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Kunststoffe aus Abwässern gewinnen
Bei der Papierherstellung fallen große Mengen von belasteten
Abwässern an. Sie werden bisher aufwändig in Kläranlagen gereinigt.
Prof. Dr. Michael Herrenbauer von der Technischen Hochschule
Mittelhessen will daraus Rohstoffe für die Kunststoffindustrie gewinnen.
Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit
250.000 Euro gefördert.
Das Forschungsteam des Gießener Fachbereichs Krankenhaus- und
Medizintechnik, Umwelt- und Biotechnologie hat es auf das Lignin
abgesehen, das in großen Mengen in den Abwässern der Papierindustrie
enthalten ist. Lignin ist ein in die pflanzliche Zellwand eingelagertes
Makromolekül und bewirkt die Verholzung der Zelle. Bei der
Papierherstellung wird es aus dem Rohstoff Holz entfernt und landet im
Abwasser.
„Der Rohstoff für Kunststoffe ist üblicherweise Erdöl", so Herrenbauer. „Wir wollen ihn direkt aus biologischen Quellen gewinnen und so den Zyklus der Erdölentstehung aus Holz umgehen. Die Herstellung dieser Stoffe aus regenerativen Quellen ist gegenüber der chemischen nachhaltig und bietet Kostenvorteile gegenüber anderen Polymeren biogenen Ursprungs."
In dem Projekt wird ein Rohrreaktor eingesetzt, in dem Titanoxid auf einer Sinterglasoberfläche aufgebracht wird. Titanoxid ist ein Halbleiter mit photokatalytischen Eigenschaften, das heißt, bei ihm werden durch Licht chemische Reaktionen ausgelöst. Die Katalysatorröhren werden von ligninhaltigem Wasser durchströmt und kontinuierlich mit Licht bestrahlt. Zwei plattenähnliche Leuchtmittel sorgen für eine gleichmäßige Bestrahlung von einer Wellenlänge zwischen 200 und 400 Nanometern. In der Folge wird das Lignin gespalten. Dabei können die gewünschten Grundstoffe - zum Beispiel Phenole - entstehen, aus denen die Chemische Industrie Kunststoffe wie etwa Nylon oder Kunstharz herstellt.
Das Gießener Forscherteam arbeitet aktuell an der Optimierung der
Beschichtung der Katalysatorröhren und entwickelt Verfahren zur
Bestimmung von Prozessparametern wie zum Beispiel des ph-Werts, der
Salzkonzentration oder der Verweilzeit im Reaktor auf die
Produktbildung. Kooperationspartner des Projekts, das bis 2013 läuft,
sind Prof. Dr. Peter Czermak vom Institut für Bioverfahrenstechnik und
Pharmazeutische Technologie der TH Mittelhessen, Prof. Dr. Detlef
Bahnemann, Arbeitsgruppe Photocatalysis and Nanotechnology der
Universität Hannover, und mehrere Industrieunternehmen
Quelle: Erhard Jakobs PressestelleTechnische Hochschule Mittelhessen




