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Fortschritte bei der Nutzung von Mikroorganismen für die Erzeugung von elektrischer Energie
Weltweit erforschen Wissenschaftlerteams, wie man Mikroorganismen zur
Energiegewinnung nutzen kann. An der Technischen Universität
Braunschweig ist das Team von Prof. Dr. Uwe Schröder diesem Ziel näher
gekommen. Die Ergebnisse dieser Forschung sind jetzt in drei Artikeln
renommierter Fachzeitschriften veröffentlicht worden.
Das Braunschweiger Forscherteam beschäftigt sich seit längerem mit
elektrokatalytisch aktiven Bakterien. Ziel ist es, mit Hilfe dieser
Biofilme eine neue Technologie zu entwickeln. Sie soll es unter anderem
ermöglichen, niedrigenergetische Biomasse, wie zum Beispiel Abwasser,
zur Gewinnung von elektrischer Energie oder zur Produktion von
wertvollen Grundstoffen zu nutzen. Dieses Technologiekonzept ist seit
längerem unter dem Schlagwort „mikrobielle Brennstoffzelle" oder
„mikrobielle Bioelektrochemische Systeme" bekannt.
Der Weg vom im Labormaßstab erfolgreichen Konzept zur fertigen Technologie ist allerdings noch lang. Es müssen noch fundamentale und technologische Fragen beantwortet werden. Drei Bausteine auf diesem Weg können jetzt die Forscher aus Braunschweig in Zusammenarbeit mit externen Kooperationspartnern beisteuern.
In Zusammenarbeit mit der TU Berlin unter Federführung von Dr. Falk
Harnisch, TU Braunschweig, und Dr. Diego Millo, TU Berlin, konnte
erstmals eine in situ spektroelektrochemische Untersuchung an lebenden
Biofilmen, das heißt Zellen in ihrer natürlichen Umgebung, präsentiert
werden. Hierbei gelang erstmals eine exakte Charakterisierung der
Proteine, die in der Zellmembran für den Austausch der Elektronen
zwischen Bakterie und Elektrode verantwortlich sind.
D. Millo*, F. Harnisch*, S.A. Patil. H. K. Ly, U. Schröder, P. Hildebrandt
"In situ Spectroelectrochemcial Investigation of electrocatalytic
microbial biofilms by surface-enhanced resonance raman spectroscopy"
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/anie.201006046/abstract
Ein weiterer Fortschritt gelang in Kooperation mit den Universitäten
Marburg und Chicago: Erstmals wurden Stromdichten von bis zu 30 Ampere
pro Quadratmeter gemessen. Diese bisher unerreichten
Leistungsfähigkeiten von bioelektrokatalytischen Anoden konnten durch
neuartige Elektrodenmaterialien erzielt werden. Auf ihnen können die
Mikroorganismen in drei Dimensionen wachsen und gedeihen.
Electrospun and solution blown three-dimensional carbon fiber nonwovens for application as electrodes in microbial fuel cells
Shuiliang Chen, Haoqing Hou, Falk Harnisch, Sunil A. Patil, Alessandro
A. Carmona-Martinez, Seema Agarwal, Yiyun Zhang, Suman Sinha-Ray,
Alexander L. Yarin, Andreas Greiner and Uwe Schröder
Energy and Environmental Science, online
http://pubs.rsc.org/en/Content/ArticleLanding/2011/EE/C0EE00446D
Darüber hinaus wurde in Zusammenarbeit mit dem Helmholtz Zentrum für
Umweltforschung, Leipzig, die erste durchflusszytometrische Studie an
elektrokatalytischen Biofilmen durchgeführt. Bei diesem Verfahren werden
Zellen gezählt und charakterisiert. Dabei zeigte ein Vergleich von
Abwasser und daraus gewonnenen elektrokatalytischen Biofilmen, dass eine
Selektion von Mikroorganismen stattfindet. Diese Selektion führt dabei
zu einer Anreicherung von Arten im Biofilm, die in der Bakterienquelle
nicht nachweisbar ist.
F. Harnisch*, C. Koch, S.A. Patil. T. Hübschmann, S. Müller, U. Schröder
"Revealing the electrochemically driven selection in natural community
derived microbial biofilms using flow-cytometry" Energy &
Environmental Science, online
http://pubs.rsc.org/en/Content/ArticleLanding/2011/EE/C0EE00605J
In Zusammenwirken können diese Erkenntnisse des Braunschweiger Forscherteams aus unterschiedlichen Teilgebieten sowohl zu einem besseren fundamentalem Verständnis der mikrobiellen Prozesse als auch zur weiteren Entwicklung der Technologie beitragen.
Kontakt
Prof. Dr. Uwe Schröder
Institut für Ökologische und Nachhaltige Chemie
E-Mail: uwe.schroeder@tu-braunschweig.de
Tel.: +49(0)531 391 8425
Dr. Falk Harnisch
Institut für Ökologische und Nachhaltige Chemie
E-Mail: f.harnisch@tu-braunschweig.de
Tel.: +49(0)531 391 8428
Weitere Informationen:
http://www.tu-braunschweig.de/oekochemie/akschroeder




