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SRU hält Stand der Technik für Abwassereinleitungen nicht zukunftsgerecht - Bessere Vorsorge beim Umgang mit Nanomaterialien
Nanomaterialien eröffnen vielfältige neue technische
Möglichkeiten, könnten aber auch neue Risiken zur Folge haben. Sie
werden inzwischen in vielen Branchen verwendet, immer häufiger auch in
Verbraucherprodukten wie Kosmetika, Textilien und
Lebensmittelverpackungen. Die möglichen Folgewirkungen für Mensch und
Umwelt sind aber bisher unzureichend untersucht. Es besteht die Gefahr,
dass die Kluft zwischen Technikentwicklung und Risikowissen stetig
zunimmt.
In seinem heute veröffentlichten Sondergutachten „Vorsorgestrategien für
Nanomaterialien" gibt der SRU Empfehlungen für einen
verantwortungsvollen, vorsorgeorientierten Umgang mit dieser
Technologie. Ziel ist es, Innovationen zu ermöglichen, aber auch Risiken
frühzeitig zu erkennen und zu mindern. Der SRU sieht dringenden
Handlungsbedarf bei der Regulierung von Nanomaterialien und fordert mehr
Transparenz bei Verbraucherprodukten ein.
„Das Vorsorgeprinzip muss konsequent auf Nanomaterialien angewendet
werden - das ist verfassungsrechtlich geboten und politisch im Hinblick
auf das Vertrauen in eine neue Technologie sinnvoll", betont Prof. Dr.
Christian Calliess, der Rechtsexperte des SRU. Stoff- und Produktrecht
sind in einigen Bereichen noch so ausgestaltet, dass erst der
wissenschaftliche Nachweis einer Gefahr staatliche Eingriffe
rechtfertigt. Prof. Calliess erklärt: „Sobald ein begründeter Anlass zur
Besorgnis besteht, muss nach dem Vorsorgeprinzip gehandelt und zwischen
Risiken und Chancen abgewogen werden". Um dies zu ermöglichen, sind
zahlreiche rechtliche Änderungen erforderlich.
Nanomaterialien und Nano-Produkte unterliegen grundsätzlich dem Stoff-,
Produkt- und Umweltrecht. In der Praxis führen aber die Besonderheiten
von Nanomaterialien dazu, dass nicht alle rechtlichen Instrumente
greifen. So werden Nanomaterialien bei der Registrierung von Chemikalien
und bei der Zulassung von Produkten nicht immer separat erfasst und
damit bewertet.
Der SRU empfiehlt, solche nanospezifischen Regelungslücken schnell zu
schließen. Dazu ist es notwendig, Nanomaterialien verbindlich zu
definieren, sie grundsätzlich bei der Risikobewertung von Chemikalien
wie eigenständige Stoffe zu behandeln und mit einem eigens auf sie
zugeschnittenen Datensatz zu registrieren.
Die Toxikologin des Rates, Prof. Dr. Heidi Foth, weist darauf hin, dass
die Risiken von Nanomaterialien nicht pauschal bewertet werden dürfen:
„Manche Materialien sind nach heutigem Kenntnisstand unbedenklich, bei
anderen besteht ein Risikopotenzial". Einen Anlass zur Besorgnis sieht
der SRU vor allem bei der Verwendung von Nanomaterialien in
verbrauchernahen Sprays, der zunehmenden Vermarktung von
Nanosilber-Produkten und der Herstellung und Weiterverarbeitung von
Kohlenstoff-Nanoröhren, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein -
insbesondere solche mit einem großen Längen-Querschnitts-Verhältnis.
Weitere Informationen erhalten Sie bei Dr. Christian Hey, Tel: 030-26 36 96-0.
Der SRU berät die Bundesregierung seit 1972 in Fragen der Umweltpolitik.
Die Zusammensetzung des Rates aus sieben Universitätsprofessorinnen und
-professoren verschiedener Fachdisziplinen gewährleistet eine
wissenschaftlich unabhängige und umfassende Begutachtung, sowohl aus
naturwissenschaftlich-technischer als auch aus ökonomischer, rechtlicher
und politikwissenschaftlicher Perspektive.
Der Rat besteht derzeit aus folgenden Mitgliedern:
Prof. Dr. Martin Faulstich (Vorsitzender), Technische Universität München
Prof. Dr. Heidi Foth (stellv. Vorsitzende), Universität Halle-Wittenberg
Prof. Dr. Christian Calliess, Freie Universität Berlin
Prof. Dr. Olav Hohmeyer, Universität Flensburg
Prof. Dr. Karin Holm-Müller, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Prof. Dr. Manfred Niekisch, Zoologischer Garten Frankfurt, Goethe Universität Frankfurt
Prof. Dr. Miranda Schreurs, Freie Universität Berlin
http://www.umweltrat.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/AktuellePressemitteilungen/2011/2011_09_01_Bessere_Vorsorge_beim_Umgang_mit_Nanomaterialien.html




