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Tägliche Meldungen Dezember 2008
Die Themengebiete im Überblick:
Umwelt und Forschung
Gesellschaft
Gesundheit
Ginkgo gegen Demenz: zur Vorbeugung nutzlos, in der Therapie ist die Wirkung noch fraglich
Frank A. Miltner, Pressestelle der DGN
Deutsche Gesellschaft für Neurologie
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) rät nicht zur vorbeugenden Einnahme von Ginkgo-Präparaten gegen Demenzerkrankungen. Auch für die Behandlung der Alzheimer-Demenz ist für diese Substanz keine generelle Empfehlung gegeben. Zwei neue Studien, die den Nutzen des auch in Deutschland millionenfach verkauften Ginkgo-Extrakts gegen Gedächtnisverlust untersuchten, hatten in der Öffentlichkeit für Verwirrung gesorgt: Einerseits bremse die vorbeugende Einnahme des Pflanzenextrakts nicht den Verfall des Gehirns. Andererseits können Patienten, die bereits an Alzheimer-Demenz erkrankt sind, möglicherweise von einer hohen Dosierung (240 mg) des Ginkgo-Extrakts profitieren.
Studie 1: Vorbeugung bei Patienten im hohen Alter: In der aktuellen amerikanischen Studie[1] in dem Fachjournal JAMA wurde das Präparat eines deutschen Herstellers mit einem Scheinmedikament (Placebo) bei 3069 Senioren im Alter von mindestens 75 Jahren verglichen. Die meisten Teilnehmer waren bei Studienbeginn geistig gesund gewesen, bei 482 Personen hatten die Ärzte jedoch eine leichte kognitive Beeinträchtigung (engl. Mild Cognitive Impairment, MCI) diagnostiziert. Diese Gedächtnisstörung gilt als mögliche Vorstufe der Alzheimer-Krankheit. Diese Ginkgo Evaluation of Memory-Studie (GEM) war von den US-amerikanischen Gesundheitsinstituten (NIH) mitfinanziert und vom US-Nationalen Zentrum für Komplementär- und Alternativmedizin (NCCAM) entworfen worden. Die Firma Schwabe hatte den sowohl in Deutschland als auch in den USA frei verkäuflichen Ginkgo biloba-Extrakt EGb 761 sowie die Placebopillen bereit gestellt, war aber weder an der Konzeption noch an der Durchführung oder Auswertung der Untersuchung beteiligt.
Das Präparat war in der empfohlenen Dosierung von zwei Mal täglich 120 Milligramm gegeben worden und die Studienteilnehmer wurden im Mittel über sechs Jahre hinweg alle sechs Monate auf Hinweise einer Demenzerkrankung untersucht. Im Verlauf der Studie erkrankten 523 Teilnehmer, darunter 277 (17,9 Prozent), die den Ginkgo-Extrakt erhalten hatten und 246 (16,1 Prozent), die ein Scheinpräparat bekommen hatten. Diese statistisch unbedeutenden Unterschiede veranlassten den Studienleiter Dr. Steven T. DeKosky, Dekan an der Medizinischen Fakultät der Universität von Virginia, zu dem Kommentar: "Wenn Sie Mitte 70 sind und diese Arznei zur Vorbeugung einer Demenz einnehmen wollen, muss ich Ihnen sagen: Es wirkt nicht."
In einer Stellungnahme der Firma Schwabe [2] heißt es, dass unter den gegebenen Umständen eine Wirkung nicht zu erwarten gewesen sei. Schwabe argumentiert, dass die Versuchsteilnehmer im Durchschnitt 79 Jahre alt waren, dass aber die Schäden an den Nervenzellen bereits etwa 15 bis 20 Jahre vor dem Ausbruch einer Demenzerkrankung beginnen.
Studie 2: Metastudie zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit: Erst kürzlich hat auch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) einen Bericht zu Ginkgo biloba bei der Alzheimer-Demenz publiziert [3], der allerdings die aktuelle amerikanische Studie noch nicht berücksichtigen konnte. In diesem Bericht ging es darum, eine bereits vorhandene Demenz - speziell vom Alzheimer-Typ - zu behandeln. "Patientinnen und Patienten mit Alzheimer-Demenz können von ginkgohaltigen Präparaten profitieren, sofern sie diese in einer hohen Dosierung einnehmen", heißt es dazu in dem Bericht des IQWiG. Dies sei für das Therapieziel "Aktivitäten des täglichen Lebens" belegt. In punkto geistige Fähigkeiten, allgemeine psychopathologische Begleitsymptome sowie der Lebensqualität der betreuenden Angehörigen gebe es zumindest Hinweise auf einen Nutzen. Das IQWiG verweist aber auch auf Studien, die keinen Nutzen von Ginkgo biloba bei der Alzheimer-Krankheit erbrachten. Deshalb sei letztlich unklar, wie groß der Effekt ist, so der 193 Seiten starke Abschlussbericht, der mit vielen Einschränkungen versehen wurde.
"Wir halten diese Bewertung für zu positiv", so Professor Günther Deuschl, Präsident der DGN. "Speziell zur Behandlung der Alzheimer-Demenz liegen nur einzelne methodisch ausreichende Studien vor. Sie zeigen keine konsistenten Befunde, sodass wir eine generelle Empfehlung zur Zeit nicht geben können." Dies entspreche auch der Sicht der Zulassungsbehörden, denn eine Zulassung von Ginkgo-biloba-Extrakten speziell für die Alzheimer-Demenz liegt nicht vor.
Bereits im vergangenen Jahr war eine so genannte Metaanalyse von 35 klinischen Studien der Cochrane Collaboration zur Wirkung von Ginkgo-Extrakten bei Denkstörungen und Demenz zu dem Schluss gekommen, es gebe hierfür nur "inkonsistente und nicht überzeugende Belege"[4].
QuelleN:
[1] DeKosky S T, Ginkgo biloba for Prevention of Dementia, JAMA 2008;300(19):2253-2262
[2] Fa. Schwabe Arzneimittel: Stellungnahme zur US-Studie Ginkgo und Demenz
[3] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Ginkgohaltige Präparate bei Alzheimer-Demenz. Abschlussbericht A05-19B . Köln: IQWiG; 2008
[4] Birks J, Grimley Evans J, Ginkgo biloba for cognitive impairment and dementia. Cochrane Database of Systematic Reviews 2007, Issue 2. Art. No.: CD003120. DOI: 10.1002/14651858.CD003120.pub2
Fachlicher Kontakt bei Rückfragen
Prof. Dr. Günther Deuschl, 1. Vorsitzender der DGN, Direktor der Neurologischen Klinik,Klinikum der Universität Kiel, Tel. 0431/597-8550, E-Mail: g.deuschl@neurologie.uni-kiel.de
Pressestelle der DGN
c/o albertZWEI media GmbH, Frank A. Miltner, presse@dgn.org, Tel: 089 461486-14
Geschäftsstelle Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.
Prof. Dr. med. O. Busse, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin, Tel: 030 531437930,
busse@dgn-berlin.org
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(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
FH Bingen erzeugt mit neuartigem Pyrolyseverfahren Wärme und Dünger aus Biomasse
Vera Hamm, Öffentlichkeitsarbeit
Fachhochschule Bingen
Regenerative Energienutzung und Umweltschutz werden an der technisch-naturwissenschaftlichen Fachhochschule Bingen schon lange groß geschrieben. Mit einem neuartigen für die Hochschule patentierten Verfahren können insbesondere biologische Abfall- und Reststoffe durch Pyrolyse mit nachgelagerter flammloser Oxidation (Flox) zur Energieerzeugung eingesetzt werden. Nebenprodukt dieses umweltschonenden Verfahrens ist ein wertvoller kohlenstoff- und mineralienhaltiger Dünger, der der Natur wieder zugeführt werden soll.
Die Pilotphase auf der Kläranlage Untere Selz in Ingelheim, bei der mit einem Pyrolysereaktor Klärschlamm energetisch verwertet wurde, ist abgeschlossen und lieferte überzeugende Ergebnisse. Ein neues Großprojekt ist angelaufen. Im landwirtschaftlich geprägten Rheinland-Pfalz gibt es viele Abfall- oder Nebenprodukte, die als regenerative Brennstoffe genutzt werden könnten. Dazu zählen Stroh, Rapspresskuchen, Grünschnitt, Trester oder Klärschlamm als kohlendioxidneutrale Bioenergieträger, wovon insbesondere Klärschlamm ganzjährig verfügbar ist. "Problematisch bei der thermischen Verwertung solcher Biomassearten sind zum einen der hohe Ascheanteil, der für hohe Staubemissionen und Verschlackungsprobleme verantwortlich ist, und zum anderen der Stickstoffgehalt, der an der Oxidation teilnimmt und damit die Einhaltung der Emissionsgrenzwerte erschwert", weiß Professor Dr. Winfried Sehn. Mit seinem Mitarbeiter Helmut Gerber suchte er nach Alternativen. In dem an der FH Bingen entwickelten Biomasse-Pyrolysereaktor werden die chemischen Verbindungen der Biomasse thermisch aufgespalten - pyrolysiert - und das dabei entstehende Pyrolysegas mit flammloser Oxidation im innovativen Flox-Brenner (Flox = flammlose Oxidation) bei geringen Emissionen verbrannt. Die Wärme kann über Stirling- oder Dampfmotoren zur Stromerzeugung genutzt oder zur Trocknung der Biomasse eingesetzt werden. Das Verfahren erlaubt Optimierung in zwei Richtungen: Eine optimale Energieausbeute aus der Biomasse bei geringem Kohlenstoffanteil in der Asche oder einen hohen Kohlenstoffanteil bei reduzierter Energieerzeugung. Wird der Ertrag an thermischer Energie auf ein Drittel des Heizwertes der eingesetzten Biomasse abgesenkt, bleibt 27 Prozent des Kohlenstoffs in fester Form zusammen mit den Mineralstoffen in der Asche übrig. Getestet wurde an einer Pilotanlage mit einer Leistung von 100 Kilowatt. Dieses Verfahren der energetischen Nutzung von Bioenergieträgern eignet sich hervorragend zum dezentralen Einsatz, dort, wo die Brennstoffe verfügbar sind und Energie benötigt wird. Das erspart weite Transportwege und entlastet zusätzlich die Umwelt. Gerade für die Klärschlammentsorgung kleiner Kommunen böte das neue Verfahren eine Alternative, da die Möglichkeiten der landwirtschaftlichen Nutzung erhalten und sogar verbessert würden, zählt Sehn weitere Vorteile auf. Die Reststoffe sind hygienisch unbedenklich und als Dünger verbessern sie die Bodenqualität. Als ein wesentlicher Zusatzeffekt wird ein Teil des durch Photosynthese in der Pflanze gebunden Kohlendioxids im Boden eingelagert (sequestriert).
Dr. Sehn und seine Projektpartner sind sich einig: "Das patentierte Verfahren hat das Potenzial zur umweltgerechten und ökonomischen Nutzung von Biomassereststoffen und bietet damit insbesondere eine Alternative zur bisherigen Klärschlammentsorgung". Sie blicken optimistisch in die Zukunft, 2009 könnte die Anlage auf den Markt kommen. Anfragen von Kaufinteressenten gebe es bereits, so Sehn.
Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts wird an der FH Bingen unter Mitwirkung der Universitäten Dortmund und Bayreuth sowie von Partnern aus dem Bereich der KMU die Anlage inzwischen als Blockheizkraftwerk aufgebaut . Über einen Dampfkraftprozess soll damit Strom erzeugt und die Pyrolysereste auf ihre Eignung als Terra Preta untersucht werden. Terra Preta wurde bereits von Indios vor 700 Jahren eingesetzt, um mit Holzkohle die Urwaldböden dauerhaft fruchtbar zu machen und die Auswaschung von Nährstoffen zu verhindern.
Weitere Informationen: Professor Dr. Winfried Sehn, sehn@fh-bingen.de, Tel:06721/409 444, Dipl-Ing. (FH) Helmut Gerber gerber@fh-bingen.de Tel.: 06721/409 230
Weitere Informationen:
http://www.Pyreg.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Recycelter Phosphor für die Landwirtschaft - Was ist möglich, was ist sinnvoll?
Dr. Gerlinde Nachtigall, Pressestelle
Julius Kühn-Institut
Phosphor ist ein lebensnotwendiger Pflanzennährstoff. Der Bedarf an Phosphor für die Landwirtschaft steigt mit wachsender Weltbevölkerung. Die natürlichen Phosphatreserven sind jedoch endlich. Ein Dilemma? Auf den 8. Braunschweiger Nährstofftagen Mitte November am Julius Kühn-Institut wurden Möglichkeiten aufgezeigt, Phosphordünger (P-Dünger) aus Abfallprodukten zu gewinnen. Es wurden technische Recycling-Verfahren vorgestellt.
Neben ökonomischen Anforderungen müssen die Verfahren recycelte P-Dünger hervorbringen, die ökologisch und gesundheitlich unbedenklich sind und eine gute Düngewirkung haben. So lautet ein wichtiges Fazit der fachübergreifenden Veranstaltung, zu der rund 100 Teilnehmer aus Forschung, Wirtschaft und Politik zusammengekommen waren. Unter den Teilnehmern herrschte Einigkeit darüber, dass im Sinne einer für kommende Generationen nachhaltigen Nutzung der Bedarf an Phosphor in der Landwirtschaft künftig stärker von Phosphaten aus sekundären Quellen gedeckt werden muss. Mögliche sekundäre Phosphatquellen sind Abwässer aus Kläranlagen, Klärschlämme sowie Klärschlammaschen, aber auch phosphorreiche Schlachtnebenprodukte.
So wurde beispielsweise im Rahmen des EU-Projektes SUSAN in einer Pilotanlage in Österreich ein Verfahren erfolgreich getestet, das Klärschlammasche thermisch aufbereitet. Eine Praxisanlage in Bayern ist in Planung. Andere Verfahren setzen die Berliner Wasserbetriebe (Abwasser) oder eine Kläranlage in Gifhorn (entwässerter Klärschlamm) ein. Da Maßstäbe und Bezugsgrößen nicht einheitlich verwendet werden, ist es allerdings teilweise schwierig, die ökonomische und energetische Effizienz der Anlagen vergleichend zu bewerten. Um vor dem Gesetzgeber und in der Praxis bestehen zu können, müssen die recycelten Phosphatdünger geringst mögliche Gehalte an schädlichen Schwermetallen enthalten und frei von gefährlichen organischen Verbindungen sein.
Eine weitere, für den Nährstoff Phosphor wesentliche und auf der Tagung umfassend diskutierte Forderung an neue Düngemittel ist, dass die gewonnenen Phosphorverbindungen auch wirksam, d. h. für die Pflanze gut verfügbar sind. Judith Schick vom Julius Kühn-Institut untersuchte im Rahmen von SUSAN die Düngewirkung thermochemisch behandelter phosphorhaltiger Klärschlamm-Aschen. Diese Aschen werden in einem Drehrohrofen unter Beimengung eines Chlordonators verbrannt, um sie weitgehend von Schwermetallen zu entfrachten sowie die P-Verbindungen umzukristallisieren. Ergebnisse von Gefäßversuchen mit derart hergestellten P-Düngern zeigen, dass bei optimaler Wahl der Verfahrensparameter Erträge erzielt werden können, die mit denen konventioneller phosphorhaltiger Dünger vergleichbar sind. Bei einem organischen NP-Dünger aus Fleischknochenmehl trat in Untersuchungen des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie des Freistaates Sachsen die Düngewirkung erst mit Verzögerung ein. Da die P-Verfügbarkeit dieser Dünger mit steigendem Boden-pH abnimmt, sind sie vor allem für eine langfristige Versorgung von sauren Böden mit niedrigeren pH-Werten gut geeignet.
Um Aussagen über die Effizienz von Phosphordüngern aus Sekundärrohstoffen treffen zu können, ist es notwendig ihre P-Wirksamkeit zu charakterisieren. Dies erfolgt für konventionelle Mineraldünger je nach Düngerart durch verschiedene chemische Extraktionsverfahren. Im Rahmen eines Forschungsvorhabens des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) am Julius Kühn-Institut überprüft die JKI-Wissenschaftlerin Sylvia Kratz auch, ob ein Zusammenhang zwischen der Effizienz von P-Düngern aus Sekundärrohstoffen und den chemischen Extraktionsmethoden besteht. "Ein Hauptziel dieses Vorhabens ist es, die Vielzahl der bestehenden chemischen Extraktionsverfahren auf drei Verfahren zu reduzieren. Anhand der Angaben zu den Verfahren soll der Anwender erkennen können, wie wirksam der Phosphor in den jeweiligen Düngemitteln ist", so Kratz.
Auch wenn die Phosphorreserven weltweit umfangreicher sind als angenommen, wurde auf der JKI-Veranstaltung deutlich, dass die Qualität der abgebauten Rohphosphate in Zukunft nachlassen wird. Neben dem erheblich höheren Aufwand, schwer erschließbare Reserven abzubauen, wird die Entfernung von Schwermetallen aus primären Rohphosphaten zur Herausforderung. Unter diesen Bedingungen sind Phosphate aus sekundären Quellen eine echte Alternative. Deshalb sind vereinte Anstrengungen notwendig, die vorgestellten Ansätze rasch in praxistaugliche, ökonomisch rentable Verfahren zu überführen, an deren Ende agronomisch wirksame und ökologisch sowie gesundheitlich unbedenkliche P-Dünger stehen.
Hintergrundinformationen:
Bedeutung Phosphor für Pflanze
Bei Phosphormangel bleiben die Pflanzen klein und kümmern. Sie bilden nur schwache Wurzeln aus, haben dünne Stängel und rötlich verfärbte Blätter, was vor allem bei Mais gut zu beobachten ist.
Im Boden kommt Phosphor in drei Formen vor: in gelöster Form, an Bodenteilchen labil gebunden und stabil, weitestgehend unlöslich und für die Pflanze nicht nutzbar. Wird gelöstes P von der Pflanze aufgenommen, kann je nach Bodeneigenschaften labiles nicht gelöstes Phosphat im Zuge der Einstellung eines chemischen Gleichgewichtes in Lösung gehen. Bodenphosphate sind im Bereich von pH-Werten von 5,5 bis 7,0 am besten löslich. Kalk kann die Verfügbarkeit von Phosphor positiv beeinflussen, ebenso organische Substanzen (so genannter Humateffekt).
Eine weitere Besonderheit des Bodenphosphors: Er ist nur wenig beweglich, d.h. die Pflanzenwurzeln können nur bis zu einer Entfernung von 1 bis 2 Millimetern um die Wurzeln herum gelöstes Phosphat aufnehmen.
Weltweite Produktion und Verbrauch
2007 wurden weltweit 156 Millionen Tonnen Phosphor abgebaut. Ökonomisch abbauwürdig sind derzeit 18 Milliarden Tonnen Rohphosphat.
Weltweit größter Verbraucher ist Asien (vor allem China) mit 58 % des weltweit verbrauchten Rophosphates, derzeit steigt der Bedarf hier jährlich um 3,7%. Europa verbraucht 9 % mit leicht sinkender Tendenz. Deutschland importierte 2007 rund 115.000 t Phosphor; eine deutliche Verringerung im Vergleich zum Jahr 1997, in dem 284.000 t importiert wurden.
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de - Veröffentlichungen - Braunschweiger Nährstofftage - Download der Vorträge und Poster
http://www.susan.bam.de - Projekt SUSAN
URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news293235
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Kleine Helfer in der Not - Bakterien entgiften tödliches Meerwasser
Dr. Manfred Schloesser, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für marine Mikrobiologie
Manche Meeresbakterien produzieren Schwefelwasserstoff, der für Tiere giftig ist. Bakterien können die Meerestiere aber auch vor dem giftigen Gas schützen, haben Forscher nun festgestellt. Vor Namibias Küste entgifteten die Mikroorganismen eine riesige Wolke schwefelwasserstoffhaltigen Wassers, ehe dieses seine ganze tödliche Wirkung entfalten konnte
Schwefelwasserstoff ist berüchtigt für seinen Gestank nach faulen Eiern. Aber Schwefelwasserstoff riecht nicht nur übel, er ist auch hoch giftig. Beim Menschen kann Schwefelwasserstoff in hohen Konzentrationen innerhalb kurzer Zeit zum Tod führen. Auch der Küstenfischerei - die etwa 90 Prozent der gesamten weltweiten Fischerträge erwirtschaftet - droht Gefahr durch das giftige Gas. Die Überdüngung der Küstengewässer führt dazu, dass sich dort regelmäßig Sulfid bildet. Dieses kann die Fischbestände drastisch reduzieren.
Bakterien spielen dabei eine unredliche Rolle - schließlich werden sie unter anderem für die Enstehung des tödlichen Sulfids verantwortlich gemacht. Bakterien können aber auch als Retter in der Not auftreten, hat nun eine internationale Gruppe von Forschern vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen, dem National Marine Information & Research Centre aus Namibia, dem Institut für Ostseeforschung Warnemünde und der Abteilung für Mikrobielle Ökologie der Universität Wien festgestellt. Deren überraschendes Ergebnis: Vor der Küste Namibias entgifteten die Mikroorganismen eine Fläche von etwa 7000 km2 - fast dreimal so groß wie Luxemburg.
Die Forscher untersuchten das Auftreten von Sulfidwolken vor der westafrikanischen Küste. Im Frühjahr 2004 stießen sie auf eine solche Wolke einer Größe von etwa 7000 km2, die über dem Meeresboden schwebte. An der Meeresoberfläche lagerte eine Schicht sauerstoffreichen Wassers. In Anwesenheit von Sauerstoff wird das giftige Sulfid abgebaut (oxidiert) und in ungiftigen Schwefel umgewandelt. Erstaunlicherweise fanden Lavik, Stührmann, Kuypers und ihre Kollegen zwischen dem Tiefen- und dem Oberflächenwasser eine Schicht, in der weder Sulfid noch Sauerstoff vorhanden war. Wohin verschwand das Gift?
"Ganz offensichtlich wurde es anaerob - also ohne Sauerstoff - oxidiert", erklärt Torben Stührmann. "Viele Bakterien brauchen zum 'Atmen' keinen Sauerstoff sondern nutzen stattdessen Nitrat. Und tatsächlich fanden wir überlappende Wasserschichten von Sulfid und Nitrat."
Diese Übergangsschicht ist der Lebensraum der entgiftenden Bakterien. Diese sind eng verwandt mit Bakterien von heißen und kalten Tiefseequellen. Mit Hilfe des Nitrats wandeln sie das Sulfid in fein verteilte Schwefelpartikel um, die ungiftig sind. So schaffen die Mikroorganismen eine Pufferzone zwischen dem giftigen Tiefenwasser und der sauerstoffreichen Wasseroberfläche und retten damit Fischen und anderen Meerestieren das Leben und zahlreichen Fischern ihre Fänge.
Diese Erkenntnisse, die nun im Fachjournal "Nature" veröffentlicht wurden, sind nicht nur für die Fischerei vor der Küste Westafrikas bedeutsam. Sie legen nahe, dass auch und gerade Lebensgemeinschaften am Meeresboden deutlich öfter als vermutet von den giftigen Wassermassen betroffen sind. Denn das Auftreten sulfidischer, giftiger Wassermassen wurde bisher mit Hilfe von Satelliten überwacht, die auf ihrer Umlaufbahn Bilder von der Meeresoberfläche machen. Der von Bakterien aus dem Sulfid gebildete Schwefel im Oberflächenwasser ist als weißlich-türkise Verfärbung zu erkennen. Werden die Sulfidwolken aber bereits in tieferen Wasserschichten abgebaut, sind sie für die Satelliten nicht zu erkennen. "Wir gehen daher davon aus", erklärt die namibische Meereskundlerin Anja van der Plas, "dass es deutlich mehr dieser sulfidischen Ereignisse gibt, als bisher vermutet. Sie wurden nur mit den konventionellen Methoden übersehen."
"Unsere Entdeckung einer entgiftenden Bakterienblüte hat sowohl einen positiven als auch einen beunruhigenden Aspekt", fasst Gruppenleiter Marcel Kuypers zusammen. "Schwefelwasserstoff ist giftig für höheres Leben und tötet Fische, Krabben und sogar Hummer schon in niedrigen Konzentrationen. Die gute Neuigkeit: Die nun entdeckten Bakteriengruppen verbrauchen augenscheinlich das gesamte Sulfid, ehe es das von Fischen bevölkerte Oberflächenwasser erreicht. Besorgniserregend ist aber, das ein Gebiet so groß wie das Wattenmeer von sulfidischem Bodenwasser betroffen sein kann, ohne dass wir es mit Satellitenmessungen oder Überwachungsstationen an der Küste bemerken."
Massensterben von Meereslebewesen durch Erstickung gibt es übrigens nicht nur vor Namibia, wo diese sulfidischen Ereignisse natürlich auftreten. Ähnliche Berichte liegen beispielsweise aus Kalifornien, Indien und dem Golf von Mexiko, aber auch aus europäischen Küstengewässern vor. "Es gibt zahlreiche Hinweise, dass die Überdüngung durch den Menschen und die globale Erwärmung in Zukunft noch deutlich öfter zum Auftreten von Sauerstoffarmut in Küstengewässern führen werden. Damit steigt auch die Gefahr sulfidischer Wassermassen", erklärt Gaute Lavik. "Doch wir können das Auftreten der Sulfidwolken nun zu bestimmten Umweltbedingungen in Beziehung setzen. Das eröffnet die Möglichkeit, zukünftig solche Ereignisse vorherzusagen."
Hintergrund: Todbringender Schwefelwasserstoff
Schwefelwasserstoff entsteht überall dort, wo menschliche, tierische oder pflanzliche Materie verfault und abgebaut wird. Der auffällige Geruch stellt eine eindringliche Warnung vor dem giftigen Gas dar. Zunächst reizt das Gas Augen und Atemwege. Bei Einwirkung sehr hoher Konzentration kann es innerhalb weniger Sekunden zum Atemstillstand führen.
Einige Forscher machen Schwefelwasserstoff sogar für das massenhafte Aussterben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten in der früheren Erdgeschichte verantwortlich. Eine sinkende Sauerstoffkonzentration in den Ozeanen können demnach dazu führen, dass der Schwefelwasserstoff aus den tieferen Wasserschichten an die Oberfläche steigt und dort in die Atmosphäre blubbert - wo er dann seine giftige Wirkung auf die Landlebewesen entfaltet.
Fanni Aspetsberger
Rückfragen an:
Dr. Marcel Kuypers 0421 2028 647
Dr. Gaute Lavik 0421 2028 651
Torben Stührmann 0421 2208 322
oder an die Pressesprecher
Dr. Manfred Schlösser 0421 2028 704
Dr. Fanni Aspetsberger 0421 2028 704
Originalartikel:
Detoxification of sulphidic African shelf waters by blooming chemolithotrophs. Gaute Lavik*, Torben Stührmann*, Volker Brüchert, Anja Van der Plas, Volker Mohrholz, Phyllis Lam, Marc Mußmann, Bernhard M. Fuchs, Rudolf Amann, Ulrich Lass & Marcel M. M. Kuypers.
DOI 10.1038/nature07588
* Diese Autoren haben zu gleichen Teilen zur Arbeit beigetragen.
Beteiligte Institute:
Max Planck Institute for Marine Microbiology, Celsiusstrasse 1, 28359 Bremen, Germany
National Marine Information & Research Centre Ministry of Fisheries & Marine Resources, PO Box 912, Swakopmund, Namibia.
Baltic Sea Research Institute Warnemünde, Seestrasse 15, D-18119 Rostock, Germany.
Department of Microbial Ecology, Vienna Ecology Centre, University of Vienna, Althanstraße 14, A-1090 Vienna, Austria
Weitere Informationen:
http://www.mpi-bremen.de - Homepage des Max-Planck-Instituts für Marine Mikrobiologie
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Weiche Knochen dank Softdrinks?
Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Jugendliche, die ihren Durst häufig mit Softdrinks löschen, haben im Schnitt weniger mineralhaltige - und damit weniger stabile - Knochen. Das zeigt eine Studie des Forschungsinstituts für Kinderernährung (FKE), das der Universität Bonn angegliedert ist. Worauf dieser Effekt zurückzuführen ist, ist noch nicht vollständig geklärt. Die Konsequenz könnte aber im Erwachsenen-Alter eine erhöhte Osteoporose-Gefahr sein. Die Forscher haben ihre Ergebnisse nun im American Journal of Clinical Nutrition veröffentlicht.
Die publizierten Daten stammen aus der DONALD-Studie des FKE ("DONALD" steht für DOrtmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed Study). Darin erfassen die Forscher seit 1985 die Ernährungsgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen. Bei einer Vielzahl vonTeilnehmern hatte man zudem computertomographisch den Knochenmineralgehalt gemessen. Diese Daten haben die FKE-Wissenschaftler nun erstmalig in Bezug zum Softdrink-Konsum gesetzt.
"Je mehr derartiger Limonaden Jugendliche zu sich nehmen, desto geringer der Mineralgehalt ihrer Knochen", bringt Studienleiter Professor Dr. Thomas Remer das Hauptergebnis auf den Punkt. "Prinzipiell zeigten sich zwei Effekte: Zumindest bei koffeinhaltigen Softdrinks haben wir eine direkte Auswirkung auf den Knochenstoffwechsel festgestellt - worauf genau diese beruht, wissen wir allerdings noch nicht."
Dazu kommt noch ein indirekter Effekt: Wer seinen Durst meist mit Cola, Apfelschorle oder Zitronenlimo stillt, nimmt im Schnitt weniger Protein mit der Nahrung zu sich. Protein ist bei einer ausgewogenen Ernährung wichtig für die Knochenentwicklung. Bislang hatten Forscher den negativen Einfluss der Softdrinks eher darauf zurückgeführt, dass die Limonaden Milch als Getränk ersetzen. "Wir konnten allerdings keinen spezifischen Zusammenhang zwischen Milchkonsum und Knochenmineralgehalt feststellen", betont der Autor der Studie Lars Libuda.
Stattdessen ist ein hoher Softdrink-Konsum wohl eher Ausdruck einer generell unausgewogenen Ernährung. Eine weitere Studie der FKE-Forscher bestätigt das: Wer auf zuckersüße Limonaden steht, bevorzugt demnach eine insgesamt kohlenhydratreichere und proteinärmere Kost.
Osteoporose als Spätfolge
Die Folgen können gravierend sein: "Mit dem, was wir in jungen Jahren essen und trinken, bestimmen wir bis ins hohe Alter die Stabilität unserer Knochen mit", betont Libuda. "Eine gesunde Ernährung in der Jugend ist daher die beste Osteoporose-Vorbeugung."
Kontakt:
Lars Libuda
Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund
Aninstitut der Universität Bonn
Telefon: 0231/7922-1013
E-Mail: libuda@fke-do.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Weniger Einkommen und schlechtere Gesundheit
Katrin Czerwinka, Referat Öffentlichkeitsarbeit
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Jenaer Sozialwissenschaftler stellen Studie zur sozialen Lage der SED-Opfer in Thüringen (17.12.) vor
Der gegenwärtige Forschungsstand geht von rund 280.00 Häftlingen aus, die aus politischen Gründen in der DDR zwischen 1960 und 1989 verurteilt wurden, was 1989 mehr als ein Prozent an der Gesamtbevölkerung ausmachte. Hinzu kommen die durch berufliche Behinderungen, Zersetzungs- und andere Zwangsmaßnahmen Geschädigte. Nicht zu vergessen die Angehörigen, die unter der Stigmatisierung des Familienmitglieds zu leiden hatten. Die Thüringer Opfer der SED-Diktatur sind auch 19 Jahre nach der Wende sozial und gesundheitlich benachteiligt. Zu diesem Ergebnis kommt die knapp 200 Seiten umfassende Studie "Zur sozialen Lage der Opfer des SED-Regimes in Thüringen", die das Jenaer Zentrum für empirische Sozial- und Kulturforschung der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Auftrag des Ministeriums für Soziales, Familie und Gesundheit erstellte.
"Knapp 38 Prozent der Opfer müssen mit einem unterdurchschnittlichen Haushaltseinkommen auskommen", berichtet der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Michael Hofmann, der gemeinsam mit Prof. Dr. Heinrich Best von der Universität Jena das Projekt leitete. Die Befragung von 400 SED-Opfern, die Antrag auf Rehabilitierung gestellt haben, ergab, dass über zehn Prozent sogar in Armut leben und mit weniger als 500 Euro monatlich auskommen müssen. Hinzu kommt ein signifikant schlechterer Gesundheitszustand der SED-Opfer. "Oft waren es junge Menschen, die vom Unrecht der SED betroffen waren. Sie leiden heute unter ihren gebrochenen Lebensläufen und den gesundheitlichen und psychischen Folgen", erklärt Hofmann, der zugleich Geschäftsführer des Sonderforschungsbereichs 580 "Gesellschaftliche Entwicklungen nach dem Systemumbruch" der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ist.
Die Studie wird am 17. Dezember (12 Uhr, Plenarsaal des Thüringer Landtags) erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie belegt, dass Thüringen in der Anerkennung der SED-Opfer unter den neuen Bundesländern mit einer strafrechtlichen Rehabilitierungsquote von 99,6 Prozent weit vorne liegt. Auch bei der verwaltungsrechtlichen Rehabilitierung - beispielsweise in Folge von Zwangsenteignung - schneidet der Freistaat mit 57,8 Prozent von den fünf neuen Ländern am besten ab. 30.400 Anträge auf strafrechtliche, verwaltungsrechtliche und berufsbezogene Rehabilitierung liegen in Thüringen vor. Ziehe man die Mehrfachanträge ab, ergebe sich eine Gesamtzahl von 23.094 Anträgen, so Hofmann.
In einer repräsentativen Befragung wurde erstmals nach der Akzeptanz des Rehabilitierungsprozesses in der Thüringer Bevölkerung gefragt. 93 Prozent der Thüringer stimmen demnach dem Anspruch der Opfer auf Wiedergutmachung zu. Lediglich drei Prozent der Bevölkerung lehnen den Anspruch gänzlich ab. Überraschung brachte die generelle Frage danach, wer sich persönlich vom SED-Unrecht betroffen fühle. Jeder siebte Befragte antwortete hier mit ja. "Lässt man sich die Zahl auf der Zunge zergehen", so Prof. Dr. Michael Hofmann, "so bezeichnen sich über 300.000 Thüringer als direkt vom DDR-Regime geschädigt."
Kontakt:
Prof. Dr. Michael Hofmann
Sonderforschungsbereich 580 "Gesellschaftliche Entwicklung nach dem Systemumbruch. Diskontinuität, Tradition und Strukturbildung der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Bachstraße 18, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 945051
E-Mail: michael.hofmann[at]uni-jena.de
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Sauber: Gemüsebetrieb produziert beim Waschen von Kohl und Karotten Strom
Franz-Georg Elpers, Pressestelle
Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)
DBU unterstützt Pilotprojekt mit knapp 300.000 Euro - Geschlossener Wasserkreislauf
Hille/Twistringen. Damit Gemüse knackig aussieht und Dreck oder Keime keine Chance haben, muss es vor dem Essen gründlich gewaschen werden. Dies gilt nicht nur für den privaten Genuss, sondern auch für die Gemüseverarbeitung in großem Maßstab. Viel Wasser wird so in Großbetrieben verbraucht und mit organischen Reststoffen belastet. Limno Tec aus Hille hat nun ein neues Verfahren entwickelt, das nicht nur den Wasserkreislauf bei der Gemüsewäsche geschlossen hält, sondern aus den anfallenden Verarbeitungsresten auch noch Energie zur Strom- und Wärmeerzeugung gewinnt. Etwa 4.500 Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxyds sollen sich damit in einer Pilotanlage des Verarbeitungsbetriebes Gemüse Meyer in Twistringen in einem Jahr einsparen lassen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) unterstützte das Projekt in Twistringen mit rund 300.000 Euro.
Rund 60.000 Tonnen Kartoffeln, Karotten, Kohl und anderes Gemüse werden bei Gemüse Meyer pro Jahr bearbeitet, erklärt der Geschäftsführer der Limno Tec, Niels Christian Holm. Dabei würden bis zu 100.000 Liter Wasser pro Tag gebraucht. Nach dem Schälen und Waschen des Gemüses sei das Abwasser sehr hoch mit organischen Bestandteilen wie Stärke und Schälresten belastet. "Zusätzlichen fallen täglich bis zu 45 Tonnen organischer Abfälle an, die bisher nicht weiter genutzt werden konnten", so Holm. Entweder seien die Reste verfüttert oder zur örtlichen Biogasanlage gebracht worden, die mit diesen Mengen jedoch überlastet gewesen sei.
Dabei seien die Reststoffe wahre Energiequellen, die das Unternehmen nicht abzugeben brauche, so Holm. Das belastete Abwasser werde in dem Verfahren zunächst zwischengespeichert. Die festen und durch einen hohen organischen Anteil gekennzeichneten Bestandteile würden später mit dem Abwasser vermischt und zerkleinert. Diese Mischung produziere anschließend bei bestimmten Temperaturen in Fermentern - das sind Behälter, in denen etwa Bakterien biologische Materialien zersetzen, - das wirkungsvolle Biogas. "Bis zu 85 Prozent der Bioreststoffe werden in das Gas umgewandelt, das wir für die Stromgewinnung im Blockheizkraftwerk nutzen", fährt er fort. Der Strombedarf für die Anlage inklusive nachfolgender Abwasseraufbereitung beträgt dabei weniger als zehn Prozent. Die restlichen 90 Prozent werden in das Stromnetz eingespeist. Die Blockheizkraftwerke produzieren zudem Abwärme, die zu einem Teil zum Erwärmen der Fermenter genutzt wird. Zum anderen Teil werden die Produktionshallen damit geheizt.
In einer weiteren, speziellen Kläranlage folge die Endreinigung des Wassers unter Luftzufuhr sowie nachfolgenden Membranstufen. "Das Abwasser erreicht bei diesem Schritt Trinkwasserqualität", so Holm. Das saubere Wasser könne im Anschluss wieder zum Gemüsereinigen verwendet werden, der Kreis schließt sich. 80 Prozent des verwendeten Reinigungswassers könne Gemüse Meyer wieder in den Wasserkreislauf einleiten. "So wird nicht nur das Firmenbudget, sondern auch die Umwelt geschont", betonte Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der DBU.
Was bei der Reinigung jedoch nicht geschont wird, sind Bakterien und Viren der Input-Substrate: durch den langen Aufenthalt des Abwassers und der organischen Abfälle bei hohen Temperaturen in Fermentern und Zwischenbehältern würden die mikroskopischen Lebewesen weitestgehend abgetötet. Dies bedeute, man könne die Gärreste auch wieder auf die Felder ausbringen, ohne die Ernte zu gefährden oder die kommunale Kläranlage zu belasten.
"Für die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelindustrie ist das neue Verfahren ein wichtiger Schritt, ihrer ökologischen Verantwortung gerecht zu werden", sagte Brickwedde. Man müsse die Landwirtschaft dabei unterstützen, sichere und gesunde Lebensmittel zu produzieren und den Zustand der landwirtschaftlich genutzten Gebiete und ihren Artenreichtum zu schützen.
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de/123artikel28364_335.html
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Angstauslöser im Gehirn entdeckt
Thomas von Salzen, Pressestelle
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
RWTH-Forscher ist an Studie über den Zusammenhang von Dopmanin und Ängstlichkeit beteiligt
Angsthase oder coole Socke: Wie ängstlich oder mutig ein Mensch ist, hängt unter anderem von bestimmten Abläufen im Gehirn ab. Ein internationales Wissenschaftlerteam unter Beteiligung von Univ.-Prof. Dr. med. Gerhard Gründer, Leiter des Lehr- und Forschungsgebietes Experimentelle Neuropsychiatrie der RWTH, konnte erstmals zeigen, dass bei ängstlichen Menschen eine hohe Dopaminkonzentration im Bereich der Amygdala vorliegt. Dieser so genannte Mandelkern liegt im Schläfenlappen unterhalb der Hirnrinde. Geschürt oder reduziert wird das Angstgefühl zudem durch einen mehr oder weniger intensiven Austausch dieses Gehirnbereichs mit dem anterioren Cingulum. Die neuen Grundlagenforschungsergebnisse, die unlängst in der hochrangigen Fachzeitschrift Nature Neuroscience publiziert wurden, sollen helfen, neue pharmakologische und verhaltenstherapeutische Therapieansätze für Menschen mit Panik- und anderen Angststörungen zu entwickeln.
"Die Erkenntnis, dass Dopamin als Angstauslöser fungiert, ist fundamental neu", berichtet der Aachener Wissenschaftler. Bisher sei dieser Botenstoff - im Volksmund auch Glückshormon genannt - dafür bekannt, bei freudigen Erwartungen eine Rolle zu spielen. Außerdem ist wissenschaftlich bewiesen, dass ein reduziertes Dopaminvorkommen im Hirnstamm die Ursache für die Bewegungsstörungen bei Parkinson-Patienten ist, so der stellvertretende Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Aachen.
Mit Hilfe eines kombinierten Bildgebungsverfahrens gelang es den Wissenschaftlern nun, die Dopaminrelevanz bei Angst zu dokumentieren. "In einem ersten Schritt erhielten unsere Probanden einen Vorläufer des Botenstoffs verabreicht", berichtet der Aachener Psychiater. Diese radioaktive Substanz wird im Körper zu Dopamin umgewandelt - ein neurochemischer Prozess, der im Positronen-Emissions-Tomographen (PET) sichtbar gemacht werden kann und somit die Dopaminkonzentration in der Amygdala zeigte. In einer anschließenden Untersuchung im Kernspintomographen wurden den Probanden angstauslösende Bilder gezeigt und die Reaktion bestimmter Hirnareale auf die Präsentation dieser Bilder gemessen. Außerdem wurde die Neigung der Probanden zur Ängstlichkeit mit Hilfe eines skalierten Fragebogens erfasst. "Uns interessierte die funktionelle Konnektivität zwischen Amygdala und dem anterioren Cingulum im Frontalkortex", erläutert Gründer. Dabei zeigte sich, dass ein intensiver Austausch dieser beiden Hirnareale bei den Probanden eine angstreduzierende Wirkung hatte: "Je stärker die Hirnbereiche miteinander kommunizierten, desto niedriger war die Aktivität der Amygdala bei der Wahrnehmung angstauslösender Reize."
Die gewonnenen Erkenntnisse helfen, die Neurobiologie von Angst besser zu verstehen, um sie gegebenenfalls bei krankhaften Störungen zu regulieren. Auch wenn die Dopaminkonzentration und die Interaktion zwischen Amygdala und anteriorem Cingulum sicherlich genetisch und biografisch geprägt ist: Nach Ansicht des Aachener Psychiaters lässt sich der neurobiologische Regelkreis durch Psychotherapie und Medikamente durchbrechen. "Patienten können in einer Psychotherapie lernen, durch verändertes Verhalten langfristig ihre Angstwahrnehmung zu steuern."
Weitere Informationen bei Prof. Gerhard Gründer, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Aachen, Telefon: 0241/80 89 821
von Ilse Trautwein
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
WSI-Tarifbilanz: Tarifabschlüsse verbessert - Inflation frisst Lohnzuwachs - Finanzkrise verschlechtert Rahmenbedingungen
Rainer Jung, Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung
Die Tarifabschlüsse des Jahres 2008 sind in vielen Branchen erneut deutlich höher ausgefallen als im Vorjahr. "Wegen der stark gestiegenen Verbraucherpreise hielt sich jedoch das reale Tarifplus in engen Grenzen", stellt Dr. Reinhard Bispinck, Tarifexperte des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung fest. "Mit dem Ausbruch der Finanzmarktkrise haben sich die Rahmenbedingungen für die Tarifpolitik zudem erheblich verschlechtert. Dabei sind kräftige Reallohnsteigerungen nötiger denn je." Die Tarifverhandlungen wurden in vielen Branchen von zum Teil massiven Warnstreiks und auch regulären Streiks begleitet.
Wichtige Abschlüsse der Tarifrunde 2008 (siehe auch den tabellarischen Überblick im Anhang; Link zur PM mit Anhang am Fuß dieses Textes):
- Der Tarifabschluss in der Stahlindustrie sah eine Pauschalzahlung von 200 Euro im Februar sowie eine Tariferhöhung um 5,2 % für weitere 12 Monate vor.
- Im öffentlichen Dienst (Bund und Gemeinden) vereinbarten die Tarifparteien einen Sockelbetrag von 50 Euro und eine Anhebung um 3,1 %, zu Beginn des Jahres 2009 folgt eine weitere Erhöhung um 2,8 % zuzüglich einer Einmalzahlung von 225 Euro.
- In der chemischen Industrie erhielten die Beschäftigten im Frühjahr eine Tariferhöhung von 4,4 %, gefolgt von weiteren 3,3 % ein Jahr später. Zusätzlich gibt es in den ersten 13 Monaten eine Einmalzahlung von 0,5 %.
- In der Textil- und Bekleidungsindustrie wurden nach einem Nullmonat für April und Mai 200 Euro als Pauschale gezahlt und ab Juni 2008 erhöhten sich die Einkommen um 3,6 %.
- Bei der Deutschen Lufthansa AG erreichte ver.di nach mehrtägigen Streiks eine Tariferhöhung von 5,1 % ab Juli und zwölf Monate später weitere 2,3 %. Hinzu kamen zum Teil ergebnisabhängige Einmalzahlungen.
- Im Einzelhandel sah nach über einjährigen Verhandlungen der erste regionale Tarifabschluss der Branche eine Pauschalzahlung von 400 € für die ersten 12 Monate vor, ab April 2008 erhöhten sich die Tarife für die folgenden 12 Monate um 3,0 %.
- Im Bankgewerbe wurden aufgrund der Finanzmarktkrise Streikmaßnahmen von ver.di Mitte Oktober ausgesetzt. Ein Abschluss kam bisher nicht zustande.
Weitere tarifpolitische Stationen des Jahres 2008: In der chemischen Industrie vereinbarten die Tarifparteien einen Tarifvertrag "Lebensarbeitszeit und Demografie". Er fasst Regelungen zu Langzeitkonten, Altersteilzeit, Berufsunfähigkeitszusatzversicherung, Teilrente und zur tariflichen Altersvorsorge zusammen. In der Metallindustrie wurde ein Tarifvertrag zum flexiblen Übergang in die Rente abgeschlossen, der die Altersteilzeit sowie das Altersteilzeitentgelt regelt. Auch in anderen Branchen wurden Tarifregelungen zur Altersteilzeit vereinbart. Die Regulierung des Niedriglohnsektors steht nach wie vor aus. Die Erweiterung des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes ist nach anderthalbjährigen Verhandlungen immer noch nicht verabschiedet, obwohl einige Branchen bereits seit langem Mindestlohntarifverträge vereinbart haben. Das Gleiche gilt für das Mindestarbeitsbedingungengesetz.
Die Tarifrunde 2009 startete mit den Verhandlungen in der Metallindustrie, die Mitte November zu folgendem Abschluss führten:
- Nach einer Pauschalzahlung von 510 € für November 2008 bis Januar 2009 gibt es eine Tariferhöhung von 2,1 % ab Februar und weitere 2,1 % ab Mai 2009. Im September nächsten Jahres folgt eine zusätzliche Einmalzahlung von 122 Euro. Bei wirtschaftlichen Schwierigkeiten kann die 2. Stufe um bis zu sieben Monate verschoben werden.
Ab Jahresbeginn folgen Verhandlungen im öffentlichen Dienst (Länder) sowie im Frühjahr u. a. im Bauhauptgewerbe, im Einzel- und Großhandel sowie in der Stahlindustrie.
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/pdf/pm_ta_2008_12_09_tabelle.pdf - PM mit Tabellenanhang
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Unbehandelte Zeckenbisse können zu Behinderungen führen
Philipp Kressirer, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der Universität München
Hautmediziner des Münchner Universitätsklinikums der LMU gehen von einem bislang unbekannten Zusammenhang von Borrellien und Morphea aus
Die Morphea ist eine inflammatorische Autoimmunerkrankung, die sich als lokale Form der Sklerodermie auf Haut und Bindegewebe beschränkt. Sie beginnt mit lilafarbenen entzündlichen Erythemen, die im Zentrum gelbliche oder elfenbeinfarbene, harte, sklerosierende Plaques entwickeln. Typischerweise umgibt dann ein rosa- bis purpurfarbener Ring eine weißliche oder gelbliche Mitte. Frauen trifft es doppelt so häufig wie Männer; auch bei Kindern tritt die Erkrankung regelmäßig auf. Breiten sich bei den Mädchen und Jungen die immer wiederkehrenden Entzündungsschübe auf Fett- und Muskelgewebe aus, können Wachstumsstörungen und Behinderungen resultieren. Doch gerade bei Kindern und Jugendlichen sind die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt. Denn anders als bei Erwachsenen sind Phototherapien wie PUVA- respektive UVA1-Behandlung in dieser Altersgruppe wegen eines später erhöhten Hautkrebs-Risikos nur eingeschränkt einsetzbar.
Von Zecken übertragene Borrelien stehen zwar seit langem in Verdacht, das Krankheitsgeschehen zu befördern. Doch war die Daten-lage bislang unklar. Nun haben Jörg Prinz von der Klinik für Dermatologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (Campus Innenstadt) und Kollegen aus Ungarn einen Zusammenhang zwischen Borrelien-Infektion und Morphea im Kindesalter nachgewiesen. Das Team analysierte die Daten von 74 Frauen und 16 Männern aller Altersstufen, die an einer Morphea erkrankt waren und serologisch untersucht wurden. Mit statistischen Verfahren korrelierten die Wissenschaftler das Alter des Krankheitsbeginns mit dem Vorkommen von Borrelien spezifischen sowie antinukleären Antikörpern. "Statistisch hoch signifikant assoziiert", erklärt Jörg Prinz, "waren im Blut der Kinder und Jugendlichen beide Typen der Antikörper nachzuweisen."
Die entsprechende "Borrelien-assoziierte Morphea" im Kindes- und Jugendalter verläuft oft besonders schwer und bedarf, so die Forderung der Wissenschaftler, einer intensiven antientzündlichen und antibiotischen Behandlung. "Wir sollten diese jungen Patienten künftig konsequent mit Antibiotika therapieren, wenn eine Borrelien-Infektion als Auslöser vorliegt", betont Prinz. Die Ergebnisse der im "Journal of the American Academy of Dermatology" veröffentlichen Untersuchungen unterstreichen das große gesundheitliche Risiko, das von durch Zeckenstich übertragenen Borrelien-Infektionen ausgeht.
Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2007 an den Standorten Großhadern und Innenstadt etwa 500.000 Patienten ambulant, poliklinisch, teilstationär und stationär behandelt worden. Die 44 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über mehr als 2.300 Betten. Von insgesamt 9.700 Beschäftigten sind rund 1.700 Mediziner. Forschung und Lehre ermöglichen eine Patientenversorgung auf höchstem medizinischem Niveau. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2007 etwa 57 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben und ist seit Juni 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-muenchen.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Wenn das Wasser knapp wird
Dr. Anne Hardy, Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main
Hydrologen und Sozialwissenschaftler entwickeln Konzepte für nachhaltiges Wassermanagement
FRANKFURT. Um eine Tasse Kaffee auf dem Frühstückstisch zu haben, müssen etwa 140 Liter Wasser eingesetzt werden, für die Erzeugung von einem Kilogramm Weizen sind es im Schnitt schon 1000 Liter, während es ein Kilogramm Käse auf rund 5000 und ein Kilogramm Rindfleisch gar auf 15000 Liter Wasser bringen. Zum Vergleich: Bei der Herstellung eines Baumwollhemds werden durchschnittlich 2700, bei einem Paar Schuhe 8400 und bei einem Mittelklasse-Auto 400 000 Liter Wasser verbraucht. Das verdeutlicht: mit zunehmendem Wohlstand steigt der Wasserbedarf. Angesichts der Wasserknappheit in vielen Regionen der Erde und einer wachsenden Weltbevölkerung ist ein nachhaltiges Wassermanagement dringend notwendig. Lösungsansätze zeigen eine Hydrologin und eine Sozialwissenschaftlerin von der Goethe-Universität in der aktuellen Ausgabe von "Forschung Frankfurt" zum Jahr des Planeten Erde.
Wie groß sind die Wasserressourcen auf der Erde und wie nutzt sie der Mensch? Diese Fragen beantwortet Petra Döll, Mitglied des Weltklimarates IPCC und Professorin an der Goethe-Universität, anhand des globalen Modells WaterGAP. Es umfasst Module zur Berechnung der Wassernutzung im Haushalt, für industrielle Zwecke und in der Landwirtschaft. Das hydrologische Modul von WaterGAP berechnet, welche Anteile des Niederschlags durch Verdunstung verloren gehen, als Oberflächenabfluss abfließen, das Grundwasser neu bilden sowie in Boden, Grundwasser und in Oberflächengewässern zwischengespeichert werden und schließlich die Flüsse erreichen. Dabei greift Petra Döll auf eine Vielzahl klimatischer und physio-geografischer Daten zurück, zum Beispiel auf Zeitreihen des Niederschlags und Daten zur Wasserspeicherkapazität des Bodens.
Eine Ergänzung zu WaterGAP ist das neue, noch vor seiner Fertigstellung hoch begehrte globale Modell des Wasserbedarfs und der Produktion von Feldfrüchten. Es berechnet nicht nur den Wasserbedarf, der durch Bewässerungswasser (blaues Wasser) gedeckt wird, sondern auch den Anteil des Regenwassers, der durch die Verdunstung über die Pflanzenblätter verloren geht (grünes Wasser). Das Modell basiert auf einem neu entwickelten globalen Datensatz landwirtschaftlicher Anbauflächen für den Zeitraum um das Jahr 2000, der für 26 Feldfruchttypen (zum Beispiel Weizen oder Baumwolle) angibt, in welchem Monat welche Flächen unter bewässerten und nichtbewässerten Bedingungen bebaut werden.
Aufgrund dieser Modelle kann Petra Döll angeben, in welchen Regionen Wasserknappheit droht. Sie berechnet sich aus dem Verhältnis von Wasserentnahmen zu erneuerbaren Wasserressourcen. Es zeigt sich, dass nicht nur die trockenen Einzugsgebiete unter Wasserknappheit leiden, sondern auch dicht besiedelte Gebiete in wohlhabenden Ländern der humiden Klimazone. Dort führen die hohen Wasserentnahmen allerdings nicht zu einer physischen Wasserknappheit, sondern der Indikator drückt die allgemeine Belastung der natürlichen Wasserressourcen aus, da zwar ein Großteil des dort vorwiegend für Haushalte und Industrie entnommenen Wassers wieder in die Gewässer zurückfließt, jedoch in mehr oder weniger stark veränderter Qualität.
Wasserprobleme sind aber nicht nur ein Frage der örtlichen Ressourcen, sondern auch gesellschaftlich bedingt. Insofern bedarf es mehr als technischer Lösungen. "Problemzugänge müssen auch das Zusammenwirken sozialer und ökologischer Dynamiken im Blick behalten," weiß Dr. Diana Hummel vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) und Lehrbeauftragte an der Goethe Universität. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt "CuveWaters", das vom ISOE koordiniert wird, steht beispielhaft für diesen neuen integrierten, transdisziplinären Ansatz. Im Norden Namibias liegt das Cuvelai-Etosha-Basin, ein Gebiet rund sechsmal so groß wie Hessen, in dem mit etwa 800 000 Menschen fast die Hälfte der Bevölkerung Namibias lebt. Das Wasserangebot schwankt dort erheblich: Ausgeprägte Dürren oder Trockenperioden wechseln mit teilweise starken Überflutungen zum Ende der Regenzeit. Häufig sind bisher erschlossene Grundwasservorkommen zu salzhaltig, so dass Trinkwasser über ein Fernleitungssystem aus dem namibisch-angolanischen Grenzfluss Kunene entnommen wird. Damit entsteht eine Abhängigkeit von Angola und seiner politischen und wirtschaftlichen Entwicklung.
Hohes Bevölkerungswachstum, extreme Siedlungsdichte und anhaltende Urbanisierung erschweren darüber hinaus vielfach die nachhaltige Versorgung mit Trinkwasser und sanitären Einrichtungen. Um die Lebensbedingungen im Cuvelai-Etosha-Basin zu verbessern, entwickelt das Projektteam aus insgesamt über 20 namibischen und deutschen Wissenschaftlern ein Konzept mit dem Ziel, die Wassernutzung zu optimieren und gleichzeitig die regionale Entwicklung zu fördern. Dabei sollen verstärkt lokale Wasserressourcen genutzt und die Wasserproduktivität erhört werden. Dies trägt dazu bei, die Konkurrenz um das Kunene-Wasser zu entschärfen und die Verteilung des Wassers zu optimieren.
Im ländlichen Siedlungsbereich Epyeshona soll beispielsweise künftig Regenwasser auf Dächern gesammelt werden. Andere ländliche Regionen, die nicht an die Fernwasserleitung angeschlossen sind, sollen dezentral über Grundwasser versorgt werden, das mithilfe von solarbetriebenen Anlagen entsalzt wird. Im städtischen Raum wurde für ein formal nicht genehmigtes Siedlungsgebiet, in dem bisher kaum Sanitäranlagen bestehen, ein Konzept für ein modernes Sanitärzentrum entwickelt. Hier wird Abwasser als Ressource genutzt, indem in einem anaeroben Reinigungssystem Biogas produziert und das verbleibende, gereinigte Abwasser gleichzeitig als Bewässerungswasser und als Bodennährstofflieferant genutzt wird.
Bei der Auswahl von Standorten und der Gestaltung dieser Techniken wird nicht nur naturwissenschaftlich-technische Expertise und sozial-empirische Forschung vernetzt. Durch Workshops vor Ort werden zudem auch alle relevanten Akteure wie Bauern und Dorfbewohner sowie die lokale Administration und traditionelle Autoritäten von Anfang an einbezogen. Die Umsetzung der Maßnahmen soll in einer für 2009 anstehenden zweiten Projektphase erfolgen.
Wissenschaftsmagazin Forschung Frankfurt 3/2008
Schwerpunkt "Planet Erde"
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(Erscheint am 15.12.08):
steier@pvw.uni-frankfurt.de
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Informationen: Prof. Petra Döll, Institut für Physische Geographie, Campus Riedberg, Tel. (069) 798-40219, p.doell@em.uni-frankfurt.de
Dr. Diana Hummel, Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE), Tel. (069) 7076919-33, hummel@isoe.de und
Dr. Alexandra Lux, Tel. (069) 707691927, lux@isoe.de.
Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht derzeit für rund 600 Millionen Euro der schönste Campus Deutschlands. Mit über 50 seit 2000 eingeworbenen Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität den deutschen Spitzenplatz ein. In drei Forschungsrankings des CHE in Folge und in der Exzellenzinitiative zeigte sie sich als eine der forschungsstärksten Hochschulen.
Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation
Telefon (069) 798 - 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30,
E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de
Internet: www.uni-frankfurt.de
Weitere Informationen:
http://www.muk.uni-frankfurt.de/Publikationen/FFFM/2008/
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Depressive haben höheres Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko - schützt Sport?
Maren Puttfarcken, Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Eine Depression erhöht das Risiko für Krankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Eine internationale Forschergruppe, an der Privat-Dozent Dr. Christian Otte von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universität Hamburg-Eppendorf (UKE) beteiligt ist, hat diesen Zusammenhang nachgewiesen. Die Ergebnisse der Studie werden am 26. November 2008 in der renommierten Fachzeitschrift "Journal of the American Medical Asssociation" (JAMA 2008; 300 [20]:2379-2388) veröffentlicht.
Die Forscher um Prof. Mary Whooley von der University of California in San Francisco haben mehr als 1 000 Patienten mit bestehender koronarer Herzerkrankung durchschnittlich fünf Jahre lang begleitet. Dabei wurden die Schwere der Herzerkrankung und psychologische Faktoren - wie eine Depression - genau charakterisiert. Ferner wurden zahlreiche biologische Faktoren bestimmt, die den Zusammenhang zwischen Depression und kardiovaskulären Ereignissen erklären könnten. Dazu gehört beispielsweise eine erhöhte Konzentrationen von Stresshormonen und Entzündungsparametern. Zudem wurden Verhaltensweisen wie Rauchen und körperliche Aktivität gemessen.
Es zeigte sich, dass Patienten, die initial depressiv waren, nach fünf Jahren ein um 50 Prozent erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und eine höhere Sterblichkeit aufwiesen. Dies war vor allem auf die geringere körperliche Aktivität der depressiven Patienten zurückzuführen. Daher könnten Interventionen, die die körperliche Aktivität depressiver Herzpatienten verbessern, geeignet sein, dem erhöhten kardiovaskulären Risiko und der höheren Sterblichkeit entgegenzuwirken.
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Biomasseproduktion mit Abwässern löst Wasser- und Düngerengpässe
Britta Rollert, Pressestelle
ttz Bremerhaven
Das Aufbringen von Abwässern auf Kurzumtriebsplantagen wirkt einer Belastung des Grundwassers entgegen, da die Pflanze als "Schadstofffilter" fungiert. Da die Bepflanzung als Biomasse verheizt wird, entsteht kein hygienisches Problem.
Schnellwachsende Gehölze werden in 3-4 Jahren 5-8 Meter hoch. Eine geschlossene Kreislaufführung kann die Effizienz bei Produktion von Biomasse um das Dreifache steigern.
Die Produktion von Biomasse zeigt neue Perspektiven für die Landwirtschaft auf. Wasserknappheit und steigende Düngerpreise erschweren eine kostendeckende Bewirtschaftung von Ackerflächen. Einen Ausweg kann die Kreislaufwirtschaft mit Schwarz- und Grauwasser zur Biomasseproduktion aufzeigen. In dem EU-Projekt BIOPROS soll die Effizienz bisheriger System damit um das Dreifache gesteigert werden.
Europaweite Trainings vermitteln Potentiale geschlossener Abwasserkreisläufe für die regionale Wertschöpfung
Die Auflagen der EU-Gesetzgebung zu Umweltschutz und Ackerbau in den Mitgliedsländern bringen besonders Staaten, die bisher weitgehend ohne Klärsysteme für ihre Abwässer auskamen, in Handlungsdruck. Bei der notwendigen Investition in die Produktionsinfrastruktur stehen Produzenten vor der Wahl: Entweder Investitionen in den Ausbau von besserer Anlagentechnik und damit ausländisches Know-how tätigen oder die Landwirte der Region als Abnehmer für Schwarz- und Grauwasser gewinnen und so einen beträchtlichen Teil der Investitionen für die nachhaltige Entwicklung der eigenen Region einsetzen.
Das Konsortium des EU-Projektes BIOPROS will daher in Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Verbänden das Wissen über die sichere und effiziente Verwendung von kommunalen Abwässern zur Biomasseproduktion stärker verbreiten. Partner aus 12 Ländern unter Leitung des ttz Bremerhaven arbeiten daran, besonders die Biomasseproduktion in den stark ländlichen geprägten östlichen EU-Ländern und dem niederschlagsarmen Südeuropa auf diese Weise zu beleben.
Die Potenziale für Landwirtschaft und Ökobilanz sprechen für sich: 10% zusätzliche Einnahmen durch die Abnahme von Abwässern könnten die Position der Landwirte erheblich verbessern und sie unabhängiger von Subventionen machen. Darüber hinaus sparen sie Kosten für Nitratdünger ein - bei den aktuellen Verteuerungsraten (Preisverdopplung innerhalb von zwei Jahren) ein wesentlicher Faktor. Der Bedarf an CO2-neutralen Energieträgern ist immens, die Abnahme daher gesichert. Die Schonung der natürlichen Wasserressourcen durch die Bewässerung mit Abwässern kann in trockenen Gebieten rund 70% betragen. Auch für die Betreiber von Kläranlagen ergeben sich Kostenersparnispotentiale bis zu 50% für die Abwasserbehandlung.
Damit das Modell der geschlossenen Kreislaufwirtschaft sachkundig umgesetzt und Anwendungsfehler vermieden werden, bemühen sich die BIOPROS-Projektpartner um die Etablierung von Standards. In der dreijährigen Projektlaufzeit von BIOPROS wurden Best-Practice Modelle und Kostenanalysen erarbeitet, die nun über landwirtschaftliche Verbände in Schweden, Bulgarien, Polen, Estland, Tschechien, der Slowakei, Italien und Spanien potentiellen Anwendern vermittelt werden. Mehrere hundert Interessenten - Energieproduzenten, Landwirte, Prozessingenieure - haben die europaweiten Trainings bereits genutzt.
Landwirte werden in diesem System für die Abnahme des Abwassers ent-lohnt, dessen Inhaltsstoffe Stickstoffdünger teilweise ersetzen können. Den Entzug von Nährstoffen aus dem Boden kompensieren schnellwachsende Pflanzen durch den Abwurf ihrer Blätter, aus denen Humus gebildet wird. Pappeln und Weiden können bereits nach zwei bis vier Jahren geerntet und als Biomasse für die CO2-neutrale Energiegewinnung genutzt werden. Bei diesem Verwendungszweck tritt kein Hygieneproblem auf. Noch steht der weiteren Ausbreitung aber ein geringer Wissensstand über die Potenziale von sicherer Abwassernutzung bzw. eine Ablehnung gegenüber der Verwendung von Schwarz- und Grauwasser entgegen. In einigen Ländern schränken gesetzliche Vorgaben die Nutzung zudem stark ein.
Nach den Vorgaben des BIOPROS-Konsortiums hat sich der Einsatz des Kreislaufsystems bereits in einem größeren Zusammenhang bewährt: In Schweden wird das gesamte Abwasser-Recycling einer Gemeinde nach diesem Verfahren reguliert. "Dabei werden Seen (Ponds) zur Zwischenlagerung des Wassers im Winter genutzt. Durch Drip-Pipes wird es dann in der Vegetationsperiode auf die Ackerflächen gepumpt", erläutert Projektmanager Alexander Schank aus dem Bereich Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement des ttz Bremerhaven. Flächenstarke ländliche Regionen ohne Kapazitäten zur Abwasseraufbereitung können dabei besonders profitieren.
Das Projekt BIOPROS wird von der Europäischen Union als Collective Research Project im 6. Forschungsrahmenprogramm gefördert.
Das ttz Bremerhaven versteht sich als innovativer Forschungsdienstleister und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Team ausgewiesener Experten in den Bereichen Lebensmitteltechnologie und Bioverfahrenstechnik, Analytik sowie Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement, Gesundheitssysteme sowie Verwaltung & Software.
Kontakt:
ttz Bremerhaven
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0471 / 4832-121/-124
Fax: 0471 / 4832-129
E-Mail: brollert@ttz-bremerhaven.de
Weitere Informationen:
http://www.ttz-bremerhaven.de
http://www.biopros.info
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Fit fürs Leben?
Sabine Maas, Presse-, Informations- und Transferstelle
Deutsche Sporthochschule Köln
50% der 25-jährigen Männer zu dick
Querschnittsstudie mit mehr als 12.500 Teilnehmern belegt negative Entwicklung nach dem 20. Lebensjahr
60% der Weltbevölkerung bewegen sich weniger als 30 Minuten am Tag, Bewegung und körperliche Arbeit werden immer weniger, die Kalorienzufuhr steigt. In Deutschland bedeutet dies inzwischen: zwei von drei Männern sind übergewichtig, genauso jede zweite Frau. Hinzu kommen die chronischen Begleiterkrankungen des Herz-Kreislaufsystems und des Bewegungsapparats mit der Folge gleichzeitig steigender Kosten des Gesundheitssystems. Eine weitere Verschlechterung der Situation in den nächsten Jahren ist zu erwarten: Dringend erforderlich sind Präventionskampagnen, die eine Lebensstiländerung hin zu einer gesünderen und "bewegteren" Lebensweise fördern.
Während sich bisherige Studien in erster Linie auf Kinder und Jugendliche konzentriert haben, zielt die "Fit-fürs-Leben"-Studie unter Leitung von Professor Dieter Leyk auf die Altersgruppe der 16- bis 25-Jährigen - 12.835 Personen wurden bereits untersucht. Die Untersuchung bestand aus einer anonymisierten schriftlichen Befragung, der Bestimmung von Körpermaßen sowie aus physischen Leistungstests in den Bereichen Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Koordination.
Die Ergebnisse belegen eindeutig, dass sich insbesondere bei 20- bis 25-Jährigen gesundheitlich ungünstige Merkmale deutlich verstärken. Bei den 25-jährigen Männern sind 50% übergewichtig, 60% rauchen und rund ein Drittel ist sportabstinent. Zwar ist nur ein Viertel der 16- bis 25-jährigen Frauen übergewichtig, jedoch sind die weiblichen Studienteilnehmer wesentlich seltener sportlich aktiv. Lediglich ein Viertel aller Studienteilnehmer weist keinen der untersuchten kardiovaskulären Risikofaktoren auf. Großen Einfluss hat auch das Bildungsniveau. Die Gefahr, wenigstens einen kardiovaskulären Risikofaktor im jungen Erwachsenenalter zu erwerben, ist mit abnehmenden Bildungsniveau deutlich größer: Im Vergleich zu Abiturienten/ Gymnasiasten ist das Risiko der Realschüler um den Faktor 3,2 erhöht, bei den Hauptschülern mehr als fünfmal so hoch.
Die Auswirkungen dieses überwiegend passiven und ungesunden Lebensstils können nur durch gezielte, möglichst früh einsetzende, institutionsübergreifende Präventionskampagnen aufgefangen werden, bei denen Schulen, Vereine, Gesundheitskassen, Betriebe und die Politik zusammenarbeiten.
Die kompletten Studienergebnisse finden Sie im Deutschen Ärzteblatt
(Dtsch Arztebl 2008; 105(46): 793-800).
Fragen zum Thema beantworten Dr. Thomas Rüther und Max Wunderlich,
Tel.: 0221 4982-6163 bzw. m.wunderlich@dshs-koeln.de.
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Energiepflanzen und Gewässerschutz
Dr. Michael Welling, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei
Kein spezieller Regelungsbedarf beim Anbau von Energiepflanzen, aber Lücken bei Regelungen für Gärreste
Der Anbau von Energiepflanzen und die Produktion von Biogas erleben seit wenigen Jahren einen Boom. Welche Auswirkungen dies auf den Gewässerschutz hat, wurde bisher kaum untersucht. Eine vom Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) veröffentlichte Studie beleuchtet jetzt diese Aspekte.
Die Studie "Aspekte des Gewässerschutzes und der Gewässernutzung beim Anbau von Energiepflanzen" wurde im vTI-Institut für Ländliche Räume in Zusammenarbeit mit der Ingenieurgemeinschaft für Landwirtschaft und Umwelt (IGLU) erstellt. Die Autoren bewerten nicht nur, welche Auswirkungen die energetische Nutzung von landwirtschaftlicher Biomasse auf die Gewässer haben kann, sie stellen auch Möglichkeiten des gewässerschonenden Anbaus, wie ein Anbau von Zwischenfrüchten oder eine reduzierte Stickstoffdüngung, vor. Literaturanalysen und statistische Auswertungen wurden durch die Ergebnisse schriftlicher und telefonischer Expertenbefragungen ergänzt.
Handlungsbedarf wurde vor allem bei der Lagerung und Ausbringung von Gärresten, der Überwachung von Nährstoffströmen im Zusammenhang mit Biogasanlagen und beim Grünlandschutz ausgemacht sowie - unabhängig vom Verwendungszweck des Aufwuchses - bei der Verbreitung gewässerschonender Anbaupraktiken. In diesem Zusammenhang nimmt der Bericht bestehende Förder- und Steuerinstrumente aus Agrar-, Umwelt- und Energiepolitik unter die Lupe und diskutiert, welche Möglichkeiten für Anpassungsmaßnahmen sie bieten. "Es besteht kein Bedarf an spezifischen Regelungen für den Anbau von Energiepflanzen", betont Heike Nitsch vom Johann Heinrich von Thünen-Institut. Handlungsbedarf sieht sie aber bei der Lagerung und düngerechtlich relevanten Anrechnung von Gärresten: "Hier sollten die Auflagen an die bestehenden Standards für Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft angeglichen werden." Dies betrifft beispielsweise eine Mindestlagerdauer von sechs Monaten oder die Anrechnung auch der pflanzlichen Anteile von Gärrückständen auf die maximale Ausbringungsmenge für organischen Stickstoff mit Wirtschaftsdünger sowie konkrete Vorgaben zur Berücksichtigung von Gärrückständen im Nährstoffvergleich in der Düngeverordnung.
Um den Vollzug wasserrechtlicher Auflagen zu unterstützen, schlagen die Autoren vor, bei der Überprüfung von Biogasanlagen, die im Rahmen der Stromeinspeisevergütung durchgeführt werden muss, Standards bezüglich der Lagerung von Gärsubstraten und -rückständen einzubeziehen. Ferner regen sie eine verpflichtende Nährstoffbuchführung an.
Die Studie kann von der Homepage des Institutes in der Rubrik "Publikationen" unter "Downloads" herunter geladen werden. "Aspekte des Gewässerschutzes und der Gewässernutzung beim Anbau von Energiepflanzen", Arbeitsberichte aus der vTI-Agrarökonomie 3/2008. Braunschweig.
http://www.vti.bund.de/de/institute/lr/publikationen/bereich/ab_03_2008_de.pdf
Weitere Informationen:
http://www.vti.bund.de/de/institute/lr/publikationen/bereich/ab_03_2008_de.pdf - Die Studie im Internet
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Körperfettverteilung beeinflusst Prostatakrebsrisiko
Dr. Gisela Olias, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
Potsdam-Rehbrücke - Wie eine der weltweit größten Langzeitstudien nun zeigt, spielt die Körperfettverteilung an Taille und Hüfte eine entscheidende Rolle für das Prostatakrebsrisiko. Im Vergleich zu Männern mit einem Taillen-Hüftumfang-Quotienten unter 0,89 haben Männer mit einem Quotienten über 0,99 ein um 43 Prozent erhöhtes Risiko für fortgeschrittenen Prostatakrebs.
Tobias Pischon und Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) veröffentlichten dieses Studienergebnis jetzt in der Novemberausgabe der Fachzeitschrift Cancer Epidemiology Biomarkers and Prevention.
Bei europäischen Männern ist Prostatakrebs die am häufigsten diagnostizierte Krebsart und nach Lungen- und Dickdarmkrebs die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache. Die Ursachen für Prostatakrebs sind noch wenig erforscht. Bekannte Risikofaktoren sind ein fortgeschrittenes Lebensalter, eine erbliche Vorbelastung und die Zugehörigkeit zu bestimmten ethnischen Gruppen.
Seit langem vermuten Wissenschaftler, dass die Bauchfettmenge das Risiko für Prostatakrebs beeinflusst. Bislang haben jedoch nur wenige epidemiologische Studien den Zusammenhang zwischen der Körperfettverteilung an Taille und Hüfte und dem Prostatakrebsrisiko untersucht.
Die EPIC*-Studie, mit mehr als 153 457 männlichen Teilnehmern im Alter zwischen 25 und 70 Jahren, bietet die zurzeit größte europäische verfügbare Datenbasis. Da sie somit sehr sichere Schlussfolgerungen über den Zusammenhang zwischen der Körperfettverteilung und dem Prostatakrebsrisiko erlaubt, überprüften Tobias Pischon und Heiner Boeing die Risikobeziehung anhand der EPIC-Daten.
"Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Körperfettverteilung - insbesondere ein hoher Taillenumfang bzw. ein hoher Taillen-Hüftumfang-Quotient - eine wesentliche Rolle für das Prostatakrebsrisiko spielt", sagt Tobias Pischon, Erstautor der Studie.
"Wir wissen derzeit nur wenig über die kausalen Zusammenhänge", erklärt Heiner Boeing, Leiter der Abteilung Epidemiologie am DIfE. Derzeit gäbe es verschiedene Theorien. Denkbar wäre, dass das Bauchfett den männlichen Hormonhaushalt im Hinblick auf das Prostatakrebsrisiko ungünstig beeinflusse. Wie ergänzende Auswertungen der EPIC-Daten zeigten, könne der Androgenspiegel eine Rolle spielen. Androgene sind Geschlechtshormone, die das Wachstum und die Reifung der Prostata beeinflussen.
"Neben den Geschlechtshormonen könnten aber auch andere Botenstoffe für das erhöhte Prostatakrebsrisiko bei Männern mit erhöhtem Taillen-Hüftumfang-Quotient relevant sein", ergänzt Tobias Pischon. Die Mechanismen für die beobachteten Zusammenhänge würden weiterhin - auch am DIfE - erforscht.
Hintergrundinformation:
Den Taillen-Hüftumfang-Quotient berechnet man, indem man den Wert des Taillenumfangs durch den des Hüftumfangs teilt.
Der Taillenumfang und auch der Taillen-Hüftumfang-Quotient lassen auf die Menge an Körperfett schließen, die im Bauchraum eingelagert ist. Das Bauchfett ist nicht nur ein Energiespeicher, sondern es produziert auch Botenstoffe, die die Entwicklung chronischer Erkrankungen fördern.
Von den in der vorliegenden Untersuchung berücksichtigten 129 502 Studienteilnehmern erkrankten innerhalb eines Nachbeobachtungszeitraumes von etwa 8,5 Jahren 2 446 an Prostatakrebs. Die Studienteilnehmer hatten ein durchschnittliches Alter von 52,8 Jahren.
*Die EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) ist eine prospektive, 1992 begonnene Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit 519.000 Studienteilnehmern beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie mit mehr als 27.500 Studienteilnehmern/innen im Erwachsenenalter leitet Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE).
Übergeordnetes Leitungsorgan der EPIC-Studie ist das EPIC-Steering-Komitee, wobei Elio Riboli, jetzt am Imperial College London, die Studie koordiniert. Die zentrale EPIC-Datenbank befindet sich an der International Agency for Research of Cancer (IARC) der Weltgesundheitsorganisation in Lyon.
Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören 82 außeruniversitäre Forschungsinstitute und forschungsnahe Serviceeinrichtungen. Diese beschäftigen etwa 14.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Davon sind ca. 6.500 Wissenschaftler (inkl. 2.500 Nachwuchswissenschaftler). Leibniz-Institute arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Sie sind von überregionaler Bedeutung und werden von Bund und Ländern gemeinsam gefördert. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,1 Milliarden Euro pro Jahr. Die Drittmittel betragen etwa 230 Millionen Euro pro Jahr. Näheres unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de.
Kontakt:
PD Dr. Tobias Pischon
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Epidemiologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
D-14558 Nuthetal
Tel.: ++49 (0)33200 88 723
E-Mail: pischon@dife.de
Professor Dr. Heiner Boeing
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Abteilung Epidemiologie
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
D-14558 Nuthetal
Tel.: ++49 (0)33200 88 710
E-Mail: boeing@dife.de
Dr. Gisela Olias
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal
Tel.: +49(0)33 200-88 278/335
Fax: +49(0)33 200-88 503
E-Mail: olias@dife.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Erholung ist eine wesentliche Grundlage für hohe Arbeitsleistung
Petra Giegerich, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Dissertation von Dr. Carmen Binnewies mit dem Südwestmetall-Förderpreis ausgezeichnet
Erholung in der Freizeit ist eine ganz wesentliche Grundlage für eine hohe Arbeitsleistung im Beruf. Erholung ist damit nicht nur eine angenehme Erfahrung für jeden Einzelnen, sondern sie ist letztlich auch ein wichtiger Faktor für den Leistungserhalt von Organisationen. Zu diesem Ergebnis kommt Dr. Carmen Binnewies in ihrer Dissertation "The Power of Recovery: Recovery from Work-Related Stress as a Predictor of Fluctuations in Individual Job Performance." Binnewies, seit Oktober 2008 Mitarbeiterin am Institut für Psychologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, ist für ihre an der Universität Konstanz verfasste Doktorarbeit mit dem Südwestmetall-Förderpreis 2008 ausgezeichnet worden. Der Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg vergibt die mit jeweils 5000 Euro dotierten Förderpreise für herausragende wissenschaftliche Arbeiten an junge Akademiker des Landes Baden-Württemberg.
Um den Zusammenhang zwischen Erholung in der Freizeit und Arbeitsleistung aufzudecken, hat Binnewies zwischen 2005 und 2007 in drei Untersuchungen insgesamt über 600 Berufstätige nach ihrem Freizeitverhalten, ihrem Wohlbefinden und ihrer Arbeitsleistung befragt. "Die Studienteilnehmer kamen aus unterschiedlichen Berufen in der öffentlichen Verwaltung, in kleineren und mittelständischen Betrieben und aus der Behindertenarbeit", erläutert Binnewies. Mit einem Pocket-PC konnten die Beteiligten beispielsweise am Morgen ihr Erholungsgefühl nach der Nachtruhe und am Abend ihre Leistung nach dem Arbeitstag erfassen. In der Auswertung zeigte sich, dass der Grad des subjektiven Erholungsgefühls Schwankungen in der Arbeitsleistung vorhersagen kann. "Sind Mitarbeiter besser erholt, zeigen sie nachfolgend eine bessere Aufgabenleistung, mehr Eigeninitiative und mehr Hilfeverhalten gegenüber ihren Kollegen", so die Psychologin. Für die Erholtheit wiederum ist ein guter Schlaf, das Abschalten und Entspannung von der Arbeit während der Freizeit sowie das Meistern von Herausforderungen beispielsweise beim Sport oder bei ehrenamtlichen Tätigkeiten förderlich.
Allerdings gibt es kein Patentrezept: "Beim Schlaf ist es nicht so wichtig, wie viel jemand schläft, sondern die Qualität des Schlafs ist entscheidend, und bei den Freizeitaktivitäten kommt es nicht so sehr darauf an, was man macht oder wie lange, sondern wie positiv diese Tätigkeit erlebt wird und ob die Arbeit dabei vergessen werden kann." Entscheidend ist, so Binnewies weiter, dass jeder seinen eigenen Weg findet, sich optimal zu erholen, und da können bei unterschiedlichen Berufsgruppen ganz unterschiedlich Bedürfnisse vorherrschen. Sport allerdings, so scheint es, tut in der Regel immer gut.
Bei ihren künftigen Arbeiten an der Universität Mainz wird Binnewies, Mitarbeiterin in der Abteilung Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Christian Dormann, insbesondere die Auswirkungen von Stress am Arbeitsplatz auf das Privatleben untersuchen, um festzustellen, wie Berufstätige in verschiedenen Arbeitsfeldern mit den verschiedenen Anforderungen umgehen und wie sich dies unter Umständen im Familienleben bemerkbar macht.
Kontakt und Informationen:
Dr. Dipl.-Psych. Carmen Binnewies
Psychologisches Institut
Abt. Arbeits-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Tel. 06131 39-25123
Fax 06131 39-22483
E-Mail: carmen.binnewies@uni-mainz.de
Weitere Informationen:
http://psycho.sowi.uni-mainz.de/abteil/aow
http://www.uni-konstanz.de/erholung
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Warum Placebos wirken können
Dr. Christian Jung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
VolkswagenStiftung
Die VolkswagenStiftung fördert Forschung zum Placebo-Effekt mit rund 700.000 Euro
Heilung durch Einbildung? Noch vor wenigen Jahren reagierten Mediziner skeptisch, wenn vom Placebo-Effekt die Rede war. Heute ist klar, dass man tatsächlich Leiden lindern kann, indem man die Patienten mit Zuckerkügelchen oder Kochsalzlösung "täuscht" und sie nur scheinbar medikamentös behandelt. Forschungen haben gezeigt, dass dieser Effekt durch hochaktive Prozesse im zentralen Nervensystem gesteuert wird. Dabei spielen sowohl die Erwartungshaltung als auch Lernprozesse eine wesentliche Rolle. Doch wie funktioniert das System und wie lässt es sich zum Wohle der Patienten steuern? Drei international anerkannte Experten aus der Placeboforschung haben sich zusammengetan, um diese Fragen an verschiedenen Krankheitsbildern zu untersuchen und so zu allgemeingültigen Aussagen über den Placebo-Effekt zu kommen. Beteiligt sind die Teams um Professor Dr. Manfred Schedlowski vom Universitätsklinikum Essen, Professor Dr. Paul Enck vom Universitätsklinikum Tübingen und Professor Dr. Fabrizio Benedetti von der Universität Turin, Italien. Die VolkswagenStiftung fördert das Vorhaben mit rund 700.000 Euro.
Welche Prozesse laufen im Gehirn ab, wenn der Placebo-Effekt greift? Um die zugrunde liegenden Mechanismen zu verstehen, werden die Forscher ihre Studien an gesunden Probanden und an Patienten mit verschiedenen Krankheiten durchführen und dabei vergleichbare Methoden verwenden. Im Einzelnen umfasst das Forschungsprojekt Experimente zur Placebo-Antwort bei Übelkeit und gastrointestinalen Störungen (Enck, Tübingen), bei Immunreaktionen (Schedlowski, Essen) sowie bei Schmerzempfindung und beim Parkinson-Syndrom (Benedetti, Turin).
Für das kooperative Forschungsvorhaben sind drei Jahre vorgesehen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Wissen um die Vorgänge im Gehirn dabei helfen wird, Placebos gezielt in der Klinik einzusetzen - z. B. um Medikamente niedriger dosieren zu können und dadurch Nebenwirkungen zu minimieren. Ein Einsatz dieser "Kopfmedikamente" könnte sicher auch dazu beitragen, negative Medikamentenfolgen, sogenannte Nocebo-Effekte, zu reduzieren. "Wir sind zuversichtlich", so Schedlowski, "dass die Ergebnisse aus diesen vergleichenden Studien letztendlich zu übergeordneten Handlungsempfehlungen führen können."
Kontakte Projekt
Universitätsklinikum Essen
Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie
Prof. Dr. Manfred Schedlowski
Telefon: 0201 723 - 4500
E-Mail: manfred.schedlowski@uk-essen.de
Universitätsklinikum Tübingen
Institut für Innere Medizin VI, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Prof. Dr. Paul Enck
Telefon: 07071 2989118
E-Mail: paul.enck@uni-tuebingen.de
University of Turin
Medical School
Prof. Dr. Fabrizio Benedetti
Telefon: +39 011 6707709
E-Mail: fabrizio.benedetti@unito.it
Kontakt VolkswagenStiftung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung
Telefon: 0511 8381 380
E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de
Kontakt Förderinitiative der VolkswagenStiftung
Dr. Henrike Hartmann
Telefon: 0511 8381 376
E-Mail: hartmann@volkswagenstiftung.de
Der Text der Presseinformation steht im Internet zur Verfügung unter http://www.volkswagenstiftung.de/service/presse.html?datum=20081114
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Mein Auto und ich - Neue Studie der Hochschule Niederrhein zur weiblichen Autokultur
Rudolf Haupt M.A., Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hochschule Niederrhein - Niederrhein University of Applied Sciences
In Zeiten, in denen aus der Autoindustrie wenig erfreuliche Signale kommen, legt die Hochschule Niederrhein eine neue qualitative Studie zur weiblichen Autokultur vor. Zwanzig Studenten des Marketing-Seminars hatten im Auftrag des Kompetenzzentrums "Frau und Auto" 81 Fahrerinnen aller Alters- und Berufsklassen zu ihrem ersten Auto, ihrem derzeitigen Wagen und ihrer Traumkarosse befragt. Und nicht nur das: Sie schauten in alte Fotoalben und ließen sich von den Frauen unvergessliche Erlebnisse mit ihrem Auto schildern. Die Studie zeigt: Das Verhältnis von Frauen zu ihren Autos ist eine Geschichte voller Emotionen und zugleich ein Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung der Bundesrepublik.
Für fast alle befragten Frauen war es wichtig, den Führerschein zu besitzen. Vor allem für ältere waren Unabhängigkeit, Freiheit und das Gefühl, nicht auf andere angewiesen zu sein, die Triebfedern für den Erwerb. "Erst ab dem Geburtsjahrgang 1966 verweisen die Frauen auf berufliche Gründe für den Einstieg in die automobile Beweglichkeit", berichtet Prof. Dr. Doris Kortus-Schultes, die Leiterin des interdisziplinären Kompetenzzentrums. In noch jüngeren Jahrgängen wird sogar "Gruppenzwang" als Motiv für den Führerscheinerwerb angeführt. Die überwiegende Mehrheit (86 Prozent) hat den Führerschein im Alter zwischen 17 und 21 Jahren erworben.
Bemerkenswert: Frauen von 40 und älter erinnern sich mit sehr viel mehr Emotionen und lustigen Erlebnissen an ihren ersten Wagen als jüngere. Sie machten mit Mitte 20 den Führerschein und übernahmen häufig das alte Auto des Vaters. Fahren geübt wurde mit Papa und Mama auf dem Parkplatz oder dem Hof anstatt wie heute auf dem Verkehrsübungsplatz. Und so manche erinnert sich noch sehr gut daran, wie sie mit ihrem alten Käfer auf der Landstraße liegen geblieben ist und auf Hilfe hoffte. Als Mitte der sechziger Jahre die Anti-Baby-Pille erfunden wurde, wurden Frauen auch im Verhältnis zum Auto selbständiger. Mit 18 durfte der Führerschein erworben werden, aber erst mit 21 wurde man volljährig. Ans Lenkrad gelassen wurden viele trotzdem nur sonntags, wenn der Ehemann bei der Familienfeier einen zuviel getrunken hatte. War das Geld für das erste eigene Auto zusammengespart, stand die Frage "Was kann ich mir leisten?" im Vordergrund. Und der Besitzerstolz war entsprechend groß. Jüngere Fahrerinnen erhalten heute ihr erstes Auto oft zum Abitur. Es ist fast eine Selbstverständlichkeit geworden. Im Gegensatz dazu erinnern sich auch Ältere noch ziemlich genau an Ausstattungsdetails ihres ersten Autos wie etwa selbst genähte Leopardensitzbezüge.
Heute muss das Auto vor allem funktionale Kriterien erfüllen, den Rollator für die pflegebedürftigen Eltern zugleich aufnehmen können wie den Kinderwagen, sagt Prof. Dr. Engelbert Kerkhoff, Sprecher des Forschungsschwerpunkts Kompetenz im Alter der Hochschule Niederrhein. "Es gibt gar nicht so wenige Omas, die zu ihrem ersten Halbmarathon mit dem Auto fahren". Für fast 90 Prozent der Befragten ist das Auto zur Erledigung der Einkäufe unverzichtbar, dahinter kommen Freizeitgestaltung und Transport der Kinder. Eine 25-Jährige, die in der Bildergalerie der Studie stolz vor ihrem schwarzen hochtourigen Sportcoupé posiert, demonstriert damit zugleich ihren beruflichen Erfolg. Singlefrauen ohne Kinder mit hohem Einkommen sind eine wachsende Zielgruppe für die Industrie. Besonders auch bei der Frage nach ihrem Traumauto zeigen Frauen Emotionen: Es sind für ein Drittel Form und Design, die ein Modell für sie zum Traumauto machen. Sehr häufig wird die Version "Cabrio" genannt. Aber etliche würden auch gern einen "New Beatle" fahren - weil er sie an ihr erstes Auto erinnert: den Käfer.
Kontakt: Prof. Dr. Doris Kortus-Schultes, Tel.02161-186-6327 oder 0212-331800
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Solarwärme im großen Stil
Rüdiger Mack, Stabsabteilung Kommunikation
Fachinformationszentrum Karlsruhe
Nicht nur Einfamilienhäuser können die Sonne nutzen
Große Solaranlagen bieten Vorzüge: Sie liefern - gerechnet auf den Quadratmeter Kollektorfläche - mehr Wärme als Kleinanlagen und haben geringere Verluste, weil sich Wärme in großen Einheiten besser speichern lässt. Die Wärmekosten sind bei diesen Systemen deshalb häufig geringer. Viele große Gebäude, wie Mietshäuser, Hotels, Wohnheime oder Krankenhäuser eignen sich für den Einsatz von Solarthermie. Bisher wird diese Chance allerdings selten genutzt. Das neue BINE-Themeninfo "Große Solarwärmeanlagen für Gebäude" (I/2008) informiert auf 20 Seiten über die Technik, ihre Anwendungsmöglichkeiten und Forschungsergebnisse dazu.
Während Solaranlagen für Ein- und Zweifamilienhäuser in der Regel als Komplettlösungen angeboten werden, erfordern Großanlagen ein genau auf den Anwendungsfall zugeschnittenes Anlagen- und Speicherkonzept. Das minimiert die Systemkosten und optimiert die nutzbaren solaren Erträge sowie die Wechselwirkung mit der konventionellen Wärmetechnik. Gut konzipiert, sorgfältig installiert und regelmäßig gewartet, arbeiten Solaranlagen dann problemlos. Die Betriebskosten sind gering. Der Instandhaltungsaufwand für Großanlagen von jährlich ca. 1 bis 1,5% der Investitionskosten liegt etwa im gleichen Rahmen wie für eine konventionelle Kesselanlage.
Eine Grundlage der Broschüre sind die Erfahrungen aus den Forschungsprogrammen Solarthermie-2000 und Solarthermie2000plus des Bundesumweltministeriums. Darin werden große Solaranlagen für unterschiedliche Gebäudetypen wissenschaftlich ausgewertet. Lag der Schwerpunkt ursprünglich auf Anlagen zur reinen Warmwassererzeugung, stehen heute Kombi-Anlagen im Mittelpunkt. Das neue BINE-Themeninfo "Große Solarwärmeanlagen für Gebäude" (I/2008) ist kostenfrei beim BINE Informationsdienst von FIZ Karlsruhe erhältlich - im Internet unter http://www.bine.info oder telefonisch unter 0228 - 92379-0.
BINE ist ein Informationsdienst von FIZ Karlsruhe und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert. FIZ Karlsruhe ist Dienstleister und Servicepartner für das Informationsmanagement und den Wissenstransfer in Wissenschaft und Wirtschaft. Schwerpunkte sind die weltweit einzigartige Datenbankkollektion von STN International und die Entwicklung von e-Science-Lösungen. Weitere Informationen unter http://www.fiz-karlsruhe.de
Weitere Informationen:
http://www.bine.info/templ_meta.php/presseforum/archiv_pressetexte/616/link=clic... - Pressemitteilung zum BINE-Themeninfo "Große Solarwärmeanlagen für Gebäude" (I/2008)
http://www.bine.info - Homepage von BINE Informationsdienst
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Körpergewicht, Taillenumfang und Sterblichkeitsrisiko in Europa - Ergebnisse der EPIC-Studie
Dr. Gisela Olias, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
Potsdam-Rehbrücke - Starkes Übergewicht, ein großer Taillenumfang aber auch ein Körpergewicht am unteren Ende des Normalbereichs sind bei Menschen um die Fünfzig mit einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko verbunden. Das geringste Risiko haben Frauen mit einem Body-Mass-Index* (BMI) von 24,3 und Männer mit einem BMI von 25,3. Dies sind die Ergebnisse der European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC), eine der größten europäischen Langzeitstudien weltweit. Die Studiendaten belegen, dass neben dem Körpergewicht auch die Fettverteilung für das Sterblichkeitsrisiko von Bedeutung ist.
Tobias Pischon und Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) und ihre europäischen Kollegen veröffentlichten heute ihre Forschungsergebnisse in der Zeitschrift New England Journal of Medicine (Pischon et al., 2008).
Ob Übergewicht mit einer erhöhten Sterblichkeit einhergeht, war nach den Ergebnissen früherer Studien bislang umstritten. Dies veranlasste die beiden Wissenschaftler, Tobias Pischon und Heiner Boeing, die Daten der europaweiten EPIC-Studie zu dieser Fragestellung auszuwerten, insbesondere unter Berücksichtigung des Taillen- und Hüftumfangs. Die Studie biete die größte zurzeit verfügbare Datenbasis und erlaube somit sehr sichere Schlussfolgerungen zum Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Sterblichkeitsrisiko, kommentiert Hans-Georg Joost, wissenschaftlicher Direktor des DIfE.
"Das wichtigste Ergebnis unserer Untersuchung ist, dass das Übergewicht an sich, aber auch unabhängig davon die Körperfettverteilung das Sterblichkeitsrisiko eines Individuums beeinflusst", sagt Tobias Pischon, Erstautor der Studie. Denn das Bauchfett sei nicht nur ein Energiespeicher, sondern es produziere auch Botenstoffe, die die Entwicklung chronischer Erkrankungen fördern. Dies könne zum Teil erklären, warum auch schlanke Menschen mit einem niedrigen BMI aber großem Taillenumfang ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko besäßen. In der vorliegenden Studie hatten Schlanke mit viel Körperfett im Bauchraum ein ebenso großes Risiko wie stark Übergewichtige. "Unsere Ergebnisse unterstreichen damit die Notwendigkeit, auch bei normalgewichtigen Personen die Körperfettverteilung durch eine Messung des Taillenumfangs oder des Taillen-/Hüftumfang-Quotienten zu ermitteln. Eine Einschätzung anhand des BMI oder des Taillenumfangs allein sei nicht ausreichend", ergänzt Heiner Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie.
Als Ursache für den beobachteten Zusammenhang zwischen niedrigerem BMI und erhöhtem Sterblichkeitsrisiko kommt nach Ansicht der Wissenschaftler auch ein durch Alterungsprozesse oder unerkannte Krankheiten bedingter Verlust der Muskelmasse in Frage, die im Vergleich zum Fettgewebe schwerer ist. Menschen, die Gewicht verlieren, bauen oft mehr Muskeln ab als Fett.
Grundlage der Untersuchung bilden die Daten von 359.387 Teilnehmern der prospektiven** EPIC-Studie aus 9 europäischen Ländern. Das Durchschnittsalter der Studienteilnehmer zum Zeitpunkt der ersten Datenerhebung lag bei 51,5 Jahren. 65,4 Prozent der Teilnehmer waren weiblich. Während der durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 9,7 Jahren starben 14.723 der Studienteilnehmer. Teilnehmer mit einem hohen BMI starben im Vergleich zu Teilnehmern mit mittlerem BMI häufiger an Krebs- oder Herz-Kreislauf- Erkrankungen. Studienteilnehmer mit einem niedrigen BMI starben hingegen häufiger an Erkrankungen der Atmungsorgane.
Hintergrundinformation:
*Body-Mass-Index (BMI): Körpergewicht in Kilogramm [kg] geteilt durch die Körperlänge in Meter zum Quadrat [m2]: kg/m2. Eine 1,70 m große Frau mit einem BMI von 24,3 würde 70,2 kg wiegen. Ein 1,85 m großer Mann mit einem BMI von 25,3 würde 86,6 kg wiegen.
Die EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) ist eine prospektive, 1992 begonnene Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit 519.000 Studienteilnehmern beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie mit mehr als 27.500 Studienteilnehmern/innen im Erwachsenenalter leitet Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE).
Übergeordnetes Leitungsorgan der EPIC-Studie ist das EPIC-Steering-Komitee, wobei Elio Riboli, jetzt am Imperial College London, die Studie koordiniert. Die zentrale EPIC-Datenbank befindet sich an der International Agency for Research of Cancer (IARC) der Weltgesundheitsorganisation in Lyon.
**Bei der Auswertung einer prospektiven Studie ist es wichtig, dass die Teilnehmer/innen zu Beginn der Studie noch nicht an der zu untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für eine bestimmte Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen, wodurch eine Verfälschung der Daten durch die Erkrankung weitestgehend verhindert werden kann - ein entscheidender Vorteil gegenüber retrospektiven Studien.
Das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören 82 außeruniversitäre Forschungsinstitute und forschungsnahe Serviceeinrichtungen. Diese beschäftigen etwa 14.200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Davon sind ca. 6.500 Wissenschaftler (inkl. 2.500 Nachwuchswissenschaftler). Leibniz-Institute arbeiten interdisziplinär und verbinden Grundlagenforschung mit Anwendungsnähe. Sie sind von überregionaler Bedeutung und werden von Bund und Ländern gemeinsam gefördert. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,1 Milliarden Euro pro Jahr. Die Drittmittel betragen etwa 230 Millionen Euro pro Jahr. Näheres unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de.
Weitere Informationen:
http://www.dife.de Homepage des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
UDE: Erwerbstätigkeit im Alter steigt
Katrin Braun, Pressestelle
Universität Duisburg-Essen
Infolge der Arbeitsmarkt- und Rentenreformen sind immer mehr Ältere länger erwerbstätig. Gleichzeitig spalten sich die sozialen Chancen: zwar steigt die Alterserwerbstätigkeit, nach wie vor geht aber ein Teil der Älteren vorzeitig in Rente, obwohl dafür Abschläge in Kauf genommen werden müssen. Das zeigen aktuelle Ergebnisse des Altersübergangs-Monitors, mit dem das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung und des Forschungsnetzwerks Alterssicherung den Übergang zwischen Erwerbsleben und Ruhestand untersucht.
Die Erwerbstätigkeit der 55- bis 64-Jährigen ist hierzulande in den letzten zehn Jahren von 38,0 Prozent auf 48,1 Prozent gestiegen. Damit verzeichnet Deutschland innerhalb der Europäischen Union den höchsten Zuwachs und hat gute Chancen, bis zum Jahr 2010 das Ziel einer Alterserwerbsbeteiligung von 50 Prozent zu erreichen, rechnen die IAQ-Arbeitsmarktforscher Dr. Martin Brussig, Prof. Dr. Matthias Knuth und Sascha Wojtkowski. Einen erheblichen Anteil daran hat die günstige demographische Konstellation, denn die geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge wachsen zunehmend in die betrachteten Altersgruppen hinein. Hauptursache ist allerdings, dass Männer länger arbeiten und mehr Frauen als früher erwerbstätig sind.
Doch es gibt noch einen anderen Trend: Auch die Beschäftigungslosigkeit Älterer hat zugenommen. Ein Großteil der Arbeitslosen ab 58 Jahren taucht in der Statistik gar nicht mehr auf und viele warten die Regelaltersgrenze ab, um Rentenabzüge zu vermeiden. Das gelingt nicht immer: 51,4 Prozent der Männer, die drei Jahre vor Rentenbeginn dauerhaft erwerbstätig waren, aber nur 19,3 Prozent der Männer, die in dieser Zeit nicht oder nur geringfügig beschäftigt waren, erreichten im Jahr 2005 abschlagsfreie Renten.
Arbeitslosigkeit im Alter treibt nach wie vor viele trotz Kürzungen in die Frühverrentung: Im Jahr 2005 betraf dies schon 42 Prozent aller Neurentner. Nach Jahren der Begrenzung der Frührente zeichnet sich eine Trendumkehr ab: 2004 sind wieder mehr Menschen im Alter von 60 Jahren in Altersrente gegangen als 2003, und zu größeren Teilen aus Arbeitslosigkeit. Ein Grund könnte die Einführung von "Hartz IV" sein: Flucht in die Rente, weil wegen fehlender Bedürftigkeit kein Anspruch auf Arbeitslosengeld II besteht.
Im Durchschnitt gehen Arbeitnehmer in Deutschland heute mit 63,2 Jahren in Altersrente - ein Jahr später als noch vor sechs Jahren. "Der Abbau von Frühverrentungsanreizen wirkt, aber er wirkt selektiv", stellen die IAQ-Forscher fest. Wer auch im Alter über eine gute Beschäftigungsfähigkeit verfügt, kann sie für eine längere Erwerbstätigkeit einsetzen. Geringqualifizierte hingegen weisen nach wie vor niedrige Beschäftigungsquoten auf. "Wenn es nicht gelingt, Erwerbschancen auch jenseits des 60. Lebensjahres für alle zu gewährleisten, werden die Chancen auf einen direkten und selbst bestimmten Übergang in eine auskömmliche Rente weiter auseinander gehen", warnt das IAQ.
Der aktuelle Altersübergangs-Report 2008-03 ist zu finden unter http://www.iaq.uni-due.de/auem-report
Weitere Informationen: Dr. Martin Brussig, Tel. 0209/1707-132, E-Mail: martin.brussig@uni-due.de; Prof. Dr. Matthias Knuth, Tel. 0209/1707-186, E-Mail: matthias.knuth@uni-due.de; Sascha Wojtkowski, Tel. 0209/1707-257, E-Mail: sascha.wojtkowski@uni-due.de
Redaktion: Claudia Braczko, Tel. 0209/1707-176, 0170/8761608, E-Mail: presse-iaq@uni-due.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Umweltgutachten 2008 des Sachverständigenrates für Umweltfragen im Erich Schmidt Verlag erschienen
Christian Simon, Pressestelle
Sachverständigenrat für Umweltfragen
"Umweltschutz im Zeichen des Klimawandels", so nennt der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) sein gerade als Buch im Erich Schmidt Verlag erschienenes Umweltgutachten. Die Wechselbeziehungen zwischen Natur-, Wald- und Bodenschutz und der Klimadebatte werden genauso thematisiert wie die Klimaverträglichkeit der Landnutzungen. Die immer wieder behaupteten Widersprüche zwischen Ökonomie und Ökologie werden überzeugend aufgelöst.
Unter dem Motto: "Umweltschutz im Zeichen des Klimawandels" steht das Umweltgutachten 2008, das auf 597 Seiten eine Gesamtschau der deutschen und europäischen Umweltpolitik bietet. Das Werk ist nunmehr im Buchhandel (79,00 Euro, ISBN 9783503 110919) erhältlich.
Trotz einer drohenden weltweiten Rezession dürfen keine Abstriche an Klima-, Natur- und Gesundheitsschutz gemacht werden. Das weltweite Wachstum des Konsums macht die Forderung nach effizientem Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen dringender denn je. "Entweder lösen wir die ökologischen, ökonomischen und sozialen Probleme gleichermaßen oder wir werden sie überhaupt nicht lösen", so die Auffassung des Ratsvorsitzenden Prof. Dr. Martin Faulstich in einem ZEIT-Interview vom 12.11.2008.
Der SRU sieht insbesondere eine innovationsorientierte Umweltpolitik als Chance, den scheinbaren Widerspruch zwischen Ökonomie und Ökologie aufzubrechen. Wer zuerst die Lösungen für eine Welt mit hohen Energiepreisen und geringen Treibhausgasemissionen anbieten kann, profitiert auch von den erwartbaren Marktentwicklungen. Voraussetzung ist jedoch eine entschiedene Umweltpolitik, ohne die die Marktdurchdringung mit innovativen Umwelttechnologien keine Chance hat.
Auch die Wechselbeziehungen zwischen Natur-, Wald- und Bodenschutz und der Klimadebatte werden in dem Gutachten umfassend dargestellt. Der SRU macht deutlich, dass erfolgreicher Naturschutz ein Beitrag zum Klimaschutz ist und umgekehrt.
Das Umweltgutachten 2008 wird im Deutschen Bundestag diskutiert und ist unverzichtbare Referenz der deutschen Umweltdebatte.
Der SRU berät die Bundesregierung seit 1972 in Fragen der Umweltpolitik. Die interdisziplinäre Zusammensetzung des Rates aus sieben Universitätsprofessorinnen und -professoren gewährleistet eine wissenschaftlich unabhängige und umfassende Begutachtung, sowohl aus naturwissenschaftlich-technischer als auch aus ökonomischer, rechtlicher, politikwissenschaftlicher und ethischer Perspektive.
Weitere Informationen:
http://www.umweltrat.de
http://www.esv.info
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Diabetes ist Herzenssache
Anja Brandt M. A., Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen
Die Stiftung "Der herzkranke Diabetiker" (DHD) mit Sitz am Herz- und Diabeteszentrum NRW, Ruhr-Universität Bochum, hat gemeinsam mit den Bundesverbänden niedergelassener Diabetologen und Kardiologen (BVND und BNK) anlässlich von Herzmonat Oktober und Weltdiabetestag am 14. November die Kampagne "Diabetes ist Herzenssache" ins Leben gerufen. Die breite Öffentlichkeit soll für das Thema sensibilisiert werden. Bundesweit informieren alle diabetologischen und kardiologischen Praxen aktuell dazu mit Plakaten, Broschüren und Postkarten, im nächsten Schritt sollen Hausärzte und Apotheken folgen.
"Erst beim Herzen habe ich gemerkt, was der Diabetes eigentlich anrichtet", sagt Günther K. aus Ostwesfalen-Lippe, seit über 30 Jahren Diabetiker. Und so wie Günther geht es vielen Patienten, die an Diabetes mellitus erkrankt sind und die Gefahr für ihr Herz einfach unterschätzen.
"Vaskuläre Komplikationen wie Herzinfarkt, peripher-arterielle Verschlusskrankheit oder Schlaganfall verursachen nicht nur die höchsten Kosten in der Diabetesversorgung, letztlich versterben mehr als 75 Prozent aller Diabetiker daran", sagt der Stiftungsvorsitzende Prof. Dr. Dr. Diethelm Tschöpe, Direktor des Diabeteszentrums am Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen. "Ärzte und Patienten müssen verstehen, dass die frühzeitige Behandlung von Risikofaktoren wie Blutdruck, Blutfette und Blutzucker die Prognose entscheidend beeinflusst. Wir wissen heute, dass die Dunkelziffer unbekannter Diabetiker genauso hoch ist wie die Anzahl der diagnostizierten Patienten. Wir sprechen auch vom "stillen Killer" Diabetes und vom "tödlichen Quartett" Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und Übergewicht. Der Blick auf den Blutzucker allein reicht bei Weitem nicht aus, um Patienten vor den Folgen für Herz und Gefäße zu bewahren", ergänzt Tschöpe.
"Die zielwertgerechte Einstellung des Blutdrucks ist mindestens genauso wichtig wie die normnahe Blutzuckereinstellung, das Risiko für Folgekomplikationen kann dadurch signifikant reduziert werden", erläutert Dr. Hans-Martin Reuter aus Jena, vom Vorstand des BVND.
Und Dr. Rolf Dörr aus Dresden, Beauftragter des BNK erklärt: "Wir merken in der Kardiologie, dass der stoffwechselgesunde Patient eher der Ausnahmefall ist. 40 Prozent aller Herzoperierten in Deutschland und zwei Drittel der Patienten in der kardiologischen Praxis haben einen manifesten Diabetes oder eine gestörte Glukosetoleranz". Laut Dörr sei vielen Betroffenen nicht klar, dass schon der Prä-Diabetes die Progression der Herzerkrankung fördert. "Notwendig ist die Kooperation zwischen Diabetologen, Kardiologen und Hausärzten, die Erkrankung muss systematisch und interdisziplinär behandelt werden. Die Europäischen Fachgesellschaften für Kardiologie und Diabetologie (ESC und EASD) fordern das seit 2007 auch in einer gemeinsamen Verbundleitlinie", so Dörr.
Die Versorgungsrealität gestaltet sich aber noch immer schwierig. Neben fehlenden gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen mangelt es auch am Problembewusstsein in der Bevölkerung, vor allem bei Menschen, die ein hohes Risiko in sich tragen. So wissen herzkranke Patienten meist nicht, dass ein gestörter Glukosestoffwechsel gepaart mit Bluthochdruck die eigentliche Ursache ihrer Erkrankung ist. Und viele Diabetiker kennen zwar die Folgekomplikationen für Augen, Nieren und Beine, unterschätzen aber das Risiko für kardiale Ereignisse.
Genau hier setzt die Kampagne "Diabetes ist Herzenssache" an, will Informationslücken schließen und das Risikobewusstsein in der Bevölkerung schärfen. Dass dies ein langer Weg wird, bis es in den Köpfen ankommt, darüber sind sich die Initiatoren von Stiftung DHD, BVND und BNK einig. Sie wissen auch, es geht nur im Schulterschluss mit den Patienten. Denn nur wer sich seiner Risiken bewusst ist, die Symptome kennt und der Erkrankung frühzeitig vorbeugt, kann dramatische Folgen wie diabetesbedingter Tod durch Herzinfarkt verhindern.
Weitere Informationen:
Stiftung "Der herzkranke Diabetiker" (DHD)
am Herz- und Diabeteszentrum NRW
Prof. Dr. med. Dr. h.c. D. Tschöpe
Geschäfts- und Pressestelle Stiftung DHD
Georgstr. 11
32545 Bad Oeynhausen
info@stiftung-dhd.de
Weitere Informationen:
http://www.stiftung-dhd.de
http://www.bvnd.de
http://www.bnk.de
http://www.hdz-nrw.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Körperhaarentfernung bei immer mehr jungen Erwachsenen im Trend
Dr. Bärbel Adams, Pressestelle
Universität Leipzig
Mehr als 97 Prozent der jungen Frauen und 79 Prozent der Männer entfernen regelmäßig Körperhaar an mindestens einer Körperregion.Das geht aus einer Untersuchung hervor, die von Professor Elmar Brähler und Dr. Aglaja Stirn mit Hilfe des Diplomanden Tim Kühne an der Universität Leipzig, Selbstständige Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, an einer studentischen Stichprobe durchgeführt wurde. Der Studie zufolge befand sich der Anteil der Teilnehmerinnen, die überhaupt kein Körperhaar entfernen, auf interferenzstatistisch nicht verwertbarem Niveau. In der Untersuchung wurde bei Männern die Bartrasur nicht mit einbezogen.
Beachtlich auch die Anzahl gleichzeitig enthaarter Körperpartien: 89 Prozent der Frauen, die sich regelmäßig rasieren/epilieren/trimmen, tun dies an drei oder mehr Körperpartien. Fast die Hälfte der Frauen (48 Prozent) enthaaren sich vier Körperpartien gleichzeitig. Das sind vor allem Beine, Achselhöhlen, der Genitalbereich und die Augenbrauen. Bei Männern, die sich abgesehen vom Bart Körperhaar entfernen, werden zu mehr als 50 Prozent zwei oder drei Körperpartien einbezogen. Männer rasieren sich vor allem die Achselhöhlen, Genitalbereich oder Oberkörper.
Insgesamt wurden 314 Studentinnen und Studenten befragt, davon 219 Frauen und 95 Männer. Der Altersdurchschnitt der Stichprobe lag bei rund 23 Jahren. Mehr als drei Viertel der Befragten studierten zum Zeitpunkt der Befragung Humanmedizin (45 %) oder Psychologie (34 %). Auch wenn die Anzahl vergleichbarer Studien sehr gering ist, lässt sich eine deutliche Zunahme der Personen beobachten, die Körperhaar entfernen, und eine Zunahme der Körperregionen, die dieser Modifikation unterzogen werden.
Warum unterziehen sich junge Menschen einer solch aufwändigen Prozedur? Bei der Frage nach den Gründen wird bei Befragungen immer wieder das Wechselspiel zwischen individueller Attraktivität und gesellschaftlicher Normativität angegeben.
Untersuchung unterstützt entpathologisierte Sichtweise
Die hier zitierte Untersuchung an der Universität Leipzig, Selbstständige Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie, unterstützt eine entpathologisierte Sichtweise auf das Phänomen "Körperhaarentfernung". So leiden Personen, die sich die Arbeit einer aufwändigen Haarentfernung machen, nicht an einer Störung ihres Selbstwertes. Ebenfalls nicht zu beobachten ist ein besonders ausgeprägtes Persönlichkeitsmerkmal "Sensation Seeking" - also das Bedürfnis nach ständig neuer Stimulation und hoher Erregung.
Männer: Höhere Extraversionswerte
Mittels des eingesetzten Persönlichkeitstests (Kurzversion des NEO-FFI) konnte auf den fünf Persönlichkeitsdimensionen Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit nur auf einer Dimension eine Abweichung beobachtet werden. So weisen Männer, die regelmäßig zwei oder mehr Körperregionen enthaaren, erhöhte Extraversions-Werte auf. Männer, die sich mehrere Körperpartien rasieren, sind also sozial aktiv, geselliger, beschreiben sich als selbstsicherer und optimistischer.
Gründe für hohe Anzahl von Intimrasuren
Zusätzlich interessant erscheint die Frage nach den Gründen einer Intimrasur. Unserer Untersuchung zufolge, nehmen eine ausgesprochen große Zahl von 88 Prozent der Frauen (und 67 Prozent der Männer) diese Form der Körpermodifikation vor. Speziell bei der Frage der hohen Zahl der (Genital-)-Haarentfernung bei Frauen können aus unserer Sicht zwei Ansätze zur Erklärung beitragen:
Der Infantilisierungsansatz diskutiert vorpubertäres Aussehen als Zeichen der Sexualabwehr. Durch die umfängliche Rasur wird sexuelle Unreife und damit Ungefährlichkeit signalisiert. Die Frau macht sich durch Epilation zu einem verletzlichen, unbedrohlichen Kind. Sie schützt sich aus Sexualangst vor reifer, genitaler Sexualität. Durch die Verwandlung der Frau in ein ungefährliches Kind wird beim Mann das Überlegenheitsgefühl bestärkt.
Im Gegensatz zu diesem Ansatz, der Intimrasur als Ausdruck und Unterstützung patriarchaler Sexualität begreift, kann Haarentfernung im Genitalbereich auch als Zeichen gesteigerter weiblicher Emanzipation begriffen werden. Denn Intimrasur schafft visuelle Anreize. Diesem Ansatz zufolge, der hier als visueller Ansatz diskutiert wird, bietet Schamhaar visuellen Schutz, eine visuelle und taktile Barriere. Durch Entfernung der Haare wird weibliches Genital sichtbarer. Die Frau kann sich durch Sichtbarmachung ihrer Genitalien ihrer Sexualität bewusster werden. Demzufolge wäre Rasur als Zeichen eines gewachsenen weiblichen Selbstbewusstseins zu verstehen.
Zu betonen ist, dass nur die genaue Betrachtung des Einzelfalls klären kann, ob es sich bei der Intimrasur um eine Form der Sexualabwehr oder ein Mittel zur Steigerung der Sexualität handelt. Bedacht werden muss auch, dass in vielen Kulturen die Rasur im Kontext von Initiationsriten vorgenommen wird um Übergänge in neue Lebensphasen zu markieren.
"Über kurz oder lang wird wieder üppig wachsendes Haar als schick gelten"
Zusammenfassend lässt sich hierzu jedoch sagen, dass beiden dargestellten psychosozialen Deutungsansätzen ein allgemeiner kultureller Trend zugrunde liegt. "Dies gilt für Achseln und Beine genauso wie für den Genitalbereich. Knapper werdende Badebekleidung sowie die starke Präsenz von Nacktheit in den Medien tragen dazu bei, dass sich für diese Bereiche ästhetische Normen herausbilden", erklärt Professor Brähler und führt fort: "Speziell für den Bereich der Intimrasuren bei Frauen, lässt sich sagen, dass es die 'neue' Sichtbarkeit der äußeren weiblichen Genitalien ist, die dazu führt, dass sich auch hier Schönheitsnormen herausbilden: Erstmals entwickelt sich eine allgemeingültige - für weite Schichten der Bevölkerung - verbindliche Intimästhetik. Eine bis dato primär zur Privatsphäre zählende Körperregion - die Schamregion - unterliegt fortan einem Gestaltungsimperativ." Frau Dr. Stirn ergänzt: "Und so verwundert nicht, dass sich immer mehr Frauen für die Option interessieren, auch im Intimbereich Korrekturen durch chirurgische Eingriffe vornehmen zu lassen oder es mit einem Piercing zu versehen, da dieser Bereich dem Auge mehr zugänglich geworden ist."
Durch die massenhaft mediale Sichtbarkeit vorrangig der weiblichen Genitalien wird ein Körperbereich medial kolonisiert und gleichsam zu einem öffentlichen Raum. So ist davon auszugehen, dass das aktuelle Modeideal der "glatt rasierten Scham", wie jede andere Mode, auch wieder aus der Mode kommt. "Über kurz oder lang wird wieder üppig wachsendes Haar als schick gelten", so Professor Brähler.
Für weiterführende Informationen sind folgende Publikationen zu empfehlen:
Borkenhagen, Ada; Brähler, Elmar (Hrsg.):
psychosozial 112 - "Intimmodifikationen"
Erschienen im Psychosozial-Verlag (http://www.psychosozial-verlag.de)
ISBN-13: 01713434
Turkof, Edvin, Sonnleitner, Elis:
"Schamlippenkorrektur"
Erscheint im November 2008 im Maudirch-Verlag (http://www.maudrich.com/index.html)
ISBN 3-85175-897-8
weitere Informationen:
Prof. Dr. Elmar Brähler
Telefon: 0341 97-18800
E-Mail: elmar.braehler@medizin.uni-leipzig.de
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~medpsy
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Untersuchung der Leistungsfähigkeit von Ökosystemen in Gebirgslandschaften
Jürgen Abel M. A., Pressestelle
Universität Bayreuth
Grundlegend neue Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Klimaänderungen, agrar- und forstwirtschaftlichen Produktionsformen und der Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser versprechen zukünftige Forschungsarbeiten eines neuen Internationales Graduiertenkollegs zur Ökosystemforschung mit der Universität Bayreuth als Sprecherhochschule. Zusammen mit zwei Partnern in Südkorea wird das neue Graduiertenkolleg in den nächsten viereinhalb Jahren mit insgesamt 3,3 Mio. € von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Dazu werden in Bayreuth 15 Stipendien ausgeschrieben.
Bayreuth (UBT). Grundlegend neue Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Klimaänderungen, agrar- und forstwirtschaftlichen Produktionsformen und der Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser versprechen geplante Forschungsarbeiten eines neuen Internationales Graduiertenkollegs zur Ökosystemforschung mit der Universität Bayreuth als Sprecherhochschule. In Zusammenarbeit mit zwei Partnern in Südkorea, der Kangwon National University in Chuncheon und dem Korean Forest Research Institute in Seoul, wird das neue Graduiertenkolleg mit dem Titel "Ökologische Heterogenität in komplexem Gelände" - Complex Terrain and Ecological Heterogeneity (TERRECO)" in den nächsten viereinhalb Jahren mit insgesamt 3,3 Mio. € von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.
Ökosysteme werden heute in den Umweltwissenschaften als Leistungsträger aufgefasst, die für die Versorgung der Menschen mit lebenswichtigen Gütern wesentliche Voraussetzungen schaffen. Zu solchen ökosystemaren Leistungen zählen beispielsweise die Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen für die Nahrungsmittelproduktion, die Lieferung von Trinkwasser und die Luftreinhaltung. Das neue Internationale Graduiertenkolleg befasst sich vorrangig mit der Leistungsfähigkeit von Ökosystemen in Gebirgslandschaften, und dabei insbesondere mit ihren Funktionen für die Bereitstellung von Trinkwasser.
Bergregionen machen rund 20% der Erdoberfläche aus. Sie versorgen heute mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung mit Trinkwasser. Seit einigen Jahrzehnten bewirken jedoch Klimawandel und landwirtschaftliche Nutzung, dass sich die Eigenschaften und Strukturen dieser Ökosysteme erheblich verändern. In welcher Weise ändern sich dadurch auch ihre Leistungsfähigkeit und die Lebensgrundlagen von Menschen ? Diese Frage wollen die deutschen und koreanischen Wissenschaftler und Wissenschaftler unter dem Dach von TERRECO genauer untersuchen.
Dabei geht es zunächst einmal darum, mehr über die verschiedenartigen Faktoren zu erfahren, die die innere Verfasstheit von Ökosystemen in Bergregionen und deren Funktionen für die Bereitstellung von Trinkwasser beeinflussen. Die geplanten Forschungsarbeiten erstrecken sich daher unter anderem auf die Beschaffenheit von Böden, Inhaltsstoffe in der Luft und im Regenwasser, Verläufe von fließenden Gewässern, auf die Artenvielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt, agrar- und forstwirtschaftliche Produktionsformen und die ihnen zugrunde liegenden Sozial- und Wirtschaftsstrukturen.
Sowohl in Deutschland als auch in Korea sollen Gebirgslandschaften unter diesen Aspekten erforscht werden. Die daraus hervorgehenden Erkenntnisse werden dann systematisch zusammengeführt mit dem Ziel, die kausalen Zusammenhänge zu ermitteln, die zwischen den komplexen Strukturen und Prozessen innerhalb von Ökosystemen einerseits und ihrer Leistungsfähigkeit andererseits bestehen.
Von besonderer Bedeutung in diesen Forschungsprojekten ist die Entwicklung von Modellen und computergestützten Simulationen. Dadurch ist es möglich, unterschiedliche Szenarien bezüglich des Klimawandels und der Landnutzung in Beziehung zu setzen mit der Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigem Trinkwasser und weiteren lebenswichtigen Gütern.
Angestrebt wird ein Bewertungsschlüssel, mit dessen Hilfe sich die Folgen ökosystemarer Veränderungen für die Trinkwasserversorgung in unterschiedlichen Weltregionen abschätzen lassen. Aus diesen Erkenntnissen und Prognosen können konkrete Handlungsempfehlungen für Politik und Wirtschaft abgeleitet werden.
Für die Forschungsarbeiten im Rahmen von TERRECO hat die Universität Bayreuth 13 Promotionsstipendien und 2 Postdoc-Stipendien ausgeschrieben. Bewerbungsfrist ist der 15. Januar 2009. Die Nachwuchswissenschaftler und -wissenschaftlerinnen werden sowohl in Deutschland als auch in Korea forschen. Sie nehmen dabei nicht nur an fachbezogenen Seminaren teil, sondern auch an koreanischen Sprachkursen, einer Sommeruniversität und weiteren fächerübergreifenden Lehrveranstaltungen, die in Bayreuth und in Korea angeboten werden. Innerhalb der Universität Bayreuth sind insbesondere das Bayreuther Zentrum für Ökologie und Umweltforschung (BayCEER) sowie das Zentrum für Naturrisiken und Entwicklung Bayreuth (ZENEB) an der Koordinierung der Forschungsprojekte beteiligt.
Christian Wißler
Kontakt und weitere Informationen:
Professor Dr. John Tenhunen
Lehrstuhl für Pflanzenökologie
Universität Bayreuth
D-95440 Bayreuth
Tel.: +49 (0)921 55-2570
E-Mail: john.tenhunen@uni-bayreuth.de
Weitere Informationen im WWW:
http://www.bayceer.uni-bayreuth.de/terreco
Homepage des Internationalen Graduiertenkollegs TERRECO, u.a. mit Detailinformationen zu den ausgeschriebenen Promotions- und Postdoc-Stipendien.
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)
Diabetes ins Licht stellen - und damit auch die chronische Niereninsuffizienz als häufige Folgeerkrankung
Dr. Bettina Albers, Pressearbeit
Gesellschaft für Nephrologie e.V. (GfN)
Pressemeldung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) zum Weltdiabetestag
Jedes Jahr am 14. November findet der Weltdiabetestag statt. Dieser Tag ist der Geburtstag von Frederick Banting, der gemeinsam mit Charles Best als Entdecker des Insulins gilt. Mitte November startet daher eine weltweite Informationskampagne mit zahlreichen Aktionen, die in diesem Jahr unter das Motto "Diabetes ins Licht stellen" gestellt wurden. Wie wichtig es ist, Diabetes ins Licht zu stellen, also ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und an Prävention zu erinnern, zeigen die hohen Inzidenz- und Prävalenzraten: Bereits heute leben weltweit über 250 Millionen Menschen mit Diabetes. Laut der International Diabetes Federation und WHO wird sich diese Zahl in den nächsten 20 Jahren sogar noch auf 380 Millionen erhöhen. Diabetes ist damit eine globale Epidemie, die auch vor Kindern und Jugendlichen nicht Halt macht und zudem mit starken Einschränkungen sowie schwerwiegenden Folgeerkrankungen verbunden ist.
Auf eine dieser Folgekomplikation möchte die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) hinweisen. Diabetes zieht bei einem Teil der Patienten langfristig Nierenversagen nach sich und ist die häufigste Einzelursache für die terminale chronische Niereninsuffizienz.
Die Niere ist eines der Organe, die durch eine Diabeteserkrankung geschädigt werden. Etwa 20-40 Prozent aller Patienten mit Diabetes Typ 1 oder Typ 2 entwickeln im Laufe ihres Lebens Nierenschäden. Bei fast der Hälfte aller neuen Dialysepatienten liegt ein Diabetes zugrunde. Ein wesentlicher Grund für die Entstehung einer Niereninsuffizienz bei Diabetikern ist eine schlechte Einstellung des Blutzuckers über Jahre.
Diabetiker sind also Hochrisikopatienten und müssen besonders auf ihre Nierengesundheit acht geben. Die Zahl der Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz steigt dramatisch. Gab es im Jahr 1996 insgesamt 57.803 Menschen, die sich in Dialysebehandlung oder in Transplantationsnachsorge befanden, so waren es zehn Jahre später, also Ende 2006, bereits 91.718 Menschen. Viele dieser Patienten sind Diabetiker, die durch verbesserte Maßnahmen der Sekundärprävention (Blutzuckereinstellung, Blutdrucksenkung, Nichtrauchen) ihre Nierenfunktion vielleicht hätten bewahren können. Um die steigende Zahl der Patienten mit terminaler Niereninsuffizienz zu senken, ist es daher wichtig, Diabetiker auf die Gefahr der Nierenerkrankung als Folgeerscheinung aufmerksam zu machen.
Wichtig ist aber auch, das Übel an seinen Wurzeln zu packen und die ursächliche Erkrankung, den Diabetes, zurückzudrängen. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie unterstützt daher die Diabetes-Gesellschaften in ihrem Anliegen, die Bevölkerung für Präventionsmaßnahmen gegen Diabetes zu sensibilisieren: Gesunde Ernährung, mehr Sport und Nichtrauchen erhält die Gesundheit - auch die der Nieren!
Für weitere Informationen sowie für die Vermittlung eines Interviewpartners für ein Experteninterview zum Thema "Diabetes und Niere" wenden Sie sich bitte an die Pressestelle.
Dr. Bettina Albers
albersconcept
Tel. 03643/ 7764-23; Fax -52
albers@albersconcept.de
Weitere Informationen:
http://www.nierengesellschaft.de
http://www.nephrologie.de
(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)




