Klärwerk.info - Wegweiser

Übersicht

Willkommen bei klaerwerk.info. Produkte suchen können Sie ganz einfach, indem Sie das gesuchte Produkt wie z.B. Pumpen  in das Feld „Produktsuche“ eingeben und dann die Enter-Taste drücken. Übersichtlich werden alle gelisteten Lieferanten angezeigt, die das Produkt führen, alle Artikel in www.Klärwerk.info, die sich mit dem Produkt beschäftigen sowie alle Fortbildungsveranstaltungen mit diesem Thema.

Ansonsten finden Sie alle Artikel geordnet in Sachgebiete. Klaerwerk.info bietet eine umfassende Fülle von Informationen und Links, die man täglich braucht. Damit Sie wissen, wo Sie was finden, nachfolgend eine Übersicht über die einzelnen Sachgebiete:

A. Aktuelles

Hier finden Sie alle aktuellen Meldungen chronologisch geordnet. Suchen Sie frühere Meldungen, so sehen Sie in den Sachgebieten nach oder geben rechts oben einen Suchbegriff in das Suchen-Feld ein.

1)      Tägliche Meldungen

B. Forum

1)      Fragen und Antworten

Das Forum steht allen Nutzern zur Verfügung. Hier können Sie alle Beiträge lesen, selbst Beiträge erstellen oder auf Beiträge antworten

C. Fachwissen

Hier schreiben Praktiker für Praktiker. Haben Sie auch etwas Interessantes zu berichten, so schreiben Sie uns an Kontakt@Klaerwerk.info .

1)     Abwasserreinigung
2)      Energie- und E-Technik
3)      Kanal- und Entwässerung
4)      Maschinentechnik
5)      Labor
6)      Schlammbehandlung
7)      Gaserzeugung und BHKW
8)      Aus Bund Ländern und EU
         a) Vom Bund
         b) Aus der EU und aller Welt
         c) Aus den einzelnen Bundesländern (geordnet nach Bundesländer)
9)      Recht und Gesetze
         a) Beiträge zum Umweltgesetzbuch
         b) Beiträge zur Wasserrahmenrichtlinie (WWRL)
         c) Beiträge zum Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)
10)    Neue Fachliteratur
         a) Neue Bücher
         b) CD/ DVD's
         c) Downloads
         d) Fachzeitschriften
         e) Lexika und Wörterbücher
11)  Tipps und Tricks

D. Berufliches

Der zweite Schwerpunkt von Klärwerk.info. Hier finden Sie alles für Arbeitnehmer und Vorgesetzte und was Sie persönlich angeht.

1)      Arbeitssicherheit
         a) Unfallverhütungsvorschriften- Regeln und Information
         b) Formulare und Erlaubnisscheine
         c) Gesetze und Verordnungen zur Arbeitssicherheit
         d) Umsetzung der Betriebssicherheitsverordnung
         e) Unterweisungshilfen
         f ) Hilfen zur Gefährdungsbeurteilung
         g) Ex-Schutz auf Kläranlagen
2)
      Tarif- und Arbeitsrecht
         a) Tarifrecht, Tarifvertrag, Gehaltsrechner und mehr
         b) Mitarbeitergespräche, Mitarbeiterbeurteilung
         c) Leistungsorientierte Bezahlung
         d) Tabelle TVöD (West)
         e) Arbeitszeugnisse
3)      Aus- und Weiterbildung
         a) Ansprechpartner
4)      Azubiseite
         a) Ausbildungshilfen für Ausbilder und "Azubis"
         b) Musterkläranlage
         c)  Prüfungsaufgaben
         d) Übungsaufgaben
         e) Informationen für Auszubildende
         f)  UT-Ausbildertreffen Fachkraft für Abwassertechnik
         g) Formeln, PSE und weitere Hilfen
5)      Meisterschüler
         a) Informationen für Meisterschüler
         b) Prüfungsaufgaben
6)        Offene Stellen

E. DWA-Infos

1)      Klärwerksnachbarschaften
         a) Kläranlagennachbarschaften in Bayern
         b) Kläranlagennachbarschaften in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
         c) Kläranlagennachbarschaften in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland
2)      DWA-Informationen
         a) DWA Arbeitsblätter
         b) KA-Betriebs-Infos
         c) Mitgliederrundbriefe aus den Landesverbänden
         d) Meldungen der DWA

F. Kläranlagen

1)      Links zu Kläranlagen und Abwasserverbänden
2)      Kläranlagen - Videos
3)      Meldungen von den Kläranlagen

G. Nützliches

1)      Wetter und Hochwasser
2)      Firmennachrichten
3)      Verbandsnachrichten        
4)      Nützliche Links
         a) Umweltschutzorganisationen
         b) Fachzeitschriften, Lexika und Wörterbücher
         c) Behörden
         d) Berufsverbände und Vereinigungen
         e) Fachinformationen
         f) Gesetze und Verordnungen
5)      Meldungen aus der Wissenschaft
6)      Meldungen aus aller Welt
7)      Allgemeine Meldungen und Berichte

H. Fortbildungsdatenbank

1)      Fortbildungen
2)      Fortbildungen in Österreich
3)      Fortbildungen in der Schweiz
4)      Messen und Tagungen

I. Produktsuche/ Lieferanten

J. Kontakt

1)      Impressum
2)      Über Uns
3)      Kontakt

14.10.2019 02:56

Klärwerk.info / Ablage / Tägliche Meldungen August 2008

Tägliche Meldungen August 2008

Die Themengebiete im Überblick:
Umwelt und Forschung
Gesellschaft
Gesundheit

Umwelt und Forschung 
30.08.2008
Emissionsberichterstattung leicht gemacht 
28.08.2008
Energie aus "grünem Schleim" - Forscher wollen Wasserstoff aus Mikroalgen gewinnen 
22.08.2008  Computer simuliert Hitzestress 
22.08.2008  Windräder laufen ruhig durch »Antischall« 
18.08.2008  Jetzt online: Die neue Mediendatenbank "H2O-Wissen" 
15.08.2008  Umweltfreundlich und kostensparend: Heizen mit Stollenwasser 
14.08.2008  Umweltgerechtigkeit - Umwelt- und Gesundheitsschutz für alle! 
11.08.2008  GKSS-Membranen reduzieren Luftverschmutzung in Peking 
11.08.2008  Energiespartipps auf Türkisch 
10.08.2008  Umweltgerechtigkeit - Umwelt- und Gesundheitsschutz für alle! 
10.08.2008  Gesundheit: Sommer ohne Sorgen 
05.08.2008  Beste Anpassung an den Klimawandel garantiert 
04.08.2008  Sonnencreme im Badesee macht Schnecken unfruchtbar 
04.08.2008  Schnellerkennung umweltschädlicher Stoffe: Dauerhafte Gewässerüberwachung per Handy 
01.08.2008 Könnte sich das Klima drastisch und abrupt ändern? 
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Gesellschaft 
30.08.2008
Verkehrsinfos - aktuell und punktgenau 
28.08.2008
Leistungsfähigkeit und Alter im Unternehmen - kein Widerspruch, wenn die Bedingungen stimmen 
22.08.2008  TUB: Forscher entwickeln innovatives Malz-Getränk ohne Alkohol 
18.08.2008  Gemüsewaage, die mitdenkt 
15.08.2008  Anprobe im Zauberspiegel 
15.08.2008  WSI-Arbeitszeitkalender 2008 - Tarifliche Wochenarbeitszeit in 25 Wirtschaftszweigen zwischen 34 und 40 Stunden 
14.08.2008  Chinas Mauern bröckeln 
11.08.2008  Fische lügen, wenn es um Sex geht - Potsdamer Biologen wiesen erstmals nach, dass Tiere Paarungskonkurrenten in die Irre führen 
10.08.2008  Forscherteam unter Bayreuther Leitung fand heraus: Alkoholismus wohl älter als die Menscheit 
10.08.2008  Ein Großversuch: Wie viel Hering steckt im Menschen? 
05.08.2008  "Bitte gib mir nur ein Wort..." - Was deutschsprachige Schlager und Popmusik über die Liebe verraten 
01.08.2008  Weiterbildung älterer Beschäftigter - berufliche Perspektiven und Lernanreize schaffen 
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Gesundheit 
30.08.2008
Die richtige Dosis Sport macht's - mehr Testosteron, besserer Sex 
28.08.2008
Parodontitis - Gefahr für Herz und Hirn 
18.08.2008  Widerstandsfähige Prionen 
05.08.2008  Im August beginnt die Pollensaison der allergenen Beifußambrosie 
04.08.2008  Wenn unser Schutzpanzer Schwächen zeigt - Gendefekt in Hautzellen führt zu Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma 
01.08.2008  Gen beeinflusst schützenden Effekt von Vollkornprodukten 

 


Emissionsberichterstattung leicht gemacht

Neue Erfassungssoftware BUBE-Online vereinfacht die Umweltdatenberichterstattung der Unternehmen

Die Erfassung der Schadstoffemissionen deutscher Unternehmen für das neue Europäische Schadstoffemissions- und -verbringungsregister (European Pollutant Release and Transfer Register, E-PRTR) ist erfolgreich gestartet. Mit Hilfe der neuen Datenerfassungssoftware BUBE-Online (Betriebliche Umweltdatenberichterstattung-Online) können die Industriebetriebe ganz einfach über das Internet ihre Emissionsdaten an die zuständigen Landesbehörden berichten. Die PRTR-Daten gehen nach einer Prüfung von dort - über das Umweltbundesamt (UBA) - an die EU-Kommission.

Im Jahr 2008 müssen Unternehmen erstmalig für das Berichtsjahr 2007 Informationen über ihre Schadstoffemissionen berichten, wenn sie vorgegebene Kapazitäts- und Schadstoffschwellenwerte sowie Mengenschwellen bei Abfällen überschreiten. Zu den berichtspflichtigen Unternehmen gehören Industriebetriebe aus den Bereichen Energieerzeugung, Metallindustrie, mineralverarbeitende Industrie, Chemie, der Papier- und Lebensmittelindustrie sowie Deponien, Kläranlagen und die Intensivtierhaltung. Die deutschen PRTR-Daten werden im Internet ab Juli 2009 der Öffentlichkeit frei zugänglich sein. So können sich Bürgerinnen und Bürger über Schadstoffemissionen der Unternehmen in ihrer Nachbarschaft informieren. Die Veröffentlichung der PRTR-Daten bietet den Unternehmen zusätzlich die Möglichkeit, ihre Umweltschutzmaßnahmen bekannt zu machen.

Bund und Länder haben die Software BUBE-Online in enger Zusammenarbeit mit den Unternehmen entwickelt. Neben den Daten für das PRTR erfasst BUBE-Online künftig auch Berichte der Verordnung über Emissionserklärungen (11. Bundes-Immissionsschutzverordnung, BImSchV) und über Großfeuerungsanlagen (13. BImSchV). Damit integriert BUBE-Online als bundeseinheitliche Software verschiedene Berichtspflichten, so dass Unternehmen ein Mal erfasste Daten für sämtliche Berichtspflichten nutzen können.

Ein weiterer Vorteil von BUBE-Online: Die Daten werden rein elektronisch erfasst, gespeichert und weitergegeben. BUBE-Online ist eine Web-Anwendung - zur Nutzung der Software über das Webportal www.bube.bund.de wird lediglich ein Internetbrowser benötigt. Damit leistet das Portal einen wirkungsvollen Beitrag zum Bürokratieabbau.

Als Beispiel für eine effiziente und kundenfreundliche Verwaltung nahm die Bundesregierung im März 2008 das elektronische PRTR (ePRTR) in das Programm E-Government 2.0 des Bundes auf. Hier arbeitet das UBA ressortübergreifend mit dem Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) beim Betrieb des PRTR sowie der Konzipierung und Entwicklung von Komponenten für Bürgerinformationssysteme zusammen.

Nähere Informationen zum Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregister PRTR finden Sie im Internet unter http://www.home.prtr.de.

Weitere Presseinformation des Umweltbundesamtes mit Hintergrundinformationen zum Thema PRTR unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/2008/pd08-008.htm

(Quelle: Bundesumweltministerium)

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Verkehrsinfos - aktuell und punktgenau

Kaum geschehen, wird der Unfall beinahe in Echtzeit an die Autofahrer gemeldet. So könnten viele brenzlige Situationen und lange Staus verhindert werden. Wie das technisch machbar ist, zeigt COOPERS auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin vom 29.8. bis 3.9.2008 im Technisch-Wissenschaftlichen Forum TWF, Halle 5.3, Stand 4. Während einer virtuellen Testfahrt können Besucher erleben, wie die neuen Verkehrsdienste in verschiedenen Gefahrensituationen funktionieren.

Reifen quietschen, Warnblinker leuchten - so sieht es aus, wenn
Autofahrer plötzlich auf ein Stauende treffen. Bis die Meldung in den Verkehrsnachrichten kommt, wächst der Stau schnell an. Den Stau oder Unfall umfahren - dafür ist es für viele dann zu spät, sie sitzen fest. Im Projekt COOPERS wird ein System entwickelt, das Autofahrer schnell, zuverlässig und lückenlos über Unfälle, Staus oder andere Hindernisse auf der Strecke informiert. Dem Projekt, das von der EU-Kommission mit rund neun Millionen Euro gefördert wird, gehören 37 Partner aus 15 EU-Staaten an. COOPERS steht für Kooperative Systeme für Intelligente Straßensicherheit.

»Zielgerichtete, individuell angepasste und automatisierte Kommunikation zwischen Fahrzeugen und der Straße werden den Verkehr in naher Zukunft sicherer machen«, sagt Alexander Frötscher von der österreichischen Organisation AustriaTech in Wien und COOPERS-Projektleiter. Er und das europäische Projektteam von 120 Experten wollen dafür sorgen, dass die Verkehrsinformationen aus unterschiedlichen Quellen wie Induktionsschleifen, Floating Car Data, Video oder Radar ausgewertet und in einem einzigen Format zusammengeführt werden. Auf der IFA zeigt das Konsortium das erste COOPERS-Demonstrationsfahrzeug.

»Dort wird zum Beispiel vorgeführt, wie die Verkehrsinformationen im Auto visualisiert und ausgegeben werden«, so Dr. Matthias Schmidt vom Fraunhofer-Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik FIRST in Berlin. Mit Hilfe von Projektion machen die Besucher eine virtuelle Fahrt auf der Berliner Teststrecke, der Autobahn 100. Gefahrensituationen wie Baustellen, Staus oder Spureinschränkungen werden simuliert und im Auto auf einem Monitor als Verkehrsmeldungen zeitgerecht angezeigt.

Derzeit nutzen Verkehrsfunk oder Navigationsgeräte Daten aus Verkehrszentralen nur vereinzelt. Die Innovation bei COOPERS ist, dass auch Daten aus elektronischen Anzeigen an den Autobahnen, etwa den Wechselverkehrszeichen, und aus dem Verkehrsfluss - Floating Car Data - mit in die Bewertung einbezogen werden. So liefern die Fahrzeuge selbst Daten zu ihrer Position und zum gegenwärtigen Verkehrsgeschehen. Ergebnis: aktuellere und vor allem genauere Verkehrsmeldungen. Wenn zum Beispiel viele Autos im Zuge eines Staus gleichzeitig bremsen, wird dies direkt an ein zentrales Verkehrsinformationssystem weitergeleitet.

Damit das funktioniert, muss eine Gesamtarchitektur aufgebaut werden, die in der Lage ist, Verkehrsinformationen aus unterschiedlichen Quellen auszuwerten, zu integrieren und über Mobilfunk zu verbreiten - auch über nationale Grenzen hinweg. »Zur Übertragung der Verkehrsinformationen nutzen wir TPEG (Transport Protocol Expert Group), einen neuen Standard, um die Dienste über digitalen Rundfunk zu verbreiten«, erklärt Dr. Matthias Schmidt. »Ziel ist es, alle für die Sicherheit der Autofahrer wichtigen Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort melden zu können, damit sie nicht von einem Falschfahrer, einem Stauende oder dichtem Nebel überrascht werden.«

Fachexperten stehen auf der IFA Rede und Antwort
Hintergrundinformationen zum Projekt COOPERS und Gelegenheit zu Interviews bietet ein Symposium mit hochrangigen Vertretern der Europäischen Kommission und der beteiligten Projektpartner
am 29. August 2008 von 11.30 bis 13.00 Uhr auf der IFA im Forum des TWF.

 

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Die richtige Dosis Sport macht's - mehr Testosteron, besserer Sex

Bettina-Cathrin Wahlers, Pressestelle der DGU
Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.

Neues vom 60. Urologen-Kongress: "Mann" muss kein Olympionike sein!

Es gilt als Inbegriff männlicher Stärke, und nicht nur bei den Olympischen Spielen dreht sich viel um das "Männerhormon" Testosteron. Auch auf dem 60. Urologen-Kongress in Stuttgart geht es um das Zusammenspiel von Sport und Testosteron. Die Botschaft der Urologen wird Männerherzen erfreuen. Die richtige Dosis Sport macht's möglich - mehr Testosteron und damit besseren Sex! Und es kommt noch besser: "Mann" muss dafür keine Olympia reife Leistungen abliefern. Mäßiges Kraft- oder Ausdauertraining sind optimal für den Testosteronwert.
In den Hoden produziert, und in weit geringeren Mengen bei Frauen in den Eierstöcken und der Nebennierenrinde hergestellt, ist Testosteron im männlichen Organismus unter anderem zuständig für die Ausbildung der Geschlechtsorgane, Behaarung und Muskelmasse. In der Urologie wird es unter anderem eingesetzt, um Problemen des alternden Mannes zu begegnen. In der Sportszene ist Testosteron-Missbrauch keine Seltenheit. Circa zehn bis zwölf Prozent aller Freizeitsportler dopen, um besser auszusehen, wissen Experten und warnen vor dem Testosteron aus dem Internetversandhandel.

"Wer seiner Leistung und Virilität nachhelfen will und sich künstlich Testosteron zuführt, hat deutlich größere Chancen, seinem Körper zu schaden als auf dem Siegertreppchen zu landen", sagt Dr. Frank Sommer, Professor für Männergesundheit am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Weil der Körper sich daran gewöhnt, Testosteron zugeführt zu bekommen, wird die Eigenproduktion überflüssig und bleibt aus. "Wenn das Mittel abgesetzt wird, hat der Körper Schwierigkeiten, die Produktion wieder anzuregen", so der Hamburger Urologe. "Doping mit Testosteron kann bei manchen Menschen ganz schnell zu Lebererkrankungen führen. Langfristig wird das ganze System gestört und kann sich nicht wieder regenerieren. Bei Frauen kann das sogar so weit gehen, dass sich die Klitoris in einen kleinen Penis umformt."

Um die Leistung zu steigern, empfiehlt er, bei niedrigen Werten den Testosteronspiegel auf natürlich Weise zu stimulieren: durch Sport! "Alle Ausdauersportarten um die 45 Minuten sind perfekt, um den Hormonhaushalt anzukurbeln", sagt Professor Sommer, der das Thema "Testosteron und Sport" in einer Forumssitzung im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) beleuchten wird. Zu dem internationalen Kongress vom 24. bis 27. September in Stuttgart werden rund 6000 Teilnehmer aus aller Welt erwartet. "Doch gerade weil der Körper auf Aktivität reagiert und die Hormonproduktion durch Sport angeregt wird, können lange Ausdauersportarten wie Marathonlaufen für die Athleten gesundheitsschädlich werden", erklärt der Experte, der aus seiner eigenen Praxis Fälle kennt, in denen Langstreckenläufer sich ihren Hormonhaushalt "kaputtgerannt" haben. Das Ergebnis bei einem seiner Patienten: eine hervorragende Platzierung beim Marathon, aber ansonsten Müdigkeit, Abgeschlagenheit und eine geminderte Libido.
Ausdauersportler sollten deshalb ein- bis zweimal pro Jahr ihren Testosteronwert kontrollieren lassen, empfiehlt Professor Sommer. Sollten die Werte zu niedrig sein - normal sind zwischen 3,5 und 8,6 Nanogramm pro Milliliter Blut -, könnte eine Umstellung des Trainingsprogramms erforderlich sein, um den Körper wieder in den "grünen Bereich" zu bringen. Dieser "grüne Bereich" mag keinen Medaillenregen bringen, aber auf Dauer gesehen ist er ein größerer Sieg. "Männer, die regelmäßig ein nicht übermäßig langes Kraft- oder Ausdauertraining machen, haben einen guten Testosteronwert. Das Ergebnis: Sie sind frischer, dynamischer, schlafen besser - und die Libido profitiert auch."

Veranstaltungshinweis für Medienvertreter:
Samstag, 27. September 2008, ICS Stuttgart, Forumssitzung 16:
"Der Mann und sein Hormon",
08.30 -10.00 Uhr, Raum C 1.2.1,
"Testosteron und Sport"
Prof. Dr. Frank Sommer - Univ.-Prof. für Männergesundheit - Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.

Anmeldung zum Kongress und zur Eröffnungs-PK
am Donnerstag, 25.September 2008, 12.15 bis 13.45 Uhr:
http://www.wahlers-pr.de/umfrage/dgu/

Kontakt:
DGU-Pressestelle
Bettina-Cathrin Wahlers & Sabine Martina Glimm
Stremelkamp 17, 21149 Hamburg
Tel.: (040) 79 14 05 60, Mobil: (0170) 48 27 287
Mail: info@wahlers-pr.de
Weitere Informationen:
http://www.dgu-kongress.de
http://www.urologenportal.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Leistungsfähigkeit und Alter im Unternehmen - kein Widerspruch, wenn die Bedingungen stimmen

Ingrid Hildebrand, Abt. Kommunikation und Internationales
Universität Kassel

Die Folgen des demografischen Wandels mit weniger jüngeren und mehr älteren Mitarbeitern sind in Unternehmen und Gesellschaft angekommen. Gesund und produktiv im Alter zu sein ist möglich, spezifische Ansätze zur Gestaltung des demografischen Wandels sind vorhanden oder können entwickelt werden. Entsprechende Maßnahmen nützen sowohl jüngeren als auch älteren Menschen. Konkrete Umsetzungen fehlen aber häufig noch. Das sind einige Kernaussagen, die sich aus dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Schwerpunktprogramm "Altersdifferenzierte Arbeitssysteme" ergeben.
Kassel. Die Folgen des demografischen Wandels mit weniger jüngeren und mehr älteren Mitarbeitern sind in Unternehmen und Gesellschaft angekommen. Gesund und produktiv im Alter zu sein ist möglich, spezifische Ansätze zur Gestaltung des demografischen Wandels sind vorhanden oder können entwickelt werden. Entsprechende Maßnahmen nützen sowohl jüngeren als auch älteren Menschen. Konkrete Umsetzungen fehlen aber häufig noch. Das sind einige Kernaussagen, die sich aus dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Schwerpunktprogramm "Altersdifferenzierte Arbeitssysteme" ergeben. Das Forschungsprojekt stellte jetzt seine "Halbzeitergebnisse" an der Universität Kassel vor, gemeinsam mit einem Praxispartner, dem Volkswagenwerk Kassel; hier wurden entsprechende Aktivitäten bereits in einem Tarifvertrag Demographie festgeschrieben.

"Der demografische Wandel ist im operativen Bereich der Unternehmen angekommen. In Deutschland wird im Jahr 2015 jeder dritte Erwerbsfähige älter als 50 Jahre sein. Die Gruppe der 50- bis 64-Jährigen wird bereits bald die der 35- bis 49-Jährigen als stärkste Gruppe der Erwerbsbevölkerung ablösen", so Prof. Dr. Ekkehart Frieling, Universität Kassel und Sprecher des DFG-Schwerpunktprogramms anlässlich eines Pressegesprächs an der Universität Kassel. Welche Möglichkeiten in Betrieben genutzt werden können, um dieser Entwicklung gerecht zu werden, ist zentrale Fragestellung des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Schwerpunktprogramms 1184 "Altersdifferenzierte Arbeitssysteme."

"Das Schwerpunktprogramm will wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zur Gestaltung zukunftsfähiger Arbeitsstrukturen und Technologien unter den Bedingungen des demografischen Wandels generieren. Diese sollten nicht nur von herausragender Bedeutung für die betriebliche Praxis sein, sondern auch sämtlichen gesellschaftlichen Akteuren auf dem Gebiet der Arbeits- und Beschäftigungspolitik als Entscheidungshilfe dienen", so die Arbeitswissenschaftler Prof. Dr. Frieling und Prof. Dr. Christopher Schlick, RWTH Aachen. Schlick wird ab Oktober die Aufgabe als Sprecher des DFG-Schwerpunktprogramms von Frieling übernehmen.

Praxis nutzt Wissenschaft
Das Volkswagenwerk Kassel arbeitet bereits erfolgreich mit Elementen altersdifferenzierter Arbeitssysteme. "Um die Innovationsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit sicher zu stellen, müssen bereits beschäftigte Arbeitnehmer gezielt gefördert und qualifiziert werden. Da unterstützen die vorliegenden Forschungsergebnisse die Praxis ganz außerordentlich", unterstreicht Prof. Dr. Reinhard Nöring, Leiter des Gesundheitswesens im Volkswagenwerk Kassel. Von den dort zurzeit etwa 13.000 Beschäftigten sind derzeit rund zehn Prozent über 55 Jahre - ein starker Anstieg in den nächsten 10 bis 15 Jahren lässt sich vorausberechnen. "Insbesondere für industrielle Fertigung bestehen besondere Herausforderungen, dem demographischen Wandel zu begegnen, denn gerade die hier geforderten Fähigkeiten - Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, taktgebundenes Arbeiten, Nachtschichttauglichkeit u.a. sind aus unserer Sicht Fähigkeiten, die im Alter nachlassen", so Nöring. Das Unternehmen stelle sich den Herausforderungen konsequent und habe diese Aktivitäten sogar in einem Tarifvertrag Demographie festgeschrieben. Weitere Informationen unter
http://www.uni-kassel.de/presse/pm/anlagen/VolkswagenwerkKassel.pdf

Interdisziplinäre Forschung mit 13 Teilprojekten
Bisher wurde das 2005 gestartete DFG-Schwerpunktprogramm mit 4,1 Mio. Euro Fördermitteln unterstützt, eine Million Euro jährlich sind bis voraussichtlich 2011 vorgesehen. Es werden 13 Teilprojekte in den Universitäten Humboldt Berlin, Dortmund, Hamburg (Bundeswehrhochschule), Heidelberg, Freiburg, Karlsruhe, Kassel und Münster sowie an den Technischen Universitäten Dresden, Darmstadt, Aachen und am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung Mannheim bearbeitet. Vertreter der (Teil-)Disziplinen Allgemeine-, Arbeits- und Organisationspsychologie, Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Arbeitswissenschaften kooperieren im Schwerpunktprogramm eng miteinander, da das komplexe Thema einen interdisziplinären Zugang erfordert. Untersucht wird, wie gesundes und aktives Altern im Prozess der Arbeit in wettbewerbsfähigen Unternehmen gewährleistet werden kann. Weitere Information unter
http://www.uni-kassel.de/presse/pm/anlagen/Tabelle_Teilprojekte.pdf

In den Einzelprojekten geht es um folgende Themen:

Was Hänschen lernt, kann auch Hans lernen
Gesund und produktiv im Alter zu sein ist möglich, spezifische Ansätze zur Gestaltung des demografischen Wandels sind vorhanden oder können entwickelt werden. Entsprechende Maßnahmen nützen sowohl jüngeren als auch älteren Menschen. Das zeigen die Ergebnisse der arbeits- und organisationspsychologischen Fragestellungen, die von Wissenschaftlern in Münster, Dresden/Dortmund, Heidelberg, Freiburg und Berlin bearbeitet werden:

Die Arbeitsmotivation zeigt, dass sich die Bedürfnisse und Ziele von jüngeren und älteren Berufstätigen in vielerlei Hinsicht unterscheiden. Arbeitsklima und -bedingungen sind für Ältere wichtiger, zukunftsorientierte Ziele wie z.B. das Lernen neuer Fähigkeiten, Feedback oder eine hohe Aufgabenvielfalt ist Jüngeren wichtig, so Prof. Hertel, Uni Münster. Weitere Informationen unter
http://www.uni-kassel.de/presse/pm/anlagen/Projekt_Hertel.pdf

Unterschiedliche Alterszusammensetzung wirkt nur in solchen Arbeitsteams leistungssteigernd, die sich mit komplexen Entscheidungsaufgaben befassen. In Gruppen, die mit Routineaufgaben befasst sind, führt höhere Altersdiversität zu mehr gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Allerdings fördert die Wertschätzung von Altersunterschiedlichkeit im Team die Innovationsleistung. Sie ist höher, wenn Altersdiversität positiv belegt ist. Das zeigt eine Untersuchung an 3900 Arbeitnehmern aus 500 Arbeitsgruppen der Finanz- und Versorgungsverwaltung in NRW sowie einem privaten Finanzdienstleister. Mehr Information zur Untersuchung der Professoren Wegge und Schmidt unter
http://www.uni-kassel.de/presse/pm/anlagen/Projekt_Wegge_Schmidt.pdf

Wie Lernen gestaltet werden muss, damit jüngere und ältere Trainingsteilnehmer einen optimalen Lernerfolg in Hinblick auf ihr Zeit- und Selbstmanagement erzielen, untersucht die Heidelberger Arbeitsgruppe in einem erst vor kurzem begonnen Forschungsprojekt. Unter anderem wird der Frage nachgegangen, ob Trainingsteilnehmer besser von einem Modell lernen, das ihrem Alter entspricht. Ein eLearning-Programm wird derzeit entwickelt und kann ab September von Unternehmen angefragt werden. Weitere Informationen über Prof. Karlheinz Sonntag:
http://www.uni-kassel.de/presse/pm/anlagen/Projekt_Sonntag_Stegmaierdoc.pdf

Ärger macht krank: Den emotionalen Belastungen des Lehrerberufs und der altersunterschiedlichen Gefühlsregulation widmet sich Prof. Schüpbach, Uni Freiburg. Lehrkräfte, die ihren Ärger oder Stress zurückhalten müssen, obwohl sie befürchten, ihre Unterrichtsziele trotzdem nicht erreichen zu können, leiden verstärkt unter emotionaler Erschöpfung und zeigen längerfristig Folgen hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit. Aktuell wird in der Arbeitsgruppe ein Trainingsprogramm entwickelt, das die Lehrkräfte dabei unterstützt, mit schwierigen Unterrichtssituationen emotional so umzugehen, dass die Belastung gepuffert wird und die Gesundheit erhalten bleibt. Weitere Informationen unter
http://www.uni-kassel.de/presse/pm/anlagen/Projekt_Schuepbach.pdf

Ein ähnliches Trainingsniveau bei der Nutzung moderner interaktiver Technologien kann die ältere Generation erreichen, obwohl sie deutlich weniger Vorwissen besitzt als die jüngere. Ein Trainingsprogramm, das ein Feedback auf die eigenen Handlungen gibt, nützt aber auch jüngeren Trainingsteilnehmern. Im Projekt der Arbeitsgruppe Prof. Wandke zeigte sich, dass auch ältere Arbeitnehmer im Umgang mit Technik am Arbeitsplatz über entsprechende Trainingsprogramme erfolgreich geschult werden können, wobei diese idealer Weise direkt in die jeweiligen Systeme integriert werden. Weitere Information unter
http://www.uni-kassel.de/presse/pm/anlagen/Projekt_Wandke.pdf

Elektronische Werkzeuge: Lernen geht immer, aber nur in der Jugend versteht man
Der grundlagenorientierten Laborforschung sind die Projekte des Instituts für Arbeitsphysiologie an der Uni Dortmund gewidmet:

Die Arbeitsgruppe von Prof. Heuer beschäftigt sich mit grundlegenden Mechanismen beim Erlernen der Nutzung von elektronischen Werkzeugen, bei denen die Beobachtung von Bewegungen räumlich von ihrer Ausführung getrennt ist - bekannt etwa von Computerspielen. Diese Anforderung in einfacher Form findet sich an allen Computerarbeitsplätzen, extrem anspruchsvoll sind sie etwa bei minimal-invasiven chirurgischen Eingriffen. Die Ergebnisse zeigen, dass ältere Personen insgesamt eine langsamere und geringere Anpassung an neue Transformationen zeigen als jüngere, allerdings nur dann, wenn die neue Transformation hinreichend kompliziert ist. Weitere Informationen unter
http://www.uni-kassel.de/presse/pm/anlagen/Projekt_Heuer.pdf

Erst in der zweiten Projektphase wurde die wissenschaftliche Fragestellung von Dr. Wild-Wall/Prof. Falkenstein aufgesetzt. Inwieweit der Altersgang grundlegender kognitiver Prozesse Einfluss auf die Fahrtüchtigkeit hat, steht dabei im Mittelpunkt des Interesses. Informationen unter
http://www.uni-kassel.de/presse/pm/anlagen/Projekt_Falkenstein_Wild_Wall.pdf

Automobilindustrie: Altersgerechte Arbeitsysteme können Innovationsmotoren sein
Der demografische Wandel wird einen Motor für Prozessinnovationen darstellen. Altersgerechte Arbeit basiert auf technischen, organisatorischen und personbezogenen Interventionen. Die Arbeitswissenschaft ist durch die Universitäten Kassel, Darmstadt, Aachen und Karlsruhe im Schwerpunktprogramm vertreten:

Die Arbeitsfähigkeit im Alter hängt stark davon ab, wie der Anforderungswechsel in der Berufsbiografie und im aktuell ausgeübten Job gestaltet ist. Vielfältige Aufgaben in der Berufsbiografie bewirken eine erhöhte aktuelle Flexibilität der Mitarbeiter/innen. Das zeigten die umfassenden Erhebungen bei Montagetätigkeiten in der Automobilindustrie im Kasseler Projekt. Bislang wird versucht, Arbeitsschwierigkeiten älterer Mitarbeiter mit altersdifferenzierten Maßnahmen zu lösen. So werden diese aus dem Produktionsprozess genommen oder an Arbeitsplätzen beschäftigt, die die geringsten Belastungen aufweisen, während junge Mitarbeiter an besonders belastenden Arbeitsplätzen eingesetzt werden. Das stößt zum einen aufgrund der veränderten Altersstruktur und des auslaufenden Altersteilzeitgesetzes an Grenzen; sinnvoller und ökonomischer wäre eine altersgerechte Differenzierung. Beispiele sind systematische Rotationsprogramme, Kompetenzentwicklung, Anleitungen zu sportlichen Aktivitäten und gesunder Ernährung, ergonomische Optimierung etc. Diese können ihre Wirkung nur dann voll entfalten, wenn sie bereits frühzeitig in der Berufsbiografie beginnen. Altersgerechte Arbeit nutzt jungen und alten Mitarbeitern im Unternehmen. Weitere Informationen unter
http://www.uni-kassel.de/presse/pm/anlagen/Projekt_Frieling_Buch.pdf

Keine bedeutsamen Abhängigkeiten zwischen Alter und Beschwerden im Muskel- und Skelettbereich bestehen nach den Ergebnissen des Darmstädter Forschungsprojekts unter Leitung der Professoren Landau und Bruder. Die Untersuchungen an über 1.200 Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie war Basis u.a. für die Entwicklung eines Assistenzsystems zur altersgerechten Gestaltung von Arbeitsplätzen bei vorwiegend körperlicher Arbeit sowie zum altersgerechten Einsatz der Mitarbeiter. Erste Erkenntnisse zeigen, dass in der Automobil(zuliefer)industrie in besonderem Maße Belastungen in Form von ungünstigen Körperhaltungen, Lastenhandhabung sowie stereotypen Aktionen mit dem Finger-Hand-Arm-System auftreten. Interessante Ergebnisse verspricht der noch nicht abgeschlossene Vergleich von aktiven und kürzlich ausgeschiedenen Arbeitnehmern unter dem Gesichtspunkt der indus-trierelevanten Fähigkeiten. Weitere Informationen unter
http://www.uni-kassel.de/presse/pm/anlagen/Projekt_Landau_Bruder.pdf

Die Mensch-Rechner-Schnittstelle weiter zu entwickeln und dabei den spezifischen Fähigkeiten und Bedürfnissen älterer Computernutzer Rechnung zu tragen, ist Ziel der Arbeitsgruppe Prof. Schlick/RWTH Aachen. Sowohl jüngere wie auch ältere Nutzer können ihre Leistung durch geeignete softwareergonomische Anpassungen wie die individuelle Anpassung von Schriftgrößen, Darstellungsvarianten sowie unterschiedliche Eingabeverfahren - per Maus, Touchscreen oder blickgesteuerte Eingabe - steigern. Derartige Interventionen fördern auch die Akzeptanz des Softwareprodukts. Alle softwareergonomischen Anpassungen führten sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Nutzern zu einer Verbesserung der Mensch-Rechner-Schnittstelle. Prof. Schlick kann somit die Empfehlung aussprechen, einen "Design-for-All"-Ansatz zu verfolgen. Weitere Informationen unter
http://www.uni-kassel.de/presse/pm/anlagen/Projekt_Schlick.pdf

Ein Prognoseverfahren, das es ermöglicht, bereits in der Planung eines Montagesystems zu berücksichtigen, dass die Mitarbeiter in diesem System altern und sich ihre Bedürfnisse verändern, entwickelte Prof. Zülch. Mit Hilfe dieser Simulation soll in Zukunft ein Montage-system bereits während der Planung so entworfen werden, dass das prognostizierte Altern und die Veränderungen der Leistungsfähigkeit eines Mitarbeiters einbezogen werden können. Weitere Informationen unter
http://www.uni-kassel.de/presse/pm/anlagen/Projekt_Zuelch.pdf

Produktivität der Betriebe bleibt auch bei steigendem Anteil älterer Beschäftigter gleich
Die wirtschaftswissenschaftlichen Teilprojekte haben die Produktivität und das zukunfts-orientierte Personalmanagement im Blick:
Die Produktivität der Betriebe mit einem steigenden Anteil älterer Beschäftigten bleibt gleich. Die wirtschaftswissenschaftlichen Projekte von Prof. Domsch und PD Dr. Zwick/PD Dr. Bookmann stießen erst in der zweiten Phase zum Schwerpunktprogramm. Die Mannheimer Arbeitsgruppe um PD Dr. Zwick, Tübingen und PD Bookmann, Mannheim, konnte allerdings bereits zeigen, dass Betriebe häufig dann stärker altern, wenn es ihnen wirtschaftlich nicht gut geht und sie deshalb nur relativ wenige jüngere Beschäftigte neu einstellen können. Wenn man diesen Effekt berücksichtigt, zeigen repräsentative Berechnungen für Unternehmen aus allen Branchen der deutschen Wirtschaft, dass die Produktivität der Betriebe mit einem steigenden Anteil älterer Beschäftigter nicht zurück geht, sondern gleich bleibt.

Um dem drohenden Fachkräftemangel zu begegnen, soll ein Instrument entwickelt werden, mit dem interne Maßnahmen des altersgerechten Personalmanagements mit einem ganzheitlichen Ansatz bewertet und strategisch ausgerichtet werden können. Prof. Domsch wird mit seinem Team ein "Age Diversity Potential - Audit" entwickeln. Ob der Einsatz des noch zu entwickelnden speziellen Audits zu gesteigerter Produktivität, Innovationskraft sowie zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit beiträgt, soll noch erforscht werden. Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de/presse/pm/anlagen/Projekt_Domsch.pdf
http://www.uni-kassel.de/presse/pm/anlagen/Projekt_Boockmann_Zwick.pdf

Annette Ulbricht

Info Universität Kassel
Fachbereich Maschinenbau,
Institut für Arbeitswissenschaft und Prozessmanagement
Prof. Dr. Ekkehart Frieling/Dr. Markus Buch
tel +49(0)561/804-4419
fax +49(0)561/804-4162

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Parodontitis - Gefahr für Herz und Hirn

Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Erkrankungen des Zahnhalteapparats wie die so genannte Parodontitis können auf Dauer lebensgefährliche Folgen haben: Die oft chronischen Entzündungen von Zahnfleisch und Kiefer erhöhen das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall beträchtlich. Die Ursachen dafür sind noch weitgehend ungeklärt. Eine neue klinische Forschergruppe unter Federführung der Universität Bonn will diese Wissenslücke schließen. Die Wissenschaftler bearbeiten darin auch die Frage, wodurch parodontale Erkrankungen entstehen und wie sie bekämpft werden können. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die Universität Bonn fördern das Projekt zunächst für drei Jahre mit rund 3 Millionen Euro. Es ist deutschlandweit die erste und einzige Klinische Forschergruppe in der Zahnmedizin.
Dass die DFG erstmals eine Klinische Forschergruppe in der Zahnmedizin fördert, hat einen guten Grund: 70 Prozent aller Deutschen zwischen 35 und 44 Jahren leiden unter einer Parodontalerkrankung - mitunter mit fatalen Konsequenzen. "Es ist bekannt, dass chronische Entzündungen des Zahnhalteapparats Gefäßerkrankungen im Körper fördern können", betont der Bonner Zahnmediziner Dr. James Deschner. Ursache können Bakterien sein, die aus dem Mundraum in die Gefäße einwandern. Außerdem werden bei Entzündungen von Zahnfleisch oder Kiefer Botenstoffe frei, die die körpereigene Immunabwehr stimulieren. Die Abwehrtruppen beschränken ihre Scharmützel aber nicht auf den Mund: Auch leicht geschädigte Gefäße werden zum Opfer ihrer Attacken. "Wir vermuten, dass die Gefäßschäden dadurch sogar noch zunehmen", sagt Deschner. "So kann sich das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall beträchtlich erhöhen."

Die Forscher möchten unter anderem herausfinden, welche Faktoren chronische Entzündungen von Zahnfleisch oder Kiefer fördern. Sie hoffen dabei unter anderem auf effektivere Therapien und neue Möglichkeiten der Diagnostik. Im Focus steht dabei auch die Frage, inwiefern Erkrankungen des Zahnhalteapparats erblich sind. "Wir wissen heute, dass die Gene rund 50 Prozent zum Risiko beitragen", erklärt Deschner. "Welche Erbanlagen das genau sind, ist aber noch nicht bekannt."

Der Privatdozent leitet die neu eingerichtete Forschergruppe. Sprecher sind mit dem Parodontologen Professor Dr. Dr. Søren Jepsen und dem Kieferorthopäden Professor Dr. Andreas Jäger zwei der renommiertesten deutschen Zahnheilkundler. In Bonn beteiligen sich neben Experten vom Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde Internisten und Dermatologen an dem Projekt. Die genetischen Untersuchungen laufen in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Kiel. Auch die Bonner Mathematiker sind in die Forschergruppe eingebunden: Sie werden am Rechner simulieren, wie sich bestimmte Risikofaktoren - beispielsweise eine hohe mechanische Kaubelastung - auf den Verlauf der Erkrankung auswirken.

Mehr als 1,5 Millionen Euro fließen in den nächsten drei Jahren aus dem DFG-Säckel an die Projektpartner. Die Bonner Universität schießt nochmals denselben Betrag zu. Bei entsprechenden Ergebnissen wird die Förderung um weitere drei Jahre verlängert. Die DFG ist optimistisch: Der Standort für die Bearbeitung dieses Themas sei mit Bonn sehr gut gewählt, urteilten die Gutachter. Derzeit sei eine solche klinische Fortschergruppe aus der Zahnheilkunde an kaum einer anderen Universität in Deutschland denkbar.

Wie sehr sich die medizinische Vorstellung von parodontalen Erkrankungen bereits in den letzten Jahrzehnten verändert hat, zeigt sich schon an der heute gültigen Krankheitsbezeichnung "Parodontitis": Das Suffix "-itis" bezeichnet in der Medizin allgemein Entzündungen. Verschleißerscheinungen enden dagegen auf "-ose" - Beispiel Arthrose. Parodontose galt bis Mitte des letzten Jahrhunderts als ganz normale Alterserscheinung. Erst später erkannte man, dass der Zahnverlust durch chronische Entzündungen hervorgerufen wird, die sich durchaus bekämpfen lassen.

Kontakt:
Privatdozent Dr. James Deschner
Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde
Telefon: 0228/287-22651
E-Mail: James.Deschner@uni-bonn.de

Professor Dr. Dr. Søren Jepsen, MS
Direktor der Poliklinik für Parodontologie, Zahnerhaltung und Präventive Zahnheilkunde
Telefon: 0228/287-22480
E-Mail: jepsen@uni-bonn.de

Professor Dr. Andreas Jäger
Direktor der Poliklinik für Kieferorthopädie
Telefon: 0228/287-22449
E-Mail: a.jaeger@uni-bonn.de

 

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Energie aus "grünem Schleim" - Forscher wollen Wasserstoff aus Mikroalgen gewinnen

Dr. Christina Heimken, Presse- und Informationsstelle
Westfaelische Wilhelms-Universität Münster

"Grün und schleimig" - das ist die erste Assoziation vieler Menschen bei dem Gedanken an Algen. Die Pflanzen haben keinen guten Ruf. Doch besitzen sie eine Menge interessanter Eigenschaften. So werden Algen in letzter Zeit als alternative Energielieferanten diskutiert, aus denen zum Beispiel Biodiesel und auch Wasserstoff gewonnen werden kann. Wissenschaftler, darunter Forscher der Universität Münster, wollen Algen nun so verändern, dass sie mehr Wasserstoff produzieren. Dann könnten die Algen umweltfreundliche, wirtschaftliche Energielieferanten werden.
Zu dem Projekt "Biowasserstoffproduktion in Mikroalgen" haben sich vier Forschergruppen zusammengeschlossen: Neben den münsterschen Forschern um Prof. Dr. Michael Hippler vom Institut für Biochemie und Biotechnologie der Pflanzen sind Forscher vom Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Golm (Potsdam), der Universität Karlsruhe (TH) sowie - als Koordinatoren - der Universität Bielefeld beteiligt. Das Projekt wird für die nächsten drei Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt 1,8 Millionen Euro unterstützt; rund 400.000 Euro davon gehen an die Forscher der WWU.

Wasserstoff gilt als eine umweltfreundliche Energiequelle der Zukunft, zum Beispiel in der Automobilindustrie - vorausgesetzt, der Wasserstoff wird auch mit umweltschonenden Verfahren gewonnen. Die Forscher wollen daher aus einzelligen Grünalgen (Chlamydomonas reinhardtii) industrietaugliche Wasserstofflieferanten entwickeln, die den Wasserstoff ohne negative Folgen für die Umwelt liefern. Die winzigen Algen produzieren unter bestimmten Bedingungen Wasserstoff, beispielsweise wenn Sauerstoff fehlt oder Anpassung an Schwefelmangel nötig ist. Dann wird der Stoffwechsel der Photosynthese umgestellt, und bei Bestrahlung mit Sonnenlicht stellen die Algen Wasserstoff her. Bei herkömmlichen Grünalgen werden allerdings nur 0,1 Prozent der einfallenden "Lichtteilchen" zu Wasserstoffmolekülen umgesetzt - aus ökonomischer Sicht zu wenig. "Wenn wir die Rate auf sieben bis zehn Prozent steigern könnten, dann wäre die Wasserstoffproduktion aus Grünalgen auch kommerziell interessant", so Prof. Hippler.

Um die Wasserstoffproduktion zu erhöhen, verfolgen die Forscher mehrere Ansätze. Ein Ansatzpunkt ist eine bereits existierende Zuchtlinie der von ihnen erforschten Grünalge. Die Algen dieser Linie tragen eine genetische Veränderung, die eine erhöhte Wasserstoffproduktion mit sich bringt. Allerdings ist auch die Wasserstoffproduktion dieser Algensorte noch weit vom gewünschten Wert entfernt.

Durch einen Vergleich der speziellen Zuchtlinie mit der "normalen" Alge wollen die Forscher herausfinden, welche Stoffwechselwege für den Unterschied in der Wasserstoff-Produktion verantwortlich sind - welche Gene in den Algen aktiv sind und welche Proteine und Stoffwechselprodukte entstehen. "Wenn wir die genauen Mechanismen kennen, hoffen wir, durch gezielte genetische Veränderungen neue Generationen dieser Zuchtlinie zu erhalten, die dann eine noch effizientere Wasserstoffproduktion aufweisen", erklärt Prof. Hippler. Zusätzlich suchen die Forscher nach weiteren zufällig entstandenen, bislang unbekannten Algenlinien, die ebenfalls mehr Wasserstoff produzieren und die Forscher auf ihrer Suche nach dem idealen Wasserstofflieferanten einen Schritt voran bringen.

Ein weiterer Ansatz ist die Verbesserung der Fermenteranlagen - der Wassertanks, in denen die Algen unter definierten Wachstumsbedingungen den gewünschten Wasserstoff produzieren. Ein Knackpunkt beim Bau der Fermenter ist die Beleuchtung: Damit sie Wasserstoff produzieren, müssen auch die Algen im Inneren der Tanks ausreichend Licht bekommen. Bislang werden die Algen künstlich beleuchtet. Damit die Energiebilanz am Ende stimmt, wollen die Forscher "Außenreaktoren" entwickeln, die allein mit Sonnenlicht auskommen. Zudem sollen die Tanks deutlich größer werden. "Unser Team will den Sprung von 25-Liter-Fermentern auf 250-Liter-Fermenter schaffen", so Prof. Hippler. Federführend bei diesem technischen Teilprojekt sind die Forscher aus Karlsruhe.

Das Mikroalgen-Projekt ist mit der Arbeit des internationalen Konsortiums "Solar Biofuels" verknüpft, das die Algen neben der Wasserstoffproduktion auch zur Produktion von Biodiesel und Biomethan nutzbar machen will. Prof. Hippler, der dem Konsortium angehört, lobt die Vorteile, die die kleinen Algen bieten: "Die Mikroalgen wären als Energielieferanten besonders gut geeignet. Sie benötigen kein fruchtbares Land, im Gegensatz zu Nutzpflanzen, die zur Herstellung von Biokraftstoffen angebaut werden, und sie treten nicht in Konkurrenz mit der Nahrungsmittelproduktion. Zudem verbrauchen sie wesentlich weniger Wasser - das ist gerade in trockenen Gebieten extrem wichtig."
Weitere Informationen:
http://www.uni-muenster.de/hippler/index.php AG Hippler / WUU
http://www.solarbiofuels.org/ "The Solar Biofuels Consortium"

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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TUB: Forscher entwickeln innovatives Malz-Getränk ohne Alkohol

Dr. Kristina R. Zerges, Presse- und Informationsreferat
Technische Universität Berlin

Bio boomt und das nicht erst seit gestern. In dem Maße, in dem sich immer mehr Menschen für eine gesunde Ernährung entscheiden, tüfteln auch Wissenschaftler an neuen, innovativen Lebensmitteln und Getränken. Neuester Coup der Forscherinnen und Forscher am Fachgebiet Brauwesen der Technischen Universität Berlin ist ein antialkoholisches Getränk, das den Geschmacksvergleich zum derzeitigen Marktführer "Bionade" nicht zu scheuen braucht.

Seit zwei Jahren tüfteln Prof. Dr.-Ing. Frank-Jürgen Methner und sein Team an dem Malztrunk, der ähnlich wie Bier gebraut wird. Nachdem sich mehrere Studien- und zwei Diplomarbeiten mit der Entwicklung des spritzigen Drinks beschäftigt haben, kann das Produkt nun vermarktet werden. "Wir verhandeln bereits mit mehreren Interessenten", sagt Methner. Frisch, leicht säuerlich und mit einer leichten Kohlensäurenote besteht die bern-steinfarbene Flüssigkeit den Geschmackstest mit Bravour. Beim Einschenken bildet sich eine stabile Schaumkrone, die auch passionierte Biertrinker erfreuen dürfte - und dabei ist die Malzbrause auch noch alkoholfrei.

Dem Professor die Einzelheiten des Brauvorganges zu entlocken, gleicht dem Versuch, das Geheimnis um das Rezept von Coca Cola zu lüften. "Im Prinzip wird unser Getränk wie Bier hergestellt - allerdings ohne Hopfen", berichtet Methner. In der Studienbrauerei des Fachgebietes in Berlin-Wedding wird geschrotetes Gerstenmalz mit Wasser vermischt und mehrere Stunden lang erhitzt. Die "Maische" entsteht und wird regelmäßig im großen Bottich umgerührt. Bei diesem Prozess wird Stärke freigesetzt, die unter Temperaturerhöhung von bestimmten Enzymen in Zucker gespalten wird. "Im Gegensatz zu anderen Herstellungsverfahren verzichten wir auf die Zugabe von Zucker", gibt Prof. Methner ein Geheimnis preis. Im nächsten Schritt wird die Flüssigkeit gefiltert: Treber, so nennen die Brauer die festen Bestandteile, und Würze, die Flüssigkeit, trennt man voneinander. Durch Kochen werden die Enzyme inaktiviert. Für ein Bier würden die Braumeister nun den Hopfen dazu geben, die neue alkoholfreie Limo kommt ohne aus.

Für den Geschmack und das Aroma jedes neuen Gebräus sind Mikroorganismen wie Hefen und Milchsäurebakterien von großer Bedeutung, die die Würze vergären. "Es war eine wahre Sisyphosarbeit, für das neue Getränk einen neuen Stamm Hefe zu finden", sagt Methner. Obwohl in der Hefebank der dem Fachgebiet angeschlossenen "Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin" (VLB) mehr als 100 Hefestämme gelagert und gepflegt werden, ist Methner weit gereist, um seine Innovation zu finden. "Ich fahre oft nach Süd-Ost-Asien, dort gibt es viele fermentierte Lebensmittel", sagt Methner. Aus einem solchen Produkt sei es den Berliner Forschern letztlich gelungen, einen Hefe-Stamm zu isolieren, der nun für die Veredlung der neuen Malz-Limo verwendet wird.

Im Prinzip werden die Mikroorganismen dazu nacheinander auf mit Agar ausgegossenen Petrischalen ausgestrichen. Der gallertartige Nährboden, auf dem Mikroorganismen gezüchtet werden können, enthält verschiedene Nährstoffe. Je nachdem, auf welchen Agarplatten Mikroorganismen wachsen, kann man Rückschlüsse auf die Identität der Mikroorganismen ziehen. So wachsen zum Beispiel Saccharomyces-Hefen nicht auf Agar, der nur mit der Aminosäure Lysin versetzt ist. Milchsäurebakterien benötigen eine andere Nährstoffzusammensetzung. Und um Hefen und Bakterien voneinander zu trennen, können dem Agar Antibiotika zugesetzt werden.

Der gekochten Würze wird nach dem Abkühlen der geheime Hefe-Stamm beigegeben. Bei der anschließenden Gärung entsteht fast kein Alkohol: Fertig ist das neue Getränk. "Alle Geschmackstests mit dem Produkt sind ausgesprochen positiv verlaufen", sagt Prof. Methner. Es sei als etwas hellere und als dunklere, würzig-malzigere Variante jeweils als Prototyp abgefüllt worden. Außerdem eigne es sich auch zum Mischen mit natürlichen Aromen wie Limone. Wann die Berliner Innovation letztendlich in den Supermarktregalen stehen wird, ist noch nicht kalkulierbar. Und auch über den Namen darf noch spekuliert werden. Vielleicht Berliner TU-Nade?

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr.-Ing. Frank-Jürgen Methner, Technische Universität Berlin, Institut für Biotechnologie, Fachge-biet Brauwesen, Tel.: 030/45080-296, Fax: 030/45080-196, E-Mail: methner@lb.tu-berlin.de

Weiterführende Links:
Homepage der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin (VLB) e.V.:
www.vlb-berlin.org

Forschungsinstitut für Technologie der Brauerei und Mälzerei (FBM):
www.vlb-berlin.org/cms/front_content.php?idcat=7

Homepage der "Gesellschaft für Geschichte des Brauwesens e.V. (GGB)":
www.ggb-berlin.de

Pressefotos zum Thema finden Sie unter:
www.tu-berlin.de/?id=42100

Hinweis: Dieser Beitrag ist das "Thema der Woche - EIN-Blick für Journa-listen" auf dem TUB-newsportal. Hier finden Sie zahlreiche Berichte aus der Forschung der TU Berlin: www.pressestelle.tu-berlin.de/newsportal
Weitere Informationen:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/newsportal
http://www.tu-berlin.de/?id=42100
http://www.ggb-berlin.de
http://www.vlb-berlin.org/cms/front_content.php?idcat=7

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Computer simuliert Hitzestress

Mit einem Simulationsverfahren lässt sich jetzt in Rekordzeit vorhersagen, wann und wo stark belastete Motorenbauteile versagen. Auto-hersteller können die Entwicklung neuer Motorkomponenten so deutlich verkürzen.

Ganz schön heiß! Mit bis zu 1050 Grad Celsius zischen Abgase aus Automotoren. Für die Motorenbauteile bedeutet das enorme Belastungen, denn in der Hitze dehnen sie sich extrem aus. Bei klirrendem Frost hingegen zieht sich das Material zusammen. Keine Frage: Derartige Temperaturschwankungen setzen dem Material auf Dauer enorm zu. Die Hersteller testen besonders belastete Bauteile deshalb schon während der Fahrzeugentwicklung im Prüfstand. Doch solche Untersuchungen sind aufwendig: Es müssen Bauteilprototypen gefertigt und in einem zeitraubenden Versuch- und Irrtumsprozess modifiziert werden, bis schließlich ein verlässliches Bauteil ohne Schwachstelle vorliegt. Für jeden neuen Werkstoff müssen die Hersteller solche Untersuchungen durchexerzieren. Für einige Automobilhersteller und -zulieferer allerdings sind zeitraubende Bauteilprüfungen inzwischen Schnee von gestern. Dank eines am Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM in Freiburg entwickelten Simulationsverfahrens können die Firmen die Entwicklungszeit von Abgaskrümmern deutlich verkürzen. Abgaskrümmer sammeln die heißen Abgase aus dem Motor und leiten sie zum Katalysator weiter. Sie sind besonders hohen Temperaturen ausgesetzt und damit besonders belastet.

Mit dem neuen Simulationsverfahren berechnen die Forscher, an welchen Stellen ein Bauteil nach einer bestimmten Zahl von Aufheiz- und Abkühlungszyklen mürbe wird und versagt. Dem Hersteller ist es dadurch möglich, die Geometrie des Werkstücks schon am Rechner zu optimieren und die Zahl der realen Testläufe deutlich zu reduzieren. Die Freiburger nehmen dafür das Material genau unter die Lupe. Sie prüfen den Werkstoff zunächst im Labor, erhitzen, quetschen und ziehen das Metall und überprüfen immer wieder unter dem Mikroskop, wann und wo sich feinste Risse bilden. Dieses Wissen speisen die Forscher dann in ihre Simulationssoftware ein. Der Autohersteller kann damit fortan für jede neue Bauteilgeometrie berechnen, wie sich das Material verhalten und wann es versagen wird. »Unsere Simulationsmodelle lassen sich natürlich auf verschiedenste Werkstoffe anwenden und auch in anderen Branchen einsetzen«, sagt Dr. Thomas Seifert, Projektleiter am IWM. Derzeit untersuchen Seifert und seine Kollegen in einem Kooperationsprojekt mit RWE Power und Thyssen-Krupp hitzebeständige Nickel-Legierungen für eine neue Kraftwerksgeneration. Diese sollen bei besonders hohen Temperaturen arbeiten und höhere Wirkungsgrade erreichen als heutige Anlagen.

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Windräder laufen ruhig durch »Antischall«

Rattern und pfeifen Windräder zu laut, dürfen sie zum Schutz der Anwohner nur unter Teillast arbeiten: Sie produzieren dann allerdings weniger Strom. Eine aktive Dämpfung löscht den Lärm durch Gegenschwingungen aus.

Stehen Windkraftanlagen in der Nähe einer Siedlung, dürfen sie auch bei starkem Wind nicht zu laut werden. Die meisten Anlagen schonen Nachbars Ohren, dennoch kann es trotz sorgfältigster Konstruktion immer wieder vorkommen, dass Lärm entsteht: zum einen durch die Bewegung der Rotorblätter, zum anderen durch Zahnräder, die Schwingungen im Getriebe hervorrufen. Diese werden an den Turm des Windrads weitergeleitet und dort großflächig abgestrahlt - die Anwohner nehmen sie als Brummgeräusche wahr. »Ähnlich wie beim Surren einer Mücke empfindet man diese Einzeltöne als besonders störend«, sagt André Illgen, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Dresden. Brummen die Windkraftanlagen zu laut, dürfen sie nur unter Teillast betrieben werden: Sie drehen sich langsamer und erzeugen weniger Strom. In einigen Fällen müssen die Betreiber zusätzliche Dämpfungssysteme einbauen oder sogar das Getriebe wechseln - eine teure Angelegenheit. Passive Dämpfungssysteme, die bisher verwendet wurden, zeigen jedoch nur bedingt Wirkung: Sie schlucken nur Geräusche einer bestimmten Frequenz. Da moderne Windkraftanlagen ihre Drehzahl an die Windstärke anpassen, um möglichst viel Strom zu erzeugen, variiert auch die Frequenz der Brummgeräusche: Trotz Dämpfung dringen Brummtöne in die Umgebung.

Forscher des IWU haben gemeinsam mit Kollegen der Schirmer GmbH, der ESM Energie- und Schwingungstechnik Mitsch GmbH und dem Ingenieurbüro Dr. Ziegler nun eine aktive Dämpfung für die Windräder entwickelt. Gefördert wird das Projekt durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt DBU. »Diese Systeme reagieren selbstständig auf Frequenzwechsel und dämpfen Geräusche - egal wie schnell sich die Windenergieanlage dreht«, sagt Illgen. Herzstück dieses Systems sind Piezoaktoren: Sie wandeln elektrischen Strom in mechanische Bewegung um und erzeugen »Negativschwingungen«, also eine Art Gegenlärm, der den Schwingungen des Windrads genau entgegengesetzt ist und sie auslöscht. Die Piezoaktoren sind an den Auflagern des Getriebes angebracht, über welche das Getriebe mit dem Maschinenträger verbunden ist. Doch wie stellen sich diese Piezoaktoren auf die jeweiligen Frequenzen der Geräusche ein? »In das System haben wir Sensoren integriert: Sie messen kontinuierlich die Schwingungen, die im Getriebe entstehen, und leiten die Ergebnisse an die Regelung der Aktoren weiter«, sagt Illgen. Ein Funktionsmuster des aktiven Schwingungsdämpfers haben die Forscher bereits entwickelt, in einem nächs-ten Schritt stehen Feldversuche an.

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Widerstandsfähige Prionen

Mehrere Jahre können Erreger der Schafseuche Scrapie, Prionen, im Boden überdauern, wie Forscher nun herausfanden - über belastete Weiden können sich die Tiere anstecken. Ob die ähnlichen BSE- und CWD-Erreger genauso widerstandsfähig sind, ist noch nicht geklärt.

Eine Herde Schafe auf der Weide - ein idyllisches Bild. Der Eindruck kann jedoch täuschen: Leiden die Tiere an der Krankheit Scrapie, sterben oft ganze Herden. Bei dieser Seuche zerstören Prionen das Gehirn der Tiere, ähnlich wie bei BSE. Es bekommt Löcher, die Schafe sind orientierungslos, haben einen ausgeprägten Juckreiz und scheuern sich die Wolle ab. Schließlich sterben die infizierten Tiere.

Die Krankheit einzudämmen ist schwierig - oft bricht die scheinbar besiegte Krankheit nach Monaten oder Jahren auf dem gleichen Hof erneut aus. Werden die Prionen nicht nur durch direkten Kontakt weitergegeben, sondern auch über die Umwelt - etwa über die Weiden? Wie lange überdauern Prionen, die etwa über Speichel und Fäkalien der kranken Tiere auf die Weide gelangen, im Boden? Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME in Schmallenberg untersuchten diese Zusammenhänge mit ihren Kollegen des Berliner Robert-Koch-Instituts und dem Riemser Friedrich-Loeffler-Institut - im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit BMU. »Wir haben Bodenproben mit Scrapie-Erregern vermischt und untersucht, wie lange die Erreger überleben«, sagt Dr. Björn Seidel, der die Untersuchungen am IME geleitet hat. »Selbst nach 29 Monaten, also nach mehr als zwei Jahren, konnten wir noch Prionen im Boden nachweisen.« Doch sind diese Prionen auch noch infektiös? »Der Boden scheint die Infektiösität der Erreger sogar zu steigern. Die Inkubationszeit - die Zeit bis zum Ausbruch der Krankheit - ist auch nach 29-monatigem Überdauern der Prionen im Boden sehr kurz. Sämtliche Tiere, die kontaminierten Boden verabreicht bekamen, erkrankten innerhalb kürzester Zeit. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass neu auftretende Scrapie-Fälle bei Schafen auf Prionen-verseuchte Weiden zurückzuführen sind«, fasst Seidel zusammen. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass Schafe sich möglicherweise selbst über Oberflächenwasser anstecken könnten, auch wenn hier die Ansteckungsgefahr weit geringer ist. Für Menschen besteht jedoch keine Gefahr: Ihnen scheint der Scrapie-Erreger nichts anhaben zu können.

Auch die Krankheit »Chronic Wasting Disease CWD« erregt Besorgnis: Ebenso wie BSE und Scrapie wird sie durch Prionen ausgelöst, befällt jedoch vor allem Rotwild. In Nordamerika steigen die Zahlen infizierter Tiere stark an. Wie lange überdauern die BSE- und CWD-Prionen im Boden? »Hierzu wären dringend weitere Untersuchungen nötig, entsprechende Forschungsanträge wurden bereits gestellt«, sagt Seidel.

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Gemüsewaage, die mitdenkt

Wie war noch gleich die Nummer für die Paprika, die man an der Selbstbedienungswaage eingeben muss? 67 oder 76? Und die für die Bananen? Eine neu entwickelte Selbstbedienungswaage erkennt automatisch, was der Kunde auf ihr ablegt.

Noch schnell in den Supermarkt: Bananen, Paprika und Tomaten auf den Armen balancierend, muss man vom Gemüseregal zur Selbstbedienungswaage laufen, um dort das passende Preisetikett auszudrucken. Doch wie war noch gleich die Nummer, die man dort für die Tomaten eintippen muss?

Künftig ist Schluss mit dem ewigen Hin- und Hergerenne zwischen Gemüsetheke und Waage. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Informations- und Datenverarbeitung IITB in Karlsruhe haben jetzt im Auftrag der Firma Mettler-Toledo ein WebCam-Modul für eine Selbstbedienungs-Waage entwickelt. »Die Waage erkennt selbständig, um welches Obst oder Gemüse es sich handelt und zeigt dem Kunden nur die Icons zur Auswahl, die in Frage kommen - etwa Tomaten, Strauchtomaten und Fleischtomaten«, erklärt Sascha Voth, Mitarbeiter am IITB. Über einen Touchscreen kann der Kunde dann die passende Sorte bestätigen.

Doch woher weiß die Waage, ob der Kunde eine Paprika, eine Tomate oder eine Kiwi auf ihr abgelegt hat? »In der Waage ist eine Kamera installiert, die die Ware aufzeichnet. Ein Bildauswertungs-Algorithmus vergleicht die Aufnahme mit gespeicherten Daten und erkennt auf diese Weise automatisch, um welche Frucht es sich handelt«, sagt Voth. Selbst die milchigen Plastiktüten, in die das Obst an der Theke verpackt werden kann, stellen für die Waage kein Problem dar - das Bildauswertungssystem erkennt die Gemüsesorten trotzdem.

Was sich zunächst einfach anhört, birgt jedoch einige Herausforderungen: Viele Fruchtsorten haben je nach Reifegrad unterschiedliche Farben, Bananen beispielsweise gibt es von homogen grün über gelb bis braun fleckig. Von anderen Fruchtsorten wie Äpfeln und Birnen gibt es zahlreiche Sorten, die in der Farbe ebenfalls erheblich variieren. »Die neue Waage weist eine erhebliche Toleranz gegenüber Farb- und Helligkeitsschwankungen auf. Das Modul lässt sich unter verschiedenen Beleuchtungsbedingungen und mit verschiedenen Kameras einsetzen. Das Fruchtsortiment, das die Waage erkennt, kann natürlich durch Marktmitarbeiter um neue Sorten erweitert werden«, sagt Voth. Derzeit ist die Waage zu Testzwecken in ca. 300 Supermärkten europaweit im Einsatz.

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Jetzt online: Die neue Mediendatenbank "H2O-Wissen"

Unterrichtsmaterialien rund ums Thema Wasser und Gewässerschutz zum Schulstart

Die Online-Datenbank "H2O-Wissen" des Umweltbundesamtes (UBA) liefert zum neuen Schuljahr mit mehr als 400 Einträgen Informationen zu Unterrichtsmaterialien. Im Internet lassen sich die Hinweise zu Lehrmaterialien nach verschiedenen Suchkriterien recherchieren: Titel, Autor und Themenschwerpunkte wie „Tiere und Pflanzen in Gewässern", „Hochwasser" oder „Entwicklungspolitik". Lehrerinnen und Lehrer haben zur Vorbereitung ihres Unterrichts auch die Möglichkeit, gezielt nach Material für ein bestimmtes Schulfach zu suchen oder nach der Medienart, wie Buch, Video oder Ausstellung. Nicht nur Schulen sind angesprochen, auch andere Bildungsträger, die beispielsweise nach Unterrichtsmaterialien zum Thema Wasser in einer bestimmten Sprache suchen.
Anlass die Datenbank "H2O-Wissen" zu erweitern, gibt das Jahresthema "Wasser" im Rahmen der UN-Dekade "Bildung für eine nachhaltige Entwicklung". Die weltweite Initiative hat zum Ziel, die Prinzipien der nachhaltigen Entwicklung in den nationalen Bildungssystemen zu verankern. Mit "H2O-Wissen" will das UBA dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen. „Schon in der Grundschule können Lehrerinnen und Lehrer das Interesse an Seen und Flüssen wecken und ihre Schülerinnen und Schüler somit für den Gewässerschutz begeistern", sagt Dr. Christiane Markard, Leiterin des Fachbereichs „Schutz der Ökosysteme" im UBA.

In der zweiten Auflage von "H2O-Wissen" sind verstärkt Onlinemedien integriert. Über eine Suchmaske kann nach verschiedenen Kriterien wie dem Alter der Kinder oder nach Themen recherchiert werden. So ist der Schwerpunkt "Hochwasser" beispielsweise mit 32 Einträgen vertreten, "Tiere und Pflanzen an unseren Gewässern" mit 185 Vermerken.
Neben einer kurzen inhaltlichen Einschätzung des jeweiligen Bildungs- und Unterrichtsmaterials finden Lehrerinnen und Lehrer sowie andere Multiplikatoren der Umweltbildung in der Datenbank Angaben zur Bezugsquelle und Einsatzmöglichkeiten. Für ausgewählte Materialien hat das Unabhängige Institut für Umweltfragen gemeinsam mit der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg eine vertiefende Bewertung erarbeitet. Schlüsselkriterien dafür sind beispielsweise die schüleraktive Gesamtkonzeption des Lehrens und Lernens, bei der Handlungsergebnisse den Lernprozess leiten oder die fächerübergreifende Betrachtungsweise beziehungsweise Themen und Problemstellungen, die eine wesentliche Rolle im Leben der Nutzer spielen.

Die aktualisierte Version der Mediendatenbank "H2O-Wissen" steht unter www.h2o-wissen.de und http://www.umweltbundesamt.de/wasser/index.htm zur Verfügung. Sie kann zusätzlich als CD-ROM per E-Mail an wasser@uba.de angefordert werden. Weitere Informationen zur Datenbank bietet der Flyer unter http://www.umweltbundesamt.de/wasser/veroeffentlich/H2O-Wissen08_express.pdf. Schreiben Sie uns, wenn Sie Unterrichtsmaterialien zum Gewässerschutz erarbeitet haben, die bisher noch nicht in der Datenbank enthalten sind.

Bildungsmaterialien des UBA und Bundesumweltministeriums (BMU) des finden Sie auch direkt unter www.bmu.de/bildungsservice

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Anprobe im Zauberspiegel

Kleiderkauf ohne ständiges An- und Ausziehen - diese Vision könnte schon bald real werden. Möglich macht das ein virtueller Spiegel. Vom 29.8. bis 3.9.2008 zeigen Fraunhofer-Forscher auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin (Technisch-Wissenschaftliches Forum TWF 5.3) ein Display, in dem der Kunde sich in wechselnden Designs betrachten kann, ohne auch nur einen Knopf öffnen zu müssen.

Ein oft bestätigtes Vorurteil: Männer kaufen ungern Kleidung. Das Anprobieren ist ihnen lästig. Da bleibt Mann doch gern beim erprobten Kleidungsstück. Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut HHI haben einen Zauberspiegel entwickelt, mit dem das Anprobieren deutlich stressfreier werden könnte. Einfach das gewünschte T-Shirt oder Hemd anziehen und dann im virtuellen Spiegel die Designvarianten durchtesten - ohne weiteres An- und Ausziehen.

»Das Prinzip ist ähnlich wie die virtuelle Schuhanprobe, die wir letztes Jahr für den Flagship-Store von Adidas in Paris entwickelt hatten«, erklärt Anna Hilsmann vom HHI. »Doch bei T-Shirts, Hemden oder Pullovern ist es um einiges schwieriger, den realistischen Eindruck im virtuellen Spiegel darzustellen. Die Kleidungsstücke werfen Falten und das heißt, sie ver- und überdecken sich zum Teil, je nachdem, welche Bewegungen der Träger vollführt.«

Stoffe sind elastisch, können unregelmäßige Strukturen haben und verschiedene Nuancen, die oft das besondere Etwas ausmachen. Diese Eigenschaften sind eine Herausforderung für den virtuellen Spiegel. Das Fazit der Wissenschaftlerin: »Bei elastischen Deformationen, wie im Stoff, müssen mehr Parameter abgeschätzt und zeitgleich verarbeitet werden.« Um die Methode anschaulich demonstrieren zu können, haben sich die Forscher etwas einfallen lassen: Auf der Internationalen Funkausstellung IFA in Berlin zeigen sie, wie sich Logos oder Bilder auf T-Shirts einfach tauschen lassen.

Und wie sieht die Anprobe ohne lästigen Kleiderwechsel aus? Der Kunde steht vor einem Display, über dem eine Kamera angebracht ist. Diese filmt ihn und registriert so die Bewegung seiner Kleidung. Zum Kleiderwechsel wird dann beispielsweise das Logo auf dem T-Shirt durch ein anderes, virtuelles ersetzt. Das heißt, der Kunde sieht sich im Display zum Beispiel mit einem blauen Fraunhofer-Logo anstelle des grünen auf seinem realen T-Shirt. Um den Eindruck im Zauberspiegel so realistisch wie möglich zu machen, werden Falten oder Knicke des realen Objekts auf das virtuelle übertragen, egal wie sich der Kunde bewegt. Auch Schattierungen und Beleuchtung sind im virtuellen Spiegelbild identisch zum Original zu sehen.

Der Trick: »Wir berechnen die räumliche Bewegung der Projektion anhand eines zweidimensionalen Modells. So sparen wir uns eine Dimensionsrichtung für die Abschätzung und können sehr schnell die Bewegung schätzen«, erklärt Hilsmann. Das 2-D-Modell besteht aus einem engmaschigen Dreiecksnetz. Das reicht, um die Veränderungen vorherzusagen. Zudem kennt das System die möglichen Bewegungsrichtungen des Stoffs - also das spezifische Verhalten, wie er sich dehnt oder verschiebt. Um das so echt wie möglich darstellen zu können, lassen sich die Dreieckspunkte unabhängig voneinander bewegen.

Die Kamera nimmt im Abstand von Millisekunden Bilder auf und überträgt sie an einen Speicher. Dort werden die Bilder ausgewertet, das heißt, das System vergleicht, was sich von Bild 1 zu Bild 2 verändert hat. Damit es das kann, wird über jedes Bild ein Dreiecksnetz gelegt, ähnlich ähnlich aus bei Computergrafiken. Da sich von Bild zu Bild nicht alle Dreiecke verändern, muss nur noch abgeglichen werden, wo Veränderungen auftreten. Diese Information wird weitergeleitet und in die Visualisierung der neuen Oberfläche, des neuen Logos eingebaut. Die Bildverarbeitung erfolgt in Echtzeit. So hat der Kunde den Eindruck, jede Bewegung und jeder Faltenwurf, den er hervorruft, wenn er sich bewegt, spiegelt sich direkt auf dem Display wider, wie bei einem richtigen Spiegel.

Über ein Touchscreen wählt der Kunde oder die Kundin die verschiedenen Varianten und Farben des Kleidungsstücks aus. So können Käufer schnell feststellen, welche Farbe oder welches Muster ihnen am besten steht. »Schuhe und Kleidung sind erst der Anfang«, sagt Anna Hilsmann. »Mit dem virtuellen Spiegel liessen sich auch Brillen oder Schmuck anprobieren.« So mancher Einkaufsmuffel wird sich über die erleichterte Kleiderwahl freuen und sich vielleicht von den bewährten Standards trennen.

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Umweltfreundlich und kostensparend: Heizen mit Stollenwasser

Petra Giegerich, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Prof. Dr. Wieber prüft drei ehemalige Bergwerksstandorte in Rheinland-Pfalz - Energiebilanz äußerst positiv
Die Rohölpreise steigen weiter und damit die Kosten für Benzin und Heizung. Gleichzeitig wird immer deutlicher, wie wichtig andere Energieformen für Umwelt und Klima sind. Einen Beitrag zur klimaschonenden und kostengünstigen Energieversorgung kann auch die Nutzung von warmem Stollenwasser zu Heizzwecken leisten, wie jetzt Projektstudien der Johannes Gutenberg-Universität Mainz unter Leitung von Prof. Dr. Georg Wieber gezeigt haben. "Zwar ist die Anwendung örtlich auf das direkte Umfeld der Bergwerke begrenzt, der Wirkungsgrad dieser Energieform ist jedoch außerordentlich", erklärt der Hydrogeologe.

Grubenwasser entsteht in stillgelegten Bergwerken, wenn die Pumpen abgestellt sind und das Grundwasser in der Grube ansteigt. "Je tiefer die Bergwerke sind, desto wärmer ist das Wasser, sodass wir in einer Tiefe von 1000 Metern eine Wassertemperatur von etwa 40 Grad vorfinden", erklärt Wieber. Das Grundwasser steigt bis auf das Niveau des Tiefen Stollens und fließt am Stollenmundloch ab. Befindet sich der Wasseraustritt in der Nähe potenzieller Wärmeabnehmer wie etwa von Industrie-, Verwaltungs- oder Wohngebäuden, ist eine wirtschaftliche Nutzung der Energie möglich. "Außerdem muss eine hohe Schüttung vorliegen, wie wir sie beispielsweise in Bad Ems mit 35 Litern pro Sekunde vorfinden."

Wieber untersucht mit Unterstützung des Ministeriums für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz, der Verbandsgemeinde Bad Ems sowie der Stadt Herdorf bislang drei Standorte in Rheinland-Pfalz. Vor allem der nördliche Teil des Bundeslandes mit dem Westerwald und Siegerland war eine bedeutende Bergbauregion, wo bis in die 1960er Jahre vor allem Eisenerze bis in Tiefen von über 1000 Metern abgebaut wurden. Buntmetallerze wie Bleiglanz und Zinkblende wurden auch im Hunsrück, in der Eifel, im Taunus sowie in der Lahn-Gegend gewonnen, sodass heute mehr als 1000 stillgelegte Bergwerke in Rheinland-Pfalz zu finden sind. Einige wenige davon wurden als Besucherbergwerke der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Vor allem dort, wo neue Siedlungen in der Nähe von austretendem Stollenwasser entstehen, ist es nach Einschätzung von Wieber ein unbedingtes Muss, die geothermische Nutzung zu prüfen. "Die Wärme des Stollenwassers kann mittels Wärmetauscher entnommen und über eine Wärmepumpe dem Verbraucher zur Verfügung gestellt werden. Selbst gering temperierte Wässer können in Niedertemperatur-Heizanlagen, wie sie in modernen Häusern üblich sind, Heizungsvorlauftemperaturen von 40 bis 45 Grad erreichen." Die Nutzung ist hoch effizient: Nur die Wärmepumpe muss betrieben werden. Dies erfordert etwa ein Fünftel der Heizenergie, die aus dem Stollenwasser gewonnen wird. Die Projektstudie in Bad Ems ergab, dass dort über 200 Einfamilienhäuser versorgt werden können. Herdorf, ein Städtchen im nördlichen Rheinland-Pfalz nahe der Grenze zu Nordrhein-Westfalen, könnte etwa 100 Häuser mit Stollenwasser beheizen. Eine Potenzialermittlung zur Grube Georg im Westerwald beginnt im nächsten Monat. "Mit unseren Untersuchungen der Grubenwässer sind wir auf einem jungen Forschungsgebiet im Bereich der angewandten Geologie ganz vorn mit dabei und zeigen damit auch neue Wege zur Energieversorgung der Zukunft auf", so Wieber.

Das ist nicht der einzige Beitrag: Im Dezember 2007 hatte die Johannes Gutenberg-Universität Mainz eine Professur für Geothermie eingerichtet und damit ein extrem innovatives Forschungsgebiet besetzt. Auf die neu eingerichtete Professur wurde als Juniorprofessorin Dr. Eva Schill berufen. Im Unterschied zur oberflächennahen Geothermie, die sich auf die Grubenwässer konzentriert, untersucht Schill die Möglichkeiten, hydrothermale Wässer aus dem tieferen Untergrund in ausreichender Menge zu gewinnen. Diese Wässer weisen Temperaturen von über 100 Grad Celsius auf und können auch zur Stromerzeugung genutzt werden.

Kontakt und Informationen:
Prof. Dr. Georg Wieber
Angewandte Geologie
Institut für Geowissenschaften
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131 39-22858 oder 0261 120-2549
Mail: wieber@uni-mainz.de
Weitere Informationen:
http://www.angewandte.geo.uni-mainz.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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WSI-Arbeitszeitkalender 2008 - Tarifliche Wochenarbeitszeit in 25 Wirtschaftszweigen zwischen 34 und 40 Stunden

Rainer Jung, Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Die tariflich vereinbarte Wochenarbeitszeit in Deutschland beläuft sich durchschnittlich auf 37,6 Stunden. In Ostdeutschland wird tariflich mit 38,8 Stunden deutlich länger gearbeitet als in Westdeutschland mit 37,4 Stunden. Dies geht aus dem Arbeitszeitkalender 2008 hervor, den das WSI-Tarifarchiv in der Hans-Böckler-Stiftung jetzt vorgelegt hat. Die Unterschiede zwischen den 25 untersuchten Branchen und Tarifbereichen sind beträchtlich: Die tarifliche Wochenarbeitszeit schwankt zwischen 34 und 40 Stunden.

In einigen Branchen wurde in den vergangenen Jahren die tarifliche Wochenarbeitszeit erhöht: Im Bauhauptgewerbe stieg sie von 39 auf 40 Stunden, bei der Deutschen Bahn AG von 38 auf 39 Stunden und im öffentlichen Dienst bei Bund und Gemeinden West von 38,5 auf 39 Stunden und bei den Ländern West unterschiedlich von 38,5 auf bis zu 40,1 Stunden.

Der Arbeitszeitkalender dokumentiert die einzelnen Stufen der tariflichen Wochenarbeitszeitentwicklung seit Einführung der 40-Stunden-Woche in 25 Wirtschaftszweigen mit rund 14,4 Mio. Beschäftigten. Eine Chronik informiert über ausgewählte Tarifkonflikte um die Arbeitszeit.
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/pdf/pm_ta_2008_08_06.pdf - Die PM mit Tabelle und Ansprechpartnern
http://www.boeckler.de/pdf/p_ta_elemente_arbeitszeitkalender_2008.pdf - Der komplette Arbeitszeitkalender 2008

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Chinas Mauern bröckeln

Jörg Feuck, Kommunikation
Technische Universität Darmstadt

TUD-Hochschulgruppe zeigt Mittel und Wege, die chinesische Internet-Zensur zu umgehen
Darmstadt, 6.8.2008. Informatik-Studenten der TU Darmstadt kennen Mittel und Wege, die chinesische Internet-Zensur zu umgehen. Die Gruppe Chaos-Darmstadt bietet aktuell Journalisten ihre Hilfe an und informiert betroffene und interessiert Journalisten über die vielen offenen Türen in der chinesischen Internet-Mauer.

Die chinesische Internet-Zensur behindert die Arbeit ausländischer Journalisten im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking entscheidend. Zwar hat die chinesische Regierung auf internationalen Druck hin die Internet-Zensur gelockert, nach wie vor sperrt aber die chinesische Firewall zahlreiche Internetseiten. Mitglieder des Chaos Computer Clubs (CCC) kennen Möglichkeiten, diese Hindernisse zu überwinden.

Ansprechpartner der Gruppe Chaos-Darmstadt ist Lars Fischer. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachgebiet Sicherheit in der Informationstechnik bei Prof. Dr. Claudia Eckert. Er arbeitet u.a. über Privatheit in mobiler Kommunikation. Fischer betreut an der TU Darmstadt die studentische Gruppe Chaos-Darmstadt.

Informationen über Möglichkeiten, eine Internet-Zensur zu umgehen, gibt es u.a. auch auf der von Chaos-Darmstadt organisierten Tagung
"MetaRheinMain Chaosdays" vom 5. bis 7. September 2008.

map

Medienkontakt:
Lars Fischer, Fachbereich Informatik, Fachgebiet Sicherheit in der Informa-tionstechnik, Tel. 06151 16-2889, E-Mail lars@sec.informatik.tu-darmstadt.de
Weitere Informationen:

https://chaos-darmstadt.de
https://mrmcd.net
https://chinesewall.ccc.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Umweltgerechtigkeit - Umwelt- und Gesundheitsschutz für alle!

Martin Ittershagen, Pressestelle
Umweltbundesamt (UBA)

Sozial Schwächere leiden oft stärker unter Umweltproblemen
Wer arm ist, lebt häufiger in einer Umwelt, die krank machen kann. Das belegen sozial- und umweltepidemiologische Studien: Sozial Schwächere wohnen in Deutschland beispielsweise häufiger an stark befahrenen Haupt- oder Durchgangsstraßen und sind Lärm und Abgasen so stärker ausgesetzt als sozial besser gestellte Menschen. Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislaufstörungen und Schlafstörungen können mögliche Folgen sein. "In Deutschland entscheidet der soziale Status mit darüber, ob und wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene unter Lärm oder Umweltschadstoffen leiden. Bildung oder Einkommen beeinflussen die Wohnbedingungen, Lebensstile und damit die Gesundheitsrisiken der Menschen. Sozial Schwächere sind von Umweltproblemen vielfach stärker betroffen - das muss sich ändern", sagte der Vizepräsident des Umweltbundesamtes (UBA) Dr. Thomas Holzmann anlässlich der Veröffentlichung des aktuellen "UmweltMedizinischen InformationsDienstes" (UMID). Der neue UMID behandelt das Thema "Umweltgerechtigkeit - Umwelt, Gesundheit und soziale Lage".

Bereits im vergangenen Jahr stellte das UBA Ergebnisse seines Kinder-Umwelt-Surveys (2003-2006) vor und wies auf die ungleiche soziale Verteilung der Umweltbelastungen in Deutschland hin: 3- bis 14-jährige Kinder aus sozial schwächeren Familien sind unter anderem stärker mit Tabakrauch und Blei belastet. Allerdings tragen Kinder aus sozial besser gestellten Familien unter anderem eine höhere Last an chlororganischen Verbindungen in sich; zum Beispiel polychlorierte Biphenyle (PCB) und Dichlordiphenyldichlorethylen (DDE). Die Daten des KUS lieferten erstmals repräsentative Aussagen über die Schadstoffbelastung der Kinder in Deutschland.
Die aktuelle UMID-Themenausgabe "Umweltgerechtigkeit - Umwelt, Gesundheit und soziale Lage" widmet sich nun ausführlich diesem in Deutschland noch neuen Forschungsfeld. Die soziale (Ungleich-)Verteilung der Umweltbelastungen und deren gesundheitliche Wirkungen fand lange kaum Beachtung. Bisher liegen nur wenige systematische Untersuchungen zum Einfluss der Umwelt auf die Gesundheit und die Lebensqualität verschiedener sozialer Bevölkerungsgruppen vor. Der aktuelle UMID stellt ausgewählte Forschungsprojekte und Aktivitäten auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene vor, die soziale Faktoren in die Analyse umweltbedingter Gesundheitsrisiken einbeziehen. Die Beiträge beschäftigen sich unter anderem mit folgenden Themen:
- Schadstoffbelastung und Sozialstatus - Ausgewählte Ergebnisse aus den Umwelt-Surveys des UBA
- Umweltgerechtigkeit als neues Themen- und Aufgabenfeld an der Schnittstelle von Umwelt, Gesundheit, Soziales und Stadtentwicklung in der Stadt Berlin
- Soziale Unterschiede bei der Bewältigung von Umweltbelastungen am Beispiel der Stadt Kassel
- Umweltgerechtigkeit als Themenschwerpunkt der Gesundheitsberichterstattung in Bayern
Der UMID erscheint drei- bis viermal pro Jahr und informiert kostenlos zu Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. Die am Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit (APUG) - neben dem Bundesumweltministerium, dem Bundesgesundheitsministerium und dem Bundesverbraucher¬schutzministerium - beteiligten Einrichtungen Umweltbundesamt, Bundesamt für Strahlenschutz, Bundesinstitut für Risikobewertung und Robert Koch-Institut geben den UMID gemeinsam heraus.
Der UMID richtet sich vor allem an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des öffentlichen Gesundheitsdienstes und der öffentlichen Verwaltung, an Ärztinnen und Ärzte, Nichtregierungsorganisationen sowie die interessierte Bevölkerung.
Die aktuelle UMID-Ausgabe "Umweltgerechtigkeit - Umwelt, Gesundheit und soziale Lage" 2/2008 steht unter http://www.umweltbundesamt.de/umid.
Eine gedruckte Ausgabe des UMID kann bestellt werden unter info@umweltbundesamt.de sowie unter 0340 2103-2130.
Weitere Informationen zum Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit (APUG) unter www.apug.de.
Eine Zusammenfassung der Ergebnisse des Kinder-Umwelt-Surveys steht unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/hintergrund/kus-jb2006.pdf

(Quelle: Umweltbundesamt)

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GKSS-Membranen reduzieren Luftverschmutzung in Peking

Heidrun Hillen, Pressestelle
GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH

Bewährte Technik zur Benzindampfrückgewinnung kommt in China zum Einsatz

"Dicke Luft" bekämpfen: In China schreiben neue gesetzliche Bestimmungen die Benzindampfrückgewinnung in Tankstellen (Vent Processing) in besonders belasteten Gebieten, wie zum Beispiel Peking oder Shanghai, vor. Die chinesische Ölgesellschaft PetroChina hat jetzt aufgrund dieser neuen Auflagen rund 140 Tankstellen mit einer von den Polymerforschern des GKSS-Forschungszentrums Geesthacht entwickelten Membrantechnik ausgestattet. Bereits seit Anfang der 90er Jahre werden in Europa diese Membranen, Module und das Verfahren zur Benzindampfrückgewinnung in Tanklagern eingesetzt.
Die chinesischen Behörden versuchen pünktlich zu den Olympischen Spielen mit verschiedensten Maßnahmen die Luftverschmutzung in den Großstädten zu verringern. So wird der Autoverkehr in Peking massiv eingeschränkt: Die Regierung hat angeordnet, dass 70 Prozent aller Dienstwagen stehen bleiben müssen. Privatautos dürfen - je nach Autokennzeichen - nur an geraden oder ungeraden Tagen fahren.

Ebenso wurden jetzt gesetzliche Bestimmungen eingeführt, die eine Benzindampfrückgewinnung in Tankstellen in besonders belasteten Gebieten - wie in Peking oder Shanghai - vorschreiben. Bei der Neufassung der Vorschriften haben das deutsche Umweltbundesamt und das Umweltministerium beratend mitgewirkt.

Die Technik

Bei der Benzindampfrückgewinnung werden die Gase direkt am Zapfventil bei der Fahrzeugbetankung zurück in die Vorratstanks der Tankstelle geführt. Das GKSS-Membranmodul reinigt die Abluft der Lagertanks und verhindert den Eintritt von giftigen und klimaschädlichen Gasen in die Atmosphäre.

Technologietransfer: Geesthacht - China

"Das Prinzip der Benzindampfabtrennung durch Membranen ist keineswegs neu: Seit 1990 kann die Benzindampfrückgewinnung durch Membranverfahren in Tanklagern zum Stand der Technik gerechnet werden", sagen die Entwickler der Technik, die GKSS-Polymerforscher Klaus Ohlrogge und Jan Wind. "Es freut uns sehr, dass in China jetzt unser Verfahren, die Module und Membranen auch in Tankstellen eingesetzt werden."

Bereits seit 2003 wurden erste Anlagen in Shanghai, Peking und Hunan installiert: Der GKSS-Lizenznehmer Borsig Membrane Technology rüstet derzeit in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Kooperationspartner Eurovapor rund 140 Tankstellen mit den Anlagen aus.

Bewährte Technologie

Die Benzindampfrückgewinnung in Tankstellen wird bereits in über 250 Tankstellen in den USA und in zirka 80 weiteren Anlagen weltweit eingesetzt. In Deutschland besitzen 60 Prozent aller Tanklager Rückgewinnungsanlagen, die auf Membrantechnik basieren. Der Lizenzgeber für diese Membranen und das Verfahren ist das GKSS-Forschungszentrum Geesthacht.

Lizenznehmer ist in Deutschland Borsig Membrane Technology GmbH. Für den chinesischen Markt besteht eine Kooperation mit der Firma Eurovapor, welche die rund 140 "Vent Processing"-Anlagen lieferte. Die bei GKSS entwickelten Membranen werden in Lizenz bei der Firma GMT Membrantechnik GmbH in Rheinfelden gefertigt.

Weitere Informationen erhalten Sie gern von:

Dipl.-Ing. Jan Wind
GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH
+49 (0)4152 87-2404

Heidrun Hillen
Pressestelle
GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH
+49 (0)4152 - 87-1648
heidrun.hillen@gkss.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Fische lügen, wenn es um Sex geht - Potsdamer Biologen wiesen erstmals nach, dass Tiere Paarungskonkurrenten in die Irre führen

Sylvia Prietz, Referat für Presse-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit
Universität Potsdam

Lügen ist im Tierreich weiter verbreitet, als bisher angenommen. Nicht nur Menschen, Affen und Vögel sind dazu in der Lage, sondern sogar schon Fische. Das hat ein Forscherteam um den Biologen Dr. Martin Plath von der Universität Potsdam herausgefunden. Täuschungsmanöver im Tierreich hatten Wissenschaftler zum Beispiel beobachtet, wenn es um Nahrungskonkurrenz ging. Dass Tiere auch bei der Partnerwahl täuschen können, haben nun erstmals die Potsdamer Wissenschaftler nachgewiesen. Ihre Forschungsergebnisse sind heute in der Online-Ausgabe des Fachjournals Current Biology erschienen.

Plath und seine Kollegen hatten das Paarungsverhalten von zwei eng miteinander verwandten Zahnkärpflingsarten untersucht. Diese unscheinbaren, nur wenige Zentimeter großen mexikanischen Süßwasserfische sind lebend gebärend. Während die eine Art sich ganz "normal" sexuell fortpflanzt, vermehrt sich die andere über Jungfernzeugung. Männchen werden für die Befruchtung also eigentlich nicht gebraucht, jedoch löst erst die Anwesenheit von männlichem Sperma die Entwicklung der Nachkommen aus. Da durch Jungfernzeugung immer nur Weibchen entstehen, müssen diese Weibchen auf die Männchen der verwandten Art zurückgreifen. Die Männchen haben allerdings von diesem Sex-Parasitismus nichts, da sie ihre Gene so nicht verbreiten können. Instinktiv bevorzugen sie bei der Paarung deshalb Weibchen ihrer eigenen Art. Zudem haben sie eine Vorliebe für besonders große Weibchen, da diese mehr Nachkommen zur Welt bringen können als kleine. Darüber hinaus kopieren Männchen aber auch die Paarungsvorlieben anderer Männchen. Dieses Verhalten machen sich die Männchen zunutze, um ihre Konkurrenten zu täuschen.

Plath und sein Team untersuchten zunächst die Partnerwahl von Männchen, wenn kein Konkurrent in der Nähe war. Die Fische verhielten sich erwartungsgemäß und interessierten sich wesentlich stärker für die Weibchen ihrer eignen Art sowie für die größeren Weibchen, wenn ihnen zwei unterschiedlich große arteigene Weibchen präsentiert wurden. War jedoch ein Artgenosse in der Nähe, der sie beobachtete, änderte sich ihre "Vorliebe" auf einmal. Dann interessierten sie sich anfänglich vor allem für die Weibchen, die sie vorher links liegen gelassen hatten, meistens jedoch ohne sich tatsächlich mit diesen zu paaren. Die Forscher schlussfolgern aus diesem Verhalten, dass die Fische ihre männlichen Konkurrenten täuschen, damit diese ihr Sperma an die Weibchen verschwenden, mit denen sie gar keine oder weniger gemeinsame Nachkommen zeugen können. Die Lügner selbst können dann ihre ganze Zeugungspotenz auf Weibchen konzentrieren, die reichlich gemeinsame Nachkommen versprechen. Als nächstes wollen die Biologen nun herausfinden, ob auch andere lebend gebärende Fischarten Lügner sind.

Weitere Informationen sind auch unter www.current-biology.com abrufbar.

Diese Medieninformation ist auch unter www.uni-potsdam.de/pressmitt/2008/pm189_08.htm im Internet abrufbar.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Energiespartipps auf Türkisch

Erste türkischsprachige Ratgeberbroschüre des Umweltbundesamtes: „Energie sparen im Haushalt"

Nach Zusammenarbeit des Umweltbundesamtes (UBA), der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD) und der türkischsprachigen Umweltgruppe „Yesil Cember" (Grüner Kreise) beim Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND), ist jetzt die erste türkische Ratgeberbroschüre zum Thema „Energie sparen im Haushalt" erschienen. Die Broschüre enthält praktische Tipps für den Alltag. Damit geht das UBA auf Migranten in Deutschland ein, die den Wunsch äußerten, dass es mehr Informationen über die gefährdete Umwelt und Schutzmaßnahmen geben sollte, zum besseren Verständnis auch in der eigenen Sprache. So eine Studie des UBA. Die Türken bilden die größte Zuwanderungsgruppe in Deutschland.

Kenan Kolat, Bundesvorsitzender der TGD, Gülcan Nitsch, Vertreterin des Grünen Kreises und Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des UBA, sprechen bei der Vorstellung der Broschüre in Berlin von einer gelungen Zusammenarbeit, die fortgeführt werden soll. Als nächstes wird eine UBA-Ratgeberbroschüre gegen Schimmelpilze in Wohnräumen übersetzt, eine zur Entsorgung von Batterien und Akkus ist geplant. Inhaltlich gleichen die Broschüren im Wesentlichen den bereits erschienenen deutschsprachigen Versionen. An einigen Stellen werden, entsprechend der Zielgruppe, kleinere Änderungen vorgenommen.

Die Broschüre „Energie sparen im Haushalt" gibt praktische Tipps für den Alltag, mit denen sich nicht nur die Umwelt schützen lässt, sondern die auch dabei helfen, Geld zu sparen: Energiesparende Haushaltsgeräte kaufen, Stromräuber finden, beim Heizen sparen, staatliche Unterstützung bei der Wohnraumdämmung nutzen.
Allein Leerlaufverluste können einen Haushalt jährlich mit zusätzlich 100 Euro belasten.

 

Die Broschüre steht unter http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3492.pdf zum Download bereit, kann beim Broschürenservices des UBA bestellt (broschuerenversand@uba.de) oder in den Informationsstellen Dessau (Wörlitzer Platz 1) und Berlin (Bismarckplatz 1) abgeholt werden.

Die Kurzfassung der Studie „Umweltbewusstsein und Umweltverhalten der türkischen Migranten in Deutschland" steht im Internet unter http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-k/k2337.pdf und kann als Langfassung bestellt werden.

 

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Umweltgerechtigkeit - Umwelt- und Gesundheitsschutz für alle!

Sozial Schwächere leiden oft stärker unter Umweltproblemen

Wer arm ist, lebt häufiger in einer Umwelt, die krank machen kann. Das belegen sozial- und umweltepidemiologische Studien: Sozial Schwächere wohnen in Deutschland beispielsweise häufiger an stark befahrenen Haupt- oder Durchgangsstraßen und sind Lärm und Abgasen so stärker ausgesetzt als sozial besser gestellte Menschen. Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislaufstörungen und Schlafstörungen können mögliche Folgen sein. „In Deutschland entscheidet der soziale Status mit darüber, ob und wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene unter Lärm oder Umweltschadstoffen leiden. Bildung oder Einkommen beeinflussen die Wohnbedingungen, Lebensstile und damit die Gesundheitsrisiken der Menschen. Sozial Schwächere sind von Umweltproblemen vielfach stärker betroffen - das muss sich ändern", sagte der Vizepräsident des Umweltbundesamtes (UBA) Dr. Thomas Holzmann anlässlich der Veröffentlichung des aktuellen „UmweltMedizinischen InformationsDienstes" (UMID). Der neue UMID behandelt das Thema „Umweltgerechtigkeit - Umwelt, Gesundheit und soziale Lage".

Bereits im vergangenen Jahr stellte das UBA Ergebnisse seines Kinder-Umwelt-Surveys (2003-2006) vor und wies auf die ungleiche soziale Verteilung der Umweltbelastungen in Deutschland hin: 3- bis 14-jährige Kinder aus sozial schwächeren Familien sind unter anderem stärker mit Tabakrauch und Blei belastet. Allerdings tragen Kinder aus sozial besser gestellten Familien unter anderem eine höhere Last an chlororganischen Verbindungen in sich; zum Beispiel polychlorierte Biphenyle (PCB) und Dichlordiphenyldichlorethylen (DDE). Die Daten des KUS lieferten erstmals repräsentative Aussagen über die Schadstoffbelastung der Kinder in Deutschland.

Die aktuelle UMID-Themenausgabe „Umweltgerechtigkeit - Umwelt, Gesundheit und soziale Lage" widmet sich nun ausführlich diesem in Deutschland noch neuen Forschungsfeld. Die soziale (Ungleich-)Verteilung der Umweltbelastungen und deren gesundheitliche Wirkungen fand lange kaum Beachtung. Bisher liegen nur wenige systematische Untersuchungen zum Einfluss der Umwelt auf die Gesundheit und die Lebensqualität verschiedener sozialer Bevölkerungsgruppen vor. Der aktuelle UMID stellt ausgewählte Forschungsprojekte und Aktivitäten auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene vor, die soziale Faktoren in die Analyse umweltbedingter Gesundheitsrisiken einbeziehen. Die Beiträge beschäftigen sich unter anderem mit folgenden Themen:

§ Schadstoffbelastung und Sozialstatus - Ausgewählte Ergebnisse aus den Umwelt-Surveys des UBA

§ Umweltgerechtigkeit als neues Themen- und Aufgabenfeld an der Schnittstelle von Umwelt, Gesundheit, Soziales und Stadtentwicklung in der Stadt Berlin

§ Soziale Unterschiede bei der Bewältigung von Umweltbelastungen am Beispiel der Stadt Kassel

§ Umweltgerechtigkeit als Themenschwerpunkt der Gesundheitsberichterstattung in Bayern

Der UMID erscheint drei- bis viermal pro Jahr und informiert kostenlos zu Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz. Die am Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit (APUG) - neben dem Bundesumweltministerium, dem Bundesgesundheitsministerium und dem Bundesverbraucher­schutzministerium - beteiligten Einrichtungen Umweltbundesamt, Bundesamt für Strahlenschutz, Bundesinstitut für Risikobewertung und Robert Koch-Institut geben den UMID gemeinsam heraus.

Der UMID richtet sich vor allem an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des öffentlichen Gesundheitsdienstes und der öffentlichen Verwaltung, an Ärztinnen und Ärzte, Nichtregierungsorganisationen sowie die interessierte Bevölkerung.

Die aktuelle UMID-Ausgabe „Umweltgerechtigkeit - Umwelt, Gesundheit und soziale Lage" 2/2008 steht unter http://www.umweltbundesamt.de/umid.

Eine gedruckte Ausgabe des UMID kann bestellt werden unter info@umweltbundesamt.de sowie unter 0340 2103-2130.

Weitere Informationen zum Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit (APUG) unter www.apug.de.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse des Kinder-Umwelt-Surveys steht unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/hintergrund/kus-jb2006.pdf.

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Gesundheit: Sommer ohne Sorgen

Sommer ohne umweltbedingte Gesundheitsbelastungen genießen

Sommer, Sonne, Urlaubszeit und Badespaß: Der Sommer ist für viele Menschen die schönste Zeit im Jahr. Neben viel Spaß und Entspannung bringt er mitunter auch gesundheitliche Belastungen mit sich: hohe Ozonwerte, Hitzewellen oder ultraviolette Strahlung. Auch Zecken, die Krankheitserreger übertragen können, sind in dieser Zeit besonders aktiv. Über den richtigen Umgang mit diesen und anderen „Schattenseiten" informiert der Ratgeber „Sommer ohne Sorgen".

Warme Sommertage können für den Einzelnen zu umweltbedingten gesundheitlichen Beschwerden führen. Der Ratgeber „Sommer ohne Sorgen" erläutert die Zusammenhänge zwischen sommerlichen Umwelteinflüssen und auftretenden gesundheitlichen Problemen. Bürgerinnen und Bürger finden außerdem Tipps und Hinweise auf weiterführende Informationen, um mögliche Belastungen vermeiden zu können. Hier einige Faustregeln für einen unbeschwerten Sommer:

- Trinken Sie viel an heißen Tagen. Besonders geeignet sind mineralstoffhaltige Getränke, wie Wasser oder Tee. Alkohol sollten Sie vermeiden.

- Achten Sie vor allem auf ältere Personen und Kinder, die durch die Hitze besonders belastet sind. Sie brauchen gezielte Aufmerksamkeit.

- Treiben Sie Sport an heißen Tagen besser in den frühen Morgen- oder späteren Nachmittags- und Abendstunden. Vermeiden Sie während der Mittagshitze starke körperliche Anstrengungen.

- Achten Sie auf einen angemessenen Schutz gegen ultraviolette Strahlung. Der beste Sonnenschutz sind geeignete Kleidung, Sonnenhut und Sonnenbrille. Was nicht mit Kleidung bedeckt ist, muss gut mit Sonnenschutzmittel eingerieben werden.

Der Ratgeber „Sommer ohne Sorgen" steht unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/hintergrund/sommer_ohne_sorgen.pdf zum Download bereit. Er ist eine gemeinsame Veröffentlichung der am Aktionsprogramm Umwelt und Gesundheit (APUG) beteiligten Einrichtungen Bundesinstitut für Risikobewertung, Robert Koch-Institut, Bundesamt für Strahlenschutz und Umweltbundesamt. Weitere Informationen unter www.apug.de.

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Forscherteam unter Bayreuther Leitung fand heraus: Alkoholismus wohl älter als die Menscheit

Jürgen Abel M. A., Pressestelle
Universität Bayreuth

Ein den Vorfahren der Primaten ähnelndes Spitzhörnchen trinkt im Regenwald Malaysias täglich Palmbier - heute wie vermutlich vor Millionen von Jahren. Trotzdem ist dieser nachtaktive Kletterspezialist niemals betrunken. Das lässt auf eine positive Wirkung des Alkohols schließen und wirft ein ganz neues Licht auf die Evolution des menschlichen Alkoholismus. Den ersten Nachweis chronischen Alkoholkonsums bei wilden Säugetieren stellt ein internationales Team unter Leitung der Biologen Frank Wiens und Annette Zitzmann von der Universität Bayreuth in dem renommierten Wissenschaftsjournal PNAS (Publikation als PNAS online Early Edition am 28. Juli 2008) vor.

Bayreuth (UBT). Ein den Vorfahren der Primaten ähnelndes Spitzhörnchen trinkt im Regenwald Malaysias täglich Palmbier - heute wie vermutlich vor Millionen von Jahren. Trotzdem ist dieser nachtaktive Kletterspezialist niemals betrunken. Das lässt auf eine positive Wirkung des Alkohols schließen und wirft ein ganz neues Licht auf die Evolution des menschlichen Alkoholismus. Den ersten Nachweis chronischen Alkoholkonsums bei wilden Säugetieren stellt ein internationales Team unter Leitung der Biologen Frank Wiens und Annette Zitzmann von der Universität Bayreuth in dem renommierten Wissenschaftsjournal PNAS (Publikation als PNAS online Early Edition am 28. Juli 2008) vor.
Theorien zum Alkoholismus gingen davon aus, dass die Menschheit und ihre Ahnen vor der Erfindung des Bieres vor etwa 9.000 Jahren entweder gar nicht an Alkohol gewöhnt waren oder nur an sehr geringe Dosen in überreifen Früchten.
Angeblich sind wir für die negativen Auswirkungen des Alkohols und der teilweise erblichen Alkoholsucht so anfällig, weil das Brauen evolutionär gesehen eine sehr junge Errungenschaft ist, an die wir nicht richtig angepasst sind. Die Menschheit leidet sozusagen unter einem evolutionären Kater.
Jetzt zeigt ein internationales Forscherteam aus Deutschland, Kanada, Luxemburg, der Schweiz und Malaysia jedoch, dass ein regelmäßiger hoher Alkoholkonsum schon sehr früh in der Evolution der Primaten vorkam. Der Erstautor Frank Wiens von der Universität Bayreuth und dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim, ein Experte für evolutionäre Physiologie, erklärt dazu: "Alkoholkonsumierende Spitzhörnchen gehören zu den engsten lebenden Verwandten der Primaten und kommen in ihrer Ökologie und ihrem Verhalten unseren gemeinsamen Ahnen, die vor mehr als 55 Millionen Jahren gelebt haben, sehr nahe.
Untersuchungen an diesen faszinierenden Geschöpfen bieten eine ideale Gelegenheit, mehr über die Ursachen und Wirkungen des Alkoholkonsums in einer komplexen natürlichen Umwelt zu lernen."
Im Dschungel verbringt das Federschwanzspitzhörnchen die Nächte damit, vergorenen Nektar der Bertampalme zu suchen. "Diese Palme braut ihr eigenes Bier. Dabei hilft ein Team von Hefearten, von denen einige der Wissenschaft bisher unbekannt waren," so Wiens. Der höchste im Nektar gemessene Alkoholgehalt lag bei eindrucksvollen 3,8 %. "Das ist mit der höchste Alkoholgehalt, der jemals in einem natürlichen Nahrungsbestandteil gefunden wurde."
Die Palme hält ihr stark riechendes Nektarbier über einen langen Zeitraum von eineinhalb Monaten in Blütenknospen bereit bis der Pollen reif ist - wahrscheinlich um ein Klientel von bestäubenden Blütenbesuchern zu garantieren. Im Gegensatz zu vielen anderen Pflanzen blüht die Palme kontinuierlich über das ganze Jahr. Der Alkoholkonsum der Spitzhörnchen und deren Trinkkumpanen - sechs andere Kleinsäuger sind meist mit von der Partie - ist deshalb chronisch. Chronisch im doppelten Sinne, weil das Trinkverhalten vielleicht schon seit über 55 Millionen Jahren so vorkommt.
In einem Lebensraum mit Raubfeinden sind durch Alkohol eingeschränkte Sinne ein tödliches Risiko. Trotzdem wies das Forscherteam im Haar der Tiere hohe Konzentrationen von Ethylglukuronid nach. So hohe Konzentrationen dieses Indikators für chronische Alkoholeinnahme zeigen bei anderen Säugern hohen und ungesunden Konsum an. Spitzhörnchen sind sehr schwierig zu beobachten und zu fangen. Aber die Videoüberwachung von Palmen und das Ausspähen von Tieren mit Radiohalsbändern ergaben, dass jedes Tier mehr als zwei Stunden pro Nacht Nektar trank. Das war mehr Zeit als für irgendeine andere Nahrung aufwendet wurde.
Obwohl Federschwanzspitzhörnchen mit einem Gewicht von 47 Gramm nur etwa doppelt so groß wie eine Maus sind, zeigten sie normale Bewegungen und keinerlei Anzeichen von Trunkenheit. Verglichen mit dem Menschen müssten sie bei ihrem Konsum aber jede dritte Nacht betrunken sein. Anscheinend können Spitzhörnchen den Alkohol im Körper besonders effizient abbauen.
Dass die Spitzhörnchen nicht betrunken sind, schließt jedoch eine Wirkung des niedrigen Alkoholspiegels im Blut nicht aus. Vielmehr vermutet Wiens, dass der Alkohol positive psychologische Effekte hat: "Alkoholkonsum bei Spitzhörnchen ist ein Ergebnis der natürlichen Selektion. Deshalb sollte für die Tiere unter dem Strich ein Nutzen stehen. In weiteren Studien wollen wir dafür Belege suchen. Wir hoffen, dadurch auch das menschliche Trinkverhalten besser zu verstehen."

Kontakt und weitere Infos:
Frank Wiens
0176-24244164 (mobil)
Mail: frank.wiens@uni-bayreuth.de
http://www.uni-bayreuth.de/departments/tphys/wiens/wiens.html

Annette Zitzmann
0172-1056755 (mobil)
Mail: annzitz@aol.com

Originalveröffentlichung
Chronic intake of fermented floral nectar by wild treeshrews
Frank Wiens, Annette Zitzmann, Marc-André Lachance, Michel Yegles, Fritz Pragst, Friedrich M. Wurst, Dietrich von Holst, Saw Leng Guan, Rainer Spanagel
Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA (PNAS)
online Early Edition am 28. Juli 2008

http://www.pnas.org/

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news271937

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Ein Großversuch: Wie viel Hering steckt im Menschen?

Eberhard Scholz, Pressestelle
Universität Bremen

Bremen bereitet sich auf das größte bundesdeutsche Experiment über Schwarmintelligenz mit Menschenmengen vor
Im Jahr der Mathematik wird ein Bremer Stadtteilfest vom 22. - 24. August 2008 zum Schauplatz ungewöhnlicher Versuche über Selbstorganisation riesiger "Menschenschwärme". Getestet wird die Schwarmintelligenz von Menschenmengen. Dem Feldversuch auf dem "ViertelFest" stehen von der Universität Bremen der Mathematik-Professor Ulrich Krause und sein Team beratend zur Seite.

Kollektive Intelligenz oder Schwarmintelligenz bedeutet, dass aus einfachen Handlungen Einzelner ein komplexes Gruppenverhalten entsteht, das die einzelnen Individuen nicht steuern oder kontrollieren können. Bekannt ist das Verhalten beim Heringsschwarm, der von selbst seine Richtung ändern kann, oder bei riesigen Glühwürmchen-Populationen in Malaysia, die es schaffen synchron zu blinken, um Weibchen anzulocken. In Bremen soll nun im Großversuch herausgefunden werden, ob Menschenmengen ähnliche Leistungen der Selbstorganisation erbringen können.

Der Großversuch. Wissenschaft beim Stadtteilfest

Die Besucher des Bremer "ViertelFestes" - es werden an den drei Tagen insgesamt mehr als 150.000 Personen erwartet - erhalten kleine Blech-Insekten, mit denen man Knackgeräusche macht. In dem Experiment geht es darum herausfinden, ob und unter welchen Bedingungen die Menschenmenge sich rhythmisch koordinieren kann.

Von der Bühne aus werden verschiedene Spiele gestartet, denen einfache Regeln zugrunde liegen. Zum Beispiel: Mache ein Geräusch, wenn Deine Nebenleute es tun. Kann sich dann bereits ein Schwarmverhalten wie bei Heringen entwickeln, in dem Falle also ein gemeinsames Knackverhalten, eine Synchronisierung der einzelnen Geräusche? Oder steckt nur wenig Hering im Menschen?

In der Natur sind die Motive für Schwarmintelligenz klar: Es geht um das reine Überleben (Nahrungssuche/Feindabwehr) oder um Fortpflanzung. Beim "ViertelFest" spielen Nahrungs- und Partnersuche durchaus eine wichtige Rolle - die Motivation für die Koordinationsleistung der Menge ist aber größtenteils in den Aspekten Spiel, Amüsement und Kultur zu suchen.

Das Programmbüro "ViertelFest" und die Wissenschaftler der Bremer Uni sehen den Experimenten gespannt entgegen. Denn obwohl mathematische Aspekte eine Rolle spielen, ist der Ausgang der Versuche nicht kalkulierbar. Sicher aber ist, dass hier auf eine spielerische und amüsante Weise Wissenschaft auf den Bürger zugeht.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Prof. Dr. Ulrich Krause
Tel. 0421 218 63735
E-Mail: krause@math.uni-bremen.de

Programmbüro ViertelFest
Frauke Wilhelm
Tel. 0421 337 27 16
E-Mail: info@viertelfest-bremen.de
http://www.viertelfest-bremen.de

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news272344

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Im August beginnt die Pollensaison der allergenen Beifußambrosie

Dipl.-Biol. Stefanie Hahn, Pressestelle
Julius Kühn-Institut

Julius Kühn-Institut legt aktuelle Übersicht zur Ambrosia-Verbreitung in Deutschland vor und bittet Bevölkerung Fundorte zu melden und Pflanzen zu beseitigen.
(Braunschweig) Jetzt im August beginnt die Blütezeit der unscheinbaren Beifußambrosie, Ambrosia artemisiifolia. Allergiker fürchten die aus Nordamerika stammende Pflanze zu Recht, denn schon geringe Pollenkonzentrationen (5-10 Pollen pro Kubikmeter Luft) können einen allergischen Anfall auslösen: brennende Augen, gereizte Schleimhäute sowie Niesanfälle sind die Folge. Die Pflanze wird oft durch verunreinigtes Vogelfutter in Privatgärten eingeschleppt. Um der weiteren Ausbreitung der Allergiepflanze entgegenzutreten, unternehmen Bund und Länder vereinte Anstrengungen. Das Julius Kühn-Institut (JKI) - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (ehemals BBA) koordiniert das nationale Aktionsprogramm Ambrosia seit 2006. Nach ersten bundesweiten Erfassungsaktionen im Jahr 2007 liegt nun eine Übersichtskarte über Vorkommen und Verbreitung der Beifußambrosie in Deutschland vor.

"Dafür wurden die von verschiedenen Organisationen gesammelten Fundortdaten an das JKI gemeldet oder in Form von Tabellen oder Erfassungsbögen übergeben", berichtet Koordinator Dr. Uwe Starfinger. Ein Teil der Fundmeldungen ging direkt bei dem Wissenschaftler vom Julius Kühn-Institut ein oder wurde über das Formularsystem der Internetseite www.jki.bund.de/ambrosia eingegeben. "Ohne die Mithilfe der Pflanzenschutzdienste und Umweltbehörden in den Bundesländern sowie die agrarmeteorologischen Beobachter des Deutschen Wetterdienstes wäre diese Karte nicht zustande gekommen", betont Starfinger. Doch auch den Medien und nicht zuletzt den aufgeklärten Bürgern kommt eine wichtige Rolle im Kampf gegen die unliebsame Pflanze zu.

"Bis auf einige Autobahnrandstreifen handelt es sich bei den Ambrosiafunden um begrenzte Einzelbestände, die oft von wachsamen Spaziergängern oder Gartenbesitzern entdeckt wurden", sagt Starfinger. Große Bestände mit über >100 Pflanzen gibt es vor allem im Süden und in Städten. Eine Ausnahme bildet die südwestliche Niederlausitz in Brandenburg (Gebiet um Calau und Drebkau). Hier kommt Ambrosia großflächig vor und tritt auch in landwirtschaftlichen Kulturen auf.

"Durch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist die Gefahr durch die Ausbreitung der Pflanze vielen Menschen bekannt geworden", zieht Starfinger Bilanz. So wurden viele Pflanzen ausgerissen oder anders vernichtet. In gut der Hälfte (52 %) der Fälle in der JKI-Datenbank hatten die Meldenden selbst die Pflanzen beseitigt. Die erfassten Bestände wurden zu 64 % in Gärten oder Parks gefunden. In 14 % der Fälle handelte es sich um so genannte Ruderalflächen, z. B. nicht bewirtschaftete Wegränder. 55 % der Meldenden gaben an, die Pflanze sei höchstwahrscheinlich durch verunreinigtes Vogelfutter eingeschleppt worden. "Diese Zahlen zeigen, wie wichtig es ist, die Bevölkerung über den Einschleppungsweg und über die Pflanze selbst aufzuklären", so Starfinger.

Das JKI empfiehlt, Ambrosia vor der Blüte auszureißen und über den Hausmüll zu entsorgen. Vögel sollten möglichst mit Ambrosia-freiem Futter gefüttert und die Futterstellen sollten kontrolliert werden. Während der Blüte, die bis in den Oktober andauert, sollten Allergiker die Arbeiten nicht selbst durchführen. Handschuhe und Staubmaske sind angemessene Schutzmaßnahmen. "Die Meldungen an die JKI-Datenbank und viele direkte Telefon- und E-Mail-Kontakte zeigen, dass die Bürgerinnen und Bürger unseren Empfehlungen folgen", freut sich Starfinger. Entgegen anderslautenden Meinungen ist die Allergiegefahr der Pflanzen ernst zu nehmen. Das Aktionsprogramm wird fortgesetzt.

Doch nicht nur zahlreiche Einzelpflanzen sind im letzten Jahr bekämpft worden. Die Projektgruppe Biodiversität hatte im Auftrag des JKI Daten zur Bekämpfung von im Jahr 2006 gemeldeten großen Beständen erhoben. Dabei zeigte sich, dass sich die Ambrosie grundsätzlich zurückdrängen lässt. Da jedoch bei länger bestehenden großen Vorkommen immer auch Samen im Boden verbleiben, müssen solche Flächen auch in den Folgejahren immer wieder kontrolliert und Bekämpfungsmaßnahmen ggf. wiederholt werden.

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Uwe Starfinger
Inst. f. nationale und internationale Angelegenheiten der Pflanzengesundheit
am Julius Kühn-Institut (JKI) - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen
Messeweg 11-12, 38104 Braunschweig
Tel.: 0531 / 299 3380
E-Mail: uwe.starfinger@jki.bund.de

Hintergrundinformation zum bundesweiten Aktionsprogramm:
Eine vom Julius Kühn-Institut (damals noch Biologische Bundesanstalt/BBA) begründete interdisziplinäre Arbeitsgruppe hatte Ende 2006 ein Aktionsprogramm beschlossen, mit dem die weitere Ausbreitung der Ambrosia artemisiifolia in Deutschland gestoppt werden sollte. Das Aktionsprogramm ist seit 2007 ein zentraler Handlungsschwerpunkt im "Aktionsplan gegen Allergien" des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Ziel ist es Allergien zurückzudrängen und den Alltag von Allergikern zu erleichtern.

Das Aktionsprogramm hat drei Säulen:
o deutschlandweites Monitoring zur besseren Kenntnis der tatsächlichen Verbreitung
oMaßnahmen, um weitere Ein- und Verschleppung von Ambrosiasamen zu verhindern und existierende Pflanzen-Bestände zu bekämpfen
odie Information von Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit.

Das Aktionsprogramm wird vom JKI für die interdisziplinäre Arbeitsgruppe koordiniert und mit den Mitgliedern auf jährlichen Treffen abgestimmt. Das JKI ist auch Ansprechpartner für die Beratungsstellen der Länder.

In Bayern wird seit 2007 ein umfangreiches Aktionsprogramm Ambrosiabekämpfung vom Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz koordiniert, dabei wurden 69 große Bestände erfasst. Der überwiegende Teil dieser Bestände wurde 2007 durch Eigentümer oder zuständige Behörden bekämpft

In Baden Württemberg wird ein Aktionsprogramm von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz koordiniert.

In Nordrhein-Westfalen wird das Programm von LWK und LANUV koordiniert.

Alle genannten Länder haben Meldestellen für Ambrosia-Funde eingerichtet und betreiben Öffentlichkeitsarbeit als Teil ihrer Programme. Mehrere haben dazu ein eigenes Faltblatt hergestellt (auch Hessen).

Länderübergreifend hat das BfN die Naturschutzbehörden informiert und zu Vorkommen befragt. Die Ergebnisse wurden kürzlich veröffentlicht. Der Deutsche Wetterdienst hat seine agrarmeteorologischen Beobachter gebeten, Funde mitzuteilen. Alle Funddatensammlungen haben Zusatzinformationen in Anlehnung an den Erfassungsbogen des JKI erfragt (z. B. Bestandsgröße, Biotoptyp etc.).
Weitere Informationen:
http://www.stmugv.bayern.de/-gesundheit/umweltgesund/ambrosia/index.htm - Bayerisches Aktionsprogramm
http://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/26311/ - Aktionsprogramm Baden Würtemberg
http://www.landwirtschaftskammer.com/fachangebot/pflanzenschutz/oeffentlichesgruen/ambrosia.htm - Aktion Nordrhein-Westphalen
http://www.jki.bund.de/cln_045/nn_806762/DE/pressestelle/Presseinfos/2006/06__081206__jetzthandeln.html - Ambrosia Bilder

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Beste Anpassung an den Klimawandel garantiert

Jörg Feuck, Kommunikation
Technische Universität Darmstadt

Das Fachgebiet Umwelt- und Raumplanung der TU Darmstadt arbeitet intensiv auf dem Gebiet Anpassung an den Klimawandel. Jetzt wollen die Wissenschaftler in einer betroffenen Region gemeinsam mit örtlichen Akteuren Anpassungsmaßnahmen erarbeiten. Dafür suchen sie in einem Wettbewerb einen Pilotraum in der Region Starkenburg. Der Gewinner-Raum kann sich sicher sein, auf den Klimawandel bestens vorbereitet zu sein.
Schon heute sind die Auswirkungen des Klimawandels spürbar: Unwetter und Stürme im Hochsommer, extreme Hitze und Trockenheit schon im Frühling und kaum Frost im Winter. Solche Wetterkapriolen treten in den letzten Jahren in Europa verstärkt auf. Zwar ist nicht jeder heiße Sommer zwangsläufig eine Folge des Klimawandels. Mittlerweile gehen die Wissenschaftler aber davon aus, dass die Menschen sich auf künftige Klimaveränderungen einstellen müssen.

Dies gilt natürlich auch für Südhessen: Wärmere Sommer und gleichzeitig geringere Niederschlagsmengen gefährden die Ernten der Landwirte. Generell müssen sie ihre Erzeugnisse daher an die Veränderungen anpassen.

Hier setzt der Wettbewerb "Angepasst im Klimawandel" an: Die TU-Wissenschaftler suchen in der Region Starkenburg einen Pilotraum, um beispielhaft Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel zu erarbeiten. Das Regierungspräsidium Darmstadt übernimmt die Schirmherrschaft.

Der Gewinner des Wettbewerbs wird Pilotraum, in dem das Fachgebiet Umwelt- und Raumplanung in Zusammenarbeit mit regionalen Akteuren bis Ende 2010 ein integriertes Anpassungskonzept ausarbeiten und erste Lösungen umsetzen wird. Für die Realisierung von Pilotmaßnahmen erwarten die Wissenschaftler Fördermittel in Höhe von 50.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Ziel ist es, den Pilotraum zu einem der am besten an die Folgen des Klimawandels angepassten Räume in Deutschland zu entwickeln.

Der Pilotraum soll sich nicht an administrativen Grenzen, sondern an existierenden bzw. zu erwartenden Klimafolgen orientieren. Das bedeutet, dass Gebiete mit ähnlichen naturräumlichen Bedingungen einen Pilotraum bilden können. Voraussetzung für die Teilnahme am Wettbewerb ist ein schlagkräftiges Aktionsbündnis von mindestens drei Akteuren aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung und die Bereitschaft, mit Engagement und Kreativität neue Wege bei der Anpassung an den Klimawandel zu beschreiten.

Bis zum 27. Oktober 2008 können alle Akteure aus der Region Starkenburg (Kreis Bergstraße, Kreis Darmstadt-Dieburg, Kreis Groß-Gerau,
Odenwaldkreis, Kreis Offenbach, Wissenschaftsstadt Darmstadt) ihre Wettbewerbsbeiträge beim Fachgebiet Umwelt- und Raumplanung der TU Darmstadt einreichen.

Weitere Informationen:
Frank Buchholz, 06151 16-2593, f.buchholz@iwar.tu-darmstadt.de
Robert Riechel, 06151 16-3148, r.riechel@iwar.tu-darmstadt.de

PM-Nr. 41/2008, 25.7.2008
Weitere Informationen:
Die offiziellen Ausschreibungsunterlagen sind erhältlich bei:
http://www.klara-net.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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"Bitte gib mir nur ein Wort..." - Was deutschsprachige Schlager und Popmusik über die Liebe verraten

Gerhard Harms, Pressestelle
Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Auch wenn es verwunderlich erscheinen mag: Schmachtige Schlager können durchaus ein vielschichtiges und tiefgründiges Forschungsthema sein. "Sie sind Indizien für soziokulturelle Strömungen und Entwicklungen, vor allem was die Bedeutung von Emotionen angeht", sagt die Oldenburger Psychologin Carmen Wulf.
In ihrer soeben veröffentlichten Dissertation "Historischer Wandel von Liebesvorstellungen" hat sie 136 populäre deutschsprachige Liebeslieder aus zwei Zeitspannen (1967-1970 und 2001-2005) miteinander verglichen und analysiert. Praktisch alle namhaften Interpreten sind vertreten: von Peter Alexander, Roy Black, Gitte & Rex bis zu den Ärzten, Herbert Grönemeyer, Xavier Naidoo und Tokio Hotel. Wulf stellt fest, dass sich anhand der Songs überraschend viele soziologische und psychologische Thesen zum Wertewandel und zum Wandel unserer emotionalen Kultur bestätigen lassen: "Die Romantisierung der Liebe ist in den heutigen Liedern viel stärker ausgeprägt als früher", so Wulf. Dabei scheint das Thema heute mit viel mehr Ernst und auch mit negativen Gefühlen verbunden zu sein. In keinem der älteren Lieder spielt das Thema Liebeskummer eine Rolle, in den aktuelleren Hitlisten kommt es dafür häufig vor.

"Klipp und klar sag´ ich Dir / keiner liebt Dich wie ich", sang 1970 Vicky Leandros - "Bitte gib mir nur ein Wort", flehte dagegen 2005 Judith Holofernes von "Wir sind Helden": Ein Liebesgeständnis ist heute offenbar mit größeren Schwierigkeiten verbunden als in den späten 60er Jahren. Eine Erklärung, so Wulf, sei ein höheres Sicherheitsbedürfnis: "Man hält so lang mit den eigenen Gefühlen hinter dem Berg, bis man sich ganz sicher ist, dass diese auch erwidert werden."

Von absoluter Gefühlskontrolle und emotionaler Coolness, wie sie manche Soziologen und Psychologen prognostizieren, könne man aber in Hinblick auf die Liebe nicht sprechen. Für das Liebesverständnis in den aktuellen deutschen Songs spielten Aspekte wie Schutz, Zuversicht und Geborgenheit eine große Rolle, und man habe eine klare Vorstellung davon, was Liebe leisten solle. In den Texten der späten 60er Jahre werde mit dem Thema spielerischer umgegangen, so die Psychologin.

Carmen Wulf: Historischer Wandel von Liebesvorstellungen. Theoretische Aspekte emotionalen Wandels und empirische Untersuchung des Wandels von Liebesauffassungen in populären Liebesliedern. Verlag Dr. Kovac, Hamburg, ISBN 978-3-8300-3800-9, 98,00 Euro

Kontakt: Dr. Carmen Wulf, E-Mail: carmen.wulf@uni-oldenburg.de
Weitere Informationen:
http://www.uni-oldenburg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Sonnencreme im Badesee macht Schnecken unfruchtbar

Stephan M. Hübner, Marketing und Kommunikation
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)

FRANKFURT. Die chemischen UV-Filtersubstanzen in den meisten Sonnencremes beeinflussen das Hormonsystem und auf diese Weise die Fortpflanzung von Wasserschnecken. Zu diesem Ergebnis kommt Dominic Kaiser vom Institut für Ökologie, Evolution und Diversität der Goethe Universität in einer Studie, in der er die Wirkung der beiden häufigsten UV-Filtersubstanzen auf drei wasserlebende Organismen untersuchte: den Glanzwurm, die Zuckmücke und die Zwergdeckelschnecke. Während die Vermehrung von Wurm und Mücke von den Substanzen nicht beeinträchtigt wurde, produzierten die Schnecken weniger Embryonen im Laborversuch.
"Im Sommer ist der Eintrag in die Badeseen besonders groß", sagt Kaiser, "da die Substanzen aber nicht nur in Sonnencremes, sondern auch in vielen anderen Kosmetika wie Shampoos, Hautcremes, Lippenstiften und Parfums vorkommen, haben wir das ganze Jahr über eine Belastung der Fließgewässer über die häuslichen Abwässer." In Kosmetika dienen die UV-Filtersubstanzen vor allem dazu, die Produkte vor einer Veränderung oder Zersetzung durch Sonnenlicht zu bewahren. Wer sich vor Sonnenbrand schützen und zugleich umweltbewusst verhalten will, sollte daher zu Alternativ-Produkten mit physikalischen oder mineralischen Filtern greifen, die es im Reformhaus, der Apotheke und neuerdings auch in Supermärkten gibt.

Inwieweit Östrogen-aktive UV-Filter auch für den Menschen schädlich sind, ist bisher nicht untersucht. Sicher ist, dass sie über die Haut aufgenommen werden und anschließend für einige Stunden im Blut, Urin und auch in der Muttermilch nachweisbar sind - und zwar in Konzentrationen, die in etwa derjenigen einer niedrig dosierten Anti-Baby-Pille entsprechen. Insofern ist es für Schwangere und Stillende ratsam, auf chemische UV-Filter zu verzichten. "Unsere Forschung ist aber primär auf aquatische Ökosysteme ausgerichtet", erklärt Abteilungsleiter Prof. Jörg Oehlmann, "insofern untersuchen wir nicht, ob das, was für die Zwergdeckelschnecke gilt, sich auch auf den Menschen übertragen lässt."

Dominic Kaiser untersucht nun im Rahmen seiner Doktorarbeit, was seine im Labor gefundenen Ergebnisse für reale Ökosysteme bedeuten. Er entnimmt dazu Wasserproben aus zehn Badeseen und zehn Fließgewässern der Region und untersucht auch den Anteil der UV-Filtersubstanzen im Sediment am Boden des Sees, wo die Larven der Zuckmücke, der Glanzwurm und auch die Zwergdeckelschnecke leben. Seine Untersuchung wird sich dann auf einen ganzen Cocktail von Umweltgiften erstrecken, denn die im Wasser lebenden Organismen können nach der Badesaison noch nicht aufatmen: Ganzjährig sind sie zusätzlich der Wirkung von Pflanzen- und Insektenschutzmitteln ausgesetzt. Wenn die Schnecke aus den belasteten Ökosystemen verschwinden sollte, könnte dies die Ökosystemfunktion beeinträchtigen, es sei denn, die frei gewordene ökologische Nische wird durch eine andere Art besetzt.

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Informationen:
Dominic Kaiser, Institut für Evolution, Ökologie und Diversität, Biologie-Campus Siesmayerstraße, Tel: (069) 798-24759, kaiser@ bio.uni-frankfurt.de

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Hintergrund:
Für seine Untersuchungen wurde Dominic Kaiser im Rahmen der diesjährigen akademischen Feier der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität der Procter & Gamble-Förderpreis verliehen. Die Auszeichnung ist mit 1.000 Euro dotiert, die Preisverleihung fand am 26. Juni auf dem Campus Westend statt.

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Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. Vor 94 Jahren von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit 45 seit 2000 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Uni den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigt sich die Goethe-Uni als eine der forschungsstärksten Hochschulen.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Wenn unser Schutzpanzer Schwächen zeigt - Gendefekt in Hautzellen führt zu Neurodermitis, Heuschnupfen und Asthma

Michael van den Heuvel, Kommunikation
Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

Neueste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass ein genetisch bedingter Mangel an Filaggrin, einem Schlüsseleiweiß der Hautbarriere, eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Allergien spielt. In einer groß angelegten Studie von Wissenschaftlern des Helmholtz Zentrums München gemeinsam mit der Technischen Universität München gelang nun der Nachweis, dass etwa acht Prozent der deutschen Bevölkerung Varianten des Filaggrin-Gens tragen, die das Erkrankungsrisiko für Neurodermitis um mehr als das Dreifache erhöhen. Zudem prädisponieren die Genvarianten zu Heuschnupfen und lassen das Risiko von Neurodermitikern, zusätzlich an Asthma zu erkranken, ansteigen.
Allergische Erkrankungen haben in den letzten Jahrzehnten in den meisten Industrienationen stark zugenommen. Als Auslöser gilt eine Kombination aus genetischen und umweltbedingten Faktoren. In den letzten Jahren wurden mehrere Gene im Zusammenhang mit allergischen Erkrankungen untersucht - und eines davon entpuppte sich tatsächlich als Schlüsselfaktor. Dieses Gen enthält die Bauanleitung für Filaggrin, ein essentielles Protein in der Hornschicht der Haut.

Wird dieses Protein aufgrund eines Gendefekts vermindert oder überhaupt nicht gebildet, ist die natürliche Verhornung gestört und die natürliche Barrierefunktion der Haut eingeschränkt. Varianten des Filaggrin-Gens sind für die so genannte Fischschuppenkrankheit oder Ichthyosis vulgaris verantwortlich, die je nach genetischer Konstellation nur sehr milde ausgeprägt sein kann ("trockene Haut"). Darüber hinaus deuten eine Reihe von Studien daraufhin, dass die Genvarianten auch einen starken Risikofaktor für die Entwicklung von Neurodermitis darstellen.

In einem vor kurzem in der Fachzeitschrift "Pharmacogenomics" erschienenen Übersichtsartikel fasste die Arbeitsgruppe von Dr. Stephan Weidinger, Technische Universität München und Helmholtz Zentrum München, sowie Dr. Thomas Illig, ebenfalls Helmholtz Zentrum München, die bisher vorliegenden Daten zu den Folgen eines Filaggrindefekts zusammen. "Die Haut erfüllt eine Vielfalt an Funktionen und ist eine äußerst wirkungsvolle physikalische, chemische und immunologische Barriere", so Weidinger. "Sie schützt uns vor mechanischen Verletzungen, aber auch vor dem Eindringen von Stoffen aus der Umwelt, wie Erregern und Allergenen. Besonders wichtig dafür ist die äußerste Schicht, die selbst aus mehreren Lagen bestehende Epidermis. An der Außenseite enthält sie fast ausschließlich abgestorbene und komplex verpackte, verhornte Zellen. Für die ordnungsgemäße Verhornung ist Filaggrin ein entscheidendes Protein".

In der aktuellen bevölkerungsrepräsentativen Studie an 3000 Schulkindern, die in Zusammenarbeit mit Dr. Michael Kabesch vom Hauner'schen Kinderspital durchgeführt wurde, konnte nun gezeigt werden, dass fast acht Prozent der Kinder aufgrund von Genvarianten einen Mangel an Filaggrin-Eiweiß in der Haut und dadurch ein mehr als dreifach erhöhtes Risiko haben, an Neurodermitis zu erkranken.

Die im "Journal for Allergy and Clinical Immunology" veröffentlichte Untersuchung wies aber noch einen weiteren interessanten Zusammenhang nach: Die bereits bekannten Defekte im Filaggrin-Gen sowie weitere seltenere Mutationen können auch das Risiko für allergische Sensibilisierungen und Heuschnupfen erhöhen, und bei Patienten mit Neurodermitis zusätzlich zu Asthma führen.

Die Resultate zu Asthma waren besonders überraschend, weil Filaggrin bislang nicht im Epithel der Bronchien, also der äußersten Schicht der Luftwege, nachgewiesen wurde, sondern nur für die Haut von Bedeutung zu sein scheint. Möglicherweise bedingt eine geschwächte Hautbarrierefunktion ein erleichtertes Eindringen von Allergenen und eine erhöhte Entzündungsbereitschaft. "Insgesamt zeigen unsere Resultate, dass Mutationen im Filaggrin-Gen extrem starke Risikofaktoren für Neurodermitis sind und darüber hinaus Heuschnupfen und bei einem bereits bestehenden Ekzem auch Asthma verursachen können", so Weidinger. "Asthma alleine scheint dagegen nicht mit diesen Gendefekten in Zusammenhang zu stehen."

In weiteren, kürzlich in der Fachzeitschrift "Allergy" veröffentlichten Untersuchungen an der bevölkerungsrepräsentativen KORA-(Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg)-Studie konnte das Team um Weidinger und Illig außerdem zeigen, dass die entdeckten Varianten des Filaggrin-Gens auch das Risiko für das allergische Kontaktekzem erhöhen, insbesondere für allergische Reaktionen gegen das häufig in Modeschmuck enthaltene Nickel.

Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass der Haut bei der Entstehung verschiedener allergischer Erkrankungen ganz entscheidende Bedeutung zukommt. "Für uns ist nun von Interesse, wie genau sich die Defekte im Filaggrin-Gen auswirken", meint Illig. "Wir werden als nächstes den Stoffwechselweg dieses wichtigen Proteins untersuchen. Unter anderem muss geklärt werden, welche molekularen Mechanismen auf genetischer Ebene, aber auch bei dem Protein selbst eine Rolle spielen.

Denn letztlich geht es natürlich darum, eine Therapie für die Patienten mit atopischen Erkrankungen zu finden," so Illig. "Wenn ein Mangel an Filaggrin ein so wichtiger Faktor bei all diesen Leiden ist, wäre es etwa denkbar, die Produktion dieses Proteins bei den Patienten mit Hilfe von Cremes zu erhöhen oder auf anderem Weg seine Funktionen zu ersetzen. Unsere Ergebnisse sind also ein erster Schritt hin zu einem besseren Verständnis der krankmachenden Mechanismen - und auch hin zu Ansätzen für eine mögliche Prävention und Therapie dieser weit verbreiteten Leiden."

Veröffentlichungen:

* Elke Rodriguez, Thomas Illig, Stephan Weidinger (2008): Filaggrin loss-of-function mutations and association with allergic diseases. Pharmacogenomics 2008; 9:399-413

* Stephan Weidinger, Maureen O?Sullivan, Thomas Illig, Hansjörg Baurecht, Martin Depner, Elke Rodriguez, Andreas Ruether, Norman Klopp, Christian Vogelberg, Stephan K. Weiland, W.H. Irwin McLean, Erika von Mutius, Alan d. Irvine, Michael Kabesch (2008): Filaggrin mutations, atopic eczema, hay fever, and asthma in childrenJournal of Allergy and Clinical Immunology, 121(5):1203-1209

* Natalija Novak, Hansjoerg Baurecht, Torsten Schäfer, Elke Rodriguez, Stefan Wagenpfeil, Norman Klopp, Joachim Heinrich, Heidrun Behrendt, Johannes Ring, H.-Erich Wichmann, Thomas Illig, Stephan Weidinger (2008): Loss-of-Function Mutations in the Filaggrin Gene and Allergic Contact Sensitization to Nickel. J Invest Dermatol, 2008; 128(6):1430-5

Neuherberg, 23. Juli 2008
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-muenchen.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilungen-2008/pressemitteilung-2008-detail/article/10677/9/index.html

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Schnellerkennung umweltschädlicher Stoffe: Dauerhafte Gewässerüberwachung per Handy

Dr. Ulrich Marsch, Presse & Kommunikation
Technische Universität München

Für ein Verfahren zur Schnellerkennung umweltschädlicher Stoffe in Gewässern hat E.ON Bayern dem Heinz Nixdorf-Lehrstuhl für Medizinische Elektronik der TU München (TUM) den Umweltpreis 2008 verliehen. Das Team um Prof. Berhard Wolf erhält ein Preisgeld von 20.000 Euro. An Bächen und Flüssen sollen Biohybrid-Sensorchips dauerhaft installiert werden, um permanent die
Konzentration von Giftstoffen im Wasser zu messen und die Ergebnisse über ein handelsübliches Mobiltelefon an einen Internetserver zu übermitteln. Insbesondere in Gewässern, in die regelmäßig Abwässer eingeleitet werden, kann die Schnellerkennung dazu beitragen, Umweltsünder zu erfassen, den Abwasserzulauf zu sperren und damit Umweltschäden auf ein Minimum zu begrenzen.

Über eine kleine Pumpe wird im Abstand weniger Minuten Wasser entnommen und einem mit Mikroorganismen, etwa Algen, bestückten Sensorchip zugeführt. Die Untersuchung geeigneter Algen erfolgte in wissenschaftlicher Kooperation mit der Limnologischen Station der TUM in Iffeldorf. Der Stoffwechsel der Algen wird durch bioelektronische Sensoren erfasst und verändert sich je nach Konzentration unweltschädlicher Stoffe im Wasser. So kann eine nachgeschaltete Elektronik der Messanlage die Änderung der Wasserqualität registrieren, sammeln und via Bluetooth-Konnektivität per Mobiltelefon drahtlos an einen zentralen Server weiterleiten. Werden bestimmte Werte überschritten, wird Alarm ausgelöst.

Die Umweltpreis-Jury lobte die Idee, die Technik "Intelligent Mobile Lab" (mobile Analytik mittels Einkanal-Messgerät auf Mikrosensorarray-Basis mit biohybriden Bauelementen) zur permanenten Überwachung von Gewässern einzusetzen. Besonders gefallen hat dabei, dass die vorhandenen Mobilfunknetze zur Datenübertragung genutzt werden: So kann mit relativ geringem technischem Aufwand ein erheblicher Beitrag zum Erhalt sauberer Gewässer geleistet werden.

Die Messgeräte werden durch Akkus betrieben und mit Solarzellen aufgeladen. Das bedeutet, dass sie prinzipiell überall dort eingesetzt werden können, wo ein Mobilfunknetz verfügbar ist. Sind die Biohybrid-Sensorchips einmal installiert, kann innerhalb weniger Minuten die Veränderung der Wasserqualität online und in Realzeit mitverfolgt werden.

Bisherige Ergebnisse zeigen, dass das Messsystem effektiv eingesetzt werden kann, um die Trinkwasserqualität zu überwachen oder Frühwarnsysteme zu etablieren. Eine äußerst kurze Ansprechzeit auf die bisher getesteten Schadstoffe sowie die hohe Sensitivität der Algen auf bereits geringe Schadstoffkonzentrationen gehören zu den Vorzügen des Systems.

In dem aktuellen Forschungsprojekt verwendet der Heinz-Nixdorf-Lehrstuhl für Medizinische Elektronik der TUM die Zellkulturen auf Sensorchips zum Gewässerschutz. Darüber hinaus lässt sich mit diesem Verfahren zur Onlineerfassung metabolischer und morphologischer Parameter von Zellen aber noch mehr analysieren: Die Anwendungsbreite reicht vom Gewässermonitoring über allgemeine Toxikologie bis zur individualisierten Chemo-Sensitivitätstestung.

Kontakt:
Dr.-Ing. Helmut Grothe
Heinz Nixdorf-Lehrstuhl für Medizinische Elektronik der TU München
Tel. (089) 289-22949
E-Mail: grothe@tum.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Weiterbildung älterer Beschäftigter - berufliche Perspektiven und Lernanreize schaffen

Andreas Pieper, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

Der demografische Wandel und die Verlängerung der Lebensarbeitszeit führen zu einer Zunahme älterer Beschäftigter in den Unternehmen. Gleichzeitig erfordern technologische und strukturelle Veränderungen in der Arbeitswelt kontinuierliches Lernen, um den wachsenden Anforderungen stand zu halten. Aktuelle Auswertungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) belegen für Deutschland im Vergleich zu 26 europäischen Ländern eine unterdurchschnittliche Teilnahmequote älterer Beschäftigter.
Die Weiterbildungsbeteiligung Älterer wurde europaweit erstmalig im Rahmen des Continuing Vocational Training Survey (CVTS3) im Jahr 2006 ermittelt. Demnach hat durchschnittlich ein Viertel aller Beschäftigten, die 55 Jahre und älter sind, Weiterbildungskurse besucht. Spitzenreiter ist die Tschechische Republik mit einer Teilnahmequote von 54 Prozent. Deutschland und Österreich nehmen im europäischen Ranking mit einer Teilnahmequote von 21 Prozent den 16. Platz ein und liegen damit hinter allen Ländern Nord- und Westeuropas (siehe Abbildung unter http://www.bibb.de/dokumente/pdf/pressemitteilung_31_2008.pdf).

Wie kommt es zu der relativ geringen Weiterbildungsbeteiligung Älterer in Deutschland und welche Konzepte gibt es in den Unternehmen, um dem zu begegnen? In dem BIBB-Forschungsprojekt "Weiterbildungskonzepte für das spätere Erwerbsleben (WeisE)" wurden Personalverantwortliche in Unternehmen nach Weiterbildungsangeboten für ältere Beschäftigte befragt.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass spezielle Weiterbildungsangebote für Ältere nur in Ausnahmefällen sinnvoll sind. Dazu gehören z.B. Seminare oder Workshops zu Themen wie Altersteilzeit oder Vorruhestand oder solche, in denen es um einen generationsspezifischen Nachholbedarf, wie z.B. bei den IuK-Technologien, geht. Altersgruppenbezogene Maßnahmen bieten sich auch im Rahmen der Personalentwicklung an.

Sehr viel wichtiger als spezielle didaktisch gestaltete Bildungsangebote für Ältere ist hingegen eine kontinuierliche Weiterbildung über den gesamten Berufsverlauf. Dies setzt eine entsprechende Beschäftigungspolitik sowie eine lernfreundliche Arbeitsorganisation und -gestaltung in den Betrieben voraus. Kontinuierliches Lernen ist dort möglich, wo
o ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in innovativen Beschäftigungsbereichen tätig sind
o eine Lernkultur existiert, die Lernen während des gesamten Berufsverlaufs zur Selbstverständlichkeit macht und
o ältere Beschäftigte davon überzeugt sind, dass ihre Expertise gefragt ist.
Durch eine veränderte betriebliche Lernkultur könnten somit die Voraussetzungen geschaffen werden, damit ältere Beschäftigte verstärkt von Weiterbildungsangeboten profitieren.

Ergebnisse der aktuellen CVTS3-Auswertungen sowie neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu den Potenzialen, zum Lernen und zur Weiterbildung Älterer werden im Rahmen der BIBB-Fachtagung "Weiterbildung älterer Beschäftigter - Konzepte und Handlungsfelder" am 3. und 4. September 2008 in Bonn vorgestellt und diskutiert.

Weitere Informationen im Internet
zur CVTS3-Haupterhebung: http://www.bibb.de/de/wlk31488.htm sowie zur CVTS3-Zusatzerhebung: http://www.bibb.de/de/wlk30480.htm
zum BIBB-Forschungsprojekt "Weiterbildungskonzepte für das spätere Erwerbsleben (Wei-sE)": http://www.bibb.de/de/wlk11792.htm
zur BIBB-Fachtagung: http://www.bibb.de/de/1427.htm

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Gen beeinflusst schützenden Effekt von Vollkornprodukten

Dr. Gisela Olias, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

Potsdam-Rehbrücke - Generell gilt: Wer viele Ballaststoffe aus Getreideprodukten isst, hat ein vermindertes Typ-2-Diabetesrisiko. Ergebnisse einer großen Potsdamer Bevölkerungsstudie präzisieren nun diese Aussage. Denn sie zeigen, dass ein winziger Unterschied im Erbgut darüber bestimmen kann, ob ein Mensch im Hinblick auf das Diabetesrisiko von Vollkornprodukten profitiert oder nicht.
Ein Forscherteam vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) wertete im Rahmen der Potsdamer EPIC*-Studie Daten von mehr als 3.000 Teilnehmern aus, von denen 798 an einem Typ-2-Diabetes erkrankt waren. Ziel der Untersuchung war, Zusammenhänge zwischen Variationen im Erbgut, der Ernährungsweise und dem Diabetesrisiko aufzudecken. Bereits in früheren Publikationen** hatten die Wissenschaftler nachgewiesen, dass ein erhöhter Verzehr von Vollkornprodukten mit einem verminderten Diabetesrisiko verbunden ist.

Die Forscher konnten nun zeigen, dass in Abhängigkeit von einer bestimmten Punktmutation im Gen TCF7L2*** mehr als die Hälfte der Probanden von Vollkornprodukten profitierte. Bei diesen Trägern der CC-Genvariante sank das Diabetesrisiko um 14 Prozent pro täglich verzehrten 50 Gramm eines Vollkornprodukts. Diese Menge entspricht in etwa einer Scheibe Vollkornbrot. Dagegen hatten Träger der T-Variante nicht nur ein um 51 Prozent erhöhtes Risiko an Diabetes zu erkranken - der Verzehr von Vollkornprodukten blieb bei ihnen im Hinblick auf das Diabetesrisiko auch ohne positive Wirkung.

DIfE-Wissenschaftler haben damit erstmalig einen direkten Zusammenhang zwischen einem Diabetesrisikogen, dem Verzehr von Vollkornprodukten und dem Erkrankungsrisiko nachgewiesen. "Je öfter es gelingt, solche Zusammenhänge aufzudecken, desto eher werden wir in der Lage sein, individuelle Ernährungsempfehlungen zu geben", erläutert Studienleiter Matthias Schulze.

Die heutigen Ernährungsempfehlungen sind eher allgemein gehalten und werden deshalb oft nicht angenommen. Wissenschaftler arbeiten daher daran, Wege zu finden, sie zu personalisieren. Solche maßgeschneiderten Ernährungsempfehlungen könnten die Bereitschaft erhöhen, die Ratschläge zu befolgen und dazu beitragen, dass sich Menschen entsprechend ihren Erbanlagen gesünder ernähren.

Die generelle Empfehlung, mehr Vollkornprodukte zu verzehren, sei aber keineswegs überholt, betonen die DIfE-Wissenschaftler. Selbst wenn einige Menschen aufgrund ihrer Erbanlagen im Hinblick auf das Diabetesrisiko nicht davon profitieren würden, so könnte ein erhöhter Verzehr von Vollkornprodukten wahrscheinlich auch bei diesen Menschen zur Senkung des Risikos für Darmkrebs und Herz-Kreislauferkrankungen beitragen. Darüber hinaus sollten die Ergebnisse vielmehr verdeutlichen, dass Träger der T-Variante besonders auf ihr Gewicht und ausreichend Bewegung achten müssen. Denn im Rahmen des US Diabetes Prevention Program haben Forscher bereits nachgewiesen, dass durch Gewichtsreduktion sowie körperliche Aktivität der negative Einfluss der T-Variante wieder ausgeglichen werden kann.

Fisher E et al.: Whole-grain consumption and TCF7L2 rs7903146: Gene-diet interaction in modulating Type 2 diabetes risk. British Journal of Nutrition. 2008

Hintergrundinformation:

*EPIC (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition)-Studie: eine prospektive, 1992 begonnene Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung und Krebs und anderen chronischen Erkrankungen aufdeckt. 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit 519.000 Studienteilnehmern sind an der Studie beteiligt. Die EPIC-Studie wird von Dr. Elio Riboli (International Agency on Research of Cancer, Lyon, Frankreich) koordiniert. Die Potsdamer EPIC-Studie, an der 27.548 Frauen und Männer im Alter zwischen 35 und 65 Jahren teilnehmen, leitet Professor Dr. Heiner Boeing.

** Publikationen:
1) Schulze MB et al.: Fiber and magnesium intake and incidence of type 2 diabetes: a prospective study and meta-analysis. Arch Intern Med. 2007; 167:956-65.

2) Schulze MB et al.: An accurate risk score based on anthropometric, dietary, and lifestyle factors to predict the development of type 2 diabetes. Diabetes Care. 2007; 30:510-5.
Basierend auf dieser Publikation haben DIfE-Wissenschaftler den Deutschen Diabetes-Risiko-Test (DRT) entwickelt, der auch online über www.dife.de abgerufen werden kann.

***Mehrere Studien haben TCF7L2 als ein Diabetesrisikogen identifiziert, das innerhalb verschiedener ethnischer Gruppen eine Rolle spielt. Vermutlich führt die Mutation des Gens zu einer verminderten Insulinausschüttung, wobei der zu Grunde liegende Mechanismus noch nicht bekannt ist. In der vorliegenden Studie untersuchten die Wissenschaftler den single nucleotide polymorphism (SNP) rs7903146. Die Punktmutation führt zum Austausch der Base Cytosin (C) gegen die Base Thymin (T). Homozygote Träger der Cytosin-Variante profitieren von Vollkornprodukten, heterozygote und homozygote Träger der Thymin-Variante haben ein erhöhtes Diabetes Risiko.

Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören 82 außeruniversitäre Forschungsinstitute und forschungsnahe Serviceeinrichtungen. Diese beschäftigen etwa 13.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Stand 12/2006). Davon sind ca. 5.400 Wissenschaftler (inkl. 2.000 Nachwuchswissenschaftler). Leibniz-Institute arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Sie sind von überregionaler Bedeutung und werden von Bund und Ländern gemeinsam gefördert. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,1 Milliarden Euro pro Jahr. Die Drittmittel betragen etwa 225 Millionen Euro pro Jahr. Näheres unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de.

Kontakt:
Dr. Eva Fisher (Erstautorin der Studie)
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Epidemiologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
D-14558 Nuthetal
Tel: ++49 (0)33200-88-718
E-Mail: fisher@dife.de

Prof. Dr. Matthias Schulze
E-Mail: mschulze@dife.de
Tel: +49-8161-71-2002

Dr. Gisela Olias
DIfE
Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
D-14558 Nuthetal
Tel.: ++49 (0)33200-88-278/-335
E-Mail: olias@dife.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Könnte sich das Klima drastisch und abrupt ändern?

UBA-Papier zu möglichen „Kipp-Punkten" im Klimasystem

Die zunehmende Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre erwärmt das Klima. Die Lufttemperaturen der bodennahen, atmosphärischen Schichten steigen dadurch an. Werden bestimmte Temperaturschwellen erreicht, könnte das Klimasystem mit abrupten und starken Änderungen reagieren: Grönlands Eismassen schmelzen, der Meeresspiegel steigt an, das arktische Meereis schmilzt, die Arktis selbst erwärmt sich und der Regenwald am Amazonas trocknet zunehmend aus. Ein neues Hintergrundpapier des Umweltbundesamtes (UBA) fasst den Kenntnisstand zu möglichen Gefahren drastischer Klimaänderungen zusammen. „Schon in diesem Jahrhundert drohen uns bei weiter steigenden Temperaturen drastische Klimaänderungen - auch in Deutschland", sagte Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des Umweltbundesamtes (UBA). „Wir alle sind Teil eines globalen Experiments mit der Lufthülle unseres Planeten, von dem wir nicht genau wissen, wie es ausgehen wird. Wir müssen den Ausstoß der Klimagase rasch und deutlich senken und uns an den Klimawandel anpassen.", so Holzmann weiter.

Die meisten Menschen denken bei dem Wort „Klimaerwärmung" an einen langsam fortschreitenden Prozess: Schon bei relativ geringen Temperaturanstiegen kann das Klimasystem bereits sogenannte „Kipp-Punkte" erreichen, bei denen es zu abrupten und drastischen Änderungen kommt. Steigende Temperaturen in der Arktis haben zum Beispiel in den letzten 100 Jahren zu einem Rückgang des Meereises geführt. Bei einem weiteren Anstieg der Temperaturen könnte die Arktis im Sommer bald eisfrei sein. Der Kipp-Punkt für eine sommerliche eisfreie Arktis könnte sehr nah oder möglicherweise bereits überschritten sein. Für die in der Arktis lebenden Menschen hätte das schwerwiegende Folgen: Gejagte Tierarten verschwinden, Häuser und Wege werden durch tauende Böden instabil und beschädigt. Eine weitere Erwärmung könnte auch für den Amazonas-Regenwald drastische Folgen haben. Verstärkt durch Waldrodungen und die Tatsache, dass sich Straßen, Ackerland und Weideflächen immer weiter ausbreiten, kann das Ökosystem Regenwald austrocknen und schließlich vollständig zusammenbrechen.

Wann genau solche Kipp-Punkte erreicht werden, können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jedoch nur schwer bestimmen, da viele natürliche Prozesse noch nicht ausreichend erforscht sind. Jedoch ist sicher: Sind die Veränderungen im Klimasystem zu stark und nicht mehr umkehrbar, könnte eine Anpassung für den Menschen zu spät oder nur unter hohem Aufwand und extrem hohen Kosten möglich sein.

Entschlossenes Handeln ist daher zwingend erforderlich: Dazu gehört erstens, den Ausstoß der Treibhausgase in die Atmosphäre deutlich zu reduzieren. Zweitens müssen wir uns an die nicht mehr abwendbaren Folgen des Klimawandels anpassen - zum Beispiel durch die effiziente Nutzung der Wasserressourcen oder die Entwicklung trockenheitstoleranter Kulturpflanzen. Nur so lassen sich die Folgen eines sich ändernden Klimas in Grenzen halten und bewältigen.

Das Hintergrundpapier „Kipp-Punkte im Klimasystem - welche Gefahren drohen?" steht unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/hintergrund/kipp-punkte.pdf zum Download bereit.

(Quelle: Umweltbundesamt)

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