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Aus Urin und Fäkalien und Kompost wird „Erde der Indios“ Pilotprojekt zur Herstellung von Schwarzerde im Botanischen Garten Berlin
Was bisher im Botanischen Garten Berlin auf dem Kompost landete oder
teuer entsorgt wurde, soll künftig in einem innovativen Forschungs- und
Entwicklungsvorhaben zu nährstoffreicher Schwarzerde werden. Das
Geheimnis der zukünftigen „Berliner Schwarzerde" ist die Anwendung der
alten Terra-Preta-Technologie, die von Indios im Amazonasgebiet vor
Jahrhunderten genutzt wurde. Das Forschungs- und Entwicklungsvorhaben
verfolgt den Null-Emissions-Ansatz und das damit verbundene Konzept
einer fast vollständigen Kreislaufwirtschaft.
Projektpartner sind die Freie Universität Berlin (Fachbereich
Geowissenschaften sowie der Botanische Garten und das Botanische Museum
Berlin-Dahlem), Palaterra GmbH & Co. KG (Terra-Preta-Technologie),
Rüdersdorf und die HATI GmbH (Nachhaltige Sanitärsysteme), Berlin. Das
Forschungs- und Entwicklungsprojekt wird seit September 2010 für drei
Jahre im Rahmen des Umweltentlastungsprogramms (UEP II) der Berliner
Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz unter
Nutzung von Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung
(EFRE) gefördert.
Nährstoffreiche organische Abfälle
Im Botanischen Garten Berlin fallen jährlich etwa 750 Kubikmeter
Grünschnitt, 350 Kubikmeter Gehölzschnitt, 230 Kubikmeter
Langgrasschnitt und 150 Kubikmeter Stammholz an. Ein Großteil dieser
Mengen wird bisher energie- und kostenintensiv entsorgt, genauso wie die
Fäkalien der Angestellten und der pro Jahr über 300.000 Besucher der
Einrichtung. Demgegenüber steht ein Bedarf an ca. 350 Kubikmeter
Kompost, Zuschlagstoffen und Fertigerden, der bisher zugekauft werden
muss.
Stoffkreisläufe schließen und Kohlendioxid speichern
In den kommenden drei Jahren sollen im Rahmen eines integrierten Abfall-
und Humusmanagements die betriebsinternen Stoffflüsse durch eine
Kaskadennutzung weitgehend geschlossen werden. Wissenschaftlich geleitet
wird das Projekt von Prof. Dr. Konstantin Terytze, Vorsitzender der
Arbeitsgruppe Organische Umweltgeochemie an der Freien Universität
Berlin, und von Prof. Dr. Albert-Dieter Stevens vom Botanischen Garten
und Botanischen Museum (BGBM) Berlin-Dahlem. Entsprechen die Qualitäten
der Inputmaterialien, die im Botanischen Garten Berlin anfallen, den
Erfordernissen für die Herstellung von sogenannten
Terra-Preta-Substraten, kann der Stoffkreislauf innerhalb des BGBM
geschlossen werden. Betrachtet man allein die anfallenden Mengen an
pflanzlicher Biomasse, kann im Botanischen Garten jährlich eine
Gesamteinsparung von etwa 350 bis 420 Tonnen Kohlendioxid (CO2) erzielt
werden. Im jetzigen Kompostier- und Mulchverfahren werden nur etwa 50
Tonnen CO2 gespeichert.
Im Rahmen des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens soll prototypisch ein an Ressourcen orientiertes Sanitärsystem installiert werden, in dem Urin und Fäkalien gesammelt und aufbereitet werden. Die darin enthaltenden Pflanzennährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium sowie Kohlenstoffverbindungen zur Verbesserung der organischen Bodensubstanz können im Idealfall als Düngerersatz direkt im Botanischen Garten verwendet werden. Ein Teil der Toilettenanlagen im Botanischen Garten sollen künftig auf wassersparende WCs umgerüstet werden. Die Fäkalien werden über einen Siebfilter aufgefangen, entwässert und den botanischen Wertstoffen zur Fermentierung beigemischt.
Die Terra-Preta-Technologie ist die zentrale, innovative
Systemkomponente zur Herstellung von anthropogenen Schwarzerden als
Pflanzsubstrate für den Botanischen Garten in diesem Forschungs- und
Entwicklungsvorhabens. Die Technologie unterscheidet sich deutlich von
der der Kompostierung und basiert auf Milchsäurefermentation unter
Nutzung von Holzkohle.
Die Holzkohle wird aus der Verkohlung (Pyrolyse) von holzartigen
Pflanzenabfällen gewonnen. Sie zählt aufgrund ihrer hohen
Abbaustabilität zu einem wichtigen Element für den Aufbau von
dauerhaften Nährstoff- und Wasserspeichern für die Pflanzen. Zusammen
mit den anfallenden Rest- und Abfallstoffen entsteht unter anderem
mittels einer Milchsäurefermentation und eines anschließenden
Vererdungsprozesses ein wertvoller Dauerhumus. Gegenüber der
Kompostierung hat die Milchsäure-Fermentierung den Vorteil, dass
wesentlich weniger Kohlenstoffverluste bei der Substrat-Herstellung
entstehen. Der Kohlenstoff wird in Böden gespeichert und belastet nicht
zusätzlich die Atmosphäre.
Projektpartner:
1. Freie Universität Berlin, Fachbereich Geowissenschaften
2. Freie Universität Berlin, Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem
3. Palaterra GmbH & Co. KG (Terra-Preta-Technologie), Rüdersdorf
4. HATI GmbH (Nachhaltige Sanitärsysteme), Berlin
Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Prof. Dr. mult. Dr. h. c. Konstantin Terytze, Fachbereich Geowissenschaften der Freien Universität Berlin,
Telefon: 030 / 838-70481 oder -70435, E-Mail: terytze@zedat.fu-berlin.de




