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Studie vergleicht Renten-Ansprüche unterschiedlicher Jahrgänge
Jüngere Beschäftigte sammeln immer weniger Renten-Punkte
Jüngere Beschäftigte sammeln durch späteren Berufseinstieg und Phasen
von Arbeitslosigkeit im Durchschnitt zusehends weniger
Renten-Entgeltpunkte. Zudem haben diese Punkte für viele Versicherte
durch die Renten-Reformen der vergangenen Jahre auch noch an Wert
verloren. Das Niveau der gesetzlichen Alterssicherung wird daher weiter
sinken. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue, von der
Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie.*
Die Rentenversicherung ist auf langjährige Beitragszahlungen angelegt. Nur sie führen zu Ansprüchen, die dem Maßstab des Gesetzgebers für die Rentenberechnung nahe kommen: dem fiktiven Eckrentner, der in 45 Arbeitsjahren 45 Entgeltpunkte anhäuft. „Schon in der Vergangenheit war dieses Niveau vor allem eine theoretische Größe, inzwischen ist es für die meisten Versicherten utopisch geworden", sagt Falko Trischler vom Internationalen Institut für Empirische Sozialökonomie (Inifes), der gemeinsam mit Prof. Dr. Ernst Kistler das Forschungsprojekt „Gute Erwerbsbiographien" bearbeitet. In den Rentenanwartschaften spiegeln sich die Arbeitsmarktprobleme wider: Viele Erwerbstätige haben nur noch mit Unterbrechungen einen versicherungspflichtigen Job.
Trischler und Kistler berechneten, wie sich die Renten-Entgeltpunkte der Jahrgänge 1940 bis 1974 entwickelten - die maßgebliche Größe für die Ermittlung der individuellen Rente. Für fast alle Gruppen stellen die Wissenschaftler einen Rückgang fest. So hatten zwischen 1940 bis 1944 geborene westdeutsche Männer im Alter von 43 Jahren im Schnitt 23 Punkte gesammelt. 20 Jahre jüngere Männer kamen in diesem Alter bloß auf 18. Bei ostdeutschen Männern sanken die Anwartschaften noch stärker. Nur unter westdeutschen Frauen blieb ein Rückgang aus, weil ihre Erwerbsbeteiligung stieg. Dabei zeigte sich in allen Gruppen: Die Ungleichheit der Rentenauszahlungen wird zunehmen. Die Forscher identifizieren drei wesentliche Problembereiche:
Berufseinstieg.
Auch die Verlängerung der Ausbildung spielt eine Rolle: Von den 1940 bis
1944 Geborenen war rund ein Drittel bereits vor dem 18. Geburtstag
versicherungspflichtig beschäftigt. Bei den Jahrgängen 1970 bis 1974
galt das nur für jeden Zehnten. In der Vergangenheit konnte die längere
Ausbildung meist durch höhere Sozialbeiträge kompensiert werden.
Trischler und Kistler bezweifeln, ob das weiter gelingt. Denn beim
Vergleich der Erwerbsverläufe von Beschäftigten unterschiedlicher
Altersgruppen sei „auch für die mittleren Erwerbsjahre zu beobachten,
dass die jüngeren Kohorten dann keineswegs mehr, sondern
durchschnittlich weniger Rentenansprüche erwerben und diese darüber
hinaus immer ungleicher auf die Versicherten verteilt sind."
Arbeitslosigkeit.
Die Probleme am Arbeitsmarkt schlagen sich seit den 1980er-Jahren bei
den Entgeltpunkten nieder. Zeiten ohne Job summieren sich, jüngere
Jahrgänge trifft das härter: Wer zwischen 1940 und 1944 geboren wurde,
blickte mit 43 Jahren im Durchschnitt auf 2 Monate in Arbeitslosigkeit
zurück, so die Studie. Die von 1960 bis 1964 Geborenen waren bis zu
diesem Alter bereits durchschnittlich 19 Monate ohne Job.
Altersübergang.
Der Schluss des Arbeitslebens hat „durch die Rentenreformen der
vergangenen Jahre eine besondere Bedeutung bekommen", sagt Falko
Trischler. Seit Einführung der Abschläge - einen Ausgleich für
vorzeitigen Rentenbeginn - werden oft die Ansprüche derer reduziert, die
schon bis dahin weniger Punkte hatten. 17 Prozent der Versicherten sind
in den Jahren vor der Rente überwiegend arbeitslos. Nicht einmal einem
Drittel der über 25 Jahre versicherungspflichtigen Beschäftigten gelingt
ein glatter Übergang in den Ruhestand.
Die Veränderungen in Erwerbsbiographien und rechtlichen Ansprüchen haben sich in den vergangenen Jahren bereits signifikant auf die Altersbezüge jüngerer Ruheständler ausgewirkt, zeigen die Inifes-Forscher. So liegt seit der Jahrtausendwende der monatliche Rentenzahlbetrag, den Neu-Rentner erhalten, im Mittel deutlich unter der allgemeinen Durchschnittsrente aller im Ruhestand befindlichen Personen. Im Jahr 2009 kamen Neu-Rentner auf 686 Euro monatliches Altersgeld. Das waren gut 80 Euro weniger als beim Rentenbestand.
Abt. Öffentlichkeitsarbeit
Hans-Böckler-Stiftung
Kontakt in der Hans-Böckler-Stiftung
Dr. Claudia Bogedan
Leiterin Abteilung Forschungsförderung
Tel.: 0211-7778-108
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