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Urin als Rohstoff der Zukunft?
Bill & Melinda Gates Foundation unterstützt Schweizer Wasserforschung für Südafrika
Die separate Sammlung von Urin erlaubt innovative Lösungen für
Verbesserungen der Siedlungshygiene und das Recycling der Nährstoffe
Stickstoff, Phosphor und Kalium. Insbesondere an Orten, wo eine
Schwemmkanalisation nach westeuropäischem Muster keine nachhaltige
Lösung bietet, ist die Urinseparierung eine grosse Chance. Jetzt
unterstützt die Stiftung von Bill und Melinda Gates mit drei Millionen
Franken ein gemeinsames Projekt des Schweizer Wasserforschungsinstituts
Eawag und der Wasserversorgung eThekwini in Südafrika, das diesen Ansatz
praxisnah weiterentwickelt.
Das auf vier Jahre ausgelegte Vorhaben umfasst die Weiterentwicklung von
technischen Lösungen zum Nährstoffrecycling aus Urin. Ausserdem
untersuchen die Beteiligten zusammen mit Experten der Universität
KwaZulu-Natal sowie der ETH Zürich logistische Lösungen für die Sammlung
und den Transport von Urin von den Toiletten zu den Behandlungsanlagen.
Schliesslich gehen die Schweizer Wasserforscher mit ihren Partnern in
Südafrika der Frage nach, wie mit der Gewinnung und dem Verkauf eines
Düngers aus Urin die Siedlungshygiene wirtschaftlich gefördert werden
kann, so dass ein günstiges, effizientes und breit akzeptiertes
Sanitärsystem etabliert werden kann.
Alternativen sind dringend nötig
Hinter dem Projekt steht die Erkenntnis, dass alternative Konzepte zur
Kette von WC, Schwemmkanalisation und zentraler Abwasserreinigung nötig
sind - allein schon darum, weil dafür vielerorts gar nicht genügend
Wasser verfügbar ist. Dringend nötig ist dies vor allem, wenn die Zahl
der Menschen ohne Zugang zu elementaren sanitären Einrichtungen und
sicherem Trinkwasser zurückgehen soll, wie in den Millenniumszielen der
Uno gefordert. Denn neben der Gesundheit der Bevölkerung gefährdet eine
ungenügende Entsorgung von Fäkalschlämmen an vielen Orten auch die
Trinkwasserversorgung und belastet die Gewässerökosysteme massiv. Und
nicht zuletzt ist der Bedarf an Dünger weltweit so gross, dass das
Interesse an lokalen Nährstoffquellen wächst.
Erfolgreiche Vorarbeit in Nepal
Die Eawag hat langjährige Erfahrung in der Erforschung der
Urinseparierung, auch als NoMix-Technologie bezeichnet. 2007 wurde dazu
das disziplinenübergreifende Projekt Novaquatis abgeschlossen. Seither
hat die Eawag unter anderem in einem Projekt in Siddhipur bei Kathmandu
(Nepal) gezeigt, dass die Urinverarbeitung zum Phosphordünger Struvit
regionale Nährstoffkreisläufe schliessen und das Bewusstsein für den
Wert der Nährstoffe im Urin fördern kann. Die beteiligten Bauern
profitieren mit, denn sie müssen weniger Kunstdünger aus Import
zukaufen. Die Akzeptanz für die einfachen Trockentoiletten mit
Urinseparierung wurde in Nepal zusätzlich begünstigt, weil die gut 100
Testfamilien von einem lokalen «Hygienekomitee» unterstützt wurden.
www.eawag.ch/stun. «Die Erfahrung der Eawag mit der NoMix-Technologie
und die Zusammenarbeit mit einer sehr fortschrittlichen Verwaltung haben
sicher dazu beigetragen, dass unser Vorhaben nun mit insgesamt drei
Millionen Franken gefördert wird», sagt Verfahrenstechniker Kai Udert,
der das Projekt an der Eawag leitet.
Zusammenarbeit mit innovativer Wasserbehörde
Tatsächlich können sich die Schweizer Wasserforscher in der
südafrikanischen Region eThekwini rund um Durban auf eine innovative
Verwaltung stützen, die im Bereich der Siedlungshygiene schon
wesentliche Pionierarbeit geleistet hat. Unter anderem propagieren die
Wasserverantwortlichen seit 2002 eine Reihe verschiedener...
http://www.eawag.ch/medien/bulletin/20101014/index




