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Untersuchungen zur bedarfsorientierten Kanalreinigung unter Nutzung betrieblicher Synergien
Die Kanalreinigung ist ein wichtiger Beitrag zur Funktionserhaltung der
Kanalisation und beansprucht einen beträchtlichen Anteil der Budgets der
Kommunen in Nordrhein-Westfalen. Die praktische Umsetzung der SüwVKan,
die in Nordrhein-Westfalen die Häufigkeit der Überprüfung von
Kanalbauwerken regelt, erfolgt in den Kommunen häufig derart, dass das
gesamte Kanalnetz ohne vorherige Überprüfung des Ablagerungszustandes
vorsorglich alle ein bis zwei Jahre gereinigt wird. Erfahrungen zeigen
jedoch, dass bei einigen der so gereinigten Kanäle kein Reinigungsbedarf
besteht. Sie weisen zum Zeitpunkt der Reinigung keine oder nur
unbedeutende Ablagerungen auf, wohingegen andere Kanalabschnitte stark
belastet sind. Hier bietet sich die Möglichkeit, durch die Einführung
einer bedarfsorientierten Reinigungsstrategie Optimierungspotentiale zu
nutzen und Kosten zu sparen, ohne durch die Verlängerung der
Reinigungsintervalle Einschränkungen hinsichtlich der Betriebssicherheit
zu riskieren.
Häufige Argumente gegen größere Intervalle sind erhöhte
Schmutzfrachtausträge an Mischwasserentlastungen aufgrund höheren
Aufkommens remobilisierbarer Ablagerungen und verstärkte
Schwefelwasserstoffprobleme (Geruch, Korrosion) durch hohe biologische
Aktivität in älteren Ablagerungen. Im Rahmen eines bereits
abgeschlossenen, vom MUNLV NRW geförderten Forschungsprojektes mit dem
IKT - Institut für Unterirdische Infrastruktur ließen sich diese
Argumente durch vom Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft und
Umwelttechnik der Ruhr-Universität durchgeführte Schmutzfracht- und
Schwefelwasserstoffmessungen sowie durch Ablagerungsanalysen in realen
Kanälen nicht bestätigen.
Im Rahmen des aktuellen Forschungsprojektes soll unter Einbindung der
Kommunen in NRW ein umfassender Ansatz zur Erschließung weiterer
Potenziale innerhalb der bedarfsorientierten Kanalreinigung gefunden
werden. Hierbei werden zum einen betriebliche Synergien innerhalb des
Kanalbetriebs selbst und zudem Optimierungsmöglichkeiten beispielsweise
durch übergemeindliche Zusammenarbeit aufgezeigt. Zum anderen soll
anhand technischer Versuche an einer Kanalteststrecke der tatsächliche
Reinigungsbedarf in Abhängigkeit der Ablagerungssituation ermittelt
werden. Hierbei sind aus technischer Sicht neben der hydraulischen
Leistungsfähigkeit auch die zu erwartenden Emissionen (Schmutzfrachten
und H2S-Bildung)zu berücksichtigen. Durch die Zusammenführung der
Erkenntnisse aus den wissenschaftlich-technischen Untersuchungen und die
Analyse der betrieblichen Abläufe des Kanalbetriebs soll eine
umfassende Strategie für die bedarfsorientierte Kanalreinigung
entwickelt werden. Durch verschiedene Workshops und eine Telefon-Hotline
soll engagierten Kanalbetreibern Hilfestellung bei einer
Effizienzsteigerung in den betrieblichen Strukturen und bei konkreten
technischen Fragen gegeben werden. Den Kanalnetzbetreibern soll im
Ergebnis ein anwendungsorientiertes Handbuch NRW zur Verfügung gestellt
werden, das eine weitere Verbesserung der bedarfsorientierten
Reinigungsstrategie erleichtert und betriebliche Synergien aufzeigt.
Projektträger: Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen
Verbundleitung:Prof. Dr.-Ing.. Marc Wichern (RUB)
Projektleitung am LSU (RUB): Prof. Dr.-Ing. Marc Wichern
Projektbearbeitung am LSU (RUB): Dipl.-Ing. Ruben-Laurids Lange
Projektpartner: IKT - Institut für Unterirdische Infrastruktur, Gelsenkirchen
http://www.ruhr-uni-bochum.de/siwawi/Forschung/Forschungsvorhaben.html




