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Geld motiviert - wenn man mehr bekommt als der Kollege
Frank Luerweg, Abteilung Presse und Kommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Mit welchen Gefühlen man auf seinen Gehaltscheck reagiert, hängt maßgeblich davon ab, wie viel der Kollege verdient. Das legt ein Experiment von Ökonomen und Hirnforschern der Universität Bonn nahe. Darin ließen sie Versuchspersonen paarweise gegen Bezahlung eine einfache Aufgabe durchführen. Die Forscher untersuchten währenddessen die Hirnaktivität ihrer Probanden mit einem Magnetresonanz-Tomographen. Ergebnis: Bekam ein Teilnehmer mehr Geld als sein Mitspieler, zeigte sein "Belohnungszentrum" eine weit stärkere Aktivierung, als wenn beide dieselbe Summe erhielten. Die Studie erscheint am Freitag, 23.11., in der renommierten Wissenschaftszeitschrift Science.
Die Publikation ist das erste Resultat einer neuen
Forschungsrichtung, die sich momentan an der Uni Bonn etabliert:
Wissenschaftler um den Epileptologen Professor Dr. Christian Elger und den
Ökonomen Professor Dr. Armin Falk wollen zusammen herausfinden, wie der
"Homo oeconomicus" genau tickt. Dazu nutzen sie moderne bildgebende
Verfahren, um ihren Testpersonen ins Gehirn zu schauen.
Für das jetzt publizierte Experiment mussten sich die Teilnehmer in zwei
nebeneinander stehende Hirnscanner legen. Darin sollten sie parallel dieselbe
Aufgabe durchführen: Auf einem Bildschirm erschien eine gewisse Anzahl Punkte,
deren Menge die Probanden schätzen mussten. Danach wurden sie informiert, ob
sie richtig getippt hatten. Falls ja, erhielten sie eine Belohnung, die von 30
bis 120 Euro reichte. Gleichzeitig wurde ihnen mitgeteilt, ob ihr Spielpartner
erfolgreich gewesen war und welchen Lohn er dafür einstreichen konnte.
Der Tomograph erfasste derweil, in welchen Hirnregionen der Testpersonen sich
die Durchblutung änderte. In gut durchbluteten Gebieten gelten die Nervenzellen
als besonders aktiv. Insgesamt 38 Männer nahmen an dem Versuch teil. "Wir
registrierten bei ihnen während des Experiments in verschiedenen Hirnbereichen
eine verstärkte Aktivität", erklärt der Bonner Neurowissenschaftler Dr.
Bernd Weber. "Einer davon war das ventrale Striatum - eine Region, in der
ein Teil des so genannten Belohnungssystems sitzt."
Immer wenn wir eine erstrebenswerte Erfahrung machen, wird das Belohnungssystem
aktiv. "Wir beobachteten dort beispielsweise eine Aktivierung, wenn der
Spieler die Aufgabe richtig gelöst hatte", sagt der Leiter der
Arbeitsgruppe NeuroCognition-Imaging am Life&Brain Institut. Hatte der
Teilnehmer dagegen mit seiner Schätzung daneben gelegen, nahm die Aktivität
seines ventralen Striatum ab. Erstaunlicherweise spielte aber auch eine Rolle,
wie der Teilnehmer im zweiten Scanner abgeschnitten hatte: "Am höchsten
war die Aktivierung bei denjenigen, die richtig getippt hatten, während ihr
Mitspieler sich verschätzt hatte", fasst Webers Kollege Dr. Klaus
Fließbach das Ergebnis zusammen.
Die Forscher nahmen nun die Fälle genauer unter die Lupe, bei denen beide
Partner die Zahl der Punkte korrekt geschätzt hatten. Erhielten die Teilnehmer
dafür dieselbe Bezahlung, kam es zu einer vergleichsweise geringen Aktivierung
des Belohnungszentrums. Anders, wenn der eine Spieler beispielsweise 120 Euro
bekam, sein Partner aber nur 60: Dann fiel die Aktivierung bei Spieler 1 viel
höher aus. Bei Spieler 2 nahm die Durchblutung des ventralen Striatum dagegen
sogar ab - und das, obwohl er die Aufgabe richtig gelöst hatte und dafür auch
belohnt worden war.
Männer wollen sich im Wettbewerb behaupten
"Dieses Ergebnis steht im klaren Widerspruch zur traditionellen
ökonomischen Theorie", erklärt der Bonner Wirtschaftswissenschaftler
Professor Dr. Armin Falk. "Danach sollte es nur auf die absolute Höhe der
Entlohnung ankommen. Der Vergleich mit Anderen sollte dagegen für die
Motivation keine Rolle spielen." Es ist das erste Mal, dass diese These
mit Hilfe eines derartigen Experiments widerlegt wurde. Allerdings hat auch die
absolute Höhe der Bezahlung einen Einfluss auf das Belohnungszentrum: Über 60
Euro freut man sich mehr als über 30. "Das Interessante an unserer Studie
ist aber, dass die relative Höhe des Einkommens eine so bedeutsame Rolle
spielt", betont Falk.
"Zumindest Männer scheinen eine große Motivation aus dem Wettbewerb zu
ziehen", resümiert Dr. Bernd Weber. Die Forscher wollen nun herausfinden,
ob das auch bei Frauen so ist. Außerdem planen sie eine Versuchsreihe mit
asiatischen Probanden, um herauszufinden, ob Konkurrenzdenken auch durch
kulturelle Faktoren beeinflusst wird.
Social Comparison Affects Reward-Related Brain Activity in the Human
Ventral Striatum. K. Fliessbach,
B. Weber, P. Trautner, T. Dohmen, U. Sunde, C. E. Elger, A. Falk. Science,
23.11.2007
Kontakt:
Professor Dr. Christian Elger
Direktor der Klinik für Epileptologie, Universität Bonn
Telefon: 0228/287-15727; E-Mail: christian.elger@ukb.uni-bonn.de
Professor Dr. Armin Falk
Institut für Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Universität Bonn
Telefon: 0228/73-9240; E-Mail: armin.falk@uni-bonn.de
Dr. Klaus Fließbach
Life&Brain-Center
Telefon: 0228/6885-264; E-Mail: Klaus.Fliessbach@ukb.uni-bonn.de
Dr. Bernd Weber
Life&Brain-Center
Telefon: 0228/6885-262; E-Mail: bweber@lifeandbrain.com
Pressemitteilung
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