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Tägliche Meldungen Januar 2008/3
Sonne, Biomasse, Geothermie und neue Energien
Rudolf-Werner Dreier, Kommunikation und Presse
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau
Ministerin Tanja Gönner bei der Eröffnung des Zentrums für Erneuerbare Energien
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,
an der Freiburger Universität spielt die Umwelt traditionell eine große Rolle. So darf sie sich als erste deutsche Universität Solar-Uni nennen. Auf ihren Dächern fängt das größte Solardächerprogramm auf öffentlichen Gebäuden die Freiburger Sonnenstrahlung ein. Um die Solarforschung und andere umweltfreundliche Energien gezielt in Forschung und Lehre einzubinden, eröffnet die Universität zusammen mit Partnern aus der Region am Dienstag, 29. Januar, um 10.00 Uhr, in der Aula der Universität, Kollegiengebäude I, Platz der Universität, ein Zentrum für Erneuerbare Energien (ZEE). Zu dieser feierlichen Eröffnung laden wir Sie herzlich ein. Wir möchten Ihnen vorab in einer Pressekonferenz vor der Eröffnung des Zentrums
am Dienstag, den 29. Januar 2008 um 9.15 Uhr, in der Bibliothek der Dogmatischen Theologie, direkt neben der Prometheushalle,
zusammen mit dem Rektor der Universität, Prof. Dr. Wolfgang Jäger, dem Geschäftsführenden Direktor des Zentrums für Erneuerbare Energien, Prof. Dr. Gerhard Oesten, und dem Direktor des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme und Lehrstuhlinhaber im Institut für Physik, Prof. Dr. Eicke Weber, die Ziele des ZEE, seine Partner sowie die technologischen Perspektiven vorstellen.
Zu diesem Termin lade ich Sie herzlich ein.
Mit freundlichen Grüßen
Rudolf-Werner Dreier
Leiter Kommunikation und Presse
Umstrittene Urintests: Bonner Urologen dürfen kritisch bleiben
Dr. Andreas Archut, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Dürfen Wissenschaftler öffentlich Kritik an kommerziellen Produkten üben? Ja, dürfen sie, so jedenfalls entschied das Landgericht Düsseldorf kürzlich im Falle eines von Bonner Urologen kritisierten Urintests auf Prostata-Krebs. Das Oberlandesgericht wies jetzt die Berufung der Herstellerfirma gegen das Urteil ab.
Vergangenen Sommer hatte die Universität Bonn eine Pressemitteilung herausgegeben, in der das mit dem Universitätsklinikum Bonn assoziierte "Urologische Netzwerk Bonn" vor Tests warnte, die eine Krebsdiagnose im Frühstadium mit hoher Treffsicherheit und ohne operative Entnahme einer Gewebeprobe versprechen. Die Bonner Urologen betonten, dass nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Stand Urintests eine Biopsie der Prostata nicht ersetzen könnten, da diese zur Sicherung der Diagnose unerlässlich sei.
Diese Aussagen versuchte die Firma DiaPat GmbH, ein Anbieter von Urintests auf Prostata-Krebs, mittels einer Abmahnung zu unterbinden. Die Bonner Urologen hielten jedoch an ihrer Stellungnahme fest und beriefen sich auf ihre Meinungsfreiheit und die unter dem Schutz des Grundgesetzes stehende Freiheit der Wissenschaften. Ein Ansicht, die auch die Justiz teilte: Die Anwälte von DiaPat versuchten vergeblich, eine einstweilige Verfügung gegen die Bonner Wissenschaftler zu erwirken. Sie gingen daraufhin in Berufung. Das Oberlandesgericht Düsseldorf setzte nun dem Eil-Rechtsstreit ein Ende: Es lehnte die Berufung ab.
Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Je früher er erkannt wird, desto höher ist die Chance auf Heilung. Einige Harntests zur Früherkennung eines Prostatakarzinoms sind bereits auf dem Markt. Die Kosten von mehreren Hundert Euro werden von den Krankenkassen nicht übernommen.
Weitere Informationen:
http://idw-online.de/pages/de/news217946 - Pressemitteilung vom 9. Juli 2007
Meeresumweltschutz: Kooperationsvereinbarung für Umweltüberwachung in Nord- und Ostsee
Dr. Barbara Hentzsch, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde
Am Freitag haben das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) und das Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) eine Aktualisierung der bereits seit 1993 bestehenden Vereinbarung über die Durchführung meeres-kundlicher Untersuchungen zur Überwachung des Zustands der Meeresumwelt beschlossen.
Die Untersuchungen sind ein Beitrag zum nationalen Bund/Länder-Messprogramm für Nord- und Ostsee und zu international vereinbarten Überwachungsprogrammen. Es gelten die Regeln und Vorgaben der für diese Meeresgebiete maßgeblichen Schutzregime OSPAR und HELCOM, der Eu-ropäischen Gemeinschaft und der IMO.
Wie BSH-Präsident Prof. Dr. Peter Ehlers und der Direktor des IOW Prof. Dr. Bodo v. Bodungen anlässlich der Unter-zeichung der neuen Vereinbarung mitteilten, wird das IOW im Auftrag des BSH insbesondere Aspekte des verstärkten Algenwachstums durch die Zunahme von Nährstoffen (Eutrophierung), der biologischen Vielfalt der Ökosysteme, der Meeresgeologie und der Einschleppung fremder Arten untersuchen. Die Untersuchungen des Wasseraustausches zwischen Nord- und Ostsee sowie die Belastung der Ostsee mit Schadstoffen sind weitere Schwerpunkte.
Ehlers und v. Bodungen begrüßten, dass nun auch biologische Aspekte der Nordsee untersucht würden. Bei der Überwachungsfahrt des BSH im Februar, für die das niederländische Forschungsschiff Pelagia gechartert wurde, werden daher auch erstmals Biologen des IOW mit an Bord sein.
Weitere Informationen:
http://www.bsh.de/de/Das%20BSH/Presse/Aktuelle%20Meldungen/index.jsp
Warum es von Vorteil sein kann, Äpfel und Birnen nicht zusammenzählen zu können
Rudolf-Werner Dreier, Kommunikation und Presse
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau
Einfache Zahlsysteme können überlegen sein
Wenn jemand "nicht bis drei zählen" kann, setzen wir kein großes Vertrauen in seine sonstigen geistigen Fähigkeiten. Und wenn jemand Orangen auf eine andere Weise zählt als Brotfrüchte, und diese wiederum anders als Brotfrüchte aus einer bestimmten Saison, kommt einem das gelinde gesagt umständlich und ineffizient vor. Lange Zeit haben Wissenschaftler deshalb auch angenommen, dass einfache Zahlsysteme mit wenigen Zahlworten und objektspezifische Zahlsysteme, in denen verschiedene Objekte unterschiedlich gezählt werden, primitive Vorstufen eines abstrakten mathematischen Verständnisses seien. Dass diese Annahme nicht grundsätzlich stimmt, zeigen zwei Mitarbeiter von Prof. Dr. Hans Spada am Institut für Psychologie der Universität Freiburg in einem Artikel, der jüngst in Science (Bd. 319, S. 213, 2008) erschienen ist.
Der Psychologe Sieghard Beller und die Ethnologin Andrea Beller verglichen dazu vier Sprachen im pazifischen Raum, die alle von der gleichen Muttersprache, dem Proto-Ozeanischen, abstammen. Während die Muttersprache vor über 4 000 Jahren aber bereits ein abstraktes Zahlsystem auf der Basis zehn besaß, mit dem man mindestens bis 1 000 zählen konnte, haben sich die Tochtersprachen auf interessante Weise auseinander entwickelt. Adzera und Takia beispielsweise, zwei Sprachen in Papua-Neuguinea, haben das umfangreiche System aufgegeben und zählten in vorkolonialer Zeit nur noch bis fünf, während im Fidschianischen und im polynesischen Mangareva das abstrakte System erweitert und zusätzlich durch verschiedene objektspezifische Systeme ergänzt wurde.
Diese Beispiele zeigen deutlich, so die beiden Forscher, dass die Annahme einer Evolution vom Einfachen zum Komplexen und vom Objektspezifischen zum Abstrakten nicht haltbar ist. Menschliche Kognitionen - und Zahlsysteme sind ein wichtiger Bestandteil davon - entwickeln sich vielmehr in Reaktion auf kulturelle Anforderungen. Wo kein Bedarf für das Zählen und große Zahlen besteht, wie dies in vielen Regionen Papua-Neuguineas der Fall war, werden komplexere Zahlsysteme nicht mehr gebraucht. Und wo sie nicht ausreichen, werden sie ausgedehnt und ergänzt, wie in Polynesien geschehen. Worin aber könnte der Sinn objektspezifischer Systeme liegen? Auch auf diese Frage haben die beiden Forscher eine Antwort: Zu einer Zeit, als es in Polynesien noch keine Zahlschrift gab, erleichterten die objektspezifischen Zählweisen das Kopfrechnen. Sie zählten nämlich nicht einzelne Objekte, sondern Paare oder andere Einheiten. Nimmt man zur Veranschaulichung das Zählen und Rechnen im Dutzend: 72 - 24 + 36 im Kopf auszurechnen, fällt den meisten schwerer als 6 Dutzend - 2 Dutzend + 3 Dutzend. Gerade solche Abkürzungsstrategien sind es, die objektspezifische Zahlsysteme so effizient machen. Mit ihrer Analyse konnten die beiden Forscher also nicht nur gängige Annahmen zur Evolution von Zahlsystemen widerlegen, sondern auch zeigen, dass Zahlsysteme, die bisher als primitiv galten, in Wirklichkeit sehr effizient und vorteilhaft waren.
Kontakt:
Dr. Andrea Bender
Institut für Pschychologie der Universität Freiburg
Tel.: 0761/203-2482
E-Mail: bender@psychologie.uni-freiburg.de
Internationale Vergleichsstudie in der Berufsbildung
Andreas Pieper, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
BIBB-Hauptausschuss verabschiedet Empfehlung
Der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) hat eine Empfehlung zu einer internationalen Vergleichsstudie in der Berufsbildung ("Berufsbildungs-PISA") verabschiedet. In ihrem mehrheitlich gefassten Beschluss unterstützen die Beauftragten der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und der Länder "grundsätzlich die Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, die Qualität beruflicher Bildung international vergleichend auf den Prüfstand zu stellen". Zugleich bewerten sie aber die bisher präsentierten Vorarbeiten zur Studie, die methodischen Konzepte und vorgelegten Instrumente kritisch. Sie sind besorgt darüber, dass damit die in der dualen Berufsausbildung vermittelte umfassende berufliche Handlungsfähigkeit nicht in erforderlichem Maß erfasst werden kann.
Ein Großteil der für Deutschland typischen dualen Ausbildung findet in modernen betrieblichen Arbeits- und Geschäftsprozessen statt. Verfahren, die die Ergebnisse solcher Lernprozesse bewerten und damit berufliche Handlungskompetenz angemessen berücksichtigen, seien bisher noch unterentwickelt. Das bislang vorgelegte Konzept zur Messung beruflicher Kompetenzen lege noch zu sehr den Schwerpunkt auf in der Schule bzw. Lehrgängen erworbenes Wissen. Umfassende berufliche Handlungsfähigkeit werde damit nicht erfasst. Die duale Berufsausbildung werde somit zugunsten einer schulisch-akademischen Wissensvermittlung - gerade auch mit Blick auf die überwiegend schulisch geprägten Ausbildungssysteme in Europa - benachteiligt.
Daher fordert das höchste Gremium des BIBB, wissenschaftlich abgesicherte Instrumente und Methoden zu entwickeln, mit denen berufliche Kompetenzen gemessen werden können, die modernen Arbeitsprozessen zugrunde liegen. In internationalen Vergleichsuntersuchungen zur Berufsbildung müsse der Schwerpunkt auf die Kompetenzmessung im realen Arbeitsprozess gelegt werden. Nur so können die verschiedenen Formen beruflicher Bildung und Qualifizierung zwischen Schule und Betrieb in Deutschland sowie im internationalen Vergleich angemessen eingeschätzt werden.
Der BIBB-Hauptausschuss hat die gesetzliche Aufgabe, die Bundesregierung in grundsätzlichen Fragen der Berufsbildung zu beraten. Er ist zu gleichen Teilen mit Beauftragten der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer, der Länder sowie des Bundes besetzt.
Die Empfehlung des BIBB-Hauptausschusses zu einer internationalen Vergleichsstudie in der Berufsbildung ("Large-Scale-Assessment") im Wortlaut:
http://www.bibb.de/de/31435.htm
Arbeitsplatz-Risiko nur selten gesundheitsgefährdend
Kim-Astrid Magister, Pressestelle
Technische Universität Dresden
Die angespannte Arbeitsmarkt-Situation beunruhigt zwar viele Beschäftigte, beeinträchtigt jedoch die psychische Gesundheit nur in Ausnahmefällen. Zu diesem Ergebnis kam Dr. Ruth Jäger in einer Studie bei Berufstätigen im Einzelhandel und im Bereich Wissenschaft/Lehre, die sie im Rahmen ihrer Dissertation am Institut für Allgemeine Psychologie, Biopsychologie und Methoden der Psychologie der TU Dresden durchführte.
Allerdings fand die Psychologin bei Alleinlebenden bzw. Alleinverdienenden gelegentlich einen Zusammenhang: Steigt das Beschäftigungsrisiko, nimmt die psychische Beeinträchtigung zu; der Effekt verstärkt sich zusätzlich, wenn die/der Beschäftigte Verantwortung für Kinder trägt.
Dr. Jäger fand bestätigt: Entscheidend für die psychische Gesundheit im Arbeitsleben sind drei Merkmale:
- mittlere Tätigkeitsintensität
- soziales Klima, Unterstützung durch Vorgesetzte
- eigene, angepasste Handlungsspielräume
Die entsprechende Gestaltung der konkreten "Arbeitssituation ist und bleibt die relevante Stellschraube zur Gesundheitsprävention."
Die Studie ist veröffentlicht: Ruth Jäger: Arbeitsmarkt und psychische Gesundheit, Pabst, 216 Seiten, ISBN 978-3-89967-372-2, Preis: 20,00 Euro
Wegfall der Ausbilderprüfung: Mehr Ausbildungsplätze - weniger Ausbildungsqualität
Andreas Pieper, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)
Die zeitlich befristete Aussetzung der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) hat zu mehr Ausbildungsbetrieben und mehr Ausbildungsplätzen geführt. Der Zuwachs fällt jedoch geringer aus als erwartet. Zugleich gibt es Hinweise darauf, dass die Neuregelung, die am 3. Mai 2003 beschlossen worden ist, negative Auswirkungen auf die Qualität der Ausbildung hat. Eine deutliche Mehrheit der befragten Betriebe sieht in der AEVO einen wichtigen Beitrag zur Sicherung einer Mindestqualifikation des Ausbildungspersonals sowie der Qualität der beruflichen Ausbildung insgesamt. Dies sind die wesentlichen Ergebnisse einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), die in Zusammenarbeit mit der Bonner Forschungsgruppe SALSS von Oktober 2006 bis November 2007 durchgeführt wurde. Die Ergebnisse sind veröffentlicht in der aktuellen Ausgabe von BIBB REPORT.
Mit der Aussetzung der AEVO, die Teile der Wirtschaft als bürokratische Hürde bezeichnet hatten, sollte Betrieben der Einstieg in die Ausbildung erleichtert werden. Nach der Rechtsänderung müssen Ausbilder für Ausbildungsverhältnisse, die vom 1. August 2003 bis 31. Juli 2008 bestehen oder eingerichtet werden, den Qualifizierungsnachweis nach der AEVO nicht mehr erbringen, d. h. keine Prüfung mehr ablegen.
Die Untersuchungsergebnisse der im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durchgeführten Studie basieren auf zwei Erhebungen: eine bundesweite repräsentative Befragung unter rund 15.000 Betrieben sowie eine Befragung der Handwerks- und Industrie- und Handelskammern.
o Mehr Ausbildungsbetriebe - mehr Ausbildungsplätze
Nach den Ergebnissen der Betriebsbefragung liegt die Zahl der Betriebe, denen nach eigenen Angaben die Aussetzung der AEVO den Einstieg in die Ausbildung erleichtert bzw. ermöglicht hat, mehr Auszubildende einzustellen, zwischen 7.000 bis 10.000 pro Jahr.
Die Zahl der Ausbildungsplätze, die durch die Aussetzung der AEVO leichter zur Verfügung gestellt werden konnten, bewegt sich zwischen 10.000 bis 25.000 pro Jahr.
Die Angaben der Betriebe dürfen jedoch nicht in der Weise interpretiert werden, dass die Neuregelung der AEVO der alleinige Grund ihrer Entscheidung zur Ausbildung gewesen sei.
Die neu für eine Ausbildung gewonnenen Betriebe sind vor allem Kleinbetriebe mit 1 - 9 Beschäftigten (67 %) und mit 10 - 19 Beschäftigten (28 %). Die Verteilung nach Wirtschaftsbereichen zeigt, dass die Aussetzung der AEVO überwiegend Dienstleistungs- (38 %) und Handelsbetrieben (28 %) zugute kam.
o Mehr Ausbildungsabbrüche
Qualitative Auswirkungen der Aussetzung der AEVO lassen sich vor allem hinsichtlich des Ausbildungserfolgs feststellen. So zeigen die Ergebnisse der Betriebsbefragung, dass Ausbildungsabbrüche - unabhängig von der Betriebsgröße und dem Wirtschaftszweig - häufiger in den Betrieben auftreten, die über kein nach AEVO qualifiziertes Personal verfügen und die selbst angegeben hatten, dass ihnen die Aussetzung der AEVO den Einstieg in die Ausbildung erleichtert habe. Diese Betriebe klagen auch häufiger über Schwierigkeiten und schlechtere Noten ihrer Auszubildenden in den Prüfungen.
Dieses Ergebnis deckt sich in der Tendenz mit jenem der Kammerbefragung: Dort ist knapp die Hälfte der Ausbildungsberater und -beraterinnen der Auffassung, dass die Aussetzung der AEVO zu einem Qualitätsverlust und einem Imageschaden der beruflichen Ausbildung geführt habe.
Zu berücksichtigen ist hier, dass Ausbildungserfolge und -misserfolge auch noch weitere Ursachen haben können - wie zum Beispiel die individuelle Lernbiografie, die Motivation oder den familiären Hintergrund der Auszubildenden.
o AEVO als Instrument der Qualitätssicherung
Drei Viertel (77 %) der Ausbildungsberater und -beraterinnen bei den Kammern sind der Meinung, die AEVO sollte wieder in Kraft gesetzt werden. Dabei gibt es eine deutliche Mehrheit (65 %), die sich für eine vorherige Überarbeitung ausspricht. 12 % sagen, die AEVO solle unverändert wieder eingesetzt werden. Für eine ersatzlose Abschaffung treten nur 3 % ein; 18 % sprechen sich für eine weitere Aussetzung aus.
Uneinheitlicher fällt das Meinungsbild auf Seiten der Betriebe aus: Sowohl die Ausbildungsbetriebe als auch die Nicht-Ausbildungsbetriebe sehen mehrheitlich in einer gesetzlichen Regelung der Ausbildereignung einen Beitrag zur Sicherung einer Mindestqualifikation des Ausbildungspersonals sowie der Qualität der beruflichen Ausbildung insgesamt. Andererseits ist etwa jeder zweite Betrieb der Auffassung, die damit verbundenen Kosten könnten viele Betriebe nicht tragen, und 44 % werten eine gesetzliche Regelung als bürokratische Hürde beim Einstieg in die Ausbildung.
Die aktuelle Ausgabe von BIBB REPORT kann kostenlos heruntergeladen werden unter http://www.bibb.de/bibbreport
Inhaltliche Auskünfte im BIBB erteilt:
Philipp Ulmer, Tel.: 0228 / 107-1413; E-Mail: ulmer@bibb.de
Neuer Mitspieler der angeborenen Immunabwehr entdeckt
Dr. Stefanie Seltmann, Stabsabteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Alle mehrzelligen Tiere besitzen ein angeborenes Immunsystem: Sobald Bakterien, Parasiten oder Pilze in den Organismus eindringen, werden kleine Eiweißmoleküle freigesetzt, die die Angreifer unschädlich machen. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums haben nun ein neues Molekül entdeckt, das sowohl bei der Taufliege Drosophila als auch bei Mäusen und sogar beim Menschen eine wichtige Rolle beim Auslösen der angeborenen Immunantwort spielt. Ihre Arbeit wurde gerade in der Zeitschrift Nature Immunology veröffentlicht.
Die Zellen des angeborenen Immunsystems erkennen feindliche Eindringlinge über Rezeptoren auf ihrer Oberfläche: Sobald diese eine fremde Struktur erkennen, melden sie ihre Wahrnehmung über einen komplizierten Signalweg ins Innere der Zelle, die daraufhin immunologisch aktive Eiweiße freisetzt. Die Komponenten dieses Signalwegs blieben dabei während der Evolution erstaunlich gut erhalten, die einzelnen Signalmoleküle gleichen sich von der Fliege bis zum Menschen, sowohl in der Struktur als auch in der Funktion.
Wissenschaftler um Dr. Michael Boutros im Deutschen Krebsforschungszentrum gemeinsam mit Kollegen vom Nationalen Forschungszentrum CNRS in Straßburg machten sich diese Tatsache zunutze: Mit der nobelpreisgekrönten Methode der RNA-Interferenz schalteten sie einzelne Moleküle der Signalkette bei der Taufliege Drosophila aus und stießen nun auf ein neues Mitglied: das Akirin, was auf japanisch so viel bedeutet wie "macht die Sache klar". Unterdrückten sie die Akirin-Produktion in den Immunzellen der Fliege, waren diese wesentlich anfälliger für bakterielle Infektionen. Und schalteten sie das Eiweiß in allen Körperzellen aus, starben die Fliegenlarven in einem frühen Stadium. Japanische Kollegen von der Universität Osaka untersuchten das entsprechende Mäuse-Akirin: Auch bei den Nagern erfüllt das Eiweiß die gleiche Funktion wie bei Fliege und Mensch.
"Der so genannte NF-kappaB Signalweg spielt bei Entzündungen eine wichtige Rolle, und Entzündungen sind von großer Bedeutung bei der Entstehung von Krebs", erklärt Michael Boutros. "Und deshalb wird intensiv nach kleinen Molekülen gesucht, die diesen Signalweg hemmen können." Erste Hemmstoffe gegen andere Mitglieder der Signalkette werden bereits in klinischen Studien getestet. "Je mehr Mitglieder dieser Kette wir kennen, desto vielseitiger können wir eingreifen", erklärt Boutros das Ziel seiner Arbeit.
Akira Goto, Kazufumi Matsushita, Viola Gesellchen, Laure El Chamy, David Kuttenkeuler, Osamu Takeuchi, Jules A Hoffmann, Shizuo Akira, Michael Boutros & Jean-Marc Reichhart: Akirins are highly conserved nuclear proteins required for NF-kappaB -dependent gene expression in drosophila and mice. Nature Immunology Band 9 Number 1. Januar 2008
Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren e.V.
Weitere Informationen: http://www.dkfz.de
Wie geht's weiter mit Kabeljau, Hering und Co?
Dr. Michael Welling, Presse- und ÖffentlichkeitsarbeitJohann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei
Vor wenigen Wochen hat der EU-Fischereirat die Fangquoten für 2008 bekannt gegeben, auch die der Nutzfischarten in der Nordsee. Während der Heringsfang reduziert werden muss, darf endlich wieder etwas mehr Kabeljau gefangen werden. Aber wie werden sich die Bestände in der Nordsee entwickeln?
Mit der Walther Herwig III nehmen weitere sechs Forschungsschiffe aus Dänemark, Frankreich, den Niederlanden, Norwegen, Schottland und Schweden an diesem "International Bottom Trawl Survey" teil, einem Programm des Internationalen Rates für Meeresforschung in Kopenhagen. Es sieht insgesamt rund 320 Fisch-Hols mit Grundschleppnetzen und 640 Planktonfänge vor. Um vergleichbare Fangergebnisse zwischen den Forschungsschiffen der sieben Länder zu erhalten, sind Fanggeräte und Methoden standardisiert.
Auf der Walther Herwig III hoffen die 10 Wissenschaftler und Techniker trotz des meist stürmischen Wetters zu dieser Jahreszeit knapp 80 Hols ausführen und aufarbeiten zu können. Dazu werden selbst die kleinsten Fische im Netz nach Arten sortiert, gezählt, gemessen und gewogen. Zusammen mit Alter, Geschlecht, Reifegrad und Ernährungszustand entstehen quasi "persönliche Steckbriefe" der Einzelfische auf den Rechnern. Aus den Tausenden von Einzelfisch-Steckbriefen der sieben Schiffe und den Fangdaten aus der kommerziellen Fischerei kann dann auf die derzeit vorhandene Menge der Nutzfischarten Hering, Kabeljau, Makrele, Schellfisch, Seelachs, Sprotte, Stintdorsch und Wittling sowie auf deren Nachwuchs geschlossen werden.
Außer den Schleppnetzfängen am Tage stehen rund 160 nächtliche Plankton- und Fischlarvenfänge auf dem Programm. Von besonderem Interesse ist die Zahl der nur einige Millimeter großen Heringslarven; sie gibt erste Hinweise auf die Stärke des jüngsten Nachwuchses des Nordseeherings und damit auf künftige Fangaussichten.
Die Größe der einzelnen Nutzfischbestände berechnet dann eine Arbeitsgruppe des Internationalen Rates für Meeresforschung nach dem Ende aller Seereisen. Aus diesen Berechnungen entstehen die wissenschaftlichen Empfehlungen für nachhaltige Fangmengen einzelner Arten - die endgültigen Fangmengen für das nächste Jahr werden aber am Ende des Jahres vom EU-Fischereirat in Brüssel festgelegt.
Parallel zu allen Fängen werden auch die Temperaturen, Salzgehalte und Nährstoffe zwischen Meeresoberfläche und Meeresboden erfasst. Denn gerade die Auswirkungen der in den letzten Jahren angestiegenen Wassertemperaturen auf die Verteilungen der Fischarten stellen ein brandaktuelles Forschungsthema dar.
Nähere Informationen gibt der Fahrtleiter der 308. Reise
Dr. Gerd Wegner
Tel.: 040-38905-224
info@ish.bfa-fisch.de
oder auf dem Schiff: Tel.: (Inmarsat A) 00870-7 63 93 60 68, fahrtleiter@wh3.bfa-fisch.de.
Stromsparen per Fernbedienung
Energie & Umwelt
Pressemitteilung von: Powersafer GmbH
Über 3 Milliarden Euro verschwenden die Deutschen jedes Jahr, weil ihre Elektrogeräte im Standby-Modus unnötig Strom verbrauchen. Eine sichere und bequeme Alternative zum Steckerziehen ist der Powersafer PS X: Der kleine Stromsparer stoppt automatisch den Standby-Verbrauch bei Fernseher, HiFi-Anlage und Co.
Den Fernseher ganz bequem vom Sofa oder vom Bett mit der Fernbedienung ausschalten - diesen Komfort mussten Verbraucher bislang teuer bezahlen. Denn obwohl die Geräte nicht laufen, verbrauchen sie im Standby-Betrieb weiter Strom - laut Umweltbundesamt jährlich rund 17 Milliarden Kilowattstunden. Wer Energie sparen will, muss das Gerät am Netzschalter ausschalten, den Stecker aus der Dose ziehen oder eine Steckerleiste zwischenschalten.
Viel bequemer funktioniert Stromsparen mit dem Powersafer PS X: Er trennt Elektrogeräte im Standby-Betrieb automatisch vom Stromnetz - sobald sie über die normale Fernbedienung ausgeschaltet werden. Je nach Kilowattleistung lassen sich bis zu fünf Geräte gleichzeitig an das kleine Sparwunder anschließen, zum Beispiel Fernseher, DVD-Player oder Sat-Receiver. Das Umweltbundesamt bestätigt die energiesparende Wirkungsweise der Powersafer-Produkte.
„Mit einem einzigen Powersafer PS X können Verbraucher ihre jährliche Stromrechnung um bis zu 100 Euro senken", erklärt Dietmar Knaup, Geschäftsführer von Powersafer. Durch den geringeren Energieverbrauch rentiert sich die Anschaffung des PS X schon nach wenigen Monaten. Und die Umwelt hat auch etwas davon: Je weniger Strom produziert werden muss, desto weniger Kohlendioxid belastet die Atmosphäre.
Powersafer GmbH
Katja Beyer
Tewnterweg 126
40885 Ratingen
Tel: 02102 - 12374 - 11
Fax: 02102 - 12374 - 23
E-Mail: info@powersafer.de
Internet: www.powersafer.de
Powersafer entwickelt und vertreibt seit 1998 zukunftsweisende Technologien rund um das Energiesparen. Heute ist das Unternehmen mit Stammsitz in Ratingen weltweit vertreten und in über 20 Ländern mit seinen Produkten präsent.
Bayreuther Diplomarbeit: Biogasanlagen nur für große landwirtschaftliche Betriebe eine Einkommensalternative
Jürgen Abel M. A., PressestelleUniversität Bayreuth
2007 war auch in der Landwirtschaft ein Jahr mit fortschreitendem Strukturwandel, verbunden mit der Abnahme von Betrieben bei einem weiteren Wachstum der größeren Betriebe. Vor allem jedoch war es ein Jahr der Diskussion um neue Erwerbsmöglichkeiten für Landwirte im Bereich nachwachsender Rohstoffe. In Verbindung mit dem politischen Willen, Veränderungen im Energiemarkt zu erreichen, haben sich zunehmend auch Chancen für Landwirte auf diesem Gebiet ergeben, insbesondere nach Einführung des Gesetzes für den Vorrang erneuerbarer Energien im Jahr 2000 bzw. seiner Novellierung 2004. Der Bereich der Biogasanlagen erscheint dabei als eine interessante Einkommensalternative.
Die Befragungen der Landwirte mit Biogasanlagen ergeben, dass es sich hierbei um eine sinnvolle Einkommensalternative handelt. Jedoch folgte die Feststellung, dass es bis auf wenige Ausnahmen große landwirtschaftliche Betriebe sind, die von der EEG-Novellierung und von der Nutzung der Biogasanlagen profitieren. Dieses geht so weit, dass sogar Landwirte aus der Nahrungsmittelproduktion aussteigen oder über einen Ausstieg nachdenken.
Außerdem ergeben sich dadurch auch Probleme, denn es entsteht gerade bei der Produktion der für den Betrieb der großen NaWaRo-Anlagen notwendigen nachwachsenden Rohstoffe eine Konkurrenz um Flächen, die sonst der Nahrungsmittelproduktion dienen. Auch steigen durch diese Aspekte unter Umständen die Pachtpreise, da diese Anlagen gewinnbringender arbeiten als konventionelle Betriebe. Die Nutzung der Flächen für die Biogasanlagen kann sich aber auch positiv auf die Marktsituation auswirken, da weniger landwirtschaftliche Produkte für den Markt produziert werden und somit steigende Preise zu einer Einkommensverbesserung in der Landwirtschaft führen können.
Es wurde von Barkmann aber auch festgestellt, dass die NaWaRo-Anlagen erst entstanden sind, seitdem eine höhere Einspeisevergütung gezahlt wird, und die meisten Landwirte ohne diese die Anlage nicht betreiben würden. Sofern das EEG in seiner jetzigen Form bestehen bleibt und die Vergütung nicht wesentlich sinkt, ist es denkbar, dass weitere Anlagen errichtet werden.
In jüngerer Zeit werden durch Investoren aber auch Großanlagen gebaut. Für Landwirte, die über zu geringe finanzielle Mittel verfügen eine eigene Biogasanlage zu errichten, bieten diese Anlagen die Möglichkeit Einkommen zu erwirtschaften, indem sie Rohstoffe an die Betreiber dieser Anlage liefern. Jedoch verringert sich so die Wertschöpfung der Landwirte. Hierbei muss ein Konsens zwischen klimaschonender Energieerzeugung und den hohen Zielsetzungen der Politik einerseits und der Förderung der Landwirtschaft und des ländlichen Raumes andererseits gefunden werden. Eine Alternative sind laut Barkmann regionale Zusammenschlüsse von Landwirten, die durch die Errichtung von Gemeinschaftsanlagen ihre Unabhängigkeit von externen Investoren bewahren.
Tim Barkmann
Vom Landwirt zum Energiewirt - Eine Einkommensalternative?
Arbeitsmaterialien zur Raumordnung und Raumplanung
Hrsg. von Jörg Maier
Heft 261, Bayreuth 2007
105 Seiten, , € 14, --
URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news242667
Wem helfen Schlankheitspillen?
Kristina Gronwald, Marketing
Universitätsklinikum Essen
Neuer Gentest sagt Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Reductil® (Meridia?) vorher
Übergewicht und Fettsucht nehmen in allen westlichen Ländern beängstigend rasch zu. Die Betroffenen haben häufig mit Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Gelenkschäden oder auch Krebs zu kämpfen. Trotz Sport und Ernährungsumstellung gelingt es vielen dicken Menschen nicht, ihr Gewicht dauerhaft zu senken. Medikamente sollen sie dann zusätzlich unterstützen. Aber wem helfen diese Mittel wirklich? Wer bekommt stattdessen eher die Nebenwirkungen wie Herzrasen oder Bluthochdruck zu spüren? Diesen Fragen gingen jetzt Forscher des UK Essen (Dr. Ulrich Frey, Prof. Karl-Heinz Jöckel, Prof. Winfried Siffert) und des Münchener Klinikums rechts der Isar (Prof. Hans Hauner; Direktor der Klinik für Ernährungsmedizin) nach. "Wir konnten zeigen, dass abhängig von den Erbanlagen manche Medikamente keinen Nutzen bringen, sondern sogar gefährlich sein können", bringt Prof. Winfried Siffert, einer der Studienleiter und Direktor des Instituts für Pharmakogenetik am UK Essen, das Ergebnis auf den Punkt.
G-Protein steuert Fettverbrennung und Herzfrequenz
In ihren Untersuchungen fanden die Wissenschaftler zum ersten Mal im Gen "GNAS" eine häufige Genveränderung. "GNAS" steuert die Produktion eines so genannten "stimulierenden G-Proteins", welches unter anderem an der Fettverbrennung und an der Steuerung der Herzfrequenz beteiligt ist. Menschen mit der GG-Variante, das sind rund 40 Prozent, produzieren am meisten von diesem stimulierenden G-Protein. Diejenigen mit der A-Variante produzieren weniger.
Neue Erkenntnisse in Studie zur Gewichtsabnahme eingebracht: Erstaunliche Ergebnisse
Die Forscher führten daraufhin Genuntersuchungen bei 110 übergewichtigen Patienten durch, die bei einer klinischen Gewichtsreduktionsstudie teilgenommen hatten. In dieser insgesamt ein Jahr dauernden Studie mussten alle Teilnehmer mehr Sport treiben und ihre Kalorienzufuhr einschränken. Die Hälfte der Teilnehmer bekam noch zusätzlich das Medikament Reductil®, die anderen nur ein Scheinmedikament, also Placebo. Reductil®, das auf dem amerikanischen Markt unter dem Namen "Meridia?" vertrieben wird, enthält den Wirkstoff Sibutramin. Dieser erhöht das Sättigungsgefühl und verstärkt vermutlich auch die Verbrennung von Fett in Fettzellen. Allerdings ist dieses Mittel nicht ungefährlich; es führt zu einem Anstieg des Blutdrucks und zu Herzrasen.
Reductil® eher schädlich für Patienten mit GG-Genvariante
Ziel der Studie war es zu prüfen, ob Reductil® im Vergleich zum Placebo tatsächlich zu einer vermehrten Gewichtsreduktion innerhalb eines Jahres führte. Dabei wurde diese Medikamentenprüfung doppelt blind durchgeführt: weder Ärzte noch Patienten wussten, ob sie das echte oder ein Scheinmedikament bekamen. Die nachträglichen Genanalysen der Wissenschaftler führten zu einem erstaunlichen Befund: Patienten mit der GG-Genvariante konnten bei Lebensstiländerung im Jahr 7,5 kg abnehmen und die Einnahme von Reductil® führte zu keiner weiteren Gewichtsabnahme. Dafür zeigten diese Patienten einen besonders ausgeprägten Anstieg der Herzfrequenz und des Blutdrucks. Die Patienten mit der A-Variante hingegen konnten mit Reductil® 9,4 kg statt nur 4,5 kg ohne Medikament abnehmen und sie zeigten zudem weniger Herz-Kreislauf-Nebenwirkungen. "Gentest können künftig helfen, für jeden übergewichtigen Patienten die optimale Therapie zu bestimmen und gefährliche Nebenwirkungen zu vermeiden", ist Prof. Siffert nach diesen neuen Erkenntnissen überzeugt.
Forscher fordern weitere Untersuchungen: mehr Arzneimittelsicherheit
Die Forscher halten es nun für dringend erforderlich, dass schnellstmöglich weitere Untersuchungen zur Bestätigung dieses Befunds durchgeführt werden. "Wir sehen hier die Pharmaindustrie in der Pflicht, weitere Untersuchungen zu ermöglichen oder selbst durchzuführen, damit die Arzneitherapiesicherheit erhöht wird", so Siffert. Die Ergebnisse der Untersuchungen wurden auch in der angesehenen Fachzeitschrift "Pharmacogenetics and Genomics" zur Publikation angenommen.
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Kontakt: Prof. Dr. med. Winfried Siffert, Institut für Pharmakogenetik, Universitätsklinikum Essen, Hufelandstr.55, 45122 Essen; tel. +49- (0)201-7233470; winfried.siffert@uk-essen.de
Quelle: Ulrich H Frey, Hans Hauner, Karl-Heinz Jöckel, Iris Manthey,
Norbert Brockmeyer, and Winfried Siffert
"A novel promoter polymorphism in the human gene GNAS affects binding of
transcription factor USF1, Galphas protein expression and body weight regulation"
Pharmacogenetics and Genomics; im Druck
Waschen, schützen, pflegen
Dr. Ute Schönfelder, Referat Öffentlichkeitsarbeit
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Hautärzte des Universitätsklinikums Jena entwickeln Bewertungsstandards für beruflichen Hautschutz
Jena. Es trifft Friseure, Bäcker und Köche ebenso wie Beschäftigte im Gesundheitswesen oder der Metallverarbeitung: Wer beruflich häufig mit Chemikalien und Wasser in Berührung kommt, dem drohen Hauterkrankungen. "Besonders gefährdet sind die Hände", weiß Dr. Sibylle Schliemann vom Universitätsklinikum Jena. Die Leiterin der Allergie-Abteilung der Jenaer Hautklinik hat täglich mit Patienten zu tun, die infolge ihrer Berufsausübung an Handekzemen leiden.
Wer seine Gesundheit im Beruf nicht riskieren will, muss sich folglich schützen. Auf dem Markt gibt es dafür speziell für den Beruf geeignete Hautschutzprodukte. Doch welche Produkte den besten Schutz versprechen, lässt sich nicht einfach beurteilen. "Bislang gibt es für diese Kosmetika keine einheitlichen Prüfkriterien, nach denen wir eine solche Aussage treffen könnten", bedauert Dr. Schliemann. Das bedeute für die Betroffenen häufig eine lange Phase des Ausprobierens, bis ein geeignetes Produkt gefunden ist. Das soll sich nun ändern. Gemeinsam mit Kollegen der Unis in Osnabrück, Erlangen-Nürnberg und Heidelberg haben die Jenaer Dermatologen federführend ein Forschungsprojekt gestartet. In Zusammenarbeit mit den gewerblichen Berufsgenossenschaften wollen sie einen Bewertungsstandard entwickeln, der die Wirksamkeit von Hautschutzprodukten nach objektiven Kriterien misst. Das Projekt wird in den kommenden zweieinhalb Jahren durch die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV e. V.) gefördert.
Dabei entwickeln die Projektpartner ein Testsystem, mit dem sich die Schutzwirkung bestimmter Pflegesubstanzen reproduzierbar messen lässt. "Dazu wird nach einem definierten Protokoll auf einem Hautareal am Unterarm oder Rücken das Schutzprodukt aufgetragen und die Haut anschließend mit verschiedenen Substanzen aus dem beruflichen Umfeld konfrontiert", erläutert Dr. Schliemann. Anhand der auftretenden Hautreaktionen wie Rötung, Trockenheit und Erholungszeit wird das Irritationspotenzial ermittelt. Auf diese Weise, so die Dermatologin, lassen sich prinzipiell alle Hautschutzprodukte und verschiedene berufliche Irritantien testen und so für die jeweilige berufliche Situation das am besten geeignete Hautschutzmittel finden.
Langfristig gehe es darum, ein solches Testverfahren nicht nur an Hautkliniken zu etablieren sondern vor allem auch den Herstellern von Hautpflegeprodukten zur Verfügung zu stellen. "Wichtig sind vergleichbare Angaben auf der Tube oder der Dose, die es dem Patienten wie dem Hautarzt erleichtern, sich über die Einsatzgebiete zu informieren", so Schliemann.
Ein ähnliches Ziel verfolgen die Dermatologen der Jenaer Universitäts-Hautklinik mit einem zweiten, parallel angelaufenen Projekt. "Nicht nur Pflegeprodukte sondern auch Reinigungsmittel werden bisher nicht einheitlich getestet", macht Prof. Dr. Peter Elsner, Direktor der Hautklinik, deutlich. Ob Autolackierer oder Maler, Krankenschwestern oder Angestellte, die im Supermarkt an der Fleischtheke arbeiten, sie alle müssen sich bei ihrer Berufsausübung häufig die Hände reinigen. Doch wie lassen sich Schmutz und Schadstoffe von der Haut entfernen, ohne ihr zu schaden? Die Palette von verfügbaren beruflichen Hautreinigungsmitteln ist groß. "Dabei ist nicht automatisch gut, was effektiv und schnell reinigt", so Prof. Elsner. Vielmehr müsse die Reinigung möglichst mild und hautschonend sein, andernfalls drohen Hautaustrocknung und Irritation.
Im Verbund mit Kollegen der Kliniken in Osnabrück und Heidelberg entwickeln die Jenaer Dermatologen nun ein Prüfverfahren, das erstmals eine standardisierte Nutzen-Risiko-Analyse der auf dem Markt befindlichen Hautreinigungsmittel ermöglicht. "Dabei wird die Reinigungseffektivität dem Irritationspotenzial gegenübergestellt", erläutert Prof. Elsner. Auf diese Weise lassen sich die Reinigungsmittel hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Unbedenklichkeit kategorisieren und vergleichen. Das Projekt, das ebenfalls von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung e. V. gefördert wird, läuft zweieinhalb Jahre.
Kontakt:
Prof. Dr. Peter Elsner, Dr. Sibylle Schliemann
Hautklinik der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Erfurter Straße 35, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 937350, 937301
E-Mail: Peter.Elsner@med.uni-jena.de, Sibylle.Schliemann@med.uni-jena.de
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de
Stigmatisierung von Übergewicht ist ein unterschätztes Problem
Dr. Viola Düwert, Pressestelle
Philipps-Universität Marburg
Eine repräsentative Untersuchung in der deutschen Bevölkerung zeigt, dass Vorurteile gegen übergewichtige und adipöse Menschen stark verbreitet sind. Eine Nachwuchsforschergruppe aus Marburg sucht nach Möglichkeiten, stigmatisierende Einstellungen zu reduzieren.
Die Adipositas (schweres Übergewicht) ist eines der gegenwärtig drängendsten weltweiten Gesundheitsprobleme. Nach den aktuellsten Zahlen des Robert-Koch-Institutes sind in der Bundesrepublik 18,1% der Erwachsenen und 6,3% der Kinder und Jugendlichen adipös, zusätzlich sind 15% der Minderjährigen und mehr als 40% der Volljährigen übergewichtig. Die medizinischen Folgen sind gravierend: Adipositas erhöht sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen das Risiko für eine Vielzahl an Krankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
"Über die möglichen medizinischen Risiken des Übergewichtes wissen wir mittlerweile recht viel", führt PD Dr. Anja Hilbert, Leiterin einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten und an der Philipps-Universität Marburg angesiedelten Nachwuchsforschergruppe zur Adipositas aus. "Adipöse Menschen sind aber auch Stigmatisierungen und Diskriminierungen in ganz unterschiedlichen Lebensbereichen ausgesetzt - z.B. im Bildungswesen, am Arbeitsplatz, aber auch im Gesundheitswesen. Wie Untersuchungen aus den USA zeigen, werden stark übergewichtige Personen als willensschwach, faul und weniger intelligent eingestuft. Bislang wissen wir so gut wie nichts darüber, ob sich das in Europa und besonders in Deutschland ähnlich verhält."
Um diese Lücke zu schließen haben die Marburger Wissenschaftler in Kooperation mit Prof. Dr. Elmar Brähler von der Universität Leipzig eine repräsentative Untersuchung in der deutschen Bevölkerung durchgeführt. "Das Ergebnis hat uns schon etwas überrascht", kommentiert Prof. Dr. Winfried Rief vom Fachbereich Psychologie der Philipps-Universität. "Fast ein Viertel der Befragten haben eindeutig stigmatisierende Einstellungen geäußert; nur knapp über 20% lehnen eine pauschale negative Beurteilung von adipösen Personen ausdrücklich ab. Besonders bemerkenswert ist allerdings, dass 55% unentschieden sind."
Dieses Resultat weist wohl auf ein hohes Maß an latenter Stigmatisierung hin. "Es scheint so zu sein, dass die Mehrheit sich nicht sicher ist, ob die Vorurteile über adipöse Menschen zutreffen oder nicht. Das heißt aber möglicherweise, dass viele grundsätzlich auch bereit wären, diese Stereotypen zu bestätigen. Von welchen Faktoren das abhängt, wissen wir allerdings noch nicht sicher", resümiert Anja Hilbert.
Einen Hinweis hat die Studie aber doch ergeben: 85% der Befragten gaben an, Adipöse seien im Wesentlichen selbst für ihr starkes Übergewicht verantwortlich, da sie sich einfach zu wenig bewegen und zu viel essen. "Die neuesten Forschungsergebnisse zeigen zwar ganz klar, dass Adipositas durch eine Vielzahl an Faktoren wie genetische Prädisposition, das Lebensumfeld, der jeweilige Lebensstil etc. bedingt wird. Aber in der Öffentlichkeit ist bislang zu wenig bekannt, wie komplex das Übergewichtsproblem eigentlich ist. Wer die Ursachen einer Adipositas vor allem im individuellen Verhalten sucht, neigt auch eher zu Vorurteilen", erläutert Dipl.-Theol. Jens Ried, Mitglied der Nachwuchsforschergruppe.
Die Nachwuchswissenschaftler sehen genau darin aber auch eine Möglichkeit, stigmatisierende Einstellungen zu reduzieren. In einem kürzlich abgeschlossenen Experiment der Nachwuchsforschergruppe mit insgesamt 130 Studenten wurde durch ein computergestütztes Lernmodul über die Entstehung der Adipositas und Stigmatisierung informiert. "Wir konnten feststellen, dass stigmatisierende Einstellungen sich verringern, wenn mehr Wissen über die Adipositas und die verbreiteten Vorurteile vorhanden ist", berichtet Anja Hilbert. "Wir werden diesen Ansatz weiter verfolgen und verschiedene Strategien zur Reduktion des Adipositasstigmas entwickeln und testen."
Die bisherige Arbeit und die geplanten Projekte der Nachwuchsforschergruppe haben auch den Geldgeber überzeugt. Das BMBF hat die bisherige Tätigkeit der Nachwuchsforschergruppe vor kurzem begutachtet und wird das erfolgreiche Projekt für weitere zwei Jahre fördern. Die Philipps-Universität finanziert anschließend für drei weitere Jahre die aussichtsreiche Arbeit der jungen Wissenschaftler.
Kontakt:
ELSA-Nachwuchsforschergruppe "Psychosoziale, ethische und rechtliche Konsequenzen genetischer Befunde bei Adipositas"
Fachbereich Psychologie, Arbeitsgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie,
Gutenbergstraße 18, 35032 Marburg
Tel.: 06421/2823657 (Sekretariat), Fax: 06421/2828904
www.uni-marburg.de/nfg-adipositas
PD Dr. Anja Hilbert, Tel.: 0 64 21 / 282 37 87, hilbert@staff.uni-marburg.de
Dipl.-Theol. Jens Ried, Tel.: 0 64 21 / 282 37 88, ried@staff.uni.marburg.de




