Klärwerk.info - Wegweiser

Übersicht

Willkommen bei klaerwerk.info. Produkte suchen können Sie ganz einfach, indem Sie das gesuchte Produkt wie z.B. Pumpen  in das Feld „Produktsuche“ eingeben und dann die Enter-Taste drücken. Übersichtlich werden alle gelisteten Lieferanten angezeigt, die das Produkt führen, alle Artikel in www.Klärwerk.info, die sich mit dem Produkt beschäftigen sowie alle Fortbildungsveranstaltungen mit diesem Thema.

Ansonsten finden Sie alle Artikel geordnet in Sachgebiete. Klaerwerk.info bietet eine umfassende Fülle von Informationen und Links, die man täglich braucht. Damit Sie wissen, wo Sie was finden, nachfolgend eine Übersicht über die einzelnen Sachgebiete:

A. Aktuelles

Hier finden Sie alle aktuellen Meldungen chronologisch geordnet. Suchen Sie frühere Meldungen, so sehen Sie in den Sachgebieten nach oder geben rechts oben einen Suchbegriff in das Suchen-Feld ein.

1)      Tägliche Meldungen

B. Forum

1)      Fragen und Antworten

Das Forum steht allen Nutzern zur Verfügung. Hier können Sie alle Beiträge lesen, selbst Beiträge erstellen oder auf Beiträge antworten

C. Fachwissen

Hier schreiben Praktiker für Praktiker. Haben Sie auch etwas Interessantes zu berichten, so schreiben Sie uns an Kontakt@Klaerwerk.info .

1)     Abwasserreinigung
2)      Energie- und E-Technik
3)      Kanal- und Entwässerung
4)      Maschinentechnik
5)      Labor
6)      Schlammbehandlung
7)      Gaserzeugung und BHKW
8)      Aus Bund Ländern und EU
         a) Vom Bund
         b) Aus der EU und aller Welt
         c) Aus den einzelnen Bundesländern (geordnet nach Bundesländer)
9)      Recht und Gesetze
         a) Beiträge zum Umweltgesetzbuch
         b) Beiträge zur Wasserrahmenrichtlinie (WWRL)
         c) Beiträge zum Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)
10)    Neue Fachliteratur
         a) Neue Bücher
         b) CD/ DVD's
         c) Downloads
         d) Fachzeitschriften
         e) Lexika und Wörterbücher
11)  Tipps und Tricks

D. Berufliches

Der zweite Schwerpunkt von Klärwerk.info. Hier finden Sie alles für Arbeitnehmer und Vorgesetzte und was Sie persönlich angeht.

1)      Arbeitssicherheit
         a) Unfallverhütungsvorschriften- Regeln und Information
         b) Formulare und Erlaubnisscheine
         c) Gesetze und Verordnungen zur Arbeitssicherheit
         d) Umsetzung der Betriebssicherheitsverordnung
         e) Unterweisungshilfen
         f ) Hilfen zur Gefährdungsbeurteilung
         g) Ex-Schutz auf Kläranlagen
2)
      Tarif- und Arbeitsrecht
         a) Tarifrecht, Tarifvertrag, Gehaltsrechner und mehr
         b) Mitarbeitergespräche, Mitarbeiterbeurteilung
         c) Leistungsorientierte Bezahlung
         d) Tabelle TVöD (West)
         e) Arbeitszeugnisse
3)      Aus- und Weiterbildung
         a) Ansprechpartner
4)      Azubiseite
         a) Ausbildungshilfen für Ausbilder und "Azubis"
         b) Musterkläranlage
         c)  Prüfungsaufgaben
         d) Übungsaufgaben
         e) Informationen für Auszubildende
         f)  UT-Ausbildertreffen Fachkraft für Abwassertechnik
         g) Formeln, PSE und weitere Hilfen
5)      Meisterschüler
         a) Informationen für Meisterschüler
         b) Prüfungsaufgaben
6)        Offene Stellen

E. DWA-Infos

1)      Klärwerksnachbarschaften
         a) Kläranlagennachbarschaften in Bayern
         b) Kläranlagennachbarschaften in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
         c) Kläranlagennachbarschaften in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland
2)      DWA-Informationen
         a) DWA Arbeitsblätter
         b) KA-Betriebs-Infos
         c) Mitgliederrundbriefe aus den Landesverbänden
         d) Meldungen der DWA

F. Kläranlagen

1)      Links zu Kläranlagen und Abwasserverbänden
2)      Kläranlagen - Videos
3)      Meldungen von den Kläranlagen

G. Nützliches

1)      Wetter und Hochwasser
2)      Firmennachrichten
3)      Verbandsnachrichten        
4)      Nützliche Links
         a) Umweltschutzorganisationen
         b) Fachzeitschriften, Lexika und Wörterbücher
         c) Behörden
         d) Berufsverbände und Vereinigungen
         e) Fachinformationen
         f) Gesetze und Verordnungen
5)      Meldungen aus der Wissenschaft
6)      Meldungen aus aller Welt
7)      Allgemeine Meldungen und Berichte

H. Fortbildungsdatenbank

1)      Fortbildungen
2)      Fortbildungen in Österreich
3)      Fortbildungen in der Schweiz
4)      Messen und Tagungen

I. Produktsuche/ Lieferanten

J. Kontakt

1)      Impressum
2)      Über Uns
3)      Kontakt

25.02.2020 06:36

Klärwerk.info / Ablage / Tägliche Meldungen Juli 2008

Tägliche Meldungen Juli 2008

Die Themengebiete im Überblick:
Umwelt und Forschung
Gesellschaft
Gesundheit

Umwelt und Forschung
28.07.2008  Import genehmigungspflichtiger Abfälle im Jahr 2007 gestiegen 
28.07.2008  Riesiger Rammbär im Einsatz vor Sylt - Forschungsplattform FINO3 wird errichtet 
28.07.2008  Biogas next generation: Universität Hohenheim eröffnet Deutschlands erste Forschungsbiogasanlage 
25.07.2008  Zwischenbilanz: Handel, Industrie, Länder und Kommunen unterstützen die Jubiläumskampagne zum 30. Geburtstag des Blauen Engel 
22.07.2008  Ballastwasser-Reinigung schützt heimische Ökosysteme 
22.07.2008  Solarwärme nutzen zum Heizen, Duschen und Arbeiten 
21.07.2008  Bio-Energie aus Algen 
19.07.2008  Solare Wärme zur Stromerzeugung nutzen 
18.07.2008  Bye bye Stand-By: EU-Kommission sagt Leerlaufverlusten den Kampf an 
14.07.2008  Bioenergie subventionieren? 
14.07.2008  Zehn Minuten, die Nordamerika nachhaltig veränderten 
12.07.2008  "Teller und Tank" sind möglich 
11.07.2008  Älteste Methannutzung im Meer nachgewiesen 
10.07.2008  Spritz sparen und mobil sein - trotz hoher Benzin- und Dieselpreise 
08.07.2008  Was bringen Biokraftstoffe der 2. Generation? 
08.07.2008  BMU-Anhörung zum Umweltgesetzbuch: Experten schlagen Alarm 
07.07.2008  "Landschaft bewahren - Flächen sparen!"  
05.07.2008 Wirtschaftlichkeit des Ausbaus der Saale immer noch fraglich 
04.07.2008 Abfallverbrennung ist kein Gegner der Abfallvermeidung 
03.07.2008 Mehr Energieeffizienz bei der Stadtbeleuchtung 
03.07.2008 Neues Internetportal hilft Behörden beim Computer-Kauf 
03.07.2008 Anhaltende Trockenheit und Stickstoffeinträge gefährden biologische Vielfalt 
03.07.2008 Höchststand bei Beschäftigten im Umweltschutz 
Bild 2pxmal5px.JPG
Gesellschaft
25.07.2008  Wer war eigentlich Paracelsus? 
19.07.2008  Warum halten Menschen ihre Versprechen? 
18.07.2008  Quelle allen Handelns: das eigene Wohlbefinden 
14.07.2008  Ältere Köpfe auf dem Prüfstand - welchen Einfluss hat Training auf das geistige Altern? 
12.07.2008  Fußball-Fieber als Wissenschaftsthema 
11.07.2008  Demenzerkrankungen: Ein kaum lösbares Problem für eine alternde Gesellschaft? 
10.07.2008  Lebenserwartung von Ruheständlern differiert je nach wirtschaftlicher Lage um bis zu fünf Jahre 
07.07.2008  Anonyme Umfrage zu "Homosexualität im Fußball" 
05.07.2008 Ursachen rechtsextremer Einstellungen in Deutschland 
04.07.2008 Bonner Forscherin erstellt Psychogramm des Hundehalters 
03.07.2008  Elfmeterschießen ist Glücksache 
Bild 2pxmal5px.JPG
Gesundheit
25.07.2008  Vom Kampf gegen den Glimmstängel 
22.07.2008  Alkohol macht alt 
21.07.2008  "Störfeuer" aus dem Gehirn lässt die Patienten zittern - Jülicher Forscher klären Ursache für Parkinson-Tremor auf 
21.07.2008  Sehkraftstärkung zum Essen? 
19.07.2008  Bundesamt für Strahlenschutz: Kostenlose Hautkrebs-Tests nutzen - Jährlich bis zu 140.000 Neuerkrankungen / Gute Heilungschancen 
18.07.2008
Gesunde Mitarbeiter - gesunde Firma 
18.07.2008  Weniger Herzschäden durch grünen Tee ? 
12.07.2008  "Kennen Sie Ihr Risiko? Jeder sollte seine Blutfett-Werte kennen"
11.07.2008  Heilsames Pizzagewürz: Oregano wirkt gegen Entzündungen 
10.07.2008  In 40 Sekunden ohne Brille lesen 
08.07.2008  Rauchen verursachte Karl Marx' Eiterbeulen 
07.07.2008  Stress in der Kindheit erhöht Allergierisiko 
05.07.2008  Kaffee trinken hilft bei Leberschaden 
04.07.2008  Wenn die Sehschärfe schwindet 
04.07.2008  Neueste Forschung zu Allergien: Hyposensibilisierung kann helfen 
04.07.2008  Keine Brille mehr: Schöne Nebenwirkung der OP am Grauen Star 
03.07.2008  Zelltod verhindert Krebs

 


Import genehmigungspflichtiger Abfälle im Jahr 2007 gestiegen

Umweltbundesamt veröffentlicht Statistik für das Jahr 2007

Deutschland importierte im Jahr 2007 rund 6,2 Millionen Tonnen (Mio. t) genehmigungspflichtige Abfälle. Nach einem zweijährigen Rückgang nahmen die Importe somit wieder zu - trotz des im Jahr 2005 in Kraft getretenen Ablagerungsverbotes für organische Abfälle. Die Menge liegt jedoch immer noch unter dem Rekordwert aus dem Jahr 2004 (damals: 6,5 Mio. t). Der Export ist hingegen mit 1,8 Mio. t leicht zurückgegangen. Für 2008 erwarten die Fachleute keine großen Veränderungen gegenüber dem Jahr 2007. Genehmigungspflichtig sind Abfälle mit gefährlichen Inhaltsstoffen wie Altöl oder bleihaltige Abfälle sowie andere, mit Umweltrisiken behaftete Materialien wie Klärschlamm oder mit Anstrichstoffen behandeltes Holz.

Die meisten importierten Abfälle kommen weiterhin aus den Niederlanden (2,3 Mio. t), Italien (1,3 Mio. t), gefolgt von Frankreich, Belgien und Irland mit jeweils rund 380.000 t. Es handelt sich vor allem um Schlacken, Aschen und Filterstäube (1,5 Mio. t), Abfälle aus behandeltem Holz (1,1 Mio. t), Restfraktionen aus Abfallsortieranlagen (600.000 t), Gülle und Klärschlamm (500.000 t), kontaminiertem Boden (370.000 t), Altöl und gebrauchte Lösemittel (240.000 t).

Deutschland exportierte vor allem Restfraktionen aus Abfallsortieranlagen, (500.000 t), Abfälle aus behandeltem Holz (230.000 t), Pferdemist (220.000 t), Schlacken, Aschen und Filterstäube (190.000 t) sowie gemischten Hausmüll (160.000 t). Hauptabnehmer waren die Niederlande, Belgien, Frankreich und die Schweiz (je rund 300.000 t) sowie Polen mit 200.000 t.

Die meisten nach Deutschland importierten Abfälle werden stofflich verwertet (2,5 Mio. t), verbrannt (1,9 Mio. t) oder auf Deponien abgelagert (780.000 t).

1,2 Mio. t der aus Deutschland exportierten Abfälle wurden stofflich verwertet oder darin enthaltene wertvolle Bestandteile zurück gewonnen, rund 640.000 t wurden verbrannt.

Bei den nicht genehmigungspflichtigen Abfällen - vor allem Metallschrott, Altglas, Altpapier, Kunststoff- und Textilabfälle - stieg das Handelsvolumen im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls. Der Export liegt nach den vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes bei 19,4 Mio. t, der Import bei 14,1 Mio. t. Haupthandelspartner für Ein- und Ausfuhr sind auch hier die Niederlande mit insgesamt 11 Mio. t.

Wichtigstes nichteuropäisches Ausfuhrland für nicht genehmigungspflichtige Abfälle ist die Volksrepublik China mit 1,4 Mio. t, die dort verwertet werden.

Abfall ist ein Wirtschaftgut und Im- und Exporte sind schon lange Realität. Der europäische Binnenmarkt und der Grundsatz der Warenverkehrsfreiheit erlauben den grenzüberschreitenden Verkehr mit Abfällen ausdrücklich. Ziel dieser Regelung ist, den Abfall dorthin bringen zu können, wo moderne Technik kostengünstig zur Behandlung bereit steht. So ist zum Beispiel das Verwerten des Abfalls im Ausland besser als die bloße Beseitigung im Inland.

Allerdings sind zum Schutz der Umwelt wichtige Einschränkungen zu beachten: Für die Ein- und Ausfuhr umweltrelevanter Abfälle sind behördliche Genehmigungen erforderlich. Diese sollen unsachgemäße Abfallentsorgung zu Dumpingpreisen verhindern. Die Ausfuhr gefährlicher Abfälle in Staaten, die nicht als Industrieländer der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angehören, ist verboten.

Die Ursachen für den Anstieg der Importmengen über mehr als zehn Jahre sind vielfältig: Zum einen hat Deutschland moderne Entsorgungsanlagen und freie Kapazitäten, die in anderen Staaten fehlen. Auch die Abfallart ist zu betrachten: Zum Beispiel wird Hühnertrockenkot aus den Niederlanden auf den landwirtschaftlichen Flächen Deutschlands als Dünger verwertet, der in den Niederlanden nicht ausgebracht werden kann, weil dort mehr Abfall anfällt, als auf landwirtschaftlichen Flächen sinnvoll zu nutzen wäre.

Im grenznahen Bereich sind die kurzen Transportwege zwischen Abfallentstehungs- und Entsorgungsstelle sowohl bei Ein- als auch Ausfuhr eine wichtige Ursache für grenzüberschreitende Transporte.

Die derzeit relativ hohe Exportmenge ist weitgehend auf das im Jahr 2005 in Kraft getretene Ablagerungsverbot für organische Abfälle auf Deponien zurückzuführen.

Detaillierte Statistik und weitere Informationen sind im Internet unter der Adresse http://www.umweltbundesamt.de/abfallwirtschaft/abfallstatistik/basel.htm veröffentlicht.

 

(Quelle: Umweltbundesamt)

(nach oben)   

Riesiger Rammbär im Einsatz vor Sylt - Forschungsplattform FINO3 wird errichtet

Frauke Schäfer, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fachhochschule Kiel

Mit der Installierung des Gründungspfahls der Forschungsplattform FINO3 am Dienstag, 29. Juli, 80 Kilometer vor Sylt wird ein wichtiger Meilenstein im Projekt erreicht. Das 315 Tonnen schwere und 55 Meter lange Großrohr wurde am vergangenen Samstag vom Werk in Rostock nach Cuxhaven transportiert. Dort werden derzeit letzte Vorbereitungen getroffen, um den Pfahl 30 Meter tief in den Meeresboden rammen zu können, sofern das Wetter die Seemontage zulässt. Das Setzen des Fundamentes ist mit erheblichem Aufwand verbunden, zum Einsatz kommen dabei u. a. mehrere Schiffe, Schlepper, Pontons, ein Schwimmkran sowie einer der weltgrößten Rammbären.

Sechs Stunden wird die Rammung dauern, um die auftretenden Schallemissionen zu mindern, initiierte die Bauherrin, die Forschungs- und Entwicklungszentrum Fachhochschule Kiel GmbH, gemeinsam mit der Universität Hannover ein Forschungsprojekt beim Bundesumweltministerium. Bereits jetzt trifft die Firma Hydrotechnik Lübeck GmbH am vorgesehenen Standort der Plattform entsprechende Vorkehrungen. Taucher legen in einem Radius von 70 Metern um die Gründungsposition zwei Rohre, aus denen später während des Rammvorgangs durch unzählige kleine Löcher Luftblasen entweichen. Dieser doppelte Luftblasenschleier wird die Schallemissionen der Rammung deutlich dämpfen und so helfen, negative Auswirkungen auf die Meeresumwelt zu vermeiden. Gleichzeitig wird das Verhalten der Schweinswale durch umfangreiche Monitoringmaßnahmen beobachtet, beteiligt daran sind Schiffe, Flugzeuge sowie sogenannten Klickdetektoren.

Die Errichtung der Forschungsplattform FINO3 ermöglicht nicht nur eine genauere Abschätzung der ökologischen Auswirkungen von Offshore-Baumaßnahmen, sondern auch die Minimierung technischer Risiken beim Bau und Betrieb kommerzieller Offshore-Parks, mit deren Bau ab 2010 zu rechnen ist.

Insgesamt werden der Bau der Plattform sowie die sich anschließenden Forschungsprojekte wertvolle Erkenntnisse für die Genehmigung, Realisierung und den Betrieb der in diesem Gebiet geplanten Offshore-Windparks liefern. Erhoben werden u. a. Daten zu Windgeschwindigkeiten und Wellenbelastungen, zum Vogelzug, den Auswirkungen auf die direkte Umwelt und auf Schweinswale.

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter www.fino3.de.

Kontakt:
FuE-Zentrum FH Kiel GmbH
FINO3-Projektleiter
Jan Bachmann
Schwentinestr .24
24149 Kiel
Tel.: +49 431 218 - 4450
E-Mail jan.bachmann@fh-kiel-gmbh.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)  

Biogas next generation: Universität Hohenheim eröffnet Deutschlands erste Forschungsbiogasanlage

Florian Klebs, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Hohenheim

Effiziente Energiegewinnung soll Konkurrenz zu Nahrungsmitteln entschärfen

Offizieller Start mit Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch

Mit Bio-Vollgas in die Zukunft: Bis zu 50 Prozent mehr Energie pro Hektar Anbaufläche halten die Biogas-Experten der Universität Hohenheim für möglich. Den Weg dorthin soll ihnen Deutschlands erste große Biogasanlage zu Forschungszwecken weisen, die am 19. Juli in Eningen (Landkreis Reutlingen) ans Netz geht. Wissenschaftliche Untersuchungen ermitteln die richtige Mischung aus Dung und neuen Energiepflanzen. Neue, angepasste High-Tech-Verfahren sollen bis zu 50 Prozent mehr aus dem Biogasprozess herausholen. Die Öko-Bilanz des Avantgarde-Kraftwerks kann sich schon mal sehen lassen: Das Gas betreibt ein Blockheizkraftwerk, soll einmal Autos betanken und nach Reinigung und Aufbereitung Erdgas ersetzen. Der Strom fließt ins Netz, die Abwärme heizt Universitätsgebäude und die Reststoffe sollen, als neuer Designerbrennstoff, alte Ölheizungen ablösen. Als Herz der Forschungsplattform Bioenergie dient die Anlage als Kristallisationspunkt der Forschungsaktivitäten zur Bioenergie in Baden-Württemberg. Die Baukosten belaufen sich auf rund 2,5 Millionen Euro, zwei Drittel davon finanziert die Universität Hohenheim über Stiftungen und eingeworbene Sponsorengelder, vor allem von EnBW und Fair Energy. Die ersten Forschungsprojekte werden seitens des baden-württembergischen Ministeriums für Ernährung und Ländlichen Raum (MLR), im Rahmen der Zukunftsoffensive IV, finanziert.

Knapp werden nicht nur die fossilen Brennstoffe, sondern auch die Ackerfläche, um die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren - diesem Dilemma kann sich die Diskussion um Bioenergie nicht entziehen, konkurrieren Energiepflanzen und Nahrungsmittel doch um dieselbe Nutzfläche.

"Energie- und Nahrungsproblematik sind ein Thema, das nur im Verbund gelöst werden kann", bilanziert der Rektor der Universität Hohenheim, Prof. Dr. Hans-Peter Liebig. "Mit unseren beiden Schwerpunkten "Globale Ernährungssicherung" und "Bioenergie" forschen wir an der Universität Hohenheim an beiden Seiten der Medaille. Mit Deutschlands erster Forschungsbiogasanlage im Praxis-Maßstab machen wir einen wichtigen Schritt die Nahrungs/Energie-Konkurrenz zu mildern."

Neue Dimensionen für die Biogasforschung

Neue Maßstäbe für die Biogas-Forschung setzt nun Deutschlands erste große Versuchsanlage in Eningen: In zwei Fermentern und einer Nachgäranlage mit einem Volumen von je 923 m³ werden pro Tag 7.300 kg Flüssigmist, 3.500 kg Festmist und 5.600 kg nachwachsende Rohstoffe wie Silomais, Hirse, Grünroggen und Gras vergärt. Das entstehende Methangas betreibt anschließend ein Blockheizkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 190 kW und einer Thermischen Leistung von 220 kW.

Doch das ist erst der Anfang: "Die Technik zur Produktion von Biogas hat zwar bereits ein gewisses Niveau erreicht", erklärt Prof. Dr. Thomas Jungbluth vom Institut für Agrartechnik und Dekan der Fakultät Agrarwissenschaften, "trotzdem gibt es noch enormes Verbesserungspotential". Zukunfts-Chancen erhoffen sich die Wissenschaftler durch

* Das Intensivmessprogramm: Online-Messtechnik und neue Computer-Modelle erlauben erstmals, einzelne Prozesse in der Anlage genau zu studieren, optimieren und künftige Anlagen besser zu steuern.
* Neue Pflanzen: Experimente mit unterschiedlichen Energiepflanzen haben das Ziel, besonders ergiebige Sorten zu züchten und ideale Anbaubedingungen zu ermitteln.
* Verbesserung der Gasproduktion: Testreihen ermitteln ideale Mischverhältnis von Gülle und nachwachsenden Rohstoffen. Gleichzeitig im Test sind verschiedene Enzyme, Mikroorganismen und andere biologische Zusatzstoffe sowie Spezialtechniken, die den Gärungsprozess erleichtern.
* Verbesserung der Gasverwertung: Im Kraftwerk sollen neue Motorentwicklungen die Stromausbeute steigern, neue Verfahren zur Gasreinigung sollen das Biogas fit für Erdgas-Ersatz und als Kraftstoff machen.
* Reststoffverwertung: Reststoffe der Anlage sollen als Dünger oder als neuer Designerbrennstoff verwertet werden, der in normalen Öfen verbrannt werden kann.
* Evaluierung und Öko-Bilanz: Mit einem ganzheitlichen Blickwinkel analysieren Forscher die Anlage aus ökonomischer, ökologischer Sicht sowie im Vergleich zu anderen Produktionswegen von Bioenergie.

Zu einer runden Sache werde das Projekt auch durch einen idealen Standort. "Um Energie für den Transport des Kuhdungs und Kosten zu sparen, wurde die Forschungsanlage direkt auf der Versuchsstation für Tierhaltung, Tierzüchtung und Kleintierzucht am Unteren Lindenhof erstellt. An diesem Standort kann die gesamte Abwärme des Blockheizkraftwerkes zum Beheizen der Ställe, der Bürogebäude und Wohnungen genutzt werden", freut sich Dr. Hans Oechsner, Leiter der Landesanstalt für Landwirtschaftliches Maschinen- und Bauwesen.

"Da bei Biogas, anders als bei anderen Systemen, zur Bioenergieerzeugung die gesamte Pflanze und nicht nur die Saat genutzt wird, ist dieses Verfahren besonders nachhaltig und liefert heute schon bis zu 70.000 kWh Energie pro ha Anbaufläche", erklärt Dr. Oechsner. "Die neuen Forschungsansätze sollen eine weitere Effizienzsteigerung bewirken und zur Entspannung der Flächenkonkurrenz beitragen."

Nationaler Vorreiter und Herzstück der Biogasforschung in Baden-Württemberg

"Mit der Einweihung der Biogasforschungsanlage hier in Eningen erhält die Bioenergieforschungsplattform Baden-Württemberg ihr Herzstück. Baden-Württemberg wird dadurch zum nationalen Vorreiter bei der Biogasforschung. Durch die Vernetzung mit anderen Hochschulen und einer Vielzahl von Fachgebieten in der Forschungsplattform erreichen wir eine ganzheitliche Forschung und dadurch zukunftsfähige und intelligente Lösungen", sagte die Staatssekretärin im Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Friedlinde Gurr-Hirsch, parlamentarische Staatssekretärin im Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum.

Ziel der Maßnahmen sei es, auf der Basis der landwirtschaftlichen Versuchstation Unterer und Oberer Lindenhof der Universität Hohenheim und den dort bestehenden Möglichkeiten für die Durchführung von Forschungs- und Untersuchungsprojekten im Bereich der Pflanzen-, Tier- und Biogasproduktion, vielschichtige Fragestellungen für eine optimale energetische und ressourcenschonende Biomasseproduktion, Biogaserzeugung und -nutzung zu bearbeiten. Dabei ist eine spezielle Methodik zur Erfassung der relevanten Parameter (z. B. in der Pflanzenproduktion), zur Entwicklung von entsprechenden Szenarien und zur Umsetzung in zielführende Konzepte und in adäquate Steuerungssysteme zu entwickeln. Für diese Arbeiten wurde ein Verbund zwischen verschiedenen Hochschulen und Forschungseinrichtungen etabliert.

2,5 Millionen Euro Baukosten - und eine lange Tradition

An reinen Baukosten für die Biogasanlage fielen rund 2,5 Millionen Euro an. Mit rund 1,5 Millionen Euro der Gesamtsumme brachte die Universität Hohenheim den Großteil davon aus eigenen Mitteln und eingeworbenen Sponsorengeldern auf. Vor allem die örtlichen Energieversorger FAIR ENERGIE und EnBW unterstützten sowohl die technische als auch die finanzielle Realisierung.

"Bioenergie bildet an der Universität Hohenheim einen Schwerpunkt mit langer Tradition", begründet Rektor Prof. Dr. Liebig das besondere Engagement. 2004 weihte die Universität das modernste Biogas-Labor Europas ein, 2008 eröffnete der komplett ausgebuchte Studiengang "Bioenergie und Nachwachsende Rohstoffe". Insgesamt reicht das Forschungs-Engagement bis in die erste Hälfte des vorherigen Jahrhunderts zurück.

Forschung im Spannungsfeld der Globalen Ernährungssicherung

Parallel bilde die Forschung zur Globalen Ernährungssicherung einen mindestens gleichwertigen Schwerpunkt, betont der Rektor. Weltweit genieße vor allem das Kompetenzzentrum für Pflanzenzüchtung einen herausragenden Ruf. Seit acht Jahren engagieren sich über 70 Wissenschaftler zusammen mit asiatischen Kollegen in einem Sonderforschungsbereich, der angepasste, nachhaltige Landwirtschaft zusammen mit der Lokalbevölkerung als Lösung ethnischer, sozialer und ökologischer Probleme etabliert. "In naher Zukunft planen wir auch die Rückkehr nach Afrika, wo wir in den 90er Jahren bereits verstärkt tätig waren."

Auf europäischen Böden spiele die Konkurrenz zwischen Energiepflanzen- und Nahrungsmittelproduktion bisher nur regional eine gewisse Rolle, erläutert Prof. Dr. Jungbluth. So würden bundesweit derzeit 14 Prozent der Ackerfläche für den Anbau von Energiepflanzen genutzt und davon lediglich drei Prozent für Biogas. "Wobei die EU über den Weltmarkt an der aktuellen Krise natürlich auch beteiligt ist."

Effizienzsteigerung als Schlüsselparameter für Nahrung und Energie

Da es weltweit kaum zusätzliche Ackerflächen zu erschließen gäbe, sehen Wissenschaftler der Universität Hohenheim das vorrangige Ziel in einer Landwirtschaft, die auf der bestehenden Fläche bei zunehmend knappem Wasser mehr Lebensmittel erzeuge. Zeitgleich müsse die Produktion nachhaltig erfolgen: Landwirtschaft müsse klimabewusst arbeiten, weniger fossile Energie verbrauchen, die globale Artenvielfalt schützen, Armut und Hunger eliminieren und politische Krisen verhindern.

"Richtig ist, dass sich das Welthunger- und das Weltenergieproblem nur gemeinsam nachhaltig lösen lassen - eine Aufgabe für Politik und Forschung gleichermaßen", kommentiert Prof. Dr. Manfred Zeller, Experte für internationale Agrarpolitik der Universität Hohenheim. "Die aktuell steigenden Nahrungsmittelpreise wurden allerdings von einer Reihe globaler Faktoren ausgelöst. Bioenergie alleine verantwortlich zu machen, hieße die Situation sträflich zu vereinfachen."

Fakt bleibt, dass die Forschungsanstrengungen in beiden Bereichen - Bioenergie und Ernährungssicherung - weltweit intensiviert werden müssen, um der Menschheit einen Weg aus der aktuellen Krise zu weisen", summiert Prof. Dr. Liebig. "Mit unserer neuen Biogasanlage haben wir einen großen Schritt getan, um - wie auch mit unserer gesamten Forschung - unseren Beitrag dazu zu leisten."

Hintergrund: Forschungsplattform Bioenergie - Partner und Projekte

Die Biogasanlage der Universität Hohenheim ist das Herzstück der "Forschungsplattform Bioenergie" des Landes Baden-Württemberg mit einem Gesamtvolumen von 2,4 Millionen Euro. Neben der Universität Hohenheim sind an der Forschungsplattform außerdem die Universität Stuttgart, das Forschungszentrum Karlsruhe, die Hochschulen Rottenburg und Reutlingen sowie das Zentrum für Sonnenenergie und Wasserstoff-Forschung beteiligt. Durch die interdisziplinäre Arbeitsweise, unter Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure, wird eine effizientere Forschung mit besseren Ergebnissen möglich. Während die Universität Hohenheim Intensiv-Messreihen durchführt und verfahrenstechnische Forschung an der Biogasanlage vornimmt sowie zu pflanzenbaulichen Maßnahmen und Reststoffverwertung forscht, beschäftigen sich weitere Arbeitsgruppen mit der Gasaufbereitung und mit einer Analyse des Gesamtsystems. Ermöglicht wurde die Biogasanlage durch das Sponsoring und Spenden der Ellrichshausen-Stiftung sowie der Firmen EnBW, FAIR ENERGY, KWS, Schaumann Stiftung, MT-Energie und VAG-Armaturen.

Hintergrund: Agrarwissenschaften an der Universität Hohenheim

An der Fakultät Agrarwissenschaften lehren und forschen derzeit 49 Professorinnen und Professoren. Sie werden von 480 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter 220 im wissenschaftlichen Dienst, unterstützt. Die Fakultät bildet derzeit ca. 1.700 Studierende in drei Bachelor-Studiengängen, 10 Master-Programmen und einem Promotionsstudiengang sowie ca. 350 Doktorandinnen und Doktoranden aus. Schwerpunkte der Fakultät sind: Globale Ernährungssicherung, Qualität und Sicherheit in der Food Chain, Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie, Anpassung landwirtschaftlicher Produktionssysteme an die Folgen des globalen Wandels, insbesondere Klimaveränderungen und Wasserverfügbarkeit, Nutzung genomischer Diversität in der landwirtschaftlichen Produktion.

Ansprechperson:
Zum Thema Biogas-Anlage

Prof. Dr. agr. Thomas Jungbluth, Fakultät Agrarwissenschaften (Dekan)
Tel.: 0711 459-22322, E-Mail: agrar@uni-hohenheim.de

Dr. sc. agr. Hans Oechsner, Landesanstalt für Landwirtschaftliches Maschinen- und Bauwesen (Leitung)
Tel.: 0711 459-22683, E-Mail: oechsner@uni-hohenheim.de

Zum Standort Unterer Lindenhof

Dipl.-agr.oec Leopold Peitz, Universität Hohenheim, Versuchsstation Unterer Lindenhof
Tel.: (07121)9897-12, E-Mail: peitz@uni-hohenheim.de

Zum Thema Nahrungsmittelkrise und Globale Ernährungssicherheit

Prof. Dr. Manfred Zeller, Institut für Agrar- und Sozialökonomie in den Tropen und Subtropen (Direktor)
Tel.: 0711 459-22175, E-Mail: manfred.zeller@uni-hohenheim.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben) 

Zwischenbilanz: Handel, Industrie, Länder und Kommunen unterstützen die Jubiläumskampagne zum 30. Geburtstag des Blauen Engel

Lidl, Karstadt und Quelle als neue Kooperationspartner

24. Juli 2008 - Das weltweit älteste und in Deutschland bekannteste Umweltzeichen erhält zu seinem 30. Geburtstag prominente Unterstützung aus Wirtschaft und Politik. Insbesondere Handelsunternehmen sorgen bisher für eine erfolgreiche Jubiläumskampagne, die das Bundesumweltministerium, das Umweltbundesamt, die Jury Umweltzeichen und RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung im Mai starteten und die noch bis Herbst läuft. Lidl etwa bietet in zwei Aktionswochen jeweils Ende Juli und Mitte August ein breites Sortiment an Blauer Engel-Produkten an und bewirbt diese bundesweit. Dr. Volker Teichert, Vorsitzender der Jury Umweltzeichen, sagt zu der Initiative des Discounters: „Rund 80 Prozent der Deutschen kennen den Blauen Engel. Lidl hilft mit seinen Aktionen mit, dass die Menschen die Produkte mit dem neutralsten und verlässlichsten Umweltzeichen beim täglichen Einkauf auch in den Regalen finden. Damit wird die Präsenz des Blauen Engels in der Öffentlichkeit entscheidend gestärkt." Lidl unterstützt zudem die Deutschlandtour eines Info-Busses zum Blauen Engel und stellt Preise für ein Gewinnspiel unter www.30-jahre-blauer-engel.de zur Verfügung.

Gleichzeitig bewirbt Karstadt in seinen Filialen am Ende der Sommerferien Produkte mit dem Blauen Engel für den Schulanfang. Quelle gestaltet einen Aktionstag zum Umweltzeichen in Nürnberg mit. Bereits im Frühling bewarb obi mit einem Zeitungsbeileger ein Sortiment von Blauer Engel-Produkten, von denen es insgesamt immerhin rund 10.000 gibt. Die REWE Group unterstützte einen Aktionstag mit dem Umweltzeichen in Köln. REWE-Vorstand Manfred Esser gratulierte dort dem Blauen Engel. Seit Juni werden bundesweit in Postbank Finanzcentern und Filialen der Deutschen Post bereits bis zu 50 verschiedene Produkte mit dem Logo des Blauen Engel angeboten. Josef Lichtblau, Vorstand Vertrieb der Postbank Filialvertrieb AG, wünschte dem Blauen Engel während des Aktionstages in Bonn eine erfolgreiche Zukunft. Der Internet-Versandhändler memo hat aus Anlass des Jubiläums einen Bauer Engel-Aktionsshop im Internet eingerichtet.

Gleichzeitig tourt anlässlich des Jubiläums ein Blauer Engel-Aktionsbus mit einem mobilen Filmstudio durch mehr als 40 deutsche Städte. Die Umweltminister von zehn Bundesländern sind mit dabei und setzen sich dort neben prominenten Oberbürgermeistern sowie Hunderten von Verbraucherinnen und Verbrauchern auf das Sofa in Blau und geben Videogrußbotschaften an den Blauen Engel ab. Die bisherigen Gratulanten sind auf dem längsten virtuellen Sofa der Welt unter www.30-jahre-blauer-engel.de zu sehen, darunter auch viel Prominenz aus Mitgliedsorganisationen der Jury Umweltzeichen - wie HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth, Deutscher Städtetag-Präsident Christian Ude, BUND-Vorsitzende Hubert Weiger, DGB-Vorsitzende Michael Sommer, Sabine Gaschütz vom SRW, der stellvertretende vzbv-Vorsitzende Uwe Hüser und die „Mutter" des Blauen Engel und jetzige stellvertretende Jury-Vorsitzende, Edda Müller, sowie der Jury-Vorsitzende Volker Teichert.

Aus der Industrie unterstützen die Kampagne bisher Unternehmen wie Bosch, Herlitz, Cherry, Samsung, Honda, Hankook-Reifen, Starmix, Kandy Mobile, Honda und die Initiative Pro Recyclingpapier. Den Aktionsbus stellt Mercedes Benz. Der Bus selbst ist mit dem Blauen Engel ausgezeichnet, weil er lärm- und schadstoffarm ist.

Herausgeber:

Umweltbundesamt
Pressestelle

Postfach 1406

06813 Dessau

Tel.: +49 (0)340 2103 - 2122

Fax: +49 (0)340 2104 - 2122

e-mail : pressestelle@uba.de

www.blauer-engel.de

Projektbüro Blauer Engel
Dr. Martin Lichtl

Im Lorsbachtal 33

65719 Hofheim am Taunus

Tel.: 06192 955 08 82

Fax: 06192 955 08 86

Mobil: +49 (0)172/83 38 582

e-mail : lichtl@lichtl.com

 

(Quelle: UBA)

(nach oben) 

Wer war eigentlich Paracelsus?

Dr. Ernst Guggolz, Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Krankenhäuser und Heilpraktikerschulen tragen seinen Namen, jedes Jahr erhalten Mediziner die Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft. Doch wer war Paracelsus und was hat er so Wichtiges vollbracht, dass noch heute jeder seinen Namen kennt? Die "Nachrichten aus der Chemie" stellen den Heilkundigen der Renaissance vor und zeigen, wo sein Wirken bis heute Spuren hinterlassen hat.
Der vollständige Name des 1493 geborenen Arztes lautete Theophrastus Bombastus von Hohenheim, doch er selbst nannte sich Paracelsus. Wie Galileo Galilei war er ein typischer Gelehrter der Renaissance: Er gab wenig auf überlieferte Weisheiten aus Büchern. Sein kritischer Forschergeist spornte ihn an, eigene Beobachtungen anzustellen und nur das zu glauben, was er selber sah. Er übte offen Kritik an zur damaligen Zeit als unumstößlich geltenden Lehrmeinungen; dies verschaffte ihm erbitterte Feinde und versetzte die Wissenschaftswelt in Aufruhr.
Paracelsus setzte als erster alchemisch hergestellte Arzneimittel ein und sorgte so dafür, dass die Alchemie in die Medizin, Apotheken und Universitäten einzog. Später mauserte sich der neue Wissenschaftszweig zur modernen Naturwissenschaft.
Grundlage seines medizinischen Systems war die Dreiprinzipienlehre. Demnach besteht der menschliche Körper aus drei Einheiten: aus brennbarem Schwefel, der die Seele symbolisiert, aus flüchtigem Quecksilber als Zeichen des Lebensgeistes und aus festem Salz als Sinnbild des Körpers. Um einen Menschen zu heilen, waren diese drei Bestandteile ins Gleichgewicht zu bringen. Paracelsus' Regeln für die Herstellung entsprechender Medikamente sind noch heute Bestandteil des homöopathischen Arzneibuches der Bundesrepublik Deutschland.
Leben und Wirken des Paracelsus präsentiert Michael W. Mönnich in der Doppelausgabe Juli/August der "Nachrichten aus der Chemie". Die PDF-Datei des Artikels gibt es bei der Redaktion der "Nachrichten aus der Chemie" unter nachrichten@gdch.de.
Nahezu 80.000 anspruchsvolle Chemiker und Chemikerinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Lehre informieren sich mit den "Nachrichten aus der Chemie" über Entwicklungen in der Chemie, in angrenzenden Wissenschaften sowie über gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte. Kennzeichen der Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker sind das breite Spektrum der Berichte, das einmalige Informationsangebot an Personalien, Veranstaltungs- und Fortbildungsterminen sowie der große Stellenmarkt.
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de/nachrichten "Nachrichten aus der Chemie"
http://www.gdch.de/taetigkeiten/nch/jg2008/h07_08.htm Das Juli-/Augustheft der "Nachrichten aus der Chemie"

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben) 

Vom Kampf gegen den Glimmstängel

Katharina Thehos, Pressestelle
Technische Universität Chemnitz

An der TU Chemnitz wurde der Tabakkonsum von Jugendlichen und erwachsenen Risikogruppen untersucht - Raucherambulanz Chemnitz plant Spezialkurse
Tabak ist die weitest verbreitete Droge in Deutschland - auch unter Jugendlichen: "Nach aktuellen Daten rauchen rund 20 Prozent der Elf- bis 17-Jährigen", berichtet Dr. Daniela Piontek, die nach ihrem Psychologiestudium an der TU Chemnitz zum Thema "Tabakkonsum bei Jugendlichen und erwachsenen Risikopopulationen. Einflussfaktoren und Ansätze zu Prävention und Intervention" promovierte. Betreut wurde ihre Arbeit von Prof. Dr. Udo Rudolph, Inhaber der Professur Allgemeine Psychologie und Biopsychologie. Warum fangen Jugendliche an zu rauchen? Was können Schulen unternehmen, um die Zahl der qualmenden Schüler zu verringern? Diesen Fragen näherte sich Piontek durch eine Befragung an 40 weiterführenden Schulen im Freistaat Bayern. Ihre Dissertation - die mit der Bestnote "summa cum laude" bewertet wurde - basiert auf einer Studie vom Institut für Therapieforschung in München, wo Piontek seit 2004 arbeitet, durchgeführt in Kooperation mit dem Kultusministerium und dem Gesundheitsministerium in Bayern sowie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Im zweiten Teil der Arbeit untersuchte die 27-jährige TU-Absolventin das Rauchverhalten von drei erwachsenen Risikogruppen: Alkoholabhängige, Mütter und Patienten, deren Gesundheit unter dem Tabakkonsum schon deutlich gelitten hat.

Rauchverbot an Schulen zahlt sich aus

"Wir haben erstmals in Deutschland systematisch die Tabakpolitik an Schulen untersucht und mit den Einflüssen anderer sozialer Systeme kombiniert", schätzt Piontek die Bedeutung der Studie ein. Befragt wurden die Schulleiter oder Suchtbeauftragten zur Rauchpolitik an ihren Einrichtungen sowie rund 3.000 Schüler zu ihrem Rauchverhalten und ihrem sozialen Umfeld, also ihrer Familiensituation und ihrem Freundeskreis. Zur Zeit der Datenerhebung - im Sommer 2005 - gab es in Bayern noch kein allgemeines Rauchverbot an Schulen. Dieses wurde erst im Schuljahr 2006/2007 gesetzlich eingeführt - zu recht, wie Piontek einschätzt: "Unsere Studie hat ergeben, dass ein Rauchverbot zu einem niedrigeren Risiko führt, dass Schüler anfangen zu rauchen. Denn den Jugendlichen wird dadurch klar gemacht, dass das Rauchen nicht erwünscht ist - sowohl unter den Schülern als auch unter den Lehrern - und dass es keine Ausnahmen gibt." Eben diese Konsequenz sei sehr wichtig und deshalb auch eine wichtige Errungenschaft der inzwischen in vielen Bundesländern eingeführten Rauchverbote an Schulen: "Schon vorher gab es oft ein Rauchverbot für Schüler, zumindest für die jüngeren, aber die Lehrer durften rauchen, wenn auch in abgetrennten Räumen. Für die Schüler entstand dadurch ein merkwürdiges Bild und es gab mehrdeutige Botschaften - keine guten Voraussetzungen dafür, dass ein Jugendlicher nicht anfängt zu rauchen", so Piontek.

Eine noch größere Vorbildfunktion als die Lehrer und die Eltern hat jedoch der Freundeskreis, so ein weiteres Ergebnis der Studie. Wichtig dabei sind vor allem das Rauchverhalten des besten Freundes und die Zahl der rauchenden Freunde. Auch positive Vorbildfunktionen können im Freundeskreis ausgelöst werden: Wenn aus einer Clique ein Mitglied aufhört zu rauchen, kann dies eine Initialzündung sein, die auch andere Gruppenangehörige dazu bewegt, nicht mehr zu qualmen. Und was kann nun eine Schule unternehmen, um den Tabakkonsum unter Schülern gering zu halten? "Es braucht eine Kombination aus strukturellen und personenorientierten Maßnahmen", sagt Piontek und erklärt: "Neben einem konsequenten Rauchverbot müssen die Widerstandsfähigkeit und die Lebenskompetenz der Jugendlichen geschult werden. Sie müssen lernen, Versuchungen zu widerstehen, wenn sie etwa eine Zigarette angeboten bekommen. Ihnen müssen Möglichkeiten vermittelt werden, wie sie in einer solchen Situation reagieren können und wie es ihnen gelingt, standhaft zu bleiben."

Rauchen als Stressbewältigung

Während die Forscher bei Jugendlichen versuchen, die Zahl der Rauch-Anfänger zu reduzieren, zielen sie bei Erwachsenen hauptsächlich auf die Entwöhnung. Vor allem, wenn die Raucher zu einer der drei Risikogruppen gehören, die Piontek in ihrer Doktorarbeit untersuchte: alkoholabhängige Patienten in der stationären Rehabilitation - hier sind rund 80 Prozent und damit überdurchschnittlich viele der Betroffenen Raucher -, Mütter, die neben ihrer eigenen Gesundheit auch die ihrer Kinder negativ beeinflussen, und Patienten, die an chronischen Krankheiten leiden, die durch das Rauchen ausgelöst wurden. Bei diesen drei Gruppen ist eine Rauchentwöhnung einerseits besonders wichtig - andererseits aber auch besonders schwierig: "Das Rauchen wird von diesen Personen häufig zur Stressbewältigung eingesetzt. Sie haben Schwierigkeiten mit ihrer Gesundheit, sind dadurch belastet und haben gelernt, durch das Rauchen ihren Stress zu reduzieren oder auch Nebenwirkungen von Medikamenten abzumildern", erklärt Piontek und ergänzt: "Vor allem bei Alkoholikern kommt noch der kommunikative Aspekt hinzu: In den Suchtrehakliniken treffen sich die Raucher etwa in speziellen Inseln auf dem Klinikgelände und haben hier eine Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. Sie gehören zu einer Gruppe, was für sie sehr wichtig ist."

Vor einem Tabakentwöhnprogramm muss bei diesen Zielgruppen deshalb zunächst die Motivationsarbeit stehen. Und auch nach der Entwöhnung sind diese Personengruppen problematischer als andere: "Die Aufrechterhaltung der Abstinenz ist extrem schwierig. Wir haben in unserer Studie die telefonische Nachsorge als einen Ansatz untersucht, der helfen könnte, die Abstinenz länger durchzuhalten. Hier wären aber noch weitere Studien wünschenswert, um genauer herauszufinden, was tatsächlich am meisten wirkt", blickt Piontek in die Zukunft. Die besten Chancen, dauerhaft vom Zigarettenqualm los zu kommen, habe jedenfalls, wer Unterstützung aus seinem sozialen Umfeld erhält und wer andere Möglichkeiten findet, Stress zu bewältigen.

Die Ergebnisse der Studie werden auch einfließen in das Angebot der Raucherambulanz Chemnitz, die seit Anfang 2008 Entwöhnungskurse für Erwachsene und jugendliche Raucher durchführt. "Mittelfristig sollen Spezialkurse etwa für Schwangere und deren Partner oder für Patienten mit Lungen-, Herz-Kreislauf- oder Gefäßkrankheiten angeboten werden. Darüber hinaus planen wir regelmäßige Auffrisch-Kurse sowie unentgeltliche Ehemaligentreffen der rauchfreien Teilnehmer", sagt Prof. Dr. Stephan Mühlig, Inhaber der Professur Klinische Psychologie an der TU Chemnitz, Leiter der Raucherambulanz und Gutachter der Dissertation von Daniela Piontek.

Weitere Informationen erteilt Dr. Daniela Piontek, Telefon 089 360804-82, E-Mail piontek@ift.de.
Weitere Informationen:
http://www.raucherambulanz-chemnitz.de - Informationen zur Raucherambulanz Chemnitz

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)  

Ballastwasser-Reinigung schützt heimische Ökosysteme

Britta Rollert, Pressestelle
ttz Bremerhaven

In die Nord- und Ostsee werden täglich tausende fremde Organismen durch das Ballastwasser von Schiffen eingeschleppt. Um ausreichend Stabilität zu gewinnen, pumpen Schiffe während des Ladevorgangs Wasser aus dem Hafenbecken als "Ballast" in ihre Tanks, um Tiefgang zu gewinnen. Im Zielhafen wird dieses Wasser wieder abgelassen. Dabei gelangen Mikroorganismen in fremde Ökosysteme, in denen sie neue Nischen besetzen. Die "blinden Passagiere" gefährden damit die natürliche Balance, da sie in einer fremden Nahrungskette keine Fressfeinde haben. So konkurrieren sie mit anderen Lebewesen um Nahrung oder verdrängen heimische Spezies, die einen festen Platz in der Nahrungskette von Fischen haben. Die Fischereibranche bekommt den wirtschaftlichen Schaden direkt zu spüren. Gemeinsam mit Wissenschaftlern aus England, Norwegen, Frankreich, Portugal, Israel, Spanien und der Türkei entwickelt der Forschungsdienstleister ttz Bremerhaven im Projekt "Nachhaltige Ballastwasser-Reinigungsanlage" (BaWaPla) ein System zur sicheren und kostengünstigen Reinigung des Ballastwassers.

Keine "blinden Passagiere" mehr in Schiffstanks

Die Schifffahrt ist ein bedeutender Faktor für die Weltwirtschaft. 90 Prozent des europäischen Außenhandels werden auf dem Seeweg abgewickelt. In den Häfen Europas werden jährlich mehr als eine Milliarde Tonnen Fracht gelöscht und zwei Milliarden Tonnen Ballastwasser in Hafengewässer entsorgt. Rund 10.000 Lebewesen überqueren täglich im Ballastwasser die natürlichen Grenzen ihres Lebensraumes. Fremdorganismen wie Plankton, Muscheln, Viren und Bakterien aus aller Welt mischen sich in den Hafenbecken und gelangen von dort in die angrenzenden Meere. Einige Vertreter wurden bereits vor über 100 Jahren in fremde Gewässer eingeschleppt: Die chinesische Wollhandkrabbe hat sich inzwischen in europäischen Meeren von Finnland bis Südfrankreich ausgebreitet.
Dieses Umweltproblem hat sich durch den technischen Fortschritt verschärft, der Schiffsantriebe leistungsstärker macht und somit die Transportdauer verkürzt: Bei geringeren Fahrtzeiten erhöht sich die Überlebenschance der Organismen im Rumpf der Schiffe. Fremde Spezies können die bestehende Nahrungskette empfindlich stören und die Funktionsfähigkeit des Ökosystems gefährden. Besonders Häfen mit viel Schiffsverkehr sind von diesem Problem betroffen. Die Reinigung des Ballastwassers verursacht bisher enorme Kosten: Rund 30.000 Euro fallen momentan für ein kleines Frachtschiff pro Entladung an. Solange die Reinigung des Ballastwassers nicht verbindlich geregelt ist, werden diese Kosten gern eingespart. Die Reinigung des Wassers im Tank automatisch und effizient durchzuführen, ist das gemeinsame Ziel der Projektpartner von BaWaPla. Das Herzstück dieser Reinigungsmethode ist ein elektrochemischer, seewasserbetriebener Generator, der gemeinsam von den Projektpartnern entwickelt wird. "Ein Standard-Generator, der Wasser mittels CME-Technologie (Cell Membrane Electrolysis) desinfiziert, wurde von dem wissenschaftlichen Partner LVPG International GmbH entwickelt und an der Technische Universität Istanbul in Betrieb genommen. "Die Ergebnisse der Analysen aus der experimentellen Phase des 2006 begonnenen Projektes flossen in die Konstruktion des Gerätes ein", so Filiz Aslan vom Umweltinstitut des ttz Bremerhaven, die das EU-Projekt leitet. Inzwischen sind die Partner dem "Universalverfahren" für alle Wasserqualitäten und Schiffstypen bereits einen entscheidenden Schritt nähergekommen. Insbesondere die Kombination von CME, Filter- und UV-Technologie hat in umfassenden Versuchen vielversprechende Ergebnisse geliefert.

Da der ökologische Handlungsdruck weiter wächst, ist ein hohes Marktpotential gegeben. Die Internationalen Richtlinien der IMO (International Maritime Organization) schreiben bereits vor, dass alle Schiffe zwischen 2009 und 2016 beginnen müssen, einen Ballastwasser- und Sedimentbetriebsplan zur Dokumentation der Ballastwasserreinigung zu führen. Bisher ist es noch die Ausnahme, dass Staaten die Vorgaben unterzeichnen. Noch gibt es nur wenige marktreife und geprüfte Systeme. Die bisher eingesetzten Methoden reichen von der mechanischen Behandlung (Filtrierung) über die Desinfektion mit chemischen Stoffen wie Chlor oder Ozon zu physikalischen Verfahren wie Erwärmung oder den Einsatz von Ultraschall. Allerdings kann keine dieser Methoden allein den IMO-Standard bei allen Schiffstypen und Wasserqualitäten erreichen. Die Projektpartner von BaWaPla zielen darauf ab, diese technologische Lücke zu füllen und eine Vorreiterrolle übernehmen.

Kontakt:
Britta Rollert,
ttz Bremerhaven, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 0471 / 4832-121/-124
Fax 0471 / 4832-129
E-Mail: brollert@ttz-bremerhaven.de
Weitere Informationen:
http://www.ttz-bremerhaven.de
http://www.bawapla.com

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben) 

Solarwärme nutzen zum Heizen, Duschen und Arbeiten

Rüdiger Mack, Stabsabteilung Kommunikation
Fachinformationszentrum Karlsruhe

Aktualisiertes BINE-Informationspaket "Solare Wärme" erschienen
Die rapide steigenden Preise für Öl und Gas und die immer offensichtlicher werdenden Auswirkungen des globalen Klimawandels zeigen eines deutlich: bei Neubauten wie bestehenden Gebäuden gehört die Zukunft der Kombination einer sehr effizienten Wärmedämmung mit einer Wärmeversorgung aus erneuerbaren Energien. Hierbei sind Solarkollektor-Anlagen für die Bereitstellung von Warmwasser, zur Heizungsunterstützung und für Prozesswärme in Betrieben erste Wahl. Mehr als eine Million dieser Anlagen waren bereits Ende 2007 auf deutschen Dächern installiert. Damit noch viele Solar-Interessierte zu Anwendern werden können, ist in der Buchreihe der BINE-Informationspakete jetzt die aktualisierte und erweiterte, zweite Auflage von "Solare Wärme - Vom Kollektor zur Hausanlage" erschienen. Das Buch führt in die Grundlagen der Solartechnik ein und stellt die unterschiedlichen Anlagenkonzepte vor.

Ein Solar-Interessent muss auf dem Weg zu seiner Anlage viele Entscheidungen treffen. Soll die Anlage nur der Warmwasserversorgung dienen oder konsequenterweise auch die Heizung unterstützen? Wie komme ich zum optimalen Speicherkonzept für den individuellen Bedarf? Welche Konzepte und Erfahrungen gibt es für den Geschosswohnungsbau? Mit welchem Solarertrag kann ich rechnen und welche Ertragsgarantien kann ich vereinbaren? Bei diesen und vielen anderen Fragen möchte das Buch Hilfestellung leisten.

Diese zweite, erweiterte Auflage des BINE-Informationspaket "Solare Wärme" wurde von einer Autorengemeinschaft erarbeitet: Das "Dr.-Sonne-Team" der Solarpraxis AG brachte jahrelange Erfahrungen mit Schulungen, Planungen, Beratungen sowie Veröffentlichungen von Büchern und Publikationen zur thermischen Solarenergie ein. Der zweite Autor, Klaus Oberzig, gründete 2002 das Büro "ScienzzCommunication", das sich mit Wissenschaftsthemen beschäftigt und dabei einen Schwerpunkt auf Energiefragen setzt. Er ist Herausgeber des ONLINE-Wissenschaftsmagazins "Scienzz.com".

Solare Wärme - Vom Kollektor zur Hausanlage
Dr. Sonne Team, Klaus Oberzig
2. vollständig überarbeitete Auflage, 2008
160 Seiten, vierfarbig
ISBN 978-3-934595-73-6
24,80 €
Solarpraxis AG, Berlin.

Pressekontakt

BINE Informationsdienst
Uwe Milles
Tel. 0228/9 23 79-26
Fax 0228/9 23 79-29
E-Mail presse@bine.info
Kaiserstraße 185-197
53113 Bonn
http://www.bine.info

Hinweis für Redaktionen

Diesen Pressetext sowie eine druckfähige Grafik-Datei des Covers finden Sie unter http://www.bine.info. Gerne können wir Ihnen ein kostenloses Rezensionsexemplar zur Verfügung stellen.

Eine Leseprobe des neuen BINE-Informationspaketes finden Sie unter
http://www.bine.info/pdf/publikation/LeseprobeSolareWaerme.pdf

BINE ist ein Informationsdienst von FIZ Karlsruhe und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert. FIZ Karlsruhe ist Dienstleister und Servicepartner für das Informationsmanagement und den Wissenstransfer in Wissenschaft und Wirtschaft. Schwerpunkte sind die weltweit einzigartige Datenbankkollektion von STN International und die Entwicklung von e-Science-Lösungen. Weitere Informationen unter http://www.fiz-karlsruhe.de
Weitere Informationen:
http://www.bine.info/pdf/publikation/LeseprobeSolareWaerme.pdf - Leseprobe des neuen BINE-Informationspaketes "Solare Wärme - Vom Kollektor zur Hausanlage"
http://www.bine.info - Homepage BINE-Informationsdienst

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)    

Alkohol macht alt

Dr. Annette Tuffs, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Heidelberg

Heidelberger Alkoholforscher Professor Helmut Seitz als Gastredner auf dem Kongress der Internationalen Gesellschaft für Alkoholforschung in Washington
Regelmäßiger Alkoholkonsum begünstigt Tumoren der Speiseröhre, der Leber und des Dickdarms - rund 4 Prozent aller Krebserkrankungen sind auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen. Der renommierte Heidelberger Alkoholforscher Professor Dr. Helmut Seitz, Ärztlicher Direktor am Krankenhaus Salem, untersucht seit 30 Jahren erfolgreich die Mechanismen und genetischen Voraussetzungen von Krebserkrankungen durch Alkoholkonsum und war nun von der Internationalen Gesellschaft für Alkoholforschung als einziger europäischer Vertreter eingeladen, seine Forschungsergebnisse auf dem diesjährigen Kongress der Gesellschaft ab dem 28. Juni in Washington vorzustellen: Alkoholiker altern schneller.

Rund vier Millionen Menschen in Deutschland sind alkoholabhängig oder nehmen alkoholische Getränke in schädigenden Mengen zu sich, 40.000 Menschen sterben jährlich an den Folgen des übermäßigen Alkoholkonsums - neben Leberversagen und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse sind auch Krebserkrankungen häufige Todesursache bei Alkoholmissbrauch.

International bekannter Experte für Lebererkrankungen

Professor Dr. Helmut Seitz, der an der Universität Heidelberg studierte, promovierte und zwischen Forschungsaufenthalten in den USA am Universitätsklinikum Heidelberg als Oberarzt tätig war, ist seit 1991 Direktor der Medizinischen Klinik des Krankenhauses Salem in Heidelberg und seit 2000 dessen Ärztlicher Direktor. Als ein international anerkannter Experte auf dem Gebiet alkoholbedingter Lebererkrankungen wurde Professor Seitz für seine richtungsweisende wissenschaftliche Arbeit bereits mit zahlreichen Preisen und Ehrungen ausgezeichnet. Seit 2005 ist er Präsident der Europäischen Gesellschaft für Alkoholforschung und seit 2007 Ehren-Professor für Innere Medizin, Gastroenterologie und Alkoholforschung an der Universität Heidelberg.

Auf dem Kongress der Internationalen Gesellschaft für Alkoholforschung stellte Professor Seitz nicht nur den neuesten Stand der internationalen Alkoholforschung sondern auch aktuelle Ergebnisse aus dem eigenen Labor vor: "Wir haben gezeigt, dass der Körper unter chronischem Alkoholeinfluss nicht mehr in der Lage ist, sogenannte freie Radikale unschädlich zu machen", erklärt Professor Seitz. Freie Radikale entstehen bei der Zellatmung und werden mit Alterungsprozessen in Verbindung gebracht. "In der Regel verfügt der Körper über Schutzmechanismen, um diese Radikale abzufangen. Bei Alkoholikern verursachen sie allerdings schwere Schäden im Erbgut der Leber und erhöhen so das Krebsrisiko", so der Wissenschaftler. Die Ergebnisse sollen in Kürze veröffentlicht werden.

Genetische Marker für Krebserkrankungen nach Alkoholmissbrauch gefunden

Der Heidelberger Alkoholforscher fand außerdem erstmals einen genetischen Risikomarker, der anzeigt, ob sich unter chronischem Alkoholkonsum Krebs entwickelt oder nicht. Mit seinem Team entdeckte er verschiedene Varianten eines Enzyms, das Alkohol in das krebserregende Stoffwechselprodukt Acetaldehyd abbaut. Menschen, die nur über eine bestimmte Variante dieses Enzyms Alkoholdehydrogenase 1C verfügen, sind bei Alkoholkonsum einem besonders hohen Krebsrisiko ausgesetzt. "Damit haben wir einen Marker gefunden, um Patienten mit hohem Risiko frühzeitig zu identifizieren", so Professor Seitz.

Das Krankenhaus Salem ist enger Kooperationspartner der Universität Heidelberg und maßgeblich an Krankenversorgung, Forschung uns Lehre des Universitätsklinikums beteiligt: Seit 2005 leitet Professor Dr. Markus Büchler, Geschäftsführender Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik, als Chefarzt die Chirurgische Abteilung am Krankenhaus Salem; im Mai 2008 hat Professor Dr. Christof Sohn, Geschäftsführender Direktor der Universitätsfrauenklinik, die Leitung der Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Salem übernommen.

Kontakt:
Professor Dr. Helmut K. Seitz
Ärztlicher Direktor Krankenhaus Salem, Heidelberg
Zeppelinstraße 11-33
69121 Heidelberg
Telefon: 06221 / 483 201
E-Mail: helmut_karl.seitz@urz.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)   

Bio-Energie aus Algen

Torsten Schaletzke, Pressestelle
Universität Bielefeld 

BMBF fördert von Bielefelder Biologen koordiniertes Partner-Forschungsprojekt

Mit 1,8 Millionen Euro wird ein Forschungsprojekt zur Produktion von Bio-Wasserstoff als Energielieferant vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert, das von dem Biologen Prof. Dr. Olaf Kruse von der Universität Bielefeld koordiniert wird.
Seine Partner sind Wissenschaftler von der Technischen Universität Karlsruhe, der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und dem Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Golm (Potsdam). Bei dem Projekt geht es darum, systematisch zu analysieren, wie einzellige Grünalgen Sonnenlicht in Bio-Wasserstoff umwandeln. In diesem Zusammenhang soll auch ein Bioreaktor mit 250 Liter Fassungsvermögen für praktische Machbarkeitsstudien zur rentablen Produktion von Bio-Wasserstoff entwickelt werden. Diese Forschungen mit Mikroalgen sind eng verknüpft mit einem bereits laufenden Forschungsprojekt zur Biomasseproduktion mit Hilfe der Photosynthese.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Olaf Kruse, Universität Bielefeld
Fakultät für Biologie, Arbeitsbereich Algenbiotechnologie
Tel.: 0521 / 106-5611
Fax: 0521 / 106-89036
Email: Olaf.Kruse@uni-Bielefeld.de
Internet: http://www.uni-bielefeld.de/biologie/Algenbiotechnologie/kruse

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)  

"Störfeuer" aus dem Gehirn lässt die Patienten zittern - Jülicher Forscher klären Ursache für Parkinson-Tremor auf

Peter Schäfer, Unternehmenskommunikation
Forschungszentrum Jülich

Typisches Symptom der Parkinson-Erkrankung ist das Zittern der Patienten. Einer Gruppe von Wissenschaftlern, darunter Professor Peter Tass vom Forschungszentrum Jülich, ist nun ein wesentlicher Schritt gelungen, den Mechanismus offenzulegen, der hinter diesem so genannten Tremor steckt: Nervenzellverbände in der Tiefe des Gehirns treiben selbst den Tremor an. Die Entdeckung bestätigt Tass' Forschungsarbeit für eine Therapie von Parkinson. Ein neuer Hirnschrittmacher soll die Zellen nachhaltig aus dem krankhaften Gleichtakt bringen.
Der heutige Beitrag in der renommierten Fachzeitschrift "Europhysics Letters" beweist, dass die Wissenschaftler aus dem Forschungszentrum Jülich, einem Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, auf dem richtigen Weg sind. Ihr neuer Hirnschrittmacher soll 2009 erstmals in großem Rahmen Parkinson-Patienten helfen. Bei Menschen, die an Parkinson leiden, ist die Kommunikation zwischen Netzwerken von Nervenzellen gestört. Diese "feuern" ihre Reize im gleichen Takt und verursachen damit das typische Zittern. Die Frequenz, die dabei gemessen wird, liegt bei 5 Hertz (Hz), also fünf Schwingungen pro Sekunde. In Deutschland gibt es offiziell etwa 150 000 Parkinson-Patienten; Schätzungen gehen aber von bis zu 450 000 Betroffenen aus.

Bisher nahmen Forscher an, dass der 5-Hz-Rhythmus in der Tiefe des Gehirns das Ergebnis von Nervensignalen ist, die von den Muskeln in den Gliedmaßen des Körpers zurück an das Gehirn gesandt werden. Die wissenschaftliche Bezeichnung für diese Rückmeldung lautet "propriozeptives Feedback". Das "Störfeuer", so die bisherige mehrheitliche Meinung, werde aber nicht vom Gehirn ausgesandt. Grund für diese Annahme war, dass die gemessene Frequenz des "propriozeptiven Feedbacks" und die in einem bestimmten Kernbereich des Gehirns im Thalamus und den Basalganglien nicht ganz synchron waren.

Mit einer Kombination mehrerer moderner Analyseverfahren gelang dem Team jetzt der Nachweis, dass nicht nur die Nervensignale von den Muskeln als Rückmeldung den krankhaften 5 Hz-Rhythmus im Gehirn antreiben. Für die Messungen pflanzten Neurochirurgen in Köln unter Leitung von Prof. Volker Sturm Patienten Elektroden ein, und Wissenschaftler im russischen Saratov berechneten zusammen mit den Jülicher Wissenschaftlern die gewonnenen Daten neu. "Auch Signale im Frequenzbereich von 5 Hz aus dem Kernbereich des Gehirns treiben den Tremor an", erläutert Peter Tass. "Der Unterschied: Die Rückmeldung von den Gliedmaßen ist eine schnelle und einfache Reizweiterleitung. Die Signale aus Thalamus und Basalganglien werden jedoch in bestimmte schleifenförmig angeordnete Nervenbahnen des Gehirns und des Rückenmarks geleitet. Damit ist die Dynamik komplizierter und der Laufweg länger."

Der Jülicher Mediziner, Mathematiker und Physiker sieht mit den neuen Erkennt¬nissen die theoretischen Grundlagen "seines" Hirnschrittmachers bestätigt. Das Gerät wirkt auf die gestörten Nervenzellen im Kerngebiet des Gehirns und löst sie nachhaltig aus dem Zwang, im gleichen Takt zu "feuern". Tass' Neuentwicklung stört das zwanghafte Bestreben nach Gleichschritt mit sehr milden, gezielten und zeitlich versetzten Reizen an verschiedenen Stellen. Dadurch gerät der Takt ins "Stolpern" und zerbricht. Im Unterschied zu den herkömmlichen Geräten dieser Art arbeitet der Jülicher Hirnschrittmacher deutlich schonender und braucht weniger Energie. Zudem wird das Nervengewebe so stimuliert, dass die Nervenzellen ihre krankhaft starken synaptischen Vernetzungen und damit ihr Bestreben, krankhafte Rhythmen auszubilden, verlernen können.

Der Schrittmacher besteht aus Elektroden, die gezielt an den fehlregulierenden Stellen im Gehirn platziert werden. Der so genannte Stimulator versorgt die Elektroden mit Energie und gibt ihnen Signale, die Nervenzellen im Hirn zu reizen. Unterhalb des Schlüsselbeins wird er unter der Haut eingepflanzt. Dünne Drähte verbinden ihn ebenfalls unter der Haut mit den Elektroden.

Peter Tass leitet die Arbeitsgruppe "Neuromodulation" am Institut für Neurowissenschaften und Biophysik - Bereich Medizin des Forschungszentrums Jülich. Zusammen mit Volker Sturm von der Universität Köln erhielt er 2005 den Schrödinger-Preis. Im folgenden Jahr waren beide für den Zukunftspreis des Bundespräsidenten nominiert.

Originalveröffentlichung:
D. A. Smirnov, U. B. Barnikol, T.T. Barnikol, B. P. Bezruchko, C. Hauptmann, C. Bührle, M. Marouf, V. Sturm, H.-J. Freund, P. A. Tass: "The generation of Parkinsonian tremor as revealed by directional coupling analysis"
Weitere Informationen:
http://www.epljournal.edpsciences.org Fachzeitschrift Europhysics Letters
http://www.fz-juelich.de/portal/forschung/highlights/parkinson Hintergrund: Der Hirnschrittmacher

Pressekontakt:
Erhard Lachmann, Tel. 02461 61-1841, E-Mail: e.lachmann@fz-juelich.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben) 

Sehkraftstärkung zum Essen?

Helena Reinhardt, Referat Öffentlichkeitsarbeit
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Studie an der Jenaer Uni-Augenklinik untersucht Einfluss von Nährstoffen auf Altersblindheit
(Jena) 4,5 Millionen Deutsche leiden an einer altersbedingten Makuladegeneration (kurz AMD), der häufigsten Ursache für den Verlust der Sehkraft bei älteren Menschen. Jeder zweite über 60-Jährige ist heute schon betroffen. Die krankheitsbedingten Veränderungen der Blutgefäße an der Netzhaut schränken vor allem den Sehsinn in der Mitte des Gesichtsfelds, dem Bereich des schärfsten Sehens, auch Makula genannt, ein. Lesen, fernsehen, das Erkennen von Gesichtern wird so immer schwieriger.

"Auf der Suche nach den Auslösern der Krankheit häufen sich die Hinweise auf Ablagerungen und Stoffwechselstörungen in bestimmten Netzhautschichten als Mitverursacher", erklärt Prof. Dr. Jürgen Strobel, Direktor der Augenklinik des Universitätsklinikums Jena (UKJ). "Diese treten zwar mit dem Alter auf, sind aber abhängig von der Lebensführung." Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck und Ernährungsgewohnheiten spielen hier eine wichtige Rolle - und sind im Gegensatz zum Prozess des Alterns beeinflussbar. Bestimmte Nährstoffe, aufgenommen über die Nahrung, können die gestörten Stoffwechselprozesse am Auge wieder verbessern. Viele Erkrankte setzen bereits heute darauf und nehmen täglich Nahrungsergänzungsstoffe zu sich.

An dieser Stelle setzen die Jenaer Augenmediziner mit einer gerade gestarteten großen Studie an: Ein Jahr lang messen die Mediziner um Studienleiter Privatdozent Dr. Jens Dawczynski die Wirkung der Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels auf die Makula und die Verbesserung der Sehkraft. Das überprüfte Präparat enthält eine Kombination aus Lutein, Zeaxanthin und Omega-3-Fettsäuren. Diesen Bestandteilen wird zum einen eine zellschützende Wirkung und die Fähigkeit zur Absorption schädlicher UV-Strahlung zugeschrieben. "Zum anderen finden sich alle drei direkt in der Netzhaut", so Oberarzt Dawczynski, "Lutein und Zeaxanthin sind als gelbes Pigment in der Netzhaut identifiziert worden und auch Omega-3-Fettsäuren sind Bestandteile der Netzhaut." In der Studie werden diese nun täglich von den bereits an einer trockenen Form der Makuladegeneration erkrankten Probanden in unterschiedlicher Konzentration als Kapseln eingenommen, eine Kontrollgruppe erhält ein Placebo.

In regelmäßigen Abständen werden sowohl die Beschaffenheit der Makula, die Sehleistung als auch die Konzentration der Nahrungsergänzungsstoffe im Blut überprüft. Dabei soll herausgefunden werden, welchen langfristigen Effekt eine tägliche Einnahme des Präparates auf die Entwicklung der altersbedingten Makuladegeneration hat. Die Jenaer messen erstmals über einen Zeitraum von zwölf Monaten, bisherige Studien dazu dauerten nicht länger als sechs Monate.

"Uns interessiert natürlich, ob es auf diese für die Patienten völlig unbelastende Weise tatsächlich gelingt, die Sehleistung zu erhalten oder sogar zu verbessern", so der Jenaer Mediziner. Spannend ist auch, wie die Aufnahme der Nahrungsergänzungsstoffe über den Organismus ins Auge erfolgt, wozu das Blutplasma der Studienteilnehmer untersucht wird.

Besonderes Augenmerk gilt auch der Frage, inwieweit sich durch diese Präparate ein Voranschreiten der trockenen Form der AMD wirklich verhindern lässt. "Wir versprechen uns sehr viel von dieser Studie, vor allem für die große Zahl an Betroffenen", so Dawczynski, der in einem Jahr mit ersten Ergebnissen rechnet.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)  

Warum halten Menschen ihre Versprechen?

Petra Mader, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für Ökonomik

Menschen unterscheiden sich von Tieren u.a. durch ein außerordentliches Ausmaß an Kooperation. In ihren Bemühungen, kooperatives Handeln zu erklären, betonen Ökonomen stets die Rolle von (Tausch-) Verträgen. Oft handelt es sich dabei um rein informelle Versprechen. Auch formale Verträge sind meist "unvollständig", da es unmöglich ist, die Rechte und Pflichten der Parteien in jeder zukünftigen Situation ausdrücklich zu formulieren. Aus diesem Grund kann ein gegebenes Versprechen oft nicht vor Gericht durchgesetzt werden. Dennoch verlassen wir uns im privaten und geschäftlichen Alltag wie selbstverständlich darauf, dass andere sich an ihre Versprechen halten. Christoph Vanberg vom Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena ist der Frage, warum sich Menschen an Versprechen halten, z. B. auch wenn dies für sie mit einem ökonomischen Verlust verbunden ist, im Rahmen eines sogenannten Mini-Diktatorspiels nachgegangen (Econometrica, 2008).
In der Literatur gibt es eine Reihe von Autoren, die davon ausgeht, dass Menschen eine Veranlagung haben, vertraglich festgelegte Rechte und Pflichten Wert zu schätzen. Indem sie eine Zusage machen, gehen sie eine Verpflichtung ein, deren Erfüllung für sie per se von Wert ist. Das entscheidende Merkmal dieses Erklärungsansatzes ist die Vorstellung, dass für die handelnde Person nicht allein die möglichen Konsequenzen ihres Verhaltens bedeutsam sind, sondern ebenso die Übereinstimmung zwischen ihrem Verhalten und den aus Verträgen und Absprachen resultierenden Verpflichtungen.

Ein anderer Erklärungsansatz geht davon aus, dass das menschliche Verhalten in vielen Zusammenhängen dadurch beeinflusst wird, dass man die Erwartungen anderer nicht enttäuschen möchte. Letztlich wäre es demnach nicht eine Wertschätzung vertraglich festgelegter Pflichten, sondern lediglich der Wunsch, die mit einem Versprechen geweckten Erwartungen zu erfüllen, der dazu führt, dass Versprechen eingehalten werden.

In seiner Studie hat Christoph Vanberg vom Jenaer Max-Planck-Institut für Ökonomik erstmals mit einem spieltheoretischen Experiment untersucht, ob sich ein Nachweis für einen dieser beiden Erklärungsansätze finden lässt. Das methodische Problem dabei: Sobald ein Versprechen gegeben wird, entsteht gleichzeitig eine Selbstverpflichtung im Sinne des zuerst genannten Erklärungsansatzes, während sich zugleich die Erwartungshaltung desjenigen verändert, der das Versprechen erhält. Aus diesem Grunde ist es schwer festzustellen, welches der beiden Motive - Selbstverpflichtung oder Erwartungserfüllung - dazu führt, dass das gegebene Versprechen eingehalten wird.

Vanberg berichtet über ein Experiment, dass es ihm erlaubt, dieses Problem zu umgehen. Das Experiment wurde als sogenanntes Mini-Diktatorspiel gestaltet. Dabei interagieren jeweils zwei Teilnehmer, von denen einer die Rolle des "Diktators", der andere die des "Empfängers" einnimmt. Der Diktator muss sich zwischen zwei möglichen Handlungen entscheiden, von der man zur Vereinfachung die eine als "Nehmen" und die andere als "Teilen" bezeichnen könnte. Im ersten Fall bekommt der Diktator eine hohe Auszahlung und der Empfänger erhält nichts. Im zweiten Fall bekommen beide eine Auszahlung, die für den Diktator etwas kleiner ist, als wenn er "Nehmen" wählt. Die Summe der Auszahlungen ist im zweiten Fall aber höher als im ersten.

Das Spiel hat zwei besondere Eigenschaften. Zum Einen hat ein Teilnehmer in der Rolle des Diktators einen klaren Anreiz, "Nehmen" zu wählen. Zum Zweiten ein Teilnehmer, der nicht weiß, welche Rolle er im Spiel einnehmen wird, würde sich wünschen, dass der Diktator verpflichtet wäre, "teilen" zu wählen. Aus diesem Grunde ist zu erwarten, dass Teilnehmer, die noch nicht wissen, welche Rolle sie einnehmen werden, ein entsprechendes Versprechen austauschen würden. Ziel des Experimentes war es, diese Versprechen und ihren Einfluss auf das Verhalten des Diktators zu beobachten, um zwischen der Selbstbindungs- und Erwartungserfüllungs- Theorie zu unterscheiden.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Experiments erhielten - bevor per Zufall die Zuweisung der Rollen erfolgte - die Gelegenheit, zu kommunizieren. Viele Teilnehmer nutzten diese Gelegenheit, um Versprechen auszutauschen, "teilen" zu wählen, falls sie die Rolle des Diktators einnehmen. Im Vergleich zu einer Situation ohne Kommunikation führte dies dazu, dass signifikant mehr Diktatoren "teilen" wählten. Um die Variablen "Selbstverpflichtung" und "Erwartungserfüllung" zu entkoppeln, wurde eine weitere Version des Experiments durchgeführt. In diesem Fall wurde die Hälfte der Teilnehmer-Paare nach der Kommunikationsphase neu zusammengestellt. D.h. die Hälfte der als Diktator ausgewählten Teilnehmer interagierten mit einem "Empfänger," der nicht mit ihnen, sondern einem anderen Diktator kommuniziert hatte. Allerdings wurden hierüber jeweils nur die Personen in der Rolle des Diktators informiert. Sie bekamen zudem die Gelegenheit, zu erfahren, ob ihr neuer Partner ein Versprechen erhalten hatte oder nicht.

Da der "Empfänger" nicht unterscheiden konnte, ob sein Partner ausgetauscht wurde oder nicht, konnte sich seine Erwartungshaltung durch den Partnertausch nicht verändern. Der auf die "Erwartungserfüllung" aufbauende Erklärungsansatz würde demnach voraussagen, dass ein Diktator das Versprechen eines anderen ebenso einhalten sollte, wie sein eigenes. Der auf die "Selbstverpflichtung" aufbauende Ansatz, hingegen, sagt voraus, dass nur ein Versprechen des Diktators selbst wirksam ist.

Das Experiment wurde im institutseigenen Computerlabor an 32 visuell gegeneinander abgeschirmten Computerplätzen durchgefühlt An insgesamt sechs Durchgängen nahmen 192 Studierende der Friedrich-Schiller-Universität Jena teil. Pro Durchgang wurden acht Runden gespielt. Kein Paar spielte mehr als einmal zusammen.

73 Prozent derjenigen, die mit ihrem ursprünglichen Partner zusammenspielten und ein Versprechen abgegeben hatten, wählten "teilen". In allen anderen Konstellationen wählten jeweils etwas mehr als die Hälfte der Diktatoren die Option "teilen", zwischen 44 und 48 Prozent entschieden sich dafür, ihren Empfänger leer ausgehen zu lassen. Das heißt, weder sahen sich die Diktatoren verpflichtet, ein von einem anderen gegebenes Versprechen einzulösen, noch fühlten sie sich einem neuen Partner gegenüber an ein zuvor gegebenes Versprechen gebunden. Für die Entscheidung des Diktators war es nach einem Partnertausch offenbar ohne Belang, ob der neue Empfänger ein Versprechen erhalten hatte oder nicht.

Neben den Entscheidungen der Diktatoren misst Vanberg auch deren Vorstellungen darüber, was der jeweilige Empfänger erwartet. Hierbei zeigt sich, dass Diktatoren, deren Partner ausgetauscht wurden, sich durchaus über die Erwartungen Bewusst waren, die von den Versprechen anderer ausgelöst wurden. Dennoch fühlten sie sich offensichtlich nicht verpflichtet, diese von anderen geweckten Erwartungen zu erfüllen.

"Die Ergebnisse des Experiments sind nicht kompatibel mit der Vorstellung, dass es vor allem die Erwartungen des anderen sind, die dazu führen, dass Versprechen eingelöst werden", betont Vanberg. "Es ist offenbar doch so, dass Menschen per se die Übereinstimmung zwischen ihrem Verhalten und ihren Versprechen wichtig ist."

Originalpublikation:
Vanberg, Christoph: Why do People Keep Their Promises? An Experimental Test of Two Explanations, Econometrica 2008

Weitere Informationen erhalten Sie von:
Christoph Vanberg
Max-Planck-Institut für Ökonomik, Jena
Tel.: 03641 686-636,
mail: vanberg@econ.mpg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)    

Solare Wärme zur Stromerzeugung nutzen

Rüdiger Mack, Stabsabteilung Kommunikation
Fachinformationszentrum Karlsruhe

Weltweit wächst die Zahl der solarthermischen Kraftwerke
Solarthermische Kraftwerke kombinieren spezielle Spiegelsysteme zur Erzeugung solarer Hochtemperaturwärme mit einem konventionellen Kraftwerksprozess. Man benötigt einen hohen Anteil direkten Sonnenlichts, um es mit Spiegeln auf Linien oder Punkte fokussieren zu können. Die dabei entstehende Wärme wird auf ein Wärmeträgermedium übertragen und erreicht mit 250 - 550 °C den Dampfturbinenprozess. Zukünftig ist auch der Temperaturbereich jenseits der 1.000 °C und damit der noch effizientere, kombinierte Gas- und Dampfturbinenprozess ein Ziel. Wirtschaftlich sinnvoll sind solarthermische Kraftwerke im sogenannten Sonnengürtel der Erde zwischen dem 35. Grad nördlicher und südlicher Breite. Dort planen oder bauen zunehmend mehr Länder derartige Kraftwerke. Das neue BINE-Projektinfo "Solarthermische Kraftwerke werden Praxis" (07/08) stellt die Solarsysteme, Speicher sowie zwei aktuelle Projekte vor.

Deutsche Forschungsinstitute und Firmen sind seit Jahren in der Entwicklung solarthermischer Kraftwerkstechnik engagiert. Sowohl bei zentralen Komponenten, wie Spiegelsysteme und Receiver, als auch bei Auslegung und Konzeption kompletter Systeme inklusive der Kraftwerkstechnik zählen sie technologisch zur Weltspitze. Auch das im Sommer 2008 in Spanien ans Netz gehende Parabolrinnenkraftwerk Andasol I nutzt deutsches Know-how. Dieses Kraftwerk kann 200.000 Menschen mit Strom versorgen und dank eines integrierten Speichersystems nach Sonnenuntergang noch bis zu 7 Stunden mit Solarwärme weiterarbeiten. Zur weiteren Optimierung solarer Turmkraftwerke wird Ende 2008 das Versuchskraftwerk "Solarturm Jülich" in Betrieb gehen.

Ende 2007 gab es weltweit solarthermische Kraftwerksprojekte mit 1.800 MW elektrischer Leistung - mit stark steigender Tendenz. Bis zum Jahr 2020 kann diese Form der solaren Stromerzeugung in den Bereich 12.000 - 20.000 MW vorstoßen. Das BINE-Projektinfo "Solarthermische Kraftwerke werden Praxis" (07/08) ist kostenfrei beim BINE Informationsdienst von FIZ Karlsruhe erhältlich - im Internet unter http://www.bine.info oder telefonisch unter 0228 - 92379-0.

Pressekontakt

BINE Informationsdienst
Uwe Milles
Tel. 0228/9 23 79-26
Fax 0228/9 23 79-29
E-Mail presse@bine.info
Kaiserstraße 185-197
53113 Bonn
http://www.bine.info

BINE ist ein Informationsdienst von FIZ Karlsruhe und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert. FIZ Karlsruhe ist Dienstleister und Servicepartner für das Informationsmanagement und den Wissenstransfer in Wissenschaft und Wirtschaft. Schwerpunkte sind die weltweit einzigartige Datenbankkollektion von STN International und die Entwicklung von e-Science-Lösungen. Weitere Informationen unter http://www.fiz-karlsruhe.de

Weitere Informationen:
http://www.bine.info/templ_meta.php/presseforum/archiv_pressetexte/577/link=clicked/ - Pressemitteilung zum neuen BINE-Projektinfo "Solarthermische Kraftwerke werden Praxis" (07/08)
http://www.bine.info - BINE-Homepage

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)   

Bundesamt für Strahlenschutz: Kostenlose Hautkrebs-Tests nutzen - Jährlich bis zu 140.000 Neuerkrankungen / Gute Heilungschancen

Werner Nording, PB2/ Pressearbeit
Bundesamt für Strahlenschutz

Insbesondere sonnenhungrige Bürgerinnen und Bürger sollten die Hautkrebs-Früherkennung nutzen, die die Krankenkassen jetzt kostenlos anbieten. Das rät das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).
Wie BfS-Sprecher Werner Nording mitteilte, würden jährlich bis zu 140 000 Menschen in Deutschland neu an Hautkrebs erkranken. 90 Prozent der Hautkrebserkrankungen würden mit höchster Wahrscheinlichkeit durch zu viel Sonne verursacht. Die Zahl der Neuerkrankungen habe sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Gerade bei Hautkrebs gebe es mit Hilfe der Früherkennung und guten Behandlungsmöglichkeiten aber gute Heilungschancen.

Seit Anfang Juli hat Deutschland eine flächendeckende, standardisierte Hautkrebs-Früherkennung eingeführt. Danach hat jeder gesetzlich Krankenversicherte ab 35 Jahren Anspruch auf kostenlose Vorsorgeuntersuchungen. Eine solche Untersuchung wird von der Krankenkasse alle zwei Jahre bezahlt. "Dieses Angebot ist so wichtig, weil noch keine Generation vorher ein so hohes Risiko hatte, an Hautkrebs zu erkranken wie die heute 35-jährigen", sagte der Sprecher.

Zur Durchführung der Vorsorgeuntersuchung sind neben Hautärzten auch Allgemeinmediziner, praktische Ärzte und Internisten berechtigt, die eine entsprechende Weiterbildung vorweisen können. Da es sich bei dieser Untersuchung um eine Früherkennungsmaßnahme handelt, wird hier keine Praxisgebühr fällig.
Die wichtigste Vorsorgemaßnahme, um Hautkrebs vorzubeugen, ist jedoch nach Auffassung des BfS ein vernünftiger Sonnenschutz. Wer sich ohne Reue in der Sonne wohlfühlen möchte, sollte daher diese Sonnenschutzregeln beachten:
o Die Haut langsam an die Sonne gewöhnen (jedoch nicht im Solarium).
o Mit leichter, weiter lichtdichter Kleidung die Haut vor direkter Sonnenbestrahlung schützen.
o Den Kopf bedecken.
o Sonnenbrille tragen.
o Entblößte Haut durch Sonnenschutzmittel mit ausreichen-dem Lichtschutzfaktor schützen. Der Sonnenschutz soll eine halbe Stunde vor dem Aufenthalt im Freien aufgetragen wer-den, um richtig zu wirken. Wiederholtes Eincremen gewährleistet die Wirkung des Lichtschutzfaktors, kann sie aber nicht verlängern.
o Besonders bei Kindern ist unbedingt auf guten Sonnenschutz zu achten.
o Kinder unter zwei Jahren dürfen nicht der direkten Sonne ausgesetzt werden.
o Mehr als 50 Sonnenbäder im Jahr sind nicht zu empfehlen.

Wer nicht auf den Besuch von Sonnenstudios verzichten möchte, sollte nur nach den Kriterien des BfS zertifizierte Studios aufsuchen. Über die aktuelle Belastung durch Sonnenstrahlen informiert das BfS mit dem UV-Index (UVI). Das ist ein international gültiger Wert, mit dem man sich ausrechnen kann, wie lange man sich unbeschadet der Sonne aussetzen darf. Der UV-Index beschreibt den am Boden erwarteten Tagesspitzenwert der sonnenbrandwirksamen UV-Strahlung. "Je höher dieser Wert, desto größer ist das Sonnenbrandrisiko", erläutert Nording.
Das BfS veröffentlicht im Internet regelmäßig die aktuellen UVI-Messwerte sowie eine Drei-Tages-Prognose. (http://www.bfs.de/uv/uv2/uvi )

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)  

Bye bye Stand-By: EU-Kommission sagt Leerlaufverlusten den Kampf an

Maßnahmen gegen stromfressende Büro- und Haushaltsgeräte beschlossen

Am 7. Juli haben Vertreterinnen und Vertreter der EU-Mitgliedstaaten und der EU-Kommission eine Verordnung zur Begrenzung der Stromverluste im sogenannten "Bereitschafts- und Schein-Aus-Zustand" von Büro- und Haushaltsgeräten beschlossen. Nach Beteiligung des EU-Parlaments werden die neuen Vorgaben für Elektrogeräte ab 2010 gültig. Die EU-Verordnung wird unmittelbar in allen 27 EU-Mitgliedsstaaten wirksam. Mithilfe der geplanten Maßnahmen ist EU-weit eine Minderung unnützer Stromverluste um 35 Milliarden Kilowattstunden (kWh) pro Jahr bis zum Jahr 2020 zu erwarten. Dies entspricht einer Einsparung von 14 Millionen Tonnen des Klimagases Kohlendioxid (CO2) und etwa 9 Großkraftwerken mit 800 Megawatt Leistung. Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des Umweltbundesamtes (UBA) sagte: "Der Entwurf der EU-Verordnung zur Begrenzung der Leerlaufverluste bei Elektrogeräten ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Seine Umsetzung kann einen handfesten Beitrag zum Klimaschutz leisten."

Nach der geplanten Regelung dürfen Computer, Waschmaschinen, Fernsehgeräte und weitere Büro- und Haushaltgeräte ab 2010 nicht mehr als ein Watt im Bereitschafts- und im Schein-Aus-Zustand verbrauchen. Haben die Geräte eine Informationsanzeige, dürfen es zwei Watt sein. Nach drei Jahren sinken die Grenzwerte auf die Hälfte. "Damit ist ein langjähriges Ziel deutscher Umweltpolitik - maximal ein Watt Leistungsaufnahme im Bereitschaftszustand - erfüllt und wird später sogar noch unterschritten", so Holzmann.

In Deutschland sind Leerlaufverluste in Privathaushalten und Büros für einen Stromverbrauch in Höhe von mindestens 22 Milliarden kWh pro Jahr verantwortlich. Das verursacht jährlich Kosten von mindestens vier Milliarden Euro. Die neuen EU-Regelungen würden für Deutschland eine Minderung des Stromverbrauchs von mehr als sechs Milliarden kWh pro Jahr bewirken - das entspricht knapp vier Millionen Tonnen CO2. So ließe sich mindestens ein Großkraftwerk mit 800 Megawatt Leistung einsparen. Die Gerätenutzerinnen und -nutzer sparen zudem jährlich Stromkosten in Höhe von gut 1,2 Milliarden Euro.

Da die Verordnung nur einen bestimmten Teil der Leerlaufverluste regelt, sind weitere nennenswerte Einsparungen in EDV-Netzen (sogenannter Netzwerk-Standby) sowie über Null-Watt-Schaltungen möglich: Deutschland sowie die Umweltschutz- und Verbraucherverbände hatten sich in Brüssel dafür eingesetzt, dass in Zukunft nur noch Geräte auf den Markt kommen, die sich vollständig abschalten lassen. Nachdem es gelungen ist, dieses Ziel in den Vorbemerkungen der Verordnung zu verankern, ist bei künftigen produktgruppenspezifischen Regelungen, die technische Machbarkeit und Angemessenheit eines Null-Watt-Modus zu prüfen. Nach Schätzung des UBA ließen sich damit die Stromverluste EU-weit um weitere 7 Milliarden kWh und in Deutschland um etwa 1 Milliarde kWh mindern.

Die Verordnung wäre die erste so genannte Durchführungsmaßnahme zur Energiebetriebene-Produkte-Richtlinie (Ökodesign-Richtlinie). Durchführungsmaßnahmen für weitere Produktgruppen sind in Vorbereitung und sollen in den nächsten Monaten folgen.

Tabelle Leerlaufverluste in Büros und Haushalten/Einsparpotentiale (EU, Deutschland): http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/2008/pdf/leerlaufverluste-pi5408.pdf

Informationen zur Energiebetriebene-Produkte-Richtlinie unter www.umweltbundesamt.de/produkte/oekodesign und www.ebpg.bam.de sowie http://www.eup-netzwerk.de

Informationen zu Leerlaufverlusten in der Broschüre "Energiesparen im Haushalt" unter http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/188.pdf.

Lesen Sie unsere Presseinfos auch online unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/presseinfo-aktuell.htm

Pressesprecher: Martin Ittershagen
Mitarbeiter/innen: Anke Döpke, Dieter Leutert,
Fotini Mavromati, Theresa Pfeifer, Martin Stallmann
Adresse: Postfach 1406, 06813 Dessau-Roßlau
Telefon: 0340/21 03-2122, -2827, -2250, -2318, -3927, -2507
E-Mail: pressestelle@uba.de
Internet: www.umweltbundesamt.de

(Quelle: Umweltbundesamt)

(nach oben)  

Quelle allen Handelns: das eigene Wohlbefinden

Gerhard Harms, Pressestelle
Carl von Ossietzky-Universität Oldenburg

Letztlich, so die These der Oldenburger PsychologInnen Prof. Dr. Ulrich Mees und PD Dr. Annette Schmitt, liegt der Grund allen menschlichen Handelns im Bestreben, das eigene Wohlbefinden zu verbessern. Dabei können positive Emotionen entweder direkt oder indirekt erlangt oder negative Emotionen direkt reduziert oder indirekt vermieden werden. Diese anthropologische Grundannahme führen Mees und Schmitt in einem soeben erschienen Aufsatz in der amerikanischen Fachzeitschrift "Journal for the Theory of Social Behaviour" aus.
Die These klingt zunächst nicht neu: In der Tat berufen sich die Autoren bei der Formulierung ihrer Theorie auf eine lange Tradition, die bei dem griechischen Philosophen Epikur ihren Anfang nimmt. Sie wenden sich allerdings entschieden gegen jene Theorievarianten, die den Menschen als hemmungslos genusssüchtig zeichnen oder annehmen, dass jede menschliche Handlung eine unmittelbare Steigerung des Genussempfindens zum Ziel habe. Um derartige wissenschaftliche Kurzschlüsse zu vermeiden, differenzieren sie zwischen dem "Was" und dem "Warum" von Handlungen, also zwischen den Zielen einer Handlung und den emotionalen Gründen, die ihr zugrunde liegen.

In dem von Mees und Schmitt kürzlich herausgegebenen Buch "Ziele und emotionale Gründe des Handelns" präsentieren sie empirische Untersuchungen zu ihrem Modell. In fünf Kapiteln werden Strategien des Selbstwertschutzes im Lern- und Leistungsbereich, emotionale Gründe für die Abstinenz nach andauerndem Drogenkonsum, Emotionsvorhersagen im Leistungsbereich, persönliche Motivstrukturen und erfolgreiches Altern sowie Geschlechtsunterschiede in den Formen und emotionalen Gründen selbstberichteter Aggressionen untersucht.

Ulrich Mees and Annette Schmitt (2008), Goals of Action and Emotional Reasons for Action. A Modern Version of the Theory of Ultimate Psychological Hedonism. Journal for the Theory of Social Behaviour, 38, pp. 157-178.
Ulrich Mees, Annette Schmitt (Hg.)(2008), Ziele und emotionale Gründe des Handelns. Studien zum zweidimensionalen Modell metatelischer Orientierungen, Reihe: Psychologie: Forschung und Wissenschaft, Bd. 1, 240 S., 19.90 EURO, ISBN 978-3-8258-1041-2

Kontakt: Prof. Dr. Ulrich Mees, Tel.: 0441/798- 5516, E-Mail: ulrich.mees@uni-oldenburg.de
Weitere Informationen:
http://www.lit-verlag.de/isbn/3-8258-1041-2
http://www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/fulltext/119391662/PDFSTART

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben) 

Gesunde Mitarbeiter - gesunde Firma

Ursula Zitzler, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Stuttgart

Betriebliches Gesundheitsmanagement steuern
Die Zunahme verhaltensbedingter Krankheiten wie Übergewicht oder Rückenleiden und eine im Schnitt immer älter werdende Belegschaft erfordert schon heute, dass Unternehmen die psychische und physische Leistungsfähigkeit des einzelnen Mitarbeiters im unternehmerischen Denken und Handeln nicht außer Acht lassen. Eine betriebliche Gesundheitsförderung gewinnt immer mehr an Bedeutung, um das "Humankapital" eines Unternehmens zu sichern. Trotzdem nutzen erst wenige Unternehmen diese Möglichkeit systematisch. Im März startete nun an der Universität Stuttgart im Verbund mit weiteren Einrichtungen das Forschungsprojekt GemNet mit dem Ziel, ein praxistaugliches Instrumentarium zu entwickeln, mit dem Gesundheitsförderung in das gesamtbetriebliche Management integriert werden kann.
Bei vielen Unternehmen erfolgen Planung und Umsetzung der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) über externe Partner zum Beispiel Krankenkassen oder innerbetrieblich über die arbeitsmedizinischen Dienste. Der Fokus liegt dabei überwiegend auf Krankheitsvermeidung oder Unfallverhütung. Ein Managementansatz, der die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Zielgröße definiert, wird selten realisiert. Oft sehen die Unternehmen erst einen Anlass zum Handeln, wenn die Krankenfehlstände eine kritische Grenze überschreiten. Auch als messbare Größe für den Erfolg der Maßnahmen liegen bisher meist nur die erfassten Arbeitsunfähigkeitsdaten der Mitarbeiter vor. Die Stuttgarter Wissenschaftler vom Lehrstuhl für Sport- und Gesundheitswissenschaften unter Leitung von Prof. Wolfgang Schlicht konzipieren gemeinsam mit den Unternehmen BGF-Maßnahmen und entwickeln zusätzliche Kennzahlen, mit denen sich messen lässt, ob diese dazu führen, dass Mitarbeiter in Unternehmen ihr Gesundheitsverhalten dauerhaft ändern und so ihre Gesundheit verbessern. Dazu zählt beispielsweise, ob sie sich auch in ihrer Freizeit ausreichend bewegen, ausgewogen ernähren, Entspannungstechniken erlernen oder im Alltag die Treppe nehmen statt den Aufzug zu benutzen. Dazu befragen die Forscher Mitarbeiter von am Projekt beteiligten Firmen und statten sie beispielsweise mit Schrittzählern aus, um so etwas über das Ausmaß der täglichen körperlichen Aktivität zu erfahren. Die Wissenschaftler interessieren sich auch für die Meinung der Mitarbeiter über gesundes Verhalten. Denn nur wer selbst davon überzeugt ist, dass ihm das veränderte Verhalten etwas bringt, wird es langfristig praktizieren.
Mit den vom Forschungsprojekt GemNet entwickelten Methoden soll es für die Unternehmen in Zukunft möglich sein, Gesundheitsmaßnahmen gezielt zu steuern und deren Wirkung mit dem Verfahren der Balanced Score Card, einem klassischen Werkzeug des betrieblichen Managements, messbar zu machen.
Die Forscher des Lehrstuhls für Sport- und Gesundheitswissenschaften haben langjährige Erfahrungen in der Konzipierung und Evaluation im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung. Unter anderem entwickelten sie mit der Betriebsmedizin der Porsche AG das Projekt Prevention First, das dann bei den Firmen Porsche, Behr und Dürr umgesetzt wurde. Neben den Stuttgarter Wissenschaftlern sind beim Forschungsprojekt GemNet im interdisziplinären Verbund die Universität Dortmund mit dem Lehrstuhl für Grundlagen und Theorien der Organisationspsychologie und das von Prof. Peter Horváth geführte International Research Performance Institute (IPRI) beteiligt. GemNet wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der EU gefördert. Weiter Informationen finden Sie unter http://www.gemnet.de

Ansprechpartner: Prof. Dr. Wolfgang Schlicht und Marcus Zinsmeister, Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Universität Stuttgart, Tel. 0711/6856-3152, e-mail: marcus.zinsmeister@sport.uni-stuttgart.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)  

Weniger Herzschäden durch grünen Tee ?

Dr. Annette Tuffs, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Heidelberg

Medizinische Universitätsklinik Heidelberg untersucht erstmals die Wirksamkeit bei vererbter Amyloidose in einer klinischen Studie / Teilnehmer gesucht
Die Kardiologische Abteilung der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg untersucht in einer klinischen Studie die Wirksamkeit von grünem Tee bei einer erblichen Stoffwechselerkrankung, die das Herz stark schädigt. Bei der sogenannten Transthyretin-Amyloidose werden aufgrund eines veränderten Gens abnorme Eiweiße in den Herzmuskel eingelagert; bislang gibt es - abgesehen von der sehr eingreifenden Lebertransplantation - keine wirksame Behandlung für diese Erkrankung. Die Klinik sucht Teilnehmer für die Studie, die für ein Jahr geplant ist und von der Peter Waldmann Amyloidose Stiftung unterstützt wird.

Im vergangenen Jahr hatte der Bericht des Heidelberger Mediziners Professor Dr. Werner Hunstein, des ehemaligen Ärztlichen Direktors der Medizinischen Universitäts-Poliklinik Heidelberg, Abteilung für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie, für Aufsehen gesorgt. Bei ihm wurde eine Bluterkrankung festgestellt, die ebenfalls zur Ablagerung von Eiweißen führt (Leichtkettenamyloidose). Nach einer Chemotherapie erreichte er durch eine Eigenbehandlung mit täglich 2 Liter grünem Tee eine positive Beeinflussung seiner Herzamyloidose: Die körperliche Leistungsfähigkeit war verbessert worden und die Herzwanddicke war im Ultraschall zurückgegangen (Veröffentlichung in der Zeitschrift "Blood" 2007, 110(6), 2216).

Positiver Selbstversuch und ermutigende Laborergebnisse

Wirksame Substanz im grünen Tee ist das Epigallocatechingallat (EGCG). Im Reagenzglas stärkt es die Kraft von Herzmuskelzellen und hemmt das Auftreten von Herzrhythmusstörungen. Außerdem ist EGCG im Labor in der Lage, ein spezielles Amyloid aufzulösen, das bei Alzheimer-Patienten im Gehirn abgelagert wird. Diese Beobachtungen hatten Professor Hunstein zu seinem Selbstversuch bewogen, dessen Ergebnis nun in der Heidelberger Studie an 25 Patienten mit einer vererblichen Amyloidose wissenschaftlich überprüft werden soll.

"Viele unserer Patienten haben sich nach den Berichten selbst entschieden, jeden Tag grünen Tee zu trinken", berichtet Dr. Arnt Kristen, der in der Abteilung Kardiologie, Angiologie und Pneumologie der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Hugo A. Katus) die Studie zusammen mit Prof. Dr. Thomas Dengler leitet. Im Universitätsklinikum Heidelberg werden über 300 Amyloidose-Patienten aus der ganzen Bundesrepublik von einem interdisziplinären Team aus Hämatologen, Kardiologen, Nephrologen und acht weiteren Fachdisziplinen betreut.

Patienten, die an der erblichen Transthyretin-Amyloidose leiden und an der Studie teilnehmen wollen, werden insgesamt dreimal in den 12 Monaten Studiendauer auf ihre Herzfunktion untersucht. Die Inhaltsstoffe des grünen Tees können auch in Form von Kapseln (insgesamt sechs pro Tag) eingenommen werden. Interessenten wenden sich bitte an:
Amyloidose@med.uni-heidelberg.de

Weitere Information zur Amyloidose-Studie:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Gruener-Tee-und-Amyloidose.110556.0.html

Patienteninformation der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg zu Amyloidose:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Amyloidose

Information zur Peter Waldmann Amyloidose Stiftung:
www.amyloidose.ch

Literatur:

Hunstein W.: Epigallocathechin-3-gallate in AL amyloidosis: a new therapeutic option? In: Blood. 2007 Sep 15;110(6):2216.

Mereles D, Wanker EE, Katus HA. Therapy effects of green tea in a patient with systemic light-chain amyloidosis. Clin Res Cardiol. 2008 May;97(5):341-4.

Ehrnhoefer DE et al.: EGCG redirects amyloidogenic polypeptides into unstructured, off-pathway oligomers. Nat Struct Mol Biol. 2008 Jun;15(6):558-66.

(Die Originalartikel können bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden)

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs@med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben) 

Bioenergie subventionieren?

Dr. Klaus Reinsberg, AG Öffentlichkeitsarbeit
Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa

Halle(Saale)/IAMO. Weltweit steigt derzeit die Nachfrage nach höherwertigen Agrar- und Ernährungsgütern, für viele Fachleute einer der großen Gründe für steigende Preise auf dem weltweiten Nahrungsmittelsektor. Aber auch die Thematik der Bioenergie gerät in diesem Kontext immer wieder in den Blickpunkt kontroverser Diskussionen. Vom 25. - bis 27. Juni 2008 veranstaltete das Leibniz-Institut für Agrarentwick-lung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) in Halle an der Saale eine dreitägige Konferenz, bei der sich führende Wissenschaftler diesbezüglich der Öffentlichkeit stellten. Unter dem Motto "Agri-Food Business: Global Challenges - Innovative Solutions" wies unter anderem Prof. Dr. Heißenhuber, Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des BMELV, sehr deutlich darauf hin, dass nach dem Gutachten des wissenschaftlichen Beirates, die derzeitige Förderung der Bioenergie Anlass zu Kritik gibt. "Die Anreize der Bundesregierung für die Herstellung von Bioenergie müssen hinterfragt werden", warnt Heißenhuber in einem Gespräch mit dem Leibniz-Institut. Widerspruch fand Heißenhuber in Dr. Torsten Gabriel, selbst Fachexperte für Bioenergie und Kommunikationsleiter der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe. "Ohne deutlichen Ausbau der Bioenergie ist der globale Energiebedarf in Zukunft kaum zu decken", so die Auffassung Gabriels. Gabriel verweist mit Nachdruck auf die brachliegenden Flächen als Lösungsansatz. Das das allein nicht ausreichen dürfte, so die Sicht von Agrarökonom Jens-Peter Loy von der Kieler Universität, zeigt sich schon in den Ressourcen Bildungsniveau und technische Innovationen, die noch lange nicht ausgereizt sind. Auch wenn noch aussagekräftige Studien zur Gewichtung einzelner Ursachen für die gegenwärtigen gewaltigen Preissprünge auf den Agrarmärkten fehlen, so herrscht doch große Einigkeit unter vielen Experten, dass die steigende Inanspruchnahme von Anbauland zur Bioenergiegewinnung Druck auf die Lebensmittelpreise ausübt, ohne einen signifikanten Beitrag zur Energiesicherung leisten zu können. Es wird deutlich, dass Energie- und Agrarpreise verstärkt aneinander gekoppelt sind und angesichts der fossilen Ressourcenverknappung und dem weltweit wachsendem Energiebedarf, der ausgewogene Einsatz aller erneuerbarer Energieträger, bei gleichzeitiger Entwicklung neuer zukunftsweisender Antriebskonzepte, als unumgänglich angesehen wird. Bioenergietechnologien der zweiten und dritten Generation, die auf Müll, Zellulose und einer intelligenteren Technik beruhen, könnten die Konkurrenz um Anbaufläche zwischen Nahrungsmitteln und Kraftstoffen abmildern und somit einen wichtigen Lösungsbeitrag leisten.
Weitere Informationen:
http://www.iamo.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)

Zehn Minuten, die Nordamerika nachhaltig veränderten

Dr. Gesine Steiner, Museum für Naturkunde Berlin
Humboldt-Universität zu Berlin

Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Geologen Uwe Reimold und Thomas Kenkmann vom Museum für Naturkunde Berlin hat eine der größten Naturkatastrophen, von der Nordamerika je heimgesucht wurde, minuziös rekonstruiert. Den Ablauf dieses Ereignisses hat das Team nun in der Ausgabe des Fachjournals Science vom 27. Juni veröffentlicht.
Die Katastrophe geschah vor 35 Millionen Jahren und dauerte gerade einmal 10 Minuten. Dennoch spüren die Einwohner von Virginia bis heute indirekt die Folgen, die dieser Meteoriten-Einschlag verursacht hat. Damals stürzte ein über 3 km großer Asteroid mit der ungeheuren Wucht von über 50.000 Wasserstoffbomben ins flache Schelfmeer des atlantischen Ozeans und riss ein fünf Kilometer tiefes und 25 Kilometer breites Kraterloch nahe der Küste. Ein Gemenge aus Wasser und zertrümmerten Gestein wurde in die Atmosphäre geschleudert. Thomas Kenkmann: "Tsunami-Wellen von über einem Kilometer Höhe bäumten sich damals auf, gleichzeitig prasselte geschmolzenes Gestein aus der Explosionswolke in den Krater nieder!" Der Rückstrom des Wassers in den Krater setzte etwa 6 Minuten nach dem Einschlag ein und riss berggroße Granitblöcke mit sich. Nach 10 Minuten war der Krater schließlich fast 90 km groß und großenteils mit Trümmergestein und Sediment ausgefüllt, die Wasserturbulenzen ließen allmählich
nach.
Dieses Szenario konnte durch eine 1760 m tiefe Bohrung detailliert rekonstruiert werden, die im Rahmen des internationalen kontinentalen Tiefbohrprogramms ICDP mitten in den heute unter Sedimenten verborgenen Krater niedergebracht wurde. Für die Berliner Meteoritenkraterforscher kommt der Bohrung eine Schlüsselrolle zu, denn "sie zeigt uns welche Folgen Einschläge im Meer haben", so Uwe Reimold.
Der Name des Kraters, Chesapeake Bay, bezeichnet die Region nicht unweit der Hauptstadt der USA, Washington, wo der Krater verborgen liegt. Noch heute bereitet die ehemalige Katastrophe der Küstenbevölkerung Probleme, denn innerhalb der Kraterstruktur hat sich eine Salzwasserlinse gebildet, die die Wasserversorgung von Millionen Menschen in Virginia erheblich erschwert.

Bildmaterial zum ICDP-Projekt Chesapeake Bay unter:

http://www.icdp-online.org/contenido/icdp/front_content.php?idart=1144
www.sciencemag.org
www.pubs.royalsoc.ac.uk/proceedingsb

Kontakt:
Prof. Dr. Uwe Reimold, PD Dr. Thomas Kenkmann,
Museum für Naturkunde, Humboldt-Universität zu Berlin, Invalidenstrasse 43, 10115 Berlin
uwe.reimold@museum.hu-berlin.de, Tel. +49(0)30 2093 8470;
thomas.kenkmann@museum.hu-berlin.de, Tel. +49(0)30 2093 8878

Dr. Gesine Steiner
Öffentlichkeitsarbeit
Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität zu Berlin, Invalidenstr. 43, 10115 Berlin
Tel. +49(0)30 2093 8917
Fax. +49(0)30 2093 8914
e-mail gesine.steiner@museum.hu-berlin.de
www.naturkundemuseum-berlin.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)  

Ältere Köpfe auf dem Prüfstand - welchen Einfluss hat Training auf das geistige Altern?

Dipl.-Biol. Cornelia von Soosten, Pressereferat
IfADo - Institut für Arbeitsphysiologie an der Universität Dortmund

Welchen Einfluss hat Training auf das geistige Altern?

Mit dem Alter wird nicht alles schlechter, dennoch nimmt die Leistungsfähigkeit bei einigen Gehirnfunktionen mit dem Alter ab. Wissenschaftler vom Institut für Arbeitsphysiologie an der TU Dortmund (IfADo) wollen nun genau wissen, wie diese Funktionen sich verändern, welchen Einfluss die Umwelt auf diese Veränderungen hat, und ob bestimmte Maßnahmen sich positiv auswirken.
Die IfADo-Forscher haben in Zusammenarbeit mit der Ruhr-Universität Bochum 92 Arbeitnehmer der Firma Opel rekrutiert: ältere und jüngere Beschäftigte, aus der Linienfertigung und aus der Instandhaltung. Sie verfolgten dabei die Frage, inwieweit sich ältere und jüngere Arbeitnehmer hinsichtlich geistiger Funktionen wie Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis oder Flexibilität unterscheiden. Die Opel-Beschäftigten bearbeiteten verschiedene Aufgaben am Computer, währenddessen das Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen wurde. Anschließend wurden Reaktionszeiten, Anzahl der Fehler sowie bestimmte Hirnstromwellen analysiert, die aus dem EEG abzulesen sind.

Das erste Ergebnis war nicht überraschend: Die Gruppe der jungen Instandhalter bearbeitete alle Aufgaben mit hoher Geschwindigkeit, die jedoch auf Kosten der Genauigkeit ging. Die älteren Instandhalter waren langsamer, machten dagegen die wenigsten Fehler. Ein anderes Ergebnis jedoch überraschte die Wissenschaftler: Die älteren Linienarbeiter machten die meisten Fehler in Aufgaben, die den Einsatz von Arbeitsgedächtnis und Daueraufmerksamkeit erfordern. Dies spiegeln auch Unterschiede zwischen älteren Linienarbeitern und älteren Instandhaltern in Hirnstromwellen wider, die mit Arbeitsgedächtnisfunktionen und mit Überwachung und Kontrolle des Verhaltens in Verbindung stehen.
"Dies deutet darauf hin, dass langjährige Arbeit unterschiedlicher Art bestimmte Aspekte der geistigen Leistungsfähigkeit im Alter unterschiedlich beeinflussen könnte. Erhärten lässt sich das aber nur mit Hilfe wiederholter Messungen bei den gleichen Beschäftigten über mehrere Jahre" betont Prof. Michael Falkenstein vom IfADo. "Die Veränderungen bei den Älteren, und hier vor allem bei den Linienarbeitern, sind aber eine messbare Tatsache".

Deshalb soll ein weiteres Projekt der Arbeitsforscher klären, welche Trainingsmaßnahmen den Alterungsprozess im Gehirn positiv beeinflussen. In verschiedenen Gruppen sollen Senioren ab 65 Jahren vier Monate lang ihren Körper oder ihren Geist trainieren. Im Anschluss werden dann Testergebnisse mit den Ausgangswerten verglichen. Unterschiedliche Trainingsprogramme stehen dabei zur Auswahl: Ist ein Ausdauertraining wie z.B. Nordic Walking die ideale Förderung für den Kopf? Sind weniger anstrengende Übungen wie z. B. Stretching genauso effektiv? Oder müssen die geistigen Funktionen direkt geschult werden - mit Denksportaufgaben, Sudoku und ähnlichem? In einem weiteren Projekt sollen ältere Autofahrer ein speziell entwickeltes Fahrtraining absolvieren. Ein drittes Projekt, bei dem nicht trainiert wird, untersucht den Einfluss unterschiedlicher Faktoren auf die geistige Fitness bei Personen ab 60 Jahren.

Die Wissenschaftler erhoffen sich aus ihren Forschungen zum einen Rückschlüsse darauf, was beim Altern im Kopf passiert, und warum das bei verschiedenen Älteren so unterschiedlich ist. Zum anderen wollen sie Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, die die geistige Fitness im Alter verbessern können. Damit die Älteren in Zukunft kaum schlechter abschneiden als die Jungen!

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben) 

Fußball-Fieber als Wissenschaftsthema

Dipl.-Journalist Tobias D. Höhn, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Leipzig

Das bevorstehende Finale der Fußball-EM illustriert es plastisch: Jedes erzielte Tor erhöht die Wahrscheinlichkeit weiterer Treffer. Auf dieser Prämisse basiert auch ein Modell der Wissenschaftler des Instituts für Theoretische Physik der Universität Leipzig. Es bezieht das "Fußball-Fieber", den Selbstmotivierungsmechanismus der Spieler durch erfolgreiche Aktionen, Taktik-Änderungen und Torschüsse, in die Wahrscheinlickeits-Berechnung mit ein.
Beim "Jahrmarkt der Wissenschaften" auf dem Augustusplatz wollen die Physiker vom 28. Juni bis 4. August ihr Modell nicht nur vorstellen, sondern die Besucher mit Tischkicker und Torwand aktiv an der Datensammlung mitwirken lassen. An Stand 46 können die Besucher selbst aktiv Spielergebnisse erzeugen, die die Wissenschaftler dann sofort online mit Methoden der statistischen Physik und der mathematischen Statistik auswerten. Die Ergebnisse werden auf einer Leinwand präsentiert. Mit diesem interaktiven Experiment wollen die Physiker weitere Torerfolgsdaten sammeln, die sie dann mit Hilfe ihres neuen Modells analysieren können.

"Das Modell beruht auf einem Selbstmotivierungsmechanismus, der wichtige Rückkoppelungseffekte auf den Torerfolg berücksichtigt", erklärt Prof. Dr. Wolfhard Janke vom Institut für Theoretische Physik. "Durch Änderungen der Taktik beim Spiel oder Torschuss und psychologische Motivationseffekte erhöht danach jedes erzielte Tor die Wahrscheinlichkeit weiterer Treffer." Die zu testende These laute also: "Fussball kann nicht ohne Berücksichtigung des 'Fußballfiebers' modelliert werden", sagt Janke.

In der bisher veröffentlichten wissenschaftlichen Arbeit konzentrierten sich Janke und seine Mitarbeiter Dr. Elmar Bittner, Andreas Nußbaumer und Dr. Martin Weigel von der Universität Mainz, vor allem auf einen Vergleich der ostdeutschen Oberliga mit der westdeutschen Bundesliga im geteilten Deutschland bis 1990. Dabei fanden sie tatsächlich statistisch signifikante Unterschiede im Motivationsfaktor, der interessante soziologische und politische Interpretationen zulässt. Ferner vergleichen sie die Bundesliga der Frauen mit jener der Herren, und schließlich, aus aktuellem Anlass, auch die Qualifikationsspiele aller bisherigen grossen Fußballturniere. Interessanterweise finden sie Parallelen bei den letzten beiden scheinbar vollkommen verschiedenen Spielklassen, die sich - mit etwas Fussballverstand - sehr einfach erklären lassen.

Diese Zusammenhänge und einige der wichtigsten mathematischen Grundlagen sind am Stand auf drei Plakatwänden auch für Nichtfachleute genauer erklärt. Insgesamt basiert die bisherige Arbeit auf den Endergebnissen von mehr als 30000 Spielen. Bei reger Beteiligung der Besucher des Wissenschaftssommers erhoffen sich die theoretischen Physiker eine deutliche Erweiterung ihres Datenbestands - auch in bisher noch nicht untersuchten Spielklassen.

----------------
Weitere Informationen:

Institut für Theoretische Physik
Prof. Dr. Wolfhard Janke
Telefon: 0341 97-32725
E-Mail: janke@itp.uni-leipzig.de
Weitere Informationen:
http://www.physik.uni-leipzig.de/~janke - Homepage von Prof. Janke
http://www.uni-leipzig.de/jahr-der-mathematik/ - Weitere Pressemitteilungen der Universität Leipzig zum Jahr der Mathematik

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)   

"Teller und Tank" sind möglich

Dr. Michael Welling, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei

Forscher des von Thünen-Instituts zeigen, dass im Ökolandbau Treibstoff-Autarkie ohne Flächenverbrauch funktioniert

Die regenerative Treibstoffproduktion auf dem Acker ist zuletzt häufiger in die Kritik geraten, da sie für den Anstieg der Lebensmittelpreise mit verantwortlich gemacht wird. Es steht die Forderung "Teller statt Tank" im Raum. Dabei muss sich beides nicht gegenseitig ausschließen, erläutert Professor Gerold Rahmann, Leiter des zum Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI) gehörenden Instituts für Ökologischen Landbau: "Wir haben eine Anbaukonzeption entwickelt, bei der auf dem Feld neben der Hauptkultur 'für den Teller' eine zusätzliche Kultur eingesät wird, die Treibstoff 'für den Tank' produziert."
Diese Zweitkultur ersetzt einen Teil der natürlichen Begleitflora, umgangssprachlich Unkraut genannt, und nutzt deren Nährstoffe. Stehen verschiedene Pflanzen gemeinsam auf einem Feld, können sie sich - geschickt gemischt - wunderbar ergänzen. Ist die eine Pflanze schwach oder krank, ist die Ernte der anderen Pflanze noch gesichert. Will eine Pflanze sich bei Hagel senken, wird sie vom Partner gestützt. Eine solche natürliche Stabilisierung ist gerade im Ökolandbau außerordentlich erwünscht. Stehen dort doch oft keine anderen Regulative zur Verfügung.

Am vTI-Institut für Ökologischen Landbau wird seit 2001 intensiv daran geforscht, sich diese Effekte zu Nutze zu machen. Zum Beispiel, um die im Ökolandbau nur schwer zu kultivierenden Ölpflanzen wieder in die Anbaupläne zu integrieren und um das Pflanzenöl als eigenen, klimaneutralen Treibstoff für die hofeigenen Landmaschinen zu nutzen. Eine Komponente der jeweiligen Pflanzenmischung auf dem Feld liefert Pflanzenöl, die andere Komponente wird als Nahrungsmittel genutzt. Es entsteht kein zusätzlicher Flächenbedarf.

Geprüft wurden zum Beispiel Mischungen aus Raps mit Getreide, Senf mit Erbsen, Färberdistel mit Lupine oder Lein mit Weizen. Dabei legten die Wissenschaftler besonderes Augenmerk auf Erfahrungen aus Bauernhand. So erwies sich die alte Kulturpflanze Leindotter (Camelina sativa), die noch vor 50 Jahren verbreitet angebaut wurde, als guter Mischungspartner für Erbsen, Lupinen und Weizen. Es war im Mischfruchtanbau zum Beispiel möglich, nahezu den vollen Erbsenertrag von 3 Tonnen pro Hektar zu erzielen und zusätzlich 250 Liter Leindotteröl zu erzeugen. Weniger konkurrenzstark ist der Leindotter im Sommerweizen, doch auch hier konnten 150 Liter Leindotteröl pro Hektar zusätzlich zur Sommerweizenernte gewonnen werden. Um einen Hektar zu beackern benötigt man 80-150 Liter Pflanzenöl als Treibstoff für die Landmaschinen. Dieser Bedarf wird durch diese Ernten mehr als gedeckt. Werden weitere Fruchtfolgeglieder mit Ölpflanzen im Mischfruchtanbau angereichert, kann ein Öko-Betrieb genug Pflanzenöl erzeugen, um seine Flächen zu bewirtschaften. Zudem hat das Pflanzenöl als Co-Produkt der Nahrungsmittelproduktion eine enorm günstige Ökobilanz.

Im Tank der Traktoren zeigt sich aber, dass jedes Pflanzenöl seine typische Qualität hat. Nur für Rapsöl gibt es bereits Standards und Erfahrungen für die notwendigen Motorenumrüstungen und Pflanzenölqualitäten. Zurzeit führt das Institut daher gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren der Universität Rostock ein Forschungsprojekt durch, in dem Leindotteröl aus Kaltpressung in Mischungen mit anderen kaltgepressten Pflanzenölen in Versuchsmotoren und in einem Praxisschlepper neuester Bauart als Treibstoff erprobt wird. Gezielt zusammengemischte Pflanzenöle aus dem ökologischen Mischfruchtanbau könnten dann der Treibstoff der Zukunft für Öko-Betriebe werden. Die Vielzahl der heute vorhandenen dezentralen Pflanzenölmühlen ist für die Erzeugung des umweltfreundlichen Kraftstoffes ein wichtiges Strukturelement im ländlichen Raum.

Die gesamten technischen und landwirtschaftlichen Versuche sind abgeschlossen. Ab Herbst 2008 wird ein Teilbetrieb des in Schleswig-Holstein liegenden Instituts für Ökologischen Landbau auf eigenerzeugten Treibstoff umgestellt. Institutsleiter Rahmann ist ehrgeizig: "Wir wollen genauso viel Lebensmittel wie vorher produzieren und zusätzlich den benötigten Treibstoff auf der gleichen Ackerfläche gewinnen."

Kontakt:
Prof. Dr. Gerold Rahmann und Dr. Hans Marten Paulsen
Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI)
Institut für Ökologischen Landbau
Trenthorst
23847 Westerau
Tel.: 04539 8880-0,
E-mail: oel@vti.bund.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)  

"Kennen Sie Ihr Risiko? Jeder sollte seine Blutfett-Werte kennen" - 27. Juni 2008 "Tag des Cholesterins"

Rita Wilp, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V.

Nur wenige wissen um ihre Cholesterinwerte - Große Veranstaltungen in Dresden und Göttingen

Ein erhöhter Cholesterin-Wert im Blut zählt neben Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Arteriosklerose. In Deutschland haben im Alter zwischen 30 und 39 Jahren bereits 25 Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen Cholesterinwerte über 250 Milligramm pro 100 Milliliter Plasma. "Vielen jedoch ist es überhaupt nicht bekannt, dass zuviel Cholesterin in ihrem Blut ist, und sie damit ein hohes Risiko tragen, z.B. einen Herzinfarkt oder eine andere Folgeerkrankung zu erleiden," sagt Prof. Dr. Günther Wolfram von der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM). Um Interessierte und Betroffene zu informieren und besonders um die Vorbeugung in den Mittelpunkt zu stellen, gibt es am 27. Juni 2008 den bundesweiten "Tag des Cholesterins". Er wird bereits zum sechsten Mal von der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga e.V.) veranstaltet. Mit zwei großen Veranstaltungen in Dresden (27. und 28. Juni) und Göttingen (28. Juni vor dem Alten Rathaus) wird auf die Gefahr des hohen Cholesterinwertes und die Möglichkeiten der Prävention hingewiesen. Weitere Informationen auch unter www.lipid-liga.de und unter www.blutdruck-goe.de
Cholesterin ist ein lebenswichtiger Stoff, der zu der Gruppe der Fette (Lipide) gehört. Er wird vom Körper selbst hergestellt (etwa zu 60 Prozent) und über die Nahrung (z.B. Fleisch) aufgenommen (etwa 40 Prozent). Im Blut können diese Fette, da sie nicht wasserlöslich sind, nur von Trägerverbindungen, den Lipoproteinen, transportiert werden. Die Lipoproteine unterscheidet man in sogenannte "gute", high density lipoprotein mit hoher Dichte (HDL) und "schlechte", low density lipoprotein mit niedriger Dichte (LDL). Befinden sich im Blut zu viele LDL, so lagert sich das Cholesterin beim Transport von der Leber über die Blutgefäße in die einzelnen Organe an den Gefäßwänden ab und führt dort zur Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Das HDL hingegen sorgt dafür, dass bereits abgelagertes Cholesterin wieder von den Gefäßwänden abgelöst und zurück zur Leber transportiert wird. Also je mehr HDL-Cholesterin, desto besser. In Deutschland haben etwa 40 Prozent der Männer und 25 Prozent der Frauen zwischen 40 und 49 Jahren einen erhöhten Cholesterinwert. Im Alter ändert sich dann das Verhältnis: bei den 70-jährigen Männern sind etwa 45 Prozent betroffen, bei den Frauen zwischen 70 und 79 Jahren etwa 56 Prozent.

"Es ist daher wichtig, seine eigenen Cholesterinwerte zu kennen," sagt Prof. Wolfram. Sind sie zu hoch, so besteht die erhöhte Gefahr von Folgeerkrankungen. Ab einem Wert von mehr als 200 Milligramm Gesamtcholesterin in 100 Milliliter Plasma sollte eine differenzierte Bestimmung des Cholesterins in den Lipoproteinfraktionen des Plasmas erfolgen. Dabei sollte der Wert des HDL-Cholesterins mindestens 45 Milligramm und der des LDL-Cholesterins höchstens 160 Milligramm in 100 ml Plasma betragen. Ist der LDL-Cholesterin-Wert erhöht und der HDL-Cholesterin-Wert niedrig, so steigt das Risiko für eine koronare Herzkrankheit deutlich an. Übergewicht verursacht einen Anstieg des LDL-Cholesterin-Wertes und ein Absinken des HDL-Cholesterin-Wertes. Hochrisikopatienten, wie zum Beispiel Menschen nach einem Herzinfarkt oder mit einer koronaren Herzkrankheit, sollten nicht mehr als 100 Milligramm LDL-Cholesterin in 100 Milliliter Plasma aufweisen. Stellt man bei sich durch einen einfachen Test einen riskanten Wert fest, so sollte man gezielt gegensteuern, zum Beispiel mit einer Ernährungsumstellung, viel Bewegung und Verzicht auf Zigaretten. Wichtig ist vor allem eine Ernährung mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie sie zum Beispiel in Gemüse und frischem Seefisch vorhanden sind. Langkettige, gesättigte Fettsäuren, wie zum Beispiel in fetter Wurst und fettem Käse, erhöhen dagegen die Konzentration von LDL-Cholesterin doppelt so stark wie mehrfach ungesättigte Fettsäuren sie senken. Cholesterin in der Nahrung hat eine vergleichsweise geringe anhebende Wirkung auf das LDL-Cholesterin.

Die Zusammenhänge zwischen Fettmenge und Fettsäurenqualität in der Nahrung und den Konzentrationen von LDL- und HDL-Cholesterin im Plasma wurden in einer Leitlinie "Fettkonsum und Prävention ausgewählter ernährungsmitbedingter Krankheiten" von einer Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) umfassend dargestellt (www.dge.de/leitlinie).

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Günther Wolfram
Department Lebensmittel und Ernährung
Technische Universität München
Alte Akademie 16
85350 Freising
e-mail gwolfram@wzw.tum.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)   

Demenzerkrankungen: Ein kaum lösbares Problem für eine alternde Gesellschaft?

Dr. Thomas Nesseler, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)

Hauptstadtsymposium DGPPN: Bessere Rahmenbedingungen für Früherkennung, Versorgung und Pflege gefordert

Bereits heute leben in Deutschland etwa 1,1 Millionen Menschen mit Demenzerkrankungen. Während bei den 65- bis 69jährigen weniger als zwei Prozent betroffen sind, steigt die Häufigkeit der Erkrankung bei Menschen, die 90 oder mehr Lebensjahre zählen, auf mehr als 30 v.H. an. Durch den demografischen Alterungsprozess ist in den nächsten Jahrzehnten zudem mit einem gravierenden Anstieg der Zahl erkrankter Männer und Frauen zu rechnen: Da jedes Jahr fast 200.000 Neuerkrankungsfälle hinzukommen, werden bis 2050 etwa 2,3 Millionen Menschen von einer Demenzerkrankung betroffen sein.
Derzeit ist eine "Heilung" der Demenz nicht möglich. Umso drängender sind daher die Fragen nach einer frühzeitigen Diagnose sowie einer umfassenden Versorgung und Pflege. Vor diesem Hintergrund stellt das Thema "Demenzen" als einer psychiatrischen Erkrankung eine für unsere Gesellschaft und für unser Gesundheitswesen herausfordernde Zukunftsaufgabe dar. Beim 4. Hauptstadtsymposium der DGPPN, das in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP) sowie der Deutschen Alzheimer Gesellschaft/ Selbsthilfe Demenz, am Mittwoch, den 25. Juni, in Berlin zum Thema "Demenzerkrankungen: Ein kaum lösbares Problem für eine alternde Gesellschaft?" stattgefunden hat, wurden einige grundsätzliche Aspekte der Früherkennung dieser Krankheit sowie der medizinischen Versorgung und der psycho-sozialen Pflege von Menschen mit Demenzerkrankungen diskutiert.

Unter den Oberbegriff "Demenz" fallen verschiedene Krankheitsbilder. Die am häufigsten vorkommende Demenz ist die Alzheimer-Erkrankung. Etwa zwei Drittel aller demenziellen Erkrankungen gehören dem Alzheimer-Typ an, 10 bis 20 Prozent sind durch Durchblutungsstörungen des Gehirns verursacht und werden als "vaskuläre Demenzen" bezeichnet. Darüber hinaus gibt es noch Mischformen beider Erkrankungen und weitere Formen wie z.B. die Parkinson-Demenz. Man kann verschiedene Schweregrade unterscheiden: Eine leichte Demenz bezieht sich auf das Vorliegen von kognitiven Störungen, die die Bewältigung schwieriger Aufgaben einschränken, jedoch die selbstständige Bewältigung des Alltags noch erlauben. Von einer mittelschweren spricht man, wenn fremde Hilfe zur Bewältigung des Alltags erforderlich ist, wobei einige Fähigkeiten noch erhalten sind. Bei einer schweren Demenz ist eine dauerhafte Versorgung und Hilfe auch bei einfachsten alltäglichen Anforderungen notwendig. Neben der Gedächtnisstörung treten oft weitere, begleitende Symptome wie Apathie, Depression, Agitiertheit, Ängstlichkeit, Schlafstörungen und wahnhaftes Denken auf, die die Lebensqualität nachhaltig einschränken und damit einer angemessenen psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung bedürfen. Zu Beginn einer Erkrankung können die Auffälligkeiten so geringfügig sein, dass diese übersehen werden. Für die Diagnose einer Demenz muss neben dem Nachweis einer Abnahme kognitiver Fähigkeiten auch eine erhebliche Beeinträchtigung der Aktivitäten im täglichen Leben, etwa Ankleiden, Essen und persönliche Hygiene, vorliegen. Gerade die Beeinträchtigungen der alltagspraktischen Fähigkeiten bestimmen den Betreuungs- und Pflegeaufwand.

Demenzen sind chronische, fortschreitende Erkrankungen, deren Therapie ein interdisziplinäres Team untereinander erfordert. Das wichtigste Ziel des Behandlungskonzepts ist es, so lange wie möglich die Funktionalität der Betroffenen zu erhalten, damit diese solange wie möglich weitgehend selbstständig ihr Leben gestalten können. Aus der Forschungsarbeit weiß man, dass die Veränderung der Gehirnsubstanz mit Eiweißablagerungen, die so genannten amyloid-haltigen Plaques, die zu weiteren Schädigungen der Nervenzellen und ihrer Verbindungen führen, bereits Jahrzehnte vor den damit verbundenen Symptomen beginnen. Biochemisch führt die Schädigung der Nervenzellen zum Verlust des Neurotransmitters Acetylcholin. Klinisch zeigt sich dies u.a. in der Abnahme der kognitiven Fähigkeiten und der Kompetenz alltägliche Aufgaben selbstständig zu erledigen. Da eine Heilung dieser Krankheit noch nicht möglich ist, konzentriert man sich in der Therapie darauf, das Fortschreiten der Erkrankung hinauszuzögern und deren Auswirkungen zu mildern. Die Behandlungsleitlinie der DGPPN bezeichnet daher die Therapie mit Acetylcholinesterase-Hemmern als Mittel der ersten Wahl. Denn durch die Hemmung der Acatylcholinesterase wird der Abbau von Acetylcholin gehemmt und die Konzentration an den prä- und postsynaptischen Rezeptoren erhöht. So können die kognitiven Fähigkeiten länger erhalten bleiben.

Die Mehrheit der Menschen mit Demenzen leben derzeit noch in privaten Haushalten. Dort werden sie zumeist von weiblichen Familienangehörigen betreut. Diese leisten durchschnittlich sechs bis zehn Stunden am Tag unbezahlte Betreuungsarbeit. Die Pflege von Demenzerkrankten kann die Pflegenden sowohl physisch als auch psychisch stark belasten. In der Folge kommt es mitunter zu Erkrankungen des Bewegungsapparats, psychosomatischen Störungen, depressiven Verstimmungen, oder einer Einnahme von Psychopharmaka, vor allem Beruhigungsmitteln, um den stark belastenden Eindrücken und Erlebnissen besser begegnen zu können. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund weist die DGPPN mit Nachdruck darauf hin, dass die psychische Gesundheit der Angehörigen immer auch Teil der Behandlung der Demenz sein sollte. Auch wenn in diesem Zusammenhang Selbsthilfegruppen wie etwa jene der Deutschen Alzheimer Gesellschaft eine herausragende Rolle spielen, wird diesem Aspekt in unserem Gesellschafts- und Gesundheitssystem immer noch zu wenig Bedeutung zuerkannt. Weiterhin erinnert die DGPPN daran, dass eine Pflege, die sich an den emotionalen Bedürfnissen der Demenzerkrankten orientiert, nachweislich einen positiven Effekt auf deren Lebenssituation hat. Es gilt daher als Aufgabe für unsere Versorgungs- und Pflegesysteme, die Wertorientierung an einer personenzentrierten Pflege im Sinne einer "positiven Personenarbeit" fest zu etablieren und im Interesse aller Betroffenen, also Pflegende und Erkrankte, weiter zu entwickeln.

Nach Auffassung der DGPPN wird dies nur dann gelingen, wenn im Gesundheits- und Sozialsystem der Bundesrepublik sowohl die Stellung der Nutzer nachhaltig gestärkt als auch die Segmentierung der Versorgungs- und Betreuungsangebote aufgehoben wird. Nach wie vor werden diese Angebote, bedingt durch die zunehmende Ökonomisierung aller Lebensbereiche in unserer Gesellschaft, zuerst von den betriebswirtschaftlichen Interessen der Einrichtungsträger bestimmt und nicht von den Bedürfnissen der Erkrankten bzw. der Pflegenden. Nach Auffassung der DGPPN sollte die Politik daher die Rahmenbedingungen und ökonomischen Anreize so gestalten, dass die Berücksichtigung der Nutzer-Bedürfnisse sich für die betriebswirtschaftlich handelnden Leistungserbringer lohnt, und die Sozialversicherung langfristig finanzierbar bleibt.

Weitere Infos zum Hauptstadtsymposium:
http://www.dgppn.de/de_demenz2008_185.html
sowie zur Behandlungsleitlinie Demenz der DGPPN unter: http://www.dgppn.de/de_kurzversion-leitlinien_30.html

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)  

Heilsames Pizzagewürz: Oregano wirkt gegen Entzündungen

Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
 
Oregano gibt nicht nur der Pizza ihren typischen Geschmack. Das Gewürz enthält auch eine Substanz, die unter anderem gegen Entzündungen zu helfen scheint. Das haben Forscher der Universität Bonn und der ETH Zürich herausgefunden. Sie verabreichten den Wirkstoff namens Beta-Caryophyllen (E-BCP) Mäusen, die eine entzündete Pfote hatten. In sieben von zehn Fällen besserten sich daraufhin die Symptome. Möglicherweise lässt sich E-BCB auch gegen Erkrankungen wie Osteoporose oder Arterienverkalkung einsetzen. Die Studie erscheint am Montag, 23. Juni, in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS).
E-BCP ist ein typischer Inhaltsstoff vieler Gewürz- und Nahrungspflanzen. So kommt die Substanz unter anderem auch in Basilikum, Rosmarin, Zimt und schwarzem Pfeffer vor. Mit unserer Nahrung nehmen wir täglich bis zu 200 Milligramm des ringförmigen Moleküls auf.

Unbekannt war bislang, dass es im Körper segensreiche Wirkungen entfalten kann: "Nach unseren Ergebnissen ist E-BCP entzündungshemmend", erklärt Professor Dr. Andreas Zimmer vom Bonner Life&Brain-Zentrum. "Aber nicht nur das: Experimente an Mäusen haben gezeigt, dass die Substanz sogar bei Osteoporose wirksam ist."

Beta-Caryophyllen dockt spezifisch an bestimmte Empfänger-Strukturen in der Zellmembran an, die so genannten Cannabinoid-CB2-Rezeptoren. Dadurch verändert sich das Verhalten der Zelle: Sie schüttet dann beispielsweise weniger entzündungsfördernde Signalstoffe aus. "Wir haben Mäuse, die unter einer entzündlichen Schwellung der Pfote litten, mit E-BCP behandelt", erläutert Dr. Jürg Gertsch von der ETH Zürich. "In bis zu 70 Prozent der Fälle klang die Schwellung daraufhin ab."

Pizza macht nicht high

Damit könnte E-BCP als Ausgangspunkt für neue Medikamente in Frage kommen. Besonders attraktiv für Pharmaforscher ist dabei, dass die Substanz in der Natur so häufig vorkommt. Dazu gesellt sich aber noch ein zweiter Vorteil: Beta-Caryophyllen hat im Gegensatz zu anderen Substanzen, die auf den CB2-Rezeptor wirken, keine berauschende Wirkung.

Der CB2-Rezeptor hat nämlich einen "Bruder" namens CB1, der vor allem Drogenforschern ein Begriff ist. CB1 kommt unter anderem in den Nervenzellen des Gehirns vor. An ihn können beispielsweise bestimmte Inhaltstoffe der Hanfpflanze andocken. Was dann passiert, wissen Marihuana-Konsumenten allzu genau.

CB1 und CB2 sind zwar keine Zwillinge, aber doch sehr eng verwandt. Substanzen, die CB2 stimulieren, wirken daher oft auch berauschend. Anders E-BCP: Es ist der erste bekannte natürliche Wirkstoff, der spezifisch an CB2 bindet und nicht an CB1 - deshalb macht Pizza auch nicht high.

Beide Rezeptoren sind Teil des so genannten Endocannabinoid-Systems. Forscher schreiben ihm mehr und mehr eine wichtige Rolle bei verschiedenen Erkrankungen zu: Läuft es aus dem Ruder, können vermutlich Herzkrankheiten, Allergien, chronische Schmerzen oder auch Gedächtnisstörungen die Folge sein. "Endocannabinoide sind Substanzen, die der Körper selbst bildet und die ihn im Gleichgewicht halten", erklärt Zimmer. So wirken sie bei einer Entzündung wie ein Tritt auf die Bremse: Sie verhindern, dass das Immunsystem zu viel des Guten tut und Abwehrreaktion außer Kontrolle gerät.

Auch chronische Störungen wie Morbus Crohn - eine Entzündung des Darmtrakts - lassen sich vielleicht mit E-BCP in den Griff bekommen. "Die Verbindung könnte ein wichtiger Faktor in der Ernährung sein, um derartige Zivilisationskrankungen zu bremsen", vermutet Dr. Jürg Gertsch. Wer künftig alle Speisen mit Oregano würzt, lebt damit aber trotzdem nicht unbedingt gesünder. "Das Endocannabinoidsystem kommt dann zum Zuge, wenn bei Stoffwechselprozessen das Gleichgewicht gestört ist", sagt Professor Zimmer. "Es ist ähnlich wie mit Antidepressiva: Die helfen zwar bei Depressionen. Ein Gesunder bekommt durch sie aber keine bessere Laune."

Kontakt:
Dr. Jürg Gertsch
Pharmazeutisches Institut
Eidgenössisch-Technische Hochschule Zürich
Telefon: 0041 (0)44/633-7374
E-Mail: juerg.gertsch@pharma.ethz.ch

Professor Dr. Andreas Zimmer
Institut für Molekulare Psychiatrie des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/688-5300
E-Mail: neuro@uni-bonn.de

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news266844

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)   

Älteste Methannutzung im Meer nachgewiesen

Yamin Khalil, Pressestelle
MARUM - Zentrum für Marine Umweltwissenschaften an der Universität Bremen

MARUM-Meeresgeologen werden an Land fündig

In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Geology" weisen Wissenschaftler des MARUM an Hand molekularer Fossilien nach, das Mikroorganismen bereits vor 300 Millionen Jahren Methanaustritte am Meeresboden für ihren Stoffwechsel nutzten - 140 Millionen Jahre früher als bislang nachgewiesen. An Hand von Gesteinsproben aus Namibia legen sie damit den bislang ältesten Beleg dieses für Kohlenstoffkreislauf und Klima bedeutsamen Prozesses vor.
In den vergangenen Jahren haben Meeresgeologen weltweit große Anstrengungen unternommen, um Methanaustritte am Meeresboden unter biologischen, chemischen und geologischen Aspekten zu erforschen. So nutzen im Ozeangrund lebende einzellige Archaeen gemeinschaftlich mit Bakterien das aus dem Meeresboden aufsteigende Treibhausgas Methan für ihren Stoffwechsel. Damit schaffen die Mikroorganismen nicht nur die Grundlage des Nahrungsnetzes an den Methanquellen im Meer. Vielmehr läuft dort ein komplexer biogeochemischer Prozess ab, durch den die Einzeller letztendlich den Kohlenstoffkreislauf und damit die Klimaentwicklung beeinflussen - und das seit Jahrmillionen.

Eine Gruppe um den Bremer Geowissenschaftler Dr. Daniel Birgel erbrachte jetzt den bislang ältesten Nachweis für die mikrobielle Umsetzung von Methan am Meeresboden. Ungewöhnlicherweise wurden die Meeresforscher an Land fündig. 350 Kilometer südlich der namibischen Hauptstadt Windhoek untersuchten sie im ausgetrockneten Bett des Fischflusses Aufschlüsse in 302 Millionen Jahre altem Schiefergestein. "In der einige Meter hohen Steilwand des Flussufers treten mehrere, bis zu zwei Meter hohe Kalksteinknollen hervor", berichtet MARUM-Forscher Daniel Birgel. "Das Kalkgestein entstand einst als Abfallprodukt der mikrobiellen Methannutzung im Meeresboden. Es wurde ausgefällt und im Meeresboden abgelagert."

Für Birgel und seine Kollegen entscheidend: Im Kalkstein sind molekulare Fossilien, so genannte Biomarker konserviert, die von den ehemals lebenden Mikroorganismen zeugen. Biomarker sind Kohlenwasserstoffverbindungen, die Rückschlüsse auf den biologischen Ursprung des Gesteins erlauben. Durch aufwendige Analysen der molekularen Fossilien konnte Daniel Birgel nachweisen, dass im vorzeitlichen Ozean tatsächlich mikrobielle Methannutzung stattfand. Der Geowissenschaftler lieferte damit den bislang ältesten Nachweis für diesen so wichtigen Prozess am Meeresgrund.

Dass Birgel und seine Kollegen dabei an Land fündig wurden, ist kein Zufall: Vor 300 Millionen Jahren, im Zeitalter des Karbon, war das heutige südliche Afrika noch mit der Antarktis verbunden und befand sich in polaren Breiten. Während das Hinterland großflächig vergletschert war, verlief die Meeresküste quer durch das heutige Namibia. Das Gebiet des Fischflusses bildet damals den Grund einer etwa 600 Meter tiefen und sehr nährstoffreichen Meeresbucht.

Die Untersuchungen der Bremer Forscher erscheinen in der Juli-Ausgabe der Fachzeitschrift "Geology" (Seiten 543-546).

Weitere Informationen:
Yasmin Khalil
MARUM-Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 0421 - 218-65541
Email: ykhalil@marum.de
http://www.marum.de

Dr. Daniel Birgel
AG Geobiologie
Tel. 0421 - 218-65704
Email: dbirgel@uni-bremen.de
www.marum.de/Biogeochemische_Prozesse.html

Das MARUM entschlüsselt mit modernsten Methoden
und eingebunden in internationale Projekte
die Rolle des Ozeans im System Erde -
insbesondere im Hinblick auf den globalen Wandel.
Es erfasst die Wechselwirkungen
zwischen geologischen und biologischen Prozessen im Meer
und liefert Beiträge für eine nachhaltige Nutzung der Ozeane.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)  

Spritz sparen und mobil sein - trotz hoher Benzin- und Dieselpreise

Neun Tipps vom Umweltbundesamt
Die Benzin- und Dieselpreise erreichen in Deutschland mit Sommerbeginn ein neues Rekordniveau. Der Ärger vieler Menschen über die gestiegenen Ölpreise auf dem Weltmarkt ist berechtigt. Ein Rückgang der Spritpreise ist angesichts steigender Nachfrage und knapp bleibenden Angebots bei weltweit begrenzten Ölreserven nicht zu erwarten. „Klagen alleine hilft nicht. Jede und jeder kann seinen Spritverbrauch gezielt beeinflussen und senken. Fahren Sie mit dem femininen Gasfuß: niedertourig, vorausschauend und ohne stark zu beschleunigen. Das entlastet das Klima und den Geldbeutel", sagt der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Prof. Dr. Andreas Troge. Eine neue UBA-Broschüre liefert praktische Tipps, wie jede und jeder Einzelne trotz gestiegener Preise Geld sparen und mobil bleiben kann.

Der Verkehr trägt erheblich zum Treibhauseffekt bei - in Deutschland verursacht er etwa 19 Prozent der Kohlendioxid-Emissionen. Das sind knapp 170 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) pro Jahr, mehr als die Hälfte davon emittieren Pkw. Der Verkehr leistet - im Gegensatz zur Industrie, dem Handel und den privaten Haushalten - bisher kaum einen eigenen Beitrag zum Klimaschutz in Deutschland. Denn obwohl eine Abnahme des Kraftstoffverbrauchs bei einzelnen Automodellen erkennbar ist, wird ein Teil dieses Erfolges infolge des Trends zu immer größeren und schwereren Autos und des Verkehrswachstums wieder kompensiert. „Die Industrie baut immer effizientere Motoren, die weniger verbrauchen könnten - leider kommt dieser Fortschritt viel zu selten beim Kunden an, da viele Autos immer schwerer und leistungsstärker wurden", so Troge.

Der UBA-Präsident kommentiert: „Viele Autofahrerinnen und Autofahrer klagen über hohe Spritpreise, reagieren bisher aber nur verhalten auf die hohen Preise, obwohl es sich für sie finanziell lohnen würde". In diesem Jahr nahm der Diesel-Absatz in Deutschland - verglichen mit dem Zeitraum Januar bis Mai 2007 - sogar um fast fünf Prozent zu, während der Benzin-Absatz im selben Zeitraum um 3,7 Prozent sank.

Wirksamer Klimaschutz ist nur mit einer umfassenden Verringerung des Kraftstoffverbrauchs zu erzielen: sparsamere und kleinere Autos, öfter den öffentlichen Personenverkehr nutzen, mit dem Fahrrad fahren oder zu Fuß gehen, diese Maßnahmen helfen weiter. „Mit einer klimafreundlichen Mobilität lässt sich bares Geld sparen. Wer mit Bus oder Bahn zur Arbeit fährt, der zahlt in der Regel ein Drittel weniger als mit dem eigenen Auto", so Troge.

Auch mit der richtigen - energiesparenden - Nutzung des Autos lässt sich viel für die Umwelt, den Klimaschutz und die Haushaltskasse tun. Doch sparsam fahren will gelernt sein: Autofahrerinnen und Autofahrer wissen über den realen Kraftstoffverbrauch ihres Pkw und die Abhängigkeit vom eigenen Fahrverhalten oft zu wenig. Troge: „Viele Autofahrer glauben, sie würden schon heute optimal fahren. Umso überraschter sind sie, nachdem sie an einem Training für einen Sprit sparenden Fahrstil teilnahmen." Hier neun goldene Regeln für alle, die gleich mit dem Spritsparen anfangen wollen:

1. Fahren Sie niedertourig, vorausschauend und gleichmäßig: Vermeiden Sie schnelles Beschleunigen und hastiges Bremsen. Bei den meisten Autos können Sie problemlos ab 30 Kilometer pro Stunde (km/h) in den dritten Gang schalten, bei 40 in den vierten einlegen und ab 50 im fünften Gang dahinrollen - und so viel Sprit sparen, weil sie mit niedriger Drehzahl fahren. Bei Geschwindigkeiten über 100 km/h steigt der Spritverbrauch stark an.

2. Verwenden Sie Leichtlauföle und Leichtlaufreifen: Die ersten mindern den Widerstand im Motor, die zweiten senken den Rollwiderstand. Fragen Sie Ihre Werkstatt oder Tankstelle beim nächsten Besuch danach.

3. Überprüfen Sie regelmäßig den Reifendruck: Ein um 0,5 Bar zu niedriger Reifendruck erhöht den Spritdurst um rund fünf Prozent.

4. Schalten Sie bei Stopps - etwa an der Ampel oder im Stau - den Motor ab: Schon nach 30 Sekunden im Leerlauf produziert ein Motor mehr Kohlendioxid als bei einem Neustart.

5. Verwenden Sie Klimaanlage und Heckscheibenheizung seltener: Eine Klimaanlage kann den Kraftstoffverbrauch im Stadtverkehr um etwa 10 bis 30 Prozent erhöhen. Schon bei einem Kleinwagen sind das schnell bis zu zwei Liter pro 100 km mehr. Eine beheizte Heckscheibe erhöht den Verbrauch zwischen vier bis sieben Prozent. Lüften Sie im Sommer das Auto für wenige Minuten, bevor Sie losfahren - erst dann sollten Sie die Klimaanlage einschalten. Schalten Sie die Klimaanlage schon vor Ende der Fahrt aus - das spart Sprit und beugt Erkältungen vor.

6. Entfernen Sie nicht genutzte Dachgepäckträger und andere Aufbauten. Denn: Je schwerer das Auto und je höher der Luftwiderstand sind desto höher der Verbrauch.

7. Vermeiden Sie kurze Fahrten mit kaltem Motor, denn ein Mittelklassewagen braucht direkt nach dem Start durchschnittlich 30 Liter auf 100 km. Erst, wenn der Motor seine Betriebs-temperatur erreicht hat, stellt sich der normale Verbrauch ein.

8. Achten Sie beim Autokauf auf sparsame Modelle. Fragen Sie Hersteller und Händler nach dem Verbrauch und informieren Sie sich bei unabhängigen Stellen.

9. Nehmen Sie das Fahrrad oder gehen Sie kurze Strecken zu Fuß. Nutzen Sie für längere Strecken die kostengünstigen und umweltfreundlichen Varianten - Bus und Bahn, Car-Sharing, privates Autoteilen und Fahrgemeinschaften.

Die Broschüre „Sprit-Sparen und mobil sein" finden Sie unter: http://www.umweltbundesamt.de/verkehr/mobil/downloads/sprit_sparen.pdf

(Quelle: Umweltbundesamt)

(nach oben) 

Lebenserwartung von Ruheständlern differiert je nach wirtschaftlicher Lage um bis zu fünf Jahre - Analyse in der aktuellen Ausgabe der WSI Mitteilungen

Rainer Jung, Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Männer, die ein höheres Lebenseinkommen hatten und daher höhere Bezüge aus der Altersversorgung erhalten, leben durchschnittlich deutlich länger als Männer mit einem niedrigeren Lebenseinkommen. Je nach wirtschaftlicher und sozialer Lage differiert die weitere oder, so der Fachbegriff, fernere Lebenserwartung von 65-jährigen Männern um bis zu fünf Jahre. Soziale Unterschiede bei der Lebenserwartung sind sowohl unter Rentnern als auch unter Pensionären zu beobachten. Betrachtet man den Durchschnitt dieser beiden Gruppen, leben pensionierte Beamte zwei Jahre länger als Rentner. Zugleich ist innerhalb der Gruppe der pensionierten Beamten die Spreizung bei der Lebenserwartung größer als in der Gruppe der Rentner. Zu diesen Ergebnissen kommen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungsdatenzentrums der Rentenversicherung (FDZ-RV) in Berlin und des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels.

Die "sozialen Unterschiede bei der Lebenserwartung", so die Wissenschaftler, haben sich in den vergangenen Jahren trotz insgesamt steigender Lebenserwartung nicht verkleinert. Künftig dürften sie durch hohe Arbeitslosigkeit und Einschränkungen bei der gesetzlichen Alterssicherung und im Gesundheitswesen sogar eher größer werden. In Deutschland gebe es bislang keine "umfassende politische Strategie", um dem Problem zu begegnen, dass Menschen in schlechteren sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen im Verhältnis früher sterben, schreiben die Forscher in der aktuellen Ausgabe der WSI Mitteilungen.

Dr. Ralf K. Himmelreicher, Daniela Sewöster, Dr. Rembrandt Scholz und Anne Schulz untersuchten erstmals auf sehr breiter Datenbasis die fernere Lebenserwartung von Rentnern und von Pensionären. Die verwendeten anonymisierten Datensätze der Deutschen Rentenversicherung und des Statistischen Bundesamtes machen es möglich, die Dauer des Transferbezuges und die Höhe des Lebenseinkommens beziehungsweise die beamtenrechtliche Laufbahngruppe miteinander in Verbindung zu setzen. Für ihre Analyse teilten die Autoren die Rentner nach der Einkommenshöhe gestaffelt in gleich große Gruppen und stellten sie den vier Laufbahngruppen der pensionierten Beamten gegenüber. Die Wissenschaftler beschränkten ihre Untersuchung auf Männer. Für ältere Frauen seien die Renten- und Pensionsdaten im Hinblick auf ihre Sterblichkeiten nicht aussagekräftig genug, weil vor allem in den alten Bundesländern nur ein Teil von ihnen langjährig erwerbstätig war.

65-jährige Rentner leben nach der Analyse im Durchschnitt weitere 15,8 Jahre. Je nach finanzieller Stellung im Berufsleben unterscheidet sich die fernere Lebenserwartung um knapp drei Jahre: Wohlhabende Rentner leben im Schnitt weitere 17,5 Jahre, schlechter gestellte 14,6 Jahre. Pensionäre haben mit 65 eine durchschnittliche fernere Lebenserwartung von 17,8 Jahren. Sie variiert zwischen 15,8 Jahren bei pensionierten Beamten im einfachen Dienst und 19,6 Jahren bei Beamten des höheren Dienstes. Abhängig von wirtschaftlicher und sozialer Position unterscheidet sich die durchschnittliche Lebenserwartung von Männern in Deutschland somit um bis zu fünf Jahre.

Die Forscher führen die soziale Ungleichheit bei der Lebenserwartung, die auch in anderen europäischen Ländern beobachtet wird, auf verschiedene Ursachen zurück. So arbeiteten Personen mit höherem Lebenseinkommen oder höherer Laufbahn eher in Berufen, die körperlich nicht so stark belasten. Sie haben auch seltener mit existenziellen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen, was sich wiederum positiv auf Lebenszufriedenheit und Gesundheitsbewusstsein auswirke. Beispielsweise setzten sich Menschen, "deren Lebensstandard dauerhaft gesichert ist, eher mit einer gesunden Lebensführung auseinander und nutzen (Weiter-) Bildungsangebote stärker als Personen, deren vordringlichstes Problem etwa drohende Arbeitslosigkeit oder die Zahlung der nächsten Miete ist", schreiben die Wissenschaftler in den WSI Mitteilungen. Zudem hätten besser gestellte Personen eher das notwendige Geld, um zusätzliche Gesundheits- und Altersvorsorgeprodukte zu finanzieren.

Diese positiven Einflüsse wirken sich nach Analyse der Forscher unter Beamten und Pensionären besonders stark aus. "Hohe Arbeitsplatz- und Einkommenssicherheit" ermöglichten einen "planbaren Lebensverlauf", der grundsätzlich gesundheitsförderlich wirke. Darüber hinaus sehen die Wissenschaftler aber noch zwei weitere Umstände, die zur insgesamt höheren Lebenserwartung von Staatsdienern beitragen: Die bei Beamten wie Pensionären verbreitete private Krankenversicherung verbessere die medizinische Versorgung. Auf der anderen Seite beeinflusse auch die obligatorische Gesundheitsprüfung vor der Übernahme ins Beamtenverhältnis die statistische Lebenserwartung: Über diese Hürde gelangen von vornherein nur tendenziell gesündere Bewerber in den Staatsdienst.

Dass die Spanne der Lebenserwartung zwischen pensionierten Beamten größer ausfällt als unter Rentern, hängt nach der Analyse mit der geringeren Durchlässigkeit zwischen den Laufbahngruppen zusammen, die zu ähnlichen Arbeitsbedingungen innerhalb der Laufbahngruppen führt. So sei eine akademische Ausbildung Voraussetzung für den Zugang zum höheren Dienst. Dagegen fänden sich unter gesetzlich Rentenversicherten mit relativ hohem Lebensarbeitseinkommen beispielsweise sowohl leitende Angestellte als auch Akkordarbeiter, die Jahre lang eine körperlich belastende Arbeit getan haben.

Im Zeitverlauf zeigt sich, dass die fernere Lebenserwartung in den letzten Jahren insgesamt gestiegen ist. Zwischen 1999 und 2003 nahm sie bei Rentnern um durchschnittlich drei und bei Pensionären um 2,5 Monate zu. Die Lücke zwischen den verschiedenen Einkommens- und Laufbahngruppen hat sich dabei aber nicht verkleinert. Die Wissenschaftler führen das auch darauf zurück, dass es in Deutschland zwar "Einzelmaßnahmen zur Verringerung der gesundheitlichen Ungleichheit" gebe, "konkrete Zielvorgaben oder eine umfassende politische Strategie" aber fehlten. Damit liege die Bundesrepublik im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern zurück.
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/320_91380.html - Die PM mit Ansprechpartnern
http://www.boeckler.de/pdf/wsimit_2008_05_himmelreicher.pdf - Der komplette Artikel in den WSI Mitteilungen
http://www.boeckler.de/32014_91290.html - Infografik zum Download im Böckler Impuls 10/2008

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben) 

In 40 Sekunden ohne Brille lesen

Dr. Annette Tuffs, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Heidelberg

Universitäts-Augenklinik Heidelberg behandelt erstmals in Deutschland Sehschwäche mit innovativem Femtosekunden-Laser / Studienteilnehmer mit Altersweitsichtigkeit gesucht
Keine Schnitte und rasch überstanden: Mit einem neuartigen Laser-Verfahren können geringe Sehschwächen schneller, schonender und unkomplizierter korrigiert werden als mit bisherigen Verfahren. Als erste Klinik in Deutschland bietet die Universitäts-Augenklinik Heidelberg ab Juli 2008 eine innovative Behandlung mit dem Femtosekunden-Laser kostenlos im Rahmen einer Studie an, die Veränderungen innerhalb der Hornhaut (intrastromal) setzt. Gesucht werden noch Teilnehmer mit Altersweitsichtigkeit von mindestens 2 Dioptrien.

"Das neue Laser-Verfahren ist besonders schonend", erklärt Professor Dr. Gerd Auffarth, Leitender Oberarzt der Universitäts-Augenklinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Hans Eberhard Völcker). Übliche Laser-Behandlungen greifen stärker am Auge an, da sie die Oberfläche der Hornhaut verändern. Der Femtosekunden-Laser wirkt dagegen direkt und präzise in den inneren Schichten in der nur knapp etwas mehr als einen halben Millimeter dicken Hornhaut. "Da es keine Wunde gibt, können Keime nicht in das Auge eindringen", so der renommierte Experte.

Minimale Verformungen der Hornhaut korrigieren Sehschwächen

Der Femtosekunden-Laser Strahl wird Mikrometer genau auf die mittleren Schichten der Hornhaut fokussiert und zeigt sehr schnell Wirkung: Der Laserpuls beschießt die Hornhaut rasend schnell im Bereich von wenigen hundert Femtosekunden,. "Die eigentliche Behandlung dauert daher nur ca. 40 Sekunden", sagt Privatdozent Dr. Mike Holzer, Oberarzt an der Universitäts-Augenklinik. In dieser kurzen Zeit verdampft der Laserimpuls kleinste Bereiche innerhalb der Hornhaut und die Oberfläche verformt sich geringfügig. "Wir prägen auf diese Weise feine Ringmuster in die Hornhaut und korrigieren damit die unterschiedlichen Sehschwächen", erklärt der Mediziner.

International wurden bereits mehr als 500 Personen erfolgreich mit dem innovativen Verfahren behandelt. Komplikationen traten nicht auf. "Wer sich behandeln lassen möchte, sollte abgesehen von der Sehschwäche gesunde Augen haben", so Dr. Holzer. Für Sehschwächen über 3 Dioptrien eignet sich das Verfahren noch nicht; hier bieten sich die etablierten Laser-Behandlungen LASIK und LASEK an.

Femtosekunden-Laser sind bereits seit mehreren Jahren in Deutschland als genaues und schonendes Laser-Skalpell für Eingriffe am Auge im Einsatz. Das Modell "Femtec" des Universitätsklinikums stammt von der Heidelberger Firma 20/10 Perfect Vision AG, einer von nur vier Herstellern weltweit.

Für die Studie werden ab Juli 2008 Personen mit Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) gesucht. Im weiteren Verlauf der Studie können auch Patienten mit Kurz-, Weit und Stabsichtigkeit (Astigmatismus) bis 3 Dioptrien teilnehmen. Für Studienteilnehmer ist die Behandlung und Voruntersuchung kostenlos.

Anmeldung und Informationen:
Interessierte können sich unter der Telefonnummer 06221 / 56 1364 informieren.

Achtung: Bitte nur unter dieser Nummer anrufen, sie ist auch außerhalb der Dienstzeiten mit einem Anrufbeantworter besetzt. Interessenten werden zurückgerufen.

Kontakt (für Presseanfragen):
Privatdozent Dr. Mike P. Holzer
Tel.: 06221 /56 69 99 oder 56 66 95
E-Mail: mike.holzer@med.uni-heidelberg.de

Information im Internet:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/augenklinik

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/augenklinik

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)

Was bringen Biokraftstoffe der 2. Generation?

Eberhard Scholz, Pressestelle
Universität Bremen

Das Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation ZARM an der Universität Bremen koordiniert internationale Projekte
Biokraftstoffe der so genannten 2. Generation werden aus unspezifischer Biomasse gewonnen. Diese Kraftstoffe sollen sowohl als Diesel als auch als Kerosin schon bald die entsprechenden Kraftstoffe fossiler Herkunft mehr und mehr ersetzen. In einem durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR-Bonn) geförderten Projekt wird das Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) zusammen mit dem Institut für Photonische Technologien (IPHT) aus Jena in den kommenden drei Jahren das Zündverhalten von GTL-(gas-to-liquid) Diesel untersuchen. Dabei werden auch Versuche im Fallturm der Universität Bremen durchgeführt. Aus dem experimentellen Vergleich von GTL-Kraftstoff mit fossilem Diesel und Bio-Diesel werden physikalisch ähnliche, aber chemisch wesentlich einfachere Modellkraftstoffe entwickelt, die eine Computersimulation der Zündung technischer Sprays überhaupt erst ermöglichen. Die hierzu benötigten numerischen Codes werden ebenfalls am ZARM entwickelt.

Gegenüber Bio-Diesel erbringen Biokraftstoffe der 2. Generation je Hektar Anbaufläche etwa die vierfache Menge an Brennstoff. Dieser wird durch Pyrolyse und anschließende Synthese aus Biomasse gewonnen. Das hierbei zur Anwendung kommende Verfahren ist die bereits in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts in Deutschland entwickelte Fischer-Tropsch Synthese. Da hierfür alle Pflanzen und Pflanzenbestandteile, landwirtschaftliche Abfälle und Holz als Eingangsstoff verwendet werden können, besteht bei den Biokraftstoffen der 2. Generation auf absehbare Zeit auch keine Konkurrenz zwischen Energie- und Nahrungsmittelproduktion.

In einem weiteren durch die Europäische Raumfahrtagentur ESA geförderten Projekt wird parallel GTL-Kerosin untersucht, mit fossilem Kerosin verglichen und auf gleichem Wege wie beim GTL-Diesel der Computersimulation zugänglich gemacht werden. Das Ziel dieser Forschung ist die Unterstützung von Technologie-Entwicklungen, die die Verbrennung der Kraftstoffe mit möglichst geringem Ausstoß an Schadstoffen wie Stickoxiden und Ruß ermöglichen. Partner des ESA-Projektes sind neben dem IPHT die TU-Darmstadt, die BTU-Cottbus, die TU-München, die Universität Orléans und die Firmen Shell, Rolls-Royce, Alstom, Renault, Volvo und AVL-List in Graz.

Weitere Informationen:

Universität Bremen
Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM)
Dipl.-Ing. Christian Eigenbrod
Tel.: 0421 218 4078
E-Mail: eigen@zarm.uni-bremen.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)

Rauchen verursachte Karl Marx' Eiterbeulen

Johannes Scholten, Pressestelle
Philipps-Universität Marburg

Karl Marx löste durch exzessives Rauchen sein schmerzhaftes Hautleiden aus. Das folgern Dermatologen der Philipps-Universität aus klinischen Studien und historischen Befunden. "Die Hautstörung des wohlbekannten Gründungsvaters der kommunistischen Doktrin kann als lehrreiches Beispiel für eine ernsthafte Folge des Rauchens dienen", schreiben die Marburger Medizinprofessoren Dr. Rudolf Happle und Dr. Arne König in der jüngsten Ausgabe der Fachzeitschrift "British Journal of Dermatology".
Marx litt jahrelang an Eiterbeulen und chronischen Fisteln in den Achselhöhlen und Leistenbeugen sowie um den After herum. Im vergangenen Jahr hat der britische Dermatologe Sam Shuster die Krankheit identifiziert: Er konnte schlüssig nachweisen, dass es sich dabei um Hidradenitis suppurativa handelte - eine sehr schwere, chronische Hautstörung, die auch psychische Beeinträchtigungen nach sich ziehen kann.

Als Ursache dieses Leidens wussten die Lehrbücher bislang nichts Genaues anzugeben. In ihrem Zeitschriftenbeitrag berichten Happle und König jetzt, dass sie einen wesentlichen Grund für Marx' rätselhafte Krankheit ausgemacht haben: In einer von ihnen untersuchten Patientengruppe waren Raucher mit 89 Prozent im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, in der sich 46 Prozent Raucher fanden, weit überrepräsentiert. Aus diesem Resultat sowie aus einer früheren Studie mit ähnlichem Ergebnis schließen die Marburger Hautärzte, dass Rauchen höchstwahrscheinlich eine wesentliche Ursache für Hidradenitis suppurativa darstellt. "Als weiterer Faktor muss aber eine erbliche Veranlagung hinzukommen", so die Autoren.

Marx fiel seit seiner Studentenzeit als extrem süchtiger Zigarrenraucher auf, wie etwa sein Gefolgsmann und Biograph Franz Mehring berichtete. Happle und König zufolge kann der Namenspatron des Marxismus somit in Zukunft als prominentes Beispiel für den Kausalzusammenhang zwischen Rauchen und Hidradenitis suppurativa dienen. Manchen Experten reichen die bereits vorliegenden Befunde hierfür zwar noch nicht aus; aber "die Datenlage ist schon jetzt recht solide", bekräftigt Happle: "Aus ärztlicher Sicht ist es nicht mehr vertretbar, den Zusammenhang zu ignorieren."

Originalveröffentlichung: R. Happle & A. König: A lesson to be learned from Karl Marx: smoking triggers hidradenitis suppurativa. British Journal of Dermatology 1/159 (Juli 2008) pp. 255-256

Weitere Informationen:
Ansprechpartner: Professor Dr. Rudolf Happle,
Klinik für Dermatologie und Allergologie
Tel.: 06421 58-62908
E-Mail: Happle@med.uni-marburg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)  

BMU-Anhörung zum Umweltgesetzbuch: Experten schlagen Alarm

Christiane Rathmann, Öffentlichkeit und Kommunikation
Öko-Institut e. V. - Institut für angewandte Ökologie

Das Umweltrecht soll neu und einheitlich geregelt werden: Industrieverbände
nutzen dies für Angriff auf bestehende Umweltstandards - Rechtsexperten von
Öko-Institut, Deutscher Umwelthilfe und Unabhängigem Institut für
Umweltfragen sehen zukunftsfähige Umweltpolitik gefährdet - Auch
Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) besorgt

Berlin, 19. Juni 2008: Industrie und Agrarlobby sehen das derzeit zwischen
Bund und Ländern beratene einheitliche Umweltgesetzbuch (UGB) vor allem als
Möglichkeit, etablierte Umweltstandards auszuhebeln. Dieses ernüchternde
Fazit ziehen das Öko-Institut, die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und das
Unabhängige Institut für Umweltfragen (UfU) nach einer dreitätigen Anhörung
zum UGB-Entwurf im Bundesumweltministerium, die heute zu Ende ging. In der
kommenden Woche werden die Bundesländer gehört. Besonders besorgt zeigen
sich die drei Organisationen, die den Gesetzgebungsprozess des wichtigsten
umweltrechtlichen Vorhabens der letzten Jahrzehnte von Beginn an fachlich
begleitet haben, weil sich der "Versuch eines umweltpolitischen Rollbacks"
seit Monaten weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit vollzieht.

"Wir haben immer darauf hingewiesen, dass die im Grundsatz überfällige
Vereinheitlichung des deutschen Umweltrechts nur erfolgreich sein kann, wenn
sie unser Land auf die ökologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen
der Zukunft vorbereitet. Dafür müsste das bestehende Umweltrecht dringend
weiterentwickelt werden. Nun erzwingen Industrie, Landwirtschaftslobby und
ihre Fürsprecher in der Politik einen harten Abwehrkampf. Das steht im
Widerspruch zur weit verbreiteten Rhetorik und PR um Nachhaltigkeit und
Corporate Social Responsibility und den ernsthaften Bemühungen einiger
Unternehmen, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Wenn es aber um die harten
Fakten geht, also um die verbindlichen Regeln, nach denen in den nächsten
Jahrzehnten in Deutschland darüber entschieden wird, welche Anforderungen
Industrie und Landwirtschaft zum Schutz von Umwelt, Klima und Biodiversität
einhalten müssen, fallen die Lobbyverbände zurück in alte Muster.
Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit werden als Gegensätze zugespitzt,
jegliche Innovation wird abgelehnt. Das Exportland Deutschland wird nur dann
erfolgreich sein, wenn es ökologisch gegenüber anderen Nationen nicht
zurückfällt", erklärte Regine Barth, die Koordinatorin Umweltrecht &
Governance des Öko-Instituts.

Es werden Regelungen verlangt, die die Möglichkeiten des Staates bei der
Genehmigung von Industrieanlagen auf mögliche neue Erkenntnisse und
ökologische Herausforderungen zu reagieren, weiter einschränken würden. Das
Gegenteil wäre notwendig. Die Grundprinzipien des deutschen
Genehmigungsrechts sind Jahrzehnte alt. Eine entscheidende Schwäche ist zum
Beispiel, dass selbst bei langfristig genutzten umweltbelastenden
technischen Anlagen wenige Spielräume für spätere entschädigungsfreie
Nachrüstungsanforderungen bestehen. Notwendig wäre eine neue Balance. Auf
der einen Seite wiegen sachgerechte Umweltstandards, die sicherstellen
müssen, dass die aktuellen umweltpolitischen Ziele der Bundesrepublik
erreichbar werden und der Staat seine unabdingbaren mittelfristigen
Handlungsspielräume erhält. Auf der anderen Seite wiegen die Anliegen
Investitionssicherheit, Bestandsschutz und Entbürokratisierung. Stattdessen
wurde vorgeschlagen, bewährte Umweltstandards zurückzudrehen. Zum Beispiel
bei der Benutzung von Gewässern. Aktuell haben Behörden die Möglichkeit,
deren Benutzung nur für den Zeitraum einer Generation zu erlauben. Geht es
nach den Wünschen der Industrie, soll diese gestrichen oder erheblich
erschwert werden.

"Bedauerlich ist, dass versucht wird, die vorherige Information und
Beteiligung von Nachbarn und Öffentlichkeit in einer Reihe von
konfliktträchtigen Vorhabensarten zu streichen. Eine moderne Verwaltung
sieht anders aus. Sie setzt auf Transparenz und Interessensausgleich. Viele
Konflikte - gerade in kleineren Verfahren - können durch die Beteiligung der
Öffentlichkeit frühzeitig gelöst werden und brauchen nicht vor Gericht
getragen zu werden. Selbst wenn sich die Ressorts der Bundesregierung
verständigen sollten, müssen wir fürchten, dass über den Bundesrat oder die
Unionsfraktion später verbliebene Pluspunkte aus dem Entwurf des
Bundesumweltministeriums gestrichen werden", sagt Michael Zschiesche, der
Geschäftsführer des UfU.

Mit Horrorszenarien über künftige Zumutungen bei Genehmigungsverfahren
hätten die Industrieverbände während der Anhörung massiv versucht,
insbesondere den Mittelstand gegen die Vereinheitlichung des deutschen
Umweltrechts in Stellung zu bringen, sagte Cornelia Nicklas, die Leiterin
Recht der Deutschen Umwelthilfe. "Wir sind erschüttert, dass die Wirtschaft
hinter jeder Ecke Investitionshemmnisse, Wettbewerbsnachteile und
Rechtsunsicherheit vermuten will. In den Industrieverbänden und beim
Deutschen Bauernverband dominiert immer noch die altertümliche Vorstellung
eines Fundamentalkonflikts zwischen Ökonomie und Ökologie. Wir erleben einen
Frontalangriff auf den Rechtsschutz für Natur und Umwelt." Nach Überzeugung
von DUH, Öko-Institut und Ufu sprechen die bei der Anhörung auftretenden
Verbandsvertreter bei weitem nicht für die gesamte deutsche Wirtschaft oder
alle Landwirte. Viele seien weiter und hätten längst verstanden, dass "die
deutsche Volkswirtschaft nur dann florieren wird, wenn wir Ökonomie und
Ökologie in Einklang miteinander bringen", sagte Nicklas.

Ein zentraler Streitpunkt innerhalb der Bundesregierung und zwischen Bund
und Ländern betrifft die so genannte Eingriffsregelung, also die Frage, ob
künftig Belastungen des Naturhaushalts einfach durch Geldzahlungen
ausgeglichen werden können, statt wie bisher durch eine entsprechende
Entlastung an anderer Stelle. Über diese Änderung, die nach Überzeugung von
Öko-Institut, DUH und UfU den Kernpunkt des Naturschutzrechts auf den Kopf
stellen würde, gibt es innerhalb der Bundesregierung und zwischen Bund und
Ländern Streit. Anlässlich der Vorstellung des Umweltgutachtens des
Sachverständigenrats für Umweltfragen der Bundesregierung (SRU) hatte sich
am Mittwoch auch dessen Vorsitzender Hans-Joachim Koch besorgt über eine
mögliche Änderung gezeigt. Die so genannte "Naturalkompensation" sei für
einen ernsthaften und nachhaltigen Naturschutz unverzichtbar, sagte Koch

Eine Stellungnahme von Öko-Institut, Deutscher Umwelthilfe und unabhängigem
Institut für Umweltfragen zum UGB-Entwurf des Bundesumweltministeriums
finden Sie online unter http://www.umweltgesetzbuch.org

AnsprechpartnerInnen:

Öko-Institut e.V. - Büro Darmstadt
Regine Barth
Koordinatorin des Forschungsbereichs Umweltrecht & Governance
Rheinstraße 95
64295 Darmstadt
Telefon: +49 (0)6151-81 91-30
Fax: +49 (0)6151-81 91-33
E-Mail: r.barth@oeko.de

Deutsche Umwelthilfe | Büro Berlin
Leiterin Recht
Dr. Cornelia Nicklas
Hackescher Markt 4 /
Neue Promenade 3 (Eingang)
10178 Berlin
Telefon: +49-(0)30 - 24 00 867-18
Fax: +49 (0)30 - 24 00 867-19
E-Mail: nicklas@duh.de

Unabhängiges Institut für (UFU)Umweltfragen e.V. - UfU
Fachgebiet Umweltrecht & Bürgerbeteiligung
Michael Zschiesche
Geschäftsführer
Greifswalder Str. 4
10405 Berlin
Telefon: +49 (0)30 - 42 84 99 3-31
Fax: +49 (0)30 - 42 80 04-85
E-Mail: recht@ufu.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben) 

Anonyme Umfrage zu "Homosexualität im Fußball"

Meike Mossig, Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Justus-Liebig-Universität Gießen

Wissenschaftler wollen Licht in bislang stark tabuisiertes Thema bringen - Onlinebefragung gewährt durch spezielle Fragetechnik hohe Vertraulichkeit
Während in anderen gesellschaftlichen Bereichen (Politik, Kultur) gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften als nahezu selbstverständlich betrachtet werden, ist im Fußball Homosexualität noch immer ein tabuisiertes Thema. Schwule Spieler - so scheint es - kommen in den Stadien wider alle statistische Wahrscheinlichkeit nicht vor. Bislang liegen allerdings keine verlässlichen Daten über den tatsächlichen Anteil homosexueller Männer in der Fußballwelt vor. So ist unklar, ob schwule Männer im Vereinsfußball weniger stark vorkommen, als in anderen Bereichen.

Ziel einer mehrwöchigen Online-Umfrage, die von Dr. Mathias Reiser (Arbeitsbereich Sportpsychologie/Bewegungswissenschaft, Prof. Dr. Jörn Munzert) und Dr. Heiko Maurer (Arbeitsbereich Trainingswissenschaft, Prof. Dr. Hermann Müller) am Institut für Sportwissenschaft der Universität Gießen durchgeführt wird, ist es, den relativen Anteil homosexueller Fußballspieler zu ermitteln und Einstellungen zum Thema "Homosexualität im Fußball" zu erheben. Die anonyme Umfrage richtet sich an aktive Vereinsspieler (Männer) sowie an Fußballfans (Männer und Frauen). Sie bedient sich einer Fragetechnik (Randomized-Response-Technik), die größtmög-liche Vertraulichkeit bei Auskunft zu sensiblen Fragen sicherstellt. Dies wird durch Verwendung eines Zufallsprozesses erreicht. Die Teilnehmer sind aufgefordert, vor Beantwortung der Frage: "Sind Sie homosexuell/bisexuell orientiert?" zweimal hin-tereinander eine Münze zu werfen. Kommt zweimal Zahl, so ist entsprechend der tatsächlichen sexuellen Orientierung zu antworten ("ehrliche" Antwort). Bei jedem der drei anderen möglichen Wurfergebnisse soll unabhängig der tatsächlichen Orientierung mit "Ja" geantwortet werden. Auf diese Weise kann bei einer "Ja"-Ant-wort nicht auf die tatsächliche sexuelle Orientierung geschlossen werden, da das Ergebnis der Münzwürfe nicht bekannt wird. Da jede der vier Münzkombinationen aber in 25 Prozent der Fälle vorkommt, kann berechnet werden, wie viele "Ja"-Antworten durch die Münzwürfe bedingt wurden und wie viele tatsächliche "Ja"-Antworten sind.

Kontakt:
Dr. Mathias Reiser, Institut für Sportwissenschaft
Kugelberg 62, 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-25251, Fax: 0641-99-25209
E-Mail: mathias.reiser@sport.uni-giessen.de
Weitere Informationen:
http://www.uni-giessen.de/cms/fussball - Online-Umfrage

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)

Stress in der Kindheit erhöht Allergierisiko

Tilo Arnhold, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Leipzig. Ein Umzug oder die Trennung der Eltern kann bei Kindern das Risiko deutlich erhöhen, später an einer Allergie zu erkranken. Das geht aus einer Langzeitstudie über Zusammenhänge zwischen Lebensstil, Immunsystem und Allergien hervor, die vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig (UFZ), vom Helmholtz Zentrum München und vom Institut für umweltmedizinische Forschung (IUF) in Düsseldorf geleitet wird. Die Forscher hatten Blutproben von 234 sechsjährigen Kindern untersucht und im Zusammenhang mit Umzug oder Trennung der Eltern erhöhte Blutkonzentrationen des Stresspeptides VIP (Vasoaktives intestinales Peptid) gefunden. Der Botenstoff VIP aus der Gruppe der Neuropetide könnte eine Vermittlerrolle zwischen Stressereignissen im Leben und der Immunregulation einnehmen, schreiben die Forscher im Fachblatt Pediatric Allergy and Immunology. Dass Stressereignisse einen Einfluss auf die Entwicklung von allergischen Krankheiten haben können, war bereits länger bekannt. Die zugrunde liegenden Mechanismen galten aber lange Zeit als ungeklärt. In der jetzt veröffentlichten Studie wurden erstmals Stressereignisse in den frühen Lebensjahren innerhalb einer großen epidemiologischen Studie mit Hilfe von Immunmarkern und Neuropeptiden untersucht.
Stressereignisse in der Kindheit stehen zunehmend im Verdacht, eine große Rolle bei der späteren Entwicklung von Asthma, Hautkrankheiten oder allergischen Sensibilisierungen zu spielen. Dramatische Lebensereignisse wie der Tod eines Angehörigen, schwere Erkrankungen eines Familienmitgliedes oder die Trennung der Eltern, aber auch harmlose Ereignisse wie beispielsweise ein Umzug stehen im Verdacht, das Allergie-Risiko bei betroffenen Kindern zu erhöhen. Offenbar spielt das Immunsystem eine Vermittlerrolle zwischen Stress auf der einen Seite und allergischen Krankheiten auf der anderen Seite. Da diese Mechanismen bisher kaum verstanden worden sind, versuchten die Forscher im Rahmen einer epidemiologischen Studie (LISA), stressbedingte Faktoren mit Einfluss auf das Immunsystem zu identifizieren. Parallel zu Blutuntersuchungen analysierten die Forscher gemeinsam mit Kollegen vom Institut für Sozialmedizin der Universität zu Lübeck auch verschiedenste soziale Faktoren im Umfeld der Kinder, um auslösende Faktoren für stressbedingte Fehlregulationen des Immunsystems herauszufinden.

Bei Kindern, deren Eltern sich innerhalb des letzten Jahres getrennt hatten, fanden die Forscher erhöhte Blutkonzentrationen des Neuropetides VIP (Vasoaktives intestinales Peptid) sowie erhöhte Konzentration von Immunmarkern, die mit der Auslösung allergischer Reaktionen verbunden sind, wie das Zytokin IL-4. Schwere Krankheiten oder der Tod von nahen Verwandten führten dagegen zu keinen auffälligen Veränderungen. Auch Arbeitslosigkeit der Eltern war nicht mit erhöhten Stresspeptidkonzentrationen im Blut der Kinder assoziiert. So tragisch diese Ereignisse auch sind, offenbar sind sie jedoch für die Stressreaktionen von Kindern von geringerer Bedeutung als beispielsweise eine Trennung oder Scheidung der Eltern, schlussfolgern die UFZ-Forscher. Wie bereits in einer frühen Arbeit aus der gleichen Studie gezeigt wurde, können auch nach einem Umzug (ebenso wie bei Trennung der Eltern) erhöhte Konzentrationen des Stresspeptides VIP im Blut der Kinder nachgewiesen werden. Vorangegangene Untersuchungen in LISA zeigten, dass es einen Zusammenhang zwischen einer erhöhten Konzentration u.a. des Neuropeptides VIP und allergischen Sensibilisierungen bei sechsjährigen Kindern gibt.
Auch wenn die Ergebnisse wegen der vergleichsweise geringen Anzahl an betroffenen Kindern vorsichtig interpretiert werden sollten, so geben sie doch wertvolle Hinweise darauf, was genau durch Stress im Körper passiert.

Den Untersuchungen liegen Daten 6-jähriger Kinder der LISA-Studie zugrunde. LISA steht für "Lifestyle - Immune - System - Allergy" und untersucht Einflüsse des Lebensstils auf das Immunsystem und die Entstehung allergischer Erkrankungen bei Kindern. Neben dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig (UFZ), dem Helmholtz Zentrum München und dem Institut für umweltmedizinische Forschung (IUF) in Düsseldorf sind weitere universitäre und klinische Partner beteiligt, unter anderem das städtische Klinikum "St. Georg" in Leipzig. Für die LISA-Studie wurden zwischen Ende 1997 und Anfang 1999 über 3000 neugeborene Kinder in den Städten München, Leipzig, Wesel und Bad Honnef rekrutiert. Die Eltern wurden wiederholt zu verschiedenen familiären und gesundheitlichen Parametern befragt. Zusätzlich erfolgten Blutuntersuchungen zu verschiedenen Zeitpunkten. Im sechsten Lebensjahr wurden insgesamt 565 Kinder in Leipzig untersucht, bei 234 Teilnehmern wurden Blutanalysen zu Neuropeptiden und Immunparametern durchgeführt. Im Laufe der 6-Jahres-Untersuchung war fast ein Drittel der Leipziger Studienfamilien von Arbeitslosigkeit betroffen. Bei etwa der Hälfte aller Familien traten schwere Erkrankungen naher Angehöriger auf. Todesfälle bei Angehörigen oder die Trennung der Eltern betrafen dagegen nur jedes sechste bzw. zehnte Kind.

Weitere Informationen:
Dr. Irina Lehmann, Dr. Gunda Herberth
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1216 /-1547
http://www.ufz.de/index.php?de=1585
oder
über die Pressestelle des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ)
Tilo Arnhold
Telefon: 0341-235-1269
E-mail: presse@ufz.de

Publikationen:
Herberth G, Weber A, Röder S, Elvers H-D, Krämer U, Schins R PF, Diez U, Borte M, Heinrich J, Schäfer T, Herbarth O, Lehmann I. Relation between stressful life events, neuropeptides and cytokines: an epidemiological study.
Pediatric Allergy and Immunology 2008, [Epub ahead of print]
doi:10.1111/j.1399-3038.2008.00727.x

Herberth G, Weber A, Röder S, Krämer U, Diez U, Borte M, Lehmann I. The stress of relocation and neuropeptides: an epidemiological study in children.
Journal of Psychosomatic Research 2007, 63, 451-452
doi:10.1016/j.jpsychores.2007.06.012

Herberth G, Daegelmann C, Weber A, Röder S, Giese T, Krämer U, Schins R PF, Behrendt H, Borte M, Lehmann I. Association of neuropeptides with Th1/Th2 balance and allergic sensitization in children.
Clinical Experimental Allergy 2006, 36, 1408-1416
doi:10.1111/j.1365-2222.2006.02576.x

Links:
Umweltbedingte Störungen der Gesundheit aufdecken (UFZ-Magazin 2006):
http://www.ufz.de/data/UFZ_XII_FT9_Gesundheit_Umwelt4357.pdf

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 25.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=16934

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben) 

"Landschaft bewahren - Flächen sparen!": Abschluss des Forschungsprojektes "Kommunales Flächenmanagement in der Region (komreg)"

Christiane Rathmann, Öffentlichkeit und Kommunikation
Öko-Institut e. V. - Institut für angewandte Ökologie

Abschließendes Projektergebnis: Über 1.800 Hektar Innenentwicklungspotenzial in der Region Freiburg ermittelt - Davon sind rund 400 Hektar - oder rund 525 Fußballfelder - bis 2030 aktivierbar

Rund die Hälfte der notwendigen Wohnbaufläche können in der Region bis 2030 über vorhandene Flächen gedeckt werden

Oberbürgermeister Dieter Salomon: "Die Projektergebnisse sind ein Meilenstein für die Siedlungspolitik unserer Region. An einem nachhaltigen Flächenmanagement und einem guten regionalen Dialog geht künftig kein Weg mehr vorbei."

Ernst Schilling, Bürgermeister der Stadt Herbolzheim: "Wertvolle Landschaft bleibt so erhalten, unsere gewachsenen Strukturen werden gestärkt!"

Stefan Gloger, Referatsleiter im Umweltministerium Baden-Württemberg würdigt die erfolgreiche Projektarbeit, deren Ergebnisse landesweit beispielhaft sind

Seit dem Frühjahr 2006 arbeitet die Stadt Freiburg mit ihren Verbundpartnern Öko-Institut e.V., der Fa. Baader Konzept GmbH, dem IfSR an der Hochschule Nürtingen-Geislingen sowie zehn Partnerkommunen (Au, Ballrechten-Dottingen, Breisach, Emmendingen, Hartheim, Herbolzheim, Merzhausen, Titisee-Neustadt, Schallstadt und Umkirch) am Forschungsprojekt "komreg - Kommunales Flächenmanagement in der Region", das im Juli diesen Jahres formal abgeschlossen wird. Komreg ist ein Projekt des Forschungsvorhabens REFINA (Forschung für die Reduzierung der Flächeninanspruchnahme und ein nachhaltiges Flächenmanagement) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Ziel des Projekts war, die Innenentwicklungspotenziale in der Region Freiburg zu ermitteln und so einen Beitrag zum flächensparenden Siedlungsmanagement zu leisten. Die heutige regionale Abschlussveranstaltung im Historischen Kaufhaus stellte vor rund hundert Gästen den erfolgreichen Schlusspunkt des Projektes dar. Die zahlreichen Teilnehmenden aus Politik, Planungspraxis und Wissenschaft benannten Schlussfolgerungen für die Region und formulierten Handlungsansätze für eine aktive Innenentwicklung in den Städten und Gemeinden.

In der Projektarbeit wurden die vorhandenen Innen-entwicklungspotenziale für den Wohnungsbau in den Projektkommunen detailliert erhoben und auf die Region Freiburg hochgerechnet. Dabei ist ein Innenentwicklungspotenzial von 1800 Hektar für die Region im Bestand ermittelt worden. Da u.a. aufgrund ökologischer und Eigentümerinteressen nicht sämtliche Flächen umgesetzt werden können, gehen die Fachleute von einem realisierbaren Potenzial von rund 400 Hektar- oder rund 525 Fußballfelder - bis 2030 aus. Die Szenarien der regionalen Siedlungsentwicklung machen weiterhin deutlich, dass bei konsequenter Umsetzung dieser vorhandenen Potenziale rund die Hälfte des Wohnbaulandbedarfs bis 2030 auf bestehenden Baulücken, bislang geringfügig genutzten Flächen, Althofstellen oder Brachflächen gedeckt werden kann. Dabei wird stets von einer maßvollen Bebauung unter Beachtung des jeweils typischen Ortsbilds und einer behutsamen Aktivierung ausgegangen.

In der Projektarbeit wurden auch die Investitions- und Unterhaltungskosten der künftigen Siedlungsentwicklung in der Region berechnet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Aktivierung von Innenentwicklungspotenzialen deutlich kostengünstiger ist, da die Infrastruktur bereits vorhanden ist. In den Szenarien stehen gut 1.000 Euro öffentliche Aufwendungen je Wohneinheit in der Innenentwicklung (für Investition und Unterhaltung) rund 25.000 bis 47.000 Euro je Wohneinheit in der Außenentwicklung gegenüber. Das heißt, dass für die Kommunen die Kosten der Siedlungsentwicklung mit der Zahl realisierter Wohneinheiten in der Außenentwicklung steigen.

OB Salomon zeigte sich von dem Projektergebnis genauso wie die anderen Bürgermeister der Projektgemeinden beeindruckt: "Nachhaltiges Flächenmanagement schont die Umwelt und stärkt gewachsene soziale und städtebauliche Strukturen. Jetzt kommt es darauf an, die Innenentwicklungspotenziale konsequent zu aktivieren. Dass man hierbei als Kommune auch kostengünstiger vorgeht, spornt zusätzlich an." Norbert Schröder- Klings, Leiter des Freiburger Referats für Stadtentwicklung und Bauen ergänzte: "Die Tatsache, dass in Freiburg allein 230 Hektar Innenentwicklungspotenziale auf Baulücken, geringfügig genutzten Flächen, Brachen und Althofstellen für Wohnungsbau im Stadtgebiet Freiburgs ermittelt wurden, hat unsere Erwartungen übertroffen. So bieten sich für uns hervorragende Perspektiven für die Zukunft".

Den Hauptgrund für die erfolgreiche Arbeit sieht Projektleiter Dr. Buchert vom Öko-Institut e.V. "in der Zusammenarbeit der Beteiligten auf einer Augenhöhe - unabhängig ob große oder kleine Kommune. Die Partnerkommunen haben mit großem Einsatz das Projekt getragen und viele weitere Kommunen der Region in den Dialog eingebunden. Diese Zusammenarbeit ist der entscheidende Erfolgsgarant für komreg." Stefan Gloger, Referatsleiter im Umweltministerium Baden-Württemberg stellte heraus, dass die Projektergebnisse das Potenzial hätten, andere Regionen im Land zu vergleichbaren Kooperationen beim Flächenmanagement zu motivieren. "Die mit komreg gewonnene Übersicht zeigt, dass es sich sehr lohnt, den Weg der Innenentwicklung weiter zu verfolgen."

Alle Beteiligten unterstrichen, dass sie über den Projektabschluss hinaus an der gemeinsamen nachhaltigen Siedlungsperspektive für die Region weiter arbeiten werden, um frühzeitig auf die sich ändernden Rahmenbedingungen, insbesondere den demografischen Wandel, reagieren zu können. In den nächsten Wochen werden die Projektergebnisse in einer Projektbroschüre zusammengefasst und den Kommunen und der Region zur Verfügung gestellt.

Weiterführende Informationen finden Sie unter: http://www.komreg.info

Kontaktpersonen

Öko-Institut e.V. (Gesamtprojektleitung)
Dr. Matthias Buchert
Tel. (06151) 81 91 47
E-Mail: m.buchert@oeko.de

Stadt Freiburg
Katharina Koch
Tel. (0761) 201-4022
E-Mail: katharina.koch@stadt.freiburg.de

Baader Konzept GmbH Mannheim (Baulandkataster)
Dr. Sabine Müller-Herbers
Tel. (0621) 72 84 86 23/22
E-Mail: s.mueller-herbers@baaderkonzept.de

IfSR an der Hochschule Nürtingen-Geislingen
(Kosten der Siedlungsflächenentwicklung)
Prof. Dr. Alfred Ruther-Mehlis
Tel. (07022) 24 38 91
E-Mail: ifsr@hwfu.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)  

Ursachen rechtsextremer Einstellungen in Deutschland

Dipl.-Journalist Tobias D. Höhn, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Leipzig

Rechtsextremismus gedeiht in der deutschen Bevölkerung auf dem Boden von Angst und Ausgrenzungserfahrungen. Gleichzeitig herrschen weit verbreitete ausländerfeindliche Einstellungen sowie eine geringe Wertschätzung der Demokratie. Zu diesem Befund kommt die bundesweite Studie "Ein Blick in die Mitte. Zur Entstehung rechtsextremer und demokratischer Einstellungen" von Prof. Dr. Elmar Brähler und Dr. Oliver Decker von der Selbständigen Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig.
Mit ihrer Studie schließen die beiden Wissenschaftler der Universität Leipzig an ihre Repräsentativbefragung "Vom Rand zur Mitte" aus dem Jahr 2006 an. Damals warn 5000 zufällig ausgewählte Bundesbürger per Fragebogen zu ihrer Zustimmung beziehungsweise ihrer Ablehnung zu rechtsextremen Aussagen befragt worden. Aus dieser Gruppe wurden 150 Teilnehmer unterschiedlicher sozialer Herkunft, Generation und Berufstätigkeit zu bundesweit zwölf Gruppendiskussionen eingeladen. "Die Studie gewährt damit wirklich einen Einblick in die Mitte der Gesellschaft", sagt Oliver Decker. Ziel der Diskussionen war es, zu ergründen, wie rechtsextremes Gedankengut in der heutigen Gesellschaft entsteht.

Dabei zeigte sich, dass ausländerfeindliche Ressentiments in der Bevölkerung offenbar weiter verbreitet sind als bislang angenommen. "Sie wurden in allen Diskussionen mit besorgniserregender Selbstverständlichkeit geäußert - auch bei Personen, die in der ersten Studie nicht durch rechtsextreme Einstellungen aufgefallen waren", betont Oliver Decker.

Zudem zeigten die Diskussionen, dass die Teilnehmer offenbar einen hohen gesellschaftlichen Anpassungsdruck empfinden. Gleichzeitig werden aber - diesen Druck verstärkende - Sanktionen gegenüber abweichendem Verhalten akzeptiert. Generell, so Decker, herrsche zudem ein großes Unwissen und Unverständnis über die Möglichkeiten der Mitwirkung in einer Demokratie, verbunden mit einer Geringschätzung des demokratischen Systems an sich. Es werde nur insofern akzeptiert, wie es individuellen Wohlstand garantiere. "Erschreckend war für uns, wie gern die Befragten auch die bescheidenste Demokratie gegen autoritäre Strukturen eintauschen würden, in denen vermeintlich Ordnung, Ruhe und Chancengleichheit herrscht", sagt Oliver Decker. Viele der jungen Leute hofften auf "irgend einen Führer", weil es so nicht mehr weitergehen könne, die Teilnehmer mittleren Alters resignierten und meinten sarkastisch, Politik sei ohnehin nur Lug und Trug, während die Älteren die klaren Regeln ihrer Jugend - im Osten die Umstände in der DDR und im Westen zuweilen sogar die Nazizeit - als Vorbild heranzögen und glorifizierten.

In der Auswertung der Diskussionen waren die Wissenschaftler zudem bemüht, die politischen Aussagen der Teilnehmer mit ihren Lebensläufen in Deckung zu bringen, erläutert Oliver Decker. Dabei zeigte sich, dass autoritäre Denkstrukturen und Gewalterfahrungen eine hohe Bedeutung bei der Herausbildung rechtsextremer Einstellungen haben. "Umgekehrt wirken die Fähigkeit zur Empathie und die Erfahrung von Anerkennung als Schutz davor", betont Decker.

Ein weiterer zentraler Punkt ist der Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands: Eine Verweigerung der Auseinandersetzung mit der NS-Zeit fördere rechtsextreme Einstellungen, während eine inhaltliche als auch emotionale Auseinandersetzung mit dem Thema rechtsextreme Einstellungen eher bremse.

Dass rechtextremes Gedankengut indes auch nach einem halben Jahrhundert noch weit verbreitet sei, erklären Decker und Brähler mit der "narzisstischen Plombe": Der mit dem so genannten Wirtschaftswunder in Westdeutschland relativ schnell einsetzende Wohlstand habe weder für Nachdenklichkeit noch für Scham Raum und Zeit gelassen. Eine ähnliche Entwicklung erhofften Ostdeutsche nach der Wende und beantworten die Enttäuschung dieser Erwartung mit Politik- und Demokratieverdrossenheit. "Immer dann, wenn der Wohlstand als Plombe bröckelt, steigen aus dem Hohlraum wieder antidemokratische Traditionen auf", sagt Decker.

Die detaillierten Ergebnisse der Studie, die im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) entstanden ist, werden heute Abend im "Forum Berlin" der FES vorgestellt. Danach ist die Studie auch als Buch oder im Download unter http://library.fes.de/pdf-files/do/05433.pdf erhältlich.

-----------------------
Weitere Informationen:

Selbständige Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig
Prof. Dr. Elmar Brähler
Telefon: 0341 97-18800
E-Mail: elmar.braehler@medizin.uni-leipzig.de
www.uni-leipzig.de/~medpsy

Dr. Oliver Decker
Telefon: 0341 97-18802
E-Mail: oliver.decker@medizin.uni-leipzig.de
www.uni-leipzig.de/~decker
Weitere Informationen:
http://library.fes.de/pdf-files/do/05433.pdf - Studie der Untersuchung zum Download
http://www.uni-leipzig.de/~medpsy - Selbständige Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Leipzig.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben) 

Wirtschaftlichkeit des Ausbaus der Saale immer noch fraglich

Tilo Arnhold, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ
 
Leipzig. Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) haben im Streit um den Ausbau der Saale vorgeschlagen, die Wirtschaftlichkeit dieses Vorhabens neu zu berechnen. Aus Sicht der Forscher ist es problematisch, wenn in dem eingeleiteten Raumordnungsverfahren die Prüfung auf der Grundlage einer veralteten und methodisch zweifelhaften Wirtschaftlichkeitsberechnung erfolgt. Wenn die Prognose für die Transportmengen und die Schiffbarkeit von Elbe und Saale aktualisiert würde, dann könne dies ein deutlich schlechteres Nutzen-Kosten-Verhältnis ergeben als in einem Gutachten von 2004 zuletzt prognostiziert. In diesem Fall würde sich die Investitionssumme von 80 Millionen Euro dann nicht mehr lohnen, und die Pläne für den Bau eines Schleusenkanals bei Tornitz am Unterlauf der Saale sollten nicht weiter verfolgt werden.
2005 veröffentlichte das UFZ die Ergebnisse einer mehrjährigen Studie zum Ausbau der Saale. Die Forscher kritisierten darin massiv die mangelnde Transparenz der Bundesverkehrswegeplanung und der zugrunde liegenden Wirtschaftlichkeitsberechnungen.

Vor dem Hintergrund dieser Studie haben die Forscher das derzeit laufende Raumordnungsverfahren in den Blick genommen. In dem Verfahren soll geprüft werden, ob der Saaleausbau im öffentlichen Interesse liegt. Denn ob sich die 80 Millionen Euro teuren Investitionen an der Saale lohnen, hängt entscheidend von der Schiffbarkeit der Elbe ab. Nur wenn die Elbe genügend Wasser führt, ist die Saale mit dem Wasserstraßennetz verbunden. Wesentliche Grundlage für das Raumordnungsverfahren ist ein Gutachten der Firma PLANCO Consulting GmbH aus dem Jahre 2004 zur Wirtschaftlichkeit des Saaleausbaus. In diesem Gutachten wird der Zusammenhang der Schiffbarkeit von Elbe und Saale nicht ausreichend berücksichtigt. Es wird dort nämlich unterstellt, dass an allen Tagen, an denen die Elbe in einem wirtschaftlichen Maße schiffbar ist, und das ist laut PLANCO nur an 230-260 Tagen im Jahr der Fall, das Transportpotenzial für die Schifffahrt auf der Saale tatsächlich realisiert wird. Unternehmen und Schifffahrtsverbände haben jedoch immer wieder darauf hingewiesen, dass eine Belebung der Schifffahrt und damit die tatsächliche Verlagerung der Transporte an eine verlässliche, ganzjährige Schiffbarkeit gebunden sind. Angesichts der nicht gesicherten Schiffbarkeit der Elbe ist zu erwarten, das viele Unternehmen der Schifffahrt in ihren Logistikkonzepten auch nach einem Ausbau der Saale keinen prominenten Platz einräumen. Zahlen unter anderem des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg zeigen, dass sich die Befahrbarkeit der Elbe verschlechtert hat, und Untersuchungen des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung zufolge steht zu befürchten, dass sich diese im Zuge des Klimawandels auch zukünftig weiter verschlechtern wird. Weiterhin wurden in dem PLANCO-Gutachten die Verlagerungsmöglichkeiten von der Straße auf die Schiene nicht ausreichend ausgelotet.

Die UFZ-Forscher halten es für problematisch, wenn in dem eingeleiteten Raumordnungsverfahren die Prüfung, ob der Saaleausbau den landesplanerischen Erfordernissen entspricht, auf der Grundlage einer zweifelhaften Wirtschaftlichkeitsberechnung erfolgt. Sie fordern vielmehr, die Transportmengenprognose unter der Maßgabe einer adäquaten Berücksichtigung des Zusammenhangs zwischen der Schiffbarkeit von Elbe und Saale zu aktualisieren und die Wirtschaftlichkeit neu zu berechnen. Die Forscher wären nicht überrascht, wenn sich dabei gegenüber dem veralteten Gutachten herausstellen würde, dass diese 80-Mio.-Euro-Investition aus gesamtwirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll ist.

Weitere Informationen:
Dr. Bernd Klauer
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1702
http://www.ufz.de/index.php?de=1653
oder über die Pressestelle
Tilo Arnhold
Telefon: 0341-235-1269
E-mail: presse@ufz.de

Links:
Wissenschaftler kritisieren Bundesverkehrswegeplanung - Studie zum Saaleausbau zeigt Schwachstellen auf (Pressemitteilung vom 16. Juni 2005):
http://www.ufz.de/index.php?de=5742
Informationen des Wasserstraßen-Neubauamt Magdeburg zum Schleusenkanal Tornitz:
http://www.wsv.de/ftp/presse/00063_2008.pdf
http://www.wna-magdeburg.wsv.de/tornitz/index.html

Literatur:
Petry, Daniel; Klauer, Bernd mit Beiträgen von Döring, Thomas; Rauschmayer, Felix (2005):
Umweltbewertung und politische Praxis in der Bundesverkehrswegeplanung - Eine
Methodenkritik illustriert am Beispiel des geplanten Ausbaus der Saale.
Metropolis-
Verlag, Marburg, 320 S.
http://www.metropolis-verlag.de/Umweltbewertung-und-politische-Praxis-in-der-Bundesverkehrswegeplanung/533/book.do

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 25.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=16924

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)  

Kaffee trinken hilft bei Leberschaden

Thomas von Salzen, Pressestelle
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

RWTH-Wissenschaftler erforschten den molekularbiologischen Zusammenhang zwischen Kaffeegenuss und Schutz vor Leberschaden
Verschiedene empirische Studien (NHANES I-III) der staatlichen amerikanischen Gesundheitsbehörde National Institutes of Health (NIH) konnten in den vergangenen Jahren zeigen, dass bei chronisch Leberkranken, die regelmäßig Kaffee tranken, der Leberumbau einen vergleichsweise milderen Verlauf nahm. Die molekularbiologischen Ursachen hierfür waren jedoch bisher ungeklärt. Dr. med. Olav Gressner vom Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie am Universitätsklinikum Aachen und sein Mitarbeiterteam konnten nun das Geheimnis lüften. Die Wissenschaftler erbrachten den Beweis, dass das Koffein im Kaffee den Cyclo-AMP-Anteil in der Leberzelle erhöht. Dieser Botenstoff wiederum hemmt den Bindegewebs-Wachstumsfaktor CTGF (Connective Tissue Growth Factor), der den Umbau gesunder Leberzellen in funktionsloses Bindegewebe verantwortet.

In der Leber wird CTGF vor allem von den Hepatozyten produziert. Dieser Zelltyp macht etwa 80 Prozent des gesunden Lebervolumens aus. Um ihre wissenschaftlichen Überlegungen zu bestätigen, entnahmen Dr. Gressner und sein Team daher Hepatozyten aus Lebern von gesunden Ratten und stimulierten diese in Kultur mit Coffein. Das Ergebnis des Experiments bestätigte die Vermutung: Die Hepatozyten produzierten unter Coffein deutlich weniger CTGF.

"Coffein wird fast ausschließlich in der Leber abgebaut", berichtet Dr. Gressner, "dadurch bewirkt es eine Anreicherung des Cyclo-AMP exakt dort, wo es benötigt wird, um den Umbauprozess der Leber, die so genannte Fibrose, zu verlangsamen." Heilen könne man die Erkrankung durch bloßes Kaffee trinken allerdings nicht, betont der Mediziner, aber: "Mit zwei Tassen Kaffee täglich lässt sich der Krankheitsverlauf zumindest verzögern." Auch könne man sich langfristig die Möglichkeit einer Behandlung mit höher dosierten, koffeinhaltigen Medikamenten vorstellen.

Fibrosen führen zu einer krankhaften Vermehrung des Bindegewebes in bestimmten Organen, etwa in der Leber, Niere oder Lunge. Dabei verhärtet sich das Gewebe des betroffenen Organs. Die narbigen Veränderungen können im fortgeschrittenen Krankheitsstadium die Organfunktionen beeinträchtigen. Bei einer Leberfibrose wird beispielsweise das so genannte Leberparenchym, der schadstoffabbauende Bereich des Organs, langfristig zerstört. Neben überhöhtem Alkoholgenuss können auch Erkrankungen wie Hepatitis B und C eine Fibrose auslösen.

Ilse Trautwein

Weitere Informationen bei: Dr. med. Olav Gressner, Institut für Klinische Chemie und Pathobiochemie am Universitätsklinikum Aachen, Tel. 0241/8088671, E-Mail: ogressner@ukaachen.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben) 

Abfallverbrennung ist kein Gegner der Abfallvermeidung

Neues Hintergrundpapier des Umweltbundesamtes

Die Abfallverbrennung steht einer Vermeidung der Abfälle nicht entgegen. Zu diesem Schluss kommt das Umweltbundesamt (UBA) in einem neuen Hintergrundpapier. „Das Prinzip der Vermeidung hat weiterhin Vorrang vor der Verwertung und Beseitigung des Abfalls", sagt der Präsident des UBA, Prof. Dr. Andreas Troge. „Die thermische Nutzung der Abfälle ist gleichwohl unverzichtbarer Bestandteil einer nachhaltigen Abfallwirtschaft. Denn Abfallverbrennungsanlagen (MVA) leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Schonung natürlicher Ressourcen." Dies ergaben Untersuchungen des UBA und verschiedener Umweltforschungsinstitute.

Da in einer Konsumgütergesellschaft auch weiterhin Abfälle anfallen werden, bleibt die thermische Behandlung der Abfälle, die nicht anderweitig verwertbar sind, auch künftig notwendig und sinnvoll. Der europäische Vergleich zeigt, dass Länder mit einer fortschrittlichen Abfallwirtschaft sowohl einen hohen Anteil der Abfallverbrennung als auch hohe Quoten der stofflichen Verwertung vorweisen - etwa Dänemark und die Niederlande. Demnach steht die Abfallverbrennung hohen Recyclingquoten nicht im Weg.

Die Abfallverbrennung ist eine umweltverträgliche Möglichkeit der Abfallentsorgung, soweit die Abfälle nicht anderweitig verwertbar sind. Mit der in MVA erzeugten Energie lassen sich fossile Energieträger - wie Kohle oder Öl - ersetzen. Das spart jährlich etwa 9,75 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) in Deutschland. Die Nettoentlastung vermiedenen

Kohlendioxids liegt - wegen des fossilen Anteils im Abfall ((1)) und des Fremdenergiebezugs - bei knapp 4 Millionen Tonnen CO2. Diese Menge entspricht den CO2-Jahresemissionen von etwa 1,6 Millionen Pkw.

Vorrangiges Ziel ist und bleibt es jedoch, Abfall soweit wie möglich zu vermeiden. Dafür bedarf es vor allem einer höheren Materialeffizienz bei der Herstellung der Produkte: Je weniger Material bei der Produktion nötig ist, desto geringer sind die Abfallmengen. Insbesondere ist allerdings ein Umdenken der Konsumentinnen und Konsumenten erforderlich: Es gibt eine Reihe Möglichkeiten, Waren und Dienstleistungen intensiver zu nutzen und damit Abfall zu vermeiden - etwa selten genutzte Geräte auszuleihen statt zu kaufen, Fahrzeuge gemeinsam zu nutzen, die Spülmaschine zu reparieren statt eine neue anzuschaffen sowie aufgearbeitete Möbel oder Computer statt neue zu kaufen.

Das Hintergrundpapier „Abfallverbrennung ist kein Gegner der Abfallvermeidung" enthält eine Sachstandsanalyse mit 10 Argumentationspunkten. Es steht unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/hintergrund/chronologisch.htm zum Download bereit.

Lesen Sie diese Presseinfo online unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/presseinfo-aktuell.htm

Pressesprecher: Martin Ittershagen

Mitarbeiter/innen: Anke Döpke, Dieter Leutert,
Fotini Mavromati, Theresa Pfeifer, Martin Stallmann

Adresse: Postfach 1406, 06813 Dessau-Roßlau

Telefon: 0340/21 03-2122, -2827, -2250, -2318, -3927, -2507

E-Mail: pressestelle@uba.de

Internet: www.umweltbundesamt.de

(Quelle: Umweltbundesamt)

(nach oben)  

Wenn die Sehschärfe schwindet

Gunnar Bartsch, Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Ein fortschreitender Verlust der Sehschärfe im zentralen Bereich des Sehens ist das Hauptkennzeichen der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD). Dass genetische Ursachen für den Defekt mitverantwortlich sein könnten, haben Wissenschaftler schon lange vermutet. Jetzt ist einem Team ein entscheidender Schritt bei der Suche nach dem Auslöser gelungen - mit dabei Dr. Claudia von Strachwitz, Oberärztin an der Augenklinik der Universität Würzburg. Die Zeitschrift Nature Genetics hat die Studie in ihrer jüngsten Ausgabe veröffentlicht.
Wer an altersabhängiger Makuladegeneration erkrankt ist, kann zwar sehen, dass eine Person vor ihm steht; deren Gesicht bleibt allerdings verborgen. Auch der Blick auf die Uhr zeigt nur das Drumherum - das Zifferblatt selbst bleibt hinter einem grauen Fleck verborgen. Bei den Betroffenen sterben nach und nach Netzhautzellen im zentralen Gesichtsfeld - der sogenannten Makula - ab. Bei den über 80-Jährigen sind heutzutage rund zwölf Prozent an AMD erkrankt, es handelt sich damit in dieser Gruppe um die häufigste Erblindungsursache in den westlichen Industrienationen. Therapieformen können momentan bestenfalls den weiteren Verlust der Sehschärfe verlangsamen; eine Möglichkeit der Heilung existiert nicht.

Rauchen, Bluthochdruck und Sonnenlicht stehen als Auslöser der Krankheit im Verdacht; aber auch eine genetische Veranlagung scheint eine Rolle zu spielen. Der Verdacht der Wissenschaftler konzentrierte sich dabei vor allem auf genetische Varianten auf zwei unterschiedlichen Chromosomen. Wer an beiden Orten die sogenannte "Risikovariante" trägt, besitzt ein bis zu 57-fach erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer AMD.

Neuer Ansatz für eine Therapie

Während Forscher den verantwortlichen Faktor auf dem einen Chromosom schon vor einiger Zeit identifizieren konnten, waren sie bei dessen "Partner" bis vor kurzem noch am Rätseln. Dieses Rätsel scheint jetzt gelöst: Dr. Claudia von Strachwitz von der Würzburger Universitäts-Augenklinik und Genetikern aus Regensburg und London ist der Nachweis eines Gendefekts auf dem zweiten Chromosom gelungen, der eine wichtige Rolle im Verlauf der AMD einnimmt. "Wer diesen Defekt sowohl auf dem väterlichen wie auch auf dem mütterlichen Chromosom trägt, ist nicht in der Lage, ein bestimmtes Protein zu bilden", erklärt die Augenärztin. Dieses Protein findet sich vor allem in den Mitochondrien - den Kraftwerken der Zellen - in einem bestimmten Bereich der Lichtrezeptoren des menschlichen Auges. Dieser Befund legt deshalb den Schluss nahe, so von Strachwitz, dass "ein mitochondrialer Funktionsdefekt in der Netzhaut eine Schlüsselrolle in der Entstehung der AMD zu spielen scheint."

"Das Wissen um die genaue Funktion des für die Erkrankung verantwortlichen Proteins wird es zukünftig erlauben, maßgeschneiderte Therapieformen zu entwickeln, die gezielt in den betroffenen Stoffwechselweg eingreifen", sagt die Medizinerin. Eine prophylaktische Therapie bei betroffenen Genträgern sei dabei durchaus vorstellbar- also ein Eingreifen, wenn die Erkrankung noch gar nicht ausgebrochen ist. Aber auch für bereits betroffene Patienten besteht die Hoffnung, die Erkrankung sehr viel spezifischer als bisher zu behandeln und so ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung unterbinden.

"Age-related macular degeneration is associated with an unstable ARMS2 (LOC387715) mRNA". Lars G. Fritsche, Thomas Loenhardt, Andreas Janssen, Sheila A. Fisher, Andrea Rivera, Claudia N. Keilhauer & Bernhard H.F. Weber. Nat Genet. 2008 May 30. DOI 10.1038/ng.170

Kontakt: Dr. Claudia N. von Strachwitz (geb. Keilhauer), Tel.: (0931) 201-20388 (Pforte); E-Mail: C.Strachwitz@augenklinik.uni-wuerzburg.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)   

Bonner Forscherin erstellt Psychogramm des Hundehalters

Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
 
Spielkamerad, Sportsfreund, Schmusetier. Hunde sind gut für den Menschen - so viel ist sicher. Doch das heißt noch lange nicht, dass Menschen auch immer gut sind für Hunde. Eine Psychologin der Universität Bonn hat in einer umfangreichen Studie die wechselseitige Beziehung zwischen Mensch und Hund untersucht. Dabei hat sie drei Haupttypen von Hundehaltern ausgemacht, die sich in Einstellungen und Verhaltensmustern deutlich unterscheiden.
Sollte sie das Verhältnis zu ihrem Riesenschnauzer "Nessi" bewerten, würde sich Studienleiterin Dr. Silke Wechsung selbst zu den "naturverbundenen und sozialen Hundehaltern" zählen. Laut ihrer Studie gehören 43 Prozent aller Hundebesitzer diesem Typus an. Daneben hat die Psychologin der Universität Bonn in ihrer Untersuchung den prestigeorientierten, vermenschlichenden Hundehalter (22 Prozent) und den stark auf den Hund fixierten, emotional gebundenen Hundehalter (35 Prozent) ausgemacht.

Im Rahmen ihres Forschungsprojekts hat Wechsung 2789 Besitzer nach der Beziehung zu ihren Hunden befragt. Zudem erfasste sie neben verschiedenen Charakteristika der Hunde, z.B. Größe, Alter und Hunderasse, auch Angaben zum Halter wie Alter, Wohnort oder sozialen Stand. Außerdem flossen die Ergebnisse systematischer Verhaltensbeobachtungen von Menschen und Hunden in die Untersuchung ein. Erstmals konnte sie so nicht nur die Beziehungs¬zufriedenheit von Haltern wissenschaftlich unter die Lupe nehmen, sondern auch die Bedürfnis¬befriedigung des Hundes. Der sprichwörtlich "beste Freund des Menschen" kann nun mal nicht sprechen und seine Zufriedenheit höchstens durch Schwanzwedeln kommunizieren. Daher achtete die Forscherin beispielsweise darauf, ob der Hund artgerecht gehalten wurde und wie gut er auf Kommandos seines Halters hörte. Außerdem registrierte sie, ob Frauchen oder Herrchen über ein gutes Fachwissen verfügten.

Psychogramm des Hundehalters: Die drei Typen

Insgesamt bescheinigt die Psychologin den Hundebesitzern gute Haltungsnoten. Doch ein Viertel aller untersuchten Mensch-Hund-Beziehungen sei mangelhaft, weil die Halter mit dem Tier ausschließlich eigennützige Motive verfolgen: Der prestigeorientierte Hundehalter (Typ 1) will mit dem Hund u.a. sein eigenes Selbstbewusstsein stärken und sein Ansehen bei anderen Menschen verbessern. Wie es seinem Hund dabei geht, interessiert ihn nicht besonders, denn mit den arteigenen Bedürfnissen seines Hundes beschäftigt er sich wenig. "Wer seinen Hund zu sehr vermenschlicht und nicht auf seine Bedürfnisse eingeht, hält das Tier nicht artgerecht und kann keine gute partnerschaftliche Beziehung zu ihm aufbauen", warnt Silke Wechsung.

Typ 2 ist sehr stark auf den Hund fixiert. Das Tier ist sein ein und alles, seine volle Aufmerksamkeit gilt dem Wohlbefinden des Hundes, allerdings ohne den Hund zu vermenschlichen. Darum ist bei diesem Typ die Qualität der Mensch-Hund-Beziehung hoch. Auch wenn sich der Halter eher zu Tieren als zu Menschen hingezogen fühlt, verhält er sich rücksichtsvoll in der Öffentlichkeit und möchte mit seinem Hund niemanden belästigen oder gefährden.

Den dritten Typ der Hundehalter bezeichnet die Psychologin als naturverbunden und sozial. Er beschäftigt sich aktiv mit dem Tier, ist kontaktfreudig und freut sich, über den Hund neue Menschen kennenzulernen. Zwischenmenschliche Beziehungen sind ihm (noch) wichtiger als der Hund. Er verfügt über ein hohes Fachwissen zu Hundehaltung und achtet auf eine gute Erziehung seines Hundes. Die Qualität seiner Mensch-Hund-Beziehung ist dementsprechend hoch.

Zentrales Ergebnis der Studie: Wie Mensch und Hund miteinander klarkommen, hängt weniger vom Hund als von den Einstellungen und den Verhaltensweisen "am anderen Ende der Leine" ab. "Natürlich sind Hunde sehr verschieden", sagt Wechsung. "Doch ein verantwortungsbewusster Halter von Typ 2 oder 3 wird sich auch in dieser Hinsicht schon im Vorfeld vernünftig informieren und dafür sorgen, dass der von ihm ausgewählte Hund von seinen Anlagen her gut zu ihm passt."

Person-Dog-Fit-Test - pudelwohl oder hundselend?

Wer wissen möchte, zu welchem der drei Hundehaltertypen er am ehesten gehört, wie hoch die Qualität seiner Mensch-Hund-Beziehung ist oder ob er sich überhaupt einen Hund anschaffen sollte, für den steht bald ein besonderer Test bereit. Denn noch in diesem Jahr entwickelt Silke Wechsung auf der Basis ihrer Untersuchungsergebnisse einen individuellen "Person-Dog-Fit-Test". Hundehalter, die eine individuelle Auswertung wünschen, können sich jetzt schon unverbindlich unter mein-test@mensch-hund.com vormerken lassen.

Das Buch zur Studie ist ab sofort im Buchhandel erhältlich (Mensch und Hund. Beziehungsqualität und Beziehungsverhalten von Silke Wechsung, erschienen im Roderer Verlag)

Kontakt:
Dr. Silke Wechsung
c/o Psychologisches Institut der Universität Bonn
Tel.: 0228 - 926169-18
Mail: s.wechsung@uni-bonn.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)  

Neueste Forschung zu Allergien: Hyposensibilisierung kann helfen

Dr. Anna-Sabine Ernst, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Die spezifische Immuntherapie wirkt bei vielen Menschen / Der Versuch, Hausstaubmilben zu beseitigen, ist jedoch meist nicht hilfreich
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat aktuelle Forschungsarbeiten zu Allergien geprüft. Dabei zeigte sich, dass die früher umstrittene spezifische Immuntherapie gegen allergische Beschwerden tatsächlich vielen Menschen helfen kann.

Wenn alles grünt und blüht, erreicht die Allergiesaison ihren Höhepunkt. Immer mehr Menschen sind betroffen: In Deutschland hat mindestens einer von fünf Einwohnern Heuschnupfen. Fast die Hälfte der Bevölkerung reagiert wenigstens zeitweise auf Allergene wie Pollen oder Hausstaubmilben. Es ist aber immer noch unklar, warum Allergien in den letzten Jahrzehnten so stark zugenommen haben. Der Leiter des IQWiG, Prof. Dr. med. Peter Sawicki, sagte, bisher sei noch keine der Theorien zur Häufung von Allergien wissenschaftlich nachgewiesen. So ist zum Beispiel die Annahme, dass Impfungen im Kindesalter für die Zunahme der Allergien verantwortlich sein könnten, offenbar nicht belegt.

"Es gibt viele unbewiesene Behauptungen über Allergien", so Peter Sawicki, "aber es gibt auch immer mehr Forschungsergebnisse, die die Fakten von den Mythen trennen. Zum Beispiel hat sich gezeigt, dass teure und zeitraubende Versuche, Hausstaubmilben in der Wohnung zu bekämpfen, wie das Entfernen von Teppichen und häufiges Waschen des Bettzeugs, meistens nichts nützen: Es ist einfach unmöglich, alle Milben zu beseitigen - egal, wie viel Mühe man sich macht. Aber es stehen inzwischen wirksame Allergiebehandlungen zur Verfügung, zum Beispiel die spezifische Immuntherapie, und eine ganze Reihe von Medikamenten, die die Beschwerden lindern."

Das Institut hat die neuesten unabhängigen Forschungsarbeiten zu Allergien analysiert, um herauszufinden, welche Therapien oder vorbeugenden Maßnahmen tatsächlich wirken. Das Ergebnis: Die spezifische Immuntherapie gegen allergische Beschwerden kann vielen Menschen helfen. Bei dieser auch Hyposensibilisierung genannten Behandlung wird der Wirkstoff, ein Allergenextrakt, als Spritze unter die Haut oder in Form von Tropfen, Tabletten oder Spray unter die Zunge (sublingual) gegeben. Sie wird immer häufiger eingesetzt: Der Arzneiverordnungs-Report 2007 zeigt, dass mehr als ein Dutzend dieser Extrakte mittlerweile zu den 3000 Medikamenten zählen, die in Deutschland am häufigsten verschrieben werden.

Peter Sawicki: "Besonders die sublinguale Immuntherapie wird in Europa immer beliebter. Die Forschung hat gezeigt, dass sie bestimmte allergische Reaktionen bei Erwachsenen verringern kann und weniger unerwünschte Wirkungen auslöst als die Injektionsbehandlung. Wir sind noch nicht völlig sicher, ob die sublinguale Therapie genauso wirksam ist wie die Behandlung mit Spritzen, und ob sie auch bei Kindern wirkt. Aber wir denken, dass die vielen Studien, die diese Fragen derzeit untersuchen, bald gute Antworten liefern werden."

Der Einsatz von so genannten Antihistaminika ist in den letzten Jahren zurückgegangen. Das IQWiG hat auch die aktuelle Forschung zu einigen der meistverkauften Antihistaminika untersucht. Demnach können all diese Wirkstoffe Allergiesymptome lindern, sie haben häufig aber auch unerwünschte Wirkungen. Wie schnell sie wirken und wie oft sie Nebenwirkungen haben, ist verschieden.

Das Institut hat außerdem geprüft, wie man Allergien bei Kindern vorbeugen könnte, und folgende Schlüsse gezogen: Eltern können ihre Kinder schützen, indem sie aufhören zu rauchen. Säuglings-Ersatznahrung kann gelegentlich Allergien auslösen. Und es gibt erste Hinweise, dass es vorbeugend wirken könnte, in den letzten Schwangerschaftswochen probiotische Nahrungsergänzungsmittel zu nehmen. "Die Wirkung von Probiotika in der Schwangerschaft ist ein Forschungsgebiet, das das IQWiG weiterhin aufmerksam beobachten wird", so Sawicki.

Die IQWiG-Website Gesundheitsinformation.de (Link zu Startseite) informiert die Bevölkerung allgemeinverständlich und aktuell über medizinische Entwicklungen und Forschungsergebnisse zu wichtigen gesundheitlichen Fragen. Die heute veröffentlichten Informationen berichten über Allergievorbeugung bei Kindern, über spezifische Immuntherapie und häufig eingesetzte Antihistaminika. Wer über die neuesten Veröffentlichungen der unabhängigen Gesundheits-Website auf dem Laufenden sein möchte, kann den Gesundheitsinformation.de-Newsletter abonnieren.
Weitere Informationen:
http://www.iqwig.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben) 

Keine Brille mehr: Schöne Nebenwirkung der OP am Grauen Star

Dr. Josef König, Pressestelle
Ruhr-Universität Bochum

Neue Linse wird mit UV-Licht angepasst
RUB-Augenklinik setzt als erste in Deutschland neues Verfahren ein

Als angenehme Nebenwirkung einer Operation des Grauen Stars geht an der RUB-Augenklinik der Traum vieler Brillenträger in Erfüllung: Ohne Brille scharf sehen. Die Augenärzte um Klinikdirektor Prof. Dr. Burkhard Dick und Oberarzt Dr. Fritz Hengerer (Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer) setzen als erste in Deutschland statt einer Standardkunstlinse mit fixer Brechkraft eine neuartige Linse ein, deren Brechkraft nach der OP mittel UV-Bestrahlung justiert werden kann. So werden Fehlsichtigkeiten dauerhaft und hochpräzise behoben und die Brille überflüssig. Das Verfahren kommt für praktisch alle in Frage, die sich wegen des Grauen Stars operieren lassen müssen - das sind etwa 800.000 Menschen in Deutschland jedes Jahr", umreißt Prof. Dick.

Bei Nichtgefallen: Neue Anpassung

Bei der Operation des Grauen Stars (Katarakt) wird die natürliche, getrübte Augenlinse durch einen Kleinstschnitt durch eine künstliche ersetzt. Bisher müssen die Patienten nachher meistens mit derselben Fehlsichtigkeit leben wie vorher. Die neue, Licht-adjustierbare Linse wird im Auge mit einer speziell entwickelten Lichtquelle auf die individuelle Brechkraft der Patienten eingestellt, eine Prozedur von wenigen Sekunden. So lassen sich unter anderem Kurzsichtigkeit (Myopie), Weitsichtigkeit (Hyperopie) und Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) auf Dauer beheben. Bei Nichtgefallen kann die Brechkraft mehrfach erneut geändert werden.

Teilchen verlagern sich durch das Licht

Das ultraviolette Licht einer genau definierten Wellenlänge wird während der Bestrahlung auf die optische Zone der Licht-adjustierbaren Linse gerichtet. Dabei kommt es in der Linse zu einer Verkettung von freien Teilchen, die sich innerhalb von wenigen Stunden in die bestrahlten Regionen verlagern und eine Abflachung oder Verdickung der optischen Zone der Linse bewirken. "Das Ergebnis ist phänomenal", so Prof. Dick: "Eine maßgeschneiderte, den individuellen Bedürfnissen angepasste Intraokularlinse." Nach Abschluss der Feineinstellungen wird die Linsenstärke endgültig fixiert: Die Optik der Linse wird erneut mit UV-Licht verschiedener Wellenlängen bestrahlt und alle verbliebenen freien Teilchen werden zu einem Netzwerk verknüpft. Die Patienten können einen Tag später die nach der Operation zum Schutz der lichtempfindlichen Linse notwendige UV-Schutzbrille ablegen.

Patienten sind hochzufrieden

Alle in der RUB-Augenklinik durchgeführten Behandlungen mit der neuen Linsentechnologie verliefen komplikationsfrei. "Die Patienten konnten mittels individuell erstelltem Bestrahlungsplan auf die gewünschte Brechkraft eingestellt werden und sind hochzufrieden", so Dr. Hengerer.

Weitere Informationen

Prof. Dr. Burkhard Dick, Dr. Fritz Hengeler, Augenklinik der Ruhr-Universität Bochum im Knappschaftskrankenhaus Bochum-Langendreer, In der Schornau 23-25, 44892 Bochum, Tel. 0234/299-80058, E-Mail: augenklinik@kk-bochum.de

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news264693

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)  

Mehr Energieeffizienz bei der Stadtbeleuchtung

Startschuss für Bundeswettbewerb

Rund ein Drittel der Straßenbeleuchtung in Deutschland ist 20 Jahre und älter - und verbraucht oft mehr Energie als nötig. Das Bundesumweltministerium (BMU), die KfW-Bankengruppe und das Umweltbundesamt (UBA) starten deshalb heute den Bundeswettbewerb „Energieeffiziente Stadtbeleuchtung". UBA-Präsident Prof. Dr. Troge: „Wir sollten alte Straßenlaternen bald austauschen. So lässt sich der Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid um rund eine Million Tonnen pro Jahr senken. Die Kommunen können außerdem viel Geld sparen". Die Beleuchtung der Straßen, Plätze und Brücken verbraucht in Deutschland rund drei bis vier Milliarden Kilowattstunden jährlich. Dies entspricht dem Stromverbrauch von rund 1,2 Millionen Haushalten. Pro Jahr fallen so über zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) an. Derzeit tauschen die Kommunen pro Jahr nur drei Prozent der Straßenbeleuchtung aus. Der Wettbewerb soll Anstöße für eine schnellere Modernisierung geben.

Der erste Teil des Bundeswettbewerbs richtet sich an die Anbieter moderner Beleuchtungstechnik. Im Ergebnis dieses Technikwettbewerbs soll eine Sammlung am Markt verfügbarer, energieeffizienter Techniken für die Stadtbeleuchtung vorliegen, die die Kommunen nutzen können.

Bei dem im Herbst 2008 anschließenden zweiten Teil, dem Kommunenwettbewerb, sind Kommunen aufgefordert, Konzepte zur Erneuerung ihrer Stadtbeleuchtung vorzulegen. Eine Fachjury aus Vertretern einschlägiger Verbände zeichnet die besten Konzepte aus. Die Kommunen können für die Umsetzung eine Investitionsförderung aus dem Umweltinnovations­programm des BMU erhalten. Mit dem bei den Betriebskosten gesparten Geld können die Kommunen in den Folgejahren ihre finanzielle Situation verbessern und einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Die Berliner Energieagentur (BEA) begleitet den Wettbewerb. Dort gibt es auch die Wettbewerbsunterlagen. Mehr Infos unter http://www.bundeswettbewerb-stadtbeleuchtung.de

Bewerbungsschluss ist der 25. Juli 2008. Bewerbungen an: Frau Sabine Piller, Tel.: 030 / 29 33 30 56; E-mail: info@bundeswettbewerb-stadtbeleuchtung.de

Lesen Sie diese Presseinfo online unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/presseinfo-aktuell.htm

Pressesprecher: Martin Ittershagen

Mitarbeiter/innen: Anke Döpke, Dieter Leutert,
Fotini Mavromati, Theresa Pfeifer, Martin Stallmann

Adresse: Postfach 1406, 06813 Dessau-Roßlau

Telefon: 0340/21 03-2122, -2827, -2250, -2318, -3927, -2507

E-Mail: pressestelle@uba.de

Internet: www.umweltbundesamt.de

(Quelle: Umweltbundesamt)

(nach oben) 

Neues Internetportal hilft Behörden beim Computer-Kauf

Wirtschaft und Verwaltung starten Projekt ITK-Beschaffung

Wenn Behörden, Ämter und Ministerien moderne Technik einkaufen, müssen sie auf komplizierte Regeln achten. Europäisches und deutsches Recht verbieten bei öffentlichen Ausschreibungen zum Beispiel die Nennung von Markennamen. Bei der Bestellung von Informations- und Kommunikationstechnik ist das besonders knifflig, da hier oft bestimmte Marken gesucht werden. Eine Lösung bietet das neue Onlineportal http://www.itk-beschaffung.de/, das nun in Berlin von öffentlicher Hand und BITKOM gemeinsam gestartet wurde. In dem Portal finden Einkäufer stets verlässliche, verständliche und aktuelle Informationen für die produktneutrale Beschaffung von Informations- und Kommunikationstechnik. Nicht nur die Verwaltung, auch Einkäufer aus Unternehmen und privaten Institutionen können sich hier informieren. „Dieses zukunftsweisende Projekt erleichtert den Einkauf von Informations- und Kommunikationssystemen enorm", sagt Prof. August-Wilhelm Scheer, Präsident des Hightech-Verbands BITKOM. „Außerdem bringt es juristische Sicherheit für die Beschaffer."

Das Projekt http://www.itk-beschaffung.de/ ist eine gemeinsame Initiative des Beschaffungsamts des Bundesinnenministeriums und des Hightech-Verbands BITKOM. Als gleichberechtigte Partner beteiligt sind das Bundesamt für Informationsmanagement und Informationstechnik der Bundeswehr sowie das Umweltbundesamt (UBA). Zunächst hilft die Internetseite bei der Beschaffung von Desktop-PCs. Das Angebot wird kurzfristig ausgebaut, es folgen Notebooks, Server und Multifunktionsgeräte.

„Für die Einkäufer der öffentlichen Hand ist dieses Internetangebot eine große Hilfe", so Roderich Egeler, Direktor des Beschaffungsamtes des Bundesinnenministeriums. „Wir erwarten eine größere Zahl von Angeboten auf unsere Ausschreibungen. Das Portal fördert also den Wettbewerb und sorgt so für Einsparungen. Wir können das Geld der Steuerzahler dadurch effizienter einsetzen."

Immer wichtiger bei der Ausschreibung von ITK-Produkten ist deren Umweltverträglichkeit. Das Portal berücksichtigt daher auch Aspekte wie niedrigen Energieverbrauch, einfache Wiederverwertbarkeit der Geräte oder geringe Lärmemissionen während des Betriebs. „Die Beschaffung energiesparender PCs durch die öffentliche Hand ist ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz - und spart Kosten", sagt der Präsident des Umweltbundesamtes Prof. Dr. Andreas Troge. „Zusätzlich lassen sich mit umweltgerechten PCs die Lärm- und andere Gesundheitsbelastungen am Arbeitsplatz reduzieren."

Mehr Informationen erhalten Sie unter www.ITK-Beschaffung.de

Ansprechpartner:

BITKOM: Christian Hallerberg, Pressesprecher, Tel.: 030 2757-6119; E-Mail: c.hallerberg@bitkom.org

Beschaffungsamt des Bundesministeriums des Inneren: Frau Miliana Mongeville-Romic, Pressestelle, Tel. 0228 996 10-1210; miliana.mongeville-romic@bescha.bund.de

Umweltbundesamt: Martin Ittershagen, Pressesprecher, Tel.: 0340 2103-2122; E-Mail: martin.ittershagen@uba.de

Lesen Sie diese Presseinfo online unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/presseinfo-aktuell.htm

Pressesprecher: Martin Ittershagen

Mitarbeiter/innen: Anke Döpke, Dieter Leutert,
Fotini Mavromati, Theresa Pfeifer, Martin Stallmann

Adresse: Postfach 1406, 06813 Dessau-Roßlau

Telefon: 0340/21 03-2122, -2827, -2250, -2318, -3927, -2507

E-Mail: pressestelle@uba.de

Internet: www.umweltbundesamt.de

(Quelle: Umweltbundesamt)

(nach oben) 

Anhaltende Trockenheit und Stickstoffeinträge gefährden biologische Vielfalt

Landwirtschaft muss Stickstoffeinträge reduzieren

In den letzten vier Jahrzehnten hat sich die Menge des global freigesetzten Stickstoffs verdreifacht - und dieser Trend hält weiter an. Dadurch ist die biologische Vielfalt langfristig gefährdet: „Stickstoffliebende Pflanzen - wie die Brennnessel und die Brombeere - verdrängen andere Arten. Grasfluren überwuchern ganze Lebensraumtypen, die an nährstoffarme Bedingungen angepasst sind - wie Hochmoore oder Heiden - die damit verloren zu gehen drohen", sagt Prof. Dr. Andreas Troge, Präsident des Umweltbundesamtes (UBA). Probleme entstehen auch in Kombination mit anhaltenden Trockenperioden - wie derzeit in vielen Regionen Ostdeutschlands: Die sich ausbreitenden stickstoffliebenden Gräser, bedrohen bei Trockenheit in Wäldern die Wasserverfügbarkeit für Bäume.

Die zu hohen Stickstoffeinträge stammen aus der intensiven Tierhaltung, der Verwendung Handelsdünger und der Verbrennung fossiler Stoffe. Sie belasten 98 Prozent der empfindlichen Naturräume in Deutschland. Stickstoff wirkt versauernd und eutrophierend, also einseitig düngend auf Böden. Das daraus resultierende unausgewogene Nährstoffangebot und der Säurestress sind für viele Pflanzen und Bodenlebewesen schädlich. Die Angleichung der Lebensbedingungen in der Natur auf ein zunehmend versauertes, eutrophiertes Niveau reduziert die biologische Vielfalt. Pflanzenarten, die an nährstoffarme und weniger saure Bedingungen anpasst sind, haben langfristig geringe Überlebenschancen. Zahlreiche, für Magerstandorte typische Pflanzenarten -beispielsweise viele Flechten und Orchideen - stehen bereits auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verpflichteten sich mit der Richtlinie zu Nationalen Emissionsobergrenzen sowie in der Genfer Luftreinhaltekonvention dazu, die Eutrophierung und Versauerung bis 2010 im Vergleich zu 1990 deutlich zu reduzieren. Auch die UN-Konvention über die Biologische Vielfalt (CBD) erkennt das Problem und bezeichnet die Stickstoffbelastung als Risiko für die Biodiversität.

Um die erforderliche Minderung des Stickstoffeintrags zu erreichen, sind erhebliche Anstrengungen, vor allem in der Landwirtschaft notwendig: „Stickstoff als Ammoniak kommt zu 95 Prozent aus der Landwirtschaft. Wir haben also im Landbau noch einiges vor uns, dieser muss die Stickstoffemissionen deutlich reduzieren", so Troge. „Landwirte können die Stickstoffeinträge in die Umwelt beispielsweise mit einer optimierten Fütterung und einem geringeren Stickstoffdüngereinsatz im Pflanzenbau mindern. Gülle sollte besser über Biogasanlagen vergoren und erst dann als Dünger auf die Felder gebracht werden. Das reduziert den Stickstoffeintrag und produziert gleichzeitig klimafreundliche Energie."

Weitere Informationen zur Belastung der Ökosysteme durch Stickstoffeinträge finden sich auf den Seiten des UBA zu den Umweltdaten für Deutschland unter http://www.umweltbundesamt-umwelt-deutschland.de/umweltdaten/public/theme.do?nodeIdent=3596.

Eine Studie der Europäischen Umweltagentur (EEA) zu Indikatoren zur Überwachung des Biodiversitätsverlustes kann unter:

http://reports.eea.europa.eu/technical_report_2007_11/en/Tech_report_11_2007_SEBI.pdf kostenlos heruntergeladen werden.

Lesen Sie diese Presseinfo online unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/presseinfo-aktuell.htm

Pressesprecher: Martin Ittershagen
Mitarbeiter/innen: Anke Döpke, Dieter Leutert,
Fotini Mavromati, Theresa Pfeifer, Martin Stallmann
Adresse: Postfach 1406, 06813 Dessau-Roßlau
Telefon: 0340/21 03-2122, -2827, -2250, -2318, -3927, -2507
E-Mail: pressestelle@uba.de
Internet: www.umweltbundesamt.de

(Quelle: Umweltbundesamt)

(nach oben) 

Höchststand bei Beschäftigten im Umweltschutz

1,8 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland für den Umweltschutz

Viereinhalb Prozent aller Arbeitsplätze in Deutschland sind im Jahr 2006 vom Umweltschutz abhängig, fast 1,8 Millionen Beschäftigte. Das ist ein neuer Höchststand. 2004 ging man noch von 3,8 Prozent aus. Vor allem drei Faktoren tragen diese positive Entwicklung: ein starker Beschäftigungszuwachs bei erneuerbaren Energien, wachsende Exporte deutscher Umwelttechnik und zusätzliche Arbeitsplätze bei den umweltorientierten Dienstleistungen. „Umwelt- und Klimaschutz führen nicht in die beschäftigungspolitische Sackgasse, sondern sind ein Weg zu mehr Beschäftigung. Die Umweltwirtschaft ist in Deutschland zu einer sehr dynamischen Schlüsselbranche geworden" sagte Bundesumweltminister Sigmar Gabriel anlässlich der Veröffentlichung der neuen Zahlen.

Die Schätzung zu den Beschäftigten im Umweltschutz ist das Ergebnis einer neuen wissenschaftlichen Untersuchung im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMU) und des Umweltbundesamtes (UBA). Dabei werteten Wissenschaftler des Deutsches Instituts für Wirtschaftsforschung, des Niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsforschung und des ifo Instituts für Wirtschafsforschung, die neusten verfügbaren Zahlen zu den Arbeitsplätzen im Umweltschutz aus. Sie entwickelten gleichzeitig die Berechnungsmethodik im Vergleich zu der Schätzung für das Jahr 2004 weiter.

„Die Bedeutung des Umweltschutzes für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt wird weiter zunehmen. Denn alle Prognosen deuten darauf hin, dass sich der globale Markt für Umweltschutz weiterhin dynamisch entwickelt," kommentierte UBA-Präsident Professor Dr. Andreas Troge die Ergebnisse.

Die ausführliche Studie „Beschäftigungswirkungen des Umweltschutzes für das Jahr 2006" erscheint im Verlauf des Sommers 2008. Ein ausführliches Hintergrundpapier kann im Internet unter http://www.uba.de/uba-info-presse/hintergrund/beschäftigung.pdf abgerufen werden.

Lesen Sie diese Presseinfo online unter http://www.umweltbundesamt.de/uba-info-presse/presseinfo-aktuell.htm

Pressesprecher: Martin Ittershagen

Mitarbeiter/innen: Anke Döpke, Dieter Leutert,
Fotini Mavromati, Theresa Pfeifer, Martin Stallmann

Adresse: Postfach 1406, 06813 Dessau-Roßlau

Telefon: 0340/21 03-2122, -2827, -2250, -2318, -3927, -2507

E-Mail: pressestelle@uba.de

Internet: www.umweltbundesamt.de

(Quelle: Umweltbundesamt)

(nach oben)  

Zelltod verhindert Krebs

Dr. Elisabeth Zuber-Knost, Stabsabteilung Presse, Kommunikation und Marketing
Karlsruher Institut für Technologie

In Körperzellen sorgt ein Schutzfaktor, das so genannte Tumorsuppressor-Protein p53, dafür, dass Zellen mit defekter Erbsubstanz entsorgt werden. Wie dieser Schutzmechanismus ausgelöst wird, galt bisher weitgehend als aufgeklärt. Nun haben Wissenschaftler des Instituts für Toxikologie und Genetik (ITG) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) einen neuen Weg entdeckt, wie die interne Signalkette in Gang kommt. Die Erkenntnisse könnten zukünftig dazu dienen, schonendere Krebstherapien zu entwickeln, da die konventionelle Krebsbehandlung auch gesundes Gewebe schädigen kann.
Das Eiweiß p53 gilt als einer der wichtigsten Schutzfaktoren, mit dem der Körper das Entarten eigener Zellen verhindert. Die Regulation von p53 wird daher intensiv untersucht. Zumeist lösen Schäden in der Erbsubstanz das übermäßige Zellwachstum aus. Treten solche DNA-Schäden auf, etwa durch äußere Einflüsse wie radioaktive Bestrahlung oder durch zufällige Fehler in der Zusammensetzung der Erbsubstanz, wird der Abbau von p53 verhindert und damit automatisch dessen Konzentration erhöht. Über eine mehrstufige biochemische Signalkette erhält dann der Zellkern die Information, die Vermehrung der Erbsubstanz einzustellen. Als Folge teilen sich die betroffenen Zellen nicht mehr und sterben ab. "Wenn wir genau verstehen, wie p53 den Zelltod reguliert, können wir über diesen Weg auch das Wachstum von Tumoren verhindern", so Dr. Christine Blattner vom ITG. Als eines der initiativen Elemente in der Signalkette vermuteten Wissenschaftler bisher das Enzym ATM-Kinase. In eigenen Versuchen widerlegte das Team um Blattner dieses Erklärungsmodell. Die ITG-Wissenschaftler wählten für ihre Untersuchungen menschliche Zell-Linien, denen das Enzym ATM-Kinase wegen eines Gendefekts fehlt, und analysierten das Verhalten von p53, nachdem sie die Zellen bestrahlt hatten. Dabei zeigte sich, dass auch in diesen Zellen die Konzentration von p53 nach Bestrahlung ansteigt. In weiteren Untersuchungen konnten die Wissenschaftler aufklären, welche Faktoren p53 wirklich regulieren. "Dieser Mechanismus ist sehr interessant für die Krebsbehandlung", erklärt Christine Blattner, "denn sowohl Bestrahlungen als auch einige Chemotherapeutika können DNA-Schäden verursachen und dadurch Folgetumore auslösen." Zwar ist p53 in Tumorzellen oft defekt. Bei Krebszellen mit intaktem p53 könnte das gezielte Erhöhen dieses Schutzfaktors jedoch zukünftig ein aussichtsreicher Behandlungsansatz sein, um entartetes Gewebe abzutöten, ohne gesunde Zellen zu schädigen.

Die Ergebnisse der Studie sind in der Ausgabe 22 der Proceedings of the National Academy of Sciences erschienen.

Im Karlsruher Institut für Technologie (KIT) schließen sich das Forschungszentrum Karlsruhe in der Helmholtz-Gemeinschaft und die Universität Karlsruhe zusammen. Damit wird eine Einrichtung international herausragender Forschung und Lehre in den Natur- und Ingenieurwissenschaften aufgebaut. Im KIT arbeiten insgesamt 8000 Beschäftigte mit einem jährlichen Budget von 700 Millionen Euro. Das KIT baut auf das Wissensdreieck Forschung - Lehre - Innovation.

Die Karlsruher Einrichtung ist ein führendes europäisches Energieforschungszentrum und spielt in den Nanowissenschaften eine weltweit sichtbare Rolle. KIT setzt neue Maßstäbe in der Lehre und Nachwuchsförderung und zieht Spitzenwissenschaftler aus aller Welt an. Zudem ist das KIT ein führender Innovationspartner für die Wirtschaft.

Diese Presseinformation ist im Internet abrufbar unter: http://www.kit.edu

Das Foto kann in druckfähiger Qualität angefordert werden unter: info@pkm.fzk.de oder +49 7247 82-2861.

Weiterer Kontakt:

Inge Arnold
Forschungszentrum Karlsruhe
Stabsabteilung Presse, Kommunikation und Marketing
Postfach 3640, 76021 Karlsruhe
Tel.: +49 7247 82-2861
Fax: +49 7247 82-5080
E-Mail: info@pkm.fzk.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben) 

Elfmeterschießen ist Glücksache

Dipl.-Journalist Tobias D. Höhn, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Leipzig

Kann ein Torhüter tatsächlich vorausberechnen, in welche Ecke der Schütze den Elfmeter schießen wird? Eine spannende Frage, gerade zu Beginn der Fußball-Europameisterschaft. Auch Soziologen der Universität Leipzig haben sich diesem Thema genähert und präsentieren die Ergebnisse inklusive echtem Elfmeterschießen beim Wissenschaftssommer auf dem Leipziger Augustusplatz vom 28. Juni bis 4. Juli.
Als Deutschland das Viertelfinale der letzten Fußball-WM im Elfmeterschießen gewann, glaubten viele, dass dies auch einem Zettel zu verdanken war. Auf diesem waren die Schussrichtungen von möglichen Schützen des argentinischen Gegners notiert. Hat der Torwart Lehmann das Strafstoßduell tatsächlich wegen des Zettels gewonnen?

Anders gefragt: Was ist das strategisch optimale Verhalten beim Elfmeter? Dazu muss man sich das Interaktionsproblem von Schütze und Torhüter vergegenwärtigen. Diese stehen vor der Frage: Wohin soll der Ball geschossen werden beziehungsweise soll der Torwart springen. Die Schussgeschwindigkeit des Balles und die Ausmaße des Tors machen es erforderlich, dass der Torhüter sich für eine Ecke entscheidet bevor er eindeutig sehen kann, wohin der Ball fliegt. Der Schütze wiederum weiß, dass der Torwart erst im letztmöglichen Moment in eine Ecke springen wird, da er sich sonst sämtlicher Abwehrchancen beraubt. Alle Tricks, Körpertäuschungen, Zettel und mehr helfen hier nur solange weiter, als der Gegner diese nicht ebenfalls kennt, was bei professionellen Spielern nicht zu erwarten ist.

Wenn der Schütze Ayala nämlich weiß, dass er auf Lehmanns Zettel mit der Schussrichtung "rechts" notiert ist, wird er nicht dorthin, sondern nach links schießen. Das weiß aber auch Lehmann und springt ebenfalls nach links, weshalb Ayala doch rechts wählt und so weiter.

Die Auflösung dieses scheinbar unendlichen Zirkels kann aus dem Minimax-Theorem abgeleitet werden: Beide Spieler müssen sich derart entscheiden, dass die Chance das Tor zu erzielen beziehungsweise den Schuss abzuwehren für jeden Punkt des Tores gleich groß ist. Dies können sie erreichen, wenn sie sich zufällig für eine Option entscheiden und damit unberechenbar für den Gegner bleiben. Die optimalen Wahrscheinlichkeiten mit denen diese zufällige Wahl geschehen muss, ergeben sich dabei aus dem erwarteten Gewinn den der Gegenspieler von einer bestimmten Aktion hat. Daraus können verschiedene Hypothesen abgeleitet werden. Zum Beispiel sollte der Schütze häufiger die Mitte wählen als der Torwart. Eine Überprüfung dieser und weiterer Vorhersagen an Hand aller 1043 Elfmeter, die in der Bundesliga von 1992/93 bis 2003/04 getreten wur-den zeigt, dass die Spieler sich im Durchschnitt ungefähr wie vorhergesagt entschieden haben.

Warum aber beschäftigen sich Soziologen mit Strafstößen? Die strategische Interaktion, die dabei vorliegt, findet sich nicht nur beim Fußball, sondern in vielen anderen sozialen Interaktionen: Nämlich immer dann, wenn zwei Akteure Erwartungen bilden, die gegen-seitig auf den jeweils anderen bezogen sind. In der Soziologie wird dieses Problem als "doppelte Kontingenz" bezeichnet. Verschiedene Theorieprogramme (beispielsweise von Parsons und Luhmann) befassen sich damit.

Für den speziellen Fall einer völlig kompetitiven Diskoordinationsinteraktion wie beim Elfmeter, sind allerdings nur aus der Spieltheorie prüfbare Vorhersagen ableiten. Dafür sind auch Daten einfacher zu beschaffen, als für andere gleich geartete soziale Situationen, wie für Entscheidungen im Stau. Auch dort will jeder Autofahrer nicht die Strasse wählen, auf der die anderen fahren und für die es eine Staumeldung gibt. Fährt allerdings jeder auf die Ausweichstrecke, verlagert sich der Stau dorthin und die andere Route ist frei, weshalb sich doch alle andersrum entscheiden.

Ein anderes Beispiel aus dem Alltag: Wenn alle Zugreisenden Karten haben, brauchen die Schaffner nicht zu kontrollieren. Dann aber würde es wieder Schwarzfahrer geben, so dass die Schaffner wieder kontrollieren werden. Übrigens: Von den vier argentinischen Schützen waren nur zwei auf Lehmanns Zettel aufgeführt. Beide schossen auch wirklich in die vorhergesagte Richtung. Einen Schuss davon konnte Lehmann parieren. Das zeigt: Elfmeterschiessen ist tatsächlich Glückssache!

Weitere Informationen
Institut für Soziologie
Dr. Roger Berger
Telefon: 0151/718 33 731
E-Mail: berger@sozio.uni-leipzig.de
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de/~sozio - Institut für Soziologie der Universität Leipzig
http://www.wissenschaft-im-dialog.de/whs.php4?Thema=0&Medien=31&Art=0&TT=28&MM=06&JJ=08&TTE=04&MME=07&JJE=08&PLZ=PLZ+eingeben&action=anzeigen - Jahr der Mathematik Wissenschaftssommer Leipzig

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

(nach oben)