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A. Aktuelles

Hier finden Sie alle aktuellen Meldungen chronologisch geordnet. Suchen Sie frühere Meldungen, so sehen Sie in den Sachgebieten nach oder geben rechts oben einen Suchbegriff in das Suchen-Feld ein.

1)      Tägliche Meldungen

B. Forum

1)      Fragen und Antworten

Das Forum steht allen Nutzern zur Verfügung. Hier können Sie alle Beiträge lesen, selbst Beiträge erstellen oder auf Beiträge antworten

C. Fachwissen

Hier schreiben Praktiker für Praktiker. Haben Sie auch etwas Interessantes zu berichten, so schreiben Sie uns an Kontakt@Klaerwerk.info .

1)     Abwasserreinigung
2)      Energie- und E-Technik
3)      Kanal- und Entwässerung
4)      Maschinentechnik
5)      Labor
6)      Schlammbehandlung
7)      Gaserzeugung und BHKW
8)      Aus Bund Ländern und EU
         a) Vom Bund
         b) Aus der EU und aller Welt
         c) Aus den einzelnen Bundesländern (geordnet nach Bundesländer)
9)      Recht und Gesetze
         a) Beiträge zum Umweltgesetzbuch
         b) Beiträge zur Wasserrahmenrichtlinie (WWRL)
         c) Beiträge zum Erneuerbare Energien Gesetz (EEG)
10)    Neue Fachliteratur
         a) Neue Bücher
         b) CD/ DVD's
         c) Downloads
         d) Fachzeitschriften
         e) Lexika und Wörterbücher
11)  Tipps und Tricks

D. Berufliches

Der zweite Schwerpunkt von Klärwerk.info. Hier finden Sie alles für Arbeitnehmer und Vorgesetzte und was Sie persönlich angeht.

1)      Arbeitssicherheit
         a) Unfallverhütungsvorschriften- Regeln und Information
         b) Formulare und Erlaubnisscheine
         c) Gesetze und Verordnungen zur Arbeitssicherheit
         d) Umsetzung der Betriebssicherheitsverordnung
         e) Unterweisungshilfen
         f ) Hilfen zur Gefährdungsbeurteilung
         g) Ex-Schutz auf Kläranlagen
2)
      Tarif- und Arbeitsrecht
         a) Tarifrecht, Tarifvertrag, Gehaltsrechner und mehr
         b) Mitarbeitergespräche, Mitarbeiterbeurteilung
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         e) Arbeitszeugnisse
3)      Aus- und Weiterbildung
         a) Ansprechpartner
4)      Azubiseite
         a) Ausbildungshilfen für Ausbilder und "Azubis"
         b) Musterkläranlage
         c)  Prüfungsaufgaben
         d) Übungsaufgaben
         e) Informationen für Auszubildende
         f)  UT-Ausbildertreffen Fachkraft für Abwassertechnik
         g) Formeln, PSE und weitere Hilfen
5)      Meisterschüler
         a) Informationen für Meisterschüler
         b) Prüfungsaufgaben
6)        Offene Stellen

E. DWA-Infos

1)      Klärwerksnachbarschaften
         a) Kläranlagennachbarschaften in Bayern
         b) Kläranlagennachbarschaften in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern
         c) Kläranlagennachbarschaften in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland
2)      DWA-Informationen
         a) DWA Arbeitsblätter
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1)      Wetter und Hochwasser
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7)      Allgemeine Meldungen und Berichte

H. Fortbildungsdatenbank

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3)      Fortbildungen in der Schweiz
4)      Messen und Tagungen

I. Produktsuche/ Lieferanten

J. Kontakt

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14.10.2019 10:03

Klärwerk.info / Ablage / Tägliche Meldungen Oktober 2008

Tägliche Meldungen Oktober 2008

Die Themengebiete im Überblick:
Umwelt und Forschung
Gesellschaft
Gesundheit

Umwelt und Forschung 
29.10.2008
Gebündelte Energiekompetenz 
28.10.2008
Forschen für mehr Leichtigkeit 
27.10.2008
Infos für energieeffiziente Stadtbeleuchtung 
25.10.2008
Erste Erfolge für REACH 
21.10.2008
Der Fluidwandler - Strom aus Gas und Wasser 
20.10.2008
Erneuerbare Energien verursachen indirekte Kosten in Milliardenhöhe 
18.10.2008
Studie: Grundwasserspiegel hat großen Einfluss auf das lokale Klima 
14.10.2008
Meeresspiegel der Ostsee steigt immer rascher an 
11.10.2008
Humanarzneimittelwirkstoffe: Handlungsmöglichkeiten zur Verringerung von Gewässerbelastungen 
10.10.2008
Klares Wasser, reine Luft: Optische Methoden sichern die Umweltqualität 
06.10.2008
Vegetation von Extremhochwasser kaum betroffen - erstmals Publikation zu den Auswirkungen der Elbeflut 2002 auf Flora und Fauna 
05.10.2008
Klimawandel in Europa: Die Warnsignale werden immer deutlicher 
05.10.2008
Deutschland weltweit Spitze beim Export von Umweltschutzgütern 
03.10.2008
Flusslandschaften zurückgewinnen - Hochwasserschutz verbessern
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Gesellschaft
 
28.10.2008
Virtuell in 3 D durch das Römische Köln flanieren - Köln war schon in der Antike eine großartige Stadt 
27.10.2008
Mangelhafte Integration junger Menschen in den Arbeitsmarkt verursacht erhebliche gesellschaftliche Folgekosten 
25.10.2008
Neue Broschüre: Kreativer Dreiklang verbessert Arbeitsergebnisse 
18.10.2008
Auf der Spur der Rechtschreib-Gene 
14.10.2008
Grenzgänger am Arbeitsmarkt. Die große Furcht vor dem Abstieg 
11.10.2008
Mehr als 80 Prozent der Arbeitnehmer und Erwerbslosen wollen Kündigungsschutz stärken oder unverändert beibehalten 
10.10.2008
Stress ade? HMS-Studie zeigt Zusammenhang zwischen Computerspielen und Erholung am Arbeitsplatz 
06.10.2008
Informationsveranstaltung: Depressionen durch Arbeitsgestaltung vermeiden? 
03.10.2008
Warum Menschen zu Mobbing-Opfern werden
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Gesundheit
29.10.2008
Erkältungen vorbeugen: Händewaschen schützt mehr als Vitamine 
29.10.2008
Nur schlecht drauf - oder schon depressiv? 
28.10.2008
Chemikalien-Schutzhandschuhe kürzer tragen und häufiger wechseln 
27.10.2008
Broccoli macht Krebsstammzellen schwach 
25.10.2008
DGE: Testosteronmangel trifft auch jüngere Männer 
21.10.2008
Welche Behandlung wirkt wirklich? 
21.10.2008
Osteoporosepatienten: Schmerzfrei mit 4 ml Zement 
20.10.2008
Stellungnahme der Beratungskommission der GT zur Diskussion über den Trinkwasser-Leitwert für Uran 
20.10.2008
Etiketten mit Frische-Gedächtnis suchen Bewährungsprobe 
18.10.2008
Blutdrucksenker im Vergleich: Vorläufige Ergebnisse liegen vor 
14.10.2008
Osteoporose: Kalzium und viel Bewegung schützen die Knochen 
11.10.2008
Tinnitus im Computermodell 
10.10.2008
Handschuhe statt Hautschutzcremes 
06.10.2008
Hälfte aller beruflichen Fehltage durch Rheuma bedingt - Konsequente Therapie mindert Schmerzen und Kosten 
05.10.2008
Einzelne Lebensmittel sind unzulässig bestrahlt 
03.10.2008 Kopfschmerz-Forschung: Damit das Gewitter im Kopf nicht chronisch wird

 


Gebündelte Energiekompetenz

Dienstag, 11. November 2008, 14.00 bis 15.00 Uhr
electronica, Halle B2.634 - Fraunhofer-Gemeinschaftsstand

Strom aus kinetischer Energie von Flüssigkeiten oder Gasen in Leitungen zu erzeugen, war bisher nicht ohne weiteres möglich. Forscher der Fraunhofer-Technologie-Entwicklungsgruppe TEG stellen auf der electronica den Fluidwandler vor. Das Gerät wandelt die fluidische Energie innerhalb einer festen Geometrie in elektrische Energie um. Der Strom im Sensor reicht aus, um Daten zu sammeln und online an einen Rechner zu übertragen. Ein weiteres Highlight ist der keramische Detektor für die Gaschromatografie aus dem Fraunhofer-Institut für Keramische Technologie und Systeme IKTS. Er ist eine radioaktivfreie Alternative zum herkömmlichen Elektroneneinfangdetektor und kann in der industriellen Prozessüberwachung, aber auch im Umwelt- und Verbraucherschutz oder der Medizintechnik eingesetzt werden.

Weitere Themen sind unter anderem die kabellose Energieübertragung, Brennstoffzellensysteme für die einfache Massenfertigung oder die portable Anwendung sowie kundenspezifisch gefertigte Lithium-Polymer-Akkus und Energiewandler.

Bitte melden Sie sich an bei Axel Storz, axel.storz@teg.fraunhofer.de, Telefon 0711 970 3660 an, damit wir besser planen können.

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Erkältungen vorbeugen: Händewaschen schützt mehr als Vitamine

Dr. Anna-Sabine Ernst, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Vitamin C kann Ansteckung nicht verhindern / Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln wird häufig überschätzt
Die Tage werden kürzer, die Temperaturen fallen - und mit der kalten Jahreszeit naht die Erkältungs- und Grippesaison. Viele Menschen greifen jetzt zu Vitamin-C-Tabletten, um vorzubeugen. Doch die Forschung hat gezeigt, dass vitaminhaltige Nahrungsergänzungsmittel längst nicht so gut schützen wie zum Beispiel häufiges Händewaschen - und dass hohe Dosierungen auch schaden können. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat heute Informationen und ein Quiz zum Thema Prävention veröffentlicht: Sie helfen, verbreitete Mythen von Fakten zu unterscheiden.

Was Hoffnungen weckt, wird schnell zur vermeintlichen Gewissheit

Der Nutzen von Vitamin C und anderen sogenannten Antioxidantien wie Vitamin A, E und Betakarotin wird von vielen überschätzt. So glaubte man eine Zeitlang, die regelmäßige Einnahme Vitamin-C-haltiger Nahrungsergänzungsmittel könne nicht nur vor Erkältungen, sondern auch vor Krebserkrankungen schützen und so das Leben verlängern. Auf der IQWiG-Website www.gesundheitsinformation.de findet sich jetzt eine allgemeinverständliche Zusammenfassung von Forschungsergebnissen, die diese Vermutung widerlegen. Dazu der Leiter des IQWiG, Professor Dr. med. Peter Sawicki: "Für eine lebensverlängernde Wirkung mancher Antioxidantien existieren nicht nur keine Belege - es gibt sogar Hinweise darauf, dass bestimmte Mittel die Lebensdauer auch verkürzen könnten."

Manche "positiven" Berichte wecken Hoffnungen, die sich sehr schnell verbreiten, vermehren und dann als vermeintliche Gewissheiten festsetzen. Professor Sawicki: "Es kann sehr schwierig sein, solche Mythen wieder zu entkräften, auch dann, wenn sie sich durch weitere Forschung nicht bestätigen oder gar ins Gegenteil verkehren."

Einfache Maßnahmen schützen vor Atemwegsinfektionen

Ob leichte Erkältung oder fiebrige Grippe: Wenn die Nase läuft und der Hals kratzt, sind ansteckende Viren im Spiel. Viele Menschen sind fest davon überzeugt, dass Vitamin C vor Atemwegsinfektionen schützen könnte. Forschungsergebnisse haben jedoch gezeigt, dass Vitamin C eine Ansteckung nicht verhindert, und hohe Dosierungen sogar schädlich sein können.

Es gibt viele einfache, aber wirksame Möglichkeiten, um das Ansteckungsrisiko für Atemwegserkrankungen zu senken. Dazu gehört es, sich in der Grippesaison die Hände häufig mit normaler Seife zu waschen und sich nicht ins Gesicht zu fassen. Wer sich schon angesteckt hat, kann andere Menschen vor Ansteckung schützen, indem er es vermeidet, anderen die Hand zu geben, und benutzte Taschentücher schnell entsorgt.

Auf www.gesundheitsinformation.de hat das IQWiG heute ein Quiz veröffentlicht, mit dem man testen kann, wie gut man sich in Sachen Krankheitsvorbeugung auskennt, und das einige vielleicht überraschende Fakten vermittelt.

Die IQWiG-Website Gesundheitsinformation.de informiert die Bevölkerung allgemeinverständlich und aktuell über medizinische Entwicklungen und Forschungsergebnisse zu wichtigen gesundheitlichen Fragen. Wer über die neuesten Veröffentlichungen der unabhängigen Gesundheits-Website auf dem Laufenden sein möchte, kann den Gesundheitsinformation.de-Newsletter abonnieren.
Weitere Informationen:
http://www.iqwig.de - IQWiG Pressemitteilung
http://www.gesundheitsinformation.de - Nahrungsergänzungsmittel und komplementärmedizinische Produkte

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Nur schlecht drauf - oder schon depressiv?

Kathrin Winkler, Pressereferat
Kompetenznetz Depression

Trauer bei Verlusterlebnissen oder eine depressive Stimmung bei schwierigen Lebensumständen gehören zum normalen Auf und Ab des Lebens und stellen eine gesunde Reaktion auf die manchmal bitteren Seiten des Lebens dar. Doch wo hört die depressive Verstimmung auf, und wo fängt eine behandlungsbedürftige Depression an?
Ein Interview mit Prof. Dr. Ulrich Hegerl, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, anlässlich des Internationalen Tages der psychischen Gesundheit am 10. Oktober 2008.


*** Wie viel Depression ist normal?

'Depri' im umgangssprachlichen Sinne ist jeder einmal. Fachleute nennen das 'depressive Verstimmung'. Solche Phasen gehören genauso zum Leben dazu wie z.B. 'Schmetterlinge im Bauch' oder ähnliche Glücksgefühle. Dennoch ist die Grenzziehung zwischen einer depressiven Verstimmung und einer behandlungsbedürftigen Depression sehr wichtig, wenn auch nicht unbedingt einfach. Wird sie aber nicht getroffen, werden an einer Depression erkrankte Menschen in ihrem Leiden nicht ernst genommen. Die Folgen können verhehrend sein.

***Können Sie das bitte näher erläutern?

Leider wird die Depression häufig noch immer unterschätzt, dabei ist sie ist eine ernsthafte, nicht selten auch lebensbedrohliche Erkrankung, die mit einem größeren Leidensdruck einhergeht als die meisten anderen Erkrankungen. Für viele Betroffene ist der Zustand so unerträglich, dass sie sich wünschen, einzuschlafen und nicht mehr aufzuwachen. Aus ihrer Verzweiflung heraus tragen sie sich nicht selten mit dem Gedanken, sich das Leben zu nehmen.

*** Wie erkenne ich denn, ob ich an einer Depression leide?

Liegen neben einer ausgeprägten gedrückten Stimmung eine Reihe weiterer Krankheitszeichen vor - und zwar mindestens über einen Zeitraum von zwei Wochen - deutet dies auf eine behandlungsbedürftige Depression hin. Hierzu zählen zum Beispiel eine tiefsitzende Unfähigkeit, irgendwelche Freude zu empfinden, bleierne Schwere und Kraftlosigkeit, Schlafstörungen, übertriebene Schuldgefühle und Grübelzwang. Auch unterschiedliche körperliche Beschwerden oder Appetitstörungen mit Gewichtsverlust können Krankheitszeichen einer Depression sein.

*** Was kann ich tun wenn ich bei mir eine Depression vermute? An wen kann ich mich wenden?

Wenn Sie glauben depressiv zu sein, sollten Sie unbedingt den Arzt aufsuchen. Wichtig ist, dass eine Depression rechtzeitig erkannt und konsequent behandelt wird. So kann das Schlimmste vermieden werden. Leider ist dies derzeit nur bei jeder zehnten Depression der Fall. Haben Sie zu ihrem Hausarzt ein vertrauensvolles Verhältnis, können Sie zu diesem gehen. Darüberhinaus sind Fachärzte, also Psychiater oder Neurologen, oder psychologische Psychotherapeuten die richtigen Ansprechpartner. Eine erste Einschätzung liefert auch ein Selbsttest auf den Internet-Seiten des Kompetenznetzes Depression unter www.kompetenznetz-depression.de.

*** Wie werden Depressionen behandelt?

Depressionen lassen sich gut behandeln, den meisten Patienten kann geholfen werden. Mit der Pharmakotherapie und bestimmten psychotherapeutischen Verfahren wie der sogenannten kognitiven Verhaltenstherapie gibt es heute wirksame Behandlungsmöglichkeiten.

*** Wir haben jetzt Herbst, es ist dunkel, die Tage sind kurz. Haben Sie Tipps, wie man gedrückter Stimmung vorbeugen kann?

Gut ist, regelmäßig Sport zu treiben, idealerweise an der frischen Luft. Wichtig ist auch, soziale Kontakte zu pflegen und sich nicht zu sehr zurückzuziehen. Einfach ein bisschen auf sich achten, angenehme Dinge machen und sich bewusst Gutes tun sowie nicht zu lange zu schlafen, das ist sicher ein probates 'Rezept', um gut gelaunt durch die dunklere Jahreshälfte zu kommen.

Prof. Dr. Ulrich Hegerl ist Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie der Universität Leipzig, Sprecher des Kompetenznetzes Depression, Suizidalität sowie Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.
Weitere Informationen:
http://www.deutsche-depressionshilfe.de
http://www.kompetenznetz-depression.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Forschen für mehr Leichtigkeit

Fahrzeuge, die wenig wiegen, verbrauchen weniger Kraftstoff und produzieren geringere Mengen an Emissionen, insbesondere weniger CO2. Gemeinsam mit Universitätskollegen, Herstellern und Zulieferern arbeiten Fraunhofer-Forscher an leichten und sicheren Werkstoffen für den Bau von Fahrzeugen für Straße, Schiene, Wasser und Luft. Mit dieser Kooperation - dem Innovationscluster »Technologien für den hybriden Leichtbau (KITe hyLITE)« - wird der Forschungsschwerpunkt Leichtbau in der Region Karlsruhe weiter ausgebaut. Die offizielle Eröffnung des Clusters ist am 24. Oktober 2008.

Möglichst leicht und robust sollen Autos und Schienenfahrzeuge sein. Faserverbundwerkstoffe sind ideale Materialien, um Gewicht zu sparen und dabei die Sicherheit der Fahrzeuge zu erhöhen. »Solche hybriden Leichtbauwerkstoffe haben ein enormes Potenzial: Ihre Eigenschaften können je nach Einsatzort angepasst werden. Bisher werden sie vor allem im Flugzeugbau genutzt. Für die Massenproduktion im Fahrzeug- oder Maschinenbau von morgen müssen die Hightech-Werkstoffe noch kostengünstiger werden«, sagt Dr. Frank Henning, Geschäftsführer des Clusters KITe hyLITE. Die Entwicklung und Integration der Leichtgewichte ist keine einfache Aufgabe - leistungsfähige Materialien und innovative Füge- und Produktionstechnologien müssen aufeinander abgestimmt werden und setzen spezifisches Know-how in vielen Bereichen der Werkstoff- und Ingenieurwissenschaften voraus.

»Wir nutzen die individuellen Vorteile der einzelnen Werkstoffe und kombinieren sie je nach Einsatzort. Dabei betrachten wir auch die Konstruktionsmethoden, Herstellungsverfahren und den gesamten Lebensweg des Produkts bis hin zum Recycling«, erklärt Henning. Die Forschung und Entwicklung von solchen hybriden Leichtbausystemen, das heißt ausgeklügelten Materialrezepturen und -kombinationen, wird nun intensiviert. Hersteller von Fahrzeugen, Rohstoffen, Materialien, Werkzeugen, Anlagen und Maschinen sind auf solche Innovationen angewiesen, um im Wettbewerb zu bestehen.

»Die Fraunhofer-Innovationscluster tragen dazu bei, die Umsetzung von neuen Ideen zu beschleunigen. Ausgangspunkt für die Förderung der regionalen Zusammenarbeit ist der 'Pakt für Forschung und Innovation', den Bund und Länder gemeinsam mit den großen Forschungsorganisationen 2005 geschlossen haben. Wir haben 14 Cluster in Deutschland gegründet, um die jeweiligen Stärken der Region zu bündeln und voranzubringen. So können Unternehmer neue Ideen schneller in Produkte umsetzen. Auf diese Weise unterstützen wir die regionalen Firmen und befähigen sie im globalen Wettbewerb zu bestehen«, erklärt Prof. Ulrich Buller, Forschungsvorstand der Fraunhofer-Gesellschaft, die Clusterinitiative.

Am Innovationscluster KITe hyLITE sind die drei Fraunhofer-Institute für Chemische Technologie ICT, für Werkstoffmechanik IWM und für Betriebsfestigkeit LBF beteiligt. Gemeinsam mit mehreren Instituten der Universität Karlsruhe und des Kompetenzzentrums Fahrzeugleichtbau bringen sie ihr Know-how für die Herausforderungen im Themenfeld Leichtbau ein. In enger Zusammenarbeit mit den Industriepartnern analysieren die Experten neue Werkstoffe, bestimmen die notwendigen Materialkombinationen und entwickeln Prototypen. Sie forschen an geeigneten Berechnungsverfahren, um das Verhalten der Bauteile vorherzusagen und optimieren die Herstellungsprozesse. Auf diese Weise tragen sie dazu bei, Rohstoffe und Energie einzusparen und dabei Sicherheit und Komfort zu erhöhen.

Die Wissenschaftler arbeiten unter anderem daran, langfaserverstärkte Thermoplaste in Pkws großserientauglich zu gestalten. Hierfür erarbeiten sie Konstruktionsrichtlinien und simulieren das Bauteilverhalten insbesondere im Crashfall. Weitere Forschungsthemen sind besser aufeinander abgestimmte Materialkombinationen, beispielsweise die Verbindung von Faserverbundwerkstoffen mit metallischen Einlegern. Zudem entwickeln die Wissenschaftler serienfähige Produktionstechnologien für diese komplexen Abläufe, um die ökonomische Bauteilherstellung zu sichern. Zusammen mit Industriepartnern arbeiten sie an Machbarkeitsstudien und Detailentwicklungen, um die Technologien zeitnah in die Anwendung zu überführen. Tragende, funktionsintegrierende und Crash belastete Fahrzeugstrukturen stehen dabei ebenso im Blickfeld der Experten wie Fahrwerkskomponenten in Leichtbauweise.

In der Region um Karlsruhe, von Freiburg im Süden bis Darmstadt im Norden sowie von Stuttgart bis Aalen sind viele führende Unternehmen in der Leichtbautechnologie ansässig. Das Cluster wird über drei Jahre zu je einem Drittel von der Fraunhofer-Gesellschaft, dem Land sowie von der Industrie finanziert. Das Land Baden-Württemberg fördert den Leichtbau mit bis zu drei Mio Euro und die Fraunhofer-Gesellschaft stellt ebenfalls diese Summe zur Verfügung, wenn sich die Wirtschaft gleichermaßen beteiligt.

Auch Studentinnen und Studenten an Hochschulen, Fachhochschulen und Berufsakademien profitieren von der Kooperation. Sie erhalten ein lückenloses Ausbildungsangebot und haben die Möglichkeit die gesamte Wertschöpfungskette kennenzulernen.

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Virtuell in 3 D durch das Römische Köln flanieren - Köln war schon in der Antike eine großartige Stadt

Petra Schmidt-Bentum, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Fachhochschule Köln

Interdisziplinäres und hochschulübergreifendes Forschungsprojekt macht zum ersten Mal sichtbar, das Köln schon in der Antike eine großartige Stadt war.Die Echtzeitvisualisierung des Römischen Köln erfüllt das derzeit technisch Machbare mit Blick auf Realitätsgehalt, Performance und Informationsgehalt.Es ist möglich, virtuell durch das komplette Römische Köln zu flanieren, die Gebäude in ihrem jeweiligen städtebaulichen Kontext zu sehen und um die Gebäude zu laufen.
Köln/Potsdam. Das Römische Köln als 3D-Modell: Das war das Ziel eines bislang einzigartigen und gemeinsamen Forschungsprojekts der Universität zu Köln (Archäologisches Institut), der Fachhochschule Köln (Köln International School of Design/KISD), des Hasso-Plattner-Instituts an der Universität Potsdam und des Römisch-Germanischen Museums (RGM) in Köln. Die Echtzeitvisualisierung erfüllt das derzeit technisch Machbare mit Blick auf Realitätsgehalt, Performance und Informationsgehalt. Es ist möglich, virtuell durch das komplette Römische Köln zu flanieren, die Gebäude in ihrem jeweiligen städtebaulichen Kontext zu sehen und um die Gebäude zu laufen. Finanziell gefördert wurde das Forschungsprojekt von der RheinEnergie Stiftung Jugend/Beruf/Familie.

"Zum ersten Mal ist jetzt sichtbar, was für eine großartige Stadt Köln schon in der Antike war", betonte Prof. Hansgerd Hellenkemper, Direktor des Römisch Germanischen Museums in Köln bei dem Pressegespräch zum Abschluss des dreijährigen Forschungsprojekts am 10. Oktober 2008. Wie dies den Kölnern und der Welt gezeigt werden könne sei nun die Frage. Die Fachhochschule Köln werde in jedem Falle die Weiterführung des Projekts unterstützen, unterstrich Prof. Dr. Joachim Metzner, Präsident der Fachhochschule Köln und Vize-Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. "Es wäre schön", so Metzner weiter, "wenn sich Anschlussprojekte ergeben." Das Forschungsprojekt sei zudem ein Vorzeigeprojekt für erfolgreiche Kooperationen unterschiedlicher Einrichtungen von unterschiedlichen Hochschultypen. Das gilt auch für den interdisziplinären Ansatz: "Die Archäologen und Bauforscher liefern die Inhalte und die Designer gestalten die Information, erstellen wissenschaftlich korrekte und anschauliche 3D-Modelle. Die Informatiker generieren aus diesen Modellen eine Anwendung, die das virtuelle Navigieren in Echtzeit ermöglich", erläuterte Diplom-Designer Michael Eichhorn von der Köln International School of Design der Fachhochschule Köln.

"Ich bin stolz, dass wir es soweit gebracht haben", resümierte auch Prof. Henner von Hesberg, Archäologisches Institut der Universität zu Köln, Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts Rom. "Die geleistete Arbeit kann als Vorbild für andere Modelle dieser Art dienen. Von dem wissenschaftlichen Wert des Modells könnten die Kunstgeschichte und andere Wissenschaften in anderen Städten - auch in Rom - profitieren."

"Die Herausforderung lag darin, hoch genaue, detailreiche und dreidimensionale Gebäude-Modelle, die am Computer gestaltet worden waren, in bislang noch nie vorhandener Zahl interaktiv erlebbar zu machen", berichtete Prof. Dr. Jürgen Döllner, Leiter des Fachgebiets Computergrafische Systeme des Hasso Plattner-Instituts an der Universität Potsdam. Dazu setzten die Potsdamer Computergrafik-Wissenschaftler spezielle Rechenabläufe (Algorithmen) ein: Diese erzeugen mit mehreren Hundert Millionen einzelner Dreiecke, aus denen das geometrische Modell aufgebaut ist, effizient Bilder.

Virtuelle Modelle historischer Orte gibt es eigentlich schon seit Beginn der Visualisierungstechnologie. "Allerdings waren dies eher Animationen, die gerechnet wurden, nicht aber interaktiv begehbare großflächige Modelle. Das römische Köln als virtuelles 3D-Stadtmodell ist deshalb bislang einzigartig", hob Döllner hervor. Hinzu kommt, dass die 3D-Rekonstruktion des römischen Kölns sich mit dem virtuellen 3D-Modell der heutigen Domstadt ergänzt. "In einem weiteren Schritt wollen die beteiligten Institutionen dafür sorgen, dass das Stadtmodell von heute mit dem vor 2000 Jahren visualisiert und damit auch verglichen werden kann", blickte Döllner in die Zukunft.

Döllner und sein Potsdamer Forscherteam sind überzeugt, dass sich in Zukunft immer mehr Kommunen im Internet mit virtuellen 3D-Stadtmodellen präsentieren werden. Dabei ist nicht nur der Zustand heute von Bedeutung, sondern auch historische Varianten. Der Leiter des HPI-Fachgebiets Computergrafische Systeme hat maßgeblich die Basistechnologien für raumbezogene dreidimensionale Informations- und Visualisierungssysteme entwickelt. Die von ihm initiierte Systemplattform "LandXplorer" wurde mittlerweile vom Autodesk-Konzern, dem weltweit führenden Unternehmen im 3D-Bereich, übernommen.

Internetnutzer erhalten auf der gemeinsamen Projektseite www.colonia3d.de jetzt erstmals einen räumlichen Eindruck von der Größe und Architektur der Stadt vor rund 2000 Jahren. Das Modell kann sogar in Beziehung zum heutigen zweidimensionalen Stadtplan Kölns gesetzt werden.

Hintergrund Fachhochschule Köln
Die Fachhochschule Köln ist die größte Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Deutschland. 16.000 Studierende werden von rund 400 Professorinnen und Professoren unterrichtet. Die zehn Fakultäten bieten mehr als 60 Studiengänge an - jeweils etwa die Hälfte aus den Ingenieurwissenschaften bzw. Geistes- und Gesellschaftswissenschaften: von Architektur über Maschinenbau, Design, Restaurierung, Informationswissenschaft, Sprachen und Soziale Arbeit bis hin zu Wirtschaftsrecht und Medieninformatik. Die Fachhochschule Köln ist eine nach den europäischen Öko-Management-Richtlinien EMAS und dem Internationalen Standard ISO 14001 geprüfte und zertifizierte umweltorientierte Einrichtung. Die Köln International School of Design (KISD) der Fachhochschule Köln zählt zu den renommiertesten Designausbildungsstätten an Hochschulen in Europa. Seit mehr als zwölf Jahren bietet die KISD ein interdisziplinäres Studienangebot, das Design als Prozess versteht und auf der Grundlage eines bewährten Konzepts kontinuierlich Neues erprobt.

Hintergrund Archäologisches Institut der Universität zu Köln
Das Archäologische Institut der Universität zu Köln betreibt in vielen regionalen, nationalen und internationalen Kooperationen sowohl Grundlagenforschung (Grabungen, Materialerschließung, Katalogpublikationen) wie auch synthetische Forschungen. Es umfasst drei Bereiche: Klassische Archäologie, Archäologie der römischen Provinzen sowie das Forschungsarchiv für antike Plastik. Dabei untersucht die Klassische Archäologie die Kunst und Kultur des antiken Mittelmeerraums, insbesondere der Griechen und Römer, während sich die Archäologie der römischen Provinzen mit der materiellen Hinterlassenschaft Roms v. a. im Nordwesten des Imperium Romanum beschäftigt. Das Forschungsarchiv für antike Plastik hat sich als eine der weltweit führenden Institutionen für die Entwicklung und Anwendung moderner Informationstechnologien für archäologische Zwecke etabliert.

Hintergrund Hasso-Plattner-Institut
Das Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik GmbH (HPI) in Potsdam ist Deutschlands universitäres Exzellenz-Zentrum für IT-System Engineering. Als einziges Universitäts-Institut in Deutschland bietet es den Bachelor- und Master-Studiengang "IT-Systems Engineering" an - eine praxisnahe und ingenieurwissenschaftlich orientierte Alternative zum herkömmlichen Informatik-Studium, die von derzeit rund 450 Studenten genutzt wird. Insgesamt 50 Professoren und Lehrbeauftragte sind am HPI tätig. Es betreibt exzellente universitäre Forschung - auch für erste Adressen der Wirtschaft. Vor allem geht es um Grundlagen und Anwendungen für große, hoch komplexe und vernetzte IT-Systeme. Die Absolventen werden in der Regel als Software-Architekten, Projektleiter oder Chief Information Officer tätig oder gründen eigene Unternehmen.

Hinweise für Redaktionen:
Einen Screenshot und Videoclip zur Visualisierung des römischen Kölns können Sie auf der HPI-Website finden unter der Adresse
www.hpi.uni-potsdam.de/presse/download.html?L=1

Die interaktiv nutzbare 3D-Rekonstruktion des römischen Kölns finden Sie im Internet unter www.colonia3d.de.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt
Kontakt für Medien
Fachhochschule köln
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: 0221/8275-3119; E-Mail petra.schmidt-bentum@fh-koeln.de
www.fh-koeln.de

Kontakt für Medien:
Hasso Plattner Institut der Universität Potsdam
Hans-Joachim Allgaier, AllgaierCommunication,
Tel.: 0331 55 09-119,
Mobil: 0179 267 54 66
Mail: hansjoachim.allgaier@hpi.uni-potsdam.de,
info@allgaiercommunication.de

Kontakt für Fotos, Illustrationen und Logos:
Katrin Augustin, Hasso-Plattner-Institut, Tel.: 0331 55 09-150,
Fax: 0331 55 09-169, Mail: katrin.augustin@hpi.uni-potsdam.de
Weitere Informationen:
http://www.colonia3d.de
http://www.hpi.uni-potsdam.de/presse/download.html?L=1

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Chemikalien-Schutzhandschuhe kürzer tragen und häufiger wechseln

Stefan Boltz, Pressestelle
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung - DGUV

Handschuhe schützen die Haut am besten vor Chemikalien. In vielen Berufen sind sie daher Pflicht. Die Auswahl an Schutzhandschuhen ist jedoch groß. Optimaler Schutz ist dann gewährleistet, wenn der Handschuh auf die Tätigkeit und die Chemikalien am Arbeitsplatz speziell abgestimmt ist. Aktuellen Erkenntnissen aus der Arbeitsschutzforschung zufolge sollten Schutzhandschuhe zudem deutlich häufiger gewechselt werden, als nach Herstellerangaben notwendig. Darauf weisen die gesetzliche Kranken- und Unfallversicherung im Rahmen ihrer Präventionskampagne Haut hin.
Im vergangenen Jahr erkrankten 10.305 Menschen an einer beruflich bedingten Hauterkrankung. Mit einem Anteil von 42 Prozent sind diese die häufigste bestätigte Berufskrankheit. Nicht selten werden Hauterkrankungen von Chemikalien ausgelöst, zum Beispiel von Konservierungs- und Desinfektionsmitteln, Kühlschmierstoffen, Reinigungs- oder Lösemitteln. "Schutz vor Chemikalien ist nicht nur ein Thema für das Chemielabor", sagt Dr. Peter Paszkiewicz, Experte am Institut für Arbeitsschutz (BGIA) in Sankt Augustin. "Chemikalien finden sich heute in nahezu allen Berufen wieder - vom Bausektor über das Metall- oder Druckgewerbe bis hin zum Gesundheitswesen." Viele chemische Substanzen seien aggressiv und schädigten bei Hautkontakt die natürliche Schutzbarriere des Menschen. Krankheitserreger könnten so eindringen und schmerzhafte Entzündungen hervorrufen. "Manche Stoffe können die Haut passieren und sogar Krebs verursachen", sagt der Experte der Präventionskampagne Haut.

"Der beste Schutz ist natürlich, wenn die Chemikalie mit der Haut gar nicht erst in Berührung kommen kann", sagt Paszkiewicz. Da dies jedoch nicht immer möglich ist, gehören Schutzhandschuhe in vielen Berufen zur Tagesordnung. Zwar bietet der Markt eine große Auswahl, doch nicht jeder Handschuh ist für jede Tätigkeit tauglich. "Entscheidend ist, mit welchen Stoffen der Arbeitnehmer in Berührung kommt. Jede Chemikalie reagiert anders. Material und Beschaffenheit des Handschuhs müssen darauf abgestimmt sein", sagt Paszkiewicz. Bei der Wahl des richtigen Schutzhandschuhs helfe bereits ein Blick auf das Sicherheitsdatenblatt der Chemikalie oder Online-Datenbanken wie Wingis, Gisbau oder Gestis. Aber auch die Präventions-Experten der Berufsgenossenschaft oder der Unfallkasse stehen Arbeitgebern und Beschäftigten beratend zur Seite.

Angabe der Tragedauer häufig falsch

Alte Schutzhandschuhe sollten regelmäßig gegen neue ausgetauscht werden: "Kein Handschuh hält ewig", sagt Dr. Paszkiewicz. "Chemikalien fressen sich fast immer durch das Material hindurch. Nach einer gewissen Zeit bietet der Handschuh dann keinen ausreichenden Schutz mehr." Jeder Hersteller sei daher verpflichtet, anzugeben, wie lange der Handschuh getragen werden dürfe. Messungen im Institut für Arbeitsschutz (BGIA) haben jedoch ergeben, dass häufig eine zu lange Tragedauer angegeben wird. "Die meisten Hersteller messen die Materialien bei Zimmertemperatur. Die wenigsten beachten jedoch dabei, dass sich die Handschuhe bei Handtemperatur erwärmen. Die Durchbruchzeiten verkürzen sich in vielen Fällen um mehr als die Hälfte der angegebenen Zeit. Es ist daher grundsätzlich empfehlenswert, dass Handschuhe häufig gewechselt werden - lange bevor eine sichtbare Schädigung des Materials eintritt", sagt der Experte.

Die Präventionskampagne Haut

Die Präventionskampagne Haut ist eine gemeinsame Aktion von gesetzlicher Kranken- und Unfallversicherung. Insgesamt werben rund 100 Krankenkassen und Unfallversicherungsträger unter dem Motto "Deine Haut. Die wichtigsten 2m2 Deines Lebens." dafür, das größte Organ des Menschen zu schützen. Das Ziel der Kampagne lautet: "Gesunde Haut, weniger Hauterkrankungen!"
Weitere Informationen:
http://www.2m2-haut.de - Weitere Informationen zur Präventionskampagne Haut
http://www.dguv.de/bgia - Weitere Informationen zum Institut für Arbeitsschutz (BGIA)
http://www.hvbg.de/d/bia/pro/pro1/bgia3110.html - Zur Projektbeschreibung in der Forschungsdatenbank des BGIA

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Infos für energieeffiziente Stadtbeleuchtung

Erste Ergebnisse des Bundeswettbewerbs und Start in die nächste Runde

Der im Juni gestartete Wettbewerb „Energieeffiziente Stadtbeleuchtung" präsentiert Ergebnisse der ersten Runde in einer Sammlung energieeffizienter Techniken. Diese lässt sich ab heute im Internet abrufen. Sie hilft beim Start in die nächste Runde, die sich speziell an Kommunen richtet: Gesucht sind Konzepte zur energieeffizienten Neugestaltung der Stadt- und Gemeindebeleuchtung.
Allein der Energieverbrauch für die Beleuchtung von Straßen und Plätzen in Deutschland entspricht dem von rund 1,2 Millionen Haushalten und führt zu einem Kohlendioxidausstoß von über zwei Millionen Tonnen pro Jahr. Der Energieverbrauch ließe sich mit der verfügbaren Technik halbieren. Kommunen können dabei viel Geld sparen. Das Bundesumweltministerium (BMU), die KfW-Bankengruppe und das Umweltbundesamt (UBA) haben deshalb den Wettbewerb ins Leben gerufen. Der erste Teil richtete sich an Anbieter der Beleuchtungstechnik. Als Ergebnis liegen Informationen über verfügbare, energieeffiziente und klimafreundliche Techniken für die Stadtbeleuchtung vor. Startschuss für den zweiten Teil ist am 27. Oktober. „Die Informationen helfen nicht nur den Kommunen. Sie lösen mit Sicherheit einen Effizienzwettlauf bei Herstellern und Anbietern von Beleuchtungstechnik aus", sagt UBA-Vizepräsident Dr. Thomas Holzmann.

Der Bundeswettbewerb „Energieeffiziente Stadtbeleuchtung" hat das Ziel, innovative Konzepte für eine Erneuerung der Stadtbeleuchtung zu fördern. Die Auswahlkriterien zur Aufnahme von Techniken in die Sammlung haben BMU, KfW und UBA mit einer Fachjury aus Vertretern von Wirtschaftsverbänden, Kommunen sowie Umweltverbänden abgestimmt. Zahlreiche Anbieter aus der Branche der Beleuchtungstechnik beteiligten sich und stellten detaillierte Angaben bereit. Die besten sind in einer Sammlung zusammengestellt. Diese bietet keine vollständige Marktübersicht, aber einen aktuellen Einblick in moderne, auf dem Markt verfügbare, umweltfreundliche Techniken für die Stadtbeleuchtung. Die dargestellten Beleuchtungstechniken und -systeme zeichnen sich durch eine hohe Energieeffizienz und niedrige Betriebskosten aus. Außerdem haben sie eine hohe Qualität hinsichtlich ihrer Lebensdauer und erforderlicher Wartungsintervalle.
Städte und Gemeinden sind nun aufgerufen, innovative Konzepte zur Erneuerung ihrer Stadtbeleuchtung bis Ende Februar 2009 vorzulegen. Die Kommunen mit den besten Konzepten erhalten eine Auszeichnung und können eine Investitionsförderung aus dem Umweltinnovationsprogramm des BMU für die Umsetzung erhalten. Auch die anderen Teilnehmer am Kommunenwettbewerb profitieren. Denn eine Modernisierung der Stadtbeleuchtung zahlt sich aus, weil sie den Haushalt der Stadt und Gemeinde sowie die Umwelt entlastet.
Dies gilt vor allem für den Ersatz der bisher noch weit verbreiteten Quecksilberhochdruckdampflampen. Diese verbrauchen besonders viel Energie. Die Europäische Union bereitet eine Regelung vor, um die Stromeffizienz der Stadtbeleuchtung zu verbessern. Sie soll zugleich dazu führen, dass Stromfresser in den nächsten Jahren vom Markt verschwinden. „Kommunen sind gut beraten, bereits jetzt auf eine energieeffizientere Stadtbeleuchtung zu setzen. Je eher sie die Stromkosten in ihr Kalkül einbeziehen, desto schneller entlasten sie ihre Haushaltskasse", so Holzmann. Die Techniksammlung hilft ihnen dabei.

Die Techniksammlung ist veröffentlicht unter http://www.umweltbundesamt.de.

Weitere Informationen finden Sie unter http://www.bundeswettbewerb-stadtbeleuchtung.de. Dort finden die Kommunen auch die Unterlagen zum Wettbewerb.

Die Berliner Energieagentur (BEA) begleitet den gesamten Bundeswettbewerb. Kontakt: Sabine Piller, Tel.: 030 / 29 33 30 56; E-Mail: info@bundeswettbewerb-stadtbeleuchtung.de.

Bewerbungsschluss für den Kommunenwettbewerb ist der 27. Februar 2009.

Die Erstellung kommunaler Klimaschutzkonzepte, in die sich auch eine energieeffiziente Stadtbeleuchtung sinnvollerweise einfügt, wird mit bis zu 80 Prozent vom Bund unterstützt. Näheres finden Sie unter http://www.bmu.de/klimaschutzinitiative/nationale_klimaschutzinitiative/doc/41783.php

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Mangelhafte Integration junger Menschen in den Arbeitsmarkt verursacht erhebliche gesellschaftliche Folgekosten

Ute Friedrich, Pressestelle
Bertelsmann Stiftung

Studie der Bertelsmann Stiftung sieht für die Jahre 2007 bis 2015 Einspar- und Wertschöpfungspotenziale von rund 50 Milliarden Euro
Gütersloh, 12. Oktober 2008. Die mangelhafte Integration junger Menschen in die Arbeitswelt ver­ursacht ganz erhebliche gesellschaftliche Folgekosten. Durch grundlegende bildungspolitische Weichenstellungen könnten für die Jahre 2007 bis 2015 insgesamt 13,4 Milliarden Euro an direk­ten und 15,9 Milliarden Euro an indirekten Kosten bei der Integration von Jugendlichen in Ausbil­dung und Beschäftigung eingespart werden. Hinzu kämen Wertschöpfungspotenziale durch den nachträglichen Erwerb von Berufsabschlüssen von gering qualifizierten Arbeitnehmern in Höhe von 21,5 Milliarden Euro. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie, die im Auftrag der Ber­telsmann Stiftung vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln erstellt wurde.

"Mit unserer Untersuchung wollen wir wenige Tage vor dem Bildungsgipfel in Dresden nachdrück­lich auf die Probleme junger Menschen beim Übergang von der Schule in den Arbeitsmarkt auf­merksam machen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Dr. Gunter Thielen, bei der Vorstellung der Ergebnisse. "Aus unserer Sicht wird das wichtige Thema der Berufsausbil­dung immer noch nicht konsequent genug behandelt."

Um das riesige Einspar- und Wertschöpfungspotenzial schon bis zum Jahr 2015 zu erreichen, werden in der Studie drei zentrale bildungspolitische Reformziele entwickelt. Dazu gehören eine Reduzierung der Zahl der Schulabgänger mit mangelnder Ausbildungsreife sowie der langen Ver­weildauer im so genannten Übergangssystem um jeweils ein Drittel. Zusätzlich müssten fünf Pro­zent der heute Geringqualifizierten im Rahmen umfassender Nachqualifizierungen nachträglich einen Berufsabschluss erwerben. Neben diesen aufgezeigten Einspar- und Wertschöpfungspoten­zialen ließe sich aufgerechnet bis 2015, begründet durch die sinkende Zahl der Schulabgänger, noch eine "demographische Rendite" in Höhe von 7,5 Mrd. Euro erzielen.

Die Berechnungen der direkten Kosten für die Integration Jugendlicher in die Arbeitswelt basieren auf den Zahlen des Jahres 2006. In diesem Jahr haben Bund, Länder, Kommunen und die Bun­desagentur für Arbeit (BA) 5,6 Milliarden Euro für Integrationsmaßnahmen ausgegeben. An den identifizierten Unterstützungsangeboten im Bereich der Berufsvorbereitung nahmen im Jahr 2006 insgesamt 437.584 Jugendliche teil. Rechnerisch verbringt damit jeder Schulabgänger mit maximal Hauptschulabschluss rund 1,4 Jahre im Übergangssystem. Im Bereich der indirekten Kosten erge­ben sich Einsparpotenziale beim Arbeitslosengeld und der sozialen Mindestsicherung durch die bessere Integration von Jugendlichen in Ausbildung und Beschäftigung. Zudem resultieren Wertschöpfungs­potenziale aus der beruflichen Nachqualifizierung von An- und Ungelernten, die den Einstieg in Arbeit erleichtern und ein höheres Einkommen (Aufstieg durch Bildung) ermöglichen.

"Wenn wir die in der Studie vorgeschlagenen bildungspolitischen Reformziele erreichen, können wir nicht nur die gesellschaftlichen Folgekosten mangelhafter Integration erheblich reduzieren", sagte Thielen. "Wir verbessern damit das System der beruflichen Bildung insgesamt und beugen dem dramatischen Problem des Fachkräftemangels vor."

Die Ergebnisse der Studie werden als Gesamtbericht sowie als Teilberichte für die Länder, den Bund und die Bundesagentur für Arbeit zum Download auf den Seiten der Bertelsmann Stiftung zur Verfügung gestellt.

Rückfragen an: Clemens Wieland, Telefon: 0 173 / 285 1481; E-Mail: clemens.wieland@bertelsmann.de
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Broccoli macht Krebsstammzellen schwach

Dr. Annette Tuffs, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Heidelberg

Pflanzlicher Wirkstoff im Labor erfolgreich bei Bauchspeicheldrüsenkrebs / Heidelberger Forscher veröffentlichen in "GUT"
Broccoli ist nicht nur reich an Mineralstoffen und Vitaminen, sondern auch an einem Wirkstoff gegen Krebsstammzellen des Bauchspeicheldüsenkrebs: Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben entdeckt, dass der Broccoli-Inhaltsstoff Sulforaphan resistente Tumorstammzellen in Pankreastumoren verwundbar macht. Dies wurde im Tierversuch gezeigt, wo keine Nebenwirkungen auftraten. Die Forschungsergebnisse sind in der aktuellen online First Ausgabe der internationalen Fachzeitschrift "GUT" veröffentlicht worden.

Rund 12.650 Menschen erkranken jährlich in Deutschland an einem Pankreaskarzinom, einem äußerst aggressiven Tumor der Bauchspeicheldrüse. Häufig wird die Erkrankung erst spät bemerkt. Nur wenige Patienten überleben die Diagnose länger als ein Jahr.

Das Pankreaskarzinom breitet sich aggressiv aus, setzt Absiedlungen in anderen Organen und ist gegenüber gängigen Therapien weitgehend unempfindlich. Verantwortlich dafür sind vermutlich sogenannte Krebsstammzellen, die sich sehr gut regenerieren können und daher gegen Medikamente und Bestrahlung resistent sind.

"In anderen Tumor sind in der Regel weniger als drei Prozent der Krebszellen Tumorstammzellen. Das Pankreaskarzinomen beherbergt dagegen 10 Prozent und mehr solcher aggressiven Zellen", erklärt die Seniorautorin des Artikels, Professor Dr. Ingrid Herr, Leiterin der Arbeitsgruppe Molekulare OnkoChirurgie, einer Kooperation der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg (Geschäftsführender Direktor: Professor Dr. Markus W. Büchler) und dem DKFZ.

Je mehr Tumorstammzellen, desto aggressiver der Tumor

Die Gruppe wies anhand typischer Oberflächenproteine die Krebsstammzellen in Tumorproben von Patienten nach. "Es zeigte sich, dass der Tumor umso gefährlicher und resistenter war, je mehr Tumorstammzellen er enthielt", sagt Georgios Kallifatidis, Nachwuchswissenschaftler an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg und Erstautor des Artikels.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass selbst neuartige und bei anderen Tumoren wirksame Krebsmedikamente nichts gegen die Tumorstammzellen in Pankreaskarzinomen ausrichten konnten: Die Zellen schützen sich mit einem speziellen Mechanismus, dem NF-kB-Signalweg, der an der ausgeprägten Therapieresistenz des Pankreaskarzinoms beteiligt zu sein scheint.

Pankreaskarzinom wird für Therapie empfänglich gemacht

Wirkstoffe, die genau diesen Signalweg blockieren und damit die gefährlichen Zellen verletzlich machen, liefert die Natur: Gemüse aus der Familie der Kreuzblütler wie Broccoli, Blumenkohl, Rosenkohl oder Grünkohl haben einen hohen Gehalt an Sulforaphan, einem Wirkstoff gegen Krebs. Es schützt Körperzellen vor Schäden im Erbgut und leitet den Zelltod ein, wenn Zellen sich unkontrolliert teilen. Broccoli hat von allen diesen Gemüsearten den höchsten Sulforaphan-Gehalt.

Versuche mit Zellkulturen, Mäusen und frisch isolierten Tumorzellen von Patienten zeigten: Sulforaphan hemmte die Blutgefäßbildung im Tumor und das Tumorwachstum, ohne dabei Nebenwirkungen zu verursachen. In Kombination mit Krebsmedikamenten verstärkte sich dieser Effekt noch. "Bereits im letzten Jahr zeigte eine groß angelegte kanadische Studie mit 1338 Patienten mit einem Prostatakarzinom, dass ein hoher Verzehr von Broccoli und auch Blumenkohl die Patienten vor der Metastasierung des Tumors schützen konnte", sagt Professor Herr.

Im Herbst 2008 starten die Heidelberger Wissenschaftler eine klinische Studie: Patienten mit einem Pankreaskarzinom erhalten begleitend zur herkömmlichen Therapie auch Sulforaphan. "Wir wollen prüfen, ob die Patienten von der zusätzlichen Einnahme von Sulforaphan profitieren, welche Menge dazu notwendig ist und ob allein der Verzehr von Broccoli und Blumenkohl die Krebstherapie unterstützen kann", so Professor Herr.

Publikation:
Kallifatidis G, Rausch V, Baumann B, Apel A, Beckermann BM, Groth A, Mattern J, Li Z, Kolb A, Moldenhauer G, Altevogt P, Wirth T, Werner J, Schemmer P, Büchler MW, Salnikov AV, Herr I (2008) Sulforaphane targets pancreatic tumor-initiating cells by NF-kB-induced anti-apoptotic signaling. GUT, in press.

(Der Originalartikel kann bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden)

Internet:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/MOC

Kontakt:
Prof. Dr. Ingrid Herr
Chirurgische Universitätsklinik
Allgemein-, Viszeral-, Transplantationschirurgie
Fax: 06221/56 6119
E-Mail: i.herr@dkfz.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Erste Erfolge für REACH

Neue Auskunftspflichten für Unternehmen: Europäische Chemikalienagentur publiziert Liste besorgniserregender Stoffe

Seit neuestem gelten für Unternehmen Auskunftspflichten über Stoffe mit besonderen Gefahren für Mensch und Umwelt: Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) veröffentlicht heute erstmals eine Liste besonders besorgniserregender Stoffe. Dazu zählen krebserzeugende, erbgutverändernde oder fortpflanzungsgefährdende Stoffe und persistente, bioakkumulierende, toxische Stoffe (PBT-Stoffe) - also solche, die sich langlebig in der Umwelt sowie dem menschlichen Körper verhalten, sich dort anreichern und giftig sind. Das hat Konsequenzen: Die europäische Chemikalienverordnung REACH verpflichtet Unternehmen ihre gewerblichen Kunden zu informieren, falls in ihren Erzeugnissen eine in der Liste identifizierte Chemikalie mit mehr als 0,1 Prozent enthalten ist. „Ich rate allen Verbraucherinnen und Verbrauchern ihr Auskunftsrecht zu nutzen und vom Handel zu verlangen, dass er die Information über besorgniserregende Chemikalien zur Verfügung stellt. Der Handel sollte sichere Produkte bei den Herstellern fordern", sagt Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des Umweltbundesamtes (UBA).

Für besonders besorgniserregende Stoffe sieht REACH eine Zulassungspflicht vor. Das soll dazu führen, dass die Hersteller schrittweise weniger problematische Alternativstoffe oder -technologien einsetzen. Zwar bedeutet die Veröffentlichung in der so genannten Kandidatenliste für eine Chemikalie nur die Anerkennung als besonders besorgniserregend und ist nicht gleichbedeutend mit einer Zulassungspflicht. Es ist jedoch der erste Schritt dorthin. Den Grundstein dafür haben die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) gelegt: Sie haben die Vorschläge für die Aufnahme in die Kandidatenliste erarbeitet.

Das UBA schlug als ersten Stoff für die Kandidatenliste Anthrazen vor, eine Chemikalie aus der Gruppe der Polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK). Anthrazen ist ein PBT-Stoff und wird wegen seiner schädlichen Wirkungen in Gewässern in der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie als „prioritär gefährlicher Stoff" geführt. Weitere besonders besorgniserregende Stoffe sind zum Beispiel die Weichmacher (Phthalate) Diethylhexyl (DEHP), Dibutyl (DBP) und Bezylbutyl (BBP) sowie das bromierte Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD), das in vielen Untersuchungen in der Umwelt und im menschlichen Blut nachgewiesen wurde.

Die in der Kandidatenliste veröffentlichten 15 Stoffe sind nur der Anfang. Die EU-Mitgliedstaaten und die ECHA arbeiten schon jetzt an neuen Vorschlägen für die Liste. Das UBA beteiligt sich weiter daran. Einen Schwerpunkt stellen dabei PBT-Stoffe, für Gewässer relevante Chemikalien und Stoffe mit Wirkungen auf das Hormonsystem dar.

Weitere Informationen zu REACH finden Sie unter www.reach-info.de/. Die komplette Liste der besonders Besorgnis erregenden Stoffe ist abrufbar unter http://echa.europa.eu/chem_data_en.asp

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Neue Broschüre: Kreativer Dreiklang verbessert Arbeitsergebnisse

Jörg Feldmann, Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Kreativität und Gesundheit bei der Arbeit gehören zu den erstrebenswerten Zielgrößen für Unternehmen. Deshalb hat die BAuA jetzt die Quartbroschüre "Create Health! Arbeit kreativ, gesund und erfolgreich gestalten" veröffentlicht. Sie enthält die in allgemeinverständlicher Form aufbereiteten Forschungsergebnisse des Projektes "Kreativität und Gesundheit im Arbeitsprozess - Bedingungen für eine kreativitätsförderliche Arbeitsgestaltung im Wirtschaftsleben".
Das von der Technischen Universität München, Lehrstuhl für Psychologie, durchgeführte Projekt identifizierte gestaltungsrelevante Merkmale der Arbeit, die in vielen arbeits- und organisationspsychologischen Konzepten im Mittelpunkt stehen. Dazu zählen vor allem Autonomie und Anforderungsvielfalt ebenso wie unterstützende Bedingungen in den Strukturen und Prozessen der Organisation und Führung. Dies bedeutet beispielsweise regelmäßiges, objektives Feedback von der Führungskraft an die Mitarbeiter und Kommunikation über die geleistete Arbeit, damit kreative Ideen weiterentwickelt werden können.

Allerdings kann sich ein Übermaß an Kreativanforderungen und Freiräumen auch ungünstig auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Mitarbeiter auswirken. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn weitestgehend unstrukturierte Anforderungen und Arbeitsprozesse Handlungsunsicherheiten hervorrufen, die sich zur erlebten Überforderung entwickeln.

Die Broschüre geht auf die wesentlichen Aspekte des so genannten kreativen Dreiklangs vor, bei dem sich die Ebenen bezüglich der Person, der Arbeitsaufgabe und der Organisation miteinander verzahnen. Auf der persönlichen Ebene kann der Beschäftigte seine individuellen Voraussetzungen und Kompetenzen einbringen. Auf der Ebene der Arbeitsaufgabe schaffen Arbeitsplatzmerkmale beziehungsweise die konkreten Bedingungen am Arbeitsplatz Raum für Kreativität. Letztlich bestimmt der Organisationsrahmen die strukturellen und kulturellen Bedingungen im Unternehmen.

Wie sich dieser Dreiklang praktisch umsetzen lässt, verdeutlichen "Beispiele guter Praxis" in zwei Unternehmen. Die abschließenden Empfehlungen für die "kreative Praxis" können jedoch keine starre Bauanleitung sein. Schließlich ist jedes Unternehmen anders, sodass sich ein Königsweg ausschließt. Dennoch lassen sich vier entscheidende Bereiche erkennen, durch deren bewusste Gestaltung sich sowohl die Kreativität als auch die Gesundheit fördern lässt. Dabei handelt es sich um die Autonomie in der Arbeit, die Anforderungsvielfalt der Arbeitsaufgaben, kreative Selbstwirksamkeit, die sich in der Überzeugung ausdrückt, Ergebnisse erzielen zu können, sowie ein gemischter Komplex, der Teamklima, Kooperation und Kommunikation umfasst.

Die kostenlose Broschüre "Create Health! Arbeit kreativ, gesund und erfolgreich gestalten" kann bezogen werden über das Informationszentrum der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Postfach 17 02 02, 44061 Dortmund, Telefon 231.90 71 20 71, Fax 0231.90 71 20 70, E-Mail: info-zentrum@baua.bund.de. Auf der BAuA-Homepage http://www.baua.de befindet sich eine Version im PDF-Format (1,3 MB) zum Herunterladen im Bereich Publikationen in der Rubrik Broschüren.
Weitere Informationen:
http://www.baua.de/nn_5846/de/Publikationen/Broschueren/A61,xv=vt.pdf Direkter Link zur Broschüre "Create Health! Arbeit kreativ, gesund und erfolgreich gestalten"

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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DGE: Testosteronmangel trifft auch jüngere Männer

Medizin - Kommunikation, Medizinkommunikation
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften

Regenstauf - Jeder fünfte Mann in hausärztlicher Behandlung hat einen niedrigen Testosteronspiegel. Dies zeigt eine Querschnittsstudie an deutschen Arztpraxen. Die Forscher belegen auch, dass Testosteronmangel nicht allein eine Frage des Alters ist. Er hängt vielmehr mit Übergewicht und chronischen Erkrankungen zusammen. Eine medikamentöse Therapie mit Testosteron ist jedoch nicht in allen Fällen notwendig, teilt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) mit.
Diese aktuellen Ergebnisse sind Teil einer umfassenden Studie (DETECT) zur Häufigkeit von Herzkreislauf-Erkrankungen: Vor fünf Jahren hatten Hausärzte in rund 3200 Praxen mehr als 50 000 Patienten körperlich untersucht. Bei 2719 männlichen Patienten wurde im Rahmen der Studie auch die Konzentration des männlichen Geschlechtshormons im Blut bestimmt. Ergebnis: 19,3 Prozent der Männer wiesen einen Testosteronmangel auf.

Die Zahl überrascht die Experten der DGE nicht. Denn die Teilnehmer der DETECT-Studie waren zum Zeitpunkt der Tests im Durchschnitt 58 Jahre alt - ein Alter in dem ein Rückgang des Testosteronspiegels schon aus früheren Studien bekannt ist. Die nähere Analyse der DETECT-Studie zeigte jedoch, dass nicht das Alter, sondern Übergewicht und chronische Erkrankungen mit dem Rückgang der Hormonproduktion zusammenhängen.

"Insbesondere Übergewicht mit einer ungünstigen Fettverteilung im Körper tritt gemeinsam mit einem niedrigen Testosteronspiegel auf", erläutert der Erstautor der Studie, Dr. med. Harald Jörn Schneider von der Medizinischen Klinik Innenstadt des Klinikums der Universität München. Die Fettverteilung lässt sich am Verhältnis aus Taille und Körpergröße ermitteln. Diese "Waist-Height-Ratio (WHtR)" ergibt sich aus dem Umfang der Taille, geteilt durch die Körpergröße. Auch Studien-Teilnehmer mit Metabolischem Syndrom, einer Funktionsstörung der Leber oder entzündlichen Erkrankungen zeigten häufiger niedrige Testosteronspiegel. Das gleiche gilt für Patienten, die sechs oder mehr Medikamente einnahmen. Auch bei Krebspatienten fanden die Forscher oft einen Hormonmangel.

Dies beweist allerdings nicht, dass Übergewicht und chronische Erkrankungen die Ursache des Testosteronmangels sind. Solche Schlüsse könnten aus einer Querschnittsstudie grundsätzlich nicht gezogen werden, betont die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie. Es sei auch denkbar, dass umgekehrt der Testosteronmangel Übergewicht begünstige.

Testosteron ist zwar als Medikament verfügbar. Ein niedriger Testosteronspiegel beim Mann ist allein jedoch noch kein Grund für eine Hormontherapie. Dies ist nach Meinung der Experten nur sinnvoll, wenn der Hormonmangel Beschwerden auslöst. Und auch dann müssten die Vorteile mit den Risiken einer langjährigen Hormonbehandlung abgewogen werden. Die Entscheidung zur Behandlung kann deshalb nur im Einzelfall nach genauen Laboruntersuchungen und intensiven Beratungen durch einen Facharzt gestellt werden.

Quelle:
Schneider HJ, Sievers C, Klotsche J, Böhler S, Pittrow D, Lehnert H, Wittchen HU, Stalla GK. Prevalence of low male testosterone levels in primary care in Germany: cross-sectional results from the DETECT study. Clinical Endocrinology (Oxf) 2008; doi: 10.1111/j.1365-2265.2008.03370.x

Pressekontakt für Rückfragen:
Pressestelle DGE
Beate Schweizer
Pf 30 11 20, 70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931 295, Fax: 0711 8931 167
Schweizer@medizinkommunikation.org
Weitere Informationen:
http://www.endokrinologie.net

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Welche Behandlung wirkt wirklich?

Dr. Sylvia Sänger, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin

Fünf Jahre Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien

Wissenschaftlich begründete Empfehlungen stellen Entscheidungen zur medizinischen Versorgung chronisch kranker Patienten auf eine rationale Basis. Sie tragen außerdem zur Verbesserung der Qualität der Versorgung bei und helfen, Mittel genau dort einzusetzen, wo sie sinnvoll sind. Diese Empfehlungen sind Bestandteil von Nationalen VersorgungsLeitlinien. Sie beschreiben, was wirklich wirkt und zwar von der Prävention chronischer Erkrankungen bis hin zur Nachbehandlung. Das Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien besteht im September 2008 fünf Jahre. Seither haben 52 Experten von insgesamt 20 wissenschaftlichen und medizinischen Fachgesellschaften fünf VersorgungsLeitlinien erarbeitet. In Zusammenarbeit mit Vertretern der Patientenselbsthilfe werden diese Leitlinien in eine laienverständliche Sprache übersetzt. Bisher gibt es vier solcher Patientenleitlinien.
Jeder Patient wünscht sich eine gute medizinische Versorgung auf dem aktuellen wissenschaftlichen Stand. Dabei kommt es auch auf ein funktionierendes Zusammenspiel der beteiligten Ärzte aus unterschiedlichen Fächern und Versorgungsbereichen an. Wie beides optimal umgesetzt werden kann, beschreiben die wissenschaftlich begründeten Nationalen VersorgungsLeitlinien. Sie sind damit auch eine Grundlage für strukturierte Behandlungsprogramme in Deutschland, die so genannten Disease Management Programme.

Im Jahr 2003 startete die Bundesärztekammer das Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien gemeinsam mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin wurde mit der Durchführung beauftragt. Die Patientenleitlinien werden mit Unterstützung des Patientenforums erstellt. Bisher gibt es Nationale VersorgungsLeitlinien zu den Themen Asthma, chronisch obstruktive Lungenerkrankung, chronische koronare Herzkrankheit sowie Fuß- und Netzhautkomplikationen bei Typ-2-Diabetes. Fünf weitere Themen: Herzinsuffizienz, Depression, diabetische Nephropathie, diabetische Neuropathie und Schulung bei Typ-2-Diabetes werden derzeit bearbeitet. Für Patienten gibt es bisher laienverständliche Versionen dieser Leitlinien für Asthma, chronisch obstruktive Lungenerkrankung, chronische koronare Herzkrankheit sowie Fußkomplikationen bei Typ-2-Diabetes.

Die Grundlage für jede neue Nationale VersorgungsLeitlinie sind bereits bestehende evidenzbasierte Leitlinien und das Erfahrungswissen der Experten der beteiligten Fachgesellschaften. Seit 2006 sind auch Vertreter der Patientenselbsthilfe Mitglied in diesen Expertenteams. Nationale VersorgungsLeitlinien gehören derzeit zu den meist beachteten Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften. Sie sind im Internet frei zugänglich verfügbar. Seit dem Start des Programms wurden sie rund 430.000 Mal abgerufen.

Für die nächsten fünf Jahre haben sich die Verantwortlichen des Programms vorgenommen, neben der Entwicklung weiterer Leitlinien und Patientenleitlinien auch deren Anwenderfreundlichkeit zu verbessern. "Nationale VersorgungsLeitlinien sollen keine Art Lehrbuch sein, das im Bücherschrank steht, sondern eine handhabbare Entscheidungshilfe auf dem Schreibtisch des Arztes." sagt Professor Ollenschläger, der Leiter des ÄZQ. Auch in der medizinischen Aus- und Weiterbildung sollen Leitlinien künftig verstärkt eingesetzt werden.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Dr. Günter Ollenschläger
Leiter des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin

Dr. Susanne Weinbrenner
Leiterin des Bereiches Evidenzbasierte Medizin und Leitlinien

Wegelystraße 3 / Herbert-Lewin-Platz
10623 Berlin
Telefon: 030 4005-2501
Fax: 030 4005-2555
Email: mail@azq.de
Weitere Informationen:
http://www.versorgungsleitlinien.de - alle VersorgungsLeitlinien und PatientenLeitlinien

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Osteoporosepatienten: Schmerzfrei mit 4 ml Zement

Philipp Kressirer, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Klinikum der Universität München

Rasche Linderung durch Verfahren der Vertebroplastie
Experten schätzen die Zahl Osteoporosekranker in Deutschland auf knapp 8 Millionen* - vor allem Frauen über 50 sind von dem gefährlichen Knochenabbau betroffen. Osteoporosepatienten sind erheblich in ihren Bewegungen eingeschränkt und müssen oft starke Schmerzen ertragen. Im schlimmsten Fall kommt es zu Wirbelbrüchen. Komplizierte Operationen - häufig die letzte Möglichkeit einer Verbesserung des Krankheitsbildes - können nun bei vielen Betroffenen mit der Vertebroplastie vermieden werden: Radiologen bringen dabei mit einer Nadel eine kleine Menge medizinischen Zements in die porösen Wirbelkörper ein und stabilisieren diese von innen. Das von Dr. Tobias Jakobs geleitete Ärzteteam am Institut für Klinische Radiologie des Klinikums der Universität München hat sich auf die Vertebroplastie spezialisiert.

"Mithilfe von Computertomographen (CT) schätzen wir Ärzte zunächst das genaue Ausmaß der Krankheit in einem Wirbelkörper ein und planen den Eingriff. Dann stabilisieren wir mit wenigen Millilitern Zement - im Schnitt sind es drei bis vier - den beschädigten Wirbel. Damit kein Zement in umliegendes Gewebe gelangt, überwachen wir dessen Ausbreitung am Bildschirm unseres CT-Gerätes", erläutert Dr. Tobias Jakobs vom Institut für Klinische Radiologie des Klinikums der Universität München den Ablauf der Vertebroplastie. Der Zement härtet nach wenigen Minuten aus und ist belastbarer als der Knochen selbst. "Die meisten unse-rer Patienten schildern eine deutliche Schmerzlinderung - häufig schon direkt nach der Behandlung. Sie gewinnen ein großes Stück Lebensqualität zurück", ergänzt Dr. Jakobs.

Die Vertebroplastie ist eine überaus schonende Methode. Der minimal-invasive Eingriff dauert im Höchstfall 60 Minuten und findet unter lokaler Betäubung statt. Nach wenigen Stunden Ruhezeit ist der Patient wieder auf den Beinen und kann nach ein bis zwei Tagen die Klinik verlassen. In einzelnen Fällen kann die Behandlung sogar ambulant durchgeführt werden. "Die Radiologie macht es möglich: Wo früher aufwendig operiert werden musste, reicht heute ein kleiner Nadelstich. Denn wir Radiologen können mithilfe Bild gebender Verfahren wäh-rend einer Behandlung live ins Innere unserer Patienten schauen", betont der Leiter des Instituts für Klinische Radiologie Prof. Dr. Maximilian Reiser die Möglichkeiten der neuen so genannten "Schlüssellochmedizin".

* Versorgungsstudie BoneEVA einer gesetzlichen Krankenkasse und des Zentralinstituts für Kassenärztliche Versorgung (2000 bis 2003)

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Der Fluidwandler - Strom aus Gas und Wasser

Luft und Wasser, die sich in Leitungen bewegen, besitzen kinetische Energie. Forschern der Fraunhofer-Technologie-Entwicklungsgruppe TEG ist es jetzt gelungen, daraus elektrische Energie zu erzeugen. Sensoren könnten sich so künftig selbst mit Strom versorgen. Auf der Messe Electronica vom 11. bis 14. November 2008 in München ist der Fluidische Energiewandler in Halle B2 am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand 634 zu sehen.

Druckluftanlagen arbeiten in vielen Betrieben. Tritt irgendwo im System ein Leck auf, sinkt der Luftdruck und die Produktion steht still, bis die durchlässige Stelle gefunden ist. Um Kostenausfälle durch Fehler in der Anlage gering zu halten, überwachen Sensoren konstant den Druck. Bisher werden sie mit Batterien gespeist oder aufwändig technisch verkabelt. An unzugänglichen Stellen können sie allerdings oft nur mit Mühe oder gar nicht angebracht werden. Fraunhofer-Forscher aus Stuttgart haben jetzt eine neue Technologie entwickelt, mit der sich energieautarke und damit wartungsarme Sensoren realisieren lassen. »Unser System eignet sich bestens für pneumatische Anlagen, da wir die kinetische Energie aus Luft oder Wasser in Strom wandeln können«, erklärt José Israel Ramirez von der TEG. Der Fluidischer Energiewandler erzeugt Strom im Mikro- oder Milliwatt-Bereich. Das genügt, um zyklisch arbeitende Sensoren mit so viel Energie zu versorgen, dass die Daten ausgelesen und übertragen werden können.

Die fluid-elektrische Wandlung erfolgt innerhalb einer festen Geometrie, durch die das Medium in einer bestimmten Bahn geleitet wird. Dabei wird der konstante Fluidstrom in Oszillation versetzt. Es entsteht eine periodische Druckschwankung in den Rückkopplungszweigen, die wiederum an Piezokeramiken gekoppelt wird. »So wandeln wir die fluidische Energie mittels Piezokeramiken in elektrische Energie um«, fasst Gruppenleiter Axel Bindel das Prinzip zusammen. Die Thermowandlung ist einfach und kostengünstig. »Der Vorteil ist, dass sowohl Luft als auch Wasser zur Energieerzeugung genutzt werden können. Dazu kommt, dass wir keine beweglichen Teile in unserer Geometrie haben. Die Struktur kann man mit einfachen Verfahren herstellen - das spart Kosten.«

Das neue Verfahren kann überall da eingesetzt werden, wo Flüssigkeiten oder Gase durch feste Geometrien geleitet werden - beispielsweise in Versorgungsnetzen oder in der Medizintechnik.
»Unser Ziel ist es, in absehbarer Zeit bisher batteriebetriebene Geräte wie Wasserzähler autark mit Energie zu versorgen, so dass komplett unabhängige Systeme entstehen«, sagt Bindel. Auf der Messe electronica zeigen die TEG-Forscher am Fraunhofer-Gemeinschaftsstand einen Prototypen des Fluidwandlers.

(Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft)

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Erneuerbare Energien verursachen indirekte Kosten in Milliardenhöhe

Dr. Kristina R. Zerges, Presse- und Informationsreferat
Technische Universität Berlin

Gemeinsame Pressemitteilung der TU Berlin und der WirtschaftsVereinigung Metalle
Gesetzliche Regelungen zum Schutz stromintensiver Unternehmen laufen ins Leere

Die Novelle des Gesetzes zum Ausbau der Erneuerbaren Energien (EEG) sieht im Jahr 2009 durchschnittlich eine starke Anhebung der Vergütungssätze vor. Neben den direkten Kosten ist in den kommenden Jahren ein erheblicher Anstieg der indirekten Kosten im Zusammenhang mit dem Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu erwarten. Bereits im Jahr 2006 hat die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Quellen die inländischen Stromverbraucher nicht nur mit der EEG-Umlage in Höhe von rund einem Cent je Kilowattstunde belastet, sondern zusätzlich indirekte Kosten in Höhe von rund 445 Millionen Euro verursacht. Prof. Dr. Georg Erdmann, Leiter des Fachgebietes Energiesysteme an der TU Berlin, be¬rechnete im Auftrag der WirtschaftsVereinigung Metalle (WVM), dass die indirekten Kosten der Erneuerbaren Energien bis 2020 auf mindestens 3,3 Milliarden Euro pro Jahr ansteigen werden. Das bedeutet für die stromintensiven Industrien in Deutschland einen Aufschlag von über 0,7 Cent je Kilowattstunde.

Im kürzlich neugefassten Gesetz zum Ausbau der Erneuerbaren Energien (EEG) wurde verankert, dass die EEG-Belastung stromintensiver Unternehmen des produzierenden Gewerbes auf maximal 0,05 Cent/kWh begrenzt wird, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhalten. Diese Begrenzung erfasst lediglich die direkten Kosten der Förderung. Die starke und gesetzlich nicht eingeschränkte Zunahme der indirekten Kosten werde dagegen voll auf die Unternehmen durchschlagen, kritisiert die WVM und fordert eine Freistellung der Unternehmen von den indirekten Kosten.

Die Erdmann-Studie geht davon aus, dass das novellierte EEG zu einem weiteren massiven Ausbau der Windenergienutzung in Deutschland führen wird. Für 2020 wird mit einer installierten Windenergieleistung von 45.000 MW onshore und 20.000 MW offshore gerechnet. Die Stromproduktion der Anlagen wird dann bei einem stark fluktuierenden Anlagenbetrieb jährlich rund 152 Milliarden Kilowattstunden betragen.

Um die neuen Anlagen an das vorhandene Stromnetz anzuschließen, sind nach Berechnungen der Wissenschaftler Investitionen von insgesamt rund 6 Milliarden Euro notwendig. Diese Kosten deckt das EEG nicht ab, sondern sind von den Stromnetzbetreibern aufzubringen. Das hat eine Weitergabe an die Verbraucher zur Folge. Für das Jahr 2020 führt dies zu anteiligen Mehrkosten von 540 Millionen Euro.

Es sind Netzverstärkungen auf 400 Kilometer Länge und Netzneubauten auf 850 Kilometer Länge erforderlich, um das zusätzliche Stromangebot sicher und verlässlich zu transportieren. Die Kosten dafür betragen 1,1 Milliarden Euro oder anteilig 270 Millionen Euro für das Jahr 2020. Die Gutachter haben darüber hinaus die Kosten für Energieverluste, Maßnahmen zum Erhalt der Netzsicherheit berechnet. Erhebliche Kosten verursacht die natürliche Schwankung der Windstromerzeugung. Notwendige Ausgleichsmaßnahmen werden im Jahre 2020 mit über 1,3 Milliarden Euro beziffert.

In die Untersuchung wurden mögliche preissenkende Wirkungen der Windenergienutzung ebenfalls einbezogen. Im Zentrum der Betrachtungen stand der sogenannte Merit-Order-Effekt. Verschiedene Untersuchungen der jüngsten Zeit hatten errechnet, dass bei hoher Windstromerzeugung die Tagespreise an der Strombörse zwischen 3,17 und 7,83 Euro je Megawattstunde sinken. Bezogen auf das jeweilige Handelsvolumen der EEX (European Energy Exchange) hätte dies eine Entlastung der Stromverbraucher von 490 Millionen Euro im Jahre 2006 zur Folge gehabt. In der vorliegenden Untersuchung von Prof. Erdmann werden diese Hochrechnungen massiv bezweifelt. Aussagekräftige Angaben zum Merit-Order-Effekt der Windstromerzeugung setzen nach Ansicht von Prof. Erdmann zunächst eine verbesserte Transparenz bei der Vermarktung von EEG-Strom voraus. Bei einem Zeithorizont bis 2020 wird es keinen die Stromverbraucher entlastenden Merit-Order-Effekt geben. Die EEG-bedingten negativen Auswirkungen auf Kraftwerksinvestitionen bewirken das Gegenteil.

Die Brennstoffersparnis der Windstromerzeugung beziffern die Wissenschaftler für 2020 auf insgesamt 270 Millionen Euro. Dem stehen Kosten für die Vorhaltung von Reservekraftwerken in Höhe von knapp 1,2 Milliarden Euro gegenüber.

Die bis 2020 parallel mit dem Ausbau der Windenergie stark zunehmenden indirekten Kosten der Erneuerbaren Energien erfordern nach Ansicht von Prof. Erdmann eine gesetzliche Regelung, um die Wettbewerbsfähigkeit stromintensiver Industrien zu erhalten. Die bisherige Begrenzung nur der direkten Kosten sei nicht mehr hinreichend.

Die Studie finden Sie online unter:
www.ensys.tu-erlin.de/menue/research/publications/.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz:
www.eeg-aktuell.de/

European Energy Exchange:
www.eex.com/de/

Weitere Informationen erteilen Ihnen: WirtschaftsVereinigung Metalle, Kommunikation, Dirk Langolf, Wallstr. 58, 10179 Berlin, Tel. 030/72 62 07-111, Fax 030/72 62 07-199, E-Mail: Langolf@wvmetalle.de, www.wvmetalle.de oder Prof. Dr. Georg Erdmann, Fachgebiet Energiesysteme, TU Berlin, Einsteinufer 25, 10587 Berlin, Tel.: 030/314-22890, www.ensys.tu-berlin.de/

Die Medieninformation zum Download:
www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/

"EIN-Blick für Journalisten" - Serviceangebot der TU Berlin für Medienvertreter: Forschungsgeschichten, Expertendienst, Ideenpool, Fotogalerien unter: www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608
Weitere Informationen:
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(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Stellungnahme der Beratungskommission der GT zur Diskussion über den Trinkwasser-Leitwert für Uran

Dipl.-Biol. Cornelia von Soosten, Pressereferat
IfADo - Institut für Arbeitsphysiologie an der Universität Dortmund

Stellungnahme der Beratungskommission der Gesellschaft für Toxikologie e.V. (GT) zur aktuellen Diskussion über eine mögliche gesundheitliche Gefährdung durch Überschreitungen des Trinkwasser-Leitwertes für Uran
Das ARD-Politmagazin "report MÜNCHEN" und die nichtstaatliche Organisation Foodwatch haben am 04.08.2008 Überschreitungen des Uran-Trinkwasserleitwertes des Umweltbundesamtes in etwa 150 von knapp 8.200 Trinkwasserproben aus Deutschland berichtet. Die veröffentlichten Daten beruhen auf Angaben aus den Sozialministerien von 15 der 16 Bundesländer. Die Beratungskommission der Gesellschaft für Toxikologie in der Deutschen Gesellschaft für experimentelle und klinische Pharmakologie und Toxikologie hat daraufhin die Situation unter gesundheitlichen Gesichtspunkten bewertet.
Das Umweltbundesamt der Bundesrepublik Deutschland (UBA) hat einen lebenslang gesundheitlich duldbaren Leitwert von 10 µg/l für den Urangehalt des Trinkwassers abgeleitet. Es hat weiterhin einen für befristete Überschreitungen des Leitwertes anwendbaren Maßnahmewert von 20 µg/l empfohlen, der für eine Expositionsdauer von bis zu 10 Jahren gilt. Sowohl der UBA-Leitwert als auch der Maßnahmenwert sind jedoch für die Trinkwasserversorger rechtlich nicht bindend. Der Trinkwasser-Leitwert bezieht sich nicht auf die Strahlentoxizität des Urans, da diese nach Bewertung nationaler und internationaler Institutionen erst bei deutlich höheren Urankonzentrationen im Trinkwasser eine Rolle spielt. Der Leitwert des UBA wurde vielmehr aus der chemischen Toxizität des Urans in seiner Eigenschaft als nierentoxisches Schwermetall begründet.
Die wissenschaftlich-toxikologische Ableitung eines lebenslang gesundheitlich duldbaren Trinkwasserleitwertes beruht auf der Annahme, dass eine bestimmte Menge einer Substanz lebenslang täglich aufgenommen werden darf, ohne dass gesundheitliche Schäden zu erwarten sind. Diese Annahme kann entweder auf Erfahrungen beim Menschen beruhen oder - wenn sie nicht vorliegen oder unzureichend sind - auf der Grundlage von tierexperimentellen Studien begründet werden. In tierexperimentellen Studien wird entweder die höchste Dosisschwelle bestimmt, bei der keine gesundheitlichen Schäden mehr beobachtet werden oder aber die niedrigste Dosis, bei der noch schädliche Effekte auftreten. Um für den Menschen eine lebenslang tolerierbare Dosis abzuleiten, werden die Dosisschwellen aus tierexperimentellen Studien durch Sicherheits-/Extrapolationsfaktoren geteilt. Sie sollen möglichen Empfindlichkeitsunterschieden zwischen Mensch und Versuchstier (z.B. durch unterschiedliche Resorptionsquoten im Darm), Empfindlichkeitsunterschieden innerhalb der menschlichen Bevölkerung (z.B. zwischen Erwachsenen und Kindern) und. einer ggf. erforderlichen Extrapolation von der niedrigsten Effekt-Dosis auf eine Dosis ohne Wirkung sowie Unterschieden in der Expositionsdauer Rechnung zu tragen.
Für Uran haben die WHO und andere internationale sowie nationale Behörden auf der Basis von Studien an Ratten und Kaninchen aus 1998 die niedrigste tägliche Aufnahme, bei der noch Nierenschäden beobachtet werden, mit 50 - 60 µg pro kg Körpergewicht errechnet und unter Verwendung von Sicherheitsfaktoren die tolerierbare tägliche Aufnahme zu 0,1 bis 0,6 µg pro kg Körpergewicht bestimmt. Daraus wurden unter der Annahme, dass der Erwachsene täglich 2 l Trinkwasser aufnimmt und dass das Trinkwasser die hauptsächliche Quelle der Uranaufnahme darstellt, von internationalen und nationalen Behörden Trinkwasserleitwerte zwischen 10 µg/l und 30 µg/l abgeleitet (s. Tabelle). Die Unterschiede der einzelnen Werte sind in der verwendeten toxikologischen Datenbasis und vor allem in der Höhe der Zuteilung des über das Trinkwasser vermittelten Anteils der täglichen Uran-Aufnahme begründet.
Die deutsche Mineral- und Tafelwasserverordnung enthält für solche Mineralwässer, die mit ihrer Eignung für die Zubereitung von Säuglingsnahrung werben, einen verbindlichen Grenzwert für Uran von 2 µg/l. Dieser vom Bundesinstitut für Risikobewertung 2006 abgeleitete Grenzwert von 2 µg/l ist kein nur streng toxikologisch begründeter Wert, sondern darüber hinaus auch ein Vorsorgewert. Als solcher signalisiert er nicht nur gesundheitliche Sicherheit, sondern darüber hinaus auch eine ganz besondere Mineral- und insbesondere Uranarmut eines als "säuglingsgeeignet" gekennzeichneten abgepackten Wassers. Entsprechend der Ableitung des UBA-Trinkwasserleitwertes für Uran in Höhe von 10 µg/l mit einem Gesamtsicherheitsfaktor, der auch möglichen Empfindlichkeitsunterschieden verschiedener Personengruppen (z.B. Erwachsenen und Kindern) Rechnung trägt, ist Trinkwasser mit Urankonzentrationen unterhalb von 10 µg/l auch für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet. Deshalb ist die von Foodwatch geforderte Warnung der Bevölkerung bei Überschreiten des "Säuglingswertes" von 2 µg/l aus toxikologischer Sicht nicht geboten.
Um die Bedeutung von Überschreitungen des Trinkwasserleitwertes zu bewerten, hat die Beratungskommission der Gesellschaft für Toxikologie die verfügbaren, vor allem neueren epidemiologischen Daten über den Zusammenhang zwischen der Trinkwasser vermittelten Uranaufnahme und Beeinflussungen der Nierenfunktion herangezogen. Entsprechende Studien sind aus Kanada und Finnland dokumentiert.
In einer kanadischen Studie aus dem Jahr 1998, deren Teilnehmer langfristig Trinkwasser mit Urankonzentrationen im Bereich von 2 bis 780 µg/l aufgenommen hatten und bei der etwa die Hälfte der Studienteilnehmer Trinkwasser mit Konzentrationen oberhalb von 100 µg/l erhalten hatte , wurden Auffälligkeiten in der Urinausscheidung beobachtet. Diese sind zwar nicht mit einer Nierenerkrankung gleichzusetzen, weisen aber doch auf eine - wenn auch nicht mit einem Krankheitswert behaftete - Veränderung der Nierenfunktion hin. Im Einzelnen waren die Parameter Glucose, alkalische Phosphatase und Beta-Microglobulin, die Indikatoren einer Schädigung des Nierengewebes und der Nierenfunktion sind, schwach, aber statistisch signifikant mit der über das Trinkwasser aufgenommenen Uranmenge korreliert. Im Vergleich zur Kontrollgruppe wurden statistisch signifikante Unterschiede nur für Glucose und Lactatdehydrogenase, nicht aber für Creatinin und Gesamtprotein gefunden. Der Anteil des Trinkwassers an der gesamten Uranaufnahme variierte zwischen 31 und 98%.
Eine Untersuchung an einer südfinnischen Studienpopulation beschreibt einen signifikanten Zusammenhang für die Urankonzentrationen im Trinkwasser und die Calciumausscheidung, nicht jedoch für die Phosphat- oder Glucoseausscheidung. Die Effekte waren moderat ausgeprägt und bewegten sich im normalen physiologischen Bereich selbst bei Personen mit sehr hoher und lang andauernder Exposition gegenüber Uran. Es wurde keine Beziehung zwischen der Uranexposition und den Parametern einer Nierentoxizität wie Creatinin-Clearance, Albumin im Urin und Beta-Microglobulin beobachtet. Das Trinkwasser wies Urankonzentrationen von 0,001 bis 1920 µg/l auf; davon lagen wiederum die Gehalte von 36% der Proben im Bereich von 10 bis 100 µg/l und 31% oberhalb von 100 µg/l. Der durchschnittliche Trinkwasserkonsum betrug 13 Jahre.
In einer Folgestudie aus dem Jahr 2006 in einer nahezu identischen Studienpopulation wurden, bei sehr gut vergleichbaren hohen Urankonzentrationen im Trinkwasser und einer Expositionsdauer von bis zu 16 Jahren, von wenigen Ausnahmen abgesehen, für 10 physiologische Parameter, die eine Nierenschädigung anzeigen können, keine Veränderungen gefunden. Ein statistisch signifikanter Zusammenhang wurde allerdings für die kumulative Uranaufnahme und die Glukose-Ausscheidung im Urin sowie die Uran-Trinkwasserkonzentration und den Blutdruck beobachtet. Die Urangehalte im Trinkwasser lagen im Bereich von 0,03 bis 1500 µg/l. Die Konzentrationen in 31% der Proben waren höher als 100 µg/l und in weiteren 55% höher als 15 µg/l, zusätzlich ist eine erhöhte Uranzufuhr bedingt über Gemüse aus Hausgärten anzunehmen.
Die Beratungskommission ist zu der Schlussfolgerung gelangt, dass bei länger andauerndem Konsum von Trinkwasser mit Urankonzentrationen ab 25 bzw. 28 µg/l zwar keine Beweise für eine Nierenerkrankung vorliegen. Die epidemiologischen Befunde markieren insgesamt jedoch noch bestehenden Forschungsbedarf und unterstreichen die Notwendigkeit der Einhaltung des Trinkwasserleitwertes für Uran in Höhe von 10 µg/l, insbesondere auch hinsichtlich der Eignung des Trinkwassers zur Zubereitung von Säuglingsnahrung.
Die wiederholt bekannt gewordenen Überschreitungen des Leitwertes in Deutschland bei längst noch nicht flächendeckenden Erhebungen zu den Urangehalten im Trinkwasser legen nach Auffassung der Beratungskommission dringend die Umwandlung des Leitwertes in einen in der Trinkwasserverordnung verbindlich geregelten Grenzwert nahe. Die Beratungskommission der Gesellschaft für Toxikologie begrüßt deshalb ausdrücklich die Ankündigung des Bundesministeriums für Gesundheit vom 06. August 2008, eine zügige Änderung der Trinkwasserverordnung vorzubereiten und einen Grenzwert in Höhe von 10 µg/l für die Belastung mit Uran im Trinkwasser einzuführen.

Die GT ist die größte europäische wissenschaftliche Fachgesellschaft der Toxikologen aus Hochschulen, Behörden und Industrie mit über 1000 Mitgliedern

Ansprechpartner: Prof. Dr. Jan G. Hengstler, Vorsitzender der Beratungskommission der GT, Institut für Arbeitsphysiologie an der TU Dortmund (IfADo), 0231-1084-349, hengstler@ifado.de
Erreichbar auch über Cornelia von Soosten, Pressereferentin des IfADo, 0231-1084-444, vonsoosten@ifado.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Etiketten mit Frische-Gedächtnis suchen Bewährungsprobe

Britta Rollert, Pressestelle
ttz Bremerhaven

Auf dem Weg vom Produzenten zum Verbraucher geht ein industriell gefertigtes Frischeprodukt wie Fisch oder Geflügelfleisch heute durch viele Hände. Eine Lücke in der Kühlkette kann dabei schnell und ohne Absicht entstehen. Doch wie können Kunden erkennen, ob einem Produkt für eine gewisse Zeitspanne ein paar Minusgrade gefehlt haben? Mit so genannten TTIs (time temperature indicator) - Frische-Labels auf der Oberfläche des Produktes, die sich bei einem Tempera-turanstieg verfärben, so die einhellige Antwort das Projektkonsortiums FRESHLABEL. 21 Partnern aus sieben Ländern Europas untersuchten unter Leitung des ttz Bremerhaven die Funktionalität der ver-braucherfreundlichen Etiketten. Bei der Abschlusskonferenz in Bre-merhaven wurde ein klares Fazit formuliert: Die Label funktionieren zuverlässig - nun fehlen Pioniere aus dem Handel, die Praxistests starten.
Zum Projektabschluss von FRESHLABEL stehen Verbraucherinteressen zwischen Hoffnungen der Hersteller und Skepsis des Handels

Genuss braucht Sicherheit. Während Produzenten, Handel und Logistiker entlang der Lieferkette ganz im Sinne der EU-Richtlinien 178/2002 an der Verbesserung der Transparenz arbeiten, um Image und Waren zu sichern, profitiert der Verbraucher bisher nur indirekt von dieser Entwicklung. Ob ein Produkt eine geschlossene Kühlkette durchlaufen hat, ist für den Supermarktkunden weiterhin eine reine Vertrauensfrage. In dem EU-Projekt FRESHLABEL haben die Partner ein Etikett entwickelt, das qualitätsbewussten Verbrauchern eine Absicherung auf den ersten Blick ermöglicht.

Nach Aktivierung durch UV-Licht verfärbt sich das Etikett dunkelblau und wird dann im Verlauf der Zeit und bei Temperaturschwankungen immer heller. Wird die vorgeschriebene Lagertemperatur überschritten, beschleunigt sich der Aufhellungsprozess. Dahinter steht ein chemischer Prozess auf Basis organischer Kristalle: Steigt die Umgebungstemperatur an, wird dies durch eine Farbveränderung am Label sichtbar. Ein eingebauter UV-Filter wirkt als Manipulationsschutz, denn nach einmaliger Aktivierung lassen Sie sich die Etiketten nicht wieder in den Ausgangszustand versetzen. Das "Gedächtnis" des Smart Labels kennt keine Aussetzer.

An der Entwicklung der FRESHLABEL waren unter anderem Produzenten aus der Fisch- und Fleischbranche beteiligt. Sie erwarten handfeste Vorteile durch eine Einführung eines umfassenden Kontrollsystems, das Smart Labels einschließt: Durch die nachweisbare Qualität ihrer Ware erhoffen sie sich eine spürbare Steigerung des Umsatzes. Handel und Verbraucher müssten sich nicht mehr allein am Mindesthaltbarkeitsdatum orientieren, sondern könnten den tatsächlichen Frischezustand ihrer Bewertung zu Grunde legen. Auf diese Weise würden keine qualitativ guten Lebensmittel verschwendet und ein höherer Grad der Nachhaltigkeit erreicht. Der Stückpreis der Labels von weniger als 10 Cent ließe sich bei einer anhaltenden Steigerung des Fleischverbrauches, wie er über die letzten Jahre in Europa zu verzeichnen war, in kürzester Zeit amortisieren.

Im Partnerkonsortium waren auch europäische Industrieverbändevertreten. Ihre Kontakte zu kleinen und mittelständischen Unternehmen konnten die Weitergabe des Know-hows an Produzenten beschleunigen. Gerade für Produkte mit großem Marktvolumen wie Räucherlachs und Gehacktes, die in allen Supermarktketten angeboten werden, sind die Hersteller von dem Nutzen eines Frischesiegels für den Endverbraucher überzeugt, resümiert Dr. Yee Hilz, Projektleiterin am ttz Bremerhaven. Bleibt abzuwarten, ob auch der Handel die intelligenten Etiketten als Fortschritt begreift oder mehr Transparenz in der Transportkette erst durch gesetzliche Vorgaben und/oder das verstärkte Einwirken von Verbraucherschutzverbänden verwirklicht wird. Von den im Projekt FRESHLABEL vertretenen Ländern ist derzeit Portugal dem Ziel der Implementierung am nächsten: Hier hat zunächst einmal eine Handelskette grünes Licht für den Praxistest gegeben.

Das Projekt FRESHLABEL wurde im 6. Forschungsrahmenprogramm der EU mit einer Gesamtfördersumme von rund 1,7 Millionen Euro unterstützt.

Das ttz Bremerhaven versteht sich als innovativer Forschungsdienstleister und betreibt anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung. Unter dem Dach des ttz Bremerhaven arbeitet ein internationales Team ausgewiesener Experten in den Bereichen Lebensmitteltechnologie und Bioverfahrenstechnik, Analytik sowie Wasser-, Energie- und Landschaftsmanagement, Gesundheitssysteme sowie Verwaltung & Software.

Kontakt:
ttz Bremerhaven
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0471 / 4832-121/-124
Fax: 0471 / 4832-129
E-Mail: brollert@ttz-bremerhaven.de
Weitere Informationen:
http://www.ttz-bremerhaven.de Website des Projektkoordinators ttz Bremerhaven
http://www.freshlabel.net Offizielle Website zum Projekt

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Auf der Spur der Rechtschreib-Gene

Dr. Janine Drexler, Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraunhofer-Gesellschaft

Buchstaben werden verdreht, einzelne Silben weggelassen - etwa vier Prozent der Deutschen sind Legastheniker. Forscher arbeiten daran, die verantwortlichen Gene aufzuspüren und einen Gentest zu entwickeln. So könnten bereits Kleinkinder gezielt gefördert werden.
Shcule? Schuule? Oder doch Schuhle? Aller Anfang ist schwer, das gilt auch beim Lesen- und Schreibenlernen. Bei den meisten Kindern legen sich anfängliche Buchstabendreher und andere unsystematische Fehler recht schnell. Doch etwa vier Prozent der deutschen Schulkinder kämpfen weiterhin mit dem geschriebenen Wort. Wo liegt die Ursache für eine solche Lese-Rechtschreibschwäche oder auch Legasthenie? "Die Legasthenie hat nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun. Sie scheint zum größten Teil genetisch bedingt zu sein, wie Zwillingsstudien gezeigt haben", erklärt Arndt Wilcke, Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI in Leipzig. Hilfe verspricht eine spezielle Förderung der Kinder: So gibt es etwa in Sachsen Schulklassen für Legastheniker - sie setzen ab dem dritten Schuljahr an. Üblicherweise fällt diese Schwäche erst dann auf, wenn die Kinder sechs bis acht Jahre alt sind und Lesen und Schreiben lernen. Der Großteil der Sprachentwicklung ist dann jedoch bereits abgeschlossen. Generell gilt: Je früher die Veranlagung zur Legasthenie erkannt wird, desto höher sind die Erfolgschancen einer Förderung. Werden betroffene Kinder bereits im Kindergartenalter gezielt gefördert, lernen sie meist gut Lesen und Schreiben.

Die Forscher am IZI wollen die Früherkennung von Legasthenie nun verbessern. "Wir versuchen herauszufinden, welche Gene die Lese-Rechtschreibschwäche hervorrufen. Eine Veranlagung zur Legasthenie könnte man dann durch einen genetischen Test feststellen und betroffene Kinder bereits im Kleinkindalter entsprechend fördern", sagt Wilcke. Doch wie wollen die Wissenschaftler die verantwortlichen Gene finden? "Wir nehmen Speichelproben von Kindern, die eine Lese-Rechtschreibschwäche haben, extrahieren die DNA und vergleichen bestimmte Gene mit denen nicht betroffener Kinder. Gibt es signifikante Unterschiede? Wenn ja, ist das ein erster Hinweis, dass dieses Gen bei der Ausbildung der Legasthenie eine Rolle spielen könnte", erklärt Wilcke. Die Hypothese, die die IZI-Forscher aufgestellt haben: In der Zeit, in der sich beim Embryo das Gehirn entwickelt, wandern die Nervenzellen an die für sie vorgesehenen Stellen - gesteuert von Genen. Sind diese fehlerhaft, wandern die Nervenzellen nicht weit genug oder an die falschen Stellen. Hier könnte ein Grund für die Legasthenie liegen. Hinweise auf Gene, die für die Legasthenie verantwortlich sind, liegen bereits vor. Die ersten Schritte zum Gentest sind also gemacht. Bis ein solcher Test allerdings einsatzbereit ist, wird noch einige Zeit vergehen - mindestens fünf Jahre hält Wilcke für durchaus realistisch.
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/presse/presseinformationen/2008/10/Mediendienst102008Th...

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Studie: Grundwasserspiegel hat großen Einfluss auf das lokale Klima

Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Wenn die Jahresdurchschnittstemperatur um zwei Grad steigt, kann das je nach Grundwasserspiegel regional völlig unterschiedliche Konsequenzen haben. Das zeigt eine Studie, die ein Wissenschaftler der Universität Bonn nun zusammen mit einem US-Kollegen veröffentlicht hat. Demnach entscheidet unter anderem die Lage der Wasservorräte im Boden, ob Klimaänderungen Dürren nach sich ziehen oder sich nur gering auswirken. Bisherige Modelle berücksichtigen diesen Einfluss des Grundwassers kaum. Die Untersuchung wird in der Oktober-Ausgabe von Nature Geoscience erscheinen, ist aber schon online abrufbar (doi: 10.1038/ngeo315).
Welchen enormen Einfluss Wasser auf das regionale Klima hat, wissen Küstenbewohner aus eigener Erfahrung: Im Sommer sorgt das Meer vor der Haustür meist für kühlere Temperaturen als im Landesinnern, im Winter ist es dagegen umgekehrt. Grund dafür ist zum Einen, dass Wasser ein guter Wärmespeicher ist: Es benötigt relativ viel Energie, um sich aufzuheizen, und gibt diese nur langsam wieder ab. Dazu kommt die Tatsache, dass Wasser beim Verdunsten seiner Umgebung Wärme entzieht. "Wasser wirkt gewissermaßen als Moderator, der Temperaturschwankungen in seiner Umgebung ausgleicht", erklärt Dr. Stefan Kollet vom Meteorologischen Institut der Universität Bonn.

Das gilt auch für die Wasserspeicher im Boden, wie Kollet und sein Kollege Dr. Reed Maxwell vom kalifornischen Lawrence Livermore National Laboratory festgestellt haben. Sie untersuchten dazu eine Region in Oklahoma mit Hilfe eines neuartigen Computermodells für Supercomputer, das unter anderem die Grundwasservorräte berücksichtigte. Die Forscher fütterten dieses Modell mit aktuellen Klimadaten und zum Vergleich mit drei Varianten, in denen sie die Temperatur um zwei Grad erhöhten und dabei die Niederschlagsmenge variierten. "Uns hat interessiert, wie dieses Gesamtsystem auf unterschiedliche Klimabedingungen reagiert und ob sich dabei Zusammenhänge mit dem lokalen Grundwasserspiegel feststellen lassen", sagt Kollet.

Ergebnis: Wie stark die Landschaft auf eine Erwärmung von zwei Grad reagiert, hängt ganz erheblich von der Tiefe des Wasserreservoirs im Boden ab. Liegt das Grundwasser nur wenige Meter unter der Oberfläche, sind die Auswirkungen der Erwärmung auf das lokale Klima viel geringer, als wenn die Wasservorräte sehr tief liegen. "Zum Einen wirkt oberflächennahes Grundwasser ausgleichend auf die Temperatur", fasst Kollet die Ergebnisse zusammen. "Zum Anderen mildert es natürlich auch die Gefahr von Dürren: Grundwasser ist ein wichtiges Reservoir, aus dem sich Pflanzen bedienen können. Selbst auf deutlich verringerte Niederschlagsmengen reagieren Regionen mit oberflächennahem Grundwasser daher relativ unempfindlich."

Anders sieht es aus, wenn der Grundwasserspiegel sehr tief liegt: Dann kann das Grundwasser seine Rolle als Klimamoderator kaum noch erfüllen. "Diese Abkopplung vom lokalen Klimageschehen erfolgt in der so genannten kritischen Zone zwischen zwei und sieben Meter Tiefe", erläutert Dr. Stefan J. Kollet. "In diesem Bereich können schon kleine Schwankungen des Grundwasserspiegels große Auswirkungen auf die Energieflüsse an der Landoberfläche haben." Sein Fazit: "Für die Abschätzung, welche Effekte der Klimawandel lokal tatsächlich hat, muss man die Grundwasserverteilung auf jeden Fall stärker berücksichtigen, als man es bislang getan hat."

Kontakt:
Stefan Kollet, PhD
Meteorologisches Institut der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-5186 oder -5193
E-Mail: stefan.kollet@uni-bonn.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Blutdrucksenker im Vergleich: Vorläufige Ergebnisse liegen vor

Dr. Anna-Sabine Ernst, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Bewährte Diuretika sind die Wirkstoffe mit dem am besten belegten Nutzen
Eine Senkung von erhöhtem Blutdruck kann Komplikationen wie Schlaganfällen, Nieren- oder Herzschäden vorbeugen und das Leben verlängern. Wie Studien zeigen, ist dies vor allem mit Hilfe von Medikamenten möglich. Ungeklärt ist aber die Frage, ob es dabei Unterschiede zwischen den blutdrucksenkenden Wirkstoffen gibt. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat deshalb vergleichend untersucht, welche Vor- und Nachteile die bisher zur Blutdrucksenkung eingesetzten Medikamente, sogenannte Antihypertensiva, haben können. Die Nutzenbewertung des IQWiG soll die Frage beantworten, mit welchem Blutdrucksenker die Therapie begonnen werden sollte. Ob dabei zunächst nur ein Wirkstoff oder gleich mehrere eingesetzt werden sollten, ist indes nicht Gegenstand dieses Berichts.

Am 18. September 2008 haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach einer ersten Anhörung zu Berichtsplan und Vorbericht die vorläufigen Ergebnisse ihrer Nutzenbewertung in einer zweiten Version publiziert und zur Diskussion gestellt. Damit beginnt eine Frist von 4 Wochen (17. Oktober 2008), in der interessierte Personen und Institutionen erneut schriftliche Stellungnahmen zum Vorbericht "Vergleichende Nutzenbewertung antihypertensiver Wirkstoffgruppen als Therapie der ersten Wahl bei Patienten mit essentieller Hypertonie" abgeben können.

Folgekomplikationen im Fokus

Der vorliegende Bericht vergleicht den Nutzen von 5 in Deutschland zur Behandlung des Bluthochdrucks zugelassenen Wirkstoffgruppen: Diuretika, Beta-Blocker, ACE-Hemmer, Kalziumantagonisten und Angiotensin-II-Antagonisten. Maßstab für den Nutzen war dabei nicht die Senkung des Blutdrucks, sondern die Folgekomplikationen, die Bluthochdruck verursacht. Aus Sicht von Patientinnen und Patienten sind dabei besonders die Auswirkungen auf folgende Therapieziele bedeutsam: Neben der Lebensverlängerung ist es vor allem die Vorbeugung von Herzerkrankungen, Schlaganfällen, anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Nierenschäden. Hinzu kommen Aspekte wie gesundheitsbezogene Lebensqualität, Therapiezufriedenheit oder die Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten. Auch unerwünschte Arzneimittelwirkungen wurden untersucht.

Nur Studien mit vergleichbarem Therapieschema einbezogen

Von einer essentiellen Hypertonie spricht man dann, wenn keine organische Ursache für die Blutdrucksteigerung erkennbar ist. Bei etwa der Hälfte dieser Patienten reicht eine Therapie mit nur einem Wirkstoff (Monotherapie) aus, um den Blutdruck zu kontrollieren. Bei den übrigen muss ein zweites oder gar ein drittes Medikament kombiniert werden. Es erscheint deshalb sinnvoll, mit einem einzelnen Wirkstoff zu beginnen (Therapie der ersten Wahl) und erst nachfolgend bei Bedarf eine Kombinationstherapie einzuleiten.

Um einen fairen Vergleich zu ermöglichen, bezieht der Bericht nur solche randomisierte kontrollierte Studien ein, in denen die Patientengruppen zu Beginn mit nur einem der 5 Wirkstoffe behandelt wurden und die später zusätzlich eingesetzten Medikamente vergleichbar waren.

8 der insgesamt 10 möglichen Vergleiche sind durch Studien abgedeckt

Insgesamt konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 16 Studien in die Bewertung einbeziehen, die eine oder mehrere Wirkstoffgruppen beziehungsweise einzelne Substanzen aus diesen Gruppen direkt miteinander verglichen. Auf Basis dieser 16 Studien konnten von den insgesamt 10 Vergleichen, die zwischen den untersuchten 5 Gruppen theoretisch möglich sind, lediglich 8 durchgeführt werden. Es gab auch nicht für jede Wirkstoffgruppe und zu allen Fragestellungen direkte Vergleichstudien mit allen 4 übrigen. Als am besten untersucht können die Diuretika und die Kalziumantagonisten gelten. Die wenigsten Daten liegen für die Angiotensin-II-Antagonisten vor.

Folgekomplikationen: Diuretika sind in einigen Aspekten besser und in keinem schlechter

Diuretika können als "Therapie der ersten Wahl" angesehen werden. In der Gesamtschau geben die Studienergebnisse jedenfalls keinen Anlass, andere Wirkstoffe den Diuretika als Anfangstherapie vorzuziehen. Denn Diuretika sind in Hinblick auf die Vermeidung von Folgekomplikationen keiner anderen Wirkstoffgruppe unterlegen und weisen in einzelnen Aspekten Vorteile gegenüber ACE-Hemmern und Kalziumantagonisten auf. So fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Belege, dass Diuretika das Risiko einer Herzschwäche (Herzinsuffizienz) stärker mindern als Kalziumantagonisten. Auch im Vergleich mit ACE-Hemmern scheinen die Diuretika hier überlegen zu sein, allerdings gibt es nur Hinweise und keine Belege. Zudem gibt es Hinweise, dass Diuretika gegenüber ACE-Hemmern bei der Ethnie der Schwarzen ("Blacks") auch in Hinblick auf die Schlaganfall-Prävention bessere Ergebnisse erzielen.

Kein klarer Vorteil bei unerwünschten Nebenwirkungen

Was die unerwünschten Wirkungen betrifft, bietet keine der fünf Wirkstoffgruppen einen klaren Vorteil. In ihrer vorläufigen Schlussfolgerung bestätigen die Wissenschaftler das bereits bekannte Nebenwirkungsprofil der einzelnen Antihypertensiva. Das gilt auch für die sogenannte diabetogene Wirkung: Während der Einnahme, kann es zu leichten Erhöhungen der Blutzuckerwerte kommen, was gelegentlich die Diagnose einer Zuckerkrankheit zur Folge haben kann. Kalziumantagonisten scheinen hier gegenüber Diuretika im Vorteil zu sein, ebenso Angiotensin-II-Antagonisten gegenüber den Beta-Blockern und den Kalziumantagonisten.

Allerdings ist unklar, welche gesundheitliche Bedeutung der unter Diuretika erhöhte Blutzucker hat. Ein patientenrelevanter Schaden kann nach Auffassung des IQWiG aus den verfügbaren Daten jedenfalls nicht abgeleitet werden. So stieg zum Beispiel bei Patienten, die bei Einnahme von Diuretika einen Diabetes mellitus entwickelten, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht an.

Zum Ablauf der Berichtserstellung

Die erste Version des Berichtsplans war bereits Anfang September 2005 publiziert und um zwei Amendments ergänzt worden. Mitte Februar 2007 folgte der Vorbericht 1.0. Inzwischen, im Dezember 2006, änderte das Institut seine Abläufe dahingehend, dass Stellungnahmen zur berichtsspezifischen Methodik (Berichtsplan) und zu den vorläufigen Ergebnissen (Vorbericht) nicht gemeinsam, nach Publikation des Vorberichts, sondern jeweils getrennt eingeholt werden. So sieht es auch das zum 1. April 2007 in Kraft getretene GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz vor.

Um diesen veränderten Anforderungen gerecht zu werden, wurden in der mündlichen Erörterung Anfang Juni 2007 unklare Aspekte zur berichtspezifischen Methodik aus den Stellungnahmen zum Vorbericht 1.0 besprochen. Im Stellungnahmeverfahren zum Vorbericht 1.0 war explizit zur Stellungnahme zur berichtspezifischen Methodik aufgerufen und diese Möglichkeit auch wahrgenommen worden. Die Ergebnisse der Anhörung mündeten in den Berichtsplan 2.0, der Anfang Dezember 2007 publiziert wurde, sowie in den Vorbericht 2.0, für dessen Ergebnisse nun ein von der Methodik getrenntes Stellungnahmeverfahren erfolgt.

Kommentare zu den im Vorbericht 2.0 aufgeführten Ergebnissen der Nutzenbewertung, die bis zum 17. Oktober 2008 beim IQWiG eingehen, werden gesichtet und ausgewertet. Bleiben Fragen offen, können die Autoren zu einer mündlichen Erörterung eingeladen werden. Danach wird der Vorbericht überarbeitet und als Abschlussbericht an den Auftraggeber, den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), weitergeleitet.
Weitere Informationen:
http://www.iqwig.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Meeresspiegel der Ostsee steigt immer rascher an

Kim-Astrid Magister, Pressestelle
Technische Universität Dresden

Allein in den letzten 100 Jahren Zunahme um 15 Zentimeter
Eine Dresdner Forschergruppe um Prof. Reinhard Dietrich vom TUD-Institut für Planetare Geodäsie stellt in wenigen Tagen ihre neuesten Forschungsergebnisse zu Meeresspiegeländerungen in der Ostsee vor. Andreas Groh, Mitarbeiter am Institut, hält dazu einen wissenschaftlichen Vortrag auf den "Journées", einer jährlich stattfindenden astronomisch-geowissenschaftlichen Tagung.

"Der Anstieg des globalen Meeresspiegels beeinflusst auch die Ostsee, die ja Teil der Weltmeere ist", erklärt Andreas Groh. "Unsere Datenbasis ist dabei sehr gut, denn einige Pegelmessungen entlang der Ostseeküste reichen schon mehr als 150 Jahre zurück." Nicht zu vernachlässigen ist dabei der Fakt, dass die Pegelbeobachtungen auch von Bewegungen der festen Erde beeinflusst sind. Im Ostseeraum sind das vor allem Ausgleichsbewegungen der Erdkruste, die sich während der letzten Eiszeit verformt hat. Im Klartext: die Messstationen selbst haben sich minimal bewegt, was die Messwerte natürlich beeinflusst. Diese Bewegungen können aber mit Hilfe von Satellitenmessverfahren wie dem Global Positioning System (GPS) bestimmt werden. So lassen sich die aufgezeichneten Pegeldaten um den Effekt der Erdkrustenbewegung korrigieren.

Dadurch können die Wissenschaftler nun konkrete Zahlen für den mittleren Meeresspiegelanstieg angeben. "Die Meeresspiegeländerung der Ostsee, die von der Wasserzufuhr, etwa durch das Abschmelzen von Gletschern und die thermisch bedingte Ausdehnung des Meerwassers hervorgerufen wird, betrug in den letzten 100 Jahren insgesamt etwa 15 Zentimeter", so Groh.

Meeresspiegeländerungen über kürzere Zeiträume werden heutzutage durch Radar-Meereshöhenmessungen von Satelliten aus bestimmt. Diese neueren Messungen bestätigen den weltweit beobachteten Trend: in den letzten 20 Jahren stieg der Meeresspiegel etwa doppelt so schnell, also etwa 3 Millimeter pro Jahr, an.

Die Tagungsreihe Journées "Systèmes de référence spatio-temporels" macht in diesem Jahr Station an der TU Dresden. Ihr Hauptanliegen ist es, eine Diskussionsplattform für Wissenschaftler auf den Gebieten der raum-zeitlichen Referenzsysteme, der Erdrotation, der Positionsbestimmung von Himmelskörpern und der Zeitmessung zu schaffen. Forschungsarbeiten in diesen Disziplinen bereiten die Grundlage für die Messung und das Verständnis von Vorgängen insbesondere auf unserer Erde, wie z.B. Klimaveränderungen, Entstehung von Wetterphänomenen wie "El Niño", Schwankungen der Rotationsgeschwindigkeit oder der Lage der Erde im Raum. In diesem Jahr fallen die "Journées" zudem mit dem 10. Lohrmann-Kolloquium zusammen, das seit 1958 in zeitlich unregelmäßigen Abständen durch das Lohrmann-Observatorium der TU Dresden organisiert wird.

Autor: Martin Morgenstern

Weitere Informationen:
Prof. Michael Soffel
TU Dresden, Institut für Planetare Geodäsie
Tel.: 0351 463-34097
E-Mail: soffel@rcs.urz.tu-dresden.de

Tagung Journées "Systèmes de référence spatio-temporels" und X. Lohrmann-Kolloquium, 22. bis 24. September 2008 im Gebäude "Alte Mensa" (Eingang Dülferstraße)
Kontakt: journees2008@astro.geo.tu-dresden.de
Tel.: 0351 463-34097
Weitere Informationen:
http://astro.geo.tu-dresden.de
http://astro.geo.tu-dresden.de/journees2008/programme.htm - Programm

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Grenzgänger am Arbeitsmarkt. Die große Furcht vor dem Abstieg

Dr. Regine Klose-Wolf, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hamburger Institut für Sozialforschung

Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt: Prekarisierte Erwerbsbiografien
Im Zuge der Neuordnung der Arbeitsmarktpolitik und angesichts einer wachsenden Zahl prekär Beschäftigter in der Arbeitswelt bildet sich ein neuer Typus heraus: die Grenzgänger am Arbeitsmarkt. Sie gehören nicht richtig dazu, aber sie sind auch keine Ausgeschlossenen. Die Grenze zwischen dauerhaft sicheren und kontinuierlich unsicheren Zonen der Arbeitswelt verwischt zunehmend. Dies ist ein zentrales Ergebnis eines Projekts des Hamburger Instituts für Sozialforschung, welches Teil eines vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales drittmittelfinanzierten Forschungsvorhabens ist.

Ein Merkmal der Grenzgänger ist ihre hohe Aktivität am Arbeitsmarkt. Aber trotz Aktivität, Kreativität und Mobilität schaffen nur wenige den Aufstieg in erwerbsbiographische Stabilität, so die Wissenschaftler vom Hamburger Institut. "Es kann hier" so die Wissenschaftler, "von einem rasenden Stillstand gesprochen werden", denn Aktivität am Arbeitsmark führe nicht zwangsläufig zu einer Verbesserung der eigenen Lebens- oder Arbeitssituation.
Natalie Grimm und Berthold Vogel haben im Abstand von zwei Jahren 106 Personen befragt. Die Interviews zeigen, dass die Zahl der erwerbsgesellschaftlichen Grenzgänger, die im steten Wechselspiel zwischen Arbeitslosigkeit und Erwerbstätigkeit pendeln, zunimmt.

Für die meisten der Befragten - Männer wie Frauen, Junge wie Alte, Qualifizierte und Hilfs-kräfte - ist Erwerbsarbeit nach wie vor der zentrale Modus der gesellschaftlichen Integration. Eine starke Sorge, ja Angst teilen alle Befragten, die vor der beruflichen Deklassierung und die vor der sozialen Ausgrenzung. Alle spüren den Zwang, den gesellschaftlichen Verhalten-anforderungen zu entsprechen. Sie bemühen sich in einem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, der nur Jobs, aber keine perspektivreiche Beschäftigung kennt, was dazu führt, dass die Betroffenen erwerbsbiografisch in der Prekarität gefangen sind.

Es gilt die Faustformel: je unqualifizierter und älter, desto stärker stehen sie mit dem Rücken zur Wand. Und umgekehrt: Je jünger und qualifizierter, desto mehr Handlungsspielräume bleiben ihnen noch. Grimm und Vogel haben eine Präzisierung des Prekaritätsbegriffs vorge-nommen, denn "die Fragilität von Beschäftigungsverhältnissen, die rechtliche, soziale und materielle Prekarität der Erwerbsarbeit, aber auch die wachsende Hilfebedürftigkeit hat Einzug in ehedem stabile Bereiche der sozialen und beruflichen Mittelschicht gehalten".

Natalie Grimm und Berthold Vogel werden ihre Ergebnisse auf dem Soziologiekongress in Jena (7. bis 10.10.2008) vorstellen.

Für Rückfragen und Anfragen an die beiden Autoren der Studie wenden Sie sich gerne an mich.

Dr. Regine Klose-Wolf
Hamburger Institut für Sozialforschung
Leiterin der Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 040-414097-12
Fax 040-414097-11
Presse@his-online.de
Weitere Informationen:
http://www.his-online.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Osteoporose: Kalzium und viel Bewegung schützen die Knochen

Dr. Anna-Sabine Ernst, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Wer körperlich aktiv ist und genug Kalzium zu sich nimmt, kann seine Knochen auch im Alter stärken / Neuer Kalziumrechner online
Regelmäßige Kalziumaufnahme schützt die Knochen

Älter zu werden bedeutet nicht, zwangsläufig an Osteoporose zu erkranken. Das Osteoporoserisiko wird aber mit zunehmendem Alter höher, und Menschen über 70 haben sehr häufig brüchige Knochen. Ein Sturz führt dann nicht nur zu blauen Flecken, sondern auch leicht zu einem Knochenbruch. Es gibt aber viele Möglichkeiten, die Knochen zu schützen und zu kräftigen - auch dann, wenn man bereits älter ist.

Eine davon ist die regelmäßige Zufuhr von Kalzium. Um den Verlust an Knochensubstanz im Alter aufzuhalten, benötigen wir mit den Jahren mehr Kalzium. Das beste Mittel dafür ist eine kalziumreiche Ernährung. "Vor allem ältere Menschen in Deutschland bekommen aber häufig zuwenig Kalzium", so der Leiter des IQWiG, Professor Dr. med. Peter Sawicki.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Frauen nach den Wechseljahren und Männern über 65 die Aufnahme von täglich mindestens 1300 mg Kalzium. Zusammen mit dem Robert Koch Institut in Berlin hat das IQWiG einen "Kalziumrechner" entwickelt. Mithilfe dieses Internet-Rechners lässt sich schnell und bequem herausfinden, wie viel Kalzium man täglich über die Ernährung aufnimmt und ob der eigene Bedarf damit gedeckt ist.

Wenn es nicht gelingt, sich möglichst kalziumreich zu ernähren, können Kalziumpräparate zur Nahrungsergänzung helfen. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die Einnahme von Kalziumtabletten selbst Menschen mit höherem Risiko schützt. Dazu Professor Sawicki: "Selbst wenn Sie schon über 70 Jahre alt sind, können Sie Ihr Knochenbruch-Risiko senken, wenn Sie genügend Kalzium aufnehmen."

Viel Bewegung stärkt die Knochen und könnte das Sturzrisiko senken

Manche Menschen glauben, dass sie ihre Knochen am besten schützen, wenn sie sich wenig bewegen und Situationen vermeiden, die das Risiko für Knochenbrüche erhöhen könnten. Tatsächlich ist mangelnde Bewegung aber einer der wichtigsten Risikofaktoren für Osteoporose. Wer den größten Teil des Tages sitzend oder liegend verbringt, erhöht die Gefahr, dass die Knochen schwach und brüchig werden. Körperliche Aktivitäten, bei denen man das eigene Gewicht tragen muss, können dagegen die Knochen stärken. Eine solche einfache Bewegungs- und Trainingsart mit geringem Verletzungsrisiko ist flottes Gehen (Walking). Auch für ältere Menschen ist das Spazierengehen eine einfache und vertraute Art der Bewegung, die nicht nur den Knochen gut tut.

Professor Sawicki: "Verletzungen sind natürlich immer möglich, wenn man sich bewegt oder trainiert. Wer sich viel bewegt, stärkt aber seine Muskeln und Knochen - und bleibt dadurch körperlich stabiler und sicherer. Das Vertrauen in den eigenen Körper wächst, und man hat möglicherweise ein geringeres Risiko, zu stolpern und zu stürzen."

Die IQWiG-Website Gesundheitsinformation.de informiert die Bevölkerung allgemeinverständlich und aktuell über medizinische Entwicklungen und Forschungsergebnisse zu wichtigen gesundheitlichen Fragen. Wer über die neuesten Veröffentlichungen der unabhängigen Gesundheits-Website auf dem Laufenden sein möchte, kann den Gesundheitsinformation.de-Newsletter abonnieren.
Weitere Informationen:
http://www.iqwig.de - IQWiG Pressemitteilung
http://www.gesundheitsinformation.de - Osteoporose

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Humanarzneimittelwirkstoffe: Handlungsmöglichkeiten zur Verringerung von Gewässerbelastungen

Michaela Kawall, Wissenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für sozial-ökologische Forschung ISOE

Arzneimittel sind in vielen Fällen unverzichtbarer Bestandteil eines unbeschwerten und gesunden Lebens. Mittlerweile ist jedoch auch eine Schattenseite des verbreiteten Einsatzes von Medikamenten belegt: ihre Umweltrelevanz. Welche vorsorgenden Handlungsmöglichkeiten es gibt, um Gewässerbelastungen durch Humanarzneimittel wirksam zu verringern, zeigt erstmals eine Broschüre, die vom transdisziplinären Forschungsprojekt "start" erarbeitet wurde.
Seit Anfang der 1990er Jahre bestätigen Forschungsergebnisse das Vorkommen eines breiten Spektrums von Human- und Veterinärpharmaka in Oberflächengewässern, im Grundwasser und vereinzelt sogar im Trinkwasser. Immer mehr Daten zeigen zudem, dass bestimmte Stoffe auch negative Effekte in der Tier- und Pflanzenwelt auslösen können. Wissenschaftlich ist derzeit noch unklar, welche Risiken für Mensch und Umwelt tatsächlich bestehen. Zu erwarten ist aber, dass sich das Problem in den kommenden Jahren weiter verschärft, da mit der demografischen Entwicklung in Deutschland und Europa hin zu immer älteren Gesellschaften ein deutlicher Anstieg des Arzneimittelverbrauchs einhergehen wird. Vorsorgendes Handeln ist daher mehr und mehr angezeigt.

Systematische Untersuchungen zu adäquaten und wirksamen Handlungsmöglichkeiten fehlen jedoch bisher weitgehend. Mit der Broschüre "Humanarzneimittelwirkstoffe: Handlungsmöglichkeiten zur Verringerung von Gewässerbelastungen" wird erstmals eine praxisrelevante Studie vorgelegt, die dazu beiträgt, diese Lücke für Humanpharmaka zu schließen. Ausgehend vom Lebenszyklus eines Medikaments werden drei Handlungsfelder betrachtet, in denen Problemlösungen ansetzen können: Arzneimittelentwicklung, Umgang mit Arzneimitteln und Emissionsmanagement in der Siedlungswasserwirtschaft. Die vorgestellten Ergebnisse wurden im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten transdisziplinären Forschungsprojekts "start" entwickelt.

Die Broschüre richtet sich besonders an Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger in Politik, Verwaltung, Unternehmen und Organisationen. Sie gibt Informationen und konkrete Empfehlungen, wo Handlungsmöglichkeiten ansetzen können und welche Aspekte bei der Umsetzung einzelner Maßnahmen zu beachten sind. Die Broschüre ist in Deutsch, Englisch und Französisch erhältlich und kann unter http://www.start-project.de heruntergeladen oder als Druckexemplar über http://www.isoe.de bestellt werden.
Weitere Informationen:
http://www.start-project.de - Download der Broschüre als PDF-Dokument
http://www.isoe.de - Bestellung der Broschüre als Druckexemplar

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Mehr als 80 Prozent der Arbeitnehmer und Erwerbslosen wollen Kündigungsschutz stärken oder unverändert beibehalten

Rainer Jung, Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung

Die große Mehrheit der Arbeitnehmer und der Erwerbslosen in Deutschland hält den gesetzlichen Kündigungsschutz für unverzichtbar: 55 Prozent möchten die bestehenden Regelungen behalten, weitere 27 Prozent wollen sie stärken. Arbeitslose plädieren sogar zu einem guten Drittel für einen Ausbau des Kündigungsschutzes. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung.

"Sollte man den gesetzlichen Kündigungsschutz weiter ausbauen, unverändert beibehalten, eher einschränken oder ganz abschaffen", fragte das Meinungsforschungsinstitut polis + sinus im April und Mai dieses Jahres mehr als 2.000 repräsentativ ausgewählte Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und Erwerbslose. Die meisten Befragten sind dagegen, die geltenden Schutzbestimmungen im Arbeitsrecht einzuschränken. Über alle Berufsgruppen hinweg sind die Befürworter des Kündigungsschutzes deutlich in der Mehrheit. Bei den angelernten Arbeitern sprechen sich 46 Prozent sogar für eine weitere Stärkung aus. Unter den höheren Angestellten und Beamten ist der Anteil derer, die Einschränkungen befürworten, zwar am größten. Doch auch hier sind 70 Prozent der Meinung, man solle den aktuellen Kündigungsschutz beibehalten oder noch ausbauen.

Besonders interessant sind bei Umfragen zum Kündigungsschutz die Antworten Arbeitsloser. Denn würden die Schutzrechte geschwächt, könnte ein bereits entlassener Arbeitnehmer, der die öffentliche Diskussion verfolgt, zwei gegenläufige Effekte erwarten: Er könnte darauf hoffen, dass die Fluktuation am Arbeitsmarkt zunimmt und Unternehmen eher neue Leute einstellen würden, wie es Kritiker des Kündigungsschutzes behaupten. Gleichzeitig müsste er damit rechnen, dass sein neues Arbeitsverhältnis weniger lange dauert.

Die große Mehrheit der befragten Arbeitslosen bevorzugt einen starken Kündigungsschutz. 36 Prozent plädieren dafür, die Schutzrechte auszubauen, 47 Prozent wollen sie unverändert beibehalten. Nur 16 Prozent sind für eine Einschränkung oder Abschaffung. Zu ähnlichen Werten kamen Wissenschaftler der Universitäten Hannover und Jena 2004 bei einer von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Befragung. Der Hannoveraner Forscher Christian Pfeifer interpretierte den Befund damals so: Er spreche dafür, "dass Arbeitslose aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen den Schutz vor Kündigungen als notwendig erachten und ihn weniger hinderlich bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz empfinden".

Diese Einschätzung passt zur jüngsten Arbeitsmarktentwicklung. Im konjunkturellen Aufschwung sank die Arbeitslosigkeit, ohne dass am Kündigungsschutz etwas geändert worden wäre. Und sie deckt sich mit Daten, die eine Forschungsgruppe am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in der Hans-Böckler-Stiftung um die Arbeitsrechtlerin Prof. Dr. Heide Pfarr sowie Wissenschaftler der Universität Hamburg gewonnen haben. In beiden Forschungsprojekten wurden unabhängig voneinander insgesamt 2.750 Personalverantwortliche befragt. Zentrales Ergebnis: Entscheidend für Einstellungen ist die wirtschaftliche Lage des Unternehmens, der Kündigungsschutz spielt für die meisten Personaler eine untergeordnete Rolle.
Weitere Informationen:
http://www.boeckler.de/320_92668.html - PM mit Ansprechpartnerinnen
http://www.boeckler.de/32015_92020.html - Infografik im Böckler Impuls 13/2008 mit allen Daten
http://www.boeckler-boxen.de/2195.htm - Mehr Forschung zum Kündigungsschutz in einer Böckler Box

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Tinnitus im Computermodell

Dr. Katrin Weigmann, Bernstein Koordinationsstelle
Nationales Bernstein Netzwerk Computational Neuroscience

Wissenschaftler aus Berlin untersuchen, wie Hörschäden zu Tinnitus führen können
Tinnitus - ein Pfeifen oder Rauschen im Ohr ohne entsprechenden akustischen Reiz - kann durch Hörverlust verursacht werden. Unter welchen Umständen aber ist dies der Fall? Welche Mechanismen liegen dem zu Grunde? Roland Schaette und Richard Kempter vom Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience und der Humboldt-Universität zu Berlin haben mithilfe von Computersimulationen Antworten auf diese Fragen gefunden.

Tinnitus entsteht in der Hörbahn des zentralen Nervensystems. Bei Tieren wurde tinnitusartige Aktivität von Nervenzellen - sogenante Hyperaktivität - unter anderem im dorsalen cochlearen Nukleus (DCN) gefunden, der ersten Verarbeitungsstufe für akustische Informationen. Nervenzellen des DCN empfangen Signale direkt aus dem Hörnerv und reagieren darauf mit neuronalen Entladungen - man sagt, sie "feuern". Aber auch ohne akustische Reize sind die Zellen des Hörnervs und der Hörbahn aktiv, sie feuern spontan mit einer bestimmten Rate, der "spontanen Feuerrate" - vergleichbar mit dem Hintergrundrauschen elektronischer Geräte. Verschiedene Studien zeigen, dass Hörverlust die spontane Aktivität von Nervenzellen im DCN erhöhen kann und dass dies von Tieren als eine Art Tinnitus wahrgenommen wird. In einem theoretischen Modell erklären Schaette und Kempter erstmals den Zusammenhang zwischen Hörverlust und Tinnitus.

Nach Hörverlust reagieren der Hörnerv und die Neurone entlang der Hörbahn nur noch auf laute Geräusche, für leisere Geräusche unterhalb der erhöhten Hörschwelle feuern sie spontan. Viele Neurone sind dadurch insgesamt weniger aktiv. Dies könnte einen Mechanismus namens "homöostatische Plastizität" aktivieren, der dafür sorgt, dass Neurone weder zu viel noch zu wenig Aktivität zeigen. Ist die durchschnittliche Aktivität der Neurone zu niedrig, steigert Homöostase ihre Sensitivität. Wie die Wissenschaftler in ihrem Modell zeigen konnten, reagieren die Neurone dadurch sehr viel stärker auf die Aktivität des Hörnervs, insbesondere steigen ihre spontanen Feuerraten an.

Wie Schaette und Kempter außerdem in ihrem Modell demonstrieren, trifft dieser Mechanismus aber nur auf bestimmte Typen von Neuronen zu - so zum Beispiel auf sogenannte Typ III Neurone des DCN. Diese Neurone werden von Schall vornehmlich aktiviert. Nach Hörverlust sinkt daher zunächst ihre durchschnittliche Aktivität und der oben beschriebene Mechanismus setzt ein: die Homöostase muss gegensteuern, um die Aktivität wieder anzuheben, was dann auch die spontane Feuerrate erhöht. Typ IV Neurone hingegen werden durch Schall je nach Lautstärke aktiviert oder gehemmt. Hörverlust wirkt sich auf ihre durchschnittliche Aktivität kaum aus, entsprechend weniger anfällig sind sie. Diese Vorhersage des Modells der Berliner Wissenschaftler deckt sich mit experimentellen Befunden: Bei Nagetieren überwiegen Typ III-Zellen, bei ihnen wurde tinnitusartige Hyperaktivität im DCN gefunden. Bei Katzen hingegen, die vor allem Typ IV-Neurone haben, wurde eine solche Aktivität noch nicht festgestellt.

"Unsere Studien dienen dazu, grundsätzlich den Zusammenhang zwischen Hörverlust und Tinnitus zu verstehen", erklärt Kempter. Ist dieser Zusammenhang etabliert, ließen sich daraus auch mögliche Therapiemaßnahmen ableiten. "Unsere Hoffnung wäre, dass gezielte Beschallung mit akustischen Signalen im richtigen Frequenzbereich die durch Hörverlust verursachte Hyperaktivität zurücktreiben könnte", so Kempter.

Originalveröffentlichungen:
Schaette R, Kempter R: Development of tinnitus-related neuronal hyperactivity through homeostatic plasticity after hearing loss: a computational model. Europ J Neurosci 23:3124-38 (2006). doi: 10.1111/j.1460-9568.2006.04774.x

Schaette R, Kempter R: Development of hyperactivity after hearing loss in a computational model of the dorsal cochlear nucleus depends on neuron response type. Hear Res 240:57-72 (2008). doi:10.1016/j.heares.2008.02.006

Kontakt:
Dr. Richard Kempter
Dr. Roland Schaette
Institut für Biologie
Fachinstitut für Theoretische Biologie
Humboldt-Universität zu Berlin
Invalidenstraße 43
10115 Berlin

Tel: 030-2093-8925 (Richard Kempter)
030-2093-8926 (Roland Schaette)
Weitere Informationen:
http://itb.biologie.hu-berlin.de/~kempter/
http://itb.biologie.hu-berlin.de/~schaette/
http://www.bccn-berlin.de
http://www.nncn.de

URL dieser Pressemitteilung: http://idw-online.de/pages/de/news277847

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Stress ade? HMS-Studie zeigt Zusammenhang zwischen Computerspielen und Erholung am Arbeitsplatz

Sabine Lucht, Kommunikation und Marketing
Hamburg Media School

Den meisten Chefs sind sie ein Dorn im Auge: Solitaire, Sudoku und ähnliche Computerspiele, die vielen Büroarbeitern eine willkommene Abwechslung im Arbeitsalltag bieten. Ist das "Daddeln" am Arbeitsplatz bloße Zeitverschwendung? Nicht unbedingt, wie die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Hamburg Media School verdeutlichen.
Computer und Internetzugang sind feste Bestandteile moderner Büroarbeitsplätze. Neben ihrem professionellen Einsatz zur Bewältigung des Berufsalltags bieten diese Medien eine Vielfalt von Unterhaltungs- und Ablenkungsmöglichkeiten. Eine ganze Fülle von "Casual Games", kleinen Onlinespielen, die sich meist direkt im Web-Browser des Benutzers spielen lassen, ist nur einen Klick entfernt. Eine aktuelle Studie der Hamburg Media School unter der Leitung der Medienpsychologen Prof. Sabine Trepte und Leonard Reinecke zeigt, dass rund die Hälfte der befragten Nutzer von Casual-Games auch im Büro gelegentlich eine Partie Tetris, Mahjong oder Sudoku spielt.

Computerspiele tragen zur Erholung bei
Was sind Beweggründe für Spieler, ein Online Game während der Arbeitszeit zu nutzen? Ist das Spielen am Arbeitsplatz bloße Verschwendung kostbarer Arbeitszeit? Die Ergebnisse der Studie weisen in eine andere Richtung. Für viele der Befragten stellen Computerspiele am Arbeitsplatz eine willkommene Gelegenheit zum Durchatmen dar. Spiele werden während der Arbeitszeit gezielt eingesetzt, um sich von vorangegangenen Arbeitsbelastungen zu erholen. "Computerspiele wirken auf ganz verschiedene Weise erholsam: Zum einen lassen sie den Spieler für einen kurzen Moment den Arbeitsstress vergessen und wirken somit entspannend, zum anderen bieten sie Herausforderung und Erfolgserlebnisse und können so zu einer besseren Stimmung verhelfen", erklärt Medienpsychologe Leonard Reinecke.

Personen mit starker Arbeitsbelastung spielen mehr
Besonders attraktiv sind Computerspiele am Arbeitsplatz für Menschen, die starker Arbeitsbelastung ausgesetzt sind. Mehr Stress im Job ging in der Studie mit erhöhter Nutzung von Spielen während der Arbeitszeit einher. Auch das soziale Klima am Arbeitsplatz hat einen Einfluss. Personen mit mehr sozialer Unterstützung spielen seltener während der Arbeit als Personen, die nur auf wenig Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte zählen können. "Natürlich bedeutet die erholsame Wirkung von Computerspielen keinen 'Persilschein' für ungehemmtes Spielen während der Arbeitszeit", so Reinecke. Dennoch liefert die Studie Hinweise darauf, dass das Spielen am Arbeitsplatz eine positive Ressource darstellen kann, um die alltäglichen Belastungen des Arbeitslebens zu bewältigen.

In einer Onlinestudie befragten die Wissenschaftler insgesamt 1.010 Nutzer der Games-Portale Bigpoint.de und GameDuell.de zu ihrer Nutzung von Computerspielen am Arbeitsplatz. Die Stichprobe ist daher nicht repräsentativ für die werktätige Bevölkerung in Deutschland. Im Zentrum der Studie stand die Forschungsfrage, in welchem Umfang Computerspiele am Arbeitsplatz zur Erholung genutzt werden und welche Faktoren die Nutzung von Spielen während der Arbeitszeit beeinflussen. Erfasst wurden neben der Arbeitsbelastung der Befragten und der sozialen Unterstützung am Arbeitsplatz auch Situationen, in denen Computerspiele während der Arbeitszeit genutzt werden, sowie das Erholungsgefühl, das mit dem Spielen am Arbeitsplatz einhergeht. Die aktuelle Befragung ist Teil einer Studienreihe der Hamburg Media School, die sich dem Erholungspotential von Video- und Computerspielen widmet. In einer ersten experimentellen Laborstudie aus dem Jahr 2006 konnten bereits positive Erholungseffekte von Computerspielen nachgewiesen werden. Versuchspersonen, die nach einer anstrengenden Textkorrekturaufgabe ein Computerspiel spielten, zeigten im Anschluss bessere Konzentrationsleistungen als Probanden, die nicht gespielt hatten. Die Ergebnisse dieser Vorgängerstudie sind bereits in der Fachzeitschrift Journal of Media Psychology erschienen.

In einer Folgestudie gehen die Medienpsychologen nun der Frage nach, welchen Stellenwert Computerspiele im Alltag einnehmen und ob sie auch in der Freizeit zur Erholung beitragen können. Die Onlinestudie ist abrufbar unter http://www.hamburgmediaschool.com/gamesstudie. Teilnehmen können sowohl Computerspielbegeisterte als auch Nichtspieler.

Weitere Informationen zur Studie:

Leonard Reinecke (Dipl.-Psych.), Hamburg Media School, Finkenau 35, 22081 Hamburg
Telefon: 040 - 413 468 - 25
Telefax: 040 - 413 468 - 10
E-Mail: l.reinecke@hamburgmediaschool.com

Die als Public-Private-Partnership organisierte Hamburg Media School wird von 30 renommierten Medienunternehmen getragen und bildet in ihren zweijährigen Aufbaustudiengängen Medienmanagement, Journalismus und Film auf professionellem Niveau angehende Kreative und Entscheider der Medienbranche aus. Weitere Informationen unter http://www.hamburgmediaschool.com.

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Klares Wasser, reine Luft: Optische Methoden sichern die Umweltqualität

Dr. Marion Jürgens, Öffentlichkeitsarbeit
Forschungsschwerpunkt Biophotonik

Kaum etwas anderes ist für die Gesundheit des Menschen so wichtig, wie saubere Luft und unbelastetes Wasser. Verunreinigungen schnell aufzuspüren und deren Ursachen zu klären ist deshalb entscheidend für die Sicherung der Umweltqualität. Hier bieten die optischen Technologien neue Möglichkeiten, die die Sicherheit erhöhen und gleichzeitig Zeit und Kosten sparen. Aktuelle Forschungsergebnisse zur Luft- und Wasseranalytik wird der Forschungsschwerpunkt Biophotonik vom 22. - 25.9. auf der Veranstaltung "Photonics meets Life Sciences" in Jena der Öffentlichkeit präsentieren.
Bei der Identifizierung von Bakterien, sei es in Luft-, Wasser oder Bodenproben, kommt es darauf an, möglichst schnell über zuverlässige Ergebnisse zu verfügen. Die klassische Mikrobiologie, die mit einer mehrtägigen Kultivierung von Proben in Petrischalen arbeitet, kann hier nicht mithalten. Neuere genetische Methoden, die zum Beispiel auf einer Vervielfältigung von spezifischen vorher ausgewählten Erbgut-Fragmenten beruhen, machen es erforderlich, dass die Forscher im Vorfeld der Analyse wissen, nach welchen Bakterien sie suchen.
Im Rahmen des BMBF-Verbundprojekts "OMIB" haben Forscher in den vergangenen fünf Jahren die Grundlagen für einen schnellen Vor-Ort-Monitor erforscht, der sich gegenüber den genannten Verfahren dadurch auszeichnet, dass er innerhalb einer Sekunde ein einzelnes, auch bisher unbekanntes Bakterium auf Stammebene charakterisieren kann, ohne dass irgendwelche Vorannahmen erforderlich wären.
Das Gerät basiert auf einer Kombination der Raman-Spektroskopie mit einem Bildanalyse-Verfahren. Dabei macht man sich die Tatsache zunutze, dass jedes Molekül einfallendes Laserlicht in ganz spezifischer Weise streut. Somit erhält man einen unverwechselbaren "molekularen Fingerabdruck" für jede Mikrobe, die per Mustererkennung ausgewertet wird. Nach Angaben der an dem Verbund beteiligten Berliner Firma rap ID wird der Monitor noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.
Auch ein anderes Verbundprojekt kann in diesem Jahr bereits ein fertiges Produkt vorweisen, das für viele Menschen eine große Erleichterung bringen wird. Der Bioaerosolmonitor MICROBUS ist aus dem BMBF-Verbund "Omnibuss" hervorgegangen und liefert den rund 12 Millionen Pollenallergikern in Deutschland zuverlässigere und effiziente Pollenflugvorhersagen, so dass sie rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen können. "Omnibuss" war im Jahr 2003 gestartet und bringt nun mit MICROBUS einen automatischen Pollenmonitor auf den Markt, der die mikroskopische Auswertung der gesammelten Pollen mit einem komplexen Bilderkennungsverfahren kombiniert und so nicht nur die Art der Pollen oder Sporen erkennt, sondern auch Rückschlüsse auf deren Konzentration in der Luft zulässt.
Doch nicht nur biogene Verunreinigungen der Luft wie Bakterien oder Pollen stellen ein Problem dar, sondern auch die Belastung durch Feinstaub. Im ebenfalls im Rahmen des BMBF-Forschungsschwerpunktes Biophotonik geförderten Projektes "Monet" soll deshalb ein Vor-Ort-Detektor entstehen, der die Feinstaubbelastung schnell erfasst und typischen Emissionsklassen zuordnet. Diese Klassifizierung wird deutlich bessere Luftreinhaltungsmaßnahmen erlauben.
Das Projekt "OptoZell" wiederum beschäftigt sich mit mikrobiologischen Verunreinigungen in Rein- und Trinkwasser. Mit Hilfe des in diesem Rahmen erforschten opto-sensorischen Schnelltestsystems werden Betreiber von Wasserverteilungs- und -aufbereitungsanlagen sowie von Wasserspeichern umgehend auf Verschmutzungen reagieren und Ausfallzeiten vermeiden können..
Die genannten Projekte präsentieren neben vielen anderen ihre aktuellen Forschungsergebnisse in Vorträgen und im Rahmen einer Ausstellung auf dem Symposium "Photonics meets Life Sciences" vom 22. bis 25.September 2008 in Jena. Die Veranstaltung, die gemeinsam vom Forschungsschwerpunkt Biophotonik und dem Jenaer Institut für Photonische Technologien organisiert wird und unter der Schirmherrschaft von Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan steht, zeigt am Beispiel der Biophotonik, wie durch eine sinnvolle interdisziplinäre Vernetzung von Forschungsaktivitäten Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen profitieren können. Thematische Schwerpunkte sind neben der Überwachung der Luft- und Wasserqualität die Krebsfrüherkennung, neue Ansätze in der Untersuchung von Hautkrankheiten sowie ein besseres Verständnis von Lebensprozessen auf zellulärer und molekularer Ebene.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Jürgen Popp
Sprecher des Forschungsschwerpunktes Biophotonik
Direktor des Institutes für Physikalische Chemie der Universität Jena
Wissenschaftlicher Direktor des Institutes für Photonische Technologien
Tel 03641/ 206 300
Fax 03641/ 206 399
E-Mail juergen.popp@ipht.-jena.de

Dr. Marion Jürgens
Forschungsschwerpunkt Biophotonik
Öffentlichkeitsarbeit
E-Mail marion.juergens@uni-jena.de
Weitere Informationen:
http://www.biophotonik.org - mehr Informationen im virtuellen Pressefach zum Symposium

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Handschuhe statt Hautschutzcremes

Ute Missel, Kommunikation und Presse
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Handschuhe schützen am zuverlässigsten vor gesundheitsgefährdenden Konzentra­tionen, die sich beim Umgang mit bestimmten, tendenziell krebserregenden Substanzen im Körper anhäufen können. Hautcremes, die eigentlich Schutz bieten sollten, bewirken dagegen unter Umständen das Gegenteil. Für seine Studien zu diesem Thema ist Dr. Gintautas Korinth, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität Erlangen-Nürnberg, mit dem Franz-Koelsch-Preis 2008 ausgezeichnet worden.
Der Preis ist nach Franz Koelsch benannt, dem ersten staatlichen Gewerbearzt in Bayern, der zudem als Universitätsprofessor in Erlangen lehrte. Der Franz-Koelsch-Preis wird in unregelmäßigen Abständen vom Bayerischen Staatsminis­terium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz verliehen und honoriert bedeutende wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Arbeitsmedizin. Dr. Korinth teilt die mit insgesamt 5.000 Euro dotierte Auszeichnung mit Prof. Dr. Katja Radon, Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin des Klinikums der Universität München. Dr. Marcel Huber, Staatssekretär im Umweltministerium, übergab den Preis am Dienstag, 9. September 2008, in München.

Der Koelsch-Preis würdigt Dr. Korinths Arbeiten über aromatische Amine. Eine Reihe von Substanzen aus dieser Stoffklasse können Krebs bei Menschen auslösen, die häufig mit ihnen in Berührung kommen. Weltweit werden aromatische Amine als Ausgangsprodukte chemischer Synthesen oder als Zusatzstoffe in der Herstellung von Farbmitteln, Arzneimitteln, Pestiziden, Gummi und Ähnlichem eingesetzt oder entstehen als Zwischenprodukte. In Deutschland gehört der Kontakt mit krebsauslösenden aromatischen Aminen zu den häufigsten Ursachen für berufsbedingte Krebserkrankungen.

Speziell in der Gummiindustrie sorgen aromatische Amine für ein arbeitsmedizinisches Problem. Bei der Herstellung von Gummiprodukten entsteht unter anderem o-Toluidin. Dieser Stoff wurde erst vor kurzem aktuell als Humankanzerogen eingestuft und kann Harnblasen- und Nierenbeckentumore verursachen. Bei einer arbeitsmedizinischen Feldstudie des Erlanger Instituts für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin wurde insbesondere untersucht, wie die gesundheitsgefährdende Substanz in den Organismus von Arbeiter in der Gummiindustrie gelangt. Dabei erwies sich, dass o-Toluidin vor allem über die Haut eindringt. Arbeiter, deren Hände gesunde Haut hatten, nahmen signifikant weniger aromatische Amine auf als solche mit geringen Hautveränderungen, die nicht als krankhaft angesehen und deshalb vielleicht auch nicht ernst genommen wurden.

Die Aufnahme von o-Toluidin konnte verringert werden, indem die Arbeiter Handschuhe trugen.Dagegen hatte die allgemein empfohlene Anwendung von Hautschutzcremes vor und während der Arbeit den entgegengesetzten Effekt: Der Körper war dann stärker mit diesen krebserzeugenden Stoffen belastet. Laborversuche an Präparaten von menschlicher Haut bestätigten die am Arbeitsplatz beobachteten Zusammenhänge und lieferten die biologische Begründung. Das aromatische Amin durchdringt nicht nur generell leicht die Haut, die Aufnahme des Stoffs wird durch Hautschutzcremes noch gefördert.

Aus seinen Studien ergibt sich nach Einschätzung von Dr. Korinth für den praktischen Arbeitsschutz die Notwendigkeit, die Arbeiter regelmäßig zu untersuchen und die Konzentration von Schadstoffen im Körper zu testen: "Wenn Gefahrstoffe allein in der Arbeitsplatzluft gemessen werden, kann die Gefährdung unterschätzt werden."

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit 26.200 Studierenden, 550 Professoren und 2000 wissenschaftlichen Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in enger Verknüpfung mit Jura, Theologie, Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.

Weitere Informationen für die Medien:

Prof. Dr. Hans Drexler
Tel.: 09131/85-22312
Hans.Drexler@rzmail.uni-erlangen.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Vegetation von Extremhochwasser kaum betroffen - erstmals Publikation zu den Auswirkungen der Elbeflut 2002 auf Flora und Fauna

Tilo Arnhold, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Dessau. Die Folgen von extremen Fluten betreffen Laufkäfer und Schnecken stärker als die Pflanzen in den Wiesen der Flussauen. Zu diesem Ergebnis kommen Biologen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), der TU Berlin, der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG), von ÖKON Kallmünz und ILN Bühl nach mehrjährigen Beobachtungen vor und nach der Elbeflut im August 2002. In der Wissenschaft besteht Konsens, dass Überflutungen und Niedrigwasser als die wesentlichen Umweltfaktoren für die Lebensgemeinschaften in Auen allergrößte Bedeutung haben. Allerdings seien die konkreten Auswirkungen von extremen Hochwasserereignissen auf die Flora und Fauna in Auen bisher weitgehend unbekannt gewesen, obwohl solche "Katastrophen" durch den Klimawandel in Zukunft wahrscheinlich öfter auftreten werden, schreiben die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe des US-Fachjournals "Ecology". Sie hatten Pflanzen, Laufkäfer und Schnecken im Frühjahr und Herbst auf 36 Probeflächen in der Elbaue erfasst, die 2002 überflutet wurde. Dabei wurden Daten aus den Jahren 1998 und 1999 mit Daten aus den Jahren 2003 und 2004 miteinander verglichen.
Die Proben stammten von markierten Flächen innerhalb eines knapp einen Quadratkilometer großen Wiesengebietes bei Dessau im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe in Sachsen-Anhalt, das von der Elbe saisonal überflutet wird. Bei der Flut 2002 standen diese Flächen mindestens zwei Wochen mit einer Höhe zwischen 2,4 und 5,4 Metern unter Wasser.
"Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Gemeinschaften an Schnecken und Laufkäfern am stärksten von der Flut beeinflusst wurden", erklärt Christiane Ilg vom UFZ. "Das widerlegt die Hypothese, dass Gruppen mit geringerer Mobilität stärker von der Flut beeinflusst würden, weil sie dieser schlechter ausweichen könnten und erst mit zeitlicher Verzögerung den überfluteten Lebensraum wiederbesiedeln würden." Die Zahl der Laufkäfer ging von 117 Arten vor der Flut auf 88 direkt nach der Flut zurück, erholte sich aber 2004 und erreichte schnell wieder das Niveau vor der Flut. Überraschenderweise war gerade diese Artengruppe, die an feuchte Lebensbedingungen angepasst ist und teilweise gute Schwimmer sind, am stärksten betroffen. Sie verloren über 40 Prozent der Arten. Laufkäfer haben sich zwar im Laufe der Evolution gut an Hochwasser angepasst, sind jedoch eher auf die typischen Winter- und Frühjahrsfluten angepasst. Deshalb kann ein Hochwasser im Sommer, das an der Elbe in diesem Ausmaß selten auftritt, die Zahl der Laufkäferarten stark dezimieren. Durch ihre hohe Mobilität erholte sich die Artenzahl jedoch auch wieder schnell. Die Landschnecken zeigten sich wenig von diesem ungewöhnlichen Sommerhochwasser beeinflusst und blieben in Artenzahl und Individuendichte etwa gleich. Lediglich die Zahl der Wasserschneckenarten stieg nach der Flut.
Die Vegetation war am geringsten durch die Flut beeinflusst. Der Rückgang von 113 auf 107 Pflanzenarten fällt statistisch kaum ins Gewicht. Weitere Analysen haben aber gezeigt, dass auch hier einige Pflanzen in ihrer Häufigkeit stark zurückgedrängt wurden, andere wiederum vom Hochwasserereignis profitiert haben. Offenbar hat sich die Vegetation gut an das Hochwasserrisiko angepasst.
Obwohl mit dieser Untersuchung erstmals Daten zu den Auswirkungen solcher Extremereignisse auf Flora und Fauna vorliegen, betonen die Wissenschaftler, dass es schwierig ist, aus einer einzelnen Flut auf die Langzeitfolgen zu schließen. "Wir meinen, dass ein Langzeitmonitoring der Auenökosysteme mit standardisierten Methoden helfen kann, die Konsequenzen von häufigeren Fluten aber auch längeren Niedrigwasserphasen auf die Artenvielfalt in den empfindlichen Flussauen zu ermitteln."

Vom 15. bis 19. September 2008 fand in Leipzig die bisher größte Konferenz von Ökologen aus ganz Europa statt. Über 1000 Teilnehmer aus mehr als 30 Ländern hatten sich zur "EURECO-GFOE 2008" angemeldet. Die Tagung wurde von der European Ecological Federation (EEF) und der Gesellschaft für Ökologie (GfÖ) im Congress Center Leipzig ausgerichtet und vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) sowie den Universitäten Halle-Wittenberg und Leipzig organisiert.
Tilo Arnhold

Publikation:
Christiane Ilg, Frank Dziock, Francis Foeckler, Klaus Follner, Michael Gerisch, Judith Glaeser, Anke Rink, Arno Schanowski, Mathias Scholz, Oskar Deichner, Klaus Henle (2008): LONG-TERM REACTIONS OF PLANTS AND MACROINVERTEBRATES TO EXTREME FLOODS IN FLOODPLAIN GRASSLANDS.
Ecology: Vol. 89, No. 9, pp. 2392-2398.
http://www.esajournals.org/perlserv/?request=get-abstract&doi=10.1890%2F08-0...
DOI: 10.1890/08-0528.1
Die Untersuchungen wurden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) gefördert sowie vom Biosphärenreservat Mittelelbe/Sachsen-Anhalt unterstützt.

Weitere fachliche Informationen:
Dr. Christiane Ilg, Mathias Scholz, Dr. Judith Gläser, Michael Gerisch
Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ)
Telefon: 0341-235-1643, -1644
http://www.ufz.de/index.php?de=10468
http://www.ufz.de/index.php?de=1933
http://www.ufz.de/index.php?de=2163
http://www.ufz.de/index.php?de=15479
und
Prof. Dr. Frank Dziock
Technische Universität Berlin
Telefon: 030-314-71368, -71350
http://www.biodiv.tu-berlin.de/
sowie
Dr. Francis Foeckler
ÖKON GmbH
Telefon: 09473-951740
http://www.biodiv.de/index.php?L=0&id=63
http://www.oekon.com/
oder über
Tilo Arnhold (UFZ-Pressestelle)
Telefon: 0341-235-1269
E-mail: presse@ufz.de

Weiterführende Links:
HABEX - Auenhabitate nach Extremhochwasserereignissen am Beispiel der Mittleren Elbe:
http://www.ufz.de/index.php?de=5542
Biosphärenreservat Mittlere Elbe:
http://www.biosphaerenreservatmittlereelbe.de
Ökologen-Konferenz EURECO-GFOE 2008:
http://www.eureco-gfoe2008.ufz.de/
Mehr zum Thema Biodiversität finden Sie in einer Spezialausgabe des UFZ-Newsletters zur 9. Vertragsstaatenkonferenz der Konvention zur Biologischen Vielfalt (COP9), die im Mai 2008 in Bonn stattgefunden hat:
http://www.ufz.de/index.php?de=16853

Im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ erforschen Wissenschaftler die Ursachen und Folgen der weit reichenden Veränderungen der Umwelt. Sie befassen sich mit Wasserressourcen, biologischer Vielfalt, den Folgen des Klimawandels und Anpassungsmöglichkeiten, Umwelt- und Biotechnologien, Bioenergie, dem Verhalten von Chemikalien in der Umwelt, ihrer Wirkung auf die Gesundheit, Modellierung und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen. Ihr Leitmotiv: Unsere Forschung dient der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen und hilft, diese Lebensgrundlagen unter dem Einfluss des globalen Wandels langfristig zu sichern. Das UFZ beschäftigt an den Standorten Leipzig, Halle und Magdeburg 900 Mitarbeiter. Es wird vom Bund sowie von Sachsen und Sachsen-Anhalt finanziert.
Die Helmholtz-Gemeinschaft leistet Beiträge zur Lösung großer und drängender Fragen von Gesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft durch wissenschaftliche Spitzenleistungen in sechs Forschungsbereichen: Energie, Erde und Umwelt, Gesundheit, Schlüsseltechnologien, Struktur der Materie, Verkehr und Weltraum. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit 25.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2,3 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Ihre Arbeit steht in der Tradition des großen Naturforschers Hermann von Helmholtz (1821-1894).
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/index.php?de=17211

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Informationsveranstaltung: Depressionen durch Arbeitsgestaltung vermeiden?

Jörg Feldmann, Pressestelle
Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Erhöht schlecht gestaltete Arbeit das Risiko von Depressionen oder nehmen Depressive ihre Arbeit "nur" schlechter wahr? Antworten auf diese Frage gibt die gleichnamige Informationsveranstaltung der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA). Sie findet am Dienstag, 14. Oktober 2008, zwischen 11.00 und 13.00 Uhr in der BAuA-Berlin statt. Dabei stellt Professor Renate Rau, Fachbereich Psychologie der Philipps-Universität Marburg, neue Ergebnisse aus dem Projekt "Untersuchung arbeitsbedingter Ursachen für das Auftreten depressiver Störungen" vor, das sie im Auftrag der BAuA durchführt.
Psychische Störungen verursachten im Jahre 2006 jeden zwölften Arbeitsunfähigkeitstag in Deutschland. Damit lagen sie noch vor den Krankheiten des Kreislaufsystems. Als Ursache für Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit nehmen psychische Störungen die erste Stelle ein. Doch während arbeitsbedingte Ursachen für Herz - Kreislauferkrankungen seit Jahren untersucht werden, besteht hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen Arbeitsbedingungen und psychischen Störungen noch ein erheblicher Forschungsbedarf.

Das seit 2005 laufende Forschungsprojekt in Marburg erforscht das Auftreten depressiver Störungen als Folge psychischer Fehlbelastungen und chronischem Stress bei der Arbeit. Dabei untersuchte die Gruppe um Professor Rau mehr als 500 Berufstätige aus verschiedenen Branchen und deren Arbeitsbedingungen. Die bei der Veranstaltung vorgestellten Ergebnisse geben wichtige Hinweise darauf, wie gute Arbeitsgestaltung psychische Fehlbelastungen verhindern kann.

Die Teilnahme an der Veranstaltung "Erhöht schlecht gestaltete Arbeit das Risiko von Depressionen oder nehmen Depressive ihre Arbeit "nur" schlechter wahr? ist kostenlos, eine Anmeldung jedoch erforderlich. Kontakt: Heidemarie Teubner, Tel.: 030.515 48 42 92, E-Mail: teubner.heidemarie@baua.bund.de.

Das BAuA-Projekt "Untersuchung arbeitsbedingter Ursachen für das Auftreten depressiver Störungen" läuft noch bis April 2009.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Hälfte aller beruflichen Fehltage durch Rheuma bedingt - Konsequente Therapie mindert Schmerzen und Kosten

Dr. Cornelia Rufenach, Geschäftsstelle Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie
Kompetenznetz Rheuma in der Geschäftsstelle der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)

Berlin - Etwa ein Viertel der Menschen mit Rheuma ist durch die Krankheit körperlich behindert und im Alltag stark beeinträchtigt. Wie sich dies bundesweit wirtschaftlich auswirkt und wie eine bessere Versorgung der Patienten dies ändern könnte, diskutieren Experten auf dem 36. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) vom 24. bis zum 27. September 2008 Berlin.
Patienten mit rheumatoider Arthritis leiden häufig unter starken Schmerzen. Bei dieser Erkrankung greift das körpereigene Abwehrsystem die Innenhaut der Gelenke an. Diese werden zunehmend unbeweglich. Jede Bewegung schmerzt. Bei einem Großteil der Betroffenen führen Schmerzen und Funktionsstörungen zu Behinderungen im Alltag. Sie können dadurch vielfach nicht mehr wie gewohnt ihrer Arbeit nachgehen.

Neben der medikamentösen Therapie sei deshalb zum Beispiel regelmäßige Krankengymnastik wichtig. "Noch können allerdings viel zu wenige Rheumakranke Angebote zur Rehabilitation in Anspruch nehmen", sagt Professor Dr. med. Wilfried Mau, Sprecher der Kommission Rehabilitation und Sozialmedizin der DGRh, im Vorfeld des Rheumatologenkongresses in Berlin. Nur die Hälfte der funktionseingeschränkten Patienten mit rheumatoider Arthritis etwa erhält Leistungen zur medizinischen Rehabilitation. Doch eine konsequente und intensive Therapie - inklusive ambulanter Physio- und Ergotherapie, Patientenschulungen und psychologischer Hilfe - könne langfristig etwas verändern.

Im Rahmen des 36. Jahreskongresses der DGRh in Berlin diskutieren Rheumatologen das Thema in einer Pressekonferenz. Die "Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit und Rehabilitation in der rheumatologischen Versorgung" ist darüber hinaus Thema eines Symposiums, dem Professor Mau vorsitzt.

Weitere Informationen:

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Klimawandel in Europa: Die Warnsignale werden immer deutlicher

Neuer Bericht der Europäischen Umweltagentur veröffentlicht
Nehmen Hitzewellen und Unwetter in Europa zu? Wie stark steigt der Meeresspiegel in Europa? Und wie beeinflusst der Klimawandel Menschen, Pflanzen und Tiere? Antworten gibt der Bericht „Impacts of Europe's changing climate - 2008 indicator based assessment", den die Europäische Umweltagentur (EEA) gestern in Kopenhagen, Dänemark, vorstellte. So hat sich das Klima in Europa in den vergangenen Jahrzehnten erheblich verändert - und die Auswirkungen dieses Wandels zeigen sich immer klarer. Ergebnisse neuester modellgestützter Projektionen lassen in Zukunft eine deutliche Verstärkung der Auswirkungen erwarten. Der Bericht beschreibt anhand von 40 Indikatoren, wie sich erhöhte Risiken für Flutereignisse und Trockenheiten, Verluste der Biodiversität oder Gefahren für den Energiesektor auswirken. Der Bericht erstreckt sich auf zehn Bereiche wie menschliche Gesundheit, Energiewirtschaft, Landwirtschaft, Tourismus, Verkehr oder Ökosysteme. „Wir sehen deutliche Warnsignale für alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche" meint der Vizepräsident des Umweltbundesamtes, Dr. Thomas Holzmann, „Auch bei der Bekämpfung des Klimawandels muss Europa zusammenwachsen."

Laut Bericht stieg die Temperatur in Europa seit Beginn der Industrialisierung um 1 Grad Celsius an, also stärker als der globale Durchschnitt von 0,8 Grad Celsius. Die Gletscher der Alpen verloren seit 1850 etwa zwei Drittel ihrer Eismasse. Seit den 1980iger Jahren beschleunigt sich dieser Prozess. Steigende Temperaturen und Hitzewellen führen zu Gesundheitsproblemen; abschmelzende Gletscher können im Alpenraum die Wasserversorgung vor neue Herausforderungen stellen. Die EEA rechnet in den nächsten hundert Jahren mit einem weiteren Anstieg der Temperatur und mit verstärkten Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft.

Eine zunehmende Zahl von Naturkatastrophen - überwiegend verursacht durch Extremwetterereignisse - konfrontiert vor allem die Versicherungswirtschaft mit steigenden Schadenszahlen. Auch der Meeresspiegel an Europas Küsten steigt, das Artenspektrum der Europäischen Meere verändert sich und die Vegetationsperiode hat sich in weiten Teilen Europas bereits deutlich verlängert.

Zwar zeigt der Bericht auch positive Wirkungen des Klimawandels, zum Beispiel bessere Bedingungen für die Landwirtschaft und die Schifffahrt in nördlichen Regionen. Allerdings gibt es keinen Zweifel, dass die negativen Folgen überwiegen. UBA Vize-Präsident Dr. Thomas Holzmann: „Die tiefgreifenden Auswirkungen der Klimaänderungen in Europa unterstreichen, wie wichtig es ist, die Klimagasemissionen weiter deutlich zu senken. Gleichzeitig müssen wir uns an die nicht mehr abwendbaren Folgen des Klimawandels anpassen".

Der Bericht basiert auf neuen wissenschaftlichen Publikationen und langjährigen Datenreihen wissenschaftlicher Beobachtungen in verschiedenen europäischen Staaten. Mögliche künftige Klimaänderungen und deren Auswirkungen werden anhand von Computermodellen projiziert.

Die Europäische Umweltagentur (EEA) veröffentlicht den Bericht gemeinsam mit dem Vereinigten Forschungszentrum der EU (JRC-IES), Ispra (Italien) und dem Regionalbüro für Europa der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Rom.

Das Umweltbundesamt (UBA) und die niederländische Umweltbehörde (PBL) waren - gemeinsam mit weiteren Institutionen - im Rahmen des Europäischen Themenzentrums für Luft und Klimawandel (ETC/ACC) maßgeblich an der Erstellung beteiligt.


Der Bericht ist in englischer Sprache unter http://www.eea.europa.eu/pressroom/newsreleases/europe-needs-to-intensify-actions-to-adapt-to-climate-change-impacts veröffentlicht und wird in Kürze auch von der UBA-Homepage www.umweltbundesamt.de abrufbar sein.

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Deutschland weltweit Spitze beim Export von Umweltschutzgütern

Umweltschutzgüter im Wert von 56 Milliarden Euro ins Ausland geliefert

Deutsche Unternehmen sind auf dem Umweltschutzmarkt weltweit führend. Mit einem Welthandelsanteil von 16 Prozent und einem Exportvolumen von 56 Milliarden Euro belegte Deutschland im Jahr 2006 erneut den Spitzenplatz im Welthandel, vor den USA (15 Prozent) und Japan (9 Prozent). Dies ist das Ergebnis eines Forschungsprojektes, welches das Niedersächsische Institut für Wirtschaftsforschung im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) ermittelt hat. Am meisten international gefragt sind deutsche Produkte der Mess-, Steuer- und Regeltechnik - zum Beispiel Geräte zum Messen der Wärmemenge. Den größten Zuwachs beim Export konnten in den letzten drei Jahren die erneuerbaren Energien verbuchen. Pro Jahr legten sie um fast 25 Prozent zu.

Hochrechnungen für das Jahr 2007 zeigen: Der positive Trend setzt sich weiter fort. 2007 erreichte das Exportvolumen an potenziellen Umweltschutzgütern aus Deutschland fast 60 Milliarden Euro. Das entspricht knapp den Exporten der Elektrotechnikindustrie. „Deutschland belegt beim Export von Umwelttechnologie weiterhin den Spitzenplatz. Dies zeigt den weltweiten Bedarf nach Qualität beim Umwelt- und Klimaschutz. Aber die Konkurrenz schläft nicht. Wir müssen industriepolitisch die Weichen richtig stellen, um weiterhin ganz oben mitzuspielen", sagt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel.

Potenzielle Umweltschutzgüter - wie Pumpen, Leitungen, Mess-, Steuer- und Regelgeräte - können Umweltschutzzwecken dienen, aber auch andere Funktionen erfüllen. Das Konzept der potenziellen Umweltschutzgüter geht zurück auf eine Konvention, die Forschungsinstitute in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Bundesamt in den neunziger Jahren entwickelt haben und seitdem für Studien zur technologischen Leistungsfähigkeit der deutschen Wirtschaft verwendet wird.

„Die erfreulichen Entwicklungen beim Export von Umweltschutzgütern sind nicht nur gut für den internationalen Umweltschutz. Sie nützen auch der heimischen Wirtschaft und sichern in Deutschland Arbeitsplätze. Ohne eine anspruchsvolle und vorausschauende Umweltpolitik wären diese Erfolge nicht möglich gewesen", betont Dr. Thomas Holzmann, Vizepräsident des UBA.

Eine Zusammenfassung der Ergebnisse zum Export von Umweltschutzgütern finden Sie unter:
http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3638.pdf

(Quelle: Umweltbundesamt)

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Einzelne Lebensmittel sind unzulässig bestrahlt

Jochen Heimberg, Pressestelle
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit stellt Daten zu bestrahlten Lebensmitteln für das Jahr 2007 vor
Wie im Vorjahr sind rund zwei Prozent der in Deutschland im Jahr 2007 auf Bestrahlung untersuchten Lebensmittel zu beanstanden. Dies ist das Ergebnis von Kontrollen der Untersuchungsbehörden der Bundesländer, über die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) heute in Berlin informiert hat. In Deutschland dürfen lediglich getrocknete aromatische Kräuter und Gewürze bestrahlt verkauft werden. Tiefgefroren bestrahlte Froschschenkel, die in anderen EU-Mitgliedstaaten rechtmäßig in Verkehr sind, dürfen nach Deutschland eingeführt und hier vermarktet werden. Im Jahr 2007 wurden insgesamt 3744 Proben im Hinblick auf eine Bestrahlung untersucht. Dies sind rund neun Prozent weniger als im Vorjahr.

Fast ein Prozent der nach Risikokriterien ausgewählten Proben war unzulässig bestrahlt und rund 0,5 Prozent der auf Bestrahlung untersuchten Lebensmittel waren zwar in Deutschland für eine Behandlung mit energiereicher Strahlung zugelassen, die Ware war jedoch nicht ordnungsgemäß gekennzeichnet. Bei etwa zwei Dritteln (23 Proben) der wegen unzulässiger Bestrahlung beanstandeten Lebensmittel handelte es sich um Nahrungsergänzungsmittel. Auch getrocknete Steinpilze aus Serbien (4 Proben), frisches Obst (2 Proben), tiefgefrorene Süßwasserschnecken aus Vietnam (2 Proben), Würzmittel (eine Probe) und Kaninchenfleisch aus China (eine Probe) wurden wegen unzulässiger Bestrahlung beanstandet. Diese Lebensmittel dürfen in Deutschland nicht in den Verkehr gebracht werden, wenn sie mit energiereichen Strahlen haltbar gemacht wurden. Bei rund 0,5 Prozent der Proben konnte nicht abschließend geklärt werden, ob die Bestrahlung zulässig war. Dies waren vor allem Instantnudelsuppen, Nahrungsergänzungsmittel und Tee.

Rund 76 Prozent der Beanstandungen wegen Kennzeichnungsmängeln entfielen auf bestrahlte Suppen und Saucen einschließlich Instantnudelsuppen und -gerichte sowie 9,5 Prozent auf Kräuter und Gewürze. Bestrahlte Kräuter und Gewürze dürfen in Deutschland zwar in Verkehr gebracht werden, die beanstandeten Lebensmittel waren jedoch nicht ordnungsgemäß gekennzeichnet.

In Deutschland wurden rund 330 Tonnen Lebensmittel bestrahlt, von denen 110 Tonnen für den Verzehr in Deutschland und anderen EU-Mitgliedstaaten vorgesehen waren.

Die Probenahme erfolgt bei Lebensmitteln, bei denen eine Bestrahlung möglich oder wahrscheinlich ist oder deren Herkunft auf eine Bestrahlung hindeutet. Durch diese risikoorientierte Probenahme ist die Zahl der Beanstandungen daher nicht repräsentativ für die Gesamtheit der auf dem deutschen Markt befindlichen Lebensmittel.

HINTERGRUNDINFORMATION ZUR BESTRAHLUNG VON LEBENSMITTELN
Um die Haltbarkeit von Lebensmitteln zu erhöhen oder gesundheitsschädliche Mikroorganismen in Lebensmitteln abzutöten, ist in verschiedenen Ländern die Bestrahlung einer Reihe von Lebensmitteln zugelassen.

Die verwendete energiereiche Strahlung stammt von radioaktivem Material (Gammastrahlung) oder wird von Maschinen erzeugt (Röntgenstrahlung oder beschleunigte Elektronen). Das radioaktive Material geht jedoch nicht auf das Lebensmittel über und führt auch nicht dazu, dass Strahlung von dem bestrahlten Lebensmittel ausgeht. Die Strahlenbehandlung hat zur Folge, dass beispielsweise Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch nicht keimen oder sprossen und länger gelagert werden können. Unerwünschte Organismen (Insekten und Maden) in Getreide, Trockenobst, Gemüse oder Nüssen können durch eine Bestrahlung abgetötet und die Reifung von Obst kann verlangsamt werden. Mikroorganismen, die gesundheitsgefährdend sind, können eliminiert werden; die Keimbelastung, auch von Gewürzen, kann soweit reduziert werden, dass die Haltbarkeit der jeweiligen Produkte gewährleistet ist.

Die Lebensmittel werden durch die Bestrahlung nicht radioaktiv. Sie kommen nicht mit der Strahlungsquelle in Kontakt, sondern werden in Containern um die Strahlenquelle herum geführt bzw. unter dem Elektronen- oder Röntgenstrahl hindurch geführt, bis sie die notwendige Dosis erhalten haben.

Welche bestrahlten Lebensmittel dürfen in Deutschland angeboten werden?
In Deutschland dürfen nach der Lebensmittelbestrahlungsverordnung sowie den EU-Richtlinien 1999/2/EG und 1999/3/EG lediglich getrocknete aromatische Kräuter und Gewürze bestrahlt angeboten bzw. verkauft werden. Die Bestrahlung darf nicht in Verbindung mit einer chemischen Behandlung angewandt werden, die dem gleichen Ziel wie die Bestrahlung dient. Um eine ordnungsgemäße Strahlenbehandlung sicherzustellen, dürfen die Lebensmittel nur in Bestrahlungsanlagen behandelt werden, die für diesen Zweck in einem Mitgliedstaat der EU oder durch die EU in Drittländern zugelassen sind.

Belgien, Frankreich, Italien, die Niederlande und Großbritannien haben eine Strahlenbehandlung auch für weitere Lebensmittel erlaubt. Diese Lebensmittel dürfen in Deutschland nur angeboten werden, wenn dies in Form einer so genannten Allgemeinverfügung durch das BVL genehmigt wurde. Eine Allgemeinverfügung kann erteilt werden, wenn das Produkt nach den Vorschriften eines Mitgliedstaates der Europäischen Union rechtmäßig mit ionisierenden Strahlen behandelt worden ist oder sich rechtmäßig im Verkehr des Mitgliedstaates befindet und keine Gesundheitsgefahren in sich birgt. Das BVL hat für tiefgefroren bestrahlte Froschschenkel hat eine Allgemeinverfügung ausgesprochen.
Weitere Informationen:
http://www.bvl.bund.de/Bestrahlung - Informationen des BVL zum Thema
http://ec.europa.eu/food/food/biosafety/irradiation/index_de.htm - Informationen der EU-Kommission zum Thema

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Flusslandschaften zurückgewinnen - Hochwasserschutz verbessern

Franz August Emde, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bundesamt für Naturschutz

Jessel: - 75 Prozent der Flussauen in Deutschland sind zerstört bzw. stark beeinträchtigt
- Verbliebene Auen müssen dringend erhalten werden

Bonn/Berlin, 12.9.2008: Anlässlich der 3. Flussgebietskonferenz der Bundesregierung mahnt das Bundesamt für Naturschutz (BfN) einen sorgsamen Umgang mit den restlichen noch einigermaßen intakten Flussauen in Deutschland an. "Naturnahe Flusslandschaften mit abwechslungsreich strukturierten Ufern und ausgedehnten Auen sind Oasen der Erholung für den Menschen und zugleich wesentlicher Teil des europäischen Biotopverbundsystems "Natura 2000", erklärt die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Prof. Dr. Beate Jessel. Flussauen gehören zu den artenreichsten und hoch gefährdeten Lebensräumen in Mitteleuropa. Sie sind mit geschätzten 12.000 darin vorkommenden Tier- und Pflanzenarten echte "hot spots" der Biologischen Vielfalt. Naturnahe Flusslandschaften sorgen im Naturkreislauf zudem mit für Grundwasserneubildung, sauberes Trinkwasser und einen ausgeglichenen Wasserhaushalt. Zudem bieten Flussauen einen volkswirtschaftlich günstigen Beitrag zum vorsorgenden Hochwasserschutz. Sie sind an Überschwemmungen angepasst, müssen keiner technisch und logistisch anfälligen Steuerung unterzogen werden und das Wasser kann sich da ausbreiten, wo es keinen Schaden anrichtet. Diese wichtigen Funktionen sind durch die Schifffahrt, Wasserkraft, Landwirtschaft sowie den Siedlungs- und Verkehrswegebau vielfach beeinträchtigt. So ist z. B. die Fläche der ursprünglichen Auen vor Ausbau und Eindeichung der Flüsse im Schnitt auf weniger als ein Viertel zusammen geschrumpft und die noch vorhandenen Reste unterliegen vielfach weiter einer intensiven Nutzung.

"Es ist daher dringend notwendig, insbesondere die Struktur und Durchgängigkeit der Gewässer zu verbessern und da, wo es möglich ist, die verloren gegangenen Auenlandschaften wieder zurück zu gewinnen. Dies kommt nicht nur dem Naturschutz zugute, sondern dient gleichermaßen dem Hochwasserschutz und unterstützt das Erreichen des "guten Zustandes", wie ihn die Europäische Wasserrahmenrichtlinie - von begründeten Ausnahmen abgesehen - für alle Gewässer bis 2015 fordert", sagte BfN-Präsidentin Jessel. Die konkreten Zielvorgaben der Wasserrahmenrichtlinie rücken die ökologische Beschaffenheit der Gewässer europaweit ins Zentrum der Betrachtungen und machen dabei ein länderübergreifendes integriertes Management von Flusseinzugsgebieten erforderlich. Notwendig ist dabei insbesondere auch eine flächenhafte Verminderung der Pestizid- und Düngemitteleinträge aus der Landwirtschaft, eine Verbesserung der Wasseraufnahmefähigkeit der Böden sowie eine angepasste Siedlungs- und Infrastrukturplanung. Darüber hinaus müssen Ausbau und Unterhaltung der Gewässer sorgfältiger als bisher aus ökologischem Blickwinkel geprüft werden. Angesichts des Zustandes der deutschen und mitteleuropäischen Flussauen kommt einer vorsorgeorientierten Umweltfolgenabschätzung und der angemessenen Kompensation von nachteiligen Auswirkungen große Bedeutung zu.

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Warum Menschen zu Mobbing-Opfern werden

Dr. Annette Tuffs, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Heidelberg

Zusammenhang mit früheren Erfahrungen? / Heidelberger Traumaforscher starten online-Studie unter www.mobbing-studie.de
Erhöhen Erfahrungen aus früheren Lebensphasen die Wahrscheinlichkeit, Opfer von Mobbing zu werden? Eine Online-Befragung auf Initiative von Wissenschaftlern der Sektion Psychotraumatologie der Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg soll dabei helfen, die Faktoren besser zu verstehen, die zum Mobbing führen.

Alle, die selbst Mobbing am Arbeitsplatz erlitten haben oder aktuell erleiden, sind eingeladen, einen Fragebogen unter www.mobbing-studie.de anonym auszufüllen. Die Antworten werden vertraulich behandelt, ein Rückschluss auf Personen ist nicht möglich.

Die Ergebnisse der Studie sollen dazu beitragen, die Situation von Mobbingopfern umfassender zu verstehen und helfen, geeignete Vorsorge- und Therapiemöglichkeiten zu entwickeln. Die Untersuchung wird in Kooperation mit Prof. Dr. Christian Stamov Roßnagel, Professor für Organisationspsychologie an der Jacobs University in Bremen, durchgeführt.

Förderung durch Dietmar-Hopp-Stiftung

"Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden gebeten, ihre Erfahrungen mit Mobbing detailliert festzuhalten", erklärt Dr. Frank Wagner, Diplom-Psychologe in der Heidelberger Sektion Psychotraumatologie in der Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin. "Die Befragung nimmt nur ca. 20 Minuten in Anspruch, doch kann damit jeder dazu beitragen, die psychischen Folgen von Mobbing besser zu verstehen, sowie deren Therapie wirkungsvoller zu gestalten". Die Studie ist Teil eines interdisziplinären Forschungsprojekts, das von der Dietmar-Hopp-Stiftung gefördert wird.

Mobbing am Arbeitsplatz betrifft einen großen Teil Bevölkerung und hat weitreichende negative Folgen für die Gesundheit wie auch für die berufliche und private Situation des Opfers. Laut Mobbing-Report des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales erkranken fast die Hälfte der Betroffenen psychosomatisch und körperlich. Zu den häufigsten psychischen Erkrankungen zählen Angsterkrankungen und Depressionen, aber auch Kreislauferkrankungen.

Ansprechpartner:

Dr. Frank Wagner
Diplompsychologe
Universitätsklinikum Heidelberg
Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin,
Standort Bergheim
Sektion Psychotraumatologie
69115 Heidelberg
Thibautstraße 2
E-mail: frank.wagner@med.uni-Heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse
Weitere Informationen:
http://www.mobbing-studie.de

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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Kopfschmerz-Forschung: Damit das Gewitter im Kopf nicht chronisch wird

Frank A. Miltner, Pressestelle der DGN c/o albertZWEI media GmbH
Deutsche Gesellschaft für Neurologie

Deutscher Kopfschmerztag am 5. September / Thema auf dem Hamburger Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie

Wer sehr viel Schmerzmittel nimmt, hat ein um das Achtfache erhöhtes Risiko, chronische Kopfschmerzen zu entwickeln. Das ist eines der Ergebnisse des Deutschen Kopfschmerzkonsortiums aus 14 Arbeitsgruppen von acht Universitäten, das seit 2002 insgesamt 18000 Personen untersucht hat. Überraschendes auch zum Schleudertrauma nach Autounfällen: Die Patienten berichten von umso mehr Kopfschmerztagen, je größer das Auto war, in dem sie bei dem Unfall saßen. Eindeutiger noch ist der Zusammenhang mit psychosozialen Merkmalen: Je gereizter die Patienten sind, je größer die Angst vor Erkrankung ist und je höher das Gesundheitsbewusstsein, desto länger dauern die Symptome an.
Rund eine Million Arbeitstage gehen jedes Jahr durch chronischen Kopfschmerz und Migräne verloren. Man geht bei beiden Krankheiten von etwa acht Millionen Betroffenen aus. Chronische Kopfschmerzen bleiben aufgrund ihrer weiten Verbreitung eines der wichtigsten Gesundheitsprobleme. Daran erinnert Prof. Hans Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen, anlässlich des Deutschen Kopfschmerztages am 5. September 2008. Gleichzeitig hat Diener aber auch eine gute Nachricht: Das vom Forschungsministerium seit 2002 mit 6,5 Millionen Euro finanzierte Deutsche Kopfschmerzkonsortium hat in mehreren Studien grundlegende Erkenntnisse über die Entstehung und Entwicklung chronischer Kopfschmerzen aufgedeckt, die nun zu einer besseren Vorbeugung beitragen. Einzelheiten zu den erzielten Fortschritten werden Diener und weitere führende Mitglieder des Konsortiums auf dem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) berichten, die vom 10. bis 13. September in Hamburg stattfindet.

Schmerzmittel können Kopfschmerzen erzeugen

Der Übergebrauch von Schmerzmitteln ist ein wesentlicher Faktor, der mit der Chronifizierung von Kopfschmerz einher geht. Während im Durchschnitt fünf Prozent aller Studienteilnehmer chronische Kopfschmerzen aufwiesen, waren es bei denjenigen mit einem Übergebrauch von Schmerzmedikamenten 40 Prozent - also acht Mal so viele. In der Praxis lässt sich diese Erkenntnis dazu nutzen, Hochrisikopatienten frühzeitig zu erkennen und sie rechtzeitig an eines der spezialisierten Zentren zu überweisen, wo sie adäquat behandelt werden können, bevor sie zu Dauerpatienten werden.

"Auch die Krankenkassen haben den Wert unserer Daten erkannt", so Diener. Aus den Verschreibungsdaten ihrer Mitglieder können so auch die dortigen Sachbearbeiter erkennen, wer besonders gefährdet ist und diese Risikopatienten mit einem Anruf auf die drohende Gefahr hinweisen.

Überraschendes zum Schleudertrauma

Auch Auffahrunfälle, bei denen es zu einer Verletzung der Halswirbelsäule (Schleudertrauma) kommt, stehen im Visier des Deutschen Kopfschmerzkonsortiums. Immerhin erleiden etwa 80 Prozent aller Verkehrsunfallopfer ein mehr oder weniger schweres Halswirbelsäulen-Trauma und etwa 90 Prozent der Betroffenen klagen danach über Kopf- und/oder Nackenschmerzen. Laut Statistik bleiben die Kopfschmerzen in 10 bis 20 Prozent aller Fälle auf Dauer. Ein Team von Neurologen um Dr. Mark Obermann von der Universitätsklinik Essen hat deshalb über 200 Patienten aus 21 kooperierenden Kliniken erfasst und mehr als die Hälfte zur Teilnahme an einer Studie gewinnen können. Dabei fand Obermann gleich mehrere Faktoren, die zur Chronifizierung der Kopfschmerzen beitragen: Überraschenderweise berichteten die Patienten in ihren Tagebüchern von umso mehr Kopfschmerztagen, je größer das Auto war, in dem sie bei dem Unfall saßen. Eindeutiger noch war der Zusammenhang mit psychosozialen Merkmalen der Patienten: "Je gereizter die Patienten waren, je größer die Angst vor Erkrankung ist und je höher das Gesundheitsbewusstsein, desto länger dauerten die Symptome an", berichtet Obermann.

Geschäftsstelle Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.:
Prof. Dr. med. O. Busse, Reinhardtstr. 14, 10117 Berlin, Tel: 030 531437930, E-Mail: busse@dgn-berlin.org, Internet: http://www.dgn.org
Weitere Informationen:
http://www.dgn.org/presse.html: Aktuelle Pressematerialien zum 81. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie

(Quelle: Informationsdienst Wissenschaft)

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