, Stephanie Bertram, Nora Mehnert, Mahmoud M. Bahgat, Peter S. Nelson, Stefan Pöhlman, Klaus Schughart
TMPRSS2 is essential for influenza H1N1 virus pathogenesis in mice
PLOS Pathogens, 2013, DOI: 10.1371/journal.ppat.1003774

Die Wissenschaftler der Abteilung „Infektionsgenetik" am HZI untersuchen, welchen Einfluss die Gene des Wirts auf die Abwehr einer Infektion mit dem Influenza A-Virus haben.

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung
Am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) untersuchen Wissenschaftler die Mechanismen von Infektionen und ihrer Abwehr. Was Bakterien oder Viren zu Krankheitserregern macht: Das zu verstehen soll den Schlüssel zur Entwicklung neuer Medikamente und Impfstoffe liefern. http://www.helmholtz-hzi.de

Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-hzi.de/de/aktuelles/news/ansicht/article/complete/resistent... - Diese Meldung auf helmholtz-hzi.de
http://www.plospathogens.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.ppat.1003774 - Link zur Originalpublikation

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Karrierefrust und Bürokratie bremsen Leistungsbereitschaft von Führungskräften

Ute Friedrich Pressestelle
Bertelsmann Stiftung

Motivationsverlust bei Managern schadet den Unternehmen

Bei deutschen Führungskräften wächst die Enttäuschung über weniger Karrierechancen und geringere Handlungsspielräume angesichts der wachsenden Bürokratie im Unternehmen. Dies ergab eine Befragung von Managern durch den Führungskräfteverband ULA und die Bertelsmann Stiftung.

77 Prozent der Führungskräfte fühlen sich bei der Karriereentwicklung durch ihr Unternehmen kaum oder gar nicht unterstützt. 63 Prozent (2012: 59 Prozent) nehmen ihre Firmen als bürokratisch wahr. Auch der innerbetrieblichen Fehler- und Innovationskultur geben sie keine guten Noten. Jeder zweite Manager bewertet sie negativ. Ebenso wenig halten 47 Prozent die Umsetzung des Krisen- und Veränderungsmanagements für gelungen. Insbesondere mangelt es zunehmend an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit und Wertschätzung im Betrieb. Für jeden dritten Manager ist die Arbeitsatmosphäre nicht von gegenseitigem Vertrauen geprägt.

An eine Verbesserung des Klimas in den Betrieben glaubt zurzeit nicht einmal jeder zweite Befragte. Über die Hälfte der Führungskräfte erwarten eher eine Verschlechterung des Betriebsklimas und schwierigere Arbeitsbedingungen.

Mit der persönlichen Situation am Arbeitsplatz sind die Führungskräfte aber durchaus zufrieden. Nur 19 Prozent fürchten sich vor einem Verlust des Arbeitsplatzes. Zwei Drittel empfinden ihre berufliche Belastung als angemessen, 68 Prozent können Beruf und Privatleben gut miteinander vereinbaren. Das in letzter Zeit viel diskutierte Burnout-Phänomen scheint aktuell wohl nicht zu den Sorgen der Führungskräfte zu gehören.

Auch die wirtschaftliche Zukunft ihrer Firmen sehen viele Manager positiv. 70 Prozent halten die aktuelle Auftragslage für gut. Zufrieden sind drei Viertel mit dem Stand der Kundenorientierung, dem Umgang mit Wettbewerbern sowie den Beziehungen zu Lieferanten. 90 Prozent sind davon überzeugt, das Unternehmen halte sich an gesetzliche Vorgaben und Nachhaltigkeitsforderungen.

"Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen: Neben der unternehmensinternen Bürokratisierung drohen sie in eine Motivationsfalle bei denjenigen Führungskräften zu tappen, die durch unzureichende Karrieremöglichkeiten und mangelnde Wertschätzung enttäuscht sind", so Martin Spilker, Leiter des Kompetenzzentrums Führung und Unternehmenskultur" der Bertelsmann Stiftung. Man habe das Gefühl, viele Manager machten ihren Job zurzeit eher "mit angezogener Handbremse". Das bedeute aber - vor dem Hintergrund einer guten Wirtschafts- und Wettbewerbssituation - eine nicht zu unterschätzende Gefahr für viele Unternehmen, so Spilker.

ULA-Hauptgeschäftsführer Ludger Ramme: "Eine gute wirtschaftliche Lage des Unternehmens und eine hohe Arbeitsplatzsicherheit in einem schwierigen internationalen Umfeld sind wertvolle Güter. Sie sind aber offensichtlich kein sicherer Garant für Höchstwerte bei der Motivation und der Zufriedenheit. Ein Zuviel an innerbetrieblicher Bürokratie und fehlende Spielräume für eine Weiterentwicklung der eigenen Karriere können das Klima eintrüben. Anders formuliert: Auch goldene Zügel werden oft als einengend empfunden."

Im Oktober 2013 wurden 1.250 Führungskräfte aus Unternehmen der produzierenden Wirtschaft befragt, davon 73 Prozent aus Großunternehmen mit mehr als 2.000 Beschäftigten.

Rückfragen an:

Martin Spilker, Bertelsmann Stiftung Gütersloh
Telefon: 0 52 41 / 81-40283

Andreas Zimmermann,
ULA - Deutscher Führungskräfteverband
Telefon: 0 30 / 30 69 63 22

Weitere Informationen:

http://www.bertelsmann-stiftung.de

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Ziele für Energieeffizienz und erneuerbare Energien senken Treibhausgase und Energiekosten

Anne-Catherine Jung Pressestelle
Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Zwei neue Studien des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI und der Technischen Universität Wien zeigen, dass ein Klimaziel alleine nicht ausreicht, um zusätzliche Energieeinsparungen zu realisieren und für eine kontinuierliche Weiterentwicklung erneuerbarer Energien zu sorgen. Bleiben hierbei weitere Anstrengungen aus, könnte die EU eine wichtige Gelegenheit verpassen, um Energieverschwendung sowie übermäßige Ausgaben für Energieimporte einzuschränken.

Verbindliche Zielvorgaben für Energieeffizienz und erneuerbare Energien sollten deshalb mit einem möglichen europaweiten Klimaziel für das Jahr 2030 einhergehen. Dies ist notwendig, um eine ehrgeizige Reduzierung der Treibhausgasemissionen sicherzustellen, ohne dabei die Kosteneffizienz der Energieversorgung sowie die europäische Wettbewerbsfähigkeit zu vernachlässigen.

"Zum Erreichen der langfristigen EU-Klimaziele bis 2050 sind neue Technologien zur Steigerung der Energieeffizienz und im Bereich der erneuerbaren Energien erforderlich. Wir müssen diese Technologien schon heute entwickeln, um sie verfügbar zu haben, wenn wir sie brauchen", unterstreicht Dr. Wolfgang Eichhammer, Leiter des Competence Centers Energiepolitik und Energiemärkte am Fraunhofer ISI. Ohne verbindliche Ziele bei den erneuerbaren Energien und Energieeffizienz bis 2030 könnten sich die Technologien in diesen Bereichen nur auf das europäische Emissionshan­delssystem (EU Emission Trading System, ETS) stützen. Dieses müsste dann die notwendigen Investitionsanreize schaffen, was mit einheitlichen und somit für bestimmte Technologien geringeren Vergütung und einem höheren Risiko verbunden wäre. Hohe Risikozuschläge für Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz würden die spezifischen Erzeugungskosten für jene Anlagen unnötig in die Höhe treiben, die fortan errichtet würden. Außerdem könnte dies die weitere Entwicklung von derzeit noch marktferneren und momentan vergleichsweise teuren Tech­nologien behindern, wodurch Lernprozesse und Kosteneinsparun­gen ausbleiben würden, die in kommenden Jahrzehnten dringend notwendig sind.

Die Studienergebnisse des TU Wien Konsortiums zeigen dabei auf, dass der Anteil erneuerbarer Energien im Jahr 2030 nur 26 Prozent beträgt, wenn ETS das einzige eingesetzte Instrumentarium bleibt - verglichen mit einen Anteil von bis zu 31,2 Prozent in anderen Analyseszenarien. Erneuerbare Energieträger führen jedoch durch den sogenannten Merit-Order-Effekt auf den Strom- und CO2-Märkten zu einer Senkung der Großhandelspreise. Ein niedrigerer Anteil an erneuerbaren Energien würde zwar Kosten für deren Förderung einsparen, jedoch zu höheren Stromgroßhandels- und CO2-Preisen führen, wodurch die finanzielle Belastung für Stromkunden ungefähr gleich bliebe. "Wir können also zu denselben Kosten einen höheren Anteil erneuerbarer Energien erreichen, aber dazu bräuchte es eines eindeutigen Bekenntnisses für diese - eine ver­bindliche Zielvorgabe im Hinblick auf erneuerbare Energien bis zum Jahr 2030 wäre ein zukunftweisender Schritt in diese Rich­tung", erklärt Dr. Gustav Resch von der Energy Economics Group der TU Wien.

Zusätzlich hat das Fraunhofer ISI ein kosteneffizientes Energieeinsparpotenzial von 41 Prozent für 2030 errechnet. Dieses Ergebnis basiert auf einer Bottom-up-Bewertung des Fraunhofer ISI, wobei für einzelne Branchen folgende Einsparpotenziale ermittelt wur­den: Industrie (21 Prozent), Privathaushalte (61 Prozent), Dienst­leistungssektor (38 Prozent) sowie Verkehr- und Transportwesen (41 Prozent). Würden diese Einsparpotenziale realisiert, könnten private Haushalte und die Industrie in Europa ab dem Jahr 2030 ihre Energieausgaben um jährlich etwa 240 Milliarden Euro netto absenken. Eine realistische Zielvorgabe zur Verbesserung der Energieeffizienz für 2030 erscheint deshalb nützlich und würde Energiekunden helfen, ihre Energiekosten weiter zu reduzieren.

"Durch eine angemessene Kombination von drei Zielen, also für Klimaschutz, erneuerbare Energien und Energieeffizienz, sowie entsprechender politischer Maßnahmen lässt sich ein ausgewogenes Verhältnis von Wettbewerb und Risiko erhalten", erläutert Dr. Mario Ragwitz vom Fraunhofer ISI. Somit könnte, beispielswei­se auf Basis des ETS oder flankierender Maßnahmen, ein Ausbau kostengünstiger Technologien erreicht werden, während gleichzei­tig die Weiterentwicklung von derzeit noch weniger ausgereiften Technologien vorangetrieben würde, was eine positive Wirkung auf die europäische Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit hätte.

Die Europäische Union verhandelt mit ihren Mitgliedstaaten derzeit über ein neues Zielsystem für 2030, das der 2020-Zielvereinbarung nachfolgen soll, die eine Reduzierung der Treibhausgasemis­sionen und des Energieverbrauchs um 20 Prozent sowie eine Er­höhung des Anteils erneuerbarer Energien auf 20 Prozent vorsieht. Die EU-Kommission wird voraussichtlich zu Beginn des Jahres 2014 einen Vorschlag hierzu vorlegen.

Die Studie "Analysis of a European Reference Target System for 2030" des Fraunhofer ISI finden Sie unter http://www.isi.fraunhofer.de/isi-de/x/projekte/2030-target-system.php.

Die Ergebnisse des durch die TU Wien koordinierten und von der EU im Rahmen des "Intelligent Energy Europe" Programms geförderten Projekts "beyond2020 - Design and impact of a harmonised policy for renewable electricity in Europe" finden Sie unter http://www.res-policy-beyond2020.eu. Unter Beteiligung des Fraunhofer ISI arbeitete im Projekt "beyond2020" ein Konsortium, bestehend aus Forschungsinstitutionen, Beratern und Industriepartnern aus ganz Europa an der Folgen­abschätzung und Bewertung verschiedener energiepolitischer Hand­lungsoptionen für erneuerbarer Energien im Europa nach 2020.

Kontakt:
Anne-Catherine Jung MA
Telefon: +49 721 6809-100
E-Mail: presse@isi.fraunhofer.de

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Weitere Informationen:
http://www.isi.fraunhofer.de/isi-de/x/projekte/2030-target-system.php
http://www.res-policy-beyond2020.eu

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Startschuss für Mathe-Adventskalender

Thomas Vogt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Mathematiker-Vereinigung

Gemeinsame Pressemitteilung von DMV und MATHEON: In wenigen Tagen ist es wieder soweit und die Mathe-Adventskalender im Internet öffnen ihre Türchen. Dann gibt es für Schülerinnen und Schüler ab Klasse 4 neben den herkömmlichen Adventskalendern mit Schokolade wie in den vergangenen Jahren auch die online-Adventskalender der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) und des DFG-Forschungszentrums MATHEON mit einer täglichen Mathematik-Aufgabe auf www.mathekalender.de. Registrieren Sie sich jetzt für das kostenlose Mitspiel!

Für diejenigen, die die Mathematik-Adventskalender noch nicht kennen: Die Idee der digitalen Adventskalender ist, in der Vorweihnachtszeit Mathematik-Aufgaben zu stellen, die auf spielerische und faszinierende Weise viele Facetten der Mathematik zeigen. Zwischen dem 1. und dem 24. Dezember wird hinter virtuellen Kalendertürchen täglich je eine Aufgabe pro Altersstufe zur Verfügung gestellt. Ab dem 1. Dezember öffnen die Schülerinnen und Schüler täglich ein Kalendertürchen und lösen die Aufgabe des Tages.

Wissenschaftler des MATHEON und der DMV sowie andere Mathe-Begeisterte aus ganz Deutschland haben sich wieder knifflig-spaßige Matheaufgaben ausgedacht, unterhaltsam verpackt in weihnachtliche Geschichten und humorvoll illustriert von dem Technomathematik-Studenten Michael Gralmann. Die Kalender gibt es wieder in drei Schwierigkeitsstufen: für die 4. bis 6. Klassen, die 7. bis 9. und die Oberstufe (ab Jahrgangsstufe 10).

Bei entsprechendem Durchhaltevermögen und überwiegend richtigen Lösungen können die Schülerinnen und Schüler hochwertige Preise mit Bezug zur Mathematik gewinnen. Inzwischen haben sich die Mathe-Adventskalender zu einem der größten bundesweiten Mathematik-Wettbewerbe gemausert. Die Mathe-Kalender werden auch in den Nachbarstaaten und in den deutschen Auslandsschulen weltweit gerne gespielt.

Bei den DMV-Kalendern für die 4. bis 9. Klassen sind auch Frühstarter (ab 2. Klasse) und Schulklassen zugelassen, Erwachsene können ihr Schulwissen in Mathematik über den so genannten „Spaß-Account" testen. Der MATHEON-Kalender richtet sich an einzelne Schülerinnen und Schüler der Oberstufe und an Erwachsene. Traditionell gibt es wieder tolle Preise in verschiedenen Preiskategorien zu gewinnen, siehe www.mathekalender.de.

Wir bitten alle Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer, die sich noch nicht registriert haben, dies bis zum 1. Dezember zu tun. Und dann wünschen wir allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern viel Erfolg und vor allem Spaß beim Lösen der Aufgaben! Die festliche Preisverleihung, zu der wir alle Gewinnerinnen und Gewinner jetzt schon herzlich einladen, findet am 24. Januar 2014 in der Berliner Urania statt.

Weitere Informationen:
http://www.mathekalender.de - Das Zugangsportal zu den digitalen Mathe-Adventskalendern von DMV und MATHEON.

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Wanderfalken, Kirchtürme und die Energiewende im Ruhrgebiet

Claudia Braczko Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut Arbeit und Technik

Fachtagung am Institut Arbeit und Technik diskutierte Chancen und Risiken für den Strukturwandel

Die Energiewende wird konkret vor Ort - Städte und Regionen spielen auf dem Weg zu erneuerbaren Energien die zentrale Rolle. Ob und wie die Energiewende in NRW zum Motor eines erfolgreichen Strukturwandels werden kann, welche Probleme und Risiken bestehen, diskutierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kommunen und Wissenschaft gestern (Montag, 25. November 2013) auf einer Fachtagung am Institut Arbeit und Technik (IAT / Westfälische Hochschule) in Gelsenkirchen.

Die Fraktionsvorsitzenden der Düsseldorfer Regierungskoalition ließen konstruktive Kontroversen beiseite und zeigten sich einmütig: „Mit 80 Prozent CO2-Reduktion bis 2050 und einem Drittel Anteil regenerativer Energien haben wir uns ehrgeizige Ziele gesetzt", so Norbert Römer (SPD). „Aber es geht uns zu langsam. Den Wechsel wollen wir hinkriegen, gleichzeitig die Tradition ehren und niemand vor den Kopf stoßen", zeigte Reiner Priggen (Bündnis 90/ Die Grünen) den Konflikt auf. Den neuen Weg wolle man zusammen mit der Wirtschaft gehen, „aber nach vorne!" Auch für die Energiewende werde man zunächst noch fossile Energieträger brauchen. Das müsse keine sechs Milliarden kosten, „je billiger es geht, desto besser".

„Bei aller Ungeduld - der Strukturwandel dauert immer Jahrzehnte", mahnte Prof. Dr. Franz Lehner, Leiter des Projektes „CultNature - Bio-Montan-Park NRW", das vom IAT in Zusammenarbeit mit RAG Montan Immobilien und NRWUrban sowie mit Kipar Landschaftsarchitekten durchgeführt wird. Das Projekt verfolgt den Ansatz, die vielen Industriebrachen z.B. im Ruhrgebiet zu Parklandschaften und zu attraktiven Stadträumen zu entwickeln, die zur Herstellung erneuerbarer Energien genutzt werden können. „Mit den Flächen im Ruhrgebiet ist lange falsch umgegangen worden" kritisiert Lehner. Die urbane Erzeugung alternativer Energien wie Biomasse soll helfen, Flächen aufzuwerten und zu finanzieren, negative Stadtentwicklung korrigieren und Abwärtsspiralen stoppen".

Im Rahmen von CultNature betreibt RAG-Montan-Immobilien bereits an mehreren Standorten Stadtquartiersentwicklung auf Altflächen und sucht nach neuen Energiequellen - „vom Windrad bis zur Wärmenutzung von Grubenwasser", schildert Prof. Dr. Hans-Peter Noll, Vorsitzender der Geschäftsführung. Die Probleme liegen anders: „Die Regelungsdichte ist eine Mammutaufgabe und ausreichend Akzeptanz für ein Windrad auf einer Halde zu organisieren, braucht angesichts der Populationsdichte von Wanderfalken und Fledermäusen ganz neue Formen der Diskussion und Partizipation". Landschaftsarchitekt Dr. Andreas Kipar sieht beim Umgang mit Freiflächen vor allem die positiven Argumente: „Freiraum schafft Stadtraum - Landschaft ist Infrastruktur, in der neue urbane Bezugssysteme entstehen können, und es muss schön sein!" Dr. Michael Krüger-Charlé verwies auf die Möglichkeiten der Kommunen, den Umgang mit Freiflächen als strategische Stellschraube zu nutzen. „Angesichts der Nutzungskonkurrenzen müssen sich die Städte Gedanken machen, in welcher Richtung und zu welchem Zweck sie Flächen entwickeln wollen."

Im „kommunalen Dialog zur nachhaltigen Stadtentwicklung" mit Vertretern der am Projekt beteiligten Pilotkommunen zeigten sich schließlich sehr unterschiedliche Möglichkeiten und Bewertungen des Umgangs mit Altflächen. Ibbenbüren - „die letzten, die bei der Kohle das Licht ausmachen" - hat wenig Probleme, die ländliche Region ist für Windenergie geeignet und will in 20 Jahren energieautark sein, wie Uwe Manteuffel berichtete. In Hamm, so Planungsamtsleiter Heinz-Martin Muhle, wird der CultNature-Ansatz genutzt, um alte Bergbauflächen neu in Wert zu setzen. Burkhard Drescher schilderte, wie im Pilotprojekt Innovation City in Bottrop die „Energiewende von unten" praktiziert wird. „Biomasse löst nicht die Probleme der Energiewende, kann aber mit Grünentwicklung als weicher Standortfaktor zur nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen", meint Dr. Thomas Bernhard vom Gelsenkirchener Umweltreferat. Für Manfred Gehrke, Wirtschaftsförderung Marl, ist CultNature ein gutes Modell, um Flächen temporär zu nutzen, dann aber müssten Wirtschaft und Gewerbe Vorrang haben, um dringend benötigte Arbeitsplätze zu schaffen. Nach Einschätzung von Martin Tönnies, Bereichsleiter Planung des Regionalverbands Ruhr, mangelt es aber weniger an Flächen im Ruhrgebiet, vielmehr sei mehr kommunale Zusammenarbeit nötig, um gemeinsame Projekte zu realisieren, „wir müssen wegkommen vom Kirchturmdenken!" Das Ruhrgebiet werde nie zum Windenergiestandort Deutschlands, aber Photovoltaik auf den Dachflächen könnte einmal fünf Millionen Einwohner in der Region versorgen.

Weitere Informationen:

http://www.iat.eu/index.php?article_id=1152

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Klares Wasser für Vietnam

Kay Gropp Pressestelle
Universität Witten/Herdecke

Abwasserexperten der Uni Witten/Herdecke beraten Vietnam bei Sauberhaltung des Mekong-Deltas

Abwasser-Experten der Universität Witten/Herdecke beraten in mehreren Projekten die Regierung Vietnams bei Kläranlagen und Abwasserkosten. Es geht dabei um eine Region rund um die Stadt Can Tho, die man als „Hauptstadt im Mekong-Delta" bezeichnen könnte.

Das Institut für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke (IEEM) leitet das gemeinsam vom Bundesforschungsministerium (BMBF) und dem vietnamesischen Forschungsministerium MoST geförderte Projekt AKIZ. Die Abkürzung bedeutet ausgeschrieben: Abwasserkonzepte für Industriezonen. „AKIZ soll herausfinden, welche Kläranlagen auch unter den schwierigen Arbeitsbedingungen tropischer Schwellenländer anwendbar sind. Abgesehen von den technischen Problemen mit dem feucht-heißen Klima muss man mit ständig neuen Schadstoffen und steigenden Abwassermengen fertig werden. Und das, ohne auf so gut ausgebildetes Klärwerkspersonal sowie die vergleichsweise komfortable Finanzausstattung zurückgreifen zu können, wie wir das in Deutschland gewohnt sind", erklärt Prof. Dr. mult. Karl-Ulrich Rudolph, Leiter des IEEM das Problem.

In Pilotprojekten wollen die Wittener Experten angepasste Technologien zur Giftstoffentfernung, zur Energieerzeugung und zur Wertstoffrückgewinnung aus Fabrikabwässern im Mekong-Delta ausprobieren sowie Verfahren zur Klärschlammbehandlung testen. „Für die Industriezone Tra Noc bei Can Tho haben wir ein stationäres und zwei mobile Abwasserlabors aufgebaut. Sie liefern uns die Datenbasis zur Optimierung und zur Überwachung des integrierten Abwasserkonzeptes, einschließlich der zentralen Kläranlage für die Industriezone", beschreibt Prof. Rudolph den jetzigen Stand. Als Ergebnis soll bis Ende 2015 ein Geschäftsplan für die Industrieabwässer der Region stehen, das auch mit einer Kalkulation aller Kosten und einer Modellierung der Abwassertarife hinterlegt ist.

Ein anderes Projekt ist der "Runderlass Abwassertarife": In ihm möchte die vietnamesische Regierung den Stadtwerken und Abwasserbetrieben des Landes zeigen (und auch vorschreiben), mit welchen Zahlen und Methoden die Abwasserkosten zu kalkulieren sind.

Außerdem möchte die Regierung das nationale Investitionsprogramm Abwasser prüfen und aktualisieren. Mit dieser Aufgabe hat im Oktober 2013 das vietnamesische Ministerium für Planung und Investition ein von AKIZ-Experten geführtes Beraterkonsortium beauftragt. Die Finanzierung dieser Arbeiten wird von der Weltbank übernommen. „AKIZ hat jetzt Zugriff auf nationale und internationale Finanzexperten, Wirtschaftsprüfer und Anwälte - allesamt spezialisiert und erfahren im Wassersektor Vietnams, welche uns bei der Umsetzung der technisch-ökonomischen Konzepte helfen können", so der Projektleiter Rudolph. „Bis 2015 besteht jetzt mit allen maßgebenden Ministerien in Vietnam und darüber hinaus auch mit den multilateralen Geberbanken die Vertragsbasis für die offizielle Zusammenarbeit. Wir sehen es als große Auszeichnung an, dass von den zahlreichen Wissenschaftsprojekten, die mit internationaler Beteiligung in Vietnam stattfinden, AKIZ angefragt und im Ergebnis ausgewählt wurde, die Regierung Vietnams in dieser Angelegenheit zu beraten."

Weitere Informationen bei IEEM - Institut für Umwelttechnik und Management, Prof. Dr. mult. Karl-Ulrich Rudolph, 023 02 / 914 010, mail@uni-wh-utm.de

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1983 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 1.750 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

Über das IEEM:
Das Institut für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke (Institute of Environmental Engineering and Management, IEEM) verbindet die Bereiche Ingenieurwesen und Umwelt-Ökonomie zu einem anwendungsbezogenen, wissenschaftlichen Ansatz im weiten Feld der klassischen Siedlungswasserwirtschaft (Wasser, Abwasser, Abfall). Ziel des Instituts ist es, innovative technische und ökonomische Lösungen zu erarbeiten und international umzusetzen, um ein nachhaltiges Wirtschaften und den Schutz von Umweltressourcen zu ermöglichen. Dies umfasst auch die Entwicklung moderner Managementmethoden und Organisationsstrukturen, mit denen technische und institutionelle Konzepte optimal gestaltet und effizienzorientiert umgesetzt werden.

Weitere Informationen:
http://www.uni-wh-utm.de/

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Der Hund ist ein Europäer

Johannes Seiler Dezernat 8 - Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Wann und wo fand die Domestizierung des Hundes statt? Genetische Analysen durch ein internationales Forscherteam um Olaf Thalmann von der Turku Universität in Finnland belegen, dass der Beginn der Domestizierung des Hundes vor 18.000 bis 32.000 Jahren in Europa stattfand. Bei der Untersuchung spielten auch Hundeknochen aus dem berühmten „Doppelgrab von Oberkassel", das von Wissenschaftlern des LVR-LandesMuseums Bonn und der Universität Bonn neu bearbeitet wird, eine wichtige Rolle. Die Wissenschaftler berichten im renommierten Fachjournal „Science" über ihre Ergebnisse.

Der Hund gilt als der beste Freund des Menschen, der ihm seit Jahrtausenden zum Beispiel auf der Jagd sowie als Hütehund treue Dienste erwiesen und sich auch als Wächter bewährt hat. Die bisherige Kontroverse hinsichtlich Unstimmigkeiten zwischen genetischen und paläontologischen Analysen, in denen genetische Untersuchungen von einer Domestizierung des Hundes vor rund 15.000 Jahren in Ostasien ausgehen, aber die ersten hundeartigen Fossilien aus Europa und Sibirien über 30.000 Jahre alt sind, konnte nun durch die neuen Ergebnisse eines internationalen Forscherteams beigelegt werden. Demnach begann die Domestizierung bereits vor 18.000 bis 32.000 Jahren in Europa. „Das passt sehr gut zu den Funden prähistorischer Hunde", sagt Liane Giemsch vom Institut für Archäologie und Kulturanthropologie der Universität Bonn. Im Nahen Osten und Ostasien hätten zwar viele Haustiere ihren Ursprung, etwa Rinder, Schafe und Ziegen. Doch wiesen die aktuellen genetischen Daten deutlich auf Europa als Ursprung der Domestizierung des Hundes.

Proben von 18 prähistorischen hundeartigen Tieren wurden untersucht

Die Wissenschaftler aus Finnland, Belgien, Russland, Spanien, Argentinien, USA und Deutschland untersuchten das Erbgut in Knochen und Zähnen von insgesamt 18 prähistorischen Hunden und Wölfen und verglichen es mit dem von 126 modernen Wölfen und Hunden, darunter auch ursprüngliche Rassen wie Dingos und Basenji. Die untersuchten Tiere waren eurasischen und amerikanischen Ursprungs. Anhand der Sequenzierung der DNA der Mitochondrien konnten die Forscher bestimmen, wann sich der Hund von den wildlebenden Vorfahren abgespalten hat und wo diese Abspaltung stattfand.

Das Oberkasseler Tier ist direkter Vorfahr heutiger Hunde

Für die groß angelegte Untersuchung wurden auch zwei Fossilien aus der Sammlung des LVR-LandesMuseums in Bonn herangezogen. Zum einen handelt es sich dabei um rund 12.500 Jahre alte Tierknochen von einem Siedlungsplatz in der Kartsteinhöhle bei Mechernich in der Eifel. Der bedeutendere Fund stammt jedoch aus Bonn. Es handelt sich um ein hundeartiges Tier, das vor rund 14.700 Jahren zusammen mit einer etwa 20 Jahre alten Frau und einem zirka 40-jährigen Mann bestattet wurde. Im Jahr 1914 entdeckten Steinbrucharbeiter die Skelette an der Rabenlay in Bonn-Oberkassel. Nachweislich sind es die ältesten Belege des modernen Menschen (Homo sapiens) in Deutschland. Der Fund ging später als „Doppelgrab von Oberkassel" als wissenschaftliche Sensation in die Geschichte ein.

„Die Erbgutanalysen ergaben, dass es sich bei den Tierskeletten im Doppelgrab von Oberkassel und von der Kartsteinhöhle um die direkten Vorfahren heutiger Hunde handelte", berichtet Olaf Thalmann von der Universität Turku, der das Projekt wissenschaftlich koordiniert. Die genetischen Analysen der Bonner Funde wurden unter anderem von Johannes Krause und Verena Schünemann vom Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Tübingen durchgeführt. „Nur mit Hilfe der prähistorischen Wölfe- und Hunde-DNA war es möglich, deren Aufspaltung auf Europa einzugrenzen", sagt Krause.

Inniges Verhältnis von Mensch und Tier

„Die gemeinsame Bestattung des Hundes und der Menschen im Doppelgrab von Oberkassel zeugt von einer sehr innigen Beziehung", sagt Giemsch. Die nun erfolgte Datierung der Domestizierung zeige, dass der eiszeitliche Mensch schon seit Jahrtausenden den Hund als Begleiter nutzte, noch weit bevor andere Tiere wie Kuh, Schwein und Pferd domestiziert wurden. Auch von Israel und Skandinavien sei bekannt, dass es bei steinzeitlichen Jägern und Sammlern zu gemeinsamen Bestattungen von Hunden und Menschen gekommen sei. „Dies zeigt, wie wichtig und wertvoll diese Haustiere für die damalige Bevölkerung waren", sagt Giemsch.

Publikation:
Thalmann et al. 2013: „Complete mitochondrial genomes of ancient canids suggest a European origin of domestic dogs", Fachjournal „Science", DOI: 10.1126.1243650.

Kontakt:
Olaf Thalmann
Abteilung Biologie, Sektion Genetik und Physiologie
Universität Turku
E-Mail: olatha@utu.fi

Prof. Dr. Johannes Krause
Universität Tübingen
Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie
Tel. 07071/2974089
E-Mail: johannes.krause@uni-tuebingen.de

Liane Giemsch
Universität Bonn/LVR-LandesMuseum Bonn
Stellv. Leiterin Projekt Oberkassel
Tel. 0228/2070261
E-Mail: projekt-oberkassel@lvr.de

Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.tv/podcasts/20131112_Oberkasseler-Hund.mp4/view Podcast zum Thema

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Ozeanversauerung: Schwer zu verdauen

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Göteborg, Kiel, Bremerhaven. Forscher aus Schweden und Deutschland haben erstmals gezeigt, dass Ozeanversauerung die Verdauung bei marinen Organismen beeinträchtigen kann. In Experimenten mit Larven des Grünen Seeigels Strongylocentrotus droebachiensis beobachteten sie, dass die Tiere ihre Nahrung schlechter verarbeiten, wenn sie in angesäuertem Wasser leben. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Nature Climate Change.

Kohlendioxid-Emissionen beeinflussen nicht nur unser Klima, sondern auch die Ozeane auf der Erde. Ein Viertel des Kohlendioxids (CO2), das durch menschliche Aktivitäten in die Atmosphäre gelangt, absorbieren die Meere. Dort reagiert das CO2 zu Kohlensäure, und Wasser wird saurer. Frühere Studien zeigten, dass marine Arten und Ökosysteme unter der Ozeanversauerung leiden können. Ihre empfindlichen Reaktionen wurden zwar auf eine Störung der physiologischen Prozesse zurückgeführt - Wechselwirkungen jedoch bisher nicht eindeutig untersucht. Wissenschaftler der Universität Göteborg (GU), der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) sowie vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar -und Meeresforschung (AWI) fanden jetzt heraus, dass Ozeanversauerung die Verdauung bei Larven der ökologisch wichtigen Grünen Seeigel Strongylocentrotus droebachiensis reduziert. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in der internationalen Fachzeitschrift Nature Climate Change.

Dr. Meike Stumpp, ehemalige Doktorandin am GEOMAR und der CAU, Erstautorin der Studie, setzte hochmoderne Mikro-pH-Elektroden ein und entwickelte als Postdoktorandin an der Universität Göteborg neue Testverfahren, um die Verdauung und Verdauungsenzyme der Larven zu untersuchen. Sie bewies, dass die Verdauung länger dauert und weniger effektiv ist, wenn die Larven in angesäuertem Seewasser leben. „Meine Messungen zeigten eine sehr starke Abhängigkeit der Verdauung vom pH-Wert", erklärt Stumpp. „Die Enzyme in den Mägen der Seeigel funktionieren bei hohen pH-Werten optimal. Das unterscheidet diese Organismen eindeutig von Säugetieren, deren Magenflüssigkeit sauer ist und deren Enzyme bei niedrigen pH-Werten am besten arbeiten."

„Im angesäuerten Wasser mussten die Larven mehr Energie aufbringen, um den hohen pH-Wert in ihren Mägen zu erhalten", stellt Dr. Marian Hu fest. Der Co-Erstautor der Studie wies mit Antikörper-Färbe-Verfahren eine hohe Konzentration von pH-regulatorischen Zellen an der inneren Magen-Oberfläche nach. Kulturexperimente und Fütterungsversuche zeigten, dass die Larven deutlich mehr fressen, um die verringerte Effizienz der Verdauung zu kompensieren.

„Da sich frühere Studien vor allem auf das Verständnis der Kalkbildung konzentrierten, wurden andere lebenswichtige Abläufe wie Verdauung und die Regulierung des pH-Werts im Magen vernachlässigt", urteilt Meike Stumpp. „Wir können nun zeigen, dass sie viel mehr Aufmerksamkeit verdienen." „Alle Lebensprozesse werden von Enzymen ausgeführt oder gesteuert. Sie sind der Schlüssel für das Verständnis der Funktionen und Reaktionen von Organismen und Ökosystemen in einer sich verändernden Welt", ergänzt AWI-Wissenschaftler Dr. Reinhard Saborowski.

„Wenn die Organismen den zusätzlichen Energiebedarf, der sich durch die Ozeanversauerung ergibt, nicht durch die Nahrungsaufnahme decken können, wachsen sie eventuell schlechter oder sind weniger fruchtbar. Im Extremfall sterben sie", unterstreicht Dr. Sam Dupont von der Universität Göteborg, Senior-Autor der Studie.

Die schwedischen und deutschen Forscher haben mehrere Jahre in die Entwicklung ihrer Techniken investiert. „Die Verdauung von Larven zu untersuchen, ist nicht einfach", räumt Dupont ein. „Schließlich sind die Larven nur einen Fünftel Millimeter lang. Aber jetzt sind wir in der Lage, diesen wichtigen Prozess zu analysieren. So erhalten wir einen Eindruck davon, wie Seeigel-Larven auf zukünftige Lebensbedingungen reagieren könnten."

Originalveröffentlichung:
Meike Stumpp, Marian Hu, Isabel Casties, Reinhard Saborowski, Markus Bleich, Frank Melzner, Sam Dupont: Nature Climate Change 2013: Digestion in sea urchin larvae impaired under ocean acidification doi:10.1038/nclimate2028

Die Autoren wurden von den folgenden Institutionen unterstützt: Siebtes Rahmenprogramm der der Europäischen Kommission, Alexander von Humboldt-Stiftung, Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften, Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft", BIOACID (Biological Impacts of Ocean Acidification), Linnaeus Zentrum für Marine Evolutionsbiologie an der Universität Göteborg und die schwedischen Forschungsgemeinschaften Vetenskapsrådet und Formas.

Ansprechpartner:
Dr. Frank Melzner (GEOMAR, FB3/EOE-B), 0)31 600-4274, fmelzner(at)geomar.de
Maike Nicolai (GEOMAR Kommunikation& Medien) Tel.: +49(0)431 600-2807, mnicolai@geomar.de

Weitere Informationen:

http://www.geomar.de GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.physiologie.uni-kiel.de Institut für Physiologie, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel,
http://www.bioenv.gu.se Department für Biologische und Umweltwissenschaften, Universität Göteborg, Schweden
http://www.loven.gu.se Sven Lovén Zentrum für Meereswissenschaften, Kristineberg, Schweden
http://www.awi.de Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar-und Meeresforschung, Bremerhaven, Deutschland

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Deutsche Placebo-Forschung weiterhin Weltspitze

Kristina Gronwald Kommunikation
Universitätsklinikum Essen

DFG unterstützt Forschergruppe mit weiteren 2,3 Mio. Euro

Die vom Arzt verordnete Pille ist nur ein Teil des Heilungsprozesses bei Erkrankungen; viele weitere Einflüsse tragen zum Behandlungserfolg bei. „Eine zentrale Rolle dabei spielen die Placeboeffekte, die jedoch in der Forschung und der klinischen Anwendung bisher zu wenig beachtet wurden", so Professor Manfred Schedlowski. Den Placebo-Effekten liegen messbare körperliche Vorgänge zu Grunde, die sich zum Beispiel in der Hirnaktivität, in immunologischen Veränderungen oder Veränderungen im Hormonsystem dokumentieren lassen. Diese Placebo-Effekte können durch aktuelle Erwartungen und frühere Erfahrungen des Patienten mit einer Erkrankung, aber auch durch den Behandlungskontext und die Kommunikation zwischen Arzt und Patient ausgelöst oder verstärkt werden.

Eine überregionale Forschergruppe widmet sich deshalb der Analyse dieser Placebo-Effekte, die neben der eigentlichen medizinischen Verordnung zum Behandlungserfolg beitragen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat nun Projekte der Forschergruppe mit dem Titel „Expectation and conditioning as basic processes of the placebo and nocebo response: Transferring mechanisms to clinical applications" (FOR 1328) in einer zweiten Förderphase für weitere drei Jahre bewilligt. In der ersten Projektphase, die bereits mit 2,8 Millionen Euro durch die DFG gefördert wurde, untersuchten die Wissenschaftler neurobiologische und psychologische Wirkmechanismen des Placebo-Effektes. Solche Placebo-Effekte lassen sich bei den meisten physiologischen Systeme und medizinischen Krankheitsbildern nachweisen. Ziel der zweiten Förderphase ist es deshalb, die am Placebo-Effekt beteiligten Mechanismen systematisch auf klinische Anwendungsfelder zu übertragen, um damit die Behandlung von Erkrankungen noch effektiver zu gestalten. Die Forschergruppe hat sich bereits in der ersten Förderphase eine internationale Spitzenposition in diesem Feld erarbeitet und will diese nun weiter ausbauen.

„In einer Reihe von medizinischen Anwendungsfeldern sind die beteiligten Placebo-Effekte größer als die spezifischen, auf das Medikament zurückzuführenden Effekte. Dies unterstreicht, dass hier ein großes, oftmals nur unsystematisch genutztes Potential zur Verbesserung von Behandlungen liegt", so der Sprecher der Forschergruppe, Prof. Winfried Rief von der Universität Marburg. Durch die weiteren Mitglieder der Sprechergruppe Prof. Ulrike Bingel und Prof. Manfred Schedlowski (Universitätsklinikum Essen) und Prof. Paul Enck (Universitätsklinikum Tübingen) sowie zusätzliche Projekte am Universitätsklinikum Essen und den Universitäten in München und Hamburg wird die Expertise unterschiedlicher medizinischer und psychologischer Felder in dieser Forschergruppe zusammen geführt. Die klinischen Anwendungen reichen von Patienten mit postoperativem Schmerz, Patienten mit Schlafstörungen, Patientinnen mit Reizdarmsyndrom bis hin zur Beeinflussung von immunologischen Funktionen bei Patienten nach Nierentransplantation.

Im Rahmen dieser Forschergruppe werden drei Teilprojekte aus dem Essener Universitätsklinikum mit insgesamt 970.000€ gefördert:

• Frau Professor Ulrike Bingel, Professur für Funktionelle Bildgebung, Klinik für Neurologie
Titel des Teilprojektes: „Einsatz von Konditionierungsprozessen zur Maximierung analgetischer Therapien"

• Frau Professor Sigrid Elsenbruch, Professur für Experimentelle Psychobiologie, Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie
(in Kooperation mit Herrn Priv.-Doz. Dr. Sven Benson, Professur für Experimentelle Psychobiologie, Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie)
Titel des Teilprojektes: „Effekte des emotionalen Kontexts auf die Placebo-Analgesie und Nocebo-Hyperalgesie in einem viszeralen Schmerzmodell"

• Herr Professor Manfred Schedlowski, Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie
(in Kooperation mit Herrn Professor Oliver Witzke, Klinik für Nephrologie)
Titel des Teilprojektes: „Neurobehaviorale Mechanismen der gelernten immunsuppressiven Placeboantwort: Von den Grundlagen zur klinischen Anwendung"

Ansprechpartner am Universitätsklinikum Essen für nähere Informationen:

Frau Professor Ulrike Bingel, Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Essen, Hufelandstr. 55, 45147 Essen; Email: ulrike.bingel@uk-essen.de

Herr Professor Manfred Schedlowski, Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie, Universitätsklinikum Essen, Hufelandstr. 55, 45147 Essen; Email: manfred.schedlowski@uk-essen.de

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Effizienz und Nachhaltigkeit in der Bioenergie

Bianca Stur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Biomasseforschungszentrum

BMU-Förderprogramm „Energetische Biomassenutzung" feiert in Leipzig 5-jähriges Jubiläum und stellt neue Ergebnisse der Bioenergieforschung vor

Ohne die Bioenergie kann eine Transformation des Energiesystems von fossilen zu erneuerbaren Energieträgern kaum gelingen - bietet sie doch flexible, dezentrale und effiziente Lösungen zur Bereitstellung von Wärme, Strom und Kraftstoffen. Hierfür müssen Technologieentwicklung und innovative Konzepte Hand in Hand gehen. Um den Marktausbau der Bioenergie nachhaltig zu gestalten und die gesellschaftliche Akzeptanz zu sichern, muss sie effizienter werden. Aus diesem Grund fördert das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) seit fünf Jahren (mit insgesamt 41,6 Millionen Euro) Forschungs- und Entwicklungsprojekte für eine nachhaltige und effiziente Erzeugung von Strom und Wärme aus Biomasse, hier vor allem aus biogenen Rest- und Abfallstoffen. Nun zog das BMU-Förderprogramm „Energetische Biomassenutzung" Bilanz und stellte am 14. November 2013 in Leipzig effiziente und nachhaltige Lösungen im Bereich der Bioenergie vor.

Der Generalsekretär des Sachverständigenrates für Umweltfragen Dr. Christian Hey betonte in seinem Impulsvortrag, dass er den Ausbau der Bioenergie nicht in der Erhöhung der Anlagenzahl sieht, sondern „Klasse statt Masse" gefordert ist. Hey plädiert für einen klugen Einsatz von Biomasse, der nur gelingen kann, wenn angepasste und erprobte Technologien auf dem Markt sind. Diese Technologienentwicklung hat sich das Förderprogramm auf die Fahnen geschrieben und gibt auf seiner Jahreskonferenz Einblick in bereits abgeschlossene und noch laufende Forschungs- und Erprobungsvorhaben. Fokussiert auf die Nutzung von Reststoffen unter Anwendung ökonomisch und ökologisch sinnvoller Verfahren thematisierten die Vorträge sowohl die Emissionsminderung in Kleinfeuerungsanlagen als auch die Flexibilisierung und Verfahrensoptimierungen in Biogasanlagen. Darüber hinaus befassten sich die Wissenschaftler und Anwender mit den Fortschritten bei Verbrennungs- und Vergasungstechnologien sowie mit den Herausforderungen der flexiblen Bioenergie-bereitstellung. Unter der Fragestellung „Bioenergie aus Reststoffen - Verheißung oder Schuss in den Ofen?" wurde auf einer Podiumsdiskussion erörtert, ob Reststoffe aus dem häuslichen, gewerblichen und industriellen Bereich, kommunaler Grünschnitt, Naturschutz- und Landschaftspflegematerialien aufgrund ihrer ökologischen Vorteile und ihres Wertschöpfungspotenzials die Lösung für eine nachhaltige Bioenergienutzung sein könnten. Dr. Bernhard Dreher vom Bundesumweltministerium erklärte hierzu: „Als Erfolg einer jahrzehntelangen Kreislaufwirtschaftspolitik, die auf Abfallvermeidung und Abfallverwertung setzt, sind die noch ungenutzten Potenziale für die energetische Nutzung begrenzt. Es liegt auf der Hand, dass es insbesondere die schwieriger zu verwertenden Stoffe sind, die bisher ungenutzt geblieben sind. Aber es lohnt sich, diese Potenziale zu erschließen. Damit dies umweltverträglich und kostengünstig geschehen kann, ist noch einiges an Forschung und Entwicklung zu leisten."

Side-Events:
Am Vortag der Statuskonferenz fanden bereits zwei weitere Veranstaltungen des Förderprogramms statt: Das Forscherkonsortium des Vorhabens „Meilensteine 2030" präsentierte und diskutierte im Rahmen des Workshops „Bioenergie 2050 - Rohstoffe, Technologien, Nachhaltigkeit" mit ca. 40 Teilnehmern aus Forschung, Praxis und Politik erste Projektergebnisse, methodische Herangehensweisen und strategische Herausforderungen ihrer Arbeit. Daneben stellte das Projekt „VESBA" während einer Exkursion zum KSI Meinsberg in Waldheim eine mobile Versuchsanlage zur Ertragssteigerung und Prozessoptimierung von Biogasanlagen vor.

Das Förderprogramm
Im Juni 2008 startete das vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) mit insgesamt 48 Millionen Euro unterstützte Förderprogramm zur Optimierung der energetischen Nutzung von Biomasse. Nach fünfjähriger Laufzeit werden 90 Projekte bzw. 225 Einzelprojekte mit rund 41.6 Millionen Euro gefördert. Im Fokus der Förderung stehen insbesondere Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur praxistauglichen Weiterentwicklung wettbewerbsfähiger Technologien, systemflexibler Anlagenkonzepte und Produkte für eine nachhaltige und effiziente Erzeugung von Strom und Wärme aus Biomasse, hier vor allem aus biogenen Rest- und Abfallstoffen. Jährlich findet eine große Statuskonferenz der Fördernehmer statt, auf der die Forschungsergebnisse vorgestellt werden. Das DBFZ ist für die wissenschaftliche Begleitung des Förderprogramms zuständig. Mit der fachlichen und administrativen Koordination desselben hat das BMU den Projektträger Jülich (PtJ) beauftragt. Stichtag für die Einreichung neuer Projektskizzen beim PtJ ist der 22. November 2013.

Kontakt
DBFZ Deutsches Biomasseforschungszentrum gemeinnützige GmbH Programmbegleitung des BMU-Förderprogramms „Energetische Biomassenutzung"
Torgauer Straße 116, 04347 Leipzig

Diana Pfeiffer - Projektkoordination
Telefon: +49 341 2434-554
E-Mail: diana.pfeiffer@dbfz.de

Bianca Stur - Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: +49 341 2434-439
E-Mail: bianca.stur@dbfz.de

Angela Gröber - Publikationen und Neue Medien
Telefon: +49 341 2434-457
E-Mail: angela.groeber@dbfz.de

Weitere Informationen:
http://www.energetische-biomassenutzung.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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DDG fordert Steuer auf Kalorienbomben und Entlastung gesunder Lebensmittel

Julia Voormann Pressestelle
Deutsche Diabetes Gesellschaft

Berlin - Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) begrüßt Überlegungen im Rahmen der Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD, künftig eine Steuer auf besonders kalorienreiche Lebensmittel zu erheben. „Dies wäre ein bedeutender Schritt, um Primärprävention bevölkerungsweit und nachhaltig in Deutschland einzuführen", heißt es in einem Brief der DDG an die Verhandlungsführer beider Parteien im Ausschuss Gesundheit, Jens Spahn und Karl Lauterbach. Die Fachgesellschaft schlägt gleichzeitig vor, gesunde Lebensmittel steuerlich zu entlasten. Die Kaloriensteuer soll helfen, Ernährungsgewohnheiten zu verändern und Übergewicht zu bekämpfen. Übergewicht ist eine der Ursachen für Diabetes mellitus.

Mit der Kaloriensteuer „hätten wir endlich eine effektive Strategie gegen das weitere Ansteigen der Volkskrankheiten wie Adipositas, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen", betont DDG Präsident, Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel. Der bloße Appell an individuelle Verhaltensänderungen sei nachweislich gescheitert. Deutliche Preissignale hingegen seien wirksam, wie die Anti-Raucher-Kampagne zeigt. „Der Anteil der Jugendlichen zwischen zwölf und siebzehn Jahren, der zur Zigarette greift, hat sich in den letzten zehn Jahren halbiert", stellt DDG Geschäftsführer Dr. Dietrich Garlichs fest. Auch die Alkopops, die sehr rasch mit einer Steuer belegt wurden, seien vom Markt fast verschwunden. Die Kaloriensteuer sollte nach Ansicht der DDG daher unbedingt in den Koalitionsvertrag aufgenommen werden. Sie wäre ein Durchbruch für eine stärkere Verhältnisprävention in Deutschland, wie sie auf internationaler Ebene seit Jahren gefordert wird.

Wichtig für die politische Durchsetzung sei es, den Vorwurf zu entkräften, mit den zusätzlichen Mitteln in erster Linie die Staatskassen füllen zu wollen. „Dies gelingt der Politik sicherlich am besten, wenn gesunde Lebensmittel in gleichem Ausmaß steuerlich entlastet werden", meinen DDG Präsident und DDG Geschäftsführer. Dieser Schritt würde das Gesundheitssystem mittelfristig zusätzlich entlasten. Das wiederum sei gerade auch im Interesse derjenigen, die auf eine gute medizinische Versorgung angewiesen sind.

Konkret hatten die Gesundheitsexperten Edgar Franke (SPD) und Erwin Rüddel (CDU) gefordert, den halben Mehrwertsteuersatz auf alle Lebensmittel aufzuschlagen, die mehr als 275 Kalorien je 100 Gramm haben. Für Grundnahrungsmittel liegt der Mehrwertsteuersatz bei sieben, für Getränke und zubereitete Speisen bei 19 Prozent. Von einem solchen Steueraufschlag wären beispielsweise Nuss-Nougat Creme, Kartoffelchips, Schokoriegel und viele Arten von Fastfood betroffen. Sinnvoll wäre nach Ansicht der DDG eine Kombination der Kaloriensteuer mit einer Zucker- und Fettsteuer, die beispielweise auch stark zuckerhaltige Softdrinks erfassen würde.

„Zucker-Fettsteuern" gibt es bereits in Frankreich, Finnland, Ungarn und Mexiko. Weitere Länder diskutieren deren Einführung. Dem Ernährungsbericht der Bundesregierung zufolge leiden in Deutschland 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen an Übergewicht. Fettleibigkeit ist ein Risikofaktor für viele Erkrankungen, darunter auch Diabetes mellitus. In Deutschland leiden über sechs Millionen Menschen an Diabetes - jedes Jahr kommen etwa 250 000 hinzu.

Downloadfähige Fotos finden Sie unter diesen Links:
http://www.diabetesde.org/presse/pressematerial/lebensmittel_das_steckt_drin/
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/presse/pressematerial.html

Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft:
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) gehört mit über 8600 Mitgliedern zu den großen medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien.
Ziel ist eine noch wirkungsvollere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der Millionen von Menschen in Deutschland betroffen sind.

Deutsche Diabetes Gesellschaft
Geschäftsstelle
Reinhardtstr. 31
10117 Berlin
Tel.: 030 3116937-11
Fax: 030 3116937-20
info@ddg.de

Weitere Informationen:
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

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Landwirtschaftliche Phosphorrückgewinnung

Dr. Claudia Vorbeck Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

Phosphor ist ein wichtiger Pflanzennährstoff, die mineralischen Reserven jedoch begrenzt. Das von der EU geförderte Forschungsprojekt PhosFarm will daher auch organisch gebundenen Phosphor aus landwirtschaftlichen Reststoffen als Quelle für Phosphatdünger erschließen: Mithilfe von immobilisierten Enzymen sollen organische Phosphorverbindungen abgespalten und als Phosphat zurückgewonnen werden.

Phosphor ist ein elementarer Pflanzennährstoff für die Landwirtschaft. Um eine wachsende Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln sowie biobasierten Kraft- und Rohstoffen zu versorgen, wird der Bedarf an Düngemitteln weiter steigen. Im Jahr 2008 wurden allein in der EU ca. 1,4 Millionen Tonnen Phosphor für synthetisch hergestellte Phosphatdünger verbraucht. Dabei sind die Vorkommen an Rohphosphaten endlich und auf nur wenige Länder, darunter China, Marokko, Tunesien und die USA, begrenzt. Dies macht andere Länder abhängig von Importen. Neue Technologien, um gelöstes anorganisches Phosphat aus kommunalem Abwasser als Düngesalze zurückzugewinnen, stehen bereits zur Verfügung. Eine weitere, bisher weitgehend ungenutzte Phosphatquelle stellen Reststoffe wie Gülle aus der Tierhaltung oder Gärreste aus Biogasanlagen dar. Während in der wässrigen Flüssigphase dieser Reststoffe Phosphor - wie im Abwasser - als Phosphat gelöst ist, liegt Phosphor im Feststoffanteil dieser Reststoffe gebunden in biochemischen Molekülen wie Phospholipiden, Nukleotiden und Nukleinsäuren vor.

Landwirtschaftliche Reststoffe stellen ein enormes Reservoir für die Phosphorrückgewinnung dar: So fallen in der EU jährlich mehr als 1800 Millionen Tonnen Gülle an und das Aufkommen an Gärresten aus Biogasanlagen wächst. Vor allem Gülle aus der Geflügel- und Schweinezucht enthält rund die Hälfte des Gesamtphosphors in organisch gebundener Form. Im Projekt PhosFarm sollen auch diese organischen Reststoffe als Phosphatquelle erschlossen werden. Hierzu will das Projektkonsortium unter der Koordination des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB einen nachhaltigen Prozess entwickeln und in Form eines integrierten Anlagenkonzepts realisieren, in dem - vor allem durch eine enzymatische Mobilisierung des organisch gebundenen Phosphors - bis zu 90 Prozent des Gesamtphosphors zurückgewonnen werden.

Für diesen neuen Ansatz sollen Phosphat hydrolysierende Enzyme an geeigneten Trägern immobilisiert werden. »Wir konnten bereits in vorausgehenden Versuchen am Fraunhofer IGB zeigen, dass diese Enzyme in der Lage sind, anorganisches Phosphat aus Modellverbindungen abzuspalten«, erläutert Jennifer Bilbao, die das Projekt am IGB leitet. »Nach Abtrennung der festen Phase kann das gelöste Phosphat aus der flüssigen Fraktion als Magnesiumammoniumphosphat oder Calciumphosphat gefällt werden. Diese Salze sind gut pflanzenverfügbar und direkt als Dünger einsetzbar«, erklärt Bilbao.

Die verbleibende entwässerte feste Phase wird mit einem energieeffizienten Trocknungsprozess, der mit überhitztem Wasserdampf anstelle heißer Luft arbeitet, getrocknet und als organisches Substrat für die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit aufgearbeitet. Je nach Bedarf, das heißt abgestimmt auf die Pflanzenart und Bodenbeschaffenheit, können diese Bodenverbesserer mit den zurückgewonnenen mineralischen Düngesalzen zu einem Substrat mit definiertem N/P-Verhältnis vermischt werden.

»Mit den gewonnenen mineralischen Phosphatdüngern und den organischen Bodenverbesserern können synthetische Phosphatdünger eingespart und eine Überdüngung durch das direkte Ausbringen von Gülle vermieden werden«, beschreibt Bilbao die Vorteile des neuen Konzepts. »Durch den Erlös aus dem Verkauf der Produkte verbinden wir zudem die wirtschaftliche Wertschöpfung aus einem Reststoff mit einem umweltfreundlichen Kreislaufprozess für Phosphor.«

Seit September 2013 wird das Projekt »PhosFarm - Process for sustainable phosphorus recovery from agricultural residues by enzymatic process to enable a service business for the benefit of European farm community« im 7. Forschungsrahmenprogramm der EU gefördert (Grant Agreement No. 605771). Das Projektkonsortium umfasst neben dem Fraunhofer IGB als weitere Forschungspartner VITO (Belgien) und die Schwedische Universität für Agrarwissenschaft (SLU, Schweden) sowie die Firmen Chiral Vision (Niederlande), Geltz Umwelttechnologie GmbH (Deutschland), Heckmann Maschinenbau und Verfahrenstechnik GmbH (Deutschland), Purines Almazan, S.L. (Spanien), Agroenergie Hohenlohe GmbH (Deutschland), ASB Grünland Helmut Aurenz GmbH (Deutschland) und Servimed Almazan, S.L. (Spanien).

Weitere Informationen:

http://www.igb.fraunhofer.de/de/presse-medien/presseinformationen/2013/phosfarm-...

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EEG-Umlage auf eigenverbrauchten KWK-Strom

Jochen Habermann Pressestelle
Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V.

- Auf die Industrie könnten neue Milliardenausgaben zukommen -

In den aktuellen Koalitionsverhandlungen wird die Einbeziehung des Stromeigenverbrauchs in die EEG-Umlage als sogenannte „Mindestumlage" diskutiert. Im Bereich der KWK-Eigenversorgung würde dies überwiegend die Industrie betreffen.

Ziel der Bundesregierung ist es, den Anteil der KWK an der Nettostromerzeugung in Deutschland auf einen Wert von 25 % bis zum Jahr 2020 zu erhöhen. Zur Berechnung der durch den Eigenverbrauch veränderten Zahlungsströme wird angenommen, dass in der Industrie bis zum Erreichen des 25 % Ziels eine KWK-Stromerzeugung von 45.000 GWh realisiert wird (Stand Ende 2011 ca. 28.400 GWh). Dies würde einem Anteil von 32 % an der gesamten KWK Stromerzeugung entsprechen. In Abbildung 1 werden die industriellen KWK Eigenverbrauchsstrommengen (für einen Ausbau der KWK bis zum Ausbauziel) monetär bewertet und nach den Strompreisbestandteilen dargestellt.

Dabei werden sowohl Bestands- als auch Neuanlagen betrachtet. Es wird deutlich, dass die EEG-Umlage eine dominierende Rolle einnimmt. Würde der Eigenverbrauch aus den bestehenden industriellen KWK Anlagen EEG-Umlage pflichtig werden, müssten hierfür etwa 1,6 Mrd. € jährlich entrichtet werden. Bei einem weiteren Ausbau der industriellen KWK bis zu einer jährlichen Stromerzeugung von 45.000 GWh würden hierdurch etwa knapp eine Milliarde Euro an Einnahmen für die EEG-Umlage aus der Industrie verloren gehen.

Aufbauend auf dem beschriebenen Ausbauszenario werden die Auswirkungen des KWK Eigenverbrauchs auf die EEG-Umlage anhand drei verschiedener Fälle untersucht:

Fall 1: Alle industriellen KWK Bestandsanlagen werden umlagepflichtig
→ Die EEG-Umlage sinkt aufgrund des höheren Letztverbrauchs um 0,36 Cent/kWh.

Fall 2: Alle KWK Anlagen bleiben auch zukünftig von der EEG-Umlage befreit
→ Die EEG-Umlage steigt aufgrund des geringeren Letztverbrauchs um 0,23 Cent/kWh.

Fall 3: Es werden lediglich Neuanlagen voll umlagepflichtig
→ Keine Rückwirkung auf die EEG-Umlage.

Anhand einer KWK Anlage eines realen Industriebetriebes konnte bestimmt werden, dass sich bei voll zu zahlender EEG-Umlage die Amortisationszeit im Vergleich zum „Status quo"-Fall (EEG Umlagebefreiung) um 32 Monate verlängert. Daher ist davon auszugehen, dass sich bei einer Beteiligung des KWK-Eigenverbrauchs an der EEG-Umlage der Ausbau der KWK in der Industrie deutlich verlangsamt und so das Ziel eines KWK Anteils von 25 % an der Nettostromerzeugung bis zum Jahr 2020 nur schwer erreicht werden kann.

Weitere Informationen:
http://www.ffe.de/publikationen/pressemeldungen/487-eeg-umlage-auf-eigenverbrauc... - Originaltext der Pressemitteilung mit Quellenangaben

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Flüsse und Bäche entlassen mehr CO2 als angenommen

Birgit Kruse Referat Medien- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hamburg

Fließende Gewässer entlassen deutlich mehr Kohlendioxid in die Erdatmosphäre als vermutet. Das haben Wissenschaftler der Yale University, School of Forestry & Environmental Studies, des Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit (CEN) der Universität Hamburg und weiterer Partner herausgefunden. CEN ist Mitglied des KlimaCampus Hamburg. Die Studie erscheint in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Nature".

Die größte Menge CO2 entweicht der Studie zufolge in tropischen „Hotspots" wie Südostasien, dem Amazonasgebiet und Mittelamerika. „Rund 70 Prozent der weltweiten Kohlenstoff-Emissionen aus Binnengewässern entstammen rund 20 Prozent der Landoberfläche", sagt Peter A. Raymond, Professor für Ecosystem Ecology in Yale.

Fließgewässer entlassen nach Berechnungen der Forschergruppe pro Jahr 1,8 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in die Atmosphäre. Aus Seen und Wasserreservoirs, bspw. an Talsperren, entweichen jährlich 0,32 Milliarden Tonnen. Rund 2,1 Milliarden Tonnen Kohlenstoff setzen Binnengewässer also insgesamt frei. Zum Vergleich: Das entspricht rund einem Fünftel der von Menschen verursachten Kohlenstoff-Emissionen.

Frühere Studien hatten bereits nahegelegt, dass die CO2-Ausgasung von Binnengewässern und ihre Rolle für den Kohlenstoffkreislauf womöglich unterschätzt werden. Das gab den Anstoß für das 2010 gestartete internationale Forschungsprojekt: Zunächst mussten Wissenschaftler eine Karte mit den morphologischen Eigenschaften, wie beispielsweise der Tiefe oder Breite, sämtlicher Gewässer der Erde erstellen. „Wir hatten eigentlich angenommen, dass es diese Daten schon gibt", so Raymond von der Yale University, „mussten dann aber feststellen, dass dem nicht so war. Okay, sagten wir uns also. Dann müssen wir das eben selbst erledigen". Aktuelle Geodatensätze ermöglichten dem Forscherteam die Berechnung der Wasseroberflächen. Flüsse und Bäche bedecken demnach 625.000 Quadratkilometer der Erdoberfläche. Seen und Wasserreservoirs nehmen eine Fläche von rund drei Millionen Quadratkilometern ein.

Basierend auf aktuellen Forschungen von Prof. Jens Hartmann vom CEN der Universität Hamburg entstand außerdem eine Karte mit den CO2-Konzentrationen von Fließgewässern. Hartmann und sein Team hatten dafür 6.708 Messstationen an Flüssen und Bächen auf der ganzen Welt ausgewertet. „Daten von einzelnen Flüssen, wie dem Rhein oder dem Amazonas, bringen keine Erkenntnisse über die globale räumliche Verteilung. Wir brauchten aber ein möglichst repräsentatives Bild von den CO2-Konzentrationen in Gewässern", erläutert Hartmann. „Das erlaubt nun unsere Datenbank, die ich mit meinem Team über einen Zeitraum von zehn Jahren aufgebaut habe. Sie basiert auf den Arbeiten von hunderten Wissenschaftlern, deren Ergebnisse wir vereinheitlicht und systematisch aufgearbeitet haben. Damit ist uns der Sprung von der qualitativen Betrachtung von Gewässern als CO2-Quelle zur quantitativen Forschung gelungen."

Wissenschaftler berechneten für die Studie außerdem die unterschiedliche Geschwindigkeit des Gasaustauschs zwischen Binnengewässern und Atmosphäre. Je stärker die Turbulenzen an der Wasseroberfläche, desto mehr CO2 geht vom Wasser in die Atmosphäre über. Die Kombination der Karten und Daten enthüllte: Der CO2-Eintrag aus Seen und Auffangbecken ist geringer als angenommen. Die Emissionen der Flüsse und Bäche dagegen sind dreimal so hoch wie gedacht. Überproportional groß ist der Anteil kleiner Fließgewässer, etwa von Bächen. „Binnengewässer sind Hotspots biogeochemischer Prozesse", fasst Raymond zusammen. Allerdings müssten Binnengewässer präziser kartografiert werden, um ihren Einfluss auf den globalen Kohlenstoffhaushalt besser zu verstehen.

Die Studie koordinierte Prof. Peter A. Raymond von der Yale University. Haupt-Autoren zu gleichen Teilen sind außerdem Prof. Dr. Jens Hartmann, CEN der Universität Hamburg, Dr. Ronny Lauerwald, Université Libre de Bruxelles und Dr. Sebastian Sobek, Uppsala University.

Nature-Paper (Nature 503, 355-359 (21 November 2013)
doi:10.1038/nature12760):

http://www.nature.com/nature/journal/v503/n7476/full/nature12760.html

Weitere Informationen:
http://www.ifbm.zmaw.de/Chemie-natuerlicher-Waesser.6395.0.html -Informationen zur Arbeitsgruppe „Chemie natürlicher Gewässer" von Prof. Jens Hartmann

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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BAuA stellt auf der weltgrößten Arbeitsschutz-Messe Neuheiten vor

Jörg Feldmann Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Dortmund/Düsseldorf - Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ist auf der weltgrößten Messe für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz - der „A+A 2013" in Düsseldorf - vertreten. Schwerpunkt des Auftritts vom 5. bis 8. November auf einer Fläche von 165 Quadratmetern ist das Thema „Psychische Belastungen". Besucher des BAuA-Standes können eines der Fachbücher „Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung" gewinnen, die täglich verlost werden. Die BAuA informiert an ihrem Stand mit der Nummer D 56 in Halle 10 der Messe auch über den Umgang mit gefährlichen Stoffen im Betrieb.

Die A+A richtet sich an Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung. Über 60.000 Besucher erwartet die Messe Düsseldorf. Informationen aus erster Hand bekommen sie an den Themeninseln des BAuA-Standes. Methoden und Handlungshilfen zur Gefährdungsbeurteilung bei psychischer Belastung am Arbeitsplatz stehen hier im Mittelpunkt. Zum ersten Mal wird das BAuA-Fachbuch „Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung - Erfahrungen und Empfehlungen" im Beisein der Autoren der Öffentlichkeit vorgestellt. Das Buch beschreibt die einzelnen Schritte der Gefährdungsbeurteilung. Viele Hinweise für ein erfolgreiches Vorgehen spiegeln Erfahrungen aus Betrieben und Expertenwissen wider, Praxisbeispiele veranschaulichen die Vorgehensweise. Zudem stehen Fachleute der BAuA zum Gespräch und zum Erfahrungsaustausch bereit.
http://www.baua.de/stress

Auch die Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) präsentiert sich mit ihrem Projekt „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt" (psyGA) am Stand der BAuA. Das Thema gewinnt immer mehr an Bedeutung für Unternehmen und ihre Beschäftigten. INQA hat im Rahmen des Projekts psyGA umfangreiche Materialien entwickelt. Sie unterstützen Führungskräfte, betriebliche Akteure, Beschäftigte und Unternehmen mit Lösungen und Tipps beim Umgang mit psychischen Belastungen im Arbeitsalltag.
http://www.psyga.info

Das neue europäische Chemikalienrecht wirft nach wie vor viele Fragen in den Betrieben auf. Antworten gibt der seit kurzem um das Thema Biozide erweiterte REACH-CLP-Biozid Helpdesk. Die deutsche Auskunftsstelle zum neuen europäischen Chemikalienrecht ist bei der BAuA eingerichtet und unterstützt Betriebe bei der Umsetzung der jeweiligen Verordnungen. Experten des Helpdesks stehen auf der Messe Rede und Antwort.
http://www.reach-clp-biozid-helpdesk.de

An der Themeninsel „REACH und Arbeitsschutz" erklären BAuA-Experten wichtige Veränderungen zum Sicherheitsdatenblatt. Seit über fünf Jahren bekommt die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) durch die Registrierungen nach der REACH-Verordnung umfangreiche Daten zu chemischen Stoffen. Sie stehen in den neuen, öffentlichen Datenbanken der ECHA bereit und fließen in die Sicherheitsdatenblätter ein. Die BAuA erklärt notwendige Änderungen und Ergänzungen in Sicherheitsdatenblättern und zeigt, wie man diese Informationen im Betrieb für den Arbeitsschutz nutzen kann.
http://www.baua.de/reach

Auch das „Einfache Maßnahmenkonzept Gefahrstoffe" (EMKG) hat eine eigene Themeninsel. Hier können die Messegäste die neue EMKG-Software erleben, mit der sich rechnerbasiert Gefährdungen beim Umgang mit Gefahrstoffen systematisch aufdecken und, in Verbindung mit angemessenen Maßnahmenstufen, dokumentieren lassen. Die Praxis hat das „EMKG kompakt" - bestehend aus der Taschenscheibe, mit der sich Gefährdungen durch Einatmen beurteilen lassen, und der Taschenkarte, die bei Gefährdungen durch Hautkontakt eingesetzt werden kann - gut angenommen. Erstmals wird das EMKG kompakt nun auch für Smartphone-Nutzer als App zur Verfügung stehen.
http://www.baua.de/emkg

Auch die Ausschüsse des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS), deren Geschäftsführungen bei der BAuA liegen, geben Einblicke in ihre Arbeit. Abwechselnd vertreten sind der Ausschuss für Arbeitsmedizin (AfAMed), für Arbeitsstätten (ASTA), für Betriebssicherheit (ABS), für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS), für Gefahrenstoffe (AGS) und für Produktsicherheit (AfPS). Sie beraten das BMAS in Fragen des Produktsicherheitsgesetzes und des Arbeitsschutzgesetzes sowie seiner Verordnungen. Die Ausschüsse schaffen zudem ein untergesetzliches Regelwerk, das Gesetze und Verordnungen für die tägliche Praxis konkretisiert.
http://www.baua.de/ausschuesse

Vortragsprogramm
Auf einer Bühne am BAuA-Stand läuft täglich ein Vortragsprogramm. Um 12.30 Uhr geht es um „Gute Daten - besseres Sicherheitsdatenblatt - optimaler Arbeitsschutz". Um 13:30 Uhr folgt das Thema „Psychische Belastungen am Arbeitsplatz", danach um 14:30 Uhr „EMKG - Gefährdungsbeurteilung leicht gemacht". Um 15:30 Uhr schließen ein Vortrag zu „Chemikalien sicher verwenden - der REACH-CLP-Biozid-Helpdesk hilft" und die Verlosung der Fachbücher das Programm ab. Außer der Reihe gibt es am Vormittag des 7. November einen Vortrag „Neues vom Ausschuss für Gefahrstoffe". Auch am angeschlossenen Kongress der Messe beteiligen sich BAuA-Experten mit Vorträgen.

Alle Publikationen der BAuA können direkt am Infostand und im Internet bestellt werden: http://www.baua.de/publikationen.

Mit am BAuA-Stand vertreten ist auch ein Sieger des Fachgebiets Arbeitswelt von Jugend forscht, der sein prämiertes Projekt zeigt.

Forschung für Arbeit und Gesundheit
Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen stehen für sozialen Fortschritt und eine wettbewerbsfähige Wirtschaft. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) forscht und entwickelt im Themenfeld Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, fördert den Wissenstransfer in die Praxis, berät die Politik und erfüllt hoheitliche Aufgaben - im Gefahrstoffrecht, bei der Produktsicherheit und mit dem Gesundheitsdatenarchiv. Die BAuA ist eine Ressortforschungseinrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Über 600 Beschäftigte arbeiten an den Standorten in Dortmund, Berlin und Dresden sowie in der Außenstelle Chemnitz.
http://www.baua.de

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Das Analyselabor zum Mitnehmen - Mini-Spektrometer im Mobiltelefon

Annett Arnold Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP

Im BMBF-Forschungsprojekt »nanoSPECS« entwickeln Forscher der TU Dresden und des Fraunhofer FEP Grundlagen für ein Spektrometer auf Basis von Nano-Antennen. Das Spektrometer könnte durch seine winzige Größe perspektivisch in Mobiltelefone integriert werden. Dünnschicht-Herstellungsverfahren machen den Sensor zudem für den Massenmarkt erschwinglich.

Spektrometer im Miniaturformat sind vielseitig einsetzbar. Schnell lässt sich mit ihnen beispielsweise der Reife- und Frischegrad von Obst oder Fleisch im Supermarkt überprüfen: Einmal das Smartphone angehalten und schon kennt man den Zuckergehalt des Obstes. Zuhause könnte man in Zukunft berührungslos durch Analyse der Atemluft den Blutzuckerspiegel von Zuckerkranken ermitteln. Auf Flughäfen oder in anderen sicherheitsrelevanten Bereichen könnten Miniaturspektrometer vor giftigen Gasen oder Flüssigkeiten warnen.

Handelsübliche Spektrometer sind für den Einbau in Elektronikartikel wie Smartphones bislang zu groß und stoßen durch ihren prinzipiellen Aufbau an Grenzen der machbaren Miniaturisierung. Wissenschaftler des Institutes für Angewandte Photophysik (IAPP) der TU Dresden und des Fraunhofer-Institutes für Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP setzen im BMBF-Projekt »nanoSPECS« zu einem Innovationssprung an. Mit einem völlig neuen Konzept, welches auf Nano-Antennen beruht, entwickeln die Forscher ein Mini-Spektrometer, das ohne bewegliche Teile auskommt, eine hohe Empfindlichkeit und Auflösung besitzt sowie das gesamte Spektrum von UV bis zum nahen Infrarotbereich detektieren kann.

Der Ansatz der Dresdner Forscher basiert auf Nano-Drähten, die wie kleine Antennen das eintreffende Signal verstärken und an den Detektor weiterleiten. Je nach Länge, Durchmesser, Material und gegenseitigem Abstand zueinander verstärken die Nano-Drähte das eintreffende Licht einer ganz bestimmten Wellenlänge. Man kann nun ein Antennen-Array aus Nano-Drähten unterschiedlicher Abmessungen, das heißt mit unterschiedlichen Resonanzfrequenzen, herstellen und somit ein breites elektromagnetisches Spektrum aufnehmen. Die Antennen wirken gleichzeitig als optischer Verstärker, Konzentrator und optisches Filter. Da die optisch-sensitive Antennen-Schicht mehrere Bauteile in einem vereint und direkt auf einem CCD/CMOS-Chip integriert werden soll, wird das Spektrometer extrem klein, kaum größer als der Chip, und findet damit in jedem Mobiltelefon Platz.

Das IAPP hat das Verfahren, Gold- oder Silber-Nanostäbchen kontrolliert in den Poren einer Aluminiumoxid-Matrix elektrochemisch aufwachsen zu lassen, bereits im Labormaßstab entwickelt und seine Variabilität und Funktionalität nachgewiesen. Hauptziel des im August 2013 begonnenen dreijährigen Projektes »nanoSPECS« ist die Aufskalierung und die Herstellung eines Gradienten-Antennen-Arrays auf 8"-Wafern. Eine der Herausforderungen besteht darin, eine Aluminiumschicht als Vorstufe für die Aluminiumoxid-Matrix besonders präzise, reproduzierbar und homogen in Schichtdicke und ihrer mikrokristallinen Struktur herzustellen. Das Fraunhofer FEP wird bei diesem Schritt sein langjähriges Know-how in der Präzisionsbeschichtung einbringen und mit dem Magnetron-Sputtern ein Dünnschichtverfahren zur Verfügung stellen, welches eine präzise und wirtschaftliche Herstellung des Mini-Spektrometers auch für den Massenmarkt ermöglicht.

Was auf dem Bild wie ein Fakirteppich aussieht, sind Gold-Nanoantennen von wenigen 100 nm Länge und 30 nm Durchmesser. Diese Winzlinge sind sensitiv auf das elektromagnetische Spektrum im sichtbaren Wellenlängenbereich und können durch Plasmonenresonanzen bestimmte Wellenlängen filtern, konzentrieren und verstärken. Sie bilden die Basis für die moderne optische Sensorik wie sie im Projekt nanoSPECS angegangen wird.

Das Projekt »nanoSPECS« wird gefördert durch das Programm »Validierung des Innovationspotenzials wissenschaftlicher Forschung - VIP« des BMBF, Förderkennzeichen: 03V0763)

Weitere Informationen:
http://www.fep.fraunhofer.de

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Klimawandel beeinträchtigt Wasserversorgung - Forscher entwickeln neue Strategien

Horst May Abteilung Kommunikation
Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) mbH

Der prognostizierte Meeresspiegelanstieg als Folge des Klimawandels und die daraus resultierende Versalzung des Grundwassers in Küstennähe stellt die regionalen Trinkwasserversorger vor große Herausforderungen. Forscher und Fachleute aus der Wasserwirtschaft entwickeln deshalb im Projekt „NAWAK" neue Strategien, um die Wasserversorgung in den Küstenregionen entlang der Nordsee langfristig zu gewährleisten. Der Startschuss fiel heute im Trink- und Abwasserzentrum des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) in Oldenburg.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 2,2 Millionen Euro gefördert. Neben dem OOWV nehmen an der Forschungsgruppe das Leibniz-Institut für angewandte Geophysik in Hannover, das Leichtweiß-Institut für Wasserbau der TU Braunschweig, der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küste- und Naturschutz (NLWKN) und die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) teil, die das Projekt auch koordiniert.

„NAWAK steht für Nachhaltigkeit, Anpassungsstrategie der Wasserwirtschaft und den klimatischen Wandel", erklärte Projektkoordinator Dr. Jens Wolf von der GRS heute während einer Pressekonferenz zum Auftakt des Projekts im Trink- und Abwasserzentrum des OOWV in Oldenburg. Die Expertengruppe untersucht beispielhaft die Wasserversorgung in drei Küstenregionen. Dazu zählen das Einzugsgebiet des OOWV-Wasserwerks in Sandelermöns sowie im Elbe Weser Dreieck die Wasserversorger Stader Land und Land Hadeln.

Jede Region hat ihre speziellen Probleme, die die Forscher einzeln betrachten. Die Wasserversorger an Elbe und Nordsee beschäftigen vor allem die Salzwasserprobleme. „In den deutschen Küstenregionen dringt schon jetzt die Grenze zwischen Süß- und Salzwasser im Untergrund weiter Richtung Inland vor. Außerdem wird der Wasserbedarf in der Industrie und insbesondere in der Landwirtschaft durch längere Trockenperioden im Sommer deutlich zunehmen", sagte Diplom-Geologe Egon Harms, Bereichsleiter Grundwassergewinnung beim OOWV. In einer im Projekt untersuchten Vergleichsregion in Sachsen-Anhalt stellt statt des klimatischen Wandels der demographische Wandel die Wasserversorgung vor große Probleme. „Die vorhandenen Infrastrukturen werden aufgrund des Bevölkerungsrückgangs immer weniger genutzt", erläuterte Bernd Wienig von der Heidewasser GmbH.

In einem ersten Schritt untersuchen die Forscher den Einfluss des Klimawandels und der Bevölkerungsentwicklung auf die Wasserversorgung. „Unter dem Einsatz moderner Rechenprogramme erstellen wir Prognosen zur Entwicklung der künftigen Grundwasservorkommen," erläutert Prof. Matthias Schöniger von der TU Braunschweig. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse folgen dann in einem zweiten Schritt die individuellen Strategien für die Wasserversorgung. Dabei soll es sowohl um konkrete Handlungsempfehlungen als auch um Vorschläge für technische Neuerungen gehen. Mit abschließenden Ergebnissen wird im Jahr 2016 gerechnet.

Weitere Informationen:
http://www.grs.de
http://www.oowv.de
http://www.nlwkn.niedersachsen.de/startseite/
http://www.liag-hannover.de/
http://www.tu-braunschweig.de/

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Vertrauenswürdige Provider gefragt

Nicola Veith Pressestelle
Fachhochschule Frankfurt am Main

Informatiker der FH Frankfurt untersuchen Sicherheit beim Cloud Computing

Die Forschungsgruppe für Netzwerksicherheit, Informationssicherheit und Datenschutz der Fachhochschule Frankfurt am Main (FH FFM) hat ein Analysetool entwickelt, das Schwachstellen des Cloud Computing demonstriert. Das Tool führt Skripte automatisiert aus und veranschaulicht so, welche Möglichkeiten Mitarbeiter eines Anbieters von Cloud-Dienstleistungen (Provider) mit negativen Absichten hätten, auf Daten in der Cloud zuzugreifen.

Das Ergebnis: für den Nutzer sind alle klassischen Sicherheitsmechanismen ausgehebelt, sobald die Nutzerdaten unverschlüsselt den eigenen Rechner verlassen haben. Bisher besteht keine technische Möglichkeit, die Datensicherheit gegenüber dem Provider zu gewährleisten. Anwender, welche die Cloud nur zur Datenspeicherung verwenden, können sich durch die Verschlüsselung der Daten auf ihrem lokalen Gerät schützen. Das geht jedoch nur, wenn die Daten nicht auch in der Cloud bearbeitet werden sollen.

Eine Video-Demonstration des Analysetools findet sich unter http://www.fh-frankfurt.de/sicherheit_cloud_computing

„Die Risiken des Cloud Computing sind schon länger bekannt. Mit Hilfe des Analysetools konnten wir nun nachweisen, wie stark die Sicherheit der Cloud-Dienste von der Vertrauenswürdigkeit des Providers abhängt. Entsprechend sorgfältig sollten Nutzer bei der Auswahl ihres Providers vorgehen", resümiert Prof. Dr. Martin Kappes vom Fachbereich 2: Informatik und Ingenieurwissenschaften der FH Frankfurt und Leiter der Forschungsgruppe. Kappes weist darauf hin, dass bei der Verwendung internationaler Provider zusätzlich andere Gesetzeslagen hinsichtlich des Datenschutzes in Betracht gezogen werden müssen. Die Forschungsgruppe will nun Lösungen entwickeln, die in Zukunft Angriffe auf die Cloud erschweren oder verhindern sollen. Dabei plant sie zum einen, die Zugriffsmöglichkeiten auf Arbeitsspeicher oder Dateisystem zu reduzieren. Zum anderen sollen schützenswerte Bereiche des Arbeitsspeichers identifiziert werden und Methoden entwickelt werden, die diese Bereiche gegen Angriffe absichern.

Hintergrund der Forschung ist, dass immer mehr IT-Dienste, darunter der Datenspeicher, nicht mehr auf dem lokalen Rechner des Nutzers ausgeführt werden, sondern in der „Cloud" (= Wolke). Des Weiteren mieten vor allem kleine und mittelständische Unternehmen ohne eigenes Rechenzentrum immer häufiger virtuelle Rechner bei Providern an, die örtlich entfernt angesiedelt sind, genannt „Infrastructure as a Service". Hat ein Nutzer bei einem nicht vertrauenswürdigen Provider einen virtuellen Rechner gemietet, so kann ein potenzieller „Angreifer" mit Zugriff auf die IT-Struktur des Providers, z.B. ein Administrator, den virtuellen Rechner des Nutzers unter seine Kontrolle bringen. Auf diese Weise kann er die auf dem Rechner befindlichen Daten ausspionieren und manipulieren. Dazu bedarf es keiner Sicherheitslücken auf dem Rechner, selbst Verschlüsselung, eine funktionierende Firewall oder ein Virenscanner bieten keinen Schutz. Meist bemerkt der Nutzer den Angriff, also die „Infektion" seines Computers, nicht einmal. Erst wenn der Angreifer bekannte Angriffsmethoden wie beispielsweise einen Trojaner einsetzt, könnte der Virenscanner erkennen, dass der Rechner infiziert wurde.

Ein Ausblick: Durch Ausnutzen technischer Schwachstellen über einen sogenannten „Breakout Exploit" könnte ein Angreifer einmalig vollautomatisiert das Host-System des Providers unter seine Kontrolle bringen und damit gegebenenfalls alle davon abhängigen virtuellen Rechner. Er bedient sich dabei eines sogenannten „Exploits", eines Computerprogramms, das die Details der Schwachstelle einer bestimmten Anwendung kennt und diese manipulieren kann. Der Angreifer müsste dabei kein Administrator sein, sondern kann aus einem selbst angemieteten Rechner heraus agieren, was bedeutet, er bricht vom „inneren" PC in den „äußeren" PC aus. Der Angreifer erhält so Zugriff auf die Infrastruktur des Providers und könnte von dort aus alle Angriffe durchführen. „Derartige Angriffe sind technisch zwar komplex, die Beute für einen Angreifer bestünde aber darin, sehr viele Rechner auf einmal unter seine Kontrolle zu bringen. Deshalb müssen solche technischen Fehler unmöglich gemacht werden", so Kappes.

Die Forschungsgruppe für Netzwerksicherheit, Informationssicherheit und
Datenschutz der FH FFM unter Leitung von Prof. Dr. Martin Kappes erforscht und
entwickelt Sicherheitstechnologien im IT-Bereich. Sie beschäftigt sich mit Fragestellungen zu Netzwerk und Systemsicherheit, Sicherheitsorganisation, -bewertung und -management, Zuverlässigkeit und Verfügbarkeit komplexer Systeme, Netzwerkmanagement und technischem Datenschutz. Kooperationspartner sind Unternehmen und öffentliche Einrichtungen.

Informationen zur Forschungsgruppe finden sich unter: http://www.fh-frankfurt.de → Fachbereiche → Fachbereich 2: Informatik und Ingenieurwissenschaften → Forschung → Forschungsgruppe für Netzwerksicherheit, Informationssicherheit und Datenschutz (https://netzwerksicherheit.fb2.fh-frankfurt.de)

Kontakt:
FH FFM, Fachbereich 2: Informatik und Ingenieurwissenschaften, Prof. Dr. Martin Kappes, Telefon: 069/1533-2791, E-Mail: kappes@fb2.fh-frankfurt.de

Weitere Informationen:
http://www.fh-frankfurt.de/sicherheit_cloud_computing
https://netzwerksicherheit.fb2.fh-frankfurt.de

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Durchfallerkrankungen vorbeugen: Antibakterielle Pille schützt vor Reisediarrhö

Dr. Ellen Katz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Tübingen

Aktuell in Lancet Infectious Diseases veröffentlicht doi:10.1016/S1473-3099(13)70221-4

Durchfallerkrankungen sind in den Tropen besonders häufig und betreffen bei einem zweiwöchigen Aufenthalt durchschnittlich jeden zweiten Reisenden. Pro Tag erkranken 40.000 Menschen aus Ländern der industrialisierten Welt an einer Reisediarrhö. Meist ist der Verlauf kurz und die Beschwerden mild. Jeder zehnte Betroffene leidet jedoch erheblich und ist vorübergehend bettlägerig und 1 Prozent muss sogar im Krankenhaus behandelt werden.

Auch chronische Darmbeschwerden können als Folge einer Reisediarrhö auftreten. Daneben sind Menschen mit Vorerkrankungen durch schwere Komplikationen einer Magen-Darm-Infektion wie beispielsweise Austrocknung und Blutvergiftung besonders bedroht. Meist sind Bakterien, deutlich seltener Viren und Einzeller die Ursache dieser Durchfallepisoden. Obwohl weithin bekannt, haben allgemeine Hygienemaßnahmen, die gerne auch kurz mit „Koche es, schäle es oder vergiss es!" zusammengefasst werden, oft nicht die erwünschte Schutzwirkung.

Philipp Zanger, Oberarzt, und Peter Kremsner, Direktor des Instituts für Tropenmedizin am Universitätsklinikum Tübingen stellen in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals Lancet Infectious Diseases eine Studie zur Vorbeugung von Diarrhö bei Reisen nach Süd- und Südostasien vor.

An einer Gruppe von Freiwilligen, die vor Antritt der Reise in der Impfsprechstunde des Instituts beraten wurden, konnten Sie zeigen, dass die Einnahme einer lokal im Darm wirksamen, antibakteriellen Substanz zu einer Halbierung des Durchfallrisikos führt, ohne dass hierbei nennenswerte Nebenwirkungen aufgetreten wären. „Für die Gesundheit auf Reisen ist das ist ein großer Fortschritt", so Philipp Zanger. Gerade bei Risikogruppen können hierdurch schwere Komplikationen deutlich vermindert werden. Auch für Kurzzeitreisende mit einem wichtigen Auftrag im fernen Ausland wie beispielsweise Politiker und Manager kann eine Einnahme sinnvoll sein. Bevor das Medikament aber allen Fernreisenden empfohlen wird, soll noch weiter geforscht werden. „Wir müssen erst sicher sein, dass ein breiter Einsatz dieser Substanzen nicht zu einer relevanten Zunahme bakterieller Resistenzen führt", meint Peter Kremsner.

Titel der Originalpublikation
Zanger P. et al. (2013) Effectiveness of rifaximin in prevention of diarrhoea in individuals travelling to south and southeast Asia: a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 3 trial. Lancet Infectious Diseases 2013; Vol. 13: page 946-54, doi:10.1016/S1473-3099(13)70221-4

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Warme Winter lassen Bäume länger schlafen

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Die Vegetation in den gemäßigten Breiten folgt dem Wechsel der Jahreszeiten: Nach einer Winterpause treiben die Pflanzen im Frühjahr erneut aus. Eine Forschungsarbeit hat jetzt einen neuen Zusammenhang ans Licht gebracht: Je kälter der Winter, umso früher fangen heimische Pflanzen wieder an zu wachsen. Da mit dem Klimawandel mildere Winter zu erwarten sind, könnte die Wachstumsphase für typische Waldbäume immer später beginnen - zum Vorteil für Sträucher und zugewanderte, weniger kälteabhängige Bäume.

In einer Studie untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) 36 Baum- und Straucharten. Ihre Arbeit lieferte ein überraschendes Ergebnis, wie Julia Laube vom Fachbereich Ökoklimatologie erklärt: „Anders als bisher angenommen, spielt die zunehmende Tageslänge im Frühjahr für den Zeitpunkt des Knospens keine große Rolle: Damit die Pflanzen im Frühjahr rechtzeitig aufwachen, ist ein ausgedehnter ‚Kälteschlaf' im Winter wichtig."

Dies betrifft vor allem einheimische Baumarten wie zum Beispiel Buchen oder Eichen. Denn mit der Kälteruhe schützen sie sich vor dem Erfrieren. Anders verhalten sich die Pionierarten, also Sträucher wie die Haselnuss und Erstbesiedler wie die Birke - und Arten, die aus wärmeren Klimazonen eingewandert sind wie die Robinie oder die Walnuss: „Diese Bäume riskieren im Frühjahr einen früheren Start, weil sie weniger stark auf die Kälteperiode angewiesen sind und zudem bei steigenden Temperaturen schneller austreiben", so Laube.

Vorteil für Sträucher und neue Baumarten

Die Folgen für das Ökosystem der Wälder bleiben nicht aus: Nach milden Wintern steigt für die heimischen Arten das Risiko, ihre Blätter zu spät auszubilden. Damit gelangt auch mehr Tageslicht auf den Waldboden, was niederwachsende Strauch- und invasive Baumarten begünstigt. Sie treiben früher aus - zum Nachteil für heimische Arten: Jungen, noch niedrigen Bäumen fehlt dann das Licht zum Wachsen."

„Grüne Weihnachten unter frisch austreibenden Bäumen wird es auch unter wärmeren Bedingungen nicht geben", sagt Prof. Annette Menzel, Wissenschaftlerin am TUM Institute for Advanced Study und Leiterin des Fachgebiets Ökoklimatologie. „Allerdings werden sich die unterschiedlichen Wachstumsmuster auf die gesamte Tier- und Pflanzenwelt auswirken; gerade die heimischen Baumarten in unseren Forsten können sich dem Klimawandel nur begrenzt anpassen."

Verkürzter Winter in der Klimakammer

Für ihre Versuche verwendeten die Forscher etwa 30 Zentimeter lange Zweige 36 verschiedener Bäume und Sträucher, die sie Klimakammern unterschiedlichen Wärme- und Lichtbedingungen aussetzten. Die Klimakammer-Experimente dauerten jeweils sechs Wochen. Die Zweige stammen aus dem nahe Freising gelegenem „Weltwald", in dem die Bayerischen Staatsforsten Baumbestände unterschiedlicher Klimaregionen angepflanzt haben.

Am stärksten wirkte sich der Kälte-Effekt bei der Buche, der Hainbuche und dem nordamerikanischen Zuckerahorn aus: Sie trieben bei verkürzten Kälteperioden wesentlich später aus. Dagegen erwiesen sich der Flieder, der Haselstrauch und die Birke als weniger kälteabhängig.

„Insgesamt ergibt sich jedoch ein chaotisches Bild: Durch wärmere Winter kann die übliche Reihenfolge der Laubentfaltung völlig durcheinander geraten", erläutert Menzel. „Viele der heute in Mitteleuropa ansässigen Kulturarten stammen ursprünglich aus wärmeren Klimazonen. Sie könnten mangels ausreichendem Erfrierungsschutz Opfer ihrer zu flexiblen Anpassung werden - und bei Spätfrost im Frühjahr erfrieren."

Diese Forschungsarbeit wurde vom European Research Council im Rahmen des Siebten Rahmenprogramms der Europäischen Union (FP7/2007-2013) und vom TUM Institute for Advanced Study gefördert.

Publikation:
Chilling outweighs photoperiod in preventing precocious spring development; Julia Laube, Tim H. Sparks, Nicole Estrella, Josef Höfler, Donna P. Ankerst and Annette Menzel; Global Change Biology (2013), doi: 10.1111/gcb.12360

Kontakt:
Prof. Dr. Annette Menzel
Technische Universität München
Fachgebiet für Ökoklimatologie
Tel.: +49 8161 71-4740
amenzel@wzw.tum.de
http://www.oekoklimatologie.wzw.tum.de

Weitere Informationen:
http://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/kurz/article/31150/

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Einfach mal die Tiere fragen!

Dr Harald Rösch Wissenschafts- und Unternehmenskommunikation
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Bei der Vorhersage von Tierwanderungen enttäuschen mathematische Modelle

Viele Tiere haben sich notgedrungen damit abgefunden, dass der Mensch in ihre natürlichen Lebensräume vordringt und diese mit Wohnsiedlungen und Straßen zergliedert. Da gerade Raubtiere auf ausreichend große Reviere angewiesen sind, wandern sie zwischen einzelnen kleinen Habitaten hin und her. Diese schützenswerten Routen haben Forscher bisher vor allem mit mathematischen Modellen festgelegt. Mit GPS-Sensoren ausgestattete Fischermarder zeigen nun, dass die Berechnungen mit der Wirklichkeit wenig zu tun haben.

Korridore sind wenig beachtete Räume und doch so wichtig. Wie sonst kämen wir vom Schlafzimmer ins Bad oder von der Couch in die Küche? In der freien Natur sind Korridore, die unterschiedliche Lebensräume von Tieren verbinden, für den Erhalt von Arten ist es entscheidend. Sie ermöglichen, dass Tiere sich frei und gefahrlos zum Beispiel vom Jagdrevier zum Paarungsplatz bewegen können. Wird eine neue Wohnsiedlung mitten in einen wichtigen Korridor gebaut, kann das eine ganze Population in Gefahr bringen.

Welche Wege die Tiere nutzen, wird meistens berechnet. Martin Wikelski und sein Doktorand Scott LaPoint vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und der Universität Konstanz haben gemeinsam mit Kollegen aus den USA Korridore von den Tieren selbst bestimmen lassen. Sie statteten Fischermarder mit GPS-Sensoren aus und beobachteten über drei Winter ihre Bewegungen in der Nähe der Stadt Albany im US-Bundesstaat New York. Dabei fanden sie heraus, dass die Marder ganz andere Wege wählten als theoretisch vorhergesagt wurde.

„Ich war doch sehr erstaunt, wie schlecht die Modelle waren", so Wikelski, der in Radolfzell die Abteilung Tierwanderungen und Immunökologie leitet. Die zwei mathematischen Modelle konnten gemeinsam nur fünf von 23 Korridoren korrekt vorhersagen. Dabei schnitt das Modell der „Least-Cost Path Analysis" - Weg des geringsten Widerstands - mit nur einem richtigen Korridor schlechter ab als die „Schaltkreistheorie", die immerhin fünf Treffer landete.

In diese Gleichungen fließen vor allem Informationen über die Landschaftsstrukturen ein. Da Fischermarder hauptsächlich in Wäldern leben und offene Gebiete meiden, nahm man an, dass diese Regel auch für die Korridore zutreffen würde. „Das war ein Trugschluss. Die Tiere zeigten sich bei der Besiedelung der Städte weitaus flexibler", bemerkt Scott LaPoint. Sie flitzten durch Auen- und Laubwälder sowie über Wiesen, Felder und sogar menschengemachte Landschaften wie Golfplätze oder Friedhöfe, um von einem Ort zum anderen zu gelangen.

Auch vor der Überquerung von Straßen machten sie nicht halt. Statt sich aber auf einer sechsspurigen Autobahn in Todesgefahr zu begeben, huschten sie schlau und furchtlos durch alte Abwasserrohre. „Das hätte ich überhaupt nicht gedacht, denn nach allem, was man über diese scheuen Tiere weiß, schien es unmöglich, dass sie solche potenziell gefährlichen Strukturen benutzen", äußert sich Martin Wikelski erstaunt. Ein Abwasserrohr könnte schließlich auch eine Falle sein.

Landschaftsplaner und Umweltschützer interessieren sich für Tierkorridore, weil sie als besonders schützenswerte Regionen gelten. Korridore vereinfachen die Ausbreitung der Tiere, erhalten den Genfluss zwischen Populationen aufrecht und vermindern somit das Risiko des Aussterbens. Aber viel zu oft werden Millionen von Euro in Brücken oder Tunnel investiert, die später kein Tier nutzt. „Wir müssten die Tiere fragen, was sie brauchen", erklärt Wikelski, „und durch die Überwachung der Bewegungsmuster haben wir eine solche Kommunikationsmöglichkeit zwischen Tier und Mensch geschaffen."

Eine positive Ausnahme sind die Krötentunnel. Sie werden nicht berechnet, sondern genau an den Stellen angelegt, an denen Jahr für Jahr viele tote Kröten auf den Straßen kleben. Hier wird genau das gemacht, was die Ergebnisse von Scott LaPoint und Martin Wikelski verlangen: Einfach mal das Tier fragen „Was denkst du? Was willst du?" Das würde Landschaftsplanungen einfacher, effizienter und durchschaubarer machen und nebenbei viel Geld sparen.

Originalpublikation:
Scott LaPoint, Paul Gallery, Martin Wikelski, Roland Kays
Animal behavior, cost-based corridor models, and real corridors
Landscape Ecology Oktober 2013, Band 28, S. 1615-1630

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Martin Wikelski
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Teilinstitut Radolfzell
Telefon: +49 7732 1501-62
Fax: +49 7732 1501-69
E-Mail: martin@­orn.mpg.de

Daniel Piechowski
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Teilinstitut Radolfzell
Telefon: +49 7732 1501-19
E-Mail: dpiechowski@­orn.mpg.de

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Die Zukunft der Arbeit: Neue Technologien, neue Werte und Kollaboration

Till Breitung Pressearbeit
Münchner Kreis

Informations- und Kommunikationstechnologien sind in der Arbeitswelt allgegenwärtig. Sie durchdringen und verdrängen zunehmend die klassische Industrie- und Büroarbeit. Die Digitalisierung macht das Wissen zur zentralen Ressource. Es entstehen flexible und mobile Arbeitsverhältnisse und neue Formen der Zusammenarbeit, die Wirtschaft, Unternehmen und jeden Einzelnen vor neue Herausforderungen stellen.

München, 15. Oktober 2013 - Auf einer Konferenz des MÜNCHNER KREIS haben rund 130 Experten die Auswirkungen der Digitalisierung auf unser zukünftiges Arbeiten diskutiert. Deutschland wurden dabei überraschend gute Chancen eingeräumt. „Der Erfolg von Arbeit wird immer mehr dadurch definiert, wie kooperativ und kreativ Wissensarbeiter sind und wie intelligent sie sich vernetzen", sagte Prof. Arnold Picot, Vorstandsvorsitzender des MÜNCHNER KREIS. Das Verständnis von und für neue Strukturen der Arbeit sei Ausschlag gebend. Und dieses Verständnis wachse vor allem in Ländern mit hohem Bildungsniveau, in denen das Wissen die wichtigste verfügbare Ressource ist.

Die Informations- und Kommunikationstechnologien verändern die berufliche Zusammensetzung des Arbeitsmarktes. Produktionsarbeiter und Bürofachkräfte, deren Tätigkeiten durch präzise definierte Routineabläufe bestimmt sind, werden zunehmend durch Maschinen ersetzt. Dagegen expandieren Berufe, die Kreativität, Umgang mit Menschen oder visuelles und räumliches Anpassungsvermögen verlangen. „Zu den Wachstumsberufen gehören sowohl gut bezahlte Manager als auch Niedriglohnarbeiter im Gastgewerbe, während viele von Computern verdrängte Berufe in der Mitte des Einkommensspektrums liegen. Der technologische Wandel führt somit zu einer Polarisierung der Arbeitswelt", gab Prof. David Dorn vom Center for Monetary and Financial Studies in Madrid zu bedenken.

Einige Aufgaben und Probleme, die für Menschen relativ einfach zu lösen sind, können derzeit jedoch selbst von moderner Technologie noch nicht algorithmisch bewältigt werden. Hierzu zählen mitunter Text- und Bilderkennung, das Verifizieren, Analysieren und Kategorisieren von Videoinhalten, das Schaffen von Wissen, das Verbessern und Kreieren von Produkten oder wissenschaftliche Forschung. Beim Crowdsourcing werden solche Aufgaben nun auf die Intelligenz und die Arbeitskraft einer großen Anzahl zunächst unbekannter Freiwilliger im Internet ausgelagert. „Die Unternehmen haben hierbei Zugriff auf eine Masse von Menschen, die ihnen im Unternehmen nicht zur Verfügung stehen würden. Durch Crowdsourcing entsteht jedoch auch eine Vielzahl organisatorischer und wissenschaftlicher Herausforderungen aus unterschiedlichsten Disziplinen der Informatik, wie das Schaffen von Anreizen für die Arbeiter und die Qualitätssicherung der durchgeführten Arbeiten", merkte Prof. Phuoc Tran-Gia von der Universität Würzburg an.

Prof. Thomas W. Malone von der MIT Sloan School of Management war der Konferenz des MÜNCHNER KREIS per Livestream zugeschaltet. Er erklärte, wie das Zusammenwirken technologischer und ökonomischer Rahmenbedingungen bereits heute weit reichende Veränderungen in Organisationen und Unternehmen ermöglicht. Insbesondere die ständig sinkenden Kosten der Kommunikation erlaubten einen Wandel der Arbeitsorganisation, dessen Tragweite er mit dem demokratischen Wandel von Staaten verglich. Malone stellte ein globales Projekt des von ihm geleiteten Center for Collective Intelligence vor, das sich die Erarbeitung von Lösungsvorschlägen für die drängenden Probleme des Klimawandels zum Ziel gesetzt hat. Im Climate CoLab brechen Experten unterschiedlicher Wissensgebiete und Herkunft die genauso komplexen wie bedrohlichen ökologischen Herausforderungen des Klimawandels auf seine Teilaspekte herunter. In virtuellen Diskussionsforen, gemeinsam geführten digitalen Ideenmagazinen und Computersimulationen erarbeitet hier eine Vielzahl internationaler Expertenteams gemeinsam Vorschläge für tragfähige Lösungen. Mehrheitsabstimmungen, die Aufteilung in Lösungs- und Kontrollfunktionen sowie das Prinzip der Expertenbeurteilung erzeugten dabei eine kollektive Intelligenz, die deutlich über dem Durchschnitt der individuellen Intelligenz der Teammitglieder läge, erklärte Malone. Entsprechend hoch sei daher auch die Qualität der Handlungsempfehlungen und der Vorschläge für die politische Entscheidungsfindung.

Traditionelle, hierarchisch strukturierte Organisationen, die auf Weisung und Kontrolle basieren, sind den informationstechnologisch gestützten Arbeitsformen und neuen Werthaltungen oft nicht mehr angemessen. „Die Entwicklung der Organisationen hält mit diesem Wandel der Arbeit oft nicht Schritt. Managementgesteuerte Organisationen erweisen sich als zu langsam, zu unflexibel, zu fehleranfällig", erklärte Winfried Kretschmer, Chefredakteur von changeX. Die Herausforderung läge heute darin, neue Modelle für hochgradig anpassungsfähige, extrem innovative und inspirierende Organisationen und deren Führung zu entwickeln. „Mit dem WorldWideWeb entstehen neue Werkzeuge der Kooperation, die mit den alten Strukturen nicht mehr kompatibel sind und andere Formen der Kollaboration erfordern", so Kretschmer. „Flexibilisierte Arbeitszeiten, Arbeitsorte, das Zusammenwachsen von Arbeits- und Freizeit sowie zunehmend heterogene Teams verlangen überdies andere Integrationsarbeit und Koordinationsmechanismen, die auch Multikulturalität bewältigen", ergänzte Dr. Josephine Hofmann vom Fraunhofer IAO.

Ausgehend von den sich rasch weiterentwickelnden Technologien fasste Wolfgang Wopperer vom Hamburger Tech-Inkubator mindmatters die Herausforderungen an ein neues Verständnis von Arbeit zusammen: „Will man Charakter und Reichweite der Veränderungen verstehen und ein klares Bild von künftigen Arbeitsformen gewinnen, sind drei Aspekte zu verstehen: Was bedeutet es, wenn Daten und Code statt physischer Produkte Basis und Mittel der Wertschöpfung werden? Wie sind diese faktisch und juristisch verfasst - sind unsere althergebrachten Regeln für Eigentum und Zugang noch angemessen? Und welche Arten der Zusammenarbeit bringen diese Rahmenbedingungen hervor?"

Über den MÜNCHNER KREIS:

Der MÜNCHNER KREIS ist eine gemeinnützige übernationale Vereinigung für Kommunikationsforschung. An der Nahtstelle von Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien befasst er sich mit Fragen der Technologie, der Gesellschaft, der Ökonomie und der Regulierung im Bereich von Informations- und Kommunikationstechniken sowie der Medien. Er begleitet und fördert die Entwicklung der Informationsgesellschaft in verantwortungsvoller Weise und wirkt an der Verbesserung der Rahmenbedingungen durch wissenschaftlich qualifizierte Beiträge und sachlichen Dialog konstruktiv mit. www.muenchner-kreis.de

Weitere Informationen:
http://www.muenchner-kreis.de

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Nutzen ist das neue Haben

Juliane Segedi Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Welche Konsequenzen, Herausforderungen und Potenziale bringt Sharing für die Industrie?

Die »Sharing Economy« ist da. Aber mit welcher Wirkung? Wie die sich verändernden Konsummuster die etablierte Industrie beeinflussen werden und welcher Bedarf an Produkten und Dienstleistungen daraus entsteht, ist noch nicht abzusehen. Das neu gegründete Competence Team »Shared Systems' Design« am Fraunhofer IAO unterstützt Unternehmen zukünftig dabei, die Herausforderungen der »Sharing Economy« anzugehen.

»Nutzen statt Besitzen« - dieses Motto nehmen sich immer mehr Menschen zu Herzen. Greifen Privatleute vor allem auf Teilangebote für beispielsweise Autos, Reiseunterkünfte oder Konsumgüter zurück, so ist das Konzept für Unternehmen vor allem interessant, um Infrastrukturen, Anlagen oder hochwertiges Equipment gemeinschaftlich zu nutzen. Das ist nicht nur im Hinblick auf einen effizienten Ressourceneinsatz sinnvoll, diese »Sharing-Trends« bieten auch zahlreiche Möglichkeiten für neue Betreiber- und Geschäftsmodelle. Getragen von einem stärkeren Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung und basierend auf erweiterten Funktionalitäten informations- und kommunikationstechnischer Systeme sind bereits vielfältige Angebote entstanden. Vor allem Endverbraucher haben zunächst eigene Ideen großgezogen. Aber auch neue Unternehmen haben sich als Dienstleister etabliert. Eindrucksvoll belegen das neu gegründete Unternehmen wie das Unterkunfts-Portal Airbnb oder die Leih-Community whyownit, aber auch Ableger etablierter Unternehmen wie Car2Go.

Heutige Sharing-Angebote sind zwar oft noch improvisiert und auf eine bestimmte Klientel zugeschnitten. Dennoch stellt Sharing bereits heute einen Markt mit bedeutendem Umsatzvolumen dar, und einschlägige Studien sagen dafür nicht nur hohes Wachstum voraus, sondern sehen sich das Muster auch in weitere Anwendungsbereiche verbreiten. Um dieses Potenzial zu erschließen, hat das Fraunhofer IAO das Competence Team »Shared Systems‘ Design« ins Leben gerufen. Experten aus den Fachbereichen Technologie- und Innovationsmanagement bündeln hier ihre Expertise und entwickeln gemeinsam mit Unternehmen Konzepte und Lösungen für die »Sharing Economy«. Ganz besonders nehmen die Wissenschaftler den Bereich Business-to-Business (B2B) in den Fokus. Vor allem im Infrastrukturbereich bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, Ressourcen effizienter und effektiver zu nutzen.

Eine zentrale Aufgabe dabei ist es einerseits, technologische und organisatorische Lösungen zur gemeinschaftlichen Nutzung von Ressourcen strategisch aufzubauen. Und andererseits ist gerade auch die Herleitung von spezifischen Anforderungen an gemeinschaftlich genutzte Produkte unabdingbar für die etablierte Industrie, um sich bei den sich verändernden Konsummustern erfolgreich zu platzieren.

Das neue Team am Fraunhofer IAO erstellt Trendanalysen und Szenarien und gestaltet Sharing-Systeme hinsichtlich Organisation, Geschäftsmodellen und Plattformen aus. Darüber hinaus bieten die Experten die Spezifikation von Sharing-geeigneten Produkten an und identifizieren die dafür erforderlichen Technologien.

Ansprechpartner
Michael Bucher
Shared Systems' Design
Fraunhofer IAO
Nobelstraße 12
70569 Stuttgart, Germany
Telefon +49 711 970-2297
Email michael.bucher@iao.fraunhofer.de

Weitere Informationen:
http://www.iao.fraunhofer.de/lang-de/geschaeftsfelder/mobilitaets-und-stadtsyste...

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Energie der Zukunft - Neue Wege zur Biowasserstoffproduktion

Julia Mayrhofer M.A. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion

Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemische Energiekonversion (MPI CEC) und der Ruhr-Universität Bochum (RUB) ist es gelungen Biologie und Chemie zu kombinierten und halbsynthetische Eisen-Eisen Hydrogenasen herzustellen. Damit könnten in Zukunft saubere Energieträger hergestellt werden.

Mülheim an der Ruhr / Bochum: Hydrogenasen sind Weltmeister in der Produktion von Wasserstoff. Unter optimalen Bedingungen kann ein einziges Hydrogenase-Enzym in einer Sekunde 9.000 Wasserstoff-Moleküle herstellen.
Hydrogenasen spielen in vielen einzelligen Lebewesen sowie Bakterien oder Grünalgen eine wichtige Rolle im Energiehaushalt. Für uns könnten sie dazu beitragen, einen sauberen Energieträger herzustellen, denn Wasserstoff verbrennt zu reinem Wasser. Biologen und Chemiker arbeiten daher schon seit Jahren daran, diese Enzyme und seine chemischen Blaupausen industriell nutzbar zu machen - als günstiges und umweltfreundliches Material für neuartige Brennstoffzellen oder sogar zur direkten Herstellung von Wasserstoff aus Sonnenenergie mittels artifizieller Photosynthese.
Das aktive Zentrum der sogenannten Eisen-Eisen-Hydrogenasen ist einzigartig, da es ohne seltene Edelmetalle wie Platin die Katalyse durchführt. Wissenschaftler beschäftigen sich deshalb intensiv mit der Nachbildung dieses Eisen-Komplexes. Das gelingt zwar, aber die chemischen Imitate produzieren nur sehr geringe Mengen Wasserstoff (H2). Anderseits ist die Isolation und Reinigung des natürlichen Enzyms aus Bakterien oder Algen mühsam und aufwendig.

Forscher der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und des Max-Planck-Instituts für Chemische Energiekonversion (MPI CEC) ist es jetzt gelungen Biologie und Chemie zu kombinierten und halbsynthetische Eisen-Eisen Hydrogenasen herzustellen. Sie nahmen eine biologische Vorstufe des Enzyms die einfach und in große Mengen zu produzieren ist, und gaben ein chemisches Imitat des aktiven Zentrums hinzu. In wenigen Minuten setzte eine starke H2-Bildung ein. Die Hydrogenase-Vorstufe hatte die chemisch hergestellte eisenhaltige Substanz spontan in ihr Proteingerüst integriert und aktiviert. Diese künstlich hergestellten Komplexe wurden mit Hilfe spektroskopischer Methoden vom Forscherteam des MPI CEC eingehend charakterisiert. Sie fanden heraus, dass das künstlich entstandene Enzym von der natürlichen Hydrogenase nicht zu unterscheiden ist. „Durch die spektroskopische Analyse kann man auch die Struktur des Enzyms aufklären, und darüber Aufschlüsse erhalten, warum das Enzym aktiv ist", erklärt Edward J. Reijerse, Gruppenleiter am MPI CEC.
Jetzt sind die Forscher in der industriellen Herstellung von biobasierten Materialien einen entscheidenden Schritt vorangekommen." Die Wissenschaftler vom MPI CEC in Mülheim und die RUB Forscher berichteten gemeinsam mit Kollegen aus Grenoble in der Zeitschrift „Nature", und „Nature Chemical Biology" über diese Arbeiten.

Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de
http://www.cec.mpg.de
http://www.nature.com

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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„Fall Limburg zeigt Zuwachs an Demokratie"

Viola van Melis Zentrum für Wissenschaftskommunikation
Exzellenzcluster „Religion und Politik" an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

Ex-Staatsminister Hans Maier sieht wachsende Meinungsfreiheit in der Kirche - Mit Papst Franziskus werde Kurienreform erstmals nicht von oben angegangen

Der Fall des Limburger Bischofs offenbart nach Einschätzung von Politikwissenschaftler und Ex-Kultusminister Prof. Dr. Hans Maier, dass mehr Demokratie in der katholischen Kirche möglich ist. „Das Limburger Beispiel stimmt mich positiv. Ich habe noch nie so viele Bistumsmitarbeiter und Domvikare erlebt, die offen Kritik an einem Bischof üben", sagte der Wissenschaftler am Mittwochabend in Münster. Laien sollten dieses Risiko viel öfter eingehen. Es lohne sich. „Demokratische Verhaltensweisen haben in der Kirche jüngst an Gewicht gewonnen." Die vielfache Kritik an Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst sei „ein Stück Wahrnehmung von Grundrechten" von Laien. Viele Bischöfe hingegen übten aus Kollegialität oft kaum Kritik untereinander, obwohl diese nötig sein könne. Prof. Maier äußerte sich nach einem Vortrag am Exzellenzcluster „Religion und Politik" über „Kirche und Menschenrechte - Menschenrechte in der Kirche".

Ob Papst Franziskus eine grundlegende Kurienreform im Vatikan erreichen wird, ist dem langjährigen Präsidenten des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK) zufolge noch offen. „Zumindest ist unverkennbar, dass er persönlich kollegialer denkt als das jetzige monarchische System." Zudem werde mit Franziskus erstmals eine Kurienreform nicht von oben angegangen, sondern aus der Weltkirche heraus - „nicht vom Papst oder von einem Konzil, sondern durch einen Rat von Kardinälen aus aller Welt", unterstrich Prof. Maier. „Das ist eine kluge Entscheidung." Jeder Weg zu mehr Demokratie berge Gefahren und sei mit Angst verbunden. Das solle aber nicht maßgeblich sein.

Ziel der Kurienreform sollte dem früheren bayrischen Staatsminister zufolge die Gewaltenteilung und eine unabhängige Gerichtsbarkeit sein. „Zuvor muss das Verhältnis der vatikanischen Räte, die dem Papst Rat geben, zu den römischen Ämtern, die regieren, den Dikasterien, geklärt werden." Danach könne „ein starker Papst durchaus die Reform aus eigener Machtvollkommenheit" durchsetzen. Wenn das gelungen ist, kann nach den Worten von Prof. Maier die Kirche eine Grundrechtecharta formulieren, die ihr bislang fehle. Die Kirche fordere zwar von anderen Staaten regelmäßig die Einhaltung der Menschenrechte ein, doch im Kircheninneren falle die Bilanz weniger positiv aus: „Es sind noch zahlreiche rechtsstaatliche Defizite zu überwinden, bis die Menschenrechte als Christenrechte allgemeine Anerkennung gefunden haben."

Von der Ablehnung der Menschenrechte bis zur Anerkennung

In seinem Vortrag zeichnete der Wissenschaftler den historischen Weg der Kirche im Umgang mit den Menschenrechten nach. Er begann mit einer Zeit der „unverhohlenen Ablehnung der Menschenrechte" nach den modernen Revolutionen des 18. Jahrhunderts, gefolgt von einer Annäherungsphase ab Ende des 19. Jahrhunderts unter Papst Leo XIII. und Pius XII. „Erst im 20. Jahrhundert vollzog sich eine allmähliche Annäherung, die unter den Päpsten Johannes XXIII. und Johannes Paul II. zu einer Konvergenz von Kirche und Menschenrechtsbewegung führte - von der Anerkennung der Menschenrechte durch die Enzyklika ‚Pacem in terris‘ auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) über die Schlussakte von Helsinki 1975 auf der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit (KSZE) bis zur Enzyklika ,Redemptor hominis‘ von 1979."

Der Vortrag eröffnete die internationale Konferenz „Maßstab Menschenrechte. 50 Jahre nach der Enzyklika ‚Pacem in terris‘". Bis Freitag wollen die Teilnehmer den Umgang der Kirche mit den Menschenrechten theologisch, ethisch, rechtlich und politikwissenschaftlich anhand exemplarischer Konfliktfelder analysieren und weiterführende Forschungsfragen entwickeln. Veranstalter sind die Sozialethiker Prof. Dr. Marianne Heimbach-Steins vom Exzellenzcluster „Religion und Politik" und Prof. Dr. Daniel Bogner vom Religionspädagogischen Institut in Luxemburg.

Die beiden Wissenschaftler hatten im Vorfeld ebenfalls erklärt, die Kirche solle weniger monarchisch geführt werden als bisher. Ihr Autoritätsanspruch kollidiere mit der Anerkennung der Menschenrechte durch die Kirche vor 50 Jahren. Nach außen fordere die Kirche in vielen Ländern Menschenrechte ein, innerkirchlich wende sie sie jedoch nur unzureichend an. „Es mangelt an einer Beteiligung von Laien und Frauen, an Freiheitsrechten in der Kirche und an der Anerkennung autonomer Lebensführung von Christen." Papst Franziskus habe ein Reformprogramm vorgelegt, das dem menschenrechtlichen Anspruch besser gerecht werde. „Er plädiert für eine dienende und arme Kirche, die sich der Lebensrealität der Menschen zuwendet und der Praxis Vorrang vor der Doktrin gibt." Sozialethikerin Heimbach-Steins ist Direktorin des Instituts für Christliche Sozialwissenschaft an der WWU und leitet am Exzellenzcluster das Forschungsprojekt C2-10 „Kritik von innen. Modelle sozialen Wandels in der katholischen Kirche". (vvm)

Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2013/okt/PM_Fall_Limbu...

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Frauen nach den Wechseljahren: Welches Gewicht ist optimal, um Knochenbrüche zu vermeiden?

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Bochum - Der Knochenschwund, auch Osteoporose genannt, betrifft in Deutschland über sechs Millionen Menschen. Frauen nach den Wechseljahren sind besonders betroffen. Jährlich erkranken rund 885 000 Menschen neu. Jeder zweite Betroffene erleidet innerhalb von vier Jahren mindestens einen Knochenbruch. Was viele nicht wissen, ist, dass das Körpergewicht einen großen Einfluss auf die Entstehung von Knochenbrüchen hat. Eine große internationale Studie mit postmenopausalen Frauen untersuchte, welchen Einfluss Gewicht, Body-Mass-Index (BMI) und Körpergröße auf das Knochenbruchrisiko und die Stelle des Knochenbruchs haben.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Fettpolster auf der Hüfte einen gewissen Schutz vor einem Oberschenkelhalsbruch gewähren. Als Erklärung mögen unter anderem auch ganz einfach biomechanische Momente dienen, meint Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, DGE-Mediensprecher aus Bochum: „Schlanken Frauen fehlen über den Knochen oft die Polster, welche die Wucht des Aufpralls abfangen." Die „Global Longitudinal Study of Osteoporosis in Women", kurz GLOW, liefert weitere Erkenntnisse zu dem Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Brüchen im internationalen Vergleich. Mehr als 50 000 Frauen über 50 Jahre aus zehn Ländern, darunter Deutschland, nahmen teil. Die Frauen füllten über drei Jahre jedes Jahr einen Fragebogen zu aktuellen und früheren Knochenbrüchen aus. Die Angaben wurden dann zu Körpergröße, Körpergewicht und dem Body-Mass-Index (BMI) in Beziehung gesetzt. Fast sieben Prozent der Frauen erlitten während der Zeit einen Knochenbruch. Ein wichtiger Einflussfaktor in der Studie war der BMI, der aus dem Körpergewicht in Kilo geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Meter bestimmt wird. Als Normalwert gelten 18,5 bis 25,0 kg/m2.

Je niedriger der BMI war, desto häufiger traten Wirbelkörperbrüche, Schenkelhalsbrüche und Unterarmbrüche auf. „Untergewicht ist ein Risikofaktor für Osteoporose und begünstigt osteoporotische Brüche", so Professor Pfeilschifter, Mituntersucher der GLOW-Studie und Mitglied im Beirat der Sektion Osteologie der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Interessant ist auch die Beobachtung der GLOW-Studie, dass die Körpergröße einen Einfluss auf das Knochenbruchrisiko hat. „Bei Oberarm-, Schulter- und Schlüsselbeinbrüchen zeigte sich, dass das Risiko mit einer höheren Körpergröße - anders als eigentlich erwartet - abnahm", sagt Professor Pfeilschifter.

Bei den Frauen mit einem BMI größer 30 waren osteoporotische Brüche in der GLOW-Studie zwar etwas seltener als bei den Frauen mit einem BMI zwischen 18,5 und 30. Die Zahl aller Knochenbrüche war in beiden BMI-Kategorien aber ähnlich hoch, da mit steigendem Körpergewicht Brüche anderer Knochen, vor allem Knöchelbrüche, häufiger auftraten. Bei den übergewichtigen Frauen war auch die durchschnittliche Dauer eines Krankenhausaufenthalts bei einem Bruch länger als bei den normalgewichtigen Frauen. Außerdem nimmt bei einem Übergewicht das Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu", sagt Professor Schatz. Optimal zur Vermeidung von Knochenbrüchen scheint somit ein normaler Body Mass Index zu sein. Professor Schatz rät schlanken Frauen nach den Wechseljahren, sich ihres zusätzlichen Risikos bewusst zu sein und deshalb rechtzeitig eine Risikoabschätzung für eine Osteoporose vornehmen zu lassen.

Literatur:
Juliet E Compston et al. Relationship of Weight, Height, and Body Mass Index with Fracture Risk at Different Sites in Postmenopausal Women: The Global Longitudinal study of Osteoporosis in Women (GLOW). Journal of Bone and Mineral Research 2013; doi: 10.1002/jbmr.2051

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Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin" ausgeschüttet, das heißt nach „innen" in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine" Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen" ab.

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Weitere Informationen:
http://www.endokrinologie.net

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Neue Broschüre "Energieforschung in Schleswig-Holstein"

Sabine Recupero Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Gesellschaft für Energie und Klimaschutz Schleswig-Holstein GmbH

Erstmals gibt es in Schleswig-Holstein einen Energieforschungsbericht, der das Energiepotenzial der Hochschulen und Forschungsinstitute im Norden dokumentiert. Auf 128 Seiten werden in der neuen "Energiebroschüre", herausgegeben und finanziert von der EKSH, 47 Forscherinnen und Forscher, diverse Forschungsinstitute und 22 Energie-Studiengänge vorgestellt. Die beiden EKSH-Geschäftsführer Prof. Dr. Hans-Jürgen Block und Stefan Brumm stellten die Broschüre heute (25. Oktober) dem Wissenschaftsstaatssekretär Rolf Fischer vor.

Die 128-seitige Broschüre informiert erstmals über die aktuellen Arbeiten zum Klimaschutz durch Kohlendioxid-Minderung, die Optimierung von Windkraftanla-gen, die Bioenergieproduktion, die Speicherpotentiale im Land bis zu Wärmedämmung, Energieeffizienz und Elektromobilität. „Energie bewegt zunehmend auch Forschung und Lehre. Angesichts der Dynamik der Thematik und der wachsenden Anzahl von Forschungsprojekten soll unsere anschaulich gestaltete Dokumentation helfen, den Überblick zu behalten", sagte Block. Er ergänzte: „Für die Vernetzung der Akteure, für Kooperationen und Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Unternehmen ist es wichtig zu wissen, wer in Schleswig-Holstein mit welchen Projekten in der Energieforschung unterwegs ist." Der Bericht solle Wirtschaft, Politik, Wirtschaftsfördereinrichtungen, Verbände und Öffentlichkeit über die einschlägigen Kompetenzen und aktuellen Projekte der aktiven Wissenschaftler informieren. „Partnerschaft leicht gemacht: Mit unserem neuen Forschungsführer findet Wirtschaft Forschung", sagte Brumm. Insbesondere für Schulabgänger und Studierende enthält er wichtige Informatio-nen über 22 Energie-Studiengänge, die die Hochschulen in Schleswig-Holstein derzeit anbieten oder vorbereiten.

„Neue Studiengänge arbeiten zwar vielfach an Spezialfeldern, gleichwohl sind sie für die Versorgung der Energiewirtschaft mit den dafür erforderlichen Fachkräften notwendig", erklärte Staatssekretär Fischer. Der Bericht mache nicht zuletzt den Mitbürgerinnen und Mitbürgern deutlich, was in Schleswig-Holstein auf dem Gebiet der Energieforschung geschieht. „So kann die Broschüre dazu beitragen, die Diskussion in der Öffentlichkeit über Energiethemen zum einen zu beflügeln, zum anderen aber auch zu versachlichen. Beides ist notwendig, wenn die Energiewende gelingen soll. Denn Themen wie Energiewende, Elektromobilität und Kohlendioxid-Minderung, ihre Kosten und Umweltauswirkungen, werden landauf, landab und teilweise sehr kontrovers diskutiert." Dabei sei es notwendig, sich sachlich mit den wichtigen „Energie"-Fragen auseinanderzusetzen, betonte Fischer.

Die in einer Auflage von 2000 Exemplaren erschienene Broschüre porträtiert die Arbeit von 47 Forscherinnen und Forschern an den Hochschulen in Flensburg, Kiel, Heide und Lübeck. Ebenso werden die Energiearbeiten an den außeruniversitären Forschungseinrichtungen am Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie (Itzehoe), Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Geomar und dem Institut für Weltwirtschaft (beide Kiel) sowie am Helmholtz-Zentrum Geesthacht für Material- und Küstenforschung vorgestellt.

Printexemplare der Broschüre werden kostenfrei verschickt. Bitte E-Mail an paetzold@eksh.org

Weitere Informationen:

http://www.eksh.org/service/presseinfo/ - zur EKSH-Presseinformation
http://www.eksh.org/service/publikationen/ - zum Download der Broschüre

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Schutzwirkung des „guten" Cholesterins überschätzt?

Dr. Eva Maria Wellnitz Wissenschaftskommunikation der Medizinischen Fakultät
Universitätsmedizin Mannheim

Studie gibt Hinweis: Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen abhängig von der Vorerkrankung

Neben Diabetes, Rauchen, Bluthochdruck, Bewegungsmangel und Übergewicht sind auch erhöhte Blutfette Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zwar ist das zu den Blutfetten zählende Cholesterin ein lebenswichtiges Molekül, das in allen Geweben des Körpers vorkommt: als Bestandteil der Zellmembran, Energielieferant und Ausgangsstoff für viele wichtige Verbindungen wie Steroidhormone, Gallensäuren oder von Vitamin D. Ein Zuviel an Cholesterin kann aber in den Gefäßwänden abgelagert werden: Folgen sind Arterienverkalkung und Herzinfarkte.

In der Medizin wird zwischen dem „guten" HDL-Cholesterin (high density lipoprotein) und dem „bösen" LDL-Cholesterin (low density lipoprotein) unterschieden. Während kein Zweifel daran besteht, dass hohe Werte des LDL-Cholesterins Herzinfarkte und Gefäßerkrankungen verursachen, ist der Umkehrschluss, dass hohe Werte des HDL-Cholesterin vor diesen Erkrankungen schützen, aufgrund neuer Forschungsergebnisse zumindest zu relativieren. Wissenschaftler aus Mannheim, Heidelberg, Hamburg und Bern haben nämlich festgestellt, dass die Schutzwirkung der HDL offenbar nachlässt, wenn bereits eine ausgedehnte Koronarkrankheit vorliegt. Sie untersuchten den Zusammenhang zwischen HDL-Cholesterin und Todesfällen im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei den über 3.000 Teilnehmern der LURIC-Studie (Ludwigshafen Risk and Cardiovascular Health), die von Professor Dr. Winfried März und Dr. Marcus Kleber vom „Mannheimer Institut für Public Health" (MIPH) der Medizinischen Fakultät Mannheim geleitet wird.

Lipoproteine binden das Cholesterin und sorgen für dessen Transport im Blut. Lipoproteine geringer Dichte (LDL) transportieren Cholesterin aus der Leber in die Körperzellen, Lipoproteine hoher Dichte (HDL) können Cholesterin aus krankhaft veränderten Gefäßen mobilisieren und überschüssiges Cholesterin aus den Zellen und dem Blut in die Leber zurückbringen. Neue Forschungsergebnisse weisen außerdem darauf hin, dass sie auch entzündungshemmend und gefäßerweiternd wirken.

Europaweit sind sich die Experten einig, dass das LDL-Cholesterin eine Konzentration von 115 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) nicht überschreiten sollte. Für Patienten, die ein zusätzliches Risiko haben, beispielsweise Diabetiker oder Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, wird ein LDL-Cholesterin von maximal 100 mg/dl, für Patienten mit sehr hohem Risiko (Koronarpatienten) sogar ein LDL-Cholesterin unter 70 mg/dl empfohlen. Für HDL-Cholesterin fordern die Experten eine Konzentration von mehr als 40 mg/dl.

Auf der Basis der LURIC-Studie machten die Wissenschaftler folgende Entdeckung: Bei Personen ohne nachweisbare koronare Herzkrankheit und hohem HDL-Cholesterin (über 42 mg/dl) ist die Sterberate über den Beobachtungszeitraum von etwa zehn Jahren um 63 Prozent niedriger als bei niedrigem HDL-Cholesterin (kleiner 34 mg/dl). Bei Patienten mit chronischer oder akuter Koronarkrankheit waren die Sterberaten jedoch nur um 19 bzw. 9 Prozent niedriger, wenn Patienten mit hohem HDL-Cholesterin mit solchen mit niedrigen Werten verglichen wurden.

Diese Ergebnisse wurden in zwei weiteren Studien (ESTHER-Studie; Studienleiter Prof. Hermann Brenner, Heidelberg, und AtheroGene-Studie; Studienleiter Prof. Stefan Blankenberg, Hamburg) sowie in einer gemeinsamen Auswertung aller drei Studien bestätigt.

„Unsere Arbeit zeigt erstmals, dass bei Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit das HDL-Cholesterin anders zu bewerten ist als bei noch nicht Erkrankten", so der Erstautor der im European Heart Journal veröffentlichten Studie, Dr. Günther Silbernagel, Bern. „Bereits erkrankten Menschen kann es deutlich weniger Schutz bieten als gesunden."

„Umso wichtiger ist es, durch gesunde Lebensführung und körperliche Aktivität es gar nicht erst zum Auftreten einer koronaren Herzerkrankung kommen zu lassen", warnt der Stoffwechselforscher Professor Dr. Winfried März. „Sind die Gefäße erst einmal in Mitleidenschaft gezogen, so kann ein hohes HDL offenbar nichts mehr ausrichten".

Publikation:
High-density lipoprotein cholesterol, coronary artery disease, and cardiovascularmortality
Guenther Silbernagel et.al.
European Heart Journal
doi:10.1093/eurheartj/eht343

LURIC-Studie:
In die LURIC-Studie wurden mehr als 3.500 Personen eingeschlossen, die sich im Zeitraum von 1997 bis 2000 am Herzzentrum Ludwigshafen einer Herzkatheter-Untersuchung unterzogen und die langfristig nachbeobachtet werden. Die LURIC Studie resultierte in einer der ersten deutschen Biobanken, die sich der Aufgabe widmet, unbekannte klinische, biochemische und genetische Risikofaktoren für Herzerkrankungen ausfindig zu machen - und damit die Grundlage für eine wirksame Vorbeugung zu legen. Die Ergebnisse sind bislang in mehr als 160 wissenschaftliche Veröffentlichungen eingegangen.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Flucht vor der Wärme: Der Atlantische Kabeljau erobert die Arktis

Ralf Röchert Kommunikation und Medien
Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Der Atlantische Kabeljau ist im Zuge des Klimawandels so weit Richtung Norden gewandert, dass er inzwischen sogar in den Gewässern Spitzbergens in großen Mengen vorkommt.

Zu diesem Ergebnis kommen Biologen des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI), nach einer Expedition in jenes arktische Meeresgebiet, das einst vom Polardorsch dominiert wurde. Die Wissenschaftler wollen jetzt untersuchen, ob es zwischen den beiden Dorscharten zu einem Konkurrenzkampf kommt und welche sich besser an die veränderten Lebensbedingungen in der Arktis anpassen kann.

August 2013, das deutsche Forschungsschiff Heincke steuert die Gewässer vor der nordöstlichen Küste Spitzbergens an. An Bord bereiten sich sechs Biologen des Alfred-Wegener-Instituts auf den ersten Fischzug ihrer Arktisexpedition vor. Sie wollen in Höhe des 80. Breitengrades junge Atlantische Kabeljaue und Polardorsche fangen. Doch als das Schiff sein Zielgebiet erreicht, zeigt das Thermometer eine Wassertemperatur von 4,5 Grad Celsius an. Viel zu warm für den Polardorsch, der Temperaturen um 0 Grad Celsius bevorzugt. „Diese warmen Wassermassen stammen aus dem Atlantik und überlagern in den Sommermonaten die kalten arktischen Wassermassen aus der Barentssee in den Fjorden", sagt Dr. Felix Mark, Biologe am Alfred-Wegener-Institut.

Er leitet die Schiffsexpedition in die Arktis. Gemeinsam mit seinen AWI-Kollegen und einem Doktoranden der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf möchte er die Verbreitung von Atlantischen Kabeljauen und Polardorschen in den Fjorden Spitzbergens untersuchen. Nach dem ersten Fischzug aber zappeln hauptsächlich junge Kabeljaue im Netz. Ein Zeichen grundlegender Veränderungen in der Arktis. „Die steigenden Wassertemperaturen führen dazu, dass der Atlantische Kabeljau hier optimale Lebensbedingungen vorfindet. Wir gehen davon aus, dass diese Art, die einst auch in der Nordsee heimisch war, schon jetzt das wärmere Oberflächenwasser rund um Spitzbergen dominiert", erklärt Dr. Felix Mark.

Für ihn stellt sich jetzt die Frage, ob und in welchem Ausmaß der Atlantische Kabeljau und der Polardorsch in einem Konkurrenzkampf zueinander stehen und inwiefern die zunehmende Versauerung des Meeres eine mögliche Rivalität beeinflusst. „Die Ozeanversauerung wirkt sich vermutlich nicht nur auf die Körperfunktionen beider Fischarten aus, sie beeinflusst auch ihre Beutetiere", sagt Dr. Felix Mark.

Während der Kabeljau Jagd auf verschiedene Ruderfußkrebse, auf Flügelschnecken und auch auf kleine Fische macht und damit einen vielseitigen Speiseplan besitzt, stellt der Polardorsch nur bestimmten Krebsarten nach. Würden diese jedoch im Zuge der zunehmenden Versauerung der arktischen Gewässer nur noch in kleinen Mengen vorkommen, hätte der Polardorsch das Nachsehen. „Das Ziel unserer Expedition nach Spitzbergen war es deshalb, Kabeljaue, Polardorsche und ihre Hauptbeute, die Ruderfußkrebse, zu fangen und die Tiere lebendig nach Bremerhaven zu transportieren. Erst so haben wir die Chance, im Labor zu untersuchen, wie die Fische und das Zooplankton auf einen sinkenden pH-Wert des Wassers reagieren", sagt der Biologe.

Er und seine Kollegen vermuten, dass sich der Kabeljau besser an das saurer werdende Wasser anpassen kann und auf diese Weise in der Lage sein wird, den Polardorsch aus dem gemeinsamen Lebensraum zu verdrängen. „Ein solcher Konkurrenzkampf hätte weitreichende Folgen für das arktische Ökosystem, denn der Polardorsch ist ein wichtiger Bestandteil des arktischen Nahrungsnetzes und Futter für andere Fischarten, sowie Vögel und Meeressäuger wie Wale oder Robben", sagt Dr. Felix Mark.

Die Untersuchungen zum Atlantischen Kabeljau und Polardorsch sind Teil des nationalen Forschungsprojektes zur Ozeanversauerung, BIOACID. Der Name steht als Akronym für „Biological Impacts of Ocean Acidification", unter dessen Schirm 14 Institute untersuchen, wie marine Lebensgemeinschaften auf Ozeanversauerung reagieren und welche Konsequenzen dies für das Nahrungsnetz, die Stoff- und Energieumsätze im Meer sowie schließlich auch für Wirtschaft und Gesellschaft hat. Im Rahmen dieses Programms leitet Dr. Felix Mark das so genannte Fisch-Konsortium.

Weiterführende Informationen zur Ozeanversauerungsforschung am Alfred-Wegener-Institut finden Sie auch in der „Im Fokus"-Rubrik auf der AWI Website http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/im_fokus/im_fokus_themen_2013/ozeanversauerung/. Über das Forschungsprojekt zum Atlantischen Kabeljau berichtete das Alfred-Wegener-Institut auch in seiner Pressemitteilung am 17. April 2013: http://www.awi.de/de/aktuelles_und_presse/pressemitteilungen/detail/item/more_stress_for_atlantic_cod/?cHash=0a168b4bc65fe9dd91c9260d01496a0c

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Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der 18 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

BIOACID in Kürze: Unter dem Dach von BIOACID (Biological Impacts of Ocean Acidification) untersuchen 14 Institute, wie marine Lebensgemeinschaften auf Ozeanversauerung reagieren und welche Konsequenzen dies für das Nahrungsnetz, die Stoff- und Energieumsätze im Meer sowie schließlich auch für Wirtschaft und Gesellschaft hat. Das Projekt begann 2009 und ging im September 2012 in eine zweite auf drei Jahre angelegte Förderphase. Das Bundesministerium
für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt die aktuellen Arbeiten mit 8,77 Millionen Euro. Eine Liste der Mitglieds-Institutionen, Informationen zum wissenschaftlichen Programm und den BIOACID-Gremien sowie Fakten zur Ozeanversauerung sind auf der Website http://www.bioacid.de zu finden.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Teilnehmer für Studie zur Parkinson-Krankheit gesucht

Dr. Annette Tuffs Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Heidelberg

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg erforschen mit Hilfe der Magnetresonanztomographie neue Diagnosemarker zur frühen Unterscheidung verschiedener Krankheitsformen

Die Unterscheidung von Parkinson-Krankheit und ähnlichen neurodegenerativen Erkrankungen wie der Multisystematrophie (MSA) in ihren Anfangsstadien ist bisher sehr schwierig und aufwendig, für die weitere Therapie aber von Vorteil. Wissenschaftler der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie und der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg prüfen nun im Rahmen einer Studie, ob sich charakteristische Veränderungen der Hirnfunktion als neue Marker in der Frühdiagnostik nutzen lassen. Dafür suchen sie ab sofort gesunde sowie an Parkinson oder MSA erkrankte Studienteilnehmer, die bereit sind, sich einer Magnetresonanztomographie (MRT) zu unterziehen. Die Studie soll innerhalb der nächsten beiden Jahre abgeschlossen sein.

Teilnehmen können Patienten mit diagnostiziertem Morbus Parkinson oder MSA, die an keinen zusätzlichen neurologischen oder psychischen Erkrankungen leiden und weder alkohol- noch drogenabhängig sind oder waren. Außerdem darf sich kein Metall wie Herzschrittmacher, Zahnprothesen, Nägel oder Schrauben im Körper befinden. Darüber hinaus werden ausdrücklich gesunde Probanden für die Kontrollgruppe gesucht. Ihre Untersuchungsergebnisse liefern das Vergleichsmaterial, um die Hirnfunktionen bei Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen im Frühstadium bewerten zu können. Alle Studienteilnehmer erhalten eine Aufwandsentschädigung und auf Wunsch MRT-Bilder ihres Gehirns. Die erhobenen Daten werden anonymisiert und streng vertraulich behandelt.

Bei einem Termin in der Universitäts-Kopfklinik, Im Neuenheimer Feld 400, 69120 Heidelberg, werden alle Probanden ausführlich klinisch und psychologisch untersucht. Direkt im Anschluss folgt die MRT-Messung der Gehirnaktivität. Die Magnetresonanztomographie ist ein sicheres Verfahren, bei dem der Körper keinerlei Strahlenbelastung ausgesetzt wird. Während der Untersuchung befinden sich die Probanden mit Kopf und Brust im Tomographen.

Die Symptome der Parkinson-Krankheit und der Multisystematrophie sind sich sehr ähnlich: Sie reichen vom typischen Muskelzittern und Lähmungserscheinungen bis hin zu verschiedenen psychischen und kognitiven Beeinträchtigungen. Ursache sind Veränderungen in der Hirnstruktur und -funktion: In bestimmten Hirnarealen nimmt die Vernetzung von Nervenzellen sukzessive ab. Die verringerte Verschaltung der Hirnzellen lässt sich mit Hilfe der Magnetresonanztomographie bereits sehr früh erfassen. Im Rahmen der Studie wollen die Wissenschaftler um Privatdozent Dr. Robert Christian Wolf, Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie, Privatdozent Dr. Simon Nagel, Neurologische Universitätsklinik, und Privatdozent Dr. Christian Herweh, Neuroradiologische Universitätsklinik, die Veränderungen im Gehirn identifizieren, anhand derer sich die einzelnen Krankheiten und Krankheitsformen bereits in einem frühen Stadium präzise unterschieden lassen.

Interessenten wenden sich bitte an:
Dr. med. Katharina Kubera
Klinik für Allgemeine Psychiatrie
Tel.: 06221 / 56 37302 (13.00-17.00 Uhr, kein AB)
E-Mail: katharina.kubera@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 2.200 Betten werden jährlich rund 118.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

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Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Algen für den Tank

Dr. Ernst Guggolz Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Treibstoff aus Mais oder Raps? Das ist schon lange nichts Neues mehr, demnächst stammen alternative Kraftstoffe aus Algen. Manches Problem, das bei der Produktion von herkömmlichem Biosprit oder Biodiesel auftritt, vermeidet der Algenkraftstoff. Zurzeit ist seine Herstellung aber noch schwierig und teuer. Die Nachrichten aus der Chemie informieren über den Stand der Entwicklung.

Konventionelle Biotreibstoffe entstehen aus Ölpflanzen wie Raps, aus Maisstärke oder Zucker. Manche der so erzeugten Treibstoffe haben nur eine geringe Energiedichte, andere passen nicht in die bestehende Infrastruktur für Benzin. Zudem wachsen einige der Ausgangspflanzen auf Flächen, die sonst der Lebensmittelproduktion dienten.

Treibstoff aus Algen umgeht diese Schwierigkeiten. Forscher experimentieren deshalb mit Grün-, Kiesel- und Braunalgen. Sie wachsen im Meer oder in künstlichen Teichen in der Wüste und stören so die Lebensmittelproduktion nicht. Unter Lichteinfluss bilden die Algen Öle aus Zucker und Kohlendioxid, die dem Wasser als Nährstoffe zugesetzt werden. Käme der Zucker dafür aus Cellulose, etwa aus Ernterückständen, und das Kohlendioxid aus Industrieabgasen, würden diese Zivilisationsabfälle verringert. Die Algenöle lassen sich genauso zu Diesel verarbeiten wie Erdöl.

Wie das Öl aus den Algen extrahiert wird, warum die Photosynthese bei Algen Schwierigkeiten bereitet und welche Firmen bereits Öl aus Algen gewinnen, beschreibt Michael Groß in seinem Artikel „Biosprit aus Algen?". Die PDF-Datei des Beitrags gibt es bei der Redaktion der „Nachrichten aus der Chemie" unter nachrichten@gdch.de.

Nahezu 80 000 anspruchsvolle Chemiker und Chemikerinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Lehre informieren sich mit den „Nachrichten" über Entwicklungen in der Chemie, in angrenzenden Wissenschaften sowie über gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte. Kennzeichen der Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker sind das breite Spektrum der Berichte, das einmalige Informationsangebot an Personalien, Veranstaltungs- und Fortbildungsterminen sowie der große Stellenmarkt.

Weitere Informationen:

http://www.nachrichtenausderchemie.de „Nachrichten aus der Chemie"

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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TU Berlin: Intelligente Kopplung von Regenwasser- und Abwassermanagement

Stefanie Terp Stabsstelle Presse, Öffentlichkeitsarbeit und Alumni
Technische Universität Berlin

Gemeinsame Presseeinladung der TU Berlin, der Berliner Wasserbetriebe, der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt und des Kompetenzzentrums Wasser Berlin

Ein Beitrag zur Verbesserung der Gewässerqualität und des Stadtklimas

Mit dem Verbundforschungsprojekt KURAS soll am Fallbeispiel Berlin gezeigt werden, wie durch intelligent gekoppeltes Regenwasser- und Abwassermanagement die zukünftige Abwasserentsorgung, die Gewässerqualität, das Stadtklima und die Lebensqualität in der Stadt verbessert werden kann. Das Projekt hat ein Volumen von 4,5 Millionen Euro und wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Die Projektkoordination übernehmen die TU Berlin und das Kompetenzzentrum Wasser Berlin. Das Projekt startete im Oktober 2013.

Die in der Berliner Innenstadt über 140 Jahre gewachsene Mischwasser-Kanalisation garantiert einen hohen Hygienestandard und schützt die Stadt vor Überschwemmungen. Bei heftigen Regenfällen kommt sie aber immer wieder an ihre Kapazitätsgrenzen mit der Folge, dass mit Regen verdünntes Schmutzwasser direkt in die Gewässer abgeleitet werden muss und deren Qualität sich dadurch verschlechtert. Sinkender Trinkwasserverbrauch und seltene Regenfälle sorgen hingegen dafür, dass Kanäle ungespült bleiben und es zu Störungen in Abwasserpumpwerken, Verstopfungen und Korrosion in Kanälen und Geruchsbelästigungen aus Gullys kommt.

Vor dem Hintergrund globaler Veränderungen durch den Klimawandel müssen nachhaltige Planungs- und Baukonzepte entwickelt werden, die den Anforderungen kommender Generationen gerecht werden.
Die KURAS-Strategie heißt intelligente Netzbewirtschaftung: Viele kleine im Stadtgebiet verteilte dezentrale Maßnahmen der gebäude- bzw. grundstücksbezogenen Regenwasserbewirtschaftung wie Gründächer, Versickerungsmulden, Teiche und auch klassische Regenspeicher sollen dafür sorgen, dass die Aufnahmekapazität der Kanalisation seltener an ihre Grenzen stößt. Zudem können solche dezentralen Lösungen die städtische Wohn- und Freiraumqualität verbessern: Sie bringen Kühlung im Sommer und neue Grün- und Wasserflächen für Mensch und Natur.

Berlin verfügt bereits heute über ein Pumpwerksleitsystem, um das Abwasser optimal auf sechs Klärwerke zu verteilen. Die Innovation des Projekts KURAS liegt darin, das Zusammenspiel neuer, dezentraler Lösungen mit der bestehenden Abwasserentsorgung zu untersuchen, zu bewerten und mit weiteren Themen zu vernetzen.

Das Projekt KURAS soll vor allem Antworten auf zwei Fragen liefern: Welche Konsequenzen hat die Bewirtschaftung des Abwasserkanalnetzes vor dem Hintergrund immer länger werdender Perioden von Unterlast, aber auch der gleichzeitigen Verschärfung von Überlastphasen bei Starkregen? Und wie kann in dichten Siedlungsräumen ein Umgang mit Regenwasser organisiert werden, der die Abwasserbewirtschaftung unterstützt und den Nutzen für Bewohner und Umwelt optimiert?

Ziele von KURAS:
­- Für Abwasserentsorger und kommunale Kanalnetze, die wie Berlin ein geringes Gefälle aufweisen, werden Handlungsoptionen zur Anpassung der Abwasserinfrastruktur an den Klimawandel und deren Folgen erarbeitet. Diese sollen Empfehlungen liefern für Maßnahmen, mit denen diese Infrastruktur vor dem Hintergrund der erwarteten Veränderungen langfristig und zukunftsorientiert weiter betrieben, angepasst und ausgebaut werden kann.
­- Parallel dazu sollen verschiedene Möglichkeiten der Vernetzung von Konzepten der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung entwickelt und hinsichtlich ihrer Effekte auf Umwelt, Stadtklima, Bauphysik und Wirtschaftlichkeit verglichen werden. So werden bereits realisierte Berliner Modellvorhaben detailliert ausgewertet und Erkenntnisse und Empfehlungen für künftige Projekte dokumentiert.
­- Betreiber von Abwasserinfrastrukturen sollen mit Prognosen, die durch Modellierung und Simulation des bestehenden Abwassersystems erarbeitet werden, Unterstützung dabei erhalten, das Kanalnetz trotz vermehrter Extremwettersituationen (Zunahme langer Trockenperioden, aber auch von Starkregen) zukunftssicher zu bewirtschaften.
­- Mit diesen Prognosemodellen sollen die Effekte der Maßnahmenvorschläge zur Vermeidung von Problemen im Kanalnetz nach langen Trockenwetterphasen sowie von Mischwassereinleitungen in Gewässer bei Starkregen überprüft werden.
­- Entwicklung von Vorschlägen für zukunftsfähige Finanzierungsmodelle und ordnungsrechtliche Maßnahmen zur Förderung dezentraler Regenwasserbewirtschaftungsmaßnahmen.
­- Simulation vernetzter Maßnahmen der Regenwasserbewirtschaftung und des Abwassermanagements in realen Berliner Modellgebieten.

Kontakt:
Dr.-Ing. Bodo Weigert
Sprecher des Kompetenzzentrums Wasser Berlin gGmbH
Tel.: 030 / 53653 841
E-Mail: bodo.weigert@kompetenz-wasser.de
www.kompetenz-wasser.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Nitratbelastung des Wassers: Ergebnisse eines 24 Jahre andauernden Experiments

Marie de Chalup Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

In Frankreich wird das meiste Trinkwasser aus dem Grundwasser gewonnen, dessen Nitratbelastung auf lange Sicht zu einem Problem werden könnte. Für seine Studie nutzte das INRA (Institut für Agrarforschung) ein einzigartiges Testgelände: das Wassereinzugsgebiet in Bruyeres-et-Montbérault (Departement Aisne). Dieses Plateau umfasst 187 Hektar, auf dem 137 Feldkulturen (Weizen, Zuckerrüben, Raps, Erbsen etc.) angebaut werden. Am 4. Oktober 2013 veröffentlichte das INRA die wissenschaftlichen und technischen Ergebnisse seines 24 Jahre andauernden Experiments in diesem Gebiet.

1989 starteten das INRA, die Landwirte, der Gemeinderat und die Landwirtschaftskammer von Aisne ein partnerschaftliches Experiment, um den Nitratgehalt im Wassereinzugsgebiet zu reduzieren. Auf den einzelnen Parzellen wurden dafür bewährte landwirtschaftliche Methoden überprüft, insbesondere die Stickstoffdüngung. So wurde beispielsweise mit Hilfe der Simulationssoftware ″Azobil″ die zur Düngung verwendete Stickstoffmenge bei verschiedenen Kulturen getestet. Untersucht wurde auch der Anbau von stickstoffbindenden Zwischenfrüchten. Es wurde auch empfohlen, die Ausfallpflanzen auf den Feldern zu belassen und das Stroh unterzupflügen.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich mit den bewährten landwirtschaftlichen Methoden die Stickstoff-Belastung verringern lässt. Heute liegt der Nitratgehalt bei der Wassergewinnung bei einem stabilen Wert von etwa 50 mg pro Liter (Grenzwert laut Trinkwasserverordnung). Im Vergleich dazu lag dieser Wert 1990 noch bei über 60 mg pro Liter.

Die Daten bestätigen ebenfalls eine starke zeitliche Trägheit. Diese ist darauf zurückzuführen, dass das Nitrat mehrere Jahrzehnte benötigt, um ins Grundwasser zu gelangen. Aus diesem Grund gehen die Wissenschaftler davon aus, dass der Nitratgehalt in den kommenden 30 Jahren weiter sinken wird.

Das Experiment zeigt auch deutlich, dass sich die Nitratbelastung nur durch eine nachhaltige Zusammenarbeit zwischen den Gebietskörperschaften, Landwirten, Transfer- und Forschungseinrichtungen beherrschen lässt.

Quelle:
Pressemitteilung des INRA - 04.10.2013 - http://presse.inra.fr/Ressources/Communiques-de-presse/pollution_nitrique_Bruyer...

Redakteur:
Clément Guyot, clement.guyot@diplomatie.gouv.fr

 

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Von der Brennerei zur Bioraffinerie: Organische Reststoffe zweifach energetisch nutzbar machen

Julia Wunderlich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Ein interdisziplinäres Forschungsteam der Hochschule OWL aus den Fachrichtungen Getränketechnologie und Abfallwirtschaft/Deponietechnik entwickelt in einem neuen Projekt gleich zwei innovative Lösungsansätze zur Umwandlung von Biomasse zu Energieträgern: Sie erweitern eine Brennerei zu einer Bioraffinerie, in der zunächst Bioethanol aus lignocellulosehaltigen organischen Abfällen gewonnen wird, aus dessen Reststoffen im Anschluss wiederum Biogas und Biokohle hergestellt werden. Die fachbereichsübergreifende Forschungsarbeit „BioAL-COAL" - wird mit über 430.000 Euro im Programm „IngenieurNachwuchs 2013" des BMBF gefördert.

In Zeiten der weltweit zunehmenden Nachfrage nach fossilen Grundstoffen wie Erdöl oder Erdgas kommt der Nutzung nachwachsender Rohstoffe, insbesondere auch von organischen Abfällen und Reststoffen, eine immer höhere Bedeutung zu. Vor diesem Hintergrund entwickelt ein interdisziplinäres Forschungsteam der Hochschule OWL aus den Fachrichtungen Getränketechnologie und Abfallwirtschaft/Deponietechnik in einem neuen Projekt gleich zwei innovative Lösungsansätze zur Umwandlung von Biomasse zu Energieträgern: Sie erweitern eine Brennerei zu einer Bioraffinerie, in der zunächst Bioethanol aus lignocellulosehaltigen organischen Abfällen gewonnen wird, aus dessen Reststoffen im Anschluss wiederum Biogas und Biokohle hergestellt werden. Die fachbereichsübergreifende Forschungsarbeit „Erweiterung von Brennereien zu Lignocellulose-Bioraffinerien durch Kombination innovativer Konversionstechniken" - kurz „BioAL-COAL" - wird mit über 430.000 Euro im Programm „IngenieurNachwuchs 2013" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Die Forscherinnen und Forscher können dabei auf die Ergebnisse eines weiteren Forschungsprojekts aus dem Fachgebiet Getränketechnologie zurückgreifen, in dem zunächst eine Technik zum Aufschluss lignocellulosehaltiger Substrate entwickelt wird. Auch das Projekt „aqua-Ethanol" erhält eine Förderung von rund 170.000 Euro im „Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie.

Bioethanol ist ein natürliches Produkt und wird durch die Vergärung zucker- und stärkehaltiger Pflanzen hergestellt. Insbesondere die Produktion von Bioethanol der ersten Generation ist jedoch nicht unumstritten: Durch die Nutzung von Lebensmitteln wie beispielsweise Zuckerrohr, -rüben, Getreide und Mais steht die Bioethanolproduktion in Konkurrenz zur Nahrungsproduktion - viele befürchten eine Verknappung von Nahrungsmitteln sowie weiter steigende Lebensmittelpreise, da in immer mehr landwirtschaftlichen Gebieten Mais, Weizen und Zuckerrohr für Kraftstoffe angebaut wird. Die Forscherinnen und Forscher der Hochschule OWL stellen deshalb Bioethanol der zweiten Generation her: Statt Lebensmitteln wird Lignozellulose genutzt, ein Zuckermolekül, dass in jedem pflanzlichen Material vorkommt - beispielsweise auch in Holz, Stroh oder anderen organischen Abfällen und Reststoffen aus der Land- und Forstwirtschaft.

Der zentrale Ansatz des Projekts „BioAL-COAL" besteht nun darin, die lignocellulosehaltigen Substrate nicht nur für die Bioethanolproduktion zu nutzen, sondern sie auch im Nachhinein noch effizient zu verwenden: durch Biogasgewinnung und Produktion von Biokohle. „Zunächst werden die lignocellulosehaltigen Substrate durch eine so genannte „Hydrothermale Aktivierung" der Ethanolproduktion zugänglich gemacht. Die dabei entstandenen Reststoffe, die so genannte Schlempe, werden danach in einer Biogasanlage und einer nachgeschalteten „Hydrothermalen Carbonisierung", bei der die pflanzliche Biomasse hohem Druck und hohen Temperaturen ausgesetzt wird, zu Biogas bzw. Biokohle umgewandelt", erklärt Professor Jan Schneider, Leiter des Projekts „BioAL-COAL". Das Besondere: Sowohl die thermische Aufbereitung der Substrate im Vorfeld, als auch die Umwandlung der Reststoffe in weitere Energieträger werden in einer einzigen Anlagenkombination mit zwei verbundenen und kontinuierlich arbeitenden Druckbehältern durchgeführt.

Diese Entwicklung ist vor allem für kleine und mittelständische Brennereien interessant: „Mit kleinen anlagentechnischen Eingriffen bzw. Erweiterungen und damit einem relativ geringen Investitionsaufwand können so die vorhandenen Kapazitäten der Kartoffel- und Getreidebrennereien deutlich erweitert werden, um auch lignocellulosehaltige Stoffe hochwertig und möglichst vollständig zu Energieträgern und biobasierten chemischen Grundstoffen zu konvertieren. Gerade vor dem Hintergrund des bis 2017 sukzessive auslaufenden Branntweinmonopols eröffnet sich den Brennereien damit zudem eine dringend benötigte wirtschaftliche Alternative", so Timo Broeker, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt.

Neben Professor Schneider aus dem Fachbereich Life Science Technologies ist auch Professor Hans-Günter Ramke, Fachbereich Umweltingenieurwesen und Angewandte Informatik, sowie vier wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Seiten der Hochschule OWL am Projekt beteiligt, von denen zwei im Rahmen des Projekts eine kooperative Promotion anfertigen werden.

Das Forschungsvorhaben wir auch von Seiten der Industrie unterstützt: Die Brennerei Glitz-Ehringhausen stellt ihren Betrieb für Demonstrationsversuche vor Ort zur Verfügung, die Erbslöh Geisenheim AG liefert benötigte Enzyme, Mikroorganismen sowie Nährhilfsstoffe und die COWA Remscheid GmbH unterstützt mit ihrem Know-How im Bereich Anlagenbau und -planung. Das Projekt ist mit einer Laufzeit von drei Jahren bis Mitte 2016 angesetzt. Anschließend werden den beteiligten Firmen das verfahrenstechnische Konzept und die Informationen zur Dosierung und Wirkung der entwickelten Produkte zur Verfügung gestellt.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Wie riskant sind Nanopartikel? Online-Plattform gibt Antworten

Dr. Christine Dillmann Öffentlichkeitsarbeit
DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das Projekt DaNa2.0. für weitere vier Jahre mit 2,1 Millionen Euro. DaNa2.0 ist eine Plattform für alle Fragen rund um Nanomaterialien. Unter http://www.nanopartikel.info werden aktuelle Ergebnisse zu den Auswirkungen von Nanomaterialien auf Mensch und Umwelt wissenschaftlich fundiert und leicht verständlich erklärt. Unter der Leitung der DECHEMA dokumentiert ein interdisziplinäres Gremium von Wissenschaftlern die Forschungsergebnisse zur Toxikologie von Nanomaterialien und baut die bereits bestehende Plattform weiter aus.

Deutsche Forscher sind führend im Bereich der Nanotechnologie und synthetischen Nanomaterialien. Durch die enge Zusammenarbeit von Ökotoxikologen, Humantoxikologen, Biologen und Chemikern ist eine korrekte und objektive Darstellung der Sachverhalte gewährleistet. Mittlerweile spielen Nanopartikel nicht nur als Katalysatoren in der Verfahrenstechnik eine Rolle. Sie haben auch Einzug in unseren Alltag gehalten. Wir finden sie in Pflegeprodukten, Medikamenten und Nahrungsmitteln wieder. Auch in Textilien, Wand- und Fassadenfarben sowie in PET-Flaschen und vielen anderen Gegenständen des täglichen Gebrauchs begegnen sie uns. In den letzten Jahren hat deshalb die Diskussion zu potentiellen Risiken von Nanomaterialien in den Medien und bei Verbraucherverbänden zugenommen. Die Datenbank DaNa2.0 stellt die Forschungsergebnisse im Bereich synthetische Nanomaterialien, Toxikologie und Risiken allgemeinverständlich dar. Sie bietet damit der Öffentlichkeit eine Plattform, sich fundiert und wertfrei über synthetische Nanomaterialien und deren Anwendungen zu informieren.
In das Projekt DaNa2.0 fließen auch die Ergebnisse der BMBF-Fördermaßnahmen zur Sicherheit bei der Handhabung von Nanomaterialien - NanoCare und NanoNature - ein.

Die DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. führt Fachleute unterschiedlicher Disziplinen, Institutionen und Generationen zusammen, um den wissenschaftlichen Austausch in chemischer Technik, Verfahrenstechnik und Biotechnologie zu fördern. Die DECHEMA sucht nach neuen technologischen Trends, bewertet diese und begleitet die Umsetzung von Forschungsergebnissen in technische Anwendungen. Über 5.800 Ingenieure, Naturwissenschaftler, Studierende, Firmen und Institutionen gehören dem gemeinnützigen Verein an. Gemeinsam mit der DECHEMA Ausstellungs-GmbH ist er Veranstalter der ACHEMA. Mehr unter http://www.dechema.de
Weitere Informationen:

http://www.nanopartikel.info - Informationen zu Nanopartikeln

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Schloss Dagstuhl: Mehr Sicherheit im Strassenverkehr durch kommunizierende Autos

Dr. Roswitha Bardohl Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Schloss Dagstuhl - Leibniz-Zentrum für Informatik GmbH

Neben Elektromobilen liegt der Schwerpunkt der diesjährigen Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) bei der Kommunikation zwischen Fahrzeugen sowie der Kommunikation zwischen Fahrzeugen und deren Umgebung. Fußgänger und Fahrradfahrer sind dabei noch unberücksichtigt. Autonome Fahrzeuge müssen jedoch in der Lage sein, alle Hindernisse rechtzeitig zu erkennen und adäquat zu reagieren.
Vom 22. bis 25. Sept., im Anschluss an die IAA, treffen sich international führende Informatik-Wissenschaftler mit Experten aus der Automobilindustrie auf Schloss Dagstuhl im nördlichen Saarland um Antworten auf die vielfältigen noch offenen Fragen im Bereich der Kommunikation zwischen Fahrzeugen zu finden.

Weltweit wurden bisher viele Tests durchgeführt, vorwiegend auf Autobahnen oder in abgelegenen Gebieten. Wie aber verhält sich ein autonomes Fahrzeug auf Landstraßen oder bei Ortsdurchquerungen; was passiert, wenn unverhofft ein Fußgänger die Straße überquert oder eine Ampel plötzlich auf Rot wechselt; wird auf Fahrradfahrer Rücksicht genommen? Kommunikation zwischen den Fahrzeugen kann die Verkehrssicherheit deutlich steigern!

Die erste Generation der Kommunikation zwischen Fahrzeugen ist bereits weit fortgeschritten. Seit diesem Jahr wird dies auch im Alltag erprobt. Die Autos tauschen Informationen über Gefahren aus und erhalten Hinweise zu Verkehrslage, Wettereinflüssen oder Fahrtrouten. Ein Feldversuch zwischen Frankfurt und Friedberg ist innerhalb des 69 Millionen Euro teuren Projekts "Sichere Intelligente Mobilität - Testfeld Deutschland" (SimTD) auf sechs Monate ausgelegt. Das System nutzt eine Weiterentwicklung des WLAN-Standards für drahtloses Internet (kurz: DSRC/WAVE) aber auch Mobilfunktechniken. Thematisiert werden ebenfalls Informationssicherheit der Daten sowie Privatsphäre der Autofahrer.

In den nächsten Jahren werden sich zweifellos die Verkehrsplanung und die Automobilherstellung enorm ändern. Aufgrund der vielen Feldversuche und der erzielten Ergebnisse treten zusätzlich zu technischen Entwicklungen weitergehende Fragestellungen in den Vordergrund. Im wissenschaftlichen Umfeld wird jedoch bereits an einer zweiten Generation von Kommunikationstechniken gearbeitet, die neue Anwendungen unterstützen und vor allem auch höchste Anforderungen an die Verkehrssicherheit erfüllen soll. Auf der internationalen Tagung auf Schloss Dagstuhl kommen Informatik-Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen mit Experten aus der Automobilindustrie zusammen, um sich diesem Thema ausgiebig zu widmen. Die Organisation des Dagstuhl-Seminars haben übernommen:

- Onur Altintas (TOYOTA InfoTechnology Center - Tokyo, JP)
- Falko Dressler (Universität Innsbruck, AT)
- Hannes Hartenstein (KIT - Karlsruhe Institute of Technology, DE)
- Ozan K. Tonguz (Carnegie Mellon University, US)

Hintergrund:
Schloss Dagstuhl lädt das ganze Jahr über Wissenschaftler aus aller Welt ins nördliche Saarland ein um über neueste Forschungsergebnisse in der Informatik zu diskutieren. Mehr als 3.000 Informatiker von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und aus der Industrie nehmen jährlich an den wissenschaftlichen Veranstaltungen in Dagstuhl teil. Seit 2005 gehört Schloss Dagstuhl zur Leibniz-Gemeinschaft in der zurzeit 86 führende außeruniversitäre Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen in Deutschland vertreten sind.

Weitere Informationen:
http://www.dagstuhl.de - Einstiegsseite Schloss Dagstuhl
http://www.dagstuhl.de/13392 - Webseite des Dagstuhl-Seminars "Inter-Vehicular Communication - Quo Vadis" mit Teilnehmerliste und weiteren Informationen

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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„Vor einer Narkose braucht heute kein Patient Angst zu haben"

Dr. Annette Tuffs Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Heidelberg

Eine der Sternstunden der Medizin ereignete sich am 16. Oktober 1846: Mit Hilfe von Ätherdämpfen gelang dem Bostoner Zahnarzt William Morton die erste schmerzfreie Entfernung eines vereiterten Backenzahnes. Mehr als 150 Jahre später ist Äther nach wie vor im Einsatz, doch hat die Anästhesie mittlerweile eine große Vielfalt an Betäubungsformen entwickelt, die gewährleisten, dass der Patient operative Eingriffe ohne Schmerzen übersteht.

„Von der Äthernarkose bis zur Akupunktur: Moderne Anästhesie ist sicher und schonend" lautet der Titel des Vortrags von Professor Dr. Eike Martin, Ärztlicher Direktor der Klinik für Anästhesiologie, in der Vortragsreihe „Medizin am Abend". Das Universitätsklinikum Heidelberg lädt alle Interessierten sehr herzlich am 25. September um 19 Uhr in den Hörsaal der Kopfklinik zu dem Vortrag und danach zu Gesprächen bei einem Umtrunk und Imbiss ein.

„Vor einer Narkose braucht heute kein Patient Angst zu haben", sagt Professor Martin. „Moderne Narkosemittel werden individuell nach Alter, Erkrankung und Zustand des Patienten eingesetzt und sind sehr sicher." Nur die moderne Anästhesie ermöglicht schwierige Eingriffe, auch bei älteren und schwerkranken Patienten.

Vor der Operation sieht der Anästhesist den Patienten, plant und erklärt ihm die Form der Betäubung, die häufig auf eine Allgemeinnarkose verzichten kann und nur die betroffene Körperregion schmerzfrei macht. Nach der Operation ist die Tätigkeit des Anästhesisten noch nicht beendet, denn er betreut die Patienten gemeinsam mit Chirurgen auf der Intensiv- oder Normalstation und kümmert sich darum, dass er keine Schmerzen hat.

Und welche Rolle spielen alternative Narkoseformen wie die Akupunktur? „In der Schmerztherapie haben sie ihren Platz, bei der Narkose im Operationssaal haben sie sich nicht durchgesetzt", sagt Professor Martin. In der Geburtsheilkunde hätten sich durchaus positive Effekte gezeigt, wie Studien an seiner Klinik gezeigt hätten. Allerdings sei eine besondere Expertise und besonderes Engagement des Anästhesisten dazu erforderlich.

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 2.200 Betten werden jährlich rund 118.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
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Neues Power-to-Gas-Verfahren: Elektrolyse direkt in der Biogasanlage

Dr. Torsten Gabriel Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Mehr Methan erzeugen mit Elektrolyse-Wasserstoff und überschüssigem Kohlendioxid im Fermenter

Die MicrobEnergy GmbH entwickelt mit Unterstützung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) ein direkt im Fermenter ablaufendes Power-to-Gas-Verfahren. Dabei wird der Kohlendioxidanteil des Biogases und im Fermenter erzeugter Elektrolysewasserstoff in zusätzliches Methan umgewandelt. Das Verfahren hat nicht nur das Potenzial, die Produktion des wertvollen Energieträgers Methan zu erhöhen. Es trägt auch dazu bei, überschüssigen Strom aus fluktuierenden erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind speicherbar zu machen und damit den Verbrauch vom Ort und Zeitpunkt der Erzeugung zu entkoppeln.

Das Vorhaben startete zum 1. Juli 2013 und wird über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) betreut.

Mikroorganismen wandeln in der Biogasanlage Kohlenstoffverbindungen aus Biomasse in Methan um. Dafür benötigen sie Wasserstoff, der ihnen über die zuvor abgelaufenen Prozessschritte zur Verfügung steht. Das Problem: Der Wasserstoff „reicht" nicht für eine vollständige Methanisierung der Biomasse, das Biogasgemisch besteht am Ende zu höchstens drei Viertel aus Methan, der Rest sind Kohlendioxid, Wasserdampf und diverse Spurengase. Könnte man zusätzlichen Wasserstoff in die Biogasanlage einschleusen, ließe sich mehr Methan erzeugen. Hier setzen die Forscher der MicrobEnergy GmbH mit ihrem Vorhaben „BioCharge" an. Sie wollen Wasserstoff über eine Elektrolyse direkt im Fermenter erzeugen. Erste Laborversuche konnten zeigen, dass die Mikroorganismen zusätzlichen Wasserstoff sofort zur Methanisierung des vorhandenen CO2 nutzen und der Biogasprozess dabei nicht zum Erliegen kommt. Die Methanausbeute ließ sich so auf bis zu 95 Prozent steigern.

Im Einzelnen widmen sich die Wissenschaftler des Unternehmens nun folgenden Aufgaben:

- Erarbeitung und Überprüfung von zwei in situ-Elektrolysekonzepten in einer Laborphase,
- Bau und Optimierung einer mit realem Biogassubstrat betriebenen Technikumsanlage und
- Dauertest der Technikumsanlage zur Ermittlung realer Leistungsdaten unter variablen Betriebs- und Lastbedingungen.

Messlatte ist der klassische externe und in der Regel kostenintensive Elektrolyseur. Ihm gegenüber haben beide „in-situ-Elektrolyse"-Konzepte zwar den Nachteil eines geringeren Wirkungsgrades und geringerer Stromdichten. Dem stehen jedoch potenzielle Vorteile gegenüber wie:

- die optimale Nutzung der technologisch unvermeidlichen Abwärme des Elektrolyseurs als Prozesswärme in der Biogasanlage,
- die bestmögliche Verteilung des frisch erzeugten Wasserstoffs im Fermenter,
- die einfache und sichere Konstruktion,
- der Wegfall teurer Komponenten, etwa des Kühlwasserkreislaufs, der Gaszwischenspeicherung und evtl. sogar der Reinstwasserversorgung,
- keine besonderen Anforderungen an die Anlagensicherheit, da kein reiner Wasserstoff an irgendeinem Teil der Anlage anfällt.

Ziel des Projektes ist es nachzuweisen, dass diese Vorteile die genannten Nachteile überkompensieren können. Letztendlich geht es aber um mehr: Um die Vision einer low invest Energiespeichertechnologie, die aus Biogasanlagen effektive Stromspeicher machen könnte. Der besondere Clou: Die zu entwickelnden Komponenten sollen sich auch zum Einbau in bestehende Biogasanlagen eignen. Damit könnte das neue Verfahren, wenn es seine technische Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit unter Beweis stellt, in breiterem Umfang eingeführt werden und deutlich mehr Methan für den Ausgleich der unsteten Energieträger Sonne und Wind zur Verfügung stellen.

Nähere Informationen zum Projekt finden sich in der Projektdatenbank der FNR (fnr.de - Projekte & Förderung) unter dem Förderkennzeichen 22400612.

Weitere Informationen:
http://www.fnr.de/projekte-foerderung/projekte/suche/

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Wie sich das Waschmittel der Atmosphäre regeneriert

Dipl.-Biologin Annette Stettien Unternehmenskommunikation
Forschungszentrum Jülich

Jülicher Troposphärenforscher weisen wirkungsvolles Recycling von Radikalen beim Isoprenabbau nach

Es klingt ungewöhnlich: Eine Waschmaschine recycelt benutztes Waschmittel, um es bei der nächsten Ladung Schmutzwäsche wiederzuverwenden. Doch genau das passiert beim Abbau von Schadstoffen in der Atmosphäre. Das haben Jülicher Wissenschaftler jetzt für Isopren, den wichtigsten natürlichen Kohlenwasserstoff, erstmalig nachweisen können. Die neuen Erkenntnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nature Geoscience" veröffentlicht.

Hydroxyl(OH)-Radikale - auch Waschmittel der Atmosphäre genannt - zersetzen Isopren in der Luft. Dabei entstehen neue OH-Radikale, die ihrerseits die Luft von weiteren Schadstoffen und Spurengasen reinigen können. Bislang hatte die Forschung über diesen Mechanismus nur spekulieren können.

Die Atmosphäre verfügt über erstaunliche Selbstreinigungskraft. Chemische Prozesse sorgen dafür, dass Spurengase und Schadstoffe wieder aus der Atmosphäre entfernt werden - wie etwa das hauptsächlich von Wäldern produzierte Isopren. Ohne diese Prozesse wäre die Erderwärmung wesentlich größer und die Luftqualität deutlich schlechter. Noch vor einiger Zeit dachte die Wissenschaft, dass Isoprenabbau die Konzentration von OH-Radikalen erheblich reduziert. Bei Untersuchungen in China hatten die Troposphärenforscher vom Jülicher Institut für Energie- und Klimaforschung jedoch zugleich hohe Konzentrationen von OH-Radikalen und Spurengasen wie Isopren festgestellt. Andere Forschergruppen beobachten Ähnliches in der Luft über nordamerikanischen Wäldern und tropischen Regenwäldern. Die Schlussfolgerung lag nah, dass beim Isoprenabbau irgendetwas passiert, was OH-Radikale regeneriert. „Die Forschung hat in den letzten Jahren intensiv diskutiert, wie der Mechanismus aussehen könnte. Ohne tatsächlichen Nachweis blieb jedoch vieles Spekulation. Dieser Nachweis ist uns jetzt gelungen", fasst der Jülicher Troposphärenforscher Dr. Hendrik Fuchs zusammen.

Dazu hatten die Wissenschaftler die natürlichen Bedingungen, wie sie in der Atmosphäre über China oder den tropischen Regenwäldern herrschen, in der Jülicher Simulationskammer SAPHIR nachgestellt. Diese Kammer erlaubt es, den Abbau auch geringer Mengen von Spurenstoffen zu simulieren. Sie ist mit exakt den gleichen Messgeräten ausgestattet, die auch bei Feldexperimenten eingesetzt werden. „Erst diese Kombination ermöglicht es, die Prozesse genau zu studieren. Mit SAPHIR haben wir in Jülich einzigartige Bedingungen", betont Institutsleiter Prof. Andreas Wahner. Tatsächlich konnten die Jülicher Forscher den Mechanismus im Prinzip bestätigen und seine Auswirkung auf die OH-Regeneration mengenmäßig bestimmen. Der Prozess läuft wesentlich schneller ab, allerdings nicht so effektiv wie einige Forscher vermutet hatten.

Da der Abbaumechanismus beim Isopren jetzt verstanden ist, können die Wissenschaftler nun anfangen, die Rückkoppelungseffekte quantitativ zu untersuchen. Besonders interessant für die Jülicher Forscher sind die Zusammenhänge zwischen Selbstreinigungsprozessen der Atmosphäre und dem Klima. So bedeuten mehr OH-Radikale in der Luft, dass mehr Klimagase wie Methan abgebaut werden könnten. Hinzu kommt, dass im Gegensatz zu allen anderen bekannten Mechanismen beim Abbau von Isopren weniger klimaschädliches Ozon in der Atmosphäre entsteht als bisher angenommen. Darüber hinaus nimmt die Wirksamkeit des Prozesses mit der Lufttemperatur zu. „Möglicherweise haben wir hier eine bedeutende Wechselwirkung zwischen Luftqualität und Klimaänderung vorliegen, die zum beschleunigten Abbau von Spurengasen in einer immer wärmer werdenden Atmosphäre führt", vermutet der stellvertretende Institutsleiter Dr. Andreas Hofzumahaus.

Die Jülicher Untersuchungen sind Teil des laufenden EU-Projekts PEGASOS (Pan-European Gas-AeroSOls-climate interaction Study), das sich mit den Zusammenhängen von Atmosphärenchemie, Luftqualität und Klima beschäftigt.

Originalveröffentlichung:
Experimental evidence for efficient hydroxyl radical regeneration in isoprene oxidation.
H. Fuchs et al.
Nature Geoscience, published online 6 October 2013, DOI: 10.1038/ngeo1964

Weitere Informationen:
Institut für Energie- und Klimaforschung - Troposphäre (IEK-8)
www.fz-juelich.de/iek/iek-8/
Atmosphärensimulationskammer SAPHIR
www.fz-juelich.de/iek/iek-8/DE/Leistungen/Infrastruktur/SAPHIR/SAPHIR_node.html
EU-Projekt PEGASOS
www.fz-juelich.de/iek/iek-8/DE/UeberUns/Projekte/PEGASOS/PEGASOS_node.html

Ansprechpartner:
Dr. Hendrik Fuchs
Institut für Energie- und Klimaforschung - Troposphäre (IEK-8)
Forschungszentrum Jülich
Tel.: 02461 61-6741
h.fuchs@fz-juelich.de

Das Forschungszentrum Jülich ...
... betreibt interdisziplinäre Spitzenforschung und stellt sich drängenden Fragen der Gegenwart. Mit seinen Kompetenzen in der Materialforschung und Simulation und seiner Expertise in der Physik, der Nano- und Informationstechnologie sowie den Biowissenschaften und der Hirnforschung entwickelt es die Grundlagen für zukünftige Schlüsseltechnologien. Damit leistet das Forschungszentrum Beiträge zur Lösung großer gesellschaftlicher Herausforderungen in den Bereichen Energie und Umwelt, Gesundheit sowie Informationstechnologie. Das Forschungszentrum Jülich geht neue Wege in strategischen Partnerschaften mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen und der Industrie im In- und Ausland. Mit mehr als 5.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört es als Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft zu den großen interdisziplinären Forschungszentren Europas.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Kunststoffpartikel in Süßwasser-Ökosystemen: eine unterschätzte Gefahr

Christian Wißler Mediendienst Forschung
Universität Bayreuth

Die Verschmutzung der Weltmeere durch Plastikmüll ist in den letzten Jahren immer stärker in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Aber auch Süßwasser-Ökosysteme können in ähnlicher Weise durch Kunststoffpartikel verunreinigt sein. Darauf macht eine neue Fallstudie aufmerksam, die eine Forschungsgruppe um Prof. Dr. Christian Laforsch an der Universität Bayreuth und Prof. Dr. Reinhard Niessner von der TU München jetzt in der Zeitschrift "Current Biology" veröffentlicht hat. Die Wissenschaftler warnen vor den bisher wenig beachteten gesundheitlichen Gefahren und fordern verstärkte Kontrollen, nicht zuletzt im Bereich von Süßwasserseen.

Giftige Kunststoffpartikel in Uferbereichen eines subalpinen Sees
Als Fallbeispiel für ein regionales Süßwasser-Ökosystem wurde der Gardasee ausgewählt. Weil er sich direkt unterhalb der Alpen erstreckt, erwarteten die Mitglieder der Forschungsgruppe, hier eine vergleichsweise geringe Wasserverschmutzung durch Plastikmüll - vor allem durch kleinste Partikel, so genanntes Mikroplastik - anzutreffen. Umso mehr waren sie überrascht, als sie bei ihren Analysen feststellen mussten: Kunststoffpartikel mit einer Größe von weniger als 5 Millimetern sind im Uferbereich des Sees teilweise genauso dicht verstreut wie an Meeresstränden.

"Von diesen Substanzen, wie beispielsweise Polystyrol und Polyethylen, wissen wir heute, dass sie in der Natur nicht oder nur langsam abgebaut werden. Sie tragen insofern zu einer nachhaltigen Verschmutzung von Ökosystemen bei. Zudem handelt es sich um Kunststoffe, die giftige organische Schadstoffe absorbieren und in andere, weniger verschmutzte Regionen einschleppen können. Außerdem haben wir sogar winzige Partikel von Polyvinylchlorid (PVC) nachweisen können, das je nach Produktionsweise krebserregend sein kann", berichtet Prof. Laforsch.

Risiken für die Nahrungskette
Die Wissenschaftler haben die Kunststoffabfälle systematisch an zwei Stränden des Gardasees aufgelesen und anschließend mit den Mitteln der Raman-Spektroskopie und der Elektronenmikroskopie analysiert. Die geringe Größe der Partikel erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Fische, Würmer und andere wirbellose Tiere sie mit Nahrung verwechseln. Damit aber steigt das Risiko, dass giftige Plastikreste ihren Weg in die menschliche Nahrungskette finden. Tatsächlich konnte Hannes Imhof, Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Laforsch, in Würmern, Schnecken, Muscheln, Wasserflöhen und Muschelkrebsen winzige fluoreszierende Kunststoff-Ablagerungen nachweisen. Diese Tiere sind auch am Gardasee heimisch und dienen ihrerseits als Nahrung für andere Tiere - wie beispielsweise Wasserflöhe, die eine Hauptnahrungsquelle für Fische sind.

Unterschiedlich hohe Konzentrationen des Plastikmülls
Wie sich im Verlauf der Forschungsarbeiten herausstellte, ist der Nordstrand des Gardasees erheblich dichter mit Plastikmüll verunreinigt als die südlichen Uferbereiche des Gardasees. Die wesentliche Ursache sehen die Forscher in einer häufigen Windströmung aus südwestlicher Richtung, die von der einheimischen Bevölkerung als "Ora" bezeichnet wird. Dieser Befund deckt sich mit Forschungsergebnissen, die ein kanadisches Forschungsteam am Huron-See - Great Lakes - vor zwei Jahren veröffentlicht hat: Auch dort konzentrierten sich 94 Prozent der gefundenen Kunststoffpartikel auf eine einzige Uferregion.

Konsequenzen für Ökologie und Umweltpolitik
Woher stammt der Plastikmüll, der einige Strände des Gardasees verschmutzt? Einen großen Anteil haben Konsumgüter und ihre Verpackungen. Die Plastikteile geraten entweder direkt oder auf dem Umweg über Mülldeponien in den See und in ufernahe Gebiete. Prof. Laforsch, der an der Universität Bayreuth den Lehrstuhl für Tierökologie I leitet, betont, dass der Gardasee keineswegs ein ungewöhnliches Beispiel für die Verschmutzung eines Ökosystems durch Kunststoffe darstellt. Im Gegenteil: Weil die Lage des Sees am Fuß der Alpen vergleichsweise geringe Umweltrisiken mit sich bringt, vermuten die beiden Forscher, dass Süßwasser-Ökosysteme mit einer größeren Nähe zu städtischen Zentren und Industrien viel stärker betroffen sind.

"Wir wollen die Ergebnisse der Analysen, die wir in 'Current Biology' publiziert haben, als ein generelles Warnsignal verstanden wissen", so Prof. Laforsch. "Plastikmüll ist eine Gefahr, die keineswegs nur auf ferne Regionen in den Ozeanen - wie etwa den bekannten Nordpazifikwirbel - beschränkt ist. Umweltwissenschaften und Umweltpolitik sollten sich für diese Problematik verstärkt interessieren."

Von der DFG gefördert: ein interdisziplinäres Forschungsprojekt
Die jetzt veröffentlichte Fallstudie ist hervorgegangen aus dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt "Kunststoffpartikel in limnischen Ökosystemen: Vorkommen und Einfluss auf aquatische Organismen". Es zielt darauf ab, die Kunststoffbelastung ausgewählter deutscher und europäischer Seen und Flüsse mit Hilfe der Raman-Mikrospektroskopie (RM) zu untersuchen. Insbesondere geht es dabei um die Frage, wie sich Kunststoffpartikel innerhalb der Gewässer verteilen. Darüber hinaus wollen die Projektpartner um Prof. Laforsch und Prof. Niessner herausfinden, in welcher Form und in welchen Mengen sich Kunststoffpartikel in Organismen und Organen ansammeln. Das Vorhaben wird deshalb dazu beitragen, die Risiken aufzuklären, die mit der Verunreinigung von Ökosystemen durch Plastikmüll verbunden sind. Es kann auf diese Weise helfen, Strategien zu entwickeln, um zukünftige Schäden für Mensch und Natur zu vermeiden.

Veröffentlichung:
Hannes K. Imhof, Natalia P. Ivleva, Johannes Schmid, Reinhard Niessner, and Christian Laforsch,
Contamination of beach sediments of a subalpine lake with microplastic particles,
in: Current Biology, Vol 23, No 19.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Christian Laforsch
Lehrstuhl für Tierökologie I
Universität Bayreuth
Universitätsstraße 30
95447 Bayreuth
Telefon: +49 (0) 921 / 55-2650
E-Mail: christian.laforsch@uni-bayreuth.de

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Hilft eine Blutegeltherapie tatsächlich? Greifswalder Forscher testen Speichel von Egeln

Jan Meßerschmidt Presse- und Informationsstelle
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Eine wissenschaftliche Untersuchung hat erstmals wissenschaftliche Belege für eine mögliche Wirksamkeit der Blutegeltherapie erbracht. In der jüngst in der internationalen, biowissenschaftlichen Online-Fachzeitschrift PLoS ONE veröffentlichten Studie von Forschenden des Zoologischen Instituts der Universität Greifswald wurde erstmals eine Quantifizierung der biologisch aktiven Speicheldrüseninhaltsstoffe vorgenommen. Dabei konnten zwanzig Speichelproteine in einer Konzentration nachgewiesen werden, die physiologische Prozesse im menschlichen Körper beeinflussen können.

Kann die Blutegeltherapie dem Menschen wirklich helfen? Subjektive Erfahrungsberichte und Aufzeichnungen von Medizinern sprechen für eine therapeutische Wirkung. Bereits im alten Ägypten wurde der der Medizinische Blutegel, Hirudo sp., eingesetzt. Der Ektoparasit saugt sich an einem warmblütigen Wirt fest, schneidet eine Wunde in die Haut und saugt Blut. Dabei gibt er die Inhaltsstoffe seiner Speicheldrüsenzellen in die Wunde ab. Diesem Vorgang wird beim Menschen therapeutische Bedeutung zugemessen. Heute wird die Blutegeltherapie von Ärzten und Heilpraktikern bei verschiedensten Befindlichkeitsstörungen, bei Thrombosen zur Vermeidung der Bildung oder gar zur Auflösung von Blutgerinnseln, bei Erkrankungen des entzündlich-rheumatischen Formenkreises zur Entzündungshemmung und zur Schmerzstillung sowie postoperativ nach Replantation abgetrennter Haut- und Körperteile zur Verbesserung der venösen Zirkulation eingesetzt.

Der Blutegel injiziert während des Saugaktes zahlreiche Speicheldrüsenproteine in die Wunde des Wirts. Es wird angenommen, dass zumindest einige Proteine für die beobachteten positiven Effekte verantwortlich sein könnten. Die meisten sind bisher unbekannt, nur von wenigen kennt man mögliche Wirkungen im Patienten. Nur von einer Einzigen, dem Thrombin-Inhibitor Hirudin, der bereits in der Medizin als Antikoagulans (Medikament zur Hemmung der Blutgerinnung) eingesetzt wird, sind bisher exakte Daten zu wirksamen Konzentrationen bekannt.

Die Greifswalder Zoologen wollten mit ihrer Untersuchung die Frage beantworten: Werden während einer Blutegeltherapie mit einem oder mehreren Tieren überhaupt genügend große Mengen an Wirkstoffen aus dem Blutegel-Speichel auf den Patienten übertragen, um physiologische Effekte auszulösen? Um diese Frage zu beantworten, musste herausgefunden werden, wie viel Speicheldrüsensubstanz ein Blutegel speichern kann und dann während des Saugaktes überträgt. Dazu wurde zunächst die Struktur des Speicheldrüsengewebes des Tieres mikroskopisch untersucht und ein 3D-Modell von Teilen des Egelgewebes mit den interessanten einzelligen Speicheldrüsenzellen entwickelt. So konnte festgestellt und berechnet werden: Ein Blutegel hat fast 40.000 Speicheldrüsenzellen, und das durchschnittliche Volumen einer Zelle beträgt 67.000 µm3 (das ist etwa ein 50-Tausendstel des Volumens eines Stecknadelkopfes). Letztlich wiesen die Forscherinnen und Forscher nach, dass die Vorratsbehälter der Speicheldrüsenzellen des Egels während eines Saugaktes vollständig entleert und 1,2 mg Protein in die Wunde injiziert werden. Wenn große Anteile der injizierten Speichelproteine sich im Kreislaufsystem des Patienten verteilen, gelangen mehr als zwanzig verschiedene Speichelproteine mit Konzentrationen zwischen 3 und 236 pmol/l in den Körper.
Im Vergleich mit Hirudin, das eine deutlich hemmende Wirkung auf den Blutgerinnungsfaktor Thrombin bereits bei einer Konzentration von 1 pmol/l ausübt, kann aus diesen Daten geschlossen werden, dass es mindestens 20 weitere Inhaltsstoffe des Blutegelspeichels gibt, die beim Saugakt in möglicherweise wirksamen Konzentrationen auf den Menschen übertragen werden.

Die weiteren Forschungsarbeiten werden sich mit der Identifizierung dieser Substanzen befassen, um festzustellen, welche Zielmoleküle im menschlichen Körper durch die Egel-Speichelproteine möglicherweise erkannt und in ihrer Funktion verändert werden.

Weitere Informationen
PLoS ONE http://www.plosone.org/
Artikel „May Salivary Gland Secretory Proteins from Hematophagous Leeches (Hirudo verbana) Reach Pharmacologically Relevant Concentrations in the Vertebrate Host?"

Autoren: Sarah Lemke, Christian Müller, Elisabeth Lipke, Gabriele Uhl, Jan-Peter Hildebrandt
http://www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0073809?src=email20130604CNS

Zoologisches Institut der Universität Greifswald
http://www.mnf.uni-greifswald.de/institute/fr-biologie/institute-und-forschung/zool-institut-museum.html

Ansprechpartner an der Universität Greifswald
Prof. Dr. Jan-Peter Hildebrandt
Zoologisches Institut und Museum
Walther-Rathenau-Straße 49 A
17489 Greifswald
Telefon 03834 86-4295
Telefax 03834 86-4252
jph@uni-greifswald.de

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Forschung zu Biogas-Gärprodukten

Gerhard Schmücker Hochschulkommunikation
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen

- HfWU gewinnt Verbundprojekt zu Biogas-Gärprodukten - Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums -

NÜRTINGEN. (hfwu) Knapp 8.000 Biogasanlagen gibt es derzeit in der Bundesrepublik. Dort wird Biomasse vergoren und hauptsächlich Biogas erzeugt. Es entstehen dabei aber auch Nebenprodukte: Gärreste mit wertvollen Düngestoffen. Nur wenige Biogasanlagen bereiten diese Reste auf vermarkten sie anschließend professionell. Dabei könnten diese Gärreste beispielsweise als Düngerpellets auch für Gartenbesitzer, den Gemüsebau und andere Bereiche interessant sein.

Im Verbund mit renommierten Partnern startet nun an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums das Forschungsprojekt GÄRWERT. Das Projekt läuft über drei Jahre mit einem finanziellen Gesamtvolumen von circa 650.000 Euro. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe ist der Projektträger. Der Titel steht für „GÄRprodukte ökologisch optimiert und WERTorientiert aufbereiten und vermarkten".

Zum ersten Mal werden in dem Projekt Aufbereitungsverfahren für Gärreste erforscht und in ihrer Gesamtheit nach technischen, wirtschaftlichen, pflanzenbaulichen und ökologischen Aspekten bewertet. Für die verschiedenen Verwertungspfade sollen erfolgversprechende Vermarktungsmöglichkeiten ausgearbeitet werden. Außerdem wollen die Forscher dafür die geeigneten Aufbereitungsverfahren auswählen. An der HfWU leiten das Projekt die Professoren Dr. Carsten Herbes (Institute for International Research on Sustainable Management and Renewable Energy) und Dr. Carola Pekrun (Institut für angewandte Agrarforschung). Als weitere Partner sind an dem Projekt die Universität Hohenheim, die Technische Universität Berlin, das Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft sowie der Fachverband Biogas und die Gütegemeinschaft Gärprodukte beteiligt. Für das Projekt werden drei Doktoranden eingestellt und zusätzliches technisches Personal.

Prof. Dr. Konrad Reidl, Leiter des Institutszentrums für angewandte Forschung und Prof. Dr. Willfried Nobel, Prorektor für Forschung, sind sich sicher: „Dieses Projekt ist ein Beispiel für die fakultäts- und institutsübergreifende Forschung. Hier liegen für die HfWU noch große Potenziale."

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Der letzte Winter brachte die heftigste Grippewelle seit Jahren - jetzt impfen lassen!

Dr. Annette Tuffs Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Heidelberg

Wie schwer waren die letzten Grippewellen? Eine Auswertung am Universitätsklinikum Heidelberg zeigt: In der Grippesaison 2012/2013 mussten mehr Patienten auf der Intensivstation behandelt werden als in der „Pandemie-Saison" 2009/2010. Gefährdet waren besonders ältere Menschen sowie Patienten mit chronischen Erkrankungen. Besonders Risikogruppen sollten sich jetzt impfen lassen.

In der Grippe-Saison 2012/13 erkrankten im Einzugsgebiet des Universitätsklinikums Heidelberg deutlich mehr Menschen als in den Jahren zuvor so schwer, dass sie sich stationär behandeln lassen mussten. „Das war die heftigste Grippe-Saison seit acht Jahren. Wir hatten rund doppelt so viele Patienten mit Influenza wie in den vorhergehenden Jahren", sagt Professor Dr. Hans-Georg Kräusslich, Geschäftsführender Direktor des Departments für Infektiologie am Universitätsklinikum Heidelberg. 164 Erkrankte, darunter 38 Kinder, wurden stationär aufgenommen, 45 davon mussten intensivmedizinisch betreut werden. Zehn Patienten, die alle an schweren Vorerkrankungen litten, starben.

Doch soweit müsste es nicht kommen: „Leider unterschätzen zu viele Menschen, besonders aus den Risikogruppen, die Gefahr durch eine Infektion. Dabei gibt es mit der gut verträglichen Grippe-Impfung eine Möglichkeit, sich zuverlässig vor den aktuell zirkulierenden Influenza-Stämmen zu schützen", betont Professor Kräusslich. „Damit ließen sich viele Grippe-Erkrankungen bzw. schwere Krankheitssymptome vermeiden." Die Ständige Impfkommission am Robert Koch Institut empfiehlt daher allen Menschen ab 60 Jahren sowie Personen mit Grunderkrankungen wie Diabetes, Asthma oder Herz-Kreislauferkrankungen, Schwangeren, medizinischem Personal und allen Betreuern von Risikopatienten, sich jetzt impfen zu lassen. Der beste Zeitraum für die Impfung gegen Grippe ist Oktober und November. Eine Impfung kann aber auch später nachgeholt werden.

Infektionszahl im Bereich der normalen Schwankungsbreite

„Die Anzahl der Infektionen mit den Grippe-Erregern schwankt von Jahr zu Jahr und ist nicht vorhersagbar. Alle paar Jahre fällt die Grippe-Welle stärker aus - das haben wir im letzten Winter erlebt", erklärt Professor Dr. Paul Schnitzler, Virologe am Department für Infektiologie. „Trotzdem lag die Infektionsrate im Bereich der normalen Schwankungsbreite." Ein Grund für die vielen Infektionen könnte der sehr lange und kalte Winter gewesen sein, der jede Form der Atemwegserkrankung begünstigte: So wurden allein am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums rund 250 Kinder und Jugendliche mit schweren Infektionen durch das respiratorische Synzytialvirus, einen häufigen Erreger kindlicher Atemwegserkrankungen, stationär betreut - ebenfalls eine Verdopplung im Vergleich zu den Vorjahren.

„Auf die alljährliche Grippe-Welle sind wir sehr gut vorbereitet", sagt Professor Dr. Christoph Eisenbach, Intensivmediziner der Abteilung Gastroenterologie, Infektionskrankheiten und Vergiftungen an der Medizinischen Universitätsklinik. Am Universitätsklinikum Heidelberg werden vorrangig Patienten mit schwerem Verlauf wie einer Lungenentzündung behandelt, die z.B. beatmet werden müssen. Dazu kommen Patienten mit schwachem oder unterdrücktem Immunsystem, z.B. Säuglinge und Kleinkinder, sehr alte Menschen, Transplantierte, Krebskranke oder Patienten mit verschiedenen schweren Vorerkrankungen. Ihre Behandlung, die durchschnittlich drei Wochen dauert, erfordert große Erfahrung, eine interdisziplinäre Vernetzung und bei Bedarf entsprechende intensivmedizinische Kapazitäten.

Weitere Informationen beim Robert Koch Institut:
http://www.rki.de

Kontakt:
Prof. Dr. Paul Schnitzler
Department für Infektiologie, Virologie
Universitätsklinikum Heidelberg
E-Mail: Paul.Schnitzler@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 2.200 Betten werden jährlich rund 118.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
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Methanquellen der Tiefsee: Ein Bakterienschmaus für Steinkrabben

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Cold Seeps, kalte Quellen, sind die Grundlage für eine überraschende Artenvielfalt in der Wüste Tiefsee. Vor der Küste Costa Ricas dokumentierte ein internationales Wissenschaftlerteam mit Beteiligung des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, der Universität Basel und des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie, wie Steinkrabben der Gattung Paralomis sp. Bakterienmatten an einer Methanquelle abgrasen. Ihre Analyse-Ergebnisse und eine Zeitrafferaufnahme, veröffentlicht im Online-Fachmagazin PLOS ONE, belegen, dass nicht nur sesshafte Organismen von der Produktivität rund um die Cold Seeps profitieren.

Der Boden der Tiefsee ist über weite Strecken öde und unbelebt - eine Wüste, kilometerhoch mit Wasser bedeckt. Oasen entstehen um Cold Seeps, kalte Quellen, an denen Wasser gelöste Elemente aus dem Meeresboden herauftransportiert. So können spezialisierte Mikroben austretendes Methan und Sulfat aus dem Meerwasser in Schwefelwasserstoff umwandeln. Dabei setzen sie Kohlendioxid frei. Hoch angepasste Bakterien, von denen viele in Symbiose mit Würmern und Muscheln leben, nutzen den Schwefelwasserstoff für ihr Wachstum. In ihren Körperzellen bauen sie Kohlenstoff ein, der aus der chemischen Reaktion des Methans stammt. „Die Koexistenz bei Organismen, die sich fest an den Cold Seeps angesiedelt haben, ist bereits gut erforscht", weiß Dr. Peter Linke. Der Biologe am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel ist zusammen mit Dr. Helge Niemann von der Universität Basel Hauptautor der Veröffentlichung im Online-Fachmagazin PLOS ONE. „Wir konnten jetzt einen Beweis erbringen, dass auch Krebse zu den Nutznießern der Methanquellen gehören. Damit nähern wir uns einer Antwort auf die Frage, welche Organismen von den Cold Seeps profitieren: Wandernde Mischkostler gehören offenbar auch dazu."

Auf Tauchgängen mit dem Tauchboot ALVIN und dem Unterwasserroboter QUEST vor der Küste Costa Ricas beobachteten die Forscher im Sommer 2005 an einer Methanquelle in der Nähe des Schlammvulkans „Mound 12" Steinkrabben, die Bakterienmatten abgrasten. „Soweit wir wissen, wurden bisher ein einziges Mal Tiefseekrabben beim Fressen an Bakterienmatten entdeckt", erläutert Linke. „Unser Team war das erste, dem auch eine fotografische Dokumentation über einen längeren Zeitraum gelang, der wissenschaftliche Interpretationen zulässt." Dafür wurde ein Tiefseeobservatorium mit einer Kamera versehen und über einer Bakterienmatte platziert. Über rund 400 Stunden löste die Kamera automatisch alle 30 Minuten aus. „Auf 184 Bildern waren Krebse zu sehen, die über die Bakterienschicht krochen und offenbar den Bakterienrasen abgrasten, beschreibt Niemann die Beobachtungen. „Nach dem ,Grasen' dauerte es jeweils einige Stunden, bis die Tiere zurückkehrten. So konnten immer neue Bakterien nachwachsen."

Mit dem Tauchboot ALVIN brachten die Meeresbiologen einen der Krebse an Bord ihres Forschungsschiffs ATLANTIS. Für den Vergleich mit den Bakterien zog der Tauchroboter QUEST von Bord der METEOR kurze Sedimentkerne aus dem Meeresboden. „DNA- und Isotopen-Analysen am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie ergaben, dass sich die Krebse tatsächlich von der Bakterienmatte ernähren und größere Mengen chemisch produzierten Kohlenstoffs aufnehmen. Wir haben in den Körperzellen aber auch Spuren von Kohlenstoff gefunden, der unter Lichteinfluss durch Photosynthese gebildet wurde", fasst Hauptautor Niemann die Ergebnisse zusammen. „Deshalb gehen wir davon aus, dass Cold Seeps einen wichtigen, aber nicht den einzigen Beitrag zur Ernährung von wandernden Tieren am Boden der Tiefsee leisten und auf diesem Weg Kohlenstoff, der durch Chemosynthese aus Methan gewonnen wird, ins marine Nahrungsnetz eingeht."

Originalarbeit:
Niemann, H.; Linke, P.; Knittel, K.; MacPherson, E.; Boetius, A.; Brückmann, W.; Larvik, G.; Wallmann, K.; Schacht, U.; Omoregie, E.; Hilton, D.; Brown, K.; Rehder, G.: Methane-carbon flow into the benthic food web at cold seeps - a case study from the Costa Rica subduction zone. http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0074894

Weitere Informationen:
http://www.geomar.de GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://duw.unibas.ch/home Department Umweltwissenschaften, Universität Basel, Schweiz
http://www.mpi-bremen.de Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Bremen
http://www.awi.de Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven

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Wie recycling- und reparaturfreundlich sind Tablets?

Georg Weigelt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM

Dieser Frage ist das Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM im Zuge eines internen Projektes nachgegangen. Hierfür haben die Forscher insgesamt 21 Tablets demontiert und auf ihre Recycling- und Reparaturfreundlichkeit getestet, darunter auch das Apple iPad mini, das Samsung Galaxy Tab 2 und das Asus Google Nexus 7. Die Untersuchungen wurden in Laboren des Fraunhofer IZM durchgeführt, die für Gerätedemontage und thermische Untersuchungen zur Verfügung stehen.

Dabei hat sich gezeigt, dass sowohl bei der Recycle- als auch bei der Reparierbarkeit große Unterschiede bestehen. Die Ergebnisse sind in einer umfassenden Studie veröffentlicht worden.

Aus dem Projekt ging folgender Zusammenhang hervor: Je hochwertiger und robuster ein Gerät ist, umso komplizierter lässt es sich demontieren. Eine aufwändige Demontage des Gerätes erschwert wiederum sowohl die Reparatur, als auch den Recycelvorgang.

In einigen Fällen ergibt sich aus dem Anspruch möglichst recycling- und reparaturfreundlich zu sein, ein Zielkonflikt. Zum Beispiel wäre eine Verschraubung von Einzelteilen eines Tablets für einen späteren Austausch einzelner Teile ideal. Für den Recycelvorgang hingegen ist die Verwendung von Plastikclips, die sich leicht aufbrechen lassen, vorteilhafter. Verklebte Bauteile sind dagegen sowohl für eine Reparatur als auch eine gute Materialtrennung problematisch, ermöglichen aber eine besonders flache Bauform.

Tablets enthalten eine Reihe von wertvollen, nicht-erneuerbaren Materialien, wie Edelmetalle, Aluminium und sortenreine Kunststoffe, deren Wiedergewinnung von großem Interesse ist. Aufgrund von Materialverbunden ist jedoch eine saubere Materialtrennung zum Recycling häufig erschwert. Dadurch gehen Wertstoffe potenziell verloren.

Für das Recycling ist es wichtig, den Akku rasch entnehmen zu können. Dies ist jedoch in der Regel nicht der Fall. Unter den geprüften Tablets befand sich lediglich ein Gerät für den Businessbereich, das (ähnlich wie für Laptops üblich) die Entnahme und somit auch den Wechsel des Akkus ermöglicht. Der Austausch kann auch für den privaten Nutzer relevant sein, wenn sich der Akku seinem Lebensende nähert. Wie viele Ladezyklen die Akkus von Tablets überhaupt mitmachen, ob es dabei Unterschiede bei den einzelnen Geräten gibt und ob die Akku-Lebensdauer überhaupt einen Austausch erfordert, wird derzeit in einem weiteren Projekt für das Umweltbundesamt in den Batterietestlaboren des Fraunhofer IZM untersucht.

Die Reparatur durch den Konsumenten ist bei der Mehrzahl der Geräte kaum möglich, ohne Teile des Geräts zu beschädigen. Meistens ist es nicht offensichtlich, wie ein Gerät am geeignetsten geöffnet werden kann. Dies erhöht die Gefahr unbeabsichtigter Schäden bei der Reparatur. In vereinzelten Fällen haben Hersteller aber ausführliche Serviceanleitungen ins Internet gestellt, die eine Reparatur deutlich vereinfachen.

Es ergeben sich auch enorme Unterschiede zwischen den Tablets bezüglich der Austauschbarkeit von defekten Einzelteilen. Zum Beispiel ist bei manchen Geräten das Touchpanel untrennbar mit dem LCD-Display verklebt. Im Falle eines Bruchs des Frontglases müsste demnach die ganze Displayeinheit ausgetauscht werden; bei anderen Geräten ist der Austausch nur des Touchpanels möglich.

Das Green Electronics Council, das die Mehrzahl der Tablets gestellt hat, betreibt EPEAT, ein Kennzeichnungssystem für die umweltfreundliche Beschaffung von Informations- und Kommunikationstechnologie. Es ist geplant, im Rahmen dieses EPEAT-Systems künftig auch eine Bewertung und Kennzeichnung von Tablets zu etablieren. Die vorliegende Studie des Fraunhofer IZM wird hierfür als Diskussionsgrundlage dienen, um geeignete Kriterien für Reparatur- und Recyclingfreundlichkeit zu erarbeiten.

Die Abteilung Environmental & Reliability Engineering des Fraunhofer IZM befasst sich seit vielen Jahren mit den Themen Zuverlässigkeit, Ökodesign und Umweltbewertung elektronischer Geräte, hat die Europäische Kommission umfassend zu technischen Fragestellungen beraten und arbeitet regelmäßig mit Herstellern auf dem Gebiet umweltfreundlicher Elektronik zusammen.

Kontakt:
Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM
Gustav-Meyer-Allee 25
13355 Berlin

Karsten Schischke
Tel: +49 30 46403-156
karsten.schischke@izm.fraunhofer.de

Weitere Informationen:
http://publica.fraunhofer.de/eprints/urn:nbn:de:0011-n-255111-18.pdf Link zur Studie
http://www2.izm.fraunhofer.de/Bilder/DEMONTAGE_PADS_FRAUNHOFER_IZM.ZIP

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Pilze - Haustiere der Biologie und Krankheitserreger

Thomas Richter Presse, Kommunikation und Marketing
Georg-August-Universität Göttingen

Pilze sind Gegenstand von zwei neuen internationalen Marie-Curie-Forschungsprojekten mit Beteiligung der Universität Göttingen. Die Göttinger Teilprojekte von „QuantFung" und „Fungibrain" sind an der Abteilung Molekulare Mikrobiologie und Genetik unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Braus angesiedelt.

Pilze - Haustiere der Biologie und Krankheitserreger
EU-Projekte: Göttinger Wissenschaftler untersuchen Bekämpfung und Nutzung von Pilzen

(pug) Pilze sind Gegenstand von zwei neuen internationalen Marie-Curie-Forschungsprojekten mit Beteiligung der Universität Göttingen. Pilze produzieren einerseits viele nützliche Substanzen wie das Antibiotikum Penicillin, andererseits sind pilzliche Krankheitserreger eine steigende Bedrohung für Menschen, Tiere und Pflanzen. Wissenschaftler des Projekts „QuantFung" nutzen die synthetische Biologie, um auf molekularer Ebene neue biologische Wirkstoffe für ganz unterschiedliche Anwendungen in den Bereichen Gesundheit und Ernährung zu gewinnen. Im Gegensatz dazu suchen Forscher am Projekt „Fungibrain" auf der zellulären Ebene mit genetischen und biochemischen Methoden nach Achillesfersen in der pilzlichen Informationsverarbeitung. Ziel ist hier eine wirksame Bekämpfung von Pilzpathogenen.

Die Göttinger Teilprojekte von „QuantFung" und „Fungibrain" sind an der Abteilung Molekulare Mikrobiologie und Genetik der Universität Göttingen unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Braus angesiedelt. Sie dienen der strukturierten Ausbildung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern aus ganz Europa. „Wir freuen uns, Teil zweier exzellenter Netzwerke zu sein, die internationale Forscher auf höchstem Niveau ausbilden", so Prof. Dr. Reiner Finkeldey, Vizepräsident für Forschung der Universität Göttingen. Daran beteiligt sind akademische Einrichtungen und industrielle Partner aus mehreren europäischen Ländern sowie verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und Bereichen. Die Europäische Union fördert die Marie-Curie-Projekte zunächst vier Jahre lang mit jeweils insgesamt rund vier Millionen Euro.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Gerhard Braus
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Biologie und Psychologie
Abteilung Molekulare Mikrobiologie und Genetik
Grisebachstraße 8, 37077 Göttingen
Telefon (0551) 39-3771
E-Mail: gbraus@gwdg.de

Weitere Informationen:
http://www.uni-goettingen.de/de/426285.html

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Wann sind Operationen notwendig, wann reichen konservative Methoden?

Elke Leopold Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie

Arthrose, Osteoporose und Rückenschmerz - an jeder dieser Erkrankungen leiden Millionen von Menschen in Deutschland. Für die auch als orthopädische Volkskrankheiten bezeichneten Leiden stehen gute operative Therapien zur Verfügung. Orthopäden raten jedoch dazu, zunächst konservative Behandlungsmethoden anzuwenden. Welche nicht-operativen Therapiemöglichkeiten es für Arthrose, Osteoporose und Rückenschmerz gibt und wann welche Operationen notwendig werden, erörtern Experten auf den Pressekonferenzen des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU), der vom 22.-25. Oktober 2013 in Berlin stattfand.

Fast jeder zehnte 45-Jährige leidet unter Arthrose. Osteoporose trifft rund 6,5 Millionen Menschen und von Rückenschmerzen ist fast jeder betroffen. Meist treibt erst der Schmerz diese Patienten in die Praxis eines Orthopäden und Unfallchirurgen. „Vordringlicher Wunsch der Betroffenen ist dann zunächst eine effiziente Schmerztherapie", erläutert Professor Dr. med. Bernd Kladny, Kongresspräsident des DKOU 2013 „Für Schmerzen bei Erkrankungen des Bewegungssystems und bei Verletzungen ist der Orthopäde und Unfallchirurg ausgewiesener Experte und kompetenter Ansprechpartner." Ihm stehe eine Vielzahl medikamentöser und nicht-medikamentöser Verfahren zur Verfügung.

Um eine individuelle effektive Therapie zu planen, muss jedoch zunächst diagnostiziert werden, welche strukturellen Veränderungen im Bewegungssystem für das Beschwerdebild verantwortlich sind. Nur so seien auch Folgeerkrankungen vermeidbar. Beispielsweise könne die Hälfte aller osteoporotisch bedingten Knochenbrüche durch eine adäquate Behandlung vermieden werden. „In Deutschland erhalten jedoch nur etwa 10 bis 20 Prozent der Patienten bei Osteoporose eine leitliniengerechte Therapie", so Kladny, Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Traumatologie an der Fachklinik Herzogenaurach.

Fester Bestandteil der Therapie von orthopädischen Volkskrankheiten ist in jedem Fall die regelmäßige Bewegung. Sie darf nicht auf die angeleitete Bewegungstherapie beschränkt bleiben, auch im Alltag sollten die Patienten körperlich aktiv sein. Denn Bewegung dient gleichzeitig der Prävention weiterer Schäden. Besonders deutlich wird dies bei der Osteoporose: „Kontinuierliche körperliche Belastung sorgt dafür, dass Knochenmasse aufgebaut wird und die Knochendichte zunimmt", erläutert Professor Dr. med. Andreas Roth, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Rheumatologie, Osteologie, Spezielle Orthopädische Chirurgie und Chirotherapie am Waldkrankenhaus Eisenberg. Immobilisation dagegen führe zu einem Verlust an Knochenmasse.

Zu einer effektiven Osteoporose-Prävention gehören daher die Schulung der Koordination, das Training der Muskelkraft und die Vermeidung von Stürzen. Außerdem sollten sich gefährdete Personen kalziumreich ernähren, auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D achten und Untergewicht vermeiden. Neben schmerzlindernden Mitteln stehen für die Therapie und Prävention der Osteoporose auch zahlreiche Medikamente zur Verfügung, die den Knochenaufbau unterstützen. „Mit einer Kombination all dieser konservativen Maßnahmen lässt sich eine Osteoporose in den meisten Fällen wirksam behandeln", betont Roth. Selbst wenn bereits eine Fraktur aufgrund von Osteoporose aufgetreten sei, müsse gerade im Bereich der Wirbelsäule nicht zwangsläufig operiert werden. In jedem Fall bedarf es aber schmerzlindernder Maßnahmen, damit der Patient rasch wieder mobil werde.

Auch zur Behandlung von Gelenkverschleiß und Rückenschmerzen gibt es vielfältige Optionen der nicht-operativen Behandlung. Für Kladny und Roth ist der Griff zum Skalpell daher erst die zweite Wahl. Mit Ausnahme von Notfallsituationen sollte eine Operation erst erfolgen, wenn die konservative Behandlung erfolglos bleibt. Eine zunehmende Verunsicherung der Patienten bei den zahlreichen Berichten über die Operationshäufigkeit in Deutschland dürfe aber nicht dazu führen, dass notwendige hilfreiche Operationen unterlassen werden. „Es bedarf eines gut abgestimmten Ablaufs in der Behandlung, in dem nicht-operative und operative Behandlungen ihren berechtigten Platz haben. Es geht nicht um entweder oder, sondern um sowohl als auch", so Kladny.

Weitere Informationen:
http://www.dkou.de

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Kanalreinigung wird intelligent - Lemgoer Forscher machen Kanalfahrzeuge fit

Julia Wunderlich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Ostwestfalen-Lippe

Kanalreinigung - Für jeden Hauseigentümer ein Thema, spätestens seit Dichtheitsprüfungen und Kostenübernahmen zum ersten Mal diskutiert wurden. Denn für defekte Kanäle muss nicht zuletzt er selbst aufkommen. Grund genug für Anbieter von Reinigungsmaschinen, Lösungen für eine gründliche und schonende Kanalreinigung zu finden. Schonend in Bezug auf den Einsatz von Ressourcen und ohne dabei den Kanal zu beschädigen. Forscher der beiden Institute der Hochschule OWL - das Institut für industrielle Informationstechnik (inIT) und das Institut für wirtschaftliche und technologische Unternehmensführung (IWT) - wollen nun den Kanalfahrzeugen „Intelligenz einhauchen".

Bei der beschaulichen lippischen Gemeinde Schieder-Schwalenberg denkt man für gewöhnlich an Trachtenfest, Fachwerkhäuser, Feld, Wald und Wiesen, aber gewiss nicht an High-Tech. Ein Irrtum! In Schwalenberg ist der Hauptsitz der Firma Müller Umwelttechnik, Hersteller von Kanalreinigungsfahrzeugen, eine Art Sondermaschinenbau für die Kanalreinigung. Hier entstehen zukünftig intelligente Kanalreinigungsfahrzeuge.

Nicht nur bei Kanalverstopfung und starker Verschmutzung, auch regelmäßig führen Kanalreinigungsfahrzeuge eine Reinigung der Kanäle durch. Diese ist kostspielig durch den Einsatz von Dieselkraftstoff. Die Fahrzeuge pumpen unter hohem Energieaufwand Wasser in den Kanal und saugen dieses wieder an. In der Maschine wird das Schmutzwasser anschließend aufbereitet und wiederverwendet. Die Qualität der Reinigungsleistung und der Verbrauch von Dieselkraftstoff schwanken, je nach Verschmutzungsgrad, Art des Kanals und anderer Einflüsse. Nur eine optimale Bedienung des Reinigungsfahrzeuges garantiert eine gründliche und schonende Reinigung. Aufgrund der hohen Anzahl von zu berücksichtigenden Parametern ist die Bedienung allerdings sehr komplex. Die Institute inIT und IWT versuchen daher gemeinsam mit der Firma Müller Umwelttechnik, den Reinigungsfahrzeugen eine eigene Intelligenz einzuhauchen: Das Fahrzeug soll selbst die Reinigungsleistung verbessern und gleichzeitig den Ressourcenaufwand verringern. „Ein System, welches den Reinigungsvorgang automatisch optimal einstellt und darüber hinaus lernt und sich ständig verbessert", erklärt Professor Oliver Niggemann vom inIT. Gute Gründe also, warum ein Hersteller von Kanalreinigungsfahrzeugen dieses Thema gemeinsam mit der Forschung aufgreift. Der Meinung ist auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, das mit dem eigenen ‘Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM)‘ das Projekt mit 500.000 Euro über zwei Jahre fördert.

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Mit drei Klicks am Ziel: Daten und Analysen zur beruflichen Bildung noch besser zugänglich

Andreas Pieper Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

BIBB-Datenreport 2013 im Internet nutzerfreundlich aufbereitet

Welche Ausbildungsberufe verzeichneten im Jahr 2012 die stärkste Nachfrage? Wie entwickelten sich die Zahlen in neuen Ausbildungsberufen oder dualen Studiengängen? In welchen Ausbildungsberufen haben Schulabgänger/-innen ohne Hauptschulabschluss am häufigsten einen Ausbildungsvertrag geschlossen? Daten und Analysen zu diesen und vielen anderen Fragen rund um die berufliche Aus- und Weiterbildung in Deutschland sind jetzt noch leichter zugänglich. Der Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2013 des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) steht ab sofort unter http://www.bibb.de/datenreport auch als HTML-Version zur Verfügung.

In Ergänzung zur Druckversion und einer im Internet bereitgestellten pdf-Datei erlauben Verknüpfungen innerhalb einzelner Kapitel und direkte Verweise auf weitere Quellen ein einfacheres und schnelleres Arbeiten. Die Internetversion des Datenreports umfasst zahlreiche Komfortfunktionen und ist für das Arbeiten am Bildschirm optimiert.

Die Kennzeichnungssprache HTML (Hypertext Markup Language) ermöglicht Verlinkungen zum direkten Vergleich der unterschiedlichen Jahrgänge sowie aller weiteren Informationsquellen, die im Datenreport verwendet werden. Einzelne Kapitel, Tabellen und Schaubilder können direkt heruntergeladen werden. Interessierte können so schnell die für sie relevanten Informationen erhalten.

Eine Fundgrube aktueller und zukunftsweisender Themen und Analysen mit einem breiten Datenangebot, Zeitreihen und vielschichtigen Ansätzen ist damit noch leichter erschließbar. Mit wenigen Klicks findet sich beispielsweise die Information, dass

• der Anteil der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Dienstleistungsberufen von 50 % im Jahr 1996 auf 59 % im Jahr 2011 gestiegen ist (Kapitel A4.4 „Berufsstrukturelle Entwicklungen in der dualen Berufsausbildung")

• die Zahl der dualen Studiengänge für die Erstausbildung auf 910, die Zahl der dort angebotenen Studienplätze auf über 64.000 angestiegen ist. Die Zunahme bei den Angeboten der Unternehmen betrug 12,5 %. Im vergangenen Jahr wurden ferner erstmals duale Studiengänge für die Weiterbildung in der Datenbank „AusbildungPlus" erfasst. Ihre Zahl betrug 474 (Kapitel A7.3). Interessant ist der deutliche Einfluss der Unternehmen auf das Fächerspektrum dualer Studiengänge: Duale Studienplätze werden in den Fächern angeboten, mit deren Absolventen/Absolventinnen die Unternehmen ihren künftigen Fachkräftebedarf decken möchten. (Tabelle A7.3-3)

• sich 455.100 Betriebe im Jahr 2011 an der Ausbildung beteiligten, wobei die Ausbildungsbetriebsquote nach Rückgängen in den beiden vorangegangenen Jahren noch einmal weiter gesunken ist (Kapitel A4.11.1 „Ergebnisse der Beschäftigungsstatistik zur Ausbildungsbeteiligung")

• sich der Anstieg der Auslandsaufenthalte in der Berufsbildung fortsetzt. Die Quote der international mobilen Auszubildenden und Berufsfachschüler/-innen ist auf ca. 4,0 % angestiegen. Insgesamt absolvierten im Jahr 2012 etwa 30.000 junge Menschen im Rahmen ihrer Erstausbildung einen Auslandsaufenthalt (Kapitel E 3).

Mit der HTML-Version werden alle Kapitel des Datenreports besser erschlossen. Hierzu gehören die Indikatoren zur beruflichen Weiterbildung (Kapitel B), das Schwerpunktthema „Digitale Medien -„Entgrenzung von Lernen und Arbeiten" (Kapitel C), die Bereitstellung detaillierter Informationen zur Förderung von Berufsbildungsinnovationen durch Programme, Modellinitiativen und Kompetenzzentren (Kapitel D) sowie Kapitel (E), das sich mit dem Monitoring im internationalen Kontext befasst.

Der Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2013 steht unter http://www.bibb.de/datenreport zur Verfügung.

Die Print-Version kann unter http://www.bibb.de/veroeffentlichungen/de/publication/show/id/6928 bestellt werden.

Druckfähige Abbildung unter http://datenreport.bibb.de/media2013/bibb_datenreport-2013_cover.pdf

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Massive Veränderungen im Ökosystem der Donau: Ein schneller Fisch und viele Folgen

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Sie sind Gewinner der Globalisierung: Tier- und Pflanzenarten, die sich neue Lebensräume erschließen. Zu den bekannteren Neuzugängen hierzulande zählt eine Pflanze - die beifußblättrige Ambrosia, die bei vielen Menschen Allergien auslöst. Auch Flussregionen verändern sich; vor allem mit dem Schiffsverkehr werden nicht-heimische Tierarten eingeschleppt. In der Donau haben Wissenschaftler beobachtet, wie eine Fischart innerhalb kürzester Zeit einen neuen Lebensraum erobert und ein neuartiges Ökosystem entsteht.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden Flüsse massiv für den Schiffsverkehr ausgebaut: Sie wurden begradigt, ausgebaggert, gestaut, ihre Ufer mit Steinschüttungen befestigt. Mit dem Klimawandel steigen auch die Wassertemperaturen. All dies bietet der Schwarzmundgrundel ideale Bedingungen. Diese Fischart lebt in der unteren Donau und an den Küsten des Schwarzen Meeres. Inzwischen hat sich ihr Lebensraum beträchtlich ausgeweitet: Sie ist im Oberlauf der Donau ebenso anzutreffen wie im Rhein, der Ostsee und den Großen Seen in Nordamerika.

Erstmals haben Wissenschaftler der Technischen Universität (TUM) in Zusammenarbeit mit der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM) untersucht, mit welchen Strategien die Schwarzmundgrundel neue Flussregionen erobert. Außerdem erforschten sie die Folgen für das Ökosystem und bestehende Nahrungsnetze.

Besiedlung der oberen Donau

Ihre Studien führten die Wissenschaftler an der Donau durch. „Die Schwarzmundgrundel gelangte erst vor wenigen Jahren in den Oberlauf der Donau. Vermutlich ist sie als blinder Passagier im Ballastwasser von Schiffen eingereist", erklärt Jörg Brandner vom Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie. Seither hat sich die Fischart in der bayerischen Donau von der Landesgrenze bis Regensburg fest etabliert.

Im Herbst 2009 wanderte die Schwarzmundgrundel in die Flussregion bei Bad Abbach ein, wo sie rasch eine stabile Population bildete. Von hier aus zogen einzelne Exemplare weiter flussaufwärts. Brandner: „Bereits im Herbst 2010, also ein Jahr später, haben wir die ersten Grundeln bei Kelheim gesichtet - das sind etwa 15 Kilometer stromaufwärts. Mit einer so schnellen Invasion hatten wir nicht gerechnet."

Einheimische Arten gehen zurück

Bei den Pionieren handelt es sich um besonders große und kräftige Tiere, die ein breites Nahrungsangebot nutzen und sich im Beutewettbewerb gegen andere Arten durchsetzen können. Nach und nach verdrängen die Neuankömmlinge angestammte Fischarten wie Barbe oder Aitel. Die Grundeln machen in ihren bevorzugten Habitaten - den Blocksteinufern - stellenweise bereits über 70 Prozent des gesamten Fischbestandes aus.

Doch auch unter den wirbellosen Tieren geht die Artenvielfalt zurück. Dies gilt insbesondere für Stein-, Köcher- und Eintagsfliegen, im neuen Siedlungsraum eine bevorzugte Beute der Eroberer. „Die Schwarzmundgrundel stellt sich schnell auf neue Lebensbedingungen ein, zum Beispiel, indem sie ihr Ernährungsverhalten ändert", sagt Prof. Jürgen Geist, Ordinarius am Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie. „Das macht diese Art so erfolgreich."

Exportartikel Ökosystem

Die Schwarzmundgrundel wanderte allerdings nicht allein aus dem Schwarzmeerraum ein. In deutschen Fließgewässern sind derzeit fünf Grundelarten aus dem Donauunterlauf auf dem Vormarsch. Und bereits vor diesen Fischen kamen viele exotische Schnecken-, Muschel- und Flussflohkrebsarten auch aus anderen Kontinenten in die obere Donau. Wie die Grundeln sind manche von ihnen gegenüber den heimischen Arten im Vorteil.

Geist erläutert die Zusammenhänge: „Ab einer gewissen Körpergröße ernährt sich die Schwarzmundgrundel von Mollusken und Flussflohkrebsen. Die einheimischen Arten sind oftmals die leichtere Beute, da sie noch keine Abwehrstrategien gegenüber den Neuankömmlingen entwickelt haben. Davon profitieren die zugewanderten Spezies."

Im Oberlauf der Donau hat sich so ein neuartiges Ökosystem mit bisher unbekannten Artenkombinationen etabliert - und nicht nur dort: Ähnliche Entwicklungen gibt es auch im Rhein und in den Großen Seen in Nordamerika. „Wir haben es mit einem besonders flexiblen und widerstandsfähigen Netzwerk verschiedener Arten zu tun, das sich perfekt in der neuen Umgebung einrichtet", sagt Geist. Mit gravierenden Folgen: „Die Artenvielfalt geht zurück - und der Verlust des ursprünglichen Ökosystems lässt sich nicht rückgängig machen."

Publikation:
Bigger is better: Characteristics of round gobies forming an invasion front in the Danube River, Joerg Brandner, Alexander F. Cerwenka, Ulrich K. Schliewen and Juergen Geist, PLOS ONE, http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0073036

Kontakt:
Prof. Dr. Jürgen Geist
Technische Universität München
Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie
T: +49 8161 71-3767
E: geist@tum.de
W: http://fisch.wzw.tum.de

Weitere Informationen:
http://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/kurz/article/31047

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Gezielte Ernährung stoppt Sehkraftverlust

Helena Reinhardt Pressestelle / Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Leipzig AöR

Augenmediziner am Uniklinikum Leipzig belegen mit Langzeitstudie Wirksamkeit von Lutein und Omega-3-Fettsäuren bei AMD

Durch eine gezielte Ernährung lässt sich die altersbedingte Makuladegeneration, kurz AMD, wirksam beeinflussen und die Sehkraft sogar verbessern. Das belegen Augenmediziner am Uniklinikum Leipzig in einer Langzeitstudie. Über ein Jahr wurden dafür erstmals 200 Teilnehmer mit einer speziellen Diät behandelt und begleitet. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse stützen die Erkenntnis: Die bisher kaum behandelbare trockene Makuladegeneration lässt sich durch unsere Ernährung beeinflussen.

Jeder dritte Deutsche über 60 ist davon betroffen: Durch die altersbedingte Makulaveränderung schwindet die Sehkraft. Die bisher nicht heilbare Erkrankung schränkt die Betroffenen im Alltag ein, da lesen oder fernsehen nur noch bedingt gut gelingt.

Etwa 4,5 Millionen Menschen sind allein in Deutschland betroffen, Auslöser sind Ablagerungen und Veränderungen der Blutgefäße an der Netzhaut. „Wir wissen, dass diese nicht nur altersbedingt sind, sondern auch durch die Lebensführung beeinflusst werden", erklärt Prof. Jens Dawczynski, stellvertretender Direktor der Augenklinik am Uniklinikum Leipzig und Leiter der Studie.

Essgewohnheiten lassen sich im Gegensatz zum Alterungsprozess aber gut beeinflussen. „Deshalb haben wir in unserer LUTEGA-Studie geprüft, ob bestimmte Nährstoffe die gestörten Stoffwechselprozesse am Auge wirksam wieder verbessern können." Untersucht wurde der Effekt einer täglichen Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels mit einer Kombination aus Lutein, Zeaxanthin und Omega-3-Fettsäuren. In der placebokontrollierten, doppelblinden Studie wurden bei 200 Studienteilnehmern mit einer trockenen Form der AMD-Erkrankung über 12 Monate hinweg die Konzentration der Stoffe im Blut ebenso gemessen wie die Beschaffenheit der Makula und die Sehkraft.

„Das Ergebnis hat unsere Hoffnungen bestätigt", so Prof. Dawczynski. „ Wir haben einen deutlichen Anstieg der Makulapigmente als Folge der Nahrungsergänzungsmitteleinnahme gesehen. Damit wird das mit einem Schwund dieser Pigmente verbundene Voranschreiten der Makuladegeneration gestoppt bzw. verlangsamt." Auch die Sehkraft der Studienteilnehmer hat sich als Folge der Nährstoffzufuhr stabilisiert und leicht verbessert. Diese Ergebnisse der Studie wurden aktuell in der Zeitschrift Graefes Journal of Clinical & Experimental Ophthalmologie veröffentlicht.

„Wir wissen damit jetzt sicher, dass wir die bisher kaum behandelbare trockene Makuladegeneration wirksam durch eine einfache, gezielte Diätberatung beeinflussen können", zeigt sich Prof. Jens Dawczynski begeistert. „Das ist eine große Chance und Hoffnung für unsere Patienten."

Auch wenn in der Studie die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln untersucht wurde, kann der Effekt auch durch natürliche Nahrungsmittel erzielt werden. Das benötigte Lutein steckt vor allem in grünem Gemüse wie Grünkohl oder Brokkoli, Omega 3 Fettsäuren in Seefisch. „Eine ebenfalls gerade erschienene amerikanische Studie zeigt, dass die Stoffe über das Essen sogar besser aufgenommen werden als über eine Kapsel", so der Leipziger Augenmediziner.

Kontakt:
Prof. Jens Dawczynski
stellv. Direktor der Klinik für Augenheilkunde, Universitätsklinikum Leipzig
Tel. 0341- 97 21621
E-Mail: jens.dawczynski@uniklinik-leipzig.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Wissenschaftler erforschen Sensor, der giftiges Gas in Biogasanlagen in kleinsten Mengen nachweist

Dr. Carola Jung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
INM - Leibniz-Institut für Neue Materialien gGmbH

Wenn Holz, Energiepflanzen und organische Abfälle durch Mikroorganismen vergären, entsteht Methan. In Biogasanlagen hergestellt, kann es im Zuge der Energiewende ins Erdgasnetz eingespeist werden, wenn es frei von Verunreinigungen ist. So dürfen Wasserstoff oder hochgiftiger Schwefelwasserstoff nur in sehr geringen Anteilen darin enthalten sein, um die Verbraucher vor Gesundheits- oder Explosionsgefahren zu schützen. Nun entwickelt das INM - Leibniz-Institut für Neue Materialien zusammen mit mittelständischen Unternehmen einen Sensor mit besonderen Eigenschaften, der Schwefelwasserstoff verlässlich in niedrigsten Konzentrationen über einen optischen Weg anzeigt.

Für den neuen Sensor wollen die Entwickler am INM eine Funktionsschicht aufbauen, die für den Nachweis von Schwefelwasserstoff (H2S) keinen Sauerstoff benötigt, denn dieser ist in Biogasanlagen nicht vorhanden. Außerdem soll die Schicht ermöglichen, dass der Sensor jederzeit auf Mengen von wenigen Hundertstel Prozent Schwefelwasserstoff reagieren kann und innerhalb kürzester Zeit ausschließlich auf Schwefelwasserstoff anspricht.

Dazu werden die Forscher am INM eine spezielle Funktionsschicht anfertigen, die beim Vorhandensein von Schwefelwasserstoff ihre Eigenschaften ändert. Sie wechselt zum Beispiel ihre Farbe, Farbdurchlässigkeit oder die Art der Lichtstreuung oder Reflexion. „Wir wollen dafür optische Analyseverfahren nutzen, die zurzeit noch nicht auf dem Markt erhältlich sind", sagt Peter William de Oliveira, Leiter des Programmbereichs Optische Materialien, „sie werden Kernpunkt unserer Neuentwicklungen sein."
Die Wissenschaftler erwarten, dass selbst bei wenigen Promille Schwefelwasserstoff im Gas eine entsprechende Antwort des Sensors auftritt. „Diese Änderungen können wir mit einem passenden Empfänger dann gut in ein Signal „zu viel Schwefelwasserstoff!!" umwandeln", fasst der Materialwissenschaftler zusammen.

Zwar gibt es am Markt derzeit verschiedene Anbieter für solche Sensoren. Sie sind jedoch aus unterschiedlichen Gründen für den Einsatz in Biogasanlagen nicht geeignet: „Viele dieser Sensoren funktionieren über chemische Reaktionen, bei denen Sauerstoff benötigt wird", erklärt der Chemiker. Andere Sensoren arbeiteten über elektrochemische Methoden oder über Chemolumineszenz. Sie seien entweder zu kostspielig, zu langsam oder zeigten nicht nur Schwefelwasserstoff sondern auch andere Gase an, sodass die Menge von H2S nicht eindeutig ausgewiesen werden kann.

Während das INM bei der Entwicklung der besonderen Schicht Feder führt, erarbeiten die beteiligten Mittelstandsunternehmen die dazugehörige Elektronik sowie die Technik für den Aufbau des gesamten Sensorsystems.

Hintergrund:
Gemeinsam mit den Mittelstandsunternehmen Materion GmbH, Wismar, und Sensolute GmbH, Eggenstein-Leopoldshafen, arbeitet das INM an der Entwicklung „neuartiger Sensorsyteme auf der Basis optisch schaltender Dünnfilme für die Überwachung regenerativ erzeugter Gase". Das Projekt „OptoSens" wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI) im Rahmen des Programms „Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand" (ZIM) gefördert. Gemeinsam wollen die Projektpartner Ende 2015 einen Sensor für die Produktion im Großmaßstab entwickelt haben. Das Fördervolumen für das INM beträgt 175.000 Euro.

Ansprechpartner:
Dr. Peter William de Oliveira
INM - Leibniz-Institut für Neue Materialien
Leiter Programmbereich Optische Materialien
Tel: 0681-9300-148
E-Mail: peter.oliveira@inm-gmbh.de

Das INM erforscht und entwickelt Materialien - für heute, morgen und übermorgen. Chemiker, Physiker, Biologen, Material- und Ingenieurwissenschaftler prägen die Arbeit am INM. Vom Molekül bis zur Pilotfertigung richten die Forscher ihren Blick auf drei wesentliche Fragen: Welche Materialeigenschaften sind neu, wie untersucht man sie und wie kann man sie zukünftig für industrielle und lebensnahe Anwendungen nutzen? Dabei bestimmen vier Leitthemen die aktuellen Entwicklungen am INM: Neue Materialien für Energieanwendungen, Neue Konzepte für Implantatoberflächen, Neue Oberflächen für tribologische Anwendungen sowie Nanosicherheit. Die Forschung am INM gliedert sich in die drei Felder Chemische Nanotechnologie, Grenzflächenmaterialien und Materialien in der Biologie. Das INM - Leibniz-Institut für Neue Materialien mit Sitz in Saarbrücken ist ein internationales Zentrum für Materialforschung. Es kooperiert wissenschaftlich mit nationalen und internationalen Instituten und entwickelt für Unternehmen in aller Welt. Das INM ist ein Institut der Leibniz-Gemeinschaft und beschäftigt rund 190 Mitarbeiter.

Weitere Informationen:
http://www.inm-gmbh.de
http://www.leibniz-gemeinschaft.de

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"Depression und Arbeitsplatz - Warnhinweise rechtzeitig erkennen und handeln"

Susanne Janicke Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stiftung Deutsche Depressionshilfe

10. Europäischer Depressionstag - 1. Oktober 2013

Der Europäische Depressionstag (European Depression Day = EDD) feiert Jubiläum. Zum 10. Mal jährt sich der jeweils zum 1. Oktober durch die European Depression Association (EDA) ausgerufene Tag. Inzwischen beteiligen sich 19 europäische Länder, deren Ziel es ist, über Depression und deren Behandlungsmöglichkeiten aufzuklären. „Noch viel zu häufig werden depressive Erkrankungen zu spät erkannt und vorhandene Behandlungsmöglichkeiten unzureichend genutzt", sagt Prof. Dr. Detlef Dietrich, Repräsentant der European Depression Association für Deutschland und Mitglied des wissenschaftlichen Gremiums der EDA. „Würden wir die Depression rechtzeitiger und häufiger diagnostizieren sowie eine rasche und nachhaltige Behandlung einleiten, wäre die Zahl der langfristig erkrankten Menschen deutlich geringer. Leider ist die Depression eine sehr häufige Erkrankung (etwa 10 bis 20 Prozent der Menschen sind im Laufe ihres Lebens betroffen). Sie ist auch die Erkrankung (in den industrialisierten Ländern im Vergleich zu allen anderen Krankheiten), die mit den meisten Lebensjahren einher gehen, in denen die Betroffenen unter schweren Beeinträchtigungen (engl. „disabilities = Behinderung") zu leiden haben. Die Beeinträchtigungen betreffen insbesondere das persönliche Wohlbefinden, das soziale Leben, die Familie und den Arbeitsplatz und resultieren aus der Vielzahl und Schwere mancher Symptome wie negative Stimmung mit Freudlosigkeit, Interessens- und Antriebsverlust, Schlaf- und Konzentrationsstörungen, körperlichen Beschwerden, Energielosigkeit, negative Gedanken bis hin zu Hoffnungslosigkeit und Suizidalität.

Die Beeinträchtigung jedes einzelnen Betroffenen und teilweise auch der Angehörigen sind gravierend. Der volkswirtschaftliche Schaden in den europäischen Ländern durch die Erkrankung (durch Fehlzeiten oder Beeinträchtigungen bei der Arbeit) wurde 2012 auf über 110 Milliarden Euro geschätzt. Eine Umfrage der EDA bei 7.000 Arbeitnehmern und Managern (IDEA survey = Impact of Depression in the Workplace in Europe Audit) förderte unter anderem folgendes zutage: Die durchschnittliche Anzahl der Fehltage durch die Depression betrug in Deutschland 41 Werktage pro Episode. Etwa zehn Prozent der Befragten waren betroffen. Leider empfanden sich nur ein Drittel der Manager in den Betrieben ausreichend informiert, wie mit von einer Depression Betroffenen umgegangen werden sollte. Der 10. Europäische Depressionstag widmet sich deshalb erneut dem Thema „Depression in der Arbeitswelt". „Ein geeigneter und nicht überfordernder Arbeitsplatz kann stabilisieren und wie ein Antidepressivum wirken", so Prof. Dietrich. Wichtige Aspekte sollten hierbei jedoch beachtet und Unterstützungsmöglichkeiten genutzt werden. Betroffene Arbeitnehmer/innen müssen manchmal selbst erst lernen, überlastende Anforderungen am Arbeitsplatz zu erkennen und gegebenenfalls anzusprechen, sich Raum für Erholung zu schaffen, soziale und emotionale Unterstützung (insbesondere durch die Familie und Freunde) zu nutzen, auch professionelle Hilfesysteme in Anspruch zu nehmen. Seitens der Arbeitgeber ist es wichtig, Vorgesetzte zu schulen, wie eine Depression bei Arbeitnehmern erkennbar sein kann und wie man sinnvoll darauf reagieren könnte. Bei der Rückkehr (nach der Erkrankung) an den Arbeitsplatz kann eine stufenweise Wiedereingliederung und Modifikation der Arbeitsqualität und/oder -quantität sinnvoll sein. Vorbeugend kann es hilfreich sein, Angestellte in Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen, ihre Freiheitsgrade zu erhöhen, z.B. familienfreundliche Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung zu gewähren, Anerkennung und Wertschätzung für geleistete Arbeit auszudrücken und soziale Unterstützung anzubieten.

Die European Depression Association gibt deshalb in diesem Jahr einen Leitfaden für betroffene Arbeitnehmer/innen und für Arbeitgeber heraus, der Anregungen für den Umgang mit depressiv erkrankten Menschen am Arbeitsplatz beinhaltet und Präventionsmöglichkeiten benennt (eine englische Version ist einzusehen unter www.euopeandepressionday.com; eine deutsche Übersetzung folgt in Kürze und wird unter www.european-depression-day.de erhältlich sein). Wir hoffen, dass diese von der EDA zusammengefassten Hinweise „einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Situation depressiv erkrankter Menschen am Arbeitsplatz darstellen werden", so Prof. Dietrich.
Das 10-jährige Jubiläum des Europäischen Depressionstages wird am 1.10. im Europäischen Parlament in Brüssel mit einer Pressekonferenz sowie einem anschließenden Konzert gefeiert.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Detlef E. Dietrich
Repräsentant der European Depression Association in Deutschland (EDA)
Ärztlicher Direktor
AMEOS Klinikum Hildesheim, Goslarsche Landstr. 60
D-31135 Hildesheim
Tel.: +49 (0)5121 103-249
E-Mail: ddie.psy@hildesheim.ameos.de

Weitere Informationen:
http://www.deutsche-depressionshilfe.de/pm-zehnter-europaeischer-depressionstag....

Anhang

"Depression und Arbeitsplatz - Warnhinweise rechtzeitig erkennen und handeln"
http://idw-online.de/de/attachment29686

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Bakterien zur Bekämpfung von Ölkatastrophen?

Susanne Hufe Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Internationale Forscherteams haben die Wirkungsweise von zwei Bakterienarten entschlüsselt, die künftig zur Bekämpfung von Ölkatastrophen eingesetzt werden könnten. Alcanivorax borkumensis wandele Kohlenwasserstoffe in Fettsäuren um und baue diese in die Zellmembran ein, schreiben Wissenschaftler der Helmholtz-Zentren für Umweltforschung und Infektionsforschung im Fachjournal Applied and Environmental Microbiology. Neue Erkenntnisse über das Bakterium Oleispira antarctica seien wichtig um die Anpassung an niedrige Temperaturen zu verstehen und könnten helfen, Strategien gegen Ölpests in Polarmeeren oder der Tiefsee zu entwickeln, schreiben Forscher im Fachjournal Nature Communications.

Bisher wurden bei Ölkatastrophen häufig Chemikalien eingesetzt, um das Öl aufzulösen, dadurch leichter abbaubar zu machen und von der Meeresoberfläche zu entfernen. Zur Bekämpfung der Ölpest im Golf von Mexiko, die durch die Havarie der Offshore-Ölbohrplattform „Deepwater Horizon" 2010 entstanden war und bei der etwa 700.000 Tonnen Rohöl ins Meer gelangt sind, sollen nach Angaben der US-Umweltbehörde EPA über sieben Millionen Liter dieser Chemikalien versprüht worden sein. Zu den bekanntesten zählten Dispergatoren mit dem Markennamen Corexit, die nach dem Tankerunglück der Exxon Valdez in Alaska 1989 entwickelt worden sind. Diese Stoffe sind jedoch wegen ihrer Nebenwirkungen für Umwelt und Menschen zunehmend in die Kritik geraten. Im Rahmen des EU-Projektes BACSIN haben daher Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern nach Alternativen gesucht. „Ein Ansatz könnte beispielsweise sein, ölabbauende Bakterien in ihrem Wachstum zu stimulieren oder z.B. durch Gefriertrocknung besser anwendbar zu machen, um sie leichter als Pulver über dem Ölteppich zu versprühen", erklärt Dr. Hermann J. Heipieper vom UFZ die Idee. „Allerdings sind noch viele Details zu klären bis eine solche Technologie zur Bekämpfung von Ölkatastrophen eingesetzt werden kann. Priorität sollte daher immer die Vorsorge haben. So sehr wir uns auch anstrengen, alle Reparaturversuche werden die Natur nicht in den ursprünglichen Zustand versetzen können. Ganz davon zu schweigen, dass Umweltschäden zu reparieren immer teurer ist, als diese zu vermeiden."

Ölabbauende Bakterien sind keine Erfindung des Menschen. Sie gibt es seit Millionen von Jahren. Neu ist lediglich die Menge des Öls, das bei Katastrophen ins Meer gelangt. Daher sucht die Wissenschaft nach Wegen, wie die natürlichen Abbauprozesse beschleunigt werden könnten. Im Fokus stehen dabei Kohlenwasserstoffaufbrechende - so genannte marine hydrocarbonoklastische - Bakterien. Diese Spezialisten in marinen Ökosystemen sind in der Lage, aliphatische Kohlenwasserstoffe abzubauen und als Energiequelle zu nutzen. Die Bakterien sind im Meerwasser weltweit verbreitet, aber nur in geringen Mengen. Stoßen sie auf Rohöl, dann vermehrt sich ihre Population stark. Es kommt zu einer eine Art Blüte, wie dies von marinen Algen bekannt ist. Trotz ihrer wichtigen ökologischen Bedeutung ist noch relativ wenig über die Vorgänge in den Zellen dieser Bakterien bekannt. Forscher des UFZ unter Leitung von Dr. Hermann J. Heipieper führten daher detaillierte physiologische und genomische Analysen der beiden Referenzstämme dieser Gruppe von Bakterien, Alcanivorax borkumensis und Oleispira antarctica durch, die über ein großes Anpassungspotenzial verfügen. Dies zeigt sich besonders in Veränderungen der Zelloberfläche, dem direkten Einbau der biologisch oxidierten aliphatischen Kohlenwasserstoffe in die Zellmembranen und die Regulierung von Genen zur Anpassung an Umweltstress.

Alcanivorax borkumensis ist ein im Meer lebendes Bakterium, das seinen Namen nach dem Fundort, der Insel Borkum, erhalten hat, aber weltweit gefunden wurde. Es gilt als einer der wichtigsten Organismen, die marine Ölverschmutzungen abbauen können. Trotzdem fehlten bisher Informationen zum Wachstum und zur Physiologie dieser Bakterien im Zusammenhang mit Kohlenstoffen verschiedener Kettenlängen. Die neuen Untersuchungen ergaben, dass das Bakterium besonders effektiv Alkane mit Kettenlängen zwischen 12- und 19-Kohlenstoffatomen verarbeitet. "Das Zellwachstum hat bestätigt, dass dieses Bakterium in der Lage ist, Zwischenprodukte der Fettsäuren nicht nur in den eigenen Körper einzubauen, sondern auch zu verändern", erklärt Heipieper.

Für die wesentlich kälteren Polarmeere oder die Tiefsee wäre dagegen Oleispira antarctica das geeignetere Bakterium. Es kommt mit Temperaturen um 5 Grad Celsius gut zurecht, wie sie zum Beispiel am Boden des Golfs von Mexiko herrschen. Mit elf Proteinkristallstrukturen hat es die größte Menge von Strukturen unter den kälteliebenden Mikroorganismen und deutlich mehr negative Ladungen an der Oberfläche als Mikroorganismen in gemäßigten Temperaturen. Auch wenn bei diesem Bakterium die meisten der Enzyme bei Kälte nicht mehr optimal funktionieren, so reicht es dennoch, um das Wachstum zu beschleunigen und andere Konkurrenten zu überholen, wenn plötzlich Rohöl als Nahrungsquelle zur Verfügung steht. Die Allgegenwärtigkeit dieser Bakterien ist ein Beleg für ihre ökologische Wettbewerbsfähigkeit in kalten Umgebungen. Das offenbart ihr Potenzial für die Entwicklung biotechnologischer Ansätze zur Bekämpfung von Ölpests in Polargebieten. Die neuen Erkenntnisse über die beiden Bakterienarten sind ein kleiner, aber wichtiger Schritt bei der Suche nach Alternativen zu den bisher eingesetzten giftigen Dispersionsmitteln. Tilo Arnhold

Publikationen:
Naether D.J., Slawtschew S., Stasik S., Engel M., Olzog M., Wick L.Y., Timmis K.N., Heipieper H.J. (2013): Adaptation of hydrocarbonoclastic Alcanivorax borkumensis SK2 to alkanes and toxic organic compounds - a physiological and transcriptomic approach. Appl. Environ. Microbiol. 79:4282-4293, in press. doi: 10.1128/AEM.00694-13
http://dx.doi.org/10.1128/AEM.00694-13
Die Studie wurde von der Europäischen Kommission im Rahmen des EU-Projektes BACSIN gefördert.

Kube M., Chernikova T.N., Al-Ramahi Y., Beloqui A., Lopez-Cortez N., Guazzaroni M.E., Heipieper H.J., Klages S., Kotsyrbenko O.R., Langer I., Nechitaylo T.Y., Lünsdorf H., Fernández M., Juárez S., Ciordia S., Singer S., Kagan O., Egorova O., Petit P.A., Stogios P., Kim Y., Tchigvintsev A., Flick R., Denaro R., Genovese M., Albar J.P., Reva O.N., Martínez-Gomariz M., Tran H., Ferrer M., Savchenko A., Yakunin A.F., Yakimov M.M., Golyshina O.V., Reinhardt R., Golyshin P.N. (2013): Functional genome analysis of Oleispira antarctica RB-8, a key oil-degrading bacterium in cold and deep marine environments. Nature Communications 4:2156, 23 July 2013. doi:10.1038/ncomms3156
http://dx.doi.org/10.1038/ncomms3156
Die Studie wurde von der Europäischen Kommission im Rahmen der EU-Projekte MAMBA, ULIXES, MAGIC PAH und MICROB3, von der Regierung Kanadas, den Nationalen Gesundheitsinstituten der USA, der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) sowie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Weitere Informationen:
Dr. Hermann J. Heipieper
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1694
http://www.ufz.de/index.php?de=4531
oder über
Tilo Arnhold, Susanne Hufe (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635, -1630
http://www.ufz.de/index.php?de=640

Weiterführende Links:
EU-Projekt "Bacterial abiotic cellular stress and survival improvement" (BACSIN)
http://www.unil.ch/bacsin
„Wie Agent Orange im Golf von Mexiko" (ZEIT.de vom 18.06.2010):
http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2010-06/oelpest-chemie-gesundheit
"Ölteppich: Bakterien sollen Dreckbrühe verputzen" (Spiegel.de vom 31.07.2006):
http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/oelteppich-bakterien-sollen-dreckbruehe...

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg mehr als 1.100 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
http://www.ufz.de/

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 35.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894). http://www.helmholtz.de/

Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=32058

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Was können Arbeitgeber konkret für Mitarbeiter mit Depression tun?

Susanne Janicke Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stiftung Deutsche Depressionshilfe

Wie hilft psychosoziales Coaching bei Langzeit-Arbeitslosigkeit?

Depression ist ein häufiges, allerdings beseitigbares Vermittlungshemmnis bei Langzeit-Arbeitslosen. Nicht nur im Berufsleben, sondern auch bei Langzeitarbeitslosen sind psychische Erkrankungen häufig, werden zudem oft nicht erkannt und bleiben somit unbehandelt. In der Folge verhindert die psychische Erkrankung oft eine Re-Integration in den Arbeitsmarkt. So fällt Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, zum Beispiel die Arbeitsplatzsuche, auf Grund der mit der Krankheit verbundenen Antriebslosigkeit, besonders schwer, und sie können sich krankheitsbedingt in Bewerbungsgesprächen oft nicht positiv darstellen. Diesem Problem Langzeitarbeitsloser kann jedoch erfolgreich begegnet werden, wie Modellprojekte in München und Leipzig zeigen, die in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur vor Ort ein zusätzliches Programm, das „Psychosoziale Coaching" anbieten.

Langzeitarbeitslose Personen mit psychischen Erkrankungen, die gar nicht oder nicht leitlinienkonform behandelt werden, können so identifiziert werden, um nach einer umfassenden Diagnostik bei entsprechender Indikation in das bestehende Versorgungssystem gelotst zu werden. Im Leipziger Projekt „Psychosoziales Coaching" im Rahmen der „Perspektive 50+" konnte gezeigt werden, dass tatsächlich über 90 Prozent der Klienten mit einer psychiatrischen Diagnose gar keine beziehungsweise keine leitliniengerechte Behandlung erhielten. Eine psychische Erkrankung kann allerdings nur dann als Vermittlungshemmnis beseitigt werden, wenn die Betroffenen eine regelrechte Behandlung erhalten. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe unterstützt deshalb die bundesweite Ausweitung der erfolgversprechenden Modellprojekte „Psychosoziales Coaching" im Rahmen der „Perspektive 50+". Die bisherigen Erfahrungen und Rückmeldungen im Rahmen dieser Projekte zeigen, dass auch für unter 50-jährige arbeitslose Menschen und speziell auch für arbeitslose Menschen unter 25 Jahren ein Bedarf für „Psychosoziales Coaching" besteht.

Aktionsnetz Depression am Arbeitsplatz
Auch im Berufsleben sehen sich Arbeitgeber häufig mit psychischen Erkrankungen, wie der Depression, von Mitarbeitern konfrontiert und stehen diesen vielfach immer noch eher unvorbereitet gegenüber. Mit dem Aktionsnetz Depression am Arbeitsplatz bietet die Stiftung Deutsche Depressionshilfe Führungskräften und Gesundheitsverantwortlichen in Unternehmen eine aktive Unterstützung. „Wissensdefizite seitens der Betroffenen und der Personalverantwortlichen in den Betrieben bezüglich der Symptome und Ursachen der Depression sowie ihrer Auswirkungen auf das Arbeits- und Sozialverhalten sind oft Ursache für eine verspätete oder suboptimale Behandlung", sagt Privatdozentin Dr. Christine Rummel-Kluge, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie und Geschäftsführerin der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, anlässlich des 10. Europäischen Depressionstages am 1. Oktober 2013. „Hier können wir Abhilfe schaffen: In Vorträgen und Schulungen informieren wir Führungskräfte über die Depression und andere psychische Erkrankungen. Durch die Wissensvermittlung und die Möglichkeit, in Rollenspielen das Gespräch mit erkrankten Mitarbeitern zu trainieren, erleben wir immer wieder, dass Führungskräfte einen besseren Zugang zu diesem Themenkomplex finden."

Depression ist nicht häufiger geworden, wird aber häufiger diagnostiert
Aktuelle Zahlen deutscher Krankenkassen zeigen: Der Anteil an Fehltagen durch psychische Erkrankungen steigt kontinuierlich. Krankheitsbedingte längere Ausfälle im Job und immer häufiger auch Berufsunfähigkeit sind Folgen depressiver Erkrankungen. Dabei zeigen wissenschaftliche Studien, dass Depressionen in Deutschland in den vergangenen Jahren aber nicht häufiger geworden sind. Vielmehr suchen sich heute mehr Betroffene als noch vor einigen Jahren professionelle Hilfe. Zudem wird die Depression - auch dank zahlreicher Aufklärungskampagnen - heute häufiger erkannt als früher.

Kontakt:
Privatdozentin Dr. Christine Rummel-Kluge (Geschäftsführerin)
Prof. Dr. Ulrich Hegerl (Vorstandsvorsitzender)
Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Semmelweisstr. 10, 04103 Leipzig
Tel.: 0341.97 24 49 3, Fax: 0341.97 24 59 9
info@deutsche-depressionshilfe.de
http://www.deutsche-depressionshilfe.de/

Stiftung Deutsche Depressionshilfe
Depression erforschen - Betroffenen helfen - Wissen weitergeben
Ziel der Stiftung Deutsche Depressionshilfe (Nachfolge des Kompetenznetzes Depression, Suizidalität) ist es, einen wesentlichen Beitrag zur besseren Versorgung depressiv erkrankter Menschen und zur Reduktion der Zahl der Suizide in Deutschland zu leisten. Forschungsförderung und Aufklärungsaktivitäten zum Thema Depression sollen dazu beitragen, Betroffenen zu einer optimalen Behandlung sowie mehr Akzeptanz in der Gesellschaft zu verhelfen.

Weitere Informationen:
http://www.deutsche-depressionshilfe.de/pm-zehnter-europaeischer-depressionstag.php

Anhang
http://idw-online.de/de/attachment29693

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Energiewende vergisst Wärme und Verkehr

Jochen Habermann Pressestelle
Forschungsstelle für Energiewirtschaft e.V.

Das deutsche Projekt „Energiewende" war bereits vor der Bundestagswahl eines der beherrschenden Themen in der letzten Legislaturperiode. Im Wahlkampf wurden bestimmte Einzelthemen zugespitzt, um griffige Wahlkampfaussagen zu generieren. Die Herausforderungen beim Umbau der Energiewirtschaft bleiben jedoch bestehen und müssen nun in der kommenden Legislaturperiode bewältigt werden.

In Bild 1 sind die Erfolge der Energiewende hin zu höheren regenerativen Anteilen der letzten drei Jahre dargestellt. Eine Stromwende ist bereits sichtbar - von einer „Wärmewende" oder auch „Mobilitätswende" kann jedoch angesichts stagnierender regenerativer Anteile von 10,4 bzw. 5,5 % nicht gesprochen werden.

Insbesondere im Wärmesektor mit einem Anteil von über 53 % am Endenergieumsatz bleiben die regenerativen Anteile unverändert. Die Ursache hierfür liegt hauptsächlich in der niedrigen Modernisierungs- und noch niedrigeren Neubauquote im Gebäudebestand von jeweils unter 1 % pro Jahr. Nimmt man das Ziel der Wärmewende mit einer Reduktion um 80 % der fossil getragen Wärmebereitstellung im Gebäudesektor bis zum Jahre 2050 ernst, müssen verstärkt Maßnahmen für den Gebäudebestand ergriffen werden. Neben der Verbesserung der Gebäudehülle kommt der dezentralen regenerativen Wärmebereitstellung im Gebäudesektor eine Schlüsselrolle zu.

In einer Arbeit an der Forschungsstelle für Energiewirtschaft wurde zum Beispiel das Potenzial der solarthermischen Wärmebereitstellung im Gebäudesektor mit einer Wohneinheit aufgezeigt. Die Ergebnisse zeigen technische Reduktionspotenziale von bis zu 25 % des Wärmeverbrauchs für diesen Bereich - aktuell liegt der solarthermisch gedeckte Anteil unter 2 %. Im Gegensatz zur viel diskutierten photovoltaischen Wärmebereitstellung können 2 bis 4-fach höhere Flächenerträge erreicht werden; weiterhin werden die Stromnetze in Zeiten geringer Einstrahlung und erhöhtem Wärmebedarf der Gebäude nicht auch noch zusätzlich belastet.

Schafft es die neue Bundesregierung, im Verkehrs- und insbesondere im dominierenden Wärmesektor Erfolge zu erzielen, darf man der „deutschen Energiewende" eine Vorbildfunktion auf breiter Ebene in Europa zusprechen. Beschränkt sich die Umsetzung jedoch weiter ausschließlich auf den Stromsektor mit seinem Anteil von weniger als 23 % im Energiemix, muss man sich am Ende vorwerfen lassen, die Energiewende einseitig vorangetrieben zu haben.

Weitere Informationen:
http://www.ffe.de/publikationen/pressemeldungen/470-energiewende-vergisst-waerme-und-verkehr

Originaltext der Pressemeldung

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Laser prüft Trinkwasser automatisch und schnell

Britta Widmann Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

Um Trinkwasser rein zu halten, prüfen Wasserexperten kontinuierlich dessen Bestandteile auf Schadstoffe. Hilfe kommt jetzt von der Lasertechnologie: Ein neues System kann Wasserproben automatisch und direkt im Wasserwerk analysieren.

Laser sind aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken: Sie drucken Dokumente, spielen CDs oder DVDs ab, fertigen durch Schweißen, Schneiden oder Biegen Fahrzeuge, vermessen Straßen, beobachten unseren Blutstrom oder entfernen Tumore aus unserem Körper. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Festkörperphysik IAF in Freiburg haben die Technologie nun für ein weiteres Anwendungsfeld optimiert: Ihr Quantenkaskadenlaser, ein spezieller Infrarotlaser, das Herzstück eines Analysators, kann automatisch Trinkwasser direkt im Wasserwerk prüfen. Wasserversorger sind so in der Lage, innerhalb weniger Minuten festzustellen, nicht nur ob, sondern auch mit welcher Substanz das Wasser verunreinigt ist. Der Analysator ist insbesondere darauf spezialisiert, gesundheitsgefährdende chemische Schadstoffe sofort zu identifizieren. »Die Apparatur testet direkt im ständigen online-Betrieb am Wasserwerk das Wasser auf gefährliche Inhaltsstoffe und ermöglicht bei Auffälligkeiten eine schnelle Reaktion«, fasst Dr. Frank Fuchs die Vorteile zusammen. Er koordiniert am IAF das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt »IRLSENS«.

Um die Bestandteile des Wassers zu überprüfen, nutzen die Experten die Molekülspektroskopie: Sie untersuchen die optischen Spektren der im Wasser enthaltenen Moleküle. Diese sind für jede chemische Verbindung einzigartig, da das einzelne Molekül bei charakteristischen Frequenzen schwingt und Licht absorbiert. Wasser selbst schluckt infrarotes Licht sehr stark und die bisher eingesetzten Lichtquellen liefern wenig Leistung. Daher war eine derartige Untersuchung bisher nur im Labor möglich. »Der Knackpunkt ist vor allem die Intensität des Lichts. Um direkt am Wasserwerk zu spektroskopieren, mussten wir eine leistungsstärkere Quelle finden«, erläutert Fuchs.

Wasserproben im laufenden Betrieb entnehmen

Der Quantenkaskadenlaser des IAF produziert bis zu 1000 Mal intensiveres Licht als der bisher im Labor verwendete thermische Strahler aus Siliziumcarbid. Per Infrarotstrahlung - im langwelligen, für das menschliche Auge nicht sichtbaren Bereich des Lichts - lassen sich Verunreinigungen des Wassers analysieren. Die für die Molekülspektroskopie relevanten Wellenlängen liegen zwischen 7,3 und 11 Mikrometern. Die Wasserproben müssen nun nicht mehr aufwändig und zeitintensiv im Labor präpariert, sondern können direkt im laufenden Betrieb entnommen werden. Das Messsystem ist nur wenig größer als ein Schuhkarton, funktioniert autonom und benötigt kaum Wartung.

Ein Demonstrator hat den ersten Praxistest bereits erfolgreich bestanden: Im badischen Wasserwerk Kleine Kinzig musste der Laser testweise eingebrachte Süssstoffproben in unterschiedlichen Dosen aufspüren. Sechs Wochen lang wurde alle drei Minuten gemessen. Insgesamt 21 000 Proben erfasste das System im vollautomatischen Betrieb. Das Ergebnis: Jede einzelne Probe wurde exakt erfasst. Es gab keinen einzigen Fehler. Auch die Bedenken hinsichtlich der Vibrationsanfälligkeit des Laserspektrometers erwiesen sich als unbegründet: Die laufenden Maschinen und Pumpen in der Maschinenhalle hatten keine negativen Auswirkungen auf das Testergebnis. Abhängig von der Nachfrage will der Projektpartner Bruker Optik, der den Demonstrator gebaut hat, das Messsystem zu einem Produkt weiterentwickeln.

Das deutsche Trinkwassersystem verfügt über sehr hohe Qualitätsstandards. Alle deutschen Wasserwerke lassen ihre Wasserproben in Laboren wie dem Technologiezentrum Wasser (TZW) in Karlsruhe regelmäßig prüfen. Gleichzeitig hat jedes einzelne Werk ununterbrochen Trübung, pH-Wert und elektrische Leitfähigkeit im Blick, um bei Auffälligkeiten sofort einzugreifen zu können. »Für den Fall solcher Auffälligkeiten ermöglicht die neuartige Lasertechnologie eine schnelle Identifikation von Gefahrstoffen vor Ort und kann die Wasserexperten bei ihrer Analyse der Lage unterstützen«, schließt Fuchs.

Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2013/Oktober/laser-prueft-trinkwasser-automatisch-und-schnell-5.html

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Klimawandel findet in den Regionen statt

Monika Landgraf Presse, Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

Klimawandel ändert unsere Welt grundlegend: So lautet der Tenor des aktuellen IPCC-Berichtes. Insbesondere die einzelnen Regionen der Erde werden sich auf die Auswirkungen einstellen müssen, seien es nun Dürren und Überschwemmungen, eingewanderte Pflanzen- und Tierspezies. Auf der 4. REKLIM-Konferenz am 8. Oktober in München stellen Forscher die neuesten Erkenntnisse für die Region Bayern vor.

4. REKLIM-Konferenz „Klimawandel in den Regionen"

Die globale Erwärmung hat für einzelne Regionen der Erde ganz unterschiedliche Folgen. Forscherinnen und Forscher aus neun Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft untersuchen Klimaänderungen auf regionaler bis globaler Skala und liefern damit die Grundlage für Anpassungs- und Vermeidungsstrategien. Die Konferenz befasst sich mit verschiedensten Aspekten dieses Themas und untersucht die regionalen und lokalen Wechselwirkungen und Mechanismen im Klimasystem mit detaillierten Beobachtungen, Prozessstudien sowie gekoppelten, regionalen Modellsimulationen.

Die diesjährige Regionalkonferenz in München setzt den Schwerpunkt auf Auswirkungen des Klimawandels und der Anpassung an den Klimawandel in Bayern. Im Fokus steht dabei der Zusammenhang zwischen Klimawandel und dem Lebenswandel unserer Gesellschaft. Müssen wir unseren Lebenswandel dem Klimawandel anpassen? Diese Frage wird unter anderem anhand der zukünftigen Wasserressourcen, der Luftqualität und der Auswirkungen auf die Gesundheit näher beleuchtet. Veranstalter sind das Helmholtzzentrum München (HMGU), das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen und der Campus Alpin des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in Garmisch-Partenkirchen.

Das Vollständige Programm der Konferenz finden Sie unter:
http://www.reklim.de/de/aktuelles_aktivitaeten/reklim_veranstaltungen/4_reklim_k...

Zu den Vortragenden der eintägigen Veranstaltung gehören:

Harald Kunstmann, KIT, spricht über die Frage, ob es in einer wärmeren Welt zuviel oder zuwenig Wasser geben wird.

Ernst Rauch, Munich Re, fragt „Klimawandel und Naturkatastrophen: Immer mehr, immer teurer?"

Annette Peters, HMGU, beleuchtet unter dem Titel „Krankes Klima - Kranke Menschen" die Verbindung Klima und Gesundheit.

Weiterer Kontakt:
Kosta Schinarakis, PKM - Themenscout, Tel.: +49 721 608 41956, Fax: +49 721 608 43658, E-Mail: schinarakis@kit.edu

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Thematische Schwerpunkte der Forschung sind Energie, natürliche und gebaute Umwelt sowie Gesellschaft und Technik, von fundamentalen Fragen bis zur Anwendung. Mit rund 9000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter knapp 6000 in Wissenschaft und Lehre, sowie 24 000 Studierenden ist das KIT eine der größten Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung - Lehre - Innovation.

Anhang
Klimawandel findet in den Regionen statt
http://idw-online.de/de/attachment29801

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Väter - eine unerforschte Spezies

Eva-Maria Reuber Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fachhochschule Dortmund

Ein neues Forschungsprojekt, an dem neben der FH Dortmund Hochschulen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt sind, nimmt eine weitgehend unerforschte Spezies in den Fokus: die Väter.

Welche Motive und Ziele haben Väter für ihren Nachwuchs und welchen Einfluss haben sie auf die soziale Entwicklung ihrer Kinder? In welchen Familienzusammenhängen füllen sie welche Rollen aus? Das und vieles mehr will die Psychologin Prof. Dr. Katja Nowacki von der Fachhochschule Dortmund herausfinden. „Für die Entwicklung von Kindern ist die Beziehung zu beiden Elternteilen wichtig. Doch anders als bei der gut erforschten Rolle der Mutter ist die Vaterrolle in der Forschung bislang vernachlässigt worden", sagt Katja Nowacki. In den Mittelpunkt ihres „Väterprojektes" stellt sie „Vaterschaft zwischen Jugendhilfeerfahrung und väterlicher Kompetenz" und nimmt hier Väter unter die Lupe, die selbst aus ungünstigen oder instabilen familiären Strukturen stammen. „Die Forschung über Väter in diesem Bereich beschränkt sich bislang, wenn überhaupt, eher auf die Rolle von Vätern als Täter", sagt die Professorin am Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften. „Bisherige Untersuchungen zeigen, dass vor allem die eigenen Erfahrungen in der Kindheit für die Erziehung der Kinder wichtig sind, weil diese auch die Vorstellungen vom eigenen Vatersein beeinflussen oder prägen". Eine interessante Forschungsfrage sei, wie sich Männer, die ihre eigene Sozialisation in solchen „broken homes" erfuhren, in ihre eigene Vaterrolle einfinden.

In einer Mischung aus Grundlagen- und Anwendungsforschung will die Sozialpsychologin in den nächsten Monaten mit verschieden Methoden austesten, wie gut die jeweilige Vater-Kind-Beziehung ist und über welche Ressourcen und Schutzfaktoren die Väter verfügen. Rund 150 Väter sollen im Rahmen des Dortmunder Projektes befragt werden. Zur untersuchten Gruppe gehören Väter, die ein leibliches oder ein Stiefkind großziehen, Väter in Patchwork-Familien oder Väter, die nicht mit ihrem Kind zusammenleben. Das Bindungsverhalten innerhalb von Familien ist ein Bereich, in dem Katja Nowacki bereits geforscht hat. So fließen Erfahrungen aus ihrer Studie zur „Bindungsentwicklung von Pflegekindern" in das neue Forschungsprojekt ein.

Langfristiges Ziel des Projektes ist es, Empfehlungen für Väter und für Fachkräfte in der Jugendhilfe zu entwickeln, die dazu beitragen, die Vater-Kind-Beziehung zu stärken. Prof. Nowacki: „Dafür möchten wir mit Vätern in einem geschützten Rahmen über ihre eigenen Kindheitserfahrungen und aktuellen Beziehungen sprechen und darüber, wie sie ihre heutige Vaterrolle verstehen. Uns interessiert darüber hinaus auch, zu beobachten, wie die Väter mit ihren leiblichen, Stief- oder Adoptivkindern umgehen".

Die Gesamtstudie

Das Dortmunder Forschungsprojekt ist Teil der internationalen Studie „Väteraufbruch", die von Forschenden aus Zürich, Wien, Freiburg, Kassel, Dortmund und Osnabrück getragen wird. (Siehe dazu auch: „Der unbekannte Vater", Der Spiegel, Wissenschaft, S. 120 - 123, 36/2013, 02. September 2013). Sechs Teilprojekte betrachten das Thema Vaterschaft jeweils aus einem anderen Blickwinkel. Besonders wichtig dabei ist, dass die Forschung in sämtlichen Einzelprojekten sich nicht auf die biologische Vaterschaft beschränkt, sondern auch die Fürsorge für Stief- oder Adoptivkinder Familien umfasst.
Die Forschungsfragen der fünf weiteren Teilprojekte sind thematisch breit gefächert. Sie untersuchen beispielsweise, was Männer bewegt, sich in der Kindererziehung zu engagieren (Prof. Dr. Ulrike Ehlert, Universität Zürich), ihre Balance zwischen Arbeit und Familie (Prof. Dr. Petra L. Klumb, Universität Freiburg), die Rolle von Stiefvätern (Prof. Harald A. Euler, Universität Kassel), Väter als wichtige emotionale Entwicklungsressource von gefährdeten Kindern (Lieselotte Ahnert, Universität Wien) oder Väter als Unterstützer bei der Entwicklung des eigenen Selbstbildes (Julius Kuhl, Universität Osnabrück).

Um die Rolle des Vaters wissenschaftlich aufzuarbeiten, haben sich die Forscherinnen und Forscher im vergangenen Jahr unter Leitung von Prof. Dr. Lieselotte Ahnert (Universität Wien) zum Central European Network on Fatherhood (Cenof) zusammengeschlossen und starten mit „Väteraufbruch" jetzt ihre erste gemeinsame Studie. Die Jacobs Foundation fördert die Forschungen drei Jahre lang mit insgesamt 2 Mio. Euro. Rund 280 000 Euro fließen davon an die Fachhochschule Dortmund.

Probanden gesucht

Für die Studie werden aktuell noch Väter aus dem Raum Dortmund gesucht, die Interesse an einer Teilnahme haben. Wer ein leibliches, ein Stief- oder Adoptivkind im Alter von etwa ein bis sechs Jahren hat und selbst als Kind Jugendhilfeerfahrung gemacht hat, kann sich melden unter E-Mail: vaeterprojekt@fh-dortmund.de; Tel. 0160-6607519; www.facebook.com/vaeterprojekt. Die Teilnahme an allen vorgesehenen Terminen wird mit Gutscheinen in Höhe von 100 Euro vergütet.

Kontakt:
Prof. Dr. Katja Nowacki, Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften, FH Dortmund,Tel. 0231 755-4984, E-Mail: katja.nowacki@fh-dortmund.de

Weitere Informationen:
http://www.fh-dortmund.de

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Flammschutzmittel ohne Gift

Britta Widmann Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

Elektronik, Fahrzeuge, Textilien - kaum ein Produkt kommt heute ohne Kunststoffe aus. Doch der Werkstoff ist leicht brennbar, er muss daher vor Flammen geschützt werden. Mit neuen Verfahren lassen sich umweltverträgliche Flammhemmer einfach herstellen.

Die Zahl ist besorgniserregend: Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 600 Menschen durch Wohnungsbrände. Oftmals war der Auslöser des Feuers ein kleines Teelicht. Sobald mehrere Gegenstände in Flammen stehen, schnellt die Temperatur im Raum auf bis zu 800 Grad, das Feuer greift rasch auf andere Zimmer über. Den Bewohnern bleibt nur wenig Zeit zur Flucht - nach Brandausbruch sind es gerade einmal zwei Minuten.

Heutzutage enthalten Wohnungen und Büros wesentlich mehr brennbare Materialien als noch vor Jahrzehnten: Möbel, Elektronik- und Elektrogeräte etwa bestehen größtenteils aus leicht entzündlichen Materialien. Ohne den Zusatz von Flammschutzmitteln würden diese Produkte unter Einfluss einer Zündquelle in kürzester Zeit lichterloh brennen. Beispielsweise geht ein Fernseher ohne die schützenden Additive nach acht Minuten in Flammen auf, während ein TV-Gerät mit Flammschutz nach dieser Zeit noch unbeschädigt ist. Am Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF entwickeln Prof. Dr. Manfred Döring und sein Team Flammschutzmittel (FSM) für polymere Werkstoffe, unter anderem für den Transportbereich, die Baubranche und für elektrische und elektronische Anwendungen. »Flammschutzmittel sollen Brände verhindern und die Ausbreitung des Feuers verzögern. Die Fluchtzeit erhöht sich auf bis zu 20 Minuten. Die Wahrscheinlichkeit, einen Brand unbeschadet zu überstehen, steigt somit deutlich«, so Döring.

Flammschutzmittel müssen hohe Anforderungen erfüllen

Doch die Anforderungen an die Flammschutzmittel sind hoch: Sie sollen umweltverträglich, für Mensch, Tier und Pflanzen unbedenklich sein und bei einem Brand keine zusätzlichen toxischen Rauchgase freisetzen. Darüber hinaus dürfen sie nicht aus dem fertigen Produkt in die Luft oder ins Wasser freigesetzt werden. Die Forscher müssen sicherstellen, dass das Flammschutzmittel nicht mit dem Kunststoff oder anderen Bestandteilen unerwünscht reagiert und damit das Material verändert oder dessen Funktionalität und Aussehen beeinflusst. »Flammgeschütze Berufskleidung etwa muss waschbar sein, ohne dass der Flammschutz dadurch beeinträchtigt wird. Leiterplatten in elektronischen Geräten müssen sowohl bei -40° C als auch bei +60 °C über viele Jahre flammgeschützt funktionstüchtig bleiben, damit bei einem möglichen Kurzschluss kein Brand entstehen kann«, sagt Döring. Daher stimmen der Wissenschaftler und seine Kollegen das Flammschutzmittel exakt auf den jeweiligen Kunststoff ab, wobei sie auf halogenfreie, toxisch unbedenkliche FSM setzen. Je nach Anwendung handelt es sich dabei um anorganische, phoshor- und stickstoffhaltige Verbindungen.

Vom 16. bis 23. Oktober stellen die Forscher auf der Messe K in Düsseldorf ein halogenfreies, polymeres Flammschutzmittel für Fasern vor, das sich beispielsweise für flammhemmend ausgerüstete Sitzbezüge eignet. Einzigartig ist die Einbringung des polymeren Flammschutzmittels während der Extrusion, einer in der Kunststoffindustrie gängigen Verfahrenstechnik: Die Wissenschaftler mischen ein fasergeeignetes Polymer mit einem flammgeschützten Polymer im Extruder - einem Fördergerät, das die zugeführte Kunststoffmasse verdichtet und unter Druck einem profilgebenden Werkzeug zuführt. Das FSM kann durch einfaches physikalisches Vermischen gleichmäßig im Grundpolymer verteilt werden. Der Vorteil für die Verarbeiter von Kunststoffen: Sie können nun erstmals die Quantität des Flammschutzpolymers selbst wählen und somit das flammhemmend ausgerüstete Polymer nach eigener Rezeptur produzieren.

Derzeit bauen die Forscher vom LBF ein Brandschutzlabor auf, das Ende 2014 mit einem breit gefächerten Leistungsangebot in Betrieb gehen soll: Die Chemiker und Ingenieure testen die Effizienz von Flammschutzmitteln in Polymeren und entwickeln Rezepturen für Kunststoffe wie Thermoplaste, Duromere und Composite. Zudem prüfen sie Systeme, die aus mehreren Komponenten bestehen und untersuchen sie auf ihre Effizienz - synergistische Abmischungen nennen die Experten diese Zusammensetzungen, die sich in ihrer Wirkung vervielfältigen. Darüber hinaus synthetisieren sie halogenfreie Flammschutzmittel und führen gegebenenfalls eine Maßstabsvergrößerung der Synthese durch. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig, schließlich müssen immer mehr Bauteile aus Kunststoff flammhemmend ausgerüstet werden.

Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2013/Oktober/flammschutzm...

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Zusammenhang von Kopfschmerz und Schlaf

Wolfgang Müller M.A. AWMF Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Schlafmedizinischer Kongress (DGSM) in Wiesbaden vom 17. bis 19. Oktober 2013

Wiesbaden. Aktuelle Forschungen zeigen, dass zwischen Kopfschmerz und Schlaf ein enger Zusammenhang besteht. Es gibt weit über 100 Kopfschmerzformen. 95% der Bevölkerung haben mindestens einmal in ihrem Leben Kopfschmerzen verspürt, drei von vier Kopfschmerzpatienten leiden gleichzeitig unter Schlafstörungen.

Ursächlich kann chronischer Schlafmangel zu unspezifischen Kopfschmerzen führen, umgekehrt aber auch Kopfschmerzen zu Schlafstörungen. Bei den schlafbezogenen Kopfschmerzformen wie Migräne, Clusterkopfschmerz, der Chronischen Paroxysmale Hemikranie (CPH) und der primäre schlafgebundene Kopfschmerz (Hypnic Headache Syndrom) hängen sie unmittelbar zusammen. Außer der Migräne handelt es sich um kurzdauernde, meist einseitige Kopfschmerzen.

„Die Kenntnis der schlafbezogenen Kopfschmerzformen ist wichtig, weil sie den Schlaf und nachfolgend die Tagesbefindlichkeit und Lebensqualität erheblich stören können", so die Neurologin und Schlafmedizinerin Prof. Dr. Svenja Happe aus Telgte, „jedoch sind sie nach korrekter Diagnose meistens gut zu behandeln. Die Behandlung erfolgt aufgrund spezieller Kriterien:
• Die Beschwerden bestehen in Kopfschmerzen während des Schlafes,
• mehr als 75 % der Kopfschmerzepisoden ereignen sich aus dem Schlaf heraus, die Beschwerden stehen im Zusammenhang mit der Diagnose der genannten Kopfschmerztypen
• die Untersuchung im Schlaflabor (Polysomnographie) zeigt ein Erwachen im Zusammenhang mit dem Auftreten von Kopfschmerzen, typischerweise im REM-Schlaf.

„Ein Zusammenhang mit anderen körperlichen Erkrankungen ist möglich, außerdem können gleichzeitig noch andere Schlafstörungen vorliegen", so Prof. Dr. Svenja Happe, die die aktuellsten Forschungsergebnisse zum Zusammenhang von Kopfschmerz und Schlaf auf der 21. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) e. V. in Wiesbaden vorstellt, bei der sich vom 17. bis 19. Oktober 2013 etwa 2000 Experten aus Wissenschaft, Klinik und Praxis über neue Erkenntnisse in allen schlafmedizinischen Bereichen austauschen. Nach der rasanten Entwicklung der Schlafforschung und Schlafmedizin in Prävention, Diagnostik und Therapie diskutieren die Experten neue Erkenntnisse und praktische Erfahrungen zur Bedeutung des Schlafes für Gesundheit, Leistung und Lebensqualität. Fallbeispiele aus der Praxis und Untersuchungen aus dem Schlaflabor werden mit Videobeispielen vorgestellt.

Alle Informationen zum DGSM-Kongress sowie das gesamte wissenschaftliche Programm gibt es unter www.dgsm-kongress.de.
Journalisten sind herzlich eingeladen, die Tagung zu besuchen, sich über die Themen zu informieren und zu berichten. Gern vermitteln wir Ihnen Gesprächspartner für Interviews! Die Akkreditierung ist über die Kongress-Homepage oder direkt über den Pressekontakt möglich.

Weitere Informationen:
http://www.dgsm-kongress.de Kongress-Homepage

Anhang
Kopfschmerz und Schlaf - PDF-Datei
http://idw-online.de/de/attachment29873

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Neues Zentrum für Wasserforschung - TU Dresden und UFZ bündeln ihre Kapazitäten

Kim-Astrid Magister Pressestelle
Technische Universität Dresden

Mit über 500 Forschenden entsteht in Sachsen und Sachsen-Anhalt eines der größten Zentren für Wasserforschung in Europa: „Das Center for Advanced Water Research (CAWR)". Der Kooperationsvertrag wird am Dienstag, dem 8. Oktober 2013, von der Technischen Universität Dresden und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) unterzeichnet. Beide Partner wollen durch das neue Zentrum ihre bereits bestehenden Kapazitäten bündeln, um so gemeinsam zur Lösung globaler Probleme der integrierten Wasserbewirtschaftung beizutragen. Mit dem CAWR bekommt die strategische Kooperation beider Partner eine neue Qualität.

Obwohl der Zugang zu sauberem Wasser von den Vereinten Nationen bereits seit 2010 als Menschenrecht anerkannt ist, leidet weltweit immer noch rund eine dreiviertel Milliarde Menschen an akutem Wassermangel. Mit zunehmender Bevölkerung werden sich diese Probleme in vielen Regionen der Erde weiter verschärfen. Schätzungen zufolge werden im Jahre 2050 bereits über zwei Milliarden Menschen in Regionen mit akuter Wasserknappheit leben. Adäquate Lösungsansätze aus einer über 100-jährigen Forschungstradition in Deutschland können helfen, die großen Herausforderungen im Wasserbereich zu bewältigen. „Mit der Gründung des „Center for Advanced Water Research" reagieren wir auf diese Herausforderungen mit integrierten Ansätzen. Komplexe Herausforderungen können nicht mit Einzellösungen bedient werden. Hand in Hand mit den wichtigsten Partnern zum Thema Wasser und nachhaltige Entwicklung wollen wir unsere wissenschaftlichen Kompetenzen bereitstellen, die Lehre strategisch entwickeln und einen erfolgreichen Transfer unserer Kompetenzen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft national und international ermöglichen", betont Prof. Dr. Hans Müller-Steinhagen, Rektor der TU Dresden. Sowohl für die TUD als auch für das UFZ steht das Thema Wasser an zentraler Stelle. „Bereits seit vielen Jahren kooperieren wir erfolgreich in nationalen und internationalen Projekten, in der Lehre sowie beim Aufbau der Water Science Alliance, der Plattform der deutschen Wasserforschungs-Community. Mit dem „Center for Advanced Water Research" wird die Region Dresden-Leipzig-Magdeburg-Halle zu einem internationalen Dreh- und Angelpunkt der Wasserszene", unterstreicht Prof. Dr. Georg Teutsch, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des UFZ.

Umfangreiche Aktivitäten
Wasserforschung ist an der TU Dresden mit rund 250 wissenschaftlichen Mitarbeitern und 25 Professuren eines der Schwerpunktthemen, die die Universität im Rahmen der Exzellenzinitiative definiert hat und bei dem sie auf die einmalige Konzentration an Hydrowissenschaften setzt.

Die lange Tradition der Hydrowissenschaften hat 2012 durch die Gründung des FLORES-Instituts der UN-Universität mit dem Thema „Wasser-Boden-Abfall" neue Impulse bekommen. Seit vielen Jahren bildet die TUD nicht nur Studenten auf diesem Gebiet aus, sondern bietet im Auftrag von UNEP und UNESCO über das Postgraduiertenzentrum CIPSEM zudem Führungskräften aus Entwicklungs- und Schwellenländern eine fundierte Ausbildung im Wasserbereich.
Wasserforschung bildet auch am UFZ mit rund 280 wissenschaftlichen Mitarbeitern und 23 gemeinsamen Professuren zusammen mit Partneruniversitäten einen Schwerpunkt. Das UFZ ist seit 2010 maßgeblich an der Entwicklung und am Aufbau der „Water Science Alliance", einem Netzwerk zur Stärkung der deutschen Wasserforschung auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene beteiligt und koordiniert die Forschungsaktivitäten des Helmholtz Wasser-Netzwerkes. Mit den TERENO- und TERENO-MED-Beobachtungsplattformen der Helmholtz-Gemeinschaft bringt es zudem eine große Forschungsinfrastruktur in die Partnerschaft ein.

Zu einem der zahlreichen Beispiele für die fruchtbare Kooperation zwischen TUD und UFZ zählt eine interdisziplinäre Studie, die sich - vor dem Hintergrund der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WWRL) - mit der Verbesserung der Gewässerqualität am Westlichen Bug, im Grenzgebiet zwischen Ukraine, Weißrussland und Polen, befasst hat. Die konkreten Arbeiten erstreckten sich dabei von naturwissenschaftlicher Forschung über sozialwissenschaftliche Forschung bis hin zum Aufbau von Kapazitäten und Verbandsstrukturen für Betreiber. Im Mittelpunkt standen Untersuchungen zu Herkunft, Transport und Abbau von Nähr- und Schadstoffen, was mit innovativen Entwicklungen und Kopplungen von Simulationsmodellen erreicht werden konnte. Damit die Ergebnisse der Forschung auch zur Anwendung kommen, wurden außerdem die politischen und sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen der Westukraine analysiert und aufgezeigt, wo die maßgebenden institutionellen und ökonomischen Hemmnisse für eine Umsetzung der Vorschläge liegen.

Integriertes Wasserressourcen-Management
Das „Center for Advanced Water Research" deckt ein breites Spektrum an Themen ab: Geforscht wird zu naturwissenschaftlichen Fragen der Wasserqualität, des integrierten Managements von Wasserressourcen in Trockengebieten und urbanen Räumen als auch zu sozialwissenschaftlichen Aspekten der Wasserpolitik und des Wandels von Gesellschaft und Klima. Neben der Forschung wird sich das Zentrum auch der Lehre und dem Transfer der Forschungsergebnisse widmen. Das „Center for Advanced Water Research" vereint die bisherigen Arbeitsgruppen beider Partner, wird durch ein Koordinationsbüro geleitet und durch einen internationalen Beirat unterstützt.

Gründungsveranstaltung:
Festliche Auftaktveranstaltung zur Gründung des „Center for Advanced Water Research" (CAWR) am 08. Oktober 2013, von 16:00 bis 20:00 Uhr, im Dülfersaal der TU Dresden (Dülferstr. 2, 01069 Dresden). https://www.ufz.de/index.php?de=31925
IWAS-Abschlusskonferenz am 09. Oktober 2013 in Dresden
http://www.ufz.de/iwas-sachsen/index.php?de=17427

Weitere Informationen:
Jörg Seegert
Technische Universität Dresden
Telefon: 0351-463-35477
http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/fakultaet_forst_geo_und_hydrowis...
und
Elisabeth H. Krüger
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1671
http://www.ufz.de/index.php?de=31419
oder über
Kim-Astrid Magister (TUD-Pressestelle)
Telefon: 0351-463-32398
http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/rektoratskollegium/stk/sg57/um_ps
und
Tilo Arnhold, Susanne Hufe (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635, -1630
http://www.ufz.de/index.php?de=640

Fachrichtung Hydrowissenschaften
http://tu-dresden.de/die_tu_dresden/fakultaeten/fakultaet_forst_geo_und_hydrowis...

Internationale WasserforschungsAllianz Sachsen
www.iwas-initiative.de

Flussgebietsmanagement in der Ukranine
Leidel, M., Niemann, S., Hagemann, N., (2012):
Capacity development as a key factor for integrated water resources management (IWRM): improving water management in the Western Bug River Basin, Ukraine. Environ. Earth Sci. 65 (5), 1415 - 1426
http://dx.doi.org/10.1007/s12665-011-1223-5

Wasserforschung am UFZ:
Water Science Alliance
www.watersciencealliance.de

Helmholtz Wasser-Netzwerk
www.helmholtz-wassernetzwerk.de

UFZ-Arbeitsgruppe CIWAS (inkl. Broschüren zum Thema Wasser):
http://www.ufz.de/index.php?de=30409

Weltwasserjahr 2013 der Vereinten Nationen:
http://www.unwater.org/water-cooperation-2013/en/

Die Technische Universität Dresden ist eine der Spitzenuniversitäten Deutschlands und Europas: stark in der Forschung, erstklassig in der Vielfalt und der Qualität der Studienangebote, eng vernetzt mit Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft. Als moderne Volluniversität bietet sie mit ihren 14 Fakultäten ein breit gefächertes wissenschaftliches Spektrum wie nur wenige Hochschulen in Deutschland. Sie ist die größte Universität Sachsens. Die große Campus-Familie der TU Dresden setzt sich zusammen aus 37.000 Studierenden und ca. 6.300 Mitarbeitern, von denen fast 3.400 haushaltsfinanziert sind - darunter knapp 500 Professoren - und ca. 2.900 als Drittmittelbeschäftigte arbeiten.
Am 15. Juni 2012 hat die TU Dresden in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder mit ihrem Zukunftskonzept „Die Synergetische Universität", dem Exzellenzcluster „cfaed - Center for Advancing Electronics Dresden" und den beiden Fortsetzungsanträgen „Center for Regenerative Therapies Dresden (CRTD)" und „Dresden International Graduate School for Biomedicine and Bioengineering (DIGS-BB)" aus der ersten Runde den Titel einer Exzellenzuniversität errungen. Sie ist damit eine der elf Exzellenz-Universitäten Deutschlands. http://tu-dresden.de/

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg mehr als 1.100 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
http://www.ufz.de/

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 35.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894). http://www.helmholtz.de/

Weitere Informationen:
„Center for Advanced Water Research" (CAWR)
http://www.cawr.de/

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Tinnitus - alles eine Sache der Gewöhnung?

Prof. Dr. Peter Kropp Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Medizinische Psychologie

Fähigkeit des Gehirns, sich an Geräusche zu gewöhnen, ist bei Tinnituspatienten offensichtlich gestört. Training kann gegensteuern.

Ohrgeräusche sind ganz normal und tauchen bei fast allen Menschen gelegentlich auf. Sind sie dauerhaft vorhanden, spricht man von einem Tinnitus. Tinnituspatienten sind häufig durch die dauerhaften Geräusche sehr beeinträchtigt. Eine Arbeitsgruppe aus Rostock ist nun dem Phänomen weiter auf den Grund gegangen und hat festgestellt, dass Tinnituspatienten, statt sich an immer wieder kehrende Geräusche zu gewöhnen, diesen sogar wachsende Aufmerksamkeit zukommen lassen. Es ist bekannt, dass bei Tinnitus-Patienten die kortikale Aufmerksamkeit oft verändert ist. Man geht bei diesen Menschen davon aus, dass der Tinnitus durch eine Fehlfunktion der neuronalen Verarbeitung verursacht wird, durch die Ohrgeräusche anstatt abgeschwächt zu werden eher verstärkt wahrgenommen werden. Der Kopf wendet die Aufmerksamkeit demnach stärker auf das Ohrgeräusch hin anstatt das Geräusch durch Abnahme der Aufmerksamkeit abzuschwächen. Den Vorhang der Abschwächung eines Signals oder Geräusches nennt man auch Habituation; man kann diese daran erkennen, dass ein tickender Wecker in der Nacht irgendwann nicht mehr stört. Die fehlende Aufmerksamkeit auf das Geräusch hin blendet das Ticken aus. Ganz im Gegensatz dazu kann fehlende Habituation zu einer Zunahme der Intensität des nächtlichen Wecker-Tickens führen, was dann als sehr störend empfunden werden kann.
Habituationseffekte lassen sich auch bei der Messung des Elektro-Enzephalogramms (EEG) feststellen. Dabei werden Töne präsentiert, wobei auf einen bestimmten Ton schnell mit Tastendruck reagiert werden muss. Normalerweise kann im Verlauf von 32 derartigen Durchgängen eine Habituation, also eine Abnahme der EEG-Kurven beobachtet werden. Die Arbeitsgruppe um den Medizinpsychologen Professor Peter Kropp aus Rostock konnte nun bei Menschen mit einer länger andauernden Tinnitus-Erkrankung zeigen, dass die EEG-Kurven sogar zunahmen. Und zwar umso stärker, je länger die Patienten bereits unter dem Tinnitus litten. Dies deutet darauf hin, dass mit zunehmender Erkrankungsdauer Ohrgeräuschen eine immer größere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Damit wird ein Teufelskreis in Gang gesetzt, durch den sich die Ohrgeräusche hartnäckig halten können.
„Die Erkenntnisse der Studie weisen deutlich darauf hin, dass beispielsweise die Tinnitus-Retraining-Methode, ein sehr erfolgreiches psychotherapeutisches Habituationstraining zur Behandlung des Tinnitus, das Übel offensichtlich an der Wurzel anpacken kann", sagt Prof. Kropp, der Leiter des Instituts für Medizinische Psychologie.... „Möglicherweise wird man in Zukunft die EEG-Kurven sogar nutzenkönnen, um den Patienten ihren Trainingserfolg direkt zurückzumelden und damit das Training noch effizienter zu gestalten."

Die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Psychologie (DGMP) ist eine interdisziplinäre Fachgesellschaft und befasst sich seit Jahrzehnten mit Forschung an der Schnittstelle von Psychologie und Medizin http://www.dgmp-online.de

Literaturverweis:
Kropp P, Hartmann M, Barchmann D, Meyer W, Darabaneanu S, Ambrosch P, Meyer B, Schröder D, Gerber WD (2012). Cortical habituation deficit in tinnitus sufferers: contingent negative variation as an indicator of duration of the disease. Appl Psychophysiol Biofeedback. 37(3):187-193. doi: 10.1007/s10484-012-9193-2.

Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie http://www.dgmp-online.de:
Prof. Dr. Peter Kropp, Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, Universitätsmedizin, Gehlsheimer Straße 20, 18147 Rostock http://www.imp.med.uni-rostock.de

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Studien unterschätzen Schutzeffekt von Darmspiegelungen

Dr. Stefanie Seltmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum

Bei einer Darmspiegelung können Darmkrebsvorstufen sicher erkannt und entfernt werden. Sie stellt damit eine sehr wirksame Maßnahme zur Krebsverhütung dar. Wie viele Erkrankungs- und Todesfälle sich durch eine Darmspiegelung tatsächlich verhindern lassen, wird derzeit intensiv erforscht. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums haben errechnet, dass der Schutzeffekt dabei deutlich größer ist als Studienergebnisse bisher vermuten ließen.

Um die Wirksamkeit von Früherkennungsuntersuchungen zu belegen, gelten - ähnlich wie bei der Beurteilung neuer Therapien - randomisierte kontrollierte Studien als Goldstandard. Bei diesem Studiendesign werden die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip der Untersuchungs- oder der Kontrollgruppe zugeteilt.

Die Auswertung der Studien schließt alle Teilnehmer ein. Bei Studien zu Früherkennungsuntersuchungen, wie z.B. der Darmspiegelung, nehmen Probanden aus der Untersuchungsgruppe die Untersuchung aber häufig gar nicht wahr. Umgekehrt lassen zahlreiche Teilnehmer aus der Kontrollgruppe außerhalb des Studienprotokolls eine Darmspiegelung durchführen, beispielsweise um einen medizinischen Verdacht abzuklären.

„Dadurch wird der Unterschied zwischen Studien- und Kontrollgruppe verwässert und der Schutzeffekt der Darmspiegelung erscheint geringer, als er tatsächlich ist", sagt Professor Hermann Brenner im Deutschen Krebsforschungszentrum. Mit seinem Team berechnete er nun, wie stark diese Unterschätzung ausfallen kann. Als Datengrundlage dienten vier abgeschlossene randomisierte Studien zum Wirksamkeitsnachweis der so genannten kleinen Darmspiegelung, der Sigmoidoskopie.

Die tatsächlichen Teilnahmeraten in der Untersuchungsgruppe lagen zumeist bei 70 Prozent oder noch darunter. Auf der anderen Seite hatten bis zu 50 Prozent der Probanden aus den Kontrollgruppen außerhalb der Screening-Programme im relevanten Zeitraum an einer Darmspiegelung teilgenommen.

Unter solchen Voraussetzungen würde beispielsweise eine tatsächliche Reduktion der Darmkrebs-Fälle und -Todesfälle durch die Darmspiegelung von 70 Prozent bei der üblichen Studienauswertung mit nur etwa 38 Prozent in Erscheinung treten. Würde tatsächlich die Hälfte aller Krebsfälle durch eine Darmspiegelung vermieden, fiele das Ergebnis in der Standard-Auswertung mit nur 23 Prozent deutlich weniger überzeugend aus.

„Randomisierte kontrollierte Studien geben Auskunft darüber, welchen Effekt das Angebot einer Früherkennungsuntersuchung auf die Darmkrebsraten in der Gesamtbevölkerung hat, für die die Untersuchung angeboten wird. Der Schutzeffekt tatsächlich durchgeführter Untersuchungen ist aber ungleich größer und sollte bei der Beratung zur Darmkrebsfrüherkennung auch korrekt kommuniziert werden", sagt Hermann Brenner.

Eher noch größere Diskrepanzen erwartet Hermann Brenner für die Studien zur „großen Darmspiegelung", der Koloskopie, die derzeit noch laufen. Der Grund dafür ist, dass hier mit noch geringeren Teilnahmeraten in der Untersuchungsgruppe zu rechnen ist Gleichzeitig nimmt der Anteil der Menschen im betreffenden Alter, die eine Darmspiegelung auch außerhalb des Screenings durchführen lassen, weiter zu.

Hermann Brenner, Christian Stock, Michael Hoffmeister: In the era of widespread endoscopy use, randomized trials may strongly underestimate the effects of colorectal cancer screening. Journal of Clinical Epidemiology 2013, DOI: 10.1016/j.jclinepi.2013.05.008

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Diese Pressemitteilung ist abrufbar unter www.dkfz.de/pressemitteilungen

Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

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Kosten der Umweltbelastung: Was uns saubere Luft wert sein sollte

Mark Fallak Öffentlichkeitsarbeit
Institut zur Zukunft der Arbeit

Die gesellschaftlichen Kosten von Luftverschmutzung sind offenbar deutlich höher als bislang angenommen. Darauf deutet eine Studie aus den USA hin, die das Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlicht hat. Demnach lassen sich durch eine niedrigere Ozonbelastung sowohl die Gesundheitsausgaben als auch die Sterblichkeitsrate spürbar reduzieren. Die Forscher analysierten ein Umweltprogramm, das in Teilen der USA einen Handel mit Emissionszertifikaten und eine Deckelung des Schadstoffausstoßes von Industrieanlagen einführte. In der Folge sank die sommerliche Ozonbelastung drastisch, was zu Einsparungen allein bei Arzneimitteln in Höhe von 900 Millionen Dollar pro Jahr führte.

Im Rahmen des Programms legte die US-Umweltschutzbehörde jährlich eine Obergrenze für den Ausstoß von Stickoxiden (NOx) fest, die für die Entstehung von bodennahem, gesundheitsschädlichem Ozon als hauptverantwortlich gelten. Im Jahr 2004 durften rund 2.500 betroffene Kraftwerke und Industrieanlagen in den Sommermonaten insgesamt nur noch 650.000 Tonnen Stickoxide ausstoßen. Ab 2005 reduzierte die Behörde die Deckelung auf 550.000 Tonnen pro Sommer. Zugleich führte sie einen Handel mit Emissionszertifikaten ein, der einen Anreiz zur weiteren Senkung der Emissionen bot und Umweltsünder finanziell bestrafte.

Die Autoren der Studie ermittelten neben der Ozonbelastung auch die entstandenen Kosten für "Abwehrmaßnahmen" durch medizinische Behandlung sowie indirekte Folgekosten in Form einer höheren Sterblichkeit. Durch einen Vergleich zwischen den 20 beteiligten Bundesstaaten und dem Rest der USA sowie vor und nach Inkrafttreten des Programms konnten die Wissenschaftler sicherstellen, dass sich die ermittelten Effekte unmittelbar auf das NOx-Programm zurückführen lassen. Jahreszeitliche Unterschiede flossen ebenfalls in die Studie ein.

Das Ergebnis: Durch einen drastischen Rückgang der Emissionen verringerte sich die durchschnittliche Ozonbelastung um mehr als sechs Prozent. Die Zahl der Sommertage mit gefährlich hohen Ozonwerten ging sogar um rund ein Viertel zurück. Da viele der betroffenen Unternehmen im ersten Programmjahr in Umwelttechnologien investiert hatten, sank der NOx-Ausstoß zu Beginn des zweiten Sommers praktisch über Nacht um 35 Prozent. In Folge der geringeren Gesundheitsbelastung reduzierten sich die Gesamtausgaben für Arzneimittel um 1,9 Prozent - das entspricht rund 900 Millionen Dollar jährlich. Eine ebenso hohe Summe kommt noch hinzu, wenn man den "ökonomischen Wert" des menschlichen Lebens mit einrechnet. Denn in den am NOx-Programm beteiligten Regionen gab es pro Sommer im Schnitt 2.200 weniger Todesfälle als sonst, insbesondere in der Altersgruppe über 75 Jahren.

Laut Studie übersteigt der gesellschaftliche Nutzen des Luftreinhaltungsprogramms die Kosten der Emissionsverringerung um mehr als das Doppelte. "In der aktuellen Diskussion um die Förderung grüner Technologien stehen meist die Kosten für Unternehmen und Verbraucher im Vordergrund. Unsere Untersuchung zeigt, dass der Preis unterlassener Umweltschutzmaßnahmen dabei häufig unterschätzt wird", sagt Mitautor Olivier Deschenes. Der Ökonom von der University of California koordiniert als Programmdirektor den IZA-Forschungsschwerpunkt "Umwelt und Beschäftigung".

Die englischsprachige Studie ist über die IZA-Homepage abrufbar:

Olivier Deschenes, Michael Greenstone, Joseph S. Shapiro:
Defensive Investments and the Demand for Air Quality: Evidence from the NOx Budget Program and Ozone Reductions
IZA Discussion Paper No. 7557
http://ftp.iza.org/dp7557.pdf

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Nach dem Rauchstopp geht das Herzinfarkt-Risiko wieder zurück

Prof. Dr. Eckart Fleck Pressesprecher
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie zum Europäischen Kardiologenkongress (ESC) in Amsterdam

Nach dem Rauchstopp geht das Herzinfarkt-Risiko wieder zurück - Wer mit 70 noch raucht, verliert vier Lebensjahre

Gute Nachrichten für Entwöhnungswillige bringt eine internationale Studie, die heute auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in Amsterdam präsentiert wurde. Sie zeigt, dass einmal aufgetretene Schäden an den Herzkranzgefäßen zwar nicht mehr vergehen, wenn Raucher dem blauen Dunst abschwören, dass ihr Herzinfarkt Risiko aber dennoch auf jenes von Nichtrauchern zurückgeht. Eine weitere im Rahmen des ESC Kongresses vorgestellte Arbeit zeigt, dass sich das Aufhören in jedem Alter lohnt und auch 70jährige noch an Lebenserwartung gewinnen, wenn sie das Rauchen bleiben lassen.

Dass es sich auch im höheren Alter noch lohnt, mit dem Rauchen aufzuhören, zeigen Daten aus der in Amsterdam präsentierten Whitehall-Studie, die den Gesundheitszustand britischer Beamter über längere Zeit abbildet. In einer Kohorte von Männern im Alter zwischen 66 und 97 Jahren zeigte sich für Raucher und Ex-Raucher ein deutlich höheres Sterberisiko als für jene Personen, die niemals geraucht hatten. Raucher hatten ein um 50 Prozent höheres Risiko zu versterben als Männer, die niemals geraucht hatten, wobei dafür mehrheitlich kardiovaskuläre Erkrankungen ausschlaggebend waren. Das Risiko der Ex-Raucher war im Vergleich zu den Niemals-Rauchern nur mehr um 15 Prozent erhöht. Männer, die bereits vor mehr als 25 Jahren mit dem Rauchen aufgehört hatten, zeigten überhaupt kein erhöhtes Risiko mehr. Ausschlaggebend für die höhere Sterblichkeit von Ex-Rauchern waren Krebs und Lungenerkrankungen. Umgerechnet auf Lebensjahre bedeuten diese Daten, dass 70jährige Raucher im Schnitt vier Jahre verlieren, wenn sie nicht mit dem Rauchen aufhören.

„Diese Daten zeigen, dass es sich für die Gesundheit in jedem Alter lohnt, das Rauchen bleiben zu lassen - je früher desto besser", sagt der Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Prof. Dr. Eckart Fleck (Deutsches Herzzentrm Berlin).

Die CONFIRM (Coronary CT Evaluation for Clinical Outcomes: An International Multicenter Study) Studie, ein Register mit mehr als 13.000 Patienten in neun Ländern, untersuchte, wieweit das Herzinfarkt-Risiko bei ehemaligen Rauchern zurückgeht, und kam zu überraschenden Ergebnissen. Ex-Raucher haben nämlich ein reduziertes Risiko, obwohl sich die durch das Rauchen verursachten krankhaften Veränderungen in den Herzkranz-Gefäßen nicht zurückbilden. Im Beobachtungszeitraum von zwei Jahren war das Risiko von Rauchern, einen Herzinfarkt zu erleiden, doppelt so hoch wie jenes der Nichtraucher. Zwischen Niemals- und Ex-Rauchern bestand kein Unterschied.

„Als nächstes müssen wir nun untersuchen, ob die Schädigungen in den Gefäßen der Ex-Raucher auf längere Sicht Probleme bereiten", so Studienautor Dr. James Min (New York-Presbyterian Hospital und Weill Cornell Medical College). „Auch ist noch unklar, welche Rolle die Menge der gerauchten Zigaretten spielt und wie schnell sich das Risiko nach dem Rauch-Stopp normalisiert."

Quelle: ESC Abstract 97 -- Smoking and risk of vascular and non-vascular mortality in old age: 15-year follow-up of 7000 men in the Whitehall resurvey; ESC Abstract P2071 -- Coronary artery disease extent, severity and risk among active smokers, past smokers and non-smokers: a prospective study of 13,372 patients undergoing coronary CT angiography

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 8200 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien.

Weitere Informationen unter www.dgk.org

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Bodenbakterien beeinflussen die Luftreinigung

Dr. Susanne Benner Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Chemie

Bakterien im Erdboden geben gasförmige salpetrige Säure direkt an die Luft ab

Ein internationales Team um Forscher des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz stellte fest, dass Bakterien in der obersten Bodenschicht beträchtliche Mengen Hydrogennitrit, besser bekannt als salpetrige Säure oder HONO, in gasförmiger Form an die Luft abgeben. Das Gas zerfällt bei Licht rasch in Stickstoffmonoxid und Hydroxylradikale. Letztere reinigen die Luft, weil sie diverse Schadstoffe oxidieren und so beseitigen. Die Erkenntnisse des Forscherteams bieten eine Erklärung, warum in der Atmosphäre mehr HONO gemessen wird, als aus den bekannten Quellen zu erwarten wäre.

Bereits vor einiger Zeit wiesen Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Chemie nach, dass aus Bodenproben HONO, also salpetrige Säure, freigesetzt werden kann. Wie nun eine neue Studie des Mainzer Instituts zeigt, geben Bodenbakterien das Gas auch direkt an die Luft ab und beeinflussen damit die Reinigung der Atmosphäre und den globalen Stickstoffkreislauf.

„Gemeinsam mit Kollegen haben wir vor zwei Jahren herausgefunden, dass das Gas aus Böden entweicht", erklärt Ivonne Trebs, Gruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Chemie. Die Forscher schlussfolgerten damals, dass der Boden umso mehr HONO freisetzt, je mehr Nitrit-Ionen er enthält und je saurer er ist. Unter diesen Bedingungen bildet sich aus dem Nitrit salpetrige Säure, die gasförmig in die Luft gelangen kann. „Dieser einfache chemische Bildungsweg lag zwar nahe, ist aber bis dahin nicht berücksichtigt worden", so Ivonne Trebs.

Robert Oswald und Michael Ermel, Doktoranden bei Ivonne Trebs, vermuteten bereits damals, dass Bakterien im Boden HONO auch direkt freisetzen können. Mikroben, die sich von Ammoniak ernähren und sich daher vor allem in neutralem bis leicht alkalischem Milieu wohl fühlen, sind zwar schon hinlänglich bekannt. Bisher dachten Mikrobiologen und Geoforscher jedoch, sie würden ihr Futter nur zu Nitrit umsetzen, das sich im Boden löst. Dass sie zudem auch Hydrogennitrit produzieren, das sie direkt an die Luft verströmen könnten, brachten dagegen erst die jungen Mainzer Forscher ins Spiel.

Um ihre Vermutung zu überprüfen, untersuchten die Wissenschaftler im Labor Bodenproben von 17 verschiedenen Ökosystemen. Die meisten Erdproben schickten ihnen befreundete Forschungsgruppen aus aller Welt nach Mainz. „Wir haben zum Beispiel Bodenproben von einem rheinhessischen Acker, aber auch aus einer Steinwüste in China und einem Eukalyptuswald in Australien untersucht", sagt die Umweltwissenschaftlerin Trebs.

Globale HONO-Emissionen hängen mit NO-Emissionen zusammen

Für jede Bodenprobe bestimmten sie, wie viel HONO und wie viel Stickstoffmonoxid (NO) die Erde ausgast. Dass Bakterien auf unterschiedlichen Wegen NO erzeugen und abgeben, ist bereits bekannt. „Diese Emissionen sind weltweit recht gut erfasst, weil auch NO ein wichtiges Spurengas ist und bei vielen chemischen Reaktionen wie etwa der Ozon-Bildung in der Atmosphäre mitmischt", erklärt Thomas Behrendt, der am Mainzer Max-Planck-Institut die NO-Emissionen von Böden misst. „Wir haben nun festgestellt, dass neutrale und alkalische Böden etwa genauso viel HONO abgeben wie NO, sodass wir aus den bekannten NO-Emissionen der Bodenbakterien auf ihre direkten HONO-Emissionen schließen können."

Den entscheidenden Hinweis auf die direkte bakterielle HONO-Bildung brachte aber ein einfaches Experiment: Die Forscher verglichen natürliche Bodenproben mit Proben, in denen die Bakterien abgetötet wurden. Aus den unbehandelten Bodenproben entwich viermal so viel HONO wie aus den sterilisierten Böden. „HONO wird durch Bakterien gebildet, die in der obersten Bodenschicht sitzen und Ammoniak oxidieren", sagt Michael Ermel. Zur Bestätigung stellte der Chemiker auch eine einfache Art künstlichen Boden aus Glasperlen her und gab Ammoniak-oxidierende Bakterien hinzu. Aus der Probe mit den Bakterien entwich viermal so viel HONO wie aus einer sterilen Vergleichsprobe, der die Forscher eine wässrige Nitrit-Lösung zusetzten.

Genauere Modelle der Atmosphärenchemie werden möglich

Den Messungen an den verschiedenen Bodenproben zufolge tritt am meisten salpetrige Säure aus einem Ackerboden aus, den die Forscher unweit von Mainz einsammelten. „Die Emissionen scheinen dann besonders groß zu sein, wenn die Erde abwechselnd mal feucht und mal trocken ist", erklärt Robert Oswald. Die feuchten Phasen brauchen die Bakterien offenbar, um besonders aktiv zu werden. Auch unter diesen Bedingungen stellen die Bakterien salpetrige Säure her, die teils als Nitrit im feuchten Boden verbleibt und teils als HONO in die Atmosphäre übergeht. In trockenem Boden geben die Mikroben das Gas hingegen direkt an die Luft ab.

Dass Bodenbakterien salpetrige Säure direkt an die Luft abgeben und somit die Selbstreinigung der Atmosphäre beeinflussen, berücksichtigen Modelle der globalen Atmosphärenchemie bisher nicht. „Unsere Erkenntnisse werden dazu beitragen, die Genauigkeit dieser Modelle zu verbessern", sagt Ivonne Trebs. So können die Forscher in Zukunft berücksichtigen, dass die bakterielle HONO-Quelle in vielen Regionen anders auf den Klimawandel und die zunehmende Trockenheit reagieren würde, als die bisher bekannten HONO-Emissionen. Künftige Untersuchungen dürften über solche Zusammenhänge noch mehr Klarheit bringen, so Ivonne Trebs: „Mit weiteren Labor- und Feldmessungen werden nun die global abgegebenen Mengen und die Details der HONO-Bildung im Boden bestimmt."

Originalpublikation:
R. Oswald, T. Behrendt, M. Ermel, D. Wu, H. Su, Y. Cheng, C. Breuninger, A. Moravek, E. Mougin, C. Delon, B. Loubet, A. Pommerening-Röser, M. Sörgel, U. Pöschl, T. Hoffmann, M.O. Andreae, F.X. Meixner und I. Trebs

HONO emissions from soil bacteria as a major source of atmospheric reactive nitrogen

Science, 13. September 2013; doi: 10.1126/science.1242266

Weitere Informationen:
http://www.mpic.de/presse/pressemeldungen/news/bodenbakterien-beeinflussen-die-l...

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Studienteilnehmer gesucht: Mütter und ihre Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren

Dr. Annette Tuffs Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Heidelberg

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg untersuchen die Auswirkungen belastender Kindheitserfahrungen von Müttern auf die Beziehung zu ihren Kindern

Wie wirken sich belastende Erfahrungen in der eigenen Kindheit auf die spätere Rolle als Mutter aus? Wie entwickeln sich Kinder, deren Mütter als Kind Missbrauch oder Misshandlungen erlebt haben? Und kann eine intensive Beratung mit Interaktions-Übungen die Mutter-Kind-Beziehung unterstützen? Diese Fragen untersuchen Wissenschaftler der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie und der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Heidelberg im Rahmen einer Studie, für die sie noch Teilnehmerinnen suchen. Mitmachen können Mütter mit Kindern im Alter von fünf bis zwölf Jahren. Es werden sowohl Mütter gesucht, die in ihrer Kindheit belastende Erfahrungen gemacht haben, als auch solche ohne entsprechende Erlebnisse.

Kindliche Signale wie Gesten, Laute, Lachen und Weinen nehmen Eltern wahr und interpretieren sie. Müttern, die in ihrer eigenen Kindheit Missbrauch oder Misshandlungen erlebt haben, fällt dies oft schwerer. Dies kann die Entwicklung der Kinder negativ beeinflussen. „Unser Ziel ist es, langfristige Auswirkungen belastender Kindheitserfahrungen besser zu verstehen - insbesondere in Hinblick auf die Elternrolle der Betroffenen. Wir wollen helfen, Strategien zur Bewältigung und Prävention zu entwickeln", sagt Professor Dr. Sabine Herpertz, Studienleiterin und Ärztliche Direktorin der Klinik für Allgemeine Psychiatrie.

Psychologische Interviews, Videoanalyse und auf Wunsch Beratung

Die teilnehmenden Mütter und deren Kinder werden sorgfältig untersucht: Neben einer Videoanalyse gemeinsamer Spielsituationen führen die Wissenschaftler psychologische Interviews mit Müttern und Kindern durch, erfassen die Entwicklungsdaten des Kindes sowie dessen Wohlergehen. Auch Gesundheitsparameter wie hormonelle Daten werden erhoben. Für die Mütter besteht die Möglichkeit, an einer Untersuchung im strahlenfreien Kernspintomographen teilzunehmen.

Im Anschluss bietet das Projekt bei Bedarf die Teilnahme an Beratungsgesprächen an, die dabei helfen können, die Beziehung zum eigenen Kind - angepasst an dessen Entwicklungsstand - bestmöglich zu gestalten.

Teilnehmende Mütter erhalten eine finanzielle Entschädigung, alle Angaben werden streng vertraulich und anonymisiert behandelt und ausgewertet.

Kinder und Jugendlich besser schützen

Die Studie ist Teil eines nationalen Forschungsverbundes zu „Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt", der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt rund 13 Millionen Euro gefördert wird. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche vor Gewalt und Misshandlungen besser zu schützen und das Thema Missbrauch zu enttabuisieren. Forschung zu Missbrauch ist in diesem Zusammenhang notwendig, um gezielte Behandlungs- und Präventionsstrategien definieren zu können. Das Heidelberger Universitätsklinikum ist mit dem Verbundprojekt „Von Generation zu Generation: Den Kreislauf der Misshandlung verstehen und durchbrechen (Understanding and breaking the intergenerational cycle of abuse, UBICA / Koordinator in Heidelberg: Prof. Dr. Romuald Brunner, stv. Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Heidelberg)" beteiligt.

Kontakt und Anmeldung zur Studie:
ubica.info@med.uni-heidelberg.de
Tel.: 06221/56 34438

Anfragen / Interviews:
Professor Dr. Sabine Herpertz
Ärztliche Direktorin der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 22751
E-Mail: sabine.herpertz@med.uni-heidelberg.de

Weitere Informationen im Internet:
- Homepage des Forschungsverbundes: http://www.ubica.de
- in Heidelberg: http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/UBICA.130356.0.html
- Klinik für Allgemeine Psychiatrie:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Klinik-fuer-Allgemeine-Psychiatrie.8791.0....
- Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Klinik-fuer-Kinder-und-Jugendpsychiatrie.2...

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 2.200 Betten werden jährlich rund 118.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.500 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

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Kommunale Energiewende: Projekt zur regionalen Energieflächenpolitik gestartet

Helke Wendt-Schwarzburg Wissenschaftskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
inter 3 Institut für Ressourcenmanagement

Ob Solarenergie, Windkraft oder Biomasse - Erneuerbare Energien brauchen Platz. Energiewende und Erneuerbare Energien-Gesetz haben daher die Nachfrage nach Flächen spürbar erhöht. Nun gilt es für die Kommunen zu überprüfen, welche Erneuerbaren Energien am besten auf welchen Flächen realisiert werden können. Die erforderlichen Instrumente werden bis 2016 in dem jetzt gestarteten BMBF-Forschungsprojekt „W³ - Regionale Energieflächenpolitik" erarbeitet und im Internet unter w3-energieflächenpolitik.de vorgestellt. Zum Forschungsteam unter Leitung des inter 3 Instituts für Ressourcenmanagement gehören die TU Berlin, BTU Cottbus und die Hochschule Anhalt sowie Praxispartner in drei Regionen.

Sonne, Wind, Biomasse - was gehört auf welche Fläche?

In der Stadt Uebigau-Wahrenbrück in Brandenburg sowie den Landkreisen Wittenberg in Sachsen-Anhalt und Tirschenreuth in Bayern forscht das Team zu der Frage, wie geeignete Flächen für Erneuerbare Energien optimal genutzt werden können und welcher politischen Prozesse und Reformen es dafür bedarf. Die drei Kommunen wollen Flächen in Wert setzen, zur Energiewende beitragen und Wertschöpfung für ihre Region erreichen.

„Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern und Praxispartnern verspricht spannend zu werden", sagt Dr. Susanne Schön, Gesamtprojektleiterin von inter 3. „Die Kommunen sind echte Vorreiter der kommunalen Energiewende. Sie wissen, wie wichtig der sorgfältige Umgang mit der knappen Ressource Fläche ist. Und wie man die Bürger mitnimmt auf den Weg. Wir helfen, diesen Prozess mit Daten, Entscheidungshilfen und guten Argumenten zu strukturieren."

Ab 2016 sollen die Kommunen mit einer GIS-gestützten Energieberatung für Kommunen, kurz GISEK, die Energiewende vor Ort vorantreiben, Energieverbrauch, Flächenpotenziale und Umweltrisiken regional abwägen, Interessen- und Nutzungskonflikte behandeln und akzeptable Lösungen für Umwelt, Bürger und Investoren finden können.

Erneuerbare Energien zwischen Widerstand und Wohlstand

Die Partnerregionen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Bayern sind ländliche Regionen, die die demografischen, energie- und klimapolitischen Herausforderungen der Zukunft aktiv gestalten wollen. Den Ausbau Erneuerbarer Energien möchten sie vor Ort transparent und umweltverträglich so gestalten, dass Bürger/innen und regionale (Land)Wirtschaft davon profitieren.

Die Stadt Uebigau-Wahrenbrück in Brandenburg ist als innovativer Energieort ausgezeichnet und gerade deutschlandweit zur Erneuerbare-Energiekommune des Monats Juli gekürt worden. Die Stadt setzt seit 2009 gezielt auf den Ausbau Erneuerbarer Energien, beispielsweise mit Nahwärmeprojekten auf der Basis von Waldrestholz und Biogas-Abwärme, dem Windpark Uebigau, Photovoltaikanlagen und der Energieholzplantage im Ortsteil Winkel. Eine Erneuerbare-Energie-Messe bringt regionale Anbieter, Betreiber und Kunden regelmäßig zusammen.

Der Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt versteht sich als Bioenergieregion und verfolgt das ambitionierte Ziel, gemeinsam mit den Nachbarlandkreisen Nordsachsen (Freistaat Sachsen) und Anhalt-Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) sowie dem strategischen Partner Dessau-Rosslau (Sachsen-Anhalt) bis zum Jahr 2030 100 Prozent der Energie auf Basis erneuerbarer Energien zu erzeugen.

Der Landkreis Tirschenreuth in Bayern treibt den Ausbau der Erneuerbaren Energien auf Grundlage des 2010 verabschiedeten Klimaschutzkonzepts aktiv voran. Davon zeugen 42 Biogasanlagen mit einer Gesamtleistung von 13.000 Kilowattstunden, mehrere Nahwärmenetze auf Restholzbasis bzw. mit Biogas-Abwärmenutzung sowie die Reststoffdeponie Steinmühle, wo bereits seit 1996 aus Deponiegas und seit 2012 mit einer PV-Freiflächenanlage Strom produziert wird. Mit seinen regionalen Akteuren setzt der Landkreis auch unter schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen erfolgreich Impulse für eine kommunale Energiewende mit regionaler Wertschöpfung.

Dr. Susanne Schön: „Die Energiewende muss von den Bürgern gewollt, von regionalen Betrieben gemacht und von den Kommunen gemanagt werden. Dafür wollen wir das Handwerkszeug liefern."

Energiewende sozial und umweltgerecht gestalten

Ziel des Projekts „W³ - Regionale Energieflächenpolitik" ist die Erarbeitung von Instrumenten, mit denen die Kommunen die Energiewende vor Ort sozial und umweltgerecht gestalten können. Hierzu gehören Energieszenario, Energie- und Ökobilanz sowie Akzeptanz- und Wohlstandsradar als Steuerungsansätze für regionale Energieflächenpolitik. Sie werden im GISEK zusammengefasst, der GIS-gestützten Energieberatung für Kommunen.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Fördermaßnahme „Umwelt- und gesellschaftsverträgliche Transformation des Energiesystems" bis 2016 mit knapp 1,3 Millionen Euro gefördert.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie in der Pressemitteilung im Anhang und auf der Internetseite.

Weitere Informationen:
http://w3-energieflächenpolitik.de

Anhang
Pressemitteilung W³ - Regionale Energieflächenpolitik

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Professor der Fachhochschule Kaiserslautern erfindet „Dachkraftwerk"

Dipl.-Kfm. Wolfgang Knerr Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fachhochschule Kaiserslautern

Neue Idee zur Windenergie-Nutzung zu den Greentec-Awards 2013 nominiert

Die Greentec-Awards unter der Schirmherrschaft des Bundesumweltministers gehören zu den bedeutendsten Wissenschaftspreisen Deutschlands und geben alljährlich insbesondere Umweltschutz-orientierten Ideen eine große mediale Bühne. Nun wurde die Idee von Prof. Dr. Kurt Spiegelmacher, der im Studiengang Technische Betriebswirtschaft am Campus Zweibrücken der Fachhochschule (FH) Kaiserslautern lehrt, zum „Galileo Wissenspreis", einer der Kategorien der Greentec-Awards 2013, nominiert.

Seit einiger Zeit hat sich Spiegelmacher, der in Otterbach bei Kaiserslautern wohnt, dem Themenfeld „Nutzung regenerativer Energien" gewidmet. Der Grundgedanke war, Windenergie nicht nur durch große und möglichst hoch aufragende Windräder mit den bekannten ästhetischen Einbußen des Landschaftsbildes zu schöpfen, sondern auch in besiedelten, natürlich vorzugsweise windreichen Gebieten jedem Gebäudebesitzer die Möglichkeit zu bieten, mit vergleichsweise geringen Investitionskosten einen Beitrag zur „Energiewende" zu leisten. Und dies quasi unsichtbar, also ohne die Umgebung zu verschandeln und ohne Genehmigungsprobleme zu bekommen.

Die verblüffend einfache Lösung ist eine neuartige Dach- und bei höheren Gebäuden auch Fassaden-Konstruktion, mit der anströmender Wind großflächig gesammelt und einer Reihe kleiner und preisgünstiger, in die Dachkonstruktion integrierter „Wind-Turbinchen" zugeführt wird. Auf der gegenüberliegenden Seite, der „Sog-Seite", wird die Luftströmung wieder abgeführt. Die Besonderheit der Erfindung sind kastenartige Dach- oder Fassadenmodule, die zum Teil architektonisch attraktiv gestaltbare Lufteinlass- und -auslassöffnungen besitzen und als ganz „normale" Dachbedeckung oder Fassadenverschalung Strömungsräume oder -kanäle bilden.

Prädestiniert ist die Nutzung natürlich in windreichen Gegenden der Welt, also in Küstenbereichen oder in Bergregionen. Dann kann der nutzbare Betrag dieser „kostenlosen" und umweltfreundlichen Energie bei 100 qm Dachfläche und 5 m/s mittlerer Windgeschwindigkeit schon bei rund 50 kWh/Tag elektrischer Energie und damit auf dem Niveau von Photovoltaik-Anlagen liegen. Modellberechnungen und ein erstelltes Modellhaus im Maßstab 1:200 haben schon die Funktionsfähigkeit und Machbarkeit der Lösung bestätigt. Prototypen der Dachmodule wurden auf innovative Weise mit einem 3D-Drucker geschaffen.

Bereits die Nominierung der Idee stellt einen Erfolg dar. Namhafte deutsche Unternehmen, wie VW und Siemens, sind in den verschiedenen Kategorien als Nominierte vertreten. In jeder der insgesamt 8 Kategorien wurden durch eine hochkarätige Jury drei innovative Lösungen nominiert. Ein Fernsehteam hat am 10.07. Aufnahmen zur Erfindung an der FH in Zweibrücken gemacht. Am 30.August 2013 werden im Rahmen einer Gala-Veranstaltung in Berlin mit bekannten Politikern, Künstlern, Wirtschaftsvertretern und Prominenten unter großer Beachtung der Medien die Preisträger bekanntgegeben. Ziel der durch eine Vielzahl von Sponsoren unterstützten Veranstaltung ist, die Arbeit von Wissenschaftlern und Erfindern zu würdigen und die Ideen einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Interessierte Unternehmen und Investoren sollen gewonnen werden, um die besten Ideen umzusetzen und den Menschen nützlich zu machen. Die Kategorie „Galileo Wissenspreis", in der Kurt Spiegelmacher nominiert ist, wird dabei zusätzlich durch den TV-Sender PRO7 besonders unterstützt.

Kurt Spiegelmacher beschäftigt sich auch in der Lehre mit Erfindungen und deren Patentierung, wovon insbesondere auch die Studierenden der Technischen Betriebswirtschaft profitieren. So können diese beispielsweise durch Mitwirkung bei einem seit Jahren beliebten und einzigartigen Erfinder-Workshop zu Miterfindern echter Patentanmeldungen werden.

Zum kommenden Wintersemester ist der Einstieg in den praxisorientierten Studiengang Technische Betriebswirtschaft noch problemlos möglich. Die Studiengänge sind zulassungsfrei und Interessierte können sich in den Wunschstudiengang bis einschließlich 31. August direkt online einschreiben. Informationen zu den Studiengängen und zur Online-Einschreibung unter www.fh-kl.de

Informationen im Internet:
Greentec-Awards: http://www.greentec-awards.com

Ihr Ansprechpartner:
Prof. Dr. Walter Kurt Spiegelmacher +++ Tel. dienstlich: 0631-3724-5262: Tel. privat: 06301-716333 / Tel. mobil: 0171-7124517 +++ Mail dienstl.: Kurt.Spiegelmacher@fh-kl.de

Weitere Informationen:
http://www.fh-kl.de - weitere Infos zur Pressemitteilung
http://www.greentec-awards.com - Infos zum Wissenschaftspreis

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Neue Empfehlungen der Ständigen Impfkommission veröffentlicht

Susanne Glasmacher Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Robert Koch-Institut

Pressemitteilung des Robert Koch-Instituts

Die STIKO, die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut, hat im Epidemiologischen Bulletin 34/2013 den neuen Impfkalender veröffentlicht. Hinzugekommen ist gegenüber dem Impfkalender von 2012 die Empfehlung für eine Rotavirus-Schutzimpfung bei Säuglingen. Veränderungen gibt es auch bei den Empfehlungen zur Hepatitis-B- und zur Influenza-Impfung.

Die neu empfohlene Rotavirus-Impfung wird als Schluckimpfung gegeben, die Impf-serie sollte im Alter von sechs bis zwölf Wochen beginnen und je nach Impfstoff bis zur vollendeten 24. oder 32. Lebenswoche beendet sein. Die Impfung kann zusammen mit anderen Standardimpfungen des Säuglingsalters erfolgen. Rotaviren sind die häufigste Ursache von Magen-Darm-Infektionen bei Kindern unter fünf Jahren. Jährlich kamen bislang etwa 20.000 Kinder in Deutschland aufgrund einer Rotavirus-Infektion ins Krankenhaus. Die STIKO empfiehlt, die Impfserie frühzeitig zu beginnen. Grund ist ein möglicherweise geringfügig erhöhtes Risiko für Darminvaginationen, das mit dem Alter der Impflinge zunimmt. Unter einer Darminvagination wird die Einstülpung eines Darmabschnitts in einen anderen Abschnitt verstanden. Eine (englischsprachige) Veröffentlichung zu den wissenschaftlichen Grundlagen der Empfehlung zur Rotavirus-Impfung ist in der Juli-Ausgabe des Bundesgesundheitsblatts bereits erschienen, die deutschsprachige Begründung erscheint im Epidemiologischen Bulletin 35/2013.

Bei der Hepatitis B-Impfung hat die STIKO die Dauer des Impfschutzes mit Hilfe einer systematischen Literaturübersicht über die weltweit verfügbaren Daten bewertet. Aus den Daten wird vor dem Hintergrund der epidemiologischen Situation in Deutschland die Schlussfolgerung abgeleitet, dass nach einer in der Kindheit oder im Erwachsenenalter erfolgreich durchgeführten Grundimmunisierung im Allgemeinen keine Auffrischimpfung notwendig ist. Wie bisher wird die Kontrolle des Impferfolgs empfohlen; dabei wird untersucht, ob im Blut eine bestimmte Konzentration von Anti-körpern erreicht wird. Die STIKO hat außerdem die in der bisherigen Hepatitis B-Impfempfehlung aufgeführten acht Indikationsgruppen in drei Indikationsgruppen zusammengefasst (die „Standardimpfung" gegen Hepatitis B im Säuglingsalter war nicht Gegenstand der Überarbeitung).

Bei der Influenza-Impfung empfiehlt die STIKO nun, bei Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren, bei denen wegen einer Grundkrankheit eine Impfung empfohlen ist, bevorzugt einen Impfstoff zu verwenden, der nicht mehr mit einer Spritze verabreicht, sondern in die Nase gesprüht wird. Damit erhofft sich die STIKO eine höhere Akzeptanz der jährlich zu wiederholenden Influenza-Impfung bei Kindern und Eltern und aufgrund der besseren Wirksamkeit eine größere Zahl vermiedener Krankheitsfälle. Im Vergleich zum Vorjahr wird die Influenza-Impfung jetzt nicht nur Personen empfohlen, die eine ungeimpfte Risikoperson betreuen, sondern auch Personen, die eine geimpfte Risikoperson betreuen. Grund ist, dass die Influenza-Impfung keinen 100%igen Schutz bietet. Das gilt insbesondere für ältere oder immungeschwächte Menschen, die somit auch bei Impfung indirekt von einem Impfschutz der sie betreuenden Personen profitieren.

Weitere Informationen:
http://www.stiko.de
http://www.rki.de/impfen

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Arztvergleich: Patienten sehen deutliche Unterschiede zwischen Fachgruppen

Ute Friedrich Pressestelle
Bertelsmann Stiftung

Arztbewertung von AOK, BARMER GEK, Techniker Krankenkasse und Weisse Liste: Internisten und Allgemeinmediziner erhalten am meisten Zustimmung, Hautärzte und Orthopäden am wenigsten

Die Patienten in Deutschland sind überwiegend zufrieden mit ihren Haus- und Fachärzten. Jedoch sehen sie teils deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Fachgruppen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Patientenbewertungen im Arztvergleichsportal der Weissen Liste und den darauf basierenden Portalen von AOK, BARMER GEK und Techniker Krankenkasse (TK). Die Weisse Liste ist ein gemeinsames Projekt der Bertelsmann Stiftung und der Dachverbände der größten Patienten- und Verbraucherorganisationen.

Insgesamt würden rund 85 Prozent der Teilnehmer ihren Arzt weiterempfehlen. Dabei schneiden Internisten und Allgemeinmediziner mit Weiterempfehlungsraten von 89 bzw. 88 Prozent am besten ab. Hautärzte (62 Prozent) und Orthopäden (64 Prozent) erhalten im Schnitt deutlich geringere Zustimmungswerte. Am wichtigsten ist den teilnehmenden Patienten, dass niedergelassene Ärzte gut mit ihnen kommunizieren. Sie möchten, dass die Ärzte auf ihre Fragen, Ängste und Sorgen eingehen und ihnen gut zuhören. Auch für diesen speziellen Bereich erhalten Internisten und Allgemeinmediziner am meisten Zustimmung, Hautärzte und Orthopäden am wenigsten. (Eine Liste mit den Weiterempfehlungsraten aller Fachgebiete findet sich unter der Pressemitteilung.)

Die Auswertung zeigt auch: 17 Prozent der Patienten fühlen sich manchmal bedrängt, Leistungen in Anspruch zu nehmen, die ihre Krankenkasse nicht übernimmt. Am seltensten nehmen die Teilnehmer das Angebot von Zusatzleistungen bei Kinderärzten (8 Prozent) und Neurologen (12 Prozent) wahr, am häufigsten bei Augenärzten (37 Prozent) und Orthopäden (27 Prozent). Zudem lässt sich erkennen, dass es auch zwischen einzelnen Ärzten einer Fachgruppe deutliche Unterschiede gibt. So erreicht zum Beispiel jeder zehnte Orthopäde bei seinen Patienten nur eine Weiterempfehlungsrate von unter 40 Prozent. Mehr als ein Drittel der Orthopäden schneiden hingegen deutlich besser ab: Sie werden von 80 bis 100 Prozent ihrer Patienten weiterempfohlen.

Mit dem unabhängigen und kostenfreien Arztvergleichsportal wollen die Initiatoren Patienten eine verlässliche Hilfestellung für die Suche nach einem passenden Arzt geben. Die Bewertungen beruhen auf einem wissenschaftlich fundierten Fragebogen und werden im Portal erst freigeschaltet, wenn eine Mindestzahl von fünf Bewertungen für einen Arzt vorliegt. Teilnehmen können die Versicherten von AOK, BARMER GEK und TK. Bis jetzt haben sie rund 270.000 Bewertungen für rund 70.000 einzelne Ärzte abgegeben. In die Analyse eingeflossen sind rund 250.000 Bewertungen zu Haus- und Fachärzten.

Arztbewertung ab heute auch per App oder über http://www.aerzte-gut-finden.de

Ab heute kann der Arztvergleich auch mobil genutzt werden: AOK, BARMER GEK, TK und Weisse Liste bieten kostenfreie Apps zur Arztbewertung und Arztsuche für Smartphones an. So können Patienten auch unterwegs nach Ärzten suchen und die Bewertung direkt nach einem Arztbesuch vornehmen. Zudem starten die Partner eine Aktion mit dem Titel "Ärzte gut finden". Ziel dieser Aktion ist es, noch mehr Versicherte darauf aufmerksam zu machen, dass sie mit ihrer Arztbewertung anderen helfen können, einen passenden Arzt zu finden. So sind der Arztvergleich und der Einstieg in die Bewertung ab heute auch über eine neu geschaffene, zentrale Seite möglich: http://www.aerzte-gut-finden.de

Jürgen Graalmann, Geschäftsführender Vorstand des AOK-Bundesverbandes:
„Das Ergebnis der Auswertung ist erfreulich: Die Patienten finden ihre Ärzte gut. Zufrieden sind sie vor allem mit den Hausärzten. Wir sehen aber auch, dass es Unterschiede gibt - auch zwischen den einzelnen Ärzten eines Fachgebiets. Die Versicherten machen mit ihrer Bewertung im AOK-Arztnavigator und in den Portalen unserer Partner die Unterschiede deutlich und geben anderen Patienten Orientierung."

Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellv. Vorstandsvorsitzender der BARMER GEK:
„Internist ist nicht gleich Internist und Hautarzt nicht gleich Hautarzt. Deshalb ist die Bewertung jedes Doktors durch möglichst viele Patienten so wichtig. Mit jeder neuen Bewertung wächst die Aussagekraft sowohl für Patienten als auch für Ärzte. Und mit der mobilen App wird sie für viele Patienten einfacher und attraktiver."

Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung:
„Patienten erleben tagtäglich, was in Arztpraxen aus ihrer Sicht gut und was weniger gut läuft. Ihre Erfahrungen sind ein bedeutender Wissensschatz. Diesen Schatz gilt es weiter zu heben, wenn wir Verbesserungen erreichen wollen: Mehr Orientierung für Patienten und mehr Qualität in der Versorgung."

Dr. Jutta Hundertmark-Mayser, Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen:
„Durch die Möglichkeit zur Bewertung erhalten Patienten eine Stimme. Sie können ihre Ärzte empfehlen, aber auch kritische Rückmeldungen geben. So wird das Gesundheitssystem für alle Seiten transparenter."

Weiterempfehlungsraten nach Fachgebiet (n= 249.256 Bewertungen bundesweit)
- Gesamt-Durchschnittswert: 85 Prozent
- Innere Medizin: 89 Prozent
- Allgemeinmedizin: 88 Prozent
- Urologie: 87 Prozent
- Praktischer Arzt / Praktische Ärztin: 87 Prozent
- Frauenheilkunde und Geburtshilfe: 85 Prozent
- Anästhesiologie: 84 Prozent
- Kinderheilkunde / Kinder- und Jugendmedizin: 78 Prozent
- Chirurgie: 78 Prozent
- Hals-Nasen-Ohrenheilkunde: 78 Prozent
- Augenheilkunde: 74 Prozent
- Neurologie: 73 Prozent
- Psychiatrie und Psychotherapie: 73 Prozent
- Orthopädie und Unfallchirurgie: 67 Prozent
- Orthopädie: 64 Prozent
- Haut- und Geschlechtskrankheiten: 62 Prozent

Weitere Ergebnisse finden sich zum Download unter: http://www.weisse-liste.de/pressematerialien

Apps zur Arztsuche und Arztbewertung
Informationen zu den kostenfreien Apps der beteiligten Partner für iPhones und Android-Handys finden sich unter folgenden Adressen:

www.aok.de/arztapp
www.barmer-gek.de/arztnaviapp
www.tk.de (Webcode: 574744)
www.weisse-liste.de/app

Weitere Informationen:
http://www.aerzte-gut-finden.de
http://www.weisse-liste.de/pressematerialien

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Reform der Düngegesetzgebung dringend erforderlich: Zentrale Umweltziele werden nicht erreicht

Dr. Christian Hey Pressestelle
Sachverständigenrat für Umweltfragen

Die Wissenschaftlichen Beiräte für Agrarpolitik (WBA) und für Düngungsfragen (WBD) beim BMELV sowie der SRU übergeben heute ihre gemeinsame Kurzstellungnahme Novellierung der Düngeverordnung: Nährstoffüberschüsse wirksam begrenzen an Staatssekretär Dr. Robert Kloos (BMELV). „Zentrale Umweltziele im Agrarbereich werden in Deutschland nach wie vor nicht erreicht", so Prof. Friedhelm Taube (WBA), unter dessen Federführung die Stellungnahme erarbeitet wurde. Den dringenden politischen Handlungsbedarf nehmen die Räte zum ersten Mal seit ihrem Bestehen zum Anlass für eine gemeinsame Stellungnahme und fordern eine über die bisherigen Vorschläge hinausgehende Reform der Düngegesetzgebung.

Trotz deutlicher Verbesserungen in den letzten 20 Jahren führen hohe Stickstoff- und Phosphatausträge aus der Landwirtschaft nach wie vor dazu, dass zentrale Umweltziele der Bundesregierung, wie auch der EU, nicht erreicht werden. Insbesondere in vielen Regionen intensiver Tierhaltung und Bioenergieproduktion sowie in Regionen mit einem hohen Anteil von Sonderkulturen nehmen die Nährstoffausträge sogar zu. „Darunter leiden die Qualität der Oberflächen- und Grundgewässer und die biologische Vielfalt der Landökosysteme und es kommt zu einem erhöhten Ausstoß von Klimagasen", erklärt Prof. Karin Holm-Müller, Mitglied des SRU.

Die Räte empfehlen nachdrücklich, die anstehende Novellierung der Düngeverordnung für umfassende Reformen zu nutzen. „Ein Schlüsselproblem besteht darin", so Prof. Horst, Vorsitzender des WBD, „dass auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben bisher nicht ausreichend erfasst wird, welche Nährstoffüberschüsse dort anfallen". Eine zentrale Empfehlung der Räte ist deshalb die Einführung einer umfassenden und aussagekräftigen Nährstoffbilanzierung (Hoftorbilanz) als Grundlage für die Erfassung und Begrenzung von Nährstoffüberschüssen auf landwirtschaftlichen Betrieben. Die hierfür notwendigen rechtlichen als auch technisch-administrativen Voraussetzungen sind zügig zu schaffen. Ohne eine umfassende und transparent dokumentierte Bilanzierung ist eine wirksame Begrenzung von Nährstoffüberschüssen nach Ansicht der Räte nicht möglich.

Um die Nährstoffeinträge in die Umwelt zu reduzieren, werden eine Verlängerung der Sperrfristen zur Ausbringung von organischen Düngemitteln, die Ausweitung der Mindestlagerkapazitäten für organische Düngemittel, die Verschärfung der Anforderungen an die Ausbringungstechnik und Einarbeitung von organischen Düngemitteln sowie eine stärkere Limitierung der Phosphatzufuhr angemahnt. Schließlich sind eine bessere Kontrolle der Einhaltung der Düngegesetzgebung und schärfere Sanktionen bei Verstößen unerlässlich. Um den landwirtschaftlichen Betrieben die Anpassung an das novellierte Düngerecht zu erleichtern und zu beschleunigen, könnten bestimmte Anpassungsinvestitionen im Rahmen bestehender Förderinstrumente finanziell unterstützt werden.

„Die Räte sehen die große Chance", so Prof. Harald Grethe, Vorsitzender des WBA, „mit der entschiedenen Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen in der kommenden Legislaturperiode zur Erreichung der von der Bundesregierung und der EU gesetzten Umweltziele im Agrarbereich sowie zu einer effizienteren Verwendung von Düngemitteln auf den Betrieben beizutragen."

Ansprechpartner:
Für den WBA:
Prof. Dr. Friedhelm Taube (Federführung für die Stellungnahme), Tel. 0431-8802134, ftaube@gfo.uni-kiel.de
Prof. Dr. Harald Grethe (Vorsitzender), Tel. 0711 459 22631, grethe@uni-hohenheim.de

Für den WBD:
Prof. Dr. Walter Horst (Vorsitzender), Tel. 0511-7622627, horst@pflern.uni-hannover.de

Für den SRU:
Dr. Christian Hey (Generalsekretär), Tel. 030-263696110, info@umweltrat.de

Download der Kurzstellungnahme:
http://www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Ministerium/Organisation/Beiraete...

Download der Pressemitteilung:
http://www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Ministerium/Organisation/Beiraete...

Informationen zu den beteiligten Räten:
Der WBA berät das BMELV in Bezug auf die Entwicklung der Agrarpolitik. Das unabhängige und interdisziplinär besetzte Gremium von 14 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erstellt Gutachten und Stellungnahmen. Zu den Aufgaben des Beirats gehört es insbesondere, die Ziele und Grundsätze der Agrarpolitik und der Landbewirtschaftung zu überprüfen, gesellschaftliche Anforderungen zu bewerten und Vorschläge für die Weiterentwicklung der Agrarpolitik zu erarbeiten.
http://www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Ministerium/Organisation/Beiraete...

Der WBD berät das BMELV in Düngungsfragen. Das unabhängige und interdisziplinär besetzte Gremium von 10 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erstellt Gutachten und Stellungnahmen. Seine Mitglieder werden durch das Bundesministerium auf Grundlage des Düngegesetzes berufen.
http://www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Ministerium/Organisation/Beiraete...

Der SRU berät die Bundesregierung seit über 40 Jahren in Fragen der Umweltpolitik. Die Zusammensetzung des Rates aus sieben Professorinnen und Professoren verschiedener Fachdisziplinen gewährleistet eine wissenschaftlich unabhängige und umfassende Begutachtung, sowohl aus naturwissenschaftlich-technischer als auch aus ökonomischer, rechtlicher und politikwissenschaftlicher Perspektive.
http://www.umweltrat.de

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Eine bessere Dosierung des "guten" Cholesterins für eine bessere Effizienz

Marie de Chalup Wissenschaftliche Abteilung
Wissenschaftliche Abteilung, Französische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland

Die Messung des Gesamtcholesterins bei medizinischen Tests ist für die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen mittlerweile Routine geworden. Der Cholesterinspiegel gibt die Gesamtmenge an Cholesterin im Körper an. Dabei werden zwei Arten von Cholesterin unterschieden: das "gute" (HDL, Lipoprotein mit hoher Dichte) und das "schlechte" Cholesterin (LDL, Lipoprotein mit geringer Dichte). Ist ihr Gleichgewicht gestört und befindet sich zu viel schlechtes Cholesterin im Körper, erhöht sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wohingegen ein hoher HDL-Wert das Risiko verringert.

HDL-Teilchen sind eine heterogene Mischung aus extrem komplexen und schwer zu untersuchenden Teilchen. Neueste Studien konnten aufzeigen, dass ein hoher HDL-Wert allein nicht ausreicht, um vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu schützen. Entscheidend dafür ist, dass die HDL-Teilchen funktionsfähig sind und somit in der Lage, den Organismus zu schützen (Entfernen überschüssigen Cholesterins, entzündungshemmende, antioxidative, antithrombotische und zytoprotektive Eigenschaften). Bei Diabetes-Patienten sind die HDL-Teilchen beispielsweise dysfunktional, da ihre Zusammensetzung im Vergleich zu gesunden Menschen verändert ist.

Forscher des INSERM (UMR INSERM / Universität Toulouse III - Paul Sabatier 1048 "Institut für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen" und 1027 "Epidemiologie und Analysen im Gesundheitswesen: Risiken, chronische Erkrankungen und Behinderungen") berichten im The Journal of lipid research von der Entdeckung eines neuen Blut-Markers (IF1), der mit dem HDL-Cholesterin in Verbindung steht und Aufschluss über die "gute" Funktionsfähigkeit der HDL-Teilchen gibt.

Die Analyse bei 648 Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen (im Alter von 45-74 Jahren) und 669 Kontrollpersonen zeigte, dass der Nachweis des Markers IF1 im Blut ein Indikator für das Vorhandensein funktionsfähiger HDL-Teilchen ist. Je mehr Blutmarker gefunden werden, desto größer sind die Chancen bei der Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Optimierung bestehender und künftiger Therapien, die auf eine Erhöhung des ″guten″ Cholesterins abzielen.

Kontakt:
Laurent Martinez, PhD - INSERM UMR1048, Institut für Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen - Tel.: +33 5 31 22 41 47 - E-Mail: laurent.martinez@inserm.fr

Quelle:
Pressemitteilung des Inserm - 12.08.2013 - http://presse-inserm.fr/un-meilleur-dosage-du-bon-cholesterol-pour-une-meilleure...

Redakteur:
Louis Thiebault, louis.thiebault@diplomatie.gouv.fr- http://www.wissenschaft-frankreich.de

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Wasser statt Pestizide

Thomas von Salzen Pressestelle
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

RWTH Aachen leitet innovatives Forschungsprojekt zum Pflanzenschutz

Pflanzenschutz gehört zu den entscheidenden Maßnahmen, um Nahrungsmittel in ausreichender Menge und hoher Qualität zu produzieren. Eingesetzte Mittel müssen aber effizient sein und mit ihnen dürfen nur minimale Risiken für Mensch, Tier und Umwelt einhergehen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördert daher einen Forschungsverbund, der die Wirksamkeit und Praktikabilität eines auf Wasser basierenden Produkts zum Pflanzenschutz erforscht.
Unter der Führung der RWTH Aachen untersucht nun ein Verbund von Forschungsinstituten und Firmen das umwelt- und gesundheitsverträgliche Produkt "aqua.protect". Es basiert auf Wasser, das elektrochemisch aktiviert und in Zusammenhang mit einem zu entwickelnden Prognoseverfahren gezielt auf die Pflanzen aufgebracht wird. Eingesetzt wird das Verfahren gegen landwirtschaftlich bedeutsame pilzliche Schaderreger. Es stammt aus der Trinkwasser- und Lebensmittelhygiene. Dessen antimikrobielles Potenzial wird nun für den Einsatz im konventionellen und ökologischen Pflanzenbau erforscht. Auf den Pflanzen verbleiben nach der Anwendung keine schädlichen Rückstände.
Zum Forschungsverbund gehören neben den entwickelnden Firmen ARGUS monitoring und aquagroup AG mehrere Institute der RWTH Aachen, den Agrarwissenschaften der Universität Bonn sowie das Julius Kühn-Institut für biologischen Pflanzenschutz in Darmstadt und das Dienstleistungszentrum für den ländlichen Raum Rheinpfalz in Neustadt. Die Projektlaufzeit ist auf insgesamt 38 Monate festgelegt. Der Parlamentarische Staatssekretär Peter Bleser überreichte in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, der die Projektkoordination obliegt, die Zuwendungsbescheide in Höhe von insgesamt 1,3 Millionen Euro.

Infos
PD. Dr. habil. Ulrich Schaffrath
RWTH Aachen
Institut für Pflanzenphysiologie (Biologie III)
schaffrath@bio3.rwth-aachen.de

Dipl. Biol. Rhoda Delventhal
RWTH Aachen
Institut für Pflanzenphysiologie (Biologie III)
delventhal@bio3.rwth-aachen.de

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Zufriedenheit im Job ist beste Gesundheitsvorsorge

Dr. Guido Rijkhoek Kommunikation, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Kassel

„Erschöpfung" und „Burnout" sind Themen, die in Deutschland aktuell diskutiert werden. Kasseler Soziologen zeigen in einer aktuellen Studie auf, was Beschäftigten bei der Bewältigung von Arbeitsbelastungen hilft, damit Arbeit und Alltag gelingen.

Die Krankenkassen weisen seit geraumer Zeit darauf hin, dass physische Belastungen in der Arbeitswelt verbreitet sind und sich darüber hinaus psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch befinden. Die Ursachen für Arbeitsüberlastungen sind dabei vielfältiger Natur, wie eine nun veröffentlichte Studie des Fachgebiets Mikrosoziologie der Universität Kassel zeigt. „Ein Großteil der von uns befragten Beschäftigten litt vor allem unter standardisierten Abläufen und entfremdeter Arbeit", sagt die Leiterin des Fachgebiets, Prof. Dr. Kerstin Jürgens: „Viele Arbeitnehmer erleben einen schleichenden Verlust ihrer Qualifikationen, die vom Betrieb nicht mehr abgefordert werden." Auch fehlende Aufstiegsperspektiven und Anerkennung des Beitrags zum Unternehmenserfolg seien Gift für die Zufriedenheit und Arbeitsleistung von Beschäftigten.

Die Situation ist für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen problematisch. „Mit der Einschränkung und dem Verlust der Arbeitsfähigkeit sind hohe Kosten verbunden, so dass viele Unternehmen inzwischen alarmiert sind und - meist angestoßen von den Betriebs- und Personalräten - Projekte zur Gesundheitsförderung anbieten", erklärt Jürgens. Der Nutzen dieser Maßnahmen bleibt jedoch fragwürdig. Jürgens und ihr Kollege Mathias Heiden haben untersucht, wie diese Unterstützung bei den Beschäftigten ankommt. Das Ergebnis: Die Initiativen helfen den Beschäftigten durchaus in der Bewältigung der Anforderungen, sie greifen jedoch nicht den Kern der wirklichen Ursache von Überlastung auf. „Wenn Unternehmen Geld und Personal bereitstellen, um gesundheitsfördernde Maßnahmen zu ergreifen oder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erhöhen, dann ist das hilfreich, aber es reicht bei weitem nicht aus", betonen die Sozialforscher: „Wenn die Qualität der Arbeit nicht stimmt, dann laufen die Programme ins Leere, weil sie nicht an der Ursache von Überlastung ansetzen." Bewegung, gesunde Ernährung und Zeit für Entspannung würden zweifelsfrei allen Menschen gut tun, es sollte aber den Beschäftigten überlassen bleiben, wie sie sich am besten erholen. „Die meisten Menschen verfügen über eigene Umgangsweisen mit Überlastung, die anerkannt werden müssen", sagt Jürgens.

Hierbei handele es sich um „biografisch gefestigte Lösungen", die in der Studie detailliert beschrieben werden. Sie sorgen dafür, dass den Beschäftigten die Bewältigung von Anforderungen gelingt. Unternehmen könnten daher dreierlei aufgreifen: „Man sollte vor allem sicherstellen, dass die Arbeitsqualität stimmt", so Jürgens. „Darüber hinaus sollte den Beschäftigten Zeit und Kraft für ausreichenden Freizeitausgleich bleiben - und vor allem darauf verzichtet werden, Vorschriften über die vermeintlich ‚richtige‘ Erholungsweise zu machen."

Die Ergebnisse der Studie basieren auf Betriebsfallstudien, die das Autorenteam zwischen 2010 und 2013 im Rahmen eines von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Projekts erarbeitet hat. Es wurden Expertengespräche und Mitarbeiterbefragungen in der Metall- und Chemieindustrie, der Dienstleistungsbranche und dem Handwerk durchgeführt.

Erschienen am 20. August 2013:
Heiden, Mathias / Jürgens, Kerstin (2013): Kräftemessen. Betriebe und Beschäftigte im Reproduktionskonflikt. Berlin: edition sigma.

Kontakt:
Prof. Dr. Kerstin Jürgens
Universität Kassel
FB 5 - Gesellschaftswissenschaften
Fachgebiet Mikrosoziologie
Tel.: 0561-804-3133
E-Mail: juergens@uni-kassel.de
http://www.kerstin-juergens.de

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Sanitärversorgung der Zukunft - Terra Preta Sanitation: Klärtechnik für Sanitärversorgung

Rüdiger Bendlin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Pressestelle
Technische Universität Hamburg-Harburg

Erstmaliges Treffen von über 100 internationalen Experten an der TUHH
Mehr als 2,6 Milliarden Menschen weltweit müssen ohne eine ausreichende Sanitärversorgung leben. Das uns in Mitteleuropa bekannte Toiletten- und Abwassersystem von „Flush and Forget/Spülen und Vergessen" ist als Lösung für andere Regionen der Erde weder sinnvoll noch finanzierbar. Alternative und nachhaltige Konzepte der Sanitärversorgung sind gefragt, die Landwirtschaft, Bodenschutz und Klimawandel als Vektoren mit einbeziehen. Terra Preta Sanitation steht für ein nachhaltiges Toilettensystem und Abwassermanagement und ist auf die wiederentdeckten Schwarzerden am Amazonas (Terra Preta di Indio) zurückzuführen. Terra Preta zählt zu den fruchtbarsten Böden weltweit. Wie die jüngste Forschung belegt, wurden zur Herstellung organische Abfälle einschließlich Toilettenabfälle sowie Kohle eingesetzt.

Die Nutzung der Holzgastechnologie zur Herstellung von Energie und Biokohle ist integraler Bestandteil von TPS. Der Einsatz kann dabei im kleinen wie großen Maßstab erfolgen, wobei der großtechnische Maßstab auch die Option zur Gewinnung elektrischer Energie bietet.
Die 1. Internationale Konferenz „Terra Preta Sanitation" (TPS) findet von Mittwoch, 28. August, bis Sonnabend, 31. August, 2013 an der Technischen Universität Hamburg statt. Unter der Schirmherrschaft des Bundesumweltministeriums veranstalten das Institut für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz und das Umweltnetzwerk WECF eine Fachveranstaltung zu dem aktuellen Forschungsthema. Veranstaltungsort ist das TUHH-Gebäude K, Raum 0506, Denickestrasse 15.
Über 100 Fachleute von Universitäten, Umweltvereinen und Nichtregierungsorganisation aus 20 Ländern werden über Möglichkeiten und Potenziale dieses neuen Ansatzes informieren und austauschen. Darunter sind beispielsweise Experten von der Bandung University in Indonesien und der Xavier University auf den Philippinen. Zum Abschluss der Veranstaltung findet eine Exkursion zu Anlagen in Hamburg statt, an denen die Terra Preta Produktion im Pilotmaßstab bereits funktioniert. Außerdem wird die Siedlung Allermöhe besichtigt, in der seit Jahren erfolgreich Komposttoiletten betrieben werden.
Den einführenden Vortrag hält Prof. Dr.-Ing. Ralf Otterpohl, Leiter des TUHH-Instituts für Abwasserwirtschaft und Gewässerschutz. Otterpohl gilt als Pionier in Sachen TPS und ist Initiator der international besetzten Konferenz. "Die 1. Internationale Terra Preta Konferenz zielt darauf ab, Experten und Interessierte aus den verschiedenen Sektoren - Wasser und Abwasser, Landwirtschaft, Boden, Energie, Gesundheit - zusammen zu führen, damit sie ihre Forschungsergebnisse präsentieren und ihre Erfahrungen auf dem Gebiet der Terra Preta Sanitation austauschen. Die TUHH ist stolz darauf, Gastgeberin dieser Konferenz zu sein und wünscht allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine ergiebige Zusammenarbeit auf unserem Campus."

Nähere Informationen unter http://www.tps-ic.org. Noch besteht die Möglichkeit, sich als Teilnehmer oder als Presse anzumelden. Ansprechpartner: Torsten Bettendorf, TUHH, bettendorf@tuhh.de tel.: 0179-1201513

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Unstatistik des Monats: Frühstück beugt Herztod vor

Katharina Brach Presse und Information
Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.

Die Unstatistik des Monats August ist eine Meldung, wonach Menschen, die das Frühstück ausfallen lassen, ein erhöhtes Herzinfarktrisiko haben. „Verzicht auf Frühstück erhöht das koronare Risiko signifikant" meldete etwa die Ärzte Zeitung online am 2. August. „Den Tag sollte man mit einem guten Frühstück beginnen. Denn: Wer nicht frühstückt, weist ein um 27 Prozent erhöhtes Risiko für Herzinfarkt oder Herztod auf, hat eine aktuelle US-Studie ergeben." In Wahrheit hat die hier zitierte US-Studie nur ergeben, dass ein Verzicht auf das Frühstück und ein möglicher Herzinfarkt häufiger zusammen auftreten, als man das bei Unabhängigkeit dieser Ereignisse erwarten sollte.

Eine mögliche Kausalbeziehung, ob also das ausgefallene Frühstück tatsächlich die Ursache für das gesteigerte Infarktrisiko ist, lässt sich aber nicht herleiten.

Besonders auffällig war der Zusammenhang bei ledigen Männern mittleren Alters. Vielleicht erleiden diese aber auch deshalb überproportional häufig einen Herzinfarkt, weil sie privat und beruflich mehr Stress ausgesetzt sind als ältere Männer (bei denen findet man den Zusammenhang nämlich nicht) und deshalb auch oft das Frühstück ausfallen lassen?

Zwar unternehmen die Autoren der Studie ihr Bestes, solche weiteren Faktoren auszuschalten. Das ist aber bei Ernährungsstudien, in denen man nicht wie bei klassischen klinischen Studien mit Versuchs- und Kontrollgruppe arbeiten kann, niemals ganz möglich und erfordert zumeist zusätzliche Annahmen. So kann man auch mit den in der Studie verwendeten Methoden nicht ausschließen, dass der Zusammenhang zwischen Frühstück und Herzinfarkt auf einen Faktor zurückgeht, den man bei dieser Untersuchung nicht beachtet hatte. Wie fast immer in seriösen Studien weisen die Autoren auch auf diese Grenzen hin. Und wie fast immer in der medialen Aufarbeitung wird dieser Hinweis ignoriert.

Ihr Ansprechpartner dazu:
Prof. Dr. Walter Krämer, Tel.: (0231) 755-3125

Mit der „Unstatistik des Monats" hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen.

Weitere Informationen:
http://www.unstatistik.de - Hier finden Sie alle "Unstatistiken" sowie Hintergrundinformationen

Anhang:
http://idw-online.de/de/attachment29126

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Studienteilnehmer gesucht: Kognitives Training bei Depression

Dr. Annette Tuffs Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Heidelberg

Wissenschaftler der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg erforschen, welche Trainingsform depressiven Menschen nach der Behandlung besser hilft, Alltag und Beruf zu meistern

Depressive Patienten leiden häufig nicht nur unter erdrückender Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit; auch sogenannte kognitive Funktionen wie Konzentration oder Gedächtnis sind beeinträchtigt. In einer aktuellen Studie erforschen Wissenschaftler der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg verschiedene Einsatzmöglichkeiten eines computergestützten Programms, mit dem Betroffene ihre kognitiven Fähigkeiten gezielt trainieren können. Dazu suchen sie ab sofort Studienteilnehmer, die in ihrem Leben bereits unter Depressionen gelitten haben.

Denn selbst wenn die Behandlung einer Depression erfolgreich verlaufen ist und die Patienten sich dank Medikamenten und Psychotherapie deutlich besser fühlen, können so genannte kognitive Störungen bestehen bleiben: Den Betroffenen fällt es schwer, sich zu konzentrieren, aufmerksam zu bleiben, sich Namen, Gesichter und Abläufe zu merken oder z.B. ihren Tagesablauf sinnvoll zu planen. „Diese Störungen beeinträchtigen das alltägliche und berufliche Leben stark und können sogar eine dauerhafte Berufsunfähigkeit nach sich ziehen", erklärt Privatdozentin Dr. Daniela Roesch-Ely, Ärztliche Leiterin der Psychiatrischen Ambulanz für Kognitives Training (PAKT) an der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg. „Das kognitive Training, das wir in unserer Studie untersuchen, könnte daher die Behandlung depressiver Patienten sinnvoll ergänzen, ihre Lebensqualität verbessern und ihnen beispielsweise auch den Wiedereinstieg in den Beruf erleichtern."

Teilnehmen können Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren mit einer diagnostizierten depressiven Erkrankung, die keine zusätzlichen psychischen oder neurologischen Leiden aufweisen und weder alkohol- noch drogenabhängig sind. Sie sollten klinisch stabil, also nicht mehr schwer depressiv sein.

Das Training findet dreimal wöchentlich über einen Zeitraum von fünf Wochen in der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie Heidelberg, Voßstraße 4, statt. Jede Trainingseinheit dauert etwa eine Stunde. Vor und nach der Trainingsphase sowie nach einem halben Jahr werden die Probanden untersucht und neuropsychologisch getestet.

Interessenten wenden sich bitte an:
Dipl.-Psych. Marina Bartolovic & M.Sc. Psych. Anja Barth
Tel.: 06221 / 56 36 201
E-Mail: Depression.Training@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der bedeutendsten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international renommierten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung innovativer Diagnostik und Therapien sowie ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und engagieren sich in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 klinischen Fachabteilungen mit ca. 1.900 Betten werden jährlich rund 116.000 Patienten voll- bzw. teilstationär und rund 1.000.000 mal Patienten ambulant behandelt. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärztinnen und Ärzte in Heidelberg.

www.klinikum.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

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Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Gesellschaft für Virologie rät zur Impfung gegen Rotaviren

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Ulm - Die Infektion mit Rotaviren ist die häufigste meldepflichtige Infektionskrankheit und eine der häufigsten Ursachen für Durchfallerkrankungen bei Kindern in den ersten fünf Lebensjahren. Etwa jedes zweite Kind mit labordiagnostisch gesicherter Rotavirusinfektion muss stationär im Krankenhaus behandelt werden: Eine Gastroenteritis kann vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern bis zwei Jahren und alten Menschen zu einer gefährlichen Austrocknung führen. Im neu erschienenen Impfkalender empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut nun erstmals eine Immunisierung von Babys unter sechs Monaten.

Auch die Gesellschaft für Virologie (GfV) empfiehlt Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen. Voraussichtlich berät der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) noch dieses Jahr darüber, ob die Krankenkassen die Impfung übernehmen müssen. Von einer Zustimmung ist auszugehen. Etwa 90 Prozent aller Kinder infizieren sich bis zum dritten Lebensjahr mit Rotaviren. Diese Infektion verursacht Erbrechen, starken Durchfall und Bauchschmerzen, auch Fieber kann hinzukommen. In den Jahren 2001 bis 2008 wurden im Durchschnitt in Deutschland 40 000 gesicherte Fälle pro Jahr bei unter Fünfjährigen registriert. „Die routinemäßige Impfung kann also jährlich fast 20 000 Kindern dieser Altersgruppe einen Krankenhausaufenthalt ersparen", sagt der Präsident der GfV, Professor Dr. med. Thomas Mertens, der selbst Mitglied der STIKO ist.

Die Schluckimpfung, die je nach Impfstoff in zwei oder drei Dosen verabreicht wird, ist Studien zufolge hochwirksam: Sie verhindert schwere Krankheitsverläufe und Klinikeinweisungen in mehr als 90 Prozent der Fälle. Mertens, Virologe am Universitätsklinikum Ulm, geht allerdings von einer aktuell niedrigen Impfquote in Deutschland aus, da die Immunisierung bisher vielfach aus eigener Tasche bezahlt werden musste: Nur wenige Krankenkassen übernehmen die Kosten in Höhe von etwa 135 Euro. Nach Veröffentlichung der Empfehlung der STIKO entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), ob die Leistung in den Katalog der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen wird. „Wir gehen davon aus, dass der G-BA zustimmt, sodass der Impfstoff nicht mehr nur Besserverdienenden zugute kommt", so der GfV-Präsident.

Profitieren könnten bei einer routinemäßigen Impfung mit dem Lebendimpfstoff auch Personen aus dem Umfeld immunisierter Kinder. Denn das Rotavirus ist hochansteckend - bereits wenige Erreger lösen eine Infektion aus. So kann die Immunisierung auch Nicht-Geimpfte schützen. Die Übertragung erfolgt meist über Schmierinfektionen, aber auch über verunreinigtes Wasser oder bei Erbrechen auch über die Luft. Besonders groß ist die Ansteckungsgefahr bei Gemeinschaftstoiletten.

Da Rotaviren sehr umwelt- und desinfektionsmittelresistent sind bedarf es einer sehr gründlichen Hygiene, um einer Erkrankung vorzubeugen. Dazu gehört vor allem intensives Händewaschen nach jedem Toilettenbesuch mit Seife. In öffentlichen Einrichtungen sollten Einmalhandtücher verwendet werden. Angehörige eines erkrankten Kindes sollten nicht aus dessen Tasse trinken oder dessen Besteck benutzen. Auch Waschlappen und Handtücher müssen strikt getrennt verwendet werden. Die Infektionsgefahr endet etwa eine Woche nach Erkrankungsbeginn.

Quellen:
- Epidemiologisches Bulletin 34/2013 mit Impfempfehlungen und Impfkalender (26.8.2013): http://www.rki.de/DE/Home/homepage_node.html
- Empfehlung der STIKO: http://www.rki.de/EN/Content/Prevention/Vaccination/recommandations/recommendati...
Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz 7, 56:957-984 (1. Juli 2013)
- Frank Kowalzik, Fred Zepp, Pädiatrie up2date 2013, 08(02): 163-183: „Impfempfehlungen für Kinder und Jugendliche"

Weitere Informationen:
http://www.g-f-v.org/

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Arbeit alternsgerecht gestalten

Juliane Segedi Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Aktuelle Studie untersucht, wie Mitarbeiter in KMU zufrieden und produktiv altern

Mit welchen guten Beispielen und praxistauglichen Ansätzen machen Unternehmen ihre Arbeitsplätze fit für eine alternde Belegschaft? Das Fraunhofer IAO ist in einem aktuellen Forschungsauftrag des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg auf der Suche nach Maßnahmen, wie sich Unternehmen mit dem »Alternsgerechten Arbeiten« auseinandersetzen.

Die Zahlen und Auswirkungen des demografischen Wandels sind längst bekannt. Doch erst jetzt scheinen die Reaktionen darauf in die richtige Richtung zu laufen. Endlich einmal heißt die Losung nicht mehr länger »Rekrutierung und Verjüngungskur« sondern »Alternsgerechtes Arbeiten«. Wer produktiv bleiben will, muss zukünftig verhindern, dass Mitarbeiter im Alter ihren Arbeitsaufgaben nicht mehr nachkommen können, lange durch Krankheit ausfallen, in die Leistungswandlung geraten oder gar sogenannte Schonarbeitsplätze benötigen. Unternehmen müssen daher jetzt Maßnahmen ergreifen, um die Beschäftigungsfähigkeit älterer Personen frühzeitig zu erhalten und zu stärken und die Potenziale der Mitarbeiter kontinuierlich zu erkennen, zu fordern und zu fördern.

Wer ein alternsgerechtes Arbeitsumfeld schaffen will, muss sich um Themen wie Personalentwicklung, Weiterbildung, Arbeitsorganisation, Wissensmanagement und Gesundheitsprävention kümmern. Gute Praxis-Beispiele aus diesen Bereichen sucht das Fraunhofer IAO im Forschungsauftrag des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft Baden-Württemberg. Im Rahmen einer Online-Befragung und über Telefoninterviews hat das Projektteam bereits einige Erkenntnisse gewonnen und kann folgende erste Zwischenbilanz ziehen:

Kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) haben bereits alle wesentlichen Gestaltungsfelder für sich erkannt. Somit liefert die Studie für alle Bereiche beispielhafte Maßnahmen.
Die Aktionsbreite hängt nicht von der Unternehmensgröße, sondern von der jeweiligen Leitung ab.
In den Unternehmenskulturen gibt es eine große Spreizung zwischen der »Care Company«, die die Arbeitsbelastung ihrer Mitarbeiter in ihrer Fürsorge sieht und der Art von Unternehmen, die mitarbeiterseitige Verantwortung und Mitgestaltung explizit betonen und einfordern.
Die Studie offenbart auch gänzlich neue strukturelle Ansätze wie z.B. Ausbildungsplätze für Menschen in der zweiten Lebenshälfte oder explizite Stellen für »Mitarbeiterbindung«.
Demografie wird zunehmend zur Leitungs- und Führungsaufgabe, gestützt durch breite Sensibilisierungsansätze, Strategieausrichtungen und direktes Coaching.
Die Familie und das private Umfeld rücken in den Vordergrund, z.B. bei Events, aber auch durch familienorientierte Teilzeitangebote.
Gesundheitsbezogene Aktivitäten sind auch hier vielfältig vertreten.
Wissenssicherung wird insbesondere bei technologieintensiven Unternehmen unterstützt.

Interessierte Abteilungsleiter, Personaler und Geschäftsführer haben noch bis Ende Oktober die Chance, an der Studie teilzunehmen. Als Dankeschön und Aufwandsentschädigung erhalten Teilnehmer im Anschluss ein Sofort-Feedback zu ihrer unternehmensindividuellen Situation und erfahren mögliche Ansatzpunkte für eine alternsgerechte Unternehmensentwicklung. Darüber hinaus erhalten sie im kommenden Jahr den aufbereiteten Studienreport »Gute Demografie-Praxis«.

Ansprechpartner:
Anna Hoberg
Business Performance Management
Fraunhofer IAO
Nobelstraße 12
70569 Stuttgart, Germany
Telefon +49 711 970-2135

Weitere Informationen:
http://www.iao.fraunhofer.de/lang-de/geschaeftsfelder/unternehmensentwicklung-un...

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Informatik und Umweltschutz: Zwei Themen; eine Schnittmenge

Jutta Straubinger Referat für Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Trier

Erlerntes praktisch anwenden und mit der Informatik einen praxisorientierten Beitrag zum Umweltschutz leisten. So lautete das Motto des Teamprojektes eines fünfköpfigen Teams aus Bachelor-Informatikstudenten (Stefan Grönke, Hani Nouya, Eduard Rall, Sebastian Schuh und Kajetan Weiß) betreut von Prof. Dr. Georg Rock der Hochschule Trier.

Im Rahmen des interdisziplinären proTRon Projektes der Hochschule Trier, an dem Studierende der Fachrichtungen Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik und Kommunikationsdesign beteiligt sind, hat das Informatik-Team eine neuartige Telemetrie-Software entwickelt. Telemetrie beschreibt hierbei konkret die Live-Übertragung aller Sensordaten, der sich auf der Rennstrecke befindlichen Fahrzeuge, zu Computern am Streckenrand. Dieses Hilfsmittel ermöglicht die Überprüfung technischer Parameter nahezu in Echtzeit, was eine schnelle Anpassung der Fahrstrategie noch während der Fahrt erlaubt. Ziel dieser Maßnahmen ist eine Optimierung des Kraftstoffverbrauchs.

Die Entwicklung bedurfte vieler Stunden Recherche und Gespräche mit den potentiellen Nutzern der Telemetrie. In diesem Zusammenhang wurden Anforderungen an die Software erfasst und in einem Pflichtenheft festgehalten. Es folgte die Erstellung eines Oberflächenprototyps , der mit den Nutzern auf Benutzerfreundlichkeit geprüft wurde. Aus den Anforderungen resultierte zudem, dass verschiedenste Geräte wie Laptops, Tablet PCs, Smartphones sowie unterschiedliche Betriebssysteme unterstützt werden mussten. Daraus folgte der Entschluss eine webbasierte Software zu entwickeln. Es wurde ein Konzept zur Datenübertragung per UMTS und WLAN erarbeitet, das es ermöglichte mit der passenden Hardware, einen kleinen Webserver in den Wettbewerbsfahrzeugen zu betreiben. Dieser Webserver wurde mit der Datenleitung der Fahrzeuge verknüpft und war somit in der Lage nahezu in Echtzeit via UMTS Sensordaten vom Fahrzeug an browserfähige Computer zu übertragen.

Mit diesem neuen Konzept steigen die Chancen auf einen der vorderen Plätze beim jährlich stattfindenden Shell-Eco-Marathon. Aber viel wichtiger als vordere Platzierung ist der gelungene Beitrag der Informatiker zum Umweltschutz.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Welchen Einfluss hat unsere Kindheit auf unsere Beziehung zu den eigenen Kindern?

Petra Schultze Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Ulm

Wie lässt sich die Weitergabe von Gewalt über Generationen verhindern?
Bundesforschungsministerium fördert Verbundstudie mit 2,4 Mio. Euro

Eltern wollen das Beste für ihre eigenen Kinder. Welche Rolle spielen dabei aber ihre eigenen Kindheitserfahrungen? Was befähigt Eltern dazu, ihre positiven Kindheitserlebnisse auch in Stresssituationen der Elternschaft an die eigenen Kinder weiterzugeben? Wer in seiner Kindheit Gewalt oder Vernachlässigung erlebt hat, trägt ein erhöhtes Risiko, diese negativen Erfahrungen an sein Kind weiter zu geben. Was befähigt Betroffene dazu, mit dem eigenen Kind dennoch einen besseren Weg zu gehen? Welche Faktoren tragen dazu bei, dass Mütter eine feinfühlige Beziehung zu ihrem Kind aufbauen? In der Studie „Meine Kindheit - Deine Kindheit" suchen erstmals in Deutschland Psychologen, Biologen und Mediziner durch einen umfassenden Blick auf Mutter und Kind gemeinsam Antworten auf diese Fragen - die nahe liegen, aber bisher kaum wissenschaftlich untersucht wurden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die Verbundstudie über drei Jahre mit 2,4 Mio. Euro.

„Wir haben die einmalige Chance, über einen längeren Zeitraum von den Müttern und den Kindern zu lernen", erläutert Studienkoordinator Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie. „Wie fließen Kindheitserfahrungen der Mutter in die Beziehung zu ihrem Kind ein? Welchen Einfluss hat das soziale Umfeld dabei? Welche Bedeutung kommt biologischen Faktoren zu? Nur wenn wir wissen, welche Faktoren den Aufbau einer feinfühligen Mutter-Kind-Beziehung fördern, können wir die vielfältigen Hilfsangebote für Eltern danach ausrichten", so Fegert.

In den kommenden eineinhalb Jahren werden die Wissenschaftler rund 3.800 Mütter, die ihre Kinder in der Ulmer Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe zur Welt bringen, um ihre Beteiligung an der Studie bitten. Kurz nach der Entbindung, nach drei und nach zwölf Monaten sammeln die Wissenschaftler in Gesprächen, Fragebögen und durch die Beobachtung von Spielsituationen Informationen u.a. über Kindheitserfahrungen der Mutter und die Beziehung von Mutter und Kind. „Durch die enge Zusammenarbeit unserer Klinik mit der Ulmer Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin können wir hier in einmaliger Weise die Beziehung und Entwicklung von Mutter und Kind gemeinsam analysieren", betont Professor Fegert. „Dabei können wir auch auf die große Expertise des Ulmer Schwerpunkts Traumaforschung zurückgreifen."

Auch das soziale Umfeld der Mutter steht im Fokus: „Wir wollen herausfinden, welche Art von Unterstützung Müttern hilft, eine gute Beziehung zu ihrem Kind aufzubauen", erklärt Dr. Heinz Kindler, Arbeitsgruppenleiter am Deutschen Jugendinstitut in München. „Welche Rolle spielt der Beistand von Vater oder Freunden? Wie gut kommen die Anstrengungen der Kommunen, Familien zu unterstützen, schon an? Was kann konkret verbessert werden, um das Ziel passgenauer Hilfen für Familien zu erreichen?", so Kindler.

Zudem untersuchen die Forscher biologische Faktoren: „Unsere Gefühle und Erfahrungen spiegeln sich beispielsweise in unserem Hormonhaushalt wider. So beeinflusst Stress unser Hormonsystem, aber auch unser Immunsystem - und damit vermutlich auch wichtige Hormone der Eltern-Kind-Bindung ebenso wie unsere Anfälligkeit für körperliche Erkrankungen", sagt Prof. Dr. Iris-Tatjana Kolassa, Leiterin der Abteilung für Klinische und Biologische Psychologie am Institut für Psychologie und Pädagogik der Universität Ulm.

Um die grundlegenden biologischen Mechanismen in unserem Gehirn im Detail zu verstehen, wird in enger Kooperation mit den klinischen Studien am Institut für Biologie in der Abteilung Zoologie/Entwicklungsneurobiologie der Universität Magdeburg unter der Leitung von Prof. Dr. Anna Katharina Braun ein Tiermodell untersucht. Hieran lässt sich die Hypothese überprüfen, inwieweit frühkindliche Vernachlässigung und Traumatisierung in die neuronale Entwicklung bestimmter Bereiche des Gehirns eingreift, in denen Emotionen verarbeitet werden. Pathologische Veränderungen in diesen Gehirnzentren könnten sowohl die emotionale Bindung zwischen Mutter und Kind beeinträchtigen, als auch zu vermutlich lebenslangen Störungen der Emotionalität führen, die dann an die nächste Generation weiter gegeben werden. Darüber hinaus kann am Tiermodell auch der Einfluss des Vaters auf die Gehirnentwicklung seiner Nachkommen untersucht werden.

„Wirklich neue und fundierte Erkenntnisse kommen immer aus der Langzeitbeobachtung und der gezielten Verknüpfung von Erkenntnissen verschiedener fachlicher Blickwinkel und Methoden. Dafür bietet die Studie ‚Meine Kindheit - Deine Kindheit' einzigartige Voraussetzungen. Sie ist damit ein wichtiger Schritt, um besser zu verstehen, was Eltern und Kinder beim Aufbau einer guten Beziehung und gegen Gewalt stärken kann", so Studienkoordinator Fegert.

Gerne vermitteln wir Ihnen auch Gesprächspartner zur Studie „Meine Kindheit - Deine Kindheit".

Mit freundlichen Grüßen
Petra Schultze

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Ulm
Albert-Einstein-Allee 29
D- 89081 Ulm

Tel.: +49 - (0) 731 - 500.43.025
Fax.:+49 - (0) 731 - 500.43.026
Mail: petra.schultze@uniklinik-ulm.de
Internet: http://www.uniklinik-ulm.de

Weitere Informationen:
http://www.uniklinik-ulm.de/kjpp - Ulmer Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin
http://www.uni-ulm.de/in/psy-paed/klinbiopsy.html - Abteilung für Klinische und Biologische Psychologie am Institut für Psychiatrie und Pädagogik der Universität Ulm
http://www.dji.de/cgi-bin/projekte/output.php?projekt=479 - Deutsches Jugendinstitut
http://www.uni-magdeburg.de/bio/Abt_ZooEnt.htm - Abteilung Zoologie/Entwicklungsneurobiologie am Institut für Biologie der Universität Magdeburg

Anhang
Meine Kindheit - Deine Kindheit_Pressemappe
http://idw-online.de/de/attachment29156

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Kalte Quellen am Meeresboden: Vermehrter Sauerstoffverbrauch durch Methan

Dr. Manfred Schloesser Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie

Methan-Emissionen aus der Tiefsee
An manchen Stellen des Meeresbodens, besonders an Kontinentalhängen in Wassertiefen von über 1000 Metern sorgt ein stetiger Ausstrom von Methan dafür, dass sich Oasen des Lebens entwickeln können. Das Methan stammt aus den Tiefen des Meeresbodens und dient Mikroorganismen als Energiequelle. Jetzt haben sich zwei Bremer Wissenschaftler die Gasaustritte an diesen kalten Quellen genauer angeschaut und weltweit bilanziert. Bis zu 80% des potentiellen Treibhausgases an kalten Quellen wird von marinen Lebewesen oxidiert. Weil mehr Methan verzehrt als nach gängigen Vorstellungen gebildet wird, vermuten die Autoren weitere kilometertief gelegene Methanquellen.

Prof. Dr. Antje Boetius und Dr. Frank Wenzhöfer, beide Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie und am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung schätzen, dass es weltweit zehntausende von kalten Quellen an Kontinentalrändern gibt, die jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen Methan abgeben können und einer bunte Vielfalt von Röhrenwürmern, Muscheln und Krebsen ein Leben fernab vom Licht der Sonne ermöglichen. Im Rahmen der Forschungsarbeiten des Exzellenzclusters MARUM der Universität Bremen haben sie sich mit den Umsätzen von Methan und Sauerstoff in der Tiefsee beschäftigt.

Kalte Quellen und Methan
Den Forschern ist es wichtig, den Weg des potentiellen Treibhausgases Methan zu verstehen. Wie entsteht es, wohin geht es, wo sind die Lagerstätten, welche Prozesse sorgen für seinen Verbrauch und wann kommt es in die Atmosphäre?
Prof. Antje Boetius erläutert: „Methan entsteht hauptsächlich durch mikrobiellen Abbau organischer Substanzen unter Sauerstoffabschluss, also Bedingungen, wie sie im Meeresboden der Kontinentalränder vorkommen, oder durch thermische Prozesse im Erdmantel. An manchen Stellen wird das Gas aus dem Untergrund gepresst und bahnt sich seinen Weg aufwärts bis zum Meeresboden und ins darüber liegende Wasser, oder gar bis in die Atmosphäre. Das sind die sogenannten kalten Quellen, aus denen im Gegensatz zu den spektakulären 400 Grad heißen Hydrothermalquellen nur mäßig erwärmtes Wasser strömt."
Etwa ein bis fünf Prozent aller Methanemissionen in die Atmosphäre stammen aus den Tiefseequellen. Die kalten Quellen sind das Ergebnis von tektonischen Bewegungen an aktiven Kontinentalrändern oder einfach nur durch Unterschiede in der Dichte; über Risse im Meeresboden gelangt dann das Gas an die Oberfläche und tritt aus dem Meeresboden aus. Dabei können die Austrittslöcher nicht unterschiedlicher sein, die Durchmesser reichen von Zentimeter breiten Poren bis zu Kilometern bei den Schlammvulkanen. Es gibt auch eine feste Form des Methans. Bei hohem Druck und niedrigen Temperaturen kann sich Methanhydrat bilden, eine Form, die dem biologischen Kreislauf nicht direkt zur Verfügung steht.

Methan-Filter am Meeresboden
Zum Glück für die menschliche Zivilisation strömt Methan nicht ungehindert aus dem Meeresboden in die Atmosphäre, denn die Natur nutzt auch diese Energiequellen sehr effizient. Bekannt sind zwei Hauptwege. Dort, wo Sauerstoff vorhanden ist, verwenden Mikroorganismen diesen, um das Methan zu Kohlendioxid zu verbrennen. Im Gegensatz zu dieser „aeroben" Oxidation von Methan ist bei der sauerstofffreien „anaeroben" Oxidation von Methan kein molekularer Sauerstoff beteiligt. Besondere mikrobielle Lebensgemeinschaften verwenden das im Meerwasser reichlich vorhandene Sulfat, um das Methan zu verbrauchen. Das toxische Produkt - stinkender Schwefelwasserstoff - wird wiederum von weiteren Mikroorganismen mit Sauerstoff veratmet. So greifen beide Prozesse in die Sauerstoffbilanz ein.

Dr. Frank Wenzhöfer erläutert: „Wir haben uns den Sauerstoffverbrauch der Lebensgemeinschaften am Meeresboden an und um diese kalten Quellen angeschaut. Verbraucher sind freilebende Mikroorganismen, aber auch solche in symbiontischen Gemeinschaften mit Muscheln und Röhrenwürmern. Diese Tiere versorgen ihre Bakterien mit Sauerstoff, um von ihnen Energie zu erhalten. Sie können dadurch unglaublich dichte Biomassen bilden. Der Sauerstoffverbrauch direkt an diesen Quellen ist dadurch im Vergleich mit der methanarmen Nachbarschaft bis zu hundertfach erhöht."

Weitere Kohlenstoffreservoirs in der Tiefe
Die weltweite Methan-Bilanz ergibt auch, dass mehr Methan im oberen Kilometer des Meeresbodens verbraucht wird als durch mikrobielle Prozesse erzeugt werden kann. Man schätzt, dass sich dort maximal 10-20 Millionen Tonnen Kohlenstoff jährlich bilden. Doch werden ja auch in wesentlich größeren Tiefen noch Methan bildende Mikroorganismen vermutet. In Tiefen von 1-4 km unter dem Meeresboden bei Temperaturen von 30-120 Grad, die noch Leben erlauben, lagern mindestens 200 Billionen Tonnen Kohlenstoff. Hier, in der „ Tiefen Heißen Biosphäre" („Deep Hot Biosphere") gibt es noch mikrobielles Leben, über das wir sehr wenig wissen.
Prof. Antje Boetius erläutert: „Kalte Quellen der Tiefsee - besonders die an Schlammvulkanen - sind Fenster zu der unbekannten tiefen heißen Welt im Meeresboden und faszinierende, natürliche Laboratorien, die als Ökosystem besonders schützenswert sind. Um ihre Rolle für den Methanausstoß besser zu verstehen, sollten wir sie genau beobachten."

Manfred Schlösser

Rückfragen an
Prof. Dr. Antje Boetius
Leiterin der Forschungsgruppe Mikrobielle Habitate und der HGF-MPG Brückengruppe für Tiefseeökologie und -Technologie
Telefon:0421 2028 860
E-Mail: aboetius@mpi-bremen.de

Dr. Frank Wenzhöfer
Telefon:0421 2028 862
E-Mail: fwenzhoe@mpi-bremen.de

Beteiligte Institutionen:
Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven
Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Bremen
MARUM, Universität Bremen, Bremen

Originalarbeit:
Seafloor oxygen consumption fuelled by methane from cold seeps
Antje Boetius and Frank Wenzhöfer. Nature Geoscience, 29 August 2013. DOI: 10.1038/NGEO1926

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Trinkwasser und Sanitärversorgung für alle

Dr. Inka Väth Dezernat 8 - Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit des Universitätsklinikums Bonn ist von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für weitere vier Jahre als WHO-Kollaborationszentrum für Wassermanagement und Risikokommunikation zur Förderung der Gesundheit benannt worden. Damit wird im Internationalen Jahr der Wasserkooperation die mehr als zwölfjährige erfolgreiche Zusammenarbeit des Instituts mit der WHO weitergeführt.

Im Mai 2001 ernannte die Weltgesundheitsorganisation das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit (IHPH) am Universitätsklinikum Bonn erstmalig zum Kooperationszentrum. Seitdem ist es eines von derzeit zwei deutschen Zentren, die für die Weltgesundheitsorganisation im Bereich Wasserhygiene und Sanitation tätig sind.

In der WHO Region Europa (einschließlich der Nachfolgestaaten der UdSSR) hat etwa die Hälfte der ländlichen Bevölkerung keinen Zugang zu Leitungswasser und 85 Millionen Menschen haben keine Toiletten im Haus. Das Kollaborationszentrum unterstützt Arbeiten zum Protokoll über Wasser und Gesundheit der Vereinten Nationen. Dieses ist das erste verbindliche international getroffene Abkommen, das sicheres Trinkwasser und eine angemessene Sanitärversorgung für jeden Menschen zum Ziel hat.

Einsatz für sauberes Trinkwasser

Außerdem arbeitet das Bonner Institut an den WHO-Richtlinien für die Trinkwasserqualität mit und unterstützt die Umsetzung des Water Safety Plan.-Konzepts. Ziel der WHO ist es, die Wasserversorgung von der Quelle bis zum Endverbraucher sicherzustellen.

Dafür hat sich das Bonner Kollaborationszentrum auf den Einsatz Geographischer Informationssysteme (GIS) spezialisiert. Diese moderne Technik kann auch zur Sicherung der Trinkwasserversorgung und bei der Aufklärung von wasserbedingten Krankheitsausbrüchen eingesetzt werden. Mittels GIS können auch wasser-assoziierte Gesundheitsrisiken durch Klimaänderungen modelliert werden.

Wasser- und Gesundheitsatlas online

Der „Atlas on Water and Health" (http://www.waterandhealth.eu), den das Kollaborationszentrum entwickelt hat, bietet der Öffentlichkeit Auskünfte zu Wasser und Gesundheit in Europa in Form von Karten und Faktenblättern. Zudem gibt es unter http://www.malariainfo.net vor allem für Ärzte aktuelle Informationen zum weltweiten Malariarisiko. Malaria gehört zu den so genannten wasser-basierten Krankheiten. Über aktuelle Projekte des Bonner Kollaborationszentrums berichtet regelmäßig der englischsprachigen Newsletter „Water & Risk": http://www.ihph.de/whoccnews.php.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Der Deutsche Naturschutzpreis 2013 zum Thema "Lebensraum Wasser" wurde verliehen

Franz August Emde Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesamt für Naturschutz

Förderpreise gehen an Projekte aus Berlin, Brandenburg und Schleswig-Holstein
• Auenexperte Prof. Emil Dister erhält den Ehrenpreis
• Online-Abstimmung kürt 20 Gewinner mit dem Bürgerpreis

In einem Festakt wurde heute im Bundesamt für Naturschutz

(BfN) der Deutsche Naturschutzpreis 2013 verliehen. Es gab Preisträger in den Kategorien:
Ehrenpreis, Förderpreis und Bürgerpreis. Das übergreifende Motto für alle Nominierungen lautete in
diesem Jahr „Lebensraum Wasser - Vielfalt entdecken, erleben, erhalten".

Mit dem Ehrenpreis für herausragendes Engagement im Naturschutz wurde Prof. Emil Dister, der Leiter
des WWF-Aueninstituts, ausgezeichnet. Er erhielt den Preis als Anerkennung für seinen
jahrzehntelangen beharrlichen Einsatz und seine international anerkannten Forschungsarbeiten zum
Schutz von Flüssen und Auen in Deutschland.

Die drei gleichwertigen Förderpreise für vorbildliche Naturschutzinitiativen gingen an die Projekte
„Ungehindert engagiert" von EUROPARC Deutschland e.V., „Tauchen für den Naturschutz" vom NABU Regionalverband Gransee sowie „Trave-Kids auf Flusssafari" der NABU-Ortsgruppe Reinfeld-Nordstorman. Inhaltlich geht es um die Einbeziehung von Menschen mit geistiger Behinderung in die Naturschutzarbeit rund um Gewässer in großen Schutzgebieten, eine Kooperation mit Sporttauchern für das Monitoring von Klarwasserseen und ein jugendgerechtes Filmprojekt rund um die Natur des Flusses Trave.

Die Entscheidung über die Vergabe der Förderpreise traf eine prominente zwölfköpfige Jury. Zuvor hatte das BfN die Konzepte aller Finalisten einer fachlichen Prüfung unterzogen. „Wasser ist ein vielfältiger und faszinierender Lebensraum, der vielfältige Anknüpfungspunkte für Naturschutzaktivitäten bietet. Das zeigen auch die vielen eingereichten, guten Projektideen: Sie haben Vorbildcharakter, wenn es darum geht, die Aufmerksamkeit der Menschen verschiedenster Alters- und Interessensgruppen auf ein aktives Naturerleben und einen partizipativen Naturschutz rund um unsere Gewässer zu lenken", sagte Prof.Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz und Vorsitzende der Jury.

Die Bürgerpreise wurden an 20 kleinere Projekte aus ganz Deutschland vergeben, die zuvor in einer Online-Abstimmung den größten Zuspruch erhalten hatten.

Der Deutsche Naturschutzpreis, wurde in diesem Jahr zum dritten Mal verliehen. Er beruht auf einer gemeinsamen Initiative des Bundesamtes für Naturschutz und des Outdoor- Herstellers Jack Wolfskin. Der Preis zielt darauf, das Naturbewusstsein in der Bevölkerung und das bürgerschaftliche Engagement für den Naturschutz zu fördern. Insgesamt werden 250.000 Euro an die Preisträger zur Umsetzung ihrer Projekte vergeben. Das Preisgeld stiftet der Outdoor-Hersteller Jack Wolfskin.

108 Projektskizzen waren auf die Ausschreibung für den Förderpreis des Deutschen Naturschutzpreises 2013 hin eingegangen. 14 davon kamen in die Endausscheidung. Beim Bürgerpreis erreichten 50
Projekte die Finalrunde. Im Online-Votum wurden über 17.000
Stimmen abgegeben.

Die Preisträger:

Förderpreis:

„Ungehindert engagiert - Menschen mit geistiger Behinderung entdecken, erleben und erhalten den Lebensraum Wasser": Betreute Gruppen aus Lebenshilfe- und Bethel-Einrichtungen übernehmen
praktische Aufgaben des Naturschutzes an Gewässern in Nationalparks, Naturparks und Biosphärenreservaten. Projektträger ist EUROPARC Deutschland e.V. Fördersumme: 86.000 Euro

„Tauchen für den Naturschutz": Sporttaucher werden im naturkundlichen Tauchen geschult, um den Zustand der Unterwasserlebenswelt in Klarwasserseen der Norddeutschen Tiefebene zu erfassen.
Projektträger ist der NABU Regionalverband Gransee. Fördersumme: 96.350 Euro.

„Trave-Kids auf Flusssafari": Jugendliche drehen einen 60-minütigen Episodenfilm, der auf unterhaltsame und jugendgerechte Weise Informationen über die Bedeutung der Trave als Lebensraum
vermittelt. Projektträger ist die NABU Ortsgruppe Reinfeld-Nordstorman. Fördersumme:
36.500 Euro

Ehrenpreis:

Prof. Dr. Emil Dister: Der Leiter des WWF-Aueninstituts erhält den mit 10.000 Euro dotierten Sonderpreis für sein langjähriges Engagement für den Erhalt und die Renaturierung von Flussauen in
Deutschland.

Bürgerpreis:

Gemäß dem Online-Votum gehen jeweils 2.000 Euro Fördersumme an die Projekte:

Pablo, der kleine Regentropfen" - ein Umwelt-Musical für Kinder, Uetze-Hänigsen

Eisvogelnisthilfen am westlichen Bodensee - Angelsportverein setzt sich ein, Landkreis Konstanz

Lebensvielfalt Hechtgraben - Engagement in Güstrow, Güstrow

Gepanzerte Ritter" - Lernwerkstatt „Krebse in Binnengewässern", Menden

Erlebnisraum Röslauaue - Natur spielend erfahren, Wunsiedel-Schönbrunn

Naturlehrpfad „Alte Körne" - Ein Generationenprojekt, Dortmund-Scharnhorst

"Naturerlebnis Biber" - Ein Wassertier als „Wissensquelle" an der Havel, Brandenburg an der Havel

Neue (alte) Heimat für Laubfrosch und Kammmolch - Wiederansiedlungsprojekt in

Niederbayern, Rainer Wald bei Straubing

„H2OCHSCHWARZWALD" - Ein Kurzfilm im Auftrag der Biodiversität, Löffingen

„Wir retten die Gelbbauchunken!" - Kindergartenkinder in Groß-Rohrheim für Amphibien aktiv, Groß-Rohrheim
„Fledermäuse im Blick" - Monitoring & Rufaufzeichnung mit öffentlichen Fledermausdetektoren, Schweina

"Eisvogel, Uferschwalbe, Flussregenpfeifer - Sympathieträger der Flussrenaturierung in Rotenburg a. d. Fulda", Rotenburg a. d. Fulda

"Trittstein im Biotopverbund" - Einsatz des Grevenbroicher Pascal-Gymnasiums für Biodiversität, Grevenbroich

Renaturierung Ammerbach - Gut für Ökologie und Mensch, Amberg

Hilfe für den Eisvogel - Künstliche Steilwände am Pfungstädter Moor, Bickenbach

Otterbiotop Lunestedt - Praxisnahes Lernprojekt für Kinder, Beverstedt

„Kleines Ökosystem, große Wirkung" - Der Schulteich der Geschwister-Scholl-Schule Geeste, Geeste-Dalum

Eisvogel, Bitterling und Co. - EinBlick in Leipziger Wasserwelten, Leipzig

„Lebensraum Saale" - Biologische Vielfalt entdecken und fördern, Hof

Layer Schulwiesenteich - Ökologie & Naturerlebnisse fördern, Koblenz

Der Deutsche Naturschutzpreis

Der Deutsche Naturschutzpreis wird einmal jährlich in drei Kategorien vergeben: Förderpreis, Bürgerpreis und Ehrenpreis. Förderpreis und Bürgerpreis werden jeweils im Rahmen eines zweistufigen Wettbewerbs ermittelt. Der Ehrenpreis wird als Sonderpreis für herausragendes persönliches
Engagement im Naturschutz verliehen.

Ziel des Deutschen Naturschutzpreises ist es, das Naturbewusstsein in Deutschland zu stärken und das bürgerschaftliche Engagement im Naturschutz zu fördern. Bewerben können sich ehrenamtlich
engagierte Einzelpersonen sowie nichtstaatliche und gemeinnützige Initiativen und Organisationen.
Herausgeber sind das Bundesamt für Naturschutz und der Outdoor-Ausrüster Jack Wolfskin. Das von Jack Wolfskin gestiftete Preisgeld von insgesamt 250.000 Euro dient der Umsetzung der Projekte.
Dabei gehen 10.000 Euro an den Ehrenpreis und je 2.000 Euro an die 20 Siegerprojekte des Bürgerpreises. Für den Förderpreis steht eine Preissumme von 200.000 Euro zur Verfügung, die unter den Gewinnerprojekten aufgeteilt wird. Das maximale Preisgeld für ein Einzelprojekt beträgt
hier 150.000 Euro. In allen Kategorien erfolgt eine fachliche Prüfung und Vorbewertung der Projektideen durch das Bundesamt für Naturschutz. Über die Vergabe der Förderpreise und des
Ehrenpreises entscheidet eine Jury aus Experten und Prominenten. Die Bürgerpreise werden im Rahmen einer öffentlichen Online-Abstimmung auf der Internetseite des Deutschen Naturschutzpreises
ermittelt.

Weitere Informationen zum Deutschen Naturschutzpreis: www.deutscher-naturschutzpreis.de.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Blumig, grasig oder bitter: Wie schmeckt das Bier?

Dr. Ernst Guggolz Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Hopfen prägt mit Hunderten von Aromastoffen den Geschmack eines Biers. Eine neue Analysenmethode zeigt nicht nur Sorte und Herkunft des Hopfens, sondern auch die Zusammensetzung eines Biers. Wie das funktioniert, steht in den „Nachrichten aus der Chemie".

Hopfen sorgt für bitteren Geschmack und das typische Aroma im Bier. Dabei variiert die Zusammensetzung seiner Aromastoffe je nach Sorte, Anbaugebiet und Jahreszeit. Eine Biersorte oder ein Biermixgetränk sollen jedoch immer gleich schmecken, daher ist es wichtig, die Inhaltsstoffe des Hopfens genau zu kennen. Eine Analyse mit der Ionenmobilitätsspektrometrie macht das möglich: Dabei wandern Ionen, also geladene Teilchen, der Hopfenprobe mit einem Trägergas durch eine Röhre. Ein elektrisches Feld in der Röhre beschleunigt die Teilchen. Wie schnell die Ionen die Röhre durchwandern, hängt ab von der Masse, der Ladung und der Temperatur der Ionen. Am Ende der Röhre treffen die Ionen auf eine Messplatte. Dabei entsteht ein Strom, dessen Stärke proportional zur Ionenzahl ist. Die Zeit bis zum Auftreffen verrät, um welches Ion es sich handelt. So trennt das Gerät nicht nur alle Inhaltsstoffe voneinander, sondern identifiziert auch die einzelnen Bestandteile.

Wie einfach die Probenvorbereitung ist, wie lange eine Untersuchung dauert und welchen Vorteil sie gegenüber anderen gängigen Messmethoden bietet, erfahren Sie im Artikel „Hopfensorten und ihr Aroma" von Peter Kurzweil, Andreas Hildebrand und Anton Riedmayr in den „Nachrichten aus der Chemie. Die PDF-Datei des Beitrags gibt es bei der Redaktion der „Nachrichten aus der Chemie" unter nachrichten@gdch.de.

Nahezu 80 000 anspruchsvolle Chemiker und Chemikerinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Lehre informieren sich mit den „Nachrichten" über Entwicklungen in der Chemie, in angrenzenden Wissenschaften sowie über gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte. Kennzeichen der Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker sind das breite Spektrum der Berichte, das einmalige Informationsangebot an Personalien, Veranstaltungs- und Fortbildungsterminen sowie der große Stellenmarkt.

Weitere Informationen:
http://www.nachrichtenausderchemie.de „Nachrichten aus der Chemie"

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Effiziente Speicherung von umweltfreundlichem Strom im Erdgasnetz

DC Katrin Schwarz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS

Thüringer Wirtschaftsminister Matthias Machnig überreicht am 21. August 2013 Förderbescheid an MUW SCREENTEC GmbH in Erfurt für die Entwicklung eines katalytischen Membranreaktors zur Nutzung von »Power-to-Gas«-Strategien in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS Hermsdorf.

Die MUW SCREENTEC GmbH beschäftigt sich mit der Konstruktion, der mechanischen Bearbeitung und Montage von Werkzeugen, Vorrichtungen, Apparaten und Sondermaschinen. Das Anwendungsspektrum reicht von Filtern und Sieben über Lichttechnik, Leuchtenbau und Designtechnik für den Architektur-bereich bis hin zu Produktentwicklung und Anlagenbau zur Nutzung alternativer Energiequellen mit den Schwerpunkten Solartechnik und Wasserstofferzeugung. Insbesondere die umfangreiche Expertise zur Wasserstofferzeugung sowie die fruchtbare Diskussion mit dem Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS in Hermsdorf führte zu neuen innovativen Ideen zur Stromspeicherung nach dem Prinzip »Power-to-Gas«.

Die Möglichkeit der Speicherung und Verteilung großer Strommengen bildet einen wichtigen Baustein bei der beabsichtigten starken Nutzung regenerativer Energiequellen im Rahmen der Energiewende. »Power-to-Gas« beschreibt den Prozess der Elektrolyse, bei dem mittels Stromzufuhr Wasserstoff aus Wasser gewonnen wird. Der erzeugte Wasserstoff kann jedoch nur zu geringen Teilen ins Erdgasnetz direkt eingespeist werden. Daher ist die Umsetzung von Wasserstoff mit Kohlendioxid zu Methan (Sabatier-Reaktion) extrem interessant, da so keine Begrenzung in der Einspeisemenge besteht und die vorhandenen Gasnetze und Gasspeicher zur Verteilung und Speicherung verwendet werden können.

Die Thematik »Power-to-Gas« wird momentan intensiv bearbeitet. Es gibt bereits Forschungsanlagen im kW- und MW-Maßstab. Im Gemeinschaftsprojekt der MUW SCREENTEC GmbH mit dem Fraunhofer IKTS soll bis Ende 2014 erstmalig ein katalytischer Membranreaktor für die Sabatier-Reaktion entwickelt und eingesetzt werden. Hier kommen nichtmetallische Katalysatoren in Kombination mit einer wasserabtrennenden keramischen Membran zum Einsatz. Die Wasserabtrennung führt dabei nicht nur zur Trocknung des Methans, sondern gleichzeitig zur Verschiebung des Reaktionsgleichgewichts und somit zur Umsatz- und Ausbeuteerhöhung.

»Es war der MUW SCREENTEC GmbH klar, dass eine solche Aufgabe nur in einem wirtschaftlich abgesicherten Rahmen und mit fachlich kompetenten Partnern gelöst werden kann. Mit dem Programm der einzelbetrieblichen Technologieförderung in Höhe von 1,191 Millionen Euro des Landes Thüringen sind nun die wirtschaftlichen Voraussetzungen geschaffen, diese Fragen zügig anzugehen. Mit dem Fraunhofer IKTS Hermsdorf wurde zudem ein fachlich kompetenter Partner gefunden.«, sagt Jörg Grützner, Geschäftsführer der MUW SCREENTEC GmbH Erfurt.

Das Fraunhofer IKTS entwickelt anwendungsorientiert moderne keramische Hochleistungswerkstoffe, industrierelevante pulvertechnologische, nasschemische und precursorgestützte Herstellungsverfahren sowie prototypische Bauteile und Systeme. Im Forschungsfeld »Umwelt- und Verfahrenstechnik« werden Werkstoffe, Technologien und Systeme zur effizienten, sicheren und wirtschaftlichen Gewinnung, Umwandlung, Transport, Speicherung und Nutzung von Energie entwickelt. Mittelpunkt der Forschungsaktivitäten sind dabei keramische Membranen für die Stofftrennung sowie Katalysatoren für die heterogene Katalyse.

Diese Membranen und Katalysatoren kommen nun im Gemeinschaftsprojekt zum Einsatz. Das Prinzip des Membranreaktors wird zunächst in einer Versuchsanlage im Labormaßstab erprobt. Parallel dazu konstruiert und baut die MUW SCREENTEC GmbH eine Pilotanlage in Erfurt.

Ansprechpartner:

Jörg Grützner
MUW Screentec GmbH Erfurt
Paul-Schäfer-Strasse 1
99086 Erfurt
Tel.: (+49) 03 61 / 26 23 25 00
info@muw-erfurt.de
www.muw-erfurt.de

Dr. Ingolf Voigt
Fraunhofer-Institut für Keramische
Technologien und Systeme IKTS
Michael-Faraday-Str.1, D-07629 Hermsdorf
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Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Diabetes in der Familie erhöht das Risiko für Prädiabetes

Dr. Astrid Glaser Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Diabetesforschung

Wenn nahe Verwandte an Typ-2-Diabetes leiden, erhöht sich das Risiko für Prädiabetes um 26%, wie von einer Gruppe von Wissenschaftlern vom Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) festgestellt wurde. Einen besonders deutlichen Zusammenhang konnten die Forscher bei schlanken Personen messen. Prof. Dr. Andreas Fritsche und seine DZD-Kollegen veröffentlichten die Ergebnisse der mehr als 8000 Teilnehmer umfassenden Studie jetzt in der Fachzeitschrift „Diabetologia".

Prädiabetes ist als Vorstufe des Diabetes ein Zustand, bei dem es im Blutzuckerstoffwechsel zu Abweichungen kommt, aber noch keine voll entwickelte Erkrankung vorliegt. Bei bis zu 20% der Betroffenen entwickelt sich aber innerhalb eines Jahres der Prädiabetes zu einem manifesten Diabetes. Während bekannt ist, dass ein Vorkommen von Typ-2-Diabetes in der Familie das Risiko für einen voll ausgebildeten Diabetes erhöht, hat die Forschung bisher noch nicht geklärt, ob eine solche Familiengeschichte auch das Risiko für Prädiabetes erhöht.
Den Einfluss von Diabetes bei Verwandten ersten Grades auf die Entstehung eines Prädiabetes bei weiteren Familienmitgliedern untersuchte Prof. Andreas Fritsche gemeinsam mit Kollegen des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung. Die Studie wurde mit etwa 8100 diabetischen Personen an den Studienzentren des DZD an der Universität Tübingen, am Helmholtz Zentrum München, am Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) in Düsseldorf, sowie am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und an der Universität Dresden durchgeführt.
Es zeigte sich, dass ein Vorkommen von Diabetes in der Familie das allgemeine Risiko für Prädiabetes um 40% erhöhte. Sobald die Untersuchung die Faktoren Alter, Geschlecht und BMI der Studienteilnehmer berücksichtigte, war das Risiko immerhin noch um 26% gesteigert. Wurde jedoch auf den Body-Mass-Index (BMI) adjustiert, stellten die Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen Vererbung und Prädiabetes nur in nicht adipösen Personen (BMI<30 kg/m2) fest. Fritsche erklärt dies so: „Unsere Daten deuten darauf hin, dass ein Vorkommen von Diabetes in der Familie eher bei schlanken oder leicht übergewichtigen Personen mit dem Auftreten von Prädiabetes verbunden ist. Eine Erklärung könnte sein, dass die Wirkung der Familiengeschichte auf die Entstehung von Prädiabetes nur dann gut messbar ist, wenn sie nicht durch erhebliche andere Risikofaktoren wie Übergewicht überlagert wird."

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An der Studie waren beteiligt: Wissenschaftler der Universität Tübingen (A. Böhm, A. Fritsche, H.-U. Häring, H. Staiger, N. Stefan), des Helmholtz Zentrums München (B. Thorand, C. Meisinger, G. Müller), des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (M.A. Osterhoff, A.F.H. Pfeiffer), des Deutschen Diabetes-Zentrums in Düsseldorf (B. Kowall, W. Rathmann, M. Roden) und der Technischen Universität Dresden (P. Schwarz), sämtlich Verbundpartner des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD), sowie der Universität Innsbruck (F. Kronenberger).

Originalpublikation:
Wagner R., Thorand B., Osterhoff M.A., Müller G., Böhm A., Meisinger C., Kowall B., Rathmann W., Kronenberg F., Staiger H., Stefan N., Roden M., Schwarz P.E., Pfeiffer A.F., Häring HU., Fritsche A. Diabetologia. DOI 10.1007/s00125-013-3002-1
http://www.diabetologia-journal.org/files/Wagner.zip

Kontakt:
Prof. Dr. Andreas Fritsche
Eberhard-Karls-Universität Tübingen und Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD)
Tel. 07071/2980590
E-Mail: andreas.fritsche@med.uni-tuebingen.de

Dr. Astrid Glaser
Deutsches Zentrum für Diabetesforschung (DZD)
Tel. 089/3187-1619
E-Mail: glaser@dzd-ev.de

Weitere Informationen:
http://www.dzd-ev.de

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Elektrische Wärmepumpen effektiv einsetzen

Rüdiger Mack Marketingkommunikation
Fachinformationszentrum Karlsruhe

Internationale Feldtests bestätigen Qualität der Geräte

In jedem vierten Neubau in Deutschland sorgt mittlerweile eine Wärmepumpe für angenehme Raumtemperaturen und warmes Wasser. Das BINE-Themeninfo „Elektrisch angetriebene Wärmepumpen" (I/2013) beleuchtet aktuelle Ergebnisse aus Forschung und Feldtests zur technischen Qualität der Geräte und Effektivität der Anlagen. Themen sind die Performance der Anlagen, internationale Monitoringprojekte und die Kombination mit Solarenergie. Auch die Möglichkeiten, Wärmepumpen beim Aufbau eines Smart Grids in Deutschland einzubinden, werden diskutiert.

Zum bisherigen Erfolg der Wärmepumpen haben intensive Forschungsarbeiten beigetragen. Die Effizienz und Zuverlässigkeit der Systeme wurde gesteigert und klimaschädliche Arbeitsmedien ließen sich durch umweltverträgliche Kältemittel ersetzen. Aber die Forschung widmet sich bereits neuen Herausforderungen: Der verbesserte Dämmstandard sanierter oder neuer Gebäude erfordert Wärmepumpensysteme kleiner Leistung. Zunehmend gefragt ist auch die Möglichkeit, Wärmepumpen auch zur sommerlichen Gebäudeklimatisierung einzusetzen. Benötigt werden auch Messergebnisse von Testständen und realisierten Anlagen, um zu belegen, unter welchen Bedingungen und in welchem Ausmaß Wärmepumpen zur Effizienz der Energieversorgung beitragen können. Hieraus lassen sich konkrete Empfehlungen für Planung, Installation und Betrieb der Anlagen ableiten.

Das Themeninfo wurde von Mitarbeitern des Bereichs Thermische Anlagen und Gebäudetechnik am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE erarbeitet. Die Freiburger Forscher hatten in den letzten Jahren u. a. die Feldtests „WP im Bestand", „WP Effizienz" und „WP Monitor" betreut, bei denen mehr als 200 Anlagen in Deutschland vermessen wurden.

Das BINE- Projektinfo ist kostenfrei beim BINE Informationsdienst von FIZ Karlsruhe erhältlich - unter www.bine.info oder 0228 92379-0.

BINE Informationsdienst ist ein Service von FIZ Karlsruhe und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert.

FIZ Karlsruhe - Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur ist eine gemeinnützige Gesellschaft, die im öffentlichen Auftrag weltweit publizierte wissenschaftliche Information zugänglich macht und entsprechende Dienstleistungen zur Verfügung stellt. FIZ Karlsruhe hat die Aufgabe, den nationalen und internationalen Wissenstransfer und die Innovationsförderung zu unterstützen.
» http://www-fiz-karlsruhe.de

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Extrem lange Väter-Arbeitszeiten schaden Kindern

Dr. Paul Stoop Informations- und Kommunikationsreferat
Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung gGmbH

Langzeitstudie: Zunahme an Verhaltensauffälligkeiten, vor allem bei Jungen

Wenn Väter extrem lange Arbeitszeiten haben, wirkt sich das negativ auf die gesundheitliche und soziale Entwicklung von Söhnen aus. Das zeigt eine Studie im Journal of Marriage and Family von Jianghong Li, Forscherin am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, und vier australischen Koautoren.

Die Langzeitstudie basiert auf Daten von mehr als 1.400 Kindern im australischen Bundesstaat Western Australia. Dort arbeiten fast 19 Prozent der Väter während der Phase, in der ihre Kinder fünf Jahre alt sind, 55 und mehr Stunden pro Woche. Wenn die Kinder acht Jahre alt sind, sind 20 Prozent der australischen Väter so lange bei der Arbeit.

Söhne dieser Väter werden später sehr viel häufiger verhaltensauffällig oder aggressiv als Söhne, deren Väter weniger arbeiten. Auf Töchter haben außerordentlich lange Arbeitszeiten der Väter keinen merklichen Einfluss. Die Arbeitszeiten der Mütter haben offenbar keine negativen Auswirkungen auf die Kinder, stellen die Forscher fest, auch wenn die Vergleichsgruppe extrem lang arbeitender Mütter sehr klein ist und allgemeine Schlüsse daher noch nicht daraus gezogen werden können.

Australien ist kein Einzelfall. In vielen Ländern gibt es ähnliche Entwicklungen in der Arbeitswelt. In Deutschland sind 15 Prozent der Väter von Kindern im Alter von drei bis vier Jahren 55 und mehr Stunden pro Woche bei der Arbeit, wie die Zahlen des Sozio-oekonomischen Panels von 2011 zeigen.

Die Studie basiert auf Daten der Western Australian Pregnancy Cohort Study, auch bekannt als Raine Study (http://www.rainestudy.org.au/). Diese Langzeituntersuchung verfolgt die Entwicklung von Kleinstkindern, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in deren weiterem Lebensverlauf.

Sarah Johnson, Jianghong Li, Garth Kendall, Lyndall Strazdins, Peter Jacoby. Mothers' and Fathers' Work Hours, Child Gender and Behavior in Middle Childhood. Journal of Marriage and Family, 2013, 75: 56-74.

Weitere Informationen:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1741-3737.2012.01030.x/pdf

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Meerwasser zum Trinken

Johannes Scholten Pressestelle
Philipps-Universität Marburg

Der Chemiker Professor Dr. Ulrich Tallarek von der Philipps-Universität wird für seinen wegweisenden Beitrag zur Umwelttechnologie geehrt: Das „World Technology Network" hat ihn als Anwärter auf den „World Technology Award" in der Kategorie „Environment" nominiert, der am 15. November 2013 verliehen wird. Der Marburger Hochschullehrer stellte vor kurzem eine effektive Methode zur Entsalzung von Meerwasser vor.

Die Vereinten Nationen schätzen, dass ein Drittel der Weltbevölkerung in Regionen lebt, in denen Mangel an Trinkwasser herrscht; dieser Anteil wird sich bis zum Jahr 2025 voraussichtlich verdoppeln. Salzwasser gibt es hingegen in Hülle und Fülle, es macht 97 Prozent der Wassermenge auf unserem Planeten aus. Dass Meerwasser ungenießbar ist, liegt an einfachem Kochsalz, wie man es im Supermarkt kaufen kann. Es besteht aus positiv geladenen Teilchen, den Natrium-Ionen, und negativ geladenen Teilchen, den Chlorid-Ionen.

Was läge näher, als das Trinkwasserproblem zu lösen, indem man Meerwasser entsalzt? „Dagegen spricht, dass Verfahren wie die Verdampfung und anschließende Kondensation des Wassers immense Energiemengen verbrauchen", erläutert Tallarek. Dasselbe gilt für die so genannte Umkehrosmose: Hierbei pressen leistungsfähige Pumpen das Meerwasser mit hohem Druck durch feine Membranen, die das Salz zurückhalten und nur das reine Wasser hindurchlassen.

Tallareks Team und die Arbeitsgruppe von Professor Dr. Richard M. Crooks an der University of Texas at Austin nutzen für ihren Ansatz die elektrolytischen Eigenschaften von Meerwasser aus. Das Salzwasser strömt hierbei durch verzweigte Mikrokanäle. Wo diese sich gabeln, befindet sich eine Elektrode. Dort wird ein sehr kleiner Teil der Chlorid-Ionen des Meerwassers zu Chlor oxidiert. „Es bildet sich lokal eine Zone, die an Ionen verarmt ist", erläutert Tallarek. „Dadurch entsteht ein elektrischer Feldgradient, durch den elektrisch geladene Teilchen - seien es einfache Ionen oder organische Materie - an der Kanalverzweigung abgelenkt werden."

Während sich in der Abzweigung Salz anreichert, fließt im anderen Kanalarm teilentsalztes Wasser. Tallareks Arbeitsgruppe führte numerische Simulationen durch, die zeigen, wie das neuartige Verfahren mechanistisch funktioniert und in Hinblick auf Entsalzungs- und Kosteneffizienz optimiert werden kann. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Angewandte Chemie International Edition".

„Das Verfahren benötigt so wenig Energie, dass eine einfache Batterie für den Betrieb des Systems ausreicht", erklärt Tallarek. Im Unterschied zu den bislang üblichen Entsalzungsmethoden kommt die neue Technik ohne teure und empfindliche Membranen aus, die zu verkeimen und verstopfen drohen, wodurch sich der Prozess zusätzlich verteuert; auch eine aufwendige Vorbehandlung entfällt. „Nicht zuletzt gestalten sich der Aufbau und Betrieb der Anlage so einfach, dass viel weniger Kapital benötigt wird, um die Vorrichtung vielfach parallel zu schalten", betont der Chemiker.

Die „World Technology Awards" werden jährlich in zahlreichen Kategorien vergeben, ausgelobt vom „World Technology Network" in Verbindung mit Institutionen wie den Zeitschriften „TIME", „Fortune" und „Science" sowie dem Fernsehsender CNN. Die Verleihung erfolgt zum Abschluss des „World Technology Summit" in New York. Tallarek ist gemeinsam mit seinem Koautor Richard Crooks nominiert; die Entscheidung in der Kategorie „Umwelt" fällt zwischen ihnen und fünf weiteren Finalisten.

Originalveröffentlichung: Kyle N. Knust et al.: "Electrochemically mediated seawater desalination", Angewandte Chemie International Edition 52 (2013), Seite 8107-8110, DOI: 10.1002/anie.201302577

Weitere Informationen:
Professor Dr. Ulrich Tallarek,
Fachbereich Chemie
Tel.: 06421 28-25727
E-Mail: tallarek@staff.uni-marburg.de
AG Tallarek Internet: www.uni-marburg.de/fb15/ag-tallarek
„World Technology Network" im Internet: http://www.wtn.net/summit2013/finalists.php

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DDG: Leitfaden für Betriebsärzte und Arbeitgeber - Sicher umgehen mit Diabetes im Job

Julia Voormann Pressestelle
Deutsche Diabetes Gesellschaft

Berlin - Ob Pilot oder Büroangestellter: In allen Berufen wächst die Anzahl der Arbeitnehmer, die an Diabetes mellitus leiden. Experten schätzen, dass 2020 etwa 2,8 Millionen Menschen mit Diabetes im erwerbsfähigen Alter sein werden. Wie die Arbeitsfähigkeit von Diabetespatienten erhalten werden kann, welche Berufe Risiken bergen können und wie Arbeitgeber zu einer sachgerechten Bewertung kommen, schildert der „Leitfaden für Betriebsärzte zu Diabetes und Beruf". Die Broschüre ist in Zusammenarbeit von Deutscher Diabetes Gesellschaft (DDG) und Deutscher Gesetzlicher Unfallversicherung e. V. (DGUV) entstanden. Damit liegt eine konkrete Orientierungshilfe für Arbeitgeber vor, erklärt die DDG.

Generell gilt: Menschen mit Diabetes dürfen bei ihrer Berufswahl nicht benachteiligt werden, zumal ihre Leistungsfähigkeit in der Regel nicht eingeschränkt ist. „Nur wenige Tätigkeiten, bei denen die Betroffenen sich möglicherweise selbst oder andere besonders gefährden, können vorübergehend oder auf Dauer nicht ausgeübt werden", betont Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, Präsident der DDG. Dies kann der Fall sein, wenn eine Neigung zu schweren Unterzuckerungen besteht, bei denen sich der Arbeitnehmer nicht mehr selbst helfen kann. „Pro Jahr erleiden aber nur etwa zehn Prozent der insulinbehandelten Patienten solche schweren Hypoglykämien, die durch Angehörige oder einen Arzt behandelt werden müssen", so Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Pressesprecher der DDG. Und nur selten treten diese dann am Arbeitsplatz auf.

Eine Gefährdung kann eine ausgeprägte Hypoglykämieneigung in Berufen darstellen, die mit einer Überwachungsfunktion oder Gefahrensituationen verbunden sind - zum Beispiel bei Chirurgen, Krankenpflegepersonal, pädagogischen Berufen mit Aufsichtsfunktion, Kranführern, Berufstauchern, Polizisten oder Feuerwehrmännern im Angriffstrupp. Das Unterzuckerungsrisiko ist auch bei solchen Berufen größer, die eine jederzeitige Nahrungsaufnahme verhindern, etwa bedingt durch Schutzkleidung oder großen Zeitdruck wie bei Rettungseinsätzen oder Paketauslieferungsfahrern. In vielen Fällen ist aber durch entsprechende Anpassung der Therapie, Schulung und Selbstkontrolle eine gute Kompensation möglich.

Doch allein die Möglichkeit, eine Unterzuckerung erleiden zu können, ist noch kein Grund, die Arbeitsfähigkeit infrage zu stellen. So können Betroffene das Risiko minimieren, indem sie ihre Therapie an die berufliche Situation anpassen, systematisch den Blutzucker kontrollieren und lernen, frühe Symptome einer Unterzuckerung wie Schwäche oder Schwitzen klar zu erkennen. Diese Fähigkeit kann durch ein Wahrnehmungstraining gefördert werden. Dennoch ist immer wieder zu beobachten, dass Betriebsärzte die Eignung von Bewerbern mit Diabetes pauschal und vorschnell verneinen. „In solchen Fällen kann der Leitfaden auf eine verantwortungsvollere Begutachtungspraxis hinwirken", so der Vorsitzende des Ausschusses Soziales der DDG, Rechtsanwalt Oliver Ebert. „Denn ein Betriebsarzt, der diese fachlich abgesicherten Empfehlungen außer Acht lässt, handelt im Zweifel nicht (mehr) lege artis und muss mit Schadensersatzforderungen rechnen."

„Bei der Beurteilung, ob ein Diabetespatient für einen Arbeitsplatz geeignet ist, geht es letztlich um eine Risikoabschätzung, die für jeden Einzelfall vorzunehmen ist", betont der Arbeitsmediziner Kurt Rinnert, der maßgeblich an dem Leitfaden mitgewirkt hat. Beurteilungskriterien sind u. a.: nachweisbare Zusammenarbeit von Patient, Hausarzt bzw. Diabetologe und Betriebsarzt, die Einhaltung vereinbarter Zielwerte in der Stoffwechseleinstellung, ein Blutzuckertagebuch, die Möglichkeit, sich am Arbeitsplatz Insulin zu spritzen oder die Arbeit zu unterbrechen, Besuch einer Diabetesschulung und eines Hypoglykämiewahrnehmung-Trainings, Ausschluss schwerer Unterzuckerungen und Folgeschäden sowie Kollegen, die im Notfall helfen können.

„Arbeitgeber sollten es ermöglichen, am Arbeitsplatz oder in Pausenräumen den Blutzucker zu messen oder bei Bedarf unkompliziert eine Zwischenmahlzeit einzunehmen", rät Siegel. Wichtig sei zudem, die Betroffenen nicht zu diskriminieren. Dies kann ansonsten zu einem „Insulinvermeidungszwang" führen - die Betroffenen spritzen sich ihr Insulin dann nur heimlich oder schlimmer: gar nicht.

Der Leitfaden ist im Internet abrufbar unter: http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/diabetes-neu.pdf

Deutsche Diabetes Gesellschaft
Geschäftsstelle
Reinhardtstr. 31
10117 Berlin
Tel.: 030 3116937-11
Fax: 030 3116937-20
info@ddg.de

Weitere Informationen:
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

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„Dickes Fell" im Job kann vor Burn-out schützen

Ute Friedrich Pressestelle
Bertelsmann Stiftung

Psychische Widerstandsfähigkeit im Berufsleben lässt sich trainieren

Menschen im Berufsleben können ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber psychischen Belastungen trainieren und sich vor Burn-out-Symptomen und psychosomatischen Beschwerden, wie etwa Rückenschmerzen, deutlich besser schützen. Fehlzeiten und die Gefahr einer Berufsunfähigkeit können so erheblich vermindert werden.

Dies ergibt sich aus der Studie einer Expertenkommission der Bertelsmann Stiftung zusammen mit "mourlane management consultants" unter wissenschaftlicher Begleitung des Fachbereiches Arbeits- und Organisationspsychologie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

Mitarbeiter mit einer hohen psychischen Widerstandsfähigkeit, auch Resilienz genannt, zeichnen sich nach Untersuchungen dadurch aus, dass sie ihre Arbeit mit großer Gewissenhaftigkeit erledigen, sich mit anderen Menschen besser verstehen, neugieriger sind und vor allem von anderen als emotional stabiler wahrgenommen werden.

Wie psychisch widerstandsfähig ein Mensch ist, kann auch darüber entscheiden, ob und wie viel beruflichen Erfolg er hat. Es verwundert daher nicht, wenn Führungskräfte oft über eine höhere Widerstandsfähigkeit verfügen als Mitarbeiter, wie die Studie zeigt. Sie können ihre Emotionen besser steuern, sind disziplinierter, empathischer, setzen sich immer wieder aufs Neue herausfordernde Ziele und glauben häufiger an ihre Fähigkeiten.

Am besten können Vorgesetzte die Widerstandsfähigkeit ihrer Mitarbeiter steigern, indem sie diesen einerseits eine gute Orientierung und andererseits Kontrolle über deren jeweiligen Arbeitsbereich geben. Zudem beeinflussen Chefs die Zufriedenheit und Gesundheit ihrer Mitarbeiter positiv, wenn sie sich authentisch, ehrlich, vorbildlich und sinnvermittelnd verhalten.

Die psychische Widerstandsfähigkeit scheint ein wichtiger Indikator für die Befähigung als Vorgesetzter zu sein. Da die Qualität von Führungskräften Einfluss auch auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens hat, dürfte die Resilienz von Mitarbeitern in Zukunft bei der Auswahl und Entwicklung von Führungskräften eine stärkere Rolle spielen.

"Folgt man den Ergebnissen der Studie, sollten Trainings, die die Resilienz steigern, bald zum Standardangebot des betrieblichen Gesundheitsmanagements in den Betrieben gehören. Davon können dann sowohl Mitarbeiter und Führungskräfte als auch Unternehmen profitieren", sagt Detlef Hollmann, Projekt-Manager der Bertelsmann Stiftung.

Rückfragen an:
Detlef Hollmann, Bertelsmann Stiftung,
Telefon: 0 52 41 / 81-81 520

Dr. Denis Mourlane, mourlane management consultants, Telefon: 0 163 / 47 72 244

Die Studie führten Bertelsmann Stiftung und "mourlane management consultants" unter wissenschaftlicher Begleitung des Fachbereichs Arbeits- und Organisationspsychologie der Goethe-Universität in Frankfurt am Main durch. Die Daten wurden von April bis September 2012 von 564 Personen aus 121 deutschen kleinen und mittleren Unternehmen sowie Konzernen erhoben.

Die Expertenkommission der Bertelsmann Stiftung untersucht Veränderungen in der Arbeitswelt und diskutiert deren Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Lebensbedingungen der Men-schen. Im Mittelpunkt stehen die Themen Flexibilisierung, Lernen und gesellschaftliche Teilhabe.

Weitere Informationen:

http://www.bertelsmann-stiftung.de

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Klimavorhersagen über mehrere Jahre möglich

Dr. Andreas Villwock Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Werden die Winter bei uns in Deutschland in den kommenden Jahren eher warm oder kalt ausfallen? Von zuverlässigen Prognosen dieser Art ist man noch weit entfernt. Meeresforscher unter Federführung des GEOMAR ist es nun aber erstmals gelungen, Klimaumschwünge im Pazifik erfolgreich nachzubilden. Diese beeinflussen auch die globale Durchschnittstemperatur der Erde. So ist der letzte Umschwung in den 1990iger Jahren einer der Gründe dafür, dass die Erdtemperatur seit 1998 nicht weiter gestiegen ist. Die Studie, die in der online-Ausgabe in der amerikanischen Fachzeitschrift Journal of Climate erschienen ist, zeigt das Potential für langzeitliche Klimavorhersagen.

Was sich in den Jahren 1976/77 und 1998/99 im Bereich des Pazifiks ereignete, war so ungewöhnlich, dass Wissenschaftler von abrupten Klimaänderungen sprachen. Gemeint waren eine plötzliche Erwärmung des tropischen Pazifiks Mitte der 1970iger und eine rasche Abkühlung gegen Ende der 1990iger Jahre. Beide Ereignisse haben das Klima weltweit durcheinander gebracht und sind auch klar in der Durchschnittstemperatur der Erde zu sehen. Heute weiß man, dass deren Ursache die Wechselwirkung zwischen Ozean und Atmosphäre ist. Ist eine erfolgreiche Vorhersage solcher Umschwünge möglich? Dieser Frage gingen Wissenschaftler unter Federführung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel nach. Mit einem gekoppelten Modell des Ozeans und der Atmosphäre gelang es ihnen, diese Ereignisse erfolgreich nachzubilden.

„In unserem Klimasystem spielt der Ozean eine entscheidende Rolle, insbesondere wenn es um Schwankungen über mehrere Jahre oder Jahrzehnte geht", erläutert Prof. Dr. Mojib Latif, Co-Autor der Studie. „Die Chancen, solche Schwankungen korrekt vorherzusagen, sind weitaus größer als das Wetter der nächsten Wochen zu prognostizieren, weil das Klima weit weniger chaotisch ist, als die sich rasch ändernden Wetterlagen", so Latif weiter. Der Grund liegt in den langsamen Änderungen der Meeresströmungen, die Größen wie Lufttemperatur und Niederschlag, also das Klima beeinflussen. „Die Schwankungen der Strömungen bringen Ordnung ins Wetterchaos".

Die Forscher verwendeten ein Klimamodell, ein sogenanntes gekoppeltes Ozean-Atmosphäre Modell, in das sie die gemessenen Winddaten der letzten Jahrzehnte einspeisten. Für die beiden abrupten Änderungen während der 1970iger und 1990iger Jahre rechneten sie Vorhersagen, die einige Monate vor Beginn der beobachteten Klimaverschiebungen begannen. Das Mittel über alle Vorhersagen zeigt für beide abrupten Änderungen eine gute Übereinstimmung mit dem beobachteten Klimaverlauf im pazifischen Raum. „Die Winde ändern die Meeresströmungen und diese beeinflussen das Klima. In unserer Studie haben ist es uns gelungen, die für die beiden abrupten Klimaänderungen wesentlichen Prozesse zu identifizieren und realistisch nachzubilden", so Prof. Latif. „Damit sind wir ein gutes Stück in Sachen Kurzfristklimavorhersage weiter gekommen, insbesondere was die Entwicklung der globalen Erwärmung anbelangt. Von der zuverlässigen Beantwortung der Frage, ob die nächsten Winter in Deutschland eher warm oder kalt ausfallen werden, sind wir allerdings noch weit entfernt. Da liegt die Verlässlichkeit von Vorhersagen noch bei etwa 50%, was bedeutet, dass man auch eine Münze werfen kann", dämpft Prof. Latif allzu großen Optimismus hinsichtlich regionaler Kurzfristklimavorhersagen.

Originalarbeit:
Ding, H., R. J. Greatbatch, M. Latif, W. Park and R. Gerdes, 2013: Hindcast of the 1976/77 and 1998/99 climate shifts in the Pacific. J. Climate, http://journals.ametsoc.org/doi/abs/10.1175/JCLI-D-12-00626.1

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Mojib Latif, Tel.: 0431 600 4050, mlatif@geomar.de
Dr. Andreas Villwock (GEOMAR, Kommunikation und Medien), Tel.: 0431 600 2802, avillwock@geomar.de

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Beschwerdefrei im (Fahrrad)-Sattel: Projekt zur biomechanischen Optimierung der Ergonomie gestartet

Nicola Veith Pressestelle
Fachhochschule Frankfurt am Main

Die Ergonomie von Fahrradsätteln auf Basis der Biomechanik zu optimieren ist Ziel eines Forschungsprojekts, das am Institut für Materialwissenschaften der Fachhochschule Frankfurt am Main (FH FFM) gestartet ist. Hierzu werden in vivo-Materialparameter, das heißt am lebenden Organismus ermittelte Parameter, einbezogen, die bei der Interaktion zwischen dem Gewebe der Gesäßregion und der Sattel-Auflagefläche relevant sind. 3D-Simulationen der relevanten Körperregionen sollen Daten für biomechanisch und ergonomisch optimierte Sattelformen liefern, die künftig für verschiedene Einsatzbereiche wie Stadt, Gelände oder Rennsport hergestellt werden. Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie geförderte Drittmittelprojekt ist aus dem LOEWE-Schwerpunkt Präventive Biomechanik (PräBionik) heraus entstanden; Projektpartner aus der Industrie ist die SQlab GmbH, die ergonomisch optimierte Produkte für den Radsport herstellt.

„Auf Langstrecken und im Leistungssport ist die Ergonomie des Sattels besonders wichtig. Falsche Belastung kann zur Kompression von Nerven oder Blutgefäßen führen; aus der dadurch verminderten Durchblutung resultieren Taubheitsgefühle. Länger andauernde Fehlbelastungen können chronische Beschwerden, wie beispielsweise Prostatareizung, hervorrufen", erklärt Prof. Dr. Gerhard Silber, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Materialwissenschaften der FH Frankfurt und wissenschaftlicher Leiter des LOEWE-Schwerpunktes.

Die Wissenschaftler(innen) wollen mit den an Probanden erzeugten Daten aus bildgebenden Verfahren wie der Magnet-Resonanz-Tomographie ein 3D-Finite-Elemente-Modell der relevanten Körperregionen, insbesondere der Gesäßregion, erstellen. Dazu wird das an der FH Frankfurt entwickelte BOSS-Verfahren (Body Optimization & Simulation System) herangezogen (vgl. Abbildung 1). Dieses kam bisher bei der Simulation mechanischer Interaktionen zwischen Mensch und technischen Stützkonstruktionen wie Liegesystemen oder Autositzen zum Einsatz. Im Gegensatz zum weitgehend statischen Sitzen im Auto müssen im Fall des Fahrradsattels auch die durch das Pedal-Treten entstehende Dynamik und die asymmetrische Belastung des Beckens und der unteren Wirbelsäule berücksichtigt werden. Zudem soll die Wirkung von Stößen durch Unebenheiten auf der Fahrbahn simuliert werden.

Projektpartner SQlab GmbH, die für die Konzeption der neuen Fahrradsättel verantwortlich ist, hat bereits innovative Methoden zur Optimierung der Sattel-Ergonomie verfolgt, kann bisher jedoch nur den oberflächlichen Druck auf die Haut messen, nicht die im Gewebe entstehenden Spannungen. Die Vergleichsmessungen zur Bestimmung der in vivo-Materialparameter führt Prof. Dr. med. Thomas Vogl vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des Universitätsklinikums Frankfurt durch.

Finanziell unterstützt wird das Drittmittelprojekt durch das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi), das mittelständische Unternehmen und mit diesen zusammenarbeitende Forschungseinrichtungen fördert; Projektträger ist die AiF Projekt GmbH in Berlin. Sie prüft und bewertet eingehende Förderanträge vor der Weitergabe an das BMWi und überwacht die ordnungsgemäße Projektabwicklung durch die Fördermittelempfänger.

Unter der Konsortialführung der FH Frankfurt arbeiten im LOEWE-Schwerpunkt Präventive Biomechanik (PräBionik) rund 38 Wissenschaftler(innen) der FH Frankfurt am Main, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Philipps Universität Marburg, sowie die assoziierten Partnerhochschulen Bergische Universität Wuppertal, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und Katholisches Klinikum Mainz zusammen. Im Mittelpunkt der Forschungsaktivitäten stehen interdisziplinäre Fragestellungen aus Ingenieurwissenschaften, Biologie und Medizin zu den mechanischen Interaktionen zwischen humanen Weich- und Hartgeweberegionen und technischen Stützkonstruktionen, wie Liege- und Sitzsysteme, Schuhe, künstliche Gelenke oder Implantate in Knochen- und Knorpelstrukturen. Die Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) ist ein Forschungsförderungsprogramm, mit dem das Land Hessen seit 2008 die Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Hessen unterstützt.

Kontakt: FH FFM, Fachbereich 2: Informatik und Ingenieurwissenschaften, Institut für Materialwissenschaften, Prof. Dr. Gerhard Silber, Telefon: 069/1533- 3035, E-Mail: silber@fb2.fh-frankfurt.de

Weitere Informationen:
http://www.praeventive-biomechanik.eu

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Eurokrise interessiert doppelt so viele Bürger wie Arbeitslosigkeit

Florian Klebs Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hohenheim

ING-DiBa Wirtschaftskompass: Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim und ING-DiBa AG untersuchen öffentliche Kommunikation über Wirtschaftsthemen

Auch wenn die Eurokrise im Wahlkampf wie wegretouchiert erscheint, ist sie für die Bürger weiterhin das absolute Top-Thema, wenn man die Menschen nach den Themen oder Ereignissen in der Berichterstattung über Wirtschaft fragt. Die Eurokrise gilt den Befragten derzeit doppelt so wichtig wie die Frage des Arbeitsplatzes, der drohenden Arbeitslosigkeit oder Entwicklungen am Arbeitsmarkt. Das sind Ergebnisse des ING-DiBa Wirtschaftskompass, einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage des Fachgebiets für Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim und der ING-DiBa AG (Frankfurt).

Massenentlassungen wegen der Verlegung von Produktionsstandorten in Billiglohnländer, Führungswechsel in Unternehmen oder Mindestlohn-Debatte - viele Themen aus dem Bereich Wirtschaft treiben die Bürger um. Fragt man die Menschen aber offen, also ohne Antwortvorgaben, für welches Thema in der Wirtschaftsberichterstattung sie sich dabei am meisten interessieren, fällt ihr Votum eindeutig aus: Die Euro- und Verschuldungskrise steht für 14 Prozent der repräsentativ befragten Deutschen mit Abstand ganz oben auf ihrer Agenda (vgl. Abb. 1). Hinzu kommen Themen, die mit der Eurokrise eng zusammenhängen:

7 Prozent der Menschen interessieren sich für den Euro, dessen Stabilität und währungspolitische Fragen. Die seit der Lehman-Insolvenz diskutierte Frage wie Banken und Finanzmärkte kontrolliert und reguliert werden sollen, beschäftigt 6 Prozent der Befragten.

Prof. Dr. Dr. Claudia Mast, Leiterin des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft und Journalistik an der Universität Hohenheim, attestiert: „Wenn die Politiker weiterhin die Eurokrise und die Auswirkungen für Deutschland aus dem Wahlkampf heraushalten, laufen sie Gefahr, dass sich immer weniger Bürger mit ihren Ängsten und Sorgen von den Abgeordneten und Parteien vertreten fühlen. Diese Menschen verlieren dann die Lust wählen zu gehen. Für die befragten Bürger spielt zurzeit vor allem die Problematik rund um die angeschlagene Währung, die maroden Staatskassen und die Regulierung des Finanzsektors eine zentrale Rolle wenn es um Wirtschaft geht."

Eurokrise spaltet die Gesellschaft und wird zum sozialen Problem

Obwohl die Eurokrise häufig als komplex und schwer durchschaubar bezeichnet wird, haben die befragten Bürger klare Vorstellungen, was das Phänomen für sie bedeutet und wie sie die beteiligten Akteure - Politiker, Unternehmen und Medien - einschätzen. Nahezu alle Menschen (91 %) in Deutschland fühlen, dass sie die Eurokrise noch lange beschäftigen wird (vgl. Abb. 2). Allerdings spüren sie auch, dass sich durch die Auswirkungen der Krise die sozialen Unterschiede in Deutschland vergrößern werden (82 %) und der Zusammenhalt der Bürger im Lande (40 %) gefährdet ist.

„Eines erscheint klar: Die Eurokrise wird von den Bürgern aktuell vor allem als soziales Problem wahrgenommen. Schnell wächst z. B. die Angst vor Altersarmut durch die andauernde Niedrigzinspolitik", so Professorin Claudia Mast. Etwa knapp jeder zweite Deutsche (49 %) befürchtet laut der Umfrage negative Auswirkungen der Krise auf den Wohlstand, wenngleich fast jeder Vierte (23 %) Angst hat, dass die Auswirkungen der Krise seinen persönlichen Lebensstandard und den seiner Familie bedrohen. Der Blick der Bürger richtet sich aktuell stärker auf soziale und moralische Auswirkungen der Krise. Eine weitverbreitete und ernstzunehmende Sorge der Menschen ist, dass der Umgang mit der Eurokrise letztlich die Werte gefährdet, die unsere Gesellschaft zusammenhalten (54 %), z. B. die Verlässlichkeit von Regeln, die für alle gelten und eingehalten werden.

Dabei schätzen die befragten Bürger die Auswirkungen der Krise durchaus realistisch ein. 43 Prozent machen sich Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft und jeder Dritte (31 %) befürchtet, dass die Demokratie in Deutschland durch die intransparenten Prozesse des politischen Krisenmanagements, aber auch der EU-Politik, Schaden nehmen könnte. „Dass die Krise - wie einige Politiker glauben machen wollen - ihren Höhepunkt bereits überschritten hat, denken nur gerade einmal 17 Prozent", so Professorin Claudia Mast. „Wer den Bürger in seinen Interessen und Sorgen bei der Eurokrise unterschätzt hat schon verloren. Die Eurokrise als Megathema überlagert alle anderen Themen der Wirtschaft."

Eurokrise: Schlechte Noten für die Kommunikation mit den Bürgern

Wie schätzen die Bürger die öffentliche Kommunikation über die Eurokrise ein? Die schlechtesten Noten bekommen zur Zeit die Politiker, die bei diesem Thema - obwohl als Volksvertreter für die Kommunikation mit den Bürgern in erster Linie eigentlich „zuständig" - weit abgeschlagen sind im Vergleich zu den Unternehmen und den Journalisten. Selbst wenn es darum geht, ob sie sich für die Interessen der Bürger in der Eurokrise einsetzen, erhalten sie schlechte Noten. Nur 29 Prozent der Bürger glauben, dass Politiker ihrer Aufgabe als Volksvertreter nachkommen - Note „ungenügend" (vgl. Abb. 3). Dass Journalisten fast von der Hälfte der Bürger (46 %) als Vertreter ihrer Interessen wahrgenommen werden - und damit deutlich mehr als die gewählten Politiker -, ist ein alarmierender Befund.

Wenn es um die Wahrheit in der Kommunikation über die Krise geht, glaubt nur jeder Zehnte (11 %) der befragten Bürger den Politikern. Hier schneiden die Unternehmen, die durchaus interessengeleitet kommunizieren, mit 39 Prozent weit besser ab und die besten Noten bekommen die Medien (46 %). Nicht einmal bei der Verständlichkeit können die Politiker punkten. Weniger als ein Fünftel der Bevölkerung (18 %) ist der Überzeugung, dass sich die Politiker verständlich ausdrücken wenn sie über die Krise reden. Zu sehr sind sie offensichtlich in ihrer politischen PR-Rhetorik gefangen, dass ihnen trotz zahlreicher Medienauftritte die politische Überzeugung nicht gelingt. Auch in diesem Punkt werden Unternehmensinformationen (33 %) und vor allem die Medienberichterstattung (57 %) deutlich besser bewertet.

Gleiches gilt bei der Frage, ob die Menschen den Akteuren glauben, dass sie ihnen alles Wichtige über die Krise sagen. Hier liegen die Journalisten klar an der Spitze, denn 60 Prozent der Bürger meinen, dass sie in der Eurokrise die relevanten Themen aufgreifen, wohingegen die Kommunikation der Politiker auch in diesem Punkt offensichtlich versagt. Nur 16 Prozent der Bürger sind laut Umfrage mit den Inhalten der politischen Kommunikation zufrieden.

84 Prozent der befragten Bürger dagegen sind überzeugt, die Politiker sagen nicht alles Wichtige bei der Eurokrise, jedenfalls nicht die Wahrheit (89 %) und dies auch noch unverständlich (82 %). Zudem glauben 71 Prozent der Menschen nicht, dass die politischen Volksvertreter sich für ihre Interessen als Bürger einsetzen - schlechte Noten für die politische Kommunikation mit den Bürgern in einem Anliegen, das diese derzeit als wichtigstes Thema in der Berichterstattung über Wirtschaft einstufen.

Zur Gemeinschaftsstudie

Die Gemeinschaftsstudie des Fachgebiets Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim (Stuttgart) und der ING-DiBa AG (Frankfurt) untersucht die öffentliche Kommunikation über Wirtschaftsthemen.

Der erste Teil des Forschungsprogramms, dessen Ergebnisse als Buch vorliegen („Neuorientierung im Wirtschaftsjournalismus. Redaktionelle Strategien und Publikumserwartungen", hrsg. von Claudia Mast, erschienen im Verlag VS Springer (378 Seiten, ISBN: 978-3-531-18200-1)), nimmt eine Bestandsaufnahme des Wirtschaftsjournalismus vor. Grundlagen, Vorgehensweisen und Verantwortung des Wirtschaftsjournalismus als „Scharnier" zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft aus Sicht der Journalisten, der Bürger und Entscheidungsträger in Unternehmen werden in aufeinander abgestimmten empirischen Teilstudien untersucht.

Der zweite Teil des Forschungsprogramms wird als Langzeituntersuchung fortgeführt. Im Blick stehen Themen, Strategien und Leistungen der Wirtschaftskommunikation. Regelmäßige Bevölkerungsumfragen erheben, wie das Medienpublikum die Arbeit von Wirtschaftsjournalisten und anderen professionellen Kommunikatoren bewertet und wie es deren Glaubwürdigkeit einschätzt.

Zum Fachgebiet für Kommunikationswissenschaft und Journalistik

Das Fachgebiet für Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim (Stuttgart) ist seit vielen Jahren in den Gebieten Journalismus, Public Relations und Kommunikationsmanagement tätig. Lehrstuhlinhaberin Prof. Dr. Dr. Claudia Mast und ihr Team legen den Schwerpunkt ihrer Forschungsarbeit auf anwendungsorientierte, interdisziplinäre Untersuchungen, deren Ergebnisse durch einen schnellen Transfer an Entscheider in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft weitergegeben werden. Aktuelle Forschungsschwerpunkte sind Innovationen im Journalismus, Wirtschaftskommunikation, Unternehmensreputation sowie Glaubwürdigkeit und Vertrauen in Kommunikationsbeziehungen.

Zur Person

Prof. Dr. Dr. habil. Claudia Mast ist Inhaberin des Lehrstuhls für Kommunikationswissenschaft und Journalistik der Universität Hohenheim (Stuttgart). Sie ist federführend tätig für die universitäre Aus- und Weiterbildung von Journalisten, PR-Fachleuten und anderen Medienberufen. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Wirtschaftsjournalismus, strategische Kommunikationsplanung und wertorientiertes Kommunikationsmanagement. Claudia Mast ist Mitglied zahlreicher Gremien und hat renommierte Fachbücher publiziert, u. a. das Handbuch für Redaktionen „ABC des Journalismus" sowie den Leitfaden für Public Relations „Unternehmenskommunikation".

Zur ING-DiBa AG

Die ING-DiBa ist mit 7,5 Millionen Kunden die drittgrößte Privatkundenbank in Deutschland. Die Kerngeschäftsfelder sind Spargelder, Wertpapiergeschäft, Baufinanzierungen, Verbraucherkredite und Girokonten. Die Bank verzichtet auf ein teures Filialnetz und bietet stattdessen einfache Produkte und günstige Konditionen. Sie ist jeden Tag 24 Stunden für ihre Kunden erreichbar. Das Wirtschaftsmagazin Euro kürte die ING-DiBa zu Deutschlands "Beliebteste Bank 2012" und die Leser von Börse Online wählten die ING-DiBa zum "Onlinebroker des Jahres 2012".

Text: Leonhardmair

Weitere Informationen:
http://www.uni-hohenheim.de/news/eurokrise-interessiert-doppelt-so-viele-buerger...

"Abbildungen zum Text"

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Wie Pestizide auf die belebte Umwelt wirken

Myriam Hönig, Antje Karbe Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

Verändert der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln weltweit Ökosysteme? Ökotoxikologen der Universität Tübingen identifizieren in einer Studie Forschungsdefizite.

In den letzten 50 Jahren hat sich die Anzahl der Menschen fast verdoppelt ‒ und damit auch die globale Nahrungsmittelproduktion. Als eine Folge haben der Einsatz von Pestiziden und die daraus resultierenden Auswirkungen auf Menschen, Tiere und Pflanzen an Bedeutung gewonnen. Dass Pestizide auch auf Organismen giftig wirken können, gegen die sie ursprünglich nicht eingesetzt wurden, hat sich in Laborversuchen vielfach gezeigt. Auch wird im Zusammenhang mit einer Intensivierung der Landwirtschaft weltweit immer wieder von Populationseinbrüchen bei Wildtierbeständen und von Artensterben, wie beispielsweise bei Amphibien, berichtet. Können Pestizide durch ihre biochemische Wirkung also ganze Ökosysteme beeinträchtigen?

Den Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Veränderungen ökologischer Systeme haben Professor Heinz Köhler und Professor Rita Triebskorn vom Institut für Evolution und Ökologie der Universität Tübingen in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Science" analysiert. Die Tübinger Ökotoxikologen benennen dabei Defizite in der Forschung, die bislang verhindern, dass Folgen biochemischer Pestizidwirkungen auf die Populationsstruktur einer Art oder auf die Zusammensetzung von Artengemeinschaften erkannt werden. „Obwohl zahlreiche Indizien für Veränderungen von Tierpopulationen oder Biozönosen durch Pestizideinsatz vorliegen, existieren nur wenige Studien, die diesen Zusammenhang zweifelsfrei nachgewiesen haben", sagen Köhler und Triebskorn. In diesem Zusammenhang weisen die beiden Wissenschaftler auf mathematische und experimentelle Ansätze hin, mit denen sich Verbindungen zwischen den Auswirkungen von Pestiziden bei Individuen und ökologischen Veränderungen von Artengemeinschaften und Ökosystemen in Regionen mit intensiver landwirtschaftlicher Aktivität erkennen lassen. Eine Schlüsselrolle spielen dabei bislang selten durchgeführte Studien, die experimentelle Freilandarbeit mit Forschungen an begrenzen Ausschnitten aus Ökosystemen sowie einer großen Palette an chemischen und biologischen Analysen kombinieren: In einem interdisziplinären Ansatz können derartige Studien plausible Zusammenhänge zwischen der Wirkung von Chemikalien in Mensch und Tier und oft indirekten Effekten nachweisen, die sich auf den Ebenen von Population, Lebensgemeinschaft und Ökosystem abspielen.

Zudem stellen die Wissenschaftler in ihrer Studie Prognosen zu Wechselwirkungen von Pestizideffekten und der globalen Erwärmung: Sie erwarten, dass diese Interaktionen langfristig den Selekti-onsdruck in der Natur, die Verbreitung von Infektionen sowie die Geschlechtsausprägung und Fruchtbarkeit von Wildtieren verändern. Dies könnte wiederum negative Auswirkungen auf Populationen, Artengemeinschaften und Nährstoffkreisläufe haben. Eine weitere Herausforderung für die Wissenschaft ist es deshalb, so die Tübinger Umweltforscher, zu zeigen, wie stark Pestizideffekte durch den Klimawandel beeinflusst werden, und welche ökologischen Prozesse für diese Wechselwirkungen besonders sensitiv sind? „Die Zusammenhänge von Pestizidwirkungen auf allen Ebenen steigender biologischer Komplexität müssen besser erforscht werden", fordern die Wissenschaftler.

Publikation: Köhler, Heinz-R.; Triebskorn, Rita: Wildlife Ecotoxicology of Pesticides - Can We Track Effects to the Population Level and Beyond? Science (2013), 16. August 2013: http://www.sciencemag.org/

Kontakt:
Prof. Dr. Heinz-R. Köhler
Universität Tübingen
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Institut für Evolution und Ökologie / Physiologische Ökologie der Tiere
Tel. +49 7071 757-3559
heinz-r.koehler@uni-tuebingen.de

Prof. Dr. Rita Triebskorn
Universität Tübingen
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Institut für Evolution und Ökologie / Physiologische Ökologie der Tiere
+49 7071 757-3555
rita.triebskorn@uni-tuebingen.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Frauen-Power für Umweltschutz: „Auch gegen massive Widerstände Visionen in Realität umgemünzt"

Franz-Georg Elpers Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Deutscher Umweltpreis der DBU an Firmen-Gründerin Carmen Hock-Heyl (Nördlingen) und „Stromrebellin" Ursula Sladek (Schönau)

Osnabrück. Die Träger des Deutschen Umweltpreises der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) stehen fest. Den mit 500.000 Euro höchstdotierten Umweltpreis Europas teilen sich 2013 die Gründerin und Geschäftsführerin der Firma Hock (Nördlingen), Carmen Hock-Heyl (58), sowie die Vorstandsvorsitzende der Netzkauf ElektrizitätsWerke Schönau (EWS) e.G., Ursula Sladek (67). Hock-Heyl wird geehrt, weil sie Dämmmatten für den Hausbau aus dem Öko-Rohstoff Hanf am Markt etabliert hat, „Stromrebellin" Sladek, weil sie aus einer Bürgerinitiative den ersten Ökostromanbieter Deutschlands schuf. Die Frauen hätten „in Zeiten, in denen sie nur belächelt wurden, mit Überzeugungskraft, Kompetenz und Hartnäckigkeit gegen massive Widerstände zukunftsweisende Aufbauarbeit im Spannungsfeld von Ökologie und Ökonomie geleistet und so ihre Visionen in Realität umgemünzt", sagte DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde heute. Die Preise übergibt am 27. Oktober in Osnabrück Bundespräsident Joachim Gauck.

Hock-Heyl hat Dämmmatten aus nachwachsendem Rohstoff Hanf am Markt etabliert

Mit beharrlichem Engagement, unternehmerischem Durchsetzungsvermögen und Mut zum Risiko sei es Carmen Hock-Heyl gelungen, Dämmmatten für den Hausbau aus dem nachwachsenden Rohstoff Hanf am Markt zu etablieren, so Brickwedde. „Die Produkterfinderin, Unternehmensgründerin und Geschäftsführerin hat nicht nur Öko-Dämmstoffe hoffähig gemacht. Sie ist auch ein Vorbild für andere Unternehmen, weil sie Ökologie und Ökonomie erfolgreich in Einklang gebracht, gesundes Bauen gefördert und regionale Wirtschaftskreisläufe wiederbelebt hat."

Einen mühsamen Weg gegen Widerstände und Desinteresse beschritten

Doch bis die Hanf-Produkte auf dem Markt und unter Fachleuten anerkannt waren, habe Hock-Heyl einen mühsamen Weg gegen Widerstände und Desinteresse beschreiten müssen. Sie habe den gesamten Prozess von der Aussaat des Hanfs über die Produktion der Dämmmatten bis zum Recycling komplett neu aufgebaut, viel Geld investiert und in Politik und Verbänden viel Überzeugungsarbeit geleistet. Seit 2003 produziere das Unternehmen die Dämmmatten selbst, 2005 sei der Firmensitz - heute mit rund 70 Mitarbeitern - von Stutensee bei Karlsruhe nach Nördlingen verlegt worden. Seit 2006 seien „Thermo-Hanf"-Produkte auf dem europäischen Markt. Mit „Thermo-Hanf Premium" sei die Firma Hock als mittelständisches Unternehmen Marktführer für Naturfaserdämmstoffe aus Hanf.

„Hanf als Baustoff fürs Haus hartnäckig hoffähig gemacht"

Das neueste Produkt des Unternehmens, „Thermo-Hanf Plus", sei vollständig biologisch abbaubar und werde von der Firma beim Abriss eines Hauses auch kostenlos zurückgenommen. Anstelle von im Brandfall giftigen Chemikalien als Flammschutzmittel verwende Hock für alle Produkte natürlich vorkommende Alternativen. Auch für den Handwerker und Verbraucher biete Thermo-Hanf viele Vorteile, weil er leicht, staubarm und hautverträglich zu verarbeiten sei und für ein gesundes und angenehmes Wohnklima sorge. Brickwedde: „Carmen Hock-Heyls Ziel war es immer, etwas für den nachhaltigen Klimaschutz zu tun und das Bauen mit Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen - insbesondere Hanf - weiter zu etablieren. Mit ihrem Mut ist es ihr gelungen, aus Visionen Realität zu formen: Sie hat den Hanf als Baustoff fürs Haus hartnäckig hoffähig gemacht."

Sladek Visionärin einer sicheren, wirksamen und zukunftsfähigen Energieversorgung

Zur Preisträgerin Sladek sagte Brickwedde, sie habe früh erkannt, dass nur gemeinsam mit den Bürgern und Gemeinden die Energieversorgung ökologisiert werden könne. Nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1986 habe sie eine Bürgerinitiative mit ins Leben gerufen, die sich für die Vision einer sicheren, wirksamen und zukunftsfähigen Energieversorgung eingesetzt habe und aus der 1994 der Ökostromanbieter EWS hervorging. Sladek habe mit ihren Mitstreitern und den EWS viele Hürden gemeistert, die der damalige Stromanbieter für die Netz-Übernahme aufgebaut habe. Dabei habe sie sich auch nicht von überhöhten Verkaufspreisen einschüchtern lassen. Ihrem Mut und ihrer Tatkraft sei es mit zu verdanken, dass die EWS 1997 das Schönauer Stromnetz übernehmen konnten. Sladek habe gezeigt, dass die Beteiligung der Bürger ein maßgeblicher Faktor für ein Umsteuern in der Energiepolitik und den Klimaschutz sei. Denn durch das Einbeziehen der Einwohner Schönaus als Stromkunden in die Arbeit der EWS und eine transparente Unternehmenspolitik habe sie „Vertrauen geschaffen, zum Handeln motiviert und einen ökologischen Wandel ermöglicht".

Bürger, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, können die Energiewende gemeinsam vorantreiben

Die Bedeutung von Sladeks energiewirtschaftlichem Engagement für eine nachhaltige Energieversorgung in Deutschland sei herausragend. Bereits 1999, ein Jahr nach der Liberalisierung des Strommarkts, hätten Sladek und ihr Team in Schönau mit dem bundesweiten Stromvertrieb begonnen. Mit der Gründung der Genossenschaft Netzkauf EWS 2009 hätten die EWS auch der ökologisch motivierten Genossenschaftsbewegung in Deutschland neuen Auftrieb gegeben. Viele Städte und Gemeinden hätten sich an dem Bürgerbeteiligungs-Modell Schönau bis heute orientiert und setzten sich auf unterschiedliche Weise für die Energiewende ein. Sladek habe sich zusammen mit den Bürgern gegen ein Groß-Energieversorgungsunternehmen durchsetzen und einen ökologischen Wandel bewirken können. Das mache die Stromrebellin zu einem gesellschaftlichen Vorbild. Sie habe bewiesen, dass Bürger, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, die Energiewende gemeinsam vorantreiben könnten.

Mit dem 2013 zum 21. Mal verliehenen Deutschen Umweltpreis der DBU - dem unabhängigen, mit 500.000 Euro höchstdotierten Umweltpreis Europas - werden Leistungen ausgezeichnet, die vorbildlich zum Schutz und Erhalt der Umwelt beigetragen haben oder in Zukunft zu einer deutlichen Umweltentlastung beitragen werden. Er richtet sich an Personen, Firmen und Organisationen. Es können Projekte, Maßnahmen oder Lebensleistungen einer Person prämiert werden. Kandidaten für den Deutschen Umweltpreis werden der DBU vorgeschlagen. Berechtigt dazu sind etwa Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften, Kirchen, Umwelt- und Naturschutzverbände, wissenschaftliche Vereinigungen und Forschungsgemeinschaften, das Handwerk und Wirtschaftsverbände. Selbstvorschläge sind nicht möglich. Eine vom DBU-Kuratorium ernannte Jury, besetzt mit unabhängigen und herausragenden Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft, Technik und gesellschaftlichen Gruppen, empfiehlt dem DBU-Kuratorium die Preisträger für das jeweilige Jahr. Das DBU-Kuratorium fällt die Entscheidung.

Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel34690_335.html

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Melonen können krankmachende Keime übertragen

Dr. Suzan Fiack Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)

BfR rät, geschnittene Melonen gekühlt aufzubewahren oder rasch zu verzehren

Melonen sind wegen ihres süßen, saftigen und weichen Fruchtfleisches beliebt. Gerade im Sommer wird das frische und gesunde Obst gerne und viel verzehrt. Allerdings können Melonen bei der Produktion, beim Transport oder bei der Lagerung mit Krankheitserregern verunreinigt werden, die dann bei der Zubereitung unter Umständen auf das Fruchtfleisch gelangen. „Salmonellen, Listerien oder EHEC können sich auf dem säurearmen Fruchtfleisch von Melonen relativ schnell vermehren", sagt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). „Zum Schutz vor Infektionen sollten Verbraucher vorgeschnittene Melonen deshalb rasch verzehren oder kühlen." Melonenstücke, die mehrere Stunden ungekühlt gelagert wurden, sollten vorsichtshalber entsorgt werden. Generell rät das BfR, bei der Zubereitung und Aufbewahrung von Melonen unbedingt die Regeln der Küchenhygiene zu beachten. Schwangere, Kleinkinder, alte und kranke Menschen sollten auf den Verzehr aufgeschnittener Melone, die mehrere Stunden bei Raumtemperatur aufbewahrt wurde, vorsorglich verzichten.

Im Handel werden Melonen entweder als ganze Frucht oder als Teilfrucht (halbe oder Viertelmelonen) angeboten. Beliebt sind auch vorgeschnittene Melonen, die - teilweise vermischt mit anderen Obstsorten - verzehrsfertig verkauft werden. Insbesondere an der rauen Oberfläche von sogenannten „Netzmelonen", wie z.B. der Sorte Cantaloupe, können Mikroorganismen leicht anhaften. Gelangen krankmachende Bakterien auf das säurearme Fruchtfleisch, können sie sich bei ungekühlter Lagerung bereits nach wenigen Stunden vermehren und somit unter Umständen zu einer ernstzunehmenden Gesundheitsgefahr werden. Im Zusammenhang mit dem Verzehr von Melonen wurden Krankheitsausbrüche bislang vor allem durch Salmonellen, Listerien und EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli) ausgelöst.

Nach dem Verzehr von verunreinigten Cantaloupe-Melonen erkrankten beispielsweise im Jahr 2011 in den USA mindestens 147 Menschen an einer Infektion durch Listeria monocytogenes. 33 Menschen starben als Folge der Infektion und eine Schwangere erlitt eine Fehlgeburt. Die Keime waren beim Aufschneiden von der Schale auf das Fruchtfleisch gelangt. In Deutschland, dem Vereinigten Königreich und in Irland löste der Verzehr von importierten Wassermelonen Ende 2011 einen Salmonellen-Ausbruch aus. Das Risiko, nach dem Verzehr von Melonen zu erkranken, lässt sich für Deutschland jedoch aufgrund fehlender Daten nicht abschätzen.

Melonen können an verschiedenen Stellen ihrer Produktion mit Krankheitserregern in Kontakt kommen, beispielsweise durch Hygienemängel beim Anbau oder beim Waschen der Früchte. Weiterhin können infizierte Personen bei mangelnder Hygiene Krankheitserreger direkt auf die Melonen übertragen.

Werden Melonen aufgeschnitten, können Bakterien von der Schale auf das Fruchtfleisch gelangen. Außerdem können Krankheitserreger indirekt über Hände oder über verunreinigte Küchengeräte (Messer, Bretter) auf das Fruchtfleisch aufgebracht werden.

Um das Risiko einer Lebensmittelinfektion zu minimieren, sollte beim Aufschneiden von Melonen daher unbedingt auf die allgemeinen Regeln der Küchenhygiene geachtet werden: Dazu gehört es, Hände zu waschen, mit sauberen Messern und Schneidbrettern zu arbeiten und Kreuzkontaminationen zu vermeiden. Diese Regeln gelten ebenso für die Zubereitung von Melonen im Lebensmitteleinzelhandel und in Privathaushalten wie in Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung und der Gastronomie.

Dem Lebensmitteleinzelhandel, Gastronomiebetrieben und Gemeinschaftsverpflegungseinrichtungen empfiehlt das BfR, Melonen nur in den Mengen aufzuschneiden, die innerhalb von etwa zwei Stunden an die Kundschaft abgegeben werden können.

Verbraucher sollten Teilstücke von Melonen unbedingt abgedeckt im Kühlschrank aufbewahrt, falls sie nicht zügig verzehrt werden können. Insbesondere Schwangere und Personen mit nicht ausgebildeter oder geschwächter Immunabwehr (Kleinkinder, alte und kranke Menschen) sollten aufgeschnittene Melone, die mehrere Stunden bei Raumtemperatur aufbewahrt wurde, vorsorglich nicht mehr verzehren. Diese Personen sollten sorgfältig abwägen, ob sie geschnittene Melonen verzehren wollen, wenn ihnen nicht bekannt ist, ob diese für einen längeren Zeitraum ungekühlt gelagert wurden.

Über das BfR
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ist eine wissenschaftliche Einrichtung im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Es berät die Bundesregierung und die Bundesländer zu Fragen der Lebensmittel-, Chemikalien- und Produktsicherheit. Das BfR betreibt eigene Forschung zu Themen, die in engem Zusammenhang mit seinen Bewertungsaufgaben stehen.

Weitere Informationen:
http://www.bfr.bund.de/cm/343/melonen-gesundheitsgefahr-durch-verunreinigung-mit...
Stellungnahme des BfR

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Modulare Technik für intelligente Energieversorgung - 100 kW-BHKW auf Basis von Brennstoffzellen

Michael Ehring Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Oel-Waerme-Institut GmbH

Intelligente Energieversorgung für große Gebäude oder kleine Siedlungen könnte künftig auch so aussehen: Ein Blockheizkraftwerk (BHKW), bestehend aus bis zu 20 miteinander verschalteten Hochtemperatur-Polymerelektrolytmembran-(HT-PEM) Brennstoffzellenmodulen, erzeugt die benötigte Wärme und Strom aus Wasserstoff, der zuvor mittels Elektrolyse aus überschüssigem Windstrom hergestellt und gespeichert wurde und damit bedarfsgerecht abrufbar ist.

In dieses Kraft-Wärme-Kopplungs (KWK)-System ist zudem eine Reformereinheit integriert, die auch aus Erdgas den zum Betrieb der Brennstoffzellen erforderlichen Wasserstoff herstellen kann. Dies erhöht einerseits die Versorgungssicherheit und ermöglicht andererseits, zeitabhängig den jeweils günstigsten Energieträger für die Wärme- und Stromerzeugung des Systems zu wählen. An der Realisierung dieses neuen Konzepts arbeitet seit Mitte 2013 ein Konsortium internationaler Industrieunternehmen und Forschungsinstitutionen, in dem das OWI Oel-Waerme-Institut für die Auslegung des BHKW´s und die Demonstration der Machbarkeit zuständig ist.

Der modulare Aufbau des Systems aus einzelnen Brennstoffzelleneinheiten mit einer elektrischen Leistung von jeweils 5 kW kann auf bis zu 100 kW hochskaliert werden und bietet eine größtmögliche Flexibilität für die Energieversorgung in unterschiedlichen Größenordnungen. Kleine Module sind in größeren Mengen zu günstigeren Kosten herstellbar. Im intelligent gesteuerten Betrieb erhöht sich dadurch zusätzlich die Gesamteffizienz des KWK-Systems. Eingesetzt werden Hochtemperatur-Brennstoffzellen, deren Materialien im Laufe des Projekts so optimiert werden, dass eine Lebensdauer des Systems von mehr als 40.000 Stunden und eine Verbesserung des Wirkungsgrads von mehr als 20 % im Vergleich zu aktuell erhältlichen HT-PEM-Systemen realisierbar ist. Der elektrische Wirkungsgrad des KWK-Systems soll bei mehr als 45 % liegen. Bei allen Entwicklungsschritten gehen die Projektpartner streng kostenoptimiert vor, um mit Blick auf die Marktchancen des Systems auch konkurrenzfähige Herstellungs- und Betriebskosten zu erzielen. Gefördert wird das Projekt mit dem Namen „CISTEM" durch das Fuel Cells & Hydrogen Joint Undertaking mit Mitteln der Europäischen Union (Grant Agreement Nummer 325262).

Weitere Informationen:
http://www.owi-aachen.de/modulare-technik-fuer-intelligente-energieversorgung/
http://www.owi-aachen.de/projekte/projekte-brennstoffzellensysteme/CISTEM/

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Dem Rinderwahnsinn auf der Spur

Dr. Anne Hardy Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Obowhl der Ausbruch der BSE-Krise bereits gut 20 Jahre zurück liegt, sind die Ursachen von Erkrankungen wie Rinderwahnsinn (BSE) und der verwandten Creutzfeldt-Jakob-Krankheit beim Menschen in vielen Aspekten ein Mysterium geblieben. Forschern der Goethe-Universität ist es nun gelungen, Einblicke mit bis dato unerreichter Genauigkeit in die krankheitsrelevanten Ablagerungsprozesse des Proteins auf atomarer Ebene zu gewinnen.

FRANKFURT. Das besondere Charakteristikum dieses Typus von Krankheiten ist, dass die Übertragung des Erregers auf einem infektiösen Eiweißstoff beruht und weder Bakterien noch Viren involviert. Dieser Einweißstoff ist als Prion-Protein bekannt. Eigentlich handelt es sich um ein harmloses Protein im menschlichen Körper. Gefährlich wird es, wenn sich einzelne Moleküle des Prion-Proteins zu Oligomeren zusammen lagern und dabei ihre dreidimensionale Struktur verändern. Das geschieht nicht nur im Verlauf von Prionen-Erkrankungen, sondern auch durch Alterung oder spezifische Punktmutationen. Diese oligomeren Strukturen sind auch Träger der Infektiosität: Sie können zwischen Individuen übertragen werden und prägen dann im neuen Wirt ihre Struktur auch Molekülen des Prion-Proteins auf, die zunächst nicht als Oligomere vorlagen.

Dr. Kai Schlepckow in der Arbeitsgruppe von Prof. Harald Schwalbe an der Goethe-Universität ist es erstmals gelungen, detaillierte Einblicke in den Bildungsmechanismus von Oligomeren des Prion-Proteins zu gewinnen. „Wir konnten quasi für jede einzelne Aminosäure nachverfolgen, zu welchem Zeitpunkt sie in den Aggregationsprozess eingreift. Dieser Prozess ist viel komplexer, als man bisher angenommen hat", berichtet Prof. Schwalbe. Diese Informationen sind von zentraler Bedeutung, da es ohne sie nicht möglich sein wird, Therapeutika zu entwickeln, die die Bildung infektiöser Partikel unterbinden.

Mit Hilfe der Kernmagnetresonanzspektroskopie (NMR-Spektroskopie) konnte der Prozess der Oligomerisierung mit atomarer Auflösung verfolgt werden. Auf diese Weise war es möglich, verschiedene Bereiche des Prion-Protein-Moleküls auf ihre spezifischen Beiträge zur Oligomerisierung zu untersuchen. „Wir waren fasziniert zu sehen, dass sich das Molekül während der Oligomerisierung nicht gleichförmig verhält. Vielmehr sind verschiedene Molekülbereiche in unterschiedliche Abschnitte dieses Prozesses involviert. Somit können wir den Bildungsmechanismus von Oligomeren des Prion-Proteins mit bisher nicht erreichter Genauigkeit beschreiben", fasst Dr. Schlepckow die Ergebnisse der Studie zusammen, die kürzlich als Very Important Paper in der renommierten Fachzeitschrift Angewandte Chemie veröffentlich wurde.

Publikation: Kai Schlepckow und Harald Schwalbe: Molecular Mechanism of Prion Protein Oligomerization at Atomic Resolution, Angew Chem Int Ed Engl. 2013
http://dx.doi.org/10.1002/ange.201305184
http://dx.doi.org/10.1002/anie.201305184

Informationen:
Prof. Harald Schwalbe, Institut für Organische Chemie und Chemische Biologie, Campus Riedberg, Tel.: (069) 798-29130; schwalbe@em.uni-frankfurt.de

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn drittmittelstärksten und größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Parallel dazu erhält die Universität auch baulich ein neues Gesicht. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht ein neuer Campus, der ästhetische und funktionale Maßstäbe setzt. Die „Science City" auf dem Riedberg vereint die naturwissenschaftlichen Fachbereiche in unmittelbarer Nachbarschaft zu zwei Max-Planck-Instituten. Mit über 55 Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität laut Stifterverband eine Führungsrolle ein.

Herausgeber:
Der Präsiden
t
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation Telefon (069) 798 - 2 92 28, Telefax (069) 798 - 763 12531, E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de
Internet: www.uni-frankfurt.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Unterwasservegetation entlang der Ostseeküste wird erforscht

Ingrid Rieck Presse und Kommunikation
Universität Rostock

Welchen Einfluss haben Wasserpflanzen auf Nährstoffkreisläufe und Sedimentationsgeschehen an den Küsten der Ostsee? Dieser Frage wollen Wissenschaftler in dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt BACOSA auf den Grund gehen. Pflanzenbestände in den Flachwasserbereichen der Ostsee bremsen die Fließgeschwindigkeit und erlauben so eine erhöhte Ablagerung von Sedimenten. Darüber hinaus speichern sie Nährstoffe, die vom Land in die Küstengewässer eingetragen werden. „In welchem Maß dies geschieht und in welcher Form die Nährstoffe anschließend wieder freigesetzt werden, ist bisher allerdings kaum bekannt", sagt Dr. Maike Piepho vom Institut für Biowissenschaften der Universität Rostock.

Forscher der Universitäten Rostock, Greifswald und Kiel haben sich zu diesem Zweck im Juni und Juli auf den Weg gemacht und insgesamt sechs verschiedene Küstenbereiche entlang der Ostseeküste beprobt. Von der Geltinger Bucht bei Flensburg, über Fehmarn, Salzhaff, Darß-Zingster Boddenkette und Hiddensee bis zum Greifswalder Bodden wurden Gewässer- und Sedimentzustand zwischen Schilfgürtel, Unterwasservegetation und vegetationsfreien Bereichen verglichen. Zusätzlich wurden die Strömungsgeschwindigkeit und die Trübung innerhalb und außerhalb von Pflanzenbeständen bestimmt. Die Standorte unterscheiden sich durch ihre Entfernung von der Nordsee deutlich in ihren Salzgehalten, was einen großen Einfluss auf die Zusammensetzung und Funktion der Unterwasservegetation haben kann. Die umfangreiche Datensammlung der Kampagne wird derzeit ausgewertet.

Im Jahr 2014 sollen die jetzt gewonnenen räumlich aufgelösten Daten durch zeitlich aufgelöste Daten ergänzt werden. Geplant ist eine monatliche Beprobung zweier ausgewählter Standorte in der Darß-Zingster Boddenkette, um die Veränderungen und Einflüsse der Unterwasserpflanzen und des Schilfs im Jahresverlauf verfolgen zu können.

BACOSA ist Teil des Forschungsverbundes Küstenmeerforschung in Nord- und Ostsee (KüNO) im Rahmen des BMBF-Programms Forschung für nachhaltige Entwicklung (FONA). Das Projekt läuft bis 2016.

Kontakt:
Universität Rostock
Institut für Biowissenschaften
Dr. Maike Piepho
Fon: +49 (0)381 498-6087
Mail: maike.piepho@uni-rostock.de
Prof. Dr. Hendrik Schubert
Fon: +49 (0)381 498 6071
Mail: hendrik.schubert@uni-rostock.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Expertise im Gewässerschutz wird in Leipzig gebündelt

Tilo Arnhold Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) vom 24.Juli 2013

Expertise im Gewässerschutz wird in Leipzig gebündelt
Bundesumweltministerium begrüßt Ansiedelung des europäischen Themenzentrums Wasser beim UFZ

Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig soll künftig die in der EU vorhandene Expertise zur Beobachtung und Bewertung europäischer Wasserressourcen und Gewässer bündeln. Das UFZ übernimmt zunächst für den Zeitraum von 2014 bis 2018 die Leitung des Europäischen Themenzentrums für Inland-, Küsten- und Meeresgewässer. Die Bundesregierung erhofft sich dadurch weiterführende Informationen über den Zustand der europäischen Gewässer. Dies dient dem Umweltschutz und dem Ressourcenschutz.

Die europäische Wasserpolitik ist für Deutschland wegen seines Anteils an den europäischen Flussgebieten und Meeren von zentraler Bedeutung. Die Bundesregierung hat daher ein Interesse daran, dass die Informations- und Datengrundlage der europäischen Wasserpolitik ein hohes Qualitätsniveau hat. Das jetzt von der Europäischen Umweltagentur (EUA) beauftragte hochkompetente Netzwerk unter Federführung des UFZ wird hier einen wesentlichen Beitrag leisten. Es besteht aus einem Netzwerk von 17 kompetenten Forschungseinrichtungen, Organisationen und nationalen Ämtern aus 11 europäischen Staaten, darunter das Umweltbundesamt.

Wesentliche Aufgabe des Themenzentrums ist die Unterstützung und Beratung der EUA bei der Zusammenführung, Auswertung und Bewertung von Daten zur Nutzung und zum Zustand der Wasserressourcen und der Binnen-, Küsten- und Meeresgewässer in Europa. Damit wird ein wichtiger Beitrag zur Weiterentwicklung der europäischen Informationssysteme für Umwelt und Wasser geleistet. Dies ist nicht zuletzt für interessierte Bürger von Bedeutung. Ein zweites zentrales Aufgabenfeld wird sein, Indikatoren zur Vorbereitung politischer Entscheidungen sowie zur Überprüfung des Erfolgs europäischer Vorgaben zu entwickeln. Darüber hinaus soll untersucht werden, wie der Wasserhaushalt auf den Klimawandel - insbesondere auf Extremereignisse wie Überflutungen und Dürren - reagiert. Mit diesen Arbeiten unterstützt das Themenzentrum maßgeblich die Umsetzung der Wasser- und der Meeresstrategierahmenrichtlinien der EU sowie der Strategie zum Schutz der europäischen Wasserressourcen.

Das UFZ ist mit über 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine der bedeutenden nationalen Forschungseinrichtungen im Umweltbereich in Europa und verfügt über eine weitreichende Expertise im Wasserbereich. Die Fachkompetenz des Forschungszentrums reicht von der Gewässerbiologie und -chemie über die Ökotoxikologie, Bodenphysik und die Geohydrologie bis hin zur Hydrologie ganzer Einzugsgebiete sowie Modellentwicklung und Visualisierung. Hinzu kommt eine langjährige Expertise in der sozioökonomischen Forschung. - denn um unterschiedliche Wasserprobleme weltweit zu lösen, müssen qualitative, quantitative, ökologische, technische und soziale Aspekte des Wassermanagements integriert betrachtet werden.

Das UFZ wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert. Das Bundesumweltministerium ist im Aufsichtsrat des UFZ vertreten.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Erdwärme in Innenstädten erschließen

Rüdiger Mack Marketingkommunikation
Fachinformationszentrum Karlsruhe

Geothermische Anlagen lassen sich kostengünstig in Tunnel integrieren

Wenn in Innenstädten neue Tunnelbauwerke errichtet werden, ist das eine gute Chance, mit geringem Aufwand parallel auch Erdwärme zu erschließen. Diese lässt sich beispielsweise zum Beheizen und Kühlen von Gebäuden verwenden. Das BINE-Projektinfo „Klimatisieren mit Erdwärme aus U-Bahn-Tunneln" (09/2013) stellt ein Forschungsprojekt in Stuttgart vor. Das Ziel ist, die Auswirkungen der Wärmeentnahme auf das umgebende Erdreich zu erforschen.

Zwei zehn Meter lange Tunnelabschnitte wurden beim Bau mit Absorbern ausgestattet. Dafür wurden die Leitungen auf dem Spritzbeton der Tunnelaußenschale montiert und mit dem Ortsbeton der Innenschale eingegossen. Beide Absorber sind mit einer Wärmepumpe verbunden. Mit dieser Anlage simulieren die Forscher verschiedene Entnahmeprofile. Die Messungen zeigen, dass die Temperatur des Erdreichs nur bis in eine Entfernung von acht Metern beeinflusst wird. Weiterhin untersuchten die Wissenschaftler den Einfluss des Grundwassers und der Tunnelluft auf die Leistung der Anlage.

Die Institute für Gebäudeenergetik und für Geotechnik der Universität Stuttgart haben die Messungen durchgeführt. Die Teststrecke wurde am Neubau der U-Bahn-Linie 6 der Stuttgarter Straßenbahn AG installiert.

Das BINE- Projektinfo ist kostenfrei beim BINE Informationsdienst von FIZ Karlsruhe erhältlich - unter www.bine.info oder 0228 92379-0.

BINE Informationsdienst ist ein Service von FIZ Karlsruhe und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert.

FIZ Karlsruhe - Leibniz-Institut für Informationsinfrastruktur ist eine gemeinnützige Gesellschaft, die im öffentlichen Auftrag weltweit publizierte wissenschaftliche Information zugänglich macht und entsprechende Dienstleistungen zur Verfügung stellt. FIZ Karlsruhe hat die Aufgabe, den nationalen und internationalen Wissenstransfer und die Innovationsförderung zu unterstützen.
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FAU: Einfluss der Darmflora auf die menschliche Gesundheit unterschätzt?

Blandina Mangelkramer Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Wie ist die Wechselwirkung zwischen Darmbakterien und Epithelzellen, die im Darm das unkontrollierte Eindringen von Bakterien in den Körper verhindern sollen? Welchen Einfluss haben bestimmte Botenstoffe des Immunsystems? Und welche Rolle spielt das Molekül CD101 in der Kontrolle von entzündlichen Immunantworten? Diesen Fragen widmen sich gleich drei Arbeitsgruppen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) im Rahmen eines neuen DFG-Schwerpunktprogramms (SPP 1656), das den Zusammenhang zwischen Darmflora und menschlicher Gesundheit in den Mittelpunkt des Interesses rückt.

Neueren Erkenntnissen zufolge spielt die Darmflora eine noch weit größere Rolle für die Gesundheit des Menschen als bisher bekannt und schützt den Körper auch vor Erkrankungen: Mit Hilfe neuartiger Labormethoden gelang es Wissenschaftlern, das komplexe Ökosystem der Darmbakterien zu charakterisieren und mit klinischen Daten von Patienten abzugleichen. Studien belegen, dass Veränderungen der Darmflora mit der Entstehung vieler Volkskrankheiten wie Adipositas(Fettleibigkeit), Depression und Autoimmunität - einer Überreaktion des Immunsystems, das im Rahmen einer Entzündung gesundes Körpergewebe angreift - im Zusammenhang stehen. Kürzlich konnte sogar gezeigt werden, dass die Übertragung der Darmflora von gesunden auf kranke Menschen therapeutisch wirksam sein kann.

Um diese Erkenntnisse zu vertiefen, hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unter dem Titel „Intestinal Microbiota - a Microbial Ecosystem at the Edge between Immune Homeostasis and Inflammation" ein bundesweites Programm zur Erforschung der Einflüsse der Darmflora auf die Gesundheit ausgeschrieben. In einem strengen Auswahlverfahren für die erste, auf drei Jahre angelegte Förderphase konnten sich gleich drei Arbeitsgruppen aus Erlangen durchsetzen. Damit fließen Fördergelder in Höhe von 1,2 Millionen Euro an die FAU.

Wissenschaftler rund um Dr. Claudia Günther und Prof. Christoph Becker (Medizinische Klinik 1) erforschen, wie sich Darmbakterien und Epithelzellen im Darm gegenseitig beeinflussen. Epithelzellen bilden eine Barriere, die dafür verantwortlich ist, das unkontrollierte Eindringen von Bakterien in den Körper zu verhindern. Erste Erkenntnisse der Arbeitsgruppe belegen, dass Epithelzellen des Darms darüber hinaus entscheiden, welche Bakterienspezies in ihrer Nachbarschaft leben dürfen und welche bekämpft werden.

Dr. Stefan Wirtz und Prof. Markus Neurath (Medizinische Klinik 1) untersuchen mit ihren Teams, welchen Einfluss bestimmte Botenstoffe des Immunsystems, die Interleukine, bei der Interaktion des Körpers mit der Darmflora haben. Sie sind, so erste Erkenntnisse, entscheidend an der erfolgreichen Infektabwehr im Darm - etwa gegen Salmonellen - beteiligt, spielen aber vermutlich auch eine wichtige Rolle bei der Entstehung chronisch entzündlicher Darmerkrankungen.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Jochen Mattner (Mikrobiologisches Institut) schließlich untersucht den Einfluss von T-Lymphozyten - einer bestimmten Form menschlicher Immunzellen - auf die Entstehung von Entzündungen, die sich gegen das eigene Darmgewebe richten. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Identifikation von Bakterienarten, die die Aktivierung dieser T-Lymphozyten über Oberflächenmoleküle regulieren. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein Molekül namens CD101 dabei eine wichtige Rolle spielt: Gewisse Bakterien können dieses Molekül auf der Oberfläche der T-Zellen verändern - und so das Ausmaß der Entzündung beeinflussen. Die Arbeitsgruppe hofft, im Rahmen ihrer Untersuchungen klinische Marker zu identifizieren, die eine schnelle Erkennung der Krankheitsaktivität bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen erlaubt.

Koordiniert wird das bundesweite Programm von Prof. Dirk Haller von der Technischen Universität München (TUM) und Prof. Ingo Autenrieth von der Universität Tübingen.

Hintergrund: Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen

Im menschlichen Darm leben ca. 100 Billionen Bakterien - zehnmal mehr Bakterien als der Mensch Körperzellen hat. Ihre Vielfalt ist immens: Rund 500 verschiedene Spezies bewohnen verschiedene Nischen im Dünndarm und vor allem im Dickdarm. Die Forscher unterscheiden zwischen Bakterien, die krank machen, und solchen, die für eine gesunde Darmflora förderlich sind. Den Bakterien gegenüber stehen die Zellen des Immunsystems, die diese Bakterien überwachen. Die friedliche Koexistenz beider Gruppen ist für viele Prozesse im menschlichen Körper essenziell: Geraten die Bakterien im Darm außer Kontrolle, können an verschiedenen Orten im Körper Entzündungen entstehen, die das Gewebe schädigen. Häufig ist der Darm selber betroffen, und es treten chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa auf. Mehr als vier Millionen Menschen leiden weltweit daran - Tendenz steigend. Um neue, effektivere Therapien gegen diese Erkrankungen zu entwickeln, ist ein genaues Verständnis der zugrunde liegenden molekularen Prozesse nötig.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Christoph Becker
Medizinische Klinik 1
09131/85-35886
christoph.becker@uk-erlangen.de

Dr. Stefan Wirtz
Medizinische Klinik 1
09131/85-35882
stefan.wirtz@uk-erlangen.de

Prof. Dr. Jochen Mattner
Mikrobiologisches Institut - Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene
09131/85-23640
Jochen.Mattner@uk-erlangen.de

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Silikonfolien ernten Strom aus Meereswellen - EPoSil-Konsortium zeigt ersten Demonstrator

Jörg Feuck Kommunikation
Technische Universität Darmstadt

Stuttgart - Umweltfreundlicher Strom aus Wellenkraft: Ein erster Demonstrator im Labor von Bosch zeigt bereits heute, wie sich die Energie von Meereswellen in Elektrizität wandeln lässt. Ziel des Forschungsverbundes aus vier Unternehmen und zwei Universitäten ist die nachhaltige Energieversorgung entlang der weltweiten Küstenlinien. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt die Arbeit des Projektes namens EPoSil (Elektroaktive Polymere auf Silikonbasis zur Energiegewinnung) bis Januar 2015 finanziell mit fast 2 Millionen Euro. Die Förderung ist Teil des Programms „Intelligente Werkstoffe für innovative Produkte".

Nach einer Berechnung der Vereinten Nationen ist in den Wellen ein riesiges Energiepotenzial von 29 500 Terawattstunden im Jahr gespeichert. Zum Vergleich: 2010 wurden weltweit rund 21 500 Terawattstunden elektrische Energie erzeugt, berichtet die Internationale Energie-Agentur. EPoSil soll den Zugang zu dieser regenerativen Energieform ermöglichen. In einem Bericht des UN-Weltklimarates zur Ozeanenergie heißt es unter anderem: „Energie aus dem Ozean hat auf lange Sicht das Potenzial, den Ausstoß von Kohlendioxid zu verringern." Diese Ansicht teilt auch das Bundesverkehrsministerium in seinem „Entwicklungsplan Meer".

Die Beteiligten

Um die Kraft der Wellen zu nutzen, haben sich kompetente Partner zusammengefunden: Die Wacker Chemie AG liefert einen Werkstoff auf Silikonbasis. Dieser ist wesentlicher Bestandteil des sogenannten elektroaktiven Polymers, das mechanische in elektrische Energie umsetzt. Die Koordination übernimmt Bosch, zusammen mit dem Unterauftragnehmer Compliant Transducer Systems. Die TU Darmstadt entwickelt eine Methode, um die elektroaktive Polymere zu testen. Ein geplantes, schwimmendes Maßstabmodell soll im Wellenkanal der TU Hamburg-Harburg erprobt werden. Die Anlagen zum Test der Generatoreinheiten werden vom Ingenieurbüro Brinkmeyer & Partner in Winnenden entwickelt. Bosch-Rexroth unterstützt das Konsortium beim Bau der Modelle.

Wandlung der Wellenkraft

Der Energiewandler besteht im Kern aus einer dreilagigen Folie. Oben und unten befindet sich je eine elektrisch leitende Schicht (Elektrode). In der Mitte liegt ein extrem elastisches, sehr gut isolierendes Silikon, das sich auch unter industriellen Bedingungen in immer gleich bleibender Stärke fertigen lässt. Durch die Bewegung der Wellen wird eine mechanische Kraft auf den Wandler übertragen. Die Welle presst das Silikon zunächst zusammen. Damit rücken auch die beiden Elektroden näher aneinander. Jetzt wird von außen eine elektrische Spannung angelegt: eine der Elektroden wird positiv, die zweite negativ geladen. Bewegt sich die Welle weiter, nimmt die Kraft auf den Wandler ab. Das Silikon entspannt sich, wird wieder dicker. Daher entfernen sich die Elektroden und mit ihnen die Ladungen voneinander. Dieser Effekt bewirkt, dass sich die elektrische Energie im Wandler erhöht. Gewünschte Folge: Die mechanische Energie aus der Welle ist in elektrische Energie umgesetzt. Diese wird entnommen, und dann beginnt der Zyklus von vorne.

Folienstapel

Es gibt mehrere technische Möglichkeiten, wie Meereswellen die mehrlagigen Folien stauchen und dehnen können. Vereinfacht lässt sich eine Boje aus zwei Teilen vorstellen: Die obere Hälfte schwimmt auf der Oberfläche, die untere ist am Meeresboden fest verankert. Beide sind durch einen Stapel aus tausenden Folien miteinander verbunden. Die Wellenbewegung deformiert die Folien im Abstand von 3 bis 10 Sekunden. „Die elektrischen Ströme der Einzelschichten addieren sich", erklärt Projektleiter Dr. Istvan Denes von der zentralen Forschung und Vorausentwicklung von Bosch in Waiblingen bei Stuttgart. Später liefern mehrere Wandler im Verbund Strom. Dass dies im Labor während sogenannter Trockentests bereits funktioniert, zeigt Denes an einem ersten Demonstrator, der von der TU Darmstadt hergestellt wurde.

Test im Wellenkanal

Das erste, maßstabgetreu verkleinerte Modell eines Wellen-Generators soll 2014 im Wellenkanal der Technischen Universität Hamburg-Harburg zu Wasser gelassen werden. Die Pläne sehen vor, dass kommerzielle Wellen-Generatoren mehrere zehnmillionen Dehnungs- und Stauchungsvorgänge absolvieren. Der angestrebte Wirkungsgrad bei der Wandlung der mechanischen in elektrische Energie liegt bei 50 Prozent.

Weitere Informationen:
http://bit.ly/17E9nt2
http://bit.ly/11akLX7
http://bit.ly/Zv1BLv
http://bit.ly/13gZU7C
http://bit.ly/13h0qlW
http://bit.ly/14tbd1b
http://bit.ly/Zo2A3g
http://bit.ly/14qOTz4

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Früherkennung von Pflanzenausbreitung in Gewässern: Luftbilder machen Klimawandel sichtbar

Dr. Ulrich Marsch Corporate Communications Center
Technische Universität München

Durch die Folgen der Klimaerwärmung wandern unerwünschte Wasserpflanzen in heimische Gewässer ein. Auch bekannte Urlaubsregionen wie der Starnberger See sind betroffen, weshalb eine gezielte Überwachung der Wasserflächen nötig ist. Doch ist das bisherige Verfahren für regelmäßige Überwachung teuer - Forscher der Technischen Universität München (TUM) entwickelten jetzt eine schnellere und kostengünstigere Methode.

Aus einem Besuch am Badesee kann schnell eine unangenehme Angelegenheit werden - wenn man Bekanntschaft mit glitschigen Wasserpflanzen macht. Zu diesen zählen auch Elodea nuttallii und Najas marina, besser bekannt als Schmalblättrige Wasserpest und Großes Nixenkraut. Beide breiten sich seit einigen Jahren rasant in heimischen Gewässern aus.

Ökologen können sie dabei als Indikatorpflanzen nutzen: Durch ihr gehäuftes Auftreten kann man Rückschlüsse auf die Qualität eines Gewässers ziehen - Elodea nuttallii und Najas marina findet man besonders in Seen, deren Wassertemperatur steigt. Die schnelle und flächendeckende Ausbreitung der Pflanzen kann das Gleichgewicht des sensiblen Systems See beeinflussen.

Satellitenbilder unterstützen Forschungstaucher

Um zu untersuchen, wie sich Ökosystem von Seen verändert, überprüfen Wasserwirtschaftsämter in regelmäßig die Pflanzenbestände. Für diese Inspektionen sind Beobachtungen der Taucher notwendig: In verschiedenen Tiefenstufen kartieren die Forscher die „Pflanzenteppiche".

Dieses Verfahren liefert zwar detaillierte Erkenntnisse, ist aber sehr aufwändig. Doktoranden der Limnologischen Station der TUM in Iffeldorf haben sich in ihren Dissertationen dieser Thematik angenommen: Die Gewässerforscher entwickelten ein neues Verfahren, das günstiger und schneller ist.

„Dabei ersetzen hochaufgelöste Luft- und Satellitenbilder einen Teil der Taucharbeiten", erklärt Projektbetreuer Dr. Thomas Schneider. „Um aus den Bildern Aussagen über den Pflanzenbewuchs abzuleiten, nutzt die neue Methode die Reflexion: Abhängig von Farbe und Aufbau reflektiert jede Pflanzenart das einfallende Licht auf spezifische Weise."

Jeder See hat ein eigenes Reflexionsverhalten

Die Reflexionsspektren der Pflanzen haben die Forscher in einer digitalen Bibliothek hinterlegt - und können auf dieser Grundlage Luft- und Satellitenaufnahmen auswerten. Bis dahin war es allerdings ein weiter Weg, wie Doktorand Patrick Wolf beschreibt: „Über einen Zeitraum von zwei Jahren haben wir die Pflanzen vom Boot aus fotografiert und deren Reflexion gemessen. Um die Pflanzen aus einem geeigneten Winkel aufzunehmen und Schatten zu vermeiden, wurden die die Kameras und Sensoren über einen Auslegearm unter Wasser gebracht."

Allerdings erschweren Faktoren wie Wasserinhaltsstoffe, Art des Sediments, Lichtbrechung oder unterschiedliche Wassertiefen die Bewertung der Pflanzenbestände. Daher haben die Gewässerforscher mathematische Algorithmen entwickelt, die in Verbindung mit den Messdaten des Boots die Fehler aus den Bildern „herausrechnen" können. Da sich die einzelnen Gewässer stark unterscheiden, hat jeder See seinen eigenen Algorithmus.

Risiken für das Ökosystem früh erkennen

Die neue Methode eignet sich insbesondere für große, einheitliche Pflanzenbestände. „An Stellen, wo kleinräumige Wechsel der Vegetation anzutreffen sind, müssen wie bisher Taucharbeiten durchgeführt werden", sagt Wolf. „Die „Luft-Schau" kann die Taucher also nicht ersetzen, aber sie kann sie wirkungsvoll unterstützen."

Die Limnologen der TUM haben ein Fernerkundungsverfahren entwickelt, das geeignet ist, größere Pflanzenbestände in Seen regelmäßig zu überprüfen. Bedenkliche Entwicklungen können so leichter und kostengünstiger erkannt werden. Denn wenn sich Nixenkraut und Wasserpest ausbreiten, stört das nicht nur den Badespaß - sie haben auch das Potenzial, das Ökosystem eines Gewässers langfristig zu verändern: Sie könnten andere Arten verdrängen oder den Lebensraum anderer Organismen, zum Beispiel von Fischen, verändern.

Publikation:
Collecting in situ remote sensing reflectances of submersed macrophytes to build up a spectral library for lake monitoring; Patrick Wolf, Sebastian Rößler, Thomas Schneider and Arnulf Melzer; European Journal of Remote Sensing, 2013, 46: 401-416; doi: 10.5721/EuJRS20134623 http://www.aitjournal.com/articleView.aspx?ID=784

Kontakt:
Dr. Thomas Schneider
Technische Universität München
Fachgebiet für Waldinventur und nachhaltige Nutzung
Hans-Carl-von-Carlowitz-Platz 2
85354 Freising
T: +49 (0)8161 71-4666
T: +49 (0)8858 810-56 (810-0)
E: tommi.schneider@tum.de
www.forst.wzw.tum.de/ifm

Weitere Informationen:
http://www.tum.de/die-tum/aktuelles/pressemitteilungen/kurz/article/30993/

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Jodmangel in der Schwangerschaft schadet geistiger Entwicklung des Kindes: Jodtabletten einnehmen!

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Bochum - Während einer Schwangerschaft verdoppelt sich der Jod-Bedarf. Jod wird für den Aufbau der Schilddrüsenhormone benötigt. Schon ein geringer Jodmangel schadet der Hirnentwicklung des Kindes. Dies kann eine verminderte Intelligenz zur Folge haben und die Lese- und Sprachfähigkeit des Kindes beeinträchtigen. Anlässlich einer aktuellen britischen Studie empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) schwangeren Frauen die Einnahme von Jodtabletten.

Die Forscher, deren Studie kürzlich in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht wurde, hatten in Südengland etwa 1000 Kinder von der Schwangerschaft ihrer Mütter bis zum Grundschulalter begleitet. Bei zwei Drittel der Schwangeren war in einem Harntest ein Jodmangel festgestellt worden. Ihre Kinder hatten im Alter von acht Jahren häufiger schlechtere Ergebnisse im sprachlichen Teil eines Standard-Intelligenztests für Kinder als der Durchschnitt, und im neunten Lebensjahr fielen sie bei einer schulpsychologischen Untersuchung durch verminderte Fähigkeiten in Lese-Tests auf. „Sie waren langsamer, machten mehr Fehler und verstanden den Text schlechter als Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft ausreichend mit Jod versorgt waren", berichtet Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). „Die Unterschiede in der kognitiven Entwicklung, also in Bezug auf die verstandesmäßigen Fähigkeiten, waren statistisch eindeutig. Eine Folge könnten schlechtere Schulnoten sein."

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betrachtet Jodmangel während der Schwangerschaft als die wichtigste vermeidbare Ursache für einen Hirnschaden des Kindes. „Am meisten betroffen sind Entwicklungsländer. Doch auch die entwickelten Länder sind keineswegs immun, wie die aktuelle Studie aus Großbritannien zeigt", warnt Professor Dr. Dr. med. Dagmar Führer, Vize-Präsidentin der DGE und Direktorin der Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen am Universitätsklinikum Essen. Auch in Deutschland hätten viele Schwangere einen Jodmangel. Etwa ein Fünftel der Frauen habe schon vor der Schwangerschaft eine leichte Schilddrüsenvergrößerung, Struma genannt, die auf einen Mangel zurückzuführen ist.

Als lebenswichtiges Spurenelement muss Jod über die Nahrung aufgenommen werden. Seit bald 100 Jahren sind die Konsequenzen eines Jodmangels bekannt. Reagiert wurde darauf durch das Anreichern von Speisesalz mit Jod und die Verwendung dieses jodierten Salzes in der Nahrungsmittelindustrie. Seit einigen Jahren gibt es einen umgekehrten Trend. Professor Schatz: „Meersalz wird als ‚natürlicher‘ angepriesen und jodfreies Salz wird weltweit vermehrt von Lebensmittelherstellern eingesetzt. Wir gehen wieder einem Jodmangel entgegen, der nicht sein müsste."

Mit Jod angereichertes Speisesalz allein ist für Schwangere nicht ausreichend, um das Joddefizit zu senken. „Wir empfehlen weiterhin, dass Schwangere und auch stillende Mütter nach Rücksprache mit ihrem Arzt Jodtabletten einnehmen", betont Professor Führer. Die WHO empfiehlt bei Schwangerschaft und in der Stillzeit eine Jodaufnahme von insgesamt 250 Mikrogramm (µg) pro Tag. Da mit der Nahrung täglich etwa 100 µg aufgenommen werden, heißt das konkret, dass die Schwangere pro Tag eine Tablette mit 100-150 µg Jod nehmen sollte. Die DGE-Vize-Präsidentin ergänzt: „Wir beobachten, dass Jodtabletten zu wenig verordnet werden." Auch dies könnte zu einer Zunahme des Jodmangels bei Schwangeren beigetragen haben.

Literatur:
Bath SC., Steer CD., Golding J., Emmett P., Rayman MP.: Effect of inadequate iodine status in UK pregnant women on cognitive outcomes in their children: results from the Avon Longitudinal Study of Parents and Children (ALSPAC). Lancet 2013; doi: 10.1016/S0140-6736(13)60436-5.

Endokrinologie ist die Lehre von den Hormonen, Stoffwechsel und den Erkrankungen auf diesem Gebiet. Hormone werden von endokrinen Drüsen, zum Beispiel Schilddrüse oder Hirnanhangdrüse, aber auch bestimmten Zellen in Hoden und Eierstöcken, „endokrin" ausgeschüttet, das heißt nach „innen" in das Blut abgegeben. Im Unterschied dazu geben „exokrine" Drüsen, wie Speichel- oder Schweißdrüsen, ihre Sekrete nach „außen" ab.

Weitere Informationen:
http://www.endokrinologie.net

 

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Jung und Alt im Vergleich: Wer zeigt die zuverlässigeren Leistungen?

Kerstin Skork Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

Wie sehr schwankt unsere geistige Leistungsfähigkeit von Tag zu Tag? Und zeigen ältere Erwachsene größere Leistungsschwankungen als jüngere? Diesen Fragestellungen gingen Forscher aus Berlin, Frankfurt und Schweden in der COGITO-Studie nach. Was die Ergebnisse für die Leistungsfähigkeit Älterer im Berufsleben bedeuten, ordnet der Direktor des Munich Center for the Economics of Aging am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik ein.

Manche Tage scheinen es in sich zu haben: Erst wissen wir nicht, wo wir den Autoschlüssel hingelegt haben, und dann vergessen wir eine wichtige Arbeitsbesprechung. Unser Gedächtnis scheint uns an solchen Tagen im Stich zu lassen. Doch stimmt es wirklich, dass wir an manchen Tagen geistig besser in Form sind als an anderen? Gibt es so etwas wie gute und schlechte Tage? Florian Schmiedek, Martin Lövdén und Ulman Lindenberger untersuchten diese Fragen am Datensatz der COGITO-Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung in Berlin.

Die Ergebnisse der Forscher belegen: Geistige Leistungsschwankungen gibt es tatsächlich. Mit unserem Gefühl, dass gleich der ganze Tag gut oder schlecht ist, liegen wir allerdings häufig daneben. Denn der Großteil der Leistungsschwankungen tritt über kürzere Zeitspannen auf. Was uns als schlechter oder guter Tag erscheint, lässt sich oft auf gute und schlechte Momente zurückführen - ohne dass die Leistung, über den ganzen Tag betrachtet, schlechter oder besser ist als an anderen Tagen. „Die tatsächlichen Schwankungen von Tag zu Tag sind vergleichsweise gering", sagt Florian Schmiedek, der die COGITO-Studie zusammen mit Lövdén und Lindenberger am Berliner Max-Planck-Institut geplant und durchgeführt hat.

Überraschend waren vor allem die Ergebnisse des Vergleichs zwischen den Altersgruppen: Denn die Älteren zeigten bei allen neun untersuchten Aufgaben geringere Leistungsschwankungen von Tag zu Tag als die Jüngeren. Die geistige Leistungsfähigkeit der Älteren war somit zuverlässiger. Dies galt auch dann, wenn die Leistungsvorteile der Jüngeren in der durchschnittlichen Leistungshöhe berücksichtigt wurden. „Weitere Auswertungen weisen darauf hin, dass für die höhere Zuverlässigkeit bei den Älteren erlernte Strategien bei der Aufgabenbearbeitung, eine gleichbleibend hohe Motivation sowie ein ausgeglichener Alltag mit stabiler Stimmungslage eine Rolle spielen", sagt Florian Schmiedek.

Die Ergebnisse der Studie sind zudem mit Blick auf die Debatte über die Leistungsfähigkeit Älterer im Berufsleben interessant. „Die Produktivität und Zuverlässigkeit der älteren Mitarbeiter ist unter dem Strich höher als die der jungen", kommentiert Axel Börsch-Supan, Direktor des Munich Center for the Economics of Aging am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik die Ergebnisse der COGITO-Studie. „Eine unserer Studien in der Automobilproduktion zeigt, dass ältere Mitarbeiter deutlich seltener schwere und teuer zu beseitigende Fehler machen als jüngere. Auch in den anderen von uns untersuchten Branchen findet man nicht, dass Jüngere produktiver sind als Ältere", so der Wissenschaftler, der zum Thema Produktivität einer alternden Gesellschaft forscht.

In der weltweit einzigartigen COGITO-Studie bearbeiteten 101 Personen im Alter von 20 bis 31 Jahren und 103 Personen im Alter von 65 bis 80 Jahren zwölf verschiedene Aufgaben an 100 verschiedenen Tagen. Mit den Aufgaben wurden die Wahrnehmungsgeschwindigkeit, die Merkfähigkeit und das Arbeitsgedächtnis getestet. Die Wiederholung der Aufgaben über 100 Tage erlaubte es den Forschern, neben den Lernfortschritten auch die täglichen Leistungsschwankungen zu bestimmen und zwischen den Altersgruppen zu vergleichen.

Kontakt:
Max-Planck-Institut für Bildungsforschung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Kerstin Skork
Telefon: 030-82406-211
E-Mail: skork@mpib-berlin.mpg.de

Nicole Siller
Telefon: 030-82406-284
E-Mail: siller@mpib-berlin.mpg.de

Weitere Informationen:
www.mpib-berlin.mpg.de
www.mpg.de

Weitere Informationen:
http://www.mpib-berlin.mpg.de/de/presse/2013/08/jung-und-alt-im-vergleich-wer-ze...

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Organismen im Meer reagieren schneller auf den Klimawandel als die an Land

Blandina Mangelkramer Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Zwar erwärmen sich die Meere weltweit langsamer als die Kontinente, doch Tiere und Pflanzen in den Ozeanen reagieren deutlich schneller auf die neuen Bedingungen als Lebewesen an Land. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt eine internationale Forschergruppe, an der Prof. Dr. Wolfgang Kießling von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) beteiligt ist. Ihre Erkenntnisse haben die Wissenschaftler jetzt in der Online-Fachzeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht (doi10.1038/nclimate1958).

Rund 71 Prozent der Erdoberfläche ist von Wasser bedeckt, allerdings sind weite Teile der Ozeane noch immer unbekanntes Terrain. Bisher wusste man nur sehr wenig darüber, wie etwa Tiere und Pflanzen in den Weltmeeren auf höhere, durch den Klimawandel hervorgerufene Wassertemperaturen reagieren. Man könnte vermuten, dass Meeresorganismen vergleichsweise wenig durch den Klimawandel beeinträchtigt werden, da die Klimaveränderung die Temperaturen an Land dreimal schneller ansteigen lässt als im Wasser. Doch die Wissenschaftler um Prof. Kießling, Lehrstuhl für Paläoumwelt, fanden genau das Gegenteil heraus. Die Reaktionen von Meereslebewesen auf steigende Temperaturen sind weitaus gravierender als an Land. Außerdem belegten die Forscher einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und den Veränderungen in den Ozeanen. In den Regionen, die in den vergangenen Jahren die höchsten Temperaturzunahmen verzeichneten, waren auch die dramatischsten Veränderungen zu beob­achten.

Die Wissenschaftler werteten für ihre Analyse 1735 Studien aus aller Welt aus, die sich damit beschäftigten, welche Veränderungen der Klimawandel bei Pflanzen und Tieren in den Meeren auslöst. Die erste Erkenntnis: Die Wasserorganismen weichen aufgrund der höheren Temperaturen in Äquatornähe in Richtung der Pole aus - Gegenden, die noch vor einigen Jahren zu kalt waren. Und nicht nur das: Ihre Lebensräume verschieben sich mehr als zehnmal schneller als jene der Landlebewesen. Alle zehn Jahre wandern die Lebensräume in den Meeren im Schnitt um 72 Kilometer polwärts, an Land durchschnittlich um sechs Kilometer. Die in dieser Hinsicht „flinkesten" Organismen sind Phyto- und Zooplankton - dazu gehören unter anderem Kieselalgen oder Ruderfußkrebse - sowie Fischlarven.

Eine zweite Erkenntnis: Eine größere Veränderung lässt sich auch im Bereich der Phänologie beobachten. So heißen in der Tier- und Pflanzenwelt alle Ereignisse, die direkt von den Jahreszeiten beeinflusst werden. Wann kommen Stare aus dem Süden zurück? Wann treiben Schneeglöckchen aus? Wann suchen sich Igel ihr Winterquartier? Hier stellten die Forscher fest, dass sich typische Frühjahrsereignisse im Meer - wie das Auftreten von Planktonblüten und die Brutzeit von Meeresvögeln - alle zehn Jahre im Durchschnitt mehr als vier Tage nach vorne verschieben. An Land sind es etwa zweieinhalb Tage. Die größte Veränderung zeigte sich bei Zooplankton und Knochenfischen, deren Frühling alle zehn Jahre sogar elf Tage früher beginnt.

Welche Folge diese Veränderungen haben, muss in den kommenden Jahren noch untersucht werden. „Nur weil zum Beispiel bestimmte Fischarten ihren Lebensraum weiter in Richtung Nord- oder Südpol verlagern, heißt dies noch lange nicht, dass es in den ursprünglichen Gebieten keine Fische mehr gibt", erklärt Paläobiologe Kießling. „Allerdings wird es in Äquatornähe schwierig, die abwandernden Arten durch Einwanderer zu ersetzen."

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Zurück in die Zukunft: Wasser auf Wiesen als Dünger wiederentdecken?

Franz-Georg Elpers Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

DBU fördert Natur- und Artenschutzprojekt zur Wiesenbewässerung in Rheinland-Pfalz mit 170.000 Euro

Koblenz-Landau. Jahrhundertelang wurden Wiesen - praktisch als natürlicher Dünger - unter Wasser gesetzt, um die Heuernte zu verbessern. Im 19. Jahrhundert waren es lokal sogar mehr als 60 Prozent. Mit der Entwicklung des Kunstdüngers in den 50er-Jahren verlor diese Form der Grünlandnutzung aber erheblich an Bedeutung. Teilweise wurde sie ganz eingestellt. Wiesen wurden zur Deckung des steigenden Nahrungsbedarfs in Äcker umgewandelt oder mit Mineraldünger gedüngt, wodurch die Artenvielfalt zurückging. Aktuell gerät das Bewässern von Wiesen aber besonders aus Naturschutzsicht wieder in den Fokus: Das Institut für Umweltwissenschaften an der Universität Koblenz-Landau will diese historische Form der Landbewirtschaftung nun untersuchen. Dafür gibt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) gut 170.000 Euro, „um in der Region Landau zu erforschen, was die Wiesenbewässerung für den Natur- und Umweltschutz bringt", sagte DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde.

„Wir wollen aus drei Perspektiven das vielseitige Landnutzungskonzept der traditionellen Wässerwirtschaft untersuchen: aus Sicht der Landwirtschaft, des Tourismus‘ und des Naturschutzes", erklärte Projektleiterin Dr. Constanze Buhk vom Institut für Umweltwissenschaften. Obwohl die Wiesenbewässerung in Mitteleuropa jahrhundertelang weit verbreitet war, gebe es dazu keine wissenschaftliche Untersuchung und auch keinen Vergleich mit der Wirksamkeit und Auswirkung von Kunstdünger. Durch die Bewässerung vermuten Buhk und ihre Kollegen eine besser über das Jahr verteilte Nährstoffversorgung und dadurch eine bessere Heuernte. Außerdem wollen sie überprüfen, ob das Bewässern die Vielfalt von Tieren und Pflanzen erhöht, da Kunstdünger eingespart werden kann, der meist zu einer Vereinheitlichung der Pflanzenarten führe. Der Weißstorch profitiere zum Beispiel von der Bewässerung. Auch Laufkäfer, Heuschrecken und Tagfalter sollen unter die Lupe genommen werden. Ebenso wie der Mensch: Was halten Bevölkerung und Landwirte von der Wässerbewirtschaftung und welche nutzbaren Vorteile, aber auch welche Kosten entstehen ihnen?

Durch das Aufstauen von Bächen im April und Juli/August würden die Wiesen jeweils für etwa zwei Tage kurz unter Wasser gesetzt und anschließend durch angelegte Rinnen und Gräben wieder entwässert. „Die Wiesen sollen natürlich nicht versumpfen und die Bäche nicht austrocknen. Das Wasser kann in dieser Zeit aber bis in alle Poren eindringen und die Wiesen für den Sommer gut mit Wasser versorgen, wenn sie sonst trocken lägen oder mit Stickstoff gedüngt werden müssten", erklärte Buhk das Verfahren. Somit könne ohne viel Dünger zwei Mal im Jahr gemäht werden. „Mit unseren Erkenntnissen zur Futter- und Wasserqualität, zu Bodenwerten und den Tier- und Pflanzenarten möchten wir nicht nur einen Beitrag zum Naturschutz leisten, sondern auch die breitere Anwendung und Reaktivierung des Bewässerungsmodells prüfen", sagte Buhk. Denkbar wären alle Gebiete, in denen es die Wiesenbewässerung schon einmal gegeben habe, vor allem im eher flachen Norden und Osten Deutschlands oder auch in den Mittelgebirgen, wo die Flüsse und Bäche besonders viele Mineralien enthielten.

„Es ist wichtig, die Auswirkungen der Wiesenbewässerung auf Natur und Umwelt aus ökonomischer Sicht zu klären, denn sie ist aus zwei Gründen interessant: Bewässerungsgräben und Feuchtwiesen als Lebensraum für im und am Wasser lebende Tiere und Pflanzen sowie Wiesenbewässerung als eine Dünger sparende Form der Bewirtschaftung", so DBU-Referent Dr. Reinhard Stock. Neben den Arbeitsgruppen aus Geoökologie, Umweltökonomie und Ökosystemanalyse vom Institut für Umweltwissenschaften Koblenz-Landau ist der Landschaftspflegeverband Südpfalz Landau an dem Forschungsprojekt beteiligt. Mit dabei sind außerdem sechs landwirtschaftliche Betriebe aus der Region Landau sowie die ehrenamtlichen Kooperationspartner Aktion PfalzStorch und die Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz.

Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel34616_335.html

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Augenärzte warnen vor Infektionen - Kontaktlinsen richtig reinigen

Anna Julia Voormann Pressestelle
Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

Pflege von Kontaktlinsen oft vernachlässigt
Mangelnde Hygiene kann Infektionen verursachen

München - Weltweit tragen rund 140 Millionen Menschen Kontaktlinsen. Etwa drei Viertel der Kontaktlinsenträger vernachlässigen Hygiene und Pflege ihrer Sehhilfen. Die Folge können Infekte im Auge sein, etwa eine Bindehaut- oder eine mehr oder weniger schwere Hornhautentzündung. Mit dem passenden Pflegemittel und einfach zu handhabender Hygiene lässt sich dieses Risiko minimieren. Besonders wichtig sei die Desinfektion der Kontaktlinsen, betonen Experten der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG). In keinem Fall sollten Kontaktlinsenträger die Linsen mit Leitungswasser reinigen.

Welche Pflegemittel sich eignen, hängt vor allem vom Kontaktlinsenträger ab: Allergikern zum Beispiel empfehlen Mediziner Reinigungssysteme auf Peroxidbasis, da sie keine Konservierungsmittel enthalten. Auch beim Auftreten sogenannter Stippen, kleiner Schäden auf der Hornhautoberfläche, kann ein Wechsel zu Peroxidsystemen sinnvoll sein, schreibt Biologe Dr. rer. nat Sandor Blümle, Experte für Kontaktlinsenhygiene, in der Fachzeitschrift „Der Ophthalmologe". Da Peroxidsysteme jedoch im Gebrauch etwas zeitaufwendiger sind, nutzen rund 90 Prozent der Kontaktlinsenträger Studien zufolge mittlerweile Kombi- oder Multifunktionslösungen. Alle Reinigungs- und Desinfektionsmittel unterliegen einer Norm: Der Hersteller muss sicherstellen, dass die Zahl gefährlicher Bakterien und Pilze reduziert wird. Ein Problem dabei, auf das Blümle hinweist: Die Lösungen erreichen nicht alle Erreger, außerdem finden die Tests nur unter Laborbedingungen statt.

Auf eine mechanische Reinigung ihrer Linsen vor der Desinfektion sollten Kontaktlinsenträger in keinem Fall verzichten - auch nicht bei Verwendung sogenannter „No-Rub-Lösungen". In den USA steht auf allen Beipackzetteln von Reinigungssystemen, dass zusätzlich zur Spülung der Linsen mit der Lösung auch eine manuelle Reinigung vorgeschrieben ist. Diese Hinweise, so die Autoren des Fachartikels, seien eine Reaktion auf eine Reihe von Infektionen unter anderem durch Akanthamöben: Diese Einzeller können in die Hornhaut des Auges eindringen, sich dort ablagern und gefährliche Entzündungen hervorrufen.

Also nicht allein immer weiter entwickelte Substanzen verbessern die Pflege: „Nicht selten scheitert die Hygiene bereits am gründlichen Händewaschen vor dem Einsetzen der Linsen", meint DOG-Präsident Professor Dr. med. Berthold Seitz aus Homburg/Saar. Und ebenso wichtig wie die Desinfektion der Linsen ist die Reinigung des Behälters. Auch dabei ist Leitungswasser tabu. Am besten ist es, den Behälter mit der Lösung auszuspülen und an der Luft trocknen zu lassen. In regelmäßigen Abständen sollte er zusätzlich mit einer Kochsalzlösung gereinigt und spätestens nach drei Monaten gegen einen neuen Behälter ausgetauscht werden.

Seitdem Kontaktlinsen frei verfügbar sind und Internetnutzer sie leicht online bestellen können, würden immer seltener Anpassungen in einer Facharztpraxis vorgenommen, sagt Professor Seitz. „Kontaktlinsen sind jedoch Medizinprodukte und sollten auch so behandelt werden", betont der Mediziner. Kontaktlinsenträger sollten im Zweifel immer augenärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Quellen:
Khaireddin, K.: Kontaktlinsen aus der Sicht des Ophthamologen, Ophthamologe 2013/6, 500-501, DOI 10.1007/s00347-012-2767-9

Blümle, S., Kaercher, T., Khaireddin, K.: Richtige Kontaktlinsenhygiene, Ophthamologe 2013/6, 522-527, DOI 10.1007/s00347-012-2769-7

http://www.dog.org

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Erholung in der Lebens- und Arbeitswelt - Ergebnisse einer Repräsentativbefragung.

Aréne Julia Herbst Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation
Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen

Das Landesinstitut für Arbeitsgestaltung (LIA.NRW) in Nordrhein-Westfalen hat in einer repräsentativen Befragung mit zweitausend Teilnehmerinnen und Teilnehmern untersucht, wie Menschen sich in der modernen Lebens- und Arbeitswelt erholen bzw. was sie daran hindert. Die Ergebnisse präsentiert der Bericht "Arbeit, Leben und Erholung. (transfer 3)". Für die Analyse von Zusammenhängen in der Arbeitswelt wurden die Erwerbstätigen gesondert betrachtet.

Wie erholen sich Menschen in Nordrhein-Westfalen (NRW) in einer immer hektischer erscheinenden Lebens- und Arbeitswelt und was hindert sie daran, sich zu erholen? Das sind die leitenden Fragestellungen einer Studie, deren Ergebnisse das Landesinstitut für Arbeitsgestaltung (LIA.NRW) im Bericht "Arbeit, Leben und Erholung (transfer 3)" präsentiert.

Zur Beantwortung dieser Fragen führte das LIA.NRW im November/Dezember 2011 eine repräsentative Telefonbefragung mit zweitausend Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Alter von 16 bis 95 Jahren durch. Für die Analyse von Zusammenhängen in der Arbeitswelt wurden die Erwerbstätigen gesondert betrachtet. Das Ergebnis: Für die Befragten hat Erholung generell einen hohen Stellenwert.
Am häufigsten verbinden die Menschen Freizeit, Entspannen/Nichtstun und Urlaub mit Erholung. Für Berufstätige ist Erholung besonders wichtig, weil sie sich von den Belastungen am Arbeitsplatz in ihrer Freizeit regenerieren müssen, um dauerhaft leistungsfähig zu bleiben. Dem im Wege stehen aus Sicht der Erwerbstätigen vor allem Gedanken an die Arbeit, Verpflichtungen gegenüber der Familie und Freunden sowie die körperliche Verfassung.

Erholung muss in der Zukunft an Bedeutung gewinnen

Insgesamt wird deutlich, dass durch die Anforderungen der modernen Arbeits- und Lebenswelt, wie zum Beispiel durch veränderte Grenzen zwischen Beruf und Privatleben, neue Beschäftigungsformen oder auch steigende psychische Belastungen, das Thema für die Zukunft an Bedeutung gewinnen muss. Die detaillierte Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Problembereichen legt nahe, dass wir angepasste und zum Teil neue Erholungskonzepte benötigen, denn Erholung ist die Basis für Gesundheit und Wohlbefinden der Menschen. Gelingen kann dies nur, wenn neben der Verbesserung der individuellen Erholungskompetenz auch die Rahmenbedingungen (Arbeits- und Lebensverhältnisse) so gestaltet werden, dass eine ausreichende Erholung gelingen kann.

Bestellmöglichkeit:
Ein Druckexemplar des Berichts "Arbeit, Leben und Erholung (transfer 3)" kann unter medien@lia.nrw.de kostenfrei bestellt werden.

Download:
"Arbeit, Leben und Erholung (transfer 3)"
(http://www.lia.nrw.de/_media/pdf/service/Publikationen/transfer/LIA_transfer_3_f...)

Link:
Online-Check Erholungsfähigkeit (http://www.lia.nrw.de/erholung)

Erscheint in Kürze:
"Richtig erholen - zufriedener arbeiten - gesünder leben. Erholung und Arbeit im Gleichgewicht. Ein Leitfaden für Beschäftigte. (transfer 4)"

Landesinstitut für Arbeitsgestaltung (LIA.NRW)

Zukunftsweisende Fragen und Problemstellungen aus der Arbeitswelt erkennen, Gestaltungsansätze entwickeln und Erkenntnisse verbreiten, das sind Aufgaben und Ziele des Landesinstituts für Arbeitsgestaltung Nordrhein-Westfalen. Das LIA.NRW berät und unterstützt die Landesregierung NRW und die staatliche Arbeitsschutzverwaltung des Landes in Fragen der Sicherheit, des Gesundheitsschutzes und der Gesundheitsförderung in der Arbeitswelt. Mit der Geräteuntersuchungsstelle und der Strahlenmessstelle nimmt das Institut darüber hinaus sicherheitstechnische Aufgaben zum Schutz der Bevölkerung wahr.

Sie haben Interesse an aktuellen Informationen rund um das Thema Arbeitsgestaltung? Dann melden Sie sich doch einfach bei unserem LIA-News-Abo an unter http://www.lia.nrw.de/service/newsletter

Weitere Informationen:
http://www.lia.nrw.de/_media/pdf/service/Publikationen/transfer/LIA_transfer_3_f...
http://www.lia.nrw.de
http://www.lia.nrw.de/erholung

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Migränepatienten sind bessere Problemlöser

Rita Wilp Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft

Studie zeigt, Migränepatienten suchen intensiver nach Lösungsmöglichkeiten als Gesunde

Es ist aus einer Vielzahl von Studien bekannt, dass sich Migränepatienten im Vergleich zu Gesunden oft übermäßig anstrengen, um die ihnen gestellten Aufgaben möglichst perfekt zu erledigen. Dies konnte bislang experimentell jedoch nicht nachgewiesen werden. Mit der vorliegenden Studie ist es gelungen, die unterschiedliche Problemverarbeitung anhand eines sogenannten „Hilflosigkeitsexperimentes" darzustellen.

Dabei konnten die Wissenschaftler durch Messung der Gehirnströme mittels Elektroenzephalografie (EEG) zeigen, dass Migränepatienten stärker als Gesunde dazu tendieren, eine experimentell erzeugte Hilflosigkeitssituation zu bewältigen. „In unserer Studie mit 24 Migränepatienten und 24 gesunden Personen wurde ein vom Teilnehmer selbst abzustellendes Tonsignal ohne sein Wissen plötzlich blockiert. Der Ton konnte nicht mehr sofort abgestellt werden. Eine Situation der Hilflosigkeit entstand. Die teilnehmenden Migränepatienten aktivierten mehr kognitive Ressourcen, den Ton abzustellen, als die Gesunden. Das drückt sich in einem vergrößerten EEG-Signal und in einer signifikant schnelleren Reaktionszeit aus", sagt Prof. Dr. Peter Kropp, von der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) und Autor der Studie. Insgesamt könne daraus geschlossen werden, dass Migränepatienten in entsprechenden Situationen einen intensi-veren Problemlösevorgang auslösen. Sie sind demnach nicht hilfloser wie zunächst in früheren Studien angenommen wurde, sondern suchen nach mehr Möglichkeiten, das neu erkannte Problem zu lösen. Sie gehen dabei intensiver und effektiver an Schwierigkeiten heran und verfügen über eine bessere Problemlösungskompetenz.

Hilflosigkeit kann durch Situationen ausgelöst werden, in denen die Person negative emotionale Gefühle und eine fehlende Kontrolle über die Situation erlebt. Dieses Hilflosigkeitserleben wiederum geht eng mit einem EEG-Signal einher, welches in einer experimentellen Situation gemessen werden kann. Dabei muss der Teilnehmer auf verschiedene Töne hören und bei einem bestimmten Ton sehr schnell einen Reaktionsknopf drücken, welcher dann diesen Ton abschaltet. Nach Abschalten des Tones kann man einen charakteristischen EEG-Verlauf beobachten, der „post-imperative negative Variation" (PINV) genannt wird. Wandelt man nun das vorher beschriebene Experiment ab, indem nach einer gewissen „Einübungszeit" der Ton trotz korrekten Tastendrucks plötzlich nicht mehr abgeschaltet werden, kann eine besonders ausgeprägte PINV beobachtet werden. Diese wird oft als experimentell ausgelöstes Hilflosigkeitserleben interpretiert. Dabei lässt sich diese vermehrte Reaktion dem Wechsel der Kontingenz (fehlender Reaktion auf den Tastendruck) zuordnen.

Die Arbeitsgruppe hat sich jetzt die Frage gestellt, inwieweit in dieser experimentell geschaffenen Situation Migränepatienten von Gesunden unterschiedlich reagieren. In der Studie wurden 24 Migränepatienten mit 24 gesunden Probanden in ihrer Reaktion auf den Tastendruck untersucht. Für jede korrekte Reaktion bekam der Teilnehmer als Belohnung einen Euro. Nach 16 der 32 Messdurchgänge konnten die Teilnehmer plötzlich den Reaktionston trotz Tastendrucks nicht mehr abschalten, er dauerte dann jeweils mehrere Sekunden an und die bis dahin angehäufte Belohnung schmolz ab. Während Gesunde nur kurz auf diesen „Kontingenzwechsel" in Form einer vergrößerten PINV-Amplitude reagiert haben, war dieses Signal in der Migränegruppe deutlich länger und ausgeprägter vorhanden. Außerdem war die Reaktionszeit, also die Zeit zwischen Tonsignal und Tastendruck, bei Migränepatienten signifikant schneller.

Literaturverweis:
Kropp P, Brecht IB, Niederberger U, Kowalski J, Schröder D, Thome J, Meyer W, Wallasch TM, Hilgendorf I, Gerber WG (2012). Time-dependent post-imperative negative variation indicates adaptation and problem solving in migraine patients. J Neural Transm (2012) 119:1213-1221.

Autor der Studie:
Prof. Dr. Peter Kropp
2. Vizepräsident der DMKG
Institut für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie
Universitätsmedizin Rostock
Gehlsheimer Straße 20, 18147 Rostock
Tel. 0381/494/9530, E-Mail: peter.kropp@med.uni-rostock.de

Weitere Informationen:
http://www.dmkg.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Nature: wie Wälder mit mehr Kohlendioxid umgehen

Monika Landgraf Presse, Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

Während die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre steigt, erhöhen Wälder ihre Wassernutzungseffizienz: Sie können mehr von dem Gas aufnehmen, ohne dabei aber mehr Wasser zu verlieren. Wie langfristige Messungen an vielen Waldstandorten der Nordhalbkugel zeigen, reagieren die Spaltöffnungen an der Blattoberfläche auf mehr Kohlendioxid - ein Beispiel für Strategien von Ökosystemen, mit Veränderungen umzugehen. Forscher aus den USA und des KIT beschreiben die Untersuchung nun in der Zeitschrift „Nature". (DOI: 10.1038/nature12291)

Pflanzen binden bei der Photosynthese Kohlendioxid aus der Atmosphäre. Während sie das Kohlendioxid durch die geöffneten Spaltöffnungen ihrer Blätter aufnehmen, entweicht Wasserdampf. Das Verhältnis zwischen dem so transpirierten Wasser und dem fixierten Kohlenstoff, die sogenannte Wassernutzungseffizienz, stellt einen wesentlichen Indikator der Ökosystemfunktion dar und spielt eine Schlüsselrolle im globalen Wasser-, Energie- und Kohlenstoffkreislauf. Eine Gruppe von Wissenschaftlern, unter ihnen der Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung - Atmosphärische Umweltforschung (IMK-IFU) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Professor Hans Peter Schmid, hat den Austausch von Wasser und Kohlenstoff im Ökosystem erstmals anhand von langfristigen Messungen im Freiland untersucht.

Gemeinsam mit Kollegen von der Harvard University, der Ohio State University und der Indiana University sowie dem USDA Forest Service wertete Schmid Messungen an insgesamt sieben Waldstandorten im Mittelwesten und Nordosten der USA aus und verglich diese mit vierzehn weiteren Waldstandorten auf der Nordhemisphäre. Die Wälder repräsentieren drei verschiedene, für die gemäßigte und kaltgemäßigte Zone der Nordhalbkugel typische Artenzusammensetzungen und werden nicht aktiv bewirtschaftet. Die Auswertung der Messungen zeigt eine deutliche Steigerung der Wassernutzungseffizienz in den vergangenen zwei Jahrzehnten. Um diese Entwicklung zu erklären, prüften die Forscher verschiedene konkurrierende Hypothesen. Neben der gestiegenen Kohlendioxid-Konzentration betrachteten sie auch Faktoren wie die zunehmende Verfügbarkeit von Stickstoff, Veränderungen der Vegetationsstruktur durch Wachstum, die mechanische und thermische Kopplung zwischen Baumkrone und Atmosphäre sowie langfristige Abweichung der Messvorrichtungen.

Die Forscher stellten fest, dass die gesteigerte Wassernutzungseffizienz auf eine starke Düngewirkung des Kohlendioxids zurückzuführen ist. Wenn die Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre steigt, schließen die Bäume die Spaltöffnungen an der Blattoberfläche - die sogenannten Stomata - teilweise, um die Kohlendioxid-Konzentration im Innern der Blätter weitgehend konstant zu halten. „Dies zeigt, dass Wälder sensitiv auf Veränderungen der Umwelt reagieren", erklärt Professor Hans Peter Schmid, der am KIT-Campus Alpin in Garmisch-Partenkirchen forscht. „Ökosysteme verfügen über Strategien, mit dem Klimawandel umzugehen und ihre Ressourcen effizient einzusetzen." Wie Schmid berichtet, ist die in der Untersuchung beobachtete Steigerung der Wassernutzungseffizienz der Wälder höher als in theoretischen Untersuchungen und aktuellen Modellen vorausgesagt.
Mit der gesteigerten Wassernutzungseffizienz können die Pflanzen mit weniger Wasser auskommen, trotz erhöhter Photosynthese auf Ökosystemebene. Wie Schmid erklärt, lassen die bisherigen Ergebnisse der noch weiter laufenden Studie auf eine Verschiebung im Wasser- und Kohlenstoffhaushalt der Vegetation auf der Erde schließen. „Dies erfordert möglicherweise, die Rolle der Spaltöffnungen auf der Blattoberfläche bei der Interaktion zwischen Wäldern und Klima neu zu bewerten und gängige Vegetation-Klima-Modelle zu überarbeiten." Das langfristige Verhalten von Ökosystemen im Klimawandel und die Entwicklung von entsprechenden Messmethoden gehören zu den zentralen Themen der Forschung des IMK-IFU am Campus Alpin des KIT.
Trevor F. Keenan, David Y. Hollinger, Gil Bohrer, Danilo Dragoni, J. William Munger, Hans Peter Schmid, Andrew D. Richardson: Increase in forest water use efficiency as atmospheric carbon dioxide concentrations rise. Nature, DOI: 10.1038/nature12291.
Das KIT-Zentrum Klima und Umwelt entwickelt Strategien und Technologien zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen: Dafür erarbeiten 660 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 32 Instituten Grundlagen- und Anwendungswissen zum Klima- und Umweltwandel. Dabei geht es nicht nur um die Beseitigung der Ursachen von Umweltproblemen, sondern zunehmend um die Anpassung an veränderte Verhältnisse.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Thematische Schwerpunkte der Forschung sind Energie, natürliche und gebaute Umwelt sowie Gesellschaft und Technik, von fundamentalen Fragen bis zur Anwendung. Mit rund 9000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter knapp 6000 in Wissenschaft und Lehre, sowie 24 000 Studierenden ist das KIT eine der größten Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung - Lehre - Innovation.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: www.kit.edu

Anhang
Nature: wie Wälder mit mehr Kohlendioxid umgehen
http://idw-online.de/de/attachment28461

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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DGIM: Vitamin-Präparate schützen nicht vor Herzinfarkt

Anna Julia Voormann Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V.

Vitamin-Präparate schützen nicht Herz und Kreislauf
Spurenelemente und Vitamine ärztlich dosiert einnehmen

Wiesbaden - Tabletten und Kapseln mit Vitaminen und Spurenelementen verhindern weder Herzinfarkt noch Schlaganfall. Dies zeigt die bislang umfassendste Meta-Analyse zur vorbeugenden Wirkung von Vitaminen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die ungezielte Einnahme von Vitaminpräparaten sei deshalb nicht zu empfehlen, rät die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM). Bei nachgewiesenem Vitamin-Mangel sollten Menschen Vitamine und Spurenelemente gemäß der ärztlich empfohlenen Dosis einnehmen.

Durchblutungsstörungen bis hin zum Herzinfarkt und Schlaganfall sind oft Folge von Schäden, die über viele Jahre an den Blutgefäßen entstanden sind. Zu den Ursachen dieser sogenannten Atherosklerose zählt auch mangelhafte oder falsche Ernährung. Mitunter fehle es dann an den Vitaminen A, B6, B12, C, D, E, Beta-Caroten oder Selen, meint Professor Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel. „Laborstudien und Tierversuche gaben Anlass zu hoffen, dass diese Nahrungsbestandteile eine Atherosklerose stoppen könnten", erläutert Fölsch. Denn Forscher haben ausgerechnet, dass der Verzehr von 600 Gramm Obst oder Gemüse am Tag weltweit die Zahl der Herzinfarkte um 31 Prozent und die der Schlaganfälle um 19 Prozent senken würde. Die meisten Menschen erreichen diese Ernährungsziele nicht. Viele greifen stattdessen zu Vitaminpräparaten aus der Drogerie. „Denn es wäre zunächst zu vermuten, dass auch die regelmäßige Einnahme von Vitaminpräparaten Schäden an den Blutgefäßen verhindern kann", meint Fölsch.

Eine im British Medical Journal veröffentlichte Meta-Analyse verschiedener klinischer Studien ergab keinen entsprechenden Nutzen. Koreanische Mediziner haben darin die Ergebnisse wichtiger Therapie-Studien zusammengefasst. Das Team um Belong Cho von der Universität Seoul wertete die Daten von insgesamt 50 Studien mit fast 300 000 Teilnehmern aus. Die Annahmen ließen sich nicht bestätigen: In Präparaten zugeführte Vitamine oder sogenannte „antioxidative" Spurenelemente wirken weder bei gesunden Menschen vorbeugend, noch nutzen sie jenen, die bereits einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erlitten haben. Dabei spielen die Kombination der Vitamine, Hersteller, Dosis oder Dauer der Einnahme keine Rolle. Einige Studien kamen sogar zu dem Ergebnis, dass die Einnahme bestimmter Vitamine wie Beta-Caroten das Sterberisiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigert. Das Spurenelement Selen steht überdosiert sogar im Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen.

„Menschen mit einem nachgewiesenen Vitamin-Mangel, der bei zahlreichen internistischen Erkrankungen vorkommt, sind jedoch dringend auf entsprechende Präparate angewiesen", betont Fölsch. Die DGIM rät, Vitamine ärztlich dosiert einzunehmen. Defizite an Vitaminen oder Spurenelementen ließen sich durch Labortests verlässlich nachweisen und in den meisten Fällen auch wirksam behandeln. Die Kapseln und Tabletten vorbeugend zu konsumieren, um sich „etwas Gutes zu tun", sei dagegen nicht ratsam sondern strapaziere unnötig das Portemonnaie. Hier sei stattdessen vielfältige Ernährung empfohlen und Bewegung im Freien.

Quelle:
Seung-Kwon Myung, Woong Ju, Belong Cho, Seung-Won Oh, Sang Min Park, Bon-Kwon Koo, Byung-Joo Park, for the Korean Meta-Analysis (KORMA) Study Group: Efficacy of vitamin and antioxidant supplements in prevention of cardiovascular disease: systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials BMJ 2013;346:f10 doi: 10.1136/bmj.f10 (Published 18 January 2013)

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Oft zu gut versorgt durch Nahrungsergänzungsmittel - Aktuelle Auswertung des Max Rubner-Instituts

Dr. Iris Lehmann Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max Rubner-Institut - Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel

Nahrungsergänzungsmittel sind ein Verkaufsschlager für Drogerien und Apotheken. Geworben wird dafür mit einer angeblichen Unterversorgung. Doch die Nationale Verzehrsstudie II zeigt, dass gerade die Personen, die eine gute Zufuhr an Nährstoffen aufweisen, besonders häufig nach Vitaminen und Mineralstoffen in Tablettenform greifen. Dabei kann es auch zu einer Überversorgung kommen.

Auf Basis der repräsentativen Nationalen Verzehrsstudie II (NVS II) haben Wissenschaftler des Max Rubner-Instituts ausgewertet, welche Vitamine und Mineralstoffe von der Bevölkerung in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel oder sogenannte Supplemente verwendet und welche Nährstoffmengen dadurch zugeführt werden. Unter Supplementen versteht man dabei alle nicht über Lebensmittel zugeführten Nährstoffe, also Nahrungsergänzungsmittel, aber auch Medikamente mit Vitamin- oder Mineralstoffzusatz, etwa Schmerzmittel mit Vitamin C. Es wurde zudem die Gesamtnährstoffzufuhr an Vitaminen und Mineralstoffen betrachtet, die aus der Nährstoffzufuhr über Lebensmittel und Supplemente resultiert.

In der NVS II mussten die Teilnehmer unter anderem an zwei Tagen - ohne vorherige Ankündigung der Termine - detaillierte Auskunft über den gesamten Verzehr der letzten 24 Stunden geben (die 24-Stunden-Recall-Methode), dabei wurde auch abgefragt, ob und welche Supplemente die Teilnehmer am Befragungstag genommen hatten. Von den 15-80-jährigen NVS II-Teilnehmern (die Stichprobe umfasste mehr als 13.700 Personen), die für die Auswertung herangezogen wurden, gilt als Supplement-Nehmer, wer an mindestens einem der beiden Befragungstage Nährstoffe supplementiert hatte.

Es zeigte sich, dass obwohl in Deutschland im Allgemeinen ausreichend Nährstoffe über Lebensmittel aufgenommen werden, ein erheblicher Teil der Bevölkerung zu Supplementen greift (fast ein Viertel). Dabei nehmen gerade die Personen Supplemente, die bereits durch eine günstige Lebensmittelauswahl eine gute Nährstoffzufuhr haben. Dadurch steigt die jeweilige Nährstoffzufuhr erheblich, bis hin zu einer Überschreitung der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) angegebenen tolerierbaren Tageshöchstmenge. Ohne Berücksichtigung der zugeführten Nährstoffmengen über Supplemente ergab die Auswertung für die Gruppe der Supplement-Nehmer bei vielen über Lebensmittel zugeführten Nährstoffen eine höhere Zufuhr (z. B. an Folat, Magnesium) als bei Personen, die keine Supplemente verwenden.

Die Auswertung zeigte, dass mehr Frauen als Männer Supplemente einnehmen (30 % vs. 19 %). Der Anteil der Supplementnehmer in der Bevölkerung liegt möglicherweise jedoch noch höher, da die unregelmäßige oder periodisch erfolgende Einnahme methodisch bedingt nicht erfasst werden konnte. Den geringsten Anteil an Supplement-Nehmern fanden die Wissenschaftler in der Gruppe der 15 bis 18-jährigen Frauen (10 %) und den 19-24-jährigen Männern (12 %), wohingegen der Anteil in der Gruppe der 65-80-jährigen bei beiden Geschlechtern am höchsten ist (Frauen: 46 %; Männer: 30 %). Sowohl von Männern als auch von Frauen werden am häufigsten die Vitamine C und E sowie die Mineralstoffe Magnesium und Calcium supplementiert.

Beurteilt wird die Versorgung auf Basis der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zusammen mit den entsprechenden Fachverbänden in der Schweiz und in Österreich herausgegebenen Referenzwerten (D-A-CH-Referenzwerte). Für Vitamin C, E, Niacin und Folsäure erreichen die Befragten allein durch Supplemente im Mittel zwischen 50 und 100 Prozent des Referenzwertes, für die Vitamine B1, B2 und B6 liegen sie sogar oberhalb des entsprechenden Wertes. Über Lebensmittel und Supplemente zusammen erreichen Supplement-Nehmer im Mittel bei allen untersuchten Nährstoffen (mit Ausnahme von Jod) die jeweiligen Referenzwerte beziehungsweise überschreiten diese teilweise erheblich. Bei den Vitaminen B1, B2, B6 und C sowie Vitamin B12 (bei Männern) beträgt die mittlere Gesamtnährstoffzufuhr etwa das Doppelte des D A CH Referenzwerts und bei Niacin das Dreifache. Die von der EFSA angegebene tolerierbare Tageshöchstmenge wird insbesondere überschritten bei Magnesium und Vitamin A (von 16 % bzw. 13 % der jeweiligen Supplement-Nehmer). Bei Jod ist zu beachten, dass zur Berechnung der Jodzufuhr die Zufuhr über jodiertes Speisesalz bzw. über damit hergestellte Lebensmittel nicht berücksichtigt wurde.

Weitere Informationen:
http://www.mri.bund.de/no_cache/de/institute/ernaehrungsverhalten/forschungsproj...

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Auch aufgestaute Flüsse sind Klimasünder

Bernd Hegen Referat Öffentlichkeitsarbeit
Universität Koblenz-Landau

Aktuelle Studie zeigt: Binnengewässer in Deutschland erzeugen Treibhausgase und sollten stärker in den Kohlenstoff- und Treibhausgasbilanzen berücksichtigt werden.

Der Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases Methan durch aufgestaute Flüsse, so genannte Stauhaltungen, ist nicht zu unterschätzen. Dies haben Wissenschaftler des Instituts für Umweltwissenschaften Landau an der Universität Koblenz-Landau ermittelt. Doch in den meisten aktuellen Kohlenstoff- und Treibhausgasbilanzen wird dieser Beitrag nicht berücksichtigt.

Wissenschaftler des Instituts für Umweltwissenschaften Landau unter der Leitung von Umweltphysik-Professor Andreas Lorke haben in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) und weiteren internationalen Kooperationspartnern herausgefunden, dass Flussstauhaltungen erhebliche Auswirkungen auf den Ausstoß von Treibhausgasen durch Flüsse besitzen. Dazu ermittelten sie in einer Referenzstudie an der Saar die unterschiedlichen Emissionspfade und berechneten die Höhe der Methan-Abgabe. Die Forschungsgruppe bestimmte damit die Gesamtemissionsrate und fand Gesetzmäßigkeiten heraus, die sich auf andere Gewässer übertragen lassen.

„Die an der Saar ermittelten Emissionsraten von Methan haben wir in dieser Größenordnung nicht erwartet und sie sind vergleichbar mit tropischen Stauseen", sagt Andreas Lorke. „Messungen an anderen Flusssystemen in Europa deuten auf ähnliche Ergebnisse hin. Damit besitzen Flüsse und Stauhaltungen in der gemäßigten Klimazone einen relevanten Anteil an den globalen Emissionsraten und sollten auf jeden Fall in globalen Treibhausgasbilanzen stärker berücksichtigt werden."

Die Messungen haben gezeigt, dass die Saar pro Tag etwa 380 Kilogramm Methan in die Atmosphäre abgibt. Der größte Teil stammt aus Gasblasen in den Stauhaltungen (54 Prozent) und aus der Ausgasung direkt hinter den Dämmen (41 Prozent). Die Diffusion über die Wasseroberfläche, also der Austausch des Gases ohne Blasen, trägt nur rund fünf Prozent zum Gesamtausstoß bei.

Nicht zu unterschätzende Emissionen
Trotz der überraschend hohen Emissionsraten ist der Ausstoß von Treibhausgasen durch Binnengewässer, verglichen mit fossilen Energieträgern, eher gering. An der Saar sind Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 32,5 Megawatt installiert. Im Vergleich zur erzeugten Energie gibt die Saar vier beziehungsweise acht Prozent der Treibhausmenge der herkömmlichen Kohle- oder Gaskraftwerke ab.

Andererseits sollten diese Emissionen nicht unterbewertet werden, denn weltweit sind mehr als 60 Prozent der großen Flusssysteme gestaut. Bereits jetzt schätzen brasilianische Forscher, dass Seen, große Stauseen und Flüsse mit 104 Millionen Tonnen jährlich für fast ein Viertel aller von Menschen verursachten Methanemissionen verantwortlich sind. Methan hat ein 25-mal höheres Erderwärmungspotenzial als Kohlenstoffdioxid.

Wie entsteht Methan in Staustufen?
Werden Flüsse aufgestaut, reduziert sich die Fließgeschwindigkeit und es kommt zu einer Ablagerung von mitgeführten Stoffen am Gewässerboden. Dazu zählen Kies und Sand genauso wie organisches Material von Lebewesen. Letzteres wird durch Bakterien und andere Mikroorganismen abgebaut. Jedoch ist dadurch der Sauerstoff bereits in einigen Millimetern Tiefe im Sediment aufgebraucht. Weiter unten dominieren anaerobe, also ohne Sauerstoff stattfindende Abbauprozesse, die unter anderem das Treibhausgas Methan erzeugen. „Neben der Abschätzung der Methanemissionen ist es daher zukünftig auch wichtig, die Quellen des organischen Materials zu ermitteln", sagt Dr. Helmut Fischer von der Bundesanstalt für Gewässerkunde.

Reichert sich Methan im Sediment an, können Gasblasen entstehen. Wann und wo diese an die Wasseroberfläche aufsteigen, ist sehr unterschiedlich und daher aufwendig zu messen. Zumeist steigen die Blasen auf, wenn sich der Umgebungsdruck verringert, etwa durch einen niedrigeren Wasserspiegel oder Luftdruck sowie stärkere Wellen. Zusätzliche Emissionen entstehen unmittelbar an den Stauanlagen: Wasser, das durch Turbinen und Schleusen oder über Wehre fließt, wird erheblich verwirbelt und hat eine stark vergrößerte Kontaktfläche zur Luft. Die Austauschgeschwindigkeit der Gase ist deshalb höher als in langsam fließenden Abschnitten. Dies sorgt dafür, dass Methan an den Stauwerken verstärkt an die Atmosphäre abgegeben wird.

Die Studie:
„Sediment trapping by dams creates methane emission hotspots", Andreas Mäck, Tonya DelSontro, Daniel F. McGinnis, Helmut Fischer, Sabine Flury, Mark Schmidt, Peer Fietzek, Andreas Lorke. Die Studie wurde jetzt in der Online-Ausgabe der Zeitschrift Environmental Science & Technology veröffentlicht: http://pubs.acs.org/journal/esthag ; DOI: 10.1021/es4003907

Kontakt:
Universität Koblenz-Landau
Prof. Andreas Lorke
Fortstraße 7
76829 Landau
Tel.: (06341) 280-31317
E-Mail: lorke@uni-landau.de

Weitere Informationen:
http://pubs.acs.org/journal/esthag DOI: 10.1021/es4003907

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Deutsche Diabetes Gesellschaft warnt vor deutschem Sonderweg in der Diabetesversorgung

Julia Voormann Pressestelle
Deutsche Diabetes Gesellschaft

Berlin - Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) kritisiert den Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), wonach für das Diabetesmedikament Lixisenatid keine ausreichenden Daten über einen therapeutischen Zusatznutzen bei Diabetes Typ 2 vorliegen. Eine entsprechende Stellungnahme hat die Fachgesellschaft heute beim IQWiG eingereicht. Zahlreiche klinische Studien belegen, dass die Injektion von Lixisenatid gegenüber einer Sulfonylharnstoff-Behandlung mit weniger Unterzuckerungen und einer geringeren Gewichtszunahme verbunden ist.

„Das ist für viele Diabetespatienten ein wichtiger Zusatznutzen", erklärt DDG Präsident Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel. „Aus diesem Grunde übernehmen auch viele europäische Länder die Therapiekosten für stark übergewichtige Patienten." Deutschland wolle offenbar in der Versorgung der Diabetespatienten einen Sonderweg einschlagen, kritisiert der Diabetologe aus Heidelberg.

Wie im Falle anderer Diabetesmedikamente zuvor, hatte das IQWiG vor allem das Fehlen direkter Vergleichsstudien von Lixisenatid gegenüber den hierzulande von den Krankenkassen geforderten Sulfonylharnstoffen in Höchstdosierung bemängelt. Solche Studien würden die Patienten jedoch dem Risiko gefährlicher Unterzuckerungen aussetzen, so die DDG. „Das wäre ein ethisch fragwürdiges Vorgehen", betont Erhard Siegel. Das IQWiG habe sich mit der vorliegenden Evidenz- und Studienlage zu Lixisenatid wissenschaftlich nicht auseinandergesetzt, sondern erneut rein formale Gründe angeführt.

Das Medikament Lixisenatid gehört zur Substanzklasse der Glucagon-like-Peptide-1-Rezeptoragonisten. Die GLP-1-Rezeptoragonisten haben in zahlreichen klinischen Studien bewiesen, dass sie Vorteile gegenüber einer Therapie mit Sulfonylharnstoffen besitzen - es kommt zu weniger lebensbedrohlichen Unterzuckerungszuständen und einer begrüßenswerten Abnahme des Körpergewichts. „Bei vielen Menschen mit Diabetes Typ 2 konnte dadurch der Beginn einer Insulintherapie sogar auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden", erklärt Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Pressesprecher der DDG.

Aufgrund dieser positiven Wirkungen empfehlen die amerikanische und europäische Diabetesgesellschaft EASD und ADA in einem gemeinsamen Positionspapier, GLP-1-Rezeptoragonisten anstelle anderer Medikamente einzusetzen, wenn das Medikament Metformin den Blutzuckerspiegel nicht in gewünschtem Maße normalisiert und die Vermeidung von Unterzuckerungen sowie eine moderate Gewichtsreduktion zusätzliche Therapieziele sind.

Weil GLP-1-Rezeptoragonisten häufig auch das Körpergewicht senken, sind sie besonders für übergewichtige Diabetespatienten mit einem Body-Mass-Index über 30 geeignet. „Deshalb erstatten Kostenträger in verschiedenen Ländern eine Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten für diese Patientengruppe", so Andreas Fritsche. „Es wäre vollkommen unverständlich, wenn ausgerechnet Deutschland anders verfahren und seinen Patienten diese Therapie vorenthalten würde."

Die vollständige Stellungnahme der DDG finden Sie hier:
http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/fileadmin/Redakteur/Stellungnahmen/...

Deutsche Diabetes Gesellschaft
Geschäftsstelle
Reinhardtstr. 31
10117 Berlin
Tel.: 030 3116937-11
Fax: 030 3116937-20
info@ddg.de

Weitere Informationen:

http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de

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Innovative Wasserinfrastrukturen entwickeln und spielerisch verstehen

Anne-Catherine Jung Pressestelle
Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

Die Anpassung von Wasserinfrastrukturen an kommende Herausforderungen ist unvermeidbar, doch das Verständnis für die Abhängigkeiten und Wechselwirkungen ist nicht bei allen Entscheidern vorhanden. Im Rahmen des kürzlich gestarteten Projekts TWIST++ entwickelt ein großer Projektverbund unter Leitung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI neue Konzepte und ein Planungsunterstützungssystem. Ein sogenanntes Serious Game als zusätzliches Tool, das die Zusammenhänge auf leicht verständliche Art erklärt, wird die künftige Umsetzung der Konzepte erleichtern.

Vor dem Hintergrund der langen Nutzungsdauern von Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsinfrastrukturen, ihrer geringen Flexibilität und der Veränderungen wichtiger Rahmenbedingungen hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die bestehenden Systeme weiterentwickelt werden müssen, um kommenden Herausforderungen gerecht zu werden.

Für Neubaugebiete wurden neue Techniken und Konzepte bereits in mehreren Forschungs- und Demonstrationsprojekten erprobt, doch auch die bestehenden Systeme müssen angepasst werden. Hier setzt das Verbundvorhaben TWIST++ (Transitionswege WasserInfraSTruktursysteme) an. In diesem Projekt sollen integrierte und zukunftsweisende technische Lösungen gefunden werden, die auf intelligente Weise Entsorgungsaufgaben für Abwasser mit Versorgungsaufgaben für Trinkwasser vereinen und die Flexibilität des Gesamtsystems, sich an künftige Veränderungen anzupassen, erhöhen. Dafür hat sich unter Leitung des Fraunhofer ISI ein Projektverbund gebildet, zu dem neben anderen Forschungsinstituten auch Partner aus Kommunen, Wasser- und Abwasserwirtschaft (Betreiber) sowie Unternehmen aus den Bereichen Planung, Software/Spielentwicklung und Anlagenbau gehören.

Das Projekt wird in drei Modellgebieten durchgeführt: In der Stadt Lünen in Nordrhein-Westfalen, im thüringischen Wohlsborn-Rohrbach als Beispiel für den ländlichen Raum sowie für die ehemalige Zeche Westerholt 1/2, die exemplarisch für Erschließungs- und Konversionsflächen inmitten angrenzender Wohnbebauung steht. Die ausgewählten Modellgebiete weisen Randbedingungen auf, die für viele ähnliche Orte in Deutschland repräsentativ sind. Dies begünstigt die Übertragbarkeit und somit weitergehende Nutzung der Ergebnisse über das Projektende hinaus.

Ausgehend von der aktuellen Situation und vom zukünftigen Bedarf in den Modellgebieten werden Konzepte zur Umwandlung beziehungsweise Weiterentwicklung von Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungssystemen erarbeitet, die notwendigen technischen Komponenten, beispielsweise zur Energie- und Nährstoffrückgewinnung oder zur Schaffung selbst reinigender Trinkwasser-Teilnetze, entwickelt und die Ergebnisse anhand konkreter Planungsvarianten umgesetzt und verifiziert.

Die während des Projekts entwickelten neuen Konzepte werden Fachleuten und Laien mittels eines Planungsunterstützungssystems und eines Simulationsspiels zugänglich gemacht. Projektleiter Dr.-Ing. Harald Hiessl vom Fraunhofer ISI ist überzeugt: "Das Serious Game hilft insbesondere Entscheidern dabei, ein grundlegendes Verständnis für die zahlreichen interdisziplinären Zusammenhänge, Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zu entwickeln. So wird die Hemmschwelle abgebaut, innovative und integrierte Infrastrukturkonzepte bei Umbau- und Erneuerungsplanung zu berücksichtigen. Die zu entwickelnden Planungstools sind mit entscheidend, um die neuen, nachhaltigen Technologien zu etablieren."

Das Projekt TWIST++ läuft bis Mitte 2016. Erste Ergebnisse, die sich auch auf andere Städte, auf den ländlichen Raum sowie Erschließungs- und Konversionsflächen übertragen lassen, werden für 2014 erwartet. Es wird im Rahmen der BMBF-Fördermaßnahme "Intelligente und multifunktionelle Infrastruktursysteme für eine zukunftsfähige Wasserversorgung und Abwasserentsorgung" gefördert und ist innerhalb des Rahmenprogramms "Forschung für nachhaltige Entwicklungen (FONA)" Teil des Förderschwerpunkts "Nachhaltiges Wassermanagement (NaWaM)".

Weitere Informationen gibt es unter http://www.twistplusplus.de.

Am Verbundprojekt TWIST++ sind folgende Partner beteiligt:
• Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI,
• Bauhaus-Universität Weimar,
• Universität Stuttgart (ISWA),
• IWW Rheinisch-Westfälisches Institut für Wasserforschung gGmbH,
• 3S Consult GmbH,
• tandler.com GmbH,
• takomat GmbH,
• CURRENTA GmbH & Co. OHG,
• HST Systemtechnik GmbH & Co. KG,
• Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung Lünen AöR,
• Abwasserzweckverband Nordkreis Weimar,
• RAG Montan Immobilien GmbH,
• Wupperverband,
• Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. und
• Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUELV).

Kontakt:
Anne-Catherine Jung MA
Telefon: +49 721 6809-100
E-Mail: presse@isi.fraunhofer.de
Twitter: @Fraunhofer_KA

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI analysiert Entstehung und Auswirkungen von Innovationen. Wir erforschen die kurz- und langfristigen Entwicklungen von Innovationsprozessen und die gesellschaftlichen Auswirkungen neuer Technologien und Dienstleistungen. Auf dieser Grundlage stellen wir unseren Auftraggebern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft Handlungsempfehlungen und Perspektiven für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Unsere Expertise liegt in der fundierten wissenschaftlichen Kompetenz sowie einem interdisziplinären und systemischen Forschungsansatz.

Weitere Informationen:

http://www.isi.fraunhofer.de/isi-de/service/presseinfos/2013/pri13-20_twist-wass...
http://www.twistplusplus.de

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Jeder Hund kann gefährlich sein - Hundebisse bei Babys und Kindern richtig behandeln

Medizin - Kommunikation Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Berlin - Jedes zweite Kind wird bis zu seinem 18. Lebensjahr von einem Hund gebissen. Am häufigsten trifft es kleine Kinder bis ins Vorschulalter. In über 90 Prozent der Fälle stammt das Tier aus dem näheren sozialen Umfeld des Kindes, meist ist es der eigene Familienhund. Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) weist darauf hin, dass Eltern insbesondere kleine Kinder im Umgang mit Hunden immer beaufsichtigen sollten. Ist es dennoch zu einer Bissverletzung gekommen, empfiehlt die DGKCH, mit dem Kind einen Arzt aufzusuchen und die Wunde, falls nötig, kinderchirurgisch versorgen zu lassen.

Im Jahr 2010 lebten in deutschen Haushalten 5,3 Millionen Hunde. Auch zwischen Kindern und vertrauten Hunden passiert es immer wieder, dass das Tier zuschnappt. Die meisten Bisse gehen glimpflich aus. Doch auch hinter äußerlich eher kleinen und ungefährlich erscheinenden Wunden können sich in der Tiefe ausgedehnte Geweberisse und Quetschungen verbergen", erläutert Professor Dr. med. Stephan Kellnar, Vorstandsmitglied der DGKCH. Aufgrund ihrer kräftigen Kiefer sind auch kleinere Hunde in der Lage, schwere Verletzungen zu verursachen, die nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen seien. Falsch versorgt, drohten langfristige Schäden wie Funktionseinbußen besonders an Fingern und Händen und unnötig große Narben, sagt Kellnar.

Aber es gelte auch, Infektionen zu verhindern: „Bei bis zu 20 Prozent der Hundebisse kommt es zu einer Wundinfektion", sagt der Experte. Krankheitserreger könnten in das Gewebe eindringen und Wundstarrkrampf, Gasbrand oder eine Blutvergiftung hervorrufen. „Außerdem muss geprüft werden, ob der Hund womöglich Tollwut hatte", meint Kellnar, der Chefarzt der Klinik für Kinderchirurgie am Klinikum Dritter Orden in München ist. Zwar gelte Deutschland seit 2010 als tollwutfrei. Doch die Krankheit sei in anderen Ländern noch teilweise verbreitet, sodass dieses Risiko nicht hundertprozentig auszuschließen sei.

Als erste Hilfe empfiehlt der Kinderchirurg, die Verletzung mit einer sterilen Kompresse oder einem Verband abzudecken. Eltern sollten keine eigenen Versuche unternehmen, die Wunde zu reinigen. Zur Abklärung des Tetanusschutzes sei es sinnvoll, den Impfpass des Kindes zum Arzt gleich mitzubringen. „Babys und Kleinkinder müssen im Umgang mit Hunden immer beaufsichtigt werden", mahnt Professor Kellnar. Vielen Hunden mangele es an Erziehung. Zudem könnten kleine Kinder die Signale von Vierbeinern noch nicht deuten. Eltern sollten sich auch von der Größe eines Hundes bezüglich seiner Gefährlichkeit für ein Kind nicht täuschen lassen: „Auch ein kleiner Hund kann ein Kind schwer verletzen, wenn der Halter keine Kontrolle über sein Tier hat", sagt Professor Kellnar.

Literatur:

Davis et al.: Dog Bite Risk: An Assessment of Child Temperament and Child-Dog Interactions Int. J. Environ. Res. Public Health 2012,9, 3002-3013; doi:10.3390/ijerph9083002

Kasbekar A. V. et al.: Dog bites to the head and neck in children; an increasing problem in the UK. Clinical Otolaryngology 2013

Sabhaney V, Goldman RD.: Can Fam Physician. 2012 Oct;58(10):1094-6, e548-50.Child health update. Management of dog bites in children.

Die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie:
Gegründet im Jahr 1963 schafft die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) bis heute Grundlagen für eine bestmögliche kinderchirurgische Versorgung in Deutschland. Dazu gehören Neugeborenenchirurgie, allgemeine Kinderchirurgie und Kindertraumatologie ebenso wie Kinderurologie. Die DGKCH vertritt das Fach in allen wissenschaftlichen, fachlichen und beruflichen Belangen. Derzeit praktizieren hierzulande Fachärzte für Kinderchirurgie in mehr als 80 kinderchirurgischen Kliniken und Abteilungen sowie als Niedergelassene. Kinderchirurgie gehört in die Hände von Kinderchirurgen. Denn ihre Patienten sind keine kleinen Erwachsenen.

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Netzwerk Phosphorchemie beendet Arbeit mit Videoveröffentlichung

Susann Huster Pressestelle
Universität Leipzig

Ein Netzwerk von Wissenschaftlern aus mehreren Ländern - darunter mehrere Chemiker aus Deutschland - hat in einem gemeinsamen Forschungsprojekt das europäische Know-how auf dem Gebiet der Phosphorchemie wissenschaftlich und technologisch erheblich erweitert. Im "European Phosphorus Sciences Network (PhoSciNet)" haben Forscher in den Bereichen Materialwissenschaften, Katalyse, Biowissenschaften und der theoretischen Chemie zusammengearbeitet und eine Wissenschaftsplattform etabliert, um das Potenzial des Elements Phosphor in der Grundlagen- und angewandten Forschung zu fördern, sagte die Chemikerin Prof. Dr. Evamarie Hey-Hawkins von der Universität Leipzig.

Sie hat das vor kurzem abgeschlossene Projekt geleitet. Am Montag hat das Netzwerk ein Video auf YouTube veröffentlicht, worin unter anderem ausgewählte wissenschaftliche Resultate sowie weitere Ergebnisse des Netzwerkes vorgestellt werden.

"In PhoSciNet sind mehr als 70 Forschungsgruppen aus 23 europäischen Ländern im Bereich der Phosphorchemie wissenschaftlich vernetzt, wodurch ein schneller und effektiver Technologie-Transfer und eine deutliche Weiterentwicklung der industriellen Anwendungen ermöglicht wurden", berichtete Prof. Hey-Hawkins. Industrielle Anwendungen umfassen zum Beispiel relevante Katalysatoren für die Textil- und Kunststoffindustrie zur Darstellung einer Vorstufe für Nylon, die effiziente Rückgewinnung und Recycling von Katalysatoren oder die Entwicklung von weißen organischen Leuchtdioden (WOLEDs).

Wichtige Bestandteile des Netzwerks waren jährliche Arbeitsgruppentreffen und Management Committee Meetings, um die beteiligten Wissenschaftler in engen Kontakt zu bringen und Forschungsergebnisse zu präsentieren, Diskussionen und der wissenschaftliche Austausch, Trainingsschulen für die Nachwuchswissenschaftler sowie kurze Forschungsaufenthalte von Nachwuchswissenschaftlern in Laboratorien der Netzwerkpartner.

Die Ergebnisse des seit November 2008 durch die Europäische Union im Rahmen von COST (European Cooperation in Science and Technology) geförderten Netzwerks wurden in einer letzten Konferenz im März 2013 in Regensburg einem breiten Publikum vorgestellt. Aufbauend auf den Ergebnissen des Netzwerks und zur Sicherung der Nachhaltigkeit, wurde erfolgreich ein Marie Curie Initial Training Network zu "Sustainable Phosphorus Chemistry (SusPhos)", beantragt. Es befasst sich seit dem 1. Februar 2013 mit der nachhaltigen Phosphorchemie.

Link zu Video auf YouTube: http://youtu.be/EUZ0XQMgxsY

Nähere Informationen zum Netzwerk: http://www.phoscinet.org

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Evamarie Hey-Hawkins
Fakultät für Chemie und Mineralogie
Telefon: +49 341 97-36151
E-Mail: hey@uni-leipzig.de
Web: www.uni-leipzig.de/chemie

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Neue Leitlinien zu Bluthochdruck erleichtern Behandlung - Mehr Fokus auf Lebensstil

Maximilian Broglie Geschäftsstelle
Deutsche Hochdruckliga

Heidelberg - Um die lebensbedrohlichen Folgen von Bluthochdruck zu verhindern, ist eine wirksame Therapie unerlässlich. In den jetzt veröffentlichten neuen europäischen Leitlinien zum Management von Bluthochdruck empfehlen Experten neue Strategien, um die Versorgung von Hochdruckpatienten zu verbessern. Die Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL® Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention begrüßt diesen Schritt: Die neuen Leitlinien vereinfachen die Blutdruck-Zielwerte, rücken den Lebensstil der Patienten in den Vordergrund und geben Ärzten größeren Handlungsspielraum.

„Die vielleicht wichtigste Neuerung durch die neuen Leitlinien der European Society of Hypertension (ESH) und der European Society of Cardiology (ESC) ist, dass für die meisten Patienten, einschließlich derjenigen mit Vorerkrankungen wie Herz- oder Nierenschäden, nun die gleichen Blutdruck-Zielwerte gelten", sagt Professor Dr. med. Hans-Georg Predel, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DHL®. Das vereinfache die Therapie maßgeblich und komme der Realität weitaus näher, als die bisherigen Anforderungen. Bisher lagen die Zielwerte für Hochrisikopatienten bei 130/80 mmHg, wurden aber selten erreicht. „Das erzeugte häufig Frustration bei Ärzten und Betroffenen", bedauert Predel. Nun gelten ab sofort Werte unter 140/90 mmHg als Zielblutdruck für die Mehrzahl aller Patienten. Denn gemäß einer kritischen Analyse der Studienlage ist ein Vorteil niedrigerer systolischer Werte unter 130 mmHg nicht belegt. „Im Gegenteil: Eine zu aggressive blutdrucksenkende Therapie kann unter Umständen mehr schädigen, als ein etwas höherer Wert", so Professor Dr. med. Reinhold Kreutz, Sprecher der Sektion Arzneimittel der DHL®.

Ein strikteres Vorgehen fordert die Leitlinie hingegen in der Prävention und in der Nutzung nicht-medikamentöser therapeutischer Maßnahmen: „Häufig, insbesondere bei leichten Blutdruckerhöhungen, reichen schon konsequente Änderungen im Lebensstil, um den Blutdruck nachhaltig zu senken", sagt Professor Predel. Daher sei es wichtig, konsequent auf das Rauchen zu verzichten, mindestens 30 Minuten täglich durch moderates, dynamisches Training körperlich aktiv zu sein und sich gesund, vorzugsweise „mediterran" zu ernähren. Auch sollte der Salzkonsum eingeschränkt werden auf maximal fünf bis sechs Gramm pro Tag und damit auf nur halb so viel wie bislang tatsächlich durchschnittlich konsumiert wird.

Eine weitere wichtige Änderung für Ärzte ergibt sich nach Professor Kreutz bei der Wahl der Medikamente. Die Leitlinien betonen die Notwendigkeit, dass bei Hochrisikopatienten häufig nur eine Kombination aus mindestens zwei Medikamenten den Blutdruck anhaltend senken kann und geben praktische Hinweise für Kombinationsstrategien. „Wichtiger als die Methode der Senkung ist, dass der Patient den Zielwert in angemessener Zeit erreicht. Daher begrüßen wir die neuen Bestimmungen, die hier die Verantwortung stärker in die Hände des behandelnden Arztes legen", betont Kreutz. Dieser könne aus fünf Medikamentengruppen frei wählen und damit die Therapie individuell auf die Bedürfnisse des Patienten abstimmen. Gleichzeitig werten die Leitlinien die ambulante 24-Stunden- sowie die eigenständige Blutdruckmessung der Patienten auf. Denn die bisher üblicherweise praktizierte Messung in der Arztpraxis bilde die Lebenssituation der Patienten nicht ausreichend ab und kann zu Fehldiagnosen führen, so die Experten der DHL®. Sie schließen sich der Forderung der Leitlinien-Autoren an, diese Verfahren außerhalb der Praxis verstärkt bei Diagnosestellung und langfristiger Betreuung der Patienten zu berücksichtigen.

Die DHL® sieht in den neuen Leitlinien weitere Fortschritte für die Behandlung von Hochdruck-Patienten. „Sie vereinfachen für Patienten und Ärzte die Therapie maßgeblich. Zugleich legen sie mehr Wert auf Prävention, deren Bedeutung Ärzte ihren Patienten noch deutlicher als bisher nahebringen sollten," resümiert Predel. Denn Rauchen, Bewegungsmangel und falsche Ernährung seien die größten Risikofaktoren für einen hohen Blutdruck, ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko und damit für folgeschwere Erkrankungen. Derzeit bereitet die DHL®, in Anlehnung an die neue europäische Leitlinie, ihre aktualisierten Therapieempfehlungen in deutscher Sprache vor.

Weitere Informationen:
http://www.hochdruckliga.de/nachrichtendetails/items/231.html

2013 ESH/ESC Guidelines fo the management of arterial hypertension
http://www.eshonline.org/Guidelines/ArterialHypertension.aspx

Weitere Informationen:
http://www.hochdruckliga.de

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Herstellung von Olivenöl erzeugt giftiges Abwasser

Bernd Hegen Referat Öffentlichkeitsarbeit
Universität Koblenz-Landau

Olivenöl ist gesund, doch bei der Herstellung entsteht giftiges Abwasser. Wissenschaftler des Instituts für Umweltwissenschaften Landau an der Universität Koblenz-Landau untersuchen derzeit gemeinsam mit Kollegen aus Israel und dem Westjordanland in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt, wie sich das Abwasser als Dünger nutzen lässt - ohne schädliche Auswirkungen auf Boden und Umwelt.

Jährlich werden weltweit etwa drei Millionen Tonnen Olivenöl produziert, vor allem in Griechenland, Italien und Spanien. Doch auch in anderen Ländern des Mittelmeerraums wie Kroatien, Israel und Tunesien steigt der Anbau überdurchschnittlich. Diese warmen, aber meist trockenen Gebiete sind häufig auf eine Bewässerung der Anbaufelder angewiesen.

Bei der Herstellung des Olivenöls wird sehr viel Wasser verbraucht, etwa 500 bis 1.000 Liter pro Tonne Öl, zudem fallen große Mengen an giftigem Abwasser an. Für jede Tonne Olivenöl sind dies etwa 500 bis 1.500 Liter Abwasser. Dieses entsteht insbesondere beim sogenannten Drei-Phasen-Prozess, der aus Kostengründen in den meisten Familienbetrieben Israels, Palästinas und anderer Mittelmeerländer eingesetzt wird. Sie geben dabei den zerkleinerten Früchten Wasser zu und verrühren es. Die Mischung wird in eine horizontale Zentrifuge eingebracht, in der sich die trennenden Phasen Abwasser, Öl und Feststoffe kontinuierlich über seitliche Öffnungen ableiten lassen.
Giftige Substanzen

„Das Abwasser enthält jedoch giftige Substanzen", erklärt Prof. Dr. Gabriele E. Schaumann vom Institut für Umweltwissenschaften Landau. Das Institut steht an der Spitze des trilateralen DFG-Projekts Oliveoil, in dem Wissenschaftler aus Israel, Palästina und Deutschland in gemeinsamen Feldexperimenten und Laborstudien eng zusammenarbeiten. „Vor allem die phenolischen Stoffe sind toxisch für Pflanzen und Mikroorganismen. Daher stören sie auch den Klärprozess, und das Abwasser wird daher in vielen Ländern von den Kläranlagen nicht mehr angenommen. Stattdessen wird es häufig auf Äckern entsorgt, wo es das Auskeimen der Samen hemmt und in Verdacht steht, die Böden wasserabweisend zu machen."

Aufgrund dieser Problematik sind die großen Industriebetriebe inzwischen auf den modernen Zwei-Phasen-Prozess umgestiegen. Dieser verbraucht deutlich weniger Wasser und erzeugt kein Abwasser, sondern neben dem Olivenöl nur Feststoffe als Schlamm. Zusätzlich setzen sie zahlreiche Technologien ein, um das in anderen Herstellungsphasen entstehende Abwasser sowie den Schlamm aufzubereiten. Viele kleinere Betriebe können sich das teure Zwei-Phasen-System jedoch nicht leisten und arbeiten weiterhin, mit Sicherheit noch 10 bis 15 Jahre, mit drei Phasen.

Abwasser in Dünger umwandeln

Am Institut für Umweltwissenschaften Landau untersuchen Wissenschaftler derzeit, wie sich das Abwasser als Dünger ohne schädliche Auswirkungen auf die Felder nutzen lässt. Dabei werden verschiedene Behandlungs- und Ausbringungsvarianten geprüft. Denn schon die ersten Wochen nach der Ausbringung entscheiden darüber, ob sich negative Auswirkungen einstellen.

Der aktuelle Stand der noch laufenden Feldstudien deutet darauf hin, dass schon alleine eine Verschiebung des Ausbringungszeitpunktes in den Frühling hinein und gegebenenfalls eine Mengenbegrenzung das Problem lösen könnten. Bislang wird das Abwasser im Winter kurz nach der Ernte auf die Felder verteilt. Im kalten, feuchten Winter finden Mikroorganismen, die giftige Substanzen abbauen, aber sehr ungünstige Bedingungen vor. Zudem können die giftigen Stoffe kurz nach der Ausbringung durch die starken Winterregenfälle ins Grundwasser transportiert werden. Im Frühling könnten sie die Stoffe deutlich schneller umsetzen und die Gefahr der Grundwasserkontamination wäre deutlich geringer. Im Sommer dagegen wird der Boden durch das trockene, heiße Klima sehr schnell wasserabweisend.

Es sind weitere Untersuchungen notwendig, um eine nachhaltige Ausbringung des Abwassers aus der Olivenproduktion zu gewährleisten. Damit die Verbraucher in der Zukunft ihr Lieblingsöl - nachhaltig produziert - bedenkenlos kaufen können.

Die Studie:
Schaumann, G.E.; Borisover, M.; Nasser, A.; Bukhanovsky, N.; Hasan, J. & Marei Sawalha, A. (2010). Potential effects of olive oil production waste water on soil quality. Acta Horticulturae, 888, 337-344.
Kurtz, M.; Peikert, B.; Bruehl, C.; Dag, A.; Hasan, J. & Schaumann, G.E. (submitted 2013). Effects of olive mill wastewater on soil arthropods and soil chemistry in two different cultivation scenarios in israel and palestine. Journal of Ecosystems.

Peikert, B.; Schaumann, G.E.; Keren, Y.; Bukhanovsky, N.; Borisover, M.; Abo Garfha, M.; Hassan, J. & Dag, A. (submitted 2013). Does spreading of olive oil mill wastewater on soil change soil characteristics? - a screening study of israel and the west bank. Agriculture, Ecosystems and Environment.

Weitere Informationen zum Thema:
http://www.trilat-oliveoil.uni-landau.de
http://www.soil-waste-water.de

Kurzprofil Institut für Umweltwissenschaften Landau:
Das Institut für Umweltwissenschaften Landau betreibt grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung, in deren Fokus die vielfältigen Interaktionen zwischen Mensch und Umwelt stehen. Das Institut vereint die Expertisen von neun interdisziplinären Arbeitsgruppen damit aktuelle Forschung vom Molekül über Ökosysteme bis zur menschlichen Gesellschaft. Das Institut für Umweltwissenschaften Landau wurde 2004 an der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau gegründet. Weitere Informationen: http://www.umwelt.uni-landau.de

Kontakt:
Universität Koblenz-Landau
Prof. Dr. Gabriele E. Schaumann
Fortstraße 7
76829 Landau
Tel.: (06341) 280-31571
E-Mail: schaumann@uni-landau.de

Weitere Informationen:
http://www.trilat-oliveoil.uni-landau.de
http://www.soil-waste-water.de
http://www.umwelt.uni-landau.de

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Körperliche Fitness ist ein unabhängiger Prädiktor des Körpergewichts

Dr. Gisela Olias Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

Wie eine große europäische Studie mit 2.056 gesunden Erwachsenen um die 50 zeigt, beeinflussen die körperliche, d. h. die kardiorespiratorische* Fitness und die körperliche Aktivität unabhängig voneinander und in unterschiedlichem Maße das Körpergewicht. Besonders zwischen der Fitness und dem Taillen-Hüftumfang-Quotienten bzw. dem Body-Mass-Index** (BMI) besteht sowohl bei Männern als auch bei Frauen ein starker Zusammenhang. Das Wissenschaftlerteam unter Führung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) und des Institute of Metabolic Science des Addenbrookes Hospital,Cambridge, UK publizierte seine Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift Obesity (Wientzek, A. et al.; 2013)***.

Seit langem weisen Studien darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen dem Grad der körperlichen Aktivität und dem Auftreten von Übergewicht besteht. Bei den meisten Untersuchungen basieren die Daten zur körperlichen Aktivität jedoch nicht auf aktuellen Messwerten, sondern auf den Selbstauskünften der Probanden. Diese sind häufig fehlerhaft und können so dazu beitragen, die Studienergebnisse zu verfälschen. Zudem spielt auch die kardiorespiratorische Fitness eine Rolle für das Körpergewicht. Generell gibt sie an, wie gut die Atmung und der Blutkreislauf in der Lage sind, den Körper mit Sauerstoff zu versorgen. Die Fitness ist über Jahre relativ stabil und wird von dem Grad der in der Vergangenheit geleisteten körperlichen Aktivität aber auch durch Erbfaktoren beeinflusst.

Um mehr über die Zusammenhänge zwischen körperlicher Aktivität, Fitness und dem Körpergewicht zu erfahren, führten die Wissenschaftler erstmals eine großangelegte europäische Beobachtungsstudie durch, bei der sie die körperliche Aktivität und Fitness der Studienteilnehmer durch klinische Messungen erfassten. Die Forscher rekrutierten jeweils etwa 200 deutsche, britische, dänische, griechische, niederländische, italienische, spanische, französische, schwedische sowie norwegische Studienteilnehmer der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC)****.

Die Forscher ermittelten die Fitness der Probanden mit Hilfe eines einfachen, klinisch überwachten Konditionstests. Die körperliche Aktivität erfassten die Forscher mittels eines die Herzfrequenz und die Bewegung messenden Sensors, den die Probanden mindestens für vier Tage auf der Brust trugen. Beide Messungen wurden nach vier Monaten wiederholt, um die Daten zu präzisieren. Je stärker die Fitness der Teilnehmerinnen und Teilnehmer war, desto geringer war ihr Taillen-Hüftumfang-Quotient bzw. BMI. Zudem beobachteten die Forscher bei Frauen eine von der Fitness unabhängige und etwas schwächere Beziehung zwischen der aktuell gemessenen körperlichen Aktivität und den untersuchten Markern für das Körpergewicht. Bei Männern war dieser Zusammenhang nur für den BMI signifikant.

"Bemerkenswert an unseren Ergebnissen ist, dass Bewegung und Fitness nicht nur unabhängig voneinander das Körpergewicht beeinflussen, sondern die körperliche Fitness die größte Rolle für das Körpergewicht und die Körperfettverteilung spielt", sagt Angelika Wientzek, Erstautorin und Epidemiologin am DIfE. "Körperlich fit zu sein und diese Fitness auch zu erhalten, erscheint also besonders wichtig, um Übergewicht vorzubeugen. Dies gilt besonders für Männer, bei denen gelegentliche körperliche Aktivität die Körpermaße nur wenig beeinflusst", ergänzt Heiner Boeing, Leiter der Abteilung Epidemiologie am DIfE.

Hintergrundinformationen:

*kardiorespiratorische Fitness: Generell gibt sie an, wie gut die Atmung und der Blutkreislauf in der Lage sind, den Körper mit Sauerstoff zu versorgen.

**Die Formel für den Body-Mass-Index (BMI) lautet: BMI = Körpergewicht in kg/Körperlänge in m zum Quadrat. Er hilft dabei, das Körpergewicht in Unter-, Normal- bzw. Übergewicht einzuordnen. Die Formel für den Taille-Hüft-Quotient (THQ) lautet: THQ = Umfang der Taille/Umfang der Hüfte; wobei die Taille in Nabelhöhe und die Hüfte an der dicksten Stelle gemessen wird. Der THQ liefert eine Antwort auf die Frage, wo die Fettdepots sitzen, ob mehr Fett am Bauch oder mehr am Po vorhanden ist. Übersteigt der THQ bei Männern den Wert 1 bzw. bei Frauen den Wert 0,85, hat sich zu viel Fett am Bauch abgelagert, was das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes erhöht.

***Wientzek, A. et al.; Obesity 2013; doi: 10.1002/oby.20530
Cross-sectional associations of objectively measured physical activity, cardiorespiratory fitness and anthropometry in European adults.

****EPIC: European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition. Die EPIC-Studie ist eine prospektive Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit insgesamt 519.000 Studienteilnehmern im Erwachsenenalter beteiligt.
Die Potsdamer EPIC-Studie ist mit mehr als 27.000 Teilnehmern ein Teil der EPIC-Studie.

Das DIfE ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Näheres unter http://www.dife.de. Das DIfE ist zudem ein Partner des 2009 vom BMBF geförderten DZD. Näheres unter http://www.dzd-ev.de.

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 86 selbständige Forschungseinrichtungen. Deren Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Sie unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an. Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Institute pflegen intensive Kooperationen mit den Hochschulen, mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 16.500 Personen, darunter 7.700 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,4 Milliarden Euro. Näheres unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de.

Kontakt:
Prof. Dr. Heiner Boeing
Abteilung Epidemiologie
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49 (0)33200/ 88 - 2711
E-Mail: boeing@dife.de

Dr. Angelika Wientzek
Abteilung Epidemiologie
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal/Deutschland
Tel.: +49 (0)33200/ 88 - 2720
E-Mail: angelika.wientzek@dife.de

Weitere Informationen:
http://www.dife.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Nach dem Elbe-Hochwasser: Neue Nutzungswege für belastetes Gras aus den Elbauen

Henning Zuehlsdorff Pressestelle
Leuphana Universität Lüneburg

Leuphana entwickelt Konzept für die Überschwemmungsgebiete - Belasteter Grünschnitt eignet sich als Bodenverbesserer

Lüneburg. Das Elbe-Hochwasser hat Schlamm auf die landwirtschaftlich genutzten Wiesen und Weiden zwischen den Deichen getragen. Der ist allerdings vielfach mit Schwermetallen und Dioxinen belastet. Eine Arbeitsgruppe um die Geobiowissenschaftlerin Prof. Dr. Brigitte Urban von der Leuphana Universität Lüneburg ermittelt gerade die genaue Höhe der Schadstoffbelastung in den Ablagerungen der Auenböden. Zusammen mit Partnern arbeiten die Wissenschaftler an der Entwicklung eines Verfahrens, mit dem der belastete Grünschnitt zu Pflanzenkohle verarbeitet werden kann.

Die Schadstoffe würden dabei zerstört. Das Material könnte anschließend - mit Nährstoffen angereichert - als Bodenverbesserer in der Landwirtschaft eingesetzt werden. „Wir gehen davon aus, dass es durch die Flut zu vergleichsweise starken Schlammablagerungen auf den flussbegleitenden Wiesen gekommen ist", sagt Diplom-Biologe Frank Krüger, der zur Arbeitsgruppe um Professor Urban gehört. Schon vor der Flut Ende Mai und Anfang Juni 2013 waren die Böden stark belastet: 2012 wurden Dioxinwerte gemessen, die in der Spitze beim 35-fachen des allgemein anerkannten Richtwerts von 40 Nanogramm pro Kilogramm Boden für die Bewirtschaftung der Auen lagen. Zur Verminderung des Schadstofftransfers in die menschliche Nahrungskette haben die Behörden deshalb unter anderem empfohlen, die Auen nur wenige Wochen am Stück zu beweiden.

Immerhin rund 4.500 der etwa 6.000 Hektar Überschwemmungsgebiet der Mittelelbe in Niedersachsen werden grünlandwirtschaftlich genutzt. Für die Landwirte sei die Dioxin-Belastung dieser Flächen seit Jahrzehnten ein Problem, so Krüger. Sie bräuchten Gras und Heu als Futtermittel. Doch der Umweltschadstoff Dioxin könne praktisch nicht abgebaut werden, lagere sich vielmehr an Pflanzen und in fettreichen, alltäglichen Lebensmitteln wie Eiern, Milch und Fleisch ab.

Mit ihrem neuen Forschungsprojekt „Aktivierte Pflanzenkohle" innerhalb des EU-Regionalentwicklungsprojekts Innovations-Inkubator der Leuphana wollen die Wissenschaftler jetzt gemeinsam mit Praxispartnern eine Methode entwickeln, um die Wiesen dennoch nutzen zu können. Aus dem belasteten Grünschnitt soll zunächst Pflanzenkohle hergestellt werden. Dabei werde, so sind sich die Wissenschaftler sicher, das Dioxin vollständig zerstört. Anschließend soll die Pflanzenkohle mit Nährstoffen aus Biokompost, Gülle oder Mist fruchtbar gemacht werden. So entsteht ein neuer Bodenverbesserer, der künstlich hergestellten Mineraldünger ersetzen kann.

Für ihr Projekt arbeiten die Leuphana-Wissenschaftler zusammen mit der Biosphärenreservatsverwaltung Niedersächsische Elbtalaue, den wendländischen Unternehmen ERDE Innovation, ERDE Institut und Gräflich von Bernstorff‘sche Betriebe sowie dem rheinland-pfälzischen Biokohle-Hersteller Pyreg. Voruntersuchungen bescheinigen dem neuen Verfahren gute Erfolgsaussichten. Obendrein ist der neue Dünger auch klimafreundlich: Bei der Herstellung von Pflanzenkohle wird das CO2 aus den Pflanzen gebunden und gelangt nicht mehr in die Atmosphäre.

Das neue Verfahren könnte für alle Überflutungsgebiete der Elbe von Dessau bis Hamburg neue Nutzungswege eröffnen, davon sind die Lüneburger Forscher und ihre Mitstreiter überzeugt.

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Interdisziplinäres Fernstudium Umweltwissenschaften ist »Ort des Fortschritts 2013«

Dipl.-Chem. Iris Kumpmann Abteilung Public Relations
Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Das »Interdisziplinäre Fernstudium Umweltwissenschaften (infernum)« der FernUniversität in Hagen ist ein »Ort des Fortschritts 2013«: Das hat das Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen der Hagener Hochschule mitgeteilt. Die Auszeichnung würdigt Vordenker aus NRW, die Ökonomie, Ökologie und Soziales zu Innovationen verbinden. Das Spektrum der Akteure, die Fortschritt mit und für die Gesellschaft ermöglichen, umfasst auch Forscher.

»infernum« ist ein Weiterbildungsstudiengang für beruflich qualifizierte Fachkräfte mit und ohne ersten Hochschulabschluss, der gemeinsam von der FernUniversität und Fraunhofer UMSICHT in Oberhausen getragen wird. Es ergänzt in einzigartiger Weise interdisziplinäre Inhalte um das Ziel der nachhaltigen Entwicklung, damit auch künftige Generationen eine lebenswerte Umgebung vorfinden. So entwickeln die Studierenden u. a. Lösungen für umweltrelevante Fragestellungen aus ihrer beruflichen Praxis, die unmittelbar in den Unternehmen umgesetzt werden können.

Das Ministerium stellte vier Kriterien auf, die allesamt durch »infernum« bestens erfüllt werden:

- Neu im Bildungssektor ist u. a., dass durch die Kombination von Interdisziplinarität, Flexibilität, offenem Zugang und Theorie-Praxis-Transfer die Studierenden bestehendes Wissen aufgreifen und je nach Bedarf weiterentwickeln oder integrieren können.

- Besonders die wiederholte Auszeichnung als offizielles Projekt der UN-Dekade »Bildung für nachhaltige Entwicklung« bestätigt, dass »infernum« einen qualitativ hochwertigen Beitrag zur Lösung der großen gesellschaftlichen Herausforderungen leistet.

- Eine deutliche Nachfragesteigerung seit der Wirtschaftskrise 2009 ist eines der zentralen (Erfolgs-)Ergebnisse: Die Zahl der Studierenden ist von 366 im Sommersemester 2008 auf 690 im Wintersemester 2012/2013 angewachsen. Das aktuelle Studienangebot mit 30 Modulen, acht Präsenzseminaren und diversen Online-Modulen schafft sehr flexible Abschlussmöglichkeiten für umweltwissenschaftlich Interessierte aus verschiedenen Berufszweigen. Die Ziele der Studierenden sind - entsprechend ihrer Heterogenität - höchst vielfältig.

- Die Einbindung gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Akteure dokumentiert sich insbesondere durch die Kooperation der FernUniversität und Fraunhofer UMSICHT, die wissenschaftlich fundierte Weiterbildung mit anwendungsorientierter Forschung ideal verknüpft.

Die Auszeichnung als »Ort des Fortschritts« durch Ministerin Svenja Schulze ist für 2014 vorgesehen. Fraunhofer UMSICHT erhielt 2012 die Auszeichnung »Ort des Fortschritts« für seine besondere Forschungsleistung im Zusammenhang mit der Energiewende und dem Ressourcenschutz.

Weitere Informationen:

http://www.umsicht.fraunhofer.de/de/presse-medien/pressemitteilungen/2013/infernum-ort-fortschritt.html

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Spin-off der Universität gewinnt Umwelttechnikpreis

Rudolf-Werner Dreier Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Ausgezeichnete Sensorik der Smart Exergy GmbH sorgt für maximalen Ertrag von Photovoltaik-Anlagen

Mehr Leistung und Sicherheit von Photovoltaik-Modulen, als drahtloses System einfach zu installieren und wartungsarm - das sind die Vorteile der Aufweckstrategie der SmartExergy GmbH. Diese neuartige Technik hat die Jury des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg überzeugt: Am 11. Juli 2013 hat sie dem Unternehmen in Stuttgart den diesjährigen Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg in der Kategorie „Mess-, Steuer- und Regeltechnik" verliehen. SmartExergy ist eine junge Ausgründung des Lehrstuhls für elektrische Mess- und Prüfverfahren, Prof. Dr. Leonhard Reindl, am Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK) der Universität Freiburg. Der Preis wird alle zwei Jahre in vier Kategorien vergeben und ist insgesamt mit 100.000 Euro dotiert.

Die Technologie von SmartExergy stattet jedes einzelne Photovoltaik-Modul mit einem drahtlosen Sensor aus. Der dazugehörige Master kommuniziert mit den Modulen per Funk auf zwei Wegen: Die Funkknoten in den Modulen senden Informationen aus, etwa über den aktuellen Leistungsstand, und sind gleichzeitig für Steuersignale erreichbar. Durch diese bidirektionale Kommunikation ist das System sehr flexibel. So lässt sich schnell und einfach erkennen, ob ein Modul defekt ist und eventuell ausgetauscht werden muss. Ein wesentlicher Bestandteil der Innovation ist die Aufweckstrategie: Der Master ruft die Funkknoten regelmäßig auf. Dadurch können bis zu 65.000 Module mit minimalem Eigenverbrauch kontrolliert und optimiert werden. Die ausgewerteten Daten sind auf einem geschützten Internetportal jederzeit abrufbar.

Weil jedes einzelne Photovoltaik-Modul gezielt gesteuert und abgeschaltet werden kann, vereinfacht die Technik die Wartung von Photovoltaik-Anlagen und erhöht die Sicherheit, beispielsweise beim Brandschutz und bei gefährlichen Erscheinungen wie Lichtbögen. Die Einzelabschaltung löst zudem die so genannte Stringproblematik, bei der ein einzelnes defektes oder verschattetes Modul die ganze Modulreihe negativ beeinflusst. Die Technik kann in bestehende Anlagen nachgerüstet werden. Das große Ziel jedoch ist, sie bereits im Herstellungsprozess zu integrieren. „Unsere Vision ist, dass nicht mehr die Frage gestellt wird, ob eine Photovoltaik-Anlage überwacht wird, sondern welche Überwachungsfunktionen gewünscht und welche Informationen abgerufen werden", erklärt Dr. Tolgay Ungan, Geschäftsführer von SmartExergy, der die Firma mit Sitz in Freiburg im März 2012 gemeinsam mit Patrick Steindl gegründet hat. Unterstützt wurden die beiden vom Team des Gründerbüros der Albert-Ludwigs-Universität unter der Leitung von Dorothea Bergmann und Dr. Thomas Maier.

Welcher Vorteil für die Gesellschaft daraus entspringen könnte, lässt sich an der Technologie von SmartExergy messen: Laut Bundesverband Solarwirtschaft e.V. wurden im Jahr 2012 mit den knapp 1,3 Millionen Photovoltaik-Anlagen in Deutschland etwa 28.000 Gigawattstunden Strom erzeugt. Bereits ein vierprozentiger Mehrertrag dieser Anlagen würde den jährlichen Kohlenstoffdioxid-Ausstoß um etwa 700.000 Tonnen reduzieren.

Kontakt:
Dr. Anja Biehler
Öffentlichkeitsarbeit EXIST
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-4282
E-Mail: anja.biehler@pr.uni-freiburg.de

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Nach über 60 Jahren erster Maifisch in der Mosel

Dipl.-Met. Alfred Hommes Referat Öffentlichkeitsarbeit
Bundesanstalt für Gewässerkunde

Bundesanstalt für Gewässerkunde dokumentiert die Passage

Am 10. Juli 2013 um 11:15 Uhr wurde erstmalig ein Maifisch in der neuen Mosel-Fischtreppe Koblenz beobachtet. Der elektronische Fischzähler der Bundesanstalt für Gewässerkunde dokumentierte den Aufstieg vom Rhein in die Mosel.

Maifische sind nahe Verwandte der Heringe und Sprotten, werden aber mit Körperlängen von 50 - 70 cm erheblich größer. Noch Anfang des 20ten Jahrhunderts kamen Maifische zu hunderttausenden den Rhein und die Mosel bis über Trier hinaus hochgezogen und waren von teils immenser fischwirtschaftlicher Bedeutung. Das nun gesichtete Exemplar hatte eine Länge von etwa 50 cm.

Der mittels automatischem Fischerfassungssystem der Bundesanstalt für Gewässerkunde Koblenz (BfG) registrierte Maifisch ist der erste seiner Art in der Mosel seit dem Zusammenbruch der Population in den 1940er Jahren. Gründe für den damaligen Niedergang waren Überfischung bei zunehmender Gewässerverschmutzung sowie der Bau von Staustufen. Das jetzt nachgewiesene Tier entstammt möglicherweise dem seit 2008 in hessischen und nordrhein-westfälischen Rheinabschnitten durchgeführten Besatz mit rd. 8 Mio. Jungfischen im Rahmen eines EU-LIFE-Projektes zur Wiederansiedlung des Maifischs im Rhein. Ab dem Jahr 2013 wird mit aus dem Meer zurückkehrenden Laichfischen gerechnet.

Der Lebenszyklus der Maifische ähnelt dem des Lachses, d. h. die Fische verbringen mehrere Jahre im Meer bevor sie im Frühjahr (insbesondere ab Mai) die Flüsse zu ihren Laichplätzen hinaufsteigen. Die nach wenigen Tagen schlüpfenden Larven wachsen schnell heran und lassen sich im Alter von wenigen Wochen die Flüsse hinab in Richtung Meer treiben.

Ob sich auch in der heute mehrfach gestauten Mosel ein neuer Maifischbestand dauerhaft etablieren kann, ist noch ungewiss. Unmöglich wäre eine derartige Entwicklung aber nicht, da die Art geringere Ansprüche an Wasserqualität, Laichplätze und Aufwuchsgebiete stellt als viele andere Wanderfische wie z. B. der Lachs. Die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit der Staustufen in den Bundeswasserstraßen, speziell hier der Mosel, ist hierfür aber eine zentrale Voraussetzung. Diese wird von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung gemeinsam mit dem Land Rheinland-Pfalz nun auch für die Staustufe Lehmen voran getrieben. Damit werden weitere Abschnitte der Mosel für Wanderfische wieder erreichbar.

Die Bundesanstalt für Gewässerkunde betreibt gemeinsam mit der Bundesanstalt für Wasserbau die Qualitätssicherung der Maßnahmen für die Durchgängigkeit der Bundeswasserstraßen. Dazu gehört auch die Erfassung aufsteigender Fische in den neuen Fischaufstiegsanlagen z. B. anhand eines automatischen Fischerfassungssystems.

Weitere Informationen:
http://www.bafg.de/durchgaengigkeit
http://www.mosellum.rlp.de

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Warnemünder Ostseeforscher veröffentlichen Zustandsbericht 2012

Dr. Barbara Hentzsch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Nach Abschluss der Auswertung aller relevanten ozeanographischen Messungen hat das IOW soeben die „Hydrographisch-hydrochemische Zustandseinschätzung der Ostsee 2012" im Internet veröffentlicht. Besonderes Augenmerk wird in diesen einmal pro Jahr erscheinenden Berichten auf Einstromereignisse von salz- und sauerstoffreichem Wasser aus der Nordsee sowie auf die Auswirkungen dieser Einströme auf die Bedingungen in den tiefen Becken der Ostsee gerichtet.

Im Jahr 2012 fanden drei kleine Einstromereignisse statt, die zwischen 100 und 200 km³ Nordseewasser in die Ostsee strömen ließen (Februar/März, Au-gust/September, Dezember/Januar). Bedeutsamer als diese kleinen Ereignisse war jedoch ein starker Einstrom im Vorjahr: In der Zeit von November bis Dezember 2011 wurden, ausgelöst durch besondere meteorologische Bedingungen, rund 300km³ Nordseewasser eingetragen und damit rund eine Milliarden Tonnen Salz und circa 450 000 Tonnen Sauerstoff in die Ostsee impor-tiert. Angesichts dieser Werte ist der Einstrom als so genannter „Salzwasserein-bruch" zu klassifizieren. Aufgrund der größeren Dichte des Nordsee-Wassers im Vergleich zu dem weniger salzhaltigen Ostsee-Wasser breiten sich die einströmenden Wassermassen am Boden der Ostsee aus.
Im Jahr 2012 führte diese Zufuhr von Salz und Sauerstoff zur Belüftung des Bo-denwassers der gesamten südlichen Ostsee einschließlich des Bornholm-Beckens und der Danziger Bucht. Allerdings war der 2011er Einstrom nicht stark genug, um auch die zentrale Ostsee um die Insel Gotland zu erreichen. Hier ver-schlechterte sich die Sauerstoffsituation: Der bereits seit 2005 vorherrschende Sauerstoffmangel unterhalb von ca. 135 m Tiefe hielt unvermindert an. Salzgehalt und Temperatur gingen dort im Vergleich zu den Vorjahren weiter zurück, während die Schwefelwasserstoffkonzentrationen weiter anstiegen. Wegen des fehlenden Sauerstoffs ist höheres Leben in diesem Bereich nicht mehr möglich. Die unter diesen Bedingungen angereicherten Nährstoffe können in warmen Sommern die Entstehung von Blaualgenblüten an der Oberfläche fördern.
Abhilfe können hier nur größere Salzwassereinbrüche bringen. Bis zum Jahr 1980 kam es im Mittel alle 1 bis 2 Jahre zu solchen Phänomenen. In den letzten Jahr-zehnten sind sie jedoch sehr selten geworden. Zuletzt fanden solche Ereignisse 1993, 1997 und 2003 statt. Die zentrale Ostsee muss weiter auf eine Salzwasser- und Frischluftkur warten.
Das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) führt seit mehreren Jahrzehnten regelmäßige Untersuchungen zum Zustand der Ostsee durch. Auf jährlich fünf Seereisen bis in die zentrale Ostsee werden an ca. 60 festen Positionen jeweils hydrographische, chemische und biologische Messungen durchgeführt. Alle Messungen im Bereich der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) werden im Auftrag des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie vorgenommen. Die darüber hinausgehenden Arbeiten werden in Eigenregie durchgeführt. Die Ergebnisse werden in jedem Jahr in sogenannten Zustandseinschätzungen zusammengefasst und veröffentlicht. Parallel werden sie der Helsinki-Kommission zur Verfügung gestellt, einer zwischenstaatlichen Vereinigung, die für den Schutz der Meeresumwelt der Ostsee zuständig ist.
Der hydrographisch-hydrochemische Zustandsbericht der Ostsee im Jahr 2012 ist im Internet unter der folgenden Adresse frei verfügbar:
http://www.io-warnemuende.de/tl_files/forschung/meereswissenschaftliche-berichte...

Kontakt:
Dr. Günther Nausch, Tel.: 0381 5197 332, guenther.nausch@io-warnemuende.de
Sektion Meereschemie
Dr. Rainer Feistel, Tel.: 0381 5197 152, rainer.feistel@io-warnemuende.de
Sektion Physikalische Ozeanographie
Dr. Barbara Hentzsch, Tel.: 0381 5197 102, barbara.hentzsch@io-warnemuende.de
Wissenschaftsmanagement und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, Seestr. 15, D-18119 Rostock
www.io-warnemuende.de

Das IOW ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, zu der zurzeit 86 Forschungsinstitute und wissen-schaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung gehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Bund und Länder fördern die Institute gemeinsam. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Institute etwa 16.800 MitarbeiterInnen, davon sind ca. 7.800 WissenschaftlerInnen, davon wiederum 3.300 NachwuchswissenschaftlerIn-nen. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,4 Mrd. Euro, die Drittmittel betragen etwa 330 Mio. Euro pro Jahr. www.leibniz-gemeinschaft.de

Weitere Informationen:
http://www.io-warnemuende.de/tl_files/forschung/meereswissenschaftliche-berichte...

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Wie Ingwer Krebspatienten hilft

Christiana Tschoepe Pressestelle
Deutsche Krebshilfe e. V.

Forscher enträtseln, warum die Wurzel gegen Übelkeit hilft

Heidelberg (gb) - Viele Krebspatienten leiden unter den Nebenwirkungen einer Chemotherapie: Übelkeit und Erbrechen. Heute gibt es wirkungsvolle Medikamente dagegen, aber viele Betroffene vertrauen zusätzlich auf die magenberuhigende Wirkung der Ingwerwurzel. Bis jetzt war unklar, wie Ingwer eigentlich wirkt. Wissenschaftler aus Heidelberg konnten das Rätsel nun lösen: Die Inhaltsstoffe des Ingwer hemmen bestimmte Botenstoffe des Brechzentrums im Gehirn. Diese Erkenntnisse ermöglichen der Ingwerwurzel den Einsatz in der klinischen Praxis. Die Deutsche Krebshilfe hat das Projekt mit 208.000 Euro unterstützt.

Wem übel ist, der mag nichts essen. Für Krebspatienten kann das gefährlich werden. Nichts oder wenig zu essen, schwächt die ohnehin schon durch die Erkrankung mitgenommenen Patienten noch zusätzlich. In schweren Fällen muss der behandelnde Arzt sogar die Therapie abbrechen - selbst wenn der Tumor eigentlich auf die Medikamente anspricht. Für die Betroffenen ist dies eine besonders schwerwiegende Situation.

Ausgelöst wird die Übelkeit durch die in den Chemo-Medikamenten enthaltenen Zellgifte. Diese greifen vor allem Zellen an, die sich häufig teilen - in erster Linie Krebszellen. Aber auch Darmzellen erneuern sich ständig und sind deshalb besonders anfällig für die Medikamente. Die geschädigten Zellen setzen den Botenstoff Serotonin frei. Dieser dockt an einen Rezeptor auf der Oberfläche von Nervenzellen an und aktiviert so das Brechzentrum im Gehirn. Die Folge sind Übelkeit und Erbrechen.

Heutzutage lassen sich die Begleiterscheinungen einer Chemotherapie sehr gut mit Medikamenten, den sogenannten Anti-Emetika, bekämpfen. Aber auch die natürlichen Wirkstoffe der Ingwerwurzel unterdrücken die Übelkeit: Bereits 2009 berichteten im Rahmen einer Studie US-Forscher, dass Ingwerextrakt die Beschwerden um 40 Prozent senken kann. Der wissenschaftliche Beweis für die Wirksamkeit der Wurzel stand bisher aus. Nun konnten die Wissenschaftler um PD Dr. Beate Niesler vom Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums in Heidelberg das Ingwer-Rätsel lösen.

„Die Ingwerwurzel enthält eine Reihe von hochwirksamen Inhaltstoffen", erklärt Niesler. Diese besetzen die Serotonin-Andockstellen auf den Nervenzellen. „Die Folge: Das Serotonin kann nicht mehr binden. Das Brechzentrum wird nicht aktiviert und die Übelkeit bleibt aus."
Auf dieselbe Weise funktionieren auch die klassischen Anti-Emetika, die ebenfalls bestimmte Andockstellen auf den Nervenzellen besetzen. „Die Inhaltsstoffe des Ingwers sind sozusagen das natürliche Pendant zu den Wirkstoffen der Anti-Emetika", so Niesler weiter.

Die Wissenschaftler hoffen, dass die Ingwerwurzel und ihre Inhaltsstoffe schon bald in klinischen Studien zum Einsatz kommen. Niesler erläutert: „Eine Kombination von Ingwerextrakt und Anti-Emetika wären eine starke Waffe gegen die von der Chemotherapie verursachte Übelkeit. Die Behandlung wäre doppelt wirksam."

Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, betont: „Ziel der von uns geförderten Forschungsprojekte ist es nicht nur, neue Therapiestrategien zu entwickeln, sondern auch die bestehenden Behandlungen so effektiv und nebenwirkungsarm wie möglich zu machen. Die Lebensqualität der Betroffenen ist uns ebenfalls wichtig!"

Ihre Erkenntnisse haben die Heidelberger Wissenschaftler kürzlich im renommierten Fachmagazin Neurogastroenterology and Motility veröffentlicht.

Hintergrund-Information: Chemotherapie

Eine Chemotherapie ist eine medikamentöse Behandlung, die das Wachstum von Tumorzellen im Körper hemmt. Es gibt heute eine große Anzahl verschiedener Chemotherapie-Kombinationen, die in ihrer Wirkung und auch in ihrer Verträglichkeit bezogen auf die verschiedenen Tumorentitäten sehr unterschiedlich sind. Die Substanzen werden in die Blutgefäße verabreicht und über den Blutstrom in alle Bereiche des Körpers transportiert. Da die Medikamente auf diese Weise überall hingelangen und somit das gesamte „System Mensch" behandelt wird, spricht man auch von „systemischer Therapie" - sie wirkt im gesamten Organismus.

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Klare Sicht in der Tiefe: Fische in trüben Gewässern besitzen speziellen Infrarot-Blick

Florian Klebs Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hohenheim

Studie der Universität Hohenheim zeigt: je trüber der Lebensraum, desto stärker ist die Fähigkeit von Fischen Infrarotlicht zu sehen.

Menschen nehmen es gar nicht wahr - doch manche Fische können sich anhand von Infrarotlicht auch in trüben, schlammigen Gewässern orientieren, so das Ergebnis einer aktuellen Studie der Universität Hohenheim. Das Besondere: Je trüber der Lebensraum einer bestimmten Fischart, desto besser sind die jeweiligen Arten an die Infrarotsicht angepasst. Laut den Autoren der Universität Hohenheim lässt dies auf eine lange evolutionäre Entwicklung schließen. Bis vor kurzem hatten Forscher noch ausgeschlossen, dass Fische überhaupt infrarotes Licht wahrnehmen können. Die neuen Erkenntnisse bieten Wissenschaftlern völlig neue Beobachtungsmöglichkeiten für Verhaltensstudien. Erschienen sind die Ergebnisse im Open-Source-Magazin PLOS ONE unter http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0064429 [1].

Je trüber das Wasser, desto schlechter ist die Sicht. Der Grund hierfür: Teile des für uns sichtbaren Lichts werden an Mikropartikeln, die das Wasser trüben, gestreut und absorbiert. Das langwelligere rote und infrarote Licht wird nicht so stark gestreut, daher erhöht sich sein relativer Anteil im trüben Wasser deutlich.
„Ganz offensichtlich haben sich Fische diesen Umstand im Laufe der Evolution zunutze gemacht", meint Dr. Denis Shcherbakov, Leiter der Arbeitsgruppe Magnetobiology and Animal Orientation.

Fische und Infrarot-Sehen: Ein neues Feld in der Wissenschaft
Das Wissen, dass Fische überhaupt in der Lage sind, Licht im Bereich des nahen Infrarots zu sehen, ist noch sehr neu in der Biologie. „Dann fiel uns in Zusammenhang mit einem ganz anderen Experiment mit Mosambik-Buntbarschen auf, dass die Tiere auf das Infrarotlicht zu regieren schienen", berichtet Dr. Shcherbakov.
Mit einem speziell dafür entwickelten Verhaltensexperiment gelang ihnen der Nachweis. Im Test schwammen die Fische gezielt auf die infrarote Lichtquelle zu. Diese Ergebnisse wurden bereits im Jahr 2012 in der Zeitschrift "Zoology" veröffentlicht [2].

Experimente mit Zierfischen und afrikanischen Speisefischen
Ab diesem Zeitpunkt begann der Forscher mit systematischen Studien, um die ökologische Bedeutung des Infrarot-Sehens zu untersuchen. Dazu wählten Dr. Shcherbakov und seine Mitarbeiterinnen fünf Fischarten aus verschiedenen Lebensräumen. Dabei verglichen sie drei Arten, die Klarwasser bevorzugen, mit zwei Fischarten aus trüben Gewässern.
„Als Klarwasserfische wählten wir zwei beliebte Zierfische, Guppy und Schwertträger, und den als Forschungsobjekt sehr beliebten Zebrafisch" erklärt Mitarbeiterin Alexandra Knörzer. Der Nilbuntbarsch und der Mosambik-Buntbarsch hingegen sind zwei wirtschaftlich wichtige Speisefische aus sehr trüben Gewässern", ergänzt Mitarbeiterin Svenja Espenhahn.

Empfindlichkeit für Infrarotlicht unterscheidet sich von Art zu Art
Für die Experimente setzte der Biologe jeweils einen Jungfisch (insgesamt 30 pro Spektrum und Fischart) in einen kleinen runden Wasserbehälter und beleuchtete ihn mit einer infraroten Lichtquelle, die je nach Experiment unterschiedliche Spektren emittierte. „Eine einzelne Lichtquelle wirkt auf Fische wie das Licht am Ende eines Tunnels auf uns" erklärt der Forscher. „Wenn sie es wahrnehmen, bewegen sie sich direkt darauf zu."
Dabei zeigte sich, dass die Fischarten sehr unterschiedlich reagierten. „Am lichtempfindlichsten waren Nil- und Mosambik-Buntbarsche, die beiden Spezies aus dem trüben Lebensraum. Sie nahmen die infrarote Strahlung bis zu einem Spektralbereich von über 930 nm wahr", fasst Dr. Shcherbakov zusammen.
Viel geringer sei jedoch die Lichtempfindlichkeit der Klarwasserfische gewesen: „Guppys und Zebrafische zeigten bereits ab Wellenlängen über 910 nm keinerlei Reaktion. Der Schwertträger reagierte sogar nur auf Wellenlängen bis zu 845 nm."
Diese Ergebnisse deuten auf eine klare evolutionäre Anpassung der jeweiligen Spezies an die vorherrschenden Lichtbedingungen in den von ihnen bewohnten Habitaten.

Ab jetzt auch Forschung im "Dunkeln" möglich
Die Ergebnisse eröffnen außerdem völlig neue Beobachtungsmöglichkeiten für Verhaltensstudien. "Wenn wir die individuellen Sehgrenzen der verschiedenen Fischarten kennen, können wir die Fische bei Lichtwellen beobachten, die für Beobachtungskameras sichtbar sind, während sich der Fisch in völliger Dunkelheit wähnt. Das ist für alle Studien wichtig, in denen eine störende Wirkung vom wahrnehmbaren Licht sicher ausgeschlossen werden muss."
"Für solche Experimente können dann spezielle LED-Lampen verwendet werden: Diese strahlen infrarotes Licht eines genau definierten Spektrums aus, welches die Fische sicher nicht wahrnehmen können".

Es herrscht Aufbruchsstimmung
Die aktuelle Studie gibt Ausblicke über die generelle ökologische Rolle des Infrarot-Sehens, mit dem sich Fische im Laufe ihrer Evolution an bestimmte Lebensbedingungen anpassten. Jetzt sind weitere Forschungen notwendig um die gesamte biologische Bedeutung detailliert zu erfassen.
Außerdem eröffnet die Entdeckung der infraroten Sensitivität am Modelorganismus Zebrafisch den Weg für weitere Studien auf der Suche nach den Genen, die für infrarote Sensitivität verantwortlich sind.
Diese interessanten Ergebnisse bieten Grundlagen für weitere Forschung. Dr. Shcherbakov: „In unserer Arbeitsgruppe herrscht Aufbruchsstimmung."

Literatur:
1. Shcherbakov D, Knörzer A, Espenhahn S, Hilbig R, Haas U and Blum M (2013) Sensitivity Differences in Fish Offer Near-Infrared Vision as an Adaptable Evolutionary Trait. PLoS ONE 8(5): e64429. doi:10.1371/journal.pone.0064429.
2. Shcherbakov D, Knörzer A, Hilbig R, Haas U, Blum M (2012) Near-infrared orientation of Mozambique tilapia Oreochromis mossambicus. Zoology 115: 233-238.

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Häufigste Gelenkerkrankung bei Erwachsenen: GBE-Themenheft zu Arthrose erschienen

Susanne Glasmacher Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Robert Koch-Institut

Arthrose ist weltweit die häufigste Gelenkerkrankung bei Erwachsenen. Sie verursacht erhebliche Belastungen für den Einzelnen und für das Gesundheitswesen, und sie ist nicht heilbar. Arthrose ist Gegenstand des neuen, 54. Themenheftes der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (GBE). Das vom Robert Koch-Institut (RKI) herausgegebene Heft bietet auf rund 30 Seiten einen Überblick über Ursachen, Diagnostik, Verlauf, Therapie, Verbreitung, medizinische Versorgung, Kosten und Präventionsmöglichkeiten.

Bei Arthrose kommt es zum langsamen, aber stetigen Abbau des Gelenkknorpels. Mit Fortschreiten der Erkrankung können auch angrenzende Knochen, Muskeln, Kapseln und Bänder in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Folge sind Schmerzen und Funktionseinschränkungen, die in aller Regel zu Bewegungseinbußen, Behinderungen und Einschränkungen im Alltag und damit zu einem erheblichen Verlust an Lebensqualität für die Betroffenen führen. Arthrose kann an allen Gelenken auftreten. Vermehrt zeigt sich die Erkrankung jedoch an Knie-, Hüft- und Schultergelenken sowie den Finger- und Wirbelgelenken.

Verschiedene Faktoren können zur Entstehung einer Arthrose beitragen. Ein wichtiger Risikofaktor ist ein höheres Alter. Daten des RKI-Gesundheitsmonitorings zeigen, dass ab dem 60. Lebensjahr gut die Hälfte der Frauen und ein Drittel der Männer betroffen sind. Auch Übergewicht kann die Entstehung einer Arthrose, speziell der Kniegelenke, fördern und den Krankheitsverlauf beschleunigen. Die Daten des Monitorings zeigen einen linearen Zusammenhang zwischen dem Body-Mass-Index und dem Auftreten einer Arthrose.

Da Arthrose bislang nicht heilbar ist, hat die Therapie das Ziel, Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Die Behandlung der Arthrose stützt sich dabei auf die konservative Behandlung (z.B. Physio- oder Ergotherapie, Gebrauch von Hilfsmitteln, medikamentöse Therapie) sowie operative Methoden. Zu den Operationsmethoden zählt u.a. der Einsatz von künstlichen Gelenken. Angaben, in welchem Umfang sogenannte Totalendoprothesen des Knies und der Hüfte in Deutschland eingesetzt werden, bilden einen Schwerpunkt des Themenheftes.

Neben persönlichen Belastungen kommt es durch Arthrose bedingte Erkrankungen zu beträchtlichen volkswirtschaftlichen Kosten. Diese drücken sich einerseits durch hohe Behandlungskosten aus, andererseits durch erhebliche indirekte Kosten aufgrund eines hohen Anteils an Invalidität, Arbeitsunfähigkeit und Frühberentungen.

Da Arthrose vorwiegend im höheren Lebensalter auftritt, ist angesichts des wachsenden Anteils von alten und sehr alten Menschen in der Bevölkerung in den nächsten Jahrzehnten mit einem Anstieg des Vorkommens zu rechnen.

Das GBE-Themenheft „Arthrose" kann kostenlos bestellt werden (RKI, GBE, General-Pape-Str. 62, 12101 Berlin, E-Mail: gbe@rki.de, Fax: 030-18754-3513) und ist im Internet abrufbar unter www.rki.de/gbe und www.rki.de > Gesundheit A-Z > Arthrose.

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Herausgeber:

Robert Koch-Institut
Nordufer 20
D-13353 Berlin
www.rki.de

Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit

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Finanzbeamte erkennen Steuerhinterzieher oft intuitiv

Sven Eichstädt Pressestelle
Universität Leipzig

Aus Erfahrung gewonnene Intuition hilft Finanzbeamten oft, bei der Bearbeitung von Steuererklärungen die jeweiligen steuerlichen Sachverhalte zu ermitteln und Fälle von möglicher Steuerhinterziehung zu erkennen. "Wie aus der Psychologie bekannt ist, sammeln zum Beispiel Drogenfahnder in unbewussten Lernprozessen implizites Erfahrungswissen, um Verdächtige zu identifizieren, die sich bei einer Überprüfung dann tatsächlich als Drogenkuriere erweisen.

Ein ähnliches Erfahrungswissen bildet sich auch bei Fallbearbeitern in der Finanzverwaltung heraus", sagt Dr. Enrico Schöbel. Er arbeitet am Institut für Öffentliche Finanzen und Public Management der Universität Leipzig und hat seine aktuellen Forschungsergebnisse in der Fachzeitschrift "Perspektiven der Wirtschaftspolitik" veröffentlicht.

"Wie Polizisten zumeist nicht beschreiben können, woran sie einen Rauschgifthändler erkennen können, sind auch Finanzbeamte in der Regel nicht in der Lage, zu erklären, was einen typischen Steuerhinterzieher ausmacht", erklärt er weiter. Dennoch komme dem unbewussten Erfahrungswissen, das sich bei der Bearbeitung von Steuererklärungen und dem Austausch innerhalb des Finanzamtes entwickelt hat, eine hohe Relevanz zu. "Die Herausforderung besteht darin, diejenigen Steuerfälle auszuwählen, die einer intensiveren Bearbeitung bedürfen, weil sonst ohne eine solche Prüfung möglicherweise zu geringe Steuern erhoben werden würden", erläutert Schöbel, der sich schon in seiner Promotionsschrift mit der Finanzverwaltung in der Bundesrepublik befasst hatte, die er 2008 an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt verteidigt hatte.

Generell, so schätzt es der Finanzwissenschaftler ein, existiert in Deutschland in Bezug auf die Finanzbehörden eine Forschungslücke. "Während die Steuerbehörden in den USA im National Research Program oder auch bei uns die Bundesagentur für Arbeit und die von ihr verwandten arbeitsmarktpolitischen Instrumente regelmäßig wirtschafts- und sozialwissenschaftlich auf ihre Wirkung hin untersucht werden, sind zur Arbeit der deutschen Steuerverwaltung kaum entsprechende Studien vorhanden", berichtet Schöbel. Für seine jetzige Veröffentlichung nutzte der Wissenschaftler Ergebnisse von Feldexperimenten, die in der niedersächsischen Steuerverwaltung unter dem Titel "Finanzamt 2003" durchgeführt worden waren. Bei dem einjährigen Modellversuch von 2002 bis 2003 waren die Finanzämter Zeven, Cuxhaven und Hannover-Mitte beteiligt gewesen, wobei sowohl Abteilungen teilgenommen hatten, die Steuerbescheide für Arbeitnehmer erstellen, als auch solche, die Steuererklärungen von Selbständigen bearbeiten.

"In allen Modellbereichen der drei Finanzämter geht eine stärkere Einbindung von Erfahrungswissen der Beamten mit wesentlich höheren Trefferquoten und erheblich steuererhöhenden Abweichungen einher", erläutert Schöbel. Als Treffer zählen Fälle, bei denen die Finanzbehörden die Steuererklärungen genauer untersucht und festgestellt haben, dass von den in den Steuererklärungen gemachten Angaben abzuweichen ist und mehr Steuern gezahlt werden müssen. Den intuitiven Entscheidungen, die dem Bauchgefühl der Bearbeiter in der Finanzverwaltung entstammen, misst der promovierte Volkswirt auch deshalb eine große Bedeutung zu, weil dadurch mehr diejenigen Steuerfälle identifiziert werden, die tatsächlich prüfungsbedürftig sind, also bei denen eine intensivere Bearbeitung der Steuererklärungen in der Regel zu höheren Steuereinnahmen und damit mehr Geld für die Staatskasse führen.

"Es besteht nämlich die Gefahr, dass zusätzliche Kontrollen und ungerechtfertigte Verdächtigungen die Einstellungen der ehrlichen Steuerzahler gegenüber dem Staat und der Besteuerung beeinträchtigen und damit letztlich zu weniger anstatt zu mehr Befolgung führen", ergänzt Schöbel. Die Steuermoral sei in der Bundesrepublik relativ gut ausgeprägt, die Steuern würden überwiegend bereitwillig gezahlt. "Außerdem nehmen die Steuerzahler als Wähler, die sie zugleich sind, über den politischen Prozess Einfluss auf die Entwicklung des Steuerrechts, sodass eine Kriminalisierung weiter Teile der Steuerzahler kaum bürgerliche Akzeptanz und rechtliche Anwendung finden dürfte", schätzt der Fachmann ein. Steuerehrlichkeit sei nicht nur ein individuelles, sondern gleichermaßen ein gesellschaftliches Phänomen, da die Normativität der Steuerehrlichkeit durch das wechselseitige Interagieren zahlreicher Akteure im gesellschaftlichen Prozess fortwährend infrage gestellt und neu definiert werde.

Weitere Informationen:

Dr. Enrico Schöbel
Institut für öffentliche Finanzen und Public Management
Telefon: +49 341 97-33580
E-Mail: schoebel@wifa.uni-leipzig.de
Web: www.uni-leipzig.de/~iffwww

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Das verdrängte Umweltthema: Überschuss an reaktivem Stickstoff bedroht weltweit die Ökosysteme

Dr. Barbara Hentzsch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Ein kürzlich veröffentlichtes Werk der renommierten Britischen Royal Society macht es nochmal deutlich: es ist höchste Zeit, dass sich Politik und Gesellschaft dem Thema „Stickstoff-Verschmutzung" annehmen.

Einst war es die Rettung der Menschheit und immer noch ist es unsere Hauptwaffe gegen den Hunger in der Welt - das Haber-Bosch-Verfahren, das den im Überfluss in der Atmosphäre vorhandenen „inaktiven" Stickstoff in reaktiven umwandelt, der dann als künstlicher Dünger in der Landwirtschaft zum Einsatz kommt. Aber es gibt zwei Seiten dieser Medaille: neben dem unbestritten positiven Effekt auf die Produktivität unserer Äcker, entstehen durch eine seit Jahrzehnten andauernde Anreicherung von genau diesem reaktiven Stickstoff in der Umwelt neue Probleme.
Maren Voß, Meeresbiologin am Leibniz-Institut für Ostseeforschung in Warnemünde, war in der Veröffentlichung der Royal Society für die Zusammenstellung neuer Erkenntnisse im marinen Stickstoff-Kreislauf verantwortlich. Sie beschreibt die Folgen für die Meere: „Dünger, der an Land im Überschuss ausgebracht wird, landet letztlich in unseren Meeren, wo er natürlich ebenfalls die Produktion ankurbelt. Die Folgen sind zum Beispiel Sauerstoffmangel, Verlust an Biodiversität, Zerstörung von Fisch-Aufzugsgebieten. In der Ostsee spielen sich diese Szenarien direkt vor unseren Augen ab."
Aber auch weltweit nehmen die Probleme in den Meeren, die auf Einleitung reaktiven Stickstoffs zurückgeführt werden können, zu. Neue Erkenntnisse deuten darüber hinaus darauf hin, dass durch diesen Eingriff in den Stickstoffkreislauf auf lange Sicht auch der Treibhauseffekt verstärkt werden könnte. „Durch die Interaktion der marinen Mikroorganismen mit Ammonium entsteht Lachgas, ein Klimagas, das um ein Vielfaches wirksamer ist als Kohlendioxid."
Auch wenn die Lachgas-Konzentrationen global gesehen heute noch in einer zu vernachlässigenden Größenordnung liegen, drängen WissenschaftlerInnen aus der ganzen Welt auf bessere Kontrollen. Jedoch auch ohne diesen Klimaaspekt ist es aus ihrer Sicht höchste Zeit, Maßnahmen zu entwickeln, den Eintrag reaktiven Stickstoffs in die Umwelt drastisch zu reduzieren. Auch Maren Voss, die zu Beginn dieses Jahres in den Lenkungsausschuss des Europäischen Zentrums der Internationalen Stickstoffinitiative (INI) berufen wurde, wünscht sich eine breite Sensibilisierung für das Thema: „Der fünfte IPCC Report wird sich zum ersten Mal mit diesem Thema beschäftigen. Vielleicht wird das Thema „Stickstoff" dann etwas mehr ins Rampenlicht gerückt".

Mehr zum Thema unter:
Voss, M., H. W. Bange, J. W. Dippner, J. J. Middelburg, J. P. Montoya and B. Ward (2013). The marine nitrogen cycle: recent discoveries, uncertainties and the potential relevance of climate change. Phil. trans. R. Soc. Lond. B 368: 20130121, doi:10.1098/rstb.2013.0121
David Fowler, John A. Pyle, John A. Raven and Mark A. Sutton (eds.) (2013). The Global Nitrogen cycle in the 21st century. Philosophical Transactions of the Royal Society B (Biological Sciences), vol. 368, no. 1621;
http://rstb.royalsocietypublishing.org/site/2013/global_nitrogen_cycle.xhtml

Kontakt:
PD Dr. Maren Voß, Tel.: 0381 5197 209, maren.voss@io-warnemuende.de
Sektion Biologische Meereskunde
Dr. Barbara Hentzsch, Tel.: 0381 5197 102, barbara.hentzsch@io-warnemuende.de
Wissenschaftsmanagement und Öffentlichkeitsarbeit

Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde, Seestr. 15, D-18119 Rostock
www.io-warnemuende.de; www.wgl.de

Das IOW ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, zu der zurzeit 86 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung gehören. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Bund und Länder fördern die Institute gemeinsam. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Institute etwa 16.800 MitarbeiterInnen, davon sind ca. 7.800 WissenschaftlerInnen, davon wiede-rum 3.300 NachwuchswissenschaftlerInnen. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,4 Mrd. Euro, die Drittmittel betragen etwa 330 Mio. Euro pro Jahr. (www.leibniz-gemeinschaft.de)

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Das Juni-Hochwasser 2013 in Deutschland

Dipl.-Met. Alfred Hommes Referat Öffentlichkeitsarbeit
Bundesanstalt für Gewässerkunde

BfG-Bericht gibt ersten Überblick

Anfang Juni traten in einigen deutschen Flussgebieten extreme Hochwasserereignisse auf. Im vorliegenden Bericht gibt die Bundesanstalt für Gewässerkunde - in Kooperation mit dem Deutschen Wetterdienst - einen ersten Überblick über Ursachen und Abläufe.

Ab Mitte Mai kam es in Teilen von Mitteleuropa zu ungewöhnlich lang anhaltenden, ergiebigen Niederschlägen. Hochwassermeldungen aus zahlreichen Ländern waren die Folge. In Deutschland führte dies zu großräumigen Ausuferungen, an vielen Pegeln wurden neue Wasserstands- und Abflussrekorde registriert.

Der BfG-Bericht „Das Juni-Hochwasser des Jahres 2013 in Deutschland" analysiert diese ungewöhnliche Witterungsperiode eingehend und gibt eine erste Bewertung der Starkniederschlagsereignisse. Weiterhin beantwortet er Fragen zu den Auswirkungen der bereits vorhandenen Bodenfeuchte sowie zum Einfluss der Schneeschmelze.

Geordnet nach dem zeitlichen Ablauf wird der Verlauf der jeweiligen Hochwasser in den einzelnen Stromgebieten dokumentiert: beginnend an der Weser, über Rhein und Donau, erfolgt eine besonders intensive Auseinandersetzung mit den Geschehnissen an der Elbe. Auch die Auswirkungen von Rückhaltemaßnahmen in den einzelnen Flussgebieten sind Teil des Berichts sowie die Problematik von Hochwasservorhersa-gen in solchen Extremsituationen. Schließlich wird eine erste statistische Einordnung der Wasserstände und Abflüsse vorgenommen.

„Wie außergewöhnlich die Situation in weiten Teilen an der Elbe war, zeigt unsere Abbildung 5.2", so Jörg Uwe Belz, Hochwasserspezialist in der BfG. „Auf einer ununterbrochenen Fließstrecke von 250 km zwischen Coswig und Lenzen wurde der HHW, der höchste jemals gemessene Wasserstand, überschritten." Zur Erfassung dieser extremen Scheitelsituationen wurden von der BfG Befliegungen an Rhein und Elbe beauftragt. Die photogrammetrische Auswertung liefert unter anderem aktualisierte Eingangsgrößen für ihre Flussgebietsmodelle.

Der komplette Bericht kann auf den Internetseiten der BfG (www.bafg.de) in der Rubrik „Pressemitteilungen" heruntergeladen werden.

Weitere fachliche Informationen:
Prof. Dr. Hans Moser, Fon 0261/1306 5303, Mail: moser@bafg.de sowie Jörg Uwe Belz, Fon 0261/1306 5428, Mail: belz@bafg.de beide: Bundesanstalt für Gewässerkunde, Am Mainzer Tor 1, 56068 Koblenz.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Trinkwasser aus dem Meer

Dr. Renate Hoer Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Elektrochemisch vermittelte Meerwasserentsalzung in mikrofluidischen Systemen

Eine neue Methode zur Entsalzung von Meerwasser wird von einem amerikanisch-deutschen Team in der Zeitschrift Angewandte Chemie vorgestellt. Anders als herkömmliche Verfahren schluckt diese Methode wenig Energie und ist sehr einfach. Diese „elektrochemisch vermittelte Meerwasserentsalzung" basiert auf einem Mikrokanalsystem und einer bipolaren Elektrode.

Die Vereinten Nationen schätzen, dass bereits ein Drittel der Weltbevölkerung in wasserarmen Gegenden lebt, bis 2025 soll sich diese Zahl verdoppeln. An Salzwasser herrscht dagegen kein Mangel. Eine naheliegende Lösung ist daher, Meerwasser zu entsalzen. Allerdings ist das gar nicht so einfach. Verfahren wie die Verdampfung und anschließende Kondensation des Wassers verbrauchen enorme Mengen an Energie. Die Umkehrosmose benötigt darüber hinaus teure, empfindliche Membranen, die leicht verkeimen, und aufwendige Vorbehandlungsschritte.

Der von Richard M. Crooks (University of Texas at Austin), Ulrich Tallarek (Universität Marburg) und ihren Kollegen mit Unterstützung des US-Energieministeriums entwickelte elektrochemische Ansatz kommt dagegen ohne Membran und hohe Energiemengen aus. Die Forscher drücken das Meerwasser durch ein System aus zwei Mikrokanälen von je 22 µm Breite, einem „Hilfskanal" und einem verzweigten Arbeitskanal, sodass ein Fluss in Richtung der Auslassöffnungen entsteht. Die beiden Kanälchen sind elektrisch über eine bipolare Elektrode verbunden. Der Hilfskanal wird an eine Spannungsquelle angeschlossen, der Arbeitskanal geerdet und eine Potentialdifferenz von 3.0 V zwischen den Kanälen eingestellt.

Entscheidend ist der Aufbau des Kanalsystems: Die Elektrode ragt in die Verzweigungsstelle des Arbeitskanals. Aufgrund der Spannung wird ein Teil der negativ geladenen Chloridionen des Meerwassers an diesem Ende der Elektrode zu neutralem Chlor oxidiert. In dem feinen Kanalsystem entsteht dadurch an der Stelle der Abzweigung eine Zone, die an negativ geladenen Ionen verarmt ist, und als Folge ein elektrischer Feldgradient, der die positiv geladenen Ionen des Meerwassers in den abzweigenden Kanal dirigiert. Da aus physikalischen Gründen aber die Elektroneutralität innerhalb des Mikrokanals gewahrt bleiben muss, wandern auch die Anionen mit in die Abzweigung. Im abzweigenden Kanälchen entsteht so ein mit Salz angereicherter Strom, während in der Weiterführung des Arbeitskanälchens teilentsalztes Wasser fließt.

Die für die neue Technik benötigte Energiemenge ist so gering, dass das System mit einer einfachen Batterie arbeiten kann. Anders als bei der Umkehrosmose sind lediglich Sand und Schmutz aus dem Meerwasser zu entfernen, weitere Vorbehandlungsschritte, eine Desinfektion oder Zugabe von Chemikalien sind nicht erforderlich. Durch einfache Parallelschaltung vieler Mikrokanalsysteme kann der Wasserdurchsatz entsprechend erhöht werden.

Angewandte Chemie: Presseinfo 25/2013

Autor: Richard M. Crooks, The University of Texas at Austin (USA), http://rcrooks.cm.utexas.edu/research/

Permalink to the article: http://dx.doi.org/10.1002/ange.201302577

Angewandte Chemie, Postfach 101161, 69451 Weinheim, Germany.

Weitere Informationen:
http://presse.angewandte.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Bluthochdruck macht junge Menschen zufriedener und gelassener

Stefan Weller Stabsstelle Unternehmenskommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität

UMG-Studie mit überraschendem Ergebnis: Bluthochdruck kann für Kinder und Jugendliche offenbar nützlich sein. Publiziert in der amerikanischen Fachzeitschrift Psychosomatic Medicine, Ausgabe Mai 2013.

(umg) Hoher Blutdruck kann für Kinder und Jugendliche offenbar auch gute Seiten haben. Eine Studie der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) zeigt: Kinder und Jugendliche mit erhöhtem Blutdruck erzielen bessere Schulleistungen. Außerdem haben sie weniger emotionale Probleme und Verhaltensstörungen als andere Kinder im gleichen Alter mit normalem Blutdruck. Die Ergebnisse der Studie sind veröffentlicht in der Mai-Ausgabe der renommierten amerikanische Fachzeitschrift "Psychosomatic Medicine". Die Bedeutung dieser Ergebnisse für die Behandlung von erwachsenen Menschen mit Bluthochdruck wollen die Mediziner der UMG jetzt in weiteren Studien ausloten.

Originalpublikation: Angela Berendes, Thomas Meyer, Martin Hulpke-Wette, Christoph Herrmann-Lingen. Association of Elevated Blood Pressure With Low Distress and Good Quality of Life: Results From the Nationwide Representative German Health Interview and Examination Survey for Children and Adolescents. Psychosomatic Medicine 75:422-428 (2013).

"Dass ein erhöhter Blutdruck auch mit einer besseren Lebensqualität verbunden sein kann, das war für uns ein überraschendes und trotzdem wichtiges Untersuchungsergebnis", sagt Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der UMG und Senior-Autor der Studie. "Wir vermuten: Was bei jungen Menschen hilfreich wirkt, verhindert bei erwachsenen Patienten mit Bluthochdruck die so genannte "Compliance". Ältere Menschen mit Bluthochdruck können oder wollen oft unsere Behandlungsempfehlungen gegen Bluthochdruck nicht einhalten."

Für die publizierte Studie wertete das Team um Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen die Daten des deutschlandweiten Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KIGGS) aus den Jahren 2003 bis 2006 aus. 7.688 Jungen und Mädchen im Alter von elf bis siebzehn Jahren aus ganz Deutschland wurden dafür körperlich untersucht und zu ihrer psychischen Belastung und Lebensqualität befragt. Auch die Eltern machten Angaben zum Befinden ihrer Kinder. Nahezu elf Prozent der untersuchten Kinder und Jugendliche hatten einen erhöhten Blutdruck, das sind fast doppelt so viele als erwartet.

ERGEBNISSE DER STUDIE IM DETAIL
Kinder mit Bluthochdruck neigen eher zu Übergewicht, verbringen mehr Zeit vor dem Fernseher oder dem Computer und fühlen sich körperlich weniger fit. Diese Ergebnisse waren wenig überraschend. Doch die Forscher der Universitätsmedizin Göttingen fanden heraus: Diese Jugendlichen verfügen über ein höheres Selbstwertgefühl und schneiden besser in der Schule ab als Kinder mit normalem Blutdruck. Auch Anzeichen von Hyperaktivität zeigten sich in dieser Gruppe seltener. Eltern von Kindern und Jugendlichen mit erhöhtem Blutdruck nahmen ihren Nachwuchs als zufriedener und weniger unruhig wahr als Eltern von Jugendlichen mit normalem Blutdruck. Eine allgemeine Stressbelastung sowie emotionale und Verhaltensprobleme lagen nach Einschätzung der Eltern von Kindern und Jugendlichen mit erhöhtem Blutdruck weniger häufig vor. Alle diese Zusammenhänge waren nicht durch andere untersuchte Merkmale zu erklären.

MÖGLICHE URSACHEN?
Wie sich die positive Wirkung des erhöhten Blutdrucks bei Kindern und Jugendlichen genau erklären lässt, können die Wissenschaftler noch nicht abschließend beurteilen. Bekannt ist: Ein erhöhter Blutdruck stimuliert bestimmte Nervenfasern zum Gehirn, die negative Gefühle beruhigen können. Dieser Effekt könnte zumindest einen Teil der Ergebnisse erklären. Hinzu kommt: "Die meisten Jugendlichen wissen nicht von ihrem erhöhten Blutdruck. Sie machen sich darum keine Sorgen", sagt Angela Berendes, Erstautorin der Studie und Doktorandin in der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der UMG. "Vielleicht profitieren sie gerade deshalb von den positiven Nebeneffekten eines erhöhten Blutdrucks."

In Anschlussstudien wollen die UMG-Forscher die weiteren Zusammenhänge zwischen Bluthochdruck und einer verbesserten Lebensqualität erforschen.

IST BLUTHOCHDRUCK EINE METHODE GEGEN STRESS?
Bluthochdruck zählt zu den wichtigsten Herz-Kreislauf-Risikofaktoren. Seine Ursachen sind in den meisten Fällen unbekannt. Die Ergebnisse der Göttinger Forscher können dabei helfen, mögliche Ursachen besser zu verstehen.

"Durch eine biologische Rückkopplungsschleife kann der Körper die Erfahrung machen, dass es das Befinden insgesamt verbessert, wenn der Blutdruck dauerhaft erhöht ist. Der Bluthochdruck wird möglicherweise als Methode der Stressbewältigung gelernt", sagt Prof. Dr. Herrmann-Lingen.

Die Erkenntnisse aus der Untersuchung von jungen Menschen mit Bluthochdruck haben weitreichende Konsequenzen für eine künftige Strategie bei der Behandlung von älteren Menschen mit Bluthochdruck. Bisher scheitern Versuche, den Blutdruck richtig einzustellen, sehr häufig daran, dass ein Patient die Therapie nicht konsequent verfolgt. Tatsächlich konnten Studien mit Erwachsenen zeigen, dass die Einnahme von Medikamenten zur Blutdrucksenkung die Lebensqualität sogar eher beeinträchtigt. Dies führt dazu, dass Patienten gut wirksame Medikamente nicht zuverlässig einnehmen.

BLUTHOCHDRUCK GESENKT, ABER MOTIVATION FUTSCH?
Die neuen Erkenntnisse über die Auswirkungen von Bluthochdruck auf Kinder und Jugendliche legen nahe, die bisherige Behandlung von Bluthochdruck mit Medikamenten bei Erwachsenen in einigen Punkten zu überprüfen. "Es könnte sein, dass die Hauptwirkung eines Medikaments, den Blutdruck zu senken, dazu führt, dass der Patient die Motivation verliert, an der Therapie mitzuwirken. Behandlungen müssten dies zukünftig berücksichtigen", sagt Prof. Dr. Herrmann-Lingen. Seine Ideen dazu: Eine besser abgestimmte Therapie könnte neben der Senkung des Blutdrucks auch ausdrücklich den Effekt auf das Befinden des Patienten optimieren. Die medikamentöse Behandlung könnte um Angebote zur Stressreduktion ergänzt werden. Es könnten aber auch Behandlungen entwickelt werden, die gleichzeitig den Blutdruck senken und das Wohlbefinden verbessern. Damit bekommt auch ein bewährtes Behandlungsverfahren bei Bluthochdruck eine neue Bedeutung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann sowohl den Blutdruck senken als auch das Wohlbefinden verbessern - wenn sie von Arzt und Patient als wirksame Behandlung ernst genommen wird.

WEITERE INFORMATIONEN:
Universitätsmedizin Göttingen, Georg-August-Universität
Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Prof. Dr. Christoph Herrmann-Lingen, Telefon 0551 / 39-6707
Von-Siebold-Str. 5, 37075 Göttingen
cherrma@gwdg.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Bald deutlich weniger Medikamente in Flüssen, Seen und Trinkwasser?

Franz-Georg Elpers Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

DBU gibt weitere 189.000 Euro für Entwickeln einer neuartigen Pflanzenkläranlage an Universität Bremen

Bremen. In Deutschland werden jährlich rund 31.000 Tonnen Arzneimittel eingenommen. Sie sollen eigentlich heilen. Doch sie können auch schädlich sein und wirken, wo sie eigentlich nicht wirken sollten. Wenn Menschen Antibiotika, Hormone oder Schmerzmittel eingenommen haben, kann der Körper die Wirkstoffe nicht vollständig verwerten. Sie landen stattdessen im häuslichen Abwasser und kommen durch die Kanalisation in Flüsse und Seen und über das Grundwasser teilweise sogar ins Trinkwasser. Dieses Problem will ein Forschungsprojekt am Zentrum für Umweltforschung und nachhaltige Technologien (UFT) der Universität Bremen nun lösen. Mit 189.000 Euro fördert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) das Entwickeln eines neuartigen Biokohle- und Pflanzenfilters, der Arzneimittelreste in Kleinkläranlagen vernichtet. „Es ist ein sehr wirksames, aber auch kostengünstiges und technisch leicht anzuwendendes Verfahren", erklärt Projekt-Mitarbeiter Dr. Ingo Dobner von der Uni Bremen.

Über 3.000 verschiedene Medikamenten-Wirkstoffe sind in Deutschland zugelassen. Viele dieser Substanzen und Hormone sind so resistent, dass sie bislang kaum oder gar nicht aus dem Wasser gefiltert und über die Kläranlagen in den Wasserkreislauf geraten konnten - ein großes Problem für Umwelt, Mensch und Tier, betont Dobner. Bei Fischen komme es durch Hormon- und Medikamentenaufnahme zur Verweiblichung und Geschlechtsumwandlung. Und Bakterien bzw. Krankheitserreger würden zunehmend resistent gegen Antibiotika, so dass die Medikamente ihre Wirksamkeit verlieren. Das UFT in Bremen entwickelt jetzt ein Verfahren, bei dem erstmals mit Bio- bzw. Pflanzenkohle das Wasser von Arzneimittelrückständen gereinigt werden kann. „Die Pflanzenkohle - also verkohltes Holz - hält das Wasser beim Durchsickern durch das Substrat länger fest. Sie funktioniert im Grunde wie ein Schwamm und kann dadurch die Schadstoffe besser aus dem Wasser herausfiltern", erklärt Dobner das Verfahren des Biokohle-Filters. Die Versuchsergebnisse aus einer ersten Projektphase mit unterschiedlichen Bodenfiltern hätten einen deutlichen Reinigungseffekt mit der Pflanzenkohle gezeigt.

Außerdem soll die Filteranlage mit besonders robusten und anpassungsfähigen Pflanzen wie Rohrglanzgras, Blutweiderich und Iris sowie speziellen Pilzen kombiniert werden, um einen zusätzlichen Reinigungseffekt zu erreichen, erläutert Dobner die vielfältigen Mechanismen der Pflanzenkläranlage: „So greift im übertragenen Sinne eine Hand in die andere, wodurch auch die kompliziertesten Moleküle geknackt und das Wasser von Schadstoffen gereinigt werden kann." Weil Dobner und seine Kollegen weitere Erkenntnisse aus dem Langzeitverhalten zur Reinigungsleistung erwarten, fördert die DBU nun die zweite Projektphase mit etwa 189.000 Euro. Schon für die erste Phase hatte sie 120.000 Euro in die Hand genommen.

Bislang habe die Forschung wegen des hohen Wirkstoffgehalts vor allem die Reinigung von Krankenhausabwässern untersucht. Weil die Patienten die Krankenhäuser aber immer früher verließen und die häuslichen Abwässer zunehmend belastet würden, entwickelt Dobner nun eine neuartige Methode für kleine und kommunale Kläranlagen. Der ländliche Bereich biete zumeist genügend Platz für die Pflanzenkläranlagen, „deren Technik sich aber ohne weiteres auf größere Kläranlagen übertragen ließe", wie DBU-Experte Franz-Peter Heidenreich erklärt. Von Vorteil sei außerdem, dass die Anlage „mit wenig Pflege fast wartungsfrei und sehr günstig zu betreiben" sei. DBU-Generalsekretär Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde sieht in dem Forschungsprojekt einen besonderen Mehrwert und Vorteil für die Umwelt und die mittelständische Wirtschaft: „Gerade kleine und mittelständische Unternehmen wie Hersteller von Abwassertechnik bzw. Bodenfilter-/Pflanzenkläranlagen, Planungs- und Ingenieurbüros oder dem Garten- und Landschaftsbau können von dem Projekt profitieren und auch unter ökonomischen Aspekten einen ökologischen Beitrag für mehr Verbraucherschutz leisten."

Weitere Informationen:

http://www.dbu.de/123artikel34591_335.html

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Neue Studie beweist: Nachtfluglärm kann Gefäßschäden verursachen

Oliver Kreft, M.A. Stabsstelle Kommunikation und Presse
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Mainzer Wissenschaftler publizieren Forschungsergebnisse der Fluglärmstudie im „European Heart Journal"

Eine neue Studie der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz belegt: Fluglärm kann bei gesunden Menschen zu Gefäßfunktionsstörungen, erhöhtem Stresshormonspiegel und zu einer verminderten Schlafqualität mit drastischen Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System führen. Die im European Heart Journal veröffentlichte Studie wird heute an der Universitätsmedizin vorgestellt.

„Wir wissen, dass Fluglärm Bluthochdruck, Herzinfarkte und auch Schlaganfälle auslösen kann. Die genauen Mechanismen, die zu diesen Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen, waren bisher jedoch nicht bekannt", so Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel, Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz und Leiter der Studie. Nach Einschätzung von Prof. Münzel bedeuten die Ergebnisse der Studie einen Durchbruch im Bereich der Fluglärmforschung: „Diese Studie zeigt ganz konkret auf, wie und bei welchen Schallpegeln Gefäßschäden entstehen."

Im Rahmen der Studie wurden 75 gesunde Männer - ohne diagnostizierte Vorschädigung des Herz-Kreislauf-Systems - in randomisierter Abfolge während des Schlafs drei unterschiedlichen Lärmszenarien ausgesetzt. Das Durchschnittsalter der Probanden lag bei 26 Jahren. „In diesen Lärmszenarien haben wir Nachtflüge mit einem durchschnittlichen Lärmwert von 60 Dezibel simuliert und die Probanden zu Hause dieser Lärmbelastung in einem Feldversuch ausgesetzt. Mal waren es 30, mal 60 simulierte Nachtflüge. Zur Kontrolle hatten wir auch ein ´lärmfreies Nacht-Szenario´", erklärt Dr. Frank Schmidt aus der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik, der die Studie durchgeführt hat.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass Nachtfluglärm bei den Probanden das Stresshormon Adrenalin steigerte und die Gefäßfunktion, die mit hochauflösenden Ultraschallgeräten gemessen wurde, signifikant verschlechterte. „Unsere Studienergebnisse belegen, dass in gleicher Weise wie die Fluggeräusche zunehmen die Erweiterungsfähigkeit der Arterien (Endothelfunktion) abnimmt und sich eine sogenannte endotheliale Dysfunktion entwickelt", berichtet Dr. Schmidt.

„Bemerkenswert ist, dass sich die durch Lärm ausgelöste Gefäßschädigung durch Vitamin C korrigieren lässt" betont Prof. Münzel. In der Konsequenz bedeutet dies, dass in den Gefäßen als Folge der Verlärmung viele freie Radikale gebildet werden, die die Gefäßfunktion negativ beeinflussen. Somit besteht Grund zur Annahme, dass die Verschlechterung der Gefäßfunktion durch oxidativen Stress ein wichtiger Mechanismus für die Entstehung von lärmbedingtem Bluthochdruck und möglicherweise dessen Folgen wie Herzinfarkt und Schlaganfall ist. „Ebenso konnten wir einen sogenannten „priming"-Effekt feststellen: Eine Beschallung mit 30 Überflügen induzierte bei einer nachfolgenden Nacht mit 60 Überflügen eine deutlich schlechtere Gefäßfunktion. Das bedeutet, dass man sich im Rahmen von mehreren Beschallungen nicht an den Fluglärm gewöhnt, sondern das Ausmaß der Gefäßschäden eher zunimmt", ergänzt Professor Münzel. „Das muss aber in weiteren Studien intensiv geprüft werden", so Prof. Münzel.

„Nächtlicher Fluglärm ist damit als wichtiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bewerten. Daher sollte die Lärmbelastung der Bevölkerung möglichst gering gehalten werden. Um unsere Patienten zu schützen, fordern wir deshalb erneut mit Nachdruck eine deutliche Entlastung des Geländes der Universitätsmedizin mit allen Kliniken in Mainz", sagt Univ.- Prof. Dr. Norbert Pfeiffer, Medizinischer Vorstand und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Mainz.

Die Studie wurde von der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz mit Unterstützung der Stiftung Mainzer Herz und der Robert Müller Stiftung durchgeführt.

Weitere Informationen:
http://eurheartj.oxfordjournals.org/content/early/2013/07/01/eurheartj.eht269.fu...

Kontakt:
Andrea Mänz-Grasmück und Teresa Peter, Stiftung Mainzer Herz,
c/o Büro Univ.-Prof. Dr. med. T. Münzel,
II. Medizinische Klinik und Poliklinik, Universitätsmedizin Mainz,
Langenbeckstr. 1, 55131 Mainz
Tel. 06131 17 5737 und 06131 17 8215,
Fax 06131 17 5660, E-Mail: info@herzstiftung-mainzer-herz.de

Über die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist die einzige Einrichtung dieser Art in Rheinland-Pfalz. Mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen gehören zur Universitätsmedizin Mainz. Mit der Krankenversorgung untrennbar verbunden sind Forschung und Lehre. Rund 3.500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet. Weitere Informationen im Internet unter www.unimedizin-mainz.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Masern in München: Weckruf gegen Impfmüdigkeit?

Blandina Mangelkramer Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Immer mehr Menschen in Deutschland stecken sich mit Krankheiten an, die viele bereits als ausgerottet ansehen: Jüngstes Beispiel sind die Neuinfektionen mit den Masern in einigen deutschen Städten. Prof. Dr. Roland Lang, Professur für Angeborene Immunität und Pathogenerkennung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), erklärt im Gespräch mit „FAU aktuell" die Ursachen und Auswirkungen dieser Impfmüdigkeit.

> Professor Lang, wie steht es heute um den Impfschutz in Deutschland?

1980 erklärte die WHO die Pocken für ausgerottet - der Erfolg einer groß angelegten, globalen Impfkampagne. Erkrankungen mit dem Poliovirus, dem Erreger der Kinderlähmung, sind in Europa und Amerika seit einigen Jahren nicht mehr aufgetaucht, ebenfalls ein Erfolg der flächendeckenden Impfung.

Auf der Basis dieser Erfolge hat sich die WHO in den 90er Jahren die Elimination von Polio und des Masernvirus weltweit auf die Fahnen geschrieben. In beiden Fällen konnten allerdings die ursprünglichen Ziele einer Ausrottung bis 2010 nicht eingehalten werden: Die Polio ist seit einigen Jahren auf vier Länder beschränkt (Nigeria, Pakistan, Afghanistan, Indien) und die Zahl der Masernfälle ist weltweit deutlich gesunken - in den USA sind seit 2000 Masern nicht mehr gehäuft aufgetreten -, aber gerade in Europa kommt es immer wieder zu kleineren und größeren Masernausbrüchen. Im Jahr 2013 sind in Deutschland bereits mehr als 700 Erkrankungen gemeldet worden, die Mehrzahl davon in Bayern und Berlin. Auffallend dabei ist der hohe Anteil von Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter den Erkrankten, die zum größten Teil nicht oder nicht vollständig gegen Masern geimpft waren.

> Warum lassen Eltern ihre Kinder nicht impfen?

Der große Erfolg der Impfungen gegen Erkrankungen, denen einst viele Kinder in den ersten Lebensjahren zum Opfer gefallen sind wie Diphtherie, Wundstarrkrampf oder Pocken hat dazu geführt, dass viele Eltern durch Impfen vermeidbare Erkrankungen wie Masern oder Diphtherie nicht mehr kennen. Wenn das Risiko einer schweren Infektion als sehr gering eingeschätzt wird, gleichzeitig aber die möglichen Nebenwirkungen einer Impfung als schwerwiegend eingestuft werden, sinkt die Bereitschaft, die Kinder impfen zu lassen. So sank - verständlicherweise - die Akzeptanz der Masernimpfung massiv, als 1998 eine Studie in der Fachzeitschrift Lancet die Masern-Mumps-Röteln (MMR) Impfung mit dem Auftreten von Autismus bei Kindern in Verbindung brachte. Eine ganze Reihe von Folgeuntersuchungen konnte einen solchen Zusammenhang ausschließen, und erfreulicherweise ist die Impfrate mit MMR bei Kleinkindern deutlich gestiegen.

> Welche Impfungen werden aktuell empfohlen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut gibt regelmäßig Impfempfehlungen heraus. Der Impfkalender für Säuglinge und Kleinkinder umfasst zunächst die Impfungen gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten), Hämophilus influenzae (Erreger von Hirnhaut- und Kehldeckelentzündung), Polio (Kinderlähmung), Hepatitis B und Pneumokokken. Diese Impfungen werden in der Regel als Kombinationsimpfstoffe verabreicht, was die Zahl der nötigen Injektionen reduziert. Im Alter von elf bis 14 Monaten sollten dann die erste Impfung mit dem MMR-Lebendimpfstoff sowie die Impfung gegen Windpocken erfolgen. Ebenfalls früh im zweiten Lebensjahr wird die Impfung gegen Meningokokken empfohlen.

Darüber hinaus ist eine Reihe von Impfungen wichtig für besonders gefährdete Personen (z.B. Menschen mit chronischen Erkrankungen), bei beruflicher Exposition (z.B. Beschäftigte im Gesundheitswesen) oder bei Reisen in Endemiegebiete. Auch hier gibt die STIKO dezidierte Empfehlungen, auf deren Basis der Hausarzt Impfungen durchführt.

> Was sind die Auswirkungen, wenn nicht ausreichend geimpft wird?

Ein Absinken der Impfbereitschaft bedeutet zunächst für den Einzelnen ein erhöhtes Risiko zu erkranken. Aufgrund fehlender Auffrischimpfungen gegen Tetanus gibt es beispielsweise auch in Deutschland gelegentlich Fälle von Wundstarrkrampf. Aus der Sicht des öffentlichen Gesundheitswesens besonders relevant ist die Frage, welcher Anteil der Bevölkerung geimpft sein muss, damit sich eine Infektion nicht epidemisch verbreiten kann. In diesem Fall spricht man von Herdenimmunität, die auch die (relativ wenigen) Nicht-Geimpften schützt. Für sehr ansteckende Erreger wie das Masernvirus liegt dieser Wert mit 95 Prozent sehr hoch. Nicht überraschend, dass es nicht einfach ist eine solch hohe Impfquote zu erzielen: Im Jahr 2012 hatten zwar mehr als 95 Prozent der Kinder bei Einschulung die erste Masernimpfung erhalten, aber nur etwas mehr als 90 Prozent auch die für einen sicheren Schutz nötige zweite Impfung.

> Sollte es eine Impfplicht in Deutschland geben?

In Deutschland gibt es keine allgemeine Impfpflicht, die Umsetzung der STIKO Empfehlungen liegt vorwiegend beim Kinderarzt und dem Hausarzt im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen. Dies war nicht immer so: Im Kaiserreich wurde 1874 die Pockenimpfung verpflichtend eingeführt, die auch in der BRD bis zur Ausrottung der Pocken bestand. In der DDR bestand eine Impfpflicht für Diphtherie, Tetanus, Pertussis, aber auch für Masern. In einer Reihe von Ländern ist der Nachweis verschiedener Impfungen Voraussetzung für die Aufnahme von Kindern in Kindergarten und Schule, z.B. in den USA. Die Freiwilligkeit der Teilnahme an Impfungen in Deutschland ist begründet in der Freiheit des Einzelnen, eine medizinische Behandlung abzulehnen. Stattdessen baut man in Deutschland auf Information und Aufklärung. Allerdings führt dieser Weg zu einer niedrigeren Impfquote - und in der Folge zu einem höheren Risiko für Ausbrüche von Infektionen, die durch Impfung verhindert werden können. Umso wichtiger sind daher alle Bemühungen die Akzeptanz von Impfungen zu erhöhen. Dies gilt auch und besonders bei all denen, die als Ärzte oder Pflegekräfte im Krankenhaus mit infektionsanfälligen Patienten umgehen. Die trotz dringlicher Empfehlung insgesamt niedrige Teilnahmerate von Beschäftigten im Gesundheitswesen an der jährlichen Grippeimpfung zeigt aber, dass der rationale Appell an das Verantwortungsgefühl nicht immer ausreicht. Die aktuell von Minister Bahr erwogene Einführung einer Impfplicht wird daher in der Fachliteratur schon länger diskutiert.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Helmholtz treibt Hochwasserforschung voran

Jan-Martin Wiarda Kommunikation und Medien
Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren

Die Helmholtz-Gemeinschaft zieht Konsequenzen aus dem Hochwasser der vergangenen Wochen. Ein eigens zu diesem Zweck gegründetes Konsortium aus drei Helmholtz-Zentren und weiteren Partnern will bis nächsten Sommer eine umfassende Studie zu den Ursachen und Folgen der Flut vorlegen und dabei auch erstmals systematisch analysieren, welche Fortschritte es nach dem sogenannten Jahrhunderthochwasser von 2002 in der Hochwasservorsorge gegeben hat und welche Defizite immer noch bestehen.

„Momentan sind zu dieser Frage viele Meinungen im Umlauf, aber das meiste kommt aus dem Bauch heraus", sagt Bruno Merz, Hydrologe am Helmholtz-Zentrum Potsdam, dem Deutschen GeoForschungszentrum (GFZ). „Was wirklich gut und was schief gelaufen ist, das muss jetzt aufgearbeitet werden, und genau das ist eine Aufgabe unseres Projekts."

Merz ist Sprecher des neuen Konsortiums, zu dem außer dem GFZ das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ, das ebenfalls zu Helmholtz gehörende Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie die Universität Potsdam und das Deutsche Komitee für Katastrophenvorsorge (DKKV) zählen.

Als Merz am 29. Mai die Warnmeldung seines Kollegen Bernhard Mühr vom KIT las, wusste er, was bevorstand. „Verbreitet Starkregen! Mögliches Hochwasser!" stand dort und weiter unten: „Verbreitete Überflutungen, Erdrutsche, Verkehrsbehinderungen sind mögliche Szenarien." Seit Tagen schon regnete es zu diesem Zeitpunkt, und die Flüsse in Süd- und Ostdeutschland begannen anzuschwellen. Mühr und Merz arbeiten beide fürs CEDIM, dem vom KIT und GFZ gemeinsam betriebenen „Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology" (http://www.cedim.de).

Vier Wochen später werden die Schäden an Häusern, Straßen oder Fahrzeugen auf zehn bis zwölf Milliarden Euro geschätzt, doch Merz warnt: „Wir sollten mit diesen Zahlen vorsichtig sein, nach der Flut 2002 dauerte es über ein Jahr, bis die tatsächliche Höhe feststand."

Sofort, als die ersten Warnungen kamen, haben sich die CEDIM-Forscher zusammengesetzt, die Hochwasserlage analysiert und unter der Bezeichnung „Forensic Disaster Analysis" regelmäßig Statusberichte zur Situation veröffentlicht.

Nicht nur das Beispiel CEDIM zeigt: Seit 2002 hat sich eine Menge auf dem Gebiet der Katastro-phenvorsorge getan. Doch fest steht auch: Es ist noch längst nicht genug. Bis nächsten Sommer wollen die Experten um Merz deshalb Klarheit schaffen. „Im Grund geht es um die eine Frage, und zwar, was man aus 2002 gelernt hat - und was nicht", sagt Merz.

Die Wissenschaftler wollen unter anderem die Wirksamkeit der in den vergangenen Jahren errichteten Deiche und Schutzmauern untersuchen, anderswo wollen sie schauen, was Renaturierungen von Flussläufen gebracht haben. Sie wollen analysieren, ob die zum Teil neuen Frühwarnsysteme so funktioniert haben, wie sie sollten, und ob die verbesserten Vorhersagen sinnvoll genutzt wurden. Und schließlich wollen sie sich mit Fragen der Bürgerbeteiligung auseinandersetzen: Wie können Hochwasserschutzprojekte künftig so geplant werden, dass sich keiner übergangen fühlt, gleichzeitig aber auch die nötigen Entscheidungen von allen gemeinsam verantwortet werden?

Georg Teutsch, wissenschaftlicher Geschäftsführer des UFZ und zuständiger Vizepräsident der Helmholtz-Gemeinschaft, ist sich sicher: „Das Thema Hochwasserschutz wird in den nächsten Jahren innerhalb von Helmholtz und darüber hinaus eine zentrale Rolle spielen." Die jetzt beschlossene Studie sei da ein unverzichtbarer Impuls.

Das Ziel ist klar: Wenn die nächste Hochwasserwarnung kommt, dann will das Land bereit sein.

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit fast 36.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,4 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).

Weitere Informationen:
http://www.helmholtz.de
http://www.helmholtz.de/socialmedia

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Forscher entdecken neue Retroviren bei Eisbär Knut und Panda Bao Bao

Melanie Löw Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

Nach dem Tod des Eisbären Knut zeigte das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW), dass Knut wohl an einer durch Viren verursachten Gehirnentzündung litt. Bei der Analyse seines Erbguts haben Forscher der Saar-Uni und des IZW nun neue Sequenzen endogener Retroviren entdeckt. Auch bei dem Pandabären Bao Bao fanden sich diese Viren. Dass sich diese Viren vor etwa 45 Millionen Jahren in das Genom eines Vorfahren der Bären eingebaut haben, zeigen die Forscher in einer Studie in der Fachzeitschrift Virology. Zudem sind die Viren denen im Erbgut von Fledermäusen, Rindern und sogar Menschen sehr ähnlich. Beim Menschen stehen einige von ihnen im Verdacht, Krankheiten mit auszulösen.

Gemeinsame Pressemeldung der Universität des Saarlandes und
des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)

Endogene Retroviren (ERV) sind Viren, die sich einst in das Genom von Keimzellen ihres Wirts eingebaut haben. So konnten sie von da an von einer Generation an die nächste, über die Evolution hinweg an neu entstehende Arten vererbt werden. „Solche von Retroviren abstammenden Sequenzen machen etwa acht Prozent des menschlichen Erbguts aus", erläutert Professor Jens Mayer vom Institut für Humangenetik an der Universität des Saarlandes. Endogene Retroviren finden sich aber nicht nur bei Menschen, sondern auch bei anderen Säugetieren, wie zum Beispiel bei Pferden, Rindern, Affen, Koalabären - oder eben Eis- und Pandabären.

In Zusammenarbeit mit Professor Alex Greenwood und Kyriakos Tsangaras vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin hat Jens Mayer von der Universität des Saarlandes DNA-Sequenzen von Eisbären und Großen Pandabären genauer untersucht. „Wir haben hierbei die Abschnitte des endogenen Retrovirus bei beiden Bärenarten charakterisiert und dabei zum Beispiel eine starke Ähnlichkeit der Sequenzen festgestellt, was auf eine enge Verwandtschaft hindeutet", berichtet der Humangenetiker Jens Mayer. Auch bei weiteren Bärenarten wie dem Braun-, Schwarz- und Brillenbär konnten die Forscher solche Sequenzen nachweisen. „Mit molekularen Datierungsmethoden haben wir anschließend herausgefunden, dass sich das Retrovirus vor ungefähr 45 Millionen Jahren in das Erbgut eines Vorfahrens heutiger Bärenarten integriert hat", erklärt Alex Greenwood. Zudem haben die Forscher gezeigt, dass das damals vorkommende Retrovirus eng verwandt mit denen ist, die im Genom von Fledermäusen und Rindern zu finden sind. Interessant ist darüber hinaus die Tatsache, dass diese in Bären gefundenen Viren starke Ähnlichkeit mit verschiedenen im menschlichen Erbgut vorkommenden endogenen Retroviren aufweisen. „Beim Menschen stehen manche dieser Sequenzen im Verdacht, bei der Entstehung von Krebs, neurodegenerativen oder Autoimmunerkrankungen eine Rolle zu spielen", weiß Jens Mayer.

Umfangreiche Erbgutanalysen in verschiedenen Wildtierarten, wie sie in dieser Studie zum Einsatz kamen, helfen Wissenschaftlern zum einen dabei, die Evolution der Retroviren besser zu verstehen, zum anderen erhält man Erkenntnisse darüber, welche verschiedenen Retroviren vor Jahrmillionen welche Tiergruppen infiziert haben. Darüber hinaus können die gewonnenen Daten auch wertvolle Erkenntnisse zur Entwicklungsgeschichte der Säugetiere liefern. Die Forscher nutzten hierbei verschiedene Methoden der Analyse von DNA-Sequenzen, unter anderem modernste Techniken des Next Generation Sequencing. Hierbei handelt es sich um Verfahren zur hocheffizienten DNA-Sequenzierung.

Neben den Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes und des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung waren auch Forscherkollegen folgender Einrichtungen an der Studie beteiligt: Berlin Center for Genomics in Biodiversity Research, das Naturhistorische Museum von Dänemark, das Institut für Biochemie und Biophysik der Universität von Kalifornien, das Berlin Institute for Medical Systems Biology sowie das Institut für Virologie der Freien Universität Berlin.

Hintergrund:
Professor Dr. Jens Mayer forscht am Institut für Humangenetik, im Zentrum für Human- und Molekularbiologie der Universität des Saarlandes. Sein Hauptaugenmerk liegt auf der Erforschung Humaner Endogener Retroviren (HERV). Mayer geht unter anderem den Fragen nach, wie diese Viren unser Genom verändert haben, welchen Einfluss sie auf die Funktionen des Erbguts nehmen und bei welchen Krankheiten sie womöglich eine Rolle spielen. Seine Fachkenntnisse bei der Analyse des menschlichen Genoms, insbesondere der HERV-Sequenzen, helfen in Studien wie der vorliegenden, die Genome anderer Arten, insbesondere deren Endogene Retroviren zu analysieren.

Professor Alex Greenwood leitet die Abteilung für Wildtierkrankheiten des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin. Ein wichtiger Forschungsaspekt der Abteilung liegt in der Untersuchung der Übertragungen von Krankheitserregern zwischen wildlebenden und domestizierten Tierarten, damit auch Krankheitserregern in Zootieren. Im Rahmen der Forschungsarbeiten finden moderne Methoden der Veterinärmedizin, der molekularen Medizin und der Elektronenmikroskopie Anwendung.

Publikation:
Mayer J, Tsangaras K, Heeger F, Avila-Arcos M, Stenglein MD, Chen W, Sun W, Mazzoni CJ, Osterrieder N, Greenwood AD (2013): A novel endogenous betaretrovirus group characterized from polar bears (Ursus maritimus) and giant pandas (Ailuropoda melanoleuca). Virology 443, 1-10. doi: 10.1016/j.virol.2013.05.008.

Link zur Studie: www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0042682213002675

Fragen beantworten:
Professor Dr. Jens Mayer
Institut für Humangenetik
Zentrum für Human- und Molekularbiologie
Universität des Saarlandes
Telefon: +49 06841 16-26627
E-Mail: jens.mayer@uks.eu

Professor Dr. Alex D. Greenwood
Abteilung Wildtierkrankheiten
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
Tel. +49 30 5168 255
E-Mail: greenwood@izw-berlin.de

Steven Seet
Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
Tel. +49 30 5168 125
E-Mail: seet@izw-berlin.de

Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) ist eine national und international renommierte Forschungseinrichtung, die anwendungsorientierte und interdisziplinäre Grundlagenforschung in den Bereichen Evolutionsökologie und -genetik, Wildtierkrankheiten, sowie Reproduktionsbiologie und -management bei Zoo- und Wildtieren betreibt. Aufgabe des IZW ist die Erforschung der Vielfalt der Lebensweisen, der Mechanismen evolutionärer Anpassungen und der Anpassungsgrenzen inklusive Krankheiten von Zoo- und Wildtieren in und außerhalb menschlicher Obhut sowie ihrer Wechselbeziehungen mit Mensch und Umwelt. Die gewonnenen Erkenntnisse sind Voraussetzung für einen wissenschaftlich begründeten Artenschutz und für Konzepte der ökologischen Nachhaltigkeit der Nutzung natürlicher Ressourcen.
www.izw-berlin.de

Die Leibniz-Gemeinschaft verbindet 86 selbständige Forschungseinrichtungen. Deren Ausrichtung reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Raum- und Sozialwissenschaften bis zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesellschaftlich, ökonomisch und ökologisch relevante Fragestellungen. Sie betreiben erkenntnis- und anwendungsorientierte Grundlagenforschung. Sie unterhalten wissenschaftliche Infrastrukturen und bieten forschungsbasierte Dienstleistungen an.

Die Leibniz-Gemeinschaft setzt Schwerpunkte im Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Leibniz-Institute pflegen intensive Kooperationen mit den Hochschulen - u.a. in Form der Wissenschaftscampi - , mit der Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Sie unterliegen einem maßstabsetzenden transparenten und unabhängigen Begutachtungsverfahren. Aufgrund ihrer gesamtstaatlichen Bedeutung fördern Bund und Länder die Institute der Leibniz-Gemeinschaft gemeinsam.

Die Leibniz-Institute beschäftigen rund 17.200 Personen, darunter 8.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei 1,4 Milliarden Euro.
www.leibniz-gemeinschaft.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Startschuss für grüne Kohle - Innovative HTC-Demonstrationsanlage in Halle eröffnet

Paul Trainer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Biomasseforschungszentrum

Nach 2,5 Jahren Laufzeit hat die Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft GmbH (HWS) gemeinsam mit dem Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) am Montag, den 1. Juli eine innovative Demonstrationsanlage zur Herstellung von hochwertigen Brennstoffen aus Bioabfällen durch hydrothermale Carbonisierung (HTC) eingeweiht. Das Forschungsvorhaben "Integrierte Verwertungsanlage und Strategie für kommunale Biomasse - HTC Hallesche Wasser und Stadtwirtschaft" wurde im Rahmen des vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) initiierten Förderprogramms "Energetische Biomassenutzung" bearbeitet.

Im Beisein von Politikvertretern, Praxispartnern und Medienvertretern nahmen Dr. Hermann Onko Aeikens, Minister für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt, Egbert Geier, Bürgermeister der Stadt Halle und Frank Bannert, Landrat des Saalekreises die neue Anlage auf dem Gelände der Deponie Halle-Lochau offiziell in Betrieb. "Ziel des Projektes ist ein Verwertungskonzept, das auch auf andere kommunale Unternehmen übertragbar und nachnutzungsfähig ist. Ein lagerfähiges Produkt als Energieträger mit einer vorzeigbaren Energiebilanz könnte erhebliche Mengen fossiler Energieträger ersetzen. Die HTC-Kohle von der HWS kann dieses Produkt sein. Mit der nachnutzungsfähigen Herstellung von HTC-Kohle in der Anlage ist ein großer Schritt zur industriellen Produktion eines klimafreundlichen Ersatzes für fossile Kohle getan. Damit leistet die HWS einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz", so Matthias Lux, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Halle GmbH, zu der die HWS gehört.

Dr. Marco Klemm, Projektleiter beim DBFZ und für die wissenschaftliche Begleitung des Projektes verantwortlich, erklärt: "Vor dem Bau der Demonstrationsanlage führte das DBFZ umfangreiche Laborversuche zur HTC durch. Im Mittelpunkt standen die Fragen: Sind die bei der HWS vorhandenen Substrate für das HTC-Verfahren geeignet? Wie beeinflussen die Prozessparameter die Ausbeute und die Qualität der HTC-Kohlen? Am DBFZ wurden verschiedene Substrate wie Bioabfall, Landschaftspflegematerial und Gärrest daher unter Laborbedingungen hydrothermal carbonisiert. Die Laborversuche haben gezeigt, dass die Substrate der HWS durch das HTC-Verfahren in eine kohlenstoffreiche HTC-Kohle umgewandelt werden. Die chemische Zusammensetzung und der Brennwert der HTC-Kohle sind mit fossiler Kohle vergleichbar. Im Labor konnten optimale Prozessparameter identifiziert werden. Diese Erkenntnisse werden nun auf die Demonstrationsanlage übertragen."

Künftig sollen nun jährlich 2.500 Tonnen des kommunalen Grünschnitts mit dem HTC-Verfahren in einen Biobrennstoff umgewandelt werden.

Auf einer Fachkonferenz im Anschluss an die feierliche Einweihung diskutierten etwa 40 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zum Thema "Von der Abfallgrube zur HTC-Anlage - Ergebnisse des Zusammenwirkens von Wissenschaft und Praxis" die aktuellen Erkenntnisse.

Was ist "Hydrothermale Carbonisierung"?
Die Hydrothermale Carbonisierung (HTC) ist ein Prozess, bei dem unter hohem Druck und hoher Temperatur, beispielsweise 220°C und 25 bar, Biomasse in wenigen Stunden in Kohle umgewandelt wird. Der Einsatz von HTC-Kohle, die mit ihren Brennstoffeigenschaften weitgehend jenen von Braunkohle entspricht, besitzt ein bedeutendes Potenzial zur Minderung klimaschädlicher Emissionen.

Forschung für die Energie der Zukunft - DBFZ
Das Deutsche Biomasseforschungszentrum arbeitet als zentraler und unabhängiger Vordenker im Bereich der energetischen Biomassenutzung an der Frage, wie die begrenzt verfügbaren Biomasseressourcen nachhaltig und mit höchster Effizienz zum bestehenden, vor allem aber auch zu einem zukünftigen Energiesystem beitragen können. Im Rahmen der Forschungstätigkeit identifiziert, entwickelt, begleitet, evaluiert und demonstriert das DBFZ die vielversprechendsten Anwendungsfelder für Bioenergie und die besonders positiv herausragenden Beispiele gemeinsam mit Partnern aus Forschung, Wirtschaft und Öffentlichkeit.

Weitere Informationen:
http://www.energetische-biomassenutzung.de
http://www.dbfz.de
http://www.hws-halle.de

Anhang
DBFZ-Presseinformation: Startschuss für grüne Kohle - Innovative HTC-Demonstrationsanlage in Halle eröffnet
http://idw-online.de/de/attachment28365

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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HTA-Bericht zu Diäten: Ernährungsänderung allein reicht nicht

Sven Borowski Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI)

Wissenschaftler haben jetzt im Auftrag des DIMDI analysiert, welche Diäten als Therapie bei übergewichtigen und fettleibigen Menschen erfolgreich sind. Dabei waren generell alle betrachteten Ernährungsprogramme wirksam. Neben ihrer Ernährung müssten Patienten jedoch auch Bewegungsverhalten und Lebensstil anpassen. Nur dann sei ein langfristiger Erfolg zu erzielen, so das Fazit der Autoren.

Die Ergebnisse fasst ein neuer HTA-Bericht zusammen (Health Technology Assessment, systematische Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien). Der vollständige Bericht ist kostenfrei auf den Webseiten des DIMDI abrufbar.

Wirksam sind alle

Nach den im HTA-Bericht betrachteten Studien sind alle untersuchten Diäten wirksam, keine war allen anderen überlegen. Kurzfristig erzielt eine kohlenhydratarme Kost zwar den besten Erfolg, so die Autoren. Längerfristig besser wirke aber eine fettarme Ernährung. Dabei sei es vielversprechender, den Fettkonsum nur moderat statt radikal einzuschränken. Genauso erfolgreich wie fettarme Diäten zeigten sich kalorienreduzierte oder proteinreiche Programme. Weniger günstig scheinen dagegen vegane und Formula-Diäten (mit Nährstoffmischungen, die Mahlzeiten z.B. mit Fertigdrinks oder Riegeln ersetzen).

Allerdings verringern Schwächen der Studien ihre Aussagekraft zur Wirksamkeit der Diäten, wie die Autoren bemängeln: So erfassten Teilnehmer ihren Ernährungsstatus überwiegend durch Selbstauskunft, was Ergebnisse verzerren kann. Einige Untersuchungen belegen nur Kurzzeitergebnisse. Problematisch sei auch, dass viele Studien die körperliche Aktivität der Teilnehmer zu wenig berücksichtigen. Denn statt der Diät könne auch ein gesteigertes Sportprogramm maßgeblich zum Gewichtsverlust beitragen.

Ziel der Therapie

Die Therapie von Übergewicht und Adipositas soll das Gewicht nicht maximal reduzieren (Adipositas: Body Mass Index (BMI)>30). Das Ziel ist vielmehr, ein mäßig reduziertes Körpergewicht langfristig zu stabilisieren. Die Leitlinie "Prävention und Therapie von Adipositas" empfiehlt dafür je nach Ausgangs-BMI ein Minus von 5-30 Prozent. Dies sei auf Dauer nur realistisch, wenn Patienten neben ihrer Ernährung weitere Lebensumstände ändern, betonen die Autoren des HTA-Berichts.

Nachhaltig angelegte Diäten verlaufen 2-phasig: Nach dem Abnehmen (Phase 1) helfen sie in einer 2. Phase auch, das verringerte Körpergewicht stabil zu halten. Herkömmliche Therapien versuchen daher, auch Bewegung und Verhalten der Patienten zu verändern. Das Prinzip besteht darin, weniger Energie aufzunehmen und gleichzeitig mehr Kalorien durch Bewegung und Sport zu verbrennen. Wenn das keinen ausreichenden Erfolg erzielt, können Medikamente unterstützen. Darüber hinaus gibt es chirurgische Maßnahmen, die gemäß der Leitlinie "Chirurgie der Adipositas" jedoch nur unter bestimmten Bedingungen angewandt werden.

Langfristige Gewichtsstabilisierung

Nach dem erfolgreichen Abnehmen ist es für Patienten oft schwer, das Gewicht langfristig zu halten. Im Alltag treffen sie auf zahlreiche Herausforderungen: So sind kalorienreiche Lebensmittel, Fast-Food und Fertignahrung ständig präsent. Viele Menschen arbeiten zudem im Sitzen und gestalten auch ihre Freizeit mit Computer, Fernseher und Internet überwiegend passiv.

Für einen nachhaltigen Therapieerfolg empfehlen die Autoren unabhängig von der Diätform zudem folgende Maßnahmen:
- regelmäßige körperliche Aktivität
- fettarme Ernährung
- viel Obst und Gemüse
- regelmäßige Selbstkontrolle
- kontinuierliches Verhaltenstraining

Die Autoren sehen Übergewicht und Adipositas als gesellschaftliches Problem. Nicht nur Betroffene selbst müssten aktiv werden, auch die Gesundheitspolitik sei gefragt. Sie solle die Verhältnisprävention stärken, d.h. darauf einwirken, dass verbesserte Lebensumstände nachhaltiges Abnehmen erleichtern.

(Wirksamkeit von Diäten zur nachhaltigen Gewichtsreduktion bei Übergewicht und Adipositas; Dieter Korczak, Christine Kister)

HTA-Berichte bei DAHTA
Die HTA-Berichte sind in der DAHTA-Datenbank beim DIMDI bzw. im HTA-Journal bei German Medical Science (GMS) kostenfrei als Volltext abrufbar. Für die Inhalte der HTA-Berichte sind die genannten Autoren verantwortlich. Alle durch die DAHTA beauftragten Berichte werden in einem standardisierten, anonymisierten Verfahren erstellt, um die Unabhängigkeit der Autoren zu gewährleisten.

Das DIMDI stellt über das Internet hochwertige Informationen für alle Bereiche des Gesundheitswesens zur Verfügung. Es entwickelt und betreibt datenbankgestützte Informationssysteme für Arzneimittel und Medizinprodukte und verantwortet ein Programm zur Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien (Health Technology Assessment, HTA). Das DIMDI ist Herausgeber amtlicher medizinischer Klassifikationen wie ICD-10-GM und OPS und pflegt medizinische Terminologien, Thesauri, Nomenklaturen und Kataloge (z. B. MeSH, UMDNS, Alpha-ID, LOINC, OID), die für die Gesundheitstelematik von Bedeutung sind. Das DIMDI ermöglicht den Online-Zugriff auf seine Informationssysteme und rund 50 Datenbanken aus der gesamten Medizin. Dafür entwickelt und pflegt es moderne Software-Anwendungen und betreibt ein eigenes Rechenzentrum.

Weitere Informationen:
http://www.dimdi.de/de/linkgalerie/hta-bericht-345-bericht.elnk - HTA-Bericht: Volltext (PDF, 1MB)
http://www.dimdi.de/de/linkgalerie/hta-bericht-345-zusammenfassung.elnk - HTA-Bericht: Zusammenfassung (PDF, 32kB)
http://www.adipositas-gesellschaft.de/fileadmin/PDF/Leitlinien/Adipositas-Leitli... - Leitlinie "Prävention und Therapie von Adipositas"
http://www.adipositas-gesellschaft.de/fileadmin/PDF/Leitlinien/ADIP-6-2010.pdf - Leitlinie "Chirurgie der A."

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Ungewöhnliche Verfahrenskombination könnte CO2 zum Rohstoff machen

Dr. Christine Dillmann Öffentlichkeitsarbeit
DECHEMA Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.

In der Stiftung DECHEMA-Forschungsinstitut ist ein neues Projekt angelaufen: Mit Hilfe einer völlig neuen Kombination aus Elektrochemie und Biotechnologie soll das schädliche Klimagas Kohlendioxid zum wertvollen Rohstoff für Biokraftstoffe und Basischemikalien werden. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die Wissenschaftler mit 1.450.000 Euro.

Am DECHEMA-Forschungsinstitut (DFI) in Frankfurt am Main ist ein Forschungsprojekt mit dem Titel „Mikrobielle Elektrosynthesen" gestartet. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt die Arbeiten im Rahmen der Förderinitiative „Basistechnologien für eine nächste Generation biotechnologischer Verfahren" mit 1.450.000 Euro. Ziel ist die Entwicklung der Grundlagen für neuartige, heute noch nicht realisierbare Verfahren zur Nutzung von Kohlendioxid als Rohstoff.

Im Mittelpunkt des Vorhabens steht die Entwicklung mikrobieller Elektrosynthesen zur Produktion von Biokraftstoffen und Basischemikalien aus Kohlendioxid. In mikrobiellen Elektrosynthesen werden Elektronen von einer Kathode auf Mikroorganismen übertragen. Die Mikroorganismen nutzen die Elektronen für Synthesereaktionen, wobei die benötigte elektrische Energie aus regenerativen Quellen gewonnen werden sollte. „Mikrobielle Elektrosynthesen zeichnen sich dadurch aus, dass die Elektronen nicht aus biologischen Prozessen stammen, sondern direkt in Form von Strom zur Verfügung gestellt werden. Sie können dadurch sehr viel effizienter genutzt werden", erläutert Biotechnologe Dr.-Ing. Dirk Holtmann, der zusammen mit dem Elektrochemiker Dr. Klaus-Michael Mangold Projektleiter des neuen Forschungsvorhabens ist.

Das Projekt wird in Kooperation der Arbeitsgruppen Bioverfahrenstechnik und Elektrochemie des DFI bearbeitet. „Um mikrobielle Elektrosynthesen am Ende technisch nutzen zu können, müssen Mikro- und Molekularbiologen, Bioverfahrenstechniker und Elektrochemiker von Anfang an eng zusammenarbeiten. Dafür bietet die vorhandene Infrastruktur am DECHEMA-Forschungsinstitut mit den über viele Jahre aufgebauten Kernkompetenzen der Arbeitsgruppen eine ideale Ausgangslage", sagt PD Dr. Jens Schrader, Mitglied des Vorstandes und Leiter der biotechnologischen Forschung am Institut. Damit bestehen beste Voraussetzungen, das außerhalb Europas gerade aufblühende interdisziplinäre Forschungsgebiet der mikrobiellen Elektrosynthesen in Deutschland zu etablieren.

Die gemeinnützige Stiftung DECHEMA-Forschungsinstitut (DFI) betreibt Forschung für nachhaltige Technologien auf den Gebieten elektrochemische Energiewandler und -speicher, integrierte chemisch-biotechnologische Produktion, Rückgewinnung anorganischer Wertstoffe und innovative Korrosionsschutzkonzepte. Ca. 80 Mitarbeiter - Ingenieure, Chemiker, Biologen, Werkstoffwissenschaftler, Techniker und Fachleute anderer Disziplinen - nutzen dafür die über Jahrzehnte aufgebauten Kompetenzen in Biotechnologie, Werkstoffforschung und chemischer Technik.

Kontakt:
DECHEMA-Forschungsinstitut, Theodor-Heuss-Allee 25, 60486 Frankfurt am Main
PD Dr. Jens Schrader (schrader@dechema.de), Dr. Dirk Holtmann (holtmann@dechema.de), Dr. Klaus-Michael Mangold (mangold@dechema.de)

Weitere Informationen:
http://www.dechema-dfi.de

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Vielfalt im Fußball: RUB-Studierende forschen über den VfL Bochum und seine Fans

Dr. Josef König Pressestelle
Ruhr-Universität Bochum

Fußball begeistert die Massen, kennt aber auch Schattenseiten. Gewaltbereite Fans, Rassismus oder Homophobie sorgen für Diskussionen. Im Sommersemester 2013 findet das Lehrforschungsprojekt „Vielfalt fördern! Managing Diversity in der Praxis am Beispiel von Fußballvereinen" der Fakultät für Sozialwissenschaft an der RUB statt. In Kooperation mit dem VfL Bochum 1848 und dem Fanprojekt Bochum widmen sich die Bochumer Studierenden möglichen Diversity-Konzepten, um die soziale Vielfalt im Fußball zu fördern.

Diversity: Vielfalt wertschätzen

„Auch die Farbe deiner Haut interessiert uns nicht" - dieses Zitat eines VfL-Fan-Songs ist richtungsweisend für das sozialwissenschaftliche Projekt von Juniorprofessorin Dr. Katja Sabisch, das in enger Zusammenarbeit mit dem Fanprojekt und dem Verein konzipiert wurde. In dem Seminar entwickeln die Studierenden eigenständig Forschungsprojekte, die die Möglichkeiten und Erfolgschancen von Diversity-Konzepten im Fußball näher beleuchten. So betrachten die Teilnehmenden beispielsweise die Entwicklungen in der Fankultur im Hinblick auf Rassismus, Sexismus und Homophobie, die Bedeutung von Social Networks für die Fanarbeit oder auch den Fußball als „Arena der Männlichkeit". Sie gehen zudem konkreten Projekten nach wie „Dafür! Dagegen! - Für mehr Zivilcourage und gegen Diskriminierung" oder „soccer meets learning - Lernen an außergewöhnlichen Orten". Mithilfe ihrer Forschung wollen sie einen Beitrag für den Fußball leisten.

Forschung für den Fußball

In Verbindung mit dem RUB-Förderprogramm „Forschendes Lernen" erhalten die Studierenden zwei Semester lang die Möglichkeit, sich praxis- und berufsorientiert mit Gleichstellung in Bezug auf die soziale Vielfalt im Fußball auseinanderzusetzen. Unter der Leitung von Juniorprofessorin Dr. Katja Sabisch und ihrer Mitarbeiterin Maximiliane Brand gilt es, eigenständig Forschungsprojekte zu entwickeln, qualitative Studien durchzuführen und Erfahrungen zu sammeln. Die theoretischen Grundlagen bekommen die Studierenden dabei im Sommersemester 2013 vermittelt, während im daran anschließenden Wintersemester die Forschungswerkstatt stattfindet. Das zukunftsweisende Pilotprojekt endet mit einem Symposium, auf dem die Studierenden ihre Ergebnisse präsentieren. Zudem stellen sie ihre Forschungsresultate dem VfL und dem Fanprojekt für ihre zukünftige Arbeit zur Verfügung.

Weitere Informationen

Juniorprofessorin Katja Sabisch, Maximiliane Brand (Wissenschaftliche Mitarbeiterin), Gender Studies, Fakultät für Sozialwissenschaft der RUB, Tel. 0234/32-22988, maximiliane.brand@rub.de, katja.sabisch@rub.de

Christian Schönhals, Pressesprecher VfL Bochum 1848, Tel. 0234/951821, Mobil: 0170/ 3209759, schoenhals@vfl-bochum.de

Angeklickt
Fachbereich Gender Studies der RUB:
http://www.sowi.ruhr-uni-bochum.de/genderstudies/

VfL Bochum 1848:
http://www.vfl-bochum.de/

Fanprojekt Bochum:
http://www.fanprojekt-bochum.de/

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Gesünder leben: Online-Test gibt Tipps zur Verbesserung des persönlichen Lebensstils

Dr. Kristin Beck Communications & Public Relations
Jacobs University Bremen

Wenig Bewegung, Rauchen, einseitige Ernährung - viele Menschen wissen zwar um die Risiken einer ungesunden Lebensweise, schaffen es aber langfristig nicht ihr Verhalten zu ändern. Ab sofort suchen Wissenschaftler der Jacobs University und der Stiftung Bremer Herzen Teilnehmende für einen online-Test zur Steigerung des Gesundheitsbewusstseins. Untersucht wird das Gesundheitsverhalten unter den Aspekten Motivation, Erwartung und Planung und wie man Menschen bei nötigen Verhaltensänderungen unterstützen kann. Am Ende des Tests erhalten die Teilnehmenden Tipps zur Verbesserung ihres Lebensstils. Interessierte finden den Test kostenlos unter: www.jacobs-university.de/JCLL-online-test

Unter Leitung von Sonia Lippke, Professorin für Gesundheitspsychologie an der Jacobs University, und Prof. Rainer Hambrecht, Vorsitzender der Stiftung Bremer Herzen sowie Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Angiologie am Klinikum Links der Weser und dem Herzzentrum Bremen, haben Wissenschaftler einen online-Gesundheitstest entwickelt. Dieser beleuchtet bisherige Rauchgewohnheiten, körperliche Aktivität und Ernährung der Teilnehmenden und bezieht außerdem ein, wie die Befragten ihre zukünftige sportliche Betätigung und eine gesündere Ernährung planen und einschätzen. Mit den Ergebnissen des Tests möchten die Wissenschaftler neue Strategien entwickeln, die „Sportmuffel" und „Schweinehund-Geplagte", aber auch Reha-Patienten dabei unterstützen, ihre Vorhaben zu einer besseren Gesundheit in die Tat umzusetzen.

Im Anschluss an den Test erfahren die Teilnehmenden anhand von einfachen Tipps, welche Aspekte sie bereits gut im Alltag integriert haben, wie sie ihr Gesundheitsbewußtsein stärken und langfristig aufrecht erhalten können: Denn schon oft zeigen die richtigen Fragen, kleine Hinweise und Kniffe große Wirkung.

Der online-Gesundheitstest dauert ca. 10-15 Minuten. Nach drei Monaten ist eine erneute Teilnahme an dem Test möglich. Alle Angaben des Tests werden vertraulich behandelt und nur für Forschungszwecke verwendet.

Sonia Lippke sieht noch Verbesserungsbedarf beim Thema Gesundheit: "Viele Gesundheitsverhaltensweisen sind nicht automatisiert: Gesund essen, sich regelmäßig bewegen und ausreichend Erholungspausen - das fällt vielen Menschen schwer. In anderen Lebensbereichen hat sich im Vergleich dazu in den letzten Jahrzehnten viel getan: So sind heute nur noch wenige Autofahrer ohne angelegten Sicherheitsgurt unterwegs. Beim Thema Ernährung und Bewegung dagegen sind viele Bürger relativ sorglos und sich der Gefahren einer ungesunden Lebensweise nicht ausreichend bewusst bzw. nicht in der Lage, ihre guten Absichten in die Tat umzusetzen. Wir wollen Menschen helfen, in diesen Bereichen gesunde Routinen zu entwickeln", so die Wissenschaftlerin.

Die Ergebnisse der online-Befragung werden als Vorstudie im Rahmen der internationalen eHealth-Studie RENATA (Rehabilitations-Nachsorge für einen optimalen Transfer im Alltag) genutzt. RENATA ist ein Projekt, in dem Rehabilitanden unterstützt werden sollen, nach der medizinischen Rehabilitation die Empfehlungen der Ärzte und Therapeuten im Alltag umzusetzen. Das Unterstützungsprogramm wird in Deutschland, den Niederlanden und China angeboten. RENATA ist ein Kooperationsprojekt der Jacobs University, der Maastricht University und der Hong Kong Baptist University mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V. (DGPR), der Deutschen Rentenversicherung Oldenburg-Bremen, Stiftung Bremer Herzen und Wilhelm-Stiftung für Rehabilitationsforschung.

Fragen zum Test beantwortet:
Sonia Lippke | Professor of Health Psychology
E-mail: s.lippke@jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-4730

Weitere Informationen:
http://www.jacobs-university.de/JCLL-online-test

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Resolution zum Hochwasserschutz: Wie wir künftig mit Risiken umgehen wollen

Dr. Josef König Pressestelle
Ruhr-Universität Bochum

Nach dem neuerlichen Extremhochwasser stellt sich die Frage, ob der Hochwasserschutz in Deutschland versagt hat - und wie wir künftig mit den Risiken umgehen und leben wollen. Um einen besseren Schutz umzusetzen und den gesellschaftlichen Dialog zu forcieren, bieten Wissenschaftler aus Wasserbau und Ingenieurhydrologie ihre Mitarbeit an. Dazu haben 16 Professorinnen und Professoren aus ganz Deutschland auf Initiative des RUB-Forschers Prof. Andreas Schumann am 15. Juni eine Resolution verfasst. Sie fordern Offenheit im Denken, aber auch Realitätsbewusstsein sowie angesichts der jüngsten Ereignisse den Willen und die Kraft zur Veränderung.

Resolution im Wortlaut

Die vollständige Resolution finden Sie als PDF auf unseren Internetseiten unter:
http://aktuell.ruhr-uni-bochum.de/mam/content/resolution-hochwasserschutz.pdf

„Mehr Raum für die Flüsse" reicht nicht

Die alleinige Forderung nach „mehr Raum für die Flüsse" wird der Komplexität der Problemlage nicht gerecht, lenkt von derzeit machbaren Lösungsansätzen ab und kann die Hochwassergefahren in den vor uns liegenden Jahrzehnten nicht wirksam mindern, heißt es in der Resolution. Im Gegenteil: Die Frage nach den Ursachen treffe den Kern unseres Verständnisses des Zusammenwirkens von Natur und Mensch, schreiben die 16 Wissenschaftler. Deutlich bringen sie auf den Punkt, dass es niemals einen vollständigen Hochwasserschutz geben wird (und dieser auch ökonomisch nicht sinnvoll wäre) und dass ein Restrisiko immer bestehen bleibt. „Wie viel Sicherheit ist sicher genug?", fragen die Forscher. Um neben technischem Fortschritt und technischen Entwicklungen die Gesamtlage deutlich zu verbessern, brauche es vor allem das Bewusstsein, dass Hochwasserschutz keine von Zeit zu Zeit wiederkehrende Aufgabe ist, sondern in weiten Bereichen unseres Landes zur Daseinsvorsorge zählt - also dauerhaft und langfristig.

Weitere Informationen

Prof Dr. Andreas Schumann, Lehrstuhl für Hydrologie, Wasserwirtschaft und Umwelttechnik, Fakultät für Bau- und Umweltingenieurwissenschaften der Ruhr-Universität Bochum, Tel.: 0234/32-24693, andreas.schumann@rub.de
Homepage: http://www.ruhr-uni-bochum.de/hydrology/

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Mit Papayasamen Wasser reinigen

Birgit Mangelsdorf Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Potsdam

Chemiker der Universität Potsdam entwickelten neuartiges Material

Eines der weltweit größten Probleme ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser. Aus diesem Grund sind billige, einfach vor Ort herzustellende und zur Reinigung verschmutzter Gewässer geeignete Stoffe von großem Interesse. Prof. Dr. Andreas Taubert und sein Team von der Universität Potsdam stellten jetzt ein derartiges Material her.

Insbesondere in Entwicklungsländern und Ländern mit einer rapide wachsenden Bevölkerung ist Trinkwasser, anders als in Mitteleuropa, eine der wertvollsten und am schwierigsten zu erhaltende Ressource. Unter anderem deshalb, weil reiche Industrienationen ihren Elektronikschrott in Entwicklungsländer exportieren und dort aufarbeiten lassen. Die Bergbauindustrie baut technologisch wichtige Minerale, wie Gold oder Coltan, ab und die Autoindustrie lässt Batterien fertigen. Die von diesen Industriezweigen verursachten Abwässer belasten Flüsse und Seen mit Schwermetallen, wie Nickel, Cadmium oder Blei. Diese Belastungen sind Ursache für eine Reihe von erheblichen Gesundheitsschädigungen, die durch die Entfernung der Schwermetalle aus dem Trinkwassersystem deutlich reduziert oder unterbunden werden könnten. Die bereits existierenden Wasserreinigungsprozesse sind für Entwicklungsländer zu teuer und werden deshalb nicht angewendet.
An der Universität Potsdam hat nun ein Team um Andreas Taubert, Professor für Supramolekulare Chemie und Anorganische Hybridmaterialien, in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung ein neues, preiswertes, einfach zu produzierendes Kompositmaterial zur Reinigung von Trinkwasser hergestellt. Das Material hat eine sehr hohe Affinität zu Nickel und Cadmium, zwei gesundheitsschädlichen Schwermetallen, die in mit Industrieabwässern belasteten Flüssen in hohen Konzentrationen auftreten. Es handelt sich um eine Kombination von Papayasamen und einem Tonmineral, beides in großen Mengen verfügbar. Nach einer geeigneten Wärmebehandlung liefern diese Bestandteile ein Material, das in der Lage ist, die Konzentrationen von Nickel und Cadmium unter die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegten Grenzwerte zu senken. Die einfache Herstellung, die praktisch unendliche Verfügbarkeit der Rohstoffe und die Tatsache, dass sich die Materialien recyceln lassen, macht sie attraktiv für die einfache, schnelle und lokal verfügbare Wasserreinigung. Prof. Dr. Andreas Taubert ist davon überzeugt, „dass ähnliche Materialien im Prinzip auch in der Lage sein sollten, Verunreinigungen, wie sie im Moment im südlichen Brandenburg auftreten, zu beseitigen".

Die Forschungsergebnisse sind veröffentlicht in: Unuabonah et al., ACS Sustainable Chem. Eng., DOI: 10.1021/sc400051y

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Pestizide reduzieren die Artenvielfalt in Gewässern deutlich

Tilo Arnhold Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Washington/Leipzig. Einige Pestizide, die derzeit in Europa und Australien im Einsatz sind, können die regionale Artenvielfalt von wirbellosen Tieren in Fließgewässern um bis zu 42 Prozent reduzieren. Das berichten Forscher in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften (PNAS).

Mikhail A. Beketov und Matthias Liess vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig analysierten gemeinsam mit Ben Kefford von der Technischen Universität Sydney und Ralf B. Schäfer vom Institut für Umweltwissenschaften Landau die Auswirkungen von Pestiziden wie Insektiziden und Fungiziden auf den regionalen Artenreichtum von Wirbellosen in Fließgewässern und verwendeten dafür Daten aus Deutschland, Frankreich und Victoria in Australien. Die jetzt veröffentlichte Studie ist eigenen Angaben zufolge die erste Studie überhaupt, die die Auswirkungen von Schadstoffen auf die regionale Biodiversität im Zusammenhang mit den Konzentrationen von Pestiziden und den jeweiligen Artenverlusten untersucht hat.
Pestizide, beispielsweise aus der Landwirtschaft, gehören zwar zu den am besten ökotoxikologisch untersuchten und regulierten Gruppen von Schadstoffen - bisher war aber unbekannt, ob und in welchem Umfang und bei welchen Konzentrationen ihr Einsatz Artenverluste in Gewässern verursacht. Dieser Frage gingen die Forscher nach und verglichen den Artenreichtum an mehreren Standorten - unter anderem in der Hildesheimer Börde bei Braunschweig, in Süd-Victoria in Australien und in der Bretagne in Frankreich. Dabei untersuchten sie drei verschiedene Ebenen der Pestizidbelastung: unberührt, leicht verunreinigt oder stark verschmutzt. In Europa fanden sie signifikante Unterschiede beim Artenreichtum von Wirbellosen zwischen den Verschmutzungs-Kategorien. Für Australien konnten die Forscher bei verschiedenen Insektengruppen einen Unterschied feststellen, und zwar zwischen den hoch belasteten Standorten einerseits und den unberührten und leicht verunreinigten andererseits. Nachweislich rangiert der Verlust der Artenvielfalt zwischen den unberührten und stark kontaminierten europäischen Standorten damit auf einem Niveau von 42 Prozent, bei Insektengruppen in Australien ist ein Rückgang von 27 Prozent zu verzeichnen. Wie die Forscher weiter herausfanden, werden die Gesamtverluste in der Biodiversität in erster Linie durch das Verschwinden mehrerer Gruppen von Lebewesen bestimmt, welche speziell anfällig für Pestizide sind. Dazu gehören vor allem Vertreter der Steinfliegen, Eintagsfliegen, Köcherfliegen und Libellen. Diese Organismen zählen zu den arten- und individuenreichsten Besiedlern der europäischen Flüsse, Bäche und Ströme und sind wichtige Mitglieder der Nahrungskette, bis hin zu Fischen und Vögeln. Sie ermöglichen die biologische Vielfalt der Gewässerlebensräume erst, indem sie als Anzeiger der Wasserqualität für einen regelmäßigen Austausch zwischen Oberflächen- und Grundwasser sorgen.

Schutzkonzepte greifen zu kurz
Ein besorgniserregendes Ergebnis der Studie ist, dass die verheerenden Auswirkungen der Pestizidbelastung auf diese Kleinstlebewesen bereits bei Konzentrationen festgestellt wurden, die nach den aktuellen europäischen Vorschriften als unbedenklich gelten. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Verwendung von Pestiziden ein wichtiger Treiber des Verlustes an biologischer Vielfalt ist, und dass die gesetzlich vorgeschriebenen Höchstmengen die Artenvielfalt der wirbellosen Tiere in Fließgewässern nicht ausreichend schützen. Neue Ansätze, die Ökologie und Ökotoxikologie verbinden, werden daher dringend benötigt. "Die gegenwärtige Praxis der Risikobewertung gleicht leider einer Autobahnfahrt mit verbundenen Augen", gibt der Ökotoxikologe Matthias Liess zu bedenken. Denn bisher beruhe die Zulassung von Pestiziden nur auf experimentellen Arbeiten im Labor und in künstlichen Ökosystemausschnitten. Für eine fundierte Bewertung der ökologischen Wirkung dieser chemischen Substanzen müssten die bestehenden Konzepte aber dringend mit der Realität im Freiland abgeglichen werden. „Die neuen Ergebnisse zeigen, dass das Ziel der UN-Konvention zur biologischen Vielfalt, den Artenschwund bis 2020 zu bremsen, gefährdet ist. Pestizide werden immer Wirkungen haben auf Ökosysteme, ganz gleich wie rigide die Schutzkonzepte sind. Aber nur wenn validierte Bewertungskonzepte verwendet werden, kann eine realistische Abwägung erfolgen, welche Ökosysteme auf welchem Niveau geschützt werden müssen." Die Bedrohung der Artenvielfalt durch Pestizide wurde bisher offenbar unterschätzt.
Bettina Hennebach

Publikation
M.A. Beketov, B.J. Kefford, R.B. Schäfer, and M. Liess (2013): "Pesticides reduce regional biodiversity of stream invertebrates". PNAS, Early Edition. 17 June 2013, DOI: 10.1073/pnas.1305618110
http://www.pnas.org/cgi/doi/10.1073/pnas.1305618110
http://www.pnas.org/content/early/recent
Die Studie wurde von der Helmholtz-Gemeinschaft im Rahmen des Forschungsprojektes ECOLINK gefördert.

Beteiligte Einrichtungen
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig
Institut für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau
Centre of Environmental Sustainability der University of Technology Sydney (Australien)

Weitere Informationen
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Dr. Mikhail Beketov
Tel. 0341-235-1495
http://www.ufz.de/index.php?en=3718
und
PD Dr. Matthias Liess
Tel. 0341-235-1578
http://www.ufz.de/index.php?en=3714
oder via
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Tel.: +49-341-235-1635
http://www.ufz.de/index.php?de=640

Institut für Umweltwissenschaften
Universität Koblenz-Landau
Jun.-Prof. Dr. Ralf B. Schäfer
Tel.: 06341 280-31536
schaefer-ralf@uni-landau.de

Centre for Environmental Sustainability, School of the Environment, University of Technology, Sydney (UTS), Sydney, Australia
Dr. Ben Kefford
Tel.: 61 2 9514 4087
ben.kefford@uts.edu.au

Links
Mehr Pestizide trotz Gentechnik?
http://www.helmholtz.de/hermann/archiv/2013/februar_2013/artikel/19/mehr_pestizi...
"Von beiden Seiten Graben" (Risikobewertung von Pestiziden) in: "Chemikalien in der Umwelt" (S.6.)
http://www.ufz.de/export/data/global/44068_ufzspezial_okt_2012.pdf
Studie: Biodiversität in Fließgewässern durch Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel nicht ausreichend geschützt (Pressemitteilung vom 31. Mai 2012):
http://www.ufz.de/index.php?de=30499
Pestizide belasten Gewässer stärker als gedacht (Pressemitteilung vom 13. Oktober 2011):
http://www.ufz.de/index.php?de=22196
ECOLINK-Projekt:
http://www.ufz.de/ecolink/index.php?en=17206

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 1.100 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
http://www.ufz.de/

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit fast 34.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894). http://www.helmholtz.de/

Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=31771

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Hochwasservorsorge auf vier Säulen stellen - UFZ-Forscher ziehen Resümee aus der Flut 2013

Tilo Arnhold Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Leipzig. Die Hochwasservorsorge sollte sich in Deutschland künftig an vier Eckpunkten orientieren: Technischer Hochwasserschutz für größere Siedlungen wird genauso benötigt wie mehr Raum für die Flüsse durch Rückdeichungen und Einbeziehung der Landwirtschaft. Gleichzeitig sollte die private Vorsorge dort unterstützt werden, wo der technische Hochwasserschutz bisher nicht ausreichend vor Schäden schützt. Um die verbleibenden Schäden solidarisch zu tragen, wäre eine vorsorgeorientierte Versicherungspflicht sinnvoll. Dies schreiben Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in einer Stellungnahme zum Hochwasser 2013, die am Dienstag veröffentlicht worden ist.

Mit ihrem Standpunkt warnen die Hochwasserforscher vor der Illusion, es sei möglich, die Schäden der Fluten praktisch auf Null zu reduzieren, wenn nur genug investiert werden würde. „Wir können uns vor Hochwasser nicht vollständig schützen. Es wird immer ein Restrisiko von Schäden z.B. durch Deichbrüche geben. Der Gedanke von einem hundertprozentigen Hochwasserschutz ist genauso irreführend wie der Gedanke, dass zukünftig Schäden vermieden werden könnten, wenn Planfeststellungsverfahren beschleunigt und die Bürgerbeteiligung beschränkt werden. Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Dialoge über die Frage, wie wir am besten für Hochwasserextreme in der Zukunft vorbereitet sind", schreiben Ökonomen, Geographen und Landschaftsplaner des UFZ, die vorschlagen, die zukünftige Hochwasservorsorge auf vier Säulen zu stellen, um Schäden so gering wie möglich zu halten und Lasten gerecht zu verteilen:

1. Technischer Hochwasserschutz
Allein in Sachsen wurde seit der Flutkatastrophe 2002 über eine halbe Milliarde Euro in den technischen Hochwasserschutz investiert. Bis 2020 sind insgesamt rund eine Milliarde Euro für Betonmauern, Spundwände, Deiche etc. geplant. Kommunen und Bewohner erhoffen sich davon, dass ihre Siedlungen künftig besser oder gar vollständig geschützt wären. In einer 2005 durchgeführten repräsentativen Befragung des UFZ haben von 404 durch das Hochwasser 2002 betroffenen Haushalten mehr als 60 Prozent der Bewohner von Gemeinden im Einzugsgebiet der Mulde der Aussage zugestimmt, dass Deiche ein Gefühl der Sicherheit vermitteln. „Dieses gestiegene Sicherheitsgefühl birgt jedoch auch Risiken. Es wird mehr gebaut als zuvor. Wenn die Mauer bricht oder überflutet wird, dann sind die Schäden anschließend umso größer", berichtet der Sozialgeograph Dr. Christian Kuhlicke, der am UFZ Naturgefahren untersucht und die Folgen des Mulde-Hochwassers in Eilenburg und Grimma analysiert hat. „Auch darum greift es zu kurz, allein auf den technischen Schutz zu setzen."

2. Natürlicher Hochwasserschutz durch mehr Raum für die Flüsse
Deutschlandweit sind inzwischen zwei Drittel der ehemaligen Überschwemmungsgebiete durch Deichbau und andere Hochwasserschutzmaßnahmen verloren gegangen. An den großen Strömen wie Rhein, Elbe, Donau und Oder ist die Situation zum Teil noch drastischer. Mitunter stehen an vielen Abschnitten nur noch zehn bis zwanzig Prozent der ehemaligen Auen als Überschwemmungsflächen zur Verfügung. Diese Auen erfüllen aber neben der Reinigung des Wassers auch eine wichtige Funktion im Ernstfall: Sie halten die Wassermengen möglichst lange in der Fläche und puffern somit die Spitzen der Hochwasserwellen ab. Einige Zentimeter weniger können an vielen Stellen entscheiden, ob eine Schutzmauer und die Siedlung dahinter überflutet werden oder nicht. Würden alle Rückdeichungsmaßnahmen realisiert, die an der Elbe im Gespräch sind, dann würden sich die Wassermassen auf über 23 000 Hektar zusätzlich verteilen können, was rund ein Drittel mehr Fläche wäre. „Obwohl die Elbe mit solchen Planungen bundesweit bereits sehr weit ist (umgesetzt sind ca. 700 Hektar, weitere 2600 Hektar sind in der konkreten Planung), gestaltet sich auch hier die Umsetzung dieser Vorhaben häufig sehr zeit- und ressourcenaufwendig, da neben neuen Deichlinien im hohen Maße die Flächenverfügbarkeit geklärt werden muss und Nutzungsänderungen insbesondere in der Landwirtschaft abzustimmen sind", erklärt Mathias Scholz, Auenexperte des UFZ. Das erste umgesetzte, großflächige Projekt dieser Art ist die Deichrückverlegung des Roßlauer Oberluchs (Stadt Dessau-Roßlau) im Biosphärenreservat Mittelelbe. Im Rahmen einer Deichrekonstruktion wurde hier nach mehr als zehn Jahren Vorbereitung im Jahr 2006 eine Überschwemmungsfläche von ca. 140 Hektar durch das Land Sachsen-Anhalt reaktiviert. Dieses Projekt wird vom UFZ wissenschaftlich begleitet. Denn insgesamt bieten solche Rückdeichungen die Chance, einen nachhaltigen und modernen Hochwasserschutz mit Naturschutzzielen zu verbinden und damit Ressourcen für künftige Generationen zu sichern.

3. Private Bauvorsorge - Nicht nur fordern, sondern auch fördern
Laut Wasserhaushaltsgesetz sind bereits jetzt potenzielle Betroffene verpflichtet, „geeignete Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor Hochwassergefahren und zur Schadensminderung zu treffen, insbesondere die Nutzung von Grundstücken den möglichen nachteiligen Folgen für Mensch, Umwelt oder Sachwerte durch Hochwasser anzupassen". Ohne konkrete Verpflichtungen oder ökonomische Anreize wird diese Forderung aber reine Theorie bleiben. Gleichzeitig reduzieren technische Schutzbauten den zu erwartenden Schaden und damit die Effizienz zusätzlicher privater Vorsorge. „Private Vorsorge ist eher dort effektiv und effizient, wo kein oder nur ein geringer Schutz durch technischen Hochwasserschutz besteht", erläutert UFZ-Ökonom Dr. Volker Meyer. Wenn die Verantwortung für den Hochwasserschutz zunehmend von der öffentlichen Hand auf die potenziell Betroffenen übertragen wird, dann werden die Bürger zum Manager ihres eigenen Risikos. „Wie viel diese dann in Hochwasserschutz investieren, hängt nicht nur davon ab, wie hoch sie das Risiko einschätzen, sondern auch welche Mittel sie dafür zur Verfügung haben. Wer wird sich zukünftig welchen (individuellen) Schutzgrad leisten können? Was passiert eigentlich mit denen, die sich keinen Schutz leisten können?" Die UFZ-Forscher empfehlen daher in ihrem Standpunkt auch private Vorsorgemaßnahmen finanziell zu fördern - z.B. durch zinsgünstige Kredite, die an eine dem Hochwasser angepasste Bauweise bzw. Sanierung gebunden sind, oder durch reduzierte Versicherungsprämien.

4. Vorsorgeorientierte Versicherungspflicht
Selbst durch eine Kombination von technischer, natürlicher und privater Hochwasservorsorge können aber nicht alle Schäden vermieden werden - es verbleibt ein „Restrisiko". Soforthilfen wie das jetzige 8-Milliarden-Programm von Bund und Ländern lindern das Leid, helfen aber nicht, das Problem an den Wurzeln zu packen. „Eine Versicherungspflicht für alle Gebäudeeigentümer würde die Kosten für entstandene Schäden solidarisch umlegen und über Prämiennachlässe einen ökonomischen Anreiz für die private Vorsorge gegen Elementarschäden wie Hochwasser, Starkregen und Schneedruck mit sich bringen", gibt Prof. Reimund Schwarze vom UFZ zu bedenken. Forderungen nach einer Versicherungspflicht sind nicht neu. Die deutsche Bundesregierung hat bereits nach dem Hochwasser 2002 die Einführung einer Pflichtversicherung für Elementarschäden erwogen. Dieser Vorstoß ist leider an den Mühlen der Bürokratie und am kollektiven Vergessen gescheitert. Die Lage für die am schlimmsten Betroffenen hat sich damit nicht nachhaltig verändert. Zur Zeit ist zwar etwa jedes dritte Gebäude gegen Elementarschäden versichert, allerdings gelten 1,4 Prozent immer noch als „unversicherbar", weil sie in Gebieten liegen, die statistisch alle 10 Jahre überflutet werden. Damit hat etwa eine Million Menschen keine Chance auf einen regulären Versicherungsschutz. Nach jedem Großereignis werden - wie in Dresden 2002 - die Policen „individuell überprüft" und häufiger teurer als zuvor. Das Problem der Verfügbarkeit von Versicherung wird durch den Klimawandel verschärft, weil neue Gebiete in „unversicherbare" Zonen hinein wachsen. „Ein solidarisches Modell der Versicherungspflicht scheint daher angebracht. Eine sorgfältig ausgestaltete Versicherungspflicht kann die Kosten für entstandene Schäden dabei so umlegen, dass ökonomische Anreize für die Vorsorge gegen Hochwasser und Starkregen nicht verloren gehen. Im solidarischen Verbund wären auch seltene oder lokale Extremereignisse wie Sturmflut, Erdbeben oder Erdsenkungen flächendeckend versicherbar", fasst Klimaökonom Reimund Schwarze seine Untersuchungen zur Katastrophenvorsorge zusammen.

Aus Sicht der Wissenschaftler ist jetzt eine gesellschaftliche Debatte nötig: Wie viel Verantwortung der Staat übernehmen sollte und wie viel Verantwortung bei den Bewohnern der Hochwassergebiete bleibt. Gebraucht werden nicht nur Bürgerdialoge zu einzelnen Schutzmaßnahmen vor Ort, sondern ein breiter gesellschaftlicher Dialog über die Risiken, die die Gesellschaft und ihre Bürger bereit sind, im Zusammenhang mit Hochwasser zu tragen und darüber, wie die Kosten für die Hochwasservorsorge verteilt werden.
Tilo Arnhold

Standpunktpapier:
Christian Kuhlicke, Volker Meyer, Reimund Schwarze, Mathias Scholz (2013): "Ein 100%iger Hochwasserschutz ist nicht möglich - Wir brauchen vier Säulen einer nachhaltigen Hochwasservorsorge"
http://www.ufz.de/export/data/global/49708_standpunkt_nachhaltige_hochwasservors...

Weitere Informationen zu den Autoren:
Dr. Christian Kuhlicke, Sozialgeograph und Sprecher des Arbeitskreises Naturgefahren/Naturrisiken der Deutschen Gesellschaft für Geographie
Dr. Volker Meyer, Wirtschaftsgeograph mit Schwerpunkt Kosten von Naturgefahren
Prof. Reimund Schwarze, Ökonom und Experte für Klimaanpassung und -politik
Mathias Scholz, Landschaftsplaner und Experte für Auenökologie

Infos & Kontakt via
http://www.ufz.de/index.php?de=31670
oder über
Tilo Arnhold / Susanne Hufe (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1635, -1630
http://www.ufz.de/index.php?de=640

Aktuelle Publikationen:
Christian Kuhlicke, Volker Meyer, Annett Steinführer: „Jenseits der Leitdifferenz "Beton contra Natur": Neue Paradoxien und Ungleichheiten im Hochwasserrisikomanagement". Erschienen in: Hydrologie und Wasserbewirtschaftung, 57/2 (2013): 70-74.
(Anmerkung der Autoren: In der Zeitschrift Hydrologie und Wasserbewirtschaftung (HyWa) haben wir kurz vor dem Hochwasser 2013 einen Beitrag veröffentlicht, der sich mit aktuellen Entwicklungen im Management von Hochwassergefahren befasst. Für die Erlaubnis der Redaktion der HyWa ,diesen Text frei zugänglich machen zu können, möchten wir uns bedanken.)
http://www.ufz.de/export/data/1/49480_Kuhlicke%20et%20al_ZurDiskussion.pdf

Reimund Schwarze, Gert G. Wagner, Manijeh Schwindt, Hannelore Weck-Hannemann: Ökonomische Strategien des Naturgefahrenmanagements - Konzepte, Erfahrungen und Herausforderungen. Innsbruck University Press, 2012.
http://www.uibk.ac.at/alpinerraum/publications/vol14/oekonomische_strategien_nat...

Mathias Scholz, Dietmar Mehl, D., Christiane Schulz-Zunkel, C., Hans Dieter Kasperidus, Wanda Born, Klaus Henle (2012): Ökosystemfunktionen von Flussauen - Analyse und Bewertung von Hochwasserretention, Nährstoffrückhalt, Kohlenstoffvorrat, Treibhausgasemissionen und Habitatfunktion. Naturschutz und Biologische Vielfalt 124: 257 S.
http://www.buchweltshop.de/bundesamt-fuer-naturschutz/nabiv-heft-124-okosystemfu...

Ausgewählte Forschungsprojekte:
emBRACE - Building Resilience Amongst Communities in Europe
http://www.embrace-eu.org/
CapHaz-Net- Social Capacity Building for Natural Hazards
http://www.caphaz-net.org
CONHAZ - Costs of Natural Hazards
http://conhaz.org/
RISK MAP (Flood Risk Maps)
http://risk-map.org/
Synergien und Konflikte von Anpassungsstrategien und -maßnahmen (SynKon)
http://www.ufz.de/index.php?de=19460
BioFresh - Biodiversity of Freshwater Ecosystems: Status, Trends, Pressures, and Conservation Priorities
http://www.ufz.de/index.php?de=19326
Ökosystemfunktionen in Flussauen - Analyse und Bewertung - (FuE-Vorhaben des BfN)
http://www.ufz.de/index.php?de=17551
Interdisziplinäre Forschungsplattform für Auenökologie Mittelelbe - TERENO
https://www.ufz.de/index.php?de=10816

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 1.100 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
http://www.ufz.de/

Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie sowie Luftfahrt, Raumfahrt und Verkehr. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit fast 34.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 18 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 3,8 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894). http://www.helmholtz.de/

Anhang

"Ein 100%iger Hochwasserschutz ist nicht möglich - Wir brauchen vier Säulen einer nachhaltigen Hochwasservorsorge".
http://idw-online.de/de/attachment28060

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Studie: Wie geht Hochwasserschutz und Kulturlandschaftsgestaltung zusammen?

Jan Zwilling Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS)

Flüsse und ihre Ufer gehören zu den bevorzugten Siedlungsräumen und prägenden Elementen unserer Kulturlandschaft. Flussregionen unterliegen einem stetigen Wandel, sie werden laufend an die wechselnden Bedürfnisse der Menschen angepasst und umgestaltet. Eine Studie des Leibniz-Instituts für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS) ging 2009 der Frage nach, wie Zielvorstellungen der regionalen Kulturlandschaftsgestaltung und des vorbeugenden Hochwasserschutzes bzw. der Niedrigwasservorsorge in Flusslandschaften unter Einbeziehung der Folgen des Klimawandels verzahnt werden können.

Wie kann die strategische Entwicklung von Flusslandschaften dazu beitragen, Anforderungen des vorbeugenden Hochwasserschutzes und der Niedrigwasservorsorge mit einer regionalen Kulturlandschaftsgestaltung zu verknüpfen? Grundlagen für die nachfolgenden Empfehlungen sind die MORO-Studie mit den Literatur-und Institutionenanalysen und den regionalen Fallstudien sowie der MORO Expertenworkshop„Flusslandschaften - Hochwasserschutz, Niedrigwasservorsorge und regionale Kulturlandschaftsgestaltung". Der MORO-Expertenworkshop fand am 26. Februar 2009 in Berlin statt. Die geladenen Expertinnen und Experten aus Bundesministerien, Bundes-und Landesbehörden, Hochschulen und Verbänden diskutierten die Forschungsergebnisse von „Fluss-Kult". Am Runden Tisch „Next Prac- tice" wurde erörtert, wie künftige Modellprojekte zur Entwicklung von Flusslandschaften gestaltet werden sollen.

Flusslandschaftsgestaltung ist eine Gemeinschaftsaufgabe

Die Entwicklung von Flusslandschaften ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die verschiedene fachplanerische Handlungslogiken mit gestalterischen und identitätsbasierten Projekten verknüpft. Flusslandschaftsgestaltung hat nicht in Konkurrenz zur Bewirtschaftung von Flussgebietseinheiten zu treten, sondern diese zu ergänzen und so dem vorbeugenden Hochwasserschutz bzw. der Niedrigwasservorsorge zu mehr Durchsetzungskraft zu verhelfen.
Flusslandschaften sind als Schwerpunkträume regionaler Klimaanpassungsstrategien aufzufassen und zu entwickeln. Aufgrund der Prognoseunsicherheiten müssen planerische Festlegungen sowie entsprechende Maßnahmen des vorbeugenden Hochwasserschutzes und der Niedrigwasservorsorge Anpassungsmöglichkeiten beinhalten. Informelle Ansätze regionaler Kulturlandschaftsgestaltung können ein Ansatz für die Erprobung flexibler Maßnahmen sein.

Rolle regionaler Akteure

Den Akteuren auf regionaler Ebene, die projektorientiert die Entwicklung der Flusslandschaften betreiben, kommt eine Schlüsselrolle zu. Für diese heterogene Zielgruppe gelten folgende Empfehlungen:
- In Kommunen sind fluss- und hoch wasserbezogene Kooperationen zu etablieren und zu verstetigen.
- Für die Verzahnung der Handlungsfelder sind neben den wasserwirtschaftlichen Planungsverfahren ergänzende Leitbilder, Strategien und informelle Kooperationsstrukturen zu entwickeln.
- Es sind Instrumente zu entwickeln bzw. anzuwenden, die über sektorale Zielsetzungen hinausreichen (Masterpläne, sektorübergreifende Gutachten etc.).
- Belange des vorbeugenden Hochwasserschutzes sowie der Niedrigwasservorsorge sind frühzeitig in Projekte zur Flusslandschaftsgestaltung einzubringen.
- Die Flusslandschaftsgestaltung ist als Komponente einer regionalen Strukturpolitik aufzufassen und damit im öffentlichen Diskurs zu stärken.
- Die hohe Wirksamkeit der Kommunikation konkreter Hochwasserereignisse und die darüber erzeugbare öffentliche Aufmerksamkeit sind als Potenziale für die Umsetzung von Konzepten zur Hochwasservorsorge zu nutzen.
- Eine umfassende Kommunikations- und Kooperationskultur ist als Grundlage für ein regionales, über sektorale Zuständigkeiten hinausreichendes Zusammengehörigkeitsgefühl zu etablieren.

Rolle der Raumordnung

Die Raumordnung besitzt bezogen auf die hier betrachteten Handlungsfelder Gestaltungsmöglichkeiten, die noch selten genutzt werden. Die sich ergänzenden formellen und informellen Instrumente sowie die sektorübergreifende Perspektive der gesamträumlichen Planung können eine integrierte regionale Flusslandschaftsgestaltung fördern. Es ergeben sich folgende Aufgaben zur Integration von Kulturlandschaftsgestaltung und vorbeugendem Hochwasserschutz:
- Es sind Modellprojekte zu initiieren, die eine integrierte Flusslandschaftsgestaltung (entsprechend dem Leitbild 3 „Ressourcen bewahren, Kulturlandschaften gestalten") erproben.
- In Landesentwicklungsplänen und -programmen ist neben der Hochwasservorsorge auch die Kulturlandschaftsgestaltung zu thematisieren. Querbezüge zwischen den beiden Handlungsfeldern sind herauszustellen.
- Die Regionalplanung hat ihre übergeordnete Steuerungsfunktion auszuschöpfen und für die Hoch- und Niedrigwasservorsorge erforderliche Flächennutzungen vorzubereiten.
- Über die gesetzlich definierte Aufgabe der Regionalplanung zur Flächensicherung für die Hochwasservorsorge hinaus hat die Regionalplanung ihre Rolle als Moderator und Initiator von Entwicklungsprozessen verstärkt auszufüllen.
- Die Bewusstseinsbildung hinsichtlich der Bedeutung von Flusslandschaften für Regionalentwicklung und Klimaanpassungsstrategien sowie die Kommunikation der Gefahren von Hoch- und Niedrigwasser sind zu verfolgen. Eine kreative Vielfalt an zielgruppenspezifischen Kommunikationsformen stellt die Erreichbarkeit unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen sicher und leistet einen Beitrag zur Identifikation mit der Flusslandschaft.

Zur Berücksichtigung der Niedrigwasservorsorge und zum Umgang mit dem Klimawandel in Flusslandschaften kann die Raumordnung folgende Beiträge liefern:
- Es ist zu prüfen, inwieweit die Niedrigwasservorsorge in die Grundsätze der Raumordnung (§ 2 ROG) aufgenommen werden kann.
- Es ist zu prüfen, inwieweit der Belang der Niedrigwasservorsorge in die Landesplanungsgesetze sowie in die textlichen und zeichnerischen Darstellungen der Landesplanung aufgenommen werden kann.
- Die Regionalplanung sollte die Möglichkeiten zur Ausweisung von Vorbehaltsgebieten für die Niedrigwasservorsorge erhalten. Gegebenenfalls hat die Flächensicherung kombiniert mit Bereichen für die Hochwasservorsorge bzw. die Sicherung von Natur und Landschaft zu erfolgen.
- Eine vorausschauende Flächenvorsorge ist grundsätzlich zu verfolgen. Es sind Extremereignisse zu berücksichtigen, die zukünftig potenziell häufiger auftreten werden. Die Funktion des Regionalplans als Signalplan, der Flächennutzer auf potenzielle Hochwassergefahren aufmerksam macht, ist damit zu stärken.
- Die unterschiedlichen Vulnerabilitäten verschiedener Flächennutzungen sind von der Regionalplanung zu berücksichtigen und somit neue räumliche Ansprüche abzusichern. Das Hochwasserrisiko wird nicht allein durch das Hochwasserereignis im Zusammenwirken mit den baulichen Vulnerabilitäten bestimmt, sondern aus einer Summe von ökosystemaren, sozialen und institutionellen Einflussfaktoren. Hiermit sind neuartige Anforderungen an Regionalpläne verbunden.

Rolle der Wasserwirtschaft

Der Wasserwirtschaft obliegt die primäre Zuständigkeit für die Umsetzung von Hochwasserschutz und Niedrigwasservorsorge. Aufgrund der Raumwirksamkeit von Hoch- und Niedrigwasservorsorge bestehen für die Wasserwirtschaft aber erhöhte Kooperationsanforderungen, welchen mit dem Ansatz der Kulturlandschaftsgestaltung entsprochen werden kann:
- In Leitlinien und Handlungsempfehlungen zum vorbeugenden Hochwasserschutz sind künftig Aspekte der regionalen Kulturlandschaftsgestaltung zu integrieren.
- Auf Landesebene sind, dem Beispiel von Rheinland-Pfalz folgend, Strategien zum vorbeugenden Hochwasserschutz zu erarbeiten, welche die Einbindung dieses Handlungsfeldes in die Entwicklung der Kulturlandschaft thematisieren.
- Eine Stärkung der Umsetzung des vorbeugenden Hochwasserschutzes bzw. der Niedrigwasservorsorge ist durch Aufnahme von adäquaten Maßnahmen in die Förderkataloge der Richtlinien zur Umsetzung wasserbaulicher Maßnahmen in allen Bundesländern erforderlich.
- Die Akzeptanz für die Umsetzung von Zielen der Wasserrahmen- und Hochwasserrichtlinie ist durch Maßnahmen zur integrierten Flusslandschaftsgestaltung zu stärken.
- Die Öffnung der Wasserwirtschaft für integrative Handlungsansätze ist konsequent zu verfolgen. Beispielsweise können Flusslandschaftsbetreuer als kommunikative Schnittstelle zwischen der Öffentlichkeit, den Wasserbehörden, Akteuren der Kulturlandschaftsgestaltung sowie den Medien berufen werden.
- Die Stärkung des Hochwasser-Bewusstseins in der Bevölkerung ist voranzutreiben. Hierbei sind z.B. interaktive Simulationen einzusetzen, die die Gefährdungen für die jeweiligen Flächen anschaulich darstellen und der Öffentlichkeit leicht zugänglich und kommunikationsstark aufbereitet sind.

Zur Berücksichtigung der Niedrigwasservorsorge und zum Umgang mit dem Klimawandel in Flusslandschaften kann die Wasserwirtschaft in diesem Zusammenhang folgende Beiträge liefern:
- Es ist zu prüfen, inwieweit das Handlungsfeld Niedrigwasservorsorge in wasserrechtliche Regelungen integriert werden kann. Niedrigwasserrisikokarten und Niedrigwassermanagementpläne sind problembezogen zu erstellen.
- Die Synergien zwischen Hoch- und Niedrigwasservorsorge sind zu nutzen. Ein Beispiel hierfür kann ein adaptives Talsperrenmanagement sein, d.h. eine zeitlich und räumlich differenzierte Bewirtschaftung der Stauanlagen in Abstimmung mit den Anforderungen der Unterlieger. Grundsätzlich ist eine Prüfung von Maßnahmen des Hochwasserschutzes hinsichtlich ihrer Niedrigwasserrelevanz erforderlich.
- Flexible Anpassungsstrategien sind zu entwickeln, um den Unsicherheiten der Klimaprognosen gerecht zu werden. Dazu gehören „No-Regret-Strategien", die Maßnahmen aufgreifen, welche sowohl der Niedrigwasservorsorge als auch dem Hochwasserschutz dienen (Wasserrückhalt in der Fläche verbessern, Entsiegelungsmaßnahmen, Renaturierungsmaßnahmen etc.). Solche Maßnahmen ziehen für Szenarien steigender, sinkender, sich verschiebender oder gleichbleibender Niederschlagsmengen positive Effekte nach sich.
- Planungsentscheidungen müssen vor dem Hintergrund des Klimawandels ggf. neu bewertet werden. Beispielsweise ist die Wirtschaftlichkeit von Ausbaumaßnahmen an Wasserstraßen vor dem Hintergrund häufigerer und stärkerer Niedrigwasserereignisse zu überprüfen und die Ergebnisse in bestehende Planungen einzubeziehen („Klima-Check").

Modellprojekte in Flusslandschaften

In zukünftigen Modellprojekten sind innovative Wege zum Umgang mit den Herausforderungen der Hoch- und Niedrigwasservorsorge in Flusslandschaften zu erproben. Insbesondere sind die Potenziale der Flusslandschaft für die integrierte Regionalentwicklung und für Klimaanpassungsstrategien aufzugreifen und neue Ideen zu generieren.
Folgende Inhalte für Modellprojekte sind von besonderer Relevanz in Flusslandschaften:
- Anpassung an den Klimawandel und Klimaschutz aufgreifen,
- Prozesse der Umsetzung von Wasserrahmen- und Hochwasserricht- linie mit regionaler Flusslandschaftsgestaltung verknüpfen,
- Partizipation konsequent umsetzen und Kooperationen aufbauen,
- Kommunikation über die Flusslandschaft strategisch und zielgruppenorientiert verfolgen,
- sektorale Ziele (Fluss als Natur- und Erholungsraum, Wasserstraße etc.) verknüpfen,
- Herausforderungen städtischer und ländlicher Flusslandschaften berücksichtigen,
- Flüsse als räumliche Integrationselemente und Identitätsträger nutzen,
- politisch-administrative Ebenen differenziert berücksichtigen.

Die Bundesressorts verfolgen jeweils eigene Schutz- und Entwicklungsziele für die Flusslandschaften. Deren Gemeinsamkeiten sind verstärkt für eine integrierte Flusslandschaftsgestaltung herauszuarbeiten. Sektor- übergreifende Ansätze sind für den Umgang mit komplexen Anforderungen an Flusslandschaften essenziell. Beispiele sind der Umgang mit den Herausforderungen des Klimawandels, die Erhaltung der Biodiversität, die Funktion der Flüsse als Verkehrsträger sowie die kulturelle Bedeutung von Flusslandschaften.
Kooperationsmodelle sind zu erproben. Neue gemeinsame Politik- und Förderansätze für die Flusslandschaftsgestaltung sind zu entwickeln, z.B. die Konzipierung und Durchführung ressortübergreifender „Modellvorhaben zur Flusslandschaftsgestaltung".

Der Bund verfügt über Möglichkeiten, Bewusstsein für die Qualitäten und Potenziale von Flusslandschaften zu wecken. Dabei sind zum einen die kulturelle Bedeutung von Flusslandschaften zu verdeutlichen, zum anderen auch die zunehmenden funktionellen Anforderungen wie die Hoch- und Niedrigwasservorsorge und die Umsetzung von Klimaanpassungsstrategien zu vermitteln. Ergänzend sind Potenziale einer Verzahnung von regionaler Kulturlandschaftsgestaltung mit der Hoch- und Niedrigwasservorsorge zu kommunizieren, damit bei Entscheidungsträgern auf unterschiedlichen Ebenen die Bedeutung einer integrierten Perspektive erkannt wird.

Die Studie wurde in den Jahren 2008 und 2009 von Ludger Gailing und Frank Sondershaus am Leibniz-Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung durchgeführt, der vollständige Studientext ist im Internet abrufbar (siehe unten).

Kontakt:
Ludger Gailing
Tel. 03362/793-252
Gailing@irs-net.de

Frank Sondershaus
Tel. 03362/793-282
Sondershaus@irs-net.de

Weitere Informationen:
http://www.bbsr.bund.de/cln_032/nn_23558/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/BMVBS/MORO/...
Download-Möglichkeit der ungekürzten Studie

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Unterstützung für das Magenband - Gewichtsverlust mit Hormonzusatz

Susanne Eichacker Kommunikation
Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Wissenschaftler des Instituts für Diabetes und Adipositas (IDO) am Helmholtz Zentrum München und der Technischen Universität München haben gemeinsam mit amerikanischen Partnern der Universität von Cincinnati einen neuen Ansatzpunkt zur verbesserten Behandlung von Fettleibigkeit (Adipositas) entwickelt. Wie die Forscher um Prof. Dr. Matthias Tschöp, Direktor des IDO, und Dr. Kirk Habegger vom Metabolic Disease Institute, Universität Cincinnati, USA, herausfanden, verstärkt das im Magen-Darm-Trakt gebildete Hormon Glukagon-like Peptide 1 (GLP-1) die Wirkung eines Magenbandes auf den Gewichtsverlust.

Es gibt verschiedene chirurgische Methoden zur Bekämpfung von Fettleibigkeit. Das Magenband hat gegenüber anderen chirurgischen Methoden den Vorteil, dass die Operation verhältnismäßig unkompliziert und für den Patienten besser verträglich ist. Hinzu kommt, dass das Magenband jederzeit operativ wieder entfernt werden kann. Der entscheidende Nachteil ist jedoch, dass der erzielte Gewichtsverlust im Vergleich zu anderen chirurgischen Methoden gering ist.

Wie die Wissenschaftler um Tschöp und Habegger nun herausfanden, kann durch eine Aktivierung des GPL-1-Rezeptors die Wirkung des Magenbandes wesentlich verstärkt werden. Eine Kombination von Band und Hormontherapie führte an fettleibigen Ratten zu annähernd dem gleichen Gewichtsverlust wie ein Magenbypass. „Besonders wichtig ist dabei jedoch der richtige medikamentöse Ansatz", betont Tschöp.

Zukünftig wollen die Forscher nun herausfinden, ob eine Kombination mehrerer im Magen-Darm-Trakt gebildeter Hormone die Wirkung des Magenbandes weiter verstärken kann. "Wir glauben heute, dass Kombinationstherapien das zukünftige Mittel der Wahl für die Behandlung ausgeprägter Adipositas sein werden", so Tschöp. "Eine sogenannte Polytherapie mit chirurgischen und medikamentösen Elementen ist neu und vielversprechend. Diese wurde allerding bisher noch nicht am Menschen durchgeführt."

Weitere Informationen

Original-Publikation:
Habegger, KM. et al. (2013), GLP-1R Agonism Enhances Adjustable Gastric Banding In Diet-Induced Obese Rats, Diabetes.
Link zur Fachpublikation: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23775764

Das Helmholtz Zentrum München verfolgt als deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose, Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 2.100 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 34.000 Beschäftigten angehören. Das Helmholtz Zentrum München ist Partner im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung e.V. http://www.helmholtz-muenchen.de

Das Institut für Diabetes und Adipositas (IDO) erforscht die Erkrankungsmechanismen des Metabolischen Syndroms mit systembiologischen und translationalen Ansätzen. Mittels zellulärer Systeme, genetisch modifizierter Mausmodelle und klinischer Interventionsstudien sollen neue Signalwege und Zielstrukturen entdeckt werden. Ziel ist die interdisziplinäre Entwicklung innovativer Therapieansätze zur personalisierten Prävention und Behandlung von Adipositas, Diabetes und deren Begleiterkrankungen.

Fachlicher Ansprechpartner
Prof. Dr. Matthias Tschöp, Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Institut für Diabetes und Adipositas, Ingolstädter Landstr. 1, 85764 Neuherberg - Tel.: 089-3187-2103 - E-Mail: matthias.tschoep@helmholtz-muenchen.de

Weitere Informationen:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23775764 - Link zur Originalpublikation
http://www.helmholtz-muenchen.de - Website Helmholtz Zentrum München

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Städter oder Landei

Dr Harald Rösch Wissenschafts- und Unternehmenskommunikation
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Stadtleben verändert die Persönlichkeit von Amseln

Stadtmenschen gelten gemeinhin als offener gegenüber neuen Entwicklungen als Menschen auf dem Land. Bei Tieren, die Städte erfolgreich besiedelt haben, scheint das Stadtleben ebenso den Charakter zu verändern. Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell konnten nun mit handaufgezogenen Stadt- und Waldamseln zeigen, dass Stadtamseln weniger neugierig gegenüber fremden Gegenständen sind als ihre Artgenossen vom Land. Sie lassen sich von unbekannten Reizen zudem stärker abschrecken. Demnach stellen die Persönlichkeitsunterschiede zwischen Land- und Stadtvögeln nicht nur eine Anpassung des Verhaltens an die urbanen Gegebenheiten dar. Vielmehr sind sie durch die Evolution verändert worden, da das Stadtleben vermutlich bestimmte Persönlichkeitstypen von Wildtieren begünstigt.

Haustier-Besitzer haben es schon immer gewusst: Auch Tiere besitzen Persönlichkeit. Bei über 100 Tierarten haben Wissenschaftler inzwischen festgestellt, dass die einzelnen Individuen dauerhaft eigene Verhaltensstrategien verfolgen und Verhaltensweisen in verschiedenen Situationen ähnlich anwenden. Wissenschaftler vermuten, dass solche Unterschiede auch für die Anpassung an neue Lebensräume wichtig sind.

Gerade die zunehmende Verstädterung unserer Umwelt hat die Lebensbedingungen vieler Tiere deutlich verändert. Sie müssen sich nicht nur physisch, sondern auch in ihrem Verhalten an neue, vom Menschen geprägte Lebensbedingungen anpassen. Ein Paradebeispiel für eine solche Anpassungsfähigkeit ist die Amsel (Turdus merula). Ursprünglich ein scheuer Waldvogel, gehört sie heute zu den häufigsten Vogelarten in Städten, Grünanlagen und Parks. Der neue Lebensraum hat das Verhalten der Tiere auf vielfältige Weise verändert: Stadtamseln ziehen beispielsweise im Winter seltener in den Süden, sie brüten zudem früher und leben enger mit Artgenossen zusammen.

Städte verändern aber offenbar weltweit das Verhalten von Wildtieren grundlegend - nicht nur bei der Amsel, sondern bei vielen verschiedenen Tierarten. Die Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell haben die verfügbaren Erkenntnisse zu Unterschieden zwischen Stadt- und Landpopulationen verschiedener Arten ausgewertet: In 27 von 29 analysierten Studien zu verschiedenen Arten verhalten sich die Tiere in Stadt und Land unterschiedlich gegenüber neuen Reizen. „Dies scheint also ein globales Phänomen zu sein", so Catarina Miranda, Erstautorin der Studie.

In ihrer Studie haben die Radolfzeller Ornithologen getestet, ob diese Verhaltensunterschiede sich auch in unterschiedlichen Persönlichkeitstypen widerspiegeln und, wenn ja, ob diese das Ergebnis evolutionärer Veränderungen oder der individuellen Verhaltensanpassung sind. Dazu haben die Forscher handaufgezogene Stadt- und Landamseln mehrere Monate lang immer wieder mit unbekannten Gegenständen konfrontiert. Die Tiere waren kurz nach dem Schlüpfen aus dem elterlichen Nest entfernt und von Hand aufgezogen worden. So konnten sie sicherstellen, dass es sich bei den beobachteten Reaktionen nicht um erlernte, sondern vermutlich um angeborene Verhaltensweisen handelte.

Im Vergleich zu den Vögeln aus dem Wald warteten die Tiere aus der Stadt deutlich länger ab, bis sie sich dem neuen Gegenstand nähern. Die Stadttiere reagieren jedoch nicht nur abwartender gegenüber Neuem, sie meiden Unbekanntes regelrecht: In hungrigem Zustand ließen sie sich von fremden Gegenständen vor ihrer Futterbox länger vom Fressen abhalten. Eine eindeutige Erklärung für diese Unterschiede in den Persönlichkeitstypen zwischen Stadt- und Landamseln haben die Wissenschaftler bis jetzt noch nicht. „Möglicherweise müssen Amseln in der schnelllebigen Stadtwelt permanent mit neuen Situationen zurechtkommen, wohingegen das Landleben mit seinen gleichförmigeren Abläufen verlässlichere Lebensbedingungen bietet", vermutet Catarina Miranda vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell das Ergebnis. „Die Evolution scheint im Laufe der Besiedlung von Städten daher bestimmte Persönlichkeitstypen begünstigt zu haben", so Miranda.

Diese Erklärung wird durch eine jüngst veröffentlichte Studie gestützt: Gene, die wahrscheinlich an der Ausprägung der hier untersuchten Verhaltensweisen beteiligt sind, zeigen in Stadtamseln eine andere Struktur als in den Waldamseln. Die Amselpersönlichkeit scheint also genetisch festgelegt und kann demnach durch Evolution während des Verstädterungprozesses verändert worden sein.

Originalpublikation:
Ana Catarina Miranda, Holger Schielzeth, Tanja Sonntag & Jesko Partecke
Urbanization and its effects on personality traits: a result of microevolution or phenotypic plasticity?
Global Change Biology, 19 June 2013; doi: 10.1111/gcb.12258

Ansprechpartner:
Dr. Jesko Partecke
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Teilinstitut Radolfzell, Radolfzell
Telefon: +49 7732 1501-67
E-Mail: partecke@­orn.mpg.de

Ana Catarina Miranda
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Teilinstitut Radolfzell, Radolfzell
Telefon: +49 7732 1501-54
E-Mail: miranda@­orn.mpg.de

Weitere Informationen:
https://www.youtube.com/watch?v=S4F_X81sYVs
Video:Catarina Miranda, Doktorandin am Max-Planck-Institut für Radolfzell und der International Max Planck Research School untersucht die Auswirkungen der Urbanisierung auf Amseln

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Mit Papayasamen Wasser reinigen

Birgit Mangelsdorf Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Potsdam

Chemiker der Universität Potsdam entwickelten neuartiges Material

Eines der weltweit größten Probleme ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser. Aus diesem Grund sind billige, einfach vor Ort herzustellende und zur Reinigung verschmutzter Gewässer geeignete Stoffe von großem Interesse. Prof. Dr. Andreas Taubert und sein Team von der Universität Potsdam stellten jetzt ein derartiges Material her.

Insbesondere in Entwicklungsländern und Ländern mit einer rapide wachsenden Bevölkerung ist Trinkwasser, anders als in Mitteleuropa, eine der wertvollsten und am schwierigsten zu erhaltende Ressource. Unter anderem deshalb, weil reiche Industrienationen ihren Elektronikschrott in Entwicklungsländer exportieren und dort aufarbeiten lassen. Die Bergbauindustrie baut technologisch wichtige Minerale, wie Gold oder Coltan, ab und die Autoindustrie lässt Batterien fertigen. Die von diesen Industriezweigen verursachten Abwässer belasten Flüsse und Seen mit Schwermetallen, wie Nickel, Cadmium oder Blei. Diese Belastungen sind Ursache für eine Reihe von erheblichen Gesundheitsschädigungen, die durch die Entfernung der Schwermetalle aus dem Trinkwassersystem deutlich reduziert oder unterbunden werden könnten. Die bereits existierenden Wasserreinigungsprozesse sind für Entwicklungsländer zu teuer und werden deshalb nicht angewendet.
An der Universität Potsdam hat nun ein Team um Andreas Taubert, Professor für Supramolekulare Chemie und Anorganische Hybridmaterialien, in Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung ein neues, preiswertes, einfach zu produzierendes Kompositmaterial zur Reinigung von Trinkwasser hergestellt. Das Material hat eine sehr hohe Affinität zu Nickel und Cadmium, zwei gesundheitsschädlichen Schwermetallen, die in mit Industrieabwässern belasteten Flüssen in hohen Konzentrationen auftreten. Es handelt sich um eine Kombination von Papayasamen und einem Tonmineral, beides in großen Mengen verfügbar. Nach einer geeigneten Wärmebehandlung liefern diese Bestandteile ein Material, das in der Lage ist, die Konzentrationen von Nickel und Cadmium unter die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegten Grenzwerte zu senken. Die einfache Herstellung, die praktisch unendliche Verfügbarkeit der Rohstoffe und die Tatsache, dass sich die Materialien recyceln lassen, macht sie attraktiv für die einfache, schnelle und lokal verfügbare Wasserreinigung. Prof. Dr. Andreas Taubert ist davon überzeugt, „dass ähnliche Materialien im Prinzip auch in der Lage sein sollten, Verunreinigungen, wie sie im Moment im südlichen Brandenburg auftreten, zu beseitigen".

Die Forschungsergebnisse sind veröffentlicht in: Unuabonah et al., ACS Sustainable Chem. Eng., DOI: 10.1021/sc400051y

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Gehen oder Stehen? Ost-Ampelmännchen macht im Vergleich zum West-Ampelmännchen eine bessere Figur

Dr. Kristin Beck Communications & Public Relations
Jacobs University Bremen

Ampeln und Zeichen helfen uns, den Weg durch den täglichen Verkehr sicherer zu meistern. Grünes Männchen - gehen, rotes Männchen - stehen, Form und Farbe teilen uns schnell das richtige Verhalten mit. Eine Studie von Wissenschaftlern der Jacobs University untersuchte jetzt die visuelle Effektivität von Ost- und West-Ampelmännchen. Dabei kam heraus: Das Ost-Ampelmännchen überzeugt nicht nur als sympathischer Hutträger, sondern punktet auch mit seiner prägnanteren Form. Teilnehmende der Studie konnten anhand der Form des Ost-Ampelmännchens schneller die jeweilige Bedeutung "gehen" oder "stehen" erkennen als beim West-Ampelmännchen.

In den mehr als zwanzig Jahren seit dem Ende der deutschen Teilung ist Vieles zusammengewachsen, aber noch immer gibt es auffällige Unterschiede zwischen Ost und West - zum Beispiel bei Verkehrszeichen für Fußgänger. 1961 erfand der Verkehrspsychologe Karl Peglau das Ost-Ampelmännchen. Die Markenzeichen: Breiter Hut, große Nase und korpulenter Körperbau. Das West-Ampelmännchen dagegen kommt deutlich abstrakter daher. Effektive Verkehrszeichen sind wichtig für die Verkehrssicherheit: 3.606 Tote und 384.100 Verletzte im Straßenverkehr im Jahr 2012 zeigen, dass es hier noch Verbesserungsbedarf gibt. Aber macht die Form eines Ampelmännchens einen Unterschied im Straßenverkehr? Die Jacobs-Wissenschaftler Claudia Peschke, Postdoctoral Fellow of Psychology/Neuroscience, Bettina Olk, Professor of Psychology und Claus C. Hilgetag, Professor of Neuroscience, sind jetzt in einer Studie zur visuellen Wirksamkeit den Unterschieden von Ost- und West-Ampelmännchen auf die Spur gegangen (Peschke et al., PLoS ONE 2013, doi: 10.1371/journal.pone.0064712).

Um herauszufinden, wie Studienteilnehmer auf die unterschiedlichen Ampelmännchen reagieren, nutzten die Wissenschaftler einen bekannten psychologischen Effekt - den sogenannten "Stroop-Effekt". Versuchspersonen reagieren typischerweise langsamer auf ein Objekt, wenn dieses verschiedene Attribute besitzt, die miteinander in Konflikt stehen, zum Beispiel wenn das geschriebene Wort "Rot" eine grüne Farbe besitzt. Dementsprechend wurden Ost- und West-Ampelmännchen in ihrer normalen, übereinstimmenden Form (grüner "Geher", roter "Steher") oder in einer nicht übereinstimmenden Version (roter "Geher", grüner "Steher") präsentiert. Die Probanden mussten entweder auf die Farbe oder die Gestalt der Zeichen reagieren und mittels Knopfdruck so schnell wie möglich die jeweilige Bedeutung "gehen" oder "stehen" signalisieren.

Das Ergebnis zeigte zum einen, dass die Versuchspersonen in der Farb-Aufgabe stärker durch die nicht übereinstimmende Gestalt der Ost-Ampelmännchen als die der West-Ampelmännchen abgelenkt waren. Zum anderen waren die Probanden weniger bei Ost-Ampelmännchen abgelenkt, wenn sie auf die Gestalt der Zeichen reagieren und deren "falsche" Farbe ignorieren sollten. Außerdem reagierten die Versuchspersonen generell schneller auf Ost- als auf West-Ampelmännchen. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Gestalt der Ost-Ampelmännchen visuell prägnanter und damit in der Funktion wirksamer ist als die ihrer westdeutschen Verwandten: Seitwärts ausgestreckte Arme und der dynamische Gang des Ost-Ampelmännchens signalisieren anscheinend stärker "stehen", bzw. "gehen" als das West-Ampelmännchen.

Claudia Peschke würde sich freuen, noch mehr Ost-Ampelmännchen auf deutschen Straßen zu sehen: "Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Ost-Ampelmännchen nicht nur eine Ikone der "Ostalgie" sind, sondern bei der Signalwahrnehmung tatsächlich einen leichten Vorsprung gegenüber den West-Ampelmännchen haben. Unsere Studie könnte zukünftig auch für andere Situationen wertvolle Hinweise liefern. So kann die Methodik zur besseren Beurteilung von Schildern dienen, die auf Gefahrensituationen oder deren Vermeidung hindeuten, wie zum Beispiel Piktogramme für Notausgänge, oder auch, um die Effektivität des mittlerweile eingeführten Euro-Ampelmännchens zu prüfen."

Fragen zur Studie beantwortet:
Claudia Peschke | Postdoctoral Fellow of Psychology/Neuroscience
E-mail: c.peschke@jacobs-university.de | Tel.: +49 421 200-3408

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Meilenstein in der Versorgung von Kopfschmerz- und Migränepatienten

Henner Lüttecke Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Biofeedback e.V.

Bundesweit einzigartiges Modellprojekt der Deutschen Gesellschaft für Biofeedback e.V. (DGBfb) und der BKK advita als erste gesetzliche Krankenversicherung öffnet Biofeedback-Therapie auch für gesetzlich Versicherte. Bislang mussten Patienten die Behandlungskosten selbst trage. Wissenschaftlich begleitet wird das Modellprojekt von Prof. Dr. Winfried Rief (Universität Marburg. Zunächst ist das Projekt auf zwei Jahre begrenzt.

3,7 Millionen Tage Krankschreibungstage durch Kopfschmerz pro Jahr, 16 Prozent aller Frauen und sechs Prozent aller Männer leiden unter Migräne. Als Therapie hat sich Biofeedback wissenschaftlich bewährt, ein Verfahren, bei dem körperliche Prozesse gemessen und durch die Rückmeldung an den Patienten bewusst wahrnehmbar gemacht werden können. Der Patient kann somit psychophysiologische Zusammenhänge besser verstehen und lernen, körperliche Vorgänge zu beeinflussen, die in Zusammenhang mit den Kopfschmerzen stehen. Auch die Deutsche Migräne und Kopfschmerzgesellschaft hat Biofeedback wegen der überzeugenden wissenschaftlichen Lage als wirkungsvoll anerkannt und in ihre Behandlungsleitlinien aufgenommen. Bislang wurde die Biofeedback-Therapie nur in Ausnahmefällen von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet, in der Regel mussten die Patienten die Kosten für die Behandlung selbst tragen.

Durch das nun vereinbarte Modellprojekt zwischen der DGBfb und der BKK advita öffnet sich die Biofeedback-Therapie auch für gesetzlich Versicherte. „Zum ersten Mal wird Biofeedback bundesweit für die Mitglieder der BKK advita, die unter Migräne oder Kopfschmerz vom Spannungstyp leiden, verfügbar. Zum ebenfalls ersten Mal wird anerkannt, daß die Durchführung dieser Leistung eine hochwertige Leistung von Ärzten und Psychologischen Psychotherapeuten mit ausgewiesener Zusatzqualifikation („Biofeedbacktherapeut DGBFB") und teurer Biofeedback-Ausstattung ist" erläutert Dipl. Psych. Lothar Niepoth, Präsident der DGBfb, den Vertragsabschluss. " Unseren Versicherten bieten wir diese besondere Behandlungsmethode aktiv an, die ein wichtiges und einzigartiges Leistungsangebot darstellt. Wir sind von dieser alternativen Methode der Krankenbehandlung überzeugt und sehen es als ein Gewinn für unsere Kunden an. Bereits die jüngsten Versicherten - und zwar schon ab dem 9. Lebensjahr - können von diesem Angebot profitieren" betont Kornelia Diehm-Ottawa, Leiterin Kunden und Versorgung bei der BKK advita. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von Dr. Yvonne Nestoriuc unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Winfried Rief (Universität Marburg). „Mit diesem Modellprojekt können wir erstmals überprüfen, wie viele Menschen von diesem wissenschaftlich fundierten Verfahren profitieren können, wenn das Therapieverfahren in der Versorgungslandschaft angeboten wird", so Rief.
Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an
Henner Lüttecke
Presse@dgbfb.de

Weitere Informationen:
http://www.dgbfb.de

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Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbare Energien

Beate Kostka M.A. Pressestelle
Universität Duisburg-Essen

Die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) könnte neben den erneuerbaren Energien eine wichtige Rolle im Klimaschutz spielen, da man mit ihr gleichzeitig Strom und Wärme erzeugen kann. Um die Zukunft dieser hocheffizienten Technologie, aber auch um technische und wirtschaftliche Konzepte geht es beim 11. Duisburger KWK-Symposium am 25. Juni an der Universität Duisburg-Essen (UDE).

Auf dieser Plattform tauschen sich regelmäßig die bundesweit relevanten KWK-Akteure aus und informieren über neueste Entwicklungen. Erwartet werden führende Vertreter aus Wissenschaft, Ministerien, Kommunen und Fachverbänden. Veranstalter sind der Lehrstuhl für Energietechnik gemeinsam mit dem Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung.

Tagungsleiter Othmar Verheyen: „Gerade Nordrhein-Westfalen hat die Bedeutung von KWK erkannt und fördert diese zukunftsweisende Technologie mit 250 Mio. Euro. Unterstützt werden u.a. Klein-KWK oder auch Kommunen, die diese Technologie einführen möchten. Außerdem wird ein Fernwärmeverbund im Ruhrgebiet vorbereitet." Der Energieexperte der UDE ist einer der Mitbegründer des KWK-Bundesverbands, der seinen Sitz in Duisburg und seine Geschäftsstelle in Berlin hat.

Ob KWK-Anlagen künftig zur Versorgungssicherheit beitragen werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab, so Verheyen. Dazu zählen nicht nur wirtschaftliche und gesetzliche Rahmenbedingungen, sondern auch das zu erwartende Strommarktdesign. Klar ist, so Verheyen, dass KWK-Konzepte heute anders umgesetzt werden müssen als früher, wo vor allem auf sehr lange Jahreslaufzeiten abgehoben wurde.

Weitere Informationen: Othmar M. Verheyen, Tel. 0203/379-2921, Mobil: 0175/5965725, verheyen@uni-due.de

Redaktion: Beate H. Kostka, Tel. 0203/379-2430

Weitere Informationen:
http://www.uni-due.de/kwk

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Per SMS vor Hochwasser warnen

Blandina Mangelkramer Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Wenn schwere Regenwolken über den Himmel ziehen oder ein heftiges Gewitter niedergeht, fragt sich der ein oder andere angesichts der aktuellen Ereignisse: Ist mein Hab und Gut bedroht? Eine Antwort darauf wollen Wissenschaftler des Geozentrums Nordbayern an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) geben: Sie entwickeln zusammen mit der Gesellschaft beratender Ingenieure für Bau und EDV (GBi) ein ausgefeiltes Computerprogramm, das betroffene Hausbesitzer, Unternehmer und Gemeinden in Zukunft individuell vor drohendem Hochwasser warnen soll. Gefördert wird das Projekt mit insgesamt rund 320.000 Euro vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

Verschiedene Klimaprognosen deuten darauf hin, dass sich in den nächsten Jahren hierzulande Wetterlagen mit Starkregen häufen könnten. Kommt es zu einem solchen Niederschlag, schwellen kleine Bäche und Flüsse blitzartig an - Überschwemmungen drohen. Doch welche Grundstücke hochwassergefährdet sind, welche Ausmaße zu erwarten sind und wann genau es dazu kommt - dazu gibt es derzeit keine ausreichenden Informationen, die auch noch schnell und für einzelne Grundstücke verfügbar sind.

Genau das wollen die Geologen der FAU um Prof. Dr. Harald Stollhofen, Lehrstuhl für Geologie, und Prof. Dr. Joachim Rohn, Professur für Angewandte Geologie, sowie Projektkoordinator Dr. David Bertermann ändern: Zusammen mit den GBi-Ingenieuren erarbeiten sie in den nächsten eineinhalb Jahren ein regionales Frühwarnsystem und darauf aufbauend Konzepte für den lokalen Hochwasserschutz. Ihr Ziel ist eine Software, die Grundstücke herausfiltert, welche bei Starkregen von Überschwemmungen bedroht sind. Die betroffenen Eigentümer sollen dann jeweils aktuell über SMS, E-Mail oder eine mobile App rechtzeitig gewarnt werden. Die Geologen und Ingenieure verknüpfen dafür ganz unterschiedliche Daten: Sie greifen auf bereits vorliegende Informationen zur Topologie und Hydrodynamik zurück und erstellen neue Datensätze zu Bewuchs, Bodenbeschaffenheit und Versickerungsverhalten. Außerdem fließen in das Programm Liegenschaftsdaten aus den Gemeinden und aktuelle Wetterinformationen ein. Darauf aufbauend wollen die Forscher kommunale Konzepte zum Schutz vor Hochwasser weiterentwickeln, denn häufig zeigen vergleichsweise einfache Maßnahmen vor Ort eine große Wirkung auf Regionen, die weiter flussabwärts liegen.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Den Ursachen der Schlaflosigkeit auf der Spur

Benjamin Waschow Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Freiburg

Neue Forschungsprojekte der Schlafmediziner am Universitätsklinikum Freiburg gefördert

Warum schlafen manchen Menschen einfach besser als andere - oder glauben das zumindest? Mit dieser Frage befasst sich die schlafmedizinische Arbeitsgruppe der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg in zwei neuen Studien, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie im Rahmen der Exzellenzinitiative finanziell unterstützt werden.

Dr. Dr. Kai Spiegelhalder erforscht am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) mit Hilfe von bildgebenden Methoden wie der funktionellen Kernspintomographie, ob und welche Veränderungen im Gehirn von Menschen mit chronischer Schlaflosigkeit vorliegen. Dieser Ansatz gibt Aufschluss darüber, welche Hirnareale wie stark an der Regulation des Schlafes und an seiner Fehlregulation, also der Schlaflosigkeit, beteiligt sind.

Daneben untersucht ein von der DFG gefördertes Projektteam um Prof. Dr. Dieter Riemann, Leiter der Sektion Klinische Psychologie und Psychophysiologie, wie gesunde Schläfer und Menschen mit Schlaflosigkeit ihren Schlaf wahrnehmen. Denn obwohl die oberflächliche Struktur des Schlafes bei beiden Gruppen recht ähnlich ist, erlebt letztere ihren Schlaf oft als katastrophal oder extrem unerholsam. „Wir nehmen an, dass insbesondere sehr kurze Aufwachvorgänge und eine erhöhte Aktivität schneller Gehirn-Wellen während des Schlafes zu diesem subjektiven Eindruck führen", erklärt Prof. Riemann. Diese Hypothese überprüfen die Forscher im Schlaflabor, in dem Probanden beider Gruppen je vier Nächte verbringen. Die ersten beiden Nächte dienen der Standarddiagnostik und dem Ausschluss spezifischer Schlafstörungen wie ruhelosen Beinen oder Schlaf-Apnoe, während in der dritten und vierten Nacht untersucht wird, wie die subjektive Beurteilung des eigenen Schlafes zustande kommt. Dabei werden beide Gruppen aus verschiedenen Schlafstadien geweckt und nach ihren Erfahrungen befragt: Ob sie das Gefühl hatten wach zu sein oder zu schlafen, und was ihnen gerade durch den Kopf gegangen ist, falls sie wach waren. Die so erhobenen psychologischen Daten werden mit den physiologischen Daten insbesondere des Elektroenzephalogramms (EEG) in Bezug gesetzt.

Beide Studien gehen davon aus, dass ein sogenanntes Hyperarousal - eine sowohl im autonomen als auch im zentralen Nervensystem nachweisbare Übererregung - dazu führt, dass der Schlaf als leichter, oberflächlicher und generell unerholsamer wahrgenommen wird. „Wir hoffen, in unseren Studien so viel über dieses Phänomen zu lernen, dass wir davon ausgehend neue Therapien für Schlaflose entwickeln können. Vorstellbar sind neuartige Entspannungsmethoden oder Gleichstromapplikation während des Schlafs", berichtet Prof. Riemann. Entsprechende Pilotprojekte führt seine Abteilung gerade durch. Dabei können die Forscher auf mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung aufbauen: So lange beschäftigt sich die schlafmedizinische Arbeitsgruppe bereits mit der Insomnie. Unter der Leitung von Prof. Riemann wurden in den vergangenen Jahren vor allem Studien zu Häufigkeit, diagnostischen Instrumenten, Ursachen und Therapien durchgeführt.

Die Studienteilnehmer erhalten eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 200 - 300 Euro; Interessenten können sich unter 0761/270-65800 bzw. judit.kelbert@uniklinik-freiburg.de melden.

Weitere Informationen:

http://www.uniklinik-freiburg.de/presse/live/Pressemitteilungen/aktuell2.html?we...

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Leuchtende Bakterienproteine zum Nachweis von Chemikalien im Wasser

Dr. Christine Bohnet Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf

Medikamentenreste haben im Wasser nichts zu suchen, Spurenmetalle in Prozesswässern der Recyclingindustrie sind dagegen wertvoll. Wissenschaftler am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) haben ein einfaches Farbsensor-Prinzip entwickelt, mit dem man beide Stoffe sowie viele weitere Substanzen leicht nachweisen kann. Die Idee: Leuchtet die untersuchte Probe rot, ist das Wasser ‚sauber‘; färbt es sich dagegen grün, sind die gesuchten Stoffe enthalten. Die Forscher veröffentlichten ihr Konzept kürzlich in der Fachzeitschrift Sensors and Actuators B: Chemical (DOI: 10.1016/j.snb.2013.05.051).

„Arzneimittelreststoffe werden immer problematischer für die Umwelt. Kläranlagen bauen sie nicht vollständig ab. Das Problem wird zunehmen, betrachtet man z.B. den steigenden Anteil alter Menschen in unserer Gesellschaft und den damit wachsenden Medikamentenverbrauch", sagt die Leiterin der Arbeitsgruppe Biotechnologie am HZDR, Dr. Katrin Pollmann. „Grundsätzlich eignet sich unser Farbsensor-Prinzip zum Aufspüren aller möglichen Substanzen", so Pollmann weiter. Gewinnbringend eingesetzt werden könnte es auch beim Recycling strategischer Metalle, einem wichtigen Forschungsthema am Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) des HZDR, zu dem die Gruppe um Pollmann gehört. In der Recyclingindustrie fallen Prozesswässer an, die Metalle enthalten und die man nutzen kann.

Das Sensorprinzip beruht auf einem roten und einem grünen Fluoreszenz-Farbstoff. Wäre ein gesuchter Stoff in einer Wasserprobe vorhanden, würde der Sensor grün leuchten; eine rote Färbung würde dagegen anzeigen, dass die Substanz nicht vorkommt. Wie kommt es zu dem Farbunterschied? „Die Farbmoleküle befinden sich auf einer nanostrukturierten Oberfläche, die aus bakteriellen Proteinen besteht. Die Farbstoffe liegen so dicht aneinander, dass ein Energieübertrag von den grünen auf die roten Farbstoffe stattfindet, wenn man sie mit Licht einer bestimmten Wellenlänge bestrahlt, z.B. aus einem Laser. Die Probe leuchtet dann rot. Der Energietransfer findet aber nur statt, wenn die Wasserprobe ‚sauber‘ ist. Lagern sich dagegen fremde Substanzen, z.B. die gesuchten Medikamente oder Schadstoffe, zwischen den Farbmolekülen an spezifischen Bindungsstellen an, wird der Transfer unterbrochen und nur die grünen Farbstoffe strahlen", erklärt Ulrike Weinert. Sie hat sich in ihrer Doktorarbeit mit der Anbindung der Farbmoleküle auf der Nano-Oberfläche beschäftigt.

Das Verbundprojekt („AptaSens") wurde gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung. Die nanostrukturierte Oberfläche ist ein wichtiger Teil des Projekts. Sie wird aus den Hüllproteinen von Bakterien gewonnen, die die Forscher im Labor heranzüchten. „Die Proteine bilden regelmäßige Gitterstrukturen auf der Nano-Ebene. Sie eignen sich hervorragend, um funktionelle Gruppen und andere Moleküle gleichmäßig anzuordnen", so Weinert.

Ein wichtiger weiterer Baustein des Sensorprinzips sind die Bindungsstellen auf der Nano-Oberfläche für die nachzuweisenden Substanzen. Dafür werden sogenannte Aptamere eingesetzt. Das sind kurze, einzelsträngige DNA-Oligonukleotide; die DNA-Abschnitte können so gestaltet werden, dass sie in der Lage sind, die unterschiedlichsten Substanzen, wie eben Medikamente oder Schadstoffe, spezifisch zu binden. Sie sind das Spezialgebiet von Dr. Beate Strehlitz vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Im Rahmen des AptaSens-Projektes wurde in ihrer Arbeitsgruppe ein solcher Rezeptor für das Antibiotikum Kanamycin entwickelt, das z.B. zur Behandlung bakterieller Infektionen des Auges, wie Bindehautentzündung, oder in der Tiermedizin eingesetzt wird.

Was nun noch aussteht, ist, den Kanamycin-Rezeptor mit den Farbstoffen zu kombinieren und damit das Farbsensor-Prinzip an einer Beispielsubstanz zu testen. „Ab dann ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zur Entwicklung eines vollständigen Farbsensors", sagt Katrin Pollmann. Dafür müssen die Forscher die einzelnen Komponenten - also Bakterienproteine, Farbstoffe und Aptamer - zu einem Sensorchip integrieren. Sie haben auch bereits mit geeigneten Trägermaterialien, z.B. Glas oder Siliziumdioxid, experimentiert. „Der Sensorchip könnte daumennagelklein sein. Man könnte ihn vor Ort mit einer Wasserprobe, die man untersuchen möchte, benetzen. Dazu gehört dann noch eine Laserlichtquelle, die den Chip aktiviert, und ein Detektor, der die Farbänderung misst", so Pollmann weiter. Nun bewerben sich die Wissenschaftler um ein Anschlussprojekt.

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Publikation:
U. Weinert, K. Pollmann, J. Raff: „Fluorescence Resonance Energy Transfer by S-layer coupled fluorescence dyes", in Sensors and Actuators B: Chemical (2013), DOI: 10.1016/j.snb.2013.05.051

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Weitere Informationen
Ulrike Weinert | Dr. Katrin Pollmann
Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie am HZDR
u.weinert@hzdr.de | k.pollmann@hzdr.de
Tel.: 0351 260 2012 | 0351 260 2946

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Das Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) hat das Ziel, innovative Technologien für die Wirtschaft zu entwickeln, um mineralische und metallhaltige Rohstoffe effizienter bereitzustellen und zu nutzen sowie umweltfreundlich zu recyceln. Es wurde am 29. August 2011 gegründet, gehört zum Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf und wird in enger Kooperation mit der TU Bergakademie Freiberg aufgebaut.

Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) forscht auf den Gebieten Gesundheit, Energie und Materie und betreibt dazu fünf Großgeräte mit teils einmaligen Experimentiermöglichkeiten, die auch externen Nutzern zur Verfügung stehen. Es hat vier Standorte in Dresden, Leipzig, Freiberg und Grenoble und beschäftigt rund 1.000 Mitarbeiter, davon ca. 450 Wissenschaftler inklusive 160 Doktoranden.

An der TU Bergakademie Freiberg in Sachsen, der deutschen Ressourcenuniversität, wird entlang der Wertschöpfungskette in den vier Themengebieten Geo, Material, Energie und Umwelt für eine nachhaltige Stoff- und Energiewirtschaft gelehrt und geforscht.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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FAU-Studie: Ausdauersportarten können abhängig machen

Blandina Mangelkramer Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Sie üben Sport geradezu zwanghaft aus und verspüren den Drang, sich täglich zu bewegen: Sportsüchtige kennen kaum Grenzen. Sie riskieren nicht nur den Kontrollverlust, sondern setzen ihre eigene Gesundheit aufs Spiel. Unabhängig vom Alter oder Geschlecht: Wer eine Ausdauersportart wie zum Beispiel Triathlon, Laufen oder Radfahren betreibt, läuft Gefahr, an einer Sportsucht zu erkranken. Das haben Sportwissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der Universität Halle-Wittenberg in einer Studie nachgewiesen, für die 1089 Athletinnen und Athleten befragt wurden.

"Immerhin 4,5 Prozent der untersuchten Sportlerinnen und Sportler waren sportsuchtgefährdet", sagt der Erlanger Sportpsychologe Dr. Heiko Ziemainz vom Institut für Sportwissenschaft und Sport an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg als einer der Verfasser der Studie. Besonders gefährdet sind jüngere Athleten, Triathleten und jene, die sich besonders oft körperlich ertüchtigen. Die höchsten Gefährdungswerte weisen jedoch Sportler auf, die bereits jahrelang trainieren. Heiko Ziemainz erläutert das Ziel, das die Betroffenen verfolgen: "Sie wollen eine positive Stimmung aufrechterhalten."

Gegenüber sämtlichen früheren wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema Sportsucht differenzieren die Autoren der Erlanger Studie erstmals zwischen Sportsucht und Sportsuchtgefährdung. Sportsüchtige missachten körperliche Signale und laufen auch trotz höllischer Schmerzen weiter. "Diese Menschen müssen zwingend therapiert werden", sagt Heiko Ziemainz. Ein anderes Indiz für Sportsucht ist der soziale Verfall bei Ausdauersportlern: "Sie tolerieren etwa, dass ihre Ehe in die Brüche geht oder dass sie ihr soziales Umfeld nicht mehr wahrnehmen, weil sie immer mehr Sport brauchen." Der Ausdauersport wird für Sportsüchtige zum zentralen Motiv: "Das Verhalten kontrolliert die Person, nicht umgekehrt." Ähnlich wie Raucher oder Alkoholiker leiden sie unter Entzugserscheinungen. Sie befinden sich etwa in einer depressiven Stimmung, verspüren innere Unruhe oder berichten von Schlaflosigkeit.

Anders verhalten sich jene Ausdauersportler, die als gefährdet eingestuft werden. "Diese haben die Kontrolle noch nicht verloren und achten noch auf körperliche Symptome", erklärt Ziemainz. Die Grenzen zwischen dem normalen ehrgeizigen Sportler und dem gefährdeten sind hier schwer exakt zu ziehen - die Wissenschaftler gehen im Rahmen ihrer Studie nach einem Punktebewertungsschema vor. Die Autoren konzentrieren sich dabei auf die Untersuchung der sogenannten primären Sportsucht/Sportsuchtgefährdung und auf die Ursachen ihrer Entstehung.

Dem gegenüber steht die "sekundäre" Sportsucht/Sportsuchtgefährdung. Sie tritt häufig in Verbindung mit Essstörungen auf. Die Sporttreibenden möchten Figur oder Gewicht kontrollieren oder verändern. Die Entwicklung einer Sportsucht bzw. Sportsuchtgefährdung wird auch dann begünstigt, wenn etwa junge Frauen mit ihrer Figur unzufrieden sind, obwohl sie einen normalen BMI haben.

"Das Krankheitsbild Sportsucht/Sportsuchtgefährdung taucht in den Diagnosehandbüchern der Klinischen Psychologie nicht auf", bedauert Heiko Ziemainz. Dennoch dürfe die Gefährdung nicht unterschätzt werden. "Sportsuchtgefährdung scheint in Zusammenhang mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen zu stehen." Als Gründe für ein exzessives Sporttreiben nennt er zum Beispiel ein negatives Selbstwertgefühl, Zwanghaftigkeit oder den Hang zum Perfektionismus.

Während Sportsüchtige therapeutisch behandelt werden müssen, könnten Sportsuchtgefährdete zunächst in einem für das Thema sensibilisiert werden, gegebenenfalls verbunden mit der Empfehlung für bestimmte Verhaltensänderungen wie etwa eine gewisse Trainingsreduktion.

Dr. Heiko Ziemainz
09131/85-25003
heiko.ziemainz@sport.uni-erlangen.de

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Gemeinsame Strategie für die deutsche Fischzucht

Dr. Doris Lange Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Agrarforschungsallianz (DAFA)

Wissenschaft, Wirtschaft und Politik erörtern Perspektiven der Aquakultur während des Fachforums der Deutschen Agrarforschungsallianz

Mehr als die Hälfte der weltweiten Fischproduktion stammt aus Aquakulturen. Während die Aufzucht von im Wasser lebenden Organismen vor allem in asiatischen Ländern boomt, stagniert diese Entwicklung in Deutschland und Europa. Über 70 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik haben bei einer Fachtagung der Deutschen Agrarforschungsallianz (DAFA) am 10. und 11. Juni in Hannover eine gemeinsame Forschungsstrategie erörtert, um die Entwicklungspotenziale des Aquakultursektors besser auszuschöpfen.

„Basis dafür ist eine umfassende Beurteilung der verschiedenen Aquakulturen", sagte Professor Folkhard Isermeyer von der DAFA, der den Strategieentwurf vorstellte. Alle Beteiligten waren sich darin einig, dass der Ausbau des Aquakultursektors nur gelingen kann, wenn Forschungseinrichtungen sich besser vernetzen und ihre Arbeit bündeln. Im Dialog mit Unternehmen und Politik kann die Forschung wichtige Impulse für erfolgreiche Lösungsansätze geben. „Mit dem DAFA-Fachforum wollen wir das Fundament für eine langfristig erfolgversprechende Forschungs- und Entwicklungsstrategie für den Aquakultursektor legen", sagte Professor Werner Kloas vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei.

Welche Erwartungen hat die Gesellschaft an die Fischproduktion aus Aquakulturen? Wie können Produktionssysteme der Aquakultur umfassend bewertet werden? Wie kann man Produktionsprozesse im Hinblick auf Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit und technisches Know-how verbessern? Wie sehen standortgerechte Aquakulturen in Deutschland aus? Diese Kernfragen diskutierten die Teilnehmer in verschiedenen Workshops, um den Strategieentwurf zu konkretisieren. Zur Förderung der Vernetzung wurde auch die Einrichtung eines virtuellen Deutschlandzentrums für Aquakultur vorgeschlagen. Offen blieb allerdings die Frage, wie ein solches Zentrum zu organisieren sei.

Der Prozess der Kommentierung und Überarbeitung des Strategieentwurfs, in den auch die Ergebnisse der Veranstaltung einfließen, dauert noch bis zum Herbst an. Dann will die DAFA die Forschungsstrategie zur Aquakultur verabschieden, damit sie Eingang in den Nationalen Strategieplan Aquakultur finden kann, den die Bundesregierung Anfang 2014 vorlegen wird.

Die Deutsche Agrarforschungsallianz (DAFA) ist ein 2011 gegründeter Zusammenschluss von über 50 Agrarforschungseinrichtungen. Ziel der DAFA ist es, die Leistungsfähigkeit, die Transparenz und die internationale Sichtbarkeit der deutschen Agrarforschung zu verbessern. Die DAFA unterstützt damit die Forschungsarbeit von mehreren tausend Wissenschaftlern. Inhaltlich konzentriert sich die DAFA auf gesellschaftlich relevante Herausforderungen, die eine langfristige Forschungsstrategie erfordern. Weitere Aufgaben sind die Platzierung der Forschungsstrategien sowie die Vernetzung der Forschungseinrichtungen und die Bündelung ihrer Expertise. Die DAFA hat ihren Sitz in Braunschweig.

Weitere Informationen:

http://www.dafa.de - Homepage der Deutschen Agrarforschungsallianz

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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Reduktion von klimaschädlichem Lachgas bisher unterschätzt

Monika Landgraf Presse, Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

Böden können reaktiven Stickstoff effektiv in unschädlicher Form an die Atmosphäre zurückführen. Zu diesem Schluss kommt ein Statusbericht zur Produktion von Lachgas, an dem Forscher des KIT-Instituts für Meteorologie und Klimaforschung führend mitgewirkt haben. Wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift „Philosophical Transactions of the Royal Society B: Biological Sciences" darlegen, besitzt die Reduktion von klimaschädlichem Distickstoffoxid zu unbedenklichem molekularem Distickstoff eine wesentlich wichtigere Bedeutung als bisher angenommen. Diese Erkenntnis weist einen Weg zur künftigen Minderung von Lachgasemissionen.

Lachgas (Distickstoffoxid, N2O) trägt als Treibhausgas zum Klimawandel bei und schädigt die Ozonschicht: So ist die Treibhauswirkung von einer bestimmten Menge Distickstoffoxid in der Atmosphäre rund 300-mal stärker als die der gleichen Menge Kohlenstoffdioxid (CO2). Seit der Verbannung von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) zerstört N2O zudem die stratosphärische Ozonschicht stärker als jeder andere Stoff. Die Menschheit hat seit Beginn der Industrialisierung vor allem durch Herstellung und Verwendung von Mineraldünger den globalen Kreislauf von reaktivem Stickstoff mehr als verdoppelt. Dies hat nicht nur zu einer schleichenden Anreicherung von Nährstoffen in Ökosystemen geführt, was unter anderem die Biodiversität erheblich verringert, sondern auch zu einer Intensivierung von Stickstoffumsetzungen in Böden und Gewässern.

Durch den somit verstärkten Abbau von Nitrat durch spezielle Mikroorganismen - die sogenannte mikrobielle Denitrifikation - wird vermehrt Lachgas im Boden gebildet und in die Atmosphäre emittiert. So ist die Konzentration von N2O in der Atmosphäre im Vergleich zu vorindustrieller Zeit um etwa 20 Prozent angestiegen. Denitrifikation produziert jedoch nicht nur N2O, sondern kann dieses auch zu molekularem Distickstoff (N2) reduzieren. „Somit entspricht die aus Böden an die Atmosphäre entweichende Lachgasmenge der Bilanz aus N2O-Produktion und der Reduktion zu N2. Molekularer Distickstoff ist unter Umweltaspekten völlig unbedenklich", erläutert Dr. Michael Dannemann vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung - Atmosphärische Umweltforschung (IMK-IFU) des KIT.

Ein Team von Wissenschaftlern um die KIT-Klimaforscher Professor Klaus Butterbach-Bahl, Dr. Ralf Kiese und Dr. Michael Dannenmann vom IMK-IFU hat nun auf Einladung der britischen Royal Society einen Statusbericht zum gegenwärtigen Wissen über die N2O-Produktion und die dafür verantwortlichen Prozesse verfasst. In ihrer Publikation in der Zeitschrift „Philosophical Transactions of the Royal Society B: Biological Sciences" führen die Wissenschaftler acht verschiedene mikrobiologische und chemische Prozesse der N2O-Entstehung auf. Zugleich sind derzeit acht Prozesse bekannt, die N2O zu N2 reduzieren.

Die mikrobielle Reduktion von N2O zu N2 ist bisher allerdings kaum verstanden. Denn Messungen der N2-Neubildung - im Gegensatz zu N2O - sind technisch enorm schwierig, da die Atmosphäre zu 78 Prozent aus N2 besteht. Die bisher gebräuchlichste Methode zur Messung von N2-N2O-Emissions-Verhältnissen ist die sogenannte Acetylen-Inhibierungsmethode, die das Problem der N2-Messung durch Hemmung der N2O-Reduktion umgeht: N2-Produktion wird indirekt als erhöhte N2O-Produktion bei Acetylen-Zugabe gemessen. Messungen mit dieser Methode ergaben, dass im Durchschnitt pro Kilogramm tatsächlich emittiertem N2O etwa die gleiche Menge N2O durch Denitrifikation zu N2 reduziert wurde und somit nicht als Treibhausgas und Ozonzerstörer, sondern als harmloses Gas in die Atmosphäre gelangte.

Tatsächlich aber ist der N2O-Verbrauch durch Umwandlung in N2 wesentlich größer, wie die Wissenschaftler vom IMK-IFU des KIT in ihrer Publikation darlegen. „Die Acetylen-Inhibitierungsmethode führt zu systematischer Unterschätzung der Reduktion von N2O zu N2", erläutert Dr. Michael Dannenmann. Dies zeigt die Anwendung von modernen Methoden zur direkten Messung der N2-Produktion, wie der am KIT entwickelten Helium-Inkubationsmethode. Studien, die auf solchen technisch aufwendigen, direkten und damit zuverlässigen N2-Messungen basieren, kommen zu dem Ergebnis, dass für eine bestimmte Menge an emittiertem N2O im Durchschnitt etwa die vierfache Menge zu N2 reduziert wurde. Damit kommt der N2O-Reduktion zu N2 eine wesentlich wichtigere regulative Rolle bei der Deaktivierung reaktiven Stickstoffs zu als bisher angenommen. Dies lässt darauf schließen, dass Böden reaktiven Stickstoff in Ökosystemen wesentlich effektiver in unschädlicher Form an die Atmosphäre zurückführen als bisher gedacht.

Die Ergebnisse der Forscher bedeuten zwar nicht, dass weniger N2O emittiert wird. Die größere Bedeutung der N2O-Reduktion zu N2 weist jedoch einen Weg zur zukünftigen Minderung von N2O-Emissionen: „Wenn es uns gelingt, die Regulierung der N2O-Reduktion besser zu verstehen, dann können wir, beispielsweise durch angepasste Bewirtschaftung in landwirtschaftlichen Ökosystemen, das klima- und ozonschädliche Distickstoffoxid verstärkt in ein völlig harmloses Gas umwandeln", sagt Michael Dannenmann. Wie die KIT-Wissenschaftler erklären, bedarf es dazu eines noch besseren Verständnisses, wie die mikrobielle Diversität im Boden die Reduktion von N2O zu N2 beeinflusst. Neue molekularbiologische Ansätze liefern dazu erste vielversprechende Erkenntnisse.

Klaus Butterbach-Bahl, Elizabeth Baggs, Michael Dannenmann, Ralf Kiese, Sophie Zechmeister-Boltenstern: Nitrous oxide emissions from soils - how well do we understand the processes and their controls? Philosophical Transactions of the Royal Society B: Biological Sciences; 368; July 5, 2013. DOI 10.1098/rstb.2013.0122

Weiterer Kontakt:
Margarete Lehné, Pressereferentin, Tel.: +49 721 608-48121, Fax: +49 721 608-45681, Margarete.lehne@kit.edu

Das KIT-Zentrum Klima und Umwelt entwickelt Strategien und Technologien zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen: Dafür erarbeiten 660 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 32 Instituten Grundlagen- und Anwendungswissen zum Klima- und Umweltwandel. Dabei geht es nicht nur um die Beseitigung der Ursachen von Umweltproblemen, sondern zunehmend um die Anpassung an veränderte Verhältnisse.

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts nach den Gesetzen des Landes Baden-Württemberg. Es nimmt sowohl die Mission einer Universität als auch die Mission eines nationalen Forschungszentrums in der Helmholtz-Gemeinschaft wahr. Thematische Schwerpunkte der Forschung sind Energie, natürliche und gebaute Umwelt sowie Gesellschaft und Technik, von fundamentalen Fragen bis zur Anwendung. Mit rund 9000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter knapp 6000 in Wissenschaft und Lehre, sowie 24 000 Studierenden ist das KIT eine der größten Forschungs- und Lehreinrichtungen Europas. Das KIT verfolgt seine Aufgaben im Wissensdreieck Forschung - Lehre - Innovation.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: http://www.kit.edu

Anhang

Reduktion von klimaschädlichem Lachgas bisher unterschätzt
http://idw-online.de/de/attachment27932

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft 

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