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Modellvorhaben zur großtechnischen Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlämmen
Umweltministerin Tanja Gönner gab grünes Licht für ein Modellvorhaben zur großtechnischen Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlämmen. Das Land bezuschusst die Modellanlage in der Kläranlage Offenburg mit 645.000 Euro. Die Gesamtkosten betragen rund 743.000 Euro.
"Klärschlamm ist eine Schadstoffsenke für Schwermetalle und andere ökotoxische Substanzen wie Wirkstoffe aus Arzneimitteln, Kunststoffweichmacher oder Flammschutzmittel. Es macht deshalb keinen Sinn, die Schadstoffe mühsam mit hohem finanziellem und technischem Aufwand aus dem Abwasser zu reinigen und danach großflächig auf den Böden wieder zu verteilen", sagte die Umweltministerin. Der Verzicht auf eine landwirtschaftliche Klärschlammverwertung habe andererseits zur Folge, dass der Nährstoffkreislauf unterbrochen werde. Klärschlamm enthalte wichtige Nährstoffe und stelle damit eine wichtige Sekundärrohstoffquelle dar. "Der im Klärschlamm enthaltene Phosphor ist ein wichtiger Ausgangsstoff für die Herstellung von Düngemitteln und kann wieder verwertet werden. Zur Schonung der natürlichen Phosphorlagerstätten liegt es daher nahe, ein Verfahren zu entwickeln, mit dessen Hilfe das im Klärschlamm enthaltene Phosphor zurück gewonnen und als Dünger verwendet werden kann", erklärte Gönner.
Fachleute schätzten, dass die mit vertretbarem wirtschaftlichem Aufwand abbaubaren natürlichen Phosphor-Lagerstätten in der Erde schon in weniger als hundert Jahren erschöpft seien. Täglich gelangten über Waschmittel, menschliche Ausscheidungen und ähnlichem pro Person rund zwei Gramm Phosphor in das Abwasser, die zur Vermeidung von Umweltschäden in den Kläranlagen herausgefiltert werden müssten.
Am Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte und Abfallwirtschaft (ISWA) der Universität Stuttgart sei das sogenannte Stuttgarter Verfahren zur Phosphorrückgewinnung aus Klärschlämmen entwickelt und im Labormaßstab erprobt worden. Bis zu 70 Prozent der zugeführten Phosphorfracht habe dabei zurückgewonnen werden können. "Die Frage ist, ob das, was im Labormaßstab vielversprechend funktioniert auch im großen Maßstab noch geht. Das ist die Nagelprobe", sagte die Ministerin.
"Es wäre ein Durchbruch, wenn es gelänge, im Kläranlagenbetrieb das im Klärschlamm enthaltene Phosphor zurückzugewinnen. Der Zuschuss zu dem Projekt ist deshalb gut angelegtes Geld. Hinzu kommt, dass die Preise für Düngemittel in den kommenden Jahren außerdem deutlich steigen, wenn die Phosphorvorkommen zunehmend knapper werden", so Ministerin Gönner.
Information:
Am Institut für Siedlungswasserbau, Wassergüte- und Abfallwirtschaft (ISWA) der Universität Stuttgart wurde in Zusammenarbeit mit der iat-Ingenieur-beratung, das sogenannte Stuttgarter Verfahren zur Phosphorrückgewinnung aus anaerob stabilisierten Klärschlämmen entwickelt. Dabei entsteht als Produkt Magnesium-Ammonium-Phosphat (MAP). Das Verfahren zeichnet sich dadurch aus, dass kommunaler Klärschlamm von Kläranlagen mit simultaner Phosphat-Elimination mit Eisensalzen verwendet werden kann und keine Verfahrensumstellungen seitens der Abwasserreinigung erforderlich sind. Das erzeugte Produkt Magnesium-Ammonium-Phosphat (MAP) kann direkt als Mehrnährstoffdünger in der Landwirtschaft verwendet werden.
Das Verfahren wurde in den Jahren 2003 und 2004 entwickelt und im Labormaßstab erprobt. Aufbauend auf diesen Erfahrungen wurde inzwischen eine halbtechnische Versuchsanlage mit einem Reaktorvolumen von circa einem Kubikmeter nach dem Stuttgarter Verfahren zur Phosphorrückgewinnung betrieben. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass das Verfahren auch im halbtechnischen Maßstab stabil betrieben werden kann. Rund 70 Prozent Phosphor konnten bezogen auf die der Anlage zugeführte Phosphorfracht so zurückgewonnen werden. Als Fortsetzung des Betriebs der halbtechnischen Anlage soll nun ein Modellvorhaben zur Phosphorrückgewinnung nach dem Stuttgarter Verfahren umgesetzt werden.
Geplant ist eine Anlage mit einem Reaktorvolumen von 20 Kubikmetern. Damit kann der Klärschlamm von ca. 5.000 bis 10.000 Einwohnerwerten behandelt werden. Die Ausbeute wird dabei auf circa 50 Kilogramm MAP pro Tag geschätzt.
Im Abwasserzweckverband "Raum Offenburg" sind die Stadt Offenburg sowie
die Gemeinden Durbach, Hohberg, Ohlsbach und Ortenberg
zusammengeschlossen.
Quelle: Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr
Baden-Württemberg




